Nr. 244. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 9., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Big. Poft Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post geitungsPreisliste. Unter Kreuzband fut Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen all: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgebrucie) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernivredier: Amt IV. Mr. 1983. Tach dem italienischen Parteitag. Rom, den 14. Oktober. Freitag, den 19. Oftober 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. ris Zurati auch nicht. Diesen Intransigenten hig mit Aus- für den Kapitalismus fordert: Gelegenheit, sich ungehindert nahme der kleinen Minderheit, die für die Resolution Lerda auszureifen, um reiche Früchte der Erfahrung zu geben. Die stimmte ist es ergangen wie einem, der sich aus Furcht Erfahrungsernte unter Zanardelli und Giolitti hat augenvor dem Tode das Leben nimmt. Um nicht zu riskieren, in scheinlich dem italienischen Proletariat noch nicht genügt. So der Minderheit zu bleiben, haben sie es vorgezogen, ihre mag es weiter experimentieren. Je vollständiger die Bepolitische Individualität zu vernichten. dingungen des Experiments, um so beweiskräftiger wird das Ergebnis sein. Die russische Revolution. Jüdische Hülfe dem Pogrom- Zaren? „ Rjetsch" schreibt: eine Beratung stattfinden. Der Eindruck, den der Parteitag von Rom zunächst her borrief in dem, der an ihm teilnahm oder ihn in der täglichen Daß sich frühere Revolutionäre, wie Enrico Ferri, mit Berichterstattung verfolgte, kann der ruhigen, leidenschaftslosen dem Reformismus ausgesöhnt haben, kann ihnen niemand Betrachtung nicht standhalten. Erst mußte es scheinen, als zum Vorwurf machen. Daß aber solche Genossen, die forthätte ein Manöver, eine unredliche Schwenkung einer Fraktion fahren, Gegner der Wahlbündnisse und des Ministerialismus dem Kongreßergebnis jede Klarheit genommen, als hätte das zu sein, für beide stimmen, das ist eine Handlung, für die sie Botum die Situation verwirrt, anstatt sie zu flären. In Wirk von ihren Seftionen zur Rechenschaft gezogen werden sollten. lichkeit ist es nicht der Fall: der Parteitag zeigt mit aller Wir wissen wohl, daß Morgari, der Vater des InteIn gut informierten Sphären wird mit großer Hartwünschenswerten Unzweideutigkeit, daß die Mehrheit der Dele- gralismus, sich den Sieg seiner Richtung anders gedacht hatte. gierten reformistisch gesinnt war und daß der in Bologna Sein eminent revolutionäres Temperament, seine Grabheit und nädigteit behauptet, daß Graf Witte mit einer Gruppe fanktionierten Methode das Vertrauen der Majo- Schlichtheit läßt ihn instinktiv den Reformismus ablehnen, so- deutscher Bankiers über eine neue finanzielle Stombination energisch verhandelt. Es wird sogar eine Vereinbarung rität abhanden gekommen ist. Der Parteitag be- weit er Kompromisse einschließt, Schleichwege geht und mit erwähnt, die zwischen Witte und dem Frankfurter Rothschild zeichnet nicht den Sieg des Zentrums über die beiden Extreme, dem Augurenblicke über die Masse weg schaut. Aber diesen bereits abgeschlossen sein soll!! Die Versprechung von Refondern den Sieg der Rechten über die Linte. Und das nicht, Reformismus konnte er nicht durch eine Tagesordnung treffen, formen soll wieder als Grundlage der Verhandlungen dienen. weil die Reformisten der integralistischen Tagesordnung bei denn er ist uneingestanden, teils unbewußt. Daß aber Bündnis- Mitte Ottober sollte Witte nach Petersburg zurückkehren; getreten sind, sondern weil diese Tagesordnung selbst in ihrem politik und gelegentlicher Ministerialismus, so einleuchtend sie nach seiner Rückkehr soll unter seiner Beteiligung in der Antiefsten Wesen reformistisch ist. theoretisch sein mögen, praktisch dahin führen, sich in die Daß sich der Parteitag, daß sich ein Teil der Partei- Schleichwege der bürgerlichen Politik zu begeben, eine Politik gelegenheit der beabsichtigten Kombination und der Reformen fettionen darüber hinwegtäuschen fonnte, zeigt nur, daß den zu treiben, die das Proletariat nicht versteht, und die so die Genossen! Das deutsche Kapital, scheint es, ist im BePersönlichkeiten noch immer eine suggestive Straft innewohnt, bürgerlichen Elemente in der Partei zu Führern, die prole- griff, dem Barismus wiederum große Opfer zu bringen. Wenn der selbst ihre eigenen Taten und Worte nichts anhaben tartschen zur Gefolgschaft macht. Das scheint Morgari ver- es so handelt, so geschieht dies in der Absicht, späterhin den fönnen. So glaubten viele, daß ein Reformismus, zu dem gessen zu haben. kleinen Leuten, der Masse der Käufer von Wertpapieren, sich Enrico Ferri bekennt, nicht derselbe Reformismus Morgari hat das Recht, sich über den Zustoß der diese Last aufzubürden. sein könne, den Zurati, Trebes, Bonomi seit Jahren äustersten Rechten zu beklagen, weil er ernstlich versucht hat. Die Versorgung der Zarenregierung mit neuen Geld. verfechten. Und Ferri selbst mag es auch geglaubt haben, diese Rechte auszuschließen durch das, was zwischen den mitteln bedeutet eine Verlängerung ihrer Herrschaft. Dies weshalb ihm zunächst der Beitritt der Reformisten zur inte- Beilen seiner Tagesordnung zu lesen stand, durch eine würde nicht nur für Rußland allein ein großes Unglüd sein, gra listischen Resolution als ein Verrat erscheinen mußte. Aber unausgesprochene Ablehnung ihrer täglichen Praxis. Was fondern für ganz Europa, überhaupt für die Sache der Freiin Wirklichkeit waren es nicht die außerhalb des integralistischen Morgari als integralistischen Bloc geplant hatte, hat nicht in sondern für ganz Europa, überhaupt für die Sache der Freiheit und des Fortschritts. Blocks stehenden Reformisten, sondern die Reformisten im Block, Rom gefiegt, nicht die auf eine Gemütsstimmung gegründete Wenn den Vertretern des großen Kapitals Klar gemacht die über den Kongreß entschieden haben. Koalition derer, die die Liebe der Partei über ihre methodo wird, daß die Masse der Kleinkapitalisten und Wertekäufer Alles, was an der langen gequälten Resolution klar und logischen und taktischen Abweichungen stellen. Vielmehr hat nie und nimmermehr die Last der neuen zaristischen Schulden verständlich ist, ist echter Reformismus: das allmähliche der Integralismus, sobald es flar war, daß die Mehrheit auf Werden des Sozialismus im Innern der bürgerlichen Gesell- feiner Seite war, Zuzug von denen erhalten, deren Spezialität zu übernehmen gewillt ist, vielleicht könnte das sie noch davon schaft, die Zulaffung von Bündnissen mit anderen Parteien es ist, stets dahin zu gehen, wo der Erfolg lächelt. Dem abhalten, die Vereinbarung mit der russischen Regierung endgültig abzuschließen. und die Unterstützung bürgerlicher Ministerien. Was anti- Integralismus im Sinne Morgaris find seine eigenen reformistisch sein will, wie der schöne Saz vom„ Verwerfen Siegeswahrscheinlichkeiten gefährlich geworden, längst vor dem Benn Rothschild in der Tat als Geburtshelfer bei einer des Aufgebens der Propaganda" der Parteigrundsäge, trifft Kongreß. neuen Russen- Anleihe in Betracht kommen sollte, so wäre das die Reformisten, die überhaupt arbeiten, so wenig wie die Ne- Ob der Ausgang des Parteitages die wirklichen Macht möglicherweise ein Anzeichen dafür, daß der sonst stets pumpvolutionäre, die etwas tun. Höchstens der Satz vom Sich abfinden verhältnisse in der Partei wiederspiegelt oder nicht, dies zu bereite Ruffenfreund Mendelssohn nicht mehr mitmachen will. mit der Monarchie hätte den Reformisten a la Modigliani entscheiden haben wir keine hinreichenden Elemente. Besteht und wenn schon Mendelssohn, der Rußlands Geldverhältnisse unannehmbar sein sollen. Was schließlich spezifisch revolutionär die italienische Partei wirklich aus einer großen reformerischen so gut kennt wie fein zweiter und der stets zum Verdienen in der Resolution sein soll der Satz, der der Partei den Mehrheit und einer syndikalistischen Minderheit, zwischen die bereit- aus menschlichen Bedenken gewiß seine Hand Gebrauch der Gewalt vorbehält das ist nichts als die in eine sich als kleiner Steil die Revolutionären oder Intransigenten nicht von Nikolaus abzöge, wenn schon Mendelssohn den Revolutionären gefällige Form gekleidete Betonung des( Resolution Lerda) einschieben? Wir haben bereits von dem das russische Staatsschiff verlassen haben sollte, dann Lebensrechtes der Partei. Jede Partei wie jedes Individuum, Aufgehen vieler Intransigenten in der integralistischen Kon- müßte es in ber Zat dem Sinten noch näher alles, was an seine eigene Existenzberechtigung und die Be- zentration gesprochen. Wie weit haben diese Genossen im sein als man bisher angenommen hatte. Zu dieser rechtigung seines Wirkens glaubt, muß sich den Gebrauch der Einklang mit ihren Sektionen gehandelt? Ansicht muß man übrigens auch kommen, wenn man Gewalt vorbehalten, wenn ihm die gesetzlichen Wege versperrt In der Parteiabteilung Rom und in vielen anderen hört und liest, nach wie vielen Richtungen der gierige russische werden. Dieser ideelle Vorbehalt liegt schon im Bewußtsein Abteilungen hat man vor dem Parteitage revolu- Polyp seine Arme ausstreckt, um Geld, Geld und abermals der eigenen Dafeinsberechtigung und hat nichts Re- tionäre, integralistische Resolutionen( z. B. die Resolution Geld zu erhalten. Romualdi) angenommen. Alle Vertreter dieser Abteilungen Mögen ihm seine Pläne vereitelt werden durch die EinWarum sollten also die Reformisten nicht für die inte- die drei Vertreter Roms miteinbegriffen-haben auf dem ficht der kleinen und mittleren Papiererwerber, die von gralistische Tagesordnung stimmen? Vielleicht, weil sie Parteitag integralistisch gestimmt, und sich an den refor allen Regungen des Kulturgewissens gang abgesehen stilistisch mißglückt war, bant der vielen Stöche, die an dem mistischen Inhalt der erst am Abend des zweiten Tages hoffentlich flug genug sein werden, zu begreifen, daß sie wenig Brei herumgekocht hatten? Oder weil das, was reformistisch vorgelegten integralistischen Resolution nicht gestoßen. Man von dem Gelde wiedererhalten dürften, das sie dem russischen tvar, fich integralistisch nannte und Ferris Unterschrift dürfte also in der Annahme nicht fehl gehen, daß die Reformisten Moloch jetzt noch in den Rachen würfen. trug, statt Turatis? Weil das, was reformistisch war, nicht auf dem Parteitag stärker erschienen sind, als dies ihrer Stärke oloch jetzt noch in den Rachen würfen. reformistisch sein wollte, nicht das Bewußtsein seiner selbst im Lande entspricht. Die Syndikalistenfurcht hat gerade darin hatte? Die Situation wäre teineswegs flarer geworden, wenn ausgezeichnete Dienste geleistet. die Reformisten ihre eigene Tagesordnung aufrechterhalten Aber start sind die Reformisten in der Tat. So wenig hätten und so als Minderheit erschienen wären, obwohl sie schmeichelhaft es für die italienische Bewegung sein mag, das die Mehrheit sind. persönliche Prestige eines Mannes wie Ferri hat es vermocht, Nicht die Reformisten, vielmehr die nicht reformistischen viele mit dem Ministerialismus der in Jtalien das beste Elemente des integralistischen Blocks haben durch ihr Votum Kennzeichen, der genaueste Ausdruck des Reformismus ist einen Teil ihrer Wesenheit verleugnet. Sie haben das ein auszuföhnen. Die Verantwortung für die nächsten Jahre gestandenermaßen getan, um eine Parteispaltung zu ver- italienischer Parteigeschichte fällt somit von Rechts wegen den hindern, aber dieser ihr Grund hatte aufgehört, irgendwelche Reformisten zu, als der offiziellen und vielleicht auch tatsäch Berechtigung zu haben, sobald die Reformisten für die lichen Majorität in der Partei. integralistische Tagesordnung stimmten. Von diesem Augen- Die Syndikalisten haben seit Bologna wo sie noch blicke an tonnte das Opfer ihrer Ueberzeugung unterbleiben, als Fraktion Avanguardia auftraten 2200 Stimmen mußte es unterbleiben. Alle Integralisten, die antiministeriell eingebüßt, dürften aber entsprechend an Einheitlichkeit getvaren, mußten nunmehr sich um die Tagesordnung Lerda wonnen haben. In ihnen und in dem kleinen Rest der oder um irgend eine andere antiministerielle Tagesordnung Intransigenten liegt das einzige Gegengewicht gegen den scharen. Steinerlei Rücksicht durfte sie von dieser offenen Ver Reformismus. tretung ihrer Ansicht abhalten, sobald die Gefahr einer Was die Folgen einer zweiten reformistischen Aera der Spaltung beschworen war. Statt dessen haben sie mit der Partei betrifft, so hängen sie im wesentlichen vom Gange der Mehrheit gestimmt, um am nächsten Tage eine lange Er- inneren Politik Italiens ab. Ohne eine liberale bürgerliche flärung im„ Avanti" zu veröffentlichen, in der sie sagen, Politik kann der Reformismus seine Eigenheit nicht entfalten. dem Reltor der Moskauer Universität und dem Ministerpräsidenten daß sie gegen Wahlbündnisse und gegen jede Form des Im ganzen sind aber Perioden des Aufschwungs, wie die, die Stolypin haben zu einem günftigen Ergebnis geführt. Der Minister Ministerialismus sind. Dabei handelt es sich um Genoffen, Italien heute durchmacht, dem bürgerlichen Radifalismus und präsident versprach, die Polizeipatrouillen, von denen das Universitätsdie mehrere tausend Stimmen vertraten und teilweise Liberalismus günstig und es könnte wohl sein, daß noch ein gebäude umgeben ist, zurückzuziehen, und gab seine Einwilligung Imperativvotum im antiministeriellen Sinne von ihrer Sektion mal die italienische Bourgeoisie ein Stückchen ihrer geschicht- Bazu, daß innerhalb der Universität die Studenten Verfammlungen nach den vom Universitätsrate erlassenen Vorschriften abhalten dürfen. hatten. lichen Aufgabe auf die Partei abwälzte. Wenn so die italienische Partei in zwei Hälften gespalten Gerade der tiefgehende demokratische Geist des öffent. Infolgedessen wird die Universität am 19. Oftober wieder eröffnet erscheint, in Reformisten und Syndikalisten, so ist daran nicht lichen und privaten Lebens in Italien, die wenig aus- werden. das Sich- bordrängen der Reformisten schuld, sondern das geprägten Slaffengegenfäße legen die Versuchung einer Bündnis. Im Zusammenhange mit dieser Meldung dürfte folgende FestZurückweichen der antiministeriellen Elemente im Block, der politit nahe, näher als sie irgend einer sozialistischen Partei, fogenannten Intransigenten". Diese gerade haben außer der französischen, in Europa liegt. Andererseits macht stellung über die Partelverhältnisse in der Petersburger Universität Am 7. beztv. 10. und 11. Oktober wählten die Studenten der Lerda verhindert, seine Tagesordnung zu vertreten, diese aber gerade die ausgedehnte Unwissenheit der Massen und die von Interesse sein: haben mit dem weitgehendsten inneren Vorbehalt für die Korruption der herrschenden Klassen diese Politik gefährlicher juristischen Fakultät ihre Aeltesten. Die 1017 abgegebenen Stimmen Integralisten gestimmt. Sie allein haben die Untlarheit ge als anderswo. Dem zweiten reformistischen Experiment der berhielten sich folgendermaßen: 548 Sozialdemokraten( Bund, Lett. fördert, die Syndikalisten nicht und die Reformisten von Ferri italienischen Partei kann man nur das wünschen, was Labriola und Poln. S.-D. miteinbegriffen); 275 Koalition der Soz. Nev., volutionäres. " Schutz den Pogromaufrufen! Der Kanzleibeamte der Nikolai- Eisenbahn, Sch., wurde feines Dienstes enthoben, tveil er fich weigerte, bie Proklamationen der Schwarzen Bande, die Aufrufe zur Ermordung der Intelligenz und ber Juden enthielten, durch Vermittelung der Eisenbahn zu be fördern. Gegenwärtig werden solche Proflamationen in underta tausenden von Exemplaren durch Vermittelung und auf Kosten der Eisenbahn versandt.( Swoboda i Shion", 15. Oftober.) Die Konterrevolution arbeitet. Da biele Beamte trog ber Birkularverfügung Stolypins noch immer verschiedenen nicht ausgesprochen regierungsfreundlichen Barteien angehören, so müffen fie bis zum 1. November einen Revers unterschreiben, daß sie keiner politischen Partei angehören, beziehungsweise wann sie aus derselben ausgeschieden sind. Auf ein Gesuch des Verbandes wahrhaft russischer Leute" genehmigte Stolypin, daß dieser Verband von Mitte November ab in der Michajlowster Manege öffentliche Versammlungen abhalten darf. Die Studenten. Petersburg, 17. Oftober.( W. T. B.) Die Verhandlungen zwischen BoUs.-Soz. 5p., ArkeitSgrrlppe, Litauische Sozialdemokratie, P. P. S. tPoln, Sozialist. Partei): 194 Konstit. Demokraten(„Kadetten"). Es wurden nach dem Proporzsystem 9 Aelteste der e r st e n Liste, 6 der zweiten und 3 der dritten gewählt. Philologische Fakultät. Von den drei gewählten Aeltesten sind zwei von der Sozialdemokratie, einer von den konstitutionellen Demokraten. Mathematische Fakultät: Gewählt zu Aeltesten nach dem Proporz- shstem: drei Sozialdemokraten(vereinigte Partei); zwei von der Koalition der Soz.-Rev., der litauischen Sozialdemokratie, der P. P. S. und Arbeitsgruppe, ein konstitutioneller Demokrat. Naturwissenschaftliche Fakultät: 287 Stimmen für die Liste der Sozialdemokraten, gewählt 6; 133 für die Soz.-Rev. und ihre Koalierten, gewählt 2: 37 für die der konstitutionellen Demokraten; lein Aeltester gewählt. Es wäre töricht, etwa zu glauben, daß die Regierung urplötzlich ihr gutes Herz gegenüber den Studenten entdeckt oder ihnen die vielen Schwierigkeiten vergessen hätte, die sie dem Zarismus in der letzten Zeit bereiten halfen.— In Moskau liegen die Dinge ähnlich wie in Petersburg, und ein Telegramm, das gestern (Donnerstag) der„Nuss. Korresp." zuging, schildert die Situation in kurzen Worten folgendermaßen: Einstweilen ist es der hiesigen Universitätsdeputation ge- lungen, in Petersburg über die hiesige Administration den Sieg davonzutragen. Morgen lvird die Universität eröffnet. Die Stimmung ist hier jedoch sehr gedrückt, da nian nicht zweifelt, daß die hiesige Administration, besonders der Stadt- Hauptmann, um ihr Perhalten zu rechtfertigen, neue Unruhen provozieren werden. Zerstörte Hoffnungen. Der Aufruf, den die baltischen Junker unlängst.an die deutsche Jugend" erließen und in. dem die Organisierung eines modernen Kreuzzuges gegen die revolutionären„Räuberbanden", die„von der internattonalcn Sozialdemokratie dirigiert" würde», vorgeschlagen war. scheint keinen Erfolg gehabt zu haben. Die deutschen Blätter hatten seit Monaten Geld zur Anschaffung von Panzern gesammelt, und jetzt sollen diese blitzblanken Panzerhemden an irgendwelche Steppensöhne abgetreten werden; denn die baltischen Juukerfamilien, die seit Dezember 1905 im Auslaiide weilen,„halten es nicht für möglich, augenblicklich zurückzukehren" I— Die ballischen Gouverneure haben sich an das Ministerium des Inneren mit der Bitte gewandt, nach Kur- und Livland Personen zu entsenden, die geneigt wären, Landwächterdienste zu erfüllen, weil die örtliche Bevölkerung nicht mehr dazu zu haben sei.— Also weder„Slrafexpeditionen", weder Kriegs- noch Feldgerichte haben die Bevölkerung zur Zarentrcue erziehen können. Nur die blühende Industrie und der relative Wohlstand der Bevölkerung ist vernichtet worden. Und das haben der Adel und die deutschen Pastoren nur gewollt. Das war ihre Rache für die zerstörten Schlösser. Die Gemeinden zahlen noch jetzt ächzend die ihnen auferlegten Strafsummen. Wie hoch diese sind, dafür nur ein Beispiel: Im Kreise Riga allein hatten die Bauerngemeinden(sechs an der Zahl) im Laufe der verflossenen acht Monate eine Geldbuße von 21 009 Rubeln an die Militärverwaltung zu entrichten! Einige Gemeindeverwaltungen sind schon mehrere Male bestraft worden! Glücklich wieder angclkngt. Petersburg, 17. Oktober. Gestern trafen der Kaiser und die Kaiserin auf dem Wasserwege hier ein und besuchten die an der Nikolaibrücke liegende kaiserliche Jacht„Standard". Nach Sibirien. Petersburg, 18. Oktober.(B. H.) Das ehemalige Dumamitglied Ramschwilij, der in der sozialistischen Fraktion der beste Redner war, ist zu drei Jahren Verbannung nach Sibirien verurteilt worden. Wieder einer k Petersburg, 18. Oktober. Wie dem„Oko" aus Saratow ge- meldet wird, ergab die Untersiichnng, daß der Haupturheber des Kassenranbes, der kürzlich in einer Fabrik begangen worden ist, der Chef der Geheimpolizei ist, welcher seinen Gehülfen zu der Tat an- gestiftet hatte!_ poUtifche Qcberficbt. Berlin, den 18. Oktober. Von Jena nach Köpenick. „Wenn ich so unter den preußischen Exzellenzen sitze, so wird mir der Gegensatz zwischen Nordbeutschland und Süddeutschland recht klar. Der süddeutsche Liberalismus kommt gegen die Junker nicht auf. Sie sind zu zahlreich, zu mächlig und haben das Königtum und die Armee auf ihrer Seite. Auch das Zentrum geht mit ihnen. Alles, was ich in diesen vier Jahren erlebt habe, erklärt sich aus diesem Gegensatz." Hohenlohes Denkwürdigkeiten. Die Welt lacht. Ueber die deutschen Grenzen hinaus, über den englischen Kanal nnd den atlantischen Ozean hin- weg dringt ein schrilles Hohngelächter. Die Welt lacht auf Kosten des preußischen Junkerstaats. Die Achtung, die deutsche Wissenschaft, deutsche Industrie sich im Auslände erworben haben, ersttckt in einem spöttischen Gelächter. Die gebildeten Kreise des Auslandes sehen ohnehin bei allem Respekt vor den Leistungen deutscher Wissenschaft und deutschen Gewerbe- fleißes auf die Verfassungsinstttution Preußens und seine Mandarinen mit spöttischem Lächeln herab; Minister von der geisttgen Universalität eines Podbielski und dem philosophischen Wissen eines Studt dünken ihnen nur existcnzmöglich in Preußen; aber die Komik der Köpenicker Rathausbesetzuug hat dieses halbverstohlene ironische Lachen zu ohrenbetäubenden Lachsalven gesteigert. Würde für den Kulturstaat Preußen auch der Satz gelten, daß Lächerlichkeit tötet, die ostelbische Junkerschaft müßte wie einst in Jena unter Gelächter zusammenbrechen. Doch die ostelbischen Mandschus haben schon so manchen Schimpf und Spott erduldet, daß auch dieses Hohngelächter an ihrer Dickhäutigkeit abprallt. Mit jener Unverschämtheit, die sie erst kürzlich wieder in ihren Ausführungen über die Kala- strophe von Jena bewiesen hat, sucht auch jetzt wieder die agrar-konservative Presse die Schuld an dem Erfolg des Köpenicker Geniestreiches von den Schultern ihrer Gönner abzuwälzen auf die an der Affäre beteiligten Soldaten und den Köpenicker Bürgermeister. Ein widerlicher Kniff, denn dieselbe Presse, die heute gegen die Soldaten die Anschuldi- gung erhebt, daß sie blindlings dem Befehl ihres vermeint- lichen Vorgesetzten gefolgt sind, ist bisher stets dafür ein- getreten, durch geistlosen Drill jeden eigenen Willen, jedes Denken in der Mannschaft abzutöten und sie zu einer bloßen Gefechtsmaschine in der Hand ihrer Vorgefetzten zu degradieren. Gegenüber dieser bisher von der konservativen Presse eingenommenen Haltung erscheint es geradezu lächerlich, wenn jetzt die„Deutsche Tageszeitung" schreibt: „Ein Mann in der Hauptmannsuniform mit Mütze ohne die zweite Kokarde und mit einer wie ein Strick zusammengedrehten Feldbinde mußte doch unter allen Umständen den Soldaten, zum mindesten dem Wachtuntcroffizier verdächtig erscheinen. Jeder vnterofsizier muß wissen, daß zum Anzüge eines Offiziers mit solchem Auftrage der Helm gehört. Doch mag man darüber hin- wegsehen und das bestimmte Auftreten des Schwindlers wie den unbedingten Gehorsam des Soldaten, auch den ganz ungewöhn lichen Auftrag des„Herrn Hauptmann" in Rechnung stellen. Wie aber in Köpcnickl Wie konnte es angehen, daß der Bürger- meister, selber Offizier der Reserve, sich von einem derartig kostümierten Gauner, der„gerade aus dem Zuchthaus zu kommen schien", düpieren und sich wie ein Verbrecher behandeln ließ?" Und an anderer Stelle: „Der wachthabende Unteroffizier hat nach unserer Auffassung nicht ganz instruktionsmähig gehandelt. Er hätte sich bei einiger Ueberlegung unbedingt sagen müssen, daß ein Offizier, der wirk- lich einen derartigen Auftrag erhält, sich die erforderlichen Mann- schaften nicht auf der Wache zusammenzusuchen braucht, sondern von den zuständigen Instanzen gestellt erhält. Den Mannschaften wiederum mußte ein Verdacht auffteigen, als der so seltsam ge- kleidete und gebaute Offizier ihnen je eine Mark zum Mittag- effen spendete. Aber, wie gesagt, den Mannschaften mag man ihre Unbefangenheit und ihre Kritiklosigkeit noch nachsehen." Die Anforderung, welche die„Deutsche Tageszeitung" hier an die Einsicht der Soldaten stellt, ist geradezu absurd. Mit allen Mitteln zum Kadavergehorsam gedrillt, ordneten sich, sobald der„Herr Hauptmann" an sie mit einer ge- fälschten kaiserlichen Kabinettsorder herantrat, die Soldaten naturgemäß dem Befehl ihres vermeintlichen Vorgesetzten blindlings unter. Mochten sie selbst in der Tatsache, daß der Offizier nicht, wie vorgeschrieben ist, einen Helm aufhatte, etwas Befremdendes erblicken, so wagten sie doch in der ihnen eingepaukten gedankenlosen Unterwürfigkeit, die so oft Soldaten schwere Mißhandlungen schweigend erdulden läßt, nichts zu äußern; bestrast doch das Militärgesetzbuch(88 91 und 95) den Soldaten, der durch Worte, Gebärden oder andere Handlungen seinen Ungehorsam zu erkennen gibt oder seinen Vorgesetzten über einen von ihm erhaltenen Dienst- befehl zur Rede stellt, mit Gefängnis oder Festungshaft bis zu drei Jahren, wenn die Gehorsamsverweigerung vor ver- sammelter Mannschaft geschieht, sogar bis zu fünf Jahren. Ob der Befehl berechtigt, ob er unsinnig ist, oder ob er gegen das Strafgesetzbuch verstößt, geht den Soldaten nichts an. Nach 8 47 ist der Vorgesetzte allein ver- antwortlich. Allerdings kann der Soldat, wenn der Vor- gesetzte Befehle erteilt, die offenkundig gegen das Strafgesetz- buch verstoßen, zur Strafe herangezogen werden, jedoch nur, wenn ihm bei der Ausführung bekannt ge- wesen ist, daß der Befehl des Vorgesetzten eine Handlung betraf, die ein bürger- liches oder militärisches Verbrechen oder Vergehen bezweckte.' Der Soldat darf also nur dann den Befehl nicht befolgen, wenn er direkt weiß, daß der Offizier ihn zur Begehung eines Verbrechens gebrauchen will. Irgendwelche sonstigen Bedenken, mögen sie auch noch so begründet fein, geben dem Soldaten kein Recht z, um Ungehorsam. 8 48 bestimmt ausdrücklich, daß, wenn auch sein Gewissen oder die Vorschriften seiner Religion dem Soldaten verbieten, den Befehl seines Vorgesetzten zu befolgen, er ihm doch un- bedingt Folge leisten muß. Doch alle diese Bestimmungen sind den Soldaten un- bekannt, nur sehr wenige dürften die sämtlichen Paragraphen des Militärgesetzes kennen und noch wenigere die sonder- baren Interpretationen, die diese Paragraphen schon vor den Kriegsgerichten gefunden haben. Der Soldat weiß nur, daß er gehorchen muß, gehorchen in jedem Fall, auch wenn Ehre, Selbstachtung, Ge- wissen und Religion es ihm verbieten. Und selbst wenn er weiß, daß er, wenn sein Vorgesetzter ein Ver- brechen beabsichtigt, den Gehorsam verweigern kann, so kommt er doch nach seiner ganzen Lage und seiner Erziehung zu blinder Unterwürfigkeit gar nicht dazu, anzunehmen, sein Vorgesetzter hege eine derartige Absicht; bedeutet doch nach militärischen Begriffen schon eine solche Annahme eine schwere Achtungsverletzung. Sicherlich aber konnte keiner der Soldaten, der an der Köpenicker Affäre beteiligt gewesen ist, als der vermeintliche Hauptmann ihn zur Vornahme einer Verhaftung kommandierte, ohne weiteres annehmen, der Herr Hauptmann plane ein Verbrechen. Es ist eine unverschämte Vertuschung, die Soldaten dafür verantwortlich zu machen, daß sie blindlings dem Befehl eines vermeintlichen Vorgesetzten folgten. Ueberäll in Preußen wäre unter gleichen Verhältnissen die gleiche blinde Unterordnung erfolgt. Die Schuld an dem Vorkommnis trifft nicht die beteiligten Soldaten; sie trifft den Militaris- mus, das militärische Erziehungssystem, die Militärgesetz- gebung.— Eher als die Soldaten trifft den Köpenicker Bürger- meister ein Vorwurf. Er mußte wissen, daß der Kaiser eine derartige Verhaftung nicht vornehmen lassen darf. Aber auch er, und das ist äußerst charakteristisch für das Gefühl der Rechts- sicherheit in Preußen, scheint einen derartigen kaiserlichen Befehl nicht für unmöglich gehalten zu haben; und zudem fühlte er sich als Reserveoffizier, der als solcher der Militär- behörde untersteht. Vielleicht mag er sich auch mehr oder weniger deutlich an so manches Kriegsgerichtsurteil oder an gewiffe Kabinettsorders erinnert haben, in denen den Be- amten Respekt vor den Offiziersuniformen gepredigt wird. Zum Beispiel an folgende Order: „Ter Offizier weist sich durch die Uniform aus und darf demgemäß besondere Rücksichten erwarten. Sein Stand legt ihm aber die Verpflichtung auf, polizeilichen Anordnungen nach- zukommen. Sollte dies nicht geschehen, so geht die Befugnis der Beamten nur dahin, den Offizier ruhig und in angemessener Art darauf aufmerksam zu machen, daß er gegen eine Polizei- liche Anordnung gefehlt habe. Sollte der Offizier einer solchen Aufforderung nicht sofort Folge geben, so habcn� die Beamten Meldung zu machen. Weiter gehen ihre Befugnisse nicht, da es vorzuziehen ist, daß eine Uebertretung augenblicklich ungerügt bleibt und erst später eine strenge Rüge zur Folge hat. als daß ein Zusammenstoß zwischen Offizieren und Beamten herbei- geführt wird." Das Beispiel bestätigt aufs neue, daß Reserveoffiziere zur Leitung wichtiger städtischer Aemter nicht geeignet sind. da sie infolge ihres Militärvcrhältnisses und der aus diesem entspringenden Rücksichten und Beziehungen nicht die ge- nügende Selbständigkeit und Freiheit zu energischer Wahrung der Selbstverwaltungsinteressen ihres Gemeinwesens bc- �™Mag die konservative Presse sich noch so sehr bemühen, die symptomatische Bedeutung des Köpenicker Geniestreiches für den Geist des Militarismus und die öffentlich-rechtlichen Zustände in Preußen abzuschwächen, sie schafft die Tatsache nicht aus der Welt, daß der Junkerstaat Preußen sich wieder mal mit dem Fluch der Lächerlichkeit belastet hat. Von Jenck nach Sedan, von Sedan nach Köpenick, das sind die schönen Erfolge des Regiments der ostelbischen Mandschus!— Lcutwein über den südwestafrikanischen Aufstand. Der fiühere Gouverneur von Südwestafrika, Oberst Leut- wein, hat ein Werk über Südwestafrika erscheinen lassen, das höchst interessante Aufschlüsse über die Ursachen des Krieges gibt. Leuiwein, diefer beste Kenner der südwestafrikanischen Verhältnisse, konstatiert zunächst, daß der Anstoß zu dem ganzen süd- westafrikanischen Kriegsabenteuer durch eine ungeschlichc Willkür- Handlung eines Schntztruppenoffiziers heraufbeschworen worden ist. Der Kapitän der Bondelzwards, Abraham Christian, hatte Ende Oktober 1903 einem seiner Untertanen einen Hammel widerrechtlich weggenommen. Der Geschädigte beklagte sich bei dem deutschen Distriktches in Warmbad. Leutnant Job st. Dieser forderte den Kapitän vor sein Gericht. Christian erschien nicht, doch gewährte er dem von ihm geschädigten Bondelzward für den Wider- rechtlich angeeigneten Hammel eine Entschädigung von 20 Mark. Damit hätte die Angelegenheit für Leutnant Jobst erledigt sein müssen, und zwar umsomehr, als durch den Artikel 4 des mit den Bondelzwards abgeschlossenen Schutzvertrages dem Kapitän Abraham Christian ausdrücklich die Gerichtsbarkeit bei Streitig- leiten unter Eingeborenen vorbehalten worden war. Leutnant Jobst hatte also keinerlei Recht, aus dem vor- liegenden Anlaß den Kapitän überhaupt vor sein Gericht zu zitieren; er hatte aber, nachdem die Angelegenheit nunmehr gütlich beigelegt war. erst recht alle Veranlassung gehabt, mit dem erreichten moralischen Erfolge zufrieden zu sein. Trotzdem forderte Leuwant Jobst den Kapitän nochmals vor sein Gericht, und als Abraham Christian unter dem Vorgeben, er sei krank, wiederum nicht selbst erschien, dafür aber seine sämtlichen Großleute schickte, ließ Leutnant Jobst diese Großleute als Geißeln ciusperre» und rückte selbst mit fünf Polizeisoldaten gegen die Werst des Kapitäns vor. Als dann zwei der Polizeisoldaten den sich heftig sträubenden Kapitän gewaltsam fortzuschleppen suchten, eröffneten die in der Werft versammelten Hottentotten das Feuer, dem Leutnant Jobst, die zwei Polizeisoldaten und der Kapitän selb st zum Opfer fielen. Das war das Signal zum Kampfe mit den Bondelzwards. der nur das Vorspiel der Erhebung sämtlicher Ein- geborenen bedeutete. Der Krieg mit den Bondelzwarts ist also von deutscher Seite durch einen schreienden Gewaltakt heraufbeschworen worden! Und es ist nicht minder bezeichnend, daß das deutsche Volk erst jetzt durch das Werk des früheren Gouverneurs von Südwestastika erfährt, wodurch denn eigentlich das ungeheuere Blutvergießen in Südwest- astika entstanden ist. Wäre Oberst Leutwein zufälligerweise nicht seines Postens enthoben worden, so würde man wohl über- Haupt nichts über diese Ursache des Krieges er» fahren haben! Oberst Leutwein macht aber noch andere interessante Angaben über die Zustände vor dem Kriege. Er teilt mit. mit welch beispiellosen Strengen die Justiz gegenüber den Ein- geborenen ausgeübt wurde. Während der elfjährigen Amtszeit Leuttveins wurden sieben Weiße durch Eingeborene getötet. Zur Sühne für diese Taten wurden an füufzrhu Eingeborenen die Todes- strafe vollstreckt. Demgegenüber wurden fünf Eingeborene, darunter die Tochter eines Häuptlings durch Weiße ermordet. Bon diesen weißen Mördern wurde kein einiger mit dem Tode besttaft. Die Sühne bestand vielmehr insgesamt aus 6 Jahren 3 Monaten Gefängnis! Charakteristisch für diese Art der Rechtsprechung ist die Mit- teilung, daß in einem Falle in der ersten Instanz öl/., Jahre Zucht- hauS verhängt wurden, dagegen in der zweiten Instanz nur drei Monate Gefängnis. In einem anderen Falle erfolgte in erster Instanz Freisprechung, in zweiter Instanz die Verurteilung zu drei Jahren Gefängnis. Die Strafe, die für die Ermordung von füus Eingeborenen verhängt wurde, war also zusammen bei weitem nicht einmal so stark, wie die Strafe, die für die Töttmg auch nur eines einzigen Weißen aus- gesprochen und vollstreckt wurde. Hinzu kommt, daß unter diesen Mordtaten die viehische Tat deS Prinzen Arenberg nicht mit eingerechnet ist! Ebenso charakteristisch für daS zweierlei Maß. das für Weiße und Eingeborene in der Rechtspflege galt, ist die Tatsache, daß nach den Angaben Leutweins allein nach Ausweis der Akten deS Lazaretts Windhuk in dem Jahre 1902/1903 noch 8 Eingeborene wegen körperlicher Verletzungen, die durch Mißhandlungen Weißer, meist der Dienstherr- schast, herbeigeführt waren, in Lazarettbehandlung gewesen waren. Die gerichtliche Sühne für diese brutalen Körperverletzungen der Eingeborenen bestand stets nur in Geldstrafen, während um- gekehrt Fälle tätlichen Angriffs Eingeborener auf Weiße stets mit Kettenhaft und Hieben bestraft wurden! Dabei erklärt Leutwein die Klagen über die angeblich besondere Faulheit und Unzuver- lässigkeit der eingeborenen Bediensteten ausdrücklich für un- begründet! Diese von Leutwein mitgeteilten Tatsachen beweisen, m welcher Weise die Eingeborenen den Brutalitäten der weißen Herrenmenschen nahezu schonungslos ausgeliefert waren, während jeder Vergeltungsatt der Eingeborenen mit schonungsloser Härte be» straft wurde. Daß solche Zustände schließlich zur Erhebung der Eingeborenen führen mußten, ist nur zu begreiflich I Und diese Barbareien deutscher Kolonialfexe muß das deutsche Voll mit rund 500 Millionen Mark bezahlen!— • Deutfebeo Reich. Ein Zeichen der Zeit! Bei dem vorjährigen Bergarbciterstreik spielte eine hervorragende Rolle als Führer des Scharfmachertunis ein Herr Engel. Berg- meister a. D., Sekretär des Vereins für die bergbaulichen Interessen. Herr Engel war der schärf st e Vertreter des unbedingten „Herrn im Hause-StandpunkteS"—, der bedingungslose Unterwerfung der Arbeiter forderte. Er war der Stratege des scharfmacherischen FeldzugsplaneS, der sich nicht nur gegen die Arbeiter, sondern auch gegen die Regierung richtete. Im Interesse des Friedens suchte diese zu vermitteln, sie wurde aber von Herrn Engel brüsk zurückgewiesen; den Vertretem der Regierung setzte man den Stuhl vor die Türe mit der kategorischen Erklärung, sie habe sich in die Angelegen- heiten der Kohlenmagnaten nicht einzumischen. Und bitterböse Dinge wurden der Regierung in dem von Herrn Engel redigierten Organ„Glückauf" gesagt. Minister Möller avancierte zum Förderer der Sozialdemokratie. Und mit Eifer wurde der Feldzug gegen die Regierung fort- gesetzt, bis das vom Grafen Bülow angekündigte Reformgesctz sich zu einem richttgen Arbeitertrutzgefetz ausgewachsen hatte, das den Bergarbeitern statt des versprochenen Brotes Steine bot.' Auch das kühlte die Rache des Scharfmachertums nicht. Mnister Möller mußte erst fallen, und er fiel. Bergmcister Engel als Anführer der oppositionellen Grubenkönige h a t i h n g e st ü r z t. Daß die Macht des Kapitals so weit reicht. mmml ja Mcht wunder; trotzdem ist nach diesen Vorgängen charakteristisch, daß die Regierung den Ministerstiirzer und scharfen rücksichtslosen Opponenten gegen die Regierung, die es vorüber- gehend wagte, gegen den Stachel der Grubengewaltigen zu locken— in das Handelsministerium beruft! Offiziös wird nämlich folgendes mitgeteilt: AlsHülfsarbeiter in dasHandelsministerium berufen worden ist Bergmeister Engel, der bekannte frühere Geschäftsführer des Bergbaulichen Vereins. Der Engel des Scharfmachertums Vertrauensmann der Re- gierung, das wirft ein Schlaglicht auf den Geist, der jetzt in� Regierungskreisen herrscht! Ein ausgesprochener Stümmling ist der Ratgeber der Regierung. Die nächsten Reform- Gesetzesvorschläge werden vom Engelschen Geiste getränkt sein. Und dieser Mann wurde würdig befunden, in das Handels- Ministerium einzuziehen I Das ist eine Kampfesansage, die sich gegen die G ewer k s ch a ftsb ew eg ung richtet!— Der Wert der Versammlungsnotizen der Polizeibeamten, der erst jüngst im Majestätsbeleidigungsprozesse des Genossen Eisner als unter Null festgestellt worden ist. erfuhr in einer Gerichtsverhandlung zu Königsberg eine nicht minder scharfe Charakterisierung. Ein B ä ck e r- meister halte an einer Gesellenversammlung teilgenommen und dabei die Polizei gegen den Vorwurf, daß sich die Polizei- beamten von den Bäckermeistern bestechen ließen und daß die Be- amten oft keine Anzeige erstatteten, trotzdem sie bei der Revision Uebelstände vorfinden, in Schutz genommen. Trotzdem wurde er gerade wegen Beleidigung der Polizei auf Grund der Notizen des überwachenden Beamten angeklagt und auch vom Schöffengericht zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. Gegen das Urteil legte der Bäckermeister Berufung ein und die Strafkammer sprach ihn frei, weil sie den Notizen des Beamten fast gar keinen Wert beilegte. Der Polizeibeamte erklärte als Zeuge, daß er den Bäcker- meister in der Versammlung als Gesellen angesehen und geglaubt habe, er vertrete die Interessen der Gesellen. Steno- graphische Notizen habe er nicht gemacht. Der Polizeibeamte hat also noch nicht einmal heraushören können, ob der Bäckermeister für die Gesellen oder sür die Meister eingetreten ist. Und auf Grund solcher Berichte schleppt man Leute auf die Anklagebank.— „Unentwegt kulturkämpferisch" nennt die„Kölnische Volkszeitung" die„Magde- burgische Zeitung", die einen antiultramontanen„Deutschen Weckruf" veröffentlicht. Das Zentrumsblatt bemerkt dazu: „Wir haben ähnliche„Weckrufe" packweise in der— Kulturkampfszeit gelesen. Heute, in der Zeit der Blockpolitik und beim Herannahen der Reichstagswahlen sind sie wieder recht in die Mode gekommen. Man arbeitet zunächst zu Wahlzwecken, Arm in Arm mit dem Evangelischen Buyd, auf einen neuen Kultur- kämpf hin und sucht katholische Gimpel, die ihn mitmachen." Diese Anklage des klerikalen Blattes gegen das nationalliberale Organ schließt aber nicht aus, daß Herr Robert Bachem, Verleger der„Kölnischen Volkszeitung" zusammen mit Herrn Robert Faber, Verleger der.Magdeburgischen Zeitung" im Vorstand des Vereins deutscher Zeitungsverleger sitzt und beide dort einmütig an der Wahrung ihrer Unternehmerinteressen tätig sind. Kommen aber die Arbeiter in Betracht, dann heißt es: das Seelenheil ist in Gefahr, wenn ein christlicher Arbeiter sich mit seinem sozialdemokratischen Klassengenossen zusammenschließt. Die klerikalen Volksverführer wissen, weshalb sie christliche Unternehmerorganisationen für Unsinn, aber christliche Arbeiter- organisationen sür eine Notwendigkeit erklären. Leider sehen die katholischen Arbeiter den Schwindel, der hier zu ihrem Schaden mit ihnen getrieben wird, noch nicht ein.— Zur Psychologie des Antisemitismus. Der Dreschgraf Pückler hatte sich am Donnerstag wieder einmal wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten vor der Straf- tammer des Berliner Landgerichts I zu verantworten. Zur An- klage standen 17 Reden, die der Dreschgras zum Teil in anti- semitischen Versammlungen gehalten, zum Teil in Form von Flug- blättern auf der Straße hatte verteilen lassen. Sie enthielten wiederum in Fülle die anmutigen Redeblüten des meschuggenen Dreschgrafen: die„krummbeinigen und dreckigen Juden zu ver- dreschen",„bei der dreckigen Räuberbande einzubrechen,"„die Sarahleben zum Fenster hinauszuschmeißen,"„den fremden Hallunken mit Knüppeln das Leder zu verdreichen,"„die Orientalen mit Steinen zu beschmcißen,"„die Judenbengels auf der Straße zu backpfeifen,"„zum Büchsenmacher zu gehen, Doppelbüchsen zu kaufen und auf die krummbeinige Gesellschaft loszuknallen" usw. Statt sich nun mit dem Gutachten eines Psychiaters auszustatten, verlegte sich der Dreschgraf auf die Taktik, seine blödsinnigen Phrasen damit zu rechtfertigen, daß es bei derantiscmiti- schen Agitation ohne solche starken Ausdrücke nun einmal nicht gehe. Die Massen verlangten einen solchen Ton, sonst dürfte man in Volksversammlungen überhaupt nicht auftreten. Wenn er nicht so rede, dann würde die Bewegung zurückgehen. Diesen wüsten Ton habe er nicht eingeführt. Stöcker und insbesondere Ahlwardt hätten in ganz ähnlichem Tone gesprochen. Man müsse eben Radau machen. Das ganze Milieu erfordere das; solche antisemitische Bewegung sei nicht mit Glace- Handschuhen zu fördern. Als der Vorsitzende meinte, es müsse doch extremen Parteien möglich sein, Volksversammlungen abzuhalten, ohne in solcher Weise zu Gewalttätigkeiten aufzu- fordern, meinte der Dreschgraf, die Sozialdemokraten machten es doch auch so, sie sagten einfach,„wir wollen die Revolution". Auf den Einwand des Vorsitzenden, daß die Sozialdemokratie doch nur theoretisch ihre Ziele ausstelle, aber doch nicht praktisch unmittelbar zu revolutionären Gewalttaten auffordere, behauptete der gräsliche „Agitator", daß auch die Sozialdemokraten von der Revolution redeten,„bei der alles kurz und klein geschlagen würde". Wenn man ihn nicht in seiner Weise agitieren lasse, dann komme in zehn bis zwanzig Jahren ein entsetzlicher Zusammenstoß. Auf die Einwendung des Präsidenten, daß die Gesetze, die bestunden, doch von jedermann, also auch von ihm, dem Dreschgrafen, gehalten werden müßten, antwortete nach dem Gerichtsbericht der Dresch- gras gnädig: Ich gebe zu, daß für die Behörden die Sache schwierig ist, aber man muß doch der ganzen Sache Rechnung tragen, und vielleicht würde eine kleine Geldstrafe genügen. Die Verhandlung wurde schließlich vertagt. Wir hätten gar nichts dagegen einzuwenden, wenn Graf Pückler freigesprochen würde, ja wir hielten es für daS Ansehen der deutschen Justiz entschieden für das beste wenn man diesen harmlosen Narren künftig überhaupt von An- klagen verschonte. Man dokumentierte damit, daß man ihn für unzurechnungsfähig hält und seinetwegen nicht die Gerichte bemüht. Hält man ihw freilich für verantwortlich für seine blöd- sinnige Hetze, so bedeutet seine Verurteilung zu ein paar Wochen oder Monaten Festung oder auch Gefängnis nichts als eine Prämierung der ekelhaftesten Erscheinung unserer Zeit, des Radau- antiscmitismus. Auf die Aeußerungen des Dreschgrafen über die sozialdemo- kratische Aguationsweise reagieren wir aus begreiflichen Gründen nicht. Daß die Aeußerungen Pücklers über die in a n t i s e m i t i- schen Versammlungen gewünschte und notwendige Toni- art aber den Tatsachen entspricht, beweisen die Kassen- erfolge der Pückler-Versammlungcn!— Ein liberaler Federheld. In Halle a. S. erscheint eine so- genannte liberale allgemeine Zeitung, die vorgestern unter der Spitz- marke:„Von hochgeschätzter militärischer Seite vird vnS geschrieben" einen Artikel gegen die Berjudung im Offizierskorps veröffentlichte. In dem Artikel wird mit„semitischen Schützlingen",„israelitischem Volksstamme" und dergleichen Worten umhergeworfen. Dann heißt es schließlich: Wollen Zentrums- anhänger die Epauletten tragen, so mögen sie sichdieAn- sichten von Ehre und Wahrung derselben an- eignen, die Gott sei dank noch in den Offiziers- korps des Beurlaubten st andes zu Hause ist.— Gestern befand sich nun am Kopfe des Blattes folgendes liberales Gewinsel, das so recht charakteristisch ist sür den unentwegten und mannhaften Geist, der in den liberalen Schreibstuben herrscht. In unserer vorigen Nummer ist unter der Ueberschrist: Die Wahl der Reserveoffiziere ein Artikel enthalten, dessen Aufnahme wir nur tief bedauern können. Der Artikel ver- tritt Anschauungen, welche die„Hallesche Allgemeine Zeitung" als ein liberales Blatt niemals geteilt hat und niemals vertreten wird, die wir vielmehr als in jeder Hinsicht verwerflich er- achten. Nur durch einen bedauerlichen Unfall ist dieser Ar- tikel in unsere Spalten gelangt. Indem wir dies hiermit offen erklären und wiederholt unser aufrichttges Bedauern darüber aus- sprechen, bitten wir unsere Leser um Entschuldigung des uns passierten beklagenswerten Versehens. Redaktton der„Halleschen Allgemeinen Zeitung". Paulus, Chefredakteur. Dieser gute Paulus war früher Chefredakteur der ebenfalls libe- ralen„Saale-Zeitung". Muß der liberale Mannesheld gestern einen guten Tag gehabt haben. Seine beiden Verleger sind nämlich— auch Juden!— Es muß aber auch solche„Journalisten" geben.—_ Zentrnmsmann und„Arbeitervertreter". In der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung in Dortmund gab's eine Fleischnotdebatte. Es lag ein Antrag vor, der den Magisttat ersucht, Schritte bei der Regierung zu unter- nehmen, die eine teilweise Grenzöffnung unter Wahrung aller not- wendigen gesundheitlichen Vorsichtsmaßregeln fordert. Der Anttag ivurde angenommen. In der Diskussion en, pfähl der Stadtverordnete Gronowski die Annahme mit folgender Begründung:„Die Arbeiterschaft ist heute nicht mehr in der Lage, bei den enormen Fleischpreisen Fleisch zu ge- n i e ß e n. Wenn ein Arbeiter, der einen Durchschnittsverdienst von 4 M. bezieht und dabei noch eine Familie zu ernähren hat, täglich soviel Fleisch genießen wollte, ivie es zu einer ausreichenden Ernährung notwendig wäre, so würde er mindestens 20 bis 2ö Proz. seines täglichen Verdienstes allein für Fleisch aufzuwenden haben. Dabei betragen dann die Ausgaben für Miete noch durchschnittlich 20 bis 25 Prozent des Arbeitsverdienstes, so daß er für Fleisch und Miete allein nicht weniger wie 40 bis 45 Prozent des Gesamtverdienstes aufwenden müßte. Daher beschränkt er sich heilte auf den zwei- oder dreimaligen Genuß von Fleisch in der Woche. Demgegenüber muß aber berücksichtigt werden, daß für den Arbeiter eine ausreichende Ernährung mit Fleisch unbedingt nötig ist. weil er sonst den Anforderungen, die die tägliche harte Arbeit an ihn stellt, nicht gewachsen ist. Daher muß die Oeffnung der Grenze unbedingt von der Regierung gefordert werden." Stadtverordneter Gronowski ist Zentrumsmann und katholischer Arbeitersekretär. Als solcher wird er bei den letzten Wahlen mit Eifer für seine Partei agittert und den Arbeitern eingeredet haben. daß nur beim Zentrum ihr Wohl und ihre Rechte gut aufgehoben seien. Und in demselben Sinne wird er bei den nächsten Reichstags« Wahlen verfahren. Diese„Arbeitervertteter" von ZenttumS Gnaden verfallen dabei dem Fluche, durch ihr Eintteten für die klerikale Brotwucherpartei selber jene Zustände herbeizuführen, über die sie nachher so bewegliche Klagen anzustimmen wissen. Niemand kann zween Herren, am allerwenigsten aber dem Zentrum und den Arbeitern dienen.— Opfer des Bergbaues. Der deutsche Bergbau fordert von Jahr zu Jahr größere Menschenopfer. DaS Vordringen zu größeren Tiefen, die rücksichtslosere Ausbeutung der ArbeilSkraft kommen in rasch steigenden Unglücksfällen zum Ausdruck. Nach einem soeben von der Knappschaftsberufsgenossenschaft erstatteten Bericht passierten im deutschen Bergbau 1905 nicht weniger als 1235 tödliche Unglücks- fälle. Seit dem Jahre 1385, dem Bestehen des Unfallversicherungs- gesetzes, hat der deutsche Bergbau 20 731 Tote gefordert. Die Zahl steigt von Jahr zu Jahr; 1885/86 waren es 873 Tote, 1905 1235 Tote. Im Jahre 1886 waren 343 709 Personen gegen Unfall versichert, im Jahre 1905 dagegen 647 458 Personen, das bedeutet eine Steigerung von 88,37 Proz. Die Zahl der Unfälle stieg dagegen im gleichen Zeitraum um 93,20 Proz. Auch darüber gibt der Bericht Auskunft. Die Unfälle wurden ver- anlaßt durch: die Gefährlichkeit des Betriebes an sich 1895 in 57,78 Proz., 1905 68,51 Proz., besondere Mängel des Betriebes 1895 in 0,96 Proz., 1905 0,90 Proz., Schuld der Mitarbeiter 18V5 in 4,02 Proz., 1905 3,73 Proz., Schuld der Verletzten 1395 in 37,24 Proz., 1905 26,86 Proz. Der Bundesrat hat in seiner heutigen Plenarsitzung die Vor- läge betreffend den Entwurf eines Gesetzes über die Vornahme einer Berufs- und Betriebszählung im Jahre 1907 dem zuständigen Ausschusse überwiesen.— Landtagsersaywahl in Neust. Bei der heute stattgehabten Landtagsersatzwahl im Wahlkreis 12, Düsseldorf(Neuß, Greven- broich, Krescld-Land), erhielt der Kandidar des Zentrums Ober- landesgerichtsrat Wilhelm Marx-Köln, 439 Stimmen und Landrat Brüning-Grevenbroich(natl.) 18 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt.— Husland. Frankreich. Ministerium Clemenceau? Schon seit längerer Zeit gingen Gerüchte, daß der Minister- Präsident Sarrien aus Gesundheits- und anderen Rücksichten sein Amt niederzulegen beabsichtige. In den letzten Tagen haben sich diese Gerüchte verdichtet, und es scheint in der Tat, als ob Sarrien jetzt Ernst machen und sein Portefeuille in andere Hände legen will. Am Mittwoch erklärte er Fallieres, dem Präsidenten der Republik,„er glaube nicht mehr die zur Fortführung seines Amtes genügende physische Kraft zu haben." Heute(Freitag) findet eine Sitzung des Ministerrats statt, und in dieser wird es sich ent- scheiden, ob Sarrien wirklich geht, oder ob er seinen Freunden den Gefallen tut, noch ein wenig im Amte zu bleiben. Kaum wurden Sarriens Rücktrittspläne bekannt, da ver- breiteten sich in Paris sofort Gerüchte, dem ganzen Kabinett drohe Sturz. Davon aber kann— wie es im Augenblick wenig- stens noch scheint— wohl doch nicht die Rede sein.— Natürlich tauchte sofort auch die Frage auf, wer die besten Chancen habe, Sarriens Nachfolger zu werden. Und da sind die Politiker nahezu einstimmig der Ansicht, daß in erster Linie Clemenceau, der jetzige Minister des Innern, in Betracht komme. Wer sich erinnert, mit welchen Gedankengängen Clemenceau unserem Genossen entgegentrat, als dieser vor einigen Wochen im französischen Parlament die Grundideen des Sozialismus ent- wickelte, der weiß, daß Frankreich unter Fallieres-Clemenceau ge- nau so kapitalistisch wcitcrregiert werden wird, als es unter Falliercs-Sarrien der Fall war.— Australien. Für den Sozialismus trat Ramsay Macdonald, der als Ver- treter englischer Gewerkschaften nach Australien kam, in einer großen Versammlung in Sydney ein, wie der Londoner„Tribüne" gekabelt wird. Macdonald sprach besonders über die große Zahl der Arbeitslosen, die unter dem kapitalistischen Regime immer mehr anschwillt. Watson, der Führer der Arbeiterpartei, ant- wartete ihm und trug ihm die Grüße und Glückwünsche der austra- tischen Arbeiter an die englischen Kameraden auf. Soziales� Zum Kapitel Bauarbeitcrschutz. Schon des öfteren mußten die mangelhaften Schutz- und Arbeitsrüstungen auf staatlichen oder städti- schen Bauten öffentlich in der Arbeiterpresse besprochen und gerügt werden. So können wir auch gegenwärtig wieder mehrere Fälle anführen, wo auf solchen Bauten in der Umgebung Berlins die Schutzvorrichtungen außerordentlich viel zu wünschen übrig lassen und dadurch möglicherweise Menschenleben in Gefahr gebracht werden können. An dem Gymnasialgebäude zu Pankow, Kissingenstraße, sind z. B. die Dachdecker- und Klempnerarbeiten bis zum Tage der Besichtigung durch einen Organisationsvertteter ohne Schutzrüstuna ausgeführt worden. Die zuständige Behörde wurde hiervon zwar in Kenntnis gesetzt, bisher haben die Beschwerdeführer jedoch noch keinen Bescheid erhalten. Aehnlich steht es auf den Anstaltsbauten in Buch. Dort arbeiten die Klempner auf einenr sehr primitiven Arbeitsgeriist, ein Schutzgerüst aber haben weder die Klempner noch die Dachdecker. Die auf dem Dach arbeitenden Personen sind deshalb ständig der Gefahr des Ab- sturzes ausgesetzt, und die vorübergehenden Passanten können leicht durch herabfallendes Material verletzt werden. Merk- würdigerweise wurde auf eine Beschwerde hin diese„Rüstung" von einem Vertreter der Berufsgenossenschaft für gut befunden. Fachmännisch bettachtet, kann hier aber von ausreichendem Schutz der betreffenden Bauarbeiter gar keine Rede sein. So liegt auf den Auslegern nur ein Brett von zirka 35 Zentimeter Breite. Die Aus- leger sind jedoch 1 Meter von der Grundmauer breit. �Es bleibt auf derselben also ein über 60 Zentimeter breiter Raum übrig, der unbedeckt ist, mithin seine mannigfachen Gefahren bietet. Bei einer solchen Sachlage haben die Arbeiter nun immer zwei gleich un- angenehme Aussichten vor Augen: inmal setzen sie ständig ihr eigenes Leben und Gesundheit aufs Spiel, dann aber haben sie auch noch obendrein Sttafe zu gewärttgen, falls ein Vorübergehender durch herabfallendes Material oder Werkzeug verletzt wird. Trotzdem aber erhielt die Rüstung von dem Beamten der Berufs- genossenschaft das Prädikat„gut"!— Ein weiterer Fall bettifft die Bauten der Landesversicherungsanstalt in Beelitz. Dort sind die Rüstungen für diejenigen Arbeiten, die von dem Hofklempnermeister P u p p e l ausgeführt werden, derartig Mangel- Haft, daß es als ein förmliches Wunder zu bettachten ist, wenn bisher noch niemand abgestürzt ist. Die Rüstung ist folgendermaßen hergestellt: Man hat die Riegel 1,20 bis 1,50 Nieter durch- gesteckt. Das Dach springt 60 Zentimeter vor. In der Mitte der Niegel liegen zwei Bretter von zusammen etwa 50 Zentimeter Breite. Vorn und hinten sind die Riegel aber unbedeckt. Natürlich können hier nur zu leicht dieselben Ge- fahren eintreten wie in den vorher geschilderten Fällen. Gerade bei dem letztgenannten Bau aber müssen dem fachmännischen Beurteiler sonderbare Gedanken überkommen. Rechts vom Bauzaun gibt man sich Mühe, die Folgen der sozialen Schäden an den dort unter» gebrachten Pattenten zu kurieren, und links davon läßt man alles fünf gerade gehen und schafft dadurch womöglich neue Patienten. Aller- Vings läßt sich auch nicht leugnen, daß die Arbeiter s e l b st nicht immer die genügende Sorgfalt auf den Schutz ihrer Gesundheit legen. Bei der doch verhältnismäßig guten Organisation der Arbeiter aller Bauberufe hätten sie es meistens sehr wohl in der Hand, ihre Arbeitgeber zur Herstellung genügender Schutz- und Arbeitsrüstungen zu zwingen. Erlaubnis zur Beschäftigung ausländischer Arbeiter erforderlich? Für rechtsungültig erklärte das Kammergericht den§ 2 der vom Regierungspräsidenten zu Lüneburg im Jahre 1899 erlassenen Polizeiverordnung, welche im ß 1 die Beschäftigung a u s l ä n d i- scher polnischer Arbeiter von einer landrätttchen Erlaubnis abhängig macht und deren§ 2 die Arbeitgeber solcher aus- ländischen Arbeiter verpflichtet, sie binnen drei Tagen polizeilich zu melden. Der Angeklagte Tröster, der den§ 2 ubertreten haben sollte, wurde mit folgender Begründung am 15. Oktober freigesprochen: Nach dem Gesetz von 1842 über die Auf- nähme Neuanziehender und dem K 6 des PolizeiverwaltungsgesetzeS fei anzunebmen, daß eine solche Meldeverpflichtung nur auferlegt werden dürfe den Anziehenden oder Fremden selbst oder denjenigen, die ihnen Wohnung oder Unterkommen(Quartier) gewähren, nicht aber den Arbeitgebern als solchen. Den§ 1 der Verordnung hat daS Kammergericht schon früher für ungültig erklärt, Iveil die Annahme ausländischer Arbeiter nicht von einer polizeilichen Erlaubnis abhängig gemacht werden könne. Gründung einer eigenen Molkerei. Eine Generalversammlung des Konsumvereins Sendling- München hat den Beschluß gefaßt, eine eigene Molkerei zu errichten. Die hierfür geforderten Mittel wurden genehmigt und soll mit den Arbeiten sofort begonnen werden. Der Gesamtumfatz im Konsumverein Sendling-München bettug vom 1. Januar bis 30. Juni 1 250 416,77 M. Die im vorigen Jahre aus dem eigenen Grundstück auf dem Sendlinger Oberfeld gegründete Dampfbäckerei, in der ein Backmeister und 18 Bäcker beschäftigt sind, erreichte einen Umsatz in Backwaren von 185 575,44 M. In den sechs Monaten erzielte die Bäckerei einen Reingewinn von 32 145,99 M. Ausnahmegesetz gegen die ländlichen Arbeiter. Der sächsische Landwirtschaftliche Kreisverein der Oberlausitz hat, wie die„Leipz. Volksztg." berichtet, dem sächsischen Landes- Knlturrate einen Antrag zur Frage des Kontraktbruches der ausländischen Saisonarbeiter unterbreitet. Ein Sonder- ansschuß hat nun dem Landeskulturrate folgende Anträge unter- breitet: „Die Staatsregierung zu ersuchen, bei der Reichs- regierung die baldigste Ausarbeitung gesetzlicher Bestimmungen anregen zu wollen, welche die Möglichkeit des Kontrakt- braches landwirtschaftlicher Arbeiter, insbesondere auch ausländischer landwirffchastlicher Saisonarbeiter, beseitigen resp. verhindern. Ferner: beim Deutschen Landwirtschafts- rate die weitere und schleunigste Verfolgung der Angelegenheit zu beantragen. Professor Dr. Stieda glaubte es nicht empfehlen zu können, die Regierung zu einer Bestrafung des Kontraktbruches auf- zufordern. Vor allem könne er nicht zugeben, daß der Kontrakt- brach als strafbar behandelt werden solle. Er beantragte, die Resolution folgendermaßen zu fassen: Die Staatsregierung zu ersuchen, bei der Reichsregierung dahin vorstellig zu werden, möglich st bald Maßregeln gegen den Kontraktbruch ausländischer Saisonarbeiter zu ergreisen. Dagegen wendeten sich Rittergutsbesitzer Schade und Oekonomie- rat Andrä. Der Oberagrarier M e h n e r t meinte, es könnten durch den Konttaktbruch in der Industrie große Verluste entstehen, durch den Koinraktbruch ländlicher Arbeiter, bei anstehender Ernte entständen aber ganz unvergleichlich höhere Verluste, die nicht allein den Landwirt schädigten, sondern auch die. gesamte Volksernährung.(1!) Da es sich bei einem solchen Ausfalle nicht allein um die Verhinderung der Lieferung handle, könne sich ja auch der Landwirt durch keine Stteikklausel schützen. Die vorliegende Frage sei die wichttgste der Zeit, er stelle den Antrag, die Regierung zu ersuchen, aus der Renning-Sttftung einen Bettag von 3000 M. für eine Preisarbeit zur Verfügung zu stellen über das Thema:„Deckung des Arbeiterbedarfs, speziell von Saisonarbeitern, in ländlichen Betrieben". Der Stiedasche Antrag wurde schließlich abgelehnt, der Ausschußantrag dagegen und der Antrag Mehnert wurden angenommen. Das Ziel der Verminderung oder Beseitigung des angeblichen Verttagsbruches ländlicher Arbeiter läßt sich iiichr durch Schaffung neuer Ausnahmegesetze, wohl aber durch Annahme der von sozialdemo- kratischer Seite im Reichstage gestellten Anträge auf Beseitigung der bestehenden Ausnahmegesetze und auf Schaffung reichsgesetzlicher " * Schutzvorschriften zugunsten der ländlichen Arbeiter erreichen. Die Die Aussperrung in der Schuhindustrie. Tapitalistischen Ordnung und die Beseitigung des Klaffenftaates politische Rechtlosigkeit und die auf Hörigkeitsverhältnisse au Wie schon mitgeteilt ist, haben die Fabrikanten am Dienstag zum Endzwed hat. geschnittene Gesetzgebung auf dem Gebiete des ländlichen Arbeits- abend in 30 Betrieben 1100 Arbeiter ausgesperrt, nicht etwa, daß Genoffen! Da ich seit einer langen Reihe von Jahren im vertrages ist mit dem heute für landwirtschaftliche Betriebe be diese irgend etwas gegen die Fabrikanten unternommen hätten, Wahlverein des dritten Berliner Reichstagswahlkreises organisiert stehenden Wirtschaftsverhältnis unvereinbar. Die Saifonarbeit auf fondern es ist der Streit der Ballschuhmacher, den die Unternehmer bin und auf der Mitgliedschaft in diesem Wahlverein meine Parteidem Lande ist eine Folge der veränderten Produktionsweise. Diefer badurch gewaltsam zu beendigen hoffen, daß fie 1100 Arbeiter, die zugehörigkeit basiert, halte ich es für meine Pflicht, hier in ihrer Produktionsweise entsprechende Rechtsverhältnisse der Arbeiter an dem Ballschuhmacherstreit völlig unbeteiligt sind und gar keinen Mitte diese Erklärung abzugeben." R. Friedeberg." find im Interesse der ländlichen Arbeiter und der All- Einfluß auf denselben ausüben können, rücksichtslos auf die Straße gemeinheit notwendig. Die von Herrn Mehnert gestellte Preis- fetten. Man wollte jedoch den Ausgesperrten gnädigst gestatten," Zu dem Versammlungsbericht des vierten Kreises erlaube frage ist demnach unschwer zu lösen: stellt den ländlichen Arbeiter sich am Donnerstagmorgen wieder am Fabrittor einzufinden. Ein- ich mir folgendes zu bemerken: rechtlich dem gewerblichen Arbeiter gleich, so wird die Landflucht sich laß und Arbeit sollte ihnen jedoch nur unter der Bedingung gewährt Ich verurteilte die Veröffentlichung des Protokolls der Gemertbermindern. Hebt also die gegen die ländlichen Arbeiter bestehenden werden, daß sie einen Revers unterzeichnen, welcher lautet: schaftsvorstände durch die Einigkeit" und erklärte, daß als weitere Ausnahmegefege der deutschen Einzelstaaten auf, fchafft" Ich Endesunterzeichneter verpflichte mich hiermit durch Folge die Veröffentlichung desjenigen Teils des Protokolls, der die für die Bandarbeiter ein freies, gesichertes Koalitions- Ehrenwort, an die ausständigen Arbeiter weder direkt noch in- Verhandlungen über die Tattit bei Lohnbewegungen enthält, in recht, Gewerbegerichte nach Art der Gewerbegerichte für direkt Zahlungen noch irgend eine andere Unterstützung zu leisten einem hiesigen Anarchistenblatt erfolgte. Auf einen Zwischenruf gewerbliche Arbeiter, Schutzvorschriften gegen übermäßige so lange meine Arbeitgeber durch Ausständige boykottiert und Ar- taters erklärte ich ausdrücklich, daß ich nicht gesagt habe, daß Ausbeutung, führt den Acht stundentag ein vor 30 Jahren beitswillige an der Arbeit gehindert oder belästigt werden." die Lokalisten den Anarchisten das Protokoll übergeben haben. verlangten landwirtschaftliche Arbeitgeber bereits eine MagimalVon einem Rettifizieren meiner ersten Ausführungen kann arbeitszeit versichert den den ländlichen Arbeiter für die also gar keine Rede sein. Fälle der Krankheit und Unfälle in ausreichendem Maße, behandelt bie ländlichen Arbeiter als gleichberechtigte Men scheit, das etwa sind die Mindeftforderungen, die eine richtige Lösung der Preisfrage" enthalten würde. So lange der ländliche Arbeiter nicht bolle politische und wirtschaftliche Gleichberechtigung erhält, wird über Landflucht geklagt werden. Herr Mehnert würde zur Einsicht von der Richtigkeit unserer Lösung feiner Preisfrage gelangen, wenn er Veranlassung nähme, den Gründen nachzuforschen, weshalb bekanntlich auf den Rittergütern der Sozialdemokraten Hofer und Ebhard fein Arbeitermangel besteht. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. " Die Former (( Metallarbeiterverband) hielten am Montag im Kolberger Salon" eine start besuchte Branchenversammlung ab, in welcher das Ergebnis der lebten Organisationsstatistik für die Berliner Eisengießereien mitgeteilt und besprochen wurde. Demnach find in diesen Betrieben beschäftigt: Former 1186, Maschinenformer 577, angelernte Handformer 109, Sternmacher 493, Kernmacherinnen 31, Buber und Schleifer 502, Schlosser und Dreher 91, Schmiede 25, Schmelzer und Hülfsarbeiter 641, Tischler und Zimmerer 52 und fonstige Arbeiter 49; zusammen 3595 Beschäftigte, organisiert sind davon im Metallarbeiterverband 1915, in der Metallarbeiterbereinigung 213, im Transportarbeiterverband 93, im Fabrikarbeiterverband 148, bei den Hirsch- Dunderschen 102 und in an deren Organisationen 88( davon Christliche" 27 und Wiesen. thaler" 11), zusammen 2559. Am besten organisiert" find die Former. Von den 1136 beschäftigten Formern gehören 1009 dem Metallarbeiterverband, 11 der Metallarbeiterbereinigung und 36 den Hirsch- Dunderschen und 4 anderen Organisationen an, fodaß nur 85 als Unorganisierte umherlaufen. Die Versammlung befaßte fich darauf mit den gegenwärtigen Streifs, bei denen Former beteiligt sind, wie bei Siemens, Keyling u. Thomas und einigen fleineren. Besonders scharf wurden hierbei die Bersplitterungsbestrebungen Wiesenthals tritifiert und darauf eine Resolution angenommen, in welcher es rückhaltlos gebilligt wird, daß Wiesenthal bei Streits das Halten von Agitationsreden in den vom Metallarbeiterverband einberufenen und geleiteten Versammlungen auch bei Streiks und Lohnbewegungen fernerhin unmöglich gemacht wird. Die Tarifforderungen der Solzarbeiter. Nachdem in der lebten Zeit in fleineren Versammlungen sowie in den Störperschaften des Holzarbeiterverbandes Borbesprechungen über die Neuberatung des Tarifs abgehalten worden waren, fand am Mittwoch eine Vertrauensmännerversammlung statt, welche zu ben aufzustellenden Forderungen endgültig Stellung nahm. Glode, der das einleitende Referat hielt, tennzeichnete die allgemeine Situation dahin, daß es scheine, als ob auch die Meister eine Fortsetzung des Bertragsverhältnisses wollen, denn in ihrer Fachzeitung hätten sie den Grundsat proklamiert: Ohne Vertrag feine Arbeit. Natürlich wollen auch die Arbeiter einen Vertrag, aber nur unter der Voraussetzung, daß er die berechtigten For derungen der Arbeiter berüdjichtigt. Für den Fall, daß dies nicht geschehe, seien sie auf den Kampf gefaßt. Um aber, wenn irgend möglich, ohne Kampf zu einem berbesserten Vertrage zu kommen, feien nach reiflicher Beratung einer kombinierten Sibung der Ortsverwaltung die Forderungen so aufgestellt worden, daß sie von den Unternehmern gang bewilligt werden können. Man habe sich Die Forderungen, über die sich die kombinierte Sigung einig gean das Erreichbare gehalten, und das dente man auch durchzusehen. worden ist, sind in der folgenden Resolution niedergelegt: Im Anschluß an den Beschluß der Vertrauensmännerberfammlung vom 22. August beauftragt die heutige Vertrauensmänner versammlung die Ortsverwaltung, mit den Vertretern der Unternehmervereinigungen der Holzindustrie behufs Abschluß eines neuen Vertrages dahin zu wirken, daß in diesem Bertrage festgelegt 1. Gine den zur Zeit bestehenden Verhältnissen und der fortschreitenden Technik in unserem Gewerbe entsprechende Vers fürzung der Arbeitszeit. wird: 2. Regelung der Abschlagszahlung und eine mit derselben verbundene Lohnerhöhung dahin gehend, daß die Mindestabschlags zahlung 27 M. beträgt. Söhere Lohnabfchlagszahlungen find nach dem Attordverdienst und dem Arbeitslohn der einzelnen Branchen festzulegen. 3. Daß präzisere Bestimmungen in bezug auf die Lohn. verficherung bei Arbeiten nach neuen Mustern und nach Zeichnung getroffen werden. 4. Daß für die Spezialbranchen feste Lohntarife aufgestellt werden. 5. Eine einheitliche Regelung ber Entschädigung bei Montagearbeiten. 6. Gine schnellere Erledigung aller vorkommenden Diffe renzen durch die Schlichtungskommission. 7. Stritte Durchführung der Arbeitsvermittlung durch den paritätischen Arbeitsnachweis in der Form, daß die Unternehmer wie Arbeiter verpflichtet werden, daß die Besetzung der Stellen resp. das Arbeitnehmen nur durch den paritätischen Nachweis bewirkt wird. Natürlich kann kein ehrenhafter Arbeiter die schamlose Zumutung, welche ihm dieser Revers auferlegt, erfüllen. Nachdem der Nevers bekannt geworden, ist denn auch fein organisierter Arbeiter am Donnerstag zur Fabrit gegangen. Sie haben sich vielmehr bollzählig in die Bersammlung begeben, welche am Donnerstagvormittag im Saale Königebant" stattfand. Die Stimmung der Versammlung ließ feinen Zweifel darüber, daß die Arbeiter gewillt find, den Kampf aufzunehmen, in den sie durch die Fabrikanten hineingedrängt worden sind. Der Gauvorsteher am a cher, der Verbandsvorsitzende Simon und eine Reihe anderer Redner gaben übereinstimmend der Ansicht Ausdruck, daß sich die Fabrikanten furchtbar verrechnen, wenn sie glauben, durch die Aussperrung die Ballschuhmacher zum Aufgeben ihrer ebenso berechtigten wie bescheidenen Forderungen zwingen oder die Organisation der Schuhmacher auch nur schwächen zu können. Ein stimmig wurde beschlossen, daß die Ausgesperrten die Arbeit nicht cher aufnehmen, als bis jeglicher Revers zurückgezogen wird. Die Arbeiterausschüsse wurden beauftragt, diesen Beschluß den Fabritanten mitzuteilen. Die Perlmutt und Knopfarbeiter, die im Solzarbeiterverbande organisiert sind, haben am Montag den Streit erklärt. Sie fordern eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 8%, Sonnabends 8 Stunden, einen Mindestwochenlohn von 27 M., Grhöhung der Stundenlöhne um 6 Pf. und der Affordpreise um 10-15 Prozent. Außerdem ist eine Reihe von Nebenforderungen aufgestellt. Bis jebt haben bereits 10 Unternehmer mit 107 Arbeitern die Forderungen bewilligt. 93 Arbeiter aus 8 Werkstätten befinden sich im Streit. Der Drechslerstreif geht seinem Ende entgegen. Es haben fait alle Arbeitgeber bewilligt. Nur 28 Arbeiter sind noch im Streit. Jedenfalls fann der Streit mit dem Schluß dieser Woche als er. folgreich beendet erklärt werden. Es heißt dann weiter: ,, Brückner verliest unter großer Unruhe der Versammlung einen Teil eines Artikels der„ Einigkeit", der sich mit dem Mannbeimer Parteitag beschäftigt usw." Die Unruhe der Versammlung" tam nicht wegen dem verlesen des Artikels, sondern wegen des Inhalts des Artikels zum Ausbruch und äußerte sich in lebhaften ZwischenArtikels zum Ausbruch und äußerte sich in lebhaften Zwischenrufen. Der Berichterstatter läßt mich ferner sagen: Hoffentlich werde dies aber um so mehr dazu beitragen, die noch fern stehenden Arbeiter in die Reihen der Sozialdemokratie zu treiben." Richtig ist: daß ich am Schlusse der Verlefung einiger Stellen aus dem Artikel der„ Einigkeit":„ Das Stüd ist aus", die Aufforderung an bie Lotalisten, die da Parteigenossen sind, richtete, fich auf sich selbst zu befinnen und der Zersplitterung ein Ende zu machen, indem sie sich den Zentralverbänden anschließen. Diese meine Aufforderung fand den lebhaftesten und langanhaltenden Beifall der Versammlung. Auch diese Tatsache wird im Bericht nicht erwähnt. Eugen Brückner, Nach dem Bericht soll ich von Vertuschen" der Gegenfäße auf dem Mannheimer Barteitage gesprochen haben. Ich habe jedoch mit Bezug auf die Stampfersche Affäre ausgeführt, daß der Parteitag in dem an fich gerechtfertigten Bestreben nach Einigteit allem Störenden und Streitverursachenden abhold und daß daher die Stimmung gegen Stampfer gewesen fet. Dr. James Broh. Eingegangene Druckfchriften. Kießlings große Karte der Provinz Brandenburg. Siebenfarbig. Mit Waldkolorit und Stilometereinteilung der Chausseen und Pflasterwege und Drisverzeichnis. Preis 2,25 M. Verlag A. Kießling, Berlin S.W., Kleinbeerenstr. 26. Für die Arbeiter der Firma Tengelmann, Kaffee- Engrosgeschäft in der Reinickendorferstraße, hat der Transportarbeiterverband einen Tarifvertrag mit der Firma abgeschlossen, durch den eine recht erhebliche Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen da selbst erzielt worden ist. Co beginnt die Arbeitszeit jetzt um 7 Uhr morgens und endet bei 1½stündigen Baufen um 5% Uhr abends, während sie bisher zehnftündig war. Für Ueberstunden werden 25 resp. 50 Proz. Aufschlag an die Arbeiter und je 25 Pf. an die Arbeiterinnen vergütet. Der Wochenlohn beträgt für Brenner anfangs 25,50 m., steigend nach zweijähriger Beschäftigung in Zwischenstufen auf 30 M., für jugendliche Lagerarbeiter je nach Jahresalter 15 bis 22 M., Lagerarbeiter über 22 Jahre erhalten Leipzig. 22,50 M., fteigend in Zwischenstufen nach zweijähriger Beschäftigung auf 27,50 M. Für jugendliche Arbeiterinnen unter 16 Jahren beKrippen, Kinderbewahranstalten und Kinderhorte. Ihre Bedeutung und Leitung von Arnold Sirk, Rettor. Im Anhang: Spiellieder mit Noten. Groß Ottav. 79 Seiten. Preis 1 M. Berlag von Breer u. Thiemann, Hamm i.. Theodor Ghrenstein. Waren dte großen Denker des Abendlandes abftinent? 43 Seiten. Berlag von Halm u. Goldmann. Wien und trägt der Stundenlohn 15 und 16 Bf. Arbeiterinnen über 16 Jahren Letzte Nachrichten und Depeschen. erhalten 16% bis 21% Pf., und Lagerarbeiterinnen 22 bis 27 Pf. Diese Vereinbarungen gelten vom 1. November d. J. ab auf zwei Jahre. Bei Neueinstellungen von Berfonal foll möglichst der Arbeitsnachweis des Transportarbeiterverbandes benutzt werden. Deutfches Reich. Beinahe" haben sie ihn! Hamburg, 18. Oktober.( W. T. B.) Das„ Hamburger Frem benblatt" meldet: Die Hamburger Polizeibehörde stellte heute früh bei Versuchen, den Köpenicker Schwindler zu identifizieren, fest, daß dieser mit einem gewissen Adolf Milner identisch ist, über welchen die Hamburger Polizeibehörde umfangreiche Strafakten beſitzt. Weiter ist festgestellt, daß Milners Vater deutscher Geschäftsmann und Milner junior in Amerika geboren ist, daß kürzlich in Hannover ein Unbekannter eine Offiziersuniform für Garde- Infanterie machen ließ, dessen Signalement mit Milner bis auf kleine Abweichungen übereinstimmt. Nachtlänge von der Hafenarbeiteraussperrung in Aachen. In ber Nr. 16 des Safenarbeiter" wurde in einem„ Die Aussperrung der Hafenarbeiter in Aachen" betitelten Artikel in scharfen Worten bas Berhalten von 18 Bootsleuten fritisiert, die bei der Hafen- und Lagerhausgesellschaft in Aachen in Arbeit getreten waren und fomit ihren ausgesperrten Kollegen in den Rüden gefallen sind. fünf der sich beleidigt fühlenden Arbeitswilligen haben gegen den Redakteur vom„ Hafenarbeiter", Genossen Görlik, Strafantrag gestellt, weshalb G. sich wegen Beleidigung und Vergehens gegen die Gewerbeordnung vor der Straftammer II des Landgerichts HamAusdehnung des Bergarbeiterstreits in Schlesien. burg zu verantworten hatte. Der Angeklagte erklärte, den Artikel Breslau, 18. Oktober.( W. T. B.) Aus Beuthen wird gemeldet, aus Solidaritätsgefühl für die Ausgesperrten geschrieben zu haben; daß der im Ausstand befindlichen Belegschaft der Grube Neuhof Rede sein, da es sich nicht um einen Streit zweds Erlangung fuhren in der Grube Neuhof von 341 Mann der Belegschaft 14, von einem Vergehen gegen§ 153 ber Gewerbeordnung könne keine sich beim heutigen Schichtwechsel um 2 Uhr auch die Bergarbeiter der benachbarten Viktoriagrube angeschlossen haben. Heute mittag befferer Lohn- und Arbeitsbedingungen, sondern um eine Aussper- fuhren in der Grube Neuhof von 341 Mann der Belegschaft 14, rung gehandelt habe. Der Staatsanwalt hält beide Bergehen für in der Viktoriagrube von 119 Mann 15 ein. urteilt den von Dr. Herz- Altona verteidigten Angeklagten nur borliegend und beantragt 2 Monate Gefängnis. Das Gericht bermegen öffentlicher Beleidigung zu einer Geldstrafe von 400 m. oder 40 Tagen Gefängnis und spricht den fünf Arbeitswilligen die Publikationsbefugnis zu. Der Streit auf Rote Erbe" beendet. Wolffs Telegraphenbureau meldet: Aachen, 18. Oktober. In einer heute nachmittag in Haaren abgehaltenen Versammlung von 2000 Ausständigen des Hüttenwerts„ Rote Erde" wurde beschlossen, den Ausstand für beendet zu erklären. Der Tag der Arbeitsaufnahme wird noch bekannt gegeben werden. Verfammlungen. Berichtigungen und Erklärungen. Wir erhalten folgende Buschriften: Nun braucht man nur noch zuzugreifen. Frankfurt a. M., 18 Oktober.( B. H.) Auf der hiesigen Polizei ist eine Anzeige eingegangen, wonach die Annahme be= gründet erscheint, daß der Pseudo- Hauptmann, der die Köpenicker Stadtkasse beraubte, identisch ist mit einem Frankfurter Friseur, deffen Signalement genau mit dem Gesuchten übereinstimmt. Der Verdächtige hat vor einigen Jahren in großen Städten Bayerns ähnliche Manöver gemacht, sich als Revisor ausgegeben, der angeblich von der Regierung gefchickt werde, und es ist ihm damals gelungen, sich mit Sülfe gefälschter Dokumente in den Befit einer ſtaatlichen erhielt eine schwere Freiheitsstrafe, die er jetzt verbüßt haben dürfte. Kaffe zu setzen. Er wurde jedoch kurze Zeit darauf verhaftet und Der Friseur hat sich zuletzt in Frankfurt aufgehalten, von wo er bor einigen Tagen verschwand. Eine Bestätigung dieser Nachricht war bisher nicht zu erlangen. Zur französischen Ministerkrise. Paris, 18. Ottober.( W. T. B.) Minister Clemenceau suchte den Ministerpräsidenten Garrien zu überreden, im Amte zu bleiben. Sarrien erklärte aber, fein Entschluß sei unwiderruflich. Pumpversuche. Da die von mir bei der Berichterstattung über den Mann heimer Parteitag im britten Berliner Reichstagswahlkreis abgegebene Erklärung für die Stellung der Partei zum Anarchosozialismus grundlegend sein dürfte, bitte ich die Redaktion des Baris, 18. Oktober.( W. T. B.) Die Blätter melden, daß der " Vorwärts" um wortgetreue Aufnahme dieser Erklärung. Die- ruffische Minister des Aeußeren, 33wolsky, heute vom Minister felbe lautet: Genoffen! Ich habe nicht das Wort verlangt, um Bourgeois empfangen worden sei und demnächst mit Bertretern der oder 8. Ginsetzung von Arbeiterausschüssen in allen Werkstätten. irgend welche Beschlüsse des Mannheimer Parteitages zu polemi. haben werde. Sollte Bourgeois zurücktreten, so würde Jswolsky Die erwartet nehmertum fo viel Einsicht und Würdigung der wirtschaftlichen fieren. Ich habe lediglich eine Erklärung abzugeben, die durch den feinen Aufenthalt berlängern, um mit dem Nachfolger Bourgeois und sozialen Verhältnisse, daß es den in obigen Punkten ent bon Parteivorstand und Kontrollfommission eingebrachten Antrag in persönliche Beziehungen treten zu können. haltenen Anträgen zustimmt." 162 bedingt ist. Dieser Antrag lautet in seinem wesentlichen Teil auf die im ersten Abfat enthaltenen durchaus irrtümlichen Unterstellungen gehe ich nicht ein die Parteipreffe hat daher Großfeuer. Beschlagnahmte Munition. Es entspann fich eine rege Diskuffion. Mehrere Redner traten Borbeaug, 18. Oktober.( B. H.) Gine Feuersbrunst zerstörte für weitergehende Forderungen ein, im allgemeinen herrschte jedoch Uebereinstimmung mit den Vorschlägen des Referenten. Es wurde die Pflicht, die anarchosozialistische Bewegung auf das ent- heute den Güterschuppen des Orleans- Bahnhofes in Bordeaux. der Wunsch ausgesprochen, daß die Mitglieber von dem Gang der schiedenste zu bekämpfen, und die Parteigenossen haben die Auf- Zahlreiche Güter sowie 50 Eisenbahnwagen wurden zerstört. Der jedenfalls längere Zeit dauernden Berhandlungen unterrichtet gabe, Personen, die für diese anarchosozialistischen Schaden wird auf 2 Millionen Franken veranschlagt. Die Ursache werden und ihnen Gelegenheit gegeben werde, zu denselben Stel. Bestrebungen eintreten und für fie agitieren, der Feuersbrunft wird auf die Unvorsichtigkeit eines Beamten lung zu nehmen. Steinesfalls bürfe es die Verbandsleitung fo foweit diese Personen Parteigenossen sind, aus ihren Reihen aus aurüdgeführt. machen, wie die Leitung der Buchbrucer, die einen Tarif mit den zuschließen". Dazu habe ich zu erklären, daß ich nach wie vor auf Unternehmern abschloß, ohne die Mitglieder vorher zu fragen. dem Boden des bon mir bisher vertretenen Anarchosozialismus Lomicha, 18. Oktober. Die Zollbehörde in Grajewo hat 19 Glode meinte hierzu, die Erfüllung dieses Wunsches fei selbst. stehe, daß ich demzufolge verwerfe ben Parlamentarismus und den verständlich. Die Vertrauensmänner bezw. die Generalversammlung politischen Massenstreif, der ja innerhalb des heutigen Klassen von Berlin nad Tiflis cgpedierte Risten beschlagnahmt, die 74 000 habe über die zu treffenden Vereinbarungen in letter Linie zu staats und innerhalb des bürgerlichen Barlamentarismus dem Patronen enthielten. entscheiden. Was bei den Buchdruckern geschehen sei, das würden Proletariat parlamentarische Rechte sichern soll. Daß ich dagegen Dynamitegplofion. fich die Holzarbeiter auch nicht gefallen lassen. Die Mitglieder des nach wie vor eintrete für die Propaganda der Gefeßlosigkeit, der Holzarbeiterverbandes würden in ihrem Selbstbestimmungsrecht Religionslosigkeit, der Vaterlandslosigkeit und des Antimilitaris- Port- Vendres, 18. Oftober.( W. Z. B.) In der Dynamitin leiner Weise beeinträchtigt werden. mus. Daß ich nach wie vor eintrete für die direkte Aktion und den fabrit von Baulilles fand heute eine Explosion statt. Zwei Beranarchosozialistischen Generalstreit, der unter Verweigerung der sonen wurden getötet, zwei töblich verlegt. Arbeitskraft des Proletariats als Klaffe die Bertrümmerung der Die Versammlung nahm die Resolution einstimmig an. Berantw. Rebatteur: Hans Weber, Berlin. Inferatenteil berantw.:.Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Sierau 2 Beilagenu. Unterhaltungsblatt Nr. 244. 23. Jahrgang. L öriligt Ks Jjuirts" fittlinct Bollislilslt. Freitag, 19. Oktober 1906. Achtung, GrwttbkgknchtsVnhl! Arbeiter Berlins! Verseht Euch bis zum Sonntag mit Wahl-Lel;LtimationeN! Die Arbeitgeberwahlen znm Gewerbe- gericht finden heute Freitag von 3 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends statt. Von den bürgerlichen Arbeitgebern wird seit Wochen mit Hochdruck gearbeitet, nur zu verhüten, dag diesmal in irgend welchen Bezirken sozialdemokratische Arbeitgeber gewählt werden. DaS hat aber unsere Genossen, die als Arbeitgeber zum Gewerbegericht Wahl- berechtigt sind, keineswegs eingeschüchtert, sondern erst recht ver- anlahl, in allen zur Wahl stehenden Bezirken mit Ausnahme des 19. Bezirks Kandidaten aufzustellen und für deren Wahl Propaganda zu machen. Der 1. Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke 1— 10, Wahllokal: Turnhalle der 21./24. Gemeindeschule, Hinter der Garnisonkirche 2. Namen der Kandidaten: Gustav Seiler, Gastwirt. Adalbertstr. 93; August Hahn, Gastwirt, Stralauerstr. 48; Gustav Haferung, Kistenhnndler, Heilige- gcislstr. 62; Gottlieb Rühleke, Maurermeister, Petristr. 8/9; Josef Urbanowicz, Barbier, Fischerbrücke 9. 4. Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke 31—39 und 48—46. Wahllokal: Turnhalle der 107. Genieindeschule, Genthinerstr. 4. Kandidaten: Adolf Rickert, Schankwirt, Steinmetzstr. 36a. Karl Ehmer, Installateur, Bülow- straße 66. Hermann Graupner, Uhrmacher, Steglitzerstr. 84. Herm. Boß, Barbier, Steinmetzstr. 23. 7. Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke 54, 55 und 57— 63. Wahllokal: Turnhalle der103./116. Gemeindeschule, Hagelsbergerstr. 34. Kandidaten: Otto Hänsel, Schankwirt. Belle-Alliancestr. 71. Heinr. Schröder, Zigarren- fabrikant, Kreuzbergstr. 15. Alb. Bogt, Schankwirt, Hagelsberger» straße 3. Theodor Franz. Schankwirt, Hagelsbergerstr. 52. 10. Wahlbezirk umfaßt die Wahlbezirke 76-73. Wahllokal: Turnhalle der 83/93. Gemeindeschule, Dieffenbachstr. 60/61. Kandidaten: Emil Lindemann, Schankwirt, Moritzstr. 9. Gustav Federhart, Schankwirt, Boppstr. 4. Georg Lau, Restaurateur, Boeckhstr. 7. Emil Donath, Schankwirt, Schönleinstr. 6. Ferd. Kathen, Barbier, Gräfestr. 9. 13. Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke 95—104. Wahllokal: Turnhalle der 20. Ge- meindeschule Waldemarstr. 77. Kandidaten: Oskar Jensch, Fabrikant, Waldemarstr. 15. Richard Kahl, Plättanstaltsbesitzer, Schlesische- straße 6. Johann Fabian, Friseur, Manteuffelstr. 9. Friedrich Fröhlich, Gastwirt, Muskauerstr. 1. 16. Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke 114—121. Wahllokal: Turnhalle der 112./129. Gemeindeschule, Wassertorstr. 31. Kandidaten: Adolf Danziger, Buchdruckereibesitzer. Neuenburgerstr. 30. Christian Schulze, Restaurateur, Alte Jakobstr. 13/19. Wilh. Schitte, Kaufinann, Schützenstr. 56. Wilh. Burg, Restaurateur, Lindenstr. 3. Im 19. Wahlbezirk' sind keine Kandidaten aufgestellt. 22. Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke 152-156 und 158—159. WahNokal: Turn- Halle der 23. Gemeindeschule, Strausbergerstr. 9. Kandidaten: Jakob Wiebe, Gastwirt, Große Frankfurterstr. 38. Paul Böhm, Zeitungsspediteur, Lausitzerplatz 14/15. Karl Günter, Gastwirt, Große Frankfurterstr. 33. Karl Bogt, Gastwirt. Koppenstr. 34. Karl Kellermann, Tischlermeister, Thaerstr. 45. 25. Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke 161, 179—181. Wahllokal: Turnhalle der 3./203. Gemeindeschule, Petersburgerstr. 4. Kandidaten: Paul Dauzmann. Konfektionsschneider, Thaerstr. 15. Paul Gruß, Gast« Wirt, Liebigstr. 14. Johann Heiden, Zigarrenfabrikant, Weiden- weg 26. Robert Steffen, Bäckermeister. Schreinerstr. 60. 28. Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke 182—183 und 196—200. Wahllokal: Turn- halle der 6. Gemeindeschule, Georgenkirchstr. 11. Kandidaten: Hermann Linke. Drechslermeister, Waßmannstr. 11. Jakob Reul. Zigarrenfabrikant. Barnimstr. 42. August Schubert, Barbier, StrauS« bergerstr. 35. Hermann Gpaet, Gastwirt, Georgenkirchstr. 65. Leo Zucht, Zeitungsspediteur, Keibelstr. 42. 31. Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke 218—225. Wahllokal: Turnhalle der Filiale der 171. Gemeindeschule. Chorinerstr. 74. Kandidaten: Roman Roska, Zigarrenfabrikant, Chorinerstr. 5. Hennann PawlowSki, Ktirschner, Hochmeisterstr. 28. Oskar Lorenz. Schneidermeister, Franseckistr. 4. Hermann Kriedemann, Zigarrenfabrikant, Stargarder- straße 74. 34. Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke 242. 247—243. Wahllokal: Turnhalle der 209./Slb. Gemeindeschule, Dunckerstr. 65/66. Kandidaten: Johann Hönisch. Gastwirt. Wichertstr. 3. Karl MarS. Zeitungsspediteur, Lychenerstr. 128. Gustav Pinner, Zigarrenfabrikant, Tresckowstr. 36. Karl Knappert, Kürschner, Dunckerstr. 6. 37. Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke 227-228. 257-259 und 265-267. Wahllokal: Turnhalle der 13./67. Gemeindeschule, Elisabethtirch- straße 19/20. Kandidaten: Gustav Sabor, Kaufmann. Invaliden- straße 159. Karl Kappe. Barbier, Gartenstr. 54. Gustav Witzel, Buchdruckereibesitzer, Brunnenstr. 164. Fritz Wille, Restaurateur, Bninnenstr. 188, 40, Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke 273. 275—276, 278 und 308—306. Wahl- lokal: Turnhalle der 70./202. Gemeindeschule, Raven8str. 12. Kandidaten: Philipp Bernstein, Kürschnermeister. Rcinickendorferstr. 113. Karl Fahrow, Gastwirt, Ravenöstr. 6. Herm. Heyse, Gastwirt, Boyenstr. 19. Paul Wysocki. Barbier und Friseur. Dalldorferstr. 2. 43. Wahlbezirk untsaßt die Stadtbezirke 290—292. Wahllokal: Turnhalle der 206. /212. Gemeindeschule, SiemenSstr. 20. Kandidaten: Max Bober, Konfektionär. Spenerstr. 4. Gustav Brüschke, Schankwirt, Gotzkowskystraße(Brüning- HauS). Richard Kiepert. Zigarren- fabrikant, Zivinglistr. 16. Ernst Stark, Plättereibesitzer, Beuffelstr. 22. 46. Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke 307—308 und 315—318. Wahllokal: Tum- halle der 19./166. Gemeindeschule, Ruheplatzstr. 5/7. Kandidaten: Louis Dechanb. Zigarrenfabrikant, Ruheplatzstr. 24. August Hintze, Kaufinann, Panlstr. 31 d. Fritz Waschowski, Molkereibesitzer, Anton- straße 34. Theodor Wiese, Großdestillateur, Wiesenstr. 39. Wahlberechtigt sind diejenigen Arbeitgeber, die 25 Jahre alt sind, in Berlin ihre gewerbliche Niederlassung haben und in der Wählerliste stehen, die nur für Arbeitgeber angefertigt ist. Nicht wahlberechtigt sind solche Personen, a.) die nicht Angehörige des Deutschen Reiches sind, bj welche die bürgerlichen Ehrenrechte infolge strafrechtlicher Verurteilung verloren haben, oder gegen welche das Hauptverfahren wegen eines Verbrechens oder Vergehens eröffnet ist, das die Ab- erkennung der bürgerlichen Ehrenrechte oder der Fähigkeit zur Be- kleidung öffentlicher Aemter zur Folge haben kann, o) welche infolge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung über ihr Vermögen beschränkt sind, und ä> die Mitglieder der Innungen, für welche ein Schiedsgericht in Gemäßheit des K 81b Nr. 4 und der ZZ 91— 91b der Gewerbeordnung errichtet ist, sowie die von diesen beschäftigten Arbeiter. Als Arbritgeber sind nach dem Gesetze bezw. Statut diejenigen selbständigen Gewerbetreibenden zu betrachten, welche mindestens einen Arbeiter regelmäßig das Jahr hindurch oder zu gewissen Zeiten des Jahres beschäftigen. Die Hausgewerbetreibenden gelten unter der gleichen Berech- tigung als Arbeitgeber, sofern sie geniäß§ 14 der Gewerbeordnung den selbständigen Gewerbebetrieb angemeldet haben. Den Arbeitgebern stehen im Sinne der bezeichneten Bestimmungen die mit der Leitung eine? Gewerbebetriebes oder eines bestimmten Zweiges desselben betrauten Stellvertreter der selbständigen Gewerbetreibenden gleich, sofern ihr Jahresarbeitsverdienst an Lohn oder Gehalt 2000 M. übersteigt. Versäume heute kein parteigenössischer Arbeitgeber sein Wahlrecht auszuüben und versehe sich deshalb jeder Wähler für alle Fälle mit der nötigen Legitimation! Die Bewegung der Buchdrucker. In der Bewegung ist durch die gestern von uns schon in dem größten Teil der Auflage telegraphisch gemeldete Annahme deS Tarifs durch die Mitgliedschaft in Leipzig eine Wendung eingetreten, da mit der Annahme des Tarifs durch eine so große Mitgliedschaft die Position derer, die mit dem Tarif und besonders dem Organisations- statut nicht einverstanden sind, unhaltbar geworden ist. Ein Kampf gegen die nach unserer Ueberzeugung unheilvollen Bestimmungen des Tarifs und des Organisationsvertrages war nur denkbar, wenn die große Mehrheit der Buchdrucker gewillt war, ihn aufzunehmen, und wenn namentlich die großen Druckstädte ihn führten. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß die vorgestern von uns veröffentlichte Erklärung des Hauptvorstandes die Haltung der Leipziger Verbandsbuchdrucker beeinflußte. Die Versammlung war von mehr als 3000 Personen besucht. Der Gauvorsitzende Engelbrecht empfahl die Annahme des TarifeS, von anderen Rednern wurde die Annahme der Berliner Resolution empfohlen. Der Standpunkt der Maschinensetzer wurde von Sack vertreten, der an den einzelnen Positionen zeigte, wie schwer die Maschinensetzer gerade geschädigt worden seien. Nach der Annahme eines Antrags ans Schluß der Debatte wurde die Berliner Resolution mit großer Mehrheit abgelehnt, die des Gau- Vorstandes mit großer Mehrheit angenommen: diese lautet: „Die heute Mittwoch, den 17. Oktober, in der Alberthalle von 3000 Personen besuchte Versammlung deS Verbandes deutscher Buchdrucker erklärt steh mit den Ergebnissen der stattgefundenen Tarif- Verhandlungen nicht zufrieden, weil die von den Prinzipalen ! gemachte» materiellen Zugeständnisse keineswegs im Verhältnis tehen zu der fortgesetzten Preissteigerung der notwendigen Lebens- mittel sowie der Wohnungsmiete usw. Die Versammelten sehen in der beschlossenen Arbeitszeit- Verkürzung von wöchentlich einer halben Stunde kein Mittel, das dazu angetan ist, der Arbeitslosigkeit der Buchdrucker zu steuern und den Gesundheitszustand der im Buch druckge werbe be- schäftigten Arbeiter zu heben. Insonderheit verurteilen sie die Einführung deS Berechnens an den Setzmaschinen für Zeitungsbetrieb, zumal von einer ent- sprechenden Erhöhung nach oem neuen Tarif nicht die Rede sein kann. In Anbetracht der Tatsache, daß die Vertreter der Gehülfen- schaft zu den getroffenen Abmachungen bereits ihre Znstimiuung gegeben und in Berücksichtigung aller einschlägigen Verhältnisse, erklärt die Versammlung ihr Einverständnis zu diesen Verein- baruiigcn. Dies geschieht jedoch nur unter der Voraussetzung, daß die hiesige Pnnzipalität die Einführung des neuen Tarifs i n loyalerer Weise handhabt, als dies im Jahre 1902 geschah, und ferner den Gehülfen, die infolge ihrer technischen Ouali- filation bei der Tarifeinführung mehr denn 3 M. über das jetzige Minimum beziehen, auch eine entsprechende Zulage gewährt wird." » Der Ortsverein Spandau des Verbandes der deutschen Buchdrucker faßte in seiner am 16. Oktober stattgefundenen außer- ordentlichen Mitgliederversammlung, welche stark besucht war, ein- stimmig folgende Resolution: „Die am heutigen Abend tagende außerordentliche Versamm- lung des Ortövereins Spandau erklärt nach ausführlichem Referat des Kollegen Jandt. daß sie eS für ihrer unwürdig hält, sich noch weiter»nt einem derartigen, den heutigen Teuermigöoerhältnissen nicht entsprechenden Tarif solvie usit dem die Bewegungsfreiheit des Verbandes unterbindenden OrganisatiouSvertrog zu befassen. Im übrigen erklärt sich die Versammlung mit der Resolution Verlins(nochmalige Berhand- - lung eventuell Einberufung einer außerordentlichen General- Versammlung) einverstanden und verpflichtet sich, ihr Alles daran zu ietzeu, um ihre» berechtigten Forderungen Geltung zu verschaffen." Die Trebbin er Mitgliedschaft des Verbandes der deutschen Buchdrucker nahm in einer am 16. Oktober abgehaltenen Versamm- lung Stellung zu dem neuen Tarifvertrag. In der Diskussion wurde von allen Rednern die Schreibweise des„Korreipon- dent" verurteilt. Borher das energische Verfechten von fünfzehn- prozentiger Lohnerhöhung und Vsstimdiger Arbeitszeitverkürzung als dem Minimum dessen, waS bewilligt werden müßte. Bei der Ab- lehnung dieser Forderung die Drohung mit dem. der da kommt „mit wehenden Locken und ehernen Sandalen". Und jetzt? Nichts als klägliche Versuche, der Kollegenschaft unter Hinweis auf die angeblich miserable Lage des Gewerbes die Zugeständnisse auf der einen und die Verschlechterungen auf der anderen Seite mund- gerecht zu machen. Hatte die Redaktion vor der Tarifberatung denn keine Ahnung von der„schlechten Lage" des Gewerbes? Der Satz im„Korrespondent": Der Ausspruch„Akkordarbeit ist Mord- arbeit" sei für das Buchdruckgewerbe eine Phrase, entlockte der Ver- sammlung nur ein Lächeln. Im Gegenteil I Dadurch, daß der Tarif Berechne» und Gewißgeld zuläßt, werde der Buchdruck-Unternehmer ja geradezu aufgefordert, vorteilhafte Arbeiten im gewissen Gelde her- stellen zulasse», während an» glatte» Satz, schlechtem Manuskript usw. die Berechner sich„ergötzen" können.— Der Vertrag von Organisation zu Organisation wurde ebenfalls entschieden verurteilt. Wie Büxen- stein in der Versammlung der Berliner Prinzipale ausgeführt habe, solle durch denselben die willkürliche Arbeitsniederlegung an einem Orte oder in einer Druckerei unmöglich gemacht werden, und das ist es eben, was die Kollegen so mißtrauisch gegen diesen Vertrag mache. Es solle den Mitgliedern unmöglich gemacht werden, aus irgend einem Grunde, der mit dem Arbeits- vertrage nicht das geringste zu tun habe, gemeinsam die Arbeit niederzulegen; das fei nicht mehr und nicht weniger als die Unter- bindung jeder aggressiven gewerkschaftlichen Betätigung. Wir. die die Gewerkschaftsbewegung als ein Stück Klassenkampf betrachten, dürften uns nicht durch Tarifverträge, möge» sie auch noch so vorteilhaft sein, nach dieser Richtung hin festlegen lassen. Wir betrachteten die Tarifgemeinschaften nur als eine Art Waffenstillstand im Emanzipationskampf, während die ,Korrespondent"-Redaktion in Konsequenz seiner sonstigen An- sichten das bei der kapitalistischen ProduttionSform bestehende Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit in alle Ewigkeit durch dieselben festlegen möchte. Schon sei uns der Strick um den Hals geivorfen, aber noch in letzter Sekunde könnten wir verhüten, daß er zugezogen werde. Es müsse deshalb auch die kleinste Mitgliedschaft prinzipiell zu dieser Frage Stellung nehmen, um dadurch zu dokumentieren, daß der von unseren Gehülfenvertretern, dem Verbandsvorstand und der Redaktion des„Korr." eingeschlagene Weg nicht der richtige sei. Zum Schlüsse der Versammlung wurde eine von Kollegen D e n k e r t eingebrachte Resolution einstimmig angenommen, die sich in ihrem wesent- lichen Inhalte mit der Berliner Resolution deckt. Em der Partei. Die Existenz der„Humanitö" gesichert! AuS Paris wird vom 18. Oktober gedrahtet: Jauris erhielt von Bebel ein Schreiben, in dem dieser mitteilt, daß der Partei- vorstand der deutschen Sozialdemokratie, der das Eingehen der „Humanitö" als ein großes Unglück nicht nur für die französische sozialistische Partei, sondern für die gesamte internationale Partei betrachte, bereit sei, für die„Humamts" 25 000 Fr. zur Unterstützung zu stiften. Der Verwaltungsausschuß der französischen geeinigten Sozialisten nahm das Anerbiete» mit Dank an. Der Betrag von 26 000 Fr. wird in Aktien der„Hnmanits" umgewandelt werden, die sodann in daS Eigentum der französischen sozialistischen Partei übergehen. Die zu- gunsten der„Humanits" von den sozialistischen Bereinigungen Frank- reichs veranstalteten Geldsammlungen haben bis jetzt ungefähr 10000 Fr. ergeben._ Parteiliteratnr. Der Arbciter-Notiz-Kalender 1907 ist soeben im Verlage der Buchhandlung Vorwärts erschienen. Dieser in Arbeiterkreisen allgemein beliebte Kalender bringt auch in diesem Jahre wieder eine reiche Fülle für Partei- und Gewerkschafts- Mitglieder äußerst nützlichen, ja unentbehrlichen Materials. Der Kalender sollte daher als ein zweckentsprechendes Nachschlagewerk auch im Besitze jedes Arbeiters sein. Der vorliegende neue Jahr- gang enthält u. a.: Die Parteien des Reichstags, eine Abhandlung, in der die einzelnen Programme der Parteien und ihre Stellung zur Sozialpolitik und zu allgemeinen Arbeiterfragen kritisch beleuchtet wird. Der Kalender bringt ferner einen Aufsatz: Winke für Militärinvaliden, und einen kurzen Abriß über die„Gewerkschaften im Jahre 1905". Daneben enthält der Kalender die Ergebnisse der Reichstagswahlen einschließlich der letzten Nachwahlen und zahlreiches, für die Arbeiter notwendiges Adreffenmaterial, Statistiken usw. Ein künst- lerisch ausgeführtes Bild deS verstorbenen Genossen Meister ist dem Kalender beigegeben. Der Preis ist wie alljährlich 60 Pf. Der Kalender ist in allen Parteibuchhandlungen, von jedem Kolporteur und Zeitungsausträger zu haben; in Berlin und Vororten kann der Kalender durch alle Parteispeditionen bezogen werden. Der Oestcrreichische Arbeiter-Notizkalender für 1907 ist im Ver- läge der Wiener Volksbuchhandlung erschienen. Er ent- hält an Artikeln: Das Arbeitsrecht, Aus unserem Gewerkschaftsleben, Die Wehrpflicht, außerdem den Post- und Telegraphentarif. Tabellen für Berechnung des Arbeitslohnes in Kronen, Formulare zur Ein- tragung der Einnahmen und Ausgaben mitRubriken für Arbeitslosigkeit infolge Krankheit und Arbeitsmangel, Steuertabelle und Tagebuch. Ein Gedicht, Arbeitergruß von Karl HanSlitschek, eröffnet den Kalender. Das Titelbild zeigt die Porträts der sieben sozialdemokratischen Wiener Gcmeinderäte. Im selben Verlage ist der im Auftrage der Parteivertretung der österreichischen Sozialdemokratie herausgegebene Oesterreichischr Arbeitrr-Kalender erschienen. Da? gut ausgestattete, fest kartonierte Blich kostet 80 Heller und hat folgenden Inhalt: Neujahr. Gedicht von Etbin Kristan. Kalendarium. M° gemeines Kalendarium. Jahresrückschau. Von Leopold Winarsky. Ursachen und Wesen der russischen Revolution. Von Karl Leuthner. Der Dorflump. Von Ferdinand Hanusch. Ursprung und Grundlagen unserer Verfassung. Von Josef Karner. Freiheit. Gedicht von Leopold Jacoby. Henrik Ibsen. Von Stephan Großmann. Die Sennerin vom Schwarzensee. Von Hans Resel. Das Wahlrecht der Frauen. Von Thrercse Schlesinger. Entwickelungsfehler des Kindes. Von Dr. Alfred Adler. Ein Morgenlied. Gedicht. Ein Herz— ein Geist. Gedicht von Arno Holz. Der Arbeiter uird das Theater. Von Stephan Großmann. Amerika. Ein gco- und ethnographisch- soziales Charakterbild. Von Siegmund Kaff. Posttarif. Tele- graphentarff. Stempelskalen. Oesterreichische Arbeiterpresse. Ocsterreichische Gewerkschaftsprcffe. Arbeitervereine Oester» reichs. Lustige Ecke. Die wichtigsten Jahrmärkte. Inserate. Geschmückt ist der Kalender mit drei ganzseitigen Kunstbeilageu und zahlreichen Illustrationen._ Die Organisatioum-znm Parteitag. Die Essener Parteigenossen nahmen am Sonntag nach dem Bericht der Delegierten folgende Resolution einstimmig an: Die Ouartalsversammlung des sozialdemokratischen Vereins in Essen bedauert, daß unsere Fraktion bei der ersten Beratung der ,.Borussia"-Jnterpellation nicht in genügender Stärke vertreten war: sie kann jedoch die auf dem Parteitag vom Genoffen Scheibe-Dortmund aus diesem Grunde gemachten Ausführungen über die Tätigkeit der Fraktion nicht als die Stimmung der Parteigenossen im Kreise Essen anerkennen. Nach der von Genossen Schöpflin und anderen gegebenen Darstellung des Sachverhalts steht sich die Betfammlnw •enwTöfct, zu«TWren, daß sie bor ttne nach der Tätigkeit unserer Fraktion das volle Vertrauen entgegenbringt. Im übrigen erklärt sich die Versammlung mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden._ Von den Orgailisationcn. Für W e r d a u und Umgegend im 18. sächsischen Wahlkreise lZwickan-Crimmitschau) ist die Anstellung eines Part.eibeamten beschlossen worden, der am t. November sein Amt antreten soll. Der Kreisvorstand hat dazu den Genossen Otto S e y s a r t h- Crimmitschau erwählt. An die alten Nürnberger, an Genossen, die bor Jahren in Nürnberg oder den übrigen nordbayerischen Kreisen gelebt haben oder täug waren und die noch im Besitze von Dokumenten, Broschüren, Flugblättern, Briefen, Aufzeichiulngen usw. sind, richtet die Redaktion der„Fränkischen Tagespost" in N ü rn b e r g die Bitte, ihr diese Dokumente zur Abschrift oder zu Auszügen auf einige Zeit zu überlassen, da sie bor dem Jubiläum des Nürnberger Arbeitertages einen Abriß der Nürnberger Geschichte in Verbindung mit der der übrigen Kreise der letzten 40 Jahre geben will. Parteigenossen, die mit der Feder umgehen können, werden gebeten, ihre Erinnerungen an wichtige Vorkommnisse, besonders auch aus der Zeit des Sozialisten- gesetzcs, Nachrichten über hervorragend tätig gewesene verstorbene oder in das gegnerische Lager übergetretene Genossen, ernste und heitere Erlebnisse mit der Polizei usw., niederzuschreiben und der Redaktion zu übermitteln. Für Retournierung des eingesandten Materials übernimmt die Redaktion Garantie, wenn es die Genossen nicht vorziehen, dasselbe zur Bildung eines Parteiarchivs schenkungs weise zu überlassen. Aus Bade». In Pforzheim referierte am Donnerstag der Landtagsabgeordnete Genosse Geck vor einer öffentlichen Versamm lung über sein Verhalten im Landtag; als zweiter Redner sprach der Abgeordnete Genosse Eichhorn. Die Versammlung sprach das Vertrauen aus und betonte in einer e i n st i m m i g gefaßten Re- solution, daß sie wegen der Beteiligung des Genossen Geck als Mit- glied des landständischen Ausschusses an dem parlamentarischen Frühstück nichts einzuwenden habe. Der Fall des Priesters Frhr. v. Zucco und Cuccagna. Die Mainzer„Volkszeitung" wendet sich gegen die Behauptung, der Freiherr hätte sich in Erwartung einer Erbschaft so schnell be kehrt. Nachstebende Notiz der„Mainzer Nachrichten" entspreche dw gegen unzweifelhaft mehr den Tatsachen und verstärke die anfangs vertretene Ansicht, daß die Beweggründe der„Bekehrung" auf patho logischem Gebiete liegen müßten: „Wunderlicher Heiliger! Auf den Geisteszustand des ehemaligen freireligiösen Predigers v. Zucco und Cuccagna wirft es ein eigentümliches- Licht, daß er kurz vor seinem Verschwinden von hier noch einem jungen hiesigen Mädchen, Fräulein D., in aller Form einen Heiratsantrag gemacht hat. Er wußte demnach gar nicht mehr, daß er bereits verheiratet ist. Auch der schwulstige Wortlaut der von ihm ganz überflüssigerweise veröffentlichten Er klärung läßt auf eine Störung der Gehirnfunktionen schließen../ Die Potsdamer Zimmerer und die Haltung des „Zimmerers". Die„Brandenburger Zeitung" be- richtet:„Die Potsdamer Zimmerer beschäftigten sich in ihrer letzten Versammlung noch einmal mit dem„Vorwärts"-Konflikte resp. dem Verhalten des Genossen Bringmann dazu. Wie noch allgemein erinnerlich sein wird, gehörte„Der Zinmierer" auch zu denjenigen Gewerkschaftsorganen, die zu dem unglückseligen Vorkommnis in der Redaktion unseres Zentralorgans scharf Stellung gegen den„Vorwärts" resp. die Parteileitung nahmen. Dieses Verhalten Bringmanns, des Redakteurs des Verbandsorgans„Der Zimmerer", zeitigte hier die Annahme einer gegen diesen gerichteten Protestresolution, die durch die Parteipresse veröffentlicht, vom„Zimmerer" aber abgelehnt wurde. In folgedessen entspann sich zwischen der Redaktion des Verbands orgarrs und dein hiesigeir Zweigverein resp. dessen Vorstand ein recht energischer Schriftwechsel. Auf seine letzten Aufforderungen zur Ausnahme eines dementsprcchenden Berichts über die Protest- Versammlungen der Potsdamer Zimmerer hat der Vorsitzende, Ge nosse Stoof, bis heute weder Antwort vom„Zimmerer" er- halten, noch ist der Bericht durch das Verbandsorgan ver- öffentlicht worden.... Zur Beilegung dieses Konflikts war der Gauleiter, Genosse Knüpfer-Berlin, erschienen. Unter Hinweis auf die jetzt in Mannheim erfolgte Einigung resp. Klarstellung des Ver- hältnisses zwischen Partei und Gewerkschaften bemühte sich der Referent, auch hier eine mildere Beurteilung der Bringmannschen Stellungnahme herbeizuführen, da die Ursachen derselben nun- mehr beseitigt sind. Im Jntereffe der Organisation liege es deshalb, auch den hiesigen Konflikt mit Bringmann aus der Welt zu schaffen.— Dazu war ja allgemein Neigung vorhanden, be- dauert und verurteilt wurde aber das rücksichtslose Verhalten Br. gegen die hiesige Ortsverwaltung, deren Vorsitzender, Genosse Stoof, infolgedessen leider sein Amt niederlegte. In der Begründung zu diesem bedauerlichen Schritt führte St. aus. daß er sich die ihm von Br. zuteil gewordene Behandlung als Vorsitzender nicht gefallen lassen könnte.... Wir glauben, daß der Konflikt ein solches Opfer nicht wert ist.... Nach dem erfreulichen Ergebnis der Mannheimer Tagung mutz und wird es auch hier im Kampfe gegen den gemein- samen Feind heißen:„Getrennt marschieren, aber vereint schlagen I" Denn„Partei und Gewerkschaften" sind eins!" Und nicht bloß dem Namen nach.... Veränderungen in der Redaktion des„Avanti". Rom, den 18. Oktober Nach dem Votum des Parteitages, das zeigt, daß die Parteimehrheit auf feiten der Reformisten steht, hat Ferri zwei syndikalistische Genossen, O r a n o und P a n e l l o aus der Redaktion entlassen; befremdenderweise bleibt der dritte Syndikalist, Moni- c e l I i, im„Avauti". Erster politischer Redakteur wird Romualdi, dessen revolutionär- integralistische Tagesordnung von der hiesigen Parteisektion angenommen wurde, der aber dessenungeachtet auf dem Parteitage mit der Mehrheit stimmte. Schließlich traten neu in die Redaktion der Reformist B o n o m i für den volkswirtschaftlichen Teil und Arturo Labriola, der im Auftrage des„Avanti" sofort nach Berlin reist, um Berichte über die deutsche Bewegung zu schicken. polizeiliches, ßerichUichcs ukw. Strafkonto der Presse. Genosse Crispien von der„Königs- verger Volkszeitung" wurde durch das Königsberger Land- gericht mit 400 Mark Geldstrafe belegt, weil er den komman- dierenden General des 1. Armeekorps beleidigt haben soll in einem Artikel, der die Schmutzkonkurrenz geißelt, die durch die Beurlaubung von Soldaten zu Erntearbeiten den Landarbeitern gemacht wird. Aus der Urteilsbegründung ist folgender Passus interessant: Die verlangten Beweise seien als wahr unterstellt worden. Es sei an- genommen worden, daß die Gutsbesitzer Ebhard und Hofer nie über Leutenot zu klagen gehabt haben. ES sei auch als wahr an- genommen worden, daß von einzelnen Gütern die Leute weg- gegangen seien, weil ihnen nicht eine Behandlung geboten worden sei, wie sie sie haben wollten. Es sei auch weiter als wahr an- genommen worden, daß selbst Soldaten sich aus den gleichen Gründen von den einzelnen Gütern entfernt haben. Doch all das habe mit dem Artikel nichts zu tun. Der kommandierende General fei durch denselben beleidigt worden. Unser gestriges Telegramm aus Mannheim in der Rubrik Letzte Nachrichten und Depeschen über die Verurteilung des Genossen M a i e r von der Mannheimer„V o l k s st i m n: e" bedarf einer Berichtigung. Die Verurteilung erfolgte nicht auf Grund deS§ igg des Strafgesetzbuches �Aufreizung zu Gewalttätigkeiten), sondern stützt sich auf den§ 131 lVerächllichmachen von Staatseiurichtungen). Der inkriminierte Artikel der„Volksstimme" war überschrieben: „Auf dem Hagenauer Sand" und schilderte die Erlebnisse der im Frühjahr dieses Jahres eingezogenen Reservisten und Land- Wehrleute auf dem Uebungsplatze zu Hagenau. Es wurden vornehm- lich die Preise und Qualitäten der in der Kantine des Hagenauer UebungSplatzcs gebotenen Waren, die Verpflegung und Unter- bringung der Eingezogenen bemängelt. i eines Zigarettenfabrikanten tr Tabakarbeiterverbandes in H i Der Staatsanwalt behauptete, daß diese Bemängelungen nicht gerechtfertigt seien, erhob aber deswegen keine An- klage, weil er dem Redakteur guten Glauben zugestand. Hingegen glaubte er in der Einleitung des Artikels ein Vergehen gegen§ 131 deS Strafgesetzbuchs, nämlich eine Verächtlich- machung von Staatseinrichtungen zu erblicken. Die Einleitung, in der von einer„Vorübung zur Verteidigung der beiligsten Güter der Kapitalisten" u. a. mehr gesprochen wurde, schloß mit dem Hinweis, daß der umschriebene Zweck der Uebung nur zum geringsten Teile erreicht werde, weil„ihre Härten" das „bißchen" etiva in den Uebenden„vorhandene Patriotismus zu ertöten geeignet" seien. In der Verhandlung vor dem Schwurgericht bestritt Genosse M a i e r, der von unserem Genossen Dr. Frank verteidigt wurde, den von der Anklage den angeführten Sätzen unterstellten Sinn. Die Beweisaufnahme erstreckte sich u. a. auch auf ein bekanntes, in dem Artikel angedeutetes Wort des Kaisers. Nach fast zwei stündiger Verhandlung und einer 20 Minuten dauernden Beratung der Geschworenen verkündete deren Obmann das Schuldig worauf der Staatsanwalt eine„angemessene" Bestrafung beantragte. Nach kurzer Beratung sprach der Gerichtshof 14 Tage Gefängnis und die üblichen Nebenstrafen aus. Dem dichtgedrängten Auditorium war aufgefallen, daß weit schärfer wie das Plaidoyer des Staatsanwalts die sim Gesetz vor gesehene) Rechtsbelehrung war, die der Präsident, der Landgerichtsrat Wolf, den Geschworenen vor ihrer Beratung erteilte Ein gut unterrichteter Gcrichtsvorsitzender. Wegen Beleidigung wurde der Borsitzende der Filiale des a n n o v e r, Genosse L i p p e l t, von der dortigen Strafkammer zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Von einer Geldstrafe wurde abgesehen, weil, wie der Vorsitzende ausführte, sie doch entweder vom Verband oder von der Partei(et meinte natürlich die sozialdemokratische) bezahlt würde. Vom sächsischen BersanimlungS„recht". In Altenbach(Sachsen hat am Sonntag ein eifriger Beamter der Amishauptmannschaft Grimma eine unter freiem Himniel auf eine Wiese einberufene und vorschriftsmäßig angemeldete Versammlung nicht tagen lassen, weil der Pächter der Wiese, mit dem Einbernfer den Mietsvertrag für die Zeit der Versammlung abgeschlossen hatte, nicht der Eigentümer der Wiese sei. Besitzer sei der Graf v. Hohenthal und solange der nicht seine Einwilligung gebe, dürfe die Wiese nicht als BersammlungSplatz benutzt werden, da im Pachtvertrage nichts darüber vorgesehen sei.— Unsere Genosse hatten sich indes für alle Fälle vorgesehen. Sie hatten nicht weit von der gräflichen Wiese nach einem anderen Platze eine halbe Stunde später eine zweite Versammlung angemeldet, in der Genosse ReichstagSabgeordneter Lipinski nun unter großem Beifall über die Tätigkeit des Reichstags ungehindert sprechen konnte._ Hus Induftm und Handel. Internationale Marktverteilung und PreiSvereinbarung. Die dem Zwecke der Preistreiberei dienenden Unternehmer organisationen halten sich nicht an nationale Grenzen. Schon sind in einer Reihe Industrien internationale Vereinbarungen getroffen worden. Zu diesen Industrien ist nun auch die der Emaillierwaren getreten. Vertreter von 20 bedeutenden Werken aus Deutschland. Oesterreich und Ungarn haben sich dieser Tage über einen gemein samen Preiskatalog geeinigt. Die neue Liste soll vom 1. Januar 1907 ab Gültigkeit haben und tritt mit diesem Termin eine Preiserhöhung in Kraft. Man erwartet den Anschluß belgischer, französischer und schweizer Werke an die Vereinbarung. Sie klagen und ernten. Die Aktionäre der Norddeutschen Trikot Weberei A.-G. Berlin, die im vorigen Jahre mit der bescheidenen Dividende von 8 Prozent zuftieden sein mußten, erhalten diesmal 9 Prozent. Von 6 auf 8 Prozent stieg die Dividende der Viktoria Werke A.-G. Nürnberg.— Die Hustener Gewerkschaft A.-G. schüttet Prozent aus gegen 6 Prozent im Vorjahre.— Um 3 Prozent, auf 8 Prozent, steigt für das letzte Jahr die Dividende der A.- G. Görlitzer Maschinenfabriken. Rabiate Aktionäre. Die letzte Generalversammlung der Maschinenfabrik Kappel in Chemnitz gestaltete sich durch das Eingreifen einiger Berliner Aktionäre ziemlich stürmisch. Die Opponenten setzten es durch, daß die Genehmigung der Bilanz aus- gesetzt wurde, so daß eine weitere Generalversanimlung sich noch mals mit der Abrechnung zu befassen hat und vorläufig eine Dividende nicht zur Auszahlung gelangen kann. Die Verwaltung >atte 16 Proz. vorgeschlagen, die Berliner Herren hatten aber auf 15—30 Proz. gehofft und in der Generalversammlung vorgeschlagen, die im Besitze der Gesellschaft befindlichen Tüllaktien zu verkaufen, was aber abgelehnt wurde. Die Herren arbeiten zurzeit mit Volldampf. Durch ein Inserat suchen sie Stimmung gegen die Verwaltung der Maschinenfabrik Kappel zu machen. Sie schreiben:„Als Vev treter der Minorität haben wir gegen die aus fast allen Bilanz� zosten hervortretende Politik der ver st eckten Reserve- 't e l l u n g e n protestiert und auf Grund des§ 264 Abs. 1 H.-G.-B. vom 10. Mai 1897 die Genehmigung der Bilanz aussetzen lassen. Aktionäre, die ihr Interesse in der neuen Generalversammlung durch uns vertraten zu sehen wünschen, wollen sich mit uns in Ver- bindnng setzen.— Auf den Ausgang der Sache kann man ge- 'pannt sein. Nochmals Preiserhöhung. Der Kupferblechverband erhöhte nach einer ZeitungSnteldung nlinmehr den Grundpreis für Kupferblech auf 240 M. pro 100 Kilo.— Das Düsseldorfer Roheisensyndikat wird nach der„Köln. Volksztg." demnächst den seit Mitte September ruhenden Verkauf bei einer Preiserhöhung des Gießereieisens Nr. 3 um 2 bis 3 M. freigeben.— Außenhandel der Bereinigten Staaten. Sowohl hinsichtlich der Einfuhr als der AnSstihr ermittelte das Statistische Bureau des HandelSdcpartemcnts der Vereinigten Staaten von Amerika für August und für Januar bis August 1906 wesentlich höhere Wert- ziffern als für die entsprechenden VorjahrSabschnitte. Die Import- jiffer für den letzten Monat betrug 103 588 604 Dollar gegenüber olchen von 102 592 449 Dollar für Juli, 100 780 071 Dollar für Juni und 104 909 197 Dollar sür Mai d. I. Auch die Ausfuhr- ziffer für den letzten Monat(129 434 760 Dollar) übersteigt die der beiden vorhergehenden Monate: III 697 174 Dollar und 125 033 983 Dollar. Für die acht Monate bis August übertraf die diesjährige Ge- ämtziffer die entsprechende vorjährige in der Einfuhr um 75 253185 Dollar und in der Ausfuhr um 132 427 103 Dollar, während der Exportüberschuß den für die entsprechenden Monate des Vorjahres um 37 171 918 Dollar übertrifft. Bcmerkenswerterweise lassen die Ziffern für die Gesamtausfuhr von Fleischprodukten trotz der Chikagoer Enthüllungen keine Abnahnie. andern sogar gegen voriges Jahr eine ansehnliche Zunahme ersehen. Im einzelnen zeigt sich allerdings ein starker Abfall in der Ausfuhr von Fleischkonserven. Die Augüstziffer liegt noch nicht vor. doch dürste sie ebensowenig der vorjährigen gleichkommen wie die�für die beiden vorhergehenden Monate. Denn es sind im Juli d. Js. nur 4 830 973 und im Juni 11713 000 Pfund Büchsenfleisch in das Aus- land gelangt, gegen 8 732 550 und 15 265 875 Pfund in den beiden entsprechenden Monaten des vorigen Jahres. Insgesamt sind jedoch im Juli d. Js. 203 232 030 und im Juni 279 335 738 Pfund Schlachlhausprodukte exportiert worden, gegen 192 490 724 und 234 286 890 Pfund in den entsprechenden vorjährigen Monaten. Hervorzuheben ist ferner der bedeutende Rückgang in der Aus- uhr von Baumwolle im August 1906 gegen 1905 um fast 8 Mill. Dollar, für Januar bis August um 7 Millionen Dollar; im August glich er die Steigerungen im Export von Brotstoffen, Provisionen und Mineralöl fast völlig aus, während für die acht Monate von Januar bis August trotzdem in den Hauptstapelartikeln der Ausfuhr ein beträchtliches Mehr gegenüber dem Vorjahre verblieb, lieber- troffen wurde letzteres aber noch erheblich durch die Zunahme in der Ausfuhr der„anderen Waren", also in der Hauptsache der Jndufdfle» erzengnisse, die im August 1906 allein den Ausschlag für die Steige» rung des Gesamtausfuhrwertes gab und für Jarmar bis August 75 Millionen Dollar ausmachte. Der Export nach Deutschland belief sich in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres auf 136 649 353 Dollar, gegen 113 935 403 Dollar in der Vergleichszeit 1905. Der Wert des Importes aus Deutschland stieg von 78 296 404 Dollar in der ertU sprechenden Zeit 1905 auf 92 625 805 in 1906. Demnach stieg der Export aus Deutschland um 14 329 401 Dollar, dagegen die Ausfuhr dorthin um 22 713 930 Dollar. Roheisenerzeugung. Nach der Statistik der �.msrican Iran snck Ltssl �sKociation wurden in den Vereinigten Staaten von Amerika in der ersten Hälfte 1906: 12 602 901 Tonnen Roheisen hergestellt. Diese Menge bleibt hinter den Erwartungen, die in den ersten Monaten des Jahres gehegt wurden, zurück, trotzdem war sie jedoch um 1 439 726 Tonnen oder 12,9 Prozent größer als die vom ersten und um 773 696 Tonnen oder 6,5 Prozent größer als die vom letzten Halbjahr 1903. Daß die Zunahme nicht bedeutender ausfiel, lag daran, daß die Vergrößerung der Leistungsfähigkeit der Hochöfen zum Teil durch die Notwendigkeit ausgeglichen wurde. eine größere Anzahl nach der langen Zeit angestrengter Tätigkeit zum Zwecke von Reparaturen usw. auszublasen. Immerhin wurde im ersten Halbjahr 1906 mehr Roheisen hergestellt, als in einem der vollen Jahre vor 1899. Nach der Statistik der �msriean Iran anck Ltoel Association war die Rohneisenerzeugung Kanadas im ersten Halbjahr 1906 be- deutend größer als in jedem der Halbjahre von 1905. Es wurden von Januar bis Juni 1906 nämlich 282 010 Tonnen Roheisen her- gestellt gegenüber 257 797 Tonnen in der letzten und 210 206 Tonnen in der ersten Hälfte 1905. Die bisher größte Halbjahrsproduktion. von der zweiten Hälfte 1905, wurde im ersten Halbjahr 1906 noch um 24 213 Tonnen übertroffen. Kapitalistische Praktiken. Die Regierung der Vereinigten Staaten sieht sich in ihrem Kampfe gegen die Trusts vor ein neues Hinder- nis gestellt. Aus New Aork wird gemeidet: Die Magnaten der Standard Oil Company tragen der Oeffentlichkeit gegenüber eine ruhige Heiterkeit zur Schau, und man erinnert sich an die Bemerkung des verstorbenen Commodore Vanderbilt, daß kein Einzelstaat und die ganze Union nicht an die Standard Oil-Leute mit gesetzlichen Maßnahmen herankoinmen werde. Die Magnaten fühlen sich sicher, das Profitintereffe� machte sie erfinderisch. Sie gründen ausländische Gesellschaften, auf welche die Aktien der vertrusteten Unternehmer übergehen und man lacht die Regierung aus. Einen internationalen Seifentnist kündigt der„Daily Graphic" an. Das Blatt meldet: Es wird eine Kombination britischer und amerikanischer Seifenfabrikanten geplant, die die deutschen, französischen und belgischen Fabrikanten zum Anschluß einladen ivird. Der Abschluß eines Betriebsabkommens zur Kontrolle des Welt- Marktes ist bereits erfolgreich in die Wege geleitet. Die Ver- einignng der amerikanischen Fabrikanten wird von Pierpont Morgan organisiert.—-_ Gerichts-Zeitung Kantinenwirt wegen Totschlags unter Anklage. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts I begann gestern die Verhandlung wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang gegen den Kantinenwirt Max Wilde. Zur Verhandlung, die voraus- sichtlich drei Tage dauern wird, sind 35 Zeugen und vier Sach- verständige geladen. Der Sachverhalt, welcher dieser Anklage zu- gründe liegt, ist folgender. Der am 3. Dezember 1367 zu Demmin. Kreis Greifswald geborene Angeklagte ist seit dem 1. Juni 1899 Pächter der Kantine des 1. G a r d e fe l d a r t i l l e ri e- Regiments in der Krupp st raße. Sein Vater hat 37 Jahre bei dem Gardeulanen-Regiment gedient. Der Angeklagte besuchte die Bürgerschule, auf welcher er cS nur bis zur Untertertia brachte. Er trat dann als Freiwilliger bei dem 1. Gardefeldartillerie-Regiment ein und brachte es nach 13jähriger Dienstzeit bis zum Vizewachtmeister. Im Jahre 1899 schied W. aus dem Soldatenstande aus und pachtete die Kantine des Regiments. Am 5. Januar v. I. erhielt W. in seiner Kantine den Besuch von mehreren Bekannten. Nachdem man hier kurze Zeit gekneipt hatte, unternahm man auf Vorschlag des Wachtmeisters H. eine kleine Bierreise; auf der Bierreise schloß sich der Gesellschaft der Musiker Timm an. Timm stellte sich als „Kriminalkommissar" vor und erzählte viel von seiner Bekanntschaft mit dem Kriminalkommissar v. Manteuffel, der Mitglied des Vereins ehemaliger GardeaNilleristen ist, dem der Angeklagte auch angehört. Durch das Benehmen des Timm tauchte in den übrigen Beteiligten der Verdacht auf, daß Timm gar nicht Kriminalkommissar sei. Es stellte sich durch Nachschlagen im Adreßbuch in einem der anderen Lokale, die die Gesellschaft besuchten, heraus, daß Timm die Leute geuzt hatte. Angeklagter war darüber sehr erbost, drohte den Timm in einem Lokal in der Jägerstraße, er werde ihm die Rippen brechen und dergleichen. Auf der Straße soll es dann nach den Wahr- nehmungen mehrerer Augenzeugen zu folgender Szene gekommen sein: Der Angeschuldigte packte den Tinim sofort an den Schultern und preßte ihn gegen einen Laternenpfahl. In dieser Situation versetzte er dem Timm ein paar kräftige Ohrseigen, so daß dem Geschlagenen der Hut vom Kopfe fiel. Als Timm sich nun einerseits wehrte, entriß ihm Wilde seinen ziemlich dicken Knoten- st o ck und drohte, er würde dem Timm den Schädel aus- einanderschlagen, wenn er sich nicht mehr bedächte. Dieser Drohung blgte dann ohne Bedenken sofort die Tat. In dem Handgemenge hob der Angeklagte plötzlich den schweren Stock hoch und ließ ihn mit furchtbarer Gewalt auf den Kopf des T. niedersausen. Der Hieb traf mitten auf die Stirn und hatte eine urchtbare Wirkung. Timm stürzte, ohne einen Laut von sich zu geben, zu Boden und blieb regungslos liegen. Der Schlag hatte den Schädel des T. zertrümmert, so daß der Tod augenblicklich eingetreten war. Als der Angeklagte sah, was er angerichtet hatte, packte ihn die Angst. Er versuchte schleunigst zu fliehen, wurde jedoch von einigen Droschkenkutschern und Slraßenreinigern. die den Vorgang mit angesehen hatten, festgehalten. In der Empörung über die Roheit des Wilde wurde er einer sofortigen Lynchjustiz unterzogen. Durch einen herbeieilenden Nachtwächter wurde W. aus den Händen der empörten Volksmenge befreit und der Polizeiwache zugeführt. Das unglückliche Opfer dieses nächtlichen Exzesses wurde sofort mit einer Droschke zur Unfallstation geschafft. Hier konnte jedoch nur noch der Tod des T. infolge eines schweren Schädelbruches konstatiert werden. Der mit größer Gewalt geführte Schlag hatte ein Stück aus der Schädeldecke herausgeschlagen und in das Gehirn hineingepreßt. Vor Gerächt bestritt der Angeklagte, sich strafbar gemacht zu haben. Er selbst könne sich auf die Einzelheiten nicht mehr besinnen, da er total betrunken gewesen sei. Ueber den Ausgang des Prozesses werden wir berichten._ „Gebrauchtes Motorrad billig abzugeben." So inserierte die Progreß-Motoren-Gesellschaft in den Taacs- zeitungen, gab aber in den Inseraten nicht ihre Adresse, sondern die ihres Reisenden Hermann I., Augsburgerstraße wohnhaft, an Auch dessen Name war nicht genannt, es hieß vielmehr im Inserat- Näheres Portier". Der Portier war instruiert die Kauf- lustigen zu empfangen und ihnen unter Vorzeigung des Rades das noch„fast wie neu" war. den Verkaufspreis anzugeben Vom frühen Morgen bis abends um 10 Uhr stellten sich Interessenten ein. so daß angesichts des verhältnismäßig billigen Preises von 450 M das' Rad als „günstiger Gelegenheitskauf" in wenigen Stunden an den Mann gebracht wurde. Die Talsache, daß das Motorrad im Hansflur eines Privathauses stand und vom Portier angeboten wurde, bestärkte die Leute in dem Glanben, es mit einem besonderen Gelegenheitslaus zu tun zu haben. In Wirklichkeit war es aber ein neues Rad von sehr zweiselhaster Qualität, das ohne jede Garantie abgegeben wurde. War ein Rad verkauft, so wurde| fistus ein Strafverfahren gegen den Verleger und den Boten wegen Lese: und Diskntierllub Johann Jocoby". Heute abend 8, Uhr fofort ein anderes Rad in den Hausflur der Wohnung des Reisenden Portohinterziehung. Das Landgericht sprach aber beide frei, weil bei Bugge, Kastanien- Allee 95/96: Sigung. gebracht und der Trid konnte von neuem in Szene gesetzt werden. die Beförderung der Zeitungspakete durch den bezahlten expreffen bei Stuötich, Hirtenſtr. 10: Sikung. Lese: und Diskutierklub„ Vorwärts". Freitag, den 19. Oktober, Dieser lufrative Hausflurbetrieb fand nur dadurch eine unliebsame Boten, zugelassen sei. Das Reichsgericht hob die Entscheidung Landsberg- Soldiner Agitationsverein. Freitag, den 19. Oktober, Unterbrechung, daß eines Tages ein Motorrad im Hausauf: es handele sich hier nur um einen Gelegenheitsabends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal 2): Sigung flur gestohlen wurde. Die Firma wollte den Reisenden boten, der ohnehin nach seinem Wohnorte D fahren mußte und Gäste willkommen. für den Schaden in Höhe von 400 M. verantwortlich machen, da er neben diesem eigenen Interesse noch den Beförderungsauftrag ausnicht die nötige Sorgfalt bei Aufbewahrung des Rades habe walten richtete; der er presse" Bote dagegen handele im ausschließlichen laffen. Die dritte Kammer des Kaufmannsgerichts entschied Interesse seines Auftraggebers. Daß die Beförderung nicht in der aber gestern, daß der Reisende nur 100 M. Schaden Absicht erfolgte, Porto zu sparen, sei gleichgültig. Danach Charras. Cinquième édition. Genève Imprimerie Soullier, Cité 19. zu tragen habe, während 300 M. von der Firma getragen wurden die Angeklagten nach dem„ Postarchiv" zu einer Geldstrafe 1907. werden müssen. Wenn schon eine Firma derartige Geschäfte mache, von je 850 M. und 40 Pf.(!) verurteilt. über deren Charakter fich das Kaufmannsgericht jeder Kritik enthalten wolle, so müsse jene auch den überwiegenden Teil des Risikos tragen, das mit der Abwickelung eines solchen Geschäfts erklärlicherweise verbunden sei. Unseres Dafürhaltens hätte der Kläger völlig abgewiesen werden müssen, wenn sein und seines Reisenden Bergehen fich als verabredeter Betrug darstellen. Denn aus der Abrede zur Begehung strafbarer Handlungen können Rechte nicht abgeleitet werden. " 1 Holland in Kindesnöten. 11 Eingegangene Druckschriften. Histoire de la Campagne de 1815. Waterloo par le Lt.- Colonel Witterungsübersicht vom 18. Oktober 1906, morgens 8 1hr. Barometerstand mm Wind. richtung Windstäcke eller Temp. n.. 6° 6.4° 9. 2000 Stationen Barometer. fland mm Bind. richtung Windstärke Swinembe. 765 SSD 2 wollig 2 wolkig 9 Haparanda 747 28 9 Petersburg 761 SS 756 NNW 7 Scilly 7 Aberdeen 760 WNW 3 Baris 761 S 9 Als Preßsünder hatte sich am Dienstag vor der neunten Strafkammer des Landgerichts I Dr. Rudolf Lautenbach wegen Stationen eines Artikels in der Berliner Tribüne" vom 1. Auguſt d. J. Die Sittlichkeit sollte durch den Artikel zu verantworten. Holland in Kindesnöten" gefährdet worden sein. Das Die Beförderung politischer Zeitungen durch expresse Boten, Gericht hielt es für geboten, die Deffentlichkeit bei der Hamburg 764 DSD welche nach dem Postgesetz zulässig ist, hat die Gerichte wiederholt Berhandlung auszuschließen. Als Sachverständiger war Berlin beschäftigt. Der Staatsanwalt Frants.a.M. Jezt liegt wieder eine Reichsgerichts- Ent der Schriftsteller Malkowsky geladen. scheidung vor, welche angesichts der weitverzweigten Expreßboten- beantragte eine Geldstrafe von 130 Mart. Das Gericht fam München beförderung von allgemeinem Intereffe ift. Bom Erscheinungsorte nach dreiviertelstündiger Beratung zu dem Urteilsspruch, daß Bien einer Zeitung, nennen wir ihn A, wurde ein Angestellter derselben, 300 Mark notwendig seien, um das Attentat auf die öffentliche Sittder eine Eisenbahn- Monatstarte nach den hintereinander- lichkeit zu fühnen. Der Angeklagte hat gegen dieses Urteil Begelegenen Stationen B, C und D hatte, alltäglich zur rufung eingelegt. schnelleren Verteilung des Abendblattes entsandt; dieser Bote tehrte mun entweder nach seinem Beschäftigungsorte A zurück, oder er übernachtete in D, woselbst er wohnte. Auf den Unterwegs stationen lieferte er die bestimmten Zeitungsexemplare an dort wartende Boten ab. Wie in früheren Fällen veranlaßte der PostBelter 2wolfen! 3bedeckt 4 bedeckt 2 bedeckt 2 bedeckt Zemp. n. C. 0.4° R. 11 12 41239 766 SGD 1 heiter 764 SD 2 halb bd. 767 SW 1 heiter 767 Still wollig Wetter- Prognose für Freitag, den 19. Oktober 1906. Mild bei mäßien füdlichen Winden und zunehmender Bewölkung; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Verein für die Interessen der Hausangestellten. Sonntag, den Wasserstand am 18. Oktober. Elbe bei Auffig 21. Oftober, nachmittags 6 Uhr, bei M. Mürich, Stegligerstr. 35: Vereins- Dresden 0,94 Meter, bei Magdeburg+1,76 Meter. bersammlung. Vortrag von Frl. Altmann über Ethik". Nachdem: Straußfurt Meter. Dder bei Ratibor+1,42 Meter. Humoristische Vorträge, gemütliches Beisammensein und Tanz. Gäste mündung+1,76 Meter. Dder bei Brieg+2,38 Meter. willkommen. bei Breslau Unterpegel 0,78 Meter. Meter, bef Unstrut bei Neiße Oder FB. Für den Juhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publitum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 19. Ottober. Anfang 7 Uhr. Opernhaus. Carmen. Schauspielhaus. Klein Dorrit. Deutsches. Der Liebeskönig. Westen. Die Zauberflöte. Lorking. Der Waffenschmied. Anfang 8 Uhr. Leffing. Hedda Gabler. Berliner. Sherlock Holmes. Schiller 0. Bauner- 36eater.) Sunlight Seife Ist ein vollständig reines Produkt aus Rohmaterialien vorzüglichster Provenienz. Sie wird bergestellt nach dem vollkommensten Fabrikationsverfahren unter Berücksichtigung der neuesten Errungenschaften der modernen Wissenschaft und Technik. Alle Robmaterialien, wie jeder Sud des fertigen Produktes werden von bedeutenden Fachleuten untersucht und kontrolliert. Die Sunlicht Seifenfabrik garantiert deshalb die Reinheit ihres Fabrikates mit einem Betrage von M. 20000.-. Verwenden Sie deshalb aur Sunlicht Seife zu Threr Wäsche. Sie baben dann die Gewissheit, dass solche nicht nur schnell und gründlich gereinigt, sondern auch in bestmöglicher Weise geschont wird. Neues Schauspielhaus Schiller- Theater. 0 Die für Sonnabend, den 20., an gefeßte Eröffnungs: Vorstellung findet erst am Donnerstag, den 25. Oktober, statt. Die für die Eröffnungs Borstellung gelösten Eintrittskarten behalten ihre Gül tigkeit für Donnerstag, den 25. Oktober. Die für Sonntag, den 21., gelösten Eintrittslarten behalten ihre Gültigkeit für Freitag, ben 26. Oftober; event. Können die bereits gelösten Eintrittstarten an der Staffe des Neuen Schauspielhauses an den Vormittagen von 10-1 Uhr bis zum Dienstag, den 23. Oktober, zurüdgegeben werden. Theater des Westens Der Herrgottswarter. Hierauf: Station Zoolog. Garten, Stantstr. 12. Zum Einsiedler. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Die rote Robe. Neues. Die Hochzeit von Boel. Komische Oper. Hoffmanns Erzählungen. Residenz. Triplepatte. Lustspielhaus. Verwehte Spuren. Heute abend 72 Uhr: Die Zauberflöte. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Schülervorstellung( fleine Preiſe): Romeo und Julia. Ab. 7%, Uhr: Der Bettelstudent. Komische Oper. Zentral. Tausend und eine Nacht Komische Kleines. Ein idealer Gatte Deutsch Amerikanisches. wilden Westen. Thalia. Wenn die Bombe platt! Luisen. Ein Volksfeind. Jm Bernhard Rose früher Carl Weik. Berliner Kinder. Trianon. Der Hausfreund. Walhalla. Spezialitäten. Apollo. Berlin im Omnibus. Spezialitäten. Heute abend 8 Uhr: Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- ilh. Th.) Freitag, abends 8 Ubr: Der Herrgottswarter. Ein Drama in 3 Aufz. v. H. Lilienfein. Hierauf: Zum Einsiedler. Sonnabend, abends 8 Ubr: Lustsp. in 1 Aufz. v. Benno Jacobson. Donna Diana. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Maria Stuart. Die Kinder der Exzellenz. Sonntag, abends 8 Ulbr: Freitag, abends 8 Uhr: Die rote Robe. Urania. Lustspielhaus. Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: Schauspiel in vier Aften von Eugen Brieur. Deutsch von Anne St. Gere. Die Mosellande und ihr Weinbau. Die Hoffnung auf Segen. Sonnabend, abends 8 Ulbr: Sonntag, nach m. 3 1 br: Weh' dem der lügt. Sonntag, abends 8 Uhr: Die rote Robe. Zirkus Alb. Schumann. Zirkus Busch. Heute abend präzise 72 Uhr: Bas anerkannt vorzügliche Sport Programm. U. a.: Die einzig größte Tiger- Gruppe Noch nie wilde Dressur berget on Der ur Löwen- Baron gezeigte tomische Mr. Henriksen. mit seinem dressierten Tierpark. neue u. Abends 72 Uhr: Monsieur Romeos! Staunen erregende Automobil- Experimente mit einem 70 PS. Fiat- Automobil Ueberfahren ( Gew. 30 Zentner u. 4 Insassen.) Die größte Tiger- und Löwengruppe. Aus der Pußta. Orig. Pantomime d. Zirt. Busch. Sonntag: 2 große Vorstell.. Dir. Schumanns meee Dressuren. m. 4 Uhr, abends 7%, Uhr. Die phänomenalen Luftgymnastiker Les Rixfords. Sämtl. Clowns und Auguste mit ihren neuesten Späßen. Ferner die großartigen neuen Spezialitäten. Um 10 Ein In beiden Vorstellungen: Aus der Bukta. Hoffmanns Erzählungen. Tag in Monte Carlo. Apollo- Theater. Sonnabend zum 1. Male: Lakmė. Sonntag nachmittag: Carmen. Sonntag abend: Lakmé. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Lortzing- Theater. Kasino. Alexander der Große. Folies Caprice. Das Modell. Das Provinzmädel. Wintergarten. Spezialitäten. Bassage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Toubenstraße 48 49. Lortzing Theater Bellealliancestr. 7/8. Heute abend 72 Uhr: Der Waffenschmied. Abonnements gültig. Theater 8 Uhr: Die Mosellande Morgen Sonnabend: und ihr Weinbau. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Heute und folgende Tage: Sherlock Holmes. Anfang 8 Uhr. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Die Hochzeit von Poël. Sonnabend, Sonntag: Die Hochzeit von Poël. Kleines Theater. Bum 99. Male: Fra Diavolo. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Sonntag, den 21. Oftober 1906: Bum 3. Male: Zapfenftreich. Drama in 4 Aften von Franz Adam Beyerlein. Anfang 7 Uhr. Zentral- Theater. ( Operette). Täglich 8 Uhr: Taufend und eine Nacht. Bernhard Rose- Theater früher Carl Weiß- Theater. Große Frankfurterstr. 132. Täglich 8 Uhr: Ein idealer Gatte. Berliner Kinder. Anfang 8 Uhr. Große Ausstattungspantomime, arrangiert und auf das glänzendste inszeniert vom Dir. Alb. Schumann. Sonntag: 2 Borst., nachm. 3 Uhr ( ein Stind frei) u. abends 7, Uhr. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Zum ersten Male: Täglich: Das große Allabendlich 8 Uhr: Verwehte Spuren. COLOCISCHER Passage- Theater. CARTEN Täglich ab nachmittags 4 Uhr: Großes Militär- Doppel- Konzert. Gintritt 1 M., b. 5 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Residenz- Theater. Direktion Richard Alexander. Uhr: Das Gastspiel Josefine Dora in der Komödie ,, Rieke mit dem Schlager „ Emil du bist eene Pflanze" ist wegen d. außerord.Erfolges und der tägl. ausverk. Häuser für Oktober prolongiert. Außerdem 14 neue Nummern. Heute und folgende Lage Unf. 8: Fröbels Allerlei- Theater Triplepatte. Schwant in 5 Aften v. Tristan Bernard und André Godfernaux. Bicomte Robert de Houdan: Richard Alexander. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Eine Hochzeitsnacht. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brummenftr. 16. Spezialitäten- Programm Die Bluthochzeit mit Liane d'Eve, die Original Matschiche Tänzerin u. Berlin im Omnibus mit dem Omnibus- Trid. Sonntag, den 21. Oftober, nachm. 32 11hr: Familienvorstellung. Halbe Preise! Schauspiel aus der Hugenottenzeit oder: Königin Margot. in 5 Aften. Anf. 8 Uhr. Entree 30 bis 50 Pf. Ebren- und Borzugsfarten gültig. Sonnabend: Privatfestlichkeit. Salbe Breife! Kasino- Theater Ein Volksfeind. Metropol- Theater Anfang 8 Uhr. Sonnabend 4 Uhr: Kindervorstellung: Aschenbrödel. Abends: Ein Wintermärchen. Sonntag nachm.: Elfe vom Erlenhof Abends: Ein Wintermärchen. Montag: Ein Wintermärchen. Deutsch- Amerikanisches Theater. Abends 8 Uhr: Zum Täglich 8 Uhr: othringerftr. 37. Täglich 8 Uhr Nur noch kurze Zeit: Alexander der Große Der Teufel lacht dazu. Von Emil Thomas und Adolf Selig Große Jahresrevue in 9 Bildern Sonntag 4 Uhr: Hotel Klingebusch. Theater Folies Caprice. von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent M. Roth. Wiederauftreten In Szene gesetzt von Direktor Adolf Philipps. Richard Schultz. Im wilden H. Bender. J. Giampietro. Fritzi Massary. Phila Wolff. 59. WESTEN.. Josephi. Sonntag ER& ICH. Male: nachm.: Bernhard Rose's Vorstädtisches Theater. Badstraße 58. Rauchen überall gestattet. Sonntag, den 21. Oktober, nachmittags 3 Uhr: Ermäßigte Preise! Auf in's Metropol! Zwischen zwei Herzen. Trianon- Theater. Sonnab. 3.100.Male: Ein idealer Gatte. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Aschen- Staffeneröffnung 7 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. brödel. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Abends 8 1 Man kann nie wissen. Bluthochzei Bolksstück in 4 Aufz. von N. Voß. Anf. 8 Uhr. Billettvorverkauf von 10-2 Uhr an der Theaterkaffe. Heute und folgende Tage: Der Hausfreund. Anfang 8 Uhr. Linienstr. 132, Ecke Friedrichstraße. Serenissimus August XXVI. Das Modell. Das Provinzmädel. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachmittag bei bedeutend ermäßigt. 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Die ordentliche Mitgliederversammlung der Zementierer am Sonntag, den 21. Oktober 1906, findet wegen der Gewerbegerichtswahl nicht statt. Wir ersuchen die Kollegen, welche in den Stadtbezirken wohnen, wo gewählt wird, fich an der Gewerbegerichtswahl zu beteiligen. 147/17 Der Gruppenvorstand. Zentralverband des techn. Bühnen- Personals Sitz Berlin. Sonnabend, den 20. Oktober 1906, abends 11 Uhr, im Gewerk: schaftshause, Engel- llfer 15, Saal 3: General- Verfammlung. 190/9 Zages Drdnung: M. 3,00 1. Borstandsbericht. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Verbands3-4 angelegenheiten. 4. Verschiedenes. . . " " Gänse 0,90 Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen ers 1,00 wünscht. Bfd. 60 u. 65 Pf. in riesiger Auswahl. Kolossaler Erfolgung Vereine! Wegner, so., Mariannenstr. 34. Habe noch an Sonnabenden und des sensationellen neuen Sonntagen im November sowie Oktober- Programms. 22 Nummern. Anfang 7, Uhr. Sonntags 5%, Uhr. Weihnachtsfeiertag Säle zu vergeben. 26442* H. 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Die Stadt Berlin und einem neuen Borwort. ihre Arbeiter. PATENT Anmeld.v.Patent.l. In- u. Bureau Ausl.Verwert.Finanzier. Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Seute Freitag, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshauſe, Engel- Ufer Nr. 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Einsetzer! Kommissionssitzung. 1. Ref. Ceul. Bedingung. Wolters& Contag, den 22. Dkt., abends 8 Uhr, bei Brünner, Engel- Ufer 13: 10-1u.4-6, Sonnt.11-10. Wile Hierzu sind die Kollegen der Firma Wegner, Wilmersdorf, welche in den Beamtenhäusern in Dahlem gearbeitet haben, eingeladen. Der Obmann. Spezial- Möbel- Halle Zentralverband d. Dachdecker Harry Goldschmidt 59 Moritzplatz 59 Ecke Stallschreiberstraße. Nicht zu vergleichen mit Abzahlungs- Geschäften, welche Garderobe usw. führen. Extra- Abteilung verliehen gewesener Möbel. Wöchentliche oder monatliche Ein Beitrag zur Sozialpolitit Teilzahlung gestattet! der größten deutschen Gemeinde bon Emil Dittmer. Ziele und Wege. Preis 1,00 m. 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Das Fest der silbernen Hochzeit feiern heute der Restaurateur Jakob Ruppelt und Frau Anna geb. Bohlmeier, Boechstr. 49. [ 23065 für den Sozialdemokratischer Wahlverein Bezirk Lichtenberg. Todes- Anzeige. Am 16. Oktober, nachmittags 2 Uhr, verstarb nach längerer Strankheit unser Mitglied, der Gastwirt Julius Loewe. Die Beerdigung findet heute, Freitag, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Blumenthalstr. 42, aus ftatt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 14/18 Der Vorstand. Zentralkranken- u. Sterbekasse der Tapezierer. Berlin I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Franz Deul verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. d. Mts., nach mittags 42 Uhr, von der Leichenhalle des Michael- Kirchhofes in Rigdorf aus statt. Um rege Beteiligung bittet 2136b Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Gottfried Möbus geftorben ist. 154/17 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. Dftober, nach mittags 1, Uhr, von der Leichenhalle des Luther- Kirchhofes in Lankwik aus ftatt. Um rege Beteiligung bittet Die Ortsverwaltung. Deutscher Montag, den 22. Oktober, abends 8 Uhr, Weinstr. 11 Holzarbeiter- Verband bei Feind: Versammlung. Tages Drdnung: 1. Raffenbericht vom III. Quartal 1906. 2. Abrechnung vom Vergnügen. 3. Verbandsangelegenheiten. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. 54/20 Verband der Hafenarbeiter u. verw. Berufsg. Deutschlands. Mitgliedschaft Berlin. Sonntag, den 21. Oftober, vormittags 10%, Uhr, im KönigstadtKasino, Holzmartstr. 72: Mitglieder- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal 1906. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes und Aufnahme neuer Mitglieder. 119/9 Der Vorstand. NB. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird ersucht. 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Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme und für die Kranz Spenden beim Hinscheiden meines lieben Mannes, spreche ich allen Freunden, Berwandten und Bes fannten, besonders dem Sozialdemokratischen Wahlverein in NiederSchönhausen und dem Zentralverband Ges Handlunsgehülfen und hülfinnen Deutschlands, meinen innnigsten Dank aus. Wwe. Margarete Märten. der Danksagung. Für die Teilnahme sowie Kranz Spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen, insbesondere dem sozialdemokratischen Wahlverein Friedrichsberg meinen 21295 herzlichsten Dant. Friedrichsberg, den 18. Dftober 1906. Marie Semmler geb. Pachal. Krankenunterstützungs- u. Begräbnisverein der Bau- und gewerblichen Hülfsarbeiter Berlins und Umgegend. Sonntag, 21. Oktober, vormittags 10%, Uhr, 26932 General- Versammlung im Lokal Langestr. 65. Tages Ordnung: und Lager kompletter Wohnungs- Einrichtungen 1. Kaffenbericht vom 8. Duartal 06. zu Fabrikpreisen- Eigene Werkstätten- empfiehlt am Kottbuser Tor. 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Fingerfertige Dichterlinge haben die Köpenicker Tragikomödie in poetische Form gebracht. Auch die Bühne hat sich bereits der Ge- schichte bemächtigt. Im Metropol-Theater marschierten gestern eine Anzahl Soldaten auf, die sich darauf beschränkten, zu allen Befehlen des Hauptmanns zu nicken. Eine Extraeinlage des Deutsch-Amerikanischen Theaters, die am Sonnabend in der Posse.Im wilden Westen" gesungen wird, be- titelt sich: Der„Herr Hauptmann von Köpenick." Auch die Ansichtskartenindustrie hat sich bereits der Affäre bemächtigt. Auf den Straßen wurden gestern Ansichtskarten feilgeboten, auf denen der Hergang des ganzes Vorfalles in vier humoristischen Bildern und ebensolchen Versen dargestellt wird. Natürlich finden die Karten reißenden Absatz. Der Text einer dieser Körten lautet: terr Hauptmann, Herr Hauptmann, wo geht die Reise hin? u Köpenicks Bürgermeister, so habe ichs im Sinn. Was hat denn der verbrochen— das weiß ich selber nicht, Mein König hats befohlen, ich tu nur meine Pflicht. Herr Hauptmann, Herr Hauptmann, ach schießen Sie doch nicht I Ich glaube beinah selber, ich bin ein Bösewicht! Hier haben Sie den Schlüssel, der Geldschrank steht ja dort, Adieu, mein teures Köpenick, jetzt muß ich von dir fortl Den Hauptmann, den Hauptmann, kein Bitten hat gerührt, Drum die, die ihm im Wege, die wurden abgeführr. Inzwischen steckt der Hauptmann ein, was gar nicht ihm gehört, Die ganze Polizei patzt auf, daß ja kein Mensch ihn stört! Der Hauptmann, der Hauptmann, der ist ein Mann von Rasse, Drum greift er vor dem Abschied erst schnell noch in die Kasse. „Zurück, ihr dummen Bauern!" hat der Gendarm geschrien, „Der Hauptmann mit dem Geldsack muß eilig nach Berlin." Solche Triumphe wie jetzt hat die Spottlust lange nicht gefeiert. Ueberall ist man aber geradezu von Bewunderung erfüllt ob des genialen Hauptmanns; vielfach wird sogar bedauert, daß der Lohn für das Stückchen zu gering gewesen sei. Andere geben wieder der Ansicht Ausdruck, daß der Mann noch übertroffen werden könne. Man brauche sich nur die nötige Energie zuzulegen und sich in eine Generalsuniform zu stecken, um schließlich ein ganzes Regiment Soldaten zur Verfügung zu erhalten. Inzwischen werden noch einige Details bekannt, die daS niedliche Bildchen noch vervollständigen. So wird beispielsweise von dem Aufenthalt des Hauptmanns auf dem Köpenicker Rathause berichtet: „Die Gänge im Rathause hatte der Herr Hauptmann so scharf besetzt, daß nichts durchkam. Die Post, die gclracht wurde, nahmen die Soldaten in Empfang, die sie dem Herrn Hauptmann weitergaben. Dieser öffnete während der Unterredung mit dem Bürgenneister in dessen Dienstzimmer mehrere Briefe, las sie vor seinen Augen und steckte sie dann in aller Ruhe in die Tasche seines Ueberrockes. Ein Brief mit 1800, und einer mit 80 M. entgingen nur durch einen Zufall dem Räuber. Der Kassenbote, der sie geholt hatte, behielt sie m der allgemeinen Verwirrung zunächst in der Tasche. Beim Unterschreiben der Quittung, die über 355S Mark 60 Pfennig lautet, und des Kassenzettels, zog der Herr Hauptmann seine Handschuhe aus. Dabei kamen sehr schmale, feine Hände zum Vorschein. Als Bürgermeister Dr. Langerhans aus dem Wege in die Gefangenschaft noch einmal ein Zimmer neben seinem Dienst- zimmer betreten wollte, kam er bei den Grenadieren, die ihn ge- leiteten, schlecht an. Einer, ein Pole, herrschte ihn an:„N i x d a I grade auSl" Die Unterredung mit seiner Gattin gewährte der Herr Hauptmann huldvoll, nachdem er einen Augenblick überleg! hatte. Auf der Straße hielten Gendarmerie und Polizei unter der militärischen Stadtverwaltung stramm Ordnung. Einige Leute, die nicht Platz machen wollten und sich widersetzten, wurden aus die Wache abgeführt, später aber wieder entlassen. Der galante Hauptmann. Die Gattin des Bürgermeisters Dr. Langerhans gibt über ihre Erlebnisse an dem ihr gewiß unvergeßlichen Tage eine Schilderung, der wir folgendes entnehmen:„Es war kurz vor fünf Uhr, als mein Mann mich dringlichst in sein Arbeitszimmer rufen ließ. Als ich über den Korridor eilte, sah ich, daß die Treppen von Soldaten mit ausgepflanztem Seitengewehr besetzt waren. Plein Mann ging mit großen Schritten in der höchsten Aufregung im Zimmer auf und nieder. Zwei Grenadiere hielten mit blanker Waffe neben ihm Wache, während der falsche Hauptmann im Lehnseffel meines Mannes saß, sich bei meinem Eintrittt jedoch sofort erhob. Mein Gatte sagte mir. er sei verhaftet worden, er wisse jedoch nicht weshalb. Er fragte in meinem Beisein nochmals den Offizier nach seiner Legitimation, dieser wurde jedoch sofort brüst und drohte mit An- Wendung von Zwangsniaßregeln. Ich beschwor meinen Mann, der rohen Gewalt zu weichen, und sich keiner Unüberlegtheit schuldig zu machen. Aus mein Bitten, ineinen Mann nach Berlin begleiten zu dürfen, wurde der Offizier höflich und bedauerte leb» Haft, sich in einer so unangenehmen Mission zn befinden. „Welche Wertschätzung man der Angelegenheit und der Person Ihres Galten beimißt, ersehen Sie daraus, gnädige Frau, daß man einen Hauptmann zu der Verhaftung abkommandiert," fügte er hinzu. Er benahin sich in seinem ganzen Auftreten nicht anders, wie man es von einem Ossizier hätte erwarten können. Er war höflich, sowie er sah, daß man seinen Anordnungen Folge leistete, wurde jedoch sofort militärisch brüsk mit dem Augenblicke, wo man Legiti- niation zu sehen wünschte. In der höflichsten Weise— erzählt Frau Dr. Langerhans weiter — machte er mich darauf ansinerksam, daß er ein Coups am hintern Eingang des Hauses bestellt habe, damit ich und mein Gatte vor etwaigen Belästigungen durch die Volksmenge, die sich vor dem Rathanse angesammelt hatte, geschützt seien. Auf mein Bitten ge- stattete er auch einem Magistratsdiener die Mtfahrt. Rasch eilte ich in unsere Wohnung, warf schnell einen Mantel Über und setzte den Hut aus. Dann küßte ich unseren Jungen zum Abschied und bestieg den bereits wartenden Wagen, der uns nach Berlin brachte. Neben dem Kutscher thronte einer der Grenadiere, um einen etwaigen Flucht» versuch zu verhindern." Wo ist der„Herr Hauptmann" geblieben? Es soll festgestellt sein, daß derselbe von Köpenick aus nach Stralau-Rummelsburg gefahren fei. Von hier aus benutzte er einen Fleischerwagen, mit dem er von der Frankfurter Allee aus nach Berlin fuhr. Er konnte dies, falls der Wagen abseits liegende Straßen benutzte, bei der bereits eingettetenen Dunkelheit tun. ohne durch seine militärische Uniform Verdacht zu erregen. Den Wagen hat er dann in einer stillen Straße Berlins verlassen und ist mit der Straßenbahn nach der südliche» Friede ich st raße gefahren, um zwei Zivilanzüge und einen Hut zu kaufen und bei dieser Gelegenheit den später nicht mehr verwciidbareii Tausendmark- schein zu wechseln. Nun fuhr der„Hauptmann" ebenfalls mit der Sttaßenbahn nach Nixdorf und dann nach dem Bahnhof Hermannstraße. Diese Stelle hatte er sich ausgesucht, um Zivilklcidung anzulegen. Zwischen'/«8 und 10 Uhr abends ist der Bahnhof stets menschenleer, da um diese Zeit eine Ver- kehrspause eintritt. Er konnte infolgedessen in aller Ruhe sich aus einem Militär in einen Zivilisten verwandeln. Von dem Bahn- Hofe Hermannstraße aus konnte er, indem er durch die Siegftied- oder Emserstraße nach der Oderstraße ging, bereits in fünf Minuten das Tempelhofer Feld erreichen. Hier wurden Mütze und Hose des Flüchtigen gefunden. Nach weiteren zehn Minuten konnte der„Hauptmann" bequem die Bellealliancestraße erreichen und dann als Zivilist ohne jede Gefahr für seine Person sich in Sicherheit bringen. Belohnungen sind gestern für die Ergreifung des PseudoHauptmannes aus- geschrieben worden. Der Regierungspräsident von Potsdam hat 2000 M. ausgesetzt, wozu noch ö0v M. kommen, die der Magistrat von Köpenick bewilligt hat. Außerdem wird in den Zeitungen auch das Faksimile der Quittung veröffentlicht, die der jetzt Verfolgte auf dem Köpenicker Rathause ausgestellt hat._ Partei- Angelegenheiten. Zweiter Wahlkreis. Sonntag, den 21. Oktober, früh 8 Uhr, findet eine Fliigblattverbreitung im 8. Komnumalwahlbezirke statt. Die Genossen aus den Bezirken, welche nicht ,ur Wahl stehen, werden ersucht, sich in folgenden Lokalen einzufinden: F. Seidel, Mittenwalderstt. 16; Scholz, Zossenerstt. 1; Hilgert, Urbanstr. 7. Alle Genossen, welche am Dienstag, den 23. Oktober, sich dem Wahlkomitee zur Verfügung stellen können, werden gebeten, dies so schnell als möglich zu tun und sich mit Angabe der Zeit, welche sie Übrig haben, sofort schnftlich bei dem Unterzeichneten anzumelden. Hermann Werner, Mittenwalderstt. 30. Friedrichshagen. Sonnabend, den 20. Oftober, abends 0 Uhr, findet im Restaurant Wilhelmsbad. Seestr. 4(5, die Monats- versanimlung des Wahlvereins statt mit folgender Tagesordnung: 1. Bericht des Genossen Grunow über den Mann- heimer Parleitag. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Alt-Glienicke. Am Sonnabend, den 20. d. M., abends 8 Uhr, hält der Wahlverei» seine Mitgliederversammlung bei Saß, Grünauer- straße, ab. Die Tagesordnung lautet: Kassenbericht, unter anderem auch die Aufnahme der Genossen von Bohnsdorf in unseren Wahl- verein. Es ist Pflicht sämtlicher Genossen, pünktlich zu erscheinen. ._ Der Vorstand. Berliner f'fodmebten. Freisinnige Buchstabenschnüffelei bei Kommnnalwahle». Im 8. Kommunalwahlbezirk wird der Freisinn voraussichtlich wieder den Versuch machen, bei der E r s a tz- Wahl am 23. Oktober die Zahl der für die Sozial- demokratie abgegebenen Stimmen durch schikanöse Tifteleien über die Form des Namens des sozialdemokratischen Wahlkandidaten mög- lichst zu verringern. Wahlkandidat der Sozialdemokratte für die Ersatzwahl im 8. Wahlbezirk ist der Bildhauer Paul Dupont, S o I m s st r. 33. Der Name unseres Wahlkandidaten wird den Wählern auf allen Flugblättern und in allen Wahl- aufforderungen mitgeteilt und noch vor den Wahllokalen wird ihnen ein Zettel mit diesem Namen eingehändigt. Aber bei den Stadtverordnetenwahlen hat der Wähler dem Wahlvorsteher nicht einen Stimmzettel zu überreichen wie bei den Reichstags- wählen, sondern ihm den Namen des Wahlkandidaten münd- l i ch anzugeben. Da entsteht nun die Frage, wie man den Namen„Dupont" ausspricht. Denn daß der Name des Wahlkandidaten richtig ausgesprochen wird, das ist notwendig und unerläßlich, wenn die betreffende Stimme ihm zugerechnet werden soll. Man wird sich erinnern, daß vor drei Jahren im 17. Wahlbezirk, wo für die Sozialdemokratte der Gastwirt Äersin kandidierte, der Freisinn Einspruch dagegen erhob, daß unserem Genossen Kersin auch die Sttmmen solcher Wähler zugerechnet worden waren, die eine abweichende Namensform genannt hatten. Für die bevorstehende Ersatzwahl im achten Wahlbezirk ist zu erwarten, daß auch dort mancher Wähler den Namen unseres Genossen Dupont nicht ganz richtig aussprechen wird. Es ist sogar zu befürchten, daß die Irrungen diesmal bei dem Namen„Dupont" vielleicht noch zahlreicher sein werden als damals bei dem Namen„Kerfin". Der Name„Dupont" wird ganz anders ausgesprochen, als er geschrieben wird. Genosse Dupont ist in der Wahl seiner Eltern nicht vorsichtig genug gewesen, daher läuft er durch die Welt mit einem Namen, dessen französische Form mancher deutschen Zunge Schwierigkeiten bereitet. In der ersten Silbe„Du" wird das„u" gesprochen wie„ü". In der zweiten Silbe„Pont" ist„on" zu sprechen wie das „on" in den Wörtern„Ballon",„Perrons" usw. Das„t" am Ende wird gar nicht gesprochen. Es kann beinahe lustig erscheinen, daß wir den Wählern erst Jnstruktton darüber erteilen, wie sie den Namen des Wahlkandidaten aussprechen sollen. Aber die Sache ist doch wohl nicht zum lachen. Die Namensttftcleien, mit denen der Freisinn im 17. Bezirk die Wahl unseres Genossen Kerfin an- focht, sind so ziemlich das widerwärtigste Schauspiel, das uns der Berliner Freisinn in seinem Kampf gegen die Sozialdemokratte bisher geboten hat. Leider ist es nur zu wahrscheinlich, daß jetzt auch im 8. Wahlbezirk gegenüber unserem Genossen Dupont ähnliches versucht werden wird. Agitatoren des Freisinns werden in den Wahllokalen auf jede abweichende Namensform lauern, um einen Wahlprotest damit zu begründen, falls das Stimmenverhältnis einem Protest günstig ist. Solche Mittelchen sind kleinlich, aber auch sie führen mit- unter zum Ziel. Nach dem Ausgang der Affaire Kerfin darf ja der Freisinn hoffen, daß das Oberverwaltungsgericht ihm in jedem neuen Fall mit dieser armseligen Buchstaben- schnüffelei recht gibt und dann bei nur geringer Mehrheit die Wahl für ungültig erklärt. Wenn jedem Manöver dieser Art von vornherein die Aussicht auf Erfolg genommen werden soll, so mutz jeder der Wähler, die den Wunsch haben, daß der achte Wahlbezirk weiter im Besitze der Sozialdemokratie bleibt, am 23. Oktober seine Pflicht tun! Wahlkandidat der Sozialdemokratte ist Bildhauer P a u l D u p o n t, S o l m s st r a ß c 33. Für ihn muß am 23. Ottober die Wählerschaft des achten Wahlbezirks sich mit einer so großen Mehrheit erklären, daß alle Kniffe des Frei- sinns zuschanden werden._ Die Armenunterstiitznng für den— Hausbesitzer! Kenner der Berliner Armenpflege wissen allerlei zu erzählen über die Be- Ziehungen, die zwischen ihr und den Hausbesitzern bestehen. Sie weisen darauf hin, daß den Armenkommissionen so mancher Haus- besitzer angehört, der mit entscheidet, ob dieser oder jener eine Armenunterstützung kriegen soll oder nicht. Dabei kann ein Haus- besitzer es leicht erleben, daß seine Armenkommission über das Ge- such einer Person zu entscheiden hat, die just in seinem Hause wohnt. Hängt der Bittsteller noch mit einem Mietsrest, so ist zweifellos der Herr Hauswirt der geeignetste dazu, die Notlage zu bestätigen und eine Unterstützung zu empfehlen. Die Sache kann aber in solchem Fall auch ihr Ucbles haben. Es soll schon vor- gekommen sein, daß Hausbesitzer, die in Armenkommissionen saßen und an der Auszahlung von Unterstützungen beteiligt waren, mitder einen Hand ein Almosen hergaben und dann dieses auf den Tisch gezählte Geld mit der anderen Hand als rückständige Aticte einkassierten. Ein Vorkommnis, das nicht ganz so. aber doch ähnlich verlaufen ist, wird uns aus eiuer Armenkommission von Berlin-Ost gemeldet. Dort war eine Frau, die mit zwei Kindern allein dasteht und kränklich ist, um eine Unterstützung eingekommen. Es ging ihr er- bärmlich genug und sie war infolgedessen auch mit der Miete im Rückstand geblieben. Bewilligt wurden 10 M. als einmalige Unter- stützung, und die Bittstellerin wurde zu dem Armen- k o m m i s s i o n s m i t g l i e d Z i g a r r e n h ä n d l e r G o e tz e (Posenerstr. 1) bestellt, um das Geld in Empfang zu nehmen. Bei Herrn Goetze fand sich aber zu gleicher Zeit mit der Frau auch der Herr Hauswirt Schirmer ein, in dessen Haus Memeler- straße 22 sie wohnte. Die Frau quittierte, das Geld wurde auf- gezählt, und der dabeistehende Hauswirt— sackte e s ein. Er beanspruchte es für die rückständige Miete, und die Frau war töricht genug, das ihr zur Linderung ihrer Armut bewilligte Geld ihm zu überlassen. Zwar wies sie darauf hin, daß sie doch in Not sei und ihren Kindern Brot kaufen müsse, aber Herr Schirmer ließ sich nur so weit erweichen, daß er eine einzige Mark wieder herausgab und ihr als Geschenk überreichte. Der Herr Hauswirt ist nicht Mitglied der Armenkommission, die diese Unterstützung bewilligt hatte. Insofern unterscheidet sich das hier geschilderte Vorkommnis von den oben erwähnten anderen, wo Hauswirte als Armenkommissionsmitglieder die linke Hand sofort wissen ließen, was die rechte tat, und das von ihnen selber ausgezahlte Almosen sofort selber als Miete wieder einsteckten. Aber merkwürdig genug ist doch auch dieser Fall. Wie kam es wohl, daß Herr Schirmer ausgerechnet in dem- selben Augenblick bei Herrn Goetze verweilte, wo die Frau ihr Geld in Empfang nehmen sollte? Um Antwort wird gebeten. Der„Blihnhofs"-Briefkasten verführt viele Leute, ihm eilige Briefe in der Hoffnung anzuverttauen, daß diese dann schneller be- fördert werden, als»venu man sie in einen Straßen-Briefkasten gesteckt hätte. Man liest freilich am„Bahnhofs'-Briefkasten:„Wird fünf Minuten vor Abgang jedes Zuges mit Bahnpost geleert" und wohl jeder, der noch nicht in die Geheimnisse des Post- dienstcs eingedrungen ist, wird danach annehmen, daß jeder Zug mit Postbeförderung die in jenem Briefkasten steckenden Sendungen unverzüglich mitnimmt. Diese Annahme ist indes falsch; denn die erwähnte Inschrift bezieht sich nur auf solche Züge, welche einen Bahn- Postwagen führen, während der Schluß der Briefablieferung für alle die Züge, welche nur eine sogenannte(durch den Zugführer zu befördernde)„Briefbeutelpost" aufnehmen, meist schon 1ö bis 20 Minuten vor Abgang des betreffenden Zuges stattfindet. Da nun gerade die Schnellzüge vorwiegend für die„Brief- beutelpost" benutzt werden, so täuscht sich mancher in der schnelleren Beförderung seines Briefes, der da denkt:„Trägst Deinen eiligen Brief flugs zum Bahnsteig und steckst ihn in den„Bahnhofs- Brief- kästen";— der Schnellzug geht ab. der Brief bleibt aber noch ruhig im Kasten liegen. Die Zeitung des Vereins deutscher Eiienbahn- verwalttmgen empfiehlt daher eine andere Inschrift für die Bahnhofs- Briefkasten, etwa:„Leerung 15Mi nuten vor Abgang jedes ZugeS mit Briefbeförderung und fünf Minuten vor Abgang jedesZuges mit Bahnpostwagen"._ Im Kaiser Friedrich- Museum. Von einem Leser unseres Blattes erhalten wir folgende\ Vor einigen Tagen spielte sich im Kaiser Friedrich- folgender bemerkenswerte Vorgang ab. Fm Saale 20 hat! Kreis vornehmer Damen um einen von ihnen bezahlter" sammelt, der in eingehender Weise über ein Madonneiibj In der Nähe dieses Kreises standen zwei junge MchtztzM�,. von 17—18 Jahren. die ebenfalls den Erklärungen,, de» Führers lauschten. Da sah ich, wie ein Aufseher des SMil«SJ!9 auf die Mädchen, die offenbar ärmeren Standes waren rmdZtzicht das Geld hatten, sich einen eigenen Führer zu leisten, zuging, und sie wegwies. Empört wandte ich mich sofort an den Aufseher,-ittch: fragte, woher er das Recht zu seinem Vorgehen nehme. Er erwiderte nur, die Mädchen hätten nicht für den Führer gezahlt, hätten also auch kein Recht, zuzuhören. ES lväre nun interessant zu erfahren, ob die Auffeher zu der- gleichem Vorgehen von der Museumverwaltmig angewiesen sind. Jedenfalls machte der Vorfall auf alle, die ihn bemerkt hatten, einen sehr häßlichen Eindruck. Möge sich ein solcher Fall nicht wiederholen I__ Ein eigenartiges Kontrollsystcm ist im Interesse der Fern- sprechteilnehmer auf den Vermittelungsämtern VI und VII gleich- zeitig mit dem neuen Schaltsystem eingeführt worden. Eine große Anzahl der täglich bei der Aufsicht vorgebrachten Beschwerden be- zieht sich auf Verzögerungen in der Herstellung der Verbindungen und die Fernsprechabonnenten sind vielfach der Ansicht, daß diese Verzögerungen auf Nachlässigkeit der Beamtinnen zurückzuführen seien. Abgesehen von den in den Dienstsälen tätigen Aufsichts- damen ist nun noch eine besondere Kontrolle eingeführt, durch welche es ermöglicht wird, festzustellen, ob tatsächlich che Herstellung der Verbindungen in zu langsamer Weise erfolgt. einem be- sonderen Räume des Amtes ist ein kleiner Schaltappar�.güsgcstellt, welcher mit dem Schalttisch in Verbindung steht. Für.jehe Ab- teilung des Schalttisches ist an dem Apparat ein besondres Licht» feld angebracht, in welchem ein kleines Glühlämpchcn aufflammt, sobald in dem betreffenden Felde des Schalttisches eine Verbindung gefordert wird. Das Lämpchen glüht solange, wie die Verbindung besteht. Eine Dame ist nun ausschließlich dazu angestellt, dieson Apparat zu beobachten, um so jede etwaige Störung resp. zu lang- same Abfertigung der Fernsprechteilnehmer feststellen zu können. — Manchmal werden dadurch Verzögerungen in der Herstellung von Fernsprechverbindungen herbeigeführt, daß innerhalb eines Be- dienungsfeldes mehrere Teilnehmer gleichzeitig hintereinander 10, 15 und mehr Verbindungen sordern. Wenn dies nun in der Hauptsprechzeit geschieht, so muß naturgemäß der eine oder der andere Teilnehmer unter diesem Andrang leiden. Um nun Ver- zögerungen nach Möglichkeit abzukürzen, ist die Einrichtung ge- troffen worden, daß der Teilnehmer von seinem Anschluhfeld nach einem anderen Anschlußfeld hinübergeschaltet werden kann. Hier- durch wird es ermöglicht, daß eine bessere Verteilung der Arbeits- tätigkeit zwischen den verschiedenen Beamtinnen erfolgen kann und die Wartezeit für die Teilnehmer in der Herstellung der Ver- bindungen erheblich abgekürzt wird. Daß diese Neueinrichtung tat-' sächlich wirksam und von gutem Erfolge ist, beweist der Umstand. daß Beschwerden bei dem Vcrmittelungsgint VI über die Tätigkeit bet Beamtinnen desselben nur noch in vereinzelten Fällen ein- einen Seitensprung gerettet hätte. Fräulein K. blieb mit zer- nach dem Gartensaale des Theaters des Westens einberufenen Berlaufen. schmetterten Gliedern auf dem Bürgersteige liegen und starb ſammlung. Hiernach ist die Eröffnung des neuen Voltstheaters für kurz darauf. Januar 1907 in Aussicht genommen. Zu den Baukosten trägt die Einen unerwartet tragischen Ausgang hat ein Unglücksfall ge= nommen, der sich gestern abend an der Ecke der Kopenhagenerstraße Der eingesperrte Nachtwächter. Ein dreistes Diebesstückchen Stadt 2 Millionen Mark bei, die nach und nach amortisiert werden und Schönhauser Allee ereignete. Die 73 Jahre alte Renten vollbrachten in der gestrigen Nacht zwei Einbrecher auf dem Grund- müssen. Dagegen hat das Konsortium 200 000 M. Kaution hinterempfängerin Anna Jahnke aus der Kaiser Friedrichstr. 69 hatte stück Emserstr. 73/74. Sie hatten es dort auf einen Einbruch ab- legen müſſen. Der finanzielle Bestand des Unternehmens ist schon ängstlich den Fahrdamm überschritten, war an eine vorüberfahrende gesehen, mußten aber die Wahrnehmung machen, daß in der Nähe vollständig gesichert, denn bis jetzt sind bereits 7800 Abonnements verausDroschte herangeraten und umgerissen worden. Ohne sichtbare Ver- ein Wächter aufpaßte. Aber trotzdem gaben die Burschen ihren Plan Bublikums ist die Einrichtung getroffen, daß die Abonnementsgelder gabt, was für den Tag 650 Besucher ausmacht. Zur Erleichterung des legungen aber völlig leblos wurde die Greisin nach der Unfallstation nicht auf, sondern warteten, bis sich der Wächter in eine nebenan in vier Raten beglichen werden können. Da es ein wirkliches Volksin der Schönhauser Allee gebracht. Der Arzt konnte dort nur noch belegene Baubude begeben hatte, riegelten dann die Tür hinter ihm theater werden und feine wesentlichen Ueberschüsse abwerfen soll, so den Tod feststellen. Frau J. hatte keinerlei Verlegungen erlitten, ab und setzten ihn auf diese Weise gefangen. Dann machten sie sich find die Preise äußerst minimal gestellt. Der billigste Platz inkl. sondern war an den Folgen einer eingetretenen Herzlähmung, die ruhig an ihre Arbeit“. Deutlich vernahm der Wächter, wie die Garderobe und Theaterzettel wird 35 Pf. kosten. Dem Theaterdurch den maßlosen Schreck herbeigeführt worden war, auf der Stelle dreisten Diebe nebenan einbrachen and vergeblich versuchte er, sich restaurateur ist die Verpflichtung auferlegt worden, das Glas Bier gestorben. aus seiner unfreiwilligen Gefangenschaft zu befreien. Schließlich für 10 Bf. abzugeben und auch für Eßwaren nur volkstümliche Vor einem umstürzenden Mastbaum getroffen und schwer verletzt gelang es ihm mit Hülfe eines Spatens, die Türe aufzubrechen. Preise zu fordern. Das Theater ist vorläufig auf 25 Jahre fest verer er wurde gestern der Bootsmann Otto Scholz, der am Lohmühlen- die Einbrecher mit ihrer Beute Hohnlachend im Dunkel der Nacht Als er die Straße wieder betrat, konnte er gerade noch sehen, wie pachtet. Plaz im Rigdorfer Schiffahrtskanal seine Ladung löschte. Als Sch. verschwanden. mit Hülfe eines Hebels den Mastbaum aufrichten wollte, brach plöglich der Hebel entwei, der Mast stürzte um und traf den Bootsmann so unglücklich, daß dieser schwerverletzt in das Krankenhaus " Bethanien" eingeliefert werden mußte. Wieder ein Zopfabschneider. In der Chauffeestraße befichtigten geftern zwei junge Ruffinnen das hellerleuchtete Fenster eines Buzzwarengeschäfts und unterhielten sich dabei lebhaft in ihrer Muttersprache. Blötzlich spürte eines der Mädchen, eine Studentin einer schweizerischen Universität, einen Ruck am Hinterkopfe und bemerkte, daß man sie ihres prächtigen schwarzen Zopfes beraubt hatte. Von dem Zopfabschneider war trotz eifrigen Suchens teine Spur zu entdecken. Der Unbekannte muß mit einer äußerst scharf geschliffenen Schere arbeiten, da der ziemlich dicke Zopf glatt und ohne jeden Schmerz für die Befizerin mit einem Schnitt abgetrennt worden sein muß. Nixdorf. Zum Punkte Massenstreit erklärt sich Einen für ihn erheblichen Verlust hat am Montag, den 14. Eine gut besuchte Versammlung tagte am Dienstag in Hoppes dieses Monats, zwischen 11 und 212 Uhr ein Arbeiter erlitten, Festfälen, um den Bericht des Genossen Heinrich vom Parteitag der an diesem Abend von der Waldenser- bis Stromstraße eine kleine graue Handtasche verlor, die ein Portemonnaie mit ungefähr entgegenzunehmen. Einleitend gab Redner ein Stimmungsbild über 20 M. ihm nicht gehörigen Geldes sowie ein Schlüsselbund mit die Mannheimer Verhältnisse, um sodann zum eigentlichen Bericht 3 Schlüsseln und einer Quittung über 1,50 M. enthielt. Der Ver- überzugehen, dabei betonend, daß der diesjährige Parteitag in der lierer heißt Galipp und wohnt Hufelandstraße 26, wo der eventuelle Geschichte der Partei eine hervorragende Stellung einnehme, nicht nur Finder den Fund abgegeben möchte. wegen der dort gefaßten Beschlüsse, sondern auch wegen der allgemein angenehm empfundenen Ruhe und Sachlichkeit, mit der bie Aus der Spree als Leiche gezogen wurde am Mittwochabend Verhandlungen gepflogen wurden. Die einzelnen Punkte der Tagesder Restaurateur und Materialwarenhändler Hermann Koch aus ordnung durchgehend, beklagt Heinrichs beim Kassenbericht, daß der Grünthalerstraße 46, der seit dem 7. Oktober vermißt wurde. Berlin resp. Brandenburg wohl die höchsten Summen für die Ein schrecklicher Unfall ereignete sich gestern nachmittag in Parteitasse aufgebracht habe, in der Organisationsziffer jedoch nur Bergmanns Elektrizitätswerken, Oudenarderstraße. Der Schleifer mit 12,5 Proz. verzeichnet stehe, während Hamburg und Bremen Hermann Hoffmann war in Begriff, einen foeben reparierten 21,8 politisch organisierter Mitglieder aufweise; es sei dies ein beEin Ueberfall im Humboldthain wurde gestern morgen in der Treibriemen wieder aufzulegen; zu diesem Zwecke mußte er eine schämendes Zeugnis und ein Beweis, daß wir immer noch nicht bierten Stunde verübt. Der 39 jährige Schlosser August Kulbinat, Leiter besteigen. Bei dieser Gelegenheit tam er der Transmission genug gearbeitet hätten. Stralsunderstr. 42 wohnhaft, war auf dem Wege nach seiner Arbeits- 3u nahe, wurde von derselben erfaßt, mehrere Male mit herum- Heinrichs mit den Ausführungen Bebels einverstanden, ebenso mit stelle auf dem Bahnhof der Großen Berliner Straßenbahn durch den geschleudert, wobei im der linke Unterarm abgerissen wurde. Völlig denen des Genossen Legien insoweit, als sie dessen Stellungnahme gegen Humboldthain gegangen und hatte sich einen Augenblick auf einer entkleidet wurde er von seinen Kollegen, welche den ganzen Vor- die Lokalorganisierten betreffen und wünscht, daß man gegen dieBank niedergelassen. Plöglich tauchten sechs fragwürdige Gestalten gang hülflos zusehen mußten, dem Verbandsraum zugeführt, wo- selben, die Zersplitterer der Partei, nun ernstlich vorgehen werde. Redner rechtfertigt die Stellungnahme der Delegierten zum in der Nähe auf, und als K. aus seiner Kaffeekanne einen Schluck selbst er nach 4 Stunden vom Arzt die erste Hülfe erhielt und tat, glaubten die Burschen, die Kanne enthalte Schnaps, und sie erst nach einer weiteren halben Stunde der königlichen Klinik zu- Amendement Legien, für das sie nach ihrer Ueberzeugung nicht stimmen konnten. Denn die Kölner Resolution verwerfe in Absatz 3 forderten den Schlosser auf, er solle sie alle mittrinken lassen. geführt wurde. die Propaganda für den Massenstreit, während die Jenaer das S. weigerte fich aber, und nun fiel die Bande über ihn her und Gegenteil verlangt. Die Genossen Bömelburg und Legien hätten schlug mit stumpfen Instrumenten so lange auf ihn ein, bis er blutnun diesen Passus der Kölner Resolution dahin interpretiert, daß überströmt zusammenbrach. Die Kanne hatten die Täter ihrem der Sinn desselben mit der Resolution von Jena nicht im Widerspruch Opfer entriffen und waren damit entflohen. St. hatte sieben erhebstände. Für die gesamte Resolution, in der ein einheitliches Zusammenliche Verlegungen davongetragen und mußte zu einem Arzte gearbeiten zwischen Partei und Gewerkschaft gefordert wird, hätten bracht werden. fie stimmen können. Mit einem Appell, das auf dem Parteitag Beschlossene zu beherzigen und raftlos zu agitieren, schloß Genosse Heinrichs seine Ausführungen. Das Arbeitsbuch der Bäckerinnung„ Germania". Zu diesem Thema erhalten wir zugleich als Antwort auf die dieser Tage von uns veröffentlichte Zuschrift der Bäckerinnung Germania" von der Organisation der Bädereiarbeiter folgende Darstellung der wirklichen Sachlage: D das Ein schwerer Unfall trug sich gestern abend in der elektrischen Block station des Victoria- Cafés, Unter den Linden, zu. Dort sind zwei neue Dieselsche Motore im Gebrauch, die mittels Ruftdruck angetrieben werden. Als nun gestern abend der 25jährige, unverheiratete Maschinist Otto Keller aus der Siemensstr. 64 zu Lankwiz eine der Maschinen anlassen wollte, flog plößlich die Verschraubung der Druckleitung an der Luftpumpe unter heftigem Anall heraus und traf den jungen Mann gegen die rechte Brustseite. Der Anprall war infolge des 50 Atmosphären starken Druds, Als erster Diskussionsredner nimmt Genosse Mietz unter dem die Maschine steht, von solcher Wucht, daß St. bewußtlos Wort. Seine Hoffnung, der Mannheimer Parteitag werde eine zusammenbrach. Mittels Droschte schaffte man den Unglüdlichen Klärung schaffen zwischen Partei und Gewerkschaft, habe sich unverzüglich nach der Charité, wo die Aerzte eine starke Quetschung erfüllt. Nur sei die Maifeierfrage zu kurz gekommen, aus " Es ist eine grobe, mindestens aber leichtfertige unwahr der Brust und Verlegungen an der Lunge feststellten. Lebensgefahr der doch eigentlich erst das Thema des Massenstreits entheit, daß alle bei Mitgliedern des Zentralverbandes deutscher scheint aber nicht vorzuliegen. standen sei, und es werde noch harte Kämpfe zwischen den Bäderinnungen ordnungsgemäß ausgelernten und die Gesellen prüfung bestanden habenden Gesellen das„ Germania"-Arbeitsbuch Beim Berlaffen eines in der Fahrt befindlichen Straßenbahn- Gewerkschaftsagitatoren geben, bis diese Frage endgültig gelöst sei. fostenlos erhalten. Wahr ist, daß für dieses nur Maß- wagens ist gestern abend die unverehelichte 22jährige Franziska Bezüglich der Maifeier habe nicht der internationale Kongreß zu regelungsaweden dienende Buch, welches im Munde Schmilinski, Westend, Eichen- Allee 25 wohnhaft, schwer zu Schaden entscheiden, sondern dies sei Sache der einzelnen Länder, die ihren der Bäckergesellen schlechtweg„ nechtsbuch" genannt wird, von den gekommen. Sie versuchte von einem von ihr benutzten Straßen- Verhältnissen Rechnung tragen müßten.- Einen Kampf zwischen einzelnen Innungen ganz verschiedene Preise den Ausgelernten bahnwagen der Linie N in der Charlottenburger Chaussee in der Partei und Gewerkschaft tönne es nicht geben, da beide dasselbe Endziel abgefordert werden. In unserer letzten Versammlung haben wir festgestellt, daß die jungen Gesellen Summen von 3, 6, 9, 10, 12 bis sage und schreibe 16 M.( sechzehn Mart) an die Jnnungen bezahlen müssen. In unserem Bureau fann sich der Zentralverband die näheren Auskünfte holen. Unwahr ist auch, daß nur für berlorene Arbeitsbücher 3 M. als Erziehungsmittel bezahlt werden müssen. Wir haben nicht allein Fälle festgestellt, wo Gefellen für die vom Meister verbummelten Bücher 3 M. blechen mußten, sondern auch alle Kollegen, die Duplikate für volle oder sonst unbrauchbar gewordene Bücher verlangten, erhielten diese nicht fostenlos, mußten diese weit über den Selbstkostenpreis mit 30 Pf. bezahlen. Nähe des Bahnhofes Tiergarten furz vor der Haltestelle abzuspringen, glitt aus und fiel so unglücklich zu Boden, daß sie besinnungslos liegen blieb. Die Sch., welche eine schwere Gehirnerschütterung erlitten hatte, wurde nach dem Krankenhause Westend gebracht. Im Luisen- Theater wird heute, Freitag, Ibsens" Ein Voltsfeind" neueinstudiert gegeben. Sonnabend, den 20. Oktober, nach mittags 4 Uhr, Kindervorstellung„ Aschenbrödel" zu ganz fleinen Preisen. haben, wenn auch die taktischen Fragen verschieden sind; die Gewerk schaft kämpfe gegen das Kapital um bessere Lebensbedingungen, die Partei um ideelle Ziele. Die Scheidewand ist nur eine künstliche, gegen die energisch Front gemacht werden muß. Begreiflich sei es, daß die Resolution Legien nicht angenommen wurde. Einen Sieg zwischen Partei und Gewerkschaft kann es nicht geben, da es keinen Krieg gibt. In scharfen Worten wendet sich Genosse Mietz gegen die Lokalorganisationen, mit denen endlich tabula rasa gemacht werden müsse. Immer und immer wieder müsse man sie auf ihr verkehrtes Vorgehen hinweisen. " Feuerwehrbericht. Fünf Kellerbrände, darunter drei größere, machten gestern abend der Feuerwehr viel zu schaffen. Um 9 Uhr Genosse Müntner ist nicht damit einverstanden, daß man die abends stand in der Prinzenstr. 18 ein Steller in großer Ausdehnung Gewerkschaften durch das Amendement Kautsky in ein kaudinisches Am standalösesten ist aber die Praris bei Kollegen, die wohl in Flammen. Diese hatten an dem Hausrat der Mieter reiche Joch spannen wollte, ebenso verurteilt er das ostentative Verlassen ordnungsmäßig ihren Beruf erlernt haben, vielleicht sogar weit Nahrung gefunden und war das Vordringen wegen der enormen des Saales durch Legien, weil er nicht vor Bebel das Wort erhielt. Mit gründlicher als die in Berlin und anderen zünftigen InnungsBerqualmung sehr erschwert. Unter Benutzung von Rauchlappen der Anwendung des großen Kleiſtertopfes" ist Redner nicht einverstädten meist nur zu Laufburschendienſten mißbrauchten Lehrlinge, gelang es den Feuerwehrmännern, bis zur Brandstelle vorzubringen ſtanden, denn Ruhe gäbe es trotz der gefaßten Beſchlüſſe nicht die aber das Unglück hatten, daß ihr Meister nicht im Bentral- and burch tüchtiges Wassergeben die Gefahr zu beseitigen. Gleich das beweise schon der Artikel in der Magdeb.„ Bolksstimme“. Partei berbande organisiert war. Diesen Aermsten wurden nicht allein brannten Säcke und anderes in einem Keller zeitig in und Gewerkschaft sei nach seiner Meinung nicht eins, sie seien 3 M. abgeknöpft, sondern sie wurden sogar verpflichtet, sechs in der 157. Gemeindeschule in der gleichwertig, aber nicht gleichartig, im Endziel sollen beide eins Monate bei einem zünftigen Innungsmeister ununterbrochen der Mühlenstr. 4 und Bücher, Schrank, Schrank, Papier, Papier, die Wand- sein. Genosse Müntner hofft, daß die Lokalisten sich den gefaßten arbeiten zu müssen, und sich alles bieten zu lassen, um nur das Derfflingerstr. 18 a germaledeite Buch zu erhalten, ohne das die Jnnungsnachweise verkleidungen u. a. Längere Zeit hatte die 1. Kompagnie in der Beschlüssen fügen; als gute Barteigenossen gebe es nur eins: einen teine Arbeit vermitteln. Die Gewerbedeputation hat noch lange Klosterstr. 10, Ede der Kaiser Wilhelmstraße zu tun, wo Holz, die schlichten Uebertritt in die Verbände. Genosse Wermuth tritt namentlich den Ausführungen mith bie ganze Niedertracht gekannt, die Not und die Tränen, die Isolierungs- und Telephontabels u. a. in Brand geraten waren. fich an die Geschichte diefes von den Bädergefellen so tief gehaßten hier und in der Kaiserstr. 41, wo ebenfalls Holz im Keller brannte, Müntners entgegen, der in dem Amendement Kautsky eine UnterWaches nupfen, sonst hätte sie es noch viel schärfer und ein- mußte träftig gespritzt werden, um die Gefahr zu beseitigen. Ferner ordnung der Gewerkschaften unter die Partei erblicke. Die Motive, zu feinem Amendement geführt, seien die, ftimmiger berurteilt. Prozesse sind selbst durch Unorganisierte hatte der 11. Zug in der Bellealliancestr. 62 zu tun, wo die Schal- die Kautsky den Gewerkschaften mehr als bisher den sozialistischen geführt denen der grundlosen, leichtfertigen Maßregelungen, die decke des Kellers brannte. Vor dem Hause Friedrichstr. 47 brannte in nur bont udfichtslosesten Herrenmenschentum der Teigmagnaten gestern ein Automobil omnibus. Die Flammen konnten bald Gedanken zur Geltung zu bringen. Redner fennzeichnet noch die zeugten. teollegen, welche die Interessen ihrer Mitarbeiter gelöscht werden. Der Omnibus mußte außer Dienst gestellt werden. Stellung die Marg gegenüber den Gewerkschaften hinsichtlich ihrer wahrten, this tim da ihnen das„ Knechtsbuch" entzogen wurde oder weiliidantfiber schwarzen Liste standen, es noch als eine Wohltat betrachten, daß jene Blutjauger, die Kommissionäre, vorhanden warenior benen sie sich Arbeit taufen konnten. Die Innungsherren haben allen Grund, dieses schwarze Schandkapitel nicht aufzurollen, sonst fönnten fie erleben, daß ihnen ein Spiegelbild vorgehalten wird, das ihnen wenig zum Ruhme gereichen würde." mania" als unwahr. " Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. und Rolle im Emanzipationskampf des Proletariats eingenommen. Nicht nur auf die Erringung momentaner wirtschaftlicher Vorteile, sondern auch auf die endgültige Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaft müssen ihre Blide gerichtet sein. Genosse Köster wendet sich gegen Genossen Heinrichs betreffend dessen Ausführungen über die Kölner resp. Jenaer Resolution. Eine Die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung hat am Einigung sei nunmehr zustande gekommen. Das Amendement Kautsky Mittwoch nach längerer Debatte den Magistrat um baldige Vorlage sei überflüssig gewesen und sei dessen Ablehnung gerechtfertigt. Auch von einzelnen Bäckereiarbeitern sind uns Buschriften zu eines Planes ersucht, nach dem den städtischen Arbeitern, Beamten Redner wendet sich auch gegen die Lokalorganisierten; wer es ehrlich mit geringerer Besoldung auf Widerruf meine und unsere Bestrebungen unterstütze, der füge sich den Darstellung erscheint uns die Zuſchrift der Bäderinnung Ger- Teuerungszulagen gewährt werden, und zwar mit rück- Beſchlüſſen. Betreffs der Jugenderziehung gibt Köfter den Genoſſen wirkender Kraft vom 1. Oftober 1906 ab. Der weitergehende sozial den Rat, sich mehr mit der Erziehung ihrer Kinder zu befassen, denn Städtische Alters- und Siechenversorgung. Im Friedrich- demokratische Antrag auf Revision des Normaletats wurde abgelehnt. in der Jugend liege die Zukunft. Genosse Reimann vertritt den Standpunkt, daß die Gewerks Wilhelm- Hospital in der Fröbelstraße waren am 30. September Den Mitgliedern der freien Vereinigung war sogar die Gewährung dieses Jahres 186 männliche Hospitaliten in Pflege. Außerdem bon Teuerungszulagen auf Widerruf zu viel, sie wollten sich mit schaftsführer den Sozialismus predigen müssen. Wenn man die Weiter beschloß die Ver- fchädigende Wirkung der Lokalisten vorausgesehen hätte, hätte man befanden sich in dem Pflegehause für Ehepaare 24 Männer und einer einmaligen Bulage begnügen. 24 Frauen. In der Anstalt des Friedrich Wilhelm- Hospitals in ſammlung auf Antrag des Stadtv. Dr. Landsberger( lib.), den sicher schon früher einen schärferen Standpunkt eingenommen. Gen. Meyer( lokalorg.) schüttelt vor allem die Wiesenthalsche der Palisadenstraße wurde ein Mann und 679 Frauen verpflegt, Magistrat zu ersuchen, bei dem Vorstande des deutschen Städtetages in Außenpflege hatte diese Anstalt 27, die Anstast in der Fröbel- schleunigst bessen erneute außerordentliche Einberufung zu beantragen, Organisation" ab, die man ihnen so gerne an die Rockschöße Straße 107 Berfonen gegeben. In den Siechenanstalten in der um zu erwägen, mit welchen öffentlichen Maßnahmen sich der hängen wolle. Er bedauert, daß man nicht ein schärferes Wort geFröbelfttage befanden sich 1059 Personen( 465 Männer und Lebensmittelverteuerung begegnen läßt, durch welche die Gesamt- sprochen habe, man hätte doch einfach erklären sollen, daß die Lokalisten nichts in der Partei zu suchen hätten, dann wüßte man wenig 594 Frauen Außerdem wurden in dem mit dieser Anstalt in stens, woran man wäre. Wenn sie auch hinausflögen, Sozialdemo Verbindung stehenden Depot für aus hiesigen Heilanstalten entlaffette hjellbare und obdachlose Krante 24 Männer und 48 Frauen traten blieben sie doch. berpflegt. Die Gesamtzahl der am 30. Eeptember d. I. in den hefauren Anstalten verpflegten und der von diesen Anstalten in Außenpflege gegebenen Personen betrug mithin 2179. BauBom Schlachtfelde der Arbeit. Bei einem schrecklichen Unglücke fall hat gestern nachmittag der Fabritarbeiter Hermann Hoffmann, Gerichtstr. 10, den rechten Arm eingebüßt. H. war in dem Maschinenfaal eines Elektrizitätswertes in der Oudenarderstraße tätig gewesen und beim Hantieren an einen Treibriemen herangeraten. Der Un- In die neu geschaffene gemischte Deputation, die darüber beglückliche wurde am rechten Arm erfaßt und herumgeschleudert. Dabei wurde ihm der Arm fast vollständig herausgerissen, so daß ihn der von der Unfallstation hinzugerufene Arzt abnehmen mußte. H. fand im Lazarus- Krankenhause Aufnahme. bevölkerung mit schwerer Unterernährung bedroht ist. Entsprechend dem Antrage des Magistrats wurde die Deputation zur Prüfung der Frage der Müllabfuhr und Müllbeseitigung aufgehoben. Die Bearbeitung der Angelegenheiten betreffend die Befeitigung des Hausmülls geht auf die Deputation für das Straßenreinigungs- und Feuerlöschwesen über. Begründet wird diese Maßnahme damit, daß die Verstadtlichung der Müllabfuhr bereits beschlossen ist und daß später auch die Abfuhr des Straßenkehrichts in eigene Regie übernommen werden soll. Dann aber wird die Vereinigung der beiden Verwaltungszweige schon mit Rücksicht auf das Pferdematerial notwendig. raten soll, in welcher anderen Weise als durch ihren Verkauf eine Berwertung der zu unmittelbaren Verwaltungszwecken nicht erforderlichen städtischen Ländereien für die Stadt geschehen kann, wurden als Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion die Genossen Borhardt und Hinz gewählt. Genosse Boeste wendet sich ebenfalls scharf gegen die Lokalisten. Man verurteile Wiesenthal und verhandle gleichzeitig mit ihm. Die vernünftigen Elemente werden den richtigen Weg wählen und die Eigenbrödler aufs Trockene sezen, die das Zielbewußtsein in Erbpacht genommen hätten. Nicht Zersplitterungstheorie, sondern Zentralifation müsse die Parole heißen, damit man geschlossen in den Wahltampf eintreten fönne. Nach einem kurzen Schlußwort des Genossen Heinrichs wird eine Resolution, die sich mit den Arbeiten des Parteitages und unserer Delegierten einverstanden erklärt, gegen eine Stimme angenommen und erfolgte nach Erledigung einiger anderer Angelegenheiten Schluß der Versammlung. Durch die Geistesgegenwart eines Straßenbahnfahrers ist gestern ein Kind dem sicheren Tode entrissen worden. Vor dem Elternhause in der Bannierstr. 10 hatte der 7jährige Schulfnabe Willi Schward gleichen Augenblide tam ein Motorwagen der Linie 94 herange fauft, den Fahrdamm überschreiten wollen und betrat, zwischen zwei Arbeitsfuhrwerken hervorkommend, das Straßenbahngleis. In dem ohne daß der Knabe dies bemerkt hatte. Nur noch wenige Meter Durch die unfelige Tat einer Selbstmörderin schwebte gestern Eine Reihe von Vorlagen, darunter die betr. Nachbewilligungen eine Bassantin in größter Lebensgefahr. Die 62 jährige Rentiere Flora Knopf, Göbenstr. 28, hatte von ihrem Neffen einen Brief für den Armenetat, gelangten zur Annahme. erhalten, durch dessen Inhalt die alte Dame in die größte Auf- bestätigte Stadtv. Dr. Benzig einstimmig wiederum in die SchulIn geheimer Sizung wurde u. a. der von der Regierung nicht regung bersetzt wurde. Nachdem sie das Schreiben vernichtet, riß fie plötzlich das Fenster auf und stürzte sich topfüber aus der Höhe deputation gewählt. der vierten Etage auf die Straße hinab. In diesem Moment ging Ueber das neue Charlottenburger Schiller- Theater machte Theater- trennten den Straßenbahnwagen von dem Kinde. Zweifellos wäre an der Unfallstelle eine Bassantin vorüber und sicher wäre die direktor Dr. Löwenfeld interessante Mitteilungen in einer am dies auch überfahren und zermalmt worden, wenn nicht der WagenSelbstmörderin auf sie gestürzt, wenn sich die Bedrohte nicht durch Mittwochabend vom Freisinnigen Bezirksverein Neu- Charlottenburg führer Spors die Geistesgegenwart besessen hätte die Notbremse mott yerumzurettzen und den Straßenbahnwagen fast auf der Stelle zum Stehen zu bringen. Der Kleine wurde zwar noch erfaßt und unter den Vorderperron geschleudert, blieb aber unverletzt. Britz. Die Gründung einer freien Hülfskasse sollte in einer am 16. er. im Landhaus zu Britz von den vereinigten Innungen einberufenen öffentlichen Versammlung für Britz und Umgegend vor- genommen werden. Die Meister der Innungen waren in einer Zahl von 23 erschienen. Nach den Ausführungen des Obermeisters Donath von der Barbierinnung in Tcnipelhof soll sich die Kasse über 48 Ortschaften erstrecken. Die Ortskasse, meinte Redner, fordere sehr viel, leiste jedoch wenig. Den Meistern schien eS, als ob den versammelten Arbeitern die Worte des Redners wie Honig mundelen, zumal er ihnen höhere Leistungen versprach. Die Diskussionsredner wandten sich jedoch alle scharf gegen die Gründung einer freien Hülfskasse. Folgende vom Genossen Hendrischke ein- gebrachte Resolutton fand einstimmige Annahme:„Die heute hier im Landhaus stattfindende Versammlung erklärt die Gründung einer sogenannten freien Hülfskasse von nur Handwerkern durchaus für unangebracht und erblickr hierin eine Gefahr für das fernere Be- sieben der hiesigen Ortskasse; des weiteren erklären die Versammelten, es nicht mit sich vereinbaren zu können, ein so unsicheres Unternehmen. lvie diese Gründung es ist, zu unterstützen; vielmehr versprechen die Versammelten, so viel wie möglich dagegen zu agitieren." Nummelsburg. De» Bericht vom Parteitag nahm am Dienstag eine außer- ordentliche Versammlung des Wahlvereins entgegen. Genosse S e i k e l gab in ziemlich einstündiger Rede ein klares Bild von den Verhandlungen in Mannheim. Bei dem Punkt Masjenstreik legte er seine Stellungnahme zu der Resolution dar. Unverständlich sei ihm, wie man zwischen der Kölner und der Jenaer Resolution keinen Widerspruch finden könne. Hierbei erwähnte er das befremdliche Verhalten des Genossen Grunow, der in Mannheim über die Stellung der Niederbarnimer Genossen zur Resolution Maurenbrecher in demselben Sinne sprach, lvie Genosse Freiwaldt und in Oberschöneweide letzterem vorwarf, zu weit gegangen zu sein. Am Schluß seiner Ausführungen forderte Genosse S e i k e l die Genofien zu regster Arbeit auf. An der recht lebhaften Diskussion beteiligten sich die Genossen Jakobeit, Schiemann, Stützky, Häfner, Müller und Möser. Alle Redner drückten ihre Freude darüber aus, daß nunmehr die Reibereien zwischen Partei und Gewerkschaft aufhören. Eine von dem Genossen Schiemann eingebrachte Resolution wurde gegen die Stimme des Antragstellers abgelehnt. Es wurde alsdann zur Beschlußfassung über den Anschluß an die Berliner Parteispedition geschritten. Nachdem Genosse John in kurzen Ausführungen auf die Notwendigkeil des Anschlusses hin- gewiesen und die Genossen Seikcl und Nollstädt noch Verschiedenes ergänzt hatten, wurde dem Anschlüsse zugestimmt. Aufgenommen wurden 30 Genossen. In die Zeitungskommission gewählt wurde noch Genosse Stützky. Weifjensee. Bei den am Mittwoch stattgefundenen Wahlen zur Ortskranken- koste wurde die Liste des Gewerkschastskartells mit einigen Streichungen einstimmig gewählt. Die Stimmenzahl hat sich gegen das Vorjahr verdoppelt; damit dürste der Aufsichtsbehörde für ihre Leistungen die beste Antwort gegeben sein. Heute finden die Wahlen der Arbeitgeberdelegierten in der Zeit von 7—8 Uhr statt. Auch zu dieser Wahl hat das Gcwcrkschafts- kartest eine Liste aufgestellt. Alle Genossen, die um diese Zeit frei sind, werden gebeten, sich dem Gewerkschastskartcll helfend zur Ver- fügung zu stellen. Nieder- Schöneweide. Zu der Notiz über den Fahrraddiebstahl teilt uns Herr Reimann mit, daß das Rad ohne Aufsicht vor seinem Lokal gestanden hat. Französisch-Buchholz(Bezirk Pankow). In der am Mittwoch abgehaltenen Mitgliederversammlung des Wahlvereins erstattete Genosse Warttig Bericht vom Parteitage zu Mannheim. Unter Vereinsangelegenhelten wurde beschlossen, gegen die Genosten H. Rackwitz, Wirtshaus an der Panke, und O. KliemaS, Gasthof zum Storch, das Ausschllißverfahren einzuleiten. Zur Auf- nähme meldeten sich sieben Genossen. Euq der Frauenbewegung. Kampfgenossen? Der Verein„Frauenwohl" hatte am Dienstag, den 16. d. M., eiiie Versammlung im Archilektenhause, in der u. a. Frau Cauer über die „sozialdemokratische Frauenkonferenz in Mannheim und die proletarische Frauenbewegung" referierte. Frau Cauer berichtete, daß sie nach Mannheim gegangen sei. um neues zu erfahren über die Ent- Wickelung der sozialdemokrafischen Frauenbewegung. Sie habe dort den günstigsten Eindruck von dem Arbeiten und Wirken der Proletaricrinnen gewonnen und ist voller Hoffnung, die Brücke zu finden, die die sozialdemokratische mit der bürgerlichen Frauen- bewegung— wenig st ens in großen Fragen— vereinigen könne. Die bürgerlichen Frauen, die weder eine Partei noch eine große Gefolgschaft haben, dürften der sozialdemokratischen Frauenbewegung, die die sozialdemokratische Partei hinter sich habe, nicht feindlich gegenüberstehen. Zu diesem Zweck erscheine es ratsam, nicht mehr nach links zu schlagen, sondern Verständigung zu suchen über Fragen, die gemeinsam interessieren. Frau Cauer glaubte auch, sich gegen den Vorwurf der Genossin Zetkin verteidigen zu müssen, daß die bürgerlichen Frauen nicht für das gleiche allgemeine direkte und geheime Wahlrecht eingetreten seien. Trotz wiederholter Wort- Meldung wäre ihr eine Richligstellung in Mannheim versagt gewesen. Nach dem Referat der Frau Cauer, die die Einigkeit der sozial- demokratischen Frauen als ihre Stärke pries, klang es nicht sehr hoffnungsvoll, als Fräulein Lischnewska über die Zwistigkcitcn im „Bund der Frauen" zu berichten hatte. Ihr Vortrag ließ erkennen, daß vielen bürgerlichen Frauen der Verein nichts weiter bedeutet, als ein Sport, für den sie sich so lange interessieren, als er ihrer Laune zusagt. � Die Klage der Frau Cauer. trotz der Wortmeldung in Mann' heim nicht gehört worden zu sein, ist ganz unberechtigt. Es ist selbstverständlich, daß auf einer sozialdemokratischen Frauenkonferenz nur Delegierte zu Wort kommen können. Sollte jedem Gaste das Wort gestattet sein, so würde aus dem Kongreß ja eine öffent-- liche Versammlung. Weiter aber wollen wir nicht unerwähnt lasten, daß den bürgerlichen Frauen immer nur dann daran gelegen scheint. Brücken zur Verständigung zu bauen, wenn es sich um Dinge handelt, die auch den Bürgerlichen nützen, und zu deren Erreichung sie unsere Macht und Stärke brauchen können!—Jeden- falls wird sich wohl bald Gelegenheit bieten, zu zeigen, daß man grundsätzlich für das Frauenwahlrecht eintritt. Ehrliche Kampf- genossen in akiuellen Fragen werden wir gern an unserer Seite sehen. Nur darf man keine Bedingungen stellen, die mit unseren Prinzipien kollidieren. Will man helfen der Sache willen, gut, dessen würden wir uns freuen. Vcrsammlungen— Veranstaltungen. Friedrichshagcn. Montag, 22. Oktober, S'/s Uhr im Restaurant Wilhelmsbad, Seestr. 43. Vortröge: Genosse Adolf Levenstein „Prostitution" und Genossin Alice Glaser„Ibsen und die Frauen- frage". Borsigwalde- Tegel. Mittwoch, 24. Oktober, 3� Uhr bei Schmidt in Tegel. Vortrag Fräul. Kadeit:„Der wirtschaftliche Kampf und seine Bedeutung für die Frauen der arbeitenden Klasse". Vermifcbtes. Unter dem Titel„Aristokratische Rowdys" brachten wir in Nr. 237 eine der„Frankfurter Zeitung" entnommene Zuschrift, die derselben von dem Oberamtmann zu Kehl in Baden zugegangen war und in welcher das Benehmen der Autler speziell in dem Orte Bodersweier näher geschildert wurde. Hierzu sendet uns ein Herr Braunbeck folgende Zuschrift:„1. Es ist unwahr, daß ich gesagt hätte:„Da seht den Krebs, der schon die vielen Meineide geleistet hat I" Ich habe gesagt:„Wenn Sie beschwören wollen, daß wir zu schnell gefahren sind, so leisten Sie einen Meineid." Ich bemerke hierzu. daß ich von dem Gendarmen erstens nicht angehalten worden bin, sondern freiwillig und zwar zufällig gerade an der richtigen Stelle, die ich suchte, gehalten habe, nämlich an der Falle selbst, dem Oleandergebüsch, hinter welchem sich der Gendarm Krebs versteckt hielt; zweitens, daß Krebs aus dem Gebüsch hervortrat mit den Worten:„Meine Herren, ich glaube, Sie sind zu schnell gefahren; drittens, daß aus dem größten Teil der in Frage kommenden Strecke, über welche vom Gendarmen die Zeit genommen sein will, der Sekretär des Frankfurter Automobilklubs und nach ihm ein Chauffeur neben meinem Wagen hergingen. Da der Gendarn, Krebs von der offen- baren Unrichtigkeil seiner Zeitnahme selbst durch den einfachen Tat- bestand nicht zu überzeugen war und eine gerichtliche Entscheidung der Sache selbstverständlich die Folge sein mußte, sagte ich zu ihm die oben angeführten, genau wiedergegebenen Worte, um ihm auf diese Weise begreiflich zu machen, was'bei der Sache eventuell herauskommen kann. Inzwischen habe ich übrigens einen Strafzettel erhalten, gegen welchen ich natürlich Berufung einlegte. 2. Es ist unwahr, daß ich gesagt haben soll:„Wir sind eigens hierher gekommen, um diese Falle aufzuheben." Ich habe vielmehr gesagt:„Wir sind eigens hierher gekommen, um die Falle auf- zunehmen," nämlich photographisch I DaS ist auch vollkommen richtig, denn ich bin mit der ausgesprochenen Absicht mitgefahren, diese» internationalen Stein des Anstoßes selbst anzusehen, um mit Hülfe eines Photographen die berüchtigte Falle für die in meinem Verlag erscheinende„Allgemeine Automobil-Zeitung" photographisch festzuhalten, da die Oeffcntlichkeit ein Interesse daran hat, daß die Art des Vorgehens in Kehl in ausführlichster und breitester Weise bekannt und damit der Sache schnell und energisch ein Ende bereitet wird. Die Darstellung des Oberamtmanns in der„Frankfurter Zeitung" beruht nicht einmal auf eigener Anschauung, sondern ist lediglich eine Wiedergabe von unkontrollierbaren Informationen, die von freinder Seite zugetragen und selbstverständlich zugunsten der Kehler Sicherheitsorgane gesärbt sind, was ich in Anbetracht der Sachlage, auch vollkommen begreife." Der Oberamtmann wird die Antwort hierauf sicher nicht schuldig bleiben._ lieber das verunglückte Unterseeboot„Lutin" wird aus Paris unter dem gestrigen Tage folgendes gemeldet: Im Marineministerium ist aus Biserta ein Telegramm eingelaufen, wonach die Arbeit der Taucher bis gestern abend vergeblich war. Doch sollen die Rettungsarbciten heute früh wieder aufgenommep werden. Ueber die Ursache der Katastrophe verlautet, daß daö Unterseeboot im Augenblicke des Untertauchcns ein Leck erhalten habe. Man vermutet daher, daß alle Insassen ertrunken sind. Die englischen Rettungsmannschaften aus Malta Iverden sich bereits heute an den Hebungsversuchen beteiligen; auch ein Privatunter- nehmer erhielt hierzu Erlaubnis. Der Nassenkrieg in Amerika. Wie„Daily Telegraph" aus New S}ork gemeldet wird, haben Neger die Stadt Seneca in Süd-Carolina, oie etwa 1200— 1500 Einwohner zählt, niedergebrannt. Vermutlich liege ein Racheakt der Neger vor als Vergeltung für die Zerstörung des Negerkollcgc in Seneca bei kürzlich dort stattgehabten Rassckämpfen. Durch eine» Orkan ist, wie aus New Dork gemeldet wird, die Verbindung mit Kuba seit Mittwoch abend IOV2 Uhr unterbrochen. Kurz vor Eintritt der Störung war noch die Nachricht von einem in Havanna wütenden, furchtbaren Orkan eingetroffen. Eisenbahnunfall in Demmin. Gestern früh 3 Uhr 40 Min. stießen auf Bahnhof Demmin zwei rangierende zusammengekuppeltc Maschinen mit einem einfahrenden Güterzuge zusammen. Das Hauptgleis war gesperrt. Die Lokomotiven wurden beschädigt, drei Güterwagen entgleisten und wunden zertrümmert. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Der Verkehr wurde durch Um- steigen aufrechterhalten. Der Schnellzug Nr. 14 hatte 1% Stunden Verspätung. Die Unfallstelle war vormittags lOM- Uhr wieder fahrbar. Aus dem Zuge gesprungen ist auf der Reise von Berlin nach Frankfurt a. M. während der Fahrt bei der Station Gokdbach ein Gefangener namens Adolf Biermann seinem Transporteur. Er ergriff, da er scheinbar mit nur geringen Verletzungen davon- gekommen war, die Flucht. Eingegangene Druckfcbriftai. Martin Witt. Bismarck-Denkmal. 23 Seiten. Selbstverlag des Ver- sassers. Hamburg 7. Hand- und Hiilssbiich für de» praktischen Metallarbeiter. Lehrbuch zum Selbstunterricht in der gesamten Metallverarbeitung für den Praktiker. Nebst den zugehörigen HülsSwisscnschasten. Mit 30 Tasel» und 800 Abbildungen. Von H. Schuberth. Das Werk erscheint in 30 Heften zu 50 Ps. Bisher 10 Hefte ausgegeben.(31. Hartlebens Verlag in Wien und Leipzig) BrUfKafon der Redaktion. Tie juriftischc Tprechstuude findet wochcntäglich vo»?'/, bis 9'!t Uhr abends statt, fitröffnet? Uhr. sonnabends beginnt die Zprechstnndc nm 0 Uhr. Jeder Anfrage ist ei» Buchstabe und riuc Iaht als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Steuern. Die an die Ehefrau zu zahlenden Unlerhaltsbeilrägc rechnen zum steuerpflichtigen Einkommen.— A. K. 77. Ein solcher Verlrag wäre ungültig und strafbar.— W. L. 24. Ja, Alimente sind auch dann zu zahlen, wenn die Mutter die Eingehung der Ehe ablehnt oder einen Anderen heiratet.— Rainler 16. Wenden sie sich an den Vorsitzenden des Wahlvereins des 0. Kreises, Genossen Freythaler.— F. Ripdorf 167. 1. Ja. 2. 32 Jahre. 3. Der Antrag ist an das Polizeipräsidium zu richten. Ein Recht aus Naturalisation hat ein nicht deutscher'Ausländer nicht.— A. D. 100. Gewiß: Lysol wirkt auf Vögel auch in kleinen Mengen tödlich.— Pankow. Die EinIvminensteiicrgesctznovcUc datiert vom 19. Juli 1900.— 000. Die Kosten aus dem vor eis Jahren gegen Sic abgeurteilten Majestätsbcleidungsprozctz haben Sie trotz der Raten- zahlungen nicht mehr zu zahlen. Sie sind amnestiert.— R. V. 308. Leider«ein.— K. H. 13. Ist die von Ihnen verbreitete Behauptung unwahr, so kann in derselben eine Beleidigung erblickt und so- wohl gegen Sie wie gegen Ihren Gewährsmann geklagt werden. — G. M. 3. Die Verjährung der cilizclncn unausgeklagten'Alimenten- raten innerhalb vier Jahren ist nach 8 197 B G.-B. möglich.— A. R. 39. 1. Ja. 2. Nein.- H. S. 33. Voraussichtlich würden Sie im Klagesall leider verurteilt werden.— Z. Z. 33. Sie müssen Ihren Betrieb anmelden. Ob Sie der Bcrussgcnossenschast beizutreten haben, läßt sich ohne Kenntnis der'Art Ihres Betriebes(was wollen Sie anfertigen? Mit Maschinen? Wie viel Leute wollen Sie durchschnittlich be- schäsiigen?) nicht beantworten.— H. 36. Ja, die Verjährungssrist sur ausgeklagte Forderungen beträgt 30 Jabre von der letzten Pfändung ab gerechnet.— Hypothek. 1. Die Auszahlung durch den'Anwalt wird etwa 20 M. ausmachen, hinzu trilt die Bertretungsgebühr in Höhe von etwa 20 bis 30 M. 2. Die'Ausstellung eines Hypothekenbriefes ist zweckmäßiger. Ihre Bedingungen müssen Sie mit Ihrem Schuldner vereinbaren und gerichtlich eintragen lassen. Halbjährliche Kündigung zum 1.'April oder 1. Oktober ist üblich. Das Grundstück, nicht das Feuerversicherungsgeld wird verpfändet.— Fritz 10. Ja, aber Sic können durch die Schul- dcputation Dispens erhalten.— A. 1001. Ja, Ihre Erklärung sowie Zu- stiinmung der Mutter und des Vormundes vor dem Standesbeamten genügt. — O. L. 100. Solche Stistmig gibt es unseres Wissens nicht. Wende» Sie sich an die«stistungsdeputation(Rathaus, Magistrat),— R. B. 308. Nein.— O. P. 77. Soweit ersichtlich ja. War die Frau mindestens sechs Monate hindurch vom Tage der Entbindung rückwärts gerechnet inner- halb eines Jahres Kassenmitglied, so steht ihr nach dem Statut Kranken- kasscngeld aus die Dauer der Entbindung auch dann zu, wenn sie nicht krank ist. Ist die Frau am 1. Oktober 1906 entbunden, so steht ihr also diese Wöchnerinnenuntcrstützung zu, wenn sie innerhalb des 1. Oktober 1905 bis 1. Ollober 1900 insgesamt sechs Monate der Betriebskassc und der Schneidcriässe angehörte. Da sie vier Monate der Schneidcrkasse angehört, genügt also schon eine zweimonatliche Zugehörigkeit zur Bctriebslasie.— O. St. 3783. Wir vermögen nur Sie Fortbildungsschulen und die 'Arbeitcrbildungsschulc zur Ergänzung der Wissenslücken zu cmvscblen.— Tnriilstr. 10. Sie müßten den Gläubiger zur Freigabe unter Glaubhast- machung Ihrer Eigentumsansprüche auffordern und dann Klage- und Ein» stellungsanlrag an daS Gericht richten.— P. T. 99. Solche Schulen sind uns nicht bekannt. Unterricht und Auskunft erhalten Sie in der städtischen Handwerkerjchule.— W. 36. Die Frau kann ihr Zeugnis verweigern: ans der Weigerung könne» aber Schlüsse gezogen iverden. — A. H. 1. Ja. 2. Nur wenn Sie bereit sind, Ihre Frau bei sich aus- zunehmen, 3. Nein. 4. Die Form ist unerheblich; jede Ucbcrtraguilg zwecks Schädigung des Gläubigers ist ungültig.— Durch Zahlung von'Armengeld für Ihre Frau oder Ihr Kind verlieren Sic das Wahlrecht.— B. N. 4. Eine Klage wäre nutzlos.— N. N. 38. Dienstmädchen sind in Berlin nicht krankenversicherungspflichtig. Die Herrschaft ist aber verpflichtet, im Falle der Erkrankung die erforderliche Verpflegung und ärztliche Behandlung bis zur Dauer von sechs Wochen zu gewähren, sofern die Erkrankung nicht vorsätzlich oder durch grobe Fahrlässigkeit seitens des Mädchens herbeigeführt ist. Die Kosten können aus den für die Zeit der Erkrankung geschuldeten Lohn angerechnet werden. Berliner Marktpreise. SInS dem amilichen Bericht der städtiltyen Markthallen-Direktion.(Großhandel.) Rindfleisch l.. 09-74 pr. tOO Pfd.. IIa 63— 68, lila 58—62, IVa 52— 56. Kalbfleisch, Doppelländcr 105— 115, la 84-90. IIa 72-82, lila 62-70, Holl. 55-03. Hammelfleisch la 75-80, lla 64—74. Schweinefleisch 63—71. Rebböcke la per Psd. 0,65—0,90, IIa 0,45-0,64. Rotwild la 0,38-0,51, IIa 0,30-0,35. Damwild 0,38-0,52. Wildschweine 0,38. Frischlinge 0,44. Hasen p. Stück 2,80—3,40, klein 1,00-2,70. Kallinchen per Stück 0,25-0,75. Wildenten per Stück 1.00-1,70. Krickenten 0,60. Bekassinen 0,40—0,65. Rebhühner, junge la 0,85— 1,10, junge IIa 0,50—0,80, alte 0,60—0,80, junge kleine 0,00. Hühner, alte per Stück 1,50—2,70, alte IIa 0,80— t, 40, junge per Stück 0,60—1,25. Tauben per Stück 0,30—0,60, alte 0,00. Enten,» junge per Stück 1,60—2,40, alte per Stück 0,00, Hamburger, junge per Stück 3,10. Gänse, Oderbrucher, per Psund 0,42—0,62, dito Hamburger, junge 0,00, la per Stück 2,50—3,75, IIa 1,00-2,40. Poulcts per Stück 0,70-1,10. do. klein 0,25-0,60. Hechte per tOO Psd. 71-80, groß 0,00, klein 0,00. Aland 0,00. Schiele 107—113, große 0,00, llcine 0,00. Bleie 0,00. Aale, groß 97, mittel 84—90, Nein- mittel 0,00, unsortiert 71—84. Plötzen 0,00. Karpfen, uniorticrt 64—71, do. 30er Lausitzer 68—70, do. 80er 0.00, do. 40er Schlejische 0,00. Barje 0,00, matt 0,00. Karauschen 0,00. Blcisische 0,00, Wels 0,00. Bunte Fische 33, matt 0,00. Aincrikaiiischer Lachs la neuer per 100 Pfd. 1 10—130, do. IIa neuer 90—100, do, lila neuer 75. Sprotten, Kieler, Wall 0,75—1,30, Danziger, Wall 0,50—0,70, Flundern, ponimersche la, per Schock 3—9, do. pouuneriche IIa 2—4, Kieler, Stiege la 4—6, do, miitcl per Kiste 2—3, Hamb, Stiege 5—6, halbe Kiste 2. Bücklinge, per Wall Kieler 2—3,50, Straliunder 2,00— 3,50, Aale, groß per Psd. 1,10—1,30. mittelgroß 0,80—1,00, klein 0,50—0,60, Heringe per Schock 4—5, Schellsische Kiste 3—4. do'I, Kiste 2. Kabllau, p. 100 Psd, 20—25. Heilbutt 0,00. Sardellen, 1902er per Anker 95, 1904er 95, t 905er 90, t 906 er 70. Scholliiche Pollheringe 1905 0.00. larxe 40—44, füll. 36—38, med. 35—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Matjcs, per'I, ,To. 60—120. Sardinen, russ.. Faß l,50— l, 60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schocksaß 11, kleine 5—6, Riesen- 14, Hummern, kleine, per Psd. 0,60. Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 0,00, kleine 0,00, uniort. 0,00. Galizier, groß 0,00, mittel 0,00. Eier, Land-, per Schock 4,00—4,60. Butter per lOOPsd. la 124-127. IIa 115-120. lila 110-114. abiallcndc 95-105. Saure Gurten Schock 3,50—4,00, Pfeffergurken 3,50—4,00. Kartoffeln per 100 Pid. 0,00, magnum bonum 1,90—2,10, Dabcrschc 1,90— 2,10, Rosen 0,00, weiße 1,60—1,80, Salatkartoffeln 4,00—5,00. Spinat ver 100 Psund 12.00—15,00. Karotten per Schockbnnd 2.50. Sellerie, hiesige, per Schock 4.00—6,00, do. pommersche 4,00—5,00. Zwiebeln große, per lOOPsd, 3,00- 3,50. do. llcine 2,50—3.00, do, hiesige(Perl.) 30—60. Charlotten 50—00. Petersilie, grün, Schvckbd, 1,25, Kohlrabi per Schock 0,75—0,80, Rettig, bayr,, per Schock 2,40—4,80. Radieschen per Schock-Bd, 0,80—1,00, Salat, per Schock 2,00—2,50. Bohnen, grüne, per tOO Psund 20—25. Wachsbohncn 20—25. Psesferlingc per 100 Psd. 10-14. Mohrrüben per lOOPsd. 2-3. Teltower Rüben p. tOO Psd. 10-l2. Weiße Rüben, große 3— 4, kleine 6,50—7. Blumenkohl p. Mandel 1,50—2,50. do., Erfurter, Kops O.U— 0,20. Wirsingkohl per Schock 4.00—7,00, Rotkohl p. Schock 5,00-9,00, Weißkohl P.Schock 2,00-6,00, Rosenkohl P, lOOPsd, 15-20, Steinpilze p, 100 Psd 15—25, Kohlrübe» Schock 2,50—4,00, Tomaten, hiesige lOOPsd. 12—15, Kürbis 1,50—3, Birnen, per lOOPsd, hiesige 7—25, Tiroler 16—35, böhmische 6—16, Aepsel, per 100 Psd,, hiesige 4—20, Grauensteiner 8—20, Tiroler in Fässern 15—25, do, lose U— 12, Ainerk, 16—24. Preiße. beeren, schwedische 23—24, Gebirgs- 30—32, Wallnüsse per Schock 1,00—1,50, Pflaumen, per 100 Psd,, hiesige 3—6, Böhmische 3— 7, do, große 7-10, Zitronen. Messina 300 Stück 19,00-22,00, 360 Stück 10,00-18,00, 200 Stück 10-14, 420 Stück, Nein 9-13, 500 Stück, Nein 10-13. Pfirsiche, Werdersche per 100 Psd. 0,00, Tiroler 0,00, italienische 50-70. Carl Stier Berlin SO. Berlin W. 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