Nr. 239. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerandot Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 PBfg. Pofte Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Post. Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Poftabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Pig. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worie, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 11hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Das Panama der Herrichenden. Sonnabend, den 13. Oktober 1906. Kriegsspekulanten. " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Das Bedenkliche dieser Denkwürdigkeiten liegt darin, daß sie nichts wie persönlichen Klatsch niedrigster Art enthalten, worin immer einer gegen den andern und alle gegen Bismarck flatschen und an teiner Stelle ernste sachliche Gespräche über wichtige Tagesfragen geführt werden. Diese Denkwürdigkeiten stellen die höchst ent Regierungskreise in die denkbar ungünstigste Beleuchtung, weil sie den Anschein(??) erwecken, als behandle man dort die wichtigsten Angelegenheiten des Staates nur der oberflächlichsten, plauderhaften, bon persönlichen Sympathien und Antipathien be= einflußten Weise." Reichskanzler sprach auch über meinen Bericht über die französischen zu mächtig und haben das Königtum und die Armee auf ihrer Pläne auf Marotto. Er meinte, wir könnten uns nur freuen, Seite. Auch das Zentrum geht mit ihnen. Alles, was wenn sich Frankreich Marokko aneignete. Es habe dann viel ich in diesen vier Jahren erlebt habe, erklärt sich aus diesem Gegenzu tun und wir könnten ihm die Vergrößerung des Gebietes faze. Die Deutschen haben recht, wenn sie meine Anwesenheit in Die bürgerliche Presse veröffentlicht heute neue spalten- in Afrika als Erfaz für Elsaß- Lothringen gönnen. Als ich ihn aber Berlin als eine Garantie der Einheit ansehen. Wie ich von 1866 Lange Auszüge aus den Dentwürdigkeiten des fragte, ob ich mich in diesem Sinne Freycinet gegenüber aussprechen bis 1870 für die Vereinigung von Süd und Nord gewirkt habe, so dritten Reichskanzlers. Und zwar hat sie mit dem sollte, verneinte er dies. Das sei zu viel. muß ich hier danach streben, Preußen beim Reich zu ihr eigenen Sinn für das Sensationelle gerade die pikantesten erhalten. Denn alle diese Herren pfeifen auf das Reich und Rosinen aus den beiden dickleibigen Bänden herausgeklaubt. würden es lieber heute als morgen aufgeben. Ich ging zu Bleichröder, der mir zuerst von den russischen Vergebens erheben einzelne Blätter, wie der Reichsbote", Geschäften sprach und behauptete, der russische Finanzminister sei Den niederschmetternden Eindruck der Denkwürdigkeiten Tarmoyant ihre Stimme gegen diese literarische Selbst- geneigt, fich mit der deutschen Regierung zu verständigen, und werde Hohenlohes spiegeln folgende Preßäußerungen. verhöhnung. Und in der Tat: Alles, was den Junkern und dafür sorgen, daß der Ufas vom März 1881 außer Anwendung Der Reichs bote" stöhnt: Bourgeois als heilig gilt, wird durch diese Enthüllungen in gefegt werde. Auf die Politik übergehend, sagte Bleichröder, er den Staub gezogen. Er sehe In welchem Lichte erscheinen angesichts verstehe die Wilhelmstraße nicht mehr. dieser Tagebuchaufzeichnungen die feierlichsten Staatsaktionen! nicht ein, warum man Frankreich bedrohe, da man dort sehr bereit fei, mit uns im Frieden zu bleiben. Wie kleinlich, wie erbärmlich fleinlich werden die wichtigsten Ebenso sehe er feinen Grund, Rußland zu bedrohen. Glücklichernationalen Fragen behandelt! Ueberall werden Ehrgeiz, weise habe Bismard im legten Augenblick die Zollerhöhung Kleinlichster persönlicher Ehrgeiz, niedrigste Streberei und persön- auf Getreide inhibiert. Durch das ewige Heßen werde der Rubel liche Rivalität als die Triebfedern des Handelns der er- furs heruntergedrückt und dadurch Rußland in die Lage ver habenen" Personen entlarvt; Bismarck ist eifersüchtig auf fest, feine Produkte mit Vorteil nach Deutschland zu schicken. Moltke, Moltke auf Bismard. Jeder protegiert seine Streaturen, Stiege der Kurs des Rubels, so würde Rußland keinen Vorteil ohne Rücksicht auf das Gemeinwohl. Die Frage von Strieg haben, den Export nach Deutschland fortzusetzen. Bleichröder beund Frieden wird wie eine Börsenspekulation, ja als Börsen- and. Er fei zu reich geworden. Dazu komme, daß BisBörsen- hauptet, Bis mard lasse dem Sohne zu viel freie spekulation behandelt. Der Memoirenschreiber selbst, der doch mard um jeden Preis auch unter der Regierung preußischer Gesandter, Statthalter der Reichslande und schließ- des jezigen Kronprinzen im Amte bleiben wolle. lich selbst Reichskanzler war, erscheint zwar in seiner Selbst- Er habe vor einigen Monaten dem Kronprinzen erklärt, er werde spiegelung nicht gerade als unsympathische Persönlichkeit, aber auch ihm seine Dienste widmen, werde aber nicht bleiben, wenn der doch nur deshalb, weil er eben keine ausgeprägte, fraft- Kronprinz den Krieg wolle. Jetzt, meint Bleichröder, werde er bolle Persönlichkeit war, sondern in seiner Ratlosigkeit sein auch um den Preis des Krieges bleiben. Die jetzigen Schifflein stets mit dem Winde segeln ließ. Maßregeln, egereien feien eine Konzession an den tünftigen die ihm als verhängnisvollste Mißgriffe, ja als direkte Striegs- Raiser und dessen militärische Ratgeber. provokationen erscheinen, wie die Einführung des Paßzwanges für Elsaß- Lothringen, läßt er sich ruhig aufoftroiyeren, sobald Berlin, 12. Dezember 1889. er nur von der persönlichen Verantwortlichkeit entlastet ist. beglückwünschte ich den Kaiser wegen seiner Frankfurter Rede. Das Gestern war musikalische Soiree im Muschelsaal. Am Büfett Nirgends große politische und soziale Gesichtspunkte, nirgends gefiel ihm und er sprach lange mit mir. Erst von der improvisierten auch nur der Versuch eines systematischen Begreifens geschicht Rede, dann von Frankfurt und dessen großer Entwickelung unter licher Vorgänge überall nur niedriger Klatsch Miquels Leitung, von allen Verbesserungen, die er mache, von der und Tratsch, persönlicher Ehrgeiz, persön- Benugung der Wasserkraft durch elektrische Zeitungen und dem Nutzen, liche Rantünen- 1 Sozialdemokratie und Schießscharten. den dies den kleinen Gewerbetreibenden bringe, und anderem. Dabei Und das alles druckt die bürgerliche Presse mit Wollust machte er Ausfälle auf den Magistrat und die Stadtab, um sich nur ja nicht durch ein Konkurrenzblatt den Rang demokratischen Wahlen für die Stadtverordnetenversammlung und berordneten von Berlin. Er erwähnte die sozialabgelaufen zu sehen. Daß dabei der monarchische und Bismärdische Heroenkult unheilbar in die Brüche geht, fagte, man werde es in Berlin noch so weit bringen, daß die Sozialdemokraten die Mehrheit haben würden. daß dadurch das naive Vertrauen der annoch vertrauens- Dann würden diese die Bürger plündern; ihm sei dies gleichgültig, seligen Massen vollständig zerstört wird, kümmert diese Presse er werde Schießscharten in das Schloß machen lassen und zusehen, nicht. Nun, der Sozialdemokratie kann dieses Panama der wie geplündert werde. Dann würden ihn die Bürger schon um Herrschenden ganz recht sein. So wenig Neues ihr durch die Hülfe anflehen. Enthüllungen gesagt wird, so dankbar akzeptiert sie doch die Beihülfe, die ihr durch diese Selbstzersetzung der bürgerlichen Drdnung" gewährt wird. Wir geben aus den Aufzeichnungen Hohenlohes hier heute folgende Stellen wieder: Bismard über Waldersee. könnten im Berliner Stadtverordnetenkollegium die Majorität Die Befürchtung Wilhelms II., die Sozialdemokraten Kommunalwahlen das Dreiflassensystem existiert, werden die erlangen, war unbegründet. So lange in Berlin für die Sozialdemokraten trotz der stärksten Majorität keine Mehrheit erlangen können. Schießfcharten sind aber bekanntlich im Berliner Schloß wenn auch erst viele Jahre später fattisch angebracht worden! Friedrichsruh, 14. Dezember 1889. Als ich die Eventualität eines Krieges erwähnte, sagte Bismard:" Ich sehe keine Wahrscheinlichkeit, daß wir bald Eine feste Burg" ließ der Kaiser dann in Gestalt der Strieg bekommen, und wenn wir ihn bekommen, so ist es noch sehr Alexandriner- Kaserne am Kupfergraben errichten. Bei der zweifelhaft, ob wir nach der Beendigung in der Lage sein würden, Einweihung dieser Kaserne hielt er am 28. März 1901 bei den Friedensbedingungen auch die durchzusetzen, daß Rußland folgende Ansprache: die Prinzipien seiner inneren Verwaltung ändere." Wir würden in Die Volts 8tg." schreibt: " „ In welches Gewirr bon Neid, Eifersucht, Mißgunst, von Ränkespinnereien, Klatschereien und kleinen und großen Boshaftigkeiten blickt der gute Deutsche, wenn er die Memoiren Hohenlohes genießt"! Wie einer den anderen beargwöhnt, einer den anderen hinter seinem Rüden abtut; wie einer den anderen zurückzudrängen sucht, um seinerseits vorwärts zu kommen; wie nur wenige an das Allgemeinwohl, die meisten an sich selbst und ihren Vorteil denken; für wie be schränkt und untauglich einer den anderen hält, wenn dieser andere in dem allgemeinen Wettrennen um Einfluß und Macht bedrohlich aufkommt"; wie man ängstlich nach der Gunst der Mächtigen schielt, damit die Sonne der Gnade nicht berblasse- das alles enthüllen uns die Aufzeichnungen Hohenlohes mit erstaunlicher RücksichtsTofigkeit." " Die Voss. 8tg." urteilt: " Trotz alledem, auch in dieser Begrenzung ihres Wertes, find die Denkwürdigkeiten" Hohenlohes ein Quellenwerk ersten Ranges. Sie sind von großer Bedeutung für die Beurteilung vieler Ereignisse der inneren und der auswärtigen Politit und namentlich auch einer Anzahl Personen, die auf die Politik Einfluß nahmen oder Einfluß suchten. Man gewinnt einen lehrreichen Einblick in das Treiben an den Höfen und in den Aemtern; man sieht die Staatsmänner, die Streber, die Geschichtenträger an der Arbeit. Daß die Aufzeichnungen durchweg geeignet seien, das monarchische Gefühl zu stärken oder die Bewunderung vor den Männern, die am Webstuhl der Zeit saßen, zu erhöhen, wird niemand behaupten. Fürst Hohenlohe selbst erscheint in manchen Punkten als ein guter Beobachter, als ein scharfblickender Diplomat; in anderen Punkten ist er nichts weniger als eine große und imponierende Persönlich feit. In besonders ungünstigem Lichte präsentieren sich manche Hoffchranzen, Generale und Diplomaten. Und was für Seichtbeuteleien und Kannegießereien über die Staatsangelegenheiten geben sie nicht zum besten!" Krieg mit Rußland und Frankreich zugleich Alexandriner! Für das Kaiser Alexanderregiment beginnt Das ist alles außerordentlich richtig. Aber welche Seichtführen und dann suchen müssen, wenn wir einige Vorteile heute ein neuer Abschnitt in feiner Geschichte. Was Ihr heute an beutel" und Kannegießer" sind erst unsere liberalen erlangt haben, uns mit Rußland bald auseinander zu setzen. Das Erinnerungen beim Verlassen der alten Kaserne dort zurückgelassen Poliker, daß sie sich durch eine solche Hoffchranzenpolitik sei aber alles in weiter Ferne. Ich erwähnte dann den Ausspruch habt, das möge auch im alten Geiſte in der neuen Stajerne fort- imponieren lassen und mit ihr durch dick und dünn gehen. Walderfees, wir möchten uns nicht beeilen, man fönne nicht leben: Erinnerungen an die schönsten Tage des Friedens, wie an wissen, was in zwei Jahren geschehe. Darauf erwiderte Bismarck, die heißen Tage des Kampfes. Wie eine feste Burg ragt Waldersee sei ein konfuser Politiker, auf den nichts zu geben sei. Gure neue Kaserne in der nächsten Nähe des Er wolle den Krieg, weil er fühle, daß er zu alt werde, wenn der Schlosses auf, das Ihr in erster Linie zu schützen Frieden lange dauere. Seine Aeußerung sei ohne Wert. Ueberhaupt stets bereit sein werdet. Das Kaifer Alexanderregiment fei es töricht zu glauben, daß Waldersee Reichskanzler werden könne. ist berufen, gewissermaßen als Leibwvache, Tag und Nacht bereit zu Am Donnerstag abend wurde der„ Kadetten" Kongreß zu Auch als Generalstabschef fei er ungenügend, und fein, um für den König und sein Haus, wenn es gilt, Leben und Selfingfors geschlossen. Zu unserer gestrigen kurzen Meldung über Moltke habe ihn nur deshalb Caprivi und Häfeler Blut in die Schanze zu schlagen. Und wenn jemals wieder den Sieg des Flügels, der den passiven Widerstand verwirft, ist vorgezogen, weil er mit ihm machen könne, was in dieser Stadt eine Zeit wie damals tommen folgendes nachzutragen: sollte, eine Zeit der Auflehnung gegen König, dann bin ich überzeugt, wird das Regi- Verhandlungen zutage traten, hatten sich drei Gruppen gebildet: Auf Grund der Meinungsverschiedenheiten, die während der ment Alexander alle Unbotmäßigkeit und un- eine Gruppe der Linken, aus 35 Mitgliedern bestehend, welche gehörigkeit wider feinen töniglichen Herrn nach für die sofortige Durchführung des passiven Widerstandes eintrat; brücklich in die Schranken zurückweisen...." er wolle. Nationalliberale Karlchen Mießnid- Tertianer. 26. Mai 1880. " Reaktionäre Ratlosigkeit. Berlin, 10. Januar 1896. den 4 Die russische Revolution. Die ,, Kadetten". " Gestern abend beim Reichskanzler. Er sprach von seiner finterredung mit Bennigsen und Miquel, ohne aber etwas Näheres mitzuteilen. Heute tam Bennigsen zu mir und erzählte von ihrer Unterredung. Er sagt, sie seien hart an einder geraten, und fragte mich, ob der Reichskanzler sich empört gegen sie ausgesprochen habe. Ich sagte:„ Nein, er sei ganz ruhig gewesen." Ich sah aus seiner ganzen Mitteilung, wie unangenehm ihm ein Bruch mit dem Fürsten wäre Als ich heute mittag zum Reichskanzler tam, erzählte ich ihm halt der Monarchie bilde doch nur die Land= Troß des harmlosen Ausganges des Kadetten"- Kongresses das. Er war sehr unangenehm berührt, daß Bennigsen noch bevölkerung. Gehe es so fort wie jetzt, so werde die tut die Regierung unzufrieden, daß nicht die Gruppe der„ Rechten" nicht an den Ernst seiner gestrigen Ausführungen glaube. Es wäre Monarchie entweder in Republik übergehen oder wie in England Kadetten den Sieg davontrug. Im Regierungsblatte" Rossija" ist ihm lieber gewesen, wenn Bennigsen nichts gefagt hätte. Er sagt, eine Art Schattenmonarchie werden. Ich erwiderte, daß ich daher folgendes zu lesen: fie feien mit Drohungen auseinander gegangen, und diese Befürchtung teile, daß ich aber das Mittel, die Lander habe keine Hoffnung auf Verständigung... Mit solchen un- bevölkerung zu stärken, noch nicht gefunden habe. Auf fähigen Politikern wie Bennigsen und Miguel, die egzessiven Forderungen der Agrarier können die auf den Wint der öffentlichen Meinung horchten, wir nicht eingehen. Ich sehe die Ursache darin, daß man im mit solchen Star Ichen Mießnid- Tertianern und Kindern Jahre 1879 aus dem bis dahin herrschenden gemäßigten Freitönne er nichts machen. handelssystem in den Schutzzoll übergegangen ist und dadurch Deutschand zu einem Jndustriestaat gemacht hat. eine Gruppe des Zentrums, welche mit 100 Mitgliedern die Mehrheit bildete und sowohl den passiven Widerstand als auch den Wiborger Aufruf als grundsäglich berechtigt anerkannte, die B. beklagt, daß Deutschland mehr und mehr In- Durchführung aber erst in einer fernen Zukunft für möglich dustrie staat werde. Dadurch werde der Teil der Bevölkerung hielt; endlich eine Gruppe der Rechten, welche den Wiborger gestärkt, auf den sich die Serone nicht stügen fönne, die Bevölkerung Aufruf als einen politischen Fehler bezeichnete und ihn auch nicht der großen Städte und der Industriebezirke. Den eigentlichen grundsäblich anerkannte. Bismarck über die Kolonialpolitik. 22. Februar 1880. " Das, was sich in Helsingfors ereignet hat, hat den Verdacht der Regierung nicht nur bestätigt, sondern sogar übertroffen. Niemand wird sich jetzt dafür entscheiden, die Erklärung abzu geben, daß das Verbot des Kongresses eine Handlung sei, die im Widerspruch mit den Versprechungen der Regierung stehe, die Freiheit des Ausdruces der öffentlichen Meinung nicht be= schränken zu wollen. Versuche aber, eine Organisation zu bilden, die dem Zwecke dient, die Grundlagen der Regierung zu unterwühlen, werden in feinem Staate und unter keinen Bedingungen geduldet werden." Eine Charakteristik der Junker und Junkergenossen. Abends zum Diner zu Bismard..... Von Kolonien Jagdschloß Springe, 15. Dezember 1898. will der Reichstanzler nach wie vor nichts wissen. Wenn ich so unter den preußischen Erzellenzen sige, Er fagt, wir haben feine genügende Flotte, um sie zu schüßen, so wird mir der Gegensaß zwischen Norddeutschland und und unsere Bureaukratie ift nicht gewandt Süddeutschland recht klar. Der süddeutsche Liberalismus genug, um die Verwaltung solcher Länder zu leiten. Der kommt gegen die Junker nicht auf. Sie sind au aahlreich, wollte, um dem ehemaligen Duma- Präsidenten und den Verfassern ,, Auf unbestimmte Zeit verschoben." Die englische Deputation, die sich nach Petersburg begeben des Wiborger Aufrufes eine Sympathie-Adresse zu überreichen, hat — wie eS in der offiziösen Mitteilung heißt,„infolge des Protestes zahlreicher russischer Gesellschaftsgruppen" ihren Besuch »auf unbestimmte Zeit verschoben"! „Unbestimmte Zeit!"— Solange die jetzige russische Regierung vm Ruder ist, dürfen die Engländer sicher sein, daß ihre Sym» pathie für das russische Volk beim Zaren und seinen Getreuen stets mit schelen Augen angesehen werden wird. Das bezeugen zwei Kundgebungen: Die Moskauer sogenannte„Monarchisten- Partei" sandte Donnerstag an den König von England ein Tele- gramm, in dem es u. a. heißt: Die angekündigte englische Deputation wolle vor Gericht gestellte Aufrührer gegen den selbst- herrlichen Kaiser begrüßen. Darin erblickten die Russen Moskaus eine„Beleidigung des ganzen russischen Volkes"! Die Monarchisten- Partei gebe sich der Hoffnung hin, daß König Eduard einer solchen Beleidigung vorbeugen und seine Antipathie gegen die Entsendung der Deputation ausdrücken werde, welche Feindschaft zwischen dem englischen und russischen Volke säen könne, da die Abordnung offenbar den Zweck habe, die Feinde des Kaisers und Rußlands zur Fortsetzung ihrer frevelhaften Tätigkeit zu ermuntern! In einem Briefe an den englischen Konsul weist die Monarchistenpartei darauf hin, daß sie stets bereit sei, Konflikten vorzubeugen, doch werde es ihr schwer fallen, den Unwillen des Volkes zurückzuhalten, wenn die englische Abordnung nach Moskau komme. Und eine Versammlung der Marschälle und Deputierten des Moskauer Adels hat in einer Resolution einstimmig ihrem Un- willen darüber Ausdruck verliehen, daß sich an dem Empfang der englischen Abordnung, welche dem Verfasser des Wiborger Auf- rufes eine Smpathiekundgebung überbringen sollte, auch Mit- glieder des Moskauer Adels beteiligen wollten! Der beabsichtigte Empfang wäre eine politische Demonstration gewesen, welche die alten Traditionen des Moskauer Adels verletzt und das Gefühl eines jeden beleidigt hätte, dem die Ehre des russischen Adels teuer sei. Neue Banern-Unruhen. Petersburg, 12. Oktober. Im Kreise Starodub des Gouverne- ments Tschernigow sind große Bauernunruhen ausgebrochen. Militär ist dahin abgegangen. poUrtfche ücbcrficht Berlin, den 12. Oktober. Agrarische Sachverständigkeit. Der Kampf um die Oeffnung der Grenzen für die Vieheinfuhr aus dem Auslande treibt immer kuriosere Blüten. Noch vor zwei, drei Wochen wurden die Notizen der„Verl. Pol. Nachrichten". durch welche das Schweinburgsche Organ zu beweisen suchte, daß die Vieh- und Fleischteuerung e ine Folge der guten Wirtschaft- lichen Konjunktur sei, mit Behagen von der agrarkonservativen Presse nachgedruckt und als Muster gründlichster Sachverständigkeit gepriesen; heute bezichtigt dieselbe Presse die«Berl. Pol. Nach- richten" der Einfältigkeit und völligen Unkenntnis der landwirt- schaftlichen Verhältnisse. Der Grund dieser Urteilsänderung ist darin zu suchen, daß die »Verl. Pol. Nachrichten" in der Voraussicht des baldigen Rücktritts des Landwirtschaftsministers eine kleine Schwenkung vollzogen haben und jetzt für eine teilsveise Oeffnung der Grenzen unter allerlei Sicherheitsmaßregeln eintreten. So schrieben sie dieser Tage: -„Wohl aber wird zu prüfen sein, ob die Veterinären Ein- richtungen und die sanitären Verhältnisse in dem einen oder anderen, namentlich unserer westlichen Nachbarländer, seit Durch- führung der Grenzsperre sich so gebessert haben, daß ohne Ge- fährdung des Gesundheitszustandes unseres Viehbestandes die Einfuhr von Schlachtvieh etwa unter denselben Vorsichtsmaß- regeln gestattet werden kann, unter denen die Einfuhr des der- tragsmäßigen Schweinekontingcnts in Schlesien jetzt bereits stattfindet. Ergibt diese Prüfung ein negatives Resultat, so wird, ungeachtet der hohen inländischen Fleischpreise, es bei der Grenzsperre bewenden müssen. Soweit sich aber bei pflichtge» gemäßer Prüfung die Zulässigkeit einer Erleichterung der Vieh- einfuhr der erwähnten Art herausstellt, wird sie auch, und zwar mit höchster Beschleunigung zu gewähren sein." Solche Ansichten sind natürlich den agrarkonservativen Blättern höchst unbeguem, und so verspotten sie heute dieselbe „Sachkenntnis", die sie noch vor wenigen Wochen bestaunten. Die „Deutsche Tagesztg." antwortet g. B. auf die obige Aeußerung mit folgendem Ausfall: „Von Sachkenntnis sind diese Ausführungen verzweifelt wenig getrübt. Gerade in unstren westlichen Nackchar- ländern find die Viehseuchen in letzter Zeit so bedrohlich aufgetreten, daß man nidjt daran denken kann, den Grenz- schütz dort irgendwie abzuschwächen. Das mußten die„Berl. Pol. Nachrichten" wissen, deshalb hätten sie sich ihre übrigen Ausführungen vollständig ersparen können." Doch nicht nur in der konservativen Presse zeigen sich derartige Gegensätze: auch in der Zentrumspresse treten ganz verschiedene Auffassungen hervor. Während die„Köln. Volksztg.", die ihren Leserkreis vornehmlich in der bürgerlichen, gewerbetreibenden Be- völkerung des Rheinlandes findet, in letzterer Zeit mehrfach für die Oeffnung der deutsch- holländischen Grenze eingetreten ist, hält die auf die katholischen Großgrundbesitzer und Bauern reflek- tierende„Germania" an der Ansicht fest, daß die fremde Viehzufuhr in keinem Fall erleichtert werden darf und fertigt deshalb ihre ehrfame Kollegin vom Rheine mit den Worten ab: „Nachdem die Statistik klar nachgewiesen hat, daß das Aus- land uns nicht mit genügend Vieh und Fleisch versorgen kann, nachdem das österreichische und russische Schweinekontingent nur zur Hälfte und noch geringer ausgenützt wird, bricht sich in immer weiteren Kreisen die Ueberzeugung Bahn, daß es auch im Interesse der Fleischcsser sehr töricht sein würde, die Grenzen zu öffnen. Statt der erhofften Vieheinfuhr käme höchstens die Seuche in das Land, die Millionen verschlingt und so erst recht das Fleisch verteuert." Der Streit ist recht lehrreich. Er zeigt, was die von jeder Seite vorgeschützte genaueste„Sachkenntnis" wert ist. Rcgicrungs• Brutalitäten. Madrid, 8. Oktober. Man hätte annehmen sollen, daß die Regierung einige Offiziere des Heeres, einige Marinesoldaten und ein pgar Individuen der Bürgergarde zur Verantwortung ziehen würde. die sich beim letzten großen Sereik in Nordspanien dadurch „hervorgetan" hatten, daß sie allzu brutal auf streikende Arbeiter einschlugen und einige von ihnen tödlich verletzten. Kein Gedanke! Heer und Polizei, von den Großkapitalisten Biskayas gehätschelt und reich belohnt, haben ja„nur" getan, was ihnen die Herren Unternehmer befahlen! Der Schutz dieser Großen steht ihnen auch jetzt zur Seite und sie dürfen sicher sein, daß ihnen weder von der Regierung noch von den bürgerlichen Gerichten kein Härchen gekrümmt wird. Während man nicht einmal der Anklage gegen einen Sergeanten der Bürgergarde stattgibt, der sich während des Streiks so viehisch benahm, daß ihm das Bolk den Titel „Menschliche Bestie" beilegte, während alle Soldaten und Polizisten weiter ftei umherlaufen dürfen, denen noch so barbarische Greuel an Streikenden nachgewiesen werden können, sind mehr als hundert unserer Parteigenossen in Anklage- zustand versetzt wegen Vergehen, die sie überhaupt nicht be- gangen haben! Viele von ihnen sitzen bereits in Untersuchungs- Haft, und obwohl man ihnen von Rechtswegen den Grund ihrer Verhaftung niitteilen müßte, ist das bis heute noch immer nicht geschehen! Die spanische Arbeiterpartei hat nun bei dieser Lage der Dinge beschlossen, an die Regierung das Verlangen zu stellen. der Arbeiterklasse Genugtuung zu geben für die von Polizisten und Soldaten an den Streikenden begangenen Schandtaten, die zum Teil an die entsetzlichen Greuel von Montjuich er- innern. Der Parteivorstand der spanischen Sozialdemokratie wird der Regierung einen genauen Bericht über alle verübten Frevel unterbreiten. Auch eine große Anzahl von Beweis- stücken soll beigebracht werden. Bleibt die Regierung verstockt und unnahbar, so will die Partei— ebenso wie kürzlich aus Anlaß der barbarischen Bestrafung Acevedos— alle sozialistischen, alle Arbeiter-Organisationen Spaniens auffordern, im ganzen Lande Protestversammlungen einzuberufen und von allen Mitteln Gebrauch zu machen, die geeignet erscheinen, die Regierung zu zwingen, der schwer verletzten Arbeiterklasse Genngtunng zu geben; denn die Arbeiterklasse Spaniens ist beleidigt, ist brutalisiert in den beim Streik von Bilbao geschlagenen, verwundeten, getöteten Kameraden, in den jetzt eingekerkerten Genossen. Sollte die spanische Regierung, die aus Furcht vor dem geplanten Protest der Arbeiter wegen Acevedos kürzlich klein beigab, sollte sie diesmal den. Drängen des Proletariats nicht weichen, so beabsichtigt die spanische Arbeiterschaft, die Solidarität der internationalen Sozialdemokratie an- zurufen: Sie will dann den eingehenden Bericht über jene Schandtaten an das Internationale Sozialistische Bureau in Brüssel senden und alle dem Bureau angeschlossenen Parteien ersuchen, sich dem Proteste der spanischen Genossen anzuschließen. Bereits hat„La Lucha de Clases"(„Der Klassenkampf") in Bilbao begonnen, einen Teil jener viehischen Brutalitäten bekannt zu geben. Auch das Zentralorgan„El Socialista" rüstet zum Kampf, und in Arboleda sowie in Ortuella— zwei Minen- Distritten— sind bereits Protestversammlungcn abgehalten worden. Es ist das erste Mal, daß die spanische Sozialdemokratie die internationale Solidarität anrufen will, wo es gilt, einen Kampf gegen die Regierung zu führen. Aber wie liegen die Dinge jetzt in Spanien?! Eine große Zahl unserer Genossen sitzt im Gefängnis wegen simpler Preß- vergehen, andere wegen des„Verbrechens". Mitglieder der sozialdemokratischen Partei oder einer Gewerkschaft zu sein! Und die Brutalität, mit der den Arbeitern gegenüber ver- fahren wird, hat beim letzten Streik ihren Höhepunkt erreicht. Wir sehen in alledem die bestimmte Absicht der spanischen Regierung: Den Arbeiterorganisationen und der sozialistischen Propaganda den Todesstoß zu versetzen. Doch trotz all' ihrer Anstrenguugen wird die Regierung und dieKapitalistenklasse damit kein Glück haben.. Die spanische Arbeiterschaft ist fest ent- schlössen, ihr letztes daran zu geben, jene Vorsätze zunichte zu machen. * DeutfcKes Reich. Die neuen Militärforderungrn. Von„persönlich gut unterrichteter Stelle" will der„Berl. Börs.- Courier" das Folgende erfahren haben: „Als der Staatssekretär des Reichsschatzamtcs Freiherr v. Stengel von seinem Urlaub zurücklehrle, fand er von den verschiedenen Ressorts die Aufstellungen für den Etat vor. Be- sonders unangenehm überrascht war der Staatssekretär von den Forderungen, mit denen die Heeresverwaltung an rhu herantrat. Mit Rücksicht auf die eben erst mühsam durchgelämpfte Reichsfinanzreform glaubte er diese Forderung nicht vertreten zu können und ivandte sich deshalb brieflich an den Reichskanzler. Daraufhin ließ F ü r st B ü l o w sowohl den Staatssekretär des ReichsschatzamteS als auch den Kricgsminister v. E i n e m zu einer Konferenz nach H o m- bürg bitten, wo dann vereinbart wurde, daß in dem Reichsetat für 1S07 die Forderungen der Heeresverwaltung sich durchaus im Rahmen deS Elats bewegen, daß aber i m' n ä ch st e n und zweitnächsten Jahre weitere Mehrforderungen in die betreffenden Etats eingestellt werden sollen." Daß die neue Militärvorlage, wenn nicht in diesem, so doch im nächsten oder übernächsten Jahre kommen wird, ist freilich totsicher l >Ein ergötzlicher Diplomatenstreit beschäftigt in Sachsen-Weimar und Reuß j. L. schon seit Monaten die Gemüter. Die Regierungen beider Grvßstaaten liegen wegen einiger Kleinigkeiten in heftiger Fehde. Ueber 25 Jahre hat zwischen beiden Ländchen eine Landgerichtsgemeinschaft in Gera bestanden. Vom Großherzogtum Sachsen war der Neustädter Kreis. die ehemals kursächsische Besitzung, den» Landgerichtsbczirk in Gera angegliedert. Nun sollte der Staatövertrag wieder erneuert werden. Wegen der Kosten für die Gefangenen, ob man pro Tag 5 oder 10 Pfennig mehr berechnen solle, und wegen der Beschaffung von ein paar Räume» für die Richter, was vielleicht 130 Mark im ganzen Jahre ausmachte, wurde jedoch keine Einigkeft erzielt. Es fanden allerlei diplomatische Verhandlungen statt. Ganze Aktenstöße häuften sich in dieser Sache bei den beiden Regierungen auf. Im Juli befaßte sich der wcimarische Landtag mit dieser wichtigen ..Staatsfrage". Er gab der Ansicht Ausdruck, daß die weimarische Regierung versuchen müsse, mit der reußischcn Regierung eine Einigung zu erzielen. Dazu wurde bis Ende August die nötige Zeit gelassen. Weil aber der Großherzog erst«ine Reise unternahm, konnte, nach Mitteilung des Landwgspräsidenten, der wcimarische Landtag erst nach Kim 1. Oktober wieder zusammen treten. Di« weimarische Regierung schiebt natürlich die Schuld auf Reuß, das zu einer Einigung keine Geneigtheit gezeigt habe. Darauf ver- öffentlichte die reußische Regierung in einer Geraer Zeitung den ganzen Schristenwcchscl, der in dieser Sache mit Weimar statt. gesunden hat. Der Ausschutz, der diese Frage vorberaten soll. bleibt nun erst recht dabei stehen, daß die weimarische Regierung die Verhandlungen mit Reuß.wieder aufnehmen soll. Die Re- gierung erklärt dies aus„staatsmännischen Gründen" für unausführbar. Der Ausschuß bleibt aber bei seiner Forderung. „Die Lage ist ernst", schreibt gravitätisch die bürgerlich« Presse. Ter Landtag soll geschlossen werden, die. Neuwahlen finden in ein paar Wochen statt und jetzt wird, wie ängstliche Ee- müter sagen, ein Konflilt mit der Regierung geschaffen,„wie er noch niemals bestanden hat". Der Bericht des Ausschuffes ist be- reits veröffentlicht. In ein paar Tagen soll im Landtage die Ent» scheidung fallen. Und alles das wegen solcher Kleinigkeiten, die, wenn sie im bürgerlichen Leben mit derselben„Geschicklichkeit" er. ledigt würden, auf die Betreffenden reichlichen Spott häufen würden. Weimar, den 12. Oktober.(Privat-Telegraurm.) Der Landtag lehnte mit 17 gegen 14 Stimmen die Regierungsvorlage betreffs der Landgerichtsgemcinschaft mit Reuß ab. Die Regierung loll c» neut die Verhandlungen mit Reuß aufnehmen. Staatsministcr Rothe will demissionieren.—_ Zur Lebensmittelteuerung. Stuttgart. 11. Oktober. In der heutigen gemeinsamen Sitzung der beiden G e» meindekollegien Stuttgarts wurde ein Antrag, den- jenigcn Arbeitern, die am 1. April dieses Jahres bereits im Dienste der Stadt standen, vom 1. Oktober ab eine Tcueruugs- zulage von 30 Pf. auf den Tagelohn zu gewähren, einstimmig angenommen. Die Mehrausgabe, waiche der Stadt aus diesem Beschluß erwächst, wird jährlich 130 000—135 000 M. betragen. Eine spätere Zurückziehung dieser Zulage ist jedoch nicht in Aussicht genommen, vielmehr soll sie später durch eine organische Lohn- regulierung abgelöst werden. Des weiteren beschäftigte sich der Stuttgarter Gemeinderat in seiner heutigen Sitzung mit einem sozialdemokratischen Antrag, bei der württembergischen Regierung vorstellig zu werden, daß sie im Bundesrat für schleunigste Oeffnung der Grenzen für ausländisches Vieh und Fleisch eintreten solle. Das gleiche Ersuchen soll an den deutschen Städtetag gerichtet werden, ebenso sollen die württembergischen Städte mit über 10 000 Einwohnern aufgefordert werden, sich dem Vorgehen Stuttgarts anzuschließen. Diesem An- trage wurde nur von einem Konservativen widersprochen. Ter Antrag wurde schließlich mit 23 gegen 1 Stimme angenommen. Am gestrigen Abend fand hier auch eine vom G e w e r k- schaftskartell und der sozialdemokratischen Partei gemeinsam einberufene öffentliche Versamm- l u n g statt, die von etwa 2000 Personen besucht war, während wohl ebenso viele keinen Platz fanden. Nach einem Referat des Reichs- tagsabgeordneten Hildenbrand verurteilte die Versammlung in einem einstimmigen Beschluß die Nichtachtung, welche von den Regierungen den Forderungen auf Oeffnung der Grenzen bisher entgegengesetzt wurde. Ferner ersuchte die Versammlung die Stull- garter Gemeindeversammlung, die kommunale Regelung unö Kon- trolle des Lebensmittelverkchrs und die Uebernahme der Brot», Fleisch- und Milchversorgung der Bevölkerung in städtische Regie in baldige Aussicht zu nehmen. Im besonderen beauftragte die Versammlung die Vorstände der gewerkschaftlichen und politischen Organisation, mit den Stuttgarter Metzgern wegen Zurücknahme des in den letzten Tagen eingetretenen Preisaufschlags für Wurstwaren, der ganz horrend ist und die Steigerung der Fleischpreise in unverhältnismäßigcr Weise übersteigt, in VerHand- lung zu treten. Es ist begründete Aussicht vorhanden, daß dieses Vorgehen von Erfolg begleitet sein wird.— Bon der Hamburger Polizeiallmacht. Das Hamburgische Gesetz, betr. das Versammlungs- und Ver- einigungsrecht, enthält in seinen Paragraphen 1 und 2 Bestim- mungen so reaktionärer Natur, daß selbst das preußische Parlament davor zurückschreckte, ähnlichen Bestimmungen, wie sie in der be- rüchtigten Bereinsgesetznovelle gefordert wurden, die Sanktion zu erteilen. Und doch ist das Hamburger Juwel erst im Jahre 1803 von den„liberalen" Gesetzmachern revidiert ivorden. Gegen den Inhalt deS Gesetzes geäußerte Bedenken wurden unter Hinweis auf die„bisherige loyale Handhabung des VereinSgesetzes" zerstreut. Der§ 1 verbietet alle Vereine und Versammlungen, deren Zwecke und deren Tätigkeit mit den Gesetzen im Widerspruch stehen oder den öffentlichen Frieden oder die öffentliche Sicherheit ge- fährden. Der§ 2 sagt: Bei dringender Gefahr für den öffent- lichen Frieden oder die öffentliche Sicherheit ist die Polizeibehörde berechtigt, jede öffentliche oder nicht öffentliche Versammlung zu untersagen. Auf Grund dieser famosen Bestimmungen kann die Polizeibehörde jedes Vereins- und Versammlungsleben unterbinden. Bisher ist allerdings das BereinSgesetz ziemlich liberal gehandhabt worden. Nur die Freidenker, die Antisemiten und die inter- nationale Föderation der Frauen haben wiederholt die preußische Gastfreundschaft in Anspruch nehmen müssen, wenn sie Versamm- lungen abhalten wollten, während man die Sozialdemokraten bis zum 17. Januar d. I. ziemlich unbehelligt ließ. Nach dem„roten Mittwoch" wurden auf Grund des§ 2 auf eine Zeitlang nicht alsein unserer Partei, sondern auch den G e w e r k- ch a f t e n, ja sogar den Turnern und Konsumvereinen Versammlungen verboten! Am Mittwochabend gelangte in der Bürgerschaft(Parlament) ein von unseren Genossen gestellter Antrag zur Verhandlung, welcher, da an eine gänzliche Aufhebung deS überflüssigen Vereins- gesetzcs nicht zu denken ist, d,e Abänderung dieses Gesetzes dahin verlangt, daß Hinderungen in der Ausübung des Versammlungs- und Vereinigungsrechtes vorgebeugt werde. In vorzüglicher Rede begründete Genosse Fischer den Antrag und bemerkte, daß man dem diskretionären Ermessen der Polizei daS wichtigste Recht der Staatsbürger, sich vereinigen und versammeln zu dürfen, nicht ausliefern dürfe. Auch mehrere bürgerliche Abgeordnete erkannten die Revisionsbedürftigkeit des Vereinsgesetzes an. Wie in der Debatte hervorgehoben wurde, hat der Senat die Polizei an- gewiesen, bezüglich der Anwendung ihrer Machtbefugnisse recht vor- sichtig zu verfahren.(Heiterkeit.) Den Freidenkern, die sich über die Polizei beschwert hätten, sei dies mitgeteilt worden. Der An- trag wurde einem Ausschuß von 10 Personen zur Beratung über, wiesen.—_ Das gehorsame Zentrum. In der Schlutzversammlung des Essener Katholikentages hielt Kardinal V a n n u t c l l i eine Ansprache in lateinischer Sprache, in der sich nach den übereinstimmenden Berichten der Presse, auch der von dem Lokalkomitee herausgegebenen offiziellen Fcjtzeitung, folgende Stelle fand: „Sie stehen groß da in den Augen des heiligen Vaters, weil Sie, mit solcher Klugheit geschmückt, gern und bereitwillig auf das Wort Ihrer Bstchöfe hören und in Ihrem ganzen Vorgehen, möge es sich auf-die Religion, auf bürger- liche oder soziale Angelegenheiten beziehen. ihrer und des heiligen Stuhles Autorität sich unterordnen. Darum gebührt Ihnen auch das Lob. das derselbe Apostel ausspricht:„Euer Gehorsam ist überall bekannt geworden." Es sei hinzugefügt, daß ein geistliches Mitglied des Essener Lokalkomitces die llebersetzung der Vannutellischen Rede nach dem Manuskript vornahm und die deutsche Fassung in Abzügen der Presse übermittelte. Einige Tage nachher meldete die„Kölnische Volkszeitung", daß die oben wicdergegebenc Stelle anders gelautet habe; der Kardinal habe nämlich hinter den Worten:„auf bürger- liche oder soziale Angelegenheiten" die Einschränkung gemacht„so- weit die Religion dabei in Frage kommt"(gusteuus religioncm attingit). Es war gewiß merkwürdig, daß der theologische Uebersetzer diese Worte, die dem Satze einen ganz anderen Sinn geben, über- sehen haben sollte; indessen die„Kölnische Volkszeitung" blieb bei ihrer Behauptung, daß die drei bedeutsamen Worte im lateinischen Manuskript gestanden hatten und vom Kardinal auch gesprochen worden seien. Jetzt kommt etwas mehr Licht in die Sache durch Herrn Julius Bachem, der in seiner von uns bereits er- ivähnten Rede vor den Düsseldorfer Windthorstbündlern bezüglich der Vannutellischen Rede sagte: „Ich kann auf das allerbestimmteste versichern, daß der Herr Kardinal diese Einschränkung quatemis religioncm attingif und diesen Zusatz in seiner Rede gemacht hat. Es ist mir auf das bestimmteste versichert worden, daß auf der Rückseite deS Manuskriptes, da» in die Setzerei gewandert ist, diese Einschaltung neben andern gestanden hat, und auch Freunde v mir haben diese Aeußerung de« Kardinals gehört." 91 Zum Fall Fischer. " Der Köln. 8tg." wird offiziös aus Berlin gemeldet: " Ursprünglich hat also der Zusah nicht in der Rede gestanden, kommen, stellt der Regierungsrat auf dem Wege der Verordnung im Süden mehr als je fest entschloffen, ihre überlegene Stellung er ist erst nachträglich auf der Rückseite des Manuskripts angebracht für so lange die nötigen Vorschriften auf, bis ein von der Gemeinde zu behaupten". Er sagt, die Neger beabsichtigen nach Möglichkeit worden; wenn der Kardinal den Zusah selber gemacht hat, dann vorgelegtes Reglement genehmigt ist." eine Vermischung mit der weißen Rasse, was ihnen erleichtert ist nur merkwürdig, daß der Ueberseber das Zeichen übersehen Gemäß diesen Gesetzesvorschriften ging der Stadtrat von werde durch die Vorliebe vieler Weißen für schwarze Mädchen; da konnte, das an die Einschaltung auf der Rückseite erinnerte. Merk- Bern daran, ein Sonntags- Reglement Sonntags- Reglement auszuarbeiten. Bei müsse die Grenze ebenso streng gezogen werden wie zwischen weißen würdig ist außerdem die Mitteilung Bachems, daß das lateinische den Stadtrat Beratungen im zeigte es sich, daß die Frauen und den Negern. Die Lynchmorde beurteilt Tillmann Manuskript der Rede Vannutellis in die Seßerei gewandert sei. Gruppe des Gewerbevereins auch den fleinsten Eingriff in das sehr milde, und er behauptet, die Weißen würden durch die Bis heute nämlich ist nur eine deutsche Uebersetzung veröffentlicht freie Schalten und Walten der Gewerbetreibenden am Sonntag Schlechtigkeit der Neger oft zur Verzweiflung getrieben. Sollte es worden, auch die offizielle Festzeitung des Essener Katholikentages hintertreiben wollte; würde es nach dem Willen diefer Krämerseelen zu einem großen Rassentampf fommen, so würde die Ausrottung brachte nicht den lateinischen Urtert. Wie man sieht, sind immer noch einige Unklarheiten zu lösen, gegangen sein, so wäre schließlich nicht ein Sonntagsruhe, sondern der Neger die Folge sein. Als Vorbeugungsmittel empfiehlt der Sonntags unruhe reglement zutage gefördert worden. Die Senator die Ausgabe von Bässen an die Neger, um sie unter bis man weiß, ob nach Ansicht des Kardinals Vannutelli das fozialdemokratische und die fonservative Stadtratsfraktion, die beide Polizeiaufsicht zu stellen!- Solche zivilisierten" Ansichten, wie Zentrum sich der Autorität des Papstes unterordnet in allen fräftig für eine weitgehende Sonntagsruhe eintraten, vereitelten jedoch sie Tillmann äußert, sind weit verbreitet in den Südstaaten. bürgerlichen und sozialen Angelegenheiten" oder nur soweit hier- die reaktionären Anschläge der Gewerbevereinler und der großenteils bei die Religion in Frage kommt". . Australien. in ihrem Schlepptau segelnden freisinnigen Stadtratsfraktion. Immerhin gelang es der fonfequenten Opposition der letzteren, In Süd- Australien ist das Abgeordnetenhaus aufgelöst worden. manche gute Bestimmung des Reglemententwurfs zu eliminieren. Die Arbeiterpartei hat dort die Regierung in Händen und wollte So kam denn schließlich ein Kompromißwert zustande, dessen eine Ausdehnung des Wahlrechts, das an ein bestimmtes Das Vorverfahren gegen den Major Fischer werde in Hauptbestimmungen folgende find: Minimum von Einkommen gebunden ist, herbeiführen. Dagegen wandten. nächster Beit abgeschlossen werden. In militärischen An den öffentlichen Ruhetagen( Sonntagen, Karfreitag, Himmel- sich die beiden anderen Parteien, die der Regierung auch gram sind, Kreisen scheine sich die Ansicht gebildet zu haben, daß ge- fahrt, Weihnacht und Neujahrstag) find alle Beschäftigungen, welche weil sie sich weigerte, an eine englische Gesellschaft Rechte zu einem Die Neuwahlen finden am 8. Nos nügendes Belastungsmaterial zu einem friegsgerichtlichen von Angestellten oder Arbeitern in faufmännischen, industriellen, ge- Eisenbahnbau zu verleihen. Prozesse nicht vorliege, so daß es nur zu einer ehren- werblichen, handwerksmäßigen und landwirtschaftlichen Betrieben, in vember statt. gerichtlichen Entscheidung komme. Was die An- öffentlichen und privaten Bureaus ausgeübt werden, sowie Arbeiten, Die Konferenz in Melbourne, zu der die Premierminister und fchuldigungen gegen den Bezirksamtmann Kersting durch welche Lärm verursacht oder in anderer Weise Anstoß erregt angehe, werde man es später bedauern, die Ausreise des Beamten, wird, untersagt. Ausnahmen sind gestattet: 1. für den Betrieb der Parteihäupter der einzelnen Staaten zusammengetreten waren, um der Gouverneur von Togo, habe noch vor seiner Abreise der öffentlichen Interesse liegende dringende Arbeiten usw. Die Verkaufsstaaten. Es wurde die lebernahme aller Staatsschulden durch den der in Togo benötigt werde, verzögert zu haben. Graf Bech, öffentlichen Verkehrsanstalten sowie für den Polizeidienst und andere im die schwierige Finanzlage zu beraten, beschloß die Zahlung beftimmter Summen jährlich von feiten des Bundes an die EinzelUeberzeugung Ausdruck gegeben, daß er nach seiner Kenntnis der läden und Magazine sollen an den öffentlichen Ruhetagen beständig staaten. Es wurde die Uebernahme aller Staatsschulden durch den Bund vorgeschlagen. Person und der Handlungsweise Kerstings den Beschuldigungen geschlossen gehalten werden. Das Ausstellen oder Aushängen von nicht Glauben beimeffen könne. Die sofort eingeleitete Untersuchung Waren vor den Verkaufsläden und Magazinen ist an diesen Tagen habe bisher nichts Belastendes ergeben." gänzlich untersagt. Bei außerordentlichen Anlässen( Festen, Ausftellungen u. dgl.), die einen gesteigerten Geschäftsverkehr hervorrufen, tönnen Ausnahmen gestattet werden. Gestattet ist an öffentlichen Ruhetagen ohne Bewilligung: 1. das Offenhalten der Krankenmobilien- Magazine, öffentlichen Badeanstalten, Museen, Panoramas und Konditoreien. Ferner dürfen während einiger bestimmten Stunden Brot, Fleisch, Milch, Eßtvaren an die Kunden Die Poft", die vor der genauen Kenntnis des neuen abgetragen werden, ebenso werden den Zigarrenhandlungen und Tarifes das Scheusal am liebsten in die Wolfsschlucht gePhotographenateliers einige Stunden bewilligt. Den Angestellten worfen wissen wollte, ist von ihrem Standpunkte aus und Arbeitern beiderlei Geschlechts in Gewerben, in denen die konsequent genug, ihn jetzt als eine Errungenschaft der Sonntagsarbeit durch dieses Reglement gestattet wird, sowie in Arbeiter zu loben. Sie meint: den am Sonntag offengehaltenen Verkaufsstellen soll in jedem Falle für die ihnen entgehende Sonntagsruhe eine entsprechende Ruhezeit in der Woche gegeben werden. Lehrlinge dürfen von Inhabern von Gewerben und Geschäften an den öffentlichen Ruhetagen überhaupt nicht beschäftigt werden! Zuwiderhandlungen gegen dieses Reglement werden mit Bußen bis zu 300 Frank bestraft. Die militärischen Streise" halten wir zu einer Beurteilung des Falles Fischer einstweilen für ebenso inkompetent, wie den Grafen Zech zur Beurteilung des Falles Kersting. Die Herren Wistuba und Böplau werden sich ja überdies mit ihrem Material direkt an den Neichstag wenden. Bismarck und Wilhelm II. Die Hamb. Nachrichten" erzählten zum Beweis der äußerst gespannten Beziehungen zwischen dem damals noch als Reichstanzler fungierenden Fürsten Bismarck und Wilhelm II. auch die Episode, daß Bismard auf einer gemeinsamen Spazier fahrt mit dem Kaiser derart aneinandergeräten sei, daß der lettere den Wagen habehalten und Bismarck habe aussteigen lassen. Die" Nordd. Allg. 3tg." dementierte gestern diese Darstellung. Ein solcher Vorfall habe sich niemals abgespielt. Demgegenüber erklären jetzt die" Hamb. Nachr.", das ehemalige Leiborgan Bismarcks, daß ihnen genau bekannt sei, daß Fürst Bismard den peinlichen Vorfall, den das offiziöse Blatt in das Gebiet der Fabel berweisen möchte, wiederholt genau so geschildert habe, wie es ihn neulich mitgeteilt habe. Es müsse der Nordd. Allg. 3tg." überlassen, sich mit den Tatsachen, die es jeden Augenblick vor Gerichteidlich erhärten und deren Richtigkeit noch durch andere Zeugen bestätigt werden könne, abzufinden, so gut fie ea vermöge. Nun hat die Nordd. Allg. 3tg." das Wort. Hessisches. Mainz, den 11. Oktober. Der rote Großherzog" Heffens hat nach den Versicherungen bürgerlicher Blätter wieder mal das nationale Bewußtsein" schwer erschüttert. Während nämlich die Kreisausschüsse von Offenbach und Großgerau sowie der Provinzialausschuß der Provinz Startenburg die Wahlen der Genossen 3 ahn in Mühlheim a. M. und Rilbert in Kelsterbach a. M. zu Bürgermeisterei- Beigeordneten für ungültig erklärten, weil die Gewählten überzeugte SozialDemokraten" seien, hat der Landesherr selbst die Wahl Eisnert 3 zum Beigeordneten der Stadt Offenbach bestätigt. Das Bestätigungsrecht der Bürgermeister und Beigeordneten wird in Hessen in den Landgemeinden von den Kreis- bezw. Provinzialbehörden ausgeübt; als oberste Instanz entscheidet das Ministerium, während in den Städten dem Großherzog das Be stätigungsrecht zusteht. Um den vorliegenden Fall in seiner ganzen Tragikomik zu erfassen, ist es unerläßlich, sich die Begründungen anzusehen, unter denen die Kreisausschüsse die Wahlen unserer Genossen in MühlHeim und Kelsterbach für ungültig erklärten. Der Kreisausschuß von Offenbach, der über die Mühlheimer Wahl zu befinden hatte feinerzeit, führte z. B. aus: " Gewerkschaftliches. Zur Tarifbewegung der Buchdrucker. Die betehrte. Post". ,, Um nun die Befriedigung, welche unter den Buchdruckereigehülfen angesichts des vom Verbande erreichten großen Erfolges um sich greifen könnte, nach Möglichkeit zu stören, gibt sich der Vorwärts" alle erdenkliche Mühe, das Tarifabkommen als vers hängnisvoll für die Gehülfen hinzustellen." " Von der Befriedigung unter den Buchdruckergehülfen Die städtische Abstimmung über das in vorstehendem in den infolge der Veröffentlichung des Tarifes haben wir bisher Hauptzügen gekennzeichnete Reglement fand Sonnabend und Sonn- nichts konstatieren können, obgleich wir uns befleißigt haben, tag, den 6. und 7. Oftober, statt. Angesichts der wüsten Hezze, die objektiv alle Stimmen aus der Gehülfenschaft zu sammeln. der Gewerbeverein entfaltete, hätte man meinen können, die ganze Uebrigens liegt der" Post" jetzt anscheinend sehr viel an Welt würde bei Annahme des Reglements aus den Angeln gehoben. dem Zustandekommen des Tarifs. Sie und auch noch andere Es gelang dem Gewerbeverein auch, die freifinnige Parteiber- Scharfmacherblätter haben ein famoses Mittel entdeckt, den sammlung zu überrumpeln und einen Verwerfungsantrag Buchdruckertarif auch für den Fall für gültig zu erklären, durchzufezen. Das war um so weniger verwunderlich, als der be- daß er von den Gehülfen abgelehnt wird. Sie behaupten, foldete ständige Sekretär des Gewerbevereins das Präsidium der frei die Gültigkeit auch mangels einer Zustimmung der Buchdruckerfinnigen Partei inne hat. Um so energischer standen die sozialdemo- gehülfen folge daraus, daß die Tarifabmachungen endfratische Partei und die Arbeiterunion( Gewerkschaftskartell) für das Reglement ein, ebenso die konservative Partei aus religiösen gültig notarie II festgelegt sind. Es ist diese Behauptung Gründen. Sämtliche Gewerkschaften von Bern erließen einen Auf- der Post" selbstverständlich ebenso unsinnig als falsch, als wenn ruf an die Bevölkerung für Annahme des Reglements. Die jemand behaupten wollte, der Efel der Bost" sei sein Eigentum, städtische Abstimmung vom legten Sonnabend und Sonntag er- weil zwischen ihm und Johann Nepomuk ein„ notarieller" Kaufgab 4839 Stimmen für Annahme, 2390 Stimmen für Verwerfung vertrag über den Efel abgeschlossen ist. Wie entsetzlich tief des Reglements. Der Gewerbeverein und der offizielle Freifinn haben glauben doch die Scharfmacherblätter die Einsicht des Bucheine ellatante Niederlage erlitten. Eine freifinnige Diffidentengruppe bruckers einschätzen zu können! hatte allerdings auch für Annahme gewirkt. Es steht außer Zweifel, daß das bernische Sonntagsruhe- Reglement für die ganze Schweiz vorbildlich sein wird. Auch bei der Abstimmung über das Reglement zeigte sich wieder die Erscheinung, daß ohne die tatkräftige Mitwirkung der sozialdemokratischen Partei die Reaktion im Bürgertum auch den fleinsten Fortschritt verhindern könnte. Dänemark. Bracht und Pomp und Ordensregen. Als die Norweger sich im vorigen Jahre den Dänenprinzen Sarl holten, um auch wie die anderen Völker einen eigenen König zu haben, war gar viel davon die Rede, daß er ein bürgera " Die fozialdemokratische Partei strebt zugestandenermaßen Ii cher Sönig sein sollte: einfach und schlicht in seinem ganzen die grundfäßliche Umgestaltung der bestehenden Gesellschafts- Berhalten, wie es sich am besten schicke für ein demokratisch, halb ordnung an, deren Bestand gerade durch die derzeitige Staats- oder dreiviertel republikanisch gesinntes Volt. Aber schon die mittelform und deren Grundlage, die Verfassung, gewährleistet wird. alterliche, pomphafte Krönungsfomödie in Trondhjem paßte sehr Um deswillen sind ausgesprochene Anhänger dieser Partei zur schlecht zu diesen Voraussetzungen. Nun weilt Haaton VII. Uebernahme des Amtes eines Bürgermeisters oder Beigeordneten, bei seinem Water Frederik VII. in Kopenhagen. Auch die denen wichtige staatliche, insbesondere polizeiliche Funktionen Dänen haben sich, seitdem Christian IX., der Pracht und übertragen sind, nicht geeignet. Haben doch die Ortsobrigkeit in Bomp weniger liebte, tot ist, wieder an manches Schauerster Linie für die Aufrechterhaltung der bestehenden Berstück aus dem Mittelalter gewöhnen müssen. Alles übertraf aber hältnisse und der gegebenen Ordnung einzu der Empfang, den Frederit dem neugebadenen Norweger bereitete. treten, so daß sie gehalten fei, gegebenen Jn zwei Goldkarossen, jede mit sechs Pferden bespannt, Kutscher falls gerade etwaigen, diefelben gefährden auf dem Bock in roten grads und Kniehosen und mit weißen Allongeden sozialdemokratischen Rundgebungen mit perüden, begleitet von einer Masse buntscheckig gekleideter Trabanten, Nachdruck entgegentreten zu müssen." fuhren die beiden Königspaare langsam vom Bahnhof nach dem Der Provinzialausschuß der Provinz Startenburg schloß sich Schloß. Merkwürdig war es, daß die Kaiserinwitwe Dagmar von als Berufungsinstanz dieser Begründung an. Das Ministerium Rußland samt dem Griechenkönig Georg, die auch dabei waren, eine hat seine Entscheidung noch nicht gefällt. lange Strede vorausfuhren, ganz entgegen dem zeremoniellen Brauch. Furcht vor Attentaten war offenbar die Ursache. Das Volk stand dem höfischen Schauspiel teilnahmslos gegenüber. Ein Student versuchte ein hoch auf die norwegischen Majestäten auszubringen, fand aber bei der Menge keinen Anklang. Am Montag regnete es Orden. Haakon dekorierte feinen töniglichen Vater Frederik und Ontel Georg sowie seine Brüder mit dem norwegischen St. Olavs- Großkreuz erster Güte samt Nette, fast ebenso fein aber ohne Kette den Justizminister Alberti und verfchiedene andere Würdige". Man sieht, wie unentbehrlich dem " Demokratischen" Norwegerkönig das Ordenswesen erscheint. Die neueste Ordenstorheit in Dänemark ist aber, daß Frederik den gefeierten Dichter Holger Drachmann bei seinem 60. Geburtstage zum Kommandeur des Dannebrog zweiter Klaffe ernannt hat! Hätte Drachmann nicht so verdammt revolutionäre Sachen gedichtet, wie die" Englischen Sozialisten"," Auf Vorposten"," Das heilige Feuer" und dergleichen mehr, er könnte sicher den Dannebrog erster Güte fommandieren, und vielleicht wäre er auch Professor geworden. Aber das kommt davon, wenn man sich für den Sozialismus und andere Freiheitsideale begeistert! Der Kreisausschuß von Großgerau, der über die Kelsterbacher Wahl zu Gericht saß, gab seinem ablehnenden Urteil folgende Begründung: Ein Sozialdemokrat kann aber nach der Ansicht des Kreisausschusses weder Bürgermeister oder deffen Stellvertreter, Beigeordneter sein, da der Bürgermeister und dessen Stellvertreter berufen sind, für Aufrechterhaltung und Durchführung der bestehenden staatlichen Einrichtungen und Gefeße Sorge zu tragen, die Sozialdemokratie aber die Bernichtung der bestehenden staatlichen Einrichtungen und Gesetze anstrebt." In eine merkwürdige Situation ist durch die großherzogliche Entscheidung das hessische Ministerium geraten, das als höchste Instanz über die Wahl der Beigeordneten von Kelsterbach und Mühlheim zu befinden hat. Es bleibt ihm jest kaum etwas anderes übrig, als diese Wahlen zu bestätigen, wenn es sich nicht in einen direkten Widerspruch mit seinem Landesfürsten" sehen will. Ausland. Schweiz. Die Sonntagsruhe in der Gemeinde Bern. " Amerika. Raffenkämpfe. " die Beantwortung der Frage, ob die Vertreter beider Parteien Nicht die notarielle Beglaubigung der Unterschrift, sondern Mandate zur Abschließung des Vertrages in der vor. liegenden Form hatten, ist für die eventuelle Gültigkeit entscheidend. Da die Gehülfen unter anderm eine 15prozentige, nicht eine 10 prozentige Lohnerhöhung, außerdem aber auch die abgelehnte Arbeitszeitverfürzung forderten, haben sie natürlich zu der veränderten Sachlage noch Stellung zu nehmen. Der Organisationsvertrag bedingt überdies wahrscheinlich noch Statutenänderungen, muß also deswegen schon die Mitgliedschaft beschäftigen. # * Versammlungen zwecks Stellungnahme zu dem Entwurf finden noch fortgesetzt statt und bieten fast überall dasselbe Bild. In Offenbach a. M. erstattete am Mittivochabend Gehülfen. bertreter Dominé Frankfurt a. M. den Bericht über die Berliner Tariftagung. Mit wenig Ausnahmen sprachen sich dann in der Besprechung des Referats die Redner äußerst abfällig über die materiellen Erfolge der Tarifberatung aus. Scharfe Verurteilung fanden besonders außer der Ablehnung der Arbeitszeitverkürzung Die Wiedereinführung des Berechnens an den Setzmaschinen und die Nichtgewährung der zehnprozentigen Lohnzulage an alle über Minimum Entlohnten. Vereinzelt wurden auch einige Bestimmungen des zwischen der Gehülfen- und Unternehmerorganisation abgeschlossenen Vertrages als gefährliche gestreift; zu einer eingehenden Besprechung dieses Vertrages kam es jedoch nicht, da Redner, die dies zu tun gedachten, darauf berzichteten, als der Referent nach 11 Uhr die Versammlung verließ, um heimzukehren, die Versammlung jedoch einen gestellten Vertagungsantrag ablehnte. Von zwei eingereichten Resolutionen sprach sich eine für direkte Ablehnung des neuen Tarifs aus, tam jedoch nicht mehr zur Abftimmung, nachdem sich bei schon etwas gelichteter Versammlung eine Mehrheit der Abstimmenden für folgende Resolution fand: Die heutige Versammlung erkennt in den Resultaten nicht das genügende Entgegenkommen in bezug auf Lohn und Arbeitszeit gegenüber den Zugeständnissen an die Prinzipale. Um das Prinzip des Friedens aufrecht zu erhalten, stimmt die Versammlung doch den Beschlüssen zu und erwartet, daß die Prinzipale Härten in bezug auf die über 3 M. über das Minimum entlohnten Gehülfen berüdfichtigen." In Karlsruhe i. B. hat eine von 450 Gehülfen besuchte Buchdruckerversammlung nach dem Referate des Gehülfenvertreters Anie- Stuttgart in auffallend schroffer Weise die Zustimmung zu dem abgeschlossenen Tarif abgelehnt. Von zirka zwölf Rednern sprach sich nicht einer für den neuen Tarif aus. Eine entsprechende Resolution, die zugleich die Einberufung einer außer= ordentlichen Generalversammlung fordert, wurde einstimmig angenommen. Charakteristisch für den Verlauf der Versammlung war die Aeußerung eines Redners, der BuchdruckerAm 19. März 1905 genehmigte das Berner Volk ein ihm vom Großen Rate des Kantons vorgelegtes Gesetz betreffend die Sonn- Die alte Feindschaft der Weißen gegen die Neger im Süden berband müsse sozialistisch sein, ob er wolle oder nicht." Hätten tagsruhe, das die für den ganzen Kanton zur Anwendung zu der Vereinigten Staaten ist in der letzten Zeit wieder in ber- ir mehr unseren Arbeiter- und Klassenstandpunkt gewahrt, man bringende Norm festlegt und damit auch die notwendige Grundlage stärktem Maße ausgebrochen. Lynchmorde wurden aus Mississippi, hätte uns diesen Tarif nicht geboten." schafft für die in den einzelnen Gemeinden im Einklang mit Kentuch und Arkansas am 8. Oktober nach New York gemeldet; Jest regen sich auch die Maschinenseher. Sie find bea den Gepflogenheiten und Gefühlen der Bevölkerung aufzu- ferner sollen Unruhen gegen die Farbigen in Nord- Carolina, Süd- fonders damit unzufrieden, daß für sie die Akkordarbeit und fiellenden näheren Vorschriften. Das Gesetz vom 19. Wärz 1905 Carolina und in Georgia ausgebrochen sein. Sogar in dem Nord- die Leistungsflausel eingeführt worden. Außerdem ist ihre erklärt im§ 1 die Sonn und hohen Festtage als staat Indiana wurde in Bloomington der Versuch gemacht, einen Arbeitszeit nicht verkürzt, sondern für den Zeitungsfat um etwa öffentliche Ruhetage und knüpft, von dieser grundsätzlichen Reger aus dem Gefängnis zu holen und aufzuhängen. eine halbe Stunde verlängert! Es ist nämlich als nicht Bestimmung ausgehend, daran folgende nähere, die Gemeinden be- Die Nachricht von einem Lynchgericht an einem Orte wirkt tarifwidrig fommentiert, daß das Maschinepuben gegen eine be treffende Vorschrift: oft ansteckend auf die Bevölkerung eines anderen Ortes und ruft § 2. Ueber die Beobachtung der Sonntagsruhe und über die eine Negerverfolgung hervor. Der Senator Tillmann, Vertreter fondere Entschädigung außerhalb der Arbeitszeit geschieht. Der Brandenburgische Maschinense berberein jenigen Arbeiten, welche ausnahmsweise an den öffentlichen Ruhe von Süd- Carolina im Senat in Washington, erklärte in einer hatte zu Donnerstagabend eine Nachtversammlung einberufen, um tagen gestattet werden, sowie über das Freilhalten und Rede, die er in Georgia hielt, daß in zehn, vielleicht auch schon in Stellung zu nehmen zu dem als Teil des Allgemeinen Buchdruckerden Verkauf von Waren an diesen Tagen haben die fünf Jahren blutige Raffenkämpfe in den Vereinigten Staaten tarifs geltenden neuen Maschinensekertaris Alle Redner der Einwohnergemeinden Reglements aufzustellen. Diese Reglements ausbrechen würden. Er ist ein Feind aller Bestrebungen der außerordentlich stark besuchten Versammlung sprachen sich sind innerhalb zweier Jahre vom Infrafttreten diefes Ge- Neger, eine politische und soziale Gleichstellung mit den Weißen mit Ausnahme der Macher dieses Spezialtarifes in der schärfsten feges an dem Regierungsrat zur Sanktion zu unterbreiten. zu erringen. Diese Bestrebungen treten nun aber unter den Weije gegen die Mißgeburt" wie der vorgeschlagene Tarif unter Für diejenigen Gemeinden, welche dieser Verpflichtung nicht nach Negern immer mehr hervor, und nach Tillmann sind die Weißen startem Beifall genannt wurde aus. Am Schluffe der sich bis " 3 V25 Uhr morgens ausdehnenden Beratung wurde von übtt LOl) Versammelten folgende Resolution angenommen: In Konsequenz der von der gesamten deutschen Gehülfen- schaft einmütig vertretenen Auffassung, daß der Ausspruch: „Akkordarbeit ist Mordarbeit" nirgends und in keinem Berufe eine größere Berechtigung hat als beim Arbeiten an der Setz- Maschine, wurde bei den Tarifverhandlungen im Jahre 19/«£ Uhr morgen? dauerte. Der Streik der Ballschuhmacher wurde erörtert und von einigen Seiten vorgeschlagen, den Arbeiten, einmal„eine Lektion" zu geben und eine allgemeine Aus- sperrung vorzunehmen. 35 Betriebe mit 2000 Arbeitern würden dabei in Betracht kommen. Diese Aussperrung soll vor sich gehen, wenn die streikenden Ballschuhmacher nicht b i s Montag die Arbeit aufgenommen haben. Die Versammlung machte sich diesen' Vorschlag zu eigen, aber nicht ohne heftigen Widerspruch von verschiedenen Seiten. Die mit einer Aussperrung verbundenen großen Störungen im Betriebe schiene» mehreren Fabrikanten durchaus nicht angenehm, wenn sie auch den Arbeitern diese Lektion gönnten. Es sollen außerdem nur zwei Fabrikanten für Ballschuhe im Verbände sein. Die Arbeiter nehmen eine ruhig abwartende Haltung ein. Wahrscheinlich handelt es sich nur um einen Schreckschuß und die Arbeiter sind nicht ge- sonnen sich einschüchtern zu lassen. Deutsches Reich. Zur Bcrgarbritcrbewcgung. Für das Ruhrrevier sind auf nächsten Sonntag, den 14. Oktober, 207 Bcrgarbeitervcrsauimlunge» einberufen, die sich sämtlich mit der Lohnfrage befassen werden. Von diesen Versammlungen entfallen auf den alten Verband 108, auf die Christlichen 79, auf die Hirsch- Dunckerschen 20. Man kann hieraus ersehen, daß die Bewegung mit großen, Nachdruck einsetzt. Wie das Wolffsche Depeschenbureau aus Essen meldet, haben sicherem Vernehmen nach die Zechenverwaltungen, die in allen Fragen des Arbeitsvertrages frei entscheiden, zu den Forderungen der Siebenerkommissioi» entgegen den verbreiteten gegen- teiligen Nachrichren angesichts der Kürze der Zeit noch nicht Stellung genommen, auch beruhen alle Meldungen über eine Stellungnahme des bergbaulichen Vereins auf Unwahrheit.— Diese offensichtlich von den Unternehincri« inspirierte Nachricht versucht vergeblich den Einfluß zu bestreiten, den der bergbauliche Verein auf rzl.Glscke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. LerlaaSanitalt I die Bewilligung oder Ablehnung der Arbeiterforderungen ausübt. Daß die Zechenverwaltungen noch nicht Zeit gefunden haben, zu den Forderungen der Sicbenerkommission Stellung zu nehmen, ist nicht glaubhaft und wird zu dem Zwecke verbreitet, die Arbeiter hinzuhalten._ Sächsische Sittenrcinheit. Die von den Metallindustriellcn geplante Massenaussperrung der Metallarbeiter dürfte noch in frischer Erinnerung sein. Wie allerorts. so bemächtigte sich auch in Chemnitz der Arbeiter eine begreifliche Aufregung, die in den zahlreich einberufenen Metallarbeiterversanmr- lungen zum Ausdruck kam. Es war bekannt geworden, daß in den Fabriken die Meister von den Arbeitern zu erfahren ver- suchten, ob sie dem Metallarbciterverband angehörten, zweifellos um sich die Opfer der Aussperrung dann aus- lachen zu können. Dieses Verhalten wurde in einer öffent- lichen Versammlungen vom Referenten gegeißelt, der zugleich die Arbeiter aufforderte, die Fragesteller hinters Licht zu führen, also die Unwahrheit zu sagen. Dem Versammlungsleiter. Genossen Wagner, als auch dem überwachenden Beamlen erschien diese Aufforderung nicht„ungesetzlich" und sie enthielten sich eines Ein- schreitcns. Kurz darauf erhielt W. eine Anklage wegen Duldung einer Aufforderung zu einer„unsittlichen" Handlung.(!) Vom Schöffengericht zu 20 M. Geldstrafe verurteilt, legte W. Berufung ein, weshalb sich noch das Landgericht mit dieser Hochnot- peinlichen Sache zu befassen hatte. Die Berufungsinstanz hob das schöffengerichtliche Urteil auf und erkannte auf Freisprechung. Die Begründung des freisprechenden Urteils bedeutet eine moralische Ohrfeige für das Unternehmertum. Zunächst wurde betont, daß sich das Gericht der Begründung des vorinstanzlichen Urteils nicht anzuschließen vermocht habe, da es keine Unsittlichkeit in dem Verhalten des Redners finden konnte. Es sei wohl zweifellos eine Unwahrheit, wem die Arbeiter die Fragesteller falsch berichteten, aber nicht jede Unwahr- heit sei unsittlich; dies hänge vielmehr in jedem einzelnen Falle von der gegebenen Sachlage ab. In diesemFalle hatte der Arbeitgeber kein Recht Äufkläriing zu verlangen, folglich auch der Arbeiter keine Verpflichtung, Aufklärung zu geben. Um- gekehrt sei es dasselbe: die Arbeitgeber ließen sich auch nicht nach ihren Verhältnissen ausfragen und zwar mit Recht. Wenn in diesem Falle die Arbeiter die Wahrheit sagten, würden sie ihren Gegnern nur Waffen gegen sich selbst in die Hände geliefert haben; dazu hatten sie aber keine Verpflichtung. Im Hinblick auf die Gefahr, bei wahrheitsgemäßer Auskunft ihre Stellungen zu verlieren, sei es umso verständlicher, wenn die Arbeiter so handelten, wie eS ihnen empfohlen worden war._ Ausland- Streik der Triester Schneidergehülfen. Wie uns ein Privattelegramm aus Trieft meldet, sind heute die sämtlichen Schneidergehülfen und Gchülfinnen in den Aus- stan d getreten, weil die Arbeitgeber die Anerkennung der geforderten Lohnaufbesserungen verweigerten. Streikbecndigung. JnLaRochelle haben die Hafenarbeiter, die am 9. Oktober in den Ausstand getreten waren, heute die Arbeit wieder aufgenommen. Der Ausstand der Arbeiter der Clyde-Werst dauert fort und droht noch größere Ausdehnung zu gewinnen. Es heißt, daß auch die Zimmcrleute beabsichtigen, in den Streik zu treten. Versammlungen. Eine Vertraucnsniänner-Bersammlung der auf inneren Aus- bau und Möbel nach Zeichnung arbeitenden Tischler tagte am am letzten Tonnerstag bei Habel. Nach Erörterung bestimmter Branchcnvcrhältnisse beschloß man, mit Hülfe der Obleute der einzelnen Bezirke durch eine Umfrage, unter Berücksichtigung samt- lieber für die Branche in Betracht kommenden Betriebe, eine Ueber- ficht über die herrschenden Arbeitsverhältnisse zu schaffen.— „Unsere Stellung zum Vertrage", lautete ein weiterer Punkt der Tagesordnung. Bezirksobmann Gäbel sprach dazu: Von einer eigentlichen Stellungnahme zum Vertrage, d. h. zu dem, was an Stelle des gekündigten Vertrags treten solle, könne ja in dieser Sitzung nicht die Rede sei». Es komme zunächst darauf an. die Wünsche der Kollegen der Branche zu hören. Am meisten Staub aufwirbeln werde wohl die Frage der Verkürzung der Arbeitszeit. Manche Kollegen der Branche seien ja für die Fordeung des Acht- stnndentags. Wenn das auch ganz gut und schön wäre, so seien doch aitdere und er der Meinung, daß im Fache für inneren Ausbau und Möbel auf Zeichnung der Sprung von 52 auf 48 Stunden pro Woche ein etwas heftiger wäre. Im Südwesten(wo Redner Ob- mann ist) sei deshalb die Meinung hervorgetreten, daß 50 Stunden statt der jetzt geltenden 52 zu fordern wären. Die Frage der all- gemeinen Einführung der Lohnarbeit tauche auch wieder auf. Leider seien die Kollegen verschiedener Meinung in Sachen der Ausmcrzung der Akkordarbeit. Ein Vermittelungsvorschlag wäre der, energisch für die allgemeine Einführung der Lohnsicherung einzutreten. Beim Abschluß eines neuen Vertrages müßte dann die vertragliche Festlegung der Lohnsicherung gefordert werden. Auch wäre an die Festsetzung bestimmter Montagezuschlägc zu denken, da jetzt auf diesem Gebiete eine ziemliche Anarchie herrsche. Ferner käme eine Erhöhung der Abschlagszahlungen bei Akkord in Betracht. In dieser Hinsicht kömite man sich nach den Forderungen der Bautischler richten.— Es fand eine lebhafte Tis- kussion statt, ohne daß im allgemeinen andere Vorschläge ge- macht wurden. Es fanden sich jedoch mehrere Stimmen für die Forderung des Achtstundentags. Ein Vertrauensmann war von den Kollegen seiner Arbeitsstätte direkt beauftragt worden, dafür zu sprechen, daß strikt der Achtstundentag gefordert werden möge. Lebhaft erörtert wurde auch die vielfache Umgehung des Arbeits- Nachweises. Die Unternehmer müßten gezwungen werden, stets den paritätischen Arbeitsnachweis in Anspruch zu nohmen. Irgend ein Beschluß war nach Lage der Sache nicht zu fassen. Singegangene vrucklckriften. Friedrich Eurtius. Tcnkivürdigkeitcn des Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe- Schillingssürst. Erster Band, 440 Seiten. Zweiter Band, 585 Seiten. Preis deS Werkes geh. 20 M., geb. 24 M. Deutsche Verlags- anftalt, Stuttgart. PhituS. Kritische Wochenschrist für Volkswirtschast und Finanzwesen. (Herausgeber: Georg Bernhard.) 4l. Hest des dritten Jahrganges. Preis vierteljährlich per Post und Buchhandel 3,50 M., direkt vom Verlag 4 M. Berlin. Cbarlottcnburg, Kocthestr. 69. Briefe und Zliiszitge aus Briefen von Joh. Phil. Becker, Jos. Dietzgen, Friedrich Engels, Karl Marx u. a. au F. A. Sorge und andere. Erste Ab- t'cilung: 1867—1883 bis zum Tode von Karl Marx. Zweite Abteilung: 1884—1895 bis zum Tode von Friedrich Engels. 422 Seiten. Preis der Bollsausgabe geb. 4 ZR. Verlag von I. H. W. Dietz Nächst., Stuttgart. Letzte J�achncbten und Dcpefcbca Schneiderstreik in Wien. Wie», 12. Oktober.(W. T. B.) Die Schneidergehülfen und -Gehülsinnen sind heute in den Ausstand getreten. Billige Strafe für Totschlag. Budapest, 12. Oktober.(W. T. B.) Der Abgeordnete Karl Hentz, der seinerzeit den Grafen Stefan Keglevich im Säbelduell getötet hat» wurde heute zu sechs Monateit Gefängnis verurteilt. Als mildernd nahm der Gerichtshof an, daß der Angeklagte seinen Gegner nicht absichtlich getötet babe, als erschwerend, daß er bereits wegen DiicllvcrgchrnS vorbestraft war. . Be rlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. UnterhaltungSblatt Nr. 289. 23. Iahrgaug. 1. KnlM des Jotiuättf Serlim MslllM Sonnabend, l3. Oktober 1906. Der italienische Parteitag. daß die Parlamentsfraktion kein Votum abgeben kann, das Unterstützung eines Ministeriums bedeutet, aber daß sie, wenn sich ausnahmsweise eine Situatton bietet, der gegenüber die Fraktion es für nötig hält, von dieser Norm abzugehen, eine Plenarsitzung mit dem Parteivorstand halte und dem Votum der Mehrheit gemäß ihre Aktion regele und daß— auch zu diesem Zwecke— der neue Parteivorsland zahlreich sei und der Parteilag ihn wähle nach dem Grundsatze, Genossen einzubcgreifen, die den großen wirtschaftlichen Organisationen angehören." Zur Verfechtung dieser Tagesordnung erklärt Ferri nicht viel Neues sagen zu können. Er habe keine vulkanischen Theorien, keine neuen Definittonen zu geben. Redner rekapituliert die Entstehungsgeschichte der Tendenzen und führt aus, wie sie nach dem Aufhören des Druckes der Reaktion entstanden seien als ein Zeichen der Lebenskraft der Partei. Aber die Partei darf sich nicht von den Extremen fortreißen lassen. In Bologna waren die Reformisten eine Gefahr und meine dortige Resolution sollte diesen einen Wall entgegenstellen. Heute sind die Reformisten nicht niehr zu fürchten; heute stellen wir den Syndikali st e n einen Wall entgegen. Was die Resolution von Bologna betrifft, die ich verletzt haben soll, so setzte die allerdings fest, daß die Fraktion der Regierung kein Vertrauensvotum geben kann. Gleichzeitig spricht sie aber von den Reformen, die sie im Interesse des Proletariats für nötig hält! Diese Reformen können aber ein Votum für ein Miiusterium nötig machen.(Ah! oh I) Im Jntegralismus liegt die Fortsetzung des Sozialismus, wie er vor der Entstehung der Tendenzen war, wie er in der internattonalen Partei ist. In ihm liegt das Versprechen der Parteieinheit. Die Diskussionen sind kein Uebel. Wehe der Partei, in der es keinen Widerstand der Ideen mehr gibt I Wir wollen auch kein Ausschließen aus der Partei, auch nicht die der Reformisten, obwohl ihre Theorie und Praxis den revoluttonären Sinn ver« kümmert. Zur Rcsolutton von Bologna zurückkehrend, sagt Ferri, er hätte ja schon vor dem Parteitage von Bologna für ein Kabinett ge- stimmt. Also sei es nicht so unerhört, daß er in der Folge auch wieder für ein Votum zugunsten des Ministeriums Sonnino eintrat, als dieses Ministerium praktische Reformen vorschlug, wie die der inneren Kolonisatton.(Zwischenrufe.) Ja, das ist eben der Unter- schied. Ihr Syndikalisten sagt: An einer halben Stunde Arbeit mehr oder weniger liegt Euch wenig. Das ist eben der Unterschied zwischen uns. Uns liegt an jeder Reform. Redner erklärt ini Namen seiner Fraktion, daß gestern die Jntegralisten beschlossen hätten, die Tagesordnung als Ganzes anzunehmen unter Drangabe eines Teiles der einzelnen Ansichten, um eine verderbliche Zersplitterung zu vernieiden. Ferri schließt unter dem Jubel seiner Fraktton mit der Erklärung, daß die Inte- gralisten vor allem, über alles, gegen alle die Parteieinheit retten wollen.(Andauernder Beifall.) Der nächste Redner ist F i l i p p o T u r a t i. Er beklagt, daß hier so viele schöne Reden gehalten werden und die Bedürfnisse der Arbeiter so wenig zu Worte kommen. Er geht dann zur Frage der Tendenzen über: In Jmola habe er ihre Existenz geleugnet; nur eine republikanisch-anarchisttsche Auffassung habe er konstatiert, nicht als Tendenz, aber als Keim einer anderen Partei. In Bologna war der Keim herangewachsen und er habe es dort ausgesprochen, daß nicht zwei Tendenzen, sondern zwei Parteien einander gegen- überstehen. Heute ist daS von allen anerkannt. Wir wissen auch als Methode den Klassenkampf und das Kriterium des all-' alle, daß zwischen Reformisten und Jntegralisten kein Unterschied besteht: Ferri war mit uns für Äioletti, wir mir ihm— tvenn auch mit geringerem EnthusiamuS— für Sonnino I Ob die Minister die Versprechen halten, die sie geben, das hängt nicht von ihrem Charakter und gutem Willen, das hängt von uns ab! Hier sind wir zwei Parteien, die sozialistische und eine archisttsche, die sich parasitisch an uns hängt. Das Wort soll keine Beleidigung sein, wir sind alle irgend jemandes Parasiten. Ist doch auch ein Parasit der Efeu, der die verfallenen Burgen schmückt, wie Ihr mit Eurer Rhetorik die Ueberreste des Marxismus.(Heiterkeit.) Dann analysiert Turatt mit ätzendender Ironie die integrelistische Tagesordnung. Unter anderen macht er sich darüber lustig, daß die Partei das Aufgeben der Propaganda ihrer Prinzipien noch aus- drücklich beklage. Wie wollen die Jntegralisten ihre Reformen durch- führen? Ohne Bündnisse vielleicht? Das ist lächerlich. Und welche Regeln wollen sie für den Ministerialismus aufstellen? Sie werden für die Kabinette stimmen, die Reformen und öffentliche Freiheiten versprechen? Ja, meine lieben Freunde, das tun alle Ministerien. Dann werden wir ewig ministeriell seinl(Heiterkeit.) Die Syndikalisten halten es mit Hervö und singen die Hymne: „Die verfluchten Staatsgrenzen seien vom Erdball getilgt!" Das ist eine Utogie, etwas heute Undurchführbares, aber sie wissen doch wenigstens, was sie wollen. Aber was wollen die Jntegralisten? Den Aulruhr nicht, die Insubordination nicht, was denn? Sie wollen, daß das Heer nicht ein Werkzeug der Klassenunterdrückung sei. Das wird und muß es aber sein, solange es nicht durch mid durch demokratisiert ist. Darauf müssen wir hinarbeiten. Und die Monarchie? Nicht die Monarchie, die Bourgeoisie unterstützt den Klerikalismus, weil das in ihrem Interesse liegt. Für eine klerikale Bourgeoisrepublik, wie sie heute in Italien möglich wäre, geben wir keinen Mann her! Nur eine prole» t a r i s ch e Republik hat für uns irgend welchen Wert. Bon der Gewalt haben die Jntegralisten gerade so viel in ihre Resolution aufgenommen, als sie brauchten, um von den Syndika- listen nicht verspottet zu werden. Wir sprechen den Syndikalisten und ihrer ästhetisch-liberalen Anschauung nicht das Recht der Kritik ab. Was sollten sie denn sonst tun wenn sie nicht kritisieren? (Heiterkeit.) Aber in einer Partei mit uns werden sie immer einen Teil unserer Kräfte neutralisieren. Der Jntegralismus ist das, was eine Regierungsmajorität ist: Er ist nicht die Rechte, nicht die Linke, er ist Majorität. Bis jetzt haben die Jntegralisten uns allein gelassen in dem Kampfe Körper an Körper, mit den Anarchisten rn der Partei. Heute erscheinen sie hier und wöllen uns die Früchte unserer Arbeit streitig machen. Und um den linken Flügel der Partei loszuwerden, will man gleichzeitig— der Symmetrie wegen— ein Stückchen vom rechten Flügel— als zur„bürgerlichen Demokratie" entartet— absägen. Wir aber haben unser Daseinsrecht in der Partei durch die Tatsache bewiesen I Auch Marx wußte, daß die EntWickelung der Großindustrie eine Voraussetzung des Sozialismus ist, aber doch hat er einen großen Teil seiner Tätigkeit gerade darauf gerichtet, ihr ihre Grauen und ihre Furchtbarkeit zu nehmen, ihr die Klauen zu beschneiden, wenn sie die Arbeiter zerfleischt. Die Syndikalisten aber wollen den Kapitalismus in seiner ganzen Grauenhaftigkeit auswachsen lassen. Wir glauben, es ist unsere Aufgabe, den Klassenkampf zu mildern, ihn ziviler, menschlicher zu machen. Die Syndikalisten wollen den Abgrund zwischen den Klassen tiefer graben— all das nicht aus Bosheit, sondern aus einer Art Mystizismus. In Jmola habe ich meine Rede geschlossen:„Laßt unS arbeiten!" Heute kann ich sagen: wir haben gearbeitet, lleberall, wo es eine wirklich sozialistische Bewegung in Italien gibt, ist das unsere Bewegung. Wir sind das, lvas Ihr(zu den Jntegralisten gewendet) morgen sein loerdet. Wir sind Eure eigene Zukunft, sind die Vorhut der Partei, die vorweg nahm, was inorgen allgemeine Regel sein wird. So schreiten wir weiter von Eroberung zu Eroberung.(An- dauernder Beifall.) Leone(Syndikalist) konstattert, daß Turatt Ferri zwei macht- volle Arme entgegengestreckt, in die Ferri sich auch geworfen hat. Ferri hat in der letzten Zeit nicht mehr die Haltung eines Ver- kündeten des Reformismus, sondern geradezu eines Inspirators dieser Fraktion angenommen. Jetzt stellt er den revolutionären Charakter der Resolution von Bologna in Abrede. Und doch war gerade in Bologna der Kampf zwischen den beiden Flügeln! Jetzt will Ferri uns an zwei Ministerialismen glauben lassen: einen reformistischen und einen revoluttonären. Redner zitiert B e r n st e i n, der in einem Artikel der„Soz. Monatshefte" feststellt, daß die Fraktion in Italien über die Tages- ordiiung von Bologna fortgeschreckt sei. Darin hat Turati recht, daß er in der Partei verschiedene Ausfassungen, verschiedene Taktiken, z tv e i Parteien sieht. Die italienische Partei ruht auf einer künstlich erweiterten Wählermasse, die in der Mehrheit nicht proletarisch ist. Der Syndikalismus will eben diesen Charakter, der die Ursache der Degeneration der Partei ist, diesen Charakter will er bekämpfen, will die Partei auf die prolerarische Basis stellen. Die Partei muß eine neue Basis, eine neue Konstitutton annehmen, die Sorge um die Wahlerfolge abstreifen. Der Klaffen- kämpf muß vom Proletariat selbst gekämpft werden. Das Proletariat ist der Held des ganzen sozialen Dramas. Wir verstehen sehr gut, wie der Reformismus zu seiner Haltung kommt: eben durch die n i ch t- proletarische Beschaffenheit der Partei. Die Syndikalisten haben nicht die Ablösung der Partei durch die Syndikate als Forderung aufgestellt, sondern nur die allmähliche Aufsaugung des proletarischen Teils in die Syndikate. Die Parlamentsfraktion ist so weit entfernt, die proletarischen Betvegungen zuführen, daß sie die Eisenbahner während ihrer wichtigen gewerkschaftlichen Streiks in Stich ließ! Es ist falsch, die Antithese hier auf die Formel zu spannen: Insurrektion oder Reform, Katastrophe oder langsames Werden. Wir sehen in der Praxis die täglichen Unterschiede zwischen proletarischem und bürgerlichem Sozialismus. Wir verurteilen unsere Abgeordneten nicht. Wir wissen, daß sie nicht anders handeln können, solange die Partei nicht im Sinne des revolutionären SyndikaliSnuls unigestaltet wird, so lange sie nicht im Wahlkampf die Forderungen des Proletariats vertritt. Die Reformisten glauben, daß der Sozialismus die natürliche Folge des Kapitalismus ist, der ohne Ruck und ohne Erschütterung die sozialistische Gesellschaft ausreift; sie glauben, daß der Staat diese Umwandlung in seinen Jiistitutionen selbst vollzieht. Der Staat kann aber— als politisches Machtinstrument— diefe Umwandlung nicht vollziehen, das kann nur ein ökonomisches Werk- zeug, ein Faktor der Produktion: das Syndikat. Wenn man Euch reden hört, scheint es, als hättet Ihr die Geschichte in der Hand, als wäre sie zu Euren Diensten. Wie lvollt Ihr de» Klassenkampf mildern? Ist denn der Klassenkampf eine ökonomische Tatsache oder ist er eine sozialistische Methode? Wenn er eine Taffache ist, so könnt Ihr ihn nicht nach Euren, Geschmack umgestalten. Die Parteien sind nicht die Faktoren der Geschichte, sie sind deren Produkte. So ist auch der Reformismus ein natürliches Produkt; er hat eine Zukunst. kann sogar nützlich sein, aber nur. wenn neben ihm als Ansporn und Führer eine weise syndikale Aktion steht und ihm die Wege weist. Wir müssen die Abgeordneten der Parteidisziplin unterstellen. Die Parlamentsftaktio» will für sich die aristokratische Freiheit, zu tun und lassen was ihr paßt. Ihre Autonomie muß aber beschränkt werden durch den Willen der Parteiinehrheit. Die Fraktion hat sich auf ihre Wählerschaft be- rufen, die nicht nur proletarisch ist. Unbewußt, ja im Glauben, dem Proletariat zu dienen, tritt sie proletarische Interessen mit Füßen. Wir wollen eine kampstückstige Minderheit in der Partei sein. Nun zu unserer Staatsfeindlichkeit. Wir sind staatsfeindlich, weil der Staat nichts anderes ist als der Ausdruck der unproduktiven Klasse! Die Interessen der Arbeiter sind stets im Konflikt mit den Interessen der unproduktiven Klassen. Die Unproduktiven ver- mindern, wenn sie die Kämpfe für die Verbesserung ihrer Gehälter führe», den der Arbeiterschaft zufallenden Anteil am Arbeitsprodukt der Gesellschaft. Wir wollen Arbeiter im Parlament.(Zwischen- ruf F e r r i s: Waren denn Eure Kandidaten Arbeiter?) Die sozialistische Umgestaltung kann nicht Werk des Staates sein, sondern der Syndikate, nicht Folge einer wachsenden An- Näherung der Klassen, sondern der wachsenden Masse der Syndikate. Der Sozialismus soll das Werk der Arbeiterklasse fem. Wir sind Minorität, sind stolz darauf, es gu sein. Die Minoritäten führen die Partei. Wir wollen den Kanffif. Kampf die Parole, Kampf und Sieg!(Andauernder Beifall.) Der Parteitag, der fünf Stunden hintereinander gearbettet hat, 'tritt nunmehr in die Mttagspause ein. Nachmittags-Sitzung. Während die Delegierten zur Nachmittags-Sitzung zusammen- kommen, verbreitet sich eine unglaublich erscheinende Nachricht: Die Reformisten haben i» ihrer ScktionS-Sihmlg beschlossen, für die integralistische TagrSordmmg zu stimmen. Die Syndikalisten nehmen die Nachricht mit Jubel auf; cS ist das eine Silualion, die sie gewollt haben. Einige Reformisten drücken ihren Ekel vor der Unwahrheit dieses Manövers aus. Viele Jntegralisten, unter ihnen Fern, sind sichtlich ausser sich. Gleichzeitig macht sich deutlich das Streben der Mehrheit geltend, niemand mehr zu Wort kominen zu lassen. Giovanni Lerda, Mitglied des Parteivorstandes, hat eine Tagesordnung eingereicht und sich vom ersten Tage an zum Worte gemeldet. Trotzdem be- schliesst der Kongress, die Redezeit auf fünf Minuten zu beichränken. Als Lerda die Tribüne betritt, wird ihm gesagt, dass er nur fünf Minuten Redezeit hat. Die Linke lärmt, die Rechte unterbricht. Redner versucht, den Lärm zu übertönen: Ihr habt den Parteitag einberufen, um über das Verhalten der Parla- ments- Fraktion zu entscheiden. Statt dessen hat man in stundenlangen Reden von allem möglichen gesprochen, um heute jede Diskussion abzuwürgen. Dazu ist es unnötig, tausende und abertausende auszugeben, um einen Kongress abzuhalten,' auf dem nicht ein einziger Arbeiter zu Wort kommt.(Beifall. F e r r i unterbricht: Bist D u vielleicht ein Arbeiter?) Redner, beständig von der Glocke des Präsidenten unterbrochen, fährt fort: Ich kann die Tagesordnung der Jntegralisten nicht annehmen, weil sie jeder Trans- aktion Tür und Tor öffnet. Wenn Ihr den Ministerialismus wollt, so müsst Ihr seine logischen Folgen, müsst Ihr ihn ganz wollen. Ihr müsst bereit sein, an der Regierung teilzunehmen, M i n i st e r- sitze anzunehmen, wie es Bissolati gefordert hat. Niemand, der mich kennt, kann annehmen, dass ich eine Resolution vorlege, uin mich in den Vordergrund zu drängen. Ich kann mich den Inte- gralisten nicht anschliessen, sondern stimme für meine Resolution, und wenn ich allein bleiben sollte I _ Lerda, im Begriff, seine Tagesordnung zu verlesen, wird vom Präsidenten aufgefordert., die Tribüne zu verlassen, und tut das, ohne seine Resolution begründen zu können. Die Resolution liegt im Druck vor und hat folgenden Wortlaut: „Der Parteitag, trotzdem er einräumt, dass die Form, in der die Abschaffung jeder Klassenherrschaft erfolgen tvird, bei dem jetzigen Stande der Erkenntnis nicht mit wissenschaftlicher Methode und Genauigkeit festzustellen ist, betont noch einmal seinen Glauben an die Vergesellschaftung der Produktionsmittel als eine der Formen— vielleicht die am meisten zu verallgemeinernde— die die künftige Gesellschaft unter dem Widerstreit der Kräfte und Be- dürfnisse annehmen wird; er betont ferner von neuem sein volles und unbegrenztes Ver- trauen in das Prinzip des Klassenkampfes als sicheren und logischen Grund und praktischen Führer in der langsamen Er- oberung, die das Proletariat zu vollziehen hat, im Interesse der ganzen Gesellschaft und der Kultur der Menschheit; er erachtet als notwendig und den sozialistischen Grundsätzen des Kampfes entsprechend: die Eroberung der politischen Macht, den gewerkschaftlichen Kampf, die Arbeits- und Konsum- aenossenschaften und alle jene Aeusserungen proletarischer Kraft, die geeignet sind, die materielle Macht der Arbeiterklasse zu stärken, ihren Glauben in die sozialistischen Ideale zu ver- mehren und zu erhalten und sie mit jenen physischen, intellektuellen und moralischen Eigenschaften auszustatten, durch die allein der lange und schwere Kampf siegreich zu Ende geführt und die neue Kulturforni, die die sozialistische Partei anstrebt, verwirklicht werden kann. Der Parteitag erachtet als den vorerwähnten Zwecken nicht entsprechend— besonders bei der heutigen Rück- stündigkeit des Proletariats und des Unbewusstseins, in der es den grossen Gesetzen der Geschichte gegenübersteht— jede Aktion der Partei, die dahin strebt, an Stelle der sozialistischen Erziehung der Massen die blosse Vertretung ihrer Interessen zu setzen, um so mehr, wenn diese Vertretung sich durch Mittel vollzieht, die geeignet find, dem Proletariat Misstrauen in seine eigene Kraft einzuflössen und eine irrige Ausfassung der Kräfte und Interessen zu bezeugen, die der Abschaffung des kapitalistischen Regiments entgegenstehen. Der Kongress erklärt schliesslich, die.auf dem Parteitag von Bologna angenommene Resolution ausrecht zu erhalten, nach der die Parlamentsfraktion nie und unter keinen Umständen— und sei es nur vorübergehend— bürgerlichen Ministerien ein Ver- trauensvotum gewähren kann." Als nächster spricht Podrecca, Herausgeber des antiklerikalen Witzblattes„Asino". Redner spricht des längeren von der materia- listischen Weltauffassung und von der Nichtexistenz Gottes I— Antimonarchische Propaganda wäre nicht wünschenswert, solange die Lage des Proletariats es im heutigen Zustande der Unwissenheit :rhält. Da der Redner sehr abschweist, lärmen die Syndikalisten und zwingen ihn schliesslich, seine Rede abzubrechen. Dann spricht M o r g a r i. Man erwartet von ihm eine Er- klärung über den Beschluss der Reformisten. Er polemisiert aber nur mit Labriola und ist schwer verständlich, da er vielfach unter- krochen wird. Pramkolini, Reformist aus Reggio Emilie, wird von gewaltigem Beifall begrüßt. Er erklärt im Namen der Reformisten, dass diese mit dem Wesen der Tagesordnung der Jntegralisten ein- verstanden seien und daher für sie stimmen werden. Wir machen keinen Anspruch auf Vertretung unserer Freunde in den Parteistellen sVorstond und„Avanti"), sondern freuen uns, dass der Jntegralismus sein Ziel erreicht hat: die Partei zu ihrer Einheit zurückzuführen. (Beifall.) Marangoni, im Namen der Syndikalisten, bittet alle, die dieser Fraktion auch sympathisch gegenüberstehen, ohne ihre Ansichten ganz zu teilen, gegen die syndikalistische Tagesordnung zu stimmen. Ferri, sichtlich erregt, beklagt die Unklarheit und Falschheit der Situation: Gestern hatten die Reformisten nicht Worte genug, um den JntegraliSmuS zu verhöhnen, heute stimmen sie für seine Tagesordnung. Die Folgen Eurer heutigen Tat werdet Ihr selbst zu tragen haben. Galli Romeo, einer der Unterzeichner der integralistischen Tagesordnung, erklärt, nach dem Beitritt der Reformisten könne er nicht mehr für sie stimmen.(Beifall, Lärm.) Endlich beginnt die namentliche Abstimmung miter größter Er- regung der Versammlung. Zerboglioö und B i s s o l a t i s Votum für den Jntegralismus werden verhöhnt. G r a z i a d e i, T a s ca, Cassola, alle drei Reformisten, enthalten sich der Ab- stumnung und werden applaudiert. Podrecca, der Ultrarefornrist, wird bei seinem integralistischen Votum ausaepfifsen. Das Resultat ist bereits telegraphisch üoerinittelt worden und sei hier wiederholt: Jntegralistische Tagesordnung.. 26 947 Syndikalistische„.. 5 278 Resolution Lesba... 1 101 Stimmenthaltungen.. 757 Die Mehrheit verläßt den Saal vor der Proklamierung des Resultats l Der französische Gewerkschaftskongreß. Erster Tag. Abend-Sitzung. Amiens, S. Oktober.(Eig. Ber.) Die Verhandlung am Nachmittag gestaltete sich ungemein knteressant. Die Unzufriedenheit mit der heute in der Konföderation herrschenden Richtung und die Meinung, dass die Gewerkschaften ge- werlschastliche Jntereffen zu vertreten und nicht antiparlamentarische Weltpolitik zu treiben haben, trat mtt wachsender Klarheit zutage und aus einmal war man in einer Debatte über proletarischen Internationalismus, in der den syndikalistischen Führern mit guten Argumenten zugesetzt wurde. Die Abstimmung am Schlüsse flel wie zu erwarten war, zu ihren Gunsten aus. Wer sie sind zu kluge Leute, um nicht zu spüren, dass in den Gewerkschaften heute doch ein anderer Wind weht, als noch vor zwei Jahren. Die Sitzung beginnt mit der Weiterberatung und Beschluß- fassung über die Erklärimg gegen den„Reveil du Nord". Der An- trag wird in einer präzisen, sachlichen Formulierung angenommen. Eine ähnliche Erklärung gegen das genannte Blatt hat gestern der Einigungskongres; der Bergarbeiter beschlossen. Die Taktik des „Reveil du Nord" findet keine Verteidiger. Der Kongress geht zur Diskussion der Konföderationsberichte über. Die Mechaniker haben einen gedruckten Protest gegen die An- griffe eingereicht, die der Föderationssekretär G r i f f u e l h e s in seinem Bericht gegen sie gerichtet hat. Die Mechaniker hatten nämlich die Eroberung des Achtstundentages für vorläufig unmöglich erklärt und ihren Kampf nur für den Zehnstundentag und für die„englische" Woche(freien Sonnabendnachmittag) unter- nommen. Griffuelhes sucht seine Darstellung zu rechtfertigen, findet aber in C o u p a t einen energischen Gegner. Coupat erklärt, daß seine Gewerkschaft erwarten dürste, wenn sie ihre Krast auf ein erreichbares Ziel konzentrierte, zu siegen. Ohne die Infamie des Scharfmachers Marquis von D i o n, der die Unternehmer der Automobilindustrie gegen die Arbeiter hetzte, wäre die englische Woche erobert worden. Coupat beantragt schliesslich, dass die auf einzelne Geiverkschaflen bezüglichen Berichte künftig vor dem Kongress diesen vorgelegt werden sollen. Die Stimmung der Versammlung ist dem Antrag entschieden günstig und GriffuelheS akzeptiert ihn. Nun legt K e ü f e r die Gründe dar. warum die Buchdrucker nicht für den Achtstundentag, sondern für den Neun stundentag ein- getreten sind. Eine von der Föderation du Livre vorgelegte Auf- stellung teilt über die Erfolge der Bewegung interessante Daten mit. 126 Sektionen haben ihre Forderungen ohne Streik, 44 im Streik durchgesetzt. 11 Sektionen eroberten eine Arbeitszeit von S'/.z Stunden, 7 hatten gar keinen Erfolg und 12 haben überhaupt nichts unter- nommen. Keüfer erklärt, seine Gewerkschaft habe sich von der Acht- stundenbcwegnng abgelöst, weil sie es für besser gehalten hätte, etwas praktisch Mögliches anzustreben. Das aber sei der Achtstundentag vorläufig noch nicht. Der Redner geht dann zu dem Abschnitt des Berichts über, der von dem Austritt aus dem internationalen Bureau handelt. Keüfer gehört der älteren Schule der französischen Arbeiter- Politik an. Er steht noch unter dem Einfluß des Comteschen Posi- tivismus. Nach seinen sozialpolitischen Anschauungen ist er ein Ber- treter der neutralen Gewerkschaften. Ilm so bemerkenswerter ist die kritische Haltung, die dieser verdienstvolle Organisator der fran- zösischen Buchdrucker in der Frage der internationalen Verbindung einnimmt. Er findet, dass die mitgeteilte Korrespondenz mit Legten den Austritt nicht rechtfertigt: PongetS Gründe sind nicht stichhaltig. Auf den internationalen Konferenzen ist immer etwas zu lernen, viele Fragen sind nur international zu lösen. Da» inter- nationale Sekretariat ist die Seele der internationalen Arbeiterbewegung. Der Redner beantragt, die abgebrochenen Bezieh rin gen wieder anzuknüpfen. Bousquet(Nahrungsmittelgewerbe) verteidigt die Haltung des Konföderationsvorstandes. Der Redner, der seit einigen Jahren ein eifriger Antiparlamentaricr geworden ist, meint: Welches sind die Mittel der sozialen Revolution, wenn nicht der Antimilitarismus und der Generalstreik? Griffuelhes ist mit einer betrübenden Ant- wort aus Berlin zurückgekehrt. I» den deutschen Gewerkschaften und im besonderen bei Legten ist eine eigentümliche Geistes- r i ch t u n g wahrzunehmen. Man hat in Mannheim die Ge- werkschaften sich unter die Vormundschaft der politischen Partei begeben sehen. Legien ist nicht nur Gewerkschaftler, sondern auch Abgeordneter und Politiker imd hat als solcher Wahlinteressen. Als der Redner geschlossen hat, ruft ein Delegierter: Und das alles ist keine Politik? Pouget, der begabteste unter den syndikalisttschen Führern, kommt seinem Genossen zuhülfe, bringt aber zumeist nur Dinge vor, die schon im Bericht stehen. Legien habe in Amsterdam eine Reso- lution„von zügellosem Autoritarismus' annehmen lassen, die dahin gehe, daß aus den künftigen Konferenzen nur administrative An- gelegenheiten, nicht allgemeine Ideen verhandelt werden sollen. Auch er spricht von einer„mentslitö speciale"— einer eigenartigen geistigen Verfassung der deutschen Gewerkschaftler. Nach der An- nähme der Resolution sein ein Ideenaustausch nicht mehr möglich, die weitere Teilnahme an den internationalen Konserenzen zwecklos. Coupat tritt Pouget entgegen: Werdet Ihr durch Abstinenz Euren Ideen zum Siege verHelsen? Die persönlichen Beziehungen der Gewerkschaftsleiter sind sehr wichtig. Die internationalen Be- ziehungen sind auch von unmittelbarer praktischer Wichtigkeit, z. B. bei der Abtürzmig der Arbeitszeit. In Frankreich müssen wir mit den Belgiern rechnen, die herüberkommen. Es sind übrigens nicht nur die Deutschen, die die Auftiahme der Punkte: Antimilitarismus, Generalstreik und Achtstundentag in die Tagesordnung abgelehnt haben, sondern auch die Engländer, die Dänen n. a. Wenn man wirklichen Internationalismus sehen will, lese man den Bericht der Typographen über die Unterstützung, die sie aus dem Auslande er- halten haben. Wenn Euere Ideen gut sind, werdet Ihr sie durch- setzen. Stellt aber das französische Proletariat nicht ausserhalb der Proletarierinternationalel(Starker Beifall bei einem grossen Teil der Versammlung.) Niel vermißt die Mitteilung des— zu spät angekommenen— Briefes, worin Legien die Entscheidung der Sektionen bekannt- gegeben hat. Legien habe keineswegs selbst entschieden, sondern bei den Sektionen angefragt. Griffuelhes erklärt, die kurzen Konferenzen seien die langen Reisen nicht wert. Die statistischen Arbeiten und Dar- stelluilgen interessieren die französischen Gewerkschaften nicht. Auf 50 ausgeschickte Fragebogen sind 7 Antworten gekommen.— Der Redner beklagt stch über die Rücksichtslosigkeit der Engländer, die in Dublin die Vertreter der anderen Nationen nicht zu Wort kommen ließen. Auch von seinem Berliner Aufenthalt hat er traurige Er- innerungen heimgebracht. Nachdem die Verhandlung mit Singer erfolglos geendet' hätte, habe sich niemand um ihn gekümmert und er sei— da er des Deutschen nicht mächtig sei— zwei Tage lang in der fremden Stadt Hülflos umhergeirrt, von trockenem Brot lebend, wofür er sich allerdings später durch ein gutes Diner— in Frankreich— entschädigt habe I Glücklicherweise hat sich schliesslich ein den Anarcho-Sozia'listen nahestehender Mann seiner angenommen, als er in Berlin fremd hernmlpazierte. Die Reden Keufers und Coupats haben sichtlich Eindruck auf die Versammlung gemacht. Die Syndikalisten fühlen die Gefährlichkeit der Situation und beeilen sich, einen Gegenzug auszuführen. Der Antrag Keufcr- Coupats besagt: Das Komitee der Arbeits- konföderation wird aufgefordert, die Verbindung mit dem inter- nationalen Sekretariat wieder aufzunehmen. D e l a s s a l e und Ge« nassen nehmen in ihrem Gegenantrag die Aufforderung ans, setzen aber hinzu, daß der französische Sekretär von neuen, die Be- ratung der zurückgeiviesenen Punkte verlangen solle. Pouget erfaßt schnell die Gelegenheit, die Konföderation noch einmal' auf die syndikalistische Taktik öffentlich festzulegen und fügt das— von Delassale angenommene— Amen- dement hinzu: Im Falle neuerlicher Ablehnung geht das Komitee der Konföderation über daS internationale Sekretariat zur Tagesordnung über und sucht direkten Anschluß an die konföderiertenNationen. — Man sieht, aus der Schamade ist eine Fanfare geworden. Die Solidarität mit der iuternattonalen Gewerftchast wird ersetzt durch den Kampf gegen sie, der sozialistischen Arbeiter-Internationale tritt die syndikalistische Jnternattonale feindlich entgegen. Es entspinnt sich zunächst ein Streit über die Priorität der Anträge. Die Syndikalisten verlangen sie flir den ihrigen, weil sie daraus rechnen, dass manche, die für den Antrag Keufer-Coupat stimmen würden, nicht gegen den Antrag Delassale-Pouget werden stimmen wollen. Diesem wird die Priorität zugebilligt. Der AntragDelassale-Pouget wird angenommen. Von etwa 300 Delegierten stimmen etwa 180 dafür. 120 dagegen. Die Syndikalisten begrüßen die Berkündung des Resultats mit lebhaftem Beifall Und erklärte Anarchisten zeigen'hre Genugtuung über das Funktionieren der sonst so verachteten Wstimmungs- Maschine. Nach der Sitzung trat noch die zum Ausgleich des Lyone, Zwistes eingesetzte Kommission zusammen. Ihre Versuche blieben infolge der Unnachgiebigkeit der syndikalistischen Union erfolglos. Die in der munizipalen Arbeitsbörse vereinigten 60 Gewerkschaften bleiben somit aus der Konföderation ausgeschlossen und— die sozialistische Opposition auf dem Kongress ist um einige Stimmen schwächer. Bezeichnend für die Anschauungen,_ die in manchen anarchistischen Kreisen herrschen, ist eine Episode vom Vormittag,' die hier noch nachgetragen werden mag. Aus der unabhängigen ArbeitSbörse von Lyon spielt ein ge- wisscr Delmorös eine Hauptrolle, ein Mensch, der etliche gemeine Verbrechen begangen hat und schon von allen Parteien hinaus- geworfen worden ist. Auf den Borwurf der Sozialisten, daß sich die Unabhängigen mit einem solchen Individuum einließen, erwiderte ein Anarchist, gerade die Tatsache, daß Delmorös Verbrechen be- gangen babe, beweise seinen höherenGeist(mentalltö superieure), seine Sieoolte gegen die bestehende Gesellschaft. Und diese Bemerkung fand Beifall! Zweiter Tag. Vormittagssitzung. Amiens, 10. Oktober. Am Beginn der heutigen Sitzung teilte der Delegierte der Marinearbeiter von Brest mit, daß ihm der Hafenpräfckt Admiral P e p h u a n den Urlaub zum Besuch des Kongresses verweigert habe. Der Kongress beschloß einen Protest. Die Debatte über die Berichte wurde fortgesetzt. Gegen die Redaktion der„Voix du Peuple" wurden von verschiedenen Seiten Beschwerden erhoben. Einige Delegierte fanden das Blatt zu matt, andere zu parteiisch. Autourville(Zuckerbäcker) wirft den Sekretären autoritäres Verhalten vor: Pouget veröffentlicht im Konföderationsorgan Tendenzartikel und unterdrückt Artikel, die ihm von den Organisationen eingesendet werden. Er verlangt, dass die„Voix du Peuple" künstig mehr gewerkschaftlichen Inter- essen als persönlicher Politik diene. G u e r a r d(Eisenbahner) kritisiert die gegenwärtige Taktik der Konföderation: Was man in Bourgcs beschlossen hat:"die Einstellung der Arbeit nach 8 Stunden, hat man selbst fallen lassen. Ich klage nicht an, ich konstatiere nur. Es war in der Tat unmöglich, einen solchen Beschluß all- gemein durchzuführen. Hätten etwa Lokomotivführer und Schaffner die Züge auf der Strecke stehen lassen sollen? Die Kongresse sollen keine Konzile sein, die unbedingt bindende Gebote aufstellen, sondern sollen nur der Arbeiterbewegung Richtung geben, Informationen und Anregungen vermitteln. Der Redner verteidigt das Prinzip der Proportionalvcrtretung auf den Kongreffen, das in Bourges verworfen wurde. Was das. Vcrbandsorgan anlangt, so hält er es für notwendig, daß künftig Artikel, die die Föderattonen be- treffen, nur dann veröffentlicht werden sollen, wenn sie das Föderationssiegel tragen. Unter denen, die die„Voix du Peuple" zugleich für absolutistisch und schwächlich erklären, befindet sich der AntiMilitarist Bousquet. Auch er will, dass das Blatt nicht einzelnen Personen diene. Clevy(Textilarbeiter) verlangt einen Tadel für die Redak- tion, weil sie statt organisatorischer— desorganisatiorische Arbeit geleistet habe. Griffuelhes kommt in seinem Schlusswort auf die Aic griffe zu sprechen, die wegen seiner Mitarbeit an der„Humanitö gegen ihn erhoben worden find und erklärt unter grossem Beifall, er lasse sich die Freiheit, zu arbeiten, was er wolle und wo er wolle, nicht nehmen. Dass der Kongressbeschluh von Bourges über die Durchsetzung des Achtstundentages nicht rigoros angewendet werden konnte, hat das Konföderationskomitee selbst anerkannt. Der Kongress hat der Arbeiterklasse ein Ziel weisen wollen. Wir haben diese Auffassung konsequent festgehalten.(Trotzdem hat das Komitee in seinem Bericht und im Verbandsorgan Gewerkschaften, wie die Buchdrucker und Mechaniker, ihrer nicht rigorosen Inter- prötation wegen heftig kritisiert. Anm. d. Berichterstatters.) Mit den Resultaten unserer Agitation können wir zufrieden sein. Nie hat man in der Arbeiterschaft eine solche Bewegung gesehen. Wir haben einen grossen moralischen Erfolg davongetragen.(Starker Beifall.) Die in der Sitzung vom 9. angenommene Tagesordnung Delessalle- Pouget über die internationalen Beziehungen der Arbeitskonföderation hat folgenden Wortlaut: „Nachdem der Kongress die Kritiken und Antworten über den auf die internationalen Beziehungen bezüglichen Teil des Berichts gehört hat, billigt er die Haltung des Konföderations- Vorstandes, der die Beziehungen mit dem internationalen Sekretariat zeitweilig suspendiert hat, da dieses es abgelehnt hatte, die Fragen des Generalstreiks, des Achtstunden- tags und des Antimilitarismus auf die Tagesordnung zu stellen. Er fordert das Komitee auf, die Beziehungen mit dem internationalen Kongress wieder aufzunehmen mit dem neuerlichen Verlangen, dass die vordem zurück» gewiesenen F r a g e n aus die Tatzesordnung gesetzt werden. Zusatz Pouget: Im Fall, dass das internationale Sekretariat dies ablehnen und sich hinter den in Amsterdam angenom- menen Antrag verschanzen sollte, ohne seine Aufhebung auf der nächsten Konferenz fordern zu wollen, wird das Konföderationskomitee aufgefordert, mit den angegliederten nationalen Zentren(?) in direkte Beziehungen zu treten und über das internationale Sekretariat hinwegzugehen." Die Gewerkschaftspresse zum Parteitag. Unter den Stimmen, die wir in dieser Uebersicht auf- zuführen haben, sind manche, die unseren Widerspruch in mehr als einer Hinsicht herausfordern. Wir begnügen uns jedoch hier mit dieser Bemerkung und behalten uns vor, nötigen- falls im Zusammenhange auf die Sache zurückzukommen. Ter„Seemann": „Mit sehr gemischten Gefühlen sahen wir ocn Vcrhanolungen des sozialdemokratischen Parteitages, der vom 23.— 29. September in Mannheim stattgefunden, entgegen. Mit gemischten Gefühlen deshalb, weil Fragen dort zur Beratung und Entscheidung standen, die tief in unser Gewcrtjchaftsleben einschneiden. Fragen rein takti- scher Natur, die seit geraumer Zeit Gegenstand einer zwar sehr heftigen, wenn auch weniger cinwandsfreien und sachlichen Erörtc- cung auf der Gegenseite gewesen waren. Fragen, die einer gewissen Gruppe von sonst unverantwortlichen zumeist ausserhalb der Gewerk- schaftsbcwegung stehenden Leuten zu unglaublichen, unlogischen, durch nichts begründeten, also unberechtigten Angriffen und Anwürfen gegen die Gewerkschaftsbewegung und speziell gegen ihre bewaa>-»--' Leiter Veranlassung gaben. Nicht nur zu Angriffen und Anwürfen gegen die Gewerkschaften und ihre Leiter, sondern selbst— man sollte es kaum für möglich halten— zu Geringschätzungen der Ge- Wir sind glücklich, konstatieren zu können, dass sich unsere Er- Wartungen nicht erfüllt haben. Die deutsche Sozialdemokratie hat durch ihre höchste Instanz die Schreier energisch zur Ordnung ge- rufen, sie hat bekundet, dass nicht nur die heftigen Angriffe gegen den Kölner GewerkschaftSkongretz bezüglich de» Generalstreiks, sondern auch gegen die Gewerkschaften bezüglich ihrer taktischen Haltung überhaupt vollkommen unbegründet waren. Sie hat nicht zuletzt auch die Legende von der„frucht- und nutzlosen Arbeit" der Gewerk- schaften rücksichtslos zerstört. Wir stehen ja nicht auf dem Stand- punkt, dass sich bei uns in Deutschland die politischen und ökono- mischen Verhältnisse und aus diesen heraus das Verhältnis zwischen besitzende und besitzlose Klasse in kürzester Zeit so zuspitzen wird, dass ein gewaltsamer Zusammenstoss unvermeidlich ist. Wir stehen viel- mehr auf dem Standpunkt, dass die besitzenden Klassen' ernstlich und zwar in ihrem eigenen Interesse den Versuch machen werden, sich Sierbei wollen wir bemerken, daß uns der Stand-| Gache der Parteiorganisation sein, gegen Personen, die sich gegen punkt Legiens, der dahin ging, daß der Parteivorstand gewisser- die Grundsäße der Partei vergehen, das Ausschlußverfahren einmaßen Abbitte leisten sollte, feineswegs gefällt; es genügt uns voll- zuleiten. Man soll die lokalistischen Organisationen nur mit aller kommen, wenn Bebel selbst zugeben mußte, daß rechtlich gedacht, Energie bekämpfen, die sich als" Parteigenossen" gerierenden das Verhalten des Parteivorstandes bezüglich der Veröffentlichung Elemente scharf ins Auge fassen und eventuell ihren Ausschluß aus des Protokolls nicht akzeptiert werden kann. der Partei veranlassen, wenn sie sich unsaubere Handlungen und Machinationen erlauben." ,, Der Stuffateur" Vermischtes. einstweilen anderweitig mit der Arbeiterbewegung sowohl in ihrem politischen wie wirtschaftlichen Teile abzufinden, selbst bei stärkster Machtentfaltung beider Teile. Aber anzunehmen, daß das ewig so bleiben werde, wäre politische Kurzsichtigkeit. Nein, wir haben damit zu rechnen, daß die Zeit fommt, wo nach den immer größeren und erfolgreicheren Vorstößen der Arbeiterklasse, schließlich die herrschenden Klassen, sei es auf gesetzlichem oder ungefeßlichem Wege, den Versuch machen werden, der Arbeiterklasse die schärfsten Waffen für den Kampf, also die politischen und wirtschaftlichen Rechte, aus brachte denselben Artikel wie der„ Grundstein". Aus diesem der Hand zu schlagen. Wenn auch die Machtentfaltung der Arbeiter- Artikel ist noch folgender Passus erwähnenswert, der sich auf die flasse nicht an formale Rechtsparagraphen gebunden ist und von Vertagung eines Beschlusses in Sachen der Lokalisten bezw. diesen abhängt, so würde troß alledem ein Raub unseres Wahl- und Anarchosozialisten bezieht: Roalitionsrecht ein gewaltiger Schlag gegen die klassenbewußte, um „ Wir bedauern diesen Ausgang der Sache, der nichts anderes Wieder ein Bahnunfall. Der Güterzug 8560, von Graudenz die Erhöhung ihrer Lebenshaltung und um ihre schließliche Be- bedeutet, als eine Verzögerung einer Entscheidung, fommend, überfuhr am 10. d. M., abends 11 Uhr 43 Minuten, freiung von jeder kapitalistischen Knechtschaft ringende Arbeiterklasse die doch einmal kommen muß und wird. Wir sind überzeugt, daß auf Bahnhof Marienburg in Westpreußen das auf Halt stehende sein. Ein Schlag, den abzuwehren die selbstverständlichste Pflicht die Verhandlungen mit jenen geschworenen Gegnern der Zentral- Einfahrtsjignal und stieß mit einem Rangierzuge auf Gleis I, jedes denkenden Arbeiters wäre. Und wir sind überzeugt, der organisation nicht den gewünschten Erfolg haben werden. Es ist dem Ein- und Ausfahrtgleis der Marienburg- Thorner Züge, zuSchlag, er wird mit Erfolg pariert werden können, wenn das ein Fehler, daß die reinliche Scheidung, wie sie der Parteivorstand fammen. 16 Wagen sind entgleist, einige beschädigt. Der Führer Proletariat über die genügenden Machtmittel, in erster Linie über borgeschlagen hatte, nicht erfolgt ist. So bleiben denn die Zentral- des Rangierzuges hat unerhebliche Verletzungen erhalten. starke gewerkschaftliche und politische Organisationen mit gut organisationen in diesem Bunkt zunächst auf sich selbst angewiesen." Betrieb ist nicht gestört. Die Aufräumungsarbeiten sind mit dem fundierten Kassen verfügt. heutigen Tage beendet. Die Untersuchung ist eingeleitet. „ Der Töpfer": Speicherbrand in Geestemünde. Der an der Westseite des Die Mannheimer rote Woche hat die Erwartungen nicht ge- Handelshafens stehende große Schuppen, in welchem 6000 vont täuscht. Versöhnliche Stimmung lagerte auf dieser Parteitagung, englischen Dampfer„ Turkestan" aus Savannah angebrachte Ballen das Gefühl, einigend zu wirken, war das vorherrschende. Dieser Baumwolle und eine Partie Del lagerten, ist in vergangener Nacht große Zug der persönlichen Aussöhnung, der Wiederannäherung total niedergebrannt. Erst des morgens um 5 Uhr gelang es der beherrschte die gehaltenen Referate bezüglich des Massenstreiks, be- Feuerwehr und den Sprißendampfern, des Feuers Herr zu werden. herrschte auch die Diskussion. Abgesehen von einigen Dissonanzen, Ueber die Ursache des Feuers ist nichts bekannt. die aber wenig Beifall fanden. Die Stimmung selbst in Mannheim war- bis auf vereinzelte Ausnahmen eine allgemein friedliche. Die Vertreter der deutschen Sozialdemokratie standen unter dem Einfluß der richtigen Erfenntnis, daß schließlich unsere Selbstzerfleischung nicht zum Vorteil der Bewegung und des Proletariats sein kann, daß endlich Frieden eintreten muß, wenn unsere Gesamtbewegung gesunden und sich kräftig vorwärts entwideln soll. Um dies ideale Ziel zu erreichen, mußte der heutigen Diskussion über die Möglichkeiten und Voraussetzungen des Massenstreiks, über das Verhältnis der Gewerkschaftsbewegung zur Sozialdemokratie ein für allemal rücksichtslos ein Ende gemacht und in andere Bahnen gelenkt werden, mußte den unverantwortlichen Schreiern und Schreibern der Boden für ihre unangenehm störende, unsere Bewegung weniger fördernde Agitation entzogen werden. Dazu mußten sich die verantwortlichen Leiter der Gewerkschaften und der Partei die Hände zu gemeinsamer Arbeit reichen, was in Mannheim ohne Mühe in hinreichendem Maße geschehen ist." " Zeitschrift für, Graveure und Ziseleure": Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg", so kann man auch in bezug auf die Verhandlungen des diesjährigen Parteitages sagen. Aber auch mancher Genoffe ist nicht auf seine Rechnung gekommen, indem ihm weniger das einigende, sondern mehr das einfach bestimmende, dekretierende Moment opportun erschien. Nun, der Genosse Kautsky mit manchen seiner engeren Freunde hat sich auch bescheiden müssen. Nachdem die Mehrheit des Parteitages von einem Sichunterordnen der Gewerkschaften unter die Partei nichts wissen wollte, nachdem man allenthalben anerkennen mußte, daß auch die moderne Gewerkschaftsbewegung mindestens derselbe gleichberechtigte, notwendige Faftor innerhalb der klassenbewußten Arbeiterbewegung ist, als auch die Partei, trat Kautsky schweren Herzens den Rückzung an und sah sich gezwungen, die " Friedenspfeife" mitzurauchen, wenn auch mit Widerwillen. Es ist bedauerlich, daß es noch Kämpfer in unseren Reihen gibt, die da glauben, mit einem 15-3eilenantrag die gewaltigen Bewegungen der Arbeiter Deutschlands auf gewerkschaftlichem Gebiete einfach durch das Parteidogma„ beherrschen" zu lassen. Auch ist es unverständlich, daß solche, gutentwickelten Genossen, allen bereinsgefeßlichen Bestimmungen zum Troh mit einer derartigen politischen Trockenlegung der Gewerkschaften öffentlich operieren. Aber der Geist des Diktierens und des Oftroyierens scheint auch ein Teil sonst sehr guter Köpfe verwirrt zu haben. In Jena war eine allgemeine" Stimmung für den demnächstigen" Massenstreit wenn auch der Referent Bebel eine gegenteilige Auffassung propagierte, in Mannheim dagegen gelangte man zu der Ueberzeugung, daß zurzeit" noch gar nicht daran zu denken ist, den politischen Massenstreit in Anwendung zu bringen und besonders soll er nicht als Angriffs sondern als Abwehrwaffe gebraucht werden. Nun gut. Wir hatten diese Auffassung schon vor, und seit Jena erst recht gehabt, aber! und da tommt der Hafen: Im Lager unserer Genossen hatte sich durch die übermäßige Diskussion und Propaganda des Massenstreits eine Art fire Idee gebildet, man sah nur noch dieses Allheilmittel und vergaß ganz die alltägliche Kleinarbeit, die der modernen Arbeiterbewegung so not tut, wie das tägliche Brot.. Interessant ist folgender Ausspruch des Genossen Bebel in feinem Mannheimer Referat: " Wenn ich es auch billige, daß ein Mißtrauen beobachtet wird, daß man scharf alle Behörden der Partei, die eine leitende Gewalt haben, beobachtet und ich dieses Mißtrauen sogar für einen demokratischen Zug ansehe, so ist doch die Art, wie diesmal das Mißtrauen in der Partei zum Ausdruck gekommen ist, ein so starkes Stück, wie ich es noch nicht kennen gelernt habe." " Der Wir können uns unbedenklich ebenfalls auf den Boden dieser Ein Einbruchsdiebstahl ist in vergangener Nacht in einer Resolution( zum Massenstreit) stellen. Nachdem fast die gesamten Kieler Villa am Schwanenweg verübt worden, bei dem der Sohn Ausführungen dieses Parteitages sich auf dem Boden der ftriften des Befibers von den Einbrechern gefnebelt und das Haus, nachdem Abweisung der Massenstreikromantiker bewegt hat, nachdem fest- die Diebe Wertsachen und Bargeld an sich genommen hatten, in gestellt ist, daß ein Massenstreif vor allem als eventuell anwend- Brand gesteckt wurde. Die Diebe sind entkommen, das Feuer wurde bares Abwehrmittel gegen Angriffe seitens der Reaktion auf von herbeigeeilten Wächtern der Schließgesellschaft gelöscht. Es ist bestehende Volksrechte durchzuführen geeignet erscheint, nachdem dies der sechste Fall von Einbruchsdiebstahl, der in Kiel seit festgestellt ist, daß ein Massenstreik als Angriffswaffe zur kurzem vorgekommen ist. Eroberung von erweiterten Volksrechten nur als äußerstes, als legtes Mittel in Frage zu kommen hat, erscheinen die Die Lösung der Frauenfrage besteht für die Philister aller Hindernisse, die sich anscheinend über diese Frage zwischen Partei Schattierungen darin, daß sich die Mädchen verheiraten, daß die und Gewerkschaft aufgetürmt hatten, als beseitigt. Wir sagen aus- Mütter ihre Töchter an den Mann" bringen. Das ist keine drücklich nur scheinbare Hindernisse. Die Kluft und die Hinder- Kleinigkeit, man weiß es wohl, und man greift zu allerlei Mitteln. nisse zwischen beiden Faktoren sind erst entstanden durch die inten- Die Mädchen werden ausgestellt auf Bällen, im Theater und bei five Agitation einer kleinen, aber einflußreichen anderen Gelegenheiten, sie werden in den Zeitungen angepriesen und Gruppe innerhalb der Partei und die oft grundverschiedene Aus- auf den Heiratsbureaus bekannt gemacht. Dennoch will oft kein legung der Jenaer Resolution über die Anwendung des Massen- Mittel helfen. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn sogar streiks. Der eine wollte diesen nur als Demonstrationsstreif an- die Heiligen um Hülfe angerufen werden. Die belgischen höheren gewandt wissen, der andere wollte damit das bestehende Staats- Töchterschulen, die von Ordensschwestern geleitet werden, üben den gebäude zertrümmern, ein dritter die Erweiterung von Volksrechten Mädchen vor ihrem Abgang eine Heiratslitanei ein, die folgenderdurchsetzen. Hoffentlich erscheinen nun nach der Mannheimer maßen lautet: Tagung die Ansichten einheitlicher und geklärter. Heilige Maria gib, daß ich mich verheirate! Heiliger Joseph- daß es bald geschieht! Heiliger Antonius Dem Antrag Fischer( zur Sache der Lokalisten) gemäß wird man nun erneute Ginigungsversuche machen müssen. Diese können fich aber nur auf der Basis bewegen, daß die Lokalisten mit Aktiven und Passiven zu den Zentralverbänden übergehen. Daß sie dies aber tun werden, erscheint völlig ausgeschlossen. Die Genossen Bebel, Singer und Pfannkuch sollten doch hierin bereits Bescheid wissen. Schon vor einigen Jahren machten diese Genossen als Mitglieder des Parteivorstandes einen Ginigungsversuch, der aber fläglich an dem Starrsinn und der Verbissenheit der Lokalistenführer scheiterte. So wird es auch diesmal kommen. Wir hätten für notwendig gehalten, daß einer dieser führenden mit den Verhältnissen ver= trauten Genossen das Podium bestiegen und die Aussichtslosigkeit einer erneuten Einigungsverhandlung nachgewiesen hätte. Dies ist leider nicht geschehen. Nun, im nächsten Jahre wird ja dem Parteitage Bericht über die erneuten Einigungsverhandlungen" gegeben werden. Hoffentlich holt Essen dann nach, was Mannheim verabsäumt hat." ,, Korrespondenzblatt des Verbandes der Tapezierer usw.": " In unserem Artikel in der Tetzten Nummer Korrespondenzblatt" sprachen wir die Hoffnung aus, daß es in des Mannheim gelingen möge, endlich die wünschenswerte Klarheit zu schaffen, damit die Einheit zwischen den beiden Arbeiterorganisa tionen, Partei und Gewerkschaft, wirklich hergestellt wird. Wenn man nach den angenommenen Resolutionen urteilen will, sämtlicher Redner waren getragen von einem derartig versöhnlichen so wurde formell dieses Ziel vollständig erreicht. Die Ausführungen Geist, der nach den voraufgegangenen Auseinandersehungen gerade zu etwas Beängstigendes hat. Nicht, daß wir etwa gewünscht, die Geister möchten heftiger aufeinander stoßen; nein, wir sind geradezu erstaunt darüber, daß aus allen Reden und ganz besonders aus der Rede Bebels nur der eine Wunsch herausleuchtet, Versöhnung und Verständigung zwischen Partei und Gewerkschaft. - daß er ein gutes Erbteil habe! Heiliger Johannes- daß er viel Geld befize! Heilige Klara daß er mich lieb habe! Heiliger Anatol- daß er nicht leichtfertig sei! Heiliger Lupus daß er nicht eifersüchtig sei! Heilige Charlotte- daß ich die Hosen trage) daß er mir alle Wünsche erfülle)! Heilige Margaretha- daß er bald komme! Heiliger Alexander daß ich nicht lange zu warten brauche! Heiliger Cleutherins daß er ein guter Vater seiHeiliger Angelitus und ein guter Katholik! Heiliger Nikolaus bergiß mich nicht!" Wer garantiert nun aber einem solchen Engelsmann, daß er kein Teufelsweib bekommt? ( Bescheidene Anfrage eines Junggesellen.) Ein neuer Ausbruch des Mont Belée. Ein heftiger Ausbruch des Mont Belée hat auf Guadeloupe einen Aschenregen über den ganzen Südosten der Insel niedergehen lassen. Der Vulkan Saufrière verhält sich andauernd ruhig. Briefkaften der Redaktion. 6 Uhr. Jeder Aufrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Wierkzeichen abends statt. Geöffnet 7 1hr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Die juristische Sprechstunde findet wochentäglich von 7 bis 9% the Schwerin. Ja. Rigdorf. Wenden Sie sich an die Offenbacher Strankenkasse, Prinzenstr. 66, Rummelsburg. 1. Nein. 2. u. 3. Ja.. K., bei inte. F. R. 24. Benden Sie sich an den Handels- und Transport- Arbeiter Verband, Engel- Ufer 15. 3. 110. Leider würde eine Ja, Genosse Bebel, dieses Mißtrauen als, demokratischer Klage wenig Erfolg aufweisen, weil Sie beim Einzug das Bestehen der 3ug" hat sich leider in den breiten Schichten zu einer Art Manie Was immer vorher von der einen und der anderen Seite ge- Wirtschaft fannten. 3. A. Folgen entstehen daraus nicht. Beantragen ausgewachsen und ist dieses Mißtrauen, leider! von einem gewissen schrieben und geredet worden ist, in Mannheim hat man sich der Sie doch bei der Schuldeputation Umschulung. R. M. 99. Leider Teil theoretischer Kritiker in unseren Reihen geradezu genährt Situation gewachsen gezeigt. Man hat mit aller wünschenswerten Rechtsanwalt. Bestimmte Anwälte, Aerzte usw. zu empfehlen, lehnen wir gibt es derartige Stellen nicht. M. N. 16. Wenden Sie fich an einen worden. Selbstverständlich muß den Angehörigen der Organisa- Deutlichkeit die Aufgabe der deutschen Arbeiterorganisationen be tionen das Recht der Kritik gewahrt bleiben, aber sofern das Miß- tont und erklärt, daß diese Aufgaben nur gelöst werden können, Sie die Sosten und Schadenersatz ein. grundsäßlich ab. G. N. 21. Lassen Sie die Scheibe machen und flagen 6. S. 875. Die Benachrichtigung trauen" zur ständigen Krankheit des" Beobachters" wird, kann von wenn Partei und Gewerkschaften einig sind. Damit ist die Schaffung genügt, Ausstellung eines Hypothekenbriefes ist empfehlenswerter, um einem gedeihlichen Entwickeln nicht mehr die Rede sein. Auch einer besonderen Theorie der gewerkschaftlichen Biele ein für alle eventuell leichter über die Hypothet verfügen zu können. O. N. Nein. andere Arbeiterführer, und nicht zum mindesten auch Gewerkschafts- mal abgetan. Hoffen wir, daß diejenigen Arbeiterführer, welche 2. B. 50. 1. Sa. 2. u. 3.: Nein. Sie fönnen die Papiere der Bank führer, nehmen für sich das Recht in Anspruch, nicht durch bisher den bürgerlichen Ideologen den Stoff lieferten zu ihren ins Depot geben. G. 26. Sie find wahlberechtigt. 2. J. 28. Nein. Felonie" und Niedertracht" geleitet zu sein, darum Tüfteleien, daß zwischen gewerkschaftlicher und sozialdemokratischer Total als Restaurant gemietet haben und das Lokal den baupolizeilichen F. J. 84. Sie können frei wählen. G. 23. 100. Wenn Sie das follte man auch jenen mit derselben Aufrichtigkeit kommen, wie es Auffassung der Arbeiterbewegung ein unüberbrückbarer Gegensatz Borschriften eines Restaurants nicht entspricht, so hat der Wirt auf Ihr Genosse Bebel, mit Recht, für seine Person in Anspruch nimmt. Wurden wir doch selbst bezichtigt, daß wir mit dem„ reaktionärsten Wenn die Mannheimer Auseinandersetzungen, wie wir hoffen, nicht leisten. besteht, nunmehr zur Einsicht kommen und aufhören, zu spintisieren. Verlangen Sie vom Vertrag zu entbinden und Ihnen Schadenersatz zu Lenz. F. Meuschel, Weißensee, Rölfeftr. 131a. 2. W. 30. Preßgesindel" Arm in Arm gehen, daß wir jene Glemente sind, die nur formell, sondern auch nach innen die notwendige Ueber- 3ft eine Wohnung mun mündlich gemietet und keine bestimmte Mietszeit um„ 5 Pf. mehr Stundenlohn" alle Klaffenkampfideale zum Teufel einstimmung in der Arbeiterbewegung bei allen Faktoren zur Folge vereinbart, fo gilt für die Sündigungsfrist folgendes: Die Kündi gehen lassen! Oman hat uns den Gewerkschaftsvertretern haben, dann sind dieselben doppelt wertvoll. Jedenfalls ist es scharf gung ist nur für den Schluß eines Stalendervierteljahres zulässig; sie hat insbesondere fchon eine ganze Portion von Felonie" und spätestens am dritten Werktage des Vierteljahres zu erfolgen. Ist der „ Niedertracht" zugeschrieben. Nun, wir sind aber garnicht so schlecht, zurückzuweisen, wenn etwa das alte Spiel in der Weise wie bisher Mietszins nach Monaten bemessen, so ist bie Stündigung nur für den Schluß und der Mannheimer Parteitag hat es ja bewiesen, baß auch in fortgesetzt werden sollte, daß man sich sagt: So etwas tut man, dar- des Monats zulässig und hat spätestens am 15. d. Monats zu erfolgen. unseren Reihen ebensoviel parteigenössische Tüchtigkeit vorhanden über redet man gar nicht!" ist, wie bei jenen, die da glauben, die Partei als hoher Priester über ( Zur Lokalistendebatte:) die Gewerkschaften seßen zu müssen. Es ist auch erfreulich, daß sich Bebel in seinem Schlußwort gegen die Auffassung Stautstys und Genossen ausgesprochen hatte. So wünschenswert es ist, dem Treiben der sich überradikal gebärdenden anarchistischen Gruppen einmal Zügel anzulegen, fo fehr haben die hierzu gestellten Anträge daneben geschossen. Es muß 2. F. 100. 1. Ja, wenn Gesundheitsgefährdung vorliegt. 2. Čin auf länger als ein Jahr nur mündlich geschlossener Mietsvertrag ist nur für die 143 B. Jhre Auffassung ist zu Beitdauer von einem Jahre gültig. treffend. D. B. Der Bermieter ist im Unrecht. Verlangen Sie die Einräumung der Waschküche unter Stlageandrohung und Klagen Sie dann beim Amtsgericht auf Einräumung und Schadenersaz. . 2. 1. Ja. Sunlicht Seife reinigt einzig und allein durch thre eigene Reinigungskraft. Well sie vollständig frei von allen schädlichen Bestandteilen ist, schont sie nicht nur die Stoffe, selbst die zartesten Gewebe, vollkommen, sondern sie erhält auch die Haut der Wäscherinnen weich und geschmeidig. Bei Verwendung der Sunlicht Seife erzielt man weit bessere Resultate als bel Benützung geringerer Sorten und scharfer Chemikalien, welch' letztere eine Arbeitser leichterung stets nur auf Kosten der Wäsche berbeiführen. Bestehen Sie deshalb unbedingt darauf, dass zu Threr Wäsche aur Sanlicht Selle ohne jede Zusätze verwendet wird. 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Neu- Eröffnung der gesamten, erweiterten Verkaufsräume heute, Sonnabend, den 13.6ktober. Gratis beim Einkauf von 3.- Mark 20 jährige Bestehen unseres Geschäfts Metzer Straße 41 einen nützlichen Gegenstand. Gleichzeitig machen wir auf d..s Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glede, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Br. 239. 23. Jahrgang 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonnabend, 18. Oktober 1906. Der erste Nürnberger Krawallprozeß. Nürnberg, 11. Oftober. Erster Verhandlungstag. Ihn, Vernehmung der Sachverständigen. D -OGO Dienst ist um 9 Geht hinauf und haut die Lumpen!" Man nimmt an, daß es frühere Fürsorgezöglinge waren, bestimmte Nachmittags besuchte der Angeklagte seine in der Regensburger- Tatsachen sind aber hierzu nicht erbracht worden. Rettungshausinspettor Schellbach Michelsdorf straße wohnende Schwester, abends war er im Braunen Hirschen". Als es losging, ist er auch mit auf die Straße gegangen. äußert sich über die einzelnen Angeklagten. Moschinsky war Der Angeklagte erzählt ebenfalls, daß Maurer mit dem Automobil wegen vierfachen Diebstahls dem Rettungshause überwiesen, Büchner Nach Verlesung der Anklageschrift beginnt das Verhör der An- in die Leute hineingefahren ist und die Luftpumpe geschwungen hat; wegen mißlicher häuslicher Verhältnisse. Sein Vater sei ein Säufer, geklagten. Der erste ist Konrad Bauer, lediger Eisendreher, er war auch bei dem Auftritt mit Fackelmeier anwesend und hat seine Mutter habe nach der Angabe ihrer ebenfalls im Rettungshause 24 Jahre alt, der die Rolle des„ Rädelsführers" gespielt haben soll. dann weiter unten ein Geschrei gehört, worauf er hinzulief. Der untergebrachten Tochter unsittlichen Verkehr. Schulz hatte EinbruchsEr bestreitet, daß von Anfang an Ungehörigkeiten gegen die Arbeits- Arbeitswillige Eisinger habe ein Messer gezogen, worauf er ihn ab- biebstähle verübt. Präs. Die Untersuchung hat auch Streiflichter willigen begangen worden seien, daß die Streikenden vor den Arbeits- gewehrt habe. Als er weiter kam, sah er, wie Thiel sich umdrehte auf die Verhältnisse in Michelsdorf geworfen. Namentlich die entwilligen ausgespuckt, fie Lumpen, Gauner usw. genannt hätten und und aus 15 Schritt Entfernung auf Fleischmann schoß. Thiel sei lassenen Fürsorgezöglinge sollen sich zum Teil sehr unnüz gemacht daß sogar auf die Logisgeber der Streitbrecher eingewirkt worden nicht umringt gewesen. haben, besonders abends, so daß verschiedene Frauen sich nicht mehr fei, sie an die Luft zu setzen". Die Streifenden seien im Gegen auf die Straße getraut haben, weil sie immer belästigt wurden. teil von den Arbeitswilligen belästigt worden, Es folgt die und Direktor Beuge: Das ist wohl übertrieben. Gewiß haben wir mit 16- und Maurer von den Unionwerken sei der Anstifter gewesen! 18jährigen Böglingen in und außerhalb der Anstalt große Schwierigden Angeklagten selbst, habe Maurer einmal vom Fenster aus Dr. Blöde hat die Arbeitswilligen Sauer und Zöller behandelt, feiten. Wenn Leute schon zwei oder drei Jahre gesessen haben, kann einen Laus buben usw. geschimpft, als er vor der Fabrit Streit die von Braun mit dem Totschläger mißhandelt sein sollen. man in einem halben Jahre nicht Wunderdinge erreichen. Präf.: posten stand. Ueber die Vorgänge am 17. August sagt der An- Beide hatten verschiedene Schwellungen, Beulen usw., aber keine Es soll Ihnen auch kein Vorwurf gemacht werden. Die entlassenen getlagte aus, er sei auf Streitposten gewesen und von da um 1 Uhr schweren Verlegungen. Arbeitsunfähig war nur Zöller und zwar Böglinge sollen aber abends und nachts allen möglichen Unfug gein die Wirts aft Zum Braunen Hirschen" gegangen. Gegenüber, acht Tage. Dr. Linberger behandelte den Arbeitswilligen trieben haben. Mein Beuge: in der Wirtschaft zur Union", war das Lokal der Arbeitswilligen, die Geßler, der verschiedene Beulen und Hautabschürfungen hatte. Er oder 9½ Uhr abends beendet; dann habe ich weder Zeit dort zu Mittag aßen. Die Arbeitswilligen hätten herübergerufen, war einige Tage arbeitsunfähig wegen einer Anschwellung am Auge. noch Gelegenheit, im Dorfe die Aufsicht ชน führen. darauf sei der erschossene Fleischmann mit einigen hinüber- Dr. Burkhard hat den Revolverhelden Thiel untersucht, der keine Bräf.: Die entlaffenen Böglinge sollen Waffen, Dolche, Pistolen darauf sei der erschossene Fleischmann mit einigen hinüber einzige schwere Verletzung hatte, aber nach der Zahl der Ver- und Ochsenziemer, die mit Nägeln bespickt waren, besessen haben. gegangen, worunter auch der Angeklagte sich befand. wieder fortging, habe es auf der Straße eine Schieberei legungen zu schließen, könne man fagen, daß er übel zugerichtet 3 enge: Davon ist mir nichts bekannt. Das hätten die Dienstgegeben, in die auch er geriet, wobei er einem Arbeitswilligen war. Es waren Beulen, Quetschungen und zirka 10 Kragwunden. Herrschaften mitteilen sollen. Präs.: Die entlassenen Zöglinge und später einem anderen eine Ohrfeige versette. Der Sachverständige sagt auch Abends Sektionsbefund sollen Verhältnisse mit jüngeren und älteren Mädchen gehabt haben? fei er mit anderen Streifenden in der Kantine auf dem an dem erschossenen Fleischmann aus: Der erste Schuß ging durch Beuge: Das weiß ich nicht. Präs.: Das soll die Regel Wolfsfeftplage gewesen, dann seien sie wieder in den Braunen die rechten Rippen direkt ins Herz, das er vollständig durchbohrte, gewesen sein. Von den Angeklagten hatte jeder sein Verhältnis. Hirschen" zurückgekehrt. Als in der Union" Arbeitsschluß ein zweiter Schuß fam 3euge: Wie gesagt, unter den konfirmierten Zwangszöglingen ist war, feien sie auf die Straße gegangen; dabei habe er von der von hinten oder von seitwärts, schwer arbeiten, weil sie schon ihr Verbrechertum mitbringen. Wirtschaft einen ihm nicht gehörigen Stock mitgenommen. Ein durchbohrte den Oberschenkel und schlug dann noch in den Boden Hierauf wird der Kriminalkommissar GennertArbeitswilliger habe ihn mit dem Messer bedroht; daraufhin habe ein. Aus der Beschaffenheit der Wunden konnte man nicht mehr auf Berlin als Zeuge aufgerufen. Er gibt eine zufammenhängende er zweimal mit dem Stock zugeschlagen. Dann sei wieder einer die Entfernung, aus der geschossen wurde, schließen. Schilderung des Ganges der Untersuchung. Er bestreitet, daß er hinzugelaufen, er sei zu Boden geworfen worden, habe sich wieder Wenn man so Es folgt dann das Zeugenverhör. In erster Linie wurden die den Angeklagten ein Geständnis erpreßt habe. erhoben und nochmals zugeschlagen. Dann sei er verhaftet worden. Bengen des Staatsanwalts vernommen, meist Angehörige der bürger- etwas hätte tun wollen, dann holt man sich nicht die Wutter Der Angeklagte stellt entschieden in Abrede, daß es sich um einen lichen Klasse und Arbeitswillige. des Moschinsky und die Geliebte des Schulz dazu. Der Zeuge planmäßigen Ueberfall gehandelt habe, den der Staatsanwalt daraus äußerst sich dann über seine Erfahrungen bei der Vernehmung Konstruieren will, daß die Streifenden, auch wenn sie nicht Bosten der Zwangszöglinge. Etwas so Ungeheuerliches habe er zu stehen hatten, in der Nähe der Fabrik anwesend waren. noch nicht erlebt und hoffe es niemals, auch nicht in der Großstadt wieder zu erleben. Er habe es in seinem " " Als er über den Fürsorgezöglinge wegen Mordes angeklagt. FIG- ING Georg Müller, verheirateter Schlosser, 27 Jahre alt, erzählt, daß er mittags ebenfalls vom„ Braunen Hirschen" aus in die WirtVor dem Hirschberger Schwurgericht begann vorgestern ein Dezernat nur mit schweren, gewerbsmäßigen Verbrechern zu tun schaft zur Union" hinübergegangen sei, weil er gesehen habe, daß Prozeß gegen drei ehemalige Fürsorgezöglinge des und sei seit längerer Zeit in der Großstadt tätig, etwas Derartiges ein Arbeitswilliger einen Schußmann geholt hatte; er habe sich er- Michelsdorfer Rettungshauses wegen Ermordung an Beugenmaterial habe er aber noch nicht gefunden. Die fundigt, was los fei. Man habe ihm geantwortet, daß der Arbeits- des Dienstknechtes Paul Nixdorf, beziehungsweise Bei Fürsorgezöglinge bilden geradezu eine Korpo willige namens Blaufelder einen Streifenden wegen Beleidigung hülfe dazu, feinen Anfang. Der Prozeß ist besonders deshalb für ration, deren Angehörige untereinander verschworen sind und anzeigen wolle. Als er wieder hinausging, sah er einen Arbeits- weite Kreise von Interesse, weil in der Betveisaufnahme voraus- denen es nicht darauf ankommt, einen Meineid zu schwören, sofern willigen, der von Streifenden umringt war und nach ihnen sichtlich die heutige Fürsorgeerziehung und ihr es sich um das Wohl und Wehe eines der ihrigen handelt. Das fchlug; darauf habe er ihm einen Schlag versezt, und zwar Segen oder Unsegen für die Fürsorgezöglinge Verhalten der Zöglinge war geradezu ekelerregend und im höchsten mit der flachen Hand. Er ging dann in den Braunen selbst und für die Gegenden, in denen sich die Grade typisch. Die Zeugen bestritten alles, auch wenn es noch so Hirschen", wo die Streifenden das Lied sangen: Sie bestritten auch Tatsachen, die ihnen keine Lumpen, Fürsorgeanstalten befinden, beleuchtet werden belanglos war. Lumpen sind wir alle." Ob das auf die Streitbrecher gemünzt war, wird. Der Erfolg der Fürsorgeerziehung ist häufig ein für das Unannehmlichkeiten bringen konnten, in einer Weise, die in meiner peiß er nicht. Nachmittags war er mit auf dem Volksfestplatz, Fortkommen des Böglings geradezu vernichtender. Nicht zum Braris beispiellos dasteht. Besonders widerlich war die abends ging er wieder mit zum„ Braunen Hirschen", weil vereinbart Kampf ums Dasein, sondern durch die Fürsorge" gerade zum VerVerquickung mit religiösen Phrasen war, daß von dort aus in die Versammlung gegangen werden sollte. brecher erzogen, verlägt häufig ein Bögling die Anstalt. Dann wird bei fast allen Jungens. Alle erklärten immer wieder: Als in der Fabrik Feierabend war und die Arbeitswilligen tamen, wie jüngst vom Pastor Schmarsow- Hirschberg auf der Hirschfah er, daß draußen auf der Straße gestritten wurde. Der Arbeits- berger Streissynode über die großen Gefahren geklagt, die durch willige Fackelmeier drohte, jeden der Herankommenden nieder- aus der Anstalt Entlassene der Umgegend drohen. auschießen. Als der Angeklagte später vor dem Wirtschaftstore stand, fei aus einer Seitenstraße ein Arbeitswilliger gekommen, der im Vorbeigehen nach ihm schlug; darauf habe er ihm mit der flachen Hand einen Schlag gegeben. Ueber " So wahr ein Gott im Himmel lebt! In Variationen wiederholte sich das fortwährend, in Wirklichkeit Der Anklage liegt folgender Tatbestand zugrunde: Am Morgen logen die Böglinge gröblich. Uebrigens haben die Jungens freiwillig des 11. November 1905 wurde auf der Straße zwischen Oppau und überhaupt nichts ausgesagt, und wenn sie dann endlich angesichts des Hermsdorf der Dienstknecht Paul Nirdorf ermordet, der bei einem trasfesten Beweismaterials Bekundungen machten, diese in typischer Michelsdorfer Befißer in Dienst stand. Nigdorf war im Rettungs- Weise sofort wieder zurückgenommen. Ein Junge hat seine Aussage hause in Michelsdorf erzogen und stand noch unter Aufsicht der An- in 24 Stunden viermal geändert und immer unter Tränen versichert. ftalt. Ein Berliner Kriminalkommissar brachte so viel Verdachts- daß er jetzt die Wahrheit spreche. Wir werden über den Ausgang des Prozesses berichten. momente gegen drei ehemalige Zwangszöglinge des Michelsdorfer Rettungshauses zusammen, daß sie in Untersuchungshaft genommen werden konnten. Es sind dies: der Bäckergeselle Gustav Mo= chinsky, zulegt in Wenig- Rackwiz, Kreis Löwenberg, der Arbeiter Felix B ich ner und der Schleifer Gustav Schulz aus Michelsdorf, die sich nun wegen Mordes resp. Weihülfe hierzu vor den Geschworenen zu verantworten haben. die Erschießung Fleischmanns macht der Angeklagte folgende Angaben: Es hat plöglich geheißen, daß weiter unten bei der Mezgerschen Lebkuchenfabrik einer von uns geschlagen werde. Wir sind hinzugelaufen. Fleischmann, Odörfer und andere waren dabei. Der Arbeitswillige Eisinger kam daher und zog ein Messer. Ich sagte: Sepp, tu das Messer weg!" Auf dem jenseitigen Trottoir stand der Arbeitswillige Thiel, der plötzlich aus einer Entfernung von 15 bis 20 Schritt auf Fleischmann drei Schüffe abfenterte. Ich lief zu dem wankenden Fleischmann hin, Thiel richtete dann den Revolver auf mich und feuerte noch zweimal!! Die Schüsse trafen mich nicht, weil ich rasch hinter einem Baum Deckung suchte. Ich verfolgte Thiel eine Strecke weit, ließ aber fuchungsgefängnis vorgeführt. Sie tragen Gefängniskleidung. dann davon ab, weil dem Fliehenden ein Schuhmann im Automobil nachfuhr. Den Vorsitz in der heutigen Verhandlung führte Landgerichtsrat Schmidt. Die Anklage wird vom Staatsanwalt Deutschländer vertreten, die Verteidigung liegt in den Händen des Justizrats Ledermann und der Rechtsanwälte Rosemann und Beiersdorf. Aus der Partei. " Jena, 12. Oktob.( Privatdepesche des Vorwärts".) Jm Prozeß gegen Genoffin Rosa Luxemburg wegen angeblicher„ Aufreizung", begangen durch ihre Rede auf dem Parteitag zu Jena, ist heute der Termin auf den 10. November beim Landgericht Weimar anberaumt worden. Eine Massenaktion gegen die Lebensmittelverteuerung bezw. gegen die Fleischnot fordert die„ Märkische Volksstimme". Sie bemerkt zu unserer Meldung über die vom Parteivorstand der Fraktion empfohlene Interpellation: Diese Juterpellation könnte erst im November zur Beratung kommen. Wäre es nicht praktischer, von seiten des Parteivorstandes zu einer allseitigen wirkungsvollen Demonstration durch Bersammlungen und Flugblätter aufzurufen? Die Zeit erscheint durchaus geeignet, daß die Massen einmal gründlich aufgerüttelt werden." Bildungsbestrebungen. Die Angeklagten wurden kurz nach 9 Uhr aus dem UnterUnter den etwa hundert geladenen Zeugen befinden sich zahl reiche jezige und frühere Fürsorgezöglinge und deren, DienstFriedrich Odörfer, lediger Schloffer, 21 Jahre alt, bestreitet, herrschaften. Der bekannte Berliner Gerichtschemiker Dr. Jeferich jemals Arbeitswillige belästigt zu haben, er habe höchstens gelegent- und Geheimer Medizinalrat Dr. Köhler- Landeshut und Kreisarzt lich mal zu einem gesagt, er solle ihn nicht so dumm anschauen. Er Dr. Steinberg- Hirschberg sind als Sachverständige geladen. Ein Verwar am 17. mittags dabei, als Fleischmann mit einigen anderen treter des Landeshauptmanns von Schlesien wohnt den Verin die Wirtschaft der Streifbrecher hinüber ging, weil von dort aus handlungen bei. Die Mehrzahl der Zeugen spricht in unverfälschtem ein Arbeitswilliger Faren herüber gemacht hatte. Das Hinübergehen schlesischen Gebirgsdialekt, wie man ihn im Reiche Rübezahls allerBon orten findet. überfüllt. hatte nicht den Zweck, sich an den Arbeitswilligen zu reiben. Der Zuschauerraum ist Bei Fest der Streitleitung ist den Streikenden öfter aufgegeben worden, sich stellung der Personalien der Angeklagten ergibt sich, daß Moschinsky in Ober- Kunzendorf, Kreis Goldberg, ruhig zu verhalten. Als Müller mit einem Arbeitswilligen eine am 12. Mai 1888 Schieberei hatte, hat Angeklagter dem letzteren auch einen Schlag mit geboren ist und sich zuletzt in Wenig- Rackwiz, Kreis Löwenberg, Die Dresdener Genossen haben eine Reorganisation des der Hand gegeben. Als die Arbeitswilligen aus der Fabrit tamen, wo auch seine Mutter und ſein Stiefvater wohnt, aufhielt. feit 25 Jahren bestehenden Vereins für Volksbildung vorgenommen. höhnten sie uns und sagten:„ Geht nur her, wir hauen Büchner ist am 10. August 1887 in Görlitz geboren und befand Er dehnt seine Tätigkeit sowohl in räumlicher wie in sachlicher BeEuch zusammen!" Der Angeflagte habe darauf erwidert: Ja, wir fich zuletzt bei einem Bauerngutsbesizer in Michelsdorf in Dienst ziehung aus. Künftig wird er den Namen Vereinigung für werden gleich zu Euch hinübergehen." Er war auch auf dem Dasselbe war auch mit Schulz der Fall, der am 13. Januar 1885 Voltsbildung und Kunstpflege führen und eine ZentralBoltsfestplatz und fam abends mit zu dem„ Hirschen" zurüd, wo schon in Rauscha geboren ist. Alle drei Angeklagten sind trotz ihrer Jugend stelle für die Bildungsbestrebungen der Dresdener Arbeiterschaft viele Leute auf der Straße waren. Nur Braun hatte einen Stod, bereits vorbestraft. bilden. Die Mitgliedschaft kann fortan auch von Korporationen ervon den anderen niemand. Odörfer stellte einen Arbeitswilligen zur Vernehmung der Angeklagten. worben werden und das Gelverkschaftskartell wird der Vereinigung Rede, der ihn mittags gehöhnt und„ Totengesicht" genannt hatte. Die Angeklagten bestreiten auf Befragen des Vorsitzenden jede infolgedessen beitreten. Jener zog einen unter den Kleidern verborgenen Eisenstab hervor, Schuld. Der Vorsitzende hält ihnen vor, daß sie früher bereits ein lief dann aber davon, als andere hinzukamen; Odörfer ging ihm Geständnis abgelegt haben, sie bleiben aber bei der Erklärung, daß nach und traf auf einen anderen Haufen. Da sah Odörfer, wie der sie mit dem Morde nichts zu tun haben. Arbeitswillige Thiel sich umdrehte und auf Fleischmann schoß. Weiter bestreitet der Angeklagte, den Arbeitswilligen Sauer, wie ihm zur Laft gelegt wird, gemeinsam mit Müller und Braun mißhandelt zu haben. BY Amtsvorsteher Kels Michelsdorf soll über die Zustände in Michelsdorf über Natur· Üleber die Veranstaltungen, die für die nächste Zeit geplant sind, wird in der Sächs. Arbeiterzeitung" vorläufig mitgeteilt: Es sind Vortragsabende in Aussicht genommen, an denen die verschiedensten Fragen der Wissenschaft und Kunst behandelt werden. Je nach Bedarf sollen sich an die Vorträge Diskussionen und Auskunftserteilungen auf gestellte Anfragen anknüpfen. Ferner Bekundungen machen. Er erklärt zunächst auf die Frage des Präfi- werden Unterrichtsfurie veranstaltet, wie sie bisher schon das Adolf Wohlleben, verheirateter Schloffer, 25 Jahre alt, denten, daß mit Ausschluß der Sachen, die hier verhandelt werden, Gewerkschaftskartell veranstaltet hat; es sollen zunächst Kurse über und über deutsche Literatur war am Streit beteiligt, aber vom 27. Juli bis 16. August ander im großen und ganzen nichts vorgekommen sei. Ginzelne Ueber- Boltswirtschaft wärts beschäftigt. Am 16. August war die Arbeit zu Ende, und er schreitungen junger Leute habe es wohl gegeben, aber das komme geschichte im klassischen Zeitalter abgehalten werden; für Präs. Ist Ihnen nichts zu Ohren gekommen die Zeit nach Weihnachten find Kurse begab sich ins Streitlofal, um seine Streiffarte abstempeln zu lassen. auch anderswo vor. Dabei fam er an dem„ Braunen Hirschen" vorüber, er sah, wie der von öfteren Prügeleien der früheren Fürsorgezöglinge 3euge: wissenschaften und über Staatsrecht in Aussicht geArbeitswillige Blaufelder mit einem Schußmann sprach. Bei dieser Ja, bei Tanzmusiken.- Präs.: Hat da auch das Messer eine Rolle nommen. Für den größeren Mitgliederkreis werden Lichtbildes Gelegenheit soll der Angeklagte den Arbeitswilligen Geßler miß- gefpielt? 8euge: Jawohl. Präs.: Ist Ihnen bekannt, daß vorträge vorbereitet, die einen durchaus wissenschaftlichen Charakter handelt haben, was er jedoch bestreitet. Nachmittags war er auf Rettungshauszöglinge darauf halten, daß sie mit Waffen, auch mit tragen und keineswegs nur der Schaulust dienen sollen; durch Vordem Volkefestplate, abends im Braunen Hirschen". Der Arbeits- Schußwaffen, versehen sind? Beuge: Ja. Bras.: Sie haben führung der Bilder foll das Verständnis für die zu behandelnden willige Fadelmeier habe gefagt: Jept habt Ihr es so weit ge Terzerole, Revolver, Teschings usw. gehabt.-naturwissenschaftlichen, geographischen, ethnologischen usw. Fragen Präs. Ist Ihnen bekannt, daß auch die An- erleichtert werden. Gute wissenschaftliche Kräfte sind für diese Aufbracht, daß Ihr nichts mehr zu fressen habt, jetzt seid Ihr am Ber- 8euge: Ja. geflagten Waffen hatten? Zeuge: Nein. hungern." Es gab einen Wortwechsel und Präs.: Der An- gabe bereits gewonnen; der Lichtbildervortrag„ Die Tragödie der geflagte Moschinsky foll in Oppau Schießübungen gemacht Erde", wird von der wissenschaftlichen Vereinigung Gäa ausgeführt Fackelmeier drohte, mit dem Revolver zu schießen! haben. Beuge: Oppau gehört nicht zu meinem Bezirk. werden, für Ende Januar wurde ein großgedachter Kunstabend Ein Schußmann wurde aufgefordert, dem Fackelmeier den Re- Präj.: Dann soll schließlich jeder von den entlassenen Fürsorge- Rembrandt beschlossen, und zu einer Reihe von Lichtbildervorträgen volver abzunehmen, der Schuhmann erklärte jedoch, F. sei ein ver- zöglingen seine Liebschaft gehabt haben. euge: Ja, soviel ich aus der natürlichen Schöpfungsgeschichte ist. Dr. Magnus von heirateter Mann und dürfe einen Revolver tragen. Der Angeklagte gehört habe. Präs.: Es soll in Michelsdorf häufig nächtlicher der wissenschaftlichen Vereinigung Kosmos" in Stuttgart, die unter fagt ferner aus, daß der Fabrikdirektor Maurer aus der Fabrit infug vorgekommen sein, durch den die Einwohner im Schlaf gestört der Leitung hervorragender Fachmänner steht, gewonnen worden. Heraus wurden. Beuge: Jawohl, das ist vorgekommen. Präs. Für Weihnachten ist, abgesehen van noch näher zu bestimmenden im Automobil in den Trubel hineingefahren Die Höglinge follen auch den Leuten brennende Streichhölzer ins anderen Veranstaltungen, eine Ausstellung von Wandschmud, Geschenksei und dabei eine Luftpumpe geschwungen habe. Die Arbeitswilligen Geficht geworfen haben. 8euge: Das ist vorgekommen.büchern und namentlich von Jugendschriften geplant, wie denn der seien geschlossen aus der Fabrik herausmarschiert. Präs.: Den Mädchen sollen Feuerwerkskörper unter die Kleider ge- neue Verein seine Bemühungen auch darauf richten wird, der heranFriedrich Beitengruber, verheirateter Schlosser, 25 Jahre worfen worden sein.- 8euge: Ja, es sind mehrfache Feststellungen wachsenden Jugend der Arbeiterschaft Gelegenheit zu ernster Fortalt, stand mittags Streifpoften von 11 bis 1 Uhr. Aus dem Hofe in dieser Beziehung gemacht worden. Präs.: Können Sie ähn- bildung wie zu froher Geselligkeit zu geben. Ueber weitere Theater, der Fabril feien 30 bis 40 gekommen, von denen einer den liche Angaben noch machen? 8euge: Nein. Staats Dichter- und Kunstabende, Museumsführungen usw. wird das ProStreifenden, die weiter oben standen, zurief:" Geht's nur her, wir anwalt: Haben Sie auch davon gehört, daß dort alle möglichen gramm erst die nähere Auskunft bringen können. hauen Euch recht' nauf 1" Auch Direktor Maurer habe im Hofe ge- nächtlichen Diebstähle verübt wurden?-Beuge: Ja, es sind ver Die Vereinigung soll ihre Tätigkeit auch auf die Umgebung standen und habe gefaat:" schiedene vorgekommen, und man konnte nicht dahinter kommen. Dresdens ausdehnen. -M Vom Fortschritt iicr Presse. Bei einer Hausagitation für die Königsberger„ Volkszeit nng" wurden an einem Tage 1SV neue Abonnenten gewonnen. polrLeltickes, ßericbtiicbes ufw. Wahlrechts- und AufreizuiigSprozesse vor dem Reichsgericht. Vom Landgerichte Magdeburg ist am 23. März der Re- daktenr der„Volksstimme", Genosse Ernst Wittmack, von der Anklage aus§ 130 freigesprochen worden. ES handelte sich um einen Artikel über das preußische Wahlrecht. DaS Gericht hat an- genommen, daß zwar gegen dieses Recht in dem Artikel(Stimmung gemacht worden ist, aber nicht Stimmung zu Gewalt.— Die Re- Vision des Staatsantvalts gegen dieses Urteil wurde am Donners- tag vom Reichsgerichte verworfen. Weniger glücklich schnitt Genosse Wittniack mit einer zweiten vor dem Reichsgericht anstehenden Anklage ab. Er ist von dem gleichen Gerichte am 25. April von der Anklage aus§ 130 freigesprochen worden. Der in dem inkriminierten Artikel enthaltene Satz:„Die Weihnachtsglocken läuten nicht zum Frieden. sondern zum Sturm" enthält nach Ansicht des Gerichts nicht die Kriterien des Z 130, auch nicht den Hinweis auf Finn- land und Polen. Immerhin hat das Gericht angenommen, daß der Schluß des Artikels die Arbeiter zu Gewalt reizt, indem der Verfasser die Anwendung von Gewalt empfiehlt, wie sie in Finnland und Polen angewendet worden sei. Mindestens in einem Teile der Bevölkerung könne das Gefühl der Rechtsunsicherheit hervorgerufen iverden. Aber der Angeklagte habe daran nicht gedacht und sei deshalb freizusprechen.— Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hob das Reichsgericht dieses Urteil auf und ver- wies die Sache an das Landgericht zurück. Mit Recht rüge der Staatsanwalt, daß nicht auch der subjektive Tatbestand für vor- liegend erachtet worden ist. Wenn das Urteil sage:„jeder, auch der Ungebildete, muß erkennen, daß zu Gewalttätigkeiten angereizt wird". andererseits aber diese Erkenntnis in bezug auf den Angeklagten verneint, so ist dies ein Widerspruch. Das Landgericht wird nun die Freisprechung einwandsfreier zu begründen haben. Huö Xndurtric und f>andcl Bochumcr Berein. Die Aktionäre des Bochumer Vereins Gußstahlfabrik, denen es für einige Jahre jammervoll schlecht erging, mußten sie sich doch für 1901/02 und 1902/03 mit einer Dividende von nur 7 Proz. bc- scheiden, obwohl sie daran gewöhnt waren, das Doppelte einzu. heimsen, sehen in den letzten Jahren wieder reichlicher fließen den Segen spendenden Dividendenquell. Für das Jahr 1903/04 gab es wieder 10 Proz., 1904/05 brachte 12 Proz., und für das letzte Jahr werden 16 Proz. ausgeschüttet. Der Bruttogewinn des letzten Jahres beläuft sich auf 6 493 724 M., bei 1 122 773 M. Abschreibungen ver- bleibt ein Reingewinn von 4 376 961 M. Die Dividende auf das 23 200 000 M. betragende Aktienkapital beansprucht 3 780 000 M. In den letzten 10 Jahren wurden folgende Gewinne erzielt Jahr 1396/97 1897/93 1898/99 1899/00 1900/01 Rohgewinn Reingewinn M. 6 377 632 6 445 909 6 240 342 6 267 841 6 345 006 M. 3 461 237 3 624 916 4 240 733 4 586 682 4 308113 Jahr Rohgewinn Reingewinn 1901/02 3 684 424 2 105132 1902/03 3 644 427 2 054 833 1903/04 4 458 916 3 318 657 1904/05 4 673 341 3 541 553 1905/06 5 498 724 4 375 951 In den letzten zehn Jahren sind insgesamt 89Va Millionen Mark Reingewinn erzielt worden. DaS Aktienkapital, das bis 1900/01 nur 21 Millionen Mark betrug, hat man in der kurzen Zeit l7/™ mal am Ueberschutz herausgewirtschaftet. Dazu kommen noch über 16 Millionen Mark Abschreibungen. Im Jahre 1854/55 wurden auf dem Bochumer Verein zirka 200 Personen beschäftigt, im Jahre 1903/04 belief sich die Belegschaft auf 11 290 Mann. Für die letzten beiden Jahre sind uns genaue Zahlen nicht bekannt, die Auszüge aus dem Verwaltungs berfcht enthalten darüber keine Angaben. In den voraufgegangenen Jahren stellte sich der Reingewinn pro Kopf der beschäftigten Ar- beiter wie folgt: 1896/97 97/98 98/99 99/1900' 1900/01 01/02 02/03 03/04 M. M. M. M. M. M. M. M. 386 382 428 436- 373 197 187 294 Für die beiden letzten Jahre dürfte der Satz vvn 380—400 M. erreicht worden sein. Durch Abstoßung zweier Zechen reduzierte sich die Belegschaft. Aus der Bilanz ist folgendes zu entnehmen: Debitoren schuldeten 12 988 423 M.(13 207 798). Die fertigen Waren sind auf 217 864 M.(235 491) bewertet, die halbfertigen Waren auf 2 403 800 M.(2 665 257) und die Materialien auf 4 933 766 M. (4 245 721). Kreditoren hatten 4 018109 M.(4 022 267) zu fordern. An Rücklagen werden aufgeführt: die ordentliche Reserve mit 6 200 125 M., das Delkrederekonto mit 110 000 M., das Ergänzungs- und Erneuerungskonto mit 1 000 000 M. und das Spezialreserve- und Disposttionskonto mit 1469 953 M. Außerordentlich schwankend ist de? Durchschnittswert der Pro- duktion. Pro 100 Kilogramm stellte sich der Verkaufspreis im Jahre 1854/55 1850/61 1871/72 1886/87 1899/00 1903/04 1904/05 1905/06 auf M. 75,42 125,15 42,75 11,03 15,19 13,78 13,72 13,80 Die Veränderungen sind teilweise auf Konjunkturschwankungen, teilweise auf den bald stärkeren, bald schwächeren Grad der Roh- Materialgewinnung zurückzuführen. Mit seinen Kohlengruben, aus« genommen die Zeche„Ver. Karolinenglück", hat das Unternehmen keine großen Erfolge erzielt. Es hat deshalb ja auch die beiden Zechen„Hasenwinkel" und„Maria- Anna- Steinbank" wieder ab- gestoßen. Aber trotzdem, als Attionär ist es gut sein beim Bochumer Verein. Mit den Arbeitsverhältnissen ist eS dort aber nicht zum besten bestellt. Der Bochumer Verein hat erst im vorigen Jahre die auf dem Gußstahlwerk übliche elfstündige Arbeitsschicht auf zehn Stunden reduziert. Kaum auf einem zweiten Werke ist wie hier das Ueberstundenunwesen ausgebreitet. Trotzdem bleiben die Jahres- löhne relativ niedrig. Sie betrugen: 1897/93 98/99 99/00 00/01 01/02 02/03 03/04 M. 1205 1250 1280 1260 1208 1215 1253 Im letzten Jahre blieb also der Lohn hinter dem der Jahre *899/00 und 1900/01 noch um 7 resp. 27 M. zurück. Eine Steigerung des Roggenpreises zeigte sich im September an den meisten deutschen Frucktmärkten. Während der durchschnitt« liche Verkaufswert eines Doppelzentners im August noch 14,70 M. betrug, stellte er sich im Septeniber aus 15,10 M. Dieser Satz ist aus den Umsätzen an 77 Marktorten gewonnen. Mehrfach geht freilich der Preis über diesen Durchschnitt wesentlich hinaus. In den einzelnen Provinzen und Staaten betrug der Durchschnittspreis in Mark Am höchsten sind die Preise in Süddentschland; dort sind sie auch von August auf September am stärksten gestiegen. Konzeutration in der amerikanische» Lederindustrie. Die Zahl der amerikanischen Lederfabriken ist in den letzten fünf Jahren von 1049 auf 1306, gleich 19,7 Proz., gestiegen. Die Summe des an- gelegten Kapitals stieg aber um 33,1 Proz., von 173 977 421 Dollar auf 242 584 214 Dollar._ Hus der frauenbcwe�uncf» Dienstbotenpolitik. »Die deutsche Kultur", G. m. b. H.(ehemals„Ernstes Wollen" genannt), bringt im Scptemberheft einen Artikel von Regine Deutsch über„Dienstbotenpolitik". In einem Vorwort verrät die Schriftleitung— trotzdem sie in Leipzig ist— sehr genauen Ein blick in die im Innersten des„Vereins für die Interessen der Haus angestellten" Berlins vorgekommenen Wandlungen. Die SchrifP lcitung gibt an, zwischen den Zeilen zu lesen; und doch enl strömt ihren Ausführungen der Groll, den die Verfasserin im Artikel selbst nicht so scharf zu erkennen geben mochte. Besonders stark kommt der Aerger zum Ausdruck darüber, daß eine bürgev liche Frau den Mut hat, ihre Mitarbeit dem Verein auch weiter zu widmen. Was den Inhalt des Artikels selbst betrifft, wollen wir uns darauf beschränken, den gröbsten Unrichtigkeiten entgegen- zutreten. Wir nehmen an, daß Frau Deutsch nicht bewußt veb dreht. Ihre bürgerliche Anschauung läßt nicht zu, die Sozial dcmokratie als die berufene Vertreterin der Interessen aller At beitcrgruppen anzuerkennen. Es wirkt deshalb komisch, wenn sie Herrn von Gerlach als den„Vorkämpfer der Dienstbotenrechte" bezeichnet. Herr von Gcrlach, der kaum drei Jahre Reichstags Mitglied ist, kann schwerlich diese Ehre auf sich sitzen lassen. Warum scheut sich denn Frau D. auszusprechen, daß die Sozialdemokratie seit Beginn ihrer Existenz in den ihr zu Gebote stehenden Körperschaften und in ihrem Programm ausdrücklich für Abschaffung aller Knecht schaft und damit auch für Aufhebung der Gcsindeordnung em getreten ist? Warum scheut sich Frau D. weiter, auszusprechen, daß es gerade die Partei des Herrn von Gcrlach war, die die Abschaffung der Äesindeordnung verhinderte? Es ist kaum anzunehmen, daß Frau D. dies wegen Unwissenheit nicht bekannt geben konnte. Frau. D. meint i„Wären sozialdemokratische Frauen zu uns gekommen, als Hausfrauen, als Menschen, wir hätten sie freudig begrüßt." Wie wars aber? Diese Frauen kamen tatsächlich und da— streckte Frau D. die Waffen. Warum? Weil sie nicht die Frauen, die Menschen in ihnen sah, sondern Sozialdemokraten! Wer kann dafür, daß Frau D.s Einbildungskraft größer ist als ihre Einsicht? Frau D. fährt fort:„Nun fand die Versammlung statt, in der der Reichstagsabgeordncte Stadthagcn referierte. Die Leiterin der Versammlung machte zum Schluß ein Hoch auf die „internationale Völkerbefrciung" aus." Das war provozierend, und da wars um Frau D. geschehn. Sie setzte den Vorstand vor die Alternative: entweder ihr ergebt euch, oder ich lasse euch im Stich! Frau D. hatte wohl gemeint, sie sei unentbehrlich. Das war nun Fehlspekulation. Man ergab sich nicht, und das glauben wir ihr. das mag schmerzlich für Frau D. gewesen sein. Und nun das Nachspiel:„Da kommt die Sozialdemokratie und nimmt alles fix und fertig in Empfang." Nun, bei 400 Mitgliedern, die in diesen 7 Jahren erobert wurden, war nicht viel in Empfang zu nehmen. Vielmehr ist viel Unkraut und Gestrüpp, sind viel ver schrobcne, 7 Jahre lang gepflegte Harmonieanschauungen auszu merzen. Fix und fertig ist nichts, der Boden mutz im Gegenteil erst von Grund auf umgepflügt werden, ehe guter Samen auf- gehen kann. Allerdings mißfällt Frau D. sehr der aufreizende Ton des Vereinsorgans, in dem rücksichtslos die Schäden und Mängel des Berufs kritisiert werden. Dergleichen hat man früher allerdings nicht gelesen. Kein scharfer Ton, trotz der vielen Uebel- stände. Bescheiden, sittsam und fein hielt das Organ sich in engen Grenzen, so zahm, daß auch die Herrschaften damit zufrieden waren. Und wie konnte es anders fein. Man kann vom Arbeitgeber nicht verlangen, daß er die Arbeiter gegen sich selbst aufhetzt, daß er sie lehren soll unzufrieden zu sein, wenn ihnen unwürdige Arbeitsbedingungen zugemutet werden. Das ists aber wohl in der Hauptsache, was Frau D. und die bürger- lichen Damen überhaupt vermieden wissen wollten und weshalb sie verhindern wollten, daß die Sozialdemokratie die Dienenden auf- klärt. Die Aufklärung, die wir den Dienenden zu geben gedenken, soll in der Erkenntnis wurzeln, daß auch die Dienenden, wie alle Arbeiter und Arbeiterinnen ein Recht haben auf Freiheit, Rechte sowie auf eine menschenwürdige Existenz. Aber nicht durch Vertuschen und Verschleiern gelangt man dazu, sondern in- dem man ausspricht, was ist. Aber noch eins. Wo und wann hat die Sozialdemokratie den Hausangestellten sofortige Besserung ihrer Lage versprochen, und wer sagt Frau D., daß sie es nicht halten kann? Die Verständigen unter den Hausangestellten wissen, daß die Sozialdemokratie, die einzige Vertreterin der Ar- beiterschaft, auch die Interessen der Dienenden— die nur ein Teil der Arbeiterschaft sind— erkämpfen und erringen wird. Aber warum nennt Frau D. die Sozialdemokratie den Rattenfänger? Weil sie weiß, daß keine andere Partei sich der Dienstboten an- nimmt. Frau D. schilt zum Schluß viel über die bürgerlichen Frauen, die ihr nicht zu Hülfe eilten. Sie selbst hat allerdings nichts Besseres vermocht, als in die„Deutsche Kultur" zu flüchten. Dort ist allerdings empfänglicher Boden für solche Auslassungen und Entstellungen._ I. B. Wir erhalten folgende Zuschrift: Berlin SW., Lindenstr. 84. 10. Oktober. Redaktion des„Vorwärts"! Zur Debatte über den Verein der Interessen der Haus- angestellten gestatte ich mir folgendes zu bemerken: Ich bin zwar keine bürgerliche Frau, sondern habe als Mann im Vorstand des Vereins für die Interessen der Hausangestellten seit Jatzren mitgearbeitet, gehöre auch jetzt noch dem Vorstand an. Ich'muß entschieden erkläre», daß im Verein mit großer Eni- schicdenheit gegen die Gesindeordnung angekämpft worden ist, in Vorträgen, Petitionen, Flugblättern usw. Wir haben auch ein- gehend an Borschlägen zur Einschränkung der Arbeitszeit und einer geregelten Arbeitsordnung gearbeitet. Kurz, ob unter der neuen Leitung des Vereins mehr geleistet wird, ist fraglich, wenn ich es auch sehr wünsche. Lorbeeren auf Vorschuß sind in jedem Lager übel angebracht. Vorstehendes aufzunehmen sind Sie zwar wohl kaum nach dem Pretzgesetz verpflichtet. Aber ich•'fühlte mich veranlaßt, im Interesse der Sache darauf aufmerksam zu machen. Hochachtend _ Hermann Kötschke. Gericbta-Zeitung. KöuigSbrrger Tnmultprozeß. Vor der Königsberger Strafkammer wurde vorgestern gegen die Teilnehmer an einem Ende Mai auf dem Sackheim aus Anlaß einer Verhaftung entstandenem Tumulte verhandelt, in dessen Verlauf von der erregten Menge bei dem Versuch, den Gefangenen zu be- freien. Schutzleute mit Steinen und Flaschen be- w o r f e n wurden. Von 14 Angeklagten wurden n e u n zu zehn Monaten bis drei Wochen Gefängnis verurteilt, fünf wurden freigesprochen._ Ein verliebter und schlagender Polizeisergeant vor Gericht. Einen verliebten Polizeisergeanten besitzt der Nachbarort Friedrichshagen in der Person des Vollziehungsbeaniten und Polizeisergeanten Karl Brauer, der gestern unter der Anklage der Beleidigung und Körperverletzung vor der 2. Straf- kammer des Landgericht« II stand. DaS Schöffengericht in Köpenick hatte ihn seinerzeit zu einer Geldstrafe von 160 Mark ver- urteilt und folgenden Tatbestand als erwiesen angenommen: Der Angeklagte ist in Friedrichshagen Polizeisergeant und ihm liegt auch die Erhebung rückständiger Steuern ob. Er war häufiger Gast in der Kurtzcschen Schaniwirtschaft, duzte sich mit dem Gastwirt und da in dem Lokal ein derber und ungenierter Verkehrston Platz ge- griffen hatte, so gefiel er sich auch dort mehrfach in unpassenden Redensarten mit geschlechtlichem Hintergrunde und machte insbesondere auch manchmal unzüchtige Bemerkungen zu der Frau Kurtze, auf die diese, da es sich um einen alten Stammgast handelte, nicht reagierte. Am 23. Februar abends kam Brauer in das Kurtzesche Lokal und traf dort außer einigen Gästen nur Frau K. Herr Kurtze war aus- gegangen. Der Angeklagte trieb allerlei Allotria und umfaßte schließlich Frau Kurtze, die ihn ernstlich in seine Schranken zurück- wies. Am folgenden Abend kani er wieder in das Lokal, als Herr Kurtze wiederum nicht anwesend war. Er befand sich in Uniform, aber nicht im Dienst. Er soll nun von rückständigen Steuern des Ehemannes mit der Frau K. gesprochen und dann bald dem Gespräch wieder eine sehr unzüchtige Wendung gegeben haben, die so geniein war, daß Frau K. sich wiederum solche Redensarten verbat und ihr anwesender Schwager ganz empört ihn veranlaßte, das Lokal zu verlassen. Er kam aber nach einer halben Stunde wieder und geriet im Vorgarten des Lokals mit dem inzwischen heimgekehrten Kurtze in Konflikt, der über die ihm gemachten Mitteilungen sehr erregt war. Er trat auf den Polizei- sergeanten zu und versetzte ihm einen solchen Stoß, daß dieser rückliiigs über die Bordschwelle stolpernd zu Boden fiel. Nun- mehr zog Brauer seine Plempe und versetzte damit seinem Gegner einen flachen Schlag auf den R ü ck e n. Der hinzuspringende Bruder des Kurtze hatte dann die Klinge des Säbels ergriffen und weiteres Unheil verhütet.— Auf die von Kurtze erstattete Strafanzeige hatte das Schöffen- gcricht auf 150 M. G e l dstr a fe erkannt, wobei es erwog, daß der über 50 Jahre alte Angeklagte sich bisher straffrei gehalten, sich vielleicht durch den im Lokal herrschenden ungenierten Ton habe vel leiten lassen, über die Stränge zu schlagen und sich bei An- Wendung des Säbels irt Notwehr befunden habe, deren Grenzen aber überschritten seien.— Gegen das Urteil des Schöffengerichts hatte der Staatsanwalt Berufung eingelegt und beantragte dem Vernehnien nach— die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt— sechs Monate Gefängnis. Trotz der milden Strafe hatte auch der Angeklagte Berufung eingelegt. Das Landgericht verwarf beide Berufungen. Ein schwerer Schiffszusammcnstoss auf der Oberspree lag einer Anklagesache zugrunde, die gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors H o f f in a n n vor der 4. Strafkammer des Landgerichts II zur Verhandlung kam. Der Schiffsführer Hermann Kühne aus Oranienburg war beschuldigt, durch Fahrlässigkeit das Sinken eines Schiffes herbeigeführt und dadurch zugleich eine Sachbeschädigung verursacht zu haben.— Am 5. Mai d. I. gegen 9 Uhr abends trainierte die Mannschaft des„Berliner Ruderklubs von 1876" in einem Achterboot hinter dem Training- dampfer„Heiny". Beide Boote hatten auf der rechten Spreescite den Kurs nach Köpenick zu und zwar fuhr das Ruderboot in der Nähe des rechten Ufers, während der begleitende Dampfer in geringem Abstände mehr nach der Mitte des Wassers zu fuhr. In der Nähe des Kiehnwerders begegneten die Boote dem Schlepp- dampfer„Concordia", welcher von dem Angeklagten Kühne geführt wurde. Wie die Anklage behauptet, soll K. nicht, wie die Vorschrift lautet, selbst das Steuerruder bedient, sondern den Schiffsjungen Porsetzki an diesen verantwortungsvollen Posten gesetzt haben. Ferner soll der Dampfer nicht auf der vorschriftsmäßigen rechten Fahrseite gefahren sein, sondern fast auf der linken Seite. Trotz- dem der den Trainingdampfer führende Werkmeister Herbst an- gesichts dieser gefährlichen Situation sofort Warnungszcichen gab, hielt der Dampfer„Concordia" seine falsche Fahrrichtung inne. Herbst selbst konnte nicht noch weiter nach rechts fahren, weil er sonst das neben ihm liegende Ruderboot überrannt hätte. Er steuerte deshalb nun seinerseits nach dem anderen Ufer hinüber, n die„Concordia" zwischen dem Trainicrdampfcr und dem Ruderboot hindurchzulassen. Dieses Manöver mißglückte jedoch. Der Angeklagte lief, durch die Hülferufe des Schiffsjungen auf- merksam gemacht, noch schnell an das Steuerrad, um dem Dampfer einen anderen Kurs zu geben. Es war jedoch schon zu spät. Der Trainingdampfer wurde direkt in der Breitseite gc- troffen und erhielt ein großes Leck. Nur mit größter Mühe konnte der im Boote befindliche Herbst gerettet werden, da dieses in wenigen Sekunden sank. Die Hebung des Dampfers und die Neparaturkosten erforderten die Summe von zirka 250 M., die dem Ruderklub zur Last fiel.— Vor Gericht bestritt der Angeklagte, sich irgend einer Fahrlässigkeit schuldig gemacht zu haben. Rechts- anwalt Dr. Kall Liebknecht trat den Beweis dafür ack, daß der Angeschuldigte mehr nach der Mitte der Spree zu habe fahren müssen, da sich an dem rechten Ufer seiner Fahrtrichtung ver- schiedene Untiefen befinden, sodaß er Gefahr lief, hier aus Grund zu kommen. Einen Fehler habe nur der Führer des Training- dampfers gemacht, indem er nach der linken Seite hinüberbog. anstatt abzustoppen und dann nach rechts zu fahren. Der Gerichts- Hof konnte durch das Ergebnis der Beweisaufnahme ebenfalls nicht zu der Ueberzeugung kommen, daß der Angeklagte sich einer Fahrlässigkeit schuldig gemacht habe und erkannte aus kostenlose Freisprechung. Eine Kelleröfsnung ohne Tür verpflichtet bei Unfällen trotz baupolizeilicher Genehmigung zum Schadenersatz. In einem Hause der Neuen Jakobstraße in Berlin war in der Neujahrsnacht 1995 der Tischler S. dadurch verunglückt, daß er den offenen Keller hinunterstürzte, als er im Finstern den hinteren Hausflur betreten hatte, um am Kellereingang vorbei die Treppe nach seiner Wohnung zu benutzen. S. hatte sich bei dem Sturz einen Armbruch zugezogen. Als er für die Folgen desselben den Hausbesitzer auf Grund der Dcliktsparagraphcn haftbar zu machest suchte, wandte dieser be- sonders ein, daß der Vorraum bequem zu durchschreiten sei, ohne an den Keller zu gelangen und daß bei Abnahme des Baues das Fehlen der Kellertür nicht beanstandet worden sei. Die Verletzung des Klägers beruhe aber lediglich auf eigenem Verschulden, denn Kläger sei nicht ganz nüchtern gewesen, sonst hätte er keine falsche Richtung eingeschlagen, auch mußte er sich Licht anzünden oder rechts an der Wand entlang tasten, sodaß er die Richtung nicht verfehlen konnte. Das Landgericht Berlin I sah die Klage des S. als gerechtfertigt an und verurteilte den beklagten Hausbesitzer zum Ersätze des entstandenen Schadens. Auf die Berufung des Klägers änderte das Kammergericht zu Berlin das landgerichtlichc Urteil dahin ab, daß es den Klageanspruch nur zur L>älfte für gerechtfertigt erklärte. Das Kammcrgcricht geht davon aus, daß die gesetzmäßige Haftpflicht des Beklagten durch die baupolizeiliche Genehmigung der An- läge nicht ausgeschlossen würde. Schon bei voller Beleuchtung des Flures bestand die Gefahr, daß Personen, welche die Treppe benutzen wollten, in den Keller stürzen konnten, wenn ie nur einige Schritte nach links traten. Der Beklagte habe des- halb fahrlässig gehandelt, wenn er seine Mieter in diese Gefahr brachte, indem er es unterließ, die Kellertreppe mit einer Tur zu versehen; hierzu komme noch, daß er schon von dein Hausverwalter darauf hingewiesen lvorden war, daß Herdts andere Personen in den Keller gefallen waren. Auch nach dem Unfall noch habe er erklärt, daß alles so bleiben solle. Allerdings liege aber auch in dem Verhalten dcS Klägers ein Mitverschuldcn, daß er trotz Kenntnis d:r Verhältnisse im Dunkeln darauf los gelaufen ist, ohne sich durch Tasten an der Wand zu überzeugen, welche Richtung er habe. Hiermit rechtfertige sich die Verteidigung des Verschuldens und die Anerkennung des Anspruch» zur Hälfte. Die gegen dieses Urteil eingelegte Revision wurde dieser Tage vom VI. Zivilsenat des Reichsgerichts, der den Ausführungen des Kammergerichts im wesentlichen beitrat, zurückgewiesen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 14. Oftober, vormittags 8 Uhr, im Rathause( Eingang Jüdenstraße), Saal 109: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 10%, Uhr in der Schulaula, Kleine Frankfurterstr. 6: Vortrag von Herrn Prof. Dr. Gehrte über: Die Erlösung der Menschheit". Herren und Damen als Gäste sehr will Sozialdemokratischer Lese und Diskutierklub„ Karl Marr". Heute Sigung bei Globig, Stoloniestr. 15. tommen. do. flein 0,45-0,70. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Tauben per Stüd 0,35-0,62, alte 0,00. Enten, junge per Stüd| Saure Gurken Schod 3,50-4,00, Pfeffergurken 8,50-4,00. Sartoffeln nukung für jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich bon 1,30-4,35, alte p. Stild 0,00, Hamburger, junge p. Stüd 3,00-3,10. Gänse, per 100 Pfund magnum bonum 2-2,25, Dabersche 2-2,25, 5-10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen bon 9-1 und 3-6 Uhr. Oderbrucher, per Pfund 0,48-0,64, dito Hamburger, junge 0,65, Rosen 0,00, weiße 1,60-1,80, Salatfartoffeln 4,00-5,00. Spinat In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art Ia per Stüd 3,00-4,20, IIa 2,00-2,90. Boulets per Stück 1,75-2,30. per 100 Bfund 10,00-15,00. Starotten per Schockbund 2,50. und Richtung aus. Hechte per 100 Pfd. 0,00, groß 0,00, flein 0,00. Sellerie, hiesige, per Schod 4,00-6,00. do. pommersche 4-5,00. Zwiebeln Alland 0,00. Schleie 0,00 0,00, fleine 0,00-0,00. Bleie 00-00, lale, groß 0,00, große, per 100 pfb. 8,00-3,50 bo. fleine 2,50-3,00. bo. hiesige( Perl-) mittel 0,00, flein mittel 0,00, unfortiert 0,00. Blöken 0,00. 30-50. Charlotten 50-60. Beterfilie, grün, Schockbd. 1,25. Kohlrabi per Starpfen, unsortiert 0,00, do. 50er Galizier 0,00, 100er do. 0,00, Schod 0,75-1,00. Rettig, bahr., per Schod 2,40-4,80. Radieschen per 40er Schlesische 0,00. Barse, groß 0,00, matt 0,00. Starauschen 0,00, Schod- Bb. 0,80-1,00. Salat, per Schock 1,50-2,00. Bohnen, grüne, do. flein 0,00. Wels 0,00. Bunte Fische 0,00, matt 0,00. Amerikanischer per 100 Pfund 18-25. Wachsbohnen 20-25. Weiße Rüben 3-8. Lachs Ia neuer per 100 Bfb. 110-130, do. Ila neuer 90-100, Pfefferlinge per 100 pfd. 10-12. Mohrrüben per 100 Pfd. 2-3. do. Ma neuer 75. Sprotten, Stieler, Wall 0,75-1,30, Danziger, Wall Teltower Rüben p. 100 Bid. 10-12. Blumenkohl p. Mandel 1,50-2,50. do. Rotkohl 0,50-0,80. Flundern, pommersche Ia, per Schock 9,00, do. pommersche Erfurter, Kopf 0,19-0,22. Wirsingfohl ber Schod 4,00-7,00. IIa 2-4, Kieler, Stiege Ia 4-6, do. mittel ber Kiste pr. Schod 4,00-8,00. Weißkohl pr. Schod 2,00-6,00. Rosenkohl pr. 100 ẞfo. 2-3, Hamb. Stiege 5-6, halbe Stifte 2. Büdlinge, per Wall Stieler 2-3,50, 25-30. Steinpilze p. 100 Bid. 15-25. Gurken, Berbster, Schock 0,00. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Stralsunder 2,00-3,50. Aale, groß per Bid. 1,10-1,30, mittelgroß 0,80-1,00, do. Einlege-, Schod 1,50-8,00, do. Rothenburger 0,00, do. Ziegniger 0,00. Markthallen- Direktion.( Großhandel.) Rindfleisch Ia 69-74 pr. 100 Pid., flein 0,50-0,60. Heringe per Schock 4-5. Schellfische Siste 3-4, do. Einlege-( Senf-) 8-18. Stohlrüben, Schock 2,50-4,00. Tomaten, hieftge IIa 63-68, IIIa 58-62, IVa 52-56. Stalbfleisch, Doppelländer 105-115, do 2 Stifte 2. Stabliau, p. 100 Pfd. 20-25. Heilbutt 0,00. Sardellen, 1902er 100 Bfd. 10-20. Kürbis 2-3. Birnen, per 100 Bfd. hiesige 7-25, Tiroler Ia 85-92, IIa 74-82, IIIa 64-72, bol. 55-62. Hammelfleisch la 75-80, per Anter 95, 1904er 95, 1905er 90, 1906er 70. Schottische Bollberinge 20-35, böhmische 4-16. Aepfel, per 100 Pfd., biesige 4-20, Gravensteiner Ia 64-74. Schweinefleisch 67-74. Rebböcke Ia per Pfb. 0,65-0,94, 1905 0,00, large 40-44, full. 36-38, med. 35-42, deutsche 37-44 12-18, Tiroler 00-00, do. in Fässern 15-25, do. lose 12-13. PreißelIIa 0,50-0,60. Rotwild Ia 0,40-0,50, IIa 0,30-0,38. Damwild 0,35-0,46. Heringe, neue Matjes, per 2 To. 60-120. Sardinen, ruff., Faß beeren, schwedische 23-24, Gebirgs 28-30, Wallnüsse per Schock Wildschweine 0,35. Frischlinge 0,50. Hasen p. Stüd 2,50-3,50, flein 1,50-1,60. Bratheringe, Büchse( 4 Liter) 1,50-1,75. Neunaugen, 1,00-1,50. Pflaumen, per 100 Pfd., hiesige 3-5, Böhmische 3-6, do. große 1,00 2,00. Staninchen per Stüd 0,40-0,90. Wildenten per Stüd 1,00-1,65. Schodfag 11, fleine 5-6, Riesen 14. Hummern, fleine, per Pfd. 0,00. 8-10. Zitronen, Messina 300 Stüd 19,00-22,00, 360 Stück 12,50-20,00, Kridenten 0,60. Bekassinen 0,65. Rebhühner, junge Ia 0,85-1,20, Strebie, per Schod, große 0,00, mittel 5,00-7,00, fleine 3,00, uniort. 0,00. 200 Stüd 0,00, 420 Stüd. flein 12,00-15,00, 500 Stüd, flein 13-15. junge IIa 0,50-0,80, alte 0,60-0,81, junge fleine 0,00. Hübner, Galizier, groß 0,00, mittel 0,00. Eier, Lands, per Schod 3,30-4,00. Butter Pfirsiche, Werderfche per 100 Pfd. 00-00, Tiroler 0,00, italienische 50-70. alte per Stüd 1,50-3,00, alte IIa 0,80-1,30, junge per Stüd 0,60-1,35. per 100 Bfd. Ia 124-127, Ila 115-120, IIIa 110-114, abjallende 95-105 Nachahmungen ohne Schimmelgespann zurückweisen Mampe- Halb und Halb mit dem Schimmelgespann Der Ausschank von Falsifikaten aus meiner Originalflasche wird strafrechtlich verfolgt. Grösste Berliner LIKOR Spezialität Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Hate Sonnabend, den 13. Ottobet. Anfang 7%, Uhr. Opernhaus. Aïda. Schauspielhaus. Das Lied vom braven Mann. Deutsches. Das Wintermärchen. Westen. Der Bettelstudent. Nachmittags 3 Uhr: Der WaffenSchmied. Lorking. Der Wildschütz. Anfang 8 Uhr. Leffing. Hedda Gabler. Berliner. Sherlock Holmes. Schiller 0.( Wallner Theater.) Donna Diana. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Die Hoffnung auf Segen. Neues. Die Hochzeit von Boel. 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Staffeneröffnung 6%, Anf. 7% Uhr. Zentral- Theater. ( Operette). 3 Uhr: von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent M. Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. bends 8 Uhr: Die Moſellande Tausend und eine Macht. H. Bender. und ihr Weinbau. Hörsaal 8 Uhr: Dr. D. Donath: Der elektrische Spannungszustand. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Heute und folgende Tage: Sherlock Holmes. Anfang 8 Uhr. Theater des Westens 4 J. Giampietro. Original Voltsstück mit Gesang in 4 Abteilungen von H. Salingré. Sonntag 3 Uhr( fleine Preise): Der Millionenbauer. Abends 8 Uhr: Berliner Kinder. Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag und Donnerstag: Konzert, Theater, Spezialitäten. Stets erstklassige Riesenspielfolge. Nach der Vorstellung: Gr. Tanz. Zanzleitung: B. Sachse Anf. Sonntag 5, Donnerstag 8 Uhr. Folies Caprice Linienstr. 132, Ecke d. Friedrichstraße. Direktion Felix Berg. Serenissimus August XXVI. Das Modell und Das Provinzmädel. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf bei A. Wertheim und an der Theaterkasse 10-2 Uhr. Passage- Theater. Das Gastspiel Josefine Dora in der Komödie ,, Rieke" Schlager Luisen- Theater J. Josephi Fritzi Massary. Bernhard Rose- Theater Emile Planze Reichenbergerstr. 34. Abends 8 Uhr: Uhr: Kinder- Vorstellung: Hänsel und Gretel. Die Hochzeit von Valeni. Sonntag nach: Ein Wintermärchen. Abends: Else vom Erlenhof. Station Zoolog. Garten, Kantstr. 12. Montag: Die Hochzeit von Valent. Sonnabend nachm. 3 Uhr Schüler- Deutsch- Amerikanisches Theater. Phila Wolff a. D. Anfang 8 Uhr. Gesundbrunnen, Badstraße 58. Sonntag, 14. Oktober, nachm. 3 Uhr: volkstümliche Preise: 3 Abends 7 Rauchen in allen Räumen gest. Die Tochter des Herrn Fabricius. Morgen Sonntag, den 14. Oktober, Schauspiel in 8 Sitten von Wilbrandt. Ermäßigte Preise! Erl. nachm. 3 Uhr: Auf in's Metropol! borstellung zu fleinen Preisen: Der Abends Wiederauftreten Gr. humor. Ausstattungs- Revue in Waffenschmied. Abends 7 Uhr: 8 Uhr: Der Bettelstudent. Sonntag 3 Uhr( halbe Preise): Zar Adolf Philipp. Zum Im wilden und Zimmermann. Abends 7%, h: 53. Die Zauberflöte. Male: 9 Bild. von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Ermäß. Preise Roth. In Szene gesetzt v. Direktor Richard Schultz WESTEN. der Plätze an d. Anschlagsäulen. Neues Theater. Sonntag ER& ICH. Residenz- Theater. Anfang 8 Uhr. nachm.: Die Hochzeit von Poël. Apollo- Theater. Sonntag: Dieselbe Vorstellung. Montag: Der bürgerliche Edel- Bum 101. Mate: mann. Der Stammgast. Kleines Theater Berlin im Omnibus. Anfang 8 Uhr. Man kann nie wiffen. Dr. Balentine Harry Walden. Sonntag nachm. 8 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr zum 96. Male: Ein idealer Gatte. Montag:. Man kann nie wissen. Dienstag z. 97. Male: Ein idealer Gatte. Lustspielhaus. Im Sm. Der Omnibus Trick. Im Spezialitätenteil: Liane d'Eve bie Original- Matschiche- Tänzerin. Sonntag, den 14. Oftober, nachm. 3 Uhr: Familienvorstellung. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage Anf. 8 Uhr: Triplepatte. 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Nur Mitglieder haben Zutritt. Um pünktliches und vollzähliges Erscheinen ersucht Der Vorstand. Das beste und billigke Fachschul- Reisszeug Schul- Relsszeuge. M. 1.00 Präzisions- do. bis M. 100.00 Echt Ratherswer Brillen 1.00 Pincenez( echt Nickel) M. 1.50 Operngläser 6.50 Reisegläser 9.00 Barometer, garantierfute6.00 an von A. Grün, Optiker, i meine Nr. 800 am. 7.00. Brunnenstraße 4. Greift zu! Monatsanzüge v. 9,50 M. Abonnementsanzüge Anzüge, Erfah für Maß 10,50, 20,00, " Pfandleihanzüge, 12,50 den besten Monatspaletots v. 9,50 M. Abonnementspaletots für Maß. " 12,50 " Paletots, Ersak 19,50 5,00 " " " Joppen " Beinkleider • • 2,00" Getragene Kleidungsstücke von Kavalieren, Reisenden aus den feinsten Werkstätten Berlins, teils von Hoflieferanten, alles auch für forpulente Figuren. Zentral- Keller, Berlin 35, Neanderstr. 35. 3 Min. von Stadtbahn Jannowißbrücke, an der Stöpenickerstraße. Straßenbahn- Vergütung. Grösstes Spezial- Geschäft für Küte, Mützen n. 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Zahlreichen Besuch erwartet Mitgliedsbuch legitimiert. 31/8 Deutscher Holzarbeiter- Verband. Montag, den 15. Oftober cr., abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel: lfer 15, Saal 4: Branchen- Versammlung der Maschinen- Arbeiter Tagesordnung: 1. Die Einrichtungen des Holzarbeiter- Verbandes. Referent: Kollege Richard Leopold. 2. Wahl der Obmänner und des Branchenleiters. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch ersucht Die Ortsverwaltung. Zur Beachtung! Auf folgenden neu eingerichteten Zahlstellen werden Sonnabends von 8-10 1hr Beiträge entgegengenommen: Zahlstelle 61 Annenstr. 1, Ecke Franzstraße, bei Heinze. " 62 Kleine Andreasstr. 15, bei Pöhike. " 63 Laufiperplaz 13, bei Gräf. " 64 Hagelsbergerstr. 2, bei Werner. " 65 Goßkowskystr. 13, bei Döring. 66 Gleimstr. 63, bei Verche. Die Der Vorstand. Gegründet 1864. PelzwarenFabrik S. Schlesinger Neue Königstr. 21 II ( Ordonnanzhaus). Einzelverkauf wie alljährlich nach beendeter EngrosSaison. 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Wir verweisen besonders darauf, daß die Versammlung durchaus pünktlich eröffnet wird. Die Kommission der Brauerei- Handwerker 2c. J. A.: W. Siering. Zentralverband der Handels-, Transport- und VerkehrsArbeiter Deutschlands, Verwaltungsstelle Berlin I. " Gewerkschaftshaus", Engel- Ufer Mr. 15 II, Zimmer 13-17. Arbeitsnachweis: Telephon Amt 4, Nr. 3348. Bureau: Telephon Amt 4, Nr. 4747. d. Allg. Elektr.- Ges., Eingang Straußberger Platz. Zentral- Plandieihe Heinrichsplatz I Ecke Oranien- Straße. Täglicher Verkauf verfallener Pfänder, bestehend in: Betten, Teppichen, Uhren, Achtung! Kollegen u. Kolleginnen in disegplätze berlins Achtung! Ketten, Ringen, HerrenSiemens- Schuckert, sowie d. und den Bezirken u. betrieben von Moabit, Wedding u. d. Nordens. Sonntag, den 14. Oktober, abends 6½, 1hr, bei Peters, Moabiter Gesellschaftshaus( großer Saal), Wiclefstr. 24: DF Versammlung mit Frauen. Tages- Ordnung: 71/20 1. Partei und Gewerkschaft“. Referent: Genoſſe Rebatteur Heinrich Ströbel. 2. Disfuffion. 3. Mitteilungen und Aufnahme neuer Mitglieder. Ein recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen von oben genannten Bezirken und Betrieben wird erwartet. Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensein u. Tanz. Mit kollegialem Gruß: Die Bezirksführer und Vertrauensleute. Verband der baugewerbl. Hülfsarbeiter Deutschl. Zweigverein Berlin und Umgegend. Sektion der Putzerträger. Sonntag, den 14. Oftober, vormittags 10 Uhr: und Damen- Garderoben. Spezialität: Gute getrag. Herren- Garderohen in jeder Weite.[ 26102* Verdienst nur Zinsenberechnung. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für 137/13 Hant- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Rote+ Mitglieder- Versammlung Peld- Lotterie 46/16 in Wernaus Festsälen, Schwedterstr. 23/24. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Recht regen Besuch erwartet Der Zweigvereinsvorstand. Ziehung 23.- 26. Oktober 15 750 Geldgewinne Hauptgewinn: Mark Hermann Vandsburger Vereinigd Anstreicher. 100000 SW. Friedrichstrasse? ( am Belle- Alliance- Platz) NW. Turm- Strasse 30a ( Ecke der Wilhelmshavener Strasse). Möbel- Fabrik von A. SCHULZ, 15 Reichenberger Straße 5 ( gegründet 1878) empfiehlt ihr großes Lager nur anerkannt gediegener Möbel in jeder Holz- und Stilart von 300, 400, 500, 600 bis 10 000 Mk. Auch fertige Sofas, Garnituren und Matratzen eigener Fabrikation zu äußerst billigen Preisen. 2036L* Lackierer Melchiorstraße 28. Filiale Berlin. Tel.: Amt 4, 4787. Laut§ 1 Abs. a unseres Lohntarifs darf die Arbeitszeit vom 15. Oftober bis 15. November acht Stunden nicht übersteigen. Dieselbe beginnt früh 72 Uhr und endet abends 5 Uhr. Jede weitere Ausdehnung der Arbeitszeit muß als Ueberstunde bezahlt werden. 126/3 Die Ortsverwaltung. Originallose à M. 3,50. ( Porto u. Liste 30 Pf. extra.) Oscar Bräuer& Co. Nachf. G. m. b. H., Bankgeschäft, Berlin, Friedrichstr. 181 u. Andreasstr. 46a. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Eine Mark Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin Hauptbureau: Bimmer 34, Amt 4, 3353. Engel- Ufer 15. Zimmer 1-5, mt 4, 9679. wöchentliche Teilzahlung liefere Montag, den 15. Oftober 1906, abends 8% Uht, elegante fertige Herrenmoden im Kolberger Salon, Kolbergerstraße 23: Versammlung aller im Deutschen Metallarbeiter- Verbande organisierten Former und Berufsgenossen. Tages Ordnung: 1. Das Resultat unserer letten Statistik und welche Lehren ziehen wir daraus? 2. Die bestehende Differenz in unserem Beruf. 3. Diskussion. 154/10 Wir erwarten zahlreichen und pünktlichen Besuch. Mitgliedsbuch legitimiert! Die Ortsverwaltung. Bestellungen nach Maß, tadelloje Ausführung i.eigenerWerkstatt. Spezial- Geschäft für Herren- Bekleidung. Kein Waren- Kredithaus. J. Kurzberg * An der Jannowitzbrücke 1, 1. Bahnhof Jannowitzbrücke. Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berliner Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 10. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Schleiser Joseph Lingnau Pantstraße 4a. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Santt Sebastian Kirchhof, Humboldtstraße, statt. Um zahlreiche Beteiligung erfucht 264/7 Der Vorstand. Zentral- Kranken- a. Sterhekasse der deutschen Wagenhauer. Berlin, Bezirk 8. Am Mittwoch, den 10. d. Mts., verstarb plötzlich unser Mitglied Josef Lingnau an Blinddarmentzündung. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 14. Oftober, vom Trauerhause, Banfstraße 4a, aus nach dem Sebastian- Kirchhof, Reinickendorf West, Humboldtstraße, statt. s Zahlreiche Beteiligung erwartet 20126 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schleifer Joseph Lingnau gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 14. Oftober, nachmittags 3 Uhr, vom Tranerhause, Pantstr. 4a aus statt. Rege Beteiligung erwartet 154/9 Die Orteverwaltung. Invaliden- Unterstützungskasse d. Steindrucker u. Lithographen. am Die Beerdigung des 11. Oftober verstorbenen Lithographen Carl Ladwig findet statt am Sonntag, den 14. Dftober cr., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der Friedens gemeinde Nordend. 20076 Das Komitee. Todes- Anzeige. Am Donnerstag nachmittag 3 Uhr verstarb nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 27 Jahren meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Tochter und Schwägerin Wilhelmine Vollmer geb. Post. Die Beerdigung findet am Sonntag nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des HeilandsFriedhofes in Plößensee aus statt. Um stille Teilnahme bitten die trauernden Hinterbliebenen 0. Vollmer und Kinder. Central- Verband der Maschinisten u. Heizer sow.Berufsgenossen Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin und Umg. Todes- Anzeige. Am 8. Oftober verstarb infolge eines Unfalles das Mitglied Kollege Bernhard Elsässer. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 14. d. M., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Himmelfahrts- Kirchhofes, Nieder Schönhausen- Nordend, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung er fitcht 139/18 Die Ortsverwaltung. Todes- Anzeige. Sonnabend, den 6. d. M. stavb plößlich durch Unglüdsfall unsere liebe Tochter, Schwester, Schwäge rin und Zante 20206 Klara Lange im Alter von 19 Jahren einen furzen, aber sehr schrecklichen Tod. Um Beileid bitten Bernh. Lange nebst Familie. Die Beerdigung findet Sonntag, den 14. Oftober, nachmittags 4 Uhr, von der Letchenhalle Lichtenberg, Strugstege, aus statt. Dr. Schünemann 21032* Spezial- Arzt für Hant- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 239. 23. Jahrgang. ilnHjf drs Juraiätts" Krlim JulWlitt. Souuilbeltd, 13. Oktober 1906. Partei- Hngelegenhcitei� Achtung!!! 3. Landtagswahlkreis. Sonntag, den 14., früh 8 Uhr: Flugblattverbreitung lm 6. Wahlkreise, von den bekannten Stellen, im S.Wahlkreise 2., 3., 4. u. 5. Abteilung bei Wirth, Auguststr. 51, 1. u. 6... Wittchow. Elsasserstr. 63. 7-„„ Kürbis, Louisenstr. 26. Niemand darf fehlen! Die Vorstände des 5. und 6. KreiseS. 6. Wahlkreis. Sonntag, den 14. Oktober ISOS. abends 6 Uhr tn Raabes Salon. Kolbergerstr. 23: O e f f e n t l i ch e Versammlung für Männer und Frauen. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen O. Mai über Björnsons Drama..Ucber unsere Kraft". 2. Diskussion. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Es ladet freundlichst ein Der Einberufer. Grünau. Am Sonntag, den 14. Oktober, nachmittags Z'/z Uhr. sindet im Lokale des Herrn Duchauffour, Köpenickerstr. 7g,' eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen statt, in der Genosse Kurt Eisner über„Jena" sprechen wird. Zahlreiches Er- scheinen erwartet Der Einberufer. Wilhelmsruh. Sonntag, den 14. Oktober, vormittags 10 Uhr. sindet in Deutschmanns Saal eine Protestversammlung gegen die Beschlüsse der Gemeindevertretung statt. Referent: Genosse Kemnitz. Es ist Pflicht aller Genossen, für zahlreichen Besuch zu sorgen. Schönwalde i. Mark, Bezirk Pankow. Morgen Sonntag, den 14. d. M., nachmittags 5 Uhr, sindet im Restaurant des Herrn Schulz-Schönwalde eine öffentliche Versammlung statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Vortrag des Genossen Willy Friedländer- Berlin über:„Der Freiheitskampf des russischen Proletariats". 2. Diskussion und Verschiedenes. Die Genossen werden hiermit aufgefordert, für zahlreichen Besuch dieser Versammlung Sorge zu tragen._ Der Vorstand. ßcrlincr JVaebnebten* Aus dem 8. Kommunalwahlbezirk. Zu der S t a d t v e r o r d n e t e n- E r s a tz lv a h l, die im 8. Wahlbezirk am 23. Oktober stattfindet, ist als Allerneuestes zu melden, dast dort nun wirklich der Freisinn noch einmal munter geworden ist. Vor drei Jahren, als dieser Bezirk die regelmäßige Neuwahl vollzog, unterlag der Freisinn dem Ansturm der Sozialdemokratie. Jetzt, wo eine unerwartete Ersatzwahl not- loendig geworden ist, will die zersprengte Truppe der Freisinnigen sich aufs neue sammeln und den Versuch machen, den Bezirk zurück- zuerobern. Am Donnerstag hat ein Häuflein der Allergetreuesten eine kleine Versammlung abgehalten, in der ein Freisinns- kandidat aufgestellt worden ist. Der Mann, der diese Rolle übernehmen will, heißt Emil H u f f, wohnt Johanniterstr. 11, nennt sich Fabrikant und hat in der Reuen Schönhauserstraße ein technisches Bureau und Maschinengeschäst. Die Versammlung war weder durch Zeitungsanzeigen noch durch Säulenanschläge bekannt gemacht worden. Um alles Aufsehen zu vermeiden, hatten die Macher die Vorficht gebraucht, nur durch Zirkular einzuladen. Im ganzen waren zweitausend Einladungen versandt worden, während der Bezirk über sechstausend Wähler hat. Gekommen waren natürlich nicht die zweitausend Ein- geladenen, sondern mir rund drei Dutzend Personen. Doch wäre es töricht, aus dieser geringen Besucherzahl den Schluß zu ziehen, daß im 8. Wahlbezirke der Freisinn als Gegner überhaupt keine Be- achwng mehr verdiene. Aucki die Polizei war durch die vorgeschriebene Anmeldung eingeladen worden, aber sie hatte keinen Vertreter entsandt. Da bekundet sie gegenüber uns Sozial- demokraten denn doch mehr Aufmerksamkeit. Wenn wir Wer- sammlungen abhalten, dann wird sie eS nie versäumen, uns mit ihrem Besuch zu erfreuen. Unter den drei Dutzend Personen war ein halbes Dutzend frei- sinniger Stadtverordneter. Da es diesmal gegen die Sozial- dem okratie geht, so war aller Fraktionshader zu Hause gelassen worden. Stadtverordneter Perls, ein„entschieden"- freisinniges Mitglied der„Neuen Linken", und Stadtverordneter Glatzel, ein „flaumweich"- freisinniges Mitglied der von Herrn Mommsen diri- gierten„Freien Fraktion", riefen in holder Eintracht ihre Gesinnungs- freunde auf zum Kampf gegen die Sozialdemokratie. Herr Perl« versicherte, daß im 8. Wahlbezirk die Sache für den Freisinn noch keineswegs aussichtslos sei. Ein Freisinniger, meinte er, sei viel würdiger als ein Sozialdemokrat, den Bezirk im flöten Hause zu vertreten. Es sei wahr, die Sozialdemokratie habe dort schon inanche wertvolle Anregung gegeben. Aber der F r e i s i n n wolle für a l I e'K I a s s e n d e r B e v ö l k e r u n g eintreten, nicht nur für die Arbeiter. Demgegenüber machte es sich nun sehr hübsch, daß hinterher Herr Glatzel, der nicht nur Realschuldirektor und Stadtverordneter, sondern auch Hausagrarierführer in Berlin- Südwest ist, an Herrn Huff besonders das rühmte, daß er in Hausbesitzervereinen stets das Sein ige geleistet habe. Das wollen wir gern glauben; denn Herr Huff ist„dreifacher" Hausbesitzer ser hat die Häuser Johanniterstr. 11, Johannislisch 8, Neue Schönhauserstr. 3) und gehört zwei Hausbesitzervercinen an. Da wird also den Wählern wieder mal ein Vertrauensmann der Hausbesitzer präsentiert, der„für alle Klassen der Bevölkerung eintritt". Herr Huff selber verlas eine Art„Kandidatenrede", in der auch er das Versprechen gab, für die Interessen„aller" wirken zu wollen. Es scheint, daß der Freisinn sich genügen lassen will an dieser einen Versammlung, die sozusagen unter Ans- schluß der Oeffentlichkcit stattfand. Der Vorschlag, noch weitere Versammlungen abzuhalten, damit Herr Huff vielleicht auch Gegnern Rede und Antwort stehen könne, fand wenig Gegenliebe. Das wäre ja auch ganz'was Neues, wenn der Freisinn seinen Wahlkandidaten der Kriiik liebloser Gegner aussetzen wollte. Uebrigcns werden hier unter„Gegnern" des Freisinns immer nur So zialde, nokraten verstanden. Auf die kon- seroaliv-antisemitischen Wähler der„B ii r g e rp a r t e i" setzt der Freisinn die Hoffnung, daß sie ihm beistehen werden. Herr Peels, der forsche Freisinnige, hat diese Leutchen früher in der„Berliner Zeitung" und erst kürzlich ivicder in einem von ihm selber heraus- gegebenen Blättchen als„Hurrabrüllanten" verspottet. Aber das hindert nicht den Freisinn. von allen nichtsozialdemo- krarischen Wählern, welcher politisckien Richtung sie sonst an- gehören mögen, zu erwarten und zu fordern, daß sie gegen die Sozialdemokratie gemeinsame Sache mit ihm niachen. Das wurde auch am Donnerstag wieder in der Versammlung der Frei- sinnigen ausdrücklich erklärt. Im 8. Wahlbezirl(Stadtbezirke 07—74, zur Tempelhofcr Vor- stadt gehörend, im zweiten Reichstagswahlkreise liegend) werden unsere Genossen keinen leichten Kampf haben, wenn der Bezirk behauptet werden soll. Darum darf kein Wähler, der dem Wablkandidaten der Sozialdemokratie seine Stimme geben will, am Wahltage fehlen. Kandidat der Sozialdemokratie ist der Bildhauer Paul Dupout, Solms st r. 33. Für ihn stimmt am 23. Okiober in, 8. Wahlbezirk jeder Wähler, der den Kampf der Sozialdemolratie gegen die Mißwirtschaft deS Konnnunalfreifinns als notwendig und nutzbringend erkannt hat. Zur Nachwahl im 3. Berliner Landtagswahlkreise. Die Konservative» im dritten Landtagswahlkreise wollen auch bei der bevorstehenden Ersatzwahl zum Abgeordnetenhause ihre Schwäche und Bedeutungslosigkeit wieder öffentlich zur Schau stellen. Das Häuflein unzufriedener Elemente aus dem gewerb- lichen Mittelstand, welches sich im Verein mit gesinnungstüchtigen Beamten in Berlin um das Banner der Konservativen schart, kann natürlich an einen Wahlerfolg nicht denken. Die Wahl bietet den Leuten dieser Richtung nur Gelegenheit, aus der stillen Ab- geschiedenheit der konservativen Bürgervereine in die Oeffentlich- keit zu treten und zu zeigen, daß es auch in der Reichshauptstadt noch eine kleine Zahl von Menschen gibt, die mit ihrem Denken und Empfinden in einer vergangenen Zeit wurzeln, Leute, welche die in der Gegenwart treibenden Kräfte nicht verstehen und die EntWickelung zurückschrauben möchten bis zu jener Zeit, in deren Vorstellungen sie selbst stecken geblieben sind. Also das Häuflein der Konservativen wird auch diesmal wieder am Landtagswahlkampf im dritten Berliner Kreise teilnehmen. Der konservative Kreisverband hatte am Donnerstag in Moabit, wo diese Partei unter der Beamtenschaft noch den verhältnismäßig stärksten Anhang in Berlin hat, eine„große Landtagswählerver- sammlung" einberufen. Ungefähr 80 Personen hatten sich zu dieser großen Landtagswählerversammlung eingefunden, und dieser Be- such wurde von einigen Rednern als ein recht zahlreicher bezeichnet. In bezug auf die Anhängerzahl ist man demnach in konservativen Kreisen schon mit Wenigem zufrieden. Aber auch hinsichtlich dessen, was den Versammlungsbesuchern geboten wird, begnügt man sich mit bescheidenem Maß. Man sollte doch meinen, daß eine Partei, deren Wortführer vorgeben, daß sie die heiligsten Güter der Menschheit vor dem Um- stürz durch die Sozialdemokratie bewahren müssen, bei einer Ge- legenheit, lvie es die Wahlbewegung ist, eine von großen Gesichts- punkten ausgehende Agitation betreiben werde, um so mehr, da ja gerade im dritten Landtagswahlkreise die„Mächte des Umsturzes" an der Arbeit sind und begründete Aussicht haben, diesen Kreis zu gewinnen. Aber in dem Vortrage des konservativen Landtags- kandidaten, Rechtsanwalt Ulrich, war keine Spur von großen Gesichtspunkten. Der Mann kennt wohl seine'Pappenheimer und weiß, daß er sie nur dann gewinnen kann, wenn er an ihre klein- lichen Geschäftsinteressen appelliert. Das tat er denn auch in reichlichem Maßd. Nicht als Schützer von Tron und Altar gegen die finsteren Mächte des Umsturzes, sondern als Protektor der Interessen des Mittelstandes empfahl Herr Ulrich sich und die konservative Partei dem Wohlwollen der kleisien Gewerbetreibenden und den Beamten, die ja in Moabit besonders zahlreich ansässig sind, versicherte Herr Ulrich, daß er ein warmes Herz für den Bcamtenstand habe, denn sein„lieber, seliger Vater" sei ja auch Subalternbeamter gewesen. Was in der Diskussion vorgebracht wurde, das zeugte durchaus nicht von Vertrauen auf die eigene Kraft und Hoffnung auf einen Erfolg. Schon der erste Diskussionsredner bezweifelte, daß es den Konservativen gelingen werde, Wahlmänner aus den Kreisen der kleinen Gewerbetreibenden zu bekommen, weil dieselben mit Rück- ficht auf ihre Kunden sich fürchteten, sich offen zur konservativen Partei zu bekennen. Dieser Mangel an Selbstbewußtsein wurde zwar von anderer Seite gerügt, aber helfen wird das nicht, denn so sind nun einmal die Kleinbürger: Aus Angst, sie könnten viel- leicht einen Kunden verlieren, ivagen sie nicht, eine eigene Meinung zu betätigen. Diese Leute schließen von den Gebräuchen, welche ihre junkerlichen Parteifreunde gegenüber Andersdenkenden aus- üben, auf alle übrigen Parteien. Wie unbegründet die spieß- bürgerliche Furcht vor der Bekundung der eigenen Meinung ist, das zeigte ein anderer Redner, welcher sagte, er halte die Fahne schwarz-weiß-rot unentwegt hoch, und das habe ihm bei seiner Kundschaft, die zum großen Teile aus Sozialdemokraten bestehe, nicht geschändet. Ein weiterer Diskussionsredner, Dr. E b e l i n g, der sich zwar als treuen Anhänger der konservativen Partei bezeichnete, charak- terisierte diese Partei jedoch so treffend und mit so viel Selbst- erkcnntnis, wie man sie sonst in diesen Kreisen nicht findet. Zu- nächst machte der Redner der konservativen Partei den Vorwurf, daß sie nichts gegen den Kohlenwucher getan habe, es vielmehr ruhig mit ansehe, daß die hohen Kohlenprcise den Mittelstand ruinieren. Die Konservativen auf dem Lande verhielten sich oft nicht wie Christen, sondern wie Heiden, wenn es ihren Vorteil gelte. Die Anhänger der Konservativen opferten sich auf, aber trotzdem schmelze die Partei zusammen wie Schnee vor der Sonne. Der konservativen Partei fehle das lebende Brot, was sie dem Volke statt der Steine bieten könne. Die Partei stehe vollständig bor dem Bankrott. Der Mann hat wirklich recht, und weil dem so ist, deshalb wird der geringe Anhang, den die konservative Partei in Berlin noch mit Not und Mühe aufzutreiben vermag, bald völlig verschwunden sein.— Wie Schnee vor der Frühilngssonnc. Auch die Freisinnigen haben sich eine öffentliche Versammlung geleistet, und zlvar hatte der freisinnige Berein„Moabit" zu Dienstag eine solche einberufen, in der der freisinnige Kandidat für den dritten Landtagswahlkreis, der Rcichstagsabgeordnete Dr. Müller- Sagau, über die politische Lage sprach. Etwas wesent- liches ist über die Vcrsamlung nicht zu berichten. Aus der königlichen Blindenanstalt. Am 13. Oktober feiern sie das Jahrhundertjubiläum der königlichen Blindenanstalt, die im Jahre 1806 in Berlin von einem Privatmann gegründet wurde, später sich in ein„königliches" Institut verivandelte und im Jahre 1877 nach Steglitz in ein neues Heim übersiedelte. Es wird an diesem Tage in der Anstalt nicht mangeln an schönen Festreden, die das«Werk der Humanität" preisen und verherrlichen. Vielleicht wird den Personen, die an der Leitung und Verwaltung dieser Anstalt beteiligt sind, auch eine An- erkennung ihrer Verdienste in Gestalt etlicher Orden überreicht. Und in den Zeitungen dürfen die üblichen Jubiläumsartikel nicht fehlen, damit ein wißbegieriges Lescpiiblilum erfahre, wie die Blinden- anstalt entstand und geworden ist und wie es heute in ihr zugeht. AuS dem Kreise der Blinden, die in ihr untergebracht sind, ist nun an den„Vorwärts" die Bitte gelangt, gerade jetzt einmal öffentlich festzustellen, daß in der königlichen Blindenanstalt keines- w e g S alles Gold ist, was glänzt. Wir halten es für unsere Pflicht, diesen Wunsch zu erfüllen, weil wir»leinen, daß nur auf diese Weise Abhülfe erreicht werden kann. Aus den uns vor- getragenen Beschwerden greifen wir eine heraus, die manchem unserer Leser vielleicht als nicht sehr schwerwiegend gelten wird, die aber den Blinden anscheinend besonders wichtig ist. Man be- klagt sich darüber, daß in der Anstalt ein Ton herrscht, den man eher in einer Kaserne erwarten wird als an einer Stätte, an der die ihres Augenlichtes beraubten Unglücklichen eine Zuflucht suchen. Blinde haben ja für Unfreundlichkeit gewöhnlich ein feineres Empfinden als Sehende und fühlen rascher sich durch rauhe Worte verletzt als wir anderen. Aber den Sehenden, die in der Anstalt das Kommando führen, könnte das am Ende bekannt sein. Die königliche Blindenanstalt besteht aus einer Schule für jüngere Zöglinge und einem ihr angegliederten Heim für erwachsene Blinde. Die Behandlung, die in der Blindenschule üblich ist, unterscheidet sich nach den uns gegebenen Schilderungen wohl nicht sehr viel von derjenigen, die jedermann aus der Volksschule kennt. Man weiß, wie weit da die Befugnisse des Lehrers gehen, und auch das ist bekannt, wie leicht in der Volksschule ein Lehrer seine Befug« nisse überschreitet. Auch in der Blindenschule ist das vorgekommen. So wird uns über einen dort beschäftigten Lehrer Meyer be- richtet, daß er im Religionsunterricht und im Gesangunterricht eine Grobschlächtigkeit in Wort und Tat bekundet habe, wie man sie bei Erziehern denn doch nicht alle Tage findet. Wir müssen es uns versagen, Einzelheiten mitzuteilen; denn wir möchten Herrn Meyer nicht in die Lage bringen, sich beleidigt zu fühlen. Aber Herr Direktor Matthies sollte einmal den Insassen seiner An- stalt, den jüngeren Zöglingen wie den Erwachsenen, die Zusicherung geben, daß sie ihm ohne Scheu ihr Herz ausschütten dürfen. Viel- leicht erfährt dann auch er etwas mehr darüber, wie es in der An- stalt zugeht. Die Erwachsenen empfinden es natürlich besonders peinlich, wenn selbst sie bei geringen Versehen angeschrien oder geschüttelt werden. Insassen des M ä n n e r h e i m s haben unter Uebergriffen und Aus- schreitungcn eines Meisters Dörnfeld zu leiden gehabt, der in der Korbmacherei regiert. Herr Dörnfeld ist offenbar rascher erreg« bar, als es sich mit seinem Posten verträgt. Welch Geistes Kind er ist. darüber ist übrigens Direktor Matthies unterrichtet. Der Herr Direktor wird sich erinnern, daß er früher einmal über die Be« schwerde eines Blinden zu entscheiden gehabt hat, den der Meister Dörnfeld in aufbrausendem Jähzorn einen„blinden Hund" gescholten hatte. Ein Mann, der in einem Blindenheim als Sehender sich zu einer solchen Ausschreitung hinreißen läßt, hätte sofort aus der Anstalt entfernt werden müssen. Doch Direktor Matthies läßt so leicht keinen Dörnfeld gehen. � Viel rascher ist er dabei, seinen unzufriedenen Blinden zu verstehen zu geben, wem's im Heim nicht passe, der könne ja gehen.(Wir wollen hier einschalten, daß das Heim erbaut ist von dem„Verein zur Beförderung der wirtschaftlichen Selbständigkeit der Blinden", aber in Verbindung mit der Anstalt steht und gleichfalls von Direktor Matthies geleitet wird. Die Insassen wohnen darin als freie Mieter und erwerben hier mit Korbmacherei, Seilerei usw. ihren Lebensunterhalt.) Jener Blinde, der von dem Meister in so roher Weise beschimpft wurde, mußte sich ge- nügen lassen an einigen Entschuldigungsworten, die der Beleidiger ihm in Gegenwart des Direktors gab. Der Blinde ist heute nicht mehr in dem Heim, aber die Erinnerung an die ihm widerfahrene Beleidigung lebt im Heim fort und lastet auf Dörnfeld wie ein unauslöschliches Brandmal. Insassen des Männerheims haben zu uns mit Worten der Bitterkeit und des Grimmes über die Vorbereitungen gesprochen, die für die Jubiläumsfeier getroffen tvorden sind. Sie finden, daß da mancher wirklich wenig Grund hat, st o l z zu sein auf das, was er der Anstalt bedeutet. Indes, das wird der Begeisterung der Jubilierenden schwerlich irgendwelchen Abbruch tun. Städtische Arbeiter und die Kommunen. Der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion der Stadt- vcrordnetcnvcrsammlung, den städtischen Arbeitern eine Auf- besserung ihrer Löhne sowohl als auch eine Teuerungszulage zu gelvährcn, ist bekanntlich von der Stadtverordnetenversammlung durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt worden. Wohl fanden die Vertreter der Mehrheit einschließlich des Oberbürgermeisters viele Worte des Wohlwollens, aber zu einer radikalen Er- höhung der Löhne entschloß man sich nicht. Es soll in den ein» zelncn Verwaltungen eingehend„g c p r ü f t" werden, wo eine solche angebracht sei,„berechtigte" Wünsche sollen erfüllt werden. Man weiß ja längst, was man von diesen platonischen Erklärungen zu halten hat. Auch in anderen Orten des Reiches sind die städtischen Arbeiter vorstellig geworden, aber wie es scheint, mit mehr Erfolg als-in Berlin. Aus Stettin wird vom 11. Oktober berichtet: Die Stadt- verordneten beschlossen in ihrer heutigen Sitzung, infolge der an- haltenden Teuerung die Besoldung aller städtischen Beamten- und Arbeitergrupen neu zu regeln, und setzten deshalb eine gemischte Kommission zur Vorberatung ein. Für dieses Jahr ist außerdem wieder eine Teuerungszulage für die städtischen Beamten und Arbeiter, wie im Vorjahre, beschlossen worden. Aus Stuttgart wird vom gleichen Tage gemeldet: Die hiesigen bürgerlichen Kollegien bewilligten heute den städtischen Arbeitern eine Teuerungszulage von 30 Pf. pro Tag. Das macht für den städtischen Etat auf das Jahr eine Mehrbelastung von 130- bis 135 000 M. aus._ Die Gewerbe-Deputation des Magistrats verhandelte in ihrer Sitzung am Mittwochabend über eine Petition hiesiger Heimarbeiter. Dieselben haben beim Magistrat beantragt, derselbe wolle be- schließen, im nächsten Etatjahre von der Bestimmung des§ 103 I der Gewerbeordming Gebrauch zu machen und diejenigen Gewerbe» treibenden, welche der Regel nach weder Gesellen noch Lehrlinge be» schäftigen, in Zukunft von der Pflicht zur Beitragszahlung für die Handwerkskammer zu befreien. Der Referent, Magistratsrat T e ch ow, wies darauf hin, daß ähnliche Anträge bereits vom Ober- Präsidenten wie auch von dem zuständigen Minister abgelehnt worden seien. Es sei daher wenig Aussicht vorhanden, daß dem Wunsdte der Petenten würde entgegen gekommen werden. Falls die städtischen Behörden im Sinne der Petition beschließen würden, sei es sehr fraglich, ob die höheren Instanzen ihren ablehnenden Stand- Punkt verlassen werden. Als die Beiträge zur Handwerkskammer vor 3 Jahren zum ersten Male eingezogen werden sollten, habe die Polizeibehörde durch Rundfrage die beitragspflichtigen Betriebs- inhaber ermitteln lassen. Sie weigere sich aber, weil ihr Personal dadurch zu sehr in Anspruch genommen würde, solche Rundfragen alljährlich zu veranlassen. Die Gemeindebehörde aber besitze keine polizeilichen Organe, welche die nötigen Feststellungen veranlassen könnten. Er sei also im wesentlichen die vor 3 Jahren polizeilich aufgestellte Liste noch heute maßgebend für die Heranziehung der Betricbsinhaber zur Aufbringung der Kosten für die Handwerks- kammer. Von anderer Seite sei vorgeschlagen worden, zur Ermittelung der beitragspflichtigen Betricbsinhaber die Gcwcrbestenerliste zu benutzen. Es empfehle sich, bei der Beschlußfassung auch diesen Vor- schlag mit in Erwägung zu ziehen. Da aber eine Neuregelung der Angelegenheit so wie so in Aussicht stände, würde es sich empfehlen, vorläufig noch keinen Beschluß zu fassen. Stadtverordneter Borgmann hielt es für ein großes Un- recht, daß man die Heimarbeiter, welche weder Gehülfen noch Lehr- linge beschäftigen, zur Beitragsleistung heranziehe. Viele derselben seien überhaupt nicht als selbständige Gewerbetreibende zu be. trachten, da sie für die Inhaber von Betriebswcrkstätten arbeiten. Die Gewerbe-Deputation beschloß hierauf, die Beschlußfassung über die Angelegenheit auszusetzen und wählte eine aus S Per- sonen bestehende Subkommission zur weiteren Vorberatung der Sache. Hierauf beschäftigte sich die Deputation mit der Beratung eines Antrages der hiesigen Ääckerinnung„Concordia", um Ergänzung der verweigerten Zustimmung des Gesellenausschusses zu der Be- stimmung in der Arbeitsnachweisordnung dieser Innung, betreffend die Legitimation der arbeitsuchenden Gesellen. Nach dem Referat des Magistratsrats Techow beabsichtigte die Innung nur solchen Gesellen Arbeit nachzuweisen, welche im Besitze eines Lehrzeugirisses oder des„Germania"-Arbcitsbuchcs sind. Nach Angabe der Gesellen haben diese für die Ausfertigung eines solchen Buches 3 bis 13 M. zu zahlen. Bürgerdeputierter Kruse tritt für den Antrag der Innung stehen sollten, wenn solche Abholungen einen allzu großen Umfang| Plake getragen. Er hatte sich bei dem Sturze eine Gehirna ein. Die Innung habe die Absicht, burch ihren Arbeitsnachweis dem annehmen würden. Wie bei der Patetbestellung ist ferner vor erschütterung zugezogen und erhielt die erste Hülfe auf der UnfallKommissionärunwesen in der Arbeitsvermittelung entgegenzugefehen, daß die Geldbestellung nur an einem Tage ruht, wenn ein station in der Steinmetzstraße. Der andere Radfahrer hatte wirken und die Gesellen vor der Ausbeutung durch die Kommissio Feiertag auf einen Sonnabend oder auf einen Montag fällt. Je äußere Berlegungen und Quetschungen erlitten. näre zu schüßen. Sie habe ein Recht, von den Arbeitsuchenden eine nach der Bedeutung des Feiertages für den einzelnen Ort werden ihr genügende Legitimation zu fordern. Bürgerdeputierter Tubauer hält es für verwerflich, auf diefe Weise die Arbeitsbücher, welche die Gesetzgebung nur für jugendliche Arbeiter vorschreibe, auch den älteren Arbeitern aufoftrovieren zu wollen. Wenn sich die Gesellen hiergegen sträuben und dieser Absicht entschieden entgegentreten, so sei das Recht auf ihrer Seite. Verlange die Inmung eine Legitimation von den Arbeitsuchenden, fo genüge ein einfaches Zeugnis, daß der Arbeitsuchende in einer Bäckeret als Gefelle gearbeitet habe. Der Einführung eines Ate beitsbucha dürfe bie Gewerbe- Deputation ihre Zustimmung auf Teinen Fall geben. In ähnlichem Sinne äußerten sich noch die Stadtverordneten Basner, Borgmann und Magistratsrat Dr. Meher. Stadtverordneter Goldschmidt erklärt sich ebenfalls gegen die Einführung eines Arbeitsbuches, hält es aber für richtig, oak fich die Innung Gewißheit verschaffe, ob der Arbeitsuchende sein Handivert ordnungsmäßig gelernt habe. Die Gewerbe- Deputation beschloß, die von der Innung ber Langte Ergänzung der vom Gesellenausschuß verweigerten Bus ftimmung zu verweigern. Schwer verunglüdt ist beim Verlegen von Kanalisationsröhren von Geld an dem Feiertage oder an dem nachfolgenden oder vorher Bürgerstraße 44. G. war mit anderen Kollegen dabei beschäftigt, in Zukunft die Oberpoftdirektionen bestimmen, ob die Bestellung gestern nachmittag ber 41fährige Arbeiter Ernst Gust aus der gehenden Sonntage ruhen soll. Durch einen in die Augen fallenden in der Bergstraße Kanalisationsröhren mittels eines Flaschenzuges Aushang in dem Schaltervorraum wird das Publikum auf den in Gruben herunterzulassen. Plöblich rutschte das Gerüst des Wegfall der Geldbestellung an den Sonntagen usw. aufmerksam Flaschenzuges, und G. wurde mit voller Wucht gegen den Rücken gemacht werden. Die Maßnahme gilt zunächst für einen Ersak, gestoßen. Er brach bewußtlos zusammen und wurde schwer verletzt bürfte aber ohne Zweifel dauernd beibehalten werden. in das Krankenhaus gebracht. Die Sperrung des Berliner Vieh- und Schlachthofes für aus Doppelt verunglückt ist der Kutscher Karl Röber, welcher gestern Mariendorf- Marienfelde. in die fönigliche Silinit eingeliefert wurde. R., der auf einem Gute bei Niederlehme bedienstet war, wollte auf einem Leiterwagen Am morgigen Sonntag findet in Marienfelde bei Berger, einen Startoffeltransport bewirken. Als der Kutscher den Wagen Dorfstraße, eine Voltsversammlung statt, in welcher die Genoffin besteigen wollte, aogen die Pferde plöblich an. R. hielt sich an der Marie Thiel einen Vortrag über: Die Frau im politischen Stampfe Seitenleiter des Wagens feft, diese löfte sich und traf Röder der und die heutige Gesellschaft halten wird. 2. Diskussion und artig am stopfe, baß er halb befinnungslos hinuntergeschleudert Verschiedenes. Nach der Verſammlung gemütliches Beiſammenſein wurde. Der stutscher fiel so unglüdlich, baß er unter sein eigenes mit Tanz. Bahlreichen Besuch, besonders der Frauen, erwartet Gefährt geriet, dessen Räder ihm über die Brust und Beine hinweggingen. Auf Veranlassung eines hinzugerufenen Arztes wurde der Lichtenberg. Berunglückte, dessen Verlegungen sich als lebensgefährlich herousstellten, nach Berlin übergeführt. ländisches Bich hat der ehemalige Rompagnon von Tippelskirch, in Alt- Moabit die 43jährige Witwe Biermann, als sie den FahrVon einem Motorbreirad überfahren wurde gestern nachmittag banim an der Goykowskystraße Die Kreisvertrauensperson. Die Frage der Verfassungsänderung der Landgemeinde die Lichtenberg beschäftigte Gemeindevertretung in ihrer hagen", der eigens zu dem Zwede gejaaffen wurde, die Agitation Donnerstagsihung. Der Grundbesikerverein Friedrichsberg- BoxMagistrats auf eine feiner Petitionen an denselben einen Erfolg Berlin, den 5. September 1906. hies. Kgl. Haupt- und Residenzstadt. erzielt zu haben. Die Antwort lautete: Magiftrat J. Nr. 841. G. B. 1. 06. Auf die geehrte Buschrift bom 29. April d. J. erwidern wir dem Verein ergebenst, daß wir nicht abgeneigt sein würden, in erneute Berhandlungen wegen Eingemeindung der innerhalb der Berliner Ringbahn belegenen Teile von Lichtenberg und Boghagen- Rummelsburg einzutreten. Wir können daher nur anheim geben, bei der zur Vera handlung mit uns allein zuständigen dortigen Gemeindebehörden die Anregung zum Eintritt in derartige Verhandlungen mit uns herbeizuführen, oder, wenn diefelben dazu nicht geneigt sein sollten, bei der Staatsaufsichtsbehörde darauf hinzuwirken, daß die Notwendigkeit dieser Eingemeindung im öffentlichen Interesse anerkannt und Verhandlungen zu deren Durchführung von Amts wegen eingeleitet werden. Kirschner. An den Grundbesitzerverein Friedrichsberg- Borhagen. 3. H. des Herrn Emil Plonz. Die an den Gemeindeborstand des Ortes in gleicher Angelegenheit früher ergangene Antwort des Magistrate hat folgenden Wortlaut: Berlin, den 1. April 1903. wenn seinem Verlangen, die Errichtung eines Stalles für aus und fiel so unglücklich, daß sie mit den Füßen unter die Räder zu betreiben, glaubt in nachstehender Antwort des Berliner Ländisches nicht nachgekommen würde; auch eine besondere Auslabestelle, die, eines vorbeifahrenden Geschäftsautomobila gertet. Die Vernebenbei bemerkt, bereits vorhanden ist, wird verlangt. Die Ver unglückte wurde nach dem Krankenhause Moabit gebracht. waltung des Bich und Schlachthofs hatte, als der Herr Minifter Ein entsetzlicher Leichenfund wurde am Freitag früh auf der der Landwirte das erste Mal das Verlangen stellte, darauf hinge- Nordbahn gemacht. Als ein Streckenvärter von der Station twiesen, daß für alle Fälle und Eventualitäten die vorhandenen Reinickendorf nach Schönholz zu das Gleife abschritt, gewahrte er Räume des Seuchenhofes auf dem Vichhof mehr als ausreichend zu feinem Schrede plöglich vor fich einen vom Rumpf getrennten gelten müßten. Auf diesen Einwand ist der Herr Minister nicht menschlichen Kopf. Er erstattete sofort Meldung und eine eingegangen, sondern hat der Stadt durch den Polizeipräsidenten größere Anzahl Beamter machte fich alsbald auf, um nach dem fund und zu wiffen getan, daß die Antwort nicht befriedige und störper des anscheinend Berunglückten zu suchen. Nach Stunden erst das Verbot der Einfuhr von ausländischen Rindern und Schafen fand man dann, etwa drei kilometer von der Stelle für den städtischen Wich- und Schlachthof angedroht, wenn feinen entfernt, wo der Kopflag, auf dem Fernzuggleife zwifchen Anordnungen nicht Folge geleistet würde. Das Sturatorium des ben Stationen Gesundbrunnen und Bantow, einen zermalmten mensch städtischen Bieh- und Schlachthofes hat sich in feiner lebten Sibung lichen Störper. Die Kriminalpolizei wurde sofort benachrichtigt und nun abermals eingehend mit dieser Angelegenheit beschäftigt, fonnte ließ die Zeichenteile sammeln. Es handelt sich um einen etwa aber beim besten Willen zu keinem andern Resultat fommen. Es 28jährigen jungen Mann, deffen Perion noch nicht feftwird daher dem Minister den Vorschlag machen, sämtliches vom gestellt werden konnte. Ob Selbstmord vorliegt oder der Auslande kommende Vich in den Räumen des Seuchenhofes unter Zote beim unbefugten Ueberschreiten der Gleise von der Maschine untergestellt zubringen und erst dann zu dem Schlachthof zuzulaffen, wenn es eines Fernzuges erfaßt worden ist, bedarf noch der Aufklärung. nach nochmaliger( also nach einer dritten) fierärztlichen Unter Die Leiche ist von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmit fuchung als gesund festgestellt ist. Dieser Beschluß wurde ein worden. stimmig gefaßt, ebenso herrschte nur eine Anficht darüber, daß man mit dieser Maßregel auch den höchstgestellten Ansprüchen Genüge getan habe und daß jedes Verlangen darüber hinaus auf jeden objektib Denkenden den Eindruck machen müßte, als wolle man die Einfuhr auch des letzten Stückes Wich vom Auslande verhindern, Viel kommt so wie so nicht mehr herein, das beweisen folgende Zahlen: Der Auftrieb von ausländischem Wieh betrug 1903 8,39, 1904 3,11, 1905 1,57, 1006 0,74 Progent des gesamten Auftriebes. Bedenkt man nun, daß die für ausländische Schweine vor Jahren aus gleichem Verlangen geschaffenen Räume bis heute ein einziges ausländisches Schwein beherbergt hat, so ist es wohl begreiflich, daß der Verwaltung nicht zugemutet werden fann, aus den Taschen der Steuerzahler eine Ausgabe zu machen, bei der Hunderttaufende nicht reichen und noch dazu für Räume, die jahr aus, jahrein leer stehen. Bedenkt man, daß nach obigen amtlichen Zahlen der Auftrieb von ausländischen Rindern ständig und rapide zurückgeht, daß ausländische Schafe, abgesehen von einem Verfuch, der die Beteiligten wahrlich nicht zur Wiederholung anteigt, gar nicht mehr aufgetrieben werden, so erscheint das Verlangen des Herrn Ministers in einem recht sonderbaren Richte. Wird dem une erhörten Verlangen der Agrarier Rechnung getragen und die Drohung des Ministers ausgeführt, so sind damit die Grenzen über haupt gesperrt, denn was für Berlin heute verlangt wird, folgt dann für das ganze Reich. Wie sich ein derartiges Borgehen mit den abgeschlossenen Handelsverträgen im Einflang bringen läßt, ist une unerfindlich, aber agrarisch ist Trumpf und der ehemalige Kompagnon von Tippelskirch mischt die Starten, ber Magen des Voltes, die Gesundheit der Nation ist der Einsatz. Ausstellung von Lehrlingsarbeiten des Berliner Tischler. Ueber einen Unglücksfall im städtischen Asyl in der Fröbelstraße hatten wir dieser Tage berichtet. Es war mitgeteilt, daß sich ein Ashlist an der Ede einer Pritsche das Auge ausgeschlagen hatte und feine ärztliche Sülfe erhalten habe. Wir nahmen von dem Vorfall unter aller Reserve Notia und wünschten eine Untersuchung der ngelegenheit. Uns wird nun mitgeteilt, daß eine solche stattges funden habe. Die Sache liege erheblich milder. Ein Asylist sei in der Nacht von epileptischen Krämpfen befallen worden, wobei er fich allerdings eine blutende Verlegung zugezogen habe, die aber nicht das Auge betraf, wie ein ärztliches Attest ausweise. Daß Perfonen zu ber ersteren Annahme fommen fonnten, mag wohl daher rühren, daß bei einem" bon epileptischen Krämpfen Befallenen die Augen weit aus den Höhlen treten. Im übrigen seien im Obdach Personen angestellt, die Heilgehülfendienste ausüben können. Magistrat hies. Kgl. Haupt- und Residensstadt. J. Nr. 167. G. B. 1. 03. Zum Schreiben vom 31. Januar und vom 3. März cr. Wir lehnen es ab, den innerhalb der Ringbahn belegenen Teil von Lichtenberg für sich allein in ben Stabtkreis Berlin einzugemeinden. Reide. An den Gemeindevorstand in Lichtenberg bei Berlin. Wir nehmen von dieser Darstellung um so lieber Notiz, als es Wenn die Antwort auch keinen Widerspruch zeigte, so ist ber uns vollkommen fern liegt, etwa die Verwaltung des Obdachs für Gegenfab in der Behandlung der Betenten" boch sehr beachtlich! Unterlassungen durch einzelne Angestellte verantwortlich zu machen, Run hat aber die offizielle Vertretung der Gemeinde Lichten zumal gegenwärtig über die Leitung des Obdachs erhebliche Weberg auch hieroris haben die Grundbesikervereine fich noch immer mit der Rolle einer Nebenregierung zu bescheiben nach schwerden uns nicht zu Ohren gekommen sind. Ablehnung der Einverleibung des ganzen Ortes Lichtenberg durch die zuständigen Organe Berlins die Verfassungsfrage mit allem Nachdruck nach der Richtung betrieben, um die Verleihung ber Stabtrechte zu erlangen. Wenn bas auch den Grundbefiber. vereinen, die ja doch ihre Vertreter" in der Gemeindeverwaltung haben, bekannt war, brauchten diese sich in ihren Sonderbestre. bungen ja nicht hindern zu lassen. An Vergiftung gestorben. Die Feuerwehr wurde gestern nach der Kommandantenstraße 15 gerufen. Dort war der Graveur Hermann Kaßner aus Ober- Schöneweide, Edisonstraße 14, unter Bergiftungserscheinungen erkrantt. Da die Behandlung mit Stuer ftoff feinen Erfolg hatte, wurde der Erfrantie auf Anordnung eines Arztes nach dem Krankenhause Bethanien geschafft, wo der Mann bald nach seiner Einlieferung berstarb. Die Leiche wurde Die Verhandlungen mit den Staatsbehörben über das Ausvon der Polizei beschlagnahmt, um die Todesursache festzustellen. scheiden aus dem Kreise sind aus dem Stadium der Verhandlungen gewerbes. Die Berliner Tischlerinnung hat auch diesmal zum der Kleinen Museumsstraße an ihre Zahlungspflicht durch folgende sichere Aussicht gestellt. Nun mit einmal tritt die Nebenregierung Faule Automobilsteuerzahler werden vom Sauptsteueramte in heraus, die Verleihung der Stadtrechte zum 1. April 1908 in fast Ottoberquartal wieder eine Ausstellung von Gefellenstücken der Bekanntmachung erinnert:„ Nach den von uns angestellten Grin attion- der ganze Plan wird gefährdet! ihre Lehrzeit beendet habenden Lehrlinge veranstaltet. Die AusBu diesem Treiben mußte die Gemeindevertretung Stellung stellung, welche von Fachleuten zahlreich besucht wurde, fand bom mittelungen hat eine große Bahl ber in Berlin wohnenden Befiber Montag, den 8. bis Mittwoch, den 10. Oftober, in Kellers großem Wegen dienen, diefe Fahrzeuge, die nach dem Reichsstempelgefes fines bas hohe Lieb von der Uneigennütigkeit der Grundbefiber bon Automobilen, die zur Personalbeförderung auf öffentlichen nehmen. In stundenlanger Debatte, in welcher der Vertreter des Be Saale, Koppenstr. 29, statt. Es hatten 150 Lehrlinge die Lehrzeit vom 3. Juni 1906 steuerpflichtig sind, bisher bei uns nicht zur Ver- bis zum Erbrechen fang und in der auf der anderen Seite ber Ausstellung gelangt. Die Mehrzahl der ausgestellten Gegenstände steuerung angemeldet. Es gewinnt den Anschein, als ob die bezüg- Gemeindeborstand auf das Intereffe der Gesamtgemeinde verwies, thendet. Doch waren nur von 91 derselben die Gefellenſtücke zur waren furnierte Möbel; die Bautischlerei war weniger zahlreich, nügend bekannt sind. Da die Nichterfüllung ber Steuerpflicht nicht nagelten unsere Genossen die Rücksichtslosigkeit und Strupellosigkeit unerhebliche Geldstrafen nach fich zieht, sei im Interesse der Be- wurde mit 21 gegen 6 Stimmen folgende Resolution des Ges teiligten darauf hingewiefen!" die Modelltischlerei nur durch einen Aussteller vertreten. Unter den zur Schau gestellten Gegenständen befinden sich recht gediegene Arbeiten, welche von großem Fleiß und biel Gefchick der jungen Leute zeugten, welche die Arbeiten ausgeführt haben. Was die einzelnen Arbeiten betrifft, so wurden dieselben von der aus Meistern und Gesellen bestehenden Prüfungsfommission wie folgt eingeschätzt: Die Verfertiger der besten Arbeitenes waren ihrer 5 erhielten das Prädikat Ia; 38 das Prädikat I; 33 das Prädikat I- II und 15 das Prädikat II. An der Schillingsbrüde, unmitelbar an dem Wolfsbade, ist ein beladener Kohlenkahn gesunken. Die Beseitigung beato. Sebung des im Fahrwasser der stromabwärts kommenden Schiffe liegenden Sahnes ist sehr schwierig und troh bieler Mühe nur wenig gefördert. ,, Ein Tag in Monte Carlo", die Originalpantomime des Auf Antrag des Innungsvorstandes hatte der Minifter für 8irkus Schumann, geht' heute in Szene. Handel und Gewerbe zur Preisberteilung an die Verfertiger der Feuerwehrbericht. Gestern früh um 6 Uhr kam in der besten zur Ausstellung gelangten Gegenstände 100 mart be- Friedrichstr. 112 Feuer aus. Das Saus wird jetzt abgeriffen. Es willigt. Es wird beabsichtigt, für diese Summe Reißzeuge zu brannten bort Schaldeden und Fußböden. Der 13. Zug löschte den kaufen und jebem ber besten Arbeiter als Preis für seine gute Brand. Betten und anderes brannten in einem Barbierlaben Leistung ein solches zu überreichen. in der Schröderstr. 7 und Prestohlen usw. in der Dragonerstr. Ba Umbau der Augusta- Brüde. Der Magistrat beschäftigte sich in und Hufelandstr. 6; ferner hatte die Wehr in der Pappelallee 116, feiner gestrigen Sitzung mit dem vom Stadtbaurat Strause aus wo Aether in einem Keller brannte, und in der Großen Hamburger gearbeiteten Entwurf für den Umbau der Augusta- Brücke im Buge straße 33 zu tun. Hier hatte Papier Feuer gefangen. der Linkstraße über den Landwehrkanal. Um den bottigen Ver- Wegen eines großen Dachstuhlbrandes wurde gestern abend kehrsverhältnissen Rechnung zu tragen, ist auch der Neubau einer um 7 Uhr die Feuerwehr nach der Grenadierstr. 40 gerufen. Dort Brücke im Zuge der Köthenerstraße vorgeschlagen worden. Die stand der Dachstuhl mit den Bodenräumen bei Ankunft der Feuerjebige Augusta- Brüde ist eine alte Alappbrücke, die dem Verkehr wehr schon in großer Ausdehnung in Flammen. Der 1. Zug nahm fchon seit einiger Zeit nicht mehr genügt. Bei einent Neubau muß fofort mehrere Schlauchleitungen vor. Trotz der großen Verdie Brücke etwas nach Norden verschoben werden, damit die qualmung der Treppen gelang es, den Brand auf den Dachstuhl zu Straßenbahngleise sowohl von der einen als auch von der anderen beschränken. Ueber die Entstehung war gestern abend nichts mehr Seite ohne Gefahr für den übrigen Berkehr zur Brücke gelegt zu ermitteln. Mehrere Mieter, die nicht versichert sind, erletben großen Schaden. werden können. Schöneberg. Vorort- Nachrichten. meindevorstandes zum Beschluß erhoben: Die Gemeindebertretung hält die schleunige Erwerbung der Stadtrechte vom Standpunkt des Interesses der gesamten Gemeinde für unbedingt erforderlich, glaubt, daß die Bestrebungen des Grundbesizervereins Friedrichsberg- Boghagen den innerhalb der Ringbahn gelegenen Teil Lichtenbergs mit Berlin zu bereinigen geeignet sind, die Annahme der Städteordnung zum mindesten auf einige Jahre zu berzögern, vielleicht sogar auf längere Zeit unmöglich zu machen und spricht sich entschieden gegen eine Abtrennung des innerhalb der Ringbahn gelegenen Gebietes und dessen Vereinigung mit Berlin aus. Tiebke, Saberland, Schulz und Kühn. Unsere Genossen stimmten Gegen diese Resolution stimmten die Herren Plona, Kloster, geschlossen für dieselbe. Lichtenberg soll auf dem der Gemeinde gehörigen Grundstück in Die Erbauung eines Bolfsschulhauses im Ortsteil Neut der Friedrichstraße mit großer Beschleunigung in Angriff ge= Für die Schule find 39 Klaffen in Aussicht genommen. Der Voranschlag mit 485 000 W. wurde bewilligt. nommen werden. Die Turnhalle foll in das Dachgeschoß verlegt werden. Der Minister hat auf Antrag der Gemeindevertretung die Genehmigung erteilt, daß hinfort der Gemeindevorsteher ben Titel„ Bürgermeister" und der besoldete Schöffe den Titel„ Beigeordneter" führen können. Pankow. Sein zweites Stiftungsfest feiert heute in Roczydis Gefellschaftshaus, Kreuzstraße 3-4, der Frauen und Mädchenverein Bantot, woran die Parteigenossen ersucht werden, rege teilzu nehmen. Mitwirkende sind die Gesellschaft Stralewicz und der Bantower Radfahrerberein. Potsdam. Opfer feines Berufes. Auf dem Potsdamer Güterbahnhof war am Mittwoch der Sülfsarbeiter Grüne berg beim Ablaben eines Waggons beschäftigt. Plöblich rollte ein Faß aus der Ladung, G. wollte zur Seite springen, stürzte und erlitt einen Beinbruch. Das Bahnpersonal lieferte G. in das städtische Krankenhaus ein. Aufhebung der Geldbestellung an Sonntagen. Die Sonntagsruhe bei der Post wird am 4. November eine weitere Ausdehnung erfahren, nachdem sich die Abschaffung der Bestellung von Bafeten an Sonn- und Feiertagen im allgemeinen belvährt hat und so gut wie ganz ohne Widerspruch geblieben ist. Vom Monat November Einen ergiebigen Raubzug hat in der gestrigen Nacht eine Ein an foll nun auch eine Bestellung von Bostanweisungen und von brecherbande durch Schöneberg und Friedenau unternommen. BeGeldbriefen an den Sonn- und den gefeblichen Feiertagen nicht reits vor brei Wochen hatten die Burschen dort mit Erfolg gemehr stattfinden. Wie bei den Bateten hat sich schon jetzt ein arbeitet". Gestern verübten sie in der Rheinstraße' allein brei Gingroßer Teil der Geschäftsleute, sowie zahlreiche Privatpersonen brüche, und zwar bei dem Gastwirt Behrend, Rheinstraße 62, in der eine Bestellung von Geld am Sonntag ein für allemal verbeten. Drogerie von Wasservogel, Nr. 68, und in der Wohnung des Kauf Es handelt sich nur noch um einen beschränkten Teil solcher Sen- manns K., Nr. 82. Unter anderem statteten sie auch dem Kürschner dungen, so daß diese Maßregel ganz unbedenklich erscheint. Für laden von Könnede in der Beschtestraße einen lohnenden Besuch dringende Fälle ist so ausreichend Vorsorge getroffen. Alle durch ab. Sie hatten es hauptsächlich auf Wertsachen und bares Geld Gilboten zu bestellenden Bostanweisungen und Geldbriefe werden abgesehen. Wetter- Prognofe für Sonnabend, den 13. Oftober 1906. nach wie vor auch Sonn- und Feiertags abgetragen. Die gunächst wärmer bei lebhaften füdlichen Winden und zunehmender Empfänger von Gelb, die regelmäßig ihre Sendungen abholen, Rigdorf. Bewölkung; nachher Regen und wieder etwas fühler. fönnen dies auch in Zukunft an den Sonn- und Feiertagen während Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen zwei Radfahrern Berliner Betterbureau. der Schalterdienststunden tun. Auch solche Personen, die Geldbriefe erfolgte gestern an der Ecke der Berliner- und Weichselstraße. Dort und Bostanweisungen im Wege der Bestellung erhalten, können in stießen zwei Radler beim Umbiegen um die Straßenede mit solcher Dresden-0,48 Meter, bei Magdeburg+ 2,44 Meter. Wasserstand am 12. Oftober. Elbe bei Anffig Zukunft diese Sendungen an Sonntagen usw. von der Post ab- Gewalt zusammen, daß sie beide somt den Maschinen auf die Straße Straußiurt holen. Die Poftverwaltung behält sich jedoch eine Aufhebung dieser geschleudert wurden. Oder bei Ratibor+ 1,75 Meter. Einer der Verunglückten, der 19jährige mündung+ 2,14 Meter. Dder bei Brieg+ 2,60 Meter. snahme fir den Fall vor, daß wesentliche Unzuträglichkeiten ent- Schleifer Paul Schlerßig, Jahnstraße 5, wurde besinnungslos vom bei Breslau Unterpegel-0,46 Weter Meter. Meter, bet in strut bei Neiße Oder M Kaufhaus Max Mannheim Ecke Königsberger Strasse Frankfurter • Frankfurter Allee 109-112 Ecke Königsberger Strasse Trikotagen, Strumpf- u. Wollwaren Normalhemden Vigogne imitiert Normalhemden Vigogne Normalhosen Vigogne imitiert Normalhosen Vigogne Kindertrikots rosa gestrickt, extra I. Qualität 8 Grössen 110 100 90 Pf. 3 Grössen 175 150 185 3 Grössen 95 Pf. 85 Pf. 75 Pf. 3 Grössen 165 140 125 Länge 50 60 70 80 35 48 60 75 90 Pf. 105 140 175 90 100 cm Kindertrikots Normalstoff I. Vigogne 75 Pf. 100 120 Damen- Röcke I. 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Die Arbeiter der Photographierahmenfabrik Pfriemer, Alerandrinenstraße, befinden sich im Streit. Zuzug ist fernzuhalten. 92/ 17* Die Ortsverwaltungen. Achtung! Hürschner! Der Verein selbständiger Kürschner ( Pelzbranche) hat über die Firma Joka u. Co. die Sperre verhängt. Wir ersuchen die selbständigen Kürschner, sich streng an den Beschluß zu halten. 103/ 2* Der Vorstand. Die Zahlstelle Berlin des Deutschen Kürschnerverbandes ersucht die MitSperre verhängt hat über die Firma. glieder, diese Werkstelle streng zu meiden, da selbige ebenfalls die Die Ortsverwaltung. Steppdecken spottbillig, Fabrit verliehen gewesener Möbel, die Große Frankfurterstraße 60. 18428 noch fast neu und im Preise be deutend herabgesetzt sind. 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Bewerbungen sind unter der Aufschrift:„ Betrifft Anstellung eines fabrit, Adalbertstraße, ist für Presser Tauf. Paul Hoft. 169/16 bewahrt, durch eigene Gespanne geBerliner Gewerkschaftssekretärs", bis zum 31. Oktober d. J. an den und Präger auf Reklamekartons wegen Saal, 200-300 Personen, Sonn Singerbobbin, Ringschiffchen, liefert. Musterbuch gratis. Sonntags abend 17. November frei geworden. Genossen Wilhelm Börner, S., Ritterstr. 15, zu richten. Lohndifferenzen gesperrt. 20,00, gutnähend, Alexanderstraße 12. von 8-10, und 12-2 Uhr geöffnet. Oraniensalon, Oranienstraße 170. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. 26/1 Die Ortsverwaltung jerantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Sinaer& Co., Berlin SW. 1667b Die Besoldung ergibt sich nach den Beschliffen des Stuttgarter Deutsch. Buchbinderverband Strausberg( Stadt). Schwarzer Adler frei. Strasburg( Udermark). Alle Lokale frei. Stralan. N.-B. Bergemann, im Dorf, frei. Stolpe a. b. Nordbahn. H.-B. Wilhelm Lehmann. Stolpbrück. H.-B. Wilhelm Schleusener frei. Steinfart( Db.- Barnim). Restaurant Franz Magnus, Briesenerstraße. Karl Albrecht, Bürgergarten, Wilhelmstraße. Landhaus Wolfsthal Strausberg( Borst.u.Umg.). -Schlagmühle täppchen bad See Neue Spizmühle Hungrigen Wolf. Alte Spigmühle R. Thiele. Gericke, Bergstr. Grunow, Wilhelmftr. August Paris, Louisenstr. 17. Velten. P.-O.-H. Ausbau, frei. Heinr. Peetsch, Gesellschaftshaus, Vehlefanz. P.-O.-H. P.-O.-H. Frei. Valentinswerder. Sr. 2obbes, Berliner Vorstadt 10. Treuenbrietzen. Alle anderen Lokale frei.. Gesperrt: Paradiesgarten. Treptow. T.-B. mann. Vetschan. A. Conrad, Louisenstr. H. Otto. B. WeihLandhaus, frei. Central- Halle( Gutsche) u. Restaur. Wittenberge. straße 23, frei. straße und Albert Schulze, HauptRestaurant Böhm, Dranienburger. Wittenau, H.-B. Wittstock. Woltersdorf( Schleuse). Bolkmann, Seehof. Säwert, Schloß Woltersdorf. Handtke, Bahnhofstr. 23. Dampfboot. M. Drygas, Restaurant zum Blankefeld, Wilhelmshöhe. Woltersdorf( Dorf). N.-B. Verkehrslokal: Central- Herberge. N.-B. Prawit, Bellevue, früher BidBalm, Café Ruhwald. werder. T.-B. häuschen, frei. Gust. Temmlin, Rest. Schweizer Waidmannslust. N.-B. Schmelze. Restaurant v. Kämpf, Rieker n. Spezke. Vietz. Rot Berkehrslotal: Schüßenhaus. August Buder, Restaurant. Paul Weigelt, Sl. Ströbiz. Baul Nowfa, Prellbod. Eduard Miersch, Alte Belt. Ströbitz( Cottb.- Sprembg.). Reft. zum Wannsee. Tiefwerder a.H. P.-0.-H. Alle anderen Lokale sind gesperrt. Martin Müller, Berlinerstr. 41/42. Berlinerstr. 9. Frei: ,, Wilhelmsgarten", W. Noad. Tempelhof. T.-B. Alle anderen Lotale find gesperrt. G. Kupsch, Hoher Steinweg 10. dorferstr. 4. Berkehrslotal: E. Derk, Behlen( Bersammlungslokal). E. Biedenhagen, Berlinerstr. 16 Deutsches Wirtshaus, Inhaber Stoch, Fischerftr. 98. Teltow- Seehof. T.-B. Alle anderen Lokale sind frei. Trabede, Heideschlößchen. Gesperrt: Peter Bedmann und Tegelort. N.-B. Alle anderen Lokale sind frei. Berle von Tegel, am See. Hauptstr. Ratsstuben, Juh. Lindemann, Alter Krug, Hauptstr. Hamused, Hauptstr.[ Inh. Genk. Gesperrt: Strandschloß am See, Tegel. N.-B. Alle Lotale gesperrt. Summt. H.-B. P.-O.-H. Weinmeisterhorn. Alle anderen Lokale gesperrt. niderstr. 10. B. Philipp, Bairischerhof, GlieDtto Natons frei." ( Cottbus- Spremberg). Trattendorf Rein Lokal frei. T.-B. Alle anderen Lotale frei. Rudolf, Plantage Cliustom. Bathe, Restaurant, Röllerstr. dantenstr. Nislers Gerichtslaube, Komman haus, Berlinerstr. Gesperrt: Fromm, Schützen Trebbin, Werder a. d. Havel. Alle Lotale gesperrt. Wensickendorf. H.-B. Alle Lokale fret. Alle Lofale gesperrt. Weissagk bei Betschau. H. Köppen frei. Weissensee. H.-B. Alle Lokale frei. Wilhelmsberg. N.-B. Otto Heijer, Bur Dahme". Otto Schuhmann, Wildauer Hof. Wildan. T.-B. Ranal". Biehl, Gasthof Bum Oder- Spree W. Ertner, Gafthof Bur Sonne". Wernsdorf. T.-B. Aug. Wittenberg frei. Wernenchen. Alle Lokale frei. Woltersdorf bei Lucenwalde. Zinna. Alle Lokale gesperrt. Zeuthen. T.-B. andere gesperrt, Julius Knorr, am Wasser. Alles Zernsdorf. T.-B. Ostertag. Bum Bank Schlößchen", Inh. an der Stettiner Bahn. H.-B. Zepernick ( Waldesluft). B. Miellet, Potsdamerstraße 25 Zehlendorf. T.-B. Zehdenick. B. Behrend, Gasth. z. Balme. Zeesen. T.-B. Restaurant Buchholz. Brauerei Friedr. Buchholz. Zechin( Frankfurt- Lebus). Dderstr. Hotel Zum deutschen Kaiser", Wriezen a. 0. Hennig frei. Chaussee. Restaurant Flora", Reuendorfer A. Schimke, Barutherstr. 51. Verkehrs- und Versammlungslokal, Zossen. T.-B. Wilhelmshagen. H.-B. Restaurant zur deutschen Eiche", Alles übrige gesperrt. straße 3. Brachtsäle des Westens, SpichernLouisenpark, Wilhelmsaue 112, frei. Wilmersdorf. T.-B. Snh. Kieter gesperrt. Wilhelmsruh( Oberhav.). Alle Lokale frei. Wilhelmsruh. H.-B. Alle Lokale fret. Seddin- See. Gärtner, Berliner Schweiz, am Zwiebusch. T.-B. Q. Mopsch, Mojauerstr. Züllichau. Dorfstr. 20. Fr. Bahn, Restaur. 8. Riefenlinde, Zühlsdorf. H.-B. Alle anderen Lokale gesperrt. Weinberge. Drud: Borwärts Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 68, Lindenstr. 69. Berantwortlich: Richard Henschel, Berlin N. 28, Wollinerstr. 51 II. Cokal- Ciste Alle Lokale, die keinen Saal haben, sind frei! für Berlin und die Provinz Brandenburg. Ausgegeben am 14. Oktober 1906. Für alle übrigen Drte sind Anfragen usw. direkt an den Obmann der Kommission zu richten. = P.- Q.- H. bezeichnet: Nieder- Barnim N.-B., Teltow Beeston T.-B., Potsdam Dst- Havelland Die zu den genannten drei Kreisen gehörenden Orte sind durch folgende Buchstaben besonders für Kreis Potsdam- Ost- Havelland an K. Linz, Spandau, Mittelstr. 13. straße 22, part.; für Streis Teltow- Beeskow an Carl Rohr, Rigdorf, Selchowerstr. 22, Quergeb. III; betreffenden Kreises zu richten. Für Kreis Nieder- Barnim an R. Rieck, Rummelsburg, RantAlle Mitteilungen, Anfragen 2c. sind für Berlin an das unterzeichnete Kommissionsmitglied des Obmann der Kommission: Richard Henschel, N. 28, Wollinerstr. 51, II. Die Lokalkommission. zeit gern bereit, nur müssen wir dringend darum bitten, diesbezügliche Anfragen möglichst frühzeitig zu stellen. sich genau nach der Lokal- Liste zu richten. Zu jeder gewünschten Auskunft ist die Kommission jederalle Vorstände und Komitees der Vereine, Klubs usw. bei Arrangierung irgendwelcher Bergnügungen usw. mehr noch als bisher die Beachtung der organisierten Arbeiterschaft finden möge, speziell ersuchen wir Mit der Herausgabe der neuen Liste verbinden wir zugleich den dringenden Wunsch, daß dieselbe Jacob Ege, Neue Roßftr. 12. Lokal- Kommissions- Mitglied: Bum gold. Löwen, Jüdenstr. 55. Radtke, Flensburgerstr. 24. Balaft Theater, Burgstr. 22. Louisen- Belt, In den Belten 9a. Kühns Festfäle, Niederwallstr. 20, Straße 35. Dräsels Festsäle, Neue Friedrich1. Wahlkreis. Gründer, Sawerinstr. 18. Gramtau, Stegligerstr. 18. Goßmann, Streuzbergstr. 48. haus, Wafferthorstr. 68. Gliefings Ball- und Gesellschafts. Donath, Schönleinstr. 6. fäle, Gneisenauftr. 67. Dindas Sommertheater u. FeftBohne, Hasenheide 45-47. Bod- Brauerei, Tempelhofer Berg. Anhalt. Ressource, Mödernstr. 114. Mter Bürgergarten, Lindenstr. 105, 2. Wahlkreis. Ufer 30, Hochbahn- Restaurant, Tempelhofer mannstr. 5-7. Habels Brauerei- Ausschank, BergBerlin. Kommandanten Arminhallen, drinenstr. 110. Allegandrinen Festfäle, Megan3. Wahlkreis. Bein.ich er der, Streuzberg- Gesellschaftshaus, Prinzenstr. 94. Lokal- Kommissions- Mitglied: E. Rühlte, Dearewigstr. 13. Fürstenhof, Köpeniderstr. 137/188. Straße 39. B. Frantes Festsaal, Sebastianstraße 111/112. straße 75( Inh. W. Kube). Viktoria Brauerei, LüpowUnions- Brauerei, Hasenheide22/ 31. Feuersteins Festfäle, Alte JakobEnglischer Hof, Neue Roßstr. 3. Thiems Festfäle, Blücherftr. 61. ftraße 45. ftraße 8. Schwarz, Hafenheide 21, Jahn- Dresdener Garten, Dresdeners straße 96. Schnegelbergs Festfäle, Inh. Carl Dresdener Kasino, DresdenerHafenheide 57. ( Inh. Busch). Reinhardts Neues Gesellsch.- Haus, Dietrichs Festfäle, Dresdenerstr. 116 Raabes Festfäle, Fichteftr. 29. Mürichs Festfäle, Stegliterftr. 35. Deutscher Hof, Ludauerstr. 15. Central- Festfäle, Alte Jakobstr. 32. Straße 83. ribplay. Markgrafen- Kafino, MarkgrafenBuggenhagen- Etablissement, MoLinden- Kasino, Lindenstr. 106. Berliner Klubhaus, Ohmstr. 2. Königshof, Bülowstr. 87-40. ftraße 62. walderstr. 15. Königs Gesellschaftshaus, Mitten- Beckers Festfäle, Kommandanten Kliems Festfäle, Hasenheide 13/15. Augustin, Oranienstr. 103. Hoffäger- Palast, Hafenheide 52/53. straße 20. ftraße 15 pt. Geivertschaftshaus, Engelufer 15, Fangschleuse. H.-B. 3. Hoffmann, Tegelertveg 38/39,| F. Schulze, Hotel Bum Dampfschiff". albhaus". H. Höhne, Tegelerweg 74/75 ,,, Ber gnügungspark". Am Spandauer Schiffahrts. Fanal: Kastanienwäldchen. MagBroß, Gasthof Bum deutschen Bruno Woiths Kaiser". Pasternacki ,,, Klostergarten". Wiemer, Karlshof". K. Dyd, Deutscher Kronpring". K. Schadow, Königsdamm. Jul. Werner ,,, Zum Lindenbaum". Cottbus. Herm. Kolkwitz, Konzerthaus. A. Döring, Gesellschaftshaus. Karnante, Bur Krone. Ww. Loll. Fr.Karolewsky, Restaurant Werlsee. Fehrbellin. P.-O.-H. Wwp. Rosenträger. Schulz. Fichtenau. N.-B. N. Höhne, Gesellschaftshaus. Robbe, Kurpart- Restaurant fret. Finkenkrug. P.-0.-H. Hofmeister. Finsterwalde ( Calau- Ludau). Sämtliche Lokale frei. Frankfurt a. d. 0. Gewerkschaftshaus, Dderstr. 51. G. Schulz, Zum grünen Strand Franz.- Buchholz. H.-B. der Spree. Dröscher, Zur Meze. Kochan, Feldschlößchen. Dobring. Müller, Kap der guten Hoffnung Schulz, Wachsbleiche. Crinitz( Calau- Luckau). Brandenburgers Gasthof, frei. Custrin- Neustadt. Jacobi, Plantagenstraße 25/26. Dahlem. T.-B. Alle Lokale gesperrt. Dahme. Restaurant zum Kaisergarten. D.- Wusterhausen. T.-B. M. Hoffmann frei. Döhringsbrück. P.-0.-H. ( Ruppiner Kanal) frei. Drewitz. T.-B. Klimas Restaurant„ Zum Storch", Hauptstr. 59. Marienluft b. Röpenid. T.-B. Rübezahl. T.-B. Strandschloß am Müggelsee bei Copenid. T.-B. Schmetterlingsluft bei Cöpenid. T.-B. Restaurant Waldburg am Bahn. hof Hirschgarten. N.-B. Voigts Krampenburg vis- à- vis Schmödwig. T.-B. Teufelsfee. T.-B. Restaurant Ravenstein gesperrt. Fürstenberg a. 0. Brauerei Schleicher frei. Fürstenwalde. Schloßkellerei frei. Gallinchen( Cottbus Otto Spremberg). Krause frei. Gatow a. d. H. P.-O.-H. Kein Lokal frei. Kähnes Gesellschaftshaus, Berliner- Germersdorf b. Guben. straße 39. Fredersdorf. H.-B. Gasthof Bw. Clara Große und Girke frei. Freienwalde a. 0. Raddaz, Kanalstr. 3. W. Voigt, Eberswalderstr. 7. Friz Scherbing, Alt- Riez. Gustav Schmidt, Königstr. 39. Friedenau. T.-B. Wilhelm Grube, Kaiser- Allee 85. Gesellschaftshaus, Rheinstr. 14. Rheinschloß. Alle anderen Lokale sind gesperrt. Friedersdorf. T.-B. Restaurant Päntel. August Buhlmann, Botsdamerstr. Friedrichsberg. H.-B. Alle anderen Lokale sind gesperrt. Driesen. Conr. Marg, Rittergutsgarten, frei. Eberswalde. Restaurant Bur Mühle", Eichwerderstr. 55. Schröders Volksgarten, Freien walderstr. 8. Eggersdorf bei Strausberg. H.-B. G. Lübbecke frei. Eiche b. Potsdam. P.-0.-H. Restaurant Lindenpark", Inhaber T. Rose, frei. Eichwalde. T.-B. Wittes Waldschlößchen. Erkner. N.-B. Alle Lokale frei. Friedrichsfelde. N.-B. Café Hoppegarten( Bansdorf), Berlinerstr. 18. Franz Bubes Festsäle, BrinzenAllee 30. Gottlieb Schulz, Wilhelmstr. 11. Lindenpark", Friz Haberland, Wilhelmstr. 38. Restaurant Schulz frei. Giesendorf. T.-B. Alle Lokale gesperrt. Glindow b. Werder a. d. H. August Schmidt, Dorfstr. 12. Gosen. T.-B. Lindenhof, Inh. And. Wiesmann. Gottow bei Luckenwalde. Reichmann und Janac frei. Gross- Beeren. T.-B. Alle Lokale gesperrt. Gr.- Besten a. d. Görl. Bahn. T.-B. Berkehrslofal: Waldschlößchen", Ww. Agnes Tresper. Restaur. Walhalla, Herrn Meinide. Alle anderen 2otale gesperrt. Gr.- Lichterfelde. T.-B. Aug. Reisen, Familien- Restaurant, Chausseestr. 104. Carl Müller, Restaurant Kaiserhof", Bahnhof Dit. Bum W. Drägerts Restaurant goldenen Löwen", Chausseestr. 45. Alle anderen Lokale gesperrt. Gr.- Schönebeck. N.-B. Hause". Grünheide b. Erfner. H.-B. Restaurant Bater Fieliz. Grunewald. T.-B. Friedrichshagen. H.-B. Brauerei K. Erdmann, Seeftr. 23. 2. Jung, Gasthof zum deutschen Braustübl, A. Witte, Seeftr. 22. Bellevue, Schmidt, Waldowstraße C. Conrad, Friedrichstr. 137. Eisteller, R.Büttner, Friedrichstr.97. Fischerhütte, Bachow, Seestr. 11. Gesellschaftshaus, Rogall, Friedrich- Alles frei. straße 69. Grünau. T.-B. M.Lerche, Bürgerfäle, Friedrichst.110 Alle 2otale mit Sälen Restaurant Seidenstüder, Bahnhof-& Langfeld, Köpenickerstr. 1. gesperrt. straße, und" Gasthaus zur Seeschlößchen, A. Berndt, Seestr.77. Arbeiter- Berkehrslofale: Bur grü Traube" gesperrt. Alle anderen Lokale frei. Falkenberg. Nur die„ Carlsburg" fret. Sängerhalle, K.Kuhl, Friedrichst.61. Spreeschloß, Straße 881. Otto Schulze, Friedrichstr. 78. Waldkater, W. Martin, Köpeniderstraße 38. Falkenhagen b. Seege- Wilhelmsbad, Uzturait, Seeftr. 45. feld. P.-0.-H. P. Schöneberg. Müggelschloß. T.-B. Müggelwerder. N.-B. 4 nen Ede, Köpeniderstr. 88, Jnh. J. Franz; Reft. Zur GraveStopeniderstr. 79, Inh. lotte", 3. Duchauffour. Wendenschloß, vis- à- vis Grünau. Bendenschloß- Stolonie: Restaurant Waldesruh, Inh. Gerbert. Carolinenhof b.Grünau, Jnh.Raabe Gaben. Reft. ,, Bellevue", Schögelnerstr. 21. Stein. Zur Friedensallee, Gewerkschaftshaus, Schögelnerstraße. Goldener Anker, Lösizerstr. 39. Feldschlößchen, Staltenbornerstraße. Zur Eintracht, Triftstr. 28. Bum grünen Wald, Stroffenerstraße. Wilhelmshöhe, W. Pürschel. Gasthof zur Eisenbahn, Kupferhammerstraße. Bier Linden, Pförtnerstraße. Güstebiese. Vereinshaus frei. Hakenfelde 6. Spandau. P.-O.-H. M. Tegnows Volksgarten. Halensee. T.-B. Berkehrslokal: Bonczed, Kur fürstendamm 126. Alle anderen Lokale gesperrt. Hankels Ablage. T.-B. Hermann, hofstraße. Restaurant, Bahn Pfuhls Hotel, Am Bahnhof. Alle anderen Lokale frei. Könitz. Hohenschöpping. P.-O.-H. Johannisthal. T.-B. Berkehrslokal: Alb. Gobin, Roonstraße 2. Restaurant Ritterhaus( Dstar Staterbow. Meyer). Johannisthaler Bollsgart., Senft- Außer Bw. Schulz, Müggelsheimers leben, Friedrich- und Köpeniderstraße- Ede. Win. Raus, Bark Restaurant, Parfitr. 12/13. W. Krüger, Friedrichstr. 10. Wendt, Friedrichstr. 1. Lindenhof, Friedrichstr. 61. Jörsfelde. Restaurant Döring. N.-B. G. Kuhn, Havelschloß. Fr. Gumlich, Kurgarten. Kagel. H.-B. Alle Lokale gesperrt. Kanntdorf ( Cottbus Spremberg). B. Heinrich, Seglerschloß( früher Matthes Ranter frei. Käppel). Havelberg. Alle Lokale gesperrt. Hegermühle b. Eberswalde. Kein Lokal frei. Heiligensee. N.-B. Biekom, Dampferanlegstelle( Endstation) gesperrt. Tivoli, Sandhausen, Inh. Schröder gesperrt. Alle anderen Lokale frei. Heinersdorf. H.-B. Alle Lokale mit Sälen gesperrt. Heinrichsfeld ( Cottbus- Spremberg). Karlshorst. H.-B. Restaurant Fürstenbad, Brinz Adalbert, Inh. Gruhn, BerkehrsIotal. Köpenick. T.-B. und Marienstr.- Ede, alle Lotale frei. Korbiskrug bei Gr.- Besten. T.-B. Gasthof Peter Kaczmarek. Kotzenburg b. Luckenwalde. Ww. Krüger. Krausnick. T.-B. Gastwirt Dtto gesperrt. Kremmen. P.-O.-H. Paproth. Kurtschlag. Wißmann frei. Ladeburg. H.-B. Wilh. Wendt fret. Landsberg a. W. Rothenburg, Güstrinerstr. 31. Altes Schüßenhaus, Wall. Gesperrt: Otto Königs Festsäle, Borchmeyer, Friedrichstadt. Treskow- Allee. Arlts Otto Gesellschaftshaus, Augusta Viktoriaftr. 46. Alle übrigen Lokale frei. Kaulsdorf. N.-B. Hamanns Gesellschaftshaus, Frankfurter Chaussee, Jnh. Mees. Alle anderen Lokale gesperrt. Ketschendorf. T.-B. Frei: Gasthof Weidemann( Saal). Ketzin a. d. H. P.-0.-H. Krüger, Roßwiesenstr. 49 a. Lanke. H.-B. Stodmann, Restaur. Waldschloß". Ottilie Begger, Schloßpart". Lankwitz. T.-B. Herm. Netger, Wirtshaus Bum grünen Kranz", Calandrellistr.27, frei. Alle anderen Lokale gesperrt. Lebbin bei Stortom, T.-B. W. Lehmann frei. Kiekemal 6. Röpenid. N.-B. Lehnin. Restaur. Heidekrug, Inh. Schmidt, S. Taege, Hauptstr. 63, frei. frei. Lenzen. Ernst Noad; Gottlieb Buder, Gafts Klemms Restaurant frei. hof zum gold. Löwen. Helgoland. P.-O.-H. ( Insel Oberhavel) frei. Hennigsdorf. P.-0.-H. Frei: F. Brose. Rud. Teßmann. Gesperrt: Zum deutschen Kaiser Inh. Böhmer. Restaurant Waldfchlößchen( Balentin). Hermsdorf. N.-B. Kirchhain( Calau- Ludau). Alle Lokale gesperrt. Schüßenhaus und Wildes Lokal, fret. Kladow. P.-0.-H. Rein Lotal frei. Kl.- Besten. T.-B. Schulz, Verkehrslokal, Berliner- Gasthaus Aug. Buran. straße 21. H. Heidenreich, Forsthaus, Augufte Buhlmanns Gasthaus. Bittoriaftr. 18. Herzfelde. Henze, Hauptstr. 57. H.-B. Klosterdorf b. Strausbg. Kochsdorf ( Cottbus- Spremberg) Steinide, Gasthof zum Kaiserhof. Christian Budig frei. Hessenwinkel. N.-B. Kolkwitz ( Cottbus Spremberg) Lichtenberg. I.-B. Alle Lokale frei. Lichtenow b. Herzfelde. H.-B. Jähnide frei. Liebenwalde. N.-B. Verkehrslokal: Restaur. Gleinert, Berlinerstraße. Lindow i. M. Sählbrandt frei. Löwendorf b. Trebbin. August Bintsch frei. Luckenwalde. D. Rapmundt, Geſellſchaftshaus. Richard Melchert, Schwarzer Adler. Alle Lokale frei. Schreyer, Kaiserzelt. Hirschgarten. H.-B. Alle Lokale frei. Hohenbinde. N.-B. Haideschlößchen zumGutenberg frei. Hohenschönhausen, Neu- Hohenschönhaus. H.-B. Alle Lotale fret. Kolonie Buch. H.-B. Kaiser Friedrich- Garten fret. Königs- Wusterhausen. T.-B. Neues Gesperrt sind: Noschel. Schütenhaus, Ramin, Am Markt. 5 Inh. Lübbenau. Schwarzer Adler. Baumgart. Stadt Berlin.- Zur grünen Linde. Lychen i. M. Alle Lokale gesperrt. Madlo( Cottbus- Spremberg. Friz Gronemeier frei. ४ 9 Mahlsdorf. H.-B. ,, Café Tiek" frei. Malchow 6. Weißensee. H.-B. Neumühle. T.-B. Wilh. Bedmann frei. Neubrück. P.-O.-H. links der Bahn. Inh. Wernede, Hönowerstr. Nr.6, Gasthaus Zum Wilhelmsthal", Gesperrt: Pätel, Restaurant Dimar, Bechliner Chanssee. Neu- Ruppin. Alle anderen Lokale frei. zum Tiergarten. Gesperrt: A. Jrrlig, Bur grünen Oderberg i. M. Aue" und straße 15. F. Heider, Verkehrslokal, Mühlenhausen( Saal), Schüßenstr. E. Schumann, Waldhaus SandBraun, Kurfürstenstr. 48( Saal). Oranienburg. N.-B. Alle anderen Lokal frei. Schüßenhaus". H. Borgfeldt, Reft." Bum Feld- Gasthof zur Sonne, Bahnhofstr. Roggentin, Sanssouci, Schützen. Neubert, Waldschlößehen. Malz b. Grabowfee. N.-B. Alle anderen Lokale gesperrt. Mariendorf. schlößchen", Feldstr. 44. Rest. T.-B. Wilh. Grasnic, Langendammerstr. Osm. Fischer, Langestr. 31. bei Fürstenwalde. T.-B. Markgrafpieske gesperrt. Alle anderen Lotale Herm. Berger, Dorfstr. 33, frei. N. Jarnzewski, Kieperiplak 3. Marienfelde. T.-B. Burschte, Chauffeeftr. 82. Reichardt, Chausseestr. 16. Neuzelle( Guben). Neu- Zittau. T.-B. Alles gesperrt. Niederlehme. T.-B. straße 30. Pätz bei Gr. Beften. T.-B. Niederlehme Kolonie. Alle anderen Lokale frei. Restaurant. Gesperrt: Adolf Schmidt, Rich. Bessen, Dameronstr. 19. Berlinerstr. 102. Ebersbach, Bum Kurfürsten", Buge, Vereinshaus, Schulzeftr. 28. Pankow. N.-B. Restaurant Bur Dubrow" frei. W. Barlich, Friedrichstr. 12. Paradiesg., Kaiser Gust. Heiß, Restaurant Biegenhals. Großfurt, Feldschlößchen", Ber Zum Sportshaus, M. Mörschel, T.-B. ( Oberhavel) P.-0.-H. Nieder- Neuendorf Schurbaum. J. Peschel. Lessing. Kein Lokal frei. Marwitz. P.-O.-H. linerstr. 27. Sorpak, Konzertsaal, Wollants straße 113. Rozydi, Gesellschaftshaus, Kreuzstraße 3/4. Nieder Schöneweide. Reuters Bollsgarten, Schloßstr. 2. T.-B. Michendorf( Bauch- Belzig). Verkehrslot.: Reimann, GrünauerAlb. Schulz, Verkehrslokal. Marzahn. N.-B. Miersdorf. T.-B. August Seyffert gesperrt. Restaurant„ Barbarossa"( Inhaber Peitz( Cottbus- Spremberg). ( Donah) frei. ,, Waldhaus", Berlinerstr. 10 a. Hasselwerder", Inh. Alb. Scheruch. Restaurant Lempte u. Eichenhain Papenberge. P.-0.-H. straße 5. Ausschank, Berlinerstr 80/82. A. Schüßler, Willners Brauerei Ernst Schmidt, Gasthof zum KronMittenwalde. T.-B. Gesperrt: Restaurant Strüger." Beidmannsruh", Berlinerstr. 16. Florian Knappe frei. bei Schildow. N.-B. Mönchsmühle Alle anderen Lokale gesperrt. prinzen. Gasthof zur historischen Mönchs Hermann Raue, Berlinerstr. 15. Ladendorf, Berlinerstr. 22. ,, Drachenfels", Berlinerstr. 17 d. Nest. Schweizerhaus, Berlinerstr.33. Carl Schulze, Hasselwerderstr. 1. Berlinerstr. 17 b. ,, Kleine Fischerhütte", J. Fischer, Jacoby). mühle. Alle anderen Lokale gesperrt. Pichelsberge. P.-0.-H. b. Köpenick. T.-B. frei. Pferdebucht Otto Bräfike fret. Petershagen. N.-B. Alle Lokale gesperrt. Perleberg. Ernst Steglich, Reichshallen, frei. „ Neuer Grund", Schönborn, frei. Nieder- Schönhausen. Alle Lokale frei. Mückenberg b. Guben. Alle Lokale frei. Müggelheim. T.-B. Settekorn, Lindenstr. 1. burgerstr. 4. Uliz ,,, Schwarzer Adler, Blanken N.-B. P.-0.-H. Boigts Restaurant. Streienkramp). Bum weißen Schwan"( Inhaber Pichelsdorf. Aug. Mayer, Buchhorsterstr. frei. Ad. Baersch, Woltersdorferstr. frei. Tunsch, Sanssouci, Kaiser Wilhelm- Pichelswerder. P.-O.-H. Mühlenbeck. N.-B. Scholz, Marktstr. 16. Nauen. P.-0.-H. August Schulze Nr. 91, frei. Nahmitz bei Lehnin. Alle Lokale gesperrt. Münchehofe. N.-B. straße 18. Alle Lokale frei. Hotel Wilhelmshof, F. Neimann, Berkehrslokal: Freunds InselKaiser Wilhelmstr. 64. Pinnow. P.-O.-H. garten. Nordend. N.-B. Jockiel. Nowawes- Neuendorf. Alle Lokale frei. T.-B. Schüßenhaus, Inhaber D. Kumke, H. Ebel, Stahnsdorferstr. 6. Chausseestr. 33. Restaurant Schenk gesperrt. Zossen. T.-B. Neu- Dabendorf bei Bungard ,,, Zur Nömerschanze". Nedlitz. P.-0.-H. Waldund Kaiser Wilhelmſtr. 38. Verkehrslokal: Wilh. Ladenthin, Potsdam. P.-O.-H. Mar Singer, Boltsgarten, Priester- Biftoriagarten, Alte Louisenstr. 32. straße 31. Seeschloß Dabendorf Ob.- Schöneweide. N.-B. Paul Junge, Großbeerenstr. 100. Wilhelmstr., Ecke Friedrichstraße. Ernst Schmidt, früher Kaiser- Saal Karl Gruhl, Priesterstr. 69. Otto Himte, Wallstr. 55. Neuenhagen. H.-B. ( A. Ende) frei. Nug. Wünsche frei. Preuden. N.-B. Bouillion., An der Schnelle. Prenzlau Bahnhof Charlottenhof. Engelhardt. Zum Schweizerhäuschen. Pritzwalk. helminenhofstr. 18. Verkehrslokal: E. Kaufholt, Wil Pumpe( Cottbus- Sprembg). Alle Lokale frei. Bw. Kubo u. P. Erdmann, fre R. Fiebigs Feftfäle, Aderftr. 6/7. Leonhardt, Kolonieftr. 147. straße 12. R. Frischs Victoria- Garten, Bad- Marienbad, Badstr. 35/36( Inh. Gramotte, D., Bergstr. 12. Harmonie, Invalidenstr. 1 a. Roewers Festsäle, ElisabethkirchDlböter, Usedomstr. 33. Noads Festsäle, Brunnenstr. 16. Melchert, Bergstr. 68. straße 14. May Hahn, Koloniestr. 124. Wilh. Schäfer). Gregory- Brauerei, Badstr. 67( Inh. M. Gradhandt, Bellermannstr. 70. Bernhard Rose- Theater, Badstr. 58. Ballschmieder, Badstr. 16. F. Wilkes Festfäle, Brunnenstr. 188. Weiß, Invalidenftr. 146. F. Schuster, Aderstr. 144. Swinemünderstr. 42. Swinemünder Gesellschaftshaus, Nagel). Boltsgarten- Theater, Schmidt, Herm., Prinzen- Allee 33. Badstr. 19. Schirms Festfäle( Wäbekindt), Rob. Braueret Königstadt, Defonom Liebing, Allee 10. Schönhauser D. Hoffmann, Kastanien- Allee 23. Forper, ( Ringbahn- Station). Prenzlauer Allee 165 ( Behme und Bellermannstraße). Badstr. 8 Fröbels Schönhauser Vorstadt. Schönt Hube, Allee 176. Brauerei Pfefferberg, Schönhauser Wernaus Allee 130( Jnh. Stein). Brauerei Groterjan, Schönhauser Wirtshaus Bum Strauß", PappelBrauerei Bökow, Prenzlauer Allee. E. Schulz Festsäle, Belforterstr. 15. Steuerhaus, Prenzlauer Allee 148. Allee 28. Berolina Schönhauser Brater- Theater, Kastanien Allee 7/9. Kopenhagenerstr. 74. Kopenhagener Klubhaus, garderstr. 3. Genossenschafts- Wirtshaus, Star hauser Allee 148. Allerlei Theater, Festfäle, Wendorf, Zedhenickerstr. 10. Brauerei Gabriel u. Jäger, Defon. Allee 25. Schwedter R. Henschel, Wollinerstr. 51, II. Lotal- Kommissions- Mitglied: straße 23/24. Festsäle, Provinz Brandenburg. Adlershof. T.-B. Berlinchen. teller. Alle übrigen Lokale frei. Gesperrt: Restaurant Rats Chommichau, Restaurant Tobelhof. Verkehrslokal: Wirtshaus Alt- Glienicke. T.-B. Restaurant Thomann. Alt- Geltow. P.-O.-H. H. Saß, Zum Friedrichstr. 2. Haberechts Gesellschaftshaus, auerstr. 55. Frei: Bohne, Saalbefizer, GrünGrünauerstr. 29. goldenen Stern", Friedrich, Gasthof Bum goldenen Mühlentor. Großmann, Schüßenhaus", Bernau. N.-B. las Nagel, Bum Prinzen Heinrich". bei Alt- Landsberg. N.-B. Bruchmühle Sämtliche Säle frei. Britz. T.-B. straße 3. Zentral- Herberge. Gasthof zur Mühle, Wollenweber ſtraße 17. Café Helgoland, WilhelmsdorferBürgerhalle, Gr. Gartenstr. 1. Biesdorf. N.-B. Wagner, am Bahnhof, Kaiserstr. 82. Märker. Berlinerstr. Oberreich, Schwarzer Adler", Mai, Kaiser u. Chausseestr.- Ede. Hörnide, Elysium", Königstor. Buch. H.-B. Alt- Rahnsdorf. H.-B. hallen, Friedrichstraße. Gesperrt: Paul Ebel, Reichs- Heins Gesellschaftshaus", Inh. Alle Lokale fret. Baumschulenweg. T.-B. ( H. Möbius). Gasthof zum grünen Alt- Stahnsdorf. T.-B. Alle Lokale gesperrt. walde a. 0. Alt- Ranft bei FreienAlle Lokale gesperrt. Alle Lokale frei. Beauregard Baum Biertelstündchen". Gust. Thron, Gasthaus bei Wriezen a. 0. zum Gasthof zur Stadt Beeliz, BrückerBeelitz i. M. Beelitzhof. T.-B. straße 285. Alle Lokale gesperrt. Belzig. Bornstedt- Bornim. Alle Lokale gesperrt. Bohnsdorf. T.-B. Stab frei. Blankenfelde. N.-B. Wirtshaus an der Banke. Blankenburg. H.-B. H. Schulz ,,, Paradiesgarten". Birkenwerder. N.-B. Alle Lokale gesperrt. Bindow. T.-B. Schüßenhaus, Fr. Land. Biesenthal. W. Fengler, Dorfstr. 30/31. P.-O.-H. Breitkopf frei. Carow. N.-B. Ernst Liesche, Weberstr. 36. Caputh. Witt. Elias, Gasthof. ( Cottbus- Spremberg.) Gr. Buckow. Rich. Reinsch, Schweizerhaus". Buckow.( Märk. Schweiz.) besizer, gesperrt. Klogin u. Köppen, Saalstraße 12. Verkehrslokal: R. Klein, ChausseeBuckow bei Britz. T.-B. Charlottenburg. T.-B. R.Laas ,,, Schwarzer Adler", Mittelstraße. August Schulz, Friedrich- Wilhelm- Paul Reinhardt, Rosinenstraße 3, straße 12. Borsigwalde. N.-B. Bötzow. P.-O.-H. Gasthof Stoppen frei. Luckenwalde. Berkenbrück bei Tanne"( Inh. Fr. Thiele), frei. Sandberg, Gasthof Bur grünen Alle Lokale frei. Franz Rhinow. " Boltshaus". Max Fallnich, Tegeler Beg 40, Roß- Trappe". Ferd. Müller, Spandauer Chaussee, we. Bauer, Berlinerstr. 86 a ,, Waldkater". E. Schulz, Kaiser Friedrichstr. 24, Festfäle". radiesgarten". Brandenburg a. d. H.. Fiedler, Tegelerweg 63 ,,, Pa Bollsgarten, Bergstr. 20 Gratweils Bierhallen, Komman-| Bürger- Hof, Küstriner Platz 10. Flechs Festsäle, Fruchtstr. 36a. A. Förster, Gr. Frankfurterstr.41/ 42. Fortuna- Säle, Strausbergerstr. 3. Germania Brauerei, Frankfurter dantenstr.77/ 79( Inh.Haberland). A. Diez, Landsberger Allee 76/77. Grupes Festfäle, Annenstr. 16. Elisabeth- Garten, Elisabethstr. 30. Hintsches Festfäle, Stöpeniderstr. 62. Elysium, Landsberger Allee 40/41. Jakobshallen, Alte Jatobit. 83 Englischer Garten, Alexanderstr.27c. Insel- Festfäle, Inselstr. 10( Inh. Feindt, Weinstr. 11. Jannascht). Industrie- Festfäle, Beuthstr. 20/21. Köpenicker Festsale, Stöpenickerftraße 127 a. Lehmanns Festfäle, Alexandrinenstraße 32. Luisenstädt. Konzerthaus, Alte Jakobftr. 37( Inh. Jak. Lis). Luisenhof, Bulowerstr. 9( Inh. M. Rusch). Lippte, Melchiorftr. 15. Märkischer Hof, Admiralstr. 18 c ( Inh. Möhring). Neues Klubhaus, Kommandanten Straße 72. Bier Generationen, Dranienſtr. 69. Ritter- Säle", Ritterstr. 71/75. Zum Alexandriner", Alerandrinenstr. 37 a. Lotal- Kommissions- Mitglied: Carl König, Jahnstr. 24. 4. Wahlkreis. Süd- Ost. Behrends Festfäle, Manteuffelstr.95. Borchardt, Köpeniderstr. 158. Café Alsen, Vor dem Schles. Tor 2. Central- Festfäle, Dranienstr. 180. Glebe ,,, Süd- Ost", Waldemarstr.75. Graumann, Naunynstr. 27. Hoffmann, Zeughofftr. 8. Industrie Festsäle, Mariannenstr.31 Jüngers Variété, Manteuffelstr. 47. Stöpenider Hof, Stöpeniderstr. 174. Mariannen Festfäle, MariannenUfer 2. May Nowad, Manteuffelstr. 9. Dranien- Salon( A. Lott), Oranien straße 170. Reichenberger Hof, Reichenbergerstraße 147. Sanssouci, Kottbuserstr. 4 a. Schode( Drachenburg), Vor dem Schlesischen Tor. Schuhmacher, Staligerstr. 126. Bereinshaus ,, Sängerheim", Naunynstr. 6. Walter( Urania), Brangelstr. 9/10. G. Wollschläger, Adalbertstr. 21. Oft. Alhambra, Wallnertheaterstr. 15. Albrecht, Gesellschaftshaus, Langeftraße 108. Andreas Festsäle, Andreasstr. 21. Andreas- Garten, Andreasstr. 26. H. Behrend, Sängerheim, Landsberger Allee 156. Bolzmanns Gesellschaftshaus, Lichtenbergerstr. 21. Böhmisches Brauhaus, berger Allee 11-13. Lands Börsen Restaurat., Centr.- Biehhof. Allee 53. Gesellschaftshaus, Lichtenbergerst.16 Giestes Wirtshaus, Landsbergerstraße 89. Habrecht, Große Frankfurterstr. 30. Keller, Koppenstr. 29. Kern, N., Große Frankfurterstr. 18. Stolwigs Festjäle, Große Frant furterstr. 99. G. Koczorowski, Schillingstr. 36. Königstadt- Kasino, Holzmarktstr.72. Stönigstädtisches Stasino, Große Frankfurterstr. 76. Schüßenhaus, Linienstr. 5. Schweizergarten, Am Königstor. Sophien- Säle, Sophienstr. 17/18. Lokal- Kommissions- Mitglied: Friedrich Rausch, Winsstr. 12 pt. 6. Wahlkreis. Moabit. Artus- Hof, Perlebergerstr. 26. Arminius- Hallen, Bremerstr. 70/71. Eisschlößchen( Plößensee). Giesboit, Insel- Restaurant ( Plößensee). Rud. Gohlke, Beuffelstr. 22. Kron.- Brauer., Alt- Moabit 47/49. Moabiter Bürgerfäle" Beusselstr. 9. Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24, Emdenerstr. 34/35. Moabiter Kasino, Wilsnackerstr. 63. Moabiter Schüßenhaus( Plößensee) Bieleke, Waldstr. 8. Schößler, Stromstr. 28. Schüler( Brauerei Moabit), Turm straße 25/26. Spree- Hallen, Kirchstr. 27. Viktoria- Salon, Perlebergerstr. 14. Ladewig, Gesellschaftshaus, Frank- Walhalla- Theater, Alt- Moabit 104 GC. Strüger, Gesellschaftshaus, Gubenerstr. 43. P. Litfins Gesellschaftshaus Oftend, Memelerstr. 67. furter Allee 127. Lipps, Am Friedrichshain 22-29. Martgrafenfäle, Markgrafendamm. Dst- Kasino, Frankfurter Allee 106. Ostbahnpark, Rüdersdorferstr. 71. Pazenhofer- Brauerei, Landsberger Allee 24. Residenz- Festfäle, Landsbergerst.31. Scholz, Große Frankfurterstr. 74. B. Schumsti, Langestr. 65. Theel, Große Frankfurterstr. 85. R. Ulrichs Festfäle, Große Frank furterstr. 28. Bimmermann, Grüner Weg 29. Lokal- Kommissions- Mitglied: Carl Rott, Straßmannstr.29, ptr. 5. Wahlkreis. Apitsch, Rosenthalerstr. 39. Bordes Vereinssäle, Neue Königstraße 7. Diesener, Landsbergerstr. 37. . Ernsts Gesellschaftshaus, Brenz lauerstraße 41. Gesellschaftshaus Berliner Musiker, Kaiser Wilhelmstr. 18 m. Johannissäle, Johannisstr. 20. Königssäle, Neue Königstr. 26. Kürbis, Luisenstr. 26. Kuhns Festsäle, Linienſtr. 8. Leydeders Salon, Sophienstr. 34. Müller, Restaurant, Linienstr. 65. Mündner, Linienſtr. 19. Neues Konzerthaus, Alexanderpl. Bachuras Klubhaus, Landsberger straße 39. Carl Batt, Dragonerstr. 15. Philadelphia, Greifswalderftraße 138/39. Rosenthaler Hof, RosenthalerBoekersGesellsch.- Haus, Weberst.17. straße 11/12. Breuer, Große Frankfurterstr. 117. Rosenthaler Vereinshaus, Rosen E.Buchwald, Gr.Frankfurterstr.133. thalerstraße 57. bis 105. Wedding und Oranienburger Vorstadt. Berliner Bock- Brauerei, Abt. II, Chausseestr. 58. Berliner Nordpart, Müllerstr. 148. Gebr. Cranz Festfäle, Stöslinerstraße 8. Detloffs Festfäle, Invalidenstraße 84/85. Funtes Gesellschaftshaus, TriftP. Fortanier, Tegelerstr. 56. straße 41. Genossenschafts- Wirtshaus IV, Nord- Ufer 10. Germania- Säle, Chausseestr. 103. Gesellschaftshaus, Inh. M. Schölzel, Boyenstr. 12. Hoffmann, Bajewalkerstr. 3. Humboldt- Säle, Hussitenstr. 40. Hübners Festfäle, Chauffeestr. 113. Höhlers Salon, Tiedstr. 24. Meeses Gesellschaftshaus, Schulstraße 29. Milbrodts Gesellschaftshaus, Müllerstr. 7. Naabes Festfäle, Kolbergerstr. 23. Eachon, Müllerstr. 136. Schellbachs Festfäle, Schulstr. 66. Schmidts Festjäle, Gartenstr. 6. Karl Schraderhof, Liebenwalder Straße 36. Schumanns Vereins- H., Kösliner. straße 17. Schwankes Festfäle, Chauffeeftr. 96. Bum Storchnest, Müllerstr. 161. Bum Boltsheim, Aderftr. 123. Nosenthaler Vorstadt und Gesundbrunnen. Brunnen Säle, Brunnenstr. 15. E. Daase, Brunnenstr. 154. Dietrichs Festfäle, Brunenstr. 34. Elsasser Ball- Salon, Elsasserstr. 15. Fey, Brunnenstr. 184. Radebrück b. AltLandsberg. N.-B. ,, Wilhelmsruh", Inh. Schulz, frei. Rahnsdorf. N.-B. Bärenhöhle b. Müller, am Bahnhof, gesperrt. Bahnsdorfer Mühle. N.-B. Alle Lokale frei. Berkehrslokal: Gasthof von Witwe Klemm. Rathenow. Krystallpalast, Inh. Stodfisch, frei. Ranchfangwerder. T.-B. Rutkowskis Waldhaus, Inhaber Nönisch. Rauen. T.-B. Gasthof zum Löwen, Inh. Windfelder, frei. Reinickendorf. H.-B. Osten. E. Kirsch ,,, Seepark", Markstr. 2/3. B. Lüde, Kastanienwäldchen", Residenzstr. 109. F. Sadau, Residenzstr. 124. A. Schorsch, Zur Wartburg", Kopenhagenerstr. 71. D. Knebel, Hauptstr. 51. Rudolf, Borussia- Part", Brovinz Straße 68/69. H. Schiller, Bum Storchnest", Provinzstr. 79. F.Göricke, Wirtshaus ,, Zur Tanne", Nordbahnstr. 11. Baumann, Hausotterstr. 55. C. Großmann ,,, Schönholz. Flora", Provinzftr. 76. W. Wolframm, Hausotterstr. 46. Westen, Tegeler Chaussee. Ernst Muster, Berlinerstr. 29. J. Franke, Eichbornstr. 18, Ede Augufta Viktoria- Allee. 2. Dtto, Berlinerstr. 113/114. Engel, Eichbornstr. 73. Rixdorf. T.-B. Vereinsha us am Richardplaz gesperrt. Alle anderen Lokale frei. Röntgenthal. H.-B. E. Braun, Restaurant Röntgenthal. Rosenthal. H.-B. 2. Kabeliz, Gasthof Bur Mühle", Hauptstr. 38. Rüdersdorf( Dorf). N.-B. Robert Bademad, Schützenhaus. R. Marg, Luisenstr. 31. Rüdersdorf( Staffb.). H.-B. Grewe, Gasthaus zur Linde", Heinigerstr. 19. H. Möller, am Kalfsee, Karlstr. 8. Rudow bei Johannisthal. T.-B. Berkehrslokal: Aug. Palm, Köpeniderstraße. Alle anderen Lokale gesperrt. Ruhlsdorf 5. Luckenwalde. Gastwirt Krüger, frei. Ruhlsdorf b. Teltoto. T.- B.I E. Herold frei. Gasthaus Mannt gesperrt. Rummelsburg. N.-B. Alle Lokale frei. Saarmund( Luckenwalde). Hildebrandt frei. Saatwinkel. P.-0.-H. Alle Lokale frei. Sachsendorf. ( Cottbus- Spremberg.) Aug. Dobring. Paul Sachs frei. Sadowa. T.-B. Pflugs Restaurant an der Oberspree frei. Alle anderen Lokale gesperrt. Sandberg- Belzig. Fr. Thiele, Zur grünen Tanne. Schenkendorf. T.-B. Otto Pätsch( Saal). Schildhorn. P.-0.-H. Alle Lotale frei. Schildow. N.-B. Alle Lokale gesperrt. Schlachtensee. T.-B. Neues Gesellschaftshaus, A. Rüter, Eitel Frigstr. 12, frei. Schmargendorf. T.-B. J. Rogatt, Restaurant Sanssouci, Ruhlaerstr. 20/21. Café Pein, Hubertusbadstraße 8 ( Grunewald). Barowski, Wirtshaus Schmargendorf, Warnemünderstr. 6. ,, Lindenbaum", Spandauerstr. 40, Inh. Ad. Pöttscher. Schmellwitz. ( Cottbus- Spremberg.). Alb. Lobedan. Schmertzke bei Brandenburg a. d. H. Geride frei. Schmöckwitz. T. t Gasthof Zur Palme", am See fee, Her Peter. Noad, Restaurant Zum Seddinsee. Mugfeldt, Seglerschloß". Schöneberg. T.-B. Obsts Festjäle, Martin Luther, Ecke Meiningerstraße. Miethes Festsäle, Schloßbrauerei ,, Wilhelmhof", C Zur gold. Hunde... 9.1", Grune waldstr. 110. ptstr. 5/6. berg. 80. SchöneicheSchönebeck. N.-B. Emil Süßmilch, Rest. ,, Waldhaus". Schönholz. N.-B. H. Ramlow ,,, Kastanienwäldchen", Schönholz 14. B. Baumgartner, Parkrestaurant, Schönholz 11. H. Paprit, Birkenpart, Schönholzer Weg 31. 7 Schönow. N.-B. Otto Schulz, Gastwirt. Schönwalde i. d. M. N.-B. H. Schulz. 2. Liebenhagen. Gust. Dornemann, Internat. Sportshaus a. Gorinsee. Schulzendorf. N.-B. Restaurant Hubertus", Inh Triller gesperrt. Alle anderen Lokale frei. Schwedt a. 0. Deutsches Haus, Heinersdorferstr Schwiebus. " 1 Gasthof zur deutschen Eiche, Croffenerstraße. Gustav Gondolatsch, Mühlenstr. Senftenberg II ( Calau- Lucau). Topigmühle, Inh. Seidensticker Bensters Gasthof in Sauo. Senzig. T.-B. Alle Lokale fret. Slamen. ( Cottbus- Spremberg.) Jul. Fischer; Franz Weimann; Adolf Jurk, Bellevue. Slamen Ziegelei: Otto Hoff mann; Andreas Raffe. Soldin. Wilhelm Pose, Gartenstr. 27. Sommerfeld.( Schwiebus.) Zum Kurfürsten, Bahnhofstraße. Sommerfeld b. Kremmen. P.-0.-H. Brauerei Weber frei. Sonnenburg. Wilh. Greiser frei. Spandau. P.-0.-H. Paul Kumte, Schönwalderstr. 80 Böhle, Neumeisterstr. 5, Fürstenhof, Seegefelderstr. 54/55. E. Köpnics Ball- Salon, Pichelsdorferstr. 39. Gust. Borchardt, Seeburgerstr. 26. Spreenhagen. T.-B. Catholz, Gasthof zum Kaiserhof Spremberg. Paul Heinze, Gesellschaftshau Paul Robelt, Konzerthaus. Ludwig Krüger, Bergschlößchen. Bruno Rüdert, Bürgerhaus. Springeberg bei Grfner Restaurant Fatite frei. Staaken N.-B. und Neu- Staaken, P.-0.-H. Gasthof Bum braunen Hirsch" Hamburger Chaussee, frei. StahnsdorfKlein- Machnow. T.- B Kein Lotal frei. Steglitz. T.-B. Frei: Schellhase, Saal u. Garten Ahornftr. 15a, u. B rkenwäldchen Saal und Garte::.: