Nr. 247. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pig. frei ins Haus.. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Lugeniburg, Portugal, Sumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwürts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Geträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile ober deren Staum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereinsund Bersammlungs.Anzeigen 30 fg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt TV, Nr. 1983. Der neue Buchdruckertarif. Dienstag, den 23. Oftober 1906. stellen werde, da war es offenbar der Leipziger Mitgliedschaft klar geworden, daß so ein Kampf mit dem Unternehmertum nicht geführt werden könnte. Dazu gehört vor allen Dingen vollste Einmütigkeit im Wollen und Handeln. Mit widerwillig geExpedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. „ Der olle ehrliche B." verschweigt seinen Lesern, daß regel mäßig im Sommer die Arbeitslosigkeit eine größere ist, so daß die Gegenüberstellung vom März und Juni ein raffinierter Coup ist, den die„ S. A.- 3." als„ von großer Sachkenntnis zeugend" der staunenden Mitwelt verkündet. 1896 und 1906! Vor zehn Jahren eine gewaltige Entschobenen Funktionären an der Spike fann man feine Schlacht rüstung der sozialdemokratischen Partei und der weitaus gegen das Kapital führen, auch wenn sonst alle äußeren Vor- samkeit gelesen hat, die man von der Redaktion eines FachWer unseren Artikel vom 11. Dftober mit der Aufmerk größeren Zahl der Gewerkschaften über die Buchdrucker... die sozialdemokratische Partei aber diesmal in völliger bedingungen für einen Erfolg gegeben find. Wir begreifen blattes voraussegen muß, sollte wissen, daß wir die GegenNeutralität oder wohlwollender Stellungnahme zu diesem deswegen den Entschluß der Leipziger Buchdrucker und wir Beginnen, die Gewerkschaften in der die Politik unseres find überzeugt, daß auch die Berliner Mitgliedschaft sich demo- überstellung der Arbeitslosenziffern vom März und Juni in Verbandes und dessen Kontrahenten verständlich findend fratisch dem Willen des überwiegenden Teiles ihrer Kollegen folgendem Zusammenhang gebracht haben: und gut heißend. fügen wird. Mit derselben Disziplin und Einmütigkeit, mit " Sorrespondent" bom 2. Dftober 1906. der sie den Kampf aufgenommen hätten, werden sie sich dem Was wir mit Sicherheit einer Naturerscheinung voraus- jezt tatsächlich vorliegenden Mehrheitsbeschluß der Gesamtgeahnt, ist eingetroffen, nämlich die Bekämpfung unseres mitgliedschaft fügen. Tarif- und Organisationsvertrages durch die sozialdemokratische Presse. „ Korrespondent" vom 18. Oftober 1906. Ausländer, Fremde sind es meist, Die unter uns gesät den Geist Der Rebellion. Dergleichen Sünder, Gottlob, find niemals Landeskinder! daran! Die Frage der 10- oder 15prozentigen Lohnerhöhung, die ,, Nun ist aber die Buchdruckerei Saisonarbeit... Ursache der Saisontätigkeit ist, daß im Winter das politische, gesellschaftliche und Geschäftsleben besonders pulsiert. Die Zeitungen erscheinen wegen der Parlamente stärker, haben einen größeren Inseratenteil, mit Neuerscheinungen der Bühne und Literatur kommt man im Winter heraus und um die hohen Feste herum gruppiert sich ein großer Teil des Handelsgeschäftes. durch einen Druckfehler im Junibericht der Hauptverwaltung zustande gekommen seien. In Wirklichkeit handele es sich nur bruckerei ein Saisongeschäft sei, ändert das natürlich nichts. um 3,90 Prog. An unserer Beweisführung, daß die BuchDer„ Korrespondent" aber jubelt: Das beweist aber nicht, daß sie mit ihrer Kritik unrecht hatten. Und wir unsererseits erklären, daß wir von unserer am 11. Oftober geübten Kritik des Tarifes und des Insgesamt zählte der Buchdruckerverband im bergangenen Der Korrespondent" schlachtet jetzt die böse Partei- Organisationsvertrages nicht März 1,04 Proz. im Juni 6,72 Proz. Arbeitslose. ein Wort zurückpresse ab." Sie war es, welche die Unzufriedenheit der Buch- zunehmen haben! Wenn man den Wunsch haben kann, seinerseits sich solcher Demagogenkniffe" nicht zu bedienen Da der ,, Korrespondent" heftig und glaubwürdig beteuert, bruder mit den neuen Tarif- und Organisationsvereinbarungen daß der Verlauf der Dinge das, was man selbst behauptet wie der Vorwärts", so müssen wir sagen, daß seine gröblich gewedt und genährt hat. Im Buchdruckerverband selbst hat hat, als unsinnig erweisen möge, daß der recht behalte, der falsche Darstellung der Vorwärts"-Meinung einen bedauerbor dem Eingreifen der Parteipresse derselbe harmonische eine gegenteilige Meinung verfocht dann hätten wir Friede geherrscht, wie ihn der Korrespondent" für das Ver- in diesem Falle den Wunsch. Wir würden uns freuen, lichen Mangel an Intelligenz bekundet. Und da die ,, KorWir würden uns freuen, respondent"-Redaktion an dem Zustandekommen des Tarifs hältnis zwischen Buchdruckereigehülfen und Unternehmern als wenn den Buchdruckern aus dem neuen Tarif mitimmer noch bestehend und für ewige Dauer auch in der Zu- samt dem Organisationsvertrage all das Glück erwächst, sowohl wie des Organisationsvertrages hervorragend beteiligt funft gefestigt hinstellt. Für den Buchdruckerverband gilt wie all' der Segen zufließt, welche beide der" Sorrespondent" im Auch nicht darüber, daß man in der Zeit der Hochtonjunktur, war, wundern wir uns, wie gesagt, über nichts mehr! für den Staat das Wort des Dichters: Verein mit der liberalen und jetzt fast der gesamten bürger- wo ihre Durchsetzung allein möglich war, auf die Verfürzung lichen Presse ihnen prophezeien. Aber wir glauben nicht der Arbeitszeit Berzicht leistete. Der„ Korrespondent" produziert sich auch in seiner Nummer der Korrespondent" jetzt so in den Vordergrund schiebt und vom Sonnabend wieder als„ Sannitt verstahn". Dort konstatiert Nur schade, daß für die gegenwärtige Erregung im der er in der Hauptsache die Unzufriedenheit der Masse zu- er, daß die 6,72 Proz. Arbeitslosen für den Monat Juni 1906 Buchdruckerverband dieser schlechte Trost aller schlechten schreibt, hat für uns immer eine sekundäre Rolle gespielt. Die Regenten durch die historischen Tatsachen ad absurdum ge- Frage der Entlohnung hängt von der Marktlage ab und daß Wie war es? Der Sorrespondent" vom man bei den diesjährigen Zarifberatungen nicht den Versuch 2. Dftober Ftte recht. Die Parteipresse hatte noch mit gemacht hat, durch eine Verkürzung der Arbeitsteinem Worte sich in die Tarifverhandlungen der Buchdrucker zeit diese Marktlage für die Gehülfenschaft günstiger zu gegemischt, obgieich diverse liberale Berta Suttners in der stalten, ist, womit wir uns nicht einverstanden erklären bürgerlichen Presse die Friedensschalmei schon träftig bliesen tönnen. und den Buchdruckerverband über den grünen Klee lobten, Und daran trägt in der Tat die von der unseren was für eine Arbeiterorganisation allemal verdächtig ist. gänzlich verschiedene soziale Auffassung der Unterhändler die Die liberale Presse bediente sich dabei fast derfelben Rede Schuld. wendungen wie der ,, Korrespondent"; schloß doch ebenfalls Sollte man es für möglich halten, daß Arbeitervertreter u. a. das ,, Berliner Tageblatt" einen von einer Forderung Abstand nehmen, weil die Unternehmer ihnen nachweisen, daß die Konjunktur günstiger geworden ist? Die möglichst allseitige Durchführung des Gedankens der Die Buchdruckervertreter haben das getan!- In seiner Tarifgemeinschaft wird die soziale Frage nicht lösen, wohl aber Nummer vom 18. Oftober bringt der Korrespondent" als wird sie eine Etappe sein auf dem Wege zum sozialen Frieden." Beweis gegen uns(!) über die Arbeitslosigkeit im BuchdruckDiese verdächtige Freundschaft der liberalen Presse verbat die Korrespondent"-Redaktion sich nicht. Die Arbeiter gewerbe folgende Zahlenreihen: presse aber war nicht in der Lage, dazu Stellung zu nehmen, weil ihr, ebenso wie den Verbandsgehülfen, alle Grundlagen zu einer Stellungnahme fehlten. Die Veröffentlichung der auch in jeder Nummer des ,, Korrespondent" gepriesenen Abmachungen unterblieb. führt wird! am 2. Oktober Leitartikel: Arbeitslos waren in Prozent: 1906 1905 1904 Januar Februar. 4 2,53 2,77 3,49 1,73 2,17 2,14 März. 1,04 1,84 1,79 1,57 1,81 2,73 2,42 2,80 3,66 6,72*) 4,78 4,28 5,46 4,15 7,12 April Mai Juni. • Juli " Der Vorwärts" ist mit seiner Argumentation, daß bei den Buchdruckern die Arbeitslosigkeit in diesem Jahre zugenommen, also gründlich hineingefallen." Der Korrespondent" unterstellt uns also in allem Ernst, wir hätten eine Zunahme der Arbeitslosigkeit konstatiert, und hält uns für so blödsinnig, daß wir im Angesichte einer folchen die vom Verbande geübte Tattit der Resignation mißbilligen und einen Vorstoß gegen das Unternehmertum empfehlen könnten! Umgekehrt wird ein Schuh daraus! Im Jahre 1911 wird ja der Korrespondent" erneut Gelegenheit haben, die Ziffern über die Arbeitslosigkeit von 1909, 1910 und 1911 nebeneinander zu stellen. Wir können ihm heute schon sagen, daß sich dann das Bild zunehmender Arbeitslosigkeit ergeben wird. Glaubt denn der Korrespondent", glauben die Unterhändler des Buchdrucker- Verbandes, daß das ein Anlaß für die Prinzipalität sein wird, eine verkürzte Arbeitszeit vorzuschlagen? 1891 hat den Buchdruckern gezeigt, was sie von ihren Arbeitgebern zu erwarten haben, wenn sie das Unglück trifft, daß ihr Tarif in einer Zeit der rise abläuft! So wenig, wie wir den Verzicht auf die halbstündige Dann tamen am Sonntag, den 7. Oktober, die großen Buchbruderversammlungen, denen die Errungenschaften der Gehülfenbertreter nicht etwa zur Begutachtung vorgelegt, sondern zum Aus diesen Ziffern geht unwiderleglich hervor, daß das Arbeitszeit im Angesichte der gegenwärtigen Konjunktur als gefälligen widerspruchslosen Hinunterwürgen serviert werden follten! Und nun machte die Empörung der Buchdrucker Buchdruckgewerbe den Aufschwung der Konjunktur in unserer etwas Unvermeidliches anzusehen vermögen, so wenig fönnen - ohne die vom„ Korrespondent" angeblich vorausgeahnte Industrie mitgemacht hat, daß beim diesjährigen Ab- wir uns mit der Einführung der Affordarbeit für die Bekämpfung des Tarifs oder Organisationsvertrages sich lauf des Tarifes oder nie Gelegenheit gegeben war, die Maschinenseger befreunden. Die Maschinensezer werden Der Kor- einmal die Kerntruppen des Verbandes bilden; bei ihnen in solcher Weise Luft, daß am 11. Oftober der Kor- Forderungen der Gehülfenschaft durchzudrücken. respondent" die Führer zur Rebellion gegen den respondent" schließt jedoch daraus, daß man eine Arbeitszeit- teine Verschlechterung der Lohn- und Arbeitsbedingungen einWillen der Masse aufrief, indem er schrieb: berkürzung nicht fordern dürfe, weil sonst ein Mangel an reißen zu lassen, war eine Hauptaufgabe der Unterhändler in Gehülfen eintreten müßte! Ja, er bezeichnet unseren der Tariffommission. speziellen Hinweis auf Berliner Verhältnisse als„ demagogische Stimmungsmache" und schreibt: Das, was in Berlin bereinbart worden ist, wird und muß aufrecht erhalten bleiben, und damit hat jeder zu stehen und zu fallen, der bei dem Zustande tommen des neuen Vertrages mitgewirkt hat. Wie wir schon einmal nach der Dresdener Generalversammlung sagten, ist jetzt ein solcher Moment gekommen, wo die Führer gegen den Willen der Masse in deren Interesse mit Leib und Leben für das Beschlossene einzutreten haben, komme, was da wolle." Und in derselben Nummer: Es wäre mir zu wünschen, daß unsere Kollegen nicht auf bor dieser Probe aufs Erempel!" Was sehen wir statt dessen? Man hat für die Maschinenseker die im Jahre 1901 „ Dabei ist selbst in Berlin oft mit den größten Schwierig glücklich beseitigte Akkordarbeit wieder eingeführt, die feiten verbunden, einen Arbeitslosen zu finden, der geneigt wäre, Akkordarbeit, die für den Maschinensetzer in weit höherem eine Arbeit wenige Meilen von Berlin anzunehmen." Maße als für den Handsezer Mordarbeit ist. Das ist keine Sehr richtig! Aber warum? Weil das gerissene soziale Phrase, wie der„ Korrespondent" es hinzustellen beliebt. Der Verständnis" der Berliner Buchdruckunternehmer ihnen das Maschinenseßer muß das 3-4 fache an Manuskript verarbeiten, Mittel eingegeben hat, wenige Meilen von Berlin( aber wie der Handseter; Augen und Nerven werden also 3-4mal halbem Wege stehen bleiben, sondern an Stelle der heutigen rüd außerhalb der Zone, wo sie den 25prozentigen so start angestrengt, als bei diesem. Dazu kommen die gesundzahlen müssen!) heitsschädlichen Ausdünstungen der Maschine, die Unmöglichkeit, ständigen" Führer zielbewußtere fezen möchten. In 3 bangt nicht Druckereien einzurichten, wo Berliner Gehülfen zu Provinz- die Beleuchtungsverhältnisse an derselben befriedigend zu regeln. Hat der„ Sorrespondent" das geschrieben oder nicht? löhnen ausgebeutet werden. Daß sich die Berliner Buchdrucker Schlimmer ist noch die von uns schon geschilderte Leistungs Hat er es am 11. Oktober veröffentlicht oder nein? Wenn dazu nicht gern hergeben, das beklagt der„ Storrespondent". lausel, die nach Behauptung der Fachleute keine Minimal-, ja, dann konstatieren wir, daß an diesem selben Freilich ist dem nun abgeholfen; in dem famosen neuen Tarife fondern eine gute Durchschnittsleistung verlangt. Und das bei einem in Entwidelung befindlichen Berufe, in dem 11. Ottober der erste Artikel des Vorwärts" heißt's jezt unter Arbeitsnachweise" ausdrücklich: Bon den Arbeitsnachweisen zugewiesene Gehülfen haben die ein gut Teil von Leuten tätig sind, die sich in die neuen Vererschien, der sich mit dem Inhalt des Tarifes ihnen angewiesenen Stellen anzutreten. Für auswärtige Stone hältnisse erst hineinzuarbeiten haben. Für die Maschinenseger und des Organisationsbertrages beschäftigte, ditionen gilt dies nur, soweit die betreffenden Gehülfen nicht ist überdies die Arbeitszeit nicht nur nicht verkürzt, sondern daß dieser Artikel drei Tage nach Stattfinden Familienernährer find. jener Buchdruderversammlungengeschrieben effektiv um eine halbe Stunde verlängert, indem wurde, in denen der Unwille der Masse sich gestattet wurde, daß das Maschinenpuzen außerhalb der vorso explosiv äußerte, daß der„ Korrespondent" sich mit geschriebenen Arbeitszeit vorgenommen werden darf. dem Schicksal der Führer" zu beschäftigen begann. Die " Ein unverheirateter Buchdrucker hat also in Zukunft jede Arbeit anzunehmen und muß von Berlin aus nach Bossen oder Trebbin, um dort zu der niedrigsten Staffel des Tarifs die Löhne seiner Berliner Kollegen niederhalten zu helfen in einer Druckerei, welche sich lediglich die Berliner Verkehrsverhältnisse zunuze macht und ihr Kontor selbst in Berlin hat! Alle anderen Berliner Arbeiter verlangen in solchen Fällen außer dem Berliner Lohn Ersatz der Fahrgelder Uebrigens wundern wir uns über nichts mehr, auch nicht, wenn wir beispielsweise im„ Storrespondent" lesen: Dies zur Feststellung der historischen Wahrheit! Heute kann man wohl konstatieren, daß der Tarif und der Organisationsvertrag angenommen sind. Rebellion der Führer hat ihre Wirkung getan. As nach dem Botum der großen Berliner Mitgliedschaft der Hauptvorstand und sogenannte Montagegelder. das Unabänderliche des Beschlossenen betonte, als er auf die tiefgreifenden und in ihren Folgen unabsehbaren Verwidelungen im Gewerbe hinwies, ohne dabei gleichzeitig zu betonen, daß der Vorstand trotz alledem sich im Falle des Stampfes freudig in den Dienst an der Spike der Mitgliedschaft respondent" heißen: 3,90 Proz. *) Muß nach einer fürzlich gegebenen Berichtigung im„ KorKeine Sparte der Buchdruckergesamtheit ist in der Tat durch den neuen Tarif so gröblich in ihren Interessen geschädigt worden, wie es die der Maschinensezer ist, und nichts ist begreiflicher, als die Oppositionsstimmung gerade unter diesen! Nun der Drganisationsvertrag. In der neuesten Nummer des„ Korrespondent" wird uns bestritten, daß derselbe die Tarifdauer auf zehn Jahre berlängere, ohne die Garantie einer Lohnerhöhung oder Arbeitszeitverkürzung. Ueber diese Antwort des Kandidaten Jobses Geschah allgemeines Schütteln des Kopfes! rst der Organisationsvertrag angenommen, so gilt auch 10. und der besagt: .Der vorstehende Vertrag wird auf die Dauer von 10 Jahren und zwar für die Zeit vom 1. Januar 1907 bis zum 31. De- zernber 1916 mit der Maßgabe abgeschlossen, daß der Tarif nach Ablauf von fünf Jahren einer Revision unterzogen werden soll. und daß dabei berechtigte Wünsche nach Treu und Glauben berücksichtigt werden sollen." Weder in diesem noch in irgend einem anderen Para- graphen des Tarifs oder des Organisationsstatuts findet sich eine Stelle, die nach Ablauf von fünf Jahren eine Lohn- erhöhung oder Arbeitszeitverkürzung garantiert. In einer Resolutton heißt es vielmehr ausdrücklich, daß unter der Berücksichttgung berechttgter Wünsche solche beider Parteien zu verstehen sind! Wir haben uns milde ausgedrückt in unserer Krtttk vom 11. Oktober. Das Organisationsstatut läßt sogar eine Arbeitszeit Verlängerung, läßt sogar eine Lohn Verkürzung nach fünf Jahren zu I Auch die Entschädigungs Pflicht von Organisatton zu Organisation soll nicht ein gewerkschaftlicher Rückschritt, sie soll ein Fortschritt sein deswegen, weil die Entschädigung die Lohn- höhe für die Kündigungsfrist nicht überschreiten darf. Auch das„Korrespondenzblatt" der Generalkommission haut in diese Kerbe. Es meint, das vernichtende Urteil des„Vorwärts" basiere auf seiner lückenhaften Berichterstattung. Es ist natürlich, daß wir in unserem ersten Arttkel nicht zu allen Tarifpositionen Stellung nehmen konnten; es kam uns auch nur darauf an, die Tendenz des Ganzen zu kenn- zeichnen. Und wir mögen dabei noch ebenso viele Argumente zurückgehalten haben, die für unsere Ansicht sprachen, wie solche, die dagegen zu verwenden sind. Wie leicht man in die Lage kommt, bei der Beurteilung der umfangreichen und komplizierten Materie einem Punkte weniger Beachtung zu schenken, zeigt das„Korrespondenzblatt" selbst. Es verweist auf eine besondere Vereinbarung zu dem Paragraphen von der Haftpflicht,„über die sich der„Vorwärts" ebenfalls aus- schweigt", daß der Verein, dem der Geschädigte angehört, nur eine Summe fordern könne, die dem verdienten Lohne während der K ü n d i g u n g s f r i st des Be- treffenden entspricht, mindestens jedoch in der Höhe eines Wochenlohnes. Wenn dieser Hinweis einen Sinn haben soll, dann nur den. daß diese Verembarung die Hastpflicht einschränke, vielleicht sogar gegenüber dem gesetz- lichen Zustand Verbesserungen schaffe. Das trifft aber nicht zu, denn die„besondere Vereinbarung" lautet wörtlich: .Mit Bezug auf die Handhabung dieser Bestimmungen haben die beiden Vereine folgendes vereinbart: Der Verein, dem der Geschädigte angehört, wird als Schadenersaß von dem anderen Vereine, sobald dieser das schädigende Mitglied in keiner Weise materiell direkt oder indirekt unterstützt, auch den Bestimmungen des Absatzes 5 entspricht, nur eine Summe forden:, die dem ver- dienten Lohne während der Kündigungsfrist des Betreffenden entspricht, jedoch mindestens die Höhe eines Wochenlohnes. Dieser Anspnich kann nur geltend gemacht werden, nachdem die tarif- lichen Schiedsinstanzen Kontraktbruch oder Maßregelung festgestellt haben. Und der in dieser Vereinbarung erwähnte Absatz 5 heißt: .Beide Vereine sind verpflichtet ihren Mitgliedern statutarisch die Verpflichtung aufzuerlegen, den Tarif und Tarifvertrag ein- zuhalten, und sie sind verpflichtet, nicht tariftreue Mit- glieder auszuschließen. Die Dauer des Ausschlusses soll die vom Tarifamte im Einzelfalle festgesetzte Zeit nicht über- schreiten. Tatsächlich haftet also der Buchdruckerverband nur dann bloß mit dem Betrage des Lohnes der Kündigungszeit, wenn er das konttaktbrechende Mitglied in keiner Weise materiell direkt oder indirekt unter st ützt, auch dem Ausschlußparagraphen nachkommt. Gibt es aber unter Umständen nicht die Notwendigkeit für eine Arbetter- organisatton, kontraktbrechende Mitglieder zu unterstützen. Noch mehr, das„Korrespondenzblatt" hat gar nicht in Rechnung gestellt, daß das Organisationsstatut ermöglicht, eine Entschädigungspflicht bei regelrechter Kündigung zu konstruieren! In§ 7, Absatz 2 heißt es ausdrücklich: Umfangreiche Kündigungen oder Entlassungen unterliegen auf Antrag einer der beiden beteiligten Parteien bezüglich ihrer Be- rechtigung der Beurteilung durch die Schiedsinstanzen. Und dahinter setze man dann die Bestimmung: Für Anerkennung der Urteile dieser Schiedsinstanzen hat der Berein, dessen Mitglied der Verurteilte ist. zu haften. Das ist keine Verbesserung, sondem unter allen Umständen eine Verschlechterung des gesetzlichen Zustandes! Aber davon abgesehen, wie liegen denn die Dinge in der rauhen Wirklichkeit? Beide Teile können schon heute bei Arbeitsniederlegung oder Maßregelung unter Kontraktbruch die ordentlichen Gerichte anrufen. In solchem Falle wird der Arbeiter in den meisten Fällen seinen Anspruch befriedigen können. Ganz anders der Arbeitgeber. Die rücksichtslose Auspowerung der Arbeiterschaft durch den Kapitalismus hat dem Arbeiter meist nur das Notwendigste gelassen,� hat die Eintreibung von Ansprüchen durch Pfändung im Haushalte des Arbeiters unmöglich gemacht. Das ist nicht seine Schuld, sondern Schuld seiner Ausbeuter; diese ernten nur Früchte, die sie gesäet haben, wenn derartige Verhältnisse ihnen einmal nicht gestatten sollten, wirklich berechttgte An- spräche befriedigt zu sehen. Und hier bietet sich nun eine Arbeiterorganisation an, die Schuld ihrer Mitglieder zu über- nehmen und sie bei diesen wieder einzutreiben, den Exekutor für das Unternehmertum zu spielen und außerdem jede Regung ihrer Mitglieder, durch gemeinsames Vorgehen einen höheren Lohn als das Minimum zu erringen, zu ersticken!— So viel Nummern hat der„Korrespondent" darauf ver- wendet, uns zu widerlegen, so viel Spalten, so viele, viele Zeilen; aber eine einzige klare Frage im„Vorwärts" ist immer wieder seinem forschenden Auge entgangen. „Und wer ist denn der andere Konttahent", fragten wir am 11. Oktober,„wer ist der„Deutsche Buchdruckerverein"? Umfaßt er die M e h r h e i t der Betriebe, umfaßt er auch nur ihre Hälfte?" Wenn man mit einem Kontrahenten Verträge schließt. muß man doch seine Stärke kennen, muß man darüber mit Ziffern aufzuwarten in der Lage sein. Hier schweigt der so beredte Mund des„Korrespondent" l Er ivagt nicht abzu- streiten, daß die so stolz dastehende Organisation der Unter- nehmer erst etwa ein Drittel der Betriebe umfaßt, daß der Organisattonsvertrag dazu dienen wird und dienen muß, die Organisation der Unternehmer zu vollenden! Unsere Ein- wände bezüglich der Partei- und Gewerkschaftsdntckereien tut er verlegen so ab: '.Wir werden ganz sicher unsere Kollegen in den Partei- betrieben nicht herausnehmen, wenn sich die Leiter dieser Geschäfte weigern, dem Deutschen Buchdruckervereine beizutreten. Das mag der„V." nur unsere Sorge sein lassen. Die Buchdrucker denken Viel zu praktisch, als daß sie sich schädigen würden, und Jahr und Tag werden vergehen, ohne daß die Befürchtungen wegen des Organisattonszwanges sich einstellen werden." Ei, ei I Und der andere Konttahent? Wir fürchten, daß der Deuffche Buchdruckerverein in den Stil der Verbands- lcitung verfallen, daß er diktieren wird:„Die Aufrecht- erhaltung des Vereinbarten ist sowohl eine Ehrenpflicht der Organisation wie sie eine zwingende Notwendigkeit für die Wahrnehmung der Interessen der— Prinzipale und die Konsolidierung der allgemeinen tariflichen Errungen- schaften ist!"— Nicht ein Jota haben wir, wie gesagt, von unserer Kritik des abgeschlossenen Tarifes zurückzunehmen: Es bleibt ein Fehler, im Angesichte der jetzigen günstigen Konjunktur von einer Verkürzung der Arbeitszeit abzusehen, es bleibt ein Fehler, die Akkordarbeft und die Leistungsklausel für die Maschinen- setzer einzuführen; der langfristige Abschluß des Tarifes ohne Garantie für die Zukunft ist ein Fehler, der Organisattons- zwang ist es, die Bereitwilligkeit zum korporativen Schaden- ersatz auch, von manchem anderen zu schweigen! Im ganzen: Der neue Tarif der Buchdrucker ist kein Vorbild, dem nachzustteben anderen Organisationen empfohlen werden kann. Und das war es, was zu betonen wir im Interesse der allgemeinen Arbeiterbewegung geradezu ge- zwungen waren; nicht aus Lust an� Skandal, wie der„Kor- respondent" glauben machen möchte, nicht aus Haß gegen den Verband der Buchdrucker, sondern aus ehrlicher Sorge auch für diese Organisatton, wie für die Gesamtarbeiterschaft. Daß diejenigen Buchdrucker, die gleich uns und vor unserer Stellungnahme die Schädlichkeit der neuen Tarifvereinbarungcn erkannt haben, ihren Ansichten in der gegenwärtigen Tarif- kampagne noch Geltung zu verschaffen vermögen, istausgeschlossen. Sie können nur eins tun, Sorge tragen, daß der Geist der Har- monie-Romantik, der solche Verttäge gebar, im Buchdrucker- verbände einem anderen Platz mache, daß die umfassendste Gcwerkschaftsorganisation Deutschlands erfüllt werden möge vom Geiste des Klassenkampfes, der sie all' diese Irrtümer vermeiden gelehrt hätte. Es heißt nicht nur, Kadres for- mieren, sondern sie auch zum Kampfe geschickt machen. Bloßer Paradedrill führt nach Jena und Kadavergehorsam nach Köpenick. Und ein Jena oder Köpenick wünschen wir den Buchdruck Unternehmern, nicht den Buchdruckgehülsen! poUtifchc Oeberftcbt. Berlin, den 23. Oktober. Die„Norddeutsche Allgem. Ztg." und die Bergarbeiter. Das provokatorische Auftreten des rheinisch-wesffälischen Grubcnmagnatentums hat anscheinend die Regierung etwas verschnupft. Tie„Norddeutsche Allgem. Ztg." sagt den Kohlenbaronen in einem Artikel, den man auf eine Jnspi- ration der Regierung zurückführen darf, ziemlich deutlich die Wahrheit. Der Herrenstandpunkt wird als überwunden bezeichnet. Aber nicht nur die Form des Auftretens der Leiter des Bergbauvereins wird verurteilt, das offiziöse Organ rechtfertigt auch— was weit wichtiger ist— materiell die Forderungen der Bergarbeiter, indem es zugibt, daß die Lohnbewegung seit 1900 mit der Ver- teuerung der Lebenshaltung nicht gleichen Schritt gehalten hat und die reichen Gewinne des Bergwerksgewerbes die Erfüllung der Lohnforderungen zu- lassen. Wörtlich schreibt das Blatt: Daß der etwaige Entschluß der Zechenverwaltungen, keinerlei Konzession zu machen, dem Wunsche, daß es zu einer friedlichen Verständigung beider Teile kommen möge, keine Rechnung trägt, wird jeden falls in den weiteren Kreisen der Oeffentlichkeit nicht gerade einen günstigen Eindruck erwecken, weil man hier überwiegend von der Ansicht ausgeht, daß die Bergarbeiter tatsächlich infolge der ein- getretenen Teuerung trotz des in den letzten Jahren wieder ein- getretenen Steigens der Löhne bezüglichihrergesamten Lebenshaltung in Nachteil geraten sind und deshalb einen gewissen Anspruch auf Berück- sichtigung seitens der gerade jetzt durch beson- ders reiche Gewinne begün st igten' Bergwerks- besitzer haben. Wenn nun auch in den Kreisen der letzteren die Ueberzeugung herrschen mag, daß es trotz schroffer Ablehnung aller Forderungen zu einem Streik nicht kommen werde, so wäre es vielleicht trotzdem zweckmäßiger im Interesse der Ruhe im Bergwcrksgewerbe, wenn bei dieser Gelegenheit nicht ein einseitiger Macht st andpunkt, sondern das Ge- fühl der Billigkeit und der Wunsch, in dauerndem Frieden mit der Arbeiterschaft auszukommen, zur Geltung ge- bracht würde. Auch in der rechtsstehenden Presse ist ja vielfach der Ansicht Ausdruck gegeben worden, daß. wenn auch an die Ge- Währung einer Ibprozentigen Lohnerhöhung nicht zu denken sei, den Arbeitern doch eine Abschlagszahlung auf ihre Forderung, wenn auch nur in Form einer widerruflichen Teuerungszulage, gewährt werden dürste. In der Presse wird denn auch bereits hier und dort lebhaft zum Ausdruck gebracht, daß der Berg- bauliche Verein nicht erwarten könne, die Sympathien der Oeffentlichkeit auf seiner Seite zu finden, wenn er der Berg- arbeiterschaft jedes Entgegenkommen verweigere.... Was die formelle Behandlung der Frage durch die Ver- treter der Zechenverwaltungen betrifft, so haben sie be- kanntlich abermals die Anerkennung der Siebenerkommission abgelehnt, da die Organi- sattonen, die den Antrag eingereicht hätten, nicht als zuständige Vertreter der Grubenbelegschaften anzusehen seien. Dieses Vorgehen bildet einen gewissen Kontra st zu dem Verhalten der Unternehmer in anderen Gewer ben, vor allem im Buchdruckgewerbe, wo man schon längst die Vorteile friedlicher Vereinbarungen, ge- meinsamer Festsetzung der Arbeitsverträge begriffen hat. Es spricht sich darin ein besonders hohes Macht- g e füh l aus. das auch den Schein einer Zulassung der Arbeiter- schaft zur Normierung der Arbeitsbedingungen vermieden sehen will. Allerdings ist ein derartiges konsequentes Festhalten an solchem nun einmal ziemlich allgemein für über- wunden angesehenen Standpunkt nur zu geeignet, böses Blut zu machen und die Unternehmer in der Oeffentlichkeit von vornherein ins Unrecht zu setzen. Dieses Verhalten bildet auch einen Kontrast zu der straffen Organisation und Konzen- tration, die sich gerade die Bergwerksindustr.e in ihren Syndikaten gegeben hat. Wie fühlbar diese Organisation auch den Arbeitern sein kann, haben die Klagen über die Arbcitersperre soeben erst bewiesen, solchen mächtigen Ringen gegenüber ist natürlich der einzelne Arbeiter noch hülfloser und ohnmächtiger, als er es bereits dem einzelnen Betriebe gegenüber ist. Ein Gewicht in die Wagschale zu werfen, hat hier nur der Arbeiter als Masse. Nichts begreiflicher, als daß der Unternehmer die Arbeiterorganisation mit ihrer fort- gesetzten Agitation und Schürung von Unzufriedenheit als ein Uebel betrachtet. Allein die Anerkennung einer ge- wissen Notwendigkeit dieses Uebels erscheint doch um so unvermeidbarer, je mehr das patri- archalische Jndustriesystem, das noch ein Ver- trauensverhältnis zwischen Arbeitnehmer repräsentierte, ausstirbt." Vielleicht ist diese Auslassung weniger vom Wohlwollen der Regierung als von der Erkenntnis diktiert, daß von dem Frieden im Bergbau die Fortdauer der augenblicklichen günstigen Wirtschaftsverhältnisse abhängt und ein Streik im westfälischen Kohlenrevier den Hereinbruch der Wirtschafts- krise beschleunigen würde. Wir erwarten aber trotzdem, daß die Regierung als Bergbautreibender die Konsequenzen aus ihrer eigenen Mahnung zieht, init der Siebenerkommission über die Lohnverhältnisse im staatlichen Saarbergbau ver- handelt und Lohnerhöhungen eintreten läßt. Wie berechtigt eine solche Forderung ist, ergibt ein Vergleich der Lohil- Verhältnisse. Es betrug nämlich der Tageslohn: Kabresmittel im Quartal �ayre-muie: 1903 1906 1901 m iv i n in Mark Dortmunder Revier... 3.93 4.06 4.V7 4,17 4,26 Aachener Revier.... 3,89 4,12 4,14 4,23 4,33 Staatswerke Saarbrücken. 8,71 3,80 3,82 3,83 3,84 Im Aachener Revier steht der Lohn demnach am höchsten; dort hat er auch seit 1904 die stärkste Zunahme erfahren nämlich um 46 Pf., gleich 11,81 Proz. Im Dortmunder Revier beträgt der Zuwachs 7,03 Proz. oder 28 Pf. pro Schicht. In Saarbrücken hält sich dagegen der Lohn um 42 Pf.(9,86 Proz.) unter dem Niveau des Obcrbergamts- bezirks Dortmund. In den Staatswerkstätten ist in der an- gegebenen Zeit der Lohn nur um 13 Pf.(3,50 Proz.) gestiegen. Die Steigerung bleibt mithin hinter der im Do rt munder und Aachener Revier ganz e r h c b l ich zurück. Im zweiten Quartal 1906 ist sogar gegen das voraufgegangene Quartal ein Rückgang um 1 Pf. eingetreten: eine Erscheinung, die sich sonst in keinem einzigen Bergbaubezirk zeigt.— Der Kongreß der Radikalen. Paris, 20. Oktober.(Eig. Ber.) In Lille halten jetzt- die Radikalen und Nadikalsozialisten ihren Parteitag ab. Daß die Bedeutung dieser Versammlung recht be- schränkt ist, geht am deutlichsten daraus hervor, daß die Minister« krise die Aufmerksamkeit von ihr eher abgelenkt als zu ihr hingelenkt hat. Wären die französischen Radftalen ein Parteiverband im deutschen oder englischen Sinne, so müßte die Tatsache, daß sie gerade jetzt berufen sind, die Regierung vollständig zu übernehmen, den Kongreß in den Mittelpunkt deS Interesses rücken. Aber man weiß, daß die Bildung der neuen Regierung eine Sache des takttschen Geschicks Clsmenceaus, nicht die einer disziplinierten Parteipolittk ist. Clömenceau selbst hat sich um die Organisatton der Partei. als deren Führer er gilt, nie gekümmert. Dazu ist er zu sehr liberaler Individualist. Ja. er ist einem Parteiwesen. das die Kräfte des einzelnen einem gemeinsam bestimmten Zwecke dienst- bar machen möchte, geradezu abgeneigt. So sind denn die Leute. die jetzt in Lille Tagung haften, gerade diejenigen, die seine Pläne am meisten genieren. Ueber den Beratungen des radikalen Kongresses schwebt der Geist des abwesenden ConibeS, und Andrü und Pelletan spielen dort eine große Rolle. Ferdinand Buisson, der konsequenteste unter den französischen Bürgerlichradikalen, treibt zur Fixierung der parlamentattschen Politik der Partei und setzt eine Resolution durch, die die Regierung auffordett, die Ueberlassung der Kirchengüter an die KultuSassoziattonen schon am 11. Dezember d. I. einzustellen, anstatt den Gläubigen die von der Durchführungsverordnung bestimmte weitere Frist von einem Jahre zu lassen. Clömenceau aber ist nicht der Mann, mit einer gebundenen Marschroute zu regieren. Seine herrschsüchttge Natur widerstrebt der jakobinischen Klubregierung. Ein ritter- sicher Draufgänger, hat er die Gruppe seiner persönlichen Anhänger in einer Art feudalen Systems um sich geschart. Daß sich die radikalen Führer nicht darin eingliedern wollen, ist begreiflich. Sie fühlen sich heute nicht stark genug, um in- oder außerhalb der Regierung ihr polittsches Gewicht gegen das der Clömenceauschen Persönlichkeit zu setzen; also warten sie ab, bis sich diese abgenützt haben wird. Der Kongreß in Lille hat darum der Krise eine beinahe demonstrative Gleichgülttgkeit entgegengebracht. Er will gleichsam sagen: Die kommende Regierung mag eine radikale Regierung, aber sie wird keine Regierung der Radikalen sein. Im übrigen verdient festgestellt zu werden, daß der bürgerliche Radikalismus in der Aktion manche seiner Spießbürgerlichkeiten ausgegeben hat. So scheint die törichte Sorte von orthodoxer und fanattscher Freidenkerei, mit der man dem Klerikalismus so sehr gedient hat, im Absterben begriffen zu sein. Zwar haben sich die Kongressisten den zweifelhaften Scherz nicht versagen können, ihre Festkueipe in einem ehemaligen Karmeliterkloster abzuhalten, aber selbst Pelletan bekämpfte den Antrag, den Trotz des Vatikans durch Entziehung der den alten Priestern bewilligten Pensionen zu be- strafen und von derSperrung der Kirchen war nicht die Rede. Im ganzen ist jetzt der bürgerliche Radikalismus zu den: Standpunkt gekommen, den die Sozialisten in ihrer Mehrzahl von Anfang an eingenommen haben, daß Vetweltlichuug des Staates und anttklettkale Gewalt- Herrschaft ganz verschiedene Dinge sind. Damit wäre wohl ein bedeutendes Hindernis der sozialen Reform in der Demokratie hin- weggeräumt, aber das schwerste bleibt noch weiter bestehen: der Klassengeist des Kleinbürgertums, dessen antikapitalistischer Radikalis- muS der Furcht um den gewerblichen Mehrwert und die arbeitslose Rente nicht standhalten will.— •■ Deutfcheß Reich. Oesterrcichische Blätter über die Köpcnicker Affäre. Wie die englische spottet auch die österreichische Presse über ben Köpenicker Militärstreich und die in ihm zum Ausdruck kommenden gemeingefährlichen Wirkungen des Militarismus auf die bürgerlichen Anschauungen. Unser Wiener Bruderlatt, die.Arbeiter- Zt g. schreibt zum Beispiel:, „Und das gibt denn den: Köpenicker Eulenspiegelstrcich seine über alle Nebenumstände und kleinen Feigheilen der mitspielenden Personen hinausragende Bedeutung. In einer drei st en Mummerei enthüllt sich das innerste Wesen des preußischen Staates, von dem indes die anderen Militärstaaten nicht allzuweit abliegen. Der falsche Haupt- mann hat aus einer witzig-gemalen Intuition in die allgemeinen preußischen Verhältnisse gehandelt und hätte sein Stückchen überhaupt in jeder beliebigen Kleinstadt aufführen können. Die militärische Maschine ist jedem Offizier dienstwillig, der in ihre Kurbel greift. Ist aber einmal eine Militärabteilung im Marsche, dann verschwinden vor diesem erhabenen Anblick alle Gedanken an Gesetz und Recht, alle Gefühle des Bürgerstolzes und der Männlichkeit. Und hat man sich darüber wirtlich gar so sehr zu wundem? Eine alle Schichten durchdringende »militärische Erziehung', die selbst die höchsten zivilen Funktionäre in der Würde des Reserveleutnants die vornehmste Auszeichnung erkennen lätzt und die den Vorzug des Militärischen in allein willig zugesteht, hat in der Tat in den weitesten Kreisen des Bürgertums bürgerliches Selbstgefühl und bürgerlichen Stolz bis zum letzten Restchen aus- gctilgl." Und»Die Zeit' spottet: .»Die ganze Rechtserfahrenheit hinderte Herrn Dr. Langerhans anscheinend incht daran, an einen Akt der Kabinettsjustiz zu glauben, als welcher sich eine auf Grund einer Kabinettsorder und unter militärischer Assistenz vollzogene Verhaftung dar- stellt. Und ebenso wie der Bürgermeister in Köpenick denken auch Graf� Moltke auf der Neuen Wache in Berlin uud der Offizier vom Tag, Prinz Joachim Albrecht, nicht an eine Düpierung, sondern neigen zum Glauben an den Schwindler und an die Kabinettsorder. Die Möglichkeit dieses Glaubens ist die etwas ernstere Kehrseite dieses heiteren Köpenicker Streiches, der alle Schildaer Stücke in den Schatten stellt.' Das alte Bertuschungssystem. Bekanntlich war gegen Dr. Kersting infolge einer Anzeige des Kolonialbcamtcn Wistuba eine Untersuchung eingeleitet worden. Die»Nordd. Allgem. Ztg." teilte kürzlich nun mit, dast die Beschuldigung gegen Kersting sich teils nicht bestätigt hätte, teils w i der legt worden sei. Auster drei vernommenen Augen- zeugen existiere noch e i n Weiher Zeuge, der nicht habe vernommen werden können, da er sich zurzeit auf den.Karolinen befinde. Demgegenüber wird der„Freisinnigen Zeitung" geschrieben, dost bisher der als Zeuge benannte Bureauvorstand Wistuba nicht ver- nonimen worden sei, dasselbe sei der Fall bei einer erheblichen Anzahl lvciher und farbiger Zeugen. Demgegenüber bedeute es wenig, dah drei Zeugen angeblich nichts zu bekunden gewußt hätten. Es sei nicht als Gepflogenheit der Staatsanwalt- schaft zu betrachten, eine Untersuchung als ergebnislos hinzustellen, weil von 23 vorgeschlagenen Zeugen drei nichts Belastendes ausgesagt hätten. Es müsse auch dagegen Verwahrung eingelegt werden, daß etwa die Farbigen von vornherein als unglaubwürdiges Zeugenmaterial eingeschätzt würden. Richtig sei freilich, daß die Protokolle über Vernehmungen von Eingeborenen vielfach ein schiefes Bild von dem wirtlichen Wissen der Eingeborenen ab- geben. TaS sei aber auf das Konto der Weihen zu setzen, denn es sei oft genug vorgekommen, dah die Eingeborenen Missionaren gegen- über glaubwürdig versichert hätten, dah sie das nicht bekundet hätten, lvas im Protrloll stehe! Auch sei der Fall nicht selten, dah Farbige mit ihrem Wissen zurückhielten, weil sie die Chikanen der Beb inten fürchteten. Aus dieser Zuschrift scheint so viel hervorzugehen, dah man Kolonialskandale noch ebenso zu vertuschen bemüht ist, wie vor den kolonialen Enthüllungen.—_ Zum Fall Fischer. Nach der Meldung einer Korrespondenz sind bereits vorige Woche von dem Gerichtsherrn die Akten des Falles Fischer an den Reichs- k a n z l e r eingesandt worden. Bülow habe um die schleunige lieber- lassung des Materials gebeten. Das dem Reichskanzler übcrlassene Aktenbündel sei auherordentlich umfangreich. Die ehrengerichtliche Verhandlung des Falles werde erst erfolgen, nachdem die zuständigen militärischen Stellen die Untersuchungsakten zurückerhalten hätten. Mit den Erhebungen gegen Fischer werde sich der Ehrenrat der Stabsoffiziere des Gardckorps befassen, der auch für das Oberkommando der Schutztruppen zuständig sei. Man darf gespannt darauf sein, ob die„Nordd. Allgem. Ztg." endlich die unbedingt notwendige Aufklärung über den Fall Fischer geben wird. Da das Aktenbündel ein so umfangreiches ist, wird sich das offiziöse Blatt nicht mit einer kurzen Be- schwichtigungsnotiz begnügen dürfen. Die Ocffentlichkeit verlangt volle Aufklärung!— Liberale Polenpolitik. Zu dem Gerüchte, dah infolge des polnischen Schulstreiks und des erzbischöflichen Hirtenbriefes.wichtige Entscheidungen' bevor- ständen, bemerkt das„Verl. Tageblatt":.dah die preußische Regierung ihre Autorität gegenüber den wider- spenstigen polnischen Schulkindern wahrt, erscheint auch uns nötig.' In der Tat, eine hervorragende wichtige Aufgabe, sowohl für die Regierung, wie für den Liberalismus! Man denke auch, was nicht alles passieren könnte, wenn die Autorität der Regierung gegen- über Schulkindern nicht gewahrt würde! Dagegen schweigt sich die liberale Presse vollständig aus über ein anderes Vorkommnis im polnischen Schulstreit, das uns wesentlich wichtiger erscheint. In Ostrowo ist eine polnische Versammlung auf- gelöst worden. weil angeblich ein Redner gesagt habe, das polnische Voll müsse sich auflehnen, auch wenn dabei Blut fließen sollte. Nach einer späteren Meldung der »Germania" soll er nur gesagt haben, dah die polnischen Eltern bei der Forderung des Religionsunterrichts in der Muttersprache stand- hast verharren, auch wenn sie in Stücke geschossen werden und ihr Blut lassen sollten. Würde schon ein solches polizeiliches Mißverständnis unsere Versammlungsfreiheit glänzend illustrieren, so gewinnt die Sache ein noch viel bedenklicheres Gesicht durch die weitere Behauptung der.Germania':»Es verlautet auch, dah ein Vorgesetzter dem Untergebenen folgende Weisung gegeben hat: Also die Versammlungen lösen Sie auf; bis sich die Leute beschwert haben werden, ist die Geschichte längst aus." v Diese Behauptung hat die„Germania" bereits am 13. Oktober veröffentlicht. Wir haben absichtlich bis heute gewartet, aber keine Widerlegung gefunden. Wenn die Behauptung wahr ist, so hat der Vorgesetzt- dem Untergebenen die wissentlich falsche Anwendung eines Gesetzes, also einen Mißbrauch der Amtsgewalt angeraten. ES ist nicht unsere Sache, das Strafgesetzbuch daraufhin zu durch- stöbern, ob eine derartige Tat irgendwie mit Strafe bedroht ist. Aber wir meinen, die liberale Presse hätte hier, wo es sich um die Eskamotierung des Versammlungsrechtes durch Amtsmihbrauch handelt, mehr Grund sich aufzuregen, als um die Wahrung der Staatsautorität gegen Schullinder.— Militärischer Despotismus.� Zu der Köpenicker Affäre erhält die„Frankfurter Zeitung" aus München eine Zuschrift, die beweist, daß der Militarismus in Bayern kein minder gefährliches Ding ist, als im übrigen Deutsch- lmid. Es heißt in der Zuschrift, daß der arme Langerhans noch von Glück sagen könne, daß er sich habe überrumpeln lassen. Hätte er sich auf die Hinterbeine gesetzt, so wäre es ihm vielleicht schlecht gegangen. Ter Soldat fackele nie lange, wenn ihm von seinem Vor- gesetzten der Befehl zum scharfen Schießen gegeben werde. Uebrigens babe sich auch in München einmal ein Unteroffizier, der sich über das„Zivilistcnpack" in einem Restaurant ärgerte, zwei Mann von der Hauptwache geholt» Der wacht- habende Offizier habe sie ihm gegeben. Der Unter- Offizier habe unter das Pack schießen lassen wollen, und nur der Umstand, daß die Soldaten in der Menge völlig eingekeilt gewesen feien, habe ein Unglück verhindert. Es fei ein Unding, daß ein Soldat auf stark frequentierter Straße schießen dürfe, wenn ihm ein Arrestant oder ein Mann, den er sich bis zur Ankunft der Wach- ablösung ins Schilderhaus gestellt habe, davonlaufe. In Bayern dürfe kein Gendarm einem entfliehenden Arrestanten nacki- schießen, auch wenn es der größte Verbrecher wäre und sich niemaiid auf dem Wege befinde. Deshalb dürfe auch dem Militär nicht «in größeres Aecht eingeräumt werben als der Zrbilgelvakt. Alle«nigögenstehenben Vestinttmingekk müßten aufgehoben werden. Daran müsse man angesichts des Köpe- nicker Falles ebenfalls denken. Ob unser Bürgertum die Eourage haben wird, unserem Mili- tarismus die Krallen zu beschneiden?— Oberschlesische Kulturzustände. Die Sicherheitszustände im oberschlesischen Jndustriebezirk, die niemals günstige waren, spotten gegenwärtig jeder Beschreibung. Nicht ein Tag vergeht ohne Nachricht von zahlreichen schweren Einbruchsdiebstählen aus verschiedenen Orten des Bezirks, am meisten aber aus der Grenzstadt Kattowitz, und in angenehmer Abwechselung damit wissen die Blätter immer von Neuem von Raubanfällen usw. zu berichten. Es ist. als ob eine große Bande der gefährlichsten und kühnsten Verbrecher, ein Heer von Teufeln auf die Bewohner dieses unglücklichen Grenzbezirks los- gelassen worden wäre. Und in der Tat ist es so: Von Rußland ber ergießen sich in unaufhaltsamem Strome Sckarcn von Verbrechern aller Art auf den oberschlesischen Jndustriebezirk. Das hat seine ganz natürliche Ursache in den gegenwärtigen politischen Ver- hältnisscn des Nachbarreiches. Daß die furchtbare Zerrüttung aller sozialen und wirtschaftlichen Zustände Not und Armut und damit Verbrechen in immer steigendem Umfange hervorrufen müssen, ist klar. Die russische Polizei hat aber keine Zeit und keine Lust, auf gemeine Verbrecher zu achten, denn sie braucht ihre ganze Kraft, um die Revolution niederzuhalten. Ja, sie hat nicht einmal Platz für eingefangene Verbrecher in den Gefängnissen, denn diese werden bis zum letzten Winkel für die eingefangenen Politischen gebraucht. So wurde dieser Tage oberschlesischen Blättern aus Warschau berichtet, daß bort kürzlich nicht weniger wie 728 schwere Verbrecher, Sträflinge und Unter- suchungsgefangene aus den Gefängnissen ent- lassen wurden, weil man ihre Plätze für politisch Verdächtige benötigte. Natürlich finden die also auf die Gesellschaft losgelassenen Verbrecher bei der großen Verarmung in russischen und polnischen Landen kein genügend ertragreiches Arbeitsfeld mehr und sie gehen deshalb über die Grenze, um ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zunächst im nächst- gelegenen oberschlesischen Jndustriebezirk zu verwerten. Erst wenn hier nichts mehr zu holen ist, dürsren auch die näher gelegenen großen Städte, wie Breslau, später Berlin usw. in größerer Zahl von den allmählich preußisch akklimatisierten neuen.„Mitbürgern" heimgesucht werden. Die oberschlesische Polizei ist diesem Zustrom fremder Ver- brecher gegenüber völlig ohnmächtig; es ist ihr in den letzten beiden Monaten kaum in einem einzigen Falle gelungen, die Urheber der verübten Verbrechen zu fassen. Bedeutend größere Fähigkeit zeigt die Polizei dagegen darin, angebliche Urheber politischer, in Rußland begangener Verbrechen zu fassen und festzuhalten. So sitzt seit vielen Wochen im Kattowitzer Polizeigcfängnis ein junger Mann aus Nussisch-Polen, namens Spiwok, der auf Denunziation eines russtsch-polnischen Kaufmanns als der vermeintliche Urheber des in Sosnowice gegen die von den Arbeitern wegen Lohnforderung boykottierte Singersche Nähmaschinenniederlage verübten Bomben- anschlags auf dem Kattowitzer Bahnhof verhaftet wurde. Auch sonst läßt es die oberschlesische Polizei nicht an der schon wiederholt geschilderten bekannten Schncidigkeit gegenüber dem Publikum fehlen. Davon legte eine kürzlich stattgehabte Gerichts» Verhandlung wieder einmal charakteristisches Zeugnis ab. Eine Stcllenbesitzersfrau in Zalenze, einem bei Kattowitz gelegenen Jndustriedorfe, hatte sich geweigert, einen Streifen ihres Bodens zur Verbreiterung einer Straße herzugeben. Man drohte ihr zwar mit Zwangsmaßregcln, leitete aber keine ein, dagegen erschienen eines Morgens zwei Polizeibeamte mit einem Trupp Arbeiter, um ohne weiteres das der Frau gehörende Stück Land zur Straße um- zuwattdeln. Als nun die Frau sich diesem Vorhaben gewaltsam wiedersctzte, wurde sie von einem der beiden Beamten ergriffen und gefesselt in das Gefängnis abgeführt! Zu all' diesem erhielt die Frau dann jedoch noch eine Anklage wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt! Das Kattowitzer Schöffengericht sprach sie jedoch frei, da die gesetzlich vorgeschriebene Enteignung nicht erfolgt fei und die Beamten daher nicht befugt gewesen feien, in der ge- schilderten Weise dorzugehen.— Ein gebildeter Grossherzog. In seinen Denkwürdigkeiten erzählt Hohenlohe aus seiner Pariser Botschafterzeit von dem Besuch des alten Großherzogs Karl Alexander von Weimar beim Präsidenten Grevy. Am Schlüsse seiner Tagebuchnotiz bemerkt Hohenlohe:„Noch muß ich erwähnen: Als wir zum Präsidenten fuhren, bemerkte ich dem Großhcrzog, er solle nicht skandalieren, wenn Grevy einen Verstoß gegen die Etikette machte, er sei„ein Canadier, der Europens übertünchte Höflichkeit nicht kenne", worauf der Großherzog erstaunt fragte, ob denn Grevy aus Canada sei. Ich mußte nun erläuternd bemerken, daß diese Redensart ein Vers aus einem Gedicht von Seume sei, das nach Büchmann noch zwei weitere geflügelte Worte geliefert hat." Und Alexander von Weimar war ein berühmter Schätzer der Musen und dürfte nicht wenigen Versammlungen der Gocthe-Gescllschaft präsidiert haben.— „Hcrdenvich". Gegenüber dem gewaltigen Anwachsen der Sozialdemokratie trösten' sich unsere Gegner gern damit: es seien ja doch meistens nur Mitläufer, nur„Herdenvieh". In lichten Augen- blicken aber wissen sie ganz gut, wo das Herdcnvieh in Wirklichkeit zu finden ist. Die„Deutsche Tageszeitung" läßt sich aus Köln vom 17. Oktober melden: „In einer nationalliberalen Versammlung, die sich mit dem Goslarer Parteitage befaßte, wurde darüber geklagt, daß bei den Verhandlungen des Parteitages sich um das Rednerpodium eine Anzahl von Delegierten geschart und durch Bewegungen und Kundgebungen Stimmung gemacht haben, die sich dann auf die Versammlung fortpflanzte." Dah sich die PartcitagSdelegierten. also die Elite der Partei, auf so plumpe Weise ihre Stimmung.machen' liehen, das hat von der Sozialdemokratie noch nicht einmal der verbissenste Gegner zu behaupten gewagt.— Nhrinschisfahrtsabgabcu. Die preußische Regierung scheint ihre Absicht, auf dem Rhein besondere Schiffahrtsabgaben zu erheben, baldigst durchführen zu wollen. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin von heute: Gesteru'hat, wie wir erfahren, im Ministerium der öffentlichen Arbeiten eiiie Besprechung über die Rheinschiffnhrtsabgaben statt- gefunden. Dem Vernehmen nach Handell es sich bei diesen Ver- Handlungen darum, eine Verständigung zwischen der Regierung und den maßgebenden industriellen und Handelskreisen darüber herbeizuführen, wie sich die Einführung der Rheinschiffahrts- abgaben gestalten liehe unter Beibehaltung des Gesichtspunktes, dah die Einnahmen daraus lediglich der Rheim'chiffahrt in weit- gehendem Maße zu Nutze komme, ohne die Schiffahrl und In- duslric erheblich zu belasten; dabei ergab sich, dah die Möglichkeit, eine Verständigung zu erzielen, in allen Einzelfragen vorhanden ist und daß in manchen Punkten eine Verständi- gung schon jeyt als erreicht anzusehen ist. Als die große Grundlage und Voraussetzung der Einführung der RheinschiffahrtSabgaben wurde die Bildung eines Zweckver- bandes mir eigener Vermögensverwaltung für die Rheinschiffahrt unter Mitwirkung der beteiligten gewerblichen Kreise an dieser Verwaltung angeschen. Ueber die Höhe der ein- zri führ enden Abgaben herrschte Ueberein- st i m m u n g, während die Frage, ob oder inwieweit Ausgaben für die Rheinschiffahrt vor der Bildung des Zwcckverbandes ver- zinst und getilgt werden sollen, noch weiterer Klärung und Er- orterung bedarf. Den süddeutschen Staaten soll der Beitritt eventuell unter Einbeziehung des Oberrheins bis Basel und des Unterlaufe» von Neckar und Main anheimgegeben werden.— Huöland. Oesterreich. Goluchowski ist abgehalftert. TaS haben die Ungarn nun glücklich durchgesetzt. Ueber die Person des Nachfolgers herrscht noch völlige Unklarheit. Die Ungarn treten für den Botschafter in London, Graf Mensdorff, einen Schwager des Grafen Apponyi ein. Da aber die österreichische Regierung gegen den Grafen Apponyi Stellung nimmt, so ist es wahr- scheinlich, daß sie demissioniert, falls die Ernennung des Grafen Mensdorff vollzogen werden sollte. Bei Besprechung des Rücktritts Goluchowskis schreibt das Wiener„Fremdenblatt", Goluchowski habe aus der Unter- redung mit Weierle den Eindruck gewonnen, daß er in der ungarischen Delegation einer Stimmung begegnen würde, die ihm bei Fortführung der Geschäfte die Wahrung der dem Ministerium des Acußeren anvertrauten Interessen wesentlich erschweren würde. Er habe es unter diesen Umständen für das richtige gehalten, seine Demission zu geben. Frankreich. Clsmencea» müht sich ab, ein neues Ministerium zu- sammenzuleimen. Das ist— wie gewöhnlich— leichter ge- sagt als getan. Man weiß also noch nicht, wie das Kabinett Clvmenceau aussehen wird. Nur soviel scheint sicher, daß Herr Millerand wieder irgend ein Portefeuille abbekommen wird.— Spanien. Madrid, 22. Oktober. Ein antiklerikales Meeting fand gestern statt. Mehrere Abgeordnete waren zugegen. Folgende Forderungen wurden in einer Nesolutton aufgestellt: Gewissensfreiheit. Trennung von Staat und Kirche und Ausweisung der religiösen Orden.— Asien. Auf den Philippinen hat man die Vorgänge in Kuba mit großer Aufmerksamkeit und mit einem geheimen Mißtrauen verfolgt. Man fürchtet, daß die Amerikaner ihr Versprechen, den Philippinen voll- ständige Selbstverwaltung zu geben, nicht halten möchten. Auf der Jahreskonferenz der Provinzialgouverneure. die kürzlich in Manila abgehalten wurde, besprach man die in Aussicht stehenden Wahlen zu einer Volksvertretung, und es war zu erkennen, dah die Un« abhängigkeitspartei eine grohe Stärke entfalten wird.— In einem Berichte nach Washington hat sich General Wood gegen eine Ver- Minderung seiner Truppenmacht auf den Philippinen ausgesprochen. Es stehen zurzeit 20 310 Mann amerikanischer Truppen auf diesen Inseln.—_ GewcrhlcbaftUcbe� Berlin und Umgegend. ..Tariftreue" der Berliner Bäcker-Jnnungen. Wiederholt ist in den letzten Monaten sowohl im„Vorwärts" als auch in Versammlungen der Bäckergesellen zu der mehr als eigenartigen Haltung, welche die Berliner Bäcker-Jnnungen als Tarifpartei gegenüber der Gesellenschaft einnehmen, Kritik geübt worden. Immer mehr aber zeigten diese Machinationen der Innungen, namentlich der größeren sogenannten Germania-Jnnung von einem System, das sich in der letzten Zeit derart ausgewachsen hat, daß die Gesellcnschaft zu der Ueberzeugung geradezu ge- z w u n g e n wurde, die Innungen wollen zum Bruch des Vertrages vom Mai d. I. treiben. Schon gleich nach dem Abschluß des Vertrages verfolgte die Innung eine Politik, die den Gesetzen von Treu und Glauben direkt ins Gesicht schlug und ihren alten Ruf als„E h r e n w a r t- b ä ck e r' konfequcnt befestigte. Die gelben StreiNirecher-Organisationen wurden, anfänglich verschämt, von den Innungen offiziell bekämpft; die Gründer derselben aber, die einflußreiche Jnnungsmei st er sind, wurden nicht zur Verantwortung gezogen, sondern von den Jnnungsorganen unterstützt. Das Feigen- b l a t t hat man aber bald ganz fallen lassen. Heute steht fest, daß alle hervorragenden Jnnungshäupter die „Gelben" unterstützen. Mit Hülfe dieser Vereine zersplittern Jnnungsführer den Arbeitsnachweis noch mehr als bisher, indem sie in jedem Viertel in ein beliebiges Lokal einen„meister- treuen" Arbeitsnachweis legen, der bezwecken soll, die Organisierten vollständig zu verdrängen und nur„Gelbe", d. h. Streikbrecher in Arbeit zu schicken.» Im Tarifvertrage aber haben die Innungen den Gesellen eine Zentralisation der Jnnungs-Arbeitsnachweise versprochen, während dieser zum Schaden der Arbeitslosen, zum Nutzen der Kommissionäre fortwährend dezentralisiert wird. Die offiziellen Jnnungs-Arbeitsnachweise aber selbst schicken fort- während Gesellen zu den alten Bedingungen in Arbeit, was der Vertrag verbietet. Natürlich suchen die Jnnungsführer es so hinzustellen, als wenn dies mit dem Tarif in Einklang stände. Auch ein geharnischter Protest in der Schlichtungskommission war fruchtlos. Die Jnnun�svertreter bcharrten trotz des klaren unzweideutigen Wort- lautes im Tarif auf ihrer„Auslegung". Nunmehr unterbreiteten die Gesellenführer diese Angelegenheit pflichtgemäß ihren Auftrag- gebern, der Gesamtheit der Bäckergesellen. Eine Versammlung am 25. September, über die der„Vorwärts" berichtete, faßte eine ent- schiedene Resolution gegen dieses Jnnungstreiben. Die Mit- gliederversammlung attl 9. Oktober erklärte in Gegenwart des Verbandsvorsitzenden A l l m a n n einmütig, daß diese Jnnungs- Machinationen al» Tarifbruch zu betrachten seien, wenn die Innungen sich nicht ernsthaft einer ehrlicheren Haltung. und zwar unverzüglich, befleißigen. Mittlerweile hatten gewisse „Heldentaten" der Jnnungssprech meist er(Arbettsver- mittler) das Maß zum Ucberlaufen gebracht. Schon lange wußte die Organisation, daß diese Sprechmeister vielfach ihre„gelben" Freunde in der Arbeitsausgabe besonders berücksichtigen, während ehrliche Leute monatelang vergeblich auf Arbeit warten. Familien- Väter, selbst unorganisierte, werden mit Hülfe der Jnnungsmcister durch die„gelben" Häuptlinge aus Arbeit gebracht, die dann letztere mit ihrer Garde besetzen, damit beim nächsten Streik „zuverlässige" Gesellen die Stellen besetzt halten. Die Gesellen hesc£)wereii sich in der Schlichtungskonunission, die Innungen weisen zwei-, dreimal den Sprechmeister(ihren Beamten) an, nach dem Statut zu Verfahren. Der Sprechmeister kehrt sich daran gar nicht, sondern„verschiebt" weiter ruhig die Arbeiten an. die „Gelben". Die Innung bestraft ihn nicht, setzt ihn auch ntcht ab. Wer will es den Gesellen verargen, wenn sie annehmen, daß der Sprechmeister im Einverständnis mit der Innung handelt?— Das Ungeheuerlich st e aber und zugleich Bezeichnend st e der ganzen Situation) ist, daß, nachdem die Gesellen energisch auf Anberaumung einer Schlichtungskommissioussitzung gedrungen, die Innungen durch ihren Vorsitzenden S ch m i d t in der ersten Sitzung am 12. Oktober, gleich bei Eröffnung derselben, erklären ließen, daß d i e Geicllcn Tarifbruch begangen hätten, weil— sie in oben bezeichneter öffent- licher Versammlung die geschilderten Tatsachen erörtert hätten. Sie hätten sich in der Schlichtungskommission nur weiter ganz still Jnnungshonig um den Mund schmieren lassen sollen. In dieser Sitzung wurde gleich noch ein neuer Versuch der Abbröckelung vom Tarif gemacht. Die Innung be- hauptet, daß der neue Zentralarbeitsnachweis, der erst gegründet werden soll, nach dem Tarif unter die Ver- waltung der Innung gestellt werden müsse, während der Tarif klipp und klar sagt, daß er einer Kommission unter» st e l l t w i r d. die aus gleichen Teilen(Meister und Ge, feilen) zusammengesetzt wird. D i e Vorarbeiten geschehen durch die Schlichtungskommission.— Scharf sind in dieser und in der acht Tage später abgehaltenen Sitzung die Meinungen zuammengestoßen; die Gescllcnvcrtreter haben den Jnnungsleitcrn schonungslos die Maske herunter» gerissen. Die Sache wurde in beiden Sitzungen nicht zu Ende ge- führt, sondern auf Freitag, den 2. November, vertagt. Am 39. Ok- tober wird sich die Gesellenschaft in öffentlicher Versammlung mit dieser Haltung der Innungen beschäftigen.— Es unterliegt heute schon keinem Zweifel, die Innungen rüsten zu xills« neuen Kampf, sie wollen eS zuftt Bruch tteiken. Sic werden aber auch die Gesellenschaft gewappnet finden. Die organisierte Arbeiterschaft aber wird für diese Vor- gänge ein äußerst wachsames Auge haben. Achtung, Metallarbeiter! -MC Werke der Firmen Siemens-Schuckert und Siemens n. Halske sind gesperrt. Die Arbeit ruht zunächst nur in einzelnen Abteilungen. Aber es ist zu erwarten, daß die Differenz auf andere, eventuell sogar auf alle anderen Ab- teilungen übergreift� Es werden von der Firma Arbeitswillige gesucht, und zwar für die Einstellung in den noch nicht für die Arbeitseinstellung betroffenen Werken und Abteilungen. Dieser Versuch der Täuschung ist aber zu durchsichtig und darf deshalb nie- mand darauf hineinfallen. Kollegen! Laßt Euch durch keinerlei Erzählung beeinflussen oder beirren, sondern meidet bis zur Beendigung der Differenzen streng die Werte obiger Firmen. Arbeiterfreundliche Blätter ersuchen wir um Nachdruck. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Zum Streik der Werkzeugmacher. Die mit den Arbeitgebern gepflogenen Verhandlungen haben abermals zu keinem befriedi- genden Resultat geführt. Von den Arbeitgebern wurde den Streikenden nur ein Angebot gemacht, wonach sie selbständigen Werkzeugmachern 6ö Pf., jung ausgelernten SO Pf. und den übrigen einen Stundenlohn nach freier Vereinbarung zahlen wollen. Für Maschinenschlosser wollen sie einen Mindestlohn von 45 Pf. be- willigen,«solche Schlosser aber, die zu Werkzeugmachern aus- gebildet werden, sollen ebenfalls einen Lohn nach freier Verein- barung erhalten. Diese Zugeständnisse wurden von der gestrigen Streikversammlung als ungenügend abgelehnt. DcrStreik wird also weitergeführt. Von den auswärtigen Werk- zeugmachern darf wohl erwartet werden, daß sie der Lohnbewegung der Berliner Kollegen die gebührende Aufmerksamkeit schenken. Die Militärschneider wollen in eine Lohnbewegung eintreten. Sie hielten am Sonnabendabend eine gutbesuchte Versammlung in den„Arminhallen" ab; es ist besonders das Prozentual- s h st e m, gegen welches sie ankämpfen. Dies System wurde in den Tarif von 1903 aufgenommen, hat sich aber als eine schwere Schädi- gung der Arbeiter erwiesen. Die Häuser für Extrauniformen. welche Militärschneider anstellen, können demnach sieben Pro- z e n t des Lohnes einbehalten, die nach Ablauf eines halben Jahres zur Auszahlung kommen, wenn der Arbeiter während dieser Zeit die Stellung nicht aufgibt. Kündigt der Arbeiter während des halben Jahres, ist sein Geld verloren; er erhält es nur dann, wenn der Unternehmer kündigt. In einer Resolution erklärten die Versammelten, daß dieses System eine Beschrän- kung der Freizügigkeit und eine Unterstellung unter die Gesindeordnung bedeutet; sie betrachten es als ihre Pflicht, dagegen anzukämpfen und fordern die Arbeiter auf, in allen Geschäften Werkstättensitzungen abzuhalten und Stellung dazu zu nehmen. Da die Versammlung eine öffentliche war, konnten bestimmte Beschlüsse nicht gefaßt werden. Man wird aber nächstens eine Mitgliederversammlung abhalten und nach den vielfach geäußerten Wünschen eine löprozentige Lohnerhöhung fordern.— Die Reparaturschneider der Post in der Artilleriestraße beklagten sich in derselben Versammlung über die schlechten Verhältnisse, unter denen sie zu leiden hätten. Da sitzen sieben Mann, die bei einem Monatslohn von 99 M. noch das Näh- Material besorgen müssen und auch die Reinigung der Arbeits- räume vorzunehmen haben. Diese Räume sollen sehr ungesund sein, um so mehr, als auch darin gebügelt wird. Man wird ver- suchen, eine Besserung dieser Verhältnisse herbeizuführen. Die Aussperrung in der mechanischen Schuhindustrie. Die Versammlung der Ausgesperrten, welche am Montagbormittag stattfand, hat auf das Vorgehen des Fabrikanten- Verbandes eine Antwort erteilt, welche beweist, daß die Arbeiter sich durch die Aussperrung keineswegs einschüchtern lassen, sondern es vielmehr für angebracht halten, den unbegründeten Angriff, welchen die Fabrikanten ins Werk setzten, auch ihrerseits mit einem cutsprechenden Vorgehen zu beantworten. Durch Berichte der einzelnen Fabrikvertrauensmänner wurde zunächst festgestellt, daß etwa 1999 Ausgesperrte vorhanden sind, die heute noch ebenso fest zur Sache stehen wie zu Beginn der Aus- sperrung. Die Zahl der streikenden Ballschuhmacher beläuft sich noch auf etwa 299.— Als hierauf die Situation besprochen wurde, gingen mehrere Anträge aus der Versammlung ein, welche fordern, daß die frivole Aussperrung mit Forderungen beantwortet werde und zwar wurde beantragt, die unentgeltliche Lieferung der Furni- turen von allen Fabrikanten zu verlangen, ebenso die Einrichtung eines paritätifcyen Arbeitsnachweises und eine allgemeine Lohn- erhöhung von 19 Prozent. Hamacher, der sich am Schluß der Diskussion über diese Anträge äußerte, sagte unter anderem: Von den drei Forderungen der Ballschuhmacher, welche die Fabrikanten für unannehmbar er- klärten, haben die Arbeiter im Interesse der Verständigung zwei zurückgezogen und nur die Forderung der Entschädigung für Furni- turen aufrechterhalten. Dieselbe konnte aus prinzipiellen Gründen nicht zurückgezogen werden. Obgleich schon in ganzen Bezirken der Schuhindustrie die Furnituren von den Fabrikanten geliefert werden, hat sich der Fabrikantenverband in Berlin auf den eigen- sinnigen Standpunkt gestellt, diese Forderung müsse zurückgewiesen werden und um die Vallschuhmacher dazu zu zwingen, ist die Aus- sperrung der Fabrikschuhmacher erfolgt. Jetzt liegt die Situation so: Entweder die Ballschuhinacher ziehen die strittige Forderung zurück, dann ist damit der ganze Konflikt beendet, oder die Forde- runa. wegen der die Fabrikanten die Aussperrung ins Werk gesetzt haben, wird auf der ganzen Linie erhoben.— Den Ballschuhmachern kann man nicht zumuten, diese Forderung aufzugeben. Sie haben schon durch die Zurückziehung der beiden anderen For- derungen den Fabrikanten eine Br«cke zur Verständigung gebaut. Die Fabrikanten haben aber diese Brücke abgebrochen, sie haben den Arbeitern den Fehdehandschuh hingeworfen und die Arbeiter nehmen :nun, nachdem sie den Fabrikanten acht Tage Zeit gelassen haben den Revers zurückzuziehen, den Kampf auf, indem sie die Forde- rung, welche den Vorwand der Aussperrung bildet, allgemein er- heben. Der Kampf wegen der freien Lieferung der Furnituren wird in Berlin und damit auch für ganz Deutschland durchgefochten werden. Es handelt sich bei diesem von den Unternehmern herauf- beschwoi'enen Kampf um eine Machtfrage, die sie zum Austrag bringen wollen. Darum ist es berechtigt, bei dieser Gelegenheit auch die Forderung: Einrichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises, zu erheben, denn der jetzt bestehende Arbeitsnachweis der Fabri- kanten ist eine Institution, durch welche die Fabrikanten ihre Macht über die Arbeiter ausüben. Es gilt nun, diesen Kampf, den die Arbeiter nicht herbeigeführt haben, so zu führen, daß ihn die Ar- beiter gewinnen.„.~... In der Abstimmung über d,e Antrage wurde die Forderung der unentgeltlichen Lieferung der Furnituren sowie Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises einstimmig, und die Forde- rung einer allgemeinen Lohnerhöhung von 19 Proz. gegen wenige Stimmen angenommen.' Ein Streik der Hausdiener. Bei der Koufektionsstoffhandlung Adolf P i t s ch,.Hausvoigtei« platz 6/7, haben die organisierten Hausdiener seit gestern früh die Arbeit niedergelegt. Die Firma lehnte es ab, eine Lohnzulage zu gewähren. Ein in höflicher Form abgefaßtes Schreiben, worin die Forderungen niedergelegt und begründet waren, hatte nur den Erfolg, dhß alles das. was nichts kostete, bewilligt wurde. Die an- haltende Teuerung der allernotwendigstcn Lcbensnnttel bestritt man nicht; dagegen glaubte der humane Inhaber der Firma seinen Hausdienern mit Fischen, welche billig eingekauft und zum angeb- lichen Selbstkostenpreis auch an die Fabrikarbeiter abgegeben Serantw. Redakteur: Hans Weber- Berlin. Inseratenteil verantv.: werden, über die Fleischteuerung hinweg zu helfen. Die Qualität der Fischsorten war so großartig, daß die Frauen für die Zukunft solche Liebesgaben anzunehmen sich weigerten und ihren Männern auftrugen, solche Einkäufe fernerhin zu unterlassen. Die Firma genierte sich nicht, bei anstrengendster Tätigkeit einen Wochenlohn von 21— 25 Ml. zu zahlen, wovon noch Abzüge gemacht tv/rden. Daß bei einem derart kärglichen Verdienst die Hausdiener /i den Streik traten, dürfte niemanden verwunderlich erscheinen.' Dem Organisationsvertreter des Vereins Berliner Hausdiener erklärte der in Arbeiterfreundlichkeit sich ausspielende Mann, des Prinzips wegen nichts bewilligen zu können. Die Streikenden appellieren an das Solidaritätsgefühl der Berliner Hausdiener und Packer und ersuchen, diesen Betrieb streng zu meiden. Achtung, Militäreffektensattler! In der Fabrik von Wunder- lich Nachf., in Blankenburg, haben die Kollegen wegen Abzügen die Arbeit niedergelegt. Wir ersuchen die Kollegen, den Zuzug nach dieser Werkstelle streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung des Verbandes der Sattler. Oeubkekes Keich. Achtung, Steinsetzer! Die Baustellen in Eberswalde, Freien- Walde und Wriezen der Unternehmer Hiller, Meißner u. Neubauer sind für organisierte Arbeiter wegen Tarifdifferenzen gesperrt._ Die Scharfmacher des ganzen deutschen Schlächtergewerbes machen wegen der Mannheimer Vorgänge m o b i l. Bekanntlich hatten die Gehülfen des Großschlächters Alb. Jmhoff wegen Nichtgewährung wichtiger Forderungen betr. Logis außer dem Hanse und betreffend Arbeitszeit gekündigt, was Jmhoff zun« Anlaß nahm, einige der Gehülfen noch vor Ablauf der Kmidigungsfrist zu entlassen, was ihm beim Gewerbegericht schlecht bekam. Inzwischen trat die Innung auf seine Seite, verpflichtete die Meister, niemaudem zu liefern, dem I. bisher geliefert hatte, und beschloß zugleich, alle Gehülfen auszusperren, die sich nicht verpflichteten, aus der Gewerkschaft auszutreten. Diesen Beschluß haben die Mannheimer JnnungSnieister auch wahr gemacht und die erfolgten Massenkündigungen werden dieser Tage perfekt. Die Mannheimer Arbeiterschaft hat sich mit den organisierten Gehülfen solidarisch erklärt, die betreffenden Meister boykottiert und auch die Wirtschaften, die von jenen Schlächtern Fleischwaren beziehen, öffentlich bekannt gegeben. Jetzt tritt der allgemeine deutsche Fleischern, ei st erVerband auf den Kampfplan. Der Verbandsvorsitzende Karl Marx in Frankfurt a. M. hat im Verbandsorgan alle Ober- und Sprechmeister auf- gefordert, eine„Reserve arbeitswillger Gesellen"„zur Abreise nach Mannheim bereit" zu stellen, das Mann- heimer Jnnungsbureau telegraphisch entsprechend zu unterrichten, auf Wunsch von Mannheim die betr. Gesellen znrBahn z u bringen, ihnen das VerbandSbnch abzufordern und ihnen dafür Fahrkarte Hl. Klasse sowie pro Stunde Fahrzeit 39 Pf. Zehrgeld auszn- händigen. Den reisenden Gesellen soll das Jnnungsgeschenk(59 Pf.) mir gezahlt werden, wenn sie nach Mannheim zu reisen sich verpflichten. Ganz besonders appelliert der Verbands- Vorsitzende an die M e i st e r f ö h n e. Der Mannheimer Hafenarbciterstreik ist beendet! Die im Hafen- arbeiterverband organisierten Stückgutarbeiter, Kran- und Elevatorenführer haben, wenn sie auch nicht alles erreichten, doch gesiegt, rücken in ihre alten Plätze ein und haben die Arbeit am Sonnabend noch aufnehmen können. Ihre Organisation haben sie gefestigt und neben anderen bedingungsweise zu erfolgenden Zuschlägen einen Tagelohn von 4,59 M.(statt 4,39 M.) im Minimum erreicht, nur für Neueingestellte gilt der Satz von 4,29 M.. nach 8 Tagen von 4,39 M.� Im Sommer beträgt die Arbeitszeit 19, im Winter 9 Stunden. U e b e r- stunden werden mit 69 Pf. bezahlt und im Winter werden die l'/z Stunden von ö'/z bis 8 Uhr abends für 2 Stunden a 69 Pf. gerechnet; Nachtarbeit kostet pro Stunde 1 M. Die Kran- und Elevatorführer erhalten abweichend von vorstehendem 39 M. W o ch e n l o h n, 75 Pf. für Ueberstimden. Der Tarif ist bis 1. Juli 1999 ab- geschlossen.— Mit den, Friedensschluß ist den„Cristlichen" und ihrem„Führer", Arbeitersekretär Tremmel das Konzept v e r- darben. Tremmel hat nicht nur den Unternehmern angeboten, mit ihnen für die Christlichen allein einen Tarif abzuschließen, sondern auch zur Durchführung eines solchen vor wenigen Tagen ein Zirkular an sämtliche„christlichen" Zahlstellen Deutschlands gerichtet, ihm telegraphisch mitzuteilen,„wie viele Arbeits- kräfte ihm zur Verfügung stehen" zu dem angegebenen Zweck, also zum Streikbruch. Die Reisekosten versprach Tremmel der Verbandskasse aufzuladen, auch für Arbeiter, die nicht dem Verband angehören.„Wenn jede Zahlstelle nur einen Mann auf- bringt", so sckiloß das Zirkular,„so ist unserer Sache gedient"— d. h. dem Streikbruch, um für 41 Pf. pro Stunde Arbeit zu leisten. Was die Unternehmer von den Menschen, die danach zu erwarten waren, halten, beweist die Tatsache, daß sofort nach Bekanntiverden dieses Zirkulars vor zwei Tagen die Unternehmer Verhandlungen mit den Kämpfenden aufnahmen und sich mit ihren bewährten Leuten aussöhnten. TlusUnck. Der Schneiderstreik in Trieft ist beendet. Durch Ver- Mittelung der Statthalterei kam eine Einigung zustande, wonach die Meister eine neunstündige Arbeitszeit(bisher 19 Stunden) und eine 19prozentige Lohnerhöhung für die Arbeiter und eine fünf- prozentige für die Arbeiterinnen zugestanden; jedenfalls ein schöner Sieg für die Organisation. Lohnbewegungen und Streiks in Holland. Im BaugewerbeAmsterdams sind vor acht Monaten Forderungen gestellt worden, den Minimalstundenlohn von 28 auf 35 Cent zu erhöhen, die Arbeitszeit von 19 auf 9 Stunden zu verkürzen, die Akkordarbeit abzuschaffen und das Lehrlingswesen zu regeln. Dieselben Forderungen wurden schon einmal vor drei Jahren gestellt. Damals kam es zu einem Vertrag zwischen den Unternehmern und den St. Josephs-Gcsellenvereinen, dem„Patri- monium" und arnarchistischen Hülfsarbeitwerverein„Nieuro Leven". Die übrigen Organisationen lehnten den Vertrag ab, weil�sie darin eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen sahen. Der stunden- lohn war auf 28 Cent festgesetzt worden, bei Akkordarbeit durfte nicht mehr als 49 Proz. darüber hinaus verdient werden; war es nicht möglich, bei Festsetzung der Akkordpreise Einigkeit zu erzielen, so mußten die Arbeiter den Akkord zu dem vom Unternehmer an- gebotenen Preis doch übernehmen. Bei den nun geführten Ver- Handlungen haben die Unternehmer einige Zugestandnipe gemacht, die auf eine Erhöhung des Ueberstundenzuschlags, der bei der dauernd schlechten Geschäftslage im Baugewerbe kaum in Betracht kommt und auf eine Verkürzung der Arbeitszeit� für die drei Wintermonate auf 9 Stunden hinauslaufen.-�>e>e Arbeitszeit- Verkürzung ist selbstverständlich ganz wertlos, da ja im Winter doch wegen der Lichtverhältnisse nur 8 oder 8% Stunden gearbeitet werden kann. Die Verhandlungen sind gescheitert..... Der Zimmerer st reik in Leiden dauert unveränderlich fort. Die Unternehmer sind dabei, einen Tarif mit den streik- blechern abzuschließen. Bei den Verhandlungen haben sie die Streikbrecher mit Bier und Zigarren bewirtet; einige Streikbrecher waren aber schon vorher betrunken..-. Der Brauer st reik in Wage m i n g e n wwie der Boykott der„Germaniabrauerei" dauern ebenfalls unverändert fort. Verhandlungen mit dem Verband der Brauereibesitzer sind ergebnislos verlaufen.______________ E|- Gwcke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagimMt Die Scharfmacher in der Holzindustrie. Die Scharfmacher in der Holzindustrie. Eine ganz erhebliche Verschärfung der Situation in der Berliner Holzindustrie ist durch die Beschlüsse einer Versamm- lung der Tischlermeister und Holzindustriellen Groß-Berlins eingetreten, die gestern(Montag) abend bei einer Beteiligung von mehr als LMXI Personen in den Konkordiasälen stattfand. Tie Vorstände sämtlicher Arbeitgeberverbände der Berliner Holzindustrie waren vertreten. Die Referate des Vorsitzenden der Freien Vereinigung der Holzindustriellen P l a t h e n und des Obermeisters der Tischlerinnung R a h a r d t gipfelten in der Parole: Scheitern die Verhandlungen, so wird ausgesperrt, ohne Vertrag keine Arbeit! Zur einstimmigen Annahme gelangte folgende Resolution: „Die heute tagende Versammlung der Tischlermeister und Holzindustriellen Berlins und der Vororte nimmt Kenntnis von den Forderungen des Deutschen Holzarbeiterverbandes und beschließt: 1. In Erwägung, daß bei der heutigen Ausnutzung der Holz- bearbeitungsmaschinen auch in den kleinsten Werkstätten die physische Arbeitskraft unserer Arbeiter nur noch in geringem Maße in Anspruch genommen wird und die gegenwärtige Arbeitszeit nur 8 Stunden 49 Minuten durchschnittlich pro Tag beträgt, kann eine weitere Verkürzung derselben auch in Rücksicht auf die Konkurrenzfähigkeit des hiesigen Gewerbes nicht zugestanden werden. 2. In weiterer Erwägung, daß der D u r ch schnittslohn unserer Holzarbeiter, nach der eigenen Statistik des Deutschen Holzarbeiterverbandes 35,19 bis 36,63 M. und der Wochenverdienst tüchtiger Arbeiter sogar 59 bis 69 M. und darüber beträgt, daß ferner die Berliner Holzindustrie mit derartig hohen Löhnen fast an der Spitze aller Gewerbe steht, wird das Verlangen nach weiterer Lohnerhöhung mit Entschiedenhett zurückgewiesen. 3. Die Forderung einer allgemeinen Lohnerhöhung bei Akkordarbeiten oder einer teilweisen Beseitigung der letzteren muß als undiskutabel abgelehnt werden. 4. Die obligatorische Benutzung des paritätischen Arbeitsnach- weises durch die Arbeitgeber würde die Arbeitnehmerorganisationen ermöglichen, mißliebige Arbeitgeber schwer zu schädigen. 5. Die Abschlagszahlungen bei Akkordarbeiten bleiben in der bisherigen Weise bestehen. Die Festsetzung einer Minimalabschlags- zahlimg von 27 M. wöchentlich für jeden Arbeiter ohne Rücksicht auf seine Leistungen wird abgelehnt. 6. Die Versammlung beauftragt die Vorstände, auf Grundlage der von den Arbeitgebern auf dem Gewerbegericht bekanntgegebenen Bedingungen die Verhandlungen fortzusetzen." Dieser Einschüchterungsvcrsuch der Scharfmacher in der Holzindustrie wird natürlich auf die Beschlüsse der Arbeiter- organisation wenig Einfluß ausüben. Der größte Teil der Holzarbeiter wird jedoch erstaunt sein über die Lohnziffern, die in dieser Resolution aufmarschieren. Es ist ja ein alter Trick des Unternehmertums, ins Blaue hinein über die Niesenlöhne„ihrer" Arbeiter zu fabeln, wenn die Arbeiter es wagen, einen geringen Teil von den Profiten der Unter- nehmer zu verlangen. Singegangene Vruckfckriften. Achim von Arnims ausgewählte Werke in vier Bänden. Heraus gegeben und mit Einleitungen versehen von Max Morris. Mit des Dichters Bildnis und einem Briese als Hnndschriftenprobe. XXXVIII, 941 S. Broschiert 1,50 M., in Lcinonband 2 W., seine Ausgabe 3M., LuxuSauSgllb» 4 M. Max Sesses Verlag, Leipzig. Helene Morsch. I. B. Staub. Ein Edelmcnsch im schlichtesten Ge» wände. Zweite Auflage. Broschiert 4 M., geb. 5 M. Verlag von Otto Weber, Leipzig. Franz Staudinger. Wirtschaftliche Grundlage« der Moral. 166 S. Verlag von Eduard Roether, Darmstadt 1997. Die Dilchlvahl im 10. faGschen Wahlkreis die sich durch den Tod unseres Genossen Grünberg notwendig machte, fand am gestrigen Tage statt. Im Jahre 1992 war es in einer Nachwahl zum erstenmal gelungen, den Wahlkreis, der eine überwiegend ländliche Bevölkerung umfaßt, durch einen Sozial» demokraten im Reichstage vertreten zu schen. Bei der letzten Wahl im Jahre 1993 gelang es den Genossen des Kreises, unseren ver- storbenen Genossen Grünberg mit 13 162 Stimmen von 24 195 Ab- stimmenden bereits in der Hauptwahl in den Reichstag zu ent- senden. Damals fielen speziell in Sachsen die Schläge hageldicht auf unsere Gegner hernieder. War doch das rote Sachsen im Sturme von der Sozialdemokratie genommen. Bisher feste Burgen der Reaktionäre, wurden sie von unseren Genossen genommen, und nur noch eine geborstene Säule zeugte von entschwundener Pracht. Von 23 Wahlkreisen verblieb den Gegnern ein einziges Mandat. Und die Genossen des 19. sächsischen Kreises haben erfolgreich dem Ansturm der Gegner standgehalten. Erleichtert wurde ihnen die Agitation durch das wüste Auftreten des Reichsverbandes, der sich in neuerer Zeit bei allen Wahlen betätigt. Nach einem uns zugehenden Privattelegramm wurde unser Genosse Pinkau mit 12 716 Stimmen gewählt. Der nationalliberale Professoi. Hasse erhielt 8372 Stimmen und der Freisinnige Beck 3642 Stimmen. Bravo Sachsen! Letzte KVachncbtcn und Depcfcbcti. Von der Fraktion„Drehscheibe". Darmstadt, 22. Oktober.(B. H.) Ter Ausschuß der national- liberalen Partei des Großherzogtums Hessen wird sicherem Ver- nehmen nach in kurzer Frist eine besondere Sitzung einberufen, um über die Bestätigung des Sozialdemokraten Eißert Stellung zu nehmen. Die nationalliberale Kammerfraktion wird wahr» scheinlich nach Wiederzufammentritt der Kammer eine Jnterpella- tion hierüber an die Regierung richten. Er kann es sein— bloß weiß manS nicht! Pirmasens, 22. Oktober.(B. H.) Im benachbarten Waldfisch. dach wurde der Handelslehrer Runge verhastet, unter dem Ver- dackit, der Pfeudo-Hauptmann von Köpenick zu sein. Runge war früher Feldwebel in einem Infanterieregiment zu Frankfurt a. M. Das Signalement der Berliner Polizei stimmt genau, auch die Veraleichung der Handschriften hat ergeben, daß Runge der Gauner gewesen sein kann. Der Berliner und der Köpenicker Kriminal- Polizei ist von dieser Verhaftung bis heute abend nichts bekannt geworden._ Teckenrinsturz. Wiener-Neustadt, 22. Oktober.(B. H.) In der Dcimler Motorenfabrik stürzte heute vormittag eine Betondecke ein. Ein Arbeiter wurde getötet, zwei wurden lebensgefährlich verletzt aus den Trümmern hervorgezogen. Wieviel Personen unter de» Trümmern liege», ist noch nicht festgestellt. Maul Singer LeCo., Berlin ZW. Hierzu 3 Beilagen u. NnterhaltungSblatt Nr. 247. 23. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. europäische Kopital sich wünschte. Kein Wunder, daß Kokoffzew so " pessimistisch" in die Zukunft blickt. " Dienstag, 23. Oktober 1906. Organisationspflichten. Der Mannheimer Parteitag hat eine Fülle wertvoller Danach gingen die Soldaten in den Hof, begegneten einem Die russische Revolution. jungen Mann, dem 18jährigen Handlungsgehülfen Bejsach ChronoEin zweiter Gegenstand besorgniserregender Erörterungen in vitsch. Sie töteten ihn durch eine Salve! Ein Bandit, der sich im Rußlands geheime Herrscher billigen den Staatsbankerott! den höheren Sphären" sind nach dem„ Towarischtsch" seit geraumer Abort im Hofe versteckte, wurde mit den Bajonetten erstochen! Damit begnügten sich die Soldaten noch nicht, sie begannen die Die zarische Regierung bereitet sich zur Abschließung Beit die künftigen Dumawahlen. Seit Veröffentlichung des Geheim- Nowalijstiftraße nach beiden Nichtungen hin zu beschießen, und so zn einer neuen Anleihe vor. Zwischen Witte, der die west- schreibens Kokoffzews kann die Anleihefrage nicht mehr zurückgestellt wurden mehrere unschuldige Passanten getötet. Im ganzen wurden europäischen Bankiers bearbeitet, und dem Finanzminister werden. Zugleich verringern sich die Chancen derjenigen Minister über zweihundert Schüße abgegeben. Außerdem verhaftete die Rotoffzew hat sich ein reger Depeschenwechsel entsponnen. und einflußreichen Persönlichkeiten, die noch lange ohne die Duma Polizei viele Passanten. Daß einige der unschuldig Verhafteten Die geheimen Machthaber, die gegenwärtig größere Be- au regieren dachten. Bei der letzten Anleihe war die Einberufung der bald wieder freigelassen wurden, allerdings mit zerbrochenen Rippen Duma unerläßliche Bedingung. deutung haben als selbst die Minister, die Häupter der UltraAuch jetzt hört man von und ausgeschlagenen Zähnen, sei nur nebenbei bemerkt. monarchisten find nicht schlau genug, um rechtzeitig den Mund" Bersprechungen", die an eine neue Anleihe geknüpft werden. zu halten. Sie laſſen in naivster Weise durchblicken, wohin Damals hatte sich die russische Regierung mit den Bauern gesteuert wird. Sie verteidigen bereits den kommenden ihnen verhältnismäßig große Freiheiten im Wahlgesetz eingeräumt, verrechnet. Witte hatte seine Hoffnungen auf diese gesetzt, Staatsbankrott! und so waren in die Duma die Herren Madjin und Kompanie hinein- regungen geboten. Zum ersten Male seit Fall des Sozialistengeraten, deren revolutionäre Reden weder den russischen Verteidigern gesetzes wurde den Genossen eine Statistik der deutschen Partei vordes Barismus noch seinen ausländischen Gläubigern nach dem Sinne gelegt, die trotz ihrer Unvollständigkeit ein Ansporn zu regfamster waren. Letztere hatten ja nichts dagegen, daß der Bar der ersten Tätigkeit auf organisatorischem Gebiete sein muß und sein wird. Duma am 21. Juli den Fußtritt versezte. Daß nun die neue Voltsvertretung anders aussteht, dafür hat wieder Herr Stolypin zu mustert, wir konnten an dem Votum der mehr als drei Millionen Wir haben im Jahre 1903 die Scharen unserer Anhänger ges forgen. Welche Resultate seine Tätigkeit auf diesem Gebiete zeitigen erkennen, daß sich die Sozialdemokratie beim deutschen Volle wird, darüber ist man sich noch nicht ganz im Klaren. Aber auch hier hegt bei weitem des größten Vertrauens erfreut; wir gewannen die frohe man nach dem„ Towarischtsch" Besorgnis, daß gegenwärtig, wo die Zuversicht, daß uns die Zukunft gehört und daß neben den drei Wirren ständig im Wachsen begriffen sind, die Neuwahlen kaum zu den Millionen der über 25 Jahre alten Staatsbürger noch ungezählte erwünschten Ergebnissen führen werden. Die Nachfragen des Polizei- Massen jüngerer Anhänger unseren Fahnen folgen. Die Verdepartements und die darauf erfolgten Berichte der Gouverneure breitung unserer Ideen wird weiteren Fortgang nehmen, die ErVielleicht wird morgen oder übermorgen eine Kreatur laffen den Schluß zu, daß faum eine regierungsfreundliche Zu- tenntnis, daß die kapitalistische Produktionsweise den Fortschritten der des Herrn Trischatny Ministerpräsident. Er würde Rußland sammensetzung der neuen Duma zu erwarten ist. Die Erfolge der Kultur, der höher entwickelten Technit zu weichen hat, dringt in in der Tat mit einer chinesischen Mauer umgeben; er würde Schwarzen Banden hat man bedeutend überschätzt, Stolypin will immer weitere Kreise. die nationale staatsretterische Tat vollbringen und den aber noch die kurze Galgenfrist dazu benutzen, um recht energisch zu Staatsbankrott erklären. Zu beglückwünschen aber wären Werke zu gehen. Daher werden jetzt den Erdeputierten, die das Rußlands Gläubiger, deren Papiere bis auf Null sinken Wiborger Manifest unterzeichnet haben, endlich die Anklageatten zuwürden! geschickt und wird den Professoren, Geistlichen usw. die Zugehörigkeit zu politischen Parteien untersagt. Herr Trischatny ist ein einflußreiches Mitglied des Herr Trischatny ist ein einflußreiches Mitglied des Verbandes des russischen Boltes". Schon häufig hat er als Verbandes des russischen Volkes". Schon häufig hat er als Präsident des Verbandes fungiert. Auch dieser Verband ist mächtiger als die Minister, er spricht zu ihnen in drohendem Zone, er gebietet, und die Minister beugen sich. Im Rußkoje Snamja", dem größten Organ der Ultras, schreibt nun Herr Trischatny über den fünftigen Staatsbankrott: Sogar wenn wir die Möglichkeit zulassen, daß der Wert unserer Papiere im Auslande bis auf Null sinft, was fann bie Folge davon sein? Können wir uns nicht im äußersten Falle mit einer chinesischen Mauer zeitweilig umgeben, bis wir unsere Finanzen in Ordnung gebracht haben?" " -W Die Rekrutenkampagne. Die Drganisation des Proletariats, die Drganisation der Arbeiterschaft zu einheitlichen politischen und wirtschaftlichen Ver bänden ist und bleibt unsere erste und wichtigste Aufgabe. Auf diesem Gebiete der Organisation ist aber, gestehen wir es uns mit aller Offenheit ein, noch unendlich wenig geschehen. Hier gilt es die bessernde Hand anzulegen, vor allen Dingen aber bei uns felbst, in der Hauptstadt Preußens, in der Arbeiterschaft Groß- Berlins. Im Mitteilungsblatte" ist bersucht worden, den Bes " In der ehrwürdigen mäßigliberalen„ Strana"( Nr. 176) ist eine Notiz erschienen, deren Inhalt zweifellos finanzministeriellen Ursprungs ist. In der letzten Zeit," so heißt es da, sind in der Presse Gerüchte von Verhandlungen, die Die Regierung sieht schon die Möglichkeit einer maffenhaften angeblich über die Abschließung einer neuen Anleihe geführt Der Winister des Jumern hat die Gouverneure zirkularisch beauftragt, Rekrutenverweigerung voraus und trifft Vorbeugungsmaßregeln. werden, aufgetaucht. Wie wir erfahren konnten, entbehren der Bevölkerung bekannt zu machen, daß diejenigen Gestellungs- zirksführern des Verbandes der Wahlvereine Groß- Berlins die die Gerüchte über eine neue Anleihe jeder Begründung. Der pflichtigen, welche zur feſtgeſetzten Frist nicht erscheinen, als Defer Gründe flarzulegen, aus denen die mit Recht gerügten Mängel in Finanzminister hat vor einigen Tagen entschieden erklärt, teure einer harten Strafe unterworfen und in den Gegenden, wo der Organisation Berlins herrühren. Wir lassen, da das Blatt ja daß er vor der Einberufung einer neuen Reichsduma jogar Striegszustand bezw. verstärkter oder außerordentlicher Schutz ver- nur verhältnismäßig wenigen Genossen zugänglich ist, die Ausprinzipiell feine Verhandlungen über eine neue Anleihe zu- hängt ist, dem Feldfriegsgerichte übergeben werden sollen! führungen folgen. Das„ Mitteilungsblatt" sagt darüber: lassen wird! Ebenso unrichtig sind die Gerüchte über den In allen Kreisen des Gouvernements Petersburg werden so viel angeblich geplanten Aufschub der nächsten Couponzahlung Gestellungsämter errichtet als nur möglich, während früher gewöhnfür die bereits bestehenden Anleihen. Vielmehr sind die Jamburg, der als besonders gefährlich gilt, werden Gestellungsich in jedem Kreise nur ein Gestellungsamt funktionierte. Im Kreise Couponzahlungen bis März 1907 gesichert und die erforder- ämter fast in jedem Dorfe vorhanden sein. In alle Gegenden, wo lichen Summen bei Pariser Banfiers bereits deponiert. Die Gestellungsämter errichtet werden, sollen um Unruhen borzuRatschläge der ausländischen Bankiers, welche dahin gehen, beugen Truppenteile abfommandiert werden. Auch im Goudaß die Zahlungsfähigkeit unseres Finanzressorts durch einen vernement Sie werden von den Behörden hinsichtlich des Re20prozentigen Couponabzug, wie dies in Italien und Spanien frutenaufgebots ernstliche Befürchtungen gehegt. Das Polizeider Fall gewesen ist, erleichtert werden könne, sind von dem departement hat den Kiewer Behörden empfohlen, den Unruhen nach Finanzminister zurückgewiesen worden, welcher erklärt hat, ausbrechen, sie mit den allerschärfsten Maßregeln zu unterdrücken! Möglichkeit auf friedliche Weise vorzubeugen, falls aber solche daß Rußland auch ohnedies aus der schwierigen Lage heraus- In vielen Gouvernements haben schon die Behörden an die Bekommen würde." völkerung ernste Ermahnungen in dieser Angelegenheit gerichtet. Die Truppen. Der„ Ruff. Kur." schreibt: In dieser Notiz, die offenbar zur Beruhigung des Publifums bestimmt ist, wirkt der lezte Saz geradezu verblüffend. Es sollen die Gläubiger sein, welche auf eine Couponfürzung drängen, und es soll die zarische Regierung sein, die Da die revolutionäre Propaganda unter den russischen Truppen für den Wunsch einer Couponkürzung taube Ohren hat?? noch immer besteht, so hat die russische Militärverwaltung von neuem Wie aber, wenn sie morgen erklärt, daß sie dem Drängen strafung der Chefs derjenigen Truppenteile, wo unzuverlässige eine Reihe von Maßnahmen getroffen, darunter eine schärfere Beder Gläubiger nachgegeben hat und in die Couponkürzung Militärperfonen ermittelt werden. willigt? Es ist klar: Eine neue Anleihe schwebt in der Luft; aber Die Folter in Polen! gleichzeitig schwebt in der Luft eine baldige Couponkürzung Robotnik", berichtet in seiner Nummer 189 von unerhörten, haar und der darauf folgende Staatsbankrott! Die neue Anleihe und die Duma. Das Organ der polnischen sozialistischen Partei( P. P. S.), sträubenden, der Inquisition würdigen Foltern, denen ihr in Kielce hingerichteter Genosse Josef Duda unterworfen wurde. Wegen Es sind nun bald drei Monate um, seitdem Stolypin zum Ermordung von Spionen wurde er, nachdem er bei der Verhaftung erstenmal seine Reformen" ankündigte, dabei immer hervorhebend, verwundet worden war, binnen 24 Stunden vor das Feldgericht daß zuerst die„ Ruhe" wiederhergestellt sein müsse. In allerlegter gestellt und binnen weiteren 24 Stunden hingerichtet. Aber im Zeit ist Stolypin dann bemüht gewesen, dem Auslande die„ wieder- Laufe dieser 48 Stunden haben die zarischen Bestien. Zeit genug hergestellte Ruhe" vorzutäuschen. Die offiziellen Telegraphen- Gehirn von Unholden erfinnen kann. Von den Armen des Gegehabt, Josef Dunda solchen Martern zu unterziehen, die nur das agenturen erhielten die Weisung, weder über die Erfolge der fangenen wurden lange Streifen Haut abgerissen. Mit glühendem Anarchie, noch über Unruhen im Reiche zu berichten. Daher in Eisen wurden die offenen blutenden Wunden ausgebrannt. Watte der letzten Zeit die knappen Berichte über die Lage in Rußland. wurde in die Wunden hineingestopft; durch die Berührung mit dem Das internationale Kapital will" Ruhe", che es Geld gibt, und weißglühenden Eisen entzündete sich die Watte und verbrannte das Stolypin ist redlich bemüht gewesen, nach seiner Art den Wunsch entblößte Fleisch. Unter die Nägel wurden Nadeln eingebohrt. der westeuropäischen Bantiers zu erfüllen. Die verschiedensten Auf die Wunden wurde glühender geschmolzener Siegellad gegoffen. Blutgerichte arbeiten in 80 Gouvernements, die Gefängnisse in ganz Rußland find überfüllt, in vielen Gouvernements herrscht Dundas Nägeln, taltgewordener Siegellad, mit Blut vermischt, Nach bollzogener Hinrichtung staten noch die Nadeln unter Hungertyphus, und Hülfe ist weder von der Zentralverwaltung, bebedte mit harter Kruste die Finger, verbrannte Wattereste staten noch von den Gemstwos zu erwarten. Der Handel stockt an allen Eden und Enden, täglich melden die russischen Blätter von neuen Liquidationen größerer Firmen in Südrußland und Polen. Die Großgrundbesitzer in den Ostseeprovinzen schlagen seit Monaten ihre Wälder nieder und verkaufen oder verpfänden ihre Güter an die Agrarbant. Nach einigen Berechnungen kostet der russischen Regierung der Krieg im Innern ebensoviel wie der Krieg mit Japan, die Einnahmequellen schrumpfen dagegen täglich mehr und mehr zusammen. So ist z. B. in den acht verflossenen Monaten des Jahres 1906 an direkten Steuern allein ein Minus von 498 777 Rubel im Vergleiche zu 1905 zu verzeichnen. Die Verringerung der einlaufenden Steuern wird hauptsächlich in den Gouvernements des mittleren Industrie- und des mittleren Schwarzerdrayons bein den Wunden. Aus dem alltäglichen Leben Warschaus. Man schreibt uns aus Warschau: Auf Grund des herrschenden Kriegszustandes verbot der Generalgouverneur den Zeitungsverkauf auf den Straßen. Ein paar hundert Menschen kamen dadurch um ihren Verdienst. Die Knaben aber verkaufen hier und da Zeitungen, die sie unter den Jacken tragen. Dft erwischt die Polizei diese kleinen„ Verbrecher und verhaftet sie. So trifft man häufig einen Zug solcher Knaben im Alter von 8 bis 16 Jahren, von Militär umgeben, daß die„ Verbrecher" auf die Polizei oder ins Gefängnis führt. Mittwoch, den 17. Oftober, um 9 Uhr morgens bemerkte ein Schutzmann einen solchen Zeitungsverkäufer und wollte ihn fest nehmen. Der Junge lief fort, die Soldaten, welche den Schutzmann Die Zeit des Sozialistengesezes hinterließ uns als Erbschaft eine Drganisationsform, die in Wirklichkeit einen vollen Zusammenhang der Partei in Berlin nicht ermöglichte. Das Lose Bertrauensmännersystem, welches gewiß seine volle Schuldigkeit getan hatte, war durch das lächerliche Gesetz, politische Vereine dürfen nicht miteinander in Verbindung treten" zu statistischen Feststellungen nicht imstande, und so mußte Berlin in bezug auf die Organisationsziffern in seiner Entwickelung zurückbleiben, um so mehr, als eine ganze Reihe nicht der schlechtesten Genossen an dem alten System der Dezentralisation mit Leib und Seele hingen und von politischer Zentralisation nichts wissen wollten. Nach Aufhebung des Verbindungsverbotes hat sich die Reorganisation und Zentralisation jedoch langsam durchgerungen und ist im Dezember 1905 zu allgemeiner Anerkennung gelangt. Wenn einzelne Parteiblätter den Berliner Genossen hämische und ungerechte Vorwürfe machen, so berkennen sie den Weg, welchen die Entwickelung in Berlin genommen. Mit schweren Zeitopfern hatten die unbezahlten Beamten einzelner Wahlvereine in Berlin und Umgegend sich an die Arbeit gemacht und eine Berufsstatistik ihrer Mitglieder zusammengestellt. Es waren und blieben aber immer nur Angaben, welche fich auf eine verhältnismäßig geringe 3nhl von Genossen er streckten und daher für eine allgemeine Beurteilung und Ver gleichung von sehr geringer Bedeutung waren. Die harte Arbeit hatte nicht den Wert, welchen sie verdiente. Die bisherigen Versuche, die auch an anderen Orten unternommen wurden, statistisches Material über die Wahlvereine zu erlangen, festzustellen, aus welchen Berufen sich unsere Partei zusammensetzt, inwieweit die Genoffen der Organisation ihren gewerkschaftlichen Pflichten nachkommen: alle diese Bemühungen waren von geringem Werte, da die Zusammenfassung zu einem Gesamtbilde fehlte. zu machen. In In dem Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik", Heft vom September 1906, hat es unser Genosse Dr. Michels- Marburg unternommen, eine Reihe Parteimitgliedschaften nach Berufen zu analysieren. Seine Untersuchungen beweisen zunächst, daß die gewerkschaftlichen Berufsverbände es bisher nur in geringem Maße berstanden haben, ihre Mitglieder der politischen Organisation geneigt Düsseldorf waren 1905 v. über 11000 Frankfurt a./M. waren 1905 b. 17819 Gewerksch.- M. nur 2245( 12,6%) 1534( 13,9 München Leipzig( St.u.2.) 1905 politisch organisiert. Geht man die einzelnen Berufe durch, so ergeben sich geradezu beschämende Ziffern; so waren z. B. von 2091 1905 " " " " 36522 48897 " 6704( 18,3 " " 16000( 32,7 " 1083 Buchdrudern in Frankfurt a./m. 666,07% Leipzig 199 9,05 organisiert. Man glaube aber nicht, daß wir geflissentlich die neutralen" Buchdrucker herausgegriffen hätten. Wenden wir uns zu einer fürzlich vorgenommenen Statistik, welche die lokalorganisierten Rinnnerer durch Fragebogen inszeniert hatten, so ergab sich, daß von 2088 Befragten 1123 geantwortet hatten und von diesen nur 386 politisch in der sozialdemokratischen Partei organifiert waren. Mit einiger Bestimmtheit ist anzunehmen, daß niemand, der sich obachtet. Eine Zunahme der Steuern ist nur in den Ostsee- den Jungen, den 16jährigen Kafimir Brus, und ein vorbeigehendes zur politischen Organisation zählt, die Antwort verweigert habe; das gouvernements, den Gouvernements des Königreichs Polen und 15jähriges Mädchen, eine Näherin. Dies geschah auf einer belebten Fazit iſt alſo, daß von diesen Gewerkschaftlern, welche sich doch Transkautafiens zu bemerken, also in den Gebieten, wo die Re- Straße. Aber in Warschau ist man an dergleichen schon gewöhnt. als ganz besonders zielbewußt betrachten, nur 18,5 Broz. ihrer Parteigierungsbestien mit Feuer und Schwert vorgingen, ganze Dörfer Um 12 Uhr mittags desselben Tages tam folgender Fall vor: pflicht genügten. einäscherten und jedes bewegliche Eigentum tonfiszierten. Von In der Trambahn fuhren drei Kassenboten der städtischen Trambahn. Noch betrübender aber fallen andere Vergleiche für Berlin aus. diesen Gebieten wird im nächsten Jahre sicher kaum ein Drittel Sie führten 2000 Rubel in zwei Säcken bei sich, die sie nach der Nach der Statistik der Berliner Gewerkschaftskommission der gewöhnlichen Steuern eingehen. Nun noch einige Zahlen, Hauptverwaltung bringen follten. An der Ede Nalewsti und für 1905 zählten die Zentralverbände in Berlin 224 277 Mitglieder. die sich auf die Zahlungen beziehen, die die Bauern zum Zwed des St. Jersta umgingelten etwa zwanzig Banditen die Trambahn. Leider existiert eine genaue Feststellung für Groß- Berlin nicht, Austaufs. der Kronländereien 99 Jahre lang leisten sollen: Im Einer versetzte dem Staffierer mit einem Revolver einen Hieb auf den da beispielsweise der Holzarbeiterverband nur mit 22 060 Mitgliedern Jahre 1906 find an Auskaufszahlungen während der ersten acht Nowalijstiftraße zu. Der an der Ede stehende Schutzmann ließ aufgeführt ist, weil die Vororte Berlins als eigene Zahlstellen direkt Kopf, die anderen nahmen ihm die 2000 Rubel und liefen auf die Monate 12 975 361 Rubel, in derselben Zeit des Jahres 1905 daseine Soldaten auf die Davonlaufenden Feuer geben. Diese nach Stuttgart ressortieren. Aehnlich steht es mit den Vorortgegen 18 688 567 Rubel eingelaufen, mithin im laufenden Jahre warfen einen Sad 1000 Rubel fort, einer lief in zahlstellen des Schneiderverbandes und der Schuhmacher, der 5713 206 Rubel weniger. Welche Zahlen werden erst die in einen Geschäftsladen, zwei in den Hof desselben Hauses. Handels- und Transportarbeiter sowie einiger anderer Berufe. direkten Steuern( Zoll, Afzise usw.) aufzuweisen haben! Die Der Schußmann eilte nach, ein Bandit verwundete ihn durch Sicher aber betrug die Zahl der in Groß- Berlin gewerkschaftlich wirtschaftliche Krisis, die immer neue Gebiete erfaßt, zwingt ja Revolverschüsse, doch überlieferte der Verwundete jenen den organisierten Arbeiter weit über 300 000, toogegen die acht Wahlden an und für sich schon unterernährten Arbeiter und Bauern Soldaten, die ihm das Geld, die anderen 1000 Rubel, abnahmen bereine Groß- Berlins im gleichen Jahre 41 700 Mitglieder zählten. direkt zum Hungern. Ueber den geringen Absah klagten schon die und ihn dem mit einer Notte Soldaten herbeigeeilten Offizier Wenn man annimmt, daß 5700 Mitglieder Kleinhändler, Staufleute auf dem Nischninowgoroder Jahrmarkte. Unterdessen übergaben. Kleinkaufleute find oder zu den Als die Soldaten nun erfuhren, daß sich in demselben Hause Kleingewerbetreibende, hat sich die Lage noch bedeutend verschlimmert. fo ergibt sich, daß zwei Banditen versteckt hatten, begannen sie darauf loszuschießen. sogenannten freien Berufen zählen, Das sind also die Folgen der Stolypinschen Regierungs- Sie schoffen in die Geschäfte, durch die Fensterläden, in die Woh- nicht mehr als 12 Broz. gewerkschaftlich tätiger lunt"& ist allerdings eine Ruhe, aber nicht die, die das west. Inungen erster, aweiter und dritter Stage. beiter den Wahlbereinen angehören, ein äußerst geringer = Ar Prozentsatz, der den Pergleich mit keiner der von Michels erwähnten Städte aushält. Der Parteivorstand gab in Mannheim die Zahl der organi- sierten Parteigenossen auf zirka 400 000 an. was, auf umd drei Millionen Reichstagswählerstimmen berechnet, 13'/, Proz. betragen würde. Doch ist dieser Prozentsatz als viel zu hoch zu be- zeichnen, denn unter den Organisierten befindet sich noch eine statt- liche Zahl von Mitgliedern im Alter von unter 2 6 Jahren, welche für eine vergleichende Statistik nicht in Betracht kommen. In Grotz-Berlin wurden 1003 330 4SS sozialdemokratische Stimmen abgegeben, wogegen damals 36 S13 Genossen politisch organisiert waren, was einem Prozentsatze von 13,2 gleichkäme. Wie aber schon bemerkt, sind alle diese Prozeutziffern zu h och gegriffen, da alle damals unter 2ö Jahre alten Mitglieder der Wahl« vereine dabei nicht mit in Rechnung gezogen waren. Wir sehen also, daß die bisher unternommenen statistischen Versuche des sicheren Untergrundes entbehrten. Heute Dienstag, den 23., geht nun die Zentralisation Groß- Berlins daran, die ersten Grundlagen für eine planmäßige Statistik herzustellen. ES soll ermittelt werden: 1. Wie viel Mitglieder zählen die Wahlvereine? 2. Aus welchen Berufen setzen sich unsere Mitgliedschaften zu- sammen? 8. Zu welchem Verbände, welcher Gewerkschaft gehören die Genossen. für deren Beruf eine Organisation besteht? 4. Lesen alle die Parteipresse? Die weiteren Fragen nach dem Alter der Mitglieder und der Zeit der Zugehörigkeit zur Parteiorganisation sind ebenfalls von weittragender Bedeutung. Die Wichtigkeit einer solchen Statistik dürfte jedem Anhänger unserer Sache ohne weiteres einleuchten. Sind Feststellungen darüber vorhanden, in welchen Berufen wir noch nicht genügend geworben haben, so werden wir planmäßig an die Arbeit gehen können, wir werden ermitteln, wie groß unsere Anhängerschaft in den freien Berufen ist. wie weit dieser Klasse Zugehörige den Mut gefunden haben, sich offen zur Partei zu bekennen, wir werden eine Reihe für die fernere Agitation äußerst wertvoller Momente ermitteln. So erwarten wir denn mit Bestimmtheit, daß heute am 23. Oktober nicht ein Mitglied bei der Ausnahme fehl», daß alle Ge nassen sich selbst eintragen lassen und ven Genossen und Bezirk* führern, welche das ungewohnte Werk zum erstenmal verrichten, helfend und fördernd zur Seite stehen. Auch hierbei heißt es: sein, Parftipflicht erfülle«! An die ArbeitI Ter Prozeß tritt also durch die ganze Art der Anklage weit über den Rahmen eines gewöhnlichen Prehprozesses hinaus. » Leipzig, den W. Oktober. (Privat-Telegramm.) Der Beleidigungsprozeß gegen die.Leipziger Volkszeitung" ist soeben vertagt werden, worden. Das Urteil wird gm 29. d. verkündet meldet, sind von Natal Die letzte große Aktion der Ftipjjger Justiz gegen die„Leimiger Dolkszeitnng". � 8. Leipzig, den 22. Oktober. Als Kulminationspunkt der Vcrnichtungskampagne, den die Leipziger Staatsanwaltschaft zum Schutz der geängstigten Bourgeoisie gegen die „Leipziger BoltSze, tun g' feit zirka einem Jahre führt, dürfte der heutige Prozeh vor der vierten Strafkammer des Land- gerichts in Leipzig, Ivegen Beleidigung der Leipziger Justiz gegen die„Leipziger Volkszeitung" anzusehen sein, nicht bloß weil sich die Klassenjustiz nun wegen der Antworten der„Leipziger Volkszeitung" auf die Prozesse beleidigt fühlt, fondern weil auch alle bisherigen politischen Prozesse gegen die„Leipziger VolkSzeihmg" wiederum Mit verhandelt werden. Als Zeugen für die gegen die„Leipziger Volkszeitung" beliebten Angriffe einzelner Richter und Staatsanwälte und für die Rickstig- keit der von ihr angeführten Tatsachen sind geladen: die Leipziger Rechtsanwälte Dr. Martin Drucker und Dr. H ü b l e r, der Oberstaatsanwalt Böhme, der Staatsanwaltschaftsassessbr Lange, der Oberlandesgerichtsrat Maukisch— der das dra- konische Urteil gegen den Genossen Heinig gefällt hat,—, der Hülfsrichter Assessor Franke und der Amtsrichter H ä n e l, ferner der Reichstagsabgeordnete Stadthagen, die Redakteure K r e f- > f n und H e i n i g und der Journalist Bartels. Die Ber- teidigung des Angeklagten, des Genossen Fritz Se g e r, liegt in den Händen des Genossen Dr. Karl Liebknecht in Berlin. Der Sachverhalt, der der Anklage zugrunde liegt, ist folgender: In Nr. 123 der„Leipziger Volkszeitung" vom 31. Mai, demselben Tage, wo der verantwortliche Redakteur, Genosse K r e s s t n von der dritten Strafkammer Wege» Beleidigung der preußischen und sächsi- schen Militär- und Polizeiverwaltungsbehördcn zu 10 Woche» Ge- fängnis verurteilt wurde, und zwar wegen des Artikels„D e r T i g e r a l s Affe", erschienen zlvei Artikel. In dem einen wurde mitgeteilt, daß der Genosse Kressm wegen Ungebühr vor Gericht zu 2 Tagen Haft verurteilt worden sei,— er hatte die Ungebühr des Oberstaatsanwalts Böhme wegen der ihm vorgeworfenen„Hand- werksmäßigcn" Rcdaktionstätigkeit zurückgewiesen.— Der andere Artikel,„In eigener Sache" betitelt, zeigte, daß die Leipziger Justiz- behörden in ihrem Kampfe gegen die„Leipziger Volkszeitung" eine Methode entwickelten, die scharf gebrairdmartt und wogegen öffent- iich Protest erhoben wurde. Diese Methode,— so hieß es in dem Artikel—, bestehe darin, daß man die Redakteure in der un- gualifizierbarstcn Art und Weise beleidige. Den Anfang Hab« der Oberstaatsanwalt Böhme gemacht in dem großen Aufreizungs- Prozeß am 9. Februar, wo«r die politischen Redakteure der„Leip. ziger Volkszeitung" der Feigheit bezichtigte. Die politischen Re. dakteuro erließen damals eine Erklärung gegen ihn, deren Bercch« tigung er durch Stillschweigen anerkannte. Am ö. März, in einem Prozeß gegen H e i n i g, trat der StaatsanwaltSassessor Lange in die Fußtapfen seines Vorgesetzten. Er ging nichi nur gegen die Gesamt- redaktion vor, sondern auch gegen die Leser der„Leip- ziger Volkszeitung" die er als dümmer, als die der bürgerlichen Blätter hinstellte. Von den Staatsanwälten sprang diese anmutige Methode auf das Richterpersonal über. So hat der Amtsrichter H ä n e l in einem Beleidigungsprozesse gegen Genossen K r e s s i n«S— natürlich be. weislos— für gerichtsnotorisch erklärt, daß die „Leipziger Volkszeitung" ihre politischen Geg- ner in wüster und roher Weise beschimpfe. In einem anderen Beleidigungsprozeß gegen H e i n i g, den die dem„Wirt- schaftlichen Aerzteverband" angehörenden HerrenDoktoren Weiß und Bergmann angestrengt hatten, hat der Vorsitzende Richter, Assessor Franke, im schrittlichen Urteil folgenden Satz niedergeschrieben: „Strafcrhöhend Wirten weiter die Vorstrafen des Angeklagton und der Umstand, daß die„Leipziger Volkszeitung" in letzter Zeit— was gcrichtskundig ist—, wiederholt wegen ihres Tones und ihrer Berichterstattung an ihren Redakteuren hat bestrast werden müssen. Dadurch wird bewiesen, daß ihren Redakteuren zum großen Teil das ethische Empfinden für den Wert und die Achtung der Ehre ihrer, der sozial- demokratischen Partei nicht angehörenden Mit- menschen, abhanden gekommen ist und nur emp- findliche Strafen in dieser Hinsicht bessernd wirken können. Diese angeblich gerichtskundigen Tatsachen die„Leipziger Volkszeitung" in entsprechender Weise kritisierten. was die Staatsanwaltschaft neben dem Protest und der Redewendung von der Ungebühr der Staatsanwaltschaft und Richter in dem Artikel, zum Gegenstande einer Anklage machte. Gewissermaßen weren dadurch die ganzen Prozesse in einem vereinigt aufs neue verhandelt werden, indem die beleidigte Leipziger Justiz und Staatsanwaltschaft sich von der Leipziger Justiz bescheinigen lassen will, daß sie stets gerecht geurteilt und die„Leipziger VoltS- zeitungs"-Redaktion und ihre Leser nicht beleidigt habe. Einige andere Stellen in dem Artikel„In eigener isache haben eS der Justiz besonders schwer angetan. Wie der heute angeklagte Redakteur,, Genosse E« g e r, bei seiner Vernehmung vor dem Unter- srchungsrichter Meißner damals erfuhr. Eue der parte!. Drei Sozialdemokraten in Natal gewählt. Wie unser englisches Bruderorgan, die„Justice" bei den jüngsten allgemeinen Wahlen zum Parlament (Südaflika), die vor wenigen Wochen stattfanden— das Blatt gibt leider nicht das genaue Datum— drei Sozialdemokraten als Kandidaten des„Natal Labour Representation Committee"(Ar deiter-Vertretungskomitee von Natal) gewählt worden, die Genossen Haggar, Connolly und P a l m e r. Ihr Programm war populär, daß auch andere Kandidaten es akzeptierten, die nicht der Parteiorganisation angehören! und daraufhin gewählt wurden Bon den 43 Mitgliedern des Nataler Parlaments haben sich auf das Programm der Arbeiterpartei verpflichtet. Ob die außerhalb der Partei Stehenden auch halten, was sie versprachen ist freilich etwas anderes. Das Land ist noch überwiegend agrarisch bäuerlich und kleinbürgerlich. Immerhin ist es nicht unmöglich, daß die Arbeiterpartei eine Sozialreformerei nach dem Muster von Ne» Seeland erzielt. Eine solche ist ausgeschlossen in einem Lande alter kapitalistischer Großindustrie, und eS ist absurd, wenn Neu-Seeland als Muster für England oder Deutschland angepriesen wird. Aber sie ist möglich in einem jungen Koloniallande mit großen Boden reserven und ohne überwiegende kapitalistische Interessen. Da kann die kapitalistische Ausbeutung zeitweise dnrch Sozialreformen nach neuseeländischem Muster gemildert werden. Gemeindewahlsicge. Einen erfreulichen Sieg erfochten soeben unsere Genossen in den bei Mülheim a. d. Ruhr gelegenen Ort schaften Heißen und H a a r z o p f bei den Gemeinderatswahlen. Die beiden Ortschaften haben verschiedene Gemeinderäte, aber eine Verwaltung. In Heißen hatten wir bisher zwei Vertreter in der dritten Abteilung, in Haarzopf noch keinen. Die jetzige Wahl hat uns für Heißen drei neue Gemciudevertreter gebracht, so daß unsere Genossen nunmehr mit fünf Vertretern die ganze dritte Ab teilung inite haben. In Haarzopf ging die Liste unserer Ge Nossen mit 13 gegen 9 Stimmen ebenfalls glatt durch. Hier haben wir zwei Sitze erobert. Die Doppelgemeinde Heißen-Haarzopf hat somit die Zahl der sozialdemokratischen Sitze von zwei au' sieben gesteigert. Von zirka 1200 Wählern beteiligten sich 380 an der Wahl. Unsere Genossen erhielte» 214, 200 und 206 Stimmen. die Zechenpartei 122, 123 und 124 und der übrige Mischmasch 46, 48 und 40 Stimmen. Bei der Wahl vor drei Jahren gelangten wir mit 80 bis 8S Stimmen in die Stichwahl. Wir haben also jetzt nicht nur einen schönen Sieg, sondern auch einen erheblichen Fortschritt an Stimmenzuwachs zu verzeichnen. Die demnächstige Reichstagswahl wirft ihre Schatten voraus I Der Parteitag für beide Mecklenburg wurde Sonntag und Mon tag in Lübeck abgehalten. Im Obotritenlande selbst war das nicht möglich, da nach mecklenburgischer Tradition die Regierungsweisheit die dazu erforderliche Genehmigung nicht gibt. Unsere mecklen bnrgischen Genossen sind also tatsächlich heimatlos. Der Parteitag war gut und zwar von 3S Delegierten beschickt, lieber den ersten Verhandlungstag wird uns mitgeteilt, daß in den Berichten der Kreisvertrauensleute für die sieben mecklenburgischen Kreise ein er- freulicher Aufschwung konstatiert wurde. Zurückgeführt wurde dieser Fortschritt besonders auf die Tätigkeit des Parteisekretärs für beide Mecklenburg. Am zweiten Tage soll ein Kommunal- Programm beraten werden, ebenso die Herausgabe einer Land arbeiterzeitung. Auch ist ein Referat über die Lage des Landarbeiters vorgesehen. Einige Anträge sehen die Erhöhung des Parteibeitrags vor. Die Orzanisatioiien zum Parteitage. In einer gut besuchten Versammlung des Kreiswahlvereins Weimar 3, Ortsgruppe Jena erstattete Genosse Leber Bericht vom Parteitag. Eine Diskussion über das gehaltene Referat fand nicht statt. Die Anwesenden er- klärten sich durch die Abstimmung einmütig mit den Arbeiten des Parteitages einverstanden. Die Genossen von Heidelberg faßten nach einem Referat des Landtags- Abgeordneten Genossen P s ei ffle eine Resolutton. worin sie ihr Einverständnis mit den Beschlüssen und ihre Freude über die glückliche Lösung der stritttgen Frage über daS Berhältnis zwischen politischer Partei und Gewerkschaften ausdrücken. In Bochum wurde nach längerer Diskusston folgende Resn lution angenommen: Die Distriktsversammlung der Großstadt Bochum des sozial demokratischen Vereins für den Wahlkreis Bochum- Gelsenkirchen- Hatttiigen-Wittcn erklärt sich mit den Besckilüssen des Mannheimer Parteitages und mit der Haltung ihres Delegierten aus dem Partei' tage einverstanden. Zu den Aeußerungen des Genossen Sckcibe-Dortmund erklärt die Versammlung, daß Scheibe nicht die Auffassungen der Genossen des Kreises Bochum zum Ausdruck gebracht hat. Die Aeußerungen Scheibcs über unseren gleichStagsabgeordneten Hue sind unberechtigt und unrichtig. Bon einer Mißstimmung gegen die ReichStagsfraktton in der Frage der„Borussia"-Jnterpellation im Ruhrreviere ist uns nichts bekannt. Der letzte Absatz der Resolution wurde mit allen gegen S Stimmen und der andere Teil einstimmig angenommen. Auf die Diskussion kommen wir noch zurück. In der Debatte wurden hauptsächlich die„Bornsfia'-Jnterpellation und die Affäre„Vorwärts"— Stampfer behandelt. Einige Redner erklärten, Stampfer sei in dem bekannten„Borwärts"-Artikel ganz recht geschehen, andere, darunter Genosse Wetzker, nahmen ihn in Schutz.* Warnung. Die Partei- und GewerkschattSgenossen allerorts werden dringend vor einem Justierer Max Schröder, geboren am 20. Dezember 18S8 zu Apolda, gewarnt. Nach verschiedenen bei dem Dresdener Gewerkschaftskartell und der Verwaltung des Metall arbeiterverbandes eingegangenen Berichten resp. An/ragen versucht Schröder unter Borormgung allerhand unwahren Behauptungen Geldbeträge zu erschwindeln. In einer Anzahl Fälle sind thm Reisegelder von 10 M., 7 M.. 5 M usw. gewährt. Schröder ist wegen Denunziatton aus dem Metallarbeiterverbande aus- geschlossen worden. peUzeilichts, Oenchtilcheo ulw. Ein Freispruch. Genosse O u e s s e l vom Steittner„Volks- boten" wurde von der Anklage freigesprochen, einen Kreit- baumeifter beleidigt zu haben. Sttaftonto der Presse. Genosse G r ä tz von der Remscheider „Arbeiterzeitung" wurde wegen Beleidigung eines Lehrers zu 300 M. Geldstrafe verurteilt, obgleich die Beweisaufnahme ergeben hatte, daß der Lehrer den Stock häufig und intensiv be- nutzte. Hus InduCtne und Handel Wo soll das hin? ES gehört eine ganz außerordentliche Dosis Optimismus dazu. di, auaenblickliche Preisgestaltung für Jndustrieerzeugnisse al« ganz ungefährlich anzusehen. Wenn von einer Ueberspannung je geredet werden dürfte, dann geben di« jetzigen Preis« wahrlich Veranlassung dazu. Wie die Preise ansteigen, zeigt die folgende Zusammen« stellung nach den Ottober-Notierungen der Düsseldorfer Börse. Es notierten in Mark: 1886 1893 1902 1903 1904 1900 1906 Roheisen.. 45,00 60.00 67.50 57.50 57,50 60.15 78,00 Flußstabeisen.— 125.00 100,00 107,50 106.50 112,00 142-146 Träger... 110,00 108,00 105,00 105,00 105,00 105,00 1 20,00 Nun waren allerdings in 1900 bis 1901 die Preise noch höher, sie gingen z. B. im Oktober 1900 bei Roheisen um 12 M. über die jetzige Grenze hinaus, bei Flußstabeisen um 24—28 M. und bei Trägern um 20 M. Aber wie lagen die Verhältnisse? Wenn man sich die Manipulationen des Koks- u»d des Roheisensyndikats vergegenwärtigt, dann ist die Ueberzeugung gerechtfertigt, daß mit den Preisen im Jahre 1899, die sich noch unter dem jetzigen Niveau hielten, die höchste Linie der Konjunktur erreicht war und eS bereits bergab ging. Durch allerhand Schiebungen und StimmungS- bilder über Materialnot hatte man es aber verstanden, die Kon- sumenten, die in ihren Büchern noch hohe Auftragsbestände ver- zeichnet hatten, anzureizen, sich mindestens für den Umfang der Verpflichtungen, ja nocii weit darüber hinaus neu zu decken. Und die Händler, welche befürchteten, nicht genug Ware zu bekommen, gaben weit über ihre Bedürfnisse hinaus Aufträge. Aehnlich wie das oft bei Anleihezeichnungen geschieht. Hinter der Stimmungsmache standen die Rohstoffproduzenien, die die künstlich hervorgerufene Angst vor einer Materialnot benutzten, neue langfristige Liefer- verttäge aufzunöttgen, ja alte Verträge wurden gebrochen und den Abnehmern neue mit den wahnsinnig hohen Preisen aufgezwungen. Man ging vor nach dem Grundsatz: nach uns die Sintflut. Und die Sintflut kam. Zu den getriebenen Preisen konnten die Händler nichts mehr anbringen. sie selbst konnten Spezifikationen nicht herausgeben, aber die Werke mußten Material abnehmen und saßen aus dem Trocknen. Mögen die Werke jetzt auch mehr gesichert sein für die gebuchten Aufträge, deshalb liegt noch lein Grund zu der Annahme vor. daß die Kauflust bei noch weiter gesteigerten Preisen anhält. Aber in der Auswärts- bewegung der Matenalpreise soll anscheinend noch kein Sttllstand eintreten. Da ist die Befürchtung nicht von der Hand zu weisen, daß auch die Tage der jetzigen Hochkonjunktur gezählt sind, wenn es so weiter geht._ Rentabilität im Bergbau. Die Bochumer Bergwerks-Attien- gesellschaft erzielte im dritten Vierteljahr 1906 bei 78 Fördertagen einen Gewinnüberschuß von 58 817 M., gegen 51 056,38 M. bei 79 Fördertagen im dritten Vierteljahr 1905. Im vorigen Jahre be- trug der Tagesüberschuß 646 M.. in diesem Jahre 750 M. Das ist eine ganz akzeptable Lohnsteigerung.— Zeche„Ewald" erzielte im dritten Vierteljahr 1906 einen Ueberschuß von 1331486 M. gegen 1 200 801 M. in der gleichen Zeit des Vorjahres.— Zeche„Alte Haase" brachte 56 233 M. Ueberschuß heraus. daS ist«in Mehr von rund 40 000 M. gegen die Parallelzeit 1905.— Beim Aplerbecker Bergwerksverein stieg der Ueberschuß von 150 104 M. im dritten Quartal 1905 auf 160055 M. im dritten Quartal 1906.— Das letzte Geschäftsjahr erbrachte dem Deutsch-Luxemburaischen Berg- Werks- und Hütten- Aktienverein einen Betriehsüberschuß von Ii 024 975 M. gegen 4 683 531 M. für das Jahr 1004/06. Nach Absetzung von 2 332 845 M. Abschreibungen verbleibt ein Reingewinn von 2 990 398 M. gegen 2 133 634 M. im Vorjahre. Aus dem Rein- gewinn werden 10 Proz. Dividende verteilt, der Aufsichtürat er- hält 93 836 M. Für 1904/05 wurde eine Dividende von 8 Proz. ausgeschüttet. Flcischtrust. Eine neue Vereinigung der großen amerikanischen Fleischpackerfirmen ist, einer Meldung der„Sun" zufolge, in Chicago in der Bildung begriffen. Ihr Kapital wird auf 500 Millionen Dollar angegeben und Ogden Armour soll ihr Präsident werden. Sie wird die gesamte Fleischproduktion beherrschen. Der„Sun"- Korrespondent fügt hinzu, die Gründung würde durch die britische Holding Company erfolgen, die Eigentümerin der Aktien der ver- schiedenen Gründergesellschaften werde, wodurch die neue Gesellschaft unter den Schutz der britischen Gesetze komme und die trustfeindlichcn amerikanischen Gesetze umgehe. Da» beteiligte britische Kapital wird dem Pernehmen nack durch Thomas Lipton vertreten, der gegenwärtig in Chicago weilt. Soziales. Hausordnung für Dienstmädchen. Bor einigen Monaten nahmen wir Gelegenheit, eine.HauS» ordnung" aus Bayern an den Pranger zu stellen. Heute sind wir in der Lage, aus WilmerSdort bei Berkin eine„HauS- ordnung" für Dienstmädchen zu veröffentlichen. In der Küche einer Frau Wolfs, Nachodstr. 16, prangt folgendes Plakat: Halte Ordnung, üb» sie, Ordnung spart Verdruß und Müh'. HauS'Ordnung: 6 Uhr: Aufstehen./ V'- �: Mädchen. Jeden Samstag ist Putz-Tag. Berlin d. 21/4. 1906. gez. Frau Wolf f. Frau Wolff hat vergessen anzugeben, wann während der löstündigen Arbeitszeit die Dienstinädchen ihres Leibes Notdurft verrichten können. Die Möglichkeit, daß derartige Arbeitsordnungen existieren, macht den Zusammenschluß der Dienstmädchen dringend erforderlich.__ Die Grüudung eines BauunfallversicherungSverbandes sächsischer Städte ist nun endgülttg vollzogen. In Dresden versammelten sich zahlreich die Vertreter sächsi, cher Städte und faßten entsprechend Beschluß. Die ständig gesteigerten Beiträge, die die Tiefbau- berufsgenossenschafk erhebt und die festgestellte Tatsache, daß bei 'tädtischeu Bauten Unfälle seltener vorkommen als bei Privat- bauten, hat bereits 120 größere deutsche Städte veranlaßt aus der BerufSgenossenschast auszutreten, und sie haben Selbstversicherung nach§ 6 de« UnfallversicherungSgesetzeS eingeführt. In Leipzig und Chemnitz besteht die Selbstversicherung. Dte in Dresden veriammelten städtischen Vertreter genehmigten den von einer Kommission ausgearbeiteten SatzuitgSentwurf und beschlossen, daß alle Städte, die bis zum 15. November ihren Beitritt erklären, in dem Verband ohne weiteres Aufnahme finden. Freiberg wurde als Vorort gewählt und der dortige Rat zum Vorstand bestell!. Bis jetzt haben 66 sächsische Städte ihren Beitritt erklärt. Für den Inhalt der Jujerate übernimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber feinerlei Berantwortung. Theater. Dienstag, den 23. Dktober. Anfang 7%, Uhr. Opernhaus. Tristan und Isolde. Anf. 7 Uhr. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Mittwoch, den 24. Oktober: Gedenkfeier für Henrik Ibsen. Schiller- Theater. Schiller- Theater N.( Friebr.- Bilb. b.)| Schiller- Theater O.( allner- beater), Dienstag, abends 8 Uhr: Die Hoffnung auf Segen. Schiffer Drama in 4 Bildern von Hermann Heijermans jun. Ein Volksfeind. mitwo, abends& Uhr: Schauspiel in 5 Aften v. Henrik Ibsen. Anfang 8 Uhr. Lustspielhaus. 8 Der Herrgottswarter. Hierauf: Zum Einsiedler. Donnerstag, abends8 11 hr: Hasemanns Töchter. Dienstag, abends 8 Uhr; Die rote Robe. Schauspiel in vier Aften von Eugen Brieur. Deutsch von Anne St. Cére. Mittwoch, abends 8 Uhr: Donna Diana. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die rote Robe. Verwehte Spuren. Zirkus Schumann Zirkus Busch. Neues Operntheater. Geschlossen. Zentral- Theater. Schauspielhaus. Hamlet, Brinz von Dänemark. Anf. 7 Uhr. Deutsches. Das Wintermärchen. Westen. Die Zauberflöte. Anfang 8 Uhr. Leffing. Hedda Gabler. Lorking. Undine. Berliner. Sherlod Holmes. Schiller 0.( Wallner Theater.) Hoffnung auf • ( Operette). Täglich 8 Uhr: Tausend und eine Nacht. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Schiller N. Friedrich Wilhelm Ein a städtisches Theater). Robe. Die rote Neues. Der Bürgerliche Edelmann, Der Stammgaft. Komische Oper. Carmen. Residenz. Triplepatte. Lustspielhaus. Berwehte Spuren. Zentral. Tausend und eine Nacht, Kleines. Man kann nie wiffen. Deutsch Amerikanisches. Im wilden Westen. Der Hauptmann von Köpenick. Thalia. Wenn die Bombe plagt! Luisen. Ein Boltsfreund. Bernhard Rose früher Carl Weik. Berliner Kinder. Trianon. Der Hausfeind. Walhalla. Spezialitäten. Ein Volksfeind. Anjang 8 Uhr. Mittwoch: Ein Volksfeind. Donnerstag: Ein Kind des Glüds. Freitag: Ein Wintermärchen. Sonnabend 4 Uhr: Kindervorstellung: Hänsel und Gretel Abends: Ein Wintermärchen. Sonntag nachm.: Ein Wintermärchen. Abends: Ein Boltsfeind. Montag: Die Jungfrau von Deleans. Heute abend präzise 71, Uhr: Das anerkannt vorzügl. Sport- Progr. 1.a.: Agube Gutzow, ausgezeichneter tautafischer Steppenreiter. Die einzig existierende größte Tiger- Gruppe. Noch nie wilde Dressur Henriksen. gefebene borgeführt von tomische Löwen- Baron Der urs mit seinem dressterten Tierpart. Die phänomenalen Luftgymnastiker Les Rixfords. Abends 7, Uhr: Monsieur Romeos! Staunen erregende Automobil- Experimente Ueberfahren mit einem 70 PS. Fiat- Automobil e. 30 3entner u. 4 Inſaſſen.) Die größte Tiger- und Löwengruppe. Herr Grnst Schumann. Zum 1. Male: Artillerie- Exerz. Quadrille: 5 Grdteile. Die 4 urtom. Gebr. Fratellini. Aus der Pußta. Auf der Pußta bort Schumann. Dvig. Bantomime d. Zirk. Buſch. bom Dir. Monf. Fernand Guichenet, Oberbereiter Seiner Maj. des Zaren. Die großartigen neuen Spezialitäten. Um 10 Uhr: Ein Zum 11. Male: Urania. Tag in Monte Carlo. Wissenschaftliches Theater. Große Ausstattungspantomime, Heute im Theater 8 Uhr: arrangiert und auf das glänzenbfte Die Mosellande und ihr Weinbau. Im Hörsaal 8 Uhr: Der Stickstoff und seine Verbindungen. Deutsch- Amerikanisches ingeniert vom Dir. Alb. Schumann. Theater. Jeden Abend 8 Uhr: Wiederauftreten von Adolf Philipp Im wilden Westen und Apollo. Berlin im Omnibus. Spe Herr Hauptmann von Köpenick. zialitäten. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Kasino. Alexander der Große. Folies Caprice. Serenissimus August XXVI.- Das Modell. Das Provinzmädel. Wintergarten. Spezialitäten. Vaffage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Theater 8 Uhr: Die Mosellande und ihr Weinbau. Im Hörsaal: Der Stidstoff und feine Berbindungen. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Im Theatersaal 8 Uhr: Die Schwere der Erde. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Heute und folgende Tage: Sherlock Holmes. Anfang 8 Uhr. Mittwoch nachm. 3 Uhr zu ermäß. Breisen: Der Widerspenst. Zähmung. Neues Schauspielhaus Freitag, den 26. Dttober, 8 Uhr: Eröffnungs- Vorstellung. Der Sturm. Die für den 20. Dltober gefästen Eintrittskarten behalten ihre Gül tigkeit für Freitag, den 26. Of. tober. Die für Sonntag, den 21., gelöften Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit für Sonnabend, den 27. Dttober; eventuell können die bereits gelöften Eintrittstarten an den Vormittagen von 10-1 Uhr bis zum Mittwoch, den 24. Oftober, aurüdgegeben werden. Theater des Westens Station Zoolog. Garten, Kantstr. 12, Heute abend 72 Uhr: Die Zauberflöte. Gutscheinhefte ungültig. Mittwoch 7, Uhr: Schützenliesel. Fris Berner als Gast. Sonntag nachm. 3 Uhr, halbe Preise: Ueber'n großen Teich. Refidenz- Theater. Direktion Richard Alerander. Heute und folgende Tage Anf. 8 Uhr: Triplepatte. Schwank in 5 Aften v. Tristan Bernard und André Godfernaux. Bicomte Robert de Houdan: Richard Alexander. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Eine Hochzeitsnacht. Metropol- Theater Täglich 8 Uhr: Im Theatersaal Invalidenstr. 57/62, abends 8 Uhr: Die Schwere der Erde. WHITE CARTEN ZCARTEN 765 Letzte Vorstellungen des glänzenden und amüsanten Täglich ab nachmittags 4 Uhr: Großes Militär- Doppel- Konzert. Eintritt 1 M., b. 5 Uhr ab 50 f. Stinder unter 10 Jahren die Hälfte, Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allee 148. Oktober- Programms. Seben Sonntag und Donnerstag: Palast- Theater. dazu Palast Der Teufel lacht dazu. Große Jahresrevue in 9 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent M. Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. H. Bender. J. Giampietro, J. Josephi, Fritzi Massary, Phila Wolff. Rauchen überall gestattet. Sonntag, den 28. Oktober 1906, nachmittags 3 Uhr: Ermäßigte Preise! Auf in's Metropol Apollo- Theater. Täglich Liane d'Eve d. Original Matfchiche Tänzerin, Berlin im Omnibus mit dem Omnibus- Trick und das große Spezialit.- Progr. Sonntag, den 28. Oftober, nachm. Neues Theater., b: Große Familienvorstellung Anfang 8 Uhr. Halbe Preise! Halbe Preise! Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Heute 8 Uhr. 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Male: Ein idealer Gatte. idealer Gatte. Freitag: Man kann nie wissen. Komische Oper. Heute abend 8 Uhr: Carmen. Mittwoch: Lakmé. Donnerstag: Hoffmanns Erzählungen. Lortzing- Theater Bellealliancestr. 7/8. Heute abend 7, Uhr: Zum 1. Male: Undine.( Lortzingfeier.) Abonnements gültig. Mittwoch: Zar und Zimmermann. C. Böttcher. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Stralauer Viertel. Bezirk 167. = Tobes Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Tischler, Genoffe Karl Westphahl gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 24. Oftober, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Lazarus- Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Zentral- Verband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Nachruf. Am Mittwoch, den 17. d. Mts., verstarb unser Sollege Heinrich Fischer. Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. Stukkateure. Todes- Anzeige. Am Sonnabend, den 20. DItober, verstarb nach längerem Krantenlager an der Proletarierfrankheit, unfer Mitglied Stanislaus Kobierski im 55. Lebensjahre. Derselbe mar ein langjähriges, treues Mitglied, welcher die Interessen seiner Berufsorganisation stets zu wahren suchte. ad Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet hente Dienstag, nachmittags 8 Uhr, vom Sterbebause, Thaerstr. 12, III, aus dem Zentral- Friedhof in Friedrichsfelde statt. 181/18 Bahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschlands. Konzert, Theater, Spezialitäten. Zentralverbandes der Stukkateure Stets erstklassige Riesenspielfolge. Nach der Vorstellung: Gr. Tanz. Tangleitung: B. Sachse. Anf. Sonntag 5, Donnerstag 8 Uhr. Reichshallen. Täglich: Stettiner Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Am 19. Dftober verstarb unser Mitglied Sänger Wilhelm Wilde Anfang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Colosseum Dresdenerstr. 97. Das brillante Oktober- Programm. Spezialitäten und Volks- Kabarett Buggenhagen 38Moritzplatz. Jeden Dienstag: Gustav Gottschalk- Konzert Solisten Abend unter Mitwirtung Irnerio di Maria. des Opernsängers im Alter von 48 Jahren an Magenkrebs. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 23. Oftober, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen halle des neuen Jakobi- Kirchhofes in Rirdorf, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 148/1 Der Vorstand. Verband der Fabrik-, Land-, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands ( 3ahlstelle Berlin.) Den Kollegen zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied Wilhelm Schönrock Danksagung. Bir sagen allen Teilnehmern bei der Beerdigung unserer guten Mutter Amalie Schostag sowie dem Gesangverein„ Norddeutsche Schleife" unseren herzlichsten Dant. Die Hinterbliebenen. August, Hermann, Karl, Anna, Gustav und Paul Schostag. 27302 Danksagung. Für die zahlreie Beteiligung un? Stranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres guten Baters sagen wir allen Freunden und Bekannten, dem Chef und den Kollegen der Firma Bohn u. Co. jowie dem Drtsverein der Tischler Berlins, dem Lotterteverein„ Endlich Glück“ und den Laubenkolonisten unseren herzlichsten Dank. Die trauernde Witwe Marie Winkler nebst Stindern. 27312 Kranz- und Blumenbinderei vou Robert Meyer, uur Mariannen- Straße 2. A. B. Koch,* Kohlen- Groß- Handlung Berlin 0. 34, Brombergerstr. 15. Preise für nur la Marken ab Blaz von 10 3tr. an:[ 23302* Prima la Halbsteine( bekannte Marken). pr. 8tr. 85 Pf. la Diamant( 110 bis 120 Std.) 19 la Jlse u. Akw. 90 Bf. 95 Pi. la Anthrazit Cadě. 2,10M. Rots, Steinkohlen usw. zu den billigsten Tagespreisen. Anlieferung frei Steller je nach Quantum pr. 8tr. 10-15 Bf. mehr. Bei DriginalWaggons und größeren Abschlüssen berlangen Sie meine Spezial- Offerte. 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Für Theater, die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz penden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters Albert Gollmitz Berlin O., Frankfurter Allee 85. Valhalla Kolossaler Erfolg Wa Varieté- Theater Weinbergsweg 19/20. Am Rosenthaler Tor. Heute abend 8 Uhr: Das humorist. Oktober- Programm. Emmi Kröchert, Willy Prager, Berlins popul. neue Soubrette. aktuelle Coupl. Außerdem: 4 Debüts u. ai Royal Mitsuta's Filippos Jap. Leit.- Bal. Wunderhunde. Rauchen überall gestattet. S A N Straße4a. Sanssouci. Divettion Wilhelm Reimer Heute: Theater- Abend. Bum 1. Male: SDie Waise von Lowood Charakterbild v. Charlotte Birch- Pfeiffer. Sannt., Mont., Donnerst.: Nordd. Sänger und Tanzkränzchen. sagen wir allen Verwandten, Freunden Harry Goldschmidt 59 Moritzplatz 59 Ecke Stallschreiberstraße. Nicht zu vergleichen mit Abzahlungs- Geschäften, welche Garderobe usw. führen. 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Zimmer 1-5, Amt 4, 9679. Mittwoch, den 24. Oktober 1906, abends 8 Uhr, im großen Saale bon Buggenhagen, Morigplak, Dranienſtr. 147: Versammlung aller in der Gold- und Silberwaren- Industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. ages: Drdnung: 1. Bericht über die Verhandlung mit ben Arbeitgebern. 2. Diskussion. 154/19 Sollegeit und Kolleginnen! Da in dieser Versammlung die Antwort der Arbeitgeber mitgeteilt wird und Sie dazu Stellung nehmen sollen, so ist es Pflicht eines jeden von Ihnen, in die Versammlung zu tommen. Donnerstag, den 25. Oktober, abends 8 Uhr: Allgemeine Versammlung der Metallarbeiter und-Arbeiterinnen Spandans und Umgegend im Saale von Köpnick, Pichelsdorferstraße 39. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Grunwald über: Stapital und Arbeit". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Achtung! Die Ortsverwaltung. Parteigenossen! Achtung! 5., 6. u.7. Abt. d. Wahlvereins Berlin V Wahlkreis. der Strumpfwirker. u.7.Abt. Donnerstag, den 25. Oktober cr., abends 8½ Uhr: Donnerstag, den 1. November, abends 8, Uhr, bei Feind, Weinstraße 11: Außerordentliche Geschlossene Mitglieder- Versammlung General- Versammlung. in den ,, Germania- Prachtsälen"( unterer Saal), Chausseestr. 103. Tages Drdnung: 1. Die Nachwahl zum preußischen Landtage. Referent: Reichstags- Abgeordneter Genosse Georg Ledebour. 2. Diskussion. 3. Aufstellung eines Kandidaten für die Wahl zum Haus der Abgeordneten. Eintritt nur nach Vorzeigung der Mitgliedsbuches. Tages Drdnung: Beschlußfassung über die Auflösung der Kasse und Uebertritt zur Drtsfrankenkasse der Weber und beca wandten Gewerbe. 277/1 Um pünktliches Erscheinen der Mit264/ 11* glieder ersucht Der Vorstand. Die Vorstände. Zentral- Verband der Glasarbeiter Freie Vereinigung der Maurer Deutschlands. und-Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Mittwoch, den 24. Oftober 1906, abends 8 Uhr, bei Boeker, Weberstraße 17: Mitglieder- Versammlung sämtlicher Branchen. Tages Ordnung: 1. Aus der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Referent: Arbeitersekretär Genosse E. Brückner. 2. Borstands- und Kassenbericht. 3. Verschiedenes. 74/8 Die Ortsverwaltung. Der deutsche Metallarbeiterverband, Verwaltungs Achtung! stelle daß Portefeuiller! Achtung! Ortsverein Berlin. Bureau: C. 54, Steinstr. 38, 1. Etage. Fernsprecher: Amt III, 3100. Mittwoch, den 24. Oktober 1906, abends 8%, Uhr, im Gesellschaftshaus Berliner Musiker, Kaiser Wilhelmstr. 18m: General- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Abrechnung des Kassierers vom 3. Quar ital 1906 und Revisionsbericht. 2. Wahl eines zweiten Vorsitzenden und eines Revisors. 3. Wichtige Vereinsangelegenheiten. 130/ 11* Mitgliedsbuch legitimiert. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Vollzähliges Erscheinen erwartet Der Vorstand. lofen Mitglieder an dem Zahlabend ihre Mitgliedschaft und Ledergalanterie- Arbeiter und Arbeiterinnen Arbeitervertreter- Verein Berlin. dadurch ausweisen, indem sie ihre Arbeitslosenkarte vorDeutschlands. Zahlstelle Berlin. Einladung zur Verfammlung zeigen. Auf dieser Karte ist die Abstempelung durch Mittwoch, den 24. Oktober, abends 8%, Uhr, im Lokale von Graumann, am Donnerstag, den 25. Oktober, abends 8%, Uhr, im Gewerk. Datum ersichtlich. 154/20 Die Ortsverwaltung. Fachverein der Tischler Berlins und Umgegend. Donnerstag, den 25. Oktober, abends S Uhr, bei 3ölz, Köpenickerstraße 137-138: General- Verfammlung. Tages Ordnung: 1. Bericht sämtlicher Funktionäre. 2. Diskussion über den Mannheimer Parteitag. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Bünktlichen und zahlreichen Besuch erwartet Zahnärztliche Klinik Belle- Alliancestr. 106 I. Schmerzl Zahnziehen unentgeltlich. Bei künstl. Zähnen, Plomben etc. werden nur die Auslagen vergütet. Geöffnet v. 9-6 Uhr. Sonntags 10-12 Uhr. 186/ 13* Der Vorstand. Zentral- Pfandleihe Naunynstr. 27: Ordentliche General- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bericht der Ortsverwaltung, des Kassierers und der Agitationsfommission. 2. Antrag der Kollegen Koniarsky und Jaßlauck: Erhebung eines Lokalbeitrages für die Zahlstelle Berlin. 3. Ersazwahl der Drtsberwaltung und Agitationskommission. Bericht der Fünferkommission. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. schaftshaus, Engel- Ufer 15( Saal III). Tages Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Leibholz: Traumatische Neurose als Folge bei Unfallverletten. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 53/12 Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung werden die Schiedsgerichts- Beisiger ersucht, zahlreich zu erscheinen. Die Versammlungen finden jeden 4. Donnerstag im Monat statt. Der Vorstand. Der hochwichtigen Tagesordnung wegen werden die Kollegen ersucht, S. 2.: Bernh. Jost, Vorsitzender, Fürstenwalderstr. 8. Ad. Stumpe, Staffierer. zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. aus Achtung! Vereine! Maßregelung. Achtung! Gewerkschaften! Der Gastwirt Peters, Wiclejstr. 24, hat ohne Grund Mitglieder dem Zentralverband der Zivilmusiker Deutschlands Ortsver ausgesperrt. Peters hat sich sogar die Aeußerung erlaubt, der Leiter der Kapelle solle aus dem Verbande austreten, dann könne er bleiben. Arbeitsnachweis Wilke, Brunnenstr. 188 zu wenden. Der Vorstand. Wir den|| Heinrichsplatz I Ecke Oranien- Straße. Täglicher Verkauf verfallener Pfänder, bestehend in: Betten, Teppichen, Uhren, Eine Marketten, Ringen, Herrenwöchentliche Teilzahlung liefere elegante fertige[ 2466L* Herren- Garderobe Ersatz für Maß. Anfertigung nach Maß. Tadellose Ausführung. Julius Fabian, Schneidermeister, Große Frankfurterstraße 37, II, Eingang Straußberger Platz.* und Damen- Garderoben. Spezialität: Gute getrag. Herren- Garderoben in jeder Weite.[ 26102* Verdienst nur Zinsenberechnung. Haben Sie Stoff? Ich fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, von 20 Mark an. 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Für Osten I und II, Friedrichsberg, Friedrichsfelde, Johannisthal und Ober- Schöneweide in den Prachtfälen des Oftens, Frankfurter Allee 151/152. und Reinickendorf in den Germania- Sälen, Chanfferstraße 103. Für Charlottenburg im Volkshaus, großer Saal, Rosinenstraße 3. Die Tagesordnung dieser Versammlungen ist eine einheitliche und lautet: 1. Die kulturelle Bedeutung der Verkürzung der Arbeitszeit. 2. Die auf große Aussperrungen gerichteten Pläne der Unternehmerverbände. Referenten sind die Kollegen: Effinge, Norter, Küttmann, Merkel, Muth und H. Silberschmidt. Werte Kollegen! Obige Tagesordnung ist derartig wichtiger Natur, daß keiner der Versammlung fern bleiben darf. Denn gerade der zweite Punkt der Tagesordnung wo die Taktik der Unternehmerverbände besprochen wird sollte es schon jedem Kollegen zur Pflicht machen, in diesen hochwichtigen Versammlungen zu erscheinen. Wir erwarten daher vollzähliges und pünktliches Erscheinen und weisen besonders darauf hin, daß die Versammlungen durchaus pünktlich eröffnet werden. 147/ 19* Also, Kollegen, alle Mann auf dem Poften! Auf allen Bauten Berlins und der Umgegend muß am Mittwoch, den 24. Oftober, die Parole ausgegeben werden: Verbandskollegen, auf zur Versammlung! Der Zweigvereinsvorstand. J. A.: Emil Thöns. Berantwortlicher Redakteur: Says Weber, Berlin. Für den Anferatenteil verantwo.: Th. Gløde. Berlin. Druck u. Verlaa: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW Hr. 247. 28. Jahrgang. 2. Kniige ües Jon W Keilintt lolMntt Dienstag, 23. Oktober lM. Auf zur Stadtverordnetenwahn Die Stadtderordnetenwahl im 3. Wahlbezirk findet heute �--Dlenstag. 23. Oktober— statt. Wahlkandidat der S o z i a l- demockratie ist Bildhauer Paul Dupont, Solmsstraste 33. ü.\ Kommunalwahlbezirk gehört zum zweiten Reichstags- wahlirees, bildet einen Teil der Tempelhofer Vorstadt und nmfaH d�e Stadtbezirke 67—74. Er ist wegen seiner Größe in drei Teile lAbstimmungsbezirke) zerlegt worden, die jeder ihr besonderes Wahl- lokal haben. Der 1. Teil enthält die Stadtbezirke 67 und 70. nämlich: Gneisenaustraße 22— 34 und 81— 92, Mariendorscrstraße ganz, Mittenwalderstraße 13—22 und 41�49, Nostizstratze 12—25 und 37 MS 49, Solmsstratze 17—27 und 30—40, Zossenerstraße 7—15, 20 bt§ 21, 37— 45. Wahllokal des 1. Teils: Mittenwalder- st r a tz e 15 bei König. Der 2. Teil enthält die Stadtbezirke 68. 69. 71. nämlich: Barutherstraße 1—22, Fürbringerstratze 1—17 und 20—36, Gneisenaustraße 2—21 und 93—115, Mittenwalderstraße 1—12 und 50—62, Nostizstraße 1—11 und 50—63, Solmsstraße 1—16 und 41—52. Zossenerstraße 1—6 und 46—55. Wahllokal des 2. Teils: Solms st raße 48 bei Schubert. Der 3. Teil enthält die Stadtbezirke 72. 73. 74. nämlich: Alexandrinenstraße von Waterloobrücke bis Planufer, Blücher- platz 3. Blücherstraße 1—24 und 61—69, Bärwaldstraße 1—11 und 63—69, Geibelstraße ganz, Johannistisch ganz, Johanniterstraße 1 bis 20, Planufer 1— 74, Straße 14B, Tempelherrenstraße 1— 12 und 15— 24, Urbanhafen, Urbanstraße 185— 188, Waterlooufer ganz, Wilmsstraße ganz. Zossenerstraße 56—60. Wahllokaldes 3. Teils: Blücherstraße 61 bei Thiem. Wahlberechtigt ist jeder, der in der Wählerliste steht. Die Wählerliste ist aufge- stellt worden in der ersten Hälfte des Juli 1906. In der Wähler- liste steht jeder, der zu diesem Zeitpunkt mindestens 24 Jahre alt war, die Staatsangehörigkeit in Preußen hatte, seit mindestens einem Jahr in Berlin wohnte, eine eigene Wohnung hatte oder als Chambregarnist galt, im letzten Jahre nicht aus öffentlichen Mitteln unterstützt worden war. Wer nur zu einem Einkommen von 660 bis 900 Mark eingeschätzt und demgemäß zu 4 Mark Steuer veranlagt ist, ist wahlberechtigt, obwohl diese Steuer nicht von ihm bezahlt wird. An der Wahl nehmen diejenigen Wähler noch teil. die bis Juli 1906 im 8. Wahlbezirk gewohnt haben, aber dann aus ihm weggezogen sind. Auch diese Wähler dürfen es nicht unter- lassen, heute von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, und zwar ungemahnt. Es ist schwer, am Wahltage auch sie noch auszusuchen und sie an ihre Pflicht zu erinnern. Regelmäßig fügt es sich so, daß zwischen der Aufstellung der Wählerliste und dem vom Magistrat festgesetzten Wahltermin ein großer Umzug liegt. Da sind es dann besonders Wähler der Arbeiterklasse, die durch Wohnungswechsel ihrem Wahlbezirk entzogen werden. Auf die Säumigkeit der weggezogenen Wähler der Arbeiterklasse setzt der Freisinn bei allen Wahlen seine Hoffnung. Möge sie ihm diesmal gründlich vereitelt werden. Den Wählern hat der Magistrat die üblichen Legi- timationskarten übersandt. Gültig sind auch andere Legi- timationen, z. B. Steuerquittung, Militärpapiere, Mietskontrakt; doch wird durch Vorweisung der amtlichen Legitimation eine raschere Erledigung des Wahlaktes erreicht. Es ist möglich, daß nicht alle Wähler die amtliche Legitimation erhalten haben; namentlich solchen Wählern, die inzwischen aus dem Wahlbezirk weggezogen sind, wird sie nicht immer zugestellt worden sein. Da muß dann natürlich für eigene Legitimationspapiere, wie oben angeführt, Sorge getragen werden. Die Wahlzeit ist die übliche, von morgens 10 Uhr bis 8 Uhr abends Doch empfiehlt es sich, den Gang zum Wahllokal nicht bis zum letzten Augenblick hinauszuschieben. Jeder gehe so zeitig wie mög- lich. Unseren im Wahlbezirk tätigen Genossen wird es dadurch er- spart, in letzter Stunde noch hunderte säumiger Wähler heran- zuholen. Das Wahllokal wird übrigens Punkt 8 Uhr geschlossen Wählen darf dann nur noch, wer bereits im Lokal ist. Wie unsere Gegner arbeiten. Dem Wahlkandidaten der Sozialdemokratie, unserem Genossen Bildhauer Paul Dupont, hat der Freisinn den Herrn Emil Hufs entgegengestellt. Der Mann ist Fabrikant und Kaufmann, glück- licher Besitzer dreier Häuser, bewährtes Mitglied zweier Haus- besitzervereine. Die Hausbesitzer, die ja die Kerntruppe des Berliner Stadtfreisinns sind, haben für ihn still und unauffällig, aber mit Eifer agitiert. Sie glauben, in der Stadtverordnetenversammlung noch immer nicht genug ihrer Sorte zu haben. Das„liberale W a h l k o m i t e e" hat es erst am Vorabend der Wahl, am Montagabend, gewagt, den von einem ganz kleinen Konventikel aufgestellten Herrn Emil Hufs einer öffentlichen Versammlung vorzustellen. Was der Liberalis- mus den Wählern vorzuerzählen für gut hält, das hat das Wahl- komitee einem Flugblatt anvertraut. Da wird geredet— wir lasen's mit Staunen— von„sozialen Aufgaben", von„sozialer und liberaler Anschauung und Gesinnung". Wie wenn der Berliner Kommunalliberalismus je eine„soziale Anschauung" betätigt hätte, je„soziale Aufgaben" anerkannt hätte!„Großes und Herrliches ist," so prahlt das Flugblatt,„durch das Berliner Bürgertum ge- schaffen. Größeres und Herrlicheres soll geschaffen werden! Die Einrichtungen Berlins für die Armen-, Kranken- und Jrrenpflege stehen einzig da und erregen selbst die Aufmerksamkeit fremder Staaten. Gemeindeschulen, Fortbildungsschulen, Handwerker- schulen, technische Bildungsinstitute der vielfältigsten Art bczeugon die große Fürsorge des Bürgertums für die Jugend, die werdenden Arbeiter und Bürger." So bramarbasiert der Berliner Freisinn. „Einzig steht da" die Dreistigkeit, mit der hier der Liberalis- mus die Leistungen Be'rlins als mu st erhaft preist, wiewohl alle Welt weiß, daß unsere Kommune leider auf keinem Gebiete eine führende Stellung einnimmt. Das Flugblatt erzählt weiter, trotz„solcher Taten" verschließe das liberale Bürgertum Berlins sich doch nicht„den Forderungen der Zeit": Hebung und Besserung oer Arbeitsverhältnisse, der Löhne und Gehälter der städtischen Arbeiter, Beamten und Lehrer; Wer- besserung der Fürsorge in den Kranken- und Genesungsheimen, Schaffung eines städtischen Gesundheitsamtes; Uebersührung der Straßenbahnen und Elektrizitätswerke in die städtische Verwaltung; eine gerechte und gesunde städtische Steuerpolitik. Aber wie stimmt denn zu diesen faustdick aufgetragenen Versprechungen die Haltung, die der Liberalismus gegenüber all diesen„Forderungen der Zeit" im Stadrparlament eingenommen hat? Uebrigens lassen selbst im Flugblatt die viel versprechenden Liberalen sogleich den Pferdefuß herausgucken, indem sie zetern:„Die Sozialdemokraten haben es leicht, immer neue Forderungen an die Stadt zu erheben. Die Liberalen denken also auch an diejenigen, welche für alle jene ufer- losen Forderungen mit erhöhten Steuern in Anspruch genommen werden. Die Liberalen wollen Sparsamkeit in der Stadt und Schonung derjenigen, Sie Steuern bezahlen, im Gegensatz zu den- jenigen, die keine Steuern zahle n." Ei gewiß, die Sozial- demokraten„zahlen keine Steuern", darum erheben sie„uferlose Forderungen". Gegen sie muß der Liberalismus die G e l d s ä ck e der gutsituierten Bürger, vornehmlich der Hausbesitzer, schützen und beschirmen, indem er im Rathause die„Forderungen ist Seit"- ablehnt. Für den freisinnig-hausagrarischen Kandidaten Hufs hat, wie wir schon meldeten, auch der..Reichsverband gegen die Sozialdemokratie" kräftig gearbeitet. Die eine Zuschrift, Lfe wir am Sonntag veröffentlichten, hat dem„Reichsverband" noch nicht genügt. In einer zweiten Zuschrift ruft er aufs neue alle bürgerlichen Wähler zur einmütigen Unterstützung des liberalen Kandidaten aus. Er mahnt:„Gegenüber der stetig wachsenden sozialdemokratischen Gefahr müssen in der Stunde der Entscheidung alle trennenden Momente bei den Angehörigen der verschiedenen bürgerlichen Parteien zurücktreten; nur die Uneinigkeit des Bürger- tums hat es zuwege gebracht, daß die Sozialdemokratie eine der- artig bedrohliche Bedeutung gewinnen konnte. Ein Sieg des liberalen Kandidaten in unserem Wahlbezirk am 23. Oktober würde geeignet sein, das Bürgertum zu neuen Erfolgen im Kampfe gegen die Sozialdemokratie anzuspornen, nicht nur bei den Gemeinde- wählen, sondern auch bei den allgemeinen Wahlen zum Reichstag e". Die sozialdemokratischen Wähler deS 8. Wahl- bezirks sollten sich den letzten Satz genau überdenken; die Be- deutung dieser Ersatzwahl reicht in der Tat weit hinaus über die engen Grenzen des einen Bezirks. Uebrigens war diesem zweiten Schreiben des Reichsverbandes ein Flugblatt beigelegt, das in bekannter Manier warnt:„Wählt keinen Sozialdemokraten". Da wird erzählt, die Sozialdemokratie wolle das Eigentum rauben, Ehe und Famisie beseitigen, die Religion ausrotten, das Königtum abschaffen usw. usw. Alles Mögliche und Unmögliche steht in dem Wisch— und kein einziges Wort über Stadtverwaltung und Stadt- vcrordnetenwahl. Dem Freisinn, der aus eigener Kraft in den Wahlbezirken dritter Abteilung nichts mehr zu erreichen vermag, ist die anrüchige Bundesgenossenschaft des„Reichsverbandes" sehr willkommen. Auch diesem zweiten Schreiben war wieder ein Stimmzettel beigelegt, der vom liberalen Wahlkomitee si. A.: Matthe» und Perls) unter» zeichnet war. Vom„Reichsverband" will der Freisinn sich alle nichtsozialdemokratischen Wähler zuführen lassen, die Mittelstands- leute, die Beamtenschaft, die Reste der konservatw-antisemitischen Bürgerpartci, die ihm übrigens schon früher bei Stadtverordneten- wählen Handlangerdien st e geleistet hat. Wenn keine Wahlen in Aussicht sind, schimpfen die freisinnigen Maulhelden vom Schlage des Herrn Perls auf diese Bevölkerungsschicht. Wenn Wahlen kommen, ist sie immer noch gut genug dazu, ihnen den Karren aus dem Dreck ziehen zu helfen. Genossen! Seid heute auf der Hut! Die Wählerschaft aus der werktätigen Bevölkerung, die allein von der Sozialdemokratie eine Besserung der kommunalen Zustände Berlins erwartet, wird heute auf dem Posten sein müssen, wenn der Wahlbezirk im Besitz der Sozialdemokratie bleiben und Bildhauer Paul Dupont gewählt werden soll. Für den Wahlkandidaten der Sozialdemokratie, Bildhauer Paul Dupont, Solmsstrasie 33, muß.jeder Wähler stimmen, der Einspruch erheben will gegen die Diißwirtschaft des Berliner Kommunalsrei- s i n n s. »»* Alle Parteigenossen, die am heutigen Wahltage Hülfe leisten wollen, auch diejenigen, welche sich bereits gemeldet-haben, werden ersucht, sich um 9 Uhr in dem Zentralbureau einzufinden. Seidel, Mittenwalderstr. 16(Zentrale), Scholz, Zosscnerstr. 1, Hilgert, Urbanstr. 7. Das Wahlresultat wird in den heutigen Zahlabenden des 2. Wahlkreises bekannt gegeben. - Der Vorstand. partei- Hngelegenbeltem Zum heutigen Extra-Zahlabend sei darauf aufmerksani gemacht, daß vollzähliges Erscheinen der Wahlvereinsmitglieder dringendes Erfordernis ist, soll die auf- zunehmeilde Statistik über die gewerkschaftliche Zugehörigkeit der Mit- glieder und über andere wichtige Fragen Anspruch aus Zuverlässigkeit haben. Alle Mitglieder müssen zum guten Gelingen dieser mühe- vollen aber verdienstlichen Arbeit beitragen. Insbesondere wollen die Mitglieder, die beim letzten Umzug aus ihrem Bezirk verzogen sind, aber im neuen Bezirk noch keine Einladung zum Zahlabend erhalten haben, sich auch ohne Einladung im neuen Bezirkslokale heute abend einfinden. Wem dies neue Lokal nicht bekannt sein dürfte und wem es durchaus nicht gelingt, dies durch Erfragen im Bezirk zu erfahren, der tut gut, sich noch im alten Bezirk zur Aufnahme in die Statistik zu melden. Wiederholt sei darauf hingelvicsen, daß der Extrazahlabend auch in den Vororten abgehalten wird. Das Protokoll vom Parteitage zu Mannheim gelangt heute abend zum Preise von 10 Pf. zur Ausgabe. �_ Der Aktionsausschuß. Zur Lokalliste! Folgende Lokale stehen uns zu den bekannten Bedinguiigen zur Verfügung: In Zehlendorf, Kreis Teltow-Beeskow: Wilh. Miecks Gesellschastshaus, Karlstr. 12; in Neu-Zittau: Wald- schlößchen, Jnh. C. Schulz, Goscnerstraße. Bitte aus- zuschneiden und der Lokalliste beizufügen. Am Freitag, den 26. d. M. veranstaltet der Ausschuß zur Ver- anstaltung von Volksaufführungen in der Philharmonie ein Konzert. Da nian bei derartigen Veranstaltungen hauptsächlich mit dem Vertrieb der Billetts in Arbeiterkreisen rechnet, verweisen wir auf den Beschluß der Parteigenossen Grotz-Berlins, wonach die Philharmonie für die auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehende Arbeiterschaft auch für den persönlichen Verkehr ge- s p e r r l r st. Auf Ersuchen deS Arbciter-RaucherbundeS teilen wir mit, daß der in Nummer 220 genannte Rauchklub„Zur goldenen Sonne", welcher in dem gesperrten Lokal„Charlottenburger Kasino" am 22. September sein Stiftungsfest abgehalten hat, auf Grund dieser Tatsache aus deni Arbeiter-Raucherbund ausgeschlossen worden ist. Die L o k a l k o m m i s s i o n. 3. Landtagswahlkrcis bestehend aus dem 6. ReichstagSwahlkreis und der 5., 6. und 7. Ab- teilung des 5. Kreises. Am Donnerstag, den 25. d. M., geschlossene Mitgliederversammlung in den Germaniasälen, Chaussee- straße 103: Aufstellung eines Kandidaten zur bevor- stehenden Nachwahl zum preußischen Abgeordnetenhaus. Vorher: Vortrag des Genossen Ledebour. Eintritt nur gegen Vor- zeigung deS Mitgliedsbuches._ Die Vorstände. Treptow-Baumschulcnweg. Heute abend 8'/z Uhr findet eine Volksversammlung statt, in welcher Genosse F. Zubeil über „Deutschlands äußere und innere Politik und sein Panama" sprechen wird. Die Parteigenossen sind verpflichtet, in dieser Versammlung zu erscheinen und etwaige Bekannte und Nachbarn mitzubringen. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Der Vorstand. Johannisthal. Den Genossen zur Kenntnis, daß am 23. Oktober im„Lindenhof" die Generalversammlung des Wahlvereins stattfindet. ES ist Pflicht der Genossen anwesend zu sein und die Mit- gliedsbücher der Gewerkschaft, ebenso die Quittungen des„Vorwärts" mitzubringen. Der Vorstand. Friedenau. Heute abend �9 Uhr: Mitgliederversammlung bei Grube. Kaiser-Allee85. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Bericht vom Parteitag. 3. Aufnahme der Statistik. Die Partei- genossen werden ersuchi, pünktlich und zahlreich� zu erscheinen und die Mitgliedsbücher der politischen und gewerkschaftlichen Organi- sation, sowie die„Vorwärts"- resp. Zeitungsquittung mitzubringen. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Der Borstand. Zchlcndorf. Heute findet der Extra-Zahlabend behufs Aufnahme der Statistik für den I., II. und III. Bezirk im Lokal von Benno Mickley, Potsdamerstr. 25. für den IV. Bezirk(Schlachtensee) im Lokal von Aug. Rüter, Schlachtensee, Eitel Fritzstr. 12, statt. Partei- genossen! Seid alle zur Stelle und helft durch vollzähliges Er- scheinen die so notwendige Arbeit der Ausnahme der Statistik glatt und lückenlos durchführen! Kein Genosse darf fehlen! Als Aus- weise sind mitzubringen Wahlvereinsbuch, Mitgliedsbuch der gewerk- schaftlichen Organisation, sowie die letzte Monatsquittung vom „Vorwärts". Der Vorstand. Tempelhof. Heute Dienstag, den 23. Oktober, abends S1� Uhr, findet die Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins Tempelhof bei M. Müller, Berlinerstr. 41/42, statt. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag. Referent: Genosse Wollermann. 2. Dis- kussion. 3. Bericht des Vorstandes. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. 5. Vereinsangelegenheiten. Nach der Versammlung findet die Aufnahme der Stasistik statt und haben hierzu die Mitglieder ihre Verbandsbücher mit- zubringen. In Anbetracht der Wichtigkeit dieser Aufnahme ist es Ehrenpflicht aller Mitglieder zu erscheinen. Der Vorstand. berliner jVacbrichtcn. Ueber die Elektrisierung der Stadtbahn hat sich der Minister der öffentlichen Arbeiten einem Mitarbeiter des„Verl. Tageblatt" gegenüber sehr ausweichend geäußert. Wohl bedürften die zetzigen Zustände auf der Stadtbahn dringend einer Nachhülfe und Aende- rung, ob diese Besserung aber durch die elektrische Umgestaltung der Berliner Stadtbahn in hohem Maße erreicht würde, sei sehr zu prüfen. Um die hohen Kosten— mehr als 100 Millionen Mark — außerdem die lange Zeit, die die Umwandlung bedürfe, wobei nicht zu vergessen sei, daß die elektrisch betriebene Stadtbahn von etwas Neuem überholt sein könne und endlich der Umstand, daß bei einer solchen Umwandlung der Verkehr uin nur höchstens 30 Pro- zent gesteigert werden könne, alles das gäbe doch sehr zu denken. Er gebe zu. daß Berlin als Dreimillionenstadt eine Ausnah-ne dar- stelle und als Ausnahme auch behandelt werden müsse. Gerade darum lasse er sich auch die Förderung seines Vorort- Verkehrs besonders angelegen sein. Ein Schritt auf diesem Wege ist der neue Winterfahrplan, der eine große Reihe neuer Vorortzüge aufweist. Er habe sich dabei bemüht, möglichst auf die Bedürfnisse des Verkehrs zu den verschiedensten Tagesstunden einzugehen. Dadurch sei den Bewohnern der Vor- orte mehr gedient, als durch Ermäßigung der Tarife.s!)" Ueber seine bekannte ablehnende Stellung gegenüber dem Be- streben einer großen Anzahl von preußischen Vorortgemeinden auf Einrichtung des Vorortverkehrs erklärte der Minister: „Ich bin deswegen viel angegriffen worden. Es ist aber der Weg, den ich allein gehen kann. Die kleinen Vorortgemeinden in den verschiedenen Teilen des Staates können nicht das ver- langen, was ich aus den vorhin geschilderten Gründen Berlin ge- währen mutz und will. Meine Antwort sollte nicht etwa als ein indirekter Wink an den Berliner Magistrat aufgefaßt werden. Ich bin lediglich der Ueberzeugung, daß die Aufgaben des Bor- ort- und Lokalverkehrs im allgemeinen von der Privat- initiative rascher und glücklicher gelöst werden können als von der Staats bahnverwaltung, die sich den Weg für die all- gemeineren Fragen des Verkehrs offen halten muß. Ich habe früher vier Jahre in der Nähe Berlins gewirkt und weiß, daß hier, wie schon erwähnt, besondere Umstände mitsprechen. Ich habe aber auch in preußischen mittleren Großstädten gelebt und durch die Praxis erfahren, daß gerade Straßenbahnen in städtischer Verwaltung dem Vorortverkehr sehr günstig dienen! Mehr kann ich leider nicht sagen. Ich versichere, daß ich nicht nur die Frage der Stadtbahnelektrisierung, sondern alle Berliner Verkehrsfragen mit größtem Interesse verfolge." Diese Auslassungen bestätigen von neuem, daß der Eisenbahn- minister ein Gegner der Tarifherabsetzungen im Berliner Vorort- verkehr ist, obwohl gerade diese Frage eine eminente Wichtigkeit beanspruchen darf. Die EntWickelung der Vororte hat dahin ge- geführt, daß sie, wenn auch kommunalpolitisch selbständig, mit Berlin doch eine wirtschaftliche Einheit bilden. Dem muß auch der Staat Rechnung tragen. Schon allein im Hinblick auf die Wohnungsfrage, die in Berlin für die minder- und unbemittelre Bevölkerung immer ungünstiger wird, ist eine Tarifreform dringend erforderlich. Der Hinweis auf Privatinitiative auf diesem Ge- biete ist gänzlich verfehlt. Der Staat darf die Lösung dieser wich- tigen Verkehrsfragen nicht dem Privatkapital überlassen, sondern muß selbst tatkräftig eingreifen. Die Berliner Strasienreinigung. Aus Kreisen der Gemeinde- arbeiter wird uns geschrieben: Dieser Tage ist ein Verwaltung»- bericht des Magistrats zu Berlin für das Etatsjahr 1905 über das Straßenreinigungswesen erschienen. Da sich kürzlich die De- putation für das Stratzenreinigungswcsen mit der Reorganisation dieses großen kommunalen Betriebes beschäftigte und unter anderem auch die Lohnfrage in einer den städtischen Arbeitern recht wenig zusagenden Weise„regelte", so wollen wir uns diesen Verwaltungs- bericht etwas genauer ansehen. Im allgemeinen Teil wird gesagt, daß die Deputation für das Straßenreinigungswesen aus vier Stadträten und acht Stadtverordneten besteht; von diesen acht Stadtverordneten hat es am Dienstag nur einer verstanden, für eine Lohnerhöhung der betreffenden Arbeiter zu stimmen. Das freundliche Wohlwollen der anderen sieben, das sich hier und da dem Zuckerwasscrverein der Stratzenreiniger gegenüber kundgibt, reichte nicht ans, um für eine materielle Verbesserung der Straßenreiniger zu wirken. Dieser hurrapatriotische Lokalverein der Straßen- reiniger hat unseres Wissens, um den im Gemeindearbeitervcrband organisierten Kollegen um eine Nasenlänge zu schlagen, eine Ein- gäbe um Erhöhung des Anfangslyhnes auf 4 M. eingereicht, einer Antwort wurde dieser gehätschelte Klub der harmlosen Straßen- reiniger aber nicht gewürdigt. Wie aus dem Bericht des„Vorwärts" zu ersehen, wird die Deputation den Etat in einer später statt- findenden Sitzung endgültig feststellen, nachdem die Direktion der Straßenreinigung ihre Reformpläne ausreichend finanziert habe. Wir wollen sehen, ob die Mehrheit der Verwaltungsdeputation und späterhin der Magistrat wirklich den Mut haben, über die geradezu bescheidenen Forderungen— Herr Kirschner wird gütigst gestatten — zur Tagesordnung überzugehen. An dem Verwaltungsbericht ist ferner noch die Mitteilung interessant, daß an Löhnung für das Personal 1905 2 457 624 M. zur Verfügung standen, aber nur 2 402 585,10 M. ausgegeben, somit auf Kosten der Arbeiter 55 038,90 Mark gespart wurden. Wir sagen auf Kosten der Arbeiter. Diese Behauptung wird beweiskräftig dargetan, wenn wir weiter be- merken, daß sich die Zahl der Erkrankungen um 124 vermehrt haben, somit auf 1225 stiegen, und an Stelle der erkrankten Arbeiter erst nach einiger Zeit gesunde Kräfte zur Aushülfe eingestellt werden,. die arbeitenden Mannschaften also ein größeres Arbeitspensum be- wältigen müssen. Dann kommt noch hinzu, daß im Berichtsjahre sich das Arbeltsgebiet um rund 245 000 Quadratmeter vergrößert hat. Die erfolgten Neueinstellungen sind ungenügend; die aur- �eMosenen Erspätnlsse sind also auf Kosten der Menschlichen Arbeits- kraft erzielt worden. Es bleibt immer noch als eine bedauerliche Tatsache bestehen, daß die Stadt zirka 500 Arbeitsburschen im Alter von 15 bis 18 Jahren beschäftigt. Diese jungen Leute müssen tat- sächlich dieselbe physische Arbeit wie die erwachsenen Arbeiter der- richten und erhalten trotzdem einen weit geringeren Lohn wie diese. Man kann es oft genug beobachten, wie sich diese jungen Burschen mit den 10 bis 15 Pfund schweren Besen abplagen müssen. Im übrigen glauben wir, daß die von der Direktion geplante Reform der Straßenrcinigung in den Kreisen der„zufriedenen", besser be- zahlten Elemente mit gemischten Gefühlen aufgenommen werden wird. Zu wünschen wäre noch, daß den Aufsehern seitens der Ver- waltung der Spielraum etwas eingeengt wird. Denn was in einer kürzlich abgehaltenen und stark besuchten Versammlung der Straßen- reiniger bezüglich der Handlungsweise dieser Beamten mitgeteilt wurde, müßte den Magistrat veranlassen, einmal nach dem Rechten zu sehen. Den Beamten mühte streng verboten werden, Arbeiter für Privatarbeitcn und eventuell in städtische Dienste stehende Fuhr- Werke für Zwecke zu benutzen, die von der Deputation nicht vor- gesehen sind. Verlegung von sechs Straßenbahnlinien. Die Straßenbahn ist wegen Bauarbeiten genötigt, sechs ihrer Linien zum Teil abzulenken. Die Oberleitungsanlage in der Turmstraße an der Ecke der Strom- straße wird ausgewechselt und der geänderten Kreuzungsanlage entsprechend verändert. In den Nächten zwischen Dienstag, den 23. und Freitag, den 26. Oktober, finden deshalb folgende Ab- lenkungen statt: Linie 6 von 1.14 Uhr ab Gotzkowskystraße, von 12.20 Uhr ab Küstriner Platz und 12.30 Uhr ab S�ittelmarkt in beiden Richtungen nicht durch die Rathenower- und�Turmstraße, sondern durch Alt-Moabit, die Beussel- und Turmstraße nach der Gotzkowskystraße; Linie 7, von 12.03 Uhr ab, Herthastraße, fahren die Wagen nicht mehr bis zur Bremerstraße, sondern durch die Straße Alt-Moabit bis zur Beusselstraße; Linie 9, der letzte Wagen 12.45 Uhr, ab Schlesischer Bahnhof, fährt nicht durch die Rathenower- und Thurmstraße, sondern durch Alt-Moabit bis zur Gotzkowsky- straße. Linie 11, von 1.07 Uhr ab Wiebcstraße, und von 12.30 Uhr ab Görlitzer Bahnhof, in beiden Richtungen nicht durch die Rathcnower- und Turmstraße, sondern durch die Straße Alt-Moabit, die Beusselstraße bis zur Huttenstrahe; Linie 15, der letzte Wagen 12.05 Uhr ab Rixdorf Ringbahnhof, fährt nicht bis zur Birkenstraße, sondern durch die Srraße Alt-Moabit und die Beusselstraße bis zur Huttenstraße; Linie 19, der letzte Wagen 12.16 Uhr ab Schlesisches Tor, fährt nicht durch die Rathenower-, Birken- und Stromstraße, sondern durch Alt-Moabit und Beusselstraße bis zur Huttenstraße. Schlafznstand. Ein jetzt fast 45 jähriger Magistratsbeamter A. in Wilmersdorf fiel am 10. Juni 1904 beim Aussteigen aus der Straßenbahn auf den Hinterkopf. Seit dem 20. Juni 1904 schläft der Mann ununterbrochen. Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Eulen- bürg macht in der„Med. Klinik" jetzt über den Fall folgende Mit- teilungcn: A., der aus einer zu Nervenkrankheiten veranlagten Familie stammt, war in den letzten Jahren vor dem Unfall körper- lich und seelisch stark heruntergekommen. Der Unfall hatte nur eine geringe Anschwellung am Hinterkopf, aber deutliche Er- scheinungen einer Gehirnerschütterung und bald darauf Schlaf- zustand zur Folge. Als A. drei Stunden nach dem Unfall den Be- such seines Hausarztes erhielt, war er noch bei Bewußtsein; später aber schlief er, während der Arzt noch mit ihm sprach, fortwährend ein, und seit dem 20. Juni 1904 befindet er sich dauernd in dem seltsamen Zustande.—„Der Patient liegt auf dem Rücken in seinem Bett, den Kopf leicht nach der rechten Seite gedreht, die Stirn wie bei einem finster Grübelnden in Falten gezogen. Die Gliedmaßen gehorchen willenlos jeder Einwirkung von außen. Die Hautempfindlichkeit erscheint an der ganzen Körperoberfläche voll- ständig erloschen; tiefe Nadelstiche lösen nicht die geringste Empfindlichkeit aus. Das gleiche, wie.für schmerzerweckende Hautreize, gilt dem Anschein nach auch für jede Reizung der Sinnes- organe durch intensive Schallreize, grelles Licht, starke unangenehme und stechende Gerüche. Der Kranke kommt keiner Aufforderung nach, gibt kein Bedürfnis irgendwelcher Art zu erkennen, auch te,n Verlangen nach Speise oder Trank. Er wird in regelmäßigen Abständen gefüttert; er kaut die verabreichten Speisen langsam, nachdem er sie gleichsam tastend mit den Lippen ergriffen hat, und schluckt sie, ohne sich zu verschlucken. Nicht einmal hat A. während dieser ganzen Zeit die Augen aufgeschlagen, nicht eine Siloe ge- sprachen, nicht die leiseste Reaktion auf äußere Eindrücke von sich gegeben."— Anscheinend handelt es sich um eine in eigenartiger Weise beschränkte und krankhaft veränderte Tätigkeit gewisser Hirn- teile, um eine„zentrale Willenshemmung", die unter dem Ein- flusse der seelischen Verstimmung und des Unfalls zugleich ent- standen ist. Professor Eulenburg hält die Möglichkeit eines Plötz- lichen„Erwachens" nicht für ausgeschloffen. Die Tragödie eineD Brautpaares ruft in dem Oranienburger Stadtviertel allgemeines Aufsehen hervor. Schon seit längerer Zeit war die 25jährige Buchhalterin Paula Lindow aus der Schlegel- siraße 12 mit einem Techniker verlobt. In wenigen Tagen sollte die Hochzeit gefeiert werden, und das Heim für das junge Paar war bereits eingerichtet. Da erkrankte kürzlich der Bräutigam an einem Herzleiden und starwAach 14 Tagen. Aufopfernd hatte die Braut den Geliebten gepflegt und sie war nicht von seinem Krankenlager gewichen. Ueber den Tod des Verlobten war das junge Mädchen untröstlich. Wenn es der Unglücklichen nicht vergönnt sein sollte, an der Seite des Geliebten zu leben, so wollte sie wenigstens im Tode mit ihm vereint sein. Am Sonnabend srüh verschwand sie plötzlich aus der elterlichen Wohnung und stürzte sich am Hol- steinischen Ufer in die Spree. Gestern wurde ihre Leiche aus dem Wasser gelandet. Die Tote wird nun neben dem Grabe ihres Bräutigams die letzte Ruhestätte finden. Zu dem Unfall in der Bcrgmannschen Fabrik, über den wir in der Freitagsnummer unseres Blattes berichteten, werden uns nach- träglich noch folgende Mitteilungen gemacht: Der Unfall ereignete sich in der Schleiferei, einem kleinen, engen Räume. Die Schleiferei besitzt keinen eigenen Antrieb und mich keine eigene Ausrück- vorrichtung, so daß die Stillsetzung der Maschine erst von einem andern Saal aus geschehen kann. Von den Arbeitern dieser Ab- teilung ist schon öfters auf die mangelhaste Einrichtung dieser Ab- teilung hingewiesen worden, leider vergebens. Es ist auch gar nicht zu verwundern, daß keine Abhülfe geschah. Die Leitung dieser Abteilung gehört nämlich zun, Machtbereich des Obermeisters Ehrke, der mit tödlicher Sicherheit jede» ermittelt. der es wagt, an den hier herrschenden Zuständen Kritik zu üben, und der„verdienten"� Strafe der Entlassung aus dem Betriebe anheimfallen läßt. Wie kann sich auch jemand erfrechen, wider die Herrschaft dieses Allgewaltigen,„des Tüchtigsten des Werkes" zu löcken I Bei einem solchen Auftreten ist es nur natürlich, daß diese Abteilung zu einem Taubenschlag geworden ist, und kein Arbeiter, der auf Menschenwürde hält, hält es in dieser Abteilung lange aus. Es ist daher bei den mangelhaften Einrichtungen und dem großen Wechsel im Betriebe gar kein Wunder, wenn täglich eine größere Anzahl Arbeiter anfangen und wieder aufhören. Aber die Firma Bergmann muß ja am besten wissen, welche Stütze sie an Herrn Ehrte hat. Aus dem P-lizeiasyl. In vergangener Nacht, so schreibt man der„Germania", wurden die Beamten des in der Fröbelstraße be- legenen Polizeiasyls in nicht geringe Aufregung versetzt. In der ersten Mitternachtsstunde waren aus dem Verivahrsam von den da- selbst internierten Arrestanten sechs ausgebrochen und durch den Klosettkanal gegangen, dessen Bernagelung sie mit Gewalt erbrochen hatten; zwei waren in dem Kanal stecken geblieben und mußten erst mit Hülfe von Hausdienern befreit werden.— Gegen 3 Uhr morgens fanden dann die Nachtaufseher einen Arrestanten beim Absuchen des Gebäudes im Klosett IV der 2. Abteilung tot vor dem Kloaken- eingange vor. Er war, wie sich später herausstellte, erstickt, und der herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Tod des betreffenden, der übrigens heute dem Richter vorgeführt werden sollte, konstatieren. Von den übrigen Entsprungenen fehlt jede Spur. Durch drei Revolvrrschüsse versuchte sich ein unbekannter Selbst- vwrdkandidat in der Jungfernheide zu töten..Spaziergänger fanden gestern im Jagen 19 den Lebensmüden mit durchschossener Schläfe bewußtlos auf. Der Unbekannte ist etwa 50 Jahre alt, zirka 1,75 Meter groß, hat dunkelblondes Haar, ebensolchen Schnurrbart und Vorderglatze. Bekleidet war er mit karriertem Rockanzug, Chemisett ohne Schlips, großem Schlaipphut und Schnürstiefeln. In dem Portemonnaie befanden sich 31,80 Mark. In hoffnungs- losem Zustande wurde der Lebensmüde nach der Charite gebracht. In der Schönholzer Heide hat ein unbekannter jugendlicher Selbstmörder seinem Leben ein Ende bereitet. Er erhängte sich mit dem Taschentuch an einem Baume. Der Lebensmüde dürfte etwa 23 Jahre alt gewesen sein und hat seiner Kleidung nach den besseren Ständen angehört. Unter den Rädern eines Mörtelwagcns zermalmt. Große Ent- rüstung rief am Sonnabendabend in der Kaffer Allee ein Unglücks- fall hervor, bei dem ein Knabe sein junges Leben einbüßte. An der Ecke der Meierottostraße wollte der 9jährige Sohn Fritz des Kaufmanns Neumann, Meierottostr. 6 wohnhast, den Fahrdamm überschreiten und wurde dabei von einem in rasender Fahrt besind- lichen Mörtelwagen umgerissen und überfahren. Der bedauerns- werte Knabe wurde fast völlig zermalmt und starb kurz darauf. Als der Kutscher sah, welches Unheil er durch sein tolles Fahren angerichtet hatte, schlug er wild auf die Pferde los und suchte sein Heil in der Flucht. Er wurde jedoch durch ein vorüberkommendes Automobil verfolgt und schließlich auch gestellt. In das Walzwerk geraten. Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich am Sonntagabend auf dem Rummelplatz an der Koloniestraße zu- getragen. Auf einem dortigen Karussel hatte der Arbeitsbursche Heinrich Leßmann, Koloniestr. 38 wohnhaft, an dem Walzwerk, durch das die Rundbewegung herbeigeführt wird, mitgeholfen. Während sich nun das Karussel in vollster Fahrt befand, geriet L. mit dem rechten Arm plötzlich in die Walzen hinein und wurde mit dem ganzen Körper nachgezogen. Mit zerbrochenen Gliedern wurde der Unglückliche aus seiner furchtbaren Lage hervorgeholt und nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht. Einbruch im Kampffmeyerschen Verlag. In den Bureau- räumen der beiden Zeitungen„Schuh und Leder" und„Häute und Leder", die sich in dem Hanse Rathcrusstr. 1, Berlin C., befinden, wurde gestern früh ein Einbruch entdeckt. Eine Reihe von Pulten war aufgebrochen und durchwühlt, anscheinend um Reserveschlüssel zum Geldschrank zu suchen. Als das vergeblich war, hatte man versucht, den Tresor auszubrechen. Der äußere Mantel der Stirn- wand lvar aufgestemmt, die Schlösser freigelegt und die Knebel ab- gebrochen. An den Scharnieren hatte man Stichflammen zum Schmelzen angewandt. Aber der Arnheim war stärker als die Kunst der Diebe. Als Abschiedsgruß hatte der Besuch, wahrscheinlich zur Demonstrierung der vergeblichen Arbeit, einen Tops mit Kleeblatt und Glückspilz oben aus den Geldschrank gestellt. Zerbrochenes Handwerkszeug, das der Einbrecher hinterließ, nahm die Kriminal- Polizei an sich. Beim Wasserschöpfcn in die Spree gestürzt ist die Schiffersfrau Zenker, deren Mann mit seinem Fahrzeuge zur Auwahme von Fracht auf der Spree bei Spandau angelegt hatte. Frau Z. wollte zur Reinigung der Kabine Wasser aus der Spree schöpfen, befestigte zu diesem Zwecke den Eimer an einem Strick und warf das Gefäß, indem sie sich mit dem Oberkörper über Bord beugte, in das Wasser. Hierbei verlor die Frau das Gleichgewicht und stürzte kopfüWr in die Fluten. Unglücklicherweise war die etwa 40jähnge Schiffersfrau unter die Zille geraten, wodurch die von ihrem Manne und dem Personal sofort unternommenen Rettungsversuche wesentlich erschwert wurden. Erst nach längerem Bemühen tonnte der Körper der Z. gelandet werden, doch erwiesen sich die sofort unternommenen Wiederbelebungsversuche erfolglos. Zwei größere Betriebsstörungen sind am Sonntag in dem Unter- leitungsverkehr der Großen Berliner Straßenbahn entstanden. Gegen 3/i7 Uhr abends war am Schloßplatz bei einem Wagen der Linie 17 der Stromabnehmer von der Fübrungsschiene heruntergefallen und klemmte sich derartig in der Rille fest, daß er nicht wieder hochgehoben werden konnte. Es mußten Schlosser herbei- beordert werden, die den Pflug entfernten. Hierdurch wurde der Straßenbahnverkehr für die Dauer von zwei Stunden in der Richtung nach dem Alexanderplatz gesperrt und mußten die Wagen durch die Breitestraße über den Molkenmarkt abgeleitet werden.— Die zweite Störung entstand zu derselben Zeit am Potsdamer Platz, woselbst.sich der Sttomabnehmer eines Wagens der Linie 14 festgeklemmt hatte. Für die Dauer der zirka eine Viertelstunde währenden Störung mußten die Wagen der Linien 1, 7. 14, 16, 23, 61, 52. 56 und 57 durch die Leipziger-, Charlotten-, Zimmer- und Prinz Albrechtstraße abgeleitet werden. Zum Kassenraub in Köpenick ist heute zu melden, daß ttotz aller vermeintlichen Spuren, die auf den falschen Hauptmann deuten, noch keine bis zur Stunde sich als richtig erwiesen hat. Aus Köpenick selbst kommt die Meldung, daß Bürgermeister Langerhans seine Amtsniederlegung rückgängig macht. Nachdem am Sonnabend die außerordentliche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung, wie wir meldeten, einmütig ein Vertrauensvotum für den Bürgermeister be- schlössen hatte, fuhr der Stadtv.-VorfteherAnderson noch in später Abend- stunde nach Berlin, um Dr. Langerhans, der bei seinem Bruder, dem Landgcrichtsrat Wilhelm Langerhans, Pariserstr. 1, weilte, den Beschluß mitzuteilen. Auf die Frage des Vorstehers erklärte sich Dr. Langerhans bereit, bei einer Wiederwahl sein Amt wieder an- zunehmen. Die Wiederwahl wird zweifellos in der Stadtverordneten- Versammlung am nächsten Dienstag erfolgen.— Eine Kundgebung der Bürgerschaft Köpenicks für den Bürgermeister fand� am Sonn- tagnachmittag in den überfüllten Öäuineu des Stadttheaters statt. Folgende Erklärung fand einstimmige Annahme: Die in den Gesamträumen des Stadtthearers versammelten Bürger der Stadt Köpenick haben mit tiefem Bebauen: von der Amtsniederlegung ihres hochverehrten Bürgermeisters Dr. Langerhans Kenntnis genommen und sprechen Herrn Dr. Langerhans, der sich in seiner bisherigen Amtstätigkeit das vollste Vertrauen und die weiteste Achtung und Anerkennung seiner Bürgerschaft erworben hat, die herzliche Bitte ans, trov der bedauernswerten Vorgänge und trotz aller An- feindnngm der letzten Tage tteu zu seiner Stadt zu stehen und seines Amtes nach wie vor zu walten. Die Bürgerschaft ist der Meinung, daß nur bei einem ferneren Zusammenarbeiten der Kommune mit ihrem bisherigen Bürgermeister eine weitere segensreiche Entwickelung ihrer Stadt zu erwarten ist und gibt Herrn Bürgermeister Dr. Langcrhans die feste Versicherung, auch in Zukunft wie bisher fest und treu und unentwegt zu ihm zu stehen." Außerdem wollen die Köpenicker ihrem Bürgermeister sogar einen Fackelzug bringen. Das scheint uns denn doch ein lächer- liches Beginnen. Man mag über die Haltung des Bürgermeisters in der Affäre denken wie man will, ihm aber noch einen Fackelzug z» bringen und so das Vorgefallene noch zu verherrlichen, dazu liegt denn doch gewiß kein Anlaß vor. Bis Schluß unseres Blattes läuft der falsche Hauptmann noch frei umher. Die Polizei sucht I Schwere Brandwunden erlitt Sonntagabend um 7 Uhr der Ar- beiter Karl Hohmann bei einem Brande, der im vierten Stock dcS Ouergebäudes Junkerstr. 15 ausgekommen war. Hausbewohner bemerkten die Flammen und den Rauch. Sie benachrichtigten die Polizei und die Feuerwehr. Letztere drang sofort bis an den Brandherd vor und fand Hohmann bewußtlos im Bett liegend. Mit Sauerstoff wurde er wieder ins Bewußtsein zurückgerufen. Sama- riter legten ihm Verbände an. Auf Veranlassung des Brand- Meisters Dümer wurde Hohmann nach dem Krankenhause am Urban geschafft. Er hatte Brandwunden im Gesicht und an den Händen erlitten und wäre sicher verbrannt worden, wenn die Feuer- wehr etwas später eingetroffen wäre. Die Flammen hatten schon die Betten, Möbel, Kleider, Tür u. a. ergriffen, wodurch Polizei und Hausbewohner abgehalten wurden, in das Zimmer einzu- dringen.. � Gleichzeitig brannten Hornstr. 13 Kfften. Brennholz u. a Heute früh hatte der 8. Zug längere Zeit auf dem Görlitzer Bahnhof zu tun, wo Preßkohlen brannten. Um den Brand zu löschen, mupte tüchtig Wasser gegeben werden. Ferner mußten noch Brande in der Schönhauser Allee 112. Anhalter Bahnhof, Pallasstr. 17, Elsasserstr. 26, Mirbachstr. 64 und an anderen Stellen gelöscht werden. Bon ihrem tobsüchtigen Manne angeschossen wurde gestern nacht die Frau des Grünkramhändlers Georg Gringer aus der Putbuser- straße 42. Der 31 Jahre alte Mann hatte bereits in seinem Bette gelegen. Plötzlich sprang er, von einem Wutanfall gepackt, auf rannte wie ein Tobsüchtiger im Zimmer umher und hielt schließlich seinen geladenen Revolver der Frau gegen das Gesicht. Als sie Hilfe rief, drückte er ab. Die Kugel drang der Unglücklichen rn den rechten Oberarm, den sie zum Schutz vor das Gesicht gehalten hatte. Wohnungsnachbarn gelang es dann, die Frau zu befreien und den Wüterich der Polizei zu übergeben, der nach einer� Irrenanstalt ge- bracht wurde. Er hat schon mehrfach Tobsuchtsanfälle gehabt. Sportpark Steglitz, Die Rennen am letzten Sonntag brachten der Bahn wieder einmal einen Massenbesuch und kam die Direktion wohl auf ihre Kosten; nicht so die Fahrer, die unter allerlei Un- gemach zu leiden hatten, so daß die ganze so viel verheißende Ver- anstaltung stark an Interesse eingebüßt hat. Am bedauerlichsten ist der Unfall des Franzosen Guignard, der ein Renntempo vorlegte, wie es bisher noch nicht in Steglitz gefahren wurde und der die Rekorde von 5, 10 und 20 Kilometer um ein erhebliches verbesserte. Als er nun gegen seinen gefährlichsten Gegner, Robl, zum Angriff vorging und diesem nach fast fünf Kilometer andauerndem Kampfe in bedrohlicher Weise zu nahe kam, ereignete sich ein Sturz, der den Franzosen kämpf- unfähig machte. Durch Anfahren an seinen Motor rutschte der Fahrer den Zement hinunter und erlitt schmerzhafte Hautabschürfungen des ganzen Beines, so daß er mit der Bahre fortgetragen werden mutzte. Der Sieg schien nun an Robl zu fallen, der bis dahin Zweiter ge- Wesen. Demke hatte schon zu Beginn des Rennens Motor, chaden und kam nie recht in Frage, somit lag das ganze Rennen zwischen Dickentmann und Robl. Auch der Holländer hatte anfänglich ,chon stark an Boden eingebüßt, kam aber später schön in Schwung und als zum Ueberfluß Robl das Rad und dann auch die Führung- wechselt, nimmt er beim 50. Kilometer die Spitze.— Aber auch Dickentmann kann sich nicht lange behaupten, sein Motor setzt aus und ehe Ersatz zur Stelle und er wieder im Rennen ist, hat er seinen Vor- sprung eingebüßt und Robl ist Erster. So geht das Rennen durch mehrere Kilometer weiter; der Holländer holt langsam auf und kann Robl passieren. Das Stundenergebnis ist: Robl 83,890, Dickentmann 83,460, Demke 66.110 Kilometer. Letzterer gibt nun auf. nachdem er des öfteren ohne Führung gewesen.— Da richtet sich zum allgemeinen Erstaunen auch Robl auf und verläßt seine Führung; die Menge pfeift und johlt— der Liebling von gestern wird heute ausgepfiffen—, als ob die Fahrer keine Menschen wären! Dickentmann gelangt aufs neue an die Spitze und das Ergebnis des 100 Kilometer-Herausforderungs-Rennens ist: 1. Dickentmann in 1 Eid. 11 Min. 46V, Sek.; 2. Robl, 2100 Meter zurück.— Diesem Rennen vorauf ging ein Halb- stundenrennen, das in schöner Fahrweise von Schipke mit 41,950 Kilometer gegen Mauß(38,790) und Rosenlöcher(33,330) ge- Wonnen wurde. Sportpark Treptow. Auch die kleine Bahn im Südosten hatte sich eines guten Besuches zu erfteuen, standen sich doch hier die drei besten Treptower Fahrer: Przyrembel, Schulze und Stell- brink gegenüber, von denen der erstere das 50 Kilometer- Fahren in 41 Minuten II3/, Sekunden gewann. Schulze 1360 Meter und Stellbrink 2480 Meter zurück! Letzterer hatte bis zum 11, Kilometer die Spitze, blieb aber durch den Bruch der Lenkstange und mehrmaligen Radwechsel über 9 Runden zurück, von denen er bis zum Schluß zwei wieder aufholen konnte.— Einige Flieger- rennen vervollständigten das Programm. Im Hauptsahren für K l a ss e III siegte C o m m a n s vor Pawke, Witzleb und Mühl- bäch. Das Vorgabefahren über 600 Meter brachte V i e r ck an sich, gefolgt von Rottnick, Hoffmann und Horch. Vorort- JVacbricbten. Schöneberg. Aeußerst stürmisch verlief eine am Donnerstagabend von der Deutschen Mittelstandsvereinigung, Ortsgruppe Schöneberg, nach dem„Lindenpark" einberufene öffentliche Versammlung. Eine An- zahl unserer Genossen waren erschienen, um die Referate des konservativen Landtagsabgeordneten Hammer und deS Herrn Dr. Böhm anzuhören. Beide Redner erblickten ihre Hauptaufgabe darin, die Sozialdemokratie nach besten Kräften zu belämpfen. Herr Dr. Böhm behauptete unter anderem, daß die Teuerung vom Arbeiter viel weniger empfunden werde als vom Mittelstande. Unser Genosse Küter ging in einhalbstündiger Rede auf die Aus- führungen der Referenten ein und brachte scharf den Standpunkt der Sozialdemokratie zur Gelwng. Die Aeußeruna Hammers, der die Aenderung der Geschäftsordnung des Reichstages fast als etwas Selbstverständliches betrachtet, da„die Sozialdemokraten. zuviel reden", nagelte Küter gebührend fest. Auch di; weitere Diskussion, an der sich hervorragend die Liberalen beteiligten, verlief höchst spannend und für die„Mittelständler" wenig glücklich. Zum Schluß wurde gegen den Willen der Versammlungsleitung eine vom liberalen Stadtv. Zobel eingebrachte Resolution unter großem Jubel der Liberalen angenommen, in welcher unter anderem verlangt wird, daß der Smdtv. Kunze zur Niederlegung seines Mandats veranlaßt werde.— Die VersammlungSleituug war ihrer Aufgabe absolut nicht gewachsen, eS ging infolgedessen oftmals sehr stürmisch her. Man setzte willkürlich die Redezeit fest und hinderte sogar in einem Falle unseren Genossen Böhm, der das Wort erhalten hatte und schon sprach, am Weiterreden, weil der Vorsitzende„etwas vergessen hatte". Alles in allem: Die MittelstandSvereinler werden nach derartigen„Erfolgen" nicht mehr allzuviel Sehnsucht haben I Eine Umgestaltung der Bahnanlagen am Schöneberger Ring- bahnhof wird gegenwänig vorgenommen. Zu beiden Seiten des Bahnhofes werden hohe Mauern aufgeführt, um einerseits eine Ver- breiterung des Gleiskörpers und andererseits eine Verbesserung deS Bahnsteiges zu ermöglichen. Nach Fertigstellung dieser Arbeiten wird mit der Verbreiterung der Sedanbrücke begonnen werden. Die Neuwahlen der Delegierten der Schöncdergcr OrtSkranken- kasse sind noch in diesem Monat vorzunehmen und zlvar für die Arbeitnehmer am Freitag, den 26. Oktober, von 5—9 Uhr nachmittags und für die Arbeitgeber am Montag, den 29. Ottober, von 5— 8 Uhr nachmittags. DaS Wahllokal befindet sich in: Bureau der Ortskrankenkasse, Grnnewaldstr. 42.— Die Mitgliederzahl der Kasse betrug am 1. Oktober d. I. 19 931; es sind daher zu wählen seitens der Arbeitnehmer 100 Delegierte und 50 Stellvertreter und seitens der Arbeitgeber 48 Delegierte und 24 Stellvertreter. Die Wahlperiode der neugewählten Vertreter be- ginnt am 1. Januar 1907. Zehlendorf. Schon wieder einmal hatten sich in der Sache„Fürstenhof» Boykott" fünf Genossen vor dem Groß-Lichterfelder Schöffen- gericht zu verantworten. Die Anklage lautete ursprünglich auf Be- lästigung, Verkehrsstörung usw. Durch die ungünstigen Ersahningcn in letzter Zeit ist die Anklage aber— nachdem der Termin im letzten Augenblick vertagt wurde— auf„VerÜbung groben Unfugs" um- gewandelt worden. Belastungszeugen waren acht Mann, darunter zwei Gendarmen und der Pächter des Fiirstenhos. Der Amtsanwalt beantragte gegen zwei Angeklagte Haffftrafen von 8—14 Tagen. gegen zwei je 9 M. Geldstrafe und für einen Freispruch. Dem Gericht erschienen die beantragten Sttafen jedoch noch zu niedrig und es verhängte Freiheitsstrafen von 3 Tagen bis 4 Wochen. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. In der Urteilsbegründung sprach der Vorsitzende Assessor Jalobi von„gewissen Elementen, die unter allen Umständen den Fiirstenhofpächter schädigen wollen". Von Geldstrafen glaubte er Abstand nehmen zu müssen, da dieselben von den Betroffenen nicht bezahlt würden. Gegen das Urteil ist Be- rufung eingelegt. Britz. Die Volksversammlung, die hier am IS. Oktober stattfand und Stellung nahm gegen eine von den Innungen von Britz und Um- gegend zu gründende freie Hülfskasse, war, wie uns nachträglich mit- geteilt wird, was aber aus dem uns zugesandten Berich nicht her- vorging, nicht von den Innungen, sondem vom Gewerkschastskartell Nixdorf einberufen. Treptow-Baumschulenweg. Aus der Gemeindevertretung. Ms Schiedsmann für den Bezirk II (Baumschulenweg) wurde Oberpostsekretär Engelmann und als dessen Stellvertreter Oberlehrer Künast gewählt.— Ein in der Gemeinde- Vertretung vor längerer Zeit von unseren Genossen geäußerter Wunsch, den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr Schadenersatz aus Gemeindemitteln zu leisten, ist dahin geregelt, daß die Wehr aus ihren Mitteln denselben bestreiten will, damit die Frei- Willigkeit der Wehr erhalten bleibt. Die Anschaffung von 40 Feuer- Wehrmänteln wurde beschlossen. Die Errichtung eines Meldeamtes und einer Arrestzelle im Ortsteile Baumschulenweg wurde als dringend anerkannt und beschlossen, dieselbe am 1. April 1007 zu eröffnen. Einem von unseren Genossen geäußerten Wunsche, dasselbe schon früher möglich zu machen, kann, nach Aussage des Gemeinde- Vorstehers, noch nicht entsprochen werden, weil bis zu diesem Zeit- punkte das Meldeamt reformiert werden soll, indem das alte Haus- büchersystem durch das Kartensystem ersetzt wird.— Die mechanische Dreh- und Schiebeleiter wird dagegen ihren Stand sobald als tunlich in Baumschulenweg erhalten, weil dieser Ortsteil die größere Anzahl Bewohnerzahl hat, und in Treptow die Berliner Wehr zur Hülfe- leistung gerufen werden kann. Zur besseren Beleuchtung verschiedener Straßen werden elf halbnächtliche und sieben ganznächtliche Laternen aufgestellt. Hierbei kritisierte Genosse Gramenz die ungevflasterte Manhcsstraße, in welcher keine einzige Laterne vorhanden ist. Nach Aussage des Gemeindevorstehers kann daselbst nichts unternommen werden, weil die Verhandlungen mit dem Eisenbahnfiskus noch nicht beendet sind, jedoch dürfte dies bis zum Frühjahr zu erwarten sein. Für die Erhebung einer Gemeindesteuer bei Erwerb von Grund- stücken die seit dem 0. Juni 1905 bei bebauten ein Prozent und bei unbebauten l'/z Proz. beträgt, wurde die ministerielle Mustersteuerordnung angenommen, welche im wesentlichen das am 1. Juli d. I. in Kraft getretene Reichserbschastssteuergesetz und auch die im Laufe der Jahre ergangenen Gerichtsentscheidungen und Verwaltungsverfügungen berücksichtigt. Die Straße 4, welche die Verlängerung der Wienerstraße darstellt, wurde beschlossen Lisztstraße, die Straßen 22a, 23a, 7 und IS, zu Baumschulenweg gehörig, Storm-, Eschenbach-, Frauenlob- und Trojanstraße zu benennen. Die Neumessung Treptows nimmt drei Jahre in Anspruch und verursacht einen Kostenpunkt von 36 000 M., davon zahlt Berlin, dem zwei Drittel des ganzen Geländes gehören, 20 000 M. In langer nichtöffentlicher Sitzung wurde unter anderem die Festsetzung der Mietsentschädigung der Lehrer und die Gehalts- bezüge der Beamten geregelt. Es wurde nach dem Kommissions- antrage den Lehrern eine Zulage von 83 M.— 660 M. und den Rektoren eine Zulage von 150 M.— 800 M. bewilligt. Der Antrag unserer Genossen, den Lehrern die verlangten 700 M. zu bewilligen, wurde gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. An Be- amtengehältern wurden bewilligt: Den Sekretären-f- 300= 2500 M., den Affistenten-f- 200= 2000 M., den Gemeindedienern-f- 150= 1650 M. Anfangsgehalt pro Jahr, fällig vom 1. Oktober 1006 an. Eine Anfrage des Genossen Karow, ob auch die nichtangestellten Burcaubeamten angemessen besoldet werden, da dies aus dem Etat nicht ersichtlich, wurde dahin beantwortet, daß diejenigen, welche sich zur Anstellung eignen und die entsprechende Arbeit leisten. sich mit ihrem Gehalt allmählich den angestellten Beamten nähern. Ein von den sozialdemokratischen Gemeindeverordnetcn gestellter Antrag, welcher in achtzehn Punkten die Lage von zwölf Wege- und neun Kanalisationsarbeitern zu verbessern sucht, wurde der Gehalts- regulierungskommisfion, welcher auch Genosse Gramenz angehört, überwiesen. Wir werden hierüber später berichten. Friedrichsfelde. Die Frau M., deren Mann im Straußberger Kranken- Hause im Mai d. I. verstarb und, lvie wir berichteten, erst nach langer Zeit auf Umwegen von dem Ableben ihres Mannes Kenntnis erhielt, ist jetzt amtlich ersucht worden, die Beerdigungskosten für ihren verstorbenen Mann der Gemeindekasse zurück zu erstatten. Nowawes. Die unhaltbaren Zustände in den Neuendorfer Volksschulen, über die wir bereits verschiedentlich berichtet haben, haben jetzt eine derartige EntWickelung erreicht, daß sich auch die Regierung ge- nötigt gesehen hat, mit Zwangsmaßregeln gegen die Gemeinde Neuendorf vorzugehen. So lag der am Mittwoch stattgefundenen Gemeindevertretersitzung in NowaweS ein Antrag der Neuendorfer Gemeindevertretung auf Zustimmung zu dem dort gefaßten Be- schlusse auf sofortige Errichtung einer neuen Lehrerin- und dreier Lehrerstellen vor, da Neuendorf vor der Vereinigung mit Nowawes zu außerordentlichen Ausgaben nach dem beschlossenen Vereini- gungsvertrage erst die Zustimmung letzterer Gemeinde einholen mutz. Genosse Gruhl führte hierzu aus, daß er erstaunt sei, daß sich die Vertretung mit einem derartigen Antrage beschäftigen müsse; während sich die Neuendorfer Gemeindeverwaltung sonst nicht genug tun könne in der Hervorhebung ihrer guten finanziellen Lage und neuzeitlichen Einrichtungen, stelle sich jetzt heraus, daß die preußische Regierung l!) die dortige Verwaltung erst zwingen müsse, damit dieselbe ihren elementarsten Verpflichtungen gegen- über der Volksschule nachkomme; seien doch jetzt in manchen Klassen zirka 80 Kinder untergebracht, und trotzdem habe man noch fliegende Klassen einrichten müssen, da die jetzigen Schulräume nicht entfernt zur Unterbringung der Kinder ausreichen; anstatt die Volksschule erst gründlich auszubauen, habe man kostspielige Vorschulen, Real- gymnasium und Höhere Töchterschule für die Kinder der Besitzenden eingerichtet» welche nur eine äußerst geringe Frequenz aufweisen; unbedingt notwendig wäre es gewesen, die Räume dieser Schulen bis zur Fertigstellung des neuen Volksschulhauses für die Unter- bringung der Gemeindeschulhnder zu benutzen; jetzt müssen wahr- scheinlich wieder steue Räume gemietet werden, um die zu er- richtenden vier Klassen unterzubringen; Redner empfahl die ein- stimmige Annahme des vorliegenden Antrages, und wurde von der Versammlung demgemäß beschlossen. Der Amtsvorsteher gab der Vertretung davon Kenntnis, daß die diesmalige Jahresrechnung eine Einnahme von 194 710 M. und eine Ausgabe von 182 062 M. aufweist— Die Verwaltung des Männer-Altersheims hatte einen Antrag eingereicht auf Erhöbung des täglichen Pslegegeldes von 1 M aus 1,25 M. pro Kopf; begründet wurde der Antrag mit den allgemeinen Teuerungsverhältnissen: die Versammlung bewilligte diesen höheren Pflcgesatz.— Ebenfalls gab die Vertretung einem Antrage auf Ergänzung des Baumbestandes in der Turmstratze und Marienstratze. welche 350 M. Kosten verursacht, ihre Ku- stimmung.— Mit der Bewilligung von 30 M. zur Beschaffung von Medaillen für eine demnächst hier stattfindende Geflügelaus- stellung wurde der öffentliche Teil der Sitzung geschlossen. Die lebte Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins nahm den Bericht vom Mannheimer Parteitag entgegen, welchen Genosse Heinrichs-Rixdorf erstattete. Redner gab eingangs seiner Ausführungen seiner Freude über den ruhigen Verlaus des Partei- tags Ausdruck, zu dem auch besonders die Genossen beigetragen haben, die infolge verschiedener Vorkommnisse im vergangenen Jahre persönlich an den Verhandlungen in Mannheim interessiert waren. Redner beleuchtete dann die einzelnen Punkte der Mann- hcimer Verhandlungen und erklärte, daß die Delegierten unseres Kreises bei dem Punkte Massenstreik nicht für das Amendement LegicnS gestimmt hätten, da sie sich von der Uebereinstimmung der Kölner mit der Jenaer Resolution nicht überzeugt hätten. In bezug auf die Lokalorganisicrten hätte Redner gewünscht, daß man in Mannheim eine schärfere Resolution gefaßt hätte, doch sei zu hoffen, daß jetzt der letzte Mahnruf an diese Sonderbündler er- gangen sei»iid der nächste.Parteitag, falls letztere sich bis dahin fischt eitles Bessercfi besonnen hätten, energische Maßregeln gegen diese Arbeiterzersplittercr treffen werde. Referent resümierte sich zum Schluß seines beifällig aufgenommenen Vortrages dahin, daß wohl alle Parteigenossen mit den Verhandlungen dieses Parteitages zufrieden sein könnten, und sei zu wünschen, daß auch in Zukunft in unseren Versammlungen in ebenso sachlicher Weise diskutiert werde wie in Mannheim, dann werden auch diese der Partei zum Segen gereichen. Die hierauf folgende kurze Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats, indem alle Redner ihre volle Befriedi- gung über den Verlauf des Parteitages aussprachen. Im Anschluß hieran ermahnte der Vorsitzende Gomoll die Versammelten, für eine weitere Erstarkung der Organisation und Ausbreitung der Presse zu agitieren, um unserer Bewegung einen kräftigen Rück- halt zu verleihen. Unter„Verschiedenem" fand noch eine Aus- spräche über die bevorstehende Gemeindewahl statt, in welcher alle Redner der Ansicht Ausdruck gaben, daß diesmal mit aller Kraft gearbeitet werden müsse, um unser Ziel, die volle Besetzung der dritten Abteilung, zu ercichen. Vermilcbtes. Eue der Frauenbewegung. Bürgerliche und sozialdemokratische Frauenkongresse. Die 7. Generalversammlung des BundeS deutscher Frauen- vereine tagte vom 3.— 6. Oktober in Nürnberg. Ein ganz anderes Bild wie die Konferenz sozialdemokratischer Frauen bietet dieser Kongreß. Schon die Begrüßung durch den Bürgermeister der Stadt Nürnberg zeigt deutlich, wie unbefangen die Behörden den Zusammenkünften der bürgerlichen Frauen gegenüberstehen. Man weiß sehr wohl, daß von dieser Seite kein Umsturz der gegen- wärtigen Gesellschaftsordnung zu befürchten ist. Wie richtig diese Meinung ist, zeigt die Debatte über eine Shmpathieerklärung an die russischen Freiheitskämpferinnen. Die Angst der Damen, daß vielleicht die Sympathieerklärung für die russischen Revolutionäre ein schlechtes Licht auf ihre so lamm- frommen Bestrebungen werfen könnte, ließ eine Resolution zu- stände kommen, die echt-bürgerliche Lauheit verrät. Dieselbe lautet:„Der in Nürnberg versammelte Bund deutscher Frauen- vereine gibt seiner tiefen Empörung Ausdruck über die jeder Ge- sittung Hohn sprechenden Greueltaten, die in Rußland aus Rassen- haß und im Interesse der Aufrechterhaltung der Autokratie fort- gesetzt an wehrlosen Frauen und Kindern verübt werden. Er gedenkt ferner mit hoher Bewunderung derjenigen russischen Frauen, die an dem gewaltigen Ringen ihres Volkes um persönliche und bürgerliche Freiheit so heldenhaft teilnehmen." Aus dem Geschäftsbericht verschiedener Kommissionen geht her- bor, daß Petitionen über Petitionen verfaßt worden sind,«so wurde unter anderem eine Petition an den Reichstag und an die verschiedenen deutschen Landtage beschlossen, in welcher um Ein- führung obligatorischer Fortbildungsschulen für Mädchen nachgesucht wird. Aus der Kommission zur Hebung der Sittlichkeit war man an die verschiedenen, dem Bunde angehörenden Vereine heran- getreten mit der Bitte, in den Städten für Anstellung von Polizei- assistentinnen bei den Polizeidirektionen zu wirken. Gesagt wurde noch, daß die Hauptaufgabe darin zu suchen sei, die weibliche Jugend möglichst lange vor Verführung zu schützen. Wie man das an- fangen will, ist noch Geheimnis. So richtig es auch ist, für die Hebung der Sittlichkeit zu sorgen— in der heutigen Wlrtschafts- ordnung wird man damit nur pehr bedingte Erfolge erzielen. Was nützen alle Resolutionen, Petitionen und Kongreßbeschlüsse, wenn nicht von Grund auf solche Krankheiten der menschlichen Gesellschaft beseitigt werden sollen? Eigentümlich berührt es, wenn wir lesen, wie bei jeder Ge- legenheit den Damen, welche bei der Arbeitsleistung in einer Kom- Mission oder dergleichen geholfen haben, besonderer Dank aus- gesprochen wird. Dies mag wohl zum feinen Ton gehören. Jeden- falls sollte man nicht so viel Wesens-davon machen, wenn Frauen, die kaum weiter Nützliches zu tun haben, gewissermaßen zu ihrer Unterhaltung sich um ihre Rechte und Pflichten im Staate kümmern. Daß nebenbei auch an die notleidende verelendende Klasse gedacht wird, soll nickst verkannt werden. Die mehr links stehenden Frauenrechtlerinnen nehmen es auch wohl ernst mit ihren BcsseruttgsvorschlSgen. doch anerkennenswerte, praktische Arbeit ist noch sehr wenig geleistet worden. Im großen ganzen laufen die Bestrebungen der Bürgerlichen darauf hinaus, für ihre eigene Klaffe Verbesserungen zu schaffen. Wie ganz anders sieht eS auf einer sozialdemokratischen Frauenkonferenz aus. Hier herrscht nur der Gedanke, zu kämpfen um gleiches Recht für alle. Wer tüchtig im Interesse der Bewegung gearbeitet hat, wird solbstverständlich gern gesehen, im übrigen betrachten wir es als selbstverständlich, daß Frauen, die zu uns sich bekennen, auch tun, was in ihren Kräften steht. Hier wird nicht für Privilegien und Besserstellungen einzelner Klassen ge- rungen, sondern für das Wohl der Gesamtheit. Die Damen können es sich auch selbst nicht verhehlen, wie imposant zum Beispiel unsere Mannheimer Konferenz war. Frau Bauer äußert sich hierzu in der„Frauenbewegung" recht günstig, obgleich sie ihren Aerger nicht verbergen kann darüber, daß es den nicht zur Partei Gehörenden versagt war, an der Debatte teilzunehmen. Sie spricht sogar den Wunsch aus, daß die sozial-demokratischen Frauen bei gegebenen Gelegenheiten mit den bürgerlichen Damen zusammen arbeiten möchten. Wir haben nach dieser Richtung schon zu schlechte Cr- fahrungcn gemacht, um der Mithülfe großes Vertrauen entgegen- bringen zu können. Die Anschauungen gehen zu weit auseinander. Wir sind nicht gewillt, uns- mit den Frauen zusammenzutun in Fragen, von denen sie glauben, unsere Hülfe für ihre besonderen Interessen gebrauchen zu können, wie z. B. bei der Organisation der Arbeiterinnen. Verschwdene Ansckauungen, wie sie zwischen bürgerlichen und sozialdemokratischen Krauen bestehen, können in unseren eigenen Reihen nie austauchen. Wir sind uns einig in dem Grundgedanken, daß all« gleich sind, daß alle Klassenunterschiede beseitigt werden müssen. Wir kämpfen für das Wohl aller Staats- bürger und Staatsbürgerinnen, nicht für ein spezifisches Frauen- recht wie die bürgerlichen Damen. Ein Fraucnkongreß tagt in diesen Tagen in Boston, von der „World» Womcns Christian Temperance Union" einberufen. Es ist die Vereinigung der Frauen vieler Nationen, die durch christ- lickie Lehren und Enthaltung von Alkohol die Welt erlösen und glücklich machen wollen. Ueber fünfzig Länder sind auf dem Kongreß vertreten. Interessant war die Mitteilung der Sekretärin, daß der Bund fast in allen Ländern seine Mitgliedschaft erhöht habe; ganz besonders sei dies in Schweden gelungen._ Versammlungen— Veranstaltungen. Genossen und Genossinnen! Am Mittwoch, den 24. Ottober, abends pünktlich 3'/s Uhr, findet im„Neuen Klubhaus", Kommandantenstr. 72, die Be- richterstattmig von der Mannheimer Frauenkonferenz und vom Parteitage statt.... Außerdem Berichterstattung der Verttauensperson und Neuwahl derselben. Recht zahlreichen Besuch erwarten Die Vcrtraucnspersonen. ».* Britz. Donnerstag, den 25. Ottober, abends S'/a Uhr. bei Weniger, Werderstr. 28: Generalversammlung. Bortrag von Frau Zeetze: .Die Kunst zu arbeiten". 0 Verein für die Interessen der Hausangestellten. Vereins. Versammlung bei M. Münch. Steglitzerstr. LS, am Donnerstag, den 25. Ok- tober, abends S Uhr. Vortrag des Herrn Davidsohn über„Dichtungen von Ada Neavi". Gäste willkommen. e»-se, und Disktitierklnb„Mehr Licht". Mittwoch, den 24. d. M., im L..al von Knapp, Grünthalersw. S- Bortrag. Zentral-Kranken- und Stcrbekasse. E. H. Nr. 71. Charlottcnbura. Mittwoch, den 24. Oktober, abends S'/, Uhr, im Voilshause, Rojinenstr. 3- Mitgliederversammlung. Wieber ein Eisenbahnunfall. In der Nacht vom 20. auf dest 21. Oktober fuhr im Bahnhof in Metz der Güterzug Nr. 6600 auf einen stehenden Wagenpark und beschädigte 10 Waggons. Fünf weitere Wagen wurden vollständig zertrümmert. Zwei Personen erlitten leichte Verletzungen. Die Ursache des Unfalls ist noch nicht festgestellt, doch glaubt man, daß falsche Gleisfreimeldung die Schuld daran trägt. Nicht mehr zu retten. Die Arbeiten zur Hebung des Unter. seebootes„Lutin" nehmen ungestört ihren Fortgang. Der Versuch, vorerst die Leichen zu bergen, ist wegen der Unmöglichkeit der Aus- führung aufgegeben worden.— Biserta, 21. Oktober. Die Arbeiten, die darauf abzielen, eine quer unter dem gesunkenen Unterseeboot„Lutin" wegführende Vertiefung aus dem Meeresboden auszuhöhlen, sind heute, zuisteist dank der Bemühungen der zugezogenen-dänischen Taucher, erfolg- reich beendet worden. Es wurde eine starke Kette, mit der das Vorderteil des Bootes gehoben werden soll, unter dem Schiffskörper hindurchgezogen. Feuersbrunst auf Neu-Seeland. In Wellington(Neu- Seeland) brach gestern früh eine Feuersbrunst aus, die größte seit dem Bestehen der Stadt, welche die Unionsbank, andere Banken, Versicherungsinstitute. Hotels und andere Gebäude in Asche legte. 1560 Menschen umgekommen! Der Pariser„Matin" meldet aus New Aork: Den letzten Er» Hebungen zufolge sind über 1500 Personen bei dem jüngsten Zyklon auf den Antillen umgekommen. Bei der Insel M a t a c u m b e in der Floridastraße ist durch den Zyklon beim Untergang von Baggerschiffen eine größere An- zahl Personen umgekommen; man schätzt ihre Zahl auf 50. Der Regierungsstatistiker Gume in Havanna schätzt den Schaden, der durch den letzten Orkan an der Südostküste an der Zuckerernte allein angerichtet wurde, auf 5 Millionen Dollar. Der sonstige Sachschaden ist ebenfalls schwer. Nach Meldungen aus Willemstad hat dort das Unwetter, das von schweren Regengüssen begleitet war, elf Tage angehalten und seinen Höhepunkt in der Zeit vom 11. bis 14. dieses Monats er- reicht. Viele Wohnhäuser, Dämme und Plantagen haben stark ge- litten; im Hafen ist eine Bark völlig vernichtet. Von der Insel Bonaire wird gemeldet, daß die gleichnamige Hauptstadt überschwemmt und verschiedene kleinere Fahrzeuge auf den Strand geworfen worden sind, von denen drei als verloren gelten. Menschen sind nicht dabei ums Leben gekommen. New Jork, 22. Oktober. Nachrichten aus Coatepec(Mexiko) zufolge sind dort bei dem Orkan, der vor einigen Tagen Zentral- amerika und Westindien heimgesucht hat, über 100 Menschen ums Leben gekommen. Der Vulkan Chulo warf große Mengen schwefel- haltigen Wassers aus, das die Stadt Panchinalco überflutete, wo- bei die meisten Einwohner ertranken. Auch in anderen Orten soll großer Schaden angerichtet worden sein. Wie es heißt, sollen Pimienta und andere Städte von den Fluten hinweggerisien worden sein._ Schiffskatastrophe. Der russische Dampfer„Warjagin", der gestern früh den Hafen Wladiwostok verließ, geriet auf einen Torpedo und sank sofort. Bei dem Unglück kamen 200 Passagiere umL Lebens» nur einer wurde gerettet._ Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen BeAcht der städtischen Marklhallen-Direktion.(Großhandel.) Rindfleisch la 67—72 pr. 166 Pfd., Ha 61-68, Ula 56-66, iVa 52-56. Kalbfleisch, Doppelländer 165—115, la 84-96, IIa 72-82, ITIa 62-76, Holl. 54-66. Hammelfleisch la 73-78, IIa 62—72. Schweinefleisch 63—71. Rehböcke la per Psd. 6,65—0,90, Ha 0,35—0,60. Rotwild la 0,85—0,40, Ha 0,20-0,32. Damwild 0,35—0,48. Wildschweine 0,20—0,35. Frischlinge 0,50. Hasen p. Stück 2,50—3,10, klein 1,06—2,00. Kaninchen per stück 0,25—0,75. Wildenten per Stück 1,25 bis 1,60. Krickenten 0,60. Bekassinen 0,00. Rebhühner, junge la 0,85—1,20, junge IIa 0,50—0,80, alte 0,60—0,75, junge klcüie 0,00. Hühner. alle per Stück t,25— t,50, alte IIa 0,75—1,20, junge per Stück 0,60—1,20. Tauben per Stück 0,25—0,45, alte 0,00. Enten, junge per Stück 1,60—2,00, alte per Stück 0,00, Hamburger, junge Per Stück 0,00. Gänse, Oderbrucher, per Pfund 0,40—0,55, dito Hamburger, junge 0,00, la per Stück 2,56—3,50, IIa 1,00-2,00. Poulet« per Stück 0,00, do. klein 0,00. Hechte per 100 Psd. 71—78, mittel 0,00. groß 0,00, klein 0,00. Aland 0,00. Schleie 98,00, große 0,00, kleine 137—142. Bleie, klein 0,00. Aale, groß 0,00, mittel 85,00, klein-mittel 0,00, unjorliert 0,00. Plötzen 0,00. Karpsen, unsortiert 0,00, do. 30er Lausitzer 0,00, do. 80— 100er 0,00, do. 40er Schlesische 0,00. Barse 0,00, tnatt 0,00. Karauschen 0,60. Bleifische 0,00. Wels 0,00. Bunte Fische 0,00, matt 0,00. Anierik. Lachs la neuer per 100 Pjd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. Ula neuer 75. Seelachs 20—25. Sprotten, Kieler, Wall 0,75—1,30, Danziger, Wall 0,50—0,70. Flundern, pommersche la, per Schock 3—9, do. pommersche IIa 2—4, Kieler, Stiege la 4—6, oo. mittel per Kiste 2-3, Hamb. Stiege 5-6, halbe Kiste 1,50-2. Bücklinge, per Wall Kieler 2,50—3.50. L-tralsunder 3,50— 4,00. Aale, groß per Psd. 1,10—1,30, mittelgroß 0.80—1,00, klein 0,50— 0,60. Heringe per Schock 4—5. Schellfische Kiste 3—4, do.>L Kiste 2. Kabliau, p. 100 Pfd. 20-25. Hellbutt 0,00. Sardellen. 1902er per Anker 95, 1904er 95, 1905er 90, 1906er 70. Schottische Vollhcringe 1905 0,00, largo 40-44, kuU. 36—38, med. 35—42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, per'/, To. 60—120. Sardinen, russ.. Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse<4 Liter) 1,50— 1,75. Neunaugen, Schocksaß 11, kleine 5—6, Riesen- 14. Hummern, kleine, per Psd. 0,00. Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 0,00, kleine 0,00, unsost. 0,00. Galizier, groß 0,00, mittel 0,00. Eier, Land-, per Schock 4,00—4,60. Butter per 100 Pjd. la 124—127, IIa 115—120, lila 110—114. abfallende 95—105. Saure Gurken Schock 3,50—4,00, Pseffergurkeii 3,50—4,00. Kartoffeln per 100 Pjd. 0,00, raagnurn bonum 1,90— 2,10, Dabersche 1,90— 2, I.Ich Rosen 0,00, weiße 1,60—1,80, Salalkartoffeln 4,00—5,00. Spinat per 100 Psund 12,00—15,00. Karotten per Schockbund 2.50. Sellerie, hiesige, per Schock 4.00—6,00, do. pommersche 4,00—5,00. Zwiebeln große, per tOOPsd. 3,00— 3,50. do. kleine 2,25— 3,00. do. hiesige(Perl-) 30—50. Charlotten 50—60. Petersilie, grün, Schockbd. 1,25. Kohlrabi per Schock 0,75—0,80. Rettig, bahr., per Schock 2,40—4,80. Radieschen per Schock-Bd. 0,80—1,00. Salat, per Schock 1,80— 2,00. Bohnen, grüne, per 100 Psund 0—00. Wachsbohncn 0—00. Psefferlinge per 100 Psd. 10-15. Mohrrüben per 100 Psd. 2—3, Teltower Rüben p. 100 Psd. 10-12. Weiße Rüben, große 1—4, kleine 3—7. Blumenkohl per Mandel 1,50—2,50. do., Erfurter, Kops 0,16—0,19. Wirsingkohl per Schock 4,00—7,00. Rotkohl p. Schock 5,00-9,00. Weißkohl p. Schock 2,00-6,00. Rosenkohl p. 100 Psd. 15—20. Steinpilze p. 100 Psd. 15-20. Kohlrüben Schock 2,50-4,00. Kürbis 1,50—3. Birnen, per 100 Psd. hiesige 7—25, Tiroler 0,00, böhmische 6—16. Achsel, per 100 Pjd., kiesige 4—25, Gravenstciner 8—20, Tiroler in Fässern 15—26, do. lose 10— 1t, Amcrk. 16—26. Preißel» beeren, schwedische 23—24, Gebirgs- 32—35, Wallnüsse per Schock 1,00—1,50. Pflaumen, per 100 Psd., hiesige 2-4, Böhmische 2-5. do. große 6—8. Zitronen. Mesiina 300 Stück 19,00—22,00. 360 Stück 10,00—18,00, 200 Stück 10-14, 420 Stück, klein 9—13, 500 Stück, klein 10—13. Pfirsiche. Werdersche per 100 Pjd. 0,00, Tiroler 0,00, italienische 50-70. Wasserstand am 22. Oktober. Elbe bei Ausstg— Meter, bei Dresden— Meier. bei Magdeburg+ 1,51 Meter.— U n st r u I Bei Dtraußsnrt— ,— Meier.— Oder bei Ratibor+ 1,29 Meter.— Neiße» mündung+ 1,50 Meter.— O d er bei Bsteg+ 2,20 Meter.— Oder bei Breslau Unterpegel— 1,00 Meter. Deutsclier Holzarbeiter-Verband. Modelltischlap. Donnerstag, den SS. Oktober er., abends 8',. Uhr, in SchmibS Gesellschaftshans, Gartenstr. S: BnsnoKon- Versammlung der Mll- u. Jabriktisebler sowie Melldrecbsler. Tagesordnung: 1 Vortrag des Genossen Nitschke: Wohin führt die wirtschaftliche Entwickelumz? 2. Branchenange�en�tem � �Ver, 1 2 T Bilderbuch Wie unsere Jüngens M 2te Serie unserer Joinlan Spielwaren- Ausstellung Zinnsoldaten Kaiser- Manöver für alle Truppenteile Militär- Ausrüstungen Kaufläden Kaufmanns- Artikel Postämter Wagen und Uniformen strom, inBetrieb Eisenbahnen Stark- u. SchwachElektrische Spielzeuge Motore und Modelle in Tätigkeit Handwerkstätten Werkzeuge Manograph- Schreibmaschine 2000 zum praktischen Gebrauch Während der Ausstellung, soweit der Vorrat reicht: Schallplatten für Sprechmaschinen aller Systeme Melodia- Platten 20 cm gross 25 Pf.| Zon- o- phon- Platten 17 cm gross 50 Pf.| Zon- 0- phon- Platten 25 cm gross 80 Pf. 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Werkstattt aufgehezt habe und daß ihm deswegen die Entlassung beiden Fällen die nicht genügend gerechtfertigte Versäumnis auf angedroht worden sei.- Vors.: Welcher Art waren die Hegereien dieselbe Ursache zurückzuführen ist. Ausgehend hiervon des Hirsch? Zeuge: Bestimmtes weiß ich nicht, er war aber mußte der erste Strafsenat des Kammergerichts die Revision gegen Vertrauensmann. Vors.: Hatte Hirsch denn solchen Einfluß auf ein freisprechendes Urteil des Landgerichts Stettin in Zeuge: Er muß doch. Bors.: Was heißt Sachen Engels verwerfen, weil der Bestrafung des Angeklagten das? Drücken Sie sich bestimmter aus. Haben Sie den Einfluß selbst wegen einer bestimmten Schulversäumnis feines Kindes keine wahrgenommen? 3euge: Nein, nur gehört habe ich davon. Vorladung und Vermahnung vorhergegangen war und obwohl E. Vert.: Von wem? Zeuge: Vom Werkmeister Mühbrecht. schon einmal verwarnt und bestraft worden ist. In der Begründung Wors. Den werden wir später hören. Vor der nun folgenden wurde vom Senatspräsidenten betont, es wäre zu wünschen, daß die Vernehmung mehrerer Arbeiter, die in der Linkeschen Waggon- Schwierigkeiten auf dem Gebiete der Schulpflicht und ihrer Erfabrik beschäftigt find, beantragt die Verteidigung, das Gericht möge füllung, die nicht bloß in Pommern, sondern auch sonst vielfach in den Zeugen Rechenberger veranlassen, den Saal zu verlassen, da zu Preußen beständen, einheitliches Schulbefürchten sei, daß die Arbeiter in dessen Anwesenheit nicht die verfäumnisgeses beseitigt würden. Wahrheit sagen würden. Das Gericht lehnt einen Beschluß über Viel notwendiger als ein einheitlicher preußischer Schulpolizeidiesen Antrag ab, da die in Frage kommende prozessuale Be- stock erscheint uns ein von modernen Jdeen getragenes Schulgejes, stimmung sich nur auf den Angeklagten, niemals aber auf einen das freilich vom Dreiklassenparlament nicht zu erwarten ist. Die Zeugen bezieht. Ein zwölfjähriger Junge fagt Schulversäumnis liegt in unendlich vielen Fällen weit mehr in dem aus, er habe ebenfalls gesehen, wie Hirsch die Menge auf Mangel sozialer Einrichtungen( Mangel einer Fürsorge für den Zögs das Trottoir zurückdrängte und Kindern Geld gegeben habe. ling durch das Gemeinwesen, Not in dem elterlichen Hause und Borsigender: Du erkennst Hirsch bestimmt wieder?-8euge: Jämmerlichkeit der Schuleinrichtungen) als an dem bösen Willen der Ja.- Angel.: Der Junge ist der Sohn eines Meisters und Eltern. ER vollständig von der Firma beeinflußt. Vorf.: Was soll denn 1. Bezirk Abgegebene Sozialdemokrat Stimmen 104 1906( 1900) 87( 47) Christliche die Arbeiter? 17 54 47( 25) 7 " 7. 363 336( 133) 27 " 10. 761 736( 455) 20 " 13. 780 735( 447) 45 " 16. 384 364( 250) 20 " 19. 299 278( 143) 18 " 22. 286 242( 143) 43 " 25. 757 722( 284) 35 " 28. 185 174( 75) 10 " 31. 213 194( 118) 19 " 34. 624 586( 289) 38 " 37. 348 287( 164) 61 " 471 447( 172) 22 " 43. 46. 1515 1329( 601) 180 " 937 907( 533) 25 " 8081 7471( 3879) 587 40. Zersplittert 17. ungültig 6. die Linkesche Fabrik für ein Interesse daran haben, Sie als einzelne durch ein Eigenartige Recherchen. Person hereinzulegen? Der nächste Zeuge ist der Schmied Der im Mai d. J. in Haft genommene Zigarrenhändler NohrSomit sind die Kandidaten der zentralorganisierten Gewerk- modrot, der als Hauptbelastungszeuge für das dem Angeklagten mann, der eine ganze Anzahl städtischer Ehrenämter bekleidete, schaften gewählt. zur Last gelegte Vergehen gegen die Gewerbeordnung gilt." Er fagt stand unter der Anklage des Sittlichkeitsvergehens am Sonnabend Wenn auch gegenüber der Wahl vom Jahre 1900, in welchem aus, daß Hirsch ihn vor Jahren veranlaßt habe, dem Metallarbeiter- vor der vierten Straffammer des Landgerichts I. Die Verhandlung zum leztenmal in diesen Wahlbezirken gewählt wurde, jezt eine Verband beizutreten. doppelte Beteiligung stattgefunden hat, so muß doch ausgesprochen da er fein Geld für die Beiträge übrig hatte. Später fei er jedoch wieder ausgetreten, fand unier Ausschluß der Deffentlichkeit statt. Dem Vernehmen nach Seitdem habe wurde der Angeklagte durch die Anklage beschuldigt, zwei Mädchen werden, daß die Beteiligung an der Wahl eine viel zu schwache Hirsch ihn gehaßt und nicht mehr mit ihm gesprochen. Der Zeuge wiederholt in unzüchtiger Weise berührt zu haben. In der Verwar. Die Stimmenzahl ist kein Verhältnis zu den in Berlin be- bestätigt dann, daß Hirsch ihn am Krawalltage mit höhnischen Zu- handlung soll zur Sprache gekommen sein, daß der Angeklagte, der schäftigten 25 Jahre alten Arbeitern. Wenn man auch erwägt, daß eine große Anzahl der Arbeiter Strafantrag zu stellen. rufen bedacht habe. Er habe jedoch davon Abstand genommen, u. a. in der Schul- und Armenkommission und im Waisenrate tätig Vorf.: Angeklagter, was sagen Sie ist, ein überzeugter Spiritist und nebenbei der Meinung ist, daß er in Berlin der Zugehörigkeit zu den Inmungen wegen( 50 000) nicht dazu? Angel: Die Leute sind alle durch den imstande sei, durch ein magnetisches Fluidum, welches seinem wählen darf, so ist die Zahl der Beteiligten doch zu klein. Betriebsinspektor Rechenberger beeinflußt. Körper entströmt, seine Nebenmenschen von manchem förperEs scheint, als wenn das Interesse an der Wahl fehlt. Wahr- ori.( zum Zeugen Rechenberger): Wollen Sie sich dazu äußern? lichen Ungemach zu befreien. Als Mitglied der Schulscheinlich hielt man die Wahl der Kandidaten der zentralisierten Ge-3euge: Ich halte es unter meiner Würde, darauf zu antworten. fommission hatte er wegen der vielfachen Schulverfäumnisse eines werkschaften für so selbstverständlich, das man gar nicht zur Der nächste Zeuge, Schmied Nt unge, ist der Hauptbelastungs- Schulmädchens zu recherchieren und da er sich überzeugte, daß das Wahl zu gehen brauche. Auch scheint das Bewußtsein, daß keine zu zenge für den Tatbestand des Aufruhrs. Vor seiner Ver- Kind sehr schwächlich und sehr krank war, trieb ihn das Mitleid, sich fürchtenden Gegner vorhanden sind, viele von der Wahl abgehalten eidigung bemerkt Verteidiger Simon: Für die Glaubwürdigkeit bereit zu erklären, Versuche mit dem förperlichen Magnetismus anzu haben. Sei dem wie es sei: Es ist unbedingt falsch, wenn des Zeugen ist es von Wert, folgendes festzustellen: der zustellen, der nach seiner Meinung die Patientin vielleicht retten wahlberechtigte Arbeiter nicht zur Wahl gehen. Zeuge hat einmal seinen eigenen Vater zusammen fonnte. Dabei soll er, wie die gegen ihn erstattete Anzeige beWenn es auch nur die Wahl zum Gewerbegericht ist, so ist es mit seinem Bruder wegen 8wiftigkeiten in der Familie hauptete, vielfach mit dem Mädchen unzüchtige Handlungen vordoch Pflicht jedes aufgeklärten Arbeiters, sich daran zu beteiligen. tüchtig berbauen. Er hat ferner seinen Vater genommen haben. Das später an Lungenkrankheit verstorbene Jede Wahl ist auch eine Demonstration; jede Wahl ist ein Mittel, wegen Sittlichkeitsbergehens denunziert. Das Ver- Mädchen hatte anfänglich diese Beschuldigungen im vollen Umfange die Anhänger der eigenen Richtung zu zählen. Es kann sich auch fahren ist aber niedergeschlagen worden. Er hat ferner mehrfach ge- bestätigt, bei späteren Vernehmungen sie aber immer mehr einniemand entschuldigen. Es war jedem die Möglichkeit der Teilnahme äußert, er wolle seinen Vater wegen Majestätsbeleidigung den ungeschränkt. Der Angeklagte hat von Anfang an den in diesem Falle gegeben. Die Wahl fand am Sonntag statt, teine Eintragung zieren. Er hat aber von seinem Vorhaben Abstand genommen, gegen ihn erhobenen schweren Verdacht entschieden zurückgewieſen in die Wählerliste war notwendig; das Beschaffen einer weil inzwischen die Zwistigkeiten beigelegt worden sind. Der alte und tat dies auch im Hauptverhandlungstermin. Die in einem zweiten Wahllegitimation war die einzige Mühe, deren fich die Vater ist draußen auf dem Korridor und hat die Beschlüsse mitgebracht, Anklagefall gegen ihn auftretende Beugin ist ein an Krämpfen Wähler zu unterziehen hatten. hatten. Deſſenungeachtet haben sich in denen das Verfahren wegen Sittlichkeitsvergehens eingestellt wurde. leidendes hysterisches Mädchen, dessen Glaubwürdigkeit stark in biele auch diese kleine Mühe nicht gemacht, sondern find Ich bitte das Gericht, diese Angaben zu prüfen und die Glaub- Zweifel gezogen wurde. Der Angeklagte bestritt, mit dieser Zeugin der Wahl ferngeblieben. Hoffen wir, daß man bei künftigen Wahlen würdigkeit des Zeugen feitzustellen, da ich der Meinung bin, daß, überhaupt jemals in nähere Berührung gekommen zu sein. Für den nicht mir die Frage aufwirft, ob die Beteiligung einen jofort ins falls sich alle diese Angaben bestätigen, der Angeklagte auf Grund Angeklagten trat eine ganze Reihe von Leununds zeugen auf, darunter Auge fallenden politischen oder gewerkschaftlichen Zweck hat, sondern der Aussage dieses Zeugen unmöglich verurteilt werden kann auch Pfarrer Koch von der Samariterkirche, der erklärte, daß dem daß die Arbeiterschaft lernt, höher als den Augenblidserfolg das Außerdem sind diese Feststellungen wichtig für ein eventuelles Ver- Angellagten unfittliche Handlungen nicht zuzutrauen seien, und nebenideelle Moment zu stellen neben dem Wahlerfolg auch die un fahren wegen Meineides gegen den Zeugen. bei ein kleines Bild von den spiritistischen Allüren des Angeklagten, geheuere demonstrative und agitatorische Wirkung einer MassenZeuge Runge macht dann zu diesen Ausführungen des Ver- von denen er ihn mehrfach abgeraten habe, entwarf. Dem Antrage beteiligung in Rechnung zu ziehen! teidigers ganz verwirrte und wenig zusammenhängende Bekundungen, des Rechtsanwalts Schneider entsprechend erkannte das Gericht aus denen niemand klug wird. Zur Sache selbst bekundet er, daß nach erschöpfter Beweisaufnahme auf Freisprechung des Aner auf dem Striegauer Play von dem Angeklagten Pfaffenaas" geklagten. Der Staatsanwalt hatte 1 Jahr Gefängnis beantragt. genannt wurde, was auf seine Mitgliedschaft zum Evangelischen Der Angeklagte, der seit Mai in Untersuchungshaft zugebracht hat, Arbeiterverein Bezug hat. Gleich nach dieser Beschimpfung fet wurde sofort auf freien Fuß gesezt. von vier bis fünf Ausgefperrten verprügelt worden. Nach seiner Angell. Hirsch Meinung hat Hirsch zu diesen Personen gehört. bestreitet das entschieden. Mehrere Zeugen befunden, daß sie zu der fraglichen Zeit den Angeklagten in der Restauration von Strause Eine Einigung über diese Differenz in den Beit gesehen haben. angaben fonnte nicht erzielt werden. Hierauf wurde die Berhandlung auf morgen, Dienstag, vertagt. Was im gemietlichen" Sachsen einem Arbeiterverein alles passieren kann! Gerichts- Zeitung. war. Als er daß die weife Der Kaiserdeputierte" vor dem Schwurgericht. Der Beutezug eines Köpeniders" in Berlin beschäftigte Breslau, 22. Oktober. Unter großem Andrang begann vor dem Hiefigen Schwurgericht heute die Verhandlung gegen den Vorschmied gestern in einer längeren Sigung die 1. Straflammer des LandHeinrich Hirsch, der angeklagt ist, Städelsführer bei den gerichts III. In der Person des Kutschers Michaelis Gedalje präsentierte sich der Straffammer einer der geriebensten Schwindler, Krawallen auf dem Striegauerplaz gewesen zu sein. Diese Krawalle waren bekanntlich vor kurzer Zeit bereits Gegenstand geder es verstanden hat, längere Zeit hindurch eine große Anzahl Goldwarenhändler und Uhrmacher in Berlin und den Vororten richtlicher Erörterung gewesen, wo gegen 45 Angeklagte in einem auffehenerregenden Prozeß mehrere Tage lang verhandelt wurde. Die unter der Maske eines Köpenicker Wäschereibesitzers" zu prellen. Borgeschichte des heutigen Prozesses ist daher bereits bekannt. Der Name Der 86 jährige Angeklagte hat schon eine sehr ereignisreiche des Angeklagten Hirsch wurde schon einmal in der Deffentlichkeit viel Vergangenheit hinter sich. Er ist nicht weniger als sechsmal a. mit genannt. Als der Kaiser im Jahre 1903 furz nach der Krupp- Affäre Im sächsischen Erzgebirge regt es sich unter der Arbeiterschaft, wegen Diebstahls und dreimal wegen Betruges, u. Im März d. J. wurde er aus bei einem Besuche in Breslau an eine Arbeiterdeputation die be- die endlich im Begriff steht, ihre Klaffenlage zu erkennen und in 2 Jahren Zuchthaus vorbestraft. Nachdem der Angeklagte seinen fannte Ansprache hielt jeder deutsche Arbeiter hätte bis ins hohe ihre Organisationen einzutreten. Auch Arbeiter- Turn-, Gesang- und der Strafanstalt Plößensee entlassen. Alter eine gesicherte Existenz" und die Arbeiter vor der andere Vereine entstehen. Den Gewerkschaften und diesen Vereinen Arbeitsverdienst aus dem Gefängnis in wenigen Tagen durchgebracht Sozialdemokratie warnte, gehörte Hirsch zu jenen Deputierten. werden alle möglichen Hindernisse bereitet. Daran beteiligen fich hatte, erfann er folgenden neuartigen Gaunertrick: Er fuhr nach Den Vorsiz in der Verhandlung führt Landgerichtsdirektor auch behördliche Organe. Ein eifriger Diener der Obrigkeit ist auch Köpenick und ließ sich hier bei einem Wäschereibefizer als Kutscher Dr. Billing. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Hensel, Verteidiger der Brigadier Krallmann in Raschau bei Schwarzen engagieren. Mit Hülfe des ihm überantworteten Fuhrwerks gelang des Angeklagten ist Rechtsanwalt Simon( Breslau), der bis vor berg. Der Arbeiter- Gesangverein Frohsinn" in Raschau hielt es ihm, fich bei zahlreichen Uhrmachern als Wäschereibefizer zu furzem noch Amtsrichter in Militsch war und wegen einer Aeuße- Ende August sein erstes Stiftungsfest ab, gu dem er legitimieren. Eines Tages erschien cr bei einem Uhrmacher B. in rung, die Sozialdemokraten seien vor dem Gesez gleichberechtigt, im am Abend Tanzkränzchen für seine Mitglieder erlaubt" Moabit und ließ sich mehrere Uhren vorlegen. Im Laufe der Disziplinarwege gemaßregelt wurde. Die Anklage lautet auf Ber- bekommen hatte. Tags zuvor tam der Gemeindediener nachts Unterhaltung erwähnte er dann ganz harmlos, er betreibe als gehen gegen die Gewerbeordnung, Beleidigung Arbeitswilliger und 412 Uhr in den Gasthof, wo die Mitglieder mit ihren Frauen den Nebenerwerb einen gut gehenden Uhrenhandel in Köpenid, auch stehe Rädelsführerschaft bei einem Aufruhr. Hirsch soll am Nach- Saal schmückten, und teilte dem Vorsitzenden mit, daß das Ver- er mit verschiedenen Uhrenhändlern in Berlin schon lange Zeit in mittag jenes 19. April, an dem die Krawalle stattfanden, gnügen nicht abgehalten werden könne. Am andern Morgen be- Geschäftsverbindung. Da der Angefchuldigte fehr sicher auftrat und dem Arbeitswilligen Modrok, der aus der Linkeschen Waggonfabrit mühte sich der Vorsitzende mit einem Mitglied wieder beim Ges auch einige Fachkenntnis bewies, wollte sich B. das gute Geschäft" heraustam und über den Striegauerplatz gehen wollte, zugerufen meindevorstand um die Erlaubniserteilung zum Tanz. Er erhielt nicht entgehen lassen, zumal da der Herr Wäschereibefizer sich in aus haben:" Seht, das ist auch einer, der sich nicht schämt, weiter zu fie auch. Am Nachmittag erschien aber der Brigadier mit einem reichender Weise legitimierte und auf sein auf der Straße stehendes B. ließ sich schließlich verleiten, dem Angrbeiten. Weiter soll er den auf dem Striegauerplatz zahlreich ver- Gendarmen zum Konzert, das auf einem Gartengrundstück über der Fuhrwerk hinwies. Tammelten Kindern Geld gegeben haben, mit der Aufforderung, sie Straße dem Gasthofe gegenüber abgehalten wurde und sehr stark geklagten mehrere Uhren im Werte von 68 Mart tommissionsDer geriebene sollten dafür recht lärmen. Am späteren Abend, als der Krawall besucht Weiterverkauf erfuhr, auszuhändigen. zum Tanzerlaubnis seinen Höhepunkt erreicht hatte, tam der Arbeitswillige Runge aus vom Gemeindevorstand wieder erteilt war, holte er diesen und dann Schwindler ließ sich natürlich bei dem Geprellten nicht mehr einer Sigung des evangelischen Arbeitervereins über den Striegauer- forderten sie vom Vorsitzenden den Schein zurück und bemerkten, sehen, denn die Uhren wanderten sofort ins Leihhaus. Dieser Trick play, wo inzwischen auch der Angeklagte sich wieder eingefunden die Erlaubnis wieder zurüdziehen zu müssen. Der Vorsitzende fügte gelang dem Angeklagten bei mehreren Uhrenhändlern in Berlin, haben soll. Hirsch soll dann angeblich die ihn umgebende Menge sich aber nicht so schnell. Er ging mit seinen Festteilnehmern nach Charlottenburg und Schöneberg. In einigen anderen mit den Worten: Hier tommt auch so ein Pfaffenaas!" auf Runge Schluß des Konzerts über die Straße in den Saal und gab ihnen Fällen waren die Verkäufer so vorsichtig, dem Betrüger nicht ohne Uhren auszuhändigen. In diesen Fällen verstand gehezt haben, der mit Fäusten und Stöden mißhandelt wurde. von dem Vorgefallenen Kenntnis. Eine Aufregung entstand unter weiteres Der Angeklagte selbst bestreitet jede Schuld. Er stellt den 25 den Leuten, die, als der Brigadier den Saal betrat, um einzu- es Gedalje in rafiniertester Weise die Aufmerksamkeit des bon den borgelegten Uhren abzulenten, von der Staatsanwaltschaft geladenen Belastungszeugen 50 Ent- schreiten", sich dadurch Luft machte, daß der Beamte nicht ans Geschäftsinhabers Sein um dann blitzschnell einige verschwinden zu lassen. Laftungszeugen entgegen, die teilweise einen von ihm geführten Alibi- Podium tam, sondern wieder hinausgedrängelt wurde. beweis unterstügen sollen. Bors.: Sie sollen bei Ihren Arbeits- Begleiter, der Gendarm, war schon verschwunden. Der Vor- Gericht legte der Angeklagte nur ein sehr gewundenes Geständnis follegen eine einflußreiche Stellung gehabt und in der Werkstatt size n de des Vereins und der Wirt erhielten beide ab, so daß die Vernehmung der sämtlichen Zeugen stattfinden mußte. agitiert haben. Angell: Das ist nicht wahr. Ich habe mir Strafmandate. Danach sollte jeder 50 Mark bezahlen Erst dann gestand er alles ein, um sich noch von der ihm drohenden nicht das geringste zuschulden kommen lassen. 17 Jahre lang habe wegen Veranstaltung eines öffentlichen Tanzvergnügens ohne Zuchthausstrafe zu retten. Der Gerichtshof hielt in Anbetracht des ich ununterbrochen auf einer Stelle gearbeitet und wurde 1902 fogar behördliche Erlaubnis", außerdem sollte der Borsigende 30 Mart überaus gemeingefährlichen Treibens des Angeschuldigten eine auf Veranlassung des Direktors zum Kaiser deputierten bezahlen wegen Veranstaltung eines öffentlichen empfindliche Strafe für gerechtfertigt und erkannte auf drei ausgewählt. Das beweist, in welchem Ansehen ich bei der Fabrik- 11 mzuges ohne behördliche Erlaubnis"( der Gang über Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust. Der Staatsleitung stand. Wer bei uns als Agitator bekannt ist, wird die Straße nach dem Saal!!) und weitere 20 Mart Strafe waren anwalt hatte vier Jahre Gefängnis beantragt. sofort entlassen. Es folgt die Erörterung der Vorgänge dem Wirt auferlegt worden, weil er Fortbildungsschüler auf dem Striegauerplaz. Der Angeklagte gibt zu, Arbeitswillige zum Tanz zugelassen" haben sollte. Alles das war auf Anzeige Hungerleider" genannt zu haben. Vors.: Einem anderen des hinausgedrängelten Brigadiers St. erfolgt. Er sollte feine Arbeitswilligen sollen Sie zugerufen haben, er solle sich schämen, Freude an dem Erfolge seines Eifers haben. Es wurde gerichtliche weiterzuarbeiten."- AngelL: Das ist nicht wahr. Der An- Entscheidung beantragt. Wie ein Kartenhaus fiel das Anklagegeflagte bestreitet durchaus, den Rädelsführer bei den Krawallen gebäude ein. Dem Bregadier wurde vom Gericht gesagt, daß er in Stationen gespielt zu haben. Er gibt wiederholt der Vermutung Ausdruck, dem Saal nichts zu suchen hatte. Die Angeklagten wurden frei. daß die Arbeitswilligen nicht unbeeinflußt, sondern von der Fabrik- gesprochen, nur die Strafe wegen des öffentlichen Umzuges" Leitung bewogen, gegen ihn in der Voruntersuchung ausgesagt haben. blieb, da versteht man eben in Sachsen teinen Spaß, und wenns nur Vors.: Wie kommen Sie zu dieser Vermutung? Angel.: über die Straße ist! Auch diese Strafe dürfte in der BerufungsWeil ich als Einziger hier vor dem Schwurgerichte angeklagt bin.- instanz fallen. Vors.: Das liegt eben daran, daß es der Polizei leider nicht geSchulverfäumnis vor dem Strafrichter. Lungen ist, aus der großen Menge auf dem Striegauerplaz alle diejenigen herauszubekommen, die die Gefeße übertreten haben.- Für die Provinz Pommern gilt noch ein Landtagsabschied vom Hierauf begann die Zeugenvernehmung. 23. Mai 1835, wonach einer Schulversäumnisstrafe eine Vorladung Die Zeugenvernehmung drehte sich im allgemeinen um die Vor- und Vermahnung sowie die Aufnahme einer Registratur darüber gänge auf dem Striegauer Platz und zeitigte dasselbe Ergebnis, wie voraufzugehen hat. Diese Voraussetzung ist in jedem ein bie bor furzer Zeit stattgefundene Verhandlung der Breslauer Strafzelnen alle zu erfüllen, ehe eine Bestrafung der fäumigen Lammer über die Strawalle. Zahlreiche Kommissare und Schußleute Eltern, Bormünder usw. erfolgen tann, abgesehen von einer Ause jagen als Zeugen übereinstimmend aus, daß die Menge gefchloffen nahme. Die Bermahnung in einem früheren Falle, wo ihr Bet " Vor Witterungsübersicht vom 22. Oktober 1906, morgens 8 Uhr. Barometer. stand mm Bind. richtung Windstarke Better Swinembe. 768 ND 1 Dunst Temp. n. T. Stationen Barometer. stand mm Wind Windstarte richtung Weller 2 bedeckt Zemp. n. G. T 10 Haparanda 773 N 12 Petersburg 759 NND 12 Scilly 755 S 4 mollig 9 Aberdeen 756 SSD 2bedect 3 Baris 764 SSD 21ollig 7 1 bedeckt 14 12 9 Hamburg 767 DSD 2 Nebel Berlin 767 DGD 1 Nebel Frantj.a.M. 767 SD 1 Mebel 2wolfen! München 770 GD 769 N 1 Nebel Bien Wetter- Prognose für Dienstag, den 23. Oktober 1906. Etwas fühler, vielfach nebelig, teilweise aufklareud bei mäßigen nord. östlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner etterbureau. Tumst. 76. Lachmann& Scholz Warenhaus Ottostraße 1. 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