Nr. 221. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. BostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsBreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 2 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum 50 ẞfg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf. ftellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition if' bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. 9r. 1983. Hans Nicolaus Krauß Die Redaktion des Vorwärts" ist von einem harten, schmerzlichen Verlust betroffen worden. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag starb unser braver Genosse und Kollege Hans Nicolaus Kraus, der seit nahezu zehn Jahren das Unterhaltungsblatt redigierte. Eine eingehende Würdigung des Verstorbenen finden unsere Leser an der Stelle, an der er so oft zu ihnen gesprochen. Eine Lücke in unferer Volkserziehung. Sonnabend, den 22. September 1906. IN Zwar Wir haben nicht ohne Absicht die drei Jahre zurückliegende Stilübung Oktavios von Zedlig aus unserer Mappe hervorgeholt. Der Mannheimer Parteitag wird sich bei der Behandlung der Volfserziehung auch seinerseits mit der von Oftavio beklagten Rüde in unserer Volfserziehung" beschäftigen. Freilich in anderem Sinne. Es handelt sich für uns um die wichtige Frage der Organisierung und Aufklärung der jungen Garde", der schulentlassenen Proletarierjugend. Wie notwendig es ist, daß die Partei mit Ernst und Umsicht an diese Sache herantritt, beweist der sehnliche Wunsch des Freiherrn von Zedlig, daß die Reaktion ihre Hand auf diese wichtigen Jahre geistiger Entwickelung legen möge. würde ein solcher Versuch noch kläglicher Schiffbruch leiden als die reaktionäre Ausnutzung der Volksschule, da die jungen Lehrlinge und Arbeiter bereits in der Fron des Kapitalismus stecken und darum um so unempfänglicher gegen alle Versuche sind, sie noch fester in diese Fron zu ketten. Aber wir dürfen uns nicht daran genügen lassen, daß der gesunde Sinn der schulentlassenen Proletarierjugend reaktionäre Attentate auf seine Selbständigkeit abschüttelt, sondern wir müssen ihm durch positive Maßnahmen zu Hülfe kommen, damit er möglichst rasch und möglichst leicht den Anschluß an die sozialistische Weltanschauung findet. Der eigentliche Oberregisseur bei der jüngsten preußischen Schulverpfaffung war Ottavio Freiherr von Zedlig und Neukirch. Dieser intrigenreiche, schmarte freifonservative Wie das im einzelnen zu machen ist, soll in diesem ZuPolitiker war der richtige Mittelsmann zwischen den unver- sammenhange nicht erörtert werden. Wir wollen nur zunächst blümten ostelbischen Schulreaktionären rechts von ihm, den im allgemeinen darauf hinweisen, daß heute diese beinahe fonservativen Krautjunkern, und den verblümten westelbischen wichtigsten Jahre geistiger Entwickelung, in denen die Jugend Schulreaktionären zu seiner Linken, den nationalliberalen ebenso sehr einer planmäßigen, zielsicheren Führung bedarf, Schlotbaronen. Da ferner die steigende sozialdemokratische Gefahr" in Verbindung mit der wachsenden Macht des Zentrums die einstigen fulturkämpferischen Neigungen dieses Realpolitikers" wesentlich abgedämpft hatte, so war er außerdem imstande, hinter den Kulissen für die nötige Verständigung mit dem Zentrum zu sorgen. Als ganz besonderer Vorzug für seine Eigenschaft als spiritus rector fam ihm zum Ueberfluß noch seine höchst respektable Schreibseligkeit zu Hülfe, die zeitweise so produttiv war, daß man beinahe glauben mußte, er hätte mit beiden Händen zugleich geschrieben und mit den Füßen obendrein. " 1 „ Die Voltsschule hat zweifellos die Aufgabe, der Jugend nicht bloß die für das Leben notwendigen Kenntnisse beizubringen, sondern sie auch religiös- fittlich, zu selbständigem Denken, 3 ur Vaterlandsliebe, Königstreue und zum Gehorsam gegen die Obrigkeit zu erziehen. Neben der religiös- sittlichen Er ziehung wird in neuerer Zeit auf die Pflege patriotischer und monarchischer Gesinnung Gewicht gelegt. Ob in ausreichendem Maße, kann ich mit Sicherheit nicht beurteilen." Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Brachten wir vorgestern solchen verunglückten Dementierversuch, der sich gegen englische Blätter richtete, so haben wir heute ein Dementi" wiederzugeben, das sich gegen die französische Presse wendet, gegen die Presse desjenigen Landes also, das bisher dem Barismus den größten Milliardenkredit eingeräumt hatte. Das durch die Petersburger Telegraphen- Agentur verbreitete Dementi" lautet: " Petersburg, 21. September. Die französische Bresse hat Nachrichten veröffentlicht, nach denen die russische Regierung bei Lösung der Frage der Unterstützung der unter Teuerung leidenden Provinzen in Schwierigkeiten geraten würde, und behauptet, diese Unterstützung würde 150 Millionen Rubel erfordern, während die Regierung nur 100 Millionen Rubel zu ihrer Verfügung hätte. Wir sind ermächtigt, die Erklärung abzugeben, daß die Staatskaffe sich in keinerlei Schwierigkeit betreffend die notwendige Unterstützung der notleidenden Provinzen befindet. Im Juni hat das Finanzministerium der Duma einen Entwurf borgelegt, nach dem 100 Millionen Rubel für die notleidende Bevölkerung angewiesen werden sollten. Das Ministerium hatte dabei den Vorschlag gemacht, 70 Millionen Rubel für das laufende Jahr und 30 Millionen für 1907 anzuweisen. Eine unlängst gemachte Schlußaufstellung hat nun ergeben, daß 130 Millionen notwendig sein werden, und zwar für 1906 80 Millionen Rubel, also 10 Millionen Rubel mehr als der Voranschlag, und 50 Millionen Rubel für 1907. Das Finanzministerium ist nun absolut nicht in Schwierigkeiten wegen Beschaffung der oben erwähnten 10 Millionen Rubel, und die Regierung ist vollkommen in der Lage, allen Notleidenden die notwendige Unterstüßung au gewähren. Die russische Regierung ist fest davon überzeugt, daß es ihr trotz der düsteren Voraussagen einiger französischer Zeitungen gelingen wird, allen Schwierigkeiten, von denen Leute reden, die entweder mit der Finanzlage des russischen Reiches unbekannt sind oder diese vorsäglich zu entstellen suchen, zu be gegnen." wie sie andererseits auch das Bedürfnis hat, sich einer solchen Führung mit Begeisterung anzuschließen, von der Partei sowohl als auch von den Gewerkschaften fast gänzlich unbeachtet gelassen worden sind. Jetzt wachsen die jungen Männer und Die beiden Stellen des Dementis, an denen bestritten wird, Mädchen heran, ohne daß sich jemand um sie fümmert. daß Schwierigkeiten„ betreffend die notwendige Unterstützung der Manches junge Menschenkind mag ohne besondere Aufforde- notleidenden Provinzen“ oder„ wegen Beschaffung der oben erwähnten rung sich an den passenden Veranstaltungen von Partei und 10 Millionen Rubel" bestehen, kann man wenn man will fo Gewerkschaften an denen es übrigens noch in den meisten auffassen, daß die russische Regierung finanzielle Schwierigkeiten Orten fehlt insbesondere an künstlerischen Darbietungen be- nicht leugnen fann, wo es sich um mehr als um die Unterstützung teiligen; die meisten aber, zumal Vater und Mutter auch jener Provinzen und um mehr als 10 Millionen Rutel handelt! wenig Zeit und oft genug auch wenig Talent zur Erziehung von Jünglingen und Jungfrauen haben, wachsen wild heran, den Verlockungen jener Jahre schutzlos preisgegeben und dabei leider sehr häufig auf Abwege geratend. Mutige Stützen des Zarenthrons. Den Zeitungen ist es streng untersagt worden, die Namen der Offiziere, die an den Feldkriegsgerichten teilnehmen, zu ber öffentlichen. Mutig genug, über andere den Tod zu verhängen, suchen sich die Herren Offiziere zu verstecken, wenn es ihnen selber an den Kragen gehen kann. Siedlce. . Nach den Aussagen einiger Soldaten vom Dragoner vorbereitet. Die Soldaten wurden von den Offizieren belehrt, regiment ,, Narwa" zu Siedlce war der Pogrom schon lange wie man mit den Militärgewehren den Knall einer BrowningBistole nachahmen kann, indem man nämlich die Kugel aus ber Patrone entfernt und statt der Kugel Papier einsetzt. Eine ganze Anzahl so präparierter Patronen befinden sich im Besige der Genossen von der Siedlcer Sozialdemokratie! Der Name des schon öfter genannten Gendarmen, der mit die ersten Alarmschüsse abgegeben hat, ist nun auch festgestellt. Er heißt Bietuchow. Aus allen diesen Gründen darf Ottavio von Zedlig das eigentliche Verdienst" für das Zustandekommen der Schulvorlage für sich in Anspruch nehmen. Seine schulpolitischen Prinzipien sind es darum auch in erster Linie, die durch das Es ist nicht gesagt, daß die Form der geschlossenen Gesez vernachlässigt worden sind. Nicht direkt und offen- Jugendorganisation immer und überall der richtige Weg ist, fundig, denn Ottavio hat nicht immer reinen Wein über seine um diese Lücke auszufüllen, besonders dann nicht, wenn in schulreaktionären Endabsichten eingeschenkt. Er hat oft genug, diesen Organisationen die jungen Leute völlig unter sich allein wenn es ihm in seine raffinierte Schachspielerei paßte, wie find. Es liegt in solchem Falle die Gefahr vor, daß die ein Tintenfisch seine eigentlichen reaktionären Pläne zu ver- Organisation Selbstzweck wird und dabei veräußerlicht und Allen russischen Zeitungen ist strengstens verboten worden, irgend fchleiern gewußt. Es ist darum nicht unzeitgemäß, an ein inhaltlich verfandet. Auf die Form kommt es auch nicht an; welche Mitteilungen über den Kongreß der K.- D.- Partei zu bringen, offenes schulpolitisches Bekenntnis Ottavios zu erinnern, das es tann schon darum nicht wesentlich darauf ankommen, weil falls dieser in Rußland oder im Auslande stattfinden sollte. er schon vor drei Jahren, als der Schulkompromiß offiziell die vereinsgefeglichen Schwierigkeiten in Deutschland die noch nicht in der Mühle war, dem Scherlschen Tag" unter nötige Einheitlichkeit unmöglich machen. Die Leitsätze der dem Titel„ Eine Lücke in unserer Volkserziehung" anver- Referenten schlagen als geistiges Zentrum dieser Jugendbewegung ein eigenes periodisches Organ vor, das auch wir traute. Es heißt darin: empfehlen möchten, da die vereinsgesetzlich unter ähnlichen Verhältnissen leidende Frauenbewegung den Beweis geliefert hat, daß auf diese Weise die nötige Einheitlichkeit und zu gleich die Zielklarheit der Bewegung sehr wohl ermöglicht werden kann. Dort, wo besondere Jugendorganisationen nicht möglich sind, müssen Vertrauenspersonen gewählt werden, und zwar aus den Reihen der älteren Genossen. Es emp Bon einem erfahrenen Schulmann weiß er, daß diese fiehlt sich, felche Vertrauenspersonen auch für solche Orte einedlen Bemühungen auf die Kinder sozialdemokratischer Eltern zusetzen, wo selbständige Jugendorganisationen möglich sind. vielfach verjagen. Wir werden dafür sorgen, daß dieser Miß- Derartige Genossen müssen das richtige Geschick besitzen, um Auf Umwegen erhalten wir folgendes Schreiben aus Warschau: erfolg schnöden Schulmißbrauchs in Zukunft noch viel deutlich nicht schulmeisterlich und rechthaberisch der jungen Garde Hiesige Zeitungen bringen die Nachricht, der„ Vorwärts" habe licher in die Erscheinung tritt, daß Oftavios und feiner aufzudrängen, sondern sie sollen deren Vertraute und RatFreunde reaktionärer Schulweizen tros des überreichlichen geber fein. Jedenfalls müssen die Parteiorganisationen aller- in einem Telegramm über den Pogrom zu Siedlce behauptet, die National- Demokraten hätten am Bogrom teilgenommen. Diese Dunges durch die jüngste Schulvorlage nicht allzu üppig ins orts, falls die Leitfäße zur Annahme gelangen, der Frage der Nachricht entspricht nicht den Tatsachen, da nach besten Quellen Kraut schließt. Ottavio sollte als Mann von Ar und Salm Jugendorganisation näher treten und je nach den örtlichen( Beitungen aller Richtungen und Augenzeugen) feststeht, daß keine übrigens wissen, daß allzu reichlicher Mist leicht geile Triebe Berhältnissen die Hand ans Werk legen. Ein späterer Partei- Zivilperson, sondern ausschließlich Militärpersonen- Soldaten wie aber wenig brauchbare Frucht erzeugt. tag möge dann unter Benutzung der inzwischen gemachten Er- Offizieream Rauben und Morden während des Pogroms teilgenommen haben. Die Regierungspresse konnte diese Feststellung fahrungen weiter bauen. Wenn es der preußischen Reaktion unter Führung ihres nicht widerlegen. Ich bitte Sie, im Interesse der Wahrheit Ihre Behauptung schulpolitischen Generalissimus von Redliß schwer fällt, die von ihr peinlich empfundene Lüce in unserer Voltserziehung" über die Teilnahme der polnischen National- Demokraten am Bogrom in ihrem Sinne auszufüllen, so wird sie doch nicht lange von Siedlce im„ Vorwärts" zu dementieren." zögern, an diese Aufgabe heranzutreten. Ihr Appetit ist durch den Erfolg der jüngsten Schulverpfaffung nur gewachsen. Der modernen Arbeiterbewegung, der Partei sowohl als auch den Gewerkschaften, ist es aber ein leichtes, den nötigen Einfluß auf die wichtigen Jahre nach der Schulentlassung zu gewinnen. Zögern wir darum nicht, die Lücke" mit sozialistischem Geist und proletarischem Wollen so auszufüllen, daß für die reaktionären Absichten fein Edchen frei bleibt. Aber dieser Mangel ist es nicht, der Ottavio zu seinem Stoßseufzer über die Rücke in der Volkserziehung" Veranlaffung gegeben hat. Die Volksschule ist zwar noch fein fehlerfreies reaktionäres Ideal in seinen Augen, aber sie steuert doch immerhin in einem Fahrwasser, daß man das weitere vorläufig abwarten fann. Später fommen die Söhne des Proletariats dann noch in die zweite Flassenstaatliche Drill anstalt, in die Kaserne, wo das reaktionäre Werk der Boltsschule mit anderen handgreiflichen Mitteln fortgesetzt wird. Aber zwischen der Schulzeit und der Militärzeit klafft die große Lücke, die es Ottavio von Zedlig angetan hat. Er flagt darüber: Die Zeit von sechs bis sieben Jahren, welche zwischen der Entlassung aus der Volksschule und dem Eintritt in das Heer liegt, ist lang genug, um bei den Heerespflichtigen die erzieh. lichen Wirkungen der Volksschule zu ber= wischen und ihnen an deren Stelle die sozialdemokratische Feindschaft gegen die Monarchie der Hohenzollern und den Geist der Disziplinlosigkeit anzuerziehen." Die russische Revolution. Himmelangst. Politische Uebersicht. Berlin, den 21. September. Staatsraison und viertes Gebot. An das oft erwähnte Wort, die Soldaten müßten, wenn der Befehl an sie ergeht, auf Vater und Mutter zu schießen, diefem Befehl unweigerlich Folge leisten, haben sich bekanntlich in unseren Versammlungen wie in unserer Presse Erörterungen geknüpft, die in die Mahnung austlangen: die sozialdemokratischen Eltern sollten ihre Söhne fo erziehen, daß sie in solchem Falle die Kindespflicht höher achteten als die Pflicht, einen militärischen Befehl zu erfüllen. In einer der Protestversammlungen, welche unsere ParteiIn der Ausfüllung dieser Lücke erblickt der freikonser- Die russische Regierung wird immer ängstlicher, immer besorgter sative Freiherr eine„ Kulturaufgabe ersten Ranges", für die um ihren Auslandskredit. Wir haben gerade in der legten Zeit des er zwar damals, als er den Artikel schrieb, noch feine be- öfteren zu berichten gehabt, daß nichts die Petersburger Diplomatie genoffen aus Anlaß der Schulverpfassungsvorlage am 15. Mai in stimmten Vorschläge zu machen wußte. Vielleicht ist ihm aber nervöser macht, als wenn irgendwo in der Welt von der ver- Berlin veranstalteten, gab auch ein Diskussionsredner, Genosse inzwischen die Erleuchtung gekommen und vielleicht wird die zweifelten Finanzlage der ruffischen Regierung geschrieben oder August Büchel, diesem Gedanken Ausdruck, indem er dem Welt bald mit einem neuen Schulkompromiß beglückt, der die gesprochen wird. Es scheint fast, als habe Stolypin in seinem Sinne nach sagte: Die Erziehung, welche die Volksschule den reaktionäre rreführung der schulentlassenen Jugend zum Ministerium eine eigene Abteilung eingerichtet, die bloß auf Nach- Kindern angedeihen lasse, sei nicht die richtige; die Eltern sollten Biele hat, richten zu fahnden hat, welche dem Kredite Rußlands schaden könnten. I sich deshalb die Erziehung ihrer Kinder angelegen sein lassen namentlich sollten sie ihre Söhne erzieherisch derart beeinflussen,| ernster Leute, daß in den beiden Generalstäben sehr eifrig daran| Noch bezeichnender ist das Gesuch eines Rittergutsbesikers in der daß diefe, wenn sie zum Militär tämen und ihnen gearbeitet werde, nicht unwahrscheinlich. Wenn man bedenkt, felben Nummer der Deutschen Tageszeitung": Dieser suchte für befohlen würde, auf Vater und Mutter zu schießen, daß das eigentliche Haupt der gegenwärtigen Regierung fein 1800 Morgen großes Gut mit Mastwirtschaft„ einen alleinigen dem Befehl nicht Folge leisteten. Clémenceau ist und daß Clémenceau feit jeher ein Beamten und Prinzipal, welcher zeitweise selbst disponieren kann, Wegen dieser Aeußerung ist auf Grund des Berichtes des über- Chauvinist und ein Englandfreund war, so wird der Verdacht, in Behandlung der Leute firm ist und die Gutsvorstandsgeschäfte wachenden Polizeilentnants gegen Büchel Anklage erhoben worden. daß da wieder einmal hinter dem Rücken des Volfes ein ge- übernimmt", und für diese arbeitsreiche und verantwortliche Stellung Die Anklage stügt sich auf§ 110 des Strafgesetzbuches, der den fahrvolles weltpolitisches Abentener eingeleitet werden soll, ein Anfangsgehalt von 450 M., also täglich etwa 1,20 M. jenigen mit Strafe bedroht, der öffentlich vor einer Menschenmenge bestärkt. Und insofern in England wirklich eine Gruppe vor erhält! Für die Wäsche muß er selbst sorgen in diesem großen zum Ungehorsam gegen Geseze oder rechtsgültige Verordnungen handen ist, die von einer Vernichtung oder Lahmlegung des Betriebe! Am 23. August wird für eine 1000 Morgen große Rübenoder gegen die von der Obrigkeit innerhalb ihrer Zuständigkeit ge- deutschen Handels die Gewißheit ungehemmter Profit- wirtschaft ein Verwalter gesucht mit 400 M. Gehalt. troffenen Anordnungen auffordert. macherei erhofft, fönnte das englisch- französische Ab- Es handelt sich um Angebote hervorragender Vertrauen& Die Anklage wurde gestern vor der zweiten Straffammer des fommen ohne eine Kontrolle durch das Volt in noch höherem stellungen in größeren landwirtschaftlichen Betrieben, und zwar Landgerichts II verhandelt. Büchel gab zu, fich im Sinne der An- Maße als die russische Allianz zu einer Gefahr für den um Posten, bei denen zur Anlockung der Bewerbungsluftigen das flage geäußert zu haben, er bestritt aber, daß diese Aeußerung Weltfrieden werden. Man sieht auch die bürgerlich- radikale Gehalt hinzugefügt ist, dieses also jedenfalls über den Durchschnitt eine strafbare Handlung sei. Die Verhandlung drehte sich deshalb Presse eifrig am Werk, die populäre Scheidemünze der steht, trotzdem stellt sich selbst für die am besten dotierte Stelle das lediglich um die Frage, ob eine an die Eltern gerichtete demokratisch- patriotischen Phrase auszugeben. Dabei dient Gehalt nur auf 1,20 M. pro Tag. Wie hoch danach die LandAufforderung, ihre Kinder so zu erziehen, daß ihr der Hinweis auf die Art, wie heute im Deutschen arbeiter bezahlt werden, kann man sich denken. sie als Soldaten einem Befehl, auf Vater und Reiche regiert wird, begreiflicherweise als ganz wirksames Mutter zu schießen, nicht nachkommen, eine durch Argument. § 110 des Strafgesetzbuches unter Strafe gestellte Handlung sei. 100 M. " , Der Ausgang der Wahlen bedeutet eine solch gründliche Niederlage für die liberal- demokratische Allianz, daß diese Wahlen wohl als politisches Ereignis für die Geschichte unseres Heimatlandes gelten können. Von Basel bis Straßburg politische Blockleichen", das ist das Bild, das sich uns nach der Schlacht bietet. Nicht ein Blocksieger steht, wo es zum Kampfe fam, nicht einmal ehrenwerte Niederlagen haben die Gefallenen zu verzeichnen. Das einzige, was die antiflerikalen Stürmer erreicht haben, das ist die Wahl einiger Sozialdemokraten. Wir fürchten diesen Gang der politischen Ereignisse nicht. Diese Politik drängt auf fürzestem Wege zur Entscheidung. Blodpolitit ist für den Liberalismus zersetzende Säure. Der Liberalismus verdampft und der Rückstand muß wohl oder übelschwarz oder rot werden. Alle die schönen Theorien über die„ Einigung aller Linksliberalen" sind Luft, die erste Probe aufs Exempel hat es bewiesen. Das Volt ist entweder christlich oder sozialistisch; demokratisch oder liberal will es nicht sein. Eine bürgerliche Preskapazität. Die Bezirkstagswahlen in Elsaß- Lothringen erweisen sich je mehr Daß der Bund der" liberalen" Mächte gegen den deutschen die einzelnen Wahlergebnisse bekannt werden als ein bedeutenber Zäsarismus von denselben Leuten empfohlen wird, die die Erfolg für unsere Bartei, und zwar sind es die Liberalen, welche die Der Staatsanwalt bejahte diese Frage, billigte dem Angeklagten jämmerliche Feigheit auch der heutigen Bourgeoisregierung Koften tragen, während das Zentrum seinen Befißstand behauptet, aber mildernde Umstände zu und beantragte eine Geldstrafe von gegenüber dem Barismus nicht bemerken wollen, macht dem in einigen Fällen sogar Vorteile errungen hat. In der Klerikalen demokratischen Spießbürger weiter nichts aus. Die herrliche eljässischen Presse herrscht darüber großer Jubel. So schreibt Der Verteidiger Rechtsanwalt Wolfgang eine beantragte Diplomatie des Deutschen Reiches hat in der Maroffofrise die beispielsweise der in Kolmar erscheinende„ Elsässer Kurier": Freisprechung. Der Angeklagte habe, was nicht bestritten nationale Empfindlichkeit Frankreichs sehr merklich gereizt, und die werde, die Eltern aufgefordert, ihre Kinder so zu erziehen, bürgerliche Presse ist bestrebt, dem Argwohn des Philisters immer daß, falls sie Soldat werden und ihnen befohlen werden neue Nahrung zuzuführen. Bezeichnend dafür sind die Romane, sollte, auf Vater und Mutter zu schießen, sie diesem die sie an die Wahl des Jesuitengenerals Wernz geknüpft Befehl nicht nach kämen. Der Staatsanwalt habe recht, wenn hat. Natürlich bedeutet ihr die Begünstigung des Klerikaliser fage, wenn ein Soldat einen Befehl erhalte und er führt ihn mus in Deutschland nicht den Versuch, über innerpolitische nicht aus, so ist das strafbar. Auch derjenige mache sich strafbar, Schwierigkeiten hinwegzukommen und die Kirche als Helfer der einen Soldaten vor einer Menschenmenge auffordere, einen gegen den Sozialismus zum Werkzeug des Staates zu militärischen Befehl nicht zu erfüllen. Eine solche Aufforderung falle machen, sondern eine bloße Nebenerscheinung des großen aber unter§ 112 und nicht unter den hier angezogenen§ 110. des Komplotts, das der deutsche Kaiser gegen Frankreich Strafgesetzbuches. Doch der Angeklagte habe ja nicht Soldaten zum geschmiedet hat. Danach hätte Pius X. seine Wahl, Ungehorsam aufgefordert; seine Aufforderung habe sich auch nicht die dem österreichischen Veto gegen Rampolla veran diejenigen gerichtet, die Soldaten werden und als solche danke, durch eine antifranzösische Politik quittiert. Wenn den Befehl, auf Vater und Mutter zu schießen, erhalten Blätter wie der" Temps" so sprechen, so verfolgen sie dabei könnten, sondern er habe sich mit seiner Aufforderung an die wenigstens eine von bestimmten großkapitalistischen Interessen Eltern gewandt, um sie zu bewegen, daß sie ihre Kinder in einem geleitete Politik. Die kleinbürgerlichen Radikalen, die diese bestimmten Sinne erzieherisch beeinflussen möchten.§112 fönne hier also Sombinationen noch mit einer an alten Jesuitenromanen genicht in Frage kommen. Bezüglich des§ 110 halte die Judikatur schulten Phantasie ergänzen, geraten dabei in das hirnloseste daran fest, daß die Erregung allgemeiner Unzufriedenheit mit be- Gerede; denn gerade von ihrem Standpunkt aus müßte Die gegnerische Presse gefällt sich darin, allerlei tiefsinnige Bestehenden Gesetzen nicht strafbar sei, es müßten vielmehr, wenn die doch die päpstliche Politik, die die Aufhebung des Konkordats trachtungen über den am Sonntag beginnenden Mannheimer Voraussetzungen des§ 110 als erfüllt gelten sollen, bestimmte und des Trennungsgesetzes zur Folge gehabt hat, mit Be- Parteitag anzustellen; und wie immer, wenn die sachverständigen Personen aufgefordert sein, ihrerseits den Gesetzen un friedigung gesehen werden. Die Bedeutung des Protektorats Rapazitäten in den liberalen und konservativen Redaktionen über gehorsam zu sein. Hiervon könne aber im vorliegenden über die orientalischen Christen haben sie selbst ehe- sozialdemokratische Interna" philosophieren, kommt auch in diesem Falle keine Rede sein, denn es gäbe kein Gesetz, welches dem richtig kritisiert. Der Spießerradikalismus behandelt Fall tiefgründige Weisheit ans Licht. Einige besonders phantasiejemanden verpflichtet, seine Kinder so zu erziehen, daß einmal die Kirche als„ toten Hund" und schreit das volle Leutchen sehen bereits den Beratungssaal des Mannheimer fie als Soldaten jeden an sie ergehenden Befehl aus- andere Mal Zeter und Mordio, weil er das deutsche Apollo- Theaters zu einer großer Boxer- Arena ausgestaltet, während zuführen hätten. Der Angeklagte habe also nur aufgefordert, Kaisertum mit diesem angeblichen Leichnam verbündet sieht. andere von Stagnation, friedlicher Stille usw. schwätzen. Zu etwas zu tun, was fein Gesetz verbiete; er habe also auch nicht Was aber die deutsche Regierung für einen Vorteil davon dem Genre dieser Stillvergnügten gehört auch das Leipziger zum Ungehorsam gegen das Gesetz aufgefordert. haben soll, wenn der Kulturkampf in Frankreich heftige Formen Regierungscrgan, die„ Leipz. 8tg.". Sie leistet sich in einem Artikel Das Gericht schloß fich in allen wesentlichen Punkten dem Ver- annimmt und dann doch wohl auf Deutschland zurückwirkt- folgende Schilderung, die wir als Freunde des Humors unseren teidiger an. Der Vorfißende führte bei der Urteilsverkündung aus: das hat man uns noch nicht erklärt. Lesern nicht vorenthalten möchten: Wenn man in der Aeußerung des Angeklagten eine strafbare Auf- Die französischen Sozialisten haben gegen den Zweibund, forderung im Sinne des§ 110 finden wollte, dann müßte es der Frankreich vom Zarismus finanziell ausbeuten ließ, ein Gesek geben, welches vorschreibe, daß fräftig Einsprache erhoben. Das französische Proletariat, das Eltern ihre Kinder so erziehen hätten, den Völkerfrieden will und die Annäherung an England daß sie sie die Pflicht des militärischen Ge foeben als Friedenszeichen begrüßt hat, wird ebensowenig horsams höher stellen, als die Pflicht gegen wollen, daß Frankreich von einer englischen Bourgeoisdie Eltern. Ein solches Gesetz gäbe es aber nicht. Eine an clique militärisch ausgebeutet werde. Es ist eine immer Personen des Soldatenstandes gerichtete Aufforderung zum Un- dringendere Aufgabe des internationalen Sozialismus, die gehorsam liege nicht vor, sondern nur eine Aufforderung Kreise der unverantwortlichen Diplomatie zu stören und ihr ait die Eltern, ihre Kinder in gewissem Sinne zu mysteriöses Dunstreich dem Tageslichte preiszugeben. Das gilt beeinflussen. Man könne nun noch fragen, ob der Angeklagte viel von dem Frankreich des Herrn Clémenceau ebenso wie von Teicht an die jungen Sozialdemokraten die verkappte Aufforderung gerichtet habe, als Soldaten den Gehorsam zu verweigern, aber diefe Annahme erscheine den Umständen nach ausgeschlossen, es sei vielmehr die Volksschulangelegenheit gewesen, die den Angeklagten zu feinem Gedankengange veranlaßt habe. Ein strafbarer Tatbestand liege somit nicht vor. Deshalb sei auf Freisprechung zu er kennen. zu dem Frankreich, dessen Vorsehung Delcassé hieß. Und das gilt von dent monarchischen Hans- Dampf- Kurs in Deutschland nicht minder als vom republikanischen Imperialismus der französischen und englischen Geschäfts- Chauvinisten. * Deutsches Reich. Fahrkartensteuer und Eisenbahneinnahmen. man nur Ju der Sozialdemokratie hat furz vor dem Parteitage nicht immer eine solche Stille geherrscht wie diesmal. Welch' ein „ Geisterkampf" tobte sonst bis unmittelbar an die rote Woche heran. Jezt hört wenige Stimmen mißvergnügter Gewerkschaftsführer und von Tatendrang erfüllter ehemaliger Revisionisten. Selbst die Leipziger Boltszeitung" mahut zur Ruhe, und das seit Jena so erfolgreich reorganisierte " Zentralorgan" widmet seine einheitliche" Tätigkeit der Herstellung theoretischer Leitartikel. Ist das Sfille vor dem Sturme? Es fieht nicht danach aus. Die sozialdemokratische Parteileitung scheint vielmehr einen wohlanständigen Parteitag zuwege bringen zu wollen. Früher gab es stets eine Reihe von Streitpunkten, die die höchste Instanz zu entscheiden hatte, Seit dem Dresdener Trianontage hat besonders in der Parteileitung der Geschmack an fräftigen Auseinandersetzungen abgenommen. Für Zäntereien ist unter den Genossen" natürlich immer ausgiebiger Stoff vorhanden, sie werden aber nicht mehr in dem Maße wie früher zugelassen, sie werden in die Kulissen der Ausschußberbandlungen geschoben oder schon vor Zusammentritt des Barteitages erledigt. Die Parteileitung und die ihr besonders dienenden Breßorgane, wie„ Neue Zeit"," Leipziger Volkszeitung", " Borwärts", find in ihrem Machtgefühl gesättigt, sie haben legt noch in Jena die widerspenstigen Genossen" zu Paaren getrieben und verlangen jetzt, nicht weiter gestört zu werden. Bezeichnend in dieser Hinsicht ist ein Artikel: Wozu der Lärm?" in der„ Leipziger Volkszeitung", der die sich radikal gebärdenden Revisionisten darüber aufklärt, daß sie von der ganzen Massenstreitfrage absolut nichts verstünden, daß sie also gefälligst sich mit der Maßnahme der Parteileitung zu bescheiden hätten." " Ein mildes Urteil. Morgenstunde aus dem zuDaß die zutreffende Aeußerung des Genossen Büchel überhaupt unter Anklage gestellt werden konnte, ist für die Verwirrung, derer sich eine durch Reserve- und Landwehroffiziere. beeinflußte Anklagebehörde Die Einnahmen der preußischen Eisenbahnverwaltung aus dem bemächtigt hat, bezeichnend. Die Anklagebehörde geht von dem Personenverkehr im August d. J. übersteigen nur um ein Geringes durchaus irrigen, mit den Gesezen des Reiches und der Sittlichkeit die Einnahmen im selben Monat des Vorjahres, während die unbereinbarem, wenn auch von militärischer Seite gehegten Irrtum Monate April bis Juli eine ziemlich starke Steigerung der Einaus, daß der Soldat nach unseren Gesetzen zum Ge- nahmen hatten. Während im April d. J. die Einnahmen aus dem horsam gegenüber jedem Befehl des Vorgesezten Personen- und Gepäckverkehr um 11,1 Broz., im Mai um 11,8 Proz., berpflichtet sei. Das ist der Soldat leineswegs. Zu- im Juni um 8,4 Proz., im Juli um 6,5 Proz. zurüdgingen, betrug im nächst scheidet die Gruppe der Fälle aus, in denen es sich nicht August die Zunahme nur 3,5 Proz. Beim Güterverkehr berechnet sich daum einen Befehl in Dienstsachen", sondern um Befehle in Privat- gegen die prozentuale Steigerung im April auf 11,0, im Mai auf Der nationalliberale„ Darmstädter Tägliche Anzeiger" hat einen sachen handelt: in allen diesen Fällen ist der Soldat, der in Be- 10,5, im Juni auf 10,5, im Juli auf 11,0 und im Auguſt auf folgung des Befehls eine strafbare Handlung vornimmt, als Täter, 9,2 Proz.; sie war also in den letzten Monaten erheblich höher als Tag nach der Reichstagserfazwahl in Darmstadt- Großgerau eine Notiz gebracht, in der in ziemlich verständlicherweise angedeutet der Vorgesetzte als Austifter strafbar. Aber auch in den Fällen, in beim Personenverkehr. Jm einzelnen sei bemerkt: wurde, daß der neugewählte Reichstagsabgeordnete, Genosse denen durch die Ausführung eines Befehls in Dienstsachen" ein Die Einnahmen aus dem Personen- und Gepäckverkehr beliefen Berthold, zu später Mitternachtsstunde bezecht in ein DarmStrafgesetz verletzt wird, ist der Soldat keineswegs zur Befolgung sich auf 49 989 000. gegen 48 224 000 im August 1905, lagen also städter Lokal gefomnien sei und sich dort derartig aufgeführt habe, er in früljer dieser Befehle verpflichtet. Er ist vielmehr neben dem Vorgesetzten um 12, Millionen Mark über den vorjährigen. Die Einnahmen aus daß Lokal ge strafrechtlich als Teilnehmer für die Ausführung der Be- dem Güterverkehr betrugen 103 212 000 m. gegen 94 523 000 m. wiesen werden mußte. Diese Erzählung war frei erfunden. fehle verantwortlich, wenn ihm bekannt gewesen, daß der Befehl im Vorjahre, also jezt 82 Millionen Mark mehr. Aus sonstigen Auf Antrag des Rechtsbeistandes Bertholds, des Rechtsanwaltes des Vorgesetzten eine Handlung betraf, welche ein bürgerliches oder Quellen find vereinnahmt 9 502 000 m. gegen 8 388 000 m., jo bag Genossen Dr. Fulda, gab die Redaktion des„ Täglichen Anzeigers" militärisches Verbrechen oder Vergehen bezweckte". Jedem Soldat ist be- die gesamten Einnahmen 162604000 W. betragen gegen 151 344000 2. den Darmstädter Redakteur der Heylschen„ Wormser Zeitung", Herrn kannt, daß Vater- oder Muttermord das schlimmste Verbrechen ist. Er im August 1905, 141 167 000 M. im August 1904 und 135 445 000 m. annemann als Urheber dieser Notiz an. wäre mithin verpflichtet, die Ausführung eines auf Water- oder im August 1903, also jezt 11,26 Millionen Mark mehr als im VorMuttermord abzielenden Befehls abzulehnen. Nicht also Büchel, der dafür jahre und 27,16 Millionen Mark mehr als vor drei Jahren. eintrat, daß die jungen Leute so erzogen werden sollen, daß sie Mordtaten Die geringere Steigerung der Einnahmen aus dem Personennicht verüben, sondern der konservative Redner wäre nach den beverkehr im August ist jedenfalls, wenn auch nicht ausschließlich, so stehenden Gesezen strafbar, der sich einfallen ließe, Soldaten doch zum größten Teil auf das Inkrafttreten der Fahrkartensteuer aufzufordern, Befehlen, auf Vater oder Mutter zu schießen, nach- zurückzuführen. Durch eine allgemeine Abflanung des Verkehrs läßt zukommen. Das ist im§ 47 des Militär- Strafgesetzbuchs flar aus- fich der Vorgang nicht erklären, denn sonst hätte die Einnahme aus gesprochen. Die Anklage zeigt, bis zu welcher Verwilderung der Rechts- bem Güterverfehr im Auguſt nicht um beinahe 9 Millionen Mark anschauungen und Verrohung der sittlichen Auffassung eine Anflage- steigen können. behörde gelangen muß, die nicht den Zweck der Strafgeseze( Schutz des Lebens, der Freiheit usw.), sondern eines der Mittel zum Zwed ( militärische Einrichtungen) höher bewertet. Ein Offizier, der zum Im Parlament wie in ihrer Presse behaupten die Junker stets, Schießen auf Vater oder Mutter kommandiert, ist ein Anstifter zum daß an der Landflucht ihrer Leute" nicht die von ihnen gezahlten Mord, den unschädlich zu machen, nicht aber dem zu gehorchen nach Löhne die Schuld trügen, sondern größtenteils die Vergnügungs den erwähnten Geſetzen Recht und Pflicht des Soldaten ist. Wer sucht. Zur Beurteilung dieser Frage stellt die" Freis. Ztg." aus dazu erzieht, erzieht zur Geseglichkeit, wer zum Gegenteil erzieht, dem Inseratenteil der Deutschen Tageszeitung" verschiedene erzieht zum Morden. Landflucht und ländliche Lohnverhältnisse. " Darauf erhob die Staatsanwaltschaft gegen Hannemann und den Redakteur des Täglichen Anzeigers" Bandlow die öffentliche Klage. Am Donnerstag fand die Verhandlung vor der Straftammer in Darmstadt statt. Hannemann will seine Erzählung von einem unbekannten Herrn" erhalten und in gutem Glauben verbreitet haben. Der Staatsantvalt Dr. Krug beantragte für die Angetlagten je 100 Mart Geldstrafe und Publikation des Urteils. In seiner Anklagerede führte er aus, daß Berthold das vornehmste Arnt, welches das Volk zu bergeben hat, anvertraut worden sei. Zur Ausübung seines Amtes aber bedürfe der Abgeordnete des Vertrauens, das öffentliche Interesse gehe darum über die Wählerschaft des Abgeordneten hinaus. Jeder Bürger habe ein Interesse daran, daß an der sitt lichen Festigkeit des zu seinem Abgeordneten gewählten Mannes nicht in Betracht, daß das Blatt feine Richtigstellung gebracht hatte. gerüttelt werde. Als straferschwerend fäme in vorliegendem Fall in Betracht, daß das Blatt keine Richtigstellung gebracht hatte. Das Gericht verurteilte den Redakteur Bandow zu 50 Mark Geldstrafe oder 10 Tagen Gefängnis und in die Kosten, sprach aber Stellenangebote zusammen, die, wenn sie auch nicht einfache Land- den Verfasser der beleidigenden Notiz, den Journalisten Hannemann arbeiter, sondern sogenannte Vertrauensstellungen" betreffen, doch frei. für die ländlichen Lohnverhältnisse recht charakteristisch sind. Das Urteil ist ein recht mildes. Vor nicht langer Zeit wurde Darunter befinden sich folgende„ verlockenden" Angebote: Am von eine: Darmstädter Strafkammer ein Arbeiter, der sich im Es ist längst kein Geheimnis mehr, daß die derzeitigen 17. September wird für ein 1300 Morgen großes Gut ein evangeli- Eisenbahncoupé einige beleidigende Bemerkungen gegen den nationalBenker der auswärtigen Politik Frankreichs bemüht sind, die scher zweiter Beamter mit einem Anfangsgehalt von 240 m., liberalen Abgeordneten Dr. Beder erlaubt hatte, zu der Strafe französisch- englischen Beziehungen weit über das bloße freund- also von 20 M. monatlich, von einem„ Rittergutspächter von drei Monaten Gefängnis verurteilt. schaftliche Einvernehnten hinauszutreiben. Wenn auch die nach- und Oberleutnant der Landwehr" gesucht. Ein anderer Rittergutsdrückliche Behauptung der nationalistischen Liberté", daß die pächter suchte am 22. Auguft einen zuverlässigen, an Tätigkeit ge- Der Herr Oberst als Streitbrecherlieferant. Wie der„ Frank. ein Gehalt Militärfonvention zwischen den beiden Staaten schon geschlossen wöhnten jüngeren Verwalter" gegen von Tagespost" berichtet wird, wurde den in Nürnberg zur Entsei, voreilig sein mag, so flingt doch die Versicherung fehr 300 W. bei freier Station erflusive Wäsche. lassung gelangten Reservisten Reservisten durch Regimentsbefehl mitWeltpolitik in der Kapitalistendemokratie. Paris, 19. September.( Eig. Ber.) " geteilt, daß, wer Arbeit haben wolle, sich in der Fabrikstraße melden solle. In der Fabrikstraße ist das Bureau des mittel- fränkischen Bau untern eh in erVerbandes. Unser Nürn- berger Parteiorgan bemerkt dazu: Neben der Polizei wirken also nun auch die Spitzen des Militärs zugunsten des Unternehmertums gegen die Arbeiter. Erhält der Herr Oberst seine Besoldung aus den Groschen der Steuerzahler, zu denen auch die Arbeiter gehören, dafür, daß er sich in die Lohnkämpfe der Arbeiter mischt und die Reservisten zu Streikbrecherdiensten animieren soll? Eine Anfrage wird man vielleicht im Landtage an die Kricgscxzellenz richten. Wieder ein Soldatenschinder. Der Unteroffizier Johann Müller der 10. Kompagnie des 3. bayr. Infanterieregiments in Augsburg redete mit seinen Soldaten meist mit den Händen und mit den Fäusten in der bekannten„schmerzlosen" Weise. Das dortige Kriegsgericht ahndete diese militärischen Vergehen und Verbrechen lediglich mit 10 Tagen mittleren Arrest.— Aus Siidwcstafrika. Der offiziöse Telegraph weih wieder mal allerlei kleine Erfolge zu berichten.„Seit der fortgesetzten Ver- solgung durch die Abteilungen Bcch und Wobring", hciht es,„sind die Hottentotten nicht mehr geschlossen aufgetreten. Sie lösten sich in kleine Banden auf, die sich am Oranje, am Fischflutz, in den Großen und Kleinen Karasbcrgen in Bergschluchten versteckt auf- halten. Hauptmann Bech gelang es noch am �3. September, bei Kouchanas in den östlichen Karasbexgen eine größere Hottentotten- bände zu überfallen und zu zersprengen. Bei diesem Ueberfall fielen 5 Hottentotten, 9 wurden gefangen. Nach Aussage Gefangener leidet der Feind unter Nahrungsnot, da er bei der steten Hetze durch unsere Truppen fast alles Vieh verloren hat. Es ge- lang den Hottentotten am 11. September bei Bystek, nördlich Keet- manshoop, etwas Vieh abzutreiben. Sonst sind sie jedesmal durch Wachen und die Truppen abgewiesen und energisch verfolgt worden. Wurden sie eingeholt, so entzogen sie sich der Verfolgung durch Auseinanderlaufen. Bei der Abweisung von Viehdieben und deren Verfolgung fielen im ganzen 1 Unteroffizier und 2 Mann, 1 Mann wurde schwer, 1 Mann leicht verwundet. Der Gegner hatte erheb- lich größere Verluste."— Opfer der Kolonialerwcrdspolitik. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Leickit verwundet: Reiter Ludwig Schröder, geboren am 17. 7. 82 zu Ritterode, am 13. September bei Uchanaris, Fleischschuß rechter Oberschenkel. Ferner: Unteroffizier Wilhelm Muß, geboren am 3. 1. 31 zu Büschermühle, am 7. September 1906 im Orangefluß bei Hartebeestmund ertrunken.— Der Herausgeber des„Plutus", Georg Bernhard, sendet uns folgende Erklärung: Den 29./9. 06. Herrn Redakteur Hans Weber Berlin. In der Nummer des„Vorwärts" vom heutigen Tage be- ichäftigen Sie sich unter der Ueberschrift„Kritik der Martinschen Broschüre" mit meiner Person. Auf Grund von Z 11 des Preß- gesetzes ersuche ich Sie in die nächste Nummer des„Vorwärts" folgende Richtigstellung aufzuehmen: 1. Es ist unwahr, daß ich in der ersten oder zweiten Ver- Handlung des Prozeßverfahrens Martin kontra Bernhard die Theorie aufgestellt habe,„das Heiraten nach Geld sei nichts Ehren- kränkendes." Wahr ist vielmehr, daß ich ausführte, die Börse erblicke in einer solchen Heirat nichts Ehrenkränkendes. 2. Es ist unwahr, daß ich mich darauf berief, Martin habe durch sein Buch den«Unwillen des Reichskanzlers und des Kaisers" erregt. Wahr ist vielmehr, daß in beiden Instanzen vom Kaiser über- Haupt keine Rede war, vom Reichskanzler dagegen insofern, als ich darauf hinwies, daß ich Herrn Regierungsrat Martin zu ver- schiedenen Malen öffentlich gegen die Angriffe des Reichskanzlers im Reichstag und in der offiziösen Presse verteidigt habe. Hochachtungsvoll Georg Bernhard. Dieser Zuschrift gegenüber bemerken wir: Der Bericht über die Prozeßverhandlungen erster Instanz vom 18. Juni ist in unserer Nummer vom 20. Juni enthalten. In diesem Bericht heißt es wörtlich: „Der Angeklagte be st ritt die Absicht der Be- leidigung, denn das Heiraten nach Geld sei nichts Ehrenkränkendes, den Beweis der Wahrheit ftir seine Behauptung wolle er aber zunächst in dieser Instanz nicht führen. Seine Arbeit sei eine wissenschaftliche uud stehe ihm der § 193, Wahrung berechtigter Interessen, zur Seite. Er nehme als erster ftir sich in Anfpruch, auf den Staatsbankerott Rußlands hingewiesen zu haben, Regierungsrat Martin sei nur zu diesem Prozeß veranlaßt worden, weil er den geringen literarischen Wert des Buches nachgewiesen habe, durch welches er auch den Unwillen des Reichskanzlers wie des Kaisers erregt habe". Dieser Bericht stammt von einem uns als zuverlässig be- kannten Berichterstatter. Gegen den Bericht hatte der Privatbeklagte bis zum gestrigen Tage nicht die geringste Einwendung uns gegen- über erhoben. Das Urteil über das Verhalten des Zusenders in dem Prozeß überlassen wir dem Leser und erinnern bei dieser Ge- legenheit an den Prozeß Jakobi wider Bernhard. Damals erhob Bernhard in der„Welt am Montag" alle möglichen Vorwürfe gegen den Stadtverordneten Jakobi und nahm diese dann vor Gericht de- und wehmütig zurück.— ••• In derselben Angelegenheit sendet uns Rechtsanwalt Dr. Werthauer gleichfalls ein Schreiben zu. Dasselbe entspricht den Bestimmungen des von dem Anwalt angezogenen Paragraphen keineswegs. Wir bringen das Schreiben aber schon deshalb vollinhaltlich zum Abdruck, weil sein schöner Stil unseren Lesern eine vergnügte Minute verschaffen kann und weil sein Inhalt den Anwalt selbst tiefer charakterisiert, als es ein Dritter tun könnte: An die Redaktion des„Vorwärts" Berlin 81V. 68. Mit Bezug auf die Nummer 220 vom 21. September 1906 und gen Artikel„Kritik der Martinschen Broschüre" ersuche ich hierdurch gemäß A 11 des Preßgesetzes um Aufnahme folgender Berichtigungen: 1. Es ist unwahr, daß diesseits der Artikel des Herru Bernhard glorifiziert sei. 2. ES ist unwahr, daß diesseits gegen den Verteidiger deS Klägers, Rechtsanwalt Martin, wegen einer scharfen Kritik eine Ungebührstrafe beantragt sei. 3. Es ist vielmehr wahr, daß der Rechtsanwalt Martin den gemäß der Judikatur des Reichsgerichts gestellten Antritt des Wahrheitsbeweises unter anderem mit den Worten belegt hat: „Frevelhafter Exzeß der Verteidigung und Verleumdung des An- geklagten und des Verteidigers." Wegen dieser Worte und gemäß dem Gerichtsverfassungsgesetz ist der erforderliche Antrag auf Ungebührstrafe diesseits gestellt. Das Gericht hat den Rechtsanwalt Martin darüber gehört. Dieser hat seine Worte mit Bedauern, als in der Erregung ge- sprachen, zurückgenommen und sich dieserhalb entschuldigt. Daraufhin ist diesseits der Antrag auf Ungebührstrafe gegen den Rechtsanwalt Martin zurückgenommen. Hochachtungsvoll ergebenst Werthauer, Rechtsanwalt. ».» Rechtsanwalt Dr. Werthauer hat also wegen einer Kritik gegen „scn gemäß der Judikatur deS Reichsgerichts gestellten Antritt des Wahrheitsbeweises" den„erforderlichen Antrag auf Ungebührstrafe" gestellt; er leugnet aber, daß er eine Ungebührstrafe wegen scharfer Kritik gestellt habe und scheint gar durch seine„Berichtigung" glauben machen zu wollen, der Antrag sei.erforderlich" gewesen. Die Be- richtigung läßt erkennen, daß der Anwalt der Rechte bis jetzt noch gar nicht verstanden hat, weshalb sein Auftreten als ein in den Annale» anständiger Verteidigung unerhörtes Novum bezeichnet werden muß.» ?ZuslanÄ. Schweiz. Gerüstkontroll». Der Züricher Stadtrat macht in seinem Geschäftsbericht für 190S über die Handhabung der Gerüstkontrolle durch die beiden städtischen(Arbeiter-) Kontrollbcamten folgende Mitteilungen: Nachdem im Vorjahre der Bericht der Polizeiverwaltimg über die Gerüstkontrolle in einzelnen Fällen von Bauunternehmern bean- standet worden war, indem die Angaben der Gcrnstkontrolleure mit Bezug auf die Zahl der vorgenommenen Untersuchungen in Zweifel gezogen oder gar von vornherein als unrichtig bezeichnet wurden. hat der Polizeivorstand die Kontrolleure beauftragt, vom I.Januar 1905 ab sich die von ihnen vorgenommenen Untersuchungen von Gerüsten durch die Meister, Poliere oder Vorarbeiter in ihren Kontrollbüchern bescheinigen zu lassen und dem Polizcivorstande kurze Tagesrapporte über ihre Tätigkeit zu erstatten. Diese im Interesse der Polizei- Verwaltung sowohl wie der Bauunternehmer getroffene Neuerung wurde, obwohl von angesehenen Fachleuten des Baugewerbes an- geregt und begrüßt, von anderer Seite, namentlich in der ersten Hälfte des Jahres, als Schikane empfunden, und nicht selten wurde den Geriistkontrolleuren die schriftliche Bescheinigung verweigert! In solchen Fällen wurde den Unternehmern der betreffenden baulichen Arbeiten die Anzeige von der Untersuchung der Gerüste mittels ein- geschriebener Briese gemacht. Im Jahre 1905 wurden 1787 Gerüste sowie 54 Gcbäudeabbrüche und Notdächcr kontrolliert. Die Zahl der kontrollierten Objekte beträgt somit 1841(gegenüber 1823 im Jahre 1904). Die Kontrolle erforderte 6349 Untersuchungen. In 501 Fällen ist die Anzeigepflicht nicht erfüllt worden. Im übrigen sind die Kon- trolleure bei der Ausübung ihres Dienstes und bei ihren Anordnungen selten auf Widerstand gestoßen und es vollzog sich die Erledigung der Monita meist ohne besondere Schwierigkeiten. Immerhin haben im Berichtsjahre wieder eine Anzahl Bauunternehnier die Vor- schriften der städtischen Verordnung zur Verhütung von Un- fällen auf Bauten umgangen bezw. die berechtigten An- ordnungen der Kontrolleure mißachtet, weshalb jene auf dem Zwangs Wege zur Vornahme der vorgeschriebenen Einrichtungen oder zur Beseitigung unzulässiger Gerüste angehalten werden mußten. In den meisten Fällen betraf das erst vor kurzer Zeit von ans- lvärts zugezogene Unternehmer, die entweder die Vorschriften der genannten Verordnung nicht kennen oder denen die Errichtung eines ordentlichen Gerüstes finanziell unbequem war. In 29 Fällen, wo Gefahr im Verzuge war, wurde die sofortige Einstellung der baulichen Arbeiten für so lange, als den bezüglichen Vorschriften nicht genüge getan war, anbefohlen. In 19 Fällen dauerte die Arbeitseinstellung 1—5 Stunden, zusammen 53 Stunden, in acht Fällen 1—16 Tage, zusammen 42 Tage, in zwei Fällen wurden die Arbeiten nach der zwangsweisen Ein- stellung nicht mehr aufgenommen. Auf den Bauplätzen ereigneten fich drei Unfälle, die auf mangelhafte Rüstung zurückzuführen waren. Die betreffenden Unternehmer wurden der Bezirksanwaltschaft über- wiesen.— Der Gerüstkontrolleur in Winterthur revidierte 267 Ge- rüste. Wegen Zuwiderhandelns gegen die Vorschriften der Gerüst- ordnung sind 7„Bußen" von 5 bis 15 Frank verhängt worden! Unfälle infolge mangelhafter Rüstung sind nicht vorgekommen.— Frankreich. Römisches und Antirömisches. Paris, 20. September.(Eig. Ber.) Wenn die katholischen Gläubigen Frankreichs am nächsten Sonntag die Kirchen verlassen, werden sie genau so klug sein, wie zuvor, obwohl man ihnen das ellenlange gemeinsame Schreiben ihrer Bischöfe verlesen haben wird. Man kann fich schwer vor- stellen, daß in einem bedeutenden Moment leerere Worte ge- fprochen werden könnten. Die Bischöfe wiederholen nur ihre be- dingungslose Unterwerfung unter die Enzyklika deS Papstes mit einem so vollständigen Verzicht auf eigene Gedanken, daß man glauben muß. außer der gemeinsamen Willenlosigkeit hätten sie untereinander keine weitere Gemeinsamkeit finden können. Noch einmal wird den Gläubigen eingeschärft, daß die Kultusassoziationen im Sinne des Gesetzes die heiligen Rechte der Kirche verletzen, ja an ihr Leben selbst rühren. Aber wie soll das kirchliche Leben weiter gestaltet werden? Die Antwort ist von neuem eine Vertröstung aus In- struktionen, die„im geeigneten Augenblick" gegeben werden follen. Den Katholiken des Landes dürfte diese Ratlosigkeit in der elften Stunde nicht sonderlich imponieren. Das einzig B e st i m m t e in dem Hirtenschreiben ist die Warnung vor den Kultiisassoziationen, die sich unter dem katholischen Namen dem Gesetze gemäß konstituieren könnten. Tatsächlich sind schon vier solche Assoziationen von widersetzlichen Pfarrern in der Provinz gegründet worden. Ob sie lange Lebensdauer haben werden, das ist schwer zu sagen. Von großer Bedeutung sind diese geistlichen Eigenbrödeleien nicht. In größerem Stile versucht dasselbe ein bekannter katholischer Schriftsteller, Henri des Houx, der in seiner Jugend Sekretär Pius des IX. war, später eine VerHerr- lichung Leos des XIII. schrieb, von defsen sozialer Enzyklika er sich eine Verjüngung der Kirche und eine Wiederherstellung ihrer Weltherrschaft versprach, und der nun auf seine alten Tage mit der Papstkirche zerfallen ist. Der alte Herr, an dessen Idealismus kein Zweifel besteht, hält die Zeit für geeignet, eine neue, von Rom unabhängige, nationale und republikanische Kirche zu stiften. In Aufrufen und Artikeln wendet er sich an die christlichen Franzosen. Houx' Berufung auf das angebliche Komplott der Kurie mit Deutsch- land gegen die französische Republik trägt nicht dazu bei, sein Unternehmen ernster erscheinen zu lassen, und am meisten kom- promittiert es ihn, daß er sich das Protektorat des Reklame- blattes„Matin" gefallen läßt, was seiner Gründung schon den Spitznamen der„Kirche des Matin" eingetragen hat. Für dieses Blatt, das schon die verschiedensten„Kongresse" veranstaltet, die Aus- gegrabenen von Courriöres öffentlich ausgestellt und mit Uhren„be- fchenkt" hat, die von Inserenten gespendet waren und das sogar eine Ehrenmedaille mit mehreren Graden gestiftet hat, die es inter- nationalen Berühmtheiten und obskuren Provinzspießern verehrt, für dieses Blatt ist das„Schisma" des gutgläubigen Ideologen ein ge- fundcnes Fressen. Der aber ist eben dadurch von vornherein die Beute des Boulevardwitzes geworden.— Spanien. Gegen die Zivilehe hat nun auch der Bischof von Kordoba, der seinem Kollegen von Tny die Lorbeeren zu neiden scheint, einen ge- harnischten Hirtenbrief erlassen. Der Justizministcr hat die Nummer des kirchlichen Blattes, in der dieser neue Hirtenbrief enthalten ist, eingefordert, um gegen den Bischof vorzugehen. Zwar richtet sich der Pfaffen-Feldzug gegen eine königliches!) Verordnung. Zwar ist der Brief des Bischofs von Kordoba noch schärfer gehalten, als der des Bischofs von Tuy. Zwar werden die Liberalen, die Republikaner und die Minister wieder energisch� gegen diese bischöf- liche Kundgebung protestieren. Aber der Papst schweigt, und gegen dessen Stachel wagt Alfons nicht zu löken I Da dürfte denn also wirklich eher das Kabinett stolpern, als daß den Herren vom Krumm- stab ein Leids widerführe.— Italien. Die Trambahnen in Mailand. Rom, 18. September.(Eig. Ber.)� Die Mailänder Stadtverwaltung, die die Trambahnen in eigener Regie betreibt, hat bei Gelegenheit der jetzigen inter- nationalen Ausstellung einen Uebcrblick über die EntWickelung des Trambahnwesens der Stadt veröffentlicht. Die ersten Trams— damals Pferdebahnen— wurden 1881 in Betrieb gesetzt. Im ersten Jahre wurde dieses Verkehrsmittel von 12 410 000 Personen be» nutzt. Erst 1392 ging der Betrieb in kommunale Regie über. gleichzeitig mit der Einführung der elektrischen Triebkraft, die zu- erst nur eine 11 Kilometer lange Strecke umfaßte. Im Jahre 1900 waren 98 Kilometer. 1902 110 Kilometer in Betrieb, heute sind es deren 117. Die Zahl der Passagiere stieg von den zwölf Millionen des Jahres 1881 auf 64 Millionen im Jahre 1900, und betrug im letzten Jahre 94 384 000. Während 1882 jeder Ein- wohner im Durchschnitt 38 Mal den Tram benutzte, geschah dies 1905 nicht weniger als 176 Mal. Die im Betrieb befindlichen Wagen stiegen von 194 auf 367, welche Zahl sich an den Tagen besonderen Andrangs bis auf 500 erhöht. Was die Zahl der jähr- lich durchlaufenen Kilometer betrifst, so stieg sie von 1 159 000 im Jahre 1882 auf 5 108 000 im Jahre 1892 und 17 683 000 im Jahre 1905. Der Bruttoertrag stieg in dieser Zeit von 1 737 000 auf 2 889 000 und 7 965 000 Lire. Der Nettoertrag ergab 1899— dem ersten Jahr ausschließlich elektrischen Betriebes— 1 062 000 und beträgt heute 1972 000 Lire. Die verhältnismäßige Gering- fügigkeit der Brutto- und Nettoeinnahmen erklärt sich aus den niedrigen Fahrpreisen. Jede Fahrt kostet morgens und abends 5. den Tag über 10 Centesimi. Im Durchschnitt kostete jede Fahrt im letzten Jahre den Passagier 8,4 Centesimi. der Stadtver- waltung 6,3. Mailand darf sich rühmen, einen vorzüglich geord- neten, billigen und bequemen Trambahndienst zu haben, der den Vergleich mit den Verkehrsmitteln der größten Städte aufnehmen kann.— Dänemark. Die Wahlen. Wir erhalten folgende Privat-Depesche: Kopenhagen, 21. September. Vier Sozialdemokraten wurden heute ins Oberhaus(Landsthing) gewählt: In Kopenhagen C. Andersen und Chr. Christiansen, in Nord- seeland Levinsky und in Ostjütland Harald Jensen. Die drei letztgenannten sind neugeivählt. Die Regierungs- Partei hat sechs Mandate verloren! Schweden. Das Asylrecht. Wir teilten bereits mit. daß die russischen Liberalen, die„Kadetten", ihren Parteitag in Stockholm abhalten wollten, daß aber die schivedische Regierung dies„aus inter- nationalen Gründen" verboten haben soll. Unser Bruderorgan „Sozial-Temokratcn" bemerkt dazu unter anderem: „Freiheit verpflichtet I Das glaubte man in Schweden in alten Tagen, und unsere leitenden Männer waren die ersten, den Opfern des Freiheitskampfes zu huldigen, welche z, B. beim polnischen Aufstand 1363 nach Schweden kamen. Wir verlangen nun nicht so viel, sondern lediglich, daß Schwedens Ehre nicht be- sudelt werde durch ein Verhalten der schwedischen Behörden und Polizei, das den Anschein erweckt, als ständen sie direkt unter der Machtbefugnis Stolypins und des Zaren." Im übrigen ist es auch im allgemeinen mit dem Asyl- recht im„freien" Schweden schlecht bestellt. Minderbemittelte Ruffen, die in Stockholm eine Freistätte suchen, haben viel unter Schikanen der Polizei zu leiden. Letzten Mittwoch z. B. veröffent- lichte„Sozial-Demokraten" die Zuschrift eines russischen Flücht- lings, der seit zwei Monaten in Stockholm wohnt und bisher un- behelligt geblieben war. Aber Anfang dieser Woche wurde er zum Stadtfiskal Stendahl beordnert und dort aufs genaueste über seine Familienverhältnisse und seine politischen Ansichten ausgefragt. Tann erhielt er den Befehl, sich jede Woche einmal bei der Polizei zu melden I Der Stadtfiskal erklärte, er wolle ihm beweisen, daß die Polizei Gleichheit in der Behandlung der Russen walten lasse. Er wollte damit wohl sagen, daß nicht nur die armen Russen schikaniert würden. Jener Russe steht nämlich in dem „Verdacht", in einer Stockholmer Zeitung einen Artikel über die Polizeischikanen gegen arme russische Flüchtlinge veröffentlicht zu haben— was die Polizei vcranlahte, sich für ihn zu„inter- essieren". Er selbst gehört nicht zu den armen Russen, sondern ist ein wohlhabender Gutsbesitzer aus Kurland.— Holland. Thronrede. Am Dienstag wurden die Generalstaaten eröffnet. In der Thronrede heißt es u. a.: Der Stand des Landes und der Kolonien ist sehr zufriedenstellend. Die Beziehungen zu den auswärtigen Mächten sind die freundschaftlichsten. Die Lage der autonomen Ge- biete auf Celebes erfordert viel Takt und Beharrlichkeit. Das militärische Vorgehen gegen die Insel Bali war unvermeidlich infolge der Weigerung der Häuptlinge, den sehr gemäßigten Forderungen Genüge zu tun. Die Thronrede kündigt eine Revision der Gesetzgebung be- treffend die Aktiengesellschaften und eine Revision des Strafgesetzes sowie deS Vereins- und Versammlungsrechtes an. Entwürfe betreffend eine dauernde Erhöhung der Einnahmen sind fertiggestellt. Eine Er» höhung der Stempelsteuer für Titres und andere Urkunden und der Tabaksteuer sowie eine technische Revision des Zolltarifs werden folgen. Die Zuckcrsteuer wird herabgesetzt, die auf Spirituosen erhöht werden. Die teiliveise Trockenlegung des Znidersees wird erwogen. Schließlich werden noch eine Anzahl sozialer Gesetz- entwürfe und ein Gesetz angekündigt, durch das Holländisch-Jndien eine größere finanzielle Selbständigkeit erhalten soll. Amerika. In New Aork fanden die sogenannten„P r i m är wa h l en� statt. Von den Demokraten wie von den Republikanern wurd» bitter gekämpft. Bei den Demokraten hatte sich der Bürgermeister Mc Clellan als„Reformer" aufgespielt und versuchte, die Macht von Tammany Hall zu brechen; es gelang ihm aber nicht. Murphy, der Führer Tammanys, blieb Sieger, wenn auch mit schwerer Mühe. Die republikanischen Reformer errangen dagegen einen Sieg über die Partcimaschine, und Präsident Roosevclt sandte den Siegern eine Gratulation. Die Bedeutung der Primärwahlen innerhalb der Parteien liegt darin, daß die siegende Seite die Kandidaten für die Wahlen, die im November stattfinden, aufstellt. Der überwiegende Einfluß einzelner Führer soll damit gebrochen werden. 6ewerkrcbaftUcbes* Militär gegen Streikende. Die Fälle, in denen Militär in Teutschland kommandiert wird, mit der Waffe gegen Streikende vorzugehen, sind ja glücklicherweise nicht häufig. Das liegt nicht am Militaris- mus selbst, sondern an der Art, wie unsere wohldisziplinierte Arbeiterschaft die Vorwände für ein militärisches Eingreifen zu vermeiden weiß. Als Streikbrecher haben dagegen wiederholt Soldaten gegen ihre slllassengenossen gekämpft und so selbst die Arbeitsbedingungen verschlechtern helfen, unter denen sie nach der Rückkehr vom Militär im bürgerlichen Leben tätig sein.müssen. Auch auf.die Reservisten pflegen in Streiffällen die Unternehmer große Hoffnungen zu setzen und im Herbst sehr oft Lohnkämpfe bis in die Zeit der Entlassungen von Militär auszudehnen. melden. Es wird immer besser! Im Ruhrrevier regt es sich! Der Unternehmerverband der Textilindustriellen erklärte sich nun Genosse Sachse als Vorsitzender des Bergarbeiterverbandes im Prinzip für die Forderung der Arbeiter( roulement de hat nach dem Bochumer Volksblatt" an den Vorsitzenden ber chômage). ließ jedoch den einzelnen Unternehmern die Freiheit Siebenerfommission ein Schreiben gerichtet, mit der Aufforderung, und Duvivier die Forderung der Arbeiter nicht bewilligten persönlicher Entscheidung. Als nunt die Firmen Lamboray eine Konferenz der Siebenerkommission zur Be- und jedes Arrangement rundweg abschlugen, traten diese sprechung der Lohnfrage einzuberufen. Eine Antwort steht noch in den Streil. Als die Arbeiter dem Gebote der Unternehmer, am 27. August die Arbeit aufzunehmen, nicht nachkamen, wurde die an gedrohte Aussperrung verhängt und die Fabriken geschlossen. So In Nürnberg, wo der Klassenkampf in neuerer Zeit ganz besonders an Schärfe gewonnen hat, scheint jetzt die Streitbrechervermittelung von den militärischen Kommandostellen systematisch betrieben zu werden. Vor der Entlassung aus. der Reservisten wurde ihnen dort ein Regimentsbefehl befannt gegeben, worin es hieß, wer Arbeit suche, der möge sich Ein Streit der Bürstenmacher in Schönheide im Erzgebirge weit, so gut. Nun aber geschah folgendes: Dieselbe unterim Arbeitsnachweis des Mittelfränkischen Verdauert jetzt schon fünf Wochen. Dieser Lohnkampf ist deswegen nehmerversammlung, die die Forderung der Arbandes der Arbeitgeber im Baugewerbe von ganz außerordentlicher Bedeutung, weil er der erste seiner beiter im Prinzip anerkannt hatte, erklärte fich Art in solchem Umfange im oberen Erzgebirge ist. Neben mit den beiden Firmen solidarisch und den Arbeiterit Bekanntlich streifen in Nürnberg seit drei Monaten die der Hausindustrie hat sich in Schönheide und einigen benachbarten der letzteren wurde bedeutet, daß jämtliche Textilarbeiter Bauarbeiter. Erst hette man die Arbeits- Orten eine großfapitalistische Fabrikindustrie entwickelt. In der Verviers ausgesperrt, also 20 000 Arbeiter auf die Straße willigen auf sie, dann kam das Streifposten größten Fabrit des Dorfes arbeiten weit über 300 Menschen. Die gesetzt würden, wenn am 19. September die Arbeit nicht aufgenommen verbot und nun müssen auch noch die Militär Lohnverhältnisse waren bisher ganz außerordentlich schlecht. Es würde. Bemerkt muß nun werden, daß die Föderation der Appretur behörden bei der Streifbrechervermittelung behülflich sein. Solzarbeiterverband bort oben im Gebirge festen Fuß fassen venieren, geantwortet hatte, daß sie ihren Gruppen diefelbe Autonomie hat lange gedauert und außerordentliche Mühe gemacht, bis der arbeiter, vom Unternehmerverband seinerzeit aufgefordert zu interfonnte. Jetzt stehen über tausend Arbeiter und Ar= des Handelns in dieser Sache gewähre, wie der Unternehmerbeiterinnen im Streit. Die Unternehmer, die noch vor verband seinen Mitgliedern und daß sie den Unternehmern die volle furzer Zeit die Durchführung eines Streites dieser Arbeiter als Verantwortung der Entscheidung überlasse. Und zu bemerken ift gang ausgeschlossen bezeichneten, find jetzt auf das äußerste auch, daß jenes Arrangement, welches die Arbeiter der beiden erbost. Der ganze behördliche Apparat wird gegen die Streifenden Fabriken vorschlugen, und das von diesen verworfen wurde, vielen bedeutenden aufgeboten. Den jungen Leuten, die noch zum Besuch der Fort- bei Firmen eingeführt bildungsschule verpflichtet sind, verbot der Schuldirektor den Be- ist, was der Solidaritätserklärung der Unternehmer jeden such der Versammlungen der Streikenden. Der Gemeindevorstand Schein von Berechtigung auch nur im tapitalistischen Sinne hat an Streifende Strafverfügungen geschickt, weil sie Frauen nimmt und ihre Handlungsweise als einen Aft nackter Ausbeuterund Kindern, die Heimarbeit ablieferten, in die Körbe gesehen willfür qualifiziert. Die Arbeiter sollen mürbe gemacht werden; das haben. Obgleich die Streitenden sich der musterhaftesten Ruhe be- ist der Sinn und Zweck dieser frivolen Aussperrung, die Macht an Macht fleißigen und keinerlei Ausschreitungen vorgekommen sind, wurden messen will und ihre Spige gegen die Organisation der Arbeiter eine Anzahl Gendarmen herbeigezogen und in Schönheide ein- richtet. Die Arbeiter haben einstimmig mit 15000 Stimmen- erklärt, quartiert. In den letzten Tagen erließ die zuständige Amtshaupt- ihre bisherige Haltung zu bewahren, und so tritt Mittwoch die allmannschaft eine Verfügung, durch die das Streikpostenstehen ver- gemeine Aussperrung in Kraft. Einige Firmen haben heute bereits boten wird. Am Donnerstag wurden eine Anzahl Streikender, geschlossen. Es wird ein schwerer, bitterer Kampf, aber alle Vernunft, die auf den Dorfstraßen promenierten, als Streitposten verhaftet und längere Zeit im Gefängnis festgehalten. Anderen Streikenden alles gute Recht ist auf seiten der Arbeiter. Könnte dies entscheiden, wurde unter Androhung der Verhaftung verboten, Straßen zu dann wäre ihr Sieg gewiß. passieren, in denen sich vom Streit betroffene Bürstenfabrikanten befinden. Die Streitleitung führte telegraphisch beim sächsischen Ministerium des Innern Beschwerde. Berlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! In der Maschinenfabrik von H. Schöning, Uferstr. 5, haben sämtliche Arbeiter wegen Lohnforderungen die Arbeit niedergelegt. Wir ersuchen die Kollegen, den Betrieb zu meiden. Die Firma ist bis auf weiteres gesperrt. Der Streit bei der Firma Sponholz und Wrede ist beendet. Es handelte sich um die Einführung des Neunstundentags und entsprechenden Lohnzuschlag. Erzielt wurde der Neunstundentag und 5 Bf. pro Stunde Lohnaufschlag. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung! Sattler, Teppichnäher und Linoleumleger! Bei der Firma Franz Panier, Neue Grünstr. 38 III, befinden sich sämtliche Kollegen im Streit. Es handelt sich um Einführung der neunstündigen Arbeitszeit, sowie um Anerkennung des geltenden Tarifs. Daß die Behandlung der Arbeiter bei der Firma Panier von jeher eine äußerst rigorose gewesen ist, ist ja den Kollegen schon allseitig bekannt. Es ist daher Pflicht der Kollegen, den Zuzug von dieser Firma streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung des Verbandes der Sattler. Verfammlungen. Vom Nürnberger Kriegsschauplak. Wegen der Vorfälle am 17. August vor der Motorfahrzeugfabrit Union", wobei der Streifführer Fleischmann von einem Streit Die Differenzen in den Nigrolit- Werken zu Weißensee sind zur brecher erschossen wurde, ist jetzt die Untersuchung abgeschloffen, Zufriedenheit der Arbeiter beigelegt worden. Wie bereits be- während die wegen der Ereignisse vom 23. und 24. Auguſt noch richtet, traten die Arbeiter des Wertes am borigen Sonnabend in schwebt. Gegen fünf Personen wurde die Anklage wegen Land- sammlung teilte Mies mit, daß verschiedene Arbeitgeber versucht den Streit, weil ihnen für die etwaige Beschädigung von Matrizen friedensbruchs erhoben. Was die Zeugenaussagen von der Anklage ( bei der Herstellung von Schallplatten) ein Strafabzug von 2 M. übrig lassen, wird sich in der Verhandlung herausstellen. Es ist aufgehalst werden sollte. Nach eintägigem Streit erfolgte jedoch eine aber interessant, daß man ganze fünf Landfriedensbrecher" gefunden Verständigung, so daß die Arbeit am Montag wieder aufgenommen hat, die, wie die bürgerliche Preffe gelogen hat, die mehr als wurde. Tags darauf entließ aber ein erst fürzlich von der A. E.-G. 100 Arbeitswilligen der Unionswerte so schwer bedrängt haben, daß übernommener, äußerst schneidig auftretender Meister ein Kom die unschuldigen Lämmlein am Leben bedroht waren und der missionsmitglied der Arbeiter. Hierin erblickten die übrigen Arbeiter Friedensstifter mit dem Revolver in gerechter Notwehr" niedereine offenbare Maßregelung. Es kam deshalb am Mittwoch zu einer geknallt werden mußte! abermaligen einmütigen Arbeitsniederlegung. Jetzt wandte sich die Direktion des Werkes an die Ortsverwaltung des Fabritarbeiterverbandes. Das Ergebnis der Verhandlungen war, daß die Maßregelung wieder rückgängig gemacht wurde, worauf dann die Wiederaufnahme der Arbeit erfolgen konnte. " Deutfches Reich. Husland. Die Landjäger im Kanton St. Gallen sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Würden die Gendarmen streiken, wäre ein schöner Anlaß vorhanden zu einem neuen Militäraufgebot. Gewerkschaftliche Kämpfe in den Niederlanden. Die Vereinigung der Maler usw.( Verband) hielt am Donnerstag eine Generalversammlung ab, in der die Delegierten der Gewerkschaftskommission Bericht erstatteten. Derfelbe wurde ohne Debatte entgegengenommen, dann erfolgte die Neuwahl der Delegierten. Gewählt wurden Miek, Klok, Unger, Gibbe und als Vertreter der Lackierer Guard. Im Laufe der Verhaben, dem Tarif eine Auslegung zu geben, die dem Sinne des felben nicht entspricht. Es handelt sich um die Vergütung des Fahrgeldes von Berlin nach den Vororten und von diesen nach Berlin. Um sich von der Zahlung des Fahrgeldes zu befreien, hatte die Firma Seliger in verschiedenen Vororten Wertstätten eingerichtet. Die Tarifüberwachungskommission erklärte bas als unstatthaft und bestimmte, daß nur bei Arbeiten in den Orten, wo der Unternehmer seine gewerbliche Niederlassung hat und Gewerbesteuer zahlt, kein Fahrgeld gezahlt werden braucht. Nunmehr meldete Herr Seliger in verschiedenen Vororten das Gewerbe an, wodurch seine Gewerbesteuer sich nicht erhöht, er aber nach seiner Annahme der Pflicht der Fahrgeldvergütung ledig wurde. Die Tariffommission hat wegen dieser Sache das Einigungsamt angerufen und dasselbe hat entschieden, die Fahrgeldbestimmung des Tarifs sei so auszulegen, daß Fahrgeld sowohl von Berlin nach den Vororten, wie auch von den Vororten nach Berlin zu vergüten ist und zwar von der der Geschäftsstelle des Arbeitgebers zunächst gelegenen Eisenbahnstation oder Straßenbahnhaltestelle. Die Vergütung des Fahrgeldes von den Vororten nach Berlin ist bisher oft verweigert worden, und auch die Gewerbegerichte der Vororte haben, gestützt auf den nicht ganz flaren Wortlaut des Tarifs, die Pflicht zur Entschädigung des Fahrgeldes in solchen Fällen verneint. Solche Streitfälle find nunmehr, nachdem das Einigungsamt dem Tarif eine sinngemäße authentische Auslegung gegeben hat, ausgeschlossen. Letzte Nachrichten und Depeschen. Bauarbeiterlos. Die Lohnbewegung der Bäcker in Genf ist mit dem Abschluß eines Tarifvertrages beendet worden, der die tägliche 12stündige Das Ende des Stettiner Hafenarbeiterstreiks. Arbeitszeit( inkl. der Pausen und des Hebbelns), 24stündige Sonn Nach vierwöchentlicher Dauer ist, wie schon telegraphisch ge tagsruhe, Freigabe von Kost und Logis, monatlichen„ Normallohn" meldet, Donnerstag der Hafenarbeiterstreit für beendet erklärt von 125 Frant, Lohnzuschlag von 25 Broz, für Ueberstunden, vier worden. Die Meinungen über diesen Schritt waren sehr geteilt, zehntägige Lohnzahlung, achttägige Kündigung und eine Reihe wie aus der entscheidenden geheimen Abstimmung in der zu diesem anderer Bestimmungen enthält. Der Tarifvertrag tritt aber erst Zwecke einberufenen außerordentlichen Mitgliederversammlung des in 6 Monaten, nämlich am 10. März 1907 in Straft, gilt für ein Hafenarbeiterverbandes hervorging. Für die Wiederaufnahme Jahr und kann auf drei Monate gekündigt werden. Klingt fast der Arbeit unter den bom Einigungsamte des wie ein Faschingsscherz. Gewerbegerichts vor 14 Tagen festgesetten Bes dingungen stimmten 511 und dagegen 305. Vor der Abstimmung riet die Lohnkommission, den Streit abzubrechen, da es leider nicht gelungen sei, den Zuzug in dem Maße fernzuhalten, Der Ausstand der Zimmerer in Leyden dauert jest als dies zur Durchsetzung der Forderung notwendig wäre. Durch bereits über 16 Wochen. Wie wir seinerzeit mitteilten, hatten die die Sperrung des Freihafens fei jede Möglichkeit genommen, Unternehmer auf den 13. Auguſt eine allgemeine Aussperrung mit den Arbeitswilligen zusammenzukommen. Auf Umwegen würden angekündigt. Sie haben diese Maßregel nicht durchgeführt und auswärtige Kräfte während der Nacht herangeschafft und auf dem sie nun auf den 24. September verschoben. Sie machten fürzlich Logierschiff Weser" untergebracht. Je länger der Streit fortgefeßt den Ausständigen das Angebot, daß für alle Zimmerer, die Hannover, 21. September.( B. H.) Ein schwerer Unglüdsfall werde, je größer werde die Zahl der Arbeitswilligen. Es sei daher an diesem Datum die Arbeit wieder aufgenommen haben, Mitte ereignete sich heute vormittag 10 Uhr auf dem Neubau der das wichtigste, die Arbeit wieder aufzunehmen, als in dem Streit Oftober, eine von einer Unternehmerfommission vorzubereitende Continental- Kautschut- und Guttapercha- Co. An dem vierstödigen zu verharren und dadurch die Organisation möglicherweise zertrümmern Lohnregelung durchgeführt werden soll. Ueber die Grundlagen Neubau ist man zurzeit damit beschäftigt, einen etwa 8 Bentner zu lassen. Noch sei Einigkeit vorhanden und die Zahl der Arbeits- dieser Lohnregelung gaben sie jedoch keine nähere Auskunft. Die schweren Sandsteinquader anzubringen. Bei dieser Gelegenheit willigen feine zu große. Man könne ruhig annehmen, daß ähnlich Ausständigen haben das Angebot fast einstimmig abgelehnt. Der tam der Stein ins Rollen und schlug auf das Gerüst, auf dem sich wie in Emden die Arbeitswilligen von ganz allein von dem Schlacht- Sekretär des neuen Verbandes der niederländischen Gewerkschaften der Polier und drei Arbeiter befanden. Das Gerüst wurde durchfelde verschwinden. Die schließlich vorgenommene Abstimmung veröffentlichte gestern an leitender Stelle in" Het Volf" einen schlagen und die vier Mann stürzten in die Tiefe. Der Sturz in zeitigte das oben erwähnte Resultat. Aufruf an die Arbeiterschaft der Niederlande, für ausreichende die Tiefe hatte den sofortigen Tod zur Folge. Die Wiedereinstellung der Streitenden hat gestern früh trok Unterstützung der Streifenden zu sorgen. Die Arbeiter der der Erklärung des Reederverbandes nicht stattfinden können, da Germaniabrauerei zu Wageningen befinden sich merkwürdigerweise der Freihafen, der wegen des Streits von ebenfalls seit mehreren Wochen im Ausstand. Das Bier der dem Magistrat gesperrt war, noch nicht geöffnet worden ist. Brauerei wird von der Arbeiterschaft boykottiert. Der Deutsche Aus welchem Grunde dies geschehen ist, ist nicht recht klar. Die Brauereiarbeiterverband hat beschlossen, die streifenden hollän Schuld liegt allem Anscheine nach lediglich auf seiten der städtischen dischen Kollegen zu unterstützen und als erste Rate bereits 300 m. arbeiter beschloffsen, unter der Bedingung noch bis morgen auf Verwaltung. Hat sie etwa von der Beendigung des Streifs noch gesandt. Ein Textilarbeiterstreit ist in Enschede bei den Bescheid der Kleiderfabrikanten zu warten, daß morgen eine feine Kenntnis? Jedenfalls erregt es nicht nur in den Reihen der Firma Bamshoeve ausgebrochen. Hier legten 35 Arbeiter gemeinsame Beratung der Fabrikanten und Arbeitervertreter stattder Hafenarbeiter, sondern überall Befremden, daß die Sperre noch die Arbeit nieder, ohne Billigung der Organisationen. Dadurch findet. Wird diese Forderung abgelehnt, ist der allgemeine Streif im Konfektionsgewerbe unvermeidlich. nicht aufgehoben ist. wurden über 200 andere Arbeiter und Arbeiterinnen der Fabrit ebaritslos. Die Fabrikantenorganisation droht, ihrem Statut Die Königsberger Kohlenarbeiter halten wader stand. Bei entsprechend, mit einer nach und nach durchzuführenden allsolch einheitlicher Solidarität fann natürlich der Erfolg nicht aus- gemeinen Aussperrung in allen Textilfabriken. Die Arbeitsbleiben. Die Kohlenfirmen, die zunächst gar keine Zugeständnisse niederlegung wird sowohl vom Allgemeinen, wie vom Chriftlichen machen wollten, find nun doch etwas verständiger geworden, seit- Textilarbeiterverband als eine boreilige Handlung angesehen, als dem sie gesehen, daß die Arbeiter Rückgrat genug befißen, für ihre ein Ausfluß der von Anarchisten propagierten direkten Aktion". eigene Sache einige Wochen etwas mehr wie schon sonst Entbehrungen zu tragen. Im Felsenkrug" fand am Donnerstag eine Versammlung der Streitenden statt, und da wurde ein Schreiben der Arbeitgeber verlesen, wonach sich die Firmen verpflichten, auch ohne daß die Arbeit zuvor bedingungslos aufgenommen werden In der belgischen Stadt Verviers ist seit einigen Wochen ein muß, allgemeine Erhöhungen der Löhne stattzugeben. Allerdings Kampf zwischen Kapital und Arbeit entbrannt, der schon um seines täglich der Beiseßung Trepots ein Komplott gegen den Zaren or wollen die Herren im Hause" nicht mit dem Verband unter- Motives willen besondere Beachtung verdient. Die Arbeiter, handeln, die Organisation soll, wie es in dem Schreiben heißt, aus- um die es sich handelt, sind Wollwäscher und haben ganiſiert war, und daß verschiedene Verhaftungen in Peterhof Im Kampfe um Arbeit. Brüssel, 18. September.( Eig. Ber.) Konfektionsarbeiterstreit in Sicht. München- Gladbach, 21. September.( B. H.) Die KonfektionsNeue Beunruhigungen. Palermo, 21. September.( W. T. B.) In Termini sind heute nachmittag um 3 Uhr 15 Minuten abermals Erdstöße verspürt worden, welche bei der Bevölkerung eine Banik hervorriefen und durch welche noch mehr Häuser beschädigt wurden. Warum sich der Zar in Sicherheit brachte. Petersburg, 21. September.( B. H.) Es bestätigt sich, daß anDie vorgenommen worden waren, u. a. vier Revolutionäre, die als Weitere Opfer des Wirbelsturmes. geschaltet werden und nur zwischen Firma und Personal soll es nur etwa vier Monate im Jahre volle Beschäftigung. zum Tarifvertrag kommen. Die Versammelten nahmen hierzu übrige Zeit wird bei stark reduziertem Personal gearbeitet. Als num Gendarmen verkleidet sich in einem Automobil befanden. Angebnoch keine bestimmte Stellung ein. Ge soll zuerst abgewartet im Auguft zwei Unternehmer wieder eine Anzahl Arbeiter entließen lich war auch von den Revolutionären eine Höllenmaschine konwerden, welche Aufbesserungen die einzelnen Firmen eintreten( die Firma Lamboray auch den Vorsitzenden und andere Mitglieder der ftruiert worden, womit der Zar, falls er der Beischung beigewohnt laffen wollen. Der örtliche Verbandsleiter, Genosse Sahlbed, Verwaltung der Gewerkschaft), da stellten die Arbeiter an die Unter- hätte, in die Luft gesprengt worden wäre. wird in Gemeinschaft mit der Lohnkommission die neuen Vor- nehmer die Forderung, die Arbeitszeit in den Monaten mit geringer schläge der Firmen prüfen und eine spätere Versammlung soll Beschäftigung herabzusehen und einen Modus des Personalwechsels hierauf entscheiden, ob der Streit beizulegen ist oder nicht. Die einzuführen, der es ermöglichen würde, daß auch der andere Teil Feuerungsmaterial- Einkaufsgenossenschaft, die einzige Kohlen- der Arbeiter Beschäftigung erhält. Unser Begehren," so heißt es New York, 21. September.( W. T. B.) Nach hier eingetroffenen firma Königsbergs, welche nach wenigen Tagen die Forderungen in dem Manifest der Arbeiter, das ein Zeugnis einer Nachrichten fielen dem Taifun außer den im Hafen von Hongkong war bon der der Arbeiter bewilligte, hat sich natürlich den Zorn der übrigen wahrhaft prächtigen Arbeitersolidarität ist, zerstörten Schiffen etwa sechshundert Fischerboote zum Opfer, sodas Erwägung diktiert, daß wir Unternehmer zugezogen, die jezt herangehen, einen Arbeitgeber- berechtigten atle effen schutzverband zu gründen und dabei oben angeführte Firma bei der müssen und daß wir nicht wollen, baß ein- der Verlust an Menschenleben auf zehntausend zu schäßen ist. borbereitenden Bersammlung nicht hinzugezogen haben. Die zelne gänzlich ohne Arbeit und ohne Brot sind." Feuerungsmaterial- Einkaufsgenossenschaft hat übrigens in der Die Arbeiter hatten aber auch alle Ursache, anzunehmen, Selbsthilfe", Beitschrift für das ostpreußische Genossenschafts- daß es dem einem Unternehmer darum zu tun war, die wesen, die Lohnbewegung der Kohlenarbeiter im Hinblick auf die Organisation der Arbeiter zu treffen und Zeiten New York, 21. September. Einem Telegramm aus Senorteueren Lebensmittelpreise als recht und billig anerkannt und im der Arbeitslosigkeit zu benutzen, um sich bestimmter, ihnen miß- ville( Tennessee) zufolge sind durch eine Dynamit- Explosion auf Artikel betont, daß, wenn die Arbeitgeber rechtzeitig prüfen, ob liebiger Arbeiter zu entledigen. Ihre Forderung sollte daher einem Waggon der Louisville- Nashville- Bahn in der Stadt Jellico Lohnerhöhungen erforderlich sind, Streiks sehr wohl vermieden auch bewirken, daß die Unternehmer nicht nach Belieben eine Anzahl Personen, vermutlich 15, getötet, etwa 30 verwundet werden können. Kämpfer für die Interessen der Arbeiter brotlos machen, und nahezu sämtliche Gebäude des Geschäftsviertels stark beschädigt um sie zu entmutigen und die Arbeiter ihrer Führer zu berauben. worden. Dynamit- Explosion. Beranty. Redakteur: Hans Weber, Berlin, Inseratenteil berantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Hr. 221. 23. Iahrgaug. 1. Kilm des, Kemels" Keelim WsM Zonnabtud. 22. September 1906. Die Gtwerkschastspiesse\m Them:„Partei und Geioerkschasten." Mctallarbeiterzeitung: „Wenn nicht die Anzeichen trügen, haben sich die Herren ilnarcholokalisten erwiesen als„ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft."... Im großen und ganzen hat die Parteipresse auch schon eingesehen, daß die ganze Sache von gewissen Leuten in unerhörter Weise aufgebauscht worden ist und schlägt einen Ton an, der hoffen läßt, daß cS bald zu einer Verständigung kommen wird und daß die unglückseligen Reibereien zwischen einem Teile der Gewerkschafter und einem Teile der Parteivertreter aushören werden. hat entschieden einen guten Eindruck gemacht, daß auf der Konferenz bei so vielen Rednern deutlich der sehnliche Wunsch nach einem einträchtigen Zusammenwirken zwischen Partei und Gewerk- schaften zutage getreten ist und daß die verärgerte Stimmung manches Gewerkschafters weniger der Stellungnahme des Jenaer Parteitags zum Massenstreik zuzuschreiben ist als der Art und Weise, wie von einigen Parteiangehörigen für diesen Propckganda gemacht worden ist unter Herabsetzung der Gewerkschaften und nicht zum mindesten auch der aufopfernden Tätigkeit der Gewerkschafls. leitungen. Scibald dies aufhört, sobald den verschiedenen ultra- „radikalen" Genossen einmal die Hetzerei gegen die Gewerkschafts- beamten unmöglich gemacht wird, wird sich nach unserer Ueber- zeugung über alles andere eine Verständigung leicht erreichen lassen. Eine Artikelserie Paul Kampffmeyers:„Streif- züge durch die Theorie und Praris der Arbeiterbewegung", enthält in den Artikeln XIV, XV und XVII Ausführungen zu unserem Thema. Wir geben einige markante Stellen da- von, da uns die Redaktion der„Metallarbeiter-Zeitung" schrieb, daß sie diese Anschauungen zu der ihrigen macht. Tiefe Stellen lauten: Einer Massenstreikdemonstration, die sich schlechthin als eine Lebensnotwendigkeit für das kämpfende Proletariat ergibt, werden die Gewerkschaften nimmer feig aus dem Wege gehen. Der politische Dcmonstralionsstreik, will er sein Ziel, den Machtwillen des Staates in einer für die Lebensinteressen des Volkes brennenden Frage zu erschüttern, wirklich erreichen, so muß er sich eben der wärmsten Sympathien weiter Volkskreise, nicht nur der proletarischen Gesellschaftsschichten erfreuen.... Nur in den denkbar ernstesten sozialen und politischen Situationen darf daher das Proletariat seine Zuflucht zum Massenstreik nehmen, es muß gleichsam von den verletzten Interessen der großen Mehrheit der Gesellschaft selbst zu diesem Streik gedrängt werden. Ein leicht- fertiges Spielen mit dem Massenstreik, ja, ein häufiges Drohen des Proletariats mit diesem Machtmittel kann den Massenstreik bei allen mit ihm sympathisierenden Gesellschaftsschichten in Mißkredit bringen, kann diesen Streik in eine stumpfe, wirkungslose Waffe wandeln. Nur in großen sozialen und politischen Krisen wird sich daher der Massenstreik als Waffe in die Kampfesmittcl des Prole- tariate einreihen lassen.... Die deutschen Gewerkschaften schrecken durchaus nicht vor not- wendigen, durch die Konstellation der ökonomischen und politischen Kämpfe gebotenen Entscheidungsschlachten zurück. Sie verwerfen für den gegebenen Fall durchaus nicht im Prinzip den politischen Massenstreik, aber sie wehren sich dagegen, ein unnötiges, nervöses Moment demonstrativer gewerkschaftlicher Machtentfaltung in ihre Taktik zu tragen, sie sträuben sich, ihre Kämpfe nur auf das alles oder nichts zu stellen. Die Gewerkschaften schreiten auf der Bahn der ruhigen wirtschaftlichen Machterwerbung fort und suchen im steten Dauerkampf Machtposition um Machtposition zu erringen.... Die Provokation gewaltiger Klassenkämpfe nur um dieser Kämpfe willen, mögen sie auch wirtschaftliche Niederlagen unweigerlich nach sich ziehen, gehört nur in das Aktionsprogramm des gewaltsamen, auf eine soziale Katastrophe bewußt hinsteuernden Revolutionärs. Aber dieser Revolutionär kann bei allen seinen psychologischen scharf- sinnigen Kalkulationen einen elementaren Rechenfehler dadurch be- gehen, daß er selbst wirtschaftliche und politische Niederlagen der Gewerkschafter als anfeuernde, die revolutionäre Energie der Massen hebende Momente bucht. ... Beide Bewegungen sind durchaus nicht eins, wie die viel gebrauchte und wirklich schon etwas abgegriffene Redewendung lautet. Beide Bewegungen haben gesonderte Arbeitsgebiete, und beide können nur dadurch gewinnen, daß sie eine ihrem Wesen ent- sprechende genaue Arbeitsteilung innehalten. Gewiß, in der einen grundlegenden Frage, in der Endzielsfrage, stimmen sie allerdings zusammen: Beide Bewegungen, aus dem Klassengegensatz zwisckien dem kapitalistischen Unternehmertum und dem Lohnproletariat her- auSgeborcn, münden, in der Umformung des kapitalistischen Betriebs in einen gcnossenschaftlich-sozialistischcn Betrieb aus. In der Ge- werkschaftsbcwegung wird der Kampf zwischen dem Unternehmer- tum und der organisierten Lichnarbeiterklasse erst dann zum Schweigen kommen, wenn daS kapitalistische Herrentum aus der Werkstatt völlig verschwunden und die Fabrik in ein genossensckwft- licheS Unternehmen umgebildet ist. Aber die Endziclfrage poltert nicht jeweilig in die Alltagsfragen der Gewerkschaften hinein. Für gewöhnlich braucht sich die Gewerkschaftsbewegung im zähen Klein- krieg für die Tagesförderungen der organisierten Arbeiterschaft auf, und sie rechnet peinlich mit den gegebenen Machtverhältnissen der Stunde. Sie, die alle Streitkräfte mit eisernen Klammern im Interesse deS TaacskampfeS zusammenhalten muß, würde sich die tiefsten Wunden selbst schlagen, wenn sie jeweilig in ihre Kämpfe den Expropriotionsgcdanken des Kapitalismus hineinspielcn ließe und ihre geschlossene Anhängerschaft durch Diskussionen über poli. tische und religiöse Zukunftsfragen zerklüftcn würde. Niemals soll der Gewerkschaftsführer das Endziel des unermüdlichen Ringens der organisierten Arbeitermassen auS dem Auge verlieren, denn dieses Ziel gibt seiner Seele eine gewisse, zu weit ausgreifenden Taten notwendige Schwungkraft, aber nie soll er sich von der auf- gehenden roten Zukunftssonne so blenden lassen, daß er nicht mehr deutlich sieht, was um ihn herum zur Stunde geschieht. Holzarbeiterzeitung: .... Am letzten End« hat die Partei in Jena in Sachen des Generalstreiks nichts anderes getan, als was die Gewerkschaften in Köln getan haben. Wir schrieben schon im Anschluß an den Parteitag in Jena, daß von einer tiefgehenden Meinungsvcrschieden- heit der Partei und der Gewerkschaften doch nicht gut gesprochen iverdcn könne, wenn man die in Köln und in Jena zu dieser Frage beschlossenen Resolutionen ohne Voreingenommenheit miteinander vergleiche.... Mehr noch als die Jenaer Resolution aber ent- sprechen die Bebelschen Thesen zum Massenstreik der Auf- sassuim des Gewerkschaftskongresses in dieser Frage. Bekundet darin doch der Parteivorstand, er habe nicht die Absicht, gegenwärtig den politischen Massenstreik zu propagieren, sollte derselbe aber propagiert werden müssen, so werde sich der Parteivorstand mit der General- kommission vorher ins Benehmen setzen. Zudem solle ein nicht zu vermeidender politischer Massenstreik allein von der Partei geführt und solle von den Gewerkschaften gegenüber diesem Kampfe nur wohlwollende Neutyalität geübt werdeis. Wenn dad zur offiziellen Anschauung der Parte« erhoben werden soll, so mutz man sich nur über die Angriffe wundern, die nach Köln von der Parteipresse auf die Gewerkschaften erfolgt sind. Die Gewerkschafter, auch die unbedingten Gegner de» General- streikS. haben nie daran gedacht, im Augenblick einer politischen Gefahr teilnahmlos beiseite zu stehen oder gar der für die Volks- rechte kämpfenden Partei in den Rücken zu fallen.... Wie jeder andere Genosse wollen wir in solchen Situationen kämpfen bit auf« äußerste, um aber einen solchen unvermeidlichen Kampf siegreich durchführen zu können, wollen wir jede Erörterung unserer even- tuellen Kampfmittel unterlassen, ganz im Sinne unserer alten bewährten Taktik und auch im Sinne jener Parteiblätter, die wie die„Schwäbische Tagwacht" und die„Sächsische Arbeiterzeitung" ' vor Köln, und die„Rheinische Zeitung", die Chemnitzer und die Magdeburger„Volksstimme" nach Köln, bor jeder unnützen Propa- ganda und Diskussion des Generalstreiks abrieten. Mit welchem Rechte hat dann aber die Parteiprcsse den Gewerkschaftskongreß und die Gewerkschaftsführer wegen ihrer Stellungnahme zum Generalstreik angegriffen, sie. die zum größten Teil dem Generalstreik indifferent gegenüberstand oder sich ähnlich wie der Kongreß aus taktischen Gründen gegen die Propagierung des Generalstreiks ausgesprochen hatte? Im Interesse der gedeih- lichen Zusammenarbeit von Partei und Gewerkschaften kann man diesen von der Parteipresse angezettelten Streit, der nach der Enthüllung der Bebelschen Thesen doch nur ein Streit um Worte war, nur aufs tiefste bedauern. Wenn die Gewerkschaftspresse, die einzig doch in diese Massen eindringt, immer wieder genötigt wird, eine ungerechte Kampfes- weise einzelner Parteiblättcr abzuwehren, so erleichtert das gewiß nicht die Proselytenmacherei der Partei unter der politisch noch indifferenten Masse der Gewerkschaftsmitglieder. Diese Gewerk- schaftsführer, die von einzelnen Parteiblättern in dem letztjährigen Streite zwischen Partei und Gewerkschaften als die bornierten, um ihre Gehälter besorgten, hasenfüßigen Bureaukraten ver- schrieen worden sind, sind vielen Gewerkschaftsmitgliedern doch oft genug nur als die bewährten und aufopfernden Vertreter ihrer Interessen bekannt, und zwar persönlich bekannt, und diese persön- liche Bekanntschaft mit ihren Führern und das im Kampfe ge- wonnene Vertrauen zu denselben wird durch geradezu ausgesuchte Beleidigungen, mögen sie selbst von Parteifunktionären erfolgen. nicht erschüttert werden. Höchstens wird ein unnützer Streit in die Gewerkschaften selbst hineingetragen. Wohl aber wird das Ansehen der Partei dadurch erheblich geschädigt. Im Interesse der Partei kann man also nur wünschen, daß diese Kampfesweise eingestellt wird und daß zwischen den gewerk- schastlichen und den Parteifunktionären ein mehr kameradschaft- lichcs Verhältnis Platz greift. Das braucht nicht bis zur rest- losen Billigung aller Handlungen oder Ansichten der einen oder anderen Körperschaft oder Person zu gehen; es sollte aber davor schützen, daß man in dem Nebengenossen oder Kollegen, der eine andere Ansicht vertritt, nicht gerade den dummen oder schlechten Kerl erblickt. „Der Zimmerer": „.... Den Parteikampf kann nur die Sozial- demokratie führen, die Gewerkschaften können das nicht, für die ist es um so besser, je weniger Parteipolitik sie treiben. Die Gewerkschaften haben ja auch gerade genug zu tun, wenn sie die beruflich- wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter kraftvoll und erfolg- reich vertreten wollen. Das sehen wir an unserem Zentralverbande. Seit zehn Jahren sind wir aus den Kämpfen — immer schwerer werdenden Kämpfen— gar nicht heraus- gekommen! Die sozialdemokratische Partei ist unsere politische Interessenvertretung und wir unter- st ü tz e n sie. Diese Unterstützung besteht darin, daß wir unsere Mitglieder darüber belehren, daß sie sich auch der sozialdmno- kratischen Partei anzuschließen haben, und daß sie bei den Wahlen für die Kandidaten der Sozialdemokratie stimmen. Mehr kann eine Gewerkschaft kaum jun. Daß wir es mit dieser Unterstützung der Partei ernst nehmen, beweist jede Nummer unseres Organs, beweisen aber auch die vielen statistischen Aufnahmen unter unseren Mit- gliedern über ihre Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei. Die Maifeier an sich enthält, soweit unser Zentralverband in Betracht kommt, gar keinen Zündstoff. Am 1. Mai jedes Jahres soll möglichst durch Arbeitsruhe demonstriert werden„für die gesetzliche Einführung des achtstündigen Arbeitstages, für die Klassenforderungen des Proletariats und für den Weltfrieden". (Amsterdamer Resolution.j Diese Demonstration ist eine Aufgabe der sozialdemokratischen Partei. ES handelt sich ja um Forderungen an die Gesetz- cbung, um Klassenfordcrungen. um den Welt- rieben. Das sind alles keine Forderungen, die an die Kapi- talisten und Arbeitgeber eines Berufes gestellt werden könnten, ihre Bewilligung liegt nicht im Machtbereiche der Kapitalisten und Arbeitgeber eine? Berufes, sondern nur im Machtbereiche der ge- setzgcbcnden Körperschaften deS Staates bezw. in dem Macht- berciche der gesetzgebenden Körperschaften aller Staaten der Welt. Da unser Zcntralverband die sozialdemokratische Partei unter- stützt, wirkt er auf seine Mitglieder ein, damit möglichst jeder. der auf eigene Kosten und Gefahr es möglich machen kann, sich an der demonstrativen Arbcitsruhe beteiligt. Wo ganze Zahlstellen sich auf eigene Kosten und Gefahr an der demonstrativen Arbeitsruhe beteiligen können, tritt ihnen der Zcntralverband in keiner Weise hindernd in den Weg. � Die Zimmerer sind bei der Maifeier immer verhältnismäßig gut vertreten. Mehr kann eine Gewerkschaft nicht tun. Anders liegt die Frage der Maifeier erst dann, wenn damit auf dem Schachbrett der modernen Arbeiterbewegung eine Schiebung vorgenommen werden soll; wenn man die demon- strative Arbeitsruhe am 1. Mai den Gewerkschaften als solche aufnötigen will. Die Maidemonstration würde dadurch keineswegs eine gewerkschaftliche Angelegenheit— das kann sie nie und nimmer werden—, sondern die Gewerkschaften würden damit auf das Gebiet der sozialdemokratischen Partei gc- drängt. Wie das auf die Gewerkschaften wirken müßte, die ja ihre Kampftaktik nach der Eigenart ihres Berufes, den jede Gewerkschaft vertritt, einzurichten haben, und die ihre Mitglieder aufnehmen ohne Rücksicht auf ihre religiösen und politischen Meinungen, ohne Rücksicht auf ihre nationale Abstammung, das liegt für jeden, der auch nur ein bißchen darüber nachdenkt, klar auf der Hand. Achnlich so liegt die Sache bei der Frage des politischen Massenstreiks� Soweit eS sich darum handelt, ob der poli- tische Massenstreik grundsätzlich als ein Kampfmittel in der proletarischen Emanzipation gelten soll, können Mcinungsver- schicdenheiten kaum bestehen; jedenfalls enthält die Frage, solange sie aus diesem Rahmen nicht heraustritt, keinerlei Zündstoff. Es ist nämlich durchaus„möglich, daß ein Streik, der sich über ein- zelne, für das Wirtschaftsleben wichtige Betriebszweige oder über eine große Anzahl Betriebe ausdehnt, ein äußerstes Mittel sein kann, um be'deutende gesellschaftliche Ver- änderungen durchzuführen oder sich reaktiv- nären Anschlägen auf die Rechte der Arbeiter zu widersetzen".(Amsterdamer Resolution.) Wer wollte das bestreiten? Wir jedenfalls nicht! Wir haben aber auch schon immer darauf verwiesen, daß an die Stelle der gewerkschaftlichen Kämpfe sehr bald intensive Klassenkämpfe treten würden, wenn man den industriellen Ar- beitern auf dem Wege der Gesetzgebung das Koalitionsrccht nehmen, ihre Gewerkschaften vernichten würde. Und so können wir noch recht viele Beispiele anführen, wo der politische Massen- streik durchaus„ein äußerstes Mittel sein lann, um bedeutende gesellschaftliche Veränderungen durchzuführen oder sich reaktionären Anschlägen auf die Rechte der Arbeiter zu widersetzen". Alle die politischen Massen st reiks aber, die wir im Auge haben, lvürden und müßten das Er- gebniS einer aus sich gewordenen Situation sein; da» Ergebnis cinrr Situation� dix die ge- sellschaftliche Entwickelung mit sich bringt; daS Ergebnis einer Situation, wo die aktuellen Interessen der Arbeiter selb st zur Durch, kämpfung drängen und kein anderes Kampf» mittel übrig bleibt, als der politische Massen, st r e i k.(Das kann auch in bezug auf ein oder das andere Wahl- recht der Fall sein. Wir bemerken diese Selbstverständlich, k e i t ausdrücklich, um der geflissentlichen Sinn h i n e i n l e g u n g gewisser Genossen einen Riegel vorzuschieben.) Hält man diesen sozialdemokratischen Grundsatz fest, dann enthält die Frage des politischen Massenstreiks keiner- l e i Zündstoff. Treten Fälle ein, wo politische Massenstreiks im obigen Sinne unumgänglich notwendig werden, dann wird auch die Frage der Leitung solcher Streiks sehr bald entschieden sein. Man brauchte sich vorher den Kopf nickt darüber zu zerbrechen." „Der Textilarbeiter". „Gegen die Partei als solche ist man auf der Konferenz nur in der Frage des politischen Massenstreiks aufgetreten. Und daran ist die Partei schuld. Der„Vorwärts" behauptet zwar das Gegenteil. Er meint, es sei ein völlig unhalt- barer Zustand, daß Parteitagsbeschlüsse und Beschlüsse eines Gewerkschaftskongresses zu der gleichen Frage eine grundver- schiedene Stellung einnehmen. Und die Schuld daran mißt er dem Gewerkschaftskongreß bei; dieser hätte wohl über die Frage diskutieren können, aber keinen Beschluß fassen dürfen— mit Rücksicht auf den Parteitag, der bevorstand. Der„Vorwärts" tadelt es aber nicht, daß der Parteitag eine Resolution annahm, die der vom Gewerkschaftskongreß angenommenen diametral gegenübersteht. Der„Vorwärts" sagt, mit der Resolution des Gewerkschaftskongresses sollte dem Parteitag eine Direktive ge- geben werden, und das sei zu tadeln. Er tadelt aber nicht, daß der Parteitag trotz der ablehnenden Haltung des Ge- werkschaftskongresses zur Frage des politischen Massenstreiks eine Resolution zugunsten desselben annahm, obwohl sich also die Ver- treter der Gewerkschaften gegen ihn erklärt hatten. Wollte der Parteitag nicht Gefahr laufen, zu einem anderen Votum zu kommen, als der Gewerkschaftskongreß kam, so mußte er von der Annahme einer Resolution absehen und es bei einer Aussprache so lange bewenden lassen, bis die Gewerkschaften ihre Ansichten über den politischen Massenstreik geändert haben würden, denn zum Gelingen des politischen Massenstreiks bedarf es nun einmal auch der Gewerkschaften, wie ja auch der„Vorwärts" zugibt. Den vom„Vorwärts" mit Recht beklagten völlig unhaltbaren Zustand hat also nicht der Gewerkschaftslongreß, sondern der Parteitag verschuldet. Gewiß hätte der Gewerkschastß- kongrcß keine Resolution zum Massenstreik anzunehmen brauchen, aber nachdem es einmal geschehen war, durste der Parteitag keine dieser Resolution entgegenstehende Resolution annehmen. Wir stimmen aber der Schlußerklärung des„Vorwärts" bei, welche lautet: „Wir hegen nach alledem die Zuversicht, daß die Gewerkschafts- genossen, die doch auf der Konferenz so oft versicherten, daß ihnen die Eintracht und das gute Einvernehmen zwischen Partei und Gewerkschaften warm am Herzen liege, nach der inzwischen er- folgten Zerstreuung unbegründeter Besorgnisse und bedauerlicher Mißverständnisse in Mannheim die Konsequenzen aus der veränderten Situation ziehen werden!" Das wird den Gcwerkschaftsgenosscn um so leichter werden, als es sich, wie der„Vorwärts" ganz richtig behaupten dürste, in Köln vornehmlich um die Bekämpfung der anarcho-soziali- stischen Gencralstrciksidee, die auf eine Umwälzung der ganzen gewerkschaftlichen Taktik abzielte, weniger aber um die Bekämpfung des politischen M a s s e n st r e i k S handelte, für den sich die Partei übrigens auch erst seit kurzem erwärmt. Warum sollten die Gewerkschaften nicht auch geschwind ihre An- sichten ändern können, zumal sie in ungewohnt höflicher Weise jetzt darum ersucht werden?!" „Bergarbeiterzeitung": „.... Auch innerhalb der Gewerkschaften ist nicht immer die Grenze eingehalten worden. DaS läßt sich nicht ableugnen. Aber wir sind der Meinung, daß Konferenzen, wie die in Berlin. sicher dazu beitragen, Klärung zu schaffen.... .... Der Geist, der die ganzen Verhandlungen beseelte, war schließlich nur der. das Rechte zu wollen. Nicht einer, der der Partei das nicht gab, was ihr gebührte; verlangt wurde nur, daß man auch den Gewerkschaften geben muß, was ihnen gehört. Wenn die Gewerkschaften ihre Taktik bestimmen, soll man unter Berück- sichtigung ihrer Verantwortung den Arbeitern gegenüber nicht gleich bei jeder Gelegenheit den schlimmsten Prinzipienverrat wittern. Vieles ließe sich dann ruhiger behandeln. Sachlich decken sich unsere Anschauungen mit denen der Konferenz, was wir hier noch feststellen lvollen." „Sattlerzeitung" nach Abdruck der zum Mannheimer Parteitag zu diesem Punkt gestellten Anträge: „Vor allen Dingen, und wenn man noch so oft das Gegen- teil betont, ist die Gleichberechtigung der Gewerkschaften nicht all- gemein anerkannt. Es gibt immer noch Stimmen, welche von der ersten und zweiten Stelle innerhalb der Arbeiterbewegung reden.... Solche schwerwiegenden Fragen lassen sich zur Zu- friedenhcit nicht in einem kleinen Kreise erledigen, wie cS der Partcivorstand in Erwägung mit der Generalkommiision ist, sondern hier dürften solche kombinierten Kongresse eher daS Zutreffende sein. AlS Voraussetzung wäre aber zu betonen, daß die Gewerkschaften auch die Verpflichtung der Beschickung solcher Kongresse übernehmen. Eine weitere Bedingung ist die, welche auch nach Annahme der verschiedenen Anträge als erfüllt zu betrachten wäre, daß als einzige gewerkschaftliche Organisation im Sinne der modernen Arbeiterbewegung die Zentralverbände zu erachten sind. Wenn der Parteitag diese Hindernisse hinlvegräumt. was wir Nach Lage der Sache sicher annehmen, so würde der Weg geebnet zu einem dauernd guten Verhältnis.... Die ständige Vertirctung der Generalkommission in dem Parteivorstand und auch umgekehrt halten wir im Augenblick er- bitterter Verstimmung für unzweckmäßig, was jedoch eine Verstän- digung von Fall zu Fall nicht ausschließen soll. Wir sind viel- mehr der Meinung, daß die Aufgaben, welche Gewerkschaften und Partei zu erledigen haben, einer klaren Scheidung bedürfen, um Differenzierungen möglichst zu vermeiden. Frag-n, welche nur durch die Mitarbeit beider Richtungen der Arbeiterbewegung geregelt werden können, müssen kombinierten Kongressen unterstellt sein, auf denen beide Teile in gleicher Stärke vertreten sind. Als weiteren Weg, ein dauernd gutes Verhältnis zu schaffen, ist die ständige Mitarbeit der Gcwcrkschaftsleiter an den Parteiarbeiten zu bezeichnen. Wir halten den letzten Weg als den gangbarsten, weil den tätigen Gewerkschaftilcrn dadurch Gelegenheit geboten wird, einmal die sonst angezweifelte sozialdemokratische Gesinnung zu beweisen und im weiteren der Achtung vor den gcwerkschaft- lichen Kämpfen und deren Bedeutung auch in Parteikreisen Ein- gang zu verschaffen." „Fachzeitung für Schneider": „Das letzte Wort in den aufgerollten Streitfragen hat der Parteitag in Mannheim, der sich sowohl mit der Frage deS Massen« strciks wie mit dem Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaften zu beschästigen haben wird. Wir können nur hoffen, daß die AuS- spräche eine gründliche ist, und daß endlich einmal volle Klarheit geschaffen wird. Die Arbeiterbewegung bedarf in ihrem Streben nicht nur der Zielllarhcit, sondern auch der Einheit und. Ge- " fchloffenheit, gleichviel, ob im politischen oder gewerkschaftlichen| Sonntag, 30. September: Vorstellung im Bremer Stadttheater: 1 läufig auf ein Jahr festgesetzte Abkommen einstimmig gutLager, und des harmonischen Verhältnisses, des Hand in Hand- Das vierte Gebot" von Ludwig Anzengruber. geheißen. arbeitens beider Richtungen. Deshalb ist es aber auch notwendig, Freitag, 12. Oftober: Vortrag des Reichstags- Abgeordneten daß die Partei in Mannheim jenen anarcholokalistisch- sozia- Wilhelm Blos über: Die Schlacht bei Jena in ihrer historischen listischen Quertreibern sagt, daß ihr Platz nicht innerhalb, sondern In Dresden finden im vorigen Jahre begonnene gewerkBedeutung. außerhalb der modernen Arbeiterbewegung ist." Dienstag, 16. Oftober: Schumannfeier, bestehend aus Vortrag, Dr. Dunder) in diesem Winter Fortsetzung und Erweiterung. schaftliche Unterrichtsturse( Lehrer Genosse Arbeitssekretär Klaviersoli und Sologesang. Von Montag, 5. November an, wöchentlich einmal Montags( voraus Wesen und ihrer Begrenzung" und über„ Der gewerb Im Kursus I wird über„ Sozialreform in ihrem sichtlich 10 Abende): Unterrichtskursus über Redeübung, abgehalten liche Arbeiterschus"( Gewerbeordnung, Gewerbegerichtsvon Heinrich Schulz. Sonntag, 18. November: Vorstellung im Bremer Stadttheater: gesetz usw.) vorgetragen. Kursus II behandelt" Literatur- und zeichnenden Lokale im Planenschen Grund, wird wieder eine„ Ein,, Dachdeckerzeitung": Nun noch ein Wort zu dem Inhalt des Protokolls. Derselbe bietet nach unserer Ueberzeugung gar feinen Grund zur Aufregung und Erbitterung. Allerdings sind bei der Verhandlung Ausführungen gemacht und Ausdrücke gebraucht, die wir als berechtigt und angemessen nicht anerkennen fönnen. berücksichtigen, daß diese Verhandlung als ee Dabei ist aber zu bertrauliche stattgefunden hat. Bei einer solchen Gelegenheit werden die Worte nicht auf die Goldwage gelegt. Die Vorwürfe, die gegen die Bartei von mehreren Rednern gemacht wurden, sind nichts neues. Es scheint uns sogar ganz nüßlich, daß die rürfe einmal in der drastischen Form bekannt werden. Es kann dies als Mahnung und Warnung hüben und drüben sehr nühlich wirken. Das Wichtigste aber an der Debatte ist die Forderung in allen Reden ohne Ausnahme nach einem planmäßigen, innigen Zusammenarbeiten von Partei und Gewerkschaften. Dieser Kern der Ver= handlung hat denn auch bereits dahin gewirkt, daß sich die Debatte über den Inhalt des Protokolls im allgemeinen auf dem Boden fameradschaftlicher Auseinandersetzung vollzieht. Damit ist der Weg eröffnet, auf dem sich die feindlichen Brüder mehr und mehr nähern tönnen. Mögen alle, die ihre Kräfte dem Befreiungskampfe der Arbeiter widmen, mithelfen, daß die gewerkschaftliche und politische Bewegung von demselben Geiste des Klassenkampfes beseelt, stets Hand in Hand ihr gemeinsames Ziel verfolgen." " Schuhmacherfachblatt": 1. Artikel. " Fidelio", Oper von Beethoven. Dienstag, 27. November: Arbeiterdichterfeier unter Mitwirkung des Arbeitermänner- Gesangvereins Bremen. Kunstgeschichte". Sturfus III, in einem noch näher zu beführung in das Verständnis der modernen Volkswirtschaft" bieten. Die Teilnehmerzahl eines Kursus ist auf 40 beschränkt, das pro Kursus 3 M. Weitere Kurse sind in Aussicht genommen. Freitag, 7. Dezember: Bortrag über ein naturwissenschaftliches Thema ( mit Lichtbildern), gehalten von M. H. Baege- Berlin. Sonntag, 16. Dezember: Vorstellung im Bremer Stadttheater:„ Die Teilnehmer- Honorar, das bei der Anmeldung zu zahlen iſt, beträgt Hochzeit des Figaro", Lustspiel von Beaumarchais. Von Anfang bis Mitte Dezember: Ausstellung von Jugendschriften und fünstlerischem Zimmerschmuck. Von Dienstag, 8. Januar an, wöchentlich einmal Dienstags( voraussichtlich 6 Abende): Vortragszyklus über theoretische Grundfragen des Sozialismus, abgehalten von A. Henfe. Sonntag, 20. Januar: Vorstellung im Bremer Stadttheater: Wahl des Dienstag, 22. Januar: Vortrag( mit Lichtbildern) über Wesen und Bedeutung der politischen Karitatur, gehalten von Eduard Fuchs Stückes vorbehalten. Berlin. Sonntag, 17. Februar: Vorstellung im Bremer Stadttheater: Heinrich IV." von W. Shakespeare. Dienstag, 19. Februar: Vortrag über Proletariat und Kunst, gehalten von Henriette Roland- Holst aus Laren( Holland). Dienstag, 12. März: Frühlingsfeier, bestehend aus Vortrag( gehalten von Dr. May Alberth- München über„ Der Frühling in der Kunst"). Rezitationen, Solo- und Chorgesängen( lettere vorgetragen vom Arbeitermännergesangverein Bremen). Erbförster" von Otto Ludwig. „ Das förmliche Verbot der Diskussion des politischen Massenstreits war und ist engherzig und unhaltbar, aber auch materiell völlig verfehlt.... Indem der sozialdemokratische Parteitag in Jena sich auf diesen gegebenen, rein vernünftigen Boden stellte, hat er das Richtige getroffen und den anders lautenden Beschluß des Kölner Gewerkschaftstongresses forrigiert. Er besteht jedoch trotzdem weiter, da der Parteitag den Beschluß eines Gewerkschaftsfongresses so wenig aufheben kann, als umgekehrt der Gewerf- stimmungen. Der Eintrittspreis beträgt: schaftskongreß den Beschluß eines Parteitages. 2. Artife I. " Dieselben Personen, die auf dem Kölner Gewerkschaftskongreß eine so unfreundliche Stellung gegen die Partei einnahmen, konnten auch auf der Konferenz ihre Abneigung nicht verbergen, verschanzten diese aber hinter den Vorwurf, daß die Partei die Machtstellung der Gewerkschaften nicht genügend berücksichtige, ein Vorwurf, für welchen auch nicht der geringste Beweis erbracht, und welcher tatsächlich nur in der Phantasie dieser Kollegen besteht. Wer das Referat des Vertreters der Seeleute ruhig durchliest, dem muß nach den teilweise geradezu herausfordernden Angriffen gegen die Partei, die am Schlusse abgegebene Versicherung, fein disharmonisches Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaften zu wollen, eigentümlich anmuten. revolution. Sonntag, 17. März: Vorstellung im Bremer Stadttheater:" Der Montag, 18. März: Vortrag über: Die Bedeutung der März Für die Veranstaltungen gelten die statutarisch festgelegten Bebei Vortragsabenden. Dichterabenden " 1". • 0,20 M. 0,30 " " " " " Vortragszyllen( 5-6 Vorträge) 1, Unterrichtsfursen( 10 Abende) Theatervorstellungen 0 " • • 1, 0,50 " " an die Arbeiter Parteiliteratur. Blut und Eisen. Krieg und Striegertum in alter und neuer Beit. Von Hugo Schulz. Reich illustriert mit Bildern und 50 Lieferungen a 20 Pf. Dokumenten aus der Zeit. Verlag der Buchhandlung Vorwärts. Das Werk stellt die Fortsetzung der Kulturbilder dar. Der Verfasser, Genosse Hugo Schulz- Wien, ist als guter Kenner der Kriegsgeschichte und Militärwissenschaften bekannt. Der Eine der gewaltigen Anklagen, die Daumier mit seinem genialen Die erste Lieferung des Werkes ist jetzt ausgegeben worden. Zeichenstift aufs Papier gebannt hat, bildet die Titelvignette und charakterisiert damit sehr treffend das Werk, das eine große Anklage wider den Krieg sein wird. Nach der Kapitelübersicht des 1. Bandes, die der Lieferung beigegeben ist, wird der 1. Band den Krieg im Altertum behandeln. Der Einleitung folgen im ersten Teil die Kapitel: Der Krieg bei den anatolischen Völkern. Das Bolk Israel, Assyrer, Babylonier und Perser. alte Drient zur See. Der zweite Teil: Aus der griechischen KriegsZeitalter. Der Nationalfrieg gegen Berfien. Der Aufschwung Athens geschichte enthält die Kapitel: Die Heroenzeit. Das aristokratische und die Demokratie. Der peloponnesische Krieg. Das tragische Ende der athenischen Weltpolitit. Die Verfallzeit und das Söldnertum. Der dritte Teil behandelt: Die Makedonier und Alexander der Große. Der vierte Teil: Die Römer ist gegliedert in die Kapitel: Rom und sein Volksheer. Roms Siegeslauf. Die punischen Kriege und das Entstehen des römischen Militarismus. Die Bürgerkriege. Julius Cäsar. Der Militarismus im faiserlichen Rom. Römer und Germanen. Der Verfall der römischen Macht. Kurze Uebersicht über das Mittelalter. Der Zweck des Werkes ist aus folgenden Sägen des Prospekts ersichtlich: Dringend wünschenswert ist, daß alle diese Kämpfe rein fachlich und nicht persönlich geführt werden, sie werden dann biel fruchtbarer und nüßlicher, aber auf keinen Fall verbitternd, entzweiend und schädigend wirken. Daß in dieser Beziehung aber vielfach und zwar auf beiden Seiten mehr oder minder schwer gefehlt und gesündigt wurde, mußte auch auf der GewerkschaftsDas Kieler Gewerkschaftskartell und der Kieler fonferenz zugegeben werden. Wir glauben, daß die Aussprache über das Verhältnis der eine gemeinsame Kommission eingesetzt, die die Bildungsbestrebungen Sozialdemokratische Verein haben im vorigen Jahre Gewerkschaften zu der Partei auf der Gewerkschaftskonferenz eine der Kieler Arbeiterschaft fördern soll. Schon im vorigen Jahre war ganz nüßliche Sache war und daher auch die Veröffentlichung dieses es möglich, zwei Vortragsserien zu veranstalten, und zwar eine dem richtigen Wege ist, wenn sie den Militarismus, nicht nur infoAus all dem können wir lernen, daß die Sozialdemokratie auf Teiles des Protokolls, durch das der gepflogene Meinungsaustausch naturwissenschaftliche und eine geschichtliche: den weitesten Arbeiterkreisen zur Kenntnis gelangt...." In weit er eine der Arbeiterklasse feindliche Macht, sondern auch insofern diesem Jahre will die Kommission noch weitergehen. Sie will ein Wehrprinzip ist, bekämpft und eine volkstümliche, demoneben den Vortragstursen noch Unterrichtsturse in der deutschen kratische Wehrverfassung fordert. Die Sozialdemokratie will das Der Zweck dieser Sturse soll Sprache einrichten. sein, stehende Heer durch eine Boltsmiliz ersehen. Ein auf demokratischer den Teilnehmern die forrette Beherrschung der Mutter- Grundlage stehendes Volksheer schüßt die Nation vor dem Kriege, Sprache besonders im schriftlichen Ausdruck, zu vermitteln. Die Teil- denn für die frivolen, weltpolitischen Abenteuer der kapitalistischen nehmerzahl der einzelnen Kurse soll 20 nicht überschreiten, die Kurse Profitfucht ist es ein höchst untaugliches Instrument. Es schützt aber fönnen 12, fie tönnen aber auch 20 Abende a 2 Stunden währen, auch die Nation beffer als der Militarismus im Striege, wenn es ein je nach der Vorbildung der Teilnehmer. Besonderer Zweck der Kampf um die Eristenz und Selbständigkeit des Voltes ist. Kurse ist, die Genossen im schriftlichen Gebrauch der Sprache zu Diese Lehre zu feftigen ist der Zwed dieses Werkes. In zu fördern, die als Partei-, Gewerkschafts- und Genossenschaftsfunktionäre sammenhängenden historischen Streifzügen wird es zeigen, welche häufig in die Lage kommen, im Verkehr mit Unternehmern, Behörden, Rolle der Krieg im Leben der Kulturmenschheit gespielt hat, welche der Presse oder zu kaufmännischen Zwecken ihre Gedanken schriftlich Greuel er gestiftet, welche Verwüstungen er angerichtet, aber auch zu fizieren. Von den Teilnehmern soll ein Beitrag von 20-30 Pf. welche Kräfte er geweckt und in welcher Weise er auf die innere pro Abend erhoben werden. Entwickelung der Völker zurückgewirkt hat. Wir verabscheuen den In der Form etwas sachlicher, aber von dem gleichen unfreundEine Konferenz der politischen und gewerkschaftlichen Ver- und Sentimentalität seine historische Rolle ins Auge fassen und Ber- militärischen Massenmord; aber wir müssen doch ohne Entrüstung lichen Geist gegen die Partei erfüllt, waren der Vertreter des Zimmererverbandes Bringmann und der Vertreter des Maurer- trauensmänner des Maingaues zu Frankfurt a. M. hat dürfen auch dort nicht vorbeisehen, wo er, wie zum Beispiel erst verbandes Paeplow.... Alle aber versicherten der Partei ihre einen fünfgliederigen Ausschuß gewählt, der vor einiger fürzlich in der großen blutigen Auseinandersetzung zwischen Rußland Sympathie. Das erinnert uns an die alljährigen Sympathie- Beit ein programmatisches Rundschreiben und Japan, einen fulturnotwendigen Prozeß gefördert hat. Aus der erklärungen der englischen Gewerkschaftskongresse an den Sozia organisationen versandte, worin es nach einer ſyſtematischen Dar Kriegsgeschichte wird sich uns auch die Militärgeschichte erschließen, lismus, zu deffen Gunsten aber fein englischer Gewerkschaftsführer legung der Aufgaben heißt: und wir werden allenthalben sehen, wie sehr auch die Formen des ein Glied rührt. Wir zweifeln nicht im geringsten an der EhrDie ersten Schritte sollen schon diesen Winter gemacht Kriegführens durchaus abhängig sind von den wirtschaftlichen Grundlichkeit der Sympathie eines Teiles unserer Gewerkschaftsführer werden. Unter Heranziehung bewährter Wissenschaftler, deren für die Partei, aber die Betätigung für dieselbe läßt uns das Ramen bekanntgegeben werden, sobald die Unterhandlungen mit lagen des Lebens ihrer Zeit. Wir werden schließlich bei allen Gefühl nicht mehr los werden, daß diese erst neunundneunzigmal ihnen zum Abschluß gelangt sind, sollen diesen Winter geschicht- Gelegenheiten, wo die verschiedenen Wehrverfassungen, die einander wenn möglich auch möglich auch gegenübertreten, zugleich einen Gegensatz ihres politischen Gefüges an ihre gewerkschaftlichen Pflichten denken, ehe sie sich einmal an liche, nationalökonomische und ihre Parteipflicht erinnern. naturwissenschaftliche Vortragszyklen veranstaltet austragen müssen, die sieghafte Stärke des demokratischen Das Geträtsch, daß die Gewerkschaften von der Partei, solange werden, vor allem einmal in Frankfurt a. M. selbst. Von Prinzips walten sehen. fie flein waren, nebensächlich behandelt worden seien, jetzt aber, der Stellungnahme der Arbeiterorganisationen in den übrigen Die Quellen der Parteifinanzen. Zu der von uns gewürdigten wo sie erstarkt seien, den Neid der Partei erweckten, ist purer Städten und Ortschaften des Maingaues wird es abhängen, tabellarischen Uebersicht über die Herkunft der Parteibeiträge im Blödsinn. in welchem Maße auch dort solche Veranstaltungen getroffen werden Bericht des Parteivorstandes schreibt die Mannheimer BoltsDie Gewerkschaften sind sämtlich, mit Ausnahme von ein oder können. In Frankfurt a. M. sollen ferner im Laufe dieses Winters zweien, von der Partei ins Leben gerufen und von dieser mit einer die literarischen Abende, die voriges Jahr versuchsweise it imme": Das Großherzogtum Baden ist also nur mit der geringen Liebe und Sorgfalt gepflegt worden, die nichts zu wünschen zur Einführung gelangten, ausgebaut werden und zwar in der Summe von 860 m. vertreten, darunter allein 700 M. aus Mannheim. übrig ließ. Richtung, daß an einem Abend nicht mehr ganze Literaturen wie Es wäre jedoch ungerecht, daraus auf einen Mangel an OpferUnd in diesem Eifer ist die Gesamtpartei bis heute nicht er- voriges Jahr, sondern einzelne Dichter, Dichterpaare willigkeit unserer badischen Parteigenossen zu schließen. Bei der verlahmt, ein Blick in die Parteipresse, in die Versammlungen, Bu- oder kleinere Strömungen behandelt, daß ferner die Rezisammenkünfte der Arbeiter bestätigt diese Tatsache.... Die Partei tationen möglichst nur durch Berufstünstler ausgeführt werden. Der gleichenden Betrachtung obiger Zahlen müssen vielmehr die besonderen Umstände berücksichtigt werden, unter denen die Partei ist nicht neidisch darauf, daß die Gewerkschaften an Bedeutung und Arbeiterbildungsausschuß will des ferneren die hiesige Parteibuch der einzelnen Staaten im verflossenen Jahre arbeitete. Und dabei Macht gewinnen, das Gegenteil ist der Fall, wohl aber ist diese handlung und die Buchhandlungskommission veranlassen, in der ist zu bedenken, daß wir in Baden im Herbst v. J. die allverärgert, daß eine Anzahl Gewerkschaftsführer bersimpelt oder Weihnachtszeit eine systematisch geordnete Ausstellung von gemeinen Neuwahlen zum Landtage hatten, die, da sie das erste Mal und schlechten Büchern( gut und schlecht auf nach dem direkten Wahlsystem vorgenommen wurden und auch erstbon Größentvahn befallen sind und die Wege der Partei durch guten freuzen. Wir erinnern nur an die Maifeier. Dieser Teil der Inhalt und Gewand bezogen), von guten und schlechten Bilder- mals sich über das ganze Land erstreckten, besondere Bedeutung Gewerkschaftsführer, die jetzt nicht oft genug die Größe und Macht büchern, guten und schlechten Bilderproduktionen uſtv. zu ber- hatten. Tatsächlich stellte unsere Partei auch in sämtlichen 73 Kreisen Ein Vortrag soll zur Erläuterung dienen. Der der Gewerkschaften hervorheben können, übersieht, daß diese Höhe veranstalten. nur zum geringsten Teil ihrer eigenen Tätigkeit geschuldet ist. Arbeiterbildungsausschuß will sich schließlich an die Gewerkeigene Kandidaten auf und trat demgemäß überall im Lande in eine energische Agitation ein. Daß sie dabei ihre Geldmittel selbst Hier trifft der Vergleich zu, wo ein Vater seinen Sohn unter den schaften wenden, um sie zu veranlassen, bei der Verbrauchte und außerstande war, größere Beträge nach Berlin abgrößten Entbehrungen und Anstrengungen in eine hohe Stellung anstaltung ihrer Feste etwas nach der künstlerischen Seite zuführen, wird wohl überall begriffen werden. Das laufende Gebringt und dieser ihm dann hochnäfig die Moral predigt, daß er wählerischer zu sein als bisher und sich gegebenenfalls an den vor- schäftsjahr der Partei wird, daran ist nicht zu zweifeln, das badische feine Ersparnisse erübrigt und noch etwas mehr tun fönne." genannten Ausschuß zu wenden. Die zu wählenden auswärtigen Land in der Einnahmerechnung des Parteivorstandes sicher in ganz Der Tabakarbeiter" brachte im Auszug die wesentlichsten Aus- Bildungskomitees bitten wir, in ihren Orten dasselbe zu tun. Auf anderem Lichte zeigen. führungen des Kautskyschen Artikels Partei und Gewerk- diese Weise langsam die Wege ebnend, gedenkt der Arbeiterbildungsschaften" in der Neuen Zeit" und bemerkte dazu, daß diese Aus- ausschuß im Verein mit den gewerkschaftlichen und politischen Organis führungen mit seiner Auffassung zusammentreffen. sationen des Maingaues und vertrauend anf den Bildungsdrang des Wolfes, weitere und größere Aufgaben vorzubereiten. " # Bom Fortschritt der Parteipreffe. Die Genossen des Wahlkreises Mühlheim Duisburg geben ihr nenes Parteiorgan bom 18. d. M. ab heraus. Es erscheint vorläufig als Kopfblatt der Dortmunder Arbeiterzeitung" unter dem Titel„ Niederrheinische Arbeiterzeitung". " " Die Führung auf dem musikalischen Gebiete soll vorläufig der unsere Zitaten- Auswahl aus den Aeußerungen der Gewerk- Kunst tommission des Vollschors Union" überlassen schaftspresse zur Veröffentlichung des Protokolls der Gewerkschafts- werden, der zwei Mitglieder des Arbeiterbildungsausschusses anZur Rückkehr der Genossin Luxemburg schreibt das„ Hamfonferenz( Nr. 216 des„ Vorw.") bedarf in einem Punkte einer gehören. Für diesen Winter sind zwei in großem Rahmen Berichtigung. In dem Zitat aus der Metallarbeiter gedachte musikalische Kunſtabende geplant: ein Robert Schuhinzufügen, daß unsere Genoffin vor einigen Tagen auf Umwegen Echo":" Dieser Meldung des Vorwärts" können wir Beitung" muß es heißen: mann- Abend( zur ( zur Feier des Todesjahres) und ein Die Generalfommission mag sich glücklich schäßen, daß die liederabend. Neben den Chören der Union" sollen Berufs- amburg erreicht hat. Die vier Monate in den Kertern des Situation nicht umgekehrt ist, daß nicht sie sich veranlaßt sieht, tünstler zugezogen werden. In der Kommission wurde betont Baren, worunter auch die Haft in der berüchtigten Zitadelle von eine vertrauliche Kundgebung des Parteivorstandes zu veröffent- und von allen Witgliedern anerkannt, daß die Gesangvereine zu Barschau, find natürlich nicht spurlos an ihr vorübergegangen. Aber bas fönnen wir ihren Freunden und Feinden versichern: Der lichen. Die Entrüstung der Anarchos und deren nurpartei= wenig beitrügen zur theoretisch- musikalischen Erziehung ihrer MitTerischer Protektoren würde in diesem Falle keine Grenzen glieder, daß Vorträge über Musikgeschichte, einzelne Komponisten Kampfesmut unserer Genoffin ist nicht im geringsten geschwächt, und revolutionären Praxis werden sicherlich der revolutionären Theorie Aus dem Wort nur parteilerischer ist in Nr. 216 fälschlich usw. zu den Veranstaltungen eines Gesangvereins gehören sollten, ihre im Barenreich gesammelten mannigfachen Erfahrungen in der der mehr sein will, als ein Vergnügungsinstitut: ein Kunstfattor. un parteilerischer geworden. Angestrebt werden soll die Veranstaltung besonderer Theater au statten kommen. orstellungen für die Arbeiterschaft. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. tennen. Aus der Partei. Bildungsbestrebungen. " Einer von der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat sich am Die politisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeiter von Mittwoch vor dem Landgericht in einer Straffache gegen die DüffelHamburg- Altona haben nach Reorganisation der dorfer Boltszeitung' einen sehr bezeichnenden Ausfall ge= Bildungsvereine mit diesen ein Abkommen getroffen, wonach leistet. Genosse Schotte sollte sich wegen Beleidigung des preußiDer vom Sozialdemokratischen Verein und dem gegen eine an die Bildungsvereine zu gewährende, je zur schen Abgeordnetenhauses verantworten. Da er aber seit mehreren Gewertschaftsfartell Bremen gemeinsam eingesetzte älfte von Partei und Gewerkschaften zu zahlende Wochen unter fortgefeßten Unpäßlichkeiten start zu leiden hat, war Bildungsausschuß hat für der Winter 1906 folgendes Bro- Subvention von praeter propter 4000 art pro Jahr Unterrichts- unter Beifügung eines ärztlichen Attestes kurz vor Beginn der gramm entworfen, mit deffen Abwickelung bereits begonnen wurde: kurse in der Nationalotonomie, Soziologie, Ge Gerichtssigung die Vertagung der Prozeßsache beantragt worden. Dem Sonntag, 16. September: Vorstellung im Bremer Stadttheater: schichte und deutschen Sprache stattfinden sollen. Für forts amtierenden Staatsanwalt paẞte dies sehr wenig in den Kram. Der -Weimar soll sein Name sein. geschrittene Genossen findet ein besonderer Kursus statt. Begründet Mann Die Frau vom Meer" von Henrik Ibsen. beantragte zunächst einen VorMontag, 17., Dienstag, 18., Donnerstag, 20., Sonnbend, 22. und wird diese erfreuliche Maßnahme mit der Notwendigkeit, für Partei führungs- und als er damit abbligte, einen Haftbefehl. Dabei leistete Montag, 24. September: Vortragscytlus über„ Die politi- und Gewerkschaften in den genannten Fächern durchgebildete agita er sich einen Ausfall gegen den Arzt Dr. Bad, der das betreffende schen Parteien und ihr Verhältnis zur Sozialdemokratie", abgehalten torische Sträfte heranzuziehen. Ju einer Sigung von Gewerkschafts- Attest ausgestellt hatte. Er meinte, es handele sich hier um eine bon Julian Borchardt Berlin. vorständen und Kartelldelegierten am Mittwoch wurde dieses vor sichtliche Verschleppungstattit, cr war also unvorsichtig Soziales. Um die Entschädigungen der Vorstandsmitglieder von OrtsKrankenkassen genug, Herrn Dr. Back indirekt der Ausstellung eines mal 3 M. usw." Was sei mit Teilnahme an Amtshandlungen" Attestes wider besseres Wissen zu beschuldigen. Da wir gemeint? Sei es schon eine solche, wenn Mitglieder kämen und aber unsere Pappenheimer kennen und wissen, was wir von der mit einem Vorstandsmitgliede eine Kassenangelegenheit besprächen? Düsseldorfer Staatsanwaltschaft zu erwarten haben, schreibt die Sollten auch dann 3 M. gezahlt werden?( Die Vertreter des VorVolkszeitung" ,, hatten wir die Borsicht gebraucht, einen zweiten standes schüttelten den Kopf.) Ebenso unklar und vieldeutig seien Arzt, Herrn Dr. Wehberg zu Rate zu ziehen. Das Attest dieses die Worte:" Soweit höhere Aufwendungen nicht nachgewiesen seien." Herrn, das sich noch in unseren Händen befindet, deckt sich mit dem Wegen diefer Unklarheit müsse die Genehmigung versagt werden. des Herrn Dr. Back.... Und es gehe nicht, die Bestimmung bezüglich des Vorsitzenden herauszunehmen und an sich zu genehmigen, da die zur Genehmigung unterbreitete ganze Vorschrift etwas einheitliches sei. Wenn die Kasse eine anderweite Fassung der Vorschrift geben wolle, dann sei ihr dringend die Beachtung eines Urteils des Senats zu empfehlen, wodurch einer Kasse die Genehmigung zu statutarischen handelte es sich bei einer wichtigen Entscheidung des preußischen Bestimmungen erteilt sei, welche eine bestimmte Entschädigung festOber- Verwaltungsgerichts in Sachen der Allgemeinen Orts- festen für die Teilnahme an Vorstandssigungen, KommissionsKrankenkasse der vereinigten Gewerbebetriebe Charlottenburgs. fitungen, Kassenrevisionen, sowie den im Interesse der Kasse mit Der§ 40 des Kassenstatuts lautet:„ Die Mitglieder des Vorstandes Aerzten, Apothekern und sonstigen Lieferanten abzuhaltenden berwalten ihr Amt als Ehrenamt unentgeltlich; der ihnen durch Situngen, und welche weiter besagten:" Ferner erhält jedes VorWahrnehmung der Vorstandsgeschäfte erwachsende Zeitverlust oder Handsmitglied bei sonstiger Wahrnehmung der Kassengeschäfte für entgangene Arbeitsverdienst, ebenso ihre baren Auslagen werden Beitversäumnisse, wenn die Tätigkeit bis mittags 12 Uhr beendet ihnen von der Kasse ersetzt. Soweit höhere Aufwendungen nicht ist, für einen halben Tag 3 M., wenn dieselbe bis nach 12 Uhr nachgewiesen werden, erhält jedes Vorstandsmitglied für seine währt, für den ganzen Tag 6 M. als Entschädigung." Bei einer Teilnahme an Amtshandlungen jedesmal 1 M., der Kassen solchen Fassung wäre ein Maß gegeben für die Nachprüfung der vorsitzende aber für Zeitversäumnis bei der Erledigung der Angemessenheit der eingestellten Entschädigungsfäße. laufenden Verwaltungsgeschäfte ein monatliches Pauschquantum bon 25 M." Die Generalversammlung der Kasse am 29. April 1905 beschloß nun einstimmig, den§ 40 unter Aufrechterhaltung seiner sonstigen Fassung dahin zu ändern, daß an Stelle des Sahes von 1 M. ein solcher von 3 M. und an Stelle des Pauschquantums des Vorsitzenden von 25 M. ein solches von 50 M. zu treten habe. Der Bezirksausschuß zu Potsdam versagte seine Genehmigung zu dieser Statutenänderung und verblieb in mündlicher Verhandlung bei diesem Entscheide, nachdem der als Kommissar zur Wahrnehmung des öffentlichen Interesses ernannte Stadtrat Boll die Erhöhung der Entschädigungssäge mit Fort mit§ 361 3iffer 6 des Strafgesetzbuchs! und des§ 361 Biffer 6 Str. G. B., der bestimmt: Die Notwendigkeit der Beseitigung der Sittenpolizeikontrolle Polizei- Berordnung. Auf Grund des§ 5 der Verordnung vom 20. September 1867 betreffend die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen wird nach Anhörung der Gemeindebehörde nachfolgendes angeordnet: Mit Geldstrafe bis zu 9 M. oder mit Haft werden bestraft Dienstboten, welche reihenweise oder truppweise im Gehen oder Stehen den Verkehr auf den Bürgersteigen hindern, oder fich nach 9 Uhr abends in den Straßen umhertreiben.( Im Original fett gedruckt.) Plön, 9. Mai 1887. Die Polizeibehörde. gez. Kinder. Vorstehende Polizeiverordnung wird hierdurch in Erinnerung gebracht. Plön, 14. September 1906. Die Polizeiverwaltung: gez. Kinder. Wer das liest, wird zunächst seinen Augen nicht trauen und sich durch wiederholte Lektüre vergewissern, ob er sich wirklich nicht in der Jahrhundertzahl verlesen hat. Aber es ist kein Zweifel: Diese ganz unglaubliche Verordnung ist wirklich im Jahre 1906, im Anfang des 20. Jahrhunderts, erlassen bezw. aufgefrischt worden. Aus dem Jahre 1806 fann sie ja auch unmöglich stammen, denn dazumal war in Ostholstein die Leibeigenschaft bereits abgeschafft. Man müßte also, um die Verordnung staatsrechtlich zutreffend zu datieren, in noch frühere Jahrhunderte zurückgehen. gegen Verfammlungen. Der Es bleibt nun abzuwarten, was mit dieser Monstrosität, nach" Mit Haft wird bestraft eine Weibsperson, welche wegen dem sie hiermit auch außerhalb Plöns demonstriert worden, weiter gewohnheitsmäßiger Unzucht einer polizeilichen Aufsicht unter geschicht. Daß sie ein Hohn ist auf die selbst in der preußischen stellt ist, wenn sie den in dieser Hinsicht. zur Sicherung der Ge- Verfassung, garantierten Persönlichkeitsrechte des Staatsbürgers sundheit, der öffentlichen Ordnung und des öffentlichen Anstands und überdies von Polizei wegen ein geradezu haarerlassenen polizeilichen Vorschriften zuwiderhandelt, oder welche, sträubendes Ausnahmerecht eine bestimmte Klasse ohne einer solchen Aufsicht unterstellt zu sein, gewerbsmäßig dieser Staatsbürger statuiert, liegt auf der Hand. Aber es ist Unzucht treibt"," auch klar, daß ihr Urheber, indem er solchermaßen einen ganzen allerlei„ Gründen" bekämpft hatte. Der Bezirksausschuß berief zeigte eine Verhandlung, die dieser Tage vor der Hallenser Straf- Berufsstand, der mindestens so achtbar wie der ſeine, einer Art sich auf§ 34a des Krankenversicherungsgesetzes, wonach die Mit- kammer gegen die 23jährige Schneiderin Alma Weise stattfand. Hundesperre zu unterwerfen sich herausnimmt, gröblich wider die glieder des Vorstandes ihr Amt als Ehrenamt unentgeltlich ver- Das junge Mädchen hatte sich mit einem Studenten eingelassen, guten Sitten verstößt und auch dieserhalb zu belangen wäre. Eine walteten, sofern nicht durch das Statut eine Entschädigung für den von diesem zu Buzzwecken Geld genommen und war dann durch der dringendsten Aufgaben ist Beseitigung der schmählichen gegen durch Wahrnehmung der Vorständsgeschäfte ihnen erwachsenden Denunziation unter Sittenkontrolle gekommen. Als die Unglüd- das Gesinde bestehenden Ausnahmegesetze und die Unterbindung, Zeitverlust und entgehenden Arbeitsverdienst bestimmt wird. Die liche polizeilich gezwungen wurde ein öffentliches Haus auf dem neue zu erlassen. " Schlamm"( so heißt die Straße, in der die Freudenmädchen wohnen) zu beziehen, wurde ihr das Jammerleben zum Gkel und sie faßte den festen Entschluß, sich aus dem Schlamm wieder Halle, arbeitete dort zunächst auf einem Gute und nahm dann ihr heraus zu arbeiten. Sie zog nach Bäschdorf, einem Orte bei Arbeiter- Sängerbund. In der Ausschußsizung am 16. Sepihr aber nicht, von der Sittenkontrolle loszukommen, und die macher)," Freia II"( gemischter Chor)," Freie Sänger"-KötschenEinigkeit"( Hutfrüheres Schneiderinnenhandwerk wieder auf. Leider gelang es tember wurden folgende Vereine aufgenommen: Polizei verlangte von ihr, daß sie sich bei jedem Gange nach dorf. Zwei weiteren sich zur Aufnahme meldenden Vereinen oder durch Halle, um Einkäufe für die Schneiderei zu machen, bei wurde anheimgegeben, sich bereits bestehenden Vereinen ander Sittenpolizei an- und abmelde. Dies war dem Mädchen, das zuschließen, um einerseits leistungsfähiger zu werden und um ich wieder herausarbeiten wollte, besonders lästig. Auch gelegent- andererseits eine Zersplitterung der Vereine zu vermeiden. lich einiger Einkäufe in einem Konfektionsgeschäft am 29. März Arbeiter- Samariterkolonne wurden 150 M. und dem Arbeiterin Halle, meldete das Mädchen auf der Sittenpolizei, daß es Schwimmerbund 100 M. für die Aufsicht beim Sängerfest überAn Stelle des verstorbenen Revisors Hans wurde 4 Uhr nachmittags gekommen sei, und 5 Uhr nachmittags Halle wiesen. verlasse, um auf dem Heimwege von ihrer Schwester Betten mit Supfer vom Verein„ Liedesfreiheit" als Revisor gewählt. nach Bäschdorf zu nehmen. Diesen Plan führte das Mädchen auch zum Stiftungsfest, welches am 8. Dezember in der Brauerei torrekt aus. Laut Sittenverordnung" durfte sich das Mädchen Friedrichshain stattfindet, wurde beschlossen: Für die Gesangsnach 5 Uhr nachmittags in Halle nicht mehr auf offener Straße aufführungen 8 bis 10 Vereine auszulofen, sowie zwei Solisten sehen lassen. Da es sich am 29. März auf dem Heimwege nach( Gesang und Instrumental) zur Mitwirkung zu ersuchen. Bäschdorf aber nicht nochmals polizeilich abgemeldet hatte, erhielt Vereine, welche sich am Gesang beteiligen, werden am 14. Oktober es ein Strafmandat und das Schöffengericht verhängte gegen die ausgelost. Diese Vereine fingen als Chorlied Sturm" von UhlBedauernswerte auf Beantragung gerichtlicher Entscheidung eine mann und werden gleichzeitig um fleißige Uebung dieses Liedes Eine gegen einen Bundesverein vorliegende Beschwerde Woche Haft wegen Uebertretung des§ 361 Absatz 6 des Str. G. B. ersucht. Nun fam das Tollste. Das Mädchen war inzwischen nach wurde nach kurzer Diskussion bis zur nächsten Ausschußsizung verBerlin berzogen und hatte mit der Prostitution nicht mehr das tagt, da die Beschwerdeführer persönlich nicht anwesend waren. geringste zu tun. Um den Berufungstermin vor dem Landgericht Die nächste Ausschußsigung und Ucbungsstunde finden am wahrzunehmen, kam es einen Tag früher und meldete der Sitten- 14. Oktober statt. polizei, daß es beabsichtige, eine Nacht bei seiner Schwester zu Die Zahlstelle Berlin des Deutschen Buchbinderverbandes hielt bleiben. Die Polizei ordnete aber an, die Weise müffe unbedingt, am 18. September in Kellers großem Saal eine außerordentliche da sie doch immer noch unter Kontrolle stehe, in der Nacht vor Generalversammlung ab, in der nach einer langen Geschäftsdem Termin in einem öffentlichen Hause auf dem Schlamm ordnungsdebatte zunächst über einen Antrag beraten wurde, der logieren. Die Unglückliche wendete sich an einen Rechtsanwalt, besagt, daß diejenigen Mitglieder, die durchschnittlich unter 12 M. der sich für sie tapfer ins Mittel legte und bei der Polizei durch wöchentlich verdienen, von der lokalen Ertrasteuer befreit sein sollen. Protest bewirkte, daß sie in einem anständigen Gasthause über- Es handelt sich hierbei hauptsächlich um Arbeiterinnen der Lurusnachten konnte. Der Anwalt, der das Mädchen auch vor der papier- und der Kartonbranche sowie um Lehrmädchen. Der Strafkammer verteidigte, ging mit den polizeilichen Sittenver- Antrag wurde angenommen. Danach beträgt der Wochenbeitrag ordnungen scharf ins Gericht und bestritt der Polizei das Recht, für jene Mitglieder 35 Pf. Die Versammlung wählte sodann als überhaupt solches Mädchen unter Kontrolle zu bringen. Wie konnte Standidaten zu den bevorstehenden Gewerbegerichtswahlen Paul es aber die Polizei der Unglücklichen so schwer machen, sich aus Schneider und als dessen Ersatzmann Emil Klar. Hierauf dem Milieu wieder heraus zu arbeiten? Auch das Berufungsgericht war mit dem„ sittlichen Walten" der Polizei nicht einverstanden; es hob das merkwürdige Schöffengerichtsurteil auf und sprach das Mädchen frei. " Die beschlossene Erhöhung der Säße würde dieser Bestimmung widersprechen, da nicht der Nachweis erbracht sei, daß eine Steigerung des Zeit- und Verdienstverlustes der Vorstandsmitglieder hervor getreten wäre, so daß die jetzigen Säße nicht mehr genügten. Die statutarisch festgesetzten Entschädigungsbeträge dürften nicht den Charakter von Gehalt annehmen. Auch die Entschädigung des Vorsitzenden in bisheriger Höhe sei angemessen, denn die eigentliche Leitung der Kasse liege einem Direktor ob, der 5000 M. Gehalt beziehe. Die Kaffe, vertreten durch den Vorstand, legte beim Ober- Verwaltungsgericht Rekurs ein. Es wurde unter anderem geltend gemacht, daß sich die geplanten Entschädigungen durchaus im Rahmen des gefeßlich zulässigen hielten und lediglich Entschädigungen für Zeitverlust und entgehenden Arbeitsverdienst sein sollten. Dafür, daß sie nicht zu hoch seien, wurde dann ein sehr spezialisierter Beweis angeboten. Hervorgehoben wurde die große Zunahme der Kassenmitglieder seit Festsetzung der bisherigen Entschädigungen. Damals 17000 bis 18 000, habe die Kaffe jetzt über 30 000 Mitglieder. Für die Entschädigungen der Vorstandsmitglieder kämen die Sigungen in Betracht, für den Vorsitzenden noch weitere Rassengeschäfte. Der dritte Senat des Ober- Verwaltungsgerichts bestätigte zwar das Urteil des Bezirksausschusses, aber aus anderen Gründen, indem er durchblicken ließ, daß er den erhöhten Bauschalsatz für den Vorsitzenden genehmigt haben würde, wenn die Statutenänderung nicht als etwas einheitliches zu nehmen wäre, und indem er zugleich der Kasse hinsichtlich der Wahl einer bessern Fassung Ratschläge mit auf den Weg gab. Zur Begründung wurde nämlich ausgeführt: Die Faffung der Statutenänderung sei eine solche, daß der Gerichtshof auch seinerseits für diese Fassung die Genehmigung nicht aussprechen könne. Allerdings seien verschiedene Ausführungen des Bezirksausschusses und des Kommissars nicht richtig. So sei gesagt worden, der Verlust des Ertrages von Ueberstunden könne nicht berücksichtigt werden, weil es dem Programm der Arbeiter widerspreche, Ueberstunden zu machen. Das sei falsch.§ 34a des Gesetzes sage allgemein, daß die Borstandsmitglieder ihr Amt unentgeltlich verwalteten, sofern nicht durch Statut eine Entschädigung für den durch Wahrnehmung der Vorstandsgeschäfte ihnen erwachsenden Zeitverlust und entgehenden Arbeitsverdienst bestimmt werde. Danach sei unerheblich, welcher Art der entgangene Arbeitsverdienst sei und wann die Beit sei, in der der Verlust stattfinde. Es hänge nicht davon ab, welche Absicht darüber bestehe, wie die Arbeit in den einzelnen Fabriken, Werkstätten usw. geregelt werden solle. Die Frage sei einfach die: Liegt Zeitverlust oder Verdienstverlust vor oder nicht? und: Kann das Vorstandsmitglied die fragliche Zeit anders verwerten oder kann es sie überhaupt nicht verwerten? Ferner sei auch nicht richtig, wenn Kommissar und Bezirksausschuß sagten, daß der Vorsitzende sich mit 25 M. im Monat zu begnügen habe, weil ein Das ostholsteinische Städtchen Plön ist dem loyalen PreußenDirektor der Kasse da sei und der Vorsitzende es nicht nötig hätte, volt bekannt, ja verehrungswürdig, als militärische Bildungsstätte alle die Sachen nachzuprüfen, welche er als Vorsitzender unter der Hohenzollernprinzen, die in der dortigen Kadettenanstalt die schreiben müsse. Es sei dem entgegenzuhalten, daß ja der Vor- ersten Weihen zu ihrem zukünftigen Beruf als Schlachtenlenker und fißende in der Beziehung gefeßlich verantwortlich und regreßs spätere Heldengreise empfangen. Dem aufmerksamen Zeitungsleser pflichtig sei, und es müsse davon ausgegangen werden, wovon das ist Plön vielleicht noch außerdem in der Erinnerung durch eine eigen- abends statt. Geöffnet 7 1hr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um Gesetz ausgehe, daß er seine Amtspflicht wirklich so wahrnehme, artige Polizeiverfügung, die vor einigen Jahren die Kunde durch die 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen wie es sein solle, und sie so erfülle, daß er einen Regreß nicht zu Preffe machte und besonders auch in bürgerlichen Blättern mit beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. fürchten brauche. Das Argument, daß ein anderer die Arbeit großer Entrüstung besprochen wurde. Sowie man nämlich, etwa auf Nübezahl. Gegen den Ausländer ist wie gegen einen Deutschen zu mache, dürfe nicht in Betracht kommen. Auch sei das Gericht der einem Nachmittagsspaziergang von Kiel her, in das Bereich des klagen. S. Sch. 15. 1. Es wäre strafbar. 2. Gewerbegericht. 3. Polizei Ueberzeugung, daß es nicht gegen das Gesetz sei, für den Vor- Plöner Landrats gelangt, erfährt man durch Anschlagstafeln an und Staatsanwaltschaft sind zuständig. 4. Unverständlich. O.. 57. sitzender eine monatliche Bauschalsumme anzusetzen. Denn für allen Wegweisern, daß in dieser lieblichen Gegend das Spenden von Sie können Berufung einlegen. Wenden Sie sich mit den Papieren an das 5. S. 100. Richten Sie an die Versicherungsseine Geschäfte, die sich im Laufe der Jahre übersehen ließen, sei Almosen Geld- bezw. Haftstrafe nach sich zieht. Als seinerzeit diese Arbeitersekretariat. A. Nottmann. 1. u 2. es möglich, eine Pauschalsumme so zu bemessen, daß sie dem Geseze Blöner Polizeifpezialität, die sich übrigens auch in anderen Kreisen anstalt den Antrag auf Bewilligung der Rente. entsprechend sich darstelle als„ Entschädigung für Zeitverlust und Ostelbiens finden soll, bekannt wurde, ging dieser klaffende Wider- Leider bestehen Verbote nach dieser Richtung nicht. 3. Wenden Sie sich beschwerdeführend, an die Schuldeputation. entgehenden Arbeitsverdienst". Wenn die Tätigkeit in einem spruch zwischen einem der fundamentalsten Gebote des Christentums, Mn, S. 107. Der Mann ist stets verpflichtet, für den Unterhalt seiner Monat geringer sei, so gleiche es sich im Laufe des Jahres aus. der Barmherzigkeit, und solcher schwarz- weißer Polizeisittlichkeit selbst seinder zu sorgen. 5. B. 69. Die Kinder unter 15 Jahren haben Auch sei das Gericht der Ueberzeugung, daß bei einer so großen obrigkeitsfrommen Blättern über die Hutschnur und der Urheber des einen Rückerstattungsanspruch. F. H. 11. Nein, aber bei der Polizei Kaffe, wie hier, die Summe von 50 M. für den Vorsitzenden pro Utases bekam unangenehme Dinge zu hören. Natürlich besteht die müßten Sie auf Erjak nachsuchen. 2. 3. 103. Nein. B. K. 20. Monat nicht zu hoch gegriffen sei. Im übrigen sei aber die Verordnung heute noch zu Recht". Eine Klage verspricht Aussicht auf Erfolg. Rigdorf, Prinz Handjery: Fassung der geänderten Statutenvorschrift cine so unklare, daß Immerhin, das war im and kreise Plön. Jetzt aber wird ftraße 32. Das ist möglich. Beschwerde und Verwaltungsstreitverfahren wären zulässig. Betrübte Abonnentin. Sie könnten nur auf Eheniemand in der Lage sei, die Zweckmäßigkeit und Angemessenheit uns aus der Stadt, der Prinzeustadt Plön ein Polizeistück scheidung flagen und später Bestrafung beantragen. A. B. Nr. 2. Die zu prüfen. Es fehle jedes Maß dafür, wenn es dort heiße:" Soweit gemeldet, das jene Probe ländlicher Polizeimoral tief in den Schatten Provokation einer Klage würde zu dem von Ihnen gewünschten Ziel nicht höhere Aufwendungen nicht nachgewiesen werden, erhält jedes stellt. Dieser Tage nämlich war im amtlichen Teil des„ Plöner führen. Sie können vor der Eidesleistung dem Betreffenden geeignete Vorstandsmitglied für seine Teilnahme an Amtshandlungen jedes: Wochenblatts" folgende Bekanntmachung veröffentlicht: Borhaltungen machen. M. 3. 937. Ihre Ansicht ist eine irrige. -Ein polizeiliches Ausnahmegesetz für Dienstboten. Sunlicht Seife Blank und blitzend werden Schüssel, Copf und Pfanne und alle Küchengeräte, wenn man sie mit Sunlicht Seifenwasser reinigt. Die lästigen Fett. ansätze und die üblen Gerüche, welche Fische, Gemüse wie etwa Kohl, zurücklassen, werden mühelos entfernt und in kurzer Zeit erglänzt das Geschirr und die Küche in appetitlicher Sauberkeit. man bereitet sich eine billige weiche Seife( Schmierseife), wenn man ein balbes Doppelstück zu Schnitzeln schabt und diese in SUNLICHT 1-1% Citer heissem Wasser durch fleissiges Umrühren löst. Ein viertel Liter dieser weichen Seife einem Eimer heissem Wasser beigesetzt leistet ganz ausgezeichnete Dienste zu allen Reinigungsarbeiten. SCHUTZMARKE SEIFE GARANTIRT UNVERFALSCHT FREI VON SCHADLICHEN BESTANDTHEILEN wurde über einen Antrag, dem Mitgliede Alfred Hanke die vom Verbandsvorstand abgelehnte Gemaßregeltenunterstützung aus lokalen Mitteln zu zahlen, verhandelt. Dieser Punkt konnte jedoch nicht erledigt werden, da, als Hanke eine persönliche Erklärung abgeben wollte, die Unruhe in der Versammlung sich dermaßen steigerte, daß der überwachende Beamte die Versammlung auflöſte. Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet wochentäglich von 7 bis 9½ 1hr W. W. 1000. Nein. Kaufhaus Max Mannheim Ecke Königsberger Strasse Frankfurter Allee 109-112 Ecke Königsberger Strasse D' Extra billiges Angebot für Sonnabend, Montag und Dienstag Ein Posten Burschen- Anzüge aus guten Zwirn- und Buckskin- Stoffen, Wert bis 15.- 8.50 Ein Posten Herren- Anzüge aus guten Zwirn- u. Buckskin- Stoffen, Wert bis 25.- 12.50 soweit der Vorrat reicht: Ein Posten Herren- Hosen 3.2.50 Wert bis 3.75 Wert bis 4.50 Große Auswahl in Herren- und Knaben- Joppen Maßanfertigung. Damen- Glacé- Handschuhe 2 Druckknöpfe, weiß und farbig Ia Gloria Winter- Paletots. aus gutem Buckskin, 3.50 50 Wert bis 5.Qual. I Qual. 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Festsegung des Programms; Programmentwürfe; Ausschluß der„ Unabhängigen"; Tattit der Partei. 90,-, 50 Halle Erfurt Berlin Köln 1892. Bergriffeu. 1893. Gewerkschaftsbewegung; Antisemitismus; Wahlrecht und Beteiligung an preußischen Landtagswahlen. frage; Trusts, Ringe und Kartelle, M.- 40 M.-, 25 M.-, 30, geb. M.-, 50 Frankfurt 1894. Budgetbewilligungsfrage in den Landtagen; AgrarBreslau 1895. Agrarprogramm; Hausindustrie. Gotha 1896. Vergriffen. Hamburg 1897. Breußische Landtagswahlen; Militarismus. Stuttgart Broschiert M.-, 35 1898. Stoalitionsrecht; Bergarbeiterschuk; Preußische Landtagswahlen; Zoll- und Handelspolitik. Broschiert M.-, 35, gebunden M.-, 60 Hannover 1899. Bergriffen. 1900. Weltpolitik; Berkehrs- und Handelspolitik; Zaktif bei den Landtagswahlen; Anhang: Bericht über die Frauenkonferenz. Mainz Lübeck 1901. Bergriffen. München fonferenz. 1902. Arbeiterversicherung; Dresden 1903. Bergriffen. Bremen Paris Zürich London Paris Broschiert M., 50 Rommunalpolitik; Frauen 502.-, 60 Verkauf Broschiert M.-, 70, geb.. 1, gegen Baar. 1904. Maifeier; Amsterdamer Kongreß; Organisationsfrage; Fall Schippel; dritte Frauenkonferenz. Protokolle der Internationalen Arbeiter Kongreffe. 1889. Mit einem Borwort von W. Liebfnecht. Berichte der Delegierten der einzelnen Länder; Abschaffung der stehenden Heere; Maifeier. M.-, 25 1893. Stellung der Partei im Striegsfalle; Agrarfrage; Generalstreif. M.-, 50 1896. Politische Aktion; wirtschaftliche Aktion; Erziehung und förperliche Entwidelung. .- 20 1900. Der Kampf um das allgemeine Stimmrecht; die Eroberung der politischen Macht; Solonialpolitik; der Sozialismus in den Gemeinden. M.-, 20 Amsterdam 1904. nternationale Regelung der ſozialiſtiſchen Bolitit ( Zaltit), Stolonialpolitit, Auswanderung und Einwanderung, Generalstreit, Sozialpolitik und Arbeiter. versicherung, Der Achtstundentag, Trusts und ArbeitsLofigkeit. M. 1,-, Agitationsausgabe M.-, 40 Expedition des Vorwärts Berlin S. 68, Lindenstr. 69( Laden). Die Für die neue Wohnung notwendigen Möbel- und Ausstattungs- Ergänzungen kautt man bekanntlich am besten in einem grossen Spocialkaufhaus. Als solches empfiehlt sich untenstehende Firma. Eine Besichtigung der kolossalen, mehrere 1000 meter grossen Ausstellungs- Räume liefert Ihnen auf der Stelle den denkbar beston Beweis datür, dass Sie sich an der goldrichtigen Quelle befinden. M. L. N. ( M. Luckhardt Nachf.) Spandauerstrasse 36-39 die Besichtigung unserer Möbel -Ausstellung verpflichtet zu keinem Kauf. Auf Wunsch bequemste Teilzahlung. Ca. 100 complette Einrichtungen ausgestellt. Einrichtungen von 300-20000 M. An jedem Gegenstand, an jeder Einrichtung befinden sich 2 feste Preise! Ein Kassaprels. Ein Teilzahlungspreis. Nur Spandauer- Str. 36/39 vis- à- vis d. Rathaus. Nur 1 Min. v. Molkenmarkt. Dr. Schünemann Spezial- Arzt für 21032* Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. 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Ihre Zahl ist so groß, dah sich beim Aufruf der große Schwurgerichtssaal als zu klein erweist, der Vorsitzende läßt deshalb die Tür des benachbarten Beratungs- zimmers der Geschworenen öffnen, das sich ebenfalls rasch mit Zeugen füllt. Einer der fehlenden Angeklagten, namens Schuster, ist inzwischen aus dem Hospital entlassen worden. — Staatsanwalt H e n s e l beantragt, ihn verantwortlich zu ver- nehmen und den geladenen Belastungszeugen gegenüberzustellen. Eine Verurteilung Schusters könne allerdings nicht erfolgen.— Die Verteidiger widersprechen diesem Antrage. ES sei prozessual unzulässig, den Mann mitten in die Verhandlungen hin- einzuziehen.— V o r f.: Auch ich bin dieser Ansicht.— Der Staatsanwalt zieht hierauf seinen Antrag zurück.— Ingenieur Schmidt von der Maschinenbauanstalt, der bekunden sollte, daß die Arbeiter nur ungern mit arbeiten aufhörten, ist von Breslau verzogen.— Staatsanwalt: Ich unterstelle als unwahr, daß die Arbeiter von den Unternehmern gezwungen wurden, die Arbeit niederzulegen.— Vert. Hein: Einer der Angeklagten hat für Dienstag eine Gestellungsorder, vielleicht könnten wir ihn vom Erscheinen entbinden.— Vors.: DaS ist nach der Strafprozeßordnung nur dann zulässig, wenn nach dem Ermessen des Gerichts nur eine Strafe von höchstens ö Wochen Gefängnis zu erwarten steht. Diesen Fall halte ich hier nicht gegeben. — Staatsanwalt: Auch ich halte es für ganz ausgeschlossen, daß der Angeklagte weniger als K Wochen bekommt. In der fortgesetzten Zeugenvernehmung versuchen eine ganze Reihe Angeklagter einen Alibibeweis dahin zu führen, daß sie zu der fraglichen Zeit die Arbeitswilligen nicht hätten be- schimpfen können, weil sie sich zu Hause aufgehalten haben. Die hierfür von der Verteidigung geladenen Zeugen, meistens die Ehefrauen und andere Verwandten der Angeklagten bestätigen das, während die Arbeitswilligen bei ihrer Be- hauptung bleiben. An einen Entlastungszeugen, deren Aussagen übrigens meistens diametral den Aussagen der Arbeits. willigen gegenüberstehen, richtet ein Mitglied des Gerichtshofes die Frage, ob er mit zu den Ausgesperrten gehört habe.— Zeuge: Jawohl.— Vert. Hein: Aus der Tatsache, daß der Zeuge auch ausgesperrt war, kann man doch nicht folgern, daß er unglaubwürdig ist, so wären ja alle 4000 Ausgesperrten keine klassischen Zeugen.— V o r f.: Ich habe die Glaublvürdigkeit dieses Zeugen gar nicht bezweifelt.— Einer der Arbeitswilligen wurde wegen seiner großen Gestalt„Elefant" genannt. Mehrere Zeugen bekunden, daß dies ein allgemeiner Spitzname sei, durch den sich niemand beleidigt fühle.— Vors.: Da hat wohl jeder einen Spitznamen?— Zeuge Drechsler: Jawohl.— Vors.: Haben Sie auch einen?— Zeuge: Jawohl, ich heiße„Zwickel". (Heiterkeit.)— Ein anderer Arbeitswilliger soll nach der Be- kundung mehrerer Ausgesperrter eine höhnisches Lachen an sich haben, das nicht auszustehen sei.(Heiterkeit.)— Zeuge M a j u n k e sagt aus, er habe sich einmal nicht mehr halten können und dem Zeugen wegen seines höhnischen Lachens„ein paar runter gehauen".(Heiterkeit.)— Vors.: Da sind Sie wohl heute nicht gut aufeinander zu sprechen?— Zeuge: O doch, wir sind ganz gute Freunde.(Allgemeine Heiterkeit.) — Am Schluß der VormittagSsitzung ereignet sich dann noch ein recht heiteres Vorkommnis. Eine der beiden weiblichen An- geklagten erklärte, sie könne Nachmittag nicht mehr wiederkommen, da sie stündlich ihre Niederkunft erwarte.— Vors.: Liebe Frau, halten Sie doch noch ein bißchen aus, sonst müssen wir noch einmal in aller Ausführlichkeit extra gegen Sie verhandeln.— Die Angeklagte erklärte sich dann unter all- gemeiner Heiterkeit bereit, nachmittag wieder zu kommen mit dem Hinweis darauf, daß die zweite weibliche Angeklagte eine Hebe- amme sei. Zu Beginn der Nachmittagsitzung teilte Vert. W e i z m a n n mit, daß vier Arbeitswillige den Strafantrag wegen Beleidigung zurückgezogen hätten.— Ein Angeklagter bemerkt, ihm sei sehr schlecht.— Vors.: Was fehlt Ihnen denn?— Angekl.: Ich möchte gern frische Luft schnappen.— V o rs.: DaS möchten ja alle.(Heiterkeit.) Der nächste Zeuge. Bezirksleiter des MetallarbeiterverbandeS Schlegel, bemerkt einleitend, daß dkeMiSsperrung den Arbeitern äußerst überrascht kam. Er schildert dann in großen Zügen, wie Ende Februar dieses Jahres die Former und Gießer von Breslau sich an ihre Arbeitgeber um Lohnerhöhung gewandt hätten und daß infolge der entgegen- kommenden Haltung der Unternehmer auf allen Betrieben bis auf einen eine Einigung erzielt wurde. Dieser eine war die Maschinen- bauanstalt Breslau, für die Direktor Neumann jede Ver. Handlung mit den Arbeitern ablehnte. Auf ver- schiedene Schreiben, in denen um Unterhandlungen gebeten wurde, antwortete Neumann überhaupt nicht. Schließlich legten ISO Former der Maschinenbauanstalt die Arbeit nieder.— Vor s.: Gehörten alle Arbeiter dem Metallarbeiterverbande an?— Zeuge: Nein, auch dem Hirsch-Dunckerschen, dem Handels» und Transporta rbeiterlveriband und dem Fabrikarbeiterverband. Alle Arbeiter erklärten sich solidarisch.— Vors.: Aber die ganze Be- lvegung ging vom Metallarbeiterverband aus?— Zeuge: Jawohl.— Vors.: Wann legten sie die Arbeit nieder?— Zeuge: Am S. April. Zeuge erzählt weiter, daß am K. April eine Deputa- tion der Arbeiter sich zum Direktor Neumann begab, daß dieser aber erklärte, er könne und wolle nichts bewilligen. Die Arbeiter sollten erst die Arbeit wieder aufnehmen und dann lasse er mit sich reden. Die Leitung des Metall» arbeiterverbandeS gab darauf den Leuten den dringenden Rat, die Arbeit wieder auf- zunehmen und mit Direktor Neumann zu verhandeln. Die Arbeiter folgten aber der Weisung des Verbandes nicht, weil sie zu sehr erregt waren über die Nichtachtung, die Direktor Ncumann ihren Wünschen entgegengebracht hatte. Neumann stand auf dem Standpunkt, die Arbeiter wollten eine Machtprobe ver- anstaltcn. Das lag aber den Arbeitern durchaus fern. Am 12. April wurde dann die Aussperrung der Metallarbeiter Breslaus Perfekt, da die Former und Gießer der Maschinenbauanstalt sich weigerten, die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder auf- zunehmen.— Staatsanwalt; Können Sie Auskunst darüber geben, ob für den Fall, daß der Streik bei der Maschinenbauanstalt beigelegt worden wäre, die Zentrale des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes beabsichtigte, mit neuen Forderungen für mtdere Metall- arbciter vorzugehen?— Zeuge: Diese Absicht bestand nicht.— Vert. Ma m r ot h: Wie war denn die Stimmung der Aus- gesperrten? Waren daS alles Leute, die gern gearbeitet hätten?— Zeuge: Jawohl, die Leute klagten vielfach darüber, daß sie ausgesperrt seien.— Vors.: Wie wollen Sie nun erklären, daß die Ausgesperrten in hellen Haufen nach dem Striegauer Platz zogen? Das kann doch nur geschehen sein, um diejenigen, die die Arbeit fortsetzten, zu ver- anlassen, auch die Arbeit niederzulegen.— Zeuge: Ich kann das nur durch die allgemeine Aufregung erklären, die unter den Ausgesperrten herrschte. Besonders die Leute des Linkeschen Betriebes, um den es sich hier handelt, waren erregt, weil sie gar nicht von dem Formerstreik betroffen ivaren.— Vors.: Was hat es denn aber für einen Zweck, die Arbeiter aufzureizen?— Zeuge: Diese Ausscheitungen, die auch gar nicht ausschließlich von den Ausgesperrten begangen wurden, schreibe ich auf das Konto der Aufregung.— Vors.: Sollte nicht die Absicht der Ausgesperrten gewesen sein, die Arbeitswilligen zu veranlassen, die Arbeit niederzulegen und damit den Betrieb lahm- zulegen?— Zeuge: Das kann auch möglich sein.— Vert. Simon: Der Vorsitzende warf gestern die Frage auf, weshalb die Arbeiter gerade um die siebente Abendstunde auf den Striegauer Platz zogen. Ich stelle hiermit unter Beweis, daß gerade um diese Zeit die Ausgesperrten von der Verbands leitung in der Nähe des Stricgauer Platzes kontrolliert wurden, die Arbeiter also nicht von vornherein die Absicht hatten, auf dem Platz zu demonstrieren.— Bert. M a m r o t h: Ist es nicht möglich, daß die Leute mit ihren Beleidigungen mehr ihrem Aerger über die Be- vorzugung der anderen Arbeiter Ausdruck geben wollten, die sonst mit ihnen an einer Strippe zogen— Zeuge: Auch das ist möglich. — Vert. Mamroth: Die Erzwingung der Arbeits- niederlegung war also nicht der einzige Zweck dieses Vorgehens?— Zeuge: Nein. Zeuge gibt noch an, daß im ganzen etwa 8000 Arbciter ausgesperrt waren und daß die Zahl der Arbeitswilligen sich insgesamt auf 2000 beließ Zeuge Anstreicher Scholz, der um 6% Uhr abends über den Striegauer Platz nach Haufe gehen wollte, wurde ohne jede Veranlassung von einem Schutzmann mit dem flachen Säbel über den Rücken geschlagen und trug infolgedessen eine Verletzung davon, die einen zwei- monatlichen Aufenthalt im Hospital nötig machte. Als er dam: aus dem Hospital herauskam, wurde er verhaftet.— Vors.: Sie waren an dem Krawall nicht beteiligt? — Zeuge: Nein.— Vors.: Gehörten Sie zu den Aus- gesperrten?— Zeuge: Ja.— Vors.: Waren Sie im Metall- arbeiterverband organisiert?— Zeuge: Nein, in der Vereinigung der Maler und Tüncher.— Vors.: Weshalb waren Sie ausgesperrt?— Zeuge: Weil ich organisiert war. (Bewegung.) Ich habe den Meister gefragt, was gehen mich denn die Former an?— Vors.: Das war sehr vernünftig von Ihnen. Was hat denn der Meister gesagt?— Zeuge: E s sei von oben herab beschlossen worden, auszusperren. — Vors.: Sie wollten also arbeiten?— Zeuge: Ja, ich hatte besten Willen dazu.— Der Vereidigung dieses Zeugen widerspricht der Staatsanwalt, weil er dringend der Teilnahme am Aufruhr verdächtig und nur außer Verfolgung gesetzt sei, weil nicht genügendes Beweismaterial gegen ihn vor- lieg«, nicht weil er unschuldig sei. Vors.: Ich mutz aber doch hervorheben, daß der Zeuge außer Verfolgung gesetzt ist.— Vert. Simon ist für die Vereidigung. Trotzdem der Staatsanwalt sich die größte Mühe gegeben hat, alles Belastungsmaterial vor- zusuchen, hat er doch nicht soviel Material finden können, um den Verdacht gegen den Zeugen zu begründen. Er selbst hat beantragen müssen, ihn außer Verfolgung zu setzen.— Der Zeuge wird ver- eidigt. Der nächste Zeuge ist der Tischler H i l l e r, der am Abend des IS. April gegen 7 Uhr den Striegauer Platz passierte. Er hat von einem Schutzmann einen flachen Säbelhieb über den Kops und einen Säbelstich in die Schulter bekommen und mußte 14 Tage im Hospital zubringen.— Vors.: Der Stich war wohl sehr kräftig?— Zeuge: Jawohl.— Vors.: Waren Sie am Krawall beteiligt?— Zeuge: Nein.— Staatsanwalt: Ist es nicht möglich, daß Sie den Stich durch ein Versehen des Schutzmanns erhalten haben und daß er Ihnen gar nicht gegolten hat?— Zeuge: Das ist ausgeschlossen. Ich stand ganz allein und nach einer anderen Person konnte der Schutzmann gar nicht geschlagen haben.— Ein Zeuge M a j u n k e will von dem Angeklagten„elender Lump",„ver. fluchter Schweinehund" geschimpft und vom Rade gestoßen worden sein. Der in Frage kommende Angeklagte bestreitet das ent- schieden.— V o rs.: Woran erkennen Sie denn den Angeklagten wieder?— Zeuge: Am Wiederschen.(Heiterkeit.)— Bors.: Erkennen Sie ihn denn ganz bestimmt?— Zeuge: Wenn er nicht einen Bruder hat ist er es.(Sturmische Heiterkeit.)— Zeuge Hoppe ist Mitglied des katholischen Arbeiter- v e r e i ns. Er hat gegen den Angeklagten Konietzki Strafantrag gestellt, weil dieser in den Ruf:„Hoch lebe der katholische Arbeiter- verein!" ausgebrochen war.— Vors.: Wie konnten Sic sich da- durch beleidigt fühlens— Zeuge: Durch das höhnische Lächeln, mit dem Konietzki diesen Ruf begleitete.— Vert. Mamroth: Wenn Sie sich dadurch beleidigt fühlten, warum haben Sie denn nicht gleich nach dem Vorgang Strafantrag gestellt, sondern erst nach 4— 5 Wochen?— Zeuge: Der Unterfuchungs- richtcr Firle hat gefragt, ob ich Strafantrag stellen wolle, und ich habe dann ja gesagt.— Angeklagter Konietzki behautet, nicht gewußt zu haben, daß Hoppe Mitglied des katholischen Arbeiter» Vereins sei. Er konnte deshalb Hoppe gar nicht beleidigen.— Zeuge Wenzel, Vorsitzender des kathosischcn Arbeitervereins, hat den Ruf und das höhnische Lächeln gehört und gesehen und auch, wie Konietzki den Hut schwang. Auch er faßte den Ruf als Beleidigung auf.— Dem Zeugen Schäfer soll der An- geklagte Gerbert bei einer Unterredung, die den Zweck hatte, den Schäfer zum Eintritt in den Mctallarbciterverband zu bewegen, in« Gesicht gespien haben, als Schäfer sich weigerte.— Der Angeklagte bestreitet das entschieden, Zeuge bleibt unter Berufung auf den Eid bei seiner Bekundung.— V o rs.(zum Angeklagten): Wenn Sie es wirklich getan haben, so ist daS in der Tat viehisch. Sie sind auch schon so oft vorbestraft und deshalb sollten Sie lieber ruhig sein.— Angekl. Gerbert behauptet, daß Schäfer jeden Abend betrunken gewesen sei, was jedoch Zeuge bestreitet. Morgen werden die Verhandlungen fortgesetzt. Hud Induftrie und ftondeh Klagen über Wagenmangel. Schon öfter ist betont worden, eine Vermehrung des Wagenparks der StaatSeisenbahnen sei dringend notwendig. Solcher Behauptung wird man nicht jede Berechtigung absprechen können. Doch immer wieder sind die Produktionsziffern in die Höhe gegangen und gut oder schlecht, der Verkehr wurde bewältigt. Vorher war aber immer schon gesagt worden, die Eiscnbahnverwattung sei an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit aii' gelangt. Recht energisch ist dann auch gefordert worden, die Ber- waltung solle mit größeren Aufträgen herauskommen. Da die Werke, wie stets versichert wird, auf Monate hinaus mit Aufträgen überreich versehen sind, würde die Fertigstellung von Wagen aber noch weit hinausgeschoben werden müssen. ES scheint bei den Klagen nicht der untergeordnete Faktor zu sein, die äugen- blicklichen Rekordpreise zu erzielen I In der Werkspresse gehen übrigens zwei Klagen neben einander her. die nicht recht zusammen harmonieren. Einmal wird geklagt, der Mangel an Arbeitern gestatte nicht die volle Ausnutzung der Konjunktur; dann wieder wird behauptet, der Mangel an Eisen- bahnwagen behindere die volle Ausnutzung der Produktionsmöglich- leiten. Wir halten e« für richtig, daß natürlich für genügende Be- friedigung der BerlehrSansprüche gesorgt wird, daß also Staat und Kommunen während der Hochkonjmiktur mit nicht ganz dringenden Aufträgen zurückhalten. Wenn die Konjunktur abflaut, dann soll mau nach Möglichkeit Arbeiten vergeben. Aber das geschieht in der Regel nicht. Staat und Kommunen glauben gerade so spekulieren zu müssen, Ivie daS Privatkapital, das nur dann unternehiuungs- lustig ist, wenn die augenblickliche Marktlage eine gute Rentabilität der Anlagen verspricht. Heringsfischerci. Auch die Heringsfischerei ist ein Großbetrieb geworden. Aber nicht zum Vorteil der Konsumenten. Die wenigen großen Gesellschaften halten die Preise, sie treiben sie in die Höhe, obwohl der Fang im großen doch wohl lohnender ist, als der Klein- betrieb. Die Emdener Gesellschaften klagen über großen Verlust an Netzen durch Stürme und für das letzte Jahr über verminderten Fang gegenüber 1904/08. Trotzdem kann die Emdener Herings- fischerei Aktien- Gesellschaft 14 Prozent Dividende verteilen; dafür sind aber auch die Preise von 23.64 M. pro Tonne im Vorjahre auf 33 M. hinaufgegangen. Deutschlands Roheiscuproduktion. Nach den Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlinduftrieller betrug die Erzeugung von Roheisen im August 1906 in Deutschland insgesamt 1064 98/ Tonnen. In den Vorjahren ergaben sich für August folgende Ziffern: 1900: 730 144. 1901: 643 321, 1902: 736 836. 1903: 878 829, 1904: 881 681, 1903: 983 780 Tonneu. In den ersten acht Monaten 1906 beträgt die Erzeugung von Roheisen insgesaint 8 179 340 Tonnen gegen 7 009 316 Tonnen in der gleichen Zeit des Vorjahres. Flucht in die IV. Klasse. Ueber die Wirkungen der Fahrkarten- fteuer berichtet der Handelsvertragsverein:„Mau kann jetzt schon konstatieren, daß die Bedenken, die seinerzeit im Reichstage und in der Kommission gemacht wurden, nur allzu begründet waren. So ist in Sachsen, wo bereits die Eisenbahnstatistik für 1908 vorliegt, seit dem Inkrafttreten der Steuer(1. August d. I.) eine förmliche Flucht der Reisenden aus den höheren in die niederen Klassen, insbesondere aus der III. in die IV. Klasse eingetreten, so daß die Eisenbahnverwaltung infolge Mangels an Wagen IV. Klasse gar nicht in der Lage ist, alle Reisenden mit Fahrkarte IV. Klasse auch in dieser zu befördern. Die Eisenbahn- Verwaltung selber flüchtet sich mit einer Darlegung dieser Kalamität in die konservative Presse, in der ziffernmäßig die exorbitante Zunahme des Verkehrs in der IV. Klasse nachgewiesen wird. In den Jahren von 1898 bis 1908 ist die Zahl der verkauften Fahrkarten IV. Klasse von 13,8 Mille auf 23,8 Mille gestiegen; sie hat also vom Verkehrszuwachs den allergrößten Teil, beinahe 90 Proz. au sich gezogen. Abgesehen von dieser Masseninvasion in die IV. Klasse, ist aber ganz allgemein seit dem 1. August ein Rückgang deS Per- kehrs bemerkbar, der sicher noch weit größere Dimensionen an- nehmen wird, sobald die neue Personentarifreform. die eine weitere Verteuerung des Reifens mit sich bringt, in Kraft gesetzt sein wird. Aehnliche Nachrichten laufen aus dem Eisenbahndirektionsbezirk Erfurt ein. Dort hat die Mindereinnahme aus dem Personenverkehr im Eiscnbahndireltionsbczirk Erfurt in der ersten Hälfte des August d. I. gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres ungefähr mindestens das Dreifache der erzielten Fahrkartenstcuer betragen, waS nur auf Benutzung der niederen Wagenklassen zurückzuführen ist. Wie ferner ein Thüringer Blatt meldet, werden Fahrkarten I. Klasse fast nicht mehr verlangt, und der internationale Verkehr weist bedenkliche Lücken auf. Eine der schwersten Folgen ist die, daß die Einzelstaaten die Fahrkartensteuer indirekt durch den Ein- nahmeausfall bezahlen. Und den dürften die meisten thüringischen Kleinstaaten bei dem permanenten Geldmangel am wenigsten ver- tragen könne». DaS Publikum wird die Verteuerung um so schmerzlicher empfinden, als andere Staaten, wie Belgien. Italien, Frankreich umgekehrt eine Herabsetzung ihrer Eisenbahntarife planen oder sie schon vollzogen haben. Deutschland in der Welt voran!" Die größte Ladung Gold, die jemals von Europa nach Amerika ging, kam am Mittwoch in New Uork mit dem Dampfer„Carmania" von der Cunard-Linie an. 10 328 800 Dollar in Gold brachte der Dampfer, um damit den gedrückten New Uorker Geldmarkt zu heben. Eine Wache von drei Mann, die alle sechs Stunden abgelöst wurden, mußte den Schatz während der Reise hüten. Gleich noch Ankunft des Dampfers wurde da« Gold verladen und unter Bedeckung von Schlverbewaffneten feinem Bestimmungsort zugeführt. Finanzielles aus Rußland. Die Regierung hat eingestanden, daß sie die zuletzt emittierten 80 Millionen Rubel Staatsrente den Sparkassen aufgezwungen hat. Die„Torgowo- Promyschlennaja Gazeta", Organ des Fiuauzministeriums, hat eS erklärt. Es rst aber nicht anzunehmen, daß in den Sparkassen so viel Bargeld vor- Händen gewesen sei. Zweifellos mußten sie irgendwelche Papiere verlaufen, um an deren Stelle die neuemittierte Staarsrente zu übernehmen. Welche Papiere verkauft worden sind, und welche Verluste die Sparkassen tragen mußten, darüber schweigt sich die Regierung wohlweislich aus. Auf die Aufforderung der Presse, die Bilanz der Sparkassen mit dem Verzeichnis der ihnen gehörenden Papiere zu veröffentlichen, ant- worlcte das Ministerium, daß diese Bilanz am Ende deS Jahres veröffentlicht wird In der Tat ist die zuletzt veröffentlichte Bilanz die von 1904(„Rjeffch", 14. September). Wenn der Deponent sich über seine Ersparnisse beunruhigt, so wird ihm ein Bericht darüber, was vor zwei Jahren mit seinem Gelde geschehen ist, schwerlich ge« nligen. Unterdessen streckt die Regierung ihre Krallen nach den Sparpfennigen der Masse aus, und im Dunkel des Amtsgeheimnisses verfügt sie vorüber nach Belieben. Kolossale Bodenmobilisation. Ueber den Umfang der Staats- ländereien, die zum Verkauf an die Bauern gelangen werden, hat sich die Regierung ausgesprochen. Sie hat bekannt gemacht, daß zirka 4 Millionen Deßjätincs Ackerland, das bisher verpachtet wunde, und zirka 3 Millionen DcßjätineS Wald(insgesamt 7 Mil- lionen DeßjätineS) den Bauern verkauft werden sollen. Ferner sind noch 2 Millionen DcßjätineS Apanageländereien zum Verkauf bestimmt worden. Die Banerubank hat in den letzten Monaten von den Edellcuten zirka 3 Millionen Deßjätincs erworben. So'ge- langen insgesamt auf den Ländcrmarkt 12 Millionen Deßjätincs! Es ist dies, wie Golubew im„Towarisch" nachweist, eine kolossale Bodenmobilisation, der Anfang einer Umwälzung in den Eigen- tumsverhältnisseu auf dem Lande. Der Zweck der Regierung ist klar, sie will für ihre Ländereien Geld bekommen, während das Agrarprogramm nicht nur der linksstehenden, sondern auch der liberalen Parteien die kostenlose Enteignung der Apanage- und Staatsländereien verlangt; sie will eine Masse bäuerlicher Kleinbesitzer ins Leben rufen, welche eine konservative Macht bilden sollen. Indem sie über diese Länder- masse vorzeitig verfügt, durchkreuzt sie die Pläne der linksstehenden und liberalen Parteien, welche die gan�e Bodenreform planmäßig nach einem bestimmten Entwurf durchführen wollen. Die Staatsländereien, die zum Verkauf gelangen, werden auch jetzt, insofern sie Ackerland sind, von den Bauern benutzt, näm- lich als Pachtgrundstücke. DaS von den Bauern gepachtete Land soll durch Kauf zu ihrem Eigentum werden. Zweifellos sind diese Grundstücke den Pächtern meistens notwendig; um daS von ihnen benutzte Land nicht zu verlieren, werden sie gezwungen fein, es zu kaufen. Wahrscheinlich aber wird ihnen ein kleineres Areal verkauft werden, als sie es jetzt pachten; eS wird ein Ueberfchuß an Land bleiben, der für Ueberfiedelung benutzt werden kann. Es ist bemerkenswert, daß die Gouvernements, wo die zum Verkauf gelangenden Staatsländereien liegen, gerade diejenigen sind, wo am wenigsten Landmangel herrscht, und daß dort, too die Bevölkerung an Landhunger leidet, es keine oder fast teine die Unterrichtsanstalt auszusuchen, die er für sein Kind am während dreier Monate( es handelt sich um die Zeit vor der letzten Staatsländereien zum Verkauf gibt. Die Nachricht von einem geeignetsten halte. Reichsgerichtsverhandlung) eine richterliche Handlung gegen den AnUeberschuß an kaufbarem Land wird gewiß einen großen Drang Vor dem Kammergericht, bei dem die Staatsanwaltschaft geflagten nicht erfolgt sei, so sei die Straftat des Angeklagten verzur Uebersiedelung hervorrufen. Aber noch mehr, sie wird ein Revision einlegte, wurde der Beschuldigte durch Rechtsanwalt Lieb- jährt. Hiergegen wendete sich die Revision des Staatsmächtiger Stimulus sein, der den Heißhunger nach Land, den knecht vertreten. Dieser beantragte Verwerfung der Revision. Er anwalts, welche am Donnerstag vor dem Reichsgericht zur BerDrang zur Bodenreform, noch heftiger anspornen wird. Mit dem nahm auf die Gründe des vorliegenden Urteils Bezug und bemerkte handlung fam. Der Reichsanwalt bezeichnete die SchlußJahre 1906 endet die Loskaufung des Bauernlandes. Der Ueber- noch folgendes: Leider hebe das Urteil nicht hervor, worauf es folgerung des Gerichts als fehlsam, denn aus der Höhe der im gang des Gemeindelandes in Privateigentum wird außerordentlich dem Angeklagten ankomme. Dieser habe nämlich durchaus nicht Militärstrafgesetze angedrohten Geldstrafe müsse gefolgert werden, erleichtert werden. Die Regierung beabsichtigt, ihrerseits zu diesem beabsichtigt, seinen Sohn ganz ohne Religionsunterricht zu lassen. Biel- daß das fragliche Militärdelikt einem Vergehen im Sinne des Umwandlungsprozeß beizutragen. Es kann sich bald der bäuer- mehr habe der Junge in der jüdischen Religion unterrichtet werden Strafgesetzbuches gleichzuachten sei. Dann liege aber Verjährung liche Kleinbesitz zu entwickeln beginnen. Aber desto stärker wird sollen. Die jüdische Gemeinde habe das aber deshalb abgelehnt, nicht vor. Das Reichsgericht war der gleichen Ansicht, hob der Wunsch der weniger Glücklichen sein, auch für sich Land zu weil ihr durch den Regierungspräsidenten ver- das Urteil unter Aufrechterhaltung der Fests bekommen. Auf diese Weise wird die jetzt beginnende Boden- boten worden sei, den Unterricht zu erteilen. ftellungen auf und verwies die Sache an das Landgericht mobilisation zweifellos nur der Anfang großer Umwälzungen in Hier habe man den eigenartigen Fall, daß eine Staatsbehörde, die zurück. Dieses werde nun lediglich die Strafe festzusetzen haben, da den Agrarverhältnissen sein. auf der einen Seite darauf dringe, daß jedes Kind in einer Religion das Vergehen gegen§ 110 genügend festgestellt ſei. ,, nach den Gesetzen des Staates" erzogen werde, dies auf der anderen Seite direkt verhindere. Unter Berücksichtigung aller Umstände könnte hier von einem Verschulden des Angeklagten doch in feinem Falle die Rede sein. Gerichts- Zeitung. ,, Die Schönheit der Frauen." Eingegangene Druckfchriften. Von Der erste Strafsenat des Kammergerichts gab Die deutsche Städteverwaltung. Ihre Aufgaben auf den Gebieten indessen der Revision der Staatsanwaltschaft der Boltshygiene, des Städtebaues und des Wohnungswesens. statt, hob die Vorentscheidung auf und verties die Sache zu Dr. H. Lindemann( C. Hugo). Zweite, verbesserte und vermehrte Auflage. Auf die Strafanzeige des Kölner Sittlichkeitsvereins ist anderweiter Entscheidung an das Landgericht: Der Vater habe XVI und 624 S. 8°. Breis broschiert M. 12,- ,, gebunden in engl. Leinw. wiederum eine Anklagefache zurückzuführen, die gestern vor der ersten nach den bekannten Bestimmungen des Algemeinen Landrechts M. 13,50. Verlag von J. H. W. Dieß Nachf., Stuttgart. Straffammer des Landgerichts I in einer längeren Sigung verhandelt für den nötigen Unterricht zu sorgen. Und wenn der Sohn Bericht über die erste Tätigkeitsperiode April 1905 bis Juli 1906. wurde. Wegen Vergehens gegen den§ 184,1 des Strafgesetzbuches in die Mittelschule nicht aufgenommen werde, so berechtige 20 S. Verlag Bildungsausschuß des Gewerkschaftskartells Bremen 1906. ( Verbreitung unzüchtiger Schriften) mußte sich der Inhaber der das den Vater noch nicht, ihn ganz ohne Unterricht zu lassen. Unter C. Schmidtschen Buchhandlung in Stuttgart, der Buchhändler den obwaltenden Umständen hätte er dem Knaben im eigenen Hause Schmidt verantworten. In dem genannten Verlage erschien den nötigen Unterricht erteilen lassen oder ihn in die Schule etwa vor Jahresfrist ein Werk: Die Schönheit der Frauen", schicken müssen, wo die Aufnahme nicht versagt werden könne, nämwelches ausschließlich für Künstler bestimmt war. Es enthält lediglich lich in die Volksschule. Photographien, Reproduktionen berühmter antiker Gemälde und erläuternde literarische Beiträge, die von ersten Künstlern und Kunstsachverständigen herrührten. Besonders wertvoll waren für Maler Bom Kampf um das Hamburger Wahlrecht. Das Landgericht Hamburg hat am 26. April den Redakteur und Bildhauer die Freilicht- Aktstudien, die in dem Wert enthalten des" Hamburger Echo", Genossen Gustav Wabersky, wegen verwaren. Diese erregen jedoch bei gewissen Sittlichkeitsaposteln das leumderischer und einfacher Beleidigung der Hamburger Polizei zu übliche Aergernis, weil die Photographien zu wenig retouchiert fünf Monaten Gefängnis und 300 Mart Geldwaren und kein übersittliches Faltenhemd trugen. Der Kölner ftra fe verurteilt. Aus Anlaß der Straßendemonstrationen betreffs Sittlichkeitsverein hielt es für seine Pflicht, die Staatsanwaltschaft des Wahlrechts hatte das Hamburger Echo" mehrere Artikel verin Bewegung zu setzen. Und sie bewegten sich. Bur gestrigen Veröffentlicht und es war darin u. a. behauptet worden, es sei nicht handlung war ein ganzes Kunstsachverständigen- Kollegium zusammen- undenkbar, daß die Polizei selbst die Tumulte veranlaßt habe. gerufen. Hierin hat das Gericht die Verleumdung erblickt. Die Re vision Von den Sachverständigen hob Geheimrat Fritsch von der des Angeklagten fam am Donnerstag vor dem Reichsgerichte zur hiesigen Universität den hohen künstlerischen Wert des Werts hervor. Verhandlung. Der Reichsanwalt hielt die Feststellung der Professor Magnussen bezeichnete das inkriminierte Buch als ein Verleumdung für bedenklich, denn wenn man etwas nicht für unWerk der höchsten fünstlerischen Reinheit und nur ein Schmu- denkbar halte, so behaupte man es noch nicht bestimmt. Der Mangel fint, der selber sittlich nicht rein sei, tönne des Urteils tomme aber nicht in Betracht, weil der Angeklagte in daran Anstoß nehmen". Gerade der Mangel jeder be- der Revision selbst von der„ Behauptung" spreche, also indirekt die mäntelnden Retouche gebe dem Buche die künstlerische Vornehmheit Feststellung des Gerichts ergänze! Einen Rechtsirrtum enthalte das Urund den Wert. Etwas anderer Anschauung war der Bildhauer teil ferner bezüglich des§ 193. Das Gericht habe angenommen, daß Professor Eberlein. Dieser erkannte zwar einen gewissen fünft- dem Angeklagten als Redakteur eines Parteiblattes der Schutz des lerischen Wert des Buches an, doch könne dieses auf Laienkreise§ 193 zustehe, sofern er die Intereffen der Partei wahrnehme; es provozierend wirken. Staatsanwalt beantragte habe aber dem Angeklagten den Schuh abgesprochen, weil die Absicht 500 Mark Geldstrafe. Das Gericht tam den Ausführungen der Beleidigung aus verschiedenen Umständen hervorgehe. Was aber der Verteidigung entsprechend zu einer fostenlosen Freisprechung das Gericht als Umstand ansehe, das sei in Wirklichkeit der Inhalt. des Angeklagten. Aber auch dieser Rechtsirrtum könne dem Angeklagten nicht zugute kommen, da nach der neueren Rechtsprechung der Redakteur eines Parteiblattes auf den Schutz des§ 193 nicht schon dann Anspruch habe, wenn er Angriffe auf seine Partei zurückweise, sondern nur dann, wenn er persönlich durch diese Angriffe getroffen werde. Das sei aber im vorliegenden Falle nicht geschehen.- Das Reichsgericht trat diesen Ausführungen bei und verwarf Der Gewissenszwang. Freiwillige vor! Der Geschäftsführer Stelterborn war vom Schöffengericht Küstrin sit einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er in Küstrin in den Monaten Januar und Februar feinen schulpflichtigen Sohn ohne genügende Entschuldigung nicht in eine öffentliche Schule geschickt habe. Die Straftammer fprach jedoch den Angeklagten auf die Revision! feine Berufung mit folgender Begründung frei: St. habe den Sohn bei der städtischen Mittelschule angemeldet und sei bereit ges wesen, ihn in diese Schule ชน schicken. Die Aufnahme Telegraphisten für Südwestafrika wurden im Oktober 1904 vom fei aber abgelehnt worden, weil St. erklärt habe, ihn Bezirkskommando in Aschersleben gesucht, welches entsprechende dort am Religionsunterricht nicht teilnehmen Zu lassen. Aufforderungen an die Reservisten versandte. Die„ Volksstimme" Dies sei aber fein Grund, um die Ablehnung der Aufnahme des in Magdeburg riet in einem Artikel Freiwillige vor!" den schulpflichtigen Knaben zu rechtfertigen. Es hätte die Verpflichtung Reservisten, diese Aufforderung überhaupt nicht zu beantworten. für die Stadt bestanden, den Knaben zum Schulunterricht in der Darin sollte eine Aufforderung zum Ungehorsam gegen behördliche Mittelschule anzunehmen, und sie hätte abwarten müssen, ob der An- Anordnungen liegen. Nachdem Land- und Reichsgericht sich wiedergetlagte seinen Verpflichtungen hinsichtlich der Sorge für Religions- holt mit der Sache befaßt hatten, hat am 10. April das Landgericht unterricht nachkomme oder nicht. Geschah es nicht, dann erst wäre Magdeburg das Verfahren gegen den damaligen verantwortlichen ein strafrechtliches Gintreten am Plaze gewesen. Durch die un- Redakteur Genossen Robert Albert, jetzt in Breslau, eingestellt, begründete Ablehnung der Aufnahme des Knaben in die Mittelschule weil das Verfahren wegen Verjährung unzulässig sei. Das Gericht sei der Angeklagte ohne sein Verschulden in die Zwangslage versetzt hat angenommen, daß das Delitt, zu dessen Begehung die Reservisten worden, für den Schulunterricht seines Sohnes nicht Sorge tragen aufgefordert wurden, mit einer Strafe bedroht ist, die das Delift zu können. Eine Verpflichtung, ihn in die Volksschule zu schicken, vom Gesichtspunkte des bürgerlichen Strafgesetzbuches nur als sei in keiner Weise begründet. Jeder Vater habe das Recht, selbst Uebertretung, nicht aber als Bergehen erscheinen lasse. Da nun Ferdinand Bonns Für den Inhalt der Injerat Berliner Theater. übernimmt Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, 22. September Anfang 7 Uhr. Opernhaus. Der Barbier bon Sevilla. Schauspielhaus. Die Duißows. Neues Operntheater. Torquato Zaffo. Westen. Der Dpernball. Lorking. Der Waffenschmied. Deutsches. Der Kaufmann von Benedig. Leffing. Rosmersholm. Anfang 8 Uhr. Berliner. Sherlock Holmes. Schiller 0. Heute und folgende Tage: Sherlock Holmes. Anfang 8 Uhr. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der bürgerliche Edelmann. Der Stammgast. Sonntag, Montag: Dieselbe Vorst. Dienstag z. erstenmal: Der Jubiläumsbrunnen. Kleines Theater. Abends 8 Uhr zum 86. Male: almer- Theater.) Ein idealer Gatte. Frau Inger von Destrot. Schiller N.( Friedrich Wilhelm. städtisches Theater). Hasemanns Töchter. Neues. Eine. Der Stammgast. Komische Oper. Hoffmanns Erzählungen. Residenz. Triplepatte. Trianon. Der Hausfreund. Lustspielhaus. Das Friedensdorf. Zentral. Tausend und eine Nacht. Kleines. Man tann nie wissen. Carl Weik. Adele. Deutsch Amerikanisches. $ wilden Westen. Thalia. Wenn die Bombe platt! Luisen. Eine Nacht in Berlin. Walhalla. Spezialitäten. 3m Metropol. Geschlossen. Apollo. Berlin im Omnibus. Spe zialitäten. Kasino. Alexander der Große. Folies Caprice. Der General Konsul. Sünden der Bäter. Wintergarten. Spezialitäten. Bajjage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Mosellande und ihr Weinbau. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Zentral- Theater. ( Operette). Abends 8 Uhr: Tausend und eine Nacht. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Ein idealer Gatte. Montag zum erstenmal: Man kann nie wissen.( Der verlorene Bater.) Komödie in 4 Aften v. Bernard Shaw. Komische Oper. Heute abend 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag nachmittag und abends: Hoffmanns Erzählungen. Montag zu volkstüml. Preisen: Hoffmanns Erzählungen. Lortzing- Theater Bellealliancestr. 7/8. Sonnabend, den 22. September, nachm. 3 Uhr: Die Räuber. Abends 7, Uhr: Der Waffenschmied. Abonnements gültig. Morgen nachm. 3 Uhr: Der Freischütz. Abends 7, Uhr: Der Waffenschmied. Trianon- Theater. Anfang 8 Uhr. Der Hausfreund. Rixdorfer Theater Bergstr. 147. Leitung: Julius Türk. Sonntag, den 23. September: Othello. Trauerspiel in 5 Aften von William Shakespeare. Anfang 7 Uhr. Parkett 1 M. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Eine Nacht in, Berlin. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachmittag: Ein Kind des Glücks. Abends: Jungfrau von Orleans. Montag: Eine Nacht in Berlin. Residenz- Theater. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage Anf. 8 Uhr: Triplepatte. Schwank in 5 Aften v. Tristan Bernard und André Godfernaur. 3 Briefkaften der Expedition. Patienten in Beelit, Buch usw. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, mollen uns wegen der Ueberweisung von Freieremplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die erſten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adreſſen müſſen jeden Monat neu eingesandt werden. Der politische Massenstreik war in letzter Zeit wieder Gegenstand eingehender Diskussionen; er wird auch den bevorstehenden Parteitag beschäftigen. Wir empfehlen daher den Parteigenossen zur Orientierung folgende Schriften: Der politische Massenstreik und die Sozialdemokratie Sonderabdruck der Verhandlungen auf dem Parteitage in Jena Preis 20 Pf. Der politische Massenstreik Vortrag von Eduard Bernstein Konfisziert gewesen! Preis 20 Pf. Generalstreik und Sozialdemokratie von Henriette Roland- Holst Mit einem Vorwort von Karl Kautsky. Zweite revidierte und erweiterte Auflage. Preis 1.50 M. Expedition des„, Vorwärts", BERLIN SW. 68 234/18 Schiller- Theater. Lindenstraße 69( Laden). Hasemanns Töchter. Boltsstück in 4 Aften v. A. L'Arronge. Sonntag, nach m. 3 Ubr: Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Sonnabend, abends 8 Ubr: Sonnabend, abends 8 Uhr: Frau Inger von Oestrot. Schauspiel in 5 Aufzügen von Henrik Ibsen. Deutsch von Wilhelm Lange. Sonntag, nach m. 3 Uhr, Maria Stuart. Sonntag, abends 8 Uhr: Jugend. Montag, abends 8 11 6 r: Das Lumpengesindel. Weh' dem der lügt. Sonntag, abends 8 Ub r: Das Lumpengesindel. Montag, abends 8 Uhr: Jugendliebe. Hierauf: Die Dienstboten. astans Panopticum C 1389L* Friedrichstraße 165. Schreckenskammer Hennig Berliner Allerlei. Volkstümliche Vorträge aller Art.: Urania. Zirkus Busch. Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: Sonnabend, 22. September cr., abends 7, Uhr: Gala Premiere. Zum erstenmal: Sonntag, 23. Sept., naóm. 8 Uhr: Die Mosellande und Aus der Pukta. Die Höhle des Löwen. Deutsch- Amerikanisches THEATER, Köpenickerstr. 67-68. Jeden abend 8 Uhr: Gastspiel Ad. Philipp. Zum 32. Jm wilden Westen. Male: Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Preise: ,, Uebern großen Teich." Lustspielhaus. 8 use: Das Friedensdorf. Abends Morgen nachm. 311hr Der Familientag W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brummenstr. 16. Große Extra- Borstellung. Zum erstenmal: Lockere Zeisige. ihr Weinbau. Z OOLOGISCHER CARTEN Täglich ab nachmittags 5 Uhr: Großes Militär- Doppel- Konzert. Eintritt 1 M., b. 6 Uhr ab 50 Pf. 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Technischer Schwierigkeiten halber findet die für Sonnabend, den 22. d. Mts., Gegründet 1883. Arbeitsnachweis u. Bureau: Alte Leipzigerstr. 1, Eingang Raules Hof. Geöffnet von 8-6 Uhr. Sonntags geschlossen. Telephon: Amt I, 2632. Wolfgang- und angekündigte Premiere von Sonntag, den 23. September, vormittags 10 uhr, im Palaft- Theater, Burgstraßen- Ecke: Der Teufel lacht dazul erst Sonntag, 23. statt. Anfang 28 Uhr. Die für die Premiere ausgegebenen Billetts gelten für Sonntag, den 23. Für die für Sonntag, den 23. gelösten Billetts wird das Geld an der Kasse zurückerstattet oder steht den Besitzern dieser SonnMitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bericht über die Anschlußbedingungen des Vereins an den Zentralverband. 2. Diskussion. 3. Beschlußfassung über die Art der Abstimmung. Eintritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. 1421b er mit seinen Beiträgen länger wie zehn Wachen im Rest ist, hat keinen Zutritt. Der Vorstand. Colosseum Deutscher Holzarbeiter- Verband. Dresdenerstr. 15 erstklassige 15 Spezialitäten tagsbilletts das Recht zu, die- Täglich: Konzert- u. Volksselben für irgend einen andern Tag der kommenden Woche umzutauschen. Apollo- Theater Kabarett.tag, ( Ohne Weinzwang.) Palast- Theater. Kistenmacher. Montag, den 24. d. M., abende 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal VIII): Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Die Stellung des Gewerkschaftlers im politischen Leben. Referent: Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Kollege Richard Leopold. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Bahlreiches Erscheinen notwendig. Täglich 8 Uhr. Entree 50 Pf. Der Obmann. 845 Der Affe als Jockey. Das Riesen- September- Programm. Achtung! Möbelpolierer. Achtung! 915 The Seldoms Vendaro, Dreffur. Daymlers, Afrob. plastische Darstellungen. 1 Dame und 3 Herren. Franz Gorrè. Leopard Truppe. Mandita. Hee und See. Carmanelli Duo sowie 1000 Berlin im Omnibus. 8 erstkl. Nummern 8 Erste Nachmittagsvorstellung Sonntag, den 30. September, nachm. 32 Uhr, mit dem vollständig großen Spezialitäten- Programm. Bernhard Rose- Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Sonntag, den 23. September 1906, nachm. 3 Uhr, 1. Nachmittags- Borst. bei ermäßigten Preisen: Robert und Bertram. Abends 8 Uhr: Die relegierten Studenten. Billettvorverkauf von 10-1 Uhr an der Theaterkaffe. Passage- Theater. Gastspiel Josefine Dora in der Komödie ,, Riecke" mit dem Schlager „ Emil du bist eene Pflanze". Außerdem 14 erstklassige Spezialitäten WINTER CARTEN 6.5 Großer Erfolg des Eröffnungs- Programms. Robert Steidl, Humorist. Das Erntefest, engl. Ballettszene. Bonhair Gregory, Akrobat.- Truppe. Mia Werber, Sängerin. Ida Fuller, Fantasie- Tänzerin. Chung Ling Soo, chin. Zauberkünstl. De Witt Burns und Torrance, amerikanische Exzentriks. Die Pissiutti, Reitakt. Ferry Corwey, musikal. Clown. Price u. Toledo, Kontorsionisten. Der Biograph. Folies Caprice Linienstr. 132, E. d. Friedrichstr. Soll und Haben und Nach dem Zapfenstreich. 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Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in unserer Branche und wie verbessern wir dieselben? 2. Diskussion. 3. Berschiedenes. Alle Berufskollegen müssen in dieser Versammlung anwesend sein. Heute Sonnabend, den 22. September 1906: Großes Herbst- Vergnügen in der„, Königsbank", Große Frankfurterstr. 117. Konzert. Auftreten der Volkssänger- Gesellschaft Schmeltzer- Gnörich- Balzé. Anfang 8 Uhr. XX XXXX Billett inkl. Tanz 50 Pf. Billetts sind bei den bekannten Kollegen zu haben und ersucht um rege Inanspruchnahme Die Branchenkommission. Männerchor„ Georginia 1879" ( M. d. A.-S.-B.): Chormeister: Paul Weinrich. Sonntag, den 23. September 1906: KONZERT im ,, Deutschen Hof", Luckauerstr. 15. Mitwirkende: Kammersängerin Lisa Meyrowitz( Sopran), Konzertsängerin Frl. Karsch( Mezzosopran), am Flügel Herr Karsch. Nach dem Konzert: BALL. 1407b Liedertexte gratis.:: Entree 60 Pf.:: Rauchen verboten. Anfang präzise 6 Uhr. Näheres ergeben die Plakate an den Säulen am 23. September. Reederei Nobiling. 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September verstarb Gottlob Richter und Frau unter treuer Mitarbeiter, der Buchzur Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche! 1426b Die Kinder. Verein Berliner Hausdiener gegründet 1883. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied 14225 Josef Graber Prenzlauer Allee 212 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Septbr., nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Prenzlauer Allee 212 aus nach dem Hedwigs- Kirchhof, Weißensee, Börthstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß mein lieber Mann und treuer Lebensgefährte, unfer forgjamer Bater, Schwieger- und Großvater, der Puzer Hermann Koerber am 19. September, nachmittags 3 Uhr, nach langem schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Um stille Teilnahme bitten Frau Marie Koerber geb. Köpke, nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des alten NazarethKirchhofes in der Seestraße aus ftatt. 1412b Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Unseren sowie den Mitgliedern des Gesangvereins der Puter zur Nachricht, daß unser langjähriger Bibliothekar und jetziges Ehrenmitglied Hermann Koerber am 19. September im Alter von 66 Jahren verstorben ist. 134/18 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des alten NazarethFriedhofes( Seestraße) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die örtliche Verwaltung. J. A.: H. Neumann. Verband d. Steinsetzer, Pilasterer u. Berufsgenossen Deutschlands. Unterbezirk Norden. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Ehrenmitglied, der Stollege Emil Hahne verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. d. M., nachmittags 1,2 Uhr, vom Trauerhause, Grünthalerstr. 10b, aus nach dem neuen Paulskirchhof in Plötzensee Um rege Beteiligung ersucht 174/9 Der Vorstand. statt. Nach längerem schweren Leiden von einer unheilbaren Krankheit Babingerafft, entschlief am 20. September unser Braumeister Fritz Schott im Alter von 38 Jahren nach faft elfjähriger Tätigkeit in unserem Betriebe. Durch seinen redlichen Sinn, seine Treue und Pflichterfüllung, feinen unermüdlichen Fleiß und sein Interesse an dem Blühen und Wachsen unseres Unternehmens hat er sich unser bleibendes Andenken gesichert. Deutsches Brauhaus Fritz Huth Berlin W., Dennewigstr. 19. Die Beerdigung findet statt Sonntag, den 23. September, halle des Luther- Kirchhofes in Lankwik aus. 1402b Barometer, rant. gute 6,00 an mittags 1%, br, von der Leichen. Werke, von A.Grün, optiker Brunnen- Straße 4 am Rosenthaler Tor Lieferant der Krankenkassen. 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Der Verstorbene war uns stets ein liebevoller Kollege und Be rater, welcher durch sein ruhiges und besonnenes Wesen jederman mit Achtung erfüllte. Sein edler Charakter soll uns allen ein Vorbild sein und wird er stets in dauernder Erinnerung bleiben. Wegen Ueberführung der Leiche nach Hamburg findet im Trauerhause, Weinbergsweg 25 IV, heute Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, ein furzer Traueraft statt. Das Personal der Buchdruckerei ,, Vorwärts" Paul Singer& Co. Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berliner Wahlkreises. Todes- Anzeigen. Am 19. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Maurer Hermann Koerber Müllerstr. 156b. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 4 Uhr auf dem alten Nazarethkirchhof in der Seestraße statt. Am 20. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Buchbinder Hermann Engel Weinbergsweg 23. Ehre seinem Andenken! Die Leiche des Genossen wird heute, Sonnabend nachmittag, 4 Uhr, bom Trauerhause aus nach dem Lehrter Güterbahnhof, Heidestraße 59-73, übergeführt, um in Hamburg durch Feuer bestattet zu werden. Ulm zahlreiche Beteiligung ersucht 249/18 Der Vorstand. Deutscher Buchbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Am 20. d. Mis. verstarb nach langen schweren Leiden unser langjähriges, eifriges, treues Mitglied, der Buchbinder Hermann Engel im 31. Lebensjahre. In ihm verlieren wir ein allezeit für die Organisation tätiges Mitglied, welches namentlich an der Schaffung der Berliner Affordtarife beteiligt gewesen und der Tarifgemeinschaft eifrigster Förs derer war. Wir werden ihm ein bleibendes Andenken bewahren! 25/18 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Hermann Metze am 20. September verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Auferstehungsfirchhofes in Weißensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 93/8 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise inniger Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes, des Hausdieners Paul Koslowski fagen hiermit allen, sowie feinem Cheebst Personal, dem Zentralverband Berlin I und der Unterstützungskaffe Berliner Hausa. diener unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise der Liebe und Teilnahme, den herrlichen Blumenschmud sowie die zahlreiche, chrende Begleitung bei der Be erdigung meines lieben Mannes, unseres unvergeßlichen Baters Friedrich Weniger [ prechen wir allen lieben Berwandten und Bekannten sowie der Gemeindebertretung von Brik, allen Vereinen und Gewerkschaften, welche dem Ent schlafenen das lebte Geleit gaben, hiers mit unseren tiefgefühltesten Dant aus. Briz, 22. September 1906.[ 14065 Emilie Weniger nebst Kinderr Jeder Arbeiter, Jeder Handwerker follte zur Arbeit die Lederhose Herkules tragen. Allein- Berkauf. Sehr starkes Leder in praktischen grauen u. braunen Streifen, auch einfarbig. Am Bund aus einem Stück gearbeitet. Sehr feste Stappnähte. Haltbarste Pilot- Taschen. Große Flicken umsonst. Die Hose bet Entnahme von 6 Stüd 26 Mr. 4 Mt. 50 Manchester- Hose Marke Gambrinus, Bivirntette 5 M. 50 Gefüttert. Manchest.- Jackett 14,50, 8,75 Echtblaues Monteur- Jackett 1 M. 90 Echtblaue Monteur- Hose 1 M. 50 Echtblaues Monteur- Jackett, prima Köper- Getvebe Echtblaue Monteur- Hose, prima Köper- Gewebe Weiße Friseur Jadetts 3,50, 2 M. 50 2 M. 10 2 M. 75 Konditor Jaden, 2reihig 4 M. 50 Maler- Kittel 3,-, 2,50, 2 M. 25 Mechaniker- Kittel( braun) 3,-, 2 M. 40 Weiße Leder- Jacketts, 2reihig Weiße Lederhosen 7,50, 3. 75 4,50, 2 M. 90 Reffelreiniger Anzüge, blau, nach Borschrift 5.50 Die Preise gelten für normale Größen. Baer Sohn En gros. Export. 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Schneider, Kurfürsten-( Stadtbahn, Hochbahn: Warschauer- Patentanwalt Weffel, GitschinerStraße 172. 17888 ftraße 94a. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Zh. Glode, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 9626* ftraße). 9276* arbeiter. st. 221. 2z.Zl.htMg. 3, leiioge dts„Amlirts" Dtllim WldsIllM. s-nmht«h.22 zepimbttiM. berliner JVacbncbtcn. Ueber die Person des neuen StadtschulratS werden in einigen Blättern die verschiedensten Mitteilungen verbreitet. Dieser Tage wurde gemeldet, daß der Mannheimer Stadtschulrat Dr. Sickinger in Aussicht genommen sei, und gestern läßt sich die„Tägliche Rundschau" aus München tele- graphieren, daß„der dornge Stadtschulrat Dr. Kerschenstciner einen Ruf nach Berlin als Stadtschulrat erhalten habe. Ueber die Annahme oder Ablehnung habe er sich noch nicht ent- schieden". Gegenüber diesen Meldungen möchten wir bemerken, daß für die Wahl eines Stadtschulrats von der Stadtverordneten- Versammlung ein Ausschuß eingesetzt ist. Bisher wurde es bei solchen Wahlen so gehalten, daß die Ausschreibung der vakanten Stellen erfolgte und dann unter den Bewerbern eine Auswahl getroffen wurde. Wir glauben nicht, daß diesmal Grund vorliegen sollte, von dieser bisherigen Praxis abzu- weichen und unter der Hand bei Schulmännern anzufragen. Von einer Berufung kann aber auch dann nicht gesprochen werden, da die Wahl des Stadtschulrats Sache der Stadt- Verordnetendersammlung ist._ Der Magistrat hat beschlossen: Das Rudolf Virchow-Krankenhaus am Augustenburger Platz wird am Freitag, 2S. September, den den unbesoldeten Gemeindebeamten und ihren Damen, sowie am Sonnabend, den 29. September und Sonntag, den 3(1. September, von jedermann besichtigt werden können. Die Beamten haben sich auf Verlangen zu legitimieren. Diese Besichtigungen finden in der Zeit von 9—1 Uhr und von 3—6 Uhr statt. Der Eintritt in das Krankenhaus kann nur in der Zeit von 9—12 und von 3— 5 erfolgen. Von den Gebäuden können im Innern ein Krankenpavillon, das Kessel- und Maschinenhans, das Badehaus und die Kapelle, sowie von 3—4 Uhr auch die Waschlüche und die Koch- küche besichtigt werden. Der Zugang ist nur vom Augustenburger Platz aus. Aus der Aiagisttatsfitzung vom Freitag. Oberbürgermeister Kirschner eröffnete die Sitzung mit einem sehr warm empfundenen Nachruf für den gestern verstorbenen Stadtrat Heller. Zum dirigierenden Arzt der Geschlechtskrankenstation im städtischen Obdach wurde der Privatdozent an der Berliner Universität Dr. B r u h n s gewählt. Ferner zum Oberlehrer an der 7. städtischen Realschule vom 1. nächsten Monats ab wurde SchulamtSkandidat Dr. Krackow, zum Oberlehrer an der 9. Realschule Schulamtskandidat Dr. Langer, zum Oberlehrer am Luisenstädttschen Ghm- nasium der Schulamtskandidat O u a a tz, zum Vorschul- lehrer am Sophien- Gymnasium der GemeindeschuUehrer Stern, zum VorschuUehrer am ASkanischen Gymnasium der Lehrer N i t s ch e, zum Oberlehrer am Luiscnstädtischen Gymnasium der Schulamtskandidat H e i n i ck e. zur ersten Lehrerin an der städttschen Charlottenschule Fräulein Eich, zur ordentlichen Lehrerin an der Charlottenschule Fräulein Luise Witte und zur ordentlichen Lehrerin an der 7. höheren Mädchenschule in der Pankstraße Fräulein B o r m a n n. Für Fräulein Eich soll der Titel.Oberlehrerin" beantragt werden. Stadtrat Maaß, Stadtverordneter Direktor Prof. Dr. Glatzel, Stadtschulrat Fischer und Direktor K a u m a n n von der 9. Pflichtfortbildungsschule wurden als Vertteter des Berliner Magistrats zun« 9. deutschen Fort- bildunasschultaae abgeordnet und werden sich zur Teilnahme nach München begeben. Vorbehaltlich der Zustimmung der Stadt- verordnetenversammlung soll mit Beginn deS kommenden Wintersemesters an der 7. städtischen höheren Mädchenschule eine ö Hl-Klasse eröffnet und eine neue Stelle für eine ordentliche Lehrenn geschaffen werden. Der vom Stadtbaurat Ludwig H o f f m a n n vorgelegte spezielle Entwurf zum Neubau eines Verwaltungsgebäudes für die städtischen Gaswerke wurde mit den Kostenanschlägen in Höhe von 1 718 099 M. vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordneten- Versammlung genehmigt. Stadtrat Heller. In seiner Schönhauser Allee 8 belegenen Wohnung starb Donnerstagabend das unbesoldete Magistratsmitglied Stadtrat Heller. Der Verstorbene, der aus der Stadtverordnetenversammlung hervorgegangen ist, trat nach außen hin wenig hervor, entfaltete jedoch eine eifrige Tätigkeit in der Verwaltung der städtischen Stiftungen. Stadtrat Heller war Vorsitzender des Kuratoriums einer Reihe von Stiftungen, so des Nikolas-BürgerhospitalS, der Reuter- Stiftung, der Friedrich Wilhelm-Anstalt für Arbeitsame u. a. Außer- dem gehörte der Verstorbene der Armendirektion, der Städt. Grund- eigentums- und Markthallendeputation sowie dem Kuratorium des Schlacht- und Viehhofs an. Beim Bau der Untergrundbahn am Leipziger Platz lvurde gestern in der Nähe des W r a n g e l- Denkmals ein prähistorischer Fund gemacht; die Arbeiter stießen auf einen wohlerhaltenen Tier- schädel, anscheinend von einem mächtigen Hirsch herrührend. Der Leipziger Platz liegt bekanntlich auf dem Gelände des Tier- gartens, der sich noch zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts bis zum DönhoMatz und Lustgarten hinzog. DaS mit einem Zaun umfriedete Gelände diente als„Wildpark", ,n welchem die Kurfürsten ihre Jagden abhielten. Erst König Friedrich I. wandelte den Tiergarten zu einem Lustpark um, den Friedrich der Große weiter ausbilden und verschönern ließ. Die heutige Gestalt deS Tiergartens rührt aus der Zeit Friedrich Wilhelms III. her. der den Gartenbau- direktor Lenne mit der Regulierung der Straßen usw. beauftragte. AuS welcher Periode der jetzt gefundene Tierschädel stammt, konnte noch nicht festgestellt werden; der Fund ist der geologischen Landes- anstatt überwiesen worden. Das gefährdete Haus Leipziger Platz 3, an welchem sich so starke Risse gezeigt haben sollen, daß es von den Bewohnern ge- räumt werden muß, hat mit dem Bau der Untergrundbahn nichts zu tun, da deren Baustelle etwa 26 Meter abseits des jetzt ummauerten Gebäudes liegt. Seine Fundamente mußten beim Bau des Aschinger-HotelS bloßgelegt und die Seitenwände gestützt und abgesteift werden, da es von dem Neubau gänzlich eingeschlossen werden sollte. Wahrscheinlich dürfte über den Perkauf dieser häßlichen „Enklave" nunmehr zwischen den» Eigentümer und der Finna Aschinger eine Einigung erzielt werden. Ueber den Betrieb der Fernsprechautomaten sind neue Be- stimmungen von allgemeinem Interesse ergangen. Bei den öffent- lichen Sprechstellen mit Automatenbetrieb findet eine unmittelbare Ucberwachung oder Bedienung durch Beamte nicht statt. Geht der Anruf einer Automatenstelle bei der Vermittelungsstelle ein, so schaltet sich der Beamte den Abfrageapparat in gewöhnlicher Weise ein, um die Gesprächsanmeldung entgegenzunehmen. Dann ruft er den gewünschten Teilnehmer an, auch wenn dieser an eine andere Vermittelungsstelle angeschlossen ist. Wenn der Teilnehmer zum Gespräch bereit ist, so wird die den Automaten benutzende Person aufgefordert, die Gebühr für das Gespräch durch Einstecken eines oder mehrerer Zehnpfennigstücke in den Geldeinwurf, je nach der Höhe der zu entrichtenden Gebühr, zu entrichten. Das eingeworfene Geldstück fällt gegen eine im Innern des Gehäuses angebrachte Glocke und bringt diese zum Tönen. Ter nachschwingende Ton überträgt sich auf daS Mikrophon und wird von dem die Bezahlung überwachenden Beamten der Vermittelungsstelle im Fernhörer wahrgenommen. Sobald die Gebühr entrichtet ist, wird die Ver- binoung ausgeführt. Die Vermittelungsstelle schaltet sich dabei aus. Die Verbindung wird dann wie eine solche behandelt, die zwischen zwei Teilnehmerstellen stattfindet. Eine peinliche Ueberwachung der Gesprächsdauer soll in der Regel nicht erfolgen. Die Einnahme an Gebühren wird für jeden Apparat besonders berechnet. Bei der Leerung der Geldbehälter wird ein zweiter Beamter oder Unter- beamtcr hinzugezogen. Soweit für öffentliche Automatenstellen eine jährliche Mindesteinnahme gewährleistet ist, so werden etwa fehlende Beträge von den Verpflichteten am Schlüsse des Rechnungs- jahres eingezogen. Vom Schlachtfclde der Arbeit. Ein folgenschwerer Bauunfall ereignete sich am Donnerstag auf dem Neubau Bellealliancestr. 34. Dort stürzte der 69 Jahre alte Ziininermann Otto Holz, der für die Firma Gebhardt u. Co., Kirchplatz 9, gearbeitet hatte, von der dritten Etage ab und wurde in bewußtlosem Zustande davongetragen. Im Krankenhause am Urban starb der Bedauernswerte kurz nach seiner Einliefernng an den Folgen schwerer innerer Verletzungen. Von einem bedauerlichen Unglücksfall wurde eine junge Arbeiterin in der optischen Anstalt von C. R. Goertz A.-G. in Friedenau be- troffen. Sie geriet versehentlich in eine Fräsemaschine und wurde schwer verletzt wieder hervorgezogen. Ein hinzugerufener Arzt ver- anlaßte die Ueberführung der Verunglückten in ein Krankenhaus. Tie Berliner Droschke. Die EntWickelung des Berliner Droschkenwescns zeigt mit besonderer Deutlichkeit das neue Ver- zeichnis der Halteplätze für das kommende Winterhalbjahr. Für ganz Groß-Berlin sind für Taxameterdroschkcn, mit der jetzt die ganze 1. Klasse ausgestattet ist, 601 Halteplätze vorgesehen. Davon befinden sich 484 in Berlin selbst, in Charlottenburg 61, in Rix- dorf 6, Schöneberg 27, Weißensee 3, Wilmersdorf 24, Lichtenberg und Friedenau je 3. Für die im Aussterben begriffene Droschke 2. Klasse gibt es nur noch 240 Halteplätze, von denen allein 224 auf Berlin kommen. Außerdem gibt es deren noch 3 in Charlotten- bürg, 1 in Rixdorf und 6 in Schöncberg. In Weißensee haben sich neben zwei Plätzen 2. Klasse ein gemeinsamer für 1. und 2. Klasse erhalten. Für Automobildroschken sind bereits 30 Halteplätze vor- gesehen, davon 26 in Berlin, 4 in Charlottenburg und 1 in Schöne- berg. Halteplätze für Kraftdroschken befinden sich in Berlin Mt- Moabit 139b, Askanischcr Platz, Behrenstraße 9 und 33, Belle- Alliance-PIatz, Flemmingftraße 9, Französischestraße 20a und 44, Ausstellungspark, Kaiser Wilhelmstraßc 49, Bellevuestraße 10, Markgrafenstraße 61, Kurfürstenstraße 89, Paulstraße 37, Schadow- stratze 14, Schmidtstraße 12, Seydlitzstraße 14, Stülerstrahe 14, Sommerstraße 1, Taubenstraße 6. Tieckstraße 1, Universitätsstraße, Unter den Linden 6, Viktoriastraße 21, Wilhelmstraße 96. Eine Protestversammlung hatte die Freie Vereinigung der Stmßenhändler zu Donnerstag einberufen, um Verwahrung ein- zulegen gegen die Vorwürfe, die dem Stratzenhandel in einer Ein- gäbe des Bundes der Handels- und Gewerbetreibenden gemacht werden. Dieser Bund ist mit der ohnehin schon starken Einengung des Stratzenhandels und seiger Beschränkung auf sogenannte tote Straßen noch nicht zufrieden und möchte den Straßenhandel gänz- lich erdrosselt sehen. Er wiederholt deshalb in seiner Eingabe an die Polizei die schon öfter aufgestellte Behauptung, die Straßen- Händler führten schlechtere Ware als die seßhaften Händler. Diese Beschuldigung wurde in der Versammlung entschieden zurück- gcvnesen und wiederum gegen die seßhaften Händler Beschwerden erhoben. Es gelangte eine Resolution zur Annahme, die sich gegen die Eingabe der seßhaften Gewerbetreibenden wendet und das scharfe Vorgehen der Polizei dem Straßenhcmdel gegenüber ver- urteilt. Eine Reihe von Straßenunfällen werden uns vom Donners- tag gemeldet. Gegen Mittag fuhr ein die Seestraße in schnellem Trabe passierender Lastwagen an der Ecke der Residenzstraße so kurz um die rechte Biegung, daß die Hinterräder des Wagens gegen die Bordschwelle des Bürgersteiges stießen. Hierbei wurde der Führer des Gefährtes, ZiemS, vom Wagen herabgeschleudert und fiel so unglücklich mit dem Kopf auf den Bürgersteig, daß er außer einer schweren Schädelverletzung auch anscheinend eine Gehirn- crschütterung erlitt. Ziems wurde nach dem Lazarus-Krankenhause übergeführt.— Der Straßenbahnschaffner Berndt wurde bei dem Ankuppeln eines Anhängewagcns an der Endhaltestelle der Straßenbahn am Wartburgplatz zwischen Motor- und Anhänge- tvagcn geklemmt. B.. der eine schwere Quetschung der rechten Schulter erlitt, wurde nach der Unfallstatton in der Bahnstrahe gebracht, wo ihm die erste Hülfe zuteil wurde.— Von einem Schlächtcrwagen überfahren wurde am Kottbuser Damm der Bau- gehülfe Röscner, als er mit einem Handwagen den Strahenzug passierte. Ein in schnellem Tempo von Rixdorf kommendes Schlächtergcfährt stieß, als es einem Omnibus ausbog. gegen den andwagen, wobei R. zu Boden geschleudert wurde, und unter den leischerwagen stürzte. Er wurde überfahren und erlitt eine Brustquetschung. Der Verunglückte wurde nach dem Urban- Krankenhause gebracht.— Vom Deck eines Straßenbahnwagens stürzte in der gestrigen Nacht gegen%3 Uhr der Straßenbahn- schaffncr Köhler, welcher den Motorwagen Nr. 2243 der Straßenbahnlinie 1 bediente. An der Ecke der Gitschiner- und Brandenburg- straße war die Kontaktstange vom Draht abgesprungen und hierbei die zum Hatten der Stange dienende Leine gerissen. K. stieg auf das Dach des Wagens, um die Leine zusammenzubinden, glitt dabei ab und stürzte auf das Straßenpflaster. Er erlitt außer einer Schnlterverrenkung eine starke Kontusion der linken Hüfte und mußte nach dem Krankenhause am Urban übergeführt werden. Lysol genommen hat am Donnerstag nachmittag ein neunzehn- jähriges Dienstmädchen M., das bei einem Schneidermeister in der Wörtherstraße bedicnstet war. Als Ursache wird angegeben, daß das Mädchen sich der Folgen, die ein Liebesverhältnis hatte, schämte. Donnerstag nachmittag kaufte sich die Unglückliche Lysol, goß es in ein Bierseidel und trank das Gift bis zum letzten Tropfen. Kurz darauf erschien der vierzehnjährige Bruder des jungen Mädchens, der am Vormittag eingesegnet worden ivar und der sich nun seiner Schwester im schwarzen Anzug als Konfirmand vor- stellen wollte. Aber er klopfte vergeblich an die Tür. Die Schwester hatte sie vorher von innen verschlossen. Es mutzte schließlich ge- waltsam geöffnet werden und als man dann das Zimmer betrat, fand man die Lebensmüde bereits tot vor. In Tobsucht verfiel Donnerstagabend der Feuermann Kamrath vom 29. Zuge bei einem Brande, der um 6 Uhr in der Wallstr. 24 in einen» Konfektionsgeschäft ausgekommen war. Als der 29. Zug dort ankam, standen dort im 4. Stock des ersten Ouergebäudes Regale, Stoffe, Zwischenwände, Schaldecken, Türen usw. in Flammen. Diese verursachten eine solche Oualmentwickelung, daß die Mannschaften nur mit Mühe an den Brandherd gelangen konnten. K a m r a t h, der schon einmal eine Rauch- Vergiftung durchgemacht hat, wurde tobsüchtig und muhte von seilten Kameraden mit Gewalt festgehalten werden. Brandmeister Dinger ließ einen Arzt herbeirufen, der den Bedauernswerten mit Morphium- einipritzungen versah und dann seine Ueberführung nach dem Lazarus- Kranlenhause anordnete. Kamrath hatte die Absicht, sich in nächster Zeit zu verheiraten. Der Brand wurde von der Feuerwehr durch kräftiges Wassergeben auf das Konfekttonsgeschäft beschränlt. Prozeßkosten in Millionenobjekten. Wie gewaltig die Kosten von Prozessen sind, bei denen es sich um Millionenobjekte handelt, lehrt der Verlans der Klagesachen, die zwischen der Stadtgemeinde Char- lottenburg und den Charlottenburger Wasserwerken schwebten und jetzt durch Vergleich erledigt sind. In Betracht kommt hier nur der erste größere Prozeß, bei dem eS sich um die Feststellung handelte, ob die Stadt Charlottenburg die gesantten Anlagen der Wasserwerke oder nur den Charlottenburger Teil des Unter- nehmen« zu erwerben berechtigt sei. Die weitere Feststellunasklage der Wasserioerke. bei der um den Zeitpunkt der Erwerbung gestritten werden sollte, ist jetzt zurückgezogen worden, bevor die Augelegen- heit in der ersten Instanz zur Entscheidung gekommen ist. Ueber die Höhe der in dem zuerst erwähnten Prozeß entstandenen Kosten wird folgendes berichtet: Die Gerichtskosten betrugen in erster Instanz 140 449 M., in zweiter Instanz 176 909 M.; in dritter Instanz sdie beim Reichsgericht eingelegte Revision wurde vom Charlottenburger Magistrat zurückgenommen) würden sie sich auf 210 669 M. belaufen haben. Die Anwaltskosten betrugen in erster und zweiter Instanz für je einen Anwalt rund 28 999 Mark. Bier Anwälte waren in beiden Instanzen für die Parteien tätig. In dritter Instanz würden die Anwaltskosten für jeden Anwalt 36 699 M. betragen haben. Wäre der Prozeß in letzter Instanz vom Reichsgericht entschieden worden, so hätte die unter- liegende Partei im ganzen 711467 M. erstatten müssen. Die Ge- samtsumme der Kosten, die der Prozeß bis zum Vergleich ver- nrsacht hat, stellt sich, da auch für die dritte Instanz ein Teil der Gerichts- und Anwaltskosten bezahlt werden muß, auf 467 263 M. Nach dem Vergleich trägt die Stadt Charlottenburg hiervon 279 799 Mark, während die Wasserwerke 196 863 M. übernehmen. Nach Unterschlagung von Amtsgeldern verhaftet. In Berlin wurde gestern der Vollziehungsbeamte Franz Haushälter verhaftet, der kürzlich nach Unterschlagung von Amtsgeldern aus Elberfeld ent- flohen war. Als er am Schlesischen Bahnhof einen Bekannten erwartete, wurde er von Kriininalbeamten erkannt und festgenommen. Haushälter hat die ganze Zeit nach seiner Flucht in Berlin zu- gebracht. Einer polizeilichen Anmeldung beugte er dadurch vor, daß er alle zwei bis drei Tage seine Wohnung lvechselte. Arbeiter-Bildungsschnle Berlin. Die Mitglieder, welche noch im Besitze von Bibliothekbüchcrn sind, werden gebeten, dieselben bis zum Donnerstag, den 27. September, abzuliefern; von diesem Tage ab ist die Mbliothek zwecks Vorbereitung zum Umzüge geschlossen. Wiedereröffnung und Beginn der Unterrichtskurse ani Montag, den 1ö. Oktober, in der Grenadierstr. 37, Hof geradezu 1 Treppe, wo der Saal, die Galerie, sowie die Nebenräume den Zwecken der Schule entsprechend eingerichtet werden.(Lehrplan siehe in der Sonntags-Nummer.) Auf der Treptow-Sternwarte spricht Herr Dozent Jens Lützen am Sonntag, den 23. September, nachm. 6 Uhr, über:„Die Kometen, Sternschnuppen und Meteore", um 7 Uhr über:„Welt- ansang und Weltende". Das Thema sür den Montagsvortrag abends 9 Uhr lautet:„Der Vesuvausbruch im April 1996." Alle drei Vorträge sind mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet.— Mit dem großen Fernrohr wird während der ganM Woche nachmittags die Sonne und abends der Mond beobachtet. Zu rekognoszieren. Am 16. d.M. ist im Spandauer Schiffahrts« kanal bei Plötzensee die Leiche einer zirka 13—29 Jahre alten unbekannten Frauensperson aufgefunden worden. Dieselbe hat dunkelblondes Haar, braune Augen und ist bekleidet mit weißem Rock, einer weißen und einer grünen Bluse, rosa Unterrock, grauen Beinkleidern und braunen Schuhen. Ueber die Persönlichkeit hat sich bisher noch nichts ermitteln lassen. Rekognoszenten wollen sich bei den, Gutsvorstand in Plötzensee melden. Mitteilungen über die Persönlichkeit nimmt auch jedes Polizeirevier sowie die Kriminal- Polizei zu 7973 IV. 33. 96 entgegen. An, 16. d. M. ist bei Potsdant die Leiche eines Mannes, an- scheinend dem Arbeiterstande angehörend, angeschwemmt, welche zirka acht Tage im Wasser gelegen haben kann. Der Tote hat ein Alter von zirka 49 bis 46 Jahren, ist zirka 1,72 Meter groß, hat dunkel- blondes, kurzgeschorenes Haar, blonde Augenbrauen, rotblonden Schnurrbart, hohe Stirn, rundes Gesicht und kräftige Hände. Er ist bekleidet mit dunkelgrauem Jackettanzua, blauer Arbeiterbluse, rot und blauaestreistem Parchendhemd und kurzen Schaftstiefeln. In den Kleidertaschen sind vorgefunden worden: ein rotbuntes Taschentuch ohne Zeichen. ein Messer mit zwei Klingen und ein schwarzes Lederporlemonnaie mit sieben Pfennigen. Zweckdienliche Angaben werden hier, auf jedem Polizeirevier, bei der Kriminalpolizei Zimmer 326 II und bei der Kriminalpolize' zu Potsdam mündlich und schriftlich entgegeiigenomrnen unter 6987 IV/41. 96, Vorort- JVachncbten. Schöneberg. Die Verhältnisse im städtischen Armenhause müssen gewiß schon recht schlechte sein, viel schlechter noch als sie bereits oft von uns hingestellt sind. Denn ein langjähriges Mitglied der Armen- verivaltung, Herr Rubeau, hat im bürgerlichen Bezirksverein„Alt- Schöneberg" sich in einer Weise darüber ausgelassen, die an Deut- lichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Nach einem Bericht im „Schöneb. Tagebl." sagte der genannte Referent u. a.: „Unser heutiges Armenhaus in der Erfurterstraße ist nicht mehr zeitgemäß und einer Großstadt unwürdig. Es herrschen in diesem Hanse Mißstände, die himmelschreiend seien und geradezu eine Gefahr für die Schöneberger Bevölkerung in sittlicher und hygienischer Beziehung bilden, ja sogar die Prostitutton erhebe hinter diesen Mauern ihr Angesicht. ES sei hohe Zeit, daß der Magistrat, deni diese großen Mißstände nicht mehr unbekannt sein könnten, endlich für ein besseres Unterkommen seiner Armen und Siechen sorge." Die von unseren Genossen seit vielen Jahren erhobenen Be- schwerden und Andeutungen über die unter aller Kritik bestehenden Verhältnisse im Armenhause der„Großstadt" Schöneberg haben ja bekanntlich die Vertröstung ans die 26 Millionenanleihe zur Folge gehabt, in welcher denn auch wirklich ein größerer Betrag zu einem Neubau enthalte» ist. Mehrfache, in letzter Zeit gestellte Anfragen an zuständiger Stelle über die weiteren Schritte in dieser Angelegen- heit wurden auf die in Vorbereitung befindlichen Pläne und Pro- jekte eines Armen- und Siechenhauses, mit deren Ausführungen bis zur Fertigstellung des Krankenhauses gewartet werben müsse, verwiesen. Wenn wir auch gerne zugeben wollen, daß durch das letztere und die jüngst erledigte neue KanalisationSanlage unsere Hoch- und Tiefbauverwaltung in hohem Maße in Anspruch ge- nommen war, so müßte als nächste Aufgabe unverzüglich die Schaffung des immer und immer wieder hinausgeschobenen Neu- baues eines der Großstadt Schöneberg würdigen Armen- und Siechen- Hauses in Angriff genommen werden. Steglitz. Der Kampf gegen die LehrlingSvereinr. Unter dieser Spitzmarle berichteten wir vor längerer Zeit über die staatSretterische Tätigkeit des Leiters der hiesigen Fortbildungsschule, Herrn Rektor Steinte. Der Herr fühlte sich berufen, diejenigen FortbildungS- schüler, welche dem Lehrlingsverein angehörten, aufzufordern, auS diesem Verein auszutreten. Denjenigen Schülern, welche dieses Ansinnen abwiesen, drohte er, ihre Lehrmeister von ihrer Mitgliedschaft in Kenntnis zu setze». Der Lehrling N. führt denn auch seine Entlassung auS der Lehre darauf zurück, daß Herr Steinte seine Drohung ausgeführt hat. Auffällig war jedenfalls, daß Herr St. zu dem Termin, in welchem die Klage des betreffenden Lehrlings gegen seinen Lehrmeister vor dem Schiedsgericht der Baugewerksinnung verhandelt werden sollte. als Zuhörer erschien. Seit jener Zeit scheint jedoch der Herr seine Ansicht über die Schädlichkeit des Zusammenschlusses der Jugend- lichen geändert zu haben. Am Montag dieser Woche fand in Steglitz eine Kreiskonferenz der Lehrer statt, deren Berhandlungeii viele Eltern interessieren dürften. Die ganze Veranstaltung stand offenbar im Zeichen des neuen Volksschulgesetzes, dessen Leitsatz lautet:.Die Religion muß dem.Volke" erhalten bleiben!" Nach dem gemeinschaftlichen Gesänge:„Lobe den Herren" eröffnete Kreisschulinspektor Älbrecht die Verhandlungen mit einem Gebet. In der Einleitungsrede wies er auf die beiden wichtigen Tagesordnungspunkte„Fürsorgeerziehung der schul- entlassenen Jugend" und„Bekämpfung des Alkoholismus durch die Schule" hin und betonte, daß. da die schulentlassene Jugend mehr denn je{?!) durch Verführung dem Laster und Ver- derben in die Arme getrieben werde(1) und der Alkoholismus eine nationale� Gefahr für das Volk bedeute, es die Pflicht eines jeden Bürgers, besonders des Lehrers, sei, an der Lösung dieser beiden Fragen mitzuarbeiten. Die Kampfgenossenschaft der Schule gegen den Alkoholismus fauch in den„besseren" und sogar„sehr nationalen" Kreisen) wird niemand verschmähen, am wenigsten die denkenden Arbeiter. Aber daß Herr Rektor Steinte in seinem Vortrage über:„Die Fürsorgeerziehung der schulentlassenen Jugend" zu dem Schlüsse kam, daß die Gründung von Jugendorganisationen das Allheilmittel sei. er- scheint uns nach dem oben Mitgeteilten wunderbar. Er bc zeichnete die Fürsorgeerziehung als eine unabweisbare Not wendigkeit, jedoch könne die Volksschule hier wenig aus- richten; hier müßten die Fortbildungsschullehrer und die „ganze gebildete Gesellschaft" eingreifen. Um die schulentlassene Jugend vor den„verderblichen Mußestunden" zu bewahren, empfahl er schließlich Gründung von Jünglingsvereinen, Lehrlings- vereinen, Jugendklubs und Einrichtung von Samaritcrknrse».— Der von Herrn St. bekämpfte Lehrlingsvercin bezlveckt bekanntlich Unterhaltung und Belehrung seiner Mitglieder. Sollen die von dem Redner empfohlenen Organisationen„die verderblichen Mußestunden" auch nur auf diese Art ausfüllen, so ist die Gegnerschaft unverständlich und zeugt außerdem von wenig Konsequenz. Sollte er aber der Meinung sein, daß dazu auch Beten, Singen von Gesangbuchliedern und salbungsvolle Reden über das irdische„Jammertal" und das himmlische„Paradies" gehören, so können wir ihm versichern, daß er sich auf demHolzwege befindet. In derRegel haben die Volksschüler von diesen Artikeln während der Schulzeit zwangsweise soviel verkonsumicrt, daß sie nach der Schulentlassung kein Bedürfnis mehr dafür haben. Im Gegenteil setzt um diese Zeit gewöhnlich eine sehr gesunde Reaktion gegen das genossene„Zuviel" ein, und bald bricht sich die Erkenntnis Bahn, daß die Religion bis jetzt noch immer nur dazu gedient hat, das„Volk" in der Dummheit zu erhalten, um es desto leichter „beherrschen" zu können. Das Volksschulgesetz verfolgt mit neuen Mitteln den alten Zweck. Erfolg wird es so wenig haben Ivie Herr Steiuke mit den vorgeschlagenen christlichen Organisationen der Jugendlichen. Weihensee. AuS der Gemeindevertretung. Die Große Berliner war ersucht worden, die Linien 60 und 61 bis, zum Amtsgericht resp. zur Rennbahn- straße zu verlängern, was aber von der Direktion rundweg abgelehnt wurde, da die Rentabilität fehlte.— Eine Gemeindeturnhalle zu er- bauen wurde endgültig« beschlossen. Dieselbe wird auf dem Platze am Kreuzpfuhl in der Pistoriusstraße errichtet und von Parkanlagen umgeben. Sie erfordert eine Kostensumme von 140 000 M. Die Turnhalle selbst wird 18 X'34 Meter groß und soll dieselbe nach einem Beschluß allen Parteien und zu gleichen Zwecken übergeben werden. Ein in derselben befindliches Restaurant wird verpachtet. Eine Petition der Marktstandsinhaber, den Wochenmarkt erst zum 1. April 1907 zu verlegen, wurde abgelehnt. Derselbe wird, wie bereits beschlossen, am 1. Oktober von der König- Chaussee nach der Charlottenburgerstraße verlegt.— In ge- heimer Sitzung wurde die Anstellungsfrage des Totengräbers Kühn erledigt.' Wie erinnerlich, war die Kündigung dcS Totengräbers ausgesprochen, da die Verwaltung des Friedhofes in eigener Regie ausgeführt werden sollte. Die Verkehrskommission schrieb die Stelle des Totengräbers aus, worauf sich etwa 200 Be- Werber �meldeten. Inzwischen focht der bisherige Inhaber dieses Postens seine Kündigung an; der Verband der Friedhofsbeamten legte sich ins Mittel und verhandelte mit Dr. Pape, der ja, wie noch erinnerlich sein dürfte. auf dem Dresdener Verbandstaae die ganze Regienahme des Friedhofes den„bösen Sozis" zuschrieb, die es verstanden hätten, die bürgerliche Mehrheit zu über- zeugen. Herr Dr. Pape versprach dann noch, für die Wiederanstellung des Kühn einzutreten. Die Kommission war damit einverstanden und verhandelte wieder mit Kühn. So kam denn ein Beschluß zustande, den bisherigen Totengräber mit, einem Jahres- gehalt von 2000 M. wieder anzustellen: ferner soll er innerhalb zwei Jahren die von ihm im Gebrauch befindliche Gärwereianlage auf dem Friedhofe räumen. Aus Dankbarkeit für alle ausgestandenen Oualen erhält er noch den Titel.Friedhofsinspektor". Herr Dr. Pape wird sich bei nächster Gelegenheit rühmen können, einen Triumph über die Sozialdemokratie davongetragen zu haben. Pankow. Die Wahlen zum Gcwcrbcgericht finden am 12. November er. statt. Zu wählen sind drei Arbeitgeber und drei Arbeitnehmer. Wahlberechtigt ist, wer das 26. Lebensjahr am Wahltage vollendet hat und im Bezirk des Gewerbegerichts Wohnung oder Beschäftigung hat. Die Wählerlisten liegen aus im Rathause. Zimmer 36. wochentags von 8 Uhr vormittag« bis 3 Uhr nach- mittags und Sonntags von 9—12 Uhr bis inklusive 29. September. Pflicht eines jeden Parteigenossen ist es. dafür zu sorgen, daß alle in Pankow wohnenden oder beschäftigten Arbeiter sich in die Wähler- listen eintragen lassen. Als Legitimationskarte hierzu genügt eine vom Arbeitgeber unterschriebene und gestempelte Bescheinigung. Bei größeren Werkstellen empfiehlt es sich, eine Liste der dort beschäftigten Arbeiter anzufertigen, dieselbe vom Arbeitgeber stempeln zu lassen und auf dem Rathaufe, Zimmer 6 zur Eintragung vorzulegen. Der Vorstand des Wahlvereins. Spandau. Die am lt. September vertagte Generalversammlung des Wahl- Vereins wurde am Dienstag fortgesetzt. Der Erledigung harrten noch die Berichterstattung von der Kreisgeneralversammlung und des Provinzialparteitagcs. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Ableben des alten Parteigenossen Wilhelm Bock in üblicher Form. Den Bericht von der Kreisgcneralversammlung erstattete Genosse Reibeholz. Redner kritisierte namentlich die Stellung des Kreises dem seinerzeit angenommenen Antrag gegen- über, wonach für Spandau eine Extrabeilage im„Vorwärts" ge- schaffen werden sollte. Die ganze Tätigkeit habe darin bestanden, daß kurz vor der Kreisversammlung eine Anfrage an die Redaktion gerichtet worden sei, was eine Extrabeilage für Spandau kosten würde. In dem Antrage Liebknecht, ein periodisch erscheinendes Fluglatt speziell für die Staatswerkstättenarbeiter herauszugeben, sei nur ein Begräbnis der Angelegenheit zu erblicken. Nachdem Redner noch die Anträge betreffend die Agitation unter den Spandauer Militär« Werkstättenarbeitern gestreift, verbreitete er sich über das vom Genossen Liebknecht gehaltene Referat. Nach längerer Diskussion gelangte folgende Resolution zur Annahme:„Die heutelam 18. September tagende außerordentliche Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins Spandau mißbilligt den ablehnenden Standpunkt der Kreis- Generalversammlung in bezug auf die Unterstützung zur besseren Ausgestaltung der Spandauer Preßverhältnisse im„Vorwärts". Sie erblickt in dem Antrag Liebknecht, ein periodisch erscheinendes Flug- blatt für die Staatswerkstättenarbeiter herauszugeben nur eine Last, da nach den bisherigen Erfahrungen der Erfolg gleich Null sein wird, dies umsomehr, als den Spandauer Genossen hierbei jede selbständige Freiheit genommen ist. Sie bedauert außerdem, daß die Kreis-Generalversammlung ihrem Statut nicht insoweir gerecht geworden ist, daß die beiden Beisitzer aus anderen Orten gewählt worden sind, als aus dem Ort, dem die anderen Vorstandsmitglieder angehören. Mit allen übrigen Beschlüssen erklärt sich die General» Versammlung einverstanden." Ein Antrag Richter-Staaken, die Wahl des Ausschusses von drei Genossen in einer späteren, besser besuchten Versammlung vor- zunehmen, stieß ans Widerspruch. Die nun gemachten Vorschläge zur Wahl führten zu keinen, Resultat, da alle vorgeschlagenen Ge Nossen, außer Pieser, ablehnten. Letzterer stellte folgenden Antrag: „Die Wahl des Ausschusses unterbleibt, weil unter solchen vom Kreis vorgeschriebenen Umständen ein Arbeiten unmöglich und folge» dessen ein Interesse am Zustandekommen des Ausschuffes nicht vor- Händen ist." Der Antrag wurde mit 19 gegen 13 Stimmen an- genommen. Der Bericht von der Provinzialkonferenz wurde wegen vorgerückter Zeit bis zur nächsten ordentlichen Versammlung vertagt. Sericdts-Leitung. Bon der Haftpflicht des Fuhrherrn für seinen Kutscher. Nach§ 831 des Bürgerlichen Gesetzbuchs hat der Dienstherr für die Fahrlässigkeit seiner Angestellten aufzukommen, falls er nicht beweist, daß er bei Auswahl derselben die erforderliche Sorgfalt walten ließ. Wie weit diese Sorgfalt geht, falls der Angestellte dem Dienstherrn keine Zeugnisse vorlegt, rst die Frage dieses Rechts- streits. Der Kutscher i". war ,m März 1903 von dem in diesem Rechtsstreit beklagten Fuhrhalter N. engagiert worden, ohne daß der Beklagte N. Zeugnisse von ihm gesehen oder Erkundigungen über seine frühereu Stellungen ein- gezogen hatte. Im November 1903 überfuhr Z. einen neunjährigen Knaben in übler Weise. Der Junge erlitt einen Schädel- und einen Schlüsselbeinbruch und mutzten ihm auch noch der rechte Arm und einige Rippen amputiert werden. Der Vater deS Verunglückten nah», hierauf den Fnhrhalter anf Rentenzahlung in An- spruch. Letzterer behauptet aber, den Entlastungsbeweis nach§ 831 des Bürgerlichen Gesetzbuches dadurch erbracht zu haben, indem er unter Beweis stellte, daß er für den Fall der Ein- ziehung von Erkundigungen über Zi. bei dessen Anstellung als Kutscher nichts Nachteiliges über diesen bei den früheren Fuhrherrcn gehört haben würde, daß also der Anstellung des X. nichts im Wege gestanden hätte. Der Kläger behauptet hierauf und stellt unter Beweis, daß T. schon zweimal mit 10 und 30 M. Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung vorbestraft gewesen sei. In dem jetzigen Falle war 3L von dem Strafrichter zu nenn Monaten Gefängnis verurteilt tvorden. In dem Schadenersatzprozeß»ahm das Landgericht Berlin I an. daß der Beklagte nicht verpflichtet war, bei der Polizei Erkundigungen über T. und dessen Vorstrafen einzuziehen, und daß seine Erkundigungen über T. bei den früheren Fuhrherren nichts Nachteiliges für diesen ergeben hätten. Es erkannte somit auf Abweisung der Klage. Auch das Kammergericht z u Berlin wies die Berufung des Klägers zurück, indem es annimmt, daß eine Kausalität zwischen dem Verschulden des Beklagten und dem Unfall bestehe, da die geschäftsüblichen Erkundigungen nichts Belastendes für X. ergeben habe» würden. Die eine Vorstrafe von 30 M. sei so minimal und läge bereits 4 Jahre zurück, sodaß sie wie auch die andere nicht in Betracht kommen könnte.— Gegen dieses Urteil hatte der Kläger mit Erfolg Revision eingelegt, in der er besonders aus- führte, daß der BerusungSrichter auf einen angebotenen Zeugen- beweis zur Belastung deS Beklagten nicht eingegangen war. Das Reichsgericht hob das kammergerichtliche Urteil deshalb auf und wies die Sache zur nochmaligen Entscheidung an dasselbe zurück. indem es noch ausführte: daß es hier allerdings erheblich sei. zu erfahren, ob stets ein günstiges Resultat für den£. bei weiteren Er kundigungen erzielt worden wäre. Die Anforderung des Berufung« gerichtS an den Entlastungsbeweis genüge nicht: denn �S käme nicht darauf an, daß der Beklagte nichts Nachteiliges über den X. erfahren haben würde, sondern es hätten ihm positive Angaben vorliegen müssen, daß er einen zuverlässigen Kutscher anstelle. Ein Unfall im RatSweinkellcr zu Hamburg und Schadenersatzanspruch. Ein Stammgast des Hamburger Ratsweinkellers war am 16. Februar 1905 kurz nach 4 Uhr nachmittags die Wendeltreppe um die einen Bacchus tragende Säule heruntergeschritten und anf der untersten Stufe zu Fall gekommen, wobei er sich einen Beinbruch zuzog. Er gibt an. daß der Unfall auf die schon etwas dunkle Treppe zurückzuführen sei und verlangt deshalb vom beklagten Pächter 3020 M. Schadenersatz und 1600 M. Schmerzensgeld. Der Beklagte bestreitet aber, daß an jenem Tage, an dem die Sonne erst 6 llhr 28 Minuten unterging, schon so ge- fahrbringende Dunkelheit geherrscht habe und beruft sich weiter auf § 831 Absatz 1 Satz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Und zwar führt er einmal aus, daß durch Aussage eines Zeugen M. fest- stehe, daß es zur Zeit des Unfalls auf der Treppe noch so hell war, daß man die Gesichtszüge des Klägers deutlich erkennen konnte. dann aber habe er zur Beleuchtung der Treppe auch eine vertrauenswürdige Person bestellt, die jeden Abend die elektrischen Lampen anbrannte und die Weisung hatte, dies bei Eintritt der Dunkelheit zu tun. Zur Zeit des Unfalles aber habe jedermann annehmen können, daß die Treppe noch ohne die elektrische Beleuchtung hell genug war. Auch hätte Kläger, wenn er die Treppe zu dunkel fand, das Anzünden der Lampen verursachen können. Er sei somit selbst an dem Unfall schuld. Landgericht und OberlandeSgericht Hamburg sprachen die Verurteilung des Beklagten dem Grunde nach auS. Und zwar heißt es in dem Urteil des Oberlandesgerichts, daß sich die Treppe, die sich als dunkler Pfad darstellte, schon bei Eintritt der ersten Dunkelheit hätte beleuchtet werden müssen. Für ein Ver- schulden des Klägers läge nichts vor, denn dieser hätte als mit den Verhältnissen vertrauter Stammgast eS wagen dürfen, die Treppe auch im Dunkeln gut hinunterzukommen. Den Entlastungsbeweis nach § 831 Bürgerlichen Gesetzbuchs habe der Beklagte aber nicht erbracht. Er hätte dann den als Toilettcnwärter angestellten Mann, der auch das Anbrennen der beiden Treppenlampen zu besorgen hatte, hin- reichend Weisung erteilen müssen, die Lampen ftühzeitig genug an- zubrennen. �„ Dieses Urteil wurde vom Beklagten durch das Rechtsmittel der Revisionseinlegung vor dem Reichsgericht angegriffen. Die Revision machte geltend, daß der Wärter die Weisung erhalten habe. die Lampen bei Eintritt der Dunkelheit sofort anzuzünden, und daß der Kläger es an der nötigen Borsicht haben fehlen lassen. Unter anderm rügte sie die nichtberücksichtigte Aussage des Zeugen M. bezüglich der Helligkeit der Treppe zur Zeit des Unfalles. Der VI. Senat des Reichsgerichts entschied nun für Auf« Hebung des Vorderurteils und wies den Kläger zur Hälfte endgültig ab. Zur Erkennung über die andere Hälfte des Schadens wurde die Sache an das OberlandeSgericht Hamburg zurückverwiesen. Oeffentltche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be« Nutzung sür jedermann, S1V., Alexandrincnstr. 26. Geöffnet täglich von S>/,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 23. September, vormittags S'l, Uhr im Rathause(Eingang Jüdenstraße), Saal 109: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags 10'/, Uhr in der Schulaula, Kleine Franksurterstr. 6: Vorwag des Herrn M. H. Baege über: Der Ent< wickelungsgedanke in der modernen Philosophie. Herren und Damen alS Gäste sehr willkommen. Allgemeine Kranken- und Stcrbekaffe der Metallarbeiter. (E. H. 29, Hamburg.) Filiale Berlin 4. Heute abend 8>/, Uhr bei McrkowSki, AndreaSstr. 26, Sitzung.— Filiale Berlin 6. Heute abend 9 Uhr bei Wiesenthal, Ackersw. 123, Sitzung.— Filiale Eharlottenburg. Heute abend 9 Uhr im VolkShaus Sitzung.— Filiale Rixdorj.--- S'/j Uhr bei Thiele, Bergsw. 151 Sitzung.— Filwle abend Grunewaldsw. 110 Sitzung. sozialdemokratischer Diskutterklub„Freie Zusammenkunft». Heute abend 9 Uhr, im Gewerkschaftshause, Zimmer 16, Sitzung. Achtung, Heimarbeiterinnen des Ostens. Am Montag, den 24. September, abends 8 Uhr, findet bei Renser, Hcidenseldtstraße 17, eine Versammlung statt. Erscheint alle. Die Heimarbeitersektton deS WäschearbeiteroerbandeS. Heute abend Schöneberg. Heute Vermischtes. Schwerer Diebstahl in der Münchener Münze. I" der Nacht vom Donnerstag zum Freitag sind aus dem Königlichen Münzgebäude in München ungefähr 130000 M. in geprägten Zehnmarkstücken mit den, Münzzeichen„v 1906" im Ge- samtgcwicht von 60 Kilogramm gestohlen worden. Unter dem Münz- gebäude fließt ein Jsararm durch einen gemauerten Kanal, der gegen- wärtig wegen Reinigung trocken gelegt ist. Durch diesen Kanal ge- langten die Diebe an eine eiserne Türe: sie erbrachen dieselbe und drangen durch den Maschinenraum in den Raum ein. in welchem das gemünzte Geld aufbewahrt wird, und entnahmen einem Holz- kasteil die genannte Stimme._ Der Kaiser als Kläger. Ein Prozeß, in dem der Kaiser der Kläger ist, schwebt zurzeit beim Jnsterburger Landgericht. Der Kaiser hat gegen den Pächter des Rominter Hotels, da« bekanntlich sein Privateigentum ist, Herrn Kallweit eine Klage auf Räumung anstrengen lassen, und zwar mit der Begründung, daß der Pächter die Pachtung nicht vertragsmäßig bewirtschaftet. In erster Instanz ist die Klage vom Amtsgerichl in Goldap kostenpflichtig abgewiesen worden. Auf die eingelegte Berufung hat nach der„Kgsbg. H. Ztg." die Ferienzivilkamnier des Jnsterburger Landgerichts in ihrer letzten Sitzung einen Beweisbeschluß erhoben. Es sollen der Oberhof- Marschall Graf zu Eulenburg und der Oberförster Freiherr Speck v. Sternburg als Zeugen nernommen werden. Dann wird die erste Ziviltammer im Namen des Königs in Sachen des Kaisers zu er- kennen haben._ Hochwasser. AuS Hirschbcrg i. Schl. wird berichtet: Infolge der heftigen Regengüsse, die seit Montag anhielten, trat diese Nacht Hochwasser ein. Insbesondere der Zacken trat an vielen Stellen aus dem Ufer und überschwemmte weite Strecken. Auch die tiefer gelegenen Stadt- teile von Hirschberg sind unter Wasser gesetzt. Gestern morgen hörte der Regen auf und das Wasser begann wieder zu fallen. Breslau, 21. September. Die obere Oder ist aufs neue zum Steigen gekommen. Bei Ratibor ist der Wasserstand seit gestern um 70 Zentimeter gestiegen: ein weiteres, nicht unbedeutendes Steigen ist zu erwarten. Der Scheitel der Vorioelle erreicht die Neissemündung. Bei Breslau ist der Strom im Wachsen. Bromberg, 21. September. Die„Ostdeutsche Presse" meldet, daß infolge plötzlichen Hochwassers der Weichsel etwa 160 Holz- trasten weggeschwemmt worden: der Schaden ist sehr beträchtlich. heißt, daß oberhalb Thorn fünf Flößer ertrunken seien. Hier sind keine Menschcnverlnste zu beklagen. Die Pest in Spanien. Madrid, 21. September. Die Re- gierung hat ernste sanitäre Maßnahmen getroffen, nachdem in Barce- lona em Pestfall konstatiert worden ist. Ein neuer Erdstoß. Paris, 21. September. In Remiremont wurde gestern ein heftiger Erdstoß verspürt. Der iu den Wohnungen angerichtete Schaden ist beträchtlich. Russisches ans Paris. Paris, 21. September. In St. Germaiu explodierte vor der Wohnung des Friedensrichters eine Bombe, welche an dem Hause beträchtliche Zerstörungen anrichtete. Personen kamen jedoch nicht zu schaden. Der Friedensrichter gab auf die Täter mehrere Schüsse ab, ohne zu treffen. Berliner Marktpreise. AuS dem ainllichen Bericht der städtischen Marklhallen-Direttton.(Großhandel.) Rindfleisch la 71—76 pr. 100 Pjd., IIa 65-70, ma 60-64, IVa 54-58. Kalbfleisch, Doppelländer 105—115, la 84—90, IIa 74—83, lila 64— 73, Holl. 55—65. Hammelfleisch la 77—82, IIa 67—76, Schweinefleisch 66—73. Rehböcke fa per Psd. 0,85—1,10, IIa 0,65—0,75. Roiwild la per Psd. 0,45—0,56, IIa 0,00. Damwild 0,45. Wildschweine per Pfund 0,40—0,43. Frischlinge 0,60. Kaninchen per Stück 0,50—1,00. Wildenten la per Stück 1,60— 1,75, IIa 0,00. Rebhühner, junge la 1,30—1,50, junge IIa 1—1,13, alte 0,80—1,00, junge kleine 0,40—0,98. Hüpiicr, alte per Stück 1,60—3,40, alte IIa 1,10—1,50, junge per Stück 0,80—1,61. Tauben, junge p. Stück 0,45—0,56, alte 0,25. Enten, junge per Stück 1,60—3,50, alte per Stück 0,00. Hamburger, junge per Stück 3,00. Gänse, la per Psd. 0,55—0,65, IIa 0,48—0,54, Hamburger, junge 0,63, la per Stück 3,00—4,30, Na 1,25—2,90. PonletS per Stück 1,25—1,60, do. klein 0,56—0,70. Hechte per 100 Psd. 73—96. Zander, groß 75. Aland 63. Schleie 106. Bleie 57. Aale, groß 86—95, miiicl 76—81, klein- mittel 70—86, unsortiert 0,00. Plötzen, matt 00,00. Karpfen, unsort. 0,00, 55er Galizier 75—76, 50er Lausitzer 75—78, 45er Schlefische 75— 78, Barse, matt 45—52, klein 66— 7t. Karauschen 66— 74. do. Nein 0,00. Wels 0,00. Bunte Fische 50, matt 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Psd. 110—130, do. Na neuer 90—100, do. INa neuer 75. Sprotten, Kieler 0,75—1,50. Flunden», pomm. la, p. Schock 9. do. pomm. Na 2—4, Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel ver Kiste 2—3, do. llein Per Kiste 0,00. Bücklinge, per Wall Kieler 3—3,50, Stralsunder 2,50—4. Aale, groß per Psd. 1,10—1,50, mittelgroß 0.80—1,00, klein 0,50—0,60. Heringe per«chock 4—5. Schellsifchc Kiste 3,00, do.'/, Kiste 2. Kabliau, per 100 Psd. 20. Heilbutt 23. Sardellen. I902cr per Anker 95, 1904cr 95, 1905er 90, 1906cr 70. Schottische Vollberinge 1905 0,00, laras 40— 44, füll. 36—38, mod. 35— 42, deutsche 37— 14. Heringe, neue MatjeS, per,'/, To. 60— 120. Hummern, N, per Psd. 1,92—2,04. Krebse, per«schock, große 0,00, mittel 10,50, Neine 2,50, uniorlicrt 5,00. Galizier, groß 0,00, mittel 0,00. Eier, Land-, per Schock 4,25—5,00. Butter per 100 Psd. la 124-126, Na 118-120. INa 112-116. absallendc 95-110. Saure Gurten Schock 3,50—4,00. Pfeffergurken 3,50—4.00. Kartoffeln per 100 Psd. Dabersche 2— 2,25, Rosen 1,50—1,75, neue runde 1,75— 2.00, Salatkarl. 4—5. Spinat p. 100 Psd. 5,00—8,00. Karotten p. Schockbund 2,00—3,00. Sellerie, hiesige, per Schock 1,50—6,00. do. pommcrschc 4—5,50. Zwiebeln große, per lOOPsd. 3,00— 4,50. do. Neine 2,75— 3,00. do. hiesige(Perl.) 30—50. Charlotten 50—60. Petersilie, grün, Schockbd. 1,00. Kohlrabi per Schock 0,75—1,00. Rcttig, bahr., p.«schock 2,40— 4,80. Radieschen per «schock-Bd. 0,60— 0,80. Salat, p. Schock 1,50— 1,75. Bohnen, grüne, per 100 Pfund 6—15. WachSbohncn 6—15. Schoten per 100 Pfund 15—17. Pscfferlingc pr, 100 Psd, 7—10, Mohrrüben pr. 100 Psd. 2—3. Teltower Rüben p, lOOPsd. 8—12. Blumenkohl p, Mandel 1,50—2,50, do. Erfurter, Kops 0,20—0,30. Wirsingkohl per Schock 4,00—7,00, Rotkohl p. Schock 3,00—7,00, Weißkohl p. Schock 2,00—5,00, Rosenkohl P, 100 Psd, 30—35, Steinpilze p, 100 Psd, 40-50, Gurten. Zerbster. Schock 0,00, do. Einlege-, sdjock 1,50—1,75, do, Rothenbg. 1,50— 2,00, do, Liegnitzer 1,50— 4,00. do. Einlege-(sens-) 8—18. Kohlrüben, Schock 3—4,00. Tomaten, hiesige 100Psd,3— 5, KürbiS 2. Birnen, ital, per lOOPsd, 0,00, hiesige 3— 20, Tiroler 20— 35, böhmische 3— 16, Rettig- 0,00. Aepscl, ungar,, per 100 Psd, 0,00, iial. 10—15, hiesige 10—15, Graveiisteiner 8—16, Tiroler 15—24, Preißelbccrcn 0,00, schwedische 17—20. Blaubeeren per 100 Psd, 12—15. Pflaumen, ital, runde dunkle per 100 Psd. 0,00, ungarische 0,00, hiesige 3—5, Reineclauden 0,00, Serben 5—9, Badcnser 0,00, Böhmische 4—5. Zitronen, Messina 300 Stück 19,00—35,00, 360 Stück 12,50—24,00, ÄX> Stück 0,00, 420 Stück, klein 12,00-15,00, 500 Stück, klein 13-15. Pfirsiche, Werdersche per 100 Psd. 20—40, Tiroler 50, srz. 0,00, italicn, la Kiste 0,00, do. IIa Kiste 0,00, do. Uta Kiste 0,00, do, in Körbe» per 100 Psd, 50-60._ zvitteriiiigSüderslcht vom 81. September 1906, morgens 8 Utje. Statt on Mi Swinemde, erltn Franks a M München Wien L S 1* »ett« 762 NO 766 NNW 761 N 765 W 764 S 760 WSW 4bedeckt 3 bedeckt 3 Regen 1 bedeckt 6 bedeckt 6 bedeckt t»K c-- z<* MS) Stationen es II Q» ü Haparanda 1 767 W Petersburg Scillh Wberdeeu Paris 773 SO 771 NNO 772 Still 768 NRW »euer 2 halb bd. 1 Nebel 1 wolkig -bedeckt 2 bedeckt t»« =(9 M Sj 8 7 13 10 12 Wetter-Prognose für Sonnabend, den 22. September 1906. Ziemlich kühl, vorwiegend trübe mit geringeren Rcgensällen und mäßigen nördlichen Winden, Berliner Wetterbureau. Wnfferft»»d«n, 2t, September, Elbe bei Ausflg— Meter, bei Dresden— 1,02 Meter, bei Magdeburg-ff 1,02 Meter.— Unftru t bei Stranßsnrl— ,— Meter.— Oder bei Ratibor-ff 4,10 Meter.— Neiße» Mündung-ff 4,40 Meier.— O d e r bei Brieg-ff 4,60 Meter.— Oder bei Breslau Unterpcgel-ff 1,16 Meter. «rantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Berlag: Vorwärts Buchdrulserei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SVV.