Nr. 264. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 t, monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Neue Welt" 10 Big. Bost. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Preisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. an: Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Doll: sblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebrudte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg. jedes weitere Wort 5 Pig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsvrecher: Amt IV. Nr. 1983. Sonntag, den 11. November 1906. Zum Protest versammelt sich die Arbeiterschaft am Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernivrecher: Amt IV. Mr. 1984. gegen die Fleischwucher- Politik gegen die wucherische Lebensmittelverteuerung durch Zölle u. Grenzsperren gegen das System Bülow- Podbielski Dienstag, den 13. November. Arbeiter und Arbeiterinnen! Kommt in Maffen! Persönliche Weltpolitik. dorthin geschleuderten Geistesblitze jenseits der schwarzweiß- Die Lehren, die sich aus diesen Vorgängen aller Welt roten Grenzen erzielen. Geschenkte Denkmäler werden zwar mit aufdrängen mußten, haben jedoch in feiner Beise vermocht, höflichen Worten, aber doch mit emporgezogenen Augenbrauen dem persönlichen Regiment eine größere Zurückhaltung entgegengenommen und dann in die Ecke gestellt. Glühende aufzuerlegen. Die russische Revolution. fie der Hülfe befreundeter Mächte, zum mindesten der Hülfe dem, was höfische Bewunderer des persönlichen Regiments sich des Deutschen Reiches sicher sein würden, wenn sie eines davon versprochen haben mögen. Die jauchzenden Freuden schlimmeren Angriffs auf ihre Unabhängigkeit nicht Herr werden hymnen auf die großzügige, weitblickende, stets das Richtige könnten. Da dies schlimmere Attentat nur vom britischen Reiche treffende Genialität des neuen Surses, als er, Volldampf borWas den Unmut bürgerlicher Politiker über das persön- felbst ausgehen konnte, konnten die Transvaaler darin eine aus, auf den weltpolitischen Ozean hinaussteuerte, sind in den liche Regiment hauptsächlich erweckt hat, sind einige Aeußer- Ermutigung zum Widerstande gegen die britischen Annerions- Batriotenfehlen längst eingefroren. Raum würde wohl heute lichkeiten, die bei derjenigen Spezialität von persönlichem bestrebungen erblicken. Auch in England selbst wurde die noch selbst ein Admiral eine panzerfäuftige Expedition anRegiment, die Deutschland gegenwärtig zu foften bekommt, Depesche so aufgefaßt und erweckte dort tiefen Groll gegen die getreten mit dem verzückten Gelöbnis, er wolle das Evangelium allerdings recht unbequem sich bemerkbar machen. Das sind Reichsregierung, aber keinerlei Befürchtungen, da es den von seiner Majestät geheiligten Person allen Leuten verkünden, vor allem die demonstrativen Bemühungen, durch Geschenke, englischen Politikern vollkommen flar war, daß von Berlin denen, die es hören wollen, und denen, die es nicht hören wollen. fowie Glückwunsch- und Beileidstelegramme bei aller- aus ernstliche Hilfe den Transvalern im Kampfe gegen das Sogar innerhalb der schwarzweißen Grenzen ist die gläubige hand ausländischen Potentaten und sonstigen Macht- britische Reich nicht geleistet werden könnte. Db die Depesche Gemeinde der Verehrer des persönlichen Regiments arg zuhabern einen angenehmen Eindruck zu erzielen, oder gar dazu beigetragen hat, den südafrikanischen Krieg herbei- fammengeschrumpft. Aber die ungläubigen Thomasse in den auswärtigen Heerführern und Staatsmännern durch Drdens- zuführen, entzieht sich bei der Kompliziertheit der ineinander- bürgerlichen Barteien machen sich immer noch nicht mit hinverleihungen oder sonstige Gunstbeweise Zensuren über ihr greifenden Ursachen der genauen Feststellung, wohl aber reichender Deutlichkeit klar, daß alle jene auffälligen MißWohlverhalten und ihre Leistungen zu erteilen. Wie ja auch hat sie nachweislich zu ungunsten des Ansehens Deutschlands erfolge in der auswärtigen Politik doch nur die nebensächlichen in Deutschland selbst das umgekehrte Verfahren eingeschlagen gewirkt. Diese Wirkung wurde erheblich verschärft Begleiterscheinungen eines Regierungssystems find, das aus wird, indem durch scharfen Tadel die Nörgler und Schwarz- durch das Verhalten der deutschen Machthaber in den weiteren dem heutigen preußisch- deutschen Staatsorganismus naturseher" im allgemeinen heftig getadelt, oder eine bestimmte Stadien des Konflikts. Denn der schwächere Teil, der von gemäß hervorwachsen muß. Partei, die Sozialdemokratie, als ein Haufen, vaterlandsloser Berlin aus eine Ermutigung zum Kampf erhalten zu haben Gesellen", als eine Rotte von Menschen, nicht wert den glaubte, wurde dadurch vor den Kopf gestoßen, daß die NeuNamen Deutscher" zu tragen, in Grund und Boden ver- tralität des Deutschen Reiches nur Eugland gegenüber eine donnert wird. wohlwollende Färbung hatte. Diese Wirkung wurde noch dadurch Den Sozialdemokraten haben die edlen patriotischen verstärkt, daß der englische General Roberts, der sich mit Der Aufmarsch der russischen Parteien zum Wahlkampf. Bürgersleute solche Rosenamen zwar stets von Herzen ge- Schmach bedeckte, die Ausrottungsmethode der KonzentrationsAus Petersburg wird der Russ. Korresp." geschrieben: gönnt. Die Sozialdemokratie ihrerseits hat sie stets mit lager gegen die Frauen und Kinder der kämpfenden Buren Die Parteien und Gruppen, die die erste Reichsduma heiterem Gleichmut von sich abprallen lassen. Sie konnte anzuwenden, mit dem Orden vom Schwarzen Adler bedacht hartnäckig boykottierten, rüsten sich jetzt sehr rege, wenn auch umsomehr sich eine ernstliche Abwehr sparen, da aller Welt wurde. Schließlich wurde auch noch dem Präsidenten Strüger unter äußerst ungünstigen Bedingungen, zur bevorstehenden bekannt ist, daß Staatsanwälte und Gerichte eine Replik im die Tür verschlossen, die einem Cecil Rhodes, dem Typus der Wahlkampagne. Es werden von den Parteiführern der gleichen Ton durch schwere Bestrafung der replizierenden Uebel- ffrupellosen Staubkapitalisten, offen gestanden hatte. So tam außersten Linken hauptsächlich Fragen der Wahltaktik, und täter zu verhindern suchen. es, daß das Ansehen des deutschen Namens durch diese namentlich die Frage ob und inwiefern Koalitionen mit den Sehr schmerzlich ist den patriotischen Gemütern aber die Bidzaczüge bei den Engländern in keiner Weise gefördert bürgerlichen Parteien möglich sind, lebhaft diskutiert. Die Wirkung, die derartige im Auslande verstreuten Gaben aus wurde, bei den südafrikanischen Buren aber völlig in die Beschlüsse darüber stimmen meistens mit denen der deutschen dem deutschen Gnadenfüllhorn und die bald hier- bald Brüche ging. Sozialdemokratie überein. Es wird ganz allgemein der Grundjab aufgestellt, daß ein Zusammengehen mit anderen Parteien für die russische Sozialdemokratie nur in einer Form möglich sei, die die Selbständigkeit der Arbeiterpartei nicht einschränkt. Das Zentralorgan des Bundes" meint dazu: Lobeserhebungen und Gnadenbeweise werden durch die ge- In der Maroffofrage hatte sich anfangs die ReichsVor allem müssen die Sozialdemokraten ihre Tätigkeit schichtliche Entwickelung in grausamer Schnelle desavouiert: regierung auf die Sicherstellung der allen Nationen gemein- bei den Wahlen der der Sozialrevolutionäre und Trudowifes Der Bar als Admiral des Stillen Ozeans" antelegraphiert, samen Wirtschafts- und Handelsinteressen beschränkt. Da koordinieren. Das ist selbstverständlich. Zweifelhaft kann sieht turze Zeit darauf seine Flotten im Stillen Dzean ver- wurde plöglich das Publikum des weltpolitischen Theaters bloß die Frage erscheinen, ob ein Zusammengehen mit den sentt und seine Häfen erobert von den Japanern. Vor diesen durch den Knalleffekt der Reise nach Tanger verblüfft, die in Kadetten zweckmäßig wäre. Nun ist aber klar, daß die schligäugigen gelben Buddha- Verehrern und ihren diabolischen Marokko einen ähnlichen Eindruck hinterließ, wie vordem das Kadetten sich auf bedeutende Schichten der Bevölkerung ftüßen, Mordbrennergelüften sollten die Völker Europas ihre heiligsten Strüger- Telegramm in Südafrika und die den seit der Orient- und sie schöpfen ihre Macht in der Kleinbourgeoisie. Daber Güter wahren, welche Mahnung einstmals durch den fahrt schon einigermaßen wieder verblichenen Glanz des wäre es verfehlt, wenn die Sozialdemokratie, die vorwiegend Malprofessor Knadfuß allegorisch ausgepinselt wurde. Deutschen Reiches als Schußmacht des Mohammedanismus auf- in den Städten arbeitet und dort ihren Einfluß ausübt, die Heute sind die gelben Japaner durch Adoptierung der frischte. Liebedienerische Federn in der deutschen Presse spielten Radetten ignorierte." heiligsten Güter Europas für ihre Land- und Seekriege zu sofort mit dem Gedanken eines deutsch- französischen Krieges Das Organ ist gegen Bündnisse, die sich auf einem gleichberechtigten, hochachtbaren Menschen avanciert, deren wegen Marokkos ausgesucht wegen Marottos! Mit Minimumprogramm sozialpolitischer Forderungen vollziehen, Heerführer für würdig erachtet wurden, gleichzeitig mit den großem Tamtam wurde nunmehr vom Reichskanzler die sowie gegen gemeinschaftliche Wahlplatformen, gegen gevon ihnen besiegten russischen Generalen dekoriert zu werden. Regelung der Frage durch eine Konferenz betrieben. Resultat: meinsame Kandidaturen, Flugblätter usw. Eine UeberDoch, o Pech! Kaum war der glorreiche Besiegte von Port Festlegung auf Bedingungen, die auch vor der Tanger- Reise einfunft fönne nur etwa darin bestehen, daß ein Teil der Arthur, General Stöffel heimgekehrt mit dem preußischen in aller Gemütsruhe von Frankreich und den anderen Mächten Wahlliste aus Sozialdemokraten, ein zweiter Teil aus Drden pour le mérite um den Hals, da wurde kriegsgerichtlich hätten erwirkt werden fönnen; andererseits Zusammenschluß Kadetten bestehe. Man könne fich ferner auf verschiedene seine totale Unfähigkeit und Feigheit nachgewiesen. Ein Frankreichs und Englands zu eines Alliance, deren Spize fich Wahlbezirke verteilen, gemäß dem Einflusse verschiedener Diener, würdig seines Herrn, des Admirals vom Stillen gegen das Deutsche Reich kehrt, und Eutfremdung des Drei Parteien in den einzelnen Bezirken. Es seien auch andere Dzean! bundfreundes Italien. Sombinationen möglich. Sie dürften aber nur einen techAlles dies Mißgeschick, von dem die auf verblüffende Daß Desterreich- Ungarn auf dem Kongreß die deutschen nischen Charakter tragen und weder die Selbständigkeit Wirkungen hinzielende Repräsentationspolitik ereilt wurde, Forderungen unterstützt hatte, wird mit einer Depesche an der Sozialdemokratie einschränken noch sie in ihrer Agitation erweckte im Auslande Zweifel am Wert und Gehalt der den Minister Grafen Goluchowski quittiert. Dieses Dokument stören. Sei aber ein Zusammengehen möglich, so müßte deutschen Politik überhaupt. Die auf solchen Gedanken- belobigt ihn, den Minister eines fremden Staates! als eine Uebereinkunft noch vor dem ersten Wahlgang abgängen gewonnenen Urteile des Auslandes haben dann dazu brillanten Sekundanten auf der Mensur in Algeciras und geschlossen werden, da wir nicht, wie in Deutschland, Stichgeführt, daß die deutsche Politik keine besondere Hochschätzung stellt Gegendienste gleicher Art in Aussicht. Daß das einen wahlen haben, sondern die relative Majorität schon gleich im mehr genießt. unangenehmen Eindruck auf das Selbstgefühl der Regierungs- ersten Wahlgange entscheidet." Soweit der Bund". Doch schlimmer als solche Betätigungen der deto- männer in Wien und Budapest machen sollte, war natürlich rativen Seite des persönlichen Regiments, wirkt die nicht beabsichtigt. Daß die Verherrlichung des österreichischen Betätigung, wenn sie direkten Einfluß ausübt auf Ministers des Aeußeren als brillanten Setundanten" bestimmte internationale Streitfragen. Eine solche dirette einer fremden Macht es ihm erschweren würde, für seine Kundgebung des persönlichen Regiments von großer Person jemals wieder Sekundant zu spielen, tann sich aber politischer Tragweite war das Glückwunschtelegramm an jezt teinesfalls mehr der Erkenntnis der Regierungsmänner den Transvaalpräsidenten Krüger, daß es den Trans in Berlin entziehen und mag ihnen den angstvollen Stoßbaalern gelungen sei, den räuberischen Ueberfall Jamesons feufzer entlockt haben: Was nun wohl noch?! zurückzuschlagen, ohne an die Hülfe befreundeter Mächte zu So haben solche impulsive Eingriffe in das Getriebe der eigener Kandidaturen selbst in jenen Wahlbezirken wünschensappellieren". Die Transvaaler mußten das so auffassen, daß Weltpolitit genau die entgegengesetzte Wirkung gehabt bon wert, wo ein Sieg der Sozialdemokratie zweifelhaft erscheint. Aehnliche Beschlüsse faßte auch eine Konferenz der sozialdemokratischen Partei in Litauen und Weißrußland. Die taftischen Direktiven für die Wahlkampagne lauten folgendermaßen: 1. Gemeinschaftliche Wahlplatformen mit anderen Barteien, die auf einer Verkürzung bezw. Veränderung des sozialdemokratischen Programms beruhen, sind unzulässig. 2. Für Agitationszwecke ist die Aufstellung 3. In Fällen, wo die Sozialdemokratie mit eigenen berhältnis zum Bebarf steht, wodurch mehr und mehr] Weiter untersucht die Denkschrift den Preisunterschied für Kräften eine eigene Kandidatur durchführen kann, ist eine unzufriedenheit in den wichtigsten Kreisen unserer Be- Fleisch zwischen Düsseldorf und Amsterdam und da ergibt Uebereinkunft mit anderen Parteien nicht erwünscht. völkerung entstehen muß." So zum Beispiel studierten im Jahre sich für den Monat 1906, daß die Amsterdamer Preise mit durch5. In diesem Falle sind Uebereinkünfte auf Grund imperativer Mandate, die die augenblicklichen Grundforderungen der Arbeiterschaft formulieren, erwünscht. 4. Ist ein Sieg der Sozialdemokratie ausgeschlossen, so 1905/06 an den deutschen Universitäten 7050 Preußen Jura, schnittlich rund 48 M. für 50 Silogramm um 24 M. hinter den schließt sie mit anderen Parteien eine Uebereinkunft nur während zur Dedung, des Bedarfes der preußischen Justiz an Düsseldorfern zurüdblieben. Der Zoll beträgt bei dann, wenn eine einfache Stimmenenthaltung der Sozial- Referendaren 4000 Studenten genügend gewesen wären. 3000 stud. lebendem Vich für 50 Kilogramm Lebendgewicht 4 W., auf 50 Stilodemokratie den reaktionären bezw. gemäßigteren Parteion jur. erscheinen somit überflüffig". Ebenso ungünstig liegen die gramm Lebendgewicht nach Abzug von 20 Pro3. Tara 5 M. Also zugute fommen könnte. Berhältnisse bei den Philologen und Mathematitern; günstiger sind auch nach Aufschlag des Bolles blieben noch 19 Mart Preissie bei den Medizinern, wo Nachfrage und Angebot sich ungefähr differenz.... Beiläufig bemerkt ist die Preisdifferenz zwischen decken, und was die evangelischen Theologen betrifft, so haben Amsterdam und Düsseldorf gewachsen, denn sie betrug im Juni dieselben die schönsten Hoffnungen auf eine gute Pfarre, denn es 1904: 12% M., 1905: 21 M. und 1906: 24 M." Die Dentschrift schließt:" Die festgestellten Zahlen lassen er 6. Sollte im Laufe der Wahlkampagne die Frage bon fehlen zur Deckung des Bedarfes 800-900 Studierende. Jm warten, daß bei Grenzöffnung gegen Holland eine einem engeren Bündnis mit anderen sozialistischen Parteien allgemeinen sind die Verhältnisse aber doch besorgniserregend". auftauchen, die nur in Details von der Sozialdemokratie abWas bereitet nun dem Hallenser Professor so viel Sorgen? Milderung der bestehenden hohen Schlachtvieh. weichen, so entscheidet darüber jedesmal das Zentralfomitee. Wenn man die Verhältnisse vom Standpunkte der allgemeinen preise und damit auch der Fleischpreise eintreten Ferner wurde beschlossen, besondere Wahlkomitees und Bildung aus betrachtet, so sollte man vielmehr von einer erfreu- würde." Auskunftsstellen in den Städten und Bezirken zu gründen. lichen Gestaltung derselben sprechen. Das Bedürfnis nach Auf diese Vorbereitungen der Sozialdemokratie ant akademischer Bildung steigt von Jahr zu Jahr, die Hörsäle füllen wortete die Regierung durch die bekannte Entscheidung des fich, und die Zahl der gebildeten staatlichen und kommunalen Senats, die eine bedeutende Verschlechterung des Wahlrechts Funktionäre wird von Jahr zu Jahr größer: es wächst qualitativ vormittag fand der Probeempfang des Kaisers statt. Die Verkehrsder Arbeiter und Bauern bewirkt. Mit Wohlwollen dagegen und quantitativ die intellektuelle Straft der Nation. Alber für einen störung begann vormittags 9 Uhr ant Bahnhofe und hatte den Zwed, die Tempi und den Einhalten der Zwischenräume zwischen fieht die Regierung auf einen Blod der reaktionären und ge- preußischen Professor ist es schwer, wenn nicht unmöglich, dieſen der Chreneskorte und den Hofequipagen einzuüben. Die Probefahrt mäßigten Parteien. Es handelt sich um einen Wahlvertrag Standpunkt zu vertreten, er ist durch und durch Klassenmensch, und bewegte sich durch die Schüßenstraße über den Karlsplatz durch die zwischen dem Verband des 30. Oktober", der Partei der prüft als solcher jede Erscheinung und Entwickelung auf das Vor- Otto- und Briennerstraße zur Residenz und von da durch die friedlichen Erneuerung", der" Gruppe des Reichsrats- auch in der Ueberfüllung der deutschen Universitäten, weil daraus Zweibrückenstraße zur Kohleninsel und von hier wieder durch die handensein des proletarischen Geistes". Er wittert ihn Theatiner- und Weinstraße zum Marienplay, durch das Tal, die zentrums" und der Partei der rechtmäßigen Ordnung"; Unzufriedenheit und demokratisch- oppositionelle Gesinnung ent- Erhardstraße zur Maximiliansstraße, wo bereits gestern der ProbeVorläufig hat nur die Partei der friedlichen Erneuerung" springt. Anstatt als Mann der Wissenschaft für die Oeffnung Barademarsch stattgefunden hat. Ob auch eine Probe- Grundsteinſellſchaft einzutreten. te Publitums, bas zu weit verdrängt, vorgenommen manche wohl begründete Bedenken, in diese verdächtige Geber Tore der Universitäten für jeden wiiiensbedürftigen legung mit Proberedner, ein Probefeſteffen und Brobeverhaftungen, sat er. Ich liegt die Stätten der akademischen Bil- onszieht sich unserer kenntnis; möglich wäre es umſomehr, als in Eiſen das b Gr. = Ein Probe- Kaiserempfang in München. Die Münchener Post" berichtet unterm 9. November: Heute " sich werden, ift bie Wer zweifelt noch, daß Deutschland jeden Vergleich mit dem rückständigen Byzanz als beleidigend ablehnen darf. einzutreten, rät Der Petersburger Deputiertenrat. dung, die proletarische Gefahr ist im Anzuge! den zum Spalierbilden befohlenen Vereinen schon das Hoch- und XIV. Georg Stogow, Damit das geschehe, fordert Herr Conrad bedeutende Er Gurraschreien fleißig geübt wird. Zurzeit ist die Schüßenstraße bon Geburt Bauer, dann Arbeiter in der St. Petersburger Eisen- höhung für für den Fuhrwerksverkehr gesperrt, damit der Triumphbogen, bahnwagenfabrik, wurde von seinen Genossen zum Mitgliede der Deutsche und Verdoppelung des Sazes für Aus ein furchtbar flobiger, barrikadenähnlicher Holzbau, fertig gestellt Schidlowsky- Kommission gewählt und am 12. Februar in einer länder, Erhöhung des Schulgeldes für Gymnasien und werden fann.... Arbeiterversammlung, in der er den Proletariern erzählte, warum publizierung der Frequenzverhältnisse der Hochschulen als Absie gegen die Kommission sein müssen und wie sie sich dort aufzuschreckungsmittel. Alle diese Abhülfsmaßregeln sollen aber nach führen haben, verhaftet. Auf energisches Verlangen der Arbeiter Conrad bloße Palliativmittel sein, die Wurzel des Uebels sind die schaft wurde er aber am 15. März freigelassen und in die Fabrik wieder eingestellt. In der Nacht des 19. April wurde er wieder vermittelalterlichen Reminiscenzen der Klassengegensäge innerhat Gottes" die Kasernen. Sind auch die Folterungen der ihnen haftet, auf Verlangen der Arbeiter wieder befreit und in die Fabrit des deutschen Volkes". eingestellt, am folgenden Tage aber ward er doch entlassen und unter Polizeiaufsicht gestellt. Im Oktober wurde er von jener Fabrit als Delegierter in den Rat der Arbeiterpartei gewählt und am 15. No bember bei der Verteilung des offiziellen Organs des Rates der Arbeiterdeputierten verhaftet. XV. Dr. Andreas Beit, 11. Allerdings, ein Ueberfluß an Mittelalter fennzeichnet das Leben des deutschen Volkes noch im 20. Jahrhundert, aber mittelalterlich sind auch die Betrachtungen einiger Professoren über deutsche Universitäten. Auf der eifrigen Suche nach dem„ Prole tarier" an der Universität hat Herr Prof. Conrad ca gang verfäumt, das Umsichgreifen des proletarischen Geistes außerhalb der geboren im Jahre 1864 als Sohn eines Sachsen, der in Leipzig Universitäten genügend zu würdigen. Dieser proletarisch- demoMedizin studiert hatte und als Arzt nach Rußland gegangen war. kratische Geist ist es, der die ganze Kulturwelt mehr und mehr Andreas Veit trat im Jahre 1882 in die Petersburger Universität umschlingt und für sein Wachsen kommen ein paar intellektueller ein und wurde nach furzer Zeit wegen Studentenfachen" arretiert. Im Jahre 1888 wurde er angeklagt als Mitschuldiger bei der Proletarier, die eine preußische Universität in die Welt setzt, nicht Organisierung einer Geheimdruderei der Naratomolji in Dorpat. in Betracht. Jm selben Jahre noch wurde Veit frei und machte sein medizinisches Eine besondere Bedeutung aber gewinnen die von Conrad Staatsexamen. Nun widmete er sich der medizinischen Praris auf vorgeschlagenen Maßnahmen für die wichtigsten Kreise unserer dem Lande und in den Städten und studierte zwei Semefter im Bevölkerung", d. h. den Mittelstand. Nach Conrads Statistik bilden Auslande. 1896 wurde er verhaftet und angeklagt als Organisator die Söhne der Angehörigen der unteren Selassen" ein Drittel einer Geheimdruckerei. Er ward zu zwei Jahren Einzelhaft und aller Universitätsstudenten. Werden sie es nicht sein, die eher als acht Jahren Berbannung nach Ostsibirien verurteilt. Im Oktober 1905 alle anderen vor die Tore der Universitäten gesetzt werden? Gs tehrte er nach Rußland zurück und wurde am 3. Dezember als Mit- ist nicht unsere Aufgabe, als Mittelstandsretter aufzutreten, doch glied des Rates der Arbeiterdeputierten verhaftet. tönnen wir nicht umhin, darauf hinzuweisen, wie manche Politiker, die aus den oberen Klassen stammen, um die Mittelklassen besorgt find, sobald die letzteren in ein Konkurrenzverhältnis zu den ersteren treten! Politische Uebersicht. Berlin, den 10. November. Der aufgegebene Pod. " " " Deutsches Kich. Zur Fleischnot die Brotvecteuerung! Eine Denkschrift zur Fleischteuerung Als moderne Folterkammern betrachten viele Stellvertreter unterstellten Soldaten nicht so fein säuberlich geregelt und abgestuft wie die Folterungen der mittelalterlichen Inquisitions- und Herengerichte, sind sie auch verboten, so werden sie doch durch das herrschende System des Kadavergehorsams, der Fetischautorität der Vorgesetzten in weitestem Maße begünstigt und unterstützt. Dies zeigt sich wieder deutlich in einem Falle, der das Oberkriegsgericht in Mes beschäftigte. Der Unteroffizier Ollenburg vom 4. Magdeburgischen Infanterie- Regiment Nr. 67 war vom Gericht der 34. Division zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden, Nicht weniger wie 145 Fälle von Mißhandlungen und vorschriftswidriger Behandlung wurden ihm nachgewiesen. Die Folterungen seiner Mannschaften bestanden in: langes Kniebeugen mit Schemelstrecken, Dauerlauf und anschließendes Ererzieren auf der Stube, Herumkriechen unter den Betten, begleitet von& auftschlägen des Unteroffiziers, Fuftritte, bis die Mißhandelten umfielen, worauf er die Mißhandlung, auf den Leuten iniend, fortsette, Schlagen mit der Säbelscheide usw. Einen Soldaten jagte er im Winter im Hemde mehreremal auf den Flur hinaus, einem anderen bereitete er dadurch eine besondere Weihnachtsfreude, daß er ihn am 1. Weihnachtsfeiertage von morgens bis 1 Uhr mittags die Kasernenstube scheuern ließ. Auch mit anderen Soldaten veranstaltete er folche Scheuerfeste, wobei sie als wirksames" Reinigungsmittel die Nagelbürsten benußen mußten. Einen beim Turnen verschleppten Querbaum mußten die Rekruten aus ihren eigenen Geldern erseßen. Alle diese Schindereien stellte der Unteroffizier in Abrede und legte auch gegen das Urteil Berufung ein. In der Verhandlung vor dem Oberwesen sein, da er stets vorschriftsmäßig kontrolliert worden sei. Das Oberkriegsgericht verwarf die Berufung und ließ es bei 6 Monaten Gefängnis. Von Degradation wurde abgesehen, da Ollenburg wegen Invalidität aus dem Militärberbande ausgeschieden ist. Der Unteroffizier hätte seine Schindeeien jedenfalls noch weiter fortgesetzt, wenn sie nicht infolge des friegsgerichtlichen Verfahrens gegen einen wegen Fahnenflucht verurteilten Soldaten entdeckt worden wären. Denn wie dieser Soldat bemerkte, hatte er eine Meldung des Unteroffiziers unterlassen, da dieser mehrfach geäußert hatte: Wenn mich einer meldet, daß ich in Arrest fliege, dann Gnade Gott ihm! Wenn dies ein Stellbertreter Gottes sagt, dann muß dies auf naive, auf den KadaverGehorsam gedrillte Menschenkinder schon wirken. Die Nordd. Allgem. 8tg." hat auch heute noch keine Muße gefunden, um sich zu der bereits vorgestern mit aller Bestimmtheit auftretenden Meldung von der Genehmigung Die ersten Anzeichen, daß die neuen Handelsverträge des Entlassungsgesuchs des Landwirtschaftsministers irgendwie zu wirken beginnen, tauchen auf. In zwei bayerischen Städten, in friegsgericht gab er die Möglichkeit der Straftaten zu, bemerkte zu äußern. Dies Schweigen ist allerdings beredt genug. Es Bamberg und Memmingen sind die Brotpreise um aber, er sei sehr nervös und die Sache tönnte nicht so schlimm gebezeugt, daß in der Tat Podchen" ein verlorener Mann 2 Bj. pro Kilogramm erhöht worden. Die beiden Bäckerinnungen ift. Noch hat er als Pflaster für seine Verabschiedung berufen sich auf die Höhe der Korne und Mehlpreise. den Schwarzen Adlerorden nicht erhalten, aber er Bamberg und Memmingen sind der Anfang. Er hat etwas auf wird diesem Geschick, das ihn in allernächster Zeit treffen sich warten laffen, aber es fonnte nur hinausgeschoben, nicht vermuß, nicht mehr entgehen. Während das offiziöse Organ, das hindert werden, nachdem die Wucherzölle des Hungertarifs in Straft in den letzten Tagen wiederholt so prompt weit belanglofere getreten waren. Direkt nach dem 1. Mära fonnten sie freilich noch Aeußerungen dementierte, sich zum Fall Pod vollständig aus nicht ihre unheilvolle Wirkung ausüben, weil vor Infrafttreten der Handelsverträge schweigt, bestätigen das Scherlblatt und die Deutsche neuen eine ungeheuere Getreide Menge Tageszeitung" in ihrer Art die Nachricht von der Verab- au den alten Zollfäßen der Caprivischen Verträge nach schiebung des Tippel Genossen. Beide Blätter erklären, daß Deutschland eingeführt worden ist. Lagerräume und Silos waren sich der Gesundheitszustand Podbielskis plöglich mehr ver- derart überfüllt, daß sogar eine geringe Preisfenfung auf furze Zeit schlimmert habe. So meldet die Deutsche Tageszeitung": erfolgen fonnte. Diese schöne Periode des Ueberflusses ist dahin Wie wir hören, ist der Minister v. Podbielsli chwer er mit der Abnahme der alten Vorräte und daher mit der Einfuhr frantt. Nachdem er auf dringenden ärztlichen Ruf nach Dalmin neuen Getreides zu den neuen Säßen trat die Wendung ein, deren gebracht worden ist, hat sein Gichtleiden sich noch ber erste Anzeichen die Brotverteuerung in Bamberg und Memmingen Die Protestbewegung gegen den Lebensmittelwucher. schlimmert und fesselt ihn unter heftigen Schmerzen an ist. Bum teuren Fleisch wird das teure Brot tommen. Damit die In Freiburg in Baden fand am Donnerstag eine äußerst bas Bett. Die langjährige Bekämpfung der Gicht mit schmerz- Junter nicht verdorben... start besuchte Voltsversammlung statt. Genosse Weizmannstillenden Mitteln hat außerdem ein Magenleiden hervorgeMannheim referierte. Von den über 500 Besuchern wurde die vom rufen, das die Ernährung wesentlich erschwert. Unter diesem Zustande Parteivorstand ausgearbeitete Resolution einstimmig angenommen. haben die Nerven so gelitten, daß zur Beit jede Bu den 10 Pro test versammlungen in Frankfurt a. M., Arbeitstätigkeit ausgeschlossen ist. Nur völlige hat die Düsseldorfer Stadtverwaltung herstellen über die wir schon berichteten, wird uns noch geschrieben: In den Ruhe fann mit der Zeit Genefung bringen." lassen; sie soll den Stadtverordneten als Unterlage dienen für die Referaten wurde auch darauf hingewiesen, wie die Angst vor Es ist also fein Zweifel mehr, daß der Minister des in nächster Woche stattfindende Debatte über den Antrag, die Re- dem Verlust von Wäblerstimmen die bürgerlichen Parteien Fleischwuchers gegangen worden ist. Die ,, Köln. 3tg." widmet gierung zur Oeffnung der deutschen Grenze für nötige, fich wohl oder übel der allgemeinen Boltsbewegung anzudem Verabschiedeten denn auch bereits einen langen Nefrolog, holländisches Vich zu veranlassen. Die Denkschrift wider. fchließen. So fet im Franffurter Stadtverordneten in dem sie zu dem Gesamturteil kommt, daß die Amtstätigkeit legt zunächst die namentlich von agrarischer Seite geäußerte Ansicht, follegium noch vor einem Jahre ein sozialdemo tratischer Antrag gegen die Fleisch not Podbielstis keineswegs günstig beurteilt werden daß dem Zwischenhandel die gegenwärtige Fleischteuerung der freifinndemokratischen Mehrheit abgelehnt und fönne. Das führende nationalliberale Organ rühmt Bod zuzuschreiben sei: Wäre diese Ansicht richtig, so wäre das zur Ab- Oberbürgermeister betämpft worden, jest dagegen, eine geradezu hervorragende Sachkenntnis in finanziellen und hülfe der Fleischteuerung geforderte Mittel der Grenzöffnung man vor den Stadtverordnetenwahlen stehe, hätten faufmännischen Angelegenheiten nach. Diese taufmännische allerdings von vornherein als untauglich zu bezeichnen. Nun Freifinndemokraten denselben Antrag schleunigst in der StadtBegabung sei freilich auch sein Verhängnis geworden. mögen die Zwischengewinne sehr bedeutende sein, sie könnten die verordnetenversammlung eingebracht und angenommen unter Seine industriöse Veranlagung habe ihn verhindert, gegenwärtige Fleischteuerung doch nur erklären, wenn sie gegen der Zustimmung des Oberbürgermeisters! Wie wenig es den Frei als Minister rechtzeitig bon faufmännischen Unter- früher gestiegen, und zwar erheblich gestiegen wären. finndemokraten damit ernst sei, erhelle am besten aus der bes freisinndemofratischen Führers nehmungen zurückzutreten, die Monopole für Staatslieferungen Sierfür fehlt aber nicht nur jeder Beweis, sondern sogar jeder ffäre und Stadtverordneten Marg, des Vorsitzenden des erhielten. Auch sein zähes Festhalten am Fleischwucher, das Anhaltspunkt. Man hat allerdings Ringbildungen der deutschen Fleiſchermeisterverbandes, mit dessen Zustimmung der gegen alle Vorstellungen, die ihm bon berufenster Seite" Sändler oder auch der Metzger behauptet. Bei der ungeheuer Fleischerverbandssekretär Serves mit dem Oberagrarier Ring über die Unterernährung der Arbeiterbevölkerung, die politi großen Anzahl dieser Gewerbetreibenden und der Zersplitterung wegen eventuell gemeinsamen Vorgehens in der schen Vorteile der Sozialdemokratie" gemacht worden seien, des Marktes wären solche aber nur in enger örtlicher Begrenzung, Fleischnotfrage forrespondiert und dabei indirekt um die Ver-. taub gewesen sei, habe ihn schließlich unmöglich gemacht. denkbar, könnten dann aber auch nur ganz beschränkt wirksam sein." mittelung zur Berleihung von Eitel und Orden an die Das Ungeheuerliche und Typische für unser Die Denkschrift gibt dann ein umfangreiches Material an Fleischerverbandsgrößen gebettelt habe. persönliches Regiment zeigt sich darin, daß nun zahlen zur Beurteilung, in welchem Maße die Vieh- und FleischPod zwar glücklich verabschiedet ist, daß aber kein außerhalb preise gestiegen sind und andererseits der Fleischverbrauch unter der engsten Kamarillen stehender Mensch weiß, was ihm der Düsseldorfer Bevölkerung abgenommen hat. Es heißt sodann: eigentlich den Hals gebrochen hat, und daß man ebensowenig Daß die Fleischteuerung einen so hohen Grad erreichen konnte, ist weiß, ob der Sturz Podbielstis auch einen Bruch mit dem im übrigen wohl nur durch den gleichzeitigen industriellen AufSystem Podbielsti bedeuten wird! schwung möglich geworden. Hätte sich nicht zugleich eine Verbesserung des Einkommens großer Bevölkerungsschichten vollzogen, so hätte schon bei niedrigeren Preisen als den jezigen eine scharfe Im Oktoberhefte der Jahrbücher für Nationalökonomie und Einschränkung des Verbrauches und hierdurch schließlich ein Still Statistit" finden wir einen Artikel, welcher den Titel Einige stand in der Aufwärtsbewegung der Preise eintreten müssen. TatErgebnisse der deutschen Universitätsstatistit" sächlich ist aber auch jetzt schon ein Rüdgang des Fleisch trägt und der Feder des bekannten Hallenser Professors Conrad verbrauches feitzustellen. Es fiel in Düsseldorf auf den Kopi entstammt. Professor Conrad stellt fest, daß der Gesamtzudrang der Bevölkerung 1904: 66,87, 1905: 65,78 und 1906: 58,98 Stilo zu den Universitäten und sonstigen akademischen Hochschulen ein so gramm Fleisch, die Zahlen für Schweinefleisch sind 25,01, 22,23 bedeutender ist, daß er in besorgniserregendem Miß- und 19,95 Kilogramm." gli si vous le Profefforale Bildungsfeindlichkeit. " bon bom wo die Der Leichenschacher vor dem Hamburger Landesparlament. Die Enthüllungen des Prozeß Schönberg haben die Regierung Hamburgs und die Verwaltung des Eppendorfer Krankenhauses anfcheinend gar nicht berührt. Herr Professor Dr. Lenhart, Direktor des Staatstvantenhauses Samburg- Eppendorf, hat im Hamburger Correspondeni" und in der Münchener medizinischen Wochenschrift" den aussichts fofen Versuch unternommen, die kleinen" Mißstände als nicht von Belang hinzustellen, indem er das wissenschaftliche Intereſſe an den Seffionen, Präparaten und geordneten" Leichenversand, vorfchiebt und eine donnernde Philippifa gegen die Presse und den sozialistischen Agitator Schönberg vom Stapel läßt, der den Stein; ins Rollen gebracht hat, nachdem der Professor ihn nicht hören wollte. Professor Lenbark ist tief verärgert über den Freispruch des Genossen Schönberg und bedauert das Schicksal des entlassenen Oberwärters Opgenoorth ,. Die Vertreter des Bundes" nehmen Die furlose Ansicht des Serrn Profeffor wurde in der letzten| In fünf Wochen muß diese entscheidende Frage gelöst sein, I wegen Mordes an die russischen Behörden auszuliefern.. Der PolizeiSihung des Hamburger Barlaments einer scharfen Kritik unter- und heute weiß noch kein Mensch, wie die Regierung darüber richter verschob die Angelegenheit auf eine Woche, um weitere zogen. Abgeordneter Blindmann von der Linken forderte die Einsetzung, eines Ausschusses zur Prüfung der Frage, wie die im denkt! Offenbar ist sie sich selber noch nicht im flaren. Jeden Erkundigungen einzuziehen. Eppendorfer Krankenhause festgestellten Vorkommnisse in Zukunft falls läßt sich die neue Aera des großen Ministeriums" sich des Verhafteten an. bermieden werden können, und wie es ermöglicht werden kann, daß Clémenceau nicht besonders rosig an. bei Interpellationen in der Bürgerschaft über Verhältnisse in den Verwaltungen einwandsfreie und verantwortliche Auskunft erteilt werde.( Nach der Hamburger Praris braucht fein Senatskommissar zu erscheinen, von welchem Rechte" man auch in diesem Falle Gebrauch gemacht hatte.) Der Antragsteller übte scharfe Kritik an den Vorgängen und erklärte, mit seinem Antrage beruhigend wirken zu wollen. Der jüngste Prozeß habe folche Dinge enthüllt, daß es schwer halte, noch Krante zum Aufsuchen des Eppendorfer Krankenhauses zu bewegen. Den Standpunkt in den Artikeln des zur Autokratie neigenden Direktors Lenharh werde die Bevölkerung nie verstehen. Der Wissenschaft, aber auch den Angehörigen Verstorbener müsse ihr volles Recht werden. Paris, 9. November. In der Deputiertenkammer führte Kultusminister Briand heute u. a. aus, er verspreche, das Trennungsgefeß in dem Sinne anzuwenden, in dem es seinerzeit angenommen sei. ( Beifall links.) Es sei notwendig, die Kirche zu überwachen, die den Unterricht und die Macht an sich reißen wolle. Nach 1906 würden die Kirchen noch geöffnet bleiben, nach 1907 aber könnten sie durch Dekret ihrem Zweck entzogen werden. Ministerpräsident Clemenceau schloß sich den Ausführungen Briands an und erklärte, eine Annäherung an Nom würde einen reaktionären Akt bedeuten. Hierauf beschloß das Haus mit 376 gegen 98 Stimmen den öffentlichen Anschlag der Rede Briands. Vivianis Antrittsvede. Paris, 9. November.( Eig. Ber.) Nenseeland. Der Sekretär für das Arbeitsamt in Neuseeland hat einen Bericht über das letzte Jahr herausgegeben: Juni 1905 bis Juni 1906. Gr erklärt, daß die Lage für die Arbeiter im allgemeinen eine günstige war, weil es an Arbeitsgelegenheit nicht mangelte. Eine geringe Lohnerhöhung, die hier und da wahrgenommen wurde, fand einen schnellen Ausgleich in den erhöhten Mieten und Warenpreisen. Der Export, der einen Wert von 12 000 000 Pfund Sterling im Jahre 1902 hatte, ist auf 16 000 000 Pfund im letzten Jahre gestiegen. Jm Baugewerbe war am meisten zu tun; dafür werden zwei Gründe angegeben: Einmal sind die Steuern auf leere Baustellen sehr hoch, um der Grundstück spekulation zu begegnen, und dann werden die Vororte der Städte überall ausgebaut, weil immer mehr elektrische Bahnen angelegt werden. Die Vermittelung von Stellungen durch das Arbeitsamt hat sich gegen das Vorjahr verdoppelt: 4783 Mann erhielten Arbeit bei den Gisenbahnen und 1929 Mann bei Privatunternehmern. Die Zahl der Fabriken ist in den letzten zwölf Jahren in Neuseeland von 4109 auf 9881 und die Zahl der Angestellten von 29 879 auf 70 403 gestiegen. ( Nach diesem Bericht scheint das Land doch nicht dem Ruin entgegenzutreiben, wie die„ Freijinnige Zeitung" fürzlich be hauptete.) Aus der Partei. Die Parteischule. Mit großer Befriedigung vermochte Genosse Fischer zu fonstatieren, daß er sich jetzt in anderer Lage befinde, als im Dezember vorigen Jahres, wo man ihm an dieser Stelle von allen Seiten den Vorwurf tendenziösen Hekens gemacht habe, Der Eine sozialistische Rede, die ein Bourgeoisparlament begeistert, Weg, Außenstehenden die Enthüllung von Ungehörigkeiten zu drei Viertel seiner Mitglieder bewegt, für ihren öffentlichen Anschlag übertragen, mußte notgedrungen gegangen werden nach den Er zu fahrungen bei der Verweisung der Beamten an die Verwaltung. 34 stimmen! Ist dieser Erfolg nicht allzugroß, um feine Zweifel zu erweden?- Sicherlich, die romanische Freude an wohlgebauter und Man gehe ja in Hamburg nicht denen zu Leibe, die Mißstände gut vorgetragener Rede hat ihren Anteil daran. Die flassizistische verschulden, sondern benen, die sie aufdecken. Als Schönberg sich an Tradition züchtet schon in den Gymnasien die Nachfolger des Cicero. die Verwaltung wandte, habe Lenhart es offenbar für standes- Viviani hat gestern für ein rhetorisches Musterstück einen Breis beunwürdig gehalten, ihn anzuhören. Festgestellt sei in dem Prozeß, daß nur mit Armenieichen in der bekannten Weise verfahren kommen. Das war aber allerdings nur möglich, weil das ästhetische sei. Der Wissenschaft solle alles gewährt werden, was ihr dienlich Interesse nicht durch das materielle, wirtschaftliche gestört wurde. sei und der Menschheit zum Vorteil gereiche. Dazu bedürfe es Die Rede des Arbeitsministers hat nur au einer einzigen Stelle von dem ökonomischen Gebiet ababer der Schaffung von gefeßlichen Normen, damit der Willkür vor- ergernis erregt, dort, wo sie gebeugt werde. Heute feien vielfach Sektionen ohne Genehmigung, schweifend einen Augenblick auf das fulturphilosophische und metaDer Kurfus für Parteifunktionäre beginnt, wie vorgesehen, ja troß ausdrücklichen Verbots vorgenommen worden. phische hinübertrat und die Notwendigkeit der neuen sozialen Ordnung Abgeordneter Dr. Rumpel( Oberarzt am Eppendorfer aus der Vertreibung Gottes zu erklären versuchte. Im Grunde Donnerstag den 15. d. M. Das Unterrichtslokal befindet sich LindenKrankenhause) bedauert zwar den hinter dem Rücken der Ber- ist diese Verkündung des Atheismus bemerkenswerter als der straße 3. Die Teilnehmer, die sämtlich von ihrer Zulassung brieflich waltung" betriebenen Leichenhandel, meinte dann aber, das beliebte Sozialismus einer" Rede, die in einem unendlichen Wort- benachrichtigt worden sind, werden ersucht, sich rechtzeitig einzufinden. Sektionsverfahren sei in der Bevölkerung allgemein(!) bekannt. fchwall an den gutwilligen Bourgeois appellierte und die soziale Bermieter möblierter Zimmer, die auf die Zuweisung eines den ( Lebhaftes Nein!) Das Recht, in gewissen Fällen gegen den Revolution auf eine undeutliche Machtvermehrung der Gewerk- Kursus besuchenden Genossen, reflektieren, können ihre Adresse auf Willen der Angehörigen Sektionen vorzunehmen, müsse den Aerzten schaften reduzierte. Vivianis Jongleurfünfte mit dem Eigentums- dem Parteibureau, Lindenstr. 69, abgeben. zugestanden werden. Auch die im Laufe der Debatte kritisierte begriff und fein Bemühen, dem Sozialismus die Nägel zu be- dem Parteibureau, Lindenstr. 69, abgeben. Lepraübertragung auf einen Kranten zum Zwecke des Studiums schneiden, haben des Redners Glück gemacht. Db und wieviel die durch Direktor Lenhark findet Redner menschlich entschuldbar. sozialistische Bewegung daraus Nuzen ziehen wird, ist fraglich. Daß Man müsse die Sache immer von einem höheren Gesichtspunkte ein Minister sich öffentlich als Sozialist vorstellt und die Parteivorstand und Kontrollkommission haben sich in einer behandeln, als die Presse und der Abgeordnete Fischer es getan. fozialistische Lehre anerkennt, mag den Boden für die Progaganda gemeinschaftlichen Sigung mit dem Beschlusse des Mannheimer Genosse Fischer vendete sich scharf gegen den Vorredner außerhalb des städtischen Proletariats empfänglicher machen. Parteitages zum Punkte Sozialdemokratie und Boltserziehung beund bemerkte, daß er sich nicht gegen die Wissenschaft gewendet Agitatorische Straft wird man in der Rede selbst nicht finden schäftigt und in Ausführung desselben folgende Genossen zu Mithabe, sondern gegen die Mißbräuche unter dem Deckmantel der können. Sie hat den proletarischen Klaffenkampf. der das Knochen- gliedern des Bildungsausschusses gewählt: Wissenschaft. Nach weiterer lebhafter Debatte wurde der Antrag Blindmann gerüst des Sozialismus iſt, kunstvoll herausgelöst und diesen als harmlosen Mollusken präsentiert. in beiden Teilen angenommen. dau Ausland. Frankreich. Der kirchenpolitische Wirrwarr. Bildungsausschuß. Parteiliteratur. Dr. David, Offenbach; Hugo Heimann, Berlin; Karl So mag Jaurés' in der heutigen„ Humanité ausgesprochene orn, Kiel; Dr. Franz Mehring, Steglis; Heinrich Schula. Meinung, daß schon diese Rede das Ministerium zu einer energischen Bremen; Georg von Vollmar, München; Klara Bettin, Sozialpolitik verpflichte, etwas optimistisch erscheinen. Man hat in Stuttgart. der Bourgeoisdemokratie längst die stillschweigende Konvention geZum Geschäftsführer des Bildungsausschusses wurde der schlossen, große Worte einander nicht zum Nominalivert anzurechnen. Genoffe Schulz gewählt. Das Proletariat wird auch weiter mehr auf seine aus der sozialen NotParis, 8. November.( Eig. Ber.) wendigkeit erwachsene Solidarität als auf jene moralische" rechnen Wird Clémenceau die Mißstimmung, die sich innerhalb Rede mit dem Sozialismus des Arbeitsministeriums verbindet. heim ist soeben in der Buchhandlung Vorwärts zur Ausgabe ge Das Protokoll über die Verhandlungen des Parteitages in Manudürfen, die die Regierung und das Parlament nach der gestrigen der Majoritätsparteien immer stärker geltend macht, besiegen Uebrigens sagt Jaurès selbst treffend: Wenn die Worte langt. Die Verhandlungen haben in allen Kreisen der Arbeiterschaft tönnen? Es ist kein Zweifel, daß der Enthusiasmus, ohne der Regierung einen Wert haben, so darum, weil sie die Macht der bas lebhafteste Intereffe geweckt und die Referate Bebels und den nichts Großes vollbracht werden kann, in den radikalen proletarischen Bewegung ungefähr so ausdrücken, wie die tönende Bourgeoisparteien für das Regierungsprogramm nicht vor Kirchenglocke die Kraft des Armes, der das Seil zieht. Morgen wie Regiens über den politischen Massenstreik" sowie die sich daranhanden ist. Nicht etwa weil die Früchte, die das Ministerium gestern wird jeder Antrag, der die Expropriation des Kapitals im fnüpfenden Debatten sind von außerordentlicher Wichtigkeit für jeden aus dem großen Füllhorn der Versprechungen und Vorsätze Sinn hat, auf den Widerstand einer ungeheuren Mehrheit, auf den Parteigenossen. Lebhaftestes Interesse beanspruchen auch für alle getvertschaftlich organisierten Arbeiter die Debatten über" otal". ausgeschüttet hat, fast alle einen verdächtigen Stich zeigen, Widerstand der Regierung und Vivianis selbst stoßen." sondern eher gerade deswegen, weil die profitable Couloir danken mit der größten Klarheit ausgeführt habe, so liegt in diesen hält ferner die Verhandlungen über: Da Jaurès von Viviani sagt, daß er den sozialistischen Ge- oder 3entral"-Gewerkschaftsorganisationen. Das Protokoll ent" Der internationale politit ihre Aussichten verlieren könnte, sobald erst einmal Sägen, weil an Vivianis gutem Willen nicht gezweifelt werden fann, Stongreß 1907". Sozialdemokratie und Volkserziehung". die ersten Schritte auf dem Wege der Reformen gemacht sind. die BVerurteilung von Vivianis Methode eingeschlossen, und die Strafrecht, Strafprozeß und Strafvollzug". ferner die Berichte des Die Abneigung, die die trivialen Demokraten der Linfen Bewertung dürfte so ziemlich die Meinung der ganzen Partei aus gegen den Ministerpräsidenten haben, ist die Ranküne des drücken. Diese Uebereinstimmung hat indes gestern teinen Parteivorstandes und der Reichstagsfraktion sowie die Verhandlungen Fleinen Krämers gegen den großen Spekulanten, von dem äußeren Ausdruck gefunden. Bei der Abstimmung über den An- ber 4. Frauenkonferenz. Das 488 Seiten starke Protokoll loftet man nichts Gewisses, vor allem aber feine familiäre Profit. fchlag von Vivianis Rede spaltete sich die Parteifrattion. Die broschiert 1 M., in braunem Pappband kartonniert 1,25 M.; in beteiligung erwarten kann. Der Vorzug, den Clémenceaus wehrheit stimmte für den Anschlag, eine beträchtliche Minder- bauerhaftem Leinenband 1,50 m. heit enthielt sich der Abstimmung. Die Scheidung fällt Von dem im Erscheinen begriffenen neuen Lieferungswerke Persönlichkeit ästhetisch genommen ästhetisch genommen zweifellos hat, der nicht ganz mit der Gruppierung vor der Parteieinigung zufammen. Blut und Eisen" liegen nunmehr fünf Hefte vor, in denen die Stolz und das Widerstreben gegen die politische Familien- Eine Anzahl Deputierter der ehemals revolutionären" Gruppe, wie folgenden Kapitel behandelt werden:„ Die Egypter" Die semitugend des Kleinbürgers macht ihn diefem verdächtig. So Sembat und Meslier, stimmten mit Jaurès für den Anschlag, tischen Wanderungen"" Das Volk Israel und Jahve" Assyrer, hat sich um das Ministerium still ein Netz von Uebelwollen, von den neugewählten Abgeordneten auch Allemawe. Dagegen Babylonier und Berser"„ Der alte Drient zur See". Verdrossenheit und Hinterlist zusammengezogen, dessen Fäden enthielten sich die Deputierten der Nordföderation geschlossen der Abstimmung, und mit ihnen Vaillant, Allard und andere. Diese Jedes der Hefte ist reich illustriert mit Bildern aus der Kriegszu durchreißen ihm nicht ganz leicht sein wird. Uneinmütigkeit ist sicher ärgerlich, zumal da erst kürzlich in Limoges geschichte des Altertums, mit Abbildungen von Kriegern und Natürlich aber braucht auch der Neid der verunglückten ein einheitliches Vorgehen bei allen prinzipiellen Fragen gefordert Waffen usw. Der Preis pro Heft beträgt 20 Pf. Bestellungen fleinen Konkurrenten seine Ideologie. Die Radikalen können worden ist. Die ganze Die ganze Situation stellte sich aber so übernehmen sämtliche Parteispeditionen, sowie der Verlag, Buchhandlung das Ministerium am besten angreifen, wenn fie es als au raschend ein, daß eine Parteiberatung nicht möglich war. Borwärts, entgegen. zu wenig radikal" erklären. Und da kommt als beste Gelegenheit In der Humanité" gibt Jaurès heute die Meinung eines " der firchenpolitische Konflikt in Betracht. Dem Bourgeois. Abstentionisten nach den Andeutungen offenbar Baillants- Die Differenzen in Halle a. S. find beigelegt. Das Voltsblatt radikalismus fann nichts willkommener sein als eine Ver- wieder: daß die Partei durch die Zustimmung zum Anschlag ge- für alle bringt folgende Mitteilung: Die unter den Genossen in schärfung des Kampfes mit der Kirche, da auf diese Art die wissermaßen die Verantwortung für das Gelingen der Aftion Salle längere Zeit schiebenden Differengen waren Gegenstand einer unwillkommene sozialpolitische Reform am besten liftischen Gesellschaft unmöglich sei. Man geht indes wohl nicht Die Differenzen wurden zur Zufriedenheit aller Beteiligten beiVivianis übernommen hätte, das doch im Milieu der kapita- Aussprache, an der sämtliche Parteifunktionäre teilgenommen haben. hinausgeschoben werden und der Bourgeoisradikalismus selbst febl, wenn man unter den Wotiven der Stimmenthaltung maucher gelegt. wieder in freiheitlicher Glorie vor dem republikanischen Volke sozialistischen Deputierten auch die Bedenken vermutet, daß eine erscheinen fann. Darum hat eine Anzahl Radikaler und Bustimmung als Anerkennung der ministerialistischen Taktik gedeutet Radikalsozialisten plößlich eine Durchführung des Trennungs- werden und neuerliche Stonfusion in der Arbeiterschaft hervorrufen gesezes verlangt, die den ausgesprochenen Abfichten der könnte. In der vulgärdemokratischen Auffassung Vivianis, in ihrem Regierung entgegengesetzt war. Es handelte sich um die Appell an alle Erben der großen Revolution bis zu Herrn Nibot Frage, ob der Kirche noch eine Gnadenfrist von einem Jahre liegt ihr antirevolutionärer Charakter, nicht in der Verurteilung gewährt werden soll, ehe die Kirchengüter mangels gefeßlich ber gewaltsamen Methode, die an sich nicht die Bedeutung hat, konstituierter, Stultusaffoziationen eingezogen werden. Die welche man ihr aus Nachgiebigkeit gegen die Arbeitskonföderation juristische Seite der Frage ist sehr kompliziert, wie überhaupt in manchen Parteitreisen zuschreiben will. schon eine profefforale Gelehrsamkeit dazu gehört, sich in den Irrgängen der Kirchenpolitischen Gesetzgebung und Defre tiererei zurechtzufinden. " Man wird Viviani am gerechtesten werden, wenn man ihn ausschließlich nach seinen Leistungen beurteilt. Er hat die Durchsetzung der obligatorischen Altersversicherung, den Zehn Politisch wäre die Sache nicht bedeutend, wenn sich fich für die Gewerkschaftsfreiheit verpflichtet. Dies ist das Feld, stundentag und den kollektiven Arbeitsvertrag versprochen. Er hat nicht Cliqueninteressen hinter den Formeln versteckten. Auf für dessen Ertrag er verantwortlich ist. Die weitere Verantwortlich ein Jahr kommt es bei der Befreiung des Staates von der feit mag man ihm schenken. Die sozialistische Rede eines Kirche wirklich nicht mehr an. Eine Besprechung der Dele- Ministers", sagt Jaurès, ist ein Symptom, tein Ereignis". Von gierten der Unzufriedenen mit Clémenceau und Briand hat diesem Gesichtspunkte aus soll man Vivianis Rede beurteilen, Sie indes gestern ein Einvernehmen ergeben, das von der mini- ist wie eine breite Opernarie, die die Handlung nicht im fteriellen Breffe mit großer Genugtuung verzeichnet wird. geringsten vorwärts rückt. Vom 11. Dezember an follen nämlich die neugegründeten Stultusaffoziationen die Kirchengüter nicht ohne weiteres, von Gesetzes wegen, ausgefolgt bekommen, sondern nur vermittels eines speziellen Defrets. England. Die Gewerkschaftsvorlage. Rorsitzenden des Mannheimer Lokalfomitees, Reichstagsabgeord Die Abrechnung vom Mannheimer Parteitag wurde durch den Rorsitzenden des Mannheimer Lokalkomitees, Reichstagsabgeord neten Drees bach, am Mittwoch in der Versammlung des sozial demokratischen Vereins gegeben. Danach beliefen sich die Einnahmen inklusive des in Mannheim gesammelten fonds usw. auf 8303,16 M., die Ausgaben auf 8249,75 M., so daß ein Ueberschuß von 53,75 M. verbleibt. Unter den Ausgaben befinden sich für Miete des Nibelungensaales, Beleuchtung, Bedienung usw., sowie Entschädigung für das Apollo- Theater insgesamt 4323,90. Bon der amerikanischen Parteipresse. In Chicago ist am 25. Oktober die erste englische Tageszeitung der sozialistischen Partei in den Vereinigten Staaten erschienen, The Chicago Daily Experiment, was gerade jegt mit Rücksicht auf die Novemberwahlen Socialist", mit 25 000 Abonnenten. Es ist vorerst nur ein zur Ausführung fam. Die Zeitung erschien vorher als Wochenblatt. Außerdem erscheint nur ein tägliches fozialistisches Organ in englischer Sprache, Daily People". in New York( Richtung: Sozialistische Arbeiterpartei), Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Ein unhaltbares Urteil. Durch die bürgerliche Presse lief anfangs August d. J. eine Notiz, wonach in Benrath bei Düsseldorf givei bekannte London, 8. November,( Eig. Ber.) Nach einer viertägigen Führer der dortigen Sozialdemokraten beim Vera Debatte wurde die Reportstufe der Gewercaftsvorlage beendigt fuche eines Einbruchsdiebstahls an einer katholischen Kirche Das sieht nun freilich mehr nach einem Kompromiß als und die dritte Lesung vorgenommen. Borlage, die in allen abgefaßt worden feien. Besonders war es die Zentrumspreffe, nach einer Uebereinstimmung aus, und es ist sehr wahr Bunkten den Wünschen der Arbeiterpart entspricht, ist vom Unter- welche diesen Fall" nach allen Regeln der Kunst ausschlachtete. Von scheinlich, daß sich weitere Meinungsverschiedenheiten einfteffen bauſe mit Mehrheiten, die sich zwife 200 und 350 Stimmen be- dieser Presse wurde auch sofort behauptet, man habe es mit alten werden; denn über die Hauptsache der firchenpolitischen wegten, angenommen worden. Sie geht jetzt an das Oberhaus. Einbrechern zu tun, welche vor einiger Zeit einen Ginbruch bei Taktik: über die Saltung, die die Regierung gegenüber den Sobald die Vorlage in ihrer legten Gestalt gedruckt vorliegt, werden einem Notar verübt hätten. Diese Kirchendiebstahlsaffäre tam dieser Tage vor der Düsseldorfer Straftammer zur Verhandlung von den radikalen Gemeinden und den gallikanischen Maita- wir ihren Wortlaut bringen. und dabei wurde folgendes festgestellt. In der Nacht zum 8. August toren ins Leben gerufenen Kultusaffoziationen einnehmen Berhaftung eines russischen Flüchtlings. wurde der Angeklagte Wahl von einem Polizeibeamten verhaftet, wird, weiß man noch gar nichts. Wird die Renierung die London, 8. November.( Eig. Ver) Ein polnisch- jüdischer weil er sich in nächster Nähe der katholischen Kirche in verdächtiger Affoziationen als Vereinigungen im Sinne des Gefeßes be Flüchtling, der vor wenigen Tagen aus Warschau in. Grimsby an- Weise bemerkbar gemacht hatte. Am nächsten Bormittag verhaftete trachten und ihnen die Kirchengüter ausfolaen? Da die langte und in Manchester Arbeit fand, wurde verhaftet und heute die Polizei den Angeklagten Krämer, der Schmiere gestanden haben fommunalen Kultusaffoziationen angesehene Radikale hinter dem Bolizeigericht in Bow Street, London, vorgeführt. Er ist faum soll. Im Besize des Wahl wurden verschiedene Werkzeuge gefunden, fich haben, so wird eine ablehnende Haltung der Renierung 17 Jahre alt. Da er mittellos war und die zurückweisung fürchtete, bie man auch wohl zu einem Einbruch benußen kann. Die Anklage ernste Schwierigkeiten zur Folge haben. Die Kirche wird ja erklärte er der Einwanderungsbehörde, er sei politischer Flüchtling, warf den beiden, Wahl und Krämer, nun vor, daß sie versucht worauf ihm die Landung gestattet wurde. Aber der junge Mann hätten, in die katholische Kirche einzubrechen, außerdem wurde ihnen die kommunalen Affoziationen nicht als fanonisch anerkennen, ging weiter und erzählte, er habe in Warschau eine Bombe gegen ein Einbruch bei dem Notar Jüssen zur Bast gelegt. Die Polizei trondem die Gründer erklären, daß fie durchaus keine fchis- ein Polizeigebäude geworfen und einige Polizisten getötet. Die schloß das lektere daraus, weil die beschlagnahmten Werkzeuge in matischen Ziele verfolgen und lediglich die fortdauernde Be- russische Gesandtschaft erhielt Kenntnis von diesem Geständnis und die Eindrücke paßten, die bei dem Einbruch an den Türen hinter friedigung des religiösen Massenbedürfnisses sichern wollen. I stellte bei der englischen Regierung den Antrag, den fen Mann laffen worden waren. Dieses waren für den Einbruch bei dem Notar die einzigen Verdachtsmomente. Die Angeklagten bestritten ganz entschieden, daran beteiligt gewesen zu sein. Zum anderen Anklagepunkt führten die beiden Angeklagten übereinstimmend aus, daß sie ein großes Plakat oben auf dem Kirchturm hätten an- bringen wollen. Der Wirt Sauerbier habe der organisierten Ar- beiterschaft sein Lokal verweigert und Wahl habe deshalb ein Plakat mit der Inschrift:„Verkehrt nicht bei Sauerbicr!" an- gefertigt, das man an Aufsehen erregender Stelle aufzuhängen gedachte. Dieses Plakat habe Krämer am Morgen, kurz vor seiner Verhaftung, verbrannt. Von den Zeugen konnten diese Aus- lassungen nicht ciukräftet werden, nur ein jetzt mit Krämer der- seindeter Arbeitskollege bekundete, daß Kr. einmal im Gespräche ge- äußert, wenn er Gelegenheit hätte, mehrere Tausend Mark zu stehlen, so würde er es machen. Auch wollte der Polizeibeamte in der Nacht kein Plakat bei Krämer bemerkt haben. Das Ergebnis der Beweisaufnahme war dermaßen, daß selb st der Staats- anwalt die Freisprechung beantragte. Zum all- gemeinen Erstaunen kam das Gericht aber zu einer Verurteilung, und zwar erhielt Krämer fünf Monate und Wahl vier Monate Gefängnis wegen versuchten Einbruchsdiebstahls. Das Gericht stützte sich bei der Urteilsbegründung auf die Aussage des Polizisten, daß er ein Plakat nicht gesehen, und auf das Zeugnis des Arbeitskollegen, zu dem Krämer geäußert hatte, daß er, wenn er könnte, stehlen würde. Bei der Strafzumessung wurde in Be- tracht gezogen, daß Wahl noch gar nicht und Krämer nur unwesent- lich vorbestraft ist. Gegen das Urteil, das ganz unhaltbar erscheint, ist Revision angemeldet. Wenn man auch zugeben muß, daß das Aufhängen eines Bohkottplakats an einem Kirchturm eine große Taktlosigkeit und Dummheit ist, so liegt doch deshalb noch kein Grund vor, die Angeklagten des Versuchs des Einbruchsdiebstahls für schuldig zu halten. Die Aussage der beiden in Betracht kommenden Zeugen. die übrigen wußten alle nichts Belastendes auszusagen, können doch gar nicht hinreichen, um eine Verurteilung wegen Diebstahlsversuchs zu rechtfertigen._ 6ewerk FcbaftUcbe� Berlin und Qmgegend. Der Streik in den Siemenswerken hat eine Veränderung der Situation daselbst bisher nicht gebracht. Die Firmen setzen sich ja bereits aufs hohe Pferd und lasten durch die ihnen willfährigen Preßorgane schon in allen Tonarten ihren Sieg über die organi- siertcn Arbeiter verkünden. In Wirklichkeit aber muß die Direktion in der„Arbcitgeber-Zeüung" selbst zugeben, daß sie trotz aller auf- gewandten Mühen und Kosten einen auch nur annähernd voll- wertigen Ersatz noch nicht einmal für die Hälfte der Streikenden gefunden hat. Da durch die Agenten der beiden Siemens-Firmen schon alle Herbergen zur Heimat abgegrast sind und sich auch auf die verlockenden Streiibrccherinserate die Arbeitswilligen in letzter Zeit nur sehr spärlich melden, so ist die Werksleitung jetzt auf das sinnreiche Mittel verfallen, andere Firmen auf die Arbeits- willigensuche für sich zu schicken. So wird aus verschiedenen Orten gemeldet, daß dort Kleinindustrielle nach Arbeitskräften an- noncierten und die Bewerber dann als Streikbrecher nach den Berliner Siemens-Werken schicken wollten. Wenn die Firmen also schon zu solchen Mitteln greifen müssen, um Arbeitswillige heran- zuziehen, dann muß es in den Werken doch ziemlich schlecht bestellt sein. An diesem Stand der Ding-- wird auch nichts geändert durch das Flugblatt, das vor einigen Tagen von der Leitung der„gelben Gewerkschaft" der Siemcns-Werke, wahrscheinlich im Auftrage und auf Kosten der Direktion, unter den dort beschäftigten Arbeitern verbreitet worden ist. In dem Wisch läßt sich die Direktion wegen ihrer„Wohlfahrtseinrichtungcn" bis über den grünen Klee loben. Die Streikenden sowohl wie auch die noch im Werke tätigen Organi- sationsmitglieder fassen sich durch solche Machenschaften keineswegs beirren. Der Streik dürfte in aller Ruhe weitergeführt werden, bis die Direktion den Wünschen und Forderungen der organisierten Arbeiter gebührend Rechnung trägt. Der Streik in der Maschinenfabrik„vdklop" dauert fort. Ver- Handlungen wegen Einführung der neunstündigen Arbeitszeit und entsprechender Lohnerhöhung hat die Firma abgewiesen. Bei dem guten Organisationsverhältnis der Streikenden ist es jedoch aus- geschlossen, daß diese die Arbeit eher wieder aufnehmen, bevor sich die Firma nicht zu einer Verständigung bequemt. Arbeitswillige sind nicht vorhanden. Für Dreher und Maschinen- arbeiter bleibt der Betrieb bis auf weiteres gesperrt. Zum Streik der technischen Hartgummiarbeiter ist zu be- richten, daß bisher drei Firmen die Forderungen bewilligt haben. nachdem diese in einem Punkte etwas modifiziert worden sind. Bei mehreren anderen Firmen ist die Bewilligung demnächst eben- falls zu erwarten. Die Tarifdifferenzcn im Bäckergcwerbe, die zwischen der Ge- sellcnorganisation und den Innungen wegen Umgehung der Arbeits- Nachweisbestimmungen seitens der Jnnungssprcchnwister kürzlich entstanden sind, haben sich eher verschärft als vermindert. In der gemeinsamen Schlichtungskommissionssitzung vom Freitag wurde abermals keine Verständigung erzielt. Ucber die sechs For- dcrungcn, die vom Bäckervcrband aufgestellt waren, um die Jnne- Haltung der tariflichen Bestimmungen durch die Meister für die Zukunft zu garantieren, wollen die Jnnungsvorständc noch einmal eine nähere Besprechung unter sich vornehmen. Im übrigen be- streiten die Herren nach wie vor, einen Tarifbruch begangen zu haben, obwohl nachgewiesen werden konnte, daß der Sprechmeister Vogel erst wieder in allerletzter Zeit einen verheirateten organi- sierten Geselle» aus der Arbeit gebracht und in dessen Stelle ein Vorstandsmitglied der„Gelben" hineingeschoben hat. Schließlich wurde die Weiterverhandlung vertagt. Zur nächsten Sitzung soll der Verbandsvorsitzende A l l m a n n aus Hamburg hinzugezogen werden. Der Streik der Ballschuhmacher und die Aussperrung in der mechanischen Schuhindustrie. Seit Dienstag ist der Streik der Ballschuhmacher beendet und die Arbeit ohne große Schioiorigkeitcn aufgenommen worden. Doch ist der Bescheid des Fabrikantcnverbandes, daß der Revers zurück- gezogen wird, erst gestern(Sonnabend) erfolgt. Die bürgerlichen Blätter und ebenfalls der„Vorwärts" brachten in ihrer Freitag- nummer den Bericht einer am Donnerstag stattgefundenen General- Versammlung des Fabrikantenverbandes. Nach diesem Bericht hat der Fabrikantenverband die Forderung der Errichtung eines pari- tätischen Arbeitsnachweises für nicht diskutabel erklärt. Das war von vornherein anzunehmen, denn es ist noch nie der Fall gewesen. daß Schuhfabrikanten dem Fortschritt huldigen, obwohl sie sich bei jeder Gelegenheit als liberal gebärden. Dem Einfluß der Arbeiter- organisation allein wird es gelingen, ob in diesem oder späteren Kämpfen die Macht des Fabrikantcnverbandes im Arbeitsnachweis gebrochen wird, jedenfalls wird dieses Ziel im Auge behalten werden. Die Lohnerhöhung soll nach dem Bericht der genannten Blätter mit Rücksicht auf die auswärtige Konkurrenz nicht möglich sein. Dieser alte Gemeinplatz der Fabrikanten wird stets bei Lohn- forderungen hervorgeholt, ihre Konkurrenz unterstützen sie aber immer mit allen Mitteln, wenn die Arbeiter in den Provinz- städten ihre Löhne durch Streiks zu heben versuchen. In dem- selben Augenblick, wo die Fabrikanten die Forderungen ihrer Ar- 1 beiter ablehnen, versuchen dieselben eine neue Preiserhöhung.� durchzuführen! Am Sonnabend sind die Filzschuh- und Pantoffel-! fabrikanten Deutschlands im Münchener Augustincrbräu zusammen- � getreten, um über eine Preiserhöhung zu beraten, welche mit den\ gestiegenen Filz- und Lederprcisen, wahrscheinlich auch mit den j „gestiegenen Arbeitslöhnen" begründet werden soll. Für sich � nehmen die Unternehmer das Recht einer Preiserhöhung in An-, spruch, wenn die Rohmaterialien gestiegen sind, dem Arbeiter wird dies verwehrt, obgleich sich seine Lebenshaltung wesentlich verteuert hat. Sonnabend ist der Beschluß der Gewerkschaft mitgeteilt worden. Die Montag stattfindende Versammlung der Ausgesperrten wird hierzu Stellung nehmen._ Die Sperre übet die Firma Joka u. Co. ist aufgehoben, indem dieselbe die Erklärung abgegeben hat, den seinerzeit vorgelegten Revers zurückzuziehen und die Organisation der selbständige Kürschner(Pclzbranche) anzuerkennen, sowie nur organisierte Arbeiter zu beschäftigen. Ter Vorstand des Vereins selbständiger Kürschner(Pelzbranchc) Der Vorstand des Vereins deutscher Kürschner(Zahlstelle Berlin). Achtung Steinarbeiter! Die Sperre über die Baugesellschaft Lolat und die Unternehmer Jüngers u. Schelle ist beendet, da ein Vergleich zuftarrde gekommen ist. Der Streik der Tov'chweber bei der Firma M. Protzen u. Sohn in Stralau ist nach vierzehnwöchentlicher Dauer am Ist, November ohne Erfolg für die Arbeiter beendet. Deutsches Reich, An alle Steinholzleger Deutschlands! Bei der Filiale Berlin der Firma Torgainentwerke, Haupt- gcschäft Leipzig, sind wegen Maßregelung eines Kollegen Differenzen ausgebrochen. Vor Zuzug wird geioarnt. Alle arbeiterfreuirdlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Anfragen sind zu richten an den Verband der Isolierer, Steinholzlcger und verwandten Berufs- genossen Deutschlands. Bureau: Berlin,, Steinstraße 38. Achtung! Gummiarbeiter! Der Streik der Gummiarbeiter der Gummikamm-Kompagnie, Limmer, Hannover, ist, dank der Hartnäckigkeit der Direktion, ein allgemeiner geworden. Ein letzter Versuch der noch in Arbeit befindlichen Hartgummiabteilung, zwischen den Streikenden der Reifenabtcilungen und der Direktion eine Einigung herbeizuführen, scheiterte. Man wies die Kom- Mission mit dem Bemerken ab, daß die im Streik befindlichen zirka 300 Personen nicht mehr als zum Betriebe gehörig bezeichnet werden könnten. Darauf legten fast sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen die Arbeit nieder. Im Streik befinden sich zirka 1400 Personen. Im Betriebe befinden sich außer den Schreibern, Vorarbeitern und Meistern noch einige Dutzend Invaliden und die sogenannten Apostel. Es sind dies Aucharbeiter, welchen das Wort Solidarität ein fremder Begriff ist, sonst aber sehr fromme Menschen. Gummi- arbeiter! Kollegen! Die Betriebsleitung versucht unter Ver- sprechungen. Arbeitswillige nach Limmer zu locken. Seid auf der Hut. Haltet den Zuzug fern! Unser Sieg ist Euer Sieg! Fabrikarbeiterverband, Verwaltungsstelle Hannover. Zum Streik der Binnenschiffer. Nachdem am Freitagabend die Streikenden die Beendigung des Streikes beschlosien hatten, nahmen gestern vormittag etwa 800 bis 900 Bootsleute und Heizer der Vereinigten Elbschiffahrtsgesell- schasten bei dieser Reederei die Arbeit im gesamten Elbgebiet wieder auf. Dadurch verringert sich die Zahl der Ausständigen, die bisher etwa 2400 betrug, auf 1500 bis 1600. Sitzung der Siebenerkommission und Konferenz der Vorstände der Bergarbeiter-Organisationen. Essen, 9. November,(©ig. Ber.) In Anbetracht der Wichtigkeit des Gegenstandes bringen wir heute den ausführlichen Bericht, nachdem wir schon eine kurze tele- graphische Mitteilung über die gefaßten Beschlüsse gebracht haben. Heute nachmittag fand hier in Essen im historischen Lokale von der Loo die mit großer Spannung erwartete Sitzung der Siebenerkommission statt, von welcher allgemein die Eni- scheidung erwartet wurde. Die Sitzung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt, auch die Presse hatte keinen Zutritt. Jedoch wnrde die Presse zugelassen zu der Konferenz der Organi- sationsvorstände, in welcher das Resultat der Verhandlungen der Siebenerkommisston zur Beratung stand. Die Konferenz der Organisationsvorstände wurde von Effert eröffnet, der sofort dem Genossen Sachse das Wort erteilte zur Berichterstattung. Sachse teilte mit, daß von den bergbaulichen Vereinigungen und Zechen in Schlesien und Sachsen 28 ab- lehnende Antworten eingegangen sind. In Schlesien wurden die Grubenausschüsse von den Zechenverwaltungen nicht anerkannt. Von einigen Zewen im Rnhrrevier sei in der Sperrfrage zugegeben, daß„freundnachbarliche Abmachungen" in bezng auf den Belegschafts- Wechsel beständen. Andere Zechen erklärten, sie hätten die Sperre aufgehoben. In betreff der Lohnfrage behaupteten einige Zechen. sie hätten schon Lohnerhöhungen vorgenommen. Andere Zeche» stellten zum 1. April eine lOprozcntige Lohnerhöhung in Aussicht, eine will zum 1. November Lohnerhöhungen vornehmen, noch andere wollen die Schichtlöhne erhöht haben. Sachse teilt mit. daß die Siebenerkommission beschlossen habe, den Organisationsvorständen folgende Vorschläge zur Annahme zu empfehlen: „1. Die Entscheidung über die weiteren Wege in der Lohn- erhöhung heute nichd selbst zu fassen, sonder» fiir den 21. November dieses Jahres Revierkonferenzen der größten Reviere einzuberufen und diesen die Entsweidung zu überlassen. 2. Die Organisationsvorstände haben ihre Zahlstellen- Verwaltungen zu verpflichten. schleunigst eine Lohnstalistik. mindestens vom 1. Juli 1906 bis Schluß des Jahres 1906 der wirklich verdienten Löhne aufzustellen, die den Vorständen bis zweite Hälfte Januar einzusenden sind. 3. Wegen der ablehnenden Bescheide deS Oberbergamts Dort- mund in der Sperrsrage auf den Gruben etwas tun zu können und gegen das Ueberschichtenwesen durchgreifend vorgehen zu können, sollen die Vorstände eine sofortige Eingabe an das Reichs- Parlament beschließen und rcichsgeietzlicheS Eingreifen verlangen. 4. Schließlich wird der Vorständekonferenz noch empfohlen, auch gegen die Lebensmittelverteuerung an die Reichsregierung und den Reichstag eine Eingabe abzusenden, dahingehend, daß die ReichSregiernng und der Reichstag schleunigst Mittel und Wege beschreiten, um eine Verbilligung der Lebensmittel, ganz besonders der Fleischpreise herbeizuführen." Nach einiger Diskussion, die sich wesentlich um den Zeitpunkt der stattzufindenden Revierkonferenzen bewegte, wurden die Vor- schlüge von sämtlichen Organisattonen einstimmig angenommen. Aus der Diskussion ist noch hervorzuheben, daß Köster und Effert(beide christlich) betonten, die Aufnahme einer Lohnstatistik sei dringend notwendig, um authentisches Material gegen die Zechenverwaltungen zu erhalten. Die den Ausschüssen vor- gelegten Lohnlisten stimmten nicht überein mit der amtlichen Lohn- statistik; erstere wiesen wesentlich höhere Löhne auf. ES müsse fest- gestellt werden, ob die Ueberschichten bei der Berechnung des Durchschnittslohnes mit berechnet würden oder nicht. Köster wußte einen Fall, wo ein Mann 33 Schichten im Monat verfahren hatte, bei der Berechnung des Durchschnittslohnes aber nur 27 Schichten in Anrechnung gebracht worden ivaren. Ebenso müsse man wissen, ob die Gefälle, Unkosten für Gezähe usw. mit verrechnet würden oder nicht. Die amtlichen Listen redeten immer von Nettolohn, während aber in Wirklichkeit die Gefälle und sonstige Unkosten nicht in Abrechnung gebracht würden. Effert hob zum Schluß hervor, angesichts dessen, daß da? Kohlensyndikat mit so außerordentlichen PreiSerHvHmigen vorgehe, müßten die Bergleute erst recht auf ihrer Lohnforderung bestehen, sie hätten ein Recht, ihren Anteil daran zu verlangen. Letzte JVachncbten und Dcpefcbca Sitzung des internationalen sozialistischen Bureaus. Brüssel, 1t). November.(Privattcpefche des„Vorwärts".) Das internationale sozialistische Komitee trat heute im Brüsseler Volkshause zu einer Sitzung zusammen. Anwesend waren für Deutschland Bebel und Singer, für Holland van Kol und Troelstra, für England Kair Hardy und Hyndman. Rußland entsandte Roubanowitsch, Plcchanow und Bala- banoff, Dänemark Knutsen, Schweden Branting. Der„Bund" war vertreten durch Knoski und Bergmann, die Letten durch Braune, Ungarn durch Großmann und Weltner, Böhmen durch Ncmec. Jaur�s für Frankreich war entschuldigt. Die Konferenz beschäftigte sich mit der Organisation des Stuttgarter Kongresses und faßte dazu folgende Beschlüsse: Der Bericht wird an jedem Tage in drei Sprachen gegeben, jede Nation bildet eine besondere Sektion, alle bisher im Bureau vertretenen Nationen bilden je eine Sektion, andere Nationalitäten müssen sich an das Bureau wenden. In den Sektionen, wo die Einigkeit der Sozialdemokratie nicht be- steht, soll das Bureau die Stimmenverteilung selbst vor- nehmen. Auf Vorschlag Hyndman sollen für England nur die Trade-Unions eingeladen werden, welche für das Prinzip des Klassenkampfes und für selbständige Politik eintreten. Die vorläufige Tagesordnung ist folgendermaßen festgestellt worden: 1. Bericht dSs Bureaus und des parlamentarischen Komitees. 2. Militarismus und internationale Konflikte. 3. Politik und Gewerkschaften. 4. Kolonialfrage und Ar- beiterauswanderung._ Stadtverordnetenwahl in Breslau. Breslau, 10. November.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei der heutigen Stadtverordnetenwahl hatten wir eine Zunahme von 1500 Stimmen zu verzeichnen. Wir kommen bei vier Mandaten mit den Konservativen, bei einem Mandat mit den Freisinnigen in Stichwahl._ Raubmord im Eisenbahnzuge. Hamburg, 10. November.(W. T. B.) Heute nachmittag wurde in einem Abteile zweiter Klasse des Blankeneser Zuges zwischen den Stationen Bahrcnfeld und Groß-Flottbek der Zahnarzt Clauhen aus Altona durch Beilhiebe getötet und vollständig ausgeraubt. Die Leiche wurde erst in Blankenese bei der Revision des Zuges entdeckt. Ein der Tat verdächtiger gutgckleiderter junger Mann, dessen mit Blut besudelte Kleidung einem Bahnsteigbeamten in Groß-Flottbek auffiel, erklärte dies auf Befragen mit starkem Nasenbluten. Van dem Täter fehlt jede weitere Spur. Feine Firmen. Frankfurt a. M., 10. November.(B. H.) Das Verfahren gegen den früheren Inhaber eines hiesigen Transportgeschäftes hat er. geben, daß eine große Zahl angesessener hiesiger und auswärtiger erster Firmen durch unrichtig ausgestellte Wiegescheine die Staats- kasse um mehr als 100 000 Mark geschädigt haben. Die Fracht- Hinterziehungen sollen sich bis in die Nhcinprovinz erstrecken. TaS Ende der Herrlichkeit. Frankfurt a. M.» 10. November.(B. H.) Gegen den Borstand der Allgemeinen Deutschen BersichernngSkasse ist von der Staats- anwaltschaft ein Verfahren wegen Betruges eingeleitet worden. Heute morgen wurden die Bücher der Gesellschaft von der Polizei im Bureau der Kasse konfisziert. Zahlreiche Mitglieder beschwerten sich darüber/daß ihnen trotz längerer Beitragszahlung kein Kranken- gelb ausgezahlt wurde. Der Herr gebildete Rittmeister. Mannheim, 10. November.(B. H.) Wegen Beleidigung des Rechtsanwalts Dr. Frank(Soz.) in einer der jüngsten Kontrollvcr- sammlungen der Landwehrpflichtigen wurde Rittmeister v. Müsch- witz vom Dienste enthoben und gegen ihn Anklage beim Kriegs- geeicht in Karlsruhe erhoben. Dr. Frank ist bekanntlich Organi- sator der sozialdemokratischen Jugendvcreine, und der Rittmeister äußerte sich deshalb in jener Kontrollversammlung u. a. dahin: Dr. Frank ist von Berus Rechtsanwalt, er sitzt dort oben bei Gericht. wo er bei jeder Verhandlung ein großes freches Maul hat und meint, er sei etwas. Aber schließlich sind diese Leute nichts als Lumpen. Dieser Mensch verdient den Rechtsanwalttitel nicht, er ist nicht ein- mal wert, daß man ihn anspuck». Die Anwaltskammer hat gleich- falls wegen Beleidigung des Standes Anklage erhoben. Gegen das russische Pumpshstem. Paris, 10. November.(W. T. B.) Der sozialistische Deputierte Meslier kündigt eine Interpellation an, in der er den Finanz- minister befragen werde, welche Maßnahmen er zu ergreifen ge- denke, um der für das französische Nationalvermögen gefährlichen Tätigkeit ein Ende zu machen, welche die französischen Kredit- institutc aus Anlaß der russischen Anleihen entfaltet haben. Schließung der Gymnasien. Tislis, 10. November.(W. T. B.) Infolge andauernder Er- regung unter den Schülern sind zeitweise dir vier oberen Klassen aller Gymnasien geschloffen worden. Ein Aufstand im Kaplande. Kapstadt, 10. November. Amtlich wird bekannt gegeben: Der Transvaalbur Ferreira und mehrere andere Buren sind in den Nordwesten der Kapkolonie eingedrungen und versuchen einen Auf- stand ins Werk zu setzen. Sie überraschten zwei Polizeistationen und brachten Waffen und Munition in ihren Besitz. Kavallerie ist abgegangen, um sie abzufangen. 150 Mann Polizeitruppcn werden außerdem sofort nach Prieska aufbrechen. Weiter wird gemeldet, daß bei dem Ueberfall der beiden Polizei» stationen— es handelt sich um Abcam und Witkop— zwei Soldaten verwundet wurden. In Abiquassaar nahmen Ferreira und seine Genossen später einen Polizeibcamten gefangen. Ferreira wirbt, wie es in der amtlichen Meldung weiter heißt, Rekruten und de- findet sich auf den Marsch nach Zwartmoddcr. ES Hecht, daß er auf die Farmer einen Druck ausübt, sich ihm anzuschließen, indem er ihnen erklärt, daß in Transvaal ein Aufstand bevorstehe. Außer den 150 Mann, die. wie bereits gemeldet, nach Prieska abgehen, ist ein Polizeiinspektor mit fünfzehn Mann aufgebrochen, um den Eindringlingen den Weg zu versperren. 2o Mann sind zur»vs. klärung an die Grenzen beordert. Die Kapreglcrung ergreift alle Matznahmen, die notwendig sind, um die Bewcgung. die nicht als ein Aufstand angesehen wird, zu unterdrucken Ernsthafte Gefahr besteht insofern, als die Landeseinwohner, die fast keine Beziehungen zu der Außenwelt haben, durch übertriebene Berichte über Erfolge Ferreiras getäuscht werden können. Die maßgebenden Hollander am Kap raten den Bewohnern des Nordwestens an. sich auf die Seite der Regierung zu stellen._ verantw. Redakteur: Haas Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: Uh. Blocke. Berlin. Druck».Verlag: Borwort» Buchdr.u.verlag»