Nr. 269. HbonnftncntS'Bcdlngungen: 88otmtinenlä- Prei» pränumerimdo! «irrteljihrl. 3.30 Kt., monatl. 1,10 2W., WSchenUich 28 Psg. hri in« Hau». Einzelne Nummer 6 Psg, konnlag». «ummer mtl illuslrierter Konnlag». Vellage.Tie Neue«eil' 10 Psg, Post. Iwonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen«n die Post. Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Deullchland und Oesterreich> Ungarn 3 Marl, für da» übrige Ausland 8 Marl pro Mona«. Poflabonnementt »ehnien an: Belgien. Dünemarl, Holland, Italien, Luzemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schwei», Clfchelot tZgllch aaBtr Dlontast. 33. Jahrg. * Vevlinev Volksblcrkl. Die tnlcrfions-GcbOftf delrägl für die fcchsgefpaltene Kolonel- »eile oder deren Raum 50 Pfg,, für polilifche und gewerllchafiliche Berein». und VcrlammInngS.Anzcigen 20 Pfg, „Rlcfnt Anreizen", da» erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jede» weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- siellemHnzeigen da» erste Wort 10 Pfg,, jede» weitere Wort 5 Pfg. Worte über l5 Puchflaben zählen für zwei Worte, Jnferate für die nächste Nummer müssen di» S Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abend» geöffnet. Telegramm. vdreffe: „S»»ii>iltmoltl»l Rerli»". Zcntratorgan der rozialdcmokratifchcn Partei Deutfchlande. Redahtion: 8 LI. 68, Lindenstrasse 69. . Keriispreckirr: Min» IV. Nr. Itttilt. Sonnabend, den 17* November 1906, Expedition: 8Ll. 68, Lindenstrasse 69. {fcrnfpredifr: Mmt IV. Nr. 1984. Die Oreibundspolitik und Grispi. Rom, 12. November.(Gig. Set.) Die Gnthüllung des Grispi-Denkmals in Dresden gibt L a b r i o l a Veranlassung, im heutigen„ A v a n t i" Be- trachtungen anzustellen über die Verdienste, die sich der unhcil- volle italienische Staatsmann wohl um das offizielle Deutsch- land erworben haben könne. Man Pflegt ja fremden Staats- männern kein Denkmal zu setzen. Wie kommt Grispi zu einem Standbilde in Deutschland, wo die Denknialkunst eigentlich nur einen Anhang der kaiserlichen Politik darstellt? Bekanntlich machte der selige Grispi stark in Patrio- tismus. Ihm und seinen patriotischen Freunden erweist nun das offizielle Deutschland einen recht schlechten Dienst, indem es durch diese posthumc Dankbarkeit zeigt, daß der Mann als italienischer Minister sich Anrecht auf deutsche Dank- barkeit erworben hat I Kommt so etwas in weniger hohen Stellungen vor, so pflegt man das„Landesverrat" zu nennen.--- Der Zufall will, dah die Denknialsenthüllung zeitlich zu- sammenfällt mit einer anderen„Gnthüllung": der der Hohen- loheschen Memoiren. Diese gestatten einen Blick hinter die Kulissen der Dreibundspolitik, einen Blick, der zwar nichts Neues zeigt, aber doch allen Verdacht feierlich und offiziell bc- stätigt. Der Gedanke des Dreibundes— wir folgen der Dar- stelluna Labriolas— tauchte auf. als sich in den Jahren von 1876 bis 1880 der offiziellen und militärischen Sphäre in Deutschland eine Art panische R u s s e n f u r ch t be- mächtigte. Nach dem Kriege mit Oesterreich und mit Frankreich fürchtete man nun noch mit Rutzland einen Krieg um die Vorherrschaft in Guropa führen zu müssen. Dieser Krieg erschien gefahrdrohender als die Heiden früheren, einmal wegen der größeren Macht des Zarenreiches, dann weil man, sobald es im Osten losging, auf einen Angriff an der Weftgrenze gefaßt sein mußte. Daher sah sich Deutschland nach Verbündeten um. Als erster kam natürlich Oesterreich in Betracht, das schon wegen seiner Interessen auf dem Balkan gegen Rußland war. Auf Italien verfiel man darum, um Frankreich einen zwar nicht mächtigen, aber doch lästigen Gegner aufzuhalsen. Nun ging aber ein Bündnis mit Oesterreich und eine franzosenfeindliche Politik den Italienern gegen alle ihre Traditionen und'Volksgefühle. Da übte denn Bismarck durch zwei schnell erfundene Schreckmittel einen Druck aus, um zu seinen Zielen zu kommen. Und zwar hat er erstens der italienischen Monarchie eingeredet, sie wäre in Italien nicht sicher, zweitens hat er mit einem Kriege mit Oesterreich gedroht. Humbert I. nahm diese Drohungen ernst, um so mehr, als damals die republikanische Bewegung irredcntistische Allüren hatte. So glaubte der König von Italien seines Thrones und des Friedens mit Oesterreich nur durch Gintritt in den Dreibund sicher zu sein. Wie hat sich nun Grispi die Dankbarkeit des offiziellen Deutschlands erworben? Als er zur Regierung kam(1887), war die Bismarckische Ginmischung in italienische Verhältnisse schon aus ihrem Höhepunkt. De L a u n y, italienischer Ge- sandter in Berlin, telegraphierte damals nach Rom, Herbert Bismarck hätte ihm gesagt, sein Vater wäre außer sich über die Berufung eines Ministeriums der vorgeschrittenen Linken. Das sei der erste Schritt zur Republik! In der Folge ging Grispi nach Friedrichsruh, um seine„Vertrauenswürdig- keit" darzutun. Zu derselben Zeit schrieb das Hamburger Bismarckorgan ganz unverfroren, daß nian durch Italiens Beitritt zum Dreibund den französischen Ginfluß auf das Königreich schwächen und die republikanischen Strömungen in Italien brechen wollte.— Grispi. ehrgeizig und scharfsichtig wie er war. verstand, daß es für ihn keine Karriere gab. wenn er sich nicht den deutschen Interessen anpaßte. Daher wurde er der unheilvollste Gxponent der antifranzösischcn Politik in Italien, oder— wie Labriola sich ausdrückte— der Aeent provocateur Deutschlands gegen Frankreich. Dies sein Verdienst, das ihm ein Denkmal einträgt I Gleichzeitig hat Bismarck in diplomatischen Kreisen die Leaende verbreiten lassen, daß Italien nur durch ein Bündnis mit den mitteleuropäischen Kaiserreichen das Wiederaufleben der Kirchenstaatfrage verhindern könne. Auch dies war eine Grfinduna Nicht Frankreich. Bismarck selbst ist mit dem Ge- danken umgegangen. Italien durch diese Frage in Schwierig- leiten zu stürzen. So rettete der Dreibund Italien eben nur vor den Gefahren, die die beiden anderen kontrahierenden Mächte selbst erst heraufbeschworen!! Auch heute möchte Deutschland Italien als treuen Vasallen behalten, obivohl das Reich im Osten keine Gefahr mehr darstellt. Jetzt muß das englisch-französische Abkommen den Vorwand für neue Rüstungen und neue Militärausgaben liefern. Und um Italien im Dreibund zu halten, dient weiter das Schreckmittel: Krieg mit Oesterreich I Vielleicht bekommt auch der heutige Minister des Acußern. T i t t o n i. dereinst sein Standbild in Deutschland. � Ginstweilen erinnert das Standbild von Dresden die genassührten Italiener daran, daß die Deutschen mehr als je die Herren in Italien sind. Die russische Revolution. Kosakeuregierung und Wahlbcwcguug. Petersburg, 13. November.(Eig. Ber.) Ueber den endgültigen Termin der Wahlen hat bisher die Re- gierung noch nichts verlauten lassen, doch erfährt man heute aus gut unternchteten Kreisen, daß die Wahl der Bevollmächtigten in den Dorfversammlungen am IS.<28.) Dezember stattfinden wird, die der Bevollmächtigten in der Kurie der Fabrikarbeiter soll spätestens am IS.(28.) Dezember abgeschlossen sein, an welchem Tage im ganzen Reiche die Wahl der Wahlmänner vor sich gehen würde, die dann an verschiedenen Tagen bis zum IS. Januar die Volksvertretung zu konstituieren hätten. Die Vorbereitungen zu den Wahlen sind.bereits im Gange; in allen Blättern liest man Aufforderungen an die Wahlberechtigten, sich in die Wählerlisten eintragen zu lassen. Aus den von ver- schiedenen Seiten eingetroffenen Meldungen ist zu ersehen, daß die Eintragungen ziemlich rege vor sich gehen, obgleich auch das mit Schwierigkeiten verbunden ist; denn vielerorts haben die Wähler große Mühe, die Anmeldestelle überhaupt ausfindig zu machen.(Hat man doch z. B. in Odessa alle Bezirksanmeldestellen aufgehoben!) Darunter haben besonders die kleinen Wohnungsmieter in den Vororten zu leiden, die bei der Administration nicht gerade gern gesehene Wähler sind. Trotz allem soll aber deren Zahl sehr stark sein, was aus großes Interesse dieser Kreise an den Wahlen schließen läßt. Die Wahllisten sollen zum Teil schon am 1.(14.) November abgeschlossen sein, doch wird das kaum geschehen können, denn die Listen werden diesmal unzählige Beschwerden und Richtigstellungen hervorrufen. Man denke nur. welche Verwirrung allein die Forderung der Administration verursachen wird: auS den Listen die in Fabriken beschäftigten Arbeiter zu streichen, denen nunmehr nur das Recht bleibt, in einer engen Kurie zu wählen. Es kann ja auch geschehen, daß in letzter Stunde noch irgend welche neuen Wahlrechtsräubereien vorgenommen werden; fast jeder Tag bringt ja solche. Sie alle hier aufzuzählen, ist unmöglich. Hinter dem Feigenblatt der„Senatsinterpretationen" versteckt sich der wohl- bekannte Kosak Stolypin. Nach dem Grundgesetz war ein offener Bruch mit dem Wahlrecht vom 6.(19.) August und 11.(24.) Dezember nicht gut möglich. Die Bureaukratie hatte sich da in ihre eigenen Netze verstrickt: denn sie glaubte durch Ausiiahme des Wahlrechts in die Grundgesetze ein Bollwerk für ihre Ziele errungen zu haben, aber eS erwies sich, daß selbst auf Grund dieses verkrüppelten Wahlrechts für sie recht unangenehme Wahlen zustande kamen. WaS nun nicht offen getan werden konnte, geschah auf dem Wege der Rechtsverdrehung. Der bekannte Jurist und frühere Professor der Militärakademie KuSmin-Karajew unterzieht' soeben in einer aus- führlichen Darlegung die erste Senatsinterpretation einer juristischen Kritik und kommt dabei zu dem Resultat, daß eS sich bei jener um einen infamen Rechtsbruch handelt, durch den daS feige Henkerregimeut zum Beispiel die Zahl der Bcvoll- mächtigten der Kleinbauern auf den Kreiswählerversammlungen um 62000 kürzt! Die Regierung versucht, sich durch derlei Spitz bübereien nach allen Seiten zu schützen. Zweifellos hätte ein offener Wahlbruch weniger böses Blut gemacht als StolypinS hinterlistige Taktik. Aus den SemstwogouvernementS laufen Berichte ein, daß auf den soeben beendigten Herbsttagungen der KreissemstwoS, in denen viele Bauern vertreten sind, eine für die Regierung durchweg un- freundliche Stimmung geherrscht habe, woraus in den„höheren Sphären" geschlossen wird, daß die Bauern Wohl durchweg oppositionell wählen werden. In den Berichten der örtlichen Administration— so weiß„Lko" mitzuteilen'— wird durchweg die zunehmende politische Reife der Bauern konstatiert, die sich besonders in einer klareren Auffassung der einzelnen Reformen und in einer gründlicheren Wertung der Kandidaten äußert. Diese Nachrichten konnten nicht ohne Wirkung bleiben. Unter ihrem Eindruck soll die Regierung angeblich sogar geneigt sein, eine Schwenkung nach links zu machen, wie der Führer der Oktobristen. Gutschkow. versichert. Dadurch allein ließe sich die Haltung der Regierung gegen- über den Kadetten erklären, deren Partei man ja zwar die Legalisierung versagt hat, die man aber trotzdem nicht als illegal behandelt I Allgemein ist der Eindruck der, daß Stolypin u. Co. am Ende ihres Lateins sind, was denn auch die immer wieder auftretenden Gerüchte vom Rücktritte de« Kabinetts und von seiner Ersetzung durch ein Ministerium Witte. Gutschkow oder dergleichen erklärt. Die Polizeifunktionen deS Stolypinschen Galgenministeriums bleiben selbstverständlich die alten, wie ja die täglichen Justizmorde deutlich beweisen. In dieser Hinsicht sind also keine Lendcrungen zu erwarten. Der Zustand de«„verstärkten Schutzes" soll fortbestehen, die Feldkriegsgerichte sollen weiter morden. Die WahlagitationS- Versammlungen werden, wie eS heißt, nur zwei Wochen lang erlaubt sein, selbstverständlich unter allen möglichen Einschränkungen und mit Hinzuziehung von Nagaiken, Kanonen, Kngelspritzcn. Schon jetzt versendet Stolypin an die Gouverneure geheime Rundschreiben, in denen anbesohlen wird, streng darauf zu achten, daß die Arbeiter- Parteien bei den Wahlen unnachsichtig verfolgt werden I Die Organisationen der Hooligans sollen ihre Polizeidicnste, die sie schon jetzt im reichlichen Maße aüsüben— in Saratow haben sie z. B. ein besonderes Bureau zur Bespitzelung von Pro- pagandisten eingerichtet— während der Wahlen erweitern und spezielle.fliegende Kampfesorganisationen" bilden. Zu diesem Zweck hat Stolypin— so sagt man— 10 Millionen Rubel aus Reichs- Mitteln erhalten, von denen 2 Millionen bereits den verschiedenen Gouverneuren angewiesen worden sein sollen. Man gruppiere alle diese Tatsachen zu einem einheitlichen Bilde, und man wird nicht leugnen können, daß in diesem Wahnsinn und in dieser Verruchtheit Methode liegt. Was nun die Parteien anbelangt, so sind in ihrer Zusammen- setzung und Haltung seit Anfang dieses Monats keine wesentlichen Aenderungcn zu verzeichnen. Die sogenannten„monarchistischen Gruppen" sollen nach neueren Daten im ganzen Reiche nicht mehr als S4 000 Anhänger haben— eine Zahl, die bei den Wahlen moralisch und numerisch nicht schwer ins Gewicht fallen kann, die aber eben groß genug ist für neue Bluttaten und andere Henker- dienste. Der Verband GutschkowS scheint einigen Zuwachs durch die Verschmelzung mit dem Handels- und Jndustrieverband zu erhalten. Auch die„Partei der friedlichen Erneuerung" regt sich und absorbiert die Brocken vom rechten Flügel der Kadetten, während der linke Flügel der Kadetten starke und wichttge Kräfte an die neugegründete „Partei der Volkssozialisten" abgeben muß. Stärkere Verschicbungen lassen sich aber nicht erkennen. Viel ventiliert wurde in den letzten Tagen die Frage wegen der Bildung von Blocks und der Ein- gehung von Wahlabmachungen. An feste Blocks vom ersten Wahlakt an rechnet keine Partei, ausgenommen die ganz rechts stehenden Gruppen, die aber bereits jetzt ein einheit- liches Ganzes bilden. Die Kadetten können sich weder nach rechts noch nach links wenden, ohne gleich zahlreiche Anhänger zu ver- lieren. Die sog.„Minderheitsfraktion' der Sozialdemokraten wäre wohl nicht abgeneigt, engere Fühlung mit dem linken Flügel der Kadetten zu suchen, wogegen die„Mehrheitsfraktton" nur für Wahl- blocks und Wahlabmachungen mit den Sozialrevolutionären ist. Diese Kennzeichnung der Stellungnahme der sozialistischen Fraktionen kann natürlich nur als eine schematische gelten, die Praxis wird da ge- wiß Korrekturen vornehmen und bei dem letzten Wahlakt die mannig- fachsten Kombinationen zeitigen. Bestimmte Regeln sind bisher über die sozialisttsche Wahltaktik noch nicht aufgestellt. Soweit es sich überschauen läßt, sind die sozialistischen Fraktionen und Gewerk- schastcn alle für die Beteiligung an den Wahlen. Eine Ausnahme macht die Polnische Sozialistische Partei(P. P. S.), die bei dem Wahlboykott verharrt,„weil sie nicht einzusehen vermag, welchen Nutzen für den Wahlausgang die Beteiligung der Arbeiter haben kann, wo gegenwärttg ihr Wahlrecht gleich Null ist."— Die neue Anleihe. In der„Rjetsch" weist Profeffor Friedmann nach, daß ge» mäß dem genauen Wortlaut der bestehenden Gesetze eine Anleihe. die zustande gekommen ist. ohne der RcichSduma und dem Reichsrat vorgelegt zu sein(nur eine im Kriegsfalle abgeschlossene Militäranleihe ausgenommen), keine bindende Kraft für Rußland haben kann. Die künftige Duma würde— nach dem genauen Wort- laut der Gesetze— alle in der Zwisck-mzeit vorgenommenen Kredit- operationen der Regierung, welcher Ar. diese auch seien, für ungültig erklären. Keine Gleichberechtigung für Juden! Petersburg, 16. November. Die Zeitung„Rossija" weist in einem„Auf Wegen zur Lösung der Judenfrage" überschriebcnen Artikel darauf hin, daß die gewaltsame Kouzentrierung der fünf Millionen Juden in Westrußland aus diesem Gebiete eine Art revoluttonären Akkumulators gemacht habe, in dem sich die revolutionäre Energie der jüdischen Armut entwickele! wo der Hunger anfange, höre die Gesetzmäßigkeit auf.— Wenn von der Schädlichkeit der Juden in Rußland die Rede sei, müffe zuerst festgestellt werden, wer gefährlicher sei. die fünf Millionen Juden im westlichen Rußland oder die 207 000 im Innern Rußlands. Augenblicklich könne von einer vollen Gleichberechttgung der Juden nicht die Rede sein, doch müsse noch vor Zusammentritt der Reichs- duma das für die Juden bestehende Verbot, in der AnsässigkeitSzone außerhalb der Städte und Flecken zu leben, aufgehoben werden, und ebenso sei das Aufenthaltsrecht der Juden im inneren Rußland den bestehenden Gesetzen entsprechend zu regulieren. Die Lage der Juden in West-Rußland verlange, daß die erforderlichen Maßnahmen ohne Aufschub getroffen werden. Nicht„schneidig" genug'. Moskau, 16. November. Der Kommandeur des Rostowschen Grcnadierregiments Oberst Simanski ist zu achtmonatiger Fcstungs- Haft und Beschränkung einiger Dicnstrechte verurteilt worden, weil er eS unterlassen hatte, zur Unterdrückung einer Gärung unter den Mannschaften seines Regiments geeignete Maßnahmen zu treffen. Furcht vor„Memoiren".' Nachdem dem Zarc» mitgeteilt worden ist, daß General Trepvwd „Memoiren zum �eil in unberufene Hände gekommen sind, bcwlllkgte er eine ziemlich hohe Summe a»S seiner Priontschatulle, um das bc- rettS in den Händen eines Buchhändlers befindliche Manuskript anzu» kansen!— politische(lebersicbt. Berlin, den 16. November. Tie Praktiken der Wahlprnfnngskommission. Zur namentlicheii Absttmmung über die gestern besprochenen Wahlen waren heute 321 Abgeordnete erschienen, von denen 120 gegen die Gülttgkeit der Wahl Dietrichs (Potsdam 3) stimmten. Gegen die Gültigkeit der Wahl Malkewitz'(Köslin 4) stimmten 135 Abgeordnete, 9 ent- hielten sich der Abstimmung und 177 sttminten für Gülttgkeit. Die Gntscheidung lag in der Hand der National- liberalen, von denen einzelne im letzteren Falle für die Un- gültigkeitserklärung gestimmt haben. Andere Nationalliberale. die ebenso stimmen wollten, wurden— und das ist äußerst charakteristtsch— vom Abgeordneten B a s s e r m a n n. der seine Frattionskollegen von Bank zu Bank inspizierte, über- redet, nicht gegen die Gültigkeit der Wahl Malkewitz', des konservattven Siegers über den Liberalen Dr. Barth zu stimmen!— Diese Abstimmung bestätigte die Machenschaften zwischen dem konservativ- klerikal-nationalliberalen Wahl- prüftingskartell. Und jene Machenschaften sind nur die Folge der fortschreitenden Befestigung des Zentrums als einer Regierungspartei, die gemäß ihrem reaktionären Charakter immer festeren Anschluß nach rechts, an die Junkerpartei sucht. Die Nationalliberalen geben sich schon damit zu- frieden, den Schwanz dieses reaktionären Kartells bilden zu dürfen. Nach den beiden Abstimmungen beschloß der Reichstag zunächst, Beweiserhebungen über die Wahl in Sachsen-Alten- bürg anzustellen. Fast die ganze weitere Sitzung wurde dann ausgefüllt mit der Beratung über die Wahl des Zentrums- abgeordneten W i l t b e r g e r, der unter unerhörten, im Wahl- Protest behaupteten geistlichen Beeinflussungen üvcr seinen Gegenkandidaten, den Prinzen Alexander v. Hohenlohe, gesiegt hat. Die Debatte war eine sehr lebhafte und sie spitzte sich zu einer prinzipiellen Erörterung darüber zu, ob die geistliche Wahlbceinflussung, wie sie in dem vorliegenden Wahlprotest behauptet wird, eine unzulässige ist oder nicht. Genosse Fischer- Berlin präzisierte unseren Standpunkt, der die geist- liche Wahlbeeinflussung bei Amtshandlungen zurücktveist und sie als ein Moment für die Ungültigkeitserklärung erklärt. Die Freisinnigen beantragten, die Gültigkeitserklärung der Wahl Wiltbergers auszusetzen und Beweiserhebungen über eine Anzahl der im Protest behaupteten unzulässigen Wahl- becinflussungen anstellen zu lassen.— Die Abgeordneten Müller- Meiningen und Blumenthal beleuchteten — gleich Fischer— die mehr und mehr parteiisch sich ent- faltende Tätigkeit der Wahlprüfungskommission an den Vor- kommnissen im 10. Elsaß-Lothringer Wahlkreise Hagenau- Weißenburg. Der Zentrumsabgeordnete Gröber unternahm es, die geistlichen Wahlbeeinflussungen als— harmlos hinzustellen; er tadelte einzelne gar zu plumpe Fälle des Mißbrauchs geistlicher Gewalt in der Kirche zugunsten bestimmter Kandidaten, weil ihm eben die Plumpheit solcher Fälle nicht behagt.-Aber das hindert die Zentrumsabgeordneten in der Wahlprüfungskommission nicht, die anfechtbarsten Wahlen für gültig zu erklären. Der nationalliberale Abgeordnete B o l tz gab eine prin- zipielle Erklärung gegen die amtliche geistliche Wahlbeeinflussung ab, trotzdem er und seine Fraktionskollegen in der Wahl- Prüfungskommission für die Gültigkeit der Wahl Wiltbergers gestimmt haben! Danach ist der Wert der bezeichneten Er- klärung zu bemessen. In namentlicher Abstimmung wurde der Antrag der Frei- sinnigen mit 157 gegen 142 Stimmen abgelehnt und die Wahl mit schwacher Mehrheit für gültig erklärt. Zuletzt ward noch beschlossen, Beweiserhebungen über die Wahl v. Massow lKönigsberg 2) anzustellen.— Zur Psychologie des persönlichen Regiments. Die.Germania" druckt aus der Schrift eines offenbar Ein- geweihten,«Unser Kaiser und sein Boll! Von einem Schwarzseher" folgende für die politische VerlehrSformen Wilhelms II. nicht uninteressanten Stellen nach: „Wilhelm II. ist durchaus kein guter Zuhörer. Wohl mag er die ehrliche Absicht haben, zuzulernen, aber der Drang zu erobern, zu bezwingen, die eigene Persönlichkeit auf andere wirken zu lassen, ist in ihm von jeher so stark gewesen, daß seine Räte sehr selten zur Absolvierung eines Bortrages, seine Gäste fast nie zu einer ergiebigen Diskussion mit dem kaiserlichen Herrn kommen. Oft ist der Vor- tragende noch nicht beim dritten Satze an- gelangt, da nimmt der Kaiser selbst das Wort, entwickelt seine eigenen Ansichten über die Materie, die er stets völlig zu be- herrschen glaubt, fragt nur, um fast im gleichen Moment selbst zu antworten, kommt, rasch überspringend, leicht vom Hundertsten ins Tausendste, und hat nach Ablauf der festgesetzten Zeit meist dem Bortragenden eine höchst anregende Stunde bereitet, ihm aber gleichzeitig die Möglich- keit benommen, feiner Jnformationspflicht zu genügen, eine eigene Meinung zu ent- wickeln, Wer dem Gedankengange des Kaisers nicht folgt, wer, wie einer unserer tüchtigsten Staatssekretäre, hartnäckig bei der Stange bleibt und mit einer gewissen Pedanterie immer wieder auf sein Thema zurückzukommen versucht, der gerät beim Kaiser leicht in den Ruf eines„ l a n g w eili g en K ump a n s", eines „ledernen Bureaukraten". Er kann es erleben, daß er monatelang nicht mehr zum Bortrage be- fehlen wird, daß ihn der Kaiser dann schließlich einmal zwar resigniert zum Worte kommen läßt, ohne aber viel hin- zuhören. Wilhelm IL gibt sich in solchen Fällen übrigens keineswegs viel Mühe, seine Teilnahmlosigkeit zu verbergen. Er Pflegt, an die Wand gelehnt, mit seinen Teckeln zuspielen, jagt sie gelegentlich inr Zimmer herum und kommt erst wieder in Laune, wenn die Köter dem „Pedanten" so lange zwischen den Beine ndurch- gelausen sind, bis er schließlich, nervös und verwirrt, selbst den Faden verloren hat, lvorauf er dann allerdings meist ein joviales„Trostwort" des Monarchen mit auf den Heimweg nehmen darf. Ucber de» Verkehr des Kaisers mit dem Fürsten Bülow erzählt der„Schwarzseher":„Mit bewunderungswürdiger Ge- wandtheit versteht es Bernhard Bülow, die Flut der Anregungen einzudämmen, welche sein hoher Gast mitzubringen pflegt und schließlich das herauszuschälen, was sich einigermaßen in den Rahmen der inneren und der äußeren Politik einfügen läßt. In ' stets unterhaltendem Plaudertone gibt der Kanzler dem Monarchen einen Extrakt der eingelaufeneu Meldungen und Berichte, die knapp kommenliert werden, um, wo es not tut, eine kaiserliche Entscheidung zu provozieren. Fürst Bülow weiß. daß er die Geduld seines hohen Gastes auf keine zu harte Probe stellen darf. Es muß daher eine sehr sorgfältige Auswahl aus dem täglich in dem Kanzlerpalais sich häufenden Material getroffen iverden, und wenn Wilhelm II. sich gelegentlich auch einmal in die letzten De- t a i l s einer Frage vertieft, so ist man doch gemeinhin, wie die Dinge nun einmal liegen, in der Wilhelm st raße gar nicht in der Lage, den Kaiser eingehender und umfassender zu orientieren, als die„Fällig- leiten der Stunde" es gebieterisch heischen. Nicht als ob Wilhelm II. mit der Zeit, die er für seinen Kanzler übrig hat, allzusehr geizte. Er ist dem Fürsten Bülow in ritterlicher Freund- schast zugetan. Er freut sich der Unterhaltung mit dem vielerfahrenen, feinsinnigen und sympathischen Weltinanne. Aber im allgemeinen vermögen die recht nüchternen Einzelbeiten der Re- gierungstättgkeit den Kaiser nicht lange zu fesseln. Er ist stets be- reit, in das weite Feld allgemeiner Erörterungen auszubrechen, wo er dann rasch die Erdenschwere des Konkreten abstrerst und auf den Elügeln der Phantasie dahinstürmt, froh, vor aller mformatorijchen leinarbeit geborgen zu sein..,„ „Wenn er mich nur einmal zu sich ausS Schrff einladen wollte!" hat der selige M'guel voll Wehmut geklagt. Aber diese Gelegenheit zu einer intimen Aus- spräche mit dem Kaiser ist ihm nie geworden. Auf diesen Fahrten will der Kaiser sich an ftoher Tafelrunde als Mensch im Freundeskreise fühlen. Hier ist schon mancher Keim ins Herz des Kaisers gepflanzt worden, der ihn dann zu über- raschenden Entschlüssen drängte. Hier ist allzu oft schon der Grund zu einer Ministerherrlichkeit gelegt, über manche auch der Stab ge- brachen worden. Hier entstanden Vertrauensverhältnisse, die später den verantwortlichen Ratgebern schwer zu schaffen machten; hier war der„Punkt außerhalb der Regierung", von dem aus Hoch- strebende gelegentlich sogar versuchten, den ganzen Regierungs- apparat aus den Angeln zu heben." Graf Rede ntlow berichtet, daß fast alle Persönlichkeiten in der Umgebimg des Kaisers sich durch große gesellschaftliche Ge- wandtheit und vor allem durch schmiegsame UnterhaltungSgabe auszeichnen. Der„Schwarzseher" erzählt: Da bekannt ist, daß der Kaiser für einen guten Witz stet? sein frohes herzliches Lachen hat und gelegentlich auch einer kräftigen Anekdote sein Ohr nicht ver- schließt, so liegt die Versuchung nahe, ihn durch allerhand derbe Späße oder durch geistvolle Apercus, durch witzigen Klatsch zu ge- Winnen. Das erstere hat ein viel genannter Ressortnnnister ver- standen, dessen kräftige Nerven auch der schärfften Angriffe auf seine amtliche wie außeramtliche Tätigkeit lange Zeit spotten konnten, als amüsanter Plauderer aber— und als sehr geschickter Zuhörer — hat sich Bernhard Bülow in das Herz seines kaiserlichen Herrn geschmeichelt. Der Weise im Reichsamt des Innern dagegen hat es mit all der gediegenen Arbeit beim Kaiser nur zum Rufe eines „ledernen Pedanten" bringen können." Die„Germania", das führende Organ der gut monarchischen und durch die Gunst Wilhelms II. und seiner Intimen aus- gezeichneten Zentrumspartei, dürfte diese Charakteristik des Trägers der Krone kaum abgedruckt haben, wenn sie nicht Anlaß zu haben glaubte, sie für wohlgetroffen zu halten.-- *• * Deutfchcs Reich. Ein kolonialer Nachtragsetat. Dem Reichstag ist heute ein Nachtrag zum HauShaltsetat für Südwestafrika zugegangen, der die Summe von 29 220 000 M. fordert. In den Erläuterungen zuni Etat wird ausgeführt, daß im Etatsentwurf für 1006 die gesamten Jahresausgaben für Wüst. West auf 02 388 000 M. veranschlagt worden seien. Hiervon seien bewilligt worden 77 000 000 M. Durch die Nachtragsforderungen erreiche der Gesamtetat die Höhe von 106820 000 M., er über- schreite somit die Summe des Etatsentwurfs um 13 932 000 M. Von dem bewilligten Gelde hätten Mitte Oktober noch rund 714 Millionen Mark zur Verfügung gestanden, dieser Betrag reiche noch bis Mitte November; um die Ausgaben bis Ende März 1007, also bis zum Ablauf des Etatsjahrcs zu decken, sei die Nach- forderung notwendig gewesen. Des weiteren wird in den Erläuterungen ausgeführt, daß am I. Oktober 1006 die Stärke der Schutztruppe 12 281 Köpfe betragen habe. Bis Ende März 1907 würden voraussichtlich weitere 4003 Mann heimgesandt werden, so daß dann die Stärke der ge- samten Schutztruppe 8268 Köpfe betragen werde. Diese letzteren Angaben über die Reduktion der Schutztruppc decken sich keineswegs mit dem weiter unten wicdergegebenen In- halt der neuen Denkschrift über Südwcstafrika. Dort rechnet man nur mit Ersparnissen durch Verminderung der Etappentruppen der Linie Lüderitzbucht— Keetmanshoop. Es wird sich noch herausstellen müssen, welche der beiden Lesarten die richtige ist und ob tatsächlich bis zum April des nächsten Jahres auf eine Verminderung der Schuhtruppe auf 8200 Mann gerechnet werden darf.— Keine Truppenverminderung in Südwest? In der dem Reichstage zugegangenen neuen Denkschrift über Südwestafrika ist mit keinem Worte die Rede von jenen erbeblichen Truppenverminderungen, die vor einigen Wochen halb- offiziös angekündigt waren. Danach sollte die Truppenzahl auf 6000—7000 Mann reduziert werden und an Stelle der bisherigen Kampfesmethode gegen die Reste der Hereros und Hottentotten die Schaffung geschützter Zonen treten. Die neue Denkschrift betont demgegenüber, daß man nicht daran denken dürfe, den eigentlichen Krieg für beendet zu erklären und zur Stationsbesetzung überzugehen, da dadurch nur ein neues Auflodern des AufftandeS provoziert werde l Der für die Führung des Krieges allein verantwortliche, am Feinde stehende Truppenbefehlshaber— also Herr Deimling!— sei der Ansicht, daß der Krieg nach der bisherigen Methode zu Ende geführt werden müsse und könne. Röttg sei es vor allen Dingen, die Unterkunft und Ver- pflegung der Truppen besser zu organisieren. Dazu sei un- bedingtes Erfordernis die Fortführung der Bahn von K u b u b biö Keetmanshoop. Sie werde es dann ermöglichen, von dem zahlreichen Personal, das jetzt diesen Etappenweg decke <61 Offiziere und 1360 Manns, den größten Teil zu ersparen und dadurch eine Herabsetzung der Schutztruppe herbeizuführen. Herrn Lindequists Pläne sollen also für absehbare Zett nicht realisiert, dagegen soll in der bisherigen Weise und mit der bisherigen Truppcnzahl der Krieg bis ins Endlos« fortgeführt werden. Die in Südwest stehenden 12 000 Mann wird man allen- falls auf 11000 Mann reduzieren. Dafür soll dann aber die Bahnlinie Kubub-Keetinanshoop bewilligt werden. Man sieht: Herr Deimling besteht auf seinen Bedingungen, die er seinerzeit so „schneidig" im Reichstag vertrat. Zentrum und Freisinn aber werden diesmal aller Voraussicht nach umfallen und alles Geforderte be- willigen I_ Pods Dank. Pod publiziert in der Brot- und Fleischwucherpresse folgenden DankeS-Erlaß: In Verfolg meines Ausscheidens auS dem Staatsdienste sind mir von vielen Hunderten von Landwirten Telegramme lind Briefe zugegangen. Diese Kundgebungen sind vom Herzen gekommen und zum Herzen gegangen, und ich kann nur meinen'ausrichtigsten, tief- bewegtesten Dank aussprechen. Leider fesselt meine Krankheit mich an das Bett, und ich bin verhindert, jedem einzelneu persönlich meinen Dank auszudrücken. Hoffentlich ist meine Genesung nicht zu fem, damit ich bald emcut die Arbeit im Kreise meiner Berufsgenosien zur Förderung der heimischen Landwirtschaft wieder oufnehmcu kann. Frohen Mutes wollen wir der Zukunft enigegenfehen. alle durchdrungen von dem einen Gefühl, daß die Landwirt» fchaft den felsenfesten Eckpfeiler des preußi- fchen Staates bildet. Dallmin, den 15. November 1006. gez. von PodbielSki, Staatsminister. Unter dem„felsenfesten Eckpfeiler" versteht Pod selbstverständlich nicht die Millionen Landproletarier, auch nicht die mehr als drei Millionen Kleinbauern, die nur bis zu zwei Hektar Land besitzen und von der agrarischen Wucherpolittk nicht den mindesten Vorteil haben, sondern in erster Linie die Landjunker, deren 38 vornehmste Repräsentanten zusammen 252000 Hettar Land ihr Eigen nennen. also soviel wie eine Birrtelmillion Kleinbauern. Pod selbst freilich begnügte sich nicht mit den Erträgnissen seiner Großschweinezucht und Milchpantschcrei. für ihn bUdeten die Ein- nahmen aus der Kolonialwucher-Firma Tippelskirch den stärkeren Eckpfeiler seiner Finanzen I Trotzdem verbindet Pod auS altem Sippengefühl mit seinem Dank an die trauemden Jtzenplitze den geharnischten Protest gegen jede Maßnahme zur Linderung der agrarischen VolkZauShuugcrung. Einstweilen braucht er übrigens nicht einmal darum besorgt zu sein, daß in dies sein glorreiches Werk Bresche gelegt werde. Denn von irgendwelchen ernstlichen und wirksamen Maßnahmen gegen die Fleischnot lasse, die Regierung noch nicht daS geringste verlauten. Dafür scheint sie auf der Suche zu sein, um an Stelle des getippelten Pod einen Reaktionär und Agrarier des gleichen Kalibers zu bekommen. So soll nach der Meldung der„Rheim-Westf. Ztg." der konservative Reichs- ulid Landtags-Abgeordncte v. Heydebrand und der Losa als Nachfolger Pods in Aussicht genonunen gewesen sein. Heydebrand habe jedoch das Angebot abgelehnt. Der Protest gegen den Lebensmittelwucher. Die gestern gemeldete Eingabe der Bergarbeitcrorganisationen an den Reichstag hat folgenden Wortlaut: Bochum, den 10. November 1006. Hochgeehrter Herr Abgeordneter! Schon seit mehr als Jahresfrist herrscht in allen Gebieten Deutschlands nicht nur eine kolossale Teuerung des Fleisches und der Fleischwaren, sondern auch die anderen Lebensmittel sind so im Preise gestiegen, daß mit den jetzigen Löhnen nicht mehr aus- zukommen ist und viele notwendige Bedürfnisse in der Arbeiterfamilie keine Berücksichtigung finden können.' Namentlich in den meist ganz dicht bevölkerten Bergbaurevieren, wo fast durchgängig und stets die Lebensmittel etwas höher im Preise stehen als selbst in großen Städten, ist die Erhöhung der Lebensmittelpreise im letzten Jahre so drückend, daß bei normaler Arbeitszeit und Schichten- zahl die Familie eines im Bergbau tätigen Arbeiters nicht mehr auskommen kann. Die Herren Werksbesitzer erklären durchgängig auf die Lohn- forderungen der Arbeiter, daß sie die Löhne nickt so steigern könnten als die Lebensmittel im Preise gestiegen sind. Auch die„Bergwerks- zeitung" schrieb in ihrer Nummer vom 9. September d. I.,«daß die Preise für die notwendigsten Lebensmittel eine solche Höhe er- reicht haben, die man für die weitesten Schichten des Volkes als unerschwinglich bezeichnen darf. Das ist leider keine Redensart, sondern ein ganz ttauriges Faktum, und die Judusttie, die heute eigentlich die Nährmutter des Volkes ist, kann trotz allen An- strengungen und bei den größten Opfern nicht so ergiebig gemacht werden, daß sie die Löhne und Gehälter auf eine Stufe brächte, die einen Ausgleich gegen die Preise der Lebensmittel bedeutete. Die ergebenft Unterzeichneten wurden von einer am 9. November in Essen tagenden Konferenz der Vorstände der fünf Bergarbeiter- Verbände Deutschlands, welche 220 000 organisierte Bergarbeiter vertteten, mit denen aber auch die Nichtorganisierten fast aus- nahmSlos sympathisieren, an den hohen Reichstag und die Reich»- regierung eine Eingabe zu richten und selbige zu ersuchen, daß schleunigst durch Beschlüsse Mittel und Wege beschritten werden, um eine Verbilligung der Lebensmittel, ganz besonders aber der Fleisch« preise herbeizuführen. Indem wir uns hiernsit dieses Auftrages erledigen, bitten wir Ew. Hochwohlgeboren, diesein Ersuchen entsprechen und im Reichs- tage tunlichst bald im Sinne der Gesuchsteller wirken und stimmen zu wollen. Es zeichnen ehrerbietigst: Der Borstand des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands H. Sachse, Vorsitzender. Der Vorstand des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter Deutschlands. H. Köster. Vorsitzender. Der Vorstand der polnischen Berufsvereinigung. A. Sosinski, Vorsitzender. Berein zur gegenseitigen Hülfe, Bcuthen O.-Schl. Krolik, Vorsitzender. Der Vorstand des Gcwerkvereins der Bergarbeiter Deutsch! H.-Duncker. B. Hammachcr, Vorsitzender. Prot« st Versammlungen fanden statt in den schleSwig- holsteinischen Orten Langenfelde bei Hainburg, in Itzehoe, in Lägerdors und Heide, femer in Duisburg, Solingen, Gera und Kasse! Aus Köln wird uns vom 16. November telegraphiert: Vier Protestversanimlungen in Köln und Vororten, sämtlich massenhaft besucht, nahmen die Resolution einstimmig an. Die„eine Schwalbe". Genosse I a u r ö S verwahrt sich in einer Besprechung der B ü l o w- R e d e in der„Humanitö" dagegen, die „eine Schwalbe" zu sein, die in Frankreich für eine Annäherung an Deutschland eingetreten fei. Er stehe mit seinem Streben in Frank- reich keineswegs allein. � Gegen eine Politik des„Ein- brechens Deutschlands" durch ein AuSlandSbündniS, an dem Frankreich beteiligt sei, eine Politik, die Bülow als eine ernste Ge- fährdung der intemationalen Beziehungen bezeichnet habe, werde auch er mit aller Entschiedenheit eintreten.— Die lahme Ausrede von der Schwalbe, die'noch keinen Sommer mache, könnte ein französischer Minister ebenso gut auf Deutsch- land anwenden. Ist es doch auch hier nur„eine" Schwalbe des sozialdemokratischen Deutschland, die nicht nur die Friedensliebe durch schöne Worte be- teuert— diese wohlfeile Art der Friedensbetättgung übt ja jeder Diplomat und jeder Spießer in ganz Europal— sondem» auch durch Bekämpfung der unheilvollen Rüstungen Beweise ihrer Friedensliebe erbringt.—_ Das Zentrum macht alles! In Bochum hat das Zentrum bei den Stadtverordneten» wählen der dritten Abteilung mit den„Liberalen" eine Liste gebildet, aus der ein christlicher Gelverkschaftssekretär an der Seite von Vertretern des scharfmacherischen Zechen- und Hütten» kapitals prangte. In Düsseldorf haben die Schwarzen es noch feiner angefangen. Unter den Zcntrumskandidatcn der dritten Klasse befand sich auch der christliche Gewcrk- s ch a s t s f ü h r e r S ch i ff e r s, der für die Dienste, die er beim� Kampfe um den Zolltarif dem brotwuchernden Zentrum geleistet, besonderen Lohnes wert war. In der zweiten Klasse, Ivo das Zenttum auf das Krämer- und Krautertum an- gewiesen ist, setzte es auf seine Liste den Schlosser- m ei st er Kriegers, Generalsekretär der Mittelstands» Vereinigung und Führer der kleinen Scharfmacher in Rhein- land und Westfalen. Kriegers hat bisher bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegem die chpistlichenGewcrk- s ch a f t e n gewettert, hat noch vor vier Jahren ver- kündet, daß die Christlichen schlimmer als die Sozialdemokraten seien, und noch vor zwei fahren erklärte er achtzig Prozent der Streiks für frivol! Und den Mann sendet das Zentrum in das Düsseldorfer Rathaus! Schiffer, der christliche Gewerkschaftsführer und Kriegers, der geschworene Feind der christlichen Gewerkschaften— Arm in Arm als Vertreter deS Zentrums im Stadtparlament! Wer zweifelt nun noch, daß die aus- gleichende Gerechtigkeit ihre Erfüllung gefunden, hat und das Zentrum bestrebt ist. die Interesse» aller Klassen. Stände und Berufe zu vertreten?—_ Worte, Worte, Worte...! Abermals findet die. K ö l n i s ch e Z e i t u n g" den Mut z» einem Artikel voll entschiedener Worte. Die ReichstagSredcn vom Mittwoch, so meint das Blatt, verdienten im Volke nicht nur ge- lesen, sondern auch im Gedächtnis behalten zu werden. Bülow« Worte feien zwar gut und schön, aber den Worten entsprächen nicht innner die Taten, denn es seien in der deutschen Polittt Einflüsse am Werke, die den Eindruck solcher Worte abschwächten. Auch im Auslände fetze fich die Meinung fest, dcff unsere Worte größer seien als unser Können und unser Wille zur Tat. Um nach außen zu wirken, sei aber vor allem in der inneren Politik der Hebel anzusetzen, denn es gehe ein Gären und Brodeln durch die öffentliche Meinung in Deutschland, wie es seit lange nicht verspürt worden sei. Sodann schreibt das nationalliberale Blatt: „ES ist kein Zufall, daß Erinnerungen wachgerufen werden an die Zeiten des verflossenen Bhzanz, daß der „SimplidssimuS" in Blüte steht, daß das Gerede von dem abso- lutistischen Regiment durch die Lande geht und in den Blättern aller Schattierungen die Vorzüge und Nachteile des parlamen- tarischen Regierungssystems erörtert werden. Das Heer der Schwarzseher schwillt an von Tag zu Tage und mit Worten allein wird der Pessimismus sich nicht aufhalten lassen, seinen Weg weiter zu gehen bis zur Erbitterung und Verbitterung... Die Rede des Reichskanzlers zeigt, daß die Stimme der Unzufrieden- heit cnr sein Ohr gedrungen ist, daß er weiß, wie man in allen Kreisen sinnt und trachtet, ob und wie man den unheilvollen Verhältnissen, denen wir zutreiben, vorbeugt, wie der Zer- s e tz u n g g e st e u e r t werden kann. Auch ihm ist offenbar bekannt, daß laut und leise die Rede geht, wenn das Uebel weiter greife, müffe am Ende daran gedacht werden, ob nicht durch eine Verfassungsänderung Abhülfe gesucht werden müffe, denn auch der Reichskanzler hielt es für nötig, eine Kritik des parlamentarischen Regierungssystems, an unseren Zuständen gemessen, einfließen zu lassen." Das Blatt findet, daß bei der Auswahl der Männer, die uns zu regieren berufen find, nicht immer und allein das Maß von Tüchtigkeit und Fähigkeit entscheide. Die„Kölnische Zeitung" fordert Vertrauen um Vertrauen und rät, mit einem System im Annern zu brechen, das die Zersetzung fördert und die Einigung hindert, dann werde die Kräftigung unseres staatlichen Organismus sich auch nach außen geltend machen. Der Artikel schließt: „Pflicht der Volksvertreter aber ist es, sich und die Verhält- nisse darauf zu prüfen, ob sie der Regierung noch Ver- trauen schenken und sollten sie diese Frage verneinen müssen, die Bedingungen genau zu formulieren, unter denen die von der Verfassung eingesetzten Faktoren weiterhin eine für Volk und Reich ersprießliche Arbei leisten können. Auch der großen Worte, mit denen die Vertreter des Volkes so oft durch die Fenster des Reickshauses zu uns reden, beginnt man im Lande nachgerade überdrüssig zu werden: man dürstet nach Taten, nach lebendigem Handeln gerade in unserer inneren Politik und verlangt, daß man, wenn es denn sein muß, aus den Worten die letzten parlamentarischen Konsequenzen mit dem Stimmzettel zieht." Wir fürchten, daß die Nationalliberalen an demselben Fehler leiden, den die„Kölnische Zeitung" an den Vertretern der Regierung bemerkt hat: an den großen Worten und den mangelnden Taten. Das Bürgertum ist gegenwärtig in derselben Stimmung, wie vor dem die Agrarier, als sie, um ihre Forderungen durchzudrücken, ebenfalls mit den„letzten Konsequenzen" durch den Stimmzettel drohten und nichts Geringeres in Aussicht stellten, als unter die Sozialdemokraten zn gehen. Diese Sorte von Politikern wird oppo- iitionell nicht aus Liebe zur Freiheit, sondern aus Futterneid, aus Parteiintercsse, weil sie gegen andere zurückstehen müsse». Ihr oppositioneller Groll schwindet, wenn sie wieder oben und die midcren unten sind. So hat es ehemals das Zentrum gemacht, das jetzt Regierungspartei ist, und so machen es jetzt die National liberalen, die sich durch die Agrarier und Klerikalen in den Hinter- grund gedrängt sehen, wobei sie nickt bedenken, daß gerade sie durch ihr würdeloses Verhalten bei den Wahlen das meiste getan haben, die junkerlich- pfäffische Reaktion zu stärken. Tie Nationalliberalen können sich nicht beklagen, wenn man ihre jetzigen stolzen Reden und Artikel für eitel Wmdbeutelci hält.— Russendieitste? Unter dieser Spitzmarke machte unser Düffel- dorfcr Parteiblatt Mitteilung von der Inhaftierung zweier R up s e n in dem Kantonncmentsgefängniffc zu Anrath. Diese beiden Ruffen befanden sich am 17. September in M.-Gladbach auf der Durchreise, als sie dort verhaftet wurden. Sie haben verlangt, nach Belgien oder Frankreich ausgewiesen zu werden, doch wurde ihrem Verlangen nicht stattgegeben. Vielmehr soll die Behörde die Beiden»ach Rußland auszuliefern beabsichtigen. Die Verhafteten sind russische Schriftsteller mit Namen Riachlin und Winkler und »verde» von Pußland her verfolgt wegen Verbreitung sozialistischer Schriften. Unser Düffeldorfer Parteiblatt ist der Meinung, daß der deutsche Reichstag sich wieder einmal mit der Russenschmach beschäftigen müsse, es werde dann wohl Aufklärung über diese Angelegenheit geschaffen.— Ein Rekord agrarischer Unverfrorenheit. Indem„Holsteiner Boten", dem amtlich subventionierten Kreisblatt für den Kreis Steinburg, einem ultra-agrarifchen Blättchcn, war dieser Tage fol- gender Erguß zu lesen: Den Vertretern der Regierung aber wünschen wir vor allem starke Nerven, damit sie dem Toben der Umsturzleute und ihrer bürgerlichen Gesinnungsvcrwandtcn in Sachen der so- genannten Fleischnot und anderen Dingen unerschüttert Stand zu halten vermögen. Es ist nicht die Meinung des»vabrcn Volkes, die in diesem Toben zum Ausdruck kommt, sondern allein das selb st süchtigeBegehren zusammengewürfelter Großstadthaufen, die unter der Führung größtenteils stammesfremder Elemente stehen. Geht man dem Zauberspnk kräftig zu Leibe, dann zerfließt er wie eitel Seifenschaum. Daß dies geschehen möge, das ist der sehnliche Herzenswunsch des gosamten patriotisch gesinnten TeUes der Bevölkerung— und dieser bildet, Gott sei Dank, doch noch die»veitaus überiviegende Mehrheit in Deutschland. Die reaktionäre Unverschämtheit, die einst das Wort von dem „skrophulösen Gesindel" prägte, bringt es also auch' heute noch fertig, dem Proletariate ähnliche Zynismen ins Gesicht zu speien!— Zu dem Gesetzentwurf betreffend Sicherung der Baufordernng hat die sozialdemokratische Fraktion einen von Bömelburg und Ge- Nossen unterzeichneten AbänderungSantrag eingebracht, in ivelchem unter anderen unzuverläßlichen Personen der Gewerbebetrieb als Bauunternehmer und Bauleiter untersagt wird. Ferner iverden ge- fordert, durch Aenderung der Gewerbeordnung§ 139», verschiedene hygienische Vorschriften. Schutzvorrichtungen, Einsetzung von Gesundhcitskommissioncn, besondere Äaupolizeibehörden und Bau- kontrollkommissionen unter Zuziehung von Vertrauensleuten aus den Reihen der Arbeiter. Die Mitglieder der Gesundheits- unW der Kontrollkommission sollen vom Staate besoldet werden.— Husland. Ungarn. Das allgemeine Wahlrecht in Gefahr?! Wie das allgemeine Wahlgesetz beschaffen sein wird, weiß man noch immer nicht. Herr Weierle hat wieder viel versprochen aber nichts g e s a g t I Denn seine Aeußerung, daß das allgemeine Wahlrecht auf„moderner, den Ansprüchen der demokratischen Idee entsprechender Basis" und„mit Einbeziehung all' jener Elemente" verwirklicht werden soll,„welche hierzu befähigt und berufen sind", ferner„daß die Regierung jedenfalls den magyarischen nationalen Charakter des Staates zu wahren wissen wird" und „daß der souveräne Volkswille, nicht aber der Wille einzelner Agitatoren zur Geltung gelange", all' diese An- deutungen lassen darauf schlichen, daß die chauvinistische Regierung an einen ehrlichen Vollzug dieses bedeutenden Gesetzes nicht denkt. Im Gegenteil— ein neuer Verrat schein in Sicht zu sein. Unsere ungarischen Genossen einerseits, die parlamentarische Gruppe der Nationalitäten andererseits stehen kampfbereit auf der Hut. Das ganze Land wird durch Flugschristen auf die bevorstehende Gefahr vorbereitet. Ob der Regierung ihr neuestes Attentat gelingt, das wird sich nun bald zu entscheiden haben.— Schweiz. Die Väter der Zuchthaus-Jnitiative. Zürich, 14. November.(Eig. Ber.) Die Untersuchung der näheren Umstände, unter denen die be- rüchtigte Zuchthausinitiative das Licht der Welt erblickte, durch die Direktion des Innern in Zürich hat ergeben, daß von den „Komiteemitgliedern" 27 ihre Zustimmung ausdrücklich abgelehnt haben, 16 gaben unbestimmte Antworten und nur 39 st a n d e n dazu. Als Mitglieder des engeren Komitees wurden ermittelt die sozialistenfresserifchen, arbeiterfeindlichen Erzreak- tionäre und Oberscharfmacher Advokat Dr. Rosenberger, General- sekretär Baars-Jeghcr und Baumeister Vorstobel(besoldeter Scharsmachersekretär des Bürgerverbandes). Von den 21 859 Unterschriften der Zuchthausiniative mußten 3222 für ungültig erklärt werden. Handelte es sich um eine sozialdemokratische Jni- tiative, so wäre sie durch solche Enthüllungen bereits völlig ver- nichtet. Die rcaktionär-bürgerliche Zuchthausinitiative lebt jedoch noch. Unsicher ist ihr Schicksal immerhin, und wir wünschen ihr das verdiente schmähliche Ende.— Frankreich. Biviani vor dem Senat. Paris, 16. November.(Senat.) Zur Verhandlung stehen die Kreditforderungen für das neue Ministerium der Arbeit und für den Posten eines Unterstaatssekretärs im Kriegsministerium. General de Lamarzelle bekämpft die Bildung dieses neuen Ministeriums, aber nicht an sich, sondern nur, weil den Aus- führungen des Ministers Viviani in der Kammer zufolge damit die französische Politik ihren Schwerpunkt nach dem Sozialismus hin zu verlegen beginne, der weder von der großen Mehrheit des Senats noch vom Ministerpräsidenten selbst gebilligt werde. Redner sagt: Viviani huldige— entgegen den radikalen Anschauungen Clemenceaus— kollektivistischen Theorien und sei,»venn er auch Gewalttätigkeften zurückweise, ein Anhänger der Teilung des Be- sitzes.— Als de Lamarzelle dann auf die Gewalttaten der russischen Revolutionäre zu sprcchmr kommt, wird er von Leydet(radikal) unter- brachen, der ruft: in Rußland finde sich die Gewalttätigkeit auf feiten der Regierung! Lamarzelle erwidert. Gewalttätigkeiten würden auf beiden Seiten begangen. Viviani habe zur An- Wendung von Gewalt geraten, wenn das Volk der Stärkere sein werde. Der Redner bekämpft dann die atheistischen Theorien Vivianis und sagt weiter, der von Viviani empfohlene Kollek- tivismus werde alle Welt arin machen und den so arin Gemachten auch noch den einzigen Trost rauben, nämlich den, den die Religion biete. Lamarzelle schließt, die von Viviani in der Kammer ge- haltene Rede werde viele Leute hindern, der liberalen Rede des Ministers Briand zu trauen. Rivct(radikal) greift die Katholiken an, die die ihnen gewährte Freiheit falsch beurteilten. Die radikale Partei werde für die Schaffung des Ministeriums der Arbeit stimmen.— Prebet (Progressist) spricht über die dem neuen Ministerium zu über- tragenden Befugnisse. Darauf ergreift Arbeitsministcr Viviani das Wort.— Rumänien. Ein Ministcrwcchscl hat sich kürzlich auch im rumänischen Kabinett vollzogen. Der Minister des Kultus und Unterrichts, Wladicescu, trat aus dem konservativen Kabinett aus. Seinen Posten übernahm der Dichter und Schrifffteller C. G. Disescu, der im Jahre 1899 das Portefeuille des Justizministeriums innehatte.— Die Llmdarbeitergenossenschaften sind in Rumänien im Auf' schwung begriffen. Zur Zeit existieren deren 37, und 11 neue sehen ihrer Gründung entgegen. Die Genossenschaften setzen sich die Auf- gäbe, staatliche oder Privatgüter zu Mieten und zu bearbeiten. Die 37 Genossenschaften haben 4663 Mitglieder und 41 437 Hektar Land, für das sie eine Rente von etwa 1 299 999 M. ausbringen. Die größte Genossenschaft zählt 543, die kleinste 19 Mitglieder. Die höchste Miete(zirka 141 999 M.) wird für 8543 Hektar von einer Genossen' schast gezahlt, der 213 Mitglieder angehören.-- Afrika. Pretoria, 15. November. Botha. Der Oberkommissar für Süd- afrika, Earl of Sclborne, hat in einem Antwortschreiben an General Botha diesem für das Anerbieten der Hülfeleistung gegen Ferreira seinen Dank ausgesprochen und dabei betont, daß er stets die llebcr- zcugung gehabt habe, daß Botha das Unternehmen Ferreiras nicht billige. Brasilien. Rio be Janeiro, 15. November. Das Kabinett des neuen Präsidenten Alfonso Penna ist folgendermaßen zusammengesetzt: Baron Rio-Branco Auswärtiges. Taveres de Lyra Inneres und Justiz. Morefzhon Campista Finanzen. Marabu! da Fonseca Krieg. Kontre-Admiral de Lilencar Marine. Calmondupin c Almeida Industrie und öffentliche Arbeiten.— General Antonio de Souza Aguiar ist zum Präfekten von Rio ernannt worden. Die gesamte Presse zollt dem früheren Präsidenten Rodriguez für das während seiner vierjährigen Amtszeit vollbrachte große Werk des Fortschritts Anerkennung. Hiiö der Partei. Die Preußen-Organisation und die Parteiprcsse. Eine größere Debatte über dqn Entwurf einer preußischen Landesorgauisaiion. den der Vorort Berlin der parteigcnössischen Ocffentlichkeit unterbreitet hat, hat sich bis jetzt in der Presse nicht entsponnen. Nur in wenigen preußischen Partciblättern ist der Entwurf besprochen und kritisiert worden. Die uns bisher bekannt gewordenen Forderungen auf Abänderung deö Entwurfs betreffen vornehmlich zwei Punkte. Einmal wird eine größere V e r s e l b st ä n d i g n n g der preußischen Organisation durch Schaffung eines mit besoldeten Sekretären versehenen Landes- ausschnsseS angestrebt, andererseits wird die Anwendung deö Pro- p o r t i o n a l s y st e m s bei der Wahl der Delegierten zum preußi- schen Parteitag bemängelt. Der Frankfurter„ V o l k s st i m m e" ist die vorgeschlagene Form der Organisation zu lose. Sie schrieb: Vorgeschlagen ist also eine sehr lose Form der Zusammen- fassung der preußischen Parteikräfte: statt emes Landesverbandes nur eine Laudeskommission für die Spitze und zweijährige Landeskonferenzen. Wenn diese Fonn von den Genossen für hinreichend erachtet»oird, so bringt sie Ivenigstens endlich eine Beteiligung der preußischen Provinzen an der Parteileitung da- durch, daß jede Provinz einen Vertreter dorthin entsendet.... Hauptfrage bleibt... die lose oder die straffere Organisation durch Landesverband oder bloße Landeskommission. Darin möchten wir dein Urteil der Genoffen nicht vorgreifen.... In der Magdeburger„Volks stimme" wendet sich mr. gegen die Anwendung des Proportionalsysteins bei den Delegierten- wählen: sie sagt darüber: Wenn man hier geltend macht, daß Kreise, die mehr Mit- glieder haben, auch mehr zu sagen haben müssen, so ist das ein Gedanke, der viel eher an ein Zensus wahlrech t, denn an das Proporsionalwahlrccht erinnert. Gewiß, in den Großstädten sind die Wahlvereine größer wie in den ländlichen Kreisen. Das kommt davon, daß dort die Organisierung der Maffen um ein Vielfaches leichter ist, und vor allem profitieren ja die groß« städtischen Kreise von dem Umstand, daß heute noch die Wahlkreis» Einteilung vom Jahre 1868 besteht. Ein Kreis, der 699 999 Ein« wohner hat, kann natürlich viel eher 39 999 Mitglieder organisieren, als ein Kreis mit 69 999 Einwohnern 1999, und er kann daher auch leicht mehr Geld an die Parteikasse abliefern. Daß jener, der mehr bezahlt, deshalb auch mehr Rechte haben soll, ist aber ein Gedanke, der jeder Demokratie fremd sein muß, einen anderen Vorzug haben die Kreise mit den starken Mitgliedschaften aber nicht... Diese Ausfiihrungen klingen uns für ein sozialdemokratisches Blatt sehr befremdlich. Die Sozialdemokratie ist eine demokratische Partei, gegründet auf das Majoritätsprinzip. Das wird aber um- gestoßen, wenn der größeren Anzahl von Parteigenossen nicht mehr Einfluß auf die Geschicke der Partei zusteht, als der kleineren. Anders steht es mit dem Hinweis, der in dem Artikel der Magde« burger«Volksstimme" der obigen Stelle folgt, daß nämlich die schwächeren Kreise mehr denn die stärkeren die Belebung der Agitation notwengig haben, die mit Delegiertemvahlen und der Berichterstattung über den Parteitag verbunden ist. Gewiß, aber gerade beim Proportionalwahlsystem ist für eine ausreichende Be« rücksichtigiiiig der schwächeren Kreise gesorgt. Beachtenswert ist die Einwendung des Artikels, die Gliederung der LandeSkommission nach Provinzen sei nicht zweckmäßig, da innerhalb der Provinzen oft verschiedene Bezirksverbände be- stehen, die nur eine sehr lose Verbindung unter einander haben. Den Landesausschuß wünscht man möglichst selbständig, doch müsse selbstverständlich der deutsche Parteivorstand darin Sitz und Stimme haben. Die„Märk.ische Volks stimme"(Forst) erklärt sich in den Hauptstücken mit den Forderungen des Genossen Arons einverstanden, die er zu der Frage im„Vorwärts" veröffentlichte. Doch ist sie gegen das Proportionalsystem. Einverstanden ist dagegen mit dem Proportionalwahlsystem die Breslau er., Volksmacht". Sie ist auch für die Vertretung der Provinzen in der Landeskommission, fordert aber im Gegensatz zum Entwurf, daß die Mtglieder der Kommission nicht von der Landeskonferenz sondern von den Provinzen selbst gewählt werden. Die„Freie Presse"(Elberfeld) schreibt: Der Organisationsentwurf genügt auch uns nicht, indessen vennögen»vir uns den Vorschlägen des Genossen Arons, obwohl sich unsere Kritik in der Hauptsache in der Richtung bewegt, die Genosse Arons verfolgt, nur zum Teil anzuschließen. Wir werden auf die Sache zurückkommen. Gcmeindrwahlen. Bei den Gemeinderatswahlen in Leukersdorf bei Chemnitz lvurde in der Klasse der Un« ansässigen ein Sozialdemokrat gewählt. Bei der Stadtverodnetenwahl in Oelsnitz iB. wurden sechs ,Ordnungs"leute und ein Sozialdemokrat gewählt. Zwei andere Parteikandidaten unterlagen. Unsere Genossen brachten es auf 382, die Gegner bis auf 472 Stinimen. Aus Gera wird vom 16. November telegraphiert; Bei den gestrigen Stadtverordnetenwahlen hatten die Sozial- demokraten fünf Sitze zu verteidigen; sie verloren drei. Die ver« einigten bürgerlichen Parteien errangen von 13 Sitzen 11. Bon den Organisationen. Auf einer Wahlkreiskonferenz des Wahlkreise? Ohlau-Strehlen-Nimptsch(Schlesien) tvurde berichtet, daß im Kreise die Breslauer„Bolksloacht" in 795 Exemplare» gehalten wird. Politisch organisiert sind 264 Genossen. Mißbilligung hat die„ L e d e r a r b e i t e r- Z e i t u n g", das Organ des Lederarbeiter-VerbandeS durch ihre P r e ß kommissio n erfahren Ivegen ihrer auch von uns kürzlich gestreiften schmutzigen Angriffe auf die„Leipziger Volkszeitung'. In der be- treffenden Resolution der Preßkommisfion, die in der letzten Nummer der„Lederarbeiter-Zeitung" veröffentlicht wird, heißt es: Ferner protestiert die Kommission gegen die fortgesetzten An- griffe auf die Partei und die Parteipresse. Insbesondere in der letzten Nummer unserer Zeitung, wo die„Leipziger VolkSzeitung" in ganz schmutziger Weise— ü la Rexhäuser— heruntergemacht wurde. Schweizer Personalien. Genosse Karl Marr in Bern, gegen- wärtig Redakteur der„Berner Tagwacht", tritt am 1. Dezember von dieser Stelle zurück, um den neugeschaffenen Posten eines kantonalen sozialdemokratischen Parteisekretärs in Bern zu übernehmen. Als Nachfolger des Genossen Emil Hauth in der Redaltion des Züricher„Lolksrecht" wurde Genosse Hermann Schlatter, Redakteur des sozialdemokratischen„Echo vom Rheinfall" in Schaff- hausen, aetväblt. polizeiticbes, OerichtUchea ukw. Strafkont» der Presse. Genosse Franke von der Dort- munder„Arbeiterzeitung" wurde vom Schöffengericht zu Dortmund wegen Beleidigung der Martener Gemeindevertretung zu 75 Mark Geldstrafe verurteilt. Die„Arbeiterzeinmg" hatte Kritik geübt, daß die Gemeinde Marten einen Straßenarbeiter, der nirgends inehr Arbeit finden konnte, entließ und damit ins Elend stürzte. Gesuche um Wiederanstellung wurden zurückgewiesen, dagegen Leute, die der Gemeinde nicht angehörten, eingestellt. Ob das Dortmunder Gericht der Meinung ist, daß eine Gemeindevertretung überhaupt nicht kritisiert werden darf? Der bekannte Amtsanwalt v. Dewitz- Kebs hatte Genossen Franke sechs Wochen Gefängnis zugedacht. Ein Freispruch bestätigt. Die Gesetze über die Arbeiter- Versicherung sollte Genosse Rauch vom„ V o lks willen" in Hannover durch Entstellungen in einem Artikel verächtlich ge- niacht haben(§ 131 Str.-G.-B.), den er als Erwiderung auf ein Wahlflugblatt der nationalliberalen Partei gelegentlich der Reichs- tagSnachwahl in Hannover veröffentlicht hatte. Das Landgericht Hannover hat am 17. Juli daS Verfahren gegen ihn eingestellt, da nur eine Kritik der Gesetze vorliege und im übrigen eine Be- leidigung der Verfasser deS Flugblattes, die aber nicht bestraft »verden könne, weil ein Strafantrag nicht vorliege.— Die gegen das Urteil vom Staatsanwalt eingelegte Revision wurde am Freitag vom Reichsgericht verworfen. Sozialeo* Ter Konflikt in der Berliner Orts-Krankenkasse der Töpfer, der seine Ursachen in der vor einigen Wochen gemachten A m t S- enthebung von vier Vorstandsmitgliedern der Arbeitnehmer hat, führte am Dienstag zu einer imposanten Kundgebung der Kassenmitglieder zugunsten der Gemaßregeltcn. Es fand nämlich eine Delegierten-Ersatzwahl zur Kasse statt, die diesmal eine doppelt so starke Beteiligung aufwies wie früher, Tie Liste des Töpfervcrbandes ging denn auch glatt durch. Samt- liche 44 Delegierte wurden mit 548 Stimmen gewählt. Die Wahl Versammlung nahm sodann einstimmig folgende Resolution an: „Die in der heutigen Versammlung erschienenen Mitglieder der Orts-Krankenkasse des Töpfergewerbes können sich niit der Auf- fassung der Aussichtsbehörde, betreffend die Amtsenthebung der vier Vorstandsmitglieder John, Huhn, Wolfs und Hinz, nicht ein- verstanden erklären. Die Versammelten sind der Meinung, daß eine zeitweilige Aufhebung der Mitgliedschaft kein genügender Grund für eine Amtsenthebung der Vorstandsmitglieder sein kann, da das Statut die Amtsdauer ausdrücklich aus zwei Jahre fest- gelegt hat und auch das Gesetz keine Handhabe gibt, daß das Vor- gehen der Aussichtsbehörde als gerechtfertigt angesehen werden kann. Es wäre dann unmöglich, geregelte Zustände in der Kasse herbei» zuführen, da durch die fortwährende Fluktuation im Töpferberufe fast allmonatlich das Arbeitsverhältnis gelöst werden mpj� Mithin ftäte alle Monat eine Erganzungswahl des Vorstandes und somit die Einberufung einer Generalversammlung notwendig. Es kann dies wohl nicht im Interesse der Kasse liegen, ganz zu schweigen von den Ausgaben, die die Kasse zu tragen hätte. Die Ver- sammelten erhoffen daher einer alsbaldigen Aufhebung der Ver- fügung vom 11. August d. I. engcgcnsehen zu können." Hinsichtlich des Streites zwischen dem Kassenvorstand und dem Rendanten, der am 1. Oktober entlassen wurde, hat sich jetzt herausgestellt, daß der Entlassene verschiedene Unregelmäßigkeiten zum Schaden der Kasse begangen hat. So beliebte es ihm z. B.. den Mitgliederbestand in mehreren Quartalen um 800 bis 1000 zu hoch anzugeben. Dadurch erwuchs der Kasse in einem Quartal an den„Verein Berliner Kassenärzte" allein schon eine nutzlose Mehrausgabe von nicht weniger wie 875 M.. weil die Kasse pro Kopf und Quartal ihrer Mitglieder an den Aerzteverein vertraglich 87 � Pf. zu zahlen hat. Bisher war diese unrichtige Angabe des Mitgliederbestandes dem behördlichen Revisor, Herrn Magistratssekretär Engel, noch stets entgangen, bis er jetzt darauf aufmerksam gemacht wurde. Außerdem hat der Rendant •ro A�stzahler jahrelang nur zwei Drittel des Beitrages, nämlich .-l" Sczalstt, während er den vollen Beitrag von 1,03 M. zu • rm e" l�ber diese Punkte ist von der Behörde bereits ein Reviponsprotokoll beim Vorstand eingegangen. Ob noch andere -oersehlungen nachzuweisen sind, wird die weitere Untersuchung er- geben. Bemerkt sei, daß der Rendant annähernd 18 Jahre in semem Amt war und nicht Arbeitnehmer, sondern A-opser meist er und zweifacher Hausbesitzer ist. 6cwerfcrcbaftUchcf*. Kann die Polizei einer Gewerkschaft die Fassung des Statuts vorschreiben? Sergtsd)■©ladbach hatte sich ein Zweigverein des christlichen Metallarbeiterverbandes gebildet, der nach dein Statut die Möglichkeit hatte, Frauen aiifzunehinen, und solche auch aufnahm. Da nun der Verband zur Durch- fuhrung seines Zweckes, die Lage der Mitglieder zu heben, auch das Mittel der Beeinflussung der Gesetzgebung(des Parlaments usw.) in Aussicht genommen hat, so nahm die Polizeiverwaltung an, daß es sich um einen politischen Verein gemäß§ 8 des preußischen Vereins- g e setzes handele, dem Frauen nicht als Mitglieder angehören dürften.- Sie schritt aber nicht wegen Ueber- tretung des§ 3 des Gesetzes ein, sondern ver- langte vom Vorstande, daß er ihr ein Statut einreiche, das „den gesetzlichen Vorschriften entspreche", das heißt, welches Jbie Mitgliedschaft von Frauen ausschließe". Mit anderen Worten, die Polizei verlangte eine Aenderung der Statuten und die Einrcichung des geänderten Statuts. Als der Vorstand dem nicht nachkam, wurden die fünf Vorstandsmitglieder(Sträßer und Gen.) wegen Ueber- tretung des � 2 des Vereinsgesetzes angeklagt, Ivelcher be- stimmt:„Die Vorsteher von Vereinen, welche eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecken, sind verpflichtet, Statuten des Vereins und das Verzeichnis der Mitglieder binnen drei Tagen nach Stiftung des Vereins und jede Äendc- rung der Statuten oder der Vereinsmitglieder binnen drei Tagen. nachdem sie eingetreten ist. der Ortspolizei zur Kenntnisnahme einzureichen, derselben auch auf Erfordern jede darmif bezügliche Auskunft zu erteilen."— Das Landgericht Köln als Berufungsinstanz sprach jedoch die Angeklagten frei, und das Kammergericht verwarf die Revision der Staatsanwaltschaft mit folgender Begründung: Die Polizeibehörde erhalte durch das Vereinsgcsetz nicht die Befugnis, solche Statuten zit verlangen, die ihr genehm seien. Sie müsse sich mit der Einreichung des Statuts begnügen, das ein Verein habe.(Das hatte sie aber erhalten.) Verstoße ein Verein gegen die Vorschriften des Vereinsgesetzes, dann stände es ja der Polizei frei, deswegen ein Strafverfahren zu ver- anlassen. Im vorliegenden Falle sei die Freisprechung gerecht- fertigt._ Berlin und Umgegend. Zum Streik in den Siemeuswerken. Von der Direktion der beiden Siemensfirmen und ihrer Be- amtenschaft, den Meistern und Werkführern, werden gegenwärtig alle Mittel der Ueberredung und des sanften Drucks angewandt, um die noch im Werke tätigen Arbeiter und Arbeiterinnen zu be- stimmen, sich doch um des Himmels willen nicht etwa auch an dem Streit zu beteiligen, falls sie einen diesbezüglichen Ruf von der Organisation erhalten sollten. So nett, so liebenswürdig sind diese Arbeiter noch nie von ihren„Vorgesetzten" behandelt worden, wie jetzt, da ein paar Tausend ihrer Kollegen im Streik stehen. Die Meister scheinen mit cinemmal ganz andere Menschen geworden zu sein. Während sie früher bei jeder Gelegenheit die Arbeiter grob und barsch anranzten und ihre„Untergebenen" meistens in ausgesuchter Hochnäsigkeit fühlen ließen, daß sie sich von den Ar- beitern als durch eine weite Kluft getrennt betrachteten, zeigen sie sich jetzt von einer so ausnehmend freundlichen Seite, daß man schon beinahe von Katzenfreundlichkeit reden könnte. Den Aus- spruch des Direktors D i h l m a n n dem Arbeiterausschuß gegen- über, die Meister müßten gegen die Arbeiter zuweilen kurz und derb sein, weil sie doch keine Kommissionsräte seien, scheinen die Meister jetzt durch eine geradezu auffallende Liebenswürdigkeit in aller Foißn desavouieren zu wollen. Es ist aber auch nicht unwahr- scheinlich, daß die Herren von den Direktoren einen etwas beut- lichen Wink mit dem Zaunpfahl erhalten haben, durch ein möglichst anständiges Benehmen die noch tätigen Arbeiter im Werk zu halten. Natürlich hat das alles seine guten Gründe. Die Direktion möchte ihren Betrieb bekanntlich gar zu gerne völlig„organisations. rein" haben. Das kann sie aber selbstverständlich nicht etwa durch eine allgemeine Entlassung sämtlicher organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen erreichen, weil sonst der Betrieb zu drei Vierteln von Arbeitskräften entblößt würde, und so viel brauchbarer Ersatz läßt sich eben nicht herbeischaffen, selbst wenn alle Herbergen zur Heimat im Deutschen Reiche ihre Stämmgäste nach dem Nonnen- dämm expedieren sollten. Deswegen verfällt man im Werk auf das allerdings etwas durchsichtige Mittel, durch größte Liebenswürdig- keit und Zuvorkommenheit die Arbeiter zu bewegen, ihrer Organi- sation doch den Rücken zu kehren. Alles, alles, und noch einen ganzen Haufen dazu will man den Arbeitern gewähren, wenn sie nur aus der Organisation austreten möchten. Ja sogar einen „vollwertigen Ersatz" für die Organisation will man den Arbeitern bieten, nämlich die„gelbe Gewerkschaft" oder, wie das Ding offiziell benamst ist, den„Unterstützungsverein her Siemens- werke". In den sanftesten Flötentönen wissen die Meister und Werkführer jetzt zu reden, wenn sie als direktionsseitig beglaubigte Agitatoren der„gelben Gewerkschaft" den Arbeitern höchst schwung- voll die„Vorteile" des Unterstützungsvereins anpreisen. Vor ein paar Wochen klang es aus dem Munde dieser Herrschaften zwar noch verteufelt anders. Da hieß es einfach:„Wer nicht dem Unterstützungsverein beitritt, wird entlassen." Nachdem der Metall- arbeiterverband wegen dieser erpresserischen Maßnahmen aber bei der Staatsanwaltschaft die Einleitung eines Strafversahrens gegen diverse Meister usw. beantragt hat. zieht man bei dem„gelben" Mitgliederfang jetzt andere Saiten auf. Wirklich, die Direktion läßt es sich an Mühe und Arbeit für ihren„Unterstützungsverein" schon etwas kosten. Hatten die Direktoren D i h l m a n n und g e l l i n g e r doch bereits bei der Gründung desselben, im Juli Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil veiimtAi dieses Jahres,„ihrer" gelben Garde die Spende einer namhaften Summe als Grundfonds zugesichert. Aus Dankbarkeit für diese edle Menschenfreundlichkeit beschlossen die braven Gründer des Ver- eins denn auch, daß im Falle seiner Auflösung das gesamte Kassen- vermögen der Firma zufallen soll. Die anfängliche Opposition gegen diesen Beschluß wurde mit dem Hinweis beschwichtigt, daß die Gründung des Vereins und der Kasse von jenem Beschlüsse direkt abhänge und die gelbe Gewerkschaft von vornherein ein„halbtotes Kind" sei, wenn man sich dem widersetze. Was Wunder, d>.tz die Direktion jetzt alle Mittel anwendet, um ihr„halbtotes Kind" möglichst am Leben zu erhalten. Haben Drohungen und Er- Pressungen nichts genützt, nun so versucht man es mal zur Ab- wecksselung mit doppelter Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit, selbstverständlich mit dem unausgesprochenen Hintergedanken, die Kandare schon zu rechter Zeit wieder straffer anzuziehen, falls die Mehrheit der Arbeiter dumm genug sein sollte, der Direktion auf die Leimrute zu kriechen. Vorläufig ist dies jedoch nicht zu be- sorgen, wenn sich die„gelbe" Kolonne in trauter Gemeinschaft mit den„Hirschen" auch bereits rühmt, schon 3000 Mitglieder im Werk zu besitzen. Trotz aller Protektionen sowohl von feiten der Werksleitung wie auch von feiten der Polizei— letztere gestattete kürzlich wohlwollend die Verteilung eines gelben Flugblattes auf den Fabrikwegen, wogegen sie die Verteilung eines vom Metall- arbeitervccband herausgegebenen Flugblattes verbot— dürfte der gesunde Sinn der Arbeitermehrheit wohl zweifellos erkannt haben, daß die Direktion sich in der„gelben Gewerkschaft" lediglich eise Truppe willfähriger Ausbeutungsobjekte zu schaffen beabsichtigt, der sie dann später desto rücksichtsloser das Fell über die Ohren ziehen kann. Daran wird auch die momentane Katzenfreundlichkeit der Meister und Werkführer nichts ändern, denn auch diese ist weiter nichts wie nur„eine vorübergehende Erscheinung". Achtung, Metallarbeiter! Sichcrem Vernehmen nach sollen die Firmen Siemens u. Halske und Siemens-Schuckert in Städten des Auslandes, so in Wien, Budapest, Brüssel, Antwerpen, Amsterdam, Rotterdam u. a. m. Arbeitskräfte suchen. Wir machen hierdurch nochmals auf den hiesigen»streik und die Aussperrung aufmerksam und ersuchen die dortige Partei- und Gewerkschaftspresse, vor Zuzug zu warnen. Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes. In den„Tolkin-Werken" zu Weisiensee, Fabrik für Sprech- apparate, kam es vor einigen Tagen in der Presserei zu Differenzen zwischen den Arbeitern und der Werksleitung, die jetzt jedoch ihre Erledigung gefunden haben. Wegen einer Ueberstundenforderung war dort nämlich eine Kommission beim Obermeister vorstellig geworden mit dem Ersuchen, dieser möge veranlckfscn, daß sie die Wünsche der Arbeiter bei derDirektion persönlich vortragen könnte. Der Ober- meistcr wies die Leute jedoch schroff ab und gab ihnen obendrein kurzerhand ihre Entlassung. Einer zweiten Kommission ging es ebenso, und auch eine dritte Kommission wurde vom Obermeister entlassen. Ein derartiges Verhalten dieses selbstherrlichen„Vor- gesetzten" brachte die übrigen Arbeiter der Presscrei natürlich in begreifliche Erregung. Sic drohten sämtlich mit Arbeitsnicder- legung. Eine neue Kommission verschaffte sich unter Umgehung des Obermeisters Zutritt zur Direktion, und jetzt kam es zu Vcrhand- lungen, in deren Verlauf die Entlassungen rückgängig gemacht und die Differenzen beigelegt wurden. Auch ist die Einsetzung eines ständigen Arbeiterausschusscs von der Diriktion zugestanden worden. Ueber eine Bewegung der Hutmacher brachten wir in unserer Nummer vom 13. November eine Notiz, die verschiedene Unrichtig» leiten enthält. So beträgt die Zahl der nicht organisierten Hut- macher mit 1500, sondern höchstenfalls 500. Die Bewegung ist im wesentlichen aus eine Verkürzung der Arbeitszeit gerichtet, ohne daß dabei eine Erhöhung der Akkordsätze angestrebt wird. Tie festen Wochenlöhnc sollen natürlich bei der verkürzten Arbeitszeit dieselben bleiben. Bestimmte Beschlüsse sollen in einer Versamm- lung am 23. November gefaßt werden. Achtung, Friseurgehlllfen! Differenzen bestehen noch bei folgen- den Firmen: Bethge, Friedenstraßc 06, Krause, Kopernikus- straße 14, Milde, RüderSdorferstraße 40. N e u m a n n, Zorn- dorferstraße 60 und Almstaedt, Rummelsburgerstraße 66 in Friedrichsberg. Beigelegt sind die Differenzen im Geschäft Schön- leinstratze 28, da genanntes Geschäft in andere Hände übergegangen und jetzt dort ein organisierter Gehülfe beschäftigt ist. Desgleichen werden die Kollegen darauf aufmerksam gemacht, daß der Kollege C z w o j d a k, welcher bis jetzt noch in der Schillingstraße 23 be- schäftigt ist, ausgeschlossen wurde und als organisierter Kollege nicht mehr betrachtet werden kann. Achtet darauf, daß die Kontroll- karten regelrecht gestempelt sind. Der Vorstand des Verbandes deutscher Barbier- und Friseurgehülfen. I. A.: Baumgart. Schillingstraße 15. Veurickes Beietz. Achtung, Binnenschiffer! Der Arbeitgeberverband hat in allen in den Schifferorten er- scheinenden Zeitungen folgende Anzöge erscheinen lassen: Bootsleute erhalten kostenlos Stellung auf Frachtschiffen bei 105 M. MonatSlohn. Sonstige Bedingungen zu erfahren bei den Heuerstellen des Arbeitgeberverbandes für Binnenschiffahrt und verwandte Gewerbe in Hamburg, Dovenfleth 25, in Magdeburg, Werftstr. 33/34, in Dresden. Maxstr. 17. Kollegen! Laßt Euch durch diese Machination nicht täuschen, die Arbeitgeber wollen Euch in die Falle locken. Da sich bisher aus unseren Reihen trotz aller Lockungen und Drohungen keine Streikbrecher gefunden haben, versuchen sie es auf diese Weise. Liefert Euch nicht im letzten Augenblick dem Arbeitgeberverbande aus, haltet alle Kollegen am Orte zurück, so lange bis die Streik- leitung oder der Berbandsvorstand etwas anderes anordnet. Der Arbeitgeberverband sitzt mit seiner Taktik fest und ist nun auf der Suche nach Dummen, die ihn herausreißen: wer auf diese Anzeige reinfällt, ist Streikbrecher. Also nochmals, Kollegen, haltet fest an Eueren Beschlüssen und haltet die Augen offen! Einer achte auf den anderen! Die Streikleitung. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Mit der geplanten Aussperrung auf den Kieler und übrigen deutschen Schiffswerften beschäftigten sich am Mittwochabend in Kiel, Gaarden und Wellingdorf drei Massenversammlungen der Werft- und Metallarbeiter, die sämtlich wegen Ueberfüllung Polizei- lich gesperrt werden mußten. In einstimmig angenommenen Reso- lutionen wurde das Vorhaben der Scharfmacher aufs schärfste ge- geißelt. Bezügliche der auf der Wellingdorser Schiffswerft von Stocks u. Kolbe streikenden Schiffszimmerer und Schiffbauer, von deren Unterwerfung der Arbeitgeberverband die allgemeine Aus- sperrung abhängig macht, wurde einhellig beschlossen, daß die Ver- fammelten jede Einwirkung auf die Streitenden ablehnen und es diesen überlassen, die Bewegung so zu beenden, wie sie es in ihrem Interesse für notwendig erachten. Die Aussperrung der Kieler Elektromonteure wurde durch einen zwischen der Lohnkommission der Elektromonteure und dem Arbeitgeberverband vereinbarten Tarif, in dem den Forderungen der Elektromonteure löstündige Arbeitszeit bei gleichbleibendem Lohne) im wesentlichen Rechnung getragen wird, beendet. Die Lage im Hamburger Hasen. Gestern früh ist auf allen im Hafen liegenden Getreideschiffen die regelmäßige Arbeit wieder aufgenommen worden. Ct» Gilde, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Buchdr. u. BerlagSanAglt Ein christliches Opfer der Nürnberger Strelkjustiz. Die vielen Streikprozesse, die sich seit Monaten vor den Nürn. berger Gerichten abspielen, werden von den Christlichen wacker ausgeschlachtet und als eklatante Beweise für den„sozialdemokrati. schen Terrorismus" angeführt. Nun ist aber auch einmal em Christlicher in die Maschen des§ 153 verstrickt worden. Der Maschinist Meier, der Vorstandsmitglied des christlichen Holzarbeitcrverbandes ist, erhielt im Juni den Besuch des christlich organisierten Holzarbeiters Sturm, der ihm mitteilte, daß er in der Bratzschen Fabrik, wo damals gestreikt wurde. Arbeit ange- nommen habe. Meier meinte dazu, wenn»stürm dort arbeite, sei er ja ein Streikbrecher. Sie unterhielten sich lange freund- schaftlich, endlich verabschiedete sich Sturm..... Nach vielen Wochen entstand zwischen den beiden ein kleiner Konflikt, und nun rannte Sturm zum Gericht, um seinen christlichen Mitbruder zu denunzieren, daß er damals durch die Bezeichnung Streikbrecher ihn zur Niederlegung der Arbeit habe veranlassen wollen. Die Folge war, daß Meier ein Strafmandat auf 10 Tage Haft erhielt, gegen das er Einspruch erhob. Vor Gericht spielte der christliche Denunziant eine überaus klägliche Rolle, aber trotz alledem verurteilte das Schöffengericht den Meier zu einem Tage Haft. sZusUmd. Tarifbruch der dänischen Eisenindustriellen. Im Mai vorigen Jahres wurde den dänischen Gießercihülfs- arbeitern durch Ausspcrrungsdrohungen ein Vertrag aufgezwungen. wonach sie vor dem 1. Februar 1907 keine Erhöhung ihres Minimal. stundenlohnes von 30 Oere verlangen sollten. Die Maximalarbeits- zeit wurde auf 10 Stunden festgesetzt und außerdem wurde be- stimmt, daß Veränderungen der durch Uebereinkommen festgelegten Arbeitsbedingungen nur durch Verhandlungen der Parteien ein- geführt werden können. Nun haben die Eisenfabrikanten nach Ver» Handlungen mit den Organisationen der Former und der Schmiede, unter Ausschluß des Arbeitsmannsverbandcs,� die tägliche Arbeits- zeit um eine halbe Stunde verkürzt. Dem sollten sich die Hülss- arbeiter fügen, ohne für die verlorene Arbeitszeit irgendwelche Vergütung zu erhalten. In den Gießereien, wo Sonnabends so wie so fchon 3 Stunden früher Feierabend gemacht wird, sank ihr Wochenverdienst von 17,10 auf 16,20 Kronen. Ihr Protest dagegen wurde von den steinreichen Fabrikanten höhnisch abgewiesen. Darauf haben in der vorigen Woche gegen 600 Gießerei» arbeiter, ohne formell den Streik � zu erklären, die Arbeitsplätze verlassen, um womöglich andere Arbeit anzu- nehmen. Nachdem es soweit gekommen war, haben die Eisen- fabrikanten, die im Volksmunde ihrer Lohndrückereien und Aus- sperrnngsgelüste wegen„Ritter des Hungers" genannt werden, den Arbeitsmannsverband aufgefordert, die Sache einem Einigungsamt oder Schiedsgericht zu überweisen. Der Verband hat jedoch den Fabrikanten geantwortet, daß es ihre Sache sei, diesen Schritt zu tun. und sie ersucht, die Arbeits- oder Lohnverhaltnisse wieder einzuführen, wie sie vor dem 1. November bestanden. Dazu haben sich die Fabrikanten aber bis jetzt noch nicht entschlossen. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Die Justiz im Dienste des Klassenhasses. Rom, den 13. November. (Eig. Ber.) Heute haben die Mailänder Geschworenen einen Mahr- spruch getan, der sich den schandbarsten Urteilen der deutschen Klassenjustiz würdig an die Seite stellt. Während des letzten Generalstreiks drangen Ausständige in Mailand in eine Fabnk ein, um die dort beschäftigten Arbeiter zum Mitstreiken zu bewegen. Die Streikenden waren unbewaffnet und hatten keinerlei gewaltsame Absichten. An der Tür empfing sie der Portier der Fabrik mit dem Messer in der Hand und stach einen der Eindringenden zu Tode, einen anderen zum Krüppel. Wahrspruch und Urteil: Der Portier wird freigesprochen, weil er in der Notwehr gehandelt haben soll, der zum Krüppel Gestochene und ein anderer erhält je 20 Monat Gefängnis! I—_ Die Stadtverordnetenwahlen in Rixdorf für die zweite Abteilung fanden gestern statt. Entsprechend dem größeren Geldsack der Wähler war es unseren Genossen nicht möglich, einen Kandidaten unserer Partei durchzubringen. Im Nordbezirk erhielten unsere Kandidaten 56 Stimmen, gewählt wurden die Kandidaten der Mittelstandspartei mit 18? bis 275 Stimmen. Im Ostbezirk erhielt unser Kandidat 76 Stimmen, die Gegner kommen mit 218 resp. 160 Stimmen in Stichwahl. Im Südbezirk erhielten unsere Kandidaten 00 resp. 104 Stimmen. Hier kommt unser Genosse Müller mit 104 Stimmen mit dem Gegenkandidaten Behnke. der 140 Stimmen erhielt, in Stichwahl. Gewählt wurde der Gegner Gnidowsky mit 217 Stimmen. Im Westbczirk erhielten unsere Kandidaten je 102 Stimmen. Die Gegner brachten 102— 125 Stimmen auf und findet eine Stich- wähl zwischen den gegnerischen bürgerlichen Kandidaten statt. Letzte JVacbrlcbtcn und Dcpefcben. Bancrnunruhen wegen Wahlentrechtung. Moskau, 16. November.(B. H.) Infolge des jüngsten Be- schlusses des Senats zum Wahlgesetz, wodurch u. a. auch ganze Bauernkategorien von den Wahle» ausgeschloffen werden, sind unter der bäuerlichen Bevölkerung ZentralrusilandS erhebliche Unruhen ausgebrochen, die zu Beginn der Wahlen noch größere Dimen- sinnen annehmen dürften. Die Behörden haben daher schon jetzt große Vorbeuaungsmaßregeln getroffen. Die Polizei wurde über» all vermehrt; die Regierung hat den Gouverneuren vorgeschrieben. gegen die revolutionären Bauern vorsichtig, jedoch mit aller Ent- schiedenheit vorzugehen, im Notsalle auch vor den äußersten Mitteln nicht zurückzuschrecken. Bersammlungsverbote. Petersburg, 16. November.(B. H.) Das Polizeidepartement hat alle Gendarmerieverwaltungen angewiesen, die Vorder» sammlungen der revolutionären Parteien, auf denen die Dele- gierten für den in diesem Monat geplanten Parteitag gewählt werden sollen, aufzulösen. Beschlagnahmte Munition. HelsingforS, 16. November.(W. T. B.) Ein vom Senats» prok>rrator nach Björneborg abkommandierter Beamter entdeckte und konfiszierte zirka 106 Gewehre und eine große Menge Patronen. Man nimmt an, daß die beschlagnahmten Waffen zu den von den Leitern des gegenwärtig verbotenen Verbandes Woima erworbenen Waffen gehören.._ Ein probates Mittel. Rom, 16. November.(W. T. B.) In einem Schreiben an den Kardinalvikar von Rom Respighi sagt der Papst, die betrübende Lage der Kirche, die von vielen ihrer Söhne, die ihre Feinde ge- worden feien, bekämpft und unterdrückt werden, zeige, daß der rechte Augenblick gekommen sei, zum Gebet feine Zuflucht zu nehmen. Der Kardinal solle daher Priester der Diözese Rom anweisen. pro inimicis bis zum Ende dieses JahreS beim Lesen der Messe das Gebet zu sprechen und die Gläubigen zu ermahnen, ihre Gebete mit denen der Priester zu vereinigen. Maul Singer&&c..Berlin? W. Hierzu 3 Beilagen u. voterhaltungSbiott 8..269. i. Kejlllgt dts Joriiiirto" Kellim MldsdlR l�eicbstag. lis. Sitzung. Freitag, den 16. November, nachmittags l Uhr. Am Tisch des Bundesrats! Kommissare. Aus der Tagesordnung stehen zuerst die namentlichen M>- stimmungen über die Gültigkeit resp. Ungültigkeit der Wahlen der Abgg. Dietrich ik.) l3. Potsdam) und M a l I e w i tz lk.)<3� KöSlin). Die Wahlprüfungskommission hat beantragt, beide Wahlen für gültig zu erklären, während von den sreisinnigen Parteien Anträge aus Un- gültigkeitSerklärnng gestellt sind. Bei der Abstimmung über die Wahl von Dietrich werden 320 Stimmen abgegeben; für die Gültigkeit stimmen 262. für die Ungültigkeit 117 Abgeordnete, ein Abgeordneter enthält sich der Abstimmung. Die Wahl ist somit für gültig erklärt. An der Abstimmung über die Wahl von M a l k e w i tz beteiligen sich 321 Abgeordnete; für die Gültigkeitserklärung werden 177 Stimmen, für die Ungültigkeitserklärung 135 Stimmen ab- gegeben, neun Abgeordnete enthalten stch der Abstimmung. Die Wahl ist somit für gültig erklärt. Das Resultat der Abstimmung lvird auf der linken Seite des Hauses mit lauten, wiederholten Pfm-Rufen aufgenommen. Präs. B. Ballcstrrm: Es entspricht nicht der Ordnung des Reichs- tage?, einen Beschlug des Reichstages mit Pfui l zu kennzeichnen. (Lebhafter Beifall rechts. Zuruf rechts: DaS soll wohl der Würde des Parlaments entspreckien? Zuruf bei den Sozialdemokraten: S i e wollen von Würde sprechen!) Präs. B. Ballcstrem: Ich bitte um Ruhe! ES folgen Berichte der Wahlprüfungskommission. Ueber die Wahl von Dr. P o r z i g(l)(Sachsen- Altenburg) beantragt die Kommisston Beweis zu erheben. Es wird so be- schlössen. Die Wahl des Abg. W i l t b e r g e r(Elf.)(Lauterburg i. Elsaß) beantragt die Kommission für gültig zu erklären. Abg. Dr. Mütler-Meiningen(frs. 93p.): Das Resultat der vorher- gegangenen Abstimmung läßt es als verzweifeltes Unternehmen er- scheinen, gegen einen Beschluß der Wahlprüfungskommission anzu- kämpfen.(Sehr richtig! links.) Trotzdem will ich versuchen der Gerechtigkeit ihren Lauf zu geben. Bemerken will ich, daß Gegenkandidat des Herrn Wiltberger der Sohn des dritten Reichs- tanzlers war, dem man wegen der Veröffentlichung der Memoiren seines Vaters soviel UebleS in der Presse nachgesagt hat. Ohne daß jemals Beweis erhoben wurde, ist die Prüfung dieser Wahl drei Jahre lang verschleppt worden I(„Unerhört!" links.) Der Bericht über diese Wahl hat auf die ganze Presse mit Ausnahme des Zentrums verblüffend gewirkt. In Rorddcutschland kennt man eben nicht so genau die Zustände, wie sie sich in dieser Beziehung in Süddeutschland entwickelt haben. Dort zeigt sich so recht, wie sehr das Zentrum Regierungspartei ist. Um so be- dauerlicher ist es, daß sich auch liberale Elemente dort auf ein Kompromiß mit dieser Partei einlassen.— Der Pfarrer Delsor erklärte in einer Versammlung, Hohenlohe habe gegen die Lex Heinze gestimmt. Er zog Bilder von nackten Frauenzimmern aus der Tasche, die er vorzeigte, und rief auS:„Liebe Bürger, einem Abgeordneten, der mit schuld ist, daß solch schanilose, sitten- verderbliche Bilder und Schriften unter dem Volke verbreitet werden, kann kein guter Katholik seine Stimme geben!' Herr Delsor ist ein ehrenwerter Mann(Heiterkeit), aber er hat sich eines Vergehens gegen 8 184 des Reich?-Strafgesetzbuchs schuldig gemacht, indem er in einer derartigen Weise unsittliche Bilder verbreitete.(Große Heiterkeit.) Sogar im Religionsunterricht der Schule haben die Geistlichen Politik getrieben. So hat ein Geistlicher gesagt, die Kinder sollten ihren Eltern sagen, daß, wenn Prinz Hohenlohe ge- wählt würde, es Krieg gäbe I'(Große Heiterkeit und Hört! hört I links.) Die Beschlußfassung darüber, welche Aeußerungen Geistlicher von der Kanzel herab als unzulässige Wahl- beeinflussungen aufzufassen seien, hat die Kommission zunächst ausgesetzt. Als schließlich nur noch 11 Stimmen zur UngültigkeitS- crklaruug fehlten, erklärte man einfach gegenüber all den Aehaup- tungen über Wahlbeeinflusiungen von der Kanzel, sie seien„nicht genügend substantiiert!"(Hört! hört!) Wenn die Kommission über diese Behauptungen einfach hinweggeht, so liegt darin eine tcn- deitziöse Rechtsverweigerung.(Lebhafte Zustimmung links. Unruhe im Zentrum.) Präs. Graf Lallestrem: Sie dürfen einer Kommission des Reichstages nicht tendenziöse Rechtsverweigerung vorwerfen. Das wider- spricht der Ordnung dcS Hauses. Abg. Müllcr-Meiningen(fortfahrend): Auf Seite 10 des Berichts sagt die Kommission ausdrücklich:„Die Frage der amtlichen Wahl- beeinflussung darf nicht wie bisher grundsätzlich, sondern je nach der Lage der einzelnen Berhältniffe beurteilt werden."(Hört I hört I links.) Das sind Grundsätze tiefster moralischer und parlamcn- tarischer Verwirrung.(Sehr richtig! links.) Dadurch werden Rechts- fragen einfach zu Machtfragen. Gerade solche Vorgänge zeigen, daß sür die Wahlprüfungen eine objektive unabhängige Behörde ge- schaffen werden muß, die nicht nach Parteigrundsätzen entscheidet. Wir verlangen namentliche Abstimmung; vor allem wollen wir sehen, wie die Nationallibcralen stimmen werden.(Große Heiter- keit links.) Wir verlangen Beweiserhebung über die im Protest behaupteten Tatsachen und beantragen deshalb Zurückverweisuug an die Kommission.(Bravo! links.) Abg. v. Oertzen(k.): Jeder Pfarrer hat das Recht, feine Meinung zu sagen. Sie(nach links gewendet) reden doch auch nicht von Wahlbeeinflusiung bei den Mitgliedern sozialdemokratischer Vereine, die sozialdemokratisch stimmen müssen.(Lachen links.) Auch Gastwirte und Kaufleute, bei denen Sozialdemokraten vcr- kehren, werden gezwungen, sozialdemokratisch zu wählen. Bei der Wahl des Abg. Büsing sollen die Sozialdemokraten 2000 Wähler einfach abkommandiert haben, damit sie für' den konservativen Kandidaten stimmten.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten. Zuruf:„Und das habe» Sie geglaubt?" Erneute Heiterkeit.) Der Terrorismus der Sozialdemokratie ist bekannt. Wer im GlaShguse sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Abg. v. Gcrlach(fts. Bg.): Diese Wahl hätte viel früher entschieden werden können, wenn nicht einfach ohne jeden Grund der- schiedene Male Beschlußfaffungen ausgesetzt worden wären. Darin liegt in der Tat eine Verschleppung.(Sehr richtig! links.) Im Fall Malkewitz hat die Kommission Beweiserhebung beschloffen, obwohl die Zeugen bereckitigt waren, ihr Zeugnis zu ver- weigern. Bei dieser Wahl hat sie die Beweiserhebung abgelehnt über eine Wahlbeeinfluffung durch Verweigerung der Absolution. weil die Zeugen infolge dcS Beicht- geheimnisseS doch keine Aussage machen könnten I_— Herr v. Oertzen meinte. Wahlbeeinflussungen lägen nicht vor; die Wähler folgten den Ratschlägen ihrer Vorgesetzten au« Vertrauen zu ihnen. Wie eS damit aussieht, beweist z. B. ein Fall auS einem Teil meines Wahlkreises, wo die Bauern für meinen Gegner stimmten, weil daS Gerücht entstand, der Landrat werde die Auschaffimg eines Gemeindrbullen befürworte«,«cm» die Wahl uach seinen Wünschen ausfiele.(Lachen rechts.) Abg. Blnmenthal(südd. Vp.): Mit meiner Wahl ist man seiner- zeit sehr rasch fertig geworden.(Heiterkeit.) Es wurde dabei nach angeblich.unwandelbaren" Grundsätzen verfahren.(Heiterkeit links.) Aber losgeworden sind Sie(zum Zentrum) mich doch nicht!(Erneute Heiterkeit.) Herr v. Oertzen meinte, die Geistlichen hätten das Recht zu agitieren wie jeder andere Bürger. Gewiß— aber dann müssen sie ihre Privilegien aufgeben, die sie in ganz besonderem Maße in Elsaß- Lothringen genießen. Dort besteht noch das Konkordat, das z. v. der Vapst mit der französischen Regierung abgeschloffen bat, wonach die Geistlichen bei Ausübung ihres Amtes den vollm Schutz der Staatsgewalt genießen und vom Staate bezahlt tverden. Wenn Sie es nicht zum Grundlay erheben: Erlaubt ist alles. was nicht im Strafgesetzbuch verboten ist. lo ist Mißbrauch des geistlichen Amtes zur Wahlagitation gleich zu achten der Einmischung von Beaniten in d'.e Wahlagitation.«Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.I Was ist denn auch ein arme- Bürgermeisterlcin gegen- über dem Geistlichen, was kann das Bürgermeisterlein bieten gegen Hölle und Tcntel? lHeiterkcit links.: Sie baben die Wahl des Sozialdemokraten Braun kassiert, weil ein Staatsbeamter gegen ihn agitiert hat.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Freilich haben Sie die dann erfolgte Wahl des Herrn Baffermann in demselben Wahlkreise für gültig erklärt. obwohl der höchste Staatsbeamle deS Reiches für ihn agitiert hat I(Sehr richtig' bei den Sozialdemokraten.) Nun, aus eine Inkonsequenz mehr komm« eS Ihnen nicht an.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ein Pfarrer sagte:„Meine lieben Gläubigen, jeder Stimmzettel wird zweimal gezählt: einmal im Wahllokal und dann noch einmal im Himmel."(Große Heiterkeit.) Da ist wohl auch dem einfältigsten Wähler klar, daß die Kirche einen bestimmten Kandidaten wünschte. Die Kommission sagt, die Behauptunpen de- Protestes bezüglich der Beichte und Absolution seien unerheblch, weil Zeugen hierüber nicht vernommen werden könnten. Das ist ganz falsch.(Oho! im Zentrum.) Zeigen Sie mir die GesetzeSstclle, welche dem Geistlichen und dem Beichtkind die Zeugnisverweigenmg gestattet. DaS Spenden oder Versprechen von Freibier, erklärt die Kommission, kann als un- zulässige Wahlbeeinfluffting nicht betrachtet werden.(Rufe links: Un- erhört!) Wenn das Uebung lvird, wird der Stimmcnkauf prächtig gedeihen, dann sollen Sie bei den nächsten Wahlen etwas erleben. Sie werden eine besondere Gendarmerie für die Wahltage brauchen, denn sonst würde keine einzige Urne ganz bleiben.(Große Heiter- keit.) Werden die bei dieser Wahl geübten Mißbräuche gebilligt, so wird die Ausübung des religiösen Dienstes lediglich ein Akt der Wahlagitation werden.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Gröber: Abg. Müller-Meiningcn hat das Herumzeigcn von Bildern nackter Frauen in einer Versammlung durch den Pfarrer Delsor für einen Verstoß gegen die KZ 183 und 184 deS Straf- gesetzbuchcs erNärt, er hat also die reaktionäre Ansicht, daß jede Nacktheit eine Unzüchtigkeit ist.(Große Heiterkeit.) Ist Herrn Müller nicht die Reichsgericht-entscheidung von 1830 bekannt, wonach ein Zuhörer in der Kirche gegenüber Beschimpfungen deS Geistlichen das Recht der Notwehr hat? Den Gedanken, daß ein Gerichtshof außerhalb des Hause- über Wahlproteste entscheiden solle, müssen wir von vornherein ablehnen. Glauben Sie denn, daß die Menschen draußen weniger interessiert sind am politischen Leben? Irrtümern sind alle Menschen, auch die Abgeordneten, unterworfen, daher ist der Reichstag s e I b st immer noch die kompetenteste Be- Hörde für diese Fragen. Wir sehen in dem Geistlichen den Diener der Kirche.(Zuruf links: Auf Staatskosten l) Davon«vollen wir erst gar nicht sprechen; das, was die Kirche da erhält, sind noch nicht einmal die Zinsen des bei der Säkularisation beschlagnahmten Geldes der Kirche.(Große Heiterkeit links.) Uebrigens werden doch sämtliche Beamte auf StaalSkosten erhalten, auch Herr Müller- Meiningen.(Zuruf links) Auch ich, gciviß! Wollen Sie also folgern, daß auch Herr Müller-Meiningcn nicht berechtigt sein soll, Wahlagitation zu treiben?(Lachen links. Zuruf:„Unter Mißbrauch der Amtsgewalt!")— Die Fälle der angeblichen Nichterteilung der Absolution können hier überhaupt niemals objettiv festgestellt«Verden. Die Darstellung wird immer einseitig bleiben, da die Geistlichen nach den Vorschriften ihrer Religion gar nicht in der Lage sind, über Vorgänge im Beichtstuhl Aussagen zu machen.— Daß die Geistlichen auch über Staatsangelegenheiten auch von der Kanzel herab sprechen, läßt sich bei dein engen Zusammenhang zwischen Staat und Kirche, der bei uns— glücklicherweise, sage ich— besteht, nicht ver- meiden. Aber ivcnn Geistliche— beider Konfessionen— von der Kanzel herab parteipolitische Fragen erörtern, so mißbilligen wir das entschieden aus religiösen und politischen Gründen. Uebrigens perhorreSzieren die Herren von der Linken die Wahlhülfe der Geist- lichen durchaus nicht, wenn sie ihnen zugute kommt.(Hört! hört! im Zentrum.) So ist in Hägen-Schwelm der katholischen Geistlichkeit nahegelegt«oorden, für den Freisinnigen Cuno einzutreten.(Zuruf links: Von wem?) Es ist behauptet worden, daß der Landral selbst in dieser Richtung tätig gewesen ist.(Zuruf links: Der Landrat ist doch nicht freisinnig!!!) Am Tage der Stichwahl hat sich jedenfalls Herr Cuno bei der hochmögeuden katholischen Geist- lichkeit für die Wahlhülfe bedanft.(Lebhaftes Hört! hört! im Zentrum.) Also wenn es ihnen zum Nutzen ist, dann nehmen auch die Herren Freisinnigen die katholischen Geistlichen gern in ihre Arme.(Heiterkeit und lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Boltz(natl.) erklärt sich für den Autrag Müller-Mciningen auf neue Beweiserhebungen. Abg. Dr. Möller-Sagan(frs. Vp.): Wenn irgend ein Landrat in Hagen-Schwelm, wie' daS ja im Kampfe gegen die Sozialdemo- kratie leider alltäglich vorkommt, Wahlbeeinflussung geübt hat, so kann doch die freisinnige Partei dafür nicht verantwortlich gemacht werden. Abg. Fischer-Berlin(Soz.): Die Behauptung de? Herrn v. Oertzen, in eiuein mecklenburgischen Wahlkreise seien 2000 sozialdemokratische Wähler abkommandiert worden, für den konservativen Kandidaten zu stimmen, damit nicht Herr Büsing, sondern der Konservative mit den Sozialdemokraten in Stichwahl käme, kennzeichnet sich schon des« halb als unwahr, weil bei der Nachwahl gar keine neuen Wähler- listen ausgelegt«vurden. Die Unsinnigkeit deS alten AminenmärchenS von Eugen Richter, daß die Sozialdemokratie, wie es gerade paffe, ihre Wähler wie Regimenter aufmarschieren laffe, ist für jeden, der cö sich überlegt, so llar, daß es gar nicht ernst genommen zu werden braucht. Ich muß dann im Namen meiner Partei Protest einlegen gegen die Bemerkungen der Berichte der Wahlprüfungskommission, die von einem TerroriSmnS der Sozialdemokratie sprechen— das soll kein Vonvurs für den Herrn Berichterstatter sein. Sie sind nach allen Seiten formal und materiell unrichtig. Nim zur Sache selbst. Daß Sie(zur Rechten) mit dem Zentrum Hand in Hand gehen, ist ja klar. Sie behaupten ja, daß es Wahl- beeinflussungen von Beamten überhaupt nicht gibt, jedenfalls nicht, wenn die Beeinflussungen zu Jbren Gunsten geübt sind. Wer mit den Wahlbeeinflussungen der Beamten einverstanden ist. muß auch einverstanden sein mit den Beeinflusiungcn in der S ch u l e und auf der Kanzel. Daß die Pfarrer hierbei nach dem Vorbilde Christi handeln, werden Sie selbst nicht behaupten. Christus hat gesagt:„Eure Rede sei ja, ja. nein, nein." Nun möchte ich ftagen, ob die Geistlichen, die politische Agitation treiben, nach diesen Worten handeln. In neun Fällen von zehn sicherlich nicht. Ob Sie die katholischen Pfarrer unter solchen Umständen in die Wahlagitation hineintreiben wollen, ist lediglich eine Frage des Zentrums selbst. Glauben Sie, daß es zweckmäßig ist, daß die katholische Geistlichkeit sich in die Walagitation hinein begibt, schön, uns ist das recht. Aber dann müssen Sie auch die Konsequenzen tragen und auf alle Vorrechte für die Geistlichen verzichten. Die ganze Frage ist eine Frage der politischen Macht, sie wird hier nicht entschieden nach den Grundsätzen der Gerechngkeit, sondern nach dem Grundsatze, ob eS der eigenen Partei nützt. Wir Sozialdemokraten sind hier im Reichstage die einzigen, die nach dem RechtSgrundsatze entscheiden..(„Ohol") Von dem Augenblick an. in«oelchem daS Zenlrun« aufgehört hat, OpposittonS- Partei zu sein, beginnt bei ihm daS Schwanken und daS Entscheiden von Fall zu Fall, ganz wie bei den Nosionalliberalen.(Sehr richtig' bei den Sozialdemokraten.) Herr Gröber sagt, es handele sich in den meisten Fällen der Protestbehauptungen um nichts anderes, als um ganz gelvöhnlichen Wahlklatsch. Und ich gebe ihm von vornherein zu, daß eine ganze Reihe von Protestbehauptungen nicht beweisbar ist. Wenn zum Beispiel ein Pfarrer gesagt haben soll: Wenn Hohenlohe gewählt«verde, so würde es Krieg geben und e- würden den Männern die Köpfe abgehauen werden,' so ist das sicher als univahr anzunehmen; für so dimim, da- zu sagen, halte ich auch Pfarrer nicht.(Heiterkeit.) Alle Fälle aber sind jedenfalls nicht mit dem Worte„Klatsch" abzutun. Und bei der großen Anzahl von behaupteten Fällen ist es notlvendig, daß«vir Beweiserhebungen anstellen. Wenn Herr Gröber so absolut sicher ist, daß alle Behauptungen nichts«veiter als Wahlklatsch sind. io müßte doch auch er dein Antrage auf Beweiserhebung umsomchr zustimmen I Der Antrag Müller-Meiningcn«vill«veiter gar nichts, als daß Untersuchungen angestellt«Verden. Wir«vollen eben wissen: Ist etlvas an den Behauptungen dran oder nicht? Aber sür Sie handelt eS sich nur darum, das Mandat zu behalten, das iin Falle der Nachivahl Ihnen nicht sicher ist. Ihre Gesinnung zeigt stch in Jbren Handlungen. In einem anderen Wahlkreise haben die Konservativen erklärt, eS sei für die konservative Partei und für die konservativen Jnter- essen nicht geeignet, daß die Wahl schon sechs Monate vorher aus« geschrieben würde. Und wie baben Sie eS in dem Falle Braun- Baffermann gemacht? Die Wahlagitation von Beamten gegen die Sozialdein viralen baben Sie zmn Vorwand genommen, die Wahl des Sozialdemokraten zu kassieren. Und Ihre Partei(zum Zentrum) hat dieses Vorgehen gegen den Sozial- demokratcn gebilligt.— Wie haben Sie sich jetzt erst wieder bei den Beamtenbeeinflussungen im Falle Malkewitz gezeigt, und da wollen Sie uns erzählen, daß hier keine Parteiinteresicn mitspielen und, daß Sie die Erhebungen nur deshalb nicht«vünschen, um dem Reichstage unnütze Arbeit zu ersparen? Sie verweisen auf die Erklärungen der Geistlichen. Wir müssen aber«viffen, wie eine solche Erklärung zustande gekommen ist. Der Fall des Pfarrers Geifert, der wegen Meineids verurteilt ist, bereckitigt uns, auch Ihnen gegenüber vorsichtig zu sein. Ich mache die Partei sür die Hand- lung Geiserts nicht verantwortlich, aber«vir müssen dadurch doch vorsichtig werden und untersuchen, ob nicht durch Interessenten Beeinflussungen vorgekonnnen sind. Hätte Herr Gröber für die Vor- kommnisse«virklich eine so große Mißbilligung,«vie er sie hlipothetisch ausgesprochen hat, so gäbe es gar kein besiercs Mittel, diese Mißbilligung auch praftisch zu betätigen, als dadurch, daß Erhebungen angestellt würden; denn dann wüßten die Pfarrer, daß ein solches Verhalten von Ihnen auch wirklich gemißbilligt lvird. Auch«vas Herr Gröber über die Beichte gesagt hat, kann nicht gebilligt werden. Ein Pfarrer kann nicht gezwungen werden, über daS,«vas er im Beichtstühle unter dein Beichtgeheimnis er- fahren hat, auszusagen. Aber sehr«vohl kann er zur Rechenschaft gezogen«Verden, ivcnn er den Beichtstuhl mißbraucht. Sie «Verden doch nicht leugnen können, daß solche Mißbräuche in dem Protest behauptet«verde««. Der Fall zum Beispiel, in welchem einer Frau die Absolution veriveigcrt wurde, falls der Mann nicht Wiltberger wählt, ist ein solcher Mißbrauch. und«im hier und in anderen Fällen prüfen zu können, ob Mißbräuche vorgekommen sind, müssen doch die Fälle erst durch Beweiserhebung testgestellt werden.(Sehr richtig I links.) Solche Mißbräuche sind ebenso zu beurteilen wie mißbräuchliche Anwendung ihrer Macht durch Beamte. Formell ist eS ja ztoar richtig, daß der Geistliche nicht ein Beamter ist. Aber«vie ist denn die gesamte Stellung der katholischen Geist- lichen? Diese müssen sich einer Prüfung unterziehen, um ihr Amt ausführen zu können. Kein Pfarrer kann angestellt tverden, der sein Exainen«licht gemacht hat. Sie«Verden doch alle zugeben, daß ihnen das eine Ausnahmestellung gegen- über den anderen Staatsbürgern gibt, und«venu nun ein Priester auf der Kanzel und im Beichtstuhl Propaganda für oder gegen eine Partei treibt, so ist das doch von wideren Gesichtöpunlten zu be- trachten, als tvenn ein Tischlergeselle Propaganda für seine Partei treibt. ES kann gar keine Rede davon sein, daß ein Geistlicher keine politische Ucberzeugung haben oder sie nicht aussprechen oder sür sie lvirken darf. Aber die K i r ch e. die ihn« vom Staate zur Verfügung gestellt wird, in der kein anderer reden und ihm widersprechen darf, ohne Gefäilgnisstrafe zu er- halten, darf er nicht dazu mißbrauchen. Will er für seine politische Ucberzeugung wirken, so«nag er Versammlungen einberufen, «vie andere Staatsbürger auch.— Herr Gröber sagt, die Annahme sei hinfällig, daß man einen« Geistlichen in der Kirche nicht ant- Worten dürfte; ein ReichSgerichtSerkenntnis gestatte dem Beleidigten die Antlvort. Ja, der Beleidigte war— Prinz Hohenlohe. und Prinz Hohenlohe hätte also antlvorten dürfen, wenn er an- locsend gewesen wäre I Hätte aber irgend ein anderer gewagt, für ihn zu sprechen, so würde er ins Gefängnis gesteckt worden sein. (Sehr richtig! Imks.) Wollen Sie also die Propaganda der Geistlichen. so verzichten Sie auf deren Ausnahinestellung; ihre auf Kosten der Gesellschaft und mit der Autorität der Gejellschaft ausgestatteten Vorrechte sollen sie nicht mißbrauchen. Wollen Sie uns«virklich ein- reden, Sie halten die Propaganda der Geistlichen für bedeutungslos gegenüber der der Staatsbeamten? Wenn der Erzbischof von Breslau einen Hirtenbrief gegen die polnischen Kandidaten erläßt, so soll das keinen Einfluß haben? Wer soll Ihnen das glauben? Ich glaube. Sie glauben das nicht eininal «elber.(Sehr richtig I links.) Kollege Blunienthal hat ganz recht, wenn er sagt, daß der Pfarrer viel mehr Autorität hat als der Bürgermeister. Man soll also nicht Forinalien vorschieben, um den Gruiidsatz verschwinden zu lassen, daß amtliche Wahlbeeinflussungen nicht vorkominen dürfen. Sie haben sich immer auf den Staudpunkt gestellt, die Ivirt- schaftliche Ueberinacht und ihren Mißbrauch könnten wir nicht kon- trollieren; nur«venu der Arbeitgeber den Arbeiter an der Wahl- u r u e kontrolliert, haben Sie das für unzulässig erklärt. Wir stehen auf dem Standpunkte, daß jede Beeinflussung durch den Arbeit» gebcr ein Mißbrauch ist. Wenn Sie die amtliche Wahlbeeinflussung für unzulässig halten, so bleibt Ihnen nichts übrig, als dafür zu stimmen, daß Unter- suchungen darüber angestellt«verdcn, ob hier«vidcrrechtliche Be- einfluffungen vorgekommen sind. Sonst halten Sie die Grundsätze nicht aufrecht, die Sie selbst proklamiert haben. In den von Herrn Spahn aufgestellten Leitsätzen steht:„ES ist eine unzulässige Wahl- beeinflussung, wenn ein Lehrer den Schulkindern Sttmmzettcl für ihre Eltern mttgibt". Dein Lehrer ist also verboten, den Kindern auch i«ur Stiminzettel mitzugeben. Hier aber hat ein Religionslehrer in Ausübung seines AinteS, in der Religionsstunde den Kindern damit gedroht: Wenn ihre Eltern den Prinzen Hohen- lohe wählten, so inüßten sie protestantisch«Verden. Und da- soll erlaubt sein!— Wenn Sie dem Lehrer die Propaganda verbieten, «niissen Sie e- auch bei dem Pfarrer ttu«, und dann müssen Sie dafür stunmen, daß Untersuchungen angestellt tverden dariiber, ob sie vorgekoinmen ist. Sonst bleibt der Verdacht bestehen, daß bei Ihnen lediglich das Parteiinteresse für Ihre Eiltschlicßlingcn maßgebend ist. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Blumenthal(südd. Vp.): Herrn Gröber mochte ich be- merken, daß demokratische Grmidsätze bedeuten: Gleiches Recht für alle! Danach würde also die religiöse Handliing in der Kirche mit der Wahl eines Blireaus beginnen müssen.(Große Heiterkeit.) Dann würde vielleicht ein berühmter Jesuircnvater eine«vahrschein- sich sehr erbauliche Predigt halten. Hiernach aber«vürde ein Jurist. vielleicht Herr Müller-Meiningcn, austreten und seine Ansichten entwickeln. Dann»vürde Herr Gröber aufstehen und ihm die neuesten Entscheidungen des Reichsgerichts entgegenhalte««. Das wäre nicht uninteressant, aber ob es erbaulich wäre, möchte ich bezweifeln.(Große Heiterkeit lmkö.) Abg. Dr. Müllrr-Meiningen(frs. Vp.): Wcim ein Geistlicher nicht gegen eine Pcrsoi«, sondern gegen eine polisische Partei Be- schimpfungen erhebt, würde jeder Ziihörer, der dagegen von dein Rechte der Notwehr Gebrauch machte, unfehlbar verurteilt«verde«,. Daß die Herren hier alle sehr tolerant siird, glauben wir gern. aber eS ist«in klaffender Widerspruch zwischen den Erklärungen der KentrumZabgeordneten und dem Verhalten der katholische» Geistlich keit im Lande. Wenn man Ihnen die Aenßmmgen irgend; eines hohen katholischen Geistlichen anführt, lehnen Sie sie einfach ab: für Sic hier im Hause gibt es überhaupt leine Autorität, Sie schillern je nachdem in den der- schiedensten Farben.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Immer schwarz I) Das Schwarze kommt schließlich immer wieder heraus. Redner verliest aus einem katholischen Werke Verhaltungs maßregeln für Katholiken bei den Wahlen.(Zurufe aus dem Zentrum .Wer ist der Verfasser?") Die Redakteure sind zwei katholische Professoren in Linz.(Große Heiterkeit iin Zentrum.) Ich versiebe Ihr Gelächter nicht. Die katholische Kirche in der ganzen Welt ist doch eine Einheit und wenn man nur an die Grenzen Deutsch lands geht, daim wollen Sie das, was dort geschieht, schon ab' schütteln I? Das ist Ihre altbewährte Taktik.(Lebhafte Zustimmung links, Unruhe im Zentrum.) Abg. Schi-kert(f.): Ter Wähler legt den Zettel in der ver- schlviegenen Heimlichkeit der Zelle ins Kuvert, und wenn ihm auch der Pfarrer einen Wahlzettel in die Hand drückt, so hat er doch Zeit genug, einen Zettel mit dem Namen des ihm genehmen Kandi- daten hineinzulegen. Also wenn nicht gewaltsame Verletzungen des Wahlgeheimnisses vorkommen, so ist das Wahlgeheimnis gesichert. Ob es zulässig ist, die Kanzel oder den Beichtstuhl zur Wahlagitation zu benutzen, sind wir nicht berufen zu entscheiden.(Lebh. Oho-Rufe links.) Das ist Sache der zuständigen Behörden. Wir werden sofort für Gültigkeit der Wahl stimmen. Abg. v. Oertzen(k.): Herr Dr.jMüller-Sagan hat den Satz aus dem Bericht, gegen den er Protest einlegte, falsch verstanden. Es wird darin nur betont, daß die Kommission nicht fchablonen- hast urteilen wolle. Abg. Frhrenbach(Z.�: Gegenüber den Angriffen des Herrn Müller-Meiningen auf die badische katholische Geistlichkeit möchte ich feststellen, daß auf Veranlassung des badischen Iustizmiuisters drei katholische Geistliche wegen unzulässiger Wahlagitation angeklagt und ver- urteilt worden find. Die Linzer Publikation ist von der.Köln. Volksztg." ausdrücklich abgeschüttelt worden. Wenn Herr Müller nicht weiß. was für uns Katholiken eigentlich noch Autorität ist, so will ich ihm antworten: In religiösen Fragen sind uns der Papst und die Bischöfe die höchste Autorität, in allen politischen Angelegenheiten haben wir den ungeheuren Mut. uns als unsere eigene Autorität zu be- trachten.(Lebhaftes Bravo! im Zentrum.)— Die Fälle Geifert und Wittemann hätte Herr Fischer besser getan, nicht zu berühren. Der erste Fall harrt noch der Nevisionseutscheidnng, und nachdem der Amtsgerichtsrat Wittemann auf seinen Eid erklärt hat, seine Aeuße- rung habe nicht gelautet:.Hoffentlich wissen die Zeugen nicht mehr, was sie gesagt haben", sondern:.Hoffentlich ivissen die Zeugen nicht mehr als was Sie gesagt haben", hat niemand das Recht, an der Richtigkeit dieser Interpretation zu zweifeln.(Lebhaftes Bravo I im Zentrum.) Abg. Dr. Müllcr-Sagan(frs. Vp.): Nach den Erklärungen des Herrn Gröber über die Unzulässigkeit politischer Agitation auf der Kanzel hätte ich erwartet, daß das Zentrum für unseren Antrag stimmen würde. Leider habe ich mich über das Gerechtigkeitsgefühl des Zentrums getäuscht. Abg. Fischer(Soz.): Herr Fehrenbach hat mir vorgeworfen, daß ich auf die Fälle Geifert und Wittemann eingegangen bin. Ich habe nur gesagt, daß die Tatsache, daß gegen den Pfarrer Geifert Verurteilung wegen Verleitung zum Meineid erfolgt ist, uns zur Vorsicht mahnen muß. Ich habe ausdrücklich be- tont, daß ich das Zentrum als Partei für das. was ein Einzelner tut, nicht verantwortlich mache. Aber wir haben ein Recht, zu sagen: Das braucht nicht ein einzelner Fall zu sein. Ich frage. kann man rücksichtsvoller von dem Falle Geifert sprechen, als ich es getan habe? Wenn eS sich um einen Sozialdemokraten handelte, hätten Sie zweifellos nicht dieselbe Rücksicht genommen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Fall Geifert liegt in der Tat so schlimm, daß man allerdings sehr leicht Rück- schlösse ziehen könnte. Die Rolle, die der Oberamtsrichter Wittemann gespielt hat. ist noch trauriger als die des Pfarrers Geifert. Der Vorsitzende im Prozeß hat selbst zu Herrn Witlemann gesagt:.Der Brief, den Sie an den Angeklagten geschrieben haben. mutet einen doch recht eigentümlich an." Danach hatte Herr Fehrenbach kein Recht, mir das Eingehen auf diesen Fall zum Borwurf zu machen. Ich möchte die Herren vom Zentrum bitten, die Toleranz, die sie für sich beanspruchen, auch anderen Parteien gegenüber zu üben; wirken Sie dahin, daß Ihre Presse die Abschüttelungen, die wir vornehmen, auch als Abschüttelungen ansehen möge.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Nach einigen Bemerkungen des Abg. Beck- Heidelberg(natl.) schließt die Debatte. Die Abstimmung über den Antrag M ü l l e r- Meiningen auf Beweiserhebung ist namentlich. Es werden 299 Stimmen ab- gegeben. 142 für, 157 g e g e n den Antrag; der Antrag ist sonnt abgelehnt. Mit derselben Majorität wird die Wahl des Abg. Wiltberger für gültig erklärt. Es folgt der Bericht über die Wahl des Abg. v. M a s s o w(k.) (2. Königsberg). Die Kommission beantragt Beweiserhebungen. Der Antrag wird augenommeii. Darauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr. Tagesordnung: Wahlprüfungen, Gesetz betr. Bemessung des KontiligmtsußeS für landwirtschaftliche Brennereien, Vogelschutzgesetz, zweite Beratung eines Gesetzes betr. Abänderung der Gewerbe- ordnung, Petittonen. Schluß 6»/« Uhr. Ens Inclultrie und Ftandd* Zur Hiittenzechenfrage schreibt die„Franks. Ztg.": Die durch daS Reichsgerichtsurteil vom Sonnabend geschaffene Lage beschäftigt die Ocffentlichkeit fortgesetzt in weitestem Maße, und allgemein ist die Ansicht, daß das Kohlensyndikat dadurch vor eine Zerreißprobe gefährlichster Art gestellt werden wird, wenn die Hüttenzechen vtwa jetzt die Situation voll zu ihren Gunsten ausnutzen sollten. Wie schwer die reinen Zechen ihre Nachteile gegenüber den Hütten. zechen empfinden, geht ja am deutlichsten aus der gemeldeten An- fechtung des Syndikatsvertragcs durch die Harpener Gesellschaft her- vor. Dem Anscheine nach ist dieser von Harpen allen Zechen offiziell mitgeteilte Schritt nicht ein rein formaler, in Uebcreinstimmung mit der Syndikatsleitung erfolgter, wie gestern vielfach angenommen wurde, sondern vielmehr ein sehr ernster Gegenschachzug dieser größten reinen Syndikatszeche und jedenfalls ein deutliches Memento an die Hüttenzechen, nicht allzu siegesfreudig zu sein, zugleich ein gewichtiges Hindernis gegen etwaige sofortige weitgehende Ver- fchmelzungspläne, mit denen natürlich bis zur definitiven Klar- ftellung der nun wieder in Zweifel gesetzten Rechtslage gewartet werden müßte. Diese wird jetzt woh� richtig dahin interpretiert, daß künfttg jede reine Zeche die Hüttcn-Oualität erlangt, wenn sie mit einer Hüttenzeche verschmolzen wird, und daß ferner jede Hütte, die einer Hüttenzeche verbunden wird, von deren Kohlen syndikats- frei versorgt werden kann; nur durch Verbindung einer reinen Zeche und einer reinen Hütte entsteht keine Hüttenzeche. Das ist etwas weniger als man zuerst annahm, aber immer noch zu viel für den Bestand des Syndikats. Denn es bedeutet, daß jede Hüttenzeche, auch die kleinste, in beliebigem Matze reine Hütten und reine Zechen sich angliedern kann, um dem ganzen Komplex die Hüttenzechenvorrechte zu verschaffen. Um zwei in den letzten Tagen allgemein erörterte Beispiele zu gebrauchen:� wenn der Schalter Grubenverein, der durch seine Zeche Pluto Hütenzeche ist, erst das reine Hüttenwerk Rote Erde und dann die reine Zeche Gelsenkirchen„erwirbt", so dürfen Pluto und Gelscnkirchen zu- sammen den ganzen Kohlenbedarf von Schalke und Rote Erde direkt liefern, ohne Umlage und ohne Anrechnung auf die Be- teiligung beim Syndikat, die für alle Zechen zusammengeworfen wird; wenn Rombach und Harpen sich fusionieren wollten, so gäbe das keine Hüttenzeche, wohl aber, wenn Rombach sich von einer Hüttenzeche aufnehmen ließe(die ja ruhig viel kleiner sein könnte als Rombach selbst) und wenn dieses GÜilde dann Harpen auf- nähme! Natürlich gelte das gleiche von allen weiteren reinen Hütten und reinen Zechen, die dann an einen solchen Konzern ack libitum angegliedert werden könnten. Der Vertrustung der MontSli- industrie sind also tatsächlich unbegrenzte Möglichkeiten geöffnet. und für die reinen Zechen entsteht die Gefahr des Verschwindens ihrer wichtigsten Abnehmer, der reinen Hütten, deren Koksverbrauch für sie geradezu eine Lebensbedingung ist. In der Tat, in schlimmere Sackgassen konnte wohl die Kohlenindustrie nicht geführt werden, als jetzt durch diesen„Konstruktionsfehler" des Syndikats' Vertrages. Warnung vor dem Süden der Bereinigten Staaten. Aus den Südstaaten wird der„New Dorker Volkszeitung" geschrieben:„Seit eine Dampfschifflinie zwischen Europa und zwei südlichen Häfen in unserem Lande hergestellt worden ist, suchen gewiffe Agenten Einwanderer zu veranlassen, die südlichen Staaten zu besiedeln. Die Bourbonen dieses Landesteiles, die in ihrer Behandlung des Negers diesen quasi als vogelfrei hinstellen, die sowohl die Menschen- rechte mit Füßen treten als auch die politischen Rechte, Welche die Bundesverfassung den Negern garantiert, wünschen sich, da der Neger trotz aller Hindernisse in Bildung und Besitz sich empor arbeitet und somit nicht mehr das geduldige Schaf ist, das die geistig und sittlich verrottete weiße Oligarchie der Tillmans, Smiths und Vardamans scheren konnte und noch scheren möchte, eine Ein- Wanderung nach ihrem Herzen zu sichern. Wehe solchen Unseligen, die dahin sich wenden I Englischsprechende und Deutsche sind wohl zumeist gewarnt durch ihre Zeitungen. Wer warnt aber die Böhmen, Polen, Ungarn u. a.? Hier könnte und sollte die inter nationale sozialistische Presse wirksam sein. Regen Sie es bei den slawischen Genossen an. Man warne die slawischen und italienischen Arbeiter vor dem Süden." Die„New Dorker Volkszeitung" bemerkt dazu:„Soweit das Schreiben, das sich selbst erklärt. Die sozialistische Presse Europas sollte der Sache Aufmerksamkeit schenken. Vielleicht wäre es auch angebracht, wenn das Internationale Sozialistische Bureau in Brüssel sich einmal mit der Angelegenheit beschäftigte." Dividenden. Die Rixdorfer Vereinsbrauerei will für das letzte Jahr 14 Proz. auf Prioritätsaktien und 12 Proz. auf Stamm- aktien ausschütten.— Auf 7 Proz. ist die Dividende der Spandauer Bergbrauerei bemessen.— Die Bergschloßbrauerei Berlin soll 22 Proz. herausbringen.— 12 Proz. sollen die Aktionäre der Germania-Brauerei Dortmund erhalten. Rußlands Gedeihen. In den ersten drei Onartalen 1905 hatte Deutschland aus Rußland erst 1S.25 Doppelzentner Gold bekommen, im entsprechenden Zeiträume 1906 dagegen beträgt die Einfuhr schon 601,50 Doppelzentner. Dem Werte nach repräsentieren 600 Dovpel- zentner zwischen 150—160 Millionen Mark. Diese starke Gold- ausfuhr geht Hand in Hand mit einer forcierten Ausfuhr von Er- zeuguisieu des Ackerbaues, der Viehzucht und der Forstwirtschaft. Im gegenüber den starken Goldentziehnngen ein Gegengewicht zu chaffen, sucht man an Getreide. Holz, Geflügel, Eier. Butter usw. oviel wie nur möglich am Auslände zu verdienen. Auch Deutschland gegenüber hat Rußland die Ausfuhr genannter Artikel zu steigern vermocht. Bon Getreide haben wir im laufenden Jahre aus Rußland Roggen und Gerste mehr bezogen, dagegen Weizen und namentlich Hafer weniger. Ganz auffallend ist die Steigerung der Ausfuhr bei Geflügel, bei Eiern sowie bei Bau- und Nutzholz. Die Zunahme des Holzexports läßt auf eine ziemlich starke Äbholzung der russischen Forsten schließen. Zu dem Bilde paßt weiter, daß Rußland mehr Pulver, aber weniger geistige Nahrung konsumiert. Die Einfuhr von Munition ist gestiegen, dagegen hat die Ausnahmefähigkeit des russischen Marktes für literarische Erzeugnisse nachgelassen. Gesetzentwurf zum amerikanischen Notenbankgesetz. Die Aus. 'chüsse der Vereinigung amerikanischer Bankiers� und der New Yorker Handelskammer haben sich über die Grundzüge eines Gesetz- entwurfeS betreffend die Ausgabe von Kreditbanknoten zur Be- Hebung der finanziellen Schwierigkeiten verständigt. Der Entwurf öll dem Kongreß in der nächsten Tagung unterbreitet werden. Auf örund dieses Gesetzes sollen die Nationalbanken, welche einen Re- ervefonds von 20 Proz. ihres Grundkapitals haben, bei der staat- lichen Aufsichtsbehörde die Genehmigung zur Ausgabe von Kredit- noten in Höhe bis zu 40 Proz. ihres Kapitals beantragen können. Der Notenumlauf unterliegt einer jährlichen Steuer von 2*6 Proz. Die Banken sollen auch einen weiteren Betrag an Kreditnoten in Höhe von 12(4 Proz. ihres Kapitals gegen eine Steuer von 5 Proz. ausgeben dürfen. Aus dem Ertrag der Steuern soll ein Garantie- fonds zur Einlösung der Noten von fallit gewordenen Banken ge- bildet werden. Huö der frauenbewegung» Bürgerliche und proletarische Ethik. Vor einer überfüllten Versammlung des Vereins für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse sprach am Montag, den 12. Novcm- ber, Henriette Roland-Holjt über„Bürgerliche und prole- tarische Ethit". Di« Referentin wurde von der Vorsitzenden, Frau Stock, im Namen des Vereins zunächst herzlich bewillkommnet und führte dann in fast zweistündigem, von der Versammlung mit lebhaftester Aufmerksamkeit verfolgten Vortrag etwa folgendes aus: Um die EntWickelung und das Wesen der Ethik zu begreifen, müßte man die mannigfachsten wiffenschafilichcn Disziplinen zu Hülfe nehmen, die Biologie, die Psychologie, die Soziologie usw. Ich will mich hier darauf beschränken, die Bedingungen darzulegen, unter denen die ungleichartigen ethischen Anschauungen der Bourgeoisie und des Proletariats erwachsen sind. Die Verschieden- heit ihrer Moralbegriffe ist zurückzuführen auf die verschiedene Stellung dieser Gesellschaftsklassen innerhalb deL Produktions- Prozesses. Denn nicht, wie man einst annahm, religiöse� Vor- stellungcn oder, wie man später glaubte, die„Vernunft" de» Menschen ist die Quelle seiner Ethik; nicht jene gilt es deshalb zu studieren: es gilt vielmehr die gesellschaftlichen Zusammenhänge zu ergründen. Was eine bestimmte Gesellschaft fördert, hat stets für sittlich gegolten, was sie hemmt, für unsittlich. Mit den Wand- jungen der Gesellschaftsformen ist demzufolge auch die Moral steten Aenderungen unterworfen. Das Mittelalter, die Zeit des Rittertums, entwickelt an erster Stelle die ritterlichen Tugenden: Mut. Tapferkeit, Gastfreund- fchaft. Die Herrschaft des Bürgertums löst diese Rittermoral langsam auf und setzt an deren Statt eine Art Erwerbsmoral. Heute vollzieht sich vor unseren Augen ein Kampf zwischen bürger- sicher und proletarischer Ethik. Nicht als ob Bourgeoisie und Proletariat über jede rein menschliche bewertbare Handlung un- bedingt verschieden urteilen müßten; aber dort, wo der Klassen. kämpf, die Grundlage aller geschichtlichen EntWickelung, in Frage kommt, werden stets abweichende ethische Anschauungen in den beiden Gesellschaftsklassen zutage treten. So bei dem Urteil über die Arbeitswilligen in Streiks, wie das z. B. bei dem großen Bahn- arbeiterstreik in Holland im Jahre 1S03 klar beobachtet werden konnte. Als die zwei großen Hauptformen der Produktion müssen wir die ursprüngliche Produktion für den eigenen Bedarf und die Warenproduktion unterscheiden. Solange die erste Form die herrschende war— sei eS im Urkommunismus, sei eS später mit privatem Eigentum an Grund und Boden—, lagen die Verhältnisse der Menschen untereinander klar und offen vor Augen. Die Einzelpersönlichkcit und ihr moralisches Verhalten hatte cnt- scheidende Bedeutung. Mut nach außen, Beredsamkeit den Ge- Nossen gegenüber, hauptsächlich aber Treue als Grundlage der Persönlichen Beziehungen wurden deshalb als höchste Tugenden gewertet.. Sobald die Warenproduktion allgemeine Geltung erlangt. werden dagegen die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen untereinander höchst widerspruchsvolle. Die Ware wird Träger dc3 Wertes. Das Wertgesetz, das sich unabhängig vom Einzclwillcn durchsetzt, wird als etwas Geheimnisvolles empfunden. Die ge- sellschaftlichen Verhältnisse scheinen nicht länger persönliche Ver- Hältnisse, sondern sind versteckt unter dinglicher Hülle. Damit machen zugleich die ethischen Anschauungen eine ungeheure Wand- lung durch. Das Persönliche in den menschlichen Beziehungen und damit der Wert der Persönlichkeit tritt zurück, das Dmg. das Eigentum steigt an Wert. An Stelle der Treue wird nun die Ehrlichkeit moralisch am höchsten gewcrtct, die Eigenschaft, ohne die eine Gesellschaft des entwickelten Waren- und Kredit- Verkehrs unmöglich bestehen könnte. Diese Wandlung spiegelt sich deutlich in den Rechtsbegriffen. In allen früheren Gescllschafts- formen wird jeder einem anderen zugefügte Schaden an Leib und Leben schwer gerächt, Eigcntumsvergchen dagegen sehr mild be- straft. Heute wird jede Eigentumsverletzung streng geahndet; aber der Unternehmer durfte dem Proletariat durch unhygienische Ar- bcitsbcdingungcn und übermäßige Arbeitszeit, durch krasse Aus» Nutzung von Frauen- und Kinderarbeit schwere Gesundheits- schädigungen zufügen. In der kapitalistischen Produktion werden auf der einen Seite durch immer fortschreitende Arbeitsteilung die einzelnen mehr und mehr voneinander abhängig; andererseits entwickeln sich durch die allgemeine Herrschaft der Konkurrenz und die Jagd nach r o f i t die schärfsten Interessengegensätze. Die Sucht nach Profit verschlingt alle anderen Rücksichten. Da, wo starke Ar- beiterorganisationen bestehen, sind allerdings die schlimmsten Formen der Ausbeutung beseitigt; wo das indessen noch nicht der Fall ist, wie z. B. bei den ganz unorganisierten eingewanderten Arbeitern Nordamerikas, herrschen noch heute die furchtbarsten Zustände, wie sie eben jetzt Upton Sinclair in seinem berühmt gewordenen Roman geschildert hat. Die Bourgeoisie ist nun nicht die erste Gesellschaftsklasse, die auf der Ausbeutung anderer beruht. Aber sie ist die erste, die diese Ausbeutung unter der Form persönlicher Freiheit übt. Das Bürgertum brauchte Freiheit und Gleichheit nach außen, um sich wirtschaftlich voll betätigen z» können. Indessen Freiheit und Gleichheit sind in der kapitalistischen Welt nur Schein. Tarunter lauert die tiefste ökonomische Ungleichheit. Der Arbeiter besitzt nur die Freiheit zu verhungern, wenn ihm die Bedingungen des Unternehmers nicht passen. Diese gesellschaftliche Lüge wurde durch die proletarische Kritik enthüllt. Für die Bourgeoisie ist aber diese Lüge unentbehrlich und unausrottbar. Auf ihr baut sich ihre Jurisdiktion, ihre Literatur, ihre Liebes- und Eheanschauung, kurz, ihr gesamter geistiger Ueberbau auf. Deshalb ist ein tiefer Zug moralischer Heuchelei das Grundmerimal der bürgerlichen Gesellschaft. Diese Heuchelei war latent, solange die Bourgeoisie noch anderen reaktionären Klaffen gegenüber eine revolutionäre Klasse war; sie tritt offen zutage mit der vollen Herrschaft des Bürgertums. Heute ist nun die Bourgeoisie als Trägerin des Kapitalismus bereits zu einer Fessel der Produktion geworden, wie dies in der Bildung von Trusts und Kartellen mit ihrer künstlichen Pro- duktionseinschränkung offenbar wird. Hand in Hand damit geht die wachsende Reife des Proletariats, seine wachsende Fähigkeit zur elbständigen Leitung der Produktion. Zugleich überlebt sich mehr und mehr die bürgerliche Ethik und macht der proletarischen Platz. Was einst gut war, wird nun schlecht. Zur Zeit seines geschicht- lichen Aufstieges glaubte das Bürgertum aufrichtig an seine eigenen moralischen Ideale; jetzt beginnt dieser Glaube zu wanken. Heuchelei oder aber offener Zynismus treten an seine Stelle. Offener Zynismus, der stets eine der deutlichsten Verfalls- erscheinungen war und sich daher stets in allen Perioden unter- gehender Gesellschaftsschichten, wie z. B. in der Gesellschaft der italienischen Renaissancezeit, in hervorragendem Maße entwickelt hat. Die feiner beanlagten Naturen im Bürgertun: reagieren auf den Zerfall der bürgerlichen Moral in anderer Weise. Sie 'chwanken zwischen bürgerlicher und proletarischer Ethik oder ringen sich— wenigstens zu einem Teil— offen zur vollen An» erkennung der proletarischen Moral hindurch. Worin besteht nun die Moral des Proletariats? Alle unter- drückten Klassen haben an sich stärkere soziale Neigungen als die herrschenden, weil sie sich im Zusammenschluß besser durchzuschlagen vermögen. Diese sozialen Instinkte werden naturgemäß sehr viel verstärkt, sobald die unterdrückte Klasse zu einer kämpfenden wird. So ist auch die neue proletarische Ethik vorwiegend eine Ethik dcS Kampfes. Die Arbeiterschaft kann si chaus der Ausbeutung, die 'eben einzelnen bedroht, nur emporringen durch festes Zusammen- halten, durch gemeinsamen Kampf. Sie muß deshalb die höchste Form sozialer Gesinnung, das Gefühl der Solidarität, in stärkstem Maße entwickeln. Niemals vermag die Bourgeoisie die hohe Wertung der Solidarität im Proletariat zu begreifen. Sie spottet ihrer, solange die Macht der Arbeiterschaft noch gering ist; sie haßt sie, wo sie diese Macht fürchten muß. Solidarisches Empfinden erheischt Unterordnung unter gemeinsame Beschlüsse, selbst wo diese gegen die eigene Ucberzeugung gehen. Der gemeinsame Kampfes. Die Arbeiterschaft kann sich aus der Ausbeutung, die von der Einsicht in die gesellschaftliche Entwickelung. Was ruft die Unzufriedenheit der Arbeiterschaft mit den be- stehenden Zuständen hervor? Das Schauspiel des Widerspruchs zwischen ihrer eigenen Lage und der gewaltigen Ergiebigkeit des Kapitals. Der Marxismus hat diesen Widerspruch, seinen Ursprung und seine Folgen aufgedeckt; er hat das Proletariat die bestehende Gesellschaft begreifen gelehrt. Die Begehrlichkeit der Arbeiter- schaft. die jener Widerspruch erzeugte, den Haß gegen dm Kapitalismus, die revolutionäre Gärung im Proletariat hat der Marxismus zum revolutionären Bewußtsein emporgehoben; er hat der Arbeiterschaft das Ideal des Sozialismus gegeben und ihr dm Weg zu diesem großen Ziel gewiesen. So haben die neuen prole- tarischen Tugenden: Empörungsmut,.Kampffreudigkeit. Auf- opfcrung, Hingebung an das gemeinsame Ziel, die alle den Unter- drückten lange gepredigte Moral der Entsagung und Bescheiden- heit, des anspruchslosen Fleißes und der Sparsamkeit getötet, und diese Tugenden stehen nicht geringer an menschlichem und ethischem Wert, weil die sozialistische Erkenntnis sich ihres Zusammen- Hanges mit den materiellen DascinSbedingungen der Arbeiterklasse voll bewußt ist. Diese Erkenntnis— die gcschichtSmatcriajistische Begründung der Ethik— die so oft von den Gegnern aufs heftigste angegriffen worden ist. bat uns Gerechtigkeit auch gegen unsere Feinde gelehrt. Sie hat überall da, wo das Proletariat die Macht gewann, wie unter der kurzen Herrschaft der Kommune oder in den siegreichen Momenten der glorreichen russiscken Revolution, gelehrt, den Kampf human und ohne brutalen Haß zu führen. Die sozialistische Erkenntnis wird das Proletariat weiter leiten in der großen geschichtlichen Bewegung, in der es steht, und in dieser Bewegung werden die im Kampfe gewonnenen Tugenden. wird die neue proletarische Ethik sich zum Heile der Menschheit betätigen. t Für die interessanten, lebendig vorgetragenen Ausführungen der Referentin dankte die Versammlung durch stürmischen Beifall. Eine Diskussion des Vortrages fand nicht statt. Versaminlungen— Veranstaltungen. Berlin. Montag, 26. November, 8'/, Uhr. im Neuen Kluhhause: Oeffentlicke Ver'nmmlnng. Vortrag:„Unsere kommunalen Forde- runaen". Wabl der Delegierten zum Preußentag. Fricdrichshngca. Montag, 19/ November. 8>/z Uhr. im MlhelmSbad: Vortrag.___ «vaslersinii» am 16. November. Elbe bei Auista__ Ktfer, bei Dresden— 1,35 Weier, bei Magbeburg+ 1,02 flttev.— 11„ st r»> bei Straimwrt— Meier.— Oder bei Ratibor 1.03 Meter.— Reiße» mündung 1,15 Meter.—Oder bei Brieg-t- 1.7s Meter»-Oder bei Breslau Unterpezel— 1,48 Meter. Sonntag, den 18. November 1906, abends 6 Uhr! Uersammlungder Stellmacher mit auschließkudem geselligen Seisammensein im„ltoaontdalei? Hof", liosentlialer'ati'aß« 11— IS. Tages-Ordnung: 1. Bortrag der Genossin Frl..4ngn»t« Kadett über: ,DaS Familienleben in der heutigen Gescllschasl". 2. Diskussion. 97/1 Nach dem Vortrage:_ Geselliges Beisammensein mit Tanz. 9U dieser Versammlung werde» alle Kollegen mit ihren Frauen zc. höflichst eingeladen. Bie Kommission. KTbie lichst ewg Verband der baugewerbl. Hülfsarbeiter Deutscbl. Zweigverein Berlin nnd Umgegend. Sektion der Krunneubauer und Hiilfsarbriter. Sonntag, de» 13. November 1906. vormittags 10 Uhr, bei.4.ngnstln, Oranicnstrahe 103: Mitglieder-Versammlungs Sektion der Rohrer. Tonntag, den 18. November 1906, vormittags 10 Uhr, bei Merkowski, Andreasstratze 26: Mitglieder-Versammlung. Sektion derDeckenbranche. Zlontag, den 19. November, abends 8 Uhr, bei Wohlfahrt, Rosenthalcrstr. 57: Mitglieder-Versammlung Tagesordnung wird in den Versammlungen bekannt gemacht. 47/13 Recht regen Bersammlungsbesuch erwartet Der Zweigvereinsvorstand. Mobelpolterer. Montag, den 19. November, abends 8 Uhr, im„Märkischen Hof", Admiralstrahe 18o, I: Versliliiilllmig aller MöbtlMllgaDiirbtitlr. Tagcs-Ordnnng: 1. L o r t r a g dcS MagazinarbeitcrS Kollegen Lleudr über„Die Wirt- schaftliche Lag« der Magazinarbeiter*. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. NB. Da in dieser Versammlung einmal die Mißstände in den MagazWen rückhaltlos erörtert werden sollen, so ist unbedingtes Er- scheinen eines jeden MagazmarbeiterS dringend ersorderllch. Der Ohmann. Zentralverband d« Maschinisten und Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands. Terwaltnngsstelle Berlin nnd Umgegend. Tonntag, den 18. November, nachmittags 4 Uhr, bei Bercht, Rittcrstr. 7S! $0" Versammlung TageS-Ordnung: 140/2 B ortrag des Genossen S»»»«nd»cd. Verschiedenes. Fragelasten nnd Ausnahme neuer Mitglieder. Zahlreiches Erscheinen ersucht Die Lrtsvcrwaltuug. Sozialdemokrat. Kreiswahlverein für Potsdam- Spandau- OsthaYelland. So««t«g, den 9. Dezember, vormittags 9 Uhr, im Saale des Herrn Klemm in Ketzin: General-Bersammlnug. Tages-Ordnung: 1. Die Lage der Staatsarbeiter. Referent Pieser-Spandau. 2. Die Tätigkeit des preußischen Landtages und die Landtags- Wahlen 1908. Referent Dr. Karl Liebknecht. 297/2 3. Der internationale Kongreß in Stuttgart. 4. Wahlen der Delegierten zum Preußentag. 6. Verschiedenes. —— Anträge sind dem Unterzeichneten einzureichen.- _ Aug. Paris, Borsitzender. Velten, Luisenstr. 17. E. G. m. b. H. Sonnabend, den 34. November, abends 8 Uhr: Seneral-Versammlung in Bayers Gesellschattshaas, Adlershof, Bismarckftr. 10. TageS-Ordnung: 1. Geschäftsbericht deS Vorstandes für daS Geschäftsjahr 1905/06. 2. Bericht des Ausstchtsrates. 3. Verlesung deS RevisionSberichtcS des BerbandSrevisorS. 4. Genehmigung der Bilanz und Entlastung des Vorstandes. b. Neuwahlen und Ergänzungswahlen des AussichtsrateS und Vorstandes. 6. Anträge der Verwaltung: a) Kapitalbeschassung eventuell Beschlußsassung über Ausgabe von .HauSantcilen und Errichtung einer Sparkasse: d) Beschlußsassung über die Unterstützung im TodeSsalle der Mst- glieder und deren minderjährigen Faintlienangehörlgen; e) Erhöhung der Entschädigung an die Mitgveder des AussichtSrateS. 7. Berteilunz dcS Reingewinns. 8. Sonttiae Anträgt. Anträge von Rlitgliedern müssen nach§ 13 des Statuts bis zum 15. d.M schriftlich bei dem Vorstand« eingereicht sein.,. � � � Nach dem Turnus scheiden vom Ausnchtorate auS: Joel Gerhard- Adlershof, Panl Bummitsch- fllMccshof und Bmil Keyen- Grüna«. Freiwillig scheiden auS: Hermann«ehnis-»dierShof. Emil Bücke. Ält-Giieuiltc und Hermann biteinik- Grüna«. Vom Vorstande scheidet aus �ngnst biitske» Alt-Glte«icke. Die Genossen sind wieder wählbar. 207/16» Der Borstand: Ben». Hlldebrandt. Will». Kohl. Angnst Süskc. _ Der«ufsichtsrat: Joe» Gerhard._ Einzelverkauf Zu Engrospreisen. Eigene Werkstütte."MW Krüger, Kürscltnermstr. Grolles Lager aller Pelzarten. Billigste Preise. Kein Laden. mnzlaaer Allee 210, per«. ggf Einzelverkauf zu Engro: ?ßlzstoIas MARKE SALAMANDEB jj Beetee Erzeugnis der v'/ deutschen SchnhindustHe" Et nheltsprels f Or Dames u- Herren Mk. 18.60 In LaxuMuefOhrasg,,,,. MlulaeO SALAMANDER Schuh geielleehaft m. b. H. Berlin W. Friedrich aStrasso 183 C. KöniU«Jtrsesc 47 SW> Fried rieh•Strasse 331. Fordorn Jtm neue» Mumterbuek. 0LM6 Eleganter Winter-Paletot für Herren 24 Mark in den neuesten karierten, gestreiften und solide gemusterten btoö-Arten vorrätig. Rervorragcnde Salfon-ftoifKit! Vornehme Ä Moderner Aasstattnng Schnitt Confections-Haus SW. Triedrichstrassc 7 (am Belle-AIliance PIatz) 37W. Turm-Strasse 30a (Ecke der Wilhelmshaveoer Strasse). Jkdn Arbeiter, Jeder Handwerker sollte zur Hrbcit die Lederhose Herknlea tragen. Allein-Verkaus. 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I, �MRVnm»'j?�M hallern, S Glocken und über dem Ganzen, tn bunten Farben prangend, der Engel Gruß!„Ehre ee> Sott In der Höhe", welcher am Fuße deS Geläute? mit dem Friede auf Erden und den Menschen sin Wchleefsllen" seinen Abschluß ------•"■-- Ah.(Billigere schon von zelnen GelSuien. 3 Engeln. S Kerzenhaltern. S Slocken und allem Lubehör nur\ Mk. Auaführung Nr. 3, mst I Geläut, l Engel. 2 Kerzenhnltern und 3 Glocken und allem Lubehor kostet nur 0� Pfg. Porto heyischnahmuendunq 40 Pfg. bei Einsendung deS BettageS, �uSfühnnig Nr.» 'g.. 2 btS 18 Stück g 40 � tosten Wiederverkäufer ÄSU6' nur 80 Pfg Porto. von mindestens 6 Stück eesv-v««»»w. nuvii ws von�einer Sorte oder von ollen 3Sorten sortiert Wh, bei mindestens l2St.tv°/o. beimlndestens b0 St. 20°,««. bei mindestens 100 St. 2«°,°»sdsft. 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Mts,, gestorben ist, Die Beerdigung sindct am Sonntag, den 18. d, MtS,, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Krankenhauses Moabit, Birkenstraße, auS nach dem neuen Johannis-Kirchhose, Plötzen- see, statt. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht 0«r Vorstand. Verband d. baugewerbiiehen Hülfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Bezirk Zehlendorf. Nachruf. Am 12. November verstarb unser Kollege 47/14 UmrA Mihle nach kurzem Krankenlager. Ehre seinem Andenken! Oer Zweigvereinsverstand, Dr. Tvkünvmsnn Spezial-Arzt für 26062* Haut- nntl Harnloiden, Francukrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schützenstr. 10-2, 5-7, Sonnt, 10-12 Uhr. Größte Spezial- Pelzwaren-, Mund Mützen- " Fabrik des Nordens. Sämtl. Polzwaren werden in eigen. Werkstatt angefertigt. Reparatur. schrieU und sauber. Herrn. Ziegner, Kürfchncnrirtr., Brunnenstr. 33. Nathan Aland 139 Tkaliüerstr. 189. 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Bericht des Vorstandes: a) des Vorsitzende», b) des Kassierers. 2. Bericht von der Gaukonsercnz. 3. Neuwahl des Gauvorstandes. 4. Anträge. 187/12 Buch legiiimicet. JM- Wir erwarten, dasi die Mitglieder pünktlich erscheinen, damit dir Versammlung präzise erössnet werden kann. Zahlreichen Besuch erwartet IHv Opturvepwaltnng. Deutscher Metallarbeiter verbanä. Arbeitsnachweis: Zimmer 34, Amt IT, 3353. Verwaltungsstelle Berlin. Ensol-Vfer 15. Haapt-Barean: Zimmer 1—5. AmtIV, 0670. Sonatag, den 18. November, vorm. 10 Uhr, in der Neuen Welt, Hasenheide 108/114: General«V ersammlung. Tages-Ordnung: 160/1 1. Bericht der Kommission in der Angelegenheit W ü ck e. 2. KassenScricht vom 3. Quartal und Bericht der Revisoren. 3. Neuwahl der Revisoren. 4. An die Verwaltung gelangte Anträge. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Tie Qrtsverwaltung. Orts- Kranke»»tasse der ftandsehiiliRiaeher und verwandten Gewerbe zn Berlin. Sonnabend, den 84. November, abends 8'/» Uhr, im Lokale Prath mann, Vctcraiicnstr. 18: ----------- Allgemeine=- Tages-Ordnung: 1, Wahl der Delegierten pro 1307. 2. Verschiedenes. Hieran anschließend findet in dem- selben Lokale eine Ordentllehe General-Versammlung der Delegierte» statt. Tagesordnung: 4. Neuwahl zum Vorstande(zwei Arbeitnehmer, ein Arbeitgeber). 2. Wahl der Revisoren sür die Lahresrechnung pro 1306. 3. Antrag des Vorstandes aus Ab- änderung des Statuts. 4. Verschiedenes. Die Mitglieder und deren Arbeit- gcber werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Berlin, den 17. November 1906. Ter Borstand. 278/18 I. A.: H. Hinz. Vorsitzender. Gegründet 1864. Pelziren- MM. 21 n (Ordonnanzhaus). wie alljährlich nach beendeter Engros- Salson. �elz-Stolas Alujsen, ?elzhflfe, schick garniert,(ederleicbt. zu fabelhaft billigen Preisen. Sonntags genffnuf. 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Invalidenstr. 148, Ecke Bergstr. .Terusalenierstr.41, Eck. Krausenst. Kaiser Wilhelmstr. 19,Eck.Münzst. Markgrafenstr. 17, Ecke.1 unkers tr. Oranienstr. 30, Ecke Adalbertstr. Potsdamerstr. 57/58, Eck. Bülowstr. Prinzeustr. 91, Ecke Ritterstr. Eosenthalerstr. 48, EckeN. Schön- hauseratraße. ühlandstr. 33, E.Lietzenburgerstr. Wallstr. 14a, Ecke Neue Grünstr. Wienerstr. 22, Ecke Grünauerstr. Rlxdorf: Bergstr. 146. 'Sine Mark wöchentliche Teilzahlung liefere slegznMIggtaiirnoöM Bestellungen nach Mas», tadellose Ausführung i.eigencrWevkstatt. Lpezial-Geschaif für# Herren-Bekleidung. Stein Waren-Kredithaus. J. Kurzberg An der Janoowitzbrücke I, I. W> Bahnhof Jannowltzbriloke. m PP Ttfn St Reiseimlster werden einz. IwtaiUIad spottbillig abgegeben im EngroSgeschäst Neuer Markt 181.• MWlZllM ZWZA □ □ SondersAngebot Pleischwaren von Sonnabend, den 17,, bis Dienstag, den 20. November, - so lange Vorrat.== Bitte besichtigen Sie unsere Spielwaren-Ausstellung. Verantwortlicher Redakteur: Hav» Weber, verlin. Für de» Inseratenteil ver«itw.:Tt.Vl«cke, verlin. Druck u. Verlag: Vörvärt»»uchdnlderei u. Verlogsanstal, Paul Singer L- To., Berlin SV» |!r. 269. 28. Jahrgang. 2, Kilm Ks.Amiirts" Snlim WlksM Sonnabend, 17. November Mk. Pro und contra. Nachdem wir gestern den Backhaus schen Artikel wieder- gegeben haben, der sich für den Buchdruckertarif aussprach, lassen wir nachstehend K a u t k h s Begründung seines Standpunktes folgen: II. Nochmals der neue Buchdruckertarif. Eine Entgegnung von K. K a u t s k y. Genosse Backhaus bestreitet meine Behauptung, dah die ge- werkschaftlicheTaktik des Buchdruckerverbandes Bankrott gemacht Hobe. Der Begriff des Bankrotts ist freil'ch ein relativer. Er hängt nicht bloß von der Höhe des Erfolges ab, den ein Unter- nehmen erzielt, sondern auch von der Höhe des Erfolges, den man von ihm erwartet. Wenn der eine ein gutes Geschäft dort sieht, wo der andere einen Bankrott konstatiert, braucht der Unterschied in der Auffassung nicht daher zu rühren, daß beide über die tat- sächlich erreichten Erfolge verschiedener Meinung sind; er kann auch daraus entspringen, daß sich die Anforderungen der beiden unterscheiden, der eine weit anspruchsloser ist als der andere. Und es scheint mir allerdings, daß an Bescheidenheit der Forderungen Genosse Backhaus und die sonstigen Verfechter des neuen Tarifs nichts zu wünschen übrig lassen. Indes auch ihnen gegenüber bleibe ich bei meiner Behauptung vom Bankrott der Taktik des Buchdruckerverbandes, ja ich bin so- gar der Meinung, daß der zureichende Grund für diesen Satz eine vierfache Wurzel hat, nach vier verschiedenen Richtungen hin bewiesen werden kann. Zunächst bedeutet der neue Tarif den Bankrott der gewcrk- schaftlichen Theorie, auf der diese Taktik aufgebaut ist, der Theorie, daß die bloße gewerkschaftliche Organisation ohne Kampf mit den Unternehmern, schon infolge des Wachsens der Kultur und der sozialpolitischen Einsicht in allen Klassen genüge, ein stetiges Aufsteigen der Arbeiter zu sichern. Der neue Tarif bringt den Buchdruckern eine zchnprozentige Lohnerhöhung in einer Zeit allgemeiner Teuerung, eines Anwachsens der Lebensmittelpreise um 15 bis 20 Proz. Das heißt, das Steigen des G e l d l o h n s ist unzureichend, das Steigen der Warenpreise weit zu machen, der reale Lohn, die Menge der Lebensmittel, über die der Buchdrucker verfügt, sinkt im Bcr- gleich zum letzten Tarif. Die Arbeitszeit wird wohl gleichzeitig um eine halbe Stunde pro Woche verringert. Aber da inzwischen durch mannig- fache Methoden die Intensität der Arbeit bedeutend gestiegen ist, erweist sich diese unbedeutende Verkürzung als unzureichend, das Plus an Verausgabung von Arbeitskraft auszugleichen, das aus der gewachsenen Intensität der Arbeit entspringt. Seit 1901'st also der Reallohn gesunken und die Arbeitslei st ung gc stiegen, und der neue Tarif geht nicht einmal so weit, dies völlig auszugleichen und den Zustand von 1901 herzustellen, sondern er bleibt hinter diesem zurück. Er legt demnach nicht eine Verbesserung, sondern eine V e r- schlechterung der Lage der Buchdrucker für die nächsten Jahre fest. Die Taktik des Buchdruckerverbandes erweist sich als un- fähig, ihr Programm einer stetigen Verbesserung der Lage der Buchdrucker durchzusetzen; sie erweist sich nicht einmal stark genug, den Beginn ihrer Verelendung aufzuhalten. Das darf man wohl einen Bankrott nennen. Nun meint Genosse Backhaus freilich, die anderen GeWerk- schaften hätten auch nicht mehr erlangt. Wäre dies richtig, so be- wiese dies noch lange nicht die Kraft des Buchdruckerverbandes. es bezeugte bloß eine Ohnmacht der übrigen Gewerkschaften. Aber seine Behauptung ist nicht richtig. Schon die Zahlen, die er selbst anführt, sprechen gegen ihn. Nach der jüngsten Statistik des„Correspondenzblatt der Ge- werkschaftcn" sind von den 5650 gewerkschaftlichen Bewegungen der deutschen Arbeiterschaft im verflossenen Jahre 84 Proz. erfolg- reich verlaufen. Von den 2604 Streiks und Aussperrungen, die stattfanden, endeten 1296 oder nahezu 50 Proz. mit einem vollen Erfolg und 654 oder 25 Proz. mit tcilweisem Erfolg. Also 75 Proz. aller Streiks wurden siegreich durchgeführt. In dem jetzigen Jahre ist aber die Konjunktur noch günstiger. Trotzdem erklärt das Organ der stärksten Gewerkschaft Deutsch- lands, ein Streik sei für diese von vornherein unmöglich, er müsse verloren gehen! Es erklärt also den Verband für schwächer als zahlreiche andere Gewerkschaften. Und nun die Erfolge der Streiks. Die Buchdrucker erlangten eine Aufbesserung, die in kleineren Orten 1,50 bis 2,50 M. beträgt, in größeren Orten höher steigt. Dagegen verzeichnet die erwähnte Statistik, daß bei den Lohnbewegungen des Jahres 1905 414 106 Arbeiter und Arbeiterinnen eine Lohnerhöhung von 860 876 M. pro Woche, also pro Kopf mehr als 2 M. errangen. Genosse Backhaus fragt daraufhin, was man von den Buch- druckern wolle, die zum mindesten ebensoviel ohne Streik erreicht hätten. Er vergißt indes, daß diese Zahlen nicht vergleichbar sind. Die Statistik des„Correspondenzblatt" gibt keine Rclativzahlen an. ist nicht in der Lage, zu sagen, wie hoch die Löhne vor der Lohnerhöhung waren. Darauf kommt aber bei der Ermcssung des Erfolges alles an. Wenn eine Arbeiterschaft mit 10 M. Wochcn- lohn eine Lohnerhöhung von 2 M. durchsetzt, bedeutet dies viel mehr als dieselbe Lohnerhöhung für einen Wochenlohn von 30 M. Die in der Statistik des„Correspondenzblatt" verzeichneten Ar- beiterschichten sind aber sicher fast alle schlechter entlohnt als die Buchdrucker. Dann aber entstammen diese Zahlen dem Jahre 1905, in dem die Zölle ihre Wirksamkeit noch nicht entfaltet hatten, die Lebens- Mittelteuerung noch nicht zu ihrer bisherigen Größe gediehen war. Eine Lohnerhöhung, die 1905 ausreichen mochte, ist keineswegs ausreichend 1906. Und überhaupt, wollte man die Erfolge der Buchdrucker mit denen anderer Gewerkschaften vergleichen, dann dürfte man nicht die Lohnerhöhungen eines einzelnen Jahres heranziehen, man müßte untersuchen, wie die Löhne in anderen Branchen nicht von 1904 bis 1905, sondern von 1901 bis 1906 gestiegen sind, seit der Zeit des letzten Tarifs. Dann würde sich das Bild wohl etwas zuungunsten der Buchdrucker verschieben. Leider fehlt uns zurzeit das Material, diese Untersuchung vorzunehmen. Aber auf keinen Fall beweisen die Zahlen, die Genosse Backhaus vorbringt, etwas gegen uns. Indes wenn er schon nur die Zahlen eines einzigen Jahres vorbrachte, mußte er diese doch wenigstens vollständig anführen. Das tat er aber nicht. Er beschränkte sich auf die Angaben über Lohnerhöhungen und glaubte, daraus schließen zu dürfen, daß andere Arbeiterschichten auch nicht mehr erlangten als die Buch- drucker. Er vergaß aber ganz, die Angaben über errungene V e r- kürzungen der Arbeitszeit anzuführen, und doch sind die Errungenschaften auf diesem Gebiet nicht minder wichtig wie die auf dem des Zlrbeitslohns. Aber freilich, er hätte da zugeben müssen, daß 1905 165 734 Arbeiter durch ihr Eintreten in eine Bewegung eine Ver- kürzung der Arbeitszeit von wöchentlich 617 737 Stunden, also pro Kopf von mehr als 3� Stunden, mehr als eine halbe Stunde täglich, erlangten, während die stärkste deutsche Ge- wcrkschaft sich heute, in der Zeit der Hochkonjunktur, für unfähig erklärt, von der Arbeitszeit, die schon vor einem Jahrzehnt er- rungen wurde, mehr als eine halbe Stunde in der Woche abzu- ringen. Ist das Wort Bankrott für ein derartiges Ergebnis zu hart? Man sieht, nicht bloß wenn man die frühere Lage der Buch- drucker mit der jetzigen, sondern auch wenn man deren Erfolge mit denen anderer Arbeitcrschichtcn vergleicht, kommt dasselbe Resultat des Unvermögens heraus. Aber freilich, die Buchdrucker sollen unter besonders un- günstigen Umständen zu leiden haben: über ihnen schwebt das Gespenst der Setzmaschine. Diese soll es sein, die an allen unbefriedigenden Ergebnissen der Tarifabmachungen schuld ist, und nicht die Taktik der Verbandsleitung. Sicher ist die Sctzinaschine ein sehr gewichtiger Faktor, den die Buchdrucker bei der Gestaltung ihrer Taktik nicht außer acht lassen dürfen. Werden sie aber durch die Setzmaschine kämpf- unfähig? Durchaus nicht. Bei einem Lohukampf sind die leben- digen überschüssigen Produktivkräfte, die Arbeitslosen und Arbeits- willigen, viel gefährlichere Gegner als tote Maschinen, die nur durch Arbeiter in Bewegung gesetzt werden können. In bezug auf Arbeitslose und Arbeitswillige sind aber die Buchdrucker äugen- blicklich besser daran wie jedes andere große Gewerbe. Sind Streiks bei diesen nicht unmöglich, dann also bei jenen erst recht nicht. Daß man während des Streiks die ausständigen Handsetzer durch Maschinen ausreichend ersetzt, ist ausgeschlossen, wenn die Maschinensetzer mitstrciken. So rasch können neue Maschinensetzer nicht angelernt und auch neue Maschinen nicht in genügender Zahl herbeigeschafft werden. Viel weniger während des Streiks als nach dem Streik ist die Maschine dem Handsetzer gefährlich; sie droht ihn zu gefährden gerade wenn er den Streik gewinnt. Je höher die Errungenschaften des Arbeiters, desto größer die Neigung des Kapitalisten, ihn durch die Maschine zu ersetzen. Amerika mit seinen hohen Löhnen ist das Land der Maschinen, auch der Setzmaschinen, die sich in Ländern mit niederen Löhnen nur langsam einbürgern. Aber ist es nun die Aufgabe der Handsetzer, den Sicgeszug der Maschine dadurch zu verlangsamen, daß sie selbst so bescheiden als möglich werden? Diese Art, die Maschine zu bekämpfen, wäre ja noch reaktionärer als die primitive Art der Arbeiter der vierziger Jahre, die die Maschinen einfach zertrümmerten. Sicherlich haben die Arbeiter nicht die Aufgabe, dem Ein- dringen der Maschine gleichmütig gegenüber zu stehen, aber wo sie die Kraft besitzen, den Unternehmern Bedingungen zu stellen, gibt es nur e in e Methode, die ebenso dem augenblicklichen Interesse der betroffenen Arbeiter wie dem dauernden Interesse des ge- samten Proletariats und der allgemeinen Kulturentwickelung cnt- spricht, und das ist nicht jene, die Konkurrenzfähigkeit der Hand- arbciter gegenüber der Maschine durch geringen Lohn und lange Arbeitszeit möglichst zu steigern, sondern die, den Profit, den der Kapitalist aus der Maschine zieht, möglichst zu verringern, von der höheren Produktivität der Maschine möglichst viel für den Ar- bciter herauszuschlagen durch Erhöhung des Lohnes und Verringe- rung der Arbeitszeit für die Maschinenarbeit. Das ist die einzige Methode, das Eindringen der Maschine nicht zu verhindern, aber es zu einem möglichst schmerzlosen zu gestalten. Nur in seltenen Ausnahmefällen haben die Arbeiter die Kraft, diese Methode zu erzwingen, aber die Buchdrucker erfreuen sich dieser seltenen Ausnahme. Und 1901 waren ihre Vertreter noch genügend mit Klassenbewußtsein erfüllt, um die daraus er- stehenden Aufgaben zu begreifen. Damals legten sie den größten Wert darauf, die Lage der Maschinensetzer möglichst günstig zu ge- stalten. Sic erlangten für diese den achtstündigen Arbeitstag, wenigstens für Zeitungssatz, und die Aufhebung der Akkordarbeit. Sollte die Erneuerung des Tarifs eine erhebliche Verbesserung für die Buchdrucker bringen können, dann war vor allem der Hebel bei den Maschinensetzern anzulegen. Ohne eine bedeutende Ver- besscrung der Lage dieser Schicht drohte jede erhebliche Vcrbessc- rung der Lage der Handsetzer ein gefährliches Geschenk zu werden, denn sie mutzte den Antrieb zur Einführung der Setzmaschine steigern. Eine Verbesserung der Lage der Maschinensetzer mutzte daher für die Gesamtheit der Setzer eine conckitio sine qua non sein, eine für ihre Selbsterhaltung unerlähliche Forderung, für die man auch einen Kampf nicht scheuen durfte. Aber gerade wegen der Wichtigkeit dieses Punktes für die kommende Entwickelung der Arbeitsverhältnisse im Buchdrucker- gewerbe bestanden die Unternehmer mit besonderer Zähigkeit darauf, hier nicht bloß keine Verbesserungen zuzulassen, sondern sogar positive Verschlechterungen durchzusetzen— nicht bloß relative Verschlechterungen, wie auf den anderen Gebieten, sondern absolute Verschlechterungen, Aufhebung schon bestehender Er- rungenschaften. Und so groß war entweder die Furcht vor einem Kampfe oder die Verständnislosigkeit für die Bedeutung dieser Position, daß die Gehülfenvertreter diese, die wichtigste und ent- scheidendste, kampflos preisgaben und mit den augenblicklichen Interessen der Maschinensetzer zugleich die dauernden der gesamten Sctzerschaft verrieten. Sie stimmten der Einführung der Akkord- arbeit an der Maschine beim Zeitungssatz zu, der Festsetzung einer M i n d e st l e i st u n g für die Ausbildung der Maschinen- setzer, sowie einer Bestimmung über das Putzen der Maschine, das von jetzt an außerhalb der Arbeitszeit geschehen darf, einer Be- stimmung, die die Maschinensetzer einer Verlängerung der täglichen Arbeitszeit um eine halbe Stunde gleichsetzen(vergleiche zum Beispiel in der Beilage des„Kor- respondent" vom 30. Oktober den Artikel von C. N.:„Das Berechnen an der Setzmaschine"). Damit haben sie nicht bloß die Lage der Maschinensetzer erheblich verschlechtert, sondern auch den Profit erheblich vermehrt, den die Setzmaschine dem Unternehmer abwirft und damit den Antrieb verstärkt, Handsetzer durch Setz- Maschinen zu verdrängen. Die„kluge Realpolitik" des Friedens um jeden Preis hat also dahin geführt, gerade in der für die Entwickelung des Arbeits- Verhältnisses wichtigsten Frage die Interessen der Arbeiterschaft völlig preiszugeben. Und das ist der dritte Grund, warum man von einem Bankrott der bisherigen Verbandstaktik reden kann. Nun tröstet sich Genosse Backhaus damit, daß, was diesmal versäumt worden, das nächste Mal nachgeholt werden wird. Wenn man inzwischen die Organisation ausbaue, werde sie bei der nächsten Tarifberatung schlagfertiger sein als jetzt. Ja, ist vom Ausbau der Organisation noch viel zu erwarten? Genosse Backhaus berichtigt mich, nicht 87 Proz. der Buchdrucker seien organisiert,„die Zahl dürfte 80 Proz. kaum überschreiten". Das ist gerade nicht sehr präzis ausgedrückt. Aber darüber möge er sich mit meiner Quelle auseinandersetzen, der Schrift von L. Brunner über„Die deutschen Gewerkschaften 1891 bis 1904" (Berlin, Verlag der Generalkommission), wo auf Tafel III an- gegeben ist, daß von je 100 BerufSangehörigen bei den Buchdruckern samt den Hülfsarbeitern 87,08 in Zentralverbänden organisiert waren. Man kann doch nicht annehmen, daß die Hülfsarbciter prozentuell besser organisiert seien als die eigentlichen Buchdrucker. Aber auch wenn die Zahl der organisierten Buchdrucker wirklich nur 80 Proz. betrüge, so wäre diese Zahl schon eine so hohe, daß eine erhebliche Stärkung der Organisation nicht mehr zu er- warten ist. Um so sicherer aber darf man etwas anderes erwarten: die Kr i s e. Nach fünf Jahren sind die fetten Zeiten der Hoch- konjunktur längst vorbei und stecken wir wahrscheinlich tief im Sumpfe der Depression. Und inzwischen ist der technische Fort- schritt auch nicht stehen geblieben und hat die Setzmaschine weitere Fortschritte gemacht: und unter solchen Umständen will man im Kampfe das erobern, wofür man heute von vornherein jeden Kampf wegen angeblicher Aussichtslosigkeit ausgeschlossen hat? Was man in dem Jahre nicht wagt, wo 84 Proz. aller Lohnbewegungen er- solgreich verliefen, wo die Zahl der Arbeitslosen auf ein Minimum reduziert war, soll errungen werden in Zeiten stärkster Arbeits- losigkeit, die jeden Angrifsstreii unmöglich macht? Indes mehr noch als durch Krise und Setzmaschinen wird in den kommenden Jahren die Kampfesfähigkeit des Buchdruckerver- bandcs bedroht durch den G e i st, der in Ihm gehegt und gepflegt wird. Der Geist ist in allen Kämpfen der entscheidende Faktor, nicht irgend ein gespenstischer Geist, sondern der durch bestimmte Bedingungen naturgesctzlich erzeugte Wille. Die Bedingungen zur Erzeugung von Kampfesfähigkeit sind aber im Buchdruckerverband zurzeit die denkbar ungünstigsten. Zur Kampfesfähigkeit gehört vor allem die Erkenntnis, daß der Kampfpreis den Kampf lohnt. Nun, der„Korrespondent" redet seinen Lesern systematisch ein, daß unter den gegebenen Ilmständen nicht mehr zu erreichen sei, als die Unternehmer ohnehin geben, daß diese ruiniert würden, wenn sie mehr bewilligten. Er redet ihnen aber auch ein, daß die Unter- nchmer schon ohne Kampf alles zugeständen, was sie geben könnten» daß also selbst durch einen siegreichen Kampf nicht mehr zu er- reichen sei als durch friedliche Vereinbarung. Wer wollte unter solchen Umständen die Opfer und Gefahren eines Kampfes auf sich nehmen? Der„Korrespondent" erzeugt aber überdies systematisch in seinen Lesern das Gefühl, daß nicht bloß der Preis einen Kampf nicht lohne, sondern auch, daß der Verband einem Kampfe nicht gewachsen sei, daß ein solcher naturnotwendig zur Niederlage führe. Wenn Genosse Backhaus das leugnet, so verweise ich ihn auf die in meinem ersten Artikel darüber vorgeführten Zitate, die die sichere Niederlage für die Buchdrucker im Falle eines Streikes prophezeien. Natürlich wäre es eine Torheit, den Streik um jeden Preis zu predigen. Man darf ohne Not keinen Streik unter ungünstigen Verhältnissen beginnen und man kann unter Umständen auch ohne Streik viel erreichen. Nie aber wird eine Gewerkschaft nennenS- werte Konzessionen erlangen ohne die Streikfähigkeit, ohne die Entschlossenheit ihrer Mitglieder zum Kampfe, ohne die Zuver» sicht ihrer Mitglieder, daß sie dem Gegner im Kampfe gewachsen sind, und ohne die Ueberzeugung der Gegner, daß sie einen ver- derblichen Kampf heraufbeschwören, wenn sie den Bogen zu straff spannen. Wohl muß ein General bei der Verwendung seiner Truppen jede denkbare Vorsicht anwenden, er darf sie nicht leicht- fertig und ohne Not ins Feuer schicken und mutz, wenn sich sein Ziel durch Unterhandlungen erreichen läßt, diese vorziehen. Aber bei alledem mutz er stets darauf bedacht sein, in seinen Truppen das Bewußtsein ihrer Schlagfertigkeit und der Notwendigkeit der Ueberwindung des Gegners wach zu halten. Was immer er durch Manöver und Unterhandlungen erreichen mag, er kann es nur erreichen an der Spitze eines schlagfertigen und entschlossenen Heeres, das in die Schlacht zu schicken er bereit ist, wenn die Unter- Handlungen nicht ein befriedigendes Resultat ergeben; er kann es nur erreichen, wenn die Truppen mit Freuden bereit sind, jedes Opfer für den Sieg zu bringen. Der„Korrespondent" hat aber systematisch in den Führern und den Massen des Buchdruckerver- bandes das Gefühl genährt, daß ein Kampf unter allen Umständen vermieden werden müsse, da er nur mit einer Niederlage endigen könne, und hat so einen Geist erzeugt, der allerdings von vorn- herein zu jedem Kampfe untauglich machte. Mit diesem Geist lassen sich allerdings keine Schlachten schlagen und keine Streiks gewinnen. Da mutz man sich mit dem zufrieden geben, was die Herren Prinzipale gewähren, und um Siege zu bringen, bleibt nichts übrig, als Niederlagen als Siege zu preisen und jeden als einen Feind der Buchdrucker zu beschimpfen, der dieses sinnreiche Verfahren nicht mitmacht. Da verschwindet aber auch jede Mög- lichkeit künftiger Siege. Denn die Unternehmer kennen nun diese Stimmung selbst aufs genaueste, sie wissen, dah sie. solange der heutige Geist des„Korrespondent" herrscht, keinen Kampf zu fürchten haben, daß sie dem Verband alles bieten dürfen, daß dessen geistige Vertreter Mut und Entschiedenheit nicht zum Kampfe gegen die Unternehmer, sondern nur zur Verleumdung der Sozialdemokratie finden. Und das ist die vierte und schlimmste Seite des Bankrotts der gewerkschaftlichen Taktik des Buchdruckerverbandes. Werden die Buchdrucker aus dem unbefriedigenden Ergebnis der diesjährigen Tarifverhandlungcn erkennen, daß der jetzt ver- folgte Weg in den Sumpf führt, daß sie eine andere Richtung ein- schlagen müssen, die sie nicht von der allgemeinen Arbeiterbewegung entfernt, sondern der großen Armee des gesamten kämpfenden Proletariats zuführt? Wer vermöchte das heute zu sagen. Sehr ermutigend ist eS aber nicht, wenn selbst Parteigenossen unter den Buchdruckern, wie Backhaus, kein Empfinden für das verächtliche Treiben RexhäuserS haben und dessen infame Beschimpfungen des kämpfenden Prole- tariats und seiner großen Ziele gelassen hinnehmen, dagegen jede Kritik, die von Parteiorganen am„Korrespondent" oder am neuen Tarif geübt wird, als eine Beleidigung der Buchdrucker ent- rüstet abwehren. Das ist ebenso zu bewerten, wie wenn das deutsche Volk sich mit seinem„Führer" Podbiclski solidarisch er- klärte und jede Brandmarkung des biederen Pod als eine Be- schimpfung der deutschen Nation empfände, die gerochen werden muß. Auf jeden Fall haben die Buchdrucker, solange der Verband seine bisherige Taktik weiter verfolgt, keine Aussicht, etwas anderes in stetig wachsender Progression zu erlangen, als— Bescheidenheit— jene verdammte Bedürfnislosigkeit, gegen die Lassalle bereits wetterte. Die Zufriedenheit so mancher unter ihnen mit ihrem„Er- folge" zeigt, daß nicht wenige es auf diesem Gebiete schon unglaub- lich weit gebracht haben. Indes Bescheidenheit ist eine Zier, Doch weiter kommt man ohne ihr. Ans dem Lothringischen Bergrevier. Ein Lothringisches Saarabien enthüllte ein Prozeß, der sich am 13. und 14. November vor der Strafkammer des Land- gerichts Metz gegen den Bezirksleiter K a r i u s- Kncutingen vom„christlichen" Gewerkverein abspielte. Der Bergarbeiter Karius soll in einer öffentlichen Bcrgarbeiterversammlung am 14. Januar 1906 in Hayingen die lothringischen Grubenkrösusse de Wendel beleidigt haben, indem er gesagt haben soll: Bei de Wendel haben es die Arbeiter schlechter als das Vieh. Sie würden nicht als gleichberechtigte Arbeiter angesehen und be- handelt, sondern nur als Arbeitstiere betrachtet. Die Stiftung der Firma von 100 000 M. sei Unsinn, nütze den Arbeitern nichts, zu. mal die Firma in einem Jahr mehr als das Doppelte an Straf- geldcrn den Arbeitern abziehe. Das System der Wcrksökonomis (Werkskonsum) sei verwerflich. Die Arbeiterfrauen holten dort mehr Ware vis sie brauchten und als sie abholten, wenn sie dieselbe sofort bezahlen müßten. Dieses Borgsystem verschulde, daß am Monatsschluß viele Arbeiter keinen Pfennig Lohn herausbekämen. Im Dezember hätten auf Grube Hayingen allein 109 Mann am Lohntage gar nichts mehr herausbekommen, einer habe noch 24 M. nachzahlen sollen! Die de Wendelschen Arbeiter seien nichts mehr als die Sklaven des Mittelalters, die ebenfalls nur Essen und 51leidung statt Lohn erhielten. Diese Ausführungen hatte der Polizeikommissar Z a ck e r t aufgeschrieben und der Kreisdirektion eingeschickt, die sie an de Wendel übersandte. Dieser fühlte sich beleidigt und stellte Strafantrag. Der Staatsanwalt erhob darauf im öffentlichen Interesse Anklage, nicht bloß wegen öffentlicher Beleidigung, sondern auch wegen Au fr e i z u n g z u m K l a s s e n- haß. Das Gericht hielt hierfür den Tatbestand nicht als aus- reichend und mutzte der Staatsanwalt in diesem Punkte die An- klage fallen lassen. Aus der Verhandlung ging hervor, daß den Bergleuten monat- lich 6, 10, 15. 20 und mehr Mark an Steinstrafeu abgezoaeu werben. Ein Junge bekundet, daß ißm in vier Tagen 52 M. an Steinstrafen abgezogen worden sind; einem andern in einem Monat 76 M. Nur ganz selten kam es vor, daß diese Strafe unter 5 M. im Monat blieb. Diese Strafe dient, wie die Betriebsbeamten, Direktor B a u r a t und Betriebsführer Weber bekunden, als Eni- schädigung für die Firma und fließe in die Werkskasse und werden davon die Leute entlohnt, die zum Ausscheiden der Steine be- schäftigt sind, im ganzen 15— 17 Mann, einschließlich der Wiege- nieister. Im Monat Dezember betrug diese Steinstrafe 19 038,56 Mark; außerdem waren noch über 3006 M. an. Ordnungsstrafen verhängt, die seit dem 1. Januar 1906 in die Knappschaftskasse fließen. Nach Aussage des Betriebsführers Weber wird die Stein- strafe folgendermaßen verhängt. Auf 1999 Kilo Minette(Eisen- erzc) sind 25 Kilo weißer und 159 Kilo brauner Stein frei, jedes darüber hinausgehende Kilo kostet seit 1. Juli 1996 noch 3 Pf., früher 5 Pf. Strafe. Das Werk selbst habe dabei immerhin einen Schaden von 19 Proz. Dennoch habe man die Strafen herunter- gesetzt und das sogar, obschon die Minette jährlich 2 Proz. an Eisengehalt verliere. Die Steine würden aus jedem Wagen ein- zcln ausgeschieden und abgewogen. Dieses bestreiten die Arbeiter, und schließlich stellt sich durch Bernehmen des Wiegemeisters Chamo heraus, daß die Steine nur geschätzt und nicht gewogen werden! Es wurde eine Stichprobe von einem Wagen genommen und danach die ganze Förderung geschätzt. Bergmeister S e r l o, kaiserlicher Revierbeamter, hielt diese Maßnahmen für erlaubt. Die Grubenbesitzer wollten Erze und keine Steine gefördert haben. Durch die Steine entständen ihnen hohe Kosten und könnte niemand es ihnen verdenken, wenn sie sich da schadlos zu halten suchten. Daß diese Gelder wie auch die für Uebertretung der Arbeitsordnung verhängten Strafen in die Werkskasse abgeführt würden, sei durch- aus zulässig. Für Lothringen bestände die Bestimmung der Ge- Werbeordnung nicht, daß hie Strafgelder einer besonderen Unter- stützungskasse zugeführt werden müßten; übrigens seien es ja auch keine Strafgelder, sondern— Entschädigung für die Werke, und jedes Werk habe das Recht, von seinen Arbeitern Entschädigung für schlecht gelieferte Arbeit zu verlangen. Er habe bei allen Revisionen auf den de Wendelschen Gruben alles in bester Ordnung gefunden. Kleine Unregelmäßigkeiten kämen überall vor, aber auch deshalb habe sich in fast allen Fällen herausgestellt, daß die Arbeiter daran schuld waren. Die F rma de Wendel habe gerade mustergültige Wohlfahrtseinrichtungen geschaffen und übertreffe darin alle an- deren Werke bei weitem.(Waschkauen existierten nicht und in den Mietsvcrträgen der Werkswohnungen besteht, wie zcugeneidlich fest- gestellt Ivurde, die Bestimmung, daß Eltern, deren Söhne nicht bei de Wendel arbeiten, entweder ausziehen oder ihre Söhne fortjagen müßten. D. B.) Diese Bestimmungen hielt der Bergmeister Serlo für durchaus in der Ordnung, denn die Arbeiter hätten gar keinen Grund, nicht bei der Firma de Wendel zu bleiben. Die Arbeiter wechselten ihre Arbeitsplätze nur aus Mutwillen. Ein ernsthafter Mann bleibe dort, wo er Arbeit und Brot habe. Die Firma de Wendel zahle nicht nur auskömmliche, sondern sehr hohe Löhne. Das Stcmpclrauben aus alten abgebauten Stollen hatten die Berg- leute als lebensgefährlich und unerlaubt bezeichnet, während der Herr Bergmeister es als erlaubt und in Ordnung fand. Das Berg- gesetz schreibt vor, daß dieses Stempelraubcn nur unter Aufsicht eines Beamten erfolgen darf, während, wie die Zeugenaussage er- gab, dieses bei de Wendel vielfach durch Arbeiter ohne jede Auf- ficht geschieht. Der Herr Bergmeister interpretiert diese Be- ftimmung dahin, daß die Stempel auch unter Leitung eines„er- fahrenen" Bergmannes herausgenommen werden können. Durch die Agitation des Gewerkvereins seien die Bergleute auf For- derungen aufmerksam gemacht worden, von denen sie früher nichts wußten und auch nichts wissen konnten, und dadurch sei die Un- Zufriedenheit unter der Arbeiterschaft eingezogen. Interessant gestaltete sich die Vernehmung der Geistlichen. Die Verteidigung hatte behauptet, die de Wendel hätten die Geistlichkeit aufgefordert, gegen den katholischen Volksverein und„christlichen" Gewerkverein zu agitieren, was die Herren Charles und Franz de Wendel in Abrede stellten. Charles sagte, er sei für die Geist- lichkeit eine Null, während Franz lakonisch meinte, er sei doch nicht der Erzbischof. ErzPriester B e n a r t- Hayingen gibt zu, von der Kanzel herunter die Arbeiter vor den„christlichen" Hetzern gewarnt und auch gegen den katholischen Volksverein agitiert zu haben; das sei jedoch aus eigener Initiative und nicht auf Wunsch der Herren de Wendel geschehen. Kaplan Brun- Hayingen bekundet, daß Charles de Wendel ihn gewarnt habe, mit den„christlichen" Vereinen zu sympathisieren oder heimlich für sie zu agitieren. Der Bischof von Metz wünsche aber, daß die Geistlichen für den katholischen Volks- verein tätig seien. Erzpriester B e n a r t verneint dieses mit aller Entschiedenheit. Erzpriester F r o m- Moycure ist persönlich kein Gegner des Volksvereins, hat aber davor gewarnt, ihn in seiner Pfarre einzuführen, weil es die— Arbeitgeber nicht gern sehen. Pfarrer S ch w a r z- Schremingen hat vor zwei Jahren den katho- lischen Volksverein eingeführt und darauf habe ihn der Erzpriester Benart gewarnt und gesagt, daß Charles de Wendel über die Einführung des Volksvereins recht böse sei, er wünsche solche Hetz- vereine unter seiner Arbeiterschaft nicht. Er habe an Charles de Wendel ein Rechtfertigungsschreiben gesandt, aber keine Ant- wort erhalten. Die Meinung fei, daß die de Wendel gegen alle „christliche" Vereine seien. Dieser Aussagen wegen„kaufte" Herr Charles de Wendel sich nachher den Pfarrer im Zeugenraum und machte ihm dort eine Szene, lümmelte ihn ab wie einen Schul- jungen. Der Verteidiger teilte sehr erregt dieses dem Gericht mit und bat um Schutz der Zeugen. Der Vorsitzende erklärte jedoch, außerstande zu sein, da sich die Szene nicht im Gerichtssaal ab- gespielt habe und die Zeugen bereits entlassen seien. Der Herr Pfarrer sollte gegen Herrn de Wendel Strafantrag stellen. Pfarrer Kollenbrenner- Stieringen teilt mit, daß„seine" Kirche Privateigentum der Firma de Wendel sei und auch von dieser unter- halten würde; de Wendel könne diese Kirche schließen, wenn er wolle. Ein Bergmann, Mitglied des Gewerkvereins, erlitt einen Un- fall, geriet in Not und suchte deshalb bei der Firma de Wendel um Unterstützung nach. Diese wurde ihm abgeschlagen, weil er dem Gewerkverein angehörte. Darauf machte er ein Bittgesuch beim Erzpriester Benart, damit dieser seine Unterstützung befürworten möchte. Der Herr Erzpriester habe ihm aber geantwortet:„Wer noch Beiträge zu einem solchen Verein(christlichen Gewerkverein) zahlen könne, hat keine Unterstützung nötig. Einer armen Witfrau hat der Bürgermeister von Hayingen ein Unterstützungsgesuch ab- gelehnt, weil ihre Söhne dem Gewerlvcrcin angehörten. Der Staatsanwalt hält den Wahrheitsbeweis für miß- lungen und beantragt 399 M. Geldstrafe, die zwar den Angeklagten nicht treffen, sondern auf die Betriebskosten der Gewerkschaft fielen. Die Strafe müsse deshalb hoch ausfallen, um der wüsten Agitation und Verhetzung einen Riegel vorzuschieben. Das Urteil lautet auf 100 M. Geldstrafe oder 19 Tage Gefängnis. Partei- Etogelegetibeiten. Zur Lokalliste. Der Gesangverein„Rütli" veranstaltet heute, den 17. d. Mts., im Lokal„Hohenzollern" in Friedenau ein Ver- gnügen. Da uns das genannte Lokal nicht zur Verfügung steht, ist es Pflicht der Parteigenossen allen dortigen Veranstaltungen fern zu bleiben. JA Grünau steht uns das Lokal„Richtershorn"(Jnh. Mohr) bei Karolinenhof zur Verfügung; hingegen ist das Lokal„Waldes- ruh" von der Liste zu streichen. In Zossen steht uns das Lokal„Zur deutschen Eiche", Jnh. Hausche, Weinberge, nach wie vor zur Verfügung, während das Lokal„Große Weinberge" gesperrt ist. Die Lokalkommission. Dritter Wahlkreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Mittwoch, den 21. November(Bußtag), eine Herrenpartie stattfindet. Abfahrt früh 71/a Uhr vom Görlitzer Bahnhof bis Grünau. Treff- Punkt im Wendenschloß. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Achtung! Vierter Wahlkreis. Am Sonntag, den 18. November, findet im Gewerkschaftshause. Kellers Festsälen(Inhaber Freyer), Koppenstr. 29 und im Elysiuni, Landsberger Allee 49, das Stistungs- fest statt. Ferner ist an demselben Tage, nachmittags 4 Uhr, eine Borstellung in der Urania arrangiert. BillettS sind noch im Bureau des Wahlvereins, Tilsiterstr. 81, zu haben. Der Borstand. Weißensee. Heute abend findet das Stiftungsfest des Wahlvereins statt. Es wird den Genossen und Genossinnen ein sehr gutes Konzert mit darauf folgendem Ball geboten, so daß auf zahl« reichen Beiuch zu rechnen ist. Der Preis der Eintrittskarte ist auf 35 Pf. inkl. Billettsteuer festgesetzt. DaS Komitee. Tempelhof. Dienstag, den 29. November 1996, abends 8'/z Uhr. findet im Lokal von M. Müller, Berlinerstr. 41— 42, die Versammlung des sozialdemokrattschen Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Gen. Redakteurs C. Mermuth über:„Volkserziehung und Sozialdemokratie". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Die Handzettelverbreitung zu dieser Versammlung findet Sonntag ftüh 8 Uhr von den bekannten Lokalen aus statt. Wir ersuchen um zahlreiche Beteiligung. Bezirk Waidmannslust. Der Wahlverein veranstaltet am Bußtag eine Fußtour nach Stolpe(Nordbahn). Die Genossen von Borsig- walde und Wirtenau treffen sich um 9 Uhr in Waidmannslust im Schweizerhäuschen, von da Abmarsch nach Hermsdorf ins Forsthaus. Treffpunkt der Hermsdorfer Genossen um 19 Uhr daselbst. Alsdann geht es gemeinschaftlich nach Stolpe. Die Genossen von Glienicke, Schönflietz, Bergfelde und Hohen-Schönhausen treffen sich in Stolpe. Berliner Genossen, die gleichfalls eine Tour nach diesen Orten unternehmen, bitten wir, obige Lokale zu berücksichtigen. _ Der Vorstand. Berliner jVachricbten. Achtung! Arbeiter! Am Sonntag vormittag findet nach Ankündigungen an den Litfaßsäulen im Zirkus Busch eine Versammlung statt, in der der ehemalige Hofprediger Stöcker und der ZentrumSmann GieSberts sprechen wollen. Zweck der Veranstaltung ist die Belebung der christlichen Bewegung in Berlin. Da keinerlei Gewähr dafür gc- 'boten ist, daß auch die Gegner dieser zum mindesten überflüssigen Gründung zum Wort kommen, ersuchen wir die Partei- genossen, sich von dieser Veranstaltung fern- zuhalten. Die Tiefbaudcputation beschloß in ihrer letzten Sitzung, fol- gende Lohnskalen für Arbeiter und Meßgehülfen beim Magistrat zu beantragen: Für Arbeiter Anfangsstundenlohn 49 Pf., nach drei Jahren 42,5 Pf., nach sechs Jahren 45 Pf.; für Vorarbeiter Anfangsstundenlohn 45 Pf., nach drei Jahren 47,5 Pf., nach sechs Jahren 59 Pf.; für Meßgehülfen Anfangstagelohn 3,59 M., nach drei Jahren 3,75 M., nach sechs Jahren 4 M. Die hier beantragten Lohnsätze sind in der Tat sehr bescheidene. Die Mitglieder der Ortskasse der Schneider werden er- sucht, sich heute, Sonnabend, den 17. November, ihre Mitgliedsbücher vom Arbeitgeber aushändigen zu lassen. Mit- glieder unter 21 Jahren, oder Personen, welche ohne Legiti- mation zur Wahl erscheinen, haben kein Wahlrecht I Die Ortsverwaltung des Verbandes der Schneider. Interessante militärische Uebungen mit Automobil-Lastziigen werden seit einiger Zeit durch eine Abteilung des Eisenbahn- regiments im Osten von Berlin ausgeführt. Zur Verwendung ge- langen Dampfautomobile von 69 Pferdekräften, welche aus vier bis fünf Wagen bestehende Lastzüge zu transportieren haben. Die Lokomotiven und Wagen haben außergewöhnlich breite Räder, durch die sie die Möglichkeit zur Benutzung weniger fester Wege erhalten sollen. Bei den Uebungsfahrten handelt es sich darum, möglichst schwere Lasten mit erhöhter Geschwindigkeit über bedeutende Land- strecken zu transportieren und hierbei auch nicht unerhebliche Steigungen zu überwinden. Als Ausgangspunkt für diese Uebungsfahrten wurde bisher Erkner angesehen. Es hat sich je- doch die Notwendigkeit herausgestellt, die Versuchsfahrten nach Strausberg zu verlegen, weil die Chausseebcschaffenheit in der Nähe von Rüdersdorf bedeutende Schwierigkeiten bot. Obwohl die Räder des Automobils eine Breite von 15 Zentimetern haben, schnitten sie in der neuaufgeschütteten Chaussee derartig ein, daß hierdurch erhebliche Störungen herbeigeführt wurden. Vorgestern wühlte sich das Automobil derartig fest, daß es mittels Winden allmählich angehoben und Bohlen unter die Räder gelegt werden mußten, um die Weiterfahrt zu ermöglichen. Jedenfalls haben die bisherigen Versuchsfahrten gezeigt, daß derartige Lastzüge auf ungefesteten Wegen resp. über lockere Sandflächen nicht verkehren können. Wieder eine Absperrung. Aus Anlaß des Einzugs des Königs und der Königin von Dänemark am Vormittage des 19. dieses Monats treten folgende Verkehrsbeschränkungen ein: Etwa von 8� Uhr vormittags ab werden für Wagen, Reiter und Fußgänger gesperrt: Kaiser Wilhelm-Brücke, Lustgarten, Schloßfreiheit, Schloß- brücke, Fahrdämme der Plätze am Zeug- und Opernhause, Fahr- dämme, Reitweg und Mittelweg der Straße Unter den Linden, Pariser Platz und Platz vor dem Brandenburger Tor. Später wird der Verkehr am Friedrich Karl-Ufer zwischen Alt-Moabit und WUHelm-Ufer über die Alsenbrücke, durch die Alfen-, Bismarck- und Moltkestratze, an der Westseite des Königs- Platzes, durch die Sieges-Allee und den östlich dieser belegenen Teil der Charlottenburger Chaussee und an den Uebergängen der Straße Unter den Linden, an der Wilhelm- und Neuen Wilhelm- stratze, Friedrich- und Charlottenstraße zeitweise abgelenkt oder unterbrochen werden. Das Brandenburger Tor wird voraussichtlich erst nach dem Abmarsch der Unter den Linden spalierbildenden Truppen für den gewöhnlichen Verkehr freigegeben werden. Unsere Protestaktion gegen den Nahrungsmittelwucher wird von einer sozialistenftesserischen Korrespondenz, die in der„National- Zeitung" Unterschlupf findet, als eine„verunglückte sozialdemokratische Demonstration" bezeichnet, genau wie die am 21. Januar, am 18. März und am 1. Mai. Insbesondere wird die von uns an- gegebene Besucherzahl als viel zu hoch bezeichnet. In der an- gezogenen Notiz heißt es: „Der„Vorwärts" läßt mit der ihm eigenen Unverftorcnheit 59 999 Menschen zu der gestrigen Versammlung ausmarschieren. Die sämtlichen 22 Lokale in Berlin fassen aber nach den genauesten Ausmessungen überhaupt nur reichlich 16 999 Personen. Nach sehr eingehend gemachten Feststellungen find in den Lokalen 21 599 Personen anwesend gewesen. Der«Vorwärts" hat also 28 599 zugefabelt. Die Sozialdemokratte hatte vorsichtigerweise kleinere Versammlungslokale gewählt, um durch frühzeitige Adspcrrung ciue Art Sttaßendcmoustration in der Nähe der Versammlungslokale zu erzeugen. Um 19 Uhr abends war die ganze Geschichte schon vorüber. Wenn man bedentt, daß die Zahl der sozialdemokratisch organisierten Genossen in Berlin allein über 27 999 beträgt, so kann man eine Beteiligung von vielleicht 29 999 Menschen, noch dazu an eineni Protest gegen die Fleischnot, nur als ein klag- liches Fiasko der Sozialdemokratte bezeichnen. Wie die Sozialdcmo- kratie übertreibt, dafür folgende Einzelbeispiele: In den Schweizer- garten am Königstor gehen nach der Ausmessung 870 Mann hinein. Rechnen wir reichlich, so können doch immer am aller- höchsten 1999 Personen dort gewesen sein. Die sozialdemokratische Presse weiß von 2999 zu erzählen. Der«Kösliner Hos' faßt 990, Personen, nach den sozialdemokratischen Angaben sollen 2490 dort gewesen sein, Dräsels Festsäle fassen knapp 499 Personen, die Sozialdemokraten wollen 1299 dort gesehen haben. Wir könnten dieses Bild noch weiter vervollständigen, aber diese Angaben ge- nügen, um zu zeigen, wie voll die Sozialdemokratte den Mund wieder mal genommen hat, um über den Mißerfolg sich unh andere hinwegzutäuschen." So viel Worte, so viel Unsinn! In ihrer bekannten Ver- kleinerungssucht unserer Bewegung merken unsere Gegner gar nicht, wie sie von gewissen Korrespondenzen aufs Glatteis geführt werden. Die am Dienstag benutzten Lokale faßten um deswillen eine so hohe Besucherzahl, weil Tische und Stühle aus denselben entfernt waren und die Arbeiter und Arbeiterinnen stehend in„drangvoll fürchterlicher Enge" den Rednern folgten. Heller Blödsinn ist es, daß die Sozialdemokratie«vorsichtigerweise Ueinere Versammlnngs- lokale gewählt hatte, um durch frühzeitige Absperrung eine Art Straßendemonstration in der Nähe der Versamnrlungslokale zu er- zeugen". In Wirklichkeit sind alle größeren Lokale, die uns zum Dienstag zur Verfügung standen, als VersammlungS« lokale gewonnen worden. Wenn diese trotzdem nicht ausreichten, um alle Besucher zu fassen, so beweist das nur, daß die Demonstratton eine außerordentlich glänzende war. Unsere Schätzung über die Beteiligung cm der Dienstagaktton ist eher eine zu niedrige als zu hohe, und wir haben nur den Wunsch nach mehr solcher„Miß- erfolge". Indem aber die„National-Zeitung" diesen nach jeder sozial- demokratischen Aktion wie ein Mädchen aus der Fremde wieder- kehrenden, in ach demselben Schema gearbeiteten Kor- respondenzen Raum gibt, zeigt sie nicht nur eine ganz un- verantwortliche Gedankenlosigkeit, sondern entpuppt sich auch, wie im vorliegenden Falle, als ein Organ, das gegen den Nahrung S- mittelwucher nicht das geringste einzuwenden hat. Die Gemäldegalerie des Herrn Willi Molenaar in Berlin wurde öffentlich versteigert. Sie enthielt nur Schöpfungen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Vorzugsweise von Berliner, Düssel- dorfer. Münchener und Karlsruher Künstlern. Die hervorragenden Sachen brachten folgende Preise: Ludwig Noster-Berlin„Besuch bei der Großmutter" 3359 M.— Pahlo Salinar-Bern„Ein Hoch- zeitsmahl"; in einer großen Gesellschaft bringt ein Herr einen Toast auf das Brautpaar aus; eines seiner besten Bilder. 2619 M.— Paul Meyerheim«Ave Maria"; im dichten Walde knien zwei Mädchen vor einem Madonnenbilde, 3975 M.— Derselbe „Der Affenskat", drei originell kostümierte Affen mit sehr charafteristtschen Physiognomien spielen Skat, 1180 M.— G. Schönleber- Karlsruhe„Vorfrühling"; Blick auf ein Dorf mit strohgedeckten Häusern, 4099 M.— Fritz Thautow Dieppe(si 6. November 1996) Norwegische Schneelandschaft. Eins seiner besten Bilder, 1892 gemalt— 4099 M.— Max Liebermann, Berlin Das Altemännerhaus in Amsterdam, unter einem Laubengang fitzende und rauchende Alten. Ein Pracht- volles Pastell. 3089 M.— Andreas Achenbach. Die alte Mühle am Fluß. 3959 M.— Alexander Roche, Glasgow. Schottische Küste bei stürmischer See und nebliger Luft, die vortrefflich wieder- gegeben ist. 1899 M.— Georg Oeder. Düsseldorf. Winterland- schaft mit entlaubten Bäumen, darüber der düstere Himmel. 1599 M.— Pier Gilardi, Turin. Bacciaspiel von Geistlichen und Landleuten vor einer prachtvoll bemalten italienischen Kirche. 1595 M.— Pia Jaris, Rom. Der Straßen« barbier. Jaris ist einer der bedeutendsten Darsteller des italienischen Volkslebens. 859 M.— E. Pagliano, Mailand. Ein Gelehrter erteilt zwei jungen Mädchen vor einem Globus Geographieunterricht. 2199 M.— H. Kehnert, Berlin. Am frischen Haff; ein vorzügliches Landschaftsbild. 1210 M. Bennewitz v. Lösen d. Aelt., Berlin. Blick auf einen märkischen See mit be- waldeten Ufern. 799 M.— Hugo Kauffmann, München. Drei Bauern und der Schulmeister beim Kartenspiel. 1949 M.; ein sehr feines Bildchen.— Nun seien noch zwei sehr interessante Zeichnungen erwähnt: Der 9. März 1888. Unter den Linden. Extrablätter melden das soeben erfolgte Hinscheiden des alten Kaisers, von Artur Kämpf in Berlin, und Moltke auf dem Totenbett, das Haupt auf einem Weißen Kissen ruhend. Ansicht des Profils, von K. Dielitz in Berlin.— Unter den wenigen alten Bildern der Sammlung war ein angeblicher A. v. Oftade, Wirtshausszene, der 2129 M. brachte.— Der Gesamterlös war 79 909 M. Uebcr das Schicksal der Magistratsvorlage, die Wertzuwachssteuer betteffend, ist man bis heute immer noch im Unklaren. Der mit der Beratung dieser Vorlage betraute Ausschuß hat schon eine ganze Reihe Sitzungen abgehalten, ohne bisher zu einem Resultat zu ge- langen. Obwohl es die Aufgabe des an dieser Vorlage sehr interessierten Stadtkämmerers war, dieselbe zu verteidigen, zog er es vor zu schweigen. Dieses Schweigen ist bisher verschiedentlich beurteilt worden. Aufgefallen ist, daß, während der Kämmerer schwieg, der Herr Oberbürgermeister sich kürzlich in einer Sitzung dieses Ausschusses über die Vorlage ausließ. Er führte aus: Er sei bei allen Verhandlungen zugegen gewesen, um zu er- fahren, ob in der Tat stichhaltige Gründe gegen die Vorlage geltend gemacht werde» können. Er habe aber keine gehört. Der Einwand, daß. wenn der unverdiente Wertzuwachs an Grund und Boden be- steuert werden solle, man dann auch den unverdienten Wertzuwachs auf den übrigen Gebieten steuerlich fassen müsse, sei theoretisch zu- treffend. ANein die Kommune sei für eine Gesetzgebung auf diesen Gebieten nicht zuständig. Auch dürfe doch nicht über- sehen werden, daß die Stadt wohl nur in den' seltensten Fällen dazu beitrage, wenn jemand z. B. an Aktten einen großen Kursgewinn erziele; wohingegen doch nicht bestritten werden könne, daß beim Grundbesitz die Kommune in allen Fällen den Boden bereitet, auf dem der Grundbesitzer erntet. Die ausführlichen Dar- legungcn über die möglichen Umgehungen können ihn nicht schrecken. Man dürfe etwas, was man als richtig erkannt habe, deswegen nicht unterlassen, weil sich Personen finden, die auf erlaubte oder unerlaubte Weise ein solches Gesetz umgehen. Er bitte, auch folgendes zu berücksichttgen. Die Berliner Stadtverwaltung werde in der Versammlung wie in der breiteren Oeffentlichkeit vielfach hart angegriffen, weil sie den Kreis der gemeind- lichen aufgaben zu eng fasse. Er müsse zugeben, daß dieser Kreis nicht besonders weit gezogen sei, aber der Magistrat habe sich bei allen neuen Plänen die Frage vorzulegen, ob genügende laufende Mittel zur Durchführung vorhanden seien. Durch die zahlreichen neuen großen Institute, die teils fertig, teils der Vollendung nahe wären, würde der Etat stark be- lastet; treten neue Aufgaben hinzu, so müßte unbedingt für eine dauernde Vermehrung der laufenden Mittel Sorge getragen werden. Die vorliegende Steuer sei hierzu ein durchaus g e- eignetes Mittel. Der Grundbesitz als solcher werde nicht gettoffen. Getroffen werde nur eine bestimmte Kategorie von Grundbesitzern, wenn sie übermäßige, durch die Gemeinde bereitete Gewinne erzielen. 19 Proz. Wertzuwachs bleibe ftei; von dem überschießenden Betrage solle eine mäßige Abgabe erhoben werden. Das sei nichts Unerhörtes. Er bitte daher dringend um Annahme der Vorlage. Wie wir erfahren, sucht der Herr Stadtkämmerer seine Lorbeeren auf einem anderen Gebiete. Anstatt neue, gerechte Einnahme« quellen zu erschließen, zerbricht er sich den Kopf, wo die Aus- gaben einzuschränken sind. Und da er nicht viel findet, ist es ihm eingefallen, daß die Tiefbaudeputation für ihren Betrieb sowie für Repräsentattonszwecke ein Motorboot unterhält, und daß es doch eine große Finanzreform sei, dieses Boot abzuiwaffen. Die Tiesbau- depntation konnte sich aber von der Zweckmäßigkeit dieses finanz- politischen Borschlages nicht überzeugen und lehnte diese erste große Reform des Kännnerers ab. Vielleicht beherzigt er nun die Aus- sührungen des Oberbürgermeisters. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern vormittag in der Fabrik für Fahrstühle und Hebewerkzeuge von Karl Flohr in der Chausseestraße. Unter Leitung eines Ingenieurs waren die Arbeiter dannt beschäftigt, eine Krankatze zu probieren. Der Platz in der Durchfahrt ist sehr beengt und unter dem Probierstrang liegen aller» Hand Klamotten herum. Eine Katze stand schon auf dem Probier» sträng, es sollte nun ganz rasch die zweite, die eine andere Spur hat, geprüft werden. Man legte ein paar Fichtenbretter über den Strang und wollte auf denselben die Probe vornehmen. Als die Bretter mit der Last von 8122 Kilogramm beschwert wurden, brachen fie, die ganze Last fiel von der ersten Etage herab und rih einen oben stehenden Schlosser mit herunter, wahrend die Untenstehenden, em Lehrling und ein Arbeiter fich noch schnell flüchten konnten. Der Schlosser hat schwere Verletzungen davongetragen. DaS Eifersuchtsdrama in der Tcgelerstraße, über das wir gestern berichteten, hat bereits sein zweites Opfer gefordert. Der Schlosser Ernst Hintz, der seine junge Frau ermordete, ist vorgestern nachmittag im Virchow-Krankenhaus an den Folgen der Schuh Verletzung und der Lysolvergiftung ebenfalls gestorben, ohne das Bewuhtsein wiedererlangt zu haben. Die Leiche der ermordeten Frau bleibt noch in der Wohnung, bis eine Gerichtskommission sie besichtigt hat. Die Eltern der Erschossenen sind achtbare Ar- beitersleute, die in der Müllerstrahe wohnen. Sie beklagen den Tod ihres einzigen Kindes. Beim Besteigen eines in der Fahrt befindlichen Straßenbahn Wagens ist vorgestern in der Brunnenstrahc die neunzehnjährige Tochter des Bürstenfabrikanten Letzmann, Jüdenstr. 51/52, zu Schaden gekommen. Fräulein L. versuchte an der Ecke der Ramler- stratze den Motorwagen Nr. 12L1 eines Stratzenbahnzuges der Linie 38 zu besteigen, glitt von dem Trittbrett ab und fiel zu Boden. Die L. erlitt eme stark blutende Kopfwunde und mutzte nach der Unfallstation in der Badstratze übergeführt werden. Von hier wurde das Mädchen, nachdem ihm ein Notverband angelegt worden war, nach der elterlichen Wohnung gebracht. Zu dem Raubmord bei Fürstenwalde wird noch folgendes mit- geteilt: Die vollständige Ueberführung des unter dem dringenden Verdacht, den Bierkutscher Haase ermordet zu haben, verhafteten Polen Polenick ist im Laufe der bisherigen Untersuchung noch nicht gelungen. Auch das geraubte Geld konnte noch nicht gefunden werden. Die Staatsanwaltschaft hat nun eine öffentliche Bekannt machung erlassen, in der auf die Herbeischaffung weiterer Beweis mittel, die zur Entlarvung des Täters dienen können, insbesondere auf die Auffindung des Geldes eine Belohnung von 1000 M. ausgesetzt wird. Hoffentlich gelingt es auf diese Weise, die Mord afsäre vollständig aufzuklären. Aus der Selbstmordchronik. In der Koloniestr. 37 vergiftete sich die Ehefrau des Kutschers C. Die Lebensmüde liegt jetzt be- denklich danieder.— Aus Liebesgram griff das Dienstmädchen Emma K. aus der Leonhardtstr. 4 zur Lysolflasche. Die Unglück liche trank ein großes Quantum von dem Gift und dürfte dem Leben wohl kaum erhalten bleiben.— Schließlich versuchte sich die zwanzigjährige Arbeiterin Elisabeth Kl.. Albrechtstr. 15, mit Hülfe von Lysol das Leben zu nehmen.— Weil er im Examen durch- gefallen war, hat sich gestern der Student Bruno B. aus der Mclanchthonstr. 12 das Leben genommen. Der junge Mann hatte vor wenigen Tagen Kameraden gegenüber geäuhert, er werde sich, falls er das bevorstehende erste Examen nicht bestehe, eine Kugel in den Kopf jagen. Das Verhängnis wollte es, daß er denn auch durchfiel und B. führte trotz aller Ermahnungen seinen Entschluß aus. Er erschoß sich gestern auf seinem Zimmer.— Das zwanzigjährige Dienstmädchen Marie H.. das bei dem Rentier K. in der Schmargendorferstr. 6 in Stellung war, hat auf schreckliche Weise Selbstmord verübt. Sie begab sich nach der vierten Etage und stürzte sich von dort aus dem Flurfenster auf den Hof hinab. Beim Aufschlagen in den Lichtschacht ritz der Körper der Lebensmüden das Sicherheitsgeländer entzwei. Der Tod trat sofort ein. Als Ursache wird Geistesstörung angegeben. Irrungen— Wirrungen. Die Studententragödie in der Novalisstratze nimmt �ctzt wieder ihr altes Gesicht an. Erst hieß es, Erwin Kund habe sich selbst erschossen, dann nahm die Kriminal Polizei an, daß er das Opfer seiner Geliebten geworden sei. Jetzt bestätigt sich die erste Version dieses verwirrten Todesfalles. Dora Markus ist in Berlin geblieben und hat sich vorgestern abend aus freien Stücken auf einer Revierwache gemeldet. Sie behauptet daß Kund schon verschiedentlich Selbstmordgedanken geäußert und auch gesagt habe, er werde sie mit erschießen. An dem. Tage, an dem er seinem Bruder die Lösung seiner Beziehungen zu ihr ver- sprachen hatte, schenkte er ihr noch einen silbernen Gürtel. Der Revolver, mit dem die Tat ausgeführt wurde, gehörte nicht Dora Markus. Kund hatte allerdings vorher eine neue Waffe besessen. Er kaufte aber den Revolver an jenem Nachmittag in einem Laden, den er gemeinsam mit seiner Geliebten besuchte. Diese Mitteilung des Mädchens ist nachgeprüft worden und hat sich bestätigt. Utztev dessen hat die Ovouktion die Möglichkeit ergeben, daß Kund sich die Schüsse auch selbst beigebracht hat. Ferner hat die Staatsanwalt schaft das Mädchen, das vorgestern schon wieder Cafes besuchte, auf freiem Fuß belassen, zumal da nachträglich auch noch ein Brief gefunden worden ist, in dem der Student Selbstmordgedanken äußerte. Die Handschrift dieses Briefes ist als die Kunds von dessen Angehörigen erkannt worden. Schon wieder wird aus dem Bergmannschen Betriebe in der Oudenarderstraße ein Unfall gemeldet. Einem IKjährigen Burschen Görtel wurde von einer Fräsmaschine, an der er auf Anweisung seines Meisters Döring beschäftigt war, der Zeigefinger der rechten Hand glatt abgetrennt. Einen erst 15 jährigen Menschen mit Arbeiten an einer so ge- fährlichen Maschine zu beschäftigen, kann nicht scharf genug verurteilt werden. Es dürfte doch endlich am Platze sein, daß unsere Aufsichts behörden eine gründliche Musterung der Arbeits-, Sicherheits- und Sanitätsverhälwisse in dem obengenannten Institut vornehmen. Haben wir denn keine Fabrikinspektion? Die Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft Berlin-Schlachtensee hat soeben ihren Jahresbericht 1905/06 veröffentlicht. Derselbe läßt ein erhebliches Wachstuni und eine rührige Tätigkeit der Gesellschaft erkennen. Die Mitgliederzahl stieg im Berichtsjahre von 200 auf 425. Im verflossenen Jahre gab die Gesellschaft zwei neue Broschüren und eine periodisch erscheinende Korrespondenz heraus und hielt über 40 Vorträge in den verschiedensten Vereinen. Außerdem veranstaltete sie eine Wanderausstellung:„Aus Garten städten und Arbeiterkolonien", die in den verschiedensten Städten gezeigt werden soll. Auch hofft die Gesellschaft bald selbst zu praktischen Unternehmungen schreiten zu können. Auf der Treptow- Steruwarte spricht Dr. Archenhold am morgigen Sonntag, nachmittags 5 Uhr, über:„Ein Ausslug in die Sternenwelten', abends 7 Uhr über:„Einführung in die Astronomie". Am Montag, abends 9 Uhr. wird das Thema:„Die Fixsterne" be- handelt. Alle drei Vorträge find mit zahlreichen Lichtbildern aus- gestattet.— Mit dem großen Fernrohr wird während der ganzen Woche nachmittags die„Sonne", dann der»Mond", später»Saturn" und«Jupiter" beobachtet. Feurrwrhrbericht. Gestern vormittag um 7 Uhr wurde am Hafen am Schöneberger Ufer ein Pferd scheu und stürzte beim Durchgehen in den Landwehrkanal. Der Kutscher Friedrich Unruh aus Schöneberg. Meiningerstraße 10. erlitt dabei schwere Verletzungen und mußte nach dem Elisabeth-Krankenhause in der Lützowstraße gebracht werden, wo man einen Bruch deS Oberschenkels und Quetschungen feststellte. DbS Pferd wurde von der Feuerwehr aus dem Wasser geholt. Wegen eines Brandes. der nachts in einer Goldleistensabrik Waldemarstraße 15 ausgekommen war, wurde die zweite Kompagnie alarmiert. Lacke. Kleider und anderes brannten dort. Benzol, Mobilien und Immobilien brannten in der Kastanien-Allee 26. Die Feuerwehr, von vier Seiten gleichzeitig alarmiett, rückte sofort in großer Stärke aus und es gelang durch kräftiges Wasseraeben, die Flammen auf ihren Herd zu beschränken. In der Oranienburgerstr. 59 hatte der 13. Zug einen Brand zu löschen, der in einem Schuppen ausgekommen war und Terpentin, Schmieröl und anderes ergriffen hatte. Grober Un- fug lag einer Feuermeldung zugrunde, durch die der 13. Zug zum Ausrücken nach der Birkenstr. 28 veranlaßt wurde. Der 5. Zug mußte einen Brand in der Köpenickerstr. 121 löschen, der dort auf einem Hängeboden ausgekommen war. Feuerwerkskörper brannten in einem Laden in der Auguststr. 30 und das Zwischengebälk im Keller des Hauses Cuvrhstr. 44. Ferner wurde die Wehr nach der Potsdamerstr. 4, Schwedterstratze, wo Teer am Exerzierplatz brannte, und anderen Stellen gerufen. Vorort- JVacbncbten. Rixdorf. Die städtischen Arbeiter hatten sich am Donnerstagabend sehr zahlreich im Thielschen Lokale versammelt, um zu der immer drückender werdenden Lebensmittelteuerung Stellung zu nehmen. Der Sekretär des Gemeindearbeiter- Verbandes, May, hatte das Referat übernommen und legte den Anwesenden die Notwendigkeit einer Aktion zur Abwehr der Teuerung dar. Die Versammlung folgte mit großem Interesse den Darlegungen, und einige Arbeiter, die sogar„bessere" Löhne verdienten, schilderten, wie elend ihre Lage sei. Wie Arbeiter mit 38 Pf. Stundenlohn eine Familie ernähren und ihren sonsttgen Pflichten nachkommen können, ist vielen ein Rätsel. Die Versammlung nahm einen Antrag an, die Stadtverwaltung und das Kollegium der Stadtverordneten zu veranlassen, den städtischen Arbeitern eine Teuerungszulage zu gewähren. Hoffentlich reicht das soziale Empfinden der Stadtväter hin, um die Not der Arbeiter in Balde zu lindern. Charlottenburg. Das Opfer eines schweren Automobilnnfalles wurde gestern abend der 7jährige Sohn des Eisenbahnbeamten Slibeika aus der Krumme stratze 63. Der Kleine hatte an der Ecke der Uhlandstraße und des Kurfürstendammes den Fahrdamm gekreuzt, war dabei von einem vorübersausenden Privatautomobil erfaßt und unter die Räder gerissen worden. Er erlitt einen komplizierten Bruch des linken Oberarmes, sowie schwere Verletzungen an beiden Beinen und wurde in das Krankenhaus Moabit eingeliefert. Dem Stadtverordnetenbcricht in der gestrigen Nummer ist au ganz verschmitzte Art ein Streich gespielt worden. Unseren Lesern wird es bereits ausgefallen sein, daß der letzte Satz in demselben nicht zu Ende geführt ist; wir bringen denselben deshalb in voll' ständiger Form: Da sich die persönlichen Zänkereien bis 10 Uhr abends hin gezogen hatten, hatte man keine Zeit mehr zur Erledigung der übrigen Tagesordnung. Einige wichtige Vorlagen wurden bis zur nächsten Sitzung vertagt. Groft- Lichterfelde. Ein unliebsames Rencontrc zwischen einem Major und einem angeblichen Arbeitslosen spielte sich gestern morgen in der Moltke stratze 20 ab. Dort erschien ein Mann vor der Wohnung des MajorS Speck v. Sternberg und fragte um Arbeit an. Er habe erfahren. meinte er, daß der Herr Major die Schießstände im Grunewald unter sich habe, und da gäbe es doch immer zu tun. Der Major erklärte aber, keine Arbeit für ihn zu haben, woraus sich der fremde Mann entfernen wollte. Mit den Worten:„Na, kommen Sie mal her!" rief der Major den Mann zurück.„Wo haben Sie denn gedient?" Schlagfertig antwortete der Fremde:„Im 19. Jäger bataillon l"„Wo? Ein solches existiert doch gar nicht!" Verblüfft stieß nun der Bursche den Major zurück und ergriff schleunigst die Flucht. Die anwesende Militärwache verfolgte ihn aber, und es ge- lang auch, ihn festzunehmen. Auf der Polizeiwache wurde er als der 27jährige Gärtnergehülfe Schmied festgestellt. Ober- Schöneweide. Die letzte KreisauSschußsitzung verhandelte eine Klage deS Genossen Grunow wider die Gemeindevertretung von Ober-Schöne weide. Beantragt wurde in der Klage die Ungültigkeitserklärung der am 3. März d. I. stattgeftmdenen Wahlen zur Gemeinde- Vertretung aller drei Abteilungen. Begründend ist angeführt, daß in Anbetracht der erst nach der Wahl vorzunehmenden Vermehrung der Vertretung um einen Schöffen, eine, den Bestimmungen der Landgemeindeordnung entsprechende— das Verhältnis zwischen Ansässigen und Unansässtgen berührende— Ausschreibung der Wahl nicht stattfinden konnte; es stünde nicht fest, ob der neue Schöffe ansässig oder nichtans Assig sei, da derselbe in geheimer Wahl zu wählen ist. Bei der Berechnung der Zahl der Ansässigen und Unansässigen zählen aber Gemeindevorsteher und Schöffen mit. Folglich hätte erst der neue Schöffe gewählt werden müssen.— Der Kreisausschuh entschied prinzipiell in diesem Sinne, mit der Einschränkung, daß nur die Wahlen der 3. Abteilung für ungültig erklärt wurden— vermutlich, weil der inzwischen gewählte Schöffe dieser Abteilung angehört. Eine Begründung steht noch aus. In Betracht kommt die Wahl des Genossen Grunow und des Kandidaten der Katholiken Herrn Wyrzick. Reinickendorf. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag in der Residenzstraße. Dortselbst wollte die sechsjährige Tochter des Maurers Herbert in der Nähe des elterlichen Hauses den Fahr- dämm überschreiten und lief blindlings gegen einen im Schritt vorbeifahrenden beladenen Kohlemvagen. Die Kleine stürzte zu Boden und fiel so unglücklich, daß sie mit den Beinen vor das rechte Vorderrad zu liegen kam. Der Kutscher hatte von dem Vorfall nichts bemerkt, und als er von Passanten angerufen wurde, war es bereits zu spät, das Unglück zu verhüten. Das Rad ging dem Kinde über beide Beine hinweg. Dem Mädchen Wurdew durch die furchtbare Last die Unterschenkelkuochen zersplittert. Die Ver unglückte wurde nach dem Kaiserin Friedrich-Kinderkrankenhaus ge' bracht, woselbst ihr jedenfalls beide Beine abgenommen werden müssen._ Die Aufhebung der kommunalen Biersteuern, die noch in den meisten Berliner Vororten bestehen, erstreben die Gastwirte Groß Berlins. Der Verband der Gast- und Schankwirte für Berlin und die Provinz Brandenburg will in den nächsten Wochen in sämt lichen Vororten Massenversammlungen der Gastwirte veranstalten, die mit Rücksicht auf die Belastung des Gastwirtestandes durch Reichsbiersteuer, Fleischtcuerung usw. die Aufhebung der lokalen Biersteuer fordern sollen. Eingeleitet wurde die Bewegung vor gestern durch eine starkbesuchte Versammlung der Gastwirte von Rummelsburg-Boxhagen, die im„Rummelsburger Volksgarten' tagte. Einstimmig wnrde folgende Resolution beschlossen: „Die Gast- und Schankwirte des Gemeindebezirks Rummels bürg fordern angesichts der schwerbedrängten Lage des Gastwirts gewerbeS die Gemeindeverwaltung auf, die gegenwärtig im Ort bestehende kommunale Biersteuer aufzuheben. Bei der Erhöhung der Reichsbiersteuer und der beschlossenen Einführung der Kreis- konzessionssteuer einerseits, sowie der Geringfügigkeit der Ge- meindebierstcucr für die Kasse unseres Gemeinwesens anderer- seits würde die Aufhebung der Kommunalbiersteuer für die Ge- meindeverwaltung kein Opfer bedeuten. Sie würde aber geeignet sein, den m bezug auf Steuern schon ohnehin überlasteten Gast- Wirten ihre schwierige Lage zu erleichtern. Die Versammlung rechnet daher zuversichtlich darauf, daß die Gemeindeverwaltung diese einseitige, von den Gastwirten als besonders drückend empfundene Last der kommunalen Biersteuer so schnell als möglich beseitigt." Wieder ei» Raubansall auf der Eisenbahn. In der Nähe de? Bahnhofes von Bordeaux wnrde auf dem Gleise der Geschäfts» reisenve Gallicheau, der Vertreter einer Pariser Seidenfirma, lebenS- gefährlich verletzt und im Zustande vollständiger Bewußtlosigkeit auf- gefunden. Gallicheau ist zweifellos einem Raubanfall zum Opfer gefallen. In dem Wagenabteil, in welchem sich seine Koffer befanden. wurden Spuren eines heftigen Kampfes wahrgenommen. Ein Hauseinsturz. In San Sebastian wurden beim Einsturz eines Hauses zahlreiche Personen verschüttet. Die Bevölkerung be- gann sofort mit den Rettungsarbeiten. Bisher wurden vier Tote und fünf Schwerverwundete aus den Trümmern hervor- gezogen. Man glaubt jedoch, daß fich noch mehr Personen unter den Trümmern befinden. Unrettbar verschüttet. Sechzehn Arbeiter sind, wie aus Kon- stantine gemeldet wird, in den Bleigruben von Djebal-Felten ver- schüttet worden. An eine Rettung ist nicht zu denken. Niedergebrannt. Die Holzbearbeitungsfabrik von Gail Ww. in Bibrich, welche 250 Arbeiter beschäftigt, ist gestern vollständig nieder- gebrannt. Ein großer Brand wütet, wie aus Santiago de Chile gemeldet wird, im Geschäftsviertel von Antofagasta. Der Schaden wird auf 2 bis 3 Millionen geschätzt. Abgestürzt. Der Wiener Buchhalter Franz Sewalda stürzte gestern aus der Rax ab, von der vor fünf Tagen der Wiener Dr. Hajer abgestürzt ist. Sewalda ist tot. Vernrifcbtes. Der erste Schnee. Auf dem Brocken trat m vergangener Nacht der erste größere Schneefall ein. Bnefhaften der Expedition. Tie juristisch« Sprechstunde findet Friedrich st r. 1«, Aufgang 4« eine Treppe tHandelsstättc Bcllealliance, Durchgang auch Lindenstr. 101), wachcntäglich von?-/, PiS»>/, Uhr abcuds statt. Geöffnet?»hr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde NM 0 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe lind eine Zahl als lvicrkzeichen beiznfiigen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. P. R. 189. Wir kennen das Institut nicht; wenden Sie sich an einen Arzt.- W. H. 1872. 1. Schwerlich; warten Sie ab, ob AnNage er» folgt. 2. Ihre Klage bei dem Gewerbegencht hätte Aussicht aus Erlolg.— SP. 1108. 1. und 3. Ja. 2. Zimmerstr. 91.— 91. S. 70. Ja, die Darlchnssorderung verjährt erst in 30 Jahren.— F. K» 1. Nein. 2. Ja. Schreiben«ie direkt an den Magistrat.— Friedrichsbcrg. Nehmen Sie mit dem Lehrer Rücksprache. Ms Unterrichtsgegenstand würden wir daS Baden nicht erachten.— H. L. Jahrgang 1890.— H. B. O. 34. 1. Unseres Erachtens ist solche Erklärung nicht bindend. 2. Das ist sehr bestritten. 3. Gleichgültig. 4. Ja.— B. W. Der Antrag ist an das Amtsgericht zu richten. Es muß dargelegt werden, daß ein Interesse des Kindes vorliegt. Die Mutter und der Vormund werden gehört.— 91. B. 1. Vielleicht schlagen Sie aus unserer Expedition nach: ohne nähere Angaben ist die Nummer nicht zu ermitteln.— St. G. 1K. Uns nicht bekannt; wenden Sie sich an Ihre Gcwerlschastsorganlsaston.— H. H. 63. Der Arrest gilt bis zu seiner Aushebung.— B. K., Char- lottenburg. Unverständlich.— M. 110, B. Nein.— Bayern. ft. M. 100. Wiederholen Sie die Anfrage.— A. E. IL. 1. Wenn das Kassenslatut nichts Gegenteiliges besagt, sind Sie Im Rechte. 2. bis 5. Wenden Sie sich� an die Buchhandlung.— I. B. 46, Ja, melden Sie den Verkaus aus dem Sleuerbureau.— X, Ja. — T. D. 99. Leider sind Sie an den Vertrag gebunden und aus Eni- gegcnkommen des Wirtes angewiesen.— H. F. 17. Da Sie keinen schristlichcn Vertrag haben, ist im Klagcwegc nichts zu erreichen. Wegen eventueller Anstellung in der Druckerei wenden Sie sich direkt an diese.— H. R. 33. Nein, es darf nur die Hälfte zum Jnvalidengcld, Va Kranken- kassengeld abgezogen werden.— B. L. 6. Ihre Anfrage wollen Sie wiederholen.— H. P. 33. Ihrer Forderung steht kein Vorzugsrecht zu. A. B. C. Berlin. Ja, aber der Ausgang der Klage ist immerhin wegen der Schwierigkeit deS Beweises zweifelhaft.— M. 9t. 2. Eine Klage wäre nicht ohne Aussicht auf Erfolg.— E. 5. Essen. 1. Ja. 2. In fünf Jahren. 3. Nein. 4. Beschwerde einlege».— O. E. 13. Ja.— 1. 8. 3. E. N. Das Getränk ist etwas alkoholhaltig. Wegen der Flecke wenden Sic sich an eine chemische Reinigungsanstalt und an einen Tischler. — M. in Höhr. Lassen Sie es aus eine Klage ankommen. Wenn Sie den von Ihnen geschilderten Sachverhalt beweisen, so liegt die Sache für Sie günstig.— E. F. 1891. 1. Ja. 2. und 3. Nein.— 9870. Nein. Berliner Marktpreise. Ans dem amtlichen Bericht der städtischen Mnrlthallen-Direklion.(Großhandel.) Rindfleisch la 68—73 pr. 100 Pfd., IIa 62-67, lila 56-61, IVa 50-55. Kalbfleisch, Doppelländer 105—115, ta 88-95, IIa 76-86, Cla 62—74, Holl. 54-60. Hammelfleisch la 72-80, IIa 56—69. Schweinesteifch 60—68. Rehwild la per Psd. 0,50,-0,70. IIa 0,35-0,48. Rotwild la 0,40-0,49, do. IIa 0,25, do. Kälber 0,46 bis 0,54. Damwild 0,40-0,55, do. Kälber 0,45-0,60. Wildschweine 0,40 bis 0,50. Frischlinge 0,00. Hasen per Stück 3,00—3,40, do. klein und IIa 1,25—2,90. Kaninchen pr. Stück 0,60—0,85. Wildenten pr. Stück 1,30—1,60. Krickenten 0,00. Rebhühner, junge la 1,00—1,10, junge IIa 0,00, alte 0,65—0,75, junge kleine 0,00. Hühner, alle per Stück 1,50—2,75, alte IIa 1,00—1,40, junge per Stück 0,50—1,50. Tauben per Stück 0,44—0,55, ital. 0,70. Eule», junge per Stück 1,60—2,50, Hamburger, junge per Stück 3,10. Gänse, Ooerbrucher, per Psd. 0,50—0,60, do. la per Stück 3,25—3,80, IIa 1,25. Hechte per 100 Psd. 60-68, groß 40—50. Zander matt 0,00. Schleie mittel 0,00, große 86, kleine 0,00. Bleie, kleine 0,00. Aale, groß 0,00, mittel. 114, klein 0,00, uns. 0,00. Plötzen 41—56. Karpfen, unsort. 0,00, do. 25er Lausitzer 0,00, do. 40— 50er 68—72, do. 100er Schiefische 66—72. Barse 0,00. Karauschen 67—70. Bleifische 0,00. Wels CO. Bunte Fische 0,00. Amerikan. Lach» la neuer per 100 Pjd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila neuer 75. Seelachs 20—25. Sprotten, Kieler, Wall 0,75—1,30, Danziger, Wall 0,60—0,80. Flundern, pommcrsche la, per Schock 3—6, do. pommersche IIa 2—4, Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel ver Kiste 2—3, Hämo. Stiege 4—5, halbe Kiste 1,50—2. Bücklinge, per Wall Kieler 3,50—5,00, tralsuiider 4,00—5,00. Aale, groß per Psd. 1,10—1,30, mittelgroß 0,80—1,00, klein 0,50—0,60. Heringe per Schock 4—5. Schellfische Ktsle 4—5, do. Kiste 2—3. Kabliau, p. 100 Pfd. 20—25. Heilbutt 0,00. Sardellen. 1902er per Anker 95, 1904er 95, 1905cr 93, 1906er 73. Schottische Vollheringe 1905 0,00, lar�o 40-44, füll. 36-38, med. 35—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Matjes, per'/, To. 60—120. Sardinen, rufs., Faß 1.50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schockfaß 11, kleine 5—6, Riefen- 14. Hummern, kleine, per Psd. 0,00. Krcbfe, per Schock, große 0,00, mittel 0,00, kleine 0,00, unsort. 0,00. Galizier, groß 0,00, mittet 0,00. Eier, Land-, per Schock 4,00—4,60. Butter per>00 Pjd. la 127—128, IIa 118-125. lila 112-116, abfallende 95-105. Saure Burken Schock 3,50—4,00, Pfeffergurken 3,50— 4,00. Kartoffeln per 100 Pfd. 0,00, raagnum bonum 1,90—2,10, Daberfche 1,90— 2,10, Rosen 0,00, weiße 1,60—2,00, Salatkartoffeln 4,00—5,00. Spinat per 100 Psund 5,00—6,00. Karotten per Schockbund 2,50—3,00. Sellerie, hiesige, per Schock 3,00—4,00, do. pommersche 4,00—5,00. Zwiebeln große, per iOOPjd. 3,00— 3,50. do. kleine 2,00—2,50. do. hiesige(Perl») 0,00. Charlotten 50—60. Petersilie, griin, Schockbund 1,25. Kohlrabi per Schock 0,50—0,80. Retlig, bahr., per Schock 2,40—4,80. Radieschen per Schock-Bd. 0,60—0,80. Salat, per schock 2,00—2,50. Bohnen, grüne, per 100 Psund 0,00. Wachsbohncn 0,00. Pscfferlinge per 100 Psd. 0,00. Mohrrüben per 100 Psd. 2— 2,50. Teltower Rüben per 100 Psd. 10—12. Weiße Rüben, große 2—4, kleine 6—7. Blumenkohl per Mandel 2,50—3,00. do., Ersurtcr, Kops 0,15—0,18. Wirsingkohl per Schock 3,00—6,00. Rotkohl p. Schock 3,00-8,00. Weißkobl 100 Psd. 2,00-6,00. Rosenkohl p. 100 Psd. 15—18. Grünkohl per 100 Psd. 3—5. Steinpilze per 100 Psd. 0,00. Kohl. rüben, Holl., schock 0,00. Kürbis 3—4,00. Birnen, per 100 Psd. hiesige 7—20, böhmische 6—25. Äepsel, per 100 Psd., hiesige 4—20, Gravenstelner 8-20, Tiroler in Fässern 17—30, Kiste 32-80. Amcrk. 17—30. Preißel- beeren, schwedische 0,00, Gebirgs- 34—36. Wallnüsse per 100 Psd. 16—20, kleine 0,00, Paranüsse 60—70, Haselnüsse lange 44—50, runde 32—34. istaumen, per 100 Psd., hiesige 0,00. böhmische 0,00, do. große 0,00. itrone», Messina 300 Stück 10,00-14,00, 360 Stück 8,00—16,00, X) Stück 10-12, 420 Stück, klein 5-8, 500 Stück klein 5-8. Snßtag 29362* ch CJroßcs Scniaclitefest!+ Wozu ganz ergebenst einladet«14-» Ef/».»,»«! > Größere Vereine bitte um Anmeldung. L»C1 alle I I CUIIU. Picheiswerder. 8ür den Julialt der Inserate beruiinmt die Redaktion dem Vublitnni gei,e»über tciuerlei Berantwortiinft. ZbCAtCY. Eonnabend, den 17. November. Ansang Tl, Uhr. Opernhaus. Die Schauspielhaus. Merlin. Neues OPerutheater. Geschlossen. Deutsches. DaZ Wintermärchen. Westen. Schützenliesel. Nachmittags 3 Uhr: Die Zauber- flöte. Oorying. Der Wildschütz. Nachmittags 3 Uhr: Rotkäppchen. Ansang 8 Uhr. ReneS Schauspielhaus. Die Hochzcitssackel. Lcssing. Hedda Gabler. Berliner. Sheriock Holmes. Schiller O.«Wallucr. Theater.) Der Hochtourist. Schiller>.(Friedrich Wilhelm- slndlischcS Theater). Donna Diana. Ren es. Die Condottieri. Komische Oper. HoffmannS Er- Zählungen. Ruth St. Denis. Residenz. Triplcpatte. Lustspiel bans. Husarenfieber. Nachmittags 3'/, Uhr: Gänseliesel. Kleines. Ein idealer Gatte. Zentral. Tausend und eine Nacht. Nachmittags 3'/, Uhr: Prinzetzcheii Neugier. Deutsch- Nmerikanisches. Im wilden Westen. Der Hauptmann von Köpenick. Dhalta. Wenn die Bombe platzt! Nachmittags 4 Uhr: Rotkäppchen. Luisen. Else vom Erlenhos. Nachmittags 4 Uhr: Die fieben Raben. Bernhard Rose früher Carl Weih. Ausgewiesen. Nachmittags 4 Uhr: Frau Holle. Trianou. Der Hausfreund. Walhalla. Spezialitäten. »Ipollo. Spezialitäten. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Kasino. Die beiden Champignol. Folies Capricc. Serenissimus August XXVT.— Das Modell.— Das Provinzmädel. Bassage. Spezialitäten. Reichshallen.. Stcttincr Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. ilrnnia. Tanvensirahe Im wisscnschastlichen Theater: 8 Uhr: Sizilien. Hörsaal 8 Uhr: Dr. B. Donath: Elektromagnetismus. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57/(32. Kixdorfer Theater BergstraBe 147. ' Sonntag, den 18. November 1906; Die 6hrc» Schauspiel in 4 Akten v. Sudcrmann. Dienstag, den 20. November: Das Glück im Winkel. K'vimUi»«»!«! Bonus Berliner Theater. Heute und folgende Tage: Hkerlock Dölmes. _ Ansang 8 Uhr._ Neues Schauspielhaus Sonnabend, den 17. November: Pi( Klchmtsflcktl. Morgen: Die Hochzeltsfackel. Ansang 8 Uhr._ Theater des Westens Station Zoolog. Garten. Kantstr. 12. Heute 3 Uhr Schüler-Borslellung, kleine Preise: Die Kanberllttte. Abends VI, Uhr: Schützenliesel. _ Fritz Werner a. G._ Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Die Condottieri. Sonntag 3.25. Male: Die Condottieri. Montag: Die Condottieri._ Kleines Theater. Abends 8 Uhr zum 120. Male: Ein idealer Gatte. Sonntag nachm. 3 Uhr: Haolrtae»!. Abends 8 Uhr zum 121. Male: Ein idealer Gatte. Montag zum 25. Male: Man kann nie wissen. Komische Oper. Heute abend 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Hieraus: Rath St. Denis. eonntng nachm. 3 Uhr: Carmen. Abends 8 Uhr: Lakme. Im 2. Akt; „Cobra", auSgcf. von Ruth St. Denis. lörtzingTheater. Bellealliancestr. 7/8. Sonnabend, 17. November, VI, Ufjr: Der Wildschütz. Abonnements güllig. Sonntag nachm.: Ear und Zimmer' mann. Abends: Undine._ Luisen-Theater Reichenbergerstr. 34. 4 Uhr: Klnder-Vorstellnng: Die sieben Raben. ZIbendZ 3 Uhr: Else vom Erlenhof. Sonntag nachm.: Maria Stuart. Wends: Flotte Weiber. Montag: Sherlock Holmes._ " iTerantwortlicher Redakteu Urania. Wissenschaftliches Theater. 8Ukrdf Sizilien. Hörsaal 8 Uhr Dr. B. D o n a t h: Elektromagnetismus. Lusts�ielhaus. Nachm. 3ll, Uhr: Gänseliesel. � Hnsarenfieber. Ientral-Theater. Nachm. 3 Uhr bei halben Preisen: RU-In-ioßcIsQU Sengler. 8 Uhr: Tausend nnd eine Nacht. !!csiiic»!-Thcliikr. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage Ans. 3 Uhr: Triplepatie. Schwank in 5 Akten v. Tristan Bernard und Andrö Godscrnaux. Picomte Robert de Houdan: Richard Alexander. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Eine Hachzcitsnaclit. MelropolThealer Große Jahresrovue in 9 Büdom von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent M. Hoth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. WoItT. Bender. Giampietro. Josephi. Anf 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Morgen Sonntag, nachm. 3 Uhr: ErmäBigte Preise Auf in s Metropol. 8clilll er-Theater. Sohlller-Thestor 0.(Wallncr-Thealcr/. Sonnabend, abend? 8Uhr: Den Raolstaiinlst. Schwank in 3 Akten von Kurt Kraatz und Max Real. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Die lIoiTuaiix auf Segen. Sonntag, abends 8 U d r: Die Versohwörung des Fiesko zu Genua. Montag, abends 8 Ubr: Die Verschwörung des Fiesko zu Genua. Schiller-Theater N. tFriedr.-WilH.TH.) Sonnabend, abends 8 Uhr: Donnn Diana. Lustspiel in 3 Auszügen von Moreto. Sonntag, nachm. 3 Ubr: �Vei»'«ien> den iiigt. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Kinder der Exzellens. Montag, abends 8 Ubr: Die HefTnnng auf Segen. c astans PanoP£«"™ Friedrichstraße 165. Der Räuberhauptmann v. Köpenick. Die zusammengewachsenen Schwestern. Abends C/a Ubr: famiUcn-ßicr-Kabarett* Zlrlflis kusch. Sonnabend, den 17. Kovcmbcr 1900: Gala-Premiere original Manegeso ustück des Zirkus Busch In 7 Bildern. Verfaßt u. einstudiert von Hern: Burkhardt-Foottit. Tänze vom ital. Hofballettmeister Ollavi. Musik vom Kapellmeister Tauhert. Kostüme aus dem Atelier der Hoflies. Baruoh& Ca. und Verch St Floihow. Elektr. Lichtessekte von den Hoslief. Lohwahe Sc. Co. Dekorationen von Obronskl, Impekoven& Co., Radinm-Kostüme aus dem Laboratorium 8. Laubermann, Berlin, Elsasserslraße 53. 1. Riid: Im Hause des Aeilius. II. Bild: Das Prunk« gelage Neros.(ItflhilintlJflltrtt.) m. Bild: Im Senat. it. Biid: Die großen Kantpfspitte im Zirkus fifrtltrtiilit Viergespanne, Schwerikämpser, Netzkämpser.— Ring. V. Ullis illll. kämpf zu Fusi u. zu Pferde. Faustkämpfer. Tierkämpse. Die Todesfahrt über die zersprengte Knicke. V. Bild: In Neros Palast. Tl. Biid: Das große Opfer- fest im Tempel des Castor. Brand und Zusammensturz des Tempels. Zwischenspiele: Bilder aus der römischen Vergangenheit. TU. Bild: Phantastische Allegorie in seenhasten Licht- und Wasserspielen, sowie das grosse Gaia-Prograium. Das große neue Programni. u.a.: The Densmores und die ie in der Küehe. Liane d' Eve, Orig.Matschiche-Tänzerin. Die Seidoms. Neue Bilder. Berlin im Omnibus m. d. Omnibustrick. Sonntag, den 18, November, nachmittag 3'/, Uhr Familienvorstellung. Halbe Preise. Deutsch-Amerikanisches Theater. Jeden Abend 8 Uhr Gastsp. A. Philipp. Im wilden Westen und der sensationelle Lachersolg Dorr Hauptmann von Köpenick. Sonnabend nachmittag 3'/, Uhr: Die Reise durch das Märchenland. Kleine Preise! Ein Kind Reil Sonnlag nachm. 3 Uhr(halbe Preise): Ueber'n grollen Teich. Bernhard Bose-Theatei früher Cnrl Weifi-Theater. Große Franksurterstr. 132. Zum 86. Male: Ausgewiesen. Soziales Volksslück in vier Akten von Karl Böttcher. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung bei kleinen Preisen: Frau Holle. Sonntag 3 Uhr: Die Tochter des Herrn Fabricius. 8 Uhr: Ausgewiesen. Brunnen-Theater Direktion: Bernhard Rose. Gesundbrunnen. Badstraße 58. Sonntag, 18. November, nachm. 3 Uhr, voUStümliche Preise: Oastspie! Bernharil Rose-Theater 0. (fiäbct Carl Weiß-Theater): Der Ctöekner von Notre-Daine. Drama in 9 Bild. v. Eh. Birch-Pseisier. AbendS 7 Uhr: Die Carnelienüsrne. Drain. Gemälde in 5 Akten v. Dumas. Nach der Vorstellung: Bali. W. Noacks Thealer. Direktion. Roh. Dill. Brnnnenstr. 16. Große Extra-Vorstellung. Kean oder: Genie und Leidenschaft. Schausp. v. Dumas, übers, v. Raudols. Ansang 8 Uhr. Eutree 30 Pj. Ball. Ehren- und Vorzugskarten gültig. e olosseum Dresdenerstr. 07. 4C erstklassige 4e 19 äncxialitüten 19 Interessante neue Darbietungen. Bros. Permans, Exzentriks. Angelos lebende Kunstwerke. La Vilma, Sandmalerin. Das Mlllmann-Trlo, Drahtseilakt. Staleys Verwandlungsakt: Die musikalische Schmiede. „Im sonnigen Spanien". Englische Ballettszene, ausgef. von der .lohn Tiller-Truppe a. London. The 3 Urma Listers, Trapezkünstlerinnen. 0. K. Laie, komischer Jongleur. Maria Vinont von der Jcömgl. Oper in Madrid. Cheeberts Chinesenlruppe. Clotilde Florido, spanische Tänzerin. Der Biograph: 1. Wettlaufen. 2. Die Hochzeit im Automobil. Scrlir Prater-Mr Kastanlen-Allee 7—9. Heute Sonnabend: Oeschlosacn. Sonnlag nachmittags 3 Uhr: Die Räuber. Abends 7',. Uhr: jVlutter fegen. W smslls. sfskikle Ihesle»' Vleinhergsweg 19/20. Am Rosenthaler Tor. Das essektvolle November- Programm. Das schwarze Tdei-tjmn'tett (The Orig. /Black Troubadours). Die kluge Rosa— tA vorzügliche tA ■~ Spezialitäten DM- Ansang 8 Uhr."MD Morgen Sonntag: 2 Vorstellungen 2 Nachm. 3'l, Uhr kleine Preise. leder Erwachsene ein Kind frei.| 0 Rauchen überall gestattet. 4 Polles Caprice. Llnlenstr. 132, Ecke FriedrichstraBe. Serenissimos August UVI. Vorher: Das Pi-ovlnzmildel und Da« Modell. Antang 8 Uhr. Vorverkauf an derTheaterkasse von 10—2 Uhr n. bei Wertheim. Sonntag nachmittag; bei bedeutend ermäßigt. Preisen: Der Bcheme und Nach dem Zapfcnstrelcb. _ Anfang 3 Uhr._ Palast. Theater. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof BBrse. Heute 8 Uhr. Entree 50 Pf. Der giHnxende November-Spielplan. 2[£iü£lttle Yred�ii der tkjährige EntsesselungskünsUer: Delreiung ans der Zwangsjacke! Arsens Argolis Hunde- und Taubrn-Drestenr. Dazu: lg titlrakltonen 10 und- Eine vom Knltett. fA Familienkarten, zmn halben Kassen. preise gültig, in allen Barbier. Friseur- u. Zigarrengc�ästen gratis. Kasino-Theatep Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr Die beiden Champignol. Sonntag 4 Uhr: Alexander der Grog«, | Passage-Theater. Anfang 8 Uhr. J Josefine Dora Neueste Schlager. Mary Irber Von den ,11 Scharfrichtern' in| München. Georg Kaiser „Matchitche'. Damen-Jiu=Jitsu � Japanischer Ringkampf. Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger Anfang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Gustav Behrens Theater, Berlin Q, Frankfurter Allee 85. tSpexlalitätcn Giza u. Blosca! Verwandelungs-Burleske; Tänzerin nnd Waisenrat. 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S'/jlchr (ein Kind frei) und abends V/, Uhr. Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr. Der Hansfrennd. Sonntäg nachm. 3 Uhr: Ibr zweiter Mann. Fröbels Ätlerlei-Thealer Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag und Donnerstag: Konzert, Theater, Spezialitäten. Stets erstklassige Riesenspielsolge. Nach der Vorslellung: Cr. Tan». Taiizleitung: ß. Sachse. Ans. Sonntag ö, Donnerstag S Uhr. Sanssouci.s�Ä Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag, Donnerstag: Hoffmanns und Tanzkränzchen. Stets Extra-Eliteprogramm Aktuelle Ensembleszenen. Sonntags Beginn 5, Wochen:. 8 Uhr. Jeden Dienstag: Theater-Abend. t-tetelinnga- -(St. Louis) Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Verbindung mit größter Films- Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. ♦ Den ganzen Tag Vorstellung. ♦ Otto PFltzkow, Miinzstr. IB. , mein fttgehot zu prüfen! S. Littmann Zentrale für Herren- u. Knaben-Moden nur Wo. 2 Cramenslrape nur M. 2 nahe Station Hochbahn DranienstraBs. 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Als Nebenkläger war Prof. Dr. Bier aus Bonn zur Stelle, als Sachverständige fungierten Dr. Joseph und Medizinalrat Dr. Hoffmann. Prof. Dr. Bier ist der Erfinder eines HeitzluftapparatcS, der als wert- volles Heilmittel für ärztliche Zwecke dient. Der Apparat ist in zahlreichen Krankenhäusern eingeführt, er ist aber nicht patentiert worden� weil dies bei solchen Erfindungen, die von Aerzten im Interesse der leidenden Menschheit gemacht werden, nicht üblich ist. Der Angeklagte als Leiter einer Fabrik für Hcißluftapparate hat nun� einen ähnlichen Apparat in den Handel gebracht und über die Herstellung und Wirkung desselben in seinen Prospekten Angaben gemacht, die nach der Anklage nicht überall zutreffen und geeignet sein sollen, den Anschein eines besonders günstigen Angebots zu erwecken. Der Apparat trägt den Name», Lebenskraft".— Der Angeklagte wurde wegen unlauteren Wettbewerbes unter Anklage gestellt, vom Schöffengericht aber freigesprochen.— Die Berufungslamm er kam gestern zu einer Aufhebung des ersten Urteils. Nach Ansicht des Gerichts werden in dem Prospekt durch unwahre Angaben dem Apparat besondere Eigenschaften angerühmt. Unwahr sei es auch, daß in dem Pro- spekt stehe: nach langen Versuchen sei es der Fabrik des An- geklagten gelungen, einen solchen Apparat herzustellen. Der An- geklagte habe auch gewußt, daß diese Angabc unzutreffend sei, denn er habe selbst erklärt, daß er medizinische Bücher studiert habe. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 1 081 42 42018[ 600] SS 178 277 456 561 827 4 3054 60 61 593 687 702 967 84 4 4287 331 566 616 712 77 826 992 45001 125 209[3000] 46027 229 320 454 544 630 44 47106 18 204[3000] 9 860 903 4 8041 100 16 270 387 417 751[1000] #04 49146 80 606 18[ 500] 40 98 781 50639 734 5 1 033 113 207 418 87 752 58 52117 277[500] 378 612 746[ 500] 928 41 5« 5 3 274 347 561 608 93 807 80 5 4260[1000] 341 531 66 610[1000] 64 774[500] 81 6 6047 73[500] 138[1000] 837 98 366 76 448 636 5 7030 203 469 545 763 856 940 58093 190 865 427 50? 34 677 935 5 9078 119 549 714 6O073 84 156 379 517 632 85[1000] 719 82 891 61492 62056 231[3000] 63095[1000] 154 80 88 296 465 66 74 634 37 4 6 6 4047 73 364 453 508 647 71 933 6 5008 108 75 »30 74 716 17 972 6 6139 90 227 432 533 664 951 67 205 »04 26 402 500 22 89 626 31 67 818 6 8004 31 102 59 306 »5 70« 1500] 69291 525 652 928 7 0161 235[ 3000] 643 [5000] 71137 410[500] 80 612 723[ 500] 844 935 7 2009 29 84 91 392[500] 411 550 723 947 55 56 61 73270 396 622 688 877 7 4030 255 85 499 568 96 962 7 5093 192 278 490 603 834 911 28 7 6318 475 98[500] 613 54 1500] 705 28 27 821[500] 77039[1000] 474 617 974[500] 78039 128 31 248 70 510[1000] 47 603 Ol 085 7 9022 38 271 504 80143 231 306 68 916 26 8 1 035 227 45 300 85 409 628 730 83? 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Ziehung 5. KI. 21S.KgLPreuss. Lotterie. Ziehung vom 16. November 1906, naeluniilaga. Nor die Gewinne über 240 Mark sind den beireSendeu Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 49 50 124 477(500) 727 50 871 1086 386 421 56t 634[500] 801 2204 495 887 701 65 851 3180[500] 250 383 468 542 696 820 916[500] 50 76 4023 51 92 151 210 21 351 75 77 912 5196 260 402 3[lOOfl] 55 525 74 728 89 845 6129 81 625 817 916 7275 514[500] 6»76 716 857 82 940 8 441 616 849 90 905 0103 10 18 54 354 522 799 883 972 1O0S7 212 312 13 74[500] 438 558 749 901 11209 86 393 449 512 670 748 831 49 85 1 2076 300 660 94 671 794 838 927 1 3038 193 267 526[500] 31 763 13000] 855 68 69 913 14056 76 375[1000] 461 71 726 848 926 1 5028 71 110 16 268 31 42 307 12 14 539 1 6018 67 150 354 462 540[500] 73 728 883 17152 222 29 435 695[ 500] 711[1000] 87 910 11[500] 31 95 18013[5000] 67 274[100060] 322 813 54 763 810 87 1 0392 846 924 2O047 72 430 586 651 932 2 1 258 597 612 827 2 2141 671 83[500] 720[ 3000] 23072 127 91 209 318 429 650 87 95 751 864 945 73 96 24103 509 811 69[1000] 25013 332 566 75 635 969 85 2 6120 262 664 855 958[1000] 75 2 7075 293 341[500] 519 629 746 28133 535 78 689 98 749 883 2 0094 101 709 13 83 954 85 3 0273 612 707 31131 670 3 2308 342 55 426 93 94 689 745 921 33143 49 291 [500] 450 513 95 34107 225 972 3 5250 465 679[590] 737[ 5000] 4? 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