Nr. 231. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 ẞfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebructe) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigendas erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 1hr abends geöffnet. Telegramm Adreffe: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Die Aufgaben des italienischen Parteitages. Rom, den 30. September. Seit Wochen währt in den Parteiabteilungen der ganzen Halbinsel die vorbereitende Diskussion für den Parteitag. Nicht ohne Zorn und nicht ohne Eifer, aber mit großer Gründlichkeit wird Frage auf Frage diskutiert. Jede Delegiertenwahl ist eine kleine Schlacht; in vielen Sektionen erfolgte die Bezeichnung der von der Mehrheit gewollten Richtung durch Urabstimmung. Dabei verleihen nicht etwa persönliche Wettbewerbungen der Diskussion ihren Eifer; vielfach geschieht es, daß nach tagelanger Diskussion die obfiegende Tendenz, außer stande, auf eigene Kosten einen Delegierten nach Rom zu entsenden, das Mandat den Integralisten, den Syndikalisten oder den Reformisten Roms zur Verfügung stellt. Die Gruppierung um die verschiedenen Resolutionen hat sich schon außerhalb des Kongresses mit einer Schärfe und Deutlichkeit vollzogen, die zu bewundern ist. Die Ueberraschungen, die der Parteitag bringen kann und sicher bringen wird, können nur in neuen Resolutionen liegen, die den integralistischen Block zu spalten vermögen und neue Koalitionen des gespaltenen Zentrums mit der Rechten und Linken möglich machen. Ohne diese neuen Resolutionen und neue Gruppierung wäre der Ausgang des Parteitages schon heute flar zu ersehen: die Reformisten wie die Syndikalisten bilden die Minderheit, die übergroße Mehrheit der Sektionen hat für die Integralisten gestimmt. Wenn der integralistische Block eine wirkliche Einheit mit positivem Programm wäre, könnte er sich heute schon als der Sieger auf dem Parteitage betrachten. Da er das nicht ist, da ihm Elemente angehören, die sich bei den positiven Fragen trennen müssen, so liegt das Ungewisse des Kongresses darin: Welche allgemeine all seinen verschiedenen Elementen annehmbare Resolution kann der integralistische Block als Ganzes dem Parteitage vorlegen? In welche quantitativen Gruppen wird er bei der Abstimmung über die einzelnen Punkte der Tagesordnung zerfallen? Donnerstag, den 4. Oktober 1906. Die Gegenfäße innerhalb der italienischen Partei spiegeln die von den Referenten dem Kongreß vorgelegten Resolutionen teilweise in der schärfsten Form wieder. Auch geben sie einen guten Begriff von der nicht eben leichten Aufgabe, die der Delegierten harrt. Zum Hauptthema des Parteitages der politischen Aktion der Partei hat der syndikalistische Referent Arturo Labriola die folgende Resolution vorgelegt: daß der Erfolg und die baldige Verwirklichung der sozialistischen Revolution davon abhängen, wieweit die Bewegung der Arbeiterklassen feindlich von der der anderen sozialen Klassen getrennt und auf ihr revolutionäres Ziel gerichtet bleibt; daß die revolutionäre Aufgabe noch nicht völlig von der italienischen Gewerkschaftsorganisation verstanden wird; fete der Parteitag fest: Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. tätigkeitsanstalten nach den neuen Bedürfnissen der öffentlichen Hülfeleistung umgestaltet werden; e) Aufrechterhaltung einer lebhaften und intensiven Agitation für das allgemeine Wahlrecht. Schließlich wird die Barlamentsfraktion, beauftragt, ihre spezifische Tätigkeit nach diesem Programm für die fofortige Attion zu richten und ihm in und außer dem Parlament das günstigste Milieu zu schaffen". Die dritte Resolution des integralistischen Referenten " In Erwägung, daß der Zweck der sozialistischen Revolution: Morgari ist noch nicht gedruckt, kann aber kaum Ueber1. Enteignung der Kapitalistenklasse, 2. Bersetzung der politischen raschungen bieten. Morgari, wie das rechte Zentrum, vertritt Macht, das natürliche Resultat der wachsenden Macht der Arbeiter die Ideen des gemäßigten Reformismus, d. h. er will der Ilaise ist und den gewerkschaftlichen( sindacale) Organismus, der Vielgestaltigkeit der sozialistischen Aktion teine Grenzen ziehen die Bereinigung der Lohnarbeiter verwirklicht, zum Werkzeug hat; sie nicht in das Interessengebiet der Lohnarbeiter allein daß dieser Entwidelungsprozeß der Arbeiterklasse zur Vorbedingung hat die stufenweise Umgestaltung der beruflichen Orga- drängen und befürwortet eine bedingte Bündnispolitik und nismen in Organe, die die Gesamtheit ber Interessen und der gelegentliche Unterstützung von Ministerien. Ferri tann sich Betvegung der Arbeiterklasse vertreten, sowohl in der unmittelbon ihm nur dadurch differenzieren, daß er sein Eintreten für baren praktischen Aktion, zur Erlangung der mit der heutigen das Ministerium Sonnino desaboutert. Gesellschaft vereinbaren Verbesserungen, als in der endgültigen Als nächsten Punkt haben wir die Frage des Verrevolutionären Tat; hältnisses von Partei und Gewerkschaft. Sier besteht ein scharfer Antagonismus nicht oder er fritt wenigstens in den Resolutionen nicht zutage. Unter Neutralität der Gewerkschaften hat man im Grunde in Italien nie etwas anderes verstanden, als daß die Gewerkschaften allen Arbeitern ohne Ansehen ihres politischen Bekenntnisses offenstehen sollen. Nur ganz kurze Zeit lang hat sich der äußerste reformistische Flügel der sozialistischen Propaganda in den Gewerkschaften widerjetzt. Die idealste Verschmelzung von Partei und Gewerkschaft findet sich gerade in der am weitesten in der politischen und wirtschaftlichen Organisation fortgeschrittenen Region Italiens, in der Emilia, deren Genossen sich ausnahmslos Neformisten nennen, weil die führenden Genossen der Provinz 3. Die parlamentarische Aktion der Partei ist darauf gerichtet, reformistischen Theorien huldigen, obwohl gerade hier die der Arbeiterklasse den Gebrauch des gemeinen Rechts zu sichern Durchführung des Klassenkampfes eine Schärfe und Klarheit und deren Forderungen an die Gesetzgebung zu unterſtüßen, unter erlangt hat, wie in wenigen anderen Teilen der Halbinsel. Wahrung einer grundsätzlichen Trennung des Proletariats von Eben einen Referenten von Reggio Emilia hat man zum jeder aktiven oder passiven Regierungsform. Korreferenten ernannt, einen Mann der reformistischen Theorie 4. Die revolutionäre Aftion der Partei äußert sich durch die und revolutionären Braris. Daher bringen die beiden vorspezifischen Mittel der Gewerkschaftsaktion, das heißt durch den Generalstreit, und strebt danach, den kapitalistischen Klassen die materiellen Berteidigungsmittel des Staates zu nehmen, um deren Funktionen auf die Gewerkschaftsorgane oder auf das Individuum zu übertragen. 1. Die sozialistische Partei vertritt rein proletarische Interessen, das heißt die Interessen der dem kapitalistischen System unterworfenen Arbeiter. 2. Jbre Aufgabe, als der am meisten radikalen und ziel bewußten Fraktion des Proletariats ist, die Konstituierung der Arbeiterschaft in Syndikate, also die Konstituierung als Selaffe auszubilden und zu begünstigen. 5. Es besteht ein dem im vorigen Absatz betonten gegenüber in zweiter Linie kommendes Interesse des Proletariats an einer fräftigen antimonarchischen, antimilitaristischen und antiklerikalen Propaganda." Als allgemeine Resolution, die das einigende Band des Integralismus sein sollte, wer wohl zuerst die Zurückweisung des extremen Reformismus und des Syndikalismus geplant. Aber gegen die Ablehnung des Reformismus bildete sich sehr bald eine starke Mehrheit im Block selbst, der so in eine antisyndikalistische Koalition auszuarten drohte. Sollte er als folche bor den Parteitag treten, so wird er den Man hat es mit einer Resolution zu tun, die in ehrlicher Ferrianern eine willkommene Gelegenheit bieten, sich zu Weise das Gegensätzlichste nach außen fehrt, wie das nur eine differenzieren und die Frattionen der Revolutionären( Nicht Fraktion zu tun pflegt, die von vornherein sicher ist, nicht Syndikalisten, früher Intransigente genannt) sowie die Syndikalisten selbst an sich zu ziehen und so die in Stopf- stoßen der andersdenkenden Mehrheit findet sich in der au ſiegen. Das Gleiche, ein gewisses bewußtes Vor- denBologna siegreiche Konzentration der Linken" wieder reformistischen Resolution Modigliani, um die fich aber erstehen zu lassen. Wahrscheinlich ist aber den Integralisten die Reformisten, nicht so niederlagensicher wie die Genossen selbst diese Gefahr bewußt und sie werden dem Stongreß nur vom anderen Ufer, nicht zusammengeschaart haben, die aber eine Resolution gegen die innere Parteiverhebung, gegen den nichtsdestoweniger das Wesentliche der reformistischen Aufgiftigen gehässigen Ton in der Parteipolemit vorlegen und die Herstellung einer Parteieinheit fordern, in der für die fassung getreu wiederspiegelt. innere Parteizerfleischung kein Raum ist. In dieser Frage Bilden die, die sich Integralisten nennen, in der Tat eine Einheit, die Einheit derer, die es müde sind, alle Feindseligkeit und Stampflust der Genossen im Verkehr untereinander berbraucht zu sehen. liegenden Resolutionen nicht einen Gegensatz zwischen Neformisten und Revolutionären zum Ausdrud, sondern zwischen den Syndikalisten und der übrigen Partei. Der Syndikalist Leone will nämlich in der Partei nichts sehen, als ein politisches Ergänzungsorgan der Gewerkschaften. Seine Resolution lautet: Der Parteitag proklamiert die Notwendigkeit einer selbständigen Entwickelung der in einen einheitlichen Klassenorganismus zusammengeschlossenen Arbeiterorganisationen, und erklärt, in der Ueberzeugung, daß eine größere Abhängigkeit der Partei von der Gewerkschaft und eine engere Beziehung zwischen beiden von Rußen ist, unter Aufrechterhaltung des Prinzips der persönlichen Mitgliedschaft in der Partei: a) Die auf dem Boden des Klaffentampfes stehenden Arbeiterorganisationen haben das Recht, an den Landschafts- und Wahlfreistongreffen der Partei teilzunehmen, um im Einklang mit der Partei die gemeinsame Wahlaftion zu beschließen; b) das Gewerkschaftssekretariat oder der Ausschuß der Konfederation der Arbeit hat das Recht, mit entscheidendem Votum an allen Arbeiten des Parteivorstandes teilzunehmen, in allen Fragen, die nach Dafürhalten der Gewerkschaften diese interessieren. oder von diesen aufgeworfen werden; die Teilnahme ist auf eine Bahl von Mitgliedern beschränkt, die zwei Drittel der Zahl der Mitglieder des Vorstandes nicht übersteigt; c) die Parlamentsfraktion hat die Pflicht, die in Gemeinschaft mit den Vertretern der Gewerkschaften gefaßten Beschlüsse des Parteivorstandes, sobald sie die augenblickliche parlamentarische Attion betreffen, zu vertreten; an der Diskussion dieser Beschlüsse muß der Vorstand die Fraktion mit beratendem Botum teilnehmen Lassen." Die Resolution schickt voraus, daß das Endziel der Partei die Errichtung einer sozialen Ordnung ist, in der Besitz und Gebrauch der Produktionsmittel sozialisiert sind, und daß die Partei kein anderes Mittel zur Erreichung ihrer Ziele hat. als die bewußte Anteilnahme des Proletariats an dem Kampfe der sozialen Klassen zu wecken und zu disziplinieren", erklärt Ueber diesen gerechtfertigten Wunsch hinaus bilden die Inte bann, daß vorübergehende Allianzen mit bürgerlichen Klassen gralisten unferes Erachtens keine Einheit. In der Hauptfrage sowie ein Benußen der Organe des Staates und ein allmähliches des Kongresses, der der politischen Aktion der Partei, Fortschreiten durch Reformen und teilweise Eroberungen dem trennen sie sich in Bertreter und Gegner der Bündnispolitik, Endziel und der Methode des Sozialismus nicht widersprechen, Bertreter und Gegner des Ministerialismus. Wundern sollte verwirft die staatsfeindliche, den Generalstreit als normales Nichts als Rechte der Gewerkschaften und Pflichten es uns nicht, wenn Ferri, trotz seiner ministeriellen Ent- Mittel ansehende katastrophale Methode der Syndikalisten und der Partei! gleisung, noch einmal die Führung des antiministeriellen und fonstatiert als unabweisbare und erfreuliche Tatsache die Die Resolution Vergnanini, die wir der Länge wegen intransigenten Flügels übernehmen sollte. Eine Tagesordnung fortschreitende Autonomie der Parteiorganisation. Nachdem nicht ganz im Wortlaut wiedergeben, wird mit folgenden ErPaoloni, die viele Sektionen angenommen haben, vertritt schon die Resolution dann die Nuglosigkeit betont hat, ein neues flärungen eingeleitet: heute die Rechte, die römische Tagesordnung Romualdi die Minimalprogramm auszuarbeiten, und die Notwendigkeit eines anderen Daseinsgrund zuzuerkennen, außer der Aufgabe, dem " Der Stongreß erklärt, der sozialistischen Partei keinen Linke innerhalb des Blockes. Programms für die sofortige Attion hervorgehoben hat, gipfelt Broletariat Ansporn und Mitarbeiter zu sein in seinem Auffie in der Aufstellung dieses Programms, das sie guf folgende stieg bis zur völligen Befreiung und, indem er es als absolute Bunkte beschränkt sehen will: Notwendigkeit erachtet, daß die Partei zur Seite der Arbeitera) Verteidigung und Eroberung jener Reformen auf dem Ge- massen tämpft, um in ihnen das Bewußtsein der Klassenbiete der sozialen Gesetzgebung( Sonntagsruhe, Unfall- und Alters- folidarität und die flare Vision des langen und herben versicherung, Gewerbegerichte, Genossenschaften), die auf den letzten Stampfes zu entzünden, fordert er die Partei auf, sich in proletarischen Kongreffen der Genossenschaften, Hülfskaffen, Gewerkschaften sowie der einzelnen Berufsorganisationen gefordert innigerem Rontakt mit dem Leben des Proletariats und der Arbeiterorganisationen zu erhalten, um aus der lebendigen b) Fortführung des Kampfes gegen die unproduktiven Aus- Erfahrung und der wirklichen Lage der Massen Rat und gaben, ergänzt durch die Forderung eines Abgabensystems, das die Leitung zu ziehen für die einzuhaltende Taktik." fapitalistische Expansion nicht einschnürt und die kollektiven Unter- Hierauf folgen die nachstehenden Forderungen: Vermehrung nehmungen des Proletariats auf dem Gebiete der Produktion be- der politischen sozialistischen Propaganda innerhalb der Gegünstigt; " Dreierlei Gruppierungen kann in Rom der Sieg zu fallen, die beiden Zentren, oder, wenn man es an Namen knüpfen will, Ferri und Morgari, tönnen zusammen stehen gegen beide Extreme; diese Konstellation bedeutet Untlarheit und Konfusion auf dem Gebiete der Taktik. Die Reformisten fönnen mit dem rechten Zentrum gemeinsam siegen, wie sie in Bologna gemeinsam unterlagen. Um das zu tun, müssen sie viel Wasser in den reformistischen Wein gießen, müssen ihre Idee der Parteiauflösung in der Form der Autonomie der Organisation" fallen lassen, und, anstatt der ersehnten Ausschließung der Syndikalisten, sich mit einer Desavouierung ihrer Methoden begnügen. Schließlich kann noch einmal, wie in Bologna das linke Zentrum im Verein mit der äußersten Linken Herr des Feldes bleiben. Geschieht das, so würde allerdings die Situation noch weit verfahrener und unwahrer sich gestalten, als vor zwei Jahren. Denn damals gab es noch keine Schwierig. keiten, der Gegensatz zwischen den Methoden der äußersten Linken und der übrigen Partei hatte sich noch nicht soweit zugespitzt, wie heute. Auch hatte die damalige Fraktion der Avanguardia noch nicht jenen Grad der Selbstüberschäzung erreicht, der sie heute glauben läßt, der Lenker der proletarischen Geschicke Italiens zu sein. Ein Bündnis mit ihr und ein gemeinsamer Sieg wäre für die Verbündeten heute biel schwerer zu ertragen als es nach Bologna der Fall war. wurden; c) Verschärfung, Klärung und Formulierung der Bedürfnisse werkschaften; rationelle Durchführung der Wahlvorbereitung; nach einem wirksamen Arbeiterschutz( durch besondere Behörden Errichtung von Schulen zur Erlangung des Wahlrechts; und neue follettive Rechtsfähigkeit), der gegenüber den wiederauf- Heranziehung der Arbeiter zur Arbeit in Parlament und Ge tauchenden liberistischen Tendenzen des Stapitalismus die Rechte meinden; Organisation von Versammlungen, Demonstrationen der proletarischen Massen( collettività) zur Geltung bringe; Streits zur Verteidigung der Arbeiterschutzgesetze und d) Bekämpfung der Klerikalen Invasion der Kommunal- und des Vereins- und Versammlungsrechts; Förderung des verwaltungen, der Wohltätigkeitsanstalten, der Arbeitervereine Zusammenschlusses der Gewerkschaften in Zentralverbände und der Schule, sowohl durch entsprechende Aktion bei und Arbeitskammern und Bekämpfung des engherzigen Zunftden städtischen und Parlamentswahlen, als durch Durchsetzen geistes. von zuverlässigen Gefeßen über die Religionslosigkeit der Schule und der Wohlfahrtspflege, sowie zur Beschränkung der Rechtsfähigkeit der religiösen Körperschaften in dem Sinne, daß sofort der Elementar- und Gewerbefchulunterricht auf den Staat über gehe und von ihm energisch gefördert werde und daß die Wohl Während so in der Frage der Beziehung zu den Gewerkschaften die Syndikalisten sich isolieren, finden wir bei der Frage der Stellung von Parlamentsfraktion und Partei gerade die äußerste Rechte isoliert und vom rechten f Ir.tui losgelöst. Hier vertritt der reformistische Referent, i g D! a, die Autonomie der Fraktion. die nur nach- i r v. glich gehalten ist, dem Kongreß Rechenschaft zu geben; st'.'.h t setzt sie die Pflicht für die Fraktion fest, gemeinsam mit hm wirtschaftlichen Organisationen die Haltung gegenüber den i.ichtigsten Fragen zu entscheiden. Dagegen sucht die Re- solution Leone dem jetzigen unhaltbaren Zustande ein Ende zu machen und setzt fest: die Parlamentsfraktion ist durch die Parteitagsbeschlüsse gebunden; der Fraktion können nur die Abgeordneten angehören, deren Kandidatur regelrecht von der Partei aufgestellt und von deren Vorstand bestätigt ist; die Fraktion ist autonom in allen Fragen parlamentarischer Initiative und in der Ausübung der parlamentarischen Kontrolle; sie hat die Pflicht, im Parlament alle die Agitationen zu vertreten, die die Partei auf Vorschlag des Vorstandes oder auf Beschluß durch Ur- abstimmung unternimmt.— Außer Ferri dürfte kein Ab- geordneter der italienischen Kammer für diese Resolution zu haben sein, Es bleibt uns noch übrig, die Resolution Ciccotti über die Beziehung zwischen Partei un d s o z i a l i st i sch e r Presse zu erwägen. Sie stellt folgende Leitsätze auf: Der Chefredakteur des„Avanti", als vom Parteitag gewählt, ist selbständig in seiner Auslegung der Parteitagsbeschlüsse; er muß die Spalten des Zentralorgans den verschiedenen Nich- tungen offen halten, soweit sie die Parteifragen nnt poleniischer Mäßigung diskutieren; im Falle eines Konfliktes zwischen Parteivorstand und Chefredakteur über die Auslegung eines Parteitagsbeschlusses hat der Parteivorstand das Recht, durch Kongreß oder Referendum die Partei über einen Wechsel der Redaktion zu befragen. Das gleiche gilt für die Lokalblätter in ihrem Wahlkreis zu den Lokalorganisationcn. Die Annahme dieser Resolution würde Situationen un- möglich machen, wie die beim Rücktritte B i ss o l a t i s, als keine kompetente Stelle vorhanden war, um einen nenen Chef- redakteur zu bezeichnen; auch gibt sie der Partei Mittel an die Hand, gegen die Haltung des Zentralorgans auch außerhalb der regelmäßigen Parteitage Stellung zu nehmen.— Daß die anderen Punkte der Tagesordnung— Anti- Militarismus und allgemeines Wahlrecht— zur Diskussion kommen, ist ausgeschlossen. Der Kongreß hat ohne sie Arbeit in Hülle und Fülle. Möge er sie mit dem Ernst und mit der Selbstverleugnung verrichten, die die kämpfende und fronende Masse von ihrer Partei erwartet! Mögen proletarische Be- dürfnisse und proletarische Ideale in Rom die theoretische Sophisterei und den bitteren Hader der Personen übertönen. Das Proletariat hat lange genug unter dem Parteiziviespalt gelitten. In Rom hat dieser ini Jahre 1900 zum erstenmal scharfe Form angenommen— möge ihn der zweite Parteitag in Rom in die Grenzen zurückweisen, die die Interessen der Masse und die Würde der Partei fordern. Die russische Revolution. Das neue Gerichtsverfahren in den Ostfeeprovinzen. Die Blutströme, die das russische Reich bedecken, schwellen unter oem„dritten Beruhigungskabinctt" Stolypins so kolossal an, daß die Hälfte der Bevölkerung Gefahr läuft, im Blut ertränkt zu werden. Am schlimmsten sieht es augenblicklich in denjenigen Provinzen aus, in denen der Kriegszustand eingeführt und die Feld- und Kriegsgerichte selbst in den kleinsten Dörfern und Flecken ihre Blutarbeit verrichten. Auch die neuen„außerordentlichen Maßregeln" waren in erster Linie für diejenigen Gebiete bestimmt, in denen die revolutionäre Bewegung auch das Land Proletariat erfaßt hat. Zu diesen Gebieten gehören auch die Ostsecprovinzen. Alle einigermaßen liberalen russischen Blätter sind zu der Ueberzeugung gelangt, daß auch die neuen Willkürgesctze die grausamste An» Wendung in den Provinzen Kur- und Livland finden. ES herrschte zwar auch früher Willkür und Gewalt, jetzt ist sie aber zum Gesetz erhoben, und die Handhabung dieses„Gesetzes" ist einer crzreaktionären Bande, den baltischen Junkern, anvertraut. Die Polizei, Gerichte, Städteverwaltunge» und Schulobrigkeiten handeln nach den Winken der baltischen Junkerpresse, die keine„Humanitäts- duselei", d. h. keine gerichtliche Untersuchung, keine Gesetzlichkeit dulden will. Dafür ein paar Belege: Als vor einigen Tagen das Mitausche Kriegsgericht die an- geblichen Mörder des Grafen Lamsdorf zu zwölf Jahren Zwangs- arbeit verurteilte, erhoben die Junkerblätter ein Geheul über die „Nachsicht" der Gerichte gegenüber den Revolutionären. Wie auf Kommando wurde eine neue Gerichtssitzung einberufen, das Urteil kassiert und beide Angeklagten drei Tage nach dem ersten Urteils- spruch zum Tode verurteilt! Und dies geschah ohne gesetzlichen Grund, zuwider den letzten Verordnungen, die keine Kassations- klagen zulassen, sondern die sofortige Vollstreckung des Urteils ver- langen! Sogar das gcmäßigt-liberalc„Russkija Wedomosti" kommt zu dem Schlüsse, daß in den Ostseeprovinzen durch falsche Deutung der Gesetze Personen zum Tode verurteilt wurden, denen höchstens ein bis drei Jahre Zwangsarbeit zudiktiert werden durfte. Das Professorenblatt schließt den betreffenden Artikel mit folgendem Satze:„Wenn die Feldgerichte in den Ostsceprovinzen ihre Arbeit in der bisherigen Weise fortsetzen, so wird-man von allen in den Gefängnissen Kur- und Livlands schmachtenden politischen Gc- fangenen, etwa 8 0 0 Personen, zum Tode verurteilen müssen, die- jenigen gar nicht mitgezählt, die täglich dutzendweise auf Grund von Denunziationen von neuem verhastet werden." Daß diese Betrachtung auf Wahrheit beruht, dafür sprechen die in allerletzter Zeit gefällten Urteile(im Prozesse der ,.?6". im Talsenschen Prozeß usw.). Was die schnellen Feldgerichte übrigens leisten können, das wissen die Bauern und Arbeiter in Kur- und Livland aus ihrer Tätigkeit in den Monaten Dezember bis April. In den letzten Tagen empfingen viele Angehörige der im Winter von den Strafexpeditioncn Erschossenen die Urteilssprüche der Kriegsgerichte zugeschickt, denen bekannt gegeben wird, daß sie zu 1- bis S�monatlichen Gefängnisstrafen verurteilt sind!! Einer der Erschossenen ist sogar freigesprochen worden! Auch der im Januar in Wenden erschossene Buchhändler O s o l wird auf- gefordert, zur Abbüßung einer Smonatlichen Gefängnisstrafe sich einzufinden! „Krawalle". Aus verschiedenen russischen Provinzstadten laufen Nachrichten e>n, aus denen hervorgeht, daß die jetzt stattfindenden Kontroll- Versammlungen vielfach mit blutigen Zusammenstößen enden, und daß man allerorts der bevörstehenden Einziehung der Rekruten mit größter Besorgnis cntgegeusicht, besonders da die russische Administrativbehörde die althergebrachten Sitten und Gebräuche (daß die Rekruten z. B. von ihren Angehörigen begleitet werden) nicht dulden will, gegen jede Menschenansammlung, so harmlos sie auch sein mag, rücksichtslos mit der Waffe vorgeht und so die russische Bevölkerung ungemein erbittert. Kein Wunder also, daß sich die Mmge, zumal da sie zum größten Teil aus russischen Bauern besteht, gelegentlich zur Wehr setzt und bei den Kon- fliktcn auch die Vertreter der Administrativbehörde tötet oder ver- wundet, wodurch aber nicht nur die. Leidenschaften weiter entfacht, sondern auch die russische Regierung entlarvt wird, da die Tat- s a ch e n zumeist sehr bald die Beschwichtigungen der famosen Petersburger Telcgraphenagentur widerlegen. So sollen z. B. nach ebrcr langatmigen frisierten Darstellung die„Krawalle in M a l m y s ch" jüngst harmloser Natur gewesen sein. Tatsächlich jedoch spielte sich der Vorgang wie folgt ab: Zur Kontrolle er- schienen etwa Ibov Reservisten, unter denen sich bald ein Redner fand, der die brennenden Tagesfragcn zu erörtern suchte. Die Polizei schritt gleich ein, verhaftete den Redner und mißhandelte ihn vor den Augen der Reservisten! Die empörte Menge forderte hierauf die Freilassung des Redners, und als die Polizisten un- vermittelt Feuer gaben, gingen die Reservisten gegen sie vor und töteten einen Gendarmen und sechs Polizisten. Außerdem wurde ein Kommissargehülfe tödlich und andere Beamte leicht verwundet. Die herbeigerufene Untersuchungsbehörde mußte zurückkehren, da die Reservisten alle Zugänge besetzt hielten. Erst die herbeizitierten Strafexpeditioncn konnten die„Ruhe wiederherstellen". Notzüchtigung der Wahrheit. Petersburg, 3. Oktober. Die militärische Untersuchimgs- kommission des Siedlcer Pogroms hat auf Grund des ge- wonnenen Materials eine Machtnberschreitung einzelner Beamten festgestellt, findet jedoch Milderungsgrüude, beispiels- weise in der„Abwesenheit" höherer Chefs und darin, daß ein sofortiges Einschreiten„nicht erforderlich" war. Mit welcher unverschämten Dreistigkeit diese„Untersuchungs- kommission" arbeitet, geht schon aus der kleinen Depesche oben hervor. Ist es doch z. B. allgemein bekannt, daß die Herren „höheren Chefs" Siedlce unmittelbar vor dem Pogrom ver- lassen mußten, um sich selber ein Alibi und den ihnen unter- geordneten Beamten und Offizieren—„Milderungs- gründe" zu verschaffen I politifcke Gcberficbt. Berlin, den 3. Oktober. Die Sicherheit des Versammlungsredners. Draußen in Moabit waren gestern zwei Sicherheitsbeamte in wenig beneidenswerter Situation. Ihre Qualifikation zur Auf- nähme politischer Berichte wurde geprüft und sie bestanden sehr schlecht. Wir könnten es wohl verstehen, wenn sie mit bitteren Ge- danken den Gerichte�aal verlassen hätten. Denn schließlich hatten sie nach bestem Wissen ihre Pflicht getan, hatten nach besten Kräften den Auftrag erfüllt, den ihnen ihre Vorgesetzten gegeben hatten. Nicht sie waren schuld an der unangenehmen Blamage, sondern die, die sie gesandt hatten— im letzten Grunde das famose preußische Vereins- und Versammlungsrecht. Die Verordnung über das Vereins- und Verscunmlungsrecht, die noch aus den finsteren Zeiten der Konterrevolution stammt, gibt der Polizeibehörde das Recht, zu jeder Versammlung, die sich mit öffentlichen Angelegenheiten beschäftigt, zwei Vertreter zu entsenden. Bei der ausgeprägten Neigung unserer Behörden, den Bürger auf Schritt und Tritt zu überwachen und sein Verhalten zu reglementieren, bei dem unausrottbaren Aberglauben der Bureau- iratie, daß man eine oppositionelle Bewegung durch Verwaltungs- maßnahmen hemmen kann, ist es natürlich, daß die Polizei in jeder sozialdemokratischen Versammlung vertreten ist. Den Beamten, die sie in die Versammlungen schickt, stellt die Polizeibehörde nun nicht bloß die Aufgabe, über die Jnnehaltung der äußeren Ordnung in der Versammlung zu wachen, sondern sie will von ihnen auch einen Bericht über den Verlauf, über die Aeußerungen der Redner. Die Versammlungsüberlvachenden sollen ihr authentische Kunde über die Absichten und die Aeußerungen der sozialdemokratischen Bewegung liesern, ihr die Kenntnis der Personen und der Pläne und Ziele der gefährlichen Partei verschaffen. Viel Unsinn mag auf die Weise in die Akten gelangen, die in den Fächern unserer Amtszimmer schlummern. Viel schiefe Urteile, viel von der Verständnislosigkeit, die wir selbst bei sonst ganz ge- scheiten Gegnern der herrschenden Klasse begegnen, mag auf solche polizeiliche Wissenschaft über die Umsturzpartei zurückzuführen sein. Die Begründung, der unseligen Zuchthausvorlage, die amtliche Streik- statistik, die die Generalkommission der Gewerkschaften oft genug in ihrer ganzen Fehlerhaftigkeit aufgezeigt hat, haben uns tiefe Blicke in die Werkstätten der Burcaukratie tun lassen. Indessen wenn die Beauftragten der herrschenden Klassen die Mißverständnisse politisch nicht geschulter Beamten als beste In- formation über die Sozialdemokratie aufhäufen, so ist das. wenn auch kein idealer Zustand, so doch auch keiner, über den wir uns be- sonders aufzuregen hätten. Denn fraglos ist es nicht die Sozialdemokratie, die den größeren Schaden davon hat. Wenn die Berichte der Ueberlvachenden in den amtlichen Schränken still ver- schwinden würden, so hätten wir gewiß nicht allzuviel dagegen ein- zuwenden, daß die Polizeibehörde ehemalige Unteroffiziere, die als Sicherheitsbeamte auf der Straße allenfalls am Platze sein mögen, dazu bestellt, den Gedankengang politischer Reden zu fixieren, so gut oder so schlecht sie es vermögen. Wenn aber auf Grund solcher Berichte versucht wird, den Ver- saminlungsredner einer Straftat zu beschuldigen, wenn auf Grund von Aufzeichnungen, die etwa dem Auffassungsvermögen eines auf- geweckten Quartaners entsprechen, ein ernsthafter Mann von der Arbeit fortgerissen und vor Gericht geschleppt wird, dann haben wir allerdings allen Grund, uns zu wehren und das Unhaltbare und Unsinnige dieses Zustandes festzunageln. Der Prozeß, der sich gestern am Landgericht II hier abspielte, ist ein klassisches Beispiel dafür, in welche Gefahr ein preußischer Staatsbürger durch die Berichte solcher überwachenden Beamten gebracht werden kann. Dem Genosse» Eisner. der sich gegen die Anklage der Majestätsbeleidigung verantworten sollte, war ein Satz in den Mund gelegt worden, der schlechtweg sinnlos war, den ein Sozialdemokrat von nur einiger Schulung gar nicht gesprochen haben konnte. Als die Originalnotizen, die die beiden Beamten über seinen Vortrag geflacht hatten, auf den Tisch des Hauses niedergelegt wurden, war allerdings Nar, wie dieser Satz in ihren Bericht kommen konnte. Aus einem Ragout völlig sinnloser Satzfetzen, von Niihverständnissen, wie sie nur aus der völligen politischen Unschuld der beiden Beamten erklärlich sind, konnte anderes als Unsinniges nicht zusammengefügt werden. Und dennoch wagte der Staatsanwalt auf Grund des Zeugnisses von Männern, die Sätze niedergeschrieben hatten, wie die:„Deutsch- land ist in eine verrottete Klasse gekommen",„Deutschland ist nicht politisch",„Deutschland ist eine verrottete Insel", auf Grund des Zeugnisses von Leuten, deren mündliche Erklärungen durchaus auf dem Niveau dieser Notizen standen, vier Monate Gefängnis gegen den Angeklagten zu beantragen. Der Vorsitzende hatte dem Angeklagten und der Verteidigung ziemlich deutlich zum Vorwurf gemacht, daß sie durch Ladung von Sachverständigen über gerichtsnotorische Dinge wie die Schwierigkeit getreuer Berichterstattung die kostbare Zeit des Gerichts in ungebührlicher Weise in Anspruch genommen hätten. Er hatte gut reden. WaS soll ein Angeklagter in Deutschland noch für unnötig halten nach diesem Strafantragc nach dieser Verhandlung! Das Gericht ist Keilich dem Antrage nicht gefolgt. Es hat die Logik in der Darstellung, die der Angeklagte von seiner Rede gab, nicht verkennen können. Aus den Aussagen der Entlastungszeugen und aus den trefflichen Reden des Verteidigers und des Angellagten mußte es auch entnehmen, daß ein solcher Satz, wie ihn. die Anklage behauptete, nicht in den Gedankengang der Rede, noch in die Anschauung eines Sozialdemokraten gepaßt haben würde. Und der Unsinn aus den Notizen der Ueberwachenden schrie zu laut, als daß die Richter ihn hätten verkennen können. Daß ein gebildeter Mann solchen Unsinn nicht gesagt haben konnte, lag zu klar auf der Hand. Genosse Eisner mußte freigesprochen werden. Das System der Versammlungsüberwachung hat mit diesem Freispruch einen derben Puff erhalten. Der Angeklagte, der erklärte, daß er seine Verteidigung von dem Gesichtspunkte aus führe, die Sicherheit des VcrsamnilungSredners zu wahren, hat seinen Zweck erreicht, soweit er zurzeit zu erreichen ist. Denn da in Preußen die Lächerlichkeit nicht tötet, so ist die Möglichkeit ähnlicher Anklagen auch in Zukunft nicht ausgeschlossen, und trotz aller Erfahrungen, die in diesem Prozeß wieder über die Qualifikation der Polizeibeamten zur Aufnahme politischer Berichte gesammelt worden sind, werden wir zweifellos auch in Zukunft Gendarmen und Polizeisergeanten solche Berichte in politischen Versammlungen aufnehmen sehen. Und nicht jeder Angeklagte wird in der günstigen Lage des Genossen Eisner sein, daß ein preußisches Gericht ihm die Qualifikation des gebildeten ManneS nicht abzustreiten wagt. Dem bekannten politischen Schrift- steller und Akademiker' konnten die Richter den Unsinn, den ihn die Berichte sagen ließen, nicht zutrauen. Wie aber, wenn ein einfacher Arbeiter an seiner Stelle gestanden hätte! Ob dann die Richter auch überzeugt gewesen wären, daß er solchen Unsin« nicht ge- sprachen haben könne, das ist eine andere Frage. Bei der Unkenntnis der bürgerlichen Kreise über das geistige Leben in der klaffen- bewußten Arbeiterschaft, bei der Neigung der bürgerlichen Kreise, die Bildung nach der Beherrschung der Formen abzuschätzen, hätten seine Aktien wahrscheinlich nicht besonders günstig gestanden. Und deshalb ist trotz dieses gelungenen Vorstoßes gegen das lächerliche System der Versammlungsüberwachung die Gefahr für den Ver- saimnlungsredner nicht beseitigt. Sie wird erst schwinden, wenn wir wirkliche Vereins- und Versammlungsfreiheit haben werden. Der Wahlrechtsprozeft i» Erfurt. Die Verhandlung vor dem Erfurter Landgericht, die die verletzte Ehre des preußischen Dreiklassenhauses wieder her- stellen sollte, hat einen Verlauf genominen, der den Vätern de!» Prozesses nicht gerade angenehm sein wird. Noch ist ja in die Beweiserhebung nicht eingetreten worden, aber das Vorspiel ist vielverheißend. Jedenfalls zeigt der Bericht, daß die An- geklagten nicht daran denken, sich zur höheren Ehre des Drei- klassenwahlrechts stumm abschlachten zu lassen, sondern daß sie sich ihrer Haut tüchtig zu wehren gedenken. Daß daS Dreiklassenparlament dabei in der öffentlichen Meinung nicht gerade zu gewinnen hat, das dürfte wohl auch den Herren jetzt klar werden, die seinerzeit laut nach der Bestrafung, und zwar nach der harten Bestrafung der Angeklagten gerufen haben. (Eine zusammenfassende Darstellung ihres Verhaltens kann ihnen nicht erwünscht sein. Der Nachweis, daß sie unter dem Schutz der Immunität die Partei aufs schnödeste be- schimpft haben, deren Angehörige sie wegen scharfer Kritik wider sie nun verfolgen lassen, kann ihrem Ansehen sicher nicht förderlich sein. Tic Feststellung, daß sie den politischen Eeg- ner in einer Weise behandeln, die eine parlamentarische Be- Zeichnung nicht verträgt, kann ihnen auch nicht erwünscht sein. Und sollte den Angeklagten die Beweisführung in dieser Richtung abgeschnitten werden, so würde das in der Oefsent- lichkeit sicher nicht als Widerlegung ihrer Behauptungen be- trachtet ioerden. Eine unangenehme Ueberraschung wird den in dieser Affäre engagierten Mitgliedern des hohen Hauses auch der Staatsanwalt bereitet haben. Selbst auf die ärgerliche Anregung des Vorsitzenden hat er sich nicht entschließen können, Beweisanträge wider die Beweisanträge der Ange- klagten zu stellen. Er zog sich vollständig in die Festung der formellen Beleidigung zurück. Ein Kampf auf dem Schlacht- seid der Tatsachen erschien ihm zu gewagt. Das ist eine zwar ungewollte, aber gerade darum um so bitterere Kritik des preußischen Dreiklassenparlaments, die im Lande ihren Ein- druck nicht verfehlen wird. Der Prozeß verspricht interessant zu werdW< •» Deutrehes Reich. Nene Militärforderungen. Die„Germania" kündigte vor einigen Tagen eine neue Militär- Vorlage an. Diese Ankündigungen sind von der offiziösen Presse bisher nicht dementiert worden; man hat es einigen halboffiziösen Blättern überlassen, die Nachricht dahin einzuschränken, daß niemand daran denke, innerhalb des bis 191 1 reichenden Präsenz-S tärkegesetzes neue Truppenteile ein- zurichten, die mit der gesetzlichen Festlegung im Wider- spruch ständen. Die„Märkische Volkszeitimg" schließt daraus, daß man Neueinrichtungen zu Kesten gedenke, die zwar erhebliche Kosten verursachen, aber gegen die Festsetzung der Präsenzstärke nicht verstießen. Nach den Andeutungen eines ZcntrumSabgeordneten handele eS sich un, eine ziemlich erhebliche Vermehrung der Genietruppen zur ausgiebigeren Verwendung des Telegraphen- und TclephondicnsteS sowie um eine systematische. umfangreiche Verwendung deS Automobils im Heeresdienste. Da- neben dürste eine nicht unerhebliche Verstärkung der schweren Feld- artillerie gefordert werden. Die„Märk. VolkSztg." meint, daß diese Ankündigungen recht unangenehme Gefühle auslösen müßten. Die Erhöhung der Präsenz- stärke um 10 378 Mann, die im Jahre 1905 beschlossen worden sei, habe an einmaligen Ausgaben 62 Millionen, an fortlaufenden 17,7 Millionen beansprucht. also eine ganz erhebliche Mehrbelastung. Hinzu komme noch, daß inzwischen die Um- bewaffnung der Artillerie und Infanterie in Angriff genommen worden sei, die ein Heidengeld koste, wie man schätze, mindestens 150 Millionen Mark. Dazu solle nun eine Vermehrung der technischen Truppen kommen. Warum sei man mit diesen Plänen mcht bereits im Jahre 1905 herausgerückt? Wenn die Regierung sich an kein Scxtcnnat binden Ivolle, so würde sie auch kein solches vom Reichstag fordern. Sexten nate mit Erweiterungen nach 2 Jahren seien ein Unding, zu dem der Reichstag nicht die Hand bieten könne. Die„Märkische Bolkszeitung" droht schließlich mit einem parlamentarischen Konflikt. Die„Märk. Volksztg." gehört bekanntlich zu den Zentrums- blättern, die nicht zu den führenden Organen der Partei gehören und sich deshalb gern den LuxuS einer recht radikalen Sprache leisten. Rtan gäbe sich einer bedenklichen Illusion hin, wenn man sich aus dieser Sprache irgend welche Schlüsse auf die Haltung der ZentrumSstattion gestattete. Im Ernstfalle wird daS Zentrum eben so ungeniert für die Erweitenmg des Heeres-Sextennats zu haben sein, wie es sich dazu hat bereit finden lassen, in die Flotten« Vorlage eine neue 800 Millionen Vorlage hinein- zuarbeitenl 1 Nationalliberalismus und Zentrum. gefagt worden:„ Die Glogauer Richter werden ja dieses salomonische| tüchtig. Jn Dänemark fann man erst vom 30. Jahre ab wagten, aber bereits nach vollendetem 25. Lebensjahre gewählt werden! Die Kölnische Beitung" bringt eine Zuschrift aus national- Urteil mit ihrem Gewissen zu vereinbaren haben." Der Verteidiger Radlofs, Justizrat Hein, wendete sich dagegen, Im Landsthing haben sich die vier sozialdemokratischen mit dem Liberalen Kreisen in Sachsen, worin der Besorgnis Ausdruck gegeben daß dem Angeklagten die Absicht der wissentlichen Beleidigung unter einen radikalen Abgeordneten zu einer„ Wahlgruppe" vereinigt, was wird, daß die Stellung der nationalliberalen Reichstagsfraktion zur ftellt werde. Die inkriminierte Stelle habe nur den Sinn, daß den Vorteil bringt, daß diese Gruppe nicht nur Vertreter in die Finanzreform für die Bartei in Sachsen geradezu verhängnisvoll die Glogauer Richter bei nachträglicher Ueberlegung einsehen großen, aus 15 Mann bestehenden, sondern auch in die kleinen, aus wirken werde". Auch im übrigen sehe man in Sachsen gewisse müßten, daß ihr Urteilsspruch fein richtiger gewesen sei. Der 11 Mann zu bildenden Ausschüsse entsenden kann. Richtungen innerhalb der nationalliberalen Partei im Reich nicht Angeklagte habe umsomehr glauben müssen, daß ein Fehlspruch ohne schwere Bedenken. des Glogauer Gerichts vorliege, als er den Verurteilten Krakau eine Amerika. Interimistisch?" " Man fürchtet, daß die nationalliberale Partei in Hessen und als ruhigen und besonnenen Mann kenne und ihm Rheinland- Westfalen einer Verständigung mit dem Aeußerung, wie die ihm zugeschriebene, unmöglich zutrauen fönne. Washington, 3. Oftober. Der derzeitige Gouverneur der PanamaZentrum bei den Reichstagswahlen näher steht, Die Breslauer Straffammer gelangte nach einstimmiger Beratung Kanalzone Magoon ist zum interimistischen Gouverneur von Kuba als es von einer wirklich liberalen Partei er- 3zu der Auffassung, daß eine Beleidigung des Glogauer Land- ernannt worden und wird sich unverzüglich dorthin begeben. wartet werden kann. Eine derartige Verständigung würde gerichts vorliege und verurteilte Radlof zu drei Monaten Kriegssekretär Taft wird innerhalb von zehn Tagen hier zurückman bei uns nicht verstehen. erwartet. Man kann als sicher annehmen, Gefängnis. daß sie auf das Ansehen des Nationalliberalismus in Sachsen Radlof ist bereits mehrfach von den Breslauer Richtern mit besonders schwer zurückwirken würde." schweren Gefängnisstrafen belegt worden. Unter anderem wurde er wegen angeblicher Majestätsbeleidigung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt! Die Kölnische Zeitung" bemerkt dazu:„ Wir geben diese Aeußerungen eines bewährten Beurteilers wieder, weil wir glauben, daß derartige Stimmungsbilder aus den einzelnen Teilen des Reiches die Klärung erleichtern, die demnächst in Goslar erfolgen muß." Wenn das Blatt der rheinischen Nationalliberalen zu der Zufchrift weiter nichts hinzuzufügen hat, darf man annehmen, daß die Andeutung bezüglich eines Wahlkompromisses der Nationalliberalen und Klerikalen im Westen auf Tatsachen beruht. So weit unsere Kenntnisse reichen, ist namentlich das Zentrum am Werke, sich in irgend einer Weise die Hülfe der Liberalen zu sichern, damit die Gefahr des Verlustes der städtischen Wahlkreise in Rheinland- Westfalen attendet wird. Kolonial- Sinekuren. Aus der Partei. Ein Gemeinderatswahlsieg wurde in Besse( Hessen- Nasau) Die 60 000 Mark, za deren Sammlung Herr Hofprediger a. D. erfochten. Am Sonnabend fand dort Ersatzwahl statt für die wegen Stöder in den beiden Weltblättern Staatsbürger- Zeitung" und mancherlei Unstimmigkeiten vom Kreisausschuß fassierte GemeinderatsWährend damals nur 44 " Das Reich" auffordert, sollen, wie die„ Lib. Korr." wissen will, wahl für die dritte Klasse im März. nicht dafür bestimmt sein, diese beiden Blätter über Wasser zu sozialdemokratische Stimmen fielen, waren diesmal unter 180 abhalten, sondern die christlichen Gewerkschaften mit Agitationsmitteln gegebenen Stimmen 104 sozialdemokratische, sodaß alle drei ſozialdemokratischen Kandidaten gewählt sind. zu versorgen. In Rußland verboten wurde die im Verlage der Nürnberger Fräntischen Tagespost" erschienene Broschüre Rußland und die Revolution. Man geht jetzt", schreibt die betr. Korrespondenz, als Antwort auf den von der sozialdemokratischen Bergarbeiterorganisation gemachten Vorschlag einer Vereinigung aller Bergarbeiterorganis fationen mit der Absicht um, sämtliche nicht sozialdemokratische Arbeiterorganisationen im ganzen Reich unter der Flagge der christlichen Arbeitervereine zusammenzuschließen. Der Plan stammt nicht erst von heute. Es ist bekannt, daß sowohl Graf Posadowsky wie Fürst Bülow der vor zwei Jahren in Frankfurt erfolgten Gründung der christlichen Arbeitervereine vornehmlich aus dem Grunde starke Sympathien entgegenbruchten, weil sie in ihnen einen Kristallisationspunkt für alle nicht sozialdemokratischen Arbeiter erblicken zu dürfen glaubten. Das Zentrum, das aus naheliegenden Gründen sich Wieder ein sozialdemokratischer Richter in der Schweiz. Bei öffentlich hierfür nicht engagieren möchte, unterstützt diese Aktion im geheimen, wo es mur immer fann. Man glaubt, daß die Situation den drei Ersatzwahlen, die am Sonntag in Rorschach für das gerade jetzt für eine solche Zusammenfassung günstig sei, nachdem Bezirksgericht stattfanden, siegte die sozialdemokratisch tonservativfich gezeigt hat, daß der sozialdemokratische Bergarbeiterverband demokratische Stompromißliste, so daß auch unser Genosse gewählt die Hälfte der durch den Streit gewonnenen Mitglieder wurde. Die liberale Partei unterlag mit ihren zwei Kandidaten, spricht von 80 000 wieder verloren hat. Allenthalben im Lande wovon der eine ein scharfmacherischer, arbeiterfeindlicher Malerfollen jetzt Sekretariate der christlichen Arbeitervereine eingerichtet meister ist. werden, um die vermeintlich günstige Konjunktur auszunügen. Das tostet natürlich Geld, und da die christlichen Arbeitervereine über teine großen Agitationsfonds verfügen, so muß eben das Geld von anderer Seite aufgebracht werden." Eine Parteibäckerei. Jn Wien ist die Errichtung einer großen Bäckerei von der Wiener Parteivertretung im Einvernehmen niit der Gewerkschaftskommission beschlossen worden. Zur Leitung des Unternehmens sind die Genoffen Staret, Hanusch und Dr. Karpeles, zur Kontrolle die Genossen David und Emmerling berufen worden. Die Bäckerei wird im 10. Bezirk, Sonnwendgasse, gebaut und mit neuesten Einrichtungen versehen sein. Mit den Arbeiten soll unverzüglich begonnen werden. Ein Schulidyll in Thüringen. man Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Eingestelltes Verfahren. Durch eine Notiz der Freien Presse" zu Elberfeld- Barmen über den Bauarbeiter streit fühlten sich mehrere Polizeibeamte beleidigt und stellten deshalb seinerzeit Strafantrag gegen den Genossen Hoffmann. zweimal wurde Genosse Hoffmann in der Angelegenheit vernommen; bei der kommissarischen Vernehmung hielt man es sogar für notwendig, fein Signalement festzustellen. Jegt hat er die Mitteilung erhalten, daß man das Verfahren gegen ihn eingestellt habe. Von Rechts wegen. Das Opfer des Kriegsgerichts, unser Parteigenosse Sigg in Zürich, ist mit seinem Kajsationsbegehren vom Militärkassationsgericht in Lausanne abgewiesen worden und hat er nun die ihm zudiktierte ungeheuerliche Strafe von acht Monaten Gefängnis antreten müssen, die er im Winterthurer Bezirksgefäitgnis abmacht und dazu noch den Verlust des Attivbürgerrechts für zwei Jahre. Er wird nun erst recht zu einem unversöhnlichen Gegner des Klassenstaates und feiner Klassenjustiz werden. Gewerkschaftliches. Mohrenwäsche. Zu den ganz überflüssigen Sinekuren unserer KolonialbureauIratie gehören auch die Kolonial- Attachés. Diesen eigenartigen Posten widmet die" Freifinnige tung" einen Leitartikel, in dem fie allerhand interessante Mitteilungen macht. Bereits seit einer Reihe von Jahren waren zwei Kolonial- Attachés angestellt worden, ohne daß der Reichstag von deren Existenz eine Ahnung hatte, ja über deren Tätigkeit nicht einmal im amtlichen Handbuch für das Deutsche Reich etwas zu finden war. Diese beiden Attachés waren den Botschaften in London und Paris beigegeben. Einer dieser Attachés, Dr. Bumiller, hat sich selbst einmal in einem Briefe, der an den vor einem halben Jahre verabschiedeten Geheimrat Helbig gerichtet war, darüber ausgelassen, wie absolut überflüssig der Posten eines Kolonial- Attachés ist. In diesem Briefe erzählt er, daß er bereits einige Zeit der Botschaft zugeteilt gewesen sei, ohne irgend etwas zu erledigen gehabt zu haben. Als er sich wegen dieser Untätigkeit an den Botschafter gewendet habe, um ein Arbeitspensum von diesem zu erhalten, habe ihn der Wegen der Nürnberger Straßenkrawalle ist jetzt die erste VerBotschafter an den ersten Botschaftsrat verwiesen, aber handlung auf den 11., 12. und 13. Oftober gegen den Eisendreher auch dieser habe ihm keinerlei Tätigkeit zuweisen können. Braun und Genossen anberaumt. Zur Verhandlung sind vom Auch die übrigen Herren der Botschaft hätten auf seine Fragen Staatsanwalt 73 Zeugen geladen, dazu kommt noch eine große Annach kolonialer Arbeit nur ein Achselzuden gehabt. So sei zahl von Zeugen, die die Verteidigung vorführen wird. Der Streit er schließlich an den Kanzleivorstand gekommen, der ihm brecher Thiel, der Fleischmann erschoß, ist von Nürnberg verDie fünf Angeindes erklärt habe, daß sich um foloniale Dinge bei schwunden und nicht mehr ausfindig zu machen. der Botschaft niemand kümmere. Die Frage flagten find seit beinahe sieben Wochen in Haft, während der Mörder Bumillers, ob denn koloniale Atten geführt würden, sei vom ungehindert entweichen konnte! Kanzleivorstand verneint worden. Auf die Frage, ob denn wenigstens das Deutsche Kolonialblatt" auf der deutschen Botschaft gelesen werde, habe der Kanzleivorstand nach einigem Be Seltsame Schulzustände famen in der letzten Sitzung der finnen etwa erwidert: Ja allerdings, ich erinnere mich, es ist das Stadtverordneten Mühlhausens i. Th. bei einer Vorlage über BeBlatt, welches ich immer meiner Frau hringe, daß diese schaffung von Lehrmitteln für zwei Volksschulen zur Sprache. Bis beim Kaffee liest, da es immer so nette chten enthält." bor kurzer Zeit waren diese zwei Schulen zu einer vereinigt und Trotzdem ist der Posten eines tal- Attachés für London standen unter der Leitung eines 70jährigen Rektors. Ueberfüllung im Etat für 1906 wiederum ale einmalige Ausgabe angesetzt der Klassen führte zur Teilung der Schule. Bei dieser Gelegenheit worden! Die Freifinnige Zeitung" erwartet, daß Herr Dernburg wurde auch der alte Herr Reftor in den Ruhestand versetzt. Zwei diese Sinekuren endgültig beseitigen werde, zumal ja angekündigt jüngere Lehrkräfte nahmen seine Stelle ein. Bei Uebernahme der worden sei, daß der neue Kolonialdirektor verschiedene Neu- Schule merkten diese nun, daß an Lehrmitteln so gut wie gar Wiederholt haben wir Gelegenheit genommen, Hirschforderungen beantragt habe. Die Kolonial- Attachés dürften nichts vorhanden war. Zum Anschauungsunterricht in der Natur- Dundersche des Streitbruches zu überführen und jedesmal nun ja wohl von der Bildfläche verschwinden; dafür dürfte aber geschichte, in der Physik und Geometrie fehlte jegliches Material, mißlang dann der von jener Seite unternommene Verfuch, eine Reihe neuer Sineturen geschaffen werden, deren Ueberflüffig- ebenso waren Vorlagen für den modernen Zeichenunterricht nur keit sich erst dann wieder herausstellen wird, wenn das Geld un- dem Namen nach bekannt. Ein altes Stück Leinwand sollte eine aus schwarz weiß zu machen; die Streikbrecherhaut der Hirsche wiederbringlich vergeudet ist! Denn eine Kolonialpolitik ohne Landkarte darstellen. Für den Gesangunterricht war für 28 Selassen ist so echt wie die Ebenholzschwärze unserer neuen Landsleute Sinekuren gibt es so wenia, wie Börsenunternehmungen ohne Auf- eine einzige Geige vorhanden. Auch andere Utensilien, wie Wasch in den afrikanischen Kolonien. So wurde auch in Nr. 294 sichtsräte! becken und Wischtücher usw., fehlten gänzlich. Selbst den bürger- des Vorwärts" über den Verrat des Vorstandes vom Drtslichen Stadtverordneten schien der Zustand fast unglaublich. Um verein der Fabrik- und Handarbeiter( Hirsch- Dunder) im Gas dem größten Uebelstand abzuhelfen, sah sich das Stadtverordneten- werke Mariendorf berichtet. Die Berliner Leitung des GewerkDer Verein der nationalliberalen Jugend in Köln beschäftigte follegium genötigt, sofort 2000 m. zur Anschaffung von Lehr- vereins machte nun den Versuch, die im obengenannten Befich in seiner letzten Versammlung mit den jüngsten Ereignissen und mitteln zu bewilligen. Auseinandersetzungen in der Partei. Professor Moldenhauer, Daß in einer Industriestadt wie Mühlhausen solche Schul- richte enthaltenen Tatsachen als unwahr hinzustellen und den einer von den Alten, fnüpfte an eine auf dem sozialdemokratischen zustände einreißen konnten, liegt an dem schönen Wahlrecht, das eine Vorstand des Ortsvereins zu rehabilitieren. Zu diesem Zwecke Barteitage gefallene Aeußerung an und meinte dazu, wenn in Vertretung der Arbeiterschaft in dem städtischen Barlament fast hatte sie zum Sonnabend, den 29. September, die Arbeiter Mannheim gesagt worden sei, die Nationalliberalen bereuten die vollständig ausschließt. des Gaswertes zu einer öffentlichen Versammlung in das Drganisation der Jugend, so müsse er sagen, daß so die Dinge Lokal von Rauh eingeladen. In der Einladung hieß nicht lägen, sondern daß man sich im Gegenteil unbedingt freue es: In dieser Versammlung sollen die Unwahrheiten, über das Vorhandensein der Jugendbewegung. Im Prinzip be welche über unsere Organisation sowie über den Vorstand stehe durchaus teine Meinungsverschiedenheit, wenn auch vielleicht der Fabrikdes Drtsvereins und Handarbeiter im Temperament, in der Taktik und im Tone Alte und Junge auseinandergingen. Nicht wegen der sachlichen Auseinandersetzungen Die Eröffnung des Reichstages follte diesmal mit besonderer breitet worden sind, zurückgewiesen werden." Doch nie Der feien die Mißstimmungen entstanden, sondern wegen der Form, in Feierlichkeit vollzogen werden. Acht Tage vorher waren die Ab ist ein Rechtfertigungsversuch fläglicher verlaufen. der man den hochverdienten Männern begegnet sei. Mit den Haupt- geordneten durch ein Schreiben überrascht worden, in dem ihnen die Berliner Leiter des Gewerkvereins Herr Mukrasch hatte ausführungen in Hannover könne er sich einverstanden erklären. Neuigkeit mitgeteilt wurde, daß der Haupteingang zum Reichstags- die Mohrenwäsche übernommen. Die Audienz beim Dirigenten Die Bonner Resolution gibt zwar die Stimmung im Rheinland hause dem König mit Gefolge, den Ministern und den fremden des Werkes im vorigen Herbst konnte er nicht in Abrede wieder; aber das Rheinland sei nicht Deutschland, und wir müssen Diplomaten vorbehalten werden müsse, daß sie, die Abgeordneten, stellen. Ebenso mußte er zugeben, daß das Mitglied des uns dem gesamten Parteiwefen einfügen. Es möchten auf dem nur den Eingang in der Fredericiagade benutzen sollten und in Gewerkvereins Nowacki in den Ausschußsizungen gegen die Parteitag in Goslar scharfe Worte fallen, aber das dürfe die Jugend Gala mit großen dänischen Orden und Uniform" erscheinen nicht verdrießen. Man gehöre zusammen; darüber hätten die Jungen waren von dem Reichstags- Bureauchef Kreg unterzeichnet. Wer den daß der Vorstand des Ortsvereins in der fraglichen Audienz zum jedoch, teinen Zweifel gelassen und die Alten auch nicht. Rechtsanwalt alt meinte, wenn man den Bonner Tag richtig Mann dazu veranlagt oder ermächtigt hat, weiß man nicht. Der seine Drganisation als Arbeitswillige angeboten habe, sei eine schildern wolle, müsse man einerseits daran festhalten, daß die Alten Follethingsvorsitzende Thomsen hat auf Anfrage erflärt, daß er Verleumdung, kein Wort sei daran wahr. Zur Untersuchung feineswegs den Jungen hätten den Kopf waschen wollen; sie wollten durchaus nicht verantwortlich dafür sei und daß es selbstverständlich dieser Angelegenheit sei vom Ortsverein eine dreigliederige Lediglich eine Spaltung verhindern. jedem Abgeordneten überlassen bleibe, in welcher Kleidung er er Stommission gewählt worden. Dieser Kommission gegenüber icheine und welchen Eingang er benuze. Die Abgeordneten fehrten sich denn auch im allgemeinen habe nun Herr Pohmer, der Dirigent des Gaswerks, erklärt, durchaus nicht an jene ebenso törichten wie unberechtigten Vor- ihm sei nichts bekannt, daß der Vorsitzende Nauhut in der schriften. Sie benutzten, wie es ihr Weg mit sich brachte, bald den fraglichen Audienz der Verwaltung im Falle eines Streits die einen, bald den andern Eingang, und ohne Orden erschienen selbst Unterstützung des Gewerkvereins angeboten habe." Damit, tonservative Leute, die dieses Spielzeug im Ueberfluß besigen, meinte Herr Mutrasch, sei bewiesen, daß diese Bewie z. B. Profeffor Magen. Betrat einmal ein in Gala gekleideter, schuldigungen zu Unrecht erhoben seien. mit Orden behängter Abgeordneter den Saal, so wurde er mit höhnischen Zurufen begrüßt." Junge und alte Nationalliberale. Im übrigen war man im Kreise der nationalliberalen Jugend verschiedener Meinung bezüglich des ferneren Verhaltens. Die einen Redner meinten, daß man auf dem Delegiertentage in Hannover zu weit gegangen sei, die anderen dagegen waren der Ansicht, daß noch schärfer von seiten der Jugend vorgegangen werden müsse. Die nationalliberalen Jungen find den Alten gut genug, um Wahlagitation mit radikalen Phrasen zu betreiben, aber die Freundschaft ist aus, sobald die Jugend sich einfallen läßt, nun auch liberale Taten zu verlangen. Klassenjustiz. Ausland. Dänemark. Der neue Reichstag. der es " " berWir zweifeln keinen Moment daran, daß sich Herr Pohmer der damaligen Unterredung nur noch schwach erIn der Thronrede, die der neue König selbst verlas, tamen die innern kann, bei seiner umfangreichen Tätigkeit als Dirigent Worte vor:" Ich hoffe, daß die Wahlen den Willen, die Kraft und eines großen Werkes tann dies nicht Wunder nehmen. Der Die Breslauer zweite Straftammer verurteilte den verantwort den Mut zu fruchtbarem, gutem Zusammenarbeiten beider Thinge lichen Redakteur der Breslauer„ Volkswacht", Genoffen Radlof, für die Aufgaben, auf deren Lösung das Volt wartet, gestärkt Audienz haben aber noch drei andere Arbeiter, damals wegen Beleidigung der Glogauer Straffammer zu einer Gefängnis haben." Das wichtigste, was die Wahlen ergeben haben, war be- Vorstandsmitglieder des Ortsvereins, beigewohnt. Zwei von strafe von drei Monaten. Die Beleidigung wurde erblickt in der fanntlich, daß die Zahl der Sozialdemokraten im Foltething von 16 ihnen waren in der Lage, den Wortlaut der Aeußerung des Besprechung eines Urteils, das die Glogauer Straftammer am auf 24, im Landsthing von 1 auf 4 stieg! Gewiß werden ja unsere Rauhut wiederzugeben. Danach hat Rauhut gesagt: 15. Juni über die Genossen Karl Krakau und Wilhelm Klische Genoffen alles aufbieten, um die großen Reformen durchzuführen, Der Ortsverein werde im Fall einer Mobilmachung der wegen angeblicher Aufreizung zu Gewalttätigkeiten gefällt hatte. die das dänische Bolt fordert, und sie werden, was Direktion den Rücken decken".( Wörtlich!) Des weiteren Dieser letzteren Verurteilung lag folgender Tatbestand zugrunde. an ihnen liegt, auch danach streben, daß beide Häuser habe er noch hinzugefügt, die die Betriebsleitung möchte In Neusalz war eine Textilarbeiterversammlung polizei- des Reichstages in fruchtbarer Arbeit Aber wetteifern. nun auch ihrerseits dem Drtsverein Entgegenlich aufgelöst weil fie nicht nicht angemeldet war. leider ist vorauszusehen, daß offenkundig oder Der zeigen. Ortsverein in Stärke bon fich an die verschlossen worden versteckt reaktionären Masse der Abgeordneten nur zu oft wieder kommen den Ausgangstüren, waren, die Maßen stauten, und die beiden überwachenden Beamten an Willen, Mut und Kraft zu so ersprießlichem Handeln fehlen und 60 Mann würde in der Lage sein, den Betrieb aufrecht blaufgezogen hatten, soll Stratau gerufen haben:„ Leute, daß darum auch jetzt wieder ein unablässiger Kampf gegen die zu erhalten. Diesen Ausführungen von Augen- und Ohrengegenüber mußten alle Genossen, laßt Euch das nicht gefallen. Haut sie!" Stratau hatte Reaktion und ihre Hochburg, das Landsthing, notwendig werden zeugen Beschönigungen und bor Gericht diese Aeußerung entschieden bestritten. Elf 3eugen wird. Vertuschungsmannöver der edlen Hirsche versagen. Die Verbekundeten unter ihrem Eide, daß sie derartige Worte aus dem Beide Häuser des Reichstags hielten am Montag ihre ton- fammlung bedeutete denn auch eine völlige Niederlage für sie. Munde des Genossen Kratau nicht gehört hatten. Auch der stituierenden Sizungen ab. Das Foltething wählte zu seinem Vor- Sogar die eigenen Mitglieder des Ortsvereins sprachen sich berittene Gendarm Schädel sagte aus, daß er derartige Worte fizenden wieder den Regierungsliberalen Thomsen, und zwar mit in schärfster Weise gegen die Machinationen ihrer Leitung nicht gehört habe. Das Gericht schenkte trotzdem der Aussage 62 Stimmen gegen 40 weiße Zettel. Als Vizevorfizende wurden des Oberwachtmeisters Schön, des einzigen Belastungszeugen, A. Nielsen und Bluhme, beide gegen 42 weiße Bettel, wiedergewählt. aus. Eine Resolution, welche das Gebahren der Hirsche berGlauben und verurteilte Stratau zu sechs Monaten Gefängnis sowie als einer der vier Sekretäre des Follethings wurde von unseren urteilt und im Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter Klische zu vier Monaten Gefängnis. Bei einer Besprechung des Urteils, Parteigenossen Redakteur Andreasen gewählt. Er ist der jüngste die allein zuständige Organisation erblickt, wurde von der start die sich an den Bericht anschloß, war in der Breslauer, Bollswacht" von allen Follethingsmännern, erst 29 Jahre alt, sehr energisch und besuchten Versammlung gegen wenige Stimmen angenommen. Als worden, Die Versammlung hatte aber noch ein Nachspiel. Nach Annahme der Resolution verließ der größte Teil der Ver- sammlungsbesucher das Lokal. Die zurückbleibenden Mit- glieder des Gewerkvereins konnten aber auch diese Versamm- lung nicht beenden, ohne ihr Konto durch ein neues Buben- stück zu belasten. Man fiel über einen zurückgebliebenen Kollegen her, mißhandelten ihn mit den Füßen und schlug mit den Fäusten auf ihn ein. Ein anderer Kollege konnte sich nur durch eilige Flucht dem gleichen Schicksale entziehen. Die- selben Leute aber sind es, die bei jeder Gelegenheit über „Terrorismus" schreien. Kriecherei nach oben, brutales Vor- gehen gegen den Schwächeren sind die Merkmale dieser „Arbeiterorganisation._ Berlin und llmgezcnd« Streik bei der Firma fe. P. Goerz» Fabrik für optische Instrumente in Friedenau. Am Dicnstagmorgen haben bei der genannten Firma die Arbeiter der Abteilung Meyer die Arbeit niedergelegt, weil von diesem Meister wieder einmal ein Ver- trauensmann des Metallarbeitcrverbandes gemaßregelt worden ist. Seit dem 1. Mai� dieses Jahres, der in dem Betriebe durch Arbeits- ruhe gefeiert wurde, sind die organisierten Arbeiter in fast sämt- lichen Abteilungen des Werkes kaum noch ihres Lebens froh gc- worden. Unter dem Protektorat der Direktion bildete sich nach der Maifeier in dem Betriebe nämlich eine„gelbe" Gewerkschaft, oder wie sie sich nannte: eine Organisation der Nichtorganisierten. Direktoren, Obermeister und Meister wetteifern nun förmlich in der Bevorzugung dieser„Gelben", sodaß die organisierten Arbeiter vielfach Anlaß zu Beschwerden über Zurücksetzung und Schikanierungen aller Art hatten. Formell wurde zwar stets Ab. hülfe der Beschwerden zugesagt. In Wirklichkeit wurden die Drangsalierungen jedoch immer härter. Unter den nichtigsten Vor- wänden erfolgten Entlassungen über Entlassungen, und zwar suchte man sich fast regelmäßig Vertrauensleute oder solche Arbeiter aus, die sonst rege für die Organisation tätig waren. An deren Stelle traten dann meistens Freunde der„Gelben". Wo nicht direkte Eni lassungen erfolgten, wurden die Betreffenden von den Meistern derartig schikaniert, daß sie schließlich von selbst gehen mußten Offenbar beabsichtigte die Betriebsleitung mit diesen fortgesetzten Schikanen und Maßregelungen nach und nach den Betrieb von den Verbandsmitgliedern zu„säubern" und wenigstens dann in der Mehrzahl nur noch brave, zufriedene Gelblinge zu beschäsi tigen. In diesem Sinne hatte sich unlängst auch der Meister Meyer offen heraus geäußert. Es war daher kein Wunder, daß die jüngste Maßregelung nur noch den Tropfen bildete, der das Faß zum Ueberlaufen brachte. Unmöglich konnten es die organisierten Arbeiter länger mit ansehen, wie von den Ihrigen einer nach dem andern aus dem Werk hinausgegrault wurde. Sie mußten in ihrem ureigensten Interesse endlich vorbeugen, daß schließlich nicht das ganze Werk von der Gelbsucht befallen werde. Daher die energischen Gegenmaßregeln, die, als alle Verhandlungen mit der Direktion wegen Wiedereinstellung des zuletzt Entlassenen gc- scheitert waren, am Dienstag zur Arbeitsniederlegung der einen Abteilung führten. Nun scheint es, als hätte die Direktion noch nicht völlig an den Ernst der Situation geglaubt. Wenigstens geugen davon die Briefe, die von der Werksleitung an die Streikenden geschickt wurden, und in denen es heißt, wer bis zum heutigen Donnerstagmorgen die Arbeit nicht wieder aufnehmen würde, habe sich als entlassen zu betrachten. Als Antwort auf diese Briefe nahmen gestern abend zwei weitere Ab- t e i l u n g e n des Werkes zu der Angelegenheit Stellung. Nach Klarlegung des Sachverhaltes durch den Verbandsbevollmächtigten Cohen beschlossen darauf beide Abteilungen mit erdrückender Majorität, am heutigen DonnerStagmorgen eben- falls in den Aus st and zu treten. Damit befinden sich heute also von den rund 1lXK> Arbeitern des Werkes bereits zirka 300 im Streik. Die Streikleitung gab gleichzeitig bekannt, daß. wenn durch diese Arbeitsniederlegung bis Donnerstagabend kein annehmbares Resultat für die Organisation erzielt worden sei. dann aber ni als zwei weitere Llbteilungen auS dem Betriebe herausgezogen würden, was dann mit der völligen Lahmlegung des ganzen Betriebes gleichbedeutend wäre. Die Direktion hat es also in der Hand, durch rechtzeitiges Entgegen- kommen schweren Schaden von dem Werk abzuwenden, andernfalls inag sie mal getrost eine Zeitlang mit ihren Meistern und der gelben Garde allein produzieren. Sie wird dann ja sehen, wie weit sie mit ihren Lieblingen kommt. Die Ncunstnnden-Bewegung der Berliner Metallarbeiter macht gegenwärtig befriedigende Fortschritte. Wie erinnerlich sein dürfte, beschloß kürzlich eme öffentliche Metallarbeiterversannnlung im Norden Berlins, die Ortsverwaltung des Verbandes zu beauftragen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um in all' denjenigen Betrieben, wo die tägliche Arbeitszeit noch über neun Stunden beträgt, den Neunstundcntag zur Anerkennung zu bringen. In den meisten Berliner Betrieben der Metallindustrie ist die neunstündige Arbeits- zeit ja bereits in bei, letzten Jahren eingeführt: immerhin existieren noch eine Anzahl Fabriken und größere Werk- stätten, wo noch über neun Stunden gearbeitet wird. An diese Firmen ist jetzt die OrtSverwaltnng des Metallarbeiter- Verbandes einzeln herangetreten, um die gelvünschte Verkürzung der Arbeitszeit dort durchzusetzen. So wurde die Forderung jüngst bei der Elektrizitätssirma Bergmann, woselbst zirka 3000 Arbeiter und Arbeiterinnen bei 9>/zstündiger Arbeitszeit beschäftigt sind, gestellt. Die Direktion zeigte anfangs kein Entgegenkommen. Bei den nochmaligen Verhandlungen ließ die Lohnkonnnission jedoch keinen Zweifel darüber, daß die Arbeiter nötigenfalls zum äußersten Mittel, dem Streik greifen würden, um ihrer Forderung Nach- druck zu verleihen. Darauf erklärte sich die Direktion schließ- lich bereit, vom 1. Januar 1307 ab den Neunstundentag ein- zuführen und die entsprechende fünfprozentige Lohnerhöhung für Lohnarbeiter eintreten zu lassen. In zwei vollzählig besuchten. geradezu überfüllten Werksversammlnnge», die am Montag im „Kösliner Hof" und im„Kolberger Salon" abgehalten wurden. nahmen die Bergmannschen Arbeiter dieses Angebot der Direktion denn auch an. Somit dürften auch endlich in diesem Großbetriebe, wo bis vor zwei Jahren noch die zehnstündige Arbeitszeit galt, etwa» modernisierte Verhältnisse Platz greifen.— Während der letzten Tage wurde die gleiche Forderung ebenfalls von mehreren kleineren Finnen anerkannt, so u. a. von den Firmen.Velomobil" in der Kurfürstenstraße. Heike in der Neuen Friedrichstraße und tll a a b e in der Chausseestraße, woselbst zusammen etlva 100 Mann beschäftigt sind. Verhandlungen schweben zurzeit noch bei den Firmen Orenstein u. Koppel in Spandau, Schivartzkopf f-Wildau und R. S t o ck in der Neanderstraße. Die Entscheidung steht hier in den nächsten Tagen zu erwarten. Die Werkzeugmacher beschlossen am Montag in einer Branchen- Versammlung, die Vorbereitungen zu einer Lohnbewegung in den Spezialbetrieben für Schnitte und Stanzen zu treffen. Die endgültige Beschlußfassung wird am Sonntag er- folgen. Neber den Ausstand der Galvanoplastiker, Stereothpeure, Graveure und Hülfsarbeiter der Galvanoplastischen Anstalt, Friedrichstr. 16, ist folgendes zu berichten: Die Firma hat jede Verhandlung abgewiesen, weil sie glaubte, genügend andere Ar- beitskräfte zu bekommen. Sie irrte sich aber; die Situation ist für die Streikenden äußerst günstig. Die Firma versucht nun in- direkt, durch das Zentralbukeau für die„Deutsche Presse", In haber L e w i n, Arbeitskräfte zu beziehen. DieS ist derselbe L e w i n, der die Provinz mit seinen gegossenen Zcitungsspalten (Romane, Feuilletons) zu beglücken versucht. Bis jetzt ist cS der Firma nicht gelungen, an Stelle der gelernten Arbeiter in irgend welcher Weise Ersatz zu finden. Einige ungelernte Ar- beiter haben die Plätze der früheren Hülfsarbeiter eingenommen und wird mit diesen unter Beihülfe des jetzigen Werkführers R o ß m a n n versucht, die Kundschaft zu„befriedigen". Der Kundenschwund beweist aber am deutlichsten, wie exakt und mit welcher Präzision die Firma arbeitet. Tie arbeitswilligen Hülfs arbeiter bekommen dafür ihren besonderen Lohn. Wurde früher denselben ein W o ch e n l o h n in der Höhe von mindestens 26,50 M. bezahlt, so erhalten sie jetzt einen Stundenlohn von 35 bis 40 Pf. Da g c I e r n t e Arbeiter der Firma bis jetzt noch nicht zur Verfügung stehen, so ist noch nicht zu ermessen, im Falle sie welche bekommen, unter wKchen Bedingungen sie ihre Arbeit verrichten sollen. Wahrscheinlich unter denselben Be- dingungcn. Die Arbeitszeit hat die Firma ebenfalls schon ver- l ä n g e r t. Sie begann früher um% 8 und endete um 5 Uhr, jetzt endet sie erst um �6 Uhr. Von dem gesamten Personal sind drei Personen der Firma treu geblieben, obgleich sie sich unter- schriftlich erklärt hatten, mit den übrigen Arbeitsgenossen gemeinsame Sache zu machen. ES sind dies der Setzer Fritz Mangelsdorf und die beiden Behobler W. Hirsch und T h. H ä n e l t; die letzteren beiden gehören anderen Organi- sationen an und sind diese von der Handlungsweise der Be- treffenden in Kenntnis gesetzt worden. Der Setzer wurde aus dem Verbände ausgeschlossen. Da die Konjunktur eine äußerst günstige ist, so sehen die Ausständigen mit Ruhe der weiteren Entwickelung der Dinge entgegen. 15 Meiereiarbeiter der Firma Bolle wurden in der ver- gangcnen Woche gemaßregelt, weil sie sich erlaubt hatten, die Be- Iricbsbcsprechung zu besuchen. Herr Dr. Bolle hat natürlich sogleich versucht, diese Stellen zu besetzen. Doch ist ihm dies nicht nur nicht gelungen, sondern zirka 10 Meiereiarbeiter haben auf weitere Versuche des Herrn Bolle, einen Gewissenszwang aus- zuüben, das christliche HauS verlassen. Jetzt zeigt sich Herr Dr. Bolle von einer Seite, die der zweifache Millionär bis jetzt öffent- lich nicht hat sehen lassen. Der größte Teil der jungen Mitfahrer hofft, einmal bei Herrn Bolle als Kutscher für 21 M. Wochen- lohn tätig sein zu dürfen. Von 14—18, 13 Jahr warten die jungen Leute auf die Erfüllung ihres Wunsches. Die Entschädigung von feiten der Firma für diese Arbeit bei Wind und Wetter für 15- bis 13jährige Menschen beträgt 10— 11, 12,50, 15 M.; die Gottesdienste und die wöchentlich erscheinende fromme Milchzeitung gibt es gratis. Für diese jungen 18- und 13jährigen Leute hat Herr Dr. Bolle nun einen ltkas erlassen. ES müssen oder sollen danach alle Mitfahrer, welche einmal Kutscher werden wollen, von jetzt ab 3 Jahre als M e i e r im Hause Bolle arbeiten. Dann dürfen sie 300 M. Kaution hinterlegen und Kutscher spielen. Verschiedene junge Leute sind darauf dem Beispiel der Meiereiarbeiter gefolgt, haben nicht nur dieses Anerbieten mit Entrüstung abgelehnt, sondern verzichten auf eine weitere AuSnützung ihrer Arbeits- kraft.— Einige„höhere" Angestellte der Firma Bolle bemühen sich, die Betricbsbesprechungen von außen zu beobachten und ihrem „Herrn" genaue Berichte zu überbringen. Diese Herren haben auch das Bedürfnis bekommen, allgemeine Sektionsversammlungen de? Verbandes zu besuchen, um den Denunzianten spielen zu können. Da aber die Herren sich im Aeußeren wesentlich von einem Arbeiter unterscheiden, so sind sie jedesmal mit einem herz lichen Segenswunsch befördert worden. Die Quittung für ihr Vor- gehen bekommt die Firma Bolle schon, da die Arbeiterschaft auf daS Vorzeigen der Legitimationskarten dringt. Zur Tarifbewegung der Kontobucharbeiter. Die Kontobuchfabrikanten sind auch nach dem Beschluß der letzten Branchenversammlung nicht von ihrem alten Standpunkt abgewichen und verlangen nach wie vor, daß erst der Lohntarif endgültig von den Arbeitern und Arbeiterinnen anerkannt werde, bevor über den Akkordtarif weiter verhandelt wird. Am Freitag findet wiederum in den Arminhallen eine Branchenvcrsammlung statt, Ivo die Antwort der Fabrikanten verlesen und über das weitere beschlossen werden soll. Achtung, Schildermaler! Der Streik und die Aussperrung der Berliner Schildermaler, welche vom Verein der Berliner Schilderfabrikanten im August beschlossen wurde, ist für uns als erledigt zu betrachten, da sämt- liche Streikende sowie Ausgesperrte anderweitig plaziert sind. Die Verwaltung Berlin III des Porzellanarbeiter-Verbandes (Sektion der Schildermaler). Achtung, Töpfer! Bei der Firma T w a r d v, auf den Bauten Rummelsburg, Ludwig Lehmannstraße, und Weißenfee, Lehderstraße, waren die Kollege» gezwungen, die Arbeit zu verlassen, weil nicht die genügende Garantie für die Zahlung der Löhne vorhanden ist. Wie die Kollegen wisse», hat cS schon immer bei der Firma T w a r d y mit den Löhnen gehapert. Da mm am letzten Sonnabend mehrere Kollegen auf dem Bau in Rummelsburg ihren vollen Lohn nicht erhalten konnten, sondern ihn erst am Dienstag erhielten, waren wir verpflichtet, vom Bauherrn zu verlangen, daß er für die Löhne haftet, weil wir Meister T w a r'd y nicht mehr für kreditfähig erachten, worauf der Bauherr jedoch nicht einging. Darum sahen sich die Kollegen gezwungen. das Arbeitsverhältnis mit der Firma T w a r d y zu lösen. Herr Töpfermeister T w a r d y will nun den Bau in Rummelsburg allein fertigstellen, es sind noch zirka 13 Stücken zu setzen. Ob er es schaffen wird, steht in Frage. jedenfalls sind die Kollegen hiermit gewarnt und können sich, im :all Herr T w a r d y wieder Kollegen einstellen will, vergewissern. ob die genügende Garantie vorhanden ist, daß sie Sonnabends ihren Lohn erhalten� Den Bau in Weißenfee will der Bauherr oder der Kachel- lieferant anderweitig fertigstellen lassen. _ Die Verbandsleitung. Achtung, Textilarbeiter! Zum Teppichweberstreik bei der Firma M. Protzen u. Sobn in Stralau ist zu berichten, daß es den Streikenden gelungen�(st, versucht, unter den Streikenden„Arbeitswillige" zu werben. Kiele von diesen„Herren" triefen über von einer vorher unbekannten Arbeiterfreundlichkeit. Wenn sie aber aufgefordert werden. die Konsequenzen daraus zu ziehen und sich mit den Streikenden solidarisch zu erklären, damr verkriechen sie sich hinter leeren Ausreden. Ja, sie lassen sich sogar vom Unternehmer verbieten, eine von der Streikleitung für sie angeietzte Besprechung zu besuchen.— Die Stimmung der Streikenden ist, obgleich der Streit die neunte Woche dauert, eine zuversichtliche; eS wird die Arbeit von ihnen aller Machinationen deS Fabrikanten und seiner„Handlanger zum Trotz erst wieder aufgenommen werden, wenn ihre Forderungen bewilligt — Die Arbeiterschaft in allen Orten Deutschlands und be- find. sonders Oesterreichs wird Stteikbrecheragenten zu achten. gebeten, auf den obengenannten Nachstehende Erklärung geht uns mit dem Ersuchen um Abdruck zu: Der in der Nr. 223 des„Vorwärts" vom Dienstag, den 2. Oktober 1306, gegebene Versammlungsbcricht über die Tarif, bewcgung der Kontobucharbeiter und Arbeiterinnen enthält be- züglich der Firma Moriz u. Kummer Angaben, die ich nach mir gegenüber gemachten Behauptungen in der Versammlung vom 28. September d. I. wiedergegeben habe: „Es soll dort Perforicrcrinnen ein Stoß Papier an die Maschine gefahren worden sein, und dann der Werkführer gesagt haben:„Ich gebe Ihnen einen Talen:" oder„Ich gebe Ihnen 15 Groschen für die Arbeit", ohne daß die Arbeiterin wußte, wie viel Tausend Bogen es eigentlich waren." Eine nachträglich von mir erfolgte eingehende Prüfung der bezüglichen Verhältnisse hat mich davon überzeugt, daß die von mir in gutem Glauben gemachten Acußerungen in keiner Weise den Tatsachen entsprechen und daß ich bedauere, von beteiligter Seite getäuscht worden zu sein. Willy Ratsch. Vertrauensmann der Buchbinderei Moriz u. Kummer, LandSbergerstr. 72. Vcutkckes lUick. Achtung, Metallarbeiter! Bei der Firma Conrad u. Pah, Exzelfior-Fahrradwerke in Brandenburg a. H., haben infolge ganz bedeutender Abzüge sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen die Arbeit niedergelegt. Die Abzüge betragen in einzelnen Wteilungen 4— 10 M. pro Woche. Ter Verdienst ist sowieso schon wicht als ein guter zu be- zeichnen, ist doch die Fahrrad-Jndustrie Saiisonarbeit. Die Arbeiter haben im günstigsten Falle 4 Monate im Jahre flott zu tun und bcläuft sich in dieser Zeit der Verdienst bei gelernten Arbeitern auf 28—36 M. pro Woche. Die übrige Zeit, zirka 8 Monate im Jahre, ist Saueregurkenzeit. Zwei und drei Tagp Aussetzen in der Woche ist dann die Losung und ist in dieser Zeit natürlich der Verdienst bedeutend geringer. In einer einzigen Abteilung, in der Montage, ist pro Rad ein Abzug von 17 Pf. angelwle». Bei einer Jahresproduktion von 50 000 Rädern bedeutet der Profit, den die ' irma nur an dieser Abteilung machen will, die Kleinigkeit von ,00 M. In den übrigen Abteilungen fallen die Arbeiter noch mehr geschröpft werden. Nach ungefährer Berechnung beträgt der Ge-samtabzug bei rund 230 Arbeitern 60000 M. pro Jahr. Es muß geradezu als ungeheuerlich bezeichnet werden, den Arbeitern in der jetzigen Zeit der Teuerung ein solches Angebot zu machen. An die Metallarbeiter allerorts richten wi c das dringende Ersuchen, den Zuzug nach Brandenburg a. H. streng srrnzuhalten.— Arbeiter- freundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Einen günstigen Erfolg haben die Schuhmachergeh ü Ifen in Nordhausen durch ihre Lohnbewegung erzielt. In gemeinsamen Beratungen wurde mit den Unternehmern ein Tarifvertrag abgeschlossen. Der Tarif ist von dem größten Teil der Arbeiter be- reits anerkannt; bei der Firma T r a u m a n n, die sich weigerte, die tariflichen Vereinbarungen einzuführen, legten die Gehülfen die Arbeit nieder.— Zuzug von Schuhmachepgeselle» ist fernzu- halten._ Berschmipft. In Sachen des S t�r e i k b r e ch e r s ch u tz e s hat das Land- gericht Schweinfurt ein sehr bedenkliches Urteil gefällt. Zur Zeit des Streiks in der Schweinfutter Kugelfabnik kam der Schneider- meister Krug auf dein Wege zum Bahnhof a»i der Fabrik vorüber, wo ein ihm bekannter Streikposten stand. Er kam mit ihm ins Gespräch und reichte ihm eine Prise. Dann sinnen auch noch einige andere Streikende hinzu, dit ebenfalls mit einer Prise bedacht wurden. Die Schnupfergruppe wurde von der Polizei, die sehr schneidig gegen die Streikenden vorging, wegMewiesen. Krug äußerte darüber seinen Unwillen und wurde dann zur Anzeige gebracht. Er erhielt einen Strafbefehl auf sechs Tage, wogegen er Einspruch erbob. Das Schöffengericht sprach ihn fiel. Der Amtsanwalt legte jedoch Berufung ein und das Landgericht verurteilte Krug zu einer Woche Gefängnis, weil er es dadurch, daß er stehen blieb und die Streikposten schnupfen ließ, daraus abgesehen gehabt habe, die Arbeitswilligen und die Gendarmerie zu berunglimpfen! HusUnd, Achtung, Bergolber! Die Budapester Vergolder sind in den Streik getreten. Die Firmen: Max Schmidt und Schloßnickel haben ihre Leute ausgesperrt. Zuzug ist darum streng fernzuhalten. Die Bäcker in Li möge s traten in den Ausstand, weil ihnen die geforderte Lohnerhöhung verweigert wurde. Gleichzeitig ver- ständigten sie den Präfekten davon, daß sie, um die Stadt mit Brot zu versorgen, bereit seien, in der Bäckerei de».Konsumvereins zu arbeiten._ Letzte J�acbncbten und Dcpefcbcn. Auch ein„Reformversuch". Leipzig, 3. Oktober.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Einführung eines bcrufsständifchen Wahlrechts an Stelle des Drei- klassenwahlrechts zum Stadtparlament in Leipzig wurde heute abend vom Stadtverordnetenkollegium einstimmig abgelehnt. innerhalb acht Tagen elf durch Streikbrecheragenten angeworbene Arbeitswillige" zu veranlassen, sich mit den Streikenden solidarisch zu erklären. Der„Ehrenmann", der den Skreikbrecheragenten für die bestreikte Finna macht, ist ein Tscheche mit Namen Kraueek, auf deutsch Krawutschke. Tschechen und Polen, die wenig oder gar kein Deuffch sprechen, werden von diesen Leuten anzuwerben versucht unter der falschen Angabe. daß bei der betreffenden Finna kein Streik besteht, sondern daß es sich bei der Anwerbung um eine Vergrößerung des Betriebes handelt. Mit welchen Mitteln die Firnia noch außerdem zu arbeiten versucht, kann man auS nachfolgendem Vorkommnis ersehen. Zwei Tschechen, von denen der eine etwa« deutsch, der andere nur tschechisch spttcht, haben sich in den letzten Togen den Streikenden angeschloffen. Ihnen ist jetzt seitens eines Angestellten der Finna daß Anerbieten gemacht worden, für eine Entschädigung von 2000 M. in ihrer eimat Tschechen als Streikbrecher für die Firma M. Protzen u. i o h n anzuwerben. Die beiden Kollegen waren ehrlich genug, das ihnen gemachte Anerbieten sofort der Streikleitung mitzuteilen. Der nur tschechisch Sprechende sollte nach Böhmen reisen, dort Streik- brecher anwerben und die Angeworbenen an die preußisch-deutsche Grenze bringen, wo sie von seinem deutschsprechenden Kollegen empfangen und nach Stralau bei Berlin transportiert werden sollten. ES ist den beiden versprochen worden, daß sie selbst nicht zu arbeiten brauchen, sondern von dem Ertrag ihrer Agententätigkeir leben könnten.— Von den Mdstem wird auch Die eigene Mutter erschlagen. Hannover, 3. Oktober.(B. H.) Wegen vorsätzlicher Töttmg seiner Mutter wurde vom Schwurgericht Hannover heute abend der 25 Jahre alte Arbeiter Otto Bührmann aus Hannover zu 12 Jahren 3 Monaten Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verutteilt. Er hatte, um sich in den Besitz von Geldmitteln zu setzen, wahrscheinlich in der letzten Silvesternacht seine eigene 55 Jahre alte Mutter, die Wäscherin Karoline Bührmann erwürgt. Er stahl bei dieser Gelegenheit zwei Sparkaffenbücher. Die Leiche der Frau wurde erst vier Wochen nach der Tötung in ihrer ver- schlossenen Wohnung im»Bette liegend aufgefunden. Ein kühner Ueberfall. Poti, 3. Oktober.