Mr. 267. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Postabonnements bmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Gricheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel. geile oder beren Raum 50 Pig., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste'( fett, gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jebes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte, Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsvrecher: Amt IV. Nr. 1983. Die Posse der liberalen Oppofition. Donnerstag, den 15. November 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Thema der Depeschen und Ehrensäbel ist doch nicht nur im führungen bezeichnenderweise in der säbelrasselnden BismardReichstag selbst oft genug trattiert, sondern namentlich auch Radamontade ausklingen:" Wir Deutsche fürchten Gott und von der Wizpresse so häufig mit überwältigender Satire sonst nichts auf der Welt." Die Rede des Herrn Wiemer behandelt worden, daß ein Politiker von einigermaßen gutem von der Freisinnigen Volkspartei war nur das Klischee der Geschmack sich nachgerade geniert, diese allbekannten und all- Bassermannschen Seichtigkeiten. Bemerkenswert war höchstens, belachten Dinge noch einmal durchzuhecheln. daß dieser liberale Wasserstiefler besonders die Notwendig. So machte sich denn der nationalliberale Entrüstungs- teit einer starten deutschen Flotte betonte. In Erwartung einer großen" oder mindestens pikanten sturm im Reichstage nur noch in mildem Säufeln bemerkbar. Bülow wird wirklich einen guten Reichstag" bekommen! Debatte über das persönliche Regiment und seine unheilvollen und die scheinbar indiskreten Fragen boten dem Verantwort- So verpuffte unfagbar kläglich die Posse des liberalen Einflüsse auf die hohe", d. h. auswärtige Politik hatte sich lichen des Improvisationskurses nur die erwünschte Gelegen- Oppositionssturmes gegen das persönliche Regiment." heute eine Menge Sensationslüsterner im Reichstage ein heit, dem Reichstage in einer zweistündigen Antischwarzieher- Jammervoller ist noch niemals eine pomphaft angekündigte gefunden. Nicht nur die Zuschauertribünen waren in allen Plauderei zu erzählen, daß Deutschlands internationale Be- Aftion zusammengebrochen. Und vor solchen bürgerlichen Zeilen vollgepfropft, auch die Journalistentribünen wiesen ziehungen ja gar nicht so schlecht seien, da es ja immer Oppositions- Helden sollten Absolutismus und Junkertum die einen beinahe beängstigenden Zudrang auf. Aber ach, die Friktionen gegeben habe und geben werde, und daß, wenn Segel streichen?! erwarteten Sensationen blieben wieder einmal aus. Statt die Deutschland faktisch einmal isoliert sein sollte, ein Sechzigvermutete gründliche und rücksichtslose Aussprache über das Millionen- Bolt mit einem so scharfen Schwerte" an seiner persönliche Regiment und die Plöglichkeiten und Fährlich- nationalen Eristenz noch keineswegs zu verzweifeln brauche. teiten des Zickzackurses, unserer Improvisationspolitik zu erleben, bekam man eine zweistündige Bülow- Rede vorgesezt, Stanzler mit vorsichtig schämigem Schweigen. Er nahm alles Seit der Veröffentlichung des Geheimschreibens Kotoffzews durch die der Reichskanzler endlich einmal nachdrucksam dem auf seine Stappe, sprach mit edler Bescheidenheit von an Stolypin will und will die Anleihefrage nicht aus den noch immer umschleichenden Gerücht entgegentreten wollte, feiner" Politit, und verbat sich mit höflicher Entschieden- an Stolypin will und will die Anleihefrage nicht aus den feiner" Politit, und verbat sich mit höflicher Entschieden Beitungsspalten verschwinden. Das Geheimnis ist nun einmal er sei noch immer frant und schonungsbedürftig und nicht heit die Gegenüberstellung seiner Person mit dem eisernen verraten worden, und wie die Regierung sich auch bemühen mehr recht fähig, die schwere Last der Verantwortlichkeit zu Stanzler". Dieser unvergleichliche Staatsmann" mit seiner mag, die Finanznot zu verschleiern, die Erscheinungen an der tragen, die einst auf den Schultern des Onkel Chlodwig ge: Politik des Kürassierstiefels fei für seine Zeit notwendig ge- Börse zwingen die russischen Blätter, immer wieder darauf ruht. Und dieser Beweis ist dem Reichskanzler in der Tat wesen, aber in unserer Zeit seien urbanere diplomatische zurückzukommen. Seit einiger Zeit sind auf dem russischen gelungen. Seine Rede war ältester und echtester Bülow. Sitten am Playe. Der Stanzler suchte dann weitläufig nach Geldmarkt Schwankungen beobachtet worden, die unmöglich Der genesene Kanzler vermag wiederum mit der Hand in zuweisen, daß der Dreibund noch keineswegs die Be als normal bezeichnet werden können. Vor etlichen Tagen der Hosentasche und dem Westenausschnitt die wohlfrisiertesten deutung eines politischen Machtmittels berloren habe, " Die Frage des persönlichen Regiments überging der Ueber Die russische Revolution. Noch einmal: Taschen zu! Perioden herzusagen und stets da zur rechten Zeit ein durch wenngleich die Extratour Italiens aus dessen Stellung gingen die russischen Renten so kolossal in die Höhe, daß es Trivialität verblüffendes Zitat oder ein niedliches Bonmot erklärlich und entschuldbar sei. Ueberhaupt fand Bülow die sogar dem Laien auffiel. Das gewöhnlich gut informierte russische Blatt ,, Rjetsch" oder sonst ein rhetorisches Schönheitspflästerchen aufzusetzen, trefflichsten Gründe dafür, daß die politische Konstellation weist auf einige Machinationen der Regierung hin, die wo sich der Inhalt der Worte völlig zu verflüchtigen droht. gerade so und nicht anders sei, als sie sich in Wirklichkeit sehr wohl mit dieser künstlichen Steigerung der russischen Bülow redete, wie gesagt, zwei Stunden lang und sagte in darstellt. Neben den endlosen Gemeinplägen sprach der Werte in Einklang gebracht werden fönnen; In dieser Zeit mit anerkennenswerter Beherrschung des Wortes Stanzler übrigens auch un zweifelhafte Wahrheiten Regierungskreisen soll man soll man bemüht sein, eine großund der Modulation eine sorgfältig präparierte Rede her. aus. So die, daß auch unter Bismard die internationale: artige Aktiengesellschaft auf die Füße zu bringen, Aber das waren auch die einzigen Strapazen, denen er sich Lage oft genug eine höchst konfliktsschwangere gewesen sei. der die Exploitierung ber Wasserwege in Rußland zu unterziehen hatte, denn rücksichtsvoller als von Ferner die, daß das Mißtrauen des Auslandes übertragen würde. Einen fleinen Teil des Geldes will dem interpellierenden Herrn Bassermann ist niemals eine gegenüber Deutschland in erster Linie Deutschlands die Regierung durch Attien im Inlande aufbringen, das Regierung angegriffen" worden! Rolonialpolitit zuzuschreiben sei. Bären die über- Obligationstapital in der Höhe einiger Milliarden RubelHerr Bassermann hatte seit Wochen in dröhnender Rede seeischen Reibungsflächen nicht vorhanden, so würden sich soll dagegen im Auslande aufgetrieben werden. Man hat die dem persönlichen Regiment und der es deckenden Regierung für Deutschland kaum irgend welche Ver Absicht, das so geliehene Geld der Gesellschaft allmählich zu schärfste Fehde angesagt. Er hatte, wie das Mosse- Blatt es widelungen ergeben! ausdrückte, so oppositionelle Töne angeschlagen ,,, daß es den Damit hat Bülow- und er begegnete sich in diesen übertragen, fürs, erfte es aber zu Regierungszweden zu verwenden. Wenn die Machinationen der Regierung harmlosen Staatsbürger grufelte". Und heute, wo es galt, Gedankengängen ja durchaus mit den Auffassungen der Sozial- Tatsache wird, so sieht man daraus, mit welchen wahndie schreckhaften Ankündigungen zur Tat werden zu lassen, demokratie- zweifellos ins Schwarze getroffen. Deutsch sinnigen Finanzprojekten und Kombinationen die Regierung hatte Herr Bassermann den grimmen Hederhut und die lands sinnlose Weltpolitik ist in der Tat der Urquell aller herumspringt und in welcher dumm- waghalsigen Weise man übrigen Requisiten seiner Maskerade wieder hübsch in den internationalen Verstimmungen, und eine Folge der deutschen die Gläubiger im Auslande hintergehen will. Hunderttausende, Koffer gepackt und gab sich bassermännisch und national- Weltpolitik und eine weitere Bedrohung des internationalen ja Millionen werden vergeudet, bis das Ausland anbeißt. liberal wie nur je in seinen liebenswürdigsten Tagen. Er Friedens bildet Deutschlands Flottenpolitit. Aus allem ist zu erkennen, daß es der russischen Reseufzte ein wenig über die entschwundene Herrlichkeit der Aera dieſe letztere Sonfliktsquelle suchte der Kanzler freilich durch die gierung lieb wäre, eine größere Summe Goldes noch vor dem Bismarck, forderte den Reichskanzler zur Beantwortung Redensart hinwegzukommen, daß Deutschland, wie alle anderen gierung lieb wäre, eine größere Summe Goldes noch vor dem einiger bescheidener Anfragen über die auswärtige Politik Staaten, das Recht" habe, so viel Striegsschiffe zu bauen, wie zusammentritt der Duma, vielleicht sogar noch vor den auf und garnierte diese Belanglosigkeiten mit einigen weder ihm beliebe. In der Tat, das„ Recht“ dazu hat Deutschland. Wahlen unter Dach zu bekommen! Solange das Geld besonders neuen, noch sonderlich pointierten Anzüglichkeiten Die Frage ist nur die, ob diese gesteigertes Mißtrauen fäende nicht eingeheimst ist, hat die Stolypinsche Regierung nicht den Mut, dem letzten Arbeiter das Wahlrecht zu entziehen; denn über die Schwankungen unserer hohen Politik, die der Ruhe Flottenpolitik notwendig ist! Und da Bülow auch das Mut, dem letzten Arbeiter das Wahlrecht zu entziehen; denn und Stetigkeit entbehre und die die hieraus resultierenden fozialdemokratische Argument adoptiert hat, daß England wenigstens vor den ausländischen Gläubigern muß doch der Berstimmungen des Auslandes vergeblich durch deplacierte wirtschaftlich auf Deutschland durchaus nicht eifer- Schein einer Volksvertretung gewahrt werden. Gerade im jezigen Augenblick also ist die Aufmerksamkeit Liebenswürdigkeiten, durch Statuen und Ehrensäbel wieder süchtig zu ſein brauche, da ja der Warenaustausch zwischen der ausländischen Geldpumper darauf zu lenken, wie wenig Deutschland und England für beide Teile höchst profitabel sei man all den Börsennachrichten über Steigen der russischen auszugleichen fuche. Das war die reklamehaft angekündigte Abrechnung mit und die industrielle und kommerzielle Entwickelung beider Werte Glauben schenken darf, und wie öde es in den russischen Länder geradezu dem persönlichen Regiment, die große nationalliberale Aktion, Gedeihens dieser beiden Länder bilde, sollte er auch so Goldkammern aussehen muß, wenn ein Mann wie Kokoffzew das launenhaft zwischen den Klippen umhergeschleuderte tonsequent sein, die Notwendigkeit des uferlosen Flotten- 3u so tollen Spekulationen greift. Staatsschiff in steten Kurs und sicheres Fahrwasser hinein- rüstens Deutschlands zu verneinen, auf Einhalt zubringen, den Tüchtigsten" den Einfluß auf die Regierung in den Rüstungen zu bringen und dadurch diesen Stein zu sichern! Das verstand Herr Bassermann unter dem nun des internationalen Anstoßes hinwegzuräumen. Denn bisher vember geschrieben: offen von der Leber sprechen"! ist ja die Notwendigkeit einer starken deutschen Flotte immer Das Steigen unserer Rente war zu ungestüm, um von Dauer Freilich, hätte Herr Baffermann im Reichstag die Kraft da mit begründet worden, daß man gegen die wachsende sein zu können. Es trug sicher einen spekulativen Charakter und phrasen wiederholt, mit denen er seinen' Parteiſpießern im wirtschaftliche Eifersucht Englands gerüstet sein mußte daher schnell einer entgegengesezten Tendenz weichen. Lande von feiner oppositionellen Energie Schauer der Ehr müsse! So bot Bülow in seiner Berteidigung der deutschen Und wirklich, während noch am- borigen Sonnabend, deir furcht einblies, so wäre ihm wohl nur ein Heiterkeits: hohen" Politik und des angeklagten persönlichen Regiments 3. November, die Rente zu 77% notiert wurde, stand fie erfolg zuteil geworden. Hat doch sogar die seiner Partei einer fruchtbaren und ernsthaften Bekämpfung der schon gestern, den 9. ds. Mts., auf 73. So mißlang sehr nahestehende„ Rheinisch- West f. 3eitung" über konfliktsschwangeren deutschen Welt- und Flottenpolitik die wiederum ein Versuch, die angebliche Beruhigung des Landes zu Herrn Bassermann als Oppositionsmann die Lauge äbendsten besten Handhaben! demonstrieren und das Vertrauen zu der gegenwärtigen Regierung Spottes ausgegossen. Haben doch die National- Genosse Vollmar, der nach Bülow zu einer furzen, bei den Kapitalisten zu stärken. Doch scheint die Regierung selbst liberalen mit Herrn Bassermann an der Spike prägnanten Rede das Wort ergriff, fertigte zunächst mit an die Dauerhaftigkeit der Kurssteigerung nicht recht geglaubt zu bisher alle Improvisationen der persönlichen Politik als ge- gutem Humor die verhaltene Oppositionsrede des Herrn haben: Man meldet nämlich aus der Provinz, daß, als die Rententreue Sancho Pansas mitgemacht, haben sie doch jedem Bassermann ab, indem er zugleich die Sünden der National- befizer den günstigen Augenblick ausnuten wollten und ihre Kolonialabenteuer und jeder Flottenvermehrung begeistert liberalen auf dem Gebiete der hohen Politik einer schneidenden Papiere an die Reichsbank zu verkaufen suchten, sich, augenscheinlich zugestimmt, haben sie doch in dem Marokkokonflikt die Stritit unterzog. Alsdann wies er als eine der Haupt- auf Petersburger Anweisung, die Reichsbankfilialen weigerten, die Schildknappen der Regierung gespielt! Und eine Partei, die ursachen der Unbeliebtheit des heutigen offiziellen Rente und andere Staatspapiere in größeren Summen( und zwar die politischen Aktionen der Regierung, durch die Deutschlands und des nur zu verständlichen Mißtrauens über 500 Rubel) anzukaufen!!! Wahrscheinlich geht nun das der internationale Konfliktsstoff erst aufgehäuft, die inter- des Auslandes jenes persönliche Regiment nach, das sich natürliche Sinten ebenso crescendo, wie es noch vor kurzem mit dem nationale Verstimmung erst geschürt wird, blindlings über den Willen des Voltes überhebend hinweg- fünftlichen Steigen war. und bedingungslos unterstüßt, fann selbst zusetzen sucht, ja sich den Lurus gestatten zu können Der Stand unserer Goldwährung wirkt auch nicht gerade erverständlich an diesem politischen System feine ein- wähnt, mit der stärksten Partei des Landes, der Sozial- munternd und macht die Aussichten für die Zukunft nicht sehr schneidende Kritik, außerhalb nationaler Konventikel de motratie, ständig auf Kriegsfuß zu leben. glänzend. Die letzten zwei Wochen brachten eine neue Verschlechterung wenigstens, üben. Die nationalliberale Kritik kann sich des- Eine solche Politik, die des starken Rückhalts des Volksver- in dieser Beziehung: Bum 5. November waren 1248 Millionen halb nur an die bloßen Aeußerlichkeiten einer solchen trauens und Voltswillens entbehre und den Launen und Ein- Rubel Kreditbillette in Umlauf, während am 29. Oktober die Summe Politik halten, an Aeußerlichkeiten, die ja den Spott und je gebungen einzelner Personen oder jeweiliger fleiner Cliquen bloß 1233 Millionen Rubel betrug. Die Goldmenge in Münzen, nachdem auch die Empörung des Auslandes hervorrufen folge, fönne unmöglich als.eine stetige gelten und niemals Stangen und Anweisungen hat sich um 1,7 Millionen Rubel mögen, die aber doch von keinem ernsthaften Politiker des das Vertrauen des Auslandes erwerben! vergrößert, dafür hat sich aber die Summe Gold im Auslande um In- und Auslandes als die Haupt- und Grundursache Nachdem Herr Limburg- Stirum eine auf den 6,4 millionen Rubel vermindert. Das Papiergeld überragte das der internationalen Verstimmung und der Jfolierung Deutsch- Tribünen völlig unverständliche Erfläning abgegeben, nahm Gold, wenn man das Gold im Auslande nicht mitrechnet, am angesehen werden können. Eine solche Kritik felt- Herr Spahn zu einer kurzen belanglosen Rede das Wort. 5. November um 393,4 Millionen Rubel, während am 29. Dktober famer Aeußerlichkeiten könnte allenfalls noch wirken, sofern Der Zentrumsredner markierte oftentativ den Ver- das Mehr nur 380,1 Millionen Rubel betrug, was eine Verfie wenigstens noch den Neiz der Neuheit hätte. Aber das treter der Regierungspartei und ließ feine Aus- mehrung im Laufe der letzten Woche um 18,8 Millionen Kredits lands Das Sinken der Kurse. Aus Petersburg wird der„ Nuss. Korresp." unterm 10. No. kiklette bedeutet! Rechnet man aber auch das Gold im Auslände mit, so ergibt sich, daß am 5. November die Summe Papiergeld diejenige des Goldes um 119,3 Millionen Rubel überragte, während am 29. Oktober das beireffende Mehr bloß 99.6 Millionen Rubel betrug, was eine Verschlechterung im Stande der Goldwährung um 19,7 Millionen Rubel bedeutet.— Wenn man noch eine un- günstige Veränderung in bezug auf die ausländischen Tratten hinzu- rechnet, so ergibt das eine Gesamtverschlechterung um 22,1 Millionen Rubel.-- Die Kadetten. Petersburg, 14. November.(B. H.) Eine Kadettenversammlung >n Moskau,� an der fast alle Parteiführer teilnahmen, erklärte, die Kadetten seien oppositionell nicht unr der Opposition willen, sondern weil ein Arbeiten mit dem Ministerium unmöglich sei. Das Wahl- Programm und das Zusammengehen mit anderen Parteien beschäftigte die Versammlung lebhast. Der linke Flügel sprach sich für den Block mit den sozialdcmokraiischen Organisationen aus, der rechte für eine gemeinsame Tätigkeit mit der Partei der friedlichen Erneuerung.— Boraussichtlich wird eine Resolution angenommen werden, in der ausgesprochen wird, daß eine genieinsame Tätigkeit von Fall zu Fall zu entscheiden sei und daß man sich nur mit ausgesprochen oppo- sitionellen Elementen vereinigen sollte. Sollte den Kadetten die öffentliche Wahlagitation untersagt werden, so werden sie den Weg der geheimen Verständigung beschreiten— Die Militärmediziner! Petersburg, 14. November. sMeldung der Petersburger Tele- graphen-Agenwr.) Der Kriegsminister hat heute die Schließung der militärmedizinischc» Akademie angeordnet, nachdem die Speiseanstalt der Studierenden seitens des Direktors bereits g c st e r n geschlossen worden war.—, Die zweite„Gesctzeserläuteruug" des Senats. I. Die Eisenbahner. Nach den Angaben des letzten offiziellen Berichts der PensionSkasscn der Eisenbahner(1. Januar 1992) gab es 273 069 vollberechtigte Mitglieder des Eiscnbahnpersonals; unter ihnen Weichensteller über 23 609, Wagenbesichtigcr 14 600, Wege- und Brückenmeister zirka 4900, Geleile- und Brllckenlvächter, Bor- arbeiter usw. ungefähr S2 000. Lokomotivführer und deren Gc- hülfen usw. 24 590, Schaffner und anderes Zugpersonal 30900. Diese und die ihnen nahestehenden Kategorien bilden zusammen zirka 179 909, d. h. 60 Prozent deS Eisenbahnpersonals. Und diese 170 000 Wähler sind durch die zweite„GcseyeSerläuterung" des Senats vom 6. November mit einem Federstrich ihres Wahlrechts beraubt I(„Towarisch", 8. November.) II. Die dienstfreie Wohnung. Die„unteren Bediensteten" lWächter, Boten. Portiers, Hausaufseher, Botenkutscher, Heizer, Lampen- Putzer usw.), welche dienstfreie Wohnung haben, sind durch die „Gesetzeserläuterung" vom 6. November deS Wahlrechts als Wohnungsmieter verlustig gegangen. In St. Petersburg allein gibt es zirka 10 999 Wähler dieser Kategorien. Bei den ersten Duma- wählen stimmten sie für die Kadetten. Jetzt hätten sie vielleicht für mehr links stehende Kandidaten gestimmt. Ihr Recht ist ihnen entzogen worden.(„Nowyj Puti", 8. Nov.) III. Die Bäcker. Durch die„Gesetzeserläuterung" vom 6. No- vember sind die Bäcker des Wahlrechts beraubt worden, da sie ja von den Arbeitgebern Logis bekommen. In der Arbeiterkurie dürfen sie auch nicht wählen, Werl sie den Fabrikinspektoren unterworfen sind. l„Oko", 8. Nov.) Städtische Behörden und Wahlkampagne. Der Rat deS Verbandes der Kontoristen und Buchhalter hat folgenden„offenen Brief" an den Petersburger Bürgermeister ge- richtet: „In Anbetracht, daß die für das Abgeben der Erklärungen über Eintragung in die Wählerlisten angesetzten Stunden die Diasse der Kontoristen, welche Wohnungsmieter sind, der Möglichkeit berauben, ihr Wahlrecht auszuüben, fordert das Bureau des Verbandes der Kontoristen und Buchhalter, daß der städtische Ausschuß außer den Vonnittagöstunden für das Abgeben der genannten Erklärungen auch die Abendstunden bestimmen solle, von 7 bis 11 Uhr. Außerdem werden jetzt alle Erklärungen nur in dem Gebäude der Stadtduma entgegengenommen, was solchen Personen, welche an der Peripherie der Stadt wohnen, die Ausübung ihres Wahlrechtes außerordentlich erschwert. Wir fordern, daß nach dem Beispiel des vorigen Jahres besondere Abteilungen zum Entgegennehmen der Er- klärungen über Einwägung in die Wählerlisten auch an der Peripherie der Stadt eingerichtet werden. Die Nichterfüllung dieses unseres völlig gesetzlichen Verlangens wird ein Beweis sein sür das feindliche Berhalten des städttschen Ausschusses gegenüber den Jnter- essen der arbeitenden Bevölkerung der Hauptstadt, indem die von den: städtischen Ausschuß bestimmte Tageszeit die mit vollem Be- lvußtsein vorgenommene Beieitigung eines Teiles der Bevölkerung von der Teilnahme an der Wahlkampagne bedeutet."— Der WahlrechtSraub auf dem Lande. M. I. Tugan-Baranowski weift an einen« Beispiel die Be- deutung der bekannte»„Gesetzcserläuterung" des Senats nach. Im Gouvernement Poltawa bettägt die Zahl der Wahlmänner, welche in der Kurie der Gutsbesitzer sGroß- und Kleinbesitzer) gewählt werden, 199, die der Wahlmänner in der Wolost-Kurie(Bauern- gemeinden) 23, die der Wahlmänner der städtischen Kurie 49. Die Hohe Zahl der Gutsbesitzer- Wahlmänner ist eine Folge davon, daß im Gouvernement Poltawa zahlreiche Ukrainer Kosaken kleine Privatgüter besitze»! sie wurden zu den Gutsbesitzern zugezählt. Bei den Wahlen zur ersten Duma wurde nun in, Gouvernement Poltawa kein einziger Konservativer gewählt I Jetzt aber, nach der„Gesetzes- crläuterung" deö Senats vom 29. Oktober(Punkt 1) sind die Ukrainer Kosaken aus der GutSbesitzerturie ausgeschaltet worden; sie werden in der Kurie der Bauerngemeinde» wählen müssen. Die Zahl der Wahlmänner der drei Kurien ist jedoch un- verändert geblieben I!! Die Gutsbcsitzerkurie wird jetzt also ganz allein in den Händen der Gutsherren sein, sie wird aber genau so lvie früher 109 Wahlmänner abgeben, die über den Ausgang der Wahlen des Gouvernements zu entscheiden und 12 Dumaabgeordnete zu wählen haben werden. So ist hier auf dem Wege einer„Gesetzeserläuterung" eine vollständige politische Umwälzung erzielt worden I („Rußlffa Wedomosti", 4. Nopeniber.) Der Petersburger Dcpntiertenrat. XIX. Nikolaus Awksentjeff in Pensa geboren im Jahre 1878. Nach Absolvierung deS Gymnasiums in Pensa immatrikulierte er sich an der nalunvisicnschaft- lichen Abteilung der mathematisch-historischen Fakultät der Moskauer Universität. Im Februar 1899 sanden in ganz Rußland Studenten- unruhen statt. Als Vorsitzender des Exekutivkomitees der War- schauer Studentenschaft wurden Awksentjeff zur Strafe die Türen aller russischen Universitäten für immer geschlossen und der Aufenthalt in den Universitätsstädten für zwei Jahre ver- boten! Im Herbst 1899 ging Awksentjeff nach Deutschland. Das akademische Jahr 1899/1900 studierte er in Berlin. 1909/1901 ver- brachte er in Leipzig, wo er eine Arbeit über die ökonomische Lage Rußlands machte. In diescin Jahre schloß er die Bekanntschaft mit einigen Führern der russischen sozialistischen Parteien, hauptsächlich der Partei der Sozialisten-Revolutionäre. Im Jahre 1902 wurde er an der russischen Grenze als Mitglied der fozialrevolutionären Partei arretiert und nach Petersburg gebracht, nach zwei Monaten aber aus Mangel an Bcrdachtsgründen entlassen. Im Jahre 1904 erhielt er in Halle den Doktorhut, seine Dissertation hat den Titel:„Das knltm-ethische Ideal Nietzsches." Anfangs>90ö kehrte er nach Petersburg zurück und trat in die Reihen der Partei der Sozialisten- Revolutionäre ein. Am 3. Dezember wurde er als Mitglied des Arbeiterdeputiertenrates arretiert. Awksentjeff ist ein brillanter Redner: er wird in Petersburg„der russische Jaurss" genannt.--- (Gestern mußte es nicht„Remtzer" heißen, sondern N e in tz e w) politische Qcbcrficht. Berlin, den 14. November. Schwarze VolkSbeschtvindler. DaS in allen Sprachen des politischen JesuitismuS gewandte Zentrum redet zur Zeit gleichzeitig arbeiterfreundlich und stock- agrarisch. Wie die ultramontane Doppelzüngigkeit, es fertig bringt, vor den Arbeitern schön zu tun, ohne den ausgesprochenen Arbeiter- feinden ein böses Wörtchcn zu sagen, davon gibt die„Kölnische VollSzcitung" nette Pröbchen. Diese Pirtuosin in Arbeiter- übertölpelimg macht eS wieder genau so wie„ach dem vorjährigen Bcrgarbciterstreik. Hock und teuer versickerte sie damals, das Zentrum werde die von der Regierung eingebrachte Novelle zum Berggesetz nicht um ein Jota verschlechtern lassen. Mit dieser Ver- sichcrimg wurden die Arbeiter hingehalten, bis das Zentrum hinter den Kulissen mit den Konservaliven ein Abkommen getroffen hatte, das den Bergleuten eine„Reform" gab, von der die christliche Gewerkvereinsprcsse erklärte, sie gebe den Arbeitern„Steine st a t t Brot!" lind die ZentrumSpreffe? Mit heuchlerisch unschuldsvoller Miene erklärte sie, es sei nicht mehr zu erlangen gewesen, als„praktische Politiker" hätte man sich mit dein, was zu erreichen gewesen sei, begnügen müssen, sonst hätten die Arbeiter überhaupt nichts bekommcii. So schwindelte man, obwohl ohne Hülfe des Zcutrums die verschandelte Novelle nickt Gesetz werden konnte und dann die Vorlage eines Reichsberg- gesetzeö zwingend notwendig wurde. Aber gerade weil man das verhindern wollte, um von der feierlich gegebene» Zusage, daß, wenn man den Arbeitern nickt genügend eiitgegenlomme, das Zentrum selbst den E n t>v u r f zu einem Reichsberggesetz vorlegen werde, sich h i n t e r l i st i g e r Iv e i f e zu entbinden, gab die Demagogenpartei den Arbeitern Steine statt Brot! Natürlich suchte man die Arbeiter über die tatsächlichen Vor- gänge zu täuschen, was lag näher, als— die Sozialdemokratie zu verleumden. Schließlich sollte diese noch verantwortlich sein für die Steine statt Brot gebende Reform, obwohl kein einziger Sozial- demokrat im Landtage sitzt! In einer ultramontancn Wählerversammlung erklärte der Hauptmatador in der M.-Gladbacher Jesuitenschule, Herr Vikar Dr. Brauns, gottesfürchtig und dreist die Behauptung, das Zentrum habe erst durch ein Kompromiß mit den Konservativen die Annahme der kläglichen Novelle ermöglicht, für— unwahr. Als dem Gottesmann dann aber auf der Stelle nachgewiesen wurde, daß seine Behauptung mit der Wahrheit auf Kriegsfuß stehe, erklärte der biedere Herr, ohne zu erröten, mit sanft lächelndem Munde: ein Kompromiß sei ja wohl zustande gekommen, aber das Zentrum habe eS nicht— angeboten! Während der Zollwucherkämpfe hat die klerikale Demagogen- Partei eine staunenswerte, der besten Sache würdige Summe von Fleiß und Argumenten aufgeboten,»m die Zoll Wucherei z u rechtfertigen, die den Zolltarif bekämpfende Sozialdemokratie als den Abgrund verabscheuungswürdiger Bosheit, Niedertracht, Ver- logenheit und Vollsfeindschaft hinzustellen. WaS die Sozialdemokratie von den das Volk belastenden, die Lebensmittel verteuernden Folgen des zentrüniisch-agrarischcn ZolltarifeS sagte, wurde natürlich als bewußter Schwindel, als das Produkt tückischen Hasses gegen den kleineir Bauer und den Landarbeiter charalterisiert. Und um ganz sicher zu gehen in der Uebertölpelung katholischer Arbeiter. scheute man sich nicht einmal vor Mißbrauch der Religion im Dienste der Brotwucherei. Dem katholischen Arbeiter wurde die Meinung eingeflößt, er habe aus religiöser Pflicht der Zollwuckerpolitik zuzustimnien. Und von den im Volksverein für das latholische Deutschland zusammenfließenden Arbeitergroschen wurden Berge bedruckten Papiers bezahlt, die neben der Verleumdung der Sozial- demokratie dem Zwecke dienten, die katholischen Arbeiter fiir die Zentrumspolitik duldsam zu machen! So verhöhnte man die Arbeiter und ließ sie selbst die Mittel zu ihrem.Betrüge bezahlen. Und so koin das Werk zustande, das dem Volke den Brot- und Fleischkorb höher hänge» sollte, und das schneller und drückender, als selbst die pessimistischesten Schwarzseher voraussagten, die Lebenshaltung des arbeitenden Volkes verschlechtert hat. Jetzt, iy der Periode glänzendster Wirtschaftslage, jetzt, wo an die Arbeitskraft nie gekannte Anforderungen gestellt werden, jetzt, wo eine Verbesserung der Lebenshaltung unbedingt notwendig wäre, jetzt muß der Arbeiter, dank der durch die Zentrums- agrarischen. Zoll- und Grenzsperrpolitik in die Höhe getriebenen Lebensmittelpreise seinen Fleischkonsum einschränken. Dabei befinden wir uns erst iin Anfang der Wirkung der neuen Handelsverträge, und nickt lange mehr wird es vielleicht dauern, so tritt zu der unerhörten Lebensmittelverteuerung eine Wirtschaftskrise mit ihren Schrecken der Lohnreduktionen und Arbeitslosigkeit. Das Volk kommt zur Besinnung: Selbst die Einfältigsten be- ginnen zu ahnen, daß sie in schamloser Weise belogen und betrogen ivorden sind. Im ganzen Lande regt sich der Geist der Unzufrieden- heit. Auch in einzelnen Kreisen katholischer Arbeiter bricht sich ge- ivaltsam die Erkenntnis Bahn, daß gerade das Zentrum in erster Linie sür des Volkes Not und Oual verantwortlich ist, daß man dieser Partei die zum Himmel schreiende Wucherpolitil zu verdanken habe. Wohl in der Erwartung, das sich fälschlich als volksfreundlich bezeichnende Zentrum veranlassen zu können, nunmehr energisch die Interessen des arbeitenden Volles wahrzunehmen, flüchten katholische Arbeiter in die Oeffentlichleit. offen klagen sie die Partei an, schuld zu sein an der Heimsuchung der Armen und Bedrückten. Und was tut das Zentrum? Bekennt es sich reumütig zu der himmelschreienden Sünde der Brotwucherei, verspricht eS Abhülfe und trifft es Maßnamen dazu? Das fällt ihm gar nicht ein, es sinnt nur aus neue Mittel des BolksbetrugrS. Natürlich, die ungeheuerliche Verteuerung der Lebensmittel kann man nicht leugnen; im Gegenteil, die ZentrumSpreffe stimmt Klagelieder an über die unerschwinglichen Preise, mit Nücksickt hierauf werden die Lohn- forderungcn der Arbeiter als berechtigt anerkannt und verteidigt. und die Häuptlinge de« M.-Gladbacker Jesuitengymnasiums ziehen in die Versammlungen, geißeln die Ledensmittelverttuerung und malen in düsteren Farben die Lage des arbeitenden Voltes. Aber, und da zeigt sich wieder glänzend die Skrupellosigkeit ulttamontaner Demagogie, man macht für des Volkes Leiden nicht die Zentrums- agrarische Zollpolitik verantwortlich, man hetzt lediglich gegen die Regierung, die doch nur daö gefügixe Werk- zeug der zollwucherischen Freibeuter war l Die katholischen Ar- bester müßten der Regierung ihre Unzufriedenheit energisch zum Ausdruck bringen, so erklärten Anwälte der Brotwucherpartei I Und die ultra», ontane Presse bringt solche Stimmen in die Oeffentlichleit. im politischen Teil klagt und jammert sie über die hohen Preise. entrüstet sie sich über die hartherzigen Unternehmer, die trotz der Verteuerung der Lebenshaltung Lohnerhöhungen ablehnen— und im Handelsteil beweist sie durch agrarisch frisierte Nachweise und Tabellen, daß ein« Grenzösfnung für Vieh- und Fleisch- einfuhr zwecklos sei. So briiigt eS die ultramontane Demagogie fertig, arbeiter- »dlich zu scheinen und doch die arbeltersriudliche Letcusmittel- vcrteuerungspolitik zu unterstützen!— Dcutlches Reicft« Die Protestbewegung gegen den Lebcnsmittelwuche». Aus allen Teilen des Reichs koinmcn die Meldungen von großen, überfüllten Massenversammlungen. Der imposanlte Protest Kroß' Berlins wird ergänzt durch den nicht minder imposanten Sturm in den Provinzen. Hamburg hatte am Montag 28 große Versammlungen, die sämtlich überfüllt waren. Am N i e d c r r h e i n fanden am Sonntag und Montag Ver- samnilungen statt in Elberfeld-Barmen(5), Hagen- Schwelm(9). M.- Gladbach(3), Duisburg(1). Krefeld(1). In den nächsten Tagen finden weitere Ver- sammlungen statt. Die bisherigen Versammlungen waren sämtlich außerordentlich zahlreich besucht. Dem Zentrum, wird uns aus Elberfeld geschrieben, wird es angesichts der sortdauernden Fleisch- not schwül zumute; die Gladbacher Zeitungsartikelfabrik produziert das tollste Zeug,»im die Schuld voi, dem Zentrum abzulenken. Es wird aber nicht mehr zu leicht gelingen, wie das Verhalten der Zentrumsanhänger, die in uiiscre Versammlungen kommen, beweist. Iin Saalekreisc sprach am Sonnabend und Sonntag Genosse ReichStagsabgeordneter Kunert in drei überfüllten Ver- saminlungen, in der viertel, der Genosse T a b e r t. Vordem sprachen in Ha lle und Gieb ich enstein in zwei großen Ver- sammlungen Ströbel-Bcrlin und Kunert.> Aus dem westlichen Westfalen wird uns berichtet: Hier hat die Protestbewegung wegen der Lohnbewegung der Berg- arbeiter und den stattfindenden Gemeindevertteterwahlcn vorerst nur in beschränktem Maße einsetzen können. In allen Ortschaften unseres Bezirks fanden innerhalb der letzten Wochen und Tage Massenversammlungen der Bergarbeiter statt, so daß es zeitlich und räumlich untunlich erschien eine größere Zahl von Protestversamm- lungen— innerhalb weniger Tagen— abzuhalten. Dennoch hat bereits eine Anzahl getagt und iimerhalb der nächsten Tage wird noch eine größere Anzahl stattfinden. Bis jetzt haben Versammlungen stattgefunden: im Wahlkreise Rccklinghausen- Borken in Bocholt und Recklinghausen, im Wahlkreise Bochmu in Hattingen und Bochum, im Wahlkreise Dortmund- Hörde in Hörde(700 Besucher), Dortmund(1200), Lütgen- dortmun d(1100), Kuke 1(400), Hombruch(ööO), Annen (600), Schwerte(300), Sodingen(100); in diesem Wahllrcise noch folgende: Höchsten(1000), Sölderholz(400), Lünen (150), Dernehofstede(300), Wikede(150). Brackel(600), im Wahlkreise Hamm-Socst in K a m e n(400) und Unna(450). In allen Versammlungen wurde die bekannte Resolution ein- stimmig angenommen. Am Sonntag wurden im Agitationsbezirk 150 000 Flugblätter gegen den Fleisch- und Zollwucher verbreitet. Große Versammlungen werden uns ferner gemeldet aus Würzburg, aus Ueberlingen, Möhringen, Eupen und BolkertShausen in Baden, aus Königsberg, aus G l e i w i tz und Zabrze in Oberschlcsien, aus Neustadt in Holstein, aus B u r g a. Fehmarn, auS T h o r n und aus Hoch- Heide(Riederrhem).—_ Im Interesse der Landwirtschast. Im„Tag" teilt Döbrich(Kiel), der zum Zwecke der Unicr- suchung der angeblichen Gefahren einer Seucheneinschleppung aus den Niederlanden, eine Studienreise nach Holland unternommen hat, die gewonnenen Erfahrungen mit. Er hat gefunden, daß in Holland speziell Rindfleisch bedeutend billiger ist als in Deutschland. Aiff den Weiden Nordhollands kamen ihm wahre Prachtexemplare holländischer Rinder zu Gesicht. Er bemerkt u. a.: „Die Preise, die verlangt werden, sind fiir den deutschen Viehzüchter interessant! halbjährige Bullen kosten 100 Gulden, einjährige Bullen 150 Gulden, sprungsähige Stiere aus de», Stammregister 200 Gulden, gute Milchkühe 250 Gulden. Die deutschen Landwirte, die durch die Grenzsperre ge- zwungen sind. Tiere holländischer Rasse in Deutschland anzukaufen, müssen diese also viel teurer bezahlen als in den Niederlanden Originalholländer. Demnach liegt die Grenzsperre für Zuchtvieh nicht einmal im Interesse vieler deutscher Viehzüchter." Weiter führt er aus, daß ihm dort von erfahrener Seite mit- geteilt worden sei. Deutschland könne niemals gleichwertige Tiere selbst züchten. Gegen Entartung könne nur Blutauffrischung mit Originalholländern schützen, und es sei deshalb ein großer Fehler der deutschen Regierung gewesen, die Einfuhr von Zuchtvieh zu verbieten. Die Seuchenbekämpfung liege neun Dfftriktöärzten ob; die Schlachthofärzte und die praktischen Tierärzte seien Stellvertreter der Distriktsärzte und diese seien dem Ministerium für Landbau unter- stellt. Die Regierung lasse sich die Bekämpfimg der Seuchen sehr angelegen sein. Ganz getilgt seien Maul-, Klauen- und Lungens euch«, Milzbrand komme nur ganz vereinzelt vor. auch die Schweineseuchen seien weniger verbreite t alö in Deutschland. Die Auioritäten de Bruin und der Professor der Hygiene in Utrecht hielten eine Verseuchung Deutschlands bei Oeffnung der Grenzen für ausgeschlossen.— Gemeindevertretung und die Fleischnot. Aus Veranlassung der Stadtverordnetenversammlung zu Frankfurt a. M. richtete der dorttge Magisttat eine Denstckrist an den Reichskanzler, worin er ersucht wird, dasür Sorge zu tragen, daß wenigstens vorübergehend die Grenzen geöffnet werden. In dieser Denkschrift wird mitgeteilt. daß die Schweinefleischpreise seit August 1905 von 80 Pf. aus 1,10 M., also um 37,5 Proz. gestiegen sind. Das Ocksenfleisch kostete von 1895—1904 76,2 Pf., heute 95 Pf. Kuh- und Rindfleisch ist seit 1902 von 70 Pf. ans 80 Pf. gestiegen. Kalb- und Hammelfleisch stieg um 25 Pro z. Diese Preiolteigerung äußerte sich in einem rapiden Rückgang de« Fleischkonsums. Er sank von 1994 bis 1905 pro Kops der Bevölkerung von 137,70 Pfund auf 127,49 Pfund. Der Rat von Dresden beschloß, bei der sächsischen Regierung vorstellig zu tverden, daß sie auf den Bundesrat wegen Maß- nahmen„zur Linderung der Fleischnot" einwirken möge. Der Stadtrat von Solingen beschloß, beim Reichskanzler vorstellig zu tverden wegen der Fleischteuernng und besonders wegen Oeffnung der Grenzen für lebendes Vieh.— Die städtischen Schlachthausdircktoren und die Fleischnot. Kiel, 13. November.(Eig. Ber.) In der heutigen Sitzung der städtischen Kollegien machte der Oberbürgermeister Fuß. der der am 5. d. M. in Berlin abgehaltenen Sitzung deö Borstandes des deutschen Städtctages beigewohnt hatte. Mitteilung über die dort beschlossene Petition gegen die Fleischnot, die dem Reichstage und dem Reichs- kanzler überreicht werden soll. In der Eingabe sollen besonders die Verhältnisse in den Grenzländern hervorgehoben werden. Im An- schluß an die Sitzung deS Vorstandes sei eine Konferenz der Direktoren mehrerer größerer deutscher Schlacht- und Viehhöfe nach Dresden berufen worden, um dem Referenten des Vorstandes. Oberbürgermeister Beutler daselbst, gutachtlich zur Seite zu stehen. Auch der Direktor des Kieler Schlacht- und Viehhofes habe an dieser Konferenz am 9. d. M. teilgenommen. Ans den einmütigen Beschlüssen der Konferenz verdient hervorgehoben zu werden, daß insbesondere folgende Er» leichter»„gen der Vieh- und Fleischeinfuhr aus dein Auslände als Veterinär- und sanitätspolizeilich un« bedenklich bezeichnet worden sind: 1: Der Wegfall der Tilberüilinprobe und der Quarantäne gegenüber den aus Dänemarl eingeführten Schlachtrindern, 2. die Aufhebung des Einfuhrverbotes für Schlachtschweine dänischen Ursprungs, 3. die Einsuhr cftler Arten von Schlachtvieh aus den Nieder- landen, Dänemark, Schweden, Norwegen. Frankreich und Belgien unter den für Rinder und Schafe aus Oesterreich-Ungam gelten- den Einschränkungen, 8. die Einfuhr von frischem Fleisch ohne die zugehörigen Ein- gcweide, wenn die Schlachtvieh- und Fleischbeschan an dem aus- landischen Schlachtorte durch amtlich verpflichtete deutsche Tier- ärzte nach den Bestimmungen des Deutschen Reiches ausgeführt und das Fleisch für tauglich befunden und als solches kenntlich gemacht ist. Die übrigen Nummern behandeln vorwiegend Erleichterungen der Einfuhr aus Oestcrreich-Ungarn und Rußland.— In der Debatte, die sich an die Ausführungen des Oberbürger- Meistersanschloß, wurde vom Genossen Adler, der der Schlachthof- kommission angehört, mitgeteilt, daß in Kiel der Fleischkonsum im letzten GIschäftsjahre um zehn Pflmd pro Kopf der Bevölkerung zurückgegangen sei. Die Zahl der Schlachtungen war um 3900 ge- ringer als im Vorjahre, und die Leitung des Schlacht- und Viehhofes sehe unter diesen Umständen nicht ab. wie sich die Anstalt fürderhin finanziell halten könne. Mit diesen tatsächlichen Feststellungen vergleiche man nachstehenden Paflus einer Resolution der schleswig-holsteinischen Landwirtschafts- kammer, die soeben in Nr. 45 des amtlichen Organs der Kammer. dem �Landwirtschaftlichen Wochenblatt für Schleswig-Holstein", unter der höhnischen Ueberschrift:„Die angebliche Fleischnot" veröffentlicht wird. Nachdem die ältesten Ladenhüter der agrarischen Wucherersippe mit breitestem Behagen vorgebracht und höchstens d i e originale Behauptung riskiert worden, daß„jede Abschwächung des bestehenden Grenzschutzes dauernde Schädigungen... auch der Konsumenten mit sich bringen würde, heißt eö: „Schleswig-Holstein produziert einen sehr großen Ueberschuß an Rindvieh und' Schweinen über den eigenen Konsumtionsbedarf hinaus und hat sich zu einer Speisekammer mancher anderer, mit Produktionsdefizit arbeitenden deutschen Landesteile herausgebildet. Es toürde volksivittschaftlich ungerecht sein, wenn nun gerade unsere Ueberschüsse produzierende Provinz durch die Hineinlassung aus- ländischer Produkte gestraft werden sollte." Daß im Zentrum dieser„Speisekammer" Zustände herrschen, wie sie heute in der Sitzung der Kieler städtischen Kollegien unter einhelliger Zustimmung sämtlicher Mitglieder, auch des konservativen Magistrats konstatiert worden sind, ist die ernüchterndste Verurteilung des Fleischwuchers, die sich denken läßt.— Landwirtschaftskammer-Kniffe. Mit schmunzelndem Behagen berichteten vor einigen Tagen die agrarischen Blätter, die Landivirtschaftskammer von Hannover habe auf Grund der amtlichen Notierungen am Schlachthof zu Hannover „ s e st g e st e l l t", daß der„Auftrieb beträchtlich zu- genommen und die Preise in erheblichem Maße gesunken sin d." Mit diesen zahlenmäßigen Feststellungen hat sich die Landivirtschaftskammer erneut an die Regierung ge- wandt, und die„b e st i m m t e Hoffnung" ausgesprochen. eS werde die Regierung deshalb dem„Drängen auf Oeffnung der Grenzen keine Folge geben". Die Feststellungen der Landwirtschaftskammer sind aber so tendenziös fabriziert, daß man von Roßtäuscherkunststückchen reden kann. Sie beweisen nichts weiter, als daß im Monat September und Oktober 1306 der Auftrieb an Schweinen größer gewesen ist als im Vorjahre. Ans die Preisvergleichung für diese beiden Monate gehen sie aber nicht ein. Die agrarischen Darlegungen erhalten nun einen gewaltigen Stoß durch die Veröffentlichungen der Schlachthofdirektion, die den JahreSbetrag des Auftriebs und der Schlachtungen für die Zeit vom 1. November bis 31. Oktober enthalten. Daraus ergibt sich in bezug auf die Schweine folgendes: Auftrieb Schlachtungen 1903—1904... 89 430 79 815 1904—1905,,. 87186 78342 1905—1906...«133» 72 351 DaS Jahr vom 1. November 1903 bis 1. November 1904 kann als normal gelten und da ergibt sich, daß in Hannover im Jahre 1906 rund 8000 Schweine und 7500 Schlachtungen iveniger zu verzeichnen sind. Gegen 1905 ist ein Rückgang von 5991 Schlachtungen dargelegt. Ganz richtig bemerkt dazu der amtliche Schlachthofsbericht, die Täuschungen der Landwirtschaftskammer zurückweisend, das folgende: „Eigentlich hätte eine Zunahme entsprechend dem Bevölkerungs- zuwachs eintreten müssen. Wenn also von anderer Seite keine Deckung erfolgt ist, dann kann man nur annehmen, daß der Fleischkonsum infolge der hohen Preise m i n d e st e n s um die obige Differenz eingeschränkt worden ist und somit bedeutet diese ein erhebliches Manko in der Ernährung." Die Preise betrugen im November 1904 56—58 M. pro Zentner Schlachtgewicht, seitdem sind sie unaufhörlich gestiegen, bis sie im November 1905 einen Stand von 72—78 M. erreichten. Im Dezember 1905 fielen die Preise auf 75 M., sie stiegen aber im Januar 1906 auf 79 M., im Februar und März auf 80 M. Im Mai trat ein Rückschlag ein auf 61—67 M.. aber vom Juni ab stieg der Preis wieder unaufhörlich bis auf 78 M. und er ist trotz des von der Landwirtschaftskammer hervorgehobenen vermehrten Auftriebes nicht gefallen! Aehnlich verhält es sich mit anderem Schlachtvieh. Bis 1. No- vember 1906 waren im letzten Jahre 18 716, das Jahr vordem 19 054 Ochsen aufgetrieben. Der Preis war 1. November 1904: 66—72 Mark, 1905 70-73 Mark. 1906 aber 76-82 Mark. Bei Kälbern betragen die betreffenden AuftriebSzahlen 1905: 17 529, 1906: 17 138. Die Preise betrugen im November 1904«2—87 Mark, 1906 aber 103!! Mark I Schafe kosteten 1904 63-70 Mark. 1906 dagegen 80—87 Mark!, im August dieses Jahres gar 85—90 Mark pro Zentner Schlachtgewicht. Gegen solche Zahlen stellen sich die Agrarier natürlich taub. Sie wissen, was ihnen dieser Fleischwucher einbringt. In den letzten Tagen ist weiter von den hohen Einnahmen der Viehkommissionäre gesprochen. So berechtigt der Kampf gegen diese überflüssigen Goldschlucker ist. so falsch ist auch die Behauptung, daß durch sie die Fleischteuerung hervorgebracht ist. denn diese„Wucherer" waren auch bei billigen Fleischpreisen da. Bon den wucherischen Ein- nahmen der Agrarier spricht man nicht, besonders will man jedenfalls nicht daran erinnert sein, daß schon in diesem Frühjahre ein wölfischer Rittergutsbesitzer den Gewinn der hannoversche» Landwirtschaft aus der Viehteuerung auf 45 Mill. Mark jährlich bezifferte! Um aber diese Betrachtungen lückenlos zu machen, sei noch die Tatsache erwähnt, daß die Statistik für die Zeit vom 1. November 1904—1905 mifweist, daß 1494 Pferde auf dem hannoverschen Schlachthos geschlachtet sind. 1905/06 aber ist die Zahl gestiegen auf 1668 Stück! Will die hannoversche Landwirtschaftskammer etwa auch diesen„vermehrten Auftrieb" zum Beweis ftir ihre frivole Behauptung anführen,„daß die Bestrebungen zur Oeffnung der Grenzen noch nie so sehr der inneren Berechligung entbehrt haben, als es gerade jetzt der Fall ist"'i Er beweist gerade das Gegenteil und zwar»mft allem Rechte".-»- Goldene Jugend! Jena, 13. November. Die Universitätsstadt Jena ist von altersher lvegen ihrer „akademischen Freiheit" berühmt. Den Begriff dieser Freiheit legen sich aber die Musensöhne in der ihrem Bildungsgrade entsprechenden eigenen Weise zurecht. Die Gesetze der öffentlichen Ordnung und Sicherheit sind ihnen höchst schnuppe. Der gewöhnliche Mann geht den buntbemützten Söhnen der Alma mater wegen ihrer gewalttätigen Manieren schon am hellen Tage mit großer Vorsicht aus dem Wege, obwohl er sie dann, wenn auch nicht immer, nüchtern antrifft. Wehe aber dem friedlichen Nächsten, wenn er die Pfade einer solchen Rotte kreuzt, nachdem sie von einem ihrer gewöhnlicheit Saufgelage kommt. Er mag nur seine Knochen zusammen nehmen, wenn er sie nicht ver- lieren will. Wie es da zuweilen zugeht, ersieht man aus zwei Notizen, die das„Jenaer Volksblatt" in seiner heutigen Ausgabe im lokalen Teile bringt: — Polizeilich wird mitgeteilt: In der Nacht vom 10. zum 11. d. M. gegen 1 Uhr wurde von Angehörigen des Korps„Guestphalia" auf dem Johannisplatz durch Schlagen an Rollläden und lautes Schreien erheblicher Lärm verursacht. Als ein harmlos des Weges daher- kommender Radfahrer an den Studenten vorüberfuhr, sprangen ver- schiedene der Herrschaften hinter ihm her und schlugen mit Spazierstöcken auf ihn ein. Durch schnelles Fahren rettete sich der Mann. Ein Schutzmann, der nunmeyr die Namen der Täter feststellen wollte. wurde angeschrieen, gestoßen und ebenfalls mit Stöcken auf den Helm geschlagen. Die Polizei hat ein Interesse daran, den Namen des Radfahrers zu wissen. Seine Meldung im Polizeiamt ist er- wünscht. — Ein Polizeiaufgebot von etwa zehn Schutzleuten war heute vormittag auf dem Marktplatze tätig, um Angehörigen der Studenten- Verbindung„Germania", die stundenlang einen Höllenlärm ver- übten, auseinanderzusetzen, daß akademische Bürger neben weit- gehenden Rechten auch einige Pflichten haben. Dies den künftigen Stützen von Sitte und Ordnung beizubringen, ivar natürlich keine leichte Arbeit und der Ton, den die Studios den Beamten gegen- über anschlugen, war nichts weniger als respektvoll. Man beachte, daß die erste Notiz direkt den Polizeistempel trägt. derselben Polizei, die den Studenten gegenüber mit unsäglicher Milde gewappnet ist. Welche Summe schwerer Delikte würde wohl ein findiger Staatsanwalt aus dem Vorgange heraus- destillieren, wenn als Täler nicht Studenten, sondern gewöhnliche Arbeiter in Frage kämen! Ein paar Monate Gefängnis lvären jedem einzelnen von ihnen sicher. Ob bei den Herren Studenten die Strafverfolgung aber überhaupt zu einer Gerichtsverhandlung führt, wagen wir vorläufig noch nicht zu bejahen. Es wäre ja schade um ihre Karriere! Die Blätter aber, die mit Borliebe über die„Ver- rohung" der Arbeiter zetern, mögen sich einmal diese Exzesse der goldenen Jugend zur Notiz nehmen.— Herr Erzbrrger„erklärt". In der„Germania" erklärt Herr Erzberger: Aus meine Darstellung der Beschlagnahme meine? Materials über die Kolonialmißstände hat die„Süddeutsche ReichZkorrespondenz" erwidert; in verschiedenen Blättern wird diese Antwort als eine „halbamtliche AnSlassung" bezeichnet. Vorerst kann ich dieses nicht glauben, sondern werde abwarten, was im Reichstage hierüber erklärt wird. Nur gegen zwei Sätze muß ich aber jetzt schon Einspruch erheben; einmal heißt es in dieser Auslassung:„Es befinden sich darunter(unter dem beschlagnahmten Material) bekanntlich Dinge, die— wir ivählen absichtlich recht milde Ausdrücke— von mißvergnügten Beamten in unstatthafter Weise den Akten einer Behörde entnommen worden sind." Diese Behauptung ist u n- wahr; was an beschlagnahmtem Material gefunden wurde, sind Aufzeichnungen über persönliche Erlebnisse, Eingaben an den Reichskanzler und Erklärungen zu diesen Eingaben. Nur einmal erhielt ich amtliche Akten- stücke, die ein Beamrer zur Verwischung seiner schweren Verfehlungen beseitigt hatte; diese habe ich sofort Exzellenz Der» bürg übergeben, der mir schleu- nigste Untersuchung und Bestrafung zusagte. Was die „Südd. Reichskorresp." als„bekanntlich" hinstellt, ist somit unwahr. Der weiteren Behauptung, es könne der von mir aus verschiedenen Ursachen gewünschten Untersuchungskommission des Reichstages nicht gleichgültig sein, durch welche Vorgänge ich mein Material erhalten habe, stimme ich gerne zu, nur wird hierbei nicht der geringste Schatten auf mich fallen, sondern auf andere, auch nicht auf die sogenannten„malkontenten Beamten", sondern höher hinauf! Was mir an amtlichem Material bekannt geworden ist, steht im Zusammenhange mit den vielen erfolglosen Eingaben an das Staatssckrctariat des AuS- wärtigcn Amtes, an den Reichskanzler und an das Zivil- kabinrtt. Erst als von keiner dieser Behörden gegen He schweren M i ß st ä n d e vorgegangen worden ist, habe ich den Kampf im Parlament eröffnet und auch da erst, nachdem ich mit dem Chef der Reichskanzlei und einer meiner politischen Freunde mit dem Kolonialdirektor a. D. Erbprinz Hohenlohe vergebens über eine Beseitigung der Mißstände auf andere Weise verhandelt hatten. Mir ist es also im höchsten Grade erwünscht, wenn über alle Vorgänge volles Licht kommt; anderc kommen nur tiefer in die Tinte." Was Herr Erzberger hier„auspackt", ist ja sehr nett. Sehr hübsch ist es auch, daß er gern„volles Licht" über die Bor- gänge verbreitet sähe. Nur fürchten wir, daß ihm die Zentrums- frattion trotz oder gerade wegen seiner Drohung, daß durch dieses „volle Licht"„andere nur tiefer in die Tinte kämen". den Maulkorb umlegen wird I— Missionare als Märtyrer. Die„Germania" verwahrt sich energisch dagegen, daß die Missionare gewissermaßen als eine„koloniale Oberregierung" zu betrachten seien, was ihnen von einem Teil der Kolonialpresse nach- gesagt werde. Die Missionare seien im Gegenteil die Märtyrer ihrer aufopfernden beruflichen Tätigkeit. So hätten sie in Südwest- afrika die Hülse von Reichstagsabgeordneten anrufen müssen, um nur die gesetzlich gewährleistete Freiheit der Rcligionsübung zu erhalten. In einer anderen deutschen Kolonie sei eine ganze Missions st ation verhaftet worden, ja man habe die Patres ohne jeden nur einigermaßen berechtigenden Grund drei Wochen lang in Haft behalten und gesetzwidrig be- handelt. Es müsse deshalb von dem Reichskanzler erwartet werdcn, daß künstig den Missionen ihr Recht nicht vorenthalten werde. Wir vermögen nicht nachzuprüfen, ob unsere Kolonial- Verwaltung den katholischen Missionaren tatsächlich so übel mit- gespielt hat. Sollte cS aber wirklich der Fall sein, so ließe diese Behandlung der Missionare, hinter denen doch die regierende ZentrumSpartci steht, einen Schluß zu auf die Behandlung, die in unseren Kolonien den absolut schutzlosen Ein- geborenen zuteil loird! Wie man mit den Eingeborenen um- springt, beweist übrigens auch eine Stelle des Artikels der „Germania". Es wird da an einen Befehl an die Mädchen von A t a k b a m e erinnert, denen von den Kolonialbeamtcn unter Androhung von 20 Mark Geld st rase befohlen worden sei, nächtliche Tänze aufzuführen, das heißt, sich zum Amüsement der Herren Kolonialbeamten gewissermaßen zu prostt- tuieren I Statt daß nun das Zentrum eine solche Kolonialpolitik, die die Eingeborenen vergewaltigt, beraubt und ausrottet, das Reich in unaufhörliche blutige Kriege verwickelt, und den Steuerzahlern unzählige hunderte von Millionen aus der Tasche stiehlt, prinzipiell bekämpfte, erklärt sie sick zur U n t e r st ü tz u n g bereit, lediglich um den Preis, daß künftig auch die katholischen Missionen der Protektion der Kolonialverwaltung teilhaftig werden!— Kuvlanä. Oesterreich. Die Wahlen in Mähren. Am vergangenen Sonntag wählte das mährische Voll zum ersten Male nach dem neuen Wahlgesetz, das für den Landtag eine allgemeine Wählerklasse vorsieht. Soweit die Ergebnisse der Wahlen bis jetzt vorliegen, ist ein bedeutender Erfolg für die Sozialdemokratie festzustellen. Gewaltig ist er namentlich für die tschechische Partei, die an Zahl der Stimmen nur von den Klerikalen übertroffen wird, alle bürgerlichen und radikalen Gruppen aber weit hinter sich läßt. Die tschechischen Genossen haben zwei Mandate er- stritten, eins in Brünn, das andere in Mährisch-Ostrau: in acht Bezirken kommen sie in die Stichwahl, von denen drei für sie sehr günstig stehen. In den 14 tschechischen Wahl- kreisen haben die Sozialdemokraten 68000 Stimmen er- halten. Auch die deutsche Sozialdemokratie hat den Um- ständen entsprechend ein sehr günstiges Resultat erzielt. Von den sechs Mandaten des deutschen Katasters wurde eins er- obert: Genosse Eldersch ist in Mährisch-Schönberg mit großer Mehrheit gewählt, und in Jglau steht Genosse Freund- lich in Stichwahl. Für die deutsche Sozialdemokratie wurden in den sechs Wahlkreisen insgesamt 36 000 Stimmen ab- gegeben._ Wahlreform. Wien, 14. November. Das Abgeordnetenhaus nahm heute in der Spezialdebatte nach Ablehnung sämtlicher Minoritätsanträge die erste Gruppe der Wahlreform an. Diese enthält die Festsetzung der Mandatszahl und die Aufteilung der Mandate in den einzelnen Kronländern gemäß den Ausschußanträgen. Sodann begann die Verhandlung der zweiten Gruppe, welche die Wahlberechtigung und Wählbarkeit festsetzt. In der Debatte über die zweite Gruppe der Bestimmungen be« treffend die Wahlreform traten die Sozialdemokraten und die Tschechisch- Radikalen für das Wahlrecht der Frauen ein, sprachen sich jedoch entschieden gegen die Verlängerung der Seßhaftigkeit auf ein Jahr aus. Die Beratung gedieh bis zum Schluß der Debatte cinschließ- lich der Rede des ersten Generalredners, worauf die Verhandlung abgebrochen wurde. Die nächste Sitzung findet am Freitag statt.— Schweiz. Schaffhauscn, 11. November.(Eig- Ber.) Die Scharfmacher in unserem Kanton haben abermals eine Niederlage erlitten. Hatte vor einiger Zeit die Kantonsregierung es abgelehnt, das von ihr mit heißer Sehnsucht verlangte und erwartete Streilpostenverbot zu erlassen, so hat es nun auch der Kantonsrat mit allen Stimmen gegen die eine des Antragstellers abgelehnt, nach dem schlechten Bei- spiel der Kantone Zürich und Bern ein Antistreikgesetz als Ausnahme- gejetz gegen die Arbeiter zu schaffen. Der Antragsteller war der Gemeindeichreiber Moser in der Arbeitergemcinde Neuhausen am Rheinfall bei Schaffhausen. Ihm traten energisch und mit dem an- geführten Erfolge unsere Genossen entgegen. Frankreich. Maujans Tagesordnung, die nach der Rede des Kultusministers Briand am Dienstag mit 391 gegen 143 Stimmen beschlossen ivnrde, hat folgenden Wortlaut: „Die Kammer billigt die Erklärung der Regierung und hat das Vertrauen, daß sie die Festigkeit besitzt, das Trennungsgesetz in seinem ganzen Umfange ohne jeden Zusatz zur Anwendung zu bringen." Die Mehrheit, die für Annahme der Tagesordnung stimmte, umfaßt die Radikalen, die Sozialistisch-Radikalen und die un- abhängigen Sozialisten, die Mitglieder der demokratischen Linken, der demokratischen und der republikanischen Vereinigung sowie 17 ge- mäßigte Republikaner, achtzehn„geeinigte" Sozialiste» und mehrere Wilde. Die Minderheit besteht aus 27„geeinigten" Sozialisten, 30 gemäßigten Republikanern, zwei Sozialistisch-Radikalen, 69 Kon- servattven und 15 Nationalisten. Der Abstimmung enthielten sich u. a. Jaurss, Pelletan und Ribot.— Afrika. Die Truppe des Polizeiinspcktors White stieß am Montag- abend oierzchn Meilen östlich von Upington auf den Burcnrcbcllcn Ferreira. Nachdem eine halbe Stunde hindurch Schüsse gewechselt waren, zog sich Ferreira in den Busch zurück und White ging nach Upington zurück, da ihm ein Hitzschlag unfähig zur Fortsetzung des Gefechts gemacht hatte.— ES sind jetzt drei Rcbellenscharen unterwegs: die eine, geführt von Ferreira, geht nach dem Hay- Distrikt, die zweite nach Kakamas, und die dritte, von Deutsch- Südwestafrita kommend, hat gerade jetzt die Grenze überschritten. White erholte sich von dem Hitzschlag und verließ Upington mit vierzig Mann von der Polizcitruppc, um der dritten Rebellcnschar den Rückweg nach Dcutsch-Südivestafrika abzuschneiden. Der in Klipdam(Deutsch-Südwcstafrika) kommandierende Offizier hatte dem britischen Lager in Biesjespoort am 6. November mitgeteilt, daß Ferreira in das Gebiet der Kapkolonic eingedrungen iei.— Gewerk IcbaftUchc�. Auch die„Gelben" wollen die Jugend für sich gewinne«. Da die gelbe Garde in der großen Maschinenfabrik Augsburg(-Nürnberg) mit der Terrorisierung der erwachsenen Arbeiter kein allzu großes Glück hatte, machen sie sich nun an die Lehrlinge des Werkes heran. Bei einer mit dein Golde der Fabrik zu veranstaltenden Weihnachtsfeier sollen die jungen Leute nach bekannter Art„freiwillig" für die Gelben gewonnen werden. Die aufgeklärte Arbeiterschaft Augsburgs hat bisher der Jugendorganisation keine Aufmerksamkeit geschenkt. Vielleicht wird sie dieser Schritt der Gelben dazu zwingen. Vorlin unck Umgegend. Zum Streik in den Spezialbetrieben der Berliner Werkzeug- industrie bringt die„Deutsche Arbeitgeber-Zeitung" in ihrer Nr. 45 einen längeren Artikel, in dem sie sich bemüht, nachzuweisen, daß die von feiten der Arbeiter(nicht des Metallarbciterverbandcs, wie sie angibt) gestellten Forderungen durchaus unerfüllbar seien. In dem letzten Absatz behauptet die Zeitung nun. daß der Ver- band die denkbar größte Unkenntnis in dieser Spczialbranchc bewiesen habe usw. Wer. wie Schreiber dieses, selbst Werkzeug- macher ist und die Verhältnisse dieser Branche kennt, der muß lachen über das Geschreibsel der„Arbeitgeber-Zeitung". Die Lohnverhältnisse der übrigen Werkzeugmacher sind so, daß die ge- forderten Löhne tatsächlich die Mindestgrenze darstellen, was ja auch einzelne Arbeitgeber bei den Verhandlungen zugaben. Daß nach Meinung der„Arbeitgeber-Zeitung" die ausgelernt«! Gesellen nicht leistungsfähig sind, ist nicht deren Schuld, denn wenn bei den Betrieben wie z. B. Reis u. Martin mit 57(!), Zander u. Opitz bei 6 Gesellen(unter denen noch mehrere jung ausgekernte) mit 25 Lehrlingen(I) paradieren, so ist erklärlich, daß da von einer Ausbildung nicht gesprochen werden kann. Da die jungen Leute vielfach»ach vierjähriger Lehrzeit gezwungen sind, als Hülfsarbeiter zu gehen oder aber vorziehen, in den Großbetrieben Arbeit zu nehmen, weil sie dort mehr Lohn erhalten, so kann man ßon nicht genügendem Nachwuchs sprechen. Wenn man aber be- hauptet. die Forderungen der Arbeiter seien unerfüllbar, so ist das einfach dadurch widerlegt, daß die maßgebenden Firmen tatsächlich schon höhere Löhne vor Beginn des Streiks zahlten und dabei sehr gut konkurrenzfähig waren, ja. wenn gerade diese Firmen sich ständig erweitern und vergrößern, während umgekehrt die mit den niederen Löhnen sich nur dadurch über Wasser halten können, daß sie zu den schmutzigsten Mitteln im Konkurrenzkampf greifen müssen, so ist hiermit zur Evidenz erwiesen, daß die Forderungen nur gerecht sind. Die Mitglieder der Vereinigung der Berliner Werkzeug- und Maschinenfabrikanten geben an. daß. da sie. selbst wenn nicht gestreikt wird, so wenig verdienen, daß ihnen ein Dauerstreik recht wenig Ueberwindung kostet, sie auch, da die zurück- gewiesenen Aufträge inzwischen nach dem Erzgebirge weitergegeben wurden, kein Interesse an einer Einigung haben. Demgegenüber haben die streikenden Arbeiter sich in einer am Donnerstag, den 8. November, abgehaltenen Versammlung auf den Standpunkt ge- stellt, daß ste eS sich vorher erst noch einmal reiflich überlegen, ob sie überhaupt noch einmal in ein Spezialgeschäft gehen werden. Da es den Arbeitern gleichgültig sein kann, wo sie beschäftigt werden, so sehen sie dem Ausgang des Kampfes mit guter Ruhe netgegen. Ortsverwaltung Berlin des Metallarbeiterverbandes. Ttreikbrechrr-Agcnturen. „Erfahrene Dreher werden gesucht." Maschinenbau- und Reparaturanstalt von Knarr, Klosterstraße. _ Borstehende Annonce, welche vor einigen Tagen in Spandauer Blättern zu finden war, veranlasste mehrere Dreher, sich nach der Maschinenbauanstalt von Knarr in Spandau zu begeben und um Arbeit anzufragen. Daselbst angekommen, wurde ihnen von dem jungen Herrn Knarr der Bescheid, sie sollten zu Siemens u. HalSke fahren. Da die Betreffenden nicht Lust hatten, als Streikbrecher zu arbeiten, so kamen sie dem Verlangen des Herrn Knarr selbswerständlich nicht nach. Aber auch sonst noch bemüht sich Herr Knarr der in Bedrängnis geratenen Firma Siemens u. Halske arbeitswillige Kräfte zuzuführen. Ist da bei der Firma Knarr ein junger 18jähriger Volontär, welcher vom 1. Januar 1996 bis 1. Januar 1997, also ein Jahr lang, sich die Dreherei aneignen soll. Diesen jungen Mann fragte nun Herr Knarr, ob er gedenke, irgendwo schon als Dreher arbeiten zu können; er Würde ihm eine sehr schöne Stelle verschaffen, wo er in diesem Monat wenigstens noch seine 199 M. verdienen könne. Es wurde ihm gesagt, daß er bei Siemens anfangen könne. Der junge Mann gab an, er wolle erst seinen Vater fragen. Am anderen Morgen erklärte er Herrn Knarr auf die Frage, ob er sich die Sache überlegt habe, sein Vater habe gesagt, er solle erst ordcnt- lich auslernen und wenn es geht sich in seiner Lehrstelle ver- bessern. Einen anderen kürzlich ausgelernten jungen Mann. welcher bei ihm gelernt hatte und in Spandau wohnhaft ist, ließ Herr Knarr zu sich kommen und gab ihm ein Schreiben mit, worin er den jungen Mann einem Ingenieur von Siemens empfiehlt. Da die Fabrik des Herrn Knarr bei der Spandauer Arbeiterschaft keineswegs als„Jdealbude" bekannt ist,— er be- schäftigt zurzeit bei zirka 19 Gesellen 22 Lehrlinge, jedenfalls kein gesundes Verhältnis—. so können nur Arbeiter„der Wissenschaft halber" oder solche, welche die Verhältnisse bei der Firma nicht kennen, sich durch derartige Annoncen veranlaßt fühlen, Herrn Knarr zu beehren. Die Arbeiterschaft aber kann aus diesen Vor- kommnissen lernen, wie das kleine und große Kapital sich einig ist, und wie notwendig deswegen der Arbeiterschaft die Einigkeit ist. Achtung, Klempner und Lötherinnen! Die Hamburger Kol- legen und Kolleginnen dieses Berufes sind in eine Lohnbewegung getreten. Die Unternehmer versuchen, von auswärts Arbeitskräfte heranzuziehen. Zuzug ist strengstens fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiterverband. Deutfcbes Reich. Achtung, Buchbinder! Bei der Firma F. A. Seiler in Dessau sind Differenzen ausgebrochen. Jeglicher Zuzug ist strengstens fernzuhalten.__ Der Streik der Binnenschiffer ist nicht beendet, wie wir nach dem Wolffschen Telcgraphenbureau meldeten, da die Schiffer mit einer Lohnerhöhung von S M. pro Monat nicht zufrieden sind, sondern vor allem eine Regelung der A r b e l t s z e i t und die Bezahlung der Uebcr stunden ver- langen. Leider hat uns die Organisationsleitung über diese Sachlage nicht unterrichtet. Streik im Hamburger Hafen. Die ausständigen Getreidcakkordarbeiter sind der Aufsorderung, auf allen Schiffen, wo sie zu arbeiten begonnen hatten, die Arbeit wieder auszunehmen, nicht nachgekommen. Für gestern abend lvar eine Versammlung aller Schauerleute(sowohl Tagelohn- wie Akkordarbeiter) anberaumt, in der darüber beschlossen werden sollte, ob morgen früh die Arbeit wieder aufzunehmen sei oder ob alle Schauerleute in den Ausstand eintreten sollen. Aussperrung der Elcktronwuteure in Kiel. Bei der Kieler Jnstallationsfirma Wichmann waren vorige Woche die Elektromonteure in Slreik getreten, weil die Firma bei Ein- fiihrung der gstiindigen Arbeitszeit an Stelle der 9>/z stündigen den bisherigen Lohn nicht weiterzahlen wollte. Daranshm sind in samt- lichen elektrotechnischen Betrieben Kiels die Elektromonteure, zirka 89 Arbeiter, enttassen worden. Dem in der Aera de« Scharfmacher- tums an sich alltäglichen Vorgang liegt ein wahrhast grotesker Such- verhalt zugrunde. Die Kieler Elektromonteure hatten kürzlich in sämtlichen Firmen. mit Ausnahme der Firnra Wichmann, den Neunstundentag durch- gesetzt, bei Fortbezahlung des bisher für 9'/, Stunden gezahlten Lohnes. Bei der Firma Wichmann sollte, mit Einwilligung der Monteure, die Verkürzung der Arbeitszeit erst am 1. Januar eintreten, da der Betrieb ein gemischter und die dort beschäftigten Klempner und Installateure ohnehin tarif . mäßig zu diesen, Termin die llstündige Arbeitszeit erhallen. Daraufhin zwang der„Verband der elektrotechnischen Jnstallationsbetriebe in der Provinz Schleswig-Holstein" die Firma, den Neunstundentag gleichfalls schon jetzt einzuführen. Die Firma mußte dem Druck ihrer Organisation»achgeben, ließ sich aber im Gegensatz zu samt- lichen übrigen Geschäften der Branche aus eine Beibehaltung des Lohnes nicht ein. Die Elektromonteure legten die Arbeit nieder, und nun sperrt derselbe Verband der elektrotechnischen Jnstallations- betriebe, der die Firma über die Köpfe ihrer Arbeiter weg zur Ver- kurzung der Arbeitszeit gezwungen, seine Arbeiter aus, weil ihre Kollegen bei der vom Unternehmerverband vergewaltigten Firma dieselben Forderungen stellten, die der Unternehmerverband seinen Arbeitern ohne Anstand beivilligt hatte! Man sieht, den Scharf- machern geht im Klassenkampf nicht nur das primitivste Gerechtigkeits- gefühl, sondern auch alle Logik flöten. Der Streik in Brauerei und Brennerei Toornkaat in Norden (Ostfriesland) dauert noch immer an und damit der Boykott der Doornkaatschen Getränke. Die Firma Doornkaat hat jetzt die Streikbrecher, nachdem sie schon mit Knüppeln ausgerüstet waren, mit Revolvern versehen. Jeder Streikbrecher erhält dazu fünfzig Patronen. Bei dem starken Genüsse des Doornkaatschnapses, dem diese Leute zu frönen pflegen, kann leicht ein großes Unglück mit den Revolvern angerichtet werden. ES lag um so weniger Grund vor, einen Streikbrecher zu bewaffnen, als sich die streikenden Ar- beiter außerordentlich ruhig verhalten und allen Aufreizungs- versuchen Doornkaats ihr friesisches Phlegma entgegensetzen. Die Gewerbegerichtswahl in Memmingen(Schwaben) brachte für die Christlichen eine Niederlage, trotzdem sie gegen die freien Gewerkschaften mit Jauchekübeln„arbeiteten". Das neugegründete Gewerbegericht wird von Vertretern der freien Gewerkschaften besetzt._ Uttternehmerlügen. Bei der sattsam bekannten Stellungnahme der Kohlemnagnaten den Arbeiterfordcrungen gegenüber war es weiter nicht verwunderlich, daß auch die mitteldeutschen Braiinkohlenindustriellen auf die Ein- gaben der Arbeiter ablehnend antworten würden. Was allgemein interessieren dürste, ist die eigenartige und lächerliche„Begründung" des ablehnenden Bescheides. Zunächst stellen die Unternehmer„fest", daß die Löhne höher gestiegen seien, als die Verteuerung der Lebens- mittel ausmacht, und daß dieselben„sich in weiter aufsteigender Tendenz" bewegen. Dann sollen die Preise für Produkte der Braunkohle, wie Briketts, Naßpreßsteine usw. in den Abschlüssen bis 1. April nächsten Jahres„festgelegt" sein, so daß die Industrie „eine weitere Belastung durch höhere Arbeitslöhne bei gleichen Ver- kaufspreise» nicht verträgt". Demgegenüber ist daran zu erinnern, daß bei Beendigung des Streiks der Braunkohlengräber die unterirdisch beschäftigten cigent- lichen Bergleute nichts weiter erreicht hatten, als die neunstündige Schicht— ein Wechsel auf die Zukunft. Die Uebertagsarbeiter, Handwerker usw. erreichten Lohnaufbesserungen von 19—39 Pf. pro Schicht. Durchschnittlich etwa 5 Proz. Die letzten Bilanzen und Jahres- berichte der Gesellschaften weisen im ganzen ein glänzendes Bild der ausgezeichneten Prosperitätsperiode, wenig beeinflußt durch den Streik, auf. Wie aber auch die Statistik für das dritte Quartal 1996 lehrt, sind die Löhne nur um wenige Pfennige gestiegen. Greifen wir aus der Masse der Berichte nur einen heraus. Den der Riebeckschen Montanwerke, der größten Gesell- schaft der in Betracht kommenden Reviere. Nach dem Bericht dieser Gesellschaft ist die Zahl der Beschäftigten um elf M a n n g e- funken, die Lohn summe aber um 69 999 Mark! Auf den Kopf der Belegschaften berechnet, betrug der Gewinn im Geschäftsjahr 1993/1996 835,99 Mark gegen 789,99 Mark in der gleichen Zeit des Vorjahres. Das ist ein Mehr von pro Arbeiter 53 Mark! Die Durchschnittslöhne bei derselben Gesellschaft haben betragen 1994/95 1199 M.. 1995/96 nur noch 1989 M.! Also direkte Bereicherung der Gesellschaft auf Kosten der Arbeitslöhne. Nach einer Berechnung der„Arbeitsmarktkorrespondenz" betrug das Verbrauchsminimum einer vicrköpfigen Familie 1999 1962 M., 1995 1142 M. Durch den Zolltarif vom 1. März d. I. mit seiner weiteren Verteuerung der Lebensmittel ist dieses Minimum noch beträchtlich in die Höhe gegangen. Trotzdem ist bei den Riebeckschen Montanwerken der Lohn im laufenden Jahre um 11 M. gefallen. Aehnlich verhält sich» mit den übrigen Gesellschaften. Erstaunt wird der Kundige gewesen sein, als er erfahren hat von den langfristigen Abschlüssen zu den alten„niedrigen" Preisen. Da kommt gerade rechtzeitig eine Stimme aus Fachkreisen, der Wochenschancr der „Leipz. Neuesten Nachr." nämlich, der schreibt:„... in den großen Montanrevieren dagegen, dort, wo die Verbände die Absatzpolitik aus weiteren Gesichtspunkten als bloß von heute auf morgen dirigieren, sind eben diese Verbände vielleicht nicht gerade üderwohlwollend, aber klug genug gewesen, riskante lang sichtige Engagements abzuweise n". Ergo ist die Redensart von den„bindenden" Abschlüssen zu„niedrigen, alten Preisen" eine Finte, bestimmt, den Arbeitern leere Versprechungen auf„bessere, spätere" Zeiten schmack- hast zu machen. Wer in der Tat beobachtet hat, wie sich die Unter- nehmer in der Braunkohlenindustrie, die ihre Produktton an Bri- kettS usw. hauptsächlich einzeln im Landdebit an die Konsumenten abgegeben haben, die herrschende Kohlenknappheit in der un- verschämtesten Weise zunutze gemacht haben. ist erstaunt. ivie man da noch von„niedrigen, alten Preisen" reden kann. In geradezu unerhörter, noch Nie dagewesener Weise sind die Preise für den Bedarf an Hausbrandkohlen in die Höhe geschnellt. Vor kaum fünf Monaten kosteten Briketts ab Werk noch 45 Pfennige der Zentner. Dann 48. 59, 52, 55, 53 und jetzt 69 Pfennige. Bei eintretender strenger Kälte werden sie loeiter„klettern". Dann ist in der Untcrnehmerantwort„nach berühmten Mustern" gesagt, daß eine Sperre nicht bestehe, daß man sich aber das Recht vorbehalten müsse,„mißliebige Elemente" von den Betrieben fern- zuhalten. Danach wird der Anschein erweckt, als handele es sich nur um ein Schwarze Listen-Sysicm, das zwar ebenso ungesetzlich als brutal und niederttächtig ist, das aber fast allgemein in Unter- nehmcrkreisen in Gebrauch ist. D a S ist aber nicht to a h r. ES handelt sich in den Braunkohlenrevieren um eine Beschränkung der Freizügigkeit, um eine„Sperre", wie sie chlimmer nicht gedacht werden kann. Die Gesellschaften haben nägrlich unter sich ein Abkommen getroffen, wonach ein Arbeiter. der von einem Werke der Nachbargesellichasl abgekehrt ist. unter vier Wochen nicht angenommen werden darf I Der Arbeiter riskiert also bei jedesmaligem Arbeitswechsel eine mindestens vicrwöchenlliche Feierzeir, wenn er nicht als Handlanger oder Tagelöhner eine'Zeitlang arbeiten will. Dadurch ist er gezwungen, auch uMer ungünstigen Arbeits- bediitgnngen seinem Unternehmer„treu" zu bleiben. Bei Arbeits- Wechsel schnellt sofort der Brotkorb in die Höhe.„Mißliebige" Arbeiter im Sinne der Unternehmer bekommen in den Revieren überhaupt keine Arbeit wieder, sie müssen auswandern, den Beruf wechseln— oder Kolporteur werden. So stellen sich die ablehnenden„Begründungen" der Bergarbeiter- forderungcn bei Lichte besehen als ganz ordinäre Unternehmerlügen heraus. Daß sie damit nicht durchkommen, dafür wird die organisierte Arbeiterschaft sorgen._ Die Arbeit der„mchlichru Elemente" stürzt ein! In Lechhausen bei Augsburg zeigte ein von Streik- blechern aufgesührtes neues Haus bedenkliche Risse, die immer größer wurden und zuletzt drohte die Giebeltvand einzustürzen. Sosort rückte die Polizei aus— die nämliche, die vorher die Streik- brecher beschützte—, um nun das Publikum vor der zusammen- stürzenden Arbeit der Streikbrecher zu schützen; mächtige Balken müssen die herüberhängenden Mauern vor dem Zusammensturz bewahren.— Tüchtigen Maurern aber hatte man einige Pfennige mehr Lohn verweigert._ Vergifteter Köder. Aus Baden schreibt man uns: Die Vertreter des süd- deutschen Textilarbeitgcberverbandes tagten in voriger Woche zu Stuttgart, um neue Kriegslist im Kampfe gegen die Lohnforderungen ihrer hungernden Weber zu ersinnen. Wie alt- klug und weise die Herren im Schwabcnlande geworden sind, lehrt folgender Ukas: Wir teilen unseren Arbeitern mit, daß laut Beschluß des Verbandes süddeutscher Textilarbeitgeber, diejenigen Arbeiter, die die Arbeit überhaupt nicht niedergelegt haben, keinen Verbänden beigetreten sind und zurzeit noch bei uns arbeiten, eine Prämie erhalten. Diejenigen Arbeiter, die sich nachträglich entschließen, aus ihren Verbänden auszutreten, können bei uns sofort Arbeit finden und erhalten, im Falle es uns möglich ist mit denselben unseren Betrieb auch nur im be- schränktem Maße aufnehmen zu können, diese Prämie ebenfalls. Sollten sich nicht soviel Arbeitswillige finden, daß wir unseren Betrieb wieder ausnehmen können, so erhalten sämtliche Arbeits- willige vom„Verband süddeutscher Textilarbeitgeber" mindestens dieselbe Unterstützung, wie sie sie aus ihrem Verbände erhalten. Wer von unseren Arbeitern gesonnen ist, sich unter diesen Be- dingungen uns anzuschließen, kann sich sofort bei uns melden. Diesen Köder werfen die Textilindustriellen der badischcn ! Stadt Lahr ihren Arbeitern hin, welche, 169 an der Zahl, ein- i mütig in eine Lohnbewegung eingetreten sind. Die Arbeiter halten fest an ihrem Verband, mit dessen Hülfe sie statt der Gnaden- Prämie für Verrat sich ihr Recht auf einen vor dem Verhungern schützenden Lohn erkämpfen werden. Die Gcwerkschnftsbewcgnilg im Reichslande. Lange Jahre war da? Reichsland das Sorgenkind der Gewerk- schaften. Nationalitätenzwiespalt verbunden mit territorialem Partt- kularismns, wirtschaftliche Abhängigkeit von oft patriarchalischen Unternehmertuin, geistige Knechtschaft eines fanatischen, reaktionären KleruS und nicht zuletzr die Polizeimaßregeln unter dem Diktatur- zustand hinderten die Entlvickelung der Gewerkschaften. Nachdem dieser Diktaturzustand gefallen lvar, bekam die Arbeiter- bewegung und damit die Gewerkschaften ivenigstenS auf dem politischen Boden freie Bahn. Die gesetzlichen Beschränkungen waren in etwas aufgehoben. mit den anderen widrigen Umständen fertig zu iverden, war nicht mehr so schwer. Und seit Aushebung des Diktatnrparagraphen 1992 machte die Organisation der Arbeiier erst langsame, dann aber mächtige Fortschritte. Dies zeigte recht deutlich die fünfte elsaß- lothringische Gewerkschaftskonferenz, die am Sonntag, 11. November, in Colmar tagte. Die Konferenz war besucht von 37 Delegierten aus den industriellen Teilen des Landes. Weiter waren vertreten die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands durch den Genossen K u b e- Berlin und die politische Partei Elsaß-Lothringens. Die Zentralagitationskommission der Gewerkschaften Elsaß-LothringenS mit Ausnahme des nördlichen Bezirks von Lothringen, der dem Agitations- bezirk Saarbrücken angeschlossen ist, hat in einer ganzen Anzahl von Ortschaften Agitation entfaltet, die nicht ohne Erfolg geblieben ist. In Gegenden, wo man von moderner Arbeiterbewegung bisher nichts gekannt hat, ist der Organisationsgedanke hineingetragen worden. Und wenn nicht alle Wünsche und Hoffnungen erfüllt worden sind. so lag das in dem Mangel an agitatorischen und organisatorisch fähigen Kräften, ein Mangel, der überall zutage tritt, wo die Organi- sationen sprunghaft wachsen. Die Mitglicderzahlen der Gewerkschaften im Reichslande betrug im Jahre 1993: 5399, 1994: 5638, 1995: 8696 und 1996: 17584. Der gewalttge Ausschwung im letzten Jahre ist zweifellos den» Unistande mit zu verdanken, daß eine Reihe Gewerk« schaften ständige Orts- und Gaubeamte im Reichslande angestellt haben, die sich ausschließlich der Verbandsarbeit und Organisation widmen können. Die größeren Städte weisen folgende Mitglieder- zahlen auf: Straßbilrg 6975, Colmar 2592, Mülhausen rund 6999, G e b w e i l e r 228, Markirch 435 usw. Die Einnahme der Zentralkommission betrug 2726,19 M., die Ausgabe 2449,33 M. Der wichtigste Punkt, niit dem sich die Konferenz zu beschästigen hatte, war die Anstellung eines Gewerkschaftsbeamten für Elsaß-Lothrin gen, mir Ausnahme des nördlichen Teiles. Nach längerer Debatte wurde die Anstellung eines solchen Beamten beschlossen. Die Geiieralkommission der Gewerkschaften Deutsch- lands befürwortete ebenfalls die Anstellung. Der Beamte soll möglichst der französischen Sprache mit mächtig sein, und erhält seinen Sitz in Straßburg. Mit der nunmehr erforderlichen Abänderung des Regulativs der Agitationskomniission für Elsaß- Lothringen und Erledtgung einiger weniger wichtigen Anträge fand die Konferenz nach neunstündiger Dauer ihr Ende. Die Stadtverordnetenwahlen in Rixdorf, die für die dritte Abteilung gestern stattfanden, brachten in sämtlichen Bezirken den Sieg der sozial- demokratischen Kandidaten. Im einzelnen ge- staltete sich das Ergebnis folgendermaßen: 1. Bezirk: Metall- arbeiter P a g e l s 237 Stimmen, zersplittert 2 Stimmen. 4. Bezirk: Gewerkschaftssekretär Wutzky 351, der gegnerische Kandidat Steinhofs 42 Stimmen. 7. Bezirk: Eigentümer Sasse 483, der gegnerische Kandidat Riedel 21 Stimmen. 10. Bezirk: Restaurateur W i l k e 331, der gegnerische Kandidat Stolzenburg 80 Stimmen. 11. Bezirk: Böttcher- meister T u s ch l i n g 411 Stimmen. 13. Bezirk: Eigentümer Müller 453, der gegnerische Kandidat Riedel 11, zer- splittert 3 Stimmen. 16. Bezirk: Arzt Tr. Silber ste in 658, zersplittert 3 Stimmen. 17. Bezirk: Maurermeister Michalowsky 544, der gegnerische Kandidat Prietzel 31 Stimmen. 19. Bezirk: Kassepbtzamter Conrad 520, zersplittert 1 Stimme. 20. Bxzirk: Malermeister Füll- gras 475, der gegnerische Kandidat Prietzel 9, zersplittert 1 StlUime. Möge es bei der heutigen Wahl in der zweiten?lb- teilung den Rixdorfer Genossen gelingen, diesen schönen Sieg zu einem vollen Erfolge zu machen. Darum nochmals: Aus zur Wahl in der zweiten Abteilung? Letzte JVacbncbten und Depelcbea Tie Christlichen werden rebellisch. Essen a. d. Ruhr, 14. November. In einer außerordentlichen Generalversammlung protestierte der evangelische Arbeiterverein des Kreises Essen gegen die Flcischteuerung. In einer Resolution wurde eine weitere Oesfnung der Grenzen und die eventuelle Außerkraftsetzung der Zölle auf Vieh und Fleisch verlangt. Bon der Zentrumsfraktion des Reichstages erwartet die Versammlung, daß sie in diesem Sinne wirken werde. Sieg bei der Gewerbegerichtswahl. Hildesheim, 14. November.(Privatdcpesche des„Vorwärts".) Bei den heutigen Wahlen zum Gcwerbegericht erzielten die Ge- werkschaften einen glänzenden Sieg. Die Kandidaten derselbe» erhielten 1499 Stimmen, während der Mischmasch es nur auf 451 Stimmen brachte. Hungerstreik. Petersburg, 14. November.(B. H.) Hundert politische Ge- fangene des Gefängnisses von Jtohakow verweigern seit einiger Zeit die Annahme von Nahrung. Einige Gefangene sind bereits 1 an Schwäche gestorben._ Zum Tode verurteilt. Moskau, 14. November.(W. T. B.) Das KriegSfcldgericht ver- urteilte den unbekannten Verbrecher, welcher daS Attentat auf das Leben des Stadthauptmanns Generalmajors Rheinbot verübt hat, zur Todesstrafe durch den Strang. Verhaftungen. Kiew, 14. November.(SB. T. 23.) Hier wurde das Bestehen einer revolutionären Kampforganisation unter dem Militär auf- gedeckt. 19 Personen wurden verhaftet. . Bomben-Anschlap Rom, 14. November.(W. T. B.) Am Eingang des Cafe Aragno legte heute abend ein bisher unermittelter Mann eine Bombe nieder. Diese explodierte einige Minuten später, wodurch 2 Personen leicht verletzt wurden. Verschwundene Unterstützungsgelder. San Francisco, 14. November.(W. T. B.)„San Francisco Daily Chronicle" behauptet, daß Beiträge für die Unterstützung der durch das Erdbeben Geschädigten verschwunden feie«: eS soll eine Million Dollar fehlen. Präsident Roosevelt interessiere sich für die llntersuchung, und der Fall werde vor da» Bundcsgericht . kommen, da die Beförderung durch die Post dabei in Frage komme. Lerantv. Redakteur: Hau» Weder, Berlin. Inseratenteil verant».; U>.vl»cke. Berlin. Druck u. Verlag: Torwärt» Buchdr. u. Verlagsanstalt WaulS>naer8cCo..BerlmS1V. Hierzu 3 Beilagen«. UntertzaltungSdlatt Nr. 267. 23. Iahrgavg. l. KnlM Ks.Hwiick" Klllim WlksM AoNerstag, 13. November 1966. KeicKstag. 117. Sitzung, Mittwoch, den 14. November, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Reichskanzler v. B ü l o w, Staatssekretär V. Tirpitz. preußischer Kriegsminister v. Einem, Reichsschatz- sekretär v. Stengel, Direktor des Kolonialamts Dernburg und sehr viele Kommissare. Auf der Tagesordnung steht die Interpellation des Abg. B a ss e r- mann:„Ist der Herr Reichskanzler bereit, Auskunft zu geben über unsere Beziehungen zu den übrigen Mächten und sich über die Be- sorgnisse zu äußern, welche in vielen Kreisen unseres Volkes wegen der internationalen Lage bestehen Reichskanzler Fürst Bülow erklärt sich zur sofortigen Be- antwortung der Interpellation bereit. Zur Begründung derselben erhält das Wort Abg. Basscrmann snatl.): In der letzten Zeit hat sich ein Gefühl gesteigerter Unzufrieden heit und Verstimmung in unserem Vaterlande geltend gemacht, die durch den Blick hinter die Kulissen, die durch die Veröffentlichung der Memoiren des Fürsten Hohenlohe ermöglicht wurde,(Lachen rechts) noch gesteigert wurde. Aufs neue bedauern wir bei dieser Lektüre das vorzeitige Scheiden des Altreichskanzlers aus seinem Amte.(Zustimniung bei den Nationalliberalen.) Seit den Marokko- Vorgängen ist die Aufmerksamkeit auf die auswärtige Politik in Deutschland gewachsen und das frühere unbedingte Vertrauen nicht mehr vorhanden.(Zustimmung bei den Nationalliberalen.) Viel fach werden Posten in exponierter Stellung nicht nach den Grundsätzen hervorragendster Sachverständigkeit besetzt, sondern mit einer persona �rata oder Aratissima(beliebten oder h ö ch st beliebten Person).(Lebhafte Zustimmung.) Die Erörterungen über die auswärtige Politik knüpfen sich an jene Beratung des Etats, an die Auseinandersetzungen über Algeciras, welche durch das Unwohlsein deS Reichskanzlers unter- krochen wurde, der heute zu unserer Freude wieder hergestellt ist. In der Presse aller Parteien finden wu das Wort„Isolierung" aus- gesprochen. Wir sind in eine Periode der Reisen und Reden hineingekommen, der Liebenswürdigkeiten und einer Unsietigkeit, die im In- und Auslande Mißbehagen erweckt. Der Dreibund wurde auch vom Fürsten Bismarck nicht als Ewigkeitsbund betrachtet, und jedenfalls ist sein Einfluß und seine Bedeutung erheblich zurückgegangen. ES zeigt sich das zunächst in unserem Verhältnis zu Italien, das sich verschlechtert hat seit jener Rede, in welcher der Reichskanzler von der Extratour zwischen Italien und Frankreich sprach. Wird Italien im Falle eines Krieges mit Frankreich oder England seiner Bundes- Pflicht gegen Deutschland genügen?(Bewegung.) Wenn diese Frage verneint wird, so hat der Dreibund höchstens noch für Italien Interesse. Die Haltung Oesterreich-Ungarns in Algeciras war korrekt und freundschastlich, doch will Oesterreich-Ungam nicht die Rolle eines Sekundanten, sondern die eines unparteiischen Richters ge- spiell oben, was auch nach der Erklärung des früheren ungarischen Ministerpräsidenten Wekerle von Frankreich selbst anerkannt ist. (Hört I hört l) Man glaubt in Ungarn an den Vorwurf, daß Deutsch- land in die inneren Verhältnisse des Kaiserstaates sich einmischen wolle. Als wirksames Machtmittel der deutschen Politik scheint der Dreibund der Bergangeuhcit anzugehören.(Große Bewegung.) Nachdem der RückVersicherungsvertrag mit Rußland gelöst wurde. wurde der Z w e i b u n d geschloffen, und Frankreich ist Rußland unter jedem Ministerium treu geblieben. Ein den, franzöfischen Ministerium nahestehendes Blatt sagt:„Der Angelpunkt unserer Politik ist England, das Ziel Deutschland und der Lohn Elsaß-Lothringen."— Was Rußland anlangt, so halte ich eS für ausgeschloffen, daß Deutschland sich je in seine inneren Wirren einmischt. Der Angelpunkt der Politik ist heute wirklich England mit seinem zielbewußten Streben, das am letzten Ende aus eine Isolierung Deutschlands hinausläuft. Die Besserung unseres Verhältnisses zu England, wie sie der Bürgenneisterbesuch in London und der Besuch deuticher Journalisten in England beweisen(Heiter- keit. Zurufe:„Mumpitz!") begrüßen wir mit Freude, doch wird sie an den Zielen der englichen Politik im ganzen nichts ändern. Eng land harrt mit Konsequenz und Ruhe der kommenden Ereignisse und sucht sie nicht durch Reden zu fördern.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Aus der Periode gewaltiger Verstimmungen zur Zeilj der Faschodaaffäre sind England und Frankreich zur Entente gekommen, und selbst eine Militärkonvention ist. wenn nicht abge- geschlossen, so doch vorbereitet worden. Naturgemäß entsteht für Deutschland die Gefahr. daß Frankreich von der englischen Politik zuungunsten Deutschlands mißbraucht wird, wie sich bei der marokkaniswen Frage gezeigt hat. Auch die Gegensätze zwischen Rußland und Oesterreich auf der Balkanhalbinsel sehen wir im Wege der Verständigung schwinden, und weiter sehen wir, wie England seine Streitigieilcn mit Rußland in Asien in zweite Linie stellt, sodaß wir vielleicht bald vor der Tatsache einer völligen Ver- ständiguirg der beiden Mächte stehen. So sehen wir in aller Welt Freundschaften entstehen, die uns nicht einschließen und in weiten Kreisen Deutschlands die Befürchtung der Isolierung erwecken. Ich habe versucht, zu zeigen, wie sich diele Besorgnisse in den Köpfen gut- fekimiter Patrioten darstellen(Heiterkeit. Zurufe:„Schwarz- e h e r I"), und der Reichskanzler wird nicht vermögen, alle Be- fürchtungen zu beseitigen. Vielfach besteht der Eindruck, daß unsere Politik der Ruhe und Stetigkeit entbehrt, daß Schwankungen durch Anti- und Sympathien entstehen, daß vielfach in Verhandlungen mit rauher Hand eingegriffen wird, wodurch vielleicht richtig angelegte Pläne illusorisch gemacht werden. Auch im Auslande werden durch Reden und Depeschen Verstimmungen erzeugt, die durch Liebenswürdigkeiten nicht ausgeglichen werden können, weder durch Statuen noch durch Ehrensäbel.(Sehr richtig I links.) Das Resultat dieser Politik ist vielfach eine Minderung des Respekts und der Furcht vor Deutschland. Diese Ausführungen sind weder durch Schwarzseherei noch durch ein Gefühl der Angst diktiert, auch alleinstehend vertrauen wir aus unser starkes deutsches Heer und unsere Flotte.(Oho! links.) Ich berufe mich hier auf die Ausführungen Bebels in Mannheim: Deutschland ist ein Staatswesen, wie es ein zweites Mal nicht existiert. Beim Ausbruch eines Krieges stehen vom ersten Moment an fünf Millionen unter den Waffen. Diese offene Aussprache über die allgemeine auswärtige Lage kann heute nicht schaden. Der Gesichtspunkt, daß wir dadurib deutsche Interessen im Auslande schädigen, ist nicht berechtigt. Man weiß im Auslande genau, wie die Dinge bei uns stehen: gerade ein französischer Minister hat jüngst gesagt:„Deutschland ist mächtiger als 1870, Europa ist aber nicht mehr das Europa von 1870. Wo sind die Bundesgenossen und Freunde Wilhelms II.? Die Stunde der glänzenden Vereinsamung naht." Nach unserer Meinung kann uns keine Schönfärberei helfen, sondern nur eines tut uns not: Das ist die Wahrheit!(Lebhafter Beifall bei den National- liberalen.) Reichskanzler Fürst Bülow: Bevor ich mich zu den sachlichen Ausführungen wende, möchte ich auch von dieser Stelle aus meinen Dank aussprechen ftir die vielen freundlichen Beweise von persönlichem Wohlwollen und per- sönlicher Sympathie, die mir während meiner Erkrankung von Mit- gliedern dieses hohen Hauses zu teil geworden sind, ebenso diesem hohen Hause als solchem und dem verehrten Herrn Präsidenten möchte ich von diesem Platze aus, den ich mit Gottes Hülfe wieder r'nnehme. danken. Ich tue das in dem Gefühl und in der Ueber» zeugung, die mich geleitet haben seit dem Tage meines Amtsantritts, nämlich daß Bundesrat, Reichstag und Reichskanzler zusammen ge- hören durch die Verfafiung und auf dem Boden der Verfassung zum Wohle des Vaterlandes. Sie bilden das Obergeschoß des Reichs- baues, dessen Fundament vor einem Menschenalter gelegt wurde. In diesem Bau verkörpert sich der deutsche Einheitsgedanke. Was den einen Teil trifft, trifft auch die anderen. In Beantwortung der an mich gerichteten Interpellation will ich jetzt auf unsere internationalen Beziehungen eingehen und aus die Stellung des Deutschen Reiches in der Welt. Ich behalte mir dabei vor, aus manche Punkte, die der Herr Antrag- steller bei Begründung seiner Interpellation berührt hat, im weiteren Verlauf der Debatte zurückzukonimen. Was zunächst unser Ver- hältnis zu Frankreich angeht, sa glaubeich, wir müssen unterscheiden zwischen dem. was vielleickt an und für sich wünschens- wert, und dem, was naw Lage der Verhältnisse möglich ist. Der Gedanke eines inneren Anschlusses oder eines Bündnisses mit Frank- reich, wie er hier und da in der Presse aufgetaucht, ist, wie die Stimmung in Frankreich noch ist, nicht realisierbar. Der Grund hierfür liegt in Ereignissen der Vergangenheit, die von uns und unseren französiscken Nachbarn verichiedenartig bewertet werden, er liegt auch in der Lebhaftigkeit des sranzösijchen Pa- triotiSmus, die man je nachdem übertriebene Eigen- liebe oder nachahmungswürdigen Nationalstolz nennen kann. Die ftanzösische Politik hat jahrhundertelang bei der inneren deutschen Politik die Hand im Spiele gehabt, und diese lange französische Mitarbeit kam erst 1870 zum Abschluß. Damals erlangte Deutschland nicht nur das Ende seiner eigenen Ohnmacht und die Wiederherstellung seiner frühereu Grenzen, sondern es erlangte gleichzeitig die innere Einheit und die Einigkeit nach außen. Diese letzte Errungenschaft wird noch wirksamer als der Besitz von Metz und Straßburg verhindern, daß je wieder deutsche Grenz- gebiete zum Tummelplatz fremder Kriegsgelüste werden.— Aber auch Italien, als einheitlicher Nationalstaat an den Dreibund ge- lehnt, konnte sich heute Frankreich nähern, ohne die Be- sorgnis, von seinen mächtigen Nachbarn abhängig zu werden. Da ist es begreiflich, wenn es dem stolzen französischen Patriotismus schwer fällt, sich in diese Tatsachen der Gegenwart und namentlich in das Erwachen und Erstarken unseres deutschen Volksbewußtseins zu finden, das Gleichberechtigung mir den anderen Völkern verlangt. Daran hat sich auch durch den Marokkozwischenfall nichts geändert, wenn sich auch erfreulicherweise gezeigt hat, daß beide großen Völker in Frieden mit einander auszukommen wünschen. Ich höre manchmal, daß Franzosen unter vier Augen den Wunsch nach engeren Beziehungen zwischen beiden Ländern äußern. Aber offiziell ist dies in Frankreich noch nicht geschehen, es ist noch kein Deputierter und kein Senator daftir eingetreten. (Zuruf bei den Sozialdemokraten:„Jauros!") Ja, eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.(Heiterkeit.) Wir hoffen alle, daß die Zahl der Einsichtigen in beiden Ländern zunehmen wird und daß keines von beiden Völkern das ganze furchtbare Elend eines Krieges auf sich nehmen wird. Den Frieden nicht zu stören liegt im Interesse beider Völker. Was weiter möglich erscheint, ist. daß beide Völker sich auf Wirtschaft- lichem, auf industriellem und kommerziellem Gebiete verständigen, vielleicht auch einmal sich hier und da über eine koloniale Frage verständigen. Dabei bemerke ich ausdrücklich, daß wir nicht daran denken, uns zwischen Frankreich und Rußland oder zwischen Frankreich und England einzuschieben. und insbesondere denken wir nicht daran, die Störung der ftanzösisch-englischen Freundschaft zum Gegenstand unserer offenen oder versteckten Bemühungen zu machen. Die französisch-russische Allianz ist bis jetzt keine Gefahr für den Frieden gewesen, sie hat sich im Gegenteil als ein Gewicht bewährt, das zum gleichmäßigen Gange der Politik beiträgt. Wir hoffen, daß man auch von der englisch-ftanzösischen Allianz dasselbe wird sagen können. Die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland haben der französisch-russischen Allianz keinen Eintrag getan, und gute Beziehungen zwischen Deutschland und England können nicht in Widerspruch stehen mit der Lntsnts corcüalg, wenn diese Friedenszwecke verfolgt. Eine Politik, die darauf ausginge Deutschland einzukreisen, es zu isolieren und lahmzulegen, wäre eine Gefahr für den Frieden. Eine solche Ringbildung ist nicht möglich ohne Ausübung eines gewissen Druckes. Druck erzeugt Gegendruck(Sehr wahr! rechts), und aus Druck und Gegendruck können Explosionen hervorgehen. (Beifall rechts. Lachen links.) Deshalb war es mir besonders er- sreulich, daß auch ftanzösische Blätter den Gedanken ausgesprochen haben, ein gutes Verhältnis zwischen Deutschland und England sei notwendig für die Erhaltung des europäischen Friedens und ent spreche deshalb auch den französischen Interessen. Zwischen Deutsch land und England bestehen keine tieferen politischen Gegensätze. ES hat Verstimmungen zwischen beiden Ländern gegeben, unpraktische und unverständige Verstimmungen, an denen— wie gewöhnlich im Leben— beide Teile gleichviel Schuld hatten, aber keine feind selige Handlung. In Wissenschaft und Kunst stehen die beiden Völker sich nahe. man hat mit Recht von einer geistigen Verwandtschast zwischen ihnen gesprochen. Auf Wirtschaft lichem Gebiet sind sie auf einander angewiesen: denn der Verkehr besteht einmal im Geben und Nehmen. Gewiß, zwischen Deutschland und England liegt auf handelspolitischem Gebiete eine Konkurrenz und Rivalität vor. Aber eine solche Kon kurrenz und Rivalität braucht keine politischen Gegensätze, geschweige denn einen Krieg hervorzurufen. Wir haben solche Rivalität mit Oesterreich-Ungarn und Italien gehabt, ohne daß unsere Beziehungen zu diesen beiden Mächte» dadurch ernstlich geschädigt wurden. Eng- land hat die gleiche Rivalität mit Nordamerika und Japan, ohne daß die Beziehungen zu diesen beiden Ländern darunter litten. Deutschland und England sind gegenseitig gute Kunden, sogar so gute Kunden, daß jeder Teil ein Interesse daran hat, sich den anderen als Kunden zu erhalten. Schon deshalb sollten die ver- ständigen Leute in beiden Ländern tun, was in ihren Kräften steht, um Mißverständnisse zu beseitigen und daS gegenseitige Verständnis zu fördern. Zu meinem Bedauern finde ich immer wieder Nachrichten in der sozialistischen Presse, daß unsere Verteidigungsmaßnahmen zur See Schuld trügen an dem zwischen uns und England bestehenden Miß- trauen. Ich habe wiederholt dargelegt, daß der Gedanke, als ob sich der Bau der deutschen Flotte gegen England richte, einfach töricht ist. Ich finde keinen anderen Ausdruck, um den Gedanken zu kennzeichnen, als ob wir uns England gegenüber mit offensiven Ab- sichten trügen. Aber auch die Besorgnis mancher englischer Kreise vor der gar nicht vorhandenen großen deutschen Flotte ist grundlos.(Unruhe bei den Antisemiten). Hat doch gerade auf einem Bankett zu Ehren der städtischen Vertretungen in London oder zn jener Zeit ein englischer Minister hervorgehoben, daß England jetzt die streitkräftigste und schlagfertigste Flotte habe, die eS je besessen, und daß es entschlossen sei, sie auf ihrer Höhe zu halten. Und noch vor wenigen Wochen hat der erste Lord der englischen Admiralität öffentlich erklärt, England sei nie so stark gewesen wie gegenwärtig, wo es jeder möglichen Kombination ge- ivachsen sei, dre andere Mächte gegen England aufbringen könnten. Also, ich ftage: Wozu der Lärm? Wir denken gar nicht daran, eine Flotte zu bauen, die so stark wäre wie die englische, aber wir haben das Recht und die Pflicht, uns eine Flotte zu bauen, die dem Umfange unserer Handelsinteressen entspricht, die unsere überseeischen Interessen zu verteidigen und unsere Küsten zu schätzen imstande ist. Warum sollen wir nicht ebenso gut das Recht haben. Schiffe zu bauen und eine Flotte zn haben, wie Japan, Italien, Rußland, Nordamerika oder England elbst?(Vielfaches Sehr richtig I> Das deutsche Volk und der deutsche Kaiser haben keine kriegerischen Absichtm: Friedensstörungen und Angriffe werden nicht von uns ausgehen. Das Deutsche Reich ist seit seiner Begründung in ununterbrochenem Frieden mit allen anderen Ländern geblieben. Das gleiche kann man nur von wenigen anderen Staaten sagen. Durch diese unsere Haltung während einer nun 3Sjährigen Friedenszeit ist der unwiderlegliche Beweis erbracht worden, daß Deutschland eine eminent friedliche Polittk verfolgt. Wir erkennen auch ohne Hintergedanken die Stellung an, die sich England seit langem und in weitem Umfange in der Welt geschaffen hat. Daß das keine Redensart ist, beweist unsere Haltung in der egyptischen Frage, die der Abg. Bassermann soeben gestreift hat. Fürst Bismarck pflegte zu sagen:„Wir sind in Serbien österreichisch, in Bulgarien russisch, in Egypten englisch."(Heiterkeit.) Auch seit den Tagen des Fürsten Bismarck haben wir immer die günstige Wirkung der englischen Milverwaltung für die Entwickelung des Nil- landes anerkannt und England in Egypten keine Steine in den Weg gelegt, selbst da, wo wir das formelle Recht dazu gehabt hätten. Ich meine den Erlaß der Präsidialverordnung von 1904. Nichtsdesto- weniger sind uns in der englischen und französischen Presse aus Anlaß des Akabafalles allerhand Vorwürfe gemacht worden. Schon unser Interesse an der ruhigen Entwickelung des türkischen Reiches ließ uns die friedliche Beilegung des Streitfalles wünschen. Wenn die Beziehungen zwischen Deutschland und Eng- land freundschaftlich sind und vertrauensvoll werden sollen, so ist dazu vor allem Zeit und Geduld notwendig.(Sehr richtig!) Eine lange Periode der Mißverständnisse und Verstimmungen liegt hinter uns: die Nadel des politischen Barometers ist jetzt von Regen und Wind auf Veränderlichkeit gegangen(Heiterkeit), forzieren läßt sie sich nicht. Wenn Sie wollen, daß sie auf„Schön Wetter" zeigt (Erneute Heiterkeit), so müssen von beiden Seiten neue Reizungen und Trübungen vermieden werden. Vor allem müssen die Lebens- intercsscn großer Völker hoch über persönlichen Empfindlichkeiten und Verstimmungen stehen.(Stürmischer Beifall bei den Sozialdemo- kraten.) Abg. Bassermanu hat gemeint, daß die Haltung Italiens auf der Konferenz in Algeciras uns Grund zur Unzufriedenheit ge- geben hätte. Das gilt nicht von der Haltung der italienischen Regierung, sondern nur von der Haltung der italienischen Presse, und was unverantwortliche Politiker in Italien sagen, möchte ich nicht überschätzen, da sagt auch anderswo mancher manches, was ich nicht verantworten kann.(Stürmisches, langanhallendes Lachen links.) Die verantwortlichen italienischen Politiker denken nicht daran, Italien vom Dreibund loszulösen, der durch sein Bestehen wesentlich dazu beigetragen hat, Gefahren für die Un- abhängigkeit der Verbündeten zu beseitigen. Ohne Ueberhebung und Uebertreibung können wir sagen, daß die Fortdauer des Dreibundes den europäiichen Interessen entspricht, weil sie im Interesse des Friedens liegt.— Es ist mir auch ein Bedürfnis auszusprechen, wie verlässig die Unterstützung war, die uns Oesterreich- Ungarn in Algeciras gewährt hat, und ich brauche nicht hinzuzufügen, daß wir Oesterreich-Ungarn eintretendenfalles dieselbe Treue halten werden. (Lebhafter Beifall.) Unverständlich ist mir, wie man hat annehmen können, wir wollten uns in die inneren Verhältnisse der Habs- burgischen Monarchie einmischen. Schon der Versuch wäre taktlos, wie jede Aufdringlichkeit.(Sehr richtig!) Wir wollen uns nirgends in die inneren Verhältnisse eines anderen Landes einmilchen, auch in Rußland so wenig wie in Oesterreich. Sollte der Brand über unsere Grenzen herübergreifen, so werden wir ihn bei uns zu löschen versuchen.(Heiterkeit.) Aber wir empfinden gar nicht das Bedürfnis, irgendwo den Gendarm zu spielen, das ist unter Umständen ein gefährliches Unternehmen. wie Oesterreich und Preußen 1792 bei ihrer Intervention in Frankreich erlebt haben.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich freue mich, Herr Ledebour, daß ich auch einmal mit Ihnen übereinstimme.(Heiterkeit. Abg. Ledebour:„Das liegt an Ihnen!") Wenn wir uns in die inneren Angelegenheiten Rußlands nicht ein- mischen, so sind wir von der einseitigen fanatischen Parteinahme frei, wie sie gerade die Sozialdemokratie zeigt, und die vom nationalen Standpunkt ebenso falsch ist, wie am Ausgang des 18. Jahrhunderts das Verhalten der französischen Refugiös oder das Treiben des Eidechsenbundes bei den Kämpfen zwischen Polen und dem Ordensstaat Preußen. Dieselben Ursachen, dieselben mensch- lichen Leidenschaften und Schwächen. Auch unsere Beziehungen zu Japan, die Herr Bassermanu nicht berührte, sind, wie ich trotzdem betonen möchte, gute. Auch in Ostasien verfolgen wir nur wirtschaftliche Ziele, deren Erreichen von der Aufrechterhaltung des Friedens, der Integrität Chinas und des Prinzips der offenen Tür abhängt. Was unser Verhältnis zu Amerika anbelangt, so wird mir die große Mehrheit recht geben, wenn ich sage, daß Deutschland und Amerika zu den Völkern gehören, die auS natürlichen und historischen Gründen auf ein gutes gegenseitiges Verhalten hingewiesen werden. Amerika hat dem Weltfrieden durch Wiederherstellung des Friedens zwischen Japan und Rußland einen großen Dienst geleistet. Bei dieser Gelegenheit möchte ich die vielfach gehörte Bemerkung, ich sei durch den Ausbruch des russisch-japanischen Krieges überrascht worden, zurückweisen. Wenn sich einmal die Archive dieser Zeit öffnen werden— ich werde keine Denkwürdigkeiten hinterlassen(Große Heiterkeit)— so wird diese Behauptung bei den Historikern große Heiterkeit erregen. Man hat viel von einer Isolierung Deutschlands gesprochen. Daß die Sozialdemokraten das tun, liegt in ihrem Wesen und System. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Weniger begreiflich aber ist mir, daß auch Nichtsozialdemokraten unsere Zustände schwarz in schwarz malen.- Welchen Nutzen soll es haben, wenn zum Beispiel ein frei- sinniges Berliner Blatt sagt:„Wo es sich um den Schutz der Deutschen im Auslände handelt, würde man heute erst fragen, was ist der Mann, welcher Koilfession gehört er an. welcher Partei zählt er sich zu?"(Unruhe rechts.) Wo sind die Tatsachen, die ein solches Urteil rechtfertigen? Alle Deutschen ohne Unterschied des Standes, des Geschlechtes, der Religion oder der Partei genießen unseren Schutz, auch die deutschen Sozialdemokraten.(Widerspruch bei den Sozial- demokraten.) Glaubt man denn wirklich im Ernst, daß es im Aus- lande so viel besser ausschaut als bei uns? Auch wenn wir isoliert wären— wir sind es nicht— brauchten wir nichts zu befürchten.(Bravo! rechts.) Wir haben es gar nicht nötig, jemand nachzulaufen. Wir sind in Deutschland allzu nervös geioorden (Oho! rechts und links.), oben und unten.(Heiterkeit.) In Be- ziehung auf den Dreibund möchte ich vor dieser Nervosität warnen. Wir haben uns mehr als einmal in einer ähnlichen Situation befunden, wo die Gefahr einer allgemeinen Gruppierung gegen uns nahe lag, und alles in allem war Deutschland damals materiell weniger stark als heute. Daß heute unsere Situation kompliziert und erschwert ist, rührt von unserer überseeischen Politik her.(Hört I hört I) Wir wissen aber alle, welche elementaren Gewalten— der rasche Aufschwung unserer Industrie, die Wirt- schaftliche Tüchtigkeit unseres Volkes— uns in die Weltpolitik eingeführt habe». Es sind schwierige Situattonen denkbar, in denen wir nur ans unsere eigene Kraft angewiesen sind. Aber ein starker Staat ruht sicher nur auf sich selbst und muß jeder Situation entschlossen entgegensehen können. Eine Zeit voll Mühe, die nicht ohne Gefahr war, liegt hinter uns. Jetzt ist die Situation in Europa und in der Welt eine ruhigere geworden. Unter der Oberfläche dauert die Unruhe allerdings noch eine gewisse Zeit fort, was uns zur Vorsicht und Umsicht mahnt. Sorgen wir dafür, daß unsere Machtmittel zu Wasser und zu Lande für uns ausreichen, vergessen wir über unsere inneren Streitigkeiten nicht das Interesse des Ganzen, und das deutsche Volk wird seine Stellung in der Welt zu behaupten wissen.(Lebhafter Beifall rechts, in der Mitte und bei den National- liberalen) Abg. Graf Oriola(natl.) beantragt die Besprechung der Interpellation. Der Antrag wird ohne Debatte angenommen. Mg. v. Vollmar(Soz.): In demselben Reichstage, in dem bisher die grobe auswärtige Politik taku(heilig, unantastbar) gewesen ist, und wo jeder Versuch der Sozialdemokraten, über die auswärtigen Angelegenheiten zu sprechen, unterdrückt worden ist, in demselben Reichstage ist nun an einmal das Bedürfnis zur Besprechung auswärtiger Angelegenheiten ein so dringendes geworden, daß die Herren nicht einmal bis zu demjenigen Zeitpunkt warteten, der eigentlich für die Besprechung dieser Dinge gegeben wäre, ich meine, bis zur allgemeinen Etatsdebatte. Dabei kann uns der Gedanke nichts verschlagen, dah offenbar die Interpellation den Reichskanzler weder unvorbereitet getroffen hat noch ihm un- angenehm ist. Basiermann will für die Zukunft die geheiligte Tradition, die auslpärtigcn Angelegenheiten als ausschliebliche . Domäne der weisen ReichSleitung zu betrachten, aufgeben. Er wird, wie er ausgeführt hat, sich in Zukunft in diesem Hause mit der auswärtigen Politik auf das stärkste beschäftigen. Die Zeiten sind vorüber, wo wir mit unseren Meinungen hinter dem Berge halten, so hat Herr Bassermann ausgeführt. Das rührt wohl von der Zeit her, wo er unter die„Scbwarzsehcr" gegangen ist. �Heiterkeit.) Er will feine Finger in alle Wnndsn der deutschen Politik legen. Da kriegt er für seine schönen Finger sehr viel zu tun.(Große Heiterkeit.) ES hat allerdings sehr lange gedauerk, bis die Herren aus ihrem gesunden Siebenschläferschlaf erwacht sind und sich auf den Weg begeben haben, den wir Sozialdemokraten schon lange gegangen sind, das heißt auf einen Weg, der dem unsrigcn wenigstens auf die Entfernung ähnlich' sieht. Ich will nicht bestreiten, daß der Reichskanzler etwas anders als gewöhnlich gesprochen hat. Mit der gewöhnlichen Frische und dem gewöhnlichen Leichtmut hat er nicht gesprochen. Heute sind ihm viele Bedenken aufgestoßen, die er früher nicht zugeben Ivollte und die er heute zugegeben hat. Aber er hat sein gewohntes Naturell nicht verleugnet. Im Grunde steht alles sehr gut. Es könnte gar nicht besser stehen. Man muß nur so bescheiden sein wie der Reichskanzler, der für jede Maßnahme irgend einer Regierung sofort eine Erklärung weiß. Wir haben eine wesentlich andere Antwort gar nicht erwartet. Die leichte Zufriedenheit mit allem ist uns ja als das Wesen des Reichskanzlers bekannt, und wir wisse» ja, daß die alles glättende Darstellung der Dinge seine Aufgabe ist. Ob er viele von uns überzeugt hat, weiß ich nicht. Wir Sozialdemokraten gehören jeden- falls nicht dazu. Wir sind der Meinung, daß— wie die gesamte Politik de? Reiches— so nicht zuletzt auch die auswärtigen Be- ziehnngcn sich in einer Verfassung befinden, die kaum viel schlechter sein könnte.(Sehr richtig! links.) Bei Beginn des Reiches haben die kriegerischen Erfolge eine große Anziehungskraft auf andere Länder geübt, und wenn ich auch nicht sage, daß wir damals besonders geliebt worden seien, so hat man uns doch gefürchtet. Man hat da-Z Deutsche Reich für die Zentralsonne eincspolltischenShstems gehalten, aber darin wurde man enttäuscht. Der erste unheilvolle Schritt ist die Politik gegen Ruß- land gewesen, die Rußland Frankreich in die Arme getrieben hat. Es muß dem Reiche ein Vorwurf gemacht werden, daß es dann mit Frankreich um die Wette vor dem Zarismus gekrochen ist. Hier muß ich vor allen Dingen den Vorwurf des Reichskanzlers zurückweisen, daß wir verlangt hätten, Deutschland solle sich in die innere Politik Ruß- lands einmischen zugunsten der Revolution. Wir haben lediglich verlangt, daß das Reich sich nicht zugunsten des Zarismus ein- mischt! Deutschland hat die Gelegenheit, die es hatte, auS dem vasallcnähnliche» Verhältnis zu Rußland loszukommen, die während des japanischen Krieges gegeben war, nicht benutzt, sondern es ist auf dem Wege, den es bis dahin beschritten hat, unentwegt weiter- gegangen. Dann ist da der Dreibund, von dem gesagt wird, daß er zer- bröckelt. Die scharfe Lage zwischen Deutschland und Frankreich, die nach 1870 vorhanden Ivar, hat allmählich abgenommen, besonders dank der energischen Agitation unserer Freunde in Frankreich. Es hat sich nun wenigstens ein leidlicher Zustand herausgebildet, um« fomehr, als die wirtschaftlichen Momente verbindend zwischen beiden Ländern gewirkt haben. Das war bis vor zwei Jahrzehnten. Da ist plötzlich in die deutsche Reichsleitung jene nervöse Unruhe hineingefahren, die überall dabei sein wollte, auch bei Angelegenheiten, die sie nicht im mindesten angingen. Jeder Tag hat uns eine neue Ueberraschung auf diesem Gebiete gebracht, ein brillantes Feuerwerk von prasselnden Reden, um nicht zu sagen Schwätzereien, die man versucht hat. als eisernen Handschuh hin- zustellen. WaS man damit erreicht hat, war. daß die benachbarten Länder und Regierungen abgestoßen worden sind, daß in immer zu- nehmendem Maße eine allgemeine Mißstimmung und Ab- neigung erreicht worden ist. Wir Sozialdemokraten haben die Reichsleilung oft dessen angeklagt und haben aus die unausbleiblichen Folgen hingewiesen. Aber jederzeit ist uns von feiten der Regierung und auch von Ver- tretern dieses Hauses darauf geantwortet worden: Alle diese Dinge gäbe es nicht. Man ist in dieser Art so lange fort- gefahren, bis die Geschichte von Algeciras den Schleier zerrisien hat. Unsere Diplomaten haben damals gar nicht gemerkt, daß sämtliche Regierungen einschließlich unseres Bundesgenossen Italien und ein- schließlich Rußlands sich hinter unserem Rücken bereits geeinigt hatten. Sodann ist die Eirtente in die Erscheinung getreten. Man hat besonders von feiten Frankreichs versucht, dieser Entente mehr den Charakter außerordentlicher Intimität zu geben. Das kann die Lage nur verschärfen. Aber gerade die Herren aus der nationalliberalen Partei haben kein Recht, die Regierung deswegen zu beschuldigen. Gerade sie haben Jahre hindurch an allen Feindseligkeiten gegen England regen Anteil genommen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Gerade von bedeutenden Natwnalliberalen wurden offensichtliche Drohungen gegen England ausgestoßen. Glanben Sie denn, hie Engländer sitzen auf den Ohren?•(Sehr richtig 1 bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Nationalliberalen fortfahren sollten, in diesem Hanf« auswärtige Politik zu betreiben, so sollten sie derartige verderbliche Gewohnheiten unterlassen. So ist es gekommen, daß das Ergebnis der ganzen glorreichen aus- wärtigen Politik der letzten eineinhalb Jahrzehnte, also die Zeit, wo das Reichs oberhaupt selbst die auswärtige Politik geleitet hat, nichts anderes ist, als ein völliger Znsammenbruch der deutschen auswärtigen Politik. (Sehr richtig!(inks.) Noch eine Bemerkung möchte ich machen über eine Sache, die bisher noch nicht berührt wurde. Es wurde nämlich in der Presse die Wiedererneuerung des Dreikaiserbündnisses ein- gehend erörtert. Dies wurde aber von der offiziösen Presse energisch bestritten, und zivar wurde dabei besonders auf unser Bündnis mit Italien hingewiesen. Aber ich wüßte nicht, wie uns Italien daran hindern sollte, da uns ja doch zur Zeit Bismarcks nickts daran gehindert hat, zu gleicher Jjeit ein Bündnis mit Oesterreich und mit Rußland zu haben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraren.) Die Gefahr ist um so größer, als indirekt an der Spitze der russischen Politik ein Mann steht, der sich� als würdiger Schüler des alten Jgnatiew erwiesen hat, der bei seinem hiesigen Besuch zweifellos auf derartige Phantome hingewiesen haben wird und der sich um so gemütlicher zeigen wird, wenn die Regierung durch einen großen Pump es dem Zarentum ermöglichen sollte, seine Existenz gegenüber dem russischen Volke noch eine Zeitlang weiter zu führen. Ich will kurz sagen: ich hoffe, ich erwarte, ich verlange, daß nicht zu den alten Torheiten noch die neue gemacht wird, und daß wir nicht etwa in ein derartiges Berhältnjs, wie es das Dreikaiiertum gewesen ist, wieder eintreten; das könnte uns gerade noch den Rest geben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn nun dieser vollige Zusammen- bruch der deutschen auswärtigen Politik vor allem zweifellos durch die glänzenden Fähigkeiten, durch die Zielsicherheit und die Voraussicht der illustren Leiter der auswärtigen Politik herbeigeführt worden rst, so hat aber zu dem Umstand,'daß die Antipathien ,n Europa gegen uns in solchem Maße zugenommen haben, noch etwas anderes bei- getragen. Es muß doch gesagt werden, daß heutzutage die mter- nationale Politik nicht mehr bloß von den offiziellen Reglerungs- kreisen gemacht wird. Das Empfinden der Völker ist heute ein lehr wichtiger und einflußreicher politischer Faktor; auf die Dauer wird ein Volk nicht Anerkennung und Macht erringen, wenn eS ihm nicht gelingt, sich die Achtung und die Sympathien der anderen Völker zu sichern. Nun wird kein vernünftiger Mensch den großen Anteil ver- kennen, den die deutsche Nation an den Werken der Kultur hat. die Rolle, die sie in erster Linie in den Künsten und Wissenschaften, in der Technik usw. gespielt hat. Wohl aber sind die inneren Zustände Deutschlands derartige, daß sie beinahe bei allen Kultur- Nationen Befremden, Mißtrauen und Abneigung gegen Deutsch- land erwecken müssen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Reichskanzler hat heute mehr als sonst von seinen eigenen Erfahrungen' gesprochen. Wir sind nicht in der Lage, über so große Erfahrungen verfügen zu können, aber viele von uns be- geben sich doch ins Ausland, viele verkehren mit Ausländern, und sie alle werden, wenn sie ein offenes Auge haben, dieselbe Er- fahrung machen: Fragen Sie einen Engländer, einen Franzosen, einen Italiener, reden Sie mit ihm über die Verhältnisse im Deutschen Reiche, so wird er Ihnen ohne weiteres nach kurzer Zeil sein Erstaunen darüber ausdrücken, wie es möglich ist, daß in dem auf so hoher Kulturstufe stehenden deutschen Volke Zustände einer solchen staatliche» Zurückgebliebcnhcit und Unfreiheit bestehen, wie bei uns(Sehr ivahr! bei den Sozialdemokraten), wie Deutschland eure Politik dulde» kann, bei der jegliche Sicherheit auch für die aus- wärtige Politik vollkommen ausgeschlossen ist. Eine Regierung, die nicht die Vertreterin und Ausführerin des Willens der Nation ist, eine Regierung, innerhalb welcher eine kleine, aber einflußreiche, rücksichtslos urrealtionäre Kaste herrscht, welche die ganze Politik be- stimmt, während der Hauptteil des Volkes völlig von jeder Ent- scheidung ausgeschlossen ist: eine Regierung, die mit der größten Partei des Landes auf einem systematisch organisierten Kriegsfuß steht— eine derartige Regierung kann ganz unmöglich dem Aus- lande Vertrauen einflößen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Eine Regierung, in der das persönliche Regiment und ein kaum ver« hülltcr Absolutismus und außerkonstitutionelle Einflüsse einen großen Einfluß haben, kann ganz unmöglich Sicherheit bieten für die Zu« lunft, weil ja die Entschlüsse jeden Tag wechseln, weil ganz und gar unberechenbare Stimmungen vorhanden sind, die von einigen wenigen oder schließlich von einem einzelnen abhängen, eine derartige Regierung kann genötigt sein, vielleicht gegen ihren eigenen Willen morgen zu tun, was sie heute nicht tun wollte oder morgen Versprechungen nicht ein einzulösen, die sie ursprünglich ge- geben hatte. Solche Zustände können leickt zu Kntastrovben führen. Es wäre gar nicht unmöglich, daß man die Unzufriedenheit im Innern durch Erfolge nach außen hin abzulenken sucht, und das ist der eigentliche wesentliche Grund, ivaruin Deutschland sich derartig alle Sympathien, die es hatte, verscherzt hat. Das ist keine Schwarz- eherei; ich glaube nicht, daß irgend jemand von Ihnen das be- trenen kann, was ich hier gesagt habe. Erinnern Sie sich der Hohenloheschen Denkwürdigkeiten und anderer, die uns wiederum vor Augen geführt haben, wie man wieder und wieder an gewalt- 'ame Lösungen, an innere Krisen gedacht, wie man wieder und wieder den Staatsstreich ins Ansfe gefaßt, um nicht zu sagen bereits vorbereitet hat. Unter diesen Umständen hat das deutsche Volk mehr als je alles Interesse daran, sich um jene Angelegenheiten zu kümmern, weil sonst die Gefahr besteht, daß es die Kosten für diese Politik tragen muß.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der größte Trugschluß wäre es, wenn man nun aus dieser Lage den Schluß ziehen wollte: Da wir nun einmal durch die Verkehrtheiten unserer Diplomatie so isoliert sind. müssen wir uns auf das Schwert vcrlaffen. Wir tragen bereits eine so starke Rüstung, daß das deutsche Volk sie kaum zu ertrage» imstande ist: also an Waffen fehlt es uns wahrhaftig nicht. Woran es fehlt, das find geordnete, freiheilliche Zustände im Innern.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Es muß jede Möglichkeit, daß unsere Politik von den Zufälle» persön- sicher Launen abhängt, hinweggeräumt werden. Die deutsche Politik mutz endlich daS Organ des Willens des deutschen Volkes werden, das in seiner erdrückenden Mehrheit nickits anderes will, als mit den benachbarten Ländern in Frieden und Freundschaft leben. Erst wenn es dahin lomnit, wird es uns möglich sein, das Vertrauen der anderen Völker wiederzugewinnen und wieder bündnisfähig zu werden. Dies Ziel erstrebt die Sozialdemokratie seit Jahrzehnten und deshalb hat man uns aus Torheit oder Niedertracht.un- national" und.unpatriotisch" genannt. Unsere Freunde in Frank- reich haben sich ein besonderes Verdienst um die Erleichterung der Spannung zwischen Deutschland und Frankreich erworben. Der Herr Reichskanzler war vorhin, als er aus diesen Punkt kam. recht un- glücklich. Er sagte zuerst, es gäbe keinen einzigen Menschen in Frankreich, der den Mut gehabt habe, gegen die Revanche- slimmung in Frankreich auszutreten. Als dann von unserer Seite der Ruf:„Jaures!" fiel, meinte der Herr Reichskanzler:»Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer!" Also zuerst war es gar keiner, nachher wenigstens einer!! Aber Jaurvs mag eine noch so be« deutende Persönlichkeit sein, er würde doch nicht entfernt die Be- deutung in Frankreich haben, wenn nicht die französische Sozial- demokratie hinter ihm stände.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- deinokraten.) Die französische Sozialdemokratie mit Jaurös und anderen an der Spitze hat von jeher die Revanckiepolitik mit aller Entschiedenheit bekämpft. Als freilich Innres nach Berlin kommen ivollte, um die Solidarität der beiden Böller zu zeigen, da hat man ihn nicht hereingelassen und ihm mit Ausweisung bedroht, wahr- scheinlich damit der Reichskanzler dem deutschen Volke nicht in natura einen vernünftigen Franzosen-zeigen konnte. Aber Wahrheit muß Wahrheit bleiben: Es ist gerade die französische Sozial- demokratie gewesen, die unter den schwierigsten Umständen sich-in außerordentliches Verdienst um die guten Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland erworben hat. und eS hätte dem verantwortlichen Leiter der deutschen Reichspolitik recht gut ge- standen, wenn er diese Dienste offen anerkannt hätte, anstatt sie, weil sie ihm unbequem sind, einfach beiseite zu schieben.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Nun sind wir deutschen Sozialdemokraten, obwohl wir die größte Partei des Reiches sind, leider infolge der augenblicklichen innerpolisischen Verhältniiie nicht in der günstigen Lage wie unsere französischen Parteigenossen, un- mittelbar aus die auswärtige Politik einzuwirken. Aber die Sozial- demokraten sind fest entschlossen, ihre ganzen Kräfte bi» zum äußersten aufzubieten, um alles dasjenige zu bekämpfen, innerhalb und außer- halb Deutschlands— wo wir eS können— was den Frieden zwischen den Völkern stören könnte, jenen Frieden, der eine not- wendige Voraussetzung der sozialen und politischen Befreiung ist. Wir Sozialdemokraten werden unsere ganze Kraft aufbieten, um gegenüber de» Bestrebungen der herrschenden Klassen dahin zu wirken, daß die Entseffelung eines Krieges verhindert wird, deffen Ende ganz unabsehbar, dessen Ausgang ganz unberechenbar ist, dessen Greuel das sichere Ergebnis haben würden, daß der Kulwr der beteiligten Bölker ein unwiederbringlicher Schaden zugefügt würde. Mit dieser Erklärung, die ich im Namen metner politischen Freunde hier abgebe, möchte ich schließen.(Lebhaftes Bravo bei den Sozialdemokraten.) Abg. Graf Limhurg-Stinim(k.) bleibt auf der Tribüne un- verständlich. Abg. Dr. Spahn(Z.): Ich fteue mich zunächst, daß das heutige Auftreten des Reichs- kanzlers uns den Beweis feiner wiederhergestellten Gesundheit ge- geben hat. Ich freue micki weiter darüber, daß seine Rede dem Reichs- tage Gelegenheit zur Erörterung der auswärtigen Politik gibt. Gegenüber Herrn v. Vollmar möckite ich betonen, daß gerade die Zentrumsparlei ständig die Mitwirkung des Reickstags bei der Fest- legung der Richtlinien der auswärtigen Politik gefordert hat.— D»e'jährliche Vermehrung der deutschen Bevölkerung um 000 000 Menschen bedingt die Notwendigkeit einer Ueberseepolitik. Aber die daraus entstehenden wirtschaftlichen Friktionen mit England sind nicht bedeutend genug. um ihm «inen Krieg mit Deutschland wünsckenSwert erscheinen zu lafien. Ebenso wenig geben unsere Flottenrüstungen Anlaß zur kriegerlschei, Stimmung Englands.— Redner verbreitet sich darauf in längeren. auf der Tribüne großenteils unverständlich bleibenden Ausführungen Über die rufsifch-englifche Verständigung, kommt auf die Memoiren -des Fürsten Hohenkohe zu sprechen und nimmt diesen gegen manche Angriffe der Bisnzarckianer in«chutz. Was Italien betrifft, so bin ich der Ansicht, daß kein Grund zu der Annahme vorliegt, daß eS uns im Kriegssalle die Bundeshülfe verweigern ivürde. Von der Reichsoerdrosieicheii ist auch viel die Rede gewesen. Eine der Hauptursächen der Reichsverdrossenheit ist, daß nicht überall daS allgemeine gleiche Wahlrecht besteht«Lachen und heftiger Widerspruch rechts) und daß das Wahlrecht zum Reichs- tage, an dem das Zentrum unverbrüchlich festhält, sich fortgesetzt Angriffen ausgesetzt sieht. Ich erinnere Sie(nach rechts) an die bekannte Herrenhausrede des Grafen Mirbach.(Sehr richtig! links und im Zentrum.) Wir wünschen eine kräftige auswärtige Politik nach dem Worte des Fürsten Bismarck— obwohl ich sonst nicht zu den unbedingte» Verehrern des Säkularmenschen gehöre—:»Wir Deutsche fürchten Gott und sonst nichts in der Well I"(Bravo! im Zentrum.) Abg. Dr. Wiemer(frs. Vp.): Es würde gut sein, wenn nicht nur die Volksvertretung, sondern auch das Volk da draußen im Lande lebhaftere» Anteil an der auswärtigen Politik nehmen möchte. Vielleicht helfen in dieser Hinsicht die Memoiren des Fürsten Hohen- lohe ein wenig. Nicht alle diplomatischen Aktenstücke können der Oeffentlickteft vorgelegt werden: mit dem System der Geheimnis- tuerei muß aber gebrochen werden, und speziell die Budget- kommission sollte dafür sorgen, daß ihr eingehendere Lufschllisie über die auswärtige Politik Deutschlands gegeben werden.(Zu- slimmung links.) Auch der Reichskanzlei hat die Isolierung Deutsch- lands nicht völlig in Abrede stellen können.— Daß die Sympathien für Deutschland in Italien in Abnahme begriffen und eine starke Neigung für Frankreich dort vorhanden ist. wird sich nicht wegleugnen lassen.— Wir erkennen an, daß wir eine Flotte haben müssen, die stark genug ist. unseren Handel zu schützen, wenn wir natürlich auch nicht die stärkste Flotte in der Welt haben können.— Was unsere Beziehungen zu Frankreich betrifft, so ist nickt zu vergessen, daß Clömenceau als Journalist die Politik Delcassvs»crurteilt hat. Ich hoffe, daß Herr Clvmenceau als Minister die friedlichen Gesinnungen beibehalten wird, die er als Journalist gehegt hat.— Es muß anSgesprvchen werden, daß es in Teutschland Staatsmänner gibt, die es als ihre höchste Aufgabe be- trachten, dienstivillige Diener eines höheren Willes zu sein. Ein solches Regiment ist gefährlich in der inneren Polittk, es ist doppelt gefährlich in der äußeren Politik. Daß der Reichskanzler keine Antwort auf die dnrchcnis richtige Kenntlichüng der Kamarilla durch den Abgeordneten Bassermann gefunden hat, gibt zu denken. Der Reichskanzler nannte RcichSkag, Reichskanzler und Bundesrat die Etagen des Reichsgebäudes. Ich erinnere an das Wort eines früheren nationallibcralen Führers, daß Kaiser und Reichstag an einem Tage geboren sind. Wir sind keine Schwarzscher. aber das Recht der Kritik werden � wir uns nicht nehmen lassen. Klarheit und Festigkeit, nicht Festlichkeiten seien das Motto unserer auswärtigen Politik!(Lebhaftes Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. v. Ticdcmann(Rp.): Wir freuen uns, daß die Herren Interpellanten dem Herrn Reichskanzler Gelegenheit zu seinen lichtvollen Ausführungen gegeben habe», und wir sind überzeug� daß das Deutsche Reich unter seiner Leitung fortfahren wird, das Bollwerk des Friedens in der Welt zu sein.(Beifall rechts.) Reichskanzler Fürst Bülow: Gegenüber dem Herrn Abg. Spahn möchte ich feststellen, daß ich den Ausschuß des Bundesrats für auswärtige Angelegenheiten wiederholt und gerade in schwierigen politischen Momenten ein- berufen habe(Hört! hört!). beispielsweise, als die chinesische Expedition im Sommer 1900 vorbereitet wurde, und dann wieder im Früh- jähr 190S in einem besonders entscheidenden Augenblick der Marokkofraflc. Ich bin mir wohl bewußt, wie ivichlig e» ist, daß unsere auswärtige Politik die vertrauensvolle Zustimmung der Bundesregierungen findet.(Zuruf bei den Sozialdemokraten;„Und des Volkes 1") Und auch des Volkes l Das versteht sich von selbst, daran brauchte mich der geehrte Herr nicht zu erinnern. Ich komme' jetzt zu einem sehr ernsten Gegenstände, den die meisten Vorredner auch gestreift haben, nämlich zu dem persönlichen Regiment oder zu dem sogenannten persönlichen Regiment. Ich habe einmal gesagt, daß ein seiner moralischen Verantwortlich- keit sich bewußter Reichskanzler nicht im Amte bleiben werde, wenn er Dinge nicht zu verhindern vermag, die nach seinem Pflicht- gemäßen Ermessen das Wohl des Reiches wirklich und dauernd schädigen können. Wären solche Dinge vorgefallen, ko würden Sie mich nicht mehr an dieser Stelle sehen: denn was Sie auch über mich denken mögen, ein Kleber bin ich nicht, dessen seien Sie versichert. Ich habe damals weiter gesagt, daß ich es ablehnen würde, selbst bei Kundgebungen Seiner Majestät des Kaisers, auf welche sich streng genommen meine verfaffungsmäßige Verantwortlichkeit nickt erstreckt, die moralische Verantwortung zu übernehmen für die Rück- Wirkung solcher Kundgebungen auf den Gang der Polisik-, denn ich sei dem Bundesrat und diesem hohen Hause für die Führung der Geschäfte dabin verantwortlich, daß nicht der innere oder äußere Friede beeinträchttgt werde. Wie sehr ich mir dieser Verantwort- lichkeit bewußt bin, habe ich bei mehr als einer Gelegenheit gezeigt. Ich erinnere Sie nur an den Gang der Lippeschen Fragen. Man kann über die Vorzüge wie über die Nachteile des parlamcn- tarischen RcgierungSsystems sehr verschiedener Anficht sein. Es gibt Länder, wo mehr die Borzüge hervortreten, beispielsweise England. wo das parlamentarische Rcgierungssystem seit Jahrhunderten zur allgemeinen Zufriedenheit. � und zum Segen des Landes be- steht. ES gibt auch Länder, wo sich mehr die Schatten- feiten des parlamentarischen Systems zeigen, weil eS eben kein Rcgierungssystem gibt, daS für alle Länder paßt, ebenso- wenig wie es einen Rock gibt, der allen Menschen fitzt, oder eine Medizin, die alle Krankheiten heilt. Bei unS ist das parlamentarische Regicrungssystem schon deshalb nicht möglich, weil bei unS keine der großen Parteien die ablolute Mehrheit bat und nach unserer ganzen politischen, wirtschaftlichen und konfesstonalen Struktur voraussichtlich in absehbarer Zeit keine diese Mehrheit ge- Winnen wird. Die Gewähr stir die venassnngsmähige Eutwickelung der Dinge liegt bei uns darin, daß die Regierungsanordnungcn des Monarchen nur insoweit wirksam sind, als er einen Minister findet, der sie unter seiner eigenen Verantwortung ausführt.(Abg. Host- mann sSoz.j:.Find't er schon!"— Große Heiterkeit) Ich kann mir sehr wohl denken, daß ein Minister finden kann, da»; ein zu häufiges persönliches Hervortreten des Regenten, ein zu weit getriebener monarchischer Subjektivismus, ein zu häufiges Erscheinen des Monarchen ohne die ministeriellen Bekleidungsstücke, von denen in seiner Weisheit Fürst Bismarck sprach, den monarchischen Jnter- essen nicht zuträglich ist(Sehr richtig l links), und daß er daher die Verantwortung nicht übernehmen kann. Aber die Auffasiung, als ob der Monarch in Deutichland keine eigenen Gedanken über Staat. Regierung und Politik haben dürfe, als ob er nur mit dem Kopfe seiner Minister denken, als ob er nur zu sagen hätte, was wir ihm aufgesetzt haben, ist grundfalsch; sie totberspncht dem deutschen Staatsrecht und auch den Wünschen und Neigungen des deutschen Volkes.(Lachen links.) Das deutsche Volk will keinen Schattenkaiser, es will einen Kaiser von Fleisch und Blut Nennen Sie mir doch einen einzigen Fall, wo sich unser Kaiser in Wider- spruch gesetzt hätte mit der Vcrfasiung! Ich bin überzeugt, daß— wie Sie mir jetzt keinen solchen Fall iienneii können—- Sic mir niemals einen solchen Fall nennen können: denn ich habe die Ueberzeugung, daß unser Kail er stets die Berfaffiiiig gewissenhaft beobachten ivird. wie das seine Pflicht ist. So lange der Kaiser aber die Grenzen und Schranken der Verfassung einhält, vermag ich in den Klagen über persönliches Regiment oder Absolutismus nur den Ausdruck der von mir schon gekennzeichneten Neigung zu Uebertreibungen erblicken. Unser Kaiser ist ein viel zu gerader Charakter und klarer Kopf, als daß er in politischen Tingen sich anderswo Rats erholen sollte als bei seinem eigenen Pflichtgefühl und bei seinen berufenen Ratgebern. Deshalb richte ich an die verehrten Herren die Bitte: lassen Sie unbegründetes Mißtrauen fallen und vereinigen Sie sich auch in diesem Winter mit den verbündeteil Regierungen zu fruchtbringender und ersprießlicher Arbeit.(Bravo!) Sterauf vertagt sich das Haus. Nächste Sigung: Donnerstag 1 Uhr.( Fortsetzung der Besprechung der Interpellation. Wahl prüfungen. Zweite Lesung des Vogelschutzgesetzes.) Schluß 6 " Uhr. Aus der Partei. " " W Gemeindewahlen. In Rheinau( Baden) siegte in der dritten Klasse die sozialistische Liste mit 109 bis 104 Stimmen gegen den bürgerlichen Mischmasch, der 94 bis 98 Stimmen aufbrachte. Die Wahl war nötig geworden, weil die vorige wegen grober Unregelmäßigkeiten für ungültig erklärt werden mußte. Damals hatten die Gegner gefiegt durch jene Verstöße. Aus der Frauenbewegung. # Dienstbotennot. wird die Stadt demgemäß auch die Ausgaben für Medizin übernehmen. Ob die Zahl der Geschlechtskranken nach der neuen Ordnung der Dinge steigen oder sinken wird, läßt sich noch nicht feststellen. In der letzten Augustwoche wurden in Kopenhagen 134 folcher Krankheitsfälle gemeldet, in der ersten Novemberwoche 166, eine Steigerung, die jedenfalls auch auf die Unentgeltlichkeit der Behandlung zurückgeführt werden kann. benen A. b. Berg, die längere Zeit einem Mädchenheim vorstand, beröffentlicht in der Gleichheit" einen Artikel, dem wir folgendes entnehmen: bdien gegenit Der Grundfehler der Hausfrauen den Mädchen gegenüber beDas Berliner Blatt", ein Ableger der Deutschen TagesVom Fortschritt der Preffe. Die Mannheimer, Bolts- steht im allgemeinen darin, daß sie meinen, um den Lohn die ganze Stimme" hat mit Beginn des IV. Quartals wieder um etwa 300 Beit, die ganze Kraft derselben gekauft zu haben. Von alters her zeitung", ein Blatt, das besonders in landwirtschaftlichen Distrikten neue Abonnenten und damit die Zahl 13 000 erreicht. herrscht die Gewohnheit, es als gutes Hecht anzusehen, Gefund fein Unwesen treibt, aber für Bildungsbestrebungen wenig VerPersonalien. Genosse Paul Pezold, gegenwärtig Redakteur aufzubrauchen. Diese Gewohnheit fürchten die schwachen schul- folgender geschmacklofen Weise auf: heit, Kraft und Zeit der Dienenden zum Vorteil der Herrschaft ständnis hat, regt sich in seiner Nummer vom 6. November cr. in der Ostschweizerischen Arbeiterzeitung" in Sanft entlaffenen Mädchen, und vor ihr fliehen die Dienenden, welche " in Die fozialdemokratischen Bestrebungen, den Berliner Dienstboten Gallen, ist als Redakteur für die Chemnitzer Bolts- schon Erfahrungen in den Familien gemacht haben. Die Haus Bildung zu lernen", zeitigen sonderbare Blüten. Da ist der„ Bers st imme" gewählt worden. frauen find also selbst schuld an dem Mangel an Dienstboten. Es ein für die Interessen der Hausangestellten", so viel uns erinner Als Redakteure der Berner Tagwacht", die bom fei mir gestattet, aus meinen Erfahrungen den Beweis für das eben lich, eine Gründung des famosen, in steter" Mauserung" nach links 1. Dezember ab täglich statt wie bisher aweimal wöchentlich erscheint, Gesagte zu erbringen. Sechs Prozent der Mädchen, die von dem begriffenen Abg. von Gerlach. Wir verzeichnen hier nur zwei wurden die Genossen Huppy und Meister gewählt. mir bekannten Heime aus binnen zwei Jahren in den Dienst ge- Vorträge, die innerhalb einer Oftoberwoche in diesem Vereine verZum Arbeiterfekretär in Osnabrück wurde der treten sind, hatten Erlebnisse in der Art der nachfolgend gefchilderten. zapft worden sind. Am 21. Oftober verbreitete sich das jüdische Genosse Ehrliger aus Elberfeld, bisher Sekretär der dortigen Ein blühendes, braves, fleißiges Mädchen trat in den Dienst bei Fräulein Altmann daselbst über„ Ethit"! Und am 25. Oftober Rechtsauskunftsstelle der Gewerkschaften, gewählt. einer Frau Doktor. Früh um 4 Uhr mußte es täglich aufstehen, bis machte der wohl auch nicht gerade sehr christliche Herr Davidsohn 8 Uhr bei Winterkälte und offenen Fenstern acht Stuben mit faltem die gebildeten Hausknechte und Dienstmädchen mit den Dichtungen Wasser aufwischen, dann erhielt es zum Frühstück eine trockene der Ada Negri bekannt. Um die Verdauung der Vorträge, die bei Dronen, die der großen Mehrzahl der Zuhörer ziemlich mangelhaft sein dürfte, Semmel, feinen Tropfen warmes Getränt! Kinder beforgen und Mittagessen tochen folgten, wobei die etwas zu fördern, schließen sich an die Vorträge gewöhnlich Tanz Frau, die Hände am Rücken, dabei stand und auf beluftigungen an. Die Haupttätigkeit der Leiter dieser und ähnlicher paßte, daß das Mädchen nicht aus Hunger etwas genieße. Diefes Vereine besteht natürlich darin, die Mitglieder mit ihrem Lebenslose In Breslau steigerten unsere Genossen bei den Stadt betam nichts vom frischen Essen, sondern vom Tage vorher übriges, unzufrieden zu machen, sie gegen die Dienstgeber aufzuwiegeln. Wir glauben gern, daß es den Lesern jenes Blattes unangenehm berordnetenwahlen der dritten Abteilung ihre Stimmen von 2794 zusammengeworfen und aufgewärmt, in einem unsauberen, rostigen auf 4886, alfo um 1592, der Freisinn sant von 2944 auf 2645, also Topfe. Fünf Tage vermochte das Mädchen nicht, diese Stoft ist, zu hören, daß die Dienstboten anfangen, sich Bildung anzueignen um 299, die Konservativen stiegen von 5517 auf 7102, also um hinunterzuwürgen; am sechsten zwang es der Hunger dazu;" da und über ihre Lage nachzudenken. Wenn sie dabei mit den be= 1585 Stimmen. In fünf von 10 Bezirken, die zur Wahl standen, schmeckte ich ja nichts mehr", sagte die Wermste. Nachmittags stehenden Verhältnissen unzufrieden werden, so liegt das nicht an ſtehen unsere Genossen in der Stich wahr, viermal mit den ver- erhielt sie schwarzen Kaffee ohne Milch( ihre Bitte darum denen, die sich mit der Lage der Dienstboten beschäftigen, sondern einigten Konservativen und Zentrumsleuten, einmal mit dem wurde mit empörtem Gelächter abgewiesen), ohne Zucker, ohne vielmehr an Zuständen selbst, unter denen die Dienstboten zu leiden Freifinn. Gebäck, und nachdem fie, fortwährend gescholten, bis abends haben und die besonders in den Ortschaften zur Unerträglich in ausgewachsen sind, gearbeitet hatte, eine kleine unbelegte Butterschnitte. Herr und feit das Berliner Blatt" Eine Warnung erläßt der Vorstand des deutschen sozial Frau Doktor gingen abends aus, und ihr wurde ein Stoß wäsche seine Weisheit verzapft. Gerade für die Landwirtschaft demokratischen Lefetlubs zu Paris( 9 Rue de Valois). zum Ausbeffern hingelegt. War fie damit bis 1 Uhr, wo die wie für den Dienstbotenberuf im allgemeinen gilt die Wegen Betruges und Unterschlagung von Vereinsgeldern wurde der Herrschaft kam, fertig, so durfte sie zur Ruhe gehen. Als die Herr Parole: Die dümmsten Arbeiter sind die besten." Buchhändlergehülfe Frank Scheftel von Berlin aus dem sozial- fchaft einmal um 3 Uhr morgens nach Hause fam, sagte Frau unerfüllbar" nennt das Blatt die Abschaffung der Gesindeordnung demokratischen Leseklub in Paris ausgeschlossen. Nachträglich hat Doktor:„ Wenn Sie für die eine Stunde noch schlafen gehen wollen, und die Errichtung von Haushaltsgerichten( foll wohl heißen: Versich herausgestellt, daß Scheftel von früheren Aufenthaltsorten her so können Sie gehen." Das Mädchen berichtete:„ Da war mir, als tragsbedingungen), und weiter wird gesagt:" Der Wunsch, auch das ( Berlin, Augsburg, Essen, Stuttgart) verschiedene Veruntreuungen wenn man mir das Herz aus dem Leibe geriffen hätte, es schauderte Gesinde und die ländlichen Arbeiter unter die Reichsgewerbeordnung auf dem Gewissen hat. mich." Nun faßte es den Entschluß, die Stellung zu verlassen; aber zu stellen, fann feine ihrer Verantwortung bewußte Regierung erVon der Verantwortlichkeit in Preßsachen. Das Oberlandes- wie fortkommen? Immer war das Mädchen in der Wohnung ein- füllen.". Uns fann es nur recht sein, wenn das„ Berliner Blatt" in gericht in Naumburg beschäftigte sich als höchste Instanz mit einem gesperrt, durfte mit niemand sprechen, die Frau gab das Dienstbuch dieser Weise vorarbeitet, damit wir in den Landdistrikten nicht ganz Beleidigungsprozeß, den ein Privatsekretär gegen den Berichterstatter nicht heraus und verlangte Entschädigung für erdichtete Schäden, unvorbereiteten Boden finden. Genossen Ebeling- Halle anhängig gemacht hatte. Jener Privat- Bezahlung der Vermietsfrau und den Lohn für eine neue Haus sekretär, der auch gegen mehrere Redakteure von unserem Halleschen sllavin. So viel hatte das arme Kind nicht. Endlich wurde das Parteiorgan klagte, weil in Gerichtsberichten seine Vorstrafen( acht Mädchen ernstlich frant, mußte aber die Arbeit wie sonst verrichten. Jahre Zuchthaus) genannt worden waren, wollte auch absolut die Die unglückliche hielt es nicht mehr aus, gab der Frau Doktor alles Bestrafung Ebelings bewirken, weil dieser in der Verhandlung, in Geld, das fie hatte, verzichtete auf allen Lohn und packte. Die der zur Klärung des Sachverhaltes die Vorstrafen erörtert gebildete" Frau schlug zum Schluß das Mädchen noch mit dem werden mußten, an einem Tisch gesessen und geschrieben hatte. glühenden Schürhaken ins Gesicht, dann ließ sie es gehen. Nur Vor dem Schöffengericht und dem Landgericht Halle lehnte Ebeling 14 Tage war die Arme in dieser Stellung gewesen; als sie ins die Verantwortung ab, zumal Genosse Redakteur Däumig als Heim zurückkehrte, war sie nicht wieder zu erkennen: um Jahre Zeichnender die Verantwortung übernommen hatte, aber nicht ber- gealtert, eine Brandwunde an der Stirn, die Hände blutend aufflagt worden war. Gleichwohl mußte Genosse Däumig in derselben gefprungen, verhungert, und die Stimme gang gebrochen; aus jedem Sache als Zeuge auftreten. Beide Instanzen sprachen Ebeling frei, Worte flang es noch nach Tagen wie verhaltenes Schluchzen. Ihre da seine Tätigkeit am Gericht gar kein Beweis dafür wäre, daß er Nerven waren wohl für immer zerrüttet, die Qualen waren zu groß Eine versinkende Stadt. Neuerdings ist ein Teil der Stadt die inkriminierten Säge geschrieben habe. Auf eingelegte Revision gewefen. Mit dem nächsten Dienstmädchen, einem Landmädel, ſchloß Tavernola in den Jſeoſee geſtürzt. Da bie Erbrutschungen fortdes Klägers stellte sich auch das Oberlandesgericht auf diesen Stand- die Frau Doktor vorsichtig einen Vertrag auf ein Jahr. punkt. Der Privattläger wurde abgewiesen und hat die nicht un- Nach brei Tagen tamen fie laut weinend zurück. Sie hatten ihre verschwinden wird. Zwei andere nette Mädchen traten in den Dienst auf dem Lande. dauern, so befürchtet man, daß allmählich die ganze Stadt im See Koffer im Stiche gelassen( was das heißt, weiß man!), weil man sie Seemannstod. Der französische Dreimaster Duchesse de mit dem Schrubber geprügelt und ihnen alles nachgeworfen hatte. Berry" aus Nantes, welcher am 29. Juli nach San Francisce Sie waren ganz verstört, wollten von feinem neuen Dienste hören abgegangen ist, ist in der Nähe der chilenischen Küste untergegangen und fagten nur immer( obgleich durch den Tod der einzigen Kuh zu Bon der 27 Stöpfe zählenden Mannschaft wurden nur acht gerettet. Hause Not herrichte):„ Wir wollen heeme, wir wollen heeme!" bedeutenden Kosten dreier Instanzen zu tragen. derben Aus Induftrie und Handel. Fiskalische Sozialpolitik. Ein Mädchen mußte bis 2 Uhr nachts waschen, erst dann bekam weil der unartige Bub den Spiegel getroffen hatte, als er sein Glas es das Abendbrot; einem anderen wurde mit Entlassung gedroht, nach dem Mädchen warf. " Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Bc. nukung für jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 5-10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9-1 und 3-6 Uhr. in den Lesesalen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Verband der Friseurgehülfen Deutschlands. Zweigverein Berlin und Bororte Zahlstelle Charlottenburg. Heute Donnerstag, den 15. d. M., abends 9%, Uhr, Mitgliederversammlung bei Mertens, Krummestr. 43. Vermischtes. Witterungsübersicht vom 14. November 1906, morgens 8 1hr. Stationen München Wien Barometer fland mm 773 D 777.92 richtung Wind a րայա Better wolfig 1 wolkig Zemp. n. T. KT.= 7* 97. Stationen Barometer. stand mm Wind 4 Haparanda 7 Petersburg 765 NW 7 Scilly 1 2 Regen 1 bedeckt -1 Baris 6 Aberdeen Bun; pp Windstärke Better Temp. n. G. 2 bebeďt 7 770 SSW 2 halb bd. 9 767 SSW 1 bedeckt 772 DND 2wolfen! 0 7 20 Durch die letzte Preisherauffezung für Saarfohlen hat der Fiskus aufs neue bewiesen, daß von ihm eine preismäßigende Initiative nicht zu erwarten ist. Im Gegenteil, Vater Staat sucht die höchsten Preise herauszuschlagen, er geht sogar noch über die Seit Aufhebung der reglementierten Prostitution in Dänemark Preisfestsegungen der Syndikate hinaus und er bezahlt die niedrigsten war am 11. November ein Monat verflossen, und in dieser Zeit Löhne! Db der Staat in das Kohlensyndikat eintritt oder nicht, ist ist in der über 400 000 Einwohner zählenden Hauptstadt des Landes für dessen Preispolitik von wenig Einfluß; die beiden Interessenten, nicht eine einzige Frau wegen erwerbsmäßiger Unzucht verhaftet Swinembe. 772 GD Fistus und Privattapital, würden bei jeder Preiserhöhung fich oder sonstwie von der Polizei belästigt worden. Daraus ist der gamburg 773 SB 772 N gegenseitig verteidigen. Weil man weiß, daß der Fiskus Allgemeinheit, soweit sich bis jetzt feststellen läßt, keinerlei Nachteil Berlin beim Anziehen der Preisschraube niemals das Spiel ver- erwachsen. Der Chef der Sittlichkeitspolizei Kopenhagens äußerte Franta.M. 772 ND 2 heiter wünscht würde, deshalb man den Eintritt des sich einem Mitarbeiter von„ Social- Demokraten" gegenüber wie 3 wollig Staates in das Syndikat. Wird dem entsprochen, dann folgt über die neuen Berhältnisse: finden die Syndikatsmänner bei jeder Preiserhöhung RückenWetter- Prognose für Donnerstag, den 15. November 1906. " Das Leben auf der Straße gestaltet sich sehr ordentlich und Trocken und vielfach heiter bei schwachen südlichen Winden; etwas tälteret deckung durch Hinweis auf den Fistus, der als Schüßer der Gesamt- fein. Wohl sieht man jetzt des abends einige Frauen mehr, von Nacht und steigender Kagestemperatur. interessen der Erhöhung habe zustimmen müssen. Die Sache läge benen man vermuten fann, daß sie Herren suchen, aber irgend Berliner Betterbureau. anders, wenn der Staat das Monopol in der Kohlenförderung hätte, ein öffentliches Aergernis ist dadurch gar nicht entstanden. Im dann ständen alle die einflußreichen Kreise, deren Interesse jest Vergleich mit den Großstädten des Auslandes sind Kopenhagens durch hohe Kohlenpreise gefördert wird, mit ihren Interessen und Prostituierte gering an Zahl und bescheiden. Man braucht nur Wafferstand am 14. November. Ibe bei Ausfig Meter, bet Forderungen im Lager der Konsumenten. Wir meinen die großen einmal nach Berlin zu reisen, um den Unterschied gewahr zu Straußfurt-Meter, bei Magdeburg+1,03 Meter. 11 u strut bei Meter. Dder bei Ratibor 1,03 Meter. Neißes gemischten Betriebe. Da diese selbst Kohlenproduzenten sind, kann werden. In der Friedrichstraße und anderen Verkehrsstraßen mündung+1,14 Meter. Ober bei Brieg+1,70 Meter. ihnen das Aufsteigen der Kohlenpreise zu schwindelnder Höhe nur schwärmen zur Abendzeit ungeheure Mengen von Frauen umber. bei Breslau Unterpegel 1'50 Meter. angenehm sein. Die hohen Preise kommen ihnen auf jeden Fall zu Ich nehme an, daß die geringeren Arbeitslöhne in gute, nur dem Verbraucher, der die Kohlen nicht selbst produziert, Berlin einen unseligen Einfluß ausüben. treiben hohe Brennmaterialpreise die Selbstkosten in die Höhe. Wäre Doch haben wir selbstverständlich auch eine bedeutende oder würde der gesamte Sohlenbergbau verstaatlicht, dann hätten Brostitution, die allerlei Lebenszeichen von sich gibt, unter anderem alle Verbraucher ein Interesse daran, die Preise niedrig zu halten und in den Anzeigespalten mehrerer Blätter. Bisher haben wir die der Staat hätte als schärfste Opponenten gegen sich diejenigen, die nun Annoncierenden nicht ausspioniert, selbst wenn Name und Adresse selber die Preise hoch schrauben. Daß auch die Arbeiter feine Vor- angegeben waren. teile zu erwarten haben bei einer Beteiligung des Staates an Dresden Neu erfchienen Briefen on tegen, ette 3. Phil. Becker, Ober ihre Arbeiter Startellen des privaten Kapitals, das sieht man auch in der Rali- endgültiges Urteil über die Wirkungen des neuen Gefeßes nicht Briefe und Auszüge aus Die Stadt Berlin und Im übrigen tann ich nach Verlauf von nur einem Monat ein find folgende Schriften, die wir unseren Lesern bestens empfehlen: induſtrie. Hier hat der Fiskus, der mit 73/1000 der Beteiligung dem abgeben. Aber ich meine, daß die Verhältnisse nun Syndikat angeſchloſſen ist, einen maßgebenden Einfluß. Aber trog- bedeutend beffer find als früher, Früher war boch dem und obwohl die Kaliindustrie dem Stapital glänzende Erträge die Prostituierte jeden Tag gezwungen, Geld für das teure Bimmer nisse liefert und die Produktivität ganz außerordentlich gewachsen herbeizuschaffen. Das ganze System zwang fie, fich zu verkaufen. ist, sind und bleiben die Lohnverhältnisse in der Kaliindustrie Nun hat sie jederzeit den Weg offen, sich einen reblichen Erwerb miserabel. zu suchen, und sie wird nicht mehr in dem Grade von andern aus gebeutet wie früher." Es betrug nämlich im Oberbergamtsbezirk Halle: Jos. Diengen, Frie: drich Engels, Karl Marr u. a. an F. A. Sorge und andere. Breis brosch. 4 M., in qutem Einband 5 M., in einfachem Einband 4 M. Sena und Tilfit. geschichte von Franz Mehring. Die Aufgabe, den Prostituierten zu helfen, sich auf andere pro 100 M. Weise ihren Lebensunterhalt zu verschaffen, hat die Inſtitution Gin Kapitel oftelbischer Junker für Gefängnishülfe übernommen, und dafür bis jetzt 28 000 Kronen ausgegeben. Man erwartet, daß der Staat diese Summe Jahr Arbeiter zahl Gesamt. förderung Förderung dz pro Arbeiter dz 1890. 3629 12 792 645 3525 Lohn pro Arbeiter M. 1012 Leistung Lohn dz 348 1895 3779 15 815 856 4052 988 409 1900 5060 30 870 358 6002 1142 1901 5705 34 846 945 6108 1155 528 1902 5603 32 508 346 5802 1066 1903 5901 36 245 976 6142 1063 544 577 1904. 1905 6172 40 534 996 6567 1082 6515 48 785 984 7488 1110 607 674 525 Preis 1,00 M. erſehen wird. 10 000 Stronen wurden zur Auslösung verpfändeter Geschichte des Sozialismus Sachen verwandt. Die verpfändeten Kleider und Uhren aller jener i den Vereinigten Staaten Frauen sind dadurch vor der Verauftionierung gerettet worden. in Für Einlösung von Flitterkleidern und von Ringen, soweit es fid) nicht um Erbstücke handelte, wurde allerdings kein Geld hergegeben. Autorisierte Uebersetzung von Karl Ungefähr 180 von den 500 Frauen, die früher unter Kontrolle standen, hat die Gefängnishülfe" in Kopenhagen Arbeit verschafft. " " Gine ehemalige Lehrerin achtet barauf, ob jie auch fortdauernd Im Jahre 1905 hat der Lohn noch lange nicht die Höhe von ein chrbares Leben führen. Das heißt", sagte der Leiter der 1900 und 1901 wieder erreicht, er stand nur um 9,68 Proz. höher Gefängnishülfe"," wir fümmern uns nicht darum, ob sie einen als vor 15 Jahren. Ganz gewaltig ist dagegen die Leistung pro Liebhaber haben das ist ihnen selbstverständlich so gut wie anStopf gestiegen. Sehr deutlich veranschaulicht das die letzte Rubrit deren Frauen erlaubt. Aber wir achten darauf, ob sie nicht wieder in der Tabelle. Der Lohnsteigerung von noch nicht 10 Broz. steht auf der Straße umherziehen, da wir ihnen in diesem Fall nicht in derselben Zeit eine Leiſtungssteigerung von 112 Broz. gegenüber mehr helfen können. Smallgemeinen sind wir zufrieden mit dem und für 100 M. Lohn mußte im Jahre 1905 gegenüber 1890 eine Lebenswandel jener Frauen." um 93 Broz. gesteigerte Menge gefördert werden. Sehr interessant Die„ Gefängnishülfe" hat anderen ungefähr 130 Prostituierten und für die kapitalistischen Maßnahmen äußerst charakteristisch ist ein in anderen Orten Dänemarks Stellung verschafft, oder auch zur Bergleich der Zahlen von 1901 und 1902. Die Fördermenge fällt, Auswanderung nach fremden Weltteilen, wo sie Verwandte hatten, Arbeiter werden entlassen, der Durchschnittslohn finlt, aber die Sülfe geleistet, jedoch nicht zur Reise nach einem anderen Lande Leistung pro Kopf der Arbeiter steigt... Europas, weil man dies als Geldbergeudung anjah. Die Kalikapitalisten, die bisher schon reiche Gewinne einstedten, wollen ihren Profit nun durch Preissteigerung weiter anwachsen Laffen. Wird num Bater Staat endlich dafür sorgen, daß auch für die Arbeiter etwas von dem Segen des Kalibergbaues abfällt? Gemeinde Kopenhagen 12 Aerzte betraut. Als ein schwerer Fehler Mit der unentgeltlichen Behandlung Geschlechtskranker hat die wird es empfunden, daß den unbemittelten Kranten nicht aud Medizin gratis gegeben wird. Das neue Gesetz bestimmt, daß das Heilberfahren in diesen Krantheitsfällen auf öffentliche Kosten erfolgen foll. Jedenfalls bon Morris Hillquit. Müller- Wernberg. Ein Beitrag zur Sozialpolitik der größten deutschen Gemeinde bont Emil Dittmer. Ziele und Wege. Preis 1,00 M Erläuterungen der sozialdemo fratisch. Gegenwartsforderungen Hugo Lindemann, Max Süßheim, Herausgegeben von Ad. Braun. Preis 20 Bf. unter Mitarbeit von Adolf Braun, Friedrich Stampfer, Klara Zetkin. Preis brosch. 2,50 M., geb. 3,00. Sozialdemokratie Geschichte der Kommune von 1871 von Lissagaray. Dritte illuftrierte Auflage. Preis brofch. 2,50 M., geb. 3,00 Leffing- Legende. Die zur Geschichte und Kritik des preußischen Despotismus und der klassischen Literatur bott Franz Mehring. Zweite unveränderte Auflage mil einem neuen Borwort. Preis brosch. 2,50 W., geb. 3,00 M. und Anarchismus bon Wilh. Herzberg. Preis 20 Pf. Arbeiter- Notizkalender für 1907. Blut und Preis 60 P. und Eisen, Eisen, Krieg und Kriegertum in alter und neuer Zeit. Reich illustriert. In fünfzig Referungen a 20 Pf. Bisher find 4 Hefte erschieuen. Expedition des ,, Vorwärts Berlin SW. 68, Lindenstraße 69, Laden. 237/6 Unsere erprobten und bewährten Spiritus- GlühlichtBrenner nebst Ersatz- u. Zubehör- Teilen zu unseren Listenpreisen W. erhältlich bei P. Raddatz& Co., G. m. b. H., Leipzigerstr. 122/123 Carl Haupt, Tauenzienstr. 14 Emil Riedel, Potsdamerstr. 52 R.& Th. Viereck, Potsdamerstr. 85 NW. Carl Rakenius& Co., Unter den Linden 62/63 SW. 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Lebach& Comp., Reinicken dorf, Tegeler Weg. Für Kammacher, Perlmutt und Knopfarbeiter: Alle Betriebe Berlins und Vororte! Arbeitskräfte werden nur vom Arbeitsnachweise, EngelIlfer 15 vermittelt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Hans Weber, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW it. 267. 2. jpdldne des„Joriuiirtf Kttlim Jolksdllltt. Gesetzentwurf über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine. Der nachstehende Entwurf ist den Reichstags- abgeordneten no ch n icht zugegangen, ebenso- wenig uns. Die„Kölnische Zeitung" und andere der Regierung nahestehenden Blätter haben aber bereits vor- gestern abend die nachfolgend abgedruckte Vorlage als eine dem Reichstage zugegangene Vorlage veröffentlicht. Ebenso hat die offiziöse„Berliner Korrespondenz" bereits gestern mittag einiges aus den Motiven der Vorlage veröffentlicht. Gegen eine derartige vorzeitige Mitteilung der Gesetzentwürfe an einige Preßorgane, die an die bekannte Hambnrgersche Verhökeruug von Etatsteilen erinnerte, muß mit Entschiedenheit protestiert werden. solche Verhökerung ist ein öffentlicher Skandal; er niag Gepflogenheiten einer Firma Tippelokirch-Podbielski. Bumiller u. Co. entsprechen, ist aber des Ernstes unwürdig, mit dem Interessen des Volkes zu behandeln sind. Eine solche Nicht- achtung der Rcichstagsabgeordneten und der Presse in ihrer Allgemeinheit und Bevorzugung einiger Preßorgane könnten in einem wirklich konstitutionellen Staate sich schwerlich ereignen. Vor Monaten hatten wir eine rechtzeitige Veröffentlichung des an den Bundesrat gelangten Entivurfs durch den„Reichsanzeiger" verlangt. Der dem Bundesrat vorgelegte Entwurf ist gar nicht der dem Reichstage vorgelegte Entwurf, ist, wie dargelegt, vor der Zugäuglichmachung des Entwurfs an die Abgeordneten einem Teil der Presse bekannt gemacht. Der Zweck dieser un- lauteren Art der Veröffentlichung eines solchen Gesetzentwurfs kann nur der sein, für den Entwurf Stimmung zu machen, weil er eine objektive Kritik nicht verträgt. Wir miissm uns eine ausführliche Würdigung des Ent- Wurfes aus später auffparen. Für heute mögen einige Be- mcrkungen genügen. Der Gesetzentwurf charakterisiert sich als ein gegen die Arbesterklasse gerichtetes hinterhaltiges Ausnahme- gesetz. Daß ein Verein Rechtsfähigkeit habe, d. h. daß er wie eine wirkliche Person Vermögen erwerben, klagen kann usw., sollte man als selbstverständlich erachten. Deutschland ist von diesem Zustand aber weit entfernt. Dieselbe Gesetzgebung. die gegen Arbeitervereine„öffentlich-rechrliche", polizeilich- schikanöse Maßregeln(UeberwachungSbefugnisse, Mitglieder- listen-Anmcldung. Statuten-Einreichung usw.) in Un- menge festgesetzt hat, läßt sie vermögensrechtlich Vogel- frei. Seit 1869 ist die Forderung auf privatrechtliche Gestaltung der Berussvereine im Reichstage erhoben, im Jahre 1871 im Reichstage auch anerkannt. Seitdem er- hoben bürgerliche Politiker und die Regierung Bedenken da- gegen, daß die auf Grund des Z 152 der Gewerbeordnung errichteten Arbeitervereine durch privatrechtliche Anerkennung einen Machtzuwachs erhielten. Nach vielem Hin und Her wurde bei der Beratung des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahre 1896 die Frage der Rechtsfähigkeit der Berufsvereine von neuem aufgerollt. Der Entivurf des Bürgerlichen Gesetzbuches stellte die politischen und sozialpolitischen Vereine außerhalb des bürgerlichen Rechts. Die Behörde sollte berechtigt sein, Ein- spruch gegen eine Eintragung solcher Vereine in das Vereins- register— die Eintragung schafft Rechtsfähigkeit— zu erheben. Die Reichstagskommission warf zuerst dies der- schlimmerte Konzessionssystem um und erklärte alle Vereine für rechtsfähig. Aber noch in der Kommission wich das Zentrum auf Geheiß des Freiherrn v. Stumm vor der Gestaltung der Rechtsfähigkeit der Berufsvereine zurück und räumte das Einspruchsrecht den Behörden wieder ein. Nicht eingetragene Berufsvereine können seit dem Inkrafttreten der neuen Zivilprozeßordnungsnovelle zwar verklagt werden, aber nicht klagen. Dieser unsinnige Zustand ist lediglich durch die Furcht vor den Arbeitervereinen und durch den Haß gegen diese erklärlich. Den Berufsvereincn selbst ist die heutige Lage zwar unbequem, aber kein besonders schlimmes Hemmnis. Sie haben Mittel und Wege gefunden, daß das Vermögen ihres Vereins gesichert dasteht. Man mußte daher, als das Zentrum seitlanger Zeit einen Gesetzentwurf über die Rechtsfähigkeit derBe- rufsvereine als sozialpolitische Großtat forderte und die Regierung solchen versprach, die Besorgnis hegen, daß die regierende Partei und die Regierung nicht einen Gesetzcntlvurf im Auge hatten, der einfach die Rechtsfähigkeit unter Fortfall des behördlichen Konzessionssystems anerkannte, sondern daß mit dem Entwurf 3! ebenzwecke verfolgt werden würden. Diese Besorgnis ist durch den nach- stehenden Entwurf in überreichem Maße als berechtigt erwiesen. Der Gesetzentwurf gibt keinerlei öffentlich- rechtliche Sicherung des Vereins- und Koalitionsrechts der gewerblichen, ländlichen und sämtlicher Arbeiter. Er betrifft lediglich gewerbliche Arbeiter und bezweckt hier Spaltung der Arbeiter und B e- l o h n u n g mit der Rechtsfähigkeit für einen Verzicht auf ihr Koalitionsrecht. Diesen Zweck flicht der Entwurf einmal durch die Bestimmungen der§§ 15 und 20, ferner aber dadurch zu erreichen, daß— in Verbindung mit dem Gesetz- entwurf zur Erdrosselung der freien Hülfs- k a s s e n— Gewerkschaften und Arbeitern nur dann die Verwirklichung von Unterstützungszweckcn ermöglicht werden soll, wenn die Behörde dies gestattet. Der Entwurf enthält außerdem Bestimmungen(z. B-§ 11), die direkt als Anleitung zu Denunziationen und Spitzeleien bezeichnet werden können. Doch darüber später. l. Abschnitt. Bcrufsvereine, deren Rechtsfähigkeit auf Eintragung beruht. § 1. Ein Verein von Gewerbetreibenden oder gewerblichen Arbeitern(Titel Vll der Gewerbeordnung) desselben Gewerbes oder verwandter Gewerbe oder von solchen Gewerbetreibenden und Arbeitern zugleich kann in das Vcreinsrcgister als„Berussverein" eingetragen werden, wenn sein Zweck nur auf die Wahrung und Förderung der mit dem Berufe seiner Mitglieder unmittelbar in Beziehung stehenden gemeinsamen gewerblichen Interessen oder daneben auf die Unterstützung seiner Mitglieder gerichtet ist, ohne daß ihnen ein Rechtsanspruch darauf eingeräumt wird. Auf den Verein finden, soweit sich nicht aus diesem Gesetz ein anderes er- gibt, die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs über ein- getragene Vereine Anwendung- 8 2. Die Satzung des Vereins muß ergeben, daß der Verein als Berufsverein eingetragen werden soll. 8 3. Personen, die das sechzehnte Lebensjahr noch nicht voll- endet haben, können nicht Mitglieder des Vereins sein. Minder- jährige sind nicht stimmberechtigt. Die Satzung kann bestimmen, daß für Personen, die dem Verein als Mitglieder mindestens ein Jahr lang angehört haben, die Mitgliedschaft auch nach dem Aus- scheiden aus der für diese maßgebenden Beschäftigung für die Dauer eines Jahres und darüber hinaus so lange aufrecht erhalten werden darf, als sie nicht zu einem anderen Gewerbe oder anderen Beruf übergegangen sind. Als Ucbcrgang zu einem anderen Ge- werbe oder anderen Beruf im Sinne dieser Vorschrift gilt nicht die� Uebcrnahme einer Beschäftigung für den Verein, sofern diese Beschäftigung die Erwerbstätigkcit vollständig oder hauptsächlich in Anspruch nimmt. „8 4. Gegen die Eintragung des Vereins kann die Vertoaltungs- bchördc auch dann Einspruch erheben, wenn die Voraussetzungen des 8 1 Absatz 1 nicht vorliegen oder wenn die Satzung gegen die Vorschriften deö 8 2 verstößt. Dagegen kann der Einspruch nicht darauf begründet werden, daß die im 8 l Absatz 1 bezeichneten Zwecke des Vereins als politische oder sozialpolitische anzusehen sind. 8 ö. Die Eintragung erfolgt in eine besondere Abteilung des Bcreinsregisters. Mit der Eintragung erhält der Name dcS Ver- eins den Zusatz:„eingetragener Berufsvcrein". 8 6. Minderjährige sowie solche Personen, die nicht im Be- sitze der bürgerlichen Ehrenrechte oder die infolge gerichtlicher An- ordnung in der Verfügung über ihr Vermögen beschränkt sind, können nicht Mitglieder des Vorstandes sein. 8 7. Durch die Satzung kann bestimmt werden, daß an die Stelle der Versammlung der Mitglieder ein Ausschuß tritt, der von diesen gewählt wird. Die Wahl kann nach Abteilungen der Mitglieder erfolgen. Ter Ausschuß muß auS mindestens fünfzig Vcrcinsmitglicdern bestehen. Hat der Verein mehr als tausend Mitglieder, so muß für je tausend weitere Mitglieder dem Aus- fchuffe mindestens ein Mitglied hinzutreten. Die Vermehrung der Mitglieder während einer Wahlperiode kommt für diese nicht in Betracht. Für eine neue Wahl bestimmt sich die Mindestzahl der Ausschußmitglieder nach dem Bestände der Vcrcinsmitglieder am Schlüsse des letzten Geschäftsjahres. Für die Ausschußmitglieder ist mindestens eine gleiche Zahl von Stellvertretern zu wählen, die bei deren Wegfall der Reihe nach an ihre Stelle treten. Die Reihenfolge bestimmt sich, soweit sich nicht aus der Satzung ein anderes ergibt, nach der bei der Wahl erhaltenen Stimmcnzahl, bei gleicher Stimmenzahl nach dem Alter. Der Vorstand hat Zeit und Ort der Ausschußsitzungen unter Angabe der Gegenstände der Tagesordnung in den für die Veröffentlichungen des Vereins be- stimmten Blättern mindestens drei Tage vorher bekannt zu machen. Der Vorstand eines Vereins, für den ein Ausschuß gebildet ist, ist verpflichtet, die Versammlung der Mitglieder ohne Verzug zu be- rufen, wenn mindestens der vierte Teil oder der durch die Satzung hierfür bestimmte geringere Teil der stimmberechtigten Mitglieder die Berufung schriftlich unter Angabc des Zweckes und der Gründe verlangt; die Vorschrift des 8 37 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetz- buchs findet Anwendung. Die in der Satzung dem Ausschuß über- tragenen Befugnisse gehen für diesen Fall auf die Versammlung der Mitglieder über. 8 8. Personen, die nach 8 6 nicht Mitglieder des Vorstandes sein können, können auch nicht Mitglieder de» Ausschusses oder, abgesehen von der Versammlung der Mitglieder, eines sonstigen Organs des Vereins oder eines Organs seiner Abteilungen(Zweig- vereine, Ortsvereine, Ortsgruppen, Zahlstellen usw.) sein. 8 V. Die Beschlüsse der Mitgliederversammlung und des Aus- schusscs sind in ein Protokollbuch einzutragen; die Einsicht in das Protokollbuch hat der Vorstand jedem Mitglied auf Verlangen zu gestatten. 8 10. Ein Beschluß der Mitgliederversammlung oder des AuS- schusses kann wegen Verletzung des Gesetzes oder der Satzung im Wege der Klage angefochten werden. Die Klage muß binnen einem Monat erhoben werden. Zur Anfechtung befugt ist jedeS in der Versammlung erschienene Mitglied des Organs, sofern eö gegen den Beschluß Widerspruch zum Protokoll erklärt hat, und jedes nicht erschienene Mitglied, sofern es zu der Versammlung unberechtigter- weise nicht zugelassen worden ist oder sofern es die Anfechtung darauf gründet, daß die Berufung der Versammlung oder die An- kündigung des Gegenstandes der Beschlutzfassung nicht gehörig er- folgt sei. Außerdem sind befugt zur Anfechtung I. eines Beschlusses der Versammlung der Mitglieder oder des Ausschusses der Vor- stand und, wenn der Beschluß eine Maßregel zum Gegenstande hat. durch deren Ausführung sich die Mitglieder deS Vorstandes straf- bar oder den Gläubigern des Vereins haftbar machen würden, jedes Mitglied des Vorstandes; 2. eines Beschlusses des Ausschusses auch jedeS dem Ausschusse nicht angehörende Mitglied des Vereins. Die Klage ist gegen den Verein zu richten. Der Verein wird durch den Vorstand und, sofern dieser oder ein Mitglied des Vorstandes klagt, durch die in der Satzung hierfür zu bestimmenden Personen vertreten. Zuständig für die Klage ist ausschließlich das Land- gericht, in dessen Bezirke der Verein seinen Sitz hat. Die münd- liehe Verhandlung erfolgt nicht vor Ablauf der im Absatz 1 be- zeichneten Frist. Mehrere Anfechtungsprozesse sind zur gleich- zeitigen Verhandlung und Entscheidung zu verbinden. Der Vor- stand hat die Erhebung der Klage sowie den ersten Termin zur mündlichen Verhandlung ohne Verzug in den für die Veröffent- lichuungen des Vereins bestimmten Blättern bekannt zu machen. Soweit der Beschlutz rechtskräftig für ungültig erklärt ist, wirkt das Urteil auch für und gegen die Mitglieder, welche nicht Partei sind. Die Ungültigkeitserklärung ist im Protokollbuche zu ver- merken. War der Beschluß in das Vereinsregister eingetragen, so ist auch das Urteil einzutragen. Der Vorstand hat die Ein- tragung zu beantragen. 8 11. Die Vorschrift des 8 72 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, wonach der Vorstand eines eingetragenen Vereins dem Amts- gericht auf dessen Verlangen jederzeit ein Verzeichnis der Mit- gliedcr einzureichen hat, findet keine Anwendung. Der Vorstand ist jedoch verpflichtet, nach näherer Bestimmung des Bundesrats ein Verzeichnis der Mitglieder zu führen. Der Verwaltungs- behörde ist dieses Verzeichnis auf Verlangen jederzeit vorzulegen; den Mitgliedern des Vereins ist auf Verlangen jederzeit Einsicht in das Verzeichnis zu gewähren und auf ihre Kosten eine be- glaubigte Abschrift des Verzeichnisses zu erteilen. 8 12. Ein Anspruch des Vereins gegen seine Mitglieder findet nur in Ansehung der von diesen zu leistenden ordentlichen Bei- träge statt. 8 13. Der Vorstand ist verpflichtet, nach näherer Bestimmung des Bundesrats für jedes abgelaufene Geschäftsjahr eine Ueber- ficht über die Zahl und die Berufsstellung der Vereinsmitgliedcr, die Einnahmen und Ausgaben des Vereins getrennt nach ihren Zwecken, sowie über den Bestand des Vcreinsvermögens aufzu- stellen, der Verwaltungsbehörde einzureichen und im„Reichs- anzeiger" zu veröffentlichen. Einem Vereine, dessen Mitglieder- kreis sich nicht über das Gebiet eines Bundesstaats hinaus erstreckt, kann von der Landeszentralbehörde gestattet werden, daß die Ver- öffentlichung statt im„Reichsanzeiger" in einem anderen von ihr zu bestimmenden Blatte erfolgt. Die Uebersichtcn sind nebst den dazu gehörigen Belegen im Vereinslokal am Sitze des Vereins oder in anderer durch die Satzung zu bestimmender Weise zur Kenntnis der Mitglieder des Vereins zu bringen. Jedes Mitglied ist be- rechtigt, auf seine Kosten eine Abschrist der Uebersicht zu verlangen. 8 11. Die Mitglieder sind jederzeit zum Austritt auS dem Vereine berechtigt. ES kann jedoch durch die Satzung bestimmt werden, daß die von den Ritgliedern zu leistenden ordentlichen Lei. träge noch für die Zeit bis zum Schlüsse des Kalcndermonats, in welchem der Austritt erfolgt, zu entrichten sind. Der Ausschluß von Mitgliedern aus dem Vereine kann nur unter den durch die Satzung bestimmten Formen und aus den darin bezeichneten Gründen erfolgen. § 15. Dem Vereine kann, unbeschadet der Vorschriften deS 8 43 Abs. 1 bis 3 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, die Rechtsfähigkeit entzogen werden: 1. wenn er einen Zweck verfolgt oder Mittel des Vereins für einen Zweck verwendet, der der Satzung fremd ist und. falls er in der Satzung enthalten wäre, die Verwaltungs- behörde zum Einsprüche gegen die Eintragung des Vereins be- rcchtigt haben würde; 2. wenn in seinen Verhältnissen eine Acndcrung eintritt, die, falls sie vor der Eintragung bereits bor- Händen gewesen wäre, die Verwaltungsbehörde zum Einsprüche gegen die Eintragung des Vereins berechtigt haben würde; 3. wenn er eine Arbeiterausspcrrung oder einen Arbeiterausstand herbei- führt oder fördert, die mit Rücksicht auf die Natur oder die Be- stimmung des Betriebes geeignet sind, die Sicherheit des Reichs oder eines Bundesstaats zu gefährden, eine Störung in der Ver- sorgung der Bevölkerung mit Wasser oder Beleuchtung herbeizu- führen oder eine gemeine Gefahr für Menschenleben zu ver» Ursachen. Tie Zuständigkeit und das Verfahren bestimmen sich auch in diesen Fällen nach den Vorschriften des 8 44 Abs. 1 deS Bürgerlichen Gesetzbuchs. Die zuständige Behörde hat die Ent- zichuna der Rechtsfähigkeit dem Amtsgerichte mitzuteilen. In den Fällen des Abs. 1 sowie in den Fällen des 8 43 Abs. 1 deS Bürgerlichen Gesetzbuchs ist die für die Entziehung der Rechts» fähigkcit zuständige Behörde, bei der das Verfahren anhängig ist, befugt, durch einstweilige Anordnung diejenigen Maßnahmen gegenüber dem Vereine zu treffen, die zur Abwendung der Gefähr- dung im öffentlichen Interesse geboten erscheinen. Gegen die einst- weilige Anordnung findet nur die Beschwerde an die im Instanzen- zugc vorgeordnete Behörde statt. Die Beschwerde hat keine auf- schiebende Wirkung. 8 16. Die Verwaltungsbehörde kann die Mitglieder des Vorstandes zur Befolgung der Vorschriften des 8 6, des 8 16 Abs. 7. 8 Satz 2, des 8 11 Abs. 2 und des 8 13 durch Ordnungsstrafen anhalten. Sie kann auch Ordnungsstrafen verhängen gegen Mit- gliedcr des Vorstandes oder anderer Vereinsorgane, welche den Vorschriften des 8 3, des 8 7 Abs. 4, des 8 16 Abs. b oder deS 8 14 Abs. 3 zuwidergehandelt haben oder welche die Mitwirkung einer Person, die nach den Vorschriften des§ 6 oder des 8 3 nicht Mitglied des Vorstandes oder eines sonstigen Vereinsorgans sein kann, in diesen Organen dulden. Die gleichen Befugnisse stehen der Verwaltungsbehörde den Liquidatoren gegenüber zu. Die einzelne Strafe darf den Betrag von dreihundert Mark nicht über- steigen. Die festgesetzten Strafen fließen in die Kasse der Ver- sichcrungsanstalt(8 65 des Jnvalidenversicherungsgesetzes vom 13. Juli 1869, Reichs-Gesetzbl.' S. 463), in deren Bezirke die Ver- loaltungSbehörde(Abs. 1) ihren Sitz hat. Mitglieder deS Vorstandes und anderer Vereinsorganc sowie Liquidatoren werden, sofern nicht nach anderen Vorschriften eine höhere Strafe verwirkt ist, mit Gefängnis bis zu drei Monateil und zugleich mit Geld- strafe bis zu eintausend Mark bestrast, wenn sie in den An- Meldungen, Uebersichtcn, Mitgliederverzeichnissen. Büchern und sonstigen Urkunden und Listen, deren Einreichung, Führung und abschriftliche Mitteilung ihnen nach dem Gesetz oder der Satzung obliegt, sowie bei den Eintragungen in das Protokollbuch und denen ihnen obliegenden Veröffentlichungen wissentlich falsche oder auf Täuschung berechnete unvollständige Angaben machen oder machen lassen, oder wenn sie Mittel des Vereins zur Bezahlung einer Geld- oder Ordnungsstrafe verwenden, welche gegen ein Mitglied des Vereins oder seiner Organe festgesetzt worden ist. Sind mil- dernde Umstände vorhanden, so tritt ausschließlich die Geld- strafe ein. 8 17. Die öffentlich-rechtlichen Vorschriften der Landesgesetze. nach welchen ein Verein unerlaubt ist oder verboten werden kann, weil er einen politischen oder sozialpolitischen Zweck verfolgt oder weil er ohne obrigkeitliche Genehmigung errichtet ist, finden auf einen Verein der im§ 1 bezeichneten Art, sofern er als Berufs- verein eingetragen wird, keine Anwendung. Das gleiche gilt für einen eingetragenen Berufsverein von den öffentlich-rechtlichen Vorschriften der Landesgesetze, nach welchen 1. aus dem im Abs. 1 bezeichneten Grunde ein Verein aufgelöst werden kann oder seine Versammlungen geschlossen werden können; 2. die Mitgliedschaft von Männern und Frauen an einem Vereine, der einen politischen oder sozialpolitischen Zweck verfolgt, die Teilnahme solcher Mitglieder an den Versammlungen des Vereins und die Teilnahme von Männern und Frauen an seinen Lustbarkeiten verboten oder be- schränkt ist. soweit sich das Verbot oder die Beschränkung auf Per- soncn erstreckt, die das sechzehnte Lebensjahr vollendet haben; 3. der Polizeibehörde ein Verzeichnis der Mitglieder eines solchen Vereins einzureichen oder Auskunft über seinen Mitgliederbestand zu erteilen ist. Die Bestimmungen der Landesgesetze über die Abhaltung öffentlicher Tanzlustbarkeiten werden durch die Vorschrift des Abs. 2 Nr. 2 nicht berührt. 8 18. Die Vorschriften des 8 17 finden auch auf Abteilungen (Zweigvereine, Ortsvereinc, Ortsgruppen. Zahlstellen usw.) eines eingetragenen Berussvereins, die nach Maßgabe seiner Satzung für gewisse Bezirke gebildet werden, Anwendung, wenn ihre Vor- steher oder Geschäftsführer unter Angabe der Namen der Ver- waltungsbchördc, in deren Bezirke die Abteilungen ihren Sitz haben, vom Vereinsvorstand als Organe des Vereins angemeldet werden. Ist die Anmeldung erfolgt, so ist jede Acndcrung in der Person der Vorsteher oder Geschäftsführer der Abteilung der Ver- waltungsbehörde(Abs. 1) anzuzeigen. Auch ist ihr auf Verlangen jederzeit ein der Vorschrift des 8 11 Abs. 2 entsprechendes besonderes Verzeichnis der Mitglieder der Abteilung vorzulegen. Zur Be- folgung der Vorschriften des Abs. 2 können die Mitglieder� dcS Vorstandes, die Liquidatoren sowie die Borsteher oder Geschäfts» führer der Abteilung von der Verwaltungsbehörde nach Maßgabe deS§ 16 Abs. 2 durch Ordnungsstrafen angehalten werden. II. Abschnitt: Berufsvereinc, deren Rechtsfähigkeit nicht auf Eintragung beruht. 8 19. Auf einen Verein, der seinen Mitgliedern einen Rechts- anspruch auf Unterstützung gewährt oder dessen Zweck sonst auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist, finden, wen» der Verein im übrigen den Voraussetzungen der 88 1- 3 ent- spricht, für die Verleihung der Rechtsfähigkeit die öffentlich-recht» lichen Vorschriften der Landcsgcsetze keine Alnwcndung, nach welchen 1. ein Verein unerlaubt ist oder verboten werden kann, weil er einen politischen oder sozialpolitischen Zweck verfolgt; 2. die Mit- glicdschaft von Männern und Frauen an einem Vereine, der einen politischen oder sozialpolitischen Zweck verfolgt, verboten oder be- schränkt ist, soweit sich das Verbot oder die Beschränkung auf Per. soncn erstreckt, die das sechzehnte Lebensjahr vollendet haben. Da» gleiche gilt für einen Verein solcher Art, wenn ihm die Rechts» fähigkcit verliehen ist, hinsichtlich der öffentlich-rechtlichen Vor- schriften der Landcsgesctzc, nach welchen 1. auS dem im 8 17 Abs. 1 bezeichneten Grunde ein Verein ausgelöst werden kann oder seine Versammlungen geschlossen werden können, 2. die Teilnahme männlicher oder weiblicher Mitglieder an den Versammlungen eines Vereins, der einen politischen oder sozialpolitischen Zweck ver- folgt, sowie die Teilnahme von Männern und Frauen an seinen Lustbarkeiten verboten oder beschränkt ist, soweit sich das Verbot oder die Beschränkung auf Personen erstreckt, die daS sechzehnte Lebensjahr vollendet haben, 3. der Polizeibehörde ein Verzeichnis der Mitglieder des Vereins einzureichen oder Auskunft über seinen Mitgliederbestand zu erteilen ist. sofern dem Verein eine amtliche Bescheinigung darüber ausgestellt ist, daß er den im Abs. 1 be» zeichneten übrigen Voraussetzungen der ZK t, S entspricht. Di« § 23. Dieses Gesetz tritt am in Kraft Eingegangene Druckfchriften. Fleischkost, fleischlose und vegetarische Lebensweise. Ein Beitrag zur vernunftgemäßen Ernährung des Volkes. Von Dr. med. Karl Bornstein. Berlag von Start Marhold, Halle a. S. Preis 75 Pf. Geschäftsbericht der Schultheiß Brauerei, Betriebsjahr 1905/06. SelbstTagebuch über die Vorgänge im Turm des Temple während der Gefangenschaft Ludwig XVI. Bon Cléry. Uebertragen von Dr. R. Koehler. 207 Seiten. Preis brosch. 3,60 m., geb. 4,60. verlag. F. L. Rhodes praktisches Handbuch der Handels- Korrespondenz und des Geschäftsstils in deutscher, französischer, englischer, italienischer und spanischer Sprache. Neu bearbeitet.( In 21 Lieferungen a 50 P.) 2. bis 6. Lieferung. Frankfurt a. M., J. D. Sauerländers Berlag. 1,50-1,60. Schlesische 0,00. Barse 0,80. Karauschen 0,00. Bleis Bestimmungen der Landesgefeße über die Abhaltung öffentlicher| schriften der§§ 55ff. des Bürgerlichen Gesetzbuchs eingetragen ist, I do. 100er Tanzluftbarkeiten werden durch die Vorschrift des Abs. 2 Nr. 2 dahin geändert, daß der Verein als Berufsverein cingetragen fische 0,00. Wels 0,00. Bunte Fische 0,00. Amerikan. Lachs Ia nicht berührt. einsregister gebühren- und stempelfrei. werden soll, so erfolgt die Eintragung der Aenderung in das Ver- neuer per 100 Pfd. 110-130, do. Ila neuer 90-100, do. IIIa neuer 75. Seelachs 20-25. Sprotten, Kieler, Wall 0,75-1,30, Danziger, Ball 0,60-0,70. Flundern, pommersche Ia, per Schod 3-6, do. pommersche IIa 2-4, Stieler, Stiege Ia 4-6, do. mittel der Stifte 2-3, Hamb. Stiege 4-5, halbe Stifte 1,50-2. Büdlinge, per Wall Kieler 3,50-5,00, Stralsunder 4,00-5,00. Male, groß per Pfd. 1,10-1,30, mittelgroß 0,80-1,00, flein 0,50-0,60. Heringe per Schod 4-5. Schellfische Kiste 4-5, do. Stifte 2-3. Stabliau, b. 100 Pfd. 20-25. Heilbutt 0,00. Sardellen, 1902er per Anter 95, 1904er 95, 1905er 93, 1906er 70. Schottische Vollberinge 1905 0,00, large 40-44, full. 36-38, med. 35-42, deutsche 37-44. Heringe, neue Matjes, per 20. 60-120. Sardinen, russ., Faz Neunaugen, Bratheringe, Büchse( 4 Liter) 1,50-1,75. Schodfaß 11, fleine 5-6, Riesen- 14. Hummern, fleine, per Psd. 0,00. Krebie, per Schod, große 0,00, mittel 0,00, fleine 0,00, uniort. 0,00. Galizier, groß 0,00, mittel 0,00. Gier, Land-, per Schod 4,00-4,60. Butter per 100 Bfd. Ia 127--128, IIa 118-125, IIIa 112-116, abfallende 95-105. Saure Gurken Schock 3,50-4,00, Pfeffergurten 3,50-4,00. Startoffeln per 100 Bib. 0,00, magnum bonum 1,90-2,10, Daberſche 1,90-2,10, Rofen 0,00, weiße 1,60-2,00, Salatkartoffeln 4,00-5,00. Spinat per 100 Pfund 5,00-6,00. Karotten per Schockbund 2,50-3,00. Sellerie, hiesige, per Schod 3,00-4,00, bo. pommeriche 4,50-5,00. Zwiebeln Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen große, per 100 Bfd. 3,00-3,50. do. fleine 2,00-2,50. do. hiesige( Perl-) Markthallen- Direttion.( Großhandel.) Rindfleisch Ia 68-73 pr. 100 Bib., 0,00. Charlotten 50-60. Petersilie, grün, Schodbund 1,25. Stohlrabi per a 62-67, Ia 56-61, IVa 50-55. Stalbfleisch, Doppelländer 105-115, Schock 0,50-0,80. Rettig, bayr., per Schod 2,40-4,80. Radieschen per la 88-95, IIa 76-86, IIIa 62-74, holl. 54-60. Hammelfleisch la 72-80, Schod- Bd. 0,60-0.80. Salat, per Schod 2,00-2,50. Bohnen, grüne, Ia 0,30-0,48. Rotmilo la 0,35-0,50, bo. Ila 0,30-0,34, bo. Stälber 0,40 0,00. Mobrrüben per 100 Bid. 2-2,50. Teltower Rüben p. 100 Bfb. 10-12. IIa 56-69. Schweinefleisch 60-68. Rehwild Ia per Pfd. 0,50,-0,70. per 100 Pfund 0,00. Wachsbohnen 0,00. Pfefferlinge per 100 Bfd. bis 0,55. Damwild 0,40-0,50, do. Kälber 0,45-0,60. Wildschweine 0,40 Weiße Rüben, große 2-4, fleine 6-7. Blumenkohl per Mandel 2,50-3,00. bis 0,45. Frischlinge 0,50-0,73. Hajen per Stüd 3,00-3,40, do. Klein und do., Erfurter, Stopf 0,15-0,18. Wirsingfohl der Schod 3,00-6.00. Rotkohl IIa 1,50-2,90. Kaninchen pr. Stüd 0,50-0,80. Wildenten pr. Stüd 1,30-1,50. p. Schod 3,00-8,00. Beigfob! 100 Bib. 2,00-6,00. Rojenkohl v. 100 Pfd. Stridenten 0,50. Rebhühner, junge Ia 0,80-1,10, junge IIa 0,00, alte 15-20. Grünkohl per 100 Bid. 3-5. Steinpilze p. 100 fb. 0,00. Stohl0,70-0,80, junge fleine 0,00. Hübner, alte per Stüd 1,50-2,25, alte rüben, holl., Schod 4,00. Stürbis 3-4,00. Birnen, per 100 Bfd. hiesige 5-20, IIa 1,00-1,40, junge per Stüd 0,50-1,20. Tauben per Stüd 0,55-0,65, böhmische 6-25. Alepfel, per 100 Pfd., hiesige 4-20, Gravensteiner ital. 0,70. Enten, junge per Stüd 1,50-2,25, Hamburger, junge 8-20, Tiroler in Fässern 17-30, Stifte 32-80, Amerf. 17-30. Preißelber Stüd 3,10.( Gänse, Dderbrucher, per Pfd. 0,50-0,60, do. Ia per Stüd beeren, schwedische 0,00, Gebirgs: 35-40. Walnüsse per 100 Pfd. 16-20, 3,00-4,40, IIa 2,00-2,95. Hechte per 100 Bid. 63-71, groß 0,56. Bander fleine 0,00, Baranüsse 60-70, Haselnüsse lange 44-45, runde 31-34. 0,00. Aale, groß 0,00, mittel 0,00, flein 0,00, uns. 0,00. Blögen 42 bis Bitronen, Messina matt, 0,00. Schleie mittel 0,00, große 85-94, fleine 0,00. Bleie, fleine Pflaumen, per 100 Pfd., hiesige 3-5, böhmische 0,00, do. große 0,00. 300 Stüd 10,00-14,00, 360 Stüd 8,00-16,00, 48. Karpfen, unsort. 0,00, do. 25er Laufizer 0,00, do. 40-50er 70-72, 200 Stüd 10-14, 420 Stüd, flein 5-8, 500 Stück, flein 5-8. § 20. Die im§ 19 Abs. 2 vorgesehene Bescheinigung wird auf den Antrag des Vorstandes des Vereins von der LandesZentralbehörde oder der von dieser bestimmten Behörde ausgestellt. Wird die Bescheinigung versagt, so sind die Gründe mitzuteilen. Tritt in der Sagung des Vereins eine Aenderung ein, so ist von Amts wegen zu prüfen, ob der Verein den im§ 19 Abs. 1 be= zeichneten Voraussetzungen auch ferner entspricht. Nach dem Ausfalle dieser Prüfung ist die Bescheinigung von neuem zu erteilen oder zu widerrufen. Die Bescheinigung kann ferner widerrufen werden: 1. wenn in den Verhältnissen des Vereins eine Aenderung eintritt, die, falls sie vor der Ausstellung der Bescheinigung bereits vorhanden gewesen wäre, die Versagung der Bescheinigung gerechtfertigt haben würde; 2. wenn der Verein eine Arbeiteraussperrung oder einen Arbeiterausstand herbeiführt oder fördert, die mit Rüdsicht auf die Natur oder die Bestimmung des Betriebs geeignet sind, die Sicherheit des Reichs oder eines Bundesstaats zu gefährden, eine Störung in der Versorgung der Bevölkerung mit Wasser oder Beleuchtung herbeizuführen, oder eine gemeine Gefahr für Menschenleben zu verursachen. So lange die erteilte Bescheinigung nicht widerrufen ist, liegt dem Vorstande des Vereins die im§ 11 Abs. 2 bezeichnete Verpflichtung ob. Zur Erfüllung dieser Verpflichtung können die Mitglieder des Vorstandes und die Liquidatoren von der Verwaltungsbehörde nach Maßgabe des§ 16 Abs. 2 durch Ordnungsstrafen angehalten werden. § 21. Auf Abteilungen( Zweigvereine, Ortsvereine, Orts gruppen, Zahlstellen usw.) eines im Besite der Bescheinigung(§ 19 Abs. 2) befindlichen Vereins, die nach Maßgabe seiner Sazung für gewisse Bezirke gebildet werden, finden die Vorschriften des § 18 entsprechende Anwendung. III. Abschnitt. § 22. Wird die Sabung eines Vereins der im§ 1 bezeichneten Art, der in das Vereinsregister nach Maßgabe der VorFür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, den 15. November. Anfang 7 Uhr. Opernhaus. Margarete. Schauspielhaus. Merlin. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Die Condottieri. Morgen und folgende Tage: Die Condottieri. Kleines Theater. Abends 8 Uhr zum 118. Male: Neues Operntheater. Rosmers. Ein idealer Gatte. holm. Westen. Deutsches. Ein Sommernachtstraum. Der Trompeter bon Sädingen. Lorking. Bar und Zimmermann. Anjang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Der Sturm. Reffing. Ritter Blaubart. Berliner. Sherlock Holmes. Schiller 0.( Wauner-Theater.) Die Hoffnung auf Segen. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Donna Diana. Neues. Die Condottieri. Komische Oper. Carmen. Ruth St. Denis. Residenz. Triplepatte. Luftspielhaus. Hujarenfieber. Kleines. Ein idealer Gatte. Freitag zum 119. Male: Ein idealer Gatte. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr. Wilh. Th.) Donnerstag, abends 8 Uhr: Donnerstag, abends8 Uhr: Die Hoffnung auf Segen. Schiffer Drama in 4 Bildern von Hermann Heijermans jun. Freitag, abends 8 U br: Die Verschwörung des Fiesko zu Genua. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Hochtourist. Donna Diana. Lustspiel in 3 Aufzügen von Moreto. Freitag, abends 8 Uhr: Der Hochtourist. Sonnabend, abends 8 Uhr: Donna Diana. Zirkus Busch. Zirkus Schumann Zirkus Busch. Heute Donnerstag, den 15. November, abends präzise 7%, Uhr: Sonnabend zum 120. Male: Ein Eliteabend. Galaprogramm. 1. a.: idealer Gatte. Die jugendliche Schulreiterin Fräulein Dora Schumann. Mr. Henricksens unerreicht dastehende Abends 7, Uhr: Monsieur Romeos Staunen erregende Automobilexperimente. Ueberfahren Komische Oper.rößte Tigergruppe Foot, Squirciter. Abends Carmen. 8 Uhr: Borber: Ruth St. Denis. Freitag, Sonntag: Lakmé. 2. Aft: ,, Cobra", ausgeführt Ruth St. Denis. njang 8 Uhr. Sonnabend: Im von Hoffmanns Erzählungen. Hierauf: Ruth St. Denis. Lortzing- Theater. Bellealliancestr. 7/8. Heute abend 72 Uhr: wilde Dressur. mit einem 70 PS. Fiat- Automobil ( Gew. 30 Zentner u. 4 Insassen.) Außerdem: Herr Burckhardt4 Springpferde- Konkurrenz. Herrn Ernst Schumanns Neudreſsuren. Frl. Marguerite, Schulreiterin. Die 5 Könige der Luft aus der Pußta. Les 5 Alex. Mons. Fernand Guichenet, Oberbereiter Seiner Maj. des Baren. Drig.- Pantomime d. Zirk. Busch. Auf der Pußta bort Schumann. Residenz- Theater. vom Dir. Ferner: Die neuengagierten Kunstkräfte. Zentral. Laufend und eine Nacht. Zar und Zimmermann. Um 10 Uhr: Die große AusstattungsDeutsch Amerikanisches. U Im wilden Westen. Der Hauptmann bon Köpenid. Thalia. Benn die Bombe plakt! Luisen. Flotte Weiber. Abonnements gültig. Freitag zum erstenmal: Die Fledermaus. Pantomime: Ein Tag in Monte Carlo. Bernhard Rofe früher Carl Bell Lustspielhaus. Kasino- Theater Ausgewiesen. Trianon. Der Hausfreund. Walhalla. Spezialitäten. Apollo. Spezialitäten. Allabendlich 8 Uhr: Husarenfieber. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Zentral- Theater. Kajino. Die beiden Champignol. Folies Caprice. Serenissimus August XXVI.- Das Modell. Das Provinzmädel. Baffage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Im wissenschaftlichen Theater: 8 Uhr: Sizilien. Hörsaal 6 Uhr: Dr. C. Thesing: Grundzüge der allgemeinen Entwidelungsgeschichte. II. Hörsaal 8 Uhr: Dr. C. Thefing: Die Fortpflanzung der höheren Lebewesen. ( Operette). 8 Uhr: Tausend und eine Nacht. Freitag: Fledermaus. Metropol- Theater Der Teufel lacht dazu. Große Jahresrevue in 9 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent M. Roth. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. In Szene gesetzt von Direktor Ferdinand Bonns Berliner Theater. Heute und folgende Tage: Sherlock Holmes. Anjang 8 Uhr. Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender. Giampietro. Josephi. Anf. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Sonntag, den 18. d., nachm. 3 Uhr: Ermäßigte Preise Auf in's Metropol. Neues Schauspielhaus Pollo Donnerstag, den 15. November: Der Sturm. Freitag zum erstenmal: Die Hochzeitsfackel. Anfang 8 Uhr. Theater des Westens Abends 7, Uhr: Station Zoolog. Garten, Kantstr. 12. Der Trompeter von Säkkingen. Richard Koennede a. G. 11Freitag: Der Trompeter v. Säkkingen. Richard Roennede a. G. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Abends 8 Uhr: flotte Weiber. Freitag: Sherlock Holmes. a Theater Das große neue Programm. 1. a.: The Densmores und die Bulldogge in der Küche. Liane d'Eve, Orig. Matichiche Tänzerin Die Seldoms. Neue Bilder. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr Die beiden Champignol. Sonntag 4 Uhr: Alexander der Große. Deutsch- Amerikanisches Theater. Jeden Abend 8 Uhr Gastsp. A. Philipp. Im wilden Westen und der sensationelle Lacherfolg Herr Hauptmann von Köpenick. Sonnabend nachmittag 3, Uhr: Die Reise durch das Märchenland. Kleine Preise! Ein Kind frei! Sonntag nachm. 3 Uhr( halbe Breise): Ueber'n großen Teich. Bernhard Rose- Theater früher Carl Weiß- Theater. Große Frankfurterstr. 132. Täglich 8 Uhr: Ausgewiesen. Soziales Volksstück in vier Aften von Karl Böttcher. Billettvorverkauf für 8 Tage vorher Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage Anf. 8 Uhr: Triplepatte. Schwank in 5 Atten v. Tristan Bernard und André Godfernaur. Bicomte Robert de Houdan: Richard Alexander. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Eine Hochzeitsnacht. W. Noacks Theater. Urania Wissenschaftliches Theater. Abends Sizilien. 8 Uhr: Hörsaal 6 Uhr Dr. C. Thesing: Grundzüge der allgemeinen Entwickelungsgeschichte. II. 8 Uhr Dr. C. Thesing: Die Fortpflanzung der höheren Lebewesen. Rixdorfer Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Sonntag, den 18. November 1906: Die Ebre. Schauspiel in 4 Aften v. Sudermann. Dienstag, den 20. November: Das Glück im Winkel. WING! 6 CARTEN Verein Berliner Hausdiener gegründet 1883. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß Sollege Rudolf Sommer ( Fasanenstr. 53) verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, 15. November, nach mittags 31, Uhr, von der Halle des Lukas- Kirchhofes, Briz, Marien27256 dorfer Weg, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung wird Der Vorstand. gebeten. Achtung, Töpfer! Wegen Lohndifferenzen ist hiermit über die Firma Interessante neue Darbietungen. August Berndt, Bros. Permané, Exzentriks. Angelos lebende Kunstwerke. La Vilma, Sandmalerin. Das Millmann- Trio, Drahtseilakt. Staleys Verwandlungsakt: Die musikalische Schmiede. Im sonnigen Spanien". Englische Ballettszene, ausgef. von der John Tiller- Truppe a. London. The 3 Urma Sisters, Trapezkünstlerinnen. 0. K. Sato, komischer Jongleur. Maria Vinent von der königl. Oper in Madrid. Direktion: Rob. Dill. Brummenftr. 16. Cheeberts Chinesentruppe. Clotilde Florido, spanische Tänzerin. Der Trompeter von Säkkingen. Der Biograph Werner Kirchhofer: Dir. Rob. Dill. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Ehren- und Vorzugskarten gültig. Freitag: Adele. Sonnabend: Extra- Vorstellung. Theater Folies Caprice. Linienstr. 132, Ecke Friedrichstraße. Serenissimus August XXVI. Das Modell. Das Provinzmädel. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachmittag bei bedeutend ermäßigt. Preisen: Soll und Haben. Nach dem Zapfenstreich. Anfang 3 Uhr. Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allee 148. Jeden und Donnerstag: 1. Wettlaufen. 2. Die Hochzeit im Automobil. Wilmersdorf, Hildegardstr. 15, die Sperre verhängt. In Betracht tommen die Bauten Jungstr. 14/15, Friedrichsberg und Schloßstraße, Steglik. 211/11 Die Verbandsleitung. 2959L Soeben erschienen! Meine diesjährige Valhalla Wa Variete Theater WeihnachtsWeinbergsweg 19/20. Am Rosenthaler Tor. Das effektvolle November Programm. Das schwarze Udel- Quartett ( The Orig. Black Troubadours). Die kluge Rosa 14 borzügliche Spezialitäten Anfang 8 Uhr. 14 Rauchen überall gestattet. Konzert, Theater, Spezialitäten Colosseum von 10-1 Uhr an der Theatertaffe Konzert, Theater, und bei Wertheim. Sonnabend nadm.: Frau Holle. Stets erstklassige Riefenspielfolge. Sonntag nachm.: Die Tochter des Nach der Vorstellung: Gr. Tanz. Herrn Fabricius. Tanzleitung: B. Sachse. erstklassige 15 Spezialitäten 15 Anf. Sonntag 5, Donnerstag 8 Uhr. Giza u. Blosca! Stadt- Theater Moabit palast- Theater. Tänzerin und Waisenrat. Alt- Moabit 47/49. Gastspiel Bernhard Rose- Theater Die Cameliendame. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Heute 8 Uhr. Entree 50 Pf. Der einzig dastehende Berlin im Omnibus m. b. Omnibustrick. Dram. Gemälde in 5 Atten v. Dumas. November- Spielplan. Sonntag, den 18. November, nach- Kaffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Halbe Preise. mittag 8amilienvorstellung. Passage- Theater. Hente das glänzende November- Progr. Josefine Dora mit ganz neuen Schlagern. Ferner: 8. 1. Mal a. b. Kontinent: Das OriginalSonnabend 4 Uhr Stinbervorstellung Damen- Jiu- Jitsu Die sieben Maben. Abends: Elje vom Erlenhof. Sonntag nachm.: Maria Stuart. Abends: Flotte Weiber. Montag: Sherlod Holme ( japanische Selbstverteidigung) Ensemble, 3Herren, 4 Damen. 14 neue erstklass. Nummern. Billettvorverkauf bei Krüger& Oberbeck, Turm- u. Beuffelstraßen- Ede sowie im Restaurant d. Stadt- Theaters. 11. a. Dundee- Duo. Senor und Berad. Lorey- Trio. Hellwegh Brothers. Annetta n. Era. Berliner Prater- Theater: Eine vom Ballett. Kastanien- Allee 7-9. Abends 8 Uhr: Der Leiermann und sein Pflegekind. Freitag zum erstenmal: Mutterlegen. Trianon- Theater. Anjang 8 Uhr. Der Hausfreund. Sonntag nachm. 3 Uhr: Ihr zweiter Mann. spiel. Familienfarten, zum halben Kaffenpreise gültig, in allen Barbier. Sieuru. Bigarrengeſchäften gratis Sanssouci. Straße 4a. Kottbuser Truppe Sokolowsky, Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger Anjang Bochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Extra- Liste besonders preiswerter Geschenke und wird ebenso wie mein Pracht- Katalog mit 600 Abbildungen etwa gratis und franko versandt Teppich- Spezialhaus Emil Lefèvre Berlin Süd. Seit 1882 nur Oranienstr. 158. Unterhalte nirgends Filialen. Empfehle frühzeitigen Direttion Wilhelm Reimer Prachtsäle des Westens Weihnachts- Einkauf, Sonnt., Mont., Donnerst.: Hoffmanns Nordd. Sänger und Tanzkränzchen. Lott is tot. ( Durchweg neues Brogr.) Sonnt. Beg. 5, Wochent. 8. Freitag: Extra- TheaterAbend Romeo und Julia. Spichernstr. 3. Carl Stechert. Heute Theater- Aufführung. Cornelius Voẞ. Anfang 8%, Uhr. Entree 40 Pf. Nach der Vorstellung: Familien Kränzchen. D Kinematograph da besond. vorteilhafte Artikel bald vergriffen sein dürften. Auch Sonntags bis Weihnachten geöffnet. Freie Volksbühne. Sonntag, den 18. November: Berliner Theater: Neues Schauspielhaus: Nachmittags 3 Uhr: 5./6. Abteilung. Ora et labora und Eine Abrechnung. Herbstfest Sonnabend, den 24. November. 16./17. Abteilung. Der Sturm. Eine Umfrage wegen Teilnahme am Besuch von Russischer Tondichter- Abend. Abend- Vorstellungen Kapelle des Mozartsaals 60 Musiker. Konzertdirektion Eugen Stern. Lieder zum Orchester Fräul. Grete Steffens. wird von den Zahlstellen zurzeit bei allen Mitgliedern laut Generalversammlungs- Beschluß vorgenommen. Mitglieder werden gebeten, Alle Festmarken a 60 Pf. in allen ihr Votum im ZahlstellenZahlstellen. 19. Kunstabend: Goethe Beethoven Mittwoch, den 5. Dezember. buch eintragen zu lassen. 20. Kunstabend: Liliencron Vereinigung der Musikinstrumenten- Arbeiter Saaldemokratisch. Wahveren Berlins und Umgegend.adsdeildis 6. Berliner Wahlkreises. Dienstag, 20. November, abends Punkt 81%, Uhr, in Bockers großem Saal, Weberstr. 17: Lichtbilder- Vortrag über: Die Abstammung des Menschen." Bortragender: Genofie Schriftsteller M. H. Daege- Friedrichshagen. ( Birta 60 Lichtbilder erläutern den Vortrag.) Nad bem Bortrage: Geselliges Beisammensein. Nach Eintrittskarte 25 Pf. [ 142/16] Garderobe frei! Die Kollegen! Die volkstümliche, populäre Darstellungsweise des Vortragenden bürgt für eine so notwendige Aufklärung in naturwiſſenſchaftlicher Hinsicht. Beigt durch regen Besuch, daß Ihr diesem Bestreben Verständnis entgegenbringt. Die Werkstatt- Delegierten werden ersucht, am Freitag, abends 7 1hr, auf das VerkehrsTotal zu kommen, um Eintrittskarten in Empfang zu nehmen, für deren prompten Vertrieb sie Sorge zu tragen Der Vorstand. haben. Buggenhagen Arbeiter Athletenbund Deutschlands Jeden Donnerstag: Gustav Gottschalk- GesellschaftsBierbaum Konzert. Walzer u. Operettenahend. Freitag, den 4. Januar. Freies Kunstheim. Flugblätter und Antwortkarten liegen in allen Zahlstellen aus. Die Mitglieder werden ersucht, schleunigst Gebrauch davon zu machen. 230/4 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Verbindung mit größter FilmsSonntag, den 18. November 1906, vormittags 10 Uhr, im Restaurant Veteranenstr. 18: Gemeinschaftliche Uebungsstunde. Mittags 1 Uhr: Delegierten- Sikung. Tages- Ordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bundesangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen! Todes- Anzeige. Am 12. November verstarb unser Mitglied, der Schmied August Reichert ( Wilhelmshavenerstr. 19). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachm, 3 Uhr, von der Halle des Moabiter Strankenhauses aus auf dem Heilands: Kirchhof in Plößensee statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 226/2 Der Vorstand. Verein der Zimmerer Berlins u. Umgegend. Todes- Anzeige. Am 12. d. M. verstarb unser langjähriges Mitglied August Hinze ( Bahlstelle Gesundbrunnen). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause Soloniestr. 127 aus statt. Rege Beteiligung erwartet 258/6 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Tischler Fabrik Frankreichs, daher täglich NB. m 8. Dezember 1906 findet unfer 1. Stiftungsfest Hugo Zindler neueste Bilder. Den Vorstellung. Steinarbeiter Berlins! to Pritzkow. Minstr. 1.17 Otto 1296/17 Sonntag, den 18. November, nachmittags 5 Uhr, im„ Englischen Garten", Alexanderstraße 27c: Geffentliche Steinarbeiter- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Rehbein über: Kirche und Staat". 2. Diskussion. 180/15 Nach der Versammlung: Gemütl. Beisammensein mit Tanz. Kollegen! Bringt Eure Frauen mit! Garderobe 10 Pí. J. A.: Die Ortsleitung. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Gruppe: Zementierer. Sonntag, den 18. November 1906, vormittags 10 Uhr: Mitglieder- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engel- llfer 15, Saal I. Sages Ordnung: 148/14 1. Vortrag des Gewerkschaftssekretärs Adolf Ritter über: Aufgaben und Ziele der Gewerkschaften." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht aller Stollegen, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Der Gruppenvorstand. Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz im Louis Kellers Festsälen, Stoppenstr. 29, statt, und findet die Programm- und Blatatausgabe ebenfalls in dieser Sigung statt. Der Vorstand. F. Keller, 1. Borsigender. Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Das Wunder Berlins kann man den billigen Einkauf von Winterbekleidung bei ,, Blitz" bezeichnen. Durch Aufkauf sämtlicher Muster und Restbestände einer der größten Fabriken sind wir in der Lage, noch nie Dagewesenes zu leisten. Es findet nur Kommandantenstraße 43 der Total- Ausverkauf statt und zwar des von der Firma S. Böhm gekauften Warenlagers. M. 285 Stück teilweise echt engl. Ulster, Wert bis 60 M.... jetzt 230 schwarze und graue Double- Paletots... 985 650 " 1400 19 950 500 99 Die Berliner Buchbinder- Innung 600 hat ihren Arbeitsnachweis von Rückerstr. 9 nach der = Oranienstraße 105 vorn im Laden verlegt. Meister und Gesellen werden hiermit auf diese Einrichtung der Innung ganz besonders aufmerksam gemacht und ersucht, nur diesen Arbeitsnachweis zu benußen. Vermittelt werden männliche und weibliche Personen für das Buchbindergewerbe" und verwandte Berufe, wie Geschäftsbücher, Lederwaren, Etuis, Albums, Goldschnitt, Luguspapier. und Kartonnagen- Fabrikation usw. 178/18 Die Geschäftszeit ist von 9 bis 12 Uhr. aufträge können persönlich, per Post oder durch den Fernsprecher von 9 bis 7 Uhr erfolgen. 11 Telephon: Amt IV, Nr. 3081. Der Vorstand der Berliner Buchbinder- Jnnung. e Homophon Apparate& Platten Überall erhältlich. Homophon Company Fabrik Berlin C. Klosterstr. 5/6. 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Um rege Beteiligung ersucht 96/163 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Jalousiearbeiter Fiedelius Deufel am 13. November nach kurzem Krankenlager verstorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. November, mittags 1 Uhr auf dem Friedhof in Lankwiz statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. 96/17 Invaliden- Unterstützungskasse der Steindrucker u. Lithographen. Die Beerdigung Des am 13. November verstorbenen Lithographen Oskar Schneider findet am Freitag, 16. November, 3 Uhr, von der nachmittags Leichenhalle des neuen Jakobi: Kirchhofes in Brik aus statt. Das Komitee. 27426 Am Dienstag, den 13. Novem ber 1906, früh 9%, Uhr, verschied fanit nach schwerem Leiden mein lieber, unvergeßlicher Mann, unser Bruder, Schwager, Onkel und Schwiegersohn, der Zigarren fabritant 2746b Wilhelm Kiesewetter furz vor vollendetem 60. Lebensjahre. Dies zeigt ttesbetrübt an mit der Bitte um stille Teilnahme Berlin, den 13. November 1906 Anna Kiesewetter. Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. November 1906, nach mittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Gerichtstr. 25, aus nach dem Danteskirchhof in der Blankestraße ftatt. Danksagung. Sage allen Freunden und Be fannten insbesondere dem Personal der Firma Marschall und dem Deutschen Buchbinderverband, für die reichliche Unterstüßung und KranzSpenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Vaters unseren herzlichen Dank. 29602 und Wwe. Auguste Hoffmann Tochter. Gustav Behrens Theater, Berlin O., Frankfurter Allee 85. Das vollständig neue November- Programm. Neu! Der Hauptmann v Köpenick Neu! Großer Lacherfolg. 22 Nummern. Anfang 7, Uhr. Sonntags 5%, Uhr. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Capezierer! Deutscher Metallarheiter- Verhand Büffet- und Schreibtischmacher. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Engel- Ufer 15. Zimmer 1-5, Amt 4, 9679. Donnerstag, den 15. November, abends 8%, Uhr, bei Litfin, Morgen, Freitag, den 16. November, abends 8 Uhr, bei Franke, Bimmer 34, Amt 4, 3353. Memelerstraße 67: Sebastianstr. 39: Sonntag, den 18. November, vormittags 10 Uhr: Versammlung Oeffentliche Versammlung. General- Versammlung fämtlicher Büffet- und Schreibtischmacher. Tages Ordnung: Tagesordnung: 1. Wie stellen sich die Berliner Tapezierergehülfen zu dem Wie sollen sich unsere Lohn- und Arbeitsbedingungen im neuen Ver- im Frühjahr 1907 erfolgenden Ablaufe der Tarifverträge? frage gestalten? Die Kommission. = Tischmacher. Donnerstag, den 15. November, abends 8, Uhr: Referent: Kollege Goschke. 101/6 2. Diskussion. Zu dieser überaus wichtigen Versammlung sind Polsterer und Kleber eingeladen und erwartet zahlreichen Besuch Der Einberufer. Versammlung sämtlicher Tischmacher Berlins und der Vororte Arbeiter- Bildungsschule Berlin. im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal 8). Tagesordnung: Wie sollen sich unsere Lohn- und Arbeitsbedingungen unter dem neuen Vertrage gestalten? Die Branchenkommission. Achtung! Ladentischler! Achtung! Sonntag, den 18. November 1906, abends 7 Uhr, in den Berolina- Sälen, Schönhauser Allee 28: über: Vortrag des Herrn Edwin Lewinsohn ,, Aus dem Gebiete der Physik und Chemie, Vertrauensmännerversammlung populär- wissensch. Vortrag mit Experimenten." Donnerstag, den 15. November, abends 8%, Uhr: im Englischen Garten, Alexanderstr. 27 c. Zages Ordnung: 96/13 1. Wie regeln wir unsere Ueberstunden. Referent: Kollege Leopold. 2. Diskussion. Der Einberufer. Am 18. November, vormittags um 9 Uhr, und am 2. Dezember, nachmittags um 4 Uhr, finden Urania- Vorstellungen statt. Zur Aufführung gelangen am 18. November:" Die Mofellande" und am 2. Dezember:" Sizilien". Billetts zum 18. November sind nur noch auf dem Bureau, EngelUfer 15, zu haben. Die Billetts zum 2. Dezember sind vergriffen. Die Ortsverwaltung. Stukkateure! Von heute bis 15. Januar 07 beträgt laut Tarifvertrag die Arbeitszeit auf Bauten 7 Stunden! Anfang 8 Uhr, Frühstück 9-9% Uhr, Mittag 12-12 Uhr. Wir ersuchen, diese Arbeitszeit genau einzuhalten, da nur hierdurch die große Arbeitslosigkeit gemildert werden kann. Die Ortsverwaltung der Filiale Berlin. 8. Ziehung 5. Kl. 215. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 14. November 1906, vormittags.. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Nachdruck verboten.) ( Ohne Gewähr.) 122 426 796[ 500] 907 1238 91 382 476 514 50 891[ 3000] 924[ 1000] 2062 181 285 360 91 420 11000] 581 979 3121 [ 1000] 45 66[ 500] 96 379 651 892 963 4148[ 1000] 382 78% 843 937[ 1000] 50 5160 423 539[ 1000] 843 94 6162 220 96 413 7099 436[ 1000] 84 566 702 807 84 8056 166 271 538 656 827 89 9013 31 439 96 595 605 823 10188 207 348 1500] 70 78[ 500] 459 563 642 849 93 989 11111 98 222 856 945 12109 342 64 13106 56 347 486 917[ 1000] 14052 114 221 533 615 15538 47 678 794 872 16218 333 479, 500 652 750 909 17002 21 308 728 926 18115 315[ 1000] 33 86 1500] 91 570 725 26 947[ 3000] 19036 173 405[ 3000] 696[ 1000] 855 20162 63 77 220[ 10000] 85 448 850 814 69 86 21257 436 506[ 1000] 721 83 860 935 22147 51 569 781 806 948 23046 61 111 491 544 642 783 894 24030 216 410 58 761 25076 198 507 82 929 37 44 26177 87 329 479 922 27119 281 334 84 697 28010 200 29122 81 281 98 309 444 81 506 735 36 840[ 500] 85 962 30291 312[ 500] 78 401 502 91 710 [ 1000] 88 31008[ 500] 26 287 661 63 753 85 98 962 32010 166 318 464 597 616 710 40 877 86 33176 211 85 306 40 [ 1000] 66 93 412 25 614 21[ 1000] 51 867 916 34077 91 172 294[ 500] 307 693 95 751 801 936 70 35271 448 856 962 76 36011 212 447[ 500] 62 653 757 37141 410 31 632 708 45 [ 1000] 38053 205 328[ 3000] 67 457[ 3000] 561 663 801 90 [ 500] 39017 62 306 27 530 32 730 69 862 977 40031[ 1000] 132 57 435[ 500] 738 41053 301 468 660 42010[ 1000] 58 184 649 781 98 43008 11 38[ 1000] 177 386 628 44013 85 237 480[ 1000] 770 45049 59 356 99 648[ 500] 823[ 500] 46044 127[ 3000] 599 602 791 834 47779 48279[ 3000] 373 419[ 1000] 77 980 49109 342 47 59[ 3000] 69 411 87[ 1000] 625[ 500 0001 807 50034 65 367 759 822 46 51036 355 536 771 845 68 52071 223 463 554 87 761 664 863 79 1500] 53310[ 500] 630 55 68 95 714 74 54306[ 3000] 73[ 1000] 596 604 6 46 965 55258 422 55 558 613[ 500] 15 708 56204[ 500] 308 20 521 685 725 57017 20 100 309[ 1000] 58 89 543 94 650 773 893 939 58071 192 203 967 761[ 3000] 944 59183 501 58 716. 60072[ 3000] 107 40 217 46 317 23 93 588[ 500] 604 [ 1000] 900 80[ 500] 61741 63 62136 243 394 458 610 14 881 63029 84 138 357 68 483 583 621 732 35 61 864 933 [ 1000] 64192 330 92 409 66 740 43 858 962[ 1000] 65012 468 78 687 66048[ 3000] 141 891 67021 720 31 892 68021 186[ 500] 218 339 563 628 919 69311 527 651 788, 904 7 70074 77 250 68 428 573 759[ 500] 986 88 71351 71 677 68 428 80 841[ 1000] 910 43 94 72490 585 73317 416 541 91 649 779 895 74278 90 360 641 748[ 500] 78 75008[ 1000] 39 79 121 25 46 375 715[ 500] 40[ 1000] 77[ 500] 880 924 94 [ 5000] 76078 114 51 211 53 65 331 49 466 80[ 500] 540 55 19 669 725 839[ 500] 84 947 77235 46 476 597 632 99 953 78011 195 454 64 693[ 500] 784 810[ 1000] 25 79014 113 83 63 342 523[ 3000] 24 80115[ 50] 36 404 12 562[ 500] 77[ 1000] 619 20 38 81104 230 321[ 3000] 32 491 92 648 902 82031 191 92 [ 500] 469 509 778[ 3000] 79 964 84 83070 134 60 88 336 51 560 899 84314 55 523 867 85044[ 1000] 442 578 804 [ 2000] 33 86039 370 93 579 646 95 801 58 979 87310 506 17 18 43 795 803 19 63 992 88025[ 1000] 138 74 296 370 97 462 724 89028 207 64 86 363 431 538 70 647 787[ 3000] 94 946 90059 61 86 222 509[ 500] 13 91132 217 434 45 542 78 92 695 765 94 925[ 1000] 92249 632 774 805 946 93144[ 500] 236[ 1000] 643 999 94168[ 500] 461 668 95192 217[ 3000] 71 346 639 809 24 67 919 32 96348 434 86 92 699 884 96 975[ 1000] 97102[ 3000] 201 98593 666 930 99497 507 78 91 642 757 824 948 73 100249 73 307 702 8 831 964 67 101128 40 15001 396 731 47 102189 217 30[ 500] 344 538 982 103064 227 85 316 512 623 833 104138 40[ 500] 382[ 1000] 649 751 [ 1000] 60 105034 179 81 484 725 970 106312 65 464 734 82 863 996 107206[ 1000] 401[ 500] 661 979 83 108062 111 286[ 15000] 355[ 3000] 437[ 1000] 748 804 109011 52 152 610 110433 637 706 801 918 111010 395 739 112526 65 752 878 86 113049 141 44[ 3000] 460 513 842 [ 500] 114331 614 702 847 942 115028 140 30%[ 100] 83 761 908 116080 184 247 91 618[ 500] 74 117047 81 111 862 620 727 118331 951[ 500] 77 119214 11 797 91 120013 22 107[ 1000] 230 390 717 912 121199 321 647 978 90 122048 68 93 146 411[ 500] 12 29 48 77 542 791 908[ 3000] 123080 203 23 302 829 66 124088 439 [ 500] 567[ 500] 621 735 846[ 1000] 67 964 125102 274 [ 1000] 444 592[ 500] 604[ 500] 740 825 126222 307 514 697 828 935 69 127481 740 128022 157[ 1000] 677 944 [ 1000] 90 129464 65 770[ 3000] 89 817 130280 830 956 72 131218 80[ 1000] 437 38 627[ 3000] 891 992 132160 477 876 983[ 500] 133005 123 34[ 500] 60 69 96 299 615 29 85 134038 213 302 8 509[ 1000] 922 47 135521 91 960 136137 86[ 1000] 217 684[ 500] 894 935 137236 62 334 556 745 908 77 138015 434 51 674 768 85 1500] 916 [ 3000] 29 139113 436[ 1000] 800 37 991 140146 221 630 931 89 141025 74[ 500] 209 20 835 66[ 500] 452 53 88 638 142063 403 506 178 143260 Nach dem Vortrag Gemütliches Beisammensein und Tanz. Eintritt 20 Pf. Grau 5/ 7* Garderobe frei. raumanns Festsäle Bühne! Naunynstr. 27 3 Kegelbahnen Sonnabende u. Sonntage im Dezember, zu Weihnachtsbescherungen, desgl. auch Silvester und Neujahr noch frei. 2736L* G. Graumann. Amt 4 No. 7824. Das Nichteingreifen der Presse gegenüber den unhaltbaren Zuständen an den Produkten- und Effektenbörsen, die das Volk, die Volks wirtschaft, den Handel, das Vaterland ins grösste Unglück stürzen, die einen Börsen- und Wirtschaftskrach, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat, die Lebensmittelmangel, die enorme Preissteigerungen, die eine Hungersnot, die die Revolution herauf beschwören, muss als grobe Pflichtverletzung, als Volks- und Landesverrat betrachtet werden. Wer sich für diese gefährlichen Vorgänge im Wirt schaftsleben interessiert, verlange Proestlers Broschüre: ,, Das Wirtschaftsbild der Gegenwart und der Zukunft". Vollständige Ausgabe in besserer Ausstattung M. 2., Teil- und Volksansgabe 60 Pfg. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen( Komm. Otto Weber, Leipzig), woselbst auch Prospekte und Zirkulare umsonst abgegeben werden, ausserdem sind solche direkt vom Herausgeber der Broschüre, Kaufmann Michael Proestler in Würzburg, portofrei zu beziehen. 969 144111[ 1000] 201 308 468 501 958[ 500] 145411 40 719 836[ 3000] 919 146026 327 482 55 85 520 640 15 01 49 704 45 147345 470[ 500] 553 843 58 931[ 1000] 35 148116 213 64 570 75[ 500] 96( 1000] 617 991[ 500] 149260 992 479( 500) 733 809 99 981 44 150072 89 278 476 543 534 978 151077 257 585 701 13000] 923 84 98 152159 226 78[ 8000] 349 914 73 99 153102[ 500] 22 248 324[ 500] 59 87 92 488 607 70 73 835 154165[ 500] 210 371[ 500] 497 603[ 1000] 34[ 500] 787 946 155086 48 116 61 219[ 1000] 25 40 392[ 5001 156040 42 297 313 56 407 746 928 38 157664 91 158072[ 3000 83 195 322 57 430 38 572 673 944 159094[ 1000] 102 292[ 1000] 77 678 905 10 160207 96 337 61 76 464 525 48 91 863 81 949 110001 62[ 500] 73 161070 159 246 67 302 458 520[ 500] 697 [ 8000] 718 61 67 879 162055 123[ 500] 468 75 714 72 831 922 50 163124 46 57 709 53 96 800 48 969 164205 81 522 686 747 884 165115[ 1000] 217[ 500] 522 24 731 886 89 166124[ 500] 258 443[ 3000] 80 666 92 780 821 900 167030 125 431 48 595 612 31 706[ 1000] 52 168026 13000! 30 237. 846 692 731 169068 119 319 99[ 3000] 583 687 170259 405 591 725 821 904 22 171310 444 58 557 92 [ 500] 651 930 172423 94 525 688[ 1000] 757 937 173075 244 52 545 174038 206 318 470 513 88 701 175144 246 49 308 537-626 758 62[ 1000] 885[ 500] 984 176034 185 [ 1000] 216 581 719[ 3000] 88 965 177099[ 500] 147 271 331 48 934 178019[ 500] 33[ 1000] 51 102 33 323 669 875 996 179035 76 373[ 3000] 425 49[ 300] 820 180096 319 98[ 500] 017 56 841 85 181017 37 40 135 58 61 304 86 600 968 86 182172 494 184133 452 583 613 46 908[ 3000] 185115[ 3000] 51 201 31 467 13000] 675 967 186141 269[ 500] 374 908 66 71 74 187111 325 62 533 662 780 926 188068 127 L1000] 64 208[ 3000] 385 482 658 746[ 500] 48[ 1000] 845 189024[ 5000] 55 148[ 500] 299 375 419 710 77 814 62 99 929 190038[ 500] 141 361[ 500] 418 51 531 691 859[ 500] 191013 155 242 355 62[ 1000] 70[ 500] 590 99 671 767 89 892 192017 40 212 634 797 986[ 3000] 193181 369 505 673 937 19405[ 1000] 61 273 329 481 500 676 891 195293 490 531[ 1000] 51 67.666[ 3000] 757 92 935 48 196005 595 197084 196 417 75 563( 500] 712 808 91 198182 207 343 409 58[ 1000] 63 778 842 946 199088 140 353 470 820 200308 62 420 772 201192 373 432[ 500] 582 629 998 202187 369 616 29 716 203402 68 707 43 861 964 204055 134 221 319 553 97 205074 228 412 792[ 3000] 842 61 972 206096 318 545 659( 1000] 91 833 94 207212 [ 500] 387 414 506 38 96 98 676 208033 570 971 20 074 231 687 946 84 210162 89 234 693 927 211087 13: 001 134[ 500] 263 417 20 562 696[ 500] 212370 457 84 572 869 73 213046 54 160 82 249 365[ 1000] 860[ 500] 71 92 942[ 500] 214115 92 372 454 69 624 725[ 1000 877 82 964 215004[ 500] 78 220 314 68 76 78[ 500] 623-62 216071 168 72 224 68[ 500] 383 431 660 792 880 18000] 89 949[ 3000] 217404 12 18 585 983 218161 99 525 659 717 800 905[ 5000] 23 219053 402 510[ 1000] 30 770 92 859 220232 324 401 43 77 509 766 842 55 999 221161 221[ 500 320 480 89 566 682 719 222068 288 521 603 55 824 223147[ 500] 212 365 593 628 63 772 914 224965 113 24 37 366 443 564 604 18 964 225236 74 407 31[ 500] 532[ 500] 666 975 77 226475 514 685 794 227073 168 [ 1000] 265 370 477 552[ 1000] 646 745 831 902 228092 176 275 663 715 72 833 229079 380 642 850 77[ 3000] 85 230355 81 630 760[ 500] 863 931 231075 103 388 617 45 881 232067 224 41 95 363 660 779 811 918 98 233030 148 418 73[ 1000] 234123 75 254 349 451 786 879[ 3000] 235116 63 80 89[ 500] 438 96 236007 127 347 424 82 681 785 909 237010 67 143 303 64 579 657 [ 500] 798[ 500] 868 980 238197 300 41 553 620 21 826 239174 693 946 66 240388 419 45 593 771 241288 393 511 18 81 909 242533 243048 203 71 476 13000] 619 744 811 53 59 244130 94 219 306 14 408 863 69[ 1000] 956 245096 244 88 393 691 762 981 246068 242 358 490 529 631 707 950 247103 32 421 91 514[ 500] 88 833 248477 507 8 779 92 982 249126 218 54 80 376 412 531 628 831 980 250203 366 70 582 722 960 251: 30 499 623 785 253350 73[ 3000] 495 552[ 15 000] 788[ 3000] 826 959 254031 77 139 67 417[ 3000] 21 798[ 5001 822 902 255154 24% 439 65 646 50 790 809[ 1000] 256091 209 80[ 500] 359 431 88 665 848[ 500] 257127[ 500] 60 203 6 14 27 534 61 798 806 975 258182[ 500] 510 26 615[ 500] 27 56 731 901 259180 634 63[ 1000] 908 260086 275 583 706 26 66 68 261165 242 99 540 262365 670 858 97 263079 385 484 661 712 30 89 264017[ 3000] 67 163 66 219 889 420[ 500] 704 48 55 840 265070 120 31 359 481[ 500] 955 266193 310 11000] 410 87 502 97 897 267144 223 397 480 684 780 909 39 41 268207[ 500] 75 316 34[ 5001 556 628 807 935 269052 296 824 701 270308 45 763 271478 603 819 930 272027 81 204 57 493 501 57[ 1000] 818 21 915 28 273251 400 86 644 93 743 46 803 11 87 94 981 274044 288 306 502 5 848 969 275227 36[ 500] 669 828 944 276030 253 68 356 493 550 657 65 833 46[ 500] 924 277129 216 11 309 865 90 278135 46 288 351 442 520 653 761 837 279068 89 191 241 44 64 99 616 63 752 813 280117[ 500] 39 65 412 89 534 39 606 882 88 96 281058 668 282151 857 929[ 10001 283131 239 61 66 284088 314 68 425 37[ 3000] 48 510 85 616 25 8 784 70 83 95 825 917 21 41 285027 134 263 885 485[ 3000] 614 49 744 54 286440 48 514 22 34 669 116 287210 16 43 343 48 512 88 706 12 14 890 Im Gewinnrade verblieben: 1 Prämie à 300 000 M., 1 Gewinn à 150 000, 2 à 100 000 1 à 75 000, 2 à 60 000, 3 à 50 000. 3 à 40 000, 10 à 30 000. 17 à 15000, 54& 10000, 104 à 5000, 1521 à 3000. 2415 à 1000, 3734& 500. in der Neuen Welt, Hafenheide 108/114. Tages Ordnung: 1. Bericht der Kommission in der Angelegenheit ide. 2. Staffett bericht vom 3. Quartal und Bericht der Revisoren. 3. Neuwahl der Revisoren. 4. An die Verwaltung gelangte Anträge. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zur Beachtung! * m Mißverständnissen vorzubeugen, benachrichtigen wir die Mitglieder des Verbandes, daß die Fragebogen, die augenblicklich im Norden, Osten und Südosten von Berlin und Umgegend im Umlauf sind, einer sozialpolitischen Arbeit dienen follen und daher sehr gewissenhaft beantwortet werden möchten. Achtung!. Achtung! Moabit. Sonnabend, den 17. November cr., im Saale der ,, Kronen- Brauerei", Alt- Moabit 47/49: Konzert- u. Rezitations- Abend. Konzert- Musik vom verstärkten Berliner Sinfonie- Orchester. Dint: Maximilian Fischer. Rezitation sozialer Dichtungen von Fräul. Maria Holgers. Nach dem Konzert Großer Ball. in beiden Sälen: Entree 50 Pf. 159/19 Anfang präzise 9 Uhr. Die Ortsverwaltung. Allgemeiner Deutscher Gärtnerverein Ortsverwaltung Groß- Berlin. Branche Landschaftsgärtnerei. Freitag, den 16. November 1906, abends 9 Uhr: Oeffentliche Versammlung aller Gärtnergehülfen u. Gartenarbeiter von Groß- Berlin im Königshof, Berlin, Bülowftr. 37. Tages- Ordnung: 1. Unser Lohntarif für 1907. 2. Freie Aussprache hierzu. 3. Bahl einer Lohnfommission. 296/18 8. Ziehung 5. Kl. 215. Kgl. Preuss. Lötterle. Ziehung vom 14. November 1906, nachmittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigelligt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 249 375 470 640 50[ 1000] 905 30 1102 46 1500] 242 [ 3000] 400 42 648[ 1000] 711 39 978 2395 664[ 3000] 3124 48 466 500 7 12 91 921 4686 765 97 906[ 1000] 14 5114 281 640 98 844 986 6397 462 783 968 7005 282 828 554 740 879 8009 109 598 96[ 500] 838 906 9479 774[ 500] 863 928 10250 316 507 66[ 500] 708 947 58 11009 47 59 271 95 819 81 99 605 930 56 12164 335 755 963 13284 309 44 74 448 785 92 812[ 500] 14144 64[ 1000] S7 387 970 15038 111 492 320 603 959 86[ 1000] 16093 291 318 633 17019 79 124 204 25 54[ 800] 92 714 16 18045 500] 199( 3000] 212 410 61 943 19087 91 258 482 523 636 711 802 926 64 94 20330 39 82 431 561 614 799 21696 781 921 22015 195[ 500] 566 708 17 907[ 500] 85 23218[ 500] 308 880 90 903 24026 11000] 148 286 487[ 1000] 604 51 97 910 81. 25289$ 75 437 674 816 80 26141 95 442 595 645 826 906 20 27002 92 298 308 63 439 69 619 38 752 858 917 28003 44 188[ 3000] 842 515 85 1500] 625 912 32 29134 61 247 545 812 30156 204 331 878 934 95 31233 417 651 781 3211 85 968 11000] 33076 188 308[ 500] 23 825[ 10] 66 914 34106 78 89 90 246 54 84 476 77 529 600[ 5000] 70 35015 156 283 632 72 34[ 3000] 884 36111 19 48 77 268 451 566 98 681 965 37053[ 500] 487[ 1000] 828 71 [ 1000] 38313 402 637 73 74[ 1000] 883[ 1000) 39054 93 661[ 500] 904 40322 439 90 532 614 899[ 3000] 911 22 30 41005 35 [ 3000] 111 223 308 29 1500] 598 685 709 900 15001 54 42128 269[ 500] 318 23[ 500] 72 424 549 74 627 130001 95 43012 25 44 205 16 414[ 1000] 569[ 1000] 99 784 89 867 44095 105[ 3000] 78 315 675 722 78 45036 46 90 230 578 854 46105 98 874 971 47053 154 89 598 718 846 92 48082 [ 3000] 99 106 377 550 886 49275 344[ 500] 74 531 650 85 718 69 95 842 64 938 52 50143 481 37[ 1000] 620 850 977 [ 500] 97 51078 278 79 504 744 925 32 52144 82 286 367 400 885[ 500] 53060 72 95 199 260 622 968 54160 310[ 500J 507 821 55521 724 904 25 62[ 1000] 56040 191 307 459 5701 84 92[ 300] 245 392 794 953 58074 183 312 46 49 482 531 59037 153 228[ 500] 417 666[ 500] 822 60071 189 237 429 75 534 668 701 823 61022[ 500] 691 62084 99 558 76 929 63420 516 79 679 742 815 960 64216 386 511 54[ 1000] 632 52 820 969 74 88 65050 176 260 457 72 589 622 723 847 93[ 3000] 66040 75 297 1500! Sei 8 431 95 561 680 718 945 58[ 500] 67087 119 407[ 500] 632 97 1500] 741[ 3000] 871 971 1500 68214 28[ 3000) 555 [ 1000] 600 69000 37 151 299[ 1000] 758 92 899 70069 145 [ 3000] 301 48 409 71014 110 24 29 49 650 791 868 992 72219 398 531 60 698 959 73181 274[ 500 322 372 646+89 74203 24 82 332 440 614 75 799 938 44 52 75092 217[ 1000] 53[ 3000] 68 322 68 88 469[ 1000] 91 504 52 62[ 3000] 99 660 814 73 938 89 76099 271 306[ 500] 765 75 840 962 [ 3000] 77197[ 1000] 568 74 876 802 52 78018 31 116 35 45 290 439 717 43 865 912 79203[ 500] 57 369 407 49 604 37.714 80031[ 1000] 323 31 497 569[ 1000] 609 767 829 956 81126 70 247 831 914 67 82127 276 377 495 515 889 975 90 83004 57 255 475 582 93 660 897 84065 158 501 49 665 737 863 996[ 3000] 85075 88 245 300 65 461 764 879 914[ 500] 86052 258 314 494 527 623 863 87144 395 581 88040 277 472 597 635 803 89206 85 96 379 53 769 92 921 28 90212 37 367 462 527 610 56 904 36 47[ 500] 91182 441[ 500] 51[ 500] 92 672[ 500] 874 92042 133 511 661 799[ 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207081 362 880 208138 227 61[ 500] 349 89 404 63 625 920[ 1000] 62 88 209279 394 463 562 621 80 840 210078 203 311 559[ 3000 730 893 211026 376 619 835 905 212011 36 178 259 338 472 573 735 213026 239 75 326 518 39 806 46 939[ 1000] 214409 575 739 950 215164 337 55 531 681 822 85 90 925 216034 158 77 486 92 586 726 836.[ 1000] 70 217030 52[ 1000] 247 335 455 616[ 5000] 97 737 840[ 500] 218153 269 452[ 500] 583 864[ 3000] 91 219293[ 500] 341 513[ 500] 631 36 741 842 81 918 220032 209 408 764 959 82 221028 550 767 222214 [ 1000] 435 718 22 60[ 500] 801 967 223148 70 595 828 [ 1000] 54 86[ 500] 751[ 3000] 859 224207 821 225001 199 254[ 3000] 475 931 36 88[ 1000] 226057 90 98 422 709 950[ 500] 227298 900 33 228065 70 304 757 913 41 54 229123 92 216 36 617 65 802 230066 78 418 606[ 50a] 977 231144 45 412 682[ 500] 715[ 500] 83 808[ 500] 232092 [ 1000] 142[ 1000] 210 33 342[ 500] 573[ 1000] 647 766 233045 95 177[ 5000] 296 728 50 58[ 500] 978 234108 8 224 29 387 434 590 644[ 500] 78 84 776 891 947 235191 486 635 92 737 75 887 92[ 1000] 914 236269 370 643 237023 102 225 52[ 500] 68 881 238408 836 239234[ 1000] 63 375 88 509[ 3000] 46 605 40 743 240032 660 823 241119 99 727[ 1000] 893 919 242164 355 439 644 853 243062 193 400 769 71 946 54 241320 660 747 51[ 2000] 69 907 27 40 245141 534 66 [ 500] 916 76 246019 79 334 593 803 945 247142 85 449 525 50 602 854 248301 497[ 500] 745 910 58 80 249064 101 549 80 96 647[ 1000] 822[ 3000] 913 42 250008[ 500] 52 111[ 500] 32 383 410 589 723 945 251248 50[ 500] 336 96 467 635 62 981 92 252061[ 1000] 333 519 27 640 253000[ 3000] 24 157 315[ 40000] 853 928 47 95 254108 14 255005 148 356 73 468 562 673 762 87[ 3000] 874 256130 57 97 286 381 608 822 73 908 257097 303 729 [ 5000] 832 258353 551[ 3000] 90 974[ 1000] 259083 216 32 67 459 893 917[ 3000] 260027 69 88 512 644 76[ 3000] 813 93 916 261026 324 635 777 901 66 80 262026 206 28 74[ 1000] 76 95 384 431 841 263043 233 59 348 77[ 3000] 88 518 982[ 300] 264841 998 265500 2 726 37 884 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Für den Inferatenteil verantw.: Th. Glede, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchbruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. mb. z. Stitat des Jomitte" Kerlim Aounerstag, 15. November 1906. Zur Haus- und Heimarbeiterfrage. Ein Genosse des Meininger Oberlandes, welcker seinen Wohnsitz in Lauscha hat, besuchte in diesem Jahre die Deutsch-böhmische Aus- strllung. Diese Ausstellung war auch von der Produktivgenossensckaft der Hohlperlenerzeuger deS Gablonzer Bezirks beschickt worden. Die Genossenschast, welche fast ausschließlich aus Haus- und Heim- arbeitern bestehen soll, hatte neben einer hübschen Kollektion ihrer Erzeugnisse auch den Geschäftsbericht des letzten Jahres der Oeffent- lichkeit zugänglich gemacht. Dieser Bericht hat unseren Genossen so für die produktivgenossenschaftliche Idee begeistert, daß er glaubt, in ihr einen Weg darin erblicken zil dürfen, welcher geeignet ist, das Massenelend der HauS- und Heimarbeiter des Meininger Oberlandes zu beseitigen. Ehe wir den wesentlichsten Teil seiner Ausführungen wieder- geben, wollen wir einiges aus dem uns zur Verfügung gestellten Bericht der Produktivgenossenschaft bringen. Die Produstivgenossenschaft der böhmischen Hohlperlencrzeuger wurde im Jahre 1898 gegründet. Eingangs des Berichtes heißt eS: „Unsere Genossenschaft hat seit ihrer Gründung alljährig einen Zuwachs an Mitgliedern zu verzeichnen. Sie vereinigt Jieute alle Hohlperlen-Lieferanten und Bläser des Jsergebirges, oweit sie der Beurteilung einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage fähig sind und soweit sie im stände sind, eine einwandfreie Perle herzustellen. Gegründet wurde unsere Genosienschaft, nachdem der Artikel infolge eines unglaublichen Preisdruckes durch Jahre hindurch daniederlag, zur Sanierung der Erzeugung und des Verkaufes der Hohlperlen. Sie hat ihren Hallptzweck, die Arbeitslöhne auf einer solchen Höhe zu erhalten, daß den Perlenarbeitern eine menschen- würdige Lebenshaltung möglich ist. bisher voll erfüllt, und sie ist bahnbrechend geworden für die Sanierung anderer Branchen der Jsergebirgs-Haus- und Ervortindustrien. Unser siebenjähriges Erzeugnis beläust sich, auf die EinheitS- große Nr. y umgerechnet, auf 15 SM 000 Bund Perlen, das Bund zu 109 Dutzend. Die Aufbesserung der Arbeitslöhne seit Gründung unserer Genossenschaft hat unserer Arbeiter-Mitgliederschaft bis zum 31. Dezembrr 1995 einen Mehrverdien st von 3 259 999 Kronen gebracht. I» dieser Ziffer kommt also der bisherige wirtschaftliche Effekt unseres Unternehmens zum Ausdruck." Gablonz a. N.. 16. Mai 1996. Die Zahl der Mitglieder beträgt 1893. Davon sind 532 männlichen, 1271 weiblichen Geschlechts. Die Einzahlungen und das Guthaben der Mitglieder betrug am 81. Dezember 1995 119 341,71 Kronen. Die Genossenschaft lieferte ihren Mitgliedern im letzten Ge- schäftsjahre für 54 999 Kronen Rohmaterial. Der gesamte Umsatz in den sieben Geschäftsjahren betrug 16 914 371,67 Kronen. Die besseren Existenzbedingungen der Mitglieder kommen in den Steuersätzen zum Ausdruck. In den Jahren 1999/91 wurden 4349,19 Kronen, 1994/95 29926.41 Kronen an Steuern gezahlt. Gegen Krankheit bat die Genosienschaft ihre Mitglieder seit dem i. August 1994 bei einer Krankenkasse versichert. Die Hälfte der Kraiiienkassenbeiträge zahlt die Genosienschaft, die andere Hälfte die Mitglieder. An Krankenkassenbeiträgeir wurden im letzten Jahre(1995) über 89 521 Kronen gezahlt. Die Zahl der versicherten Mitglieder betrug durchschnittlich I 6 6 2— männlich 419, weiblich 1243. Die Genossenschaft hat auch einen, freilich an Jnnungözopf stark erinnernden einschränkenden Einfluß auf die Lehrlingszucht ausgeübt. Der Bericht konstatiert mit Genugtuung, daß gegenwärtig die Lehrlingsaufnahme sich nur noch auf die Familien- angehört gen besckiränkt lind daher die Zahl der Lehrlinge um die Hälfte gesunken ist. Der Bericht mag als ein schönes Zeugnis der genossenschaftlichen Arbeit angesprochen werden können. Aber eS müssen auch in dem böhmischen Jsergebirge für Produktivgenossenschaften besonders günstige Vorbedingungen vorhanden gewesen sein. Leider jagt der Bericht aber nichts, über die Wohn ungsverhält niffe und inwieweit Kinderarbeit bei Erzeugung beteilig ist. Doch davon später. Auffallend ist die geringe Zahl der Lehrlinge, welche die Fort- bildungsschule besuchen, es sind nur neun. Unser Genosse schreibt nun:„Bei uns im Lauschaer- bezirk werden ebenfalls solche Hohlperlen erzeugt, sowie Christ-» baumschmuck, Menschen-, Tier-, Puppen- und Figurenaugen, ferner im Sonneberger Bezirk die Spielwaren. Von einer näheren Schilderung des Heimarbeiterelends will ich absehen. Leider ist eS eine bekannte Tatsache, daß die Heim- und Hausarbeit fast immer mit überlanger Arbeitszeit, KinderauSbeutimg und Unterernährung Hand in Hand geht. Die gleichen Begleiterscheinungen lasien sich feststellen, wo die HauS- oder Heimarbeit die Erwerbsquelle bildet, gleichviel in welcher Gegend oder in welcher Branche. ES ist entsetzlich. wie Kaufleute und Käufer air diesem Elend geftchllos vorübergehen. Krankheiten und ftühzeiliger Tod sind die Folgen dieser traurigen ErwerbSverhältnisie. Um das Elend zu beseitigen, erscheint mir der Weg, den die Gablonzer Hohlperlenarbeiter eingeschlagen haben, der richtige zu sein, nur müßte bei uns die Produktivgenossenschaft wie folgt eingerichtet sein. Erstens, müssen Zentralmusterlager eingerichtet werden. Wollen die Arbeiter nicht freiwillig Muster ihres Produktes liefern, so muffen sie durch gesetzlichen Zwang dazu veranlaßt werden. Zweitens müssen Wiederverkäufer oder Käufer ihre Orders bei dem Musterlager resp. dessen Leitung aufgeben, diese gibt dann die Orders an die Arbeiter weiter. Drittens dürfen die Kaufleute oder Käufer nicht mit dem einzelnen Arbeiter über Preise oder sonstige geschäftliche Dinge ver- handeln. Der Arbeiter hat sein Produkt an die Zentrale abzuliefern und werden die Bestellungen dann von dieser effektuiert. Durch diese Einrichtung würde der Preisdrückerei durch die Kaufleute ein Riegel vorgeschoben. Ferner köm,te die Genossenschaft durch Lieferung von Rohmaterialien an die Heimarbeiter deren Existenzbedingungen ebenfalls verbessern. Die für die Genossenschaft notwendige StaatShülfe würde sich schon durch die größere Steuerkrast von selbst bezahlt machen. Ich habe eS als meine Aufgabe betrachtet, unsere Volksvertreter auf die Errichtung solcher Regien aufmerksam zu machen. Der Zweck dieser Zeilen wäre erfüllt, wenn diese Anregung auf fruchtbaren Boden siele.".. Den Weg, welchen unser Genosse zur Beseitigung des Heim- arbeiterelends gehen will, scheint uns nicht gangbar. Abgesehen davon, daß er nur einem kleinen Bruchte»le der Haus- und Heimarbeiter, selbst deS Meininger Ober- landes. eine kleine Besserung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse bringen kann, falls sein Vorschlag m der gegenwärtigen Gesellschaft durchgeführt würde, findet sich keine deutsche Re- g i e r u n g, die geneigt wäre, eine solche Zwang S-P r o d u k t i v- genofsenschaft mit staatlicher Kapitalhülfe zu bilden. � �.. In Steinach hat ja die Memmger Regierung m der Griffel- und Schieserindustrie den Staatsbetrieb eingeführt. Es muß anerkannt werden, daß manche Befferungen deS BctrieS durchgeführt worden sind, aber im wesentlichen sind die Existenzbedingungen der Arbeiter nicht besser als in der Privattnduftrie. Es ist ja bekannt. daß die Staatsbetriebe die Lohn- und sonstigen Existenzbedingungen I ihrer Arbeiter so einrichten, daß sie dem Privatunternehmer keine 'Konkurrenz machen. Der nahezu einzige Unterschied ist, daß der Staat den Profit einheimst, den sonst der Unternehmer in die Tasche steckt. Der naive Glaube, daß sich in der Gegenwart eine Regierung finde, die Produktivgcnoffenschaften mit staatlichem Kapital und unter staatlichem Zwange bildet, um so die Privatausbeukung brach zu legen, ist init den tatsächlichen Verhältnisien unvereinbar. Die Genossenschaft müßte sich aus freiwilligen Mitgliedern bilden und dies hat doch seine schwer zu überwindenden Schwierig- leiten. Einmal in der Kapitalfrage und das andere Mal m der Vielseitigkeit des Produktes. In Böhmen sind es nur Hohlperlen, also ein bestimmter einheitlicher Produktionsgenre, aber im Lauschaer Bezirk spielt die Hohlperlenproduttion eine nur untergeordnete Rolle. Da- gegen werden eine Unsumme anderer Artikel und noch vielfach Artikel, deren K o n s u m sich nur auf kurze P e r i o d e n des Jahres beschränkt, erzeugt. Dieie Vielseitigkeit der Produftion schafft aber Schwierigkeiten, deren Tragweite kaum zu übersehen ist. Es gehört ein bedeutendes Kapital dazu, um die an der Genossen- schaff beteiligten Arbeiter das Jahr über zu beschäftigen und deren Produkte zu bezahlen. Wo soll aber das Kapital bei der notorischen Armut der Waldbevölkerung herkommen? Dieses Kapital durch Spareinlagen zu schaffen, ist unmöglich. Dr. E. Sachs und Oskar Stillich haben in ihren Schriften be- reits auf die Schwierigkeit hingewiesen, daß ein kleiner Fabrikant — Hausindustrieller— sich zum Großkaufmann und Exporteur ent- wickeln kann. Mit Argusaugen wacht der herrschende Klüngel der Großkaufleute und Exporteure darüber, daß kein Hausindnstrieller mit der Kundschaft in direkter Geschäftsverbindung tritt. Wehe dem Aermslen, der es dennoch wagte, die Zwischenhändler mal auSzu- schalten, er könnte lange auf Bestellzettel warten und damit wäre sein Schicksal besiegelt. Genau so und nicht anders ginge es der angeregten Genossenschaft. Die Genossenschaft dürfte damit rechnen, daß kein Mittel gescheut würde, sie existenzunfähig zu machen. So gut gemeint der Vorschlag des Lauschacr Genossen ist, er würde an den harten Tatsachen der vorhandenen Verhältnisse scheitern. Aber selbst wenn dies nicht der Fall wäre, schreibt uns ein mit den dortigen Jndustrieverhältnisien genau bekannter Genosse, verspreche ich mir keinen besonderen Nutzen für die Heim- arbeiter davon. Vor allen Dingen müßten die kleinen Haus- industriellen und Heimarbeiter des Thüringer Waldes den Fabrikanten- oder Selbständigkeitsdünkel ablegen. So lange dieser falsche Wahn vorherrschend ist, werden sie schwer zu irgend welcher gewerkschaft- lichen Organisation zu haben sein. Die Unternehmer wissen dies sehr genau, darum hegen und pflegen sie diesen Wahn, so lange sich jeder Heimarbeiter einbildet, ein kleiner Fabrikant— die Bezeichnung ist geradezu Hohn— zu sein, so lange blüht der Weizen der Groß- kaufleute. Kaum beginnt die Waldbcvölkerung den Wert der gewerkschaftlichen Organisation zu schätzen, indem sich überall nach langjährigen Mühen der bekannten Genossen im Sonneberger Bezirk gewerkschaftliche Organisationen bilden. Mögen die Heim- und Hausarbeiter mit derselben Energie, die sie in politischer Richtimg entfalten, für die gewerkschaftliche Organisation wirken und der Erfolg wird nicht aus- bleiben. Den Weg, die Heimarbeit einzuschränken und, soweit dieS möglich, ihre Existenzbedingungen zu bessern, hat unsere Fraktion mit ihrem Gesetzentwurf, welcher dem Reichstage vorliegt und wohl dem- nächst zur öffentlichen Verhandlung kommt, gezeigt. Die Parole aller Menschenfteunde muß aber heißen: Hin- aus mit dieser Erwerbsarbeit aus den Wohnräumen der Armen, hinein mit der Arbeitsverrichtung in besondere Werkstätten und Fabriken. So lange die Haus- und Heimarbeit betrieben werden darf, wird die schändliche unkontrollier- bare Kinderausbeutung, die unendlich lange Arbeitszeit und das damit verbundene Elend nicht befestigt werden._ parte!- Hncfelecfenbeiten. Spandan. An« nächsten Freitag findet bei Kumke, Schönwalder- straße, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. TageS- ordnung: Wahl eines ersten Vorsitzenden. Bericht von der Buch- Handlung. Bericht vom Parteitag. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Vorstand. Berliner j�acbricbten» Aon der kommunalen Wohltätigkeit. Tie Stiftungsdeputation des Magistrats gilt manchem Bedürftigen als die Retterin, die ihn mit einem einzigen Federstrich aus aller Not befreien kann. Es ist wahr, die von ihr verwalteten zahlreichen Stiftungen haben einen beträchtlichen Wert. Auch im letzten Etatsjahr, über das die Stiftungsdeputation jetzt berichtet, hat der Gesamt- betrag sich durch neue Zuwendungen wieder erhöht, so daß am Jahresschluß ein S t i f t u n g s v e r m ö g e n von zu- sammen 32 Millionen Mark vorhanden war. Nickt mitgezählt sind hierbei die Stiftungen, die von der Armen- direktion, von der Waisendeputation, von der Schul- dcputation usw. usw. verwaltet werden. 32 Millionen Mark, das klingt stattlich genug. Zu Unterstützungen sind aber selbstverständlich nur die Zinsen verfügbar. Wie viel oder wie wenig sie betragen, das verschweigt der Bericht der Stiftungsdcputation. Wenn man berücksichtigt, daß bei vielen Stiftungen der Zinsertrag noch auf lange Zeit hinaus größtenteils oder gänzlich durch Zahlung von Renten an Hinterbliebene der Stifter aufgebraucht wird, so kann man zu der Vermutung gelangen, daß der für U n t e r- stützungen übrig bleibende Rest noch keineMillion Mark' ausmacht. Das wäre wirklich nicht viel für eine Zwcimillionenstadt wie Berlin. Bei so beschränkten Mitteln ist die Stiftungsdcputation keineswegs in der Lage, mit vollen Händen Geld über die Bedürftigen auszustreuen. Hierzu langt es bei ihr um so weniger, da Jahr für Jahr eine gewaltige Zahl von Bittgesuchen eingeht. Im letzten Jahr belief sich die Zahl der Gesuche auf 21 0 8 6. Gewöhnlich entfallen die meisten auf Oktober, November, Dezember, die allermeisten rcgcstnäßig auf November. Diesmal waren Oktober, November, Dezember mit 268-1, 3371, 2331 Gesuchen be- teiligt. Da sind natürlich die Aussichten, von der Stiftungsdeputation etwas zu bekommen, nicht sehr groß. Wieviel Gesuche bewilligt wurden, darüber bringt der neueste Bericht der Stiftungsdeputation zum ersten Male eine übersichtliche Zusammenstellung. Be- willigt wurden 7141 Gesuche, rund ein Drittel aller. Der Bericht fügt hinzu, etwa ein zweites Drittel sei abgelehnt worden, weil die Ortsangchörigkeit fehlte, oder weil keine wirkliche Notlage btzstand, oder weil vermögende Kinder vor- Händen waren, oder weil ein Notstand vorlag, für den die der Stiftungsdcputation zur Verfügung stehenden Mittel nicht ausreichten. Die übrigen Gesuche habe die Deputation zurückgewiesen, weil die Bittsteller schon gesetzliche Armen- Unterstützung bezogen, oder weil sie bestraft waren.„Wir können also," fo behauptet der Bericht,„zu unserer Genug- tuung sagen, daß wir in fast allen geeigneten Fällen haben helfen können." Diese Angaben wären brauchbarer, wenn über die Gründe der Abweisung gleichfalls be- stimmte Zahlen mitgeteilt worden wären. Beispielsweise wüßten wir gern, wie viele Gesuche abgewiesen wurden, weil die Ortsangehörigkeit fehlte, wie vielen Bedürftigen die Hülfe versagt wurde, weil zur Linderung ihrer Not der Stiftungsdeputation die Mittel fehlten, und so weiter. Ucbrigens darf auch von den 7 1 4 1 bewilligten Gesuchen nicht etwa angenommen werden, daß die Bei- hülfen in der Regel erheblich waren. In 2039 Fällen handelte es sich lediglich um Gewährung von je 1000 Stück Preßkohlen, die einen Wert von je 8— 10 M. darstellen. In 249 anderen Fällen wurden zur Beschaffung von Feuerung je 12 M. gezahlt. 355 mal wurde Mietsbeihülfe aus der Kottwitz-Stiftung gewährt. 238 Personen erhielten eine laufende Unterstützung neu bewilligt, so daß am Jahres- schluß 1212 laufende Unterstützte vorhanden waren, und an 4085 Personen wurde eine einmalige Unterstützung gezahlt. Dazu kamen noch 168 Stipendien und 7 Aussteuerbeihülfen. Die Beträge hielten sich besonders bei den einmaligen Unter- stützungen meist auf bescheidener Höhe. Der Bericht selber sagt, man habe„die einzelnen Gaben stets genau be- messen müssen", um möglichst vielen helfen zu können. Wirk- lich aufgeholfen hat die Stiftungsdcputation wahr- scheinlich nur sehr wenigen. Die Anmeldungen zur PslichtfortbildungSschule sind noch nicht abgeschloffen, täglich werden noch Lehrlinge, Arbeitsburschen usw. in bedeutender Zahl aufgenommen. Unter den Nachzüglern befinden sich namentlich viel Schulpflichtige, die erst jetzt von außerhalb zu- gezogen sind und daher in Berlin recht wenig Bescheid wissen. Wie uns von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, sind auch Meister und sonstige Arbeitgeber mit dem Emschulungsverfahren und der Ab- grenzung der Schulbezirke nicht durchweg so vertraut, daß sie die jungen Leute mit zutreffenden Weisungen versehen könnten. Daraus entstehen oft für die Lehrlinge viele unnötige Gänge und namentlich für die Arbeitgeber mancherlei Zeitverluste und aus alledem ent- springt Aerger und Verdruß über die Schuleinrichtnng überhaupt. All diese Unannehmlichkeiten könnten vermieden werden, wenn die geltenden Vorschriften in jedem einzelnen Falle beachtet würden. Wir bringen aus diesem Gninde die Bestimmungen über die Ein- schulung und die Lage der Schulbureaus in den einzelnen Bezirken noch einmal zur Kennwis unserer Leser. Die Anmeldung erfolgt nicht in dem. Bezirk der Wohnung, sondern stets in dem der Geschäftsstelle des'Lehrherrn oder Arbeit- gebers. Wer z. B. in L. wohnt, aber in 80. beschäftigt ist, meldet sich nicht in 8.. sondern in 80. Anmeldestellen sind für diejenigen welche beschäftigt sind: 1. in Berlin 81V. und IV.(mit Ausnahme der Bezirke zwischen Königgrätzerstratze, Krausenstratze und Unter den Linden, welche zur fortbildungsschule IV gehören): bei Herrn Direktor Dageförde. IV., Wartenburgstr. 12; 2. in Berlin 8.: bei Herrn Direttor Kandeler, 8., Wassertor- sstaße 4: 3. in Berlin 80.: bei Herrn Direktor Fechner, 80., Görlitzer- straße 51; 4. in Berlin 0.(mit Ausnahme der Bezirke von 0. nördlich der Stadtbahn bis zur Linie Königstraße— Neue Königstraße, welche zur Fortbildungsschule VIl gehören) und ferner in Berlin IV. zwischen Königgrätzerstraße, Krausenstratze und Unter den Linden: bei Herrn Direktor Behm, 0. Niederwallstraße 7; 5. in Berlin O.: bei Herrn Direttor Kracht, O. Lanaestraße 31; 6. in Berlin NO.: bei Herrn Direktor Schulze, NO. Georgen» kirchstraße 2; 7. in Berlin C.— nördlich der Stadtbahn bis zur Linie König- straße— Neue Königstraße— Berlin N.— Brunnenstraße und östlich von ihr bis zur Stettiner Bahn—: bei Herrn Direktor Sangkohl, N.. Greifenhagenerstraße 78/82; 8. und 19. in Berlin NW.— Moabit— und N.— Wedding und Gesimdbrunnen—: bei Herrn Direktor Frauendienst, NW. Bremerstr. 13/17; 9. in Berlin NW.— zwischen Unter den Linden, Königsplatz. Alsenstratze, Heidestratze einschließlich— und in Berlin N.— bis zur Boyen- und Liesenstraße einschließlich, und jenseits der Stettiner Bahn bis an die Brunnenstraße, letztere ausgeschlossen—: bei Herrn Direttor Haumann, N. Friedrichstr. 126. Die Herren Direktoren halten ihre Sprechstunden in den be- zeichneten Schulen ab: am Montag. Dienstag, Donnerstag und Freitag von 4—5 Uhr, ihre Bureaus sind wochentäglich von 1—8 Uhr nachmittags geöffnet._ Kinder auf der Schaubühne. In der Zeit um Weihnachten herum werden in manchen Theatern Berlins sogenannte Kindervorstellungen veranstaltet. Die Kinderwelt sieht ihnen mit ungeduldigem Verlangen entgegen— diejenigen Kinder, deren Eltern es dazu haben, für sie einen Theaterbesuch zu bezahlen, und nicht weniger die anderen Kinder, die auf der Bühne als Statisten verwendet werden. Diese„anderen" werden natürlich aus dem Nachwuchs minder zahlungsfähiger Leute genommen. Manchem gibt die Mitwirkung auf der Bühne die einzige Gelegenheit, auch mal'was vom Theater zu sehen— und im übrigen bringt das Vergnügen sogar noch ein paar Groschen Verdienst, die den Eltern sehr erwünscht sind. Da jcider auch in den Kindervorstellungen ein blöder und mitunter geradezu blödsinniger Ausstattungsprunk aufdringlich sich breit macht, so ist der Bedarf an Statisten kindlichen Alters nicht gering. Aber das Angebot hält sich auf gleicher Höhe mit der Nachfrage, und die Statistcnführer brauchen nicht über Mangel an Axbeits- kräftcn zu klagen. Einige Schwierigkeiten erwachsen dieser Verwendung von Kindern nur aus dem Kinde rschutzgesctz, das wir seit einigen Jahren haben. Das Kinderfchutzgefetz bestimmt in 8 9: „Bei öffentlichen theatralischen Vorstellungen und anderen öffent- lichen Schaustellungen dürfen Kinder nicht beschäftigt werdcpt." Derselbe§ 6 macht aber den einschränkenden Zusatz:„Bei solchen Vorstellungen und Schaustellungen, bei denen ein höheres Jntcr- esse der Kunst und Wissenschaft obwaltet, kann die untere Vcrwal- tungsbehörde nach Anhörung der Schulaufsichts- b e h ö r d e Ausnahmen zukasscn." Tie Bestimmungen dieses K 6 gelten nicht nur für„fremde Kinder", sondern finden nach§ 15 Anwendung auch auf die Beschäftigung„eigener Kinder". Als „Kinder" im Sinne dieses Gesetzes gelten nach Z 2 alle Kknder unter dreizehn Jahren, sowie diejenigen über dreizehn Jahre alten Kinder, die noch zum Besuche der Volksschule verpflichtet sind. Die meisten der Eltern, die ihre Kinder zum Statistendienst hergeben, dürsten von den angeführten Vorschriften des Kinder- fchutzgesctzes keine Ahnung haben. Dagegen werden diese den Organen der Schule, auch den Rektoren und Lehrern, hinreichend bekannt sein. Von den Theaterleitern und auch von den Statisten- führern müssen wir gleichfalls annehmen, daß sie mit den gesetz- lichen Bestimmungen über die Mitwirkung von Kindern auf Schau- Kühnen vollständig vertraut sind. Wenn Schule und Theater nach den Bestimmungen des Gesetzes verfahren, so mühte unseres Er- achtens ein Konflikt zwischen Schule und Haus, wie Wenn man in später Stunde in manchen Gegenden, belästigt durch Rowdies, polizeilichen Schutz brauchen tönnte, fann man lange warten, bis sich ein Schutzmann blicken läßt. Da ist die Polizei nicht so schnell zur Stelle. er um diese Frage kürzlich in dem Stadtteil vor dem Halleschen| Nachtarbeit von 50 Proz., und für Arbeit nach Feierabend 25 Proz.| ihrer Meinung dadurch der Verkehr keineswegs behindert wurde. Zor entstanden ist, unmöglich sein. gezahlt werden. Die Beschlüsse wurden unter dem Vorbehalt ge- Als sie dieser Ansicht Ausdruck gaben, machte man mit ihnen nicht Ein Theater dieses Stadtteils beschäftigt Kinder als Statisten faßt, wenn der Magistrat für Arbeiter in anderen städtischen Be- lange Umstände. Die Polizei schritt einfach zur Sistierung, und wie in einer Nachmittagsvorstellung, für die die untere Verwaltungs- trieben über den hier festgesetzten Anfangslohn hinausgeht, die er- man uns schreibt, waren sofort sechs Schuhleute zur Stelle, behörde" das durch das Kinderschutzgesetz zur Bedingung gemachte höhten Säße auch für die Gärtner und Barkarbeiter ohne weiteres um harmlose Passanten nach der Wache zu bringen. höhere Interesse der Kunst" vermutlich anerkennen würde. Ob zur Einführung zu bringen sind. Das Anfangsgehalt der etatdie untere Verwaltungsbehörde" überhaupt gefragt und von ihr mäßig angestellten Gärtner wird in Zukunft 1850 M., das Höchst die Schulaufsichtsbehörde angehört worden ist, das entzieht sich gehalt, nad, 24 Jahren erreichbar, 2900 m. betragen, ebenso wurde unserer Kenntnis. Zwar ist es undenkbar, daß das die Theater- in eine anderweitige Regelung der Gehälter der Obergärtner einleitung nicht getan haben sollte. Aber dann verstehen wir nicht, getreten. Ferner stimmte die Deputation dem umgeänderten Prowie der Rektor Neumann, der die 101. naben jette der Anlagen auf dem Alexanderplatz( vor der Berolina) zu Gemeindeschule( Gneisenaustraße) leitet, dazu ge- und wurde beschlossen, dasselbe dem Magistrat respektive der Stadtlangt ist, den vom Theater bereits angeworbenen Kindern die Mit- berordnetenversammlung zur Beschlußfassung vorzulegen. Der wirtung zu untersagen und für etwaige Uebertretung dieses Ber- Play vor der Jerusalemer Kirche soll mit gärtnerischen Anlagen botes Prügel anzudrohen. Einige Knaben machten Herrn Neumann versehen werden. darauf aufmerksam, fie hätten doch schon die Proben mitgemacht. Aber Herr Neumann erwiderte, es bleibe bei dem Verbot, und er werde wissen, was er zu tun habe. Ungeachtet aller Drohungen des Rettors gingen die Jungen zur Aufführung und spielten ihre Rolle als Statisten. Als der Die Neuwahlen der Delegierten zur Ortskrankenkasse der Schneider in Berlin. aur Wahlurne gerufen. Ein Teil der Mitglieder wird fragen: Zum vierten Male seit Jahresfrist werden die Kassenmitglieder Warum müssen wir schon wieder wählen? Ist die Wahl wieder schriebenen Wahlen die durch das Statut vorgeschriebenen regeltassiert?" Demgegenüber sei bemerkt, daß die nunmehr ausge mäßigen Wahlen darstellen. Die in diesem Jahre vorgenommenen Wahlen stehen in bezug auf die Gültigkeit mit dieser Wahl in gar zu den verschiedenen Wahlen führten, ins Gedächtnis zu rufen, keiner Beziehung. Um aber den Mitgliedern die Vorgänge, welche feien die ganzen Vorkommnisse kurz rekapituliert. Am 27. November 1905 fand die regelmäßige Wahl der Dele gierten zur Ortsfasse der Schneider statt, die damit endete, daß die Bekämpfung der Sozialdemokratie mit zwei Drittel Mehrheit Liste des Verbandes der Schneider die des Reichsverbandes zur schlug. Gegen diese Wahl erhob der unterlegene reichsverbänd lerische Vorstand, der selbst begangenen Fehler wegen, Beschwerde, mit dem Erfolg, daß die Wahl tassiert wurde. Von der Aufsichtsbehörde wurde diese Angelegenheit 5 Monate hingeschleppt, bis endlich Anfang Mai bekannt wurde, daß eine Neuwahl stattfinden solle. vorlage betreffend eine revidierte umfaß steuer und eine Der Stadtverordnetenausschuß zur Vorberatung der Magistratsertzu wachs ft euer trat in seiner gestrigen fünften Sigung in die Spezialberatung dieser Steuerentwürfe ein. Rektor bas erfuhr, brach über die Frebler das Strafgericht herein. abgefunden und da die Vorlage nur Aenderungen vorschlägt, welche Mit der Umsatzsteuer haben die Grundbefizer fich anscheinend An einem Vormittag wanderte er durch die Klassen und ver- durch das neue Reichserbschaftssteuergesetz und die inzwischen er wichste mit seinem Rohrstock die Jungen, einen nach dem anderen. Es wird erzählt, er habe etwa zwei gangene Judikatur notwendig oder wünschenswert geworden sind, so Dußend Jungen auf diese Weise abgestraft- doch legen wir auf verlief die Beratung dieses Entwurfs ziemlich glatt. die Zahl kein Gewicht. Nebenbei bemerkt: Diese Massenezekution Widerstand der Grundbesiger mit aller Kraft und Macht und einer Ganz anders steht es bei der Wertzuwachssteuer. Hier setzte der zeigt, daß die Anforderungen, die an einen Schulpädagogen gestellt Bähigkeit ohnegleichen ein, und es waren für den Fall, daß das werben, mitunter doch recht eigenartig sind. Nicht jeder brächte Brinzip einer Besteuerung des unverdienten Wertzuwachies beim fertig, was Rektor Neumann fertig gebracht hat. Eine Reihe Fragen drängen sich uns hier auf. Hatte der Grundbesitz angenommen werden sollte, atvei Anträge eingebracht, Theaterleiter für die angeworbenen Kinder die Beschäftigungs- dazu bestimmt, der Vorlage die Giftzähne auszubrechen", fie für erlaubnis, oder hatte er sie nicht? Wenn er sie nicht hatte die Haus- und Grundbefizer harmlos zu machen. warum ließ er sich einfallen, sie zu beschäftigen? Wenn er aber ausfüllte, verlangt, daß, wenn vom Verkäufer oder Käufer für das Der eine dieser Anträge, dessen Beratung fast die ganze Sigung bie Grlaubnis bereits hatte warum wurde sie während der Am 22. Mai fand dann auch die Neuwahl statt, in welcher Proben wieder zurückgezogen? Auch das ist uns nicht klar, von ist, dieser lettere Betrag bei der zu zahlenden Umsatzsteuer in mehr als drei Viertel Majorität jalug. In der Erkenntnis, daß zu veräußernde Grundstück eine Wertzuwachssteuer zu entrichten der Verband, wie nachträglich festgestellt wurde, die Gegner mit mem das Mitwirtungsberbot ausging. Von der Polizeibehörde samt der Schulaufsichtsbehörde? Oder nur vom Anrechnung gebracht und wenn der Betrag der zu zahlenden ihnen nun endgültig die Felle weggeschwommen seien, ließ der Rektor? Nicht nur unter den beteiligten Jungen, sondern auch Wertzuwachssteuer den Betrag der Umsatzsteuer übersteigt, Vorstand erklären, daß er selbst die Feststellung des Wahlresultats unter den Eltern entstand die Annahme, es handle sich um eine letztere überhaupt nicht erhoben werden soll. Vergebens mühten im Staffenlokal vornehmen wolle. Zahlreiche Beschwerdeschreiben Laune des Rektors. Und da man der irrigen Meinung war, es sich unsere Genossen, nachzuweisen, daß schon aus theoretischen und Versammlungen waren nötig, um endlich die Behörde dazu zu gehe die Schule nichts an, was die Kinder außerhalb der Schule zuwachssteuer und umgekehrt unhaltbar sei. Vergebens war ihr zählung der Stimmen vorzunehmen. Nun stellte sich auch heraus, Gründen eine solche Anrechnung der Umsatzsteuer auf die Wert- bringen, den Vorstand an seine Pflicht zu mahnen, die Austreiben, so blieb dann das Verbot unbeachtet. Der Herr Rettor hätte sich und seinem Rohrstock die an- Hinweis darauf, daß in praktischer Hinsicht der Antrag zu den weshalb der Vorstand sich so lange seiner Pflicht entzogen hatte. strengende Brügelarbeit ersparen tönnen, wenn er zu rechter Zeit Glid, sein Grundstüd mit großem Gewinn zu verkaufen, so zahlt dieser unerhörte Vorgang genügte der Behörde noch nicht, um größten Ungerechtigkeiten führen würde. Hat z. B. jemand das Er hatte das Wahlresultat der Arbeitgeberwahl gefälscht! fich hinreichend bemüht hätte, die Eltern darüber aufzu- er feine Umsatzsteuer, weil diese Steuer auf die Wertzuwachssteuer einen Eingriff gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Wieviel können klären, warum die Mitwirkung ihrer Kinder auf der Schau- in Abrechnung kommt; verkauft er aber ohne Gewinn oder mit sich doch Reichsverbändler in den Krankenkassen erlauben! lären, warum die Mitwirkung ihrer Kinder auf der bühne nicht zulässig sei. Es genügt nicht, daß man kommandiert Verlust, muß die volle Umiazsteuer entrichtet werden. Aber Gründe und dann zuhaut. Dieses Verfahren erscheint doppelt bedenklich, wo die Kinder auf ausdrückliche Anweisung der Eltern gehandelt berfingen natürlich nicht. Die Majorität jah, daß der Antrag der hatten. Die Beziehungen zwischen Schule und Haus werden wahr- Hausbesitzer große materielle Vorteile bringt und das genügte. Mit lich nicht gefördert, wenn auf Kinder losgehauen wird, weil sie ein gegen 6 Stimmen gelangte der Antrag zur Annahme. Verbot der Schule übertreten haben, das die Eltern für einen Eingriff in ihre eigenen Rechte hielten, und sie einem Befehl der Eltern gefolgt sind, den vielleicht die Not erzwang. Unsere Stellung zur Frage der Kinderarbeit ist bekannt. Um Mißverständnissen oder böswilligen Mißdeutungen vorzubeugen, wollen wir hier noch einmal ausdrücklich erklären, daß wir die erwerbende Arbeit schulpflichtiger Kinder grundsäglich verwerfen. Aber dieses Problem läßt sich denn doch nicht so einfach lösen, wie der Herr Rettor sich das vorzustellen scheint. Ein Vater, dem er awei Jungen wegen ihres Statistendienstes geprügelt hatte, schrieb ihm, er habe jezt nur 18 M. Wochenlohn und müsse vier Jungen ernähren. Erst da scheint dem Rektor die Erkenntnis aufgedämmert zu sein, warum dieser und jener seinem Befehle getrost haben mochte. Dem Ueberbringer des Briefes erwiderte er: Ja, jest ist es zu spät!" Jezt hatten nämlich die Jungen ihre Prügel längst weg. Aus der städtischen Verwaltung. Die Deputation für die Kanalisation und Rieselfelder hat in ihrer letzten Sibung das Gesuch des Vereins Hoffnungstal", ihm eine am Michowsee gelegene Barzelle von 20 Morgen zu verkaufen, abgelehnt. Interessant und kennzeichnend ist noch die Tatsache, daß der anwesende Kämmerer, dem durch die Annahme des Antrages ein dicker Strich durch seine Vorlage gemacht wurde, es nicht für nötig hielt, auch nur ein Wort zur Berteidigung der Magistratsvorlage zu äußern! Berliner Entfernungen von der Arbeitsstätte. Eine intereffante Umfrage hat die Filialverwaltung Berlin des Verbandes der Kupferschmiede Deutschlands bei ihren Mitgliedern veranstaltet, deren Ergebnisse für die Berliner Arbeitsverhältnisse überhaupt typisch sein dürften. Die zu beantwortenden Fragen lauteten: 1. Wieviel Zeit braucht der Kollege, um von seiner Wohnung zur Werkstatt zu gelangen? Der Verdienst der Blinden. Die Blindenanstalt der Allein Nachdem sich der Vorstand weigerte, die Auszählung der Arbeitnehmeriahl vorzunehmen, verfügte die Aufsichtsbehörde die kommissarische Verwaltung bis zur Bestellung einer neuen Generalversammlung. Die Wahl derselben fand am 13. August statt. Unter dem Eindrud ihrer mehr als gemeinen Handlungsweise hielten sich die Reichsverbändler damals von der Wahl gänz lich fern. Daß sie aber auf die Dauer nicht damit einverstanden sind, von der Verwaltung der Kasse ausgeschlossen zu sein, beweist der mstand, daß sie sich gegenwärtig an die christlichen Arbeiterinnenorganisationen heranmachen, um auf deren Schultern ihren er neuten Einzug in die Kasse zu halten. In dem Augenblick, wo diese Geselschaft aber wieder die Leitung der Kasse in die Hände bekommt, werden genau dieselben Zustände wieder einreißen, gegen die in den legten beiden Jahren gekämpft werden mußte. 18. November, von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr nachmittags in Die Wahl der Arbeitnehmer findet am Sonntag, den 3 den Arminhallen", Kommandantenstraße 20, statt. Die Liste der Arbeitnehmer beginnt mit dem Namen Alde und endet mit dem Namen Bühlke. Wir ersuchen die Parteigenossen, ihre Frauen und Töchter auf die Wahl aufmerksam zu machen und Sorge zu tragen, daß dieselben ihr Wahlrecht ausüben. Am 20. November, abends von 8 bis 10 Uhr, findet in den Arminhallen", Stommandantenstraße 20, die Wahl der Arbeitgeber statt. Da eine ganze Reihe unserer Genossen Gesellen oder Lehrlinge beschäftigt, welche in der Ortstasse der Schneider ber sichert sind, ersuchen wir dieselben, sich als Arbeitgeber an der Wahl zu beteiligen. 2. Welche Fahrgelegenheit wird von ihm benutt? 3. Welche Unkosten entstehen daraus wöchentlich? Antworten gingen ein aus 57 Betrieben, in denen 372 Arbeiter beschäftigt waren. Von diesen mußten 242 des Morgens und Abends Fahrgelegenheit benußen, und zwar 192 die Eisenbahn, 110 die cleftrische Straßenbahn und 3 den Omnibus. Die zu diesem Zweck gelösten Fahrkarten kosteten wöchentlich für 21 Arbeiter 30-50 Bf., für 48: 60-100 Bf., für 125: 1,10-1,50 m., für 31: 1,60-2,00 m., für 6: 2,20-2,30., für 1: 3,20 M. und für 2: 5,30 M., im Auf Antrag des Stadtv. Borgmann wurde beschlossen, neben Durchschnitt 1,20 m. Die Zeit, die gebraucht wurde, um zu den Pläten in Blankenfelde und Buch auch den Gutspark und die Fuß oder mit einem der genannten Verkehrsmittel nach der angrenzende Wiese in Birknersfelde als Ferienspielplatz der Turn- Arbeitsstätte und zurück zu gelangen, betrug von 10 Minuten und Badebeputation zur Verfügung zu stellen. bis zu 4 Stunden, im Durchschnitt 80 Minuten. Bei der in Etwas von den städtischen Gasanstalten. Aus Kreisen städtischer Seitens der Arbeiterausschüsse waren eine Reihe von Anträgen Berlin üblichen Mittagspause von 1 Stunde ist es daher nur dem Arbeiter wird uns geschrieben: Nach den vorliegenden Etats dieser gestellt. Für Abholung des Lohnes am Bahltage soll eine Ent- fleinsten Teil der Arbeiter möglich, ihre Mittagsmahlzeit zu Hause städtischen Unternehmungen ergeben sich aus ihnen recht ansehnliche schädigung gezahlt werden. Beschlossen wurde, den Lohn während einzunehmen. Der" Kupferschmied" nimmt die Zeit von 96 an. Reinerträge. Die Ueberschüsse belaufen sich in die Millionen und der Arbeitszeit auszuzahlen. Die Anschaffung von wasserdichten Die übrigen müssen, wenn ihnen das Essen nicht gebracht wird, nicht immer ist es der Tüchtigkeit der Leitungen der Gasanstalten Jaden wurde, weil unpraktisch(?) abgelehnt. Es sollen bei starfem was bei diesen Entfernungen doch auch nur in einem Heinen Teil allein zu verdanken, wenn solche für die Steuerzahler erfreulichen Regen die Kolonnen einrüden. Der Antrag, die Bassins in den der Fälle möglich ist, zu Mittag taltes Butterbrot essen oder ihre finanziellen Ergebnisse zu verzeichnen sind. In nicht seltenen Fällen Bumpstationen nachts von Papier usw. reinigen zu lassen, wurde Mahlzeit in einer Restauration einnehmen, was entweder eine verschmähen es auch kommunale Betriebe nicht, aus den Knochen ebenfalls abgelehnt. Den Leuten soll Zeit zum Baden gegeben und Schädigung der Gefundheit oder eine empfindliche Mehrausgabe ihrer Arbeiter so viel Gewinn herauszupressen, wie nur irgend ein weiterer Dienstanzug zum Umtleiben gegeben werden. Der bedeutet. Letztere ist ungefähr auf 1,50-2,00 m. pro Woche an- möglich, und von dem Zustand, Musterbetriebe zu sein, sind die Arbeiterausschuß der fünften Betriebsinspektion hatte beantragt, zusehen. Berliner Gasanstalten ebenfalls noch weit entfernt. Was sich den Heizern und Bassinarbeitern auch während der Nachtschicht, Durch die weiten Berliner Entfernungen werden also die Aus- namentlich die Arbeiter seitens ihrer höheren und niederen Vordie zwölf Stunden dauert, eine zweistündige Ruhepause zu ge- gaben der Arbeiter unter gleichzeitiger Verlängerung ihrer Arbeits- gesezten gefallen lassen müssen, ist schon nicht mehr anständig zu währen. Nach den Darlegungen der Verwaltung soll diese Nacht zeit wesentlich erhöht, ein Grund mehr, für Erhöhung der Löhne nennen und in der Privatindustrie pürde es alle Augenblicke arbeit nur leicht sein, und die Heizer und Bassinarbeiter sollen sich und Verkürzung der Arbeitszeit einzutreten. zu Arbeitsniederlegungen kommen, wenn sie versuchte, ihre gegenseitig ablösen. Auch diesem Antrage wurde nicht stattgegeben. Arbeiter so zu bevormunden und mit deren Eristenz zu Ginige Anträge, die Kanalarbeiter betreffend, wurden der Betriebs- Stadt Berlin hat nicht nur den Zweck, den Blinden im schul- pielen, wie es in städtischen Betrieben geschieht. Namentlich vers fuchen einige Dirigenten in der Ersparnis an Arbeitskräften das Die Kleinbahn, welche jetzt von Buch nach dem neuen Vorwerk der Schulpflicht Gelegenheit zur Fortbildung zu geben. Zu den der menschlichen Arbeitskraft führt, haben wir in der Gasanstalt pflichtigen Alter Unterricht zu gewähren und ihnen nach Vollendung möglichste zu leisten und wohin solche Sparwut und die Ausnutzung Birkbusch gebaut wird, soll bis Schmetzdorf verlängert werden. Aufgaben, die sie sich gestellt hat, gehört auch die Beschaffung Müllerstraße zu bewundern Gelegenheit. Schmetzdorf muß um deswillen näher an Buch herangebracht von Arbeit und Brot für erwachsene Blinde. In parte der Dirigent dieser Anstalt im Reinigungshause derart mit Vor vier Jahren werden, weil dort eine große Schweinemästerei eingerichtet ist, in dem Beitraum vom 1. April 1905 bis zum 31. März 1906, über Arbeitskräften, daß das Gebäude in einer Nacht wegen Mangel an welcher die Speiserüdstände aus den Anstalten in Buch verfüttert den jetzt die Deputation für die städtische Blindenpflege ihren ueberwachung zc. abbrannte und dadurch der Stadt ein bedeutender werden. Ferner muß Schmetzdorf zur Milchlieferung für diese Bericht erstattet hat, wurden in der Anstalt 149 Blinde( 77 männ- Schaden erwuchs. Seit acht Tagen sind nun die auf dem Hofe Anstalten herangezogen werden, da Buch und Birkbusch so biel liche, 72 weibliche) mit Stuhl und Korbflechten, mit Fabrikation lagernden Kohlenvorräte in Brand geraten und feit dieser Zeit sind Rühe( 5-600) nicht stellen kann. Die Petitionen der Arbeiter im Kanalbetrieb und auf den mit dem Drucken von Blindenschriften und der Herstellung von Kohlenlager auseinanderzureißen und wegzuschaffen. Wie ist nun der von Bürsten und Besen, von Hängematten und Neztaschen, sowie Arbeiter in einer 18stündigen Arbeitsschicht bemüht, das brennende Riefelfeldern wurden zur nächsten Sibung, am 21. 11. 06, vertagt. Blindenlehrmitteln beschäftigt. Die meisten, nämlich 64 Blinde Ausbruch dieses Brandes, der wiederum den Stadtsädel schädigt, ( 24 männliche, 40 weibliche) beteiligten sich an der Bürstenmacherei. Die Gasdeputation beschloß in ihrer lebten Sizung, in der An- Stuhlflechterei wurde von 42 Blinden( 25 männlichen, 17 weib- entstanden? Weil eine Arbeitskraft in den Tagesstunden nicht eine ſtalt IV, Danzigerstraße, probeweise den Neunstundentag für die lichen), Storbmacherei von 27 Blinden( nur männlichen) betrieben. Anzahl von 560 Thermometern, die im Kohlenlager versenkt sind, Sofarbeiter einzuführen. Sollte sich dieser Versuch bewähren, dann mit weiblichen Handarbeiten wurden 18 weibliche Blinde be- herauszuziehen, abzulesen und das Resultat muß notiert werden. be- fontrollieren tann! Dieſe Wärmemeſſer find aus den Röhren soll auf allen städtischen Gasanstalten die Arbeitszeit der Hof schäftigt. In der Druckerei waren nur 3 Blinde( 1 männlicher, 8 ist begreiflich, daß eine so zeitraubende und gewissenhaft aus arbeiter auf neun Stunden herabgesetzt werden. Die Probezeit soll 2 weibliche) tätig. Die Arbeitszeit betrug für alle Betriebe täglich zuführende Arbeit nicht von einem Manne, der zudem noch mit Die Beratung über eine Ausbesserung der Löhne der Gas- nur 3 Stunden wöchentlich verwendet wurden. An 143 Blinde bas Kohlenlager in Brand geraten und der Herr Dirigent ist an7 Stunden, mit Ausnahme der weiblichen Handarbeiten, auf die anderen Arbeiten beschäftigt wird, bewältigt werden kann. Jezt ist arbeiter wurde bertagt. Es lag eine Petition der städtischen Ar- konnten zusammen 43383 M. als Lohn gezahlt werden, das scheinend wegen dieser Vorkommnisse so nervös geworden, daß ihm sogar beiter vor, die Löhne um 50 Pf. pro Tag zu erhöhen; dem gegenüber ergäbe bei gleichmäßiger Verteilung einen durchschnittlichen sein Rechtlichkeitsgefühl getrübt worden ist. schlug die Direktion vor, dem Magistrat eine allgemeine Erhöhung Monat 3 verdienst von 25,28 M. für jeden Blinden. In Arbeiterausschusses, das ebenfalls mit einigen anderen Kollegen Ein Mitglied des um 5 Proz. zu empfehlen. Beide Anträge fanden keinen Anklang den einzelnen Betrieben war aber der Durchschnitt sehr verschieden. 18 Stunden hinter einander arbeitete, wurde von einem Borbei der bürgerlichen Majorität. Man betonte, die Löhne der Es wurden im Durchschnitt pro Monat verdient: in der Druckerei städtischen Gasarbeiter feien höher als die Löhne in anderen städti- 42,14 M., in der Bürstenmacherei 33,19 M., in ber Korbflechterei arbeiter( 1) in Gegenwart zweier Feuerwehrleute indirekt beschuldigt, schen Betrieben und höher als in der Privatindustrie. Es läge kein 26,22 M., in der Stuhlflechterei 16,74 M., mit weiblichen Hand- 4 Stunde zu spät zur Arbeit angetreten zu ſein. Als der Mann, Grund vor, eine allgemeine Erhöhung vorzunehmen, es könne sich arbeiten nur 6,37 M. Diese Beträge find in allen Betrieben( mit wer denn eigentlich zu spät gekommen sei, wurde er von dem der sich keines Vergehens dieser Art bewußt war, nun sofort fragte, günstig gestellt sind, im Lohne aufzubessern. Die Direktion wurde im vorhergehenden Jahre, aber niedrig genug sind sie auch so noch. fchwerde des schon 7 Jahre auf der Gasanstalt Müllerstraße benur darum handeln, einzelne Arbeitergruppen, die besonders un- Ausnahme der Abteilung für weibliche Handarbeiten) höher als wer benn eigentlich zu spät gekommen sei, wurde er von dem Herrn Vorarbeiter Bidermann sofort entlassen. Eine Bes beauftragt, zur nächsten Sizung entsprechende Vorschläge zu machen. Wie schnell oft die Polizei zur Hand ist, wenn nicht nach schäftigten ruhigen Arbeiters beim Dirigenten hatte feinen Erfolg, Die Park und Gartenverwaltung beriet in ihrer letzten ihr verlangt wird, beweist eine Zuſchrift, die wir vom Gesund auch die übrigen Mitglieder des Arbeiterausschusses wurden von dem Sibung über die Löhne der städtischen Gärtner und Parkarbeiter. brunnen erhalten. Bekanntlich wurde die zu Dienstag nach dem eigenartigen Menschen sofort zur Tür hinausspediert, als sie wegen Die Deputation einigte sich dahin, den Anfangslohn für Gärtner Schirmschen Lokal in der Badstraße einberufene Protestversammlung der Maßregelung ihres Kollegen vorstellig werden wollten. 18 Stunden ( Boliarbeiter) auf 4 M. festzusehen mit einer Stala von 25 Pf. gegen die Fleischverteuerung sehr zeitig abgesperrt und zahlreiche werden also die Arbeiter geschunden, und wenn sie sich gegen bon& zu 3 Jahren, bis der Höchstlohn von 5 M. erreicht ist. Arbeiter und Arbeiterfrauen fanden keinen Einlaß. Während die eine zu Unrecht erhobene Beschuldigung wehren, so werden sie mitten Für vollbeschäftigte Arbeiter soll der Anfangslohn 3,50 M. betragen ersten Angekommenen wieder nach Hause gingen, tamen weitere Be- im Winter aufs Pflaster geworfen! Das ist die Kehrseite der mit einer Skala von 25 Pf. pro Tag von 3 zu 3 Jahren, bis fucher, die aber ebenfalls zurückgewiesen wurden. Und so entstand sozialen städtischen Fürsorge, mit der man immer so zu prunken zur Erreichung des Höchstlohnes von 4 M. Nicht vollbeschäftigte auf der Straße vor dem Lokal ein Hin und Herfluten der Arbeiter. versteht! Daß sich bei der Arbeiterschaft in der Gasanstalt Müllerstraße Gärtner erhalten 4 M. pro Tag, nicht vollbeschäftigte Arbeiter Die auf der Straße postierten Beamten forderten das Publikum eine immer stärker werdende Erregung ob dieses Herrentums" 3,50 W. pro Tag, ohne Lohnstala. Die tägliche Arbeitszeit foll in zum Weitergehen auf, welcher Aufforderung, wie wir uns felbst geltend macht, darf wirklich nicht wundernehmen. Die Organisation Bukunft 10% Stunden betragen, und zwar von 6 Uhr morgens eine Zeitlang überzeugten, auch willig entsprochen wurde. Auch der städtischen Arbeiter aber steht hinter den Opfern dieser Gasbis 6 Uhr abends, mit 1stündiger Mittags- und je stündiger einige Arbeiter, die an einem Schaufenster eines in der Nähe fachleute" und wird sie so lange schützen, bis das an dem Arbeiter Frühstücs- und Vesperpause. Für alle an Sonn- und Feiertagen des Versammlungslokals belegenen Geschäfts standen, wurden zum begangene Unrecht wieder auf eine andere Art und Weise gut gewirklich geleiftete Arbeit soll ein Aufschlag von 100 Broz., für Weitergehen aufgefordert. Darüber waren fie verwundert, weil nach macht ist. drei Monate dauern. Den Monatsberichten des Statistischen Amts der Stadt Berlin berger Gebiet stehen lassen. Dort wurde er gefunden und dem ist in der soeben erschienenen September- Veröffentlichung zum ersten Eigentümer zur Verfügung gestellt. Male eine allgemeine Uebersicht vorausgeschickt, welche über die " Dem Berliner Aquarium ist jüngst durch die unter Leitung des Professors Dr. Heinde stehende fönigliche biologische Station auf Helgoland eine reichhaltige Sendung von Blumentieren aus wichtigsten Bevölkerungsvorgänge, wie über die wissenswertesten Fünf Geldschrankknader gefaßt. Bei einem Einbruch in der der Nordsee zugegangen, so daß insbesondere das eine der im oberen Tatsachen im Gebiete des sozialen Lebens, der kommunalen Für Kommandantenstr. 5a wurden in gestriger Nacht fünf Burschen ver- Grottengange befindliche große Meertwasserbassin, das sogenannte forge und der Gemeindewirtschaft in gedrängter Kürze unterrichtet. haftet, die jedenfalls auch kürzlich dem Papiergeschäft von Salinger Nordseebecken, welches unter anderem etwa 100 Stück der prächtig Damit ist allen denen, welche in das reiche Tabellenmaterial nicht u. Leppmann in der Lindenstraße einen nächtlichen Besuch ab- fleisch-, orange-, olivenfarbigen und weißen und mit breiten, eindringen können, schnelle Orientierung ermöglicht, während zu- statteten und dort etwa 40 000 M. erbeuteten. den Kronenblättern einer Relte gleichenden Tentafeln ausgerüsteten gleich durch die Beifügung der Angaben für den entsprechenden Gestern früh 22 Uhr vernahm die Kantinenwirtin Raschke, Seenelfen" aufgenommen hat, einen Hauptanziehungspunkt bildet. Monat des Vorjahres Anhaltspunkte für die Beurteilung der Ent- die im Kellergeschoß des ersten Quergebäudes Kommandanten- Aber auch die Tochteranstalt des Aquariums, die zoologische Station widelung gewährt werden. Ein in zweckentsprechender Verkleine- straße 5a wohnt, ein verdächtiges Geräusch, das aus den über ihr Rovigno, hat verschiedene Blumenpolypen aus der Adria einrung vorgedrudter Stadtplan dient zur Erläuterung der nach belegenen Bureauräumen der Krawattenfabrik von Kamper u. geliefert, unter ihnen eine Kollektion der stattlichen braunen, durch Standesamtsbezirken gegliederten Aufstellungen. Weber tam. Sie weckte ihren Mann, der, als sich das Geräusch lange, schön hellgrün gefärbte und in einer Anzahl von mindestens wiederholte, die Flinte ergriff und nach dem Hofe hin einen Alarm- 200 auftretende Tentateln auffallenden Wachsanemonen, ferner schuß abgab. Die Wirkung war, daß von allen Seiten Haus eine Anzahl von einer zur Gattung Heriactis gehörenden, auf bewohner herbeieilten, um die Ursache der nächtlichen Störung zu Klippen und in Felsenhöhlen jizenden Spezies, deren Färbung erfahren. Sie waren alsbald verständigt und besetzten sofort die zwischen braun, gelb und rot abändert und deren bald kreisrunde, Ausgänge. Da man von dem Hofe aus über eine niedere Mauer bald gewellte oder abwärts gebogene Scheibe sogar an 500 und auch leicht nach einem Grundstück in der Lindenstraße gelangen mehr kleine Fühler trägt, und endlich eine Gesellschaft jener kleinen kann, so wurde dieser Ausweg ebenfalls besetzt. Nachdem dann Art, die sich auf der Wohnung von Einsiedlerkrebsen( Pagurus), fieben Schuhleute des 28. Reviers herbeigeholt worden waren, ging d. h. auf Schneckengehäusen, festsetzt und zum Dank dafür, kraft der es an eine Durchsuchung der Räume. Dabei stellte sich heraus, brennenden Nesselkapseln ihrer Arme, den Krebs gegen die Andaß zwei Türen mit Nachschlüffeln geöffnet worden waren, die nach feindungen von Fischen und Tintenfischen beschützt. den Kontorräumen von Kamper u. Weber führende Eisentür aber gesprengt war. Das Kassenzimmer war am Boden dicht mit Im Zoologischen Garten haben sich jetzt einige neuerivorbene Stoffen belegt, um jedes Geräusch zu dämpfen. Den Geldschrank Entenmischlinge ausgefärbt, die vorläufig noch im zweiten Wasserhatten die Diebe bereits angebohrt, wobei jedenfalls ein schwerer flugkäfig des Jbishauses untergebracht sind. Der Vater dieser eiserner Gegenstand zu Boden fiel und jenen Lärm verursachte, sieben Geschwister war ein Kreuzungsprodukt vom südamerikanischen der die Kantinenwirtin weďte. Bei dem Alarmschuß hatten die Peposata- Erpel und der südeuropäischen Kolbenente, die Mutter Gesellen dann schleunigst die Flucht ergriffen, und zwar unter eine gewöhnliche Stockente, so daß also in den Nachkommen drei Hinterlassung aller Einbrechwerkzeuge. Nach längerem Suchen Arten vereinigt sind. Die weiblichen Stücke ähneln der Kolbenente, fand man drei Burschen im Keller zwischen Kisten versteckt vor. das Prachtkleid der Männchen erinnert sehr an das des Stod. 3ivei Romplicen, die auf der Straße Schmiere gestanden hatten, Erpels, ist aber dunkler, während die Farben weniger scharf aus. wurden unmittelbar darauf in einem benachbarten Lokale eben- geprägt und glanzloser sind. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese falls verhaftet. Die Einbrecher, deren Namen noch nicht feststehen, komplizierten Mischlinge als fruchtbar erweisen werden. sind Burschen im Alter von 20 bis 25 Jahren. Der allgemeinen Uebersicht für September entnehmen wir nachstehende Angaben: ( Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf den gleichen Monat des Vorjahres.) " Die fortgeschriebene Bevölkerung belief fich anfangs Oktober 1906 auf 2 067 544 gegen 2017 308 im gleichen Monat des Vorjahres. Die Zunahme im September betrug 604( 2 390). Die Zahl der Lebendgeborenen betrug 4243( 3965), darunter uneheliche 74%( 606) oder 17,56( 15,28) Proz. Auf das Jahr und Tausend der mittleren Bevölkerung berechnet stellte sich die Geburtenziffer auf 24,97( 23,82). Es fanden 2124( 2087) Eheschließungen statt, darunter 212 ( 332) Mischehen. Die Zahl der Sterbefälle( ohne Totgeburten) belief sich auf 2660( 2677). An Infektionskrankheiten starben 488( 559), s besondere an Masern 13( 24), an Scharlach 23( 23), an Diphtherie und Group 40( 23), an Keuchhusten 24( 43), an Influenza 10( 9), an Kindbettfieber 19( 13), an Thphus 15( 25), an Lungen- und Halsschwindsucht 260( 286), an Tuberkulose anderer Organe 31( 54). Ferner sind zu erwähnen: 187( 175) Sterbefälle an Strebe, 181( 171) an Herzfrankheiten, 172( 135) an Lungenentzündung, 354( 364) an Darmtatarrh, darunter 323( 323) Kinder im ersten Lebensjahr und 163( 192) an Brechdurchfall, darunter 153( 181) Kinder im ersten Lebensjahr. Jm Alter bis zu einem Jahre starben im ganzen 922 ( 960), das ist 34,66( 35,86) roz. aller Sterbefälle des Berichtsmonats. Auf das Jahr und Tausend der mittleren Bevölkerung berechnet betrug die allgemeine Sterblichkeitsziffer 15,66( 16,08). Als zugezogen waren 16 272( 16546) männliche und 10 701 ( 11 024) weibliche, zusammen 26 973( 27 570) Personen zu verzeichnen. Für die Fortgezogenen ergaben sich einschließlich des Zuschlags für die unterbliebenen Abmeldungen die Zahlen: 15 064 ( 14 333) männliche, 12 888( 12 264) weibliche, zusammen 27 952 ( 26 597) Personen. Somit verbleibt bei der Wanderung ein Mehrzuzug von 1208( 2213) männlichen und Mehrfortzug von 2187( 1240) weiblichen, zusammen ein Mehrfortzug von 979 Personen( MehrDie Berliner Elektrizitätswerte gaben nukbar ab 8 958 858( 8 108 190) Kilowattstunden( einschließlich selbst berbrauch), davon an Straßenbahnen 4 095 054( 4 005 065), an Pribate für Beleuchtung 1612 604( 1 493 887), für Straft 3011 610 ( 2 526 664). Ueber Verkehrsverhältnisse liegen folgende Daten bor: Befördert wurden durch die Straßenbahnen 37 213 040 ( 35 421 607) Personen, davon kamen 30 500 553( 29 671 018) auf die Große Berliner Straßenbahn, durch die Hoch- und Untergrund bahnen 3 276 291( 2 893 678). Durch die Omnibuslinien 12 104 636 ( 9 632 368) Personen, davon zu 5 f. 9 262 332( 7 820 464) und zu 10 f. 2842 304( 1 811 904) Personen. Die Zahl der in den hiesigen Hotels, Gasthöfen usw. abgestiegenen Fremden beträgt 98 810( 101 178) Personen, darunter befanden sich 20 215( 18 305) Ausländer, von diesen tamen 8052 ( 7052) aus Rußland, 2945( 2865) aus Desterreich, 2328( 1940) aus Amerika, 1319( 1199) aus England, 1034( 915) aus Dänemark. Der Auftrieb auf den städtischen Viehhof betrug für den Berichtsmonat 19 990( 20 681) Rinder, 15 861( 15 129) Stälber, 58 146 ( 65 747) Schafe, 113 022( 110 366) Schweine. zuzug 973). In den öffentlichen Schlachthäusern wurden 13 894( 14 813) Rinder, 12 456( 11 599) Stälber, 40 489( 41 928) Schafe, 78 466 ( 77 775) Schweine geschlachtet. In der 8entral- Roßflächterei wurden 845( 1216) Pferde geschlachtet, von denen 9( 13) Pferde zurückgewiesen wurden. Zum Konsum und zur Tierfütterung gelangten fonach 836( 1203) Pferde, ferner von der Rigdorfer Roßschlächterei 66( 64). Der Mitgliederbestand der der Aufsicht des Magistratsfommissars unterstellten Krankenkassen betrug am 1. Oktober 722 139 ( 673 369), worunter sich 35 751( 31 733) freiwillige Mitglieder befanden. Erwerbsunfähig waren an diesem Tage bei den bezeich neten Raffen 23 187( 21685) Mitglieder. " 1 Feuerwehrbericht. Gestern früh um 5 Uhr erfolgte ein Alarm Eine Eisenbahn, die jeden Abend aufgebaut und morgens ab- nach dem Warenhause von Tietz am Alexanderplatz. Sofort rückten gerissen wird, dürfte auch für Berlin etwas Neues sein. Eine der sechs Löschzüge dorthin aus, konnten aber gleich wieder abfahren, da artige Straßenbahnlinie" wird allnächtlich vom Potsdamer Platz es sich nur um blinden Lärm handelte. Dagegen hatte die FeuerDie Arbeiten für den wehr längere Zeit in der Bernauerstr. 3 und Jagowstr. 6 zu tun; nach der Linkſtraße in Betrieb gesetzt. Tunnelbau der Untergrundbahn haben auch eine teilweise Verlegung in der Bernauerstraße stand eine Stallung und ein Wagen in von Elektrizitätskabeln, Gas- und Wafferleitungsröhren notwendig Flammen und in der Jagowstraße 84 brannten Hölzer u. a., die Durch tüchtiges gemacht, Arbeiten, welche gegenwärtig am Potsdamer Platz durch durch einen Heizofen in Brand geraten waren. geführt werden. Im Verkehrsinteresse werden die Ausschachtungen Wassergeben gelang es, die Flammen an weiterer Ausdehnung zu jedoch nur in den Nachtstunden vorgenommen und, um die verhindern. Stroh, ein Bauzaun u. a. brannten nachts in der " Buddelei" zu beschleunigen, kommt eine Feldbahn zur Anwendung, Dolzigerstr. 16 und in der Steinmetzstr. 6 ein Schornstein. In der welche zum Transport der ausgehobenen Sandmassen dient. Jeden Wienerstraße am Görlitzerbahnhof brannte unter großer QualmAbend um 10 Uhr, nachdem der Straßenverkehr nachgelassen hat, entwickelung Teer auf offener Straße. Ferner hatte der 15. Zug werden vom Potsdamer Platz aus die Schienen durch die Pots in der Waldstraße zu tun, um ein Pferd aus einer Notlage zu bedamer- und Linkstraße gelegt. Der Nachtfuhrverkehr wird dadurch freien, was gelang. aufrechterhalten, daß zwischen und neben den Schienen starke Bohlen eingefügt werden. Um 6 Uhr früh werden die Arbeiten abgebrochen und die auf dem Asphalt liegenden Schienen auseinandergenommen und entfernt. Vorort- Nachrichten. Ueber die Protestversammlungen Bom Mörtelwagen totgefahren. Ein schrecklicher Unglücksfall im Straßenverkehr ereignete sich vorgestern abend am neuen Amts- vom Dienstag wird uns noch von den in der gestrigen Nunumer gericht auf dem Wedding. Der 17 Jahre alte Arbeitsbursche Mar fehlenden Orten Mitteilung gemacht. Fast sämtliche Versammlungen Müller aus der Birkenstr. 22 war mit drei Freunden auf einem waren überfüllt. So sprach in Britz vor zirka 600 Personen, Mörtelwagen mitgefahren. M. hatte sich dicht an den Rand ge- barunter viele Frauen, Genosse Dr. Alfred Bernstein. Seine setzt und in der Uferstr. verlor er plötzlich das Gleichgewicht, stürzte vom Wagen herunter und blieb besinnungslos auf dem Fahrdamm eingehende Kritik über die Fleisch- und Lebensmittelverteuerung soliegen. Anstatt sich nun des verunglückten Freundes anzunehmen, wie das untätige Verhalten der bürgerlichen Parteien zu derselben fuhren die Begleiter ruhig weiter. Erst durch hinzukommende fanden den ungeteilten Beifall der Versammelten. In Now awes Bassanten wurde M. nach einem Arzt gebracht. Auf dem Trans- Neuendorf referierten in zwei überfüllten Versammlungen die port nach dem Lazarus- Krankenhause starb der junge Mann an Genossen Hermann Schubert und Dr. Heinrich Braun. ben schweren Verlegungen, die er sich bei dem Unglücksfall zu In Singers Volksgarten waren gezogen hatte. er Bei einem ähnlichen Unglüdsfall fand der 18jährige Arbeits. Schienen und bei Krüger- Neuendorf belief sich die Zahl auf bursche Wilhelm Michaelis, der bei einem Molkereibesiker am Kur- 500 Teilnehmer. Die Protestversammlung in Alt- Glienide, fürstendamm 113 beschäftigt war, einen frühen Tod. M. stürzte woselbst Eugen Brüdner das Referat hielt, war von 400 Pergleichfalls während der Fahrt vom Bock herunter, fiel unter den sonen besucht eine für den Ort außerordentliche Anzahl. Das Bor Beginn agen und die Räder brüdten ihm den Brustkasten ein. Der Tod Referat wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. trat bei dem jungen Manne fast auf der Stelle ein. und nach der Versammlung fang der Arbeitergesangverein einige Bor 150 Personen schilderte Genosse stimmungsvolle Lieder. Bom Bock herabgeschleudert. Ein Straßenbrunnen ist gestern dem 39jährigen Droschkentutscher Richard Wagner aus der Dunder- Dittmer die Bollpolitik der jetzigen Regierung in Grünau in straße 67 zum Verhängnis geworden. W. war mit seinem Wagen eindringlicher Weise. In der Protestversammlung in 2ankwitz hatten durch die Lothringerstraße gefahren und vor dem Grundstück Nr. 49 sich etwa 130 Personen eingefunden, die dem Referat des Gen. Giebelstieß die Droschte gegen die Sandsteineinfassung eines Straßen Berlin in aufmerksamer Weise folgten. In Trebbin( Str. Teltow) brunnens. Der Anprall erfolgte mit solcher Gewalt, daß 2. bom nahmen etwa 200 Bersammlungsbesucher die packenden Ausführungen In den fünf städtischen Krankenhäusern befanden Bod herabgeschleudert wurde und bewußtlos auf der Straße liegen des Genossen May Schütte entgegen. Auch in Ertner, woselbst sich Ende September 2774( 2523) Batienten, als belegungsfähig blieb. Der Bedauernswerte hatte einen komplizierten Schlüssel- Genosse Sonnenburg mit der verheerenden Zollpolitik gründlich waren in diesen Anstalten 3304( 3162) Betten angegeben; in der beinbruch und schwere Kopfverletzungen erlitten. In kritischem abrechnete, war die Versammlung von etwa 200 Männern und Frauen Geschlechtskrantenstation des Obdachs waren 174( 214) Krante. Die Zustande wurde er in das Lazarus- Krankenhaus eingeliefert. besucht. In Wannsee war die Versammlung überfüllt. Das Frrenanstalten zu Dalldorf, Herzberge, Wuhlgarten und Buch hatten am 1. Oftober 4818( 4161) Insassen, in Privatpflege waren In den Kellerschacht gestürzt. Entsehlich zugerichtet wurde Referat hielt Genosse Gründet, der den zahlreich erschienenen 2737( 3143) Personen untergebracht. In den sechs Heimstätten be- borgestern abend der 17 Jahre alte Lehrling Willi Abel aus der Frauen die verbrecherische Politik der Junkerclique flar entivarf. fanden sich am Ende des Monats 553( 495) Lungenkranke und er- Ackerstr. 104. Er hatte sich mit mehreren Bekannten auf dem Hofe In Eichwalde hatten sich etwa 120 Personen eingefunden, um holungsbedürftige Personen. Der Bestand in den Siechenhäusern herumgebalgt und plöblich hängten sich jämtliche junge Burschen ihre Entrüstung über die schmachvolle Politik der Regierung zum ( Fröbel- und Palisadenstraße) betrug am 30. September 2045( 2110) an ihm fest. Beim Abschütteln der unbequemen Last stürzte A. Ausdruck zu bringen. Das Referat hielt Genosse Bagels. Die Personen. In ben Hoſpitälern des Arbeitshauses waren am in einen Kellerschacht und fiel mit dem Oberkörper unglücklicher Versammlung nahm ein frühzeitiges Ende, indem ein Gendarm um gleichen Lage 680( 760) Insassen vorhanden, in den Erziehungs- weise in die Fensterscheiben. Dem Aermsten wurden die Schultern 10 Uhr den Saal betrat und wegen Gintretens der Polizeistunde anstalten zu Lichtenberg und Klein- Beeren 267( 209) Fürsorge- und zerfleischt und die Muskeln vollständig durchgeschnitten. Er fand die Schließung der Versammlung verlangte. Um unliebsamen Zwangserziehungszöglinge, in Privatberpflegung waren 1207( 949) in der föniglichen Klinik Aufnahme. Vorkommnissen vorzubeugen, fügte man sich dem Verlangen. Kinder. In der städtischen Waisenpflege befanden sich an demselben Tage( einschließlich der Schmidt- Gallisch- Stiftung) 6261( 6034) Kinder. 33 Die städtische Armenpflege umfaßte im Monat September 38 622( 33 684) Almosengeldempfänger mit einem Gesamtbetrage an laufenden Unterstützungen von 550 508( 541 969) M., darunter 1743( 1973) Almosenempfänger mit außerdem gewährten 11 881( 13 207). Ertraunterstübungen. Solche wurden ferner für 4179( 4781) nicht laufend unterstützte Perfonen im Gesamtbetrage bon 51 731( 54 398) M. gewährt. Pflegefinder waren 11 582 ( 11 559) vorhanden, für welche 96 721( 93 646) M. berausgabt wurden. In der Protestversammlung, die auf dem Gesundbrunnen in Einen außerordentlich starken Besuch wies die Versammlung in Fr.Schirms Lokal stattfand, verlor eine Frau ihren schwarzen Seidenschal, Buchholz auf. Bor 500 Versammelten kennzeichnete Genoffe der obendrin noch ein Andenken ist. Der Finder wird gebeten, se üter das Gebaren der Regierung und der Prediger der christlichen Liebe, die gemeinschaftlich das Auspoterungswerk der proletarischen denselben bei Schirm in der Badstraße abzugeben. Die zweite Bolfsvorstellung der Generalintendantur der könig- Bollsschichten vollführen. Die Nieder- Schönhausener wies lichen Schauspiele findet am Dienstag, den 20. November, abends Versammlung einen glänzenden Besuch auf. 8 Uhr, im Neuen föniglichen Operntheater( Stroll) statt. Zur Auf- den etwa 350 Versammlungsteilnehmern befanden sich führung gelangt„ Nathan der Weise". Eintrittskarten sind durch viele Frauen. Das Referat hielt Genosse Störmer. den Verein für Voltsunterhaltungen zu beziehen. Vor 600 Versammlungsteilnehmern referierte Genosse Sassen. Unter Vermißt wird seit Donnerstag, den 8. d. M. ein Herr[ Wilhelm bach in Bernau. Seine Ausführungen flangen aus in einen Rüdiger aus Grünberg in Schlesien. Derselbe war in der Nacht wuchtigen Appell an die Versammelten zum Eintritt in die Organis Attentate auf Stadtbahnzüge. Durch einen Schuß aus dem vom Mittwoch zu Donnerstag in Begleitung seiner Frau, feines fation und zum Abonnement auf die Arbeiterpresse. Die Protest Walde wurden vorgestern abend die Fahrgäste eines Stadt Vorort Sohnes nebst Schwiegertochter auf Bahnhof Zoologischer Garten in versammlung in hohen Schönhausen- Wilhelmsberg ties zuges der Strede Grfner Potsdam gefährdet. Zwischen Rahnsdorf Berlin eingetroffen, um der Hochzeitsfeier seines Sohnes, des Haus- gleichfalls einen den Verhältnissen entsprechend starken Besuch auf. und Friedrichshagen wurde vermutlich mit einem Revolver auf den dieners Karl Rüdiger, Motzstraße 92 wohnhaft, beizuwohnen. Die Politik der Regierung und Junterclique kennzeichnete Genoffe Train gefchoffen. Die Kugel durchschlug das Fenster eines Abteils Am Donnerstag nachmittag um 1/3 Uhr verließ der alte Die Politik der Regierung und Junkerclique kennzeichnete Genoffe der III. Wagenklaffe, fuhr dicht an dem Kopfe eines in dem Coupé Herr die Wohnung seines Sohnes, um einen fleinen Spazier- Bauer in 1stündiger Rede. In Groß- Besten war der Saal figenden Kaufmanns vorbei, glücklicherweise, ohne ihn zu verlegen. gang zu unternehmen. Von diesem Spaziergang ist er nicht zurüd überfüllt. Genoffe Groger besprachhäufig von Beifall unterAm Sonntag wurde, wie nachträglich bekannt wird, in der Nähe gelehrt. Der Verschwundene ist 68 Jahre alt, 1,55 bis 1,60 Meter brochen die Ursachen der herrschenden Teuerung. Er geißelte 63 der Station Wedding, auf einen Nordringzug gefeuert. Die Kugel, groß, hat graumeliertes Haar und Schnurrbart, war bekleidet mit die Wuchergelüfte der herrschenden Klaffen auf Kosten des Boltes. die jedenfalls aus einem Tesching abgegeben war, zertrümmerte ichwarzem Gehrockanzug, weißer Wäsche mit Umlegekragen, schwarzer Der Vortrag fand reichen Beifall. In Nieder Schöne ebenfalls ein Waggonfenster, ohne ernsteren Schaden anzurichten. Strawatte und neuen Halbschnürstiefeln. Durch leichten Schlaganfall weide tagte die von Frauen und Männern zahlreich besuchte VerEtwaige Auskunft erbittet sammlung im Lokal„ Hasselwerder". Genoffin Frau Stiefel hielt wurde berichtet, daß eine solche Gesellschaft mit einem Automobil to felizing, Adlershof bei Berlin, Oppenſtr. 55, aber auch das Referat, das von den Anwesenden mit Beifall aufgenommen Immer moderner werden die Herren Spitzbuben. Vor Wochen zog er das linke Bein etwas nach. vor der Weddinghalle vorfuhren und dort ohne viel Federlesens der Sohn des Verschwundenen Karl Rüdiger, Berlin, Motz wurde.- 400 Frauen und Männer legten in Zehlendorf, woeine Menge Waren aufluden und damit blikschnell verschwanden. straße 92. Ob das Automobil geliehen oder gestohlen war, ist nicht bekannt Die Pharuskarte von Brandenburg ist soeben im Pharus- Verlag, selbst Genosse Stiefel referierte, gegen die Wucherpolitik energischen geworden. Jetzt wird berichtet, daß der Bankdirektor Haberland Berlin W. 9, erschienen. In allen Farben ausgeführt, bietet sie das Protest ein. In allen Versammlungen wurde die bereits mitgeteilte um sein Automobil bestohlen worden ist. Er hielt vor einem Hause charakteristische Bild der Pharuspläne, und ebenso prägnant wie in Resolution einstimmig angenommen. am Kurfürstendamm, um eine Besorgung zu machen, während der den Städteplänen die Hauptstraßen, treten hier die Hauptwege hervor. Chauffeur in einem Lokal sich etwas zu essen geben ließ. Diese Scharf gliedern sich Haupt- und Kreis- Chauffeen, Verbindungs- Nixdorf. Beit benutzen Spizbuben, um mit dem Automobil zu verschwinden. wege usw. voneinander ab. Die Bahnhöfe zeigen die bekannte Zur Stadtverordnetenwahl in Nixdorf. Der Wagen, ein neues Adler- Landaulet im Werte von 16 500 M., Wölbung der Hallen in rot und auch die kleinsten Orte sind deutlich Die Wahlen in der dritten Abteilung sind vorüber; sie haben ist I. A. 2509 gezeichnet und dunkelgrün gestrichen. Der Dieb ist bezeichnet. Die Uebersichtlichkeit ist in die Augen springend; es ist mit einem glänzenden Erfolge der sozialdemokratischen Arbeiterschaft ein etwa 25 Jahre alter Mann mit einem kleinen schwarzen eine Karte, die den Geschäftsman, den Touristen, den Radfahrer Schnurrbart. Er trug die Kleidung eines Wagenführers und hatte ſehr gut orientiert. Sie umfaßt das Gebiet von Rheinsberg( Norden) geendet. An anderer Stelle geben wir das Ergebnis im einzelnen schon längere Zeit in der Automobilausstellung herumgestanden. bis Scottbus( Süden) und Rathenow( Westen) bis Landsberg a./2. wieder. Mit diesem Erfolge können wir uns aber nicht zufriedenNach einer späteren Mitteilung ist der Kraftwagen wieder-( Often), ist im Maßstab 1: 200 000 ausgeführt und für den Preis von geben, stehen uns doch morgen- Freitag- noch die Wahlen in gefunden. Der noch nicht ermittelte Dieb hat von dem neuen 2. durch jede Buch- und Papierhandlung sowie vom Pharus der zweiten Abteilung bebor. Hier wird der Kampf nicht Wagen verschiedene Teile abgebrochen und ihn dann auf Schönes Berlag, Berlin W. 9, zu beziehen. so leicht sein wie in der dritten Abteilung. In dieser Abteilung Haben sich unsere Gegner vereint, um unser Eindringen zu ver-| Rummelsburg. hindern. Da gilt es also mit verdoppelten Kräften zu arbeiten. Zahlreiche Wahlhelfer können da unserer Sache viel nüßen. Es muß alles aufgeboten werden, um auch in der zweiten Abteilung den Gegnern Terrain abzugraben. Die Wahlabteilungen der zweiten Abteilung sind größer als die der dritten. Es wird in den nachbezeichneten Bezirken der zweiten Wählerabteilung gewählt am Freitag, den 16. November d. J., in der Zeit von 1 Uhr nachmittags bis 7 Uhr abends, und zwar: Im Nordbezirk, umfassend: Bouchéstraße, Donaustraße von 1-34 und 99-131, Elbestraße, Friedel straße, Fuldastraße, Harzerstraße von 1-3 und 14-25 und 96-103 und 115-119, Hermannplay, Hobrechtstraße, Janſastraße, Kaiser Friedrichstraße bon 1-55 und 195-248, Kölnisches User von 50-74, Stottbuser Damm, Laubestraße, Lenaustraße, Liberdaftraße, Lohmühlenplay, Lohmühlenstraße, Manitiusstraße, Maybach- Ufer, Nansenstraße, Bannierstraße, Pflügerstraße, Reuterplay, Reuterstraße von 18-77, Rütlistraße, Schandauerstraße, Schinte straße, Schönstedtstraße, Tellstraße, Weigand- Ufer von 1-16, Weichselplatz, Weichselstraße, Weserstraße von 1-58 und 164-217, Wiesenufer, Wilden bruchstraße, Straße Nr. 10, in der Neuen Welt, Hasenheide 108/114; Kandidaten: Paul Stieler, Kaffenbeamter, Prinz Handjerystr. 45/46. Alfred Scholz, Lagerhalter, Weiseftr. 27. bisher int Gemeindevorstehers ist für die Lichtenberger Berhältnisse interessant. Die Gemeindevertretung wählte vor ihrer legten Sigung die Juft zu der Zeit, als der Gemeindevorsteher begründete Aussicht bisherigen Kreistagsabgeordneten Dr. Hahn, Schöffe Lange und hatte, in Pankow als solcher gewählt zu werden, tauchte das Gerücht Gemeindevertreter Cörlin mit 17 von 27 abgegebenen Stimmen, auf, etwa 180 000 m. Fehlbeträge feien in den Gemeindewerken zu unser Genosse Tempel blieb mit 9 Stimmen in der Minderheit. berzeichnen. Als schwerstes Geschütz wurde diese Mär in einer BeDie Tagesordnung begann mit der Festsetzung der Miets- sprechung die die Verlängerung des Anstellungsverhältnisses weitere zwölf Jahre entschädigung für den zukünftigen Rektor der Mittelschule auf 650 m. auf Jahre für den Gemeindevorsteher Durch das rapide Anwachsen der Bevölkerung von 22 000 Ein- die Wege Teiten sollten, aufgefahren. Um den kommenden wohnern im Jahre 1904 auf 42 000 Einwohner, in diesem Jahre unliebſamen Erörterungen" aus dem Wege zu gehen, sollte die Wegwird die Errichtung einer neuen Volksschule und zwar der achten, meldung erfolgt sein, donnerte der Führer der freisinnigen zum 1. April 1907 notwendig. Ein dahingehender Beschluß Kommunalpolitifer" in Abwesenheit des Gemeindevorstehers. Jezt erfolgte einstimmig. Die Entschädigung für die Leiter( Lehrer bei der veränderten Sachlage und in Anwesenheit des Gemeindeund Lehrerinnen) der in den Sommermonaten stattfindenden vorstehers sagte dieser führende Geist", der nebenbei Mitglied des Spielnachmittage wird pro Kursus und Leiter bon Kuratoriums der Werke ist: ja ein Gemeindevertreter hat mir das 120 M. auf 150 M. erhöht. Gegen die Bestrebungen des Friedrichs- Gerücht mitgeteilt". Hätten Sozialdemokraten so leichtfertig Anberg- Borhagener Grundbesigervereins, betreffend die Eingemeindung schuldigungen erhoben, dann hätten die„ Bierbanfflatscher" sicher alle der innerhalb der Ringbahn belegenen Distrikte der Gemeinden Schleusen ihrer Beredsamkeit aufgezogen. Bei den Herren Lichtenberg und Rummelsburg nach Berlin, beschließt die Gemeinde- Privilegierten" jedoch, bei denen Besiz und Bildung unzertrennlich bertretung, ebenso wie es bereits die Gemeinde Lichtenberg getan find, spielt der gute Ton eben eine andere Rolle. hat, die Abfassung einer Resolution an den Herrn Minister. Die Resolution spricht sich strikte gegen eine Teileingemeindung Rummels- Friedrichsfelde. burgs in Berlin aus. Der Jahresetat von 1905, der jetzt vorliegt, weist eine EinHierauf tam folgender von unseren Genossen eingebrachter nahme von 441 236 M. und eine Ausgabe von 424 142 M. auf, Antrag zur Beratung:" Durch die vom Staate eingeführte Brau- es ist somit ein Ueberschuß von 17 094 m. erzielt. Der Voranschlag steuer sowie durch die vom Kreise Nieder- Barnim beschlossene balanzierte in Einnahme und Ausgabe mit 380 000 M. Der UeberStonzessionssteuer sind die Einkommensverhältnisse der Gast- und schuß in Einnahme stammt aus dem Titel„ Steuerverwaltung". Schantwirte derartig in Mitleidenschaft gezogen, daß wir es nicht Die Schulverwaltung brauchte einen Zuschuß von 78 499 M., nur als einen Akt der Gerechtigkeit, sondern vielmehr als einen Att 4000 m. mehr wie im Voranschlag. Zum erstenmal ist dieses der Pflicht betrachten, die bisher von der Gemeide erhobene Bier- Kapitel detailliert. Hiernach wurde die Schule im DurchJm Ostbezirk, umfassend: steuer vom Jahre 1907 an aufzuheben." schnitt bon 829 Knaben und 830 Mädchen, zusammen Bergstraße von 1-42, 69-106 und 127-163, Berthelsdorferstraße, Bei der Begründung dieses Antrages vertrat unser Genoffe Tempel 1659 Schülern besucht. Auf den Kopf der Bevölkerung entBöhmischestraße, Canner Chauffee, Cannerstraße, Donaustraße von 35-98, in erster Linie den Standpunkt der Partei gegenüber der indirekten fallen von den Gesamtausgaben für die Schule 6,75 M. oder pro Drorystraße, Elsenstraße, Elsterstraße, Erkstraße, Finowstraße, Gärtnerstraße, Besteuerung selbst, er wies dann auf die hohe Belastung des Gast Kind 55,75 M. Zuschuß. Goethestraße, Grenz- Allee, Harzerstraße von 26-95, Heidelbergerstraße, Diese Gesamtschülerzahl wurde von Herzbergplat, Herzbergstraße, Hohenzollernplak, Innstraße, Johann Huz wirtestandes im hiesigen Orte hin so ist außer der Biersteuer 36 Lehrkräften unterrichtet, mithin entfielen pro Kopf der Lehrkraft straße, Kaiser Friedrichstraße von 56-194, Karpfenteichstraße, Stiefholz- eine Betriebssteuer von 30 M. pro Jahr zu zahlen, zur Gewerbesteuer 46,08 Schüler im Durchschnitt. Da in den oberen Klassen die Straße Kirchgasse, Kirchhofstraße 1-9 und 35-50, Senefebeditraße ist ein Zuschlag von 225 Broz. zu entrichten, außer der Luftbarkeits- Schülerzahl bedeutend geringer ist, ergibt sich zur Genüge, daß die bon 1-5 und 147-150, Köllnisches Ufer bon 1-49, Kopf- fteuer wird auch noch eine Automatensteuer erhoben, und zuguterlegt Unterklassen unter Ueberfüllung leiden; hinzu kommt noch, daß nicht straße bon 1-12 und 62-72, Köpenider Landstraße, Lahn- ist zur Reichsbrausteuer, die den Schankwirten das Bier um 1 bis für ausreichende Hülfskräfte Fürsorge getroffen ist, so daß bei Er straße, Leffingstraße von 1-12 und 33-43, Mittelbuschweg, Mittelweg, 2 Pfennige pro Liter verteuert, noch eine Konzessionssteuer hinzu- frankungen von Lehrkräften oft zwei Klassen von einem Lehrer Naumburgerstraße, Niemeßstraße, Prinz Handjergstraße von 1-19 und 70-87, Buderstraße, Richardplay, Richardstraße, Rosenstraße, Saalestraße, gekommen. gleichzeitig unterrichtet werden müssen. Hervorzuheben ist, daß Schönweiderstraße, Schudomastraße, Steinmezstraße Amüsant war in der Diskussion der Standpunkt des Gemeinde- eine Anzahl Etatsüberschreitungen zu verzeichnen sind, ohne daß 1-19 und bon 126-146, Stuttgarterstraße, Teupigerstraße, Thüringerstraße, Treptower schöffen Lange, der die Gastwirte zum Kampfe gegen die Brauereien um eine Nachbewilligung bei der Gemeindevertretung ersucht wurde. straße, Walterstraße, Wagmannsdorferstraße, Weigand- Ufer von 17-48, aufforderte; er meinte, es müßte den Gastwirten, wenn fie fest zu- Die auf Ersuchen unserer Genossen im Etat 1905 eingefegten 3000 Weserstraße von 59-163, Wildenbruchplay, Wipperstraße, Beigerstraße, fammenhielten, doch ein leichtes sein, die Brauereien zu zwingen, Mark zur Bekämpfung der Lungentuberkulose find fast gar nicht anBiethenstraße von 1-18 und 67-85, Straße Nr. 13d, 14, 204, 207b, 15, die Biersteuer für unseren Drt selbst zu tragen. Einen Beweis dafür, gegriffen. Nur 80 m. hat man zu diesem Zweck verbraucht. Man 16, 17, 37, 84a, 22a, 47, 52, 52a, 54, 55, 56, 59a, 60, 62, 65, welches Verständnis über wirtschaftliche Verhältnisse manchmal in lönnte dies als Sparsamkeit der Gemeindeverwaltung bezeichnen, 66, 180a, 180b, 180c, 180d, 180e, 181, 181a, 181b, 185, 195a, 187a, bürgerlichen Kreisen vorhanden ist, brachten die Ausführungen des indes ist dies sicher eine falsche Sparsamkeit. Werden einem Kranten 187b, 188, im Deutschen Wirtshaus, Bergstr. 136/37. Herrn Direktor Tötsch. Dieser Herr war ganz verwundert, daß sich vom Arzt Stärkungsmittel verschrieben, so beginnen bald polizeiliche die Gastwirte über die Biersteuer beschwerten. Kandidat: Hermann Saffe, Eigentümer, Stopfstr. 40, Nach seiner Recherchen, um sich dann zu überzeugen, ob der Kranke noch länger Meinung brauchten die Gastwirte, um sich vor Schaden zu der Fürsorge bedarf. Auf diese Weise wird wohl Geld gespart, aber Jm Südbezirk, umfassend: bewahren, doch nur den Preis des Bieres zu erhöhen oder der Zuberkulose nicht entgegengearbeitet. die Gläser zu verkleinern. Der Gemeindevorsteher erklärte dem May Zirkel, Tischler, Lenaustr. 12/13. Gustav Heinrichs, Möbelpolierer, Erfftr. 7. Wilhelm Müller, Eigentümer, Wißmannstr. 14. Allerstraße, Bendastraße, Bergstraße von 43-68, 107-126, Boberstraße, Bodestraße, Bruno Bauerstraße, Delbrückstraße, Edmundstraße, Emserstraße, Falfstraße von 1-3 und 24-26, Glasowstraße, Grünerweg, Hermannstraße von 53-210, Herrfurthplas, Herrfurthstraße, Herthastraße, Iliestraße, Jonasstraße, Juliusstraße, Kirchhofstraße von 10-34, Knesebecstraße von 6-146, Stopfstraße von 13-61, Kranoldplay, Stranoldstraße, Leinestraße, Leffingstraße von 13-16 und 29-32, Lichtenraderstraße von 12-49, Mariendorferweg, Neißestraße, Nebestraße, Nogatstraße, Dferstraße, Dderstraße, Brinz Handjerystraße von 20-34 und 54-69, Reinholdstraße, Ringbahnstraße, Schillerpromenade von 7-36, Selfeftraße, Siegfriedstraße, Steinmezstraße von 20-125, Thomasstraße, Warthestraße, Weisestraße bon 19-64, Straße Nr. 166, 167a, 167 b, 168, 170, 202, 205, 207, im Regenstein schen Lokal, Hermannstr. 158. Kandidaten: Frih Muntner, Rendant, Weiseftr. 75. Wilhelm Müller, Eigentümer, Wißmannstr. 14. Im Westbezirt, umfassend: Berlinerstraße, Biebrichstraße, Boddinplak, Boddinstraße, Erlangerstraße, Faltstraße von 4-23, Fontanestraße, Hasenheide, Hermannstraße von 1-52 und 211-258, Jägerstraße, Isarstraße, Karlsgartenstraße, Leffingstraße von 17-28, Lichtenraderstraße von 1-11 und 50-62, Mahlowerstraße, Mainzer straße, Münchenerstraße, Nedarstraße, Prinz Handjernstraße von 35-53, Reuterstraße von 1-17 und 78-98, Schillerpromenade von 1-6 und 37-42, Selchowerstraße, Wanglitstraße, Weisestraße von 1-18 und 65-82, Wig mannstraße, Bietenstraße von 19-66, im Vereinsbrauerei Ausschant, Hermannstr. 214/219. Kandidaten: Wilhelm Conrad, Zigarrenhändler, Hermannstr. 50. Ferdinand Wilke, Restaurateur, Hermannstr. 2/3. Am Friedhofsportal vom Tode überrascht wurde die 60jährige Handelsfrau Emilie Zippel, Hermannstr. 198. Jahr für Jahr stand Frau 8. am Eingangsportal des neuen Thomas- Kirchhofes an der Hermannstraße und verkaufte dort Blumen zum Ausschmücken der Gräber. So auch gestern wieder. In dem Augenblick, als fie an eine Witwe einen Blumenstrauß verkaufen wollte, brach fie plöglich leblos zusammen. Ein Herzschlag hatte dem Leben der Frau ein Ende bereitet. Charlottenburg. ftüßen". " wie Antrage wohlwollend gegenüberzustehen; da der Ausfall aber etwa Reinickendorf- West. 25 000 m. betragen würde, so müßte erst noch geprüft werden, ob die Gemeinde diese Mindereinnahme auch wird tragen können. Woche eine namentlich von Frauen stark befuchte öffentliche VerMit der Gründung eines Konsumvereins beschäftigte sich vorige unseren Freunden war es gegenüber solchen Verlegenheitseinwänden sammlung. Genoffe Beus legte in 2 stündiger Rede die große ein leichtes, dieselben auf ihren wirklichen Wert zurückzuweisen. Bedeutung der Konsumvereinsbewegung für die Arbeiterklasse dar. Der Antrag wäre auch unzweifelhaft zur Annahme gekommen Wie die Arbeiterschaft sich gewerkschaftlich und politisch organisiere, wenn nicht der Herr Bürgermeister mit seinem Wohlwollen bereits des öfteren, wenn es sich um Anträge von unseren Genossen Freiheiten zu erringen, so müsse sie sich auch als Stäufer organisieren, um dadurch höheren Lohn, Verkürzung der Arbeitszeit und politische handelte, einen Vertagungsantrag gestellt hätte. Die Bertagung damit der erzielte Ueberschuß nicht in die Tasche des Krämers, der wurde dann mit 14 gegen 13 Stimmen beschlossen. ihr nur allzuoft an der Wahlurne als Gegner gegenübertritt Zum Schluß interpellierte unser Vertreter John den Gemeinde- sondern in seine Tasche fließt. Die Konsumvereinsbewegung könne vorstand über den im Vorwärts" vom 7. d. M. enthaltenen Bericht ein großes Stüd praktischer Vorarbeit für das der Arbeiterschaft voraus der Berliner Verkehrsdeputation. Nach demselben soll zwischen schwebende Jdeal fein. In der Diskussion berichtete zunächst Genosse der Gemeinde Nummelsburg und der Großen Berliner Straßenbahn- Boldt über die Verhandlungen der Kommission mit der Verwaltung gesellschaft, außer den im Frühjahr d. J. mit der Großen Berliner des Konsumvereins Tegel und empfahl den Anschluß an denselben. und der Gemeinde Rummelsburg abgeschlossenen Vertrag betreffend Nachdem noch mehrere Redner in demselben Sinne gesprochen, beFührung einer Straßenbahnlinie nach Rummelsburg noch ein schloß die Versammlung einstimmig den Anschluß an Tegel. Es Sondervertrag bestehen, auch wird darin über die schroffe Form meldeten sich sofort 76 Mitglieder zu Neuaufnahmen. geflagt, mit welcher der Nummelsburger Gemeindevorstand der Monat soll, da die zur Eröffnung einer Verkaufsstelle notwendige Nächsten Verkehrsdeputation die Einsicht dieses Sondervertrages ab- Mitgliederzahl von 100 bereits überschritten ist, eine solche eröffnet gelehnt hat. Zur Beantwortung dieser Interpellation erklärte sich werden, so daß der Weihnachtsbedarf bereits aus derselben gebedt der Bürgermeister nur in der nichtöffentlichen Sigung bereit. Aus werden kann. der Beantwortung fann nur mitgeteilt werden, daß der Sondervertrag ohne Wissen der Gemeindevertretung mit der Großen Berliner abgeschlossen worden ist. Daß der Berliner Verkehrsdeputation die Einsichtnahme dieses Sondervertrages in schroffer Form verweigert worden, bestreitet der Bürgermeister ganz entschieden. Berli Lichtenberg. Waidmannslust. Genosse Stadthagen in einer gut befuchten öffentlichen Bersammlung Die politische Lage lautete das Thema eines Vortrages, den hielt. In großen Zügen entwarf Redner ein anschauliches Bild der jeweiligen äußeren wie inneren Politik. Die eigenartige KolonialDas Ausscheiden der Landgemeinde Lichtenberg aus dem Kreise Sarkasmus. Nicht minder ging er mit dem militärischen System und Steuerpolitik der Regierung fennzeichnete Redner mit beißendem Niederbarnim. Die Gemeindevertretung hat den Gemeindevorstand ins Gericht, dabei des jedem Menschlichkeitsbewußtsein bar seienden durch Befchluß vom 8. November mit allen gegen 5 Stimmen er- Kadavergehorsams, der in der preußisch- deutschen Armee gezüchtet mächtigt, mit dem Kreisausschuß einen Vertrag zum Zwecke des werde, gedenkend. Am Schlusse seines Referats zeigte Genoffe Ausscheidens aus dem Kreise einzugehen. Die Gesamtabfindung an Stadthagen die Rechtlosigkeit der Arbeiterklasse sowie die Anwendung den Kreis ist mit etwa 1 000 000 m. vereinbart. Als Einzelabmachungen sind folgende Bedingungen vorgesehen: rechts. Die Diskussionsredner teilten die Ansicht des Referenten und polizeilicher Schikanen hinsichtlich der Ausübung ihres Koalitions 1. Als Tag des Ausscheidens wird der 1. April 1908 an- forderten die Versammelten zum Beitritt in den Wahlverein auf. genommen. Elf neue Genoffen meldeten sich zur Aufnahme. werte von 223 348,82 m. Ueber das gleiche Thema referierte Redner am Sonnabend in Mahlsdorf in äußerst zahlreich besuchter Versammlung. Zum Schluß forderte hier der Vorfißende zu lebhafter Agitation für die demnächst stattfindende Gemeindevertretererfagwahl auf. Spandan. " 1 In der Delegiertenversammlung der Gewerkschaftskommission am 2. Das Anteilverhältnis, zu welchem die Gemeinde Lichtenberg 9. November referierte im Beisein der Gewerkschaftsvorstände Genosse an dem Attiv- und Baffivvermögen und an der ChausseeunterhaltungsDr. Sußmann über die Swede und Ziele des Vereins freier last einen Anteil übernimmt, beträgt 13 Broz. Kindergarten". Ihr Einverständnis mit den Ausführungen des 3. Die Gemeinde Lichtenberg hat an dem Tage des Ausscheidens Referenten befundete die Versammlung in der einstimmigen Annahme aus dem Streise an diesen 13 Broz. der am 31. März 1908 sich folgender Resolution:" Die Charlottenburger Gewerkschaftskommission auf 2 145 809 m. belaufenden Streisschulden, rund 278 950 m. zu spricht ihr Einverständnis mit den Grundsäßen und Arbeitszielen zahlen. des Vereins freier Kindergarten" aus. Sie empfiehlt den Mitgliedern der Charlottenburger Gewerkschaften, Mitglieder des Vereins dem Streife eine Abfindung für ihren Anteil an der Chauſſeeunter- Generalversammlungsbericht des Vereins Spandauer Volksschul4. Die Gemeinde Lichtenberg hat am Tage des Ausscheidens Die Neuregelung der Lehrerinnengehälter hat, wie aus dem zu werden und wo es angängig ist, ihre Kinder dem Kindergarten haltungslast in Höhe des 25fachen Betrages von 13 Broz. von des Vereins zuzuführen. Sie empfiehlt ferner den an die Gewerk- 279 632,33 M. im Betrage von rund 998 800 M. zu zahlen. lehrerinnen ersichtlich ist, nur allzu berechtigten Unwillen der Lehres schaftskommission angeschlossenen Gewerkschaften, insofern es ihre 5. Die Gemeinde Lichtenberg verzichtet auf einen Anteil an den rinnen hervorgerufen. Ein Mehr von 80 M. jährlich, das sind Finanzen gestatten, den Verein durch Subventionen zu unter- in der Vermögenszusammenstellung unter le bis k und 6 und 10 22 Pf. pro Tag", heißt es, wird angesichts der beständig steigenden Auf Antrag des Genossen Aug. Pohl wurden dem Verein 20 m. aufgeführten Vermögensobjekten des Kreises mit einem Nominal- Bohnungs- und Lebensmittelpreise faum für eine ausreichende Teuerungszulage gelten können." Der Verein erblickt des weiteren aus der Kaffe der Gewerkschaftskommiffion überwiesen. 147 Proz. 6. Der Kreis Nieder- Barnim hat der Gemeinde Lichtenberg am zwischen der Höchstgehaltszulage der Lehrer, von 500 m. Der nächste Punkt betraf die Stellungnahme zu den Tage des Ausscheidens 13 Proz. der unter Nr. 1a, b, c, d, unter und der der Lehrerinnen, von 80 m2. 3 Proz., eine unDebatten des Mannheimer Parteitages in bezug auf die Stellung Nr. 2, 3 und 4 aufgeführten Wertpapiere im Betrage von 47 970 m. gleiche Behandlung von Lehrern und Lehrerinnen und eine ebenso der Gewerkschaften zu der Partei. Genoffe Flemming, der hierüber schwere als unverdiente Zurückseßung. Dem„ Spandauer Tageblatt", zu überweisen. die Diskussion einleitete, bemerkte, daß jest, nachdem die Einigung Die leberweisung der Wertpapiere erfolgt so weit möglich durch niederen Beamten nicht genug zu preisen wußte, werden die Stimmen das die Neuregelung der Löhne und Gehälter der Arbeiter und zwischen den beiden Körperschaften durch die Annahme der Ueberlaffung der Wertpapiere selbst. Resolution zum politischen Massenstreit besiegelt sei, man dahin streben müsse, mehr Propaganda als bisher in den Lichtenberg als Anteil an dem Kriegsschuldensteuerüberschußfonds 7. Der Kreis hat am Tage des Ausscheidens an die Gemeinde der Unzufriedenheit und Empörung nicht recht in den Kram passen. Gewerkschaften für die sozialistischen Ideen zu machen. Mit den 14 273 M. und als Anteil an dem Wert des Kreishaufes 17 528 M. ordentliche Versammlung des Gewerkschaftskartells Stellung. Zu den bevorstehenden Gewerbegerichtswahlen nahm eine außer Lokalorganisierten hätte der Parteitag nicht so viel Federlesens machen in Bar zu zahlen. Die follen, denn daß wir nach einem Jahre auf demselben Fleck stehen, Wahlen finden statt für die Arbeitgeber am 27. November von vor8. Der Kreis Nieder- Barnim hat der Gemeinde Lichtenberg am mittags 10 bis nachmittags 1 Uhr und für die Arbeitnehmer am sei flar. Dieses beweisen zur Genüge die letzten Debatten in ihren Tage des Ausscheidens aus dem Kreise 13 Proz. des Chauffee- Mittwoch, den 28. November, von vormittags 11 bis nachmittags Versammlungen und die Schreibweise der„ Einigkeit". In der weit Reservefonds und des Krankenhausfonds nach dem Stande vom 2 Uhr und von 5-8 Uhr im Restaurant zur Palme". Ritterstr. 12. ausgedehnten Distusfion bewegten sich die meisten Redner auf dem 31. März 1908 unter Abzug der bis dahin vom Kreistage aus- Als Beifizer werden folgende Genossen zur Wahl gestellt: Boden dieser Gedanken, nur vom Genoffen Krause( Fleischer) wurde gesprochenen Bewilligungen zu zahlen. Maschinist Wilh. Adler, Schülerbergstr. 8. Metallarbeiter die Beschlußfaffung des Parteitages in Sachen der Lokalorganisierten 9. An der Industriebahn Friedrichsfelde- Tegel bleibt die Ge- Moisius Fallschr, Bismarckstr. 5. Schmied Dtto Peczilis, Jagow gutgeheißen.meinde Lichtenberg unbeteiligt, im besonderen nimmt fie nicht an straße 19. Maler Anton Böttcher, Frobenstr. 22. ben dafür aufzunehmenden Schulden teil, ist auch nicht verpflichtet, Schulze, Pichelsdorferstr. 14. Zimmerer Wilh. Betriebszuschüsse zu leisten, hat aber auch andererseits keinen Anspruch straße 17a. Arbeiter Karl Ganzer, LutherArbeiter Karl Strehlte, Lutherstr. 17a. auf irgendwelchen Gewinnanteil. Tischler Karl Marzilger, Kurstr. 5. Maurer Emil Schüler, Feldstr. 40. Porzellandreher Ernst Dürlich, Pichelsdorf 14. Gärtner Mar Kujath, Götelstr. 16. Töpfer Otto Schulze, Bergstr. 4. Der diesjährige Jahresbericht wurde in derselben Weise wie im Borjahre auszuführen beschlossen, nur sollen diesmal die Berichte einiger Gewerkschaften reichhaltiger ausfallen. Beschlossen wurde, eine Auflage in Höhe von 2000 Stück herzustellen und den GewerkDie Abmachungen sollen dem im Dezember tagenden Kreistage fchaften pro 5 Pf. das Stück prozentual zuzuteilen. Des weiteren zur Beschlußfaffung unterbreitet werden. Im Februar 1907 wird nahm die Versammlung Kenntnis von dem Beitritt der Bäcker als fich der Provinziallandtag mit der Frage zu beschäftigen haben. 27. Gewerkschaft an die Gewerkschaftskommission. Nicht vertreten Es wird sich nun zeigen, ob das dem Stadtwerdungsgedanken war die Cctverkschaft der Buchbinder. feindselige Verhalten einer Handvoll Grundbefizer bei den maß Wilmersdorf. gebenden Behörden irgendwelchen Eindruck gemacht hat. Die Wählerlisten zur Stadtverordnetenwah! liegen vom heutigen Tage im Rathause zur Einsichtnahme aus. Die Wähler werden deshalb ersucht, sich davon zu überzeugen, ob sie in der Liste stehen, wenn nicht, die Nachtragung in dieselbe zu beantragen. Am Sonntag, den 25. November, nachmittags 2 Uhr, findet eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Gen. Nitter- Berlin über die Bedeutung des Gewerbegerichts sprechen wird. Zum Schluß wurde auf den am 28. November bei Kumpfe stattfindenden ReziVom guten Ton! In dem Bericht vom Sonnabend teilten wir tationsabend verwiesen. Billetts sind zum Preise von 30 Pf. bei mit, daß die Gemeindewerke nicht nur den Etatsanfas an Ueberschus den Startelldelegierten sowie beim Raffierer Reichardt, Pichelsdorf, zu erreicht, sondern wesentlich darüber hinaus für das Jahr 1905 Getvinne abgeworfen haben. Die Vorgeschichte dieser Mitteilung des haben. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.