Nr. 243. Abonnements- Bedingungen: $ Abonnements Preis pränumerando Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pig. frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. numimer mit illustrierter Sonntags Beilage, Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post- Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 50 Big., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebruckte) Wort 20 Big., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm Adresse: ..Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Ferniprecher: Amnt IV. Nr. 1983. Der Geist von Jena. " " " Donnerstag, den 18. Oktober 1906. " " " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernivrecher: Amt IV. Nr. 1984. fassung seiner Beamtenschaft von sympto- auch den Befehl, den Bürgermeister nieder. matischer Bedeutung ist: der Ueberfall zuschießen. auf das Köpenicker Rathaus. Gewiß verdient der Und noch zwei andere Vorkommnisse dürfen zur Vervollgeniale Trick, durch den ein schlauer Gauner der Köpenicker ständigung der Charakteristik nicht unerwähnt bleiben. Als Die bürgerliche Presse hat den hundertjährigen Gedenktag Stadtverwaltung 4000 Mark abgezwickt hat, das Hohngelächter, die Gendarmerie und Polizei in Köpenick das Rathaus von der Vernichtung der altpreußischen Herrlichkeit durch die den er hervorruft; aber damit ist die Sache nicht erschöpft. Der Grenadieren besezt sieht, greift fie eingedent des weisen Schlacht von Jena dazu benutzt, zwischen den damaligen und Streich ist eine blutige Satire auf unsere noch vor wenigen Tagen Spruches Ruhe ist des Bürgers Pflicht" sofort aus eigenem heutigen preußischen Zuständen allerlei Vergleiche an- in den höchsten Fisteltönen gepriesene Stulturerrungenschaft Antriebe ordnend ein und regelt, ohne sich um die Vorgänge zustellen und daraus in bramarbasierenden Worten, die an seit Jena und das spöttische Gelächter, das in Deutschland im Rathaus zu kümmern, den Verkehr vor dem Rathaus und die Prahlereien der preußischen Hofschranzen und Generäle und dem gesamten Auslande erschallt, das trifft nicht die in den angrenzenden Straßen. Und eine noch föstlichere vor dem Schlachttage von Jena- Auerstedt erinnern, die paar direkt Beteiligten an der hochkomischen Affäre, das Szene spielte sich im Rathaus selbst ab. Der Polizeiinspektor Folgerung zu ziehen, der Vorfall von Jena sei im Grunde trifft das heutige Regierungssystem nur eine ganz nebensächliche Episode in dem glänzenden Preußen und den in seinen Verwaltungs- ein Bad zu nehmen. Als er seinen Vorgesezten findet, läßt in weilt gerade im Rathaus, um sich einen furzen Urlaub für Aufstieg des preußischen Staates gewesen; auf Jena wäre organen herrschenden Geist. Jedenfalls ist der gerade der vermeintliche Hauptmann dessen Verhaftung voralsbald Leipzig und später der glorreiche Tag von Sedan ge- Hauptakteur in der lustigen Posse ein viel feinerer Renner nehmen. Der Polizeiinspektor findet das ganz in Ordnung folgt, und heute marschiere Preußen, der Welt voran, an der der durch den Militarismus und die preußische Verwaltungs- und trägt nun furz entschlossen seine Bitte dem Herrn HauptSpike der westeuropäischen Kulturstaaten. Besonders hat sich praxis gezüchtete Beamtenpsyche, als alle die politischen mann vor, der ihm gütigst mit einer nonchalanten Handbewegung die konservative Presse das Grandioseste an Geschichtsfälschung Genies zweifelhafter Art, die dieser Tage in konservativen die Erlaubnis erteilt. Auch dieser, wahrscheinlich ebenfalls und junkerlichem Dünkel geleistet. Unter Bezugnahme auf die Blättern über den spezifisch preußischen Geist philosophierten. aus dem Militärstande hervorgegangene Beamte hält also die sogenannten Beweise" der bekannten Golzschen Schrift Von Der Gauner hat durch seine Tat den schönen Satz Deutsch- Kabinettsorder für etwas Selbstverständliches, und ordnet sich Roßbach bis Jena und Auerstedt" schob sie die Schuld an der land in der Welt voran, Preußen in Deutschland voran" sofort der Hauptmannsuniform unter. Katastrophe von Jena und ihren Folgen nicht der Unfähigkeit noch viel feiner psychologisch illustriert, wie einst Gogol den Friedrich Wilhelms III., nicht der Storruption und Verständnis- Geist des russischen Beamtentums durch seinen Revisor". Die Köpenicker Vorgänge sind eine Bloßstellung der preußischen Verhältnisse vor vor der losigkeit seiner diplomatischen Ratgeber, nicht der feudalen der ganzen Welt, eine Man verfolge nur die Einzelheiten des prächtigen BIamage, die uns biel tiefer in den Augen Rückständigkeit des damaligen preußischen Heeres und der Satirspieles. des Auslandes herabsegt, als verlorene Verwaltungsinstitutionen zu, sondern der seichten Aufklärung Der geniale Gauner verschafft sich als Kenner der psychischen Schlachten. in den oberen, dem Mangel an Nationalgefühl und Vater Qualitäten der preußischen Beamtenschaft und des königs- Karikaturisten finden einen höchst lohnenden Stoff. Und Die ausländische Presse spottet, ihre Landsliebe in den unteren Volksschichten. Nicht das den da treuen frommen Bürgertums zunächst eine Gardeoffizier mit Recht! Denn in feinem maligen preußischen Staat und sein Heer beherrschende Junker- uniform, Zwar entspricht diese nicht ganz den Vorschriften. Kulturstaat wäre anderen europäischen ein derartiger Vorfall möglich. Er tum haben nach der tiefgründigen Geschichtsauffassung der Es fehlt der Helm und an der dafür als Erfaß mit tann nur in Deutschland, vielleicht sogar nur in Preußen in den agrarkonservativen Redaktionen sigenden Historiker genommenen Dienstmüße ist keine Kokarde; doch das geniert passieren. Kein Hauptmann fände in England, Frankreich, die Schmach von Jena und den Zusammenbruch der den Gauner nicht, er kennt den hohen Respekt des ehrsamen Belgien oder Holland ohne weiteres bei fremden Soldaten verfaulten altpreußischen Staatsherrlichkeit verschuldet, sondern Bürgers vor der Militäruniform, und rechnet mit diesem jenen widerstandslosen Kadavergehorsam, und wenn er gegen die damalige von Frankreich und England herübergetragene Faktor. Ausstaffiert mit dieser Uniform geht er, wie der einen Bürgermeister derartig auftreten wollte, würde dieser liberale Zeitströmung mit ihrer falsch verstandenen Humanität. Lokal- Anzeiger" berichtet, nach der Militärschwimmanstalt energisch entgegnen:„ Der König hat absolut nicht das Recht, Deshalb ist denn auch, wie der Reichsbote" und die Deutsche am Plößensee. In sehr energischer Weise erteilt er den mich verhaften zu lassen. Er mag sich zunächst an die GeTageszeitung" versichern, das beste Vorbeugungsmittel gegen Befehl:" Die abgelöste Wache hat sofort meinem richte wenden!" Und er würde sich dann an seine Beamten ein zweites Jena" die Bekämpfung der heutigen liberalen Befehl zu folgen, um auf allerhöchste Anord mit der Aufforderung wenden: Nehmen Sie den Hauptmann und demokratischen Anschauungen: die Absetzung der ratio- nung des Raisers eine Verhaftung vorzu fest, er muß übergeschnappt sein." nalistischen Pastoren, die Stärkung des Militarismus und der nehmen." Die Mannschaft folgt unbedingt diesem dienstlich preußischen Königstreue, die Erhaltung des feudalen Offizier erteilten Befehl. Der wachhabende Unteroffizier wird entlassen, forps und vornehmlich der Schutz der in der Landwirtschaft und die Soldaten rücken unter Führung des Hauptsteckenden Volkskraft durch hohe Getreide und Viehzölle. manns in der Richtung nach Berlin ab. Kurz darauf Sogar das hochentwickelte Pflichtgefühl", die strenge trifft die kleine Abteilung auf die Mannschaft einer Rechtschaffenheit", der große Charakter" eines Friedrich gleichfalls abgelösten Schießstandswache des 4. GardeWilhelm III. fand höchste Bewunderung desselben Königs, regiments. Der angebliche Hauptmann läßt die Soldaten der an dem gleichen Tage, an dem Napoleon Degen, Schärpe heranrufen und befiehlt ihnen, sich den Füsilieren anzuschließen. und Drden vom Grabe Friedrichs II. nehmen und als An- Sie folgen ebenfalls, dann läßt der vermeintliche Offizier die denken nach Paris schicken ließ, an den Korsischen Parvenue" Soldaten scharf laden und ihre Seitengewehre aufpflanzen. einen Brief mit folgender Ansprache richtete:" Sie sind Der Trupp marschiert zum Bahnhof Putlißstraße und fährt zu gerecht, mein Herr Bruder, um mich des unüber mit der Eisenbahn nach Köpenick. Auf dem dortigen Bahnlegten Bruches des Bandes anzuklagen, das meine hofe erlaubt sich der anführende Gefreite dem Vorgesezten zu persönliche Neigung für Sie mir doppelt teuer macht; bemerken, daß sämtliche Mannschaften ohne Mittagsmahl sind. Sie sind zu groß, als daß das Ergebnis eines einzigen Der Hauptmann läßt nun die Gewehre zusammenstellen und Lages Sie veranlassen könnte, mich geringer zu schätzen", und ordnet in einer Gastwirtschaft die Beköstigung der Mannschaften der dann vierzehn Tage später dieser Winselei ein weiteres an. Dann marschiert der Trupp nach dem Rathaus und beSchreiben folgen ließ mit der schönen Versicherung:„ Es ist fetzt auf Befehl des vermeintlichen Hauptmanns die Eingänge. süß für mich, mein Herr Bruder, von diesem Augenblick an Kein Soldat wagt zu widersprechen. Blindlings folgen meinen aufrichtigen Wunsch, Sie zu nähren, durch einen Be- sie dem Befehl, gemäß der ihnen eingetrichterten Lehre nicht weis des Vertrauens zu befunden, und ich glaube ihn zu denken, sondern gehorsam jeden Befehl ihrer Offiziere, mag wie ehemals im Kulturstaat" Preußen. Er ist nicht ausDas ist richtig. Der Geist von Jena herrscht noch heute Ew. Kaiserlichen Majestät dadurch zu geben, daß ich dieser lauten wie er will, zu befolgen. Was könnten sie auch gestorben, nur etwas überfirnißt. Aber trägt nicht an dieser nicht einmal die Zeichnung des Friedensvertrages abwarte, machen? Wäre der Offizier ein wirklicher Hauptmann ge- Rückständigkeit, an dieser Vergötterung eines feudalen Milium den Marsch der russischen Truppen aufzuhalten. Ich wesen, hätte er in höherem Auftrag gehandelt, jeder Soldat, tarismus das preußische gebildete" Bürgertum die Hauptbin von dem wärmsten Wunsche beseelt, daß Ew. Majestät der sich geweigert hätte, wäre zu schweren, langjährigen schuld, das unter dem Kampf gegen den Militarismus bielin meinen Palästen in einer Weise behandelt und Strafen verurteilt worden, muß doch der Sold at fach nichts anderes versteht als das Eintreten dafür, daß auch empfangen werden, die Ihnen angenehm sein muß und ich sogar die Befehle irrsinniger Vorgesetter die Söhne jüdischer Kommerzienräte als Offiziere zugelassen habe deshalb eifrigst alle die Maßnahmen getroffen, welche ausführen. die Umstände gestatten." In Köpenick fammelt sich vor dem Rathaus eine Menschen- Stavallerieregimentern. werden; wenn sie die Mittel dazu haben, selbst in den feudalen Fehlte der konservativen Presse nicht jedes Verständnis menge an. Von Mund zu Mund geht das Gerücht, der für die heutige politische Situation und die Lächerlichkeit ihrer Bürgermeister solle verhaftet werden auf Befehl des geschwollenen Deflamationen, sie hätte sich diese alberne Saisers. Gar manches ehrsame Bürgerlein weiß, daß der Geschichtsklitterung faum leisten können; denn die wenige Kaiser nicht das Recht hat, Zivilpersonen verhaften zu lassen; Tage vor dem hundertjährigen Gedenktage von Jena doch keiner wagt etwas zu unternehmen; feiner hält auch, Berlin, den 17. Dttober. erschienenen Denkwürdigkeiten des Fürsten Hohenlohe obgleich eigentlich eine Majestätsbeleidigung Blamiert bis auf die Knochen! bedeuten in ihrer Art für unsere sogenannten maßgebenden in der Annahme liegt, der Kaiser könne etwas Die tolle Komödie von Köpenick, die in der Geschichte Streise auch ein Jena, indem sie diese Streise in einer Be- Gesezwidriges ausführen lassen, die kaiserliche Stabinettsorder des Gaunertums ebenso vereinzelt dastehen dürfte, wie in der Leuchtung zeigen, die schwerlich geeignet ist, den Respekt vor für unmöglich. Alle diese ehrsamen Bürger Geschichte uniformfürchtiger Schildbürgerei, hat in der Presse den Großen" des deutschen Volkes zu erhöhen. Fast nirgends glauben, daß der Kaiser eine derartige bei diesen hohen Diplomaten“ und„ Schlachtenlenkern" findet Order tatsächlich erlassen haben tönne. sich eine tiefere Auffassung der geschichtlichen Entwickelung, Und dann der Herr Bürgermeister von Köpenick. Er selbst nirgends eine Hintansezung der eigenen Interessen hat seine Verhaftung dem Berichterstatter des„ Lokal- Anzeigers" hinter denen des Reiches, nirgends ein Aufgehen des geschildert. Seine Aussage finden die Leser in dem Artikel eigenen Jchs in dem Streben für ein großes Ziel. Ein Geniestreich" in der heutigen Nummer wiedergegeben. Ueberall kleinliche Eitelkeit, Streberei, Intrige und Klatsch. Der Bürgermeister muß als Rechtsfundiger wissen, daß Selbst bei der vielbesungenen Gründung des neuen Deutschen eine derartige Verhaftung, wie der Hauptmann sie ausführen Reiches vermögen sich die gefeierten Reichsgründer nicht über will, gefeßlich nicht zulässig ist, doch auch er hält ihre kleinlichen dynastischen Interessen zu erheben, und ihre nicht für unwahrscheinlich, daß der Staiser den Befehl erteilt Bustimmung muß ihnen teilweise erst durch Intrigen, durch hat und als Reserveoffizier geht sein Respekt vor der Uniform fleinliche Schmeicheleien und Zugeständnisse an ihre Regenten- des Herrn Gardehauptmanns soweit, daß auch er sich willig wäre er direkt aus dem Zuchthaus gekommen", wirft eitelfeit abgerungen und abgeschachert werdeu. in dessen seltsame Anordnungen fügt. Und wie er folgt der sich in eine preußische Hauptmannsuniform. Sofort erhält er da Doch nicht nur die Hohenloheschen Memoiren zeigen, wie Rassenrendant von Wiltberg dem Herrn Hauptmann. durch die Verfügung über ein Kommando von zwölf Mann Militär, sehr noch im wiedergeborenen" neuen Deutschen Reiche, Nebenbei bemerkt das ist nicht minder kennzeichnend die vom Tegeler Schießplaße nach Hause marschieren. Diese Truppe und speziell in Preußen, der Geist von Jena herrscht. für die Gefährlichkeit des Militarismus haben die heute führt der Hauptmann nach Köpenid. Er besett das Rat. Fast noch deutlicher offenbart sich das in einem jüngsten vormittag vernommenen Soldaten auf Befragen ausgesagt, haus. Er berhaftet den Bürgermeister und einen Ereignis, das viel belacht und bespöttelt wird, und das daß sie bereit gewesen wären und sich verpflichtet gefühlt nach der Hauptwache. Unterbessen raubt er die Köpenider Stadt. anderen Beamten. Er läßt die beiden nach Berlin eskortieren, doch in seiner Eigenart für die preußische hätten, jeden Befehl, auch die schärfsten Maßregeln ihres ver- fasse aus und berduftet unbelästigt und ungesehen mit der GisenVerwaltung, für die Psychologie und die Auf meintlichen Vorgesezten auszuführen, unter Umständen bahn. In Berlin entdeckt man. dak ein Schwindler einen der " " " Berliner Tageblatt" schreibt z. B. in seiner gestrigen Abend. Das sieht auch teilweise die liberale Presse ein. Das nummer: Man hat gerade in diesen Tagen sich der Schlacht bei Jena und des ihr folgenden Zusammenbruches des preußischen Staates. erinnern müssen. Auch vor hundert Jahren genügten einige französische Fähnlein, um die Kommandeure von Magdeburg, Spandau und anderen preußischen Festungen zur Uebergabe zu bringen. Der blinde Gehorsam war dem Soldaten so in Fleisch und Blut übergegangen, daß er selbst die Befehle des Feindes respektierte. Damals frachte der Absolutismus kläglich zusammen. Was dort eine weltgeschichtliche Tragödie war, ist hier zur lokalen Komödie geworden. Aber in den Motiven und der Denkungsart der handelnden Personen ist kaum ein Unterschied zu spüren. Der Absolutismus in Preußen muß überwunden werden, nicht durch Geseze allein, sondern durch das Freiheitsgefühl des Volkes, das ist die Lehre von Köpenid. Heute ist die Uniform der Fetisch, vor dem alle Manneswürde und aller Mannesmut in ein Mauseloch friechen." Politische Uebersicht. " bereits ein schallendes Echo gefunden. Die meisten Blätter haben die ernste Seite dieser unerhörten Burleske richtig herausgefunden. So schreibt die Volks- 3eitung": " Die Komödie von Köpenick mag in Berlin, in ganz Deutschland, ia in der ganzen zibilisierten Welt ein unauslöschliches Gelächter erregen. Hätte ein Poffendichter ein ähnliches Intermezzo ersonnen, man hätte ihm ernstlich zu verstehen gegeben, daß auch das Recht, Blödsinniges für die Bühne zu erfinden, feine Grenzen habe. Gr möge doch die Welt mit derartigen Ausgeburten einer hirn verbrannten Phantasie verschonen. Und doch hat sich gestern in Stöpenid alles fo zugetragen, wie es uns selbst in der wahnwikigsten Posse unerhört vorkommen würde!! Ein dunkler Ehrenmann, der aussieht, als vollsten Streiche verübt hat, den die ausschweifendste Erfindungs- Virtuosität kaum im wildesten Westen Amerikas für diskutierbar siehalten hätte.... Der Sieg des militärischen Ka da V e rg eho r- sam s über d i e gesunde Vernunft, über die Staatsordnung, über die Persönlichkeit deS einzelnen, das ist es, was sich gestern in der Küpenicker Komödie in grotesk- entsetzlicher Art offenbart hat. lind das ist das Ernste, das Bittere, das Be- schämende an dem unsagbar lachhaften Abenteuer. Ein Hochstapler, ein Gauner, ein Räuber mußte kommen, um dergestalt eine der wundersamsten staatlichen Ordnungseinrichtungen scl absurdum zu führen! Eine solche Blamage ist noch nicht dagewesen! Der Mann aber, der solches vermocht hat, weil er auf die schlaue Idee verfiel, sich in eine militärische Uniform zu werfen, e r st e h t m i t seinem Scharfblick bei der.Abwägung realer M ach tverhältnisse fast in genialer Größe da. Uniform und Kadavergehorsam— s i e öffnen die festesten Geldschränke sicherer und geräuschloser als das überwundene Sauer st offgebläs e." Die„N a t i o n a l- Z e i t u n g" sagt: „Ein ungeheures Gelächter geht durch Berlin Und pflanzt sich fort über das Weichbild unserer Stadt, über Deutschlands Grenzen, über den Ozean. Es lacht die bewohnte Erde, und wenn wir noch einen Olymp hätten, so würden zweifellos auch die Götter lachen, daß es wie ein Gellen und Brausen durch den Weltenraum tönte. Niemand würde sich wundern, wenn der Seismograph heute höchst unnormale Erschütterungen des Planeten feststellte, auf dem zu leben wir die Ehre haben.... Der k ü h n st c und bissig st e Spötter könnte auf den sich überschlagenden Militarismus keine Satire schreiben» die den Ber- gleich mit dieser von der Bühne ins Leben übersetzten Operette aushielte....' Ein, herrliches Bild, diese Gendarmen, die auf dem Marktplatz grablitätiisch„die Ordnung aufrecht erhalte n", während im Rathaus die Stadtkasse ausgeraubt wird! Und dann das Haupt- opfer! Herr Dr. Langerhans'ist unschuldig wie ein weißes Blatt Zcitungspapier, ehe es bedruckt wird, aber was erscheint ihm plausibler, als daß ihn jemand beim Be- zrrkskommando wegen irgend eines erfundenen Vergehens denunziert habe! Er ist vielleicht auf der Straße von jemand am Aermel gestreift worden, ohne ihn zu fordern? Immerhin, er fühlt sich bedrückt'und denkt: Gott und das Bezirkskommando werden es schon wissen—, ohne wenigstens das Bezirkskommando telephonisch anzufragen. Nur vor einer Persönlichkeit bat der geniale Strolch Hochachtung: vor dem lv achthabenden Unteroffizier in der Militär- f ch w i in m a n st a l t, der denn auch gnädig„entlassen" wird, bevor der Marsch zum Bahnhof Putlitzstraße und die Fahrt sprecaufwärts beginnt. Die Geschichte ist's o komisch, daß man beim besten Willen heute noch kaum imstande ist, ihre e r n st e n Seiten ins Auge zu fassen. Nie sind deuts che Bürger für ihre Loya»«- tät, ihren Gehorsam und ihr Vertrauen in das Walten der'irdischen Mächte so genasführt worden wie die Nachkommen Jaczos von Köpenick. Sie dürfen sich nicht darüber beklagen, daß sie nun neben dem Schaden auch noch den Spott zu tragen haben." Die konservative Presse hat dagegen begreiflicher- weise innerhalb der verflossenen 24 Stunden noch nicht den rechten Standpunkt gefunden. Sie begnügt sich einstweilen mit der bloßen Darstellung der märchenhaften Historie, ohne auch nur die Stimmung zu einem herzhaften Gelächter zu finden. Die Blamage des Militarismus, der Polizei und des Bureaukratismus ist doch gar zu groß! Nur die„Berliner Neue st en Nachrichte n" protestieren ärgerlich dagegen, daß etwa„auch der Köpenicker Streich wieder gegen den Militarismus ausgebeutet" werde, „etwa so: Der ganze Vorfall wäre undenkbar, wenn das Bürgertum nicht eingeschüchtert wäre durch das Uebergewicht des Heeres, speziell des Offizierkorps." Alles was in Köpenick an„Einfältigkeit" geleistet worden sei, sei nichts als eine lokale, spezifisch Köpenicker Schild- burgerei: „Was aber soll man vom Bürgermeister und seinen Leuten denken, die nicht einmal wissen, daß im Frieden das Militär überhaupt keine Verhaftung vornimmt, es sei denn, wenn es insultiert oder von der Polizei requiriert wird. Welche Verwirr» ng gehört dazu, um für möglich zu halten, daß der Kaiser— den man übrigens seit Tagen verreist wußte— den Köpenicker B ü r g e r m e i st e r sollte verhaften lassen. Wozu ist der Herr B ü rg e r- meister selb st Chef der Polizei, deren Angestellte, wie berichtet wird, auf dem Rathausplatz den Mcnschenverkehr regu- lierten, da ein Auflauf erfolgt war, als man von der sonderbaren Verhaftung erfuhr?"' Die„Deutsche T a g e s- Z e i t u n g" bemerkt: „Sonderbar, wirklich sonderbar! Ein Mann in der Haupt- mannsuniform mit Mütze ohne die zweite Kokarde und mit einer wie ein Strick zusammengedrehten Feld- binde mußte doch unter allen Umständen den Soldaten, zum mindesten dem Wachtunteroffizier verdächtig erscheinen. Jeder Unteroffizier muß wissen, daß zum Anzüge eines Offiziers mit solchem Auftrage der Helm gehört. Doch man mag darüber hinwegsehen und das bestimmte Auftreten des Schwindlers wie den unbedingten Gehorsam des Soldaten, auch den ganz ungewöhn- lichen Auftrag des„Herrn Hauptmann" in Rechnung stellen. Wie aber in Köpenick! Wie konnte es angehen, daß der Bürger- meister, selber Offizier der Reserve, sich von einem derartig kostümierten Gauner, der„gerade aus dem Zucht- haus zu kommen schien", düpieren und sich wie ein Ver- brecher behandeln ließ? Die Behandlung der Beamten, die Be- setzung der Rathauseingänge vor einer tausendköpfigen Zuschauer- menge, die Komödie mit dem Ehrenwort dos Bürgermeisters, der Diebstahl, der Transport der beiden Beamten nach Berlin und zu- guterletzt die drei Glas Bier nach getaner aufregender Arbeit: — welcher Dichter würde wohl auf eine solche Häufung komischen Stoffes gekommen sein? In der Tat: Köpenick wird auf alle Zeiten Schöppenstedt und Teterow in den Schatten st e l l e n. Man wird sich denken können, wie� dort heute die sogenannte Stimmung sein mag. Brrr---" In der Tat: Der ganze Vorfall ist von einer unwider- stehlichen Komik. Aber gerade in dieser geradezu unwahr- fcheinlichen Komik liegt das unerhört Blamable für die intelligenten Vertreter unseres herrlichen Kriegsheeres, von dem abgeschobenen Unteroffizier angefangen bis zu dem dienstbeflissenen Köpenicker Polizeiinspektor, der doch auch ehemaliger Militär ist. und dem Reserveoffizier Dr. Langerhans, der in seinem zivilen Nebenberuf als Stadtoberhaupt in Köpenick fungiert. Sie alle hielten das Unmögliche der im„Namen Seiner Majestät" ausgeführten militärischen Erekution eben doch für möglich! Von Jena nach Köpenick— welch glorreicher Aufstieg! Preußen wird fortan auf der ganzen Welt als das Land der unbegrenzten Lächerlichkeiten gelten!_ Es war einmal...! Das Schreiben des Posener Erzbischofs in Sachen des polnischen Religionsunterrichts hat nirgends ein so aufgeregtes Gegacker hervorgerufen wie im freisinnigen Hühnerhof. Versteigt sich doch die„Voss. Ztg." bis zu der Gemeinheit, den Erzbischof als reif fürs Kefäng- nis bei der Staatsregierung zu denunzieren! So sieht's aus mit der Duldsamkeit, mit der Achtung der Religions- und Meinungsfreiheit bei Teutschlands Liberalen. Und dabei zählt die„Voss. Ztg." bekanntlich noch zu den sogenannten „anständigen" Blättern des Liberalismus. In der Tat ist im„Berliner Tageblatt" z. B. die Hetze noch um verschiedene Grade wüster. In diesem Augenblick ist es von Interesse, zu erfahren, wie liberale Blätter ehedem über solche"Bedrückungen der Glaubensfreiheit schrieben. Zwar ist die(auch in unseren Reihen vielfach verbreitete) Mär von einer ruhmreichen Ver- gangenheit des deutschen Liberalismus weiter nichts als eben ein Märchen. Auch als der deutsche Liberalismus auf der Höhe seinos Ansehens stand, als er z. B. im preußischen Ab- geordnetenhaus— Anfang der 60er Jahre— zirka 250 Abgeordnete zählte, denen die anderen Parteien insgesamt nur etwa 140 Mann entgegen zu stellen hatten— auch da war er genau so lakaienhaft wie heute: jeder, der sich ein wenig in die Geschichte jener Zeit vertieft, bemerkt das bald. Aber er war doch noch nicht bis zu d e r Stufe der Gemeinheit ge- funken, den Staatsanwalt anzurufen zur Verfolgung von Taten, die gerade der Liberalismus auf Grund seiner Prin- zipien nachdrücklich schützen müßte. Im Gegenteil, gegen Unrecht und Bedrückung fand er damals noch markige Töne— die freilich, weil den Worten nie die Tat entsprach, in ihren Konsequenzen sich auch nur als Humbug erwiesen. Immer- hin lohnt der Vergleich. In der Broschüre des ehedem sehr bekannten liberalen Schulmanns und Politikers Eduard Sack(zugleich Re- dakteur an der„Franks. Ztg.")„Beiträge zur Schule im Dienste für die Freiheit" lesen wir aus Seite 30: „Wen faßte nicht der Menschheit ganzer Jammer an," schrieb im Jahre 1870 ein Korrespondent der liberalen)„Augsburger Allgemeinen Zeitung",„wenn er die Wutausbrüchc und Henkerlaunen eines Murawieff, Potapoff und anderer Werk- zeuge asiatischer Juchtenpolitik geschildert fand! Alle diese Einzelheiten werden aber überboten durch die Wirtschaft auf einem Gebiete, welches die heiligsten und für unantastbar ge- haltenen Rechte nicht bloß des Angehörigen eines zivilisierten Staates, sondern jedes Menschen, auch des berachtesten Paria, in sich schließt: auf dem Gebiete der Erziehung und des Unter- richts.� Hier übersteigt die raffinierte Korruption, die ver- worsenste geistige Rotzucht in der Tai jeden Begriff, welchen man seit Jahrtausenden bis heute zur Ehre des mensch- lichen Geschlechts festgehalten hatte. Alle Grausamkeiten und Gewalttätigkeiten heidnischer Tyrannen, von denen die Geschichte meldet, erscheinen wie Kinderspiel gegen Schlachtcnernst im Ver- gleich mit dem fluchwürdigen System, welches unter der Regie- rung Kaisers Alexander II. durch den zügellosen Terrorismus einer wahren Molochspartei zur Geltung und Durchführung ge- langt ist, und heute mit wütendem Eifer an der geistigen Ver- stümmelung. Entkräftung, ja man kann und muß sagen Ent- menschlichung der jungen Generation einer lebens- und ent- wickelungsfähigen, seit einem Jahrtausend an der europäischen Kultur teilnehmenden Nationalität arbeitet. „Oder wohätte man in hi st arischen Zeiten schon davon gehört, daß eine Regierung die privatliche Erteilung von elementarem Unter- richt in der Muttersprache und in der chri st lichen Religion mit Strafe bedroht und belegt?... �„Alles das... wird seit längerer Zeit... in Polen mit unübertroffener Schamlosigkeit getan und getrieben. Das System ist noch dadurch verschärft, daß der Unterricht nicht in der Muttersprache der Schüler, sondern in einer Sprache erteilt wird, die jeden? polnischen Kinde von Natur ver- haßt, durch ihre fremdartige Schreibung schwer zu erlernen... ist. Sogar für den Unterricht in der Religion, wobei tiefes Verständnis und innigstes keusch-familienhaftes Ge- fühl in Anspruch genommen wird, hat man jetzt die fremde Sprache des Unterdrückervolkes vorgeschrieben. Wie vergiftender Mehltau zehrt solcher Terrorismus an entzünd- baren Gemütern; man kann danach begreifen, wie in polnischen Herzen fanatische Bigotterie und irreligiöser Haß und Rache- dürft dicht aneinander wohnen. Um jeder Verhöhnung humanen Gefühls die Krone aufzusetzen, ist man in neuester Zeit so weit gegangen, den Schülern auch in ihren Er- holungspausen den Gebrauch der Mutter- spräche zu untersagen; sie müssen sich russisch amüsieren... „Das absolutistische Raffinement des russischen Systems hat auch dafür gesorgt, daß kein Untertan seine Kinder etwa durch unkontrollierten Privatunterricht oder durch Erziehung im Aus- lande den Wirkungen dieser des Namens unwürdigen„Bildungs- anstalten" entziehe.... Einerseits ist jedes Staatsamt und jede, wenn auch noch so bescheidene'öffentliche Stellung nicht mehr ohne Kenntnis des Russischen auszufüllen... andererseits wird die Berufung und Tätigkeit inländischer und ausländischer Privatlehrer und Erzieher in den wohlhabenderen Familien von feiten der Regierung in jeder irgend erreichbaren und kontrollier- baren Richtung aufs äußerste erschwert..." So der liberale Berichterstatter, das liberale Blatt im Jahre 1870. Es mag ja zweifelhaft sein, ob er feiner Ent- rüstung ebenso scharfen Ausdruck gegeben hätte, wenn es sich um Taten einer deutschen Regierung gehandelt hätte. Bemerkenswert ist aber, daß der liberale Redakteur Sack— im Jahre 1877— an diesen Bericht die Worte knüpfte: „Ich finde das alles so selbstverständlich, so folgerichtig, daß ich nicht zu begreifen vermag, wie man vernünftigerweise etwas anderes, wie man das Gegenteil erwarten kann. Noch nie hat sich eine Tyrannenherrschaft mit der Volksbildung befreunden können; immer noch hat jedes„persönliche Regi- ment" die geistige und sittliche EntWickelung eines Volkes so viel als möglich niederzu- halten und zu verderben gesucht. Sie haben's nur nicht gewagt, die Tyrannen, bis an die äußerste Grenze der Menschlichkeit zu gehen, und alles, was sie laut unserer ge- fälschten Geschichte sür die Volksbildung getan, waren nur möglichst geringe Zugeständnisse, die sie machten, aus Furcht, der nicht zu fesselnde Geist könne über sie hinwcgschreiten." Im Ton und im Ausdruck ist doch ein Unterschied zwischen den Liberalen von einst und denen von jetzt. Heute denun- zieren sie den, der sich gegen die Unterdrückung der Mutter- spräche wehrt, beim Staatsanwalt.— * ♦* DcutTcbcö Reich. „Aufkliirmig" über den Fall Fischer. Zu der Haftentlassimg des Tippel-Stipendiaten schreibt die„Deutsche T a g e s- Z t g.": „Die Verhaftung ivürde sicher nicht erfolgt sein, wenn man nicht von ihrer unbedingten Notwendigkeit überzeugt gewesen wäre. Diese Ansicht muß bis zum Beweise des Gegenteiles fest- gehalten werden, das ist ein selbstverständliches Gebot der Loyalität gegen die in Frage kommenden Be- Hörden und Offiziere. Ein freisinniges Blatt verlängt mit ziemlicher Entschiedenheit die amtliche Veröffent- lichung deS tatsächlichen Ergebnisses der Voruntersuchung. Das Verlangen erscheint insoweit berechtigt, als man er- warten darf, daß an derselben halbamtlichen Stelle, wo damals die Verhaftung des Majors Fischer mitgeteilt wurde(in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung") auch die Hastentlassung und ihre Begründung verkündet wird. Bisher ist das nicht ge- schehen. Was über die Angelegenheit verlautet, sind lediglich Mit- teilungen der Presse, die des amtlichen Hintergrundes entbehren. Wir gehen wohl in der Annahme nicht fehl, daß die'. Norddeutsche Allgemeine Zeitung" binnen kurzem veranlaßt werden wird, aus der Vor- Untersuchung zu veröffentlichen, was � überhaupt veröffentlicht werden kann. Freilich wird sich diese amtliche Veröffent- lichung im großen und ganzen auf die Mitteilung des negativen Ergebnisses der amtlichen Untersuchung beschränken müssen." Das wäre in der Tat eine famose Aufklärung, die nur das negative Resultat der Untersuchung veröffentlichte. Gerade die positiven Ergebnisse interessieren die Oeffentlichkeit und die Volksvertretung!—_ Eine„Lex Hohenlohe". In einem nationalliberalen Blatte war im Anschluß an die Veröffentlichungen der Tagebuchaufzeichnungen Hohenlohes angeregt worden, eventuell durch Schaffung eines Gesetzes künftig die Ver- öffentlichung ähnlicher Aufzeichnungen zu verhindern. Demgegen- über erklärt die„Deutsche Tag es-Ztg." ein solches Gesetz für„ s ch l e ch t b i n unmöglich". Schon die Fassung eines solchen Gesetzes würde die größten Schwierigkeiten machen. Außer- dem würde dasselbe in alte Familienrechte eingreifen und den Richter vor die ungeheuer schwierige Frage stellen, in jedem Einzelfalle zu entscheiden, ob die Veröffentlichung strafbar sei. Solche Veröffentlichungen müsse man dem allgemeinen Urteil überlassen. Wolle man sich dagegen sichern, so gebe es kein anderes Mittel, als in der Ausivahl der höchsten Beamten überaus vorsichtig zusein und nur solche Männer ins Auge zu fassen, von denen man nach ihrer ganzen Vergangenheit und Eigenart erwarten darf, daß sie h ä ß- l i ch e r oder bedenklicher Indiskretionen nicht fähig sind. Was die von dem Agrarierblatt empfohlene sorgliche AnS- wähl anlangt, so sollte eS sich doch daran erinnern, daß auch Fürst Bismarck im Jahre 18S6 seine Indiskretionen über den russischen RückVersicherungsvertrag beging, von denen der„Reichs-Anzeiger" damals erklärte, daß sie �ihrcr Natur nach zu den strengsten Staatsgeheimnissen gehörten" und von denen damals die„Köln. Ztg." bemerkte, daß sich das„Herz des deutschen Volkes bei dem Gedanken zusammen- krampfe", daß die„verblendeten und gewissenlosen sogenannten Freunde Bismarcks" einen solchen Einfluß auf den Säkularmenschen auszuüben vermöchten! Zwei Urteile der Militärjustiz! Die beiden Reservisten Martin und G e i ß l e r wurden am 13. September vom Kriegsgericht in Dresden zu der ungemein harten Strafe von zwei Jahren bezw. sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Den Angeklagten wurde zur Last gelegt, einen Bor- gesetzten beleidigt und sich tätlich an ihm vergriffen zu haben. Der Anklage liegt folgender Sachverhalt zugrunde. Im Frühjahr d. I. brach in dem Betriebe, in welchem die beiden Angeklagten beschäftigt waren, ein Streik aus, in dessen Verlauf der Arbeitswillige I ü h r i n g dort eintraf. Bei der diesjährigen Frühjahrskontroll- Versammlung erschien nun neben Martin und Geißler auch der Arbeitswillige I ü h r i n g. Dieser war Unteroffizier der Reserve und in seiner Eigenschaft als solcher mit dem Aufstellen der Mann- schaften beauftragt worden, wobei er mit einer weißen Armbinde als Vorgesetzter gekennzeichnet war. Ohne jeden Zwischenfall ver- lief die Kontrollversammlung. Auf dem Rückwege von dieser traf nun unterwegs der Arbeitswillige Jühring die beiden Streikenden. Er behauptet nun, von den beiden verhöhnt Und von Martin ab- sichtlich angerempelt worden zu sein, auch sollen sie ihn Lump und Schuft genannt haben. Geitzler kann sich an diesen Vorfall nicht mehr erinnern, da er sinnlos betrunken gewesen sei, was auch durch Zeugen bestätigt wird. Martin bestreitet mit aller Entschiedenheit, daß er den Arbeitswilligen angerempelt habe, llebereinstimmcnd bekunden die beiden Angeklagten, daß Jühring schon früher einmal geäußert habe, er warte nur auf eine Gelegenheit, um den Martin gründlich hineinlegen zu können. Auch sind sich die beiden, Martin und Geißler gar nicht bewußt gewesen, daß Jühring ihr Vorgesetzter sei, denn sie haben keine weiße Armbinde bei ihm gesehen. Bei der Verhandlung vor dem Kriegsgericht wurde damals eine ganze Reihe Entlastungszeugen nicht vereidigt wegen angeblicher Voreingenommenheit. Und so erfolgte damals die Bestrafung der beiden Angeklagten zu den oben erwähnten Strafen von zwei Jahren bezw. sechs Monaten Gefängnis. Gegen dieses Urteil haben beide Berufung eingelegt, und so kam die Sache am Dienstag erneut vor das Oberkriegsgericht. Hier wurde nun ein wesentlich anderes Bild zutage gefördert, indem fast alle Aussagen zugunsten der Angeklagten ausfielen. Auch wurden hier alle Zeugen vereidigt. Nach mehrstündiger Beweisaufnahme wurde das kriegsgerichtliche Urteil aufgehoben-und die beiden Angeklagten wegen einfacher Beleidigung eines Vorgesetzten zu je sechs Wochen mittleren Arrest verurteilt. Also erst zwei Jahre bezw. sechs Monate Gefängnis und nun jeder sechs Wochen mittleren Arrest! Die prompte Reichsregierung. Einige Danziger Stadtveu ordnete wollen in der nächsten Stadtverordnetenversammlung den Magistrat auffordern, einem Antrage beizutreten, der von der Regierung zur Linderung der Flcischteuerung die Ocffnung der Grenzen fordert. Solche Anträge sind bereits im Jahre 1902 und im Jahre ISvö von den städtischen Bebördcn an die Reichsregicrung gestellt worden— doch auf Antwort wartet der Danziger Magistrat immer noch.— Nürnberger Krawall-Prozesse. Gegen alle streikenden Arbeiter der Unionwerke, die am 17. August bei dem ersten Zusammenstoß in der Regensburgerstraße zugegen waren, schwebt eine Unter- suchung wegen Landfriedensbruchs. Da ihnen nichts weiter als die bloße Anwesenheit in der Regensburgerstraße zur Zeit des Krawalls, aber keine Gewalttätigkeit nachgewiesen werden kann. beschränkt sich die Anschuldigung auf ein Vergehen des Land- friedensbruchs, das nicht das Schwurgericht, sondern die Straf- kammer beschäftigen müßte. Nachdem in dem vor einigen Tagen zu Ende gegangenen ersten Prozeß die Geschworenen die Frage auf Landfriedensbruch verneinten, müßte eigentlich gegen die übrigen Angeschuldigten die Untersuchung sofort e i n g e st e l l t werden; aber es ist fraglich, ob die gelehrten Richter sich um den Spruch des Schwurgerichts kümmern.— Warnung vor Südafrika. Ein Bekannter schreibt uns aus K a p st a d t: Im Kaplande, wie überhaupt in Britisch Südafrika, gehen die Geschäfte augenblicklich schlecht; altangesessene Leute ernähren sich nur mit Mühe und Sorgen. Wer mit Kapitalbesitz eiliivanderte. bringt sein Geld sehr rasch an den Mann, aber das Hereinbekommen fällt sehr schwer. Di« während des Krieges zu einer Schwindelhöhe gestiegenen Häuserwerte fielen rapid und geheniinmer mehr zurück, so daß bei den häufiger werdenden ZwangSverkäufen kaum der hypothekarische Wert erzielt wird. Die arbeitende Bevölkerung muß aus dreiArbcils- tagen in der Woche ihren Unterhalt fristen; ganze Scharen sind arbeitslos und viele Weißen fronen im Taglohn zu Kaffern- löhnen. Viele arbeitsame, einst wohlbemittelte deutsche Handwerker würden, wenn sie die Interessen befriedigen könnten, in ihr Vater- land heimkehren. ES ist also vor der Auswanderung nach Südafrika iu warnen. Wer einen festen Kontrakt eingeht, bedinge mindestens 500 M. pro" Monat aus und sichere sich freie Rücksahrt.— Wer gewohnt ist, den Mund offen zu haben, kann unter Um- ständen in schlimmen Verdacht kommen. Das mußte der Mechaniker Ebermeier in Nürnberg erfahren, der sich am 24. August vom Volks- fest heimbegab und kurz vor denr Beginn der Polizeischlacht in eine Menschenmenge geriet, die sich über das geschästige Wesen der Schutzmannschaft amüsierte und ein Hoch auf die Polizei aus- brachte. Ein Schutzmann fischte sich den E. aus der Menge heraus und brachte ihn zur Anzeige wegen groben Unfugs, begangen durch das Hochschreien u, a. Vor Gericht bestritt E,, sich an dem Hochrufen beteiligt zu haben, der Schutzniann antwortete auf die Frage des Vorsitzenden, woraus er geschlossen habe, daß der Mann Hoch gerufen: daraus, dah er den Mund offen hatte. Wegen des groben Unfugs wurde auf Freisprechung erkannt, damit aber die Anzeige nicht ganz umsonst war, erfolgte wegen Stehenbleibens auf der Straße Verurteilung zu drei Mark Geldstrafe. Bestrafte Wasserscheu. Im Widerspruch mit einer Kabinettsorder, wonach Wasser- scheue Soldaten vom Schwimmunterricht zu dispensieren sind, steht ein Urteil des Kriegsgerichts der 18. Division gegen einen Pionier I. von der 4. Kompagnie des in Harburg garnisonierenden V. Pionierbataillons, lautend auf die bei Gehorsamsverweigerung und Beharrens im Ungehorsam gesetzlich zulässige geringste Strafe von 43 Tagen Gefängnis.. I., der schon einmal mit drei Tagen Arrest vorbestraft ist, weil er aus Angst beim'Schwimmunterricht nicht ins Wasser ging, hat in diesem Sommer mehrere Wochen hintereinander die vorschriftsmäßigen Kopfsprünge ins Wasser ge- macht, bis er an einer seichten Stelle mit dem Kopf auf Grund geriet, so daß er Schmerzgefühl empfand. Nun wurde seine „Wasserscheu" noch größer, und um diese zu beseitigen, unterzogen Unteroffiziere ihn einer„Wafferkur". Der ängstliche Mensch, dessen Führung und dienstliches Verhalten als gut bezeichnet werden, wurde an � eine Hreuzleine genommen und durch das Schwimmbassin gezogen; der Unteroffizier Ottens, der es nach Aussage von Zeugen am schlimmsten getrieben hat, schwamm dem mit einem Schwimmapparat versehenen Unglücks- menschen nach, tauchte ihn unter und bespritzte ihn derartig mit Wasser, daß I. infolge vielen Wasscrschluckens Kop ffsch merzen bekam. Auch wurde er an anderen Tagen mit Stangen untergetaucht und mit ihm sonstiger Unfug getrieben, woran ein Teil der Unter- offiziere und Mannschaften sich belustigte. Durch diese„Waffer- kurcn" wurde die unüberwindliche Wasserscheu des Bedauernswerten nicht nur nicht beseitigt, sondern bedeutend verschlimmert. Am 23. August führte Leutnant König, der die Wasserscheu des Soldaten nicht kannte, da er erst von einem Unterrichtskursus zurückgekehrt war, die Aufsicht beim Schwimmunterricht. Er redete I. zunächst gütlich zu. er solle, ins Wasser gehen, ließ ihm dann den Apparat anlegen, wobei er bemerkte, jetzt könne ihm nichts geschehen, doch hielt der Soldat mit angstverzerrten Blicken sich am Geländer fest. Die nun folgenden Befehle, doch endlich ins Waffer zu gehen, be- antwortete I. stets mit„Jawohl!" Dabei blieb es aber. Der Offizier ließ ihn nun„im Interesse der Disziplin" in Arrest bringen. Dies die„Straftaten" des Angeklagten, dessen Ver- halten nach Aussage eines Stabsarztes nicht unter dem Gesichts- Winkel des die Strafausschließung behandelnden 51 des Strafgesetzbuches zu betrachten sei. Als strafmildernd zog das Kriegs- gericht diesen Angstzustand und die gute Führung des Angeklagten in Bctrachü Gegen das Urteil legte I. Berufung ein, mit her sich nun das Oberkricgsgericht des 9. Armeekorps zu beschäftigen hatte. Nachdem I. seine Leidensgeschichte geschildert, sagten einige Unteroffiziere aus, sie könnten sich der Vorgänge nicht so genau erinnern, weil das schon so lange her sei.'(Drei Monate!) Ein besseres Gedächtnis haben mehrere Soldaten, welche die Angaben des Angeklagten bestätigen. Leutnant König erklärt, der Mann sei sehr aufgeregt gewesen und habe wohl nicht gewußt, was er tat. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Schwcnck-Nltona, begründete eingehend die Berufung und hob hervor, daß der Angeklagte unter einem unwiderstehlichen Zwange gehandelt habe. Der Mann sei in der allerungeeignetsten Weise behandelt worden, unter keinen Umständen hätte er, wie das von den Unteroffizieren geschehen sei, gewaltsam zu Waffer gebracht werden dürfen. Bringe man einen Hund gewaltsam ins Wasser, so werde er nie oder doch erst nach Jahren die„Wasserscheu" ver- licrcn. Solche„Kuren" schlagen eben ins Gegenteil um. Nach der crwäbntcn Kabincttsorder bätte man ihm den unaussnhr- baren Befehl nicht erteilen dürfen. Der Ankläger, Oberkriegs- gcrichtsxat Dr. Mörler, gibt zu, daß der Mann zeitweise un- vorschriftsmäßig behandelt wurde und dadurch das Gelächter der Unteroffiziere und Dtannschaften erregte. Aber der Z 51 des Strafgesetzbuches könne Nicht angewendet werden, da der An- geklagte, gewußt habe, was er tat. Furcht vor persönlichen Ge- fahren dürfe, wie es im Militärgesetz ausgedrückt sei, der Soldat nicht empfinden. Daher müsse die Berufung zurückgewiesen werden. Der gleichen Ansicht ist das Gericht. Es sei nur die. Frage zu prüfen gewesen, ob die gesetzliche Unterlage für dih Anwendung des Strafausschließungsparagraphen vorhanden sei, was verneint werden müsse. Der Angeklagte habe lediglich aus Angst gehandelt, und Furcht vor persönlicher Gefahr sei eben nach dem Militärgesetz strafbar. Die Milde der Strafe rechtfertige sich aus der vor diesem Fall liegenden vorschriftswidrigen Behandlung des Angeklagten. Tie gu. Kabinettsordcr könne auf diesen Fall nicht angewandt werden, weil der Angeklagte vorher nicht Wasser- sch e u war. Dieses Urteil'ist unseres Erachtens unhaltbar und revisibel wegen unrichtiger Anwendung des Gesetzes. Die Kabinettsorder besagt klipp und klar, daß Wasserscheue vom Schwimmunterricht zu dispensieren seien. Der Anncklagte. der' üorigens verber fcbon stets Angst vor Wasser gehabt hat, ist durch den unglücklichen Kopf- sprung in Verbindung mit der rohen Behandlung von selten des Unteroffiziers Ottens und der„Kameraden" in die Gemüts- Verfassung versetzt worden, die ihm die Ausführung des Befehls zur Unmöglichkeit machte."— LandeSverratsprozeß. Vor dem Strafsenat des Reichsgerichts fand am Mittwoch die Verhandlung'gegen den Artillericdepotarbeiter Manteufel aus St. Abold statt. Der Angeklagte ist am lö. Juli 1867 in Garts a. O, geboren, hat beim 26. Artillerieregiment gedient und ist später in Frankreich in die Fremdenlegion eingetreten, nachdem er sich vorher als Franzose hatte naturalisieren lassen. Die Anklage betrifft zwei Vorgänge. Am 5. März soll der Augeklagte den Unteroffizier Ehr- Hardt auf der Straße gefragt haben, ob er ihm nicht ein Buch ver- schaffen könnte, in dem das stehe, was der Soldat bei einer Mobil- machung wissen müsse, und dem Unteroffizier 199 bis 299 M. ge- boten haben. Am 17. Mai soll er ferner den Kanonier Meyer ge- fragt haben, ob er ihm nicht die Schießvorschristen und das Exerzier- reglement für die neuen Geschütze verschaffen könnte. Die Anklage nimmt an, daß der Angeklagte dies im Auftrage eines fran- zösischen Agenten getan habe. Der Angeklagte bestritt jede Schuld. Erschienen sind 18 Zeugen, sowie Ii Militärsachverständige, unter diesen Major v. Bergmann. Nach Vernehmung der Sachverständigen beantragte der Ober- reichsanwalt im ersten Falle(Ehrhardt) ein Jahr und sed$ Monate Zuchthaus, im zwcjtcn Falle(Meyer) zwei Jahre Zuchthaus, welche Strafen zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren Zuchthaus zu- sammenzuziehen seien, unter. Anrechnung von zwei Monaten Unter- suchungshaft; außerdem beantragte er fünf Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. In seiner Anklagerede führte der Staatsanwalt aus, im ersten Falle sei die Möglichkeit einer Gefährdung der Landessicherheit gegeben, im zweiten stehe sie fest. Wenn man gewußt hätte, daß der Angeklagte Franzose war, würde er nicht in St. Avold angestellt worden sein. Er habe sich also eingeschlichen. Der Verteidiger beantragte Freisprechung, eventuell nur Verurteilung auf Grund des Paragraphen vier. Der Angeklagte wird in beiden Fällen für schuldig erachtet und zu drei Jahren Zu cht Haus und fünf Jahren Ehr- Verlust verurteilt., auch die Stellung unter Polizeiaufsicht wurde für zulässig erklärt. Zwei Monate Untersuchungshast werden «�gerechnet...._• Ein neues Gefecht in Slldwestafrika. Berlin, 17. Oktober. Amtliche Meldung. Am 12. Ol- tober wurde an der Ostgrenze zwischen H o l p a n und S andpüts (südlich Hasuur) eine starke Hottentotten bände von der 3. Kompagnie des 2. Feldregiments angegriffen. Ter Feind floh nach zweistündigem Gefecht' größtenteils, in süd- westlicher Richtung und würde von der 3. Kompagnie sowie der halben 8. Batterie unter Führung von Major Siebert verfolgt. Unsererseits zwei Reiter gefallen, zwei leicht verwundet. Ein kleinerer Teil der Bande floh über die englische Grenze. Nach übereinstimmenden Nachrichten hatte der bei Holpan ge- schlagene Gegner vorher auf englischem Gebiet gesessen und mit einem Waffens chmugglcr verhandelt. Der englische Magistrat zu Rietfontein S. O. bestätigte diese Nachricht und drückte am 19. Oktober sein Bedauern darüber aus, daß er nicht in der Lage gewesen sei, diese Leute zu entwaffnen und festzunehmen. Ein Telegramm aus Dar es Salam meldet: Unteroffizier Her- mann Plock, geboren am 39. November 1882 zu Calvörde, 19. Ok- tober d, I. in Zar es. Salam an Schwarzwasserfieber gestorben.— Husland. Schweiz. Altersversicherung in Genf. Genf, 14. Oktober.(Eig. Ber.) Unsere Regierung, deren Neu- Wahl im nächsten Monat stattfindet, will sich einen guten Abgang sichern und zugleich für ihre Wiederwahl gutes Wetter machen. So hat sie sich nun nach sehr langer Pause auf das Gebiet der Sozial- Politik begeben- Sie hat einen Gesetzentwurf betreffend die Ein- fiihrung der Altersversicherung ausgearbeitet, der nur 13 Para- graphen umfaßt, die im wesentlichen folgendes bestimmen: Nach Art. 1 ist die Versicherung obligatorisch für Genfer und Genferinnen, geboren im Kanton Genf. Art. 2. Jeder Genfer Bürger wird bei seiner Geburt versichert. Die jährliche Prämie fällt zu einem Drittel dem Staat, zu einem Drittel der Wohngcmeinde, zu einem Drittel den Eltern oder Vormündern zu Lasten.' Die Präniie muß von den Eltern oder Vormündern bis und mit dem 11. Alters- jähr des versicherten Kindes entrichtet werden, um diesem eine jähr- liche Pension, zu beziehen vom 69. Jahre an, zuzusichern. Art. 3. Die bezahlten Prämien gehören der Alterskasse: die nach einem Spezial- tarif einbezahlten Prämien werden jedoch beim Tode des Versicherten vor seinem zwanzigsten Jahre ohne Zinsen zurückerstattet. Art. 4. Die Prämien können auf einmal oder in weniger denn elf Jahren einbezahlt werden. Art. 5. Die Rente wird monatlich ausbezahlt. Art. 6. Der Prämientaris kann alle fünf Jahre vom Staats- rate neu festgesetzt werden. Art. 7. Den obligatorisch Versicherten steht es frei, durch freiwillige Prämien ihre Pension bis auf 699 Frank jährlich zu steigern. Art. 8. Die Kasse darf Ge- schenke und Vermächtnisse annehmen. Art. 9. Als verwaltendes Organ wird eine fiinfzehngliedrige Kommission eingesetzt, je zu einen. Drittel wählbar durch Großen Rat, Staatsrat und Munizipalbehörden. Art. 19. Die Verwaltungskommission stellt die benöNgten Reglements usw. auf. Art. 11. Die Angestellten werden vom Staatsrat ernannt. Art. 12. Die Verwalwngskominission kann, die Genehmigung von feiten des Staatsrates vorausgesetzt, Zahlungs- fristen gewähren oder in besonders spezifizierten Fällen völlige Eni- lassung von der Prämienzahlung eintreten lassen. Art. 13. Das Gesetz tritt aufs Jahr 1997 in Kraft. Das würde eine ganz eigenartige staatliche Altersversicherung geben, die die Mehrzahl der Einwohner Genfs davon ausschlösse: denn die Genfer Bürger beziehungsweise die in Genf geborenen Einwohner bilden nur eine Minderheit der Bevölkerung. Voraus- sichtlich wird der Große Rat(Landtag) verschiedene Abänderungen vornehmen. Wahrscheinlich wird das ganze Projekt überhaupt nicht so bald verwirklicht werden.— England. H. G. Wells in£ti„Fadian Society". London, 13. Oktober. Wells ist ein noch verhälwismäßig junger, sehr begabter Schrift- steller. Er schreibt naturwissenschaftliche Romane a la Jules Berne, Novellen, schließlich soziologische Voraussagungen und sozialistische Utopien. Er ist Mitglied der„Fabian Society'" und der Sozial- demokrat. Federation. Gestern abend sprach er in einer Versammlung der Fabian Society in der Essex-Halle. Das Thema war:„Looialism and the Middle Classes"(„Der Sozialismus und die Bourgeoisie"). Die Versammlung war sehr zahlreich besucht, besonders von Frauen. Wells hat nämlich vor wenigen Wochen eine sozialistilche Utopie veröffentlicht unter dem Titel:„In the Days- of the Comet"(„In den Tagen des Kometen"), in der ge- schildert wird, wie infolge des Erscheinens eines Kometen die kapitalistische Gedankenwelt plötzlich den, sozialistischen Fühlen und Denken Platz macht und u. a. aucki die Institution der Ehe im kommunistischen Sinne umgewandelt wird. Die bürgerlichen Rezensenten fielen nach bekannten Mustern über die Einführung der „Weibergemeinschaft" her. Der Angriff hat Wells zu einer inter- estanten Persönlichkeit gemacht. Deshalb der große Zulauf zur gestrigen Versammlung. Wells mußte eigentlich in einer längeren literarischen Rundschau gewürdigt werden. Er hat sehr viel geschrieben; seine literarische Würdigung verlangt deshalb eine eingehende Lektüre der meisten seiner Bücher. Vorläufig müssen wir uns mit einem Referat über seinen gestrigen Vortrag begnügen, der über Wells Wesen einigen Aufschluß geben kann. Seine Ausführungen waren etwa wie folgt: Man muß unterscheiden zwischen Sozialismus und sozialistischer Bewegung. Sozialismus ist eine un, fassende und sich langsam vor- bereitende Anschauung über die in bewußter und planvoller Weise vorzunehmende Organisation des Staates und über die Pflege einer höheren Moral. Ich bin Sozialist und lege hier ein öffentliches Bekenntnis meines sozialistischen Ideals ab. Wir Sozialisten wissen, was wir wollen, oblvohl wir die neue Gesellschaft erst nur in uuklaren Umrissen erkennen. Mit dem Fortschritte der Zeit und der Erkenntnis werden die Umrisse immer klarer werde». Heute wissen wir nur soviel, daß eine bewußt vorgenommene Organisation der Gesellschaft im Interesse aller Bürger das heutige chaotische, verschwenderische und den Zufällen preisgegebene Leben ersetzen wird. Das Privateigentum an Sachen und Menschen wird fallen, und an seine Stelle wird treten das Gemein- eigentum an Sachen und die Freiheit des Menschen gegen- über dem Menschen. Der Gedanke des Sozialismus wird von verschiedenen Be- wegungen verschieden verbreitet. Der marxistische Sozialis- m u S, wie er z. B. in Deutschland, New Uork und Chicago propagiert wird, ist den Arbeiterbegriffen angepaßt. Die Propaganda beschäftigt sich hauptsächlich mit den Arbeitern. Ausbeutung in der Fabrik, schlechte Löhne, lange Arbeitszeit, Bedrückung der Arbeiter, das sind die Anklagen, die die Redner dieser Bewegung gegen die kapitalistische Ordnung erheben. Be- sonders wirksam ist der Hinweis von Marx auf die Vernichtung deS Privateigentums der Mittelklassen durch die kapitalistische Konzentration. Aber diese Bewegung ist materialistisch und rein proletarisch. Arbeitnehmer und Arbeitgeber— das sind die beiden Pole, zwischen denen sich dieser Sozialismus bewegt, der den Zweck hat, dem Arbeiter mehr von jenen Dingen zu verschaffen, die das körperliche Leben angenehm machen. Dann kommt der fabianische Sozialismus. Dieser ist ein administrativer Sozialismus. Er will eine vernünftige Verwaltung devß öffentlichen Körperschaften. Ihm ist das Ver- schwenderische, Planlose und Ungesunde deS heustgen öffentncyen Verwaltungsapparats zuwider. Die Anwendung des sozialistische» Prinzips' würde die.augenfälligen Schwächen der heutigen öffent- lichen Verwaltung beseitigen. Nur muß sich der Fabianismus von allen unwissenschaftlichen und unsozialistischei, Strömungen, wie die her Tolstoianer, Anarchisten, Spiritisten usw. fernhalten. Schließlich kommt der philantropische Sozialismus. Seine Anhänger haben keine Ahnung vom Sozialismus. Sie sind einfach mit den Resultaten der privaten und öffentlichen Wohl- tätigkeit und Armenpflege unzufrieden und sehen im Sozialismus eine bessere Methode, den Armen zu helfen. Wenn es aber zur Abschaffung des Privateigentums und der Klassen käme, würden sich diese Sozialisten schön bedanken und würden ganz überrascht sein über die Dummheit, die sie durch Förderung des Sozialismus begangen haben. Alle diese Bewegungen vernachlässigen die schöpferische, um- gestaltende Seite des Sozialismus. Und diese kann nur die Aufgabe der bürgerlichen Intelligenz sein— der Aerzte, Ingenieure, Bautechniker, Künstler und Schriftsteller. An diese müssen sich die sozialistischen Vertreter wenden und sie zu gewinnen suchen. Auch die übrigen bürgerlichen Kreise sind für den Sozialismus zu gewinnen, wenn man die Unzufriedenheit bcnutzt. die die heutigen Einrichtungen im Haushalt und die wachsende Unsicherheit der Existenz hervorrufen. Besonders aber die Unzufriedenheit der gebildeten bürgerlichen Frauen, die zur Selbständigkeit erwachen, durch die Maske der männlichen Ritterlichkeit hindurchsehen und schließlich finden, daß es heute für eine Frau nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder dem Manne als Eigentum angehören oder isoliert bleiben. Wells ging dann zum Eheproblem über, das ihn— als Romanschriftsteller— offenbar mehr als andere Seiten des sozialen Lebens beschäftigt. Seine Spekulationen über die Ausgestaltung der lünftigen Familie bildeten den größten Teil des Vortrages. Nach Wells kann von fteier Liebe keine Rede sein. Die Ehe wird auf Grund eines Vertrages zwischen dem freien Mann und der fteien Fran vollzogen werden. Die Frau als Mutter wird vom Staate für die Erziehung der Kinder bezahlt werden und wird auch dem Staate verantwortlich sein. In der Diskussion, an der sich nur Mitglieder der Fabian Society beteiligen dürfen, zeigten sich folgende Strömungen: Die- jenigen Fabier, die in der Arbeiterpartei tätig sind, griffen Wells wegen seiner. Spekulationen über die Familie heftig an. Die wirk- lichen Fabier waren sehr betrübt darüber, daß der Sozialismus immer proletarischer wird. Nur ein Fabier, Cecil Chesterton, sprach einigermaßen sozialdemokratisch.— GewcrhrcbaftUcbc*). Berlin und Umgegend. Auf dem Wege zur gewerkschaftlichen Einheit. Der Verein Berliner Hausdiener hat, wie den Lesern des„Vorwärts" bereits bekannt ist, in einer Urabstimmung um Sonntag, den 7. d. M., mit 143 Stimmen Mehrheit den Anschluß �gsl den Zentralverband der Handels- und TransportarbmA beschlossen. Die hierbei erzielte Majorität ist zwar keine überwältigende gewesen, aber als gute Demo- krateii undPartetgenossen haben dieVereinsmitglieder allesamt die Pflicht, diesem Beschlüsse Folge zu leisten. Sie können dies um so leichter, als materiell an der Vereinsinstitution durch den Beschluß nichts geändert wird und ihnen durch den- selben nur Vorteile und absolut keine Nachteile winken. Die Mitglieder des Vereins behalten nach wie vor ihr Selbst- bestimmungsrecht und können auch im Zentrdlverbande in ihren Beschlüssen durchaus nicht majorisiert werden. Auch über das jetzige Vereinsvermögen bleibt den alten Vereins- Mitgliedern das ausschließliche Verfügungsrecht. Da auch die Wochenbeiträge in der gleichen Weise wie bisher beibe- halten.werden und die Mitglieder des Vereins über deren Gestaltung in Zukunft selbst zu bestimmen haben, so ist tat- sächlich kein vernünftiger und sachlicher Grund mehr vor- banden, daß sich die Vereinsmitglieder noch länger gegen den Anschluß an. die Zentralisation stemmen; es liegt vielmehr im Interesse jedes Einzelnen, daß der Anschluß baldigst, wenigstens aber zum 1. Januar 1907 perfekt wird. Die heute stattfindende Generalversammlung des Vereins soll über den Zeitpunkt des Anschlusses Beschluß fassen, und kann den Mitgliedern des Vereins nur der dringende Rat gegeben werden, der Frage eine ihrer Wichtigkeit geinäß sachliche Behandlung angedeihen zu lassen, da eine Aufhebung des Anschlußbeschlusses ausgeschlossen ist, will nicht der Verein sich selbst gänzlich außerhalb der allgemeinen Arbeiterbewegung stellen. Darüber, daß die äußerst kulanten Anschlußbedingungen seitens des Transportarbeiterverbandes innegehalten werden, wacht die Berliner Gewerkschaftskommission, und haben daher die Vereinsmitglieder auch in dieser Beziehung nichts zu be- fürchten. Desto mehr darf aber nunmehr von den Vereins- Mitgliedern erwartet werden, daß sie der bisherigen Oraani- sationszersplitterung ein.Ende machen. Achtung, Metallarbeiter! In den Siemens-Schuckert- Werken am Nonnendamm und in der Franklinstraßc sind die Arbeiter von fünf Abteilungen, weil sie die neue Arbeitsordnung nicht anerkennen wollten, entlassen worden. Die Betriebe der Siemens-Werke sind gesperrt. Da es nicht ausgeschlossen ist, daß der Versuch gemacht wird, auf Umwegen Streikbrecher zu erlangen, ersuchen wir bei Arbeitsangeboten sür die Siemens u. Halske- als für Siemens-Schuckertwerke erst bei uns Erkundigungen einzuziehen. Deutscher Merallarbeiterverband. Ortsvcrwaltung Berlin. Die Aussperrung in der mechanischen Schuhindustrie. Um in letzter Stunde noch einen Weg der Verständigung zu finden, ehe größere Opfer in dem Kampfe gebracht werden Müssen, beschlossen am Montag die Ballschuhmacher, die Forderung der Platzmiete fallen zu lassen, und die Entschädigung für die kleinen Kommissionen auf drei Paar zu ermäßigen. Erstere Forderung war ausgestellt, um einen Vorstoß gegenüber der Heimarbeit zu unternehmen, die bei. Gelegenheit der Heimarbeitsausstcllung selbst in bürgerlichen Kreisen ihre Verurteilung gefunden hat. Wohl wissend, daß die Heimarbeit nicht mit einem Schlage beseitigt werden kann, glauben die Ballschuhmacher genügend getan zu haben, daß sie die Fabrikanten daran erinnerten, endlich einmal eigene Werkstätten zu schaffen. Schon 1896 wurde dies Verlangen gestellt, doch ist von feiten der Fabrikanten trotz Versprechungen nicht das mindeste in dieser Richtung innerhalb der zehn Jahre getan worden. Wenn diese Frage wiederum fallen gelassen wird, um große Kämpfe zu vermeiden, so ist sie damit nicht für ewige Zeiten begraben. Falls die soziale Rückständigkeit der Fabrikanten- kreise keine Besserung verspricht und die Gesetzgebung selbst nicht Wandel schafft, wird die Energie der Arbeiter immer wieder bei diesem Punkte einsetzen müssen. Haben die Streikenden in einem derartig wichtigen Punkte ihr Entgegenkommen gezeigt, so ging es doch nicht an,' auch die Ent- schädigung für die Furnituren fallen zu lassen. Dem nicht im Berufe Tätigen ist es nicht klar,' was mit der Entschädigung der Furnituren gemeint ist. Wenn dem Tischler zugemutet werden imnc,-Die Tiagel unv?en üeim leioir zu oezay:en uno dem Maschinisten das Schmieröl zu kaufen mit der Begründung, diese Ausgaben wären doch in seinem Arbeitslohn enthalten, würde man den, der eine solche Forderung stellt, reif für Dalldorf erklären. In die moderne Schuhindustrie hat sich aber diese Einrichtung aus dem Handwerk hinübergerettet und dem Arbeiter wird zugemutet, Stifte, Garn, Kleister usw. aus seiner Tasche zu bezahlen, denn diese Auslagen seien in seinem Arbeitslohn enthalten. Von feiten der Arbeiterorganisation ist stets versucht worden, diese mittel- alterliche Einrichtung zu beseitigen und sind Erfolge in dieser Richtung gemacht worden. Selbst in den Fabriken, welche um dieser Forderung der Ballschuhmacher ihre eigenen Leute aus- sperren, werden die Furnituren teils entschädigt, teils frei gc- liefert. Trotzdem dieser Kampf auf der ganzen Linie, um ein der- modertes Prinzip zu retten. Denn trotz des Entgegenkommens der Ballschuhmacher sind Dienstag abend in dreißig Fabriken 110 0 Arbeiter ausgesperrt worden. Man hat denselben eröffnet, daß sie Donnerstag früh wieder anfangen können, wenn sie einen Revers unterschreiben. Der Inhalt des Reverses ist zur- zeit noch unbekannt. Die Vertrauensmännersitzung der Aus. gesperrten hat demgegenüber beschlossen, daß niemand zu Donners tag früh die Arbeit aufzunehmen hat, sondern erst der Beschluß der am selben Tage früh 10 Uhr im Lokal Königsbank tagenden Versammlung abzuwarten ist. Die nächsten Tage werden zeigen, ob das Unternehmertum wirklich einen derartigen Prinzipien- kämpf aufnehmen will. Es wird die Arbeiter gerüstet finden.— Im letzten Äersammlungsbericht ist ein sinnentstellender Drucke fehler enthalten. Statt Sandalen 10— 12 Pf. muß es heißen Maschinennadeln 10—12 Pf. Die Isolierer hielten am Sonntag eine Versammlung bei Patt ab, um Beschluß über die von den Arbeitgebern in der letzten Ver- Handlung gemachten Zugeständnisse zu fassen. Den abgeänderten Paragraphen in der Arbeitsordnung stimmte die Versammlung zu; aber in bezug auf die Lohnfrage konnte eine Zustimmung nicht er- wartet werden, da die Unternehmer nach dieser Richtung nicht das geringste Zugeständnis gemacht haben, sondern an dem Stunden lohne von 65 Pf. auf zwei Jahre festhalten. Auch die vom Vorstande der Isolierer in der letzten Verhandlung gemachten Abänderungsvorschläge, die dahin gingen, den Stundenlohn eines Isolierers bis zum 1. Oktober 1S07 auf 65 Pf., von da ab� bis zum 1. Oktober 1908 auf 67'/z Pf. festzusetzen oder aber den Tarif mit 65 Pf. überhaupt nur auf ein Jahr abzuschließen, wurde von den Arbeitgebern zurückgewiesen, und dauert der Streik nunmehr die dritte Woche. Die Isolierer haben alles versucht, eine Einigung herbeizuführen»nd tragen die Arbeitgeber selbst die Ver antwortung, wenn der Kampf jetzt in verschärfter Form weiter- geführt wird. Abgefallen ist in der zweiten Woche nicht ein Mann. Die Unternehmer haben sich dagegen durch ihre Hartnäckigkeit selbst in die größte Kalamität gebracht. Sie würden gerne die 2l/z Pf. bewilligen, glauben aber sich jetzt etwas zu vergeben, nachdem sie vorher die Erklärung abgaben, daß alle Verhandlungen ihrerseits abgebrochen und die bis dahin ge machten Bedingungen zurückgezogen seien. Die Isolierer Berlins sind bis zu 85 Proz. organisiert. Das wissen auch die Unternehnier. Was sie aber augenblicklich noch in ihrem Widerstande bestärkt, ist der Umstand, daß sie sowohl von ihren direkten wie den indirekten Auftraggebern in weitestem Maße unterstützt werden. Zu letzteren gehören alle diejenigen Auftraggeber, welche die Jsolierungsarbeiten den Heizungs- oder sonstigen Jnstallationsgeschäften übertragen, welche Arbeiten aber— da diese keine Isolierer beschäftigen— an die Jsoliergeschäfte weiter vergeben werden. Es.kommen hierbei hauptsächlich die staatlichen wie städtischen Bauten in Betracht. Ob es nun aber den Steuerzahlern recht sein kann, wenn das Geld, welches von der Allgemeinheit aufgebracht wird, dazu benutzt wird, ein halbes Dutzend Kapitalisten damit zu unterstützen, bezweifeln wir. Es bedeutet bei jeder Heizungs- anlage, bei denen die Leitungen während des Betriebes nicht isoliert sind, eine Mehrausgabe für FenerungSmaterial von 60— 70 Proz. Dabei ist aber der Verlust und Schaden bei Hochdruck oder Anlagen mit überhitztem Dampf nicht in Betracht gezogen; diese Verluste sind doch bedeutend größer. Darum wenden wir uns vor allen Dinge» an alle Monteure, welche Heizungs Hochdruck- oder Dainpfmaschinenanlagen ausführen, uns in unserem Kampfe zu unterstützen und alle Zumutungen, welche an sie ergehen sollten, etwaige Isolierungen selbst oder aber durch ihre Helfer aus- führen zu lassen, ganz entschieden zurückzuweisen und darauf zu achten, daß die Arbeiten nur von sachkundigen Leuten, welche eine Arbeitsberechtigungskarte mit dem Stempel der Organisation in Händen haben, ausgeführt werden. Wir wenden uns aber nochmals besonders an alle Heizungsmonteure, uns sofort davon in Kenntnis zu letzen, wenn irgend auf einem Bau Isolierungen ausgeführt werde». Die Heizungsfirina Janneck u. Felter hat in letzter Zeit bereits zwei Helfer gemaßregclt, welche sich mit Recht geweigert haben, Streikbrecherdienste zu leisten; denn die Jsolierungsarbeiten find der Firma Horn n. Taube übertragen. Wir bitten daher alle derartigen Fälle sofort in unserem Bureau, Steinstr. 38, Amt III 8574 zu melden. Bei der Firma Grünzweig u. Hartmann leistet der Bauführer B ammler Arbeitswilligendicnste, indem der betreffende auf dem Bau Chansseestr. 83 Jsolierungsarbeiten aus- führt. Auch ein Zeichen der Zeit. Die Geschäftsleitung des Verbandes der Isolierer. I. A.: Herm. Lange. Oeutkcbea Keteb. Die Bewegung der Binnenschiffer. Am Montag fand auch in Berlin bei Ditloff, Invaliden- straßc 84/85, eine öffentliche Versammlung der Boots- und Steuerleute, sowie der Maschinisten und Heizer, welche auf der Spree, Havel und Elbe fahren, statt, um den Bericht ihrer Organisationsleiter betreffs der eingereichten Lohn- forderung und Arbeitszeitverkürzung an die Schiffahrtsgesell- schaften entgegenzunehmen. Der Vertreter des Hafenarbeiter- Verbandes teilte mit, daß die in Betracht kommenden Schiffahrts- Gesellschaften alle Forderungen rundweg abgelehnt haben. Von feiten der Organisationsvertrctcr war am 2. Oktober laut Versammlungsbeschluß die Kündigung aller Schiffahrt treibenden Arbeiter eingereicht worden, so daß die am 15. Oktober dieses Jahres stattgefuudcne Versammlung in der Lage war, auch rechtlich sofort den Streik zu beschließen. Große Entrüstung herrschte in der Versammlung, als bekannt gegeben wurde, daß alle Forderungen von feiten der Gesellschaften strikte abgelehnt worden sind. Einstinimig wurde von den 200 Anwesenden beschloffen, sofort in den Streik einzutreten. In einer Hamburger Versammlung sämtlicher an dem Aus- stände der oberclbischen Binnenschiffer beteiligten Bootsleute. Maschinisten und Heizer gab der Gauleiter R o ck s i c n bekannt, das; bis-jetzt hier in Hamburg 477 Bootsleute und 9 Maschinisten ausständig seien. Tie Leitung des Hafenarbciterverbandes beharre auf dem Standpunkt, daß die Kündigung rechtzeitig dmcch den Bc- Vollmächtigten D e ck e r t- Magdeburg erfolgt sei und daß von einem Kontraktbruch keine Rede sein könne. Die Versammlung stimmte dem zu und beschloh, daß sämtliche Ausständigen ihre Fahrzeuge verlassen sollten.— Vor dem Amtsgericht in Hamburg wurde Termin abgehalten in Sachen der von den Vereinigten Elb- schiffahrtsgesellschaften gegen 18 Bootsleute erhobenen Klage auf Entschädigung von 18 Mark pro Mann, weil dieselben anr 11. Oktober die Nachtarbeit verweigert hatten, um eine Versamm- lung zu besuchen. Die Beklagten erhoben Gegenklage auf Eni- schädigung von 26 Mark pro Mann, weil sie zu Unrecht entlassen seien. Beide Parteien haben Bcweisanträge zur Vernehmung von Zeugen gestellt. Die Entscheidung des Gerichtes wird am 19. Ok- tobcr erfolgen. Der Verein Hamburger Reeder, die Vereinigung Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten und der Hafcnbetricbsvercin in Hamburg richten an die Kaufmannschaft Hamburgs das dringende Ersucyen, tn dem vcvorstehendcn Kampfe der Zwangslage der Binnenschiffahrtsbctriebe größtmöglichste Rechnung zu tragen und gegenüber den Leistungen derselben weitgehendste Nachsicht zu üben. Die Königliche Eisenbahndirektion Breslau teilt mit: Die Annahme von Gütern nach Schönpriesen-Umschlag, ausgenommen Pctroleum-Cistcrnen, ist wegen des Schifferausstandes sistiert. Rollende Güter sind anzuhalten und den Absendern zur Verfügung zu stellen._ Zur Tarifbewcgung der Buchdrucker. Ebenso wie die Straßburger lehnten auch die Metz er Ge- hülfen den neuen Tarif ab. Im Gegensatze hierzu erklärten sich die Buchdrucker in Mülhausen mit dem neuen Tarif ein- verstanden, obwohl derselbe, wie in einer Resolution ausgeführt wurde, nicht in dem Maße, wie zu erwarten, der Allgemeinheit Rechnung trägt. Man betrachtet die neuen Abmachungen als ein nicht zu verkennendes Mittel, den Tarif in der Provinz zur all- gemeinen Einführung zu bringen. Die Versammlung erwartet, daß auch den von einer Lohnerhöhung nicht betroffenen Kollegen eine solche gewährt wird._ Ist der Bergarbeiterlohn gestiegen? Ans Bergarbeiterlreisen wird uns geschrieben: Wer über diese für die Volkswirtschaft hochwichtige Frage der Oeffentlichkeit korrekte Antwort geben will, darf nicht so verfahren wie die„Rh.-Wests. Ztg." in ihrer Dienstagmorgenausgabe. Zwar gibt sich der betreffende Artikel als eine Art„offizieller Kundgebung", aber es erscheint ausgeschlossen, daß sich ein anerkannter Zechen- Vertreter mit den Ausführungen identifiziert. Die„Beweisführung" ist zu plump, sie kann nur von einem mit den Lohnverhältnissen völlig Unvertrauten stammen. Es kommt darauf an, nachzuweisen, daß die Bergarbeiterlöhne nicht nur gestiegen sind, sondern daß auch die Lohnsteigerung gleichen Schritt mit der Lebensmittelverteuerung gehalten hat. Um eine Lohnzunahme„feststellen" zu können, greift die„Rheinisch-Wesifälische Zeitung" ausgerechnet das Jahr 1902 heraus, d. h. das Jahr in dem nach der Hochkonjunktur 1895/1900 die stärffte Lohnreduzierung eintrat. Damals wurde amtlich ein Durchschnittslohn von 3,82 M. ermittelt. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" behauptet, damals habe der Durchschnittslohn aller unterirdischer Bergarbeiter auf 4,57 M. gestanden. Damit macht sich das Blatt schon wieder einer Irreführung der öffentlichen Meinung schuldig! Der Durch- schnittslohn von 4,75 M. entfiel nämlich nur auf die Lohn- klaffe a(zirka 50 Proz. der Belegschaft), während die ebenfalls unterirdisch beschäftigte Lohnklasse b nur 3,22 M. erhielt, laut amt- licher Ermittelung. Was die„Rh. Wests. Ztg." berichtet, ist also wieder einmal falich. Es kommt auch nicht darauf all, was 1902 verdient wurde, vielmehr gilt es festzustellen, ob gemäß der Lebenshaltungsverteuerung die Löhne sich entwickelten. Weit korrekter ist es, den Lohn des letzten Hochkonjunkturjahres 1900 mit den bisher bekannt gewordenen zu vergleichen, wobei widerspruchslos konstatiert werden kann, daß 1906 die Preise der notwendigsten Lebensmittel viel höher stehen wie 1900. Ziehen wir diesen korrekten Vergleich, dann ergibt sich folgendes Lohnbild: Die amtlich ermittelten durchschnittlichen Schicht- Verdienste im Ruhrkohlenbergbau betrugen im 2. Quartal 1906 2. Quartal 1900 Hauer(Lohnklasse-»)... 5,14 M. 5.14 M. Reparawrarbeiter(Lohnkl. b) 3,56, 3,34„ Uebertagsarbeiter erw... 3.57„ 3,32„ Ganze Belegschaft.... 4,26« 4,17„ Hieraus ist ersichtlich, daß der Hauer- und Schlepperlohn 1906 keinen Pfennig höher stand, wie im gleichen Zeitraum 1900! Im dritten Quartal 1900 stand er auf 5,27 M. I Also haben nach amt- licher Ermittelung die Löhne der eigentlichen Bergleute 1900 höher gestanden wie 1906. Interessant ist nun, daß die Löhne der Arbeiter- klaffen, die nicht im Akkord arbeiten, 1906 gegen 1900 besser standen. Damit ist auch die Klage der Arbeiter, die Gedinge seien schlechter gestellt wie früher, vollständig bewiesen. Ja noch mehr: Verglichen mit der Leistung ist der Lohn ge- fallen I Es haben betragen: Förderung Arbciterzahl Leistung 2. Quartal 1900 14 147 893 Tonnen 221 334 63,90 2. ,. 1906 18 350271., 276 055 66,48 Die Arbeiterleistung ist gestiegen, die Löhne der hauptsächlichsten Bergarbeiterklasse sind aber nicht gestiegen. Mit anderen Worten: Die Arbeiter erhielten für ihre Leistung weniger wie früher. Auch ist die Zahl der bestbezahlten Arbeiter von 1900—1905 ganz be- deutend geringer geworden. Nach dem Bericht der Knappschaftskasse gehörten von den Mitgliedern an der 13. Lohnllasse II.— 13. Lohnklasse (über 5,80 Mark)(über 5 Mark) 1900.... 63 255....... 122 380 1905.... 30 473....... 120 033 Auch das beweist eine Verschiebung der Einkommenverhältnisse nach unten. Ueber die Hälfte der Arbeiter gehörten 1905 weniger der 13. Lohnklasse an wie 1900. Wie man auS dieser enormen Verringerung der höchstbczahlten Arbeiterkategorie eine„Hebung des Arbeiterwohlstandes" beweisen will, darauf sind wir sehr gespannt. Angesichts der kolossalen Lebensmittelverteuerung klingt es wie Hohn, wenn die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" schreibt,„bis Mitte 1907"(!) würden die Löhne 15 Proz. mehr betragen wie im zweiten Quartal 1906. Wie sollen inzwischen die Arbeiter die gerade jetzt o sehr verteuerte» Lebensmittel einkaufen? Schrieb doch die„Rh.- Wests. Ztg." am 10. Oktober selbst: „In der Tat sind die Lebensmittelpreise so stark gestiegen, daß die Löhne dieser Steigerung nicht folgen konnten. Das ganze Lohnmehr wird absorbiert(verbraucht) durch die Teuerung, und der Tribut, den unsere Industrie der Landwirtschaft zahlt, be- trägt jährlich 40—50 Millionen. Daß hierdurch Unzufrieden- heit entsteht, ist begreiflich, und der Regierung, welche der Industrie diese Opfer aufgebürdet hat. lverdcn unsere Bevölkerungskreise wenig Dank wissen, dabei ist noch keine Aussicht vorhanden, daß die Aera„Pod" sobald ihrem Ende entgegensieht. Wäre die Lohnerhöhung den Arbeitern wirk- lich zugute gekommen, im Ruhrgebiet schwirrten keine Streik- gerüchte. So dagegen kommt der Arbeiter trotz der guten Kon- junktur nicht weiter, ja noch nicht so weit wie früher, und aus diesem Grunde mag die Forderung der Arbeiter als nicht unver- ständlich erscheinen." Da gibt die„Rh.-Westf. Ztg." selbst zu, daß die Arbeiter heute niit ihren Löhnen nicht so weit kommen wie früher. Eben deshalb ist die Lohnforderung gestellt. Oder liegt es im Interesse der Industrie und des ganzen Volkes, wenn die Bergleute nicht in der Lage sind, den bei ihrer schweren und gefährlichen Arbeit natur- gemäß starken Kräfteverbrauck durch gute Ernährung wieder ersetzen u können? Oder sollen die Bergleute büßen für unsere agrarier- reundliche Wirtschaftspolitik? Was die Bergleute verlangen ist er- örderlich zur Erhaltung ihrer Leistungsfähigkeit und zur zeit- gemäßen Unterhaltung ihrer Familien. Wer das eine„Hetze" nennt, spricht dem Arbeiter das Recht auf eine anständige Lebens- uhrung ab._ Schliichterimösperriing. Der Kampf der Organisation der Schlächtergehülfen gegen die Großschlächter Albert Jmhoff zu Mann- heim hat dazu geführt, daß die Fleischerinnung ihre Mitglieder durch Zirkular auffordert, sämtliche Gehülfen, die dem Zentralverband angehören, sofort zu kündigen und so rasch gls möglich zu entlassen. JJuolÄncl. Die böhmischen Bergleute. Am Montag und Dienstag fanden im Ostrauer Kohlenrevier große Bergarbeiterversammlungen statt.' ES wurde überall eine Resolution angenommen, in der es heißt:, Obgleich die Forderungen der Arbeiter bis zur Stunde nicht bewilligt sind, tritt die Arbeiterschaft im eigenen und im Interesse der Gewerke nicht in den Streik, der beide Teile schwer schädigen würde. Die Ausstände in Trieft. Der Einigungsbersuch zwischen den streikenden Schneider. gehülfen und-Gehülfinnen und den Meistern'ist durch das brutale. Vorgehen der Meister gescheitert. Die Meister beschlossen nämlich, die Arbeiter zu entlassen, falls diese nicht am Montag die Arbeit auf- nehmen würden. In einer Versammlung der Gehülfcnschaft wurde e i n st i m m i g die Fortsetzung des Streiks beschlossen. Als neue Forderung kommt die Erlangung einer Ostündigen Arbeitszeit. Auch die Speditionsarbeiter beanspruchen nebst Erhöhung des Tagelohnes von 4 auf 5 Kronen Festlegung einer Ostündigen Ar» beitszeit. Durch den ausgebrochenen Streik ist'der Transport fast ganz unterbunden und können vor allem Lebensmittel, wie Süd« früchte und Kolonialwaren nicht ausgeladen werden. Versammlungen. Eine öffentliche Gastwirtsgehülfen-Bersammlung, welche am Dienstag in den„Jndustrie-Festsälen" stattfand, beschäftigte sich mit dem Kongreß der gewerbsmäßigen Stellenvermittler, der kürz- lich in Kellers Festsälen hier getagt hat. Dieser Kongreß von Stellenvermittlern und Gesindcvermietern ist hinter verschlossenen Türen abgehalten worden; selbst die bedienenden Kellner wurden nicht in den Saal gelassen. Trotzdem war der Referent, Kellner S k e p s g a r d h in der Lage, ausführlich über die Beratungen der Stellenvermittler berichten zu können. Unter anderem ist auf dem Kongreß mitgeteilt worden: Der Bund deutscher Stellender- mittler habe das Ministerium um Gewährung einer Audienz er- sucht. Diese sei ihm aber verweigert worden. Darauf habe sich der Vorstand in einer Immediateingabe an den Kaiser gewandt und darauf sei die Audienz bewilligt worden. Die Versammlung nahm nach kurzer Diskussion einstimmig nachstehende Resolu- tion an: Die heutige Versammlung protestiert nach Anhörung des Referenten über die Verhandlungen des Stellenvermittler» kongresses ganz energisch gegen die Behauptung der gewerbs- mäßigen Stellenvermittlcr, wonach diese für unser Volkswirt- schaftliches Leben unentbehrlich seien. Die Versammlung ist vielmehr der Ueberzeugung, daß mit der gewerbsmäßigen Stellenvermittelung so große Mißstände verknüpft sind, daß sie ein gänzlich unnützes Zwischenglied im gewerblichen Leben darstellt, sodaß ihre gänzliche Beseitigung durch die Gesetzgebung anzustreben ist. An ihre Stelle hat die gemeinnützige, von den Kommunen errichtete, paritätisch ver- waltete, gänzlich kostenlose Arbeitsvermittelung zu treten. Die Versammlung beauftragt das Bureau, den irreführenden Be» hauptungen der gewerbsmäßigen Stellenvermittlcr in der ihm geeignet erscheinenden Weise entgegen zu treten und die Oeffcnt- lichkeit, beziehentlich die Regierung, über die schädlichen Volks- wirtschaftlichen Wirkungen der gewerbsmäßigen Stellenvermitte» lung aufzuklären. Als Minimalforderung an die Gesetzgebung erkennt die Ver» sammlung die Thesen der Wiesbadener Konferenz an. Letzte J�aebnebten und Oepelcben. Die gefährdete Ordnung. Mannheim, 17. Oktober.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Genosse M a i e r, Redakteur der Mannheimer„Volksstimme", wurde heute vom Schwurgericht wegen Vergehens gegen den § 130 des Strafgesetzbuches(Aufreizung zu Gewalttätigkeiten) zu 14 Tagen Gefängnis vernrteilt. Die inkriminierte Hand- lung wurde in einem Arttkel über den Hagenauer Schießplatz entdeckt._ Was dir Grnbcnbarone„feststellen". Berlin, 17. Oktober.(W. T. B.) Die heute versammelten icker- tteter der deutschen Bergbaubezirke waren einmütig darüber, daß mit den Arbeilerorganisationen, welche den bekannten Lohn- erhöhungsantrag eingereicht haben, nicht hierüber zu verhandeln ist, da sie als zuständige Vertreter der Grubenbelegschaften nicht anzusehen sind. Ferner wurde allseitig festgestellt, daß schon jetzt die Bergarbeiterlöhne namentlich auch in Folge der im letzten Jahre seitens der Werksverwaltungen überall vorgenommenen erheblichen Lohnerhöhungen so hohe sind, daß sie gegenüber den gesteigerten Lebensmitteln durchaus ausreichend find. Trotz der„Feststellung". Gleiwitz, 17. Oktober.(W. T. B.) Dem„Wanderer" zufolge ist die Belegschaft der„Neuhosgrube" in Radziowkau in den Aus- stand getreten; sie verlangt Lohnerhöhung. Zur Buchdruckerbewegung. Die HLuchdruckerversammlung in Leipzig, welche von 3000 Personen besucht war, nahm mit großer Majorität die Tarif» abmachung unter Kritik des Erreichten an. Ter Schifferstreik in Böhmen. Tctschen, 17. Oktober.(W. T. B.) Der Schifferstreik, der sich bisher nur auf die Teckleute erstreckte, hat sich auf die Heizer der Schiffahrtsgesellschaften ausgedehnt. Bon den Bootsleuten der Privatschiffer sind nur wenige im Ausstande. Die Ausständigen, überwiegend Ausländer, sind in ihre Heimat abgereist. Ein verrückter König. Marseille, 17. Oktober.(H. B.) Die hier eingetroffene Post aus Tonkin bringt Einzelheiten über den Wahnsinn des Königs von Aiiarn. Nach dem Gutachten der Aerzte ist er für die von ihn, begangenen Taten nicht verantwortlich zu machen. Die sranzöfischen Behörden haben ihn in seinem Palaste interniert. Er darf den Palast nicht verlassen und wird andauernd von Aerzten verpflegt. Ueber die von ihm verübten Greueltaten berichten Kolonialblätter haarsträubende Einzelheiten. Unter anderem soll er eine seiner Frauen getötet, die Leiche in Oel getaucht und dann seiner Umgebung vorgesetzt haben. Er soll die Mitglieder seiner Umgebung bei Todesstrafe gezwungen haben, dir Leiche zu verzehre». Eine andere Frau aus seinem Harem wurde nackt Tigern vorgeworfen, andere wieder mit glühenden Zangen gepeinigt. Die ranzöfischen Behörden haben die Frauen des Königs in Freiheit gesetzt._ » Echt russisch! Lodz, 17. Oktober.(W. T. B.) Wegen Lohnauszahlung für die Zeit deS AuSstandes wurden vier Fabrikanten auf dem Ver- waltungswcge zur Berantwortung gezogen. Der zeitweilige Gcneralgouverncur hatte die Lohnzahlung unter Androhung einer Geldstrafe von 3900 Rubel oder einer Strafe von drei Monaten Gefängnis untersagt._ Straßenschlacht. Warschau, 17. Oktober.(W. T. B.) Wie festgestellt ist, sind bei dem heutigen Ucberfalle von Pasianten durch mehrere Räuber in der Nalcwstistratze vier Personen, unter ihnen zwei der Räuber. durch Rcvolverschüffc getötet und neun Personen verwundet worden. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen. verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantv,: rh- Glocke. Berlin. Druck u.Verlag: VorwärtSBuchdr.u.verlagScmMtPaulSingerüiCo..BerlinL1V. Hierzn4Beilagrnu.Nn»-«�'� st. 243. zz.M,M i. KÜllge des Amjirts" Kerllm MIdsdIllt!.««.»»«. Die russische Revolution. Die trostlose Finanzlage. Der„Russ. Korresp." wird aus Paris geschrieben: Die Veröffentlichung des Geheimberichts des russischen Jinanzministers Kokoffzew an den Minister Stolypin hat auch hier in Paris wie eine Bombe eingeschlagen. Natürlich wußte jedermann, wie es um die russischen Finanzen be- stellt ist, jetzt aber wurde die schlimme Situation gewisser- maßen offiziell zugegeben. Darin liegt die Bedeutung der Publikation. In den Kreisen der Presse hat nun der ruw'che Finanzminister noch ein besonderes Odium aus sich"eladen insofern, als er dem Vertreter des„Journal", Herrn Naudeau, über den Stand der Finanzen sehr— optimistische Angaben gemacht hatte, und zwar am 22. September, das heißt also 4 Tage nachdem der Bericht an den Premier- minister abgegangen war! Damals malte Kokoffzew die Lage rosa in rosa: Die Finanzen ständen absolut günstig trotz ge- wisser schlimmer Gerüchte. Es habe einmal eine Zeit gegeben, in der die Dinge weniger glänzend gelegen hätten, aber das sei nun vorbei, und nur böswillige Feinde der russischen Re- gierung könnten es so darstellen, als ob irgend etwas zu be- sorgen sei:„Wie der Terrorist, der seinem Feinde den Todes- stoß zufügen will und mitten im Gedränge eine Bombe nach ihm schleudert. Unschuldige tötet, so tragen die Alarm- schläger und Propagandisten der Panik der' Tatsache keine Rechnung, daß sie zwar momentan Rußland schädigen, gleich- zeitig aber auch allen denen einen schweren Nachteil zufügen, die ihre-Ersparnisse in russischen Werten angelegt haben." � Eigentlich widerspricht Kokoffzew sich ja selbst. Aus seinen letzten Worten klingt heraus, daß es sich nur darum handelt, die Situation nicht öffentlich zu kennzeichnen. A�er konnte er im Ernst glauben, daß es auf die Dauer möglich sei, der Welt eine mit Blumen bedeckte Wiese vorzutäuschen, wo sich doch ein unergründlicher Sumpf befand? Die Berpflegungsaktion der Regierung. Der Woronescher Zeitung„Woroneschkoje Slowo" wird von glaubwürdiger Seite folgende Tatsache mitgeteilt: Das Ministerium des Innern hat dem Woronescher Kauf- mann Gerschuni das ausschließliche Recht auf Bestellung von Ge- treibe für das ganze hungernde Rußland übertragen. Gerschuni ist verpflichtet, etwa 80 Millionen Pud Getreide für diejenigen Ort- schaften zu bestellen, in denen es für notwendig befunden wird. Die Verpflegungsausschüsse, die in allen Gouvernements existieren, haben das Recht auf selbständigen Einkauf von Getreide nur im Gebiete des. betreffenden Gouvernements. Fehlt es im Gouverne- ment selbst an Getreide, so müssen die Ausschüsse sich an Gerschuni wenden. Dieser ist an keinen Maximalprcis gebunden; er hat das Recht, das Getreide zu beliebigen Preisen zu bestellen. Für die Kommission bekommt Gerschuni eine Kopeke vom Pud. Somit er- hält er im allgemeinen etwa 800 000 Rubel.— Mit Recht bezeichnet die Petersburger„Rjetsch" diese Hand- lungsweise der Regierung als Testimonium psupertstis(Armutszeugnis) der russischen Bureaukratie. Die Bureaukratie hat an- erkannt, daß die Verpflegungsaktion über ihre Kräfte hinausgeht. Das, was die Semstwos mit Leichtigkeit und ohne jegliche Eni- schädigung getan hätten, wird der Regierung eine nicht unerhebliche Summe an Kommissionsspesen kosten. Da aber Gerschuni an keine Maximalpreise gebunden ist, so ist auch mit Bestimmtheit zu er- warten, daß in dieser Richtung eine große Summe von Volksgeldern verloren gehen wird. Nach den Erfahrungen bei den früheren Verpflegungsaktionen kann man hier mit Millionen von Rubeln rechnen. Regierungsvorbereitnngen zur Dumawahl. Moskau, 10. Oktober.(W. T. B.) Der ehemalige Vorsitzende der Reichsduma, Muromzew, ist von der Teilnahme an den Sitzungen der Moskauer Semstwo und der Stadtduma suspendiert worden, da gegen ihn wegen Unterzeichnung des Wiborger Aufrufs das Strafverfahren eingeleitet worden ist. 295 Meuterer. Kronstadt, 16. Oktober.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) DaS Kriegsgericht fällte heute im Prozesse gegen 205 der Meuterei angeklagte Matrosen des Kreuzers Kaiser Alexander III. das Urteil. 45 Angeklagte wurden freigesprochen, einige wurden zu sechs Jahren Zwangsarbeit, die übrigen zu Ge- fängnisstrafen verurteilt. Die einheitliche Rechtsprechung in Deutschland. Leipzig, 16. Oktober. Mit dem preußischen Wahlrechtsflugblatt hatte sich heute das ReichSgerichi in zwei Fällen zu beschäftigen und dabei zu zeigen, daß eS seiner ersten Ausgabe, eine einheitliche Judikatur herzustellen, ge- wachsen war. In keiner Prozeßsoche sind so einander widersprechende Urteile gefällt worden, wie in der des preußischen Wahlrechtsflugblattes. Die beiden heutigen Fälle betreffen das Landgerichtsurleil aus Stargard i. P. und das Landgerichtsurteil aus Glatz in Echtes. Im ersten Falle wurden die Genossen Witte und S i e t s ch l a g wegen Anreizung verschiedener Bevölkerungsklassen gegeneinander, begangen durch die Verbreitung des Flugblattes, zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt, im zweiten wurde das Flugblatt vom Neuroder Amts- gericht wegen hochverräterischen Inhalts und wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten beschlagnahmt. Vom Landgericht in Glatz wurde die Beschlagnahme sanktioniert, hingegen lehnte die dortige Staats- anwaltschast ein Vorgehen gegen Verleger und Drucker ab. In der Begründung des Glatzer Urteils wird gesagt: In dem Flugblatt werde zum Verbrechen des Hochverrats aufgefordert. Es soll unternommen werden, die Verfassung des preußitchen Staates, der das Dreiklastenwahlrecht eingeführt habe, gewaltsam zu ändeni, indem diese Veränderung durch Straßcnkampf herbeigefiihrt werden solle und indem das Vorhaben dieser Veränderung der Verfassung durch Straßenkampf unmittelbar ausgeführt werden solle. ES handelt sich also um ein vollendetes Unternehmen zum Hochverrat im Sinne deS§ 82 des Strafgesetzbuches und hierzu wird auf- gefordert durch Verteilung dieser Druckschrift. Gleichzeitig sind aber auch die Voraussetzungen des Z 130 des Strafgesetzbuches dadurch gegeben, daß Gewalttätigkeiten begangen werden sollen von dem gesellschaft- lick abgegrenzten Teile der Arbeiterbevölkerung an dem ebenfalls gesellschaftlich abgegrenzten Teile der besitzenden Bürger und Aristokraten. Deshalb erfolgte die Beschlagnahme der Druckschrist, um die Bürger zu retten. Gegen diese Urteile hatte der Rechts- anwalt Genosse Heine- Berlin als Verteidiger der Betroffenen Revision beim Reichsgericht eingelegt. Zur Begründung derselben wies er zunächst auf die widerspruchsvollen Urteile hin und rügte dann, daß ihm in der Stargarder Ver- Handlung ein der tatsächlichen AufNärnng dienender A n- trag— den Parteivorstand, die„Vorwärts"-Redakteure und oie Redakteure des Stettiner„Volksboten" als Zeugen dafür zu laden, daß weder ein gewaltsames Vorgehen zur Aenderung des preußischen Wahlrechtes geplant, noch daß dies in der Tendenz des Flugblattes liege, oder die Tendenz der Parteitätigkeit überhaupt sei— mit der famosen Begründung vom Stargarder Gericht ab- gelehnt,„daß die Wahrheit oder Unwahrheit für die Beurteilung der zur Anklage stehenden Tat unerheblich sei und als wahr unter- stellt werden könne. Das schriftliche Urteil lasse nicht klar erkennen, was vom Gericht als wahr unterstellt worden sei. Das Urteil sagt dann weiter, daß dahingestellt bleiben könne, was der Verfasser mit den letzten Sätzen des Flugblattes gemeint habe, jedenfalls sei aber in ihnen eine Anreizung zu Gewalttätigkeiten enthalten. Im Urteil sei ferner nicht ausreichend klargelegt, inwiefern der öffentliche Frieden ge- fährdet worden sei, es sage nur,„durch das Flugblatt werde eine zu Gewalttätigkeiten geneigte Sttmmung gegen die herrschenden Klassen hervorgerufen, die bei irgend einem Anlaß zu Gewalt- täligkeiten führen könnten, also sei angereizt worden." Der Richter meine nun, es sei zu Gewalttätigkeiten angereizt worden, folg- lich sei auch der Frieden gefährdet worden. Hier sei die Rüge aus§ 266 der Strafprozeßordnung zu erheben, weil das Wort„also" in dem Urteil da, wo die Beweise fehlen, als beweis- führend oder beweisersetzend erscheint. Eine iveitere Rüge, die auch die Begründung der Glatzer Entscheidung trifft, bezieht sich auf die Verletzung des§ 260 der S t r.- P.- O. Nach diesem Para- graphen kann der Richter über das Ergebnis aus seiner freien, aus dem Inbegriff der Verhandlung geschöpften Ueberzeugung ent- scheiden." Darunter ist aber doch zu verstehen, daß die Würdigung der Tatsachen mit den Mitteln der Logik und in loyaler Weise ge- schieht. Gegen diese» Grundsatz sei in beiden Prozessen verstoßen worden. In dem Flugblatt heiße es: Wollt Ihr die Hände in den Schoß legen?... Ihr verdientet die Entrechtung, wenn Ihr untätig bliebet! Und nun, sagt der Richter in der Urteilsbegründung, komme der entscheidende Satz, worin die Mittel zur Gewalt angegeben sind: „Im Osten regt sich das russische Volk...." Statt daß der Richter nun den ganzen Satz anführt, reißt er ihn auseinander und knüpft an den ersten Teil die Bemerkung, daß dies die Anreizung zur Gewalt sei, das Volk solle es so machen wie in Rußland. Der zweite Satzteil gibt aber gerade die Mittel an, die zur Aenderung des Wahlrechts angewendet werden sollen; er lautet:„Erhebt Euch in Massen, gebt Euren Willen laut und nachdrücklich kund I Eilt in die Versammlungen, tretet in die Organi« sationen ein und unterstützt die Sozialdemokratie und die sozialdemokratische Presse." Der erste Satz wird angeführt, der entscheidende Teil weggelassen und nur so steht der richterlichen„Feststellung" aus dem ersten Satze nichts mehr im Wege, daß es das deutsche Volk wie das russische machen soll. Dasselbe Verfahren ist auch im zweiten Prozesse beliebt worden. Dort sagt der Richter in der Begründung: Beim unbefangenen Leser erwecke die Stelle von dem Hinweis auf die Erhebung des russischen Volkes den Eindruck, als ob auch hier mit russischen Mitteln gekämpft werden sollte- durch die zweite Hälfte des Satzes sei die richterliche Auffassung nicht erschüttert worden. In der Urteilsbegründung des Stargarder Gerichts heißt es dann, daß die beiden Angeklagten glauben machen wollten, sie hätten den Inhalt des Flugblattes vor der Verbreitung nicht gekannt. Dies sei nach ihren zahlreichen Versammlungsbesuchen nicht anzunehmen. Im Gegenteil hätten sie gerade daraus entnehmen müssen, daß im Flugblatt von der russischen Revolution die Rede sein würde. Die Angeklagten hätten sicher als eifrige Sozialdemokraten schon aus Neugierde das Flugblatt gelesen. Daß sie es nicht getan haben sollten, erscheine dem Gericht als ausgeschlossen. Die Be- gründung stützt sich st a t t auf Tatsachen, wie sie eS müßte, auf die Annahme, daß die Angeklagten das Flugblatt vor der Verbreitung gelesen haben müßten, weil sie Sozialdemokraten sind; also eine Be rurteilung wegen der Gesinnung. Bei- läufig sei, bemerkte Heine, zur Jllustrierung der Beweisführung des angefochtenen Urteils hervorgehoben, daß nach der nicht zu wider« legenden Angabe beider Angeklagten der Angeklagte Sietschlag daS Paket mit den Flugblättern von Witte noch uneröffnet über- nommen und den Inhalt sofort zur Weiterverbreitung an die Personen abgegeben habe, ein Tatbestandsmerkmal allerdings, das das Urteil verschweigt. Bei diesen erheblichen Mängeln in der Würdigung eines an sich ganz einfachen Tat- b e st a n d e s sei es angemessen, die Sache einem anderen Ge- richte zu überweisen. Und dies umsomehr, als in dem angefochtenen Urteil in einer nicht zu billigenden Weise die politische Ueber- zeugung des Angeklagten als Belastungsmoment ver- wertet ist. Dieses Flugblatt, fährt Heine fort, ist in ganz Preußen ver- breitet worden. In Berlin hat ein Gericht die Beschlag- nähme aufgehoben, in Barmen-Elberfeld erfolgte Freisprechung des Angeklagten, und derselbe Senat des Reichs- gerichts hat das freisprechende Urteil bestätigt und die Stargarder Strafkammer schicke ein paar Leute auf Monate ins Ge- fängniö, weil sie das Flugblatt verbreitet haben. In Langenbielau ist daS Flugblatt zum Gegenstand eines„objektiven Versahrens" wegen Hochverrats gemacht worden, der dortige Staats- anwalt hat aber eine Verfolgung gegen Personen, sei eS des Druckers, des Verlegers oder der Verbreiter für unausführbar und zwar unausftihrbar aus objekttven Gründen abgelehnt. Diese widerspruchsvolle Rechtsprechung. dieses Tohuwabohu kommt eben daher, daß der Richter als Tatsache festgestellt bezeichne, was er als Tatsache festzustellen beliebt. Es könne nicht die Absicht des Gesetzgeber« sein, den höchsten Gerichtshof an alle diese Dinge zu binden. Es steht hier mehr auf dem Spiel als die paar Monate Gefängnis für die Angeklagten oder die Auf- Hebung der Beschlagnahme; e« handelt sich um die Stellung des höchsten Gerichtshofes, der berufen ist, eine einheitliche Rechtsprechung herbeizuführen. Es steht aber auch seine eigene Stellung gegen die unteren Gerichte auf dem Spiele. Zu dieser Revisionsbegründung wußte der Reichsanwalt Zw ei g er t nichts anderes zu bemerken, als daß die Ablehnung des Beweiöantrages vom Stargarder Gericht unerheblich sei. Wie die „VorwärtS"-Redaktenre, der Partcivorstand den Inhalt verständen und aussaßten, spiele für die Angeklagten keine Rolle. Er halte die Begründung und die Auffassung des Vorderrichters in der Sache für korrekt. Was der Verteidiger dagegen vorgebracht habe, liege auf einem ganz anderen Gebiete und müsse daher ganz unberücksichtigt bleiben. Der Verteidiger habe doch oft erlebt, daß verschiedene Gerichte in ein und derselben Sache verschieden geurteilt hätten, das zeige gerade die freie Ueberzeugung der Richter. Daß er nach alledem die Verwerfung der Revision be- antragte, ist selbstverständlich. Der vierte Senat entschied im Sinne des An- träges des Reichsanwalts, begründete aber nur die Ver- werfung in der Stargarder Sache. Den Angriffen der Verteidigung wegen der Beweiswürdigung der Richter sei der Senat nicht bei- getreten. Es fei in keiner Weise ersichtlich, daß der Richter die Grundsätze der freien Beweis Würdigung verletzt habe; auch den Beweisantrag wäre das Gericht abzulehnen berechtigt gewesen, da es ihn als wahr unterstellt hätte. Das Gericht war auch befugt, die den Angeklagten nachteiligen Ans- fassuitgen daraus zu ziehen. Die Tatbestandsmerkmale deS§ 130 seien objektiv und subjektiv nachgewiesen. Das nennt man in Deutschland Recht, und zwar ein- heitliches Recht! Die Justizaktionen aus Anlaß des Wahl- rechtsflugblattes zeigen, wie dringend notwendig zur Rechts- sicherheit eine Reform der Gerichtsorganisatton und der Straf- Prozeßordnung an Haupt und Gliedern ist. Eine auf Willkür be- ruhende Verwaltungsjustiz gewährt ja fast mehr Rechts- sicherheit als dieser Forniclkram der Gerichte, der zeigt, daß ein Tatbestand je nach der politischen Ueberzeugung des Richters„fest- gestellt" werden kann, und daß nicht die Tat, sondern die politische Tendenz des Angeklagten zur Aburteilung ge- bracht wird._ Hus der Partei. Genosse Adolf Geck sendet uns folgende Erklärung: Die Mann. heimer„Volksstimme" kann mit ihrem Anathcma gegen den„Hof- ganger" der hadischcn sozialdemokratischen Kammerfraktion nicht zu Ende kommen. Sie fand im Dortmunder Parteiblatt einen Partner und möchte nun„auch die übrigen Parteiorgane vom radi- kalen Flügel" zur Stellungnahme auffordern. In ihrem heißen Bemühen, gegen den sozialdemokratischen„Hofgänger" Stimmung zu machen, vergaß die„Volksstimme" bisher, die tatsächliche Grund- läge zu erwähnen. Am Ende der diesjährigen Kammertagung entschied sich die Fraktion dafür, daß unsere Partei im landständischen Aus- s ch u ß, welcher die Staatsabrcchnung zu prüfen hat, vertreten werde und daß Geck als 2. Vizepräsident der Kammer für diesen Posten zur Wahl gestellt werden soll. In der Fraktionssitzung machte ich auf die Sitte aufmerksam, diese Tagung des land- ständischen Ausschusses mit einem Frühstück abzuschließen, zu welchem der Vorsitzende die betreffenden Kollegen des Landtages einladet. Die Fraktion vertrat die Ansicht, daß es sich hierbei um einen parlamentarischen Usus handle, dagegen die an das Kammerpräsidium ergangene und von diesem angenommene Ein» ladung des Hofes für uns unbeachtet bleibt. Der Kammer- vorstand hatte für diese Hofgängerei jedem Mitglied des Präsidiums zweitägige Diäten und dazu die Freifahrt in einer Droschke für beide Tage ausgetvorfen; der Empfang der Kammervertretung bei Hof war auf Donnerstag, den 20. September, bestimmt. Der rote Vizepräsident ging nicht zu Hofe, sondern revidierte damals als Mitglied der Kontrollkommission das Stuttgarter Parteigeschäft. Außerdem empfing der rote Vizepräsident eine Einladung des Hof marschallamtes zum feierlichen Akt des Hofjubiläums; es war dem Vertreter der sozialdemokratischen Kammerfraktion auch ein Sitz bei der Festvorsteklung im Großherzoglichcn Hofthcater eingeräumt. Die Sozialdemokratie blieb bei Hofe stets unvertreten; es fehlt auch unter der Jubiläumsadresse der zweiten badischen Kammer an den Großherzog die Unterschrift des roten Vizepräsi» denten. Die Tagung des landständischcn Ausschusses mit dem herkömm- lichen parlamentarischen Frühstück fand nach dieser von mir ge- miedencn Hofrepräsentation der Kammer statt. Das Frühstück war diesmal nicht am Schlüsse der Tagung, sondern in einer dazu veranstalteten Pause. In der Schlußsitzung wurde die Staats- abrechnung unterzeichnet. In dieser Session des Landtages lud der Minister des großherzog Ii chen Hauses und der auswärtigen Angelegen- heiten, Freiherr von Marschall-Bieberstein, die Mit- glieder beider Kammern des Landtages zweimal zu einer parla- mentarischen Kur mit Abendessen in den Staatspalast ein. Die sozialdemokratische Fraktion nahm jedesmal offizielldaranteil, auch Prinz Karl als Mitglied der ersten Kammer erschien dazu. Dieses in tatsächlicher Beziehung. Wenn die Parteipresse es für wertvoll hält, darüber zu streiten, ob die badischen Genossen im Landtag nicht besser alle Repräsentationen(einschließlich des Vizepräsidiums) beiseite ließen, so hat sie dazu die Befugnis. Es steht ihr aber nicht zu, mich nach dem Dortmunder Beispiel zu be- leidigen, weil ich nach Beschlüssen und Intentionen meiner Fraktion handelte. Von der Mannheimer„Volksstimme" ist man nichts Besseres gewohnt; sie hätte aber Anlaß genug, sich mit jenen zu be- fassen, welche in der Kammer die Beschlüsse der Fraktion miß». achtet haben. Eine Fälschung der Zentrumspresse. Das„Münchener Tageblatt" hat dieser Tage behauptet, zu Pasing habe der sozialdemolratische Gemeindebevollmächtigte N i m m e r f a l l in der letzten Sitzung deS Gemeindekollegiums den Anttag gestellt, es sei ein Gesuch an die Regierung um Belassung wenigstens eines Teiles der üb- lichen Lebensmittel st euer zu richten. Diesem Antrage sei auch stattgegeben worden. An diese Behauptung knüpfte das Zentrumsblatt die Worte:„Sozialdemokraten arbeiten also daran. daß jene Steuern, die sie bisher am heftigsten bekämpft haben, be- lassen werden." In Wirklichkeit hat Genosse Nimmerfall einen solchen An- trag nicht gestellt, vielmehr hat er beantragt, es möchte eine aus Mitgliedern des Magistrats und des Kollegiums bestehende Kommission gebildet werden, welche sich mit den durch die'Auf- Hebung der lokalen Zuschläge im Jahre 1010 entstehenden ver- änderten Verhältnissen in den gemeindlichen Einnahmen schon jetzt zu beschäfttgen habe. Dieser Antrag wurde angenommen. So ist der Sachverhalt, den selbst ein farblos bürgerliches Blatt gegen die verlogene Zentrumspresse feststellen muß. Bon sozialdemokratischer Krankcnkassenverlotterung wußten dieser Tage wieder einmal die Scharfmacherorgane und sonstigen Ordnungs- blätter ein grauses Stücklein zu berichten. Die Koburger OrtS- krankenkasse, so wurde gemeldet, habe ein Defizit von 110 000 M. zu verzeichnen. Natürlich werde diese Kasse-von Sozialdemokraten geleitet, deren vollkommene Unfähigkeit... usw. nach bekanntem Rezept. In Wirklichkeit hat die Sozialdemokratie leider noch nicht die Mehrheit im Koburger Krankeniasienvorstand. und in Wirklich- teit ist nicht ein Defizit von 110 000 M. zu verzeichnen, sondern� eine Unterbilanz von 11000 M., von der 8000 M. abzuziehen sind, die satzungsgemäß dem Reservefonds hätten zufließen müssen und die nicht abgeführt tverden konnten. Wäre diese Unterbilanz durch die Verwaltung verschuldet, so wäre also nicht die Sozialdemokratie. sondern die bürgerliche Vorstandsmehrheit verantwortlich. Die Parteiorganisationen zum Parteitag. In der Parteiversammlung für den ersten Ham» b u r g e r W a h l k r e i s, die sich eines starken Besuches erfreute. erstatteten am Dienstag die Delegierten E. D u b b e r und Frau Zieh Bericht vom Mannheimer Parteitag. Die Versammlung nahm einen glatten Verlauf. An der Debatte beteiligten sich die Genossen Stalten, Klimm eck und Schauenburg, die sämtlich ihr Einverständnis mit den Mannheimer Beschlüssen be- kündeten. Eine gegenteilige Meinung wurde nicht geäußert, weshalb man davon Abstand nahm, der Versaminlung eine Resolution zu unterbreiten. Bon den Organisationen. Ein neuesParteisekretariat ist für das obere Erzgebirge eingerichtet worden. Genosse Jung- nickel- Chemnitz ist als' Sekretär gewählt worden. Er nimmt seinen Sitz in Annaberg und soll besonders den 20. und 21. sächsischen Wahlkreis bearbeiten. Personalien. Genosse Reichstagsabgeordnetcr August Drees» bach, der im Frühjahr eine schwere Krankheit durchgemacht hat, ist nach Schluß deS Mannheimer Parteitages, auf dem er als zlveiter Vorsitzender fungierte und durch dessen Vorbereitung er stark in Anspruch genommen war, aufs neue nicht unbedenklich erkrankt. Er mußte sich nach der„Mannh. Volksst." anfangs letzter Woche zur Kur nach Baden- Baden begeben. Dreesbach leidet wieder an heftigen Asthmaanfällen, die der Arzt als die Folge einer besonders npliit Soziales. start auftretenden nervösen Depression bezeichnet. Hoffen wir, daß schweigt man im twohlverstandenen Junkerinteresse. Wenn man sich es der Kunst der Aerzte und der Heilkraft der Thermen von Baden- auf den Standpunkt stellt, daß bei steigendem Erträgnis aus dem Baden gelingt, den Patienten recht bald wieder geheilt und ge- Verkauf der Arbeitskraft eine erhöhte Abgabe für den Grundrentner Behandlung von Krankenkaffen. fräftigt in die Reihen seiner Gesinnungsgenossen zurückzuführen! gerechtfertigt sei und der Arbeiter bei schlechten wirtschaftlichen VerDie Drtskrankenkasse Schneeberg in Sachsen befindet sich, Die Sicherstellung der Humanité". In der Versammlung der hältnissen mit einer schlechteren Lebenshaltung zufrieden sein muß, wie die Leipziger Boltszeitung" mitteilt, seit Mitte des Jahres 1904 Aktionäre des Blattes konnte Genosse Jaurès mitteilen, daß die dann muß man mindestens auch anerkennen, daß in einer Periode insofern in den Händen der organisierten Arbeiterschaft, als der Zahl der Abonnenten innerhalb der letzten zehn Tage von 3600 wirtschaftlicher Prosperität, wenn an die Arbeitskraft erhöhte An- dem haben die verschiedensten Prozesse gegen die erwähnten Personen Vorsitzende und ein Teil der Beamten Parteigenossen sind. Seit auf 5000 gestiegen ist; in Paris ist der Straßenverkauf von 10 auf fprüche gestellt werden, der Arbeiter auch Anrecht auf eine bessere und die Stasse nicht abgerissen. Es sei mur folgendes erwähnt: An12 000 gestiegen. Angesichts dieser veränderten Situation beschloß Lebenshaltung hat. Das ist die natürliche Entwickelung nach bürger- zeige wegen Urkundenfälschung, weil ein Beamter ein Anmelde die Versammlung der Aktionäre, das Blatt zunächst weiter bestehen licher Auffassung. Wie liegt nun das Verhältnis? Noch nie hatten formular vervollständigt hatte; Resultat: Freispruch. zu lassen. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. wir eine so günstige Konjunktur wie jetzt. Aber selbst unter der Anzeige gegen den Gesamtvorstand wegen Verstoß gegen§ 367 Der blamierte, Demokrat". Vor der Berufungsstraffammer zu Voraussetzung, daß die Löhne von 1900 und 1901 Heute wieder des Strafgesetzbuches; Resultat: Freispruch. Prozeß gegen Mülhausen( Elsaß) wurde am Montag die Klage des demokratischen erreicht werden, was durchaus nicht überall der Fall ist, einen Beamten in derselben Sache: Freispruch. Zuſchrift wegen Mülhauser Stadtverordneten Geometer Simonet gegen den steht der Arbeiter in seiner Lebenshaltung gegen damals Entfernung eines Beamten; Resultat: Es blieb beim alten. Berhandlung gegen einen Beamten wegen Beleidigung; Klage Genossen Wicky von der Mülhauser Volkszeitung" verhandelt. zurück, denn die Lebensmittelpreise und Wohnungsmieten wurde vor Urteilsverfündung zurückgezogen. Außerdem noch Herr Simonet hatte in erster Instanz bekanntlich die Verurteilung stehen über dem Niveau bon bor fünf Jahren. Klagen wegen Begünstigung, Uebertretung der Bestimmungen des Genossen Wich zu 100 Mark Geldstrafe erreicht, konnte Trotz der glänzenden Konjunktur muß der Arbeiter mit verschlechterter wegen Arzneimittelverkehr usw. Das allerneueste ist aber mit diesem Ergebnis nicht recht zufrieden sein, da Lebenshaltung vorlieb nehmen. Er wird auf einen noch tieferen eine Klage gegen den Vorsitzenden und den das Gericht in der Urteilsbegründung erklärt hatte, daß das Stand hinabgeschleudert, wenn Arbeitslosigkeit, Feierschichten und Expedienten wegen ,, Untreue" und die Be von der„ Volkszeitung" kritisierte Verhalten Simonets- es handelt im Gefolge damit Lohnkürzungen die jetzigen günstigen Arbeits- chlagnahme der Schreibmaschine. Und das ging fich um Ausnutzung einer dem Herrn als Gemeindevertreter gewordenen Kenntnis zu seinem eigenen Nutzen und zu ungunsten der gelegenheiten ablösen. Dieses Verhältnis und diese Aussichten haben fo zu. Eines Tages erschienen zwei Schuyleute im Kassenbureau in der Tat undelikat" und" unfair" sei. wir der agrarischen Beutepolitik zu verdanken. Und da fommt man und tonfiszierten die Schreibmaschine. Die auf beantragte richterliche Entscheidung abgehaltene Verhandlung ergab, Außerdem war es Herrn Simonet nicht geglückt, dem Genossen noch her und rechnet den Arbeitern vor, daß sie dem Agrariertum daß die wegnahme erfolgte, weil sie Gegenstand eines Prozesses Martin, in dem er den Verfasser des Artikels fah, zu einer Be- eigentlich noch größeren Tribut zu zollen hätten. gegen die erwähnten beiden Personen sei. Die Maschine sei zu strafung zu verhelfen. Gegen ihn sollten u. a. der Metteur, der Expedient teuer gekauft und dadurch die Kasse absichtlich benachteiligt. Da die und ein Preßkommissionsmitglied der Volksztg." aussagen. Sie berweigerten aber ihr Zeugnis. Gleich nach Eröffnung der Berufungs- Konflikt im Kohlensyndikat. Nach einer Zeitungsmeldung soll im Maschine zerstört werden könnte, wurde sie beschlagnahmt. Der Berhandlung erklärte der Verteidiger Simonets, daß die Berufung ein- Kohlensyndikat gegen die Hüttenzechen vorgegangen werden, weil sie wirkliche Sachverhalt ist der, daß ein Beamter die Maschine laut Driginalrechnung für 323 M. von der Firma Bial u. Freund in gelegt worden sei, weil die Strafe gegen Wich zu niedrig sei, weil ihren Lieferverpflichtungen nicht nachkommen. Das Syndikat hat Breslau gekauft hatte. Der Kassenvorstand beschloß ein= weiter Martin nicht verurteilt wurde, und weil ferner die Schluß- angeblich, um die Hüttenzechen nicht zu noch forzierterer Förderung stimmig, die Maschine in Kaffeneigentum zu übernehmen und folgerungen des ersten Richters für Herrn Simonet moralisch zu veranlassen, davon abgesehen, von dem ihm zustehenden Straf- bezahlte den genannten Preis direkt an die Firma. Der Beamte belastend seien. Genosse Emmel sollte Aussagen über die Täter- recht gegen die Hüttenzechen Gebrauch zu machen. Nunmehr soll hatte für Fracht usw. noch einige Mark Verlust. Wie da von einer schaft Martins als Verfasser des Artikels machen. Aber trotz der aber die Frage in der nächsten Sigung des Synditats erörtert werden. Androhung eventueller Bestrafung wegen Zeugnisper- Es liegen Strafanträge vor. Nach dem bisherigen Verhalten der" Untreue und Betrug" die Rede sein kann, ist Geheimnis des weigerung verweigerte E. das Zeugnis. Das Gericht erkannte gemischten Werke ist damit zu rechnen, daß sie es ebent. auf einen Stadtrates. So sieht das Selbstverwaltungsrecht der Kassen in der gegen ihn auf eine Ordnungsstrafe von 10 M. wegen Zeugnisver- Stonflikt ankommen lassen. Jedoch ist nicht zu verkennen, daß die Praxis aus. weigerung! Hüttenzechen trog ihrer Unabhängigkeit doch noch ein großes Interesse Wirkung der Minimalstrafe. am Syndikat haben. Fliegt dieses auf, dann sind die Preise wohl Daß die Minimalstrafe von drei Monaten Gefängnis für Diebs taum zu halten. Für Reduktion der Kohlenpreise am offenen Markt stahl durch Einbruch und die Strafen für Rückfalldiebstahl oft in schwärmen die gemischten Werke aber schon darum nicht, weil teinerlei Berhältnis zu der Geringfügigkeit der entwendeten Gegenniedrigere Kohlenpreise die Konkurrenzfähigkeit der reinen Walzwerke stände stehen, zeigen wieder einige jüngst abgeurteilte Fälle. gegenüber den Halbzeuglieferanten stärkt. Gemeinde Mülhausen Das Gericht verwarf die Berufung. Herr Simonet behält also die moralische Belastung und muß auf die Bestrafung des Genossen Martin troß seiner trampfhaften Versuche, das Redaktionsgeheimnis zu verlegen, verzichten. Ein netter Demokrat! Eine erfolgreiche Revision hat der Genosse Faber als ehemaliger Redakteur des Stettiner Voltsboten" gegen ein Kartell der D.- Banken. Die Leitungen der dem Bankkartell anUrteil des Landgerichts zu Stettin eingelegt. Es hatte ihn mit geschlossenen Banten faßten nach Mitteilung der„ Bankbeamten- 3tg." 20 Mark Geldstrafe belegt, weil er mitgeteilt hatte, daß ein ber- in Angelegenheiten der vielbesprochenen Kündigungsklausel folgenden storbener Arbeiter von seinem Vater lieblos behandelt worden sei. Beschluß: Das Gericht mußte nach der Beweisaufnahme anerkennen, daß der Vater den Sohn schlecht behandelt habe, sprach aber dennoch die Verurteilung aus, weil Genosse Faber durch den Ausdruck lieblos feiner Kritik eine beleidigende Form gegeben habe. Die Revision rügte Verkennung des Begriffes der Beleidigung. Wie habe der Angeklagte die Behandlung des D. durch seinen Bater nennen sollen, da ja das Gericht selbst sie lieblos nenne? Das Wort enthalte die maßvollste Kritik. Der Reichsanwalt trat der Revisionsbegründung bei. Das Reichsgericht hob das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Aus Induftrie und Handel. Junkerbegehrlichkeit. Der schon vorbestrafte 18 jährige Hausbursche K. H., der einem neben ihm im Wartesaale des Hauptbahnhofs in Frankfurt a. M. fienden jungen Burschen zwei Pfennige aus der Tasche entwendete, weil er Hunger hatte und fich Brot kaufen wollte, wurde von der Straffammer in Frankfurt a. M. zu drei Monaten GeDer Schweizer Martin Jonas aus Altona Es ist vereinbart, daß keine Bank einen Beamten fest fängnis verurteilt. stahl auf dem Wege von Suckow nach Ganzten von einem Milchengagieren wird, bevor derselbe feine bisherige Stellung nicht gefündigt hat. Hierdurch soll indessen nicht verhindert werden, daß wagen eine Hose und ein Paar Strümpfe. Wegen Rückfalldie Bank( d. H. diejenige, die den betr. Beamten anstellen will) auch diebstahls verurteilte ihn die Güstrower Straffammer zu einem vor erfolgter Kündigung bezüglich seines Engagements mit ihm in Jahr und drei Monaten Zuchthaus und zu drei Jahren Ehrverlust. Verhandlungen tritt und solche für sie für den Kündigungsfall verbindlich zum Abschluß bringt, ohne daß eine Bindung des Beamten statthaft ist." Jede der Kartellbanken kann also in Zukunft auch mit einem bei einer anderen Kartellbank in ungekündigter Stellung befindlichen Beamten zum Zwecke seines Engagements in Verhandlungen treten und einen Anstellungsvertrag mit ihm abschließen, der für den Fall, daß der betreffende Beamte seine bisherige Stellung fündigt, für sie unter allen Umständen rechtsverbindlich ist, den Beamten aber nicht bindet, sobald er bei seiner Bant, sei es infolge einer Gehaltserhöhung, einer anderen ihm zusagenden Beschäftigung usw. verbleiben will. Infolge dieser Erklärung erachtet der Verein die Angelegenheit als in zufriedenstellender Weise erledigt. Nach dieser Interpretation liefe die Aktion auf einen Schutz der Angestellten hinaus. Diese können Engagements abschließen und find doch nicht gebunden. Wir glauben, die Pragis wird mit der vorstehenden Interpretation sehr stark tollidieren. Aus der Frauenbewegung. besonderes tantonales Der Minister lädt die Ladnerinnen zu einer Versammlung ein. Zürich, 14. Oftober.( Eig. Ber.) Der Züricher Res gierungsrat Locher, der nebst seinem Sohne in diesem Jahre nur Kompromittierendes von fich hören ließ, hat das Bedürfnis gefühlt, sich der Deffentlichkeit von einer besseren Seite zu zeigen und dazu bietet das sozialpolitische Gebiet immer schöne und dankbare Gelegenheit. Der Kantonsrat hat fürzlich auf Antrag Vor logischen Saltomortalen scheut die agrarische Presse in unseres Genossen Wirz hin der Regierung den Auftrag gegeben, Berteidigung der Lebensmittelwucherpreise nicht zurück. Aber auch die Frage zu prüfen, ob nicht zum Schuße der weiblichen Ladenangestellten ein das Mittel der Täuschung muß dem edlen Zwecke dienen. Man argumentiert: die Löhne der Arbeiter sind gestiegen, folglich find Gefeß zu schaffen sei und Herr Locher, der der Chef argumentiert: die Löhne der Arbeiter find gestiegen, folglich find des Volkswirtschaftsdepartements und den daher die Sache die höheren Preise berechtigt! Also wenn der Arbeiter durch Mehrzunächst angeht, hat bezügliche Fragebogen aufgestellt, die Auskunft leistung, das ist die Voraussetzung fast jeder Lohnerhöhung, etwas Spiritusproduktion. Das letzte Produktionsjahr, endend am über den Beginn und die Dauer der Arbeitszeit, die Mittagspause, höheres Einkommen erzielt, dann hat er das als Tribut an die 30. September, brachte eine Gesamterzeugung von 4376 Millionen den Umfang der Sonntagsarbeit, die Zahl der freien Sonntage im Junker zu zahlen. Und um zu zeigen, daß man den Arbeitern Hektoliter oder 585 000 Hektoliter mehr, als in dem voraufgegangenen Jahre, die Höhe des Lohnes, die Art der Hauptarbeit und der Geschäftsjahr. Der Mehrproduktion steht ein Mehrverbrauch von Rebenarbeiten, die Lokalverhältnisse, Siggelegenheit und endlich über eigentlich noch zu wenig abfnöpft, übt sich die Deutiche nur 300 000 hektoliter gegenüber; über die Hälfte davon entfällt das Alter der Angestellten verlangen. Tagesztg." in statistischen Jongleurstückchen. Sie stellt die Löhne auf die Ausfuhr. Für das Mißverhältnis zwischen Erzeugung und Herr Locher berief nun die weiblichen Ladenangestellten der Stadt aus der Mitte der 80er Jahre, die infolge der wirtschaftlichen Depression und Einlegung von Feierschichten sehr tief standen, in Vergleich zu den Löhnen, die jetzt bei lleberzeitarbeit und intensiver Anspannung erzielt werden. Dann schlußfolgert man, daß die Arbeiter gar keine Ursache haben zu klagen, weil die Lebensmittelpreise nicht in demselben Verhältnis wie die Löhne gestiegen seien. Daß die Löhne in den Jahren 1885, 1886 und 1887 gegenüber den boraufgehenden Jahren gefallen waren, die Warenpreise aber nicht in demselben Verhältnis zurückgingen, daß ferner die Löhne seit 1900/01 bis 1905 fräftig abwärts gingen, die Warenpreise aber stiegen, verFür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, den 18. Ottober. Anfang 7% Uhr. Opernhaus. 1. Sinfoniekonzert töniglichen der Mittags 12 Uhr: Sinfoniematinee. Schauspielhaus. Geschlossen. Deutsches. Das Wintermärchen. Westen. Der Freischüz. 2orting. Der Wildschütz. Anfang 8 Uhr. Leffing. Das Blumenboot. Berliner. Sherlock Holmes. Schiller 0.( Wallner beater.) " Der Herrgottswarter. Hierauf: Zum Einsiedler. Schiller N. ( Friedrich Wilhelmftädtisches Theater). Die rote Robe. Neues. Die Hochzeit von Poel. Komische Oper. Carmen. Residenz. Triplepatte. Lustspielhaus. Berwehte Spuren. Zentral. Tausend und eine Nacht. Kleines. Man tann nie wissen. Dentsch: Amerikanisches. wilden Westen. Sm Thalia. Wenn die Bombe platt! Luisen. Else vom Erlenhof. Bernhard Rose früher Carl Weiß. Berliner Kinder. Trianon. Der Hausfreund. Walhalla. Spezialitäten. Apollo. Berlin im Omnibus. Spezialitäten. " Metropol. Der Teufel lacht dazu. Kasino. Alexander der Große. Folies Caprice. Das Modell. Das Provinzmädel. Wintergarten. Spezialitäten. Vassage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Ferdinand Bonns: Berliner Theater. Heute und folgende Tage: Sherlock Holmes. Anfang 8 Uhr. Theater des Westens Konsum wird in erster Linie die Preispolitik des Spiritusringes verantwortlich gemacht. Eine entsprechende Produktionseinschränkung foll das Gleichgewicht wieder herstellen und die hohen Lagerbestände reduzieren. Wieder eine Pleite. Der Bankier Indermann in Nom hat feine Zahlungen eingestellt. Die Passiva belaufen sich auf ſechs Millionen Lire. Das Gasrohrfyndikat nahm nach der Köln. 8tg." eine Preiserhöhung bor in Gestalt einer Reduktion der Rabattsäze um 12 Prozent. Neues Schauspielhaus am Nollendorfplatz. Sonnabend, den 20. Oktober, 8 Uhr: Eröffnungs- Vorstellung. Der Sturm. Bon Shakespeare. Musik von Engelbert Humperdinc. u. Sonntag u folg. Lage: Der Sturm. Komische Oper. Heute abend 8 Uhr: Carmen. Freitag: Hoffmanns Erzählungen. Station Zoolog. Garten, Kantstr. 12. Sonnabend zum ersten Male: Heute abend 72 Uhr: Der Freischütz. Gutscheinhefte ungültig. Freitag: Die Zauberflöte. Anfang 7 Uhr. Lakmé. Lortzing- Theater Bellealliancestr. 7/8. Heute abend 72 Uhr: Neues Theater. Der Wildschütz. Anfang 8 Uhr. Die Hochzeit von Poël. Freitag, Sonnabend, Sonntag: Die Hochzeit von Poël. Kleines Theater. Anfang 8 Uhr. Abonnements gültig. Morgen Freitag: Der Waffenschmied. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Sonntag, den 21. Oftober 1906: Zum 3. Male: Zapfenftreich. Drama in 4 Atten von Franz Adam Beyerlein. Anfang.7%, Uhr. Man kann nie wiffen. Freitag z. 99. Male: Ein idealer Gatte. Sonnab. 8.100.Male: Ein idealer Gatte. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Deutsch- Amerikanisches Theater. Theater 8 Uhr: Die Mosellande Abends 8 Uhr: Man kann nie wissen. Abends und ihr Weinbau. Hörsaal 6 Uhr: Dr. C. Thefing: Urania. Taubenstraße 48/49. Die Gewebe Körpers. besteren Trianon- Theater. Hörsaal 8 Uhr: Dr. C. Thefing: 8 Uhr: Zum 58. Heute und folgende Tage: Male: Anjang 8 Uhr. Wiederauftreten Z Zürich zu einer Versammlung in den Schwurgerichtsfaal ein und er hatte die Genugtuung, daß ihrer 200 der Einladung Folge leisteten. Am Saaleingang wurden die Fragebogen an die Damen verteilt und Herr Locher, Versammlungsleiter und Referent in einer Person, gab ihnen einen Instruktionskurs für die wahrheitsgemäße Beant Referat knüpfte sich eine lebhafte Diskussion der Damen, die manche wortung der gestellten Fragen auf den Erhebungsbogen. An das interessante Schilderungen ihrer Anstellungsverhältnisse gaben. Auf das Ergebnis dieser amtlichen Enquete darf man gespannt sein. Auf jeden Fall wird es zu einem Geseze zum Schutze der weiblichen Ladenaugestellten kommen. DOLOCISCHER Luisen- Theater Urania. CARTEN Täglich ab nachmittags 4 Uhr: Großes Militär- Doppel- Konzert. Eintritt 1 M., b. 5 11hr ab 50 31. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Reichenbergerstr. 34. Abends 8 Uhr: Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: Else vom Erlenhof. Die Freitag zum 1. Male: Ein Boltsfeind. Sonnabend 4 Uhr: Kindervorstellung: Aschenbrödel. Abends: Ein Winter märchen. Sonntag nachm.: Else vom Erlenhof. Abends: Ein Wintermärchen. Montag: Ein Wintermärchen. Apollo- Theater. Metropol- Theater Täglich: Das große Täglich 8 Uhr: Spezialitäten- Programm Der Teufel lacht dazu. mit Liane d'Eve, die OriginalMatschiche Tänzerin u Berlin im Omnibus mit dem Omnibus- Trick. Somitag, den 21. Oftober, nachm. 82 Uhr: Familienvorstellung. Salbe Preise! Halbe Preise! dazu Große Jahresrevue in 9 Bildern In Bernhard Rose- Theater H. früher Carl Weiß- Theater. Große Frankfurterstr. 132. Täglich 8 Uhr: Berliner Kinder. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Aschenbrödel. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Bluthochzeit. von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent M. Roth. Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Bender. J. Giampietro. J. Josephi. Fritzi Massary. Phila Wolff. Rauchen überall gestattet. Sonntag, den 21. Oktober, nachmittags 3 Uhr: Ermäßigte Preise! Stadt- Theater Moabit Auf in's Metropol! Alt- Moabit 47/49. Gastspiel Bernhard Rose's Volks- Theater des Westens. Vorstädtisches Theater. Adolf Philipps. Zwischen zwei Herzen. Im wilden WESTEN. Schauspiel in 4 Aften von Willhardt. Staffeeröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Lebendige, leblose und tote Natur- Der Hausfreund. Sonntag ER& ICH. beck, Surma u Sjentergebäude. törper. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. nachm: Billettvorverkauf bei Krüger& Oberu. Beuſſelſtraßen- Ede und bei Bw. Tupel im I Spichernstr. 3, am Nürnbergerplatz. Schwant In Zivil. in att Hierauf: Pension Schöller. Mosellande und ihr Weinbau. Im Hörsaal 6 Uhr: Dr. C. Thesing: Die Gewebe des tierischen Körpers. Im Hörsaal 8 Uhr: Dr. Thesing: Lebendige, leblose und tote Naturkörper. Lustspielhaus. Allabendlich 8 Uhr: Verwehte Spuren. Zentral- Theater. ( Operette). Täglich 8 Uhr: Tausend und eine Nacht. Kasino- Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr Nur noch kurze Zeit: Alexander der Große von Emil Thomas und Adolf Selig. Sonntag 4 Uhr: Hotel Klingebusch. Folies Caprice Linienstr. 132, Ecke d. Friedrichstraße. Direktion Felix Berg. Serenissimus August XXVI. Das Modell und Das Provinzmädel. Anfang& Uhr. Vorverkauf bei A. Wertheim und an der Theaterkasse 10-2 Uhr. Colosseum Dresdenerstr. 97. Das brillante Oktober- Programm. Spezialitäten und Schwant in drei Alten. Volks- Kabarett Anfang 6 Uhr. stod Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- ilh. Th.) Donnerstag, abends 811 hr: Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Herrgottswarter. Ein Drama in 3 Aufz. v. H. Lilienfein. Hierauf: Zum Einsiedler. Lustsp. in 1 Aufz. v. Benno Jacobson. Freitag, abends 8 11 br: Der Herrgottswarter. Hierauf: Zum Einsiedler. Zum ersten Male: Die rote Robe. 11 Passage- Theater. WW ARTEN Das Brieur. Deutsch von Anne St. Cére. Schauspiel in vier Atten von Eugen Josefine Dora Freitag, abends 8 Uhr: Die rote Robe. Sonnabend, abends 8 Uhr: Sonnabend, abends 8u br: Donna Diana. Die Hoffnung auf Segen. Freie Volksbühne Sonntag, den 21. Oktober: Berliner Theater:| Neues Schauspielhaus: Nachmittags 3 Uhr: Die Kreuzelschreiber. Der Sturm. 15./16. Abteilung. III. Serie: Ora et labora und Abrechnung. 2 18. Kunstabend Dienstag, den 5. November Anzengruber- Rosegger. 8./9. Abteilung. IV. Serie: Web dem, der lügt. 19. Kunstabend Mittwoch, den 5. Dezember Goethe- Beethoven. Herbstfest| Generalversammlung Sonnabend, d. 24. November Russischer Tondichterabend. Kapelle des Mozartsaals 50 Musiker. Konzertdirektion Eugen Stern. Lieder zum Orchester Fräul. Grete Steffens. Freitag, den 26. Oktober, im Gewerkschaftshaus, abends 812 Uhr. Vortrag Wilhelm Holzamer: Ueber das französische Theater. Geschäfts-, Kassen-. ReviFestmarken a 60 Pf. in allen sionsbericht, Diskussion und Zahlstellen. Verschiedenes. Freies Kunstheim. Flugblätter und Antwortkarten liegen in allen Zahlstellen aus. Die Mitglieder werden ersucht, schleunigst Gebrauch davon zu machen. 229/19 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Zirkus Alb. Schumann Zirkus Busch. Heute abend präzise 72 Uhr: Elite- Abend. Gala- Progr., u. a.: Mons. Fernand Guichenet, Oberbereiter S. M. des Baren. Abends 72 Uhr: Monsieur Romeos! Staunen erregende Automobil- Experimente Ueberfahren xistierazide größte Tiger- Gruppe. mit einem 70 PS. Fiat- Automobil Nezeigte wilde Dressur. Henriksen. Der ur Löwen- Baron tomische mit seinem dressierten Tierpart. von Dir. Auf der Pußta borge Schumann. Die phänomenalen Lustgymnastiker Les Rixfords. Der ausgezeichnete faukasische ParforceReiter Agube Gutzow. Ferner die großartigen neuen Spezialitäten. Um 10 Uhr: Bum 6. Male: Ein Tay in Monte Carlo. Große Ausstattungspantomime, arrangiert und auf das glänzendste inszeniert vom Dir. Alb. Schumann. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brimenstr. 16. Große Extra- Borstellung. Die Rose von Bacharach. Romant. Schauspiel mit Ges. in 4 Aft. Anf.& Uhr. Entree 30 Pf. Ball. Ehren- und Vorzugskarten gültig. Freitag: Die Bluthochzeit. Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag und Donnerstag: Konzert, Theater, Spezialitäten. Stets erstklassige Riefenspielfolge. Nach der Vorstellung: Gr. Tanz. Tanzleitung: B. Sachse. Anf. Sonntag 5, Donnerstag 8 Uhr. WalhallaWa Varieté- Theater Weinbergsweg 19/20. Am Rosenthaler Tor. 08 Heute abend 8 Uhr: Das humorist. Oktober- Programm. Emmi Kröchert, Willy Prager, Berlins popul. neue Soubrette. aktuelle Coupl. Außerdem: 4 Debüts u. a.: Royal Mitsuta's Filippos Jap. Leit.- Bal. Wunderhunde. Rauchen überall gestattet. Palast( Gew. 30 Zentner u. 4 Insassen.) Die größte Tiger- und Löwengruppe Ringkampf zwischen dem Dompteur Willy Peters und zwei wilden Tigern. Aus der Pußta. Drig.- Pantomime d. Zirk. Busch. Boranzeige! Sonntag nachmittag 4 Uhr auf allgemeinen Wunsch: Aus der Pußta. Residenz- Theater. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage Anf. 8 Uhr: Triplepatte. Schwank in 5 Aften v. Tristan Bernard und André Godfernaux. Bicomte Robert de Houdan: in der Komödie ,, Rieke mit dem Schlager Emil du bist eene Pflanze" ist wegen d. außerord. Erfolges und der tägl. ausverk. Häuser für Oktober prolongiert. Außerdem 14 neue Nummern. Buggenhagen Moritzplatz. Jeden Donnerstag: Walzer- u. Operettenabend. Opernsänger Hermann Huller. Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Verbindung mit größter FilmsFabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. T 65 Das neue Oktober- Programm! Exzentriks. Ein glänzender Erfolg! Bros. Permane, Charlene und Charlene, musik. Akt. Robert Steidl, Humorist. Launceston Elliot, Kraftproduktion. Das Erntefest, englisches Ballett. Les Mas- Andrés, Pariser Duettisten. De Vry's lebende MarmorKolossal- Gruppen. Maria Vinent, portugies. Sängerin. Bros. Spissel und Mack, amerikanische Exzentriks. Jackson- Truppe, Kitty Traney, Der Biograph. Radfahrer. Jongleuse. Gustav Behrens Theater, Berlin O., 180 Frankfurter Allee 85. Kolossaler Erfolg des sensationellen neuen Oktober- Programms. 22 Nummern. Otto Pritzkow, Münzstr. 16. anfang 7 uhr. Sonntags 5%, Uhr. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Küchenmöbel- Branche! Donnerstag, den 18. Oktober cr., abends 8%, Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstraße 27c: Branchen- Versammlung aller in dieser Branche beschäftigt. Tischler und Maler 95/2 Berlins und Vororte. Tages- Ordnung: Bericht der Kommission und Branchenangelegenheiten. Achtung! Schuhmacher! Achtung! Donnerstag, den 18. Oftober 1906, vormittags 10 Uhr: gaurafan/ Deffentliche Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berliner Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 15. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Schlosser Hermann Puhlmann ( Wittstockerstraße 23). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 3 Uhr, auf dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde in der Pappel- Allee statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Orts- Krankenkasse der Stadt Schöneberg. Wahlaufruf! Infolge Ausscheidens von Vertretern aus der Reihe der Delegierten der bis zum Schluß des Jahres 1906 amtierenden Generalversammlung ist die Vornahme a) einer Ergänzungswahl zum Zwecke der Vervollständigung der letzteren erforderlich. Es fehlen 6 Arbeitgeber- und 17 Arbeitnehmervertreter. Ferner ist erforderlich für die neue, mit dem 1. Januar 1907 beginnende und am 31. Dezember 1908 zu Ende gehende Wahlperiode, in b) eine Neuwahl der Generalversammlung einzutreten. Die am 1. Dttober 1906 vorhanden gewesene Mitgliederzahl wird der Berechnung der Zahl der zu wählenden Vertreter zu grunde gelegt. Die MitMetallarbeiter- Verband lieberzabt betrug 19 931, worunter Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schloffer Hermann Puhlmann geftorben ist. em Anbenken iſt, Ehre seinem Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. Oftober, nach mittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Freireligiösen Friedhofes in der Pappelallee aus statt. Rege Beteiligung erwartet 154/14 Die Ortsverwaltung. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Rudolf Bahle gestorben ist. 154/16 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. Oftober, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Elisabeth Kirchhoses in der Prinzen- Allee aus ftatt. 3 Um rege Beteiligung bittet Die Ortsverwaltung. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann, unser lieber Vater, Schwieger- und Großvater, der Schuhmacher Versammlung Stenmacher = im Lokale„ Königsbank", Große Frankfurterstr. 117. Zages Drdnung: Die Aussperrung in der mechanischen Schuhindustrie. Vollzähligen Besuch erwartet Der Einberufer. Karl Guhl fich 835 freiwillige Mitglieder befanden. Hiernach sind zu wählen: a) seitens der Arbeitgeber 48 Bertreter und 24 Stellvertreter, b) seitens der Arbeitnehmer 100 Bertreter und 50 Stellvertreter. In der Ergänzungswahl sind zu wählen: 6 Arbeitgeber, 17 Arbeitnehmer. Die Wahlen erfolgen in geteilter Wahlversammlung und in je zwei Wahlgängen. Der Wahlgang für die Hauptwahl findet im Staffenlokal 1 Treppe, der Wahlgang für die Era gänzungswahl im Stassenlokal pars terre statt. Das Kaffenlokal befindet fich in Schöneberg, Grunewaldstraße 42. Die Beteiligten werden zum Zwecke der Bornahme der Wahlen nach Grunewaldstraße 42, Hof Duerge bäude u. a) die Arbeitnehmer zum 276/18 Freitag, den 26. Oftober 1906, von 5-9 Uhr nachmittags, b) die Arbeitgeber zum Montag, den 29. Oktober 1906, von 5-8 Uhr nachmittags eingeladen. Wir verweisen auf die §§ 48 und 49 des Kassenstatuts und bemerken, daß die Wahlen geheim sind und durch Stimmzettel vorge nommen werden müssen. Jeder Wähler hat eine Stimme. Auf den Stimmzetteln find die Vertreter bezw. Stellvertreter als solche zu be zeichnen. Für die Hauptwahl ist ein Stimmzettel, für die Ergänzungswahl ein weiterer Stimmzettel zu verwenden. Schöneberg, den 16. Oftober 1906. Der Vorstand. E. Flamme, Vorsitzender. F. Geist, Schriftführer. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, nach langen Leiden sanft ent- Svezialarzt für schlafen ist. Verband der Wäsche- und Krawattenarbeiter mittags suge, vom rauerhauſe, Filiale Berlin und Arbeiterinnen Deutschlands( B) Donnerstag, den 18. Oktober, abends 8 Uhr, bei Boecker, Weberstraße 17: Große Versammlung für sämtliche Plätterinnen, Stärkerinnen, Wäscherinnen und Arbeiterinnen aller Branchen. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags Abgeordneten Fritz Zubeil über: " Die Sozialdemokratie, Religion und Kirche". Richard Alexander. 2. Diskussion. 3. Ergänzungswahl der Sektion. 4. Verschiedenes. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Kolleginnen, Heimarbeiterinnen, es ist Pflicht zu erscheinen. Mitglieder Eine Hochzeitsnacht. werden aufgenommen. Beiträge fönnen entrichtet werden. Sanssouci. Kotthuser 252/12 1.Straße 4a. Direttion Wilhelm Reimer Sonnt., Mont., Donnerst.: Hoffmanns Nordd. Sänger New! New! Studiosus in der Klemme. Die Ortsverwaltung. J. A.: W. Eue, Neue Königstr. 7. Zentralverband der Töpfer Deutschlands Filiale Berlin. ( Neues Soiree Brogramm) Freitag, den 19. Oktober, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshause Somnt.Beg. 5, Wochent. 8 U. Dienstag: Theater- Abend. Reichshallen. Täglich: Stettiner ge Sänger Anfang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. ( Saal 7), Engel- lifer 15: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. d. M., nach3 Uhr, Danzigerstr. 91, aus nach dem ( Bethsemane- Stirchhof, Nordend, statt. 21205 Die trauernde Witive Berta Guhi nebst Kindern. Sozialdemokratischer Wahlverein Bezirk Pankow. Am Freitag, den 12. Dktober, verschied an der Proletarierkrantheit unser Parteigenosse, der Maurer Heinrich Mestchen Kreuzstr. 12. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung fand bereits am Montag, den 15. Oktober, ftatt. Der Vorstand. 137/13 Haut- und Harnleiden. 10-2,5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Haben Sie Stoff? Ich fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Laband, Oranienburger Strasse 4, 1. + Hygienische Bedarfsartikel. Neuest. Katalog m. Empfehl.viel. Aerzte u.Prof. grat. u. H. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. Friedrichstrasse 91/92. Räume passend f. Bureauztede, billig 3. verm. Dragonerstr. 15. 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Entree 50 Pf. 12 Attraktionen 12 17. a.. John Ilket and Miẞ Jenny, Sens. equil. Aft Robert und Bertram die Urkomischen. Die Loreley. Bosse von D. Klein. Erfte ordentliche ouis General- Versammlung Tages Drdnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Abrechnung vom ersten und zweiten Sommerfest. 3. Bierteljahresbericht. 4. Jahresbericht. 5. Neuwahl der laut§ 15 ausgelosten Vorstandsmitglieder, des zweiten Vorsitzenden, des ersten Schriftführers und eines Beisizers. 6. Neuwahl der Revisoren. 7. Neuwahl der Bureau- Angestellten. 8. Neuwahl der Beschwerdekommission. 9. Anträge. 10. Geschäftliches. namod Pflicht sämtlicher Kollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen, Mitgliedsbuch ift vorzuzeigen Familienfarten, zum halben Kaffenpreise gültig, in allen Barbier, und haben Kollegen, die länger als 10 Wochen mit ihren Beiträgen im Rückstande sind, feinen Zutritt. Friseurs u. Bigarrengeschäften gratis. 21146 Der Vorstand. Alexanderstr. 27c: Allgemeine Versammlung Der Schmiede Berlins und Umgegend. Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Cohen über: Industriekonzentration und Gewerkschaftszersplitterung." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Hierzu sind sämtliche Schmiede Berlins und Umgegend eingeladen. 154/15 Die Ortsverwaltung. Fabrik von KLEINE KIDS Beliebteste 21 Pfg. Cigarette Türk. Tabak-& Cigaretten Fabrik ,, Klos" o E. Robert Böhme, Dresden. Hugo Carl Hagenbruchi.Mühlhausen in Thüringen. Müblhäuser Kautabak bon Hugo Carl Hagenbruch, Mühlhausen i. Th. nur echt, wenn die Nöllchen den beigedruckten Bettel enthalten, worauf gefäll. genau zu achten bitten. Vertreter für Berlin und Umgegend: August Kleinert, 19642* Berlin SW., Großbeerenstraße 39. Amt Vla, 10560. Berlin O. 17. Fabrik von Hugo Carl Hagenbruchi.Mühlhausen in Thüringen. N. Theefs. Markgrafendamm 34. Markgrafenfäle. haber: jeden Donnerstag Gr. Streichkonzert. wamten- ränzchen. Säle für Vereine usw., 100-1000 Perf., komf. Kegelbahnen. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Sinaer& Co., Berlin SW. Warenhaus Hermann Tietz Donnerstag, Freitag, Sonnabend Alexanderplatz Soweit der Vorrat reicht Sonder- Verkauf Damen- Wäsche Damenhemden gutes Haustuch m. Languette Nachtjacken Köperbarchend, Säumchen und Bortenbesatz Beinkleider karze oder lange Form mit Stickerei oder Languetten- Volant Damenhemden mit Stickerei garniert Nachtjacken feiner Elsässer Köper- Barchend mit Stickerei Jabot Beinkleider guter Köperbarchend mit Stickerel- Volant Anstandsröcke Köperbarchend mit Stickerel- Volant durchweg 190 Perlköper Damen- Handschuhe unfarbig 22 Pf reine Wolle Patent Schaft Fuss ohne Naht 50P Kleiderstoffe Seidenstoffe Gemusterte Stoffe für Blusen u. Kinderkleider Mtr. 45 55 Pf. Dessins Baumwolln. bedruckt. Sammetflanell Mtr. 45 55 Pf. Reinwolln. Blusenstoffe in aparten Kostümstoffe in engl. Geschmack Kostümstoffe schwere Qualität für fussfreie Röcke Kostümstoffe wetterfest, 130 cm breit Halbseidene Serge Pf. 150 Damen- Handschuhe reine Wolle Ringwood 38 Pf. durchweg Damen- Strümpfe 85 PL. 225 Herren- Socken englisch Merino Hemden, Hosen, Jacken Stack 95 P Pf. mit und ohne Träger 90 Pf. Vigogne und Baumwolle 23 PL. 125 Damenhemden nähten und Stickerei garniert ans feinstem Renforcé, reich mit HohlEin Posten Elegante Damenhüte 8 bis 1200 reich garniert, moderne Ausführung Echte Straussfeder- Köpfe 55 Pt. Mtr. 95 PL. Mtr. 145 95 Pf. Wert bis 2,50 Mtr. 165 195 Wert bis 8,25 Mtr. für Jackenfutter in allen Farben Reinseidene Blusenschotten blaugrün Ein Posten Mtr. 95 Pf. Mtr. 185 145 f. engl. Hemdblusen Mtr. Pf. in aparten, hellen Gestreifte Blusenflanelle Reinwollene Blusenstoffe Dessins Halbseidene Futterstoffe 65 PL 95 Pf Mtr. 85 Pf. Mtr. 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Hausmacher- Tischtücher 180X182 225 130X160 275 180X225 375 Reinleinene Servietten gesäumt Ein Posten neueste Dessins Reinlein. Damast- Tischtücher hervorrag. Qual. 175 Dtzd. 560 hervorrag. Qual. Dtzd, 390 Echte Straussfeder- Amazonen 100 Marabu- Reiher imitiert Damen- Stehumlege- Kragen 115 gestickt, Madeira- Muster 35 Pf. 45 PL. 60 Pf. Chevreaux Damen- u. Herren- Stiefel 1025 Plüschpantoffel u. Boxcalf für Damen u. Herren Pommersches Fabrikat Damen- Schlüpfer 75 Pt. Melton, mit Filzund Ledersohle 160 Empire- Corset und Pariser Gürtel 95 Pf. Velour- Umschlagetücher Gemust. Sammetcoupons 4 Meter zur Bluse ausreich. 195 080 Reins. Blusencoupons 4 Mtr. Mtr. 580 Wert bis 12 M. Barchend- Blusen Woll- Blusen Japon- Blusen weiss und farbig Kostüm- Röcke fussfrei, englischer Geschmack Velour- Unterröcke reine Wolle, Wert bis 6,50 Elegante Abendmäntel mit angewebtem Futter SealKanin KidPelz- Stola 525 Astrach. glatten 145 375 295 275 325 245 1550 1175 Nerz- 800 975 murmel Mädchenkleider ingen u. karierten 110 175 285 275 Ein Posten Stoffen, 45-65 cm lang Velour- Unterröcke reine Wolle Wert bis 6,50 245 Handarbeiten vorgezeichnet, mit reicher Durchbruch- Arbeit Tischläufer ca. 35X150 Milieux ca. 60X60 Stuben- Paradehandtuch ca. 55 × 120 Regenschirme Damen- Schirm mit farbiger Bordüre durchweg 95PL 3.90 Damen- Schirm Halbseide m. farbiger Chinébordüre u. Futteral 675 Damen- u. Herrenschirm halbseiden Surah mit reinseidenem Futteral Kinderhüte mit Bandgarnitur Matrosenhüte für Mädchen und Knaben Kinder- Käppchen Engl. garn. Damenhüte Chike Formen 3.90 250 350 450 95 Pf. 125 160 210 275 375 Kleider-, Baumwollstoff-, Band-, Spitzen- u. Stickerei-, Die angesammelten Reste und Coupons kommen bedeutend unter Preis zum Verkauf Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. it. 248. 23. 2. Stilnp 1» Jotroiitts" Kerlim Uolteliliitt. Donnerstag, 18. Oktober 1906. Die Berliner Parteigenossen und der Mannheimer Parteitag. In 6 überfüllten Versammlungen nahmen gestern auch die Berliner Parteigenossen zum Mannheimer Parteitag Stellung. Die einzelnen Diskussionsredner äußerten sich zu- meist befriedigend über denselben: nur von lokalistischer Seite machte man eine Reihe von Einwendungen, welche aber nicht vermochten, die Meinung der Masse zu beeinflussen. Im dritten Wahlkreise gab u. a. auch Genosse Dr. Friedeberg eine programmatische Darlegung seiner Stellung zur Partei. Alle Diskussionsredner zeigten, daß die Berliner Partei- genossen durchaus nicht in dem Maße, wie man vielfach glauben zu machen versucht, an der„anarcho-sozialistisch-radikalistischen Schieberkolonne" Gefallen finden und daß auch sie die Zen- tralorganisation für die einzig richtige Form der gewerk- schaftlichen Organisation betrachten. Die Gesamtarbeit des Parteitages fand fast allgemeinen Beifall. Das Nähere zeigen die nachfolgenden Berichte: Erster Wahlkreis. Der Wahlverein des ersten Kreises hielt seine Versammlung in Dräsels Festsälen ab. Der Bericht über die Brandenburger Konferenz wurde zuerst entgegengenommen. Berichterstatter war Genosse Lucht, der ein Bild von den Verhandlungen der Konferenz entwarf. An Agitation sei im letzten Jahre sehr viel geleistet tvorden, wenn man auch im allgemeinen noch unbefriedigt damit sein müsse. Die Ausgaben für die Agitation hätten sich verdoppelt, aber man erwartet gute Früchte davon. Den Gewerkschaften konnte man manchen Vorwurf nicht ersparen, weil sie den Parteibeftrebungen nicht immer das gebührende Interesse entgegenbrachten. Deshalb beschloß die Konferenz, daß an die gewerkschaftlichen Gauleiter das Ersuchen gerichtet werden sollte, ihre Mitglieder immer wieder auf die Notwendigkeit der politischen Organisationen aufmerksam zu machen. Viel Schwierigkeit für die Agitation in der Provinz be- reitet die Lokalfraae, verbunden mit allerlei Polizeischikanen. Die Konferenz befchästigte sich eingehend damit und zollte der Opferwilligkeit der Genossen an manchen Orten, die gemeinsam tatkräftig eingreifen, um sich Lokale zu schaffen. ihre Anerkennung. Als sehr wichtiger Punkt der Tagesordnung muß die Organisationsfrage für die Provinz Brandenburg angesehen werden. Mancher Vorschlag wurde erörtert, nm einen festen Zn- sammenschluß zu ermöglichen, und man entschloß sich dafür, eine einheitliche Organisation mit Berlin zu bilden.— In eine Beratung über die kommenden Reichstagswahlen konnte wegen Zeitmangels nicht mehr eingetreten tverden. Mit den Ergebnissen der Konferenz dürfe man zufrieden sein und eine neue Stärkung der Agitation für unsere Sache davon erwarten. Eine Diskussion wurde nicht beliebt und Genosse O p p e l erhielt das Wort zum Bericht über den Parteitag. Er knüpft an die Klagen des Genossen Lucht über den Lokalmangel an und erzählt, wie der Rosengarten in Mannheim für den Parteitag mit seinen 404 Teilnehmern und Tausenden von Besuchern fast unentbehrlich gewesen wäre und daß man von Glück sagen könnte, ihn noch in letzter Stunde erhalten zu haben. Ueberhaupt wollte der Referent einen angenehmen Eindruck von dem Verhalten der Behörden in Süddeutschland gegen- über der preußischen Schneidigkeit empfangen haben, was sich auch in Heidelberg gezeigt habe, wo der Stadtsoal zu einem Kommers zur Verfügung gestellt wurde. Ob man wohl in Berlin de» Bürger- saal bekommen würde?— Feierlich war der Begrüßungsabend, an dem Dreesbach und Bebel die Hauptredner waren. Von den fremden Vertretern wurde besonders den Genossen aus Rußland ein herzlicher Enipfang zuteil. Genosse Oppel erzählte von der Be- geisterung für die russischen Revolutionäre, die sich dabei kundgab. Mit großem Ernst und Eifer ging der Parteitag dann an die Arbeit. Die Tagesordnung stand fest, und von den acht Anträgen, die noch dazu einliefen, wurden alle abgelehut bis auf Legiens Korreferat zum Massenstreik. Pfannkuch und Gerisch berichteten über die Tätigkeit des Parteivorstandes. Redner bemerkt dazu, daß Pfannkuch mit Recht hervorhob, daß sich alle Organisationen mit der Publikation des Protokolls der Vorständekonfcrenz von Partei und Gewerkschaften einverstanden erklärt hätten und daß eine bittere Not- wendigkeit für die Veröffentlichung bestanden habe. Es zeigte sich, daß auch der Parteitag damit einverstanden war. Zustimmung fand. was Pfannkuch über die„Hochschule" der Partei und die notwendige Vertiefung der Bildung der Genossen vorbrachte. Unbefriedigt war man mit der Parteikorrespondenz, die als verbesserungsbedürftig bezeichnet wurde. Man erwartet Stutzen von dem Nachschlagebuch und Leitfaden fiir Agitatoren, mit dessen Ausarbeitung Dr. David beaustragt worden ist. ebenso von dem Werk über die Tätigkeit unserer Genossen im Reichstag, von Katzenstein bearbeitet. Oppel machte auf den Bericht von Gerisch aufmerksam, nach welchem Berlin in der Orgaiusation beschämend weit zurückstände, während es für die Parteikasse ein Musterbeispiel gibt, denn es liefert siebenmal so viel Beiträge ab als rechnungsmäßig notwendig wären. Redner möchte nicht unterlassen, dabei auf die sehr sparsainen und zu genau oder ungenau rechnenden Bayern hinzuweisen, die sich auch von Gerisch eine Rüge wegen ihrer„Sparsamkeit" gefallen lassen müßten. In Hamburg steht die politische Organisation am besten, aber dort ist die polizeiliche Kontrolle nicht so erschivercnd, ganz im Gegensatz zu Mecklenburg, wo der polizeilichen Scherereien wegen noch unter dem alten Vertrauensmännersystem vielfach gearbeitet werden muß. Oppel weist darauf hin, wie notwendig die Anstellung tüchtiger Parteibeamten ist. Die Gewerkschaften bewiesen eS uns. Während die politische Organisasion eiwa 400 000 Mitglieder umfaßt, ist die aewerkschastliche fünfmal so stark und dazu hätten die Gewerkschafts- beamten zum größten Teil beigetragen. Die Ausgaben für Partei- fekretäre seien gut angelegte Gelder. Man dürfe bei einem Verbände über eine gewiffe Grenze hinaus nicht mehr mit dem Idealismus allein rechnen; da sei planmäßige, systematische schwere Arbeit not- wendig und der Mann, der sich ganz dieser Arbeit widme, verdiene sein Geld. Sehr wichtig sei die Presse und mit Befriedigung könne konstatiert werden, welchen großen Aufschwung sie genommen. Bei einer Gesamtzahl von beinahe 840 000 Abonnenten für die Partei- presse sei die Forderung, daß diese Zahl bis zu den Reichstags- Wahlen auf eine Million und die Zahl der politisch Organi- sicrten auf eine halbe Million sich steigern sollte, keine unbescheidene zu nennen.— Aus dem Bericht der Kontroll- kommission griff Oppel zwei Fälle heraus, den Fall Markwald und die Beschwerde des Allgemeinen Deutschen MetallarbeiterverbandeS über den„Vorwärts". Redner erklärte die) Abweisung der Beschwerdeführer als gerechtfertigt und erwähnte, lvie in der Diskussion über diese Beschlüsse viel Klagen über das Treiben der lokalorganisierten Gewerkschaften in Rheinland und Westfalen laut wurden. Noch viele Wünsche und Beschwerden lvurdcn vor die Kommission gebracht. Genosse Thiele-Halle nahm als Vor- sitzender des Vereins Arbeiterpresse die Gelegenheit beim Schöpfe, um über die„Vorwärts"-Arsikel gegen Stampfer vom Leder zu ziehen. Oppel erklärt, daß er es dem„Vorwärts" nicht übelnehmen könnte, daß er scharf gegen Stampfer vorging. Man hätte vielleicht sachlicher debattieren können, aber gewöhnlich schallt es aus dem Walde heraus, wie es hinein schallt. Als sehr erfreulich sei zu ver- zeichnen, daß vom Parteitage keine Angriffe gegen den„Vorwärts" ivcgen seiner Haltung im großen und ganzen gerichtet wurden, wie es bei früheren Gelegenheiten geschah. In dem Bericht über die Tätigkeit der ReichStagsstaktion kam der Fehler zur Sprache, der da-! mit begangen wurd- daß die Genossen bei der Interpellation über das ,Borussia"-llnglück nicht vollzählig anwesend waren.! ES wurde geltend gemacht, daß unglückliche Zufälle dabei im Spiele waren. In der Angelegenheit eines Entwurfs zur Aenderung des Hülfskassengesetzes wiesen Stadthagen und andere darauf hin. daß die ablehnende Haltung der Fraktion solchen Aenderungen gegenüber zweifellos feststände. Oppel ging dann noch aus den internationalen Kongreß 1907 in Stuttgart sowie auf die Maifeier ein, zu welcher eine Resolution im Einklang mit der in Jena angenommen wurde, und damit schloß er seinen Vortrag. Das Wort erhielt Genosse Diesel er, um über die Massen- streikdebatte zu berichten. Was da laut und vernehmbar zur Freude aller hindurchklang, war der lebhafte Wunsch nach Einigkeit und guten Beziehungen zwischen Partei und Gewerkschaft, so erklärte Dieseler, und er ist der Ueberzeugung, daß die Debatte beigetragen habe zur Klärung vieler Mißverständnisse, die das Wort vom Massenstreik hervorgerufen. Er gab dann eine Skizze von den ge- haltenen Reden und verlas die Resolusion über den Massenstreik, in welcher die Gedanken der ganzen Diskussion niedergelegt seien. Der Redner meinte, daß der Skandal, den die„Einigkeit" hervorgerufen, doch zum Vorteil der Partei umgeschlagen sei. Er besprach des näheren den Antrag Elm, der die gewerkschaftliche Organisation vereinfachen wollte, aber in seiner Schroffheit unannehmbar war. Besonders die Genossen von Berlin drangen darauf, daß die Frage, alle Parteigenossen auf die zentralistische gewerkschaftliche Organi- sation zu verpflichten, auf diesem Parteitage nicht erledigt iverden sollte. Bemerkt müsse noch werden, daß über die oft zerstörend wirkende Tätigkeit der Lokalorganisierten viel Klagen laut wurden. Genosse« t r e h l nahm dann das Wort und erstattete Bericht über die Punkte„Volkserziehung" und„Strafrecht". Von einer gründlichen Diskussion dieser wichtigen Fragen mußte Abstand ge- nommen werden, weil die Zeit dazu nicht mehr ausreichte, aber die Bedeutung derselben wurde nicht verkannt. Gerade in neuester Zeit Iverden ja mancherlei Anstrengungen gemacht, die theoretische Ausbildung unserer Agitatoren zu fördern, um sie zu befähigen, in geeigneter Weise auf breite Massen zu wirken. Von den herrschenden Klassen wurden die Massen bisher hauptsächlich für die„Seligkeit" erzogen und was ihnen an Wissen beigebracht wurde, das brauchten sie not- wendig, un, dem Kapitalismus besser dienstbar zu sein. Die Ein- richtung besserer Schulen wurde gefordert. Redner ging auf das Referat der Genossin Zetkin ein und berührte dann die Tagung der Jugendorganisation. Er besprach das Referat von Haase über das Strafrecht und einige Schlußanträge. Mit großer Vegisterung sei die Resolusion aufgenommen worden, durch die der Parteitag den russischen Revolutionären seine Sympathie ausdrückte. In der Diskussion bemängelte Genosse Dr. Broh, daß die Genossen sich leicht von Stimmungen beeinflussen lassen, wie das auch aus Oppels Bericht zu erkennen sei. In solchen Stimmungen wird alles kritiklos hingenommen, was den schärfsten Widerspruch herausfordern sollte. Der Parteitag habe auf die Teilnehmer gewiß einen großen Eindruck gemacht, aber der nüchterne Beobachter kann leicht erkennen, daß es sich in Mannheim um ein Vertuschen von Streitigleiten handelte, aus dem Bestreben heraus, Frieden zu stiften. Solche Streitigkeiten seien oft gefährlicher Art, wir sehen die Gegner in hellen Jubel ausbrechen darüber. Die Partei ist stark, aber man solle ihr nicht zu viel zumuten, sie kann nicht alles vertragen. Broh stellte sich aus Stampfers Seite, indem er meinte, der„Vorwärts" habe ihn unwürdig behandelt. Gegen einen Parteigenossen, dessen Dienste die Partei in Anspruch genommen habe und den sie als Genossen noch anerkennt, dürften solche Worte nicht fallen, wie der „Vorwärts" sie gebraucht habe. Das Recht der Kritik und der freien Meinungsäußerung dürfe nicht geschmälert werden. Genosse Lucht erklärt, daß das Verbrechen der„Einigkeit" nicht so groß wäre, wie es gewöhnlich hingestellt werde; die hervor- gerufene Diskussion sei jedenfalls sehr fruchtbar gewesen. Der Generalkommission könne er den Vorwurf nicht ersparen, daß sie mit ihren Ansichten so lange hinter dem Berge gehalten. Von dem Antrage Elm will er gar nichts wissen pnd begrüßt mit Freuden, daß die Berliner Delegierten dem Antrage scharfe Opposition machten. Nach einigen Bemerkungen anderer Genossen über dieselbe An- gelegenheit nahm Genosse Oppel noch einmal das Wort und erklärte, daß man sich nicht verhehlen dürft, daß die Frage der zentralistischen Organisation für alle Parteigenossen bald eine brennende sein wiirde. Man könne sagen, es seien keine ernsten, sachlichen Gründe mehr vorhanden, daß noch länger der Zwiespalt bestehen soll. Je länger der Gegensatz aufrechterhalten werde, desto mehr Unheil ergebe sich daraus. Gegen Broh wandte sich Oppel dann und wies die gemachten Vorwürfe zurück, auch er und jeder andere Genosse wünscht die freie Kritik. Ueber Stampfer möge man noch so günstig urteilen, in dem Streit mit dem„Vor- wärts" habe er unrecht gehandelt und mit der Absicht, der jetzigen Redaktion zu schaden: da könne man es verstehen, wenn die Redaktion nicht fein mit Stampfer umging. Nachden, noch einige Redner in kurzen Worten ihre Ansichten in Uebereinfsimmung mit den Berichterstattern kund gegeben hatten. erklärte sich die Versammlung durch eine Resolusion mit den Be- schläsien des Parteitages von Mannheim einverstanden. Zweiter Wahlkreis. Die Genossen des Zweiten Berliner Reichstagswahlkreises tagten im großen Saal des Hofjägcrpalastes, der gut besetzt war. In die Berichterstattung vom Parteitag teilten sich die drei Delegierten. Genosse Meyer hat aus dem Bericht des Parteivorstandes mit Befriedigung entnommen, daß auf allen Gebieten des Partei- lebens Fortschritte zu verzeichnen seien. Er wendet sich gegen die Magdeburger„Volksstimme", deren Randbemerkungen über den auf dem Parteitage anerkannten Opfermut der Berliner er zurück- weist. Wenn festgestellt sei, daß einer Abonnentcnzahl von 835 000 in der deutschen Parteipresse nur 400 000 organisierte Genossen in Deutschland gegenüberständen, so müßten wir daraus entnehme», daß auf dem Gebiete der Organisation noch viel zu tun sei. Bei einigermaßem richtigen Verhältnis müßte die deutsche Organisation um die Hälfte stärker sein. Bedauerlich wäre, daß Berlin in der Organisation hinter dem prozentualen Reichs- durchschnitt noch zurück sei. Bez. Erörterung der Beschwerden über die Leistungen des Parteivorstandcs wendet sich Redner gegen die Auffassung, daß die Parteivorstandsmitglicder nicht durch kom- munale und staatliche Ehrenämter belastet sein dürften. Er halte es sogar für wünschenswert, daß einige Mitglieder des Parteivorstandcs Reichstagsabgcordnete, Stadtverordnete usw. seien. Gerade diese Mitwirkung im öffentlichen Leben könne frucht- bringend sein für ihre Tätigkeit als Parteibcamte. Redner be- rührt kurz die Tatsache, daß der.,Vorwärts"-KonfIikt nicht auf- gerollt wurde, und das Zwischenspiel Braun-Stampfer kontra„Vor- wärts". Man habe, auf dem Parteitag namentlich, den Eindruck gewinnen müssen, als sollte etwas a la Dresden unternommen werden. Einen schärferen Vorwurf, wie Stampfer ihn dem„Vor- wärts" machte, und damit mittelbar auch den Berliner Genossen, gebe es gar nicht. Die Art und Weise, wie Braun, der Heraus- geber der„Neuen Gesellschaft", vom Parteitage diesmal abgetan sei, werde ihm das Wiederkommen verleiden. Es habe Redner in der Seele weh getan, den Genossen Kurt Eisner in Mannheim in jener Gesellschaft zu sehen.— Anknüpfend an diese Ausführungen sagte Redner im allgemeinen seine Meinung über Polemiken in der Arbeiterpresse. Er spricht von der„Anmaßung eines Teiles unserer Journalisten und auch einzelner Gewerkschaftsführer", die ihren persönlichen Ehrgeiz höher stellten wie Parteiintcrcsscn. Die Arbeiter sollten es sich nicht gefallen lassen, daß Journalisten wegen nichts und wieder nichts tage- und wochenlang die Spalten füllten, als wäre die Presse nur da. ihrem persönlichen Ehrgeiz zu dienen. Zum Schluß komme es dann so: man sage sich große Grobheiten, und einer habe den anderen immer nicht verstanden usw. Die Arbeiterschaft sollte aufstehen und sagen, für derartige Zwecke sei unsere Parteipresse nicht da.— Das wichtigste sei die Frage des Massenstreiks beziehungsweise die nach dem Pcrhältnis von Partei und Gewerkschaften gewesen. Es stehe fest, daß der Parteivorstand zur Zeit seines Einvernehmens mit der Generalkommission und der preußischen Wahlrcchtsbewegung so gehandelt habe, wie es in Jena beschlossen sei, und nicht im Gegensatz dazu. Und wer das Protokoll durchlese, finde auch, daß Bebels Referat in Mannheim dem in Jena gar nicht widerspreche. Rur ein Unterschied sei: im Temperament und in der Nuance. Was nun die Beschlußfassung sResolution Bebcl-Legien) angehe, so finde man bei aufmerksamem Durchlesen der Kölner Resolution tatsächlich, daß der Gewerkschafts- longretz den Massenstreik nicht unbedingt abgelehnt habe. Es sei vielmehr festgelegt, daß sich die Daktik nach den jeweiligen Ver- Hältnissen richten müsse und daß man deshalb jeden Versuch ver- werfe, eine bestimmte Taktik in Form des Generalstreiks festlegen zu wollen. Dazu käme die Motivierung Bömelburgs, daß die Re- solution offen lasse, ob man im gegebenen Falle vom Massenstreik Gebrauch machen wolle oder nicht. Danach schwinde der Gegensatz zwischen der Kölner und Jenaer Resolution. Ueber den Massen- streik sei viel zu viel geschrieben worden, im„Vorwärts" und auch in anderen Arbeiterblättern. Das traurigste aber sei, daß man sich gegenseitig heruntergerissen habe. Man habe sich gegenseitig für dumm erklärt, ja, sei soweit gegangen, sich gegenseitig die Achtung zu versagen. Da höre doch alle Waffenbrüderschaft auf, wenn sich die Leute in unserer Presse, die ein gutes Beispiel geben sollten, so behandelten. Sic hätten auch wirklich besseres zu tun, denn unsere Gegner würden immer üppiger. Er glaube er habe im Interesse der Partei und wohl auch im Sinne der Genossen des Kreises gestimmt, indem er für die Resolution Bebcl-Legien votierte. Der Friede zwischen Partei und Gewerkschaft, deren Gegensätze übrigens aufgebauscht worden seien, wäre fest- gestellt. Aus allen Ausführungen habe es geklungen, Partei und Gewerkschaften seien eins. Und wo auch ein Genosse seine Dienste besonders zur Verfügung stelle, in der Partei, der Gewerkschaft, der Krankenkasse usw., es müsse anerkannt werden. Dann sollten aber auch die Gewerkschaftsführer unterlassen, von„uns Gewerk- schaftern" zu sprechen. Schließlich wendet sich Redner gegen die Lokalorganisation und gegen gewerkschaftliche Absplitterungcn, wie die der Rohrleger, die sich selbst durch die den Beteiligten zugefügtes Unrecht nicht rechtfertigen ließen. Ueber kurz oder lang müsse die Parteigenossenschaft dazu Stellung nehmen, nachdem längst nicht mehr, wie ehemals, von einer historischen Berechtigung ge- sprachen werden könne. So gehe es nicht weiter. Soweit die Mit- glieder der Lokalorganisationen Parteigenossen seien, möchte er ihnen raten, dem Zcntralverbande des Berufes beizutreten. Das erste, was gegen die Zersplitterung geschehen müsse, sei die„Vor- wärts"-Sperre für die Lokalorganisierten. Auch mit der Stellung- nähme des Parteitages zur Maifeier könne man zufrieden sein. Genosse Schneider als zweiter Berichterstatter skizzierte kurz die Verhandlungen des Parteitags zum Bericht der parla- mcntarischcn Fraktion, zum internationalen Kongreß, zur Frage der Volkserziehung und der betreffend Strafrecht, Strafvollzug und Strafprozeß. Der Antrag Singer, betreffend die Delegation zum internationalen� Kongreß, sei eine glückliche praktische Lösung; er hoffe, daß sichHrich die Gewerkschaften damit abfinden würden. Die Behandlung der' Volkserziehung und auch die vom Straf- recht usw. sei großzügig gewesen und habe wertvolle Anregungen gebracht. Erfreulich sei auch unsere frisch erwachte Jugend- bewegung. Wie in Süddeutschland, müßten wir uns auch in Norddeutschland trotz aller Schwierigkeiten nach der Richtung kräftig betätigen und Wege finden, uns der heranwachsenden Jugend an- zunehmen. Wir trieben sie sonst den Gegnern in die Arme, wolle doch zum Beispiel der Graf Zedlitz in seinem Sinne eine Brücke schaffen zwischen Schule und Militär. Genosse H e n s e l, der dritte Delegierte, behandelte in seinem Referat die verschiedensten Anträge und die Stellungnahme des Parteitags dazu. Sein Schluhurteil über den Mannheimer Partei- tag geht dahin, daß er sich zur Seite stellen könne den hervor- ragendsten Tagungen, die die Partei gehabt. Genosse Steinborn nahm als erster Diskussionsredner das Wort. Er empfindet es als ein schimpfliches Urteil, daß die bürgerliche Presse nach Mannheim habe sagen können, die Sozial- demokratie fange an, vernünftiger zu werden. Die Differenzen zwischen Partei und Gewerkschaft seien nur solche zwischen Gewerk- schafts- und Parteiführern gewesen. Die Gewerkschaftsmitglieder dächten ganz anders. Zum Fall Stampfer-„Vorwärts" bemerkt Redner, daß der„Vorwärts" in seiner Abwehr das haarsträubendste geleistet habe, was auf dem Gebiete der Beschimpfungen, selbst politischen Gegnern gegenüber, geleistet werden könne. Gewiß: Heinrich Brauns„Neue Gesellschaft" scheine dahin zu tendieren, den Gegnern Stoff gegen die Sozialdemokratie zu liefern. Und möge zudem der„Vorwärts" sachlich noch so sehr im Rechte ge- Wesen sein, möge Stampfer die Ahsicht gehabt haben, ihn persönlich zu verunglimpfen, möge er dabei gefälscht haben: auf keinen Fall habe der„Vorwärts" zu solchen Mitteln der Beschimpfung greifen dürfen. Wenn jemand wissentlich fälsche, um den„Vorwärts" eins anzuhängen, dann gebe es andere Mittel gegen ihn. Der Ausdruck „dunkler Ehrenmann" gegenüber einem Genossen sei einfach un- erhört. Auch die A r t der Polemik des„Vorwärts" gegen das „Volksblatt" in Bochum, gegen das Mannheimer Parteiblatt u. a. sei ähnlich verwerflich gewesen. Nun habe Genosse Wels den „Vorwärts" verteidigt und gesagt, wir seien eine Partei des Kampfes, die sich zusammensetze aus den Tiefen des Volkes, und das Organ einer solchen Partei müsse so geschrieben sein, daß es das Volk verstehe. Hier hätten wir es also schwarz auf weiß, daß der„Vorwärts" so wenig wählerisch in seinen Ausdrücken sei, weil es dem Geiste der„Vorwärts"leser entspreche. Denn das habe Wels damit gesagt. Darin liege aber die Beschimpfung der Partei- genossen, daß sie eines verfeinerten Gefühls unfähig seien. Das müsse zurückgewiesen werden.(Redner bringt eine lange Re- solution ein, die sich im Sinne dieser Ausführungen gegen d i e„St eue Gesell schaft" und Stampfer wendet und den„Vorwärts" wegen der Art der Abwehr, sowie den Genossen Wels tadelt.) Weiter kritisiert Redner die Stellungnahme des Parteitags zum Massenstreik. Das Referat Bebels in Mannheim findet er erheblich verschieden von dem in Jena, die Resolution Bebel-Legien erscheint ihm geschraubt. Nach seinen Ausführungen ist Redner nicht zufrieden mit der Stellung- »ahme des Parteitags zum Massenstreik insofern, als sie ihn nicht weit genug zu gehen scheint. Auch die Maifeierfrage ist nicht nach seinem Wunsche geregelt. Er wäre für die Teltow-Bceskower Re- folution gewesen, wonach aus der Partei ausgeschlossen werden sollte, wer trotz Gewerkschaftsbeschluffes, am 1. Mai die Arbeit ruhen zu lassen, doch arbeitet. Vom Standpunkte der großen Masse aus habe man keinen Anlaß zufrieden zu sein. Genosse T u j u n t k e(lokalorganisierter Maurer) kann nicht in das Lob des Parteitages einstimmen, wie es vielfach gesungen werde. Er sehe in dem Beschluß zum Massenstreik und in der ganzen Stellungnahme eine Konzession an den Revisionismus. Bebel habe es diesmal an seinem Einfluß, die Revisionisten zurück- zudrängcn, fehlen lassen. Komisch berühre es ihn, wenn von Ge- nosscn gesagt werde, die Beschlüsse von Köln und Jena seien eigent- lich dasselbe. In Köln sei doch der Geist dahin gegangen, die deutsche Gewerkschaftsbewegung in englische Bahnen zu lenken. — Die Lokalistcn würden als eine Schieberkolonne, als Nörgler und dergleichen hingestellt. Das treffe gar nicht zu. Er als lokal» organisierter Maurer wüßte nicht, daß er sich irgendwie mal gegen die Prinzipien der Partei vergangen hätte. Er sei nur kein Leise» treter; so komme es, daß er auf dieser Seite stehe. Redner ver- Weist auf den großen Bcrgarbcitcrstreik, verurteilt, daß man ans Dreiklassenparlament sich wandte, anstatt es gehen zu lassen wie es ging, unter Wahrung des Rechts der Notwehr, und meint, auch in Rußland sei man nicht weiter gekommen, als die Priester der Moral aufstanden. Er frage: Wie kommt die Partei dazu, uns Lokalisten ausschließen zu wollen? Es wäre schlimm, wenn die Partei hier vom rechten Standpunkt abwiche. Man solle in die Zentralverbände gehen. Ja, das sei leicht gesagt. Bedingungslos in den Zentralverband zu gehen würde ihm und manchem anderen sein Gefühl nicht erlauben. Bei den Maurern, wo Silberschmidt herrsche, würde man die bisherigen Lokalisten mundtot machen. Passiv leidende Mitglieder ohne jeden Einfluß würden sie sein. Denke man, was alles Wiesenthal vergeblich versucht habe, sein Recht zu bekommen. Nun würden die Anarchosozialisten genannt. Gut: weg mit ihnen! Sie erschienen ihm ebenso schlimm wie die Revisionisten. Aber ehrliche Parteigenossen auszuschließen, das würde sich bitter rächen. Genosse Richard Fischer: Die Resolution Steinborn möge die Versammlung ablehnen. Einmal sei sie nicht recht klar, dann sei es überflüssig, Stampfer hier nochmal totzuschlagen, Ivas der Parteitag schon tat, und was die Zeitschrift„Neue Gesell- schaft" anbelangt, so solle man nicht über etwas aburteilen, was inan nicht kenne. Zweifellos kenne sie kein Dutzend der Versamm- lungsteilnehmer so, daß die Versammlung ein Gesamturteil über die Zeitschrift als solche fällen könnte. Der Vertreter der Lokalisten scheine den Gang der Verhandlungen des Parteitages mißverstanden zu haben, sonst hätte er nicht zu seiner Auffassung in Sachen der Lokalisten kommen können. Tujuntke selber lasse ja die Anarcho- sozialisten fallen. Dann ioerde man auf den meisten Gebieten mit ihm einig sein. Der Uebergang zur Tagesordnung sei gerade von dem Parteitag angenommen ioorden, weil man bei der Frage der Lokalisten in Berlin unterscheiden müsse zwischen Anarchosozialisten und solchen Leuten, die aus anderen Gründen dabei geblieben seien. Wenn T. sage, er müßte sich schämen, nun dem Zentral- verband beizutreten, so sei das eine falsche Scham. Sei er Sozial- demokrat, so müsse er auf dem Standpunkt stehen, daß im Interesse des Kampfes in politischer und gewerkschaftlicher Beziehung der Zentralisationszusammcnschluß absolut notwendig sei. Von Scham könne keine Siede sein beim Anschluß an die Zentralisation. Was sei nicht im Kampfe der„Eisenachcr" und„Lassalleancr" alles ge- redet und getan worden. Der Gegensatz sei ein viel größerer gc- Wesen, und doch sei es zur Einigkeit gekommen, ohne Mundtot- machen, ohne Knebelung! Uebrigens: was müsse stärker sein, der Glaube an die Organisationsform oder der sozialdemokratische Geist? So sei die Frage zu stelle», und da könne für einen S o z ia l d ein o k r a t c n, der noch in der Lokalorganisation ist, kein Zweifel sein, daß er sich anzuschließen habe an die Zcntralisa- tion. Natürlich, von einem Ausschluß aus der Partei könne nicht die Rede sein. Andererseits aber müsse man voraussetzen, daß Parteigenossen ihre Pflicht erkennen und sich fügen werden den Wünschen der großen Masse der Partei. Redner legt im einzelnen dar. daß sachliche Gründe für ein Verbleiben in der Lokalorgani- sation eigentlich nicht mehr gegeben seien, nachdem selbst die Unter- ftützungseinrichtnngen dort eingriffen. Er glaube, im Laufe des Jahres würden sich Mittel und Wege finden, die Anarchosozialisten abzustoßen und die übrigen Lokalorganisierten bei uns zu behalten und sie den Zentralisationen zuzuführen. Redner trat ferner der pessinnstischen Ausfassung entgegen, die Tujuntke von der russischen Revolution und von dein großen Bergarbeiter- kämpfe geäußert hatte. Er wies in längeren Ausführungen nach. daß überhaupt keine Rede sein könne von einer Niederlage der russischen Revolution, daß sie sich durchsetzen werde und müsse, da sich die EntWickelung zum Industriestaat, die Rußland in seinen fortgeschrittensten Bezirken durchmache, nicht mit dem Absolutismus yertrage und daher seinen Niedergang begründe. Gewisse Verände- rangen in der Taktik der Revolutionäre sind nach Auffassung des Redners berechtigt.— Ebenso hält er Tujuntke entgegen, daß der Gang der Bergleute zur Regierung unter den obwaltenden Ver- Hältnissen nicht verfehlt, sondern gut gewesen sei. Ja, wenn alles Sozialdemokraten gewesen wären, die in» Kampfe standen, dann wäre keiner hingegangen. So sei aber Tausenden und Abertausenden, die nichts von einem Klassencharakter der Gesellschaft und Regierung ahnten, Belehrung darüber geworden. Auch hier sei der An- schauungsunterricht der beste.— Auch das Zustandekommen der Resolution Bebel-Legien erörterte Redner und hob dabei hervor, daß man sich vergegenwärtigen müsse, daß die Gewerkschaftler er- klärt hätten:„Zwischen Jena und Köln wollen wir keinen Unter- schied sehn." Nichts einfacher, als daß man darauf sage:„Schön, das akzeptieren wir, der Streit ist beseitigt, wir stehen alle auf dem Boden der Jenaer Resolution." Von einem Zurückweichen Bebels könne auch keine Rede sein. Wenn in Mannheim auf das Organisatorische mehr Betonung gelegt sei, müsse das jedem Vernünftigen gefallen.— Genosse Tujuntke habe noch den Gedanken in die Debatte geworfen, in Mannheim hätte der Revisionismus gesiegt. Wann und wieso denn? Wie waren denn die Verhältnisse? Sahen wir nicht, daß gerade die Leute, die man bisher als Revisionisten bezeichnet hatte, es waren, die den Gedanken vertreten hatten, der Massenstreik müßte schon eher benutzt werden? Mit solchen Schlagworten, wie T. es brauchte, könne man also nicht auskommen. WaS Jena uns als Richtschnur gegeben hat, ist die Linie, auf der wir uns bewegen müßten. Und wenn wir uns sagen Könnten, eS sei soweit, dann: drauf und dran. Nach einer Erklärung Schneiders zu seiner Abstimmung auf dem Parteitag sprach noch Genosse Artur Stadthagen: Die Resolution Steinborn bitte er abzulehnen. Man sei nicht hier, über einen Einzelfall sich auszulassen. Aber die Resolution sei auch materiell verfehlt. Dem Begründer der Resolulion. der sich gegen den Gebrauch der Worte dunkeler Ehrenmann und Fnlschergenie im „Vorwärts" ivende, halte er entgegen den von ihm eingenommenen Standpunkt:„Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist." Uebrigens müsse berücksichtigt werden der Zusamnienhang des Satzes im„Vorwärts" mit der Bemerkung Stampfers:„Morgen werde ihn der„V." einen Schurken und Idioten nennen und über- morgen werde ich dann gewiß(nach dem ,V."> ein Genie und ein Ehren- mann fein." Eigentlich sei der gerügte Satz des„Vorwärts" noch viel zu zahm, wie viele Einsendungen an die Redaktion bestätigten. — Genosse Tujuntke als Lotalist habe hier bedauert, daß der Partei- tag beinahe die Lokalisten ausgeschlossen hätte. Das sei aber gar nicht beabsichtigt gewesen. Es habe auch nicht beabsichtigt sein können zu sagen, weil jemand Lokalist sei, höre er auf. Sozial- demokrat, Mitglied der Sozialdemokratie zu sein. Wenn das beab» sichtigt wäre, dann hätte der Genosse ganz recht mit den Worten: das sei der Sozialdemokratie unwürdig. Der Parteitag habe kein Recht zu sagen, jemand sei kein Sozialdemokrat, weil er der oder jener gewerkschaftlichen Richtung angehöre. Wohl aber sei er berechtigt, wie geschehen, schon in Lübeck, den Anschluß an die Zentralorganisationen als die geeignetsten dringend zu empfehlen. Und er könne nur wiederholen, was er schon einmal gesagt have, daß die Lokalorganisierten, wenn sie Fehler entdeckten in den Zentralisationen, die doppelte Pflicht hätten, einzutreten. Was Elm und manche andere gegen die Lokalorganisiertcn im einzelnen gesagt hätten, teile er allerdings nicht. Aber sie sollten nicht verärgert sein und sich anschließen an die Zentralisation im Interesse der Einheit. im Interesse der Bewegung. Er hoffe ebenfalls, daß die Vertagung der Angelegenheit auf dem Parteitage dazu führen werde, daß eine ganze Anzahl Lokalisten den Zankapfel begraben und in die Zentral- organisationen gingen, um dann als Mitglieder zu versuchen, ihre Ansichten durchzusetzen.— Nach Ausblicken auf die russische Revo- lution, die durchaus nicht am Boden liege, kam Redner noch auf den Beschluß zum Massenstreik zu sprechen, indem er unter anderem als erheblich bezeichnet, daß hineingekommen sei der Passus, daß die Gewerkschaftsbewegung vom Geist des Sozialismus erfüllt werden müsse. Angenommcu wurde eine Resolution, in der sich die Ver- sammlung mit dem Verhalten der Delegierten und mit den Be- schlüsseu des Parteitages einverstanden erklärt, sowie sich zur Durchführung verpflichtet. Die Resolution Steinborn dagegen wurde abgelehnt. Es stimmte scheinbar niemand dafür. Dritter Wahlkreis. Die Versammlung fiir den dritten Wahlkreis fand im großen Saale von Buggenhagen statt, der fast voll besetzt war. In der Berichterstattung vom Parteitag teilten sich die drei Delegierten des Kreises. Genosse Pohl sprach seine Freude darüber aus, daß durch diesen Parteitag die Hoffnungen der Gegner auf Zank und Streit uud auf eine Spaltung der Partei wieder einmal zuschanden ge- macht worden sind. Die Parteigenossen könnten im allgemeinen mit dem Verlauf und den Ergebnissen zufrieden sein. Das Interesse der Oeffentlichkeit an diesem Parteitag sei stärker als je zuvor ge- Wesen, die Zuhörerschaft zahlreicher als bei dem Parieitag von 1892 in Berlin. Der Redner ging dann hauptsächlich auf den Geschäftsbericht des Vorstandes und den Bericht der Kontrollkommission ein. �Er äußerte dazu unter anderem: Es sei gut, daß Genosse Gerisch 'einmal den Kreisen gründlich die Wahrheit sagte, die ihrer sinanziellen Pflicht gegen die Gesamtheit nicht nachkommen; weniger gut sei es, daß Gerisch die Berliner allzu sehr dabei herausgestrichen habe, denn dadurch werde der Stimmung gegen die Berliner Vorschub geleistet. Der Genosse Heinrich Braun habe offenbar die Absicht gehabt, in Mannheim ein zweites Dresden aufzuführen. Im allgemeinen seien die Diskussionen, von einigen Ausnahmen abgesehen, ruhig und sachlich verlaufen. Genosse G e h r m a n n berichtete hauptsächlich über„den poli- tischen Massenstreik" und die mit diesem Punkt verbundenen Dis- kussionen über Partei und Gewerkschaft. In der bürgerlichen Presse sei die Erwartung ausgedrückt worden, daß bei diesem Punkte die Gegensätze zwischen Partei und Gewerkschaften in schärfster Weise hervortreten würden, und auch in Parteikreisen sei man teilweise derselben Ansicht gewesen. Nach Bebels Referat habe sich jedoch gleich eine andere Meinung geltend gemacht, nämlich die, daß die Debatte ziemlich ruhig und sachlich verlaufen werde. Was die Be- sprechung zwischen Parteivorstand und Generalkommission betreffe, so sei vor allem zu beachten, daß sie unverbindlich war. Die Stellung des ParteivorstandcS deckte sich nach Meinung des Genossen Bebel durchaus mit der Jenaer Resolution, und der Partei- vorstand habe recht gehabt mit seiner Ansicht, daß bei der Wahlrechtsbewegnng zu Anfang dieses Jahres der politische Massenstreik nicht in Frage kommen konnte. Man müsse einer solchen Korporation wie dem Parteivorstand eine gewisse Bewegungsfreiheit lassen, ihre Beschlüsse den jeweilig herrschenden Verhältnisse» anzupassen. Der Redner wandte sich schars gegen einen Teil der Ausführungen des Genosse» Legten, die deprimierend ge- wirkt hätten, sowie gegen seine Angriffe auf Bebels Haltung. Der Behauptung. daß die Kölner zu der Jenaer Massenstreikresolution nicht im Widerspruch stehe, hätten die Delegierten des Kreises nicht ohne weiteres zustimmen können; sie seien jedoch nach den Er- klärungen Bömelburgs und der anderen Gewerkschaftsleiter zu anderer Ansicht gekommen und hätten dann im Interesse der Ein- heitlichkeit und Einmütigkeit innerhalb der Arbeiterbewegung sämt- lich für die Resolution gestimmt. Sache der Parteigenossen sei es nun. diese Resolution durchzuführen und im Sinne der Beschlüsse zu loirken, zu agitieren und zu organisieren. Hinsichtlich der Stellung zu den lokalorganisierten Gewerkschaften sei es dem Parteitage nicht möglich gewesen, durchgreifende Beschlüsse zu fassen. Der Antrag Fischers, wonach die Sache dem Parteivorstande überwiesen wurde, sei unter diesen Umständen das beste, was man habe tun können. Damit sei der Appell an die Lokalorganisationen gerichtet, sich den Zenttalverbänden anzuschließen. Die Frage müsse nun im Laufe deS nächsten Jahres diskutiert und bis zum nächsten Parteitage erledigt werden. Bei der Maifeierfrage wäre vielleicht eine mehr eingehende Debatte erwünscht gewesen, aber infolge Zeitmangels habe man darauf verzichten müssen. Uebrigens habe es sich ja auch schon bei der letzten Maifeier gezeigt, daß die Gewerkschaften nicht allein für die Folgen aufkommen müßten. Zum Schluß sprach der Redner über den Punkt„Volkserziehung und Sozialdemokratie", wobei er darauf hinwies, daß hierüber demnächst in einer Wahlvereins- Versammlung deS dritten Kreises ein Vortrag gehalten und diskutiert werden soll. Genosse B ei er berichtete zunächst über den achten Punkt der Tagesordnung des Parteitages: Strafrecht, Strafprozeß und Straf- Vollzug, erwähnte die vortrefflichen Ausführungen des Genossen Haase und verlas die aufgestellten Thesen. Sodann berichtete er über die Erledigung verschiedener Anträge, brach jedoch seine Aus- führungen ab mit Rücksicht aus die vorgeschrittene Zeit und um den Diskussionsrednern die Gelegenheit, sich ausführlich zu äußern, nicht zu verkürzen. Hierauf verlangte Genosse Dr. Friedeberg das Wort, nicht um zu diskutieren, sondern zu einer Erklärung, die durch die Be- schlüsse des Parteitages über den AnarchosozialismuS bedingt sei. Der Redner erklärte, daß er nach wie vor auf dem Boden der von ihm vertretenen und als anarchosozialisttsch bezeichneten Ansichten stehe. Er verwerfe den Parlamentarismus und den politischen Massen- streik, der dazu dienen solle, polittsche Rechte zu sichern. Er sei für Religionslosigkeit, Gesetzlosigkeit. AntiParlamentarismus und Anti- Militarismus und werde eintreten fiir die direkte Aktion und den Generalstreik, der die Klassenherrschaft und den Klasscnstaat be- seifigen solle. Als im dritten Kreise organisierter Genosse habe er sich verpflichtet gefühlt, diese Erklärung hier abzugeben. Genosse W u s ch i ck bemerkte hierzu, wohl alle seien sich darüber einig, daß diese Erklärung sich nicht mit dem Partei- Programm vereinbaren lasse. Man werde selbstverständlich trotz der Erklärung Friedebergs auf dem durch die ParteitagSbesckilüsse an- gewiesenen Wege weiter marschieren. Erfreulich sei es, daß auf dem Parteitage der.Vorivärts"-Konflikt nicht zur Erörterung gekommen sei, und noch besser wäre es gewesen, wenn auch die Auseinander- setzungen mit Braun und Stampfer unterblieben wären. Der Redner wandte sich• dann dagegen, daß Material für den Wiesenthalschen Metallarbeiterverband in der Vorwärts- Druckerei hergestellt wird, wodurch es dieser Organisatton möglich gemacht werde, Bauernfang zu treiben. Die Leistungen der Berliner Genossen für die Partei habe Gerisch übern grünen Klee gelobt; demgegenüber müsse festgestellt werden, daß es mit der politischen Organisation hier nicht so glänzend bestellt sei. Die ganzen Vor- gänge seit Dresden Hütten dazu beigetragen, daß sich die politische Betätigung nicht so entwickelte, wie es wünschenswert gewesen wäre. Er hoffe, daß der Streit nun endgültig beseitigt sei. Zum Massen- streik äußerte der Redner, daß. ivenn Bebel die Rede von Mann- heim schon in Jena gehalten hätte, wohl kaum einer damals gegen die Massenstreikresolution gestimmt haben würde. Nach der Jenaer Rede aber habe man annehmen müssen, daß schon bei nächster, einigermaßen günstiger Gelegenheit von jenem Mittel Gebrauch gemacht werden sollte. Verkehrt sei eS, wenn behauptet werde, daß die Beschlüsse von Mannheim eine Wendung nach rechts oder links bedeuteten. Es konime nun vor allem darauf an, einnfiitig inner- halb der Bewegung zu wirken, zum Gedeihe» der Partei und der Gewerkschaften, zum Schaden der Gegner. Genosse Cohen drückte, obwohl er sich als schärffter Gegner der Ansichten Friedebergs bekannte, seine Freude über dessen unzwei- deutige Erklärung auS, die allerdings in unvereinbare,» Widerspruch zum Parteiprogramm stünde. Er, Redner, sei kein Freund von Ans- tchlüssen, wenn man aber hierzu schweige, gäbe man den Lokal- organisierten m,d Anarchosozialisten eine Waffe in die Hand, gegen die nichts auszurichten sei. Die Frage zu entscheiden: Gehören die Slnarchoiozialisten zur Partei oder nicht?— das sei nun mcht mehr zu umgehen. Der Redner führte ferner, teils in Erwiderung auf Gehrmanns Rede, auS, daß dieser die Stellung Legiens zum Massen- streik verkannt habe. Legien sei kein grundsätzlicher Gegner des Massenstreiks, sei eS auch nie gewesen, und Bömelburg sei lest Köln kein anderer geworden, denn schon in Sfilttgart 1902 habe er er- klärt:„Partei und. Gewerkschaften sind eins". Ueber die Beschlüsse zur Massenstreikfrage, die in Köln und in Jena gefaßt wurden, habe allgemeines Mißverständnis geherrscht. Der Kölner Beschluß besage, daß man, wie im gewerkschaftlichen Kampfe. so auch im politischen, dem Gegner nicht die Mittel ver- raten dürfe, die man unter ganz besfimmten Umständen anzuwenden gedenke. Bebel habe sich in Mannheim und Jena durchaus nicht in Widerspruch gesetzt. Nur die Diskussion, wie sie in Jena geführt wurde, habe diese Auffassung verursacht. Er, Redner, freue sich, daß nun eine Grundlage für ein einmütiges Wirken in Partei und Gewerkschaften geschaffen sei. Die strikte Durchführung der Maifeier müsse man als einen eintägigen Massen- streik ansehen; sie könne eben auch nur gelingen, wenn die für den Massenstreik vorausgesetzten Bedingungen einer guten Organisation erfüllt seien. Zum Schluß richtete der Redner an den Genossen Friedeberg die Bitte, einmal eine Zeitlang die Gewerkschafts- bewegung in den Zentralverbänden praktisch zu studieren, dann werde Friedeberg über verschiedene Dinge zu anderer Auffassung kommen. Genosse M a a ß erklärt es für unangebracht, jetzt auf die Er- klärung Friedebergs einzugehen; die Sache müsse erledigt werden, sobald sie aus der Tagesordnung stehe. Cohens und Wuschicks Aus- führungen zum Parteitagsbericht hätten nicht der friedlichen Tendenz, die in Mannheim herrschte, entsprochen, sondern mehr wie eine Kritik des Jenaer Patteitages geklungen. Der Beschluß über die Lokal- Organisationen sei ein guter. und kluger. Es sei nicht daran zu zweifeln, daß die Masse der Lo'kalorganisierten, die sich als Partei- genossen fühlten, sich danach richten würden. Nicht durch Gewalt, sondern durch Vernunftgründe müßte man sie für die Zentralverbände zu gewinnen trachten. Wenn Wuschick die Auseinandersetzungen mit Braun und Stampfer vermieden wissen wollte, so hätte er sich schon vorher an sie wenden müssen. So aber sei die kurze Belehrung, die ihnen zuteil geworden, ganz angebracht gewesen. Der Redner ersuchte schließlich die Parteigenossen, die friedliche Tendenz des letzten Parteitages keinen Augenblick aus den Augen zu lassen und in diesem Sinne zu wirken. Genosse H e i l m a n n begrüßte die Deutlichkeit und Offenheit der Erklärung Friedebergs, wünschte aber, daß dieser noch einen Schritt weiter gegangen und zugleich ausgesprochen hätte, daß er mit den Grundsätzen der Partei in Widerspruch stehe. Das beste wäre, wenn Friedeberg vorläufig austreten würde, bis er sich wieder den Auffassungen der Partei genähert oder die Partei vielleicht seine An- sichten angenommen habe.— Der Widerspruch zwischen der Kölner und Jenaer Massenstreikresolutton habe sich als ein Mißverständnis erwiesen. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß das einmütige und friedliche Verhälfifis zwischen Partei und Gewerkschaften nun dauernd sein möge. Genosse Justin Braun wandte sich in teils scharfen Aus- drücken gegen die Gewerkschastsleiter und meinte, daß sie sich aus dem Parteitage zu ihrer entgegenkommenden Haltung entschlossen hätten, weil sie gewußt hätten, daß sie sonst abgebürstet werden würden. Die Opposition der Lokalorganisierten gegen die Zentral- verbände sei verständlich, wenn solche Tarife wie der der Buchdrucker abgeschlossen würden. Hierauf legte Genosse Gehrmann nochmals seine Ansichten über verschiedene Punkte klar und erwiderte aus gegen ihn geinachte Aeußerungen. Genosse Kahlen bedauert die Art wie Friedeberg seinen Ab- gang aus der Partei provoziere und wendete sich gegen Sekttererei und Zersplitterung in der Arbeiterbewegung. Genosse Friedeberg erklärte hierauf, daß seine Angelegen- heit ja die Generalversammlung beschäffigen werde. Er halte es für Feigheit, durch Austritt einer Auseinandersetzung aus dem Wege zu gehen. Er habe von Jugend auf in der Partei prattisch mit- gearbeitet und sei auch jetzt noch bereit, überall einzutteten, wo er etwas lernen könne zur Verfiefung der Auffassung deS Klassenkampfes. Genosse Klar äußerte, daß die von Cohen und Wuschick ge- machten Ausführungen keineswegs unfriedlich gewirkt hätten; Gehr- nmnn hätte besser getan, seine Borwürfe gegen Justin Braun zu richten. Damit war die Diskussion erschöpft. Es folgten noch einige persönliche Erklärungen, zumeist darüber, wer in der Diskussion gegen die friedliche Tendenz des Parteitages verstoßen habe. Dann wurde einstimmig eine Resolution angenommen, durch die die Ver- sammlung sich mit den Beschlüssen des Mannheimer Parteitages einverstanden erklärt; ferner unter„Verschiedenem" folgende Reso- lution: „Die Versammlung ersucht den Parteivorstand, eine Unter- stützung der in materielle Schwierigkeiten geratenen„Humanitö", des einzigen großen Tageblattes unserer französischen Genossen, in Erwägung zu ziehen." Schließlich machte der Vorsitzende Pohl auf den außerordentlichen Zahlabend am nächsten Dienstag aufmerksam. Vierter Wahlkreis. Eine außerordentlich gutbesuchte Versammlung des vierten Kreises nahm gestern abend den Bericht über den Parteitag entgegen. Schon lange vor Eröffnung der Versammlung war der große Saal der„Köiligsbank", Große Frankfurterstraße, überfüllt. Nachdem der Vorsitzende, Genosse H o f f m a n n, nochmals aui die demnächst statt- findenden Gewerbegerichtswahlen aufmerksam gemacht und vom Schriftführer das Protokoll verlesen worden war, erstattete als erster Redner H a ck: l b u s ch über die ersten Punkte der Tagesordnung des Parteitages Bericht. Einleitend führte der Redner aus, daß vor dem Mannheimer Parteitage eine Menge Konfliktsstoff aufgehäuft war, von dem man hätte erwarten können, er werde auf dem Parteitage selbst zur Explosion kommen. Der„VorwärtS"-Konflikt, die Veröffentlichung des Protokolls der Gewerkschaftsvorstände, der Stampfer- Artikel in der„Neuen Gesellschaft" usw., alles dies ließ ein heftiges Aufeinanderplatzen der Meinungen erwarten. Allein, die Erwartungen hätten sich nicht erfüllt. Diese strittigen Angelegenheiten seien nur kleine Episoden auf dem Parteitage geworden. Ans dem Bericht des Genossen Pfannkuch sei die friedliche Lösung des Polenkonfliktes hervor- zuheben. Die Gründung der Parteikorrespondenz und der Partei- schule, welche der Partei große Opfer auferlegten, sei zu begrüßen. Mit der Wahl des Genossen Müller- Görlitz als Parteisekretär wäre der Ueberlastung des Parteivorstandes abgeholfen. Als be- sonders erwähnenS- und wünschenswert hebt Redner den Antrag Aachen, einheitliche Mitgliedsbücher für ganz Deutschland und wöchentlichen Beitrag von 1v Pf. hervor. Wie die Gewerkschaften eine einheitliche Zentralorganisation hätten, so müßte auch die Partei dazu kommen. Redner erklärt, daß die Berliner Delegierten an sich nichts gegen da« Totschweigen deS „VorwärtS"konfIikteS gehabt hätten; aber gegen ein Bergraben der Angelegenheit in einer Kommission würden sie ganz entschieden Stellung genommen haben. Redner streift dann kurz die Behandlung der Angelegenheit Stampfer kontra„Vorwärts" und appelliert an die Genossen, derartige Privatunternehmen ivie das Blatt des Braunschen Ehepaares, die„Neue Gesellschaft", nicht zu unterstützen, bndern lieber den„Vorwärts" und die„Neue Zeit" zu lesen. Redner bringt die Entschuldigungen des Genossen S ch ö p f l i n, die.Borussia"-Affäre betreffend vor und kritisiert dann unter lebhafter Zustimmung der Versammlung den auch im„Vorwärts" abgedruckten Artikel der Magdeburger„Volks- stimme". Nachdem Genosse Bader- Magdeburg die Ver- antwortung übeniommen und sich als den Verfasser angegeben, könne man ja nicht mehr die Stampfer scke Meinungsfabrik ver- antwortlich machen. Es sei aber ein starkes Stück, nachdem Genosse G e r i s ch sich anerkennend und lobend über die Berliner aus- gesprochen, anderen Wahlkreisen aber direkte Hintergehung der Parteistatuten nachgewiesen habe, jetzt, nach dem Partei- tage, mit derartigen Gehässigkeiten über die Berliner her- zufallen, und es müsse dies mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Paul Hoffmann berichtet über die Maifeier, den internationalen Kongreß und die Generalstreikdebatte. Redner verliest die angenommene Maifeierresolution und berichtet, daß der Vorschlag, für den internationalen Kongreß in Stuttgart als Höchstzahl lSÜ Delegierte aus Partei und Gewerkschaften zu wählen, angenommen worden sei, und baöc:? sich die betreffenden Instanzen darüber zu verständigen. Redner rekapituliert dann die Generalstreikdebatte und hebt die Stellungnahme Bebels gegen " " Schlenker fritisiert sodann mit scharfen Worten das Verhalten Bebels auf dem Parteitage. Wenn er auch die Verdienste Bebels um die deutsche, ja internationale Arbeiterbewegung anjeden als Verräter an der Arbeitersache brandmarken, der Kritik an erkenne, so sei eine scharfe Stritit trotzdem geboten. Man solle nicht den Parteitagsbeschlüssen übe. Redner polemisiert unter großer Unruhe und fortgefeßten Unterbrechungen aus der Versammlung speziell gegen v. Im und Legien. " Aus diesen bie Einigkeit" und die Lokalisten Herbor. Er betont speziell| habe im Feenpalast eine Versammlung der Lokalisten getagt, I rinnendie Schwierigkeiten, die er erinnere unter anderem an die Genoffin Rosa einer Inszenierung eines Massen- die einen Verstoß gegen die Grundsätze der Partei dadurch Luxemburg streits in Preußen im Wege stehen und in der Form nicht besonders glücklich zum Ausdruck stehen und weist darauf beging, daß fie gegen hin, daß in bezug auf die Neigung, die Arbeiterklasse nieder- Wenn die Lokalisten gegen die„ Realpolitik" seien, so müßten sie zweifellos die ebenso loyalen und korrekten wie geschickten und ergegen den Barlamentarismus resolvierte. fam. Den Höhepunkt der ganzen Massenstreitdebatte aber hätten zufnüppeln, Preußen in Deutschland voran sei. Alle reaktionären auch logisch gegen jede Gewerkschaftsbewegung sein, da diese ja nur freulichen Erklärungen Bömelburgs gebildet. Durch diese ErAttentate müßten aber, wie Bebel selbst gesagt habe, mit Gut Realpolitit" treiben tönne. Brüdner verliest unter allgemeiner flärungen seien auch die Berliner Delegierten bestimmt worden, und Blut durch die Partei abgewiesen werden. Redner wendet sich Unruhe der Versammlung einen Teil eines Artikels der„ Einigkeit", Kautsky zur Zurückziehung des zweiten Teiles feiner Refolution dann noch lebhaft gegen die Unterstützung des Genossen der sich mit dem Mannheimer Parteitag beschäftigt und diesen als zu veranlassen, für den die Berliner anfangs sonst zu stimmen Dr. H. Braun durch Maurenbrecher mit seinen Artikeln. eine„ fozialdemokratische Komödie" usw. bezeichnet. Ich behaupte, entschloffen waren. Bömelburg habe es wirklich verstanden, die Wenn Maurenbrecher noch der Meinung sei, daß mit dem schließt Redner, gemeiner und schimpflicher fonnte kein bürgerliches bereits abgerissene Strippe zwischen dem Parteivorstand und der Zentrum oder dem Liberalismus irgend ein Bündnis abgeschlossen Blatt gegen den Parteitag schreiben wie hier die„ Einigkeit". Gründen hätten die Berliner Delegierten denn auch die bittere Generalfommission wieder zusammenzuknüpfen. werden könnte, so beweise er nur, wie wenig er sich von Hoffentlich werde dies aber um so mehr dazu beitragen, die noch Bille verschluckt, die in der Darstellung lag, daß die Kölner und feinem früheren Milieu hat losmachen können, wie sehr ihm fernstehenden Arbeiter in die Reihen der Sozialdemokratie zu Jenaer Resolution ihrem Wesen nach eins seien. Er glaube noch die Eierschalen seiner national sozialen Vergangenheit treiben. national- sozialen anhaften. Redner geht noch eingehender auf die Massenstreitdebatte Nachdem Daberkow eine moralische Rechtfertigung der jedoch, daß die Delegierten troßdem im Sinne der Mandatgeber ein, und erklärt, wenn sich wirklich die Gewerkschaftsführer auf den Herausgeber der„ Neuen Gesellschaft" versucht hatte, ba man nicht gehandelt haben, weil sie eben alles tun mußten, um die so notLegienschen Standpunkt gestellt hätten, daß die Generalkommission cher, so wie geschehen, gegen den Genossen Braun vorgehen durfte, zu bieten.( Bustimmung.) Im Anschluß hieran stellt Stebner einen wendige Ginigkeit zu fördern und die Hand zu dauerndem Frieden der Gewerkschaften wegen der Veröffentlichung des Protokolls nicht ehe nicht ein Schiedsgericht über seine Parteizugehörigkeit entschieden Irrtum in dem Parteitagsbericht des Borwärts" hinsichtlich seiner mehr mit dem Parteivorstand verhandeln könnte, so wären über habe, glaubt er, daß die Berliner keinen Grund zu irgend welchen in Mannheim gemachten Ausführungen über die Lokalisten richtig. furz oder lang diese Führer einfach durch die Partei- und Gewerk- Lokalpatriotismus hatten, da auch bei uns noch sehr viel zu tun sei. Er habe dort gesagt, daß sich unter den Berliner Parteifunktionären fchaftsmitglieder über den Haufen gerannt worden. Zum Schluß Die praktischen Ausführungen der Bildungsbestrebungen ließen im Zentralvorstand nicht ein einziger Lokalist befindet, berichtet er noch über das Schicksal des Antrags v. Elm, die Lokal- noch sehr viel zu wünschen übrig, da man noch nicht einmal nicht aber von Parteifunktionären schlechthin gesprochen. Trokdem organisationen betreffend und verweist auf frühere Parteitags- wüßte, wo man seine Kenntnisse verwerten könne. beschlüsse, die für die Parteigenossen die Form der Zentralorgani- daß auch dem Vorgehen Dr. Maurenbrechers edle Motive zu Lokalistenorgan, die„ Einigkeit", deswegen dennoch einen hahne Redner glaubt, diefer Irrtum eigentlich von selbst erkennbar gewesen sei, habe das fation als die allein richtige Form prinzipiell festgelegt hätten. grunde gelegen haben, es sei gut, wenn man dem Zentrum wie den büchenen Angriff gegen seine Person gerichtet, den er hiermit Als dritter Redner nahm sodann Otto Büchner das Wort. Nationalliberalen ihre reaktionäre Haltung an einem Beispiel vor- niedriger hängen wolle. Was nun den Antrag auf Ausschluß der In großen Zügen referiert er über die beiden Vorträge von halten könnte.( Vielfache Zurufe aus der Bersammlung konstatieren, Lokalisten aus der Partei anbelange, so seien die Berliner DeleH. Schulz und Klara Bettin zur Erziehungsfrage. Zahlenmäßig daß das zu beweisen nicht mehr nötig sei.) Redner meint, daß auch gierten, nachdem die diesbezügliche Resolution des Parteivorstandes wies Redner nach, daß der kapitalistische Staat für die Söhne der eine zwanzigjährige Parteizugehörigkeit nicht davor schütze, daß die und der Kontrollkommission vorlag, sofort zusammengetreten und Befizenden, die Studenten, 50mal soviel pro Kopf ausgibt wie für Partei einen Aberlaß vornehme, wenn es zur Gesundung des Partei- hätten ermogen, ob hier für diesmal nicht noch eine Modifikation die Bolksschulschüler usw. Redner mußte sich wegen der vorgerückten förpers notwendig fei. Redner glaubt den Beweis des Verrats möglich sei. Zweifellos wäre diese Resolution mit großer Mehrheit Zeit sehr kurz faffen, so daß er das Referat des Genossen Haase der Lokalisten an den Grundfäßen der Sozialdemokratie dadurch er- angenommen worden, wenn es den Berlinern nicht noch rechtzeitig über Strafrecht usw. nur kurz besprechen konnte. Redner erörtert bracht zu haben, daß sie gegen den Marrschen Ausspruch„ Proletarier gelungen wäre, auf die übrigen Delegierten soweit einzuwirken, daß dann noch einige die Berliner Genossen interessierende Anträge und aller Länder vereinigt euch" durch Gründung von Sonderorgani- fie mit Rücksicht auf die voraussichtliche Kette von Unannehmlichmacht noch einige Bemerkungen über die Wahl des Ortes des fationen verstoßen hätten, da nur eine geschlossene Organisation feiten, welche die Ausführung der Resolution in Berlin mit sich nächsten Parteitages, der bekanntlich in Essen stattfinden soll. einem geschlossenen Gegner gegenübertreten tönnte. gebracht haben würde, von der Annahme derselben Abstand nahmen Als erster Diskussionsredner spricht Frizz Stater. Da Redner um dann aus diesen Gründen der Resolution Fischer ihre Zu schon durch zurufe und Unruhe empfangen wird, so betont er, daß Stimmung zu geben. Damit hätten die Berliner Delegierten den er seine Meinung doch sagen werde, auch wenn die Genossen schon Lokalisten eine goldene Brücke gebaut. Es solle noch einmal die scharf gemacht in die Versammlung gekommen seien. nichts sagen, was nicht attenmäßig feststehe, er werde nur die sie endlich im Sinne der Lübecker Resolution den längst fälligen Er werde drist eines Jahres benutzt werden, um die Lokalisten unter Hinweis auf die Autorität des Parteitags eines besseren zu belehren, damit Parteitagsprotokolle usw. als Material benutzen. Redner erklärt, fich nur auf die Punkte beschränken zu wollen, die losigkeit und Ohnmacht der Lokalorganisationen sei zur Evidenz Anschluß an die Zentralverbände vollziehen. Die völlige Nubsich auf die„ Anarchosozialistische Schieberkolonne" und auf den Massenstreit beziehen. Auch die Berichterstattung habe es sich nicht In der Preffe und in Versammlungen sei fortgesetzt von den Ge- Lokalisten bessere Parteigenossen wären wie die Zentraliſten. Schon erwiesen, auch sei es ein arger Trugschluß, zu behaupten, daß die versagen können zu behaupten, die Einigkeit" hätte tendenziös ent- wertschaftsführern gegen die Maifeierbeschlüsse und die der Partei rein rechnerisch betrachtet erweise es sich als ein Unding, zu berstellte Auszüge aus dem Protokoll der Gewerkschaftsvorstände ver- verstoßen worden, und diese Leute verlangten den Ausschluß der langen, daß die Zentralverbände sich den paar Lokalisten etwa öffentlicht. Die Einigkeit" habe aber sicher nicht mehr Kritik Lokalisten. Solange habe sich in der Partei keine Stimme erhoben, die fügen sollten. Gerade als demokratische Sozialisten, die sie doch geübt, als ein Teil der Provinzredakteure. Allerdings habe sie die den Ausschluß dieser Leute verlangte. Legien und andere übten sein wollen, hätten die Mitglieder der Lokalorganisationen die einPartei nicht nach der revisionistischen, sondern nach der eine richtige Spigbubentaktit, indem sie riefen: revolutionären Seite ziehen wollen, und daß sei ihr Verbrechen. den Dieb", um die Aufmerksamkeit der Parteigenossen von ihren ordnen und Disziplin zu halten. Diese sehr ernst gemeinten Mah" Haltet fache Pflicht, sich den Majoritätsbeschlüssen der Partei unterzuEs handele sich ja überhaupt bei der Veröffentlichung nicht eigenen Sünden auf die Lokalisten zu richten. Die Rebensart von nungen möchten die Lokalisten jetzt rechtzeitig beherzigen. Damit um die Einigkeit", sondern um die 31 Genossen, die den Artikel der Vernichtung eines blühenden Gemeinwesens" beim Abbruch des zum Schlusse tommend, gab Redner noch seiner Freude darüber namentlich gezeichnet hätten. Bebel habe selbst auf dem Partei- Crimmitschauer Streits sei nur ausgegeben, um den Verrat an den Ausdruck, daß über die Maifeier diesmal aller Streit geschwiegen tage anerkannt, wenn das, was man ihm vorwerfe, wahr fei, so Arbeiterinteressen zu verdunkeln. Auf dem Parteitage habe sich kein habe. Es könne mit höchster Genugtuung tonstatiert werden, daß habe er Parteiverrat begangen und müßte aus der Partei hinaus- Parteigenosse gefunden, welcher die Lokalisten gegen die Beschimpfungen der diesjährige Parteitag die auf ihn gesezten Erwartungen erfüllt geworfen werden. Nichts anderes hatten auch die 31 Genoffen ge- verteidigt hätte; deshalb müßten diese wenigstens hier das Recht habe, er werde zweifellos gute Früchte zeitigen. Die einzigen, die fagt. Da Redner öfter durch Zwischenrufe und Unruhe der Ver- haben, sich zu wehren. Nicht die Lokalisten, sondern um ihre Hoffnungen betrogen wurden, sind unsere Gegner, und fammlung unterbrochen wird, so erflärte er, er werde sich nach Mitglieder der Zentralverbände hätten wahrscheinlich den darüber brauchen wir uns nicht zu grämen.( Lebhafter Beifall.) einer mehr als 20jährigen Parteitätigkeit, schon unter dem Sozialisten Anarchisten das Protokoll in die Hände gespielt, um der Partei zu Wasser ergänzte den Bericht noch insoweit, als die übrigen gesetz habe er für die Partei gewirkt, nicht von jedem Parteigenoffen, der schaden. Die Behauptung Körstens, die Fliesenleger- Hülfsarbeiter Verhandlungsgegenstände des Parteitages in Frage famen. Auch er seit gestern organisiert sei, das Recht streitig machen lassen, seine hätten einen unfündbaren Tarif abschließen wollen, fönne mur, ist der Meinung, daß es besser wäre, wenn die zu haltenden RefeMeinung zu sagen. Sater polemistert sodann gegen Liepmann nachdem sie zurückgewiesen worden sei, als beispiellose Frechheit übermittelt wurden, weil dann die Diskussion über schwierigere rate schon vorher gedruckt den Delegierten zum genauen Studium und weißt dessen Behauptung zurück, daß unter den Berliner Partei- bezeichnet werden.( Hier ruft der Vorsitzende den Redner zur funktionären teine tofalorganisierten Genossen seien. habe auch die unwahrheit gesagt, wenn er behaupte, die Lokalisten der Versammlung fährt Schlenker fort und erklärt zum Schluß, der Mangel einer genügenden Aussprache wohl recht deutlich füh! Liepmann Ordnung und ersucht ihn, sich zu mäßigen.) Unter großer Unruhe Fragen bedeutend fruchtbringender sein könne. Bei den diesmaligen Referaten über das Bildungswesen und den Strafvollzug habe sich hätten sich wegen der Gewerbegerichtswahl bittend an die Berliner daß man den Lokalisten nicht werde nachweisen fönnen, daß sie bar gemacht. Nichtsdestoweniger aber sei auch auf diesem ParteiParteiorganisation gewendet. Die Lokalisten hätten nur ihr Recht gegen das Programm und die Grundsäge der revolutionären Sozial- tage wieder der Beweis erbracht worden, daß die Sozialdemokratic berlangt, aber feine Bitte ausgesprochen. Redner verliest den auf demokratie verstoßen haben. diese Frage bezüglichen, im„ Mitteilungsblatt" veröffentlichten Brieftrop aller inneren Auseinandersehungen dennoch die Zeit findet, Wegen der vorgerückten Zeit( es war fast 41 Uhr), und weil auch den wichtigsten Kulturproblemen ihr Augenmerk zuzuwenden. wechsel. Wenn Hoffmann behaupte, die Lokalisten hätten schon durch ihre nur Lokalisten in der Diskussion zum Wort gekommen feien, ersucht Deshalb tönne man auch in dieser Sinficht mit den Leistungen des Eriftenz gegen die Parteibeschlüsse verstoßen, so müsse man dem der Vorsitzende, die Versammlung zu vertagen. Der Antrag Parteitages mohl zufrieden sein.( Beifall.) doch widersprechen. Es sei geradezu charakteristisch, sich auf den wird fast einstimmig angenommen. Hoffmann erklärt noch, daß Lübecker Antrag zu berufen. Man sehe an den Einbringern der An- Siepmann auf dem Parteitage nicht von Funktionären schlechtträge, von welcher Seite der Wind wehe. Auf dem Lübecker Partei- weg, sondern von Aktionsausschußmitgliedern gesprochen habe, von in der Partei vorkomme. Gr hätte es lieber gesehen, wenn über die tage sei es Bernstein gewesen, der den Antrag gestellt habe. Die denen feiner lotalorganisiert sei. In einer sachlichen Richtigstellung Resolution des Parteivorstandes betreffend die Lokalisten abgestimmt Annahme dieses Antrages( Redner verliest ihn) sei aber zweifelhaft tonstatiert Sater, daß außer den drei Berichterstattern worden wäre. Mit der Annahme der Resolution hätte die Partei gewesen. Erst die wiederholte Abstimmung habe die Annahme mit nur zwei Lokalisten und zwei Verbändler gesprochen hätten. Dann rund heraus bekundet, daß das Recht der freien Meinungs110 gegen 107 Stimmen ergeben. Der Lübecker Antrag habe sich aber In einer persönlichen Erklärung weist Eugen Brückner äußerung teine Stätte mehr bei ihr habe. Weshalb wolle man denn nicht gegen die Lokalisten, sondern gegen die Hamburger Afford- den Vorwurf zurück, als habe er einseitig die Ginig partout die Abgrenzung nur nach links, weshalb nicht auch nach maurer gewendet und stehe kein Wort von Zentralverbänden darin. teit" zitiert und liest auch den Schluß des betreffenden rechts? Der Parteitag habe bewiesen, daß es den Genossen da Daß auch der Mannheimer Antrag( v. Im) von derfelben Seite Artikels bor. Wenn man Auf die Verdächtigung Schlenkers, er habe oben" sehr wenig Ernst ist mit dem Massenstreik. tomme, ließe tief blicken. Uebrigens arbeiteten heute alle Hamburger vielleicht den Anarchisten ein Protokoll in die Hände gespielt, habe davon spreche, daß es in Mannheim weder Sieger noch Besiegte Maurer im Afford. Absatz 4 des Erfurter Programms fordere Aber nicht nötig zu antworten. gegeben habe, so sage er demgegenüber: die Sieger wollen nur ihre schaffung aller Geseze, welche die freie Meinungsäußerung und das innere Freude nicht äußern, und die Besiegten schämen sich, ihre Recht der Vereinigung und Versammlung einschränken und unterNiederlage einzugestehen. Zweifellos sei der Parteitag den zentradrücken"; ob man diese Forderung nur an die bürgerliche Geselllistischen Gewerkschaftsführern über Gebühr entgegengekommen. schaft stelle und ob sie nicht auch für die Sozialdemokratie gelte? Die Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins Nach zwei bis drei Monaten aber werde das Pflästerchen, das man In Mannheim habe man versucht zu beweisen, daß sich die vom Dienstag fand wieder im Alten Schützenhause" statt. Bunächst iebt unter Hintanfebung des alten vevolutionären Kampfgeistes Beschlüsse über den Massenstreit von Köln und Jena decken. Dies wurde die Aufnahme von 93 Mitgliedern bestätigt, worauf die An- auf den inneren Riß in der Arbeiterbewegung geklebt habe, wieder fertig zu bringen, sei ein unmögliches Kunststück. Der Mannheimer wesenden das Ableben des kürzlich verstorbenen Genossen Wulch in abfallen und die Wunden der Uneinigkeit werden von neuem wieder Beschluß sei weiter nichts als eine platonische Liebeserklärung an der üblichen Weise ehrten. Zur Geschäftsordnung beantragte dann aufbrechen. Die bielgerühmte Friedensstimmung in Mannheim die Gewerkschaftsführer der Zentralverbände. Redner erflärt, man der Genosse Huhn, den Bunft Parteiangelegenheiten zuerst zu be- fei weiter nichts wie eine Luftspiegelung, ein Theaterspiel; sie sei könne verlangen, daß der Nachweis geführt werde, daß die Lokalisten handeln, damit eine Aussprache über die jüngst erfolgte Anstellung nichts Natürliches. Auch Liepmann habe sich als Regisseur betätigt, gegen die Grundfäße der revolutionären Sozialdemokratie verstoßen des zweiten Spediteurs erfolgen könne, dem das Amt übertragen denn über den eigentlichen Kern der Sache sei er aalglatt hinweghaben. Bis jetzt habe man diesen Nachweis zu führen gar nicht worden sei, ohne daß die Genossen ihr Entscheidungsrecht ausüben geglitten. Die Ueberbrückung der Gegensätze zwischen Köln und versucht. Er und seine Freunde hielten auch den ehrenvollen Aus- fonnten. Mit dem Hinweis darauf, daß diese Angelegenheit auch Jena, sowie auch die harmonische Auflösung des Streites um die ſchluß aus der Partei aus. Jeder könne eben nur eine Meinung wurde der Antrag Huhn abgelehnt und in die Bericht Künste, die zwischen den beiderseitigen Führern unter der Hand zu einer späteren Zeit noch ausreichend besprochen werden tönne, Bebelschen Massenstreifthesen seien lediglich das Werk diplomatischer haben( Zuruf: Bömelburg nich t) und sei das Produkt seiner Verhältnisse und diese Meinung habe er ehrlich zum Ausdruck zu bringen. erstattung vom Mannheimer Parteitag eingetreten. gespielt worden sind. Hieraus erkläre sich auch die scheinbare EinigSiepmann erhielt hierzu als erster Redner das Wort. feit. Die Zusage der Gewerkschaftsführer, sich im Falle einer VerZum Schluß verliest Redner noch folgende schriftlich formulierte Einleitend konstatierte er, daß der Verlauf des diesjährigen Partei- stümmelung des Koalitionsrechtes ebenfalls an dem Massenstreit zu Erklärung:" Die Galgenfrist von einem Jahre, die uns durch den tages wohl in fast allen Streifen der gesamten modernen Arbeiter beteiligen, sei ja schließlich erklärlich, weil sonst ja leicht der ZeitAntrag Uebergang zur Tagesordnung" gegeben ist, werden wir bewegung allgemeine Befriedigung hervorgerufen habe. Sämtliche punkt kommen fönne, wo diese führer polizeilich aus ihren sicheren ausnüßen dahingehend, daß wir unsere ganzen Kräfte der Freien Partei- und Gewerkschaftsblätter hätten diesem Gefühl innerer Bureauräumen herausgeholt wurden. Was nun die Drohungen Vereinigung deutscher Gewerkschaften" widmen. Wir werden noch Befriedigung ja auch rückhaltlos Ausdruck verliehen. Was nun gegen die Lokalisten anbetreffe, so seien dieselben jedenfalls mehr als bisher den Geist des Klassenkampfes und der Idee des speziell Die Berliner anlange, so seien dieselben in dem Vorstands. wirkungslos. Ein gewaltsames Zusammenpressen der Lokalisten Generalstreits, nicht des politischen Waffenstreits" pflegen, um und Kassenbericht ja recht günstig beurteilt worden. Jedoch ebenso und Zentralisten nüße nichts, weil zwischen beiden Teilen Unterein Bollwerk allen denen gegenüber in der deutschen Arbeiter- berechtigt sei der Hinweis auf das schlechte Organisationsverhältnis schiebe bestehen wie zwischen Tag und Nacht. Wenn wenigstens noch bewegung zu errichten, die das Bestreben haben, die politische und in Berlin gewesen. Es war dies für die Berliner Delegierien ein die Zentralverbände ebenso offen und ehrlich vorgehen wollten wie gewerkschaftliche deutsche Arbeiterbewegung vom revolutionären bitterer Wermutstropfen in dem sonst bis an den Rand gefüllten die Christlichen oder die Hirsch- Dunderschen, die sich stets ohne Boden auf den bürgerlich- sozialreformatorischen hinüberuziehen. Belobigungskelch. Um so mehr sei es jetzt Pflicht, das Versäumte Verhüllung ihrer Ziele als das geben, was sie find. Komme man Wenn Sie diese Tätigkeit als gegen die Grundsätze der sozial- baldigst nachzuholen, wozu man ja auch bereits auf dem besten zum Ausschluß der Lokalisten, dann würden diese eben ihre eigenen demokratischen Partei verstoßend ansehen und uns deshalb in der Wege sei. Die von manchen Seiten gehegten Erwartungen, daß Wege gehen. Die Partei hätte dann aber vor aller Welt dokuPartei nicht mehr dulden wollen, nun gut, dann errichten Sie den es wegen des Vorwärts"-Konflitts etwa zu großen erregten mentiert, daß sie nicht weiter jei wie eine bloße Reformpartei. Scheiterhaufen und verbrennen Sie die Keper. Wir werden unsere Debatten fommen möge, haben sich glücklicherweise nicht erfüllt. DenHuhn wendet sich hauptsächlich gegen Regge. Es sei vorausStellung in gewerkschaftlicher und politischer Beziehung, wie sie auf jenigen Genossen, die sich in dieser Beziehung vielleicht mit zusehen gewesen, daß die Rosalisten heute wohl in allen Kreisunseren Kongressen beschlossen ist, nicht aufgeben, komme immer was größeren" Hoffnungen trugen, ist von vornherein ein bicker Strich versammlungen auftreten würden, weil ihnen der Mannheimer da wolle."( Vereinzelter Beifall und Unruhe.) durch die Rechnung gemacht worden. Bei den Delegierten bestand Beschluß, begreiflicherweise auf den Nerven liege. Niemand habe in Als nächster Redner tam Eugen Brückner zum Wort. Auch eben keinerlei Meinung, es zu einem zweiten Dresden kommen zu Mannheim hülfloser gesprochen wie Buttlib. Bisher sei in er wolle fich auf die Punkte beschränken, die auf dem Parteitage laffen. Deshalb mußte auch der Versuch ,, die Auseinanderseßung Parteitreisen bedauerlicherweise immer der Standpunkt vertreten Anlaß zur Diskussion gegeben haben. Die„ Einigkeit" suche syste- über den bekannten Stampferschen Artikel auf jenes Gebiet hinüber worden, daß der Streit zwischen Lokal und Zentral" lediglich eine matisch Partei und Gewerkschaften aufeinander zu hetzen. Die Ge- zuspielen, einfach verpuffen. Das Hauptinteresse tonzen- gewerkschaftliche Angelegenheit sei, die nicht in die Parteibersammnoffen wollten aber nun endlich einmal Ruhe in ihren eigenen trierte sich, wie vorauszusehen war, auf die Behandlung der Massen- lungen hineingehöre. Jezt aber werde man sich damit wohl oder Reihen haben. Was die Genossen seit Jahren wünschen, sei endlich streiffrage und die damit verbundene Aussprache über das Ver- übel auch in den Parteiversammlungen befassen müssen. Seiner gefunden, ein Weg, der vom Parteivorstand und Gewerkschafts- hältnis zwischen Partei und Gewerkschaften. Bebels Referat habe Ansicht nach sei die Lösung der gangen Lotalistenfrage gar nicht fommission gemeinsam beschritten werden könnte. Die Lokalisten wohl auf alle Delegierte den Eindruck gemacht, als wollte der so schwierig, die Mitglieder seien sehr wohl zu belehren, der sollten lieber helfen die Entwicklung zu beschleunigen, anstatt die Referent mit peinlicher Sorgfalt alles vermeiden, was die Einigkeit Widerstand liege nur bei den paar Führern. Gebe man diejen Bewegung zu zersplittern.( Beifall.) Man habe von jener bischen Partei und Gewerkschaften irgendwie beeinträchtigen nur befoldete Bosten in den Zentralverbänden, dann würden sie ihre fonnte. Die gesamten Ausführungen Bebels seien durchaus von sogenannten prinzipiellen Bebenten gegen die Zentralverbände bald Seite den Anarchisten das Protokoll der Gewerkschafts- dem Geiste der Versöhnung und des Ausgleichs getragen gewesen. überwinden.( Vielfacher Widerspruch.) ( Vielfacher Widerspruch.) Redner geht noch des borstände in die Hände gespielt.( Auf lebhafte Burufe Daraus erkläre sich auch manches, was sonst vielleicht als auf- längeren auf die vielfachen Widerwärtigkeiten ein, die dieser aus der Versammlung rettifiziert sich Redner soweit, daß fallend hätte erscheinen können. Das Korreferat Legiens habe ihm Organisationsstreit besonders in dem Töpferberuf, dem er angehöre, er nicht die Behauptung habe aufstellen wollen, sondern nur eine zur ersten Hälfte allerdings bedeutend weniger gefallen, in den mit sich gebracht hat und empfiehlt den Lokalisten schließlich den Vermutung ausgesprochen habe, wie die Anarchisten zu dem Protokoll Schlußfäßen sei es dagegen wesentlich sympathischer geworden, und baldigen Hebertritt in die Zentralverbände. Die Pflege des foziagekommen seien 1) Gegen ater polemisierend, bemerkt Redner, man werde gut tun, sich diese Schlußfäße über das bolle sozial- listischen Geistes sei ihnen dort jedenfalls unbenommen. Mit dem man tönne nicht jedem das Recht absprechen mitzureden, weil er demokratische Empfinden der Gewerkschaftsführer für alle Butunft Verlauf des Parteitages erklärt er sich einverstanden und empfiehlt jünger in der Partei sei. Wir, die Gewerkschaftler, richten uns nach sehr genau zu merken. Auch aus sämtlichen Diskussionsreden habe eine diesbezügliche Resolution. den Beschlüssen des Parteitages und wollen nicht unsere Zeit aus der Gebante herausgeflungen, vor allem das einigende Moment Wels polemisiert ebenfalls gegen Regge, indem er bestreitet, nügen, um noch mehr Bersplitterung zu schaffen. Vor kurzem hervorzuheben, wenn dies auch bei mehreren Rednern bezw. Redne. daß heute noch irgend ein nennenswerter Unterschieh in der ge 11 Die Versammlung wird hierauf gegen 11 Uhr vertagt. " Fünfter Wahlkreis. " er wolle sprechen, obwohl er sich fast nur noch wie ein Geduldeter Regge als erster Diskussionsredner führte des längeren aus, Friedländer setzt die Polemik gegen Regge fort und führte weiter aus, daß er den Standpunkt der Genoffin Rosa Luxemburg, die in den Lokalisten den linken Flügel der Partei erblide, nicht zu teilen vermöge. Auf Grund der bekannten Friedebergschen Resolution hätten sich die Lokalisten seinerzeit tatsächlich außerhalb der sozialdemokratischen Partei gestellt; fie müßten deshalb eigent lich schon ganz von selbst aus der Partei austreten. Man könne es aber immerhin nochmals mit der Belehrung versuchen, weil ein Ausschluß immer eine mißliche Sache sei. Redner ermahnt dann, sich der antimilitaristischen Frage gegenüber nicht so abweisend zu verhalten, weil es hiermit sonst ähnlich so gehen könne, wie in der Massenstreitsfrage. Auch da habe man jahrelang auf dem Standpunkt. des Generalunsinns gestanden, bis dann urplök lich der Umschwung eintrat. Es sei schon besser, wenn man sich in den führenden Parteikreisen nicht soviel von Stimmungen leiten ließe. Habe doch das leitende Organ der Partei, die Leipziger Volkszeitung"( Zuruf: Na nu?), selbst erklärt, daß man sich in der Massenstreitsfrage sehr viel von Stimmungen habe beeinflussen lassen. Daß der kommende Wahlkampf jetzt im Zeichen voller Einigkeit zwischen Partei und Gewerkschaften geführt werden könne, sei jedenfalls die beste Errungenschaft des diesjährigen Parteitages.( Beifall.) -" werkschaftlichen Kampftaktik zwischen Lokalisten und Zentralisten| Jenaer Beschluß auch nicht ein Jota abgewichen. Go war es in 1 möge, daß eine Einigung der Genoffen auch auf gewerkschaftlichem bestebe. So schließen die Lokalisten heute schon ebenfalls Tarif- unserer Partei schon bei früheren Gelegenheiten und so wird es wohl Gebiet erfolge. bertrage ab, wo sie können; sie haben ferner Beamte anstellen immer sein, daß, wenn wir unserem Arsenal eine neue Waffe einmüssen, was sie früher bei den Zentralisten immer verurteilten, verleibt haben, über ihre Anwendung nicht sogleich völliges Ein- Genoffen Meßte zustimmen und seine Unzufriedenheit mit dem Zernice: Glücklicherweise wird es nicht viele geben, die dem und neuerdings tragen sie sich auch mit dem Gedanken der Ein- verständnis besteht. Die Debatten sowohl in Mannheim wie vor Parteitage teilen. Richtig ist, daß wir seit Jahren keinen Parteitag führung des Unterstützungswesens. Freilich wollen sie die Ein- dem Parteitage haben die nötige Klärung und das erforderliche Ein- hatten, der so befriedigend verlaufen ist, wie der Mannheimer. Die führung borläufig nur fakultativ, weil sie eben noch nicht anders verständnis in der Frage des politischen Massenstreiks gebracht. In drei Vorwärts"-Artikel zum Massenstreik haben uns sehr befriedigt. können. Es gehe ihnen hier wie den Leuten, die nur ein Hemd Verbindung mit der Erörterung des Massenstreits stand die Debatte Hätte man den Kölner Gewerkschaftskongreß in der Parteipresse haben und deshalb immer solange im Bett liegen bleiben, bis das über das Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaft. Die bruch- ebenso sachlich behandelt, dann wäre ein großer Teil der Differenzen, gewaschene Hemd wieder trocken geworden ist.( Heiterkeit.) Zur stüdweise Veröffentlichung des Protokolls der Gewerkschaftskonferenz die sich in letzter Zeit bemerkbar machten, nicht entstanden. Bei Hauptsache bleibt also nur der politische Gegensatz, der aus den durch die„ Einigkeit" gab Anlaß zu gegenseitiger Befehdung. Erst objektiver Prüfung ist ein Unterschied zwischen dem Kölner und dem anarcho- sozialistischen Anschauungen resultiert. Da also werden durch die Veröffentlichung des ganzen Protokollteiles im Vorwärts" Jenaer Beschluß kaum zu finden. Hätte man das schon eher einsich die Lokalisten bald zu entscheiden haben, ob sie bei diesen An- wurde Klarheit geschaffen und die Debatte auf ein höheres Niveau gesehen, dann wären die heftigen Debatten zwischen Partei und Gee sichten beharren oder das Parteiprogramm wieder rückhaltlos an- gehoben. Namentlich war es die streng sachliche Behandlung dieser werfschaft nicht gewesen. erkennen wollen. So wie die Lokalisten sich in letter Zeit ge- Angelegenheit durch den Vorwärts", welche eine fachliche Debatte und Buttlig gehört haben, muß ich sagen, es wäre zweckmäßiger ge= Nachdem wir hier die Reden von Mekke geben haben, sind sie allerwärts als Schädlinge der Arbeiter- veranlaßt hat, so daß kein Anlaß zu scharfen Auseinandersetzungen wesen, den Lokalisten keine Galgenfrist zu gewähren. Diese Reden bewegung erkannt worden. Deshalb sei die Resolution des Partei- auf dem Parteitage gegeben war. Wir haben bei dieser Gelegenheit zeigen, daß man auf jener Seite von einer Einigung nichts wissen vorstandes und der Kontrollkommission auch nur als ein einfacher wieder gesehen, daß bei gutem Willen eine Verständigung immer will. Wenn die Lokalisten sagen, auch sie hätten ein Interesse an Notwehratt gegenüber der Sonderbündelei zu betrachten. Die ganze möglich ist. Die zum Massenstreit angenommene Resolution steht der Einheitlichkeit der Arbeiterbewegung, dann müssen sie auch so Prinzipientreue der Lokalisten sei in Wirklichkeit nicht so viel mit der Jenaer Resolution durchaus im Einklang. Einer der wich- konsequent sein, die Einheitlichkeit zu verwirklichen, die ja gerade wert wie Schwarz unter dem Nagel.( Beifall.) Sie hätten als tigsten Punkte des Mannheimer Beschlusses ist der, wonach die Ge- zur Durchführung des politischen Massenstreits notwendig ist.( Lebwirklich überzeugte Parteigenossen schon längst der Lübecker Re- noffen in den Gewerkschaften sich verpflichten, die Parteitagsbeschlüsse hafter Beifall.) Partei und Gewerkschaften gehören zu einem solution nachkommen müssen. Die Ausführungen Huhns seien nun als bindend anzuerkennen. Als die Resolution zur Verhandlung Körper. Die Glieder, die sich diesem Körper nicht anschmiegen zwar deplaziert gewesen, aber ein Anlaß zur Entrüstung liege tam, welche die lokalistischen Gewerkschaftler als nicht zur Partei wollen, stellen sich damit außerhalb desselben. Nachdem sich der wahrlich nicht vor, denn Regge habe heute selbst eine deutliche An- gehörig bezeichnen wollte, war es den Vertretern des sechsten Wahl- Parteitag ausgesprochen hat, ist es Pflicht jedes Genossen, für die spielung ähnlicher Art über die Führer der Zentralverbände ge- kreises nicht leicht, dazu Stellung zu nehmen. Der Einfluß und Einheitlichkeit der Arbeiterbewegung einzutreten.( Beifall.) macht, als er fagte, diese würden im Falle einer Verkümmerung die Bedeutung der Lokalisten wird von vielen überschätzt, und desdes Koalitionsrechtes wohl nur deshalb zum Massenstreit rüsten, halb war es schwer, in dieser Frage zu einer Verständigung zu Partei unter die Gewerkschaften gestellt. Das könne er nicht billigen. Wiesner vertrat die Ansicht, in Mannheim habe sich die weil sie fürchten müßten, polizeilich aus deren Bureauräumen fommen. Die Ueberschäzung der Lokalisten ist nicht berechtigt. Wir Wenn er dem Verbande beitreten würde, dann müßte er dort ebenso herausgeholt zu werden. Betreffs der Resolutionen von Köln und im sechsten Kreise kennen ja viele derselben und wir können sie jedem auftreten, wie jest in seiner Organisation. Die Folge davon wäre, Jena habe er, der seinerzeit für beide gestimmt habe, schon immer anderen Genossen an die Seite stellen, aber wir müssen doch zu der daß er ausgeschlossen wird. Im Parteiprogramm stehe nicht, daß die Ansicht vertreten, daß ein so großer Unterschied zwischen beiden Ansicht kommen, daß es auf die Dauer nicht angeht, wenn zwei ge- man Mitglied eines Verbandes sein müsse. Da unterzukriechen ist eigentlich gar nicht bestehe. Die Theoretiker seien allerdings werkschaftliche Richtungen nebeneinander bestehen. Es ist ja nun für uns ein Ding der Unmöglichkeit. anderer Meinung gewesen. Wie dem aber auch sein möge: Um gelungen, zur Lösung dieser Frage noch eine Frist zu gewinnen. Worte soll man nicht streiten. Das Wort tötet, nur der Geist macht Es bestehen ja gar keine grundsätzlichen Verschiedenheiten zwischen lebendig. Zur Belebung des sozialistischen Geistes aber habe der den beiden Organisationen. Wenn die Lokalisten zum UnterstüßungsBarteitag sein Gutes geleistet.( Beifall.) wesen eine Stellung einnehmen, wie es ein Teil von ihnen schon getan hat, dann gibt es feinen Grund mehr für ihr Fortbestehen. Bei der Lösung dieser Frage muß Toleranz obwalten. Es muß ein Weg gefunden werden, daß niemand als der Verletzte erscheinen kann. Nachdem der Redner die übrigen Verhandlungen des Parteitages furz gestreift hatte, schloß er mit dem Wunsche, daß die Beschlüsse des Parteitages reiche Früchte tragen mögen, und besonders, daß der sechste Kreis sich bemühe, zum nächsten Parteitage ein stärkeres Verhältnis der Organisation aufzuweisen.( Beifall.) Die Diskussion drehte sich fast ausschließlich um das Verhältnis zwischen den sogenannten Lokalisten und Zentralisten, beziehungsweise um die Verschmelzungsfrage. Mette: Solange ich Parteigenosse bin, ist es mir noch nie so schwer gefallen, vor einer Versammlung meine Meinung über den Parteitag zu sagen, wie jetzt. Ich kann mich mit der Arbeit dieses Parteitages nicht einverstanden erklären.( Unruhe.) Daß die Hoffnungen unserer Gegner zuschanden geworden sind, das begrüße auch ich. Aber die Gegner fümmern uns wenig. Der Rud nach links, den die beiden vorhergehenden Parteitage gemacht hatten, ist in Mannheim meilenweit nach rechts zurüd gemacht worden. Frey thaler sagte, die Massenstreitdebatte habe uns Klarheit über die Anwendung dieses Kampfmittels gebracht. Richtiger hätte er sagen müssen, in Mannheim ist dies neue Kampfmittel für immer beRegge verwahrt sich gegen die Behauptung Suhns, als flebe graben worden.( Bustimmung und Widerspruch.) Die Partei hat er irgendwie an seinem besoldeten Posten. Er will auch seine sich in Mannheim den Gewerkschaften untergeordnet, sie hat einen Aeußerung hinsichtlich der zentralistischen Gelverkschaftsführer Sniefall vor der Generalfommission gemacht. Das ist auch schon im nicht in ähnlichem Sinne verstanden wissen. Bezüglich der offenen Bericht des Parteivorstandes zum Ausdruck gekommen. Ich begreife Kampfesweise der Christlichen und Hirsch- Dunckerschen habe er nicht, wie es der Parteitag fertig gebracht hat, den Beschluß des nur gemeint, die Zentralverbände möchten sich ebenso offen als Kölner Gewerkschaftskongresses und die Jenaer Resolution als sozialdemokratische Gewerkschaften bekennen und nicht der Zwei- gleichbedeutend zu bezeichnen. Freythaler sagt, der Mannheimer feelentheorie huldigen wie Robert Schmidt, von dem man doch Massenstreitbeschluß sei ebenso revolutionär wie der Jenaer. Ich auch bereits hier im Wahlkreise gesagt habe, daß er eigentlich gar sage: nein, das ist er nicht. Es fällt mir schwer, das auszusprechen, nicht mehr würdig sei, das Reichstagsmandat auszuüben. Hierin aber ich muß es sagen: Der Parteitag hat nur ein Schachergeschäft bestehe eben ein Hauptunterschied zwischen Lokalisten und gemacht.( Unruhe und Widerspruch.) Der Freien Vereinigung Zentralisten. Bei der Uebertrittsfrage aber sei stets der Fehler der Gewerkschaften ist ja noch eine Galgenfrist auf ein Jahr gegemacht worden, daß es von zentraler Seite nur immer hieß: währt worden. Richtiger wäre es gewesen, man hätte gleich gesagt: Einigung ist gleichbedeutend mit Unterwerfung. Das könnten und Wir erkennen euch nicht mehr als Parteigenossen an, naus mit euch! würden sich die Lokalisten eben nicht gefallen lassen. Es ist ein Unding, wenn der Parteitag dekretiert, welcher gewerkLiepmann sagte in seinem Schlußwort, der Parteitag habe schaftlichen Organisation wir angehören sollen. Wenn es so weit gegen die Lokalisten keine Drohung ausgesprochen, sondern die kommt, dann werde ich als Mann handeln und wissen, was ich zu Mahnung an sie gerichtet, sich endlich ihrer Pflicht als Genossen tun habe. Ich lasse mir das nicht gefallen. Als Parteigenosse gebewußt zu werden. Die Lokalisten hätten wirklich am aller- höre ich der politischen Organisation an, ich lasse mir nicht vorwenigsten Ursache, über eine Zweiseelentheorie in zentralistischen schreiben, welcher Gewerkschaft ich angehören soll. Im Erfurter Kreisen zu lamentieren. Die Zentralisten haben wenigstens ein- Programin mancher tennt es vielleicht nicht heißt es:„ Die wandfrei versichert, daß sie sich den Parteitagsbeschlüssen fügen. sozialdemokratische Partei fämpft... für die Abschaffung der Die Lokalisten dagegen erklären in ihrem Organ rund heraus, daß Klassenherrschaft und der Klassen selbst und für gleiche Rechte und Die Parteitagsbeschlüsse sie gar nichts angingen, sondern daß für gleiche Pflichten aller ohne Unterschied des Geschlechts und der Abfie lediglich die Beschlüsse des 7. Kongresses maßgebend seien. Das stammung. Von diesen Anschauungen ausgehend, bekämpft sie in fage doch wirklich genug. Zu Friedländer gewandt bemerkte der heutigen Gesellschaft nicht bloß die Ausbeutung und UnterRedner, daß sich dieser mit der Bezeichnung der Leipziger Volts- drückung der Lohnarbeiter, sondern jede Art der Ausbeutung, richte zeitung" als leitendes Organ der Partei wohl nur eine kleine fie sich gegen eine Klasse, eine Partei, ein Geschlecht oder eine Raffe." Bosheit geleistet habe. -Weiter heißt es im vierten Abjat: Abschaffung aller Gesetze, Robert Schmidt erklärte sodann in einer persönlichen welche die freie Meinungsäußerung und das Recht der Vereinigung Bemerkung, nicht Regge, sondern die Mehrheit der Parteigenossen und Versammlung einschränken oder unterdrüden." Und in unserem im Kreise hätte darüber zu befinden, ob er zur Ausübung des Organisationsstatut steht der Sah:" Zur Partei gehörig wird jede Reichstagsmandats noch würdig sei. Ob er zwei oder nur eine Person betrachtet, die sich zu den Grundsäben des Parteiprogramms Seele habe, wisse er nicht( Heiterkeit); sobiel aber wisse er, daß betennt und die Partei dauernd durch Geldmittel unterstützt." Jch Regge von phrasenhafter Geschwäßigkeit beseelt sei. möchte sehen, wie man uns ausschließen will, so lange dieje Grundfäße gelten. Mein Gewissen läßt nicht zu, daß ich als älterer Partei genosse mir etwas aufoftrohieren lasse. Nun fennen Sie meinen Standpunkt.( Beifall.) Der vorgerüdten Zeit halber wird damit die Tagesordnung als erledigt betrachtet. Zur Annahme gelangte folgende Resolution: betont war. Ledebour: Es kann keine Rede davon sein, daß sich die Partci den Gewerkschaften unterworfen hat. Im Gegenteil. Die Gewerkschaftler sind von ihrem Kölner Beschluß zurückgekommen und haben sich jetzt dem Jenaer Beschluß unterstellt, was ein Teil der Gewerkschäftsführer übrigens schon vordem getan hatten. Der Wider stand der Gewerkschaftsführer gegen den Jenaer Beschluß ist von ihnen aufgegeben. Das ist mit Freuden zu begrüßen. Die Ursache dieser Wandlung liegt darin, daß die Mitglieder der Zentralverbände in ihrer großen Mehrheit sich nicht mit dem Kölner Beschluß einverstanden erklärten. Die Mitglieder der Gewerkschaften haben ihre Führer zur Ordnung gerufen. Daß zwischen dem Kölner und dem Jenaer Beschluß, worüber heftige Kämpfe geführt worden sind, tein Widerspruch besteht, habe ich nicht erkennen fönnen. Aber die Gewerkschaftsführer haben erklärt, daß für sie kein Widerspruch be= steht. Damit haben sich die dem Jenaer Beschluß widerstrebenden Elemente zum politischen Massenstreit bekannt. We hiernach sagt, die Partei habe sich den Gewerkschaften unterworfen, der stellt die Dinge auf den Kopf. Wir können uns freuen, daß diese seit Jena zwischen Partei und Gewerkschaft bestehende Differenz geschwunden ist. Ueber die Verhandlungen des Parteitages bezüglich der Lokalisten sagte der Redner unter anderem: Ich halte den Parteitag nicht für berechtigt, den Genossen vorzuschreiben, welcher gewerkschaftlichen Organisation sie angehören sollen. Ich halte die Zentralverbände für die beste Form der Organisation. Aber selbst, wenn man über die Form streiten wollte, so müßte man doch die Tatsache berüc. fichtigen, daß die übergroße Mehrheit den Verbänden angehört. Ihre Mitgliederzahl verhält sich zu derjenigen der Lokalisten wie 75 zu 1. Schon aus diesem Grunde müßten sich die Lokalisten den Verbänden anschließen. Jeder Klassentämpfer muß einsehen, daß die Sonderorganisation der Lokalisten die Arbeiterbewegung schädigt. Aber trotzdem ist es nicht möglich, daß die Partei die Genossen ausschließt, welche dem Wunsche, den Verbänden beizutreten, nicht nachkommen. Da die gewerkschaftlichen Organisationen nicht der Partei unterstellt sind, da sie von ihren Mitgliedern nicht das Bekenntnis zur Sozialdemokratie verlangen, sondern sich politisch neutral berhalten, tann die Partei nicht sagen: Entweder ihr tretet diesen Gen werkschaften bei oder ihr werdet aus der Partei ausgeschlossen. Selbst wegen des Bekenntnisses zu den von Friedeberg propagierten, als Anarchosozialismus bezeichneten Anschauungen darf man teinen Parteigenossen ausschließen, denn der Anarchosozialismus besteht ja noch nicht als Partei, die sich in Gegensab zu unserer Partei stellt. Friedeberg wollte nur innerhalb unserer Partei andere Anschauungen zur Geltung bringen, er wollte, daß die Partei eine andere Taktik einschlage. Wegen Meinungsverschiedenheiten in tattischen Fragen darf man aber feinen Parteigenossen ausschließen. Es ist zu be= dauern, daß Bernice den Ausschluß der Lokalisten befürwortet hat. Durch Drohungen wird man die Einigung nicht erreichen, es gilt vielmehr, die Minderheit zu überzeugen, daß sie fich der Mehrheit fügt. Von einem Kompromiß zwischen den beiden gewerkschaftlichen Richtungen fann natürlich feine Rede sein, die Lokalisten müssen au den Verbänden übertreten. Es ist nicht berechtigt, dem Parteivorstand den guten Willen in der Einigungsfrage abzusprechen. Ich hoffe, es werden weder die recht behalten, welche mit dem Ausschluß drohen, noch die, welche von der Einigung nichts wissen wollen, sondern daß es dem Barteivorstand gelingt, die Einigung herbeizuführen, welche im Interesse des großen Emanzipationskampfes der Arbeiterklasse liegt.( Beifall.) " Hebschold polemisierte gegen die Einigkeit" und die Lokas listen und betonte dann, er begrüße es mit Freuden, daß die Loka. listen nicht ausgeschloffen werden, er wünsche, daß die Einigung in ganz energischer Weise betrieben werde. Die Partei könne in ihrem eigenen Interesse die Zersplitterung nicht mit ansehen. machen können. Gehl wandte sich gegen die polemischen Ausführungen des Borredners und sagte dann unter anderem, so lange die Verbände „ Die Versammlung erklärt sich mit den Beschlüssen des Buttlib: Der Parteitag hat sein Gepräge erhalten durch die die politische Neutralität nicht aufgeben, sei der Standpunkt seiner Parteitags einverstanden. Sie erwartet von den im 5. Kreiſe Lokalistendebatte. Es wurde verhandelt ohne daß die Genossen, über Richtung berechtigt. Ferner trat der Redner einer Aeußerung entorganisierten Mitgliedern, daß sie nunmehr ihre ganze Kraft die es berging, dabei waren. Ich war ja als Vertreter der„ Ginig- gegen, die Scheibe- Dortmund auf dem Parteitag gemacht hatte, entfalten werden, um die auf dem Mannheimer Parteitage ge- feit" zugegen, und ich habe von den Verhandlungen einen anderen dahingehend, Gehl habe im Rheinlande die Partei in hämischer faßten Beschlüsse, insbesondere auch, soweit sie die Lokalverbände Eindrud bekommen wie Freythaler. Im Vorstandsbericht behandelte Weise bekämpft. Das sei nicht wahr, er habe nichts gegen die betreffen, zur Durchführung zu bringen." Pfannkuch die Angelegenheit noch sachlich. Später aber entstand ein Partei gesagt, sondern gegen einen Artikel eines Barteiorgans jener Ebenfalls fand eine ähnlich lautende Busazresolution Annahme, ganz erbärmliches Keßergericht gegen die Freie Vereinigung. Nur Gegend polemisiert. Wenn man die Lokalisten zwingen wolle, den in der besonders die Pflicht zum Anschluß an die Zentralverbände das Herrensystem in den Verbänden gefällt uns nicht.( Lebhafte Verbänden beizutreten, dann würden sie erst recht draußen bleiben. Unruhe.) Das bedingt unseren Standpunkt, den wir vor der Hand Wenn man eine Einigung will, dann solle man sie ehrlich versuchen. Eine von Regge eingebrachte gegenteilige Resolution wurde nicht aufgeben können. Uns wird zum Vorwurf gemacht, daß wir Wenn die Verbände mit sozialistischem Geiste erfüllt werden, dann gegen deffen Stimme unter allgemeiner Heiterkeit abgelehnt. im Programm der Freien Vereinigung das Wort Sozialdemokratie" fei die Zeit gekommen, wo die Lokalisten mit ihnen gemeinsame Sache Nach der Erledigung einiger Anfragen und mehrerer Mitteilungen durch revolutionären Sozialismus" ersetzt haben, und nun sagt des Vorsitzenden Bucht wurde die Versammlung sodann um man, wir seien keine Sozialdemokraten. Ja, ist denn die Sozial 12% Uhr geschlossen. demokratie nicht revolutionär? Wenn man verlangt, daß wir uns im Programm als sozialdemokratisch bezeichnen, warum machen das die Herren vom Engelufer nicht in ihren Statuten. Wir sollen uns Die Versammlung des sechsten Wahlkreises fand in den dadurch aus dem Rahmen der Partei gelöst haben, daß wir auch Germaniasälen statt. Den Bericht vom Parteitag erstattete Anarchisten aufnehmen. In den Verbänden sind doch auch AnFreythaler. Er gab der Befriedigung darüber Ausdruck, daß archisten, sogar in leitender Stellung. Es wäre ja noch schöner, die Hoffnung unserer Gegner, in Mannheim werde sich eine Spaltung wenn die Linksstehenden von uns abgestoßen und die Rechtsstehenden zwischen der Partei und den Gewerkschaften vollziehen, zuschanden herangezogen werden. Einigungsverhandlungen unter Leitung des geworden ist, ebenso, wie auch die vereinzelten Versuche in unseren Parteivorstandes kann man jeht nicht mehr anerkennen, weil der eigenen Reihen, in Mannheim ähnliche Debatten hervorzurufen wie Parteivorstand auf dem Standpunkt steht, daß nur die Verbände in Dresden, auf dem Parteitage fein Echo fanden. Der Rednen anzuerkennen sind. Unter solchen Umständen fann von einer Einiwandte sich den einzelnen Gegenständen der Berhandlung zu und gung feine Rede sein. Wir haben keine Ursachen, von unserem sagte unter anderem: Beim Kassenbericht ist ja der finanzielle Gr- Standpunkt abzugehen. Sechster Wahlfreis. Baumann stellte sich auf den von Ledebour vertretenen Standpunkt. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wurde abgelehnt und bes schlossen, die Fortseßung derselben in einer späteren Bersammlung stattfinden zu lassen. Verband der Friseurgehülfen Deutschlands. Zweigverein Berlin und Bororte. Donnerstag, den 18. Oftober, abends 9%, Uhr, Rosenthalerftraße 11/12: Brotestversammlung. Verein der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Umgegend. Abteilung V. Donnerstag, den 18. Ottober, Zentralverband der Konditoren. Donnerstag, den 18. Oktober, abends 8 Uhr, bei Bernau, Schwedterstr. 23/24: Bersammlung. abends 8%, Uhr, im„ Englischen Garten", Alleganderstr. 270: gemeine Mitgliederversammlung. Eingegangene Druckschriften. " Neue Gesellschaft", folg Berlins gerühmt worden, als aber das Stärkeverhältnis der Konrad Bruhns: Jch rede hier nur als Parteigenosse, Organisationen zur Sprache kam, da zeigte sich, daß unsere Organi- nicht als Vertreter einer Gewerkschaft. Ich kann meiner Freude sation nicht so gut da steht, wie es der Fall sein sollte. Der Mahn- darüber Ausdruck geben, daß der Riß, welcher zwischen Partei und ruf, den Genosse Gerisch in dieser Hinsicht an uns richtete, darf Gewerkschaft vorhanden war, in Mannheim beseitigt ist. Es ist lebnicht unbeachtet bleiben. Es muß unsere Aufgabe sein, unsere Orga- haft zu bedauern, daß es Barteigenoffen gibt, welche die Zufrieden- Dr. Heinrich Braun und Lily Braun.( Verlag: Berlin- Schöneberg. Preis für Sozialistische Wochenschrift. Herausgeber: nisation so zu stärken, daß wir auch in dieser Beziehung an der heit mit diesem Ergebnis des Parteitages nicht teilen. Wenn es den Einzelheft 10 Bf., pro Monat 40 Pf., pro Bierteljahr 1,20 m.) 3. Seft er Spike stehen. Zu den Erörterungen über den politischen Massen. Genossen ernst ist mit der Förderung der gesamten Arbeiter- fchienen. streit meinte der Redner: In Jena galt es, der Idee des Massen- bewegung, dann müssen sie dazu beitragen, daß ein einiges BuAdolf Damaschke. Die Bodenreform und die Lösung der Wohnungsstreifs zum Durchbruch zu verhelfen, während es sich in Mannheim sammenarbeiten aller Genoffen möglich ist. Ich glaube, daß die Ge- frage. Preis 80 Pf. Verlag von Chr. Belſer, Stuttgart. darum handelte, sich über die Umstände und die Art der Anwendung noffen auf der lokalistischen Seite nicht ernstlich daran denken, daß der Homosexualität. Herausgegeben unter Mitwirkung namhafter Autoren Jahrbuch für feguelle Zwischenstufen mit besonderer Berücksichtigung desselben klar zu werden. Aus diesem Grunde war wohl ein Unter eine Einigung zustande kommt. Im Interesse der gesamten Arbeiter- im Namen des wissenschaftlich- humanitären Komitees von Dr. med. Magnus schied zwischen den Referaten Bebels in Jena und in Mannheim, bewegung wünsche ich, daß das reinigende Gewitter, welches in sirschfeld. VIII. Jahrgang, 940 Seiten. Leipzig, Berlag von Mar Spohr. die Grundauffassung war aber dieselbe, die Partei ist von ihrem Mannheim über unsere Köpfe hinweggegangen ist, den Erfolg haben 1906. Preis brosch. 15 M., eleg. geb. 16,50. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inferatenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Nr. 243. 23. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dounerstag, 18. Oktober 1906. Achtung, Gewerbegerichtswahl! Ein Geniestreich. Arbeiter Berlins! Verseht Euch bis zum Sonntag mit Wahl- Legitimationen! I Joachim Albrecht mit einem Kriminalbeamten ein, der bei der dann: Ja, nach einer halben Stunde. Der Grenadier, der vor dem Igerade vorgenommenen Revidierung der Schloßwache vom Polizei- Zimmer des Bürgemeisters stand, wollte nach Ablauf dieser Zeit Als ein groß angelegter Geniestreich hat sich die von uns gestern b. Moltke mich und den Grenadier über den Vorgang bernommen versicherte, daß der Herr Hauptmann, der ihn mit der Ginziehung präsidium kam und ihm den Vorfall gemeldet hatte. Nachdem Graf seinen Posten durchaus nicht verlassen; erst als ihm der Gendarm gemeldete militärische Besetzung des Köpenicker Rathauses heraus- hatte, traf auch der Köpenider Stadthauptkassenrendant v. Wiltberg, der Posten beauftragt habe, bereits abgereist sei, folgte er, während gestellt. Ein Talmihauptmann hat sich durch eine angebliche kaiser- der von dem angeblichen Hauptmann gleichfalls verhaftet worden er vorher darauf bestanden hatte, nur direkten Befehlen des Herrn liche Kabinettsorder einer Anzahl Soldaten, die aber echt waren, war, in Begleitung von zwei Grenadieren ein. Ich begab mich Hauptmanns Gehorsam leisten zu können. versichert und mit ihrer Hülfe das Rathaus besetzt. Den Bürger- unterdessen mit einem vom 2. Polizeirevier herbeigerufenen Polizei- Unterdessen war der Unteroffizier der Gardefüsiliere in der meister und den Stadtrendanten ließ er verhaften und bemächtigte leutnant nach dem Polizeipräsidium, wo ich den Vorfall ausführlich Kaserne angekommen und erstattete Meldung. Da der Hauptmann sich dann der Stadtkasse, in der sich über 4000 m. befanden. Es dem diensthabenden Kriminalkommissar schilderte, der dann dem eine Kabinettsorder vorgezeigt hatte, so war man davon überzeugt, ist das ein Vorkommnis, das an die tollsten Sensationsromane er Herrn Polizeipräsidenten Meldung erstattete. daß hier ein höherer Vorgesehter auf eine allerdings ungewöhnliche innert und anfänglich von jedem Unbefangenen mit Schütteln des Art und Weise den Befehl über die Mannschaften übernommen Kopfes aufgenommen wurde. Es bestätigt sich aber. Das offiziöse Wolfffche Telegraphenbureau versendet folgende recht knappe Darder Trick mit der Kabinettsorder stellung der Angelegenheit: Der Herr Hauptmann" verlangt die Kasse. Der ebenfalls verhaftete Stadtkassen- Rendant v. Wiltberg stellt hatte. Und die Sache wie folgt dar:„ Gegen 845 Uhr tamen plößlich zwei von Dienstag nachmittag kam eine Abteilung des vierten Garde- meinen Kassenbeamten in das Kassenzimmer mit den Worten:„ Wir hat dem Gauner den vollen Erfolg gebracht. bekommen Einquartierung; der Hauptmann ist ein recht unhöflicher Regiments, bestehend aus einem Gefreiten und 11 Mann, unter Mann; er hat mich scharf angefahren und befohlen, daß alle anderen Beamten leicht gefährlich hätte werden können, geht aus Daß die Lage des Bürgermeisters Dr. Langerhans und der Führung eines in die Uniform eines Hauptmanns gekleideten Mannes in Köpenick an, begab sich auf das Rathaus und verhaftete städtischen Beamten sich auf ihre Zimmer zu begeben hätten." den Zeugenaussagen der Soldaten hervor. Diese bekunden auf Beden Bürgermeister und den Hauptkassenrendanten. Nachdem sich der weiter wurde mir mitgeteilt, daß der Hauptmann auf den Korridoren fragen alle, daß sie bereit gewesen wären und sich verpflichtet gefühlt angebliche Hauptmann die 4000 M. enthaltende Kasse hatte aus- darf in das Rathaus hinein! Selbst der Herr Erste Beigeordnete lichen Vorgesetzten auszuführen. Ein Stadtrat, der an einem Posten Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten patrouillieren lasse. Niemand hätten, jeden Befehl, auch die schärfsten Maßregeln ihres vermeinthändigen lassen, erteilte er Befehl, den Bürgermeister und Rendanten unter militärischer Begleitung nach der Neuen Wache in Berlin zu und andere Stadträte wurden von dem Doppelposten, der vor der vorbei sein Zimmer verlassen wollte, hätte beinahe mit der blanken schaffen, befahl den Mannschaften, das Rathaus noch eine halbe Rathaustür steht, abgewiesen. Während ich noch überlegte, was Waffe unliebsame Bekanntschaft gemacht. Stunde lang besezt zu halten und fuhr dann in der Richtung nach das alles zu bedeuten hätte, trat der Hauptmann mit zwei Der Hülferuf der Köpenicker Stadtväter. Die Mannschaft, die, vom Schießplatz in Tegel Rendanten und herrschte mich, als ich mich meldete, mit Grenadieren Berlin davon. mir in den Kassenraum, zu fragte nach dem Die ernste Situation, in der sich die Ratsmänner von Köpenic tommend, in Berlin von dem eine gefälschte Kabinettsorder zeigenden angeblichen Hauptmann angehalten und nach Köpenick den Worten an:" Schließen Sie sofort die Bücher ab! Ich habe befanden, wird auch durch den Hülferuf gekennzeichnet, mit dem sich geführt worden war, rückte später nach der Kaserne in Berlin ab. Befehl, Sie zu verhaften." Als ich mich weigerte und zunächst den die alarmierten Stadtväter telegraphisch an das Landratsamt Wie das„ Köpenider Tageblatt" meldet, wurden der Bürger- Haftbefehl sehen wollte, erflärte mir der Offizier:„ Wenn Sie sich wandten. Sie richteten an dieses in der allgemeinen Verwirrung meister und der Rendant auf der Neuen Wache alsbald freigelassen. weigern, so werden Sie einfach abgeführt, und dann werden die folgendes Telegramm: Das ganze Vorkommnis ist so reich an unfreiwilliger Komit, anderen Beamten die Arbeit machen! Der Haftbefehl wird Ihnen daß wir uns nicht versagen können, nähere Einzelheiten unsern auf der Neuen Wache in Berlin, wohin Sie nachher transportiert werden, vorgelegt werden!" Er fragte dann noch, ob alle Kaffenbeamten anwesend seien, und als ihm geantwortet wurde, der Kaffendiener hole gerade Geld von der Post, fuhr er fort:" Das schadet nichts! Fangen Sie rubig mit der Arbeit an. Aber beeilen Sie sich etwas!" Als die Bücher abgeschlossen waren, ließ er das in der Stasse befindliche Geld wie bei einer Kassenrevision aufzählen. Es waren Lesern mitzuteilen. Wie sich der Herr Hauptmann" des Militärs versicherte, darüber wird folgendes berichtet: und Der Gardeoffizier" auf dem Rathause. 4002 Mart Abreise des Hauptmanus". ,, Rathaus militärisch besetzt. Bitten dringend um Angabe der Gründe zur Beruhigung der erregten Bürgerschaft"... folgen die Namen der Stadträte und einiger Stadtverordneter. Das„ Niederbarnimer Kreisblatt" berichtet ganz ernsthaft: " Der Bürgermeister von Köpenick nebst Rendanten verhaftet! mit zehn Soldaten ein. Er ging zum Rathaus und meldete fich Heute nachmittag gegen vier Uhr traf hierselbst ein Hauptmann beim Bürgermeister. Er hatte allerhöchsten Befehl, das Rathaus zu verhaften. Der Befehl wurde sofort ausgeführt." zu besetzen, die Kassen mit sich zu nehmen und den Bürgermeister Die Erfolge der fieberhaften" polizeilichen Suche. Die Kriminalpolizei von Berlin und Köpenick hat sofort eins Treiben. Es sind zwei Gefreiten und zehn gemeine Partei- Angelegenheiten. ,, Gegen 1 Uhr mittags, als die Wache der. Militärschwimmanstalt am Blößensee, die das Garde- Füfilier- Regiment gestellt hatte, abgelöst wurde, erschien in der Anstalt ein Mann, der die Uniform eines Hauptmanns im ersten Garderegiment trug. In sehr energischer Weise erteilte er den Befehl:„ Die abgelöste und einige Pfennige, darunter ein Tausendmarkschein. Der Haupt Wache hat sofort meinem Befehl zu folgen, um auf Aller- mann schüttete das Kurantgeld in Beutel, die er versiegelte, und höchste Anordnung des Kaisers eine Verhaftung vorzunehmen." Da feßte in das Hauptbuch den Vermerk:„ Soll Bestand sein: die Mannschaft an dem Charakter des Vorgesetzten feinen Zweifel 4008,00 Mart; beschlagnahmtes Geld: 4002,00 Mart. Hauptmann..." hatte, mußte sie seinem dienstlich erteilten Befehl unbedingt folgen. Den Namen konnte ich nicht entziffern. Der Offizier äußerte, die gehende Nachforschungen nach dem Helden der Komödie angestellt. Der wachthabende Unteroffizier wurde entlassen, und die Soldaten kleine Differenz könne wohl ein Rechenfehler sein. Dann nahm er Auf dem Kleinbahnhof Hermannstraße- Rigdorf will man den Säbel rückten unter Führung des Hauptmanns in der Richtung nach Berlin das Geld an sich und übergab mich zwei Grenadieren, zwischen aber sonst weiter nichts gefunden haben. Vermutlich hat er sich dort ab. Kurz darauf traf die kleine Abteilung auf die Mannschaft einer denen ich um 16 Uhr, gefolgt von einer tausendköpfigen Menge, umgezogen, und da er den Säbel nicht mehr einpacken konnte, ihn gleichfalls abgelösten Schießstandswache des 4. Garde Regiments. nach meiner Wohnung ging. Dort stand ein Wagen, in dem mich einfach liegen lassen. Festgestellt ist auch, daß dort gestern abend Der angebliche Hauptmann ließ die Soldaten heranrufen und befahl die beiden Soldaten, die noch immer das Seitengewehr aufgepflanzt eine militärische Person gesehen worden ist, die einen Karton unter ihnen, sich den Füfilieren anzuschließen. Nunmehr ließ der ver- hatten, nach Berlin zur Neuen Wache brachten. dem Arme trug und deren Beschreibung ganz genau auf den Hauptmeintliche Offizier die Soldaten scharf laden und Seitenmann" in Köpenick paßt. Ferner hat man jezt auch festgestellt, daß gewehr aufpflanzen, marschierte zum Bahnhof Butligstraße Der Offizier, der die Soldaten befehligt hatte, gab diesen nun, er als Infanterieoffizier gekleidet ging mit Mühe und Hauptmanns. fuhr mit den Soldaten mit der Eisenbahn. nach Köpenick. Da er außerordentlich sicher auftrat, fügten sich soweit sie nicht zur Eskorte benötigt waren, Befehl, das Rathaus abzeichen des 1. Garderegiments zu Fuß. Er trug Zugstiefel, lange die an Disziplin gewohnten Soldaten jedem seiner Befehle. Nur nicht vor Ablauf einer halben Stunde zu verlassen und sich dann in Hose, weiße Glacéehandschuhe, Feldbinde und den Offiziersdegen auf dem Bahnhof Köpenid erlaubte sich der aufführende Gefreite ihre Staferne zu begeben. Er selber zog, stolz wie ein Spanier, zum mit Gardestern. Wohin er sich vom Bahnhof Hermanstraße- Rixdorf dem Vorgesetzten zu bemerken, daß fämtliche Mannschaften ohne Bahnhof. Es war noch einige Zeit bis zum nächsten Zuge nach gewandt hat, dafür fehlt jeder Anhalt. Berlin. Der Hauptmann ließ sich auf dem Bahnsteigausschank ein Mittwoch früh wurden die Soldaten, die unfreiwillig dem geMittagsmahlzeit feien. Der Hauptmann ließ nun die Gewehre zu Glas Helles fredenzen, das er in einem Zuge leerte. Der Wirt riebenen Hochstapler Helfersdienste leisteten, vor der Köpenicker sammensetzen und ordnete in einer Gastwirtschaft die Beköstigung der Mannschaften an. Währenddessen entfernte er sich auf furge Zeit, fragte teilnehmend: So eilig, Herr Hauptmann? Es ist ja noch Polizei vernommen. wahrscheinlich um die Wagen zu requirieren, die später vor dem reichlich Zeit!" Der Offizier nahm die Müge herunter, wischte sich Soldaten. Die Hälfte gehört dem 4. Garderegiment 3. F., die andere Rathaus vorfuhren. Nach dem Essen instruierte der Hauptmann die erschöpft die Schweißtropfen von der Stirn und antwortete seufzend: Hälfte den„ Maifäfern" an. In Köpenick herrscht noch ein lebhaftes Mannschaften, wobei er ihnen hauptsächlich einschärfte, daß niemand" Mein Gott", bei dieser Aufregung! Um 5 Uhr 31 Minuten ging der Ueber die Angelegenheit hat auch der Kaiser unverzüglich tele das Rathaus verlassen oder betreten dürfe, und daß sie nötigen- Bug nach Berlin ab und unser Herr Hauptmann dampfte mit ihm. falls diesem Verbot mit der Waffe Nachdruck verleihen müßten. Die Suche nach dem Hauptmann". graphischen Bericht eingefordert. Die Soldaten handelten völlig korrekt, indem sie sich den gegebenen von Berlin aus telegraphisch angeordnet, daß alle verfügbaren Zur Ermittelung des falschen Hauptmannes wurde spät abends Befehlen fügten." Polizeimannschaften und auch Soldaten zur Verfolgung heranEs fand denn auch noch in der Nacht in gezogen werden sollen. Ueber die Vorgänge auf dem Rathause gibt der Bürgermeister eine gründliche Razzia nach dem falschen Hauptmann statt, sie verKöpenick, in der Umgegend und in den angrenzenden Nachbarorten folgende Darstellung: Ich faß zwischen 15 und 345 Uhr in meinem Amtszimmer, lief jedoch resultatlos. Jedenfalls hat sich der Gauner seiner Uniform, als plötzlich die Türe sehr energisch geöffnet wurde. Als ich mich die ihn zum Verräter werden konnte, entledigt und es dürfte infolge umdrehte, sah ich, daß ein Offizier, gefolgt von zwei Grenadieren in dessen sehr schwer halten, seiner habhaft zu werden. Gestern vormittag trafen die 20 Soldaten vom 4. Gardefeldmarschmäßiger Ausrüstung und mit aufgepflanztem Seitengewehr, eintrat. Der Offizier, der, wie ich mich später überzeugte, den regiment, mit deren Hülfe der Handstreich ausgeführt wurde, unter Mantel und die Achselstücke eines Hauptmanns des 1. Garde- Führung eines Feldwebels in Köpenid ein, damit am Rathaus eine Regiments 3. F., eine Feldbinde um die Hüften und die Müße auf Augenscheinnahme vorgenommen wird und der Sachverhalt so weit dem Kopfe trug, und den ich zuerst für einen Offizier des Bezirks- als möglich aufgeklärt werde. tommandos hielt, kam dicht an mich heran und fragte, mich:" Sind Sie der Bürgermeister von Köpenick?" Als ich dies bejahte, fuhr Ein Köpenicker Restaurateur macht über den„ Hauptmann" und er fort: Sie sind dessen Uniform folgende Mitteilung: Bei ihm erschien in aller auf Allerhöchsten Befehl Morgenfrühe gegen 446 Uhr, als es draußen noch stark dunkelte, ein mein Arrestant und werden sofort nach Berlin abgeführt!" Ich Offizier, der beim Eintritt sofort die Müße abnahm und Guten entgegnete:" Ich bitte mir"- Da unterbrach mich der Hauptmann Morgen sagte. Der Mann machte einen stark übernächtigen Einschroff:„ Sie haben gar nichts zu bitten! Ich habe Ihnen schon druck und sah aus, als ob er gerade aus dem Zuchthause käme." gefagt, Sie sind mein Arrestant!" Dabei winfte er den Seine Wangen waren sehr blaß und tief eingefallen. Die Augen Grenadieren, die bis auf zwei Schritt an mich herantraten. lagen tief. Die Schärpe saß nicht vorschriftsmäßig, Troydem erklärte ich:„ Ich möchte den Haftbefehl sehen!" sondern war wie ein Strick gedreht. Auch die Müße war nicht echt, worauf mir der Offizier entgegnete:" Meine Legitimation sind hier es fehlte die obere Kokarde. Der Wirt führte den Offizier in ein diese Mannschaften! Das Weitere wird man Ihnen auf der Neuen Nebenzimmer, wo er ihm eine Tasse Kaffee vorfekte. Auf die Frage Bache in Berlin, wohin Sie jetzt transportiert werden, zeigen!" des Wirtes, woher er käme, bemerkte er:" Ich bin zum erstenmal Ich machte den Hauptmann darauf aufmerksam, daß ich Reserve- in Köpenick und habe hier dienstlich zu tun!" offizier sei, worauf er mir das Ehrenwort abnahm, daß ich unterwegs keinen Fluchtversuch machen würde. Dann gestattete er mir, daß meine Frau mich nach Berlin begleiten dürfe, und ordnete an, Auf Bahnhof Putlißstraße löste der Hauptmann Fahrkarten nach daß nur ein Grenadier, der sich auf den Kutschbock zu setzen habe, Saulsdorf, für sich zweiter, für die Mannschaften dritter Klasse. mich nach Berlin bringen solle. Er führte mich dann zu dem re- Auf Bahnhof Rummelsburg befahl er, nach Köpenick umzusteigen. quirierten Wagen, der auf dem Hofe des Rathauses stand, und be- Einem Gendarmen, den er in Köpenick im Rathause fahl, als ein Grenadier sich zum Stutscher gesetzt hatte, traf, erteilte er den Befehl, draußen für die nötigen Absperrungen das Abfahren des Wagens. Bevor wir in Berlin nach der und Aufrechterhaltung der Ordnung zu sorgen. Für denselben Neuen Wache tamen, verließ meine Frau, wie der Haupt- 3wed ließ er sich vom Polizeiinspektor Jädel auch noch mann vorher befohlen hatte, den Wagen. Auf der Wache einen Polizeisergeanten zur Verfügung stellen. Der war der wachthabende Offizier, als ich ihm von dem Gendarm mußte denn auch noch bei dem Gastwirt Augustin für die Grenadier übergeben wurde, sehr erstaunt, zumal der Soldat ihm Mannschaften Kaffee bestellen. Der Hauptmann traf alle seine Annicht sagen konnte, wie der Hauptmann heiße. Der Offizier erstattete ordnungen und Befehle mit einer solchen Ruhe und Bestimmtheit, der Kommandantur telephonisch Meldung, und bald darauf erschien daß niemand Verdacht schöpfte. Er fiel auch nicht einen Augenblick der Kommandant Generaladjutant Graf v. Moltke auf der Wache. aus der Rolle. Als er den Befehl erteilte, die Posten nach einer Später traf auch als Offizier vom Tagesdienst der Major Prinz halben Stunde einzuziehen, sah er erst auf die Uhr und wiederholte Die Hauptmannsuniform. Weitere Details. Kreisversammlung in Teltow- Beeskow- Charlottenburg. Heute abend 8 Uhr findet in Tempelhof im Wilhelmsgarten, Berlinerstr. 9, die Kreisversammlung für den Kreis Teltow- Beeskow- Charlottenburg statt, in welcher die Delegierten bom Parteitage und der Frauenkonferenz Bericht erstatten. Pünktlicher Anfang ist unbedingt notwendig, weil um 10 Uhr die Polizeiftunde eintritt. Die Kreisbertrauensperson. Mahlsdorf. Am Sonnabend, den 20. d. M., abends 81 Uhr, findet im Lokale von Werneke, Hönowerstr. 6, eine Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitage in Mannheim. 2. Aufstellung eines Kandidaten zur bevorstehenden Gemeindevertreterersazwahl in der dritten Abteilung. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Quartal. Bezirk Oranienburg. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet nicht am 21. Oktober, sondern Sonntag, den 28. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im Lokale von Braun, Kurfürstenstr. 48, statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Abrechnung vom dritten um recht zahlreichen und pünktlichen Besuch ersucht Der Vorstand. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Parteiangelegenheiten. Neuenhagen a. d. Ostbahn. Sonntag, den 21. Oktober, nach 1. Bericht des Vorstandes und Neuwahl. 2. Bericht vom Parteitage. mittags 4 Uhr, bei Wünsche: Generalversammlung. Tagesordnung: 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Parteigenossen, zu er scheinen. Wannsee. Heute, Donnerstagabend 8 Uhr, Diskutierabend im Vereinslokal. Rege Beteiligung wünscht der Vorstand des Wahlvereins. Berliner Nachrichten. Den Dienstmädchen Gnade für Recht?! Für die Berliner Dienstmädchen besteht bei der Gemeinde. verwaltung der sogenannte„ Gesinde- Belohnungsund Unterstützungs- Fonds". Er ist für sie eine Art Invaliden- und Altersversicherung nur mit der Einschränfung, daß zwar jedes Dienstmädchen die Pflicht hat, gegebenenfalls Beiträge für diesem Fonds zu zahlen, aber keinem Dien st Mädchen ein rechtlicher Anspruch zusteht,' aus den Mitteln des Fonds irgendwelche Hülfe zu erhalten. Der Beistand, den der Fonds etwa gewährt, ist eine Be- lohnung für Wohlverhalten. Schon der Name„Gesinde- Welohnungs- und Unterstützungs-Fonds" sagt das beut- lich genug. Die Beiträge aber, die den Mädchen abgefordert werden, sind gleichbedeutend mit einer Strafe. Es müssen für jeden Dienst, der neu angetreten wird, 30 Pfennig zum Fonds gesteuert werden— nicht von der Herrschaft, sondern vom Dienstmädchen. Dieser 50 Pfennig-Beitrag ist eine Buße für die„Veründernngslust", die ja den Herrschaften als eines der schlimmsten Laster der Dienstmädchen erscheint. Der Beitrag ist aber auch dann zu zahlen, wenn ein Mädchen ganz ohne eigene Schuld den Dienst wechseln muß— sogar dann, wenn es nur durch Dienstwechsel sich vor jener schändlichen Behand- lung retten kann, die so mancher„Gnädigen" ihrem Dienst- Mädchen gegenüber als standesgemäß gilt. Im„Vorwärts" sind dieganzimGeisted'erGe- sindeordnung gehaltenen Bestimmungen des„Gesinde- Belohnungs- und Unterstützungs-Fonds", der eine„Wohl- fahrtseinrichtung" sein will, oft besprochen worden. Auch das haben wir oft genug nachgewiesen, daß die L e i st u n g e n des Fonds nur sehr bescheiden sind. Wir ersehen das aufs neue aus dem Jahresbericht für das Etatsjahr 1905, der erst seht von der Deputation erstattet worden ist. Am Anfang des Etatsjahres waren 208 alte, arbeitsunfähig ge- wordene Dienstmädchen vorhanden, die aus dem Fonds mit Geld(durchschnittlich 8 M. pro Monat) unterstützt wurden. vürt Laufe des Jahres kamen 28 in Abgang, aber nur 6 in Zugang, so daß am Schluß des Etatsjahres nur noch 186 unterstützt wurden. Im Gesindehospital, das aus den Mitteln des Fonds erhalten wird, befanden sich, als das Etatsjahr be- gann, 96 Pfleglinge. Es kamen 6 in Abgang und 7 in Zu- gang, mithin schloß das Etatsjahr ab mit 97 Pfleglingen. Mit diesen Zählen Vergleichs man die Schar der Mädchen, die in Berlin oienen! Doch man sagt, ein Bedürfnis nach einem Mehr sei gar nicht vorhanden. Wenn das zutrifft, so kann es sich nur daraus erklären, daß die Bestimmungen des Fonds viel zu eng gefaßt sind. Es bleiben eben nur wenig Mädchen lange genug Dienstmädchen und in derselben Stel- lung, um schließlich doch noch der Unterstützung durch den �onds„würdig" zu werden. , Da kann man sich dann auch nicht wundern, daß alljähr- lich eine große Zahl Dienstmädchen sich der Zahlung der 50 Pfennig- Beiträge zu entziehen s u ch e n. Wozu sollen sie zu den Kosten einer Einrichtung beisteuern, von deren„Wohltaten" sie selber voraussichtlich nie etwas haben werden! Im letzten Jahre nahm der �onds 48 III M. ein, davon allein 23 160 M. aus 50 Pfennig- Beiträgen. Aber wieder waren es noch volle 6000 Dienst- mädchen, die die Zahlung unterließen. Beitragszwang für die Mädchen und� daneben Vorenthaltung jedes Rechts- anspniches— das ist ein Zustand, der aller Gerechtigkeit Hohn spricht und eben nur beim„Gesinde" möglich ist. Der ganze „Gesinde-Belohnungs- und Unterstützungs-Fonds" ist samt der Gesindeordnung wert, beseitigt zu werden. Doch das werden wir wohl nicht eher erleben, als bis d e n D i e n st m ä d ch e n die Gleich st ellung mit allen anderen Arbei- terinnen erkämpft worden ist. Der neue Stadtschulrat. Der Stadtverordnetenausschuß zur Vorbereitung der Wahl eines Stadtschulrates an Stelle des verstorbenen Stadtschulrates Dr. Gersten- berg und von zwei unbesoldeten Stadträten hat beschlossen, der Stadtverordnetenversammlung die Wahl des Stadtschulinspektors Schulrat Dr. Fischer vorzuschlagen. Schulrat Fischer, der am I. April 1883 zum Stadtschulinspektor des I. Berliner SchulkreiseS gewählt wurde, war vorher Oberlehrer am LuisenstSdtischen Realgymnasium. Fischer erhielt Iv Stimmen und sein Gegenkandidat, der. Stadtscknilrat Neufert in Charlottenburg 3 Stimmen. In der nächstell Stadtverordnetenversammlung vom 25. Oktober soll Bericht erstattet werden und in der Sitzung am 1. November die definitive Wahl erfolgen. Wegen der Wahl der beiden unbesoldeten Stadträte wurde noch nichts besprochen. Pariser Platz und Preisausschreiben. Die zukünftige Gestal- wna des Pariser Platzes ist schon oft der Gegenstand erbitterter Fehde gewesen. Besonders der Plan, der das Tor durch Beseitigung der beiden Torflügel freilegen wollte, um es„voll und ganz" zur Wirkung zu bringen, ist bei allen Sachverständigen auf Widerstand gestoßen. Jetzt hat das„Zentralbl für Banverw." ein Preisaus. schreiben für die künstlerische Gestaltung des westlichen Abschlusses des Pariser Platzes veranstaltet. Wir geben es im Auszug wieder: „Die Durchführung der neuen Straßenbahnpläne am Branden- bnrger Tore bedingt eine Untertunnclung der beiden nördlich und südlich vom Tore gelegenen Privatgebäude Pariser Platz Nr. 1 und 7. Es ist anzunehmen, daß zu diesem Zwecke beide Gebäude abgebrochen werden(!) und damit die Notwendigkeit eintritt, an ihrer Stelle entweder nutzbare Neubauten zu errichten oder in anderer Weise einen monumentalen Abschluß des Platzes zu schaffen. Für die Lösung dieser Aufgabe sind folgende Gesichtspunkte zu beachten: 1. Zur Erleichterung des wachsenden Verkehrs müssen ge- rämnige neue Berbindungen zwischen dem Pariser Platz und dem Tiergarten geschaffen werden. 2. Die architeklomsche Gestaltung nach dem Pariser Platz und nach dem Tiergarten hin muß mit der Monumentalität des Tores und mit der jetzigen Gesamtwirkung des Pariser Platzes in Einklang stehen. 3. Die jetzt vorhandenen seit- lichen Torhallen und Wachtgebäude werden von dem Tunnelbau nicht berührt. Ihre Erhaltung ist aus geschichtlichen und die Bewahrung des jetzigen Gesamteindruckes aus künstlerischen Gründen erwünscht. Da es sich aber tiorliegend um eine rein ideale Aufgabe handelt. sollen auch Entwürfe, die eine Veränderung oder Verschiebung dieser seitlichen Bauten ohne Beeinträchtigung ihrer jetzigen Zweckbestim- mung in Aussicht nehmen, zum Wettbewerb zugelassen werden. Auf Grund dieses Programms ladet die königliche Akademie des Bauwesens die in Deutschland lebenden Architekten zu einem Ideen- Wettbewerbe ein. Die Entwürfe sind bis zum 13. Januar 1907 an das Bureau der Akademie des Bauwesens, W., Leipzigerstr. 125, einzuliefern. Das Preisgericht bildet„die Abteilung für den Hoch- bau der königlichen Akademie des Bauwesens". Zur Auszeichnung der besten Entwürfe steht der Betrag von 2900 M. zur Verfügung, der in einem oder zwei Ehrenpreisen verteilt werden soll. In den Siechenhäusern der Stadt Berlin waren die An- gestellten seit langem nicht minder unzufrieden als in anderen Anstalten unserer Stadtgemeinde. Die sozialdemokratische Frak- tion, aus der der Genosse Gottfried Schulz dem Siechenhaus- kuratorium angehört, hat Jahre hindurch immer wieder die Ur- fachen dieser Unzufriedenheit dargelegt, aber die vorgebrachten Klagen und Wünsche wurden von der Kuratoriumsmchrhcit ge- wohnlich als grundlose Nörgelei oder dreiste Begehrlichkeit zurück- gewiesen. Jetzt endlich hat die Verwaltung der Siechenhäuser sich dazu bequemt, die Unzufriedenheit als berechtigt anzuerkennen und einige Zugeständnisse zu machen. Dem Kuratorium lag in der letzten Sitzung der Entwurf des Siechen- Hausetats für 1907 vor, der zunächst hier beraten werden mußte, um dann dem Magistrat überwiesen zu werden. Der Etat bringt dem Personal eine Reihe kleiner Lohnaufbesserungen und sichert den Eintritt in die einzelnen Lohnftufen durch feste Dienst- altersskalen. Beispielsweise soll gewährt werden den Wärtern ein Anfangslohn von 40 M., den Wärterinnen ein Anfangslohn von 25 M. pro Monat. Diesen und anderen kleinen Lohnaufbesserungen tai das Kuratorium zugestimmt, und wir müssen nun abwarten, wie das Magistratskollegium und später die Stadtverordneten- Versammlung sich dazu stellen werden. Auch eine andere Klage der Angestellten, die Unzufriedenheit mit der Beköstigung, ist jetzt als nicht unberechtigt anerkannt worden. Was für Essen es in den Anstalten unserer Stadt mitunter gibt, das kann man sich aus- malen, wenn man. hört, daß dem Siechenhauspersonal einmal Wurst gereicht wurde, in der sich bereits Maden angesiedelt hatten. Inspektor Pieper hat das im Kuratorium selber zugeben müssen. Bei einer anderen Gelegenheit wurde aus einer Rotwurst, deren Zusammensetzung ein Mißtrauischer ergründen wollte, ein mitver- arbeitetes Stück Knoblauchswurst ans Tageslicht gefördert. Auch das ist im Kuratorium festgestellt worden. Auf dem städtischen Bichhofe ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die Seuche wurde nach dem letzten Schweine« markt entdeckt, und tierärztliche Untersuchungen führten dahin, daß erhebliche Teile des vorhandenen Bestandes an Schweinen vomVer- kauf ausgeschlossen wurden, nämlich sämtliche noch unverkaufte Reste des letzten Marktes und außerdem ein ganzer Stall auf dem Schlachthofe. Aber auch damit ist die Gefahr noch nicht beseitigt, denn schon waren mehrere Transporte in die Provinz abgegangen, und jetzt wird aus Halle gemeldet, daß dort einer dieser TranS- Porte, ein ganzer Waggon voll erkrankter Schweine, beschlagnahmt werden mutzte. Nach einer anderen Nachricht sind auch Rinder von der Seuche begriffen. Die Tiere wurden nach dem Seuchenhof übergeführt und geschlachtet. Es sind alle Maßnahmen gewoffen, um ein weiteres Umsichgreifen der Seuche zu verhindern. Interessant dürfte sein, daß es sich um i n l ä n d i s ch e S Vieh handelt, denn ausländisches kommt ohnehin nicht mehr herein. Gegen ausländisches Vieh werden auf Wunsch der Agrarier die Grenzen gesperrt, angeblich wegen Seuchengefahr, in Wirtlichkeit um den Viehmarkt knapp zu halten und dadurch die Preise hochzuschrauben und inländisches Vieh wird von der Seuche ergriffen. Aus der Elendsstatistik. Am 1. Oktober befanden sich im Ob- dach 30 Familien mit 125 Köpfen und 139 einzelne Männer sowie 30 einzelne Frauen, zusammen 294 Personen gegen 264 Personen am 1. September d. I. und 225 Personen am 1. Oktober v. I. Der Besuch des nächtlichen Obdachs war dagegen im vergangenen Monat um rund 2000 Personen geringer als im September vorigen Jahres und nur um 200 Personen höher als im August dieses Jahres, wo rund 26 700, darunter 690 Frauen, aufgenommen wurden. Im September dieses Jahres waren es 2 Frauen mehr. Ueber einen dreizehnjährigen Messerstecher wird berichtet: In dem Hause Swinemündcrstr. 101 wohnt im Keller des Seitenslügeis der 44 Jahre alte Arbeiter Richard Dahlke mit seiner Frau und seinem 13 Jahre alten Sohn Otto. Vor drei Wochen nahmen die Leute einen Arbeiter Konrad Ellers als Schlafburschen aus, waren aber bald sehr unzufrieden. Gestern früh forderten sie ihn auf. die Schlafstelle zu räumen, und meldeten ihn gleich bei der Polizei ab. Ellers ging auch, kehrte aber gestern abend um 9% Uhr mit einer Frau Sch. zurück. Man wollte ihn nicht einlassen, er stemmte jedoch einen Fuß zwischen Tür und Pfosten, griff Dahlke in den Bart und schlug ihn. Der Angegriffene wehrte sich. Während er mit Ellers rang, sprang sein Sohn ihm bei. Der Knabe hatte ohne Wissen seiner Eltern ein Messer genommen, stieß es Ellers in den Rücken und verwundete ihn schwer. Der Gestochene lief auf die Swinemünderstraße hinaus, brach aber auf dem Bürgerstcig zu- sammen. Inzwischen hatte die Hauswirtin die Polizei des 90. Re- viers rufen lassen. Ein Beamter brachte den Schwerverwundeten mit einem Wagen nach dem Krankcnhause, ein anderer Dahlke und seinen Sohn nach der Revierwache. Der Vater wurde nach der Vernehmung wieder entlassen, der Sohn der Kriminalpolizei zu» geführt. FBjtf Selbstmorde. Ueber eine reiche Selbstmordchronik wird von gestern berichtet. In einer Laube hat sich der 30jährige Brauerei- arbeiter Paul K., der am Grünen Weg 71 in Schlafftelle wohnte. erhängt. K. hatte mit einem jungen Mädchen verkehrt und glaubte, Grund zur Eifersucht zu haben. Aus Gram hierüber verübte er Selbstmord.— Im Wasser haben drei bisher nocki nickit rekognoszierte Selbstmörder den Tod gestmden. Bor dem Grundstück Stralauer Allee 11 wurde gestern nachmittag die Leiche eines etwa 50 Jahre alten unbekannten Mannes aus der Spree gelandet. Ebenfalls aus der Spree gezogen wurde der Leichnam eines etlva 60jährigen Selbstmörders. Schließlich wurde auch noch eine junge Selbstmörderin geborgen. An der Freiarchenbrücke wurde die Tote ans Ufer ge- schlvemmt. Sie zählte etwa 23 Jahre und hat anscheinend den besseren Ständen angehört.— In einem Vorortzuge der Wannsee- bahn verübte gestern der 20 Jahre alte Koch Gerhard Benecke einen Selbsünordverjuch. Beim Eintreffen des Zuges auf der Station Steglitz fand der Stationsassistent den Lebensmüden in einem Abteil 2. Klaffe mit durchschossener Brust auf. In bewußtlosem Zustande wurde B. nach dem Krankenhause gebracht. Das Motiv ist unbekannt. Ein verhängnisvoller Zusammenstoß eines Straßenbahnzuges mit einem Brauereiwagcn der Rixdorfer Vereinsbrauerei, bei welchem eine Person getötet wurde, fand gestern nachmittag gegen 1 Uhr in Britz, Ecke der Chaussee- und Jahnstraße, statt. Zur ge- nannten Zeit kreuzte der Brauerwagen die Jahnstraße, als ein Straßenbahnzug der Linie 28(Seestraßc— Britz) die Chausseeftraße durchfuhr. Der Wagenführer des Motorwagens Halle zwar vor- schriftsmäßig das Warnungssignal gegeben, doch glaubte der Kutscher des Brauerioagens, Karl Adel, noch vor dem Straßenbahn» wagen das Gleis kreuzen zu können. Er hatte sich jedoch in der Distanz verrechnet, und so kam es, daß der Kraftwagen, obwohl dessen Führer die Gefahrbremse zur Anwendung brachte, auf das Lastfuhrwerk auffuhr. Wenngleich die Gewalt des Zusammensiotzes infolge der Aufmerksamkeit des Straßenbahnfahrers bedeutend ge- mildert wurde, stürzte Adel doch von seinem Sitze kopfüber auf das -Straßeripflaster. Der Kutscher hatte sich bei dem Sturze schwere innere Verletzungen zugezogen und wurde in bewußtlosem Zustande nach dem Kreiskrankenhause in Britz übergeführt, wo er kurz nach seiner Einlieferung an den Folgen innerer Verblutung verstarb. Die beiden Gefährte waren bei dem Zusammenstoß nur wenig be- schädigt. Ferner wird ein Zusammenstoß eines Straßenbahnzuges mit einem Mörtelwagen aus der Prenzlauer Allee gemeldet. Ein Mörtelwagen der Firma Tabbert fuhr den erwähnten Stratzcnzug entlang und der Kutscher des Gefährtes versuchte vor dem.Hause Nr. 181 ein anderes Fuhrwerk zu umfahren. Er lenkte die Pferde nach dem Straßenbahngleis hinüber, auf welchem ihm ein Motor- tvagew der Linie 61 entgegenkam und fuhr derartig gegen den Kraftwagen an, daß die Deichselstange die Wand der Vorderplatt« form � durchstieß und den Kontroller zertrümmerte. Die Stirn» wandscheibe des Wagens wurde zersplittert und durch die umher» liegenden Glasstberben der auf der Plattform stehende Kaufmann Fink aus Weißensce im Gesicht verletzt. Ter besckwdigte Straßen- bahnwagen mußte sofort außer Betrieb gesetzt werden. Um ein Kind vor dem Tode des UeberfahrenS zu bewahren, hat gestern nachmittag ein Chauffeur an der Ecke der Joachimstaler- Itraße und des Knrfürstendammes einen Zusammenstoß zwischen einem Automobil und einem Bierwagen herbeigeführt. An dem erwähnten Kreuzungspunkt fuhren die beiden Wagen nebeneinander und plötzlich sprang ein kleines Mädchen vom Bürgersteig herunter und lief direkt vor das Automobil. Unter großer Geistesgegenwart lenkte der Chauffeur sofort den Kraftwagen seitlich ab, so daß eine Karambolage mit dem Bierwagen erfolgen mußte. Da» Kind blieb denn auch unversehrt, dagegen wurde aber der Insasse dek Automobils, Ingenieur Dr. von Kowalski aus Warscbau, du?ch die Deichselstange des Bierwagens am Kopfe und am Arm getroffen und so schwer verletzt, daß er nach der Unfallstation 20 gebracht werden mußte. Wer ist der Tote? Am 14. Oktober cr., vormittags gegen Uhr, wurde am Kottbuserufer, Ecke der Mariannenstraße, ein zirkt 40— 45 Jahre alter, anscheinend dem Arbeiterstande angehöriger unbekannter Mann in vollständig durchnäßtem und anscheinend be- trunkenem Zustande Hülflos aufgefunden und nach dem Kranken- Hause Am Urban gebracht, wo er bald darauf verstorben ist. Be- kleidung: graugrüne Winterjoppe, eine gestreifte und eine schwarze Hose, graue Weste, braune wollene Unterjacke, Sportmütze, schwarze Schnürschuhe. Personen, die über die Person des Unbekannten An- gaben machen können, wollen sich im Polizeipräsidium, 2 Tr., Z. 323, oder in jedem Polizeirevier melden. Wegen eines sehr gefährlichen Kellerbrandcs wurde die Feuer- wehr gestern nach der Waldemarstraße 24 gerufen. Bei Ankunft der II. Kompagnie brannte dort Benzin unter ganz kolossaler Flammen- entwickelunK Durch kräftiges Wassergeben und Anwendung von Sand gelang es, den gefährlichen Brand auf den Keller zu be- schränken. Ein zweiter größerer Brand beschäftigte die IV. Kom- pagnie auf dem Moabiter Güterbahnhof. Ein Eisenbahnwaggon mit Säcken stand dort in Flammen und gefährdete die in der Nähe stehenden Eisenbahnwagen. Brandmeister Hammer ließ durch energisches Vorgehen die Waggons schützen. Es gelang schließlich, den Brand zu lokalisieren. Der in Brand geratene Waggon war nicht mehr zu retten. Die Ladung ist vernichtet. Der Zoologische Garten hat seine reichhaltige Antilopen�- sammlung wieder um mehrere Stücke vermehrt. Du ist zunächst ein neu erworbenes jugendliches Paar Säbelantilopen, statt- liche, wehrhafte Tiere, deren Hörner sich bereits in früher Jugend entwickeln, wie dies bei allen Arten der Fall ist, bei denen beide Geschlechter gehörnt sind. In trefflicher Weise stellt das Bild von Paul Meherbeim, das sich über dem Portal des Antilopenhauses befindet, die Jagd auf Säbelantilopen dar und versetzt den Besucher in die zum Hause gehörige Stimmung. In dem gegenüberliegen- den sogenannten Kamelhause hat eine für den Garten neue Gazellenart,.die arabische Gaze l fe, Unterkunft gefunden. ein überaus zierlicher, ansprechend gefärbter Bock, ein Gegenstück zu seinem Nachbar aus Nordafrika. Im Berliner Aquarium ist neben zahlreichen anderen Tieren eine Sendung neuweltlicher Vogelarten eingetroffen, die nun in die verschiedenen Vogelhäuser verteilt sind. Am interessantesten er- scheinen zwei aus Brasilien stammende, dem Aquarium bisher fehlende SpezieS. Die eine gehört zu der unsere altweltlichen Stare auf der westlichen Erdhälfte vertretenden Familie der in der Gestalt den«crsteren sehr ähnlichen Stärlinge und stellt sich uns als eine Art jener Gattung vor, die infolg« der Eigentümlich- Kit. daß die First des geraden, spitzen Schnabels abgeflacht ist und an der Stirn eine hinten breite und abgerundete Platte bildet, den Namen„Stirnvogel" erhielt. Der rcickuch stargroße Vogel erscheint kohlschwarz, nur Unterrücken und Obcrschwanzdecken zeigen ein lebhaftes Scharlach- oder Blutrot und der Schnabel ist grünlich- weiß. Eine wesentlich andere Verteilung des Schwarz und Rot über ihr Gefieder hat ein zur Familie der Waldsängcr zählender Vogel, eine Art Tangara, indem beim Männchen dieser das Schtvarz auf Flügel. Rücken und Schwanz sicb beschränkt, während das übrige Gefieder ein glänzendes dunkles Purpurrot trägt und das Weibchen oberseits, abgesehen von dem roten Bürzel, dunkelbraun bis schwarz-braun, unterseits düster rotbraun erscheint, so- daß diese Tangara einen prächtigen Schinuckvogcl darstellt. Feuerwehrbericht. Schwere Brandwunden erlitt gestern früh um 4 Uhr ein Mann an beiden Händen bei einem Brande, der in seiner Wohnung, Pappelallee 18, auskam und Kleider, ein Spind usw. erfaßte. Um Mitternacht wurde ein unbekannter Mann in der Greisswalderstratzc an der Ringbahn von einem Straßenbahnwagen überfahren. Die Feuerwehr befreite den Mann und schaffte ihn nach dem Krankenhause am Friedrichshain, Ivo man schwere Per- letzungen feststellte. Gestern vormittag um 9 Uhr brannte in der Bcrgmannstraße 2 Teer. Ferner wurde die Feuerwehr nach der Friedenstraße 70. Krautstraße 6 und anderen Stellen gerufen, Vorort- Nachrichten. Erwiderung. Auf die Erklärung des Aktionsausschusses in der gestrigen Nummer habe ich folgendes zu erwidern: Am Schlüsse der Partcitags-Woche ersuchte ich den Genossen Thiel-Tcmpelhof, am 10. Oktober in Gr.-Lichtcrfelde Bericht vom Parteitage zu erstatten. Er antwortete mir schriftlich, daß in- folge Beschlusses von Groß-Berlin er vor dem 16. Oktober keinen Bericht erstatten könne. Diese Haltung des Genossen Thiel ist allerdings vollkommen gedeckt durch die Bekanntmachung im„Vorwärts" vom Donnerstag, den 27. September, 4. Beilage, Spalte 1, Kopf, allwo zu lesen ist: „Zentralwahlverein für Teltow-Beeskow-Storckow-Char- lottenburg. Wir ersuchen die Wahlvereine betreffs der Bericht- erstattung vom Mannheimer Parteitag sich rechtzeitig an die Delegierten zu wenden, da laut Beschluß Groß-Berlins die Berichterstattung am 16. Ottober 1906 in den Kreisen erfolgt und dann, die Wahlvereine des Kreises sich damit beschäftigen können. Der Zentralvorstand. I. A.: W. Eberhardt." Ich nehme an, daß dem Aktions-Ausschuß diese Verüffent- lichung nicht unbekannt geblieben ist. Nachdem ich kurz vor dem 10. Oktober erfahren, daß dieser Beschlutz insoweit aufgehoben worden sei, als die einzelnen Orts- Wahlvereine schon vor dem 16. Oktober die Berichterstattung vor- nehmen lassen könnten, frug ich beim Genossen Thiel per Rohr- Postkarte unter Bezugnahme auf die veränderte Sachlage nochmals bezüglich der Berichterstattung an und erhielt darauf abermals den telcphonischen Bescheid, daß er sich durch den erwähnten Beschlutz gebunden erachte und daher ablehne. Dies der Sachverhalt. Ich halte mich meinen örtlichen Parteigenossen gegenüber für verpflichtet, demnächst an kompetenter Stelle des Kreises für alle meine Behauptungen den schlüssigen Nachweis zu liesern und eine Aufklärung der Angelegenheit herbeizuführen. Ob dann auch noch„alle Schlußfolgerungen des Vorsitzenden als völlig irrtümlich in sich selbst zusammenfallen"— das scheint mir heute schon nicht sehr wahrscheinlich. Groß-Lichterfelde. K. Wenzel. Vorsitzender des Wahlvereins. Charlottenburg. Die Brisammlung des Wahlvercins, welche den Bericht vom Parteitag entgegennehmen sollte, war von etwa 400 Genossen be- sucht. Der Vorsitzende Schmidt teilte nach der Eröffnung der Versammlung zunächst mit, daß die Mitglieder Suter, Neue, Ritze, Dicke gestorben seien: die Versammelten ehrten ihr An- denken durch Erheben von den Plätzen. Der alsdann von dem Kassierer Müller verlesene Kassen- bericht für das abgelaufene Quartal ergab eine Einnahme von 8529,89 M.(einschließlich 425,28 M. Bestand zu Anfang des Quartals) und eine Ausgabe von 3451.98 M.(einnbließlich 2353,26 M., welche an den Zentralvorstand des Kreises abgeführt sind). Es folgte die Ausnahme von etwa 70 neuen Mitgliedern. Im Vorstandsbericht hob der Vorsitzende Schmidt hervor. daß der Vorstand, entsprechend mehrfach geäußerten Wünschen der Mitglieder, einen Vertragszyklus:„Einführung in die sozialistischen Ideen" veranstaltet; die Vorträge, welche vom Genossen Dr. Borchardt gehalten werden, beginnen am nächsten Freitag, den 19. Oktober, pünktlich tz'/g llhr abends. Nunmehr erstattete Genosse Wollermann den Bericht vom Parteitag. Er gab eine Uebersicht der Mannheimer Ver- Handlungen, mit deren Resultat die Parteei zufrieden sein könne; der Parteitag habe Zwistigkeiten zwischen Partei und Getverkschasten aus dem Wege geräumt und freie Bahn für die notwendigen Arbeiten zur nächsten Reichstagswahl geschaffen, mit welchen so früh- zeitig als möglich begonnen werden müsse. Mit einzelnem in Mannheim Beschlossenen war der Referent allerdings nicht einverstanden; so bemerkte er, dag die Delegierten unseres Kreises(er gehörte zu ihnen) nicht dafür hätten stimmen können, dasz die Resolutionen von Köln und Jena für einander nicht widersprechend erklärt wurden. Ferner bedauerte er, daß die zum Punkte der Tagesordnung„Verschiedenes" gestellten Anträge aus Mangel an Zeil kurzerhand abgewürgt wurden; besonders bedauerlich fei dies bei dem von unserem Kreise gestellten Antrag auf Aenderung des Ausschluß- Verfahrens. Der Parteivorstand weigere sich, ein Schiedsgericht bei Verstößen gegen Beschlüsse der Organisation einzuberufen, da er solche Verstöße nicht als einen Ausschlicßungsgrund anerkenne. Da- her könnte z. B. in Rixdorf ein von den Parteigenossen gewählter Stadtverordneter nicht ausgeschlossen werden, der mit den Bürger- lichen gehe und der Aufforderung der Genossen zur Niederleg'ung seines Mandats nicht Folge leiste. In der Diskussion betonte Genosie Flemming, daß die Arbeiter jeden Versuch der Gewerkschaftsführer, von der Maifeier etwas abzubröckeln, aufs entschiedenste zurückweisen müßten. Genosse Dr. Borchardt ging auf den zuletzt vom Referenten erwähnten Fall ein. Er teilte nicht die Meinung, daß man jetzt schon das Organilasionsstatut ändern solle. Wenn der Fall sich so ver- halte, wie vorgetragen, habe der Parteivorstand seine Beftignisse überschritten; denn die Prüfung der Frage, ob ein Ausschließungs- grund vorliege, übertrage das OrganisalionSstatut nicht dem Partei- Vorstand, sondern eben dem einzuberufenden Schiedsgericht. Genosie Wollermann erklärte ergänzend, daß die An- gelegenheit noch die Kontrolleure beschäftige; übrigens haben die Rixdorfer Genossen den Betreffenden aus ihren Listen gestrichen, nehmen keine Beiträge von ihm entgegen und werden sich ihn auf keine Weise aufzwingen lassen. Zum Schluß wies der Vorsitzende noch einmal auf die Not- wendigkeit der stetigen Agitations- und Organisationsarbeit hin. Erhöhung des Armenetats. Der Magistrat beantragt bei der Stadtverordncten-Bersammlung die Nachbewilliguiig von 18 000 M. für den laufenden Armenetat. Der größte Teil davon, nämlich 10 000 M., entfällt auf die Position: Entsendung in Walderholungs- stätten. Die Erholungsstätten für Kinder in Westend haben eine immer weitere Ausdehnung erfahren. Die im Januar 1905 be- standenen Plätze sind im Frühjahr d. I. auf 160 erweitert worden, es konnten aber tatsächlich täglich 180— 200 Kinder draußen verpflegt werden, indem durch Errichtung von Zelten weitere Unterkunfts- Möglichkeit geschaffen wurde. Außerdem ist in diesem Jahre ein Versuch damit gemacht worden, Kindern auch während der Nacht dort draußen Unterkunft zu gewähren, um zu verhindern, daß in den engen und schlecht gelüfteten Wohnungen der Erfolg des Aufenthalts draußen wieder beseitigt wird und es steht zu erwarten, daß bei weitcrem Ausbau dieser Einrichtung damit ein teilweiser Ersatz für die besonderen Kinder-Lungenhesistätten geschaffen werden kann. Die Uebcrweisung, namentlich von Kindern. in die Erholungsstätten war so stark, daß die in den Etat ein- gesetzten 13 000 M. nicht ausreichten und eine erhebliche Nach- vewilligung erforderlich ist. Die Delegierten der Charlottenburger Gewcrkschaftskommission hielten am 12. dieses Monats im Beisein der Gewerkschafts- vorstände eine Versammlung ab, in welcher Genosse Scheible den Kasienbericht vom 3. Quartal 1906 vorlegte. Die Einnahmen bc- trugen 205,85 M., hinzu kommt ein.Kassenbestand von 1045,62 Vi. vom vorigen Quartal, macht die Gesamtsumme von 1251,47 M. Die Ausgaben beliefen sich auf 620,60 M., sodaß ein Bestand Won 630,37 M. vorhanden ist. Bemerkt sei, daß die Ausgaben zu den Gewerbegerichts-Ersatzwahlen vom 10. Juli dieses Jahres unter Punkt Ausgaben verrechnet stehen. Anschließend hieran wird von Scheible mitgeteilt, daß die'Gewerkschaften der Barbiere, Bau- hülfsarbeiter, Metallarbeiter, Maler, Putzer, Schmiede, Ver- waltungsbeamten und Zimmerer die Unkosten zu den Gewerbe- gerichtswahlen im Betrage von 15 Pf. pro Mitglied bis jetzt noch nicht bezahlt haben. Die Berliner Gewerkschaftskommission, an die man sich mehrmals gewandt habe, hat diese Bezahlung abgelehnt. Genosse Flemming ersucht dieserhalb die Leiter der benannten Ge-. werkschaften, sich mit den Berliner Vorstandskollegen in dieser An- gelegenheit auseinander zu setzen, damit die Sache erledigt wird. Weiter wird noch vom Genossen Gebert die säumige Zahlung der Volkshausbeiträge moniert. Herr Ingenieur Finkelstein referierte alsdann über den Zweck und Nutzen der„Freien Fortbildungskurse für Arbeiter", welche seit 5sH Jahren in einem Sommer- und Wintersemester für niedriges Eintrittsgeld von der sozialwissen- schaftlichen Abteilung der Wildenschaft der Königl. Technischen Hochschule zu Berlin arrangiert werden. Die kommenden Kurse, in denen hauptsächlich Deutsch, Rechnen, gewerbliche Buchführung, Geometrie, Mechanik, Physik usw. gelehrt wird, beginnen am 29. Oktober dieses Jahres und enden am 15. März 1907. Sie finden statt in der Gemeindcschule III, Schloßstr. 2. Das Interesse an diesen Kursen sei erfreulicherweise in der letzten Zeit gewachsen und bittet Redner, den kommenden Kursen ein noch größeres Jnter- esse als zuvor entgegen zu bringen.— Diesen Appell richtete auch der Obmann, Genosse Flemming, an die Gewerkschaftsvertreter. die dieses Thema in ihren nächsten Versammlungen besprechen mögen. Des weiteren ersuchte der Redner, Abonyenten auf das vom ,.Vorwärts"-Verlag herausgegebene Werk„Blut und Eisen" in den Gewerkschaften zu werben. � Nicht vertreten waren: Barbiere, Gastwirtsgehulfen, Metall- arbciter, Putzer und Steinsetzer. Freie Fortbildungskurse für Arbciter veranstaltet die sozial- wissenschaftliche- Abteilung der Wildenschaft der Technischen Hoch- schule zu Berlin im Winter 1906/07 in der Gemeindeschule III zu Charlottenburg, Schloßstr. 2, abends 8— 10 Uhr. Es werden folgende Kurse abgehalten: Deutsch(1 Ober-, 2 Mittel-, 1 Unter- kursus: Freitag); Rechnen(Ober-, Mittel- und Unterkursus: Dienstag); Gewerbliche Buchführung(Montag); Algebra oder Rechnen mit Buchstaben(Donnerstag); Geometrie(Donnerstag): Ausgewählte Kapitel aus der Mechanik(Freitag); Ausgewählte Kapitel aus der Physik(Dienstag); Uebungen im Zeichnen(Geo- metrisches Zeichnen, Bauzeichnen, Maschinenzeichnen, Freihand- zeichnen: Montag); Arbeiterversicherung(Donnerstag); Gewerbe- krankheiten und Gewerbehygiene(Montag). Allgemeine Uebungen, nach Wunsch der Hörer, an allen Schulabenden. Neben den Kursen finden statt: Exkursionen und Exkursionsvorträge, Museums- führungen und gemeinschaftliche Theaterbesuche zu ermäßigten Preisen. Teilnehmergebühr pro Kursus(29. Oktober bis 15. März 1907) 50 Pf., sonstige Veranstaltungen je 10 Pf. Anmeldungen zu den Kursen am Sonnabend, den 27. Oktober, abends 8lH bis SM Uhr in der Gemeindeschule III. Programme erhältlich von Dipl. Jng. Alfons Finkelstein, Charlottenburg, Wilmersdorfer- straße 106. Schöneberg. Eine gut besuchte öffentliche Versammlung, einberufen vom Zentralverband der Handels- und Transportarbeiter, tagte Sonntag abend im Obstschen Lokal. Genosse Stürmer referierte über das Thema:„Kirche, Srtmle und Proletariat"; seine Ausführungen wurden von den Versammelten, unter denen auch die Frauen in großer Zahl anwesend waren, mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Der Leiter der Versammlung, Genosse Schenk, betonte dann noch, wie notwendig für die Zeitungsausträgerinnen der Eintritt in den Verband wäre. Zum Beweise hierfür verwies er auf die hiesige Filiale der.Morgenpost", deren Leiter, ein Herr Bernhard, sich herausgenommen habe,„seine" Austrägerinnen unter Entlassungs- androhung vom Eintritt in die Organisation abzuhalten. Um solchen Maßnahmen erfolgreich entgegenzutreten, könne es für die ZeitungS- frauen nur die Losung geben: Hinein in die Organisarion I— Demnächst wird vom Verbände ein Flugblatt herausgegeben werden, welches die Mißstände in der hiesigen„Morgenpost"-Filiale bcbandelt. Weiter verwies Redner noch auf die bevorstehenden Delegierten- Wahlen zur Schöneberger Orts-Krankenkasse; hiermit beschäftigt sich eine öffentliche Versammlung, die am Donnerstag im Obstschen Lokal tagt. Köpenick. Auf dem heute, Donnerstag, den 18. d. M. stattfindenden vierten Theaterabend des Gewerkschaftskartells wird hiermit noch besonders hingewiesen. Zur Aufführung gelangt„Kater Lampe" von Emil Rosenow. Der Eintrittspreis beträgt 50 Pf. inkl. Garderobe und Programm._ Gerichts-Zeitung� Der Rhinomer Lustmordprozcß stand am Dienstag vor dem Schwurgericht beim Potsdamer Landgericht zur Verhandlung. An- geklagt ist der 20jährige Hausdiener August Blumenthal aus Rhinow wegen eines Sittlichkeitsverbrechens und wegen Mordes an der sjährigen Tochter Hedwig der Witwe Witte in Rhinow. Am 31. August wurde die Kleine von ihrer Mutter ver- mißt Am folgenden Morgen wurde sie in der Nähe des Babnhofs als Leiche aufgefunden, die die Merknmle des verübten Sittlichkeits- Verbrechens und des gewaltsamen Todes an sich trug. Als Täter wurde der Angeklagte festgestellt, der bei dem Bahnhofswirt Topp in Stellung war.— Wegen Gefährdung der Sittlichkeit wurd» die Oeffentlilbkeit während der Verhandlung, zu der sich zahlreiche Zu- Hörer eingefunden hatten, ausgeschlossen.— Die Geschworenen be- j a h t e n die Schuldfrage nach Totschlag; die nach Mord lautende wurde verneint. Mildernde Umstände blieben dem An- geklagten versagt.— Vom Staatsanwalt wurden zwölf Jahre Zuchthaus beantragt.— Das Gericht erkannte demgemäß. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden dem Bl. auf zehn Jahre aberkannt. — Der Verurteilte trat die Strafe sofort an. Der prügelnde Pfarrer. Vom Landgerichte S ch w e i n f u r t ist am 7. Mai der P f a r r e r Alois Oehling wegen Körperverletzung zu 10 M. Geldstrafe ver- urteilt worden. Der 13 Jahre alte Schüler I. leistete Ministranten- dienste in der Kirche. Der Angeklagte hatte Disierenzen mit dem Vater und versuchte daher, den Knaben in der Religionsstunde lächerlich zu machen. Der Vater verbot daher dem Knaben das Ministrieren. Als der Angeklagte den Knaben wegen seines Ausbleibens zur Rede stellte, berief sich dieser auf das Verbot seines Vaters. Der Angeklagte sagte, in der Kirche müsse er ihm gehorchen, nannte ihn Lausbub und gab ihm sechs Schläge mit einem Stock auf das Gesäß. Der Angeklagte hat, fo heißt es im Urteile, nur aus Aerger gehandelt. Seine Aus- rede, er habe sich als Lokalswulinspektor, Religionslehrer und Kindererzieher zu der Züchtigung für berechtigt gehalten, fand keine Beachtung. Der Angeklagte wollte gar kein Züchtigungsrecht aus- üben, sondern nur seinem Aerger Luft machen.— Die Revision des Angeklagten wurde am Montag vom Reichsgerichte ver- w o r f e n._ Ohne polizeiliche Ucbcrwachuug darf nicht über Politik geredet werden. Die vorstehende für ein modernes Staatswesen ungeheuerliche Rechtsansicht beherrschte ein Urteil, das am Montag vom Kammer- gericht gefällt'wurde. In der Privatwohnung des Bergmanns Sperling, eines Mitgliedes des Arbeitergesangvereins„Vorwärts" in Beckhausen bei Buer, kamen die Vereinsmitglieder(durchweg Bergleute) zusammen. Polizeibeamte kamen hinzu und lösten die Versammlung auf, weil ein Mitglied Breuche die soziale Lage der Bergarbeiter besprochen und empfohlen hatte, auf ein Zusammengehen des alten Verbandes mit dem christlichen Gewerk- verein hinzuwirken, um besser den Bergwerksbesitzern zur Erlangung günstiger Arbeitsverhältnisse entgegentreten zu können. Auf Grund der§§ 1 und 12 des Vereinsgesetzes verurteilte das Landgericht— weil die Versammlung nicht der Polizei gemeldet war— Brenche und Sperling zu Geldstrafen: Breuche als Redner und Sperling als den, der den Raum für die Versammlung hergegeben hatte. Das Gericht ging davon aus, daß die nicht polizeilich an- gemeldete Versammlung nach% 1 des Vereinsgeietzes der An- ineldung bedurft hätte, weil sie durch die' n i ch t ver- hinderten Ausftihrungen Breuches eine solche geworden sei, in der öffentliche Angelegenheiten hätten erörtert werden. sollen.— Deshalb sei ferner die Auflösung berechtigt gewesen und s ä m t- liche 14 Anwesende, mit Ausnahme von Sperling als Besitzer des Raumes, hätten gemäß§ 6 des Vereinsgesetzes sofort nach der Auflösung den Raum verlassen müssen. Da sie es nicht taten, wurden sie, ausgenommen Sperling, vom Landgericht auf Grund der Z8 6 und 15 des Gesetzes zu Geldstrafen verurteilt. Außerdem erhielt noch der Angeklagte Schulte wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt vierzehn Tage Gefängnis. Er war nach der Auf- lösung nicht schließlich doch gegangen, wie die übrigen, sondern hatte sich schnell von Sperling das Hausrecht übertragen lassen, die Beamten zum Verlassen des Zimmers aufgefordert und sich seiner Abführung durch diese körperlich widersetzt, indem er sich mit den Füßen gegen den Boden stemmte, sich an der Haustür mit Kraft festhielt usw. Gegen diese Verurteilung legten die 15 Angeklagten Revision ein. In der Verhandlung vor dem ersten Straffenat des Kammer- gerichts wurde der Angeklagte Schulte durch Rechtsanwalt Roth vertreten. Der Anwalt machte geltend, daß die Versammlung zu Unrecht aufgelöst sei, denn sie könnte nach de» landgerichtlichen Feststellungen nicht als eine Versammlung im Sinne des 8 1 des Vereinsgesetzes gelten, der nur die Anmeldung vorschreibe für Versammlungen, in denen öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollten. Ivo das also von vornherein bestimmter Zweck sei. Davon sei hier nicht die Rede. Erst im Laufe des Zusammenseins sei nach Behandlung interner Angelegenheiten des Vereins von Breuche zu- fällig erörtert worden, was das Landgericht als öffentliche An- gelegenheiten ansah, nämlich die Notwendigkeit des Zusanimengehens der Bergleute usw. Wäre aber die Auflösung unberechtigt ge- wesen, so hätten die Angeklagten nicht das Zimmer räumen brauchen, und der Angeklagte Schulte sei dann keines Wider- standes gegen die Staatsgewalt schuldig, da in diesem Falle die Beamten bei ihrem Vorgehen gegen ihn sich nicht in be- rechftgter Ausübung ihres Amtes beftmden hätten. Hinzu komme, daß Schulte der Meinung gewesen sei, die Auflösung sei unberechtigt und er könne weiter in der Wohnung Sperlings bleiben. Außer- dem habe Sperling, der Besitzer dieser Privatwohnung, Schulte„das Hausrecht übertragen" gehabt. Gleichgültig' sei, ob das formell juristisch zulässig sei. Jedenfalls habe Schulte darin eine Erlaubnis des Besitzers, auch nach der Auflösung sein Gast zu bleiben, sehen können. Der er st e Strafsenat des Kammergerichts ver- warf jedoch die Revisionen der Angeklagten mit folgender Be- gründung: Die 8§ 1 und 12 des Vereinsgesetzes seien mit Recht angewendet. DaS Programm einer Versammlung könne sich' sehr wohl in ihrem Laufe selbst ändern. Indem irgend ein Teilnehmer öffentliche Angelegenheiten erörtere. werde sie, wenn sie es nicht war, nach dem Willen dieses Redners eine solche, in der öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollten, und sie werde von nun an eine meldepflichtige Ver- sammlung. Jeder, der dann als Leiter, Redner, Lokalinhaber fungiere, sei strafbar. Natürlich nur dann, wenn jene Erörterung nicht bloß eine spontane, einer augenblicklichen Aufwallung ent- springende Aeußerung sei und dem Betreffenden nicht gleich„der Mund gestopst" werde. Der Leiter der Versammlung müsse sich sagen:„Halt, jetzt kommen öffentliche Angelegenheiten", und er müsse die Versammlung schließen oder dem Redner das Wort entziehen. Wenn es aber nicht geschehe, Ivie hier, so sei es eine Versammlung geworden, die ohne Anmeldung nicht tagen durste. Abwegig sei auch die Auffassung, daß die Versammlung oder einzelne Teilnehmer entscheiden könnten, ob die Auflösung berechtigt sei. um ihr Verhalten danach einzurichten. Der 8 6 verlange viel- mehr ein unbedingtes sofortiges Verlassen des Raumes nach der Auflösung einer Versammlung. Auch die Anwendung der 88 6 und 16 des Gesetzes wäre somit gerechtfertigt. Ohne weiteres ergebe sich hieraus auch die Verurteilung des Angeklagten Schulte ivcgen Widerstandes, denn zweifellos hätten sich nach dem vorher Gesagten die Beaniten in der rechtmäßigen Ausübung ihres Amtes befunden.— Wäre das Urteil richtig, so dürften auch die Richter in ihrer Wohnung oder in einer Kneipe sich über politische oder soziale Dinge nicht unterhalten. Rußland wäre freiheitlicher als Preußen. Ist ein Streikbrecher ein„nützlicheres" Element als ein Beamter? Wie weit Gerichte davon entfernt sind, ohne Ansehen der Person urteilen zn können, vielmehr ans die Klassenunterschiede Rücksicht nehmen, beweisen aufs deutlichste zlvei Urteile, die das Schöffengericht Jena in der Sitzung vom 16. Oktober gefällt hat. Das„Jenaer Volksblatt" berichtet: I. Beim letzten Streik der Jenaer Speditionsarbeiter und Kutscher ist der G e s ch i r r f ü h r e r Otto S. in Wenigenjena einem Arbeitswilligen gegenüber etwas unvorsichtig gewesen. Der Arbeiter Johann Julius L. hier hielt es für zweckmäßig, � sich während des Ausstandes der Arbeiter, die für eine bessere Existenz käinpften, einem Unternehmer zur Verfügung zu stellen. Darüber war S. nebst seinen Kollegen aus begreiflichen Gründen sehr erbost und als sie des Arbeitswilligen ansichtig wurden, packte ihn S. beim Arme und rief:„Wenn Du jetzt nicht sofort die Arbeit niederlegst, haue ich Dir den Wanst voll I" S. ist auf Grund der 88 240 und 243 des Strafgesetzbuchs angeklagt; er bestritt, den arbeitswilligen Arbeiter bedroht zu haben. Der Amtsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 40 M. Das Schöffengericht sah die Sache noch schlimmer an und verhing über den bisher völlig unbescholtenen Mann eine ei n wöchige Ge- fängnis strafe. Der Vorsitzende führte zur Urteilsbegründung aus, daß eine Geldstrafe nicht den Arbeiter treffen wurde, sondern von der Streikkasse getragen werde.„Die ganze Art und Weise" in dem Verhalten des An- geklagten sei besonders brutal. II. Der praktische Arzt Dr. Max Fr. in Koburg hat im Sommer d. I. in hiesiger Stadt auf alle Fälle seine gute Erziehung und seine jetzige soziale Stellung vergessen und sich offenbar wieder einmal als flotter Studio gefühlt. Der Herr Doktor ist nämlich wegen Ver Übung ruhestörenden Lärms, wegen Bei- legnng eines falschen Namens einem Beamten gegenüber, wegen passiven Wider st andes gegen dieStaatsgewalt und wegenBeamtenbeleidigung angeklagt. Der Angeklagte trieb es am I. August morgens gegen 4 Uhr mit einigen„alten Herren" etwas zu bunt, so daß Schutz- mann L. gezwungen war, in Aktion treten zu müssen.„Ich heiße Chryselius Krause I" erwiderte der lebenslustige Arzt, nachdem er eine Marktbude über den Haufen geworfen hatte und der Beamte darauf den Namen wissen wollte. Auf dem Wege zur Wache leistete Dr. Fr. nicht nur Widerstand, sondern nannte den Schutzmann auch noch einen„dummen Kerl". Urteil: wegen Ruhestörung 3 M. Geld st rase event. 1 Tag Haft, wegen falscher Namcnsangabe 3 M. event. 1 Tag Haft, wegen Beamtenbeleidigmig und Widerstand 15 M. event. 3 Tage Gefängnis. Also ein Arbeiter, der lvegen eines erbitterten Lohnkampfes in der Sorge um seine Existenz ein paar unbedachte Worte äußert, wird zu einer Woche Gefängnis verurteilt, obwohl er bis dahin völlig unbescholten ist. Ein gebildeter Arzt dagegen, der Gewalt- tätigkeitcn verübt und den Hütern der öffentlichen Ordnung Wider- stand leistet, kommt mit einer für seine Verhältnisse geringen Geld- strafe davon. Und da wundern sich diese selben Leute, wenn weit über die Kreise der Arbeiter der Begriff der Klassenjustiz deutlich wird. Vergewaltigung einer Greisin. Das Stuttgarter Schwurgericht verurteilte am Mittwoch den 19jährigen Gipser David Groß aus Weil im Dorf wegen Ver- aewalrigung einer achtzigjährigen Frau zu zwei Jahren Zuchthaus und den üblichen Ehrenstrafen. Revolverpresse. Einer jener infamen Hallunken, die die Presse zu schamlosen Erpressungsversuchen nach dem Rezept des konservativen Führers Lindenberg aus den 40 er und 50 er Jahren mißbrauchen, stand am- Montag vor dem Reichsgericht als AngeUagter. Vom Landgericht Bonn ist am 24. Februar der Verleger und Redakteur des Waldbröhler„Anzeigers", Christian Haupt, wegen versuchter Erpressung zu sechs Wionaten Gefängnis verurteilt worden. Das Blatt bringt, so heißt es im Urteile, fortwährend Angriffe gegen Beamte, auch gegen den Schuldirektor S. Bei diesem erschien der Angeklagte eines Tages und legte ihm das Konzept eines Artikels vor, in welchem in gehässiger Weise ein Ausflug geschildert wurde, den S. mit einem Vergnügungs- vereine gemacht hatte. S. erklärte, er werde ihn anzeigen, ivenn er die gehässigen Stellen mit veröffentliche. Der Angeklagte war bereit, diese Stellen zu unterdrücken, wenn ihm ein Geschäftslokal für Papierwaren, das ihm das Kuratorium bereits abgeschlagen hatte, in- der Schule zur Verfügung gestellt werde. S. war eingeschüchtert und versprach zu versuchen, was sich tun lasse. Der Artikel erschien nun unter Weglassung der ominösen Stellen. Da aber der Wunsch des Angeklagten nicht erfüllt wurde, erschienen nickt nur die weggelassenen Stellen noch, sondern auch noch weitere Schniähartikel in dem Blatte des Angeklagten. Da S. dem Kuratorium angehört, wäre es ihm ein leichtes gewesen, dem Angeklagten das Lokal zu verschaffen. Das Mittel, welches der Angeklagte anwandte, war geeignet, die Erpressung zur Vollendung zu bringen.— Die Revision des Angeklagten wurde vom Reichsgericht verworfen._ Ein Postcxpeditor auf der Anklagebank. DaS Landgericht München verurteilte am Montag eine Verkäuferin zu drei Monaten Gefängnis wegen versuchter Abtreibung. Der Postexpeditor Schulz, der die Verkäuferin dazu angestiftet hatte, die Folgen des Verkehrs mit ihm zu beseitigen und versucht hatte, sie zu einer meineidigen Aussage, durch die er freizukominen hoffte, zu bewegen, wurde zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Vermischtes. Im Unterseeboot eingeschlossen. In Biserta ereignete sich gestern ein sehr ernster Unfall des Unterseebootes„Lutin", welches unter dem Befehle des Kapitäns de la Croix steht. Die.Besatzung beziffert sich auf neun Mann. Das Boot machte außerhalb der Reede Tauchvcrsuche bis 30 Meter Tiefe, als plötzlich von demselben Signale gegeben wurden, welche andeuteten, daß es nicht an die Oberfläche gelangen könne. Der das Unterseeboot begleitende Schleppdampfer gab sofort Alarm- signale, woratif noch drei andere Schleppdampfer herbeieilten. Bis- her sind indessen die Versuche, das Unterseeboot wieder zu heben, ergebnislos geblieben. Sobald der englische Konsul von dem Un- glück hörte, erbot er sich, an den Gouverneur von Malta zu tele- graphieren, damit dieser die dortigen Rettungsboote sofort nach Biserta senden möge. Dieser Vorschlag wurde dankend an- genommen.— Weitere Nachrichten besagen: Paris, 17. Oktober. Unter Bestätigung der Meldung vom Verschwinden des Unterseebootes „Lutin" wird dem Marineminister aus Biserta telegraphiert, daß der mit der Aufsuchung beschäftigte Bagger auf 40 Meter Tiefe gewissen Widerstand fand. Paris, 17. Oktober. Die Meldung von dem Unfall des Unterseebootes„Lutin" hat in Paris große Sensation hervor- gerufen. Der„Lutin" war vom gleichen Typ wie der ebenfalls bei Biserta untergegangene„Farfadet" und hatte 18ä Tonnen Schalt. An Bord befanden sich 2 Offiziere und 12 Mann. Marineminister Thomson erhielt die Nachricht im Theater von einem Journalisten. Er begab sich sofort ins Marineamt. wo inzwischen die Bestätigung der Meldung von dem Untergang des Schiffes ein- gegangen war. Der Minister sprach die Hoffnung aus, daß es trotz der pessimistischen Ansichten gelingen werde, das Unterseeboot zu heben._ Gesundbeter. Wien, 16. Oktober.(28. T. B.) Die hier tagende Plenarver- sammlung der österreichischen Bischöfe richtete zu Händen des Kardinals Richard ein Schreiben an den Episkopat Frankreichs, in welchem dem lebhaften Bedauern wegen der über die Kirche Frankreichs hereinbrechenden traurigen Ereignisse Ausdruck ge- geben und den Bischöfen Frankreichs Glückwunsch und Verehrung ausgesprochen wird für ihre bewundernswerte Eintracht und un- crschlltterliche?lnhänglichkcit an den Heiligen Stuhl. Das Schreiben schließt mit der Versicherung, daß die österreichischen Aischofe beten würden, daß die Pläne der Feinde zu Nichte werden. Das Unglück in Wingate. Die Bergungsarbeiten in der Grube von Wingate werden fortgesetzt. 24 weitere Leichen sind gefunden worden. Die Gesamtzahl der Opfer ist noch immer nicht genau festgestellt._ Bnefhaften der Redaktion. Tie jnriftischc Sprechstunde findet wochentäglich von?>/, bis 91/» Uhr abends statt, tficöffuct 7 Uhr. Tonnabcnds beginnt die Sprechstunde»m V Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe nnd eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Hainfpcrch. 1. u. 2. Die Klage hat wenig Aussicht aus Erfolg. 3. Anwalts- zwang besteht, Kosten etwa 106 M.— W. 53. Das ist nicht möglich.— Ol. H. Zahlen Sie die Kosten vor dem Termin, sonst werden die Kosten noch höher.— G. St. 101. Das Amtsgericht wird Auskunft nicht erteilen. Die Sachlage ist auch für die Beleidigungsklage unerheblich.— P. Ni. 100. Die Frau hastet in beiden Fällen.— P. K. 44. Leider nein.— M. W. 40. Verklagen Sie den Mieter aus Zahlung der Miete bis April 1367.— F. G. 100. 1. Ja. 2. Nein, aber ein Antrag an die Steuerdeputation verspricht Erfolg.— H. 75. Nein: die Bestimmungen deS früheren Vertrages würden sür gültig erachtet werden.— St. M. 38. Eine neue Klage wäre aussichtslos.— E. B. 1. und 2. Ja. 3. Nein. — St. B. 55. Wedding. Verlangen Sie unter Drohung einer Frist Be- seitigung der Mißstände, droben Sie eventuelle Vornahme der erforderlichen Maßregeln aus Kosten des Wirts an, führen Sie Ihre Drohung aus und klagen die Kosten beim Amtsgericht ein. Ein Recht zum Rücktritt vom Ver- trage steht Ihnen leider nicht zu.—(P. I. 21. Nein.— W. 0. Keineswegs. Bismarck war Nescrcndar.— H. K. 504. Ohne Zustimmung Ihres Gläubigers können Sie die aus süus Jahre sestgcmachte Hypothek nicht vor Ablauf von süns Jahren ablösen.— Elender. Der junge Mann soll schleunigst die Verhältnisse dem Vormundfchastsgericht schristlich schildern, beantragen, der Mutter die elterlichen Rechte zu entziehen und ihm zu ge- statten, bei Ihnen zu wohnen. Das Gesuch können Sic mit unterschreiben und Ihre Zustimmung erklären.— F. 2. 7. Simanowski, Engel-User 15. — E. E. K. Falls Bestimmungen Ihres Vertrages nicht entgegenstehen sollten, hat der Wirt die Reparaturpflicht.— M. M. 90. Nein. — B. St. 28. 1. Nein. 2. und 3. Schildern Sie den Sie betreffenden Fall, erwähnen Sie insbesondere, um welche Art Rente lUnsall-? Invaliden-?) und um welche Strafe es sich handelt. Allgemeine Anfragen erfordern weit über den Einzelfall hinausgehende allgemeine Darlegungen, von denen wir schon mit Rücksicht aus den Raum absehen müßten.— E. St. Charlotten- bnrg. Magistrat usw. hasten keineswegs, da der Verein ihnen nicht unterstellt ist. Auch eine Klage gegen den Verein hat keine Aussicht aus Ersolg. Hastbar könnte nur der Riegen- oder Turnstundenleiter gemacht werden, falls ihm ein Versehen zur Last sällt.— 190. Eine Bezahlung widerspricht dem Hausfriedensbruch-Paragraphen nicht, wenn das Gericht angenommen hat, die Betreffenden hätten sich bewußt unbefugt eingeschlichen. Berufung, die in Strassachen innerhalb einer Woche nach Verurteilung an das verurteilende Gericht zu richten ist, wäre nicht ohne Aussicht aus Ersolg. — H. St. 114. Sic müssen an die Berussgenossenschast den Antrag aus Bewilligung der Unsallrente richten, können auch Vorschußzahlung beantragen. Erst von dem dann ergehenden Bescheide ab zahlt die Berussgenossenschast. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Marktballen-Direktion.(Großhandel.) Rindfleisch In 69—74 pr. IVO Psd., IIa 63-68, llln 58—62, IVa 52- 56. Kalbfleisch, Doppclländer 105— 115, la 84—90. IIa 72—82, llln 62—70, Holl. 55—62. Hammelfleisch la 75—80, lla 64— 74. Schweinefleisch 64—72. Rehböcke la per Pfd. 0,65—0,88, An 0,50—0,64. Rotwild la 0,38—0,50, IIa 0,30—0,35. Damwild 0,38— 0,50. Wildschweine 0,40. Frischlinge 0,00. Hajen p. Stück 2,50—3,30, klein 1,50—2,25. Kaninchen per Stück 0,25— 0,60. Wildenten per Stück 1,00— 1,50. Krickenten 0,60. Bekassinen 0,40. Rebhühner, junge la 0,85—1,10, junge An 0,50—0,80, alte 0,60—0.75, junge kleine 0,00. Hühner, alte per stück 1,50—2,45, alte IIa 0,80—1,20, junge per stück 0,60—1,25. Tauben per Stück 0,30—0,60, alte 0,00. Enten, junge per stück 1,80—3,45, alte per Stück 0,00, Hamburger, junge per Stück 3,10. Gänse, Oderbrucher, per Psund 0,45—0,56, dito Hamburger, junge 0,60, la ver Stück 3,00—3,60, Aa 1,25—2,80. Poulets per Stück 0,00. do. klein 0,50—0,90. Hechte per 100 Psd. 82—95, groß 0,00, klein 0,00. Aland 0,00. Schleie 119, große 97, kleine 137. Bleie 0,00. Aale, groß 0,00, mittel 90—95, klein- mittel 0,00, unsortiert 0,00. Plötzen 42—52. Karpfen, unsortiert 67-68, do. 50er Galizier 68, 80er do 6? 40cr Schlesische 66-69. Barse 0,00, matt 0,00. Karauschen 68 Bleisische 10—13. Wels 0,00. Bimte Fische 51—54, malt 0,00. Amcrikauisckier Lachs la neuer per 100 Psd. 110—130, do. II» neuer 90—100 do. llla neuer 75. Sprotten. Kieler, Wall 0.75—1,30, Danziger Wall 0,50. Flundern, pommcrsche In. per Schock 3,00—9,00, do. pommersche IIa 2—4, Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel ver Kiste 2—3, Hamb. Stiege 5—6, halbe Kiste 2. Bücklinge, per Wall Kieler 2—3 50 Stralsunder 2,00—3,50. Aale, groß per Psd. 1,10—1,30, mittelgroß 0.80— l'oo' klein 0,50—0,60. Heringe per Schock 4—5. Schellsische Kiste 3—4' do's, Kiste 2. Kabliau, p. 100 Pfd. 20-25. Heilbutt 0,00. Sardellen 19G>er per Anker 95, 1904er 95, 1905er 90, 1906cr 70. Schottische Vollbcrinae 1905 0,00, larg�o 40— 44, füll. 36— 38, med. 35— 42, deutsche 37_ 44 Heringe, neue Matjes, per To. 60—120. Sardinen, russ Fast >,50-1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—1.75. Neunaugen, Schockfaß II, kleine 5—6, Riesen- 14. Hummern, kleine, per Psd 000 Krebic, per Schock, große 0,00, mittel 0,00, kleine 0,00, unsort. o'oo! Galizier, groß 0,00, mittel 0,00. Eier, Land-, per Schock 4,00— 4 60 Butter per>00 Psd. la 124-127, IIa 115-120.' llln 110-114. absallende 95-105 Saure Gurken Schock 3,50—4,00, Pseffergurken 3.50—4.00 Kartoffeln per 100 Pid. 1,90—2,10, mnxnum bonum 1,60—2,00, Dabersche 2—2 15 Rosen 0,00, weiße 1,60—1,80, salatkartoffeln 4,00—5,00 Spinat ver 100 Pfund 10,00-15,00. Karotten per Schockbund 2 50 Sellerie, hiesige, per Schock 4,00-6,00. do. pommersche 4—5,00 Zwiebeln große, per lOOPsd. 3,00— 3,50. do. kleine 2,50—3,00. do. hiesige iPerl-) 30—50. Charlotten 50—60. Petersilie, grün, Schockbd. 1,25. Kohlrabi per Schock 0,75—0,80. Rettig, bahr., per Schock 2,40—4,80. Radieschen per Schock-Bd. 0.80—1.00. Salat, per Schock 2.00-3,00. Bobnen grüne per 100 Psund 20—25. Wachsbohncn 20—25. Pfefferlinge per'lOO Psd' 10—14. Mohrrüben per lOOPsd. 2—3. Teltower 3!üben p. 100 Psd 10—12 Weiße Rüben, große 3—4, kleine 6,50—7. Blunrenkohl p. Mandel 1 50—2 50 do., Ersurter, Kops 0,11-0,20. Wirsingkohl ver Schock 4.00—7.00. Rotkohl P. Schock 5,00— 9,00. Weißkohlp. Schock2,00— 6,00. Rosenkohl p. 100 Psd 20— �5 Steinpilze p. 10Q Psd 15—25. Kohlrüben Schock 2,50-4,00. Tomaten, biesiae 100 Psd. 12—15. Kürbis 2—3. Birnen, per 100 Psd. hiesige 7—25 Tiroler 16—35, böhmische 6—16. Aepscl, per 100 Pfd.. hiesige 4-20, Gravensteiner 8—20, Tiroler in Fässern 15—25. do. lose 12—13, Amerk. 16—24. Prcißcl- beeren, schwedische 23-24, Gebirgs- 30—32, Wallnüffe per Schock 1,00—1,50. Pflaumen, per 100 Psd., hwsige 3-6, Böhmische 3—8, do. große 7—10. Zitronen, Mejsina 300 Stück 19,00—22,00, 360 Stück 12,50—18 00 200 Stück 10—14, 420 Stück, klein 9—13, 500 Stück, klein 10—13 Pfirsiche, Werdcrsche per 100 Pfd. 0,00, Tiroler 0,00, italienische 50-70. Wafferstand am 17. Oktober. Elbe bei Aussig— Meter, bei Dresden— 0,88 Meier, bei Magdeburg-s- 1,82 Meier— U n st r u t' bei Straußsirrt— ,— Meter.— Oder bei Rntibor-s- 1,46 Meter.— Neiße- Mündung+ 1,84 Meter.— O d e r bei Brieg+ 1,87 Meter.— Oder bei Breslau Unterpegel— 0,82 Meter. s- mBüTT-SPIR-VEREIN„HORDEH ** Die i Rabatt Auszahlung 1 906 findet für Inhaber weißer Zettel in; Frübels Allerlei-Theater, schönhaä'ser Aiiee 148, für Inhaber roter Zettel im; Gesellschaftshaus Weddlns� o. Milbrodt, von Müllers Straße 7(an der Fenn-Straße) Vormittags 10 Uhr bis Nachm. 3 Uhr r 1- 7001- 14001- 21001- 28001- 35001- 42001- 49001- 56001- 63001- 70001- 77001- 84001- 91001- 98001- 105001- 112001- 119001- 126001- 133001- in folgender Reihenfolge 7000 Vorm. v. 10— 12 Uhr - 14000 Nachm. - 21000 Vorm. - 28000 Nachm. - 35000 Vorm. - 42000 Nachm. - 49000 Vorm. - 56000 Nachm. - 63000 Vorm. - 70000 Nachm. - 77000 Vorm. - 84000 Nachm. - 91000 Vorm. - 98000 Nachm. -105000 Vorm. -1 12000 Nachm. -119000 Vorm. -126000 Nachm. -133000 Vorm. -140000 Nachm. 1—3 10— 12 1—3 10—12 1—3 10—12 1-3 10—12 1—3 10—12 1—3 10—12 1—3 10—12 1—3 10—12 1—3 10—12 1—3 der Buchnummern statt: Donnerstag, 13. Dezb. do. 13. do. Freitag« 14. do. 14. Sonnabend� 15. do. do. do. do. Buchnummer 1 40001— 1 47000 Vorm. do. do. do. do. do. v. 10— 12 Uhr » 1-3„ „10-12.. .. 1-3.. .. 10-12.. .. 1- 3.. 147001—154000 Nachm. 154001— 161000 Vorm. 161001— 168000 Nachm. 168001—175000 Vorm. do. 15. do. do. 1 75001 u.darüber Nachm. Montag, 17. Dezember Vorm. 10—12 Uhr in Tegel, Restaurant Trapp, Bahnhofstr. 1 u. 2. do. 17. Dezember Nachm. 2—3 Uhr in Kremmen, bei Herrn Schramm, Berlinerstr. 9. do. 17. Dezember Nachm. 3—4 Uhr in ReinickendorfsW., Re8taurantQrunwald,Scharnweber8tr. 156/157. Dienstag, 18. Dezember Vorm. 10—11 Uhr in Weißensee, Restaurant Tzscheutschler, Langhansstr. 106. do. 18. Dezember Nachm. 2—3 Uhr für Dalldorf, Hermsdorf und Waidmannslust in Dalldorf, Restaurant Bader, Oranienburgerstr. 20. do. 18. Dezember Nachm. 4— 6 Uhr in NiedersSchönhausen, Restaurant Liedemit, Kaiser Wilhelmstr. 35. Die Säle werden Punkt 3 Uhr geschlossen, später Kommende können erst am nächsten Tage Geld erhalten. Im Interesee einer glatten Abwickelung und Aufrechterhaltung des Verkehrs ist Händlern und Zettelverteilern der Aufenthalt im Haus, Flur und Hof der Auszahlungslokale nicht gestattet. Wir ersuchen Sie höflichst, die oben angegebenen Zeiten genau innezuhalten, um uns eine geregelte Abfertigung zu ermöglichen. Die Zahlungen erfolgen nur gegen Vorzeigung der weißen Sparbücher und der schwarzen Legitimationskarte. Für grüne Sammelbücher wird auf keinen Fall Zahlung geleistet, sondern die betreffenden Blätter des Sammelbuches sind in den LImtauschstellen gegen ins Sparbuch zu klebende Rabattmarken bis inkl. 16. November er. einzutauschen. Marken, welche nach dem 16. November umgetauscht sind, können auf keinen Fall bei der diesjährigen Auszahlung honoriert werden. Vorschußzahlungen werden auch im Jahre 1907 jederzeit geleistet, während der Auszahlung vom 1.— 18. Dezember er. finden jedoch keine Vorschußzahlungen statt. Für verlorene weiße Bücher, in welche Marken von 1906 eingeklebt sind, können Ersatzbücher nur bis 28. November er. ausgestellt werden. Um Irrtümer zu vermeiden, ist es notwendig, bei Zahlung des Spargeldes stets den zu empfangenden Betrag anzugeben, worum wir hierdurch höflichst ersuchen. An Kinder unter 14 Jahren wird Geld nicht verabfolgt. Der Umtausch der Blätter für 1907 erfolgt vom 3, Dezember ab in den Umtauschstellen, jedoch unter Ausschluß der Weihnachtsa woche(19. bis 27. Dezember). Rabatt s Spar s Verein„Norden44, G. m. b. H. Berlin, im Oktober 1906. Bfionttrortlickjcr Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für deg Inseratenteil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwäriD Vuchdruckerei u. Verlaasanstalt Paul Singer& Co., Berlin SVlt Nr. 243. 23. Jahrgang. 4. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnerstag, 18. Oktober 1906. werden müsse" weil die Häufigkeit des Boykotts in dieser Industriewerten abhängigen() Gewerbetreibenden hervorrufen müsse. Die Gewerbetreibenden müßten sich sagen, daß das, was heute einzelnen Wirten passiert, morgen jeden anderen treffen könne, sobald er etwas tue, was der sozialdemokratischen Partei nicht passe! Zweierlei Recht für Boykottierung. Induſtriegegend eine erhebliche Beunruhigung unter den von den " Anbetracht der am Sonntag, den 7. Oktober 1906, in seinem Vereinslokale anberaumten Bergarbeiterversammlung, in der die Sozialdemokraten Schröder und Hue das Wort führen, verträgt es sich durchaus nicht mit den Interessen unseres Vereins, in dem Vereinslokale noch länger zu verkehren, und ist beschlossen worden, der am Sonntag, den 7. cr., im Restaurant Kaiserhof" stattfindenden Versammlung folgendes vorzuschlagen: Falls der Vereinswirt, Kamerad Karl Schüle, die geplante Bergarbeiterversammlung duldet, das Lokal in Zukunft von sämtlichen Mitgliedern des Vereins gemieden werden soll. Auch soll das am 14. cc. geplante Stiftungsfest feinesfalls in dem Saale gefeiert werden. Der Verein ehemaliger Soldaten des 16. Armeekorps stellt es dem Kameraden Schüle anheim, fich bis Sonntag, den 7. cr., nachmittags 1 Uhr, beim 1. Vorsitzenden Kamerad Hartmann hierüber zu äußern. Mit kameradschaftlichem Gruß J. A.: Der Vorstand. Heinr. Hartmann. Bernh. Naurig. B. Vogel. Theodor Jansen. Emil Naurath. " muß an der Arbeiterschaft Die Duisburger Straffammer ignoriert solche Beispiele! Sie Urteile zeigen, daß die Klassenvorurteile bei den Richtern derart Erempel statuieren"! Die Verhaltens gar nicht merken. eingewurzelt sind, daß sie das Aufreizende ihrer Urteile und ihres Bekanntlich hat der höchste deutsche Gerichtshof am 12. Juli in einem Zivilprozeß entschieden, daß der Boykott nicht zum Schadenersaz im Sinne der§§ 823, 824 und 826 des B. G.-B. verpflichtet. Das Reichsgericht benennt vielmehr dem Gesez entsprechend ausdrücklich den Boykott als ein Der Verteidiger, Rechtsanwalt Saul, hatte in so logischerlaubtes Mittel zu erlaubtem 3wed und stellt weiter Tonsequenter Weise seine Verteidigung auf die erwähnte Entscheidung ausdrücklich fest, daß der Boykott feineswegs ein Schutzgesetz des Reichsgerichts aufgebaut, daß die vom Schöffengericht Verurim Sinne des§ 823 Abs. 2 des B. G.-B. verlegt. Trotz dieser teilten gar nicht mehr mit der Möglichkeit ihrer Verurteilung Klaren und bestimmten Stellungnahme des höchsten Gerichtshofes rechneten. Sie hatten sich sehr geirrt. Die genannte Straffammer verurteilen verschiedene Gerichtshöfe auch jetzt noch wegen bestätigte nicht nur die schöffengerichtlichen Urteile, sie machte sich Boykotts lustig drauf los. In geradezu auffallender Weise tritt im auch dieselbe Begründung zu eigen, ohne überhaupt auf Reiche der Industriekönige am Niederrhein sogar eine erhebliche Ver- die vortrefflichen und fachlich nicht zu widerschärfung der Boykotturteile hervor, seitdem das Urteil des Reichs- legenden Ausführungen der Verteidigung eingerichts vorliegt. Das heißt: diese schärferen Urteile machen sich zugehen! Selbst der Staatsanwalt wollte die Freiheitsstrafe nur bemerkbar, wenn Arbeiter boykottieren, nicht etwa wegen aufgehoben und nur auf 50 M. Geldstrafe erkannt wissen, doch das Boykotts schlechthin. Hört man doch überhaupt nichts von einer Gericht wollte ein, Erempel statuieren!" Anklage, wenn Angehörige anderer Gesellschaftsklassen boykottieren. Vor nicht langer Zeit fiel von tonangebender Stelle der AusAm 5. Oktober teilten wir ein Urteil der 3. Straffammer des spruch, daß die bestehenden Geseze gegen die Sozialdemokratie Landgerichts Duisburg mit, das ein bedenkliches Kopfschütteln genügten, wenn sie nur richtig ,, richtig" angewandt würden." Sollte auch in Juristenkreisen hervorrief. Einige jegt abermals in Boykott- das etwa die richtige" Methode sein, für die Verurteilung unfachen vorliegende Urteile desselben Gerichtshofes erscheinen geradezu bequeme, in der Entscheidung des höchsten Gerichts wurzelnde Austypisch für die Art der Rechtsprechung, die den ferenzischen Spottvers führungen der Verteidigung einfach zu ignorieren? und den Schönstedtschen Grundsatz:„ Wenn zwei dasselbe Um zu zeigen, wie sehr der Boykott in derselben Form, d. H. durch Flugblätter, sogar in akademisch gebildeten Berufskreisen AnDer Arbeiter Sch. hatte ein Flugblatt verantwortlich zu verwendung findet, überreichte der Verteidiger ein von den Aerzten treten, das einen schon längere Zeit bestehenden Boykott über Dr. Rüpning Mülheim und Dr. Legrand- Oberhausen unterdie Wirtschaft Thomas in Hamborn wieder auffrischen sollte, zeichnetes Flugblatt des Leipziger Verbandes Deutscher Kassenund ein Flugblatt des Arbeiters W. richtete sich gegen drei Wirte ärzte", das viel eher geeignet ist, weite Kreise der Bevölkerung in Meiderich wegen Saalverweigerung. Obwohl zu beunruhigen, indem es um persönlicher Vorteile willen die Meiderich lediglich eine Arbeiterstadt, steht der organisierten Arbeiter- Solidarität der Aerzte gegen die Krankenkassen anruft, während die schaft dort kein einziges Versammlungslokal zur Verfügung. Dieser Boykottierung der Wirte geschieht, um die Ausübung eines durch standalöse Zustand sollte durch den Boykott beseitigt werden. Beide die Saalverweigerung der Arbeiterschaft gefeßlich garantierten Rechts, Flugblätter waren anerkannt sachlich gehalten und in formeller Be- des Versammlungsrechts, zu erringen. Mülheim und Oberhausen Swinembe. 761 SS 3 bededt ziehung unantastbar. Es handelte sich also in dem Verfahren lediglich gehören zu demselben Landgerichtsbezirk. Doch die Duisburger pamburg 760 4 bededt um die vom Reichsgericht so klar gezeichnete prinzipielle Seite, Straflammer ignoriert das ihr vorgehaltene Berlin ob der Boykott als wirtschaftliches Kampfmittel angewandt werden Beispiel! Sie will ja Erempel statuieren"! Es Frankf.a.M. 764 SW darf. Das Schöffengericht in Ruhrort als erste Instanz erkannte traf sich auch gut, daß im Anschluß an vorstehenden Prozeß unter München in dem Falle des Arbeiters Sch. entgegen den auf 30 M. lautenden den Augen der Duisburger Staatsantvaltschaft folgender Boykott polizeilichen Strafbefehl auf 50 M., und in dem zweiten Falle aus durch den Kriegerverein offiziell angedroht wurde: Meiderich wurde seitens des Schöffengerichts sogar auf 14 Tage Freiheitsstrafe(!) erkannt wegen Verlegung des§ 360 Absatz 11 des Reichs- Strafgesetzbuches( Verübung groben Unfugs.) In beiden Fällen wurde be= achtenswerterweise hervorgehoben, daß ein Erempel statuiert tun, so ist es nicht dasselbe" illustrieren. M " . Berein ehemaliger Soldaten des XVI. Armeekorps Duisburg- Beek. Der Verein ehemaliger Soldaten des XVI. Armeekorps hat in seiner am Samstag, den 6. Dktober, stattgefundenen Vorstandsfizung folgenden Beschluß gefaßt: Witterungsübersicht vom 17. Oktober 1906, morgens 8 Uhr. Stationen Wien Barometer. stand mm Wind Bunti SSW 763SW Windstarle Better Temp. n. T. 5°.= 4° N. Stationen Barometer stand mm Wind. richtung Windstärke 10 Haparanda 748 S Beller Temp. n. G. 2 bedeckt 5 11 2 wolfig 2 halb bd. 10 10 766 SW Petersburg 757 S 1 Regen Scilly. 757 SS 3 wollig Aberdeen 748 S 3 heiter 4 halb bd. 9 Baris 763 SSW 2 bedeckt 9 13 4 12 768 W 1 wollen! 11 Wetter- Prognose für Donnnerstag, den 18. Oktober 1906. Trocken und vielfach heiter bei schwachen südlichen Winden, etwas kühlerer Nacht und wenig veränderte Tagestemperatur. Berliner Wetterbureau. Besse Jessere Cigaretten als Josetti- Cigaretten sind niemals gemacht worden. Wir können diese Behauptung mit voller Ueberzeugung aussprechen, weil uns langjährige Erfahrung zur Seite steht; und wir sagen ohne jeden Rückhalt, dass JOSETTI CIGARETTEN heute weit erhaben über dem höchsten unserer früheren Erfolge stehen. Wenn wir nicht wüssten, dass diese Behauptung, wahr wäre und erwiesenermassen wahr auf Grund des Urteils der besten Kritiker der Welt, würden wir unseren guten Ruf, den wir durch langjährige harte Arbeit erworben haben, leichtsinnig aufs Splel setzen. Josetti- Cigaretten übertreffen alle türkischen Cigaretten durch ihr köstliches Aroma und milde Qualität. Dies sind die beiden Eigenschaften, welche am meisten in feinen türkischen Cigaretten gesucht werden und niemals so vollkommen und in so vollkommener Verbindung gefunden worden sind als in Josetti- Cigaretten. Josetti Juno 10 St. 20 Pfg. Josetti Josetti Griseldis 10 St. 30 Pfg. Das Aufreiben türkischer Tabakblätter für Josetti- Cigaretten. Die ausgesuchten Blatter werden an Stangen aufgereiht um in der Sonne eschmureifen. teppdecken Step 2309 L* Gelegenheitskauf! 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