Mr. 234. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mr., monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Post Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen att: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel. geile oder deren Raum 50 ẞfg., für bolitische und gewerkschaftliche Bereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebructe) Wort 20 Bfg., jebes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Industrielle Konzentration. Sonntag, den 7. Oftober 1906. 50 Pf. Reingewinn ergab und eine andere 200 Pf., dann war es profitabel, die erstere Anlage zu kaufen, sie stillzulegen und die Beteiligungsziffer auf die günstiger arbeitende Anlage zu übernehmen. Dies geschah in einer Reihe Fälle. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. Bei der jetzigen Stimmung in den russischen Regierungsfreisen, bei der bekannten ultra- reaktionären Zusammensetzung der russischen Gerichtskammern wird diese ministerielle MaßIm letzten Vierteljahrhundert hat die Industrie in Deutschregel die russische Bevölkerung in eine noch trostlosere Lage Viel mehr noch wurde die Konzentration gefördert durch bringen, als sie ohnehin schon ist, da sich ja die einfachen Iand riesenhafte Fortschritte gemacht. Im Jahre 1880 belief den viel besprochenen ,, Konstruktionsfehler" im Syndikat, der russischen Gerichte dann kaum noch von den berüchtigten Feldsich die deutsche Kohlenproduktion auf rund 47 Mill. Tonnen, den Hüttenzechen insofern eine Sonderstellung einräumt, als friegsgerichten unterscheiden. für das laufende Jahr wird sich voraussichtlich die Erzeugung der gesamte Sohlenverbrauch der mit einer Syndikatszeche auf mehr als das Dreifache, auf zirka 165 bis 170 Mill. verbundenen Anlagen als Selbstverbrauch bewertet jetzt Gelegenheit, seiner Bilderferie, in der die blutigen SchändWenn der Maler Wereschtschagin noch lebte, so hätte er Tonnen stellen. Der Kofserzeugung von 6%, Mill. Tonnen und deshalb nicht auf die Beteiligungsziffer lichkeiten früherer, Sultur"-Systeme geschildert werden, eine im Jahre 1890 steht für 1906 eine Produktion von schätzungs- angerechnet wird. Hieraus ergeben sich für die so- Reihe Greuelszenen aus der russischen Gegenwart hinzuweise 17, Mill. Tonnen gegenüber. Allein im Oberberg- genannten Hüttenzechen so viele Vorteile, daß die Verbindung zufügen. amtsbezirt Dortmund stieg die Kohlengewinnung von 22% Mill. zwischen einem Zechen- und Hüttenwerke ein lohnendes GeTonnen im Jahre 1880 auf 67, Mill. Tonnen im Jahre 1904. schäft geworden ist. Auch zu der Kombination GelsenkirchenFür 1906 wird sich wahrscheinlich eine Fördermenge von zirka Schalte- Rote Erde hat der sogenannte Konstruktionsfehler" 76 Mill. Tonnen ergeben. Die Leistung der deutschen Hoch- den Hauptanstoß gegeben. öfen, die im Jahre 1880 23 Millionen Tonnen Roheisen " Noch mehr Pogrom? oberst vom Vorstande der jüdischen Gemeinde die Auslieferung fämt Riew, 6. Oftober. In Bielozerkow verlangte der Gendarmerie licher revolutionär gefinnter Mitglieder, widrigenfalls er alle Juden häuser zusammenschießen lassen würde. Infolgedessen herrscht Banit unter den Juden. Ganz die infame Taktik von Siedlce! worden! -O wie wir mit ergab, war im Jahre 1904 bereits auf 10 Millionen Tonnen großer Unternehmen mit geschlossener Produktion. So förderte das Kohlensyndikat die Bildung einiger angewachsen. Nach den bisherigen Produktionsziffern bleibt Tätigkeitsgebiet solcher Unternehmen umfaßt alle Phasen des Das die Jahresmenge für 1906 taum hinter 14 Millionen zurück. Arbeitsprozesses. Er beginnt mit der Erz- und Kohlen- Telegramm vom 5. Oftober, abends 6 Uhr: Die Russische Korrespondenz erhält aus Petersburg folgendes In der Eisenindustrie( Eisenerzbergbau, Hochofenbetriebe, förderung, durchläuft alle Stadien der Weiterverarbeitung Eisengießereien und Stahlwerke) waren 1880 163 899 Personen und endet mit der Herstellung der verschiedenartigsten Fertig Man befürchtet Pogroms. Eine Deputation, die sich zum kommanAus Libau sind hier beunruhigende Nachrichten eingetroffen. beschäftigt, 1903 zählte man 401 299. Der deutsche Kohlen- erzeugnisse. bergbau beschäftigte 1886 343 709 Personen, im Jahre 1905 dierenden General begab, erhielt zwar die Versicherung, daß man Einen weiteren Anstoß gab der Entwickelung der Stahl- einen Bogrom unterdrüden würde mit dem beunruhigenden Nachsatz, war seine Belegschaft schon auf 647 458 Mann gewachsen. Mit der Produktionssteigerung ging die industrielle Richtung hin aus. werksverband. Er dehnte die Konzentration nach einer anderen daß die Juden sich über nichts wundern könnten, da sie sich an der Ronzentration Hand in Hand. Vor zwanzig Jahren das ist das Halbzeug für die reinen Walzwerke. Und während Was die Kohle für die Hütte bedeutet, Revolution beteiligten! galten Unternehmen mit 5000-6000 Arbeitern als Riesen- das Kohlensyndikat der Hüttenzeche eine Sonderstellung einDank vom Haus Romanoff. betriebe, selbst Strupp beschäftigte nur 10 500 Personen. Jetzt räumte, sicherte der Stahlverband den gemischten teilten das Petersburger Gericht, um den Schein zu wahren, Der Wirkliche Staatsrat a torow, den fchaffen zirka 60 000 Menschen für seine Enkelin Mehrwert. Berten", die allein Halbzeug herstellen, eine fast un- wegen seiner Hekschriften, die Aufforderungen zu Judenmassalers Aber auch andere Unternehmen sind gewachsen, manche ver beschränkte Herrschaft über die reinen" Walzwerke, so daß enthielten, zu 100 Rubeln Geldstrafe verurteilt hatte, ist jegt zum hältnismäßig noch stärker als Strupp; einige sind bereits nahe auch bei diesen das Bestreben zur Vereinigung mit Stahl- Beamten für besondere Aufträge beim Verkehrsminister ernannt daran, ihm den Rang streitig zu machen. Zirka 30 000 Mann werten geweckt wurde. fronden in den Werken von Thyssen; außerdem ist dieser beim Montantrust Gelsenkirchen- Schalte- Rote Erde beteiligt, ferner dahin, daß nicht nur die mit einander verwandten und von So führt die Entwickelung der kapitalistischen Produktion Aus dem Parteileben. Wie die gesamte Tätigkeit der russischen Sozialdemokratie, beim Elektrizitätswert Essen, das mit zäher Energie auf das einander abhängigen Betriebe zu großen Riesenbetrieben zu so ist auch ihr inneres Parteileben gegenwärtig auf Seller. Biel lossteuert, sich ein Monopol für den rheinisch- westfälischen sammengeschweißt werden, zu, wenn man so sagen darf, arron- existenz" angewiesen, und alle Fragen, die jetzt die Partei beschäf= Induſtriebezirk zu schaffen. Die Riesenzeche mit Belegschaft dierten, in sich abgeschlossenen Produktionskomplexen, sondern tigen, werden in geheimen, illegalen Flugblättern, Rundschreiben, bis zu 8000 Mann hat den kleinen„ Bütt" vollständig verdrängt, daß auch immer mehr kapitalistische Betriebe sich in offenen Briefen usw. behandelt und sind daher weiteren Kreisen und von den Riesengruben gehören öft wieder mehrere zu einem der Hand großer Unternehmen, von denen einige bis zu 30 000 Mann be- Attiengesellschaften, Kapitalistengenossenschaften, meist wenig bekannt. Die jetzt auf der Tagesordnung stehenden Fragen, bereinen, die ihrerseits wieder die Diskussionen über Mittel nud Wege, aus der nun jahrelang sich schäftigen. Verschiedene Bechen sind ferner zugleich mit Eisen- wenigstens gilt das von der deutschen Kohlen- und Eisen- hinziehenden Krise der Partei einen Ausweg zu finden, sind aber so werken verbunden. Ein paar Bergwerksgesellschaften verfügen industrie- völlig von der großen Bantfinanz abhängig sind, wichtig, daß es von Interesse ist, die zutage tretenden Meinungs heute schon über einen so großen Arbeiterstamm, als im Jahre welche fast immer die Fusionen und Verschmelzungen durch verschiedenheiten, die Pro und Kontra fennen zu lernen. 1860 der gesamte deutsche Steinkohlenbergbau. Ein neues führt, die Emission der neuen Aftien übernimmt, lettere, Die sogenannte" Minorität" befürwortet und agitiert eifrig Riefenunternehmen hat die Fusion Hörde- Phönig geschaffen. Soweit sie sie nicht selbst behält, in ihrem Stundenkreis unterIn Oberschlesien, wo bisher unter der Eigenart der Verhältnisse bringt und, wenn erforderlich, mit ihren Geldmitteln einder Fusionsgedanke nicht so schnell wie in Rheinland- Westfalen springt. sich durchzusehen vermochte, hat er jetzt auch mit der Revolutionierung der traditionellen Betriebsweise erfolgreich eingesetzt. für den Gedanken eines unparteiischen allgemeinen Arbeiter fongresses, und dieser Vorschlag findet eine ausführliche Motivierung in einem aus der Feder eines angesehenen Parteimitgliedes stamFür die Arbeiter bringt diese Entwickelung manche Nach- menden offenen Briefe", dessen Hauptgedankengänge wir nach teile mit sich: sie werden nicht nur aus alten Betrieben und stehend wiedergeben: Beschäftigungsarten herausgerissen und in neue hinein- Durch die Vorbereitungen zu einem solchen Kongreß sei eine Diese Betriebskonzentration ist nicht das Produkt flügeln gezwungen, sie werden nicht nur immer mehr zur Arbeits- Gesundung der Partei gleichzeitig mit der Aufrüttelung politisch der Gedankenarbeit; sie ist im Wesen des Kapitalismus be- maschine degradiert, sie stehen auch den kartellierten Riesen- indifferenter oder nur halb klaffenbewußter Arbeitermassen mög gründet; sie entspringt der Tendenz, die Profitrate zu steigern betrieben viel hilfloser gegenüber, als einzelnen fleinen Unter- lich. Auf dem sich bietenden enormen Arbeitsfelde könnte die Partei durch Verminderung der Produktionskosten. Und jede Form nehmern. Dennoch ist diese Konzentrationsentwickelung auch mit den Arbeitermassen in nahe Berbindung treten, ihre Organi der tapitalistischen Produktionsweise löst erneut die Kräfte für den Befreiungskampf der Arbeiterklasse ein bedeutsamer fation auffrischen und erneuern, indem sie ihr frisches Blut zuaus, die wieder zu einer höheren Stufe der Produktion Fortschritt, denn je mehr das Wirtschaftsleben von wenigen führe. Dies sei für die Partei von großer Wichtigkeit; denn führen. Mit jeder Etappe in der Konzentration ist auch schon Riesenbetrieben und ihren finanziellen Hintermännern be- während in Westeuropa die sozialdemokratische Partei im großen der Keim gelegt zu weiteren Schritten in derselben Richtung. herrscht wird, je mehr die Entwickelung der kapitalistischen und ganzen die wirkliche Bertreterin der Arbeitermassen, ein Teil Als besondere Förderer der Betriebskonzentration er- Warenproduktion bisher selbständige Existenzen vernichtet und des Proletariats sei, stehe in Rußland die Sache anders: Unsere weisen sich die Verkaufsorganisationen, die auf die Technik sich das Privateigentum an den Produktionsmitteln in Partei sei zwar von den Interessen des Proletariats durchbrungen der Betriebe nur unmittelbar Einfluß haben. Ihr Zweck den Händen weniger übermächtiger Großkapitalisten vereinigt, und erkenne die Prinzipien der internationalen Sozialdemokratie ist, die Preisgestaltung mehr oder minder der selbst desto mehr erschüttert das heutige Wirtschaftssystem seine an, sie sei aber erst auf dem Wege dazu, aus einer Partei der herrlichen Bestimmung der Produzenten zu unterwerfen, eigenen Grundlagen, desto näher rückt der Zeitpunkt, wo die sozialdemokratischen Intelligenz eine Partei des klassenbewußten den Regulator: Angebot und Nachfrage, zu korrigieren. Verstaatlichung bezw. Vergesellschaftung jener tonzentrierten Proletariats zu werden. Der allgemeine Arbeiterkongres folle eben Natürlich nicht zum Vorteil für die Konsumenten. Wie durch Betriebe und Industrien zur gesellschaftlichen Notwendigkeit dazu dienen, diesen Uebergangsprozeß zu beschleuniges und die folche Verkaufstartelle die Betriebskonzentration gefördert wird. Es tritt jener Zeitpunkt ein, den Karl Mary in seinem Partei auf gesunde Grundlagen zu stellen. Bei der vorbereitenden werden kann, das hat ganz besonders das Kohlensyndikat ge-„ Stapital" mit den Worten schildert: Arbeit zum Kongreß müsse die Sozialdemokratie vor allem betonen, lehrt, und der Stahlwerksverband erweist sich als gleicher Kraftauslöser. Das Kohlensyndikat überweist jedem Syndikatsdaß 1. die Befreiung der Arbeiterklasse nur das Werk der Arbeiter mitgliede nach bestimmten Grundsätzen einen Anteil an der selbst sein könne, und daß 2. das Proletariat sich zu einer selba ftändigen Klassenpartei organisieren müsse. Von diesen Grundsähen Gesamtproduktion. Ferner setzt das Syndikat die Preise einaus und bei energischer Agitation werde es der Sozialdemokratie heitlich nach Qualitäten für sämtliche Gruben fest. leicht fallen, das Proletariat für ihre Anschauungen zu gewinnen. einzelne Zeche fann nicht mehr durch Preiskonzessionen dem Konkurrenten Stunden abjagen; die vom Syndikat zugewiesene Beteiligungsziffer ist die Grundlage des finanziellen Ertrages. Aber dieser ist bei gleichen Preisen doch nicht für alle Unternehmen gleich. Die Leistungsfähigkeit der Anlagen, die Flözverhältnisse usw. üben auf die Gestehungskosten einen großen Einfluß aus. Es gibt Gruben, die auf die Tonne Kohle nur 50 Pf. Reingewinn erzielen; Die Feldkriegsgerichte schaffen mit ihrer in Permanenz Die Mehrheit der Arbeiter sei noch dem Verständnis dafür andere Unternehmen, die unter günstigen Verhältnissen erklärten Meuchelmord- Organisation der russischen Regierung fremd, wo eigentlich die Wurzel des Uebels liege, auch sei sie sich arbeiten, bringen bis zu 3 M. Reingewinn pro Tonne. nicht genug Revolutionäre vom Leben zum Tode. Dem Zaren, der Notwendigkeit eines selbständigen ökonomischen und politischen Dieser Umstand machte die Beteiligungsziffer zu einem dem Herrn Stolypin und Konsorten arbeitet die Blutmaschine Kampfes nicht nur für die Verbesserung ihrer Lage bei den gegebenen Spekulations- und Handelsobjekt. Nach dem ersten Syndi- noch immer nicht schnell noch ergiebig genug. Darum suchen Produktionsverhältnissen, sondern auch für eine Gesellschaftsordnung, fatsvertrage war die Zahl der Schächte mitbestimmend für sie Mittel und Wege, den Blutströmen, nach denen sie gierig in der jede Ausbeutung aufhöre, nicht bewußt. Nur die Minderheit die Höhe der Beteiligung. Die leistungsfähigen Gesell- Techzen, neue Bahnen zu weisen. Immer mehr und mehr der Arbeiter habe diese Stufe des Bewußtseins erflommen. Dies schaften betrieben deshalb mit Eifer das Niederbringen von das Gerichtsverfahren in politischen Prozessen abzukürzen und fei die Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie sei bestrebt, neuen Schächten, um ihre Beteiligungsziffer zu erhöhen. zu vereinfachen, sinnen sie Tag und Nacht. Selbst das indem sie die ganze Arbeiterklasse organisiere und aufkläre, sie zu Der neue Syndikatsvertrag schob hier einen Riegel bor. administrative Verfahren reicht nicht mehr aus, den sich zu erheben, ihr ihre Klassenaufgaben und Interessen klar zu Die für eine Beche festgesetzte Beteiligungsziffer ist gültig für die Blutdurst der Unersättlichen zu stillen. machen. Die Erniedrigung der Partei bis zum Niveau der übrigen Vertragsdauer; die Anlage neuer Schächte giht tein Recht auf So hat denn wie der Ruff. Sur." berichtet Alaffe, die Auflösung der Partei in der Klasse, wäre berhöhere Beteiligung. Was geschah nun? Unternehmungen, Väterchens" Justizminister durch ein Geheimzirtular bie pro Zonne einen hohen Reingewinn erzielten, fauften An- verfügt, die bestehenden Bestimmungen dahin abzuändern, lagen mit geringen Gewinnquoten auf, nicht um diese Be- daß selbst die einfachen Gerichte, also die ohne Geschworenen, triebe weiter zu führen, sondern nur um die Betei bei politischen Bergehen Urteile fällen dürfen, ohne auch die Itgungsziffer zu erlangen. Wenn eine Anlage geringste Begründung zu geben! Die " Das Kapitalmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise, die mit und unter ihm aufgeblüht ist. Die Konzentration der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit er reichen einen Bunkt, wo sie unverträglich werden mit ihrer tapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. Die Stunde des Kapitalistischen Privateigentums schlägt. Die Expropriateure werden expropriiert." Die russische Revolution. Jm Blutrausch. Von der anderen Fraktion der Partei, von der sogenannten Majorität", wird demgegenüber die Einberufung eines außerordent lichen Barteitages in Vorschlag gebracht, dem die Aufgabe auferlegt wird, die inneren Verhältnisse der Partei zu klären. Mit dem Plan eines allgemeinen Arbeiterkongresses erklärt sich die Majori tät" durchaus nicht einverstanden, und ihr Organ, der Proletarier", führt folgende Gründe dagegen auf: " derblich für das ganze Proletariat, da sie ihm seinen Führer rauben, es rüdwärts, zu den Anfangsformen des Kampfes bringen müsse. er jetzt fagte: allgemeiner Arbeiterfongreß für die Schaffung oder Erneuerung der Arbeiterpartei, der spreche eben von einer solchen Auflösung der Partei in der Klasse. S GeAösse P lechanSK stellt sich in einßm„Ossetten Briefe" Suf den Standpunkt der„Minorität" und verurteilt scharf die Agi- tation Kugunsten der Einberufung eine» außerordentlichen Partei- tageS. Er schreibt unter anderem:„Wir verwenden also zu unseren Parteitagen im Verhältnis zu anderen sozialdemokratischen Parteien absolut(zwei- bis dreimal) mehr Zeit und Verhältnis- mäßig mehr Mittel. Es derbleiben für uns infolgedessen weniger Zeit und weniger Mittel zur Propaganda, Organisation und Auf. klärung der Massen als bei den westlichen Parteien.... Indessen haben wir einen ganzen Berg ernster und unaufschiebbarer schöpfe- rischer Arbeit vor uns, der wir unsere ganze Aufmerksamkeit widmen müssen. Wir müssen immer entschiedener eine breite Massen- bewegung im Auge haben. In ihrem Interesse dürfen wir an keine Kongresse denken, auf denen der Streit um den„Taktstock" wieder entbrennen wird. Wir müssen Kongresse haben, die der proletarischen Bewegung einen neuen Aufschwung verleihen können. Vorerst müßten wir diS möglichst schnelle Einberufung jenes von P. Axelrod geplanten allgemeinen Arbeiterkongresses er- streben. Das ist eine der wichtigsten praktischen Aufgaben für alle klassenbewußten Arbeiter und diejenigen Intellektuellen, die in Wirk- lichkeit auf dem Standpunkt der Arbeiterbewegung stehen." Das Zentralkomitee der Partei sah sich zur Stellungnahme in diesen beiden Fragen genötigt und erklärt sich in einem Rundschreiben gegen die Einberufung eines außerordentlichen Parteitages, setzt aber hinzu, daß eS diese Frage durch Urabstimmung der Mitglieder werde beantworten lassen. Auch das Zentralkomitee des jüngst in die Partei eingetretenen Jüdischen Arbeiterbundes steht dieser Ein- berufung ablehnend gegenüber. Ueber den geplanten allgemeinen Arbeiterkongrcß haben sich die beiden Parteiinstanzen bisher nicht geäußert. Eine Resolution der Sozialdemokratie Lettlands gegen die Anarchisten. Die bürgerliche baltische und die reichsdeutsche Presse hat jede Gelegenheit, die sich ihnen bot, dazu benutzt, unsere lettischen Ge- nossen als Mordbuben und Brandstifter zu bezeichnen. Die balti- schen Junker gehen in ihrem soeben in den baltischen deutschen Blättern veröffentlichten„Aufruf an die deutsche Jugend unseres Landes" noch einen Schritt weiter: sie sprechen von„Räuberbanden, die von der internationalen Sozialdemokratie dirigiert werden I" Um die ganze Gemeinheit der baltischen Henkerbande zu kennzeich- nen, sei nur darauf hingewiesen, daß im Dezemberaufstande nur dank der Vermittlung der Sozialdemokratie eine ganze Reihe Barone ihr Leben und ihr Eigentum retten konnten. Außerdem sei an die Resolution der Sozialdemokratie Lettlands gegen die Anarchisten-Kommunisten erinnert. Sie lautet wörtlich: „Da die Rigasche Gruppe der sogenannten Anarchisten-Kom- munisten weder den politischen Kampf noch die politische Revo- lution anerkennt und jegliche organisierte Gesellschaftsform be- kämpft, sowie in ihrem anarchistischen Kampfe die Bedeutung des Sturzes der absoluten Regierungsgewalt ableugnet und in erster Linie die Expropriierung des Privateigentums zu persönlichen Zwecken erstrebt, in ihrem Kampfe keine Organisationsbeschlüsse anerkennt, an Stelle des Klassenkampfes zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie den höchst unbestimmten Begriff des Kampfes zwischen Einzelpersonen gesetzt hat und hierbei auf freiwillige Ent- sagung der Kapitalisten von der Ausbeutung hofft oder denselben die Produktionsmittel mit Gewalt rauben will; da sie ferner diese Produktionsmittel nicht in Gemeineigentum der Gesellschaft ver- wandeln will, sondern Anarchie auch in der Produktion predigt, damit die Ideale der Kleinbourgeoisie verteidigend, und schließlich, da sie das Privateigentum nicht bekämpft, sondern es zu befestjgen sucht, indem sie hervorhebt, daß einem jeden das gehört, was er mit Gewalt sich aneignet, so erklärt die Sozialdemokratie Lettlands, daß sie nichts mit dieser Gruppe gemein hat und fordert ihre Mit- glieder auf, in keinerlei organisatorische Verbindung mit den so- genannten Anarchisten-Kommunisten zu treten t" poUtifcbe CUbcrftcht Berlin, den 6. Oktober. Der Kampf um das a. D. Oberst a. D. GÄdke hat vor dem IL Senat des Kammergerichts tvieder einmal einen erbitterten Kampf um das a. D. geführt. Er hat bis jetzt für sich das Recht in Anspruch ge- nommen, sich Oberst a. D. zu nennen, trotzdem ihni seinerzeit durch eine Kabinettsorder sein militärischer Titel aberkannt worden war, und zwar wegen seiner bekannten publizistischen Bebötigung in einem freisinnigen Blatte. Gädke glaubte, daß ihm Wohl das Tragen der Uniform, nicht aber das Recht ab- gesprochen werden könne, den Titel Oberst a. D. zu führen. Das Kammergericht kam wegen der angeblich unberechtigten Führung dieses Titels zwar zu einem F r e i s p r u ch, aber nur deshalb, weil Gädke die Kabinettsorder, durch die ihm der Titel aberkannt worden, nicht vorschrifts- Mäßigzuge st ellt worden war. Es taucht also die interessante Frage auf, ob eine der- artige Zustellung jetzt noch nach 2'/s Jahren erfolgen kann und ob dann, sofern er nicht selbst aus seinen Titel verzichtet und sich statt Oberst a. D. etwa„früherer Oberst" nennt, wegen unberechtigter Führung dieses Titels bestraft werden kann. Vielleicht provoziert Gädke einen neuen Prozeß, in dem dann diese knifflichen juristischen Fragen zum endgültigen Austrag gebracht werden. Beachtenswerter als dies ganze Drum und Dran des Prozesses waren die Ausführungen des Generalstaatsanwalts Wachler. Der Offizier, führte er aus, sei kein Beamter; das Verhältnis des Königs zu den Beamten sei nicht so intim, wie das zu seinen Offizieren. Der Offizier st ehe in einem rein persönlichen Verhältnis zum König. der allein über sein ganzes Schicksal zu entscheiden habe. Wer das nicht»volle. dürfe eben nicht Offizier werden. Das Heer umfasse zweifellos auch Personen, die nur im losen Zusammenhange mit dem aktiven Heere ständen, also auch die mit Titel und Uniform verabschiedeten Offiziere. Das Ent- ziehungsrecht des Königs sei ganz unab- hängig vom ehrengerichtlichen Spruch. Es sei, wie auch die meisten hervorragenden Rechtslehrer an- nähmen, durch die preußische Verfassung keineswegs aufgehoben. Der König könne einen ehrengerichtlichen Spruch wohl ein- fordern, doch lege ihm dieser keinerlei Be- schränkungen auf. Das„Verl. Tagebl." führt bittere Beschwerde darüber', daß sich der Reichstag im Frühjahr 1874 durch die Erklärung des Vertreters der Militärbehörde, daß die Genehmigung zum Tragen der Uniform und zum Führen des Diensttitels nicht die allergeringste Beziehung zu politischen Dingen trage, habe täuschen lassen. Der Fall Gädke habe inzwischen bewiesen, daß die„am Ruder befindlichen Leute sich durch solche Zusicherungen in keiner Weise gebunden fühlten, „sobald sie ihre selbstherrliche Willkür einzuschränken geeignet sei." Der Reichstag müsse künftig allen solchen Zusicherungen der Regierung grundsätzliches Mißtrauen entgegenbringen. Dieser Stoßseufzer des Mosseblattes, dem es ja sehr nahe gehen mag, daß einer feiner Renommier-Mitarbeiter des Titels Oberst a. D. verlustig gehen soll, wird den Machthaber» sehr wenig imponieren. Das liberale Bürgertum trägt selbst schuld daran, baß das stehende Heer, in erster Linie aber das Offizierkorps, ein Werkzeug in den Händen des Absolutismus geworden ist. Erst das siegreich vorwärtsdringende Prole- tariat wird auch in diesem Punkte mit dem Absolutismus fertig werden!—-_ Warum die„Humanitv" nicht leben konnte. Paris, ö. Oktober.(Eig. Ber.) Der heutige Artikel Jaurös, der die Einstellung der„Humanito" in nahe Aussicht stellt, bringt keine Ueberraschung. Es war seit langem bekannt, daß das sozialistische Blatt verzweifelt gegen die finanziellen Schwierigkeiten kämpfte, die seine Existenz bedrohten. Eine erhebliche Verkleinerung des Redaktionsetats vor einem Jahr, die Aufopferung der übriggebliebenen Redakteure, vor allem die persönliche Entsagung Jaures selbst brachten leine Hülfe und die Hoffnungen, die man auf die Wahlbewegung gesetzt hatte, erfüllten sich nur in geringem Maße. Die Tatsache, daß eine Partei, die bei den Wahlen SlX) 000 Stimmen aufgebracht hat, nicht imstande ist, einem alles in allem gutgeleiteten Blatt das Leben zu sichern, verdient wohl eine nähere Erklärung. Jaurös gibt selbst einige aufklärende Daten. Die„Humanitä" verkauft täglich 30 000 Exemplare. Damit könnte ein Blatt in Deutschland gut leben, aber nicht in Frankreich, wo das Abonnements- system, einige wenige große, teure Blätter, wie den„Temps", den „Figaro" abgerechnet, ganz ungebräuchlich ist. Die„Humanitö" hat 3600 Abonnenten und das gilt hier als gar nicht wenig. Aber den 10 000 Nummern, die sie in Paris, und den 27 000, die sie in der Umgebung und in der Provinz verkauft, entspricht eine weitaus größere Auflage. In jedem der unzähligen Zeitungs- kioske und Zeitungsgeschäfte in Paris und bei den Ver- schleißern der Provinz müssen Nummern des Blattes aufliegen und ein großer Teil wandert unverkauft wieder zurück. Infolge des Rabatts an die Verkäufer und der Versendungskosten wird bei der Provinzauflage direkt draufgezahlt. Dies gilt besonders in der toten Saison der Politik wie jetzt, weniger während der Parlaments- tagung, wo es wohl vorgekonimen ist, daß— besonders nach einer sozialistischen Intervention— die Auflage so ziemlich verkauft wurde. Nun aber konimen noch andere Momente hinzu: vor allem die Geringfügigkeit der Jnserateneinnahmen. In Paris gibt es nur wenig eigentliche Jnseratenblätter. Die besondere Art des ZeitungS- Verkaufs stellt die Annoncen ziemlich teuer. Bei den bürgerlichen Blättern aber spielt eine besondere Abart des Inserats, die Reklame unter redaktioneller Flagge eine bedeutende Rolle. Man zahlt Inserate um so teurer, je weiter vorn sie stehen, ganz be- sonders teuer aber, wenn sie als Artikel oder Notizen mitten unter den redaktionellen Auslassungen stehen. Der kundige Leser findet wohl bald heraus, woher etwa die überschwäng- liche Begeisterung für eine neue Varietegröße oder der wissenschaftliche Eifer stammt, womit irgend eine Pille als eine die Menschheit errettende Entdeckung gepriesen wird, aber naive Leute besonders auf dem Lande fallen doch herein. Es gibt große Blätter, denen daS Jnseratenwesen geradezu als Handhabe zur Er- Pressung dient. Zweifelhafte Beziehungen zu Geschäftsunternehmungen haben so ziemlich alle Pariser Zeitungen. Man erinnert sich, daß der Bruch Jaurss' mit der„Petite Republique" und die Gründung der„Humanits" gerade deshalb erfolgte, weil der Herausgeber deS genannten Blattes eine Kontrolle seiner Administration nicht zu- lassen wollte. Auf derlei Einnahmen hat sich die„Humanitö" nicht stützen wollen. In der Geschichte der Pariser Presse war dieses Blatt, das nur von redlichen Einnahmen leben wollte, ein von den abgebrühten Routiniers der Korruption belächeltes Novum. Es ist bezeichnend für die hiesigen Anschauungen, daß auch polittsch und persönlich anständige bürgerliche Journalisten in diesem Verhalten ein übertriebenes Puritanertum sahen. Die„Humanitü" war tatsächlich das einzige Tageblatt von Paris, das es abgelehnt hat, aus dem anläßlich der letzten Anleihe geöffneten russischen KorrupttonSfonds zu schöpfen. Auch jetzt noch hat, wie Jaurös erzählt, die Opposttton des sozialistischen Blattes gegen den Finanzschwindel deS Zarismus den Agenten der russischen Regierung eines Kaufpreises von 200 000 Frank wert geschienen. Ebenso haben die Finanzleute für gewisse Einwirkunzen auf die Regierung Geld angeboten. Aber Jaurös will das Blatt lieber in Ehren untergehen lassen, als sein Fortleben mit der Preisgabe des Prinzips zu verkaufen, auf das es gegründet war. Ist die„Humanito" noch in letzter Stunde zu retten? Jaurös selbst gibt noch nicht alles verloren. Für den 16. Ottober ist die Versammlung der Aktionäre einberufen. Es müßte also noch Hülfe bis dahin geschafft werden. Mit einer Erhöhung des Tagesverkaufs um 10 000 und der Abonnentenzahl um weitere 3000 wäre das Gleichgewicht im Budget hergestellt, das 13 000 Frank monatlich betragende Defizit beseittgt. Allerdings, die Frist ist so kurz, daß augenblickliche Hülfe von anderer Seite kommen muß. Wenigstens bis zum 10. November möchte JaursS das Blatt halten, um dem Parteitag in Limoges Rechenschaft über das Unter- nehmen abzulegen, das der sozialistischen Partei zu dienen sich redlich bestrebt hat, zu einer Zeit, da diese selbst noch zu jung und zu schwach war, um ein Tageblatt auf die eigenen Schultern zu nehmen. Leider scheint die Zeit dazu auch heute noch nicht gekommen und dies ist es, was das drohende Schicksal der„Humanits" so besonders bedauerlich macht. Eine Partei, wie die sozialistische, kann ein Tageblatt nicht ohne schweren Schaden entbehren. Trägt es zur Auf- klärung der Massen schon wenig bei, daß sie noch heute Deputterte der geeinigten Partei als Leitartikler von Blättern wie der„Petite Republique" und der„Lanterne" sehen, so müßte das Verschwinden des einzigen Blattes, daS für die spezifisch sozialistischen Diskussionen Raum bot, dem Fortschritt deS proletarischen Klassenbewußtseins empfindlich Eintrag tun. Wo würde sich z. B. ferner eine Zeitung finden, die die Frage„Partei und Gewerkschaft" mit solcher Gründlichkeit öffentlich diskutieren lassen wollte? Gewiß, die„Humanitü" hat, journalistisch genommen, schwere Fehler gehabt. Aber eS sind weniger diese, als ihre Vorzüge, die ihr geschadet haben. Der französische Arbeiter ist durch die Jnformationspresse vielfach verdorben. Er liebt schwere Kost, den Zwang, nachzudenken, in der Zeitung nicht. Für schwindelhafte Reportage, skandallüsternen Tratsch und verblödende Kriminalromanttk hat die„Humanitö" keinen Platz gehabt. Sie hat aber der Sache des stanzösischen Sozialismus unvergeßliche Dienste erwiesen. Den Anteil, den sie an der Einigung der Partei gehabt hat, verdient un- eingeschränkte Anerkennung. Sie hat den Parteigenossen eine freie Tribüne geschaffen. zuletzt auch noch die anttparlamentarischen Gewerkschaftler als die Vertreter eines großen Teils des ftanzösischen Proletariats zu Worte kommen lassen. Wenn Jaurös mit Genugwung von seiner und seiner Mitarbeiter Leistung spricht, so ist er vollauf im Recht. Im Hundstagsfieber der Marokko- affäre hat die„Humanitü" allein den Kopf oben behalten, als einziges Blatt eine Lösung in friedlicher loyaler Nachgiebigkeit von beiden Seiten befürwortet. Sie hat in der Frage der Kirchen- ttennung eine fteiheitliche Politik verfochten und in den sozialpolitischen Kämpfen eine entschiedene prinzipielle Haltung bewahrt. Vielleicht— hoffentlich wird dem Blatt nach Rettung werden. Sicher, der ftan« zösische Sozialismus ist heut« stark genug, daß er auch diesen Ver- tust überwinden könnte, aber gleichwohl wäre er ein harter Schlag und ein Triumph für die Gegner.— •" Oeutkckes Reich. Ein offiziöses Urteil über den Mannheimer Parteitag. Die„N o r d d. A l l g e m. Z t g." widmet dem MannheimeS Parteitag noch einen spaltenlangen Rückblick. Sie kommt zu dem Resultat, daß der letzte Parteitag für die Sozialdemokratie„zweifel- los einen Fortschritt durch(vorläufige?) Aufhebung des Gegensatzes von Gewerkschafts- und Parteibewcgung" bedeute. Von einer aus- einanderstrebenden Tendenz beider Organisationen könne nach Mannheim nicht mehr die Rede sein. Es sei eine vollständige Einigung erfolgt, bei der es in gewissem Sinne weder Sieger noch Besiegte gegeben habe. Die Folge davon werde eine innerliche Stärkung der Sozialdemokratie sein, über die sich die bürgerlichen Parteien durchaus keinen schädlichen Illusionen hingeben sollten. Zwar sei der umbildende korrigierende Einfluß der Gewerkschaften auf die Partei nicht zu verkennen, aber auf der anderen Seite habe auch der Geist der Partei stärker als je, ja in einem fast über- raschenden Grade seine Kraft auf die Gewerkschaften ausgeübt. So könne heute von einer rein unpolitischen, nur auf wirtschaftliche Ziele gerichteten Arbeiterbewegung weniger die Rede sein als je. Alle auf eine Spaltung oder Mauserung der Sozialdemokratie zu einer rein sozialen Reformpartei gerichteten Spekulationen müßten daher nach wie vor in das Gebiet der frommen Wünsche verwiesen werden. Die Sozialdemokratie bleibe einig, sie wandle vielleicht allmählich ihren Charakter in Ansehung der Kampfmittel, unter denen neben Maßnahmen widerrechtlicher Gewalt, die stets eine Rolle behielten, der gesetzlich friedliche Gewerkschaftskampf be- herrschender hervortrete; sie bleibe aber nach wie vor in ihrer Ge- samtheit revolutionär in ihren letzten Zielen, die sich nicht be- schränkten auf Hebung, der Lage der Arbeiterklasse innerhalb der gegenwärtigen Ordnung der Dinge, sondern die sich weiter er- streckten auf Erringung des maßgebenden Einflusses auf die gesamte wirtschaftliche Produktion, wie auf die politische Leitung durch die organisierte Arbeiterschaft. Die Folge davon sei, daß auch die Folgerungen hinfällig seien, die man aus einer erhofften Schwächung der sozialdemokratischen Partei gezogen habe._ Zwar dürfe der Staat den Gewerk- schaften nicht etwa, soweit sie auf legalem Wege um Verbesserung der Arbeiter anstrebten, hemmend in den Weg treten; allein eine Stärkung dieser Arbeiterbewegung dürfte indirekt gleichkommen einer Stärkung der Sozialdemokratie, die im staatlichen und natio- nalen Interesse auf jede Weise vermieden werden müsse. Die Erstarkung der Gewerkschaften sei jetzt mehr als je gleich- bedeutend mit Ausbreitung des sozialistischen Geistes, der sich inner- halb der Gewerkschaften selbst„durch den vielfach über- spannten und rücksichtslosen wirtschaftlichen Kampfeifer, dem Streikterrorismus und die Sehnsucht nach dem Koalitionszwang" betätige. Diesen freien Gewerkschaften gegenüber müßten die chriftlich-sozialcn Gewerkschaftsorganisationen nach Möglichkeit gestärkt werden. Die Gewerkschaften werden sich über diese Anttpathie des offiziösen Organs, die sie ja nicht erst neuerdings zu verspüren bekommen, zu trösten wissen. Sie sind im Kampfe er- stärkt und werden gerade durch den Kamps auch künftig di e gewaltigste Förderung erfahren. Und die Hoffnung auf die christliche Minier- und Zersplitterungsarbeit wird gerade dadurch zuschanden werden, daß Partei und Gewerk» schaften sich noch mehr als bisher gegenseitig unterstützen, um da- durch den unter dem Mantel der Arbeiterfreundlichkeit auftretenden reaktionären Bestrebungen energisch entgegenzutreten. In dem Matze, wie die Arbeitermassen immer mehr der sozialistischen Armee eingegliedert werden, werden sich auch die Kaders der christlichen Konkurrenzorganisationen leeren. Gerade durch dieEinheitder Weltanschauung, die dem deutschen Proletariat nur der Sozialismus bringen kann, werden erst die Vorbedingungen für eine endgültige Einheitlichkeit der wirtschaftlichen Organisation der deutschen Arbeiterklasse gegeben sein!—. Schweinepreis«. Während die Agrarier fich einerseits mit aller Energie gegen die Oeffnung der Grenzen für die Vieheinfuhr stemmen und sogar, wie die dieser Tage von der„Allgemeinen Fleischerzeitung" ver- öffentlichten Briefe der Viehzenttale beweisen, bedeutende Mittel aufwenden, um das Publikum über den Austrieb der Schlachtvieh- märkte zu täuschen, behaupten sie andererseits, die Viehpreise seien in den Nachbarländern ebenfalls derart gestiegen, baß selbst wenn die Grenzen geöffnet würden, aus dem Auslande kein Vieh auf die deutschen Märtte kommen würde. Daß dann, wenn letztere Be- Häuptling zutrifft, ihr ängstliches Sträuben gegen, die Aufhebung der Grenzsperre zwecklos ist, scheint ihrem Verstände nicht einzuleuchten. Wie sich tatsächlich die Auslands- zu den Inlandspreisen ver- halten, zeigt die Viehpreisstatistik des jüngst erschienenen dritten VierteljahreshesteS des laufenden Jahrganges der„Stattstik des Deutschen Reiches". Danach kosteten im Durchschnitt des zweiten Quartals 1906 Schweine pro 100 Kilogramm Schlachtgewicht: I. Sorte IL Sorte in Berlin...... 129,3 M. 126,2 M. „ Magdeburg.... 133,1. 128,3„ „ Köln...... 139,7. 133,9. , Frankfurt a. M... 141,4„ 141,1„ , Dresden......140,8„ 135,2„ „ München..... 143,7„ 137,9„ Dagegen kosteten im Auslande(in den Fällen, wo nach Lebend- gewicht notiert wird, ist der Preis um 20 Proz. erhöht): Wien...114 bezw. 108,4 bezw. 103,4 M. Budapest.. 108 bezw. 103, Rotterdam. 106,2 bezw. 100,4 bezw. 91,2, Kopenhagen. 105,3 bezw. 100,8 bezw. 98.6„ Es ist demnach zwar richtig, daß auch im Auslande die Preise gestiegen sind; doch stehen sie immerhin noch beträchtlich niedriger, als auf den einheimischen Märkten. Junkerliche Bescheidenheit. In der letzten Nummer der„Deutschen Tageszeitung", dem Leiborgan der deutschen Junker, wird ein geradezu kläglicher Versuch gemacht, dem baltischen Junkertum Liebesdienste zu erweisen. Das Blatt berichtet nämlich aus der„Düna-Zeitung", dem Sprachorgan deS baltischen Junkertums, daß gegen unseren Kollegen Weber ein Prozeß schwebe, den 24 estländische Gutsbesitzer gegen ihn angestrengt hätten. Und zwar will diese erlauchte Gesellschaft die Kleinigkeit von 144 000 M. dafür, daß wir das Wirken eines Teiles des estländischen Junkertums ins rechte Licht nickten. Die Verlogenheit derHintermänner der„Düna-Zeiwng" resp. der„Deutschen Tageszeitung" wird jedoch offenbar, wenn wir lesen, in welcher echt junkerlichen Weise der Inhalt unseres Arttkels gefälscht wird, um eine Anklage konsttuicren zu können. Die„Deutsche TageS- zeitung" zitiert auS der Anklage folgendermaßen: „Inkriminiert wird der Artikel„Die Revolution in Rußland" in der Rümmer 40 des„Vorwärts" vom 17.»ebtuar 1906. In diesem Artikel findet sich folgender Passus:„Jn Estland be- fehlen die Herren Junker selbst, ihre Wirts chafts- gebäude, insbesondere die alten, anzuzünden. um von den Versicherungsgesellschaften bedeutend größere Summen zu erhalten, als die Baulichkeiten wert waren." Was aber haben wir geschrieben: .In Estland haben die meisten von den Junlern ihre Gutsgebäude, besonders die alten, an- zünden lassen, um von der Versicherungsgesellschaft viel gröbere Summen zu bekommen, als die Gebäude wert waren." Aber nicht allein, daß wir nur von einer Anzahl der Junler gesprochen haben, wir haben im Anschluß daran auch Namen ge- nannt. Aber nicht etwa der namentlich Bezeichnete klagt wegen Verleumdung, das überläßt er vielmehr anderen Personen, die sich durch unsere Behauptungen, wir wissen nicht warum, getroffen fühlen. Neben der Bestrafung des„Verleumders Weber" verlangen die 24 Grafen, Barone usw. noch, bescheiden wie baltische Junker sind, eine an die Kläger zu zahlende Buße von je 6000 M. Die Begründung für die Geldbuße ist genau so klassisch, wie die Konstruierung der„Verleumdung". Die Kläger behaupten nämlich, „daß der Artikel des„Vorwärts" in russische Zeitungen übergegangen sei, und die russische Regierung, die für von der Revolution materiell Geschädigte eine Unterstützung anweisen läßt, wohl kaum öffentlich der Brandstiftung Angeschuldigten helfen wird". Selbst dem Organ der baltischen Junker, der„Düna-Zeitung", scheint diese Art Logik ein bißchen zu albern zu sein; sie fügt ihrer Mitteilung über die angestrengte Klage folgenden frommen Wunsch hinzu: Es erscheint uns überflüssig, über den„Vorwärts" und seine Tendenzen ein Wort zu verlieren. Nur so viel wollen wir be- merken, daß die(russische) Regierung wohl kaum die groben Lügen eines„Genossen" berücksichtigen wird. Es wäre aber durchaus wünschenswert, daß das deutsche Ge- richt trotzdem die Zivils orderung der Kläger befriedigt, denn— Geldstrafen sind den Sozis viel uuan- genehmer, als einige Zeit absitzen zu müssen. Neugierig sind wir auch auf die Aussagen der Zeugen I Wir glauben gern, daß es den Herren Junkern nicht gerade unangenehm wäre, je 6000 M. Trinkgeld einstecken zu können. Die Neugierde auf die Aussage der Zeugen wird zu gegebener Zeit in einer Weise befriedigt werden, die bei der„Düna-Zeitung" und ihren baltischen wie deutschen Hintermännern eine wenig angenehme Erinnerung zurücklassen wird.—_ Ein gerichteter Zcntnimsbemagvge. Die politische Hinrichtung eines Zentrumsagitators erfolgte in einer Schöffengerichtsverhandlung in Karlsruhe i. B. Der Kaplan Müßle hat seit Jähren unter seinen Glaubensgenossen eine skrupellose Hetze gegen die Sozialdemokratie und gegen sozialdemo- kratische Führer betrieben, die alles übertraf, was bisher auf diesem gewiß gut gepflegten Gebiete vom Zentrum geleistet worden war. Der unduldsame Vertreter der christlichen Nächstenliebe schreckte in seinen Kanzelpredigten, in den Wahlversammlungen, in den Flugblättern vor den ehrenrührigsten Vorwürfen gegen Sozial- demokratcn nicht zurück. Er war förmlich zum Typus der Agitation des Zentrums geworden und als solcher in ganz Baden bekannt. Daß ihn die sozialdemokratische Presse nicht schonte, ist selbst» verständlich/ Das hielt ihn aber nicht ab, sich die Bekämpfung der „ungläubigen Partei" förmlich zum Lebensziel zu machen. Kürz» lich fiel es ihm aber doch ein, gegen den.Volksfreund" in Karls- ruhe bezw. gegen den Redakteur Wcißmann zu klagen, weil in einer Korrespondenz aus seinem Wirkungskreise Ersingen bei Pforzheim behauptet worden war, seine politische Agitation habe dahin geführt, daß ihn die Ortseinwohner von Ersingen nicht mehr grüßten. Er hatte nämlich dieses Nichtgrüßen zum Gegenstand einer Predigt gemacht und sich darüber aus der Kanzel beschwert. Die Verhandlung/ die am 6. d. M. vor dem Schöffengericht Karlsruhe stattfand, gestaltete sich zu einer politischen und morali- scheu Niederlage des Zentrumsdemagogcn, die selbst der Zen- trumspresse zu denken geben muß. Unter dem Zeugeneid wurde festgestellt, daß er den Reichs- und Landtagsabgeordneten Eichhorn einen Simpel genannt hat. Es wurde festgestellt, daß er in einer Wahlversammlung des Zentrums den Gauleiter des Malerverbandes, den Genossen Maier. mit dem Ausdruck dummer Schuljunge belegte, es wurde zeugeneidlich erhärtet, daß er die Einwohner von Ersingen auf- forderte, einem Simpel wie dem Sozialdemo! raten Reiling bei der Gemeinderatswahl die Stimme nicht zu geben. (Dieser„Simpel" wurde trotzdem zum Gemcinderat gewählt und ist heute Ratsschreibcr in Ersingen.), Bekundet wurde ferner, daß der Redakteur eines kleinen Zentrumsblattcs die Müßleschen Artikel wegen ihrer rüden Angriffe auf die Sozialdemokratie mehr. fach zurückgewiesen hckt. Sämtliche Zeugen erklären, daßdieAgi- tation des Geistlichen Müßle wegen ihrer Skrupcllosigkeit geradezu einzig dastehe. In den vielen politischen Kämpfen Badens sei ein gleiches Beispiel nicht zu verzeichnen. Herrn Müßle sei jedes Mittel recht, wenn es nur Zentrumszwecken diene. Sogar der Religionsunterricht, den Herr Müßle erteile, sei von diesem antisozialistischen Geiste infiziert und unter den Schulkindern gebe es schon zwei Parteien: die schwarze und die rote! Kein Tag vergehe, der nicht eine neue Art der Müßleschen Agitation gegen die Sozial- demokratie bringe. Um ihn konzentriere sich völlig dir politische Agitation des Zentrums und die anderen Geistlichen bemühten sich. es ihm glcichzutun. Dieses erdrückende, durch die Zeugen herbeigebrachte Beweis. Material wurde noch vermehrt durch die Artikel der Zentrumspresse, für die Müßle in großem Umfange tätig ist. Selten ist ein Geistlicher in so umfassender und beweiskräftiger Art der politischen Unanständigkeit überführt worden, wie dieser skrupellöse Zentrumsagitator, der nur ein Gesetz für sein Handeln gelten lassen will: Der Zweck heiligt die Mittel I Auch das Gericht konnte sich des tiefen Eindrucks nicht erwehren, den die Beweisaufnahme hervorrief. ES sprach den Angeklagten frei und legte dem Pfarrer Müßle die Kosten auf.--- DaS Urteil bedeutet für die Sozialdemokratie einen moralischen Erfolg. Es� fit ihr, die in Baden unter der wüsten Zentrums- agitation zu leiden hat, an der Hand des Gerichtsurteils möglich, dem demagogischen Treiben der Zentrumschristen ganz kräftig die Spitze zu bieten. Insofern ist die Verhandlung von prinzipieller Bedeutung, als sie aktenmäßig wieder einmal den Beweis erbracht, daß die geistigen Waffen des Zentrums dem christlichen Grundsatze von der Duldung und der Nächstenliebe schlankweg ins Gesicht schlagen,_ Eilte Masscnklage von Arbeitswilligen hatte am Freitag der Genosse Emil Maier von der Mann- h e i m e r„Volksstimme" zu bestehen. Die Herren Arbeitswilligen— Wilhelm Singer und 34 Genossen— waren ihren Kollegen beim Rheinmühlenstreik in den Rücken gefallen. Der Streik endete des- halb mit einer Niederlage. Bei den Einigungsverhandlungen mit der Direktion wurde eine Schlichtungskommission cm- gesetzt zur Eutgcgcnimhme etwaiger Beschwerden. Die Firma glaubte Anlaß zu haben. über Belästigungen der Herren Arbeitswilligen durch die ehemaligen Streikenden Klage zu führen und auf Anregung der Schlichtungskommission veröffentlichte nun Maier in Nr. 78 der„Volksstimme" einen Artikel, worin er vor Ausschreitungen gegen die Streikbrecher warnte und sie als„Ver- räter" an der Arbeitersache und ähnlich bezeichnete. Offenbar fühlten sich die Herren Arbeitswilligen in einer gewissen Selbst- erkenntniS weniger durch die Ausdrücke beleidigt als die Direktion, die ein Zirkular unter den Arbeitswilligen herumgehen ließ und zur Erhebung einer Klage aufforderte. Pflicht- schuldigst apportierten auch 44 der Retter in der Not, nach kurzer Zeit zogen aber schon neun den Klageantrag zurück. Maicr erklärte in der Verhandlung, keinen der gebrauchten Ausdrücke zurücknehmen zu köimen. In den Augen jedes klaffen- bewußten Arbeiters erscheine jeder Streikbrecher so wie er ge- schrieben. Der Vertreter des nur allein geladenen Klägers Singer beantragte als Sühne für die„in ihrem Heiltgsten, ihrer Ehre" gekränkten Herren Arbeitswilligen eine Gefängnisstrafe, da Geldstrafen der Angeklagte doch nicht würde zahlen müssen. Der Herr Anwalt besaß Logik genug, auf die harte Strafe von drei Monaten Gefängnis zn exemplifizieren, die im Rückfall für den Diebstahl einiger Kohlen im Werte von wenigen Pfennigen ausgesprochen werde. Genosse Rechtsanwalt Dr. Frank verwies darauf, daß sich in jeder Klasse durch die jeweiligen ökonomischeu Verhältnisse gewisse Grund- anschauungen heranbilden, nichr nur bei den Arbeitern, sondern auch bei'den sogenannten gebildeten Ständen, wie der Leipziger Aerztestreik beweise. Auch in diesem seien die Streikbrecher der Verachtung ihrer Standesgenossen preisgegeben, geächtet und mit Hohn und Spott überschüttet worden. Er verstehe nicht, wie man eine zu dem Volkscmpfinden in grellem Widerspruch stehende veraltete Rechtsform, wie die harte Bestrafung bagatellmäßiger Kohlen- diebstähle, auf den vorliegenden Fall anwenden könne. Er beantragte eine Geldstrafe. Das Gericht verurteilte den An- geklagten zu einer Geldstrafe von 150 M. eventl. 2 Monaten Gefängnis, indem es als mildernd in Rechnung zog, daß wir in einer Zeit wirtschaftlicher Kämpfe leben, die manchmal scharfe Formen annehmen. In einem weiteren Falle wurde Maier wegen Beleidigung des christlichen Arbeitersekretärs Tremmel— er hatte ihn ein Lügenmaul genannt— zu 20 M. Geldstrafe verurteilt. Militärboykott! Königsberg, den 5. Oktober 1906.(Eig. Ber.) Ueber sozialdemokratische Parteilokale, sowie über Wirtschaften und Geschäfte, in denen überwiegend Sozialdemokraten verkehren. wird angeblich der Militärboykott deshalb verhängt, damit die Soldaten nicht mit sozialdemokratischen Elementen zusammen kommen und dadurch die heilige Disziplin verletzt wird. Wir wissen, daß das nicht der alleinige und hauptsächliche Grund der Ver- hängung der Militärboykotte ist, sondern daß diese den Zweck haben sollen, einen Druck auf die Wirte und Geschäftsinhaber auszuüben und der Partei und den Gewerkschaften die Lokale abzutreiben. Hierfür ein Beispiel aus Ostpreußen: In I n st e r b u r g ist über das Lokal, in dem vor zirka 6 Mo- naten sich noch die Soldaten dieser Garnison beim Tanz vergnügten, der Militärboykott verhängt worden, seitdem dort sozialdemokratische Versammlungen stattfinden. Bei den letzten Herbstübungen erhielten nun die Bürger der Stadt Jnsterburg reichliche Einquartierung. Auch dem Wirt unseres Parteilokals wurden 10 Mann, darunter 2 Unteroffiziere zugeteilt. Ein Mißverständnis vermutend, teilte der Wirt dem Beanitcn des Einquartierungsbureaus mit, daß über sein Lokal der Militärboykott bestehe: denn seine sämtlichen Räume ständen der sozialdemokratischen Partei und den Gewerkschaften zur Verfügung. Auch fänden in den Tagen der Einquartierung sozialdemokratische Versammlungen statt. Der Beamte meinte jedoch, das schade nichts, auch sein Quartier werde gebraucht. So zogen denn acht Mann Infanterie nebst zwei Unter- offizieren dort ins Quartier, wo noch vor wenigen Tagen der oft preußische Parteitag getagt und seine roten Dekorationen, sozialdemokratischen Sinnsprüche und dergleichen hinterlassen hatte. Sie verkehrten gar friedlich mit den recht zahlreich aus» und eingehenden roten Brüdern. Und am zweiten Tage ihres Einzuges in daS Parteilokal fand eine stark besuchte Versammlung statt, der sie, nicht widerwillig, gezwungen Ivurden, von Anfang bis zu Ende beizuwohnen. Denn in einem dicht am VersammlungSraxlm, durch keine Türen getrennten Restaurationszimmer saßen sie bei ihrem Abendessen, das nunmehr, gewürzt durch sozialdemokratische Reden, die besonders den Unter» offizieren zu imponieren schienen, um so schmackhafter war. Mit der Versicherung, noch nie solch ein angenehmes Quartier wie das sozialdemokratische angetroffen zu haben und nnt einigen Kenntnissen über sozialdemokratische Zwecke und Ziele ausgestattet, zogen die Vaterlandsvcrteidiger von bannen. Die Disziplin ist bei ihnen sicher nicht lockerer geworden als vordem. Bus der Kaserne. Weil er nach seiner Angabe schlecht be» handelt wurde, desertierte der Hoboist Walter Bruhn vom Re- giment 11 in Breslau nach Oesterreich. Das Kriegsgericht verurteilte thn zu fünf Monaten und drei Tagen Gefängnis wegen Fahnenflucht und Ungehorsam.—_ Die Landtagswahlen im Großherzogtum Sachsen haben diesmal ein noch innigeres Zusammengehen zwischen Frei- sinn und den weiter rechts stehenden Parteien zur Folge. Waren es vor drei Jahren nur ein paar Wahlkreise, in denen der Freisinn in der„einen reaktionären Masse" aufging, so ist diesmal bei den in ein paar Wochen stattfindenden Wahlen der Wahlmänner fast überall der Freisinn mit den Nationalliberalen und dem anderen Anhang vereinigt. Mit Ausnahme von einer Anzahl ländlicher Wahlkreise kommt das konservative Element wenig in Betracht, so daß in den industriereichen Bezirken und den größeren Städten des Landes von dieser Seite auch keine eigenen Wahlmänner aufgestellt werden. Die Konservativen unter- stützen vielmehr in diesen Kreisen den Freisinn, denn gefährlich kann dieser der Reaktion nicht mehr werden. Es macht jetzt einen komischen Eindruck, wenn man den Freisinn verkünden hört: Wir müssen uns mit den Liberalen verbinden, um das direkteWahl- recht zu erobern. Von dem allgemeinen gleichen Wahlrecht schweigt jetzt der Freisinn. Um noch ein wenig „liberal" zu erscheinen, und da ihm dies bekanntlich nichts schadet, wird das direkte Wahlrecht verlangt. Aber die Klassenwahl, wie sie jetzt im Großherzogtum besteht, die kann von FreisinnSwegen ruhig bestehen bleiben. Am 16. Februar 1906 stimmten die frei- sinnigen Abgeordneten gegen den sozialdemokratischen Antrag auf Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts. Schon damals schrieb ein nationalliberales Blatt, daß mit dieser Abstimmung der Freisinn im Großherzogtum seine alten Grundsätze bezüglich des Wahlrechts preisgegeben habe. In Eisenach, wo noch vor drei Jahren der Freisinn mit den Nationalliberalen um das Mandat rang. hat der Freisinn diesmal vor den Nationalliberalen die Waffenge st reckt. Er will den Nationalliberalen nicht nur das Mandat ruhig überlassen, sondern es gegen die Sozialdemokraten m i t verteidigen. Dafür hofft er in Ilmenau auf die nationalliberale Hülfe, um der Sozialdemo- kratie das Mandat abzunehmen. Auch in Apolda, wo schon vor drei Jahren unter der Führung des Freisinns alle bürgerlichen tßßfUien gegen die SozialöMokratie zu Felde zogen, ist die alie Gemeinschaft wieder erneuert. Daß bei den Wahlen der Höchst- besteuerten der Freisinn leer ausgeht, das geniert die Freisinns- gcistcr wenig. Sie dürfen dort mit helfen, den garantierten Besitz- stand der Natioualliberalen zu erhalten. Selbständig sind sie nicht mehr imstande, auch nur ein einziges Mandat für den Landtag zu erobern. Diese Erkenntnis hat sie dazu gedrängt, auch bei den allgemeinen Wahlen ihr Heil in den Reihen der reaktionären Masse zu suchen. Gleiche Brüder, gleiche Kappen l--» EiiqUikJ. Frankreich. „Ehrc»"-Geschenk! Paris, 6. Oktober. Der„Eclair" veröffentlicht heute die erste Subslriptionsliste für ein den: General Mercier zu überreichendes Geschenk anläßlich der 12. Wiederkehr des Tages, an dem er den Major Dreyfus des Verrats beschuldigte. Bis jetzt sind 14000 Fr., darunter 10 000 Fr. anonym eingegangen.— Spanien. Hornberger Schießen. Madrid. 6. Oktober.(W. T. 83.) Der Bischof von Tuy hat heute an den Justizminister eine Widerrrifserklärnng gesandt, in der er sagt, daß sein Hirtenbrief vom 1. September nur den Zweck ver- folgt habe, die Rechte der Kirche und das Interesse der Religion wahrzunehmen, und daß er nicht die Absicht gehabt habe, den Minister persönlich oder dessen hohes Amt zu beleidigen. Auf Grund des Widerrufes ist die Einstellung des gerichtlichen Ber- fahrens gegen den Erzbischof angeordnet worden, da der Justiz- minister die Ausführungen des Erzbischofs als ausreichend er« achtet hat.»- Dänemark. Die Staatsfinanzen. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß ber Ausfall der Ein« nahmen, der infolge der dänischen Zollreform zu erwarten ist, vor- aussichtlich durch die mit der besseren Geschäftslonjunktur verknüpfte Steigerung der allgemeinen Staatseinnahmen reichlich ausgeglichen werden wird. Das ist um so mehr zu erwarten, als die jetzt dem Reichstag vorliegende Abrechnung über das Finanzjahr 1902/1906 statt mit dem vorausberechneten Defizit von 8 Millionen mit einem Ueberschuß von 3 Millionen Kronen schließt. Die Staatsschulden sind im Laufe des Jahres von 241 416 603 auf 239 670 570 Kronen gesunken. Dabei hat der Landesverteidigungönrinister Christensen entgegen dem alten Grundsatz seiner Partei durchaus nicht ge- spart, sondern mehr gebraucht als bewilligt war, nämlich für das Landheer 700000, für die Marine 41200 Kronen mehr. Gespart wurde dagegen am Eisenbahnbudget eine Million, und an Ueberschuß brachten die Staatsbahnen statt der voransberechneten SVa in Wirklichkeit 7 Millionen.— Der Budgetvoranschlag für das komniende Finanzjahr— vom 1. April 1907 bis 31, März 1908— schließt mit einer Einnahme- summe von 88123 000 Kronen, und die Ausgaben sind auf 83 123 000 Kronen berechnet. Für das Kriegs», inisterium werden 12126 479 Kronen(das sind 772 332 Kronen mehr, als für das laufende Finanzjahr bewilligt wurden) verlangt; für die Marine 2 382 200 Kronen. Dazu kommen noch außerordent» l i ch e Ausgaben für Heer und Marine von 272 000 Kronen. Im Budget für das Postwesen werden verschiedene, allerdings sehr not- wendige Lohnerhöhungen für Briefträger und andere Angestellte vor« geschlagen. Das Budget des Kultusministers bringt Erhöhungen der StaatSunterstützuirgen für eine große Anzahl von Schriftstellern, Gelehrten, Komponisten, Künstlern und Lehrern.. Amerika. Lufthicbe. New Dork, 5. Oktober.(B, H.) Während eines Meetings in Salisbury hielt Präsident Roosevelt eine sehr scharfe Rede gegen die Einmischung der Finanzwelt in die Politik. Roosedelt erklärte, er beabsichtige keineswegs die industriellen Fortschritte der Trusts und Gesellschaften zu beeinträchtigen, aber andererseits dulde er keine Eingriffe in die Politik, Infolgedessen verlangte der Präsident, daß der Regierung größere Macht verliehen würde, um gegen die Trusts vorgehen zu können. Der biedere Roosevelt betrachtet es fast als eine Art Sport, von Zeit zu Zeit ein paar kräftige Worte gegen die Trusts vom Stapel zu lassen. Er kann sich diesen, seinen Nimbus beim Volke verbessernden LuxuS leisten; denn er weiß ganz genau, daß die gesetzgebende Körperschaft— so wie sie heute beschaffen ist— nichts Ernstliches gegen die Auswüchse der Trusts unternimmt. Und zu einem Prinzipien- Konflikt läßt Teddy eS nicht kommen. S 0 ehrgeizig ist er nicht!—________ GcwerkrcbaftUcbca* Auf dem Wege zur Einheit! Im Jahre 1883 wurde in Berlin unter dem Namen „Verein Berliner� Hausdiener" eine Organisafton geschaffen, die wesentlich Unter st ützungszwecken diente. Die neue Organisafton war aber bald vor die Aufgabe gestellt, auch im Kampfe zur Verbesserung der Lebenshaltung ihrer Mit- glieder eingetreten und aus dem ehemaligen reinen Unter» ftützungsvereine wurde schnell eine Kampforganisatton, die den Anschluß an die moderne Arbeiterbewegung suchen mußte und durch Aufnahme in die Berliner Gewerkschaftskommission fand. Ein Hindernis in den Kämpfen der Berliner Hausdiener mußte es sein, daß dieselben in verschiedenen Organisationen zerstreut waren. Sie fanden sich in dem erwähnten Verein, waren organisiert im Handels- und Transportarbeiter-Verband und weiter in einer lokalistischen Vereinigung der jetzt kurzweg als „anarchosozialistisch" bezeichneten Richtung. Der Transport- arbeiter-Verband machte denn auch bei der Aufnahme des Vereins Berliner Hausdiener in die Gewerkschaftskommission zur Bedingung, daß vorbereitende Schritte zum Ineinander- aufgehen des Transportarbeiter-Verbandes und des Vereins Berliner Hausdiener getroffen würden. Ani 23. September fand eine Versammlung des Vereins statt, die zu den von uns seinerzeit mitgeteilten, recht ent- gegenkommenden Uebertrittsbedingungen Stellung nahm. Leider kam es in dieser Versaminlung zu keinem Entschluß, da ein Einverständnis über die Form des Zusammentritts beider Organisationen nicht gefunden Werden konnte. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission beschäftigte sich infolge- dessen mit dieser Sachlage und unterbreitete darauf dem Vor- stand des Vereins Berliner Hausdiener folgenden Beschluß: Werte Genossen I In seiner gestrigen Sitzung beschäftigte sich ber Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskoininlssion mit dem Resultat der Generalversamnllnng des Vereins Berliner Haus» diener vom 23. September, welche über den Anschluß des Vereins an den Zentralverband der Handels- und Transportarbeiter beraten sollte. Da nach dem Verlauf der Versammlung in Zukunft nicht zu erwarten steht, daß die Frage des Anschlusses in einer späteren Versammlung ordnungsmäßig gelöst werden kann, so kam der Aus- schuß zu folgender Beschlußfassung: „Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission beauf- tragt den Vorstand des Vereins Berliner Hausdiener nach dem resultatlosen Verlauf der Bersamnilung vom 23. Sep- tcinber, in allerkürzester Zeit eine Urabstimmung unter seinen Mitgliedern über den Anschluß an den Zentralverband der Handels- und Transportarbeiter vorzunehmen. Der Vorstand hat i» einem Flugblatt die Mitglieder«ff die Wi-sisiakeit der ob das einzelne Mitglied für oder gegen den Anschluß ist. Wir übermitteln dem Vorstand des Vereins hiermit diesen Beschluß mit dem Ersuchen, nunmehr die notwendigen Schritte im eigenen Interesse des Vereins so schnell wie möglich einleiten Mit bestem Gruß zu wollen. J. A. des Ausschusses der Berliner Gewerkschaftskommission A d. Ritter. Ausland. Der Friedensschluß in der Enscheder Textilindustrie. Wie bereits eine Depesche meldete, ist der Streik und die Auss " Will die holländische Textilarbeiterschaft mit Erfolg einen Kampf gegen diesen Unternehmerverband führen, so muß sie selbstverständlich mindestens ebenso start organisiert sein, und das ist leider bis jetzt noch nicht der Fall. Same und der Abstimmung hinzuweisen. Das Flugblatt foll 1 Der neue Minimallohntarif der Kontobucharbeiter und mit einer Abstimmungstarte versehen sein, die in einer vom Arbeiterinnen ist nun endgültig abgeschlossen. Die BranchenVorstand des Vereins noch näher zu bestimmenden Zeit, an bersammlung, die am Freitag den großen Saal der Arminhallen diesen abgeliefert werden muß, und zwar mit der Erklärung, füllte, hat der Tariffommission den Auftrag erteilt, den Lohntari sperrung der Zertilarbeiter von Enschede beendet. Die Arbeit zu unterschreiben. Wie der„ Vorwärts" bereits mitteilte, hatte die Fabrikantenvereinigung auf den Beschluß der letzten Branchen- wurde gestern vormittag wieder aufgenommen. Die Streitenden versammlung, vor endgültiger Anerkennung des Lohntarifs zu ver- haben sich mit 23 gegen 7 Stimmen mit einem Vermittlungslangen, daß der Akkordtarif vorgelegt werde, ablehnend geantwortet. borschlag einverstanden erklärt, wonach im November eine KomDas Antwortschreiben, das am Freitag verlesen wurde, enthielt mission von Fabrikanten- und Arbeitervertretern über die gegen die auch die Mitteilung, daß der Vorstand der Fabrikantenvereinigung Arbeits- und Lohnverhältnisse der Fabrik Bamshoeve" vorliegenden Mitgliedern anheim gegeben hat, die im neuen Tarif aufge- den Beschwerden verhandeln soll. Der Erfolg des Streits ist also führten Löhne schon vom 1. Oktober ab vorläufig einzuführen. ein ziemlich zweifelhafter. Gleichwohl können die Streifenden, Die angeregte Abstimmung soll heute stattfinden. Außerdem erklärten sich die Fabrikanten bereit, sofort, und zwar und vor allem kann die große Masse der Ausgesperrten mit diesem Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission ist an einem von den Vertretern der Arbeitnehmer zu bestimmenden Ausgang des Kampfes einigermaßen zufrieden sein. Der Gegner, inzwischen nicht müßig gewesen. Um den Mitgliedern des Tage, mit der Beratung des Affordtarifs zu beginnen. Unter der sich durch den kleinen, unüberlegt durchgeführten Streit herausVereins den Uebergang zum Transportarbeiter- Verband noch lung, die endgültige Anerkennung des Lohntarifs zu beschließen, iation Niederlands, die alle ihre Mitglieder bei hohen diesen Voraussetzungen empfahl der Referent& Iar der Versamm gefordert fühlte, ist die stärtste Unternehmerorganis weiter zu erleichtern, ist der Transportarbeiter- Verband zu was dann ohne weiteres geschah. Konventionalstrafen verpflichtet, wenn bei einem Mitgliede gestreift folgenden Zugeständnissen veranlaßt worden: Die Versammlung erteilte der Tarifkommission ferner die wird und dadurch, die Streikenden mitgerechnet, auch nur 50 ArDie Unterstügungssäge und die darauf bezüglichen Be- Vollmacht, bei Beratung des Affordtarifs, soweit sie es für möglich beiter oder Arbeiterinnen arbeitslos werden, ihr ganzes Arbeitsstimmungen des Vereinsstatuts bleiben für die den Vereins- erachtet, die einzelnen Positionen mit den Fabrikantenvertretern personal zunächst auf zwei Tage, dann auf 4, und schließlich die beitrag von 25 Pfennig weiter zahlenden Mitglieder be- endgültig festzuseßen, damit dann die neuen Preise sofort einge- ganze Woche lang auszusperren. In der Fabrik Bamshoeve hatten stehen. Eine Aenderung dieses Zustandes beschließen nur die führt werden können. Zum Schluß forderte der Branchen- 56 Personen die Arbeit eingestellt; man forderte 14 andere auf, den Vereinsbeitrag von 25 Pfennig zahlenden Mitglieder. Das halten, daß der neue Tarif auch wirklich in allen Teilen durch- lehnten, hatte man genau die Zahl erreicht, die das Statut der vertrauensmann Reese die Anwesenden auf, streng darauf zu die Arbeit der Streikenden zu verrichten und als diese das abs Vereinsvermögen wird als Ortsfonds für die neue Mitglied- geführt wird, und sich in Streitfällen an das Tariffchiedsgericht zu Fabrikantenvereinigung zur Durchführung der allgemeinen Ausschaft I festgelegt und darf nur im Interesse der ehemaligen wenden. Er machte ferner darauf aufmerksam, daß nun mit aller sperrung voraussetzt. Vereinsmitglieder verwandt werden, soweit dieselben Mit- Kraft dahin gewirkt werden muß, daß auch die außerhalb der Verglieder des Zentralverbandes bleiben. Ueber die Art der einigung stehenden Kontobuchfabrikanten veranlaßt werden, den Verwendung dieses Vermögens beschließen nur diese Vereins- neuen Tarif anzuerkennen. mitglieder.- Der Ausschuß der Berliner Gewerkschafts- Aus der Versammlung wurde die Tariffommission aufgekommission garantiert die Junehaltung dieser Vereinbarungen. fordert. dahin zu wirken, daß in gemischten Betrieben die für die Buchdrucker eingeführte Verfürzung der Arbeitszeit den BuchTolerantere Uebergangsbestimmungen sind wohl nie in bindern nicht vorenthalten wird. Sämtliche Budapester Bäckergehülfen, etwa 1800, tündigen für den 11. Oktober den Streit an, wogegen die Meister eine Aus ähnlichen Fällen vorgesehen worden. Wir gehen soweit, zu sperrung vorbereiten. Die Meister wollen durch Kleingewerbebehaupten, daß bei gleichem Entgegenkommen seitens der arbeiter hat sich die allgemeine Situation in feiner Weise geändert. Während der dritten Woche des Ausstandes der Ballschuh- treibende, nötigenfalls auch durch Militär backen lassen, und teilen Zentralverbände schon so manche Lokalorganisation ver- Die im Anfang der Woche ſtattgefundene Berhandlung scheiterte mit, daß durch den Streit die Versorgung der Hauptstadt nicht schwunden wäre und daß diese Bestimmungen geradezu vor- wiederum daran, daß die Kommission der Fabrikanten auf ihrem leiden werde. bildlich sein könnten für einen weiteren Versuch, das Auf- Standpunkte beharrte, nur zu verhandeln, wenn die Kommission Die Pariser Bäder fämpfen ebenfalls um den wöchentlichen gehen der bisherigen Sonderorganisationen in die Zentral der Streifenden bindende Beschlüsse fassen könne. Dieses Ver- Ruhetag. Da dieserhalb ein Ausstand derselben befürchtet wird, verbände herbeizuführen. Es ist hoch anzuerkennen, daß der langen ist um so unberechtigter, als in der Kommission der Arbeit- erließ der Generalgouverneur von Paris Befehl, daß die MilitärTransportarbeiter- Verband sich zu einem solchen Entgegen geber die beiden Fabrikanten, um welche es sich bei der Beratung bäder heute feinen Urlaub erhalten sollen, damit sie eventuell für Diese kommen bereitfinden ließ, statt die weitere Entwickelung der handelt, Sitz und Stimme haben, somit zu jeder Zeit in der Lage die Brotversorgung von Paris verwendet werden können. Macht der Verhältnisse zu überlassen. Denn daß der Verein sind, ihnen unliebsame Beschlüsse zu verhindern. Die übrigen militärische Verteidigung der Republik gegen den Hungertod ist der Berliner Hausdiener Anschluß an die moderne Arbeiter- beigetreten. Trotzdem lehnt diese Vereinigung es ab, in ihrer beutung der Arbeiterschaft auch unter der freiesten Staatsform ihre der Berliner Hausdiener Anschluß an die moderne Arbeiter- Ballschuhfabrikanten sind jetzt ebenfalls der Unternehmervereinigung charakteristisch dafür, daß in der kapitalistischen Gesellschaft die Ausbewegung suchen muß, haben seine Mitglieder ausreichend Angelegenheit ebenfalls zu verhandeln. Sie stüßt sich hierbei an- Giftblüten treibt. genug erfahren. Er braucht trotz seiner Mittel für die Kämpfe geblich auf ihr Statut, welches verbieten soll, während der Dauer einen moralischen Rückhalt, wie ihn nur die organi- einer Lohnbewegung in diefelbe verwidelte Arbeitgeber auf Board of Trade Lloyd, George, hat in einem Schreiben den Der Streit der Werftarbeiter am Clyde. Der Präsident des fierte Gesamtarbeiterschaft zu gewähren vermag. Er braucht zunehmen. Es ist aber die Annahme nicht von der Hand zu weisen, Board of Trade Lloyd, George, hat in einem Schreiben den die Presse, die der modernen Arbeiterbewegung zur Ver- daß diese Tattik nur deshalb beobachtet wird, weil der Fabrikanten- streitenden Eisenarbeitern des Clydedistrikts angeboten, den Board of fügung steht. Und er kann schon deswegen nicht stolz allein verband sich in seinem eigenen Interesse nicht mit der gesamten Trade als Schiedsrichter anzunehmen. stehen, weil die Berstreuung seiner Berufsangehörigen in ber- Ausstandsbewegung identifizieren will, und nur deshalb seine beiden älteren Mitglieder in Schuh nimmt. schiedene Drganisationen ihm auf die Dauer den Kampf fahrt werden zu Hülfe genommen, um die Streitarbeit den ArbeitsPost und Paketmit dem Kapital so sehr erschweren würde, daß er daran er willigen zuzustellen; selbst in die Wohnungen einzelner Streifenden lahmen muß. Und mit ihm vielleicht auch die anderen schickt man Arbeit, um sie auf diese Weise zum Abfall zu bewegen. Organisationen! Doch ist der Liebe Mühe umsonst. An die Kundschaft werden von feiten vieler Firmen Zirkulare versendet, in welchen um Aufschub der Lieferungen ersucht wird. Auch dieses Mittel wird nur kurze In dem Stadium, bis zu welchem die Angelegenheit jetzt Beit verfangen, denn die Saison schreitet vor und die Arbeit wird gediehen ist, heißt es ja für die Mitglieder des Vereins immer dringender gebraucht. Diese Verhältnisse werden wesentnicht mehr zu entscheiden, ob Anschluß oder Nichtanschlußlich dazu beitragen, die Unternehmer von dem Standpunkt ab an den Transportarbeiter- Verband, sondern Anschluß oder zubringen, Bedingungen zu stellen, ehe die Verhandlungen auf Nichtanschluß an bewegung! Die Hausdiener wären dann wie früher machtlos und schutzlos der Uebermacht des Kapitals überliefert! die moderne ArbeiterDas ist sicher ein Preis, um den auch die Mitglieder des Vereins Berliner Hausdiener bereit sein müßten, die Opfer zu bringen, welche der viel ältere Verein Berliner Droschfenfutscher brachte! Wenn man im Angesichte der Uebertrittsbedingungen von Opfern überhaupt reden kann! Hinein also in die Einheitsorganisation! Berlin und Umgegend. genommen sind. Deutfches Reich. Arges Mißgeschick mit ihrem Antrage auf Erlaß eines Einhaltsbefehls gegen die Boykottierung ihres Betriebes hat die Brauerei„ Storchshöhe" in Oschersleben. In dieser Brauerei sind Anfang August d. J. zwei Brauer gemaßregelt worden. Den Anträgen auf Wiedereinstellung der Gemaßregelten gegenüber verhielt sich die Brauerei ablehnend; ja der Braumeister äußerte zu den Arbeitern: aßt Such man mit Eurem Verbande aufhängen!" Die Folge war der Boykott. In Flugblättern, in Inseraten und zahlreichen Notizen der Arbeiterblätter ist vor dem Genuß des Bieres der Brauerei Storchshöhe" gewarnt worden. Der Streit bei der Firma C. P. Goerz ist nach viertägiger Die Brauerei hat von dem Boykott beträchtlichen Schaden und statt Dauer beendet. Nachdem hintereinander sechs Abteilungen einmütig die Maßregelung zurückzunehmen und Frieden zu schließen, betrat die Arbeit niedergelegt hatten, fanden gestern abermals Verhand- sie den Klageweg. Sie strengte gegen den" Zentralverband der lungen mit der Direktion statt, die zu einem befriedigenden Ergebnis Brauer, vertreten durch den Vorsitzenden Gg. Bauer in Hannover führten. Die Firma erklärte sich bereit, den entlassenen Vertrauens- und den Gauleiter Stöd lein in Leipzig" Klage an mit dem mann im Werk wieder einzustellen. Außerdem versicherte die Direktion, Antrage auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung gegen die Beihrerseits alles zu vermeiden, was zu ähnlichen Differenzen führen flagten, jede Kundgebung gegen die Brauerei, die sich als Verfönne, womit gleichzeitig ausgedrückt war, daß in Zukunft keinerlei Berufserklärung erweist, zu unterlassen bei einer Strafe von 1000 M. vorzugung der„ Gelben" vor den Drganisierten wieder stattfinden darf. für jeden Uebertretungsfall." Diese Erklärungen konnten die Streifenden als annehmbar bezeichnen, Am 19. September schon stand Termin vor der vierten Zivilund so wurde denn in der gestrigen Streifversammlung beschlossen, tammer in Hannover an. Diese Kammer wies die Sache ab, da die Arbeit am Montag wieder aufzunehmen. sie nicht zuständig, weil Bentralverband nicht mit G, sondern Hoffentlich wird die Direktion ihren Meistern jetzt auch umgehend mit 3 geschrieben war! Vor der zuständigen" Kammer nun fand die nötigen Anweisungen geben, damit diese Herren ihren hoch- Termin am Freitag statt. Der Vertreter der Brauereien behauptete mütigen Maßregelungseifer einfürallemal zügeln. Jedenfalls dürfte die Verhängung des Boykotts verstoße gegen§ 153 der Gewerbedie Firma an dieser kleinen Streitprobe gesehen haben, daß sie mit ordnung und§ 826 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Es sei damit ihren ehrenwerten Meistern allein nicht produzieren kann. Auch die eine Geschäftsschädigung beabsichtigt, nicht aber die Erzielung " Gelbsucht" bermag gegen die Solidarität der organisierten Arbeiter besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen, und nur den letzteren nichts auszurichten. Boykott habe das Reichsgericht für erlaubt erklärt. Die gelbe" Morgenpost". " In einer Versammlung der Gelben" von der Firma Goera, die am Freitag in den Hohenzollerusälen" stattfand, wurden die Streitberichte im„ Vorwärts" und in der„ Morgenpost" angegriffen. Der anwesende Vertreter der„ Morgenpost" wurde um eine" Berichtigung" ersucht. Dieser erhob sich zu einer Ansprache an die Bersammelten und gab seinem Bedauern Ausdrud, daß die Berichte in seinem Blatte nicht mit den Ansichten der Gelben" übereinstimmten; die„ Morgenpost" wolle es gewiß nicht wieder tun, wenn man ihr diesmal noch verzeihe. Zur Genugtuung der direktionsfreundlichen„ Gelben" war gestern auch eine Erklärung von seiten der Direktion über den Streit in der Morgenpost" zu lesen. 11 Achtung, Holzarbeiter! Die Tischler und Polierer der Schweriner Pianofabrik stehen im Streit. Agenten aus Schwerin suchen Arbeitswillige unter der Adresse Koppenstraße 3 nach dort anzuwerben. Wir ersuchen die Kollegen, Arbeit nach Schwerin nicht anzunehmen; auch dafür zu sorgen, daß Buzug ferngehalten wird. Die Ortsverwaltung. Troß dieser schönen Gründe tam es nicht zu einer Entscheidung, da die Klage an die falsche Adresse gerichtet war. Der Zentralvorfibende hat an dem Boytott weder mitgewirkt, noch hat er ihn veranlaßt. Die Sache ist betrieben worden von dem Gauvorsitzenden Stöd lein, der auch die Flugblätter zeichnete. Nach dem Statut wird der Zentralverband der Brauer aber nicht vertreten durch den Vorsitzenden und dem Gauleiter, sondern durch den Vorstand, der aus 11 Personen besteht. Dieser Vorstand hat aber keine Stenntnis von den Boykottpublikationen gehabt. Der Vertreter der Brauereien zog die Klage trotzdem nicht zurück, er fonnte sich aber auch nicht erklären und bat um Vertagung auf einen neuen Termin. In die Vertagung wurde eingewilligt und der nächste Termin auf den 23. Oktober festgesetzt. Wenn bis dahin die Brauerei nicht eingelentt hat, wird sie zu dem Schaden noch den Spott haben. Denn wenn dem Zentralverband der Brauereiarbeiter etwas untersagt werden soll, dann muß sich die lage gegen den Vorstand richten; soll dem Gauleiter der fernere Betrieb des Baykotts verboten werden, dann ist nur das Gericht in Leipzig zuständig. Die Brauerei hat also entschieden Bech mit ihrer Anwendung des jetzt so beliebten Mittels der Einhaltsbefehle. Der Streit der Rheinflößer ist, wie in Mainz, nun auch in Mannheim beendet. An die organisierte Arbeiterschaft Berlins und der Umgegend! In den Milchbetrieben von Bolle ,,, Schweizerhof" und In der Baubeschlagfabrik Simonswert zu Rheda in Westf. Milch zentrale hat die Organisation in der letzten Zeit be- find Differenzen ausgebrochen, die wahrscheinlich zum Ausstand deutende Fortschritte gemacht. Deswegen hat die Seftionsleitung führen werden. Da die Firma alle Versuche unternimmt, Arbeitses für notwendig befunden, für die Kutscher und Mitfahrer dieser willige heranzulocken, wird ersucht, auf die Werbungen acht zu Betriebe eine Legitimationstarte herauszugeben, damit sich die geben und den Zuzug fernzuhalten. Kollegen jederzeit als organisationszugehörig ausweisen fönnen. Der Streit der Buchbinder in der lithographisch- artistischen Die Karte ist von brauner Farbe und nur dann gültig, wenn Kunstanstalt A.-G.( vormals Gebr. Obpacher) in München dauert dieselbe ordnungsmäßig jeden Monat abgestempelt ist. unverändert Die jetzt, Gerichts- Zeitung. Flugschriftverbreitung. Gegen den Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter" richtete sich eine gestern vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte verhandelte Anklage gegen die Lehrlinge Liebrandt und Deetjens. Die ihnen zur Last gelegte Handlung bestand darin, daß sie öffentlich bor einer Gemeindeschule an die aus dem Fortbildungsunterricht herauskommenden Lehrlinge Flugblätter verteilt hatten, in denen zum Beitritt zum Verein aufgefordert wurde. Sie erhielten des= halb ein polizeiliches Strafmandat über je 30 M. wegen Verbreitung sozialdemokratischer Hehschriften ohne polizeiliche Ges nehmigung". Hiergegen hatten sie Einspruch eingelegt. In der schöffengerichtlichen Verhandlung wurde u. a. auch das Flugblatt verlesen. Der Amtsanwalt beantragte darauf Verwerfung des Einspruchs, da es sich um Flugblätter eines offenbar sozialdemo tratischen Vereins handle und deshalb eine exemplarische Strafe am Plaze sei. Rechtsanwalt Dr. Broh entgegnete als Verteidiger der Lehrlinge, daß dies doch auf eine Parteijustiz hinauslaufen würde, die zweifellos unstatthaft sei. Auch sei der Verein kein politischer. Auf alle Fälle berfolgten die jungen Leute, die für die geistige und körperliche Hebung ihrer Jugendgenossen wirken, ideale Zwecke und verdienten feineswegs eine so unberhältnismäßig hohe Strafe; gegen Mitglieder der christlichen Jüng lingsvereine würde eine solche zweifellos nicht beantragt werden. Das Gericht setzte die Strafe auf 15 M. herab. Bei der Strafabmessung sei, wie der Vorsitzende ausführte, maßgebend ge= wesen, daß das Flugblatt einerseits eine Reihe idealer Forderungen enthalte, andererseits aber die Form vielfach eine übertriebene und für die Jugend ungeeignet sei. Nach den im vorliegenden Fall zur Anwendung gebrachten §§ 10 und 41 des altpreußischen Preßgesetzes vom 12. Mai 1851 ist die unentgeltliche nicht gewerbsmäßige Verteilung von Bekanntmachungen, Plakaten und Aufrufen auf öffentlichen Wegen, Straßen, Pläßen oder an anderen öffentlichen Orten ohne vorherige polizeiliche Erlaubnis mit 1 M. bis 150 M. oder mit Haft bis zu 6 Wochen bedroht. Nirgends im Gesetz ist die Verbreitung sozialdemokratischer Hetschriften" mit Strafe bedroht. Polizeiberfügung hat das neue Verbrechen entdeckt. Leider hat das Gericht nicht gleich in erster Instanz auf Freisprechung era fannt. " Berfaultes Fleisch. Die Als einen schweren Verstoß gegen das Leben und die Gesund heit ihrer Mitmenschen bezeichnete der Staatsanwalt die Handder Schlächterfrau Alwine Heinrich, lungsweise welche sich vor der 4. Straftammer des Landgerichts I wegen eines wissentlichen Vergehens gegen das Gesetz betreffend den Verkehr mit Nahrungsmitteln verantworten mußte. Die Angeklagte stand schon mehrere Male unter einer gleichen Anklage vor dem StrafDas erste Mal wurde Frau H. zu einer empfindlichen richter. Geldstrafe verurteilt. Dies diente ihr keineswegs zur Warnung, denn bald darauf wurde wiederum bereits in Fäulnis übergegangenes Fleisch bei der Angeklagten beschlagnahmt. Das Gericht faßte Frau H. damals etwas schärfer an und verurteilte sie zu einem Monat Gefängnis. Troß dieser Bestrafung gelang es der Angeklagten, in der Markthalle II in der Lindenstraße einen Verkaufsstand zu eröffnen. Am 29. Mai d. J. wurde anläßlich einer Revision durch den Polizeiarzt Dr. Hilde brandt ein Bosten Schweinebrägen beschlagnahmt, der bereits vollständig in Fäulnis übergegangen war. Obgleich der Geruch schon den Zustand des Fleisches erkennen ließ, hatte die Angeklagte es noch versucht, es zu verkaufen. Die Folge war die jetzige Anklage wegen Nahrungsmittelbergehens. Der Staatsanwalt hielt mit Rücksicht darauf, daß gegen derartige gewiffenlose Verkäufer von Nahrungsmitteln mit der ganzen Schärfe des Gefeßes borgegangen werden müsse, eine empfindliche Strafe für angebracht und beantragte deshalb eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. Das Gericht erkannte auf sechs Wochen Gefängnis. Wir appellieren hiermit an die gesamte Arbeiterschaft und arbeit herſtellen zu laffen, indem fie an eine größere Auflage Letzte Nachrichten und Depefchen. namentlich die Frauen, die junge vorwärtsstrebende Organisation Seidenpoftfarten mit lithographischem Blumendruck sowie an glatte Zur Lohnbewegung der Bergleute. zu unterstüßen und nur dann mit den Kutschern und Mitfahrern Postkarten mit englischem Text und lithographischem Blumendruck Dortmund, 6. Oftober.( Privatdepesche des Vorwärts"). In obiger Betriebe in geschäftliche Verbindung zu treten, wenn dieselben Goldschnitte anbringen läßt. Daß die Anfertigung dieser Streit in der Lage find, sich als klassenbewußte Arbeiter ausweisen zu arbeit von den organisierten Buchbindern verweigert wird, ist Verfolg des gestrigen Beschlusses der Siebenerkommission finden morgen selbstverständlich. Weiter ist darauf aufmerksam zu machen, daß zwei Belegschaftsversammlungen der Zeche Kaiserstuhl" statt, um genannte Firma in verschiedenen Fachzeitschriften Personal unter Stellung zu nehmen zu der Ablehnung der Forderungen. Chiffre sucht und den Reflektanten in ihrem Antwortschreiben berheimlicht, daß ihr Betrieb bestreift wird. Man halte Zuzug tönnen. Die Sektionsleitung der Geschäftskutscher des Zentralverbandes der Handels- und Transportarbeiter Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin I. J. A.: Gustav Alisch. Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: strikte fern und unterstütze dadurch die Ausständigen. Eh.Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Ferzu 5 Beilaget Nr. 234. 23. Iahrgaitz. 1. MW des Jötmitte" Mlintt MM Sonntag, 7. Oktober 1906. Bildungsbestrebnngen. In den Thesen, die die Genossen Zetkin und Schulz dem Mann- heimer Parteitag zum Thenia Volkserziehung vorgelegt haben, lautet ein Passus, dah der künstlerische Sinn zu erwecken und zu pflegen ist_„durch die Ausstattung der Festschriften und illustrierten Publi- kationen, durch die Herausgabe von Meisterbildern und künstlerisch wertvoller Unterhaltungsliteratur, durch die Veranstaltung von Kon- zerten, Vortragsabenden, gemeinschaftlichen Museumsbesuchen usw.. durch einführende Vorträge und Artikel in der Tagespresse; durch eine zweckentsprechende Ausgestaltung der Feste." Für die Aussührung einzelner dieser Aufgaben hat sich die Ar- beiterschaft schon seit Jahren besondere Organisationen geschaffen. Die Berliner freien Volksbühnen sind ein Beispiel dafür. Sie haben ihre Tätigkeit über ihr besonderes Gebiet, die Veranstaltung guter und billiger Aufführungen hervorragender Erscheinungen der drama- tischen Dichtkunst, weit ausgedehnt; in den Dichterabenden haben sie die epische und lyrische Poesie den Arbeitern erschlossen und auch der Musik haben sie unter ihren Darbietungen einen Platz ein- geräumt. Aber das konnte immer nur ein verhältnismäßig kleiner Platz sein. Für die Einführung in das große Gebiet der Tonkunst bedarf es einer besonderen Organisation. Sie besteht bereits in Berlin, doch fehlt ihr noch die kräftige Unterstützung der Arbeiterschaft, wie sie den Volksbühnen geworden ist. Seit zwei Jahren besteht der gemischte Chorverein Berliner V o l k s ch o r, der überwiegend aus Angehörigen der Arbeiter- fchast zusammengesetzt ist. Er ist nicht ein Verein, der lediglich die Zahl der vorhandenen Arbeitergesangvercine um einen neuen ver- mehrt hat. Er trägt einen anderen Charakter und er ist deshalb nicht ein Konkurrent jener im Arbeiter- Sängerbünde vereinigten Chöre._ Ihre Aufgabe ist vornehnilich die Pflege des Freiheitsliedcs, die Verschönerung der Feste der Arbeiterpartei durch den Vortrag an- feuernder, begeisternder Tendenzlieder. In der Pflege der reinen Kunst find ihnen naturgemäß Grenzen gezogen durch den Umstand, daß sie fast ausschließlich Männerchöre sind, während die großen, herrlichen Chorwerke der Musikheroen Bach. Händel, Haydn, Beethoven usw meist für gemischten Chor geschrieben sind. Die herrlichsten Schätze, die unsere Musikliteratur birgt, sind deshalb bis heute für die Arbeiterschaft fast unbekannt gebliehen. Die unerschwinglichen Eintrittspreise der wirklich künstlerischen Konzerte haben den Genuß guter Musik fast zum Monopol der Wohlhabenden gemacht. Nur in sehr beschränktem Maße veranstalten gemischte Chöre aus bürgerlichen Kreisen Aufführung eines größeren Chorwerks zu niedrigen Eintrittspreisen. Aus diesem Zustande erwuchs der Gedanke, daß die Arbeiter schaft sich— ähnlich wie sie das auf dem Gebiete des Theaters und der Dichtung durch die freien Volkshühnen getan hat— aus eigener Kraft— sotveit das auf diesem Gebiete möglich ist— die Schätze der Musik, vor allem der Chorliteratur, die ihr eigene Mitwirkung gestattet, erschließen müsse. So entstanden in Barmen, Dresden, Frankfurt a. M. und anderen Orten große gemischte Chöre aus den Kreisen der Arbeiterschaft und so entstand der Berliner Volkschor. Zum besonderen Vorbild hat er sich die Dresdener Volkssingakademie genommen, die seft ISOl) hesteht und heute mit etwa 450 singenden und zirka 1000 zuhörenden Mitgliedern der größte gemischte Chor Deutschlands ist, und deren künstlerische Leistungen bei der strengen fachmännischen Kritik im großen und ganzen hohe Anerkennung ge funden haben. Der Zweck des Berliner Vollschors ist also die Vermittelung guter Musik, und zwar vornehmlich, aber nicht ausschließlich von Chormusik, zu billigen Preisen an die Arbeiterschaft durch die Arbeiterschaft selbst. Nicht als Almosen, sondern als Selbsterworbenes soll der Arbeiter den Kunstgenuß erlangen. Die Aufgabe des Chors ist aber bei den großen Kosten, die ihm erwachsen, nur dann auf die Dauer zu erfüllen, wenn er die Unterstützung der musilliebenden Kreise der Arbeiterschaft findet. Leider ist ihm die aber noch nicht im gewünschten Maße zuteil ge worden. Der II. Jahresbericht des Vereins sagt darüber: „Der Berliner Volkschor durfte wohl angesichts der großen Zahl der Berliner Arbeiter und mit Rücksicht darauf, daß es bisher leinen gemischten Arbeiterchor von Bedeutung in Berlin gab, mit einiger Sicherheit darauf rechnen, bald einen größeren Zuwachs an Mitgliedern zu erhalten; auch im zweiten Jahre des Bestehens des ChorS ist diese Hoffnung leider nicht in dem Maße in Erfüllung ge- gangen, wie zu erwarten stand.obwohl derChordurchseineKonzerte aufs neue bewiesen hat, daß auch aus eigenen Kräften der Arbeiterklasse gute Aufführungen größerer Chorwerke möglich sind, selbst von einem Werke, wie„Dre Jahreszeiten", welches an Schwierigkeit die früheren Aufgaben erheblich übertrifft. Wenn auch die Zahl der Konzert- besucher im zweiten Jahre auf zirka 12 000 gestiegen ist(gegen 8000 im ersten Jahre), so haben sich doch trotz des großen Beifalls, welchen die Konzerte des Chors bei Publikuni und der Kritik ge- funden, nur überraschend wenige veranlaßt gesehen, dem Chor als Mitglied beizutreten, obwohl hierzu weder Notenkenntnis noch be- sonders gute Stimme erforderlich ist. Es ist dies deshalb sehr zu bedauern, weil die Zahl der singenden Mitglieder für den großen Saal der Neuen Welt, in welchem die Chorkonzerte stattfinden, mindestens doppelt so groß sein müßte, um dem Chor eine genügende Klangstärke zu verleihen. Die Wahl eines so großen Saales ist aber wiedemm notwendig. um derartige Konzerte mit hervorragenden Solisten und großem Orchester überhaupt zu ermöglichen. Denn der Eintrittspreis bei den Konzerten des Chors, welcher meist 70 Pfennig einschließlich Garderobe und Programm beträgt, ist so bemessen, daß nur bei vollbesetztem Hause die Unkosten der Konzerte gerade gedeckt werden; bleiben daher, wie dies leider beim Bcethoven-Abend der Fall war, 1000 Plätze unbesetzt, so bedeutet dies ein Defizit von über 700 Mark. Solche Verluste kann nun ein so junger Chor, wie der Berliner Volks-Chor, nur mit Mühe decken, so daß durch derartig ungenügend besuchte Konzerte das Bestehen des Chors aufs ernsteste gefährdet wird. Ist dagegen der Saal so gut besetzt, wie dies bei den beiden Aufführungen der „Jahreszeiten" der Fall war, so ist es möglich, trotz der hohen Unkosten der Aufführung, welche z. B. bei diesem Werke über 4000 M. betrugen, solche Konzerte ohne Defizit zu veranstalten. Daß das in diesem Jahre durch die Konzerte entstandene Defizit von über 500 M. nicht noch erheblich größer ist, hat der Chor nur der uneigennützigen Unterstützung einiger mitwirkender Künstler zu verdanken, von denen insbesondere Herr Kammersänger Hans Gießen, Herr Hofopernsänger Rudolf Jäger sowie die meisten der Mitwirkenden des Haydn- und R. Strauß- Abends(am 10. Dezember) auf jedes Honorar verzichteten, während andere zu erheblich ermäßigtem Honorar mitwirkten. Allen diesen Künstlern schuldet der Chor in erster Linie den wärmsten Dank; indes ist es doch nicht angängig, dauernd auf das Entgegenkommen unserer ersten Künstler zu rechnen; der Chor muß vielmehr bestrebt sein, diese Künstler wenigstens annähernd ihren sonstigen Honoraren entsprechend bezahlen zu können, wenn er sich nicht unliebsamen Absagen aussetzen loill, wie denn solche auch bereits vorgekommen sind. Es muß daher eine Ehrenpflicht der Berliner Arbeiter sein, durch regen Besuch der Konzerte des Chors diesem die Fortführung derselben auf mindestens gleicher künstlerischer Höhe zu ermöglichen; findet der Chor nicht die genügende Unterstützung von feiten der Arbeiterschaft, so würde sich diese hierdurch ein geistiges ArmutS- zetignis ausstellen und den Beweis liefern, daß sie an Verständnis und Interesse für gute Musik hinter der Arbeiterschaft anderer deutscher Städte erheblich zurücksteht. Es ist unvermeidlich, daß für einen Teil der Arbeiterschaft selbst die niedrigen Eintrittspreise für die Konzerte des Chors noch zu hoch sind, da der wöchentliche oder monatliche Verdienst oft nur gerade zur Bestreitung der wirtschaftlichen Ausgaben hinreicht; indes gibt es zweifellos in der nach Hunderttausenden zählenden Arbeiter- ichast Berlins viele, und sicherlich mehr als in den obengenannten Städten, ivelche nicht nur die paar Groschen Eintrittsgeld übrig haben, sondern auch ein Bedürfnis nach guter Musik und ein gewisses Verständnis dafür. Auf diese, welche in gewisser Hinsicht die Elite der Berliner Arbeiterschaft bilden, muß der Chor in erster Linie zählen können und er hofft, daß er die Unterstützung von dieser Seite im dritten Jahre seines Bestehens noch mehr als bisher finden wird. Wem fteilich die Musik mehr zu bieten vermag, als einen kurzen Genuß beim Anhören eines Konzerts, wer zum vollen Verständnis eines TonwerkeS gelangen und einen bleibenden Eindruck gewinnen will, der wird sich nicht mit dem Besuch der Konzerte begnügen, sondern dem Chor als Mitglied beitreten, sei es als singendes oder als zuhörendes; er gewinnt dadurch die Möglichkeit, in den Chor- proben und den EinführungSabendcn(in diesen werden die zur Auffiihrung gelangenden Werke durch Vorträge und Erläuterungen am Klavier dem Verständnis näher geführt) ein Tonwerk in seinen Einzelheiten näher kennen zu lernen. Auch steht ihm die unentgelt- liche Benutzung der Bibliothek des ChoeS frei; durch Schenkungen der Musikbibliothek Peters, Dr. Leichtentritt u. a. sowie durch An- käufe hat die Chorbibliothek in diesem Jahre wiederum eine Ver- größerung erfahren. Ferner hat jedes Mitglied außer dem freien Zutritt zu allen Generalproben und Konzerten des Chors(es finden alljährlich zwei Chorkonzerte und zwei Solistenkonzerte statt) noch Gelegenheit, im Laufe des Jahres mehrere der in der Sing-Akademie, Beethovensaal und anderen Konzertsälen stattfindenden Konzerte zu besuchen, da dem Chor durch das ftenndliche Entgegenkommen der Konzertdirektion Hermann Wolff zahlreiche Freikarten zur Verfügung gestellt werden; so wird den Mitgliedern der Zutritt zu Konzerten ermöglicht, welche ihnen sonst der hohen Eintrittspreise wegen unzugänglich geblieben wären. Auch die Leitung der„Neuen Konzerte"(Konzertdirektion Leonard) ermöglichte es einer größeren Zahl von Mitgliedern, mehrere dieser Konzerte zu besuchen und ältere wie neuere Ton- schöpfungen in vorzüglicher Ausführung durch daS Philharinomsche Orchester unter Oskar Fried zu hören. Durch alle diese Veranstaltungen wird der Zweck der vom Chor veranstalteten Solistenkonzerte, alle Gebiete der Musik zur Geltung bringen zu können, noch crhehlich gefördert; es wäre ja eine große Einseitigkeit, wenn die Mitglieder nur kleinere oder größere Werke ftir gemischten Chor kennen lernen würden. Daher wird der Chor auch in Zukunft an der Veranstaltung von Solistenkonzerten fest- halten, umsomehr, als für den kommenden Winter den Mitgliedern und durch sie der weiteren Berliner Arbeiterschaft musikalische Ge- nüsse in Aussicht gestellt sind, wie sie den Arbeitern bisher wohl noch nie geboten sind I Das gefeierte Joachim- Quartett (Prof. Josef Joachim, Prof. Halir, Prof. Wirth, Prof. Hausmann) hat sich in hochherzigster und uneigennützigster Weise bereit erklärt, für den Chor einen Kammermnsikabend zu veranstalten, so daß die Arbeiter Gelegenheit haben, das weltberiihmte Quartett für ebenso viel Groschen zu hören, als die Angehörigen der wohlhabenden Kreise Mark dafür zahlen müssen. Der zweite Solistenabend im Februar 1007 wird der heiteren Musik gewidmet sein; von Chorwerken gelangt im Oktober anläßlich der in Berlin stattfindenden Händelfeicr„JudaS MaccabaeuS" von Händel zur Aufführung. Ferner findet im März ein Mendelssohn- abend statt, an welchem der Chor daS Lorcleyfinale und die erste Walpurgisnacht singen wird; für alle diese Koitzerte sind bereits hervorragende Solisten gewonnen. Während so in jeder Weise für die musikalische Fortbildung der Mitglieder(auch auf theoretischem Gebiete) gesorgt wird, sind rein gesellige Veranstaltungen nach wie vor völlig ausgeschlossen, um dem Chor nicht den Charakter oder auch nur den Schein eines Ge- selligkeitsvereins zu geben.... Von großem Werte ist es für den Chor, daß er seine Uebungen in der Aula des Sophien-Realgymnasiuiits. Stein- straße 31—34, abhalten darf, woselbst die allgemeinen Chor- Übungen des Freitags, die llebunfien der einzelnen Stimmen, sowie der theoretische Unterricht des Mittwochs von S'/a— 10 Uhr stattfinden; sämtliche Uebungen werden ehrenamtlich von dem Dirigenten Herrn Dr. Ernst Zander geleitet, welcher des Freitags von Herrn Richard Kursch am Klavier unterstützt wird." Die erste Aufführung dieses Winters, die der Volkschor ver- anstaltet, ist die des H ä n d e l s ch e n Oratoriums„Judas M a c c a b ä u s die am 1 5. O k t o b e r in der„Neuen Welt" stattfindet. Die Parteipresse zum Parteitag. „Volksstimme"(Frankfurt a. M.): ..... In Wahrheit ist es keiner anderen Partei, keinem sonstigen Bildungsverein und keiner Akademie in ganz Deutschland niöglich, so gründlich und entschieden die Volksbildungsfrage in Angriff zu nehmen, wie es im Referat des Genossen Schulz- Bremen und selbst im abgebrochenen Referat Zetkin geschah. Wenn wir in den aufgebrochenen Furchen weiter ackern und säen, wird in Bälde tausendfältige Frucht sprießen, nun erst recht, da es gilt. mit frischen Kräften einzusetzen, wo altbewährte Kraft so gut vor- arbeitete.... Das Hauptverdienst des diesjährigen roten Parlaments be- steht aber in noch ganz anderem. Es hat das Wichtigste getan, was es leisten konnte, und hat den mächtig gewachsenen Gewerkschaften die Stellung neben der Partei in der deutschen Arbeiterbewegung eingeräumt, auf die sie tatsächlich Anspruch haben. Unsere Mahn- rufe nach dieser Richtung sind nicht verhallt, und es gehört gewiß mit zu den denkwürdigsten Ereignissen aus der proletarischen Ent- Wickelung in Deutschland, wie am gestrigen Morgen die über» wältigende Mehrheit der Arbciterdelcgierten gegen fünf ver» schwindende Ausnahmen jene Beschlüsse zum Massenstreik faßte, welche die Leser in der gestrigen Nummer wiedergegeben finden und welche das verständnisvolle Eingehen auf die praktische Arbeit einerseits, sowie das heilige Gelöbnis der Gewerkschaften zum Sozialismus andererseits besiegelten. Nur der genaue Kenner unserer Bewegung weiß, welche Summe von gutem Willen beider- seits geleistet werden mutzte, um dies Ergebnis zu erzielen und den glühenden Wunsch unserer Massen nach Einigkeit in der Führung zu erfüllen. Bebel hat darin diesmal Bewundernswertes geleistet, das mutz betont werden, und für die Gewerkschaften trug namentlich Bömelburg durch sein offenes, ehrliches Auftreten und seine Hinweise auf praktische Arbeitsmöglichkciten, wie auf gemein- sames Endziel das Beste zur Verständigung bei. Das mögen sich die Genossen im Lande vor Augen halten, die etwa geneigt wären, noch Aussetzungen an dem Geschaffenen zu machen. Der Riesen» vorteil der erreichten Einheitlichkeit überwiegt tausendfach kleine Unebenheiten oder Lücken in der Form des Beschlusses. Kautskh erhielt die Genugtuung der Annahme des Hauptsatzes seiner Prinzipienerklärung und die Gewerkschaften ersehen die Rücksicht- nähme des Arbeiterparlaments auf ihre schwierige Stellung im Kampfe mit den Indifferenten und Scharfmachern aus der Zurückziehung jener Kautskyschen Schlußsätze, die ihnen praktische Ver- legenheitcn hätten beretten können. Freuen an dem fester als je gekitteten Bunde zwischen den beiden gleichberechtigten Zweigen der deutschen Arbeiterbewegung sollen wir uns, weiterbauen sollen wir auf dem Felsen d-r Einigkeit und in unlösbarer Verbindung niit der MillionenorMst'sation unserer Zentralverbände den poli- tischen Zielen zustreben, deren Verfolgung uns dahin führt, wo es keinen Streit mehr über den Massenstreik gibt." „Bremer Bürgerzeitung": „Wenn man die Frage aufwerfen wollte, welche„Richtung" auf dem diesmaligen Parteitag gesiegt hat, so würde man wahr- scheinlich die verschiedenartigsten und einander widersprechenden Urteile zur Antwort bekommen, und man wäre damit so klug wie zuvor. Es wäre aber auch ganz unrichtig, wenn man das eigent- liche Ergebnis des Mannheimer Parteitags in der angedeuteten Richtung suchen wollte. Es handelte sich diesmal nicht um einen Kampf der innerhalb der Partei vertretenen verschiedenen Auf- fassungen über unsere Grundanschauungen oder über unsere Taktik — der„Revisionismus" hat so völlig ausgespielt, daß er zu einer Aktion nicht mehr fähig ist— sondern um einen Gegensatz zwischen Partei und Gewerkschaften, der sich an der Frage des politischen Massenstreiks entzündet hatte. Der Parteitag hat in den gründlichen und teilweise recht leb- haften Debatten in dieser Frage eine wenn auch etwas gewaltsame Einigung zustande gebracht..... Daß nunmehr Partei und Gewerkschaften für alle Zeiten in holder Eintracht zusammenarbeiten werde«, ohne dah es jemals wieder zu Differenzen kommt, glauben wir auch trotz des Mann- hcimer Parteitages nicht. Die Arbeitsgebiete sind so verschieden- artig im einzelnen und stoßen doch auch wieder oft genug hart an- einander, so daß leicht Mißverständnisse auftauchen können. Aber je mehr das Amendement Kautskh befolgt wird, je inniger die innere, die geistige Einheit zwischen Gewerkschafts- und Partei- genossen wird, und je mehr dadurch Bömclburgs schönes Wort, daß Partei und Gewerkschaften eins sind, zur Wahrheit wird, um so besser wird sich das Handinhandarbcitcn von Partei und GeWerk- schaftcn in Zukunft gestalten, um so weniger werden etwaige un- vcrmcidliche Zusammenstöße zu Zerwürfnissen und lang- andauernden Reihereien führen. Die Hauptfrage des Parteitages drängte alle anderen An- gelegenhciten in den Hintergrund. Schon die Debatte über den Vorstandsbericht brachte insofern eine kleine Ucberraschung, als der„VorwärtS"-Konflikt in ihr nicht zur Erörterung gelangte. Man wollte augenscheinlich vermeiden, die wichtigere Auseinander- sctzung zwischen Partei und Gewerkschaften durch die Aufwühlung des damaligen Konflikts zu komplizieren. Wenn es dennoch ge- schchen wäre, so würde es für die frühere„Vorwärts"-Ncdaktion nicht vorteilhaft gewesen sein. Das kleine Intermezzo, das durch den tückischen Angriff eines journalistischen Privatgeschäfts auf den„Vorwärts", unmittelbar vor dem Parteitage, herbeigeführt worden war, wurde auf dem Parteitage in einer Weise erledigt, die deutlich erkennen ließ, daß die Parteigenossen der� geist- reichelnden Quertreibereien einiger Nurliteraten gründlich satt ist." „Rheinische Zeitung": ..... Die Schwarzseher im eigenen Lager und die hämischen bürgerlichen Gegner sind durch den Verlauf der sechs Ver- Handlungstage eines besseren belehrt worden. Ma» hatte auf der einen Seite gefürchtet, auf der anderen gehofft, daß es scharfe und vielleicht leidenschaftliche Auseinandersetzungen geben würde. Nichts von den Prophezeiungen ist eingetroffen, und einiger, ent- schlosscner, kampfgerüsteter als je steht am Schlüsse der VerHand- lungen die deutsche Arbeiterpartei da. Wir empfinden dazu die besondere Genugtuung, daß der Parteitag unsere an dieser Stelle immer wieder vertretene Auffassung bestätigt hat, dah große Gegensätze zwischen Partei und Gewerkschaften gar nicht bestehen. Die Zuspitzung der Dinge entsprang lediglich einer Reihe von Un- stimmigkeiten, ernsthafte sachliche und namentlich prinzipielle Gegensätze waren und sind jedoch nicht vorhanden. Die deutsche Sozialdemokratie hat viel zu viel praktischen Sinn, um nicht die Bedeutung der Gewerkschaftsbewegung für den Fortschritt der Arbeiterbewegung sehr hoch einzuschätzen, und umgekehrt herrscht heute in den Gewerkschaften stärker als je die durch die Erfahrungen der letzten Jahre gekräftigte Ueberzeugung, daß die intensive poli- tische Betätigung der Gewerkschaftler die unentbehrliche Ergänzung ihres wirtschaftlichen Kampfes bildet. Die Mannheimer VerHand- lungen haben mehr als tausend Zeitungsartikel zur Klärung der Situation beigetragen und in der Bcbel-Legien-Kautskyschen Re- solution zum politischen Massenstreik eine Einheitlichkeit der Auf- fassung bekundet, die allerdings auch die Optimisten vorher kaum zu erhoffen gewagt hätten. Der Streit Stampfer-„Vorwärts" beschäftigte den Parteitag nur als Episode und vermochte die frohe Stimmung der Delegierten nur vorühergehend etwas zu trüben. Wenn das kurze Zwischenspiel irgend etwas bewiesen hat, dann nur, daß man der Streitereien allgemein gründlich satt ist. Auch die früheren Redaktcure des„Vorwärts" haben genug Disziplin und Einsicht, um eine Wicderaufrollung der unerquicklichen Streit- fragen nicht zu wünschen. So wurde denn dem Parteitage die viel- fach befürchtete Debatte über die Palastrevolution im„Vorwärts" völlig erspart und ihm die nötige Zeit gegeben zu fruchtbringender praktischer Arbeit." „Fränkische Tagespost": «... Man kann den Parteitag einen Mustcrkongretz nennen, hat er doch mehr gehalten, als man von ihm erwartete.... Nicht frei von Gehässigkeit und Kühle, von mangelnder Soli- darität und Einseitigkeit wurden manchmal und insbesondere in den letzten Monaten die Debatten zwischen einseitigen Vertretern der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung geführt. Nun hat der Parteitag reinen Tisch gemacht. Ersprießliches soll nun sowohl von Vertretern der politischen wie der gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung im Interesse unserer gemeinsamen Sache ge- leistet werden. Damit verstärkt sich die Zahl unserer Kämpfer für beide Bewegungen, damit wird wohl auch viele Kraft frei, die bis- her in wenig ergebnisreichem Streite verpuffte und nun gegen den gemeinsamen Feind, den Kapitalismus, gerichtet werden soll. Es soll innerhalb der Arbeiterbewegung keine Sieger und keine Besiegte geben, das war das alle Delegierte beherrschende Streben. Deshalb suchte man den Resolutionen das zu nehmen, was die Gewerkschaften als Eicgesjubel, als unnötige Schärfe, als Kränkung, als Mißachtung ihrer selbstverständlichen und not- wendigen Rechte empfinden konnten. Dies war um so leichter, als die Vertreter des Deutschen Metallarbeiter- und dcS Maurer- vcrbandcs vorbehaltslose, überaus eindrucksvolle und im Werte nicht hoch genug zu veranschlagende Erklärungen abgaben. Man verzichtete auf den Buchstaben, der töten kann, und jubelte über den Geist, der lebendig macht! Diese Auffassung leitete die große Masse der Delegierten, man versteifte sich nicht auf die Kautskysche Resolution, die auch in ihrer Gesamtheit durchzusetzen gewesen wäre, man wollte aber nicht von der vorhandenen Kraft rücksichtslosen Gebrauch machen, sondern lieber ein scheinbares Weniger als ein äußerliches Mehr durch- setzen. Eine einstimmig angenommene Resolution, die den Beifall des Parteivorstandcs, der Gewerkschaftsvertreter und der Dele- gierten aller Schattierungen fand, die alles Notwendige und Mög- liche dcS Kautskyschen Gedankenganges enthielt, erschien mehr, als die etwa mit knapper Mehrheit durchgesetzte, völlig ungeänderte Kautskysche Resolution, die vom Parteivorstande und den Gewerk- schaftsführern in gleicher Weise für unannehmbar erklärt wurde. Von ganz wenigen Entgleisungen abgesehen, erschien die De- batte über Partei und Gewerkschaften musterhaft. Sachlichkeit, hohes Niveau, klares Verständnis zeichneten sie aus. Sie hat inner« halb und außerhalb des klassenbewußten Proletariats aufklärend gewirkt, sie war wie ein reinigendes Gewitter nach cheftigsten, mit Staub und Unrat die Luft erfüllenden, sie oft undurchsichtig machenden Stürmen.� ,, Boltsblatt"( Bochum): Bei Erledigung der inneren Fragen muß man, wenn man zur richtigen Stellungnahme gelangen will, auf das Wollen, die Absicht fehen und die Form ignorieren. Ein Bildungsausschuß von 25 Mitgliedern, bestehend aus Theoretikern und Praktikern, dient als Zentralstelle für die Bil Vorträge und Vortragskurse und die dazu gehörigen Literaturdungsbestrebungen. Er stellt organisch aufgebaute Programme für nachweise zusammen, erteilt Ratschläge für belehrende und künftlerische Veranstaltungen, vermittelt rednerische und künstlerische Kräfte und sucht auf andere geeignete Weise seiner Aufgabe gerecht der Landes- bezw. Bezirksorganisationen allährlich von Parteizu werden. Der Ausschuß wird auf Grund einer Vorschlagsliste in ihm durch zwei Delegierte vertreten. Eine ständige Geschäftsvorstand und Kontrollfommission gewählt; der Parteivorstand ist stelle des Bildungsausschusses vermittelt den Verkehr mit den Parteiorganisationen im Reiche." trägen, sowie später auch die bei der Frage der Jugendorganisation Diesem Ausschusse wurden dann die Thesen zu sämtlichen An sehr dankbar für diese Berichtigung, die wir selbstverständlich mit gestellten Anträge überwiesen. Wir sind dem Genossen Singer großer Befriedigung berzeichnen. Ein Irrtum. Durch die füddeutsche Parteipreffe geht folgende Notiz: Die Folgen von Mannheim. Die lokalistische Allgemeine Metallarbeiterzeitung" in Berlin wurde bisher in der „ Vortvärts"-Druckerei hergestellt. Jetzt hat diese erklärt, daß eine weitere Drudlegung bei ihr nicht mehr stattfinden dürfe." Fortschritte vorbereitet und er hat endlich die Inangriffnahme Mit den Verhandlungen über die inneren Parteifragen hatte bisher unbestellter Arbeitsgebiete eingeleitet. ber Parteitag diesmal seine Kraft erschöpft; weder die Frage der Volkserziehung noch die des Strafrechts hat er behandelt, wie wir fraten in Stellungen gibt, für die keine Gewerkschaften bestehen, Bedenkt man, daß es auch Tausende von Sozialdemoauf unseren Parteitagen gewöhnt sind, eine Frage zu behandeln: so darf man als nächstes Ziel gut und gern die Forderung stellen, nämlich indem die Parteivertreter sich aussprechen. Der Parteitag daß die Zahl der Mitglieder der Wahlvereine auf die Höhe der ist in beiden Fragen nicht über die Anhörung der Referate hinaus- Zahl der Mitglieder der Gewerkschaften gebracht werden muß. gekommen. In der Frage der Boltserziehung wird das wahrscheinlich auf dem nächsten Parteitage nachgeholt werden, da der" Bil- Resolution die Besprechung der Bedeutung des Massenstreites in Wohl empfahl sich nach dieser( der Jenaer Red. d.".") dungsausschuß" den Auftrag bekommen hat, Bericht zu erstatten. Versammlungen, Vereinen und Presse. Dagegen scheint die Frage des Strafrechts durch Anhörung des empfahl, war die Agitation dafür, das große Mittel auch gegen Was sich aber nicht Referats und Annahme der Thesen des Referenten als erledigt fleine Uebel anzuwenden, und ebenso das unzeitgemäße Angstangesehen worden zu sein. Wir bedauern das; es wäre beiden geschrei der Genossen, die in Zeitungsartikeln und Reden, die ganz Gegenständen mehr gedient gewesen, wenn man nur einen, diesen andere Ziele hatten, schon die Aufforderung zum Massenstreit, den aber forgfältig behandelt hätte; das nächste Mal wäre für den Abmarsch ins Lager des romanischen Generalstreifes fahen. anderen Zeit gewesen. übertriebene Kleinmütigkeit in anderen Kreisen führten eine durchSpielen mit dem Feuer in fleinen bedeutungslosen Kreisen und aus unerwünschte Form der Debatte über den Generalstreit her Zwiespalt ergeben konnte. Dem mußte ein Ende gemacht werden bet, aus der sich, wenn es so weiter ging, mancher unerquickliche und dem hat ein Ende gemacht der Parteitag in Mannheim. An und für sich war es nicht schön, daß nun die Vorbedingungen und Voraussetzungen des Massenstreits erörtert werden mußten, denn das nötigte uns, die Drohung von Jena ein wenig in ihrer Wirkung abzuschwächen, das gab ängstlichen Gemütern die Gelegenheit, von Gegensäzen zwischen Partei und Gewerkschaft zu reden, die gar nicht vorhanden sind, auf Schwächen der Organisation hinAls der Kölner Gewerkschaftskongreß seinen Beschluß zum ftimmungen und Meinungsverschiedenheiten einmal vorhanden zuweisen, die man besser ohne Worte beseitigt. Aber, wo MißMassenstreit beschlossen hatte, da begann in der Partei eine rüd- find, werden sie fortdauern und immer neues Uebel stiften, wenn" Frantf. Btg." schreiben: Sozialdemokratische Geschworene. Aus Pforzheim läßt sich die fichtslose Seke gegen die führenden Gewerkschaftler; der Parteitag man sie nicht in voller Oeffentlichkeit diskutiert. Die an sich unin Mannheim hat mit übergroßer Mehrheit ausgesprochen, daß dazu erwünschte erneute Debatte des Massenstreiks war demnach zur Tagen viel darüber zu lesen, daß in Konstanz der dortige Führer In badischen und außerbadischen Blättern war in den letzten kein Grund vorhanden war. Wir sehen in diesem Beschluß vor Notwendigkeit geworden und sie hat zum Ziele geführt. Es ist der Sozialdemokratie, Malermeister Krohn, als Geschworener für allen Dingen ein geschichtliches Muß; soweit ein Verdienst der Partei mehr Klarheit geschaffen worden über das wann und wie, und es die nächste Schwurgerichtssession ausgelost wurde. Mit Recht wurde darin liegt, ist es nur, daß er schon jetzt und nicht in Jahr und Tag ist festgestellt worden, daß bei großen Fragen weder die Ver- von Karlsruhe aus darauf hingewiesen, daß das nichts Außergewöhn Sucht man sich die Bedeutung des Mannheimer Parteitages trauenspersonen der Partei wie die der Gewerkschaften abgeneigt liches ist, daß auch die früheren Druder des„ Voltsfreund", Bonning Sucht man sich die Bedeutung des Mannheimer Parteitages für die Taktik der Partei zu vergegenwärtigen, so erscheinen danach sind, gemeinsam auch diese wuchtigste aller Waffen des Proletariats und Burger, schon als Geschworene ausersehen waren. Zur OktoberDresden und Jena nur noch im Werte einer„ kräftigen Anfeuerung" in Anwendung zu bringen." session des Karlsruher Schwurgerichts ist aber auch von hier um eine Wendung des Vorwärts" zu gebrauchen. Die Partei aus ein namhafter Führer der Sozialdemokratie als Geschworener scheint wieder mehr zur Würdigung politischer Tatsachen und politiberufen, Juwelier Wilhelm Strozz, der vor neun Jahren sozial fcher Arbeit gelangen zu wollen und als erfreulichstes Ergebnis demokratischer Landtagskandidat war, noch heute sich zu den Grunds erhoffen wir, daß die Massenstreitdebatte damit ihr Ende gefunden sätzen der sozialdemokratischen Partei bekennt und diese als Stadthaben möge. verordneter vertritt. Daß Anhänger der Sozialdemokratie das Ami eines Schöffen bersahen, fam hier schon gewiß ein Dutzend mal vor. In Norddeutschland wird die Ordnung von ihren verordneten Hütern nicht also leichtfertig in Gefahr gebracht. Wer sich etwa darauf einlassen wollte, zu untersuchen, wie der Kölner Beschluß mit dem Jenaer Beschluß zum Massenstreik zu bereinbaren sei, der käme in eine heillose Verwirrung. Es wäre ja freilich aus mancherlei Rücksichten noch ersprießlicher, wenn früher gefaßte Beschlüsse, die eine unerwünschte Auslegung erfahren haben, auch formell forrigiert würden. Indessen genügt schließlich auch die Auslegung seitens der berufenen Instanz. Die geht dahin, daß in der Stellung zum Massenstreit zwischen Partei und Gewerkschaften tein Widerspruch besteht. gefaßt wurde. Die Gewerkschaftsführer haben den Aengstlichen den Gefallen getan auszusprechen woran wir noch feinen Augenblick zu zweifeln Anlaß gefunden hatten, daß sie so gute Sozialdemofraten feien wie irgend einer und nicht daran denten, die deutsche Arbeiterbewegung in den Sumpf der nüchternen Nurgewerkschaftlerei zu führen und darauf ist die Partei in einer scheinbaren Kreisbewegung zur vollen Würdigung der Wirklichkeit und des Wertes der Gegenwartsfaktoren gelangt, die sie eine Zeitlang verloren zu haben schien. Das gereicht der Partei sicher zum Vorteil; es scheint uns die Lehre zu enthalten, daß die Wirklichkeit sich doch auch gegen den klangvollsten Wortschwall immer wieder durchzusehen vermag. Mit Worten allein fann man eben keine Politik treiben. Dieses Ergebnis des Mannheimer Parteitages ist uns so er freulich, daß ir über einige unangenehme Begleiterscheinungen, wie die untwürdige Debatte gegen Stampfer ebenso hinweg sehen wollen, wie wir uns auf die nächste Zukunft vertrösten gegenüber der Nichtberücksichtigung mancher organisatorischer Vorschläge. Unser Antrag, der Parteitag möge zeitweilig die Parteifunktionäre und Redakteure zu gemeinschaftlichen Beratungen zusammenberufen, fand bekanntlich gleich einigen ähnlichen nicht die genügende Unterstüßung. Wir sind dennoch überzeugt, daß wir über kurz oder lang zu organisatorischen Einrichtungen gelangen werden, die dem von uns beabsichtigten Zwede entsprechen. Für Preußen ist es unentiation behrlich, einen engeren Zusammenhang der Organisation zu schaffen schon aus dem Grunde, daß die paar preußischen Parteigenossen, die um Berlin herum wohnen auch den ihnen zukommenden Einfluß auf die gemeinsame Parteiarbeit ausüben und dem Parteivorstans ihre Wünsche ebenso deutlich bemerkbar machen können, wie die so bedeutende" Berliner Parteigenossenschaft. Inzwischen freuen wir uns der in Mannheim zutage getretenen Einsicht, und hoffen von ihr das Beste für die Fortentwickelung der Partei." Brandenburger Zeitung": " In seinem Schlußwort zum Mannheimer Parteitag, welches wir mit dem Rest des Berichtes über die Tagung in heutiger Nummer wiedergeben, hat Genosse Singer besonders freudige Töne über den Verlauf der diesjährigen roten Woche" gefunden. Es geschah dies vor allem im Hinblick auf die Beseitigung der Differenzen zwischen Partei und Gewerkschaft, soweit sie die Frage des politischen Massenstreits betrafen und darüber hinaus das Verhältnis der beiden großen Zweige der Arbeiterbewegung zueinander. Gine zweitägige Debatte ging vorher, eine Aussprache, auf welche die flaffenbewußte deutsche Arbeiterschaft für alle Zeiten nur stola sein kann ob der fachlichen Bedeutsamkeit derselben und der in ihr zum Ausdruck kommenden warm- persönlichen Hingabe an die große Aufgabe, in deren Dienst Partei wie Gewerkschaften stehen...." Im weiteren Verlauf des Artikels druckt die Brandenburger Zeitung" von der Magdeburger Volts stimme" den Voltsstimme" Paffus ihres Parteitagsartitels ab, der die Organisation und die Leistungen der Berliner Parteimitgliedschaft behandelt und setzt hinzu: " Die Leistungen der Berliner in die richtige Beleuchtung zu feben, bedeutet nicht zu verkennen, daß die Kräftigung der äußeren tie inneren Stärke der Gesamtpartei in unentwegter Arbeit überall das heißeste Bestreben der Genoffen sein muß. Der Parteitag zu Mannheim gibt die nachdrücklichsten Antriebe hierzu." 144 ,, Braunschweiger Volksfreund": .. Der Unwille, der nach der Dresdener Tagung in weiten Kreisen der Parteigenossenschaft zum Ausdruck tam, hat offenbar überallhin erzieherisch gewirkt, so daß allseitig der Wunsch nach Verständigung vorherrschend war. Man ist des inneren Haders und Krafeels, an dem lediglich unsere Gegner ihre Augenweide haben, nachgerade müde geworden. " Gewiß, der Auftakt in Mannheim war noch ganz auf den Dresdener Ton gestimmt. Thiele- Halle hatte sich das Dresdener Bokabularium der Braun und Komp. vollig zu eigen gemacht und fuchte den„ Borwärts"-Konflikt auf seine Art zu fruftifizieren; das Bitatenragout Stampfers aus der Braunschen Sudelfüche und die treffsichere Antwort des Vorwärts" darauf boten ihm eine sehr bequeme Handhabe. Indessen hatte sich Thiele so sehr in Zeit und Ort geirrt, daß er allerseits gründlich abblizte. Wohl versuchten es tags darauf nochmals Stampfer und Braun selbst, weil ihr geTehriger Schüler sein Debut so spottschlecht bestanden hatte, mit einem fleinwenig Theaterdonner; jedoch der Parteitag rief die Donnerer ob ihres Lärmens sehr merklich zur Tagesordnung. Mit Recht! Die Beiten sind wahrlich viel zu ernst, um die innere Selbstzerfleischung noch weiter zu treiben. Bielleicht dämmert diese Ansicht nachgerade auch denen um Braun auf! So ist es denn gekommen, daß der " Vorwärts"-Konflift, um dessentwillen im vorigen Jahre ganze Ströme von Tinte geflossen sind, in Mannheim so gut wie gar teine Rolle gespielt hat; übrigens sehr zum Aerger unserer Gegner, die schon darauf gebrannt hatten, ihre Parteisuppe am Feuer des " Vorwärts"-Konflifts fochen zu fönnen. Hus der Partei. Der niederrheinische Parteitag wird am 21. und 22. Oftober in Sagen tagen. Auf der Tagesordnung stehen außer den geschäft lichen Angelegenheiten Organisation und Agitation, die nächsten Reichstagswahlen, die Kommunalwahlen und der internationale Stongrej in Stuttgart. Zu dem Agitationsbezirk gehören außer den 12 Wahlkreisen des Regierungsbezirks Düsseldorf die westfälischen Kreise Hagen- Schwelm, Altena- Iserlohn und Siegen. Aus dem Geschäftsbericht, den das Agitationskomitee soeben jetzt veröffentlicht, ergibt sich, daß es in dem Bezirk noch drei rückständige Kreise gibt, in denen es bisher noch nicht gelang, eine feste Organisation für die Partei zu schaffen. Es sind dies: Mörs- Rees, Cleve- Geldern und Siegen. In Mörs- Rees dürfte es indessen bald zu einer solchen kommen, während der an die holländische Grenze sich anschließende und vom Pfaffentum völlig beherrschte Kreis Cleve Geldern vorläufig noch ziemlich unzugänglich für unsere Partei ist. Auch find die Löhne dort so entfeßlich niedrig, daß bei ihrem Jammerdasein den Arbeitern jede Energie fehlt, um den Kampf gegen das volksverdummende Zentrum mit einigem Erfolg aufzunehmen. Im Kreise Siegen dagegen, der infolge seiner isolierten Lage schwer zu bearbeiten ist, hat der Terrorismus des Unternehmertums es bisher verhindert, daß unserer Partei ein ständiger tätiger Vertrauensmann erhalten blieb. In den anderen 12 Wahlkreisen ist die Kreisorganis fation im Sinne des Jenaer Parteistatuts durchgeführt mit Ausnahme von Solingen, wo man sich bis jetzt noch nicht entschließen fonnte, mit dem alten System zu brechen. Wie in gewerkschaftlicher Hinsicht es hier im Westen lange gewährt hat, bis den breiten Massen festen Fuß faßte, so jezt auch in der politischen der Geist des Zusammenschlusses in festen Organisationen unter Bewegung. Indessen geht es auch hier voran, wie der Geschäftsdie Zahl der politisch organisierten Genoffen von 8784 auf 11 203, bericht zeigt. Im Geschäftsjahr 1904/05 stieg im Agitationsbezirk also um 2509 oder 28,5 Proz. Am Schluffe des jetzigen Berichtsjahres betrug die Mitgliederzahl 15 917, sie ist also um 4624 oder 40,9 Proz. gestiegen. Das Verhältnis der politisch organifierten Genossen zu den sozialdemokratischen Stimmen bei der Hauptmahl 1903 bewegt sich zwischen 4( Sempen) und 13,8 Proz. Monat. Höhere Beiträge haben die Kreise Düsseldorf( 50 Pf.), ( Solingen). Der Minimalbeitrag beträgt 30 Pf. pro Effen( 40 Pf.), Duisburg- Mülheim und Krefeld je 10 Pf. pro Woche. Anzeichen, daß infolge höherer Beiträge die Mitgliederzahl ungünstig beeinflußt werde, sind nirgends hervorgetreten. schritt aufzuweisen. Der vorjährige Bericht zählte fünf Orte mit Auch die Frauenbewegung hat einen erfreulichen Forteiner Frauenbewegung, diesmal find es 24. Abonnentinnen der Gleichheit" wurden im Vorjahre 1069 gezählt, diesmal sind es 2634, die sich auf 42 Orte berteilen. An Flugschriften wurden im Berichtsjahre über 700 000 Gremplare verbreitet, etwa 100 000 mehr als im Jahre vorher, darunter 170 000 Eremplare der vom Agitationsfomitee herausgegebenen Broschüre„ Aufgepaßt!" und 175 000 Exemplare der gleichfalls gegen das Zentrum sich richtenden Broschüre Du sollst fein falsch Zeugnis reden wider Deinen Nächsten". Wahlflug blätter sind in diesen Ziffern nicht einbegriffen. Die monatlich erscheinende Agitationsschrift Morgenrot" hat rund 15 000 regel mäßige Abnehmer; dazu kommen die Gratisverteilungen. Von der Parteipresse ist noch zu berichten, daß in Duisburg Mülheim seit dem 1. Oktober d. J. ein Kopfbaktion für den lokalen Teil erscheint, und die Essener Genossen blatt der Dortmunder Arbeiter- Beitung" mit selbständiger Reihr Projekt eines selbständigen Blattes soweit gefördert haben, daß dieses vom 1. April n. J. erscheinen und in eigener Offizin hergestellt wird. Die„ Volts- Zeitung" in Düsseldorf wird im Laufe des Winters eine Rotationsmaschine bekommen und weitere Verbesserungen vornehmen. Besoldete Parteisekretäre sind jetzt in drei Wahlkreisen vorhanden: Essen, Duisburg- Mülhausen und Düsseldorf. = Die Parteieinnahmen in den Wahlkreisen be. trugen im letzten Berichtsjahr insgesamt 56 155,15 M. gegen 35 661,99 M. im Vorjahre. Es ist also eine Mehreinnahme von 20 493,16 2.57,4 Broz. zu verzeichnen. An das Agitationsfomitee wurden abgeführt 5 446,76 m. gegen 4681,70 M. im Vorjahr und an den Parteivorstand 3783,82 M. gegen 3447,83 2. im Borjahr. Die Kassenbestände betragen insgesamt 11 584,72. gegen 7407,18 2. am Schlusse des vorigen Berichtsjahres. daß die Ablehnung der weiteren Drucklegung schon vor dem MannDie Stichmarte dieser Notiz erledigt sich durch die Feststellung, Heimer Parteitage geschah. Ein Sozialdemokrat an prinzlicher Tafel. Die bürgerliche Bresse Badens meldete dieser Tage: „ Der„ rote Vize", der sozialistische Abgeordnete Adolf Ged, hat bekanntlich beim Empfang des Kammerpräsidiums am Jubelfeste unseres Großherzogs gefehlt. Dagegen nahm er am Samstag an einem Essen teil, das der Bruder des Großherzogs Prinz Karl als Präsident der Ersten Kammer dem Tandständischen Ausschuß in herkömmlicher Weise gab. Ja, er soll sich fogar hierbei längere Zeit mit dem Prinzen Start unterhalten haben. Im Anschluß daran wird die Erwartung ausgesprochen, daß dem roten Bize" von der Partei gehörig der Kopf gewaschen werden dürfte. des Die Mannheimer, Bolts stimme" bemerkt dazu: Im übrigen ist nicht zu leugnen, daß die Teilnahme unseres Abgeordneten Adolf Geck an der Frühstücstafel des Prinzen Karl in den weitesten Kreisen unserer Partei, insbesondere auch unter den außerbadischen Delegierten des Parteitages, aufs unangenehmste berührte. Nicht als ob wir es unter allen Um ständen für eine Versündigung an den Prinzipien unserer Partei hielten, wenn ein Sozialdemokrat mit einem leibhaftigen Prinzen zusammentrifft! Aber daß es gerade der Parteigenosse Adolf Geck war, der, die Einladung des Prinzen Karl afzeptierte, ob wohl sein gemäßigterer" Gesinnungsgenosse Drees bach während seiner Zugehörigkeit zum landständischen Ausschuß die Annahme derselben stets ablehnte, das ist das Merkwürdige an der Sache." Genoffen Dreesbach gefolgt wäre. Wir hätten es lieber gefehen, wenn Genosse Ged dem Beispiel dem Zentralorgan der schweizerischen sozialdemokratischen Partei, Bom Fortschritt der Presse. Als Redakteure am„ Grütlianer", das bisher dreimal wöchentlich erschien und vom 15. November an täglich erscheint, wurden vom Zentralkomitee des Grütlivereins gebeide in Zürich. wählt die Genossen Kantonsrat Hans Wirz und Paul Brandt, titelt sich ein Monatsblatt, dessen erste Nummer in diesen Tagen Von der Jugendbewegung. Der Jung Sozialist" be in Christiania erschienen ist. Es wird herausgegeben vom " Sozialdemokratischen Jugendverband wegens" und redigiert von Harald Solberg. NorDie sozialistische Schule in New York, die Stiftung einer be güterten Genossin, der verstorbenen Frau Rand, wurde am Diens tag feierlich eröffnet. Die Schule heißt ,, Rand School of Social Science"( Schule für soziale Wissenschaft) und dient der wissenschaft lichen Ausbildung von Leuten, die fich für den Sozialismus inter effieren und die Propaganda für denselben in Wort und Schrift fördern wollen. Columbia- Universität, wie die Londoner Tribune" mitteilt, und Unter den Lehrern sind zwei Professoren der zwar Franklin Giddings und Dr. Beard. Neunzig Studenten haben sich einschreiben lassen. Die Schule steht in engster Verbindung mit der sozialistischen Partei und unter der Leitung eines tüchtigen Genossen. Polizeiliches, Gerichtliches usw. Straffonto der Presse. Genosse Koepke vom Boltsblatt für Harburg" wurde von der Straffammer in Stade wegen Beleidigung des Gemeindevorstehers von Neuland zu 200 Mart Geldstrafe verurteilt. Genosse Kirchpfennig von der Schwäb. Boltsztg." zu Augsburg wurde vom dortigen Schöffengericht zu einer Gelda strafe von 100 m. verurteilt. Das Vergehen erblickten die Mataboren des gelben Verbandes der Maschinenfabrik Augsburg, Chate let und Schwinger, in zwei Artikeln, in denen ein Konterfei ihrer Taten gegeben war, das ihnen nicht gefiel. Aus Induftrie und Handel. Erhardt- Krupp. Zu dem jetzt in der Presse wieder erörterten Thema: Erhardt Strupp schreibt man uns: Der Bildungsausschuß. Die Leipziger Boltszeitung" schrieb in ihrer Donnerstagnummer: In unserem vorgestrigen Leitartikel über den Parteitag hatten wir unser Bedauern aus- Wenn bisher das unbestreitbare Monopol Krupp in weiteren gesprochen, daß nicht wenigstens der praktische Vorschlag der beiden Kreisen der Bevölkerung noch weniger Anstoß erregt hat, so ist das Referenten in der Erziehungsfrage, einen Bildungsausschuß von in der Hauptsache dem Ruf des preußischen Beamtentums zu 25 Personen als dauernde Parteiinstitution niederzusetzen, anges schreiben. Bisher wußte man den Schein der unbedingten Integrität nommen, sondern nur erst einem Ausschuß bon sieben Personen überwiesen worden sei.( Wir haben die Stelle am Freitag in nach außen zu wahren. Damit ist es nun durch die Affäre Tippelsunserem Zitat aus diesem Artikel abgedruckt. Red. d.„ B.") So firch vorbei. Für die Folge wird man in Preußen- Deutschland etwas hatten wir den, wie es scheint, in diesem Punkte nicht ganz for bescheidener sein wie bisher, wenn von der Beamtenforruption in retten Bericht verstanden. Genosse Singer ist nun so freundlich, anderen Ländern die Rede ist. Podbielski ist ein smarter Geschäftsuns mitzuteilen, daß der von den Referenten im Einverständnis mann, aber wer will behaupten, er entspräche dem Jdeal von Korrekt mit dem Parteivorstand und der Kontrollkommission unter Ubände heit, das man bei preußischen Staatsbeamten und Staatsvertretern rung des ursprünglichen Vorschlages beantragte Bildungsausschuß als selbstverständlich voraussetze? Wenn Podbielski bleiben kann, von sieben Personen eingesetzt worden ist. Er wird demnächst von dann ist sicher schon vieles möglich gewesen, manches was bisher Parteivorstand und Kontrollkommission gewählt werden und seine " Dem Parteitage zu Mannheim kann man das Zeugnis geben. Arbeiten beginnen, unter den Bedingungen, die ihm durch die für ausgeschloffen galt, ist sicher längst gang und gäbe, und vieles saß er glüdlich verlaufen ist. Er hat wichtige streitige Fragen zu Annahme des Punktes V in den Leitfäßen der Referenten auf Faule hat sich sicher unter dem falschen Scheine tabellofer Storreltharmonischem Abschluß geführt, uns deutlicher als bisher Straft erlegt worden sind. Der Abschnitt des Bunttes V, in dem bon heit entwickeln können. So urteilt heute die öffentliche Meinung! und Schwächen der Organisation erkennen gelehrt und damit neuel dem Bildungsausschuß die Rede ist, lautet: Und ausgenommen die paar Interessenten, haben die legten Er Eine noch größere Enttäuschung sollte ihnen die Debatte über den politischen Massenstreit bereiten.... Alles in allem ist in Mannheim ein großes Werk bollbracht worden, das die günstigsten Wirkungen für die Zukunft der deutschen Arbeiterbewegung verspricht...." „ Schleswig- Holsteinische Volkszeitung": das andere. Aus Vermischtes. der Frauenbewegung. Drafitoje referabilir, Zur Mannheimer Konferenz. elgniffe gerade in staatstreuen Kreisen das Vertrauen zur Regierung| Tönen beklagten Kohlenmangels hält sich die Ausfuhr auf über das arten abweist, wie: Sie verdienen ja bald mehr als ich!" Arge gründlich erschüttert. Bei der Sozialdemokratie hatte die preußische Doppelte der Einfuhr. Wer in aller Welt soll da noch glauben, was Echimpfworte, die wiederzugeben die davon betroffenen Arbeite Regierung als System fa nichts zu verlieren, aber auch in von der Syndikatsseite stets versichert wird, daß man im Interesse rinnen sich scheuen, sollen von drei Vorarbeiterinnen oder Direk sozialistischen Kreisen glaubte man bisher wenigstens an die des deutschen Marktes die Ausfuhr auf ein Minimum eingeschränkt tricen gebraucht werden. Der Redner erklärt, daß, wenn diese Integrität des preußischen Beamten. Heute nicht mehr. Daß nach und die Einfuhr forciert habe? Das eine ist ebensowenig wahr wie Damen derartige Ausdrücke nicht unterlassen, man in anderer den letzten Ereignissen die öffentliche Meinung auch zu dem Krupp- um 197 832 Doppelzentner gestiegen, dafür ist aber die Einfuhr an nicht genannt werden. Zum Schluß sagte der Redner, die Firma Wohl ist im September die Einfuhr an Steinkohlen Weise gegen sie vorgehen müsse. Vorläufig follten ihre Namen Monopol eine andere Stellung einnehmen wird, ist sicher. Früher Braunkohlen um 639 410 Doppelzentner zurückgegangen. Die solle sich nicht einbilden, daß sie in Zukunft, ohne mit der Organispielte man den Patriotismus der Firma Krupp aus, die angeblich Gesamteinfuhrmenge ist im September weiter zurückgewichen wie fation zu rechnen, auskommen werde. Die Zustände in ihrer im Interesse des Vaterlandes gewaltige Summen ausgebe. Die die Ausfuhr. Wenn das Syndikat so die Marktverhältnisse regelt, Fabrik lasteten auf den ganzen Arbeitsverhältnissen des Berufs, deutsche Wehrmacht jeder anderen überlegen zu machen, sei dann kann der ihr jedenfalls angenehme Kohlenmangel noch einige und es solle und werde Wandel geschaffen werden. Lebhafter Krupps größtes Streben. Man glaubte den Schnack. Die Beit anhalten. Beifall und die Diskussion, die sich daran schloß, bestätigten das, Firma Krupp war immer hochpatriotisch, aber kaum hatte Vertenerung der Leinenfabrikate. Eine Versammlung der Leinen- was der Redner vorgeführt hatte, und trop wiederholter Auffie irgend eine neue berbefferte Striegswaffe hergestellt, bot fie und Halbleinenfabrikanten Schlesiens und der Niederlausitz beschloß. forderung meldete sich keiner, der die Firma gegen die Vorwürfe diese aller Welt zum Kauf an. Dadurch zwang sie auch das liebe eine Erhöhung aller Fabrikatpreise um 5 bis 10 Prozent eintreten au verteidigen suchte." Vaterland zu neuen Ausgaben und der deutsche Michel mußte zu lassen. mehr bezahlen als das Ausland. Die billigen BanzerplattenLieferungen für Amerika haben das ja eklatant gezeigt. Strupp bringt für Deutschland keine Opfer, im Gegenteil, er macht auf auf dem Meere. Nach einem KabelDeutschlands Kosten immer neue Versuche und wenn er ein besseres telegramm aus New York, das bei der hiesigen Gesellschaft für Material herstellt, bekommt das Ausland das beste Geschütz, das drahtlose Telegraphte eingegangen ist, hat der in New York eins unübertreffliche Geschoß und die unzerstörbare Bangerplatte getroffene Lloyddampfer Bremen", der mit Apparaten für draht- billiger wie das liebe Vaterland! Der Historiograph Ehrenlose Telegraphie nach dem System Telefunken ausgerüstet ist, die berg rechnet es der Firma Krupp als besonderes Verdienst an, daß ihm vier Tage nach dem Auslaufen von der Station in Nauen fie an den„ Erbfeind"( Frankreich) teine Kriegsmaterialien verkaufe. gramme bis auf eine Entfernung von 2500 Kilometer klar empDas ist auch Humbug. Krupp liefert keine Kriegsmaterialien an fangen. Dies Resultat ist darum beachtenswert, weil mehr als die Frankreich, wegen des dort mangelnden Patentschutzes. Dafür ver- Im Hinblick darauf hat gar manche Genossin geschwiegen, die Hälfte des Weges über Land führt. Von jetzt ab sind die deutschen kauft er den Franzosen aber die Lizenz zur Fabrikation Kruppscher gern zu der oder jener Materie etwas gesagt hätte, und die Redne. Schiffahrtsgesellschaften in der Lage, ebenso wie bisher von der Banzerplatten und französische Offiziere studierten in Essen das rinnen haben in Buntto Einhaltung der Redezeit eine Selbstdisziplin englischen Marconi- Gesellschaft, von der Deutschen TelefunkenVerfahren zu deren Herstellung. Was hat das mit Vaterlandsliebe geübt, die im scharfen Gegensatz zu der uns Frauen nachgesagten Gesellschaft regelmäßig während der ganzen Ueberfahrt Zeitungszu tun? Krupp macht Geschäfte und kümmert sich den Teufel" Geschwäßigkeit" steht. Immerhin haben unseres Erachtens die telegramme aufzunehmen. darum, ob das dem Vaterlande dienlich ist oder nicht. Was macht Arbeiten der nächsten Konferenz drei Tage in Aussicht zu nehmen, Verhandlungen unzweideutig die Notwendigkeit Klargestellt, für die es dem Geschäft, ob es durch seine Lieferungen an andere vorausgesetzt, daß wie wir sehnlichst wünschen Staaten die Gefahr heraufbeschwört, daß Deutschland in einem Entwickelung unserer Bewegung anhält." Die kräftige späteren Kriege eine gründliche Niederlage erleidet. Es fragt nicht danach, ob nicht gerade durch seine Kriegsmateriallieferung andere Staaten in die Lage versetzt werden, einen Krieg gegen Deutschland zu denken. Der Krupp- Familie fönnte es an In einem Artikel zur Frauenkonferenz in Mannheim sagt die Gleichheit": " Wir wollen nicht verschweigen, daß wir die Debatten über manche Frage erschöpfender gewünscht hätten. Doch stand der Durch Die Kürze der Zeit, in welcher das reiche Arbeitsprogramm erledigt werden mußte. Verfammlungen. meldet aus Königshütte, daß gestern früh auf" Gräfin Lauragrube Vom Kriegsschauplatz der Arbeit. Die Schlesische Zeitung" beim Pfeilerabbau fünf Bergleute" durch Zusammenbruch von Kohlenmassen verschüttet worden sind. Zwei der Verunglückten wurden schwer verletzt zu Tage gefördert, die übrigen drei waren bis abends 6 Uhr trot unausgesetter Rettungsarbeiten noch nicht geborgen. Ein weiteres Telegramm meldet: Die Schlesische Beitung" erfährt, daß von den übrigen auf der Gräfin Lauras grube" verschütteten Bergleuten einer vorgestern abend und einer nachts tot nach oben gefördert worden ist. Der letzte wurde schwer. verlegt geborgen. " Hameln, 6. Oktober. Heute morgen ertranken bei dem Hamelner Weserwehr zwei bei der Reparatur des Wehrs beschäf tigte Arbeiter. berlebt. Zentralverband der Fleischer. In der letzten Mitgliederpassent, wenn es bald zu einem ordentlichen Kriege mit versammlung referierte Bergmann über:„ Welche Lehren ziehen Massenvernichtung von Kriegsmaterialien täme. Dann würde wir aus unserer bisherigen Agitations- und Organizationsarbeit?" das Geschäft ja blühen. Daß taufende Söhne Deutschlands Redner schilderte zunächst die Arbeit der letzten zwei verflossenen durch Kruppsche Geschütze Gesundheit und Leben einbüßen, wenn Jahre, wo vieles versäumt worden sei. Es sei notwendig, in Großtir in einen Strieg mit irgend einem Staate verwickelt würden, das Berlin eine einheitliche Agitation zu entfalten. Das Hauptirritiert die Vaterlandsliebe und den Patriotismus der Krupps nicht. gewicht müsse auf das Bezirkskassiererwesen gelegt werden. Ferner Bei Erſtürmung der Tatu- Forts haben wir das Schauspiel ja schon Mitglieder zu bekommen. Auch sei es notwendig, sich der politischen Pustertal ist zum größten Teil niedergebrannt. Bei den Lösch müsse darauf hingearbeitet werden, mehr klassenbewußte, überzeugte Eine Ortschaft niedergebrannt. Die Ortschaft Dolsa ch im gehabt, daß der Feind mit Kruppschen Geschossen deutsche Soldaten Organisation anzuschließen, damit die Kollegen eine engere zerschmetterte und ein deutsches Schiff in den Grund bohrte. Fühlung mit der klassenbewußten Arbeiterschaft bekämen. Unser versuchen kamen zwei Personen ums Leben und eine wurde schwer Geschäft ist Geschäft! Angeblich ist die Güte der Kruppschen Er- Losungswort müsse werden: Nicht nur Mitglieder werben, sondern подвы zeugnisse, deren Ueberlegenheit über jede Konkurrenz für die Bevor- auch klassenbewußte Arbeiter erziehen! Hierauf New Orleans zerstört. zugung Krupps ausschlaggebend gewesen. Die Autoritäten referierte Blank über: Wie betreiben wir am besten unsere diesfagten's und Bürgertugend gebot bisher, also zu glauben. jährige Herbstagitation?" Er führte folgendes aus: Um eine durch Meilen in der Länge und acht Meilen in der Breite erstreďte, Ein Tornado, der sich über ein Gebiet von fünf englischen An den Autoritäten wird man in Bukunft auch stärker greifende Agitation zu entfalten sei es notwendig, in Berlin Bezirks aus gestern, wie New Orleans telegraphiert bersammlungen abzuhalten, auch sei notwendig, den Vororten mehr fuchte zu zweifeln wagen. Bisher lag schon genügend. Ver- Aufmerksamkeit zu schenken, damit man dort mehr Boden fassen wird, das Fabrik- und das vornehme Viertel der anlassung zur Skepsis vor. Die Firma Erhardt hat Strupp schon fönne. Ferner müsse jest auch mit der Gauagitation begonnen Stadt heim. Die im Bau begriffenen prächtigen Gebäude an der mehrfach genötigt, Preisnachlässe eintreten zu lassen. Wenn Krupp werden. Notwendig fet es, in der Provinz Aufklärung zu schaffen, Ecke der Toledo- und der Saratogastraße wurden demoliert. Fünf von der überragenden Güte feiner Fabrikate überzeugt gewesen damit bei Lohnbewegungen von dort nicht so viel Zuzug fame. Wenn neue Wohnhäuser sind zerstört. Die Dächer des St. Elisabeth= wäre, würde er sich wohl kaum dazu verstanden haben. Die„ Be- auch hier viel Schwierigkeiten zu überwinden seien und sich nicht konvents, der Gaswerke und einer großen Fabrik wurden wegfcheidenheit" war diftiert von dem Bestreben, den Konkurrenten nicht alles so machen ließe wie man es wünsche, weil die Vorstands- gerissen. Mehrere Fabrikgebäude wurden ebenfalls demoliert. Es aufkommen zu lassen und. er erreichte das Ziel. Das mußte mitglieder alle in Arbeit seien, so lasse sich bei etwas gutem Willen find indes keine Todesfälle, sondern nur sieben Verlegungen zu umsomehr überraschen, wenn man sich der Vorgänge vor 10 Jahren doch schon vieles schaffen. Die Diskussion bewegte sich im Sinne verzeichnen. In der Vorstadt Pouchatoula wurde eine Familie erinnert. Erhardt hatte damals schon ein Rohrrücklaufgeschütz Bergmann, Blant und Jäschte. der beiden Referate. In den Gauvorstand wurden gewählt von vier Stöpfen durch ein einstürzendes Haus verschüttet. Von verschiedenen fabriziert. Die Autoritäten verwarfen die Konstruktion, aber Kollegen wurde geklagt, daß die Polizei betreffs lleberwachung der ein von Krupp hergestelltes Schnellfeuergeschütz mußte zur Sonntagsruhe sehr viel zu wünschen übrig lasse. In vielen Rettung des Vaterlandes schleunigst eingeführt werden. Und Schlächtereien würde noch bis Mittag gearbeitet. ehe der Reichstag die Neuarmierung bewilligt hatte, war Krupp schon eifrig mit Lieferungen beschäftigt. Allerdings die Eile war notwendig. Die Neuausrüstung war noch nicht beendet, da waren die Autoritäten einig in dem Urteil: Das Schnellfeuergeschütz taugt nichts! Aber Krupp konnte seine Lieferungen beenden und dann wurde die Einführung des Rohrrücklaufgeschüßes beschlossen, natürlich wiederum behörden zur Rettung des Vaterlandes und Krupp blieb Lieferant. Man hört auch den Hinweis auf Krupps Erfolge im Auslande. Das foll für Krupp sprechen. Krupp hat doch nicht zum Bergnügen überall Männer aus Ministerien und aus den obersten Verwaltungsals Vertreter! Im Auslande sind die Leute mit ihrem autoritativen Urteil ebenso einflußreich wie in Deutschland. Und Krupp weiß den Eifer seiner Agenten anzufachen. Für diese besteht auch eine„ Arbeitsordnung", nach der es ihnen verboten ist, für andere Firmen tätig zu sein. Da braucht man sich über Strupps Erfolge im Auslande wahrlich nicht zu wundern. Wir würden uns allerdings trotz aller Vorgänge auch nicht wundern, wenn die Firma Krupp. in der bisherigen Bekundung ihrer Vaterlandsliebe fortfahren kann. Gutes Geschäft. Für die Prosperität der Industrie spricht folgende Dividendentafel: Dividenden in Brozent 1905/06 1904/05 19 b Eisenbahnbedarf A.-G. Düffeldorf::: Vereinigungs- G.f. Steinkohlenbergbau i. Kehlscheid 8 A.-G. für Eisenbahnmaterialfabrik in Görlig 18 Dortmunder Aktien- Brauerei Dortmunder Union- Brauerei Schlegel Brauerei Bochum Hoefel- Brauerei Düsseldorf. Brauerei Gebr. Dietrich. Karlshütte A.-G. in Altwasser Brünnighaus A.-G. Barmen Eisenhüttenwerkt Reula Hannoversche Portland- Zementfabrik Braunkohlen- und Brikettindustrie A.-G. Berlin Chemische Fabrik Hörningen . 17 10 8 18 • 20 20 20 20 10% 10% 10 10 10 61 7 7 6 10 12 10 7020 61/2 12 9 Bergmann machte noch darauf aufmerksam, daß laut Statut Ende November die Krankentassenwahlen stattfinden müßten, es sei daher Pflicht eines jeden Kollegen darauf zu achten, daß er auch von seinem Arbeitgeber angemeldet würde, damit er auch sein Wahlrecht ausüben könne. Die Arbeiterinnen und Arbeiter der Schokoladen- und Zudertag wiederum zahlreich in Rabes Festfälen versammelt. Wurde in warenfabrik von Th. Hildebrand u. Sohn hatten sich am DonnersLohn- und Arbeitsbedingungen gesprochen, so stand diesmal die der vorigen Versammlung, vor drei Wochen, hauptsächlich über die Behandlung, die die Arbeiter und Arbeiterinnen in der Fabrik durch die Beamten, Werkmeister und sonstigen Vorgefeßten zu er dulden haben, auf der Tagesordnung. Zunächst hielt jedoch Genosse Rehbein einen Vortrag über den Kampf zwischen Kapital und Arbeit, der mit der Mahnung zum Anschluß an die Organisation endete und lebhaften Beifall fand. Eine sozialistische Kolonie. Wie vor einiger Zeit schon berichtet, trug sich Upton Sinclair, der Verfasser des im Unter haltungsblatt veröffentlichten Romans, mit dem Plan, eine kleine Kolonie auf sozialistischer Grundlage zu gründen. Er wollte eine Anzahl Familien veranlassen, gemeinsam zu wirtschaften und versprach sich davon allerlei Vorteile. Der Londoner" Tribune" wurde gestern gekabelt, daß dieser Plan seiner Verwirklichung entgegen. geht. U. Sinclair habe in New Jersey einen Park von Morgen Größe für seine Solonie gekauft. Unter den Kolonisten befinden sich drei Lehrer von der Columbia- Universität mit ihren und Enttäuschungen; sie scheitern an den mannigfachen WiderFamilien. Solche Pläne enden gewöhnlich mit Fehlschlägen nichts mehr als ein interessantes Spiel, nach dessen Verlauf man fanden und der Abhängigkeit von der übrigen Welt und bedeuten nichts mehr als ein interessantes Spiel, nach dessen Verlauf man sich gern mal erkundigt. 1 mittel ber neun Stifte Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen- Direktion.( Großhandel.) Rindfleisch Ia 71-76 pr. 100 Pid., a 65-70, IIIa 60-64, IV 54-58. Stalbfleisch, Doppelländer 105-115, Ia 84-90, IIa 74-83, IIIa 64-73, Holl. 55-62. Hammelfleisch Ia 77-82, Darauf führte Weidler aus, daß es der Firma Hilde a 67-76. Schweinefleisch 67-74. Rehböde la per Pfd. 0,80-0,90, brand jebenfalls nicht angenehm sei, wenn die Mißstände, die in a 0,70. Rotwild Ia 0,37-0,48, IIa 0,25-0,33. Damwild 0,40-0,50. ihrer Fabrik herrschen, öffentlich besprochen werden. Es liege aber Wildschweine 0,20-0,30: Frischlinge 0,40. Hafen per Stüd 2,50-3,35, flein an dem Arbeitgeber selbst, daß man zu diesem Mittel greifen müsse. Stridenten 0,50-0,65. Belassinen 0,00. Rebhühner, junge la 1,00-1,20, 1,25-2,25. Staninchen per Stüd 0,30-0,90. 2ildenten per Stück 0,75-1,60. Würde die Firma die Gewerkschaften als die berufenen Vertreter junge IIa 0,70-0,98, alte 0,60-0,82, junge fleine 0,00-0,00. Hühner, ihrer Arbeiter und Arbeiterinnen anerkennen, über Beseitigung der alte per Stüd 1,40-2,25, alte II a 0,90-1,30, junge per Stüd 0,65-1,35. Mißstände verhandeln und das unbedingt notwendige Entgegen Tauben, junge per Stud 0,30-0,55, alte 0,00. Enten, fommen zeigen, so ließe sich die Behandlung der Angelegenheit in 0,80-3,50, alte per Stüd 0,00, Hamburger, junge per Stud 3,10. Gänse, breiter Oeffentlichkeit wohl vermeiden. Auch dadurch, daß die Oderbrucher, per Pfund 0,55-0,63, dito Hamburger, junge 0,64-0,65, schlechten Verhältnisse in diesem Großbetriebe auf die Verhältnisse Ia per Stúd 3,00-3,70, IIa 2,50-2,90. Boulets per Stück 1,60-1,90, do. tlein 0,00-0,00. Hechte per 100 fb. 89-103, mittel 0,00-0,00. im ganzen Berufe verderblich einwirkten, hätten alle Berufs- Alland 71-72. Schleie 0,00. Bleie 62. mittel Male, groß 94, angehörigen ein Interesse an der Sache. Der Redner schilderte 77-98, flein mittel 0,00, unsortiert 0,00. Blöten, matt 60-67. dann einige der schlimmsten Uebelstände; zunächst die Visi Starpfen, 30er 00-00, 50er Galizier 70-76, 60er Laufizer 0,00, tation, die in dieser Fabrik zweimal täglich, mittags und 40er Schlesische 0,00. Barse, groß 48-59, Klein 0,00. Sarauschen 0,00. abends, ausgeübt wird. Wohl seien die Visitationen ein Berufs- do. flein 0,00. Wels 55. Bunte Fische 0,00, matt 0,00. Amerikanischer übel, hier aber würden sie in so beschämender und beleidigender Lachs Ta neuer per 100 Pfd. 110-130, do. Ila neuer 90-100, Weise gehandhabt, daß Eltern sich bedenken sollten, ihre Töchter in do. IIIa neuer 75. Sprotten, Kieler, Wall 0,75-1,30, Danziger, Wall einem solchen Betriebe arbeiten zu lassen. In vielen kleineren Be- 0,70-0,80. Flundern, pommersche Ia, per Schod 9,00, do. pommeriche Kieler, IIa 2-4, 4-6, do. Stiege Ia trieben werde schon nicht mehr visitiert und die Firma Hilde 2-3, do. Klein per Stifte 0,00. Büdlinge, per Wall Nieler 2-3, brand könnte das wohl auch abschaffen. Was vielleicht bon ein Stralsunder 2,00-3,50. Aale, groß per Pfd. 1,10-1,30, mittelgroß 0,80-1,00, zelnen hinausgetragen werde, sei so gering, daß es für ein solch tlein 0,50-0,60. Heringe per Schock 4-5. Schellfische Kiste 4-5, großes Geschäft gar nicht in Betracht kommen könne. Die Arbeiter- do. Stifte 2. Kabliau, p. 100 Pfd. 20-25. Heilbutt 0,00. Sardellen, 1902er organisationen erklärten selbstverständlich das Bestehlen der Arbeit per Anter 95, 1904er 95, 1905er 90, 1906 er 70. Schottische Vollheringe geber wo es vorkomme für durchaus verwerflich. Das beste Vor- 1905 0,00, large 40-44, full. 36-38, med. 35-42, deutsche 37-44. Sardinen, ruff., Faß beugungsmittel dagegen wäre, wenn die Firma ihre Arbeiterinnen so bezahlen würde, daß sie sich die Waren selbst kaufen könnten. aß 11, fleine 5-6, Riefen- 14. Hummern, fleine, per Pfd. 0,00. Ein weniger zartes Gewissen scheint die Firma zu haben, wenn streble, per Schod, große 0,00, mittel 0,00, fleine 0,00, unfort. 0,00. es sich um Zeit und damit um Eigentum der Arbeite Galizier, groß 0,00, mittel 0,00. Gier, Land, per Schock 3,30-4,25. Butter rinnen handelt. Wie der Redner mitteilte, müssen Attorb- per 100 Bib. la 124-127, Ila 118-120, IIIa 112-116, abjallende 95–110. arbeiterinnen abwechselnd täglich- Stunden opfern, um Saure Gurten Schod 3,50-4,00, Pfeffergurten 3,50-4,00. Startoffeln 100 Pfund magnum bonum Frühstück aus der Kantine zu holen, ohne irgend welche Vergütung per 2-2,25, Dabersche 2-2,25, weiße 1,75-2,00, Salatfartoffeln 4,00-5,00. dafür zu erhalten. Dafür könnte die Firma doch wohl eine Person Rosen 0,00-0,00, Karotten per Schockbund 2,00. Spinat per 100 Pfund 4,00-7,00. austellen und bezahlen. Aber noch mehr Arbeit wird unentgeltlich Sellerie, hiefige, per Schock 1,50-6,00. do. pommeriche 4-5,00. Zwiebeln von Affordarbeiterinnen verlangt. Sie müssen abwechselnd an den große, per 100 pfd. 3,25-4,00. do. fleine 2,50-3,00. do. hiesige( Berl) Aug. Sonnabenden 1-2 Stunden die Fabriträume reinigen, 30-50. Charlotten 50-60, Petersilie, grün, Schockbd. 1,00. Stohlrabi per 38842 und, wer dabei fehlt, muß 1 Mt. Strafe bezahlen. Der Redner Schod 0,60-1,00. Rettig, bayr., pr. Schod 2,40-4,80. Radieschen per meinte, daß der Firmeninhaber wohl selbst nichts von diesen Schod- Bd. 0,60-0,80. Salat, pr. Schod 1,50-2,00. Bohnen, grüne, 21926 Vorschriften wisse, sonst könnten sie unmöglich bestehen. Dann ber 100 Pfund 6-16. Wachsbohnen 10-20. Weiße Nüben 7-8. 7073 erwähnte er eine unglaublich rigorose Handhabung der Straf- Pfefferlinge per 100 f. 10-12. Mohrrüben per 100 Pfd. 2-3. 875 vorschriften für Zuspätkommen. Die Arbeitszeit beginnt im Teltower Rüben p. 100 Pfd. 10-11. Blumenkohl p. Mandel 1,50-2,50. do. Rotkohl 488 Sommer schon um 6, im Winter 27 Uhr. 3 Minuten früher Erfurter, Stopf 0,25-0,28. Wirfingfohl ber Schod 4,00-7,00. pr. Schock 3,00-7,00. Weißkohl pr. Schod 2,00-5,00. Rosenkohl pr. 100 ẞfб. 11651 538 5049 193 3718127 3004793 wird das Fabriktor geschlossen und wer nicht drinnen ist, muß 25-30. Steinpilze p. 100 Bid. 20-35. Gurten, Zerbster, Schock 0,00. 8445 885 8248 053 17064748 17430714 bis zum Frühstück warten. Ja, noch mehr! Wer nicht rechtzeitig do. Einlege, Schod 1,50-3,00, bo. Rothenburger 0,00-0,00, do. Liegnizer 0,00. gekommen ist, aber nicht ganz pünktlich bei Beginn der Arbeitszeit do. Einlege( Senf-) 8-18. Stohlrüben, Schock 2,50-4,00. Tomaten, hiesige 666 bon der Garderobe aus den Fabriksaal erreicht, muß sich seine 100 Pfd. 14-16. Kürbis 2-3. Birnen, ital. per 100 Pfd. 0,00, hiesige4-16, Tiroler 8694 Garderobe wiederholen, wird wieder ausgesperrt und muß ebenfalls 20-35, böhmische 4-16. epfel, per 100 Bfd., biefige 3-15, Gravensteiner 390264 bis zur Frühstücpause draußen warten und geht feines Lohnes 12-18, Tiroler 15-30, Tiroler in Fässern 14-28. Preiselbeeren 0,00, Wallnüsse per Schod 1,00-1,50. Pflaumen, per schwedische 18-20. 5434 für die ganze Wartezeit verlustig! Ueber die Behandlung in der 100 Bid., hiesige 1-3, Böhmische 1-4, Böhmische, große 5-10. Bitronen, Außerordentlich stark ist die Zunahme in der Eisenerzeinfuhr, Fabrik felbft find ebenfalls viele Klagen laut geworden. So über Meffina 800 Stud 19,00-22,00, 860 Stüd 12,50-20,00, 200 Stud 0,00, bei nur min mal gesteigerter Ausfuhr. Besonders bemerkenswert einen Betriebsleiter, der, wenn Arbeiterinnen, die vielleicht ganze 420 Stüd, flein 12,00-15,00, 500 Stud, Hein 13-15. Pfirsiche, Werdersche find die Ein- und Ausfuhrziffern für Kohlen. Trotz des in allen 18 Mt. die Woche verdienen, um Lohnzulage bitten, sie mit Rebens- per 100 Pfd. 10-30, Tiroler 40-50, italienische 60-80. Bei solchen Aktionärlöhnen läßt es sich jedenfalls schon aushalten. Deutschlands Außenhandel. Nach den Zusammenstellungen des Statistischen Amtes gestaltete sich der Außenhandel Deutschlands für die Monate August und September in den nachfolgend aufgeführten Warengattungen folgendermaßen: ( Mengen in Doppelzentner) Einfuhr Ausfuhr Sept. Aug. Sept. Baumwolle Flachs, gebroch., geschwung.zc. Hanf Jute und Jutewerg Merinowolle im Schweiß Kreuzzuchtwolle im Schweiß Eisenerze Steinkohlen Braunkohlen Erdöl, gereinigt Chilifalpeter. Roheisen. Kupfer. 152 837 241 079 7949 10 193 25 815 39 818 84 926 36 620 20 393 17 896 16 954 27 889 25894 1181 12231 2490 4915 848 2103 13190 12555 5673 565 6312 975 714 959 472 234 427 647 204 756 394 071 396 224 1327 3583 . 112 845 122 478 480552 5266 Heringe, neue Matjes, per 2, To. 60-120. 1,50-1,60. Bratheringe, Büchse( 4 Liter) 1,50-1,75. Neunaugen, A. JANDORF& C Spittelmarkt Belle Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm 1/2 Montag, Dienstag, Mittwoch Bluse Damen- Confektion soweit Vorrat Hervorragende Neuheiten in Blusen aus Seide und Wolle, Costümen, Havelocks, Paletots, Abend- Mänteln, Joupons, Backfisch- Costümen, Kinder- Kleidern und Kinder- Paletats. aus Baumwollstoff in vielen hübschen Mustern 95, 1.45 3.95, 4.95 Costüme Paletots neueste Stoffe und Façons 16.50, 22.50 gestreift, baumwoll. Flanell 2.45 in neuen Schottenstoffen, reich garniert, auf Futter Bluse Blusenhemd mit Stickerei- Kragen, Falten zum durchknöpfen in gemusterten Stoffen englischen Charakters 9.85, 11.50 ,, Reine Seide", Volant reich plissiert, Taffet- Unterrock 8.60 m. Tressen besetzt Costümröcke Costümröcke Costümröcke fussfrei, Stoffe engl. Charakters blaugrün schwarz Lasting, mitTaffetblenden I garn., auf Futter 2.95, 3.95 5.90, 7.75 7.95, 9.85 Ein grosser Unterröcke ganz hervorragend billig 1.95, 2.45, 3.65, 4.65 Posten Japon- Bluse reich mit Einsätzen garnier, in vielen Farben 3.90 Havelocks Messaline- Bluse Velvet- Bluse Thibetin- Stola weiss Thibet- Stola weiss > Reine Seides, mit Tüll- Einsatz, reicher Schleifen- Garnit ,, Aermel und Vorderteil gezogen, moderne Farben, ganz auf Futter gepunkt, mit Taffet- Kragen u. Manschetten, auf Futter, mit Kravatte und Goldknöpfen garniert, in 6 modernen Farben aus warmen Stoffen 9.85 Abend- Capes 4.95, 6.75, 7.50 ca. 125 cm lang, Kragen mit Moufflon besetzt in hübschen hellen Farben 6.75 Jacket- Costüme Pelzwaren Neuheit mit 4 Schweifen 6.75, 7.95 Imit. Seal- Stola 6.95, 9.85 12.50, 15.50 Imit. Nerz- Stola und 2 Köpfen 9.75 Thibet- Stola schwarz mit 4 Schweifen ca. 200 cm lang 12.75, aus Tuch, eleg. Tailormade Verarbeitung, Jacket lange Form, auf Futter, in weinrot, marine, oliv, schwarz 9.85 29.50 besondere Gelegenheit in Moufflon- Stola schönen hellen Farben, 11.75 Länge ca. 240 cm Imitiert Hermelin- Kravatte Hermelin- Schweifen 6.50 ca. 220 cm lang 16.50 Ein Posten eleg. Strauss- Amazoner schwarz 3.75, 4.90, 6.75 Moderne Form mit schottischer Garnitur u. Pose 2.95 Farben Posten 35 cm Hut- Fantasiellen mod. 28, 45, 75| Rosen- Piquet att vete Flügelteilig, in 48, 75, 95, 1.45 Rosen- Piquet Farben 95 Pf. Ein Straussfedern schwarz 65, 40cm 95 Hut- Laub Velvet, teil, 18, Sammet, 3 teil. 48 3 teilig, Seide Piquet 65 PL. in den feinsten Piquet Piquet Piquet der jetzt beliebten, weichen Hutbänder in den 3 Serien modernsten Farben Reine Seide Serie I ca. 11 cm Meter 38 Pf. Serie II ca. 12 cm Meter 60 Pf. Serie III ca. 15 cm Meter 85 Pf. Breton- Form mit Fantasie- Garnitur 3.85 ******* aus Panne mit Toque Taffetband und Posen garniert 4.95 Moderne Filz- Form mit eleg. Panne- u. Posen- Garnitur 8.50 Sammet- Hut 14.50 Toque sehr reich gar mit reich Rand mit Flügeln nierter Taffet. ******** 8.75 Matelot- Form Velvet mit reich. Seid.-u. Fantasie- Garn. € 6.95 rentmortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., L'erlin SW. Nr. 234. 23. Jahrgang. 2. KeillW i>es ,|or»iitl!)" Kerl« VMMlt. Sonntag, 7. Oktober 1906. Der preuMhe Zusammenbruch von 180b. i. Die Vorgeschichte von Jena. Vor einigen Monaten wurde in einem Leitartikel des„Vor- foärtä" auf die eigentümliche Erscheinung hingewiesen, wie wenig das Säkularjnhr der Schlacht bei Jena die bnchhändlerische Spekulation reizt. Man braucht sich nur zu erinnern, welche Masse von Literatur und Makulatur sich im vorigen Jahre zu Schillers hundertstem Todestage ergoh, um den Unterschied zu empfinden. Und man empfindet ihn noch schärfer, wenn man auf die Tage der preußischen Konfliktszeit zurückgeht, wo man kein liberales Zeitungs- blatt lesen konnte, ohne daß man die„Schmach von Jena" den preußischen Junkern um die Ohren klatschen hörte. Das sind vergangene Zeiten. Die deutsche Bourgeoisie hält heute das ökonomisch bankrotte Junkertum als ihren Landsknecht ans, gegen die anstürmende Arbeiterschaft, und sie wird sich hüten, daran zu erinnern, wie dieser Landsknecht vor hundert Jahren schon von der bürgerlichen Revolution zusammengedroschen wurde. Das darf sie gar nicht riskieren. Sie stimmt vielmehr nnt höflichem Grinsen zu, wenn die Junker dreist und gottesfürchtig, wie sie immer sind, sich an die Mohrenwäsche machen und ihre Vorfahren von Jena als frei von aller Schuld und Fehle darstellen wollen. Eine klassische Probe dieser junkerlichen Literatur ist das Buch, das der kommandierende General in Königsberg, ein Herr v. d. Goltz, zum Säkulartage von Jena veröffentlicht hat. Darin wird mit einen, Hokus- pokus von Geschichtsklitterungcn, vor- dem selbst Herr Janssen als der reine Waisenknabe dasteht, die bürgerliche Aufklärung für den preußischen Zusammenbruch von 1806 verantwortlich gemacht. Es ist die alte Geschichte: je bescheidener der Bourgeois, desto un- bescheidener der Junker. Die historische Wahrheit über Jena muß sich heute in die Spalten der Arbeiterpresse flüchten. Jedoch wäre es ein Fehler. einfach auf die Darstellung zurückzugreifen, die in den besseren Zeiten der Bourgeoisie von ihren verhältnismäßig radikalsten Mitgliedern vertreten wurde, etwa von Waldeck und Ziegler. Nach ihnen erwuchs der preußische Staat aus dem feudalen Verwesungsprozesse des heiligen römischen Reiches deutscher Nation, wie neues Leben blüht aus den Ruinen. Geleitet von genialen Regenten, von denen wieder König Friedrich, der sogenannte Große, dergenialste war, vertrat er die modernen Prinzipien gegen das mittelalterlich verfaulte Oesterreich, aber nach dem Tode Friedrichs kamen unter seinen unfähigen Nach- folgern die Junker auf und verwüsteten den Staat, bis sie bei Jena geschlagen wurden und nun unter Stein und Hardenberg die alte preußische Herrlichkeit wieder erwachte. Auch das ist die reine Legende, freilich keine künstlich zurccht- gestutzte, wie sie in dem Buche des Generals v. d. Goltz und ähn- lichen junkerlichen Machwerken ihr Unwesen treibt, sondern eine historische Legende, wie sie unter dem Einfluß bestimmter Zeitströmuugen sozusagen unbewußt zu entstehen pflegt. Bei dem heutigen Stande der historischen Erkenntnis kann es keinem Zweifel unterliegen, daß der preußische Staat in den Tagen des Königs Friedrich genau ebenso verfault war, wie alle übrigen Teile des Deutschen Reiches, und in diesem Punkte auch nicht das Geringste speziell vor Oesterreich voraus hatte. Im Gegenteil! Nicht Friedrich von Preußen, sondern Josef von Oesterreich ist in' der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts das gewesen, was man einen„aufgeklärten Despoten" zu nennen pflegt; er versuchte wirklich mit dem feudalen Kehrricht in den einzelnen Ländern des österreichischen Gesamtstaates aufzuräumen, wenn er auch an dem Widerstande der privilegierten Stände kläglich scheiterte. Aber der preußische König Friedrich hat daran nie gedacht, sondem die feudale Organisation des preußischen Staats, die Auspowerung der bäuerlichen und der städtischen Bevölkerung durch ein habgieriges, rohes und ungebildetes Junlerpack, als ein unersetzliches Kleinod gehütet. Was dem preußischen Staate ermöglichte, mit Oesterreich zu rivalisieren, war nicht seine höhere Kultur, sondern eine viel weniger anmutende Eigenschaft, nämlich der beständige Verrat an Kaiser und Reich. Er wurde von auswärtigen Mächten aufgepäppelt, um die Kraft Oesterreichs lahm zu legen, das eine wirkliche Großmacht und auf dem europäischen Kontinente der Rival Frankreichs war. Schon im 16. und 17. Jahrhundert standen hohenzollernsche Kurfürsten im heimlichen Solde des französischen Königs; um jedoch nicht allzuweit zurückzugreifen, so wird eS jetzt auch von den preußischen Historikern nicht mehr bestritten, was übrigens, als cS noch von ihnen bestritten wurde, deshalb nicht weniger eine historische Tatsache war, daß nämlich der König Friedrich allein mit französischer Hülfe dem Hause Habsburg die Provinz Schlesien ge- raubt hat. Später machte Friedrich freilich einen Versuch, sich den: französischen Vasallendienste zu entziehen, aber das bekam ihm sehr schlecht. Es trug ihm den siebenjährigen Krieg ein, der zur Zer- stückelung des preußischen Staates geführt haben würde, wenn nicht die Zarin Katharina im letzten Augenblick ihre schützende Hand über dem Könige gehalten hätte, natürlich nicht um seiner schönen Augen willen, sondern weil sie den preußischen Staat für denselben Zweck brauchte, für den ihn bis dahin die französische Monarchie gebraucht hatte, nämlich den österreichischen Staat lahmzulegen, der den russischen Eroberungsplänen auf Polen und die Türkei im Wege stand. Um dieses Preises willen, der Vertauschung der preußischen mit her russischen Vasallenschaft, war das Land im siebenjährigen Kriege aufs grausamste verheert worden. Die bäuerliche und die städtische Bevölkerung befand sich im größten Elend; Schmoller, ein borussischer Historiker wie er im Buche steht, schildert sie wie folgt:„Zu Ende des Krieges waren die preußischen Provinzen in einem entsetzlichen Zustande; die Menschen-, Vieh- und Kapitalverluste waren über- mäßig; ein Drittel der Berliner lebte von Armemmterstützung; in der Neumark gab es notorisch fast kein Vieh mehr; Tausende von Häusern und Hütten waren niedergebrannt; eine volkswirtschaftliche Krise der schlimmsten Art folgte dem Frieden und dauerte noch mehrere Jahre." Das vielgerühmte„Retablissement" des Landes durch den König war natürlich der übliche preußische Wind. Nach der höchsten und wahrscheinlich sehr übertriebenen Angabe hat er in den letzten 23 Jahren seiner Regierung 40 Millionen Taler darauf verwandt, das verwüstete Land wiederherzustellen; indessen erstens floß diese Summe weit überwiegend in die Taschen der Junker, und zweitens wurde sie zum großen Teile durch eine noch gewaltsamere Anspannung der schon vor dem Kriege grausamen Steuermaschine aufgebracht. Das ganze„Retablissement" lief also darauf hinaus, daß die bäuerliche und die städtische Bevölkerung in all ihrem schauerlichen Elend noch mehr ausgepreßt wurde, um die durch den Krieg geschädigte Herrlichkeit der Junker auszubessern, die natürlich an ihrem Teil keinen Pfennig Steuern zahlten. Eine so beispiellose Ausblutung der Bevölkerungsmassen erklärt _ zur Genüge, weshalb diesen Massen sowohl die Kraft wie der Wille �fehlte, das Joch abzuwerfen, das ihre Nacken wund scheuerte. Es ist ein törichtes Gerede der borussischcn Historiker, die französischen Bauern hätten revoltiert, weil sie elender als die deutschen und namentlich die preußischen Bauern getvesen seien, llmgekehrt wird ein Schuh daraus; die preußischen Bauern waren so verelendet, daß ihnen selbst jener Rest moralischer und physischer Kraft fehlte, der zur Empörung gegen ihre blutsaugcrischen Peiniger nötig gewesen wäre Sie konnten darin nur mit den polnischen Bauern rivalisieren. Die Raubanfälle auf Polen, zn denen Friedrich als russischer Vasall das erste Signal geben mußte, um dann unter den drei Räubern die schäbigste Rolle zu spielen, versperrten der Entfendalistcrung des preußischen Staates gewissermaßen die letzte Möglichkeit, wenn es überhaupt noch eine gegeben hätte. Wie es in der„Neuen Rheinischen Zeitung" heißt:„Vom Tage ihrer Unterdrückung an traten die Polen revolutionär auf und fesselten dadurch ihre Unterdrücker um so fester an die Konterrevolution. Sie zwangen ihre Unter- drücker, den patriarchalisch-feudalen Zustand nicht nur in Polen, sondern auch in ihren übrigen Ländern aufrechtzuerhalten." Drei Fahre nach Friedrichs Tode brach die bürgerliche Revo lution in Frankreich aus. Sie wurde nicht sofort in ihrer historischen Bedeutung erkannt, am wenigsten vom feudalen Stumpffinn. Die preußischen Junker sahen sie nicht anders an, als die gewaltsamen Anfftände, die in Belgien, in Galizien, in Ungarn gegen die Reform- versuche des Kaisers Josef auszubrechen drohten oder auch schon ausbrachen. Alle diese Feuer schürten sie, um daran ihre Kartoffeln zu rösten, aus denen sie damals noch keinen Fusel zu brennen ver standen; es hätte ihnen schon in den Kram gepaßt, wenn Frankreich und Oesterreich, deren Bündnis ihnen im siebenjährigen Kriege so verhängnisvoll geworden war, gleichzeitig lahm gelegt worden wären. Heute noch hat die historische Tatsache ein gewisses politisches Interesse, daß der preußische König Friedrich Wilhelm ll. herzliche Händedrücke getauscht hat, wenn auch nicht mit Robespicrrc selbst, so doch mit einem von RobespicrreS nächsten Freunden, dem Jakobiner Pcthion. Namentlich als die französische Nationalversammlung im Sommer 1790 der französischen Krone das Recht abnahm, aus eigener Machtvollkommenheit einen Krieg zu erklären, stand der preußische Gesandte v. d. Goltz als Einbläser hinter ihrem jakobinischen Flügel und versah ihn mit dem trefflichsten Material über das grauenhafte Verderben, das die Monarchien durch das Recht der Kriegserklärung über die Nationen gebracht hätten. Vielleicht würde es sich heute lohnen, diese höchst überzeugenden Debatten wieder abzudrucken; wer hätte darüber auch mehr sagen können, als ein Vertreter der preußischen Krone! Die damalige Politik der preußischen Junker wird unseren Lesern leicht verständlich sein, wenn wir sie an die Politik deS Junker» Bismarck in den sechziger Jahren deS vorigen Jahrhunderts erinnern, an die Versuche dieses Biedcrmaunes, die beginnende Arbeiterbewegung für seine eigensüchtigen Zwecke zu mißbrauchen. Junkerliche Habgie� läßt selbst glühendes Eisen nicht liegen, und sie bildet sich ein, daß Revolutionen dazu da seien, um von ihr ausgebeutet zu werden. Sobald sie dann hinter ihren verhängnisvollen Irrtum kommt, reckt sie ihre arg verbrannten Finger zum heiligen Schivur für die Throne und Altäre gegen den Umsturz. Wie hinter Bismarcks Kokettiren mit der Arbeiterbewegung das Sozialisten- gesetz gehinkt kam, so hinter Friedrich Wilhelm? II. Bruderschmatz auf die Wange des Jakobinertums der fürchterliche Eid, das revolutionäre Paris dem Erdboden gleich zu machen. Man hat viel darüber gestritten, wer deir Krieg begonnen habe, die französische Revolution oder der europäische Feudalismus. Am verständigsten von den bürgerlichen Historikern urteilt darüber Ranke; er schildert den Krieg als den Zusammenstoß zweier feindlichen Welten;„daS Eine rief das Andere gleichsam mit Notwendigkeit hervor; so war einmal daS Schicksal". In der Tat— je mehr die französische Revolution ihren bürgerlichen Charakter entfaltete, um so unvermeidlicher wurde ihre Auseinandersetzung mit der feudalen Welt, die sie rings umgab. Es mußte so kommen, und die Frage, wie cS kam, hat nur ein Verhältnis- nmtzig untergeordnetes Interesse. Formell ging die Kriegserklärung von der französischen Revolution aus, und sicherlich hat sie keine Schafsgeduld gegenüber den feudalen Herausforderungen gezeigt. Aber herausgefordert ist sie in der schnödesten Weise von den deutschen Junkern und Pfaffen. Wider alles Völkerrecht lvurde den französischen Emigranten gestattet, in der rheinischen Pfaffengasse den militärischen Einfall in ihr Vaterland zu rüsten; auch der preußische König beging den Frevel, dies vaterlandsverräterische und und moralisch völlig verlumpte Gesindel mit fünf Millionen Frank aus dem preußischen Staatsschatze zu unterstützen. In dem feudalen Kreuzzuge gegen die Revolution drängte sich der preußische Staat am fürwitzigsten vor und schnitt am schmählichsten ab. England war zunächst gar nicht für das Abenteuer zu haben; die russische Zarin hetzte zwar aus dem Hintergrunde die deutschen Mächte in den Krieg, um freie Hand in Polen zu bekommen, aber stellte nicht einen Soldaten, Oesterreich war wenigstens in seinem belgischen Besitze gefährdet und betrieb den Krieg mit kühler Ge- lassenhcit, Preußen aber ließ sich von den Emigranten jenes be- rüchtigte Manifest aufschwatzen, worin eS daS revolutionäre Frank- reich mit Tod und Verderben bedrohte. Das Manifest war wie geschaffen, die französische Nation bis auf den Grund aufzustürmen. Um so kläglicher waren dann die Taten dieser Bramarbasse. In den drei Feldzügen von 1792, 1793 und 1794 erfocht daS preußische Heer zwar einige sogenannte„Siege". daS heißt, wo seine gedrillten Truppen mit den ungeübten Freiwilligen der französischen Republik zusammenstießen, erwiesen sie sich ihnen noch taktisch überlegen, aber strategisch endeten alle die Feldzüge mit einer großen Retirade. Im dritten war der preußische Staat finanziell schon so bankrott. daß er sein Heer nur noch durch englisch-holländische Subsidien im Felde unterhalten konnte. Er war damals schon fertig, aber er sicherte sich noch eine Galgenfrist, indem er die feudale Fahne, die er so prahlerisch er- hoben hatte, nun feige in den Staub warf. Er schloß im Jahre 1796 den Baseler Frieden mit der französischen Republik, worin er daS linke Rheinufer preisgab und sich damit die Neutralität des nörd- lichen Deutschlands erkaufte, mitten in dem weltgeschichtlichen Ringen, das nunmehr den Erdteil in seinen Tiefen zu erschüttern begann. Nichts elender und verächtlicher, als die Geschichte der preußischen Diplomatie in dem Jahrzehnt zwischen dem Baseler Frieden und der Schlacht bei Jena. Hin- und hertaumelnd zwischen den feindlichen Mächten, kannte sie kein höheres Ziel, als durch die gemeinsten Ränke und Schwänke bei den großen Länderverschiebungen der Revolutionskriege gelegentlich einen Fetzen Land zu erhaschen. Natürlich dachten die Junker nicht daran, dies Jahrzehnt zu Reformen zu bernchen. Hier und da schwante wohl dem einen oder dein andern, daß ihre Herrlichkeit auf tönernen Füßen ruhe, aber zu einer wirklichen Reform kam es nicht, konnte eS auch nicht kommen, da eine herrschende Klasse nie freiwillig auf ihre Privilegien verzichtet. Höchstens hausten die Junker noch schamloser, als jemals früher; der große Diebstahl, den sie nach der endgültigen Ver- nichtnng Polens an den Gütern des polnischen Adels und KlernS begingen, antizipierte. die raffiniertesten Gründer- und Schwindelgeschäfte der kapitalistischen Zeit. Inzwischen rangen England, Oesterreich und Rußland mit Frankreich. Um die Jahrhundertwende schien es einen Augenblick als ob sie der Revolution eine feste Schranke ziehen könnten; da bemächtigte sich der französischen Republik ihr genialster Soldat, und die Nation nahm willig die militärische Diktatur auf sich, um die sozialen Ergebnisse ihrer Revolution zu sichern. Erst als Konsul, dann als Kaiser führte Napoleon Bonaparte bürgerliche Reformen durch, soweit seine siegreichen Fahnen wehten. Es gehört zum feudalen Schwindel, daß er unaufhörlich die feudalen, nur für das Wohl ihrer Völker besorgten Monarchien überfallen habe aus reiner Eroberungsgier, womit Mutter Natur in einer teuflischen Laune das„korsische Ungeheuer" ausgestattet haben soll. Sieht man selbst von der Kinderei dieser historischen Vorstellung ab, so beginnt auch die bürgerliche Geschichtsforschung anzuerkennen, daß Napoleon als Kaiser die europäischen Kontinentalmächte nicht an- gegriffen haben würde, wenn sie ihn in Ruhe gelassen hätten. Seinen eigentlichen Krieg führte er mit England, und die Ursachen dieses Krieges lagen viel tiefer, als in dem Wollen oder Nicht- wollen des französischen Kaisers, dessen KriegSluft übrigens von der Kriegslust des englischen Ministers Pitt mindestens erreicht. wenn nicht überttoffen lvurde. England sah mit Grund in dem wieder geborenen Frankreich einen gefährlichen Konkurrenten auf dein Weltmarkte, und es gelang ihm im Jahre 1805, eine neue Koalition gegen die Revolution auf die Beine zu bringen, in erster Reihe Oesterreich und Rußland zum Kriege gegen Frankreich zu hetzen. Nun schlug die Stunde, wo auch der preußische Staat aus seiner trügerischen Ruhe aufgeschreckt wurde. Napoleon hatte schon vorher die norddeutsche Neutralität über den Haufen geworfen, indem er 1803 das Kurfürstentum Hannover besetzte, das mit England durch Personalunion verbunden war; jetzt bot er dieses Land dem preußischen Staat an, wenn dieser sich mit ihm gegen England ver- binden werde; es lag ihm daran, die gesamte norddeutsche Küste den englischen Waren zu sperren. Auf der anderen Seite warb aber auch die englisch-österreichisch-russische Koalition um die preußische Hülfe, denn sie hielt sich nach allen bisherigen Erfahrungen noch nicht stark genug, um Frankreich niederzuwerfen. Beide Teile drohten mit Gewalt, der sich die preußische Politik durch ein Meisterstück voll Jnfanlie und Perfidie noch einmal zu entziehen wußte, aber.nur um sich dem Erben der französischen Revolution mit ge- bundenen Händen auszuliefern. Auf die Drohung des Zaren, seine Truppen durch preußisches Gebiet marschieren zu lassen, hatte der preußische Staat mobil gemacht, um Napoleon nicht zu reizen, aber gleich darauf marschierte ein französischer Hcerhaufen durch preußisches Gebiet, ohne daß vorher auch nur in Berlin angefragt worden wäre. Das war eine schallende Ohrfeige vor ganz Europa, und so eilte der Zar nach Verlin, wo es ihm gelang, den stumpffinnigen König zum PotS- damer Vertrage am 3. November 1805 breitzuschlagen. Darin ver- pflichtete sich Preußen zur bewaffneten Vermittelung zwischen den krieg- führenden Mächten und, falls Napoleon binnen vier Wochen nicht auf eine Reihe seiner Eroberungen verzichte, zum Anschluß an die Koalition. Gewandter Komödiant wie der Zar Alexander war, gelang es ihm, namentlich die Königin, eine schöne, aber gefallsame und höfisch oberflächliche Person, für den Krieg zu enthusiasmieren; sie schrie mit gellender Stimme: Man muß das Ungeheuer tot- schlagen, und eine opernhafte Szene, die zu mitternächttger Stunde am Sarge des Königs Friedrich zwischen dem Königspaare und dem Zaren aufgeführt wurde, beschloß ivürdig die erbauliche Komödie. Jedoch nun fiel dein König das Herz in die Hosen. Er beauftragte den preußischen Unterhändler, einen Grafen Haugwitz, nach Mähren zu reisen, bis wohin Napoleon in schnellem Sieges- zuge vorgedrungen war, aber er gab ihm den geheimen Befehl mit, es zu keinem Bruche mit Frankreich kommen zu lassen. Haugivitz reiste sehr langsam und brauchte fast vier Wochen, ehe er in Brünn anlangte, sagte dann aber in einer langen Unterredung, die er nnt Napoleon hatte, kein Wort von seinen, offiziellen Aufttag, sondern ließ sich nach Wien schicken, wo er mit Napoleons Ministern verhandeln sollte. Ein paar Tage darauf schlug Napoleon das österreichisch-russische Heer bei Austerlitz betäubend aufs Haupt, worauf Oesterreich sofort Frieden schloß und die Rüsten aus Mähren abzogen. Napoleon ging nun nach Wien, fuhr den preußischen Unter- Händler als ertappten Spitzbuben an und diktierte ihm einen Bündnis- verttag in die Feder, worin Preußen einige Landsttiche an französische Schützlinge abttat, dafür daS Kurfürstentum Hau- nover annahm und sich zum Kriege gegen England verpflichtete. Ehr- und schamlos wie dieser Vertrag war, wurde er dennoch in Berlin ratifiziert; der Krieg war glücklich vermieden, und man hatte obendrein einen vorteilhaften Länderschacher gemacht. Daß darüber nicht etwa die letzte Ehre— denn die war längst ver- tan—, sondern auch der letzte Schein von Ehre verloren ging und der preußische Name sprichwörtlich für tückischen Verrat wurde, kümmerte echte Junkerherzen nicht. Aber sie sollten dennoch über dieser ihrer Meisterleistung den Hals brechen. eingegangene Dnickfcbriften. Die Geschichte des Sozialismus in den Bereinigten Staaten. Von Morris Hillqutt. Ucbcrfttzt von Karl Müller-Wernberg. XVI und 358 Seiten. Preis broschiert 2,50 M., gebunden 3,— M. Verlag von I. H. W. Dietz Nachs., Stuttgart. Ist Hühnerhaltung gewinnbringend?— Hühnerhaltung der beste Nebenerwerb. Von Joh. D. Schilling, Flensburg(Schlesw.-Holst.) 2. Aufl. 39 Seiten. Preis 80 Pf. Dr. jur. Richard Freund. Sozialdemokratie und Arbeiterschaft. Preis 40 Pf. Verlag Duncker u. Humblot, Leipzig. ReclamS Universum. Heft 32 erschienen. Preis 30 Ps. Verlag Philipp Reclam jnn., Leipzig. Ednard Engels Geschichte der deutschen Literatur. Zwei Bände in Ganzleinwand geb. Preis 12 Mark— 15 Kronen. Verlag G. Freytag, Leipzig. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Sonntag, 7. Oktober. Freie Volksbühne. Nachmittags 3 Uhr, 11./12. Abteilung. Berliner Theater: Die Streuzel schreiber. Neue freie Volksbühne. Nachmit tags 2 Uhr: 9. Abteilung im Deutschen Theater: Mutter Landstraße. Nachm. 3 Uhr: 2. Abteilung im Neuen Theater: Eine. Der Stammgast. Nachm. 3 Uhr: 6. Abteilung im Schiller Theater O.: Maria Stuart. D Nachm. 3 Uhr: 12. Abteilung im Schiller Theater N.: Weh' dem, der lügt. Anfang 7 Uhr. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Heute und folgende Tage: Sherlock Holmes. Anfang 8 Uhr. Komische Oper. Heute nachm. 3 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. 8 Uhr: Abends Carmen. Montag zu volkstüml. Preisen: Don Pasquale. Theater des Westens. Station 8oolog. Garten, Kantstr. 12. Sonntag nachmittag 3 Uhr halbe Preise: Der Freischütz. Abends 7, Uhr: Der Bettelstudent. Montag: Die Zauberflöte. Dienstag: Undine. Gutscheinhefte ungültig. Anfang 7, Uhr. Mittwoch: Das Glöckchen des Eremiten. Anfang 7 Uhr. Opernhaus. Samson und Dalila. Lustspielhaus. Montag: Der fliegende Holländer. Nachm. 3 Uhr: Der Familientag Schauspielhaus. Klein Dorrit. Montag: Othello, der Mohr von Venedig. Abends 8 Uhr: Die von Hochsattel. Neues Operntheater. La Traviata. Zentral- Theater. ( Bioletta.) Montag: Geschlossen. Deutsches. Das Wintermärchen. Montag: Der Kaufmann von Benedig. Westen. Der Bettelstudent. ( Operette). 3 Uhr halbe Preise: Die Fledermaus. Abends 7 Uhr und folgende Tage: Tausend und eine Nacht. Nachmittags 3 Uhr: Der Frei- Residenz- Theater. schütz. Montag: Die Zauberflöte. Lorking. Fra Diavolo. Nachmittags 3 Uhr: Bar und Bimmermann. Montag: Der Waffenschmied. Anfang 8 Uhr. Leffing. Das Blumenboot. Nachmittags 3 Uhr: Die versunkene Glode. Montag: Das Blumenboot. Berliner. Sherlock Holmes. Montag: Dieselbe Vorstellung. Schiller 0. Donna Diana. ( Wallner Theater.) Nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. Montag: Hafemanns Töchter. Schiller N.( Friedrich Wilhelm. städtisches Theater). Cyprienne. Nachmittags 3 Uhr: Weh' dem, der lügt! Montag: Frau Inger von Destrot. Neues. Der Jubiläumsbrunnen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Komische Oper. Carmen. Nachmittags 3 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Montag: Don Pasquale. Residenz. Triplepatte. Nachmittags 3 Uhr: Eine Hochzeitsnacht. Montag: Triplepatte. Luftspielhaus. Die von Hochfattel. Nachmittags 3 Uhr: Der Familientag. Montag: Die von Hochsattel. Zentral. Tausend und eine Nacht. Anfang 7 Uhr. Nachmittags 8 Uhr: Die Fleder maus. Direttion Richard Alexander. Heute und folgende Tage Anf. 8 Uhr: Triplepatte. Schwant in 5 Aften v. Tristan Bernard und André Godfernaur. Sonntag nachm. 3 Uhr: Eine Hochzeitsnacht. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Nachmittags: Der Goldonkel. Abends: Ein Wintermärchen. Montag: Ein Wintermärchen. Dienstag: Jungfrau von Orleans. Mittwoch zum erstenmal: Else vom Eilenhof. Donnerstag: Elfe vom Erlenhof. Freitag: Else vom Erlenhof. Lortzing- Theater Bellealliancestr. 7/8. Heute nachm. 3 Uhr: Zar und Zimmermann. Abends. 72 Uhr: Fra Diavolo. Abonnements ungültig. Morgen, Montag: Der Waffenschmied. Montag: Tausend und eine Racht. Rixdorfer Theater Kleines. Man kann nie wissen. Nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Mon fann nie wiffen. Deutsch Amerikanisches. 9 wilden Westen. Im Nachm. 3 Uhr: Uebern großen Teich. Montag: Jm wilden Westen. Thalia. Wenn die Bombe platt! Bergstr. 147. Bürgerfäle. Bergstr. 147. Sonntag, den 7. Oftober 1906, nachm. 3 Uhr: 1. Boltsvorstellung: Kabale und Liebe. Num. Platz 50 Pf., ummum. Bl. 30 Pf. infl. Progr. Kasseneröffnung 2 Uhr. Abends 7, Uhr: Nachm. 3% Uhr: Charleys Lante. Zapfenstreich. Montag: Benn die Bombe plagt. Luisen. Ein Wintermärchen. Nachmittags 3 Uhr: Der Goldontel. Montag: Ein Wintermärchen, Trianon. Der Hausfreund. Nachm. 3 Uhr: Loulou. Montag: Der Hausfreund. Bernhard Nose früher Carl Weiß. Der Millionenbauer. Nachm. 3 Uhr: Die Bluthochzeit. Montag: Der Millionenbauer. Walhalla. Spezialitäten. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Kaffeneröffnung 62 Uhr. Preife der Pläte wie gewöhnlich. ValhallaWa bazu. 2 Apollo. Berlin im Omnibus. Spezialitäten. Nachmittags 3, Uhr: Familienborstellung. Montag: Berlin im Dmnibus. Spezialitäten. Kajino. Alexander der Große. Nachmittags 4 Uhr: Hotel Klingebusch. Montag: Merander der Große. Folies Caprice. Das Modell. Das Provinzmädel. Montag: Diefelbe Borstellung. Wintergarten. Spezialitäten. Baffage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Mosellande und ihr Weinbau. Montag nachm. 4 Uhr: Jm Lande der Mitternachtssonne. Abends 8 Uhr: Die Mosellande und ihr Beinbau. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Variete- Theater Weinbergsweg 19/20. Am Rosenthaler Tor. Heute Sonntag: Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Ballner- beater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Sonntag, nach m. 3 Uhr: Maria Stuart. Ein Trauerspiel in 5 Atten von Friedrich Schiller. Sonntag, abends 8 Uhr: Donna Diana. Lustspiel in 3 Aufzügen von Moreto. Montag, abends 8 Uhr: Hasemanns Töchter. Dienstag, abends 8 Uhr: Donna Diana. Sonntag, nahm. 3 Uhr: Weh' dem der lügt. Luftspiel in 5 Aufz. v. F. Grillparzer. Sonntag, abends 8 Uhr: Cyprienne. Urania. Zirkus Alb. Schumann. Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: Montag 4 Uhr: Die Mosellande und ihr Weinbau. Lustspiel in 8 Aufzügen von Bictorien Im Lande der Mitternachtssonne. Sardou und E. de Najac. Montag, abends 8 Uhr: Fran Inger von Oestrot. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Hoffnung auf Segen. Berliner Volks- Chor ( Dirigent: Dr. E. Zander) Montag, 15. Oktober, 82 Uhr abends, in der ,, Neuen Welt", Hasenheide 108/114: Viertes Chorkonzert: 00 8 Uhr: Die Mosellande und ihr Weinbau. 2 OOLOGISCHER Zi CARTEN Eintritt 25 Pf. Heute am 1. Sonntag im Monat die Person: Ab 4 Uhr nachmittags: Militär- Doppel- Konzert. Morgen sowie täglich: Großes Militär- Konzert. Heute, Sonntag, den 7. d. M., nachm. 3, Uhr u. abds. 7, Uhr: große brillante 2 2 Nachmittags auf allen ein Kind frei. Gala- Vorstellungen Pläzen ohne Ausnahme Jedes weitere Kind unter 10 Jahren halbe Preise( außer Galerie). In beiden Borstellungen, nachmittags und abends: Die größte Novität! Aufhalten eines in voller Fahrt bes findlichen Automobils. Mr. George Lettl der Mann mit den dreißig Pferdes kräften. In beiden Vorstellungen: tomische. Löwen- Baron, der Ur. Emir, d. musikalische Wunderpferd. Die fliegenden Menschen Les Rixfords. Mr. Henricksens größte Tiger- Gruppe. Metropol- Theater Auf der Pußta, Täglich: Judas Maccabaeus Der Teufel lacht dazu. Oratorium in 3 Teilen von G. F. Händel ( in der Chrysanderschen Bearbeitung). Soli: Frl. Helene Günther( Berlin), Frau Paula Weinbaum( Berlin), Herr königl. Hofopernsänger Rudolf Jäger( Dresden), Herr königl. Hofopernsänger Friedrich Plaschke( Dresden) vorgef. v. Dir. Alb. Schumann. Folies Caprice Linienstr. 132, Ecke d. Friedrichstraße. Direktion Felix Berg. Serenissimus August XXVI. Große Jahresrevue in 9 Bildern Das Modell und Das Provinzmädel. von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent M. Roth. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf bei A. Wertheim und In Szene gesetzt vom Direktor an der Theaterkasse 10-2 Uhr. Richard Schultz. H. Bender, Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr J. Giampietro. Kasino- Theater Fritzi Massary. Alexander der Große Phila Wolff a. D. usw. von Emil Thomas und Adolf Selig. Das auf 55 Musiker verstärkte Neue Tonkünstler- Orchester, J. Josephi. der Berliner Volks- Chor und ein Kinderchor, ca. 250 Mitwirkende. Einlaßkarten vom 15. September ab a 70 Pf.( einschl. Garderobe und Programmzettel) bei Horsch, Gewerkschaftshaus; Gottfr. Schulz, Admiralstr. 40a; Erbe, Hasenheide 9; Verbandsbureau der Konditoren, Brunnenstr. 30; Parteispedition, Keibelstraße 42; Böttcher, Zigarrenhandlung, Zossenerstraße 30; Tabakarbeiter- Genossenschaft: Weber, Hermannstr. 110, Kopenhagenerstr. 2, Fehmarnstr. 7, Swinemünderstr. 86, Putlitztr. 15; Tolksdorf, Görlitzerstr. 58; Beyer, Veteranenstr. 13; Jhm, Wrangelstraße 58; Menz, Wilhelmshavenerstr. 61; Schrolle, Landwehrstr. 3. An der Abendkasse erhöhter Preis! Die Chorübungen finden Freitags, abends von 9-11 Uhr, in der Aula, Steinstr. 31-34, statt. Gäste willkommen! 66/17 Der Vorstand. I. A.: C. Heimann, Fidicinstr. 18. Zirkus Busch Sonntag, den 7. Oktober 1906: Nachm. 4 Uhr. 2 große Vorstellungen 2 Abends 7, Uhr. Nachmittags 4 Uhr zahlen Kinder unter zehn Jahren auf allen Sitzplätzen halbe Preise. In beiden Vorstellungen: Die größte Tiger- und Löwengruppe mit dem bisher noch nie gezeigten Ringkampf zwischen dem Dompteur Willy Peters u. 2 wilden Tigern. In beiden Vorstellungen: !! ,, Monsieur Romeo"!! Ueberfahren eines lebenden Menschen mit einem 70 PS.-Fiat- Automobil. ( Gewicht 30 Zentner und 4 Insassen), zur Verfügung gestellt durch die Firma Loeb& Co., G. m. b. H., Motorfahrzeuge, Berlin. In beiden Vorstellungen: Auftreten sämtl. neuen Clowns mit ihren Witzen und Späßen. In beiden Vorstellungen: Vorführen der besten Schul- und Freiheitspferde. In beiden Vorstellungen: Auftreten sämtl. neuengagierten Künstler und Künstlerinnen. 66 7% Uhr: 9, Aus der Pußta" Orig- Pantomime Abends 72 d. Zirkus Busch. Friedrichstraße 165. 2 Vorfeldungen 2 Castans Panopticum Nachmittags 3 Preise. Abends 8 Uhr: Die neuen lustigen Spezialitäten. Komik! Humor! Frohsinn! Schreckenskammer- Hennig 247 Berliner Allerlei. 2473L* Volkstümliche Vorträge aller Art. Anfang 8 Uhr. Rauchen in allen Räumen gest. Neu! Fehér- Duett in ihrem Repertoir. Klara Antonie X Fred u. Carman. Sonntag nachm.: Hotel Klingebusch. Passage- Theater. 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Unter Berücksichtigung dieser Umstände muß die Zunahme der Erzeugung im laufenden Jahre sowohl bei Kohlen- Bessemer Rob- 187,50 110,99 257,91 72,67 136,25 88,75 147,92 als auch bei Roheisen doch als ganz außerordentlich angesprochen eisen rh.- w.f werden. Blei Die finanziellen Ergebnisse des industriellen Aufschwunges spiegeln Kupfer. sehr deutlich die Geschäftsabschlüsse der großen Kombinationsbetriebe. Zink Obwohl die erhöhten Preise für das abgelaufene Jahr nur teilweise Zinn . • 155,16 137,00 207,53 96,19 100,72 179,72 148,42 148,33 70,22 97,52 79,75 132,98 74,27 120,40 128,10 104,15 160,97 88,61 148,28 93,29 132,95 122,89 126,99 154,13 104,98 97,82 65,81 133,58 Berlin, 5. Oktober 1906. Welteisenerzeugung. Kohle und Eisen in Deutschland. Laurahütte. Preisbewegung. Noch sind die Tage der Rosen für die Industrie! Eine und nur für einen Teil des Jahres Geltung hatten, werden doch Ruhrfettkohle 162,60 125,43 216,22 99,11 189,77 141,59 181,41 Vorstellung bon dem Fieber in der Herstellung industrieller ganz hervorragende Gewinnziffern ausgewiesen. So auch in dem Schlachtvieh. 66,75 66,55 94,61 95,65 113,52 105,50 111,63 Erzeugnisse geben die Ziffern der Weltproduktion. Nach Jahresabschluß der Vereinigte Königs- und Laurahütte. Der Die oben angedeutete Tendenz scheint im Jahre 1900 eine Untereiner statistischen Zusammenstellung des englischen Handelsamtes Bruttogewinn überragt den vorjährigen um annähernd 123 Mill. brechung erfahren zu haben. Bei verschiedenen Erzeugnissen geht die Höhenbetrug die Welterzeugung an Roheisen im verflossenen Jahre Mark. Die Dividende ist aber nicht entsprechend höher normiert welle über den Hochstand der voraufgegangenen Hochkonjunktur hinaus. 532 Millionen Tonnen. Auf die drei Hauptproduktionsländer: worden, weil man, aus Rücksicht auf mögliche größere Verluste bei dem Mit wenigen Ausnahmen ist heute der Preisstand von 1900 erVereinigte Staaten, Deutschland und England, entfallen davon rund russischen Werke Katharinenhütte, die Abschreibungen um 700 000 m. reicht, teilweise schon überholt worden. Für Kupfer, dessen Preis 434 Millionen Tonnen, das sind rund 80 Proz. der Welterzeugung, 12 Broz. gegen 10, 11, 11, 10 Proz. in den Vorjahren. Die Abschreibungen ziehen der Preise in Aussicht. Angeblich kann die Produktion mit höher dotiert hat. Trotzdem dürfen die Aktionäre zufrieden sein, es gibt sich gegen 1902 um über 40 Proz. gehoben hat, steht weiteres Anund von diesem Quantum entfällt wiederum über die Hälfte auf die Vereinigten Staaten, die allein 43 Proz. der Weltproduktion hervor- sind bei der Laurahütte übrigens immer reichlich hoch bemessen der steigenden Nachfrage nicht gleichen Schritt halten. Die amerikanischen Vereinigten Staaten, die allein 43 Proz. der Weltproduktion hervor- worden. Bei einem Aktienkapital von 27 000 000 Mart sind in den Kupfergesellschaften haben nach eigenen Angaben schon bis weit in brachten. In den drei letzten Jahren produzierten die drei Hauptproduktionsländer folgende Mengen( in Millionen Tonnen): letzten sechs Jahren 18 360 000 Mark an Reingewinn erzielt und das nächste Jahr hinein die gesamte mögliche Produktion verkauft. 22 273 477 Mark zu Abschreibungen verwendet worden. In den Anscheinend werden auch die Tabakpreise in die Höhe gehen. Deutschland England sechs Jahren machen demnach Abschreibungen und Reingewinn das Es werden zwar Befürchtungen wegen unzureichender Ernte laut, Roheisen Stahl Roheisen Stahl 11/2 fache des Aktienkapitals aus. Einiges Interesse be aber es ist doch sehr wahrscheinlich, daß eine planmäßige Hausse 9,857 8,115 8,935 5,034 anspruchen noch die Produktionsziffern. Die Kohlengewinnung inszeniert worden ist. Daß in Bremen größere Posten Havannas 5,027 ist nur mäßig gestiegen, dagegen hat die Erzeugung an Walz tabat für amerikanische Rechnung aufgekauft werden, wie das 5,812 fabrikaten erheblich zugenommen. Daraus kann wohl geschlossen fürzlich tatsächlich geschehen ist, gibt doch zu Bedenken werden, daß sich die finanziellen Ergebnisse der Hüttenwerke be- Anlaß. Vorläufig muß noch der Aufstand in Kuba als Sündenbock In der Roh- und Halbzeugerzeugung ist Amerika weit vorauf deutend verbessert haben. Früher wurde der ganze Gewinn auf herhalten, nachher wird man ja ſehen, ob und wie hinter den Kulissen geeilt, aber es hat auch eine Weiterverarbeitung, die das Inlands- den Kohlenbetrieb verrechnet, die Hüttenwerke ergaben nach den gespielt worden ist. Auch die Baumwollen- Haussiers haben Glück. produkt vollständig aufnimmt. Dagegen ist Deutschland nicht in der Lage, Ausweisen verschiedentlich sogar Defizit. Für das letzte Jahr liegt Angeblich wegen enormer Schäden durch Unwetter in den Golffeine Roheisen- und Stahlerzeugung vollständig in die inländische Weiter ein spezialisierter Ausweis nicht vor; es ist aber anzunehmen, daß staaten zogen die Preise wieder mal recht kräftig an. Und noch ein berarbeitung weiterzugeben; ein erheblicher Teil der Halbfabrikate die Verwaltung die Erzeugung der Walzwerksproduktion nicht be- anderes Produkt muß genannt werden, dessen Preis eine auffallende wandert ins Ausland, vornehmlich nach England. England selbst sonders forciert haben würde, wenn nicht respektable Ge Steigerung erfuhr: Rüböl. Im Jahre 1904 bewegten sich die Preise tommt mit seiner eigenen Materialerzeugung nicht aus, es muß winne sicher waren. Gegen 1900/01 ist die Kohlenproduktion zwischen 42 bis 48 M. per Doppelzentner, im Jahre 1905 hielten sich große Mengen zukaufen. Bei der Preispolitik der Verbände wirkt um 115 118 Tonnen gleich 4,6 Prozent auf 2 578 000 Tonnen die Preise zwischen 44 bis 52 M., jetzt stehen sie auf 65 M. und darüber. das bestehende Verhältnis sehr oft zum Schaden der deutschen Ver- gestiegen, während die Erzeugung von Walzwerksprodukten von Schlechte Ernten in Rumänien sollen schuld sein an der Preissteigerung. arbeitungsindustrie. Augenblicklich ist ja die Disharmonie zwischen 177 476 Tonnen auf 214 299 Tonnen, gleich 36 823 Tonnen oder Bei der Preisgestaltung der Industrieerzeugnisse macht sich Rohmaterial- und Halbzeugherstellern einerseits und Weiter 20 Prozent zunahm. Die erheblichen Preisaufschläge für Walz- offenbar der Einfluß der Kartelle geltend. Jedoch läßt sich verarbeitern andererseits start in den Hintergrund getreten; die produkte werden hier wohl start mitgewirkt haben. ein abschließendes Urteil darüber, in welchem Maße die wirkenden Kräfte sind unter dem Einfluß der Hochkonjunktur ge- Die Steigerung der Produktivität der Arbeit muß naturgemäß Kartelle der natürlichen Preistendenz entgegenwirken, noch bunden. Mit desto schärferer Wucht werden die gegensäglichen die Preise senten; es läßt sich auch, wenn man große Perioden ins nicht fällen. Der Eindruck, daß der Preispolitik der Kartelle Interessen bei dem nächsten industriellen Abstieg in die Erscheinung Auge faßt, eine entsprechende Tendenz ganz gut verfolgen. Aller- eine neue Direktion in der Preisbewegung zu danken ist, dings handelt es sich dabei nicht um eine regelmäßige Be- wird schärfer sich aufdrängen, wenn man den besonderen Umstand Die diesjährigen Produktionsziffern unserer Eisen- und Kohlen- wegung, im Gegenteil, die Preisturve unterliegt ganz erheblichen des Preisaufstieges im Jahre 1890 berücksichtigt. 1889 brach der industrie gehen über die vorjährigen wiederum erheblich hinaus. Es Schwankungen, sie stellt Höhen und Tiefen dar. Aber die letzten große Bergarbeiterstreit im Ruhrrevier aus. Lediglich hierauf zurückstellt sich Deutschlands Erzeugung für die Zeit vom Januar bis Höhenwellen scheinen doch immer etwas hinter der voraufgegangenen zuführen ist der hohe Preisstand für Roheisen und Kohle im Jahr 1890; August( einschließlich) in Tonnen: zurückzubleiben. Eine stark hervorstechende Ausnahme macht dabei die Preise gingen gegen das Vorjahr um fast 100 Proz. in die Höhe. Fleisch, dessen Preis seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts sich Sezt man die Preise von 1892 oder 1889 zum Vergleich her, dann fast ununterbrochen in aufsteigender Richtung bewegt. Die ziemlich wird das Preisniveau von 1900 als ein ganz gewaltiger Aufschlag gleichmäßige Bewegungslinie hat aber in den letzten Jahren sich darstellen, der die Entwickelung anscheinend wieder in rückin außerordentlich verstärktem Maße nach oben Unterbrechung läufige Bewegung bringt. Für die augenblickliche Preisbewegung erfahren. Daß eine gewisse Tendenz vorhanden ist, illustriert tritt markanter bei den Agrarprodukten eine Abweichung von der folgende eine Zusammenstellung, die fleine Vorbemerkung bisherigen Bewegungslinie hervor. Der Weizenpreis ging bis zu erheischt. Die aufgeführten Zahlen sind keine Wert, sondern dem borigen Höhenpunkte hinauf, und die Fleischpreise Inderziffern, berechnet nach dem Durchschnittspreis der betreffenden rückten ganz erheblich darüber hinaus. Die Inderziffer Ware für die Beit von 1879 bis 1888. Die Wertziffer des zehn- stellt sich für 1905 auf ungefähr 115. Dabei befinden Die Steigerung ist bei Braunkohlen aus dem ganz natürlichen jährigen Durchschnitts ist gleich 100 gesezt und danach sind die wir uns erst im Anfang der neuen Zollära, der in der Hauptsache Grunde nicht so start wie bei Steinkohlen, weil die Braunkohlen- Preise der verschiedenen Jahre berechnet. Auf Grund dieser Methode, der Grad der letzten Entwickelung der Preise landwirtschaftlicher industrie im Jahre 1905 gegen das Vorjahr eine gewaltige die ja auch noch zu Ausstellungen Veranlassung gibt, die aber Produkte zuzuschreiben ist. Bleiben die beiden Kräfte: Zolltarif Produktionszunahme erfuhr, während die Zunahme im Steinkohlen zweifellos ziemlich einwandfreie Vergleichszahlen für größere und Kartellpreispolitik in der gezeichneten Richtung weiter wirksam, bergbau verhältnismäßig gering war. Die Ursache für beide Er- Perioden geben kann, gewann Otto Schmitz Bewegung der dann hat die Arbeiterschaft schwer zu kämpfen, wenn sie von dem sheinungen war der große Streit im Steinkohlenbergbau im Januar Warenpreise" Berlin 1903 folgende Resultate: erlangten Niveau der Lebenshaltung nicht ganz erheblich zurüdund Februar 1905, der übrigens auch die Roheisenproduktion un Es betrug der durchschnittliche Jahrespreisstand: gedrängt werden will. treten. mehr in 1906 in Prozent 15,87 9,27 1905 1906 Steinkohlen. Braunkohlen Kots Briketts und Naßpreßsteine. Roheisen. 78 383 052 33 178 969 • 9 434 350 90 829 206 36 256 267 13 233 346 40,26 8 277 817 9 514 747 7 009 816 8 236 230 . 14,94 17,49 . WinterPaletots Vielseitigste Ausmusterungen neuester Erzeugnisse u. kleidsamster Fassons Viele Tausende Exemplare aparter Winter- Moden. Nur eigene Erzeugnisse! 65-, 60,55.50.- 45,-, 40.36, 30.-, 27.24.- 21.-, 18.15.- MK. 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Oktober, abends 8% Uhr, in Thiems feftfälen, Blücherftr. 61: mittags, Montags und Freitags bis 8 Uhr. Die Kollegen werden ersucht, die Bibliothek fleißig zu benutzen. Die Ortsverwaltung. Morgen, Montag, den 8. Oktober, abends 81/2 Uhr: Kombinierte Sitzung der Ortsverwaltung und der Kontrollkommission bei Stechert, Andreasstraße 21. Die Ortsverwaltung. Oeffentl. Wählerversammlung Zages Drdnung: 1. Unsere Kommunalverwaltung". Referent: Der Standibat bes Bezirts: Paul Dupont. 2. Freie Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet 239/ 4* Der Vorstand. Drechsler und Treppengeländerbrandhe. Achtung! Musikinstrumenten- Arbeiter Berlins. Achtung! Dienstag, den 9. Oktober, abends 8½ Uhr: Vertrauensmänner- Versammlungen in den Bezirken: Osten: bei Schneider, Friedenstraße 67. Südosten u. Südwesten: bei Stramm, Ritterstraße 123. Norden: bei Bergmann, Brunnenstr. 79. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Vertrauens. männer. Je de Werkstatt muß vertreten sein. Die Kommission. Stock- und Zelluloid- Arbeiter. Montag, don 8. Oktober, abends 5½ Uhr: Branchen- Versammlung= in den Rittersälen, Ritterstr. 75. Tages- Ordnung: 1. Bericht über die Zentralstelle der Heimarbeiter. 2. Werkstattangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Um rege Beteiligung bittet Der Obmann. Einsetzer! Donnerstag, den 11. Oktober, abbs. 8 Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Versammlung der Einsetzer Berlins und Umgegend. Zages Ordnung: ,, Der Tarif". Die Mitgliedsbücher des Verbandes, des Gewerkvereins und des Die Kommission. Einseßervereins legitimieren. Donnerstag, den 11. Okt., abends 8, Uhr, bei Habel, Bergmannstr. 5/7: Vertrauensmänner- Versammlung fämtlicher Ausbau und Möbel und Zeichnung auf inneren 94/7 arbeitenden Werkstätten Berlins. Tagesordnung: 1. Bericht der Vertrauensleute über Lohn- und Arbeitsverhältnisse. 2. Unsere Stellung zum Vertrage. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. 3. A.: Die Südwest- Kommission. Vereinigung der Musikinstrumenten- Arbeiter Berlins und Umgegend. Montag, den 8. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokale von Graumann, Naunynstr. 27: Werkstatt- Delegiertenversammlung Tages Ordnung: 1. Bortrag über: Welche Waffen stehen der Arbeiterschaft im Dienstag, den 9. Oktober, abends 8% Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15 ( großer Saal): Oeffentliche Versammlung. Zages Drdnung: 1. Der Kampf gegen die Firma Bell& Co. 2. Die Lohnbewegung der Klavierarbeiter in Stuttgart. 3. Verschiedenes. Das laffe des Korbmacher- Gewerbes ist nach Kommandantenftr. 61 berlegt worden. 276/9 Der Vorstand. J. A.: Carl Schwedler, Vorsitzender. Tuche Auch Sonnlags 94/18 von 8-10 12-2 Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung wird das Erscheinen sämtlicher Kollegen und Kolleginnen erwartet. Deutscher Holzarbeiter- Verband, Branche der Musikinstrumenten- Arbeiter. Freie Vereinigung der Musikinstrumenten- Arbeiter.. Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. Sonntag, 14. Oktober, vorm. 11 Uhr, in der Brauerei friedrichshain: Uebungs- Stunde. Folgende Lieder werden gesungen:" Sturm"( Uthmann)," Zukunftsblüten"( Gitow)," Frühlingsruf"( Zöllner)," Heimkehr“( Gelbke). Im Nebensaale: pünktlich 10 Uhr vormittags: Husfchuß- Sitzung. 16/16 Tagesordnung: 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Bundesangelegenheiten. Zur Beachtung! Diejenigen Bereine, welche vom Sängerfest noch nicht abgerechnet haben, werden wiederholt aufgefordert, diese Abrechnung bestimmt am 14. Oktober vorzunehmen. Der Vorstand. Verein Berliner Hausdiener gegründet 1883. geöffnet Damen KostümNeueste WeftenElegante FutterCheviots, Kammgarne für Herren. StoffReste englische Stoffe. Stoffe kolossal billig bet H.& J. Friedlaender, Berlin C., Molkenmarkt 12 Annoncen- Vorleger erhalten Extravergüt. + Sterben müssen alle Wanzen und Schwaben durch Reichels tödlich wirkende Spezialmittel und Der Teufel lacht dazu. Verstärktes Wanzenfiuid. Fl. 50f, 1-, 2-, 3,-. Literfl. 5,- M. Schwabenpulver ,, Poudre Martial" Bad. 50 Pf., 1,-, 2-, Pfd. 4-. Anerkennungen aus aller Welt. Sprühapparat 50 f. Einem Beschluß der Berliner Gewerkschafts- Kommiffion Rechnung tragend, sehen wir nunmehr die Man nehme in den Drogerien nur Urabstimmung über die Anschlußbedingungen fest auf Sonntag, den 7. Oktober 1906, von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 3 Uhr. Die Abstimmung erfolgt in nachstehend verzeichneten Lokalen: Name Krause Kuke Schulzki Straße und Nummer Straße und Nummer Name SW. S. Nostizstraße 8 Jerufalemerstr. 63 Dieffenbachstr. 31 SO. Reichenbergerstraße 145/146. Eisenbahnstraße 36a W. Schreiber Schwager H. Kraak J. Beckmann NO. N. A. Bachmann Böhowstraße 8 Franseckistraße 6 Lorkingstraße 10 Schulzendorferstr. 27 Gartenstraße 3 NW. Stromstraße 36 W. C. 0. Rird. Pannierstraße 9a Borhagenerstraße 26 Georgenkirchstr. 29 Andreasstraße 26 Rampfe mit dem Kapitalismus zur Verfügung?" 2. Diskussion. NO. 3. Berkstattangelegenheiten. Pünktliches und dringendes Erscheinen sämtlicher Delegierten Rösler Berger Merkowski E. Tilpe Lützowstraße 4 Nürnbergerstraße 24 Heiligegeiststraße 19 P. Beutel Langner Oskar Schröder Kuß G. Hütter G. Bagelow Nur derjenige Kollege darf wählen, der mit seinen Beiträgen nicht länger als aus allen Betrieben ist Ehrenpflicht. Wo ein Delegierter nicht vorhanden, zehn Wochen im Rückstande ist. hat ein Kollege die Pflicht, die Vertretung zu übernehmen. Vorzeigung des Mitgliedsbuches und genaue Ausfüllung des Abstimmungszettels ist 142/10 durchaus erforderlich. Die Vorstands- und Kommissionsmitglieder haben vollzählig zur Stelle zu sein. Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verhand Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin Hauptbureau: Bimmer 34, Amt 4, 8353. Engel- Ufer 15. Bimmer 1-5, Amt 4, 9679. die echten Originalpackungen mit Marke ,, Tod und Teufel". Otto Reichel, Berlin SO. 43, Eisenbahnstr. 4. Fernsp.- Anschl. IV 4751, 4752, 4753. Neu! In Neu! Hohen- Neuendorf 18765* ( Nordbahn) direkt an königl. 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Oktober 1906, abends 8½ Uhr: der Gold- und Silberarbeiter und verwandten Berufsgenossen im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15, großer Saal. Zages Ordnung: 1. Stellungnahme zu unserer Lohnbewegung. Referent Kollege Handke. 2. Diskussion. 154/4 Zahlstelle Berlin. Sonntag, den 7. Oktober, abends 6 Uhr, in den Industrie- Festsälen, Beuthstr. 20/21: Kombinierte Mitglieder- Versammlung. Zages Ordnung: Vortrag von Frau Wally Zepler: Erziehungsfragen und Jugendorganisation" " Gäste willkommen. Der Vorstand. Vortrag des Genoffen Davidsohn: Moderne Dichter!" Zentralverband der Steinarbeiter. Nach dem Vortrage findet ein gemütliches Beisammensein mit Tanz statt. Die Ortsverwaltung. Kollegen! Da es in Anbetracht der immer schlechter 170/11 werdenden wirtschaftlichen Verhältnisse notwendig ist, daß auch wir an eine Verbesserung unserer Lage denken, so ist es daher Pflicht eines jeden von Euch, ob alt, ob jung, nach dieser Bet Achtung! fammlung zu kommen. Die Ortsverwaltung. ArbeiterSamariter Kolonne. Winterkursus Der Kursus beginnt in dieser Woche in der 1906/1907. 1. Abteilung, Dresdenerstr. 45, am Montag, den 8. Oktober; 3. für Schöneberg und Umgegend bei Obst, Ballschuhmacher! Berlin I. Achtung! Sonntag, den 7. Oktober 1906, vormittags 10 Uhr, Dienstag, den 9. Oktober, vorm. 10 Uhr, im Lokal„ Königsbank", Große Frankfurterstr. 117: Oeffentliche Ballschuhmacher- Versammlung. Tages Ordnung: im Englischen Garten", Meranderstr. 27c. Mitglieder- Versammlung. Zages Drbnung: 1. Die Biele der Sozialdemokratie. Referent: Genoffe, Redakteur Paul John. 2. Neuwahlen des 1. Vorsitzenden und 1. Raffierers. 1. Bericht über den Ausstand der Ballschuhmacher. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom III. Quartal. 4. Verschiedenes. 3. Verschiedenes. Der Einberufer. Verband der baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands. XX Zweigverein Berlin u. Umg. Meiningerstr. 8, am Donnerstag, den 11. Oktober. Sektion der Töpferträger. Das Thema des ersten Abends in jeder Abteilung lautet: Ueber Anatomie( Bau des menschlichen Körpers)" mit Demonstrationen an Wandtafeln und Präparaten. Einschreibegeld 25 Pf. Monatsbeitrag 25 Pf. Die Bibliothet steht den Teilnehmern unentgeltlich zur Verfügung. Der Besuch des ersten Abends steht jedem als Gast frei. Die Lehrstunden finden in jeder Abteilung vierzehntägig statt nnd beginnen pünktlich 9 Uhr abends. Um zahlreiche Beteiligung erlucht Montag, den 8. Oktober, abends 8 Uhr: Mitglieder- Versammlung bei Wohlfahrt, Rosenthalerstr. 57. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen aller Töpfer261/4 träger notwendig. I.A.: Der Sektionsleiter, Der Vorstand. 46/14 Kollegen! Sorgt für Massenbesuch dieser Versammlung! Mitgliedsbuch legitimiert. 180/ 9* Der Vorstand. Am 20. Dktober findet in Noacks Theater, Brunnenstraße, unser Herbstfest ſtatt. Kollegen! Macht durch zahlreiche Beteiligung das Feft zu einem imposanten und genußreichen. Gesichtsausschläge beseit. m.über raf. Erfolge Obermeyer's Herba- Seife Bu haben in allen Apoth., Drog. u. Parf. p. St. 50 Pf. u. 1 Mr. Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berliner Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am Sonnabend, den 6. Oktober, verstarb unser Mitglied, der Kutscher Danksagung. Für die vielen Beweise treuer Freundschaft anläßlich der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes Adolf Herrmann sage allen Vereinen und den Genossen des Wahlvereins von Waidmannsluft und Umgegend, vor allem dem Genossen Arthur Stadthagen für am Empfehle allen Freunden und Bekannten zum bevorstehenden Umzuge usw. mein Glas-, Porzellan-, Steingut-, Nippes-, * Lampen- und Emaillewaren- Geschäft sowie sämtliche Küchen- Artikel zu den billigsten Preisen. Petersburgerstr. 41 bei der Landsberger Allee. wie dem Borfigwalder Gefangberein August Miclert, Gustav Kaiser für den Gefang am Grabe des EntLiebenwalderstr. 4. am Die Beerdigung findet Dienstag, den 9. Oktober, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Nazareth- Kirchhofes, Dalldorfer Chauffee, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 264/2 Der Vorstand. C. Fahrow, Ravenéstraße. Sozialdemokrat. Wahlverein Schöneberg. 6. Bezirk. Am Mittwoch, den 3. Oktober, verstarb plöglich an Herzschlag unser Mitglied, der Restaurateur Ernst Schwarz im Alter von 52 Jahren. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 7. d. Mts., nachmittags 14 Uhr, von der Leichenhalle des Schöneberger Friedhofes, Marstraße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung der Mitglieder ersucht 15/18 Der Vorstand. Sozialdemokrat. Wahlverein Schöneberg. Bezirk 8a. Am 3. Dftober verstarb plötzlich unser Mitglied, der Dachdecker Hellmuth Gralow. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. Oftober, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Zwölfapostel- Kirchhofs, Kolonnenstraße, aus nach dem Schöne berger Friedhofe, Marstraße, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 15/19 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Charlottenburg. Todes- Anzeige. Die Beerdigung unseres plöklich verstorbenen Genossen August Dieke findet heute nachmittag 3, Uhr schlafenen meinen besten Dant. 18845 Witwe Herrmann nebst Kindern. Hohen- Neuendorf( Nordbahn). Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Maurers Karl Hoffmann sagen wir allen Verwandten und Bekannten, besonders dem 6. Wahlverein, sowie dem Zentralverband der Maurer unseren herzlichsten Dank. Witwe Auguste Hotfmann nebst Kindern. Danksagung. 25882 Wir sagen allen Teilnehmern bei der Beerdigung meines Mannes, unseres Vaters hiermit unseren herzlichen Dank. Witwe Teichwedel nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Auguste Grosser fage hiermit allen Kollegen, Freun den und Bekannten, insbesondere dem„ Verband deutscher Gastwirtsgehülfen", dem Gesangverein des Berbandes deutscher Gastwirts gehülfen", dem Verband der freien Gast und Schankwirte Deutschlands" und dem Verband der Schnei der"( Konfektionsbranche) meinen innigsten Dant. 25892 Karl Grosser, Gastwirt, Dircksenstr. 39. Danksagung. Für die rege Beteiligung sowie die vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben im 41. Jahre verstorbenen Sohnes, des Schankwirtes Otto Wolff sage ich besonders den Genossen des Wahlvereins Pankow sowie den Mitgliedern des Gesangvereins ,, Echo" und allen Freunden und Bekannten meinen tiefgefühlten Dank. 2587 Die trauernde Mutter. Bei Sterbefällen bitte Kahls Sargmagazin. Eisenbahnstr. 37, zu beachten! Mäßige Preise. 25906 Blumen- und Kranzbinderei auf dem neuen Luisen- Stichhof von Aug. Krause ( Fürstenbrunner Weg) statt. Ehre seinem Andenken! 251/4 Der Vorstand. Zentralverband der Steinsetzer, Pflasterer und Berufsgenossen Deutschlands. Filiale Groß- Berlin 1. Unterbezirk Osten. Hierdurch zur Nachricht, daß der Stollege Hermann Bergholz verstorben ist. 18725 am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag nachmittags 3 Uhr von der Leichenhalle des städtischen Strankenhauses am Friedrichshain aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Arbeiter- Raucher- Bund Berlins und Umgegend. Hiermit die traurige Nachricht, daß unser Bundesmitglied Johann Werbelow aus slub Bolle Pfeife" am 4. b. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. d. M., nach mittags 3 Uhr, von der LeichenHalle der Zions-Gemeinde in Nieder- Schönhausen aus statt. 269/15 Der Vorstand. Statt besonderer Meldung. Für die zahlreichen Beweise der bei der Bestattung des Destillateurs August Fiecke zum Ausdruck gekommenen Liebe und Hochachtung für den Dahingeschiedenen fagen wir allen Beteiligten, darunter unseren lieben Stammgästen, Gästen und Freunden und Bekannten, dem Verein der Berliner Gastwirte, der Italienischen Kolonie-Tiedstraße, der Bereinigung der Droschtenführer Eichendorff- Ecke und den Lieferanten, insbesondere dem geistvollen Redner, Herrn Profeffor Dr. Gehrke, unseren tiefgefühltesten Dank." Im Namen der Hinterbliebenen Ww. Klara Fiecke 18925 geb. Raschke. Eichendorffstraße 22. Wienerstraße 7. Vereinsfränze, Palmen- Arrangements, Guirlanden usw. liefere zu den billigsten Preisen. 59082* PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für 137/13 Haut- and Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Dr. Schünemann Spezial- Arzt für 21032* Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. Eine Mark wöchentl. Teilzahlung liefere elegante, fertige Herren- Moden. 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Viele haben in den Kellerräumen einiger Der Angeklagte habe vor dem Untersuchungsrichter ausdrücklich er- Schulen und im Armenhause eine vorläufige Untermelden sich noch immer weitere klärt, daß er dem vor dem Staatsanwalt abgelegten Geständnis funft gefunden. Aber es Familien. Die Hauswirte find nichts hinzuzufügen habe. Der Richter habe es deshalb zu Un- obdachlose der Bes aufgefordert worden, sich zu melden, falls fie recht abgelehnt, dem staatsanwaltlichen Protokoll die Beweiskraft hörde eines richterlichen beizumessen. Diesen Gründen hat sich das Reichs- einen Raum, selbst einen Keller, zur Unterbringung von gericht im wesentlichen angeschlossen und die Sache deshalb zur Familien geeignet, zur Verfügung haben. Aber selbst solche Räume erneuten Prüfung an das Landgericht Freiburg zurückverwiesen. scheinen nicht einmal vorhanden zu sein. " Soziales. Beeinflussung der Aerzte durch die Unternehmer. Der Kapitalismus bringt es, wie man sieht, fertig, selbst neue Heilmethoden zu erfinden. Leutemangel als Seilmittel- wieviel Honorar verdient der Arzt, der auf solchen Wunsch der UnternehmerHonorar verdient der Arzt, der auf solchen Wunsch der Unternehmerschaft eingeht und ihn standesgemäß" nicht zurückweist? Vor der Strafkammer des Landgerichts in Freiburg i. Br. hatte sich gestern der katholische Pfarrer Michael Gaisert aus, Gündelwangen in Baden von neuem unter der Anklage der versuchten Berleitung zum Meineid zu verantworten, nachdem das Reichsgericht das freisprechende Urteil der Straffammer in Waldshut vom 13. März d. J. aus rechtlichen Gründen aufgehoben und die Sache zur erneuten Prüfung an ein Das Privateigentum an Grund und Boden gibt dem Besizer anderes Landgericht verwiesen hatte. Der Fall Gaisert, der weit die Möglichkeit, aus der unsinnigen Erscheinung, daß infolge dieses Privateigentums die Mehrzahl der Menschen ohne eigenes Heim und über die badischen Landesgrenzen Aufsehen erregt hatte, bildet ein Nachspiel zu dem mit großer Leidenschaftlichkeit, insbesondere Stätte sind, arbeitslosen großen Gewinn einzustreichen. Die Komzwischen dem liberalen Block und dem Zentrum, geführten ver- Der Seemann" veröffentlicht folgenden Brief des Kapitäns herrschend sind, sind gegenüber einem Wohnungsnotstand machtlos, munen, in deren Verwaltung die Interessen der Grundbesizer flossene.. Landtagswahlkampf. Bekanntlich hatten diese Wahlen vom Fischdampfer Frankfurt" an den praktischen Arzt Dr. Buba in so lange sie nicht selbst an die Erbauung von Wohnungen und Verzum badischen Landtage zum ersten Male unter dem allgemeinen, Nordenham: geheimen und direkten Wahlrecht stattgefunden und das Zentrum mietung derselben zum Selbstkostenpreis übergehen. " Herrn Dr. Buba! hatte gehofft, die absolute Mehrheit im Landtage zu erringen. Es Bitte den Matrosen C. Fischer vom Dampfer Frankfurt" zu Die Hädselmaschine ist„ Zubehör" des ländlichen Grundstücks gemäß waren daher auf seiten des Zentrums die größten Anstrengungen untersuchen. Bitte Herrn Doktor, wenn irgend möglich, denselben gemacht worden, unter anderem hatte der Führer des badischen § 98 II des Bürgerlichen Gesetzbuches. wieder nach See zu schicken, da die Leute knapp sind." Zentrums, Geistl. Nat Wacker, ein Rundschreiben an sämtliche Der Matrose Fischer, dessen Gesunderklärung so dringend wegen Zubehörteile, die, obgleich sie bewegliche Sachen sind, doch als katholischen Pfarrämter gerichtet, gegen die nichtkatholische Presse Leutemangel gewünscht wird, hatte sich den Fuß schwer verstaucht. zum Grundstück gehörig angesehen werden, haben stets einen wichtigen agitieren zu wollen. Auch auf der anderen Seite, die sich zu einem Seine Aufnahme in ein Krankenhaus oder eine längere Ruhepause Charakter, so auch in Versicherungsangelegenheiten. " Block der Linken" zusammengeschlossen hatte, wurden die größten erschien dringend notwendig. Dr. Buba ist offizieller Arzt der Fisch Versicherungsgesellschaft in Berlin einen Versicherungsvertrag für sein Ein ländlicher Stellmacher und Grundbesitzer war mit der AktienAnstrengungen gemacht, um einen Sieg des Zentrums zu vereiteln. Dampferreederei„ Nordsee". Der franke Mann bekam teine Die scharfen Gegenfäße, welche dieser heiße Wahlkampf hervor- Krankenhausbehandlung und konnte seinen verstauchten Fuß nicht Grundstück eingegangen. Und zwar ging der Vertrag dahin, daß der gerufen hatte, führten zu verschiedenen Strafprozessen, unter denen ruhen, sondern ihm wurden Einreibungsmedikamente verschrieben. Versicherungsnehmer gegen materielle Folgen förperlicher Unfälle verder Fall Gaisert das größte Aufsehen erregte. Pfarrer Nach Empfang des oben mitgeteilten Briefes erhielt er vom Arzt sem versicherten Grundstück und dem dazu gehörigen Trottoir be= sichert sein sollte, von denen Personen während des Aufenthalts auf Gaisert hat in seinem Orte Gündelwangen sehr eifrig für den Order, die Fangreise anzutreten! Zentrumskandidaten gewirkt und war am Wahltage von Haus zu troffen werden. Ausgeschlossen sein sollten Unfälle, welche durch den Haus zu ſeinen Pfarrkindern gegangen, um sie zu veranlassen, Betrieb gewerblicher oder industrieller Anlagen herbeigeführt werden. dem Landtagsabgeordneten Wittemann ihre Stimme zu geben für Unfälle im landwirtschaftlichen Betriebe aus. Nur die Haftpflicht oder, wenn sie das nicht wollten, wenigstens zu Hause zu bleiben benso schloß auch der Versicherungsnehmer auf Befragen die Haftung und nicht für den Nationalliberalen zu stimmen. So war Gaisert als Hausbesitzer verlangte er versichert durch Bejahung auf dem auch gegen Mittag zu dem Gastwirt Faller gekommen, der ihm Wie man Kellner auf patristischen Feierlichkeiten entlohnt. Fragebogen. durch Handschlag versichern mußte, daß er für den Am 6. Juni 1903 ereignete fich auf dem Grundstück des VerZentrumskandidaten stimmen werde. Diese Unterredung war von Vor kurzem wurde in Ostpreußen ein Bismarck 3- ficherten ein Unfall. Die 16jährige Tochter hatte Hädsel geschnitten dem Malermeister Kramer und seinen beiden Gehülfen Wolf und Turm eingeweiht". Obwohl für dieses Bauwerk schon seit Jahren und die Häckselschneidemaschine dann stehen lassen, ohne die SicherKraak, die gerade im Nebenzimmer zu Mittag azen, beobachtet in der eifrigsten Weise gesammelt worden ist, sind jetzt noch 7000 m. heitsvorrichtung einzuschalten. Ein Knabe, der auf dem Grundstück worden. Als dann später gegen die Wahl des Zentrumsabgeordneten Schulden zu decken. Dabei haben Kommunen Beträge aus den spielte, schnitt sich darauf drei Finger der linken Hand ab. Der Wittemann beim Wahlkommissar ein Protest wegen Wahl- Gemeindekassen( Königsberg bewilligte allein 1000 m.) genommen, Bater des Verlegten machte jetzt Ansprüche gegen den Inhaber der beeinflussung einlief, war auch dieser Vorfall angegeben worden damit wenigstens einige Mittel zusammen famen. Jetzt ist der Turm Maschine geltend und legterer verwies auf die Versicherung. Diese und Kramer wurde von dem Wahlkommissar zur Vernehmung vor in üblicher Weise der" Deffentlichkeit" übergeben worden. Am Ein- lehnte jedoch jede Haftung ab, da der Unfall nicht unter die beden Untersuchungsrichter vorgeladen. Er erhielt die Vorladung weihungstage fand in einem großen Etabliſſement in Königsberg dingungsmäßig übernommenen Fälle zu rechnen sei. Vielmehr habe am 16. Januar d. J. Am Tage darauf erhielt Kramer von eine Festlichkeit statt. Das Komitee hatte auf 2000 Besucher ge- er sich im landwirtschaftlichen Betriebe ereignet, wozu das Schneiden Gaisert einen Brief des Inhalts: rechnet; doch nur 600 Personen waren erschienen. Zu dem des Häcksels gehöre. „ Sollten Sie befragt werden über das, was fest war eine ganze Anzahl Kellner engagiert, die Das Landgericht Berlin erkannte daraufhin auf Abhatten und ich mit dem Wirte F. gesprochen habe, so können Provision bezahlt nun auf einen guten Verweisung der gegen die Versicherungsgesellschaft gerichteten AnSie dem Untersuchungsrichter ruhig sagen: dienst rechneten. Doch sie sollten in ihrer Hoffnung getäuscht werden. sprüche. Das Kammergericht Berlin entschied in demselben Sinne, Ich habe nichts davon gehört, ich habe im Ein Kellner hatte 30 Pf., einer 40 Pf. und einer gar indem es noch ausführte, daß die Gesellschaft haften würde, wenn Nebenzimmer mit meinen feine Tantieme zu verzeichnen. Dabei hatten die Kellner die ein herabfallender Dachziegel, eine schlechte Treppenstufe oder Leuten zu Mittag gegessen und nur auf dies Geschäft geachtet." Nacht hindurch nichts zu eſſen bekommen. Zuvor hatten sie an Glatteis die Verlegung herbeigeführt hätte, bei einer landwirtschaftMalermeister Kramer übergab diesen Brief bei seiner Ver- 3 wei Vormittagen unentgeltlich Vorarbeiten verrichten müssen. lichen Maschine könne eine Haftpflicht in diesem Sinne aber nicht nehmung dem Oberamtmann und die Untersuchungsbehörde Gine Mart Strafe war ihnen angedroht, falls sie nicht zur eintreten. Das Reichsgericht billigte diese Auslegung der Vorderfolgerte aus dem Schreiben den Versuch, den Zeugen zu einer Racharbeit erscheinen sollten. Natürlich weigerten sich die drei Kellner richter nicht und hob infolge Revision des Klägers das Urteil des falschen Aussage zu verleiten und gab die Aften an die Staats- angesichts ihres ganz geringen Verdienstes, Nacharbeit zu verrichten, Kammergerichts auf. Das Reichsgericht führte aus, daß die Beanwaltschaft weiter, welche gegen Pfarrer Gaisert Anklage wegen die natürlich auch unentgeltlich zu leiſten war. Als sie nach ihrem klagte bei Eingehung des Vertrages wußte, daß eine Vergehens gegen§ 159 des St.-G.-B., Verleitung zum Meineid, ohne kamen, wurde er ihnen nicht gegeben, sondern als Häckselmaschine sich auf dem Grundstück befinde und daß erhob, ein Vergehen, das mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren be- Strafgeld eingezogen. ihr bei Eingehung des Vertrages tein Zweifel darüber be= droht ist. Pfarrer Gaisert wurde in Untersuchungshaft genommen. stehen konnte, daß der Versicherungsnehmer diese mitversichert wissen In der vorigen Verhandlung, welche mit seiner Freisprechung wollte. Der Berufungsrichter habe das nicht untersucht, und müsse endete, erklärte der Angeklagte, daß der Brief nur bezweckt habe, er deshalb eine neue Prüfung eintreten lassen. In der neuen VerKramer, dem es unangenehm gewesen sei, in die Sache, hineinhandlung vor dem Kammergericht kam dieses nun zu dem Resultat, gezogen zu werden, vor Weiterungen zu bewahren. Wenn derselbe daß die Beklagte( die Versicherungsgesellschaft) hätte wissen müssen, gefagt hätte, daß er nichts wisse, was Kramer dem Vikar Fahrenbach daß ländliche Grundstücke wie dieses, der Landwirtschaft zu dienen versichert gehabt habe, so wäre wohl von einer weiteren Bernehmung bestimmt seien, wie es in ländlichen Bezirken stets üblich sei, daß desselben Abstand genommen worden. Außerdem aber habe er jeder etwas Landwirtschaft treibt. Die Häckselmaschine war also für nicht wissen fönnen, ob Kramer eidlich vernommen werden würde, den Versicherungsnehmer, der einige Kühe hält, unentbehrlich und da das badische Gesetz es dem Untersuchungsrichter freistelle, ob er müsse deshalb als zum Grundstück gehörig angesehen werden geeidlich oder uneidlich vernehmen wolle. Andererseits hatte aber mäß§ 98 Absaz II des Bürgerlichen Gesetzbuches. Pfarrer Gaisert dem Staatsanwalt eine Aussage gemacht, welche Die gegen diese Entscheidung des Kammergerichts eingelegte dieser als Geständnis auffaßte. Das Gericht hatte jedoch dem In Tilsit, der zweitgrößten ostpreußischen Stadt, ist der Revision wurde diesmal vom Reichsgericht zurückgewiesen. Die Ent letteren Moment kein Gewicht beigelegt. Gegen das frei- Mangel an kleinen Wohnungen so groß, daß sich bereits 50 o bda chscheidung ist für Kleinbesitzer von Erheblichkeit. ihre Die Kellner flagten nun vor dem Gewerbegericht und dieses berurteilte das Etablissement zur Zahlung von 2 bis 2,50 M. an jeden Kellner. Es entschied, daß die Kellner Anspruch auf Essen und auch nur an einem Vormittag Vorarbeit zu verrichten hatten. Dieses kleine Bild zeigt zugleich einen Einblick in die trostlosen Lohn- und Arbeitsbedingungen der Kellner. Sie müssen Provision zahlen, schwer arbeiten und hungern, wobei der Verdienst gar nichts oder nur wenige Bettelpfennige beträgt. Aber auch nach dem letteren streckt das Geschäft die Hand aus und erst das Gewerbegericht muß ihm sagen, daß auch Kellner entlohnt werden müssen. Wohnungsnot und Kommune. Preisausschreiben für die deutsche Arbeiterschaft. 5000 Mark Geldpreise, am 20. Dezember 1906 auszahlbar. Die Aufgabe ist folgende: 8 sollen die Vorzüge des Kathreiners Malzkaffee, speziell deffen Wert und 1191 Die Geldpreise sind: 5 Preise 10 Preise -Erster Preis: Zweiter Preis: Mart 500.= Mark 500." Dritter Preis: 300.200.-= 300." 200." " 100.500." " à 75.-= 750." " 15 Preise à 50.-500." U 20 Preise à 25.500." " 50 Preise 10.500." 100 Preise 5.1= 500." " 100 Preise à 2.50 250." " 500 Trostpreise à 1.500." 803 Preise = Mt. 5000.Bedeutung als tägliches Getränk für die arbeitenden Kreise geschildert und gekennzeichnet werden. Diese Darstellung muß geeignet sein, durch ihre Veröffentlichung neue Freunde und Anhänger für Kathreiners Malzkaffee in den ,, Arbeiterkreisen zu werben." Jeder deutsche Arbeiter und jede deutsche Arbeiterin kann sich an dem Preisausschreiben beteiligen. Wer sich um einen der Geldpreise bewerben will, muß bis zum 15. November 1906 einen Brief an Kathreiner's Malztaffee- Fabrit in München 712 mit der Aufschrift Preisausschreiben" senden, in dem er die Vorzüge von Kathreiners Malztaffee in seiner Weise schildert. Die treffendsten Acußerungen werden mit den angeführten Geldpreisen bedacht. " Die Preisarbeiten müssen leserlich und deutlich geschrieben sein und die volle Adresse und den Beruf des Einsenders angeben. Das Preisrichterfollegium setzt sich zusammen aus: zwei Arbeitern, einem Arzte, einem Lehrer und einem Mitgliede unserer Firma. Diejenigen, welche die ausgezeichneten Eigenschaften des zuträglichen ,, Kathreiner" mit dem würzigen, kaffeeähnlichen Wohlgeschmack noch nicht kennen, seien auf das praktische 10 Pf.- Paket hingewiesen, das man in den Kolonialwarengeschäften erhält und das sich vorzüglich zu einem billigen lohnenden Versuche eignet. Von großer Wichtigkeit für den Wohlgeschmack des Getränkes ist die genaue Befolgung der Kochvorschrift, die sich auf jedem Paket befindet! Das Adressen- Verzeichnis der Preisträger wird vom 20. Dezember ab auf Verlangen an jedermann unentgeltlich und portofrei abgegeben. Kathreiner's Malzkaffee- Fabriken München, 20. September 1906. Gesellschaft mit beschränkter Haftung. 2306 L* Dampfbettfedern- Reinigungs- Anstalt. Große Betten.10.50 bestehend in Deckbett, Unterbett, 2 Stiffen. Bessere Ausführung: 12, 15, 18, 22, 24, 27 M. Daunen- Betten 30, 33, 36, 42, 45 m. Füllkräftige Bettfedern pro Pfund 37 Pfennig. Mandarinen- Daunen pro Bfund 2 m. 25 f. 3-4 Bfd. genüg. 3. groß. 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Ziebung 4. Kl. 215. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 6. Oktober 1906, nachmittags. Nur die Gewinne über 192 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 199 539 68 613 23 716 39 96 1068 243 62 97 545 744 900 2066 532 609 710 805 3001 339 467 616 28 50 4085 126 85 205 405[ 1000] 766 822 44 965 5083 142 206 306 S 83 90 492 591 651 6101 301 61 78$ 32 7108 37 418 649 800 27[ 400] 59 947 S054 244 301 26 599 695 96 765 9001 206 33 540 677 895 10100 367 81 442 690 830 11050 242 343 80 437 78 1500 522 53[ 400] 705 12158 261 379 687 830 13115 82 326[ 400] 412 41 72 14190 252 524 71 674 968 15103 399 793[ 400] 822 16313 56 499 546 690 867 82 17011 55 117 64[ 500] 259 925 77 18158 355 57 58 1400| 92 596 670 96 732[ 500] 898 19297 537 45 48 620 48 77 896[ 400] 20042 138 241 897 446 702 58 847 21202 617 84 89 [ 400] 766 854 951 22013 555 23024 138 339 468 703 911 25 24003 104 61 62 626 748 25138 74 369 471 808 26122 64 364 537 692 756 901 34 71 27046 175 386 451 716 29 57 [ 400] 976[ 400] 28087 237[ 3000] 379 447 99 542 683 703 805 29069 104 55 243 351 62 464[ 1000| 503 30229 936 31213 45 457 684 848 32322 400 881 33165 80 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408 638 719 255297 784 818 80 256061 1000] 690 91 802 257183 215 1500] 33 94 384 435 608 258038[ 400] 323 92 633 259093 268[ 400] 321 555 745 71 260099 409 39 73 551 881 261007 133 388 720 72 262047 116 254 533 56 892 951 263027 416 584 735 998 264107 547 871 265216 398 624 147 1400] 706 71 802 38 266705 971 79 267172 227 432 622 23 761 812 268436 607 713 84 858 62 88 954 269183 432 656 720 85 93 930 68 270180 211 27 79 662 1400] 842 52 83 89 946 49 271142 291[ 3000] 310 13 442 628 754 272063 91 281 310 70 80 513 42 65 61S 75 700 31 76 273027 658 794 835 98 937 274322 471 89 525 28 31 777 275192 500 310 413 608 19 793 841 48 276475 529 63 631 53 68 744 85 277043 186 347[ 500] 539 55 632 49 895 278230 445 279080 254 678 99 780 809 939 280197 601 818 81[ 400] 928 1400] 281201 85 58 59 388 883 85 938 282307[ 500] 25 407 29 644 62 66 84 T4007 758 869 283068 124 290 316 478 573 656 746 894 284193 584 667 882, 99 285048 49 50 51 405 1000] 23 54 670-747 286064 180 239 478 626 287088 307 568 604 48 Im Gewinnrade verblieben: 1 Gewinn à 100 000 1 à 50 000 1 à 40 000 1 à 20 000 2 à 15 000 2 à 10 000 6 à 5000 10 à 3000 30 à 1000 51 à 500 145 à 400 Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Gloce, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlag anstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. r. 23 23. Jahrgang 5. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Tanz frei. Sonntag, 7. Oktober 1906. Am Mittwoch findet für Berlin und Vororte der Zahlabend statt. Partei- Angelegenheiten. Blutvergiftung infolge Fliegenstiche. Einer schweren Operation gebühr- Teilnehmer hat jede Beamtin zirka 93, in der Abteilung für der Belle- Alliancestraße schritt, wurde er von einem vorüberGrundgebühr- Teilnehmer zirka 180 Anschlüsse zu bedienen. Wie sausenden Automobil umgerissen und überfahren. Die Räder des bor einigen Tagen mitgeteilt wurde, hat Berlin jetzt 100 000 Kraftwagens gingen ihm über beide Füße hinweg. Schwerverlett Dritter Behlkreis. Heute, Sonntag, den 7. Oktober, abends Sprechstellen aufzuweisen. Hiervon entfallen auf die Ver- wurde der Verunglückte in das Krankenhaus am Urban ein 8 Uhr, findet n den Arminhallen, Kommandantenstr. 20, eine Ver- mittelungsämter 1 bis 7, bei denen auch die Vororte Schöneberg geliefert. fammlung für Männer und Frauen statt. Genosse Mag Schütte dem Oberpostbezirk Berlin unterstellten, in den angrenzenden Vorund Treptow angeschlossen sind, allein 88 000 Anschlüsse. Mit den spricht über:„ geschichte des Menschen". Nach der Versammlung orten befindlichen Vermittelungsämtern, wie Charlottenburg, mußte sich in der Charité der Gastwirt Berndt aus Köpenic untergemütliches Bſammenſein. Eintritt inkl. Garderobe 20 Pf. Tempelhof, Rixdorf usw., sind zirka 12 500 Sprechstellen verbunden. werfen. Mitte September wurde B. von einer Fliege in die linke Zu dem Fernsprechverkehr für Groß- Berlin fommen aber noch eine Hand gestochen, und da alsbald eine Anschwellung erfolgte, begab Ober Schneweide. Am Dienstag, den 9. Oktober, abends Anzahl Bororte in Betracht, welche dem Oberpostdirektionsbezirk sich der Gastwirt in ärztliche Behandlung. Trotzdem ließ sich nicht 8 Uhr, finit im Schloßpark Wilhelminenhof eine außerordent- Potsdam unterstehen, mit insgesamt etwa 5000 Anschlüssen, so daß verhindern, daß eine offene Wunde an der Hand eintrat und die liche Mitgliedeversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: das Berliner Fernsprechnet gegenwärtig einen Gesamtbestand von Blutvergiftung nach einer erst eingetretenen Besserung weiter um Bericht vom sarteitag in Mannheim, Diskussion und Verschiedenes. 105 000 Sprechstellen aufweist. Diese Zahl dürfte in hächster Beit sich griff. Auf ärztliche Anordnung wurde Berndt nach der Den Geoffen zur Kenntnis, daß der Bahlabend am Mittwoch eine nicht unwesentliche Erhöhung erfahren, da fortgesetzt Neu- Charité gebracht, wo ihm der linke Arm abgenommen werden ausfällt un die Beiträge in Wilhelminenhof entrichtet werden meldungen auf Herstellung von Anschlüssen bei der Oberpostdirektion mußte. können. Es wird erwartet, daß die Genossen diese Versammlung einlaufen. Ein folgenschweres Fahrstuhlunglüd, wobei vier Personen schwer zahlreich uni pünktlich besuchen. Am Dienstag, den 16. Oktober, ist In Sachen der Errichtung einer Fleischvernichtungs- und-Ver- verlegt wurden, hat sich gestern nachmittag auf dem Fabrikgrundbie regelmäige Bersammlung und wird Genosse Borchardt den wertungsanstalt durch die Stadt Berlin an Stelle der bisherigen stüd Dunderstr. 68 ereignet. In einem der Fabrikgebäude war der Zyklus von zorträgen über„ Die Parteien in Deutschland und die fiskalischen Abdeckerei in der Müllerstraße fand am Freitag in Personenaufzug nach der dritten Etage gefahren, um von dort Sozialdemoatie" beginnen. Der Vorstand. Freienwalde a. D. die Verhandlung vor dem Kreisausschuß des mehrere Leute nach unten zu befördern. In dem Fahrkorb beKöpeni. Eine öffentliche Versammlung findet am 9. Oktober Kreises Oberbarnim statt. Bekanntlich wird geplant, die Anstalt fanden sich der 34jährige Kaufmann Karl Rudolf, der gleichbei Scheertatt. In derselben spricht Genoffe Störmer über Glaube auf städtischem Rieselland in der Gemarkung Rüdniz bei Bernau altrige Konditorgehülfe Josef Birke, der 29 jährige Konditor und Vernift". Da in den letzten Wochen durch Ankauf eines Bau- zu errichten. Nach zweistündiger Verhandlung, in der die Stadt- Heinrich Munke und der 20 jährige Kaufmann Heinrich Görs. plages de Gemeindekirchenrat den Bau einer neuen Kirche in den gemeinde Berlin durch Stadtrat Fischbeck und Stadtbaumeister Raum hatten die vier Personen den Fahrstuhl betreten, Vordergrad gerückt hat, wird die Einwohnerschaft von Köpenick, Straßmann vertreten wurde, beschloß der Kreisausschuß, die vor so riß plöglich das Drahtseil und der Tragekorb stürzte mit Adlersho Grünau und Friedrichshagen ersucht, zahlreich in der liegenden Einsprüche teils als unerheblich, teils als unzulässig zurück- famt den Infaffen in die Tiefe hinab. Unter lautem Krachen Versammung zu erscheinen. zuweisen und die nachgesuchte Genehmigung zu erteilen. Auch fiel er in den Schacht. Durch das Getöse waren Hausbewohner wurde der Stadt Berlin das Recht zuerkannt, unbeschadet eines aufmerksam geworden und sie eilten nun hinzu, um die VerWesensee. Am Dienstag, den 16. Oktober, findet von nach etwaigen Retursverfahrens sofort mit dem Bau der Anstalt zu be- unglückten zu befreien. Sie wurden sämtlich nach der Unfallſtation mittags bis 8 Uhr im alten Ortsteil eine Nachwahl zur Gemeinde- ginnen. In derselben Sibung des Kreisausschusses wurde auf An- in der Schönhauser Allee gebracht. Rudolf hatte sch: vere innere Ververtreing statt, und es wird damit gerechnet, daß die Beteiligung frag Berlins gemäß den Bestimmungen des Ansiedelungsgesetzes legungen, Birke einen Oberschenkelbruch, Görs einen komplizierten eine grße wird. Es gilt den letzten Sitz der 3. Abteilung zu erobern. genehmigt, daß bei der neuen Anstalt, welche in freiem Felde ge- Unterschenkelbruch und Munke äußere Verletzungen und Quetschungen Pnkow. Am nächsten Mittwoch findet Zahlabend statt. Die legen ist, Wohnhäuser für Beamte und Arbeiter errichtet werden. erlitten. Die beiden ersteren wurden in ein Krankenhaus einBezivlokale find jetzt folgende: Bei Buge, Schulze str. 28, Da in diesen Tagen auch die landesgesetzliche Genehmigung für geliefert. berkecen die Bezirke Gorablankow( Schulzestraße) und Zeidler den Bau eines Anschlußgleises von der Staatsbahn zum Anstalts( Bremestr. 1-9 und 61-63); bei Ferdinand Hermann, grundstück eingegangen ist, so ist nunmehr begründete Hoffnung Brimestr. 56, die Bezirke Tigmer und Knop( Brehmestr. 10 vorhanden, daß das Unternehmen im Laufe des Jahres 1908 bollbis 0 sowie Rettig- und Gaillardstraße); bei Reuter, Schloß- endet wird und daß zu demselben Termin die Abdeckerei in der str ße, die Bezirke Lehmann( Breite-, Bart-, Mendel-, Damerow Müllerstraße verschwindet. und anliegenden Straßen), und Witte( Berlinerstraße nördlich der Bajn, Flomstraße zwischen Mühlen- und Berlinerstraße, Grunowin Schulfraße). Die Bezirke Laws und Keyser verbleiben im totale des verstorbenen Genossen Wolff; ebenso behalten alle mderen, nihtgenannten Bezirke ihre Lokale inne. Da hierdurch der lisher besandene Raummangel beseitigt sein dürfte, ersuchen wir, ie Zahlabnde zahlreicher wie bisher zu besuchen. Der Vorstand. geben brd. Berliner Nachrichten. Eine Ausstellung von Lehrlingsarbeiten solcher Tischler Lehrlinge, welche zum Oktoberquartal ihre Lehrzeit beenden, findet in der Zeit vom Montag, den 8. bis einschließlich Mittwoch, den 10. Oktober, in Kellers Saal, Koppenstr. 29, statt. Die Besichtigung der Ausstellung ist unentgeltlich. Reklame unter falscher Flagge. Ein schwerer Bauunfall hat sich gestern nachmittag auf dem Neubau des Kriegervereinshauses in der Chauffeestraße zugetragen. Dort stürzte der 61 jährige Buyer Franz Heinze aus der WerderStraße 63 aus der Höhe der zweiten Etage herab und zog sich schwere innere Verlegungen zu. Bei dem Sturze schlug er mit dem Kopfe auf eine vorspringende scharfe Kante und erlitt eine über den ganzen Schädel hinweggehende klaffende Rißwunde. In sehr bedenklichem Bustande wurde H. in das Moabiter Krankenhaus eingeliefert. Oberkörper erhalten. Auf dem Transport nach der Unfallstation in der Schönhauser Allee starb der Knabe. Die Urheber des Unfalles, zwei Schulfreunde des B., schieben die Schuld auf diesen selbst und geben an, mit der Patrone nur gespielt zu haben. Bei der Explosion einer Patrone getötet. Durch frevelhaftes Spiel von Schultnaben ist wieder einmal ein junges Menschenleben vernichtet worden. Gestern nachmittag fanden drei Knaben auf In der heutigen Zeit der großen Konkurrenz ist es für einen einem Grundstück an der Prenzlauer Allee eine gefüllte Patrone. Wilmersdorf. Die Parteigenossen machen wir darauf aufmert- Geschäftsinhaber oder einen Unternehmer eine ganz selbstverständ- Sie wollten nun nachsehen, ob die Hülse noch Pulver enthalte und am, daß sie am kommenden Mittwoch, den 10. d. M. stattfindenden liche Sache, seine Waren oder seine Veranstaltungen öffentlich an- einmal beobachten, welche Wirkung die Explosion eines derartigen Zahlabene bezw. Bezirksfizungen diesmal ausfallen, dafür zupreisen und für dieselben Reklame zu machen. Ohne Reklame Geschosses habe. Alle drei begaben sich nach dem Grundstück Prenzfindet im& uisen part, Wilhelmsaue 112, die regelmäßige kommt heutzutage kein größeres Unternehmen mehr aus und man lauer Allee 95 und machten sich in einem dortigen Pferdestall an die Mitglederversammlung des Wahlvereins statt, in der fann offen zugestehen, daß in manchen Fällen die Reklame sogar Ausführung ihres gefährlichen Vorhabens. Einer der Knaben Genoffe Bollermann den Bericht vom Mannheimer Parteitag einen fünstlerischen Anstrich hat. In der Regel beschränken sich Ge- schlug mit der Patrone fortwährend gegen einen Stein. D in der letzten Versammlung beschlossene Kunst a bend fchäftsinhaber darauf, ihre Reklame durch besonders in die Augen Plötzlich ertönte ein lauter Knall und einer der Knaben, findet m 3. November ebenfalls im Luisenpark statt. Das Pro- fallende Geschäftsschilder zu betreiben oder auch mit Zuhülfenahme der 12jährige Schüler Hans Burmeister wälzte sich in seinem gramnist ein gutes und reichhaltiges und werden die Genossen er- der Zeitungen durch Inserate oder Inseratenbeilagen ihre Ware dem Blute. Entsetzt über die furchtbare Wirkung eilten die beiden fucht, ir einen recht zahlreichen Besuch sowie Entnahme von Billetts laufenden Publikum anzupreisen. Eine Reihe von Geschäftsleuten anderen davon. Von einem Kutscher wurde B. in bewußtlofem Zua 60 f. Sorge zu tragen, um so der hiesigen Arbeiterschaft auch in läßt wiederum Handzettel Kleineren und größeren Umfanges ver- stande aufgefunden. Das unglückliche Kind befand sich in einer Zukurt Aehnliches bieten zu können. treiben, um Käufer anzulocken, und es gibt sogar Geschäfte, die beschrecklichen Verfassung. Das Gesicht war vollständig zerstümmelt, sondere Inferatenzeitungen herausgeben. Gegen die Reklame an die Ohren abgerissen und die Zähne herausgerissen. Es hatte die fich läßt sich nicht viel einwenden, vielfach fordert aber die Form, in die gesamte Ladung der Pulvermassen in das Geficht und in den der sie betrieben wird, zu lebhaften Protesten heraus. Zu einem solchen Protest nötigt uns ein Inferatenblatt, das gegenwärtig von Sotverordnetenversammlung und Lieferungen für die Gemeinde. den Möbel- und Warenkredithäusern A. Stretschmann u. Co., Berlin O, Wir berichteten am Donnerstag über eine Sitzung des Haus. Koppenstraße 4, am Schlesischen Bahnhof und M. Goldstaub Nachfl., bikervereins„ Süden", in welcher zu der obigen Frage Stellung Berlin O., Köpenickerstr. 195, herausgegeben und verbreitet werden. Vom Schwungrad zermalmt. Einen schrecklichen Tod fand gnommen wurde. Der Sizung hatte ein Schreiben des Schöne- Dieses Reklameblatt hat einen politischen, einen lokalen und gestern nachmittag die 21jährige Fabritarbeiterin Klara Lange aus frger Stadtverordnetenvorstehers Heyne vorgelegen, in welchem einen feuilletonistischen Teil eingerichtet und bringt in jeder Notiz der Gürtelſtr. 40. Das junge Mädchen war in der Fabrik von Geinen Beschluß gefaßt hat, nach welchem es nicht für wünschens- Borgängen und es wirkt geradezu widerlich, in einem solchen Zu Sicherheitsvorrichtung vorhanden ist, wurde die 2. vom Schwungrad mitteilte, daß die Schöneberger Stadtverordnetenversammlung seine Anpreisungen in Zusammenhang mit politischen und lokalen brüder Levinstein in der Köpenickerstr. 111 angestellt und kam gestern einer in Betrieb befindlichen Maschine zu nahe. Trotzdem eine bert erklärt wird, wenn sich Stadtverordnete an Lieferungen für sammenhang den Tippelskirchskandal oder die Person Podbielski erfaßt und mit herumgeschleudert. Die Bedauernswerte wurde ie Stadt beteiligen". Der Herr Vorsteher scheint aber, wie uns geschäftlichen Zweden dienstbar gemacht zu sehen. Eine geradezu furchtbar zugerichtet. Der Brustkasten wurde ihr eingedrückt, ein jaben, daß dieser schon im Dezember 1903 gefaßte Beschluß im blödsinnige Notiz ist die, in der gesagt wird, daß die Abnahme der Arm ausgeriffen und die Beine mehrmals gebrochen. Sie wurde Februar 1905 abgeändert worden ist. Der alte Beschluß hatte viel- Selbstmorde in Berlin sich bemerkbar mache, seit das Warenhaus sofort nach dem Krankenhause Bethanien gebracht, aber bereits auf ach zu Unzuträglichkeiten geführt, indem er von einzelnen Stadt- A. Kretschmann u. Co. am Schlesischen Bahnhof resp. M. Goldstaub dem Transport erlag sie den schweren Verlegungen. erordieten für ernst genommen wurde, andere wieder sich absolut Nachfl. besteht. Aber der Inhalt dieses Blattes ist es weniger, Durch den Sturz eines Pferdes der Omnibus- Linie 12 entnicht jaran tehrten, sondern weiter ihre Geschäfte mit der Stadt der uns zu unsern Bemerkungen veranlaßt, sondern die äußere stand gestern morgen in der Königstraße, nahe des Hohen Steinmachin. Diejenigen, die den Beschluß für ernſt nahmen, wünschten Ausstattung, in der das Reklameblatt hergestellt ist. Der Kopf diefes wegs, ein größeres Verkehrshindernis. Unglücklicherweise fiel das nun ie Aufhebung desselben und stellten im Januar 1905 einen Blattes" ist nämlich dem unserem Blatte täuschend ähnlich nachgeahmt. Pferd, welches auf dem schlüpfrigen Asphalt ausgeglitten war, bematsprechenden Antrag. Die Stadtverordnetenversammlung Es steht da zu lesen: Extra- Ausgabe und darunter„ Vorwärts", genau unter einen am Bürgersteige haltenden" staubfreien" Wagen des nahr aber nach längeren Debatten in namentlicher Abstimmung mit 39 gegen 10 Stimmen folgenden vom Stadtverordneten Dr. das Klischee unseres Blattes. Das kann nur den einen Zweck haben, Grundbesitzervereins. Den angestrengten Bemühungen gelang es ponGordon und von unseren Parteigenossen gestellten Antrag an: unter der Maste unseres Blattes bei dem Empfänger dieser Reklame nach 10 Minuten, das Pferd wieder auf die Beine zu bringen. Da um die Zeit, kurz vor acht Uhr, viele Angestellte ihren Bureaus usw. " Der Magistrat wird ersucht, entgeltliche zunächst die Meinung zu wecken, als habe er unser Blatt vor sich zuströmen, wurde die Störung schmerzlich empfunden. In wenigen srbeiten für die Stadt an Stadtverordnete und ihn so eher zum Lesen zu veranlassen. Wir brauchen wohl nicht Minuten hatten sich die Wagen der Großen Berliner" in langer icht zu übertragen, falls dies nicht durch ganz besondere erst zu sagen, daß wir mit dieser Geschäftsmarime der Herren Kretsch- Reihe angesammelt. Serhältnisse im Interesse der Stadt ausnahmsweise geboten er mann und Goldstaub Nachfl. nichts gemein haben. Entschiedenen cheint. Von solchen Ausnahmefällen ersuchen wir, der Stadt- Brotest müssen wir vielmehr dagegen erheben, unter falscher Flagge serordnetenversammlung Mitteilung zu machen." Infolge dieses Beschlusses legten damals gleich zwei Stadt- unter dem Titel unseres Blattes Geschäfte zu machen. Das ist ein trordnete ihr Mandat nieder. Dem Schöneberger Stadtverord- Unfug, der aufs schärfste gerügt werden muß. etenvorsteher scheint dieser Beschluß wohl unbequem geworden zu in; denn anders ist es nicht zu erklären, daß er völlig aus seinem sedächtnis verschwunden sein sollte. " " " Eine bankerotte ,, Volkskrankenkasse". Der Polizeipräsident macht bekannt, daß das Liquidationsverfahren über die Krankenkasse Helios" zu Berlin, Gingeschriebene Hülfskaffe Nr. 136, die sich am 30. Januar 1902 aufgelöst hatte, wegen Mangels an Mitteln eingestellt worden ist. Ansprüche gegen die Kasse können daher teine Berücksichtigung mehr finden. Ein dreister Inkassoschwindler ist im Südosten der Stadt aufgetaucht. Der gefährliche Bursche arbeitet in ganz raffinierter Gestohlene Brillanten. Eine Diebesgesellschaft macht in letter Weise. Er sucht diejenigen Personen zu ermitteln, die bei beWenigstens deuten berstimmten Kohlenhändlern und auch anderen Firmen Waren auf Beit den Westen von Berlin unsicher. Die Schwebebahn- Ausstellung" im Festsaale des Rathauses Kredit erhalten haben. Einige Tage später begibt sich dann der schiedene Anzeichen darauf hin, daß mehrere Diebstähle, die in den wird, wie die Kontinental- Gesellschaft für elektrische Unter- Betrüger nach der Wohnung des Käufers und tassiert den Betrag letzten Wochen erfolgten, von denselben Einbrechern verübt wurden. nehmungen mitteilt, bis einschließlich Mittwoch, den ein. Da er sich über die Einkäufe sehr informiert zeigt und äußerst In letter Nacht statteten sie dem Kaufmann Georg M. in der 10. d. Mts., an den Tagesstunden von 10 bis 3 Uhr für jedermann sicher auftritt, so glückt ihm fast stets sein Betrugsmanöver. Der Starnbergerstraße 2 einen unliebsamen Besuch ab. Sie erfletterten ur Besichtigung zugänglich sein. Schwindler erscheint entweder in Postuniform oder als Gas- bom Vorgarten aus den Balkon der im ersten Stock des Vorderines Schülers bei einem Ausfluge einer Schulklasse an den Geldbeträge für die betreffenden Kaufleute nur aus Gutmütigkeit seiner Familie in einem Hinterzimmer im tiefften Schlafe lag. Die Gemeindeschullehrer hatten sich aus Anlaß eines Unfalls anstaltsarbeiter, und gibt seinem Opfer gegenüber an, daß er die hauses belegenen Wohnung und verschafften sich durch Eindrücken der Balkontür Eingang in die Vorderzimmer, während M. mit Nagistrat wegen lle bernahme der Haftpflicht der einkassiere. Vor dem Betrüger kann nur dringend gewarnt werden. Die Diebe gingen mit der größten Gemütsruhe zu Werke. Sie 3ehrer, beziv. Uebernahme der Haftpflichtversicherung der zündeten ein auf dem Tische stehendes Licht an und durchsuchten Zehrpersonen, gewandt. Der Magistrat hat die Haftpflicht abdrei Zimmer auf das sorgfältigste. Alle Behälter wurden er= jelehnt, sich aber bereit erklärt, im Falle eines Prozesses usw. auf Als der Inhaber des Damenmäntelgeschäfts von Adolf brochen. Ihre Arbeit" lohnte sich. Sie fanden Goldsachen und Grund des Haftpflichtgesetzes den Konflikteinwand zu erheben oder B. Cohn, Kleine Jägerstraße 3/4, gestern früh in seinem Kontor Brillanten im Werte von etwa 30 000 m.; darunter ein Familienür die Kosten und Haftsumme aufzukommen. Nunmehr sind auch erschien, entdeckte er vor seinem Geldschrank die Leiche eines erbstück und ein Armband im Werte von allein 10 000 M. Die Die Lehrer der 11. Realschule mit einem gleichen Ersuchen an den Mannes, dessen Schädeldecke zertrümmert war. Die von ihm benachrichtigte Polizei stellte sofort Nachforschungen nach den Tätern Magistrat herangetreten. herbeigerufene Polizei stellte fest, daß von dem Toten, der den an, doch ist es bisher noch nicht gelungen, irgend eine Spur von Geldschrank bereits angebohrt hatte, ein Einbruch geplant war, ihnen zu entdecken. und daß der Einbrecher bei Benukung von Sprengmitteln den Tod gefunden hat. Die Polizei ist, gegenwärtig damit beschäftigt, den Toten zu refognoszieren und festzustellen, ob er bei dem Einbruch Somplicen gehabt hat. Wenn der Magistrat im Falle eines Schadenersatzanspruchs Den Konflikteinwand erheben will, so nur deshalb, um sich von einer ganz selbstverständlichen Verpflichtung zu drücken. Ein Einbrecher durch Sprengmittel getötet. Der Fluchtversuch eines Deserteurs erregte gestern mittag kurz vor 1 Uhr vor dem Brandenburger Tor einen gewaltigen Das Fernsprech- Vermittelungsamt VI, bekanntlich das größte Menschenauflauf. Durch zwei Sergeanten und einen Gefreiten Fernspregamt Europas, hat bei einem Fassungsvermögen bon bom vierten Garderegiment zu Fuß sollte in einer Droschke ein 124.000 Arschlüssen zurzeit 18 500 Teilnehmer aufzuweisen, während Von einem Automobil schwer verletzt wurde Freitagabend der Deserteur zum Anhalter Bahnhof transportiert werden, um in das Haupfernfprechamt nur 17 000 Teilnehmer besitzt. Zur Be- Musiker Artur Brosche, Linienstr. 116 wohnhaft. B. ist im Lorking feine Garnison zurückgebracht zu werden. Auf dem Plaze vor dienung der Anschlüsse und Leitungen ist nicht weniger als Theater engagiert, und als er vorgestern abend gegen 11 Uhr nach dem Brandenburger Tor fing der Deserteur plößlich an zu rasen, 500 Mam Personal erforderlich. In der Abteilung für Bausch- beendeter Vorstellung das Theater verließ und über den Fahrdamm| zertrümmerte sämtliche Fensterscheiben des Tarametercoupés un versuchte zu entfliegen. Die bor dem Tor postierten Schutzmanns. Posten sowie eine Patrouille der sofort alarmierten Torwache des Alexanderrcgiments überwältigten den Wüterich und schleppten ihn in das Wachtgebäude, von wo er später weitertransportiert werden soll. (Gesperrt wird das Bethanienufer von der westlichen Bauflucht der Adalbcrtstrahe bis zur Hausgrenze Nr. K/7 sowie die West- liche Hälfte der Ndalbertstraße, südlich der Brücke, bis Hausgrenze K7/ö8, behufs Umpflasterung vom 7. d. M. ab bis auf weiteres.— Ebenfalls gesperrt wird der nördliche Damm der Gitschinerstratze zwischen Brandenburg- und Prinzenstraße, einschließlich des Kreuz- dammes der Gitschinerstratze mit der Alerandrinenstratze, behufs Asphaltiernng vom 8. d. M. ab. Der Arbeiter, der am vorigen Sonnabend von der Gitschiner- straße bis Hermannplatz seinen Wochcnlohn verlor, heißt nicht Dahme, sondern D ä h n e, Rixdorf, Richardstr. 103, vorn III wohnhaft. Die Arbeiter-Samariter-Kolonne beginnt in dieser Woche ihren Winterlursns am Montag in der 1. Abteilung, am Donnerstag in der 3. Abteilung. Der Zweck dieses Kursus ist, die Teilnehmer zu unterrichten in der ersten Hülfe bei Unglücksfällen und plötzlichen Erkrankungen, sowie in den Grundzügen der Krankenpflege. Ein- geleitet wird der Kursus durch einen Vortrag über Anatomie(Bau des menschlichen Körpers), dem sich weitere Borträge über die ver- schiedenen Verletzungen und Erkrankungen anschließen. Die Vor- träge werden von bekannten praktischen Aerzten gehalten. Daran anschließend finden Fragebeantwortung und praktische Uebungen statt. Jeder Arbeiter und Arbeiterin sollte es für nützlich halten, sich nach dieser Richtung hin einiges Wissen anzueignen. Von wie großem Wert die Kenntnis des Samariterwesens ist, wird der- jenigc ermessen, der in die La�e kommt, einem verunglückten Kol- legen zu helfen. Namentlich die Frauen und Mädchen machen wir darauf aufmerksam, sich an den Kursen zu beteiligen, da sie weit eher in die Lage versetzt'werden, ein erkranktes Familienmitglied zu pflegen. Zur weiteren Ausbildung steht den Teilnehmern die Bibliothek zur Verfügung. Alles weitere siehe Inserat in der heutigen Nummer. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der neue mit zahlreichen farbigen Bildern ausgestattete Vortrag„Die Mosel- lande und ihr Weinbau", der Bilder aus Vergangenheit und Gegen- wart dieses sagenreichen gesegneten Stromes in reicher Fülle an dem Beschauer vorüberziehen läßt, am Sonntag, Montag. Donners- tag und Sonnabend zur Darstellung gelangen. Am Dienstag und Mittwoch finden Wiederholungen des Vortrages„Der jüngste Aus- bruch des Vesuv" statt, während am Freitag, anläßlich des Lbjahrigen Stiftungsfestes des Berliner Vereins für Luftschiffahrt zu Ehren der anwesenden Mitglieder der„Föderation internatio- nale aeronautique" Herr Dr. Naß einen Experimcntalvortrag über „Ballonfüllgase" halten wird und hinterher Herr Dr. P. Schwahn über den Vesuvausbruch 1906 sprechen wird. Am Montag findet noch einmal eine Nachmittagsvorstellung zu kleinen Preisen statt, und zwar wird der Vortrag„Im Lande der Mitternachtssonne" gehalten werden. Im Hörsaal beginnen in dieser Woche die ge- meinverständlichen naturwissenschaftlichen Vorträge, und zwar be- ginnt am Dienstag Herr Dr. von Unruh einen Zyklus von 10 Ex- pcrimentalvorträgen über„Technische Chemie" mit dem Vortrag „Grundlagen der Chemie", am Mittwoch Herr Dr. Scheffer einen Zyklus von 9 Vorträgen über ausgewählte Kapitel aus Theorie und Praxis der Photographie, am Donnerstag um 6 Uhr Herr Dr. Thesing einen Zyklus von 10 Vorträgen über die Grundlagen der allgemeinen Biologie mit dem Vortrag„Das Wissen vom Leben" und um 8 Uhr einen Zyklus von 10 Vorträgen über die Einführung in das Gebiet der allgemeinen und speziellen Zoologie mit dem Vortrag„Die Zellenlehre", und am Sonnabend Herr Dr. Donath einen Zyklus von 10 Experimentalvorträgen über die physikalischen Grundlagen der Elektrotechnik mit dem Vortrag„Der elektrische Spannungszustand". Die Vorträge beginnen, soweit dies nicht besonders bemerkt ist, abends 8 Uhr. Im Hörsaal der Urania-Sternwarte in der Jnvalidcnstratze beginnt Herr Dr. Ristenpart abends 8 Uhr einen Zyklns von 8 Vorträgen über mathematische Geographie mit dem Vortrag„Die Erde als Kugel". Die städtische» Fortbildnngsschnlen für Mädchen beginnen ihre Unterrichtsturse im bevorstehenden Winterhalbjahr am Mittwoch, den 10. Oktober. Der Schluß des Semesters erfolgt am 2A. März 1907. Die Schulen befinden sich: 1. Friedenstraße 23; 2. Hochstraße 4; 3. Langestraße 76; 4. Turmstratze 75; 5. Gubenerstraße 51—52; 6. Culmstraße 15; 7. Manteuffelstraße 7; 8. Dan- zigerstraße 23; 9. Elisabethkirchstraße 19. Der Unterricht wird an den Wochentagen abends, an den Sonntagen vormittags erteilt. Die Schülerinnen haben für den gesamten Unterricht ausschließlich des Unterrichts im Plätten und Schneidern monatlich 50 Pf. im voraus zu zahlen. Schülerinnen, welche auch am Plätten oder Schneidern teilnehmen, zahlen monatlich 1 M. Diejenigen, welche am Plätten und Schneidern zugleich teilnehmen, haben monatlich 1,50 M. zu zahlen. Für Französisch und Englisch sowie kaufmännische Korrc- spondenz stnd halbjährlich soviel Mark im voraus zu zahlen, als Stunden in den betreffenden Kursen wöchentlich erteilt werden.— Für den Unterricht in der Stenographie, sowie im Maschinen- schreiben toird ein Schulgeld von je 50 Pf. monatlich erhoben. In der 5. Fortbildungsschule, Gubenerstraße 51—52, wird auch Unterricht im Kochen erteilt. Für diesen Kursus haben die Schülerinnen ein Schulgeld von 4 M. halbjährlich zu zahlen. Außerdem besteht eine Fortbildungsschule für schwach beanlagte Mädchen in der Brunnenstraße 186. Hier wird Unterricht erteilt in weiblichen Handarbeiten, Deutsch und Rechnen. Der Unterricht an dieser Schule wird unentgeltlich erteilt. Anmeldungen von Schülerinnen nehmen die Leiter der ge- plannten Schulen entgegen. Auf der Treptow-Sternwarte spricht Herr Direktor Archenhold am Sonntag, den 7. Oktober, nachm. 5 Uhr, über:„Allgemeine Meteorologie", abends 7 Uhr über:„Neueste Ansichten über Ko- meten und Sternschnuppen". Das Thema für den Montagsvortrag, abends 9 Uhr, lautet:„Die Bedeutung der Astronomie für Staat und Kultur". Alle drei Vorträge sind mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet.— Mit dem großen Fernrohr wird während der ganzen Woche nachmittags die„Sonne" und abends der„Saturn" be- pbachtet. Im Sportpark Steglitz werden am heutigen Sonntag fünf ver schnellsten Fahrer starten, die gegenwärtig auf dem Kontinent sin?, und zwar die beiden Franzosen Guignart und Contenet. der Weltmeister R o b l, der Holländer D i ck e n t- mann und der Berliner Demke. Feuerbericht. Wegen eines Kellerbrandcs wurde der 7. Zug gestern nach dem katholischen Vereinshause in der Rüdersdorfer- straße 45 gerufen. Stroh und Kisten brannten dort. Derselbe Zug hatte dann noch in der Brombergerstraße 15— 17 zu tun, wo auf dem Kohlenplatz von Koch Feuer ausgekommen war und am Oberbaum Nr. 2, wo auf einem Balkon Feuer ausgekommen war. Im Eifenbahnbogen 61 an der verlängerten Schönebergerstratze brannte Petroleum und in der Wilhelmshavenerstraße 54 Gardinen und Möbel. Im 2. Stock des Porderhauses Friedrichstraße 69 mußte ein Brand gelöscht werden, der in einem Zimmer aus- gekommen war; Kisten waren dort in Brand geraten. Werg und anderes wurde in der letzten Nacht in der Weinstrahe 9 ein Raub der Flammen. Am Elisabethufer 19 kam in einem Pferdestall Feuer aus. Stroh und anderes wurden ein Raub der Flammen. Außerdem wurde die Wehr noch nach der Novalisstraße 16 und anderen Stessen gerufen, Vorort- Nachrichten. Schöneberg. I» den Sumpf geraten. In großer Lebensgefahr schwebte Efilfießeni mchwittqg dex SgstMglln R. ans der Tempelhoferstraße. Er war mit einem Freunde durch die Mühlenstraße in Schönebcrg gegangen und geriet, als er etwas abseits schritt, auf das gefürchtete Sumpfgebiet, das schon so manches Opfer gefordert hat. Vor den Augen seines Begleiters sank er plötzlich in den Sumpf ein und durch die Versuche, sich selbst zu befreien, geriet er immer tiefer hinein. Schließlich war er bis zu den Schultern in die gefährliche Masse hinabgesunken. Da der Begleiter zur Rettung seines Freundes allein nichts ausrichten konnte, rief er mehrere Arbeiter zu Hülfe, und nach langen Bemühungen gelang es endlich, R. zu befreien. Der Bedauernswerte war bereits völlig erschöpft. Steglitz. Aus der Gemeindevertretung. Den Hauptpunkt der gestrigen Tagesordnung bildete der Bericht der eingesetzten Kommission für Errichtung eines Wohnungsamtes. Der Antrag hat bereits das ehrwürdige Alter von zwei Jahren erreicht; wie die Abstimmung ergab, war das eine von der Hausbesitzermehrheit gnädigst gewährte Galgenfrist, bevor die Guillotine dem anscheinend gefährlichen Ding ein schmerzloses Ende bereitete. Dafür genoß der Antrag aber auch den seltenen Vorzug zweier Leichenreden, indem man neben dem Referenten noch einen Korreferenten reden ließ. Der letztere kam zu dem Schluß, daß, wenn das Bau- amt seine. Pflicht erfüllt, für Steglitz ein Wohnungsamt nicht er- forderlich ist, da Mißstände im Wohnungswesen hier nicht bestehen. In der zweistündigen Debatte wurden die Gründe für und gegen mit anerkennenswertem Eifer ins Feld geführt. Das vorausgesehene Ergebnis war die Ablehnung eines Wohnungsamtes durch die Grundbesitzermehrheit, deren Standpunkt der Korreferent vertreten hatte. Näher auf die interessante Diskussion einzugehen, müssen wir uns leider aus Raumrücksichten versagen. Nur einige Sätze des Bürgermeisters B u h r o w zur Begründung der Ueberflüssigkrit einer Wohnungsüberwachung müssen festgehalten werden. Auf die Behauptung, daß es auch in Steglitz an kleinen Wohnungen mangle und daß auch hier in einzelnen Häusern bedenk- liche Mißstände vorhanden seien(u. a. soll auf einem Grundstück der Düppelswaße ein Hinterhaus existieren, das überhaupt keinen Abort hat, so daß die sämtlichen Mieter, 7—8 Familien, einen solchen des Vorder- Hauses mitbenutzen müssen), erwiderte Herr Buhrow in klassischer Weise, daß ihm amtlich von einer Knappheit an kleinen Wohnungen nichts bekannt sei. Daß einzelne Mißstände vorhanden seien, sei mög- lich; so sei auch ihm vor zirka zwei Jahren ein Fall gemeldet worden, wo sieben Familien ein einziges Klosett benutzen mußten. Er habe sofort eine Untersuchung angeordnet. Ob dieser Mißstand beseitigt sei, so fügte er vorsichtigerweise hinzu, könne er jedoch nicht behaupten. Man braucht wahrhaftig kein Talleyrand zu sein, um aus diesen Worten die zwingende Notwendigkeit für die Errichtung einer daueniden Wohnungskontrolle zu folgern. Nach Erledigung der Tagesordnung interpellierte Herr Weinhausen den Gemeinde- Vorsteher über den Termin der Gemeindenachwahl im zweiten Bezirk. Die Antwort lautete, daß der Gemeindevorstand beschlossen habe, die Wahl noch in diesem Monat vorzunehmen. Nunmehr er- suchte Weinhausen, die Wahlen bis zum Februar nächsten Jahres zu verschieben, damit dann die im Januar zu berichtigende Wählerliste benutzt werden könne. Außerdem mache sich durch Verzug eines Gemeinde- Vertreters zum Januar eine Nachwahl nötig und vielleicht sei bis dahin auch die Klage gegen die Wahl im ersten Bezirke erledigt, so daß die Bürgerschaft dann nur eine Wahl anstatt drei über sich ergchen zu lassen brauche. Herr Buhrow versprach, dem Gemeinde- vorstand den Wunsch vorzutragen. Die Scheu des Mietervereins vor zu vielem Wählen ist nach früheren Aeußerungen seines Führers verwunderlich. Sollte in der Kasse des angeblich„über tausend Mitglieder zählenden Mietervereins" russische Ebbe sein? Kann der bei der Stichwahl in, März d. I. Hülse leistende„Reichsverband" nicht mit ein paar Mark aushelfen? Unter polizeilicher Aufsicht steht jetzt die Fabrik der Firma G ö rz, in der bekanntlich ein Teil der Arbeiter streikt. Gestern war die gesamte Gendarmerie von Steglitz vor dem Gebäude postiert; ob zur Ueberwachung der„Roten" oder der„Gelben", konnte man nicht erfahren. Köpenick. Zwölf Tiere in den Flammen umgekommen. Auf Brandstiftung ist ein großes Schadenfeuer zurückzuführen, das gestern in Köpenick ausbrach. In dem Stadtteil„Anitsfeld" befindet sich ein kleiner Komplex von Stallungen, in denen auch einige Geschäftsleute ihre Pferde untergebracht haben. Am gestrigen frühen Morgen brach in einer der Stallungen plötzlich Feuer aus und schon nach kurzer Zeit stand sie mit samt den zunächst angrenzenden Gebäuden in hellen Flammen. ES erschienen die Feuerwehren von Köpenick und aus den Nachbarorten, doch konnten sich die Löschmannschaften nur darauf beschränken, die noch nicht in Brand geratenen Bauwerke zu ichützen. Das verheerende Element hatte mit derartiger Schnelligkeit um sich gegriffen, daß nur wenige der in den Ställen befindlichen Tiere ge- rettet werden konnten. Drei Pferde, zwei Schweine, zwei Füchse und fünf Ziegen kamen in den Flammen um. Ein tragischer Vorfall hat sich gestern in der Grünauerstr. 18 zugetragen. Dort wohnt der Maschinist Stieler mit seiner 25jährigen Frau und einem kleinen Knaben. Seit etwa 14 Tagen lag die junge Frau an Gelenkrheumatismus' danieder und hatte qualvolle Schmerzen auszustehen. Gestern nachmittag verschlimmerte sich ihr Zustand wieder derartig, daß der Ehemann schleunigst zum Arzt eilte. Als er wieder zurückkehrte, wurde ihm eine furchtbare Ueberraschung zuteil; er mußte seine Frau als zerschmetterten Leichnam wieder- sehen. Die Unglückliche war in ihrem Schmerze ans Fenster ge- sprangen und hatte sich auf die Straße hinabgestürzt. Mit ge- brochenen Gliedern blieb sie tot liegen. Nicder-Schönhausen. Erschossen wurde in de- gestrigen Nacht 1% Uhr an der Ger- manen- und Teutonenstraßenecke der 32jährige Tischler Rud. Koch. Ueber den Vorgang wird folgendes berichtet: Koch, der von einer Festlichkeit kam, wurde, als er ein Stück von der Schönholzcr Heide entfernt war, von einem Manne angesprochen. Einige Bewohner wollen alsdann einen Wortwechsel zwischen beiden gehört haben, nach welchem schließlich der Schuß gefallen ist. Koch stürzte am Kopf getroffen tot nieder, während der Täter die Flucht ergriff. Der Verdacht richtete sich sofort auf den bei der Firma Exner an- gestellten Wächter Stritzkc, welcher um die Zeit in angetrunkenem Zustande gesehen worden ist. Koch ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Ter sofort herbeigerufene Arzt Dr. Beulshausen konnte nur den gleich nach dem Schuß eingetretenen Tod feststellen. Bei den Ermittelungen, die gestern früh an dem Tatort vor- genommen worden sind, wurde festgestellt, daß Koch an einen Ueber- fall nicht gedacht hat, da der Tote mit der linken Hand in der Hosentasche aufgefunden wurde, Spandau. Stadtvcrordncteiiversammlmig. Nach Mitteilung einiger ein- gegangener Schreiben und einer kurzen Gcschäftsordnungsdebatte wird die Vorlage, Erstattung von 69,50 M. Umzugskosten an den Regierungsbaumeister Stubbe, nachdem sich Stadtv. Schob dagegen wendet, abgelehnt. Angenommen wird die Vorlage: Bewilligung von 300 M. zur Beschaffung einer Rechenmaschine. Eine längere Debatte ruft der nächste Punkt: Bewilligung eines einmaligen Bei- träges von 8000 M. zu den Baukosten des Kinder- und Jugend- heimS.Sonnenhof Kaiser Wilhelm II." hervor. Der Berichterstalter Stadtv. Mathias teilt mit, daß sich der Vorstand des Vereins für Kinderhort Spandau-Neustadt um eine Unterstützung an den Magistrat mit einem Gesuch gewendet habe. Der„Sonnenhof" soll der Jugend aller Bevölkerungsklassen dienen. DaS Grundstück ist seinerzeit vom Kriegsministerium für 12 000 M. angekauft worden. Für den Bau sind 104 000 M. zu bezahlen, die Einrichtung kostet 15 000 M., wozu aus der kaiserlichen Schatulle 44 000 M. gespendet worden sind� Durch private Sammlungen sollen 7000 M. aufgebracht und 60 000 M. als Hypotheken eingetragen werden. Der Nest sowie Verzinsung soll eventuell durch eine jährliche Lotterie aufgebrüht werden. Vorsteher Schröder meint, wenn der Mag�kratsvorlage zugestimmt wird, wird sich die Versammlung nicht tv'cgern können, auch anderen Kinderhorten Zuwendungen zu machen.. Stadtv. Dr. Engelhardt beantragt 4000 M. zu bewilligen. GenosseSchmidt ver- trat den prinzipiellen Standpunkt, daß eine solche Einichtung nicht Sache privater Wohltätigkeit sein könne, sonder es Pflicht der Kommune sei, ein eigenes Heim zu bauen. Ines erklärt er mit seinen Freunden für die Vorlage stimmen zu wllen. Stadtv. Grube empfahl, 5000 M. zu bewilligen. Genosse Piekregte an, daß es doch besser wäre, wenn sämtliche Pflegekinder do Privatpflege entzogen und dort untergebracht würden. Der Artrap, 5000 M. zu bewilligen, wird hierauf angenommen. In den �ctnvorsiand der kaufmännischen Fortbildungsschule wird nach dem ilntag des Aus- schusses Stadtv. Scholz gewählt. Ueber den Fiiaabschluß für 1905 berichtet Stadtverordneter Schulze I. Die Überschüsse der Kämmereikasse seien hauptsächlich durch die hohen Slverbeträge der Firma Siemens u. Halske entstanden, nach Uebersiedüng der Fabrik- anlagen an, Nonnendamm. Die Ueberschüsse setze, sich ivie folgt zusammen: a) bei der Kämmereikasse 239 970,56 b) bei der Gaskasse 25 254,23 M., c) bei der Wasserwcrkskasse 32 481,59 M., d) bei der Kanalisationskasse 9738,59 M., e) bei d, Elektrizitätskasse 1020,69 M. Von den Ueberschüpen zu a) soft, überwiesen werden: 11000 M. de», StraßcnregulierungsfondS. 2500M. dem Baufonds einer Turnhalle, 3970,56 M. dem Grundstücksertrcbungsfonds, 75 000 M. sollen für das Etatsjahr 1907 vorgetrzen werden. Der Rest soll dem zu bildenden Steuerausgleichfond überwiesen werden. Zu b— e sollen die Ueberschüsse dem z bildenden Reservefonds überwiesen werden. Dem Vorschlag des Referenten, wonach die übrigbleibenden 125 000 M. aus der Kämmreikasse dem zu bildenden Steuerausgleichsfonds überwiesen werde., öllcn, tritt Stadtv. Thomas mit dem Bedenken entgegen, daß die'ufbesserung der Gehälter und Löhne der Beamten und Arbeiter gro, Ausgaben verursache. Genosse Schmidt beantragt, 20 000 M. zu, Gründung einer Walderholungsstätte zu bewilligen, dem siä Justizrat Bannert anschließt. Die Abstimmung über die Ant.ge ergab zunächst die Ablehnung des Antrags Schmidt. Da für stimmten außer den anwesenden vier Genossen die Herren Duksch, Zchulz II' und Baumert. Die bei der letzten Stadtverordnetenwahliurch die Staatswerkstättenarbeiter in die dritte Abteilung gewähl»„auch Arbeiter" Tietze, Schulz, Löwe, Schmidt II, Grube un Schob stimmten gegen den Antrag und dokumentierten damit, daß'e alles andere, nur nicht die Interessen der Arbeiter vertreten. Eiivintrag des Stadtv. Lüdicke, 75 000 M. einen, zu bildenden Ausgleihfonds zn überweisen und die Magistratsvorlage in vorgeschlagener ßssung zu belassen, wird angenommen. Nach Erledigung einer Rcie un- wesentlicher Punkte werden in die gemischte Deputation fü>Vor- beratung eines zu schaffenden städtischen Arbeitsnachweise- die Stadtv. Adler, Grunow und Genosse Hornig gewählt. Es olgt geheime Sitzung. Potsdam. Das GcwcrkschaftSkartell beschäftigte sich in seiner an Donnrs- tag bei Ladenthin abgehaltenen erweiterten Sitzung mit der A,s- nähme einer Statistik durch die Gelvcrkschasten, um die Orcanisatio�- Verhältnisse und die von der hiesigen Arbeiterschaft gelesene, Zeitungen außer dem Verbandsorgan festzustellen. Die sich Hiera, anknüpfende Debatte über das Verhältnis zwischen Geserkschaftei und Partei brachte ein für die hiesige Arbeiterbewegung-rfteulichet Resultat.— Zur Frage der Baukon trollko mn i s s i o n teilte der Vorsitzende mir,' daß ihm die Delegierten der vrschiedenen Bauberufe noch immer nicht vollständig mitgeteilt seien. 5s ist not- wendig, daß dies nunmehr umgehend geschieht.— Zwecks ijnindung einer gemeinsamen Arb eiterbibliothek sollen die öjher noch bestehenden zwei Gewerkschaftsbüchereien mit derjenigen«s Wahl- Vereins vereinigt werden.— Ueber die mit Unterstützung d, hiesigen Behörden betriebene Agitation der„Christlichen" in den tätlichen und städtischen Betrieben machte der Vorsitzende, Gcnos Hugo Krakau, recht erbauliche Mitteilungen. Sie beweisen ebenso wie diejenigen des Genossen Köbe über die hoangs- maßregeln des Landrats wider unliebsame Arbeix in dem benachbarten Eiche, wo der den fteien Gewerkschaften tn den „Patrioten" angedichtete.Terrorismus" in Reinkultur gezüchüwird. An der organisierten Arbeiterschaft wird es liegen, diese Treifteieu des„Reichsverbandes" durch weitere Aufklärung in den indiffe-nten Kreisen zunichte zu machen. Die weitere Verbreitung der Prtei- presse wird diese Aufklärungsarbeit am besten unterstützen. Smdns-Teinmg. Eheliche Zerwürfnisse bildeten den Ausgangspunkt einer n« glückseligen Tat, die den Arbeiter, früheren Krankenwärter Andres Krämer unter der Anklage der Körperverletzung mt tödlichem Ausgange vor das Schwurgericht de- Landgerichts I führte. Der Angeklagte ist früher Wärter, dan Oberwärter bei der königl. Charite gewesen, er ist völlig ur beschälten und ihm wird von allen Seiten das allerbeste Zeugnt gegeben. Er heiratete im September v. I. ein Mädchm, mi dem er schon längere Zeit ein Liebesverhältnis unterhielt E hatte das Mädchen sehr lieb und heiratete es auch, um ein diesen Verhältnis entsprossenes Kind zu legalisieren. Die Ehe Nar an fangs sehr glücklich. Dunkle Schatten fielen erst auf sie, cls eir Vetter des Angeklagten, der Schneidergesclle Buttgereit, als Schlaf bursche zu dem Angeklagten zog. Nach einiger Zeit wurde, ihm von Nachbarsleuten Andeutungen darüber gemacht, daß sein- Ehe- frau ihn mit dem Schlafburschen zweifellos hintergehe. Die Zache ging dem Angeklagten sehr nahe, er machte selbst allerlei ver- dächtige Wahrnehmungen und schließlich legte er sich am 29.Mai auf die Lauer und wurde auf diese Weise Ohrcnzeuge einet Ge- sprächs zwischen seiner Ehefrau und dem Schlafburschen, dasihm die Treulosigkeit seiner Frau zu bestätigen schien. Es kam darbcr an jenem Abend zu einer heftigen Szene, bei welcher der lln- geklagte seiner Frau ein paar Ohrfeigen gab. Der Schneidergslle kam der Frau zu Hülfe und ging sogar mit einer Eisenstange ms den Angeklagten los. Der Angeklagte blieb infolge der furchtbaen Erregung, in die er versetzt war, die ganze Nacht auf und g,g ruhelos im Zimmer auf und ab. Am nächsten Tage ging er uf seine Arbeitsstätte. Seine Abwesenheit benutzten seine Ehcfru und der Schlafbursche, um mit Betten und einem Teile der Sach, aus der Wohnung zu verschwinden. Als der Angeklagte oben; von der Arbeit heimkehrte, fand er das Nest leer und hörte von d: Portierfrau, was inzwischen vorgegangen war. Der Schlüssel z seiner Wohnung wurde ihm von einem fremden Mädchen zugestell dem er von der Ehefrau übergeben worden war. Der Angeklagt war ganz konsterniert, seine Erregung steigerte sich noch, als c zunächst vergeblich sein Kind suchte. Als er hörte, daß dieses be einer alten Frau untergebrackt worden, stürzte er dort hin, nahn das Kind auf den Schoß und weinte lange Zeit bitterlich. In zwischen erschienen der 16jährige Sohn des Schneidermeister, Breetz mit einem anderen jungen Manne vor dem Hause, un im Auftrage des Schlafburschen einige von diesem angeblich zurück gelassene Sachen abzuholen. Ihr Erscheinen regte den Angeklagte, abermals auf. Die Aufregung wuchs, als er auf seine Abweisun, von dem Breetz patzige Antworten erhielt. Er fragte ihn dann wo seine Ehefrau weile, denn da, wo Buttgereit sei, befinde sv sich zweifellos auch. Abermals erhielt er eine dreiste Antwor und nun schlug der Angeklagte, der nicht mehr Herr seiner selb,' war, mit seinem Spazier stock, und zwar mit de Krücke desselben, nach dem Kopf des junge, Mannes. Dieser brach sofort zusammen, erhob sich da»n wieder taumelte am Arme seines Freundes noch einige Schrite weite, und fiel dann leblos zu Boden. Der Tod war die Folg- einer durch den Schlag verursachten Gchirnerschütterunz.— De: Angeklagte versicherte im Termin, daß er bei seiner damalige» Gemütsverfassung blindlings zugeschlagen habe.— Der Staatsanwalt beantragte das Schuldig im Sinne der Anlage, wenr ex auch nicht verkannte, daß dem Angeklagten erheblicht Spuren. Deutsch- Amerikanisches Theater. Sonntag nachmittag 8 Uhr: Ueber'n großen Teich. Abends 8 Uhr und die folgenden Tage: Im wilden Westen. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Urania Theater. Taubenstraße 48/49. Sonntag abend 8 Uhr: Die Mosellande und ihr Weinbau. Montag nachmittag 4 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Abends 8 Uhr: Die Mosellande und ihr Weinbaut. Dienstag und Mittwoch: Der jüngste Ausbruch des Vesuv. Freitag: Die Ballonfüllgase. Alpen- und Wüstenfahrten im Ballon. Invalidenstraße. Dienstag abend 8 Uhr: Die Erde als Stugel. Briefkasten der Redaktion. Milderungsgründe zur Seite stände. Der Verteidiget bes Neues Theater. Sonntag und Montag: Der Jubiläumsbrunnen. antragte die völlige Freisprechung. Der Angeklagte sei infolge der Von Dienstag bis Montag: Die Hochzeit von Boel. furchtbaren Aufregung, in die er durch das Verhalten seiner Frau Abends: Der Bettelstudent. Montag: Die Zauberflöte. Dienstag: Undine. Theater des Westens. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Freischüß. versetzt worden, so willenlos, sein Geist so verdunkelt und ber- Mittwoch: Das Glöckchen des Eremiten. Donnerstag: Stradella. Schöne dämmert gewesen, daß er nicht wußte, was er tat. Die Gea Galethee. Freitag: Die Fledermaus. Sonnabend nachmittag 3 Uhr: schworenen verneinten die Schuldfrage, worauf die Frei- Der Waffenschmied. Abends: Das Glöckchen des Eremiten. Sonntag nach sprechung des Angeklagten erfolgte. Das Urteil wurde aus mittag 3 Uhr: Bar und Zimmermann. Abends: Die Zauberflöte. Montag: den Reihen der Zuhörer mit Beifallszeichen begleitet, Der Troubadour. Schiller Theater O. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Folgen einer gräflichen Ehe. Abends: Donna Diana. Montag: Hasemanns Töchter. Dienstag: Donna Einen Rattenschwanz von Prozessen hat die Ehe des Grafen Diana. Mittwoch: Hoffnung auf Segen. Donnerstag und Freitag: Der Erasmus zu Erbach- Erbach zur Folge gehabt. Wie erinnerlich, Herrgottswarter. Sonnabend: Donna Diana. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Hasemanns Töchter. Montag: Der HerrgottsHeiratete der noch junge Erbgraf die bildhübsche Tochter einer| warter. Wäscherin, die im Hause Sr. Durchlaucht Graf Georg Albrecht zu Schiller- Theater N.( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater.) Sonntag Die juristische Sprechstunde findet wochentäglich von 7 bis 9½ Uhr Erbach- Erbach tätig war. Die Ehe wurde in London geschlossen. nachmittag 3 Uhr: Weh' dem, der lügt. Abends: Cyprienne. Montag: abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um Nun ging von den Verwandten des glücklich Verheirateten eine Frau Inger von Destrot. Dienstag: Hoffnung auf Segen. Mittwoch: 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Wierkzeichen Donna Diana. beizufügen. Briefliche Autwort wird nicht erteilt. wahre Heiagd gegen das arme Mädel los. Der durchlauchtigte Frau Inger von Deitrot. Donnerstag und Freitag: Herr Papa frug Sorge um das leibliche Wohl seines Sohnes und dem, der lügt. Abends: Donna Diana. Montag: Frau Inger von verständlich. Jede Gefahr für Sie ist ausgeschlossen. Sonnabend: Hoffnung auf Segen. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Weh' G. 100. Rennen Sie uns Ihren Namen. Geheimhaltung ist selbstFriedrichsveranlaßte ihn, den ehelichen Wohnsiz in Oberursel i. T. zu ber= Destrot. hain 189a. Unserer Erinnerung nach, ja. R. G. 100. Sie könnten laffen und bewirkte seine Unterbringung in eine Nervenheilanstalt Berliner Theater. Sonntag und die folgenden Tage: Sherlock auf Grund der mündlichen Zusage mit Aussicht auf Erfolg gegen den Wirt auf der hohen Warte. Die Verwandten sind entsegt über Holmes. auf Einräumung eines Kellers und auf Schadenersab sowie gegen den die unebenbürtige Ehe und sehen alles daran, daß die Lustspielhaus. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Familientag. Verwalter wegen Befitstörung bei dem Amtsgericht lagen.. 40. " Ehre" des Hauses wieder gerettet wird, und dazu gehörte bends: Die von Hochsattel. Von Montag bis Donnerstag: Die von 1. bis 5. Nein. Nach Ihrer Darstellung liegt ein Anlaß zur Erhebung ihrer Ansicht nach vor allem die Trennung des Paares. Durch eine Hochjattel. Freitag und Sonnabend: Berwehte Spuren, Sonntag nach einer erfolgreichen Klage nicht vor. 6. Bis zum 16. Oftober müßte bet der Scheidungsflage hätte man sich kompromittiert, weil dadurch mittag 3 Uhr: Der Weg zur Hölle. Abends und Montag: Verwehte Staatsanwaltschaft oder beim Amtsgericht Strafantrag gestellt ſein. N. 20. Wenden Sie sich an die Auskunftsstelle der Deutschen Gesellschaft zugegeben wäre, daß einmal ein gültiges Ehebündnis be- Komische Oper. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. für ethische Stultur, Unter den Linden 16, Quergebäude III Treppen. stand. Es sollte deshalb auf Nichtigkeitserklärung der Abends: Carmen. Montag: Don Pasquale. Dienstag: Carmen. T. 100. Uns nicht bekannt. F. M. 26. Bis am 3. jedes Quartals Ehe gedrungen werden. Außer dieser Klage, die feststellen soll, daß Mittwoch: Hoffmanns Erzählungen. Donnerstag: Carmen. Freitag: fann in Ihrem Falle zum Schluß des Quartals gekündigt werden. die Ehe niemals zu Recht bestanden habe, schwebte ein Prozeß, den Figaros Hochzeit. Sonnabend: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag nach Sch. 57. 1. Db und inwieweit dem Betreffenden ein Anspruch gegen die die von ihrem Gatten getrennt lebende junge Gräfin gegen ihren mittag 3 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Abends: Carmen. Montag: Un- Krankenkasse zusteht, ist ohne Einsicht in die Kassenstatuten und nähere Mann führte. Die ehemalige Wäscherin forderte zur Best reitung bestimmt. Darlegung des Falles nicht zu beantworten. 2. Leider wäre eine Klage ihres Unterhaltes für die Dauer bis zur Entscheidung des mann. Abends: Fra Diavolo. Montag: Der Waffenschmied. Dienstag: gegenrechnen würde. Lorking Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Bar und Zimmer auf Burüdgabe erfolglos, weil das Krankenhaus mit seiner Forderung A. B. 50. Um allen Scherereien zu entgehen, tun Eheprozesses monatlich 500 Mart. Land- und Oberlandesgericht Der Barbier von Sevilla. Mittwoch: Der Freischüß. Donnerstag: Der Sie am besten, vorher bestellen zu lassen und das Bestellte dann zu bringen. entschieden anfangs Juli, daß 200 Mart genug seien. Beim Land- Troubadour. Freitag: Fra Diavolo. Sonnabend: Der Wildschük. Sonntag Sch. 64. Wenn Sie ausdrücklich bestellt haben, daß die Schrift bis gericht in Darmstadt klagten die beiden Brüder Grafen Artur nachmittag 3 Uhr: Der Freischük. Abends: Der Wildschütz. Montag: spätestens am 15. geliefert werden müsse oder sie vor dem 15. abbestellt und Konrad Erbach Erbach gegen den regierenden Grafen Der Barbier von Sevilla. haben, so find Sie zur Abnahme nicht verpflichtet. 2. G. 59. Wir Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Nachtasyl. Abends fönnen Ihnen nur die Fortbildungsschule empfehlen. Georg Albrecht auf Bestellung eines StandesschiedsR. K. 10. Begen gerichts zur Regelung der Sukzessionsfolge. Man tann nie wissen. Bon Montag bis Sonnabend: Man kann nie wissen. Strafe oder Gerichtskosten ist der Lohn keineswegs pfändbar.- M. 23. 29. B. P. 102. Wenden Was aus dieser Klage wurde, ist nicht bekannt. Schließlich Sonntag nachmittag 3 Uhr: Nachtasyl. Abends: Man kann nie wissen. Ruderklub„ Borwärts", Stralau, Tunnelstraße. Montag: Unbestimmt. Sie sich an die Staatsanwaltschaft des Gerichts, von dem Ihr Mann ver spielt in das„ Ehedrama" noch ein Entmündigungsprozeß Trianon- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Loulou. Allabendlich: urteilt wurde, nm Auskunft. Hinein, den der Herr Papa in die Wege leitete. Er focht die Ehe Der Hausfreund. als nichtig mit der Behauptung an, sein Sohn sei zur Zeit der Luisen- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Goldonkel. Eheschließung geschäftsunfähig gewesen. Das Homburger Amts- Abends und Montag: Ein Wintermärchen. Dienstag: Die Jungfrau von gericht hat den jungen Grafen denn auch wegen Geisteskrankheit ent- Orleans. Mittwoch, Donnerstag und Freitag: Else vom Erlenhof. Sonnmündigt. Dieser Entmündigungsbeschluß wurde von dem Rechts- abend nachmittag 4 Uhr: Hänsel und Gretel. Abends: Die Hochzeit von antvalt Dr. Wurzmann, dem Vertreter der jungen Gräfin angefochten. Baleni. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ein Wintermärchen. Abends: Else Die Anfechtung eines Entmündigungsbeschlusses geschieht im Wege vom Erlenhof. Montag: Die Hochzeit von Baleni. der Klage bei dem Landgericht. Das Landgericht erließ einen umfangreichen Beweisbeschluß. Es sollen über den Geisteszustand des Grafen Erasmus noch eine Anzahl Sachverständiger vernommen werden. Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Samson und Dalila. Montag: Der fliegende Holländer. Dienstag: Rigoletto. Mittwoch: Der Barbier von Sevilla. Donnerstag: Carmen. Freitag: Die Walküre.( Anfang 7 Uhr.) Sonnabend: Aida. Sonntag: Carmen. Montag: Fidelio. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Klein Dorrit. Montag: Othello. Dienstag: Klein Dorrit. Mittwoch: Prinz Friedrich von Homburg. Donnerstag: Hamlet.( Anfang 7 Uhr.) Freitag: Wilhelm Tell. Sonnabend: Das Lied vom braven Mann. Sonntag, 14. Oftober, mittags 12 Uhr: Matinee. Das Lied vom braven Mann. Abends: Hamlet.( Anfang 7 Uhr.) Montag: Klein Dorrit. Neues königl. Opern- Theater. Sonntag: La Traviata.( Anfang 72 Uhr.) Leffing- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die versunkene Glode. Abends: Das Blumenboot. Montag: Das Blumenboot. Dienstag: Hedda Gabler. Mittwoch, Donnerstag und Freitag: Das Blumenboot. Sonnabend: Hedda Gabler. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Wildente. Abends: Das Blumenboot, Montag: Das Blumenboot. Deutsches Theater. Sonntag: Das Wintermärchen. Montag: Der Kaufmann von Benedig. Dienstag und Mittwoch: Das Wintermärchen. Donnerstag: Erdgeist. Freitag, Sonnabend und Sonntag: Das Wintermärchen. Montag: Ein Sommernachtstraum. Zentral- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Fledermaus. Allabendlich: 1001 Nacht. Nächsten Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Bernhard Rose- Theater( früher Carl Weiß- Theater). Sonntag nach rittag 3 Uhr: Die Bluthochzeit. Abends 8 Uhr: Der Millionenbauer. Montag, Mittwoch und Freitag: Die Bluthochzeit. Sonnabend nachmittag 4 Uhr: Hänsel und Gretel. Abends: Berliner Kinder. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Millionenbauer. Abends und Montag: Berliner Kinder. Thalia- Theater. Sonntag nachmittag 3%, Uhr: Charleys Tante. Alabendlich: Wenn die Bombe plaßt. Sonnabend nachmittag 3 Uhr: Minna von Barnhelm. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Bis früh um Fünfe. nacht. Allabendlich: Triplepatte. Nächsten Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Höhle des Löwen. Wetter- Prognose für Sonntag, den 7. Oktober 1906. Nachts etwas fühler, am Tage ein wenig wärmer, teilweise heiter, aber veränderlich bei mäßigen südwestlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Wafferstand am 6. Oftober. Ibe bei Aussig Meter, bei Dresden+0,13 Meter, bei Magdeburg+2,50 Meter. Unstrut bei Straußjurt --Meter. Dder bei Ratibor+ 2,75 Meter. Neiße mündung+2,18 Meter. Dder bei Brieg+3,50 Meter. Dder bei Breslau Unterpegel+0,04 Meter. 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Stuttgart, Cannstatterstr. 97.