Nr. 271. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando Bierteljährl. 3,30 MRI, monatl. 1,10 m wöchentlich 28 Big. frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Belt 10 Bfg. Boste Abonnement: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Eribeint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgebructe) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und SchlafStellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jebes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Fleischnot nicht dringlich! Dienstag, den 20. November 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. „ Die Vereinbarung einer neuen Anleihe 1906-1907 ist für uns sowohl im Ausland als im Inland unmöglich aus Gründen, die im allgemeinen Zustand des Geldmarktes und in unserer ungeklärten Lage liegen." mit der im Scherlblatt gegebenen Begründung. Es ist also Schwierigkeiten und unter sehr unvorteilhaften Bedingungen abtaum noch ein Zweifel möglich, daß auch die übrigen geschlossen worden. Obgleich die aus der Anleihe erhaltene Summe Informationen der Anschauung und der Absicht der Reeine recht bedeutende sei, so genüge sie nicht einmal zur Deckung gierung entsprechen! Ist das aber der Fall, so besteht des Fehlbetrages bom vorigen Jahre. As heute, Montag, im Reichstag die Fleischnot- Inter- feinerlei ernste Absicht, den Protesten des empörten Volfes denn er spricht offen die Unmöglichkeit einer neuen Es folgt nun ein Bassus, der von sehr aktueller Bedeutung ist; pellationen zur Sprache gebracht werden sollten, glänzte des irgendwie nachzugeben! Dafür ist zu erwarten, daß die Anleihe aus: Reiches redeluftiger Kanzler durch Abwesenheit. Der würdige Regierung sich in der Tat die ebenso läppischen wie frivolen Bosa erklärte an seiner Stelle, daß die Regierung sich heute Einwendungen des Scherl- Offiziosus zu eigen machen wird! noch nicht zu den Interpellationen äußern fönne, doch werde Es ist deshalb am Plaze, schon heute gegen eine solche sie geruhen, im Laufe von 14 Tagen Stellung zu nehmen! Argumentation den nachdrücklichsten Einspruch zu erheben. Und der Grund dieser Verschleppung der momentan dring. Gibt es einen gemeingefährlicheren Blödsinn als die Furcht, lichsten Frage der inneren Politit? Bods Nachfolger sei noch bei der Deffnung der Grenzen durch Seucheneinschleppung nicht zur Stelle und ohne neuen Landwirtschaftsminister könne die heimische Viehproduktion derart gefährden zu können, daß die Regierung in dieser Angelegenheit nichts unternehmen! in einem Kriegsfalle Deutschland ausgehungert" werden Der Regierung erscheint also die Fleischnot nicht sonder- tönne? Ganz abgesehen von dem Juntermärchen von lich dringlich. Sie setzt die Verschleppungstaftit fort, die bei der Verseuchung des ausländischen Biches würde etwa in der Verabschiedung Pods Triumphe der Volksverhöhnung ge- einem Kriegsfalle die österreichische, die holländische feiert! Das ganze Land, mit Ausnahme von ein paar hundert und die dänische Grenze für uns gesperrt sein? Und taufend Brot und Fleischwucher- Stipendiaten, verlangte feit besteht nicht eine viel größere Gefahr der militärischen dem Tippelskirch- Standal die Entlassung des ministeriellen Schwächung Deutschlands darin, daß infolge der wachsenden Mitinteressenten des monopolisierten Kolonialwuchers. Pod Unterernährung des deutschen Volkes die Gesundheit der blieb- weil des Volkes Wille niemals als oberstes Gesetz Nation untergraben wird?! gelten darf. Aber daß man ihm nur eine Galgenfrist Aber noch frecherer Junkerhohn spricht aus dem Einwand, gewähren konnte, stand schon damals feſt. Man hatte daß durch eine sehr große Nachfrage" auch bei also mehrere Monate Zeit, sich nach einem Nachfolger Pods einem infolge der Grenzöffnung steigenden Fleisch- und Viehumzusehen! Aber man beeilte sich nicht. Je später dieser angebot der Fleischpreis nicht herabgehen werde. Man beNachfolger auf der Bildfläche erschien, desto länger fürchtet also ,, daß die Arbeiter sich durch einen übermäßigen tonnte man ja die Frage des Fleischwuchers Fleischgenuß Magenbeschwerden zuziehen würden! Welcher berschleppen, desto länger sicherte man un- Bynismus von Leuten, die sich anspruchslos, wie sie nun seren Junkern die Wucherprofite aus den einmal sind mit einem Diner mit drei oder vier FleischTaschen des ausgehungerten Voltes! speisen zu begnügen pflegen! des erhörte Fleischteuerung wirklich zu lindern vermöchte! " Wie start die agrarischen Einflüsse sind und wessen man Pod darstellen?! sich von dem neuen Landwirtschaftsminister zu gewärtigen hat, verrät zudem folgende offigiöse Notiz in der SonntagsNummer des Scherlblattes, jenes Blattes also, dessen sich Pod mit Vorliebe zu seinen Rundgebungen bediente, vermutlich, weil es das einzige deutsche Blatt ist, das dem Kaiser vollinhaltlich zu Gesicht kommt. Diese Notiz lautete: " Die russische Revolution. Das Geständnis. auch jede Hoffnung auf neue Steuern auf. Es war schon lange Das Finanzministerium gibt, so wird zum Schluß fonstatiert, fein Geheimnis mehr, daß die Lage verzweifelt ist das hatte auch jede Hoffnung auf neue Steuern auf. Es war schon lange Kotoffzem auch in der Dumafommission zur Feststellung der Summe für Verpflegungszwecke in den Mißerntegegenden ausgesprochen daß aber nun die Bureaukratie offen eingesteht, daß ihr alle Wege abgeschnitten sind, das hat überrascht. Schon heute zirkulieren Gerüchte, daß, wenn nicht in letter Stunde eine Anleihe gelingt, die Regierung eine 3wangskonvertierung der Renten vornehmen werde! Zur Stunde ist allerdings schwer zu sagen, ob hinter all diesen Gerüchten nicht eine finanzpolitische Intrige stedt, treise ausüben soll, wie das ja bei der letzten Anleihe der Fall die einen Druck auf die französischen Regierungs- und Finanzwar. Das ist aber doch kaum anzunehmen; denn der Trick hätte diesmal wohl nicht die von ihm erwartete Wirkung. Wenn man also die Denkschrift des Finanzministeriums auch mit kritischen Augen betrachtet und vielleicht manches darin tendenziös dargestellt finden könnte( etwa um die Veranschlagungskommissionen zur größeren Einsicht" zu zwingen), selbst unter diesem Gesichtswinkel gesehen bleibt in ihr noch so viel übrig, daß auf Grund jenes Schriftstüdes nur ein Urteil übrig bleibt: das Geständnis des Bankrotts! Die Reaktion. " Am Sonntag hielt der Verband vom 30. Oktober" in Petersburg seine Generalversammlung ab. Wir versagen es uns, die Ausführungen der einzelnen Redner wiederzugeben. Wir glauben tönnen als durch Abdruck folgender Wolff- Depesche: das Ensemble jener Versammlung nicht besser charakterisieren zu Petersburg, 19. November.( Von einem besonderen Korre. spondenten.) Die geftrige Versammlung des Oktoberverbandes gewinnt an Interesse dadurch, daß die gehaltenen Reden nicht nur den früheren Ausführungen des Organs des Ministerpräsidenten Stolypin, der Rossija", entsprechen, sondern, wie aus guter Quelle verlautet, auch die gegenwärtigen Anschauungen der Regierung wiedergeben. Das erklärt auch den Umstand, daß der Beamte zu besonderen Aufträgen im Ministerium des Innern, Polowzew, der gestrigen Versammlung beiwohnte und fich in längerer Rede im Sinne des Oktrobristenprogramms äußerte. Ein Jahr der Diktatur. " Heute nun ist endlich der neue Mann gefunden worden. Die Stimme der Massen ist offenbar noch nicht deutlich Er stammt aus dem Geschlechte der Arnim, deren einer feiner- gehört worden. Das Volt muß es deshalb machen wie die zeit über die Arbeiterschaft den dreisten Junkerhohn von den Agrarier: es muß noch viel lanter schreien, es muß noch viel " vollgesoffenen Kerlen" ausgegossen hatte. Es ist ein Herr energischeren Protest erheben, um den Junkern das Spiel zu v. Arnim- Criewen, eine politisch noch wenig hervorgetretene verderben! Persönlichkeit, der erst fürzlich die Ehre zuteil wurde, ins Herren- Die Fleischpreise sind ins unerträgliche gestiegen, als haus berufen zu werden. Was freilich von dem neuen Landwirt. Folge macht sich immer rapiderer Rückgang des Fleischschaftsminister, der heute vom Kaiser empfangen wurde, sonst verbrauchs bemerkbar. Ist doch der gesamte Fleischberbrauch befannt ist, ist feineswegs geeignet, dem Volte besonderes im 3. Quartal 1906 gegen das entsprechende Dutartal des Zutrauen einzuflößen. Er ist einer der Leiter der Spiritus- Jahres 1904 von 577518 Tonnen auf 546765 Tonnen zurückzentrale und der Spiritusverwertungs- Genossenschaft, Mitglied gegangen. Und das trot eines Bevölkerungs Deutschen Landwirtschaftsrates und des Preußischen zu wachse 3 von mindestens einer Million! Landesökonomie- Kollegiums, also Angehöriger gerade der- Die Junker reiben sich bereits schmunzelnd die Hände. jenigen Körperschaften, in denen die agrarische Politit des Die Vorkämpferin des deutschen Brot- und Fleischwuchers, Brot- und Fleischwuchers stets Anregung und rücksichtsloseste die Deutsche Tagesztg.", begrüßt die Berufung des Förderung erfahren hat. Obendrein soll er zu den Vertrauten neuen Landwirtschaftsministers von Arnim mit den Worten: des verabschiedeten Landwirtschaftsministers gehören und„ Der Nachfolger des Staatsministers hat in praktischen Die„ Russ. Korresp." stellt folgende, nach dem 30. Oftober 1905 von Pod selbst für seine Nachfolge empfohlen Fragen der Landwirtschaft ein hervorragendes Ver- erlassenen amtlichen Verordnungen zusammen: sein! Es ist also hundert gegen eins zu wetten, daß ständnis bewiesen. Es ist zu hoffen, daß er sich dementsprechend„ Scharfe Patronen nicht sparen! Unterzeichnet General auch als Wirtschaftspolitiker bewähren wird." b. Arnim- Griewen alles aufbieten wird, um sich gleich seinem Trepow.-Unverzüglich mit Feuerwaffen die Aufrührer ausrotten Will sich das Volk noch länger zum Vorteil einer kleinen Borgänger den Dank seiner agrarischen Junkergenoffen zu zer, verdienen und jede Maßnahme zu hintertreiben, die die un- Arnim nur eine agrarische Transaktion des Tippel- Gründers haftungen erreichen nicht ihr Ziel; verurteilen kann man Hunderte, verdienen und jede Maßnahme zu hintertreiben, die die un- Minorität ausbeuten und aushungern lassen? Soll die Aera und im Falle eines Widerstandes ihre Wohnungen ansteden. Beraber nicht Tausende. Das einzige, was jetzt notwendig ist, ist, daß das Heer diese Bestimmungen sich zu eigen macht. Unterzeichnet Minister des Innern Durnowo". Die Bewohner einiger Drtschaften erlauben sich, Drohungen bon bevorstehenden Unruhen zu verbreiten; falls die Dorfgemeinden oder auch nur einige ihrer Mitglieder sich erdreisten sollten, solche Drohungen in Petersburg, 15. November.( Eig. Ber.) Erfüllung zu bringen, so werden sämtliche Wohnhäuser der be Also doch bankrott! So muß man unwillkürlich ausrufen, wenn treffenden Gemeinde mit all ihrem Gut auf meinen Befehl verbrannt. Wohlwird in allen Ministerien, die ja sämtlich mehr oder weniger man die in den hiesigen Blättern abgedruckten Auszüge aus einer Unterzeichnet: Moskauer Generalgouverneur Dubassow."-" Für bei der Angelegenheit beteiligt sind, alles Material zur Vorbereitung Dentichrift des Finanzministeriums über die Finanzlage lieft, die einen Schuldigen werden 10 Unschuldige bestraft werden. Unterder Entscheidung in großer Menge gesammelt und sorgiam nun den Weg in die Deffentlichkeit gefunden hat und gewiß nicht zeichnet: Kutaisfer, Generalgouvernement Alichanow." ,, Berhaften geprüft werden. Das Kriegsministerium und das Reichsmarineamt wünschen zum Beispiel naturgemäß im Interesse der russischen Staatswirtschaft aufzuklären. Es handelt sich da um Vizegouverneur Bogdanowik."-Diejenigen Ortschaften, deren marineamt wünschen zum Beispiel naturgemäß im Intereffe verfehlen wird, selbst die verworrensten Köpfe über den Bankrott Sie weniger und schicken Sie nieder. Unterzeichnet: Tambower einer billigeren Friedensverpflegung der Truppen eine Weifungen des Finanzministers an die Budgetkommissionen der ver- Einwohner sich irgend welche Gewalttat erlauben, sollen durch baldige Herabsetzung der Fleischpreise; andererseits müssen schiedenen Verwaltungen, denen flargemacht wird, daß die finanzielle Artilleriefeuer beschoffen werden. Unterzeichnet: Der General sie sich aber sagen, daß Deutschland, wenn feine Viehbestände durch Seuchen bezimiert würden, im Lage jede Erhöhung in den Voranschlägen unmöglich mache. Falle eines Krieges leicht in die Lage einer bebei äußerster Vorsicht bei der Aufstellung der Ausgabeposten es gefundene Flinte wird das ganze Dorf völlig berlagerten Festung geraten fönnte, die vom Feinde aus möglich sein werde, das kommende Jahr ohne ein bedeutendes nichtet. Unterzeichnet: Der Generalgouverneur bon Gori gehungert wird. Auch die Frage der Veterinär- Defizit abzuschließen! Die verschiedenen Berwaltungszweige fordern( Kaukasus) Bauer."-" Bersammlungsbesucher, die von den Soldaten untersuchung der aus dem Auslande einzuführenden Tiere aber immer neue Kredite, oder fie verlangen die Wiederherstellung nicht niedergeschossen sind, werden vor das Kriegsgericht gestellt und Fleischstücke, die Errichtung von Grenzschlachthäusern, der alten, die während des Krieges ausgeschaltet waren. Der Krieg werden. Unterzeichnet: Der Generalgouverneur bon Tiflis in denen sehr große Viehmengen geschlachtet werden können, mit Japan hat allein die Binsent a st des Reiches um 95 Millionen Timofejet."" Die Ueberredungsversuche können Sie unterlassen, zwingt zu vorherigen eingehendsten Beratungen. Dazu kommt, vergrößert. In derselben Zeit ist aber die russische Wirtschaft auch operieren Sie nur mit dem Feuergewehr. Je mehr Tote, desto daß man noch gar nicht absehen fann, durch die inneren Wirren arg mitgenommen worden. Der Finanzausländische δας wird, Vieh sein größer Ihre Verdienste bei Ihren Vorgeschten. Machen Sie auf die wenn erst minister fagt wörtlich: eine sehr große Nachfrage von deutscher Seite fich geltend Für das wirtschaftliche Leben des Landes haben diese Wirren Bevölkerung Eindruck! Bezirksvorsteher Lomansty." macht. Die Angaben des letzten amtlichen Marktberichtes zeigen, eine noch schädlichere Wirkung gehabt als der Krieg, was unter daß in Berlin die Engrospreise zurzeit nicht erheblich höher find anderem auch deutlich ihre Wirkung auf die Preise der Börsenals im Auslande an den Grenzen, und es sind bei einem dortigen werte zeigt, die noch nie so tief gefallen waren wie jezt. Eine Einkauf noch der Transport und die Kosten an der Grenze zu folche Lage droht mit den schwersten Verwickelungen, und wenn berücksichtigen. Die Mitglieder des Staatsministeriums diese Wirren fortleben, so fönnen bald selbst die Mittel für die fönnen auch während der jeßigen Vakanz des Landwirtnotwendigsten Bedürfnisse fehlen. Man muß im Auge behalten, schaftsministeriums der Minister des Innern v. Bethdaß das Jahr 1906 mit einem rechnerischen Fehlbetrag von 481 mann- Hollweg ist bekanntlich nur mit der vorübergebenden BerMillionen Rubel abschließt. In Wirklichkeit wird diese Biffer tretung betraut einen Beschluß nicht fassen, da eine viel bedeutendere sein, weil in einigen Orten die Agrardie Ansicht des fünftigen Ministers, als des Ver unruhen fortdauern. Dazu fommt noch die Mißernte in vielen treters der preußischen Landwirtschaft wegen der Folgen der EntGouvernements, die auf den Zufluß der Abgaben äußerst schädlich scheidung, von besonderer Bedeutung sein wird. einwirken wird. Gleichzeitig damit werden aber größere AusDeshalb dürfte sich auch der Reichskanzler zur Beantwortung der gaben für Voltsversorgung in den Mißerntegegenden auf den von verschiedenen Parteien eingebrachten Interpellationen in Staat gewälzt werden." betreff der Fleischnot erst bereit erklären, wenn der neue Landwirtschaftsminister ernannt sein wird. Diese Ernennung ist jedoch in den nächsten Tagen zu erwarten." wie teuer Der Verlauf der heutigen Reichstagssigung hat ja bewiesen, wie trefflich das Scherlblatt unterrichtet war. Ganz, toie es hier angekündigt war, hat Posadowsky die sofortige Beantwortung der Fleischnot- Interpellationen abgelehnt, sogar Gleich eingangs der Schrift erklärt der Finanzminister, daß nur gouverneur von Krementschug." Für eine bei jemandem Diese Verordnungen blieben nicht nur auf dem Papier, wie es mit dem Manifest vom 30. Oftober der Fall war, sondern wurden pflichtgemäß" und eifrigst in die Praxis eingeführt und verwirklicht. So tritt die Regierung in die Wahlen, Danksagung und Anerkennung der Bürger erwartend. Wie groß wird ihre Enttäuschung sein! Die Eisenbahner. Die bundistische Volkszeitung"( Nr. 198) meldet, daß das Polizeidepartement an die Eisenbahnchefs ein geheimes Rundschreiben folgenden Inhalts versandt hat: " Gemäß den eingelaufenen Meldungen werden in der leßten Zeit auf den Eisenbahnen Sonferenzen und Kongreffe der Territorialorganisationen des Eisenbahnerverbandes abgehalten, wobei Manche Einnahmequellen hörten, fo heißt es weiter, bom diejenigen Fragen erörtert werden, welche auf dem bevorstehenden nächsten Jahre an überhaupt auf, wie z. B. die sog. Bauern- Eisenbahnertongreß im November zur Beratung gelangen sollen japanischen Forderungen seien noch nicht erledigt, und doch zwinge werden ersucht, zweds Entdeckung des Ortes der Beratungen Maßostaufsgelder, das sind etwa 35 bis 40 Millionen. Auch die und Delegierte für diesen Eisenbahnerkongreß gewählt werden. Sie die politische Lage im fernen Often den Zarismus, feine militärische regeln zu ergreifen und fofort, wenn die Beteiligten während einer Streitmacht dort zu vergrößern. Mit den Anleihen stehe es ganz Bersammlung ertappt worden sind, den Organisationen ein Ende schwach. Die Anleihe dieses Jahres sei nur unter großen zu machen. Angst! Petersburg, 19. November. Anläßlich des Jahrestages der Einführung der Sonntagsruhe sollte gestern auf Anregung der Jöandlungsgehulfen in der Kasanschen Kathedrale auf dem Victualienmarkte ein Dankgottesdienst stattfinden. Mehrere Taufen� Handlungsgehülfen strömten aus allen Stadtteilen nach der Katbe- drale zusammen, fanden sie aber dicht von Polizei umstellt, welche ihnen den Eingang verwehrte. Die Menge umstand lange die Kirche und folgte schließlich der Aufforderung der Polizei, aus. einanderzugehen.— Die Regierung hat offenbar solche Furcht bor ihren„ge- treuen Untertanen", daß sie gar schon die Gottesdienste inhibiert, um nur nicht eine größere Menschenmenge auf einem Fleck zu- sammenkommen zu lassen.—> poUtflcbe dcbcrftcbt. Berlin, den 19. November. Ei» Tag für die Agrarier und Zünftlcr! Die Sorge um die Agrarier lastet gegenwärtig schwer auf der Regierung. Empörung über die künstliche Verteuerung der Nahrungsmittel, speziell der Flcischnahrung, schreitet durch das Reich. Immer unzufriedener wird die Stimmung der zugunsten der Agrarier ausgeplünderten Konsumenten landwirtschaftlicher Produkte. Und selbst dem Unternehmertum wird es bange vor den Folgen dieser Teuerung, die die Krists beschleunigt. Da muß die Regierung Mittel und Auswege suchen, um einerseits die Empörung des Volkes zu dämpfen, andererseits den Agrariern den Zollraub zu sichern: denn die letzteren murren laut darüber, daß die Re- gierung dem Drängen des Volkes nachgeben und ihnen ein Stück ans dem übervollen Fleischtopf nehmen könnte. Bei dieser Sach- läge erscheint es als ein Glück für die Regierung, daß kein Land- wirtschaftsniinister da ist. Konnte sie doch gegenüber den heute auf der Tagesordnung stehenden Interpellationen gegen die Lebens- mittel- resp. Fleischvertcucrung die bekannte Ausrede gebrauchen. sie vermöge die Interpellationen nicht eher zu beantworten, bis ein neuer Landwirtschaftsminister an Stelle des edlen Pod gefunden sei. Und wohlgemerkt: Mit der Beantwortung der Jnter- pellationen, die Graf Posadowsky für die nächsten 14 Tage in Aussicht stellte, ist noch keine Maßnahme gegen die Fleisch- tcucrung getroffen! So wird die Angelegenheit verschleppt, und inzwischen säckcln die Agrarier weitere ungezählte Millionen ein, die dem Volke ungeniert abgeknöpft werden. Inzwischen hat die Regierung auch Zeit, mit den Agrariern und ihrem Vertrauens- manne— denn das wird der neue Landwirtschaftsminister sein— zu unterhandeln, wie man das ausgepowerte Volk mit statistisch verballhorntem Material düpieren und besänftigen kann. Auch die Interpellation des Abg. Speck(Zentrum), betreffend Verwendung der als„Futtergerste" verzollten Gerste als„Malz- gcrste", wurde auf die Erklärung des Schatzsekrctärs v. Stengel hin, daß die Regierung sich in vorbereitenden Verhandlungen über diese Angelegenheit befinde, zurückgestellt. Wie trefflich die Regierung für die Agrarier sorgt, davon legte die erste Beratung des Gesetzentwurfes, betreffend die Bemessung des Kontingentsfutzes für landwirtschaftliche Brennereien, Zeugnis ab. Die unverfrorenen Empfänger der Branntweinliebesgabe ge- bürden sich, als ob sie durch das Kontingentierungsgesetz bcnach- teiligt würden, und sie verlangen eine festere Sicherung, ja eine Erhöhung der Beute! Die konservativen Abgeordneten v. Brockhausen und H o l tz gaben diesem Verlangen offen Ausdruck, wurden aber durch die sachverständigen, die Liebesgaben- Politik der Regierung scharf kennzeichnenden Ausführungen unseres Genossen Wurm hart bekämpft, der darlegte, daß das raffinierte Kontingentierungssystem durch den vorliegenden Gesetzentwurf zu- gunstcn der Licbcsgabenempfänger noch komplizierter gestaltet werde. Achthundert Millionen bereits kostet das Gesetz dem Volke, und durch den neuen Entwurf sollen den Acrmstcn der Armen zugunsten der Brenner noch mehr Millionen abgenommen werden.— Die Konservativen wollten den Gesetzentwurf im Plenum durchpeitschen, der Reichstag beschloß aber Verweisung an eine Kommission. Der Vogelschutzgcsetzentwurf wurde ohne Debatte an eine Kommission verwiesen. Darauf begann die zweite Beratung des Gesetzentwurfes zur Abänderung der Gewerbeordnung in Verbindung mit den Be- richten der Petitionskommission, betreffend den Befähigungsnach- weis für das Handwerk und die Einführung obligatorischer Fort- bildungsschulen für weibliche Gchülfen usw. Zuerst kam der Ab- geordnete Trimborn, der Sozialpolitiker des Zentrums, zum Wort, der für die Einführung des Befähigungsnachweises im Bau- gewerbe zugunsten— der Arbeiter ist. Mit dieser Quintessenz seiner Ausführungen ist die famose Sozialpolitik des Zentruins gezeichnet, die zugleich den Zünstlern und den Arbeitern aus Wahl- politischen Gründen Scheinkonzessionen macht. Nachdem Graf Posadowsky die Erklärung abgegeben hatte, daß dem Reichstage ein Gesetzentwurf zugehen werde, der Bestimmungen über die Erwerbung des Meistertitels enthalte— also ein kleiner Befähigungsnachweis!—, wurde die Beratung vertagt!— Landtagswahlen und Schulreform in Württemberg. Stuttgart, IS. November.(Eig. Ber.) In der Wahlbewcguug. die im volle» Flusse ist. steht die Frage der Schulreform, als der wichtigsten Aufgabe, die dem neuen Land- tag gestellt werden wird, im Vordergrunde. Jede Partei ist ge- zwuiiaen, sich über ihre Stellung in dieser Frage zu erklären. Obwohl bei der Verfassungsrevision stets gesagt wurde, daß ihr Gelingen schon deshalb notwendig sei, weil sonst die so bitter nötige Schulreform nicht gelänge, ist jetzt von einem Reformeifer, die Be- vormundung der Schule durch die Kirche endlich einmal zu beseitigen, keine Spur mehr zu finden. Im Gegenteil! Sei es aus Angst vor der Wählerschaft des flachen Landes, die sich viel- leicht in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlen und fahnenflüchtig werden könnte, sei es aus Angst vor den Folgen einer freieren, besseren Volksschulbildung, die die poli- tische Gängelung des Volkes erschwere» würden— kurz, in den auf die Schulreform bezüglichen Teilen ihrer Wahlprogramme haben sich fast alle Parteien Konzessionen an das bigotte und streberhafte Muckertum, wie es in Württemberg besonders heimisch ist, ge- leistet. Der Geist des bekannten Tübinger Stifts wirkt lähmend auf den Gang der württembergischen Politik ein. da sowohl das höhere Beamtentum wie auch die politischen Führer des Bürgertums ihn als BilduugSgrundlage in sich auf- genommen haben. Während in Norddeutschland selbst der Nationalliberalismus bisweilen mit philosophischer Aufgeklärtheit kokettiert und sogar den antikirchlichen naturwissenschaftlichen Theorien eines Häckel hie und da Reverenz erweist, empfindet der schwäbische Liberalismus cS in viel höherem Maße als seine Pflicht, in an- gemessenen Zwischenräumen das Gelöbnis unverminderter Frömmig. keit abzulegen. Nicht zu verwundern ist natürlich die pietistische Tonart, die den Wahlaufruf deS Bauernbundes vor allen anderen auszeichnet. Schlimmer steht es schon um die Deutsche Partei, die württem- bergische Spielart deS NationallibcraliSmus, die üt ihrem Programm verkündet:.Die fittlich-reliaiöse Grundlage der Jugenderziehung werden wir nicht antasten lassen." Und ferner:„Entschieden werden wir die Bestrebungen, die Religion aus der Schule zu entfernen, bekämpfen." Die früher auch von liberaler Seite vertretene Auf« fassung, daß die Schule dazu da ist, Wissen und Erkenntnis zu verbreiten, wird nun Märchen aus alten Zeiten. Zwischen dem deutschparteilichen und dem Zentrums- Programm zeigt sich hier eine große Wesensverwandtschaft, wenn- gleich die Formulierung des Zentrums natürlich noch viel apodiktischer ist. Da heißt es:„Das wichtig st e Kampfesfeld zwischen Unglaube und Christentum bildet die S ch u l e." Sodann: „Diese erziehliche Aufgabe fordert bei der Volksschule... mit ganz besonders zw i ng en derNo tw en d i g kei t den Aufbau des gesamten Schulwesens auf religiöser und daher(!) auf konfefsio- neller Grundlage, und sie erheischt folgerichtig auch einen angemessenen Einfluß der Kirche alif die Heran- bildung der Volksschullehrer sowie auf die Auf- rechterhaltung der geistlichen Schulaufsicht." Hier ist wenigstens klipp und klar ausgesprochen, was das Zentrum will. Es will das Volk beherrschen, und zwar gründlich, ohne die Herrschaft mit einem anderen, und sei es der Staat selbst, teilen zu müssen. Dem Führer des württembergischen Zentrums, dem Abg. Gröber, wird eine Aeutzerung nachgesagt, die er bei der Gründung der schwäbischen Parteiorganisation getan haben soll. Sie lautet:„Es ist nicht gut, wenn in die jugendlichen Gehirne zu viel Wissenschaft eingepflanzt wird; es geht dann gerade wie bei einer gemästeten GanS, sie werden dabei dumm und stolz und tragen den Kopf hoch." Es soll hier nicht erörtert werden, ivas eher„dummstolz" machen kann, di«„Mästung" mit Wissenschaft oder die mit Bibelsprüchen und Ge- sangbuchversen. Aber es verdient darauf hingewiesen zu werden, daß das Zentrum die oben gekennzeichnete unbedingte Herrschast der Kirche nur über die Volksschule fordert, während es den Mittel« und Hochschulen nur die mehr platonische Forderung einer„eifrigen Pflege des christlichen Geistes" auferlegt, sie aber im übrigen getrost dem Staat und der Fachschulaufsicht überläßt. Die.zwingende Notwendigkeit", von der Kirche beherrscht zu werden, liegt also nur bei der Masse des Volkes vor, deren Kinder die Volksschule besuchen. Wie erquickend wäre eS, wenn angesichts dieses nackten Be- strebens, die Religion als Mittel politischer und sozialer Herrschaft über das Volk anzuwenden, wenigstens eine bürgerliche Partei vorhanden wäre, die jede Gemeinschaft mit solchen Bestrebungen weit von sich wiese und die konsequente Trennung von Religion und Politik, von Kirche und Staat und von Schule und Kirche als programmatische Forderung in prinzipieller Klarheit aufstellte. In Württemberg hat die bürgerliche Demokratie eine politisch nicht unerhebliche Be- deutung. Mit 26 Mandaten war sie in dem abgelaufenen Landtag die stärkste Partei. Sie ist stolz darauf, bei der Erledigung der drei großen Reformen, Verfassung-, Gemeinde- und Steuerreform,.führend" mit« gewirkt zu haben. Hätte man von lbrem Wahlprogramm nicht erwarten dürfen, daß es seiner Partei auch bei der in Aussicht stehenden Reform des Verhältnisses von Staat, Schule und Kirche eine führende Rolle zu- weist? Nichts davon tut das Programm der württembergischeu Volkspartei. Nichts wird gesagt von allgemeiner Fachschulaufsicht, nichts von der konfessionslosen Schule I Ja, nicht einmal die Simultan- chule wird gefordert, während die volkspnrtciliche Presse sich sonst doch io gern als die Gesinnungsgenossin der französischen Radikalen auf- pielt, die so erfolgreich am Werke der Trennung von Staat und Kirche arbeiten. Mit Recht mutz sich die Volkspartei, ob dieser Lahm- heit, ob dieses Mankos, das durch noch so pathettsche Hinweise auf Leistungen der Vergangenheit nicht weit gemacht werden kann, vom führenden Organ der Deutschen Partei, dem„Schwäbischen Merkur", bittere Sottisen sagen lassen:„Jm gaiizen verrät das Pro- gramm das Bestreben, sich nach rechts hinüber lieb Kind zu machen."„Die Volkspartei beginnt auch in diesem Stück na- tionalliberale Politik zu treiben" und„sie gibt ein Pro- am heraus, daß offensichtlich nach den Wählern der Deutschen :ei angelt." Da« ist nur zu richtig, wenngleich natürlich die Deutsche Partei am allerwenigsten zu einer solchen Kapuzincrpredigt berufen ist. Ließ sie doch in einem Artikel der Berliner.National- Zeitung" über ihre Stellung im bevorstehenden Landtagswahlkampf erklären:„Die deutsche Partei muß sich ihrer ganzen Natur und ihrer historischen Stellung nach den Anschluß nach rechts offen halten: das ist keine Schaukelpolitik(!), sondern die einzig richtige im Wesen der Mittelpartei begründete Taktik." Man sieht der wiirttembergische Liberalismus demokratischer wie deutschparteilicher Couleur hat sich gegenseitig nichts vorzuwerfen. Demgegenüber ist das Wahlprogramm der Sozial- d e m o k r a't i e ganz offen und zweifelsfrei. In ihm heißt eS: „Befreiung der Schule, als einer weltlichen An- st alt. von jeder geistlichen Beaufsichtigung und Einmischung". Im Sinne dieser Forderung wird von uns der Kampf um die bevorsteheude Schulreform aufgenommen werden. •*• Dcutfcbes Racb. Auch eine Arbeiterkiindgebung Im Zirkus Busch hatte sich am Sonntag ein gemischtes Publikum versammelt. Augeblich waren es chrijllich-nattonale Ar- beiter, die den Raum„bis unter Dach" gefülll haben, wer aber die Stärke besagter chrisilichcr Arbeiterbewegung kennt, der wird nicht daran zweifeln, daß, selbst bei fleißiger Hcranholung auslvärtiger Kräfte, die in den Berichten zugegeben wird, ftoch viele Leute, die als Füllmaterial dagewesen sein müssen, sich sehr pikiert fühlen wüide». wollte man sie als Arbeiter an- reden. Zur Dekoration waren auch ReichstagSabgeordnete der Rechten und deS Zentrums erschienen, sowie Studenlendeputationen in vollem Wichs. Staatssekretär Graf Posadowsky war mit mehreren Räten erschienen. Die Kundgebung, die die Christlichen genügsam eine Massenkundgebung der christlichen Arbeiterschaft nennen, galt dem kaiserlichen Erlaß von 18L1. Es war die Jubelfeier eineS nicht ein- gelösten Versprechens. Die Reden des Lie. Mumm, der NeichStagsabgeordneten Hof« Prediger a. D. Stöcker und Arbeitersekrelär Giesberts- M.-Gladbach sowie deS Pros. Dr. Adolf Wagner feierten natür« lich die Tat, die diese kaiserliche Botschaft bedeutet haben soll, in tönenden Worten. Daneben gab eS allerlei Klagen und CittrüftungS- seufzer über die böse Sozialdemokratie, die die Hand des Kaisers schnöde zurückgestoßen und ihm mit Belchimpfmigen geantwortet habe. Königstreue und Kirchenglaube wurden feierlichst gelobt und zum Schluß eine Huldiguugsadreffe an den Kaiser abgesandt, die da lautet: „6000 nationale Arbeiter danken Ew. Majestät rur den erneuten Ausdruck des festen Willens, die gesetzliche Sozialreform auf christlicher Grundlage fortzuführen. Wir stehen in unwandel- barer Treue zum sozialen Kaisertum der Hohenzollern." Ueberdem ward noch eine Resolution angeirominen folgenden Wortlauts: Wir erkennen dankbar an. was Staat und Parlament an Sozialreform geschaffen haben. Wir verurteilen die Verkleinerungs- sucht und Verächtlichniachung dieser Früchte gesetzlicher Sozial- reform durch die Sozialdemokratie. Wir stellen aber bei aller Anerkennung dessen. waS bisher geschehen ist. fest,_ daß der Inhalt der kaiserlichen Botschaft und der laiserlichen Er- lasse von 1890 erst zum Teil erfüllt ist. Einen Weg zu dieser Erfüllung sehen wir in den Forderungen der christlich- nationalen Arbeiterschaft Deutschlands, nisbesondere in der Aus- dehnung der Versichermigsgef-tzgebmig auf die Heimarberter, in der Durchführung eines besseren positiven Vereins- und Koalrttons- rechtes, in der Errichiuug von Arbeiiskammenr usw. Air richten deshalb den driiigendeil Appell an Regierung und Parlamente im Sinne der laiserlichen Botschaft, tzie deutsche Sozialresorm tatkräftig fortzuführen. Das interessanteste an der Kundgebung war die Rede des Herrn Giesbertö. Sie war die Rede eines ZentrumSmanneS. Vorn sanft oppositionelle Töne, hinten rosarotes Vertrauen. Neun Zehntel der Rede war eine Aufzählung von Beschwerden über die Mangel- haftigleit der Sozialreform, über die Verkümmerung des Koalitions- rechts, über die Fallstricke der Vereinsgesetzgebuugen usw., zum Schluß aber kam die Entdeckung, daß der Gesetzentwurf über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine ein Schritt zum Ziele eines— freieren Reichsvereins- gesetzes seil Dieser Gesetzentwurf, der in der Tat ein veritables Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter ist, wurde von Herrn Giesberts für das Anzeichen eines„Umschwunges" erklärt, diesen legi- ttmen Sprößling der Zuchthausvorlage bezeichnete der Herr Reichstags-Abgeordnete für Essen als den Beweis, daß die Periode der Zuchthausvorlage vorbei sei! Einzelne Bestimmungen der Vorlage stellten einen erheblichen Fortschritt dar. Von den Ungeheuerlich- leiten der Vorlage, daß sie großen Kreisen der Arbeiter das bisher innegehabte Koalitionsrecht nehmen will, daß sie den Land» arbeitern den Zugang zum Koalitionsrecht noch fester verrammeln will, davon sagte Herr Giesberts kein Wort. Man kann da- nach schließen, wie sich das Zentrum zu dem Entwurf stellen wird, wenn sich schon einer der Leiter der christlichen Gewerkschaften also äußert. Und man kann daraus ersehen, wie ernst es diesen Herren lvar, als sie, um den christlichen Arbeitern den Brot- und Fleisch- Wucher schmackhaft zu machen, versprachen, für die Ge- Währung des Koalitionsrechts an die Landarbeiter eintreten zu wollen. Auch ein Versprechen, das nicht eingelöst werden wird. Sie sprechen mit gespaltener Zunge, diese christlich- nationalen Arbeitervertreter und an dieser Doppelzüngigkeit, wozu ihre schiefe Stellung sie verurteilt, wird die sogenannte christlich- nationale Bewegung, die keine Arbeiterbewegung ist. zugrunde gehen. Von der Fleischnot, von der Lebensmittelverteuerung hat man im Zirkus Busch, dem Schauplatz der Laudbunds-Versammlungen nicht geredet. Obgleich das so naheliegend gewesen ist, wo Arbeiter sich in dieser Zeit versammeln. Aber die Erwähnung der Zoll- und Grenzsperren-Wucherpraktiken hätte in das Loblied auf das„soziale Königtum" einen argen Mißklang gebracht. Und was hätten die Reichstagsabgeordneten von der Rechten und vom Zentrum dazu sagen wollen!—_ Eigenartige Arbeiterfreunde. Die bürgerliche Preffe, an der Spitze die Kronsbeinkloake, die „Post", kann sich im Anschluß an die Auseinandersetzung des Ge- nosten Fischer mit Rexhäuser nicht genug tun in blöden Be- schiinpfungen der Sozialdemokratie. Nicht nur entrüstet sich die „Post", deren Knutenschwärmerei schon ans Perverse grenzt, über Fischers„Knutensystem", seine„Tvrannei" und seine„Despoten- laune", sondern sie faselt sich auch im Pücklerjtil allerlei über die Tyrannei der Sozialdemokratie überhaupt zusammen. Aber nicht nur die Blätter für gewerbsmäßige Sozialisten- anpöbelung, sondern auch liberale Organe echauffieren sich im schönsten Mugdanesenstil über die in sozialdemokratischen Betrieben an den Arbeitern geübte„Tyrannei". Wir wollen demgegenüber nur feststellen, daß Rexhäuser selbst zugeben mußte, daß die Verhältnisse in der Vorwärtsdruckerei, was Entlohnung, Arbeitszeit, Ferien usw. anlangt, mindestens so gute seien, wie in irgend einem kapitalistischen ZeitungSbetrieb. Aber nicht nur die Druckerei des Zentralorgans gewährt den Arbeitern derartig günstige Bedingungen, sondern die sozial- demokratische Presse überhaupt ist den bürgerlichen Zeitungsbetrieben cn»f diesem Gebiete weit voraus. Im Jahre 1904 hatte der sozialdemokratische Parteivorstand eine Erhebung über die Verhältnisse in den sozialdemokratischen Zeitungsdruckereien an» gestellt. Es ergab sich folgendes Resultat: 19 Druckereien gewährten den Achtstundentag, 2 Druckereien gewährten eine Arbeitszeit von 8'/, Stunden 0„ um»*» 20„„„-- 9 M Ferner gewährten 26 sozialdemokratische Druckereien ihren Setzern je eine Woche Ferien; 6 Druckereien je 3 Tage Ferien, nur in 16 Geschäften waren Ferien noch nicht ein» geführt. In der auf Veranlassung des Parteivorstandes am 18. und» 19. März 1904 abgehaltenen Zusammenkunft der Geschäftsleiter derjenigen Druckereien, in denen Parteiblätter hergestellt werden, wurde beschlossen, den Arbeitsordnungen folgend- Bestimmungen beizufügen: 1. Arbeiter, die mindestens ein Jahr ununterbrochen im Dienste der Parteibuchdruckereien beschäftigt sind, erhalten bei militärischen Uebungen von nicht mehr als 14 Tagen zwei Drittel des Lohnes, wenn sie verheiratet oder Er» nährer von Familienangehörigen sind. 2. Allen Arbeitern wird bei Arbeitsversäumnis infolge von Teilnahme an Kontrollversammlungen. Aus- Hebungen und Musterungen sowie infolge von Er- füllung st a a t s b ü r g e r l i ch e r Pflichten für die Dauer der hierzu notwendigen Abwesenheit der Lohn weiter ge- währt(abzüglich der für solche Funktionen anderweitig ge- währten Entschädigungen). Des weiteren wurde bei dieser Zusammenkunft der Geschäfts, leiter der Parteidruckereien folgende Resolution angenommen: Die Parteigeschäfte verpflichten sich, tunlichst bald a) die achtstündige effektive Arbeitszeit in ihren Betrieben einzuführen; b) für alle mindestens ein Jahr im Betrieb beschäftigten Arbeiter Ferien bis zur Dauer von einer Woche zu ge- währen unter Fortzahlung des Lohnes; c) die Beiträge zur Invalidenversicherung ganz zu bezahlen; et) die Differenz zwischen Lohn- und Kranken- kassenentschädigung bei im Geschäft erlittenen Unfällen zu vergüten. Eine neuerlickie Statistik wird zweifellos ergeben, daß bereits die Mehrheit der Parteigeschäfte diese Forderungen zur Aus- ü h r u n g gebrackt hat. Blättern vom Schlage der„Post", des..Reich" usw. wollen wir nicht zumuten, ihren Lesern von diesen Tatsachen Kenntnis zu geben. Sie mögen getrost fortfahren, die Rechte der Arbeiter gegen die Tyrannei— in sozialdemokratischen Betrieben zu verteidigen! Aber die liberale Preffe hat vielleicht die Liebens- Würdigkeit, uns nachzuweisen daß diese in sozialdemokratischen Be- trieben dem Personal gewährten Bedingungen auch in der Mehr- zahl der liberalen Zeitungsbetriebe durchgeführt sind! Haben sie diesen Beweis erbracht, so wollen wir gern in eine weitere Konkurrenz mit ihnen eintreten! S t ö ck e r.„Po st", und wie Rexhäusers Konsorten alle heißen, haben, wie übrigens schon kurz erwähnt, in die Welt hinausposaunt: dem Geschäftsführer der Vorwärtsbuchdruckerei Fischer sei die Prokura entzogen worden, ergo seien die Verleumdungen Rexhäusers wahr. Diesem verfrühten Jubel liegt faktisch eine Tat- 'ache zugrunde: Die Prokura des Genossen Fischer für die Buch- Handlung Vorwärts ist tatsächlich letzter Tage im Kandels- register gelöscht worden. Und zwar aus ganz einfachen Gründen. Als Fischer bei Gründung der Druckerei die Zeitung derselben übernahm, behielt er die Buchhandlung bei. Im selben Maße nun. wie die Druckerei sich vergrößerte— im letzten Jahre betrug ihr Umsatz über VA Millionen Mark— konnte er sich der Buchhandlung HJOixgJt tmb schließlich gar nicht mehr widmen, und seit borigem Herbst hat Fischer auch formal den Posten aufgegeben. ES ist daher nur selbstverständlich, wenn in der Buchhandlung deren tatsächlicher Leiter, Genosse Bruns, auch die Prokura erhielt. Die Rohrpost- und Depeschengebühren, die Stöckers„Reich" und Ge- Nossen zur Weiterverbreitung dieses wichtigen Ereignisses ausgaben. find also we g g e w o r f e n e s G e l d! Und der„Reichsbote" und dj» �Post" haben es doch so nötig!— Die Hamburger Polizei auf der Anklagebank. Die Polizeischlacht nach der großen Wahlrechts« demonstration unserer Hamburger Genossen vom 17. Januar dieses Jahres bildet den Hintergrund des Prozesses gegen die bürger- liche Frauenrechtlerin Frl. Dr. Anita A u g s p u r g. der am Montag vor der Strafkammer l des Landgerichts Haniburg begann. Wie unser Genosse W a b e r S k y vom Hamburger„Ech o". der vor längerer Zeit schon wegen der Kritik der Polizei in jener Straßen« Macht neben einer hohen Geldstrafe zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, soll auch Frl. Dr. Augspurg die brave Haniburger Polizei� beleidigt haben. Einmal durch eine Sprechsaalnotiz, die sie im Hamburger„Gcneral-Anzeiger" veröffentlichte. Außerdem soll sie aber auch, so behaupten Polizei und Anklage, als sie am Abend jenes«roten Mittwochs" dem Treiben der Schutzleute zusah, auf die braven Sicherheitswächter„geschimpft" haben, was sie indes entschieden bestreitet. In ihrer Vernehmung sagte die Angeklagte u. a., sie habe, auf der Treppe des Lokals„Siechenbräu" stehend, genau gesehen, wie ein etwa Löjähriger Mann von fünf bis sechs Schutzleuten zu Boden gestoßen und von dem einen mit dem Säbel traktiert wurde. Dann sei der Verletzte hochgehoben und nach dem Alsterdamm geschoben worden. Kurz darauf kam derselbe Mann zurück und versuchte in eine andere Straße einzubiegen; er habe schrecklich ausgesehen und wies eine vom Hinterkopf bis zur Stirn reichende, mehrere Zentimeter breite Verletzung auf. aus der das Blut in Strömen hervorquoll. Ihre Begleiterin, Fräulein Lyda Heymann, sei von einem Beamten beim Arm gepackt und von der Treppe des Lokals geschleudert worden. Auf sie habe das Vorgehen der Polizeibeamten den Eindruck ge- macht, als wenn sie unter dem Einfluß von reichlichem Alkoholgenuß standen. Die Beamten sollen ja auch im Rathause, während der Biirgerschastsverhandlung, Getränke auf Staatskosten erhalten haben... Am Schlüsse der Vernehmung stellte der Staatsanwalt die Frage: Ich möchte fragen, ob Frl. Augspurg schon öfter Kopf- wunden gesehen hat?— A n g e k I.: Nein.— StaatSanw.: Sie sind doch Studentin gewesen, haben Sie vielleicht einer Ver- bindung angehört?— Angekl.:Jch war bei keiner schlagenden Verbindung.(Heiterkeit.)— Staatsanw.: Ich wollte dies nur anführen, um darauf hinzuweisen, daß auch geringfügige Ver- letzungen das Fleisch offenlegen können.— Angekl.: Ich wollte nicht sagen, daß die Verletzungen des ManneS schwere waren; aber er war total blutüberströmt. In der Zeugenvernehmung erklärte Polizeihauptmann Nie- mann, daß die Beamten erst spät am Abend ein bis zwei Flaschen Bier und Butterbrot erhalten hätten, also nicht berauscht sein konnten. Von den 250 Beamten, die an dem Tage im Dienst waren, hätten 75 Mann Verwundungen gehabt, zum Teil schwere. Der Zeuge Polizeiwachtmeister Schmidt hatte das Kommando bei Siechen. Ein Schutzmann habe ihm gesagt, daß eine Dame auf der Treppe bei Siechen geschimpft habe; er wisse aber nicht, was. Zeuge selbst hat gehört, wie einige Herren riefen: Wir wollen keine Weiberwirtschaft, schmeißt die Weiber in die Alsterl(Heiterkeit.) Mehrere Herren aus dem Publikum er- boten sich, als die Damen init Beschwerde drohten, zu Zeugen. Seines Wissens sei auch der Polizeiknüppel an diesem Tage von den Schutzleuten nicht gezogen worden. Zeuge Schutzmann Säuberlich hat gegen einen Mann, der sich zur Wehr setzte, blank gezogen, aber von dem Säbel nicht Gebrauch gemacht. Der Mann sei dann zu Boden gefallen und eS sei möglich, daß er sich dabei blutig geschlagen habe. Zwei Herren wollten zu Siechen hinein, man habe sie durchgelassen, der eine Herr wollte dann aber anders wohin gehen und wurde zurück- gewiesen. Er verlangte meine Nummer, die ich ihm gab. Ich hörte, wie die Angeklagte sagte: Lassen Sie sich das nicht gefallen, ich bin Zeugini Ich hörte, wie eine Dame, Frl. Augspurg, sagte: „Sehen Sie sich diese Gesellen anl Diese Frechheit! Schuftigkeit! Wie Wölfe fallen sie über die Menschen her. Das rief sie den Herren zu. die für uns Partei genommen hatten.— Vorsitzender: Wie weit waren Sie entfernt?— Zeuge: Drei Schritte.— Vors.: Ist es sicher, daß die Worte von der Angeklagten gefallen sind?— Zeuge: Jawohl. Ich wußte nicht, wie die Dame heißt. Aber als die Damen weggegangen waren, sagte ein Herr: Wissen Sie, mit wem Sie zu tun hatten? Das waren die Augspurg und Heymann.— Vors.(zur Angeklagten): Wollen Sie vortreten. Herr Zeuge, sehen Sie sich die Angeklagte an. Können Sie be« stimmt sage», daß die Angeklagte die Worte gebraucht hat?— Zeuge: Jawohl.— Vors.: Können Sie das auf Ihren Eid nehmen?— Zeuge: Jawohl.— Vors.: Wissen Sie genau, daß Frl. Heymann ähnliche Schimpfworte gebraucht hat?— Zeuge: Jawohl. Infolge des Skandalierens forderten wir die Dainen auf, von der Treppe wegzugehen, sie weigerten sich aber. Ich und ein anderer faßten jeder eine der Damen am Arm und führten sie die Treppe herunter.— Vors.: Fräulein Augspurg sagt, daß sie von keinem Schutzmann fortgeführt sei, sie sei freiwillig hinuntergegangen.— Z e u g e: Ich habe sie tatsächlich am Arm ge« faßt und zwei Stpfen heruntergezogen. Dasselbe bekunden noch mehrere Schutzleute. Alle wollen erst dann Gewalt angewendet haben, wenn einer die Schutzmannskette zu durchbrechen suchte. Schutzmann Brothorb bezeugt: Zwei Damen schimpften. Es sielen die Worte: Schufte. Halunken, dumme Gesellen usw. Ich stand zwei Schritte von der Treppe. Besonders das Fräulein mit den kurzgeschorenen Haaren schimpfte fortwährend. Das andere, größere Fräulein mit den laugen Haaren(Frl. Heymonn) schimpfte auch und rief: Schufte, Halunken I— V o r f.: Nahmen Sie keine Veranlassung einzuschreiten?— Z e u g e: Wir sollten möglichst wenig Sistierungen vornehmen. Die Damen suchten das Volk auf- zureizen. deshalb wurden sie aufgefordert, wegzugehen. Da dies aber nichts half, faßte sie Flach und noch ein Schutzmann am Ann und zogen sie herunter. Die Zeugen Kaufmann Meinert, Leutnant a. D. Graf Hahn- Basedow behaupten, daß sich die Schutzleute sehr höflich benommen hätten und daß sie deshalb sich freiwillig den Schutz- leuten bei Befchiverden als Zeugen angeboten haben. Kaufmann Andresen stand auf der Treppe neben den Damen. Beide waren furchtbar erregt, schimpften uild gestikulierten. Al» er der Augspurg sagte, sie würden eingelocht werden, wenn sie weiter schimpften, antwortete diese:„Das sollen sie nur machen, die Bande."— Lors.t Sie soll auch gesagt haben, das sei ja schlimmer wie in Rußland.— Zeuge: Jawohl.— Vors.: Wie erschien Ihnen das Vorgehen der Schutzleute?— Zeuge: Die Schutzleute oingc» mit Lammesgeduld vor.— Vors.: Was sagen Sie zu dieser Aussage? — Angekl.: Ich habe nichts gesagt. Zeugin Frau Regina Rüben bekundet, daß sie gesehen habe, wie verschiedene Leute von den Schutzleuten gepackt und ge- stoßen wurden. Ein Mann, der von der Bergstraße kam, wurde geschlagen, daß er zu Boden fiel, später sah sie den Mann m i t Blut bespritzt.— Verteidiger: Glauben Sie, daß die Schutzleute, wenn Frau Augspurg geschimpft hätte, sich ihr gegen- über ruhig verhalten hätten.— Zeugin: Wenn die Angeklagte laut gesprochen hätte, würde sie mindestens 10 Säbelhiebe bekommen haben.(Heiterkeit.)— Vors.: Ich bitte, doch nicht allzusehr Ihrer Phantasie fteien Spielraum zu lassen.— Zeugin: Das ist meine feste Ueberzeugung. Zeugin Frl. Gustava Heymann hat gesehen, wie 3 bis 4 Schutzleute über einen Mann herfielen, und ihn mit ihren Polizeiknüppeln bearbeiteten.— Vors.: Wir haben aber hier gehört, daß die Knüttel garnicht gezogen woden sind.— Zeugin: Ich habe es doch aber mit meinen eigenen Augen gesehen.— Vor f.: Die Beamten haben aber alle gestritten. dcnKuPtel gezogen zu haben.— Zeugin: Eine Täuschung meiner- seits ist ausgeschlossen.— Nach weiteren belanglosen Zeugenaussagen wurden die Verhandlungen auf Dienstag vertagt. Gewerkschaftsführer und Scharsmacher. Bei der Stadtverordnetenwahl in Düsseldorf sind in der zweiten Abteilung die Ultramontanen gegen die Liberalen mit 300 Stimmen weniger unterlegen. So ist Herr Mathias S ch i f f e r, der in der dritten Abteilung als Zentrums-Stadtverordncter gewählte Vorsitzende des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften, vor dem Schicksal bewahrt geblieben. Arm in Arm mit Herrn Schlossermeisier Kriegers, dem Führer der kleinen Scharsinacher von Rheinland-Westfalen, in das Düsseldorfer Stadtparlament ein- zuziehen.—_ Die Protestbewegung gegen den LebenSmittelwucher. I n Baden ist jetzt eine umfassendere Bewegung gegen den Lebensmittelwncher, wie gegen die reichspolitischen Zustände über- Haupt, im Gange. Von der badischeu Landesorganisation sind ca. 130 bis 140 Versammlungen arrangiert worden, die sich auf das ganze Land verteilen; dabei ist der große Mannheimer Kreis noch nicht einmal eingerechnet, der bei Gelegenheit des Parteitages eine große Zahl Versammlungen abhielt und auch jetzt selbständig an der Protestbewegung teilitimmt. Sotveit Versammlungen bereits stattgefunden haben(wir haben schon über einige berichtet. Die Red.), wird allgemein sehr starker Besuch und guter Verlauf gemeldet. Es ist selbswerständlick, daß der Protest in städtischen Kreisen einen lebhaften Widerhall findet— haben doch auch in Baden die Oberbürgermeister vor kurzem' eine ziemlich entschiedene Eingabe an die Regierung um Abhülfe der Fleischnot gerichtet— aber auch in rein ländlichen Kreisen verschließt man sich der Ein- ficht nicht, daß es so nicht weiter gehen kann. Die agrarische Agitation, die rn Baden wesentlich vom Zentrum mit allen Mitteln des gewissenlosesten Volksbetruges getrieben wurde, hat eine Zeit- lang selbst die Kleinbauern fortreißen können. Jetzt kommt die Ernüchterung, diese kleinen Parzellcnbauern, die weder Getreide noch im nennenswerten Umfange Vieh für den Markt produzieren, sehen ein. daß sie keinen Nutzen von der agrarischen Tarifpoluik haben und sie stimmten lebhaft zu, wenn unsere Rodner ihnen auseinandersetzen, daß es ganz andere, wirtschaftliche und politische Mittel gibt, den wirklich notleidenden Kleinbauern zu helfen, als den LebenSmittelwucher, unter dem Millionen Jnoustricarbeiter und sie selbst mitleiden. Die Erfolge der jetzigen Bewegung zeigen sich in der Gründung sozialoemokratischcr Vereine, einem schönen Mitgliederzuwachs bei den bestehenden Vereinen und zahl- reichen neuen Abonnenten auf unsere Parteiblättcr.— Hueland. Oesterreich. Brünn, 19. November. Landtagswahlen. Bei den gestrigen engeren Wahlen zum mährischen Landtag sind in neun tschechischen Wahlbezirken sechs Tschechen und drei Sozialdemokraten, darunter ein Tscheche in zwei Wahlbezirken, gewählt worden. In drei deutschen Wahlbezirken sind drei Deutsch-Fortschrittliche gewählt worden.— Frankreich. Der Abschluß der kirchenpolitischen Debatte. Paris, den 14. November.(Eig. Ber.) Die Regierung— oder genauer: Briand— hat gestern für ihre Kirchenpolitik ein Vertrauensvotum von einer unzufriedenen Majorität erzwungen. Wenn wir es unlängst als das Wesen der gegenwärtigen bürgerlichen Politik bezeichnet haben, daß der klein- bürgerliche Radikalismus nicht mehr den Willen zur verantwort- lichen Herrschaft hat und sie in die Hände einer demokratischen Diktatur niederlegte, so brachte die gestrige Abstimmung den schlagenden Beweis dafür. Die Bourgcoisparteien segneten, was sie bisher und bis in die letzte Stunde verflucht hatten. Wäre das Ministerium ein Ausschuß der Mehrheitsparteien, so hätte Briand seinen Plan, den Katholiken noch ein Jahr Frist zur Gründung von Kultusassoziationen mit Anspruch auf die Kirchen- guter zu gewähren, fallen lassen müssen. Aber Briand blieb fest, und die Radikalen hatten nicht die Energie, ihre Meinung in der Abstimmung gegen das Ministerium zu betätigen. Damit soll nun keineswegs gesagt sein, daß das Resultat bedauerlich sei. Vielmehr repräsentiert Briand gegenüber dem radikalen Wurst- kessel die politische Vernunft und in gewissem Sinne auch den sozialen Fortschritt. Sein Sachlichkeitssinn, der allerdings der Er- gänzung durch einen großen historischen Blick bedurft hätte, um ihn vor dem Wege zur persönlichen Erfolgspolitik zu bewahren, hält ihn von dem trivialen Pfaffenfressertum fern, das den ver- faulenden Rest des Jakobinismus darstellt. Daß das kirchenpolitische Problem im Sinne der Toleranz ge- löst werden muß, wenn die Bahn für die soziale Reform frei werden soll, hat auch I a u r e s in einer großen Rede ausgeführt. Unserem Genossen ist es jedenfalls zu danken, daß der Blick des Parlaments auf einen— vom Kultusminister bisher seltsamer- weise verhüllten— Punkt gelenkt wurde, von dem möglicherweise eine friedliche Lösung des Konflikts mit der Kirche ausgehen wird. Der Erzbischof von Bordeaux hat nämlich eine Assoziation ge- gründet, die bei der Handhabung des Trennungsgesetzes von großer Bedeutung sein kann. Diese diözesanc Assoziation ist nicht mit den Pfarr-Assoziationen im Sinne des Gesetzes von 1905 zu verwechseln, sie hat sich jedoch in ihren Statuten den entscheidenden Bestim- mungen dieses Gesetzes angepaßt. Zwar hat auch sie die Aufgabe. wenn auch nicht direkt, für die Aufr.'chterbaltung des katholischen KultuS zu sorgen, aber sie kann in keinem Falle Anspruch auf die Kirchengebäude erheben. Doch würde sie tatsächlich eine vom Minister anerkannte kirchliche Aufsichtsbehörde bei der Organisation der neuen KultuSassoziationen darstellen, um diese an der Ver- letzung kanonischer Grundsätze zu hindern. Briand hat gestern erklärt, daß er nichts dagegen einzuwenden habe, daß eine solche diözesane Assoziation nur aus Geistlichen bestehe. Du der Papst als Hauvt- einwand gegen das Trennungsgesetz die Gefährdung der geistlichen Autorität in der Kirche geltend gemacht hat, siele bei einer rechts. gültigen Wirksamkeit solcher vom Bischof geleiteter diözesancn Asso- ziationen ein wichtiges Argument der Klerikalen gegen die Kultus- assoziationen weg. So wäre eine Ausfolgerung der Kirchengüter an diese von der Anerkennung durch die bischöflichen Assoziationen abhängig, also vor allem die Beteiligung schismatischer Gründungen mit Gütern ausgeschlossen, die bisher zur Verfügung der katholischen Kirche gestanden haben. Die sozialistische Partei hat sich auch bei der gestrigen Abstim- mung gespalten. 18 ihrer Mitglieder stimmten für daS Vertrauens- Votum, 27— darunter A l l e m a n e. A l I a r d, Guesde, Sembat, Baillant— dagegen; 7 enthielten sich, darunter JauröS und P r e s s e n s t. Unter den Gegnern des Vertrauensvotums waren solche, die einer bürgerlichen Regierung prinzipiell das Vertrauen verweigern, während manche wohl ihre besondere antireligiöse Tendenz zum Ausdruck bringen wollten. Ein neuer Antimilitarisieuprozes,. Paris, 17. November.(Eig. Bericht.) Das Organ der Arbeits- konföderation, die„Voix du Peuple", hat anläßlich des Eiurückens der Rekruten in diesem Jahre eine illustrierte Sondernummer herausgegeben, die einige Beiträge aus der im vorigen Jahre ton- fiLzierten Nummer reproduzierte. Die noch unler dem Kriegs» minister Etienne eingeleitete Strafuntersuchung hat zur Erhebung einer Anklage geführt, die vor den Geschworenen des Seinedeparte- mentS zur Verhandlung kommen wird. Angeklagt sind der verant- wortliche Redakteur Vrigneaud und die Syndikalisten D e le» falle, Desplanques und Dv etot wegen Beleidigung der Armee und Aufreizung von Soldaten zum Ungehorsam. Der Zeichner Grandjouan, der das Blatt illustriert hat, wird nur wegen Armeebeleidigung angeklagt. Die Verteidigung haben die Anwälte Herbe und Lafont übernommen.— Allerhand Srzialisten. Die„Unabhängigen" und ihre Unterarten.— Das Terzett htt Minister.— Ein renommierender Deserteur. Paris, 17. November.(Eig. Ber.)' Gestern stellte sich Viviani den Senatoren vor. Seine An- trittsrede war die Antwort auf den Angriff des Generals Lamar» zelle, eines der gebildeteren Konservativen, der nicht ganz mit Un» recht auf den Widerspruch der marxistischen Geschichtsauffassung und der humanitär-demokratischen Betrachtungsweise Vivianis hin- wies. Doch wollte er in Vivianis Ablehnung der Gewalt eine Zwei- deutigkeit finden. Am heftigsten aber griff er die atheistische Er- klärung Vivianis an. Die Antwort des Ministers war�in diesem Punkte ein wenig verlegen, da Briands neuliche Erklärung, die Republik sei nicht antireligiös, sondern nur areligiös(relegions- los), ihn recht deutlich desavouiert hatte. So mußte er sich mit der Gegenüberstellung der„göttlichen" und der„menschlichen" Reli- gion und mit der Unterscheidung zwischen Religion und Klerikalis- muS behelfen. Im übrigen wiederholte er seine Kammerrede und schloß mit einem Appell an die alten Republikaner, die„Republik der Brüderlichkeit" zu errichten. � Eine bemerkenswerte Episode ergab sich, als der Arbeits» minister sagte:„Ich bin Sozialist und der Ministerpräsident nicht. Was liegt daran?" Clemenceau rief nämlich dazwischen: „Verzeihen Sie. Ich bilde mir ein, Sozialist zu sei«'." worauf der Redner sagte:„Ich nehme diesen Beitritt zur Kenntnis."— Bekanntlich hat sich Clemenceau schon unlängst den Leuten deS Südens als„unabhängiger Sozialist" präsentiert. Man wird also jetzt zwischen den eigentlichen„unabhängigen Sozialisten" wie Briand. GeraUlt Richard usw. und den u n c i g e n t li ch e n wie Clemenceau unterscheiden müssen,— Die„Eigentlichen" hielten gestern zu Ehren ihrer zwei Minister Briand und Viviani ein Bankett ab, bei dem auch M i l l e r a n d das Wort ergriff und die beiden Gefeierten der Unterstützung der „parlamentarischen Sozialisten" versicherte. Da Millerand, wie jedermann weiß, zu dieser Regierungspartei trotz seiner formellen Zugehörigkeit nur sehr lose Beziehungen hat, mit den Reaktionaren aber sehr oft zusammenarbeitet und Herrn Clämenceau selbst nicht grün ist. so kann man sich vorstellen, welche Bedeutung die gestrige Bratenrednerei hat. Die Bourgeoisblätter haben eine sensationelle Nachricht aus der sozialistischen Partei empfangen: Der ehemalige Sekretär des „Parti Socialiste Francais". Orry. hat der geeinigteil Parte» den Rücken gekehrt und fordert seine alten Parteigenossen auf, ihm zu folgen und die aufgelöste Organisation wiederyerzustelleu. Der komische Aufruf des offenbar sehr'selbstbewußten Mannes wird— ebenso wie der Eifer, den die bürgerliche Presse daran setzt, um ihn zu verbreiten— bei den Parteigenossen den verdienten Heiter- keitserfolg haben.—_ Paris, 19. November. Die Inventarisierungen haben heute— wie angekündigt— in den verschiedenen Departements begonnen. Aus Niort sind 150 Mann des 7. Husarcnregiments nach Breffuirt abgegangen, um dort die Inventarisierung vorzunehmen. In Per- pignan sind die Truppen zusammengezogen, um eventuell bei zwei Inventarisierungen in demselben Bezirk und bei drei in dem Be- zirke von Prades mitzuwirken. In Villongue haben sich die Gläubigen in der Kirche eingeschlossen, nachdem sie alle Wertsachen entfernt haben. Man befürchtet hier ernste Unruhen. Mehrere Abteilungen Infanterie und Genietruppen sind aus Avignon ab- gegangen, um die Inventarisierungen in Carpentrcs und Orange vorzunehmen. Es heißt, daß ber Kabincttschef Cemenceau be» schloffen habe, die Inventarisierungen unverzüglich in allen De- partements mit ernstem Nachdruck vornehmen zu lassen und die kircklichen Behörden von seinem Beschlüsse informiert und anderer» seits die Gemeindebehörden aufgefordert habe, die notwendigen Maßregeln zur Durchführung des Gesetzes zu treffen.— England. London, 17. November. Der junge jüdische Flüchtling, der vor wenigen Wochen aus Warschau in Grimsby eingetroffen und auf Antrag der russischen Behörden verhaftet worden war, wurde jetzt nach einer Wockie Haft außer Verfolgung gesetzt. Der Polizeirichter kam zu der Ueberzeugung, daß der Verhaftete nicht mit dem Bombenwerfer identisch sein kann.— Schweden. Ergänzungswahlen zur zweiten Kammer fanden am Freitag in Stockholm im ersten und im vierten Wahlkreise statt. Im ersten Wahlkreise, der bisher liberal vertreten war, siegte der sozial- demokratische Kandidat Charles Lrndley mit 1971 Stimmen üben den liberalen, Dr. Elmquist, der 1198 Stimmen erhielt. Seit den allgemeinen Wahlen im vorigen Jahre ist die Zahl der sozial- demokratischen Stimmen hier um 860 gewachsen. Genoffe Lindlcy war früher Seemann und hat— abgesehen von seiner Tätigkeit für die politische Bewegung— mit größtem Eiser für die Organ» sation der Seeleute und den Transportarbeiterverband gewirkt, dessen Vertrauensmann er ist. Am Wahltage wurde durch die Straßen am Hafen auf einem Wagen ein großes Boot gefahren, dessen Segel in riesigen Buchstaben die Aufforderung, für Lindley zu stimmen, aufwies. Dem Pferde vor dem Wagen hatten die Arbeiter den Namen„Klassenkampf" gegeben. Im vierten Wahlkreise siegte der konservative Kandidat Karl Hildebrand mit 1898 Stimmen über den Liberalen Fürst, der 1531. und den Sozialdemokraten Bäckström, der 996 Stimmen erhielt.— Es wäre den Liberalen möglich gewesen, diesen konservativen Wahl- sieg zu verhindern und sich eins der beiden Mandate zu sichern. Da ihre beiden Kandidaten als ziemlich radikale und sozial ge- sinnte Männer bekannt sind, waren unsere Parteigenossen bereit, im vierten Wahlkreise auf einen eigenen Kandidaten zu verzichten, aber die Liberalen lehnten ein solches Wahlbündnis ab.— Am selben Tage fand Ergänzungswahl in Växiö statt. Hier siegte. wie bei der Hauptwahl, der konservative Kandidat über den libe-, ralen.— Gcwerfcrcbaftlkhc**« Der BelrgschaftSwcchsel auf den Rnhrzcchen. Im zweiten Quartal 1906 war der Belegschaftswechsel ein recht starker gewesen; es gingen zu 86 910, es kehrten ab 36 öS4 Personen; der Gesamiwechsel betrug mithin 73 604, Da kamen die Zechen- berren her und verhängten die Sperre, Das Wort hat keinen guten Klang und ist verpönt in der Oeffentlichkeit, darum haben die Zech-nhcrren für ihre Maßregel nunmehr die Bezeichnung „f r e u n d n a ch b a r l i ch e Abmachung" erfunden. Allerdings ist auch in der Sache ein Unterschied vorhanden. Zur Zeit der eigeüt- licheu Sperre komiie der abkehrende Bergmann auf keiner anderen Zeche mehr in Arbeit treten, er war geächtet und mußte semea 5?cruf aufgeben. Bei der„freundnachbarlichen Abmachung" handelt es ftch auch um eine Sperre, aber um ein anderes System. Der abkehrende Bergmann wird noch zur Bergarbeit zugelassen, aber nicht aus den Zechen in einem gewissen Umkreise seiner bis- herigen Arbeitsstelle. Durch die„freundnachbarliche Ab- machung" soli der Bergmann gezwungen werden, Arbeitsstelle auch seinen Wohnort zu wechseln. Will der Bergmann abkehren, dann sollen ihm auch jedesmal die Kosten des Umzuges entstehen. Diese Kosten des Umzuges sollen die Strafe sein für das Verbrechen, daß der Berg- mann es wagt, seine Arbeitsstelle zu wechseln. Und durch diese «strafe soll nicht nur der Bergmann, sondern auch seine Faniilie empftndlich getroffen werden.... Die Zechenbesitzer suchen ihre Maßregel der Oeffentlichkeit gegen- über zu rechtfertigen; sie führen an, die„freundnachbarliche Ab- machnng sei geboten, um eine ständige und seßhafte Belegschaft zu erhalten; der starke Wechsel erhöhe die Unfallgesahr und be» einträchtige die Leistung des Bergmanns. Das ist alles ganz richtig. Wir haben immer die Nachteile des starken Belegschaftswechsels hervor- gehoben; wir haben es immer verurteilt, wenn Zechen- PMchas beschwerdeführende Bergleute mit der brutalen Redensart abfersigten:„Wenn es Euch nicht paßt, könnt Ihr ja Es stimmt vollständig, daß durch den starken Beleg- smastswechsel die Unfallgefahr steigt; der abgekehrte Bergmann ist eben nut den Eigentümlichkeiten der Gebirgsverhältnisse seiner neuen Arbeitsstelle nicht vertraut. In der Tagespresse des Industrie- bezirks kann man sehr oft lesen:„Der Bergmann N. N. ist durch Steinfall aus dem Hangenden zu Tode ge- kommen. Der Verunglückte war erst seit dem 1. dieses Monats auf der Zeche in Arbeil getreten." Und bei der Kohlengewinnung gilt es auch jedesmal neues zu lernen, und so dauert es immer eine gewisse Zeit, ehe man von dem neuangelegten Bergmann volle Leistung beanspruchen kann. Die Vorteile einer ständigen Belegschaft werden von uns also keineswegs verkannt, nicht bloß der Unter- nehmer, auch der Arbeiter profitiert dabei. Es wäre auch gar nicht so schwer, eine ständige Belegschaft zu schaffen, es liegt nur an dem guten Willen der Unternehmer. Wollten sie nur ein wenig ihren Herren st andpunkt außer acht lassen, würden sie die berechtigten Forderungen der Bergleute anerkennen, die Mißstände beseitigen und für eine menschenwürdige Be- Handlung der Bergleute Sorge tragen, dann hätten sie eine ständige Belegschaft. Das gibt's aber nicht, einen solch vernünftigen Standpunkt darf man von unseren Grubenprotzen nicht erwarten. Sie sinnen auf andere Mittel und treffen„fteundnachbarliche Abmachungen". Sie schränken die Freizügigkeit ein und strafen den Wechsel der Arbeitsstelle mit einem kostspieligen Umzug, zu dem der abkehrende Bergmann ge- zwungcn ist, wenn er in seinem Berufe weiterhin Beschäftigung haben will... Nun aber weiter. Es entsteht nun die Frage, war die„fteimd- nachbarliche Abmachung" der Zechenherren ein taugliches Mittel, den starken Belcgschaftswechsel einzudämmen? Die soeben vom All- gemeinen Kuappschastsverein zu Bochum herausgegebene„Nach- Weisung über den Belegschaftswcchscl im 3. Quartal 1906" gibt die Antwort. Sie ist eine deutliche Antwort, eine vernichtende Antwort für die Unternehmer. Der Belegschaftswechsel hat nicht abgenommen, er ist nicht'mal auf der Höhe deS 2. Quartals stehen geblieben, sondern ist noch ganz erheblich stärker geworden! Und zwar hat er sich wie folgt voll- zogen: im Juli. • August . September Zugang 12 868 13 579 15 437 Abgang 12 273 11 872 13 624 Summa 41 884 37 789 Es ist also im dritten Quartal ein Gesamtbelegschaftswechsel von 79 673 zu verzeichnen. Er hat einen Umfang angenommen, den man im übrigen Deutschland sich nur schwer wird vorstellen können. Es fei vorweg bemerkt, daß der größere Zugang eine V e r« mehrung der Gesamtbelegschaft von rund 4009 Personen be- deutet. Im zweiten Quartal war eine nennenswerte Vermehrung der Belegschaft nicht zu verzeichnen, im Monat Mai war der Abgang sogar größer gewesen wie der Zugang.... Was soll man nun dazu sagen, daß trotz der„freundnackibar- lichen Abmachungen" der Belegschaftswechsel noch immer größer geworden ist? Zunächst: Schon zu ruhigen Zeiten wechselt der Bergmann niemals zum Vergnügen die Arbeitsstelle, stets nur notgedrungen. Und immer war der Wechsel der Arbeits- stelle noch besonderen Erschwernissen, sehr oft mit kostspieligem Wohnungswechsel verknüpft. Da ist gerade durch den starken Beleg- schaftswechsel der Beweis erbracht, daß die Bergleute bis «uss Blut geschunden, bis zum Exzeß aus- gebeutet werden und daß die Mißstände zjim Himmel schreien müssen. Die Nachweisung des Allgemeinen Knappschaftsvereins über den Belegschaftswechscl im dritten Quartal ist neues Anklagematerial gegen die Grubenprotzea. Die Zahlen reden hier eine deutliche Sprache, sie legen Zeugnis ab für die Berechtigung der Unzufriedenheit der Bergarbeiter.... Es ist nun nicht uninteressant, daß in der„Nachweisung" die- jenigen Zechen den größten Belegschaftswechsel verzeichnet haben, die sonst mit ihren Mißständen die Spalten der Arbeiterpresse des Ruhr- rcviers füllen. Die Mißstände werden zwar regelmäßig bestritten, die Arbeiterpresse wird unter Mißbrauch des berühmten§ 11 des Preßgesetzes mit„Berichti- gungen" förmlich bombardiert, aber das verschlägt nichts. Es wird eben laut Beschluß der Zechenberren alles be» stritten und alles„berichtigt", das weiß die Oeffentlichkeit längst. Die Mißstände sind doch vorhanden, sie sind greulicher denn j e, dafür zeugt der ungeheure Belegschaftswechsel, den die„ftcund- nachbarlichen Abmachungen" nicht einzudämmen vermochten.... Einige größere Zechen mit starkem Belegschaftswechsel seien hier mit ihrem Zugang und Abgang namentlich angeführt:„Adolf von Hansemann" 489: 262;„Bruchstraße" 342: 339;„Concordia" 1417: 921;„Konsolidation" 717: 777;„Konstantin der Große" 663:839;„Dahlbusch" 339: 300;„Dannenbanm" 886: 562; „Deutscher Kaiser"(Thyssens 238«: 1785;„Dorstseld" 613: 819; „Ewald" 521: 540;„Friedrich der Große' 466: 319;„Gladbeck" (fiskalische Gruben) 614: 550;„Graf Bismarck" 366: 354;„Graf Moltke" 847: 579;„Hannibal" 405: 411;„Hannover" 447: 340; „Holland" 522: 509;„Hugo" 580: 479;„Kaiserstuhl" 811: 632; „König Ludwig" 567: 634;„Königsborn" 377: 425;„König Wilheun" 552; 476;„Mathias Stinnes" 645: 368;„Neue Iserlohn" 306:364;„Monte CeniS" 366: 373;„Neumühl" 1056:815; „Oberhausen" 1781: 1568;„Pluto" 585; 564;„Präsident" 483: 400; „Preußen" 357: 362;„Prosper" 925: 525;„Recklinghausen" 431: 580;.Rheinelbe" 476: 508;„Schanihorst" 321: 284;„Schlägel und Eisen" 395: 521;„Shamrock" 686: 584;„Viktor" 264: 423; „Westerde" 560: 437;„Zollverein" 542: 530. Diese Auslese einer Anzahl Zechen aus allen Bezirken des Ruhrreviers wird genügen, um den Lesern das Bild der geschilderten Zustände zu vervollständigen. Bemerkt sei aber, daß wir der Kürze halber die verschiedenen Schächte der Zechen nicht einzeln, sondern iftif den gemeinsamen Zechennainen geführt haben.... Dieser Belegschaftswechsel bedeutet unter den bewandten Um- ständen im wahrsten Sinne des Wortes eine Völkerwande- r u n g. Und wenn der Leser sich nun vergegenwärtigt, daß in der übrigen Industrie des Ruhrreviers ein ähnlicher Wechsel und Wandel herrscht, daß außerdem täglich Tausende aus allen Gegenden und Ländern der Erde zuziehen, um sich den Großunternehiuern als willige Ausbeutungsobjekte auszuliefern, dann wird er begreifen, daß im rheinisch-westsälischeu Industriegebiet sich eine Völker- Wanderung vollzieht, ivie sie in solchem Umfange wohl kaum jemals zuvor erlebt worden ist. DaS erklärt auch die außerordentliche Schwierigkeit der geWerk- schastlichen und polischen AuskläruugSaibeit und der Organisierung der Masten im dortigen Gebiet. Mt unsäglicher Mühe und unter den schwersten Kämpfen muß dort aufgebaut werden. Trotzdem geht es auch dort vorwärts und es fehlt auch nicht an Erfolgen. Und sicherlich kommt auch für das Ruhrrevier der Tag, wo daS hochmütige Unternehmertum gebeugt wird, wo das Kapital durch die Macht des Proletariats bezwungen am Boden liegen wird. Dann wird sich die Arbeiterschaft ihre Menschenrechte selbst nehmen und selbst den Frieden diktieren.—_ Berlin und Umgegend. Achtung! Klempner! Am Donnerstag, den 22. November, finden im„Englischen Garten", Alexandcrstr. 27c, die Delegicrtenwahlen zur Orts- krankenkasse der Klempner statt. Es ist Pflicht jedes organisierten Kollegen, welcher Mitglied der Kasse ist, daß er an der Wahl teil- nimmt. Zur Legitimation müssen die Mitglieder sich von ihrem Arbeit» gebet das Krankenkassenbuch geben lassen, ohne dasselbe kann niemand wählen. Die Agitationskommisswn. _ I. A.: K. Weitzel. Zur Aussperrung in der mechanischen Schuhindustrie ist schon vorige Woche berichtet worden, daß verschiedene Schuhsabrikauten bei Wiederaufnahme der Arbeit die Zeit gekomnien glaubten, ihnen mißliebige Personen aus den Betrieben zu entfernen, ohne darauf zu achten, daß der Fgbrikantenverband die Bedingung, Maßrege- lungen nicht vorzunehmen, stillschweigend akzeptiert hatte. Auf .ine Beschwerde des Verbandes der Schuhmacher beim Fabrikanten- verbände erwiderte der Vorsitzende, daß er die Angelegenheit der Generalversammlung seines Verbandes vorlegen werde, und wünsch«, daß die Sache bis dahin ruhen gelassen werde. Dem letzteren Wunische konnte seitens der Gehülfen nicht entsprochen werden, da einzelne Firmen in ihrer Maßregelungswut sehr weit gegangen waren, auch war nicht angegeblin, lvann diese General- Versammlung zusammentreten werde und keinerlei Gewähr geboten, ob den berechtigten Beschwerden der Arbeiter Gehör geschenkt werde. Die verhängten Sperren haben wenigstens das gezeitigt, daß die Eirnia Pinn er zunächst große Annoncen in der„Volkszeitung" s ließ, und dadurch dokumentierte, daß sie wohl Arbeiter ge- brauchte, und nur Willkür sie veranlaßte, 31 ihrer Leute auf den Index zu setzen, sie aber auch veranlaßte, Verhandlungen anzu- bahnen. Ergaben diese Verhandlungen auch kein zufriedenstellen- des Resultat, so wurde doch eine Einigung erzielt, und wurde die Arbeit Montag in dieser Fabrik aufgenommen. Auch bei der Firma Kusche wurden weitere Einstellungen vorgenommen. Infolge- dessen wird die Sperre über sämtliche Firmen, mit Ausnahme der Firma S ch l i e w e, Brunnenstr. 24, aufgehoben. Letztere Firma will ihren Betrieb erst im Januar wieder eröffnen, ein Verfahren, daß dem Grundsatz, Maßregelungen nicht vorzunehmen, vollständig ins Gesicht schlägt. Die Sperre über den Arbeitsnachweis des Fabrikantenverbandes wird gleichfalls aufgehoben, um diesem Ver- bände Gelegenheit zu geben, seinerseits zu dem Wortbruche seiner Mitglieder Stellung zu nehmen. Ein weiterer Konflikt ist bei der Firma Pfarr, Ackerstr. 14, ausgebrochen. Tie vier Arbeits- willigen genießen die größte Freiheit un Fabriksaale, während dreißig ehrliche Arbeiter den Mund zu halten haben. Da Be- fürchtungen vorlagen, daß bei den Anrempelungen von jener Seite schließlich auch den Ausgesperrten die Geduld ausgehen könne, legten dieselben die Arbeit wieder nieder, denn eine Reklamation bei dem Arbeitgeber selbst hatte keinen Erfolg. Wir ersuchen, die Firmen Schlliewe und Pfarr nach wie vor zu meiden. Zentralverband der Schuhmacher. Ortsverwaltung Berlin. Die Pianofabrik von Bell u. Co., die sich seit nicht weniger als 14 Wochen im Kampfe mit ihren Arbeitern befindet, firmiert jetzt plötzlich Neugebauer Nachfolger. Es wird notwendig sein, daß sich die Klavierarbeiter dadurch nicht täuschen lassen. Zu- zug von der Firma Bell u. Co. alias Neugebauer Nach- f o l g e r ist fernzuhalten. Deutlcbes Reich- Achtung! Fabrikarbeiter! Sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen der Gummikamni-Kom- pagnie Limmer-Hannover und der Wachstuchfabrik von Beneke, Vinhorst bei Hannover, befinden sich wegen Lohnabzügen resp. wegen Forderung einer Lohnerhöhung im Streik. Kollegen allerorts! Sorget für Fernhaltung des Zuzuges, das ist die beste Unterstützung in diesem Kampfe. Fabrikarbeiterverband, Zahlstelle Hannover und Umg. Die badischen Eisenbahner stehen wieder vor einer neuen Lohnordnung, nachdem der vom Arbeiterausschuß eingeführte Tarif bei den Verhandlungen der zweiten Kammer als ungerecht dargestellt worden ist. Gemäß dem Beschlüsse des Landtages findet nun in dieser Woche eine Sitzung der Vertreter der Regierung und der Arbeiterschaft statt. Nach dem von der Eisenbahnbehörde vorgelegten Prospekt sollen die Akkordlöhne beseitigt und. soll ein Lohnsystcm mit be- stimmten Anfangslöhnen und einem nach 15 Jahren zu er- reichenden Hoch st lohn eingerichtet werden. Das Lohndienst- alter beginnt mit dem zwanzigsten Lebensjahre der Handwerker, der Anfangslohn ist nach drei verschiedenen Ortsklassen auf 4,50, 4,30, 4,10 M., mit Zulagen bis 7 resp. 6,80, 6,60 M..vorgesehen. Die nichtgewcrblichen Arbeiter, deren Lohndienstalter auf 18 Jahre festgesetzt ist, sollen Ansangslöhne von 3,50, 3,30, 3,10 M. erhalten, mit Maximalzulagen bis 5,—, 4,80, 4,60 M. Für die Beratungen sind vier Tage borgesehen. Eine rührende Geschichte. Hamburg, 19. November.(W. T. B.) Die„Deutsche Arbeit. gebcrzeitung" berichtet: In der Nacht vom Sonntag zum Montag wurde der Dampfer„Berolina", der mit vier Kähnen der Berliner Lloyd-Slkticngesellschaft bei Vietze vor Anker lag, von einer Anzahl Männer überfallen. Die Angreifer begaben sich mit Handkähnen an Bord der genannten Fahrzeuge, schnitten die Schlepptrossen ab, zerhackten sie mit Beilen, warfen dann einen Teil der aus Stück- gütern bestehenden Kahnladungen ins Wasser und bedrohten die Besatzung mit Tätlichkeiten. In dem eingangs angeführten Blatte heißt es weiter: Es handelt sich bei dem Ausstand um die Absicht. die Schiffahrtsgesellschaftcn ganz und gar unter die Botmäßigkeit deö sozialdemotratische» HasenarbeitcrverbandeS zu bringen und darum wird der Ausstand mit alle» zur Verfügung stehenden Mitteln fortgesetzt. Angesichts dessen wird es den von dem Aus. stand betroffenen Gesellschaften auf die Dauer unmöglich sein, auch den beschränkten Betrieb in Zukunft aufrecht zu erhalten, da sie nicht imstande sind, für die Ablieferung der ihnen übergebenen Ladungen eine Garantie zu übernehmen. Es dürfte demgemäß den Gesellschaften kaum noch etwas anderes übrig bleiben, als nunmehr zum äußersten, ihnen noch zur Verfügung stehenden Mittel zu greifen und eine TotalauSsveu-ung eintreten zu lassen. (Da die„Arbeitgeberzeitung" sich fast in allen die Arbeiter» bewcgung betreffenden Dingen als Brutanstalt für Entenküklcia erwiesen hat, ist obiges Schauermärchen nur als das zu bewerten. was es ist, als Scharfmacherschwindel, in die Welt gesetzt, um zu beweisen, wie nötig eine Aussperrung sei. D. R.) Für daS Fraucnstimmrecht. London, 19. November.(W. T. B.) Eine Anzahl von Frauen» stimmrechtlerinnen drang heute nachmittag in den Lorhof deö Porta- mentsgrbäudes; die Polizei trieb sie auseinander und verhaftete eine Frau. Die Schwester deS Generals Freuch zu verhaften, die bei dem Auftritt eine führende Rolle spielte, lehnte die Polizei trotz der an fie ergangenen Aufforderung hierzu ad. Wie Ordnung geschaffen wird. Barcelona, 19. November.(W. T. B.) Zwischen Klerikalen und Republikanern fanden heute hier Schlägereien statt. Die Zivil- garde machte, al« sie zur Herstellung der Ordnung einschritt, von der Schußwaffe Gebrauch. Mehrere Personen wurden verwundet, zahlreiche verhaftet._ Ministerkrise. Cetinje, 19. November.(Meldung des Wiener k. k. Telegr.» Korresp.-Bureaus.) Das Ministerium hat demissiontert; der Fürst hat daS Demissionsgesuch angenommen. Attentat und Selbstmord. Grodno, 19. November.rigen Geschichte deS Buchdruckerverbandes so von oben herunter gehandelt worden, wie hier. Deshalb müssei» wir in dieser Hinsicht de» Essener Protest aufrecht halten. Die Aufnahme des Passus, daß auch andere Or- ganisationcii an dem Tarifabkommcn partizipieren können, ist eine Mache der Zentrumsdruckereibesitzer, geschaffen, um die christliche Buchdruckcrorganisation zur Geltung zu verhelfen. Auf der rheinssch-westfälischen Prinzipalöversaminlung ist das ziemlich unverblümt ausgesprochen worden. Wir müssen alle Hebel in Bewegung setzen, den OrganifationSvertrag außer Kvaft- zu setzen, oder, wenn das nicht möglich, dem Zentralvorsland ver» bieten, nochmals einen derartigen Bertrag abzuschließen. Was den Juristen anbetrifft, so müssen wir diese Einrichtung äußerst pessimistisch ansehen. Schon die Tatsache, daß der Jurist, Rechts- anwalt Löwcnstein, ein ausgesprochener Freund des Herrn Büxen- stein ist. gibt uns dazu Veranlassung. Sluch die Haftpflicht gibt zu vielen Bedeuten Anlaß. Stürmische Entrüstung entstand, als der Redner sagte: ES sind noch mündliche Vereinbarungen getroffen, von denen wir nichts rrsahrrnü! Auf eine Anfrage des bekannten Scharfmachers!1i eis n, an n-Grone(„Rheinisch-Westfälische Zeitung") hat Büxenstein erklärt, ein Prinzipal kann aus der Prinzipals-Oirganifation austreten, ohne Tarifbruch zu begehen. Die Diskussion war äußerst lebhaft. Klotz- Bochum pro- testierte gegen die ungualifizierbaren Angriffe gegen die opponic- reuben Kollegen durch den Zentralvorstand und„Korrespondent", i Er wandte sich scharf dagegen, daß man eisiem so alten, verdientetk Veteranen wie Schoreck von Berlin aus vorwerfe: Sch. sei in seiner Geistesverfassung um 50 Prozent gesunken. Ferner machte er poli- tische Bedenken gegen den Vertrag geltend und plädierte für aber- malige Ablehnung des Tarifcs samt Vertrag. Auf den gleichen Standpunkt stellten sich Ketzler. Steinberg und Meyer» Bochum. Schließlich wurde mit großer Mehrheit eine Resolution angenommen, die den materiellen Teil des TarifcS annimmt, den ideellen aber entschieden ablehnt und die sofortige Ein» beruftliig einer außerordentlichen Generalversammlung fordert. Das Kreisamt des die Provinzen Schlesien, Posen, Ost- und Westpreußcn umfassenden Kreises IXs der Deutschen Buchdrucker» Tarifgemeinschaft befaßte sich in einer am Sonntag in Breslau abgehaltenen Sitzung mit der Festsetzung von Lokalzuschlägen auf den neuen Buchdruckertarif. Es wurde beschlossen, die Zuschläge für Posen auf 8%, für Bromberg auf 8(4, für Kattowitz auf 7(4 Prozent zu erhöhen und für Zoppot, Tilsit und Brieg einen Lokalzuschlag von 5, für Glogau und Graudenz einen solchen von 2(4 Prozent neu einzuführen. Die Bergarbeiterbewegung. Am Sonntag tagte in L u g a u die Landeskonferenz der sächsischen Bergarbeiter, soweit dieselben dem deutschen Berg- arbeiterverbande angehören. Es wurde eine Resolution an- genommen, nach der die Versammlung sich mit den von den ver- einigten Organisationsvorständen am 9. November 1906 in Essen gefaßten Beschlüssen einverstanden erklärt. In der Resolution heißt es weiter: Die Konferenz beschließt, an den gestellten Forderungen fest- zuhalten, überläßt aber die Entscheidung der am 21. November stattfindenden Konferenz der größeren Reviere. Im übrigen verspricht sie, in allen Fragen der Lohnbewegung ihr weiteres Verhalten nur nach den anderen größeren Revieren einzurichten. Die Konferenz spricht ihre schärfste Entrüstung über die ab- lehnende Haltung der Werkbesitzer gegenüber den Forderungen der Bergarbeiter sowie über die Nichtanerkennung der Berg- arbeiterverbände aus. Die Konferenz steht auf dem Stand- punkte, daß es den Grubenbesitzern bei einigermaßen gutem Willen wohl möglich gewesen wäre, sich mit den Vertretern der Arbeiter in Verbindung zu setzen und den notwendigen Frieden herbeizuführen. Eine zweite Resolution wendet sich scharf gegen den eben ver- öffentlichten Entwurf des Gesetzes über die Rechtsfähigkeit der Berufsvcreine. Sie lautet wie folgt: „Die heutige Landeskonferenz der Bergarbeiter Sachsens protestiert entschieden gegen die der Arbeiterschaft hohnsprechen- den Bestimmungen des Gesetzentwurfes über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine. Die Konferenz verurteilt einmütig, daß die Regierung versucht, Bestimmungen in das Gesetz hineinzu- bringen, die dem Spitzel- und Denunziantentum Tür und Tor öffnet, andererseits aber auch das bißchen Koalitionsrecht der Arbeiter, insbesondere aber der Bergarbeiter, zugrunde richtet. Die Anwesenden ersuchen deshalb die Vorstände der Bergarbeiter- verbände Deutschlands, sofort Schritte einzuleiten, daß ein solches gegen die Arbeiterklasse, insbesondere aber gegen die Bergarbeiter gerichtetes Ausnahmegesetz niemals Annahme findet."_ Die Tabakarbeiter der Karlsruher Firma Hauß erhielten nach Verhandlungen, welche der Gauleiter Heising- Straßburg führte, eine Verbesserung ihrer Akkord- und Stundenlöhne vom 17. November an. Die Firma anerkannte die Berechtigung der Forderungen._ Letzte JVacbncbten und Depefeben» Eine passende Dekoration. Berlin, 19. November. W. T. B. gibt eine lange Liste der anläßlich deS Däncnbesuchs mit einem Orden Dekorierten bekannt. Die ganze Liste wollen wir unseren Lesern ersparen. Interessant ist jedoch die Verleihung des dänischen Elefantenordens an den Reichskanzler Fürsten Bülow. Nach seinem Ausspruch muß ein Diplomat mit einer Rhinozeroshaut gepanzert sein. Da Däne. mark nur einen Orden aus der Klaffe der Dickhäuter zu vergeben hat, so muß Bülow sich schon damit bescheiden. Nr. 27t. 23. Jahrgang. 1. ökilM ilrs Jnniiitts"{ttliiict WliÄR Mellstag. 20. NsüMbttUM Reichstag 121. Sitzung, Montag, den 19. Nodemver, nachmittags 3 Uhr. Am Tisch des Bundesrats: Graf v. Posadowsky, v. Stengel. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die beiden Interpellationen über die gegenwärtige Fleischte, icrung. Graf v. PosadowSky: Der Herr Reichskanzler ist bereit, beide Interpellationen zu beantworten. Er hofft, daß die Beantwortung beiver Interpellationen im Laufe der nächsten vierzehn Tage wird erfolgen können.— Auf der Tagesordnung steht ferner die Interpellation Speck betr. die Verwendung der als.Futtergerste" verzollten Gerste als „Malzgerste". Reichsschatzsekretär v. Stengel: Der Reichskanzler ist bereit, die Interpellation zu beantworten. Der Inhalt der Interpellation hat indessen Veranlassung gegeben zu einigen weiteren Erönerungen zwischen den beteiligten Ressorts und zu einigen weiteren Erhebungen. Diese Erörterungen und Erhebungen sind gegenwärtig noch nicht zum Abschluß gediehen. Sobald dies der Fall ist, wird der Herr Reichskanzler die Ehre haben, dem Herrn Präsidenten Mitteilung zu machen, an welchem Tage er bereit ist, die Interpellation zu beantworten. Es folgt die erste Beratung eines Gesetzentwurfes, wonach die Höchstlontingente der Alkoholmengen für neu entstehende oder sich vergrößernde Brennereien beschränkt werden, und zwar für land- wirtschaftliche Brennereien von 89 999 Liter auf 59 999 Liter. Abg. v. Brockhausen(k.): Meine Freunde werden für das Gesetz stimmen, weil dadurch eine Unstimmigkeit des Branntweinsteuer gesetzes beseitigt wird, durch welche die neuen Brennereien vor den bestehenden bevorzugt wurden. Eine Kommissionsberatung halten wir für überflüssig./2 Millionen Mark jährlich fließen durch diese Prämie aus der Reichskasse an die Branntweinbrenner zurück. Wer zahlt die Brennsteuer? Der Brenner legt sie doch nur aus; gezahlt wird sie von demjenigen, der den Trinkbranntwein braucht. Auch hierin liegt wieder eine Belastung der Acrmsten der Armen; denn die großen Massen des durch schlechte Löhne verblendeten Volkes sind es. die den Trinkbranntlvein genießen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ist denn der Verbrauch der Kartoffeln für die Spiritusproduktion ein so be- deutsamer, daß von der Kartoffelbrennerei das Gedeihen der Land- Wirtschaft abhängt? Im Jahre 1994. als eine Mißernte in Kartoffeln war, sind 39 Millionen Tonnen Kartoffeln produziert worden. Davon sind für die Spiritusbrennerei verbraucht worden L'/z Millionen Tonnen, nur 8 Prozent. Und da will man dem Volle einreden. daß von dem Gedeihen der Spiritusproduktion, von ihrer Aufrechterhaltung durch Liebesgaben die ganze Landwirt- fchaft abhängig sei. Dazu kommt weiter: Ist es denn wahr, daß die Verwendung der Kartoffel für Spirituszwecke heute nock so rationell ist, wie man in manchen landwirtschaftlichen Kreisen denkt? Ach nein, es ist nur das interessierte Kapital, das die Brenner zwingt, noch weiter Kartoffeln zu brennen. In Wirklichkeit wäre es viel rationeller, die Kartoffeln durch die gegenwärtig sehr vervvll- kommneten Trockenapparate zu trocknen.'Wenn man auf diesem Gebiete Preise ausgesetzt hätte— wie z. B. siir Pferderennen—, dann würden wir sicher bereits so vollkommene Trocknungsapparate erhalten haben, daß die so getrockneten Kartoffeln als, wenn auch minderwertiges, Nahrungsmittel verwandt werden könnten. Wir werden gegen die Vorlage stimmen, weil wir gegen jede Kontingentierung sind. Es könnte als ein Widerspruch erscheinen, daß wir durch unsere Ablehnung der Vorlage dafür eintreten, daß für die neuen Brennereien sogar noch ein höheres Kontingent, alS es die Vorlage will, gilt. Dieser Widerspruch löst sich aber dahin auf, daß wir die Kräfte, die in dieser schlechten Spirituösteuergesetz- gebung liegen, entfesseln wollen. Sie, die erklären, daß das Brannt- weingesetz mit seinem hohen Kontingent notwendig sei, um die Landwirtschaft zu erhalten, Sie sagen hier: ,�Lsati possiäsutos!" („Glücklich die Besitzenden I") Wir wollen mcht, daß die neuen Brenner auch von diesem Nutzen Vorteil haben. Das mögen die Herren Agrarier unter sich ausmachen. Wir haben nur bei dieser Gelegenheit darauf hinzuweisen, daß dieses Gesetz wieder beweist, wie richtig unsere Vorwürfe und Anklagen gegen das Branntwein- stuiergesetz gewesen find. Auch die Spirituszentrale hat sich vergeblich bemüht, den Verbrauch von denaturiertem Spiritus zu heben. Wenn man Spiritus zu technischen Zwecken produzieren will, kann man ihn eben nicht aus Kartoffeln produzieren, weil die Kartoffel dazu zu teuer ist; billigen technischen Spiritus kann nian nur aus Melasse ge- Winnen. Um den Inlandspreis für Spiritus zu halten, ist die Spirituszentrale soweit gegangen, Spiritus nach dem Auslande zu Spottpreisen zu exportieren. Es kam soweit, daß die Kölner Hau äs CoIoAns-Fabrik ihren Absatz nach Indien verlor, weil auf einmal von England aus die Ware billiger geliefert wurde. Eine ganze Anzahl inländischer Industrien, vor allem die Zelluloidindustrie, leidet darunter, daß der denawrierte Spiritus zu teuer ist. Ver- bietet doch die Spirituszentrale, die wieder noch ein Kontingent im Kontingent bildet, ihren Mitgliedern, soviel Spiritus zu brennen, lvie gesetzlich erlaubt ist, damit ein möglichst hoher Preis erzielt wird. Das alles geschieht auf Kosten der Branntweintrinker, auf Kosten der Industrie. Wenn es nicht anders geht, wird die Industrie zum Benzin ihre Zuflucht nehmen müssen, das vom Auslande bezogen werden muß. Das kümmert alles die Herren, die sonst vom Schutz der nationalen Arbeit reden, nichts; sie stehen auf dem Standpunkte:„Nach uns die Sintflut! wenn s i e nur ihren Vorteil haben.(Sehr wahr I b. d. Soziald.' Wir dagegen wünschen dringend, daß die Spiritusgesetzgebnng von Grund aus geändert, nicht aber daß irgend ein kleiner Flicken auf- gesetzt wird, etwa bei der Maischbottichsteuer. Wir wollen auch die Steuern retten, aber nicht für die Herren Branntweinbrenner, sondern indem wir sie in die Taschen des Volkes zurückbringen. .(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Aber die Majorität, welche die Branntweinbestcuerung und den Zollwncher bewilligt hat, stimmt alles nieder, was von unserer Seite zugunsten der Bevölkerung beantragt wird. Soweit wir Einfluß haben, werden wir dafür sorgen, daß dieses Gesetz nicht zustande kommt, daß bielmehr eine Abänderung der gesamten Spiritus- gesetzgebung in Angriff genommen wird. Weiter wollen wir dafür Jorgen, daß die ungeheueren Summen, welche die Branntweinsteuer- gesetzgebung gegenwärtig einbringt, nicht für militärische Zwecke aus- gegeben werden, sondern im allgemeinen Kulturinteresse. Positive Maßnahmen zugunsten der Bevölkerung, eine gesunde Arbeiterschutzgeietz- gebung, das ist der beste Kampf gegen den Alkoholismus.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Daß man dieses Gesetz ein- zubringen� sich erlaubt, zeigt offenkundig, daß Ihre Moral ab- gewirtschastet hat. Man muß es als unmoralisch bezeichnen, daß Gesetze zugunsten einer Gruppe von Interessenten gemacht werden Daß man aber jetzt, wo die Haltlosigkeit des gegenioärtigen Zu- standes offenkundig wird, auch wieder nur mit diesem Gesetz einen Flicken aussetzen will, zeigt deutlich, daß von der Regierung nichts zu erwarten ist.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Host»(Rp.): Das Gesetz soll nicht die gesamte Landwirt- schaft retten— eine solche Uebertreibung hat niemand behauptet— es soll lediglich einer Lücke in der Spiritusgesetzgebung abhelfen. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.): Wir werden dem Autrag auf Kommissionsberatung zustimmen, weil wir dort bessere Gründe für das Gesetz hören wollen. Abg. Dr. Wicmcr(frs. Vp.): Auch wir sind für Kommissions- beratung, weil wir eine gründliche Erörterung der ganzen Materie wünschen. So harmlos wie die Begründung es hinstellt, scheint uns das Gesetz nicht. Eine Reform der ganzen Kontingentierung ist dringend notwendig. Abg. Speck(Z.) tritt für schleunige Erledigung des Gesetzes ein. Abg. v. Brockhausen(k.) will sich in nähere Ausführungen über die Maierie mit Rücksicht auf die zu erwartende Kommissionsberatung incht einlassen. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Speck, die Vor läge einer Kommission von 21 Mitgliedern zu überweisen, wird an- genommen. Der nächste Gegenstand der Tagesorduung, das Vogelschutz gesetz, wird aus Antrag des Abg. W o lff- M ett e r nich(Z.) einer Kommission von 14 Mitgliedern überwiesen. ES folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs betr. Abänderung der Gewerbeordnung(kleiner Befähigungsnachweis) in Ver bindung mit den Komnüssionsberichten über die Petitionen betr. den Befähigungsnachweis für das Handwerk und die Einführung obliga torischer Fortbildungsschulen für weibliche Gehlllfen:c. Die Vorlage, die von der Kommission angenommen ist, ver- leiht der Landeszentralbehörde das Recht, einem Bauunternehmer oder Bauleiter den Betrieb des Baugewerbes oder seiner einzelnen Zweige wegen Unzuverlässigkeit zu untersagen. Außerdem hat die Kommission folgende Resolutionen an- genommen: Die Regierung um tunlichst baldige Vorlegung eines Gesetz entwurfs aus Aenderung der Gewerbeordnung zu ersuchen, worin vorgeschrieben wird, daß für die Baukonttolle besondere Beamte in genügender Zahl angestellt und gewählte Vertreter der Arbeiter bei der Kontrolle zugezogen werden.— Ferner werden Verordnungen zuin Schutze der Bauarbeiter auf Grund des§ 129s der Gewerbe ordnung gewünscht und weiter ein Gesetz verlangt, das den ge werblichen' Lehrlingen, jugendlichen Arbeitern und Arbeitsbui scheu den Besuch einer Fortbildungsschule zur gesetzlichen Pflicht macht. Schließlich ersucht die Kommission um schleunige Vorlage eines Gesetzentwurfs, welcher das Recht zur Anleitung von Lehrlingen nur solchen Handwerkern gewährt, die zur Führung deS Meistertitels berechtigt sind. Abg. Triniborn(C.) beantragt, den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß sich die verbündeten Regierungen über eine möglichst gleichmäßige Durchführung eines obligatorischen gewerfr lichen Fortbildungsunterrichts verständigen. Ferner beantragen Bömclburg und Gen.(Soz.), den ersten Artikel des Gesetzes in folgender Weise zu fassen: „Der Bettieb des Gewerbes als Bauunternehmer und Bauleiter sowie der Betrieb einzelner Zweige des Baugewerbes ist zu unter sagen, wenn Tatsachen vorliegen, welche gröbliche, auS Mangel an technischer Befähigung oder aus Leichtsinn resp. Gewissenlosigkeit resultierende Verstöße gegen die allgemein anerkannten Regeln der Baukunst oder gegen die gesetzlichen, polizeilichen oder berufs- genossenschaftlichen Unfallverhütungsvorschriften oder Arbeiterschutz- bestimmungen oder betrügerische Geschäftöprakttken bei der Bau- ausführung dartun." Ferner der Gewerbeordnung folgende Paragraphen beizufügen: „Die Bauunternehmer und Bauherren sind solidarisch ver- pflichtet, die Materialien, Gerüste, Schutzvorrichtungen, Maschinen und Gerätschaften in solcher Güte anzuliefern, so einzurichten und zu unterhalten und den Betrieb so zu regeln, daß die Arbeiter gegen Gefahren ftir Leben und Gesundheit geschützt find. Wenn im Winterhalbjahre im Innern der �Bauten Arbeiter (Putzer, Stukkateure, Ofensetzer. Maler usw.) beschäftigt werden, so ind die Tür- und Fensteröffnungen derjenigen Räume, in denen ge- arbeitet wird, wind- und wetterdicht zu verschließen. Die Anwendung der offenen Koksfeuer(Kokskörbe) zur Aus- trocknung und Erivärmung auch einzelner Räume ist verboten, ebenso offene Holzkohlenfeuerung bei Klempner- und Mechaniker- arbeiten im Innern der Bauten. Säuren, Laugen, gifthalttge Farben und explosionsfähige Stoffe iind in sicheren Gesäßen und gesonderten Räunien unter Verschluß zu halten und nur von den in Absatz 5 dieses Paragraphen ge- nannten verantwortlichen Personen herauszugeben, und zwar in Mengen, die sofort benutzt werden sollen. Die Bauleitung hat Fürsorge zu treffen, daß täglich vor Arbeitsbeginn die Laufbrücken, Leitern, Leitergänge. Gerüste, Maschinen und sonstige Gerätschaften sowie Schutzvorrichtungen aller Art auf ihre Standfestigkeit und Sicherheit geprüft werden, daß die Benutzung mangelhaft befundener Gerüste. Geräte und sonstiger Betriebsmittel unterbleibt. Diese Fürsorge hat sich auch auf Unterkunstsräume, Bedürfnisanstalten und sonstige dem sanitären Schutze der Arbeiter dienende Einrichtungen zu erstrecken. Insbesondere ist für genügendes gesundes und frisches Trink- Wasser Sorge zu tragen. Die Prüfung und Sicherung der Gerüste usw. besorgt, sofern der Bauunternehmer sie nicht selbst aus- führt, der Polier oder, falls er nicht vorhanden ist, die von der Bau- leitung besonders beauftragte Person, die mit dem Gerüstbau und der Durchführung der Sicherheitsvorschriften völlig vertraut sein muß. Diese Personen sind den jeweilig beschäftigten Arbeitern und der Baupolizei bekannt zu geben. Normalvorschriften sind zu erlassen: für Sicherheitsvorrichtungen bei Abbruchsarbeiten, Ausschachtung der Baugruben, Hoch- und Tief- bauten, Herstellung der Gerüste und Transportwege und für den Auf- oder Ausbau jeglicher Bauten unter Berücksichttgung ihrer Eigen- arten und des zu verwendenden Materials. Zur Festsetzung dieser Vorschriften ist in dem Bezirk jeder höheren Verwaltungsbehörde eine Kommission zu wählen, zu der Vertreter der Unternehmer und Arbeiter des Baugewerbes zu gleichen Teilen hinzuzuziehen sind und die auf Grund der Normalvorschriften Unfallverhütungsvorschriften für ihren Bezirk zu erlassen und jährlich mindesters einmal nachzuprüfen hat. Die Aufsicht über die Ausführung der Bauten und die Durch« führung der Vorschriften untersteht besonderen Vaupolizeibehörden, die von den Landesregierungen in der Regel für jede Gemeinde mit mehr als 19 999 Einwohnern eingerichtet werden. Diese Behörde besteht aus Baukoutrolleuren und technischen Beamten. Die Zahl der Vaulonttolleure ist so zu bemessen, daß jeder Bau mindestens einmal wöchentlich kontrolliert werden kann. Die Baukontrolleure werden von den baugewerblichen Arbeitern nach dem Wahlverfahren der Gewerbegerichte gewählt. Die Geschäftsführung der Baupolizei- behörden unterliegl der Oberaufsicht des Reiches. Ihre amtlichen Jahresberichte sind dem Bundesrat und dem Reichstage vorzulegen." Abg. Trimborn(Z.): Detaillierte Vorschläge zur Einführung des allgemeinen Be- fähigungsuachweises sind in der Kommission nicht zutage getreten. Das lag wohl daran, daß die verbündeten Regierungen aus das be- stimmteste erklärt haben, daß sie sich auf einen solchen allgemeinen Befähigungsuachiveis im Baugewerbe unter keinen Umständen einlassen würden. Ferner spielte dabei wohl auch die Erwägung mit, daß das Handwerk sich nicht in allen seinen Teilen über diese Frage einig ist. Im Sinne des Kölner Beschlusses hat viel- mehr ein allgemeiner Vorstoß nach dem kleinen Befähigungsnachweis hin in den Kreisen des Handwerks stattgefnuden, der auch in der »rommission seinen Widerhall fand. Gras Posadowsky stellte eine Erklärung zu der Frage des kleine» Befähigungsnachweises in Aus- ficht.— Was die Vorlage selbst anlangt, so ist zuzugeben, daß sie in weiterem Umfang eine Sicherheit für solides Bauen schafft, als es durch den Befähigungsnachweis möglich gewesen. Freilich wird ihr der Vorwurf gemacht, daß sie der polizeilichen Willkür zu großen Spielraum läßt. Aber dieser Nachteil muß in Kauf genommen werden, wenn nian die Gefahr einengen will, die daraus entspringt, daß ungeeignete Personen als Bauunternehmer und Bauleiter auftreten. Der sozialdemokratische Antrag will jetzt schon bestimmte Schutzvorrichtungen in die Gewerbeordnung ein- führen j doch geschieht das ivohl besser bei Gelegenheit des von der Kommission gewünschten Gesetzentwurfs über Schutzmaßregeln für die Bauarbeiter. Meine Freunde stellen sich einstimmig auf den Boden des Gesetzentwurfes.(Bravo! im Zentrum.) Graf v. Posadowsky: Ich möchte heute schon die Erflärung ab- geben, daß dem Bundesrat in den allernächsten Tagen eine Gesetzes- Vorlage zugehen wird, inhalts deren das Recht zur Au-�- bildung von Lehrlingen an die Erwerbung des Meistertitels ge- bunden wird. ES ist in dieser Vorlage auch Titel„Baumeister" oder„Baugewerksmeister sprechender gesetzlicher Schutz beigelegt wird. Hieraus tritt Vertagung ein. Nächste Sitzung: Dienstag 1 Uhr. Tagesordnung: Fortsetzung der heutigen Bcrakmg. Zweite Beratung des Gesetzentwurfs betreffend das Urhevenecht an Photographieen. Schluß 6'/« Uhr. vorgesehen, in Zukunft daß dem ein ent« Der letzte Generalsekretär der Jnter- nationalen. Am Montag, den 29. Oktober, ist Genosse F. A. Sorge, der letzte Generalsekretär der Internationalen Arbeiterassoziation, in New Jork zur letzten Ruhe bestattet worden. Eine größere Zahl von Genossen und Freunden des Verschiedenen, so berichtet die „New Dorker Volkszeitung", hatte sich zusammengefunden, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Besonders stark waren die Reste der Mitglieder der früheren Sektionen der Internationalen Arbeiter- assoziation vertreten, in denen Sorge seinerzeit seine agitatorische Tätigkeit entwickelt hat und die dem Verstorbenen meistens per- sönlich nahegestanden sind. Im Namen der sozialistischen Partei Amerikas hielt Genosse Morris Hillquit eine meisterhafte Ansprache an die Trauerversammlung, in der er den Verstorbenen als einen Pionier der sozialistischen Bewegung in diesem Lande feierte und hervorhob, wieviel leichter von uns Nachfolgern dieser Pioniere die Agitation betrieben werden könne, nachdem die Bewegung große Massen der Arbeiterschaft ergriffen habe. Auf Hillquit folgte Ge- nosse Hermann Schlüter mit einer Rede, in der er den Kampf- charakter des Verstorbenen hervorhob und besonders auch seine Tätig- keit in derSklabenfrage betonte, bei der derVerstorbene ein unermüd- licher Befürworter des schärfsten Vorgehens gegen die Sklavenhalter gewesen ist. Zusammen mit anderen radikalen Deutschen, wie Karl Heinzen u. a., bekämpfte Sorge damals das zahme Vorgehen der republikanischen Partei, die nur mit halbem Herzen gegen die Schmach der Sklaverei vorging und erst zu energischem Vorgehen gedrängt werden mußte. Nach Schlüter nahm noch ein Freund des Verstorbenen aus New Jersey das Wort, der auf die pädagogische Tätigkeit Sorges einging und die guten Charaktereigenschaften des Verstorbenen hervorhob. Dann wurde der Sarg geschlossen, in den Leichenwagen gehoben und zum Krematorium nach Fresh Pond gebracht, wo die Feuerbestattung borgenommen wurde. ** * Die„N e w Dorker Volkszeitung", die das treue Wirken des Entschlafenen aus jahrzehntelangem gemeinsamen Er- leben am besten zu würdigen vermag, hat ihm folgenden ehrenden Nachruf gewidmet: „Der Axthieb deS Todes hat eine knorrige Eiche gefällt. Ein Mann ist dahingegangen, der bor wenig Wochen noch durch seine Frische und Kraft, durch seine Geistesklarhcit und durch seine lebhafte Teilnahme an allem, was mit dem Befreiungskampfe der Arbeiterklasse zusammenhing, die Freude seiner Freunde war. Mit Friedrich Adolf Sorge ist einer der letzten Ver- treter der ersten Generation der internationalen Arbeiterbewegung gestorben. Sie werden licht, die Reihen jener Männer, die der Sturm des Jahres 1843 an Amerikas Strand geschleudert hat; lichter aber noch wird die Schar jener Treuen, die auch im Alter sich ihr jugendliches Herz gewahrt haben, die auch in der Neuen Welt eine neue Welt erstrebten, die diesseits des Wassers vollenden helfen, was sie drüben über dem Ozean in jungen Jahren be, Bannen. Mit F. A. Sorge ist einer ihrer letzten Vertreter, tvenn nicht der letzte von uns gegangen. In dem Leben, das jetzt abgeschlossen bor uns liegt, hat der Kampf der Arbeiterklasse eine Rolle gespielt, wie in wenigen Leben nur. Bis zu den Tagen, in denen der Körper den Befehlen de! Geistes nicht mehr gehorchen wollte, in denen der Geist selbst schon müde ward— bis zu den letzten Tagen dieses langen Lebens also, hat der Verstorbene jede Regung der Arbeiterbewegung mit klarem Auge verfolgt, jede Phase derselben kritisch betrachtet, hat er dem internationalen Befreiungskämpfe des Proletariats seine vollste Aufmerksamkeit gewidmet. Der Kampf der Arbeiterklasse— das war sein Element! das war es, was seinem Leben Inhalt gab. Ihm War das Wort, daß die Befreiung der Arbeiterklasse das Werk der Arbeiter selbst sein muß, in Fleisch und Blut übergegangen, und nichts konnte mehr seinen Zorn erregen, als wenn irgend jemand aus bürgerlicher Hand Gaben für das Proletariat erwartete. Wie haßte er die bürgerlichen Reformer, die sich der Arbeitev bewegung zu bemächtigen suchen, um ihre eigenen kleinen Zwecke zu fördern! Wie zornig konnte Sorge werden, wenn jemand auch nur Nebensächliches für die Arbeiter vom freisinnigen Bürgertum erwartete! Es war etwas Starres in diesem knorrigen Charakter, ein gewisser Zug, der nichts Halbes zuließ, und Sorge ist denn auch nie ein Vertreter der Halben gewesen. Die volle Liebe dieses Mannes gehörte dem kämpfenden Proletariat. Dessen Kampf zu fördern, galt all sein Streben. Die Zusammengehörigkeit der Arbeiter aller Nationen war ihm selbst verständlich, und lange Jahre war seine Tätigkeit dem einen Ziele zugewandt, in der amerikanischen Arbeiterklasse den Ideen der Internationale Boden zu geben. Wie oft sind die Vertreter und Wortführer der amerikanischen Arbeiter zu ihm, dem Deutschen, nach Hoboken hinübergewandert, um in Fragen der Arbeiter bewegung Rat und Hülfe bei ihm zu suchen! Und nicht nur die Arbeiter Amerikas, nein, auch die Wortführer der Arbeiter Europas, des internationalen Proletariats haben sich oftmals an Sorge gewandt, um seinen Rat einzuholen, wenn es sich um einen wichtigen Schritt im Kampfe der Arbeit handelte.— Und Marx und Engels gaben etwas auf den Rat ihres Freundes.— Und nun ist auch dieser jenen beiden inS Reich der Schatten gefolgt, und F. A. Sorge ist von uns geschieden! Er wird von dem kämpfenden Proletariat beider Welten nicht vergessen werden." In einem Gedenkartikel entwirft unser New Aorker Parten blatt ein Bild von dem reichen Leben des verdienten Kämpfers. .Mehr als fünf Jahrzehnte lebte Sorge in Hoboken und dessen nächster Umgebung, bis er sich am Ersten dieses Monats(des Oktobers) zur Uebersiedelung nach New Uork. in das Haus eines Freundes, entschloß. Schon kränklich, als er den Wohnungswechsel vornahm, wurde er bald darauf dauernd ans Bett gefesselt, bis er gestern ruhig und friedlich entschlummert ist. Friedrich Adolf Sorge wurde am 9. November 1827 in Tschone- Witz bei Wittenberg in Preußisch-Sachsen als Sohn eines kindcr» reichen Pfarrers geboren. Sein Vater war trotz seines Berufes ein freisinniger Mann, der harte Kämpfe mit der orthodoxen Geistlichkeit durchzuführen hatte und der seinen Kindern eine vorzügliche Erziehung gab. Früh- zeitig schon wurden die Kinder in das politische Leben eingeführt. Pfarrer Sorge war revolutionären Geistes, und in den vierziger Jahren war sein HauS längere Zeit eine Station der.unter- irdischen Eisenbahn", die von Frankreich und Belgien durch Deutsch- land nach Polen führte, wie man den geheimen Weg bezeichnete, auf dem man die revolutionären Agenten Polens von Station zu Station beförderte, um sie nicht den Behörden in die Hände fallen zu lassen. In dieser Umgebung und unter diesem Einfluß wuchs unser F. A. Sorge auf, der, nachdem er der Schule des Vaters entwachsen war. im Frankeschen Stift in Halle seine weitere Ausbildung erhielt. War es bei der Umgebung, in der Sorge aufwuchs, ein Wunder, daß der junge Mann, als der revolutionäre Sturm des JahreS 1848 losbrach, voll Interesse und voller Eifer sich in die freiheitliche Bewegung warf, in der auch fein Bater als Redner und Agitator eine Rolle spielte? Pommersche Truppen besetzten die Provinz Sachsen, und der junge Sorge beschloß, nachdem er sich einen Militärurlaub erwirkt hatte, in die Schweiz zu gehen, um die Entwickclung der Bewegung abzuwarten und helfend einzugreifen, wo Hülfe sich nötig machen möchte. Im Frühling 1849 reiste Sorge ab. Kaum hatte er den Fuß auf schweizerischen Boden gesetzt, als die Nachricht eintraf, daß der Großherzog von Baden geflohen sei, daß das Militär sich empört habe und daß die revolutionäre B-! wegung dort in hohen Flammen emporschlage. Sofort eilte Sorge, zusammen mit August Willich, der im Sezessionskriege zum General ernannt wurde, nach Karlsruhe. Hier schloß er sich dem Karlsruher Freikorps an und beteiligte sich mit diesem an ver. schiedenen Gefechten gegen die Preußen, sowohl in der Pfalz, als auch auf badischem Boden, bis die revolutionäre Armee über die Schweizer Grenze ging und entwaffnet wurde. Mit anderen seiner Kameraden vom Revolutionsheere wurde Sorge in Freiburg interniert. Bon dort wandte er sich nach Genf, wo er im September 1849 anlangte. In Genf herrschte damals ein regeS Flüchtlingsleben, an dem Sorge nun jugendfröhlich teilnahm. Cr suchte seine Existenz durch Musikunterricht zu fristen, aber es ging ihm dabei recht kümmerlich, und recht oft darbte und hungerte er. wie viele seiner Kameraden. Hier war eS, wo Sorge zuerst mit der Arbeiterbewegung in Be« rührung kam. An der Spitze des Genfer.Deutschen Arbeiter- bildungsvereinS" stand damals Wilhelm Liebknecht als Präsident. Diesem Verein schloß sich auch Sorge an und beteiligte sich lebhaft an den Sitzungen und Debatten des Vereins.' Hier in Genf war es auch, wo Sorge zuerst Einsicht in den proletarischen Kampf der Arbeiterklasse erhielt und wo er zuerst mit kommunistischen Ideen in Berührung kam. Unter den in Genf lebenden Flüchtlingen befand sich ein gewisser Jmandt au» den Rheinlanden, der in Genf eifrige Propaganda für den KommuniS- muS machte, dessen Ideen er sich aus den Schriften von Marx und aus der„Neuen Rheinischen Zeitung" angeeignet hatte. Dieser Jmandt vermittelte Sorge die ersten kommunistischen Anschauungen und brachte ihm die ersten Begriffe über die theoretischen Grund- lagen der Arbeiterbewegung bei. In Genf trat Sorge mit einer ganzen Reihe von Männern in Verbindung, die damals schon einen bekannten Namen hatten, oder die sich später einen solchen erwarben. Er verkehrte mit Albert Galttr, dem Gründer deS Schweizer GrütlibereinS, dann mit dem Kommunisten Moses Heß, mit Liebknecht, Dronke, I. Ph. Becker, ferner mit Fritz Kamm und Fritz Jacoby. die beide in der New Aorker Arbeiterbewegung in den fünfziger Jahren eine Rolle spielten, und mit vielen anderen. Auch mit den leichtlebig-lustigen Leuten von der„Schwefelbande" hatte Sorge Verkehr und be- teiligte sich des öfteren au deren Streichen, die sich gegen Spießer» fm, Regierung, Pplizei Wd alle Welt richteten. Sorge lebte in Genf bis zum 1. August 1851, nachdem die dortige Polizei ihm wie vielen anderen Flüchtlingen es nahegelegt hatte, daß es besser für ihn sei, wenn er Genf und die Schweiz verlasse. Ueber Frankreich ging Sorge nun nach Belgien, nach Lüttich. wo ein Bruder von ihm lebte. Dort nahm er Arbeit in einer Schreinerwerkstelle, dann erhielt er einen Posten in einer Privat- schule als Lehrer der deutschen Sprache. Doch nicht für lange. Im März 1852 wurde er per Zwangspaß aus Belgien ausgewiesen. nachdem er die ganze Zeit über unter Polizeiaufsicht gestanden hatte. Da Sorge von dem Kriegsgericht in Torgau wegen seiner Beteiligung am badischen Feldzuge zum Tode verurteilt worden war, konnte er nicht nach Deutschland zurückkehren. Ex wandte sich deshalb nach London, wo er Karl Marx aufsuchte, den er dort zum erstenmal sah. Friedrich Engels war er schon früher flüchtig begegnet. Bald zeigte sich, baß in Englands Hauptstadt nicht auf eine bürgerliche Existenz für den Flüchtling zu rechnen war. Er beschloß nun, nach Australien zu gehen. Der englischen Sprache unkundig und an einem Choleraanfall leidend, schiffte er sich an Bord eines Schiffes ein, das ihn dann aber nicht nach Australien, sondern nach— New Vor! brachte, in dessen Hafen er am 21. Juni 1852 landete. In New Vork hatte Sorge dieselben Erfahrungen zu machen, die Hunderttausende von eben Eingewanderten vor und nach ihm auch schon durchgemacht haben. Entbehrung und Not ärgster Art waren zu Beginn seines Aufenthaltes in diesem Lande oftmals seine Begleiter. In den verschiedensten Gewerben war Sorge tätig, um seinen Lebensunterhalt zu erwerben. Er war Schneider, Peddler, Goldwarenarbeiter, er war Musiker und Hauslehrer und WirtLgehülfe. Seine erste regelmäßige Arbeit erhielt er im De zember 1852 in der Bundeshalle des Weitlingschen ArbeiterbundeS in Beekman Street, wo er auch später noch oft als Klavierspieler zu finden war. Nach und nach glückte auch unserem Sorge die Schaffung einer bürgerlichen Existenz Ein tüchtiger Musiker, der er war, gelang eS ihm, sich als Lehrer der Musik einen geachteten Namen nicht nur, andern auch eine erträgliche Existenz zu gründen. Hunderte seiner Schüler leben noch in New Vork, Hoboken und Umgegend, die ihre musikalische Ausbildung der Tüchtigkeit Sarges als Musiklehrer verdanken. Mehr als ein Jahrzehnt wirkte Sorge auch als Lehrer der Musik an der Hobokener Akademie, zu deren Gründern er ge- hörte, wie er denn überhaupt in Hoboken eine rege öffentliche Tätigkeit entfaltete, nachdem er Mitte der fünfziger Jahre dahin übergesiedelt war. Im August 1854 verheiratete sich Sorge mit der Frau, die heute als Witwe an seinem Sarge weint. In mehr als fünfzigjähriger Ehe waren Sorge und sein treues Weib Käthchen vereint. Der Ehe entsprossen drei Kinder, zwei Söhne und eine komitee, zwei von der Zentralkommission der sozialdemokratisches Gewerkschaften Russisch-Polens, einer von der militär-revolutionären Organisation, vier vom Parteivorstand der Sozialdemokratie Russisch-Polens und Litauens und zwei vom Zentralkomitee deZ Allgemeinen jüdischen Arbeiterbundes. Die Debatte über die Frage:„Wählen oder nicht wählen?" bildete den wichtigsten Punkt der Verhandlungen, obwohl natürlich erst der Beschluß der allgemeinen Parteikonferenz für uns maßgebend sein wird, Wie bekannt, waren wir früher aktive Bohkottisten. Später geriet ein Teil der Genossen ins Schwanken. Sie bekehrten sich zu der Ansicht, daß der erste Wahlboykott ein taktischer Fehler war, daß die Taktik der Sozialdemokratie Polens die Situation im ganzen Reiche im Auge halten müsse und daß vom Standpunkte der Revolution aus fürs ganze Reich am richtigsten sei der Anschluß der revolutionären Baucrn-Arieregarde an die Arbeiter-Avantgarde. Eine zweite Gruppe von Genossen betrachtete den ersten Boykott nicht als einen Fehler, erklärte aber, daß die jetzige politische Situation unsere Teilnahme an den Wahlen erfordere. Früher boykottierten wir die Wahlen, jetzt will uns die Regierung ver» hindern, an ihnen teilzunehmen! Wir müssen in die Duma gehen, um von der Höbe ihrer Tribüne herab das Volk zum bewaffneten Aufstand für die Reichskonstituante aufzurufen. Wenn wir nicht wählen, so bleiben wir außerhalb jeder politischen Aktion. Die dritte Gruppe von Genossen will den Boykott weiter durch» führen. Ihr Hauptargument für den Boykott ist das folgende: Die Duma kommt zustande, weil in den Massen der russischen Bauern» Demokratie noch konstitutionelle Illusionen leben. Wir können aber unsere Taktik nicht nach den zurückgebliebenen Bevölkerungs- teilen richten. Wir haben keine Illusionen. Sagen wir es den Massen, und bleiben wir außerhalb der Duma. Im Moment, wo der Zusammenstoß der Regierung mit den Bauern erfolgt, werden sie sich an unsere'Mahnworte erinnern. Die Zahl der Bohkottisten auf der Parteikonferenz war gleich der Zahl der Anhänger der Teilnahme an den Wahlen. Es wurde kein Beschluß über die Wahlen gefaßt, da die Entscheidung ja sowieso in den Händen der allgemeinen Parteikonferenz liegt. Da sich jedoch alle Delegierten bewußt waren, daß die allgemeine Parteikonferenz höchst wahrscheinlich die Teilnahme an den Wahlen beschließen wird, so wurde eine Resolution gefaßt über die praktischen Schritte, die wir noch vor der Konferenz tun müssen, damit wir die spätere Teilnahme an den Wahlen ermöglichen. Von großer Wichtigkeit war noch die Frage der Vereinigung mit dem Allgemeinen jüdischen Arbeiterbund auf dem Territorium von Russisch-Polen. Wegen der taktischen Differenzen zwischen den beiden Organisationen kam keine Grundlage für die Ver- einigung zustande.— Es wurde dann die Frage der Vereinigung unserer Gewerkschaften mit denen des„Bund" erörtert. Der Bund gründet gleich uns sozialdemokratische GeWerk- jchaften, er ist wie wir Gegner des Nationalitätenprinzips in der Gewerkschaftsorganisation. Aus allen diesen Gründen ist die Ver- einigung unserer Gewerkschaften mit denen des Bundes möglich. -m"»«*( klärt sich die Versammlung einverstanden und erkennt an, daß im Fall.'«nies Masse..«r»«,.»'.»« Trans», t- und VerleyrS» arbeiterverband eine bedeutende Rolle zu spielen berufen ist. Ferner wird von den Kollegen, welche im Verband Aemter be« tleiden, die Zugehörigkeit zur potitiicycn Orga»njation vertaugt. Berrin Freier Kindergartei:. Donnerstag, den 22. November- findet abends 8� Uhr im.Volkshause", Rosinenstr. 3, eine Volks« Versammlung statt, welche der Agitation für eine bessere Er- ziehung des jungen Arbeiterkindes dienen soll. Schriftsteller Simon Katzen st ein wird einen Vortrag über das Thema„Kinder- garten und Proletariat" halten, dem eine freie Diskussion folgen wird. Zahlreicher Besuch von Männern und Frauen wird er- wartet. Freie DelkSdühne Charlottenburg. In den beiden Vorstellungen am 24. November und 1. Dezember im Schiller-Theater dk. wird anstatt„Der Kaiserjägcr' wegen Erkrankung von Mitwirkenden der Schwank von Kraatz und Neal„Der Hochtourist" gespielt. Die Mitgliederbeitröge müssen spätestens am 23. d. geklebt fein.— Das Winterfest des Vereins findet am Sonntag. 2. Dezember, nachmittags 6 Uhr, im großen Saale des Volkshauses, Rosinenstr. 3, statt. Das Programm ist für Familienbesuch eingerichtet. Von den humoristisch-künstlerischen Darbietungen seien erwähnt: Licht- bildervorträge aus Werken von Wilhelm Busch, Kinematograph, Austreten eines I l l u s s i 0 n i st en. humoristische Rezitation. Von il1lO Uhr an geselliges Beisammensein und Tanz. Karten a 80 Pfennige, Kinderkarten a 10 Pfennige sind, solange Vorrat reicht, in den Zahlstellen, bei den Bezirksführern usw. erhältlich. Bei der Güte des Gebotenen und dem mäßigen Eintrittspreis wird reger Zuspruch erwartet. Der Ueberschuß fließt in den Dispositionsfonds des Volkshauses. Gegen die Errichtung einer Zwangsimnmg der Charlottenburger Schneidermeister erklärte sich eine öffentliche Versammlung für das Schneidergewerbe. Der Referent Heidmann legte in längeren Aus- führungen die Nutzlosigkeit einer Zwangsinnung für das Handwerl dar. Da auch die Heimarbeiter zu den Beiwagen herangezogen werden können, so sei eS Pflicht eines jeden, gegen die Gründung Front zu machen. In ver Diskussion traten der Obermeister der Freien Innung, Herr AlthauS und Herr Libora für die Errichtung einer Zwangsinnung ein, während alle übrigen Redner sich scharf dagegen aussprachen. In seinem Schlußwort forderte der Resirent unter anderem die Anwesenden auf. sich laut Bekanntmachung bis zum 22. November beim Charlottenburger Magistrat, Zimmer 136, mündlich oder schriftlich gegen die Errichtung einer Zwangsimung zu erklären. Zum Schluß wurde eine Resolution einstimmig an- genommen, in welcher die Versammlung sich im Prinzip gegen die Errichtung einer Zwangsinnung erklärt. Nixdors. Im Bette verbrannt. Einen schrecklichen Tod fand in der gestrigen Nacht der 36jährige Tischlergeselle Joseph Brosmann cus der Edmundsw. 12. B. war, wie er dies ichon öfter getan Hake. mit der brennenden Pfeife ins Bett gegangen und sollte seimn Leichtsinn mit dem Tode büßen. Er schlief während des RaucheiS ein und beim Schlafen fielen aus der Pfeife Funken heraus im) setzten das Bett in Brand. Kurz darauf beobachteten Nachbarn, das aus dem Zimmer des B. starker Rauch herausdrang. Als man d« Tür gewaltsam öffnete, stand das Bett bereits in hellen Flammen loa leblos auf seinem Loger. Das Feuer wurde sofort gelöscht und em Arzt herbeigeholt, aber es war bereits zu spät. B. hat« in den Flammen den Tod gefunden. Wilmersdorf. Bei einem UngliickSfakl zog sich in der gestrigen Nacht de: 30jährige Zimmermann Max Roth aus der WilmerSdorferswaße lebensgefährliche Verletzungen zu. R. war durch die Berlinefftraß- gegangen und auf dein durch den Regen schlüpfrig gewoidenea Bürgersteig so unglücklich gegen die Bordschwelle geschlagen, taß er sich einen schweren Schädelbruch zuzog. In äußerst bedenklichem Zustande wurde der Aermste in das Krankenhaus Westend gekracht. Lichtenberg. Die KrankcnhauSbmifrage geht nun unter dem Einfluß der Stadtwerdungsfrage endlich vom Fleck. Der Minister deS Innern hat die Verleihung der städtischen Verfassung unter anderem davon ib- bängig gemacht, daß vorher die Gemeinde eine geregelte Krankm- fürsorge treffe und die Erbauung eines dem Orte entsprechendm Krankenhauses in die Wege zu leiten habe. Der Gemeindevorstard hat nun mit der Baukommission und unter Hinzuziehung der Kommunalärzte beschlossen, von der Gemeindeverwctung die Mittel zu fordern, um einen engeren Wettbewerb zur Erlangung vor geeigneten Entwürfen ausschreiben zu dürfen.— Auf dem etwa 9'/, Morgen großen Atzpodien-Gut an der Frankfurter Chaussec sollen Gebäude errichtet werden, die im Maximum 300 Betten bergen können. Gedacht sind neben den Wirtschaftsgebäuden zweistöckige Pavillons. Mt dieser Anlage, die zunächst für 120 Betten erbau: werden soll, dürste allerdings die Gemeinde, die heute schon mehr als 61 000 Einwohner zählt und sich mit einer außerordentlichen Schnellig- keit entwickelt, nicht lange dem Bedürfnis genügen. Bedauerlicher« weise steht die bürgerliche Majorität auf dem Standpunkte des ,auS der Hand in den Mund lebenS". Wie unsere Nachfolger in etwa 10 bis höchstens 15 Jahren dem dann zweifellos an die Gemeinde» Verwaltung Herantretenden Bedürfnis aus Erweiterung der Ein- richtung genügen sollen, diese Frage auch nur zu ventilieren, lehnen die Herren ab. Nach uns— die Sintflut! Tie diesjährigen Ersatzwahlen zur Generalversammlung der Ortslrnnkcnkasse haben eine fast einmütige Vereinigung der Stimnen aus die Liste der freien Gewerkschaften ergeben. Auch die Artest- geberliste, von derselben Kommission aufgestellt, ist glatt durch- gegangen. Weisjensee. Zu einer für den in letzter Zeit berühmt gewordenen Kranken- kassendrzenunten und Gewerbegerichtsvorsitzenden Dr. Pape wenig ruhmvollen Auseinandersetzung kam eS in der letzten Gemeinde» Vertretersitzung. Auf der Tagesordnung stand die Wahl deS Bor« sitzenden zum Gewerbegericht. Hierbei versäumte unser Genosse Schmitz nicht, eine Art Generalabrechnung mit Dr. Pape abzihalten. Nur seme bürgerlichen Freunde, allen voran der Tischlermeifer Herr Springer, suhlten sich berufen ihn in Schutz zu nehmen. Genosse Schmitz widerlegte indes an der Hand der Vorkommnisse in letzter Zeit die bürgerlichen Schützlinge. Ihn unterstützte der bürger» liche Rechtsanwalt Appelrath, dem viele Friktionen be- kannt waren; er verttat den Standpunkt, daß dem Wille» der Arbeiterschaft Rechnung gettagen werden müsse, da sie der Wirt- schaftlich schwache Teil sei. und deshalb eine unparteiische Locht» sprechung zu verlangen habe. Er brachte seine AnSführungM in Verbindung mit dem von Dr. Pape willkürlich geführten Zweite gegen den Krankenkassenvorstand, den nur einige Gernegroße von Arbeitgebern� billigen, der aber von dem größten Teile der Ein- wohnerschast'verurteilt wird. Die Mehrzahl der folgenden Redner war denn auch der Meinung, daß man dem zum 1. Aprl 190? aiyostellendm zweiten Schöffen den Vorfitz Lkertragen sove und bis dahin würde der Stellvertreter fungieren können. «uf eine Anfrage«n Dr. Pape. ob er nach dem Ge- hörte» nicht lieber freiwillig verzichten wolle. erklärte er, daß er fich darüber zu entscheiden habe, wenn er gewählt sei- Damit gab er kund, dah die Hoffnung bei ihm noch nicht geschwunden ist, wiedergewählt zu werden. Der Stellvertreter. Kaufmann Könitz, gab leider keine bestimmte Erklärung ab, so daß die ganze An- gelegenhett zur nochmaligen Prüfung an den bestehenden Wahl- auSschuß verwiesen wurde. Es ist nunmehr Sache des Gewerkschafts, kartells, hierzu Stellung zu nehmen, ebenso haben die Gewerbe- gerichtsbeifitzer Protest gegen eine Wiederwahl zu erheben. Sta»e»h«ge»(Ostbahn). Gegen de» Fleischwucher protestierte am Sonntag eine gut besuchte Volksversammlung in Fredersdorf. Räch dem Referat des Genossen Spiekermann wurde die Resolution einstimmig an- genommen. Spandan. An» der Skadtvemdnetenwsinmnlung. Durch den Umstand. bast die Vevfammlung drei für die Oeffentlichkeit von erheblichem Interesse seiende Vorlagen wieder in geheimer Sitzung behandelte, wurde die Tagesordnung in Küme erledigt. In der Regel sind eS Grundstücksankäufe, die nach Meinung der ärgerlichen Stadt- verordneten die öffentliche Diskussion nicht recht vertragen können. Insbesondere handelte es sich um den Ankauf des Rcckewaldschen Grundstücks an der Charlottenburger Chaussee und des Krügerschen Grundstücks am Tiefwerderlweg; auhetdem wurde auch über die Borlage betreffs Uebernahme des Ausbaues der Döberitzer Heer- stratze zwischen Havel und Stadtgrenze durch die Stadt Spandau in geheimer Sitzung verhandelt. Von den übrigen öffentlich ver- bandelten Vorlage» entspann sich nur über die Magistratsvorlage, betreffend die Bewilligung von IS 000 Mk. aus dem Reservefonds der Gasanstalt zur Einführung der Fernzündung für das ganze Beleuchtungsgpbiet Spandaus, eine längere Dsbattc. Von den SSO Gaslaternen, die in der Stadtgemeinde Spandau im Betriebe find, sind bisher Nur 00 mit Fernzündern versehen. Die Kosten für IL Wärwr und einen Ovcrwarter zur Bedienung derselben betragen jährlich 14 178 Mit., wovon 1793 Mk. von der Elektrizitäts- anstalt erstattet werden. Nach den angestellten Berechnungen 'glaubt man bei vollständiger Einführung der Fernzündung nicht nur eine erhebliche Ersparnis an Löhnen, sondern auch an Gas zu erwarten, so daß die Anlagekosten in S Jahren amortisiert fem dürften. Obwohl die Versammlung im allgemeinen die gute Be- Währung der Fernzündung anerkannte, konnte sie sich doch nicht dazu entschließen, dieselbe für das ganze Beleuchtungsgebiet an- zuichaffen. Ein Antrag des Stadwerordneten Rupke, die Neu- stadt mit Fernzündern zur Probe zu versehen,»aurde von der Ver- sammlung angenommen. Resultatlos verlief eine längere Debatte bei der An frag«, wie der Mogistrat die 1000 Mk., welche zur Her- ftellung eines Radfahrweges an der Schönwalder Chaussee bewilligt feien, zu verwenden gedenkt. Nicht wenig erstaunt zeigten sich einiae Stadtväter, als vom MogistratStifch erklärt wurde, daß die 1000 Mk. bereits verwendet worden feien, indem da« Fußgänger- bankett nun für den Fahrradverkehr bestimmt und für Fußgänger ein neuer Weg im Walde angelegt worden sei. Verschiedentlich konnte man sich mit der Regelung nicht einverstanden erklären; die Angelegenheit soll deshalb noch einmal beraten werden. Zu erwähnen»st noch, daß der Firma Siemens u. Halske für die Regulierung und Pflasterung de» NonnendammS von der West. grenze der Jungfernheide bis zum Rohrdamm ein Zuschuß von LOOÖO Mk. bewilligt wurde. Ferner bewilligte die Versammlung die Mittel zur Anstellung eines Landmessers und Landmesser- geHülsen aus ein Jahr. Mit den veranschlagten Kosten von 12 000 Mark für die Zurücksehung der Gebäude und Zäune in die Bau- fluchtlinie zur Regulierung der Charlottenburger Chaussee, erklärte sich die Versammlung einverstanden. Schon wieder ist dem Magistrat eine Kaufofferte von Forstland gemacht worden. Es handelt sich diesmal um ISOO Morgen des Spandauer Waldbestandes, welche die Heimstättengesellschast zur Errichtung einer Villenkolonie erwerben will. Al» Kaufpreis werden 7'/z Millionen Mark geboten, das macht für den Morgen SOOO M. Das evangelische Johannisstist hat bekanntlich für den Morgen 6044 M. gezahlt. Bei ISOO Morgen würde daS«in Kaufpreis von 9 966 000 M., also zirka 2>/, Millionen Mark mehr sein. Wenden fich unsere Genossen dagegen, daß die Stadt überhaupt ihre Gelände veräußert, so müßten sie sich um so mehr dagegen ver« wahren, wenn einem Konsortium das Forstland zu niedrigerem Preise verkaust würde, wie eS bereits an das Johannisstift geschehen ist. Nach den letzten Erfahrungen dürften die bürgerlichen Stadt- väter nur allzu große Geneigtheit zeigen, dem Angebot ihre Zu- stimmung zu geben. Sie glauben dadurch eine Herabsetzung der Steuerzuschläge zu erreichen; bei näherem Zusehen tragen indes die Grundbesitzer und Grundstückspelulanten den Hauptnutzen. Die Arbeiter haben ein wesentliches Interesse daran, daß der Stadt die Waldungen erhalten bleiben. Vermischtes. Vom Brondeiiburgischcn Siechenheim„Eilanghof" bei Reppen. und dem dortigen zuständigen Polizeivorstand werden uns recht sonderbare Geschäftsmaximen berichtet. Di« in diesem Siechenhaus Untergebrachten haben infolge der für sich abgeschlossenen Lage des HeimS nur selten Gelegenheit, mit anderen als in dem Heim be- findlichen Personen in Berühr» mg zu kommen und eS ist deshalb nicht ohne weiteres festzustellen, unter welchen Verhältnissen die Insassen diese? HeimS leben müssen. Kürzlich hat ein dort Unter- gebrachter, nachdem er sich recht unwillig über die Anstalt ge. äußert hat, den Tod in der Eilang, einem kleinen Flüßchcn, dem Leben in der Anstalt vorgezogen. ES handelt sich um den Siechen August Schulz. Dieser Mann benutzte einen ihm am 21. Oktober gewährten kurzen Urlaub zu einem Besuch bei einem ihm befreun- beten, etwas entfernt von der Anstalt wohnenden Kriegskameraden. Von diesem Besuch ist er nicht wieder nach dem Heim zurückgekehrt. Am 22. Oktober wurde Schulz in der Eilang gefunden, er hatte sich schon am 21. Oktober nach dem Fortgang von seinem Freunde das Leben genommen. Am 23. Oktober wurde die Leiche an der Fund- stelle vom Kreisarzt untersucht, in den Sarg gelegt und von da aus sofort beerdigt. Die in Berlin wohnenden Angehörigen, Söhne und Töchter des alten Schulz, erhielten die erste Nachricht durch ein vom 25. Oktober auS Friedrichswille bei Reppen datiertes. an den Sohn gerichtetes Schreiben des Amtsvorstehers, in welchem die Mitteilung gemacht wird, daß der Pflegling Schulz am 21. Ok- tober verstorben und am 23. Oktober auf dem Anstaltskirchhof zu Friedrichswille beerdigt worden sef. Auf diese befremdliche Nach- richt von dem Tode des Vaters nach erfolgter Beerdigung, wandte sich der Sohn an die Anstalt um Auskunft. Darauf ging ihm ein vom 28. Oktober datiertes Schreiben zu, in welchem von der am 21, Oktober berichteten Entweichung die Rede ist und gesagt wird, daß der Amtsvorstand von Tornow der Anstalt am 24. Oktober die Nachricht von dem Funde der Leiche des Schulz und der bereits erfolgten polizeilichen Beerdigung gemacht habe. Die Anstalt wälzt nun die Verantwortung für die Benachrichtigung von sich ab und der Polizei zu. Sie erklärt, daß nach der Entweichung des Sch. aus der Anstalt und nachdem die angestellten Nachforschungen resultatlos gewesen seien, sie mit der Angelegenheit nichts mehr zu tun gehabt habe. Auch habe sie die Adressen der Kinder des Verstorbenen der Polizei sämtlich mitgeteilt. Dann ist es nur auffallend, daß ein Gries der Anstalt an den Sohn des Verstorbenen, der von der Entweichung berichtete, als unbestellbar zurückgekommen ist. während der Brief des Tornower Amtsvorstandes richtig ankam. So ganz ohne Schuld scheint die Anstalt bei der Affäre nicht zu sein, wenn auch nach ihrer Darstellung der Polizei die Hauptschuld zu treffen scheint. Wie kommt die Polizei dazu, die Beerdigung an- zuordnen, ohne den Angehörigen vorher Mitteilung von dem Tode des Vaters und dem Zeitpunkte der Beerdigung zu machen. In diesem Falle wäre eS den Angehörigen möglich geivesen. der Be- erdignng beiwohnen zu können. Glaubt die Polizei, deswegen sich keine Umstände machen zu brauchen, weil es nur ein Siecher war und die Angehörigen„nur Arbeiter" sind? DaS hier gekennzeichnete Verfahren, oerdient, aufs schärfste gerügt zu werden. ES wäre dringend notwendig, daß die dem Amtsvorsteher vorgesetzte Behörde sich mit der Maßnahme des- selben etwas eingehender befaßte und feststellt«, ob solche Sachen öfter vorkommen._ Eine Bombenexplosien erfolgte, wie aus Rom gemeldet wird, am vorgestrigen Nachmittag in dem Mittelschiff der Peterskirch« in der Nähe des Altars der Navicella. die keinen Schaden, wohl aber eine Panik unter den Per- sonen hervorrief, die der Messe beiwohnten. Auch Kardinal Ram- polla wohnte dem Gottesdienste bei. Ein Polizeikommissar eilte mit Mannschaften herbei und fand eine mit Eisendraht umhüllte Blechbüchse, die Pulver enthielt; auf dem Boden der Büchse fand man Nägel von verschiedener Größe. Die Büchse war auf dem Gerüst untergebracht, welche» zum Zwecke der Ausbesserungen der I Decke der Kirche aufgestellt ist. Der Staatsanwalt und der Ouästor begaben sich an den Tatort. Weitere Meldungen besagen: Der Messe, die in der PeterS. kirche zelebriert wurde, als die Explosion erfolgte, wohnten ziemlich viel Menschen, besonders Fremde, Soldaten und Frauen, bei. Die Explosion erfolgte zwischen dem Altar der Navicella und dem Grab- mal Klemens XIII. Die Blechbüchse, welche den Sprengstoff ent- hielt, scheint eine Konservenbüchse gewesen zu sein; sie trägt die Firma einer Konservenfabrik in Oberitalien. Die in der Büchse gefundenen Nägel sind denen ähnlich, die sich in der jüngst am Ein- gange de? Cafe Aragno explodierten Bombe befanden. Die Ex- plosion war stark und wurde im ganzen Borgoviertel gehört. In der Nähe der Stelle, wo die Explosion erfolgte, hatte sich ein Kirchen- Wächter befunden, der bei seiner Vernehmung aussagte, er habe nicht gesehen, daß jemand etwas hingelegt habe oder geflohen fei. Auch alle übrigen Kirchenwächter sowie alle zuerst herbeigeeilten Personen wurden verhört, niemand aber war in der Lage, irgend- welche Auskunft zu geben. Der Papst wurde unverzüglich von dem Kardinal Merry del Val von dem Geschehnis in Kenntnis gesetzt. Die Regierung hat eine Prämie von 1000 Lire für die Ent- dcckung des Täters, der im PeterSdom die Bombe geworfen, auS- gesetzt. Der Papst hat neue Jnstruttionen zum Schutze der vatikani- schcn Museen erlassen. Eine zweite Bombe platzte vorgestern in einem Tunnel in der Nähe de» königlichen Palastes. Auch hier wurde kein großer Schaden angerichtet. Ein stümperhafter Nachahmer. Wie der Stuttgarter Polizei- berickit meldet, hat gestern abend ein Unbekannter in MajorSuniform den Posten von der Sckloßwache ausgefordert, die Wache herauSzu- rufen. Als die Wache heraustrat, ergriff er die Flucht und konnte von« den nachgesandten Patrouillen nicht eingeholt werden. Unwetter in Hessen. Im ganzen nördlichen Teil der Provinz Hessen-Nassau und den angrenzenden Gebieten tobten gestern abend orkanartige Stürme mit Gewittern und starken Regengüssen; nacht» trat vereinzelt Schneefall ein. Ein Sturm in Amerika. Während eines Sturmes, der Sonn- abeud Teile von Alamba, Mississippi und Tennessee heimgesucht hat, sind acht Personen ums Leben gekommen und eine große Anzahl verletzt worden; viel Eigentum und die Saaten haben schweren Schaden gelitten, viele Häuser sind vom Erdboden verschwunden oder teilweis« zerstört. Einiae Teile d«S Lands sind Überschwemmt und die Eisenbahn- und Telegraphenverbindungen vielfach gestört. E» ist wohl möglich, daß die Zahl der Todesfälle sich später noch als größer herausstellen wird. Ueber die Ursache der Katastrophe des UAterseebooieS„L u t i n" wird aus Paris gemeldet: Der Untersuchungsausschuß, welcher sich mit der Katastrophe dcS untergegangenen Unterseebootes„Lutin" beschäftigte, stellte fest, daß die wahrscheinliche Ursache der Kata- strophe ein zu schnelles Aufsteigen vom Meeresboden gewesen ist. DaS Boot müsse mit dem Hinterteil gegen einen Felsen gestoßen sein, wodurch sich die Kontergewichte verschoben und das Aufsteigen verhinderten. ClnAeg-mgene DruchrchHftcn. von der„Reuen Zeit-(Stuttgart, Paul Singer) ist soeden das 6. Heft des 25. Jahrganges erschienen. Es hat folgenden Inhalt: BtldungSsragen.— Der Ursprung der Moral. Von K. KautSky.— Der jozialistlsche Kongreß in LimogeS. Von Ch. Rappoport(Paris).— DaS .HiilsStassengesetz und die Selbstverwaltung der Krankenkassen. Von Otto Braun.— stluktuation und Sperre im Ruhrkohlenbecken. Von Max Hirsch. — Literarische Rundschau: Brunhuber, Die WcrtzuwachSsteuer. Von P. II. Dr. Andrs de Mhday, l.« Droit ckes k'smmes au Travail. Von Therese Schlesingcr-Eckstein.— Notizen: Nheiiiisch-Westsälische Maschinenbau- und KleweileninduslrieberusSgenossenschaft. Von v Die.Neue steit' erscheint wöchentlich eiinnal und ist durch alle Buch. Handlungen, Pustanstaltcn und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abomiiert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Probcnummern stehen jederzeit zur Verfügimg, „Süddeutscher Postisson« Nr. 24 liegt uns vor mit einem gleißenden Gelfterbilde:„Ein großer Karikaturcnzeichner", wie er die drei Reich»- kanzler in ihren Grundzugen festnagelt. H. P. erfreut mit einem Vollbildet „Das Beichtkind", eine heitere Studie aus dem Loben. Das Schlußbild .Der Sachverständige" ist eine« der besten Vorwürfe aus der Köpenicker- Tragikomödie. Im Leitgedicht besingt der„Postillon" den Umsturz in «essen.— Außerdem bringt dt« Nummer eine Menge zum Teil illuftrietter losjen, Schnitzel und Witze. Briefkasten der Redaktion. Di« inristischc Sprechstunde findet Friedlichst r. 1«, Aufgan« 4. «lae Treppe(Handelsstätte Bellcalliance, Durchgang auch Lindenftr. 101), wochentäglich von?>/- bis»'/- Uhr abend» statt. Geöffnet? Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 0 Uhr. Jeder Anfrage ist»in Buchstabe und eine Kahl als Sterkzeichen beiznsiigen. Briefliche'Antwort wird nicht erteilt. Eilig« Fragen trage man tu der Sprechstunde vor. W. Zi. 87. Radtie, Franselistr. 45.— N. M. Svv. 1. 2,50 Mark. 2. Ihre Geburtsurkunde, Sterbeurkunde der ersten Frau, Auseinander« setzungsschein vom Amtsgericht.— M. M. 88. Ja.— H. 000. Beide» läßt sich vereinigen.— Sch. SÜSS. DaS ist von Fall zu Fall vom Richter zu entscheiden. Einen bestimmten Satz kennt da» Gesetz nicht.— E. F. 5. Wir können nur davon dringend abraten.— I. Sch. 100. Sie müssen vom Wirt Abhülfe verlangen.— Wilmersdorf 10. Um Lottettelisien kümmern wir uns nicht. Wenden Sie sich an den Verkäufer oder an die auf dem Los benannte Stelle.— H. itt). Sie müßten des vormittags zum Sitzungstag bei Portal 5 sich wegen Eintritts bemühen. A. P. 70. Soweit ersichtlich, ist Ihr Schwager steuerpflichtig.— B. B. M. 30. Das ist ohne einen notariellen �chcnkunasverwag un- möglich.— I.)i00. Berlin, Reichstag, genügt.— A. St. 183. 1. Nein, es sei denn eine Bautischlerei. 2. Versicherung gegen Unfall.— A. K. 86. 1. In süns Jahren; wenn Sie den Schreiber nicht leimen, so unterlassen Sie weitere Schritte. L. Sie können mit der Mitteilung warten.— 118. M. H. Nein.— I. K. Solche Kasse ist un» nicht bekannt.— O. P. Schriftliche Vollmacht genügt zur Vertretung. Die Klage des Lieferanten»st für ihn aussichtsvoll. Ihre Beschwerde ist uns nicht ver- ständtich.— F. M. 1000. Die Rückkehr tan» nicht gerichtlich erzwungen werden. Wird innerhalb eines Jahres nach Verurteilung zur Herstellung des ehelichen Lebens dies nicht wiederhergestellt, so liegt ein Grund zur Ehescheidung vor.— M.<0. M. Uns nicht bekannt.— Mühle»6. Stadtverordneter Ewald, Berlin, Schönletnstraße.— A. B. 100. 1. Ihnen und Ihren Kindern steht je die Hälfte des am Todestage Ihrer Frau vor- banden gewesenen Vermögens zu, daS durch Zusammenwerfen deS Nach- lasses und Ihres Vermögens entsteht. 2. Es erbt»ach dem Bürgerlichen Gesetzbuch die Schwiegermutter ein Viertel, deren Kinder drei Viertel des Nachlasses. An Stelle der verstorbenen Tochter treten deren Kinder, nicht der Mann. Die Schwiegermutter kann auch Erbschast nach märkischem Recht wählen. Dann tritt die unter 1 angegebene Teilung ew. Sie können gerichtliche Regulierung beantragen.— M. W., ötixdorf. Nein. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der stäbllschen Marktballen-Direktion.(Großhandel.) Nindfleiich In 68—73 pr. 100 Pfd., IIa 62—67, lila 56—61, IVa 50—53. Kalbfleisch, Doppelländer 105—115, la 88—95, Da 76—86, ITIa 62—74, Holl. 54—60. Hammelfleisch la 72—80, IIa 66—69. Schweinefleisch 58-66. Rehwild la per Psd. 0,50,-0,65. tta 0,30—0,48. Rotwild la 0,40-0,48, do. IIa 0,35, bo. Kälber 0,35 Bis 0,58. Damwild 0,40-0,51, bo. Kälber 000-0,00.' Wildschweine 0,30-0,45. Frischlinge 0,50—0,70. Hasen per Stück 3,00—3,30, do. klein und IIa 1,25—2,90. Kaninchen pr. Stück 0.60-0.83. Wildenten pr. Stück 1.30-1.60. Krickenten 0,00. Rebhühner, junge la 0,90—1,09, junge IIa 0,00—0,00, alte 0,60—0,75, junge kleine 0,00, Hühner, alle per Stück 1,50—2.45, alte IIa 1,20—1,45, junge per Stück 0,80—1,20. Tauben per Stück 0,30—0,76, ital. 0,75. Enten, jung« per Stück 1,10—2,25, Hamburger, junge per Stück 3,10. Gänse, Oderbrucher, per Psd. 0,45—0,58, do. la per Stück 3,00—3,75, IIa 0,00—0,00. Hechte per 100 Psd. 65, groß 00—00. Zander malt 0,00. Schleie mittel 0,00, große 0,00, kleine 0,00. Bleie, kleine 0,00. Aalt, groß 0,00, mittel 0,00, klein 0,00, uns. 0,00, Plötzen 40—54. Karpfen, 25et 0,00, do. 40-50er 68, do. 30-40cr 68-71, do. 60er 66—71. Bars« 65—66. Karauschen 0,00—0,00. Bleifische 0,00. Wels 0,00. Bunte Fische 31—37. Amerika». Lach» la neuer per 100 Psd. 110-130, do. IIa neuer 90-100, do. III» neuer 75. Seelachs 20-25. Sprotten, Kieler, Wall 0.75-1,30, Danziger, Wall 0,60—0,80. Flundern, Pommers che la, per Schock 3—6, do. pommersche lla 2—4, Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel ver Kiste 2—3, Hamb. Stiege 4—5, halbe Kiste 1,50—2. Bücklinge, per Wall Kieler 3,50—5,00, Stralsund« 4,00—5,00. Aale, groß per Psd. 1,10—1,30, mittelgroß 0,80—1,00, klein 0,50— 0,60. Heringe per schock 4—5. Schellfische Kiste 5—6, do. '/, Kiste 3—4. Kabliau, p. 100 Psd. 20—25. Heilbutt 0,00. Sardellen. 1302er per Anker 95, 1904er 95, 1905er 93, 1906er 73. Schottische Vollhertng« 1905 0,00, iarAs 40-44, knll. 36—38, med. 85—42, deutsche 87—44. Heringe, neue Matje». per'/, To. 60-120. Sardinen, russ,, Faß 1,30— 1,60. Bratheringe, Büchse(1 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schocksaß 11, kleine 5—6, Riesen» 14. Hummern, kleine, per Psd. 0,00. Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 0,00, kleine 0,00, uns ort. 0,00. Galizler, groß 0,00, mittel 0,00. Eier. Land-, per Schock 4,00—4,60. Butler per lOO Psd. la 123—125, IIa 115-123. Itta 110-114, abfallende 95-105. Same Gurken Schock 3,50— 4,00, Pfeffergurken 3,60—4,00. Kartoffeln per 100 Pfd. 0,00, rnagnurn bonuin 1,90—2,10, Daberfche 1,90—2,10, Rofen 0,00, weiße 1,60—2,00, Salatkarloffeln 4,00—5,00. Spinat per 100 Psund 5,00—8,00. Karotten per Schockbund 2,50—3,00. Sellerie, hiesige, per Schock 8.00— 1,00, do. pommersche 4,00—5,00. Zwiebeln große, per lOOPfb. 3,00- 3,50. do. kleine 2,00—2,50. do. hiesige(Perl-) 0,00. Charlotten 60—60. Peterstile, grün, Schockbund 1,25. Kohlrabi per Schock 0,50—0,80. Reilig, bahr., per Schock 2,40— 4,80. Radieschen per Schock-Bd. 0,60—0,80. Salat, per Schock 2,00— 2,50. do.„EScarole", per Mandel 0,75—1,50, do„Endivien" 1— 1,50. Mohrrüben per 100 Psd. 2-2,50. T-ltower Rüben per 100 Psd. 10-12. Weiße Rüben große 2—4, kleine 6—7. Blumenkohl per Mandel 2,50—3,00. do., Erfurter, Kopf 0,12-0,18. Wirsingkohl per Schock 3.00-6.00. Rotkohl p. Schock 3,00-8,00. Weißkohl 100 Pfd. 2,00—6,00. Rosenkohl p. 100 Pfd. 10—18. Grünkohl per 100 Pfd. 3—5. Steinpilze per 100 Psd. 0,00. Kohl. rüden, Schock 2—3. Kürbis 3—4,00. Birnen, per 100 Pfd. hiesige 7—20, böhmische 6—21. Aepsel, per 100 Psd., hiesige 3—20, Graoensteiner 8—20, Tiroler in Fässern 17-30, Kiste 32-80, Amerk. 17-30. Prctßel- beeren, schwedisch- 0,00, GebirgS- 34—35. Wallnüsse per 100 Pfd. 16—20, do.. rumänische 24—30, bo., franz. ComeS 34. Paranüsse 60—70. Hasel- uüsse lange 44—50, runde 31—35. Zitronen, Messina. 300 Stück 10,00-14,00, 860 Stück'8,00-16.00. 200 Stück 10-12, 420 Stück, klein 5—8, 500 Stück klein 5—8, «ttt-rnngküberstcht vom ig. November 190k, morgens» Uhr. Stell»nen Swwemde. Hamburg Berlin Frankl.a.M München Wien || B« 747 DSD 744 DSD 747 SSW 745 SM 744 SD 750 S Better s 2NebeI 4 bedeckt 2 wollig 3 Regen 4 bedeckt 4 wolkig S« L» H i 5 8 5 7 5 11 Etotloven Habaranda Petersburg Sdlly lilberdeen Pari» L S ~ I Ii j.§ 1 1 e? 76597910 753 WSW 746 WNW 735©91® 745 S flNUl 2 woran 1 BeBein 7 wolkig 2 bedeckt 2bedeckt »st eis. Wjj -11 1 8 2 3 Wetter-Prognose für Dteustag. den L0. November ISO«. Etwa» kühler, vorwiegend trübe mit Regensällen und mäßigen südöst« «chen Winden. Berliner Wetterb nrean. 23071.« Sofastolfe Rleconausveahl aller Oualltäten. SSolle-pocfaf nocaaetts. Caifteitflschen. [nster b näh. Angab© franlco. nil IÄm. Iii. (Ü Haben Sie Stoff? Ich fertige davon Anzug od., nach Mnsa, schick, dauerh. Zatatea, 20Mtrk an. Moritz Laband, Oranienburger Strasu'' F?\ Paletot I . Zutaten, I Laband, I ¥? oirtlSs�ipretten »ind in Geschmack und Qualität JmL unerreicht. d e I t. Das Stock 2 bis 10 Ptg. Ueberall käuIUch. Die bekannte Puppen-Fabrik... 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