Nr. 276. Abonnements- Bedingungen: # Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pig. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Belt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn ? Mart, für das übrige Ausland Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Humänien, Schweden und die Schweiz Erideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 50 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pig. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebrudte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Auguft Dreesbach+ 21 Dienstag, den 27. November 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. Kleintaufmanns ergreifen und seinen Anhängern Spezereien anderthalb Monaten in Rußland durch Urteilsspruch ebenso viel und Bigarren verkaufen. Aber im stillen arbeitete der Un- Menschen getötet worden find wie in den vergangenen anderthalb ermüdliche weiter bis zum Sturze des verfluchten Sozialisten- Jahrhunderten und daß während der ganzen 94jährigen gesetzes und seines geächteten Urhebers. Regierungszeit der vier letzten russischen Zaren, die ihre Untertanen In Mannheim entstand im Mai 1890 die Volts. gewiß nicht geschont haben, etwa ein Biertel der Todesurteile stimme", in deren Administration August Dreesbach bis zum feines Blutregiments auf sein weites Gewissen geladen hat. gefällt wurde, die Nikolaus II. allein in den legten zwei Monaten Tode die leitende Stelle einnahm. " trägt 220. * Sebastopol, 26. November. Heute ist hier das Urteil über die wegen der Militärrebolte angeklagten Personen verkündet worden. burch den Strang und 2 Soldaten zum Tode durch Erschießen verVon diesen wurden der Hülfsapotheker Kontorowitsch zum Tode urteilt. 3 Goldaten wurden zu lebenslänglicher Zwangsarbeit, der Berichterstatter Frenbeck zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und zur Deportation und mehrere andere zu Zwangsarbeit, Verfeßung in die Strafbataillone oder zu Gefängnis verurteilt. Bon 270 Angeklagten wurden 38 freigesprochen. Nur Bombenwerfer und Räuber!" Inmitten der sterbenden Natur, im herbstlichen Forste, Der unglückselige Streber und sozialistentolle Staats- Tiflis, 25. November. Heute begann hier die Verhandlung unweit des Langen Sees bei Eichwalde trat der Tod ihn anwalt Karl Geiler versuchte 1894 unseren August unter die gegen eine Anzahl Soldaten des im Dorfe Deschlagar stehenden an. Am Totensonntag in der dritten Nachmittagsstunde war's, Hochverräter zu versetzen und brachte ihn wiederum auf einige Sfamur- Infanterie- Regiments, von welchem sich 5 Kompagnien am da er mit leichter Hand ihn hinwegnahm, der im Walde Er- Tage in die Untersuchungshaft. Das Schwurgericht zu 30. Juli d. J. empört hatten. Die Zahl der Angeklagten beholung und Stärkung gesucht hatte. Entseelt sant August Mannheim sprach am 20. Ottober das Nichtschuldig aus; Dreesbach in die Arme seines Berliner Freundes, in dessen dem Staatsanwalt blieb nur der lindernde Trost, daß Haus der Reichstags- Abgeordnete für Mannheim feit langen eine Buße von 50 Mart wegen sogenannter Aufreizung" Jahren eine zweite Heimat, ein gaftlich Obdach gefunden aus dem pompös eingeleiteten tragikomischen Prozeß heraushatte. Wir beklagen den Verlust eines Braven der alten sprang. Garde, der mit seinen 62 Jahren allzufrüh für die Partei Bor zwei Jahren begingen die badischen Parteigenossen und für die Familie den Kampfplag verlassen mußte, landauf, landab in herzlicher, inniger Weise den Tag, da ihr auf dem er so mutig, so unverzagt und erfolg. bedeutsamſter Borkämpfer für die sozialdemokratische Kulturreich für das Volt, für das Proletariat, für für das Proletariat, für die arbeit sein sechzigstes Lebensjahr vollendet hatte. Wenn die Sozialdemokratie feine Klinge führte. Zuletzt ehrte ihn in vom jähen Verluste betroffene Familie des nunmehr erlösten außerordentlicher Weise die Partei durch Ernennung zum Stämpfers jener Stunden ehrenvoller Anerkennung gedenkt, Petersburg, 25. November.( W. T. B.) Eine halbamtliche Präsidenten des ruhmvollen deutschen Parteitages, den sie in begreift sie auch, warum so teilnahmsvoll und innig die Erklärung besagt, der Versuch einiger Gesellschaftsgruppen, die den Wirkungskreis August Dreesbachs, in sein geliebtes Mann- badische, die deutsche, die internationale Sozialdemokratie an Regierung, welche sich jetzt der Judenfrage zugewandt habe, zu unheim verlegt hatte. Von einem schweren Herzleiden genesen, der Bahre steht, auf der ein trefflicher, ein im Sturm und gunsten der Juden zu beeinflussen, werde die Regierung nicht abübernahm Dreesbach die mit ungeahnten Schwierigkeiten ver- Drang bewährter Sohn des Voltes und Vater der Arbeiter halten, die durch die Verhältnisse geforderten Erleichterungen für bundene Vorbereitung dieser roten Kongreßwoche und waltete gebettet wurde. die Juden zu schaffen. Die endgültige Lösung der Judenfrage auf der Sella des Nibelungensaales so fundig seines Er zieht in Frieden in die Heimat am Neckar und am müsse der Reichsduma vorbehalten bleiben, doch erachte es die ReAmtes, daß alle Delegierten sich des Wiedererstandenen Rheine, unsere Herzen schlagen warm in parteigenössischer gierung für notwendig, ohne Rücksicht auf die Stellungnahme dieser freuten. Denn im Frühling, als das Herzleiden des Teilnahme und eines unauslöschlichen Andenkens sicher in der oder jener Gruppe zur Judenfrage die die Juden beengenden Polizeimaßnahmen und Beschränkungen in Handel und Gewerbe Dicken", wie ihn seine Mannheimer freundschaftlich nannten, Sozialdemokratie ist der Name August Dreesbach. zu beseitigen. Sie erwarte, daß der zur Armut verurteilte Teil ihn am schlimmsten peinigte, ging durch Mannheim die Kunde der Juden, sobald er größeren Spielraum zur Betätigung größerer bon Dreesbachs Hinscheiden. Ihr folgte rasch die frohe Energie und zur Arbeit erhalte, nicht mehr nur Bombenwerfer und Botschaft, daß die Meldung falsch war, und man hoffte nach Räuber aus feiner Mitte liefern werde; zweifellos werde das altem Voltsglauben, daß dem fälschlich Lotgesagten drum ein dem ganzen russischen Volke Vorteil bringen. langes Leben beschert sei. Die Hoffnung hat leider getrogen. Wiewohl eine Nachtur in der internationalen Bäderstadt die Helsingfors, 25. November.( Privatdepesche des VorFolgen der Parteitagsstrapazen beseitigte und das Befinden wärts".) Die finnische sozialdemokratische Partei berso günstig förderte, daß Dreesbach seinen parlamentarischen anstaltete heute unter Teilnahme von 7000 Arbeitern auf dem Beruf zu erfüllen und in den Reichstag einzuziehen vermochte, Senatsplage eine Massendemonstration gegen die Senatsdie Pulsschläge seines Kämpferherzens gingen allzurasch zur berfügung betreffend die Auslieferung russischer Flüchtlinge. Neige. Seine Mannheimer Freunde und Genossen, die ihn vor zwei Wochen frohen Herzens zur Reise geleiteten, empfangen den beliebten Führer wieder,-- er ruht stumm aus im metallenen Sarge. Die russische Revolution. Väterchens" liebe Freunde. # * Wir brachten in unserer Sonntagsnummer einen Bericht Helsingfors, der die Einzelheiten des geplanten Attentats eingehend erörterte. Es scheint an der Zeit zu sein, daß sich das Proletariat aller Länder Deutschlands Arbeiterschaft nicht zuletzt mit der Frage vertraut macht: was zu tun ist, wenn die Die russischen Juden hätten ja allerdings genügend Veranlassung, auf den doppelten Drud, mit dem sie durch die Regierung stets bedacht worden sind, durch besonders lebhafte Teilnahme am Kampfe gegen den Barismus zu reagieren. Daß dem in Wirklichkeit nicht so ist, daß Hemmungen eigener Art es bewirken, daß die russischen Juden kaum den DurchschnittsProzentsak zum Kontingent der kämpfenden Revolutionäre stellen, das ist schon so häufig bewiesen worden, daß es selbst die russische Regierung wissen müßte. Bombenwerfer und Räuber" liefere, soll natürlich diese beklagens. Die Behauptung, daß Rußlands verarmte Judenschaft nur werte Bevölkerungsschicht diskreditieren und das brutale Vorgehen In Düsseldorf wurde August Dreesbach am der Regierung entschuldigen. Die jüdische Finanzwelt schickt sich 18. August 1844 geboren, ein Kind proletarischer Abkunft, den indessen- wie wir oben dargestellt haben an, der ruffischen das Los zum Tischler bestimmte. Von der Hobelbank hat Regierung neue Gelder zur Niederknüppelung der Revolution und ihn das Leben bald auf die Tribüne geführt. Der Meister diversen Regierungen ihrer althergebrachten liebedienerischen der Juden zu liefern. vom Hobel erwarb sich das ehrende Vertrauen der großen Barenbergötterung neue Opfer darbringen. Geht uns doch von Daß in Wirklichkeit ein Teil der russischen Judenschaft sich Mehrheit der Bevölkerung des bedeutendsten Binnenhafens im sehr eingeweihter Stelle die Nachricht zu, daß bei den jetzigen Zeitläuften durchaus nicht räuberisch und bomben Reiche. Seine Intelligenz, seine gewinnende Rhetorit, seine zwischen Rußland und Deutschland Verhandlungen schweben werferisch, sondern geradezu jämmerlich benimmt, das geht aus unerschrocene attraft brachten ihn an die Spitze der über einen nenen Vertrag bezüglich der Auslieferung poli- folgender Meldung hervor: Mannheimer Arbeiter und damit in die Führerschaft der tischer Flüchtlinge. Die Tendenz dieses Vertrages soll sein: badischen Parteibewegung, für die schon der Name August's Rußland das Recht zu geben, die in Deutschland weilenden ein Programm war. Zum Allgemeinen Deutschen Russen durch die Polizei nach Rußland befördern zu lassen!! Arbeiterberein" tam er 1867, damit begann seine Wir sind durch unsere Regierung so wenig verwöhnt, daß eifrige Tätigkeit für die Partei. Nach zweijähriger Agitation wir schließlich dem Fürsten Bülow, Stolypins Kollegen, auch in Rheinland- Westfalen tam er ins Land Baden und eroberte die Sanktionierung solcher Kulturtat" zutrauen. am 18. März 1874 in Mannheim mit seiner begeisternden Naher Abschluß der Anleihe? " seien die folgenden Momente hervorgehoben: " Odessa, 25. November.( W. Z. B.) Die Vorstände der hiesigen Synagogen und jüdischen Bethäuser beschlossen, sich der Partei der friedlichen Erneuerung anzuschließen und das Programm dieser Partei unter den Juden zu verbreiten; sie erflären, die Juden wollten eine friedliche Arbeit der Duma und feien größtenteils nicht revolutionär gefinnt; fie hielten der Konstitution feindliche Kundgebungen wie das Wiborger Manifest für schädlich, da sie den Bestand der Duma gefährdeten; die Juden hätten das Wiborger Manifest nicht beachtet und schenkten der Kadettenpartei kein Bertrauen. Politische Ueberlicht. Berlin, den 26. November. Ein Monstrum eigner Art. Rede für das Andenken der Märzrevolutionäre sogleich einen Platz an der Spize, den er seitdem treu ausgefüllt hat. In Seit Monaten ist die russische Preffe voll von Nachrichten über den schweren Jahren und bitteren Wirren des Sozialistens die Verhandlungen, die von der Zarenregierung zweds Abschlusses gesetzes, die ihm persönlich empfindliche Opfer auferlegten, ihren Dementierapparat gegen diese Nachrichten in Bewegung gesezt; einer neuen Anleihe geführt werden. Die Regierung hat mehrmals führte der Mannheimer Stabschef seine Parteigenossenschaft in Rußland weiß man aber, daß die resolutest en Dementievon Erfolg zu Erfolg. Die Sozialdemokratie drang rungen des Abschlusses neuer Anleihen direkt vor ihrer tatsächlichen in das Stadthaus ein, wo sie heute im Bürger- Aufnahme von der Regierung veröffentlicht werden. ausschuß und im Magistrat ein entscheidendes Wort mit- Jetzt ist der kritische Moment gekommen! Das historische Ver So nannte Genosse eine in der heutigen Reichstags. redet. Dreesbach wurde Stadtrat, nahm einen der Mannheimer brechen, die Versorgung der Barenregierung mit neuen Geldmitteln fitung das neue Ausnahmegesetz gegen die Gewerkschaften, Landtagssige ein und eroberte 1890 den Reichstagswahlkreis, naht sich der Verwirklichung. Nachstehend teilen wir die legten Pressemeldungen über die da sich bürgerliche Redner über die bisherigen Bezeichnungen der, nachdem er noch einmal verloren, heute der sicherste bevorstehende Anleihe mit. Bestand unter den sozialdemokratischen Sizen Badens iſt. Io wo" gemeldet, daß dort ein gewiffer Feldaer, Bevol wärts" und das Correspondenzblatt" beklagt haben. Und Aus Paris wird dem Rußkoje des Gesezentwurfes über die Berufsvereine durch den VorLeider ging durch eigenartige Stomplikationen im vorigen mächtigter des Banfiers Mendelssohn, eingetroffen ist, der den Aufer wies an einer Reihe von Bestimmungen, oft sehr drastisch, Jahre bei der neuen Wahlkreiseinteilung der Stadt Mannheim trag hat, mit den Pariser Bankhäusern die Angelegenheit der sich er wies an einer Reihe von Bestimmungen, oft sehr drastisch, der Dreesbachsche Sitz im Landtag verloren. auf Rußland beziehenden großartigen finanziellen Kombination zu nach, we I ch ein Monstrum dieser Gesetzentwurf ist! Aus seinem bewegten Leben, seinem Wirken in der Partei erörtern. Der Erfolg soll dadurch gesichert sein, daß es den russischen Gespannt war ein Teil der Abgeordneten darauf, wie Regierungstreifen gelungen ist, diejenigen, welche die Anleihe durch der Arbeiterabgeordnete des Zentrums, Giesberts, den Jm November 1874 fette die Stuttgarter Staats- führen wollen, davon zu überzeugen, daß die Revolution in Ruß- Gefeßentwurf beurteilen werde. Nachdem der freisinnige Ab. anwaltschaft den eifrigen Agitator, der auch Württemberg und land gänzlich unterbrüdt werden wird, falls die Regierung wenigstens geordnete Pa ch nice eine abfällige Kritik an dem Entwurf geübt hatte, trat Giesberts auf den Plan. die Pfalz unsicher machte", unter dem Vorwande einer An- für zwei Jahre fichergestellt wird! Eine Bestätigung dieser Meldungen findet sich in der flage wegen Majestätsbeleidigung fest und entließ ihn nach franzöfifchen Zeitung" Action", welche schreibt, daß die Seine Rede und die unseres Genossen Heine erweckten Aetion", welche schreibt, daß die heute das Interesse des Hauses. In wenig geschickter Art sechs Wochen als schuldlos. In seinem geliebten Rheinland Rombination für die Realisierung der russischen Anleihe erhielt Dreesbach im darauffolgenden Jahre durch den in Frankreich vorbereitet fei. Sie atveifelt allerdings daran, daß ging zuerst Giesberts auf die Frage ein, warum der Advokat Gerichtshof zu Kleve seine sechs Wochen Gefängnis, weil die Anleihe ganz glatt von statten gehe, da eine Gruppe von Trimborn und nicht er, Giesberts, zuerst über diese Arbeiterer Staatseinrichtungen verächtlich gemacht haben sollte. Deputierten die Absicht hat, in der Stammer eine Interpellation über borlage gesprochen habe. Er konnte mit seiner Bemerkung, Um auch ihrerseits zur Verfolgung des 1876 in Mannheim die Teilnahme Frankreichs an den Kombinationen betreffend die daß eine halbe Stunde vor Beginn der Sigung noch nicht feststand, ob er oder Trimborn zuerst sprechen solle, den Einfeßhaft gewordenen Sozialdemokraten den bundesstaatlichen Realisierung der neuen russischen Anleihe einzubringen. Danach wurde dem„ Rußloje Slowo aus Paris gemeldet: bruck nicht abschwächen, daß man erst den Eiertänzer Trimborn Anteil beizutragen, verhängte die fröhliche Pfalz durch die Frankenthaler Staatsanwaltschaft eine vierwöchentliche Unter- Mendelssohns agent, Feldzer, fährt fort, mit den Bertretern fran vorschickte, um die Parlamentelei der Kommissionsberatung zöfifcher Bankhäuser energisch zu verhandeln. In einer Unterredung suchungshaft über Dreesbach, um ihn dann unbestraft wieder äußerte er, daß nach zwei Monaten die Anleihe offiziell bekannt des Monstrums zu empfehlen und diplomatisch zu verteidigen. Die heutige Giesberts'sche Kritik des Entwurfes müßte freizugeben. gemacht werden wird in Im Jahre 1877 redigierte Dreesbach das von ihm mitdagegen das Zentrum veranlassen, den Entwurf sofort begründete, Badisch- Pfälz. Volksblatt", das im an die Regierung zurück zu verweisen, d. h. ihn in keine Im Anschluß an einen neuen Geheimerlaß, in dem daran erfolgenden Jahre von den sozialistengesetzlichen Schergen innert wird, daß„ Bäterchen" allerschärfstes Vorgehen der Feld Kommissionsberatung zu nehmen. Aber es tam dem Zentrum erdrosselt wurde. gerichte wünsche und es sich verbitte, durch Gnadengesuch oder der darauf an, Giesberts erst in zweiter Linie zu einer herberen Nun mußte der Kämpfer, dessen politische Tätigkeit gleichen behelligt zu werden, tonstatiert der Sozialdemokrat, das Stritit freie Hand zu lassen, um die„ chriftlich- organisierten" polizeilich unterbunden war, den beschaulichen Beruf eines Zentralorgan der russischen Sozialdemokratie, daß in den legten Arbeiter über die Haltung des Zentrums beffer hinweg. " Der gekrönte Henker. lauschen zu können. Denn das Zentrum ist un5 bleibt xn sozialpolitischen resp. Arbeiterfragen unzuverlässig, wie Genosse Heine unter lebhafter Zustimmung unserer Fraktion konstatierte. Giesberts wandte sich mit besonderer Schärfe gegen me Ausschließung der Landarbeiter von dem Koalmonsrecht und las den Herren Agrariern ein Priva- tissimum über die Behandlung der Landarbeiter, sowie über die reaktionären arbeiterfeindlichen Bestrebungen des Agrariertums. Man müsse sich schämen, ein Preuße ztt sein, tief er der Rechten ob dieser agrarischen Gepflogenheiten zu. Natürlich johlte ihm dafür der Widerspruch der Rechten, aber auch einzelner Zentrumsagrarier entgegen. Gies- berts konstatierte � übrigens selbst, daß auch ein Teil des Zentrums gegen die Gewährung des Koalitionsrechts an die Landarbeiter sei. Er widersprach auch der Behauptung, daß das Koalitionsrecht die Sozialdemokratie auf das platte Land hinüberziehe, sie sei ohnedem schon dort. Dann übte der Redner eine absprechende Kritik im Sinne unseres Genossen Legien an einer Reihe von Einzelheiten des Entwurfs. Völlig verfehlt war freilich seine Mahnung an die Regierung, bei Ausarbeitung derartiger Gesehentwürfe die Verfassung der Gewerkschaften zu berücksichtigen und mit Gewerkschaften des- halb Fühlung zu nehmen. Der preußische Bureaukratismus weist eine solch vernünftige Porarbeit aus Ueberhebung ab und wird es ja auch mit den Scharfmachern nicht verderben wollen! So ist denn das Monstrum nur aus der bureau» kratischen Weisheit im Regierungslaboratorium geboren, die praktische Erfahrung aus dem Gewerkschaftsleben hat keinen Teil daran. Das bewies in einer ätzenden Kritik Genosse Heine, der die„Mißgeburt" als ein Werk einseitigster Ideen eines engherzigen Jnteressenkreises in all ihrer Häßlichkeit zeigte. Der Zentralverband der Scharfmacher möge seine Freude an dem Entwurf haben; aber als Gesetz für die Arbeiter- interessen dürfe es nicht bezeichnet werden. Heine verspottete die Idee des Staatssekretärs Grafen Posadowsky, diesen Ent- Wurf als eine Grundlage für ein neues Reichsvereinsgesetz anzusehen: denn wenn auch Trimborn dieses Gesetz als den „ersten Schritt" für diese Gesetzesmaterie bezeichnet habe, so sei doch dieser erste Schritt auf falschem Weg getan, auf dem man n i e zum Ziele komme. Mit beißendem Sackas- mus schilderte Heine, daß man den Landarbeitern das Koalitionsrecht, das auf der preußischen Verfassung beruhe, durch Gesetz vom Jahre 1854 genommen habe, damit sie in den Banden der A g r a r i e r gehalten werden können, die, wie der Staatssekretär Posadowsky, für die Einbringung der Ernten durch die Arbeiter besorgt sind, aber bei gelegent- licher Aussperrung und Ausweisung von Land- arbeitern völlig unbekümmert darum waren, ob dadurch Menschenleben zugrunde gingen. Das zeige den kapitalistischen Charakter der bürgerlichen Gesellschaft, die darum solche Ge- setze zur Niederhaltung der Arbeiter schaffe. Bei der Besprechung von Einzelheiten des Gesetzes legte Heine dann klar, wie sie die bekannten Gehässigkeiten der Polizei gegen organisierte Arbeiter geradezu herausforderten, und daß es unmöglich sei, auf solcher Grundlage ein den Arbeitern günstiges Gesetz zu schaffen. Das werde sich bei der Kommissionsberatung zeigen. Nach der Rede Heines wurde die Weiterberatung des „Monstrums" auf morgen vertagt. Der Fall Gaisert-Wittemann. Immer aufs neue wird der Fall Gaisert-Wittemann in die Er- orterung gezogen. DaS Zentrum macht krampfhaste Anstrengungen, die beiden Opfer seines Systems zu retten und benutzt jede Gelegen- heit, um über das nnverdieute Schicksal der beiden Ehrenmänner zu zetern. So auch in der Reichstagssitzung vom 16. November wurde der Fall bei der Debatte über die geistlichen Wahlhubereien bei der Wahl des rcichsländischcn Abgeordneten Wildberger von unserem Genossen Richard Fischer gestreift. In sehr zurückhaltender, ja geradezu unverdient nobler Form behandelte unser Redner das skandalöse Vorkommnis bei der badischen Landtagswahl. Man sollte aber dem Zentrum gegenüber nie nobel sein, denn diese kurze sachliche Bemerkung be- nutzte der badische Zentrnmsabgeordnete Fehrenbach sofort dazu, an den beiden verunglückten Zentrumskämpen Gaisert und Wittemann eine rührselige Mohrenwäsche vorzunehmen, die, weil sie mit Gefühls- Momenten operierte, auf den Uneingeiveihten nicht ohne Wirkung blieb. Demgegenüber ist doch notwendig hier noch einiges Er- gänzende über den Fall Gaisert-Wittemann zu sagen. Der Pfarrer Gaisert in Gündelwangen(Wahlkreis Bonndorf- Waldshut) trieb die Wahlagitation für den Zentrumskandidaten Ober- amtsrichter Witteinann in Donaueschingcn ganz so schamlos wie seine Berufskollegen im Wahlkreise des Abg. Wildberger. Auch� er drohte den Wählern mit Höllenstrafen, wenn sie Wittemann nicht wählen, ging zu jedem einzelnen und bearbeitete ihn und der Schluß- rcfrain lies inimer darauf hinaus: Wer mit feinem Pfarrer in den Himmel kommen will, niuß Wittemann wählen! Diese Agitation würde natürlich auch gesehen und als ein Wahlprotest eingereicht wurde und die Sorge in die Herzen des auch wirklich gewählten Wittemann und seines geistlichen Wahlagitators schlich, daß die Wahl kassiert werden könne, da korrespondierten die beiden darüber, auf welche Weise die gravierenden Tatsachen am besten verwischt werden könnten. In dieser Korrespondenz gab der rechtskundige Oberamtsrichter seinem geistlichen Parteifreund Ratschläge und Auskunft, wie G e- richte die Tätigkeit des Pfarrers beurteilen würden. Die Kor- respondenz wurde mit kühler Uebcrlegung geführt und die Briefe vernichtet. Witteniann versäumte nicht, an den schlimmsten Brief das Postskriptum anzuhängen:.Vernichten Sie diesen Brief!" Der Brief wurde nicht vernichtet, die Staatsanwaltschaft fand ihn und er wurde zu einem wichtigen Beweis st ück in dem gegen Gajsert anhängig gemachten Verfahren wegen Verleitung zum Meineid. In dem Briefe stand nämlich:„Hoffentlich wissen die Zeugen nicht mehr was Sie sagten." Und es war erklärlich, daß der Staatsanwalt diesem Brief besonderen Wert bei- legte, denn Gaisert hatte ja eben einem wichtigen Zeugen geschrieben, er solle— der Wahrhett zuwider— aussagen, er habe nicht darauf gehört, was Gaisert zu den beeinflußten Personen sagte, habe sich überhaupt um nichts gekümmert. Was soll da das Lamento über den unglücklichen Mann, der wegen Verleitung zmn Meineid ein Jahr Zuchthaus erhielt? Die juristische Seite des Falles kann ganz aus dem Spiele blieben, das steht aber unzweifelhaft fest, daß der Pfarrer andere zu bereden suchte im Partciinteresse, vor den verhörenden Beamte» die Unwahrheit zu sagen. Einfache Arbeiter sagten dazu, es sei eine Liederlichkeit sondergleichen, wenn ein Pfarrer so etwas schreibe. Auch die Spekulatton auf das Mitleid kann Gaisert gegenüber nicht verfangen, denn er hat fo gebässig in den Wahlkampf eingegriffen wie sonst kaum ein Gegner. Noch in dem Briefe, der ihm zum Verderben ward, beschimpft er die Arbeiter, die seine Wahlhubereien mit angesehen, als„die roten Brüder von Bonndorf". Und ivelche Rolle spielt der Zentrumßjurist Wittemann? Durch seine Briefe ist Gaisert offenbar auf die Idee gekonunen, den Beein- flujsungsversuch an einen der Hauptzengen zu machen. Freilich selbst als Zeuge über dm oben erwähnten kompromittierenden Brief per- nommen, hat Wittemann erklärt, eS liege ein— allerdings auffällig ungewöhnliches und für viele auch sehr unwahrscheinliches— Versehen vor, er habe schreiben wollen:„Hoffentlich wissen die Zeugen nicht mehr als ivas sie sagten." Aus einem instruierenden Wunsch, daß die Zeugen vergeßlich sein möchten, wird so auf einmal eine Verdächtigung der Zeugen, sie könnten mehr„wissen" als waS der Pfarrer gesagt habe." Fatal, wenn in einem solchen Brief ein Komma und das Wörtchen„als" vergesse» wird; mnso fataler, wenn der Brief nicht der Lnsforderung gemäß alsbald vernichtet wird. Der Abg. Fehrenbach stellte den Oberamtsrichter Wittemann als untadeligen Ehrenmann hin. Inzwischen aber hat, wie aus Karlsruhe gemeldet wurde, das badische Justizministerium das Disziplinar- verfahren gegen den Herrn eingeleitet. Man wrrd ja bald hören, was dabei herauskommt. Mag das aber auch enden, wie eS will, der Brief enthält neben dem sonderbaren„LapfuS" schon so viele gehässige Anrcmpclungen der sozialdemokratischen und national- liberalen Gegner, daß er kein besonderes Vertrauen in die richterliche Objektivität Wittemanns erweckt. Natürlich ist das Zentrum in Baden nicht untätig. Die liberalen Wähler seines Wahlkreises haben Wittemann öffentlich zur Nieder- legung seines Mandates ausgefordert. Das tut er natürlich nicht, denn seine Wähler und unzählige Zentrumsversamm- lungen versichern ihn de?«»geteilten Vertrauens. Der geheime Einpeitscher dieser demonstrativen Kundgebungen ist kein anderer, als der Wahlfeldmarschall des badischen Zentrums, der bekannte Geistl. Rat Wacker. Dieser rücksichtslose und innerhalb der Partei außerordentlich einflußreiche Mann ist gewisierinaßen der indirekte Urheber der maß- losen Wahlagitation der katholischen Geistlichen Badens. Er hat schon 1904. ein volle? Jahr vor den badischen Landtagswahlen, ein energisches Rundschreiben on sämtliche Geistliche gerichtet, bei den Landtagswahlen für„die gual Sach" zu wirken. Diesem Einfluß W/s konnten sich natürlich die Geistlichen nicht entziehen. Daher die bekannten Verurteilungen dreier Geistlicher wegen MißbraucheS der Kanzel und schließlich die Verurteilung Gaiserts wegen Wer- leitung zum Meineid. Herr Wacker ist auch jetzt noch nicht gewillt, die Segel zu streichen. In einer Versannnlung des katholischen Männcrdereins Karlsruhe erklärte der streitbare Diener der christlichen Nächstenliebe jüngst: ... Der Minister hat es unternommen, die Teilnahme des katholischen KlernS an d>er Politik überhauvt, und namentlich an der Wahlpolitik, aus der Welt zu schaffen. Ein gewaltiges Unternehmen! Wenn ich einen Saal von Amtsbrüdern vor mir ätte, würde ich die Frage stellen: Glaubt einer von meinen Amts- rudern, daß vtzm Minister das gelingen werde? Und ich hoffte mit aller Zuversicht, daß ern lautes, ein kräftiges, ein einmütiges niemals! den Saal duvchdringen würde. Herr Wacker hat mit dieiser Agiratton noch einen Spezialerfolg erzielt: Der liberale Amtsverkündiger.Ort. Bote" teilt nut. daß der Freiburger Unters uchungS richter Fischer den Zentrumsführer Geistlichen Rat Wacker in Zü bringen einvernommen habe wegen beleidigender Aeußerungeu gegen den Vor- sitzenden der Freiburger Strafkammer im Falle Gaisert und gegen den Dirckior der Oderschnlbehörde. Im Innern ivird sich der Stratege des badikchen Zentrums über die Gelegenheit freuen, sich einen billigen Triumph zu verschaffen; wahrscheinlich bestand die Abffcht, die Regierung oder Staats- anwaltschaft mobil zu machen. D abei tritt die Meineids- und Brief- affäre in den Hintergrund, die Anklagen gegen die schwarze Volks- quälerei werden überschrien. Demi jetzt schon brüllen die großen und kleinen schwarzen Löwen ins Land:.Polizeiknüttel des Kultur- kampfes, Hineinzerrcn in den politischen Bürgerkrieg, Buben, so diesen Streit heraufbeschworen!"—— Das ist eine reizende Ouvertüre. Oeutfckes Reich, Zur Geschäftslage des Reichstages. Der Seniorenkonvent war gestern unter dem Vorsitz des Präsidenten versammelt, um die gegenwärtige Geschäftslage des Reichstages zu beraten. Wegen der durch den Tod des Erzbischofs Dr. v. Stablewski in Posen bedingten Abwesenheit der polmschen ReichstagSabgeord- neten können die Interpellationen wegen des Re- ligionSunterrichts polnischer Kinder nicht, wie beabsichtigt Ivar, am Dienstag verhandelt werden. Nach Erledigung der ersten Beratung des Gesetzentwurfes betr. die Berufsvereine sollen am Mittwoch, den 2S. d. MlS., die beiden Nachtragsetats für Eüd-We st»Afrika mit den dazu gehörigen Denkschriften auf die Tagesordnung gesetzt werden. Da auf eine sehr ausgedehnte Kolonialdebatte gerechnet wird, glaubt man, daß die Beratung 4—5 Zage in Anspruch nehmen wird. Die Frage der Immunität der Reichstagsabgeordneten und des Reichstagsgebäudes, die im letzten Sommer gelegentlich der Zeugenvernehmung des Abg. Erzberger eine Rolle gespielt und einige Initiativanträge gezeitigt hat, soll aus der Kolonialdebatte ausgeschieden und besonders verhandelt werden. Nach Mitteilung des Präfidenten geht dem Hause noch eine Regierungsvorlage betr. die AlgeciraSakte zu, die in allen drei Lesungen noch vor Weihnachten erledigt werden muß, da die Rattfikationen der Algecirasakte bis zum 1. Januar 1907 ausgetauscht werden sollen. Außer den erwähnten Gegenständen sollen noch die rückständigen Interpellationen(Fleischnot, Gerste, Eisenerze rmd Religionsunterricht für polnische Schullinder) vor den WeihnachtSferien parlamentarisch erledigt werden. Nach Regelung der geschäftlichen Angelegenheiten wandte sich die Besprechung der Frage zu, ob und inwieweit man durch Unter- brechungen der Sitzungen den Abgeordneten die Möglichkeit schaffen soll, ihren beruflichen Privatgeschästen nachzugehe«. Unter Ablehnung aller anderen Vorschläge einigte sich der Seniorenkonvent dahin, nach Wiederbeginn der Sitzungen im Januar alle zwei Wochen zwei Werktage(Sonnabend und Montag) sitzungsfrei zu lassen. Von verschiedenen Seiten(den Vertretern des zentrumS-konser- vativ-nationalliberalen Blocks) wurde als Acquivalent für den Ver- zicht auf diese Sitzungstage die Kontingentterung(vorherige Fest- setznng der Berattingszeit) der Etatsberatung verlangt. Die sozial- demokratischen Mitglieder widersprachen auch dieses Mal dem Vorhaben, die Etatsberatung gewaltsam abzukürzen. Nach den Intentionen der Regierung kommt der Etat pro 1907 so spät an den Reichstag, daß die erste Beratung desselben erst nach Neujahr im Plenum erfolgen kann. Die versuchsweise Einführung, Ivonach die Sitzung am Sonnabend um 3 Uhr nachmittags beendet und am Montag um 3 Uhr begonnen werden soll, wird wieder aufgegeben, da der dadurch verlorenen Sitzungszeit keine Borteile entgegenstehen. Die Weihnachtsferien des Reichstages beginnen am 14. Dezember und endigen am 10. Januar. Der am 8. Januar beabsichtigte Wiederzusammentritt des Reichstages verschiebt sich um zwei Tage, da der Präsident das Be- dürfnis hat, sich an dem am 8. Januar stattfindenden 2Sj ährigen Bischofs- iubilänm des Fürstbischofs Dr. Kopp in Breslau zu beteiligen. Erzliischof l>. Stablcwski. Der Erzbischof v. Stablewski ist gestern am Herzschlag verstorben. Damit ist der Tätigkeit gerade des katholischen Kirchenfürsten, der sich— wenn auch wohl mehr auS klerikalen und chauvinistisch-reaktionären Motiven— der hakatisrilch vergewaltigten polnischen Bevölkerung angenommen hat, un- erwartet rasch ein Ende gesetzt worden. War es doch gerade Stablcwski, der noch vor wenigen Wochen jenes Hirtenschreibcn an die ihm unterstellte Geistlichkeit gerichtet hatte, in dem der katholische Klerus aufgefordert wurde, den Wirkungen der zwangsweisen Einführung des Religions- Unterrichts in deutscher Sprache durch privaten Religions- Unterricht in polnischer Sprache entgegen zu treten. Der Tod Stablewskis wird nicht nur unseren Hakatisten, sondern auch unserem rcgierungssrommcn Zentrum, und nicht zuletzt auch dem P a p st e, nicht unwillkommen sein. Räumt er doch, fürs erste wenigstens, einen Konflikt aus dem Wege, der für die trauliche Harmonie zwischen der Re- gierung und dem Klerikalismus auf die Dauer hätte höchst unerquicklich werden können. Freilich bleibt durch Stablewskis Tod der Polen- konflikt selbst völlig unberührt. Er ist keines- Wegs, wie liberale Hakatisten behaupten, durch den polnischen Klerus künstlich erzeugt worden; vielmehr hat der Klerus sich des Agitationsstoffs nur bemächtigt, um nicht der Sym- pathien der Bevölkerung verlustig zu gehen. Die Polenfrage wird so lange brennend bleiben, als mit dem System der Germanisationspolitik nicht gebrochen wird!—_ DaS Zentrum macht für daö Antigewerkschaftsgesetz Stimmung. In einem offiziösen Waschzettel, welcher durch die Zentrums- presse der Provinz geht, heißt es über die Stellung des Zentrums zum neuen Entwurf einer gesetzlichen Arbeiterknebelnng: ... eS scheint uns dieses Wüten(der sozialdemokratischen Parteiblätter gegen den Gesetzentwurs) ohne tiefere Bedeutung zu sein. Man dürfte doch wohl im roten Lager die großen Borteile, die trotz alledem die Vorlage der Arbeiter- bewegung bietet, nicht verkennen, dabei aber das Bestreben haben, die eingcflochtenen Kautelen ans dem Entwurf herauszubringen.... Unsere Meinung, daß dem Zustandebringcn der RcchtsfähigkcitS- Vorlage erhebliche Schwierigkeiten nicht im Wege stehen, wird nur bestätigt. Wenn so von links und rechts(„Deutsche Arbeitgeber- Zeitung") auf den Entwurf eingeschlagen wird, muß das Zentrum all sein Geschick und seine Kraft aufwenden, um das Gesetz unter Dach zu bringen. So zu lesen z. B. im„Badischen Beobachter" Nr. 269 vom 24. November.—_ Die„Germania" für das Antigewerkschaftsgesetz. Die„Germania" fährt fort, für das Ausnahmegesetz gegen die Arbeiterklaffe Stimmung zu machen. Viel offener als die Ab- geordneten Trimborn oder gar Giesberts tritt sie für den Entwurf ein. Zwar meint sie jetzt: Gewiß, das haben die Neichstogsverhandluugcn der beiden letzten Tage tatsächlich festgestellt, leidet der Gesetzentwurf an großen Mängeln, so daß seine Annahme in dervorliegenden Fassung ausgeschlossen erscheint. Aber„die Arbeiterschaft... wird doch schließlich... anerkennen müssen, daß die Stellung der Arbeiter! orporattonen neben den anderen Faktoren unseres öffentlichen Lebens durch das Gesetz wirtschaftlich und politisch gehoben werden soll." Und das wagt das führende Blatt des Zentrums der Arbeiterklasse gegen- über einem Gesetzentwurf zubieten, von dem selbst der national- liberale Basiermann als Rechtsanwalt und der Zentrums» abgeordnete Giesberts als Gewerkschaftsführer bekennen muß: er würde eine Gewerkschaft dringend davor warnen müssen, sich dem Gesetzentwurf zu unterstellen. Das Antigewerkschaftsgesetz und die allgemeine Mißhandlung des Koalitionsrechts preßt dem Zentrumsabgeordneten das Bekenntnis ab: man müsse sich schämen, Preuße zusein. Aber die„Germania" lobt die Tendenz des Gesetzes und kann diese der Arbeiterklasse feindseligste Tendenz des Gesetzes als ZentrnmSblatt loben, weil die Mehrheit des Zentrums hinter der Tendenz des Gesetzes steht, die auf Knebelung. Entmündigung und Verleibeigen- schaftung der Arbeiterklasse abzielt. Die„Germania" weiß, daß das Gesetz, gerade weil es nach der von der„Germania" zitierten Aeußerung Posadowskys«die Schaffung eines Arbeiter- rechts" einleiten soll, den ersten r e i ch s gesetzlichen Schritt auf der Bahn bedeutet, die das preußische Ausnahmegesetz gegen die Bergarbeiter durch Schaffung jener famosen„ArbeiterauSschüffe" gewandelt ist. die in Wahrheit Unternehmerorgane zur Mundtotmachung der Arbeiter sind und die seinerzeit selbst das preußische Zentrum deshalb scheinbar bekämpfte. Die„Germania" verteidigt just in dem Augenblick, wo England von den zivilrecht- lichen Fesseln die Arbeiterkorporationen völlig befreit, eine Haftung der Gewerkschaften. Sie verteidigt diese Erdrosielungsversuche von Arbeiterorganisationen mit dem scheinheiligen, dein Arsenal der Scharfmacher entlehnten Argument: „Die Arbeiter können schließlich auch nicht verlangen, daß sie bezüglich der Rechtsfähigkeit ihrer Vereine eine privilegierte Stellung gegenüber den anderen eingetragenen Vereinen erhalten, wie diese durch die Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs für andere eingetragene Vereine generell festgelegt worden sind. Die gewerblichen Arbeiter, für welche der Gesetzentwurf über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine bestimmt ist, werden gewiß in dieser Beziehung kein Privilegium verlangen, wohl aber verlangen können und müssen, daß ihren Berufsorganisationen gegenüber Rechte und Pflichten mit gerechtem Maße abgemessen werden. In dieser Beziehung kann es unter denkenden Arbeitern keinen Unterschied der Auffassung geben." Unter denkenden Arbeitern besteht darüber kein Zweifel, daß es ein Hohn auf die Gerechtigkeit ist, formal gleiche, inhaltlich völlig verschiedene Dinge mit demselben Maßstab zu messen. Recht- lich„ftei" ist der Arbeiter— gibt es wirklich einen denkenden Arbeiter, der diese„rechtliche Freiheit" ohne wirtschaftliche Freiheit für gleichbedeutend mit der rechtliche» Freiheit des wirtschaftlich freien Großkapitalisten hält? Tagtäglich Ichren ja den Arbeiter Gerichtsurteile und Verwaltungsmaßnahmen so stark, was es mit der rechtlichen Freiheit und Gleichheit in Wahrheit auf sich hat. Glaubt die„Germania" etwa, es sei allein der zahme Zentrums- abgeordnete Giesberts, dem diese Mißhandlung der Rechte, die mit dem Arbeiter geboren, von denen aber nie die Rede ist, den Stoß- seufzer auspreßt: man muß sich schämen, Preuße zu sein? Ihre Empfehlung des gegen die Arbeiterklasse gerichteten Knebel« gesetzes verbrämt die„Gemania" mit perfiden Anpöbelungen der Gewerkschaftsführer im allgemeinen und der sozialdemokratischen im besonderen.„Die Gewerkschaftsführer", erklärt die„Germania", „sind an dem Nichtzustandekommen des Gesetzes auch persönlich stark interessiert." Die christlich-sozialen Gewerkschaften mögen sich für diese Verdächtigung ihrer Führer bei dem leitenden Organ des Zentrums bedanken. Gegenüber de» sozialdemokratischen Gewerkschaftsführern stimmt das Zenimmsorgan den umgekehrten Singsang an, als den. der nach dem Parteitage von Mannheim von der Zentrumspresie für gut befunden wurde. Wurde damals die falsche Melodie gekrächzt: die Partei hat sich den Gewerkschaften unterworfen, so dekretiert nunmehr die„Germania": nach den Beschlüssen des Parteitages in Jena... sind die«sozialdemokratischen Gewerkschaften, die selbst schon auf das Prädikat„ftei" verzichtet haben, nur noch Filialen der polittschen Sozialdemokratie". Und an diesen der Scharfmarchcrpresie entlehnten Blödsinn der„Gennania" soll ein „denkender" Arbeiter glauben! Bei eifrigem Studium weiterer ähn- licher Artikel der„Germania" wird man zu der Ueberzcugung ge- langen: man muß sich als Arbeiter schämen, dem Zc.trum anzugehören, das in seinen Hauptorganen für das Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter eintritt, und endlich zu der Ueberzeugung gelangen: Dein Platz als Arbeiter darf nur in den Reihen der politischen Ovganisation der Arbeiter, der �ozialdemok'- tie. sein. Die Fleischteuerung. Die M.-Gladbacher Handelskammer oeicylog in ibrer letzten Sitzung folgende Resolution dem Reichskanzler zu ubermitleln:„Tie schon seit Monaten fortdauernd gestiegenen Fleischpreise haben je länger je mehr eine Höhe erreicht, die die notwendige gesunde Ernährung des deutschen Volkes in höchstem Maße gefährdet. Zur Beseitigung dieser sich auch im hiesigen In- dustriebezirke fühlbar machenden unhaltbaren Verhältnisse fordert die Handelskammer von der Regierung dringend Abhülfsmatzregeln, und zwar sowohl durch vorübergehende Aufhebung der Eingangszölle auf Vieh und Fleisch, wie durch schleunige Oeffnung der Grenzen für lebendes Schlachtvieh, unter Aufreckterhaltung der notwendigen Veterinären Kontrollen, wie durch Erleichterung der Fleischeinfuhr, unter vorübergehender Aufhebung aller sanitär nicht unbedingt ge- botenen Erschwerungsmaßregeln, wobei vor allem der e r l e i ch- terte Bezug des billigen gefrorenen Rind- und Hammelfleisches aus Australien und Neusee- I a n d. das in England einen wichtigen Teil der Fleischnahrung bildet, ins Auge zu fasien ist." Die städtische Verwaltung in Düsseldorf hat die Schlachtgebühren für Schweine von 2 M. auf 1,70 M. ermäßigt. Einen städtischen Fischmarkt richtete die Stadtverwal» tung in Krefeld ein.—_ Die Protestbewegung gegen den Lcbensmittelwucher. In NordfrieSland und Eiderstedt, jenen Bezirken der Provinz Schleswig-Holstein. die die stärkste F e t t v> e h- Produktion aufweisen. fanden dieser Tage eine Reihe V e r- fammlungen statt, die der Meinung der Konsumenten Ausdruck gaben. In allen sehr gut besuchten Versammlungen wurde die vom Parteivorstande empfohlene Protestresolution einstimmig an- genommen. Versammlungen fanden statt in Husum, Tönning. Friedrich st adt, Olversum. Westerland a. Sylt und Bredsted. In Olversum, einem Dorfe bei Tönning, hat die Versamnilnng noch das Resultat gehabt, daß sich genügend Genosse» zum Beitritt in einen sozialdemokratischen Ortsverein meldeten, dessen Gründung nächstens erfolgen wird.— Bürgerlicher Wahlkuddelmuddrl. In Essen finden demnächst die Stadwerordnetenwahlen statt. Die Viclgestaltigkeit der Wahlbündnisse in den verschiedenen Teilen der Stadt ist bezeichnend für die Grundsatz- und Charakterlosigkeit der bürgerlichen Parteien. So ist in der Altstadt Essen ein Bündnis zwischen den Liberalen, der Bürgerpartei und dem Zentrum zustande gekoinmen; in Altendorf stehen sich Zentrum und Liberale ini Wahl- kainps gegenüber, ebenso in Rückenscheid, wo sich außerdem noch eine Bürgerpartei gebildet hat. In Essen-West gehen die Nationallibe- ralen mit dem christlichsozialen Verein als.evangelische Volks- Vereinigung" zusammen. Das gibt einen Vorgeschmack der Er- scheinungen, die der nächste Reichstagswahlkampf bringen wird.— Wohlerzogene ArbeiterauSschüfle. Die Kölner Vereinigung für rechts- und staatswissenschaftliche Fortbildung hat dieser Tage eine Studienfahrt nach der rheinischen Spinner- und Weberstadt M.- Gladbach gemacht und dabei auch der Fabrik des Herrn Brandts, des Vorsitzenden des katholischen Voltsvereins,«inen Besuch abgestattet. Die.Kölnische Zeitung" bringt einen ausführlichen Bericht darüber, worin die veränderten Produktionöbedingungen geschildert werden, unter denen heute der Arbeiter der Textilindustrie zu schaffen hat. Mit der alten Ge- mächlichkeit sei es vorbei, wie mit der Poesie des Spinnrades und der Webelade; nur das eine sei möglich und nötig, den Menschen auch unter den geänderten Werhältnißen das Leben noch lebenswert zu machen; ihn fühlend zu erhalten inmitten der fühllosen giganti- schcn Uinwelt; er solle sich mehr dünken, als ein Rad in diesem Mechanismus, das man beliebig«insetze und herausnehme. Dann heißt es: .ES ist verständlich, daß der Herr des HauseS auch crr im Hause zu bleiben wünscht. Aber seit wir .-Gladbach gesehen und die Konstitution im Betriebe des Herrn Brandts, seitdem möchten wir wohl die Frag« auswerfen, ob nicht dieser Gedanke doch den Kern zu größerem Frieden und ersprieß- licherem Wirken in sich birgt. Für beide Teile! Die Protokolle des Brandtschen Arbeiterausschusses sind Dokumente. Namentlich der letzte Eintrag in dieses merkwürdige Buch spricht Bände, denn wo wäre es je zu erleben, daß der Fabrikherr eine Fleischteuerungszulage anbietet, der Ar- beiterauSschußabervon demAngebotnur einen Teil annimmt! Ode-r daß der Unternohmer die Arbeitszeit nur unter dem Widerstreben seiner Leute von 10 auf 9'ch Stunden herabzusetzen ver- mag, bei steigenden Löhnen, also ohne Furcht der Arbeiter vor einem Ausfall an Verdienst." Bis zu welchem Grade von Eunuchenhaftigkeit muß die christ- liche Sozialpolitik des Herrn Brandts die Arbeiter herabgewürdigt haben, daß sie dem„Herrn im Hause" zuliebe sich gegen eine Ver- befferung ihrer Lage sträuben! Man begreift es, daß das rheinische Kapitalistenblatt Neid und Sehnsucht empfindet gegenüber einer „Sozialpolitik", die sich so vortrefflich versteht auf die Dressur von Knechtscelen!—_ Ter Jahresbericht der Landwirtschaftskammer für die Provinz Ostpreußen für die Zeit vom 1. April 190S bis zum 31. März 1900 ist erschienen. Er enthält mancherlei interessante Angaben. So berichtet die Landwirtschaftskammer von dem Steigen der Bodenpreisc, wobei hervorgehoben wird, daß auch die neuen Handelsverträge nicht ohne Einfluß auf die höheren Bodenpreisc gewesen sind. Man muß berücksich- tigen, daß in dem Berichtsjahre die neuen Handelsverträge noch gar nicht in Kraft getreten waren. Um wieviel mehr steigen also jetzt die Bodenpreise, wo die Agrarier im Gelde scheffeln! Im vorigen Jahre schon sind in manchen Gegenden Preise bis zu 400 Mk. pro Morgen erzielt worden. Gleichzeitig sind die Pachtpreise gestiegen. Ein Besitzer verpachtete seine Wirtschaft mit 12Mk.pro Morgen exklusive In- v e n t a r. All diese Pächter und Käufer werden bald von einer „Not der Landwirtschaft" reden und höhere Zölle verlangen. Wie vorzüglich die O st m a r k e n p o l i t i k in Ostelbien flonert, wird durch die Mitteilung illustriert, daß in den südlichen Kreisen viele kleinere Besitzungen in die Hände von Polen übergegangen sind! Der Bericht sagt dann, daß die P r e i s e für Zucht-, Milch. und Mastvieh recht gut waren und stellt naiverweise fest, daß in Ostpreußen von einem Viehmangel keine Rede sein konnte. Als ob schon jemand Ostpreußen für eine v i e h a r m e Provinz erklärt hat. Gewiß, in Ostpreußen gibt es viel Vieh, aber es bleibt nicht in der Provinz, sondern geht nach dem Westen, so daß in Ostpreußen genau dieselben teueren Preise vorhanden sind, wie anderwärts. Ja, selbst in den kleinen Städten sind die Preise für Fleisch sehr hoch. Der Bericht muß zugeben, daß ein Mangel an Schweinen bestand, er schiebt aber als Ursache die schlechte Futterernte im Jahre 1904 vor. Und nun kommt das Eingc- ständnis, daß trotz der Absperrungsmaßrcgeln in den ostpreutzischen Ställen die Schweineseuche furchtbar gehaust hat. Es heißt wört- lich in dem Bericht: Wesentlich aber wirkte auch der Umstand mit ein, daß viele größere Güter die Schweinezucht bezw. Schweinehaltung zeitweise ganz auf- geben mutzten, weil si« anders die Schweineseuchen in ihren Beständen nicht tilgen kannten. Wir meinen, das ist deutlich. Während man immer schreit, die Ställe im Auslande sind ver- feucht, muß man im Jnlande die Zucht gänzlich einstellen, um mit der inländischen Seuche aufräumen zu können. lieber die.. Ärbeitervcrhaltnisse" äußert sich der Bericht selbstverständlich ungünstig. So stellt er fest, daß sich der Mangel an e i n h e i m i s che n, insbesondere an unverheira» t e t e n ländlichen Arbeitskräften für die ostpreußischen Land- Wirte noch immer in der unangenehm st en Weise fühl» bar macht. ES sind natürlich wieder viele ausländische Ar- bester geholt worden. So hat die Landwirtschaftskammer, deren „nationale" Betätigung zum größten Teil in der Vermittelung ausländischer� Landarbeiter besteht, im Jahre 1900 insgesamt 3639 Ausländer an die ostpreutzischen Agrarier vermittelt. Diese Leute setzen sich zusammen aus 1377 Polen von der schle- fischen Grenze, 994 Polen von der ostpreutzischen Grenze, 881 Ga- lizier, 232 Südungarn und 155 Ruthenen. Außerdem sind auch eine Menge Privatagenten in der Besorgung von aus- ländischen Arbeitern tätig gewesen. Man kann sich also vorstellen, welche riesige Zahl von Ausländern alljährlich nach Ostelbien geht. Geklagt wird auch über eine Vermehrung der Kontraktbruchsälle. Man wirft den Schachtmeisteui. Aufsehern von Wege- und Kanal- bauten vor, daß sie den Agrariern durch höhere Löhne die Arbeiter fortlocken. Dabei ist der Tagelohn, der den Arbeitern in Ost- Preußen bei den öffentlichen Bauten gezahlt wird, sehr niedrig. Ein Lohn von 2,89 bis 3,50 Mi. pro Tag wird als sehr hoch angesehen. Weiter wird aber den Arbeitern vorgeworfen, daß sie aus dem Mangel an Arbeiterangebot für sich nach Möglichkeit Vorteil zu ziehen suchen, indem sie entweder Lohnerhöhung ver- langen(welche Frechheit!) und einfach fortgehen, falls ihre Forderung nicht erfüllt wird, oder auch bereits auf das bloße Ge- rücht von einer besseren Arbeitsstelle ihrer bisherigen bei Nacht und Nebel den Rücken kehren. Es heißt natürlich, daß„ordentliche und solide Leute" so etwas nicht tun." Demnach ist also das Fordern von mehr Lohn und das Verlassen der Arbeitsstelle, falls die Forderung nicht erfüllt wird, unordentlich und unsolide. Dabei sind es gerade die Agrarier, die jetzt aus dem Mangel an Vieh vorzüglich Kapital zu schlagen verstehen. Ja, sie haben diesen Mangel erst künstlich herbeigeführt, um das Volt desto mehr aus- beuten zu können! Das ist aber nicht„unordentlich und unsolide", sondern das ist bloß„Schutz der nationalen Arbeit". Aber wenn Arbeiter ihre einzige Ware Arbeitskraft zu besseren Marktpreisen zu verkaufen suchen, dann ist das verwerflich, weil es die Interessen der nimmersatten Agrarier schädigt. Uebrigens hieß es früher immer und vor den Reichstagswahlen wurde es von den Konservativen in allen Krugstuben verkündet, daß, wenn der Landwirt höhere Zölle bekommen wird, er seinem Arbeiter auch höhere Löhne geben kann. Heute heimsen die Agrarier Riesengewinne ein, aber an die Arbeiter denken sie nicht; die müssen sich bei Rächt und Nebel auf und davon machen, wenn sie nicht auf den ostpreutzischen Gutshöfen darben wollen.— AuS dem oberschlesischen Jndustriebezirk wird uns geschrieben: Weder von der nationalen noch von der gewerkschaftlichen Bewegung kann aus unserem dicht am russischen Revolutionsherd gelegenen Bezirk gegenwärtig nennenswertes berichtet werden. Hier und da wird der Versuch gemacht, dem Beispiele der polnischen Bevölkerung Posens zu folgen und die Kinder beim Religionsunterricht in deutscher Sprache„streiken" zu lassen. So haben in den letzten Tagen in zwei dicht an der russisch-polnischen Grenze gelegenen Jndustriedörfern, Kostow und Borzezinka, etwa 40 Schüler gestreikt. Die Polizei hat ganz nach dem Muster ihrer jenseits der Grenze hausenden russischen Kollegin einen in Kostow wohnenden, als ..Polenagitator" bekannten Kaufmann verhaftet und in das Mvslowitzer Gerichtsgefängnis bringen lassen, unter der Beschuldigung, er habe die Kinder zum Streiken auf- gehetzt. Wie man, selbst wenn das wahr sein sollte, den Mann gleich einem schweren Verbrecher behandeln kann, begreift der bc- schränkte Untertanenverstand natürlich nicht. Aber in Ober- schlesien macht man das so. Ueber einzelne Versuche kommt jedoch in Oberschlesien der Schultinderstreik, die neueste Phase im Kampfe der Polen um ihr Recht, nicht hinaus. Daraus darf aber noch nicht geschlossen werden, daß hier die Stimmung der polnisch sprechenden Be- völkerung eine andere, bessere sei, wie in der Provinz Posen. Auch hier würde dieser Schulstreik ganz gewaltige Ausdehnung gewinnen, wenn nicht die große Mehrheit des oberschlesischen Volkes, die groß- industrielle Arbeiterschaft, unter einem ganz anderen Wirtschaft- lichen Druck stände, wie die kleinbäuerliche und bürgerliche Be- völkerung der Provinz Posen. Das Solidaritätsgefühl des ober- schlesischen Proletariers ist noch ganz unentwickelt und er hat keinen Begriff von der Macht, die er, vereinigt mit seinen Klasiengenossen, gegenüber seinen Unterdrückern ausüben könnte. Er läßt sich knechten, oft wie einen Hund behandeln, heimlich grollend zwar und in Einzelfällen in unüberlegte rohe Gegenwehr verfallend, aber im ganzen doch geduldig, ja oft kriechend unterwürfig. Das gibt verblendeten Hakatistcn in Oberschlesien oft Veranlassung, triumphierend auf die im Grunde doch loyale Gesinnung der ober- schlesischen Arbeiter hinzuweisen. Es gibt keine ärgere Selbsttäuschung! Noch ist der oberschlesische Arbeiter ruhig und hält sich, außer bei den Reichstagswahlen, wo er einen radikal- polnischen oder sozialdemokratischen Stimmzettel abgibt, von aller Opposition gegen die Herren fern, trotz seiner starken Unzufrieden- hcit. Dahin wirkt auch der Einfluß der Frauen, der bei der Berg- arbeiterschaft ganz allgemein, nicht nur in Oberschlcsien, sehr groß ist, denn diese leiden unter etwa erzwungener Arbeitslosigkeit der Männer in erster Reihe und wollen deshalb von irgend einer Opposition gegen die Herren nichts wissen. Auch die Geistlichkeit, die in Oberschlesien übrigens nur zum kleinen Teile polnisch gesinnt ist, wirkt in diesem Sinne auf die Fruacn ein, und das ist für diese von besonderer Bedeutung. So kommt es denn, daß bisher auch alle Bemühungen, die oberschlesischen Gruben- und Hüttenarbeiter gewerkschaftlich zu organisieren, von sehr geringem Erfolg waren, mochten die An- strengungen kommen von welcher Seite sie wollten. Seit Jahren bemühen sich der Bergarbeiterverband ebenso wie die Hirsch-Duncker- schen und die christlichen Gewerkvereine vergeblich, die träge Masse in Bewegung zu bringen. Und auch Korfanth, der als„nationaler Vorkämpfer" der polnischen Arbeiterbevölkerung außerordentlich großen Einfluß auf diese hat, ist mit seinen seit zwei Jahren fort- gesetzten Bemühungen, eine rein polnische Gewerkschaft zu schaffen, bisher fast erfolglos geblieben. Aber so kann und wird es nicht bleiben. Ist bisher nur die Oberfläche der gewaltigen Schicht ober- schlefischer Proletarier in Bewegung geraten, so sprechen manche Zeichen doch dafür, daß diese Bewegung sich allmählich mehr der Tiefe mitteilt. Dazu dürfte auch eine Konferenz beitragen, die am letzten Sonntag im Kattowitzer Gewerkschaftslokal tagte und sich mit der gegenwärtigen Lohnbewegung der Bergarbeiter be- schäftigte. Diese Konferenz wird nun deshalb für die ober- schlesische Arbeiterbewegung von großer Bedeutung werden können, weil an ihr neben Vertrauensleuten des alten Bergarbeiter- Verbandes und des Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereins zum ersten Male auch Vertrauensleute der Korfanty-Napieralskischcn Organi- sation, des Bcuthener Arbeitervereins zur christlichen Hülfe teil- nahmen. Die Verhandlungen, denen solche zwischen den drei Vor- ständen vorausgingen, nahmen einen durchaus friedlichen Verlauf und führten zu einer Einigung betreffend die gegenüber dem Grubenkapital einzuleitenden Schritte. Schon die Tatsache, daß die sich bisher bitter bekämpfenden drei Organisationen sich hier zu einer gemeinsamen Aktion zusammentaten, läßt, abgesehen von dem fraglichen Erfolg, die Hoffnung zu. daß nunmehr der Organi. sationsgedanke auch in Oberschlesien weitere Fortschritte inachen wird. Die Grubcnherren sind denn auch durchaus nicht so ver» trauensselig, wie manche überspannte Ostmn rken-.Politiker". Sie trauen ihren„Händen" längst nicht mehr über den Weg und ver- folgen die gewerffchaftlich organisierten Arbeiter mit rücksichtsloser Härte. Auch die gegenwärtig herrschende große Arbeiternot hindert sie nicht, organisierte„räudige Schafe" auszumerzen; sie nehmen lieber diesen Schaden auf sich, als daß sie gegenüber den gesähr- lichen Arbeiterorganisationen die Zügel locker ließen. Hat der Organisationsgedanke einmal größere Scharen Slrbeiter erfaßt, dann wird die Brutalität der Herren natürlich doch ohnmächtig werden. Dieser Zeitpunkt ist gewiß nicht mehr fern, dafür sorgt neben der sozialdemokratischen auch die radikal-polnische Agitation, die den Arbeiter auch gegen den Willen der Führer zum Klassen» bewußtsein bringt. Ilnd ist diese Wendung einmal eingetreten, dann wird der oberschlesische Jndustriebezirk der Welt noch manche Uebcrraschung bereiten, nicht nur in nationalen, sondern auch in gewerkschaftlichen und politischen Fragen. Die größte und Pein- lichste Ucberraschung werden dann eines Tages gar die polnischen Führer erleben, die beute noch Hahn im Korbe der oberschlesischen Arbeiter sind. HudUnd* Oesterreich. Trieft, 24. November. Die vollstSndigr Trennimg von Kommun und Kirche beschloß der Stadtrat nnt 22 gegen 21 Stimmen be zwei Stinnueneiithaltungen. Sämtliche Posten des KultuSbudgct» sind gestrichen oder herabgesetzt worden. Schweiz. Tie Trennung der Kirche vom Staate wird nunmehr auch im Kantow Schaffhauscn erörtert. Eine Versammlung von Liberalen in der Stadt Schaffhausen stimmte einmütig folgender Resolution zu:„Tie zuständigen Behörden des Kantons Schaffhausen werden ersucht, beförderlichst dahin zu wirken, daß eine reinlichere Aus- scheidung der staatlichen und kirchlichen Verhältnisse unseres Kan- tons bald zur Tat wird." Frankreich. Die Eidesformel. Paris, 25. November./„ Ueberstunden. Bei Patzenhofer(Abteilung 1) hatten 2 Schlosser 175, 3 Schmiede 180, 4 Maler 155 Ueberstunden, 2 Schlosser 81 Sonntagsstunden. Patzenhofer II: 4 Schlosser 104, 2 Elektromonteure 170 Sonntagsstunden. Böhmisches Brauhaus: 4 Schlosser 243. 7 Schmiede 114 Sonntagsstunden und 670 Ueberstunden! 3 Maler über 300 Ueberstunden. Friedrichshain: 4 Schlosser 315 Sonntagsstunden. Berliner Bock I: 3 Schlosser 149 Sonntagsstunden und 70 Ueberstunden, 3 Schmiede 119 Ueberstunden. In den übrigen Brauereien wird die Zahl 100 immer nicht ganz erreicht. Die Statistik erstreckte sich auf die Zeit vom 20. Mai bis 30. September d. I., also aus 19 Wochen. Insgesamt wurden in 19 Brauereien in dieser Zeit 6411 Ueberstunden(I), 3054 Sonntagsstunden, also insgesamt an lleberzeitarbeit nahezu 9500 Stunden gemacht. Die Mehrzahl der Arbeiter ist der Ueberzeugung, daß bei einigermaßen gutem Willen sich der größte Teil der Ueberstunden sehr wohl vermeiden läßt. Die Arbeiter sind der Auffassung, daß dies Unwesen im großen ganzen seine Ursache nur in der Ein- teilung hat._ Ein Konflikt im Bäckergewerbe. Bekanntlich bildet die Frage des Arbeitsnachweises schon seit längerer Zeit den Gegenstand von Debatten in der Schlichtungs- kommission der Bäcker. Die Arbeitnehmer haben begründete Ursache, mit der Arbeitsvermittelung, wie sie gegenwärtig durch die Innungen betrieben wird, im höchsten Grade unzufrieden zu sein. Keine der von den Innungen unterhaltenen Arbeitsver- mittelungsstellen entspricht den Anforderungen, die an eine un- parteiische Arbeitsvermittelung gestellt werden müssen. Besonders richten sich die Klagen der Arbeitnehmer gegen den Arbeitsver- mittler Vogel von der Germania-Jnnung, dem zum Vorwurf ge- macht wird, daß er entgegen dem Statut des Arbeitsnachweises seine Günstlinge von der gelben Gewerkschaft bevorzugt, ja so- gar einen Gesellen aus der Arbeit gebracht hat. um einen der Jnnungsschützlinge in Stellung zu bringen. Die Vertreter des Bäckerverbandes in der Schlichtungskommission haben aus Anlaß dieser Vorgänge eine Reihe von Forderungen gestellt, durch deren Befolgung eine gerechte und unparteiische Arbeitsvermittelung gewährleistet werden sollte, die aber nicht die Zustimmung der Meister fanden. Ferner haben die Verbandsvertretcr sich darauf berufen, daß nach dem im Mai dieses Jahres abgeschlossenen Ver- trage ein Zentralarbeitsnachweis eingerichtet werden muß, wozu die Schlichtungskommission die Vorarbeiten zu verrichten hat. Nach alledem, was bei den Vertragsverhandlungen über die Einrichtung dieses Arbeitsnachweises vereinbart und im Vertrage festgelegt worden ist, kann es gar nicht zweifelhaft sein, daß der zu er- richtende Zentralarbeitsnachweis ein paritätischer sein soll. Im Vertrage wird ausdrücklich gesagt, daß der Zentralarbeits- Nachweis einer aus 6 Arbeitnehmern und 6 Arbeitgebern zusammengesetzten Kommission unterstehen soll. Diesen Standpunkt vertraten auch die Verbandsvertreter in der Schlichtungskommission. Die Meister dagegen wollen von einem Arbeitsnachweis unter ge- meinsamer Kontrolle nichts wissen. Sie behaupten, die Vertrags- bestimmung, welche von der Einrichtung eines Zentralarbeitsnach- weises spricht, verpflichte sie zu nichts weiter, als daß sie die verschiedenen jetzt bestehenden Arbeitsnachweise der Innungen zu einem einzigen Arbeitsnachweis vereinigen, der aber in den Händen der Innungen bleibt, und diese nur allein über denselben zu bestimmen hätten. Diesem Ansinnen widersprachen die Ver- bandsvertreter auf das entschiedenste, weil es mit dem Vertrage nicht in Einklang steht. Die gegenwärtig beklagten schweren Miß- stände in der Arbeitsvermittelung würden auch nicht beseitigt, ja nicht einmal gemildert werden, wenn der Arbeitsnachweis aus- schließlich in den Händen der Innungen bleiben sollte. Für die Arbeitnehmer handelt es sich insbesondere auch darum, baß die Vertragsbestimmung, daß Kost und Logis nur auf Wunsch der Arbeitnehmer gewährt, im übrigen aber abgefchafft werden soll, nur dann durchgeführt werden kann, wenn der Arbeitsnachweis sich nach dieser Bestimmung gewissenhaft richtet, was jetzt nicht der Fall ist. Im Gegenteil ist man gegenwärtig bei der Arbeltsver- Mittelung bemüht, das Kost- und Logiswesen nach Möglichkeit auf- recht zu erhalten. Zurzeit hält noch die Hälfte aller Berliner Bäckereien das Kost- und Logiswesen aufrecht. Die Zahl könnte bei weitem nicht mehr so groß sein, wenn nicht bei der Arbeitsver. Mittelung fortgesetzt gegen die betreffende Vertragsbestimmung ver- stoßen wurde. WeBen Pet Einrichtung des Arbeitsnachweises in der Schlichtungskommission keine Einigkeit zustande kam, so beantragten die Verbandsvertreter, das Gewerbegericht als Einigungsamt an- zurufen, damit es entscheide, wie die darauf bezügliche Vertrags- bestimmung auszulegen sei. Die Meister wollten jedoch von der Anrufung des Einigungsamtes nichts wissen. Sie wollten die An- gelegcnheit ihren Versammlungen vortragen und deren Beschluß dem Verbände bis zum 11. Dezember mitteilen. Gleichzeitig meinten aber die Meistervertreter, diese Sitzung der Schlichtungs- kommission werde wohl die letzte gewesen sein. Das würde be- deuten, daß die Arbeitgeber das Vertragsvcrhältnis einseitig auf- lo>en. Achtung, Kurbelsticker, Stickerinneu, Konsektionszeichner! In einer Zuschrift, die wir aus Budapest erhalten, wird uns mitgeteilt, daß sich die Kollegen obengenannter Branchen in einer Lohnbewegung befinden. Die dortigen Unternehmer werden unbedingt versuchen, in Berlin Arbeitskräste zu bekommen. Die Budapester Kollegen appellieren an das Solidaritätsgefühl der deutschen und insbesondere der Berliner Kurbelsticker, Stickerinnen und Zeichner und erwarten wir, daß niemand an den ungarischen Kollegen zum Verräter wird. Zentralverband deutscher Textilarbeiter. Filiale Berlin. Zur Aussperrung in der mechanischen Schuhindustrie! Ja früheren Berichten haben wir darauf hingewiesen, daß mehrere Schuhfabrikanten bei Wiederaufnahme der Arbeit Matz- regelungen vornahmen. Auf eine Beschwerde des Schuhmacher- Verbandes ging diesem am Freitag die Antwort des Fabrikanten- Verbandes zu. Wie nicht anders zu erwarten war, wirb bestritten, daß Maßregelungen vorgekommen sind. Die Nichtwiedereinstellung verschiedener Arbeiter wird damit zu bemänteln versucht, daß die Plätze besetzt, und andererseits die Geschäftslage keine gute sei. Auf den ersten Einwand hin sind wir jederzeit in der Lage fest- zustellen, daß heute noch einzelne Maschinen unbesetzt sind/ oder in der Zeit, zwischen der Beschwerde und der Antwort des Fabri- kantenverbandes, anderweitig besetzt wurden. Hat doch die Firma P i n n e r erklärt, ihren Betrieb von geringeren Arbeitskräften zu reinigen, und dann diese angeblich geringerer. Arbeitskräfte der Ausgesperrten durch bedeutend schlechtere aus allen Gauen Deutsch- lands ersetzt. Der zweite Einwand, daß die Geschäftslage keine gute sei, wird jedesmal erhoben, wenn nach Beendigung von Differenzen die Wiedereinstellung der alten Arbeitskräfte erfolgen soll. Wir sind deshalb nicht in der Lage, diese Ausrede gellen zu lassen. Kann man somit aus der Antwort des Fabrikanten- Verbandes wenigstens herauslesen, daß er die Handlungsweise einzelner seiner Mitglieder nicht decken will, so konnte man gespannt sein auf seine Stellungnahme zu der Hanlungsdweise des Herrn Schliewe, Brunnenstraße 24. Dieser Herr will seine Fabrik erst zum Januar wieder eröffnen. Die Antwort des Fabrikanten- Verbandes stellt mit Bedauern fest, daß Herr Sckliewe in der Generalversammlung des Verbandes nicht anwesend war, und teilt mit, daß der ehrenwerte Fabrikant zum 1. Januar aus der Unter- nehmervereinigung austreten werde. Demgemäß besitzt der Fabrikantenverband Wohl die Macht, seine Mitglieder zu zwingen, Arbeiter auszusperren, aber sein Einfluß ist sofort entschwunden, wenn der Unternehmer gezwungen werden soll, den Betrieb wieder aufzunehmen. Man begnügt sich, zu konstatieren, daß er nach einem Monat aus der Organisation ausscheidet. Welches Geschrei würde von dieser Seite ausgestoßen werden, wenn eine derartige Praxis von Arbeiterorganisationen geübt würde. Der Fabrikant Schliewe kann es sich leisten, seine Fabrikation in Berlin solange einzustellen. Er besitzt in Storkow in der Mark noch eine Fabrik, deren Arbeiter vom Klassenbewußtsein noch nicht erfaßt sind und deren persönlicher Egoismus das Solidaritätsgefühl noch nicht auf- kommen läßt. Aber auch hier wird es dämmern. Als im Sommer 1905 einige Arbeiter dieser Fabrik sich dem Verbände anschlössen, da maßregelte der Herr Schliewe acht dieser Arbeiter, und gelang es ihm auf diese Art, die übrigen einzuschüchtern. Herr Schliewe hat noch einen Vorteil von dem Stilllicgen seines Berliner Betriebes. Hier wird bessere Ware zu höheren Arbeitslöhnen her- gestellt, während in Storkow geringere Artikel fabriziert werden, somit setzt er nun seine billigen Waren an seine Kundschaft, wenn möglich zu den alten Preisen um, und macht noch ein Geschäft dabei. Diese Fabrik bleibt his auf weiteres gesperrt. Wir machen noch bekannt, daß die Differenzen oei der Firma Pfarr, Ackcrstr. 14, beigelegt sind. Verband der Schuhmacher. Ortsverwaltung Berlin. Deutsches Reich. Betrügerische Streikbr�cheragenten. Während des großen Schuhmacherstreiks in Dresden zu An- fang dieses Jahres boten sich bei einem Unternehmer der Werk- meister L a m p e r t s und dessen Sohn als Streikbrecheragcnten an, um der betr. Firma die erforderliche Zahl von Arbeitswilligen zu verschaffen. Der Unternehmer erklärte sich auch sofort bereit, diese beiden Agenten gegen ein angemessenes Honorar zu engagieren. Da aber in Dresden und Umgegend keine Arbeitswilligen zu finden waren, die sich zu Streikbrecherdiensten verwenden ließen, so be- schlössen die beiden Streikbrecheragenten nach Wcstpreußen zu reisen und dort Arbeitswillige anzuwerben. Sie machten dem Unternehmer vor, daß sie dort so viel Arbeitswillige bekommen würden wie sie haben wollten, und daß es dadurch möglich wäre, den ganzen Fabrikbetrieb aufrecht zu erhalten. Der Unternehmer, Besitzer einer großen Schuhwarenfabrik, war nun froh, jemanden gefunden zu haben, der ihm aus der fatalen Streikgeschichte heraus- half. Die Herren Agenten wußten nun aber auch, daß sich die Unternehmer das Herbeischaffen von Arbeitswilligen ein schönes Stück Geld kosten lassen. So erbat sich denn auch der Streik- brecheragent L. jun. einen Vorschuß von 500 M., um die Reise nach Westpreußen machen zu können und einen Transport Arbeitswilliger zu holen. Damit aber nicht genug, der Bater ließ sich einige Tage später einen Vorschuß von 300 M. geben. Ohne weiteres wurde ihnen auch vom Unternehmer die Summe ausgehändigt. Was waren denn nun die Erfolge der beiden Streikbrccheragenten? Auch nicht einen einzigen Arbeitswilligen haben sie dem Unternehmer zu bringen vermocht. Außerdem haben sie auch noch einen großen Teil des Geldes für sich verwendet. Be- merkt sei noch, daß der Streik bei der Firma durch Bewilligung bald darauf beigelegt worden ist. Der betr. Unternehmer hatte ein- sehen gelernt, daß die Agenten trotz der hohen Geldsummen nicht in der Lage waren, Arbeitswillige herbeizuschaffen. Er ließ sogar gegen die sckstvindclhaften Streikbrecheragcnten das Verfahren wegen Unterschlagung einleiten. Die Sache kam nun vor das Schöffengericht in Dresden, vor welchem, sich der Werkmeister L. wegen Unterschlagung zu verantworten hatte. Da der Sohn des L. nicht zu ermitteln ist, so wird gegen ihn gesondert verhandelt werden. Der Herr Streikbrecheragent wurde zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt.—_ Aus der Steeler Glashüth(Wisthoff u. Co.) wurden die Funktionäre des christlichen Keramar beiter- Verbandes plötzlich entlassen. Von den betroffenen Ar- beitern war einer schon 24 Jahre auf dem Werk tätig. In einem Anschlage verlangt die Fabrik- leitung das Ausscheiden aller Arbeiter aus dem Verbände, weil sonst ein friedli che S Autammenarbeiten nicht mehr möglich sei. Eine Kom- Mission unter Führung deS Zentralvoriitzende n des Verbandes, die bei der Werksverwaltung vorstellig werden wollte, wurde zurückgewiesen. Der Ausstand dürfte unvermeidlich sein. Auf eine neue Tarifbewegung bereiten sich die Zimmerleute Nürnbergs vor. nachdem der bischerige Tarif in Bälde ablauft. Es werden den be ränderten Verhältnissen entsprechende Verbesse. rungen angestrebt. Die aufzustellenden Forderungen sollen sich hauptsächlich im Rahmen des noch nicht erledigten Tarifentwurfs der Maurer bewegen. Ein besonderes Augenmerk soll auf die Entlohnung der Junggesellen und älteren Arbeiter gerichtet werden, dann auf die Zustände bei den Betonfirmen usw. Eine Versamm- lung der Arbeiter setzte die Grundzüge fest und beauftragte dann die Verwaltung, auf Grund dieses Materials einen Tarifentwurf auszuarbeiten und den Unternehmern vorzulegen. Eine kräftige Antwort. Im verflossenen Sommer hatte die Firma Esch u. Stein in Duisburg ihren Arbeitern einen Lohnabzug in der statt- lichen Höhe von 20 Proz. zugedacht. Um sich gegen die Hevabmindc- rung ihres Einkommens zu wehren, war von den Arbeitern des ge- nannten Betriebes eine Zusammenkunst in einer Wirtschast anbe- räumt worden, an der etwa 80 Personen teilnahmen. Einberufen war die Zusammenkunst von Mitgliedern des Metallarbeiterver- bandes. Außer den auf dem Werke Beschäftigten waren ein Ver- treter des Metvllarbeiterverbandes und noch eine andere Vertrauens- Person als Redner anwesend. Diese Zusammenkunft, die als W e r k- stattbesprechung sich lediglich mit den Zuständen im Betriebe der Firma Esch u. Stein und im besonderen mit der Frage:„W i e ist die geplante Lohnreduktion abzuwehren?" be- schäftigte, war der Polizei nachträglich als nicht angemeldete�Ver- sammlung denunziert worden. Natürlich folgten die üblichen Straf- Mandate und zwar wurden damit sechs Personen in Höhe von je 15 M. bedacht, wogegen selbstverständlich richterliche Entscheidung beantragt wurde. Das Duisburger Schöffengericht stellte sich dann am 29. August auf den verblüffend einfachen Standpunkt, daß die Erörterung der Lohn- und ÄrbeitSbedin- gungen an sicheine„öffentliche Angelegenheitsei, ganz gleich, ob essichdabeiumAngehörigeeines bestimmten Betriebes handele oder nicht! Also darf nach Ansicht de- Duisburger Schöffengerichts über Lohn- und Arbeitsverhältniffe überhaupt nicht gesprochen werden, wenn die liebe Polizei nicht dabei ist.— Die Strafkammer als B c» rufungsinstanz hat nun dem Schöffengericht einen Nasen- st über gegeben, der hoffentlich so fühlbar sein wird, daß ihn sich auch das Duisburger Schöffengericht merkt. Die Strafkammer hat nam- lich nicht nur die Angeklagten freigesprochen, die Beuifungs- inslanz hat außerdem auch noch die Kosten der Verterdr- g u n g und sämtliche den Angeklagten erwachsenen Auslagen der Staatskasse auferlegt.— Ob das nun wohl endstch auch den Herren Schössenrichtern genügen wird? Man sollte eS er- warten..- Uebrigens hat die Sache auch noch eine mehr tragi-konnsche Seite. Ein Meister und ein Arbeiter(christlich-nationale Kuddel- muddelrichtung), die in ihrem devot-braven Untertänigkeitsgefühle die„Brotgeberin" herauszuhauen versuchten, und dafür ebenfalls als„Redner" mit je 15 M. bedacht wurden, haben ihre Strafe be. zahlt, ohne das Berufungsgericht anzurufen! Hoffentlich erkennt die Firma die gute Absicht der beiden Leute an.— Der Fcilenhaucrstreik in Augsburg hat nach langer Dauer mit einem Siege der Arbeiter geendet. Wie die„Christen" von den Sozialdemokraten„terrorisiert" werden. In allen bürgerlichen Blättern liest man von Zeit zu Zeit Schauergeschichten über den sozialdemokratischen„TerroriSmus' lönigstreuen und christlichen Arbeitern gegenüber. Besonders in den ostclbischen Provinzblättcrn wird an der Hand solcher Vorfalle „klipp und klar nachgewiesen", daß die Sozialdemokraten nur ein großes Zuchthaus haben und jeden unter ihre Knute bringen wollen. So wußte auch das in Danzig erscheinende klerikale „Wcstpreußische Volksblatt" in aller Ausführlichkeit den Staats. anwalt auf die Vergewaltigung eines königstreuen Zimmerers aufmerksam zu machen, den man trotz seines Alters— er ist 57 Jahre alt— gezwungen haben sollte, Sozialdemokrat zu werden. Und der Staatsanwalt schrittauch wirklich ein und strengte gegen den Genossen Junitz einen Prozeß an. der aber kläglich scheiterte, weil eben niemand terrorisiert und ver- gcwaltigt worden ist. Es stellte sich heraus, daß man den christ- lichen Zimmerer in höflicher Weise ersucht hatte, dem Zentral- verbände beizutreten. Sein Arbeitgeber wußte nichts von Per. gcwaltigungen und Beleidigungen. Auch erklärte er vor dem Schöffengericht, den christlichen Zimmerer nicht auf Veranlassung der Zentralverbändler entlassen zu haben. Dieser habe vielmehr freiwillig die Arbeit aufgegeben. Die Geschichte endete vor Gericht so, daß selbst der Staatsanwalt Freisprechung des„roten" Angeklagten beantragen mußte, die dann auch erfolgte.— So sieht der„Terrorismus" der Sozialdemokratie aus. Kommt eS zu einer Gerichtsverhandlung, müssen die Christen mit der Wahrheit heraus, so fällt ihre„fürchterliche Anklage" elend zusammen. Das christliche Blatt in Tanzig zetert jetzt und schreibt, die christliche und königstreuc Arbeiterschaft sei nun vogelfrei der sozial» demokratischen Hungerpeitsche ausgeliefert!! eingegangene Druckrdmften. Stimtslehrwerkitatte». Von Robert Danncberg, mit einem Vorwort von Anton Hucbcr, Sekretär der Gewcrkichaftskommission Lesterrcichz. E erausgegeben im Austrage des Verbandes der jugendlichen Arbetler csterreichs. 56 Seiten. Preis 30 Pf. Verlag: J. Brandt. Wien VI Gumvcndorferstr. 18. ««emcindevolitir und Sozialdemokratie von Emil Mtzsche. 352 Seilen. Preis: drosch. 2,50 M., geb. 3,50 M. Herausgegeben vom Zentralagimtionskomitee der sozialdemokratischen Partei Sachsens. Verlag: Kaden u. Co., Dresden-A. Für unsere Kinder. Weibnachtsbuch der„Gleichheit". Heraus- gegeben von Klara Zetkin(Zundel). Preis: kartonmert 1 M. Verlag: P. Singer in Stuttgart._______ Letzte JVacbricbten und Dcpcfcbca Ter Agrarier Sehnen. Budapest, 25. November.(W. T. B.) Der landwirtschaftliche Verein des Bekeser Komitats beschloß heute einstimmig, falls die Erntcarbeiter bis zum 31. Januar bei ihrer Weigerung. Ernte- Verträge abzuschließen, verharren sollten, aus China 15 900 bis 20 060 Kulis zur Verrichtung der Erntearbeiten einzuführen.� Der Beschluß soll den ungarischen Arbeitern durch öffentliche Anschläge zur Kenntnis gebracht werden. Attentat. Paris, 26. November.(W. T. B.) Heute nachmittag gab eine Frau an der Ecke der Rue de Hanovre und des Boulevards des Italiens auf den früheren Finanzminister Merlau 4 Schüffe aus einem Revolver ab. Merlau wurde durch 2 Kugeln leicht am Bein verletzt._ Generalstreik der Kleinbürger. Genua, 25. November.(B. H.) Der wegen der Mißwirffchaft in der Bahnvcrwaltung von den Geschäftsleuten beschlossene Generalstreik soll am Tage der Parlamentseröffnung in Szene gesetzt werden. � Gehenkt! Petersburg, 25. November.(W. T. B.) Der Bürger Stalfot ist, weil er fünf geladene Bomben im Besitz gehabt hat, vom Kriegs- gcricht zum Tode durch den Strang verurteilt und heute hingerichtet worden. 'Wvtw. Redakteur: Ho»? Weber, Berlin. Inseratenteil veranttv.: TD. Blicke. Berlin. Druck u.verlag: BorwättZBuchdr. u. Verlag Sanstnlt Waul Singer LcTo., Berlin LW. Hierzu 3 veilagru». Nnterhaltaaibtlatt |!r.276. 23. IahrMg. 1. Kilme des Jonrttls" Dienstag, 27. Noveniber tW. l�eickstag. t2S. Sitzung vom Montag, den 26. November, nachmittags 3 Uhr. Am Bundesratstische: Graf v. Posadowsky. Präsident v. Ballcstrem: Meine Herren, ich habe Ihnen eine schmerzliche Mitteilung zu machen. straft! Bei Werkstättenversammlungen haben wir genau dasselbe. Wenn 20—26 Arbeiter zusammenkommen um die Verhältiiisse in ihrer Wcrkstätte zu besprechen, gleichgültig ob sie einen Streik-planen oder nicht, so sagt der Jurist, diese Interessen seien viel weiter greifend als private, sie seien öffentlicher Natur und die Ver- sammlung hätte angemeldet werden müssen. Solche Eni- scheidungen ergehen jede Woche zu Dutzenden, im Jahre zu vielen Hunderte», und das würde bei diesem Gesetze genau ebenso sein. ede allgemeine Erörterung wird man als eine Ueberschreitung des im Statut festgelegten Zweckes ansehen und wird— beileibe nicht in allen Fällen— aber gerade wenn man es nötig zu haben glaubt, dem Verein die Rechtsfähigkeit nehmen. Unsere Gewerkschaften machen sich Freunde und erwerben sich Verdienste dadurch, daß sie Theateraufführuugen und Wissenschaft- liche Vorträge veranstalten. Das dürfen sie nach diesem Gesetze nicht mehr. Sie hätten hiernach nicht einmal das Recht, das ZnchthauSgcsctz zu erörtern(Zuruf), auch dies Gesetz nicht einmal, wird mir eben zugerufen, und das ist richtig. Nun wird der Staatssekretär in der Konimission freilich sagen, das stimmt alles nicht, das Gesetz wird loyal gehandhabt werden. Ach, meine Herren, wir haben gelernt, an solche Dinge nicht mehr zu glauben.(Leb- Haftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Man hat sich oft lustig gemacht über Prophezeiungen von unserer Seite, die nicht eingetroffen sind. Erinnern Sie sich aber daran, � was wir auf diesem Gebiete der polizeilichen und gerichtlichen Schuhriegeleien prophezeit haben, da sind alle unsere Prophezeiungen stets ein- getroffen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Für die Gewerkschaften ist es unmöglich allgemeine und ideale Ziele auszuschalten, das wäre für sie eine Degradation. Nach diesem Gesetz würde auch die Erörterung aller religiösen Dinge aus- geschlossen sein; die Fachabteilungen der katholischen Arbeiter- vereine würden also einfach von diesem Gesetze ausgeschlossen sein. Aber auch die christlichen Gewerkschaften können getroffen werden. Denken Sie sich, wie es wirken würde, wenn der Geist- liche, welcher Vorsteher(Widerspruch im Zentrum) oder wenigstens Redner in dem Verein ist, damit beginn«! würde:„Gelobt sei Jesus Christus I" und dies würde dann als eine religiöse Bestrebung auf- gefaßt werden.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Ich glaube ja nicht, daß man für den Augenblick die katholischen Arbeiter- vereine anfassen würde. Aber man kann eS.mit diesem Gesetz tun, und eine laxe Handhabung des Gesetzes ist schlimmer als eine strenge. Im letzteren Falle weiß man, woran man ist; wenn aber das Gesetz jetzt lax gehaudhabt wird und später streng, so sind die Vereine viel schlimmer daran. Das Zentrum möge nicht denken, wir sind Hahn im Korbe, es kann auch wieder anders kommen. Auch heute muß ja der Papst die Neigung des Deutschen Reiche? teilen mit einem anderen Herrscher aller Gläubigen. Vielleicht wird bei uns noch einmal Türkisch Trumpf.(Heiterkeit.) Aber ernstlich ge- sprachen, so haben Sie doch die Waffen der kleinlichsten Polizei- gewalt kennen gelernt. Alle diese Waffen sind doch geschmiedet worden Km Kampfe gegen die Zentrnmspartei und können sich auch wieder gegen sie richten. Ich hoffe, daß das Zentrum hier Vorsicht zeigt, sonst müßte man denken, es wäre Ihnen ganz lieb, wenn die Arbeitervereine unter polizeiliche Aufsicht gestellt würden.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ich nehme an, man will durch dieses Gesetz Streikbrechcrv ereine großziehen, abhängige Vereinchen, die von den Arbeitgebern gestiftet werden und die sich nicht rühren können. Das Gesetz ist geradezu verlockend für die Arbeitgeber, 60 000 oder 100000 Mark zu geben, um ein VereinShaus und ein Vereinchen zu gründen. Das ist auch früher schon gemacht worden, aber dann kamen zuweilen energische Leute, hinein, lmd dann wenden sich diese Vereinchen gegen ihre Stifter. DaS wäre nach diesem Gesetz ausgeschlossen. Ich komme nun auf den Punkt der gemeinen Gefahr. Mehrere Redner haben dies einen schwammigen und unklaren Begriff genannt. Ich teile diese Meinung. Wer ebenso unklar ist auch der Be- griff der A u s s p e r r u n g. Unsere Gerichte machen schon längst keinen Unterschied mehr zwischen Streikenden und ausgesperrten Arbeitern. Ich erinnere an den Fall, als zur Zeit der Ausfahrt unserer Expedition nach Ostasien Arbeitgeber in Hamburg die Arbeiter aussperrten. Nichtsdestoweniger wurden damals von einer Stelle, die nicht informiert" war oder die Information nicht zu Ende angehört hatte(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten), die Arbeiter als vaterlandslose Agitatoren bezeichnet. Bei der erweiterten Schadenshaftung durch Anwendung des K 81 des Bürgerlichen Gesetzbuchs muß ich dem Abgeordneten Bassermann widersprechen, der meinte, diese Schadenshaftung bestehe auch heute, auch heute könnte ein Verein schon haftbar gemacht werden für Schäden, die durch seine Vorsteher veranlaßt sind. Hier handelt es sich aber nicht um Haftungen aus Verträgen; bei solchen können allerdings die Vereine auch heute schon haftbar gemacht werden. Hier handelt es sich um die Haftung für sogenannte Delikte, und diese ist nach dem heutigen Gesetze nicht zulässig. Die Ansicht DernburgS, auf die sich Bassermann warin berufen hat, ist ganz sing ulär(alleinstehend) und von der Praxis nicht anerkannt.§31 ist nur für eingetragene Vereine anzu- wenden. Der Staatssekretär sagte, er oegriffe nicht, wie gerade wir die Schadenersatzpflicht ablehnen könnten, und berief sich dafür auf das Prinzip der Rechtsgleichheit. Wenn von dieser Seite eine Lanze für demokratische Prinzipien gebrochen wird. steckt immer was dahinter.(Sehr richtig' l.i den Sozial- demokraten.) Es ist auch ganz falsch, die staatsbürgerliche Gleichheit, die wir fordern, fordern wir, weil sie die Voraussetzung ist für die ungehemmte EntWickelung der in der Nation vorhandenen geistigen und wirtschaftlichen Kräfte. Aber ganz etwas anderes lst es, bei konkreten wirtschaftlichen Verhältnissen Verschiedenes als gleich zu behandeln. Das ist gerade so, wie wenn man lleine Leute m die großen Röcke der ersten Kompagnie des ersten Garde- regiments stecken wollte.(Heiterkeit.) Es kommt doch darauf an, ob die Röcke passen. An sich ist es gleichgültig, ob die Deliktshaftung(ich rechtfertigen läßt oder nicht. Im römischen Recht— den Juristen ist das bekannt, existierte sie nicht. Auch der Entwurf a), welcher der zweiten Kommission für das Bürgerliche Gesetzbuch vorgelegt wurde, der von Sohm verfaßte Entwurf, den die Kommission auf den energischen Widerspruch der preußischen Regieruug unter den Tisch fallen ließ, auch dieser Entwurf enthielt die Deliktshastung nicht. Man braucht auch diese Bestimmungen gar nicht. Jedenfalls würde eine praktische soziale Gesetzgebung sich davor hüten, alle Korporationen ohne Unterschied zu behandeln. Man kann kleine Korporationen weit eher wie Einzelpersonen behandeln. Wer man denle sich einen großen Verband mit 100 000 Mitgliedern, die über ihre Vorsteher und ihre Vertreter und ihre An- gestellten, Beauftragten gar keinen solchen Einfluß, keine Disziplinargewalt haben. Da einfach haften zu müssen für jeden von ihren Vorstehern oder Vertreten, angerichteten Schaden, den zu verhü dern sie gar nicht in der Lage sind, das wäre, wie der Römer sagt:„Snmw'nn jus, summa injuria". Sträubt ftch doch selbst der Staat, die größte Korporation, diese Haftung zu übernehmen, er aber wäre noch der erste dazu; denn er sucht sich seine Beamten aus, die einen ganz genau vorgeschriebenen Bildungsgang durchmachen müssen. Er weiß also,>vie sie denken und handeln, er hat sie unter der Fuchtel durch ein Disziplinarverfahren, ihre Zuständigkeit ist genau geregelt. Wenn also der Staat so behandelt werden sollte, wie ein Menich>..it einem Einzelwillen, dann wäre das keine Ungerechtigkeit. Der Staat sträubt sich noch heute, die Haftung für die Schäden, die durch seine Beamten hervorgerufen werden, zu übernehmen. Mit wenigen Ausnahmen, die das Prinzip durchbrechen, besteht eine solche Haftung nicht, man sollte also ganz ruhig zurückgreifen auf jene Regelung im Entwurf a). Für große Verbände würde eine solche Hastung geradezu ruinös fein, übrigens nicht nur für Arbeiter- sondern auch für Unternehmer- verbände, namentlich aber für die Tarifgemeinschaften. Die Schaden- Haftung für unerlaubte Handlungen hat zwei Grundlagen. Entweder stützt sie sich auf Handlungen gegen die guten Sitten oder auf strafbare Handlungen. Nun ist in den letzten Jahren durch die Recht- sprechung der Begriff der gegen die guten Sitten verstoßenden Handlungen in einer Weise ausgedehnt worden, die geradezu ge- meingefährlich für das wirtschaftliche Leben geworden ist. Es ist Ihnen bekannt, daß die Rechtsprechung das durchaus be- rechttgte Vorgehen der Buchhändlerverbände gegen die Schleuderer als gegen die guten Sitten verstoßend angesehen hat.(Hört, hört I bei den Sozialdemolraten.) Denken Sie auch an den jetzt be- sprochenen Buchdruck.. ctarif. Da findet sich ebenfalls ein gemeinsames Vorgehen gegen außertarifliche Firmen verabredet. DaS würde nach denselben Grundsätzen auch gegen die guten Sitten verstoßen. Alle Unternehmungen, die auf Regulierung des Absatzes hinauslaufen, sind in dieser Beziehung gefihrdel durch die schwammigen Begriffe des Bürgerlichen Gesetzbuches und durch die Prinzipien des Reichsgerichtes, die jegliches Verständnis für die korporative Zusammenfassung der im Volke lebenden Kräfte vermissen läßt. Es steckt in dieser Rechtsprechung ein Stück Eifer- sucht der Bureaukratte gegen alles, was nicht von ihr aus- geht gegen jeden Akt der Selbsthülfe. In den Kämpfen der Arbeitgeber gegen die Arbeiter und umgekehrt sind diese Paragraphen von den„guten Sitten" ans die ein- seittgste Wesse für die A r b e i tg e b e r und gegen die Arbeiter angenommen worden. Es gibt eine Anzahl Entscheidungen, wonach Aussperrungen und schwarze Listen nicht als gegen die guten Sitten verstoßend angesehen wurden, wenn sie von Arbeitgebern aus- gingen, und eine Anzahl Entscheidungen, wonach bloße Aufforderungen, bei solchen Bäckern zu kaufen, welche die Forderungen bewilligt hatten, als Verstoß gegen die guten Sitten angesehen wurden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Kollege Pachnicke hat das neueste Urteil des Reichsgerichts vom 11. Juli 1906, das einen ab- weichende,: Standpunkt enthält, zitiert. Ich kenne das Urteil, aber es steht bis heute vollständig allein und in krassem Widerspruch zu einer Anzahl anderer Entscheidungen, der nur auf die oberflächlichste Weise verkleistert ist durch ein paar ver- legene Redewendringen, um der Notwendigkeit einer Plenar- cntscheidung zu entgehen. Ich bezweifle sehr stark, daß dieses Urteil in der Praxis Bedeutung haben wird; es wird dies genau so wenig der Fall sein, wie in einem anderen ver- inzelten Urteil eines Strafsenats über den Begriff der Erpressung. Ich komme nun auf die andere Grundlage der Haftung für un- erlaubte Handlungen. Es ist von mehreren Seiten das Beispiel des Erpressungsantrags angeführt worden. Ich habe in diesem hohen Hause auf diese gefährliche Judikatur hingewiesen. Die Rechtsprechung geht jetzt soweit, daß wenn ein Arbeiter streiken will und er verhandelt vorher in höflicher Weise mit dem Arbeitgeber darüber, ob er ihm seine Forderungen bewilligen will, das als Erpressung angesehen wird.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Es sind eine ganze Reihe oerartiger Urteile ergangen, und das Prinzip ist ausgestellt worden, daß eigentlich bei jedem eine Verurteilung wegen Erpressung erfolgen kann, wenn das auch nicht immer geschieht. Wie diese Urteile begründet find, darauf will ich nicht eingehen, weil die Zeit zu weit vorgeschritten ist. Es ist auch einmal ein Arbeitgeber in einem solchen Falle ver« urteilt, aber natürlich sofort begnadigt worden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Als ich diesen Punkt zum ersten Male hier berührte, sagte Herr Kollege Baffer- mann, er müsse allerdings zugeben, daß, wenn diese Judikatur(Recht- sprechung) sich einbürgere, daß man dann nicht mehr wisse, welches Gebietfür die Betätigung des Koalitionsrechtes noch frei bliebe. Nun. inzwischen hat sich diese Rechtsprechung eingebürgert. Sie ist auch durch den preußischen Justizminister d'.rekt den preußischen Staatsanwälten zur Nachachtung empfohlen worden. (Hört! hört! bei de» Sozialdemokraten.) Nun rühren Sie sich einmal, nun retten Sie einmal das bedrohte Koalilionsrecht!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dazu ist nun im letzten Jahre iioch etwas Weiteres gekommen, nämlich eine vollständig abstruse Auslegung des§ 163 der Gewerbe- ot&nung. Seit dieser Gesetzesparagraph besteht, ist man allgemein der Ansicht gewesen, daß es den Koalitionszwang bekämpft, welchen Arbeiter gegen Arbeiter und Arbeitgeber gegen Arbeilgeber ausüben, daß es aber nicht darunter falle, wenn ein Arbeiter vom Arbeitgeber unter Ankündigung des Streiks eine Lohnaufbesserung oder irgend etwas die Arbeitsbedingungen Betteffendes verlange. Diese Auffassung ist auch die einzig mögliche und wird durch die Entstehungsgeschichte und den Zweck des Gesetzes bewiesen. Jm§162wird der Streik erlaubt zum Zweck der Erreichung besserer Lohnbedingungen. Das setzt schon begrifflich voraus, daß man diese Bedingungen zu- nächst einmal dem Gegner mitgeteilt hat, sonst wären es keine Be- dingungen, wenn man darüber nicht paktieren wollte. Folglich kann nicht dasselbe noch durch§ 153 unter Strafe gestellt sein. So hat die Praxis und auch das Kammergericht 40 Jahre lang angenommen, so hat es auch 1890 bei der Beratung der Novelle zur Gewerbeordnung Staatsminister v. Berlepsch als Auf- fassung der Regierung dem Reichstag dargelegt, so ist es zum Ausdruck gelangt in der Begründung des so- genannten ZuchthauSgesetzes. Jetzt kommt plötzlich� daS Reichsgericht in einer Entscheidung im 36. Bande und sagt so von oben her aus den, Handgelenk„andere", das ist jeder Mensch, namentlich auch Arbeitgeber, und es verurteilt einen Arbeiter, der von dem Arbeitgeber die Anerkennung eines Lohntarifs gefordert hat, der zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern allgemein ver- einbart wa. auf Grund' des§ 163.(Hört I hört! bei den Sozial- demokraten.) Wir sind vom Reichsgericht ja sehr viel gewohnt, aber ein so o b e r f' ä ch l i ch, so u n j u r i st i s ch begründetes Urteil ist mir noch nrcht vorgekommen. DaS Reichsgericht wirst dem Minister v. Berlepsch vor, er hätte falsch zitiert: das kann es aber nur, indem es selbst falsch zitiert. Wenn 40 Jahre lang die Judikatur einen Weg gegangen ist, so kann daS Reichsgericht doch nicht einfach durch eine andere Entscheidung nun das ganze gewerb- liche Leben umstürzen wollen, indem es das für strafbar erklärt, worauf das ganze gewerkschaftliche L>.ben basiert. Ich gebe zu, die meisten Gerichte sind zu gewissenhaft und die meisten Stau: anwälte zu vorsichtig gewesen, um"solche Anklagen auf Grund des§ 163 zu er- heben, nur im geliebten Breslau hat das Oberlandcogericht den Gewerlschastskkretär Schlegel auf Grund dieses Paragraphen der- urteilt. Sie hätten einmal hören sollen, wie das Oberlandesgericht von oben herab über diesen Herrn v. Berlepsch und die Herren Verfasser der Motive zum Zuchthausgesetze gesprochen hat: solche Aeuherun gen hättten gar keine Bedeutung. (Hört I hört I links.) Wir haben mm allerdings den Spieß umgedreht. Wenige Tage nach diesem Urteil ist gegen den Verband der Metall- industriellen, der anlündigte, er würde alle orgamfierten Arbeiter aussperren, wenn nicht in einem gewissen Betriebe ein paar Streikende die Arbeit wieder aufnähmen, die Klage wegen Vergehen» gegen den§ 163 von uns eingereicht worden. Wenn auch nicht ohne Mühe und nicht ohne Spott und Hohn auf meiner Seite habe ich es durchgesetzt, daß daS Oberlandesgericht gegen die Direktion dieses ArbeirgeberverbandeS die Erhebung der öffentlichen Anklage nach § 152 beantragen will; ich weiß ja noch nicht, ob die Herren ver- urteilt werden. Es schweben jetzt in Berlin Dutzende von Anzeigen gegen die Unternehmerverbände, die man eingereicht hat, um einmal zu sehen, ob die Juristen die Konsequenzen der Grundsätze, die sie den Arbeitern gegenüber aufstellen, auch gegen die Arbeitqcber an- wenden werden. Ich habe in diesen Anttägen, die ich eingereicht habe, keine Zweifel darüber gelassen. Ich habe mich verpflichtet gefühlt, als Jurist und Politiker zu betonen, daß ich diese Anklagen beantrage, obgleich ich dtese Art der Rechtsprechung für«nfittlich und für juristisch falsch halte. ES ist in der Tat em ganz unrrttSglicher Zustand sowohl für die Arbeitgeber als auch für die Arbeiter, daß sie sich nicht rühren können, daß eS unmöglich ist, irgend einen Lohnkampf auf der einen oder anderen Seite zu führen, ohne daß mau dieser Judikatur nach sich des Vergehens der Erpressung oder der Nötigung nach§ 153 der Gewerbeordnung schuldig macht. Jede derartige Handlung macht übrigens zivilrechtlich haftbar für die dadurch herbeigeführten Schädigungen, und wir werden es uns nicht nehmen lassen, für die Ausgesperrten des Metallarbeiterverbandes Zivilklage auf' Schadenersatz gegen die Herren vom Arbeitgebervcrband zu erheben. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Legten hat vollkommen recht, so lange das Koalitionsrecht nicht gegen etwaige Beeinträchtigung geschützt ist, ist eS unmöglich, die Schadensersatzverpflichtung aus§ 31 des Bürgerlichen Gesetzbuches hier zu übernehmen. ES ist nicht zu hoffen, daß die Rechtsprechung iviedev umkehrt, weil sie einen falschen Weg gegangen ist. Es ist ihr ja das durch unsere Gesetze sehr erschwert, aber sie tut es auch' wirklich nicht. Wenn die Juristen etwas recht Unglaubliches und Unbrauchbares ausgeheckt haben, dann nennen sie es höchstes Recht. ?oroat justitia—(Große Heiterkeit rechts). Ich meine: trat justitia pereat rnuadus. Aber ich habe ganz recht, indem ich mich ver- spreche: xersat justitu I(Sehr wahr! links.) ES bleibt nichts übrig, als daß die Gesetzgebung eingreift und daS Koalitionsrecht schützt. Zum Schluß noch ein Wort über eine Aeuße�ung, die Staats- sekretär Graf Posadowsky über den Zweck des Gesetzes getan hat. Er meint, es gilt, die Unterschiede in der Arbeiterbewegung anö- zubauen und zu befestigen und diese so einzudämmen, daß sie„die nebelhaften Träun.e vom Zukunfcstaat fallen läßt und sich auf die Vertretung der realen berechtigten Interessen beschränkt." Was ich jetzt sage, sage ich nicht etwa namens der Gewerk- schaftsbewegung, die zu vertreten ich nicht die Aufgabe habe, sondern es ist ineine ganz persönliche Meinung. Die GewcrkschaftS- beloegung, wie sie entstanden ist und wie sie blüht und lebt, steht vollständig' auf der Basis der heuttgen Gesellschaft, auf der Basis des Lohnvertrages. Sie will den Lohnvertrag ändern und sie steht natürlich auch auf dem Standpunkt, daß die speziellen ge- werblichen Arbeitsverhältnisse, die sie vorfand, als sie selbst vor zwanzig Jahren einsetzte, nichts Unabänderliches sind. Es hat sich ja auch in diesen 20 Jahren teilweise Wesentliche» schon daran geändert. Aber weiter. Die Gewerkschaftsbewegung muß meiner Meinung nach, da sie den Arbeiter dem Arbeitgeber gegenüber vertreten will in seinen goworblichen Interessen, un- abwendlich dazu rammen, auch die Ideale der Gleichberechtigung des Arbeiters mit dem Arbeitgeber, die Ideale der freien aus- gebildeten, unabhängigen Persönlichkeit zu vertreten. Vorgefunden hat sie Lohn- und Arbeitsverhältnisse, die diesen Idealen nicht gerecht wurden. Als die Arbeiterbewegung begann, waren die Arbeiter noch unterdrückt und durften an den höheren Gütern der Kultur nicht teilnehmen, selbst wenn es in der Verfassung stand. Für diese Kulwrideale hat die Gewerkschaftsbewegung gekämpft, und ich glaube nicht, daß sie sie wirb fallen lassen, auch wenn der Herr Staatssekretär meint, das gehöre nicht zu den berechtigten re- alen Interessen der Arbeiter. Nun ist es, meine ich, Sache der heutigen Gesellschaft, des heutigen Staats, dazu Stellung zu nehmen, ob diese Kulturideale der Gewerkfchafts- bewegung in der gegenwärtigen Gesellschaft erfüllbar sind, oder ob es dazu des Umbaues der Gesellschaft in eine sozialistische Organi» sation bedarf, das ist eben die Frage. Meiner Meinung nach kann man einen Wolf nicht in ein Lamm verwandeln, und die heutige Gesellschaft könnte, selbst wenn sie den besten Willen hätte, diesen gewerkschaftlichen Idealen niemals gerecht werden. Sie mögen anderer Ansicht sein, aber jedenfalls werden Sie mir zugeben müssen: es wäre Sache des heutigen Staates, der Arbeiterbewegung zu beweisen, daß die heutige Gesellschaft ihren Idealen der freien Selbstbestimmung, der freien Ausbildung der Persönlichkeit, diesen Kulturidealen gereu>t zu werden versteht. Und ich frage nun jeden: Ist dieses Gesetz, das uns hier der heutige Staat vorlegt, ein Be- weis dafür, daß er diesem Kulturidcal der Gewerkschaften zu entsprechen versteht. Nein, der Entwurf muß geradezu ent- negcngeseht wirken. Er muß den Arbeitern beweisen, daß sie von diesem Staate nichts zu erwarten haben! Wen« durch irgend etwas, so wird die Regierung mit diesem Gesetz die Einheit von gewerkschaftlicher und politischer Bewegung, die sie beklagt, die sie lösen will, wie mit einem eisernen Hammer zusammenschmieden und im Feuer härten. lLebhaster Beifall bei den Sozialdemokraten.) Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf DienZtag I Uhr. (Vorher einige Rechnungssachen.) Schluß 7 Uhr.__ Hub der Partei. Parteiliteratur. Im Verlag von P a u l S i n g e r in S t u t t g a r t ist soeben erschienen: Für unsere Kinder. Weihnachtsbuch der„Gleichheit". Herausgegeben von Klara Zetkin(Zundel). Preis kartoniert 1 M. Vereine, die eine größere Anzahl Exemplare bestellen, erhalten einen Vorzugspreis. Der Verlag der.Gleichheit" gibt dem Werke folgendes Geleitwort: Das Weihnachtsbuch der„Gleichheit" besteht aus den beiden Jahrgängen IVOS und 1906 der Beilage der„Gleichheit"„Für unsere Kinder". Die Ausgabe ist erfolgt auf Grund vielfach geäußerter Wünsche anS den Reihen proletarischer Frauen. Wir sind überzeugt, daß der reiche Inhalt des Buches den Kindern unserer Proletarier eine nie versiegende Quelle der Unterhaltung und Belehrung bieten dürfte. Auch auf die Ausstattung, Papier. Druck usw. ist große Sorg- sali verwendet worden, ebenso auf einen guten dauerhaften Einband. Bei Feststellung des Preises wurde dagegen weiteste Rücksicht ge- nommen auf den Geldbeutel der Arbeiter und Arbeiterinnen. Wir machen hiermit wieder einen erneuten Versuch auf dem Gebiete der Jugendliteratur. Möge der Versuch das Interesse unserer Genossen und Genossinnen erregen. Ein Erfolg würde uns den Mut geben, auf diesem Gebiete immer Vollkommeneres zu erstreben. Damit mag das Weihnachtsbuch der„Gleichheit" in die Welt hinausgehen und groß und klein erfreuen. Zum Entwurf einer Landesorganisation für Preußen nahmen die Parteigenossen Rathenows in einer WahlvereinSversamm- lung Stellung. Gegen die Fassung des J 3, nach dessen Nummer 3 der Landeskonferenz die„Beratung und Beschlußfassung über alle das Parteileben Preußens berührende Fragen" obliegt, wurden von den Diskussionsrednern gewichtige Bedenken erhoben. Daß einer nebenamtlich tätigen Landeskommission beziehungsweise einem ebenso fungierenden geschästsführenden Ausschuß die Leitung der Landes- organifation übertragen werden soll, wurde in Rücksicht auf die wichtigen und umfassenden Aufgaben, deren Lösung von der Landes- organtsation erwartet wird, als völlig unzulänglich bezeichnet. Folgende Resolution gelangte nrit großer Mehrheit zur An- nähme: „Die heutige Versammlung nimmt von dem in der Parteipresse veröffentlichten Entwurf einer Landesorganisation Kenntnis. In bezug auf§ 3 Nummer 3 sowie§ 10 de§ EutwurfS hält die Versammlung die vom Genossen SlronS in Nr. 230 des„Vorwärts" erhobenen Einwände für berechtigt. Die Versammlung erwartet vom preußischen Parteitage, daß er die Aufgaben der Landeskonferenz so umgrenzt, daß die Kompetenzen des deutschen Parteitages, was die Regelung allgemeiner Parteiangelegen- Helten anbetrifft, ungeschmälert erhalten bleiben, daß ebenso die deiiÄreifen durch das Organisationsstatut auferlegte Pflicht der Berichterstattuiig an den deutschen Parteivorftand als notwendige Verbindung zwischen beiden bestehen bleibt, daß endlich als ausführendes Organ der Landes- organisatton ein Vorstund gewählt wird, dem zwei seiner Miiglieder als vollbesoldete Beamte und ferner ein Mitglied des Partei- Vorstandes mit Stimmberechtigung angehören. Die Landeskommission hat als ergänzendes Organ des Vor- standes zu gelten._ Gemeindewahlcu. In Tönning wurden am Freitag für zwei turnusgemäß ausscheidende Stadtverordnete zwei Genossen gewällt. Die Freude über diesen ersten sozialdemokratischen Stadtberordnetenwahlstg, der in SchleSwig-Holstein nördlich der Eider bis jetzt überhaupt zu ver- zeichnen war, ist groß. Wie eS oft auf eine einzige Stimme bei Wahlen ankommt, beweist das Resultat in der dritten Klasse beim Wahlkampf um die Rathaussitze zu Edingen in Baden. Dort siegte das Zentrum mit 92 Stimmen über unseren Vorschlag, der es auf 91 Stimmen brachte._ Ein Kannibale. Wie der„Volksfreund" erzählt, ist e* bei einem Streit zu Nöttingen(bei Wilferdingen im Amte Aurlachj so- weit gekommen, daß der Herr Vorstand eines Militärvereins seinem sozialdemokratischen Gegner ein Stück Fleisch aus der Oberlippe biß. WaS sonst noch über die unritterliche Tapfer- keit dieses liebenswürdigen Herrn berichtet wird, tft geeignet, ihn siner Oberguß-Kneippkur für bedürftig zu erklären. polfceilukes» Gerichtliches ufw. Auch eine Auslegung des Versammlungsrechtes und des§ 193 des Strafgesetzbuches. Wegen angeblicher Beleidigung eines Polizeiinspektors wurde der Parteisekretär Genosse Linde aus Königsberg von der Straf- kammer zu I n st e r b n r g in der Berufungsinstanz am 24. November zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt. DaS Schöffengericht hatte wegen desselben Delitts am 21. September auf einen Monat Gefängnis erkannt. Am 1. Juli d. I. wollte Genosse Linde zu Jnsterburg in einer von ihm arrangierten öffentlichen Volksversammlung referieren Die Einladungszettel zu dieser Versammlung hatten auch eine Bemerkung enthalten, ans der hervorging, daß auch Frauen Zutritt hätten und Mitglieder zum sozialdemokrattschen Verein aufgenommen lverden würden. Es war denn auch eine größere Anzahl Frauen aus der Stadt und vom Lande erschienen. Noch bevor aber die Versammlung eröffnet war, forderte der über- wachende Polizeiinspektor die Entfernung der Frauen. Als das nicht sofort geschah, löste er die Versammlung auf, nachdem er eine Äelehrun. des Genossen Linde über seinen Irrtum zurückgewiesen hatte. Als der Saal etwa zur Hälfte geleert war, ging Linde auf den Polizeibeamten zu und sagte ihm, er kenne als Polizeibeamter die Gesetze nicht, wenn er zu einer öffentlichen Versammlung keine Frauen zulaffe. Der Beamte fühlte sich beleidigt und stellte Strafantrag. Vor Gericht motivierte er die Auflösung der Versamm- lung damit, daß in den Einladungen auch zum Ein- tritt in den politischen Kreisverein aufgefordert werde. Daraus habe er geschlossen, daß die Versammlung eine VereinSversammlung sei und man mit der Bezeichnung„öffentliche Volksversammlung" das BereinSgesetz umgehen wollte. Den Wortlaut der Lindeschen Aeußemng gibt der Polizeiinspektor also wieder: „ES ist einSkandal, baß ein preußischerPolizei- inspektor die Gesetze nicht kennt." Linde bestritt ent» tchied" daß er so gesagt habe. Der erste Richter, sowie der Staatsanwalt der Strafkammer stellten sich trotz der überzeugenden Ausführungen des Verteidigers Rechtsanwalt Haase, auf den Standpunkt, daß der Beamte die Ver- farnrnlung zu Recht aufgelöst habe. Aber selbst wenn das dahin gestellt bleibe, so hätte Linde kein Recht gehabt, dem Beamten Gesetzesunkenntnis vorzuwerfen. Ebenso wie der erste Richter billigte auch die Strafkammer dem Genossen Linde nicht den Schutz des§193 zu.„Denn", so lautete die sonderbare Begründung dafür,„das Interesse, das der Angeklagte zweifel- los an dem Zu st anbekommen der Versammlung hatte, hörte mit der Auflösung derselben auf. Nur das Strafmaß wurde geändert. Soziales. „Soziale" Rechtsprechung in Hamburg. TaS Hamburger Gewcrbegericht hat in letzter Zeit Sprüche gefällt, die die schärfste Kritik herausfordern. In dem bekannten Prozeß der Hamburg-Amerika-Linie gegen 127 Schauerleute hat es den geradezu ungeheuerlichen„Rechtsgrundsatz" aufgestellt, daß es gegen die guten Sitten verstoße, wenn Schauerleute nach 2Zstündiger Arbeit sich weigern, weiter zu arbeiten, da sie nach dem Lohntarif zu 36stündig-r Arbeit verpflichtet sind! Ob die Arbeiter unter der Last det Arbeit zusammenbrechen, ob sie körperlich und geistig zugrunde gehen oder ob die Betriebssicherheit darunter leidet, das kommt nach Ansicht des Gewerbegerichts nicht in Be- tracht und verstößt nicht gegen die guten Sitten, denn der famose Lohntarif läßt ja die 86stündige Arbeit zu. Dem Gewerbegericht scheint gar nicht der Gedanke gekommen zu sein, daß eine solche „Vereinbarung" gegen die guten Sitten verstößt und auf Grund der diesbezüglichen Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs nicht rechtsverbindlich ist. Außer dem Amtsrichter Bohsen hat an diesem Urteil der Oberscharfmacher(rnd Obermeister der Bau- innung Herr Bummert mitgewirkt, denn daß der Beisitzer aus der Arbeitnehmergruppe sich dieser„Rcchtsanschauung" angeschlossen hat, erscheint ausgeschlossen.— In schroffem Gegensatz hierzu steht die von uns mitgeteilte Entscheidung des Hanseatischen Oberlandes- gerichts, das das vom Hafeninspektor erlassene Verbot der Fort- j ßung der Arbeit durch ermüdete Arbeiter als gesetzlich gerecht- fe'igt erklärt,„weil die Arbeiter 14 Stunden hintereinander bei ein r schweren körperlichen Arbeit beschäftigt waren und mit der Mb ichkeit gerechnet werden mußte, daß sie bei der Weiteravbeit an hrer Gesundheit Schaden erleiden und sich auch gegenseitig gesr.,rden könnten". Das Gewerbegericht betrachtet eine Sbstündige Aroeitszeit als im Rahmen der menschlichen Leistungsfähigkeit liegend.„Wat schreewen iS. stecht schreewen."— Dieser Tage hat das Gewerbegericht einen Entscheid gefällt, daß Arbeiter zur Leistung von Ueberstunden unter allen Umständen verpflichtet seien.„Entscheide nun die Willkür oder das freie Ermessen der Arbeiter darüber, ob Ueberstunden gemacht werden sollen, nicht aber der eine Wille des Leiters des Unternehmens, so wäre die völlige Auflösung jeder Ordnung und jeder Stetigkeit im Betriebe die notwendige Folge. Aus diesen Gründen muß aber der Arbeiter die Ueberstunden ebensogut innehalten wie die übrige Arbeitszeit, soweit ihm nicht eine seine Kräfte übersteigende Leistung zugemutet wird." Gestern ist das Amtsgericht den antisozialen Spuren deS Gewerbegerichts gefolgt. Es hat auf Klage der Vereinigten Elb- schifsahrtsgesellschaften, Aktiengesellschaft, 13 Bootsleute zu je 18 M. verurteilt und die Widerklage der Bootsleute abgewiesen. Die Verurteilten hatten eine Nachtarbeit als widervertragliche und schikanös angcjetzte Ueberstundenarbeit abgelehnt und wurden darauf entlassen. Sie erhoben Widerklage aus Zahlung von je 26 M. wegen unberechtigter Entlassung. Ihrer Forderung stand § 618 und ß 226 B. G. B. zur Seite. Mag sein, daß es den Elb- schifsern in der Berufungsinstanz gelingt, zu ihrem Recht zu ge- langen— der Streik der Bootsleute wird durch das ergangene Urteil nicht beeinflußt werden�_ Sklavenrecht für Ausländer in Preußen. Recht sonderbare Erfahrungen über preußische Kultur haben eine Anzahl galizischer- Arbeiter machen müssen. In ihre Heimat drang ein sog. Seelenverkäufer ein, ging von Haus zu HauS und warb etwa 120 Arbeiter für die Hannoversche Portland- Zementfabrik in Misburg bei Hannover an. Er versprach ihnen, sie könnten in Misburg 3— 4 M. täglich neben freier Verpflegung verdienen und wußte sie auch an ihrer verwundbarsten Stelle zu treffen, indem er ihnen süßen Kaffee und zu Mittag Suppe, Fleisch und Zuspeise in Aussicht stellte. Die armen hungernden Galizier glaubten diesem Agenten, unterschrieben den Kontrakt und fuhren in das Kulturland Preußen hinein über Mhslowitz. Als sie in Misburg ankamen, zeigte ihnen der Agent die Fabrikräume und sagte, daß sie, wie versprochen war, dort im Warmen und Trockenen beschäftigt würden. Einen halben Tag ging die Sache gut, dann kamen sie in den Steinbruch, mußten dort entgegen ihren kontraktlichen Verpflichtungen Nachtschicht arbeiten und statt im Warmen und Trockenen in Wind und Wetter und in sumpfigem Wasser, das bis an die Knie reichte, stehen. Die an alles mögliche gewöhnten Leute fügten sich etwa 9 bis 11 Tage in diese Ungeheuerlichkeit. Nach der Fabrikordnung ist am 3. und 18. jeden Monats Lohntag. Am 19. November— der 18. war ein Sonntag— verlangten einige der— doch wohl freien gewerblichen— Arbeiter„Vorschuß"! wie sie den verdienten Lohn nannten, um sich Stiefel oder Kleidung anzuschaffen. Die Leute— darunter eine Frau— waren zum größten Teil völlig abgerissen, hatten die Stiefel teilweise mit Bindfaden zusammen- gebunden und konnten ohne Schädigung ihrer Gesundheit nicht weiterarbeiten. Trotzdem wurde ihnen am 19. und 20. der„Vor- schütz" verweigert, die Leute wurden bielmehr aus der Fabrik hinausgejagt! Um dieselbe Zeit langte ein neuer Transport Galizier an, der aus diesem Grunde gar nicht erst die Arbeit aufnahm. Wie man die Leute hinauswarf, verdient hervorgehoben zu werden. Alle mußten sich einer Revision ihres Gepäcks unter- ziehen. Allen wurde jedes— auch das kleinste Stückchen— Brot weggenommen und dann stießen die Werkmeister sie auf die Straße. Offenbar sollten sie nun ohne Arbeit verhungern. Alle Be. teucrungen, daß man arbeiten wolle, nur brauche man etwas Geld, halfen nichts. Wer Geld forderte, flog hinaus, wer sich fügte, konnte weiterarbeiten? Auf diese selbst im Schlachzizenurlande ungewöhnliche Weise kamen die Armen in die preußische Freiheit. Weinend und bittend erweichten sie das Herz eines polnischen Gastwirts, der an den österreichischen Konsul in Berlin, später an den in Bremen tele- phonierte und von letzterem den Bescheid erhielt, die Gemeinde Misburg habe die Leute zu versorgen. Der Gemeindevorsteher lehnte ab. Später, nachdem er sich mit dem Landrat verständigt. übernahm er die Fürsorge. Am Freitag kam plötzlich der Ge- meindediener in die. Wirtschaft und meldete: der Landrat habe befohlen, die Leute sollten in der Fabrik wieder arbeiten, er habe dafür gesorgt, daß sie alle wieder angenommen würden, oder sie müßten alle heraus aus Misburg! Die Galizier sandten eine Deputation an die Fabrik mit der Anfrage, ob der schuldige Lohn ausgezahlt werde. Im Kontor wurde ihnen die Antwort: Ihr könnt einen Hund im A.... lecken! Der Gemeindediener sagte dem Wirt, daß die Gemeinde— wenn die Leute nicht arbeiten wollten— deine Zahlung für Verpflegung mehr leiste. Kurz vor Anbruch der Dunkelheit zogen dcain die Leute die Landstraße ent» lang, ohne Ziel, ohne Geld, ohne jede Aussicht auf Hülfe. Eine entsetzliche Tragödie! In einigen Wochen tönt es von den Kanzeln der beiden neuerbauten Kirchen in Misburg herab: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Dann denkt man jedenfalls nicht mehr daran, daß zwei Tage nach dem Bußtage wider Recht und wider Christenpflicht ein halbes Hundert Menschen ins Verderben gejagt worden sind.— Wenn hülflose Tiere auf. gefunden wären, würde der Gemeindevorsteher jedenfalls nicht gesagt haben: Laßt sie lausen, wohin fie wollen. Inscr Mitarbeiter hat sich den Arbeitsvertrag der bcdauerns- werten Leute angesehen. Danach haben diese sich auf 6 Monate zu Tagesarbeit von 6— 6 Uhr verpflichtet. Von Nachtarbeit ist keine Rede. Gesetzwidrig ist, daß die Verpflichtung des Arbeit- geberS nicht auch dahin ging, 6 Monate die Arbeiter zu be- schäftigen. Der hatte sich noch 7 M. Vertragsstrafe, 26 M. TranS- portkosten und noch einige Mark für Nachtlager, Decken usw. aus- bedungen, falls die Arbeiter kontraktbrüchig würden und konnte nach dem Vertrage, der auch in diesem Falle gesetzwidrig, das Geld vom Lohne nach und nach einbehalten. Wer die Höllen- quälen in der Fabrik 6 Monate aushält, soll die abgezogenen Be- träge, dazu freie Reise 4. Klasse nach Mhslowitz zurückerhalten. An Lohn war vereinbart: Männer über 20 Jahre pro Stunde 15!! Pf., Ueberstunden 22 Pf. Burschen unter 20 Jahren 12!! Pf. pro Stunde, Ueberstunden 18 Pf. oder 20 M. pro Monat! Außer- dem sollte jeder erhalten:„Der Mann 12 Pfund Brot, Bursche oder Frau 10 Pfund Brot, 114 Pfund Fleisch, 1 Pfund Schmalz pro Woche, zweimal täglich süßen Kaffee, Mittagbrot, bestehend aus Hülsenfrüchten, abends Suppe, alles gut mit Fett zubereitet." Wie appetitlich das Mittagessen sein mutzte, erweist, daß an einem Mittag eine Maus im Essen gefunden wurde! Dieses herrliche Essen gab's nur am Tage, während der Nachtarbeit mutzten sich diese Arbeiter von Brot und Schmalz nähren. Zubrot gab's nicht und Geld zum kaufen hatten die armen Teufel auch nicht. Das Tollste aber ist die Art der Vcrmittelung dieser Arbeiter an die Fabrik. Den Leuten sind an der Grenze die LegitimationS- Papiere abgenommen worden. Dafür erhielten sie eine gelbe Legitimationskarte der Deutschen Feldarbeiter Zentralstelle Berlin, Bermittelnngsamt Mdslowitz. Der Agent sagte den Leuten— vorwiegend waren cs Polen—, sie müßten sich als Rnthenen aus- geben, und als griechisch-katholisch, da sie sonst am 1. Januar wieder aus Preußen heraus müßten. Alle Legitimationskarten legitimieren den Inhaber als Ruthencn und als griechisch- katholisch, obgleich darunter Polen, Galizier, Römisch-katholische und Evangelische vorhanden sind. Diesem offenbaren Schwindel setzt aber die Tatsache die Krone auf. daß alle Karten„geprüft und beglaubigt" sind von der Polizeivcrwaltung in MhSlowitz! Ist es denn schon sü weit gekommen, daß die Polizei alles, was agrarisch ist, ohne weiteres beglaubigt. Leider war es nicht möglich. eine solche Karte als Beweismittel zu erhalten, weil sonst dem legitimationslos Herumziehenden sehr arg mitgespielt werden könnte. Jedoch wenn der Polizei, dem Ministerium, dem Reichs- kanzler oder— dem Staatsanwalt an der Feststellung dieser skandalösen Ungeheuerlichkeit etwas liegt, so beschlagnahme man die Karten derer, die in Misburg noch arbeiten und die Karten derjenigen, von denen hier die Rede ist. Diese Letzteren sind noch nicht außer Landes. Ehe sie ausgewiesen und fortgebracht sind, vergeht noch einige Zeit. Wir wollen etwas entgegenkommen und hier das Wesentlichste aus der Karte Nr. 12 877— ein Verzeichnis hat wohl auch die Mhslowitzcr Polizeiverwaltung— abdrucken: Außenseite. Gültig für die Dauer der Arbeitszeit. Eingedruckter Stempel: Deutsche Feldarbeiter« Zentralstelle Berlin." Nr. 12 677 Legitimationskarte. Vor- und Zuname: Thomas Jakob. Heimatland: Galizien, Ort: Dornfeld In Arbeit bei: Portland Zenientfabrik Wohnort der Arbeitgeber: Hannover Kreis Provinz: dto. Deutsche Feldarbeiter- Zentralstelle Vermittlungsamt MhSlowitz. Stempel der Polizeiverwaltung MpSlowitz" Geprüft und beglaubigt MhSlowitz, den S. November 1906 Die Polizeiverwaltung (Faksimilestempel) Häuser.(? " Die Stentpel sind rund. 2. Seite. Signalement des Inhaber?« Alter: 1877 Geschlecht: männlich Religion: griechisch-katholisch Staatsangehörigkeit: Oesterreich Nationalität: Ruthcuisch timilienstand: ledig tatur: mittel Geficht: länglich Augen: grau Haare: dunkel Dieser Mann ist auf jeden Fall Noch heute ist Deutschland. Die Polizei hat geprüft und beglaubigt, daß- er Ruthene und griechisch-katholisch ist. Dabei ist Thomas Jakob aber Galizier und evangelisch!! Auch der Inhaber der Karte Nr. 13002 ist beide? nicht, trotzdem dies auch polizeilich beglaubigt ist. Hätte man von der Polizei wirklich geprüft, dann durften diese Arbeiter jedenfalls nicht von jener Stelle vermittelt werden. Agrarisch ist aber bei uns Trumpf. Gcldvcrdienen das Metier. Daher wohl hat die vertrauensselige Polizei in MhSlowitz ganz und gar übersehen, daß die Fcldarbeiter-Zentralstelle ausländische Arbeiter nach gewerbliche Unternehmungen verschickt, in denen deutsche Arbeiter niemals zu solch erbarmungswürdigen Be- dingungen fronden würden. Vielleicht steht der Reichskanzler hier- über im Reichstage Rede und Antwort und bezeichnet diese An- gclegcnhcit nicht, wie den Fall Schöne— Brockhusen, als prcpßijche Angelegenheit.—* Versammlungen. AuSschu ssitzung des ArbcitersiingerbunoeS Berlins und Um» gcgend. Der Arbcitergesangvcrein„Mariendorf" und der Verein „Freiheitsklänge"-Jüterbog, wurden in den Bund aufgenommen.— Ein Dankschreiben aus San Francisco gelangte zur Verlesung.— Die Abrechnung vom Sängcrfcst gab der zweite Kassierer und wurde demselben auf Antrag der Revisoren Entlastung erteilt.— Die Angelegenheit Strausberg kontra„Typographia" wurde bei An» .Wesenheit des Strausberger Vertreters nach lebhafter Debatte, in welcher wiederholt getadelt wurde, daß Anschuldigungen gegen ein» zelne Vereine so Icichtsertig ohne Beweise erhoben werden, und speziell die Beschwerde der StrauSberger Genossen gegen„Thpo» graphia" als völlig unbegründet anzusehen sei, durch Annahme folgenden Antrages erledigt:„Der Ausschuß erklärt, daß der der „Typographia" gemachte Vorwurf, Bohkottbruch begangen zu haben, jeder Begründung entbehrt. Dieser Vorwurf ist nicht aufrecht zu erhalten und demzusolge die„Typographia" von diesem Vorwurf freizusprechen."— Zum Stiftungsfest des Bundes wurde bekannt gegeben, daß dasselbe am 8. Dezember in der Brauerei Friedrichs- Hain, unter Hinzuziehung von Uvei bedeutenden Sängerinnen usw.. gefeiert wird. Es wird ersucht, für regen Besuch zu agitieren. Die gemeinschaftliche Probe der ausgelosten Vereine für das Lied „Sturm" findet am 2. Dezember, vormittags%11 Uhr, in der Brauerei Friedrichöhain statt.— Mit Befriedigung nahm der Ausschutz Kenntnis von der Verschmelzung der beiden Vereine„Froh. sinn" und„Morgenrot" in Rummelsburg.— Sodann wurde beschlossen, die Generalversammlung am 13. Januar 1907, vormittags, abzuhalten; die Auswahl des Lokals bleibt dem Vorstand über- lassen. Anträge zur Generalversammlung sind bis 14 Tage vor dein Stattfinden derselben beim Vorstand einzureichen und sind die Vereint laut Statut berechtigt,«ruf je IL Mitglieder einen Ver, treter zu entsenden. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, den 27. November. Anfang 7 Uhr. Opernhaus. Rigoletto. Schauspielhaus. Klein Dorrit. Deutsches. Das Wintermärchen. Westen. Die Fledermaus. Lorking. Der Waffenschmied. Kleines. Ein fideler Gatte. Leffing. Die Wildente. Anfang 8 Uhr. Neues Operntheater. Die Ent führung aus dem Serail. Neues Schauspielhaus. Sturm. Berliner. Sherlock Holmes. Zentral. 1001 Nacht. Der Schiller 0.( Wallner Theater.) Der Hochtourist. Urania. Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater Sizilien. abends 8 Uhr: Im Hörsaal 8 Uhr: Das Leuchtgas. Im Theater: Invalidenstr. 57/62, 8 Uhr: Der Trabant der Erde. OOLOGISCHER Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Dienstag, abends 8 Uhr: Der Hochtourist. Schwank in 3 Aften von Kurt Kraat und May Neal. Mittwoch, abends 8 Uhr: Das Lumpengesindel. Donnerstag, abends8uhr: Die Verschwörung des Fiesko zu Genua. Zirkus Busch. Dienstag, abends 8 Uhr: ROM. Gr. Origin.- Ausft. Die rote Robe. Schauspiel in vier Aften von Eugen Brieur. Deutsch von Anne St. Cére. Mittwoch, abends 8 Ubr: Frau Inger von Oestrot. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Hochtourist. CARTEN Zirkus Schumann Rixdorfer Theater Zi Großes Militär- Doppel- Konzert. Bergstraße 147. Heute Dienstag, 27. d. M., abends Mittwoch, den 28. November 1906: präz. 7 Uhr: Das anerkannte Sensations. Programm und Mr. Henricksens einzig dastehende Eintritt 1 M., v. 5 Uhr ab 50 größte Tigergruppe Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Zentral- Theater. Abends 8 Uhr: Tausend und eine Nacht. Schiller N.( Friedrich Wilhelm- Operette in 3 Alten v. Johann Strauß. städtisches Theater). Die rote Robe. Neues. Die Condottieri. Komische Oper. Carmen. Residenz. Triplepatte. Lustspielhans. Husarenfieber. Deutsch Amerikanisches. wilden Westen. Herr Hauptmann b. Köpenick. Thalia. Eine luftige Doppelehe. Luisen. Sherlock Holmes. Bernhard Nose früher Carl Weiß. Die neue Welt. Trianon. Der Hausfreund. Walhalla. Spezialitäten. Apollo. Spezialitäten. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Kasino. Die beiden Champignol. Folies Caprice. Serenissimus August XXVI. Das Modell. Das Provinzmädel. Paffage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. I'm wissenschaftlichen Theater: Sizilien. Im Hörsaal abends 8 Uhr: Das Leuchtgas. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Im Theatersaal: Abends 8 Uhr: Der Trabant der Erde. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Dienstag und folgende Tage: Sherlock Holmes. Anfang 8 Uhr. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Klaffiterborstellung zu ermäßigten Preisen: Faust. Theater des Westens Station Zoolog. Garten, Kantstr. 12. Dienstag, Anfang 7%, Uhr: Die Fledermaus. Friz Werner a. G. Gutscheinheste ungültig. Mittwoch: Martha. Anf. 7, Uhr. Neues Schauspielhaus Dienstag, den 27. November: Der Sturm. Mittwoch: Die Hochzeitsfackel. Anfang 8 Uhr. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Die Condottieri. Morgen und folgende Tage: Die Condottieri. Kleines Theater. Heute abend 8 Uhr zum 125. Male: Ein idealer Gatte. Mittwoch: Die Feinde. Donnerstag: Bum 126. Male: Ein idealer Gatte. Freitag: Die Feinde. Komische Oper. Abends Carmen. 8 Uhr: Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Lakmé. Donnerstag und Sonntag nachmittag: Hoffmanns Erzählungen. Freitag: Die Bohéme. Montag: Carmen. Lortzing- Theater Bellealliancestr. 7/8. Dienstag, 27. November, 7, Uhr: Der Waffenschmied. Abonnements gültig. Mittwoch: Bettelstudent. Trianon- Theater. Anfang 8 Uhr. wilde Dreffur Herr Bono m. fein. 12 Araber- Hengsten. Les 5 Alex. Dienstag, 27. Dez., ab. 72 Uhr: Äusſt.Pantomime d.Zirkus Busch in 7 Bildern. Besonders hervorzuheben: Die großen Kampfspiele im Zirkus Caligula. Die Todesfahrt über die zersprengte Brücke. Phant. Allegorie in feenhaften Lichtund Wasserspielen. Ferner: Nur noch wenige Tage: Monsieur Romeos Staunen erregende Automobilexperimente. Ueberfahren Der Prinzgemahl. mit einem 70 PS. Fiat- Automobil Lustspiel in 3 Aften von Xanros und Chamel. Anfang 8 Uhr. Brunnen- Theater Direktion: Bernhard Rose. Badstraße 58. Anfang Die 5 Könige der Luft Gesundbrunnen. Eine Szene im Restaurant Magim. 8 Uhr. Les 5 Piroscoffis Dir. Alb. Schumanns neue und moderne Dreſsuren. Um 10 Uhr: Die große AusstattungsPantomime: Ein Der Hausfreund. Tag in Monte Carlo. Sonntagnachm.: Ihr zweiter 8 Uhr. Lenore, die Grabesbraut. Schauspiel in 3 Abteilungen. Staffeneröffnung 7 Uhr. Billettvorverkauf von 10-1 Uhr an der Theaterkaffe. ( Gew. 30 Zentner u. 4 Insassen.) Folies Caprice Linienstr. 132 Ecke Friedrichstraße. Serenissimus August XXVI und Das Modell. Ab 1. Dezember Wiederauftreten von Josef Fleischmann. Anfang 8 Uhr. Weihnachts- rämien. Wir sind in der angenehmen Lage, unseren Lesern in diesem Jahre Ferdinand Freiligraths Werke mit einer Einleitung von Schmidt- Weißenfels in vorzügl. Ausstattung, gebunden in 3 Leinenbänden, zu dem außerordentlich billigen Preise von abgeben zu können. 3 Mark Ferner bieten wir unseren Abonnenten Grillparzers fämtliche Werke Neue illustrierte Ausgabe in 2 Bänden. Herausgegeben und mit Einleitung versehen von Rudolf von Gottschall. Das Werk ist gut ausgestattet, umfaßt über 1000 Seiten und kostet ebenfalls nur 3 Mark Bei der großen Beliebtheit, deren sich die Werke des Freiheitsdichters Freiligrath in der Arbeiterschaft erfreuen, sowie bei dem lebhaften Interesse, das dieselbe speziell den Dramen und Erzählungen Grillparzers entgegenbringt, dürfte die Nachfrage nach beiden Werken, namentlich in Anbetracht des billigen Preises eine sehr große sein, so daß es sich empfiehlt, seinen Bedarf baldigst, wenn möglich schon jetzt zu decken. Zu beziehen in unserer Hanptexpedition, Lindenstr. 69, und in allen Parteispeditionen. Expedition des„ Vorwärts", Berlin SW. 68 Lindenstr. 69, Laden. Deutsch- Amerikanisches Theater. Heute abend 8 Uhr u. jeden Abend sowie Mittwoch abend: SOUVENIR- VORSTELLUNG. Zum 100. Male: Im wilden Westen und: Der große Lacherfolg: Herr Hauptmann v. Köpenick. Morgen nachm. 31, Uhr, kl. Preise: Die Reise durch's Märchenland. 司 Winfergarfen. Anfg 8 Uhr Heute: Ruth St Denis dieberühmte indische Tänzerin udas interressante Spezialitäten. Programm. Bros.Permané The 3 Urma Excentrics Sisters Trapez künstlerinnen Angelo's lebende Kunstwk. O.K.Sato La Vilma Kom Jongleur Sandmalerin Maria Vinent Das Millmann- von der Königl. Trio Drahts- Akt. Oper in Madrid. Staleys Ver- LiJem Hai San wandlungsakt Chinesen trup. D.mus.Fassbind. Clotilde Florido Im sonnigen Span. Tänzerin. Spanien Engl. Der Biograph Balletscene, aus 1- Wettlaufen. gef.von d. John 2.Die Hochzei Tiller Tr.a.Lond. im Automobil. Cipollo Theater Nur noch 4 Tage! Liane d'Eve. Die Driginal Matschiche Tänzerin. Die Seldoms. Plastische Darstell. und: Das große November- Programm. Sonntag, 2. Dez., nachm. 32 Uhr: Familien- Vorstellung. Halbe Preise. Passage- Theater. Anfang: Abends 8 Uhr. Josefine Dora Irber Mary Georg Kaiser Damen- Jiu- Jitsu und 14 erstklassige Nummern. Sonnabend, 1. Dez.: Premiere Berlin paß auf! 8weiattige Burleste aus der Weltstadt von Leopold Elh. Mufik von R. Nelson. In den Hauptrollen: Josefine Dora, Georg Kaiser, Martin Bendix, Paulette van Roy. Kottbuser Sanssouci, Straße4a. Direktion Wilhelm Reimer. Heute Dienstag: Theaters Abend. Zum erstenmal: Die Ahnfrau. Trauerspiel in 5 Aufzügen von Grillparzer. Jeden Sonntag, Montag, Donnerstag: Norddeutsch. Sänger und Tanzkränzchen. Sonntags Beginn 5, Bochent. 8 Uhr. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger Anfang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Berliner Prater- Theater Kastanien- Allee 7-9. Heute abend 8 Uhr: Metropol- Theater Bernhard Rose- Theater Walhalla- Palast- Theater. Der Leiern und Pflegerin Der Teufel lacht dazu. Die neue Welt. Volksstück mit Gesang und Tanz in 5 Akten aus dem amerikanischen Große Jahresrevue in 7 Bildern Bolksleben von H. Kißling. Morgen und folgende Tage: Die Billettvorverkauf für 8 Tage vorher von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max neue Welt. Roth. In Szene gesetzt Direktor Richard Schultz. von Morgen Mittwoch: Die Fledermaus. Massary. Wolff. Bender. Sonnabendnachm. 3 Uhr: 1. KinderMärchenvorst.: Peter und Paul reisen ins Schlaraffenland. Giampietro. Josephi. Anf. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Ermäßigte Preise Lustspielhaus. Sonntag, 2. Dez, nachm. 3 Uhr: Abends 8 Uhr: Husarenfieber. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Heute Anf. 72 Uhr: Auf in's Metropol. Refidenz- Theater. Direktion Richard Alerander. Heute und folgende Tage, 8 Uhr: Triplepatte. Sherlock Holmes. Bicomte Robert be Soudan: Mittwoch Gastspiel A. Matkowsky: Othello. Donnerstag: Sherlock Holmes. Schwank in 5 Akten v. Tristan Bernard und André Godsernaur. Richard Alerander. Sonntagnachm. 3 Uhr: Der Stell bertreter. an der Theaterlaffe u. bei Bertheim. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Kean oder: Genie und Leidenschaft. Schausp. nach b. Franzöf. v. Randolf. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bf. Ehren- und Borzugskarten gültig. Mittwoch: Schuldig. Sozial. Schausp. Kasino- Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr Die beiden Champignol. Weinbergsweg 19/20. Am Rosenthaler Tor. Nur noch wenige Tage! Das schwarze Udel- Quartett ( Original Black Troubadours). Die kluge Rosa! 14 borzügliche 14 Spezialitäten Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Fröbels Allerlei- Theater. Schönhauser Allee 148. Heute 8 11hr. sein Mittwoch: Entree 50 Pf. Der Pfarrer von Kirchfeld. Der glänzende November- Spielplan. New: Little Fred Neu! der 16jährige Entfesselungsfünstler: Befreiung aus der Zwangsjacke! Arsène Argolia Hunde- und Tauben Dreneur. Dazu: 10 Attraktionen 10 und: Eine vom Ballett. ut ſpiel. Familienfarten, zum halben Kajfenpreise gültig, in allen Barbier Friseur- u. Bigarrengeschäften gratis. Gastspiel Bernhard Rose- Theater. Buggenhagen Die Tochter der Hölle. Preislustspiel in 5 Aften. Moritzplatz. Jeden Dienstag: Staffeneröffnung 7 Uhr, Anfang 8 r. Gustav Gottschalk- GesellschaftsKonzert.( Solisten- Abend.) THE Billettvorverkauf: Sonntag 4 Uhr: ,, Gebrüder Zorn". Krüger& Oberbeck, Staftanienallee 1. ,, Singvögelchen". Rond. Handwerker, Schönh. Allee 153. Polosseum Colo Dresdenerstr. 97. Vollständig neues PROGRAMM. Konzertsaal: Künstlerkonzert u. Volks- Kabarett. Gustav Behrens Theater, Berlin O., Frankfurter Allee 85. Das vollständig neue November- Programm. Neuer Hauptmann v. Köpenick Neu! 22 Nummern. Anfang 7%, Uhr. Sonntags 5%, Uhr. Berantwortlicher Rebatteur: Hans Weber, Berlin, für den Anferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Br. 276. 23. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 27. November 1906. Gegen die Kongoverwaltung. die Vorgänge in König Leopolds Krondomäne, und die Gegen- verschiedensten Großstädte Dutschlands, in denen insgesamt 1831 schriften, die zum Ruhme des Kautschufregimes bis jetzt er- Arbeiter beschäftigt waren, darunter 72 weibliche Arbeitskräfte. schienen sind, haben keine Tatsache vorgebracht, die jene An- In Kost und Logis beim Arbeitgeber stehen nur verhältnismäßig London, 22. November.( Eig. Ber.) flagen erschüttern könnte. wenige jugendliche Arbeiter, auch Kündigungsfristen werden für die Mehrzahl der Beschäftigten ausgeschlossen. Nur teilweise gilt Seit einigen Jahren wird in England gegen die Kongo- Gottes den Kongostaat schufen, schweigen und weihen meistens noch eine zwölf stündige, auch für die jugendlichen Die Signatarmächte, die im Namen des allmächtigen eine Kündigungsfrist von 1-14 Tagen. Die Arbeitszeit ist verwaltung König Leopolds von Belgien eine Agitation ent- 20 Millionen hülf- und harmloser Menschen, denen sie die Arbeiter. Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Instituten, wo faltet, die zwar gleich allen gesellschaftlichen Erscheinungen" Zivilisation" bringen wollten, einem grausamen Untergang. noch eine 14-16stündige Arbeitszeit herrscht. Unter 10 Stunden materiellen Ursprungs ist, aber immer mehr sich mit recht außer den christlichen Missionaren und den belgischen Sozia- lassen nur wenige Unternehmer arbeiten. Die Baufen fib lichen und moralischen Beweggründen füllt und weite Kreise listen sind nur die liberalen Schichten des englischen Volkes weise ganz. Der Lohn ist ein sehr verschiedenartiger. Er schwantt äußerst unregelmäßig; Frühſtüds- und Vesperpausen fehlen teil des englischen Volkes mitreißt. Der Kongostaat ist zur im Interesse der Humanität bemüht, das Los der Kongoneger zwischen 8,50 mt.( Elbing) bis 28 Mt. pro Woche. Lehtgenannter Hölle geworden und König Leopold der Zweite ist ihr Teufel", zu erleichtern. Im Jahre 1904 wandte sich Lord Lansdowne Lohn wird aber nur in Einzelfällen in Hamburg und Leipzig ge= jagte gestern Dr. Clifford, der geistliche Führer der Nonkon an die Mächte und ermahnte sie an ihre Pflicht; aber nur die zahlt. In Berlin beträgt der Lohn 15-24 Mt. Die größeren formisten, in einer öffentlichen Versammlung. Vereinigten Staaten von Amerifa sowie Italien und die Institute in Berlin zahlen jedoch nur Löhne bis zu 21,50 pro Woche. Borgestern hatte eine Anzahl engliſcher Politiker eine Türkei antworteten im günstigen Sinne. Schuld an der ur in wenigen Städten, wie itüßen zwischen den Unternehmern Audienz bei Sir Eduard Grey, um ihn zum Einschreiten gegen europäischen Ohnmacht ist von rein politischem Stand- und der Organisation gekommen. Dort find denn auch halbwegs ist es zu einheitlichen Tarifabschlüssen Die Kongoverwaltung zu veranlassen. Die Presse ist einig in punkte gesprochen der deutsch- englische Konflikt. Deutsch- tonstante Lohnverhältnisse geschaffen worden. Sonntags Der Berurteilung der Zustände im Kongostaate. Auch in land ist vorläufig nicht imstande, das Mißfallen der Herrscher arbeit ist noch vielfach üblich. Besonders handelt es sich um die Belgien macht sich eine Opposition, an deren Spike Vander Belgiens auf sich zu ziehen, da Belgien in einem deutsch- eng- Reinigung von Glasdächern, Fahrstühlen, Postschalter. velde steht, gegen die bisherige Verwaltung geltend, und die lisch- französischen Kriege eine wichtige Rolle zu spielen be- räumen, Fenstern und Räumen von Fabriken, Stontoren, Reſtau Angelegenheit dürfte in wenigen Tagen im belgischen Parla- stimmt wäre. England hat ja dieselbe strategische Lage in lung und rigoroses Strafgelder system wurde ebenfalls rants und auch Krankenhäusern. leber schlechte Behand ment zur Sprache kommen. Die Uebel, die von unabhängigen Erwägung zu ziehen, aber in England rechnet man nicht mit lebhafte Beschwerde geführt, besonders in den Orten, wo die Organi Zeugen, von Missionaren und Reisenden bestätigt werden, den Herrschern Belgiens, sondern mit dem belgischen sation nur schwach ist, wozu auch Berlin zu zählen ist. Redner wären leicht zu beheben, wenn nicht die strategische Lage Volke, von dem man glaubt, daß es die Interessen der schloß mit dem Appell, alles zu tun, um einen besseren Ausbau Belgiens eine so wichtige Rolle im deutsch- englischen Gegen Menschlichkeit höher stellt, als die Bereicherung seines Königs. ber Organisation zu erzielen. Dies sei um so erforderlicher, als faze spielte und deshalb die Mächte Europas, die eigentlichen Rein englischer Politiker denkt an eine Besetzung des die Arbeiter sonst von niemand, auch von der Regierung nicht, am Schöpfer des„ Kongostaates", zu feinem einheitlichen Vor- Kongostaates. Stein Engländer will den Belgiern ihre Erb- allerwenigften aber von den' Arbeitgebern, eine Wahrung und Artikel V, der jedes Monopol untersagt, soll beachtet, und der schaft nehmen, wohl aber wird eine Reform verlangt. Der Förderung ihrer Interessen zu erwarten haben. In der sehr ausgiebigen und lebhaften Debatte wurden alle Geist der Generalakte soll aufrecht erhalten werden: Handelsfreiheit für das Ausland und leidliche Behandlung für die Kongolesen! gehen gegen König Leopold kommen ließe. Ausführungen des Referenten über die tieftraurige und teilweise direkt menschenunwürdige Lage der Fensterpuber und Reinigungsarbeiter durchaus bestätigt und durch verschiedene drastische Einzelschilderungen ergänzt. Einige Redner wandten sich auch entschieden des übermäßigen Alkoholgenusses hervorgehoben, dem leider viele gegen das Tragen der nur zu häufig sehr unsauberen Reflameblusen und Müßen; ebenfalls wurde mehrfach die Schädlichkeit Berufskollegen ergeben seien. Es wurde hierzu folgende Resolution angenommen: In Erwägung, daß die heutige Dauer der Arbeitszeit im Fensterreinigungsgewerbe eine gesundheitsschädigende ist und besonders die Unfallhäufigkeit begünstigt, daß ferner die gegens wärtig üblichen Arbeitsbedingungen einer gründlichen Remebur bedürfen, fordert die Konferenz: 1. Die allmähliche Einführung der täglichen achtstündigen Arbeitszeit. 2. Die gefeßliche Einführung einer Arbeitspause in der Mindestgesamtdauer von zwei Stunden. 3. Verbot der Sonn- und Feiertagsarbeit. Abschaffung jeglicher Affordarbeit. 4. Gesetzliche Regelung der Arbeitsverhältnisse jugendlicher Berufskollegen, Regelung des Lehrlingswesens. 5. Abschaffung des Kost- und Logiswesens beim Arbeitgeber. 6. Beseitigung des Strafgelderunwesens, der Kautionen, der Bruchschadenkaffe und der Bekleidungsgelder. 7. Abschaffung des Vorschußunwesens. 8. Einführung der wöchentlichen Lohnzahlung am Freitag. 9. Einführung einer achtungswürdigen Behandlung seitens der Arbeitgeber und deren Stellvertreter. Die Entdecker und die ersten Pioniere des Kongobeckens waren Livingstone und Stanley. Im Jahre 1876 begann sich auch König Leopold für das Kongogebiet zu interessieren, und er berief eine Konferenz von Afrifareisenden der sechs Großmächte und Belgiens ein, um über die Deffnung des dunklen Kontinents zu beraten. Die Konferenz endigte mit der Lord Ripon, daß England schließlich die Geduld mit den Schon am 9. November beim Guildhall- Bankett erklärte Gründung einer Internationalen Vereinigung für die Er- Kongozuständen verlieren werde. Und Sir Edward Grey antforschung und Zivilisierung Afrikas". Zwei Jahre später wortete vorgestern der Kongoreform- Deputation:... Unser bildete sich in Brüssel ein besonderes Komitee dieser Vereini- Land wird aufgeregt über den Kontrast zwischen den in der gung unter dem Namen„ Comité d'Etudes du Haut Congo" Bergangenheit gefaßten Vorsätzen und dem gegenwärtigen das sich bald darauf in eine Internationale Vereinigung Zustande der Dinge. Die Mächte erkannten an, daß sie den des Kongo" verwandelte. König Leopold und die belgischen Kongostaat schufen, um im Herzen Afrifas eine Stätte für Kapitalisten beteiligten sich finanziell an dieser Vereinigung, menschliche und zivilisierende Einflüsse zu gründen, wo allen die in Stanley ihren Hauptagenten fand. Später traten auch Sandelsvölfern gleiche Gelegenheit geboten werden soll. Leutnant( nachmaliger Major) von Wißmann und Dr. Wolff Wäre der Kongostaat diesem Programme treu geblieben, so in ihren Dienst. Ebenso wirkten im Rongogebiet britische hätte er für die materielle und moralische Entwickelung des Missionare. Für die Franzosen reiste der unlängst verstorbene Randes gesorgt, mäßige Steuern zur Deckung der VerwalGraf de Brazza, eine der edelsten Gestalten der zeitgenössischen, tungskosten erhoben und dem internationalen Handel und der Kolonialgeschichte. Entfaltung der Naturschätze des Landes freie Bahn geschaffen. Inzwischen war die Ländergier in allen Stulturstaaten" Statt dessen fehen wir ein Bild, wie es der Bericht der UnterEuropas erwacht, die bald zur Aufteilung Afrikas schritten. suchungsfommission bietet. Ich will über diesen Bericht nicht Ende des Jahres 1884 trat die Berliner Konferenz zusammen, lange sprechen. Es genügt, hinzuzufügen, daß er geeignet die den eigentlichen Kongostaat schuf und ihm in der General- ist, alle diejenigen zu erschüttern, die bis jetzt geglaubt haben, afte vom 26. Februar 1885 die Stonstitution gab. Natürlich daß die Anflagen gegen die Kongoverwaltung auf Böswilligerfolgte diese Gründung im Namen des Christentums", der feit, Neid und Eifersucht zurückzuführen seien... Würde Zivilisation" und der„ Humanität". Der wichtigſte Artikel es fich nur um britische Interessen und britische Bürger Der Generalakte ist der fünfte. Dieser lautet wie folgt: Die Macht, die in jenen Gebieten jouveräne Rechte aus- handeln, so wäre es leicht für uns, isoliert vorzugehen. Wo übt oder ausüben wird, darf dort keine wirtschaftlichen Monopol- unsere Interessen in Betracht kommen, warten wir auf keinen und Vorzugsrechte gewähren. Alle Ausländer ohne Ausnahme fremden Beistand. Aber unsere Interessen im Kongo sind sollen den Schutz ihrer persönlichen Freiheit und ihres Eigentums nicht die Hauptsache. Wir wollen nicht nur die Interessen der genießen und das Recht haben, beweglichen und unbeweglichen Briten verbessern, sondern die der Eingeborenen und des Besik zu erwerben und ihre Gewerbe auszuüben." ganzen Landes. Um aber einen Umschwung der Dinge im Zwei Monate später wurde König Leopold Souverän Kongostaat herbeizuführen, genügt unsere isolierte Attion des Kongostaates und verlangte vom belgischen Parlament nicht.... Vor allem kommt Belgien selbst in Betracht, dann die Zustimmung zu diesem Vorgehen. Ende April 1885 gab Frankreich, das ein Vorrecht auf den Kongostaat hat. Wir das belgische Parlament die gewünschte Zustimmung. Auch werden nichts tun, was die Rechte dieser Länder verletzen die Signatarmächte der Berliner Generalatte erkannten ihn fönnte. Wenn die konstitutionelle Regierung Belgiens, die übrigen Instituten dieser Art fehlen solche. Die als Herrscher des Kongostaates an. dem belgischen Parlamente verantwortlich ist, die Angelegen- vorhandenen Sicherheitsgeräte befinden sich teilweise aber noch in Das Königreich Belgien als solches hat mit dem Kongo- heit in die Hand nehmen will, so wird sie nicht nur eine Rifte einem derartigen Zustande, daß bei ihrer Benutzung die Unfall. staat nichts zu tun; das belgische Parlament steht staatsrecht von Reformen aufstellen, sondern einen Umschwung im Kongo- gefahr eher erhöht, denn vermindert wird. Vielfach mangelt es lich in keiner Beziehung zum Kongostaat. Zwischen beiden system herbeiführen. Belgien hat das beste Recht, sich dieser auch an Gummi- oder Filzunterlagen unter die Leitern, wo diese auf die glatten Parkettfußböden oder Fliesenplatten aufgesett Ländern besteht nur eine Personalunion. Beide haben Arbeit zu unterziehen, worin es in uns die aufrichtigsten werden müssen. Die Leitern selbst find ebenfalls häufig nur höchft das„ Glück", denselben König zu haben. Die Verantwortlich- Freunde finden wird. Politische Konflikte werden nicht aus mangelhaft, so daß durch Bruch derselben nicht selten Abstürze keit für die Verwaltung oder Mißverwaltung des Kongo- folchen Reformversuchen entstehen, sondern aus dem Bemühen, erfolgen. Von den meisten Geschäften wird auch die Stellung eines staates trifft in erster Linie den König Leopold und in zweiter das jetzige System aufrecht zu erhalten!... Welches auch Mannes zum Festhalten der Etagenleitern verweigert. Man überLinie die Signatarmächte der Berliner Generalatte. die Ansicht anderer Mächte sein wird, für uns wird es un- läßt die Arbeiter auf den hohen, schwankenden Leitern in der Der neue Kulturträger" Zentralafrifas verwandelte möglich sein, diesen Zustand der Dinge auf die Dauer anzu- Rutschen oder Anstoßen der Leitern Unfälle herbeigeführt werden. Regel sich völlig selbst, ganz unbekümmert darum, ob durch sich über Nacht in einen Autofraten schlimmster Art. Er er- erkennen, ohne unsere Vertragsrechte und die Vertrags- Es existieren nun zwar hier und da Polizeiborfchriften flärte sich für die Quelle aller Macht; seine Befehle wurden pflichten des Kongostaates genauer zu untersuchen. Sollte bezüglich der Reinigungsarbeiten auf Leitern, jedoch ist die Handzu Gesetzen; die Beamten wurden seine Diener; die wirtschaft Belgien diese Frage nicht lösen, so würde ich es vorziehen, habung solcher Vorschriften durch die behördlichen Organe nur sehr lichen Kräfte und die Produkte des Landes gehörten ihm, und uns mit anderen Regierungen zu vereinigen; denn ich kann lag. Es ist sogar vorgekommen, daß nicht die Arbeitgeber, sondern er konfiszierte den noch unbebauten Grund und Boden und unmöglich glauben, daß sie angesichts der peinvollen Zustände die Arbeiter mit polizeilichen Strafmandaten bedacht wurden, ob. machte ihn zu einer Krondomäne! Dieser Boden war Ge- ungerührt geblieben find." meineigentum der Stämme, die ihn als Wiesen- und Jagd- Bei der gegenwärtigen diplomatischen Lage Englands gründe benutzten. Der Kongostaat mit einer Bodenfläche von wäre es seiner Regierung nicht schwer, mindestens vier der 2 252 800 Gebiertkilometern und ungefähr 20 Millionen Signatarmächte für eine gründliche Kongoreform zu geSchwarzen wurde zum Handelsmonopol König Leopolds. winnen. Aber wie wird die Haltung Deutschlands sein?? Den Ausländern ward die Eristenz unmöglich gemacht, und Vielleicht bekommen wir eine Antwort bei der Etatsdebatte. die Schwarzen wurden vollständig in den Bereicherungsprozeß des Königs gepreßt.-Kautschuk ist der Hauptartikel der Rongoausfuhr. Unter dem Vorwande, daß die KulturaufZur Durchführung dieser Forderungen erwartet die Konferenz von allen Berufskollegen, daß sie sich ohne jede Ausnahme der Organisation, d. h. dem Zentralverbande der Handels-, Transport, Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands anschließen, weil nur dann eine Verbesserung der Arbeitsverhältnisse herbeizuführen ist. T gefahr im Fensterreinigungsgewerbe. Nach dem Sodann referierte Thiele Leipzig über die Unfall. Ergebnis der erwähnten Enquete sind von den 204 befragten Betrieben nur 75 ermittelt worden, wo Sicherheitsgürtel oder Schuhhaken zum Schuß der Arbeiter vorhanden sind. In allen gaben des Staates große Geldsummen beanspruchen, wurden Konferenz der in den Reinigungsinstituten beschäftigten wieviel hier noch im argen liege. Entsprechend der großen Stämme Arbeiter. den Eingeborenen Steuern auferlegt, die sie durch das Sammeln von Kautschut entrichten müssen. Der Betrag des zu sammelnden Kautschuks ist sehr hoch und kann nur durch Am Sonntag und Montag wurde im Berliner GewerkschaftsAnwendung der grausamsten Strafen erschwungen werden. baus eine allgemeine Konferenz der in den Reinigungsinstituten Die Mitglieder der auf dem niedrigsten Niveau stehenden Deutschlands beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen abgehalten, soweit dieselben dem Handels und Transportarbeiter manche sind noch Kannibalen! wurden als berband angehören. Die Konferenz ist auf Beschluß des letzten Polizisten angestellt. Die Verantwortlichkeit für die Verbandstages einberufen worden, um einmal recht eingehend die Steuerabgaben ist kollektiv. Bringt ein Stamm oder speziellen Lohn und Arbeitsverhältnisse dieser Berufsgruppe zu ein Ort die ihm auferlegte Kautschuksteuer nicht zusammen, erörtern, und gleichzeitig auch über geeignete Mittel und Wege so wird er mit Feuer und Schwert vernichtet. Hinzu kommt zur Abstellung der vielen Berufsmißstände, sowie zur befferen noch, daß die belgischen Beamten schlecht bezahlt sind und auf Förderung der Agitation und Organisation zu beraten. Anwesend eine Benfion nicht rechnen können. Sie trachten daher, ihre Breslau, Dresden, Elberfeld, Hamburg, Hannover, Kiel, Köln, waren Delegierte aus den Orten resp. Distrikten Berlin, Bremen, Dienstzeit dazu zu benutzen, sich einigermaßen zu versorgen. Leipzig, Magdeburg, Nürnberg und Saarbrücken, sowie mehrere Und dies können sie nur erreichen, wenn sie auf eigene Rech- Vertreter des Hauptvorstandes. Den Vorsitz führte Alboldtnung die Eingeborenen bedrücken. Zum Unglück für die Berlin. Schwarzen ist der Kautschuk zu einem der begehrenswertesten Das Referat über. Die Lohn- und ArbeitsverhältHandelsartikel geworden. Der Druck, den die Verwaltung niffe im Fensterpub- und Reinigungsgewerbe" und die Beamten auf sie ausüben, wird deshalb immer härter Einrichtung der Reinigungsinstitute erst eine Folge der gegen hielt Lambrecht Berlin. Redner wies darauf hin, daß die und blutiger und verwandelt den Kongostaat in ein weites wärtigen modernen Entwidelung im großstädtischen Handels- und Schlachtfeld. Um die Eingeborenen zur Arbeit" zu„ er- Verkehrswesen ist. Anfangs mur vereinzelt eingeführt, schnellte mutigen", werden ihnen die Frauen und Kinder als Geiseln die Zahl der Reinigungsinstitute doch recht bald erheblich in die genommen. Wenn dies sich als erfolglos erweist, werden Höhe und zeitigte dann auch rasch eine start ausgeprägte Schmu fonkurrenz unter dem Unternehmertum. Infolgedessen machte diese vor den Augen ihrer Männer und Bäter getötet! In den letzten sieben Jahren wurde aus den Eingeborenen merkbar. Auf Veranlassung des Verbandes ist fürzlich eine sich auch bald allgemein eine empfindliche Lohndrückerei beRohkautschuk für 13 715 664 Pfund Sterling( über Enquete veranstaltet worden, die einen beachtenswerten Auf274 Millionen Mark) herausgepreßt! Sowohl englische wie schluß über die gegenwärtigen Verhältnisse der Arbeiter dieses belgische Schriftsteller geben herzbrechende Schilderungen über Gewerbes gibt. Die Enquete erstreckt sich auf 204 Betriebe der wohl die Arbeiter doch an dem Mangel an Schutzvorrichtungen nicht die geringste Schuld trifft. Als die Leipziger Fensterpuber diese ein entsprechendes Vorgehen in der Unfallverhütungsfrage sich unlängst an die dortige Gewerbeinspektion wandten, damit veranlasse, erklärte der betreffende Inspektionsbeamte bedauernd, daß er in dieser Hinsicht leider nichts tun könne; die Fensterreiniger feien auf diesem Gebiete nun einmal bogelfrei. Echon der Umstand, daß noch rund 10 Proz. der im Fensterreinigungsgewerbe beschäftigten Personen überhaupt nicht als unfallversicherungspflichtig betrachtet werden, zeige zur Genüge, Mangelhaftigkeit der Unfallverhütungsmaßnahmen ist denn auch die Zahl der schweren bezw. tödlichen Unfälle eine sehr hohe. Diesen unhaltbaren Zuständen endlich ein Ende zu bereiten, müsse sich die Organisation auf das energischste angelegen sein lassen. In der Diskussion wurden auch hier eine Menge Einzelheiten vorgebracht, die beweisen, daß es den Arbeitgebern immer nur in erster Linie auf ihren Profit, nicht aber auf die Erhaltung von Leben und Gesundheit ihrer Arbeiter ankommt, und daß auch die behördlichen Maßnahmen auf diesem Gebiete feineswegs genügen. Hierzu gelangte nachstehende Resolution zur Annahme: In Erwägung, daß die Zahl der Unfälle in der Fenster. reinigungsbranche in abschreckender Weise zunimmt, und daß auch bei Ausführung von Reinigungsarbeiten mit Säuren eine große Gefahr für Leben und Gesundheit besteht, fordert die Konferenz: 1. Einführung von geeigneten Unfallverhütungsvorschriften sowie Polizeiberordnungen und der Versicherungspflicht für alle Reinigungsinstitute und an allen Orten, wo diese noch nicht bestehen. Ferner den Erlaß von Sicherheits- und Schutzvor schriften. Bor Erlaß dieser Vorschriften sind fachkundige Arbeiter sur Beratung heranzuziehen. 2. Stritte Innehaltung der bestehenden resp. der zu schaffen. den Unfallverhütungsvorschriften feitens der Unternehmer. 3. Einführung geeigneter Bubmittel, um das Berbrennen der Gliedmaßen und der Kleider durch Säuren zu berhüten. Die Konferenz erwartet von allen Berufskollegen, daß sie zur Durchführung dieser Forderungen alle Mittel anwenden, die geeignet erscheinen, eine Verbesserung der überaus traurigen Bustände gerade auf diesem Gebiete herbeizuführen. Damit war die Tagesordnung der Konferenz erledigt. Aus Induftrie und Handel. Gute Hoffnungshütte". Die mit nominell 24 Millionen Attien tapital arbeitende Gesellschaft verteilt seit 1901/02 auf die aus Stamm- und Prioritätsaftien Litera A und Litera B gebildeten einheitlichen Aktien 20 Broz. Dividende. Im Jahre 1903/04 waren auf den Werken der Gute Hoffnungshütte" 17 315 Arbeiter und Beamte beschäftigt, die Summe der Löhne und Gehälter stellte sich auf 22 933 000. Pro Kopf der Beschäftigten ergeben sich folgende Jahreseinkommen: 1903/04 " 1899/00 1900/01 M. 1354 W. 1364 1901/02 M. 1269 1902/03 W. 1283 902. 1324 Für das letzte Jahr werden wiederum 20 Broz. Dividende ver. teilt. Diese wäre höher bemessen worden, wenn nicht fürzlich für Neubauten und Antäufe 20 Millionen Mark ausgeworfen worden wären. Der Fistus befruchtet die Geschäfte der Terraingesellschaften. In ber Generalversammlung der Neu- Grunewald Aktiengesellschaft für Grundstücksverwertung wurde mitgeteilt, daß von dem königlichen Forstfistus ein Grundstück mit einem Flächeninhalt von 138 620 Quadrat meter zu einem Preise von 2 287 230 m. und ferner im Interesse des Anschlusses des projektierten Straßennetzes an die Kolonie Grunes wald ein Grundstück von 4668 Quadratmeter im Preise von 235 000 m. erworben sei. Wohl wegen des feinen Geschäftes foẞte die Generalversammlung für die Mitglieder des Aufsichtsrats eine Jahresvergütung von 5000 M. und für Dr. jur. May Dechelhäuser eine Extravergütung von 1000 M. fest. Rheinisch- westfälisches Ziegeleisyndikat. Die bessere Baukonjunktur kommt in den Versandziffern des Syndikats in Erscheinung. Die Verbandswerke erzielten in den ersten zehn Monaten 1906 einen Absatz von 416,6 Millionen Stück, gegen 341,3 Millionen Stück der gleichen Zeit des Vorjahres. Den Hauptabsaß hatten die Ziegelei vereine in den Hauptindustriezentren, während die Vereine der Peripherie weniger Absatz hatten; während beispielsweise Dortmund und Essen 60 bezw. 62 Proz. der Beteiligung verkauften, belief sich der Absatz des Vereins Unna nur auf die Hälfte und Recklinghausen auf 37 Broz. In dem leztgenannten Gebiete sind mehrere neue Zechen mit großen Ziegeleien entstanden, die jährlich 5 Millionen Steine und mehr produzieren und die notwendigen Steine für ihre Kolonien und Tagesanlagen selbst herstellen. Dem Syndikat gehören pro 1906 195 Verkaufsvereine in Westfalen- Rheinland an. Deutsch- russischer Petroleumtrust. Der D. D. C." wird aus Petersburg geschrieben: Ungeachtet der bereits wiederholten AbTeugnung der Nachricht, laut welcher sich fürzlich ein mächtiger Trust gebildet haben soll, welcher die Berdrängung der Standard- Dilgesellschaft vom europäischen Petroleummartte anstrebt, darf die bestrittene Nachricht troßdem als völlig begründet und nunmehr als gewährleistet betrachtet werden. Eine Tatsache ist es, daß vor kurzem ein Vertreter des bekannten Petroleum magnaten Rockefeller sich in Baku vergeblich bemüht hat, dort Petroleumtonzessionen zu erwerben, und daß ein deutschrussisches Rothschildsyndikat zurzeit die andauernd im Zunehmen begriffene Erzeugung von Erdöl im Bakudistrikte an sich zu ziehen bestrebt ist. Behufs Monopolisierung des Petroleumhandels in Europa und zum Zwecke der Ausschließung des amerikanischen Deles von den europäischen Märkten haben sich die Deutsche Bank und das Banthaus Mendelssohn u. Cie. mit einem fapitalfräftigen Syndikat zu einem Trust vereinigt, an welchem die bekannte Nobelgesellschaft sowie die französischen und englischen Mitglieder des Bankhauses Rothschild beteiligt sind. Die Maßnahmen, welche die Erwerbung der verschiedenen Delfonzessionen in Baku aus den Händen ihrer jetzigen englischen Inhaber bezwecken, sind bereits eingeleitet worden und es steht zu erZentralverband der Maschin isten u. Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin u. Umg. Todes Anzeige. Am 23. November verstarb das Mitglied, Kollege Otto Hannemann. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 27. d. M., nachm. 1 Uhr, vom Trauerhause Frant furter Allee 52 aus nach dem städtischen Bentral Friedhofe in Friedrichsfelde statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 140/3 Die Ortsverwaltung. Achtung! Todes- Anzeige. Besonderer Umstände halber findet die Beerdigung des Bureaubeamten Max Fahrenwald aus Hamburg nicht in Friedrichsfelbe, sondern am Dienstag, den 27. 6. M., nachmittags 3 Uhr, auj bem Freireligiösen Friedhof, Pappel- Allee, statt. Wwe. Agnes Fahrenwald, Danksagung. Sage hierdurch allen Freunden und Bekannten, insbesondere der Firma Kehling u. Thomas, sowie seinen Kollegen, dem Radfahrerverein ,, Boran", dem Radfahrer- Bund Freiheit", dem Wahlverein für den sechsten Wahlfreis und dem Metallarbeiter- Berband für die letzte Ehre und schönen Kranzspenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes meinen innigsten Dant. Die tieftrauernde Bitwe Jenny Handtke. Danksagung. 336 Allen Berwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen der Firma Reiche sowie den Herren Kolonisten d. Laubenkolonie Friedrichsruh und den Kranzfpendern sage ich für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines geliebten Mannes und Baters, des rbeiters Ernst Handke meinen herzlichen Dant 295 Wwe. Pauline Handke nebst Sohn. PrinzenDr. Simmel, str. 41, 165 Spezialarzt für Hant. and Harnleiden. 10-2,5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Kranz- und Blumenbinderei von Robert Meyer, aur Mariannen- Straße 2. bei Schmidt in Tegel, Schlieperstr. 64: Vortrag von Herrn Mar Groger: Die Religion im Lichte der proletarischen Weltanschauung". warten, daß die diesbezüglichen Verhandlungen demnächst zu einem| Borsigwalde- Tegel. Mittwoch, den 28. November, abends 8 Uhr, günstigen Ergebnis führen werden, da die Konzessionsinhaber infolge ber andauernden Ausstände und der an die Regierung zu ent richtenden Abgaben bisher einen finanziellen Erfolg nicht aufzuweisen hatten. Dividenden. Die Löwenbrauerei A.-G. Berlin will laut Vor- versammlung bei M. Mürich, Stegligerstr. 35, Donnerstag, 29. November, Verein für die Intereffen der Hausaugestellten. Vereins schlag des Aufsichtsrats für das legte Jahr 9 Proz, ausschütten, in abends 8, Uhr: Vortrag. Borjahre 7 Broz. Die Altionäre der Hofbierbrauerei Schöfferhof| Der Lese: und Diskutierklub" Südost“ hält heute abend 82 Uhr und Frankfurter Bürgerbrauerri A.-G. sollen 8 Prozent erhalten. bei Graumann, Naunynstr. 27, eine öffentliche Bersammlung für Männer Die Gesellschaft schätzt den ihr durch den Bierkrieg entgangenen Ge- und Frauen ab, in welcher Frau Dr. Sußmann einen Vortrag halten wird winn auf 200 000. Nur 6 Proz. wie im Vorjahre bringt die über das Thema: Wie sollen wir unsere Kinder ohne Prügel erziehen?" Brauerei Germania Berlin heraus. Den Papierinhabern der Aktienbrauerei Merzig sollen für das letzte Jahr 12 Proz. zufließen. Die Aftienbrauerei zum Löwenbräu in München bringt den Aftionären für das leßte Jahr 20 Proz. Eingegangene Druckschriften. Bon der Neuen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das Seifentrust aufgelöst. Der fürzlich begründete britische Seifen- 8. Heft des 25. Jahrganges erschienen. Es hat folgenden Inhalt: trust macht bekannt, daß er sich wieder aufgelöst hat, weil ihm vom Reichstagsanfänge. Der Ursprung der Moral. Bon Karl Kautsky.. wurde, daß das Geschäft darunter litt. Handel und vom Publikum ein solches Mißtrauen entgegengebracht( Schluß.) Gewerkschaftsbewegung und Arbeiterschutzgesetzgebung in England. Von B. Weingart( London). Die Weiterentwickelung der Arbeiterversicherung. Bon Friedrich Kleeis( Burzen). Die französische Presse in den ersten Jahren der großen Revolution. Von Heinrich Cunow. ( Fortsetzung.) Deutsche Roheisenerzeugung. Nach den Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller betrug die Erzeugung von Roheisen im Oktober 1906 insgesamt 1073 874 Tomen, gegen 1036 753 Tommen im Vormonat und gegen 1006 943 Tonnen im Monat Oftober 1905. Aus der Frauenbewegung. Frauen in der Gemeindeverwaltung. bandlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Die Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle BuchDuartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Poft mur pro Duartal abonniert werden. Das einzelne Heft tostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Bon der Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen ( Stuttgart, Berlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 24 des 16. Jahrganges zugegangen. Sie bat folgenden Inhalt: An die Parteigenofsinnen Die badische Regierung hat nun die Novelle zur Gemeinde- Breußens. Das gleiche Recht der Rechtlosigkeit. Bon Gustav Hoch. ordnung veröffentlicht, welche den örtlichen Verwaltungen der über zur Lage der weiblichen Angestellten im Gastwirtsgewerbe. Bon Hugo 2000 Einwohner zählenden Gemeinden das Recht verleiht, Frauen Poezich Gegen Heimarbeiterschuh. Von D. Das Familienleben Siz und Stimme in einzelnen Kommissionen des kommunalen tarischen Frauenbewegung in Deutschland. Von Klara Zetkin.( Fortdes Arbeiters. Bon Margareta Bratsch. Die Anfänge der proleDienstes zu gewähren. Die Zahl der weiblichen Mitglieder darf sehung.) ein Viertel des Kollegiums nicht überschreiten; die Verwendung der Organisationen. Aus der Bewegung: Von den Agitation. Von den Der Provinzialparteitag für das westliche BestJahresbericht der Kreisbertrauensperson des sechsten sächsischen Frauen soll nur in Sachen des Gesundheits- und Armenwesens, des falen. Unterrichts und der Erziehung erfolgen. Wahlkreises Dresden- Land. Bolitische Rundschau. Bon G. L. unterrichts und der Erziehung erfolgen. Genossenschaftliche Rundschau. Von H. Fl. Notizenteil: Gewerkschaftliche Dienstbotenfrage. Kellnerinnenbewegung. Geradezu traurige Zustände herrschen in Arbeiterinnenorganisation. Frauenstimmrecht. Der Kohlenwagen. der kleinen Städte oft ein elendes Dasein führen, nachdem sie zuvor von( Schluß.) Ostpreußen unter den Kellnerinnen, die in zahlreichen Restaurants Feuilleton: Rener Tag. Bon Ada Negri.( Gedicht.) Bon Ludwig Thoma. Ein gutes Gewissen. Von Megander 2. Kielland. gewiffenlosen Stellenvermittlern ausgebeutet worden sind. In den meisten Stellen erhalten sie neben schlechter unzureichender Kost und Für unsere Kinder: Spruch. Von N. Reinid.- Sturm. Von E. H. Die Squaw. Von A. Fendrich.( Schluß.) Der Igel. Von Gertrud menschemumwürdigen Schlafstellen 0. Für einen Liter Bier Ingeborg Klett.( Gedicht.) Der Instinkt der Tiere. Von Brand. müssen sie dem Wirt 42-46 Pf. bezahlen und nun sehen, wie sie Billige Kinder.( Gedicht.) ihren Verdienst dabei herausschlagen. Schon oft hörte man von 10 B., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis viertelfährlich Die Gleichheit" erscheint aller 14 Tage einmal. Preis der Nummer einzelnen Opfern dieses Berufs: wir müßten uns zusammentun, um ohne Bestellgeld 55 Bf., unter Streuzband 85 Pf. Jahresabonnement bessere Bustände zu erlangen. Und in Insterburg in Ostpreußen ist es nun zu einem praktischen Versuch zur Beseitigung des Kellnerinnen- Elends gekommen. Zum 16. November war eine öffentliche Versammlung der Gastwirtsgehülfen vom Verband deutscher Gastwirts gehülfen einberufen, zu der einige Kellnerinnen erschienen waren und Interesse an der Bewegung bekundeten. Und nun machte sich der aus Berlin erschienene Verbandsbeamte daran, die Kellnerinnen der Restaurants zu organisieren. Damit hatte er einen unerwartet guten Erfolg. Jedes neugewonnene Mitglied stand ihm als Agitatorin zur Seite. In wenigen Tagen traten achtzehn Kellnerinnen der Organisation bei. Es wurde ein provisorischer Vorstand gewählt und soll demnächst eine Zahlstelle gegründet werden. Hoffentlich werden die Kellnerinnen ihre männlichen Kollegen beschämen und unermüdlich weiter agitieren. Versammlungen Veranstaltungen. 2,60 M. Bom ,, Wahren Jacob ist soeben die 24. Nummer des 23. Jahr ganges erschienen. Aus ihrem Inhalt heben wir hervor die beiden farbigen Bilder Die russischen Generale in der Mandschurei und in der Heimat" und" Die fieben Schwaben auf dem Wahlfeldzug", sowie die weiteren Illustrationen" Pods Ende"," Wieder dabeim!"," Die gute Wirkung", 3entrumsparade"," An der Wafferkante"," Vor der Revolution"," Cin Novembertag in der Großstadt"," Der fleißige Spigel"," Napoleon Clemenceau und seine Garde" und" Gine internationale Sundsfötterei". Der tertliche Teil der Nummer bringt die Gedichte Nationalliberale Opposition", „ Der bürgerliche Gesetzgeber"," Der Kinderkrieg"," Russische Helden"," Ger mania an ihren Sohn Michel"," Graf Büdler"," Der moderne Prometheus" von Robert Seidel ,,, Bergmeister Engel"," Neues Soldatenlied" und außer zahlreichen fleineren Beiträgen noch die größeren Feuilletons, weierlei" von Baul Enderling," Die Höllenmaschine" von May Hoffmann und„ Am jüngsten Tage". Almanach des Deutschen Holzarbeiter Verbandes für das Jahr 1907. Taschenkalender für die Verwaltungen und Mitglieder des Theodor Leipart. Achter Jahrgang, Stuttgart, Selbstverlag des BerBerbandes. Im Auftrage des Verbandsvorstandes herausgegeben von Sonntag, 2. Dezember. Ge- bandes. Preis für Verbandsmitglieder 50 Pf., durch den Buchhandel 1 M. pio Exemplar. Teltow. Donnerstag, 29. November, bei Bickenhagen. Vorträge. Frau Thiel und Frau Bäumler. mütliches Beisammensein. 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Bericht der Agitationskommission. 5. Neuwahl derselben. 6. Berbandsangelegenheiten. Recht zaleiches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. NB. Sonntag, den 9. Dezember, abends 7 Uhr, findet im Ge= wertschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 4, ein Kleines Familienin Henfels Festsälen, Invalidenstr. 1 a. Für Osten und Friedrichsberg in folgenden Lokalen statt: in Litfins Gesellschaftshaus, Memelerstr. 67. Kränzchen bei freiem Entree statt, wozu die Kollegen und Kolle- Für Süden, Südosten und Rixdorf ginnen freundlichst eingeladen sind. Mittwoch, den 28. November 1906, abends 81 Uhr: Versammlung der Chirurgischen Branche im ,, Rosenthaler Hof", Rosenthalerstr. 11/12. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen Paul Stempel über:„ Die Arbeiter. Baugenossenschaften als soziale Pioniere." 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Berschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Stollegen, zu erscheinen. Mittwoch, den 28. November 1906, abends 8½ Uhr: Bezirks- Verfammlung für und Um Steglit, Groß- Lichterfelde en im Lokal von Reißen, Groß- Lichterfelde, Chausseestr. 104. Zages- Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Karl Schmidt: Unterstützungseinrichtung. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Berschiedenes, 160/8 Ohne Buch kein Zutritt! Zahlreichen und pünktlichen Besuch erwartet in Festfälen ,, Süd- Ost", Waldemarstr. 75. Für Westen, Schöneberg, Wilmersdorf, Steglitz und Mariendorf bei Zühlke, Dennewigstr. 13. Für Charlottenburg im Volkshaus, Rosinenstr. 3. Für Groß- Eichterfelde bei Reisen, Chausseestr. 104. Für Pankow- Niederschönhausen bei Settekorn, Lindenstr. 1. Für Weißensee bei Content, Friedrichstraße, Ecke Lehderstraße. Für Nieder- und Oberschöneweide bei Kaufhold, Wilhelminenhofstr. 18. Für Teltow bei Derk, Zehlendorferstr. 4. Tagesordnung in allen Versammlungen: Unsere gegenwärtige Lohnbewegung. Referenten die Kameraden: G. Büttner, R. Engelhard, D. Freudenberg, H. Knüpfer, H. Kube, F. Licht, H. Schultz, K. Schulz, F. Schulze, W. Witt. 255/7 In diesen Versammlungen erwarten wir das Erscheinen aller in Berlin und Vororten beschäftigten Verbandsmitglieder. Reiner darf sich ausseheßen. Jeder einzelne muß unbedingt zur Stelle sein. Der Zahlstellenvorstand. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Maurer Deutschlands. Hochschule für Operette, Variété Zweigverein Berlin. Mittwoch, den 28. November, abends 8 Uhr: General- Versammlung für sämtliche Bezirke und Zahlstellen Die Ortsverwaltung der Maurer, der Sektion der Putzer, der Gips- und Zementbranche, sowie der Fliesenleger Verband der Tapezierer. Filiale Berlin. Mittwoch, den 28. November, abends 8%, Uhr, bei Wendt, 179/9 Beuthstraße 20: Versammlung. Tages Ordnung: 1. Wahl des zweiten Beamten. 2. Verbandsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert, Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Die Verbandsleitung. Achtung! Verband der Portefeuiller Achtung! bei Freyer( früher Keller), Koppenstr. 29. Zages Drdnung: 29902* Ballettkunst, Berlin, Stegliterstraße 35. Sachgemäße, gediegene Ausbildung in allen Fächern der Operette, Variété und Ballettkunst sowie in fremden Sprachen. Näheres Prospekte. Sprechstunden 12-1 und 5-7. Aufnahmen jederzeit. Die Direktion. Paul Mürich, Kgl. Tänzer, Ballettmeister. Ludwig Dowe, Opern- und Konzertsänger. Bruch- Pollmann empfiehlt sein Lager in Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien jomie sämtliche Artikel 148/17 zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Berlin C., 24552* Liefer. 1. Drts. u. Hülfs- Krantentassen 30. Linien- Straße 30. 1. Vortrag des Genossen Ströbel über: Partei und Gewerkschaft. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom dritten Quartal. 4. Verschiedenes. Die Verbandsleitung. NB. Wir ersuchen die Kollegen ihren Beitrag möglichst mit der letzten Novemberwoche boll zu bezahlen, damit die Verbandsleitung mit der Einziehung der Mitglieds: Alle Bruchbänder mit elastischen Bebücher sofort beginnen kann. D. 0. lotten, angenehm u. weich am Körper Achtung! Marmorarbeiter! Achtung! Eine Mark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante fertige[ 2466L* und Ledergalanterie- Arbeiter u.-Arbeiterinnen Deutschl. Dienstag, den 27. November, abends 8½ Uhr, im„ Englischen Garten", Alexanderstraße 27: Herren- Garderobe Zahlstelle Berlin. Mittwoch, den 28. November, abends 8, Uhr, bei Graumann, Naunynstr. 27: Tages Ordnung: 109/19 Mitglieder- Versammlung. Tages Drdnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Mitglieder- Versammlung Kollegen! Asitiert kräftig Deutscher Arbeiter- Abstinenten- Bund Kollegen! Agitiert kräftig für diese Versammlung, Verbandsvorsitzender Starke ist anwesend. 180/19 Der Vorstand...: Durrer. 1. Was bringt uns der nächste Verbandstag? Referent: Ber bands- Borsigender Stollege Weinschild- Offenbach. 2. Diskussion. 3. Verbands- Angelegenheiten und Verschiedenes. In Anbetracht der hochwichtigen Tages- Ordnung ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, in dieser Versammlung zu erscheinen und erwartet zahlreichen Besuch Die Ortsverwaltung. Ortsgruppe Berlin. Deutscher Holzarbeiter- Verband, Mittwody, den 28. November 1906, abends 8% Uhr, in Obits Festfälen, Zahlstelle Rixdorf.= Mittwoch, den 28. November: Sihung der Möbeltischler und Polierer. Donnerstag, den 29. November, abends 8%, Uhr, im Lokale des Herrn Preil, Rosenstraße 24: Sigung der Bautischler. In beiden Sigungen: Anträge der Drtsverwaltung. 97/9 Die Ortsverwaltung. C. Giesen, Juwelier, so., Oranienstr. 165a. empfiehlt sein reichhaltiges Lager in Juwelen, Uhren, Gold-, Silber- und Alfenidewaren. Spezialität: Trauringe. 8 kar. 333/1000. von 4.00 an 1 Dukaten 900/1000.. 10,00 1% Dukaten 900/1000 15,00 14 kar. 585/1000 von 6,00 2 Dukaten 900/1000.. 20,00 an Namen gravieren gratis. Passende Weihnachtsgeschenke in solidester Ausführung zu billigsten Preisen. Streng reelle Bedienung. 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( Nachdruck verboten.) 178 367[ 3000] 872 966 1029 306 480$ 56 92 2231 65 464 590 885 943[ 500] 3005 164 353 56 61 401[ 500] 8 1500] 834 4052 131 35 91 216 62 321 535 706 940[ 3000] 5089$ 5 153 55 437[ 1000] 58 647 6094 279 470 597 749 7029 33 184 614 8000 12 35 668 976 9039[ 1000] 116 405 6 10€ 5 758 911[ 500] 88 10003 302 49 489 836 79 990 11135 1500] 253 382[ 1000] 501[ 500] 637 83 736 903 32 59 12101 4 256 343 535 37 620 785 907[ 500] 56 73 13277 359 405 720 [ 500] 53[ 500] 829 90[ 500] 965 14148 310 456 516 723 877 15255 357 82 439 746 886 16490 576 95 623 913 17009 305 17 602 58 705 69[ 1000] 75 95 943[ 3000] 18084 104 31 225 731 936 92 19005 108 14 88 89 214 [ 1000] 22 463 511 619 81[ 500] 20107 43 532[ 500] 93 682 769 821 56 962 21162 [ 1000] 69 453 68 535 608[ 500] 722 33 922 22273 438 89 639 87 779 922 23219[ 500] 82 694 788 932 71 24303 [ 1000] 575 99 756 25056[ 1000] 98 181 284 399 503 698 96 [ 500] 743 48 810 90826336 54[ 500] 513 866 27176[ 5001 237[ 3000] 478 541 60[ 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Ziehung 5.Kl. 215. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 26. November 1906, nachmittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 125 47 402[ 500] 552 904 1137 96 319 508 721 2033 34 537 604[ 3000] 46 3003 129 332 580 747 4088[ 500] 227 301 669 83 735 5020 34 298 432 903 6146 71 215[ 10001 319 75[ 500] 76 995 7265 396[ 1000] 541 631 1500] 919 90 8105 403 745 47 73 9602 74 76 729 39 10085 176 575 611 32 50 81 997 11015 23 312[ 500] 450 56 524 709 948. 12163 269 421 75 621 69 775 900 13363[ 500] 510 806 78 14113 53 240 386 503 47 777 15023[ 3000] 52 232 77 305 440 509 77 765 827 32 76 989 16158 90 575 17132 93 288 418 48 77 571 675 830 18279[ 1000] 330 431[ 500] 74 766 896 19060[ 500] 194 252 428 780 828[ 3000] 985 20073 336 405 803 6[ 1000] 21005 245 337 425[ 1000] 38[ 500] 98 665 808 22270 89 341 631 870 933 1500] 74 23273 93 419[ 500] 75 570 93 723 907 24278 652 74 94 25123 66 489[ 3000] 835 968 26036 235 L1000] 310[ 1000] 865 980 27245 68 427 28017 80 117 62 243 58 361 97 423 509 696 29027 49[ 1000] 194 344 558 90 30041 50 242 45 48 56 64 493 699 928 31482 724 885 32012 32 433 550 670 97 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500] 93 457 578[ 1000] 694 855[ 3000] 931 155290 777 867 81 156009 39 118 64[ 1000] 95 769[ 1000] 862 157155 369 681 705 76 826[ 1000] 70 75 962 77 82 158045 291 367 491 527 852 54 159058 661 99 983 160032 60 509 161120 85 245 505 57 666 703 59 [ 500] 812 33 162111 233 314 87 506 674 706 931[ 3000] 81 163067[ 500] 160 295 467 708 10 803 45 56 962 164145[ 1000] 90 335 472 569 667 79 772 815 929 34 165076 216 39[ 3000] 94 382 813 166112 462 643 731 886 167104 330 467 821 918 168152 413 57 584 742 53 864 924 169123.305 81 95 421 29 538 645 843 955 91[ 3000] 170066 134 459 680 86[ 500] 788 954 171171[ 500] 356 78 571 686 700 3 5[ 500] 31 48 845 172529 98 621 859 975 [ 1000] 173189 282 329 417[ 1000] 536 65 628 857[ 500] 174192[ 1000] 209 308 494 99 525 631 706 960 175010 212 407 74 548 681 176191 97[ 3000] 248 446[ 500] 589 617 79 742 872 177073[ 500] 203 450 77 632 851 58 178185 292 477 650[ 500] 940 179235 311 53 421 64 94 563 70 650[ 3000] 761 892 997 180085 119 577 740 803 60 907 97 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264024 98 401[ 1000] 38[ 1000] 509 27[ 500] 608 708 61 816[ 500] 265149 217 485 560 662 841 266001 39 150 463[ 500] 685 267317 656 704 820 89 268276 381[ 500] 909 269035 181 225 615 790 982 270052 461 586 619[ 5000] 709 934 78 271366 786 817 48 272167 73 223 90 558 781[ 3000] 273246 80 97 642 814 967 274176 549 902 275110 205 380[ 500] 613 276161 207 92 316 457 502 8 690 725[ 1000] 31[ 500] 868[ 500] 905 74 277087 163 306 535[ 3000] 929 278021 97 161 436 508[ 500] 948 279093 152 203 28 56 75 649 743 280267 611 70 92 725 845 281032 56 79 109 297 361 468 77 803 8 38 50 282147 246 1500] 350 558 626 747 283134 260 467 626 719 802 920 284068 211[ 500] 90 346 409 549 618 40[ 1000] 826 285007 129 217[ 10001 319 431 92 561 93 675 755 68 286086 187 249 74 76 374 86 492 613 708 36 69[ 5000] 287405 500 865 952 Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Perlin SW. Nr. 276. 23. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 27. November 1906. Partei- Angelegenheiten. doch wohl unter einer gewissen Aufsicht der Deputation für das Gefahren dieser Arbeit, der Gasvergiftung, zu schüßen. Wer nun Fortbildungsschulwesen. Diese Deputation follte einmal dem Ge- aber glaubt, daß die Stadt Berlin, die durch den Kohlenbrand meindeschulrettor, Fortbildungsschulleiter und Schuldeputations vielleicht einen Schaden von 100 000 M. Hat, imftande wäre, Schöneberg. Heute, Dienstag, abends 81%, Uhr, findet die wer- mitglied Hellermann klar machen, wie weit seine Befugnisse reichen jedem Arbeiter einen solchen Schußschwamm zu liefern, der irrt sammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins bei Ernst Obst, und wo fie aufhören. So weit, wie er sich das denkt, reicht ja fich. Die Kolonne, welche mit ihrer Schicht fertig ist, legt ihre Meiningerstraße 8, statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Vortrag: nicht mal die Macht der Polizei, die doch bei uns Schwämme hin und die nachfolgende Mannschaft wäscht sich die Das 25jährige Jubiläum der amtlichen Sozialreform". Referent zu Lande nahezu allmächtig ist. Seit wann darf ein Schußmann foeben noch benutzten Schwämme in einem Eimer mit Essigwasser Genosse H. Müller. 2. Wahl der Delegierten zur Kreisgeneral bricht", als daß er eine junge Dame mit ihrem Einverständnis Speichel und sonstigen Sekreten behafteten Schwamm vorbinden einen jungen Mann zur Wache bringen, der weiter nichts ber- rein". Ja, es haben uns Arbeiter gesagt, daß sie den mit dem versammlung. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Zu der am 2. Dezember stattfindenden Uraniavorstellung:„ Der jüngste gegen Herrn Hellermanns Willen nach Hause geleitet? Ausbruch des Vesuv" sind beim Genossen A. Korn noch Billetts zu haben. Der Vorstand. Wilmersdorf. Die Mitgliederversammlung des fozialdemokratischen Wahlvereins findet heute Dienstag, abends Punkt 812 Uhr, im Luisenpart", Wilhelmsaue 112, statt. Tagesordnung: 1. Vortrag. Referent Reichstag Belmeout Referent Reichstagsabgeordneter Goldstein. 2. Diskussion. 3. Die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen. 4. Bericht von der Partei Zu Rektoren der 23. und 149. Gemeindeschule wurden vom Magistrat Lehrer Kuttner und Mielen und zum Lehrer am Askanischen Gymnasium Lehrer Nitsche ernannt. Boltsbibliotheken hat in seiner gestrigen Eibung beschloffen, zur Neubau der Stadtbibliothek. Das Kuratorium der städtischen Erwerbung eines Grundstückes für den Neubau einer Stadtbibliothek 200.000 m. in den nächstjährigen Etat einzustellen. Gleichzeitig wählte das Kuratorium mußten, wenn sie rechtzeitig zur Arbeit antreten und fertig sein wollten! Wir haben solch einen Schwamm, der vielleicht 50-80 Pf. kosten mag, gesehen; er sieht aus wie ein blau gewordener Kartoffelpuffer! Auf eine Anfrage des Personals, warum nicht jedem Arbeiter ein Schwamm geliefert werde, erklärte die Leitung, daß an. Sonnabend wurde ein Arbeiter aus dem Röhrensystem, der man so viel Schwämme augenblicklich nicht anschaffen könne; den Rotstand nach dieser Richtung erkannte man jedoch unumwunden vier Jahre bei der Stadt arbeitet und zur Hülfeleistung auf den Kohlenplak fommandiert war, entlassen, weil er die Dreiftigkeit besondere Gratifikation gebe!" - Von 8 Uhr ab werden die Bezirksführer Beiträge entgegen Geheimrats Friedel sich nach einem geeigneten Grundstück für den hatte, den Meister zu fragen, ob es für die Sonntagsarbeit eine nehmen. Die Genossen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. Lichtenberg. Heute abend findet der 6. Zyklusvortrag im „ Schwarzen Adler" bei Arnold statt. Genosse Maurenbrecher wird über die Probleme der Gegenwart referieren. Zahlreicher Besuch der Genossen wird erwartet. Nieder- Schöneweide. Der Wahlberein hält heute Dienstag, den 27. d. M., abends 8 Uhr, bei dem Genossen Julius Fischer, Berlinerstraße 17a feine Mitgliederversammlung ab. Tagesordnung: 1. Kaffenbericht und Wahl der Delegierten zur Kreis- Generalbersammlung. 2. Vortrag. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines ieden, pünktlich zu erscheinen. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Bankow. Heute abend 29 Uhr findet im Gesellschaftshause, Kreuzstraße 3/4, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Neuwahl des Vorstandes usw. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Es ist Pflicht aller Parteigenossen, in dieser Verjammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Reinickendorf- Oft. Heute abend 8½ Uhr findet bei Weber, Restaurant zur Eisenbahn", Nordbahnstraße, Ede Provinzstraße, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Vortrag des Genoffen Düwell: Klassentämpfe". Recht zahlreiches Erscheinen „ Klassentämpfe". Recht zahlreiches Erscheinen Der Vorstand. erwartet Neubau umsehen soll. Voraussichtlich wird als das geeignetste ein Edgrundstück an der Kaiser Wilhelmstraße und der Stadtbahn gewählt werden. Die Berliner Stadtbibliothek soll außer ihrer Bestimmung als Bibliothek auch Zentralftelle für die städtischen Volksbibliotheken sein. Den Grundstod der Stadtbibliothek bilden wertvolle Spezialbibliotheken, die jetzt in provisorischen Räumen in der Zimmerstraße untergebracht sind. Der Prozeß gegen den Hauptmann von Köpenick wird am nächsten Sonnabend verhandelt werden. Zutrittskarten zu diesem Termin find längst vergriffen. Die Deputation für die städtische Kanalisation und Riefelfelder hat endlich dem langjährigen Wunsch der Kanalarbeiter Rechnung getragen und beschloffen, diesen Arbeitern in Zukunft, d. h. ab 1. April 1907, 14 Tage boll zu bezahlen. Damit wird ein offen bares Unrecht gut gemacht. Die Arbeiter für Bau- und Hausanschlüsse usw. haben eine Reihe Wünsche in einer Petition zum Ausdruck gebracht. Die zur Berberatung eingesetzte Subtommission, zu der auch der Stadtv. ausschusses wird genehmigt, 2. Beseitigung der Akkordarbeit wird Borgmann gehörte, hat beschlossen: 1. Errichtung eines Arbeiterfie mangelhaft begründet sei, 4. den Rohrlegern ist die Anrechnung abgelehnt, 3. einheitliche Lohnstala wird gleichfalls abgelehnt, weil der Winterdienstzeit bei Berechnung des Stafflungelohnsages ges nehmigt, 5. in Zukunft soll der Lohn an einer Stelle ausgezahlt werden, und zwar während der Arbeitszeit, 6. Entschädigung von Fahrgeld außerhalb Berlins wird abgelehnt, 7. Baubuden sollen mit Ausnahme für Hausanschlußarbeiter angeschafft werden, 8. soll für lettere die achttägige Lohnzahlung eingeführt werden, 9. denselben soll in Zukunft das Handwertszeug geliefert werden, 10. VerbandsZu der am heutigen Tage stattfindenden Ersatzwahl eines Land- fästen einzuführen hält die Kommission für unpraktisch, vielmehr tagsabgeordneten sind folgende Wahlbureaus eingerichtet: soll in Fällen, wo ein Unfall eintritt, der Verletzte auf Kosten der Verwaltung nach der Unfallstation transportiert und dort behandelt Berliner Nachrichten. Achtung! Dritter Landtagswahlkreis! Gruppe I: bei Model, Sophienstr. 10. Gruppe II: bei Bugge, Kastanien- Allee 95. Gruppe III: bei Gaßmann, Badstr. 14. Gruppe IV: im Pazenhofer, Turmstraße( feiner Saal). Gruppe V: bei Fahrow, Ravenéstr. 6. Für eventuell notwendig werdende Hülfsarbeiten ist es erwünscht, daß sich Genossen in den vorgenannten Bureaus zur Verfügung stellen. Das Wahlkomitee. Ohne Herrenbegleitung! werden. Eine Petition bezüglich Lohnerhöhung ist noch nicht zur Ver handlung gekommen, da dieselbe der Subkommission nicht vorlag. Gasanstalt Müllerstraße befaßte und uns aus Kreisen städtischer Zu dem letzten Artikel, der sich mit den Zuständen auf der betraute Arbeiter mit, daß er seine Arbeit stets gewissenhaft aus Arbeiter zuging, teilt uns der mit dem Messen der Thermometer geführt habe. Auch habe er nicht 560, sondern vor dem Brande 421 und nach demselben 357 Thermometer zu kontrollieren; mit anderen Arbeiten wurde er auch nicht beschäftigt und brauchte sich nicht zu übereilen. Leute, die diese Arbeit kennen, meinen aber, daß trob dieses geringeren Pensums die Arbeit beim besten Willen doch nicht so ausgeführt werden könne, wie es wünschenswert sei und das Pensum immerhin noch hoch genug wäre. # Eine Tariferhöhung auf den Automobilomnibuslinien hat die Allgemeine Berliner Omnibusgesellschaft in Aussicht genommen. Sie hat, wie sie bekannt gibt, bei dem Polizeipräsidium den Antrag gestellt, auf fünf bewilligten Automobillinien eine Tarif= erhöhung unter Einführung von 10 Pfennig. teilstreden zu genehmigen. Die Gesellschaft begründet diesen Antrag mit der nachgewiesenen Höhe der Selbstkosten." Schmoll der Allgemeinen Berliner Omnibusaktiengesellschaft aus dem Wie weiter bekannt gegeben wird, ist der Generaldirektor präsident a. D. Simson hat die Stellung eines Beirates Vorstande ausgeschieden. Der Eisenbahndirektionsder Gesellschaft übernommen, die sich dadurch die Mitwirkung einer sachverständigen Kraft auf dem Gebiete des Verkehrswesens gesichert hat. Er wird dem gegenwärtig aus dem Direktor v. Dewiß und den stellvertretenden Direktoren Müller und Kaufmann bestehenden Vorstande zur Seite stehen. Mit der Berufung des Eisenbahndirektionspräsidenten a. D. Simson folgt die Allgemeine Berliner Omnibusgesellschaft den Spuren der Großen Berliner", die sehr wohl wußte, was fie tat, als sie Herrn Mide aus dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten übernahm. Solche Mitwirkung einer sachverständigen Kraft auf dem Gebiete des Verkehrswesens" lohnt sich für die Gesellschaften bei den Beziehungen, die diese Herren haben. Wer trägt die Zigarettensteuer? Die Rieselwärter hatten in ihrer Petition beantragt: also 3 M. pro Tag, steigend alljährlich um 1 M. pro Woche bis zum dem wird es auffallen, daß hier und da ein Plakat prangt, worauf ihnen einen Anfangslohn von 21 m. pro Woche zu gewähren, Wer sich die Bigarren- und Zigarettenläden Berlins ansieht, Höchstfaß von 27 M. Die Deputation hat diesen Antrag ab- dem Publikum mitgeteilt wird, daß die bekanntesten Zigaretten. gelehnt und beschlossen: den Anfangstagelohn auf 2,75 M., nach marken trotz der Banderolensteuer zu dem alten Preise verkauft 5 Jahren auf 3 M. und nach 10 Jahren auf 3,25 M. festzusehen. werden, obwohl große Zigarettenfabriken durch Plakate an den Dieser Beschluß erfordert für das Rieselgut Osdorf eine Mehr Anschlagfäulen die Steigerung der Detailpreise ihrer Waren an= ausgabe von 5890 M., für Großbeeren 4232 M., Sputendorf 5148 M., fündigten und obwohl eine Konvention besteht, die die Fabrikanten Die Leiter der Fortbildungsschulen haben gegenüber Faltenberg 2243 M., Malchow 3102 M., Blankenfelde 4300 M., Buch verpflichtet, nicht an Schleuderer zu liefern. Die Firma Garbath ihren Schülern und Schülerinnen mehr Rechte, als mancher und nichts, da dort diese Löhne bereits gezahlt werden. Zurzeit werden hat diese Konvention zwar nicht unterschrieben, sich aber doch mündmanche sich träumen läßt. Daß aber die Disziplinargewalt eines zirka 200 Rieselwärter beschäftigt, der Anteil des einzelnen an der lich verpflichtet, danach zu handeln. Die Fabrikanten haben ihre Fortbildungsschuldirigenten sogar über die Grenzen des Schul- Lohnaufbesserung ist also nur gering. Gegenüber dem schweren Engrospreise, gleich nachdem die Steuer für sie in Kraft trat, erhauses hinausreichen soll, das will auch uns nicht in den Sinn. Dienst dieser Arbeiter, der abwechselnd in 12stündiger Tag- oder höht, und nicht allein um die Steuersätze, sondern noch um Kann der Leiter einer Fortbildungsanstalt für die weibliche Jugend Nachtschicht besteht, Sonntags, eingeschlossen im Winter nur bei 50 Pf. mehr per 1000 Stüd, was sie damit begründeten, daß sie den jungen Damen seiner Schule berbieten, nach Schluß des Unter- ganz strenger Kälte alle sechs Stunden Ablösung ist diese Auf- wegen des Zerschneidens und Aufklebens der Banderole sowie richts fich von jungen Herren nach Hause geleiten zu lassen? Er besserung ganz unzulänglich. Immer sind aber die Rieselwärter wegen größerer Anforderungen an die Buchführung mehr Arbeitsfann den männlichen Personen, die die Rolle des Begleiters spielen noch besser weggekommen als die übrigen Gutsarbeiter, denen jede träfte einstellen müßten. Um dem Bestreben, die ganze Steuer wollen, den Zutritt zum Schulhaus oder zum Scholhof untersagen, Verbesserung versagt wurde. Allerdings hatte man im Frühjahr, last auf die Händler abzuwälzen, entgegenzuwirken, fand, wie der das ist wahr. Vielleicht kann er auch dagegen Einspruch erheben, als bei der ersten Lesung des Etats von unseren Genossen gegeißelt Vorwärts" seinerzeit berichtete, schon im Auguft dieses Jahres daß die Begleiter sich vor dem Schulgrundstück versammeln, um wurde, daß Gutsarbeitern 1,50 M. Tagelohn bei 12ftündiger Ar- eine Zigarettenhändler- Versammlung statt, die von dem„ Neuen dort die abholungsbedürftigen Schülerinnen zu erwarten. Aber beitszeit gezahlt würden, den Mindestlohnsatz auf 2 M. per Tag Verein der Zigarettenhändler Berlins und Umgegend" einberufen was würde man sagen, wenn er traft feiner vermeintlichen festgesetzt. Diese Festsetung hat aber nicht viel zu sagen, denn der war. Die Erfolglosigkeit der damals eingeleiteten Aktion und die Machtbefugnisse feinen Schülerinnen borschreiben wollte, auch Durchschnittsverdienst beträgt im Sommer und Winter in Malchow Art, wie die Vertreter dieses Vereins die Verhandlungen mit den über die allernächste Umgebung des Schulhauses hinaus auf Geleit 2,20 m. pro Tag, in Spufendorf 2,25 M., in Blankenfelde 2,65 M. Fabrikanten führten, brachten es mit sich, daß in einer Versammzu berzichten? Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter erhalten einen Tage- lung, die am 12. November im Saale von Lipps am Friedrichshain In der Kaufmännischen und gewerblichen Lohn von 80 Pf. im Winter und 1,50 M. im Sommer. Die Bitte, stattfand, eine neue Organisation gegründet wurde, der ZentralFortbildungsanstalt für Mädchen, die im Gemeinde- diesen Arbeitern den Lohn zu erhöhen, ist rundweg abgeschlagen verband der Zigarettenhändler Berlins und der Vororte". Die schulhause Alte Jakob straße 127 ihre Unterrichtsräume worden, zum Teil mit der Begründung, daß immer noch Arbeiter Versammlung gab einer Kommission den Auftrag, die Fabrikanten hat und vom Gemeindeschulrektor Hellermann geleitet wird, dafür zu haben sind. Es wird Aufgabe unserer Genossen sein, bei von neuem aufzufordern, nicht an Schleuderer zu liefern, und ver ist ein Verbot solcher Art ergangen. Schülerinnen dieser Anstalt der Beratung des nächstjährigen Etats diese Dinge einer ernsten langte ferner, daß der höchste Preis für die Zweipfennig- Zigarette haben uns mitgeteilt, Herr Hellermann habe in einer offiziellen Besprechung zu unterziehen. auf 12 M., für die Dreipfennig- Bigarette auf 19 m. per 1000 fest. Ansprache den Brauch vieler Schülerinnen, sich durch Herren abholen zu lassen, getadelt. Sie haben ihn dahin verstanden, daß er schulrat von Berlin für das Gemeindeschulwesen hat die staatliche Die Wahl des Stadtschulinspektors Dr. Fischer zum Stadt- gesetzt werde. Der Zentralverband" beschäftigte sich nun am Sonntagdas im Auftrage des Kuratoriums untersage. Das Verbot erftrede Genehmigung erhalten. Der Gewählte soll in der nächsten Sizung nachmittag in einer Generalversammlung wiederum mit der fich nicht nur auf die allernächste Umgebung des Schulhauses, der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, den 29. November 3igarettenfrage. Hier wurde unter anderem bemerkt, daß einige sondern auf das ganze Stück der Alten Jakobstraße bis zur Ritterstraße und auf die Ritterstraße bis zur Lindenstraße. Im Ueber durch den Oberbürgermeister in sein neues Amt eingeführt werden. große Firmen, wie Manoli und Garbath, nicht nur an schleudernde Händler, sondern auch an Fabrikfantinen liefern, die tretungsfall habe die betreffende Schülerin zu gewärtigen, daß der Von der Gasanstalt Müllerstraße wird uns aus Kreisen der 10 Stüd der Dreieinhalbpfennig- 3igaretten für 28 Pf. abgeben, männliche Begleiter von ihrer Seite weg zur Polizeimache städtischen Arbeiter geschrieben:" Die brennenden Kohlenlager, dic was die Händler um so mehr schädigt, als ja Arbeiter und Angebracht werde. Auch werde jede Schülerin, die dem Verbot etwa 80-90 000 3entner Gewicht haben sollen, sind noch immer gestellte der Fabriken auch ihre Bekannten und Freunde häufig mit zuwiderhandele, unbedingt aus der Schule beram brennen und bis zur Stunde ist noch gar nicht abzusehen, wie der billigen Ware versorgen. Mehrere Redner sprachen dafür, daß wiefen werden, und zwar ohne Rückzahlung des Schulgeldes. lange die Kalamität anhalten soll. Obwohl die Direktion in den man die Fabrikanten, die der Schleuderei Vorschub leisten, Später foll Hellermann noch den Zusah gemacht haben, eine lebten Tagen bis zu 200 Mann mit dem Auseinanderreißen dieses bontottieren, ihre Waren einfach vom Verkauf ausschalten sollte, Schülerin seiner Anstalt sei bereits aus diesem Grunde entlaffen Sohlenbrandes beschäftigte, so ist der Höhepunkt der Gefahr und und es wurden andere Firmen bekannt gegeben, die die bei Lipps worden. Wir würden diese Mitteilungen für ein Phantasiestüd Rauchbelästigung noch nicht überschritten. Die Nachbarschaft der aufgestellten Forderungen bereits anerkannt haben. Mit allen hallen, wenn uns nicht von mehreren Schülerinnen auf das be- Gasanstalt ist in begreifliche Aufregung geraten, nicht aus Angst in Frage kommenden Fabrikanten konnte jedoch noch nicht verstimmteste versichert worden wäre, daß H. sich so geäußert habe. vor Feuersgefahr, sondern wegen des unerträglichen Gestantes und handelt werden. Ueber die weiteren Maßnahmen soll in einer demEine Ausnahme habe er nur für die bereits verheirateten Schüle- dichten, äßenden Qualmes, der sich aus den brennenden, dicht. ge- nächst stattfindenden öffentlichen Versammlung beschloffen werden, rinnen gemacht. In den Fortbildungsschulen gibt es nämlich auch lagerten Kohlen entwidelt. Kein Mensch darf in der Windrichtung die bekannt gegeben wird in dem Organ des Zentralverbandes, Ehefrauen; es ist nett von Herrn H., daß er wenigftens ihnen das Fenster öffnen! Warenlager nehmen den Geruch an und Der Zigarrenhändler", das vorläufig an die hiesigen Bigarrengütigst gestattet, sich von ihren Männern abholen zu lassen. Ob Bassanten flagen über Huftenreiz. Die fich immer mehr verdich händler gratis geliefert wird. Daß der bisherige Vorstand des er auch Väter oder Brüder als Begleiter noch unverheirateter tenden Beschwerden haben die Leitung der Gasanstalt veranlaßt, Neuen Vereins" lasch vorgegangen ist, wurde selbst von VereinsSchülerinnen zuläßt, darüber konnte man uns keine sichere Angabe eine Menge Arbeiter aus anderen städtischen Betrieben zur Hülfe mitgliedern zugegeben, die als Gäste an der Versammlung teilmachen. leistung heranzuholen. Die Arbeit in und auf den brennenden nahmen. Soweit der Verein" für zweckmäßiges Handeln zu haben Es wird Leute geben, die diesen Konflikt nur von seiner Kohlenhaufen ist eine sehr schmußige und gesundheitsgefährliche ist, erklärten sich die Verbandsvertreter bereit, mit ihm gemeinsam heiteren Seite zu betrachten vermögen. Wir wollen ihn von seiner und ganze Trupps, die von der Straße geholt wurden, verließen vorzugehen, was auch von den Vereinsvertretern anerkannt wurde. ernsten Seite betrachten. Das Vorkommnis zeigt wieder nach furzer Tätigkeit die Arbeitsstätte, an der sich noch eine einmal, wie leicht ein übereifriger Pädagoge, der Anzahl von Meistern und Vorarbeitern aufhalten, die den Ar- Vom Gerüst gestürzt und lebensgefährlich verlekt ist gestern über die Grenzen seiner Macht im unklaren beiter mit allen nur erdenklichen Mitteln an der Arbeit festzu- nachmittag der 46 Jahre alte Bauarbeiter Franz Gwiaczad aus der ist, dazu gelangen kann, fich in der Wahl seiner Erziehungsmittel halten versuchen. Da bei dieser gesundheitsgefährlichen Arbeit Kyffhäuserstraße 11. G. war auf dem Neubau Gylauerstraße 5 am zu bergreifen und dann mehr Schaden als Nußen zu stiften. naturgemäß viele Erkrankungen der Atmungs- und Verdauungs. Gerüst tätig gewesen und infolge Fehltritts plöblich abgestürzt. Er Gewiß, wenn in Fortbildungsschulen den Schülern und Schüle- organe vorkommen, so wurde versucht, mit Hinweis auf 3og fich mehrere Rippenbrüche, sowie schwere innere Verlegungen rinnen von ihren Lehrern und Lehrerinnen auch mal Ratschläge eventuelle Entlassung die Arbeiter von Krankmeldung ab- zu und wurde in fast hoffnungslosem Zustande in das Krankengegeben werden, die über den Rahmen des Unterrichts hinaus zuhalten. Obwohl der Direktor Timme ein derartiges Haus am Urban eingeliefert. gehen, so ist das im Prinzip nur mit Dank zu begrüßen. Aber Berhalten der Meister ihren schwer arbeitenden Arbeitern Herr S. scheint seine Ratschläge" denn doch in eine recht eigen gegenüber nicht billigte, so machen diese Herren dennoch H. Ein folgenschweres Bootsunglück ereignete sich Sonntag nach tümliche Form gekleidet zu haben. Ist es Tatsache, daß er von auf der Anstalt, was ihnen beliebt. Gerade die Behandlung der mittag auf der Spree bei Treptow. Zwei junge Leute, der einem regelrechten„ Verbot" gesprochen hat, daß er für dieses Leute seitens der Meister usw. hat so böses Blut unter den Lösch- Schneider Emil Arndt und der Hausdiener Karl Heinrich aus Verbot den Geltungsbereich auf die Nachbarstraßen erstrect hat, mannschaften gemacht, daß der Verband der Gemeindearbeiter daß er im Uebertretungsfall für die Schülerin Ausweisung aus feinen ganzen Einfluß aufbieten mußte, das Schlimmste zu ver- Schöneberg, hatten gegen 15 Uhr von dem Restaurant„ Staiserder Schule und für den Begleiter polizeiliche Siftierung in Aus- hüten, um die Katastrophe nicht noch größer werden zu laffen. garten" aus eine Bootsfahrt unternommen und lehrten auch nach ficht gestellt hat? Die Oeffentlichkeit wird es auch interessieren, zu erfahren, daß die bereits eingetretener Dunkelheit nicht wieder zurüd. Gegen 1/6 Uhr " Herr Hellermann ist auch Mitglied der Schuldeputation; er mit den Löscharbeiten betrauten Arbeiter Schwämme geliefert be- wurden die Gäfte der an der Spree gelegenen Lokale durch wurde vor einigen Jahren hineingewählt, weil man ihn für einen lommen, die, mit Essigwaffer getränkt, vor Mund und Nase ge- gellende Hülferufe erschreckt, die ziemlich von der Mitte des verständigen Mann hielt. Als Fortbildungsschulleiter steht er aber bunden werden, um die Arbeiter wenigstens bor den schlimmsten an jener Stelle breiten Wasserlaufes hertamen. Zahlreiche Personen machten Boote loS, um den Bedrängte» Hülfe zu leisten. Jedoch war es bei der auf dein Wasser herrschenden Finsternis leider nicht möglich, die Unfallstelle genau zu ermitteln, umsowenigcr, als auch die Hülferufe bald verstummten. Tines der Boote stieb ziemlich dicht am linken Ufer auf einen im Wasser treibenden Mann, der, durch die kalten Fluten fast völlig erstarrt, sich nur noch mühsam auf der Oberfläche halten konnte. Der Gerettete war der Hausdiener H., der, kaum iin Boote auf- genommen, die Besinnung verlor. Dagegen konnte die Leiche seines Freundes, der jedenfalls sofort untergegangen war, bisher noch nicht aufgefunden werden. Das gekenterte Boot wurde noch am Abend angetrieben und gelandet. Wie das Unglück entstanden, war. da H. nicht vernehmungsfähig ist, nicht festzustellen. Der Totensonntag hatte eine wahre Völkerwanderung nach den Friedhöfen hervorgerufen. Unzählige Tausende pilgerten schon am frühen Morgen nach den Begräbnisstätten hinaus, um die Gräber der Toten zu schmücken. Geradezu gewaltige Dimensionen hatte der Verkehr nach der Hermannstraße, wo sich bekanntlich ein Friedhof an den anderen reiht, angenommen. Trotzdem die Verkchrsgesellschaften, namentlich die Große Berliner � Straßenbahn, alles aufgeboten hatten, um dem enormen Andrang standhalten zu können, so war doch der größte Teil der Besucher gezwungen, den weiten Weg nach den Ruhestätten zu Fuß zurück- zulegen. Die Blumengeschäfte und Kranzbindereien waren fast sämtlich ausverkauft. Abends spielten sich dann bei der Heim- beförderung der Menschenmaffen an den Haltestellen wieder die üblichen Szenen um die Erkämpfung der Plätze ab. An der Weidcndammerbrücke erfolgte am Sonntagnachmittag ! wischen 4 und 5 ein Zusammenstoß zwischen einem von der Müller- traße kommenden Straßenbahnwagen und einem Omnibus der von der Friedrichstraße kam in dem Augenblicke, als der Straßenbahn- wagen in die Kurve einbiegen wollte. Um ein Haar wäre der Omnibus umgeworfen worden: die Passagiere kamen mit dem bloßen Schrecken davon; die Elektrische hatte einige zerbrochene Fensterscheiben zu beklagen. Unvorsichtiges Hantieren mit einem Desching hat zu einem be- bauernswerten Unfall geführt. Am gestrigen Sonntagabend spielten einige Knaben an der Ramler- und Swinemünderstraße„Zeck", also Greifen. Der bei dem Spiel unbeteiligte Knabe Walter Hoedel aus der Voltastraßc hatte ein Tesching auf die Straße mit- genommen und schoß hiermit den in der Putbuscrstraße 32 wohnen- den Sohn Walter des Arbeiters Böhm unvorsichtigerweise an. Die 3 Millimeter-Kugel traf den Kleinen an der rechten.Halsseite. Der Angeschossene begab sich zur Unfallstation, dann zu Dr. med. Jakob, und muß die kgl. Klinik oder Charits aufsuchen. Zwei schwere Einbruchsdiebstähle sind in der Nacht zum Sonntag verübt worden. In dem Hause Hedemannftr. 13/14 stattete eine Einbrecherbande dem Oberleutnant v. D. einen recht lohnenden Besuch ab. Während v. D. im Hinterzimmer schlief, drangen die Diebe in die vorderen Räumlichkeiten ein und stahlen dort fast sämtliche Wertsachen. Im ganzen fiel den Burschen Beute im Werte von etwa MO M. in die Hände. Bei einem weiteren Einbruchsdiebstahl in die Wohnung eines Mieters in der dritten Etage wurden die Täter gestört.— Auf Geld- und Wert- fachen hatte es gleichfalls eine Einbrechcrbande abgesehen, die den Kaufmann Max Sauer in der Schivelbeinerstraße 27 heimsuchte. Die Diebe brachen in den Laden ein, raubten dort die Wechselkasse aus und drangen dann in die Wohnung vor. Alles, was sie dort an Gold- und Wertsachen finden konnten, nahmen sie mit. Durch das verdächtige Geräusch, das die Einbrecher bei ihrer„Arbeit" verursachten, wurde ein Bäckerjunge aufmerksam gemacht und die Verfolgung der Täter veranlaßt. Sie war jedoch vergeblich. Im Tiergarten Selbstmord verübt hat der 2Sjährige Haus- diener Hugo Förster aus der Landsbergcrstraße. In der Nähe des Sprecwcges fanden Spaziergänger den Lebensmüden auf einer Bank als Leiche auf. Neben dem Toten stand eine entleerte Lysol- flasche. F. hatte mit dem Modegift seinem Leben ein Ende be- reitet. Ein schwerer Strasienbahnunfall ereignete sich Sonntag abend an der Ecke der Lortzing- und Brunnenstraße. Der 27 Jahre alte Karl Luschat, Lortzingstratze 35 wohnhaft, hatte auf dem Heimwege an der erwähnten Kreuzung den Fahrdamm überschreiten wollen und dabei versucht, kurz vor einem herannahenden Straßenbahn- wagen die Gleise zu passieren. Er wurde jedoch von der Vorder- Plattform erfaßt, niedergerisien und überfahren. In bewußtlosem Zustande fand der Schwerverletzte Aufnahme im Lazarus-Kranken- hause. Der Kopf war dem Bedauernswerten vollständig zerfleischt worden und außerdem hatte L. erhebliche innere Verletzungen er- litten. Erhängt aufgrfunden ist am 21. d. M. in der königl. Forst zu Adlershof die Leiche eines unbekannten Mannes im Alter von 20 bis 25 Jahren, dessen Persönlichkeit sich bis jetzt nicht hat ermitteln lassen. Bei der Leiche sind vier Photographien, die den Toten dar- stellen und ein Lotterielos vom Roten Kreuz Nr. 243 218 gefunden worden. Die Leiche ist ungefähr 1,70 Meter groß, hat volles ge- Wellies Kopshaar, war bekleidet niit einem schwarzen Ueberzicher, gleichem Jackett und Hose, weißgcblümtcr Weste, schwarzem steifen Hut, schwarzen Schnürstiefeln, weißemllmlegekragen mit blauerKrawatte. Bei der Leiche wurde ein Portemonnaie mit 30 M., ein Taschenspiegel, fünf weiße Taschentücher ohne Zeichen, ein iveißer Kragen- schöner, ein Bund Schlüssel und ein Paar braune Glacehandschuhe vorgesunden. Wer über die Persönlichkeit des Toten etwas angeben kann, wolle dies der Kriminalpolizei schriftlich zu Nr. 8220 IV 1. 06 oder mündlich im Zimmer 313 mitteilen. Eine wertvolle Ergänzung der sich in unserer Partei immer stärker geltend machenden Bestrebungen auf Vertiefung unserer Grundsätze bilden die. Bemühungen von Vereinigungen, der Ar- beiterschaft auch auf dem Gebiete der Kunst, des Gesanges und der Musik Gutes zu bieten und ihr wirkliche Genüsse zu schaffen. Heutzutage ist der wirkliche Kunstgenuß in der Hauptsache das Privilegium der besitzenden Klasse, der Proletarier gibt sich viel- fach zufrieden mit dem, was in Tingeltangel-Varietes geboten wird. Da ist es zu begrüßen, wenn sich Vereinigungen zum Ziel setzen, für ein billiges Entrce wirkliche Kunstgenüsse zu verschaffen und die Arbeiterschaft in die lichten Höhen dieses Genicßens hinaufzu- ziehen. In den Dienst dieser Bestrebungen haben sich neben an- deren Vereinen, wie Volkschor, Volksbühnen auch bestimmte Gesang- vereine gestellt. Allerdings können dies nur große, leistungsfähige Vereine tun. Sie sind in der Lage, einen guten gesanglichen Teil durch einen vorzüglichen� musikalischen Teil zu ergänzen. Das konnte man beispielsweise wieder am Sonntag wahrnehmen. Während in der„Neuen Welt" die„Thpographia" nach dieser Richtung hin wirkte, hatte der Gesangverein„Kreuzberger Harmonie" in der Brauerei Am Friedrichshain ein Konzert arrangiert. Das Konzert des letztgenannten Vereins, das wir besuchten, lieferte den unwiderleglichen Beweis, wie ernst es ihm um die Förderung der obengenannten Bestrebungen ist. Das gesangliche Programm war ein gut ausgewähltes und, fanden wir darunter manchen guten Bekannten, so war doch die Wirkung durch den guten Vortrag eine zweifellos gute, und als der Chor Uthmanns „Sturm" durch den Saal brausen ließ, bewres der starke Beifall den Sängern, daß ihre Bemühungen auch Anerkennung fanden. Zum guten Gelingen des Abends trug nicht zum wenigsten die vorzügliche Auswahl und das gute Spiel der vom Sinfomeorchester zu Gehör gebrachten Piecen bei. Vom Kahn abgestürzt und ertrunken ist gestern bei Wilhelminen- hos der lüjährige Bootsmann Reuter, der auf einer Kohlenzille be- schäftigt war. Beim Staken glitt R. vom Laufbrett ab uiid stürzte kopfüber in die Fluten. Die übrige Bemannung des Fahrzeuges stellte sofort Rettungsversuche an, doch konnte der Korper des Ver- unglückten erst nach längerem Bemühen aufgefunden werden. Die alsbald unternommenen Wiederbeleblmgsversuche blieben leider er- folglos. Einen Vortragszyklus aus den Werken„Deutscher Dichter" ver- anstaltet Karl Albert Stripp am Mittwoch, den 28. November, abends 8Va Uhr in Feuersteins Fcstfaal, Alte Jakobstraßc 75. Die musikalische Belebung für diesen Abend bringt das Solistenquartett vom Berliner Sinfonieorchester unter Leitung von Maximilian Fischer. Der Eintritt beträgt 30 Pf. TaS Bernhardt Nofe-Theater(früher Karl Weiß) brachte am Sonnabend„D i e N e u e W e l t", Volksstück mit Gesang und Tanz in 5 Bildern aus dem amerikanischen Volksleben von Hans Kießling auf die Bretter. Das Stück führt uns, wie schon der Name besagt, nach New Dork und läßt uns hier die Bekanntschaft der aus den verschiedensten Gründen der alten Welt den Rücken Gekehrten und in Amerika ihr Glück Erhoffenden machen, wobei wir schließlich die heitersten und trübsten Erlebnisse machen. Da treffen wir Herrn Schädlich aus Leipzig, der einen guten Bankerott gemacht hat und seiner Frau, einer bösen Sieben, ausgerückt ist. Ein anderer, ein Baron von Apfelstedt, der nichts weiter als seinen Namen sein eigen nennt, glaubt eine der vielen Millionärinnen zu ergattern, eine Wienerin sucht ihren Bräutigam und noch andere. Alle wollen ihr Glück machen. Nach manchen Schwierigkeiten— der Baron spielt sogar auf kurze Zeit Kellner, ist aber unfähig dazu— müssen aber alle einsehen, daß auch in Amerika die gebratenen Tauben nicht herumfliegen und daß es das beste ist, wieder nach der Heimat zurückzukehren. Aber ehe dies geschieht, wendet sich alles zum Besten. Der Baron macht eine reiche Erbschaft, die Wienerin be- kommt ihren Bräutigam und der biedere Sachse— seine„bessere" Hälfte. Der Schluß war etwas unvermittelt. Das Ganze enthielt eine Reihe humoristischer Szenen und wurde viel belacht. Orgel-Konzert. Mittwoch, den 28. November, abends 7'ch— 8Ve Uhr, veranstaltet der königl. Musikdirektor Beruh. Jrrgang in der St. Marien-Kirche das nächste Orgel- Konzert unter Mitwirkung von Frau Gertrud Labauvc (Sopran), Frl. Sonja Bccg(Alt), Frau Bianka Becker-Samolewska (Violine) und Herrn Oi�anisten Wennrich(Orgel). Orgel- Kompositionen von Bach. Reger und Schumann. Der Eintritt ist frei! Feuerwehrbericht. Am Sonnabend hatte die Feuerwehr zahl- reiche Brände zu löschen. Außer den schon gemeldeten mußten u. a. noch folgende im Laufe des TageS gelöscht werden. Auf dem Schlesischen Güterbahnhof ein großer Preßkohlenbrand, in der Langestr. 16 ein kleiner Wohnungsbrand und in der Straßburger- straße 14 ein Schornsteinbrand.' Ferner brannte Putzwolle usw. an einem Elektromotor in der Köpenickerstr. 18/26, ein Automobildreirad an der Ecke der Neuen König- und Schützenstraße. Wegen einer Gasexplosion wurde die Wehr nach der Brunnenstr. 141 ge- rufen. Eine Frau hatte dabei Brandwunden am Kopf und den Annen erlitten. Weitere Gefahren konnten schnell beseitigt werden. Außerdem liefen noch Alarme aus der Waldstr. 22, Wich- mannstr. 5 und anderen Stellen ein. In der Schönhauser Allee 9 wurde ein Sauerstoffapparat zu einem Kranken verlangt. In der Beusfelstr. 9, Dresdenerstr. 38. Fröbelstr. 9 und anderen Orten hatte die Wehr gestern mit der Rettung von Pferden zu tun. Am Sonntagabend während der Vorstellung im ZirkuS Busch kam auf einem dicht neben dem Zirkus in der Spree liegenden Aepselkahn Feuer aus. Die Flammen schlugen hell und leuchtend aus der Kajüte weit über die Kaimauern empor. Zum Glück bemerkte die Sicherheitswache im Zirkus Busch rechtzeitig die große Gefahr. Zwei Mann nahmen sofort von der Feuerlöscheinrichtung des Zirkus eine Leitting vor und löschten damit noch vor Eintteffen der Feuer- wehr, ohne daß die vielen Besucher des ZirkuS etwas bemerkten, die Flammen. Gleichzeitig mußte in der Rathenowerftr. 46 ein Laden- brand gelöscht werden. In der Wilhelmstr. 123 brannte auf dem Hofe Papier u. a. und Alt-Moabit 46 Lumpen und Papier usw. Längere Zeit hatte die 1. Kompagnie in der Prenzlauerstr. 82 a zu tun, wo Lumpen usw. in einem Keller unter großer Qualm- entWickelung brannten. Küchenbrände beschäftigten die Wehr in der Borsigstr. 18, Oranienstr. 161/162, Veteranenstr. 19. Naunyn- straße 17. Siemensstr. 15 und anderen Stellen. Außerdem hatte die Wehr noch in der Schönleinstr. 11 und anderen Orten zu tun. Vorort- jVzcb richten. Charlottenburg. Bei einem Automobilunfall ist gestern mittag die Frau des Stadtrats Erler, Viktoria Luise- Platz 5. erheblich zu Schaden ge- kommen. Frau E. war in einem Droschken-Automobil die Char- lottenburger Chaussee entlang gefahren und als der Kraftwagen die Sieges-Allee passierte, verwgte plötzlich die Steuerung und mit voller Gewalt stieß er gegen einen Kandelaber der Straßenbahn, DaS Automobil wurde fast vollständig zertrümmert und die Insassin an der linken Gesichtsseite, der Hand und am Unterschenkel erheblich verletzt. Sie erhielt die erste Hülfe auf der Unfallstatton 26. Ucbcr„Kindergärten und Proletariat" referierte in einer Volks- Versammlung am 22. November im Volkshause Simon Katzen- stein. Redner schilderte,� wie die moderne kapitalistische Eni- Wickelung mit ihren Folgeerscheinungen: Frauenarbeit und schlechte Wohnungsverhältnisse, der proletarischen Mutter ganz oder zum er- heblichen Teil die Möglichkeit entzogen habe, sich der Erziehung des jungen Kindes mit Sorgfalt zu widmen. Nach Besprechung und Kritik der zur Bekämpfung dieses Mißstandes von bürgerlich-privater seite geschaffenen Einrichtungen setzte Redner in packender Weise die Anforderungen auseinander, welche an einen nach modernen Er- ziehungsgrundsätzen geleiteten Kindergarten zu stellen feien. mit besonderem Nachdruck hervorhebend, daß ein Kindergarten mit keinerlei politischen oder religiösen Nebenzwecken verquickt werden dürfe. Von den Städteverwaltungen müsse energisch die Errichtung einer genügenden Zahl pädagogisch einwandfreier Kindergärten gefordert werden. Es sollten aber auch aus eigener Kraft, wo eS sich ermöglichen lasse,„freie" Kindergärten gegründet werden. Redner forderte zum Schluß mit eindringlichen Worten zum Beitritt in den„Verein Freier Kindergarten", Brauhofstraße 13, auf, um denselben lebenskräftig zu erhalten. 2 In der kurzen Diskusfion, welche dem mit lebhaftem Beifall auf- genommenen Vortrage folgte, wurde auf die am 3. Dezember im VolkShause tagende Generalversammlung des Vereins, tn welcher Herr Professor Wilhelm Förster einen Vortrag über „Gemeinschaftserziehung" halten wird, so auch auf das Winterfest am 15. Dezember hingewiesen. Für die Einführung der Wertzuwachssteuer erklärte sich der Mieterverein in seiner letzten Sitzung. Eine diesbezügliche Resolution wurde einstimmig angenommen. Rixdorf. Eine stäbtische Badeanstalt mit Schwimmhalle wird nun, wie wir im letzten Stadtvcrordnetenbericht bereits mitteilten, auch Rix. darf erhalten. Die Wahl des dazu bestimmten Grundstückes, Richardstratze 113/114, kann, weil es im Zentrum der Stadt liegt, als sehr glücklich bezeichnet werden. Die Anstalt selbst wird die Mitte des nach der Donaustraße durchgehenden Geländes einnehmen. während das Vorderland an dieser letzteren Straße für eine 32klassige Gemeindeschule reserviert bleibt. Auf dem an der Richardstratze belegenen Teil des Grundstücks wird beabsichtigt, u. a. eventuell auch die städtische Volksbibliothek und Lesehalle unter- zubringen, um so für die Badegäste gleichzeitig einen angenehmen Erholungsort nach dem Bade zu schaffen. Es ist das ein Plan, von dem man nur wünschen kann, daß er bald zur Tat wird, sie Badeanstalt selbst soll enthalten: Brausebäder und Wannenbader für Männer und Frauen, medizinische Heilbäder(Kohlensäure-, Sand-, Moor-, elektrische Bäder). Dampfbäder mit Ruheräumen, ein römisch-irisches Bad, schließlich auch die nötigen Warteraume, welch letztere gegebenenfalls in direkte Verbindung mit der Bibliothek gebracht werden sollen. Für jeden Freund einer gesund- heitssördernden Körperkultur aber wird die projektierte Schwimm- Halle wohl das Erfreulichste sein. Tieselbe wird eine Äeckengröße von 265 Quadratmeter aufweisen. Tie in Aussicht gestellte kleinere Schwimmhalle(128 Quadratmeter) für Frauen soll erst im Bedürf- nisfalle gebaut werden. Dies Zögern ist keineswcg gutzuheißen; denn auch bei dem weiblichen Teil unserer Bürgerschaft wird, wenn erst mal die Gelegenheit dazu geschaffen ist, mehr und mehr das Verständnis für die wohltätige Wirkung eines ungebundenen fröh- lichen Tummelns im nassen Element platzgreifen. Bei denen aber, die diese Ueberzcugung schon haben, heißt es, Sorge zu tragen, daß der„Bedürfnisfall" schleunigst eintritt. Die Einrichtung eines Luft- und Sonnenbades ist ebenfalls in Aussicht genommen, so daß auch die Anhänger der„Müllerei" auf ihre Rechnung kommen werden. Für die Wasserversorgung wird eine eigene Brunnenanlage geschaffen, nur für den Notfall soll ein Anschluß an die Wasser- leitung hergestellt werden. Die Baukosten sind auf rund 466 666 M. veranschlagt, für die Projektbearbeitung 8666 M. zur Verfügung gestellt. Hoffentlich wird die letztere energisch betrieben; hatte doch gerade der weitaus größte Teil der Einwohner, die Arbeiter mit ihren Familien, wegen des Fehlens häuslicher Badeeinrichtungen ganz besonders unter dem Mangel einer Badeanstalt zu leiden. Nun noch eins! Wenn es wirklich der Fall sein sollte, daß durch den Bau der Badeanstalt man im Magistrat sich seiner Pflichten in dieser Hinsicht ledig fühlt, und wohl gar die Einrichtung von Schul- brausebädern ganz umgehen möchte, so kann dies vom Standpunkt einer vernünftigen zielklaren Schulhygiene nicht scharf genug ver- urteilt werden. Oder will etwa die Rixdorfer Stadtverwaltung sich den Ausspruch jenes würdigen Stadtvaters zur Richtschnur machen, der erklärt-, daß die Stadt nicht dazu da sei,„den Arbeiterkindern den Dreck abzuwaschen"? Wenn nicht, dann wird der Magistrat auch an die Schulbrausebäder heranmüssen._ Jedenfalls wird es Aufgabe der Arbeitervertreter im Rathause sein, hier kräftig nach- zuhelfen. Ein tödlicher Straßenbahnunfall ereignete sich am Sonnabend- abend gegen l/Ji Uhr in der Hermannstraße. Die 48 Jahre alte Arbeiterfrau Müller. Münchenerstraße 31 wohnhaft, wollte vor dem Hause Hermannstraße 46 in der Nähe der Selchowerstraße den Fahrdamm überschreiten, als ein Straßenbahnzug der Linie 28E (Britz— Moritzplatz) herannahte. Die Frau bettat so unmittelbar vor dem Moiorwagen das Gleis, daß trotz Anwendung der Gefahr- brenn'e der Sttaßenbahnzug nicht mehr rechtzeitig zum Stehen gebracht werden konnte. Sie wurde niedergerissen und fiel so im- glücklich, daß sie mit beiden Füßen unter den vor den Achsen des Waggons befindlichen hölzernen Schutzrahmen geriet. Frau Müller wurde durch Anheben des Wagens aus ihrer gefahrvollen Lage be- freit und nach der Unfallstation gebracht, wo sie wenige Minuten nach ihrer Einlieferung an den Folgen eines schweren Schädel- bruches starb. Friedenau. Die letzte Wahlvereinsversammlung beschloß nach einem Vortrag des Genossen Dr. Borckiardt über„Demokratie und Wahlrecht" am 4. Dezember eine außerordentliche Mitgliederversammlung abzuhalten, um zu dem Oraanisationsverttag für Preußen, sowie zu der Aende- rung des Kreisstatuts Stellung zu nehmen. Treptow-Baumschulenweg. Aus der Gemeindevertretung. Der Gemeindevorsteher teilte unter anderem mit, daß der verstorbene Rentier Pöhlig der Gemeinde 25 666 M. vermacht habe mit der Maßgabe, daß das Geld mündel- sicher angelegt, die Zinsen unter den Armen der Gemeinde verteilt und die Stiftung den Namen Pöhlig-Sttftung erhalten soll. Die Vertretung erklärte sich hiermit einverstanden. Ein Prozeß gegen die Eisenbahndireftion über die Unterhaltungspflicht der Kiefholz- und Jordansttaße ist endgültig zugunsten der Gemeinde ent- schieden und der Kasse derselben 35 866 Mark überwiesen.— Betreffs Uebernahme der Unterhaltungspflicht der Treptower Chaussee und der Dorffttaße durch die Stadt Berlin wurde eine Kommission eingesetzt, welcher auch Genosse Gerisch angehört.— Auf die schlechte Beschaffenheit der Elsensttaße an der Rennbahn, namentlich bei Regenwetter, wies Genosie Gramenz abermals hin. Ihm schloß sich Gemcindevertreter Grätz an und empfahl, Berlin zu ver- anlaffen, auch an seinen Grundstücken Mosaikpflaster herzustellen. Der Gemeindevorsteher erftärte sich bereit, diesbezügliche Unter- Handlungen in die Wege zu leiten— ein Versprechen, welches bereits in einer der letzten Sitzungen abgegeben war. Hoffentlich reift es diesmal zur Tat. Eine Anfrage deS Genossen Karow, wie weit der WertzuwachSstcuerentwurf gediehen sei. wurde vom Gemeinde- Vorsteher dahin beantwortet, daß er noch die von der Regierung bisher genehmigten Entwürfe sammele und das ganze der Kommission in nicht ferner Zeit vorzulegen gedenke. Genosse Karow ging noch näher auf diese wichtige Steuereinnahmeqnelle ein und sprach den Wunsch aus. daß die Verttetung sich bald damit be- schäfttgen möge. Die bisher geübte Praxis, die wichttgsten Sachen in nicht öffentlicher Sitzung zu verhandeln, hat wiederholt eine scharfe Krittk unserer Genoffen erfahren; den bürger- lichen Herren scheint aber sogar die bloße Veröffentlichung des Ab- stimmungSresultatS unangenehm zu sein. So haben sie unsere Mit- tcilung aus der letzten geheimen Sitzung, in welckier der Antrag unserer Genossen über den Wohnungsgeldzuschuß für die Lehrer zur Verhandlung statt und gegen die Stimmen unserer drei Genossen abgelehnt wurde, lebhaft bedauert. Die Herren beriefen sich auf die Ge- schästsordnung, wonach ohne Beschluß der Verttctcr nichts veröffentlicht werden dürfe. In der Debatte hierüber meinten sie, eS dürfe sogar nicht der Sinn der Verhandlung über den Beratungsgegenstand veröffentlicht werden. Demnach wären allerdings die bürgerlichen Bertteler vor jeder Kennzeichnung ihrer reaktionären Handlungen der Oeffentlich- keit gegenüber geschützt. Es würde bei einem heiklen Beratungs- gegenständ nur immer einer tapferen Flucht in die geheime Sitzung genügen, um allen Unannehmlichkeiten enthoben zu sein. Zum Glück sind einseitige Interpretationen kein Hindernis für die öffcnt- liche Publikation. Lichtenberg. Die Gemeindevertretung hatte am Freitag zunächst drei aus- nahmSweise Bauerlaubniffe zu erteilen und stimmte einem Anttage deS Gemeindevorstandes zu, ein in der Gürtelstraße belegenes Grundstück zum Preise von 875 M. pro Ouadratrute anzukaufen. Durch dieses Grundstück sollen im Anschluß des vorhandenen Durchlasses unler dem Bahndamme die Rohr- und Kabelleitungen der Gemeindewerke nach dem westlichen Ortöteil geleitet werden. Die Uebernahme der Krauseschen höheren Töchterschule in die Verwaltung der Gemeinde hatte die Vertretung bereits beschlossen. Die �n- haberin aber verlangt nun noch neben den beschlossenen Be- dingungen die Uebernahme der Lehrergehälter für daS letzre Quartal. Die Gemeindevertretung lehnte das Verlangen ab. Da noch weiter bekannt wurde, daß der Mietsverttag der Gemeinde ungünstige Bestimmungen enthält, wurde beschlossen, noch Einsichtnahme in diesen Verttag die Uebernahme überhaupt abzulehnen. Die katholische Kirchengemeinde stellt erneut den Antrag. 5666 M. auS Gemeindemitteln zum Erweiterungsbau der Kirche zu bewilligen. Da die „Freisinnigen" erklärten„Grundsätze" zu habe» und diele inAnwendung zu bringen, wurde mit knapper Majorität daS Verlangen abgelehnr. Zur Beschaffung von Projcften für daS zu erbauende Krankenhaus verlangte der Gemeindevorstand 3666 M. Nach langer Debatte wurde auch dieser Antrag angenommen. Bei dieser Debatte trat die Rückständigkeu eines Teiles unserer„Dorfväter" in bezug auf An- erkennung sozialer Pflichten so kratz zutage, daß unsere Genoffen mit Recht davon sprechen konnten, daß dieser Bgu von der Mehrheit als ein„notwendiges Uebel betrachtet und behandelt würde". Bei der Wahl eines Kuratoriums für das Realprogymnasium machte der Gemeiiidevorstand Borschläge, die die Annahme rechtfertigen, daß die Gewählten der 3. Wählerftasie. auch im Gemeindevorstande als nebensächlich bettachtct werden. Die Vorgeschlagenen und auch Ge- wählten gehören durchweg der ersten und zweiten Wählerklasse an. Der.Auseinandersetzungsvertrag" mit dem Kreise Ruder-Barnim hat die Zustimmung des Kreisausschusses erhalten und wurde von der Bertrettmg endgültig genehmigt. Pankow. Wie berechtigt der im Juni von unseren Genossen gemachte Vorwurf war,„durch die unsachgemäße Ausführung der Rieselseid- anlage sei der Gemeinde ein Schaden von 40 000—50000 Mark erwachsen�, beweist der Bericht des Gemeindeschöffen Baumeister Lampe in der letzten Sitzung über diese Angelegenheit. Bekanntlich drohte damals Herr Konrad mit Verleumdungsklage gegen den Genossen Freiwaldt und den„Vorwärts". Eine für diese An- gelegenheit eingesetzte Untersuchungskommission ist zu folgendem Resultat gekommen: Die gesamten Mehrkosten, die bei einer sach- gemäßen Herstellung der Anlage hätten vermieden werden können. einschließlich der Ertragsverluste für zu früh der landwirtschaft- lichen Nutzung entzogenes Terrain betragen zirka 30 000 Mark- hiervon müssen 10 200 Mark sofort bewilligt werden. Nach sehr lebhafter Diskussion wurde die Summe gegen die Stimmen unserer Genossen bewilligt. Unsere früheren Angaben dürften durch die„festgestellten" 30 000 M. nicht erschüttert sein, wenn wir die ohne festgelegten Etatslitel gemachten Mehrausgaben in der Schloß- straße in Höhe von 12 400 M. dazuschlagen. Warten wir noch aus die Feststellung der Mehrkosten und ihrer Ursache» für die Kanali- sation der Berlinerstraße, so wirds wohl langen! Eine Vorlage über Dienstreisen und Reisekosten für Beamte und Gemeindevertreter wird nach folgenden Sätzen festgelegt: Für den Gemeindevorsteher ein Pauschale von 600 M. pro Jahr. Für Reisen der Baumeister und Gemeindevertreter bis zu fünf Stunden 4 M. und Fahrgeld. Den Beamten in besonderen Stellen 3 M. bis herunter zu 1,50 M. Für Reisen nach dem Rieselgme Mnblenbeck 5 M. Für weitere Dienstreisen sollen die für die Staatsbeamten geltenden Bestimmungen maßgebend sein. Diese Bestimmimgen werden durch Ortsstatut festgelegt. Die vor einigen Wochen an die Kommission zurückgewiesene Vorlage betreffend die Anstellung eines zweiten besoldete» Schöffen ist nunmehr durch die Vertremug an- genommen worden, der betreffende soll juristisch vorgebildet sein und ein AnfangSgehalt von 6000 M. erhalten. Zur Anschaffung von Tierschutzlalendern für die Schüler der Gemeindeschulen werden 50 M. bewilligt. Erkner. In einer Volksversammlung, in der auch eine weibliche Vertrauens- person gewühlt werden soll, wird heute abend O'/z Uhr im Dege- brodtschen Lokal die Genossin M e s ch einen Vortrag halten. Es werden deshalb die Frauen besonders ersucht, zahlreich in der Ver- ammlung zu erscheinen. Gerichts-Zeitung. � Ein Kind wegen Giftmordes verurteilt. Auf der Anklagebank mußte gestern ein kaum der Schule ent- wachsenes junges Mädchen, das 16jährige Dienstmädchen Frieda Schütz, wegen Giftmordes, begangen an.dcm acht Monate alten Kinde ihrer Dienstherrschaft, sich vor der 3. Strafkammer des Landgerichts III verantworten. Bald nach ihrer Entlassung aus der Schule mutzte das damals vierzehnjährige Mädchen einen Dienst annehmen, um mit ihrem Lohn die mehr als dürftigen Ver- hältniffe im Hause der Eltern etwas zu bessern, in dem noch drei schulpflichtige Kinder ernährt werden mutzten. Die erste Stellung bei einem Buttcrhändler mutzte das junge Mädchen bald verlaffcn, da es sich als lügnerisch und nicht ehrlich erwies. Aus mehreren anderen Stellen wurde die Angeklagte auS den gleichen Gründen wieder davongejagt. Am 1. Dezember v. I. fand die S. durch eine Stellenvermittlerin bei dem Werkmeister Heina in Eharlottenburg einen Dienst, in dem sie sich anfänglich ganz gut führte. Schon nach kurzer Zeit stellten sich bei der S. wieder die alten Untugenden ein. Sie kam spät nacbts nach Hause, belog die Herrschaft, wo es nur ging und vergaß auch mehr als einmal den Unterschied zwischen Mein und Dein. Wenn Frau Heina der Angeklagten mit der sofortigen Entlaffung drohte,'bat diese unter Tränen, man möge sie doch ihren Eltern zuliebe nicht wieder fortjagen und sie wenigstens solange behalten, bis sie wieder einen anderen Dienst gefunden habe. Wiederholt war Frau H. schon nahe daran, die Angeklagte zu entlasten, aber immer wieder ließ sie sich von dem inständigen Bitten des Mädchens rühren. Als sich die An an, 28. Mai d. I.. wo es in dem H.schen Hause„große Wäsche" gab, wiederum als faul und lügnerisch erwies, wurde ihr von Frau H. bedeutet, sie könne am nächsten Tage ihre Sachen packen. Am Abend desselben Tages faßte die Angeklagte nun den wahrhaft teuflischen Plan, um sich an der Frau H. zu rächen. Das geeignetste Mittel hierzu sollte der acht Monate alte kleine Kurt H. sein, der ahnungslos in seiner Wiege schlief. Die Angeschuldigte schüttete ein Quantum Zucker säure, die im Haushalt zum Putzen des kupfernen WaschfesselS benutzt worden war, in die Milch des kleinen Kurt, die dieser in der Nacht trinken sollte. Hierauf begab sich die jugendliche Giftmischerin ruhig in ihre Kammer und legte sich schlafen, als ob nichts geschehen sei, während im Nebenzimmer eine Mutter ahnungslos ihr eigenes Kind vergiftete. In der Nacht wärmte Frau H. die vergiftete Milch und reichte sie ahnungslos ihrem.Kinde. Am nächsten Morgen fand man das unglückliche kleine Wesen mit verglasten Augen in seiner Wiege liegend. Trotz- dem sofort ärztliche Hülfe hinzugezogen wurde, gelang eS nicht mehr, die zerstörenden Wirkungen des Giftes aufzuhalten, zumal niemand an eine Vergiftung dachte. Unter den schrecklichsten Qualen verstarb das bedauernswerte Kind an dem Nachmittage. Als die Angeklagte am 30. Mai verhaftet wurde, setzte sie ihrem schändlichen Treiben noeh dadurch die Krone auf, daß sie die eigene Mutter deS Kindes verdächtigte, einen Mord begangen zu haben. Am nächsten Tage legte sie aber ein offenes Geständnis ab. Ohne eine Spur von Neu« an den Tag zu legen, wiederholte di« Ver. worfene vor Gericht dieses Geständnis, und schilderte die einzelnen Handlungen mit einer geradezu beängstigenden Gleichgültigkeit.— Staatsanwalt E ls n e r bezeichnete die Angeklagte als eine durch und durch verworfene und jedes besseren Gefühls unfähige Person, die, um niedere Rache auszuüben, in der schändlichsten Weise ein unschuldiges Kind gemordet und dadurch tiefes Unglück über eine ganze Familie gebracht habe. Eine derartig niederträchtige und gxfublÄrohe Handlung müsse in der allerschärfften Weise ver. urteilt werden. Der Antrag deS Staatsanwalts lautete deshalb auf 6 JahreundZ Monate Gefängnis. Das Gericht kam auf Grund deS§ 229 St.-G�B. zu einer Verurteilung der Angeklagten. Das Urteil lautete auf 4 I a h r e 3 Monate Ge- f ä n a n i s. Die Schuld an der entsetzlichen Tat dem Kind allein aufzn- bürden, es al?„verworfen und jedes besseren Gefühls unfähig" zu schildern ist leicht, aber unbillig. Ist an der furchtbaren Tat im letzten Grunde nicht eine Gesellschaftsordnung schuld, die ein Kind zum Erwerb zwingt und die Möglichkeit einer Ausbildung seiner geistigen und sittlichen Fähigkeiten untergräbt? Verurteilt, hoch verurteilt ist das Kind. Glaubt man in der Tat. daß die Strafe bessern könne? Bessert die sozialen Verhältnisse und auch der. artige Scheußlichkeiten werden unmöglick werden. Weit schuldiger als das 5ftnt> sind die reaktionären Gesetzgeber und eine Ver- waltung und Rechtsprechung, die dem Arbeiter bei den Versuchen, keine und seiner Klassengenossen Lage zu heben, in den Arm fällt. Ter Konkurrenzkampf in der Roscnstraße. Das„Anreißen" ist eine der beliebtesten Geschäftsbräuche bei �kthändlern in der Rofcnstratze. Wer es versteht recht viele i-*1; Vorübergehenden zum Kauf zu bewegen, der macht gute Geschäfte und zieht sich dadurch den Neid seiner Konkurrenten zu. die sich weniger gut auf die Kunst deS Anreißens verstehen. Wenn die Angaben, die ein Schutzmann als Zeuge vor Gericht machte, in allen Punkten zutreffen, dann führen oie Althändler in der Roscn- straße untereinander einen wütenden Konkurrenzkampf, der gelegentlich mit Fäusten, Knüppeln und anderen gefährlichen Werkzeugen anSgefochten wird. Um solchen Exzessen vorzubeugen, geht —... t...~ U mit de � i zu Leibe. - Handwerk gelegt wird, hören auch weiteren Folgen des Konkurrenzkavipffs» der A ose» straße auf, Daß es unker solchen Umständen manchmal zu Konflikten zwischen Anreißern und Polizeibeamten kommt, kann man sich denken. Ein Fall dieser Art spielte sich am 26. Mai vor einem Trödler- laden in der Rosenstraße ab. Ein Schutzmann, der dort auf die Anreißer zu achten hatte, untersagte dem Kaufmann Cohn, der in einem Altwarengeschäft angestellt rvar, den Aufenthalt aus dem Bürgersteige vor dem Geschäftslokal. Cohn ging auch in den Laden, kam aber bald in Begleitung eines anderen Angestellten wieder heraus und beide machten— wie der Schutzmann bekundete— auf dem Bürgersteige langsamen Schritt. Der Schutzmann, auf- gebracht durch die Mißachtung seiner Ordnung, verwies die lang- samen Schritt übenden Althändler in ihren Laden. Sie folgten der Anweisung, Dann aber erschien Cohn— immer nach der Behauptung des Schutzmanns— in der Ladentür mit einem photo- graphischen Apparat, den er auf den Schutzmann richtete und dabei suche Cohns. Nun nahm Cohn— wie der Schutzmann bc° hauptet— eine Puppe, legte ihr eine Schnur um den Hals und hing sie an der Ladentür auf. Der Schutzmann hielt das für eine symbolische Darstellung, die er so deutete:„Ich loäre wert, aus- gehängt zu werden." Da ging dem Hüter der Ordnung die Geduld aus. Er forderte Cohn ans, ibm zur Wache zu folgen und drohte mit der Anlegung von Handfesseln, falls Cohn sich widersetzen sollte. Cohn ging aber ruhig mit zur Wache. Tic weitere Folge dieses Vorgangs war die, daß Cohn vom Schöffengericht wegen groben Unftlgs und Uebertretung der Straßenordnung zu 50 Mk. verurteilt wurde. In der Berufungsinstanz sagte Cohn gestern zu seiner Rechtfertigung: Ich werde mir doch nicht erlauben, einen Beamten zu verhöhnen. Alles, was der Schutz- mann in dieser Hinsicht ausgesagt hat, ist der Phantasie seines Kopfes entsprungen. Höchstens'habe ich mich diyrch den Aufenthalt auf der Straße strafbar gemacht, aber dafür 50 Mk., das ist doch zu viel. Das Gericht schenkte den Angaben des Schutzmanns vollen Glauben, hielt den Angeklagten der Uebertretung der Straßen- ordnnng und des groben, Unfugs für schuldig, setzte aber die Strafe auf 3 0 M k. herab. Ein Glück für Herrn Cohn, daß er Anreißer in der Rosenstraße und nicht streikender Arbeiter ist. Wäre er als solcher in der von dem Schutzmann angegebenen Weise mit einem Polizeibeamren in Berührung gckonunen, so loäre ihm wohl eine empfindliche Gefängnisstrafe sicher gewesen._ Der Tod des Schankwirts Brosy vor dem Schwurgericht. Die wüste Rauferei, der der Schankwirt Max Brosy in Plötzensce in der Nacht zum 26. März zum Opfer gefallen ist, kam in der gestrigen Sitzung des Schwurgerichts am Landgericht Berlin II zur Verhandlung. Ein Termin zur Hauptverhandluug in dieser Sache hat schon einmal im September angestanden, er mußte damals verlagt werden, weil ein inzwischen der Anstalt in Wuhlgarten über- wiesener Hauptbelastungszeuge nicht zur Stelle war. Unter der Anklage der Körperverletzung mit tödlichem Erfolge bczw. der Teilnahme an einer Rauferei, bei der ein Mensch sein Leben einbüßte, sind angeklagt die Kutscher Emil Grabow Ski, Walter H a ni p e I, Hans H a m p e l, Richard Krüger und Wilhelm Silber. Als Sachverständige sind geladen: Gefängnisarzt Dr. Marx, Gerichtsarzt Dr. Strauch, praktischer Arzt Dr. K o e b r i ch und Oberarzt Dr. B r a tz. Die Anklage vertritt Staatsanwalffchaftsrat Schmidt, die Verteidigung führen Rechts« anwalt Ackermann, die Referendare Sternberg, Manthey, v. Mosch und Rechtsanwalt Dr. Schwindt. Der Haupt« angeklagte Grabowski, ein 22jähriger junger Mensch, der schon mehrfach vorbestraft ist, sitzt seit acht Monaten in Untersuchungshaft, die übrigen Angeklagten haben auch einige Wochen in Untersuchungshaft gesessen, sind dann aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden. lieber die Verhandlung, die gestern abend abgebrochen und auf heute vertagt wurde, werden' wir im Zusammenhang mit dem Urteil be- richten._ Vor der Strafkammer 3 des Landgerichts II hatte sich dieser Tage der Genosse Scheler wegen angeblicher Beleidigung der Zehlendorfer Polizei zu verantworten. Die Sache beschäftigte schon eimnal das Schöffengericht in Lichterfelde. Der Angeklagte sollte in einem Referat, welches derselbe in einer Mitgliederversamm. wären Polizisten und Gendarmen da, wie Kulis". In dem Worte „Kuli" in Bezug auf die Polizei wurde die Beleidigung erblickt. Schon in der Schöffengerichtssttzung gab der Angeklagte zu, den Ausdruck Kuli aber in einorn ganz anderen Zusammenhang ge- braucht haben. Danach ist der inkriminierte Ausdruck auf die Ar- beiter angewendet worden, welche trotz des verhängten Boykotts die Stehbierhalle des FürstenhofS besuchen. Das Schöffengericht Grotz-Lichterfelde kam zu einer Verurteilung zu drei Tagen Gefängnis. Begründet wurde das Urteil damit, daß eine Geldstrafe den Angeklagten doch nicht treffen würde, da die- selbe doch von den betr. Kassen gezahlt würde. Eine Geldstrafe wäre auch nicht geeignet,„bessernd auf den Angeklagten einzu- wirken. Es sei auch gerichtsnotorisch, daß„gewisse Elemente" in mutwilliger Weise die Zehlendorfer Polizeibemnten provozierten. Gegen dieses Urteil und seine merkwürdige Begründung hatte der Angeklagte Berufung eingelegt.� In der Strafkammer Verhandlung blieb der Gendarm bei seiner Aussage, die er vor dem Schöffengericht gemacht hatte. Der Angeklagte legte in längeren Ausführungen dar, daß sich der Gendarm irren könne und daß es ihm nicht in den Sinn gekommen sei, die Polizei mit einem der- artigen Ausbruck zu belogen. Trotzdem die drei Entlastungszeugen die Ausführungen des Angeklagten auch so aufgefaßt haben, daß der Ausdruck Kuli aus die Arbeiter gemünzt war, welche trotz der Sperre die Stehbierballe aussuchten, kam das Gericht doch nach dem Antrage des Staatsanwalts zur Verwerfung der Be- rufung. Begründend wurde ausgeführt: Die Gefängnisstrafe ist deshalb nicht in eine Geldstrafe umgewandelt worden, Iveil sich die Verhältnisse in Zchlendorf derart zugespitzt hätten, daß die Sicherheitsbeamten einen besonders schweren Stand hätten, und deshalb nachdrücklichst gegen derartige Beleidigungen geschützt werden müßten. Erschwerend falle noch ins Gewicht, daß die Be- leidigung in öffentlicher Versammlung erfolgt sei. Ein Riesenprozeff wegen Waffendiebstahls. Ein Prozeß wegen WaffendiebstahlS, dessen Dauer viele Wochen in Anspruch nehmen dürfte, beginnt am Mittwoch vor der Straf. tammer des Posener Landgrichts. Angeklagte sind: 1. Handels- mann Heimann B ehrend'(Posen), 2. Kaufmann Georg Loll (Grünberg i. Schl.), 3. Lampenwärter Wilhelm Gaede(Posen), 4. Arbeiter Johann Kubisiak(Posen), 5. Händler Louis Nadersohn(Kl. Tarpen), 6. Händler Max Besbroda (Dhorn), 7. Erdarbeiter Ernst Jaeger(Metz). 8. Tischlermeister Karl Red eck«(Hildcsheim), 9. Kolonnenführer Ernst Donath �Berlin), 10. Sattler Karl G rossor(Spandau, 11. Kaufmann Karl Nenpert(Spandau), 12. Kaufmann Hermann Güntzel (Spandau). Die Angeklagten sollen seit einer Reihe von Jahren nnt zahllosen Militärpersonen, wie Feldwebeln, Zahlmeistern, Sergeanten, Unteroffizieren, Kasernenwärtern, Militävbüchsen. machern, einigen Zeugoffizieren und auch mit Mannschaften der verschiedensten Truppenteile in einer großen Anzahl Garnison- Patronen, Patronenhülsen. Patronenrahmen, Patronentaschen, Packtaschen, Revolver. Gewehrschlösser, Schloßteile. Flinten, Lade- stocke. Blei. Kupferdraht, Stiefel, Messingbügel, Steinlohlen, Kaffee. Farin, Reis, Erbsen usw. Die Gewehre sollen fast sämtlich tadel» los gewesen sein. Es soll vorgekommen sein, daß gute Gewehre ''gen schlechte, minderwertige eingetauscht wurden. Alle diese egenständ« soll Loll in Grünberg erstanden haben. Eine große Anzahl Militärpersonen ist deshalb bereits von den Militäür- behörden wegen Diebstahls bestraft worden. Lsg jpg sich M bsn Ankauf der gestohlenen Waffen nicht beschränkt, sondern auch tffehÄ fach direkt mit Militärpersonen in Verbindung getreten sein- Hauptsächlich sollen die Diebstähle begangen sein in Posen, Thorn, Hohensalza, Berlin, Spandau, München, Metz, Straßburg. Saar- gemünd, Mörchingen und noch verschiedenen anderen Garnisonorten Lothringens. Das Treiben gelangte schließlich zur Kenntnis der Behörde, zumal die Abnehmer das Geschäft in ziemlich ungenierter Weise betrieben haben sollen. So soll z. B. Loll mehrfach mit Militärpersonen im Restaurant„Zum Prälaten" in Berlin und verschiedener anderen ähnlichen Lokalen gesehen worden sein. Auch Behrend, Nadersohn usw. sollen die Militärpersonen oftmals in öffentlichen Lokalen traktiert haben. Die Augeklagten sind sämtlich verhaftet. Sie haben sich wegen Diebstahls und Hehlerei auf Grund der§ 242, 259, 73 und 74 des St.-G.-B. zu verantworten. Es sind bisher etwa 350 Zeugen und mehrere Sachverständige ge- laden. Sofern die Verhandlung nicht besondere Momente ergeben sollte, werden wir uns auf die Wiedergabe des Urteils beschränken Auch drohende Lehrliuge werden durch den 8 153 geschützt. In Augsburg rief ein Maurerlehrling zwei Streikenden zu: „Gehts nur her; wenn ihr was wollt, dann schlag ich euch den Hebel auf den Kopf!" Da ging einer der Streikenden hin und versetzte dem Buben mit dem Spazierstock zwei leichte Schläge auf den Kittel. Vor Gericht sagte der Lehrling, die Streikenden hätten ihm zuerst absolut nichts getan, er habe aber gemeint, sie seien ihm feindlich gesinnt und deshalb habe er die Aeußerung gebraucht. — Auf Grund des§ 153 verurteilte das Schöffengericht den Streikenden zu 5 Tagen Gefängnis! Vermischtes. Feuer an Bord. Aus Toulon wird berichtet: An Bord des Torpedoschulschiffes „Algesiras" brach gestern abend eine große Feuersbrunst aus. In wenigen Augenblicken stand das ganze Schiff in Flammen. Die im Innern schlafenden Kadetten und Matrosen ivurden sofort alarmiert, konnten aber nur mit knapper Not ihr Leben retten, indem sie über Bord sprangen. Trotz schnellen Eingreifens der Feuerwehr gelang es nicht, de» Brand zu löschen. Das Schiff wurde vollständig zerstört. Ein geladener Torpedo, der zu einer Uebung für heute vorbereitet war, explodierte und richtete an Bord große Verheerungen an. Vier Torpedoboote, welche sich in der Nähe des brennenden Schiffes befanden, mußten unter großer Gefahr weggeschleppt werden. Das wertvolle Material, welches sich an Bord befand, ist vollständig vernichtet: man ist jedoch überzeugt, daß Menschenleben nicht zu beklagen sind. Eine weitere Meldung besagt, daß bisher drei Matrosen ver- mißt werden._ Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich nach einer Meldung aus London gestern abend zwischen Vörk und Leeds. im dem ein Schnellzug in einen Güterzug fuhr; mehrere Personen sollen dabei ums Leben gekommen sein. Eisenbahnznsammenstoß. Auf dem Bahnhofe von Bourges er- folgte gestern ein Zusammenstoß zwischen einem Personen- und einem Güterzuge. Die letzten drei Wagen.des Personenzuges ent- gleisten, 15 Paffagiere wurden mehr oder minder schwer verletzt. Niedergebrannt. Die Lampenfabril von Levy in Basel ist st» der Nacht zum 24. November d. M. niedergebrannt« Wcchselfälscher. Aufsehen erregte die Verhaftung des Agenten N-ikolaus Mieser in Karlsruhe und des PforzHeimer Häuscr- spekulanten Emil Ran wegen Wechselfälschung und Beihülfe dazu- Das Automobil. Bei einem in Philadelphia veranstalteten Automobilrennen fuhr infolge Versagens der Bremsvorrichtungen ein 60pserdiger Wagen in eine Schar von 200 Zuschauern. Acht Personen, darunter der Fahrer des Wagens und der Mechaniker, erlitten schwere Verletzungen. Eine Anzahl Zuschauer wurde leicht verletzt. Ein Vielgeliebter. Wegen Vielweiberei wurde in diesen Tagen Joseph E. Smith, der Präsident der Mormonenkirche in Utah, vor Gerickt geladen. Er erhielt die Vorladung etwa zur gleichen Zeit, als ihm dia frohe Kunde ward, daß ihm sein 43. Sprößling ge- boren worden war. Der Gouverneur von Utah wurde selbst als Zeuge gegen Smith geladen. Der Angeklagte gestand seine Schuld der Vielweiberei ein, was große Sensation erregte, denn es geschah zum ersten Mal, daß ein hoher Beamter der Mormoncnkirche ein solches Eingeständnis machte. Bisher hatten sich die Angeklagten immer mit allerlei Ausflüchten geholfen, denn ein Bundesstaat verbietet den Mormonen die Vielweiberei, obgleich die Religion sie von ihnen in bestimmten Fällen verlangt. Gegen den Bundes- senator Smoot von Utah ist schon seit langer Zeit eine Agitation im Gange, um ihn alS„unwürdig" aus dem Senat zu stoßen, weil er mehr als eine Frau besitzen soll. Bon amerikanischen Frauen sind dem Senat schon viele Petitionen zugegangen, um Smoot aus» zustoßen, aber noch ist nichts gegen ihn unternommen.— Der Präsident Joseph E. Smith wurde vom Gericht zu 300 Dollar Geldstrafe verurteilt, eine sehr milde Strafe, wenn man die Ent- rüstung der amerikanischen Sittenrichter in Betracht zieht« Briefhaften der Redahtion. Tie juristUihe Gprcchftnnde findet Friedrich st r. 1«, Aufgangs, eine Treppe(Handelsstätte Belleallianee. Turchgang auch Lindenstr. 101), wochentäglich von 7'/, bis#Vi Uhr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Soiinabends beginnt die Sprechstunde um V Uhr. Jeder Aufrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. ®. K. IL. Wir haben Ihren Brief dem Verfasser der betreffenden Notiz übergeben.— O. B. 78. 1. Da kein Testament vorliegt, so erben die Schwiegereltern zur Hälfte mit. Jedoch erhall die Wllwe al» voraus " tio daS zun"■ die zum Haushalt gehörige Mobiliar. 2. Ja. — Meinet. Ja.— M. H. 87. Ja: Erklärung vor dem Standesamt oder Notar genügt. Beispiel Seite 221 Nr. 12 des dem.Arbeiterrecht" bei- gefügten Führers. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus. — S.®. 50. Uns nicht bekannt.— O. B. 1. Nein.— B. B. 147. Sie müssen, um in Gütergemeinschaft zu leben, einen notariellen oder gerichtlichen Vertrag schiiesjen und dann die Ein- traglsng beim Amtsgericht bewirken.— Z. M. 1000. 1. Nein. 2. Ja. «ottternngSüderstcht vom LS. November 190k, morgen» 8 Uhe. Staffelten Twinemde ----------- 76791® Hamburg 770 NW Berlin 769 W mnff.a.M. 774 SW 'ünchen 776 W Wien!?70WNW ün c 5 »= Bellet 3 wolkig 2 bedeckt 3 Regen 2 bedeckt 4 Nebel 4 wölken! *£ e* ti MS> 7 8 4 6 — 1 7 Stationen v a »s 2 b »•S es HaParanda>743N Petersburg 748 WNW 777 W 768 S Seillh rlberdeen Paris 777SSW Bell« »ss c 5, *V: 5» M3i 2 Nebel 3.wollenl 2 bedeckt 3 heiter 1 bedeckt -7 t 11 9 8 1« n j?70WRW imoitem< i| Wetter.Prognose für Dienstag, den»7. November 190«. Mild, jedoch vorwiegend trübe und nebelig, mit leichten Regensällen und mätzigen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserstand am 26. November. 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