Nr. 233. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Belt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post Zeitungs. Preisliste. Unter Streuzband für Deutschland und Desterreich). Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 50 Pfg., füt politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( feltgedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Big., jebes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ., Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernivrecher: Amt IV. Mr. 1983. Sonnabend, den 6. Oktober 1906. Streiks und Ausiperrungen im Jahre 1905. Die naturgemäße Folge des guten Geschäftsganges im Tetzten Jahre ist eine verhältnismäßig große Zahl von Streiks, durch welche sich die Arbeiter bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erringen suchen. So ist*) gestiegen: Die Zahl der begonnenen Streits von 1908 im Jahre 1904 auf 2448 Berkürzung der bisherigen Arbeitszeit( im ganzen) Abschaffung oder Beschränkung der Ueberstunden, Nachtarbeit, Arbeit an Sonn- und Feiertagen Verkürzung der Arbeitszeit am Sonnabend oder vor den hohen Festtagen. " " 1905, die Zahl der beendeten Streits " " auf 14 481 " " 1905, 1905, " von 2101 im Jahre 1904 auf 3665 # 1905, auf 408 145 " " 1905, 1905. " Davon hatten vollen oder feinen teilweisen Streis fende Erfolg Streifende Streifende 277 991 41 362 236 629 222 580 4851 218 229 9 • Nichteinführung von Ueberstunden Bestimmte Regelung der Arbeitszeit, 12 423 6173 2611 2299 6250 312 8 652 4.621 4031 9 681 1 229 5 196 704 4485 525 14 952 5 567 9 385 1301 349 952 2772 3 890 1 118 5869 995 4 874 1.192 391 801 1829 1308 521 225 701 8 672 217 029 3 649 2158 1491 bon 1870 im Jahre 1904 auf 2403 die Zahl der Betriebe, in welchen gestreift wurde, bon 10 321 im Jahre 1904 wo solche noch fehlte Einführung, Beibehaltung oder Verlängerung von Arbeits-( Früh stücks-, Mittags-, Vesper-) Pausen Sonstige Arbeitszeitforderungen. die Zahl der Betriebe, welche durch die Streits zum Wiedereinstellung entlassener MitStillstand gekommen sind, die Zahl der streikenden Arbeiter von 113 480 im Jahre 1904 arbeiter Entlassung oder Nichteinstellung von nichtorganisierten Arbeitern Entlassung bezw. Nichteinstellung von Streifbrechern und anderen mißliebigen Arbeitern Entlassung von Vorgesetzten. Freigabe des 1. Mai die Zahl der Arbeitstage, die durch die Streiks verloren ge- Richtaufertigung von Streifarbeit. gangen sind, " bon 3 622 998 im Jahre 1904 auf 14 536 233 Bessere Behandlung, Zurücknahme von Beschimpfungen. Beleuchtung bezw. bessere Beleuch Die Arbeitgeber- Zeitung" stimmt denn auch ein fläg- tung, Reinigung, Lüftung und tiches Wehgeschrei an: Die durch die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften hervorgerufenen Streifs", schreibt das Blatt in seiner letzten Nummer, erweisen sich nachgerade als eine schädliche Epidemie, wie menschliche(!) Krankheiten und gefährden die gesamte deutsche Volkswirtschaft mehr, als Ungunst der Witterung, Pflanzenschäd linge und Viehseuchen die Landwirtschaft schädigen. In den neunziger Jahren hatte die deutsche Landwirtschaft in einem Jahre einen nachweisbaren Verlust von 60 Millionen Mark zu beklagen. Welchen Verlust erlitten aber wohl die deutsche Industrie, Arbeit geber und Arbeitnehmer im vergangenen Jahre durch die Streik epidemie? Jedenfalls war dieser Berlust unvergleichlich größer." Um diesen Verlust von der Gesellschaft fernzuhalten, weiß die Arbeitgeber- Zeitung" ein unfehlbares Mittel: ein neues Ausnahmegesek, welches den Arbeitern jeden Widerstand gegen die Ausbeutung durch das Unternehmertum unmöglich macht. Jedoch muß die amtliche Streikstatistik selbst den Beweis liefern, daß die Arbeiter auf die Streits als ein Mittel zur Erlangung eines maßgebenden Einflusses auf die Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse gar nicht verzichten tönnen. Es verlangten nämlich: Davon hatten bollen oder teilweisen Heizung der Arbeitspläge, Verglasung der Neubauten. Schaffung befferer Schutzvorrichtungen, besseren Gerüstmaterials, Halten von Verbandszeug... Beschaffung von Ankleideräumen, Aborten, Waschgelegenheit. Anerkennung des Arbeiterausschusses, der Lohnkommission, der leber wachungskommission. Anerkennung des Arbeitsnachweises Anerkennung des freien Koalitionsrechtes. Einführung von Lohnbüchern, Verteilung von Affordzetteln vor Ausgabe der Affordarbeit. Einführung oder Abänderung der Arbeitsordnung, Aushängung der Arbeitsordnung, der UnfallverRichtmaßregelung von Arbeitern hütungsvorschriften Abschaffung von Kost und Logis beim Meister Auszahlung des Lohnes vor oder 4 192 2516 768 11 635 2911 1748 8724 233 967 6254 7.670 1411 226 297 4 843 355 1 197 355 Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Streits zurückzuschrecken. Dies tritt im letzten Jahre ganz besonders hervor. Es ist nämlich gestiegen: die Zahl der begonnenen Aussperrungen von 132 im Jahre 1904 auf 263 1905, " die Zahl der beendeten Aussperrungen bon 120 im Jahre 1904 auf 254 1905, " die Zahl der Betriebe, welche durch die Aussperrungen betroffen worden, von 1115 im Jahre 1904 auf 3859 1905, " " die Zahl der Betriebe, welche durch die Aussperrungen zum Stillstande gekommen sind, " von 435 im Jahre 1904 auf 834 " 1905, die Zahl der ausgesperrten Arbeiter bon 23 760 im Jahre 1904 auf 118 665 1905, " " die Zahl der Arbeitstage, die durch die Aussperrungen verloren gegangen sind, von 1662 127 im Jahre 1904 auf 4 448 320 " 1905. " Von den Aussperrungen des letzten Jahres hatten 65 vollen Erfolg, 147 teilweisen 42 feinen " " Das ist ein für die Unternehmer günstigeres Resultat als in den früheren Jahren. Um so bedeutungsvoller ist es, daß trotz dieser Gewaltwirtschaft der Unternehmer auch in dem letzten Jahre der Einfluß der Arbeiter auf die Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse größer geworden ist. Die Arbeiter haben daher guten Grund, mit um so größerer Zu bersicht in die Zufunft zu bliden. Sie müssen sich aber aus immer schwierigere Stämpfe mit dem Unternehmertum gefaßi machen und sich dementsprechend rüsten. Die russische Revolution. Die Staatskaffen leer! Petersburg, 5. Dftober. Stolypin lehnte das Ansuchen bes Stadtoberhauptes Reszew ab, die Regierung möge die halbe Million Rubel, welche die Stadt für Arbeitslose ausgegeben hat, 2995 erfegen, mit der Motivierung, daß die Staatskassen leer seien. Eine Proffriptionsliste? 3.396 222 315 777 Der Russ. Kurier" meldet: Auf Anordnung des Ministers Stolypin sollen die Gouverneure mit Hülfe der ihnen unterstellten Beamten baldmöglichst feststellen, welche Persönlichkeiten von der Bevölkerung des betreffenden Rayons für die kommende Reichsduma in Aussicht genommen sind; das Verzeichnis solcher Reichsdumakandidaten muß ausführliche Angaben über deren Lebenslauf enthalten. Die Reaktion an der Arbeit. Petersburg, 5. Oktober. Außer dem gestern von hier nach Sibirien abgegangenen Transporte von 650 politischen Gefangenen ist nachts ein Transport von 500 verurteiltrn Menterern von Kron stadt nach Sveaborg abgegangen. Kaluga, 5. Oktober. Hier ist aus Petersburg die amtliche MelSung eingetroffen, daß der frühere Reichsdumaabgeordnete Obninsfi fowie Fürst Urussow, ehemaliger Gehülfe des Ministers des Innern, wegen Unterzeichnung des Wyborger Aufrufs in den Anklagezustand versetzt sind, und daß ihnen das Recht der Teilnahme an Semstwo bersammlungen abgesprochen worden ist. Diese Zusammenstellung verdient deshalb unsere BeHinrichtungen in Kronstadt und in Czenstochan. achtung, weil sie uns flarer als alles andere zeigt, daß sich Kronstadt, 4. Oktober. Die„ Peterburger Telegraphen- Agentur" die Kämpfe der Arbeiter bereits auf alle Punkte des teilt mit: Die Meldungen auswärtiger Korrespondenten über die Arbeitsvertrages erstrecken. Die Zeit ist endgültig vorüber, da Weigerung der hiesigen Garnison, das Todesurteil des Kriegsgerichts die Unternehmer als die naturnotwendigen Herren der Arbeiter an 19 Matrosen zu vollstrecken, sind völlig unbegründet. Das bes während der Arbeit, als die Herren im eigenen Hause" an- treffende Urteil ist heute früh 6 Uhr von Matrosen voll. erkannt wurden. Die Arbeiter fühlen sich vielmehr als voll- 30gen worden. In der Stadt herrscht Ruhe. berechtigte Menschen auch während ihrer Arbeit. Deshalb Czenstochau, 5. Ottober. Zehn standrechtlich zum Tode bere setzen sie ihre Kritik nicht nur an die Höhe des Arbeitslohnes urteilte Personen sind heute hier hingerichtet worden. und an die Länge der Arbeitszeit an, sondern sie verlangen Vergeltung. 7252 3856 227 333 5018 2215 1438 gleich nach Feierabend 0 5772 2 201 3 571 Verbot der Heimarbeit 1563 25 1 538 Streis fende feinen Abschaffung der Kündigungsfrist 4.752 3 030 Festsetzung der Kündigungsfrist 210 519 799 1 722 209 720 Erfolg Streifende Streikende Freies Werkzeug und unentgeltliche Schärfung desselben. 3.860 Aufhebung der Strafgelder 980 Aufrechterhaltung der bestehenden Zeit oder Affordlöhne. 4 307 2925 1 382 Erhöhung der bestehenden Zeit- oder Regelung des Lehrlingswesens. Schriftliche Bestätigung getroffener Vereinbarungen 3559 2976 555 40 884 425 3 519 Sonstiges 6815 232 614 2917 13 276 3 898 219 38 3 • Affordlöhne, Festsetzung von Mindestlohnen 365 874 113 685 252 189 Bezahlung, höhere Bezahlung der Ueberstunden, Nachtarbeit, Arbeit an Sonn- und Feiertagen Besondere Bezahlung der Nebenarbeiten, Außenarbeiten, der Fahrt zur Arbeitsstelle, Wartegelder Bezahlung für unfreiwillige Ruhepausen, für Feiertage, die auf Wochentage fallen 34 932 19 234 15 698 20 605 10 285 10 320 8.904 4402 4502 Gewährung von Abschlagszahlungen bezw. häufigere oder größere Abfchlagszahlungen.. 2419 243 2176 Einführung wöchentlicher Lohnzahlung 7 632 2369 5 263 Einführung zweiwöchentlicher Lohnzahlung 206 132 Regelung der Lohnzahlung( Ort und Zeit) 2000 1 854 146 Einführung, Beibehaltung des Prämiensystems Abschaffung des Prämiensystems 232 443 32 173 Abschaffung, bezw. Nichteinführung der Affordarbeit 7 428 2 660 200 270 4768 Einführung bezw. Beibehaltung der Affordarbeit 862 Aufrechterhaltung von Lohntarifen 1058 202 778 Einführung von Lohntarifen und Aushang derselben Abänderung von Lohntarifen Sonstige Lohnforderungen Aufrechterhaltung der bisherigen Arbeitszeit( im ganzen) 905 28944 18 490 29 898 24 307 28 028 16 113 230 10 454 5591 11 915 675 *) Nach der foeben erschienenen amtlichen Streifstatistit. 74 660 280 " 1 Bialystok. Bialystok, 4. Oktober. Zwei Unbekannte brangen heute in die Wohnung eines Arbeiters ein und verwundeten durch mehrere Revolverschüsse zwei Personen tödlich aus Rache für die Angabe der Organisatoren des Fabritstreifs. auch gehörig hergerichtete Arbeitsräume, wirksame Unfall- Moskau, 5. Oktober. Der Hauptmann des 3. Grenadier- Res berhütungsmaßnahmen, eine angemessene Behandlung, giments, Dejantotski, wurde auf offener Straße von einem jungen Schutz vor Maßregelungen usw. Sie beweisen durch Menschen durch drei Revolverschüsse getötet. Dejantowski hatte bie ihre Streiks, daß sie die Regelung der gemein- Kompagnie zu befehligen, welche vor furzem die im hiesigen Ge samen Arbeit nicht mehr den Unternehmern überlassen, sondern fängnis ausgebrochene Revolte der politischen Häftlinge unterdrückte, selbst ein entscheidendes Wort dabei mitsprechen wollen. Hier- wobei zwei Gefangene getötet wurden. Der Rächer ist entkommen. von werden sie sich auch durch kein Ausnahmegesetz nach dem Rezept der Arbeitgeber- Zeitung" abbringen lassen. 21Freilich dringen sie mit ihren Forderungen, wie aus der letzten Spalte unserer Zusammenstellung zu ersehen ist, oft nicht durch. Jedoch denken die Arbeiter nicht daran, die Forderungen, mit denen sie zunächst keinen Erfolg gehabt, haben, aufzugeben. Das können sie auch gar nicht. Die unerträglichen Zustände treiben sie immer wieder von neuem dazu, bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erstreben. Jede ihnen von den Unternehmern verweigerte Verbesserung ist für sie nur ein Ansporn, ihre gewerkschaftliche und politische der Feuersbrunst im russischen Theater umgekommenen brei Organisation weiter und weiter auszubauen, um ihren For derungen einen stärkeren Nachdruck zu geben. die hiesigen Fabriken in vollem Gange. Die feindlichen Beziehungen Infolge großer Nachfrage aus den Zentralgouvernements sind zwischen Unternehmern und Arbeitern sind beseitigt. Die Arbeiter stellen keine neuen Forderungen auf. Das„ Schwarze Hundert". Odessa, 5. Oktober. Gestern während der Beerdigung der bei Studenten gaben einige Mitglieder der Schwarzen Bande" mit dem Rufe: Schlagt die Juden!" mehrere Schüsse In den lezten Jahren haben die Unternehmer es ver- ab, was eine große Banik verursachte. Einer der Ruhestörer wurde sucht, durch massenhafte Aussperrungen die Arbeiter von den durchgeprügelt und darauf verhaftet. 27 Stimmung im Goudernement St. Petersburg. Die Stimmung der Bauernschaft im Kreise Jamburg �Gou- bernemcnt St. Petersburg) wird im„Totoarisch" vom 2. September folgendermaßen geschildert:„In der ersten Zeit nach der Duma- auflosung war ein großer Teil der Bauern wie betäubt. Was werden wir jetzt tun? fragten sie sich ratlos. Ein anderer Teil, der nicht so zahlreich war, aber aus den jüngeren Männern bestand, nahm die Dumaauflösung mit Ingrimm auf und kritisierte das Er- eignis in einer solchen Weise, wie sie hier nicht wiedergegeben werden darf. Der seit langer Zeit aufgehäufte Klassenhaß ist viel glühender geworden. Der Wiborger Aufruf wurde mit bewunderns- würdiger Schnelligkeit und in ungeheuer großer Zahl im Kreise verbreitet, die Bevölkerung selbst nahm daran einen äußerst regen Anteil. Die Stcuerverweigerung wurde mit solcher Einmütigkeit und Entschiedenheit in den Gemeinde- und Wolostversammlungen beschlossen, daß alle Steuereingänge völlig aufhörten und die Scmstwokasse buchstäblich leer blieb. Ein anderes Alarmsymptom bilden'die umgehenden dunklen Gerüchte von einer bevorstehenden allgemeinen Volksbewegung und auch die in der letzten Zeit häufig gewordenen Feuersbrünsts. Daß ei sich hierbei um Brandstiftung handelt, steht auBee jedem Zweifel. Holzschnppen, Getreidespeicher, Heuschober und Getreidedarren der Großgrundbesitzer brennen nieder; an vielen Orten ist man bereits zur Einäscherung der Hcrrenschlösser geschritten. Die Aufgeklärteren versuchen, die Be- völkerung von solchen Schreckenstaten abzuhalten, dies glückt ihnen aber sehr selten. Denn viel zu viel Klassenhaß hat sich aufgespeichert. Die Edelleute erblicken in allen diesen Vorgängen nur die Folgen der Agitation seitens der„unterirdischen Elemente" und der Semstwoangestellten; diese sind nach ihrer Meinung die Hetzer; sie halten es für genügend, etwa 30 bis 40 Personen herauszufischen, damit alles still werde. In seinem Verlangen nach„Pazifizierung" wäre der Adel bereit, die Schulen und Krankenhäuser abzuschaffen, wenn es nur möglich wäre."„Uebcrhaupt nimmt die innere Lage im Kreise eine von Tag zu Tag drohender werdende Wendung an." In den letzten drei Wochen sind im Kreise Jamburg große Feuersbrünste auf den Gütern des Baron Mcllcr-Sakomelski, Stackelberg, Bogdanvff, Frau GierS u. a. geschehen. Bei dem Guts- besitzer Weimann sind alle Gebäude eingeäschert worden;, dann mehrere beim Fürsten Obolenski; an das Papierlagcr der Iwanow- fchen Fabrik wurde dreimal Feuer angelegt. Die kleinen Feuers- brünstc und Brandstiftungen sind so zahlreich, daß man von ihnen gar nicht mehr spricht. Unter den Gutsherren und Großbauern herrscht Panik. Die Güter werden von bewaffneten Männern be- wacht.(„Totoarisch", 3. September.) Der St. Petersburger Gouverneur hat seinerseits allen Polizei- behörden des Gouvernements, die Landpolizistcn(Urjadniks) mit einbegriffen, die zirkularische Warnung zukommen lassen, daß gemäß den bei ihm eingelaufenen Meldungen die revolutionären Parteien vom 15. September(a. St.) an eine allgemeine Agitation auf dem Lande zu entfalten beabsichtigen. Der Gouverneur beauftragt die Polizei, strenge Maßnahmen zu treffen zwecks Ergreifung aller ver- dächtigen Personen, die in den Dörfern mit der Absicht, im Bauern- tum Propaganda zu treiben, erscheinen können.(„Towarisch", 3. Oktober.)— Ein baltischer Scharfmacher über Tretzow. In Nr. 203 der berüchtigten„Düna-Zeitung" veröffent- licht ein gewisser O. G. einen warmen Nekrolog für den„früh- zeitig verstorbenen Palastkommandanten Trepow". In über- schwänglichen, hochtönenden Phrasen verherrlicht Her edle Skribent die„Geradheit, Gerechtigkeit und Ehrlichkeit" dieses Bluthundes unseligen Gedenkens, den er als früheren„5tame. raden in heiteren Tagen der Jugend" gut gekannt und als Untergebener schätzen gelernt habe. Dieser Herr O. G., in dem wir einen alten Bekannten wiedererkennen, verdient es, dein deutschen Publikum in Lebensgröße vorgestellt zu werden, damit es sieht, welche würdigen Männer die Geschicke der schwergeprüften Ostsee- Provinzen leiten, wem dort Straferpeditionen, Kriegszustand, Feldgerichte usw. zu verdanken sind, und endlich, welche edlen Perlen der konservative baltische Adel in seiner Mitte birgt. Herr Otto v. Grotthus, der dann und wann im Denun- ziantenblatte„Düna-Zeitung" unter den Initialen O. G. schriftstellert, wurde nach einer sehr bewegten Vergangenheit im Jahre 1890 zum Kreischef in Tuckum(Kurland) ernannt. In dieser Eigenschaft bemühte er sich eifrig um die Gunst der jüdischen und lettischen Geldsäcke, die er tüchtig auszunutzen verstand. Dieses Metier betrieb er im Lause seiner ganzen weiteren Dienstzeit mit einer Virtuosität, um die ihn der raffinierteste russische Tschinownik beneiden dürfte. Er brachte es fertig, in jovialster Weise selbst armen Leuten Darlehen abzupressen und die so ergatterten paar tausend Rubel ver- praßte der Skrupellose bei Wein und Weibern. Er hat als Don Juan jeden Rekord geschlagen. So benutzte er z. B. feinen Polizeisäbel dazu, um in die Volksbadestube einzu- dringen und die dort badenden Arbeiterfrauen zu vergewal- tigen. Allerdings wurde er bei dieser Gelegenheit von den Weibern auf echt proletarische Art windelweich geprügelt, aber diese Lektion hinderte'ihn nicht, bald darauf ein epilepti- scheS Mädchen betrunken zu machen und zu vergewaltigen. Als die Folgen dieser Untat sichtbar wurden, fand er sich mit seinem Opfer aus den Mitteln einer Wohltätigkeits- k o l l e k t e ah! Die Folge dieser und ähnlicher schwerer Verbrechen war. daß der damalige kurländische Gouverneur Swerbejew sich veranlaßt sah. den heißblütigen v. Grotthus nach einem ab- gelegenen Krähwinkel zu versetzen. Vor seinem Abgange ver- stand der„Edelmann" es noch, vom Direktorium der lettischen Sparkasse(das er später in seinen offiziellen Berichten ebenso wie den Gouverneur Swerbejew aus Rache der„Begünstigung der Revolution in Tuckum" bezichtigte und auf die Anklage- bank brachte) ein größeres Darlehen unter verschiedenen Vor- fpiegclungen zu ergattern. Bei dem von jenem Direktorium zu seinen Ehren auf Kosten der armen Vereinsmitglicder veranstalteten Abschiedsschmaus küßte und umarmte er den von ihm später gleichfalls als„Revolutionär" denunzierten Martin Kremanns und empfahl ihn der Gemeinde aufs an- gelegentlichste. Es verstrichen einige Jahre. Dann kam die Hochflut der Reaktion. Der Päderast Trepow wurde vom großfürstlichen Päderasten Sergius zum Oberpolizeimeister von Moskau er- nannt. Da tauchte plötzlich der längst für tot gehaltene Otto von Grotthus wieder an der politischen Bildfläche auf! Zum jErstaunen seiner unzähligen Gläubiger erschien aufs neue im Tuckumschen Kreise Otto von Grotthus als goldbetreßter Staatsrat und„Beamter des Polizeidepartements zu beson- deren Aufträgen", d. h. als politischer Polizeispitzel großen Stils. Mit echt Grotthusscher Unverfrorenheit sandte er nun täglich seinem„Kameraden aus heiteren Tagen der Jugend". Herrn Trepow, Berichte über die haarsträubendsten, natürlich frei erfundenen„Verbrechen der Revolutionäre", er wärmte zum hundertsten Male die Lüge von der geplanten„lettischen Republik" auf und bemühte sich redlich darum, das fleißige intelligente Lettenvolk durch den Kriegszustand zu ruinieren. Es braucht nicht erst betont zu werden, daß er bei dieser'Ge- legenheit die früheren„Patrioten" und Geldgeber Kremanns, Eichenberg und JlsuN eben so wenig schonte, wie er daran dachte, seine Schulden— trotz der von ihm bezogenen horrenden Gage— zu bezahlen. Als„Ritter ohne Furcht" fürchtete er eben seine mundtoten Gläubiger nicht mehr, da er sie ja leicht zertreten konnte... Das sind, in blassen Farben geschildert, die schönen Tugenden des Herrn O. G. alias Otto von Grotthus, der es verstanden hat, unter Beihülfe des Oberhenkers Trepow so viel Elend über das schöne„Gottesländchen" zu bringen. Der deutsche Leser kann aus diesen verbürgten, aktenmäßig festgestellten Tatsachen ersehen, wie und durch welche Dunkel- männer die lettischen Sozialdemokraten verunglimpft und unsere Genossen ruiniert wurden. Der Geschichtsschreiber der lettischen Revolution wird nicht vergessen dürfen, Herrn O. G. nebst seinem„Kameraden" Trepow an den Pranger zu nageln. Ermordete Gefangene. Ein alltägliches Ereignis in dem russischen Freiheitskampf sind die diisteren, schauerlichen Gefäiignistragödicii. In den entsetzlichen Folterkammern, in den traurigen Stätten un- säglichen menschlichen Elends, die sich russische Gefängnisse nennen, werden die politischen Gefangenen gedemürigt, beleidigt, miß- handelt, aus jede erdenkliche Weise gemartert, und bei Protesten, sogenannten„Unruhen", wird auf die Wehrlosen durch Tür und Fenster geschossen. Ein beliebtes Mittel der Beamten, um die Politischen zu peinigen, ist die Aufhetzung der gemeinen Sträflinge gegen sie. So wurde auch im Gefängnis zu Rostow am Don gehandelt. Am 26. September, während des Spazierganges im Gefängnishof, stürzten die aufgehetzten Sträflinge auf die anwesenden Politischen und begannen sie entsetzlich zu prügeln. Die Aufseher ließen sie gewähren. Als die in den Zellen eingeschlossenen Politischen dies sahen, erhoben sie Protest, begannen zu lärmen, zu schreien und gegen die Türen zu schlagen. Darauf wurden Soldaten geholt. Ein Politischer wurde getötet, sehr viele wurden verwundet. Infolge der erhaltenen Schläge sind später noch zwei Politische gestorben. politische üeberlicbt. Berlin, den 5. Oktober. Herr Bernard Shaw. Noch niemals hat ein Philosoph gelebt, Der mit Geduld sein Zahnweh nur ertragen, Wenngleich sie in der Götter Stil geschrieben Und Glück und Schmerz geleugnet und verlacht. Shakespeare: Viel Lärm um nichts. Journalistische Unterlassungssünden rächen sich. Hätte der „Vorwärts" vor einigen fahren, als ihm Herr Bernard Shaw als Beitrag zur Maifest-Nummer einige der bekannten ewigen Wahrheiten der neuesten englischen- Schutzzollagitation in aphori- st i scher Paprikasauce sandte, dieses- literarische Ragout nicht ab- gelehnt, sondern nach dem Rat eines maliziösen Redaktionsmitgliedcs dem„Unterhaltungsblatt" für die nächste Sonntagsplandcrei überwiesen, er hätte dem Gemüt des großen englischen Satirikers das durchbohrende Gefühl verletzter Eitelkeit, und der deutschen Sozial- demokratie eine, wie das„Berk. Tageblatt" konstatiert,„vernichtende" Kritik erspart. Auch Uebcrmenschen haben oft klein- liche Schwächen; und die besondere Schwäche des Herrn Shaw be- steht in der Aversion gegen Redaktions-Papierkörbe. Er will die Werke seines Genies nicht in solche Körbe versenkt sehen, sondern er wünscht, wie er schreibt,„daß sie möglichst verbreitet werden und freundliche Aufnahme finden." So ergriff denn des großen Dramatikers empfindsames Mimosengemüt, als seine geniale Leistung nicht die erwartete enthusiastische Auf- nähme fand, bitterer Schmerz. Wie, � der„Vorwärts" wagte die Veröffentlichung von Beiträgen des großen Shaw, des großen Rivalen Shakespeares, abzulehnen! Seit jenem Tage hat sich Herr Shaw wiederholt über die Ablehnung seines Beitrages durch den „Vorwärts" beklagt, und auch Herr Theodor Barth blieb, als er längst auf der Englandfahrt deutscher Journalisten von Herrn Shaw der Unterhaltung gewürdigt wurde, von dieser Beschwerde über die Respektlosigkeit des„Vorwärts" nicht verschont. Dadurch erfuhren wir, daß Herr Shaw sich in der seltsamen Meinung bc- findet, sein Beitrag sei uns„zu radikal" gewesen. Um ihn von dieser an seinem verletzten Gemüt zehrenden fixen Idee zu heilen, gestatteten wir uns in einigen Zeilen die ergebenste Berichtigung, daß Herrn Shaws Opus uns nicht„zu radikal"), sondern zu „spießbürgerlich" gewesen sei. Das war mehr, alS die große- Ruhm und Heroenkultus der- achtende Seele Shaws vertragen konnte. Er richtete an Herrn Arthur Levysohns Blatt, in dem er allem Anschein nach die feinste Blüte deutscher Publizistik sieht, jene geniale„vernichtende Kritik" des Marxismus, die fast der ganzen deutschen Presse bis herab zur„Nordd. ��gcm. Ztg.".— Herrn Levysohns und Herrn Sonncmanns Blatt natürlich ausgenommen— das Geständnis abnötigte, Herr Shaw hätte sich mit feiner Beurteilung deutscher politli.-yer Verhältnisse gründlich blamiert-. Herr Shaw zog sich ob dieses Attestes in-sein Uebermenschentum zurück; seine deutschen. Verehrer aber kränkelten an solcher Blamage. Wie es in England Politiker gibt, die in Herrn Shaw einen großen Dramatiker, und Feuilletonisten, die in ihm einen großen Staats- mann sehen, so gibt es auch in Deutschland manche Leute, die eine Vorliebe für alltagsphilowphische Plattheiten in paradox-aphori- stischen Facettierungen haben und hinter Herrn Shaws Aphorismen einen Sinn suchen und schließlich, wenn es ihnen auch mancymal Mühe macht, finden. Sie gedachten dem großen Satiriker eine Rückzugsbrücke zu bauen, und der Leiter der„Soziali- stischen Monatsqefte", Genosse Josef Bloch, forderte deshalb Shaw auf,„das Positive seiner sozialistischen An- schauungen darzulegen." Doch Bloch hat das kraft- genialische Selbstbewußtsein des Herrn Shaw, wie er zu seinem Leidwesen erfahren mußte, unterschätzt. Er ist allem Anschein nach noch nicht in die volle Größe der Empfindungswelt großer Männer eingedrungen. Herr Shaw verzichtete darauf, irgend etwas„Post- tives" darzulegen. Er begnügte sich mit folgendem von Bloch in der letzten Nummer seiner Moncuv.kyrist veröffentlichten Antwortschreiben: „Werter Herr Bwch. was in aller Welt verstehen Sie unter einem bürgerlichen Blatt? In England, zu Lebzeiten Karl Marx' verstand man darunter ein Blatt, welches von Berufsjournalisten gemacht wurde, die ihre Arbeit ordentlich bezahlt erhielten. Und im Gegensatz dazu verstand man unter einem sozialistischen Blatt ein solches, das von halb oder gar nicht honorierten Amateuren geschrieben wurde, das keine Nachrichten brachte, ganz unlesbar und nicht einen halben Pfennig wert war, obwohl es für zehn verkauft wurde. Heute reden und denken wir in England nicht mehr solchen Unsinn. Der„V o r W ä r l S" ist gerade so gut ein bürgerliches Blatt Wie das„Berliner Tageblatt"— tatsächlich ist er es in höherem Maße, weil das„Tageblatt" meine Beiträge mit Vergnügen veröffent- licht, während der„Vorwärts" sie un'ierdrsickt. ES ist diese komische Sektiererei, diese Einbildung, daß ein sozia- listischcs Blatt sich von anderen Blättern in irgendeinem anderen Sinn unterscheidet, als, in dem sich alle Blatter von einander unterscheiden, und daß ein Sozialist durch Natur. Charakter und Bcgnadung von anderen Menschen verschieden ist, welche die deutsche Partei so kindisch und unmöglich macht. Warum sollte ich meine Beiträge dem„Vorwärts" einsenden? Ich wünsche, daß sie möglichst verbreitet werden und freundliche Aufnahme finden. Warum sollte ich sie Ihnen senden? Sie würden Ihnen nur Ungelegenhciten bereiten. Wenn Liebknecht, der durch und durch Fabier war, niemals sich offen auszusprechen wagte und bis an sein Lebensende seine Parteigänger mit revolutionären Phrasen und orthodox-marxistischen Redensarten, die er ver- achtete, irreführte, wenn Bernstein, will er sich nicht kom- promittieren, zu meinen Gunsten nicht mehr vorbringen darf, als Entschuldigungen: was würde Sie erwarten, wenn Sie in Ihrer Zeitschrift meine Ansichten zum besten geben wollten? Diese sind übrigens den Sozialdemokraten in der Hauptsache schon durch Jaures unterbreitet worden, und die Sozialdemokraten haben sie vor dem Allgesicht Europas verworfen. Um eine so törichte Partei wervo ich mir nicht iveiter Unbequemlichkeiten machen. Ich werde einfach, was ich zu sagen habe, so lange in der bürgerlichen Presse sagen, b i s der reaktionäre Charakter des Marxismus für jedermann offenkundig wird. Die besonderen Bedingungen in Deutschland haben mit meinem„Tageblatt"- Brief nichts zu tun. Die berfassungs- mäßigen Unterschiede zwischen dem Reichstag und dem Hause der Gemeinen sind völlig bekannt und verstanden. Sie tangieren durchaus nicht den Unterschied zwischen der Achtundvierzigerei und dem XX. Jahrhundert. Bitte, denken Sie ja nicht, ich sei in irgend einer Weise unfreundschaftlich gesinnt. Ich möchte sehr gern dieser Ihrer zurückgebliebenen Partei im Interesse der ganzen europäischen sozialistischen Bewegung zur Modernität verhelfen. Aber Sie müssen mich das in meiner eigenen Weise tun lassen. Ich habe eine gute Portion Unsinn aus englischen Soziali st en heraus- gellopf; und ich gebe Ihnen die Versicherung: das geschah nicht, indem ich ihre Gefühle schonte oder meine Zeit damit vergeudete, den Papierkörben ihrer Redakteure meinen Tribut zu entrichten. Ihr ergebener G. Bcrnard Shaw." Dazu bewerft der Herausgeber der„Soz. Monatshefte" etwas respektlos: „So weit Shaw. Ich bin es gewohnt, in seinen Aphorismen. sie mögen noch so paradox klingen, einen Sinn zu suchen und zu finden; es macht zwar manchmal Mühe, aber es belohnt sich stets, da Shaw mit dem unbestechlichen Blick des Satirikers das Wesentliche der Dinge zu erfassen pflegt, deren Konturen er gewaltig verzerrt. In diesem Falle scheint mir abet die Ver- stimmung über die Behandlung, die ihm in einigen Blättern zu teil geworden, seinen Blick selber getrübt zu haben. Welchen Sinn soll es haben, unserm Alten orthodoxen Marxisnzus und Kultus der revolutionären Phraseologie zuzuschreiben? Jeder, der seine Schriften kennt, weiß, daß er sich nie als orthodoxen Marxisten aufgespielt, und daß er die Rcvolutionsphrase ver- warfen hat. Welchen Sinn soll es haben, es als Folge einer Enge der Partei hinzustellen, wenn Bernstein Shaw gerecht wird, ohne ihm darum recht geben zu können?..." Wir müssen gestehen— und wir sind nach unseren Erfahrungen sicher, daß wir wenigstens in dieser Beziehung mit Herrn Shaw übereinstimmen— daß Genosse Bloch noch nicht den.richtigen Ge- ichtspunkt für die Einschätzung der Genialität deS Herrn Shaw ge- funden hat; wir selbst enthalten uns denn auch ehrfurchtsvoll jeder Kritik,- sowohl seiner Definition des Begriffes„bürgerliches Blatt", wie des Bestrebens, aus dem alten Liebknecht einen kleinen Duodez. Shaw zu machen. Und was die immer wiederkehrende Klage über die Unterdrückung der Shawschen Beiträge durch den„Vorwärts" und die Unersättlichkeit seiner Redaktions-Papierkörbe anbetrifft, so geloben wir in unserem Verständnis seines verletzten Gemüts sogar reuevolle Besserung. Wir versprechen, wenn uns Herr Shaw auch einen so schönen Brief schicken will, wie den Blättern des Herrn Arthur Levysohn und des Genossen Bloch, diesen Brief vollständig zum Abdruck zu bringen— ohne jede Kritik, nur mit folgen- der Einleitung:»Der große englische Dramatiker und Satirikev Shaw würdigt uns smaender Zuschrift".— Hansmaier und Sklbstherrscher. Aus de» Denkwürdigkeiten des Fürsten Chlodwig W �ohenlohe-Schillingsfürst, des als„Onkel Chlodwig" be- kannten dritten Reichskanzlers, die soeben in der Zeitschrift „Heber Land und Meer" erscheinen, erfährt man allerhand interessante Details über die Konflikte, die seinerzeit zum Sturze Bismarcks geführt haben. Onkel Chlodwig teilt in seinen Denkwürdigkeiten allerlei Aeußerungen mit, die er von Bismarck, Wilhelm lt., dem Großherzog von Baden und an» deren dem Hofe nahestehenden Personen selbst gehört hat. Etwas kvcsentlich Neues über die Entlassungsgründe Bis- marcks wird zwar nicht beigesteuert, allein auf die Schärfe des Konflikts, der sich zwischen dem in seiner Hausmaierwürde be- droht fühlenden eisernen Kanzler und dem selbstbewußten jungen Herrscher entlvickelte, fallen doch nicht uninteressante Streiflichter." Fürst Hohenlohe erzählt, daß er von dem Herzogvon R a t i b o r am 21. März 1890 gehört habe, daß es zwischen Bismarck und dem Kaiser zu heftigen Szenen ge- kommen sei. Bismarck habe in Konversationen mit Di�lo- maten über den jungen Herrscher abfällige Urteils gefällt und den Kaiser selbst unfreundlich behandelt. Vom Großherzog von Baden hörte Fürst Hohenlohe, daß bei einer Besprechung des Kaisers mit Bismarck der letztere so heftig geworden sei, daß der Kaiser selbst geäußert habe, „daß er mir nicht das Tintenfaß an den jkopf geworfen hat, war alles". Die Gründe, weshalb es zum Bruch zwischen Bismarck und dem Kaiser gekommen sei, hätten sowohl in Bismarcks innerer wie äußerer Politik gestanden. Nach den Er- Zählungen des Großherzogs von Baden sowohl, wie denen des Kaisers selbst, habe Bismarck von einer Arbeiter, schutzgc setz gebung nichts wissenwollen. Der Kanzler habe vielmehr dem neuen Reichstag das Sozialisten- gcsetz mit der Ausweisung abermals vorlegen, den Reichstag im Ablehnungsfälle auflösen und dann, wenn es zn Auf- ständen käme, energisch einschreiten wollen. Ter Kaiser habe seinen eigenen Worten nach sich dem widersetzt, weil er sich gesagt habe, wenn sein Großvater nach einer„langen rühm- reichen Regierung" genötigt Wörden wäre, gegen Aufständische vorzugehen, so würde ihm das niemand übel genommen haben. Anders sei es bei ihm, der noch nichts geleistet habe. Ihm werde man vorwerfen, daß er seine Re» gierung damit anfange, feine Untertanen totzuschießen. Er sei bereit einzuschreiten, aber er wolle dies mit gutem Gewissen tun, nachdem er versucht habe» die begründeten Beschwerden der Arbeiter zn befriedigen. In der auswärtigen Politik habe Bismarck gegen den Dreibund intriguiert und ein Bündnis mit Rußland zustande bringen wollen. Bismarck habe es ruhig mit ansehen wollen, daß Bulgarien durch die Russen besetzt werde, ßSIjrenS Wilhelm W. DeskerreiH nicht im Stich zlt lasset en't- schlössen gewesen sei. Aus diesen Konflikten heraus sei das persönliche Ver- hältnis ein immer gespannteres geworden. Der Kaiser sei mit den Ministern in direkten Verkehr getreten, worüber Bis- marck eifersüchtig geworden sei. Bismarck habe sich auf die Order vom Jahre 1852 berufen, wodurch dem Ministerpräsidenten die verantwortliche Leitung für die Gesamtpolitik des Kabinetts übertragen worden sei. Wilhelm Ii. dagegen habe Bismarck zugemutet, die Aufhebung dieser Order selbst herbeizuführen und zu kontrasignieren. Diese letzteren Tatsachen sind ja bereits hinlänglich be- kannt. Indem Bismarck sich auf die Kabinettsorder vom Jahre �1852 berief' und in seinem Nücktrittsgesuch vom 118� März 1890 betonte, daß die Aufhebung dieser Order d i e Rückkehr zum Absolutismus ohne mini- sterielle Verantwortlichkeit sei, lag ihm sicher weniger an einer Bekämpfung dieses Absolutismus, als viel- mehr an dem Durchsetzen seiner persönlichen Projekte. Um- gekehrt ist es bezeichnend fiir Wilhelm II., daß ihm gerade die Aushebung dieser Order zum Mittel dienen sollte, künftig sein eigner 5ranzler zu sein und seine Auffassungen zur Nicht- schnür der Politik zu machen. Ter Kaiser selbst charakterie- sierte diesen Konflikt so, daß es sich darum handele, ob die Dynastie Hohenzollern oder die Dynastie Bismarck regieren solle. Es verstand sich von selbst, daß unter solchen Umständen der Hausmaicr Bismarck fallen mußte. Hätte Bismarck länger gelebt, so würde er allerdings die Genugtuung erlebt haben, daß unsere jetzige Ncichspolitik in die Bahnen der Bismarckschen Politik zurückgekehrt ist!— DcutTcbco Reich. GotteSgnadentum. Die preußische Regierung hat die schönen Hoffnungen der Welsen, auf dem braunschweigischen Herzogsthron einen Sprossen des hannöversch-welfischen Königshauses als ihren angestammten Herrscher von Gottes Gnaden zu erblicken, mit rauher Hand zer- stört. Die braunschweigische Landcsversammlung hatte bekanntlich am 25. September den Beschluß gefaßt, durch den Rcgentschastsrat den Reichskanzler als Vorsitzenden des Bundesrats zu ersuchen, daß er die nötigen Verhandtungen zu einer Wiederbesetzung des braun- schwcigischen Thrones einleite. Auf dieses Schreiben hat der Fürst Bülow«IG Reichskanzler und als preußischer Minister der aus- Wältigen Angelegenheiten folgendermaßen geantwortet: Homburg v. d. Höhe, 3. Oktober 1900. Dem herzoglich braunschweigisch- lüneburgischen Staats- Ministerium beehre ich mich auf das an mich als Reichskanzler gerichtete Schreiben vom 25. vorigen Monats zu erwidern, daß ich den Bundcsratsbcschluß vom 2..Juli 1885, durch welchen die Regierung des Herzogs von Cumberland in Braunschwcig für nicht vereinbar erklärt worden ist mit den Grundprinzipien der Bündnisverträge und'der Rcichsverfassung, für mich so lange als maßgebend behandeln muß, als derselbe nicht durch einen neuen Beschluß des Bundesrats aufgehoben oder abgeändert worden ist. Einen solchen aufhebenden oder abändernden Beschluß herbeizu- führen, sehe ich mich nicht in der Lage. Demgemäß habe ich die Möglichkeit einer Uebernahme der Regierung von Braunschweig durch den Herzog von Cumberland unter der obwaltenden Sachlage außer Betracht zu lassen. Es ergibt sich aus dem Vorstehenden, daß ich eine weitere Antwort auf die von dem herzoglich braunschweigisch-lünebur- gischen Staatsministerium an mich gestellten Fragen, welche die Möglichkeit einer Regierung des Herzogs von Cumberland zur Voraussetzung haben, zurzeit nicht zu geben vermag. Die in dem Schreiben des herzoglichen Staatsministeriunis wie auch in der damit mitgeteilten Resolution des braun- schwcigischen Landtages zum Ausdruck gebrachten reichstreuen Gesinnungen geben die Zuversicht, daß das herzogliche Staats- Ministerium auch bei der ihm jetzt obliegenden Regelung der Ver- hältnisse im Herzogtum die allgemeinen Reichsintereffen im Auge behalten wird. Der Reichskanzler. Der vom Fürsten Bülow in seiner Eigenschaft als preußischer Minister des Auswärtigen an das bmunschweigisch-lüneburgische Staatsministerium gerichtete Brief hat zu Anfang eine ähnliche Fassung, dann aber heißt es weiter: ES ka.nn Preußen nicht zugemutet werden, daß es in dem benachbarten Bundes st aat eine welfische Regierung dulde, durch die der preu- ßische, unter dem Schutze der Reichsverfafsung stehende Besitzstand gefährdet werden würde. Die königliche Staatsregierung würde hiernach einem etwaigen Antrag auf Aushebung oder Abänderung des Bundes- ratSheschlusscs vom 2. Juli 1885 ihre Zustimmung ver- sagen müssen. Sie glaubt auch zurzeit nicht in der Lage zu sein, ihrerseits Schritte zu unternehmen,»m eine Aenderung des in dem Bundesratsbeschlutz gekennzeichneten Verhältnisses des Herzogs zu Preußen herbeizuführen. Das Legitimitätsprinzip wird also wieder kalt gestellt. Die Aussichten des Prinzen Adolf von Schaumburg-Lippe steigen!— Durch einen Gendarm erschossen. Gestern wurde, wie an anderer Stelle mitgeteilt ist, der Genosse Zimmermann Adolf Herrmann aus Hohen-Neuendorf unter lebhafter Beteiligung beerdigt. Der verstorbene Genosse ist da? Opfer eines anerhörten Ueberfalls durch Gendarmen in Zivilkleidung geworden. Wie erinnerlich, begegneten fünf Genossen, unter diesen der Ver- storbene, die harmlos von einein Zahlabend in Stolpe in der Nacht vom 22. zum 28. September nach Hause gingen, einigen Gendarmen in Zivil. Einer stieß in der Dunkelheit an und entschuldigte sich. Dann gingen die Genossen weiter. Als sie etwa 109 bis 150 Meter entfernt waren, eilten die Gendarmen Tietz aus Heinersdorf und Jude aus Virkenwerder den Genossen nach. Ohne jegliche Ver- anlassung schlug man mit einem Knüppel auf die ahnungslos Gehenden. Als diese sich gegen den hinter- listigen Ueberfall zur Wehr setzten und den Knüppel dem Gendarm fortnahmen, schoß der eine der Gendarmen auf den Genossen Adolf Herrmann. An den Folgen deS Schusses ist der brave Genosse nach mehreren Tagen verstorben. Nach vollbrachter Helden- tat entflohen die beiden Gendarmen. Der Angeschossene wurde von seinen Genossen ins Krankenhaus getragen. So der Sachverhalt, den von Berichten der Gendarmen herrührende falsche Mit- teilungen in einigen Zeitungen vergeblich zu verwirren sich bemühen. Strafanzeige gegen die Gendarmen ist längst erstattet. Auch wurde die Leiche des in so entsetzlicher Weise ums Leben gebrachten Ge- nassen von der Staatsanwaltschaft mit Beschlag belegt. Beide Gendarmen befinden sich aber noch auf freiem Fuße. Aus welchem Grunde hat die zuständige An- klagebehörde— sei es die Staatsanwaltschaft, sei es die kriegsgerichtliche Behörde— Anklage noch nicht erhoben? Er will sicherlich auch die Behörde der Meinung nicht Nahrung geben, daß der deutsche Arbeiter Freiwild sei. Zentrumsdiplomatie. Der Freiherr b. Hertling, eine der führenden Persönlichkeiten des Zentrums, hat am 2. Oktober in Münster eine Rede gehalten, die charakteristisch ist für die diplomatische Politik des Zentrums, die trotz aller Angriffe einzelner Draufgänger auf die Regierung und trotz der scheiuoppositionellen Haltung der Kaplanspresse ängstlich bemüht ist, sich ja nicht den Charakter einer Regierungspartei zu verscherzen. Auch Herr Hertling übte an der Kolonialpolitik Kritik. Er bedauerte, daß vielfach gescheiterte Existenzen in den Kolonien als Beamte verwendet würden. Er tadelte den burcaukratischen Schlendrian, der den Fall Tippelskirch verschuldet habe. Aber, fügt er hinzu, es sei schwer für die Kolonien, die richtigen Beamten zu finden. Seien wir doch in Kolonialsachen noch ein junges Volk!— Die Frage eines selbständigen Kolonialamtes sei eine reine Zweck- Mäßigkeitsfrage. Er persönlich sei für die Errichtung des- selben eingetreten. Nun habe man ja einen neuen Mann bekomme». Zeige derselbe durch die Tat, baß er Vertrauen verdiene, so werde auch das Zentrum mit sich reden lassen. Ebenso diplomatisch gedämpft war die Tonart, in der Herr Hertling über die auswärtige Politik Deutschlands sprach. Der Neid gegen Deutschlands Weltmacht und seine Konkurrenz auf dem Weltmarkt seien eine Tatsache, mit der gerechnet werden müsse. Zum Fürsten Bülow habe er volles Vertrauen, er sei ein friedliebender und besonnener Politiker, wenn auch nicht jede Rede, die gehalten worden sei, und jede Depesche, die versandt worden sei, verteidigt werden könne. Die Lage sei eine derartige, daß Deutschland auf seine eigene Macht gestellt sein müsse. Deshalb müsse man die schwere R ü st u n g weiter tragen. Was zur Aufrcchterhaltung der „Größe und Macht des Vaterlandes" unvermeidlich nötig sei, müsse bewilligt werden. Man sieht, Herr Hertling spinnt eine ganz andere Nummer wie Herr Erzverger. Er ist kein Schwarzseher: für ihn ist Bülow nicht der Hauptverantwortliche für die Kolonialskandale, sondern der richtige Mann an der Spitze der Regierung, mit dem es sich trefflich zusammenarbeiten läßt. Und wenn Herr Hertling jetzt schon der- artige Töne anschlägt, kann es keinem Zweifel mehr unterliegen, daß alle Kolonial- und sonstigen Debatten nur ein blindes Schießen sein werden, und das Zentrum zuguterletzt wie bisher seiner Rolle als Regierungspartei unentwegt treu bleiben wird I— Zur Frage der Grcnzöffnung. Der niederländische Gesandte in Berlin hat, wie der„Daily Telegraph"-Korrespondcnt im Haag aus guter Quelle erfährt, von seiner Regierung Weisung erhalten, zu versuchen, von der preußischen Regierung die Oeffnung der Grenze für die Einfuhr von holländischem Vieh zu erlangen.— Das Kolonial-Prctzdezernat scheint bereits seine Tätigkeit, die „anständige" Presse mit authentischen Nachrichten zu versorgen, be- gönnen zu haben. Die„Köln. Ztg." bringt nämlich folgende, vom Wolffichen Bureau sofort in alle Weltgegenden depeschierte Mit- teilung: „Wie wir hören, ist es der Kolonialverwaltung gelungen, durch zweckmäßige Abfertigung der Transporte in Hamburg die Licgegcbühren in Swakopmund, die ein Gegenstand vieler Be- schwcrden waren, zu beseitigen. Es treten jetzt keine Anstauungen und Stockungen des Verkehrs mehr ein, sodatz die von Liege- gebühren freie Zeit für die Schiffe zur Löschung der Ladung ausreicht."_ AnS dem Hamburger LnndeSparlament. In der Sitzung am Mittwochabend gelangten einige wichtige Angelegenheiten zur Verhandlung. In Hamburg existiert bekanntlich keine Universität. Obwohl in letzter Zeit wiederholt hervorragende Personen— darunter der Präsident des hanseatischen Oberlandes- gerichts Dr. Sievcking— für die Errichtung einer Landesuniversität eingetreten sind, wird vorläufig, der hohen Kosten wegen, dieser Wunsch noch nicht realisiert werden. Dagegen ist man bestrebt, das Vorlesuugswcsen über Fach- und sonstige Wissenschaften auszubauen. Die Vorlesungen, zu denen hervorragende Gelehrte des In- und Auslandes herangezogen werden, werden von der Oberschulbehörde arrangiert und finden in der Gelehrtenschule des Johanneums statt. Ein heißer Kampf hat um die Forderung des Senats auf Schaffung einer ständigen Professur fiir Nationalökonomie statt- gefunden, weil die„liberalen" Scharfinacher befürchteten, es könnte sich ein zu vorgeschrittener Dozent auf diesen Lehrstuhl breitmachen. Von der anderen Seite, so namentlich von unserem Genoffen Stollen, wurde für die Freiheit der Wissenschast eine Lanze eingelegt und in diesem Sinne wurde nun in zweiter Lesung die Professur für diesen Wissenszweig mit großer Mehrheit an- genommen und der Wunsch ausgedruckt, der Senat möge bald- tunlichst der Bürgerschaft sParlament) eine Vorlage bringen, durch welche eine organisierte Hochschulbildung für Kaufleute vorgesehen wird. Alsdann begründete in längerer Rede Genosse Stollen den von der sozialdemokratischen Fraktion gestellten Antrag auf Vorlage eines VerantwortlichkeitsgesctzeS, das schon, wie in der Debatte hervorgehoben wurde, 1348 versprochen, aber bis heute noch nicht vorgelegt worden ist, weil die Hainburger Machthaber sich sagten, daß cS sich so besser regiert als wenn man wegen Be- gehungs- oder Unterlassungssünden zur Verantwortung gezogen werden kann. Die Senatoren werden auf Lebenszeit gewählt und können nicht zur Verantwortung gezogen werden, weil es hierzu an der Handhabe fehlt. Der Antrag wurde von mehreren Rednern unterstützt und einem Ausschuß zur Beratung überwiesen.— Viehteuerung und Fleischwuchcr. In einer in München ab- gehaltenen großen sozialdemokratischen Volksversammlung wurde nach einem Referat des Genossen Ed. Schmid und längerer Dis- kussion folgende Resolution angenommen: „Die am 3. Oktober im Saale des Münchener KindlkellcrS tagende allgemeine Volksversammlung erhebt flammenden Protest gegen den gemcinschädlichcn Fleischwucher und spricht den Schuldigen, den Regierungen und den herrschenden Parteien, für das am deutschen Volke begangene Verbrechen ihre tiefste Eni- rüstung aus. Die Versammelten fordern namens der Hungernden von dem Reiche die Oeffnung der Grenzen und die völlige Aufhebung der Einfuhr zolle auf Schlachtvieh. Von der bayerischen Staatsregierung verlangen die Versammelten ein entschiedenes Eintreten für diese Mahnahmen im Bundesrate und im deutschen Reichstage. Der Münchener Gemeindeverwaltung wird zur Pflicht ge- macht, der Versorgung der Stadt mit gesunden und billigen Nahrungsmitteln größere Aufmerksamkeit zu schenken wie bisher, deren Zufuhr zu regeln und alle verteuernden Zwischenstcllcn rücksichtslos auszuschalten. Das sogenannte Pr a x e r s y st e m im Schlacht- und Viehhof ist unverzüglich zu beseitigen und die Ver- kaussvermittelung durch Gemeindebedienstete zu vollziehen." Hustand. Oesterreich. Quertreibereien gegen die Wahlreform. Aus Wien wurde vom 4. Oktober berichtet: Der zur Prüfung des Antrages Schlegel (Zentrum) auf Einführung der Wahlpflicht eingesetzte Unteraus- schuß des Wahlreformausschusses nahm heute einen Antrag Hruby an, wonach die Einführung der Wahlpflicht sowie der Erlaß von Ausführungsbestimmungen derLandesgesctzgebung über- lassen wird. Außerdem ist dem Wahlreformausschuß ein Antrag auf Ein- führung des PluralwahlshstemS zugegangen. Ein- gebracht wurde er von dem Abg. Dr. Tollnyer. Am Mittwoch hat der Ausschuß begonnen ihn zu beraten. Der Ministerpräsident bekämpfte ihn. Die Wiener„Arbeiterzeitung" erwartet, daß der Antrag abgelehnt werde, wenn sich auch die Stimmenverhältnisse nicht genau vorhersagen lassen. Frankreich. Eifrig im Dienste de« Zaren ist die Pariser Polizei. A«S Paris wird vom 5. Oktober gemeldet: Die französische Sicher- hcitspolizei ist auf der Spur einer russischen Nihilisten- bände, die sich in der Umgebung von Paris niedergelassen hat. Die Not der bretonischcn Fischer. Wie aus Brest gemeldet wird, drohen unter der Fischcrbevölkerung infolge des Ausbleibens der Sardinen neuerdings Unruhen auszubrechen. Man befürchtet eine Wiederholung der Unruhen des Winters 1903. Dänemark. Wichtige Gesetzentwürfe. Die Regierung hat dem Folkething am Mittwoch verschiedene Gesetzentwürfe vorgelegt, von denen die wichtigsten die Reform des tommunalcn Wahlrechts und die Einführung von Staatszuschüssen zu den Arbeitslosenkassen betreffen. Die Wahlrechtsreform wird in derselben Gestalt vor- geschlagen, wie sie im Dezember 1903 vom Folkething beschlossen, dann aber vom Landsthing verworfen wurde. Der Minister des Innern hat leider auch jetzt nichts darüber verlauten lassen, was er zu tun gedenkt, wenn das Landstying wiederum die Abschaffung des Zweiklasscnwahlrcchts und des für Kopenhagen geltenden Zensus ablehnt. Der Entwurf über Staatszuschüsse zu den Arbeits« losenkajjen entspricht dem, was im März dieses Lahres dis Alters- und Jnvaliditätskommission, die mit der Prüfung der Frage betraut war, vorschlug. Der Staat soll ein Drittel der Kosten der Arbeitslosenunterstützung zahlen, jedoch nicht mehr als 250 000 Kronen jährlich. Die Kommunen können außerdem, ohne einer Genehmigung der höheren Behörden zu bedürfen, noch ein Sechstel zuschießen, so daß, wo dies geschieht, die Hälfte der Un- tosten den Kassen vergütet wird. Die Arbeitslosenunterstützung darf nicht über zwe' Drittel des allxememer: Arbeitslohnes, jcdvh nicht unter 50 Oere und auch nickst über 2 Kronen täglich betragen. Aus den anerkannten Arbcitslosenkaffen darf k ine Sireikunter. stützung und auch keine Iliiterstützung für durch Krankheit oder Arbeitsunfähigkeit verursachte Arbeitslosigkeit gezahlt werden. Der Grundsatz der Selbstverwaltung und Selbstkontrolle durch dt: Kasscnmitglieder wird in dem Entwurf anerkannt. Die Ver- lrauensleute der Kassen haben ein Arveitslosigkcitsamt zu wählen. dessen Vorsitzender als„Arbeitslosigkeits-Jnspektcr" mit der Auf» ficht über die Kassen betraut wird. Spanien. Der Fall Acevedo ist dank der von unseren spanischen Genossen eingeleiteten kräftigen Protestbewegung nun doch nicht kurzerhand erledigt worden, sondern der Kassationshof(Ol Tribunsl Lupremo) hat sich veranlaßt gesehen, wenigstens die Voll st reckung seines ungeheuerlichen Urteils(8 Jahre Gefängnis wegen angeblicher Majestätsbclcidigung) aufzuschieben. Derselbe Kassationshof, der vorher von Revision nichts wissen wollte, läßt sich unter dem Druck der öffentlichen Meinung jetzt plötzlich ans eine RcvisionS- Verhandlung ein und will— was er zuerst rundweg abgeschlagen hatte— gnädigst geruhen, den Verteidiger Accvcdos anzuhören. Angesichts dieser Entscheidung hat die spanische Arbeiterschaft beschlossen, ihrerseits den wegen jenes Schandurteils begonnenen Protestfeldzug bis auf weiteres aufzuschieben.— Japan. Unzufriedenheit in der Armee. Wie„Hikari"(das Licht), das Zentralorgan der japanischen Sozialisten, berichtet, verbreitet sich in der Armee mehr und mehr eine unzufriedene Stimmung. Das patriotische Kriegsfeuer ist verraucht und die Söldäten machen mancherlei Forderungen geltend, die eine Besserung ihrer Lage herbeiführen sollen. In einem Regiment der ersten Division fand eine Revolle. gegen die Offiziere wegen grausamer Behandlung statt. Viele Soldaten brachen aus der Kaserne aus, wurden aber gefangen genommen und unter Anklage gestellt. Der Anführer der Rebellen bezeichnete sich selbst als einen Sozialisten.— Letzten Monat weigerte sich eine ganze Kompagnie, Japan zu verlassen und nach Korea zu gehen. Die Aufständischen wurden vor ein Kriegsgericht gestellt und 50 Mann zu Gefängnisstrafen von 1 bis 2 Jahren verurteilt.„Hikari" meint, das seien die ersten Zeichen, daß die Soldaten nicht mehr wie willenlose Werkzeuge behandelt kein wollen und diese Zeichen würden sich bald mehren. Gegen die Straßenbahngesrllschaften von Tokio ist eine Be- wegung im Gange, weil diese das Publikum mehr als bisher schröpfen wollen. Drei Gesellschaften haben sich bereinigt und ver> fügen über ein Kapital von 7 Millionen Ken(1 Den etwas über 2 M.); darauf versuchten sie den Fahrpreis zu erhöhen. Die all- gemeine Erregung darüber benutzten die Sozialisten zu einer eifrigen Agitation. Viele Versammlungen wurden abgehalten und Tausende von Flugblättern verteilt, um die Ausbeutung der Bürger durch diese Privatgesellschaften ins rechte Licht zu stellen. Amerika. Von der Polizei-Korruption. Aus N e w D o r k meldet Lassans Bureau vom 2. Oktober: Der Polizeipräsident General Bingham hat die Beförderung vdn sechs Polizeihauptleuten zu Inspektoren mit der Begründung abgelehnt, daß die sechs O/fiziere mit unlauteren Mitteln sich so Hohe„Nebencinnahmcn" verschafft haben, daß sie in der Lage waren, einflußreichen Personen Bcstcchungsgelder im Betrage von 15 000 Dollar anzubieten, um sich ihre Protektion bei der Be- förderung zu sichern. Soziales. Sieg bei der Kraitkenkassenwahl in Saarabien. Bei der am Mittwoch in St. Johann, Saar, stattgefundencn Dclegiertenwahl zur Ortskrankenkasse siegte die Liste der freien Gewerkschaften mit 531 Stimmen gegen 339 Stimmen der Christ- liehen, die sich mit den evangelischen und katholischen Arbeiter- und Gesellellvereinen, den deutschnationalen Handlungsgehülfen, zwei weiteren kaufmännischen Vereinen, den Unternehmern und den Berufskollegen des Brcslauer Handabhackers verbunden hatten, um das rote Gespenst zu bannen. Die kaufmännischen Angestellten, die Ladenmädchen, die Postillione, die städtischen Arbeiter, sogar die königlichen Schutzleute wurden an die Wahlurne, zitiert. Die Unternehmer und Großkaufleute brachten„ihre" Arbeiter und Be- bicnsteten geschlossen zur Wahlurne. Die„christliche" Liste zeigte einen Wachtmeister, fünf Schutzleute neben christlichen Gewerk- schaftssekretären auf, ferner eine Masse Kaufleute, Bankbeamte, Techniker, Kassenboten, Handlungsgehülfen, Scharfmachersekretären, Maurer, und Steinhaucepoliere usw. standen darauf. Die„christliche" Agitation wurde mit den elendesten Verleumdungen eingeleitet, acht „christliche" Gewerkschaftssekretäre rührten die Wahltrommel, vier bürgerliche Zeitungen einschließlich des Stummschen Schleifsteins und der nationalen„Saarbrücker Zeitung" machten die„christ- lich-nationale" Kuddelmuddelliste mobil und bezogen zu diesem Zwecke ihre Schmutzartikel aus dem.christlichen" GewerkschastS- bureau. Und der Erfolg war— eine fürchterliche Blamage. Unftre Genossen arbeiteten trotz des auf ihnen lastenden Druckes mit einem ivahren Feuereifer, so daß wir, wie bei der vorjährigen Kassenivahl, so auch diesmal unsere Stimmcnzahl um über 100 Prozent erhöhten. Der WahlcmSfall, der unseren Gegnern viel Kopfschmerzen macht, zeigt, daß Partei und Gewerkschaften auch im Saarrevier mar, schieren._ Die Wahl der nichtständigen Mitglieder znm ReichSversicherungs- amt, die vor einigen Wochen stattfand, hat folgendes Ergebnis ge- habt: Aus den gewerblichen Berufs genossenschafteu ist die Liste der Kandidaten der freien Gewerkschaften gowählt. Wie bisher werden in dieser Gruvve mithin die beiden nichtständigen Mitglieder und 72 Stellvertreter von den freien Gewerkschaften machen verfuchte; er erhielt eine Kopfwunde, die er sich verbinden, spann sich über die von unserem Wahlverein angeregte Gründung besetzt. Für die Seeberufsgenossenschaft ist die Liste lassen mußte. Es wird eine baldige Entscheidung des Streits einer Arbeiterbildungsschule für die westlichen Vororte. Der Vor des Verbandes der Seeleute durchgedrungen. Es werden hier zum erwartet. Das Anschlagewesen leidet unter der hartnäckigen Weige- fizende, Genosse Krause, berichtete über die in dieser Sache mit erst en mai vom Verbande der Seeleute die zwei nichtständigen rung der Firma Naud u. Hartmann, den Arbeitern entgegen den Nachbarwahlvereinen gepflogenen Verhandlungen, bei denen Mitglieder und die vier Stellvertreter besetzt. Dagegen ist für die zukommen. Fast nur in der inneren Stadt sind die Säulen beklebt auch der Vorstand der Berliner Arbeiterbildungsschule vertreten Landwirtschaft die Liste der christlichen Gewerkschaften gewählt. und gewöhnlich unvollständig, in den äußeren Stadtteilen sind die war. Die Anregung habe bei den Nachbarvereinen eine wohlDas letztere Ergebnis ist insofern für die freien Gewerkschaften Anschlagsäulen sehr vernachlässigt. wollende Aufnahme gefunden; auch der Vorstand der Berliner ungünstig, als bisher ein großer Teil der Beisiger dieser Gruppe den freien Gewerkschaften angehörte. Bei dem ungünstigen WahlDer Formerstreit im Siemenswerte zu Pankow dauert laut Be- Arbeiterbildungsschule steht dem Bestreben durchaus freundlich modus war für die Landwirtschaft diesmal nur schwer auf einen schluß der Ausständigen unverändert fort. Bei den letzten Ver- gegenüber und empfiehlt, die Einrichtung in der Form eines Grfolg unsererseits zu hoffen, die politische und gewerkschaftliche handlungen hat die Generaldirektion jedes befriedigende Entgegen- 3weigunternehmens der Berliner Schule ins Leben zu rufen. Die Aufklärung in der Landbevölkerung läßt noch sehr viel zu wünschen kommen rundweg abgelehnt. Die Werkleitung gibt sich jetzt alle Versammlung gab ihre prinzipielle Zustimmung zu der Gründung übrig. Leider wird auch seitens der Arbeiterschaft den Wahlen zu organisierten Former und Gießereiarbeiter, den Betrieb unbedingt bes Planes zu haben, wurde beschlossen, am nächsten Zahlabend Mühe. Arbeitswillige heranzuziehen. Es ist daher Pflicht aller und ermächtigte den Vorstand zu weiteren Verhandlungen mit den den Vorständen der Krankenkassen, den Wahlen der Beisitzer zur beteiligten Vereinen. Um eine Unterlage für die Realisierbarkeit unteren Verwaltungsbehörde, zum Ausschuß der Landesver- zu meiden. ficherungsanstalten und der Beisiger zu den Schiedsgerichten für Arbeiterversicherung nicht überall die nötige Aufmerksamkeit ge= widmet. Alle diese Wahlen, bei der eine Korporation von der anderen gewählt wird, sind bestimmend für das Ergebnis der Wahlen zum Reichsversicherungsamte. Bei einem solchen Wahisystem ist man, wenn nicht von vornherein mit der nötigen Sorgfalt die Vertretung ausgewählt wird, vor Ueberraschungen nicht sicher, zumal diesmal die christlichen Gewerkschaften in den Wahlkampf außerordentlich rege eingriffen. Vor 5 Jahren, bei den ersten Wahlen, die auf Grund der neuen gesetzlichen Bestimmungen stattfanden, hatten die freien Gewerkschaften nicht mit einer so beachtlichen Gegenagitation zu rechnen als diesmal. Immerhin sind die hochfliegenden Pläne der christlichen Gewerkschaften, das Reichsversicherungsamt allein zu beseßen, sehr Herabgedrückt. Gewerkschaftliches. Vor dem Gewerkschaftskongres. Paris, 4. Oktober.( Eig. Ber.) " Bei der bekannten Firma Jachmann haben die Former Listen aufzulegen, in welche sich die Genossen einzeichnen sollen, innerer Betriebsdifferenzen halber ebenfalls die Arbeit nieder die an den einzurichtenden Kursen teilnehmen wollen. Außer dem gelegt. Die Angelegenheit dürfte wahrscheinlich durch Verhandlungen monatlichen Mitgliedsbeitrag von 25 Pf. ist für den Kursus von mit der Vertrauenskommission des Metallindustriellenverbandes dem- 10 Abenden nur noch 1 M. zu zahlen. Der Kassenbericht vom ab= gelaufenen Quartal ergab eine Einnahme von 432,48 m. Hiervon nächst ihre Erledigung finden. Wie immer bei derartigen fleinen Streits, so bemühen sich auch wurden an den Zentralverein abgeliefert 288,32 M., am Orte ver= hier wieder die christlichen" Schleicher, für ihre an sich ja ausgabt 72,58 M. und der Reſt auf das neue Quartal vorgetragen. Gegen eine Meldung herzlich unbedeutende Organisation im Trüben zu fischen. So sucht Neu aufgenommen wurden 15 Genossen. gegenwärtig der christliche Arbeitsnachweis in der Kaiserstraße wurde Einspruch erhoben, weil der Betreffende angeblich wegen natürlich wieder in der von„ Arbeiterfreundlichkeit" übertriefenden Reſten aus seiner Berufsorganisation ausgeschlossen worden ist. Mosseschen Volks- Zeitung"- unorganisierte Former, Kern Der Vorstand wurde mit der Prüfung des Einspruchs betraut. macher und Gußpuzer, wahrscheinlich um sie in den bestreiften Betrieben als Arbeitswillige unterzubringen. Es dürfte aber genügen, das heiße Bemühen dieser„ Brüder in Christo" hiermit zur weiteren Kenntnis zu bringen. Der Töpferverband nahm gestern in einer gut besuchten Mitgliederversammlung wieder zur Fensterfrage Stellung. Es wurde hierzu folgender Beschluß gefaßt: Mit den Gemeindewahlen beschäftigte sich die Mitgliederverfammlung des Wahlvereins Nowawes- Neuendorf. Der Referent hierzu, Genosse Gruhl, gab einen Ueberblick der Verhältnisse, unter denen zu wählen ist, und bezeichnete dieselben als günstiger wie in früheren Jahren. Bei Anspannung aller Kräfte wird es möglich sein, diesmal die ganze 3. Klasse zu erobern. Nach kurzer Diskussion über das beifällig aufgenommene Referat wurden die Die Versammlung hält die Mitglieder der Organisation für Genossen Fesser, Gruhl, Zöllner, Gomoll, Neumann, Hiemte, einstimmig als Kandidaten aufgestellt. verpflichtet, vom 15. Oktober ab nur auf solchen Bauten zu arbeiten, Wegner und Frenzel Die wachsenden Aussichten auf eine Verständigung zwischen der verglaste Fenster geschützt, ihre Arbeiten ausführen fönnen. Bro- stehend aus den Genossen Beder, Hoffmann, Liebing, Krohnberg wo sämtliche beschäftigten Kollegen, vor Zugluft durch genügend Ferner wurde zur Erledigung der Wahlarbeiten ein Komitee, bePartei und den Gewerkschaften haben einige syndikalistische Führer bisorische Verglasung von Fenstern und Verschalen von Balkon- und Heidenreich, gewählt. Nach dem vom Genossen Zöllner ge fehr nervös gemacht. In der letzten Sigung des Gewerkschafts- türen usw. ist insoweit zulässig, als die übliche Arbeitszeit bei gebenen Kassenbericht vom letzten Sommerfest verbleibt ein leberverbandes des Seine- Departements wurde sogar den Vorstande- genügendem Licht ausgenügt werden kann. Diejenigen Kollegen, schuß von 67 M. Die nächste Versammlung findet am 17. Oktober mitgiledern der Arbeitskonföderation und der Gewerkschaften, die für nicht andere Arbeit nachgewiesen werden kann, bom vierten Tage genommen werden. Die Neuwahl des Vorstandes soll, nach Be= die durch die Fensterfrage arbeitslos werden, erhalten, sofern ihnen statt; in derselben soll der Bericht vom Parteitag entgegendie gewerkschaftliche Rubrik der„ Humanité" schreiben, ein träftiger an Unterſtüßung, sofern sie dem Verbande mindestens ein Viertel- schluß der Versammlung, in der Januarversammlung vorgenommen Rüffel erteilt und sie wurden mit allen gegen drei Stimmen auf- jahr angehören und zu dem Lokalfond gezahlt haben. Desgleichen werden, um eine einheitliche Geschäftsführung im Zentralwahl= gefordert, die weitere Mitarbeit an dem sozialistischen auch die Kollegen, die vor ihrem Eintritt einer anderen modernen verein zu ermöglichen. An Stelle dreier ausgeschiedener BezirksBlatt einzustellen. Und doch haben die Pouget, Organisation angehörten oder nach beendeter Lehrzeit sofort dem führer wurden die Genossen Adam, Sturt und Otto gewählt. Zur Griffelhues usw. nichts anderes verbrochen, als in der Verbande beigetreten sind. Die seit den letzten drei Wochen zur Aufnahme hatten sich 14 Genossen gemeldet. „ Humanité" gegen die Einigung zu schreiben! Aber die Anmeldung gelangten, von auswärts zugereisten Kollegen werden Syndikalisten strenger Observanz dulden auch das nicht. Der Wortnicht unterstüßt. laut ihres Beschlusses verdient wiedergegeben zu werden, damit es flar werde, wie weit diese Richtung von der Neutralität entfernt ift, die fie gegenüber der parlamentarischen Aktion gelegentlich zur Schau trägt. Er sagt: " Ergänzt wurde diese Resolution durch Annahme folgenden Antrages: Kollegen, welche durch die Fensterfrage sich innerhalb 3 Lagen our Stontrolle cage arbeitslos werden, haben selben eine Unterstützung nicht gezahlt wird. Die Unterstützung beträgt pro Tag 2,50 M. und pro Kind wöchentlich 1 M. In Anlehnung an einen fonkreten Fall der jüngsten Zeit faßte die Bersammlung dann nachstehenden Beschluß: Eingegangene Druckschriften. Sozialer Fortschritt. Heft 74: Die Fürsorgeerziehung MinderHeft 75/76: Berwirk jähriger von Dr. F. Schiller( Breslau). 25 Pf. lichte Bersuche der Bervollkommnung der Geſellſchaft von A. Bojſen. 50 Pf. Heft 77: Die deutschen Arbeiterinnenschutzgeseße von Dr. Alice Salomon. 25 f. Heft 78: Die amerikanischen Kindergerichte nach dem Bericht des Jugendrichters Lindsey in Denver von Dr. Käthe Schirmacher. 25 Pf. Heft 80: Rechtseft 79: Heimarbeit von Dr. jur. Kollenscher. 25 Pf. pflege in den Kulturstaaten von Dr. S. J. Visser. 25 Pf. Leipzig, Felig Dietrich. ( Herausgeber: Georg Bernhard.) 40. Heft des dritten Jahrganges. BiertelPlutus. Kritische Wochenschrift für Volkswirtschaft und Finanzwesen. jährlich per Post und Buchhandel 3,50 M., direkt vom Verlag 4 M. Verlag, Berlin- Charlottenburg. " Der Gewerkschaftsverband stellt fest, daß der Syndikalismus ( die ökonomische Aktion) und der Sozialismus( die politische Aktion) sich auf verschiedenen und einander entgegengesezten Gebieten bewegen. Er läßt den Politikastern das Vergnügen des Oefen in Werkstellen genau wie Bauarbeit zu betrachten ist und Die Versammlung stellt fest, daß das Sezen von transportablen Kampfes gegen die Reaktionäre", wogegen sich der wirtschaftliche demnach die Arbeitszeit im Sommer 8 Stunden und im Winter Kampf gegen die„ Aktionäre" aller Parteien richten soll. Er be- von Licht zu Licht währt, und wenn Lohnarbeit, ein Minimallohn dauert die Zweideutigkeit, die durch die Mitarbeit der von pro Stunde 1 M. zu zahlen ist. Arbeitskonföderation au einem sozialistischen Blatt ge= Ferner beschloß die Versammlung, demnächst eine Statistik schaffen worden ist, eine Mitarbeit, die den betreffenden Personen aufzunehmen, durch welche feſtgeſtellt werden soll, wie biele Letzte Nachrichten und Depeschen. in ihrer Eigenschaft als Mandatare mächtiger Organi- von den Berliner Verbandsmitgliedern einer sationen angeboten worden ist und fordert diese Kameraden Tages presse sie halten. politischen Organisation angehören und welche auf, jede Mitarbeit an einem politischen Blatt zu unterlassen, um alle Verwirrung hintanzuhalten." " Deutsches Reich. Tarifverträge. = Die Bergarbeiter rühren fich! Essen, 5. Oftober.( Privatdepesche des„ Vorwärts".) Heute hielt hier die Siebenerkommission eine Sibung ab, um in der Lohnfrage formell Beschluß zu fassen. Die Vertreter der fünf deutschen Bergarbeiterverbände, die zirka 220 000 Organisierte umfaffen, beſchloſſen einstimmig, für sämtliche Bergbaureviere eine 15prozentige Lohnerhöhung zu fordern. Die Verbände Beendete Streifs. Die Voix du Peuple", das Drgan der Konföderation, leistet sich auch einen lehrreichen Stommentar zu diesem Beschluß. Da Zwischen dem Deutschen Metallarbeiterverband und der Verwird auseinandergesetzt, daß sich die Gewerkschafts- einigung der Nürnberger Rot- und Glockengießer fam ein bis 1. Sepfunktionäre nicht auf ihre individuelle Freiheit berufen dürften, denn tember 1908 gültiger Tarifvertrag zustande, wonach die Arbeitszeit auf sie seien durch ihr Amt an die Organisationen gebunden. Solcher 57 Stunden pro Woche verkürzt wird. Ferner werden Mindestlöhne werden gemeinsam den Unternehmermaßen wird den Gewerkschaflern ihr politisches Selbstbestimmungs- festgesetzt, die leberstunden werden mit 25, die Sonntags- und Nacht- organisationen und den einzelnen Bergwerksdirektionen die Forrecht einfach genommen und die vorgebliche Freiheit politischer 18 Jahre werden um 1. bis 3. f. pro Stunde aufgebessert. Mit überlassen, die Arbeiterausschüsse zu veranlassen, sich der Forderung arbeit mit 50 Proz. Zuschlag vergütet, die Löhne der Arbeiter über derungen unterbreiten. Den einzelnen Berbänden ist es weiter Abstinenz oder Betätigung in einen Zwangs- Antiparlamentarismus den Unternehmern der Nürnberg Fürther Feilenindustrie schloß der anzuschließen. berwandelt. Uebrigens sagt der Artikel ganz offen: Zwischen Verband ebenfalls einen Vertrag ab, der bis 1. Juli 1908 läuft. Parlamentariern und Antiparlamentariern besteht nicht Auch in dieser Industrie wird die Arbeitszeit auf 57 Stunden vernur ein Gegensatz der Aktion, sondern ihre Taktik bewegt sich auf fürzt, werden Mindestlöhne festgesetzt und die Ueberstunden mit verschiedenen Feldern", und nun folgt die merkwürdige Definition, 25 Broz. Zuschlag vergütet, außerdem wird eine allgemeine Lohndaß die Gewerkschaft eine Vereinigung für gerechte Interessen, zulage von 5 Proz. gewährt. der Parlamentarismus aber eine für interessierte Appetite" sei: „ Die Gewerkschaft ist eine Vereinigung dem Gesez zum Trotz(?), der Parlamentarismus ein Interessensyndikat mit Hülfe Swansea, 5. Oktober. Der Bergarbeiterverband hat einen Brief des Gesetzes... Die Regierungen, selbst wenn sie sozialistisch vom Deutschen Bergarbeiterverband erhalten, in dem die find, sind immer im Dienste der Ordnungspartei möglichkeit eines Ausstandes in Deutschland Rapitalismus, Unternehmertum usw.). Und die wegen Lohnfragen erwähnt und angefragt wird, ob im Falle, Bartei der Ordnung ist jene der Privilegien..." daß ein solcher Ausstand eintreten sollte, die englischen Bergleute ihren deutschen Kameraden durch Verhinderung einer gesteigerten Ausfuhr englischer Kohle nach Deutschland zu Hülfe kommen würden. Die Bewegung im Ruhrrevier. Wolffs Telegraphenbureau meldet: Mülhausen, 5. Oktober.( B. S.) In sämtlichen Kammgarnspinnereien wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Die Arbeiter begnügen sich mit den vor dem Streit gewährten Lohnaufbesserungen. Enschede, 5. Oktober.( W. T. B.) Der Ausstand, der in der wird morgen wieder aufgenommen werden. hiesigen Textilindustrie ausgebrochen war, ist beendet. Die Arbeit Eine unangenehme Entdeckung". Wien, 5. Oktober.( B. H.) Wie der N. Fr. Pr." aus Petersburg telegraphiert wird, wurde im Verkehrsministerium die unangenehme Entdeckung gemacht, daß die Verwaltung der sibirischen Eisenbahn vom 1. Januar bis 1. September gegen den Voranschlag des laufenden Jahres die Ausgaben um 24 Millionen Rubel überschritten hat. Der Generaldirektor der Eisenbahn wurde zur Beständen, welche dabei entdeckt worden sein sollen. richterstattung nach Petersburg berufen. Man spricht von MißOpfer der Freiheit. Echt manchesterlich. Aber der Artikelschreiber läßt nicht einmal das Argument gelten, Jaß die Syndikalisten im sozialistischen Blatte eine Propaganda für hre Auffassungen beabsichtigen fönnten. Er meint, sie fönnten dann benso für das„ Echo de Paris" und für den„ Gaulois" schreiben. Worauf die Pouget und Griffethues freilich antworten Unternehmer Stellung genommen und erklärt, daß sie nur für verZur Bewegung der Würzburger Bäckergehülfen haben jetzt die lönnten, daß sie unter den proletarischen Lesern der„ Humanité" doch heiratete Gehülfen Kost und Logis abschaffen wollen, bei den Ledigen eher Rekruten für den Syndikalismus zu werben vermöchten, als foll es bleiben wie bisher. Bu gleicher Zeit wurde ein Lohntarif unter den Vicomtes und Marquis, die das Monarchisten- vorgeschlagen, der zum großen Teile Verschlechterungen der bisblatt lesen. herigen Verhältnisse herbeiführen will. So sollen die in Kost und Lemberg, 5. Oktober.( B. H.) Wie den hiesigen polnischen Die tonfusen Butausbrüche der„ Boix du Peuple" zeigen, wie Logis beim Meister befindlichen ledigen Gehülfen 4 M. Wochenlohn Blättern aus Kielce berichtet wird, sind dort gestern auf Grund wenig sicher sich die Macher des antisozialistischen Revolutionarismus erhalten, das ist 1-2 M. weniger als bisher. Die Gehülfen haben feldgerichtlichen Urteils drei Personen erschossen worden. in den Gewerkschaften fühlen. Die Mitarbeit der tüchtigsten syndika- Resolution ausgesprochen, daß sie sich dem Bäckerverbande anschließen geglaubt, feine Organisation nötig zu haben, und seinerzeit in einer listischen Führer an der" Humanité" hat eine fachliche Diskussion wollen, wenn die Meister die Forderungen nicht bewilligen wollen, Ichottischen liberalen Parteiverbände zu Peebles wurde mit 55 gegen London, 5. Oktober.( W. T. B.) Auf einer Konferenz der des Themas„ Gewerkschaft und Politik" eingeleitet, und gerade diese diese erklären jedoch, daß sie sich auf nichts weiter einlassen und daß Ichottischen liberalen Parteiverbände zu Peebles wurde mit 55 gegen Diskussion macht ihnen bange. Der Gedanke, daß die Gewert es ihnen ganz gleich ist, ob die Arbeiter streifen wollen oder nicht. 34 Stimmen eine Resolution angenommen, nach der es als eine schaftler das Recht reflamieren fönnten, Sozialisten zu sein, ist ihnen Hoffentlich sehen die Gehülfen jetzt ein, daß man dem Unternehmer- Wahlkandidaten zu stimmen, die sich nicht von einer Partei loslösen Hauptpflicht der Liberalen bezeichnet wird, energisch gegen alle so peinlich, wie er sonst nur den Kapitalisten sein mag. tum nur durch eine träftige Organisation imponieren kann. wollten, deren Ziel eingestandenermaßen die völlige Vernichtung des Grundjages der Freihet des Individuums sei, für welches die Berlin und Umgegend. liberale Partei stets eingetreten sei. In seiner Ansprache an die Versammlung bezeichnete Master of Elibank, Mitglied des Unterhauses für den Wahlbezirk Meid Lothian, die Sozialisten als eine Gesellschaft bösartiger Zerstörer, die die liberale Partei zu Grunde richten wollten, um an ihrer Stelle eine Tyrannei herzustellen. Ein Erfolg. Zum Streik der Isolierer ist zu berichten, daß die für Berliner Firmen auswärts beschäftigt gewesenen Isolierer zurüdgekehrt find bis auf zwei im Ausland befindliche, welche aber auch in diesen Tagen eintreffen werden. Der Streit dauert unverändert fort und bitten wir, den Zuzug fernzuhalten. Husland. Eine internationale Textilarbeiterfonferenz fand in Basel statt, die von 26 Delegierten aus Süd- und Westdeutschland sowie aus der Schweiz besucht war. Ferner hatten der deutsche und der schweizerische Textilarbeiterverband ebenfalls Vertreter entsandt. Den Hauptgegenstand der Verhandlungen bildeten die Lohnverhält nisse, die wahrhaft anarchistische, vollkommen unbefriedigende und Die Rohrer hatten den Unternehmern ister Branche einen Tarif berbesserungsbedürftige sind. Der Tagelohn gehe durchwegs nie eingereicht, welcher eine Erhöhung der Affordlöhne fordert. Die über 2,50 Frant hinaus. Stonstatiert wurde auch, daß es Schwindel Unternehmer haben darauf geantwortet, die gegenwärtige Lage des ist, wenn die schweizerischen Seidenindustriellen behaupten, daß sie Baumarktes gestatte ihnen nicht, Lohnerhöhungen zu bewilligen. die höchsten Löhne" bezahlten. Beschlossen wurde, die für die am Donnerstag abgehaltene öffentliche Versammlung der Seidenindustrie bereits begonnene Lohnstatistit zu vervollständigen Rohrer sprach sich dahin aus, daß die augenblickliche Situation für und mit den weiteren bezüglichen Arbeiten die Reichstarifkommission einen Streit nicht günstig sei. Deshalb wurde die Kommission be- des deutschen Textilarbeiterverbandes zu betrauen. auftragt, zu geeigneter Zeit wieder an die Unternehmer heranzus treten und einer öffentlichen Versammlung Bericht über ihr Vors gehen zu erstatten. Cine " Verfammlungen. Odessa, 5. Oktober.( B. H.) Der seit zwei Monaten währende Ausstand auf der Werft der russischen Dampfschiffahrtsgesellschaft ist beendet. Die Gesellschaft hat die Forderungen der Arbeiter größtenteils bewilligt. Sturmverheerungen. New- Orleans, 5. Oftober.( W. T. B.) Ein Wirbelsturm richtete heute in dem aus Wohngebäuden bestehenden Teile der Stadt Verheerungen an, mehrere Häuser stürzten ein. Die Zerstörungen sind am größten in dem 50 Meilen entfernten Pontchatoula; dort sind vier Personen ums Leben gekommen. Folgenschwere Explosion. Bon den streikenden Zettelflebern ist bis jetzt kein Mann abtrünnig geworden. Die Firma Naud u. Hartmann, die früher Die Mitgliederversammlung in Steglis beschäftigte sich am 92 Kleber für die Anschlagsäulen gebrauchte, arbeitete in diesen 3. Ottober u. a. mit der bevorstehenden Nachwahl zur GeTagen mit 48 Mann. Davon sind am Donnerstag fieben zurüd- meindevertretung im zweiten Bezirk. Nach kurzer Besprechung getreten, so daß 41 meist ungeübte Kleber die Arbeit leisten mußten, wurde einstimmig beschlossen, den Genossen Richard Krug als Philadelphia, 5. Oftober.( W. T. B.) Eine Leuchtgasexplosion Sarunter find 13 von den alten Leuten. Ein Streifposten wurde Kandidaten aufzustellen und das bei der Hauptwahl im Frühjahr zerstörte eine im Bau befindliche Unterführung unter der 6 ten von den Arbeitswilligen angegriffen, als er in Erfüllung seiner dieses Jahres tätig gewesene Wahlkomitee auch mit der Leitung und der Marktstraße bis zur Mitte des Häuserblocks. 7 Personen Pflicht einem Streifbrecher mit ruhigen Worten die Lage flar zu der Nachwahl zu betrauen. Eine äußerst lebhafte Debatte ent- wurden getötet, 12 verlegt. Berantw. Redakteur: Sans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Saul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt w-W- 1. KilW des 3mMf Serlim WldsdlM. „Das Mannheimer Ergebnis." Ms wir in unserer Donnerstagnummer den Artikel der Magdeburger„Volksstimme", das„Mannheimer Ergebnis", zum Abdruck brachten, erklärten wir, auf eine Kritik des Artikels der- zichten zu wollen. Inzwischen hat sich bereits am Dienstag eine Magdeburger Parteiversammlung, in der die Delegierten zum Mannheimer Parteitag Bericht erstatteten, mit diesem Artikel beschäftigt. Tie beiden Magdeburger Delegierten, die Genossen Brandes und Holzapfel, erklärten, der Artikel der „Volksstimme" gebe nur die Meinung der Redaktion, nicht die der Magdeburger Arbeiter wieder: sein Pessimismus entspreche durchaus nicht dem Eindruck, den sie in Mannheim empfangen hätten. Genosse Bader, Redakteur des Magdeburger Parteiorgans, gab die Er- klärung ab, daß er der Verfasser des Artikels sei, dessen Grundton durchaus kein pessimistischer gewesen sei. Er habe den Artikel nur geschrieben, weil er Besorgnis gehegt habe, daß die Berliner sich wiederum von den Lokalisten ins Schlepptau nehmen lassen und dem Parteivorstand das Leben sauer machen würden. Er habe mit seinem Artikel lediglich dem Parteivorstand gegen die Berliner Zersplitterer zu Hülfe kommen und die Aktion, die in Mannheim begonnen habe, nämlich„die Partei von der Krakeelerei zu befreien", unterstützen wollen. Die Versammlung wurde nach Baders Rede vertagt. Angesichts dieser Diskussion, die sich in Magdeburg an den Artikel der Magdeburger„Volksstimme" geknüpft hat, erscheint es uns nun doch notwendig, wenigstens einige der schlimmsten Schiefheiten des Artikels und der von Baader in der Versammlung selbst gemachten Ausführungen richtigzustellen. Wir hatten die Vermutung geäußert, daß der Artikel offenbar nicht Magdeburger Ursprungs sei. Genosse Bader hat nunmehr die Autorschaft für sich in Anspruch genommen. Unsere Vermutung stützte sich sowohl auf den Inhalt wie den Stil des Artikels. Und jedenfalls hat Bader bei der Abfassung des Artikels nicht nur eine erstaunliche Gabe bewiesen, sich in die Gedankengänge eines anderen ganz überraschend einzuleben, sondern er hat auch das früher bei ihm nicht beobachtete Talent bekundet, einen fremden und obendrein sehr eigenartigen Stil geradezu täuschend nachzuahmen. Doch wenden wir uns dem Inhalt selbst zu. Der erste Absatz des Artikels beklagt es, daß Bebel in Jena nicht auch zugleich seine Mannheimer Rede gehalten habe. Hätte er schon in Jena statt einer halben seine ganze Rede gehalten, so würde die Partei„von manchem inneren lähmenden Zwist verschont ge- blieben sein und wir hätten die Kräfte, die dadurch frei geworden, zum energischen uud erfolgreichen Kampfe gegen den Gegner ver- werten können."„Tatsächlich", heißt es dann weiter,„ist der Jenaer Trompetenstoß in manchen von uns hineingefahren und hat ihn zu Streifzügen angestachelt, die sonst unterblieben wären". Wenn lvir diesen Satz richtig deuten, haben wir eS hier mit einer wunderlichen und höchst �bedenklichen Spielart des Personenkultes zu tun. Wir sind gewiß die letzten, die verdienten und bewährten Parteiführern ein gewisses Maß von Autorität und Vertrauen mißgönnen. Wir haben gerade Bebel jene schmerzliche Empörung nachzufühlen vermocht, der er in Mannheim Worte verlieh, als er in einem Referat über den Massenstreik sagte:„Man hätte doch erwarten dürfen, daß wenigstens einige der Parteiblättcr sich die Frage vorgelegt hätten, ob einem Manne, der nunmehr ein Menschenalter lang für die Partei gekämpft hat, ob einem solchen Manne eine derartige Felonie und Niedertracht (seine eigene Auffassung innerhalb weniger Monate verleugnet zu haben. Red.) zugetraut werden kann." Aber etwas ganz anderes ist es, einem bewährten Führer unbegrenztes Vertrauen entgegen- zubringen, als seine eigene Stellungnahme einfach den An- sichten eine? solchen Führers unterzuordnen. ES wäre traurig um die Partei bestellt, wenn die Worte selbst eines Bebel die Wirkung hätten, taktische Differenzen sei es heraufzubeschwören, sei eS zu unterdrücken. Daß die Stellungnahme zu einer Frage wie der des Massenstreiks nicht durch politische Grundsätze. sondern durch die Rede eines einzelnen Genoffen bestimmt werden könnte, hätten wir vor der zitierten Auslassung der Magdeburger „Volksstimme" für ganz unmöglich gehalten! Mehrere Abschnitte des Artikels beschäftigten sich alsdann mit dem vermeintlichen und angeblich unheilvollen Einflüsse des „Berlinertums" auf den Parteivorstand. Das Berlinertum wird dann ohne weiteres mit den Lokalisten und Anarcho- sozialisten in einen Topf geworfen. Die Lokalisten, heißt es. sprächen in der Berliner Parteibewcgung noch immer recht gewichtige Töne. Sie erführen von Parteiscite heim- liche und offene Förderung. Hätten sich doch bei der letzten Mai- feier drei Redakteure des„Vorwärts" gerade zu ihnen hingezogen gefühlt. Ließen sich doch nicht wenige Berliner Parteigenossen durch das große Mundwerk der Lokalisten gewaltig imponieren und beeinflussen. Sei doch selbst Bebels Jenaer Rede durch die anarchosozialistische Fecnpalastversammlung unverkennbar beeinflußt worden. Daß durch derartige absolut beweislose Verdächtigungen der Berliner, der„VorwärtS"-Redaktion und deö Parteivorstandes die Partei von der„Krakeclerei befreit" werden könnte, wird außer dem Genossen Bader schwerlich irgend jemand glauben. Es ist voll- ständig unrichtig, daß das große Mundwerk der Lokalisten, von den, man in der Redaktion der Magdeburger„Volksstimme" die aben- teuerlichstcn Vorstellungen zu haben scheint, auf die Berliner Partei- bewegung irgend welchen Einfluß ausübte. Ebenso ist es eine Wahnvorstellung, daß die Lokalisten von den Berliner Parteigenossen oder sonst irgend jemandem heimlich oder öffentlich gefördert werden. Wenn drei„Vorwärts"- Redakteure am t. Mai dieses Jahres in lokalistischen Versammlungen sprachen, so geschah das wahrhaftig nicht, um der lokalistischen Sonderbündelei Vorschub zu leisten, vielmehr haben sowohl die Redaktion als ganzes, wie die einzelnen Redaktcure oft genug mit allem Nachdruck erklärt— auch in lokalistischen Versammlungen!— daß die gewerkschaftliche Sonderbüudelei ebenso verwerflich wie töricht sei und alle zielbewußten Parteigenossen die Pflicht hätten, den Zentralverbänden beizutreten. Allerdings hat es die Redaktion des„Vorwärts" bisher stets'»r das wirksamste Mittel gehalten, der Zersplitterung der Arbeit-.- bewegung dadurch entgegenzutreten, daß sie die Lokalisten von der Verwerflichkeit ihrer Sonderbündelei zu überzeugen suchte. Ob bloßes Schimpfen auf die Lokalisten und Angrchosozialisten ein besseres Mittel ist, eine Einheitlichkeit der Arbeiterbewegung herbeizusiihren, glauben wir ruhig dem Urteil der Parteigenossen überlassen zu dürfen.— Wenn Genosse Bader behauptet. Genosse Bebel habe sich in Jena durch die Anarchosozialisten schieben lassen. so befindet er sich darin mit den Anarchosozialisten selbst einmal in trau- lichster Uebereinstimmung. Er umgibt die Anarchosozialisten dadurch mit einem unverdienten Pinbus, für den sie ihm aufrichtig dankbar fem _ Auch der Vorsitzende der Preßkominfffion. Genosse Weis, ist von Bader als„Ueberberliner" d.-r„anarcho-sozialistisch-lokalistlsch- radikalistisck-e» Schieberkolonne" einverleibt worden. W,r wollen dem Genossen Bader und den Genosse» in, Reiche verraten, daß Wels Vorsitzender der Berliner Filiale des Z e n t r a l Verbandes der Tapezierer und eifriger Bekämpfer der Lokalisten ist! Auch Genosse Bader hätte das leicht in Erfahrung bringen können. Aber der Zweck mußte ihm das Mittel heiligen, und der Zweck war ja— die Partei von der Krakeelerei zu befreien! Nun spukt in dem Artikel der Magdeburger„Volksstimine" auch an allen Ecken und Enden das Wort des Genossen Wels von dem „Bäckerdutzend in der Provinz". Dies„Bäckerdutzend" wird schleunigst mit der ganzen Parteigenossenschaft außerhalb Berlins identifiziert, obgleich ja schon das Wort„Bäckerdutzend" dem Zweifel Ausdruck gibt, daß dies Dutzend wirklich aus Zwölfen besteht. Nun, der Mannheimer Parteitag hat auch ganz sicherlich nicht den Eindruck empfangen, daß Genoffe Wels der deutschen Partei eine solch geradezu blödsinnige Provokation ins Gesicht geschleudert habe. Etwas Derartiges lag ihm um so ferner, als die „Berliner" mit ihren Auffassungen in Mannheim nichts weniger als isoliert dastanden. Sie hatten die Genugtuung, sich in ihren Auffassungen beispielsweise mit den Hamburgern und Leipzigern stets zusammenzufinden, und nicht nur mit ihnen, sondern zweifellos mit der großen Mehrheit des Partei- tages. Daö Bäckerdutzend, von dem Wels sprach, war in der Tat nur ein„Bäckerdutzend". Wir hegen deshalb auch die feste Zu- verficht, daß die in Mannheim durch Hinwegräumung so mannig- facher Mißverständnisse und Vorurteile geschaffene Einheitlichkeit der übergroßen Mehrheit der Partei auch durch den Artikel der Magdeburger„Volksstimme" nicht wieder erschüttert zu werden vermag. Auf die den Berlinern vorgeworfenen Mängel ihrer politischen Organisation einzugehen, wird sich wohl ein andermal Gelegenheit finden. Wer, wie Genosse G e r i s ch, die Berliner Parteiverhältnisse aus jahrzehntelanger Erfahrung kennt, dürfte wohl al« berufenerer Beurteiler gelten, als Genosse Bader. Im übrigen besitzen die Berliner keineswegs die ihnen zugeschriebene Arroganz, nicht auch aus der— sei es wie immer gearteten— Kritik Anregungen zu entnehmen. Zwar ist die Zahl der politisch Organisierten Groß- Berlins inzwischen auf mehr als 50 000 gestiegen, allein die Berliner werden auf der Grundlage der jetzt seit kurzem geschaffenen Zenwal- organisation emsig weiter bauen. Und so bedeutend auch die finanzielle Opfermütigkeit der Berliner war— die von der Magdeburger „Volksstimme" angezogenen Zahlen bleiben hinter den wirklichen Leistungen um Hunderttausende zurück!— so werden sie sich gleich- wohl bemühen, diese Leistungen künftig noch ganz beträchtlich zu steigern. Schließlich noch ein Wort in eigener Sache. Der Artikel der Magdeburger„Volksstimme" behauptet, es sei schwerlich eine Nummer des„Vorwärts" ins Land gegangen ohne„recht kräftige" Artikel gegen Parteigenossen. Die Genoffen in Ost und West, in Nord und Süd, ja in Berlin sewst seien vom„Vorwärts" ohne Unterlaß „gebeutelt, geschüttelt, gescholten und zurechtgewiesen, gehauen und geschimpft" worden. Der Vorrat der aufgewandten Schimpfworte ge- nüge den übertriebensten Ansprüchen. Diese Behauptungen sind keine Unrichtigkeit mehr, sie qualifizieren sich als U n w a h r h e i t. Der „Vorwärts" hat in wenigen Fällen politische Seitensprünge einzelner Genossen registriert und sachlich bekämpft, wie das seine verdammte Pflicht war. Meist hat er sich in der Abwehr gegen nichts weniger als liebenswürdige Angriffe befunden und sich auch hierbei der denkbar größten Sachlichkeit befleißigt. Hätte er anders gehandelt, so wäre der Mannheimer Parteitag schwerlich so rasch über die vom Genossen Thiele zur Sprache gebrachte Angelegenheit zur Tagesordnung übergegangen. Dies Urteil deS Parteitages versetzt uns in die angenehme Lage, die freundliche Kritik des Genossen Bader mit aller Gelassenheit zu ertragen. Hätte es sich nicht darum gehandelt, an einigen Beispielen die Methode der Angriffe der Magdeburger „Volksstimme" zu kennzeichnen, so hätten wir an diesen sich ja selbst zur Genüge charakterisierenden Artikel überhaupt kein Wort der Entgegnung verschwendet._ Die Parteipresse zum Parteitaq. »Leipziger BolkSzeitung": Aus einem Artikel: Die Massen st reikdebattc: „Aber wentt auch nicht dieser Ausfall(auf die„Leipziger Volkszcitung". Red. d.„Vorw"), so war doch der Geist, der durch die Rede des Genossen Lcgien wehte, ein wirkliches, obgleich un- gewolltes Verdienst: es war derselbe subalterne und unklare Geist. der sich schon auf dem Kölner Parteitage in der Rode desselben Genossen breit machte, und daS krasse Hervortreten dieses Geistes zeigte mit aller Klarheit, wo die eigentliche Ursache der Reibungen zwischen Gewerkschaften und Partei liegt. Solange die An- schauungcn, zu denen sich Genosse Legten in Mannheim bekannte, innerhalb der deutschen Gewerkschaften eine mehr oder minder breite Stätte finden, solange wird es mehr oder minder nicht an Zündstoff fehlen, der früher oder später zwischen den beiden großen Zweigen der deutschen Arbeiterbewegung explodieren kann. Nicht die Gewerkschaften sind je von dem radikalen Parteiflügel bekämpft worden, wie der Genosse Legien und seine näheren Gcsinnungs- genossen glauben machen wollen, sondern bekämpft worden ist nur die Auffassung der gewerkschaftlichen Aufgaben, Wege und Ziele, die diese Genossen vertreten. Von ganz anderem Gehalte waren die Reden anderer Gewerkschaftsführer, wie namentlich der Genossen Bömelburg und Reichel; sie gaben der Massenstrcikdebatte des Mannheimer Parteitages das eigentliche Gepräge, soweit es sich darin um die künftigen Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Partei handelt. Wir haben wiederholt schon darauf hingewiesen, daß sich diese Be- Ziehungen nicht in bestimmte Regeln saffen lassen, daß es für sie keine Norm gibt, die ein- für allemal gültig wäre, sondern daß gegenseitiger guter Wille und gegenseitige klare Erkenntnis dabei das Beste tun müssen. Nach dieser Richtung hin geben aber Bömcl- bürg und seine Freunde durchaus annehmbare Bürgschaften, und wenn der Geist, der ihre Reden beseelte, in den Gewerkschaften lebendig bleibt oder wieder lebendig wird, so darf man mit Recht sagen, daß der Mannheimer Parteitag die Steine des Anstoßes zwischen Gewerkschaften und Partei weggeräumt hat. Es kommt dann auch weniger auf den Wortlaut des Friedensschlusses an. Dem guten Willen darf man die offene Hand bieten, um so mehr, als bei schlechte Wille— von dem wir selbstverständlich in keiner Weise voraussetzen, daß er vorhanden sei— mit allen Vieren durch jede auf dem Papier noch so fest verklausulierte Resolution fahren kann._ � Was die Massenstreikfrage im eigentlichen Sinne des Wortes anbetrifft, so befand sich Genosse Bebel in einer gewissen Zwangs- löge. Wir sind weit entfernt, diejenigen Genossen zu tadeln, die in der prcuhisch-sächsischen Wahlbeioegung auch die Möglichkeit eines Massenstreiks ins Auge gefaßt haben; es wäre sogar unnatürlich gewesen, wenn in einem mit voller Hingebung geführten Kampfe nicht auch Hoffnungen erwacht wären, die über das zunächst er- rcickbare Ziel hinausgeschweift wären, und es war hinlänglich dafür gesorgt, daß diese Bäume nicht in den Himmel wuchsen. Aber das Gerede', das kurz vor den. Parteitage von der Gruppe Braun- Eisner-Stampfer-Maurenbrecher angezettelt wurde, das Gerede von dem Verlangen nach dem Massenstreik, das in der vreußisch- sächsischen Wahlbewegung mit revolutionärer Gewalt auS den Massen hervorgebrochen und dann vom Partcivorstand„gebremst" worden sei, mutzte gründlich abgetan werden, wenn es nicht Unheil stiften sollte, und so war Bebel gezwungen, die Hindernisse, die in Deutschland einem Massenstreik im Wege stehen, mit einer Schärfe zu betonen, die einen gewissen Gegensatz zu seiner Rede in Jena zu bilden schien. Auch an seinen Ausführuirgen über die preußisch- russische Jnterventionsfrage haben wir um so weniger etwas auszusetzen, als wir dem Sinne nach dieselben Einwendungen gemacht haben, so als Genosse Maurenbrechcr in der„Neuen Gesellschaft" entdeckte, daß wir vor einer„furchtbar ernsten Sstuation" ständen und Bülotv demnächst Bismarcks polnische Politik vom Jahre l8ö3 wiederholen würde. Schärfer als wir, aber deshalb gewiß nicht zu scharf, hat Bebel diese Quartancrweisheit abgetan. Es ist sicherlich nicht sehr angenehm, wenn die deutsche. Rcichsrcgierung auf dem sozialdemo- kratischen Parteitage gewissermaßen vor dem Verdachte allzu reak- tionärer Absichten geschützt werden muß, allein die Schuld daran trägt allein jenes„Bäckcrdutzcnd" von Literaten, die ihre haltlose Phantasie an allen Ecken und Enden der Windrose herumflattern lassen, weil ihnen das Schwergewicht einer thcorctisch-wissenschaft- liehen Bildung fehlt." Aus der zusammenfassenden Schlußbetrachtung: .. Wir glauben, daß die Partei allen Anlaß hat, mit den Ergebnissen dieser Tagung zufrieden zu sein; sie werden in mannig- facher Beziehung dazu dienen, die historische EntWickelung der deutsche» Arbeiterbewegung zu erfrischen und zu kräftigen. In erster Reihe gilt dies von den Auseinandersetzungen über die Masscnstreiksrage..... Worum es sich in Mannheim allein handeln konnte, war die Bc- seitigung der Reibereien, die sich zwischen den gewerkschaftlichen und den politischen Organisationen der Arbeiterklasse allmählich eingestellt hatten. DaS ist in erfreulichem Maße gelungen, nicht mit irgendwelchem Hintergedanken ans einer von beiden Seiten— denn wenn die vorhanden gewesen wären, so wäre es nicht ge- langen—, fondern weil das gemeinsame Ziel die einen wie die anderen zu gemeinsamer Arbeit zwingt. Dieser Zwang wird sich immer wieder geltend machen, auch wenn die getrennten Wege, auf denen die gewerkschaftlichen und die politischen Organisationen das gemeinsame Ziel verfolgen müssen, einmal wieder Irrungen zwischen beiden Teilen veranlassen sollten. Diese Möglichkeit ist niemals völlig zu beseitigen, aber durch die gegenseitige Verständigung in Mannheim ist sie auf absehbare Zeit ausgeschlossen, und das genügt vollständig. Vor allen Dingen bildet auch die Maffcnstrcikfrage keinen Gegenstand des Streites mehr; sie ist nach beiden Seiten so klargesteckt, sowohl nach der Seite der Möglichkeit wie nach der Seite der Unmöglichkeit, daß nur noch ein böser Wille sie verdrehen kann, wie er weoer in den Gewerkschaften, noch in der Partei, dafür aber um so reichlicher unter den bürgerlichen Schwätzern vorhanden ist. Die beiden hochwichtigen Fragen, die sonst noch auf der"lag es- Ordnung des Mannheimer Parteitages stanscn, haben nun freilich aus Mangel an Zeit nicht eine so gründliche Erledigung gefunden, wie die Massenstreikfragc.... Aber so gut wie die Thesen des Genossen Haase, hätte man aucy die Leitsätze des Genossen Schulz und der Genossin Zetkin annehmen sollen. Sie haben schon seit ein paar Monaten der Kritik der Partei unterlegen, und sind allgemein gebilligt worden, bis k'ch in zwölfter Stunde eine revisionistische Stimme in der„Neuen Gesellschaft" erhob, die an einigen Sätzen mäkelte, angeblich als„Muster» bcispielcn für die klassisch-exakte Denk- und AusdruckSweisc, die die allein echten Ertenncr und Bekenner der wahren Lehre auszeichnet". Schon der Ort, wo die Kritik erschien, und die Art, wie sie sich aus- drückte, stellte ihren sachlichen Tendenzen kein günstiges Zeugnis aus, wie sie denn auch wirklich nur aus ganz hinfälligem Gercda bestand, das den ihm gespendeten Beifall der gegnerischen Presse in hohem Grade verdiente. Indessen selbst wenn die Leitsätze zur Bildungsfrage einige Schönheitsfehler aufweisen sollten, so hätte mindestens der praktische Vorschlag der beiden Referenten, einen Vildungsausschuß von 22 Personen als dauernde Parteiinstitution niederzusetzen, diskutiert und angenommen werden können, statt daß dieser Vorschlag auch erst einem Ausschuß von 7 Personen über- wiesen wurde. Dadurch ist die praktische Erledigung der Bildung»- frage wieder auf die lange Bank geschoben worden, was im Interesse der Sache nur bedauert werden kann; gewisse Vorkomm- nisse gerade auf diesem Parteitage haben doch eindringlich genug daran gemahnt, daß mit gelegentlichen, gewiß sehr gut gemeinten, aber nicht sorgfältig genug vorbereiteten Anläufen auf einem so schwierigen und wichtigen Gebiete viel eher Schaden als Nutzen gestiftet werden kann." „Sächsische Arbeiterzeitung": „Seit manchem Jahr hat kein Parteitag der deutschen Sozial- demokratie so prächtige und wertvolle Ergebnisse gezeitigt, wie die rote Woche in MannHcnn.... Einmal ist das unendlich wichtige Erziehungsproblcm auf diesem Parteitage zum erstenmal gründlich und umfassend zur Behandlung gelangt.... Sodann hat der Parteitag die wichtigsten Fragen der Strafrechtspflegc behandelt. ... Es mag nebenbei die Meinung ausgesprochen werden, daß bei derartigen Themata wie dem Erziehungsproblem und der Straf- rechtspflcge, auf unseren Parteitagen künftig eine noch günstigere Behandlungsmethode eingeschlagen werden möchte. Bei der Fülle der Arbeiten unserer Parteitage ist es schwer, überhaupt für solche Angelegenheiten Zeit zu gewinnen. Erfreulicherweise hat sich die Befürchtung, daß die Strafrechtspflcge gar nicht würde zur Bc- ratung gelaiitzcn können, als unnötig erwiesen. Jedoch mußte von einer Diskussion völlig abgesehen werden. Dieser Uebelstand ließe sich vermeiden, wenn in solchen Fällen die Referate schon etwa vier Wochen vor dem Parteitage im Druck vorgelegt würden. Dann hat der Referent nicht nötig, den zwei- oder dreistündigen Vortrag zu halten, er kann sich mit einer kurzen Uebersicht begnügen und eine wertvolle Diskussion kann sich daran knüpfen, da diejenigen, welche auf dem betreffenden Gebiete Sachverständige sind, sich auf Grund des gedruckten Referates vorbereiten konnten. Freie Bahn aber ist für die denffche Arbeiterbewegung ge- schaffen worden durch die Hinwegräumuug des Konfliktsstvffes, der sich zwischen Partei und Gewerkschaften gehäuft hatte. In Mannheim ist der Wille zur Verständigung machtvoll zum Ausdruck gelangt. Auf die Auseinandersetzungen über den politischen Massenstreik, in welche die gesamte Frage der Beziehungen von Partei zu Gewerkschaften einbezogen wurde, darf die deutsche Arbeiterbewegung wahrlich stolz sein. Es war eine der besten und geistig am höchsten stehenden Diskussioncn unserer Parteitage. Schon die polemische Form stach äußerst erfreulich ab von der Art, wie in den letzten Jahren manches Mal unsere Diskussionen geführt worden sind. Fast allenthalben waren die Redner beflissen, nicht dem Vertreter einer anderen Meinung von vornherein die schlechtesten Pläne zu unterstellen. Vielmehr versuchte man, auch dem Standpunkte des anderen gerecht zu werden. Es zeigte sich, daß dann die sachlichen Gegensätze keincötoegs so unüberbrück- k>ar waren, als es zuvor schien. Wohl mag es manchem Partei- genossen fast erstaunlich scheinen, daß nun der Gegensatz, zwischen dem Beschluß des Gewerkschaftskongresses in Köln und der Jenenser Resolution als erledigt erklärt werden konnte. Wir haben aber schon früher ausführlich nachgewiesen, daß jener Gegensatz mehr ein scheinbarer war, verursacht durch die verschiedenen Absichten, welche beide 5iongresse verfolgten, daß er erst durch erbitterte Polemik weit über seine wirkliche Bedeutung hinaus übertrieben worden ist.... Nun mag es allerdings scheinen, als habe die Partei diesen Friedensschluß um eine n hohenPreis erkauft. So wenig es, wie sich versteht, die Absicht Bebel? in Jena war, die Partei blindlings für einen demnächstigen Massenstrcir zu engagieren, so trug sein damaliges Vorgehen einen wesentlich aggressiven werden kann. Wir bemerken hierzu, daß es sich hierbei doch um das Flugblatt handelt, welches der Zentralparteivorstand in Berlin herausgegeben hat. Die Besteller wollen sich daher an diesen wenden. Um Abdruck dieser Notiz wird die Parteipreffe gebeten. der Brediger der freireligiösen Gemeinde in Mainz und ehemalige In den Schoß der alleinseligmachenden Kirche zurückgekehrt ist Parteigenoffe gemeine direkte und geheime Wahlrecht aufgetreten und auch immer auftreten werden." Wir nehmen die bedingungslose Versicherung ad notam und werden die Damen bei paffender Gelegenheit daran erinnern. In einer Fußnote wendet sich die Redaktion weiter gegen die könne„ doch unmöglich für jede Schreiberin verantwortlich gemacht fürzlich von uns zitierten Auslassungen der Frauenrechtlerin Rema über das Frauenwahlrecht. Sie meint, die radikale Frauenbewegung läßt auf Rückenſtärke Der Bund deutscher Frauenvereine und die russische Revolution. Charakter. Es läßt sich unseres Grachtens nicht leugnen, daß die, der Schweiz Bestellungen auf Flugblätter, denen er gar nicht gerecht Aggressive iezt weniger in die Erscheinung trat, daß Bebel jetzt viel mehr die Schwierigkeiten eines politischen Massenstreits betonte und daß er die Anwendung dieses Kampfmittels hauptsächlich zur Defensive bei Attentaten auf bestehende Rechte empfahl. Nun find wir die letzten, welche die vorsichtige Abwägung der Chancen von der Berpflichtung auf bestimmte Aktionen irgendwie vernachlässigt zu zubieten, daß die deutsche Arbeiterbewegung er zuvor dem Vorstand der sozialdemokratischen Partei die Mit werden, für die die Frauenbewegung nur die melkende Kuh ist". nicht etwa allzusehr in die bloße Defensive ge- teilung gemacht hatte, daß er aus der Partei austrete, da er Mainz schließen, aber diese selbstbewußte Sprache kollidiert schon gleich mit drängt wird, daß sie die Kraft des Angriffs vor- auf immer verlasse, erließ er am Donnerstag an der Spitze des dem, was einige Tage später auf der Generalversammlung des bereitet und den Mut zum Angriff gewinnt. Bebel führte aus, daß in Preußen auch deshalb noch nicht an öffentlichen Widerruf", worin es heißt: ultramontanen Mainzer Journal" einen feierlichen Bundes deutscher Frauenvereine passierte. Uns wird darüber unterm eine Massenstreitbewegung gegen das Dreitklassenwahlsystem zu 4. Oftober geschrieben: denten gewesen sei, weil das Verständnis der Massen für die preußische Gesetzgebung noch nicht in erheblichem Maße vorhanden sei. Aus dieser an sich richtigen Begründung darf jedoch nicht geschlossen werden, daß der politische Massenstreit als Angriffs waffe nun zurückgestellt werden solle. Es darf daraus nur geschlossen werden, daß die Sozialdemokratie in Preußen, ungeachtet der Fülle der das Reich betreffenden Aufgaben der nächsten Beit, alles aufbieten muß, um das Interesse und das Verständnis der Bevölkerung für die einzelstaatliche Gesebgebung zu steigern, welche nicht nur bie allerwichtigsten Kulturangelegenheiten umfaßt, sondern auch von dem Junkertum und der Kapitalistenklasse als ein Mittel ausgenutzt wird, um die Reichsgesetzgebung immer mehr zu durch kreuzen und zu lähmen. In Sachsen besteht, dank jahrzehnte langer Betätigung der Sozialdemokratie, starkes und nachhaltiges Interesse weiter Boltskreise für die Landesgesetzgebung und die einzelstaatliche Wahlrechtsfrage. Wenn fortdauernd das schmähliche Wahlunrecht von den herrschenden Klassen und den Regierungen aufreat erhalten wird, dann wird die Arbeiterklasse, ohne sich in Unbesonnenheiten zu stürzen, z umschärften Angriff auf die reaktionären Bollwerke vorgehen müssen. Die Feude der Arbeiter klasse werden sich irren, wenn sie meinen, daß die Sozialdemokratie den Frieden mit den Gewerkschaften durch die Preisgabe der Massenstreitwaffe erkauft habe. Vielmehr ist durch die Beseitigung dieses Suvistes der deutschen Arbeiterbewegung die Geschloffenheit, und ihrem Angriff gegen das System der Entrechtung die Kraft und die Wucht gesichert worden." und" Unglauben zu verbreiten. Nicht durch äußere Umstände verAchteinviertel Jahre habe ich leider vergeudet, um Irrlehren anlagt, sondern von innerster Ueberzeugung und von wiedererwachtem gläubigem Empfinden gedrängt, bin ich endlich zur Gra In Nürnberg tagt gegenwärtig der Kongreß des Bundes fennntis gelangt, einen schweren Fehler, einen großen Irrtum deutscher Frauenvereine. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegendadurch begangen zu haben. Ich bedauere tief und aufrichtig das heiten, die für die breite Deffentlichkeit kein Intereffe haben, erbat ergernis, welches ich durch meine bisherige Tätigkeit in Mainz fich eine Vorstandsdame, Frau Marianne Weber, außerhalb der und Umgegend sowie in anderen Städten während dieser 8 Jahre Tagesordnung das Wort und begründete eine Sympathieerklärung gegeben habe, ich widerrufe alle Irrlehren, die ich während dieser für die russischen Freiheitskämpferinnen. Zeit, sei es mündlich oder schriftlich, verbreitete, und bitte sowohl den katholischen Klerus wie auch das katholische Volt, mir zu ver zeihen." Der neue Weltpriester", wie sich der Mann in der Unterschrift nennt, hatte sich erst vor einigen Wochen berheiratet. ezt hat er seine Gattin verlaffen mit dem schriftlichen Bemerken, fie möge ihre Rechtsansprüche an ihn durch einen Anwalt geltend machen, er reise nach dem Süden, den Frieden mit Rom zu machen. Zucco war in der Partei bis vor wenigen Tagen sehr fleißig tätig. Die Erklärung für seine plötzliche Einsicht" und feierliche Abschwörung der Irrlehren", sowie die demütige Bitte um Ver zeihung an den katholischen Klerus dürfte allem Anschein nach auf pathologischem Gebiete zu suchen sein, da die begleitenden Umstände sonst auf ein bedenkliches Maß von Charakterschwäche schließen ließen. lich auszuschlachten wagen, dagegen wird von der Kanzel und im Deffentlich werden die Ultramontanen den Fall" wohl schwerBeichtstuhl um so mehr damit operiert werden, um den Gläubigen daran die Wunderwirkungen der katholischen Kirche und Verworfenheit der Sozialdemokratie klar zu machen. gelegt worden. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. ,, Sächsisches Volksblatt"( 3widau): „ Arbeitsreiche Tage liegen hinter dem deutschen Arbeiterparlament in Mannheim, aber sie sind nicht vergeblich gewesen. Sie haben vor allen Dingen das eine Große und Schöne gebracht, Straffonto der Presse. Zu drei Wochen Gefängnis daß von nun ab Gewerkschaften und politische Partei im Sozialis- wurde Genosse Deifel von der„ Bergischen Arbeiter mus wirklich das Primäre und Grundlegende erkennen. stimme" durch das Solinger Schöffengericht wegen Beleidigung Allerdings, in der Resolution Bebel- Kautsky tommt dies nicht mit eines Maurermeisters berurteilt. Mehreren Beweisanträgen Deutlichkeit zum Ausdruck, weil der Schlußsatz des Kautskyschen unseres Genossen wurde nicht stattgegeben. Es ist Berufung ein Amendements, der dieses forderte, gestrichen worden ist aus Gründen des Entgegenkommens und nachdem aus den Reden der Gewerkschaftsführer die Anerkennung des Grundfazes, daß, wer Aus Induftrie und Handel. in unseren Gewerkschaften tätig ist, selbstverständlich Sozial= demokrat zu sein habe, deutlich erkennbar herausflang. Die Die Zahl der Bergarbeiter der Welt darf auf zirka 5 Millionen sogenannte Neutralität der Gewerkschaften, soweit solche angenommen werden. Nach einer Zusammenstellung, die dem nämlich bis zur Verleugnung des politischen Klassencharakters englischen Parlament unterbreitet wurde, waren in Großbritannien führen könnte, ist fünftig unmöglich. Unsere Gewerkschaften, selbst und Irland sowie in den britischen Kolonien und Besizungen im wenn sie bei ihren Kämpfen durch die fluge Tattit bestimmt Jahre 1904 1 730 977 Personen im Bergwerks- und Steinbruch werden, die Sozialdemokratie nicht bei jeder Gelegenheit zu be- betriebe tätig. In allen übrigen Ländern der Welt, soweit Ziffern tonen, werden fünftig auf dem Boden der sozialdemokra= für sie zu erhalten waren, betrug die Zahl der Bergleute im Jahre 1904 tischen Klassenkampftheorie stehen. Hier ist ein für 3 237 488. Die Länder, in denen die Zahl der Berg'eute besonders allemal durch die kombinierte Resolution Bebel- Kautsky ein Riegel hoch ist, sind folgende: vorgeschoben worden; auch von einer besonderen Theorie der Gewerkschaftsbewegung" tann nicht mehr geredet werden. Auch über den politischen Massenstreik herrscht nun endlich Uebereinstimmung in beiden Richtungen. Die Auf= * lärung über Wesen und Natur des politischen Massenstreiks wird ruhig fortgesetzt werden, die Propagierung desselben freilich, die viele mit der Aufklärungsarbeit über diese Form des Streits immer verwechselt haben, wird unterbleiben. Man wird nicht bei jeder Wahlrechtsänderung und dergleichen sofort mit dem politischen Massenstreit kommen. Bebels Referat über diese Frage fann als mustergültig gelten. Ohne die Voraussetzungen zum politischen Massenstreit in den Arbeiterorganisationen und bei gegebenen politischen Situationen wird es zu dergleichen Streits nicht fommen. Die Verantwortung der Bartei und der Zentralgewerkschaften für eine solche Eventualität ist zu groß; der mögliche Erfolg muß den hohen Einsatz wert sein. Das ist es, was immer schon von den kühleren Köpfen in der Partei erwogen worden ist." Aus der Partei. Die Parteischule. In einer Besprechung, die auf Wunsch des Genossen Maurenbrecher zwischen ihm und dem Parteivorstand stattfand, erfuchte Genosse Maurenbrecher, ihn von dem ihm übertragenen Posten an der Parteiſchule zu entbinden, welchem Ersuchen der Parteivorstand nachlam. Das Tageblatt der französischen Sozialisten in Gefahr! Aus Paris tommt eine traurige Meldung. Es wird uns von unferem dortigen Korrespondenten telegraphiert: " Die Humanité" veröffentlicht heute einen verzweifelten Appell an die Genossen. Jaurès erklärt, daß trotz einer Auflage bon 30 000 Exemplaren das Blatt unhaltbar ist, ohne 3000 neue Abonnenten und 10 000 Einzelfäufer. Vor vier Tagen wurden Jaurès 200 000 Fr. angeboten gegen die Verpflichtung, die Angriffe auf die russischen Finanzen einzustellen und neue russische Anleihen nicht zu bekämpfen. Jaurès will selbstverständlich lieber den Untergang des Blattes. Ebenso hat er auch einen Posten zurückgewiesen, der ihm als Gegenleistung für gewisse bei der Regierung zu unternehmende peinliche Schritte angeboten worden ist. Es sei besser, erklärt er, daß das Blatt eingehe, als daß es sein Leben um solchen Preis friste. Die Aktionäre sind zum 15. Dktober zur Liquidationsversammlung einberufen. Die Arbeiter werden in letzter Stunde beschworen, das Blatt zu retten. Großbritannien und Irland. Deutschland. 1903 1904 Zahl der Bergarbeiter Die Resolution lautete: Der in Nürnberg versammelte Bund der Frauenbereine gibt seiner tiefen Entrüstung Ausdrud über die jeder Gesittung Hohn sprechenden Greueltaten, die in Rußland aus Rassenhaß und im Interesse der Aufrechterhaltung der Autokratie fortgesezt an wehr losen Frauen und Kindern verübt wird. Er gedenkt ferner mit hoher Bewunderung derjenigen russischen Frauen, die an dem gewaltigen Ringen ihres Volkes um persönliche und bürgerliche Freiheit so heldenhaft teilnehmen. Der auf dem Boden der modernen Frauenbewegung stehende Bund spricht den russischen Freiheitskämpferinnen seine vollste Sympathie aus." Wenn wir nun glaubten, diese Resolution würde zur Ehre der deutschen" Frauen debattelos einstimmig angenommen, so irrten wir uns ganz bedeutend, es entspann sich eine zwei Stunden lange Debatte. Fräulein Pappenheim Frankfurt a. M. begrüßte die eingebrachte Resolution aufs freudigste und bat um einstimmige Annahme. Dann erhob sich eine deutsche" Frau aus Lübeck und protestierte entschieden gegen eine Sympathieerklärung für die Bombenwerferinnen in Rußland, das sei ja etwas Unerhörtes. Frau Professor Krudenberg bat um Aussetzung der Abstimmung, da sie sich nicht getraue, eigenmächtig und ohne Zustimmung ihrer Mandatgeberinnen dieser Erklärung zuzustimmen. Und auch Minna Cauer- Berlin ist gegen die Resolution; sie ist der Ansicht, daß eher gegen die Greueltaten der Revolutionäre ein Protest notwendig wäre. Frl. Blum ist wohl für eine Sympathieerklärung für die leidenden Frauen, nicht aber für die Freiheitstämpferinnen. Eine gebildete" deutsche Frau verlangt statt ,, Autokratie" das Wort„ Klassenhaß" zu sehen. Schließlich wird Streichung des Sages mit dem Wort Autokratie beantragt. Um eine Einigung(!) zustande zu bringen, wird der Satz mit dem Worte Autokratie zurüdgezogen, worauf der erste Saß der Resolution mit allen gegen fünf Stimmen angenommen wird. Nun folgte die Diskussion über den zweiten Sazz, die sich noch heftiger und leidenschaftlicher gestaltete wie die über ben ersten und die sich hauptsächlich um das Bombenwerfen drehte. Während ver schiedene Rednerinnen zu erklären suchten, daß in der Resolution tein Wort vom Bombenwerfen stehe, verlangten eine Anzahl Damen unter Führung eines Frl. Bongfort- Hamburg, Frau Professor. Kruckenberg, Fr. Schallmeier- Halle, einer Delegiertin aus Tilfit und Frl. Blum- Spandau, Vertreterin des Berliner Lehrerinnenvereins, die Faffung des zweiten Sazes in eine ganz unpolitische Form". Die Abstimmung ergibt die Annahme des zweiten Sages mit Dreifünftel- Mehrheit. Nun macht Frau Krudenberg einen neuen Vorstoß gegen diese anarchistische" Resolution; fie erklärt, bie ganze Abstimmung sei null und nichtig, weil die im Statut ge forderte Unterstügungsfrage bei Einbringung eines Antrages nicht gestellt worden sei. Das geschieht nachträglich und nun erfolgte die Annahme der gesamten Resolution mit 3- Mehrheit, nachdem Eine zuvor der dritte Saz ebenfalls zurückgezogen worden war. Frau Hußemann, die sich als Vertreterin der Presse vorstellte, Alle anderen Länder haben weniger als 150 000 in Bergwerks- wollte zum Schluß einen Antrag angenommen wissen, der den an betrieben tätige Arbeiter. Ganz genau sind die Ziffern nicht, da für wesenden männlichen Vertretern der Presse verbiete, mehr als das einen Teil der Länder die in Steinbrüchen Beschäftigten mitgezählt Abstimmungsresultat über die Resolution und diese selbst mitzufind, bei anderen Ländern wieder die Zahl der Bergarbeiter nicht teilen. Ueber diese Unverfrorenheit wurde zur Tagesordnung über vollständig ermittelt werden konnte. gegangen. Die angenommene Resolution hat also folgenden Wortlaut: Vereinigte Staaten von Amerika Rußland Frankreich Desterreich- Ungarn Verbündete Malayenstaaten Japan. . 970 044 783 646 974 634 814 352 592 294 607 079 844 245 344 245 • 321 883 322 536 225 104 186 337 163 530 3 487 083 225 371 192 669 168 530 3 644 396 Folgen der Fahrkartensteuer. Die Zittauer Handels- und Getverbekammer beschloß, bei der Staatsbahnverwaltung wegen Mehreinstellung von Wagen vierter Klasse vorstellig zu werden. Der Antragsteller hatte darauf verwiesen, daß die erhebliche Steigerung des Verkehrs zu 90 Prozent auf die vierte Klasse entfällt. Die Einführung der Fahrkartensteuer habe jedenfalls einen großen Teil der Reisenden aus der dritten in die vierte Klasse getrieben. Diese so führte ein anderer Redner aus sei oft überfüllt, 60 Personen gelte als normal. Er habe einmal sogar 78 Personen in einem Wagen vierter Klasse gezählt und das am 1. Juli bei koloffaler Hize! Die Leute feien zum Teil krant in Dresden angekommen. Die Eingabe soll der Staatsbahnverwaltung sofort und als dringlich bezeichnet zugestellt werden. Was die Fahr fartensteuer einbringt, muß für neue Wagen bierter Klasse ausgegeben werden, das nennt man bei uns Reform! Kaffee- Zölle. Die Hauptländer Europas belegen zurzeit die Kaffee- Einfuhr mit folgenden Zöllen: pro 100 Kilogr. 125 M. Frankreich. Italien. Spanien Portugal Desterreich- Ungarn. Norwegen ( ohne Gegenseitigkeitsvertrag) ( mit 120 " " 27 " 112 " 1 " " " 81 " " " " 63 " " " " " " " " # " " " " Griechenland. 81 . " " " " Deutschland 40 • " " " " " 114 Bfb. 14 " P " 100 Kilogr. 13 " 8 " " frei. England Schweden Belgien Niederlande „ Der in Nürnberg versammelte Bund deutscher Frauenvereine gibt seiner tiefen Entrüstung Ausdruck über die jeder Ges fittung Hohnsprechenden Greueltaten, die in Rußland aus Raffens haß fortgesetzt an wehrlosen Frauen und Kindern verübt werden. Er gedenkt ferner mit hoher Bewunderung derjenigen russischen Frauen, die an dem gewaltigen Ringen ihres Volkes um persön liche und bürgerliche Freiheit so heldenhaft teilnehmen." Die Bundesleitung scheint für das Blamable dieses Vorganges, welcher durchaus nicht für die Zuverläßlichkeit der bürgerlichen Frauen spricht, etwas Empfinden zu haben. In einem uns zugegangenen offiziellen Bericht wird nur kurz von der Debatte Notiz genommen, ohne ein wirkliches Stimmungsbild zu geben. Und dann heißt es: Die Resolution wird mit großer Majorität angenommen. Davon, daß der anstößige" Sag im ersten Absatz von der Versammlung abgelehnt worden ist, wird nichts mitgeteilt und er ist in der mit geteilten Resolution auch nicht gestrichen! Mariendorf. Der biefige Frauen- und Mädchenbildungsverein hielt am 26. September seine Generalversammlung ab. Die Vorsigende gab einen Ueberblick über die Entwickelung des Vereins. Im Oftober 1905 wurde der Verein mit einem Mitgliederstamm von 26 Personen gegründet. Nach einem Jahr war die Zahl der Mitglieder auf 65 gestiegen. Versammlungen fanden jeden Monat statt. Regelmäßig wurden belehrende Vorträge gehalten. Herr Dr. Sommers feld sprach über die gesundheitsmäßige Erziehung der Kinder", Frl. Baader über„ Kinderarbeit", Herr Dr. Binkus über Frauenkrankheiten und Krebsleiden", Herrküter über die Frau in der heutigen Gesellschaft". Herr Eichler über Moderne Sittenlehre", Herr Miethke über„ Erdund Feuerbestattung", Frau Thiel über Zweck und Ziele der Bildungsvereine", Herr Schulz über" Die Volfsschule", Herr Schmidt über„ Die Jdee des Gottesbegriffes" und Herr Störmer über„ Die Der meiste Kaffee kommt aus Brasilien, und obgleich in Süd- Behandlung und die Interessen des weiblichen Proletariats". Der Es wäre aufs höchste bedauerlich, wenn dem Blatte nicht die amerika noch in 14 anderen Republiken die Kaffeekultur, auch für Besuch in der letzten Zeit ließ viel zu wünschen übrig. Der Kassiererin unmittelbare Hülfe zu teil würde, der es bedarf. Unsere französische den Export, betrieben wird, steht Brasilien nicht nur an der Spike wurde Decharge erteilt. Dann folgte die Wahl des Vorstandes. Bruderpartei wäre dann ohne Tageblatt im ganzen Lande, ohne ein aller Staaten, sondern produziert und exportiert weit mehr, als Die Mitgliederversammlung im Oktober fällt aus. Am 27. Dt. feine 14 füdamerikanischen Rivalen zusammengenommen. Der tober feiert der Verein sein erstes Stiftungsfest bei Borchfeld in bernehmbares Sprachrohr in der Metropole Paris! Wir sollten brasilianische Delegierte auf dem Panamerikanischen Kongreß machte Mariendorf, Feldstraße. meinen, daß angesichts dieser Eventualität die französische Sozial- den Vorschlag, daß alle 15 Kaffeeländer" gemeinsam die hohen demokratie alles aufbieten müßte, um die„ Humanité" zu halten. So Einfuhrzölle auf Kaffee in europäischen Ländern bekämpfen sollten. sehr zu berücksichtigen ist, daß die Schaffung und Erhaltung einer Dieser Vorschlag wird gegenwärtig von der Presse in Brafilien sozialistischen Tagespreffe in Frankreich viel schwieriger ist als in erörtert, es scheint aber, daß Brasilien, weil es der Hauptinteressent hat ein Familienbrama im Finomkanal gefunden. In der Nähe Deutschland, soviel Straft müßte die geeinigte Partei doch auf- ist, darin wenig Unterstügung finden wird. bringen fönnen, daß sie ein bestehendes Tageblatt existenzfähig machte! Wegen Besuches des Mannheimer Parteitages gemaßregelt. Entlassen wurde ein Arbeiter der Bürstenfabrik Gallus Mahler zu Magdeburg. Sein Verbrechen ist, daß er den Parteitag besuchte. Der Inhaber der Fabrit ist Mitglied des Reichsverbandes zur VerLeumbung der Sozialdemokratie. Das sagt doch alles. Ein fonderbares Mißverständnis. Das„ Norddeutsche Boltsblatt" zu Bant- wilhelmshaven schreibt: Kürzlich meldeten wir den Vereinsfunktionären des hiesigen Bezirks, daß Flugblätter zur Aufklärung der Militärpflichtigen unentgeltlich beim Genossen Buddenberg in Bant zu erhalten sind. Die Notiz ging in eine Reihe von Parteiblättern über und nun erhält der Genosse Buddenberg aus allen Teilen Deutschlands und sogar aus Aus der Frauenbewegung. Vermischtes. Mutter und Tochter in den Tod. Ginen traurigen Abschluß bon Eberswalde wurden die Leichen der 56jährigen Ehefrau des Rentiers Rehfeld aus der Eisenbahnstraße in Eberswalde und dessen 30jähriger Tochter gelandet. Die letztere war vor etwa einem Jahre nerventrant geworden und sie befürchtete, daß sie dem Jrrjinn anheimfallen werde. In ihrer Verzweiflung unterDas Frauenwahlrecht und die bürgerliche Frauenbewegung. nahm Fräulein Rehfeld wiederholt Selbstmordversuche, aber stets Zur Frauenkonferenz in Mannheim nimmt Minna Cauer in gelang es, fie zu vereiteln. Auch die Mutter litt schwer unter dem einem Artifel in dem von ihr herausgegebenen Organ„ Die Frauen- verhängnisvollen Geschick ihrer Tochter. Die beiden Frauen faßten bewegung" Stellung. Sie moquiert sich darüber, daß die Genossin schließlich den Entschluß, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Bettin in ihrem Referat über das Frauenstimmrecht die radikalen Gestern vormittag entfernten sie sich aus der Wohnung und ver Frauenrechtlerinnen als nicht grundsägliche Freunde und fichere geblich wartete Herr R. auf die Rückkehr seiner Angehörigen. Gr Stämpfer für das Frauentvahlrecht bezeichnet habe. Minna Cauer follte sie nur als Leichen wiedersehen. Frau R. war mit ihrer bemerkt dazu: Tochter nach dem Finowfanal gegangen, wo sie sich am Ufer mit Nun, hier erlauben wir uns dagegen zu protestieren, daß wir einem Strid zusammenbanden und sich dann die Böschung hinab Rabitalen jemals etwas anderes ausgesprochen haben, als daß ins Wasser stürzten. Ihre Leichen kornten bald darauf geborgen wir grundsäglich überall und bei jeder Gelegenheit für das all. werden. Der Löwe ist los! Gine wilde Panit entstand vor einigen fagten. Besonders der Verlust an Menschenleben ist größer, als 130-50. Charlotten 50-60. Beterfilte, grün, Schodbb. 1,00. Stohlrabi bes Tagen in Zittau in dem von über 3000 Personen besuchten Zirkus man anfänglich wußte. des Dompteurs Charles. Auf der Galerie bekam ein Mann einen Krämpfeanfall und stürzte zu Boden. Einige Kinder, die dieses sahen, fingen an zu schreien, und sofort ertönten Rufe:" Der ist in einem Taifun untergegangen. Kapitän Clifton, fünf andere Löwe ist los!"" euer!" In einem wirren Knäuel drängte sich Europäer und achtzig Chinesen ertranken. Wie dem" Standard" die erschreckte Zuschauermenge dem Ausgange zu, über die am aus Hongkong telegraphiert wird, waren die vom Kohjichang" GeBoden Liegenden stürmte man schonungslos hinweg. Als es den retteten auf einem Floß fast ohne Speise und Trank; beinahe drei Zirkusangestellten und Sicherheitsorganen schließlich gelang, die Tage lang trieben sie auf dem Meere und waren zu Tode erschöpft. Ordnung herzustellen, ergab sich, daß eine große Anzahl Personen schwere Verlegungen im Gesicht, Armbrüche usw. davongetragen hatten. Als ein Wunder erscheint es, daß keine Menschenleben zu beklagen find. Neuere Meldungen aus London besagen: Der„ Charterhouse" ber 100 Pfund 6-16. Wachsbohnen 10-20. Schoten per 100 Pfund Ein neues Erdbeben. 10 Brieftaten der R Briefkaften der Redaktion. Schock 0,60-1,00. Rettig, bahr., pr. Schock 2,40-4,80. Radieschen per Schock- Bd. 0,60-0,80. Salat, pr. Schock 1,50-2,00. Bohnen, grüne, 0,00. Pfefferlinge pr. 100 Pfd. 10-12. Mohrrüben pr. 100 Pfd. 2-3. Teltower Rüben p. 100 Bfb. 10-11. Blumenkohl p. Mandel 1,50-2,50. do. pr. Echod 3,00-7,00. Weißfohl pr. Schod 2,00-5,00. Stojenkohl pr. 100 Pfd. Erfurter, Kopf 0,20-0,23. Wirsingtohl ber Schock 4,00-7,00. Rotkohl 25-30. Steinpilze p. 100 Bib. 40-60. Gurken, Zerbster, Schod 0,00. do. Ginleges, Schock 1,50-3,00, do. Rothenburger 0,00-0,00, do. Liegnizer 0,00. do. Einlege-( Senf-) 8-18. Stohlrüben, Schock 2,50-4,00. Tomaten, hiesige 100 Bfd. 16-18. Kürbis 2-3. Birnen, ital. per 100 Bfd. 0,00, hiesige 3-16, Tiroler Markthallen- Direktion.( Großhandel.) Rindfleisch Ia 71-76 pr. 100 Bib., 12-18, Tiroler 15-30, Tiroler in Fässern 14-28. Berliner Marktpreise. Aus dem antlichen Bericht der städtischen 20-85, böhmische 4-16. Aepfel, per 100 Psd., hiesige 3-15, Gravensteiner Preißelbeeren 0,00, IIa 65 70, IIIa 60-64, IVa 54-58. Salbfleisch, Doppelländer 105-115 schwedische 18-21. Wallnüsse per Schock 1,00-1,50. Pflaumen, per Ia 84-90, IIa 74-83, IIIa 64-73, holl. 55-62. Hammelfleisch la 77-82' 100 fd., hiesige 1-3, Böhmische 1-4, Böhmische, große 4-10. 8Bitronen, IIa 67-76. Schweinefleisch 67-74. Rebböde Ia per fb. 0,70-0,95 Messina 300 Stüd 19,00-22,00, 360 Stüd 12,50-20,00, 200 Stud 0,00, Ein zwei Stunden dauerndes Erdbeben verzeichneten Diens- IIa 0,50-0,65. Rotwild Ia 0,40-0,48, IIa 0,30-0,36. Damwild 0,44-0,50 420 Stüd, flein 12,00-15,00, 500 Stüd, flein 13-15. Pfirsiche, Werdersche tagmittag gleichzeitig die Seismographen in Sydney und Perth. Wildschweine 0,15-0,40. Frischlinge 0,40. Hasen per Stück 2,50-3,40, flein per 100 Bfd. 10-30, Tiroler 40-50, italienische 60-80. Der amtliche Astronom der australischen Regierung meint, es habe 1,25-2,25. Staninchen per Stück 0,50-0,90. Wildenten per Stüd 1,25-1,60. sich irgendwo ein Erdbeben ereignet, das an Schwere die Kata- ridenten 0,60-0,65. Bekassinen 0,30-0,62. Rebhühner, junge la 1,00-1,20, strophen von San Francisco und Valparaiso noch übertreffe. junge IIa 0,70-0,98, alte 0,70-0,85, junge fleine 0,00-0,00. Hübner, alte per Stüd 1,40-2,30, alte II a 1,00-1,30, junge per Stüd 0,65-1,40. ( Daily Mail".) Tauben, junge per Stüd 0,30-0,58, alte 0,00. 1,60-2,60, alte per Stüd 0,00, Hamburger, junge per Stück 3,10. Säuie, Enten, junge per Stüd Oderbrucher, per Pfund 0,57-0,65, dito Hamburger, junge 0,65-0,66, Die juristische Sprechstunde findet wochentäglich von 72 bis 9½ 1thy Ia per Stüd 3,50-4,25, IIa 1,30-2,80. Poulets per Stud 1,60-1,75, abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um do. flein 0,00-0,00. Hechte per 100 Bid. 92-100, mittel 0,00-0,00. 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen 81-84, fleinmittel 0,00, unsortiert 0,00. Alland 00-00. Schleie 109. Bleie 50-58. Aale, groẞ 92, mittel beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Starpfen, Plöten, matt 61-65. M. N. 300. Für die Zeitdauer der Kündigungsfrist hätte Ihr Vater 30er 00-00, 25er 40er Schlesische 0,00. Galizier 0,00, 60er Laufiger 0,00, auf Bahlung des Lohnes flagen fönnen. Da aber der vor 28 Jabren verBarfe, groß 71, flein 0,00. Starauschen 72. einbarte Ausschluß der Kündigungsfrist noch gültig ist, wäre leider eine do. flein 0,00. Wels 56. Bunte Fische 0,00, matt 0,00. Amerikanischer Slage erfolglos. O. M., Zedenik. Sie könnten das Erbteil im allLachs Ia neuer per 100 Bfd. 110-130, do. Ila neuer 90-100, gemeinen, nicht aber eine bestimmte Forderung der Erbmasse, also nicht die do. IIIa neuer 75. Sprotten, Stieler, Wall 0,75-1,30, Danziger, Ball Borschußvereinsforderung pfänden lassen. O. B. 200. Adoptieren fan, 0,70-0,80. Flundern, pommersche, Ia, per Schod 9,00, do. pommeriche wer feine ehelichen Kinder hat. Der Adoptionsvertrag bedarf gerichtlicher IIa 2-4, Stieler, Stiege Ia 4-6, do. mittel ber Stifte oder notarieller Form und amtsgerichtlicher Bestätigung. Der Adoptierende 2-3, do. flein per Stifte 0,00. Bücklinge, per Wall Stieler 2-3, soll mindestens 50 Jahre alt sein, doch kann das An tsgericht von dem flein 0,50-0,60. Stralsunder 2,00-3,50. Male, groß per Pfd. 1,10-1,30, mittelgroß 0,80-1,00, 2lters erfordernis dispenfieren. 5. R. 84. Sie können den Heringe per Schock 4-5. Schellfische Stifte 3-4, Bescheid abwarten oder gelegentlich auf dem Bezirkskommando nachdo 2 Stifte 2. Stabliau, per 100 Bfd. 20. Heilbutt 0,00. Sardellen, 1902er fragen. F. R. G. 99. 1. Die Zimmervermieterin hat das Recht, Zahlung per Anfer 95, 1904er 95, 1905er 90, 1906er 70. Schottische Vollberinge für den vollen Monat zu verlangen. Die unentbehrlichen und deshalb un1905 0,00, large 40-44, full. 36-38, med. 35-42, deutsche 37-44. pfändbaren Sachen können Sie zurüdverlangen. 2. An das Polizeipräsidium. Heringe, neue Matjes, per 2 To. 60-120. Sardinen, russ., Faß W. K. 10. Die Kosten können etwa 100 M. betragen. F. G. 100. 1,50-1,60. Bratheringe, Büchse( 4 Liter) 1,50-1,75. Reunaugen, 1. Ja. 2. Nein, aber ein Antrag auf Erlaß an die Steuerdeputation hat Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 8,00, fleine 4-5,50, unfort. 0,00. fortnehmen. Bei etwaiger Einbehaltung des Bettes würden Sie mit einer Faß 11, fleine 5-6, Riesen- 14. Summern, fleine, per Pfd. 0,00. Aussicht auf Erfolg.-. K. 49. Das Kind tönnen Sie ohne Kündigung Galizier, groß 0,00, mittel 0,00. Gier, Land-, per Schock 3,30-3,50. Butter Stlage auf Herausgabe durchdringen. E. H. in N. Sie können gegen per 100 Bio. Ia 124--127, IIa 118-120, Illa 112-116, abjallende 95-110. den Wirt und gegen den Mieter auf Abstellung des belästigenden und Saure Gurken Schod 3,50-4,00, Pfeffergurfen 3,50-4,00 Startoffeln schitanösen Lärms und Unterlassung für die Zukunft bei Bermeidung ber 100 Pfund magnum bonum 2-2,25, Dabersche 2-2,25, fistalischer Strafe flagen. R. S. 18. Strafbar ist Ihre Handlung nicht. Rosen 0,00-0,00, weiße 1,75-2,00, Salatlartoffeln 4,00-5,00. Der Gläubiger fanm gegen den Schuldner, der im Offenbarungseidtermin Sellerie, hiesige, per Schod 1,50-6,00. do. pommeriche 4-5,00. Zwiebeln jetzen. Spinat per 100 Pfund 4,00-7,00. per Schockbund 2,00. nicht erscheint, Haftbefehl zwecks Erzwingung der Eidesleistung durchW. B. 62. Die Berechnung erfolgt verschiedenartig. Wir große, per 100 pfd. 3,25-4,00. do. Kleine 2,50-3,00. do. hiesige( Berl)| müssen es ablehnen in Spielsachen als Autorität aufzutreten. London, 5. Oktober. Das bereits gemeldete Erdbeben wurde, wie Professor Marvin vom Washingtoner Wetterbureau telegraphiert, am Dienstag, morgens 2 Uhr 5 Minuten, auch in Washington wahrgenommen. Das Erdbeben hat sich anscheinend im Gebiet des Indischen Ozeans, westlich von Australien ereignet. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die Erderschütterung schwer, die Bewegung indes fleiner war, als bei den Katastrophen in San Francisco und Valparaiso. Auch auf der Insel Wight( England) wurde von Professor Milne ein Erdbeben wahrgenommen. Die Stöße waren schwächer als seinerzeit in San Francisco und Valparaiso. Eisenbahnunfall. Ein Zug mit nach Kuba bestimmter Kavallerie stieß bei Troh ( Staat New York) mit einem Personenzug zusammen. Sieben Bassagiere des letteren wurden getötet, 20 verwundet. Von den Soldaten ist keiner verlegt. Die Leichen von 19 bei der Grubenexplosion ums Leben ge= kommenen Bergleuten find, wie aus Potahontas gemeldet wird, bereits geborgen; es befinden sich darunter mehrere ungarische Arbeiter. Es wird als sicher angenommen, daß die übrigen noch vermißten Bergleute nicht mehr am Leben sind. Das Schiffsunglüd, das sich, wie wir bereits meldeten, im Chinesischen Meere ereignete, ist noch bedeutender gewesen, als die ersten Nachrichten beFür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, 6. Oktober. Anfang 7 Uhr. Opernhaus. Figaros Hochzeit. Nachmittags 2, Uhr: Hänsel und Gretel. Die Puppenfee. Schauspielhaus. Hamlet, Prinz von Dänemark. Deutsches. Das Wintermärchen. Westen. Gasparone. Lorking. Der Barbier von Sevilla. Leffing. Das Blumenboot. Anfang 8 Uhr. Berliner. Sherlock Holmes. Schiller 0.( Wallner Theater.) Das Lumpengesindel. Schiller N.( Friedrich Wilhelm. städtisches- Theater). Frau Inger bon Destrot. tiebrin Bibelm. Neues. Der bürgerliche Edelmann. Der Stammgast. Komische Oper. Carmen. Residenz. Triplepatte. Lustspielhaus. Die von Hochsattel. Zentral. Tausend und eine Nacht. Kleines. Man tann' s nie wissen. Deutsch: Amerikanisches. Im wilden Westen. Thalia. Wenn die Bombe platt! Nachmittagr 3 Uhr: Die Räuber. Luisen. Ein Wintermärchen. Nachmittags 4 Uhr: Aschenbrödel. Der Bernhard Roſe früher Garl Weiht Der Millionenbauer. Walhalla. Spezialitäten. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Apollo. Berlin im Omnibus. SpeBialitäten. Kajino. Alexander der Große. Folies Caprice. Das Modell. Das Provinzmädel. Wintergarten. Spezialitäten. Vaffage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Nachm. 4 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Abends 8 Uhr: Die Mosellande und ihr Weinbau. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Heute und folgende Tage: Sherlock Holmes. Anfang 8 Uhr. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Der bürgerliche Edelmann. Der Stammgast. Sonntag, Montag: Der Jubiläumsbrunnen. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Man kann nie wissen. ( Der verlorene Vater.) Harry Walden. Dr. Balentine Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Man kann nie wissen. Montag: Man kann nie wissen. Theater des Westens. Station Zoolog. Garten, Kantstr. 12. Sonnabend: Gasparone. Gut scheinheste ungültig. Anfang 72 Uhr. Sonntag nachmittag 3 Uhr halbe Breije: Der Freischütz. Abends 7, Uhr: Der Bettelstudent. Montag: Die Zauberflöte. Dienstag: Undine. Gutscheinheste ungültig. Anfang 7%, Uhr." Komische Oper. Heute abend 8 Uhr: Carmen. Sonntag nachm.: Hoffmanns Erzählungen. Abends: Carmen. Lortzing- Theater Bellealliancestr. 7/8. Sonnabend, 6. Oktober, 72 Uhr: Starotten Schiller- Theater. Frau Inger von Oestrot. Schauspiel in 5 Aufzügen von Henrik Ibsen. Deutsch von Wilhelm Lange. Sonntag, ita cm. 3 Uhr: Weh' dem der lügt. Sonntag, abends 8 Uhr: Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Sonnabend, abends 8Uhr: Sonnabend, abends 8 Ulbr: Das Lumpengesindel. Tragikomödie in 3 Aufzügen von Ernst v. Wolzogen. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Maria Stuart. Sonntag, abends 8 Uhr: Donna Diana. Montag, abends 8 Uhr: Hasemanns Töchter. Cyprienne. Montag, abends 8 Uhr: Frau Inger von Oestrot. Friedrichstraße 165. astans Panopticum Schreckenskammer- Hennig 47 Berliner Allerlei. 2473L* Volkstümliche Vorträge aller Art.: Der Barbier v. Sevilla. Zirkus Alb. Schumann. Abonnements gültig. Morgen Sonntag nachm. 3 Uhr: Zar und Zimmermann. Abends 7 Uhr: Fra Diavolo. Rixdorfer Theater Bergstr. 147. Bürgerfäle. Bergstr. 147. Sonntag, den 7. Oktober 1906, nachm. 3 Uhr: 1. Bolfsvorstellung: Kabale und Liebe. Num. Platz 50 Pf., unnum. Pl. 30 f. infl. Progr. Kaffeneröffnung 2 Uhr. Abends 7, Uhr: Zapfenstreich. Kaffeneröffnung 62 Uhr. Preise der Pläte wie gewöhnlich. Zentral- Theater. Tausend und eine Nacht. ( Operette). Täglich 8 Uhr: Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. 4 Uhr Kinder Vorstellung: G Aschenbrödel. Abends: Sonntag nadm.: Goldontel. Jungfrau von Orleans. Abends: Ein Wintermärchen. Montag: Ein Wintermärchen. Deutsch- Amerikanisches THEATER, Köpenickerstr. 67-68. Jeden Abend 8 Uhr: Zum" Der große Erfolg" Heute abend präzise 7%, Uhr: Dritte Grande Soirée High- Life. Gala- Programm und Mr. George Lettl der Mann ohne Muskeln und doch mit Riesenträften. U. a.: Burüd ziehen eines in voller Fahrt nach vorwärts fahrenden Automobils usw. Ferner: der Urs Löwen- Baron, komische. Les Rixfords Die fliegenden Menschen. Zirkus Busch. Abends 7%, Uhr: Mons. Romeo! Ueberfahren eines lebenden Menschen mit einem 70 PS. Fiat- Automobil ( Gem. 30 Zentner u. 4 Insassen.) zur Verfügung gestellt durch die Firma Loeb u. Co., G. m. b. H.; Motorfahrzeuge, Berlin. Die größte Tiger- und Löwengruppe Ningkampf zwischen dem Dompteur Willy Peters und zwei wilden Tigern. Aus der Pußta. Auf der Pußta, Metropol- Theater vorgef. v. Dir. Alb. Schumann. Emir, d. musikalische Wunderpferd. Mr. Henricksens größte Tiger- Gruppe. Sonntag 2 Borft., nachm. 3%, Uhr ( ein Kind frei) und abends 7%, Uhr. Apollo- Theater Die neuen Attraktionen! Täglich: Der Teufel lacht dazu. Große Jahresrevue in 9 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent M. Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. H. Bender. J. Giampietro. 11. a. bie Original- Matschiche- Tänzerin J. Josephi. Fritzi Massary. Liane d'Eve. Phila Wolff a. D. usw. Französische Exzentrit- Soubrette. Anfang 8 Uhr. Die Seldoms plaftice Davitelnen 1 Dame, 3 Herren. Berlin im Omnibus, mit dem Omnibus- Trick. Sonntag, den 7. Ottober, nachm. 3, Uhr: Familienvorstellung. Halbe Preise. Rauchen in allen Räumen gest. Bernhard Rose- Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Sonntag, den 7. Oktober, nachm. 4 Uhr ermäßigte Preise: 46. 3m wilden Bernhard Rose- Theater Erl. Schnabels Bernhard Rose- Theater Erl. Schnabels Verlobung. Westen. Male: Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Preise: ,, Uebern großen Teich." Walhalla Varieté- Theater Weinbergsweg 19/20. Am Rosenthaler Tor. Heute abend 8 Uhr: Das neue humoristische Oktober- Programm. Morgen Sonntag: Lustspielhaus. 2 Vorstellungen 2 Abends 8 Uhr: Die von Hochsattel. Morgen nachm. 3 Uhr: Der Familientag Nachm. 3% Uhr kleine Preise. früher Carl Weiß- Theater. ( Broße Frankfurterstr. 132. Sens. Poffe mit Gesang in 4 Atten. Abends 7 Uhr: Nachmittags 4 Uhr Stindervorstellung. Die Kleine Dornröschen. Abends 8 Uhr: Der Millionenbauer. Sonntag 3 Uhr: Die Bluthochzeit. Halbe Preise. Abends 8 Uhr: Der Millionenbauer. Residenz- Theater. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage Anf. 8 Uhr: Triplepatte. Schwant in 5 aften. Triſtan Bernard André Sonntag nachm. 3 llhr: Tochter des Herrn Fabricius. Schauspiel in 3 Aften von Wilbrandt. Nach der Vorstellung: Ball. Billettvorverkauf von 10-1 Uhr an der Theaterkaffe. Eine Hochzeitsnacht.( Nach Sanssouci. Kottbuser • Straße 4a. 99. Nein. Urania. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brummenstr. 16. Große Extra Vorstellung. = Wissenschaftliches Theater. Die schöne Ungarin. Heute 4 Uhr nachmittags: Tierleben in der Wildnis. 8 Uhr abends: Die Mosellande und ihr Weinbau. Boltsst. m. Ges. v. Mannstädt u. Weller. Anf. 8 Uhr. Entree 30 Pf. Ball. Ebren- und Vorzugskarten gültig. Sonntag: Dieselbe Vorstellung. JOOLOCISCHER Folies Caprice Z CARTEN Täglich ab nachmittags 4 Uhr: Großes Militär- Doppel- Konzert. Eintritt 1 M., v. 5 Uhr ab 50 ẞf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. WINTER CARTEN 765 Das neue Oktober- Programm! Exzentriks. Ein glänzender Erfolg! Bros. Permane, Charlene und Charlene, musik. Akt. Robert Steidl, Linionstr. 132, Ecke d. Friedrichstraße. Direktion Felix Berg. Serenissimus August XXVI. Das Modell and Das Provinzmädel. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf bei A. Wertheim und an der Theaterkasse 10-2 Uhr. Kasino- Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr Alexander der Große von Emil Thomas und Adolf Selig. Neu! Fehér- Duett in ihrem Repertoir. Klara Antonie X Fred u. Carman. Sonntag nachm.: Hotel Klingebusch. Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allce 148. Jeden Sonntag und Donnerstag: Konzert, Theater, Spezialitäten. Stets erstklaffige Riesenspielfolge. Humorist. Nach der Vorstellung: Gr. Tanz. Launceston Elliot, Kraftproduktion. Zanzleitung: B. Sachse. Das Erntefest, englisches Ballett. Anf. Sonntag 5, Donnerstag 8 Uhr. Les Mas- Andrés, Pariser Duettisten. De Vry's lebende MarmorKolossal- Gruppen. Maria Vinent, portugies. Sängerin. Bros. Spissel und Mack, amerikanische Exzentriks. Jackson- Truppe, Kitty Traney, Der Biograph. Radfahrer. Jongleuse. Passage- Theater. Das Gastspiel Josefine Dora in der Komödie ,, Rieke" mit dem Schlager Emil du bist eene Pflanze" ist wegen d. außerord.Erfolges und der tägl. ausverk. Häuser für Oktober prolongiert. Außerdem 14 neue Nummern. Palast Theater. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Täglich 8 Uhr. Entree 50 Pf. Das glänzende Oktober- Programm! 12 Attraktionen ersten Ranges. U. a.: Die Urs John Ilket fenjat equilibr. Robert u. Bertram tomischen. Men Neu! Die Loreley Posse von Ostar Klein. Familientarten, zum halben KaffenDireftion Wilhelm Reimer. Sonntg., Montg. Donnerst. preise gültig, in allen Barbier, Hoffmanns Nordd. Sänger rifeur und Bigarrengeschäften un u. Tanzkränzchen. entgeltlich. Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger Anfang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Colosseum Dresdenerstr. 97. Das brillante Oktober- Programm. Spezialitäten und Volks- Kabarett Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Verbindung mit größter FilmsFabrik daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. Otto Pritzkow, Münzstr. 16. Kolonie Röntgenhöhe, Stat. Buch Röntgental, gesunde hohe Lage, idyll. Umg., bester Boden, Größte Zukunft. Nächste Nähe Straßenb. in Sicht. 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Die gültigen Arbeitsbedingungen schreiben vor, daß früh 7, Uhr die Arbeit begonnen wird und abends 5 Uhr endet, unter Innehaltung einer halbstündigen Frühstücks- und direkt aus der Fabrik. einer einfstündigen Mittagspause. Kein Laden. Nach beendeter Engros- Saison auch Einzel- Verkauf enorm billig Ulsters Havelocks Capes Jacketts Paletots KostümRöcke MädchenPaletots Pelz- Stolas Robert Baumgarten Hausvogtei- Platz 11, 2. Etage ( an der Jerusalemerstraße). Bei Vorzeigung d. Inserates an der Kasse werden 5 Proz. Rabatt vergütet. Auch Sonntags geöffnet. NB. Laut§ 4 des Vertrages ändert sich die Arbeitszeit schon am 9. Oktober. Da eine Aenderung der Arbeitszeit aber nur zu dem auf das betreffende Datum folgenden Wochenschluß zulässig ist, so beginnt die achtstündige Arbeitszeit am 13. Oftober. Abweichungen von dieser Arbeitszeit sind uns sofort mitzuteilen. 147/14 J. A.: Emil Thöns. Die Arbeitnehmervertreter in der Achtzehner- Kommission für das Maurergewerbe. Die Verbandsleitung der Zimmerer. J. A.: W. Witt. Rabizputer, Träger, Spanner und Zementierer! Für die in der Zementbranche beschäftigten Kollegen beträgt die Arbeitszeit vom 1. Oktober ab 8%, Stunden. Vom 16. Oktober 1906 ab tritt für alle in der Gips- und Zementbranche befchäftigten Kollegen die laut§ 4 Abfaz a und b des Vertrages vorgesehene Verkürzung der Arbeitszeit in Kraft. Gleichzeitig fordern wir sämtliche Kollegen auf, für eine dem§ 8 des Vertrages entsprechende Banbude Sorge zu tragen. Die Arbeitnehmervertreter der Schlichtungs- Kommission. J. A.: Otto Hacse.. Tip- Top, der allerneneste Steifhut mit eleganter Ausstattung ist gestern eingetroffen; außerdem noch fünf der jett modernen amerikanischen Formen von Mr. 2,80 an. Alvin Sussmann, Hut- Engrosgeschäft, Holzmarktstr. 38, parterre. Deutschlands. XXX Zweigverein Berlin. Sektion Fliesenleger- Hülfsarbeiter. = Laut Tarifvertrag erhöht sich der Stundenlohn vom 1. Oftober 1906 für die im 3 entral verband der Bauhülfsarbeiter organisierten Fliesenleger Hülfsarbeiter wiederum um 2½ Pf. pro Stunde, so daß der Stundenlohn 60 Pf. beträgt. 46/12 Alle Bauarbeiter werden ersucht, die in Betracht kommenden Kollegen auf diese Veröffentlichung aufmerksam zu machen. Die Sektionsleitung. Peues Klub- Haus Dr. Schünemann 72. Kommandantenstr. 72. Sonnabende noch n Spezial- Arzt für 21032* Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schützenstr. vergeben. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. Grösstes Spezial- Geschäft für Küte, Mützen a. Pelzwaren Oscar Arnold, Dresdenerstr. 116( am Oranienplatz). Kein Laden Weiche Herrenbüfe von M. 1.50-7,00 Steife Herrenhüte von M. 1,85-7,00 Nar fehlerfrele moderne Ware. Nur fehlerfreie moderne Ware. Engros. Filzhüte, Cylinderhüte, Mützen u. Pelzwaren. Export. Garnierte Damenhüte Aussergewöhnlich reichhaltige Auswahl! Einzelverkauf zu au fallend billigen aber streng festen Preisen. Berantwortlicher Rebatteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 233. 23. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sounabend, 6. Oktober 1906. Industrielle Dezentralisation. Mietstasernenwohnung auf dem Lande fallen auch meistens die lichen Faktoren. Die Kohlenindustrie kann ganz selbstverständlich Vorbedingungen fort, durch landwirtschaftliche Nebenbeschäftigung nicht beliebig wandern, sie ist an bestimmte Landstriche gebunden einen Nebenverdienst zu finden. Das umsomehr, wenn der Weg zur und die Eiſenindustrie entfernt sich nicht weit von der Förderstelle Eine bis in die Kleinsten Einzelheiten eindringende Untersuchung Arbeitsstätte und zurück eine erhebliche Zeit beansprucht. Ein der Kohlen, schon darum nicht, weil die Frachtenkosten einen über die industriellen Verhältnisse Badens legt Dr. P. E. Walli weiteres schädliches Moment, und Dr. Walli betont das auch aus- Hauptfaktor unter den Produktionskosten darstellen. Selbst wenn in einer ziemlich umfangreichen Arbeit vor. Der Verfasser schildert drücklich, sind die gesundheitlichen Gefahren der langen, oft beschwer man wollte, für eine Reihe Industrien ließe sich die in minutiöser Genauigkeit, nach Orten und Größenklassen geordnet, lichen Wanderungen vom Wohnort zur Arbeitsstelle und zurück, Dezentralisation gar nicht durchführen. Ein Moment, das die die Lage der induſtriellen Unternehmen, wobei sich gerade in Baden wobei Arbeiter und Arbeiterinnen allen Einflüssen der Witterung Dezentralisation teilweise fördern könnte, die Einführung elektrischer der Zug aufs Land stark bemerkbar macht. Er untersucht dazu, in- preisgegeben sind. Und das Auswärtsarbeiten, woran das weibliche Energie als Betriebskraft, hat Walli unberücksichtigt gelaffen. Aber wieweit die Wohn- und Arbeitsorte der Beschäftigten konform find, Element sehr start beteiligt ist, das die betreffenden Familienmitglieder was wesentlicher ist, schuldig geblieben ist er auch den Nachweis, wobei er wieder sorgfältig nach Geschlechtern sondert. Der Zwed den ganzen Tag über von Hause fern hält, macht ein geregeltes daß die Dezentralisation für die Arbeiter wirklich soziale Vorteile der Arbeit ist, die Vor- und Nachteile der industriellen Dezentralisation Familienleben, eine geregelte Lebensweise unmöglich. Das sind im Gefolge hat. Tatsächlich bietet das Wohnen auf dem Lande und hervortreten zu lassen. Der Verfasser sieht vorwiegend Lichtseiten, beachtenswerte Schattenseiten der belobten badischen Verhältnisse. die Gelegenheit, Frau und Kinder landwirtschaftlich tätig sein zu er neigt zu der Ansicht, daß die Dezentralisation aus sozialen und Dem Verfasser auf Schritt und Tritt bei seinen Untersuchungen zu lassen und selbst noch neben der beruflichen Beschäftigung einige auch aus politischen Gründen zu fördern sei. Der Arbeiter, der auf folgen, würde zu weit führen, wir müssen uns damit begnügen, Tagesstunden und vielleicht auch noch des Sonntags auf dem Felde dem Lande wohnen kann, in der nahe belegenen Stadt arbeitet, einige Hauptergebnisse mitzuteilen. zu schaffen, lediglich die Möglichkeit, mit den sonst unzuläng findet in eigener oder in der landwirtschaftlichen Beschäftigung seiner In ganz Baden wohnten nach der Volkszählung am 1. De- lichen Löhnen durchzukommen. Der Vorteil besteht also in Angehörigen eine nennenswerte Ergänzung seines Lohneinkommens, zember 1900 in 1609 Gemeinden 1867 944 Personen. In 8380 der erhöhten Ausnutzung der Arbeitskraft. Der Arbeiter er zahlt einen relativ nur minimalen Mietspreis, wenn er gewerblichen Anlagen waren 185 093 Arbeiter und 59 348 Arbeite- wird diesen Vorzug aber nur solange als solchen schätzen, als er in nicht gar selbst Haus- und Grundbesitzer ist. Das Wohnen rinnen beschäftigt. dem Wahne befangen bleibt, sein gewerblicher Lohn sei eine feste auf dem Lande ist ein Gegengewicht gegen die meistens ungefunde In Baden überragt die Frauenindustrie gegenüber dem Reichs Größe. Jst er erst zur Erkenntnis gekommen, daß er Lohnerhöhungen industrielle Beschäftigung, und was für den Verfasser von nicht zu durchschnitt. Während im Reich auf 10 000 Einwohner 175,8 in- erfämpfen kann, dann wird es ihm zweifellos nicht mehr begehrens unterschätzender Bedeutung ist: die auf dem Lande wohnenden, dustriell beschäftigte Frauen entfallen, stellt sich die Ziffer für Baden wert erscheinen, lediglich zur Friftung des nackten Lebens sich selbst industriell Beschäftigten sind bodenständiger als der städtische In- auf 317,6. Jm ganzen Reich waren am 1. Oftober 1903 bon je und feine Familienangehörigen nur als Arbeitstiere zu betrachten. dustriearbeiter, sie verfallen nicht so leicht wie dieser der Sozial- 100 Arbeitern 80,2 männlich und 19,8 weiblich, in Baden aber Eine Berbindung von landwirtschaftlicher und industrieller Bedemokratie. Weniger vorteiihaft hält es Dr. Walli, wenn die Industrie 69,0 männlich und 31,0 weiblich. Baden zählt auch schäftigung und eine Dezentralisation der Arbeiter kann aus den Arbeitskräften nachzieht, sich direkt aufs Land verpflanzt. Ein relativ mehr industrielle Anlagen wie das Neich. Auf mancherlei Gründen ertvünscht und besonders in gesundheitlicher Bes Hauptvorteil für den Arbeiter, wohlfeile Wohnungen, wohlfeile Wohnungen, geht 10 000 Einwohner des Reiches entfielen nach der Zählung von 1900 ziehung vorteilhaft sein. Aber wo niedrige Löhne der bestimmende Faktor durch Ansiedelungen industrieller Etablissements bald verloren, 32,6 Betriebe, auf 10 000 Badenser aber 44,8 Betriebe. Nach den für die Dezentralisation sind, da fehlen die Vorbedingungen für die die Bodenpreise schmiegen sich schnell denen der benach Einzeluntersuchungen Wallis, bei denen er die nicht industriellen An- sozialen Vorteile und es fehlen die für die Fortentwickelung der barten Industrieorte an. Aber nicht nur für den Arbeiter lagen, z. B. Bäckereien ausscheidet, waren nach dem Stande von Industrie notwendigen treibenden Kräfte. Als jedenfalls ungewolltes bietet die Dezentralisation der Industrie große Vorteile, auch der 1900 in Baden vorhanden: 7350 Industriebetriebe mit 129 116 Kompliment für die Sozialdemokratie können wir aus der Wallischen Industrielle findet günstige Produktionsbedingungen, weil die Billig- männlichen und 57 261 weiblichen Arbeitern. Arbeit noch das Eingeständnis registrieren, daß der Verfasser in dem feit der Wohnungen auf dem Lande und das Nebeneinkommen aus Da aber im Großherzogtum nur 124 620 männliche und 56 221 qualifizierten, intelligenten Arbeiter das treibende politische Landwirtschaftlicher Beschäftigung gestattet, das Lohmniveau niedrig weibliche industrielle Arbeiter wohnen, ift Baden mehr Arbeiter Element fieht, und daß die Rückständigkeit des schlecht zu halten. Und der Landwirtschaft ist bei einer weitgehenden konsument wie Produzent. gelohnten, unqualifizierten Arbeiters als das beste Bollwerk gegen Dezentralisation der Industrie ebenfalls gedient, indem sie als Selbst- Außerordentlich stark ist die Frauenindustrie in Orten unter die Sozialdemokratie betrachtet wird. Da liegt allerdings verkäuferin auf den Märkten der Industrieorte lohnenden Absatz für 10 000 Einwohner vertreten, die Männerindustrie ist stärker in der Rückschluß nahe, durch Konservierung und tweitere ihre Erzeugnisse findet. Ja, der kleine Besizer fann während der größeren Orten. Absolut am stärksten ist die Industrie in Orten Ausbreitung der rückständigen Verhältnisse die Sozialdemokratie am Wintermonate als industrieller Arbeiter oft Gelegenheit finden, mit 2000 bis 4000 Arbeitern.% der männlichen und 10 der weib- Vormarsch zu hindern. Solche Hoffnungen find aber auf Sand feine Bareinfünfte merklich zu steigern und sich dadurch schneller lichen industriellen Arbeiter wohnen in Landorten mit unter 4000 gebaut; der industrielle Fortschritt läßt sich nicht durch politische emporzuarbeiten, Hypotheken abzustoßen, seinen Grundbesitz zu Einwohnern. Die fleinen Orte beherbergen mehr Arbeiter, als Erwägungen hemmen. Die betreffende Industrie würde im inter bergrößern. Das sind die von Walli gezogenen Schlußfolgerungen, industriell darin beschäftigt find, während in den großen nationalen Wettkampf unterliegen, wollte man gewaltsam ihre Entdie natürlich je nach den besonderen örtlichen Bedingungen, der Orten nicht so viele Arbeiter wohnen, wie dort arbeiten. wickelung rückwärts dirigieren. Die Eristenzbedingungen der Verschiedenartigkeit der industriellen Bedürfnisse, der Entwidelung Von der im Großherzogtum wohnenden Arbeiterschaft haben modernen Staaten gebieten, dem Fortschritt nicht allzu viel Hinderder Verkehrswege, verschiedenen Modifitationen unterliegen. Die 31,34 Prozent der männlichen und 17,46 Prozent der weiblichen nisse in den Weg zu legen, und mit jedem Fortschritt in der Gilterfür den Arbeiter destillierten Vorteile werden aber immer proble- industriell Tätigen außerhalb ihres Wohnortes die Arbeitsstelle und erzeugung fommt auch die Sozialdemokratie ihrem Ziele näher. matischer, je mehr man die Ergebnisse, die der Verfasser unterbreitet, von den in den Industrieorten Beschäftigten wohnen 33,82 Prozent näher auf ihre soziale Bedeutung würdigt. Trop der industriellen männliche und 18,96 Prozent weibliche auswärts. Dezentralisation sind auch in Baden die typischen städtischen Und Dr. Walli wünscht, aus den oben schon skizzierten Wohnungsverhältnisse start verbreitet. Walli konstatiert, daß sogar Gründen, eine weitere Dezentralisation der Industrie und in vielen Orten, die nicht unter dem baulichen Einfluß benachbarter der Arbeiterschaft. Der Verfasser, bei dem wohl politische geber: Dr. Heinrich Braun und Lily Braun( Berlag: Berlin W. 15. Preis Von der Neuen Gesellschaft", Sozialistische Wochenschrift, Heraus. Industriestädte stehen," große Zahlen von Haushaltungen nicht nur Erwägungen den Ausschlag geben, geht zunächst von der für das Einzelheft 10 Pf., pro Monat 40 Pf., pro Vierteljahr 1,20 m.) ist in Zweifamilienhäuser, sondern auch in Gebäuden für 3, 4, 5, irrigen Voraussetzung aus, daß niedrige Löhne unbedingt soeben das 1. Heft( 2. Jahrgang, 3. Band) erschienen. ja jogar über 6-10 Familien zusammengesperrt" sind. Bei ein Vorteil für die Industrie seien. Tatsächlich wirken niedrige E. Vogtherr. Das Christentum und der Krieg. Nach einem in mangelhafter Kanalisation, Straßenreinigung, Fäkalienabfuhr Löhne aber nur konservierend auf die Technit des Betriebes. Die Berlin, München und Stettin gehaltenen Vortrag. Preis 20 Pf. Verlag usw. ist das Wohnen in Mietskasernen auf dem Lande schlechtesten Löhne findet man in ficher nicht gesunder wie in der Stadt. Für den Inhaber einer am wenigsten konkurrenzfähigen Industrien. Manche Industrien, weiser. Preis 1 M. Handelsverlag E. Michelet, Berlin- Friedenau. den rückständigsten und A. Hoffmann, Berlin O., Blumenstr. 14. Gustav Tromhold. Briefe an einen jungen Kaufmann. Ein Wegderen Weltinarktstellung auf der Ueberlegenheit des Großbettiebes *)„ Die Dezentralisation der Industrie und der Arbeiterschaft beruht, würden sich, wollten sie dem Nate Wallis folgen, ganz ge- Stritit seiner Bedeutung in der Gegenwart. Universal- Bibliothek Nr. 4825 Friedrich Albert Lange. Geschichte des Materialismus und im Großherzogtum Baden", von P. E. Walli, Dr. der Rechte und waltig nach rückwärts entwickeln. Nicht politische Gründe sind für bis 4830. Preis brosch. 1,20 M., in eleg. Ganzleinenband 1,75 M. Berlag Staatswissenschaften. Karlsruhe, B. G. Braunsche Buchdruckerei. Ortswahl und Betriebsweise bestimmend, sondern die wirtschaft von Philipp Reclam, Leipzig. Eingegangene Druckfchriften. Der Weltstreik' in Sicht! In der heute Sonnabend erscheinenden ersten Oktobernummer der bekannten illustrierten Wochenschrift„ Das Leben" beginnt ein sensationeller sozialer Roman unter dem Titel Der Weltstreik. Eine angesehene Persönlichkeit, welche die sozialpolitische Entwickelung der modernen Kulturstaaten auf das genaueste kennt, schildert die ungebeuren fozialen Kämpfe, welche fich zwifchen den Arbeitnehmern und Arbeitgebern der gesamten Kulturftaaten der Erde um das Jahr 1930 abspielen. Die Arbeiter haben sich durch ihre Genossenschaften und Gewerkschaften ungehenere Lagerhäuser angelegt, die auf Wochen hinaus die Millionen des Proletariats versorgen und so in dem Kampfe um ihre Ziele unterstützen sollen. Diese Lagerhäuser werden von den Anarchisten, die eine gewaltsame Lösung der sozialen Frage als die einzig mögliche erklären, in die Luft gesprengt, um die Sozialdemokraten zum Uebertritt in ihr Lager zu zwingen. Eine entsetzliche Panik entsteht, keine der beiden Barteien will sich ergeben, die gesamte Kulturwelt scheint in einem gurgelnden Strudel zu versinken, so ungeheure Kräfte hat das Vorgehen des vereinigten internationalen Proletariats ausgelöst. So ist" Der Weltstreif" Der Sensationsroman für den deutschen Arbeiter. Das Proletariat des gesamten deutschsprachigen Gebietes sieht mit ungeheuerer Spannung dem Erscheinen dieses aufs höchste aufregenden Romans entgegen, der stellenweise mit einer an Zolasche Realistik gemahnenden Gestaltungskraft geschrieben ist. Da die Zeitschrift„ Das Leben“ mit Beginn dieses Romans auf eine ungeheuere Steigerung des Einzelverkaufes im Straßenhandel rechnen muß, wird es oft bei sorgfältigster Disposition nicht zu vermeiden sein, daß einzelne Hefte im Straßenhandel vollständig ausverkauft sind. Wer ein Interesse daran hat, daß ihm keine Fortsetzung fehlt, fülle daher den untenstehenden Bestellschein schnellstens aus. Eine heftweise Bezahlung jede Woche 20 Pfennig- ist auf Grund dieser Bestellung ebenso zulässig wie die Bezahlung pro Quartal. Vorliegender Bestellschein ist auszuschneiden und mit genauer Namensangabe und Adresse in ein Kuvert zu stecken, das offen gelassen werden kann und dann als Drucksache mit drei Pfennig zu frantieren ist. Das Kuvert ist zu adressieren: An die illustrierte Wochenschrift ,, Das Leben", Berlin- Wilmersdorf, Uhlandstr. 134. Der Unterzeichnete bestellt hiermit 1 Exemplar der Zeitschrift Das Leben" für das IV. Quartal, OktoberDezember, Preis pro Duartal Mt. 2,50, Preis pro Heft 20 Pf. Jeden Sonnabend erscheint ein Heft, und wünscht der Unterzeichnete für das ganze Quartal, pro Heft, wöchentlich zu bezahlen. Drt, Straße, Haus- Nummer: ( nicht Gewünschtes ist zu durchstreichen) Name und Stand: ....... Deutscher Metallarheiter- Verband.) Verwaltungsstelle Berlin Hauptbureau: Arbeitsnachweis: Bimmer 34, Amt 4, 3353. Engel- Ufer 15. Zimmer 1-5, Amt 4, 9679. Achtung! Achtung! Arbeiter der Spezialbetriebe für Werkzeughan! Sonntag, den 7. Oktober, vorm. 10 Uhr: Beschließende Versammlung in Graumanns Festsälen, Naunynstraße 27. Tages Ordnung: Unsere Lohnbewegung. Referent: Kollege Adolf Cohen. Kollegen! In dieser Versammlung wird der wichtigste Be schluß in unserer Lohnbewegung gefaßt, auch findet die Verteilung der Tarife statt. Deshalb muß jeder Kollege auwesend sein. Wer nicht erscheint, beweist, daß er nicht mitmacht! Montag, den 8. Oktober, abends 7 Uhr: Versammlung Orts- Krankenkasse für das Buchdruckgewerbe zu Berlin. Wahl der Vertreter zur Generalversammlung. Nach§§ 44 und 45 des Kassenstatuts besteht die Generalversammlung aus Vertretern der Kassenmitglieder und der Arbeitgeber. Die Kassenmitglieder haben die Vertreter aus ihrer Mitte in einem Wahlgange zu wählen, wärend die zu Beiträgen verpflichteten Arbeitgeber auch Geschäftsführer oder Betriebsbeamte zu Vertretern wählen und in der Wahlversammlung sich durch solche vertreten lassen können. Für 1906/1907 sind zu wählen: von den Kassenmitgliedern 520 Vertreter, von den Arbeitgebern 250 Todes- Anzeige. Am Mittwoch, den 3. Oktober, verstarb mein lieber, unvergeßlicher Mann, der Töpfer Otto Glas am im 50. Lebensjahre. Die Beerdigung findet Sonntag, den 7. Oktober, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Reinickendorfer Gemeind- Friedhofes, Humboldtstraße, aus statt. Um stilles Beileid bittet 23722 Die trauernde Witwe Luise Glas geb. Wirthschaft. Die Wahl der Vertreter der Kassenmitglieder Sozialdemokratisch. Wahlverein findet am Sonntag, den 14. Oktober cr., vorm. präz. 10-11 Uhr, im großen Saale des Etablissement Buggenhagen( Moritzplatz) statt.( Um 11%, Uhr wird der Wahlakt geschlossen.) Der Vorstand ladet zu zahlreicher Beteiligung hierdurch ergebenst ein. Wahlberechtigt und wählbar sind nur diejenigen Kassenmitglieder, welche großjährig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind. Zur Legitimation dient das Quittungsbuch bez. die Quittungskarte und werden die Herren Druckereikassierer gebeten, selbige aller in Metallgießereien beschäftigten Former und den oben aufgeführten Mitgliedern behuts Teilnahme an der Wahl Gießereiarbeiter Berlins und Umgegend im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer Nr. 15. Tages Drdnung: 1. Industriekonzentration und Gewerkschaftszersplitterung. Referent: Kollege Cohen. 2. Diskussion. 3. Verbands und Branchenangelegenheiten. 154/3 Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen, ebenso ist das Erscheinen der Vertrauensleute dringend erwünscht. Montag, den 8. Oftober, abends 8%, Uhr: Bezirks- Versammlung für Westen, Schöneberg und Umgegend im Schöneberger Klubhause, Hauptstraße 5/6. Tages Ordnung: 1. Bortrag über: Abstammung des Menschen". Referent. Kollege Loew. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes, Zahlreicher Besuch wird erwartet. Zur Beachtung! Die Zahlstelle vom Restaurant Linke, bisher Chauffeeftraße 83, befindet sich jetzt Liefenstraße 3.- Nachgenannte Zahlstellen wurden neu errichtet: Im Restaurant Bethke, Lützowstraße 7; im Restaurant Füldner, Gormann straße 8/9, und im Zigarrengeschäft von J. König, Hennigsdorferstraße 12. Die Mitglieder werden dringend ersucht, ihren neuen Wohnungswechsel unter genauer Angabe der Buchnummer sofort im Bureau, Engel- Ufer 15, 1 Treppe, bekannt zu geben. Die Hauptbibliothek ist wieder eröffnet. Bibliotheksbücher werden wie folgt ausgegeben: Montag, vormittags von 9-1 Uhr, nachmittags geschlossen. Dienstag, 9-1 " Mittwoch, 9-1 D " Donnerstag, " 9-1 Freitag, 9-1 " D Sonnabend, 9-1 " 4-9 Uhr 4-7 4-7 4-9 geschlossen. n Tegel. Vorort- Bibliothek. Bibliotheksbücher werden Mittwochs, abends bon 6-8 Uhr bei Gehlhaar, Berlinerstr. 92, ausgegeben. 154/2 Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Steinarbeiter. Berlin I. auszuhändigen. Ohne Quittungsbuch bez. Quittungskarte ist die Teilnahme an der Wahl ausgeschlossen. Die Arbeitgeber wählen ebenfalls in ungeteilter Wahlversammlung am Mittwoch, den 17. Oktober cr., abends 8 Uhr, im Papierhaus( Buchgewerbe- Saal), Dessauerstraße 2, und ladet der unterzeichnete Vorstand ebenfalls zu zahlreicher Beteiligung ein. Berlin, den 1. Oktober 1906. Der Vorstand 276/8 der Ortskrankenkasse für das Buchdruckgewerbe zu Berlin. Johannes Blenz, Vorsitzender. Otto Wonitzki, Schriftführer. Reinickendorf- Ost. Nachruf! der Am Mittwoch, den 3. Oktober, berſtarb unser Mitglied, Töpfer Otto Glas. Wir verlieren in ihm einen braven und tüchtigen Genossen und Mitbegründer unseres Wahlvereins. Wir werden sein An denken stets in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. Oktober, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Reinickendorfer Gemeindefriedhofes, Humboldtstraße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 222/19 Der Vorstand. Arbeiter- Gesangverein Weiße Rose". Am Mittwoch, den 3. Oktober, verstarb unser langjähriges, treues Otto Glas. Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie Wittlieb Berufsgenossen Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin und Umgegend. Sonntag, den 7. Oktober, nachm. 4 Uhr, bei Bercht, Ritterstr. 75: Im tiefsten Schmerz verlieren wir ein Bruderherz! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. Oftober, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle Versammlung. es feinidendorfer GeAufnahme neuer Mitglieder. Tages- Ordnung: Verlegung der Versammlung vom Sonntag auf einen Wochentags abend.. Diskussion. Verschiedenes. Fragetasten und Die Ortsverwaltung. Gewerbegericht zu Berlin. J.-Nr. 491 Gew.- Ger. 06. Bekanntmachung. Zur Entscheidung der Frage, ob ein Arbeitgeber, der den für ſein Gewerbe erkennt, als Mitglied der Schlichtungsbestehenden Tarifvertrag nicht an tommission gewählt werden darf, hatten die Mitglieder der Schlichtungstommission für das Bauklempnergewerbe nach erfolgloser Verhandlung in der Kommission das Einigungsamt angerufen. Dieses hat in der Sigung vom 19. September 1906 in der Sache nachstehenden Schiedsspruch gefällt: 1. Herr Klempnermeister Saeger tann nicht Mitglied der Schlichtungsfommission sein, da er, obwohl er Bauflempnerei betreibt, für sich den Tarif nicht anerkennt. 2. Die Frage, was im Sinne des § 8 Absatz 1 Say 1 des Tarifvertrages Sonntag, den 7. Oftober 1906, vormittags 10 Uhr, unter Bertreter" zu verstehen ist, insim„ Englischen Garten", Alexanderstr. 27c. Mitglieder- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Die Biele der Sozialdemokratie. Referent: Genosse, Redakteur Paul John. 2. Neuwahlen des 1. Vorsitzenden und 1. Staffierers. 3. Abrechnung vom III. Quartal. 4. Verschiedenes. Kollegen! Sorgt für Wassenbesuch dieser Versammlung! Mitgliedsbuch legitimiert. 180/ 9* Der Vorstand. Am 20. Oktober findet in Noacks Theater, Brunnenstraße, unser Herbstfest statt. Kollegen! Macht durch zahlreiche Beteiligung das Fest zu einem imposanten und genußreichen. besondere ob die Herren Cohen und Weigel Mitglieder der Schlichtungstommission sein können, hat zunächst die Schlichtungskommission zu ent scheiden und wird daher dieser zur Entscheidung überwiesen. b. g. it. gez. von Schulz. gez. L. Nasse. Blaschkauer, Rechts: anwalt. Behrend. Pawlowitsch. Vorstehendem Schiedsspruche haben sich die Parteien unterworfen. Berlin, den 2. Oftober 1906. Eine Mark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante fertige Herrenmoden Bestellungen nach Maß, tadellose Ausführung i.eigenerWerkstatt. Spezial- Geschäft für Herren- Bekleidung. Kein Waren- Kredithaus. J. Kurzberg An der Jannowitzbrücke 1, 1. Bahnhof Jannowitzbrücke. Feurid- süsser Kraft Rothwein. Santa Lucia Blutarmen Kranken ärztlich empfohlen F 150.2M Überall 20 haben. Der Vorsitzende des Einigungsamtes. Gesch., steht unt. ständ. Kontrolle In Apotheken, Drogen- u. Delikat.gez. von Schulz. des chem. Laborat. Dr. C. Bischoff. Verband der Lederarbeiter. Möbel- Fabrik Filiale Berlin I. Sonntag, 7. Oktober, abends pünktlich 9 Uhr, im„ Marienbad", Badstr. 35/36: Monatsversammlung. Tages Ordnung: 269/12 1. Bericht des Borstandes. 2. Unsere Stellung zum Artikel im Vereinsblatt Nr. 25 des„ Lederarbeiter". 3. Wahl eines Obmannes. 4. Verschiedenes. Pünktliches Erscheinen ist Pflicht. Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zur Beachtung! Von heute Sonnabend ab werden auf folgenden neu eingerichteten Bahlstellen von 8-10 Uhr Beiträge entgegengenommen: Bahlstelle 61 Annenftr. 1, Ede Franzstraße, bei Heinze. 62 Kleine Andreasstr. 15, bei Pölke. 63 Laufigerstr. 13, bei Gräf. 64 Hagelsbergerstr. 2, bei Werner. 65 Gotłowsthstr. 13, bei Döring. 66 Gleimstr. 63, bei Lerche. Die Ortsverwaltung. Königsbergerstr. 10 3 Minuten vom Schlesischen Bahnhof. Neuheiten, in engl. garniert. Barett- u. Matrosenformen Stück 1,95, 2,45 2,95, 3,50 etc. von A. SCHULZ, Reichenberger Straße 5 ( gegründet 1878) empfiehlt ihr großes Lager nur anerkannt gediegener Möbel in jeder Holz- und Stilart von 300, 400, 500, 600 bis 10 000 Mk. Auch fertige Sofas, Garnituren und Matratzen eigener Fabrikation zu äußerst billigen Preisen. 2036L* Sozialdemokrat. Wahlverein Schöneberg. 6. Bezirk. Am Mittwoch, den 3. Oktober, verstarb plöglich an Herzschlag unser Mitglied, der Restaurateur Ernst Schwarz im Alter von 52 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. d. Mts., nach mittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Schöneberger Friedhofes, Marstraße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung der Mitglieder ersucht 15/18 Der Vorstand. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Schöneberg. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 3. Oktober unser Mits glied, der Restaurateur Ernst Schwarz Bahnstraße 19/20 plöglich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. Oftober, nachm. 8, Uhr, von der Leichenhalle des Schöneberger Kirchhofs, Marstr., aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 70/6 Der Vorstand. Nathan Wand 129 Staligerstr. 129. Die schönsten 25382* in ueu Herren- Sommer- Paletots und Anzüge fowie speziell Monats- Garderobe von Kavalieren getragene Sachen, fast neu, für jede Figur passend, speziell Bauch anzüge sind in großer Auswahl stets zu staunend billigen Preisen zu haben. meinde- Friedhofes, Humboldtstraße Nathan Wand aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 66/18 Der Vorstand. Verein der Töpfer Berlins und Umgegend. Am Mittwoch, den 3. Oktober verstarb plöglich auf der Arbeits stelle unser langjähriges Mitglied und Mitbegründer unseres Bers eins, unjer Kollege Otto Glas im Alter von 50 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. Oftober, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Gemeinde- Friedhofes in Reinicken dorf, Humboldtstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Allen Bekannten und Verwandten zur Nachricht, daß mein lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Maurer Gustay Buchholz am 2. Oftober nach kurzem Krankenlager verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. Oftober, nachm. 12 Uhr, von der Leichenhalle des Schöneberger Friedhofs, Marstr., aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die rege Beteiligung sowie die vielen Kranzfpenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, Schwieger- und Großbaters, des Metallschleifers Hermann Meyer sagen wir insbesondere dem Herrn Chef der Firma Türk, sowie den Kollegen derselben Firma und den Kollegen der Firmen Henninger, Jürst u. Tade, den Mitgliedern des Metallarbeiter Verbandes, sowie allen Freunden, Berwandten und Befannten des Verstorbenen unseren tiefgefühlten Dank. 1857b Frau Luise Meyer geb. Drahn nebst Kindern. 0 129 Staligerstr. 129. Hochbahnstation Kottbuser Tor. Bitte auf Hausnummer zu achten. Alle Wanzen werden nebst Brut durch mein Mittel vollständig vertilgt. t. 50 Pf. u. 1.00. Ebenso Schwaben, Russen, Franzosen, Blattläuse usw. Schachtel 22072* 30 Bf., 60 Pf. u. 1,00. Zahlreiche Anerkennungen. 1000 Mark Belohnung zahle demjenigen, der mir einen Nichterfolg nachweist. Nur allein echt bei Hugo Barth, Drogerie, jett Brunnenstr. 14, früher Nr. 81. ArbeiterNotiz- Kalender 1907 Geb. 60 Pt. Porto 10 Pf. Ein nüglicher Ratgeber, ein un. entbehrliches Nachschlagebuch für alle in Partei und Gewerkfchaften organisierten Arbeiter. Der diesjährige Kalender ent. hält u. a.: Die Parteien des Reichstages. Winte für Militärinvaliden. Die Reichstagswahlen von 1903 und die Nachwahlen. Biogr. Notizen unserer Reichstagsabgeordneten. Sozialdemokra tische u. Gewerkschafts- Presse. Volksschulen in Deutschland. Die Gewerkschaften im Jahre 1905. Die Arbeitersekretariate. Die internationale Gewerf. schaftsbewegung. Die im Jahre 1906 gewählten sozialdemofra. tischen Reichstagsabgeordneten ( Bildnisfe) Kalendarium und Geschichtskalender. Adressen d. deutschen Arbeitersekretariate, Münztabelle. Deutsche Groß. stadte Maße und Gewichte. Portotare Ein vielseitiges Adreffenmaterial. Außerdem enthält der Kalen ber ein Porträt des verstorbenen Genossen H. 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Die Genossen aus den Bezirken, welche nicht zur Wahl stehen, werden ersucht, sich zahlreich daran zu beteiligen. Der Vorstand. Treptow- Baumschulenweg. Morgen Sonntag findet eine Borwärts"-Agitation statt. Die Parteigenossen werden ersucht, lich Punkt 8 Uhr in ihren Bezirkslokalen einzufinden. Ferner wird darauf aufmerksam gemacht, daß den Mitgliedern die Bibliothek unentgeltlich zur Verfügung steht. Ausgabe der Bücher für Treptow bet Genoffen Gramenz im Zigarrengeschäft, Kiefholzstraße 412 und für Baumschulenweg jeden Sonnabend abend 29-210 Uhr bei Christ, Marienthalerstraße 13. Um rege Benutzung ersucht Der Vorstand. Friedenau. Sonntag früh 8 Uhr Flugblattverbreitung. Die Genossen treffen sich in folgenden Lokalen: I. Bezirk: Handjerystraße 86. Inhaber Friebsch. II. Bezirk: Wilhelmshöherstraße 22. Inhaber A. Rosenberg. III. Bezirk: Kaiser- Allee, W. Grube. denselben Lokalen findet om Mittwoch, den 10. Oktober, abends von 9 Uhr an Zahlabend statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet von ½29 Uhr an Zahlabend statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Französisch- Buchholz( Bezirk Pankow). Morgen Sonntag, vormittags 9% Uhr findet vom Verkehrslokal aus eine Handzettelberteilung statt. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Waidmannslust und Umgegend. Der Wahlverein für Waid. mannslust und Umgegend hält am Sonntag, den 7. Oktober, nachmittags 4 Uhr in Stolpe, Restaurant Bergemann seine öffentliche Mitgliederversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht Vortrag des Genossen Fendel über: Politische Streiflichter. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Eine Schwebebahn- Ausstellung Sonnabend, 6. Oktober 1906. jeden Sonntag einen Denunzianten auf den Hals wünschen". fertige sich eine Preiserhöhung um zwei Pfennig durch die schlechten Uebrigens hat gerade Herr Schmiedel sich redlich bemüht, seinen Vichfutterernten, die eine starke Verringerung der Viehbestände der Kollegen die Annahme der Vorschläge mundgerecht zu machen, in- nach Berlin Milch liefernden Landwirte hervorgerufen habe. Zu dem er an ihre Loyalität bei früheren diesbezüglichen Fragen, an dem um 2% Pf. erhöhten Einkaufspreise trete noch eine erhebliche ihre Kirchlichkeit und anderes mehr apellierte. Auch der Vor- Steigerung der Arbeitslöhne. Aus diesen Gründen erweise sich ein jizende des Vereins, Herr Nigrim, riet, die Vorschläge schon Beharren auf dem bisherigen Preissaße von 18 bezw. 20 Pf.( frei um des Scheines der Arbeiterfreundlichkeit willen" anzunehmen, Haus) als nicht angängig. und begründete dieses mit der Tatsache, daß in einem neueröffneten Diese Ankündigung steht im unerfreulichen Widerspruch mit Warenhaus am Kottbuserdamm 15 Binderinnen Stellung als dem Beschlusse der Berliner Milchhändler, der dahin geht, keinerlei Verkäuferinnen angenommen haben, und dieser Fall stehe nicht Erhöhung des Milchverkaufspreises eintreten zu lassen. Die Beallein da. Der Mangel an tüchtigen Kräften habe seine Ursache Hauptung von der erheblichen Steigerung der Arbeitslöhne läßt sich mehr oder weniger in der langen Arbeitszeit. Die Löhne seien mit den wirklichen Zuständen bei Bolle nicht in Einklang bringen. diefelben wie in anderen Geschäften. Hierdurch wurden die WahrGeschwindigkeit ist keine Hererei. Ueber die langsame Erheiten der Angestellten von einer Stelle bestätigt, die nicht im Ver- ledigung der Arbeiten auf dem Berliner Polizeipräsidium herrscht ruf des Heßen und Verheten" steht. in Handlungsgehülfenkreisen große Mißstimmung. Diese Lang Beschlossen würde, die Vorschläge des Ministeriums ab= zulehnen mit der Begründung, daß die Vorschläge nur einer- samkeit hat jetzt in einem Falle dazu geführt, daß ein lebertreter der gesetzlichen Schutzbestimmungen seiner Bestrafung entzogen feits den großen Geschäften und andererseits den Angestellten" zu- wurde. Ein hiesiger Handlungsgehülfenverband hatte am 10. Mai gute kämen. Es sind dieselben kurzsichtigen Leute, die sich seiner dieses Jahres Anzeige gegen eine Firma wegen verschiedener 3eit auch gegen den Achtuhrladenschluß wandten, und die Uebertretungen der Sonntagsruhe-, Ladenschlußbestimmungen usw. auch in Zukunft allen zeitgemäßen praktischen Einrichtungen das erstattet. Daraufhin wurde dem Gehülfenverband dieser Tage fol„ Die in Frage kommenden Akten sind seitens des Herrn daß durch solche Maßnahmen der Ruin des arg bedrängten Mittel: gender Bescheid vom Ersten Staatsanwalt: standes unaufhaltsam wird". Letterem gegenüber wird jedem, der Polizeipräsidenten zur Weiterverfolgung Anfang August er st es hören und nicht hören will, bei anderer Gelegenheit erzählt: hierher eingesandt. Da die der Firma R... hier Ihrerseits erst „ Es sei besser, ein kleiner Herr, als ein großer Knecht zu sein", vorgeworfenen Vergehen gegen die Gewerbeordnung sich auf die und die Arbeiterforderungen werden deshalb auch gerne mit dem Zeit von Februar bis Ende April d. J. erstrecken, so war bei EinHinweis auf die fünftige Selbständigkeit abgelehnt. Als derselbe gang der Aften hier bereits Verjährung eingetreten. Ich Herr, der in dieser Versammlung seinen Kollegen die Gesetzesüber- habe das Verfahren daher eingestellt." fretung empfahl, diesen Sommer angeklagt war, das Sonntags tuhegesetz übertreten zu haben, wußte er sich in der Rolle des harmlosen Biedermanns, der von einem unglaub würdigen Volksaufheber" denunziert war, zurechtzufinden und einen Freispruch zu erreichen. So ganz in intimen Kreisen spricht der Mund aus, wovon das Herz voll ist! Der Magistrat hat gestern den Oberlehrer Dr. Hilde brandt vom Viktoria- Gymnasium in Botsdam zum Oberlehrer an der 5. Realschule gewählt. Das Polizeipräsidium hat also zur Bearbeitung dieser Anzeige drei Monate gebraucht und damit selbst den Eintritt der Verjährung verschuldet. Eine blutige Ausschreitung", bei welcher Schußleute von der blanken Waffe Gebrauch machten, verursachte Donnerstag abend an dem Platz vor dem Opernhause eine große Menschenansammlung. Dortselbst war ein Steinmarder, der sich vermutlich vom Tiergarten aus verirrt hatte, von drei Hunden gestellt worden. Der Marder verteidigte sich jedoch tapfer und brachte seinen Gegnern mehrere Bisse bei, durch welche diese gezwungen wurden, sich in respektvoller Entfernung von dem Raubtiere zu halten. Schließlich machte ein Schußmann dem Kampf dadurch ein Ende, daß er den Marder durch einen Säbelhieb tötete. Die Festnahme eines Bückler- Jüngers erregte Donnerstag um ist im Festsaale des Rathauses eröffnet worden. Sie umfaßt Mitternacht dicht am Bahnhof Friedrichstraße nicht geringes Aufeine Reihe von Modellen und Zeichnungen, welche die verschiedenen schen. Der Rowdy griff ohne irgend welche Ursache einen ruhig alten und neuen Systeme der Schwebebahn darstellen. Im Laufe Als der Jurist Hans R., der Zeuge der ganzen Szene war, für seines Weges gehenden polnischen Handwerksburschen tätlich an. Zu der Aushebung der beiden Falschmünzerwerkstätten wird noch des Donnerstags haben die Mitglieder der Verkehrsdeputation den Angegriffenen Partei nehmen wollte, stürzte sich der Strolch mitgeteilt, daß die Kriminalpolizei noch ein siebentes Mitglied der sowie( während und nach der Sitzung) viele Stadtverordnete die sofort auf diesen und versekte ihm einen so wuchtigen Fausthieb Falschmünzerbande festgenommen hat. Es handelt sich um den Ausstellung besucht, welche dem Laien ein anschauliches Bild von ins Gesicht, daß ihm das Blut aus dem Munde quoll. Zwei Schutz- wohnungslosen Arbeiter Willi Beier, der in der Werkstätte in der diesem Schnellverkehrsmittel bietet. Am heutigen Sonnabend soll leute brachten das Individuum nach der im Bahnhof Friedrichstraße Reichenbergerstraße bei der Herstellung von Falsifikaten geholfen auch Interessenten aus dem Publikum die Besichtigung gestattet belegenen Wache, wo es als der 34jährige Schausteller Gustav hat. Beier ist gleichfalls dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Die Ausstellung bietet in allen Einzelheiten sehr Bemerkenswertes, besonders eine vollwandige Flachträgerfonstruktion Perkowski festgestellt wurde. Befragt, warum er harmlose Passanten werden. angreife, crwiderte er: So müsse die ganze Judenauf Mittelstüßen. Während bei den übrigen Modellen die Schienen- bande verteilt werden" und es tann ja nur fünf Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern vormittag träger der Schwebebahn von einer Gitter- oder Fachwerkkonstruktion Mart Geldstrafe to sten". Gegen den gefährlichen Bückler- zwischen 7 und 8 Uhr in der Martin Lutherstraße. Dortſelbst wird, getragen werden, sind bei diesem Modell die Schienenträger selbst jünger soll sofort das Strafverfahren eingeleitet werden. wie uns aus fachmännischen Kreisen mitgeteilt wird, von der als Brückenhauptträger ausgebildet. Das ganze Eisenfachwerk Firma Held u. Franke auf dem Grundstück Nr. 31/32 ein großer oberhalb der Fahrbahn wird durch die Verkleinerung der Stüßen- Die Darlehnsfirma Schneeweiß u. Co. in Berlin hatte aus Neubau aufgeführt, der bis zur dritten Etage gediehen ist. Auf entfernung entbehrlich. Diese ist ein scheinbarer Nachteil. Statt Anlaß eines Artikels unseres Parteiblattes Pfälzische Post" über noch nicht aufgeklärte Weise ist der dort beschäftigte 41jährige 33 Stüßen bei einer Bahn von 1000 Meter Länge müssen nämlich das eigenartige Geschäftsgebaren dieser Firma gegen den ver- Zimmerpolier Otto Klauß, Berlin, Wolgasterstraße 11 wohnhaft, bei der Anwendung der letzteren Konstruktion etwa 55-65 Stüßen antwortlichen Redakteur eine Klage wegen Beleidigung gebracht. lebensgefährlich verunglückt. Augenzeuge des Unfalles war in den Straßendamm eingebaut werden. Immerhin ist die Auch wir hatten seinerzeit von diesem Artikel Notiz genommen, niemand. Die Umstände aber sowie die Art der Verletzung lassen Stüßenentfernung noch ausreichend, um selbst breite Fahrdämme sind aber mit einer Klage verschont geblieben, obwohl es Herr zweifellos den Schluß zu, daß dem Verunglückten, der auf dem ohne Einschränkung hindurchzuführen. Die ausgestellten Modelle Schneeweiß nicht ant Briefen fehlen ließ, die Berichtigungen bar- of au tun hatte, ein Mauerstein auf den Stopf gefallen ist. Diese und so weiter zeigen, daß die Gesellschaft bemüht ist, den Nachweis stellen sollten, aber schwere Beleidigungen und schwere Anklagen Art des Unfalles ist auch insofern erklärlich, da über verschiedenen zu liefern, daß eine befriedigende Gestaltung des Schwebebahn- gegen die hiesige Kriminalpolizei und den Oberstaatsanwalt ent- Eingängen des Neubaues nicht einmal die in den UnfallverhütungsBiaduktes auch in normalen Straßen, und nicht nur in solchen von hielten. Wir reagierten nicht auf diese Briefe, wollen aber doch Borschriften vorgesehenen Schußdächer angebracht waren. ungewöhnlicher Breite, möglich ist. Jedenfalls gestatten sie ein der Gerechtigkeit halber den Beschluß mitteilen, den das Amts- mit den sonstigen Schuhmaßregeln für die am Bau beschäftigten Urteil darüber, ob die Befriedigung ästhetischer Rücksichten bei der gericht auf den Antrag des Strafantragstellers gefaßt hat. Der Arbeiter ist es bisher jämmerlich bestellt gewesen. Nun allerdings, Schwebebahn möglich ist. Die Fragen, die den Wunsch einer Probe- Beschluß lautet: ftrede in natürlicher Größe hervorriefen, dürften durch die Modelle" Das Hauptverfahren wegen eines Vergehens der Beleidi- nachdem das Unglück passiert ist, hat man angeordnet, daß die lebensgefährlichen Stellen zu sperren oder abzudecken sind. Also und so weiter zum Teil geklärt sein. Die Verkehrsdeputation gung wird gegen den Beschuldigten nicht eröffnet. Die Kosten auch hier hat man die auf allen modernen Jammerbauten bekannte wird aber gleichwohl mit Rücksicht auf gemachte Erfahrungen des Verfahrens einschließlich der dem Beschuldigten erwachsenen Regel befolgt: Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, wird schwerlich von ihrem früheren Beschluß, wonach Probestreden notwendigen Auslagen werden dem Privatkläger zur Last ge= er zugedeckt. Vielleicht nimmt aber die in Betracht kommende in der Brunnenstraße zwischen der Invalidenstraße und dem legt. Der Artikel„ Die Darlehnsinserate in der bürgerlichen Polizeibehörde oder die Bauinspektion, die das Fehlen der SchutzRosenthaler Tor und in der Dircksenstraße am Bahnhof Alexander- Presse", wegen dessen Privatklage erhoben wurde, enthält keine vorrichtungen dort nicht zu merken scheint, auf Grund dieses Unplaz auszuführen sind, zurücktreten. Wenn die Gesellschaft ihr Beleidigung des Privatklägers. Die Ermittelungen haben erglücksfalles einmal Veranlassung, eine Kontrolle dieses Baues ausProjekt der Herstellung einer Schwebebahn Gesundbrunnen- geben, daß der Privatkläger wiederholt mit seinen Darlehns- zuüben. Außerdem ist zu verurteilen, daß der Verunglückte, der Rigdorf fördern will, dann wird ihr wohl nichts anderes übrig inferaten sich unredlicher geschäftlicher Manibleiben, als diese beiden Probestrecken zu bauen, und zwar in der pulationen schuldig gemacht hat, die mit neuen Bauweise( Flachträger). Zu dieser hat Minister Budde Recht von der Presse und im vorwürfigen Falle von dem Be Veranlassung gegeben, indem er in einem Erlaß vom 6. Februar schuldigten, dessen Zeitung vornehmlich in Arbeiterkreisen ge1906 die Forderung aufstellte, daß die Bauweise mit Portalstüßen lesen wird, mit scharfen Worten gerügt wurden. Es war daher in möglichst geringem Umfang auszuführen und die Notwendigkeit das Verfahren gegen den Beschuldigten wegen eines Vergehens ihrer Anwendung bei dem Antrag auf Einholung der allerhöchsten der Beleidigung im Sinne der§§ 185, 186 St.-G.-B. nicht zu Genehmigung näher zu begründen sei. Studien führten dann zur eröffnen. Die Kosten einschließlich der Auslagen waren dem Konstruktion der Flachträger, die hinsichtlich der Inanspruchnahme Privatfläger zur Last zu legen." der Straßen nur geringe Anforderungen stellen. So, nun hat Herr Schneeweiß gerichtlich seine„ Reellität" bescheinigt bekommen; vielleicht ist er nun zufrieden. Auch infolge einer furchtbaren Kopfverlegung sofort besinnungslos zusammengebrochen war, nachher noch in diesem Zustande eine Stunde in der Baubude, wohin er von seinen Arbeitskollegen getragen wurde, liegen mußte, ehe ärztliche Hülfe tam. Die Unfallstation in der Bahnstraße, die auf die telephonische Meldung hin sich erst peinlichst erkundigt haben soll, wer dafür die Kosten trägt, forgte alsdann für die Ueberführung des Bedauernswerten nach dem Krankenhause am Urban, wo derfelbe hoffnungslos das niederliegt. Eine neue Diebesspezialität wird seit kurzem in den südöstlichen Stadtteilen betrieben. Die Täter haben es auf wertvolle Glas- und Bronzebuchstaben, die an Schaufenstern angebracht sind, abgesehen. Mit großer Geschicklichkeit verstehen es die Burschen, die Firmeninschriften von den Fenstern zu entfernen, und sobald Fußgänger nahen, halten sie mit ihrer Arbeit inne. Natürlich können sie ihr verbrecherisches Gewerbe nur in den Nachtstunden ausüben. Eine Reihe von Geschäftsinhabern ist durch das Treiben der Diebesspezialisten bereits erheblich geschädigt worden. Sieben Kupferdrahtdiebe sind jeßt unschädlich gemacht worden. Bekanntlich wurden vor zwei Tagen die Arbeiter Malchow und Fechner unter dem dringenden Verdacht, in dem Kabelwerk Wilhelminenhof" Kupferdrahtdiebstähle verübt zu haben, verhaftet. Fechner hat nun im Laufe der Untersuchung die Namen der übrigen Mitglieder der Bande angegeben. -Mit der Frage einer Neuregelung der Verkaufszeiten an Aus Lehrerkreisen wird der„ Vossischen Zeitung" geschrieben: Sonn- und Feiertagen in den Blumengeschäften beschäftigte sich am Montag, den 1. Oktober, in den„ Industrie- Festsälen" eine vom Es kann jetzt beim Wechsel des Halbjahres den Eltern nicht Verein der Blumengeschäftsinhaber Berlins einberufene und von dringend genug empfohlen werden, sich alle Atteste und Bedie aus der Schule ab= girta 70-80( von den zirka 500) Blumengeschäftsinhabern Berlins scheinigungen für besuchte Versammlung, zu welcher nur Eintritt gegen Vorzeigung gehenden Kinder von den Schulleitern zurückgeben zu einer Einladung gewährt wurde. Letterer Umstand muß besonders lassen und aufzubewahren. Hierher gehören in erster Linie neben erwähnt werden, da die Blumengeschäftsinhaber in gutem Glauben, den Taufscheinen die Zeugnisse über erfolgte Impfung bezw. Wieder nun ganz unter sich zu sein, es unterließen, aus ihrem Herzen impfung, ferner alle während der ganzen Schulzeit eingereichten eine Mördergrube zu machen. Auf die Petition des Verbandes ärztlichen Atteste, sowie die„ leberwachungsscheine", welche die der Blumengeschäftsinhaber an das preußische Ministerium um Schulärzte ausstellen. Die Schule hat weder ein Recht noch ein Verlängerung der Verkaufszeit an den ersten Weihnachts, Interesse daran, derartige Papiere zurückzubehalten, und für die Oster- und Pfingstfeiertagen, welche zurzeit 2 Stunden, und zwar betreffenden Kinder können sie später oft von großer Bedeutung werben. Es kommt 3. B. häufig vor, daß die Militärbehörde bei bon 8-10 Uhr, beträgt, folgte eine Gegenpetition um Ver= türzung der Verkaufs- und Arbeitszeit, welche zurzeit fünf Ver- der Schulleitung anfragt, ob die Behauptung des Soldaten N. N., An der Freien Hochschule beginnen in den nächsten Tagen die kaufs- und sieben Arbeitsstunden an gewöhnlichen Sonntagen be- er habe bereits während seiner Schulzeit an Stottern, Kurzsichtig trägt, bon seiten der Sektion der Blumengeschäftsangestellten. Das feit, Schwerhörigkeit, Krämpfen oder dergleichen gelitten, auf erften Vortragszyklen. Am Sonntag, den 7. Oktober, vormittags Ministerium hat eine Prüfung der beiden Petitionen vorgenommen Wahrheit beruhe; die Lehrer vermögen sich nach langen Jahren 10-11 Uhr Herr Dr. J. Kern: Die italienische Kunst und Kultur mit Demonstrationen im Kaiser und beiden Teilen, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Vorschläge dessen selten zu entsinnen, oder sie sind längst versetzt oder gar nicht im Zeitalter der Renaissance unterbreitet, welche darauf hinausliefen: eine Verschiebung der mehr am Leben. Ein anderer ehemaliger Schüler steht als An- Friedrich- Museum( Eing. Stadtbahnfeite). Montag abend 8 bis Neue Theaterstücke in Verkaufszeit an den ersten Weihnachts-, Oster- und Pfingsttagen geklagter vor Gericht und soll beweisen, daß ihm gewisse törper- 9 Uhr: Herr Theodor Kappstein: liche oder geistige Schwächen von Jugend auf anhaften, wodurch Berlin Kritische Besprechung der Theaterpremieren und von statt von 8-10 Uhr bisher, auf 12-2 Uhr mittags vorzunehmen, liche oder geistige Schwächen von Jugend auf anhaften, wodurch Berlin Sein Lebensgang der 9-10 Uhr über: Eduard von Hartmann sein Verhalten erklärt oder die Straftat gemildert erscheint und an den gewöhnlichen Sonntagen da der Nachweis gegeben ist, daß eine Verschiebung der Verkaufszeit ohne Geschäftsschädi- werden. Ein Knabe ist farbenblind, ein anderer leidet an zeit- Bogelerschen Lehrerinnenseminars, Ritterstraße 4/5, statt. Beweis kann zumeist nur durch die erwähnten Atteste geliefert und seine Ideenwelt. Beide Vorlesungen finden in der Aula des gung möglich ist statt 12-3 Uhr bisher, auf die Zeit von 12--2 Uhr zu beschränken, dafür morgens eine Stunde früher, also weiser geistiger Abwesenheit, die zwar nur Minuten dauert, ihn Dienstag abend 8-9 Uhr im Friedr. Werderschen Gymnasium, von 7-10 Uhr, die Verkaufszeit freizugeben. Des ferneren sollte aber während dieser Zeit des Bewußtseins und damit aller Ver- Dorotheenstraße 13/14, Herr Dr. Rudolf Benzig: Heidentum von Gedanken zu einer Lebensführung ohne Beistand der antwortlichkeit beraubt für das, was er tut; die Zahl solcher und heute nach den Vorschlägen des Ministeriums von den eventuell zu ähnlicher Fälle ist außerordentlich groß, und die Beweisführung Stirche und 9-10 über: Ethische Kultur in der Schule. Ebenfalls läffigen zwei Arbeitsstunden von der Verkaufszeit eine Stunde ge- fann von unendlicher Bedeutung werden für die ganze Existenz. am Dienstag abend beginnt Herr Direktor Fr. Moest von der In der Versammlung erklärte Herr Grill, Charlottenburg, Die Bollesche Milch wird teurer. Wie die Bollesche Meierei in Reicherschen Hochschule für dramatische Kunst" in seinem Uebungsmit dankenswerter Offenheit, daß die Blumengeschäftsinhaber einem gestern versandten Flugblatt mitteilt, wird vom nächst en faal, Charlottenburg, Grolmannstraße27, seinen Zyklus über: Die diesen Vorschlägen nicht zustimmen können, weil dahinter Sonntag ab der Milchverkaufspreis um zwei Pfennig Kunst des Vortrages. Alles Nähere aus den Programmen zu erdie Angestellten stehen, und würde das Akzep- pro Liter erhöht werden. Es kosten dann das Liter Voll- sehen. Programme unentgeltlich bei Loefer u. Wolff und in den Lesehallen. tieren eine Konzession an die Organisation milch ab Wagen 20 Pf., frei Haus 22 Pf., das Liter Vollmilch der Angestellten, besonders aber Wer zu jener Klasse von Leuten gehört, die über ein großes deren in Flaschen frei Haus geliefert 24 Pf.; bei drei Liter und mehr Leitung in der Meterstraße bedeuten". Herr frei Haus in Kannen geliefert tritt der ermäßigte Preis von Portemonnaie und über viel Zeit verfügen, hat in Berlin reichlich Degeförde, Berlin, Badstraße, ein Scharfmacher en miniature, 20 Pf. pro Liter ein. Die Kindermilch wird von demselben Gelegenheit, sich in den Strudel des Vergnügens zu stürzen. Nun Die einen ziehen erklärte sich rund und schlank für Beibehaltung des jezigen Zu- Tage an 60 Pf. pro Liter kosten, da, wie das Flugblatt geltend find die Bergnügungen verschiedener Art. standes, schon aus dem Grunde, daß jeder während der gesetzlich macht, die Forderungen der Wissenschaft immer höher gestiegen beispielsweise den Besuch eines guten Theaters vor, die anderen berbotenen Zeit so viel verkaufen möge, wie es eben seien und eine vorsichtigere Auswahl der zur Milchgewinnung be- finden volle Befriedigung in den Variétés und den Kabaretts. geht, und wie es ja bisher auch geschehen ist"! Diese nußten Kühe, sowie eine noch schärfere Kontrolle als bisher in An Musentempeln letzterer Qualität sind wir in Berlin nicht Bemerkung nagelte Herr Schmiedel fest, indem er sagte:„ Wenn hygienischer Beziehung zur unabioeisbaren Notwendigkeit geworden gerade arm Um volle Häuser zu bekommen, wenden die Direktionen mein Vorredner sich beschwert, daß Denunzianten umgehen, so sei. Der Preis der Kindermilch von Pachtgütern bleibt von dieser der größeren Variétés alles auf, um womöglich alle Monate ein möchte ich Herrn Degeförde nach seinen gemachten Ausführungen Erhöhuna borerst unberührt. Was die Vollmilch anlangt, so recht- neues Brogramm zu bieten. Sie tennen ihr Bublikum. Das türzt werden. an Am dürstet nach Abwechselung, nach Neuem und bor allem nach Pikantem das die Nerven und die Sinne kitzelt. Und so sind die ersten Tage des Monats diejenigen, die neue„Tricks" und neue„Attraktionen" bringen. Es ist diese Zeit für das Abwechselung heischende Publikum eine Zeit der Anstrengung, denn von Tag zu Tag muß es von einer Premiere zur andern Hetzen. Im Passagetheater Unter den Linden ist I o s e f i n Dora in ihrer„Rieke" die Heldin des Abends und ihr Schlager „Emil, Du bist eene Pflanze" findet immer wieder donnernden Applaus. Eine hübsche Alpenszene bringt das E l l m a n n Duo ivährend Ella M i l a r d i und Feodorowna N Y s s i m a als Chansonetten wirken. Auch die beiden Humoristen Erik Peterson und Hugo Mörlinger bringen einiges Verdauliche. Als gewandter Drahtscilathlet produziert sich S a l t a, während die Canons durch ihre lebenden Statuen mit manchen ähnlichen Truppen hiesiger Varietes gut konkurrieren. Der Wintergarten hat sein glänzendes September Programm in den neuen Spielmonat teilweise herüber genommen und zum andern Teil durch Engagierung neuer tüchtiger Kräfte verändert. Als besonders hervorragende Leistung muß die der Iackson-Truppe bezeichnet werden, die sich geradezu als Künstler auf dem Gebiete des RadfahrenS vorstellten. Durch seine Kraftproduktioncn erregte Launceston Elliot das Staunen des Publikums. Reichlich sind im Programm die sogenannten Exzentriks vertreten, eine Künstlerspezies, das durch die tollsten, waghalsigsten Sprünge und Experimente das Auditorium in die lebhafteste Heiterkeitsstimmung versetzt. Als solche wirken im Wintergarten Spissel und Mack, sowie Bros. P e r m a n e. Besonders letztere bringen in einem Nachtigallenduett eine Fülle des köstlichsten Humors. Erwähnenswert ist ein Musik- und Jongleurakt der Geschwister C h a r l e n e, von denen Miß Charlenc in äußerst geschickter Weise auf dem Xylophon zu Hause ist. Ein Duettistenpaar aus Paris, eine Opernsängerin Maria Vinent von der königlichen Oper in M a d r i d und die e n g l i s ch e Ballett- gefellschaft mit ihrem„Erntefest" vervollständigen das Programm, zu dessen Verständnis man mindestens in vier Sprachen zu Hause sein muß, in angenehmster Weise. Robert Steidl mit seinen Schlagern„Das Kabarett" und seiner Lindenpantomime übt dabei immer noch die alte Zugkraft aus. Einen ästhetischen Genuß ge währen die lebenden Marmor-Kolossalgruppcu.� Feuerwehrbericht. Der 16. Zug hatte am Donnerstag in der Chausseestratze 87 zu tun. wo in einer Apotheke Bilsenkrautöl brannte. DaS Feuer konnte auf den Brandherd im Keller bc- schränkt werden. Zwei Küchenbrände beschäftigten die Wehr in der Heimstraße 20 und am Grünen Weg 110. Holzwolle u. a. brannten dort. In der Bredowstratze 28 brannten Gardinen u. a. Ferner wurde die Wehr nach der Urbanstraße 23 gerufen, wo eine Frau, die entbunden war, in Lebensgefahr schwebte. Durch Anwendung bcn Sauerstoff wurde die Frau anscheinend mit Erfolg behandelt. Wegen eines Tachstuhlbrandes wurde gestern nachmittag die 4. Kompagnie von drei Seiten nach der Pankstraße 42a gerufen. Dort stand der Dachstuhl des Vorderhauses in Flammen. Diese hatten an dem HauSrat der Mieter in den Bodenvcrschlägen reiche Nahrung gefunden und schlugen bei Ankunft der ersten Löschzüge schon an mehreren Stellen aus den Dachfenstern hell empor. Der 16. Zug nahm sofort mehrere Schlauchleitungen vor und es gelang durch kräftiges Wassergebcn, den Brand auf den Dachstuhl, der zum Teil niedergebrannt ist, zu beschränken. Kurz vorher mutzte ein Wohnungsbrand in der HauSburgstraße 8 gc- löscht werden. In der Prinzenstraße 84 brannten Holz, Papier und anderes. Als diese Gefahr beseitigt war, lief ein Alarm aus der Prinzenstratze 86 ein, wo die Wehr aber nicht in Tätigkeit kam. Teer und anderes brannte in der Reichenbergerstraße 142 unter großer Oualmentwickelung. Vorort- jyaebriebten* Die Beerdigung Adolf Hermanns. Gestern nachmittag wurde Genosse Hermann, der durch die Kugel eines Gendarmen Getötete, in Hohen-Neuendorf zu Grabe getragen. Den im Trauerhause aufgebahrten schlichten Sarg um- standen neben der von Schmerz gebeugten Witwe, dem alten Vater und anderen Angehörigen des Getöteten, eine große Zahl von Partei- und Gcwcrksckiaftsgenossen, die gekommen waren, dem durch eine unverantwortliche Tat aus ihrer Mitte gerissenen Mitkämpfer das letzte Geleit zu geben. Ter Wahlverein von Waidmannslust, dem der Verstorbene als Mitglied angehörte, der Krciswahlverein von Niederbarnim, sowie verschiedene einzelne Wahlvereine des Kreises hatten Deputationen 'mit Kränzen geschickt, deren rote Schleifen Widmungen trugen, die zum Teil auf die Art, wie der Dahingeschiedene aus dem Leben gc- rissen worden ist, Bezug nahmen. Auch die Zahlstelle Oranienburg des Zimmererverbandes, wo der Verblichene seine gewerkschaftliche Tätigkeit entfaltet hatte, war in gleicher Weise vertreten, ebenso einige gesellige Vereine. In stummem Schmerz, der sich mit gerechter Erbitterung über die Todesursache ihres wackeren Mitstreiters paarte, unistanden die trauernden Genossen die Totenbahre.— Ein Arbcitergesangverein eröffnete die schlichte Feier mit dem Vortrag des Liedes:„Ein Sohn des Volkes". Dann gedachte Genosse Stadthagen in wenigen tief empfundenen Worten des so jäh und auf so verurteilenöwerte Weise aus unserer Mitte gerissenen Genossen, der den Seinen ein liebender Gatte und Vater, der Partei und Gewerkschaft ein Pflicht- treuer/ opferwilliger, unermüdlicher Mitkämpfer war. Durch die Straßen von Hohen-Neuendorf bewegte sich der lange Trauerzug, und an den Fenstern zeigten sich überall teilnahmsvolle Gesichter, wußte doch jeder, daß hier ein Mann zur letzten Ruhe- stätte geleitet wurde, der nicht eines natürlichen Todes gestorben, sondern durch einen Akt der Gewalt dahingerafft worden ist. Auf dem Friedhofe angelangt, senkte sich der Sarg unter den stimmungsvollen Klängen eines Traucrgesangcs in die Gruft.„Ein Sohn des Voltes wollt er sein und bleiben", so tönte es in feier- lichem Klange in den sonnigen Herbstabend, als sich die Gruft über der Leiche unseres Genossen schloß. Die Kranzträger traten an das Grab. Als erster der Vor- sitzende des Wahlvereins Waidmannslust. In den WidmungS- Worten, die er dem getöteten Genossen in die Grube nachrief, ge- dachte er auch der Tat, die seinein Leben ein jähes Ende bereitet hat und keimzeichnete sie als das, was sie ist. Da löste sich bei einigen im Trauergefolge der verhaltene Groll und Rufe des Unwillens, die der Tat und dem Täter galten, entrangen sich spontan manchem Munde.— Auch die noch folgenden Worte des Nachrufes aus dem Munde anderer Genossen waren zumeist auf den gleichen Ton ge- stimmt. Die Umstände brachten es eben mit sich, daß nicht nur das Gefühl der Trauer, sondern auch das Verlangen nach Vergeltung der Tat in den Herzen der Genossen Platz fand. Ein wenig abseits, hinter den Lcichensteinen, blickten die Helm- spitzen von zwei Gendarmen.— Die Ordnungshüter hielten sich jedoch taktvoll zurück, es gab übrigens auch keine Gelegenheit zum Einschreiten. Aber ganz ohne eine Amtshandlung ging es doch nicht ab. Der Vorsitzende des Wahlvercins Waidmannslust wurde notiert. Sollte er vielleicht die preußische. Ordnung dadurch verletzt haben, daß er in dem Nachruf, den er dem Toten widmete, die Wahrhest gesagt hat!_ Charlotte, ibnrg. Der Konsumverei» kann, wie auS- dem Bericht deö Geschäftsführers in der letzten Generalversammlung zu entnehmen ist, auf weitere Fortschritte zurückblicken. Der Warenumsatz stieg von 176 253.00 M. im Vorjahre auf 187 012,96 M. Die Mitgliederzahl erhöhte sich um 141 und beträgt 1265. Der Reingewinn beläuft sicki auf 6677,34 M.— gegen 6563,13 M.—, wovon 6300,30 M. als Z'/g prozcntige Rückvergülung an die Mitglieder verteilt werden. In der Gegend der Pestalozzistraße soll möglichst noch in diesem Jahre die vierte Verkaufsstelle errichtet werden. jedoch muß erst durch Gewinnung einer weiteren Anzahl Mitglieder die Rentabilität gesichert werden. Eine rege Inanspruchnahme der Sparkasse des Vereins ist erwünscht, da die Gelder derselben nur zu genosseiischafilichen Zwecken verwendet werden. Der Zinsfuß ist jetzl auf 3>/s Proz. erhöht. Das Gehalt des Geschäftsführers wird aus 2200 M. erhöht. In den Aussichtsrat wurden gewählt Frau Vieck und die Herren Hagemann und Ahrens. In den Vorstand wurde Herr Sellin wiedergewählt. Schöi«eberg. Zwei Stadtverordnctcncrsahwahlen sind in der zweiten Ab teilung vorzunehmen, und zwar für die Herren von Frankenberg und Professor Mclluiann. Letzterer hat sein Mandat wegen Per- zuges niedergelegt. Die Neuwahlen sind vom Magistrat auf den 25. Oktober festgesetzt. Der Wahlkampf scheint ein äußerst heftiger zu werden, da die Liberalen alles aufbieten, um die freiwerdenden Mandate mit Männern aus ihren Reihen zu besetzen. Lichtenberg. Der Mannheimer Parteitag war in der letzten Mitglieder- Versammlung des WahlvcreinS Gegenstand lcdhafter Erörterung. Ten Bericht von demselben gab Genosse Seikel in cinstündiger Rede. Die Versammlung nahm nach reger Diskussion folgende Resolution gegen zwei Stimmen an:„Tic Versammlung spricht ihre Zufriedenheit über den Verlauf des Parteitags aus und er- wartet, daß nun alle beteiligten Faktoren ihr Ganzes daransetzen werden, dem Geiste der Beschlüsse entsprechend die Parteiarbeit aufzunehmen. Mit dem Verhalten des Berichterstatters erklärt sich die Versammlung einverstanden." Vor Beginn der Vcrhand- lungen ehrte die Versammlung das Andenken der verstorbenen Mitglieder Dronski und Radtke in der üblichen Weise. Am Diens- tag, den 9. Oktober, findet nn großen Saale der Gebr. Arnhold, Frankfurter Chaussee 5, der erste Vortragsabend statt. Karten für alle 7 Abende gültig sind bei den Bezirksleitern zum Preise von 50 Pf. erhältlich. Nieder- Schöneweide. Selbstmord in einer Kläranlage verübte die 23jährige Per- käuferin Martha Rappolt. Am User der zu der Spindlerschen Färberei gehörigen Kläranlage bei Nieder-Schöneweide wurde vor- gestern ein Jackett, Hut und Schirm aufgefunden. In einer Jackettasche befand sich ein Zettel, durch welchen als Eigentümerin der Sachen die Verkäuferin Martha Rappolt ermittelt wurde. Beim Absuchen des Wassers fand man das Mädchen an einer kaum einen Nieter tiefen Stelle des Gewässers. Nahrunassorgen sollen das Motiv des Selbstmordes sein. Friedrichsfelde. Ein folgenschwerer Zusammenstoß eines Straßenbahnzuges mit einem Viehwagen fand gestern nachmittag in der Berlinerstraße statt. Gegen 2 Uhr fuhr ein Straßenbahnzug der Linie 70 lSpittclmarkt— Friedrichsfelde) die Bcrlinerstrahe im genannten Vororte entlang, als vor dem Hause Nr. 10 der ViehtranSport wagen Nr. 60 der Firma Karl Richter, Frankfurter Allee, env gegenkam. Der Kutscher des letzteren bog. die Pferde zum ziemlich 'charfen Trabe anfeuernd, unmittelbar vor dem Motorwaggon auf )as Gleis und der schwere Transportwagen stieß mit großer'~ walt gegen die Vorderplattform des Straßenbahnwagens. Die Plattform wurde eingedrückt, die Perronwand umgelegt, die samt- lichen Stirnwandscheiben und eine Seitenscheibe des Kraftwagens zertrümmert. Der Straßenbahnführcr Matschke wurde zwischen Perron- und Stirnwand gequetscht. Er erlitt schwere innere Verl letzungen sowie durch die umherfliegenden Glassplitter erhebliche Schnittwunden am Kopfe. Der Verunglückte wurde mittels Droschke nach der Wohnung geschafft. Der Kutscher des Vieh transportwagens war zwar vom Bock auf das Straßenpflaster ge- 'chleudert worden, kam aber mit leichten Kontusionen davon. Spanda«,. Der vor noch gar nicht allzu langer Zeit gegründete Verein der Arbeiter und Arbeiterinnen der Staatswerkstätten, der in der kurzen Zeit seines Bestehens so reichlich Erfahrung machen mußte, wie trübe es mit der Koalitionsfreiheit der Staatswerkstättcn- Arbeiter beschaffen ist, beschäftigt sich jetzt mit der Frage seiner Auflösung. Besseres kann auch nicht getan werden, denn tn seiner jetzigen Gestalt gleicht er nur einem Klimbimverein. Nur der Anschluß an die moderne GewcrkschaftSorganisation kann den Ar- beitern Besserung ihrer Lage schaffen und kann sie frei machen von jeglicher Bevormundung. Für ihre Verdienste um den neuerbauten Kinderhort, genannt „Sonnenhof Kaiser Wilhelms II.", haben der Oberbürgermeister K ö l tz e den Kronenordcn 3. Klasse und der Pastor Spengler den Roten Adlcrorden 4. Klasse erhalten. Die Bibel schreibt: und des Menschen Sohn hatte nichts, wo cr�scin Haupt hinlegen konnte". Da haben es die heutigen Berkünder seiner Lehre doch bester, sie beziehen gute Gehälter und werden dekoriert. Gericht erkannte auf eine Geld strafe von 30 M. fflrf der Schwere der Beleidigungen sei sogar die Verhängung einer Gefängnisstrafe in Frage gezogen worden. Nur mit Rücksicht auf das leicht erregbare Temperament der Angeklagten, die sich in ihrem vermeintlichen Rechte glaubte, sei von einer Freiheitsstrafe Abstand genommen worden. Hätte das Kaufmannsgcricht an Achtung eingebüßt, wenn kein Strafantrag gestellt worden wäre? Sericbts- Leitung. Unterschlagungen i» der„Komischen Oper". Wegen Unterschlagungen in der„Komischen Oper" mutzte sich gestern der Nachtportier Hermann Lindemann vor dem Strafrichter verantworten. Der bisher unbescholtene Angeklagte bekleidete bis vor kurzem den Posten eines Nachtportiers in der Komischen Oper". In dieser Eigenschaft hatte er nach Schluß der Vorstellung die sämtlichen Räumlichkeiten des Theaters zu revidieren. Durch die Vergeßlichkeit des Publikums entwickelte ich für den Angeklagten hieraus mit der Zeit eine ganz cinträg- liche Nebeneinnahmc, denn auf den Plätzen fand L. alle möglichen von den Besuchern des Theaters vergessenen Gegenstände. Unter diesen befanden sich zahlreiche Opernglaser und dazu gehörige EtuiS, ein Brillantarmband, mehrere Broschen, goldene Pincenez, mehrere Pompadours, ein falscher Zopf usw. Diese Gegenstände wurden ämtlich bei einer Haussuchung in der Wohnung deS Angeklagten vorgefunden. Zugleich wurden aber auch verschiedene der Firma Lachmann u. Zauber gehörige elektrische Glühlampen, LeitungS» drähte und Schalter beschlagnahmt, die L. sich angeblich schon während des Baues der„Komischen Oper" angeeignet haben sollte. Vor Gericht war der Angeklagte der Unterschlagung geständig. Der Bauführer D. bestätigt die Angabe des Angeklagten, daß er ihm die Erlaubnis gegeben habe, die herrenlos herumliegenden Be- leuchtungsutensilien für sich zu verwenden. Der Staats. anwalt beantragte eine Woche Gefängnis, da es sich doch um einen ziemlich groben Vertrauensbruch gegen die Direktion wie auch gegen das Publikum handele. Das Schöffengericht erkannte unter Zubilligung mildernder Umstände wegen Unter- ihlagung auf 5 0 M. G e l d st r a f e. Beleidigung des Kaufmannsgerichtes. Die Verkäuferin Emmh Blaser hatte Eingaben an das Kaufmannsgericht gerichtet. Deshalb hatte sie sich gestern vor dem Schöffengericht Berlin Mitte zu verantworten. Nach Abweisung einer Gchaltsklage hatte die Angeklagte mit sehr groben AuS- drücken in Briefen an das Kaufmannsgericht nicht gegeizt. Der Amtsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 45 M. Das Die Oberstenuniform vor dem Kammergericht. Die publizistische Tätigkeit des Oberst a. D. Gädke hatte be» kanntlich dazu geführt, daß ihm im ehrengerichtlichen Verfahren sein Titel aberkannt und er der Vergünstigung, als verabschiedeter Offizier die Uniform zu tragen, für verlustig erklärt wurde. Dies Urteil erging auf Grund der Verordnung über die Ehrengerichte der Offiziere im preußischen Heere vom L. Mai 1874. Durch könig« liche Kabinettsordre vom 27. Februar 1004 wurde das Urteil des Ehrengerichts bestätigt. Die Gründe besagen unter anderem, Oberst Gädke sei der Verletzung der Standesehre unter er- schwerenden Umständen schuldig, da er in einem Zeitungsartikel Ansichten über die Pflichten des Offizierstandes vertreten habe. die mit dem Treueide der Offiziere unvereinbar seien, und da er serner ans ein von der Sozialdemokratin Lily Braun heraus- gegebenes Buch empfehlend hingewiesen habe.— Herr Gädke er- kannte den Spruch als nicht zu Recht bestehend an. Er per- zichtete zwar auf das Recht zum Tragen der Uniform, nannte sich aber weiter Oberst a. D. Das brachte ihm auf Selbstanzeige ein Strafverfahren auf Grund des Strafgesetzbuchs wegen u n- befugter Führung eines Titels. Schöffengericht und Landgericht sprachen ihn jedoch frei. Das Landgericht ging, kurz zusammengefaßt, von folgenden Erwägungen aus: Nach der Verfassung sei für alle Rcgierungsakte des Königs die ministerielle Gegenzeichnung erforderlich. Die Verordnung vom 2. Mai 1874, die die Handhabe für das vPn König bestätigte Urteil des Ehrengerichts bot, sei aber nur vom König unterzeichnet. Sie könne deshalb lediglich als Armeebefehl gelten. Ein Armeebefehl gelte wieder nur für Angehörige der Armee. Ter Angeklagte gehöre aber nicht mehr zur Armee. Er sei aus der Armee ausgeschieden unz habe sich nach seiner Verabschiedung weder bereit erklärt eventuell ein Kommando zu übernehmen, noch erklärt, daß er sich für den Ernstfall zur Verfügung stelle. Somit sei das Urteil des Ehren- gerichts gegen den Angeklagten, das auf Grund des fraglichen Armeebefehls ergangen sei, und seine Bestätigung, nicht rechts- verbindlich. Angeklagter habe sich auch noch weiter Oberst a. D. nennen dürfen, so dag keine unbefugte Annahme eines Titels vor» liege. Gegen das Urteil wurde Revision beim Kammergericht eingelegt, vor dessem zweiten Senat unter Vorsitz des Senatspräsi- deuten Sönderup die Sache gestern zur Verhandlung kam. Als Vertreter des Kriegsministcrs war Wirkl. Geh. KriegSrat Romen erschienen, um der Verhandlung beizuwohnen. Die Anklage der- trat Gcneralstaatsanwalt Dr. Wachler persönlich. Nach 4'� Stunden Verhandlung zog sick der Senat zur Beratung zurück, die annähernd drei Stunden währte. Das Urteil lautete auf Verwerfung der Revision der Staatsanwaltschaft. Das Kammergericht lehnte es aber aus- drücklich ab, sich auf den rechtlichen Standpunkt des Landgerichts zu stellen. ES nahm vielmehr an, daß trotz der Verfassungsurkunde die Strafgewalt im ehrengerichtlichen Verfahren be- züglich der Militärpersonen bei der Krone Preußens gc- blieben sei, so wie sie früher dem König als absoluten Herrscher zugestanden habe, und daß deshalb die allerhöchste Verordnung vom 2. Mai 1874 als solche rechtsgültig sei, auch ohne Gegenzeichnung eines Ministers. Taraus ergibt sich nach Meinung des Senats auch, daß der Kreis der Personen, auf die das ehrengerichtliche Verfahren Anwendung findet, nicht durch die Verfassungsurkunde oder andere Gesetze geändert sei. DaS Gericht kommt zu dem weiteren Schluß, daß die Verordnung von 1874 auch auf verabschiedete(pensionierte Offiziere) anwend- bar wäre, an sich also auch auf den Angeklagten. Freigesprochen müsse G. jedoch deshalb werden, weil die Kabinettsordre vom 27. Februar 1004, welche das ehrengerichtliche Verfahren gbschloß und die den Charakter eines allerhöchsten Richterspruchs habe, nicht verkündet und darum rechtsunwirksam sei. Die Möglichkeit, daß über die Frage, ob jemand eine alte Uniform tragen und eine Bezeichnung führen dürfe, die zu er- kennen gibt, daß er früher Oberst war, in drei Instanzen tagelang gestritten werden kann, ist für unsere reaktionären Zustände be- zeichnend. Noch bezeichnender für den absolutistischen Charakter Preußens freilich ist der Eiertanz, der um die Frage aufgeführt wird, ob eine nicht gegengezeichnete Kabinettsordre rechtsvcrbind- lich sein ikönne. Die Gründe des Kammergerichts sind nach keiner Richtung hin geeignet, einen Beweis dafür zu erbringen, daß die Kabinettsordre von 1874 rechtsgültig oder gar für Nichtmilitärs rechtsgültig sei._ Oesseutliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- »utzunq für jedermann, SW., Wexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 51/,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In' den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschristen jeder Art und Richtung auS. Berein der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen Berlius und Umgegend. Abteilung VIII. Sonnabend, den 6. Oktober, abends 8 Uhr, bei Wils, Schulstratzc. Ecke der Kriftianiastr.: Versammlung. Berein der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeite- rinnen Berlins und Umgegend. Abteilung Lichtenberg-Rummelsburg. Sonnabend, den 6. Oktober, abends 8 Uhr, in Rummelsburg, Goethestr. 9 bei Setzepsand: Versammlung. Sozialdemokratischer Tiskuticrklub»Freie Zusammenkunft«. Heute abend 9 Uhr: Sitzung. Freireligiöse Genieindc. Sonntag. den 7. Oktober, vormittags 8'/< Uhr im Rathause(Eingang Jüdenswatze), Saal 109: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung.— Bormittags 10«/, Uhr in der Schulaula, Kleine Frnnksurtersw. 6: Bortrag von Herrn Dr. Bruno Wille über:„Die lebendige Religion". Herren und Damen als Gäste sehr willkomnien.— Montag, den 8. Okiober, abends 81/, Uhr, Scbastianstr. 39: Beschließende Versammlung(sür Mitglieder mit weißer Quittung). Sehr wichtige Tagesordnung. «SitternngStiberllcht vom 5. Oktober l!U>6, morgen»« ilhr. Slattonen Zwlnemde. Hamburg Berlin CE i s §•» S 5 B)— II v« Bellet 765 SO 764 OSO 17655110 Franks a M. 764 SO München Wien 765 Still >763Sttll 3bideckt 2 Nebel heiter 1 bedeckt halb bd. wolkenl »s e% » II z* M S> Slattonen t| =— C 5 N— admanda 1757 Still eterSburg 758 NW Scllly tlberdeen Pari» 756 W 751 SSW 761 SSO SeU« heiter 2 wolkenl 5bcdeckl l bedeckt 2 bedeckt lös: --% -i. II 8? h a 1 — 0 16 13 16 Wetter-Prognose für Sonnabend, den 6. Oktober 1906. Mild, jedoch vielfach wollig mit etwas Regen und mäßigen südwest- lichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserstand am 6. Lltober. Elb« bei Aussig— Meter, bei Dresden— 0,43 Meter, bei Magdeburg 4- 2,41 Meier.— U n ft r u t bei Sttaußsnrt— Meier.— Oder bei Ratibor+ 2,88 Meter.— Neiße» mündung+ 2,53 Meier.— Oder bei Brieg 4- 2, SS Meter.— Oder bei Breslau Unterpegel 4" 9,30 Meier. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für d« Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckern u. Verlagscm stall Paul Emger Sc Co., Berlio SW,