Mr. 280. Abonnements- Bedingungen: 6 Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 M., möchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Belt" 10 Big. Bost. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 ẞfg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebructe) Wort 20 Bfg., jebes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und SchlafStellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Parteigenossen! Sonnabend, den 1. Dezember 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Ferniprecher: Amt IV. Nr. 1984. gar nichts. Der Autorität der Kirche kann mit Erfolg nur die daß die bürgerlichen Parteien, die sich im gegenseitigen Autorität des Voltes entgegengesezt werden. Das geschieht am Kampf aufrieben, der Regierung eine verhältnismäßig unabhängige schnellsten und wirksamsten in einer Revolution, doch ist das auch Stellung berliehen. Aber auch dieser Zug war komödiantenhaft, da im Laufe einer parlamentarischen Entwickelung zu erreichen, wie das zu einem wirklichen Selbstherrschertum in Deutschland denn doch die jüngste Beispiel Frankreichs zeigt. Aber der neue Staat, der sich Boraussetzungen fehlten. Er imponierte nicht mehr, er reizte bloß. Im Laufe dieses Monats finden im russischen Reich die auf den Trümmern der Revolution aufgebaut hatte, imponierte zwar Die Kaltstellung Bismards war notwendig, um die Dynastie mehr Wahlen zur Duma statt. Unsere russischen Parteigenossen dem Bolte, konnte es aber nicht begeistern und hielt überdies zur Geltung zu bringen. Dennoch führte das nicht zu einer Stärhaben beschlossen, sich an diesen Wahlen zu beteiligen, obgleich zum großen Teil die reaktionären Gewalten aufrecht, auf die fich fung der monarchischen Gewalt, sondern zu einer Revision der die Kirche stützte. Die Revolution setzte dem geistigen Einfluß der monarchischen Begriffe, die schließlich zu einer Revision der polidie Vorbedingungen dazu möglichst ungünstige sind. Das Regiment Stolypin, das an Härte und Grausamkeit Stirche eine Weltanschauung entgegen- Bismard konnte ihm nur tischen Legende der Reichsgründung sich auswuchs, wobei, nach einer Das Regiment Stolypin, das an Härte und Grausamkeit das Kommandowort der Regierung entgegenhalten. Die Macht der eigenartigen Jronie der Geschichte, jene Persönlichkeiten, die am das berüchtigte Regiment Plehwe womöglich noch übertrifft, Bischöfe zu beseitigen, um die Macht der preußischen Regierung- meisten zur Bildung dieser Legende beitrugen, jezt das wirksamste bietet, wie zu erwarten war, das äußerste auf, um die Wahlen zum höheren Ruhme der Dynastie Hohenzollern und zum Material lieferten, um die Autorität der Krone zu untergraben. zur Duma zu forrumpieren und den Ausfall derselben für Nugen der ostelbischen Junker zu stärken, das war So sehen wir denn jetzt, daß die Autorität der Regierung tief das herrschende Gewaltregiment günstig zu gestalten. tein verlockendes politisches Ideal für die katholische Be- gesunken ist, während die wirtschaftlichen Triebkräfte, die eine Wit Hülfe des furchtbarsten Despotismus, ausgeübt unter völkerung der Rheinlande und Süddeutschlands. Darum fonnte innere politische Umgestaltung Deutschlands und eine wirtder Herrschaft der sogenannten Feldgerichte, deren entsetzliche Bismarck durch seinen Stulturkampf nur höchstens einen inneren schaftliche Einigung Weitteleuropas erfordern, sich gebieterisch Bluturteile die Empörung aller menschlich Fühlenden wach- wist schaffen, indem er die protestantische Bevölkerung gegen die geltend machen. Herr v. Bülow fragte, wer denn hinter rufen, sucht das Regiment Stolypin jede oppositionelle katholische hegte, was ihm denn auch in den Reihen des Bürgertums Jaurès stehe in seinen Bestrebungen der Einigung Europas? Stellungnahme zu unterdrücken, indem es durch willkürlichste gelang, und erzielte schließlich das Gegenteil von dem, was er Nun wohl, hier die Antwort: Hinter Jaurès stehen- die erstrebt hatte, nämlich die politische Vorherrschaft des Zentrums. Schwäche Rußlands, die Interessen der sozialen Entwickelung FrankHandhabung der vom Zarentum selbst erlassenen Wahl- Der Kulturkampf scheiterte in Deutschland, nicht weil hier die reichs, die Zukunft Europas und die geschichtliche Entwickelung bestimmungen den Arbeitern und Nichtbesitzenden das Wahl- Macht der katholischen Kirche so groß war- so start wie in Frank Deutschlands selbst. Jean Jaurès selbst aber brachte nur in Frankrecht raubt, durch Unterdrückung der Versammlungen und der reich war hier der Klerus niemals sondern weil der Staat, dem reich zum Ausdruck das, was die sozialistischen Arbeiterparteien wie Drgane der öffentlichen Meinung die Stimmen der Opposition die demokratische Grundlage und die demokratische Entwickelung in Frankreich so auch in Deutschland und in der ganzen Welt berzu ersticken trachtet und durch grausamste Verfolgung seiner fehlten, nicht stark genug war, um mit den Bischöfen fertig treten: die internationale. Einigung des Proletariats! Die BeWidersacher die Einschüchterung der Massen betreibt. zu werden. strebungen des Proletariats aller Nationen zu einem ZusammenDie politische Geschichte des Reiches besteht aus verworrenen schluß wurden für Mitteleuropa zu einer dringenden geschichtlichen Beffen immer ein von barbarischen Instinkten beseeltes, inneren Kämpfen und steigernder Opposition zur Regierung. Den Notwendigkeit, die sich aus der wirtschaftlichen und politischen Entbor keiner Gewalttat zurückschreckendes Regiment fähig ist, um sich ihm entgegensegenden politischen Sträften gegenüber fonnte aber widelung der Welt ergibt dies die Schlußformel. sich an der Macht zu erhalten, das sezt das Stolypinsche vismard nur noch seine eigene Politik von früher kopieren. Wenn aber der wichtige politische Faktor, der jetzt fehlt, wieder Regiment in Wirksamkeit. Und da die politische Situation jetzt anders war, so verblieb nur eingeschaltet wird, wenn Rußland wieder in die Reihe der GroßUnter solchen Verhältnissen ist der Wahlkampf unserer noch der äußere Effekt ohne geschichtlichen Inhalt. Der Staatsmann staaten eintritt, dann wird die Notwendigkeit der Einigung Mittelrussischen Parteigenossen ein äußerst schwieriger und außer wurde zum Schauspieler. War es nicht die Militärmacht, die über europas erst recht dringend. Denn ein demokratisches Rußland ordentlich opferreicher. Da aber das Interesse der Sozial- die Revolution siegte? Also trat er jetzt in Kürajsierstiefeln auf und und anders ist die Wiederherstellung seiner Staatsmacht nicht demokratie aller Länder gebietet, daß endlich auch in der stützte sich auf den Knauf des Säbels. Waren es nicht die Kriege, mehr denkbar wird wirtschaftliche und politische Potenzen ent größten Despotie Europas menschen und kulturwürdige die das Bürgertum erst einschüchterten, dann begeisterten? Also wideln, die nicht nur die Staaten Europas, sondern selbst das große Zustände zur Herrschaft tommen, für welche unsere Partei- malte er den Wau- Wau der Kriegsgefahr an die Wand. Er erzielte Nordamerika weit in den Schatten stellen werden. Und eine Vergenossen in Rußland in erster Linie die Vorkämpfer sind, damit jedesmal einen furzlebigen parlamentarischen Erfolg und ein bindung mit diesem neuen Rußland ist auch nur möglich- auf dem dauerndes Wachstum der Opposition. Schließlich gelangte er so Wege der Demokratie. ist es unsere Pflicht, sie in diesem gewaltigen Stampfe zu weit, daß er feinen anderen Ausweg mehr fah, als mit Militärgewalt Mit dem Sturz des russischen Absolutismus stürzt auch das unterstützen. preußische Regierungssystem in Deutschland zusammen. Sieht man Parteigenossen! Wir richten an Euch die Aufforderung, Je mehr die Reichsregierung in ihrer inneren Politik mit das hier ein? Und wird die Regierung der Demokratie freie durch sofortige Sammlung von Mitteln für den Wahlkampf Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, desto mehr war sie besorgt, nach Bahn lassen? Die Tatsachen sprechen immer noch dagegen. unseren russischen Parteigenossen zur Seite zu stehen und bitten alter preußischer Tradition, sich die Freundschaft des Barentums zu Man schließt Handelsverträge, um die Renten der Grundbesitzer zu Euch, die gesammelten Beiträge schleunigst an unseren Stassierer bewahren. Man betrachtete den Barismus als den Schlußstein der steigern, man schafft Gesetze, um die Arbeiterbewegung zu fnebeln, Genossen monarchischen Gewalten in ganz Europa und Rußland, als das man bereitet sich vor, den Arbeitern das Wahlrecht zu entziehen. Albin Gerisch, stärkste Bollwerk gegen eine europäische Revolution. So wurde die Aber ohne demokratisches Wahlrecht darf Deutschland keinen Krieg das auswärtige Politik des Reiches durch Rücksichten auf die Intereffen wagen, ohne politische Freiheit gibt es feine Staatsmacht der preußischen Krone beeinflußt. Man sieht aus diesem Beispiel lehrt uns Rußland. Und Rußland zeigt uns auch, auf welchem Wege übrigens, daß die Frage, ob Monarchie oder Republik, nicht bloß sich die wirtschaftlichen und politischen Kräfte Bahn brechen, wenn eine Verfassungsfrage sei, sondern einen Unterschied der wirkenden politischen Machtfaktoren in sich birgt. Berlin SW. 68, Lindenstraße 69, gelangen zu lassen. Parteigenossen! Tut Eure Pflicht! Berlin, den 23. November 1906. Der Parteivorstand. Auer, Bebel, Eberhardt, Ebert, Gerisch, Moltenbuhr, Müller, Pfannkuch, Singer, Wengels. Im Anschluß an vorstehenden Aufruf des Parteivorstandes ersuchen wir die Genossen Groß- Berlins, sich recht eifrig an den Sammlungen zu beteiligen. Unserer aller Pflicht ist es, das Möglichste zu tun, um unseren Genossen im Rampfe gegen das blutdürftige, menschenmordende System der russischen Gewaltherrschaft zu helfen. Wir glauben nicht vergebens an den bekannten Opfermut der Parteigenossen Groß- Berlins zu appellieren. Berlin, den 30. November 1906. Der Zentralvorstand der sozialdemokratischen Wahlvereine Groß- Berlins. Europa ohne Rußland. II. Die Demokratifierung Deutschlands. die Opposition niederzufämpfen. Mit dem Sturz des russischen Absolutismus ist auch diese Grundlage der preußischen Regierungsweisheit entfernt. Der militärische Taumel, der eine wahre Massenhypnose nach dem französischen Kriege Deutschland erfaßt hatte, legte sich mit der Zeit, es blieb dagegen der Standesdünkel der Offiziere. Zu gleicher Zeit aber griff die große Verschiebung der sozialen Schichten, die sich während dieser Zeit in Deutschland vollzogen hatte, auch in die Offizierstreise hinüber. Die Macht des Kapitals drang auch hier vor und schob in den Hintergrund die alten patriotifchen Ideale und Ehrbegriffe. die Regierungsgewalt sie an ihrer Entwickelung hindert. Genügt die russische Revolution noch nicht, um den Völkern Europas die Demotratie zu sichern, die ihnen noch fehlt, so werden sich die Völker durch eine Revolution die Demokratie erobern. Kopenhagen, 25. November. Parbus. Die russische Revolution. Noch einmal Krieg mit Japan? Der Russ. Kur." schreibt: In der Wladiwostoker Garnison herrscht unter den Truppen Das soziale Bild Deutschlands veränderte sich ungemein. Die eine bemerkenswerte Gärung. Man will nämlich Beweise Mittelschicht des Handwerkertums wurde zerrieben. Die Todes- dafür haben, daß ein neuer Krieg mit Japan unvermeidlich zuckungen des Handwerks zeigten sich noch in der antisemitischen ist und schon in absehbarer Zeit zustande kommt. Selbst Bewegung, dann verschwand es. Eine welterfahrene Groß- hervorragende Bladiwostoker Offiziere bestätigen dieses Gerücht bourgeoisie, die in ihrem wirtschaftlichen Streben keine nationalen und sind seit einigen Tagen in höchster Aufregung. Diesund teine geographischen Schranken mehr fennt, trat in den Vorder- bezügliche Zeitungsnotizen und Artikel werden weder von der grund, im Hintergrund aber sammelten sich die sozialrevolutionären Zensur noch von der Militärbehörde beanstandet. Massen des Proletariats. Wie alle so kann man schließlich der russischen Regierung Die Opposition, die sich aus dem Klassenkampf des Proletariats auch die Dummheit zutrauen, daß sie sich jetzt wieder in gegen den Staat mit der Regierung an der Spitze ergab, erschreckte einen Krieg mit Japan einläßt. In der Tat nämlich hat die Bourgeoisie, da dieser Kampf sich gegen ihre eigene Klassen- Japan nicht gerade Zurückhaltung geübt, sondern aus Rußherrschaft richtete. Der Zwiespalt und die Unentschlossenheit der lands verzweifelter Lage einigermaßen Kapital geschlagen und die schon bürgerlichen Politik, in der Revolution sich seine kaufmännische Position in der Mandschurei und in der geltend gemacht hatten, zeigten fich deshalb auch in Mongolei nach Sträften zu stärken gesucht. der parlamentarischen Geschichte des Reiches: wiederholt Die Universitätsfrage. machte die Bourgeoisie der Regierung Opposition, anderDas Werk der deutschen Revolution blieb unvollendet. Die feits fuchte fie, aus Furcht vor dem Proletariat, die Regierungs- Nach langer Unterbrechung haben die Universitäten und Misstimmung im Bolke blieb und wuchs. Ohne ihre fiegreichen gewalt zu stärken. Bismard mußte zielbewußt die Angst der Bour- sonstigen Hochschulen ihre Tätigkeit wieder aufgenommen. Die Kriege hätte sich die preußische Regierung nicht halten tönnen. Aber geoisie vor dem roten Gespenst aus, um sie zu beherrschen. Mit Studentenmeetings, die diesem Ereignis vorausgingen, haben überall die gemäßigten, von den sogenannten Akademisten und schließlich übertönten die Siegestrommeln und Kanonenschüsse die Hülfe des Sozialistengesetzes regierte er die Bourgeoisie. Der von Kadetten in Vorschlag gebrachten Refolutionen mit Unwillen Nachtlänge der Revolution. Nachdem Frankreich nahe zum Ver- Gegensatz zwischen der Politik der Reichsregierung und der sozialen und Ironie zurückgewiesen und sich für den Antrag der sozialbluten gebracht worden war, kam auch der Goldregen und der Entwickelung des Landes wurde dadurch selbstverständlich nicht aus demokratischen Studentenpartei ausgesprochen: die Hochschulen zu Industrieschwindel über Deutschland. Für einen Augenblic schien der Welt geschafft, und so tam es, daß gerade unter dem Sozialistens öffnen, um dann die Universitätsräume für Volksversammlungen die Nation geeinigt. Man weiß, wie schnell sich das Blatt wandte. gefeß die Sozialdemokratie zu einer mächtigen Oppofitionspartei nußbar zu machen, sobald es die sozialpolitischen Verhältnisse era Mit der Handelskrisis segte die Opposition mächtig ein. Sie er geworden war, deren Einfluß weit über die Grenzen der Arbeiter- fordern würden. Die Universitäten sollten mit anderen Worten, faßte zwar zuerst fast nur noch die Arbeitermassen, aber schon im tlasse reichte. fobald es der Gang der Revolution nötig machte, als GammelStulturlampfe zeigte sich die Schwäche des neu gegründeten Staates. Die Nachfolger des ersten deutschen Reichskanzlers topierten nicht punkt zur politischen Erziehung, zur Konzentration und Organi Auch der Kampf gegen den Klerus war ein Erbstück der mehr den Staatsmann, sondern den Schauspieler Bismard. Das fation der Voltsmassen dienen. Revolution. Bei der Reichsgründung gelang es Bismard, die Fürsten imponierte erst recht nicht mehr. Habh mußte dazu herbalten, um talen Repressionen des Stolypinschen Kabinetts waren ohnmächtig Das Bedürfnis hierfür trat auch sehr bald ein. Die bru zu besiegen, wobei er auf dem Umwege mehrerer Kriege schließlich dem deutschen Spießer ein martialisches Aussehen zu verleihen, und gegen das Bestreben der Bevölkerung, jede Bresche im feindlichen mit„ Eisen und Blut" doch nur ein Deutschland zusammengebracht der Reserveleutnant wurde zum Hauptvertreter des friegerischen Bollwert zu weiteren Kampfattionen auszunuzen. Das rebo hat, das nach außen ein Bruchstück geblieben, innerlich ein Mofait- Geistes. Bugleich aber zeigte sich ein neuer absolutistischer Zug in lutionäre Volt, jeder Möglichkeit beraubt, sich zu Beratungen bild geworden ist; im Kampfe aber gegen die katholische Kirche, um der Regierung, der bedingt war erstens dadurch, daß die Traditionen über die brennendsten Tagesfragen zusammenzutun, fuchte nach die innere Konfolidierung des Staats, nügte ihm die Militärgemalt der Reichsgründung berloren gingen, awweitens dadurch, einem Auswege aus dieser unerträglichen Lage. Die einzigen, fcanl der sogenannten„Unibersitätsaukonomie" gegen polizeiliche Eingriffe bis dahin einigermaßen gesicherten Orte in Rußland waren noch die Universitäten und Akademien; es war also ganz natürlich, daß auch viele N i ch t st u d i e r e n d e in die Hochschulen einzudringen strebten, wo noch ein freies Wort geduldet wurde. Vertreter der verschiedensten Bevölkerungsklassen besuchten eifrig die Studentenversammlungen, auf denen soziale und politische Fragen diskutiert wurden. Die sozialistischen Parteien bc- schlössen, aus der relativ günstigen Lage der Hochschulen Nutzen� zu ziehen, um die politische Fortbildung der Massen zu fördern. In den Auditorien wurde eine Reihe von Vorlesungen und Re- feraten über verschiedene Fragen veranstaltet. Die Initiative dieser Parteien wurde von allen Freunden der befreienden Be- wegung mit Beifall begrüßt. Die gleiche Taktik— die„Umgestaltung der Hochschulen in Rcvolutionstribünen"— hatte ja im vorigen Jahre in der Oktoberrevolution eine wesentliche Rolle gespielt, und diese Periode war noch bei allen frisch im Gedächtnis. In einem wildbewegten Meer von Willkür und wütender Reaktion ein paar glückliche autonome Jnselchen— ein so unnatürlicher Zustand konnte nicht lange andauern. Der innere Widerspruch kam denn auch bald zum Ausbruch. Die Regierung erklärte, sie würde eine derartige„Umwandlung der Universitäten in revolutionäre Straßen" nicht länger dulden. Am 20. Oktober versandte der Kultusminister an die Kuratoren der Lehr- bezirke folgendes Rundschreiben: „Studentenversammlungen innerhalb der Universitätsräume sind nur nach spezieller jedesmaliger Genehmigung des Rektors in den vom Rektor angewiesenen Räumlichkeiten und in der Zeit, wo keine Vorlesungen stattfinden, zulässig. Nichtstudierende dürfen diesen Versammlungen nicht beiwohnen."(„Rjetsch" Nr. 160.) In einem Briefe an den Rektor der Universität machte der Ctadtverwalter von Moskau jenen auf die in den Universitäts- räumen abgehaltenen Zusammenkünfte aufmerksam, an denen „Studierende anderer Lehranstalten und Fabrikarbeiter" teil- genommen hatten, und erklärte,— derartige, gesetzlich verbotene Ver- sammlungen würden in Zukunft unverzüglich aufgelöst werden. („Rjetsch", 170.)— Der Satrap von Odessa drohte dem Universitäts- rektor mit„energischen Maßregeln, wenn die Universitätsver- waltung nicht gegen die Veranstaltung von Referaten in den Uni- versitätsgebüuden einschreiten würde." Die gleiche Drohung er- ging vom Kriegsminister an den Vorsteher der Militärärztlichen Akademie. Auch der Stadtverwalter von Petersburg, Stolypins würdiger Kampsgenosse, beschloß, auf das bißchen„Autonomie" der Hochschulen weiter keine Rücksicht zu nehmen, was er durch folgende Kundgebung den Herren Professoren deutlich zu ver- stehen gab: „Die den Hochschulen zugestandene Autonomie bedeutet durch- aus kein Exterritorialrecht: deshalb dürfen keine Studentenver- sammlungen ohne meine Genehmigung veranstaltet werden, und jede derartige Versammlung darf, solange die Universität ge- schlössen ist, nur auf Grund der Reglements vom 4. März, d. h. also nach Kenntnisnahme und Begutachtung des Programms seitens des Stadtvcrwalters, zusammentreten." Did Bureaukratie will es nicht zulassen, daß die Hochschule ihren eisernen Klauen entschlüpfe. Das ist ja auch ganz ver- ständlich. Welche Gründe könnten sie veranlassen, der Universi- tätsjugend Freiheiten zu gewähren zu einer Zeit, wo die ganze bürgerliche Gesellschaft unter dem matzlosen Druck der autokra- tischen Regierung stöhnt?— Ungleich interessanter ist die Stellungnahme der russischen Professoren, die einem Verrat an der akademischen und bürgerlichen Freiheit sehr ähnlich steht. In völligem Einklang nämlich mit der Politik des Herrn Stolppin haben die Pro- fcssoren einmütig gegen die revolutionäre Jugend Front gemacht und in edlem Wettstreit mit der feldkriegerischen Regierung be- gönnen, den„Geist der Rebellion" aus den Hochschulen aus- zutreiben. Die gelehrten Herren wettern in Rede und Schrift über die Studenten, die aus den Universitäten„Herde der Re- volution" machen wollen. Um nun aber die ihrer Fürsorge an- vertrauten Lehranstalten von„schädlichen Ideen" zu säubern, scheuen sie nicht einmal vor der Verletzung der den Studenten durch das„vorläufige Reglement" vom 27. August 1905 einge- räumten Rechte zurück.*) Das Lehrkomitee des Polytechnischen Instituts in Riga z. B. verbot den Studierenden eine Versammlung zur Beratung rein akademischer Fragen(über das Lehrgeld u. dgl.). Der Rektor der Universität in Kijew, Professor Zitowitsch, erklärte den Studenten, daß fürdcr der Besuch der Universität nur gegen Vorweisung der Jmmatrikulationskarte gestattet sein würde, wie das zu Plehwes Zeiten üblich war.— Die Aufsicht über die Stu- deuten ist aufs neue den von der Regierung eingesetzten Jnspek- toren übertragen, denen der vorjährige Professorenrat alle Funk- tionen— außer Kanzleiarbeit— entzogen hatte. Der Vorstand derselben Universität(Kijew) untersagte den Studenten jegliche Zusammenkünfte; er knüpfte sogar mit der politischen Geheim- Polizei Verbindungen an, indem er sich, wie ein Korrespondent der' Zeitung„Rjetsch" berichtet, an die letztere mit dem Gesuche wandte, gegen die Studentenversammlungen energische Maßregeln zu er- greifen! An die Spitze des Feldzugs gegen die Studentenschaft traten die Professorenkollegien der Petersburger und der Moskauer Uni- versität, besonders der erzliberale Rektor der letzteren, Professor Manuiloff. Dieser beschränkte sich nicht auf Drohungen, sondern er schloß die Universität tatsächlich. Es war nämlich bei einer Zusammenkunft der gesamten Studentenschaft beschlossen worden, die drei Tage 18— 20 Oktober keine Vorlesungen zu besuchen, sondern sie ausschließlich dem Andenken der im vorigen Jahre im Kampfe für die Freiheit Gefallenen zu widmen. Da sich unter den Opfern der Oktobertage viele Studenten befanden, so war vorauszusehen, daß die ganze studierende Jugend Moskaus sich mit der Idee eines solchen Trauerfestes einverstanden erklären würde. So geschah es auch. Diejenigen Professoren, die am 18. Oktober ihren Hörsaal dennoch aufsuchten, erblickten nur ganz vereinzelte Zuhörer auf den Bänken. Einige gaben sich mit den wenigen Be- suchern zufrieden und hielten ihre Vorlesungen ab, einer der Pro- fessoren gar, wie es heißt, vor einem einzigen Zuhörer!(Brief des Privatdozenten Kolzoff,„Nowy Putj", Nr. 55.) In einem Saale wurden sogar Examina gehalten. Um 11 Uhr morgens nun tauchte plötzlich in der Universität eine große Menge Stu- deuten auf, die unter Absingen der Marseillaise und verschiedener Studentenlieder das Auditorium neben demjenigen besetzte, in welchem Professor Filippoff. gerade seine Vorlesung hielt. Es wurde beratschlagt und der Beschluß gefaßt, Einstellung der Be- schäftigungen in der Universität zu verlangen, eventuell dieselbe durch Obstruktion gewaltsam zu erzwingen.(„Tow.", Nr. 93.) Professor Manuiloff schritt nun gegen die Studenten so rück- sichtslos ein, wie es der eingefleischteste russische Bureaukrat nicht besser gekonnt hätte. Selbst ein behufs Untersuchung des Vorgangs nach Moskau kommandierter Beamter des Kultusministeriums fand die vom Rektor ergriffenen Maßnahmen»nicht ganz zweck- mäßig".— Am 21. Oktober ersuchten die Vertreter des studentischen Jen- tralorgans den Rektor um Einräumung eines der Universitäts- säle für eine Sitzung dieses Studentenausschusses, wurden aber von Manuiloff entschieden abgewiesen! Die gleiche abschlägige Antwort erhielten auch die Studenten der naturwissenschaftlichen Fakultät, die um die Erlaubnis baten, eine Seelenmesse für ihren bor einem Jah-e auf der Straße ermordeten Kommilitonen Archangelsky abzuhalten! Schluß folgt.) ___ Dieses Reglement gewährte den Hochschulen eine beschränkte Selbstverwaltung. Politllcbe üeberlicbr. Berlin, den 30. November. Herrn Erzbergers Rückzugskanonade. Herr Erzberger hielt heute im Reichstage seine seit Monaten treulich angekündigte Rede. Er sprach L'/z Stunden lang, rednerisch äußerst gewandt und wirksam, mit mancher witzigen Pointe, am Schlüsse noch ebensowenig ermüdet und ermüdend, wie am Anfang. Er sprach mit souveräner Beherrschung seines Stoffes— kurz er bot rein äußerlich ein Muster parlamentarischen Fleißes und parlamentarischer Beredsamkeit. Und trotzdem war die Rede nichts als ein ge- schickt maskiertes Rückzugsgefecht, als ein demagogisches Bravonrstückcheu zur Düpierung der Wähler- massen! So interessant Erzbergers Ausführungen den mit der Materie nicht Vertrauten erscheinen niögen: sie enthielten so gut wie nichts, was nicht bereits in Erzbergers bekannter Kolonialbroschüre oder in Zeitungsartikeln gestanden hätte. Die Ausführungen über die Tippelskirch- und Wörmann- Verträge, die Ueberprofite dieser Firmen, über skandalöse Frachttaxen, über Liegegelder usw. waren also im Grunde „olle Kamellen". Und da Herr Erzberger ja durch die Lösung dieser Verträge im großen und ganzen befriedigt ist, konnte die detaillierte Aufzählung dieser alten und an- geblich gesühnten Sünden nur den Zweck haben, die Aufmerksamkeit von dem abzulenken, was man von Herrn Erzberger nach seinem Auftreten vor Eröffnung des Reichs- tages erwarten mußte und was er heute völlig schuldig blieb? Herr Erzberger hatte gedroht, endlich einmal„gründlich auszupacken", und die Zentrumspresse hatte Tag für Tag damit renommiert, daß man dem skandalösen System der Verschleierung und Vertuschung dadurch ein Ende machen werde, daß man rücksichtslos den Haupt- schuldigen- zu Leibe gehen werde. Kurze Zeit vor Be- ginn der Kolonialdebatte'im Reichstag verwandelten sich die schneidigen Fanfaren, die Herr Erzberger und die Zentrums- Presse monatelang so kriegerisch ins Land hinausgeschmettert, in eine klägliche Chamade. Man erklärte auf einmal, auf die angekündigte unerbittliche Abrechnung im Plenum des Reichstages verzichten zu wollen, wenn nur die Regierung in die Einsetzung einer parlamentarischen Kommission zur Untersuchung dor Kolonialskandale willige. Trotzdem nun die Regierung diesen Kuhhandel ablehnte und zwei Richter und einen Beamten mit der Unter- suchung betrauen will, verzichtete das Zentrum auf die an- gekündigte Generalabrechnung I Herr Erzberger selbst legte sein Material, dessen größten Teil er sich ja schon seinerzeit durch einen schneidigen Untersuchungsrichter hat abjagen lassen, ver- tranensvoll in die Häude der Regierung und der von ihr bestellten Untersuchungskommisston! Dabei weiß gerade Herr Erzberger besser als irgend ein a n d e r e r Pa r la m e n t a r i er, wie systematisch bisher die ungeheuerlichste Korruption und die beispiellosesten Frevel versucht worden sind, vertuscht worden sind von denselben Personen, die auch heute noch an leitender Stelle der Regierung stehen. Herr Erzberger selbst konnte ja nicht umhin, in Verteidigung des gemaßregelten Kolonial- beamten P ö p l a u gegen den Reichskanzler selbst den Vorwurf zu erheben, daß er nicht das geringste getan habe, um die ihm ganz genau stchstantiierten Anklagen schwerster Art untersuchen zu lassen, daß aber Pöplau, als er sich nach vergeblicher Erschöpfung des Instanzenweges an einen Reichstags- abgeordneten gewendet habe, sofort disziplinarisch ge- schnhriegelt wurde. Ja, es sei sogar der gemütvolle Versuch gemacht worden, den Beamten wegen seines nur von Ehr- und Pflichtgefühl diktierten Verhaltens ins Tollhaus zu sperren! Trotz- dem das Herr Erzberger w e i ß, trotzdem ihm noch Dutzende von VertuschungLsällen ähnlicher Art bekannt sind, setzt er als treuherziger Schwabe in die Regierung und ihre Organe das Vertrauen, daß sie nun urplötzlich keinerlei Rücksichten mehr walten lassen, sondern den Vergehen unerbittlich nachspüren und sie rücksichtlos sühnen werde! Dabei weiß Herr Erz- berger ferner, daß erst die öffentliche Behandlung einzelner Skandalfälle deren ganzen Umfang und vielfache Verzweigung ans Tageslichr gefördert hat! Eine Untersuchung ohne öffentliche Kontrolle ist völlig wertlos. Und was nützt es dem Parlament, wenn es später das Ergebnis der Untersuchung erfährt, aber auf die Methode und den Gang der Untersuchung selbst nicht den mindesten Einfluß hat! Das alles muß auch Herr Erzberger wissen— und trotzdem trat er aus Rücksicht auf die regierungsfürchtige Diplomatie seiner Fraktion den schmählichsten Rückzng an. Vermutlich wird der freisinnige Redner morgen in die Bresche zu springen suchen. Aber Herr Ablaß ist bei weitem nicht im Besitz eines so reichen Materials, wie es Herrn Erz- berger durch seine Verbindung mit den Missionen zur Ver- fügung stand. Die Regierung hat es also dem Zentrum b anken, wenn ihr die wohlverdiente Katastrophe erspart Es klang geradezu blasphemisch, wenn Herr Erz- berger am Schlüsse seiner Rede seinen die Kolonialpolitik keineswegs prinzipiell ablehnenden Standpunkt damit motivierte, daß er pathetisch fiir eine Kolonialpolitik eintrat, die den Ein- geborenen die Segnungen des Christentums und der Kultur zu bringen habe. Herr Erzberger weiß besser als irgend sonst jemand, wie dies Kolonial-Christentnm. und diese Kolonial-Knltur in Wirklichkeit aussehen. Bis jetzt haben sie über die Eingeborenen nur unsägliche Leiden, Greuel, Auörottnngsfeldznge, Ausplünderung und Versklavung gebracht! Warum hat es das Zentrum samt Herrn Erzberger der Sozialdemokratie überlassen, gegen die T r o t h a s ch e Ausrottungsstrategie aufzutreten? Heute hat Herr Erzberger wenigstens gegen die Absicht der Regierimg g e- sprachen, die Hottentotten niederzumetzelnund ihres Landbesitzes völlig zu berauben. Auf solch lahme W o r t p r o t e st e pfeift die Regierung! Sie wird trotz der derzeitigen Resolution des Reichstages den Krieg fortsetzen, sie wird auch von dem annektiertiertcn Hottentottenland keinen Fetzen heraus- geben. Und das Zentruni wird gleichwohl für die ueucu süd- westafrikanischc» Forderungeu stiuimeu, wahrscheinlich sogar für den Bahnbau Kubub-Keetmanshoop, dessen Sinnlosigkeit Herr Erzberger heute so überzeugend nachgewiesen hat! Das Zentrum übt eben nichts als jämmerliche Demagogie. Herr Erzberger zerzauste heute erbarmungswürdig die Dern- burgsche Kolonialbilanz, er bewies schlagend die absolute Wertlosigkeit Südwestafrikas. Und trotzdem bewilligt das Zentrum unentwegt immer neue Hunderte für diese wertlose Sandwüste l Nicht weniger als 180 Millionen sollen im nächsten Jahre dafür ausgegeben werden, donnerte der klerikale Volkstribun. Nun. ILO Millionen davon wird die Partei des s Herrn Erzberger nichtsdestoweniger tot- sicher bewilligen! Herr Erzberger will— wie mögen die konservativen und nationalliberalen Auguren innerlich gelacht haben!— die Kolonialpolitik zur Hebung und Beglückung der Eingeborenen getrieben sehen. Dabei leistet er der Kolonialbarbarci Hehler- dienste, indem er das ihm als Volksvertreter anvertraute Material der Ocffentlichkeit nnterschlägt! Freilich, wie wollte man die Kolonialbewilligungen auch vom Standpunkt des „Christentums" aus verteidigen, wenn dem Volke bekannt würde, wie das koloniale Christentum in Wirklichkeit aus- sieht! Eine niedliche Enthüllung leistete sich Herr Erzberger freilich doch. Er stellte fest, daß in den Kolonien„schwarze Kassen" existieren, in die ein Teil der dadurch der etatmäßigen Buchung entzogenen Einnahmen fließt. Diese durch gesehwidrige Unterschlagung geschaffenen Geheim- fonds seien dazu verwandt worden, Ausgaben für Selker- Wasser, Pilscnrr Bier und Lackschuhe für eine Dirne zu decken! Der Rest der Debatte verdient keiner Erwähnung. Die Herren L a t t m a n n und Schräder sind ja als Kolonial- enthusiasten hinlänglich berüchtigt. Die Rede Dernburgs zeichnete sich durch besondere Mattigkeit ans. Dabei leistete sich der Kolonialdirektor eine unqualifizierbare Anrempelung der Abgeordneten Ablaß und Ledebour, die dann durch per- sönliche Erklärungen der Angegriffenen die gebührende Zurück- Weisung erfuhr. Morgen wird als erster Redner Bebel sprechen.— Bismarcks Staatsstreichgeliiste. Im letzten Heft der von ihm herausgegebenen„Preuß. Jahrb." hatte Professor HanZ Delbrück miter Bezugnahme auf eine Stelle der Hohenlohescheu Denkwürdigkeiten den ersten Kanzler des Deutschen Reiches beschuldigt, im Jahre 1889 die teuflische Absicht verfolgt zu haben, durch einen Staatsstreich das geltende Reichstagswahlrccht umzustürzen und den zu erwartenden Widerstand des Volkes durch das Militär in einem Blutbade zu ersticken. An der betreffenden Stelle der Hohenloheschen Denkwürdigkeiten heißt es nämlich: »Der Kanzler wollte das Sozialistengesetz-nit der Ausweisung dem neuen Reichstage wieder vorlegen, diesen, wenn er es nicht annehme, auflösen und dann, lvenn es zu Aufständen käme, energisch einschreiten. Der Kaiser widersetzte sich dem, weil er sagte, wenn sein Großvater nach einer langen ruhmreichen Regierung genötigt worden wäre, gegen Aufständiiche vorzugehen, so würde ihm'das niemand übelgenommen haben. Anders sei dies mit ihm, der noch nichts geleistet habe. Ihm werde man vorwerfen, daß er seine Regierung damit anfange. seine Untertanen totzuschießen. Er sei bereit einzuschreiten, aber er wolle dies mit gutem Gewissen tun, nachdem er versucht habe, die begründeten Beschwerden der Arbeiter zu befriedigen, wenig- stens alles getan habe, um deren begründete Forderungen zu er- füllen." Dem fügte Delbrück hinzu, daß es sich nicht bloß, wie aus dieser Aeußerung geschlossen werden könnte, um das Sozialisten- gesetz, sondern wie ihm zwei Vertraute des Fürsien Bismarck ver- sichert hätten, um die Beseitigung des allgemeinen Stimmrechts gehandelt hätte. Von der bürgerlichen Presse ist dieso Darstellung Delbrücks als alberne„Geschichtsklitterung" bespöttelt worden, obgleich die Auf- fassung Delbrücks, Bismarck habe einen Konflikt provozieren wollen, her ihm Anlaß zum Staatsstreich bot, nicht nur durch die obige Aeußerung Wilhelms II., sondern auch durch die ganze damalige Situation, besonders durch das Verhalten Bismarcks zur Frage der Verlängerung des Sozialistengesetzes die stärkste Bestätigung findet, so daß man im juristischen Sinne von einem Beweis durch konklu- deute Handlungen sprechen kann. Ohne Unterschied der Parteifärbung hat die bürgerliche Presse der Delbrückschen„Mär" widersprochen, obwohl sie keine beachtenS- werten, das Gegenteil bezeugenden Tatsachen anzuführen vermochte und sich lediglich mit allerlei nichtssagenden Redensarten behelfen mußte, die nichts Weiteres bewiesen, als daß ihr„historisches Charakterbild" des sogenannten eisernen Kanzlers sich zur Wirklichkeit etwa ebenso verhält, wie das Goltzsche Buch„von Roßbach bis Jena und Auerstedt" zu den wirklichen Vorgängen vor und nach Jena. Auf diese Kritik der gutgesinnten Presse wird, wie der Verlag der„Preuß, Jahrb." mitteilt, Herr Delbrück im nächsten Heft dieser Zeitschrist mit einem Gegenartikel antworten, aus dem einige kurze Auszüge beigefügt werden. Delbrück weist darin noch- mals auf die Bestätigung seiner Darstellung durch die politische Situation im Jahre 1889 hin und erklärt die Be- hauptung, daß Bismarck deshalb eine so eigenartige Taktik gegen- über der Sozialistengesetzverlängerung eingeschlagen habe, weil der Kaiser das„gemilderte" Gesetz nicht habe annehmen wollen, für v o l l st ä n d i g falsch. Im Gegenteil habe der Kaiser dem Staatsministerium seinen Wunsch aus- gesprochen, daß es das Gesetz in der ihm vom Reichstag gegebenen Fassung annehmen möchte. „Um jeden Zweifel abzuschneiden", schreibt Delbrück,„will ich hinzufügen, was wohl, wie so manches andere, vielen bekannt, aber meines Wissens noch nirgends gedruckt ist, daß nämlich der Kaiser persönlich dem Staats mini st erium dringend geraten hat, das Gesetz so anzunehmen, wie eS der Reichstag fo r m uliert hatte. Bismarck aber war es, der widersprach, und die Differenz wurde so scharf, daß bei dieser Gelegenheit der Fürst zum erstenmal eine Andeutung gemacht hat. daß vielleicht seines Bleibens nicht mehr lange sei. Die anderen Minister hätten das Gesetz wohl gerne angenommen, aber wichtiger als das Gesetz schiene ihnen doch noch die Erhaltung des Fürsten Bismarck in seinem Amte, und so stellten sie sich denn auf seine Seite.... Der Kaiser selbst war für die Annahme des Gesetzes. Fürst Bismarck und mit ihm das Staatsministerium lehnten es ab. Sollte die Vermutung zu sehr gewagt sein, daß dies der Lorgang gelvesen ist. wegen dessen der Kaiser zum Großherzog von Baden gesagt hat: „Das sind ja nicht meine, das sind ja des Fürsten Bismarck Minister?" Delbrück legt weiter dar, daß die allgemeine Lage unaufhalt- sam. nnaiisweichlich zu einer gewaltsamen Lösung trieb. Entweder Wechsel des Reichskanzlers oder Staatsstreich, und erwähnt schließlich einen Borgang, der vielleicht mehr als alles die Situation charakterisiert: „Der Kaiser wollte mit der Verleihung des Herzogtitels an Bismarck bei dessen Entlassung eine dafür passende Dotation ver- binden. Da wurde festgestellt, daß nicht nur im Reichstag, sondern auch im preußischen Abgeordnetenhans auf die Mehrheit für eine solche Vorlage nicht zu rechnen� sei. Vielleicht ist es dieser verübelte kaiserliche Gnadenakt gewesen, der der Beschwerde Bismarcks über den Neid seiner Standesgenossen zugrunde liegt." Die an ihn gestellte Forderung, die Namen seiner Gewährs- männer zu nennen, lehnt Professor Delbrück entschieden ab und erteilt zugleich Herrn Maximilian Harden wegen seiner Manier, sich als den in alle Bismarckschen Pläne eingeweihten Hausfreund der BiSmarckschen Familie hinzustellen, einen wohlverdiente» Nasenstüber: „Pflegen etwa die Zeitungen, wenn sie eine Tatsache berichten. hinzuzufügen, von wem sie sie erfahren haben? Mit der Zeit werde» die Namen wohl einmal herauskommen. Vorläufig möge man sich an �-ern-'m Zeugnis. daß ich die Erzabflinp an vertrauenswürdigem Munde habe. genügen lassen. Sie rst mir von Persönlichkeiten gemacht worden, die sich notorisch auch in der Friedrichsruher Zeit des Vertrauens des Fürsten Bismarck er- freuten; ganz besonders gilt das von demjenigen Herrn, der hinzufügte, daß der Fürst auch später noch gewünscht habe, um mew Aufgabe, die Beseitigung des allgemeinen Stimmrechts durchzuführen, noch einmal ins Amt zurückzukehren. Wenn die .Hamburger Nachrichten- dagegen anführen, der Fürst habe im Gegenteil geäußert, er wünsche nicht wieder ins Amt zurückzukehren,»schon weil er sich nicht zum zweiten Male einer Exmission wie der vom Jahre 1890 aussetzen wollte". so ist es zwar sicher, daß der Fürst sich öfter in dieser Art ge- äußert hat, aber ein Gegenbeweis ist es nicht, denn jedermann wünscht und spricht nach Zeiten und Stimmungen über derlei Fr agen einmal Entgegengesetztes aus. Auch stelle ich mir vor, daß Fürst Bismarck imstande ge- wesen ist. zu dem Redakteur der„H a m b u r g e r Nachrichten" oder der»Zukunft" nicht ganz genau ebenso zu sprechen wie zu meinem Gewährsmann. Wenn ich recht berichtet bin, ist der alte Herr bis zuletzt Diplomat genug geblieben, uni gewisse Unterschiede zu machen; wenigstens ist ein Herr, den einmal das Gefühl überkam, als könne er mit Herrn Harden auf eine Stufe gestellt werden, übrigens auch ein einfacher Bürgerlicher, sogleich von der Fürstin beruhigt worden, das dürfe er nicht glauben, er sei Freund des Hauses, der andere sei nur da, weil der Fürst ihn brauche. Man nehme mir dies Histörchen nicht übel, aber Herr Harden fängt doch an, das Andenken des Fürsten etwas gar zu sehr zu belasten, und es wird manches deutiche Gemüt erfreuen, zu hören, daß der zärtliche Ton, in dem Herr Harden in seinen Friedrichs- ruher Reminiszenzen von„Frau Johanna" zu schreiben pflegt, doch wohl mehr auf die Rechnung des alten Bühnenkünstlers als der Wirklichkeit zu setzen ist." »» * Dcutfcbcs Reich. Delegiertentag der konservativen Partei. Die deutsch-konservative Partei, die heute im Architektenhause Berlins ihren Delegiertentag eröffnete, scheint sich für diese Ver- anstaltung die letzten Manegevorstellungen des Bundes der Land- Wirte im Zirkus Busch zum Muster genommen zu haben. Wie die Leiter des Bundes der Landwirte, auch nachdem ihre wesentlichsten Forderungen durch die neuen Handelsverträge erfüllt worden find, noch immer stramme Opposition spielen und ihrer bäuerlichen An- hängerschaft wortgewaltige Kraftproduktionen vorführen, wenn sie auch heute nicht mehr, wie einst, mit den Worten:»Die Mini st er können uns sonst was" drastische Einladungen zu ziveifelhaften kulinarischen Genüssen an die Regierung richten, so gefielen sich auch heute die Führer der Deutschkouservativen darin, die Rolle un- zufriedener königstreuer Oppositionsmänner zu spielen, und zwar hatte Freiherr v. Manteuffel-Krossen die Rolle übernommen, die im Zirkus Busch sonst Herr v. Oldenburg-Januschau zu spielen pflegt, während Graf v. Mirbach-Sorquitten sich in der Rolle des Grafen Rcventlow als eine billigen Ansprüchen in jeder Beziehung ge- nügende, anerkennenswerte schauspielerische Kraft bewährte. Freiherr von Manteuffel führte, nachdem er auf des Fürsten BülowS ReichstagSrede über die politische Lage Bezug nahm, nach dem Bericht der„Konserv. Korrespondenz" aus: Die konservativen Männer könnten sich damit, daß die innerpolitische Lage als befriedigend geschildert wird, keinesfalls einverstanden erklären.(Sehr richtig H In weiten konservativen Kreisen sei man vielmehr der Meinung, daß in derRegierung Unsicherheit und Schwanken herrsche. sSchr richtig!) Man habe den Eindruck, als wolle die Regierung auf eigene Initiative Verzichten und sowohl die Zurückziehung von notwendigen Gesetz- entwürfen auch die Einbringung von Entwürfen überhaupt von der sogen. Bolksstimme abhängig machen.(Bravo I) Das deutsche Volk, das gottlob in seiner Mehrheit noch christlich und monarchisch gesonnen fei, wolle eine feste zielbewußteRegierung. (Lebhafter Beifall!)... Es werde ja allerdings von liberaler Seite behauptet, die Regierung sei konservativ. Aber inwiefern und auf welchem Ge- biete sei denn solcher KonservattSmus zu spüren? Der konservative Führer ging auf verschiedene Einzelheiten der neueren Gesetzgebung ein. So erinnerte er an die Reichssteuerreform, die wahrlich kein konservatives Gesicht trage. Auch die Behauptung, die Zoll- tarifreform bedeute ein besonderes Entgegenkommen an die Konservativen, sei falsch.... In der konservativen Partei werde vielfach die Anschauung vertreten, daß die Regierung beanspruche, die konservative Partei solle eine Art Schutztruppe der Regierung sein. Davon könne natürlich leine Rede sein.(Bravo I) Wohl unterstütze die konservative Partei die Maßnahmen und Vorlagen der Regierung, soweit das den konservativen Grundsätzen und der Ueberzeugung entspreche; das fei aber auch alles. Die konservative Partei sei natürlich weit davon entfemt, für ihre Unterstützung in diesem Sinne besondere Vergünstigungen zu verlangen. Aber das könne man ihr nicht verdenken, daß es tiefe Mißstimmung in konservativen Reihen verursache, wenn man beobachten müsse, daß die konservative Partei schlechter behandelt werde als andere Parteien.(Sehr richtig!) Denselben Faden spann Graf v. Mirbach. Auch er variierte in ewigen Wiederholungen den Satz:„Wir sind unzufrieden, weil wir zurückgesetzt werden", und meinte zum Schluß: „Was wir alle wünschen werden, ist allgemein: etwas weniger von schönen Worten und erheblich mehr an Taten. Solange Preußen fest und stark dasteht— und daß es das bleibe, muß eine Haupt- aufgäbe der preußischen Konservativen sein— dürfen wir hosten, daß die Erscheinungen im Gebiete des Reiches, die jeden, der sein deutsches Vaterland liebt, nicht bloß uns Konservative mit schwerer Besorgnis erfüllen müssen, wieder beseitigt werden und daß wir mir Zuversicht den kommenden Tagen entgegensehen können."(Lebhafter Beifall.) Riorgen: Fortsetzung der Vorstellung.-- lieber die Ursachen der Landflucht ist in diesen Tagen wieder mal im Reichstag ein langes und breites geredet worden. Graf Posadowsky tat den weisen Aus- sprach von dem„psychologischen Moment", das die Landarbeiter angeblich in die Städte treibe, worauf ihm sogar der katholische Gewcrkvcreinsführer Gicsberts antworten mußte:„Gewiß. aber daneben auch das Gefühl der Gedrücktheit, der Unfreiheit." Dies veranlaßt uns, noch einmal auf jene Schrift des sächsischen Pfarrers Hermann Köhler zurückzugreifen, die wir bereits am 19. Juni er. einmal besprachen und die beweist, daß auch in konservativen Kreisen der wahre Zusammenhang der Dinge gar nicht so unbekannt ist, wie man sich gern den Anschein gibt. Dieser konservative Agitator schreibt nämlich in seinem Buche„Die sozialdemokratische Landagitation und ihr sittlich anstößiger Charakter" auf Seite 98 folgende Zeilen, in denen er die jetzige Ausrede des Grafen Posadowsky im voraus widerlegt und zu- gleich blutig verhöhnt: „Wo liegen denn die Ursachen der bielbeklagten Land» flucht? Sollte Ueberdruß an dem einförmigen Landleben und Vergnügungssucht wirklich eine so bedeutende Rolle spielen, wie gemeinhin behauptet wird? Beim weiblichen Gesinde gewiß. beim männlichen Geschlecht weniger, doch mag immerhin das Leben in den großen Garuisonstädten manchem jungen Soldaten das Land verleiden. Wenn aber reife, ernste Männer mit Weib und ftiird ihr Dorf verlassen und städtische Fabrikarbcit suchen, so lockt sie schwerlich der Arbeiter-Sängerbund, der Arbeiter» «aucherbund, der Turner-, Schwimm-, Radfahrerbund, der Ruderklub usw., ja nicht einmal die öffentliche Bibliothek und Lesehalle, sowie die Lese- und Diskutierklubs, obgleich gewiß mancher auch� das Verlangen nach höherer Bildung in sich trägt. Es ist auch nicht der alte germanische Wandertrieb, der den AuS- schlag gibt. Nein, es ist vielmehr die Hoffnungslosigkeit und das Gefühl der Zurücksetzung, das ihn ver- anlaßt, der allermeist doch lieben und teuren Heimat Lebewohl zu sagen." Wenn Graf Posadowsky schon nicht— wie er beim Gesetz über die Berufsvereine erneut bewiesen hat— bei den Arbeitern selbst sich Informationen über ihre Lage holen will, so wäre ihm wenigstens die Lektüre der kleinen Schrift dieses konservativen Niederlößnitzer Landpfarrers zu empfehlen. Er wird daraus über die Lage der Landarbeiter mancherlei erfahren, was er noch nicht weiß.— Der Fall Eißncrt. Die Zweite hessische Kammer hat der„Fall Eißnert" noch gestern bis fast in die Nacht beschäftigt. Erst nach sechsstündiger Debatte wurde die Besprechung der Interpellation Neinhardt und Genossen über die Betätigung Eißncrt-Offenbach beendet. Die Mehrheitsparteien erklärten übereinstimmend, daß sie den Schritt der Regierung zwar mißbilligen, daß ihr Vertrauen zu der Regierung aber nicht erschüttert fei und sie weiter mit der Regierung zu arbeiten wünfchtcn. Sehr gütig von den edlen Herren! *.* * Vom Genossen David erhalten wir folgende Zuschrift: Werte Genoffen! In der Notiz:„Die hessische Regierung und der Fall Eißnert" tm gestrigen„Vorwärts" bemerken Sic zum Schluß, es habe für unsere Genossen im Landtage keine Veranlassung vorgelegen,„dem Monarchismus Konzessionen", zu machen. Es ist dies auch in keiner Weise geschehen. Die einer bürger- lichen Telegraphenagenwr entstammende Mitteilung, auf die Sie sich beziehen, läßt den entscheidenden Passus unserer Erklärung fort. Wir haben unter ausdrücklicher Wahrung unseres prinzipiell ablehnenden Standpunktes allen derartigen Kundgebungen gegen- über erklärt, daß wir uns in diesem Falle„aus rein mensch- lichen" Gründen dem Glückwunsch anschließen, um damit unsere Teilnahme zu bekunden, daß dem Großhcrzog nach den schweren Schicksalsschlägen der letzten Jahre wieder ein Familienglück er- blüht ist. Nur„in diesem Sinne" solle unsere Zustimmung gemeint sein. Wir haben übrigens schon einmal die gleiche Haltung bekundet, als es sich vor einigen Jahren darum handelte, dem Groß- herzog das Beileid auszusprechen über den unter so gräßlichen Um- ständen erfolgten Verlust seines einzigen Kindes. Der Großherzog von Hessen hat sich als Mensch unsere Achtung erworben durch die vorurteilsfreie, gerechte Haltung uns gegen- über. Ich glaube, daß auch die Parteigenossen außerhalb Hessens darin mit uns einer Meinung sind. Diese Haltung hat er auch im Fall Eißnert, einer starken Strömung in seinem eigenen Ministerium und der Entrüstung der Scharfmacher innerhalb und außerhalb Hessens zum Trotz, dokumentiert. Einem solchen Manne in einer bewegten Stunde seines Lebens ein Zeichen persönlichen MitempfirÄons zu geben, hielten wir ebensowohl mit unserem prinzipiellen Standpunkt vereinbar, wie ans menschlichen Gründen für geboten. Darüber waren die Mitglieder unserer Landtags- fraktion einer Meinung, und ich glaube, auch die Parteigenossen außerhalb Hessens werden nach dies>er Darlegung der näheren Ilm- stände den Charakter unseres Glückwunsches nicht verkennen. Mit Parteigruß Eduard David. Wir sind auch nach dieser Begründung des Verhaltens unserer Genossen in der Zweiten hessischen Kammer der gestern von uns ausgesprochenen Ansicht.—_ Zur Fleischnot. In der gestrigen Sitzung de« Gesamtkollegiums der württem- bergischen Zentralstelle für Landwirtschaft in Stuttgart, die sich mit der Frage der Fleischteuerung bcschäfttgte, betonte der Minister des Innern Pischek, daß es sich bei den Mitteln zur Abhiilfe gegen die Fleischteuerung nur um solche handele, bei welchen alle Veterinär- polizeilichen Maßnahmen zur Anwendung gelangen. Württemberg sei jetzt seuchenfrei, man müsse daher alles daran setzen, daß es auch serner seuchenftei bleibe. Die einzigen Nachbarländer Deutschlands, aus welchen eine Einfuhr von Fleisch und Vieh in Betracht kommen könnte, seien Dänemark und Holland. DerMinister sprach sich sodann füreineteil- weise Oeffnung der holländischen Grenze aus. da die holländische Gesetzgebung bezüglich der Seuchenpolizei eine gute und Holland seuchen- frei fei. Das Kollegium sprach sich jedoch nach längerer Erörterung ein- stimmig gegen die Oeffnung der Grenzen von Dänemark und Holland aus. Das Zugeständnis des Ministers, daß Holland seuchenftei ist, ist höchst wertvoll. Die Agrarpresse behauptete bis auf die letzten Tage mit der ihr eigenen Wahrheitsliebe das Gegenteil.— RiPPlersche Mache. Es kann nichts schaden, wenn von Zeit zu Zeit an besonders markanten Beispielen festgestellt wird, wie ge- wisse bürgerliche Blätter mit der Wahrheit umspringen. In der„Täglichen Rundschau" vom 27. November(Morgen- blatt) war z. B. von der Rede, die der Abgeordnete Giesberts über die Berufsvereine hielt, wörtlich zu lesen: „Am eindringlichsten wirkte Herr Giesberts mit seiner überzeugenden Polemik gegen die Sozialdemokratie, namentlich mit seiner drastischen Bemerkung, das Arbciterelcment sei miserabel im Reichstag vertreten. Das störte die Ge- nassen einigermaßen in ihrer Behaglichkeit, aber die Laute ihres lärmenden Mißfallens wurden sehr leb- Haft und nachdrücklich übertönt durch die Zustimmung des Zentrums und der Rechten." Der liebenswürdige Berichterstatter der„Täglichen Rund- schau", der seiner unbedeutenden Persönlichkeit vergeblich durch verunglückte„Witze" über die Sozialdemokratie ein Relief zu geben versucht, hat also bei den Lesern seines Blattes die grobe Täuschung erwecken wollen, der Abgeordnete Giesberts habe die Sozialdcmo- kratie als eine miserable Arbeitervertretung im Reichstage bezeichnet! Dem gegenüber wollen wir aus dem amtlichen stenographischen Bericht anführen, was Herr Giesberts wirklich gesagt hat. Seine Worte(Amtl. Sitzungsbericht vom 26. November Seite 3915) lauten:,, „Meine Herren, bei der Gelegenheit möchte rch noch nach einer anderen Richtung hin einen Gedanken zum Ausdruck bringen. Es ist ja ganz selbstverständlich, daß die Arbeiter in dem Maße, wie sie selbständig denken lernen, selbständig handeln lernen, in ihren gewerkschaftlichen Organisationen auch nach politischer Selbständigkeit, nach politischer Mitarbeit usw. streben. Da sage ich gerade heraus, daß es in der Tat beklagenswert ist, daß gegenüber dieser starken Partei hierauf der Linken, das Arbeitcrelement in den bürger- lichen Parteien so miserabel vertreten ist(sehr richtig!), daß die schwer st en Vorwürfe gegen die bürger- lichen Parteien erhoben werden können. Gerade die staatSerhaltenden Parteien, die immer bei jeder Gelegenheit ihren Patriotismus leuchten lassen, haben sich nie bemuht, das Kaiserwort von Essen von„dem schlichten Mann der Werkstatt" zur Wahrheit zu machen.(Sehr richtig! und Zuruf.) Bedenken Sie. welch anderes Angesicht der Reichstag haben würde, wenn in jeder bürgerlichen Partei ein halbes Dutzend schlichter Menschen säßen, wie ich einer bin.(Sehr richtig! und große Heiterkeit.) Ich glaube, der Reichstag würde nicht bloß in den Personen, sondern auch in der sozialpolitischen Auffassung der Dinge ein ganz anderes Angesicht bekommen.(Sehr richtig?)' Es wird sich mit der Zeit rächen, wenn sie nicht danach st reden, die Arbeiterschaft auch politisch zur Geltung kommen zu lassen.(Zustimmung links.) Meine Herren, so viel zu dieser Sache!"— So wird dreist und frech ein Vorgang, der sich vor Hunderten von Menschen abgespielt hat, nur um der Sozialdemokratie zu schaden, in sein striktes Gegenteil verdreht. Die bedauernswerten Leser des Blattes glauben daran und das Blatt selber fährt fort, alltäglich neue Jeremiaden in die Welt hinein zu heulen über die Verlogenheit— der Sozialdemokratie!—- Preussische Polenpolitik. Von einem für die Kleinlichkeit der preußischen Polenpolitik recht charakteristischen Zwischenfall bei der Beisetzung des Erz- bischofs von Stablewski berichtet der„Wielkopolanic". Nach seiner Meldung hat der Oberpräsident von Waldow dem Weihbischof Dr. Likowski gegenüber den Wunsch zu erkennen gegeben, daß in den Leichenreden mit keiner Silbe der politischen Tätigkeit des Erzbischofs gedacht werde. Sollte dies der Fall sein, so würde der Oberpräsident, der bekanntlich auch mit der Vertretung des Kaisers beauftragt gewesen ist, sich genötigt fühlen müssen, den Dom zu verlassen. Der Weihbischof sah sich gezwungen, dem Wunsche des Oberpräsidenten nachzugeben und der Leichcnredner, der Domherr Michalski, mutzte daraufhin den Text seiner Rede ändern. Es ist kaum begreiflich, daß nach ihren Erfahrungen im Kulturkampf die preußische Regierung noch zu glauben vermag, derartige Mittel könnten zum Ziel führen. Formell mag die Regierung dem Klerus gegenüber einen sogen. Erfolg errungen haben, denn der Klerus hat in diesem Fall nachgegeben; tatsächlich aber hat die polnische Geistlichkeit das Kampfspiel gewonnen, denn wenn auch der Domherr direkt nicht von der politischen Tätigkeit des verstorbenen Erzbischofs gesprochen hat, so hat er sich doch nach den Zcitungsmeldungen in einer Weise ausgedrückt, die von allen Polen verstanden werden und ihre agitatorische Wirkung auf die Polen nicht verfehlen wird. Pcrsonentarifteform. Das Amtsblatt der Vcrkehrsangestellten teilt, wie aus Stuttgart gemeldet wird, mit, daß die Personcntarif- reform voraussichtlich am 1. Mai 1907 zur Einführung gelangen wird, und zwar auf Grund folgender Äilometergrundtaxen: Erste Klasse 7 Pfennig; zweite Klasse 4,6 Pfennig; dritte Klasse 3 Pfennig, vierte Klasse 2 Pfennig. Den neuen Fahrkarten wird künftig die für Schnellzugszuschlag mid Reisegepäck in bewacht kommende Zone aufgedruckt.— Milchkrieg. In München tobt seit 14 Tagen ein heftiger Milchkricg. Die Milchagrarier der Umgebung haben auf Betreiben der Münchcner Zentralmolterei, der einflußreiche Stützen der Gesellschaft, u. a. Bayerns künftiger König, Prinz Ludwig, Grafen und Barone als Genossenschafter angehören, in Versammlungen beschlossen, ab Stall keine Milch unter 14 Pf. mehr zu liefern und den Verkaufspreis für München auf 22 Pf. den Liter festzusetzen. Die Münchener Großhändler haben sich gegenseitig bei Ver- meidung einer Konventionalstrafe von 300 M. verpflichtet, jenen Kleinhändlern, die trotz des höheren Einkaufspreises den Liter doch um 20 Pf. abgeben, die Lieferung überhaupt zu entziehen. Die Milchbarone diktieren also den Verkaufspreis und so sollen die Kleinhändler gegen jhren Willen gezwungen werden, den Milch- Wucherern Gefolgschaft zw leisten. In einigen Arbeiterbezirken ist dieser freche Angriff«uf die Taschen des Publikums bereits abgeschlagen. Hier ist wieder überall Milch um 20 Pf. zu haben. Für Dienstagnachmittag hatten die Milchwuchercr von München und Umgebung nach dem Saale des MüniHener Kindts eine Versammlung der Milchproduzcnten und-Händler einberufen, in der Graf Spretti den Milchwucher zu begründen suchte; die Ver- sammlung nahm einen äußerst stürmischen Verlauf. Im Rathause haben unsere Genossen eine Interpellation eingebracht, was der Magistrat zu tun gedenkt, um die geplante Milchbcrteuerung zu verhindern.— Zur Affäre des Grafen Preysing. Die Münchener Spieleraffäre in dem adeligen Spielklub der Harmlosen hat nun ein zweites Opfer gefordert. Leutnant Mühe wurde bekanntlich zur Dienst- entsassung und zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt; einer der Hauptbeteiligten, Gras P o c c i vom Jnfanterie-Leibregiment wurde mit schlichtem Abschied entlassen. Gegen einen weiteren Offizier ist noch ein Verfahren wegen gewerbsmäßigen Glücksspiels anhängig.— Auch eine Wahl. Zu den Landtagswahlen im Großherzogtum Sachsen-Weimar wird uns geschrieben: Dafür, wie manche Wahl zustande gebracht wird, lieferte gleich der erste Wahltag einen sehr erheiternden Beweis. Im Wahlkreis Auma-Triptis hatte der der Regierung sehr genehme bis- herige Abgeordnete Bürgermeister Kolbe in Auma mit einer starken bürgerlichen Opposition zu rechnen. Wie die Wahl am letzten Ende ausfallen würde, war nicht voraus zu sehen, da ein einziger Wahlmann ausschlaggebend war und der Mann sich vorher weder nach der einen, noch nach der anderen Seite entschieden hatte. Man war deshalb am Montag auf den Ausgang dieser„Wahl" sehr gespannt. Nach dem Bericht des„Amtsblattes der Stadt Weida" vollzog sie sich folgendermaßen:„Von den 32 Wahlmänncrn fehlte einer. Die Wahl ergab 17 Stimmen für Kolbe und 16 für Allmer, somit war 1 Zettel mehr abgegeben, als Wahlmänner anwesend waren und die Wahl mutzte für ungültig erklärt werden. Im zweiten Wahlgang erhielt Kolbe 16 und Allmer 16 Stimmen. Weil nun ein Zettel für Allmer nicht richtig beschrieben war, wurde er für ungültig erklärt und das Los mußte entscheiden. Nunmehr wurden ein Kolbescher und ein Allmerscher Stimmzettel in die Wahlurne gelegt und verein» bart, der großherzogliche Bczirksdirektor solle einen davon heraus- nehmen. Bei dem Herausnehmen des Loses hatte der Bezirks- direktor beide Zettel in der Hand, ließ den einen davon fallen und behielt den Zettel für den Bürgermeister Kolbe in der Hand." Ein gemütliches Verfahren? Erklärung. Der Herr KoloniaZdirektor Dcrnburg hat in der heutigen Sitzung des Reichstages einen Brief verlesen, den er am 15. No- vember an mich gerichtet hatte. An die Verlesung dieses Briefes hat er dann eine Reihe wahrheitswidriger Verdächtigungen gegen mich selbst wie andere Abgeordnete geknüpft, die von mir wie von dem gleichfalls angegriffenen freisinnigen Abgeordneten Ablaß auf der Stelle in persönlichen Bemerkungen zurückgewiesen wurden. Zur Klarstellung der ganzen Angelegenheit ist nunmehr jedoch die Veröffentlichung des ganzen Briefwechsels erforderlich. Die Briefe lauten unter Fortlassung der Formalien: Brief des Kolonialdirektoes Dernburg an den Abgeordnete» Ledeboue vom 16. November 1966, „Ich bin zur Zeit damit beschäftigt, diejenigen Fälle zu unter- suchen, in welchen gegen Beamte meines Ressorts Beschwerden, sei es im Reichstage, sei es sonst in der Oeffentlichkeit erhoben worden sind. Es wind mir gesagt, daß auch bei Ihnen solche Beschwerden eingegangen sind. Ich würde es nun mit Dank anerkennen, wenn Sie mir, soweit Sie selbst solche Anschuldigungen für begründet erachten, meine Aufgabe durch Angaben des sachlichen Inhalts der Beschwerden erleichtern würden/ Brief deS Abgeordneten Ledebour an den Kolonialdircktor Dernburg vom 26. November 1966. �.Obgleich ich Ihrem Bestreben, auf die Abstellung von Uebel- ständen in der Kolonalverwaltuna hinzuwirken, volle Anerkennung golle, bedauere ick doch. Ihrem Wunsch, die mir zugegangenen MitteilMffekt Wer BerfehwTtaen von BcamUn JTjnen zu über. Mitteln, nuht nachkommen zu können. Mit einiger Sicherheit kann ,ch annehmen, daß die Tatsachen, um die es sich handelt, sowieso bereits früher den für die Leitung der Kolonialverwaltung verant- wörtlichen Personen unterbreitet worden, ohne daß Remendur er- folgte. Erst dann find verschiedene Abgeordnete davon in Kenntnis gesetzt worden, um einen Appell an die Oeffentlichkeit zu erwirken. Einige dieser Angelegenheiten wurde daraufhin in öffentlicher Erörterung angeschnitten. Eine gründlichere Besprechung wurde für spatere Zeiten in Aussicht gestellt. Volle Ausklärung über alle d,e beregten Mißstände in voller Oeffentlichkeit ist daher erforderlich. Ein Abgeordneter, dessen Hülfe dazu in Anspruch genommen wurde, darf sich meines Erachtens in keiner Weise für die öffentliche Er- orterung-die Hände binden. Dazu kommt, daß auf Anstiften der Kolonialverwaltung hin dw Staatsanwaltschaft gegen eine Anzahl Personen, von denen-man vermutete, daß sie Abgeordneten solche Beschwerden zugänglich ge- macht haben, ein Strafverfahren eingeleitet hat. in dessen Verlauf jene Abgeordneten unter Nichachtung der Abgeordnetenimmunität mit Zeugenvernehmungen und Haussuchungen behelligt wurden." Die Vorgänge in der gestrigen Sitzung beweisen, wie berechkigt meine Vorsicht gegenüber Herrn Der n bürg gewesen ist. Ich wurde aber auch höchst überrascht durch die Mitteilung, daß Herr E r z b e r g e r dem Wunsche des Kolonialdirektors seinerseits nachgekommen ist. Denn gerade die fortdauernden Ankündigungen des Herrn Erzberger. daß er für den Reichstag überraschende Eni- hullungen über koloniale Mißstände auf Grund des ihm zuge- gangenen Materials vorbereite, waren, wie ja aus meinem obigen Briefe hervorgeht, mitbestimmend für mich. Herrn Dernburgs Er- suchen nicht nachzukommen. Ebenso lag auch in der Behandlung, die Herrn Erzberger in der Untersuchungssache wider Götz und Ge- nossen zu teil wurde, einer der Gründe für meine Ablehnung. Um so unverantwortlicher ist es von Herrn Erzberger. daß er nach seiner schwächlichen Preisgebung der Jmmunitätsrechte der Abge- ordneten jetzt auch noch auf Dernburgs Verlockung hin die pomp. hast angekündigte große Abrechnung über koloniale Mißstände im Reichstage so kläglich hat unter den Tisch fallen lassen. Was Herrn Dernburg anbetrifft, so erledigt sich jedes weitere Wort zur Charakterisierung seines Verhaltens. Er ist selbst in die Grube gefallen, die er anderen graben wollte. NnliP. 30, November 1906, G, L e d e b o u r. Hudland. Schweiz. Alle Preßvergehcn politischer Art vor daS Schwurgericht zu ver- weisen hat der Große Rat des Kantons Bern auf Antrag unseres Genossen Advokaten Albrecht-Biel bei der Revision der Gerichts- organisation beschlossen. Die Bolksabstimmung über die Frage der Trennung der Kirche vom Staate hat der Große Rat(Landtag) des Kantons Neuenburg beschlossen.— Im Kanton S o l o t h u r n hat die Bewilligung einer Mietzinsentschädigung von 3000 Fr. an den neuen Bischof durch den Großen Rat die Frage der Trennung der Kirche vom Staate plötzlich auf die Tagesordnung gebracht. Gegen die Nachtruhe im Bäckcrgewerbe im Kanton Tessin wüten die empörten Bäckermeister unablässig weiter. Jetzt richten sie eine darauf bezügliche Eingabe an den Großen Rat, die aber in so ge- meiner Sprache abgefaßt war, daß der Rat kurzerhand Uebergang zur Tagesordnung beschloß., In den BaSlcr Bürgerrat wurde unser Genosse Regicrungsrat Wullschleger wiedergewählt. Die Behörde besteht aus 22 Kon- servativen, 17 Liberalen und 1 Sozialdemokraten. Italien. Rom, 30. November. Die lebte Volkszählung ergab für Italien eine Bevölkerungsziffer von 33 340 014, was eine Zunahme von 871 202 Personen seit dem Jahre 1901 bedeutet. Spanien. Madrid, 30. November. Die Zusammensetzung des neuen Kabinetts hat insofern Aendcrungen erfahren, als Romanones aus- geschieden und B a r r o s o an seiner Stelle Justizniinister geworden ist, während an Stelle Barrosos Quiroga Rallesteros das Portefeuille des Innern übernommen hat. England. Die Unterrichtsvorlage wurde am Donnerstag im Oberhause bei dichtbesetztem Hause weiterberatcn. Lord Lansdowne(Kons.) bezeichnete einzelne wesentliche Abänderungsvorschläge, auf deren Annahme die Opposition nicht bestehen werde. Es machte sich infolgedessen allgemein die Anschauung geltend, daß diese Zu- geständnisse als Grundlage der Erörterung zwischen den beiden Häusern, wenn nicht a ls Grundlage eines Kompro Misses dienen werden. Es gelangte allerdings ein von Lord Salisburh gestellter An- trag, nach welchem in Schulen, die den Lokalbehörden gehören. unter gewissen Umständen Vorkehrungen für einen solchen Unter- richt getroffen werden sollen, trotzdem die Regierung ihn be- kämpfte, zur Annahme. Dieser Antrag wird, wie anzunehmen ist, vom Unterhause sicher abgelehnt werden, und in parlamen- tarischen Kreisen herrscht jetzt eine große Meinungsverschiedenheit über die Möglichkeit eines Kompromisses. Unter den Ministeriellen gibt es eine starke Partei, die jeder Konzession von feiten der Re- gierung vollkommen abgeneigt ist. Marokko. Tanger, 29. November.(Meldung der Agence HavaS.) Die hiesige französische Kolonie hat heute eine Versammlung abgehalten und eine Resolution gefaßt, in welcher darauf hingewiesen wird, daß infolge der durch die vollständige Abdankung des Machsen hervorgerufenen Anarchie die Lage der französischen und der ge- samten europäischen Kolonie unerträglich geworden sei und der stanzösische Gesandte ersucht wird, die Aufmerksamkeit des Mutterstaates unumwunden auf diese sowohl für die Interessen wie auch für das Ansehen der Kolonie schädliche Lage zu lenken in Hinsicht darauf, daß Maßnahmen getroffen würden, um die Ge- währleistung der Verträge und die Sicherheit der Personen sicher- zustellen. Toulon, 30. November. Die vom Admiral Touchard befehligte Schiffsdivifion ist heute früh 8ll3 Uhr nach Tanger in See gegangen. Die Division besteht aus den Linienschiffen„Suffreu",.Saint Louis" und.Charlemagne".—_ GcwerkfcbaftUcbcQ. ßcrtin und Qmgcgcnd. „Große Berliner" Sozialpolitik. Eine Vertrauensmännerversammlung der Schaffner und Fahrer der Großen Berliner Straßenbahn fand gestern vormittag im Verwaltungsgebäude Leipziger Platz statt. Wie in stüheren Fällen, so wurden auch dieses Mal wieder Wünsche nach Gehaltsaufbesserungen vorgebracht. Die Direktion lehnte dieselben ab mit dem Hinweis, daß erst gerade vor einem Jahre eine allgemeine Gehaltsaufbesserung in Kraft getreten sei. die mit der kurz vorhergegangenen zusammen eine jährliche Mehrausgabe von einer Mllion Mark im Gefolge habe. Seit 1VVO seien die Bezüge der Schaffner und Fahrer pro Mann um zirka 62 Prozent gestiegen. Die verlangte Er- höhung der Fahrerzulage von SO auf 7S Pf. wurde aus gleichen Gründen abgelehnt. Dagegen versicherte die Direktion, daß sie in jeder Weise dafür sorgen werde, daß die Fahrer den Schaffnern gleichberechtigt und nicht als eine zweite Klasse von Angestellten angesehen werden. In Fällen wo Dienstunterbrechung nach Zusamnicnstößen eintritt, will die Direktion, wenn sich nach- träglich die Unschuld des betreffenden Fahrers herausstellt, bei Nachzahlung der entzogenen Fahrzulage„möglichstes Eutgegenkommen" üben. Bei erwiesener Unschuld„Entgegenkommen"! Die Wünsche nach Erweiterung des Urlaubes wurden ebenfalls nicht voll be- friedigt; doch wird im nächsten Jahre durchweg vom dritten Jahre der Anstellung an ein Urlaub von fünf Tagen, der e v e n t. durch Zusammenlegung zweier freier Tage „verlängert" werden kann und vom 10. Jahre(!) an ein Urlaub von sieben Tage gewährt, der in gleicher Weise zu „verlängern" ist. Auch das Werkstatt- und Handwerkerpersonal erhält für die Zukunft Urlaub. Es wurden verschiedene Wünsche, die sich auf gleichmäßige Verteilung der freien Tage bezogen, vor- gebracht, deren Berücksichtigung zum großen Teil„in Aussicht ge- stellt" wurde. Die Gleichstellung des Personals der Charlottenburger Straßenbahn mit dem der Großen Berliner, die ebenfalls verlangt wurde, wird sich im Laufe des nächsten Jahres vollziehen, mit Aus- nähme der Ruhegehaltsverhältnisse, bei denen sich wegen der ver- schiedenen Art der Kassen beider Unternehmungen größere Schtvicrig- leiten bieten. Auf Wünsche nach schnellerer Einführung der z e h n- st ü n d i g e n D u r ch s ch n i t t s d i e n st z e i l für die Schaffner konnte darauf hingewiesen werden, daß die Einführung bereits im Werke ist; der Durchschnittsdienst betrage gegenwärtig 10 Stunden 20 Minuten und werde mit Ablauf des nächsten Jahres 10 Stunden erreicht haben.—_ Ein Kartell der deutschen Militäreffektenfabriken? Seit sechs Wochen stehen die Arbeiter der hiesigen Militär- effcktenfabrik von Wunderlich Nflgr., Inhaber W. Backhaus, im Abwchrstrcik, und zwar lediglich deshalb, weil sich die Arbeiter in dieser Zeit der Teuerung, in dieser Zeit der eigentlich not- wendigen Lohnerhöhungen, nicht widerspruchslos eine 20prozcniige Verschlechterung der bestehend� Löhne gefallen lassen wollten. Einer dieserhalb vorstellig werdenden Kominission wurde in selten schroffer Weise zu verstehen gegeben, daß es bei dem Machtspruch des Herrn Backhaus bleibe; wem das nicht patzt, der könne gehen. Und sie gingen alle; denn von 103 Beschäftigten blieben nur inkl. der Meister 0 Getreue im Betriebe. Soweit wäre dieser Vorgang nicht gerade neu; nur im Zu- sammenhang mit anderen Vorgängen erhält derselbe erhöhtes Interesse. Die deutschen Militärsattler, an deren Spitze eine Tarif- kommission steht, welche ihren Sitz in Berlin hat, haben es ver- stanÄen, die Aufmerksamkeit der deutschen Kricgsministerien auf sich zu lenken, die Arbeitsverhältnisse dieser Branche waren des öfteren Gegenstand der Parlamentskritik. So fiel bcr einer solchen Gelegenheit dem interpellierenden Sattler und Rcichstagsabgeord- neten I. A u e r gegenüber das Wort von den„unbekannten Sattler- gesellen". Doch, ganz gleichgültig, wie sich die Vertreter der Regie- rung gegenüber dem Interpellanten verhielten, anerkannt soll werden, daß trotzdem durch das Eingreifen des preußischen Kriegs- Ministers, welcher bestimmte, d»ß bei Submissionen nur solche Firmen berücksichtigt werden sollten, welche auskömmliche und an- ständige Löhne zahlen, eine Besserung der mißlichen Lage der Militärsattler stattgefunden hat. Den Löwenanteil an dieser Auf- besierung mögen ja die Unternehmer, die ihre Preise im Verhältnis zu den geringen Lohnerhöhungen und Materialpreissteigerungen ganz exorbitant hochgeschraubt haben, eingeheimst haben; doch eine geringe Aufbesserung der Sattlerlöhne, die allerdings durch die stattgefundene Steigerung der LebenSsiiittelpreise längft Widder weit gemacht wurde, steht fest. Für Berlin besteht nun ein Tarifvertrag, der zum 30. Dezember d. I. abläuft, da er von den Arbeitern gekündigt wurde, um bei den meisten Positionen den heutigen Verhältnissen entsprechende Auf- befferungen zu erreichen. Es haben dieserhalb mit den Fabrikanten, deren Spiritus rector obengenannter Herr Backhaus ist, bereits Verhandlungen stattgefunden. Bisher gingen die Berliner Sattler infolge ihrer besseren Organisation und selbstverständlich, weil die Großstadt Berlin eben höhere Arbeitslöhne bedingt, in Fragen der Lohnerhöhung voraus, jedoch stets sich bemühend, die Kollegen in der Provinz schrittweise nachzuholen. Die Löhne waren infolge dieser Bemühungen hier am Orte wohl absolut um ein geringes höher, jedoch nicht relativ. Es gab jedoch auch in der Provinz Fabrikanten, welche ohne weiteres den Berliner Tarif voll zahlten. Bei unseren jetzigen Verhandlungen hatten wir uns bereits mit den hiesigen Fabrikanten auf eine mäßige Steigerung der Ar- beitslöhne geeinigt, plötzlich schlug der Wind um, und die„eigenen Herren im Hause" erklärten, nicht mehr„Herr im eigenen Hause" zu sein, sondern sie müßten nunmehr erst die auswärtigen Fabrikanten fragen, ob sie, die Berliner Fabrikanten, auch diese von ihnen selbst für angemessen gehaltenen Löhne zahlen dürfen. Sonderbar, höchst sonderbar! Während sonst in allen Tonarten über die billige Konkurrenz gezetert wurde, erlaubten jetzt die auswärtigen Herren ihren Berliner Kollegen nicht, wohltätig zu sein und höhere Löhne zu zahlen. Man kam in Wiesbaden zu- sanimen, arbeitete einen Äikordtarif aus, der wohl einige Ver- befferungen, jedoch auch ebensoviele Verschlechterungen der bis- herigen Löhne enthielt. Und dieses Monstrum von Tarif sollten die Berliner Sattler vertraglich auf längere Zeit anerkennen. Man will ietzt also die Konkurrenz zwingen, nicht höhere Löhne zu zahlen, während es früher umgekehrt war! Warum wohl? Wir fragen: Besteht ein Kartell? Das ift natürlich auch für den Arbeitgeber Staat von Wichtigkeit zu wissen und zwar aus sehr naheliegenden Gründen. Das Schlimmste kommt jedoch noch. Tie Berliner Militärsattler hatten, veranlaßt durch das namenlose Elend, das die Heimarbeit in unserem Berufe verursachte, den Kampf gegen diesen sozialen Mißstand, durch den diese Berufsgruppe vollständig degeneriert war, und von anderen Gruppen des Berufes deswegen für minderwertig erachtet wurde, energisch in die Hand genommen. Es gelang nach jahrelangem Kampfe, vor zwei Jahren vertraglich festzulegen, daß nur noch Arbeiter über 45 Jahre als Heimarbeiter beschäftigt werden sollten. Der erste Schritt, dem ganz allmählich weitere Maßnahmen folgen sollten, war geschehen. Die wenigen Gründe, die von einzelnen Fabrikanten gegen diese Matznahmen angeführt wurden, erkannte man nach zweijähriger Praxis als Scheingründe. Nichts stand einer Fortführung im Sinne der lang- samen Beseitigung dieses Uebels im Wege. Wenn, ja wenn Herr Backhaus es sich nicht in den Kopf gesetzt hätte, hier den starken Mann zu spielen. Die Fabrikanten verlangen von uns nichts weniger, als eine tarifvertragliche Festlegung dahingehend, daß alle Arbeiter über 30 Jahre, insbesondere aber diejenigen, die einen eigenen Haus- stand haben, eventuell verpflichtet sind, als Heimarbeiter zu arbeiten. Das bedeutet also die vertragliche Anerkennung eines Zustandes, wie er selbst vor 30 bis 40 Jahren in unserer Branche nicht bestanden hat. Während also alle Welt und alle Sozial- Politiker, ja sogar die deutsche Regierung, darüber nachdenkt, wie die Heimarbeit beseitigt oder doch eingeschränkt werden könnte, wagen es die Herren Berliner Militäreffektenfabrikantrn, mit dein hochmögendem Herrn B. an der Spitze, die zwangsweise Einführung der Heimarbeit für einen Beruf herbeizuführen, der ausschließlich Staatsarbeiten anfertigt. Wir fragen deshalb nochmals:„Ist die Stimmung im Kriegs- Ministerium jetzt umgeschlagen?" Wie die Antwort auch ausfallen möge, die Berliner Sattler werden, wenn es notwendig werden sollte, gegen die Wiedereinführung der Heimarbeit zu' kämpfen wissen. Pflicht aller Kollegen muß es nun sein, Berlin streng zu meiden. Verband der Sattler. Die Hauptverwaltung. Berlin LO. 16. Adalbertstr. 56. Die Maschinisten und Heizer der Brauereien Berlins stehen in Unterhandlungen wegen eines neuen Lohntarifes. Tic einzelnen Forderungen(vor einiger Zeit im„Vorwärts" bekannt gegeben) haben viel Opposition erregt, aber die Organisation ist entschlossen� sämtliche Forderungen energisch zu vertreten. Tie Zahl der Maschinisten und Heizer in den Brauereien Berlins ist nicht groß; sie wird auf 183 berechnet, davon sind 107 organisiert. Eine neue Forderung, die Arbeitsruhe am I. Mai, wurde von den Brauereien als„undiskutabel" bezeichnet. Höhnisch wurde bemerkt, daß man mit diesem Wunsche warten könnte, bis der Zukunftsstaat ein» gerichtet sei. Ein Lohn von 30 M. die Woche wird als zu hoch be» zeichnet trotz der hohen Dividenden, welche die Brauereien ab- werfen. Die Einführung der achtstündigen Arbeitsschichten wird von dem Maschinenpersonal verlangt. Trotz dcr� Wechselschichten kommen jetzt viele llebcrstundcn vor, und die Statistik, die vor einigen Tagen im„Vorwärts" veröffentlicht wurde, die lieber» stunden in den Brauereien betreffend, kann durch folgende Zahlen ergänzt werden: Es wurden Ucbcrstunden innerhalb 19 Wochen gemacht in der Brauerei von: von Maschinisten von Heizern Patzenhofer... 140 80 Berliner Bock.. 105(am Sonntag) 103(am Sonntag) Happoldt.... 30+ 18(am Sonntag) 33+ 36«am Sonntag) 176 Ueberstunden 116 Ueberstunden 183 Sonntagsstunden 199 Sonntagsstunden In den Granit-, Syenit- und Marmorwerkcn Koppel u. Sohn in Nördlingen(Bayern) sind sämtliche organisierten Arbeiter aus- gesperrt worden, weil sie sich weigerten, einen ganz niederträchtigen Vertrag zu unterschreiben. Die Firma sucht unter falschen Vor» spiegelungcn in ganz Deutschland Steinmetzen, während die dortigen Arbeiter brutal hinausgeworfen wurden. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Achtung! Zigaretten- Arbeiter! Die Gerüchte von angebliche» Differenzen bei der Finna Namkori-Phänomen sind erfunden. Bei der Firma herrscht das beste Einvernehmen. Die Werkstattkommission. Deutfcbeo Reich. Die Gewerbegerichtswahl in Tortmund geschah am Mittwoch zum ersten Male auf Grund des Proportionalwahlsystems. Letztere? gelangt bekanntlich immer zur Einführung, wenn die Christen jede Aussicht verloren haben, jemals wieder die Mehrheit zu erlangen. Dann erheben sie ein großes Geschrei über die Ungerechtigkeit des Mehrheitssystems. So auch in Dortmund. So lange sie freilich in der Mebrheit sind, hüten sie sich wohl, auf Einführung des Pro- portionalwahlsystems zu dringen. In Dortmund wollten die Christen nun diesmal eine Kraftprobe veranstalten. Und da sie keine ehrlichen Mittel zur Bekämpfung der freien Gewerkschaften haben, greifen sie wie immer zu den infamsten Verleumdungen. Treuliche Dienste leistete ihnen natürlich die„Tremonia", jenes Zentrumsorgan, das die Christen vor einem halben Jahre noch selber als das schofelste Unternehmerblatt gebrandmarkt haben, welches die öffentliche Meinung fälsche. Es hat alles nichts genützt, die Christen erlebten abermals den gewohnten Reinfall. Für die Liste der freien Gewerkschaften stimmten 1985, für die Liste der Christen 1305. für die Liste der Hirsch-Dunckerschen 245 Wähler. Es waren 18 Beisitzer zu wählen. Wir erhalten also 10 Sitze, die Christen 7, die Hirsche 1. Aber es kam noch etwas, woran die schlauen Christen nicht gedacht hatten; es zeigte sich auch eine sozialdemokratische Arbeitgeberliste, die vierzig Stimmen auf sich vereinigte. Die christliche Arbeitgeberliste brachte 220 Stimmen auf. Da ebenfalls 18 Beisitzer zu wählen waren, erhielten wir nun auch noch zwei Arbeitgeberbeisitzer. Bergarbeiterbewegung im Zwickauer Kohlenrevier. Während sämtliche deutsche Bergarbeiterverbände es sich zur Aufgabe gestellt haben, den Lohn den Teuerungsverhältnissen ent» sprechend in die Höhe zu treiben und eine Regelung der Arbeits- zeit durch gemeinsames Vorgehen herbeizuführen, hatte die Ver- waltung der Wilhelmschächte in Zwickau die Dreistigkeit, zu de- kretieren. daß ab 19. November statt der zehnstündigen Schichten elfstündige zu leisten sind. Dadurch wurde eine große Erregung in die Bergsklaven getragen, die sich bald auch in Taten äußerte. Auf Schacht II haben es die Bergarbeiter durchgesetzt, daß nach wenigen Tagen die elfstündige Schicht wieder abgeschafft wurde. Das paßte der Verwaltung natürlich nicht in den Kram. Aber sie sollte bald erfahren, daß allgemein— und mit Recht und im Interesse ihrer Gesundheit— die Bergleute es satt haben, sich so über Gebühr ab- zurackcrn. Nun hat ein großer Teil der Belegschaft des Schachtes l am Mittwochabend vor Anfahrt der Nachtschicht beschlossen, eben- falls nur zehnstündig anzufahren und diesen Beschluß auch in die Tat umgesetzt. Damit haben die Belegschaften der Wilhelmsschächtc den in anderen Werken beschäftigten Kameraden ein schönes Bei, spiel, den Grubcnherren aber die richtige Antwort gegeben. Eingegangene vruckfckritten. Das neue preuhische Einkommensteuergesetz vom 19. Juni 1906, gültig ab Neujahr 1907. Preis 1,20 M. Verlag L. Schwarz u. Komp.. Kürschners Jahrbuch 1907. Kalender-, Merk- und Nachschlagebuch. 500 Seiten. 1 M., geb. 1.50 M.(Hermann Hillger. Verlag, Berlin>V. 9). Sozialer Fortschritt Nr. 84. lieber die wirtschastlichen Ausgaben der städtischen Verwaltung. Von Dr. V. Tomtonianz. Preis 28 Ps. Verlag: 0~ T cr�Kon g o ii aa t und seine Emingenschasten. Ein Kapitel auS.Red Rübber" von E D. Morel. Dem deutschen Publikum gewidmet von L. Deutz. 28 Seiten. Selbstverlag. Druck: Rothschild Behren» u. Komp., ..xnnwira Herausgegeben von M. Buber. Band I. DaS Proletariat. Von W. Sombart. Band II.— Tie Religion. Von G. Simmel. Band III. Die Politik. Von A. Mar. Band IV. Der Streik. Bon E. Bernstein. Preis jedes einzelnen BandeS kartomnert 1,50 Mark, gebunden 2 Mark. Verlag: Rüttm u. Loening in Franksurt am Main._ Letzte JVachncbten und Dcpefchca Stadtverordnctenwahlsieg. Iserlohn, 80. November.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei der heutigen Stadtverordnetenwahl errangen unsere Ge- nossen einen glänzenden Sieg. Für die Kandidaten der Partei wurden 1078—1100 Stimmen abgegeben, während auf die Freisinnskandidaten 837—868 Stimmen entfielen. Die Hülfsaktio». Witten, 30. November.(W. T. B.) Die hiesigen Stadtverord- neten haben heute in außerordentlicher Sitzung den Beschluß ge- faßt, dem Magistrat der Stadt Witten 20 000 M. zur Verfügung zu stellen. Bisher sind insgesamt 75 000 M. für die Berunglückten zur Verfügung gestellt worden. Trotz alledem. Moskau, 30. November.(Meldung der Petersburger Tele- graphenagentur.) Bei den heutigen Wahlen für da? Zentralkomitee der Universität stimmten 5497 Studenten ab, und zwar 2044 Sozial- demokraten, 1402 Anhänger der Kadettenpartei. 1253 Sozialrevo- lutionäre, 203 Unabhängige. 314 Anhänger der Arbeitspartei. 121 Polen und 35 Zionisten. Das Zentralkomitee wird bestehen aus 12 Sozialdemokraten, 3 Anhänger der Kadettenpartei. 7 Sozial- revolutionären, 2 Anhänger der Arbcitspartei, 1 Unabhängiger und 1 Pole. e�xantw. Redakteur: HatiS Weber. Berlin. Inseratenteil verantS.1 kt- Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: BorwäriS BuMr. u. Verlag««Mit&ml Singer SiCo.. Berlin SW. Hierzu HBeilase»».Uattrdollmui»klst1 Br. 280. 23. Jahrgang 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonnabend, 1. Dezember 1906. Reichstag. 180. Sigung bom Freitag, den 30. November, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Dernburg, Frhr. b. Stengel. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der ersten Beratung der Nachtragsetats für SüdwestAfrika. fenden. der durch seine Denkwürdigkeiten bewiesen hat, daß ihm der große Blick fehlte und der nie das Redaktionsgeheimnis gewahrt hätte. ( Große Heiterfeit.) Der Reichskanzler flagte über das Mißtrauen, das sich in der Bresse gegen die Kolonialverwaltung zeigte. Nun, Frhr. v. Hertling, mein Fraktionskollege, mußte ebenfalls erklären, daß es große Mühe toftete, überhaupt vom Kolonialamt Auskunft zu erhalten, und eine große Reihe von Fällen ist auch bekannt geworden, in denen wir eine nicht wahrheitsgemäße Antwort erhalten haben. Wo soll denn da Vertrauen herkommen? war. wichsen hatte, was etwa 25 Pf. pro Stück ausmacht, für 18 M. gefauft und für 23 M. an das Reich verkauft hat. Das beweist, daß das Stiefelwichsen unter Umständen ein ganz rentables Geschäft sein kann( Große Heiterkeit), es rentiert sich sogar, daß Frauen von Er zellenzen mitwichsen!( Erneute Heiterkeit.) Bei der Verteidigung des Tippelskirch- Vertrages vom Bundesratstisch aus ist man damals nicht bei der Wahrheit geblieben. Ich habe früher gesagt, daß ich an Mitteilungen vom Bundesratstisch so fest glaubte, als feien es Worte der Heiligen Schrift. Inzwischen habe ich allerdings diesen Glauben einer Revision unterzogen.( Hört! hört! links.) Herr Abg. Lattmann( Wirtsch. Vg.): Die Kritik ist im legten Sommer Der Reichskanzler beruft sich auf Briefe aus dem Auslande zum Seiß erklärte damals: Die Firma Tippelskirch allein fabriziert den über das Maß des Berechtigten hinausgegangen, sie war nicht von Beweise dafür, daß das Ansehen Deutschlands durch die Enthüllungen Khatistoff in brauchbarer Weise und stellt auch manche anderen der Liebe zum Vaterlande, sondern von Standalsucht diftiert. Wir geschädigt ist. Ich habe Briefe erhalten, die das Gegenteil be- Artikel in der für die Truppen brauchbaren Weise her, follten einen Strich über die Vergangenheit machen und nicht mehr zeugen. Herrn Semlers Vorwurf, daß ich nicht aus Liebe zur Sache und so kam der Vertrag zustande." Inzwischen haben einzelne Fälle herausgreifen. Die neugeforderten 30 Millionen gehandelt habe, weise ich zurück. Herrn Lattmanns Vorwurf, ich wir gehört, daß die Firma Tippelskirch überhaupt nicht den Mark Militärkosten für die Kolonien bedauern wir vor allem gäbe mein Gift tropfenweise ab, zeugt von Unkenntnis der Ver- Statistoff selbst fabriziert hat( hört! hört! links), sondern die Firma deswegen, weil sie nicht wirtschaftlichen Zweden für die hältnisse. Das Material fommt mir natürlich nur stückweise zu. Jordan u. Co. in Hamburg. Also das entscheidende Moment für Kolonien dienen. Daß zwanzigtausend Gefangene vorhanden Gift ist es nicht für das deutsche Volt, sondern für die Kolonial- den Abschluß des Vertrages existierte nur in der Phantasie des befind, beweist schon, daß unsere Striegsleitung an ein Nieder- fchnorrer.( Beifall im Zentrum und links.) treffenden Geheimrats. Ich bin überzeugt, daß der neue Kolonialhezzen der Eingeborenen in dem Sinne, wie der Abg. Ledebour ihr Ich wende mich nun zu der eigentlichen Sache. Der neue direktor ein solches Verfahren dem Reichstage gegenüber nicht dulden untergeschoben hat, gar nicht denkt. Der englischen Forderung nach Kolonialdirektor ist mit einem fast vollständig neuen Personal hier wird. Sehr erfreulich ist auch die Lösung des Vertrages mit der Entschädigung bei Verfolgung von Hottentottenbanden setzt die Re- erschienen, nur eine Säule zeugt von verschwundener Pracht. Das Oranienapotheke, die sogar Hufeisen und Pferdedecken geliefert hat. gierung hoffentlich ein energisches Nein entgegen, schon un zu begrüße ich mit Freude. Ebenso die Lösung der Verträge, die doch( hört! hört! Buruf bei den Sozialdemokraten.) Natürlich zu Apothekerzeigen, daß an der langen Dauer des Aufstandes die Verhältnisse nicht mir zuliebe erfolgt ist, sondern beweist, daß der Kern- preifen.( Große Heiterkeit.) Herr v. Richthofen meinte, man habe Wöran der englischen Grenze schuld find. Man soll sich von Berlin aus punkt meiner Beschwerden berechtigt ( Sehr richtig!) mann mit Schmuz beworfen. Ich weiß nicht, ob sich das auf mich in London nicht entschuldigen, sondern einen falten Wasserstrahl hin- Ich freue mich, daß wir an der Spize des Kolonialamtes bezieht.( Abg. v. Richthofen: Nein!) Wörmann ist ein Kaufmann endlich einmal einen intelligenten Mann haben.( Große Heiter- und nüzt natürlich die günstige Konjunktur aus. Der Vorwurf Die Kosten der Bahn sollte man zum Teil der Kolonialgesell- teit! Buruf: Vorschußlorbeeren!) Die Säuberung des Kolonial- richtet sich gegen jene Stelle, die solche unverständlichen Verträge schaft auferlegen, die das Land besitzt und den größten Borteil amtes und die Lösung der Verträge sind doch in zwei Monaten überhaupt abschließt. Das bedenklichste ist, daß man trotz aller davon hat. Schon jekt verkauft sie das ihr geschenkte Land zu bereits zwei Taten. Wenn in jedem Monat je eine weitere Tat Bemühungen des letzten Winters den Wörmannvertrag nie im horrenden Preisen, die durch den Bahnbau noch enorm wachsen werden. folgt, bin ich ganz zufrieden.( Heiterfeit.) Wortlaut hat erhalten können. Es handelt sich um eine ganze Reihe Im übrigen stehen wir dem Eisenbahnbau sympathisch gegenüber. von Verträgen. Einer dieser Verträge ist gekündigt. Das sagt Die Denkschriften leiden an einer gewissen Einseitigkeit, indem genug. Wie steht es mit den anderen Verträgen? Zum Beispiel die Kolonialpolitik in ihnen zu einseitig kapitalistisch betrachtet ist; dem über die Fracht zwischen Kapstadt und Lüderitzbucht? Dort doch sind manche Bedenken durch die erste Rede des Kolonialherrscht ein riefiger Schiffsverkehr. Wir haben an Wörmann dort direktors, in welcher er ein wirtschaftliches Programm für die Tarife gezahlt, über die in allen Reedereitreisen nur eine Stimme Kolonien entwickelte, zerstreut worden. An der gesunden Entwickelung die Zusammensetzung des Kolonialrates der Verurteilung herrscht. Wir bezahlen z. B. für die Fracht unserer Kolonien haben von Kapstadt nach Lüderitzbucht, die zwei Tage beansprucht, pro das sollten doch die Sozialdemokraten bei sowie die Art und Weise, wie er amtiert. Der neue Kolonialdirektor Zonne 31,50 M., für die Fracht von Hamburg nach Wladiwostok ihrer Kritik nicht vergessen namentlich auch die deutschen Arbeiter ein großes Interesse.( Sehr richtig! rechts. Lachen bei den Sozial ber Kolonialrat in 15 Jahren. In ihm fißen die Herren, welche das nach Valparaiso( 50 Tage) pro Tonne 22 M. 1( Hört! hört 1) Es ist hat in zwei Monaten mehr kaufmännisches Geschick bewiesen, als( 55-60 Tage) pro Tonne 23,50 M.( Hört! hört!) Von Hamburg demokraten.) Abg. Ledebour, der selbst mit Zahlen recht ungeniert größte finanzielle Interesse in den Kolonien haben; diese erhalten mir mitgeteilt worden, daß die Firma Houston fich angeboten hat, umgeht, sollte sich hüten, diesen Vorwurf gegen die Denkschrift zu ben Etat zeitiger als wir und die Presse, und Mitglieder des die Fracht um 50 bis 66 Prozent billiger nach Lüderizbucht zu richten. Allerdings muß auch ich auf Kolonialrates erhalten dann auch bei Vergebungen von Lieferungen befördern als Wörmann. Auf diese Offerte ist die Linie ein bedauerliches Bersehen bei der Zusammenstellung der Zahlen den Zuschlag! Ebenso beraten im Kolonialrat die Herren, die sich ohne jede Antwort geblieben!( Hört! hört! links.) Auch aufmerksam machen. Von den 370 Millionen deutschen Kapitals sind selbst um Konzessionen bewerben, darüber, ob ihnen die Konzessionen ist die zuständige Stelle nicht auf Grund dieser Offerte 250 auf Grund der Tabellen als rentabel, 100 als in der Ents zu erteilen seien.( Hört! hört! links.) an die Wörmannlinie mit der Forderung einer Verwickelung begriffen bezeichnet, während die richtige Zusammen- Ich gehe nun auf die wirtschaftliche Seite ein. Aus den Denk billigung dieser Frachtfäße herangetreten. Ein weiterer Vertrag rechnung mur 191 als rentabel und 159 als in der Entwickelung schriften erhielt ich von dem neuen Kolonialdirektor den Eindruck, betrifft das Landungsmonopol in Swakopmund und Lüderizbucht. begriffen ergibt! Also nicht zwei Drittel, sondern nur die gute der durch den Goetheschen Vers gekennzeichnet wird:" Vom Vater Diese Landungsgebühren sind ungeheuer hoch. Dabei ist auffallend, Hälfte ist rentabel. Das Bild der bisherigen Entwickelung ist da- hab' ich die Statur, des Lebens ernstes Führen"; ob dies zutrifft, daß in dem unruhigen Swakopmund die Gebühren niedriger find durch zwar etwas geändert, aber das deutsche Volk wird trotzdem weiß ich nicht, aber sicher das Folgende: Von Mütterchen die als in dem ruhigen Hafen von Lüderizbucht. Nach der Kritik in unter der neuen Verwaltung mehr Verständnis und mehr Interesse Frohnatur und Luft zu fabulieren".( Heiterkeit.) Nun, die Be- diesem Hause sind die Gebühren in Lüderitzbucht in diesem Sommer als bisher den Kolonien entgegenbringen.( Bravo! rechts.) rechnungen hat er ja hier so ziemlich preis gegeben. Die von 10,50 M. auf 5 M. Herabgesetzt worden. Jch wende mich nun zu der politischen Seite der Kolonialpolitif. In erster Linie müssen hier die Rechte des Reichstages erweitert werden; das Verordnungswesen muß eingedämmt werden und die Gesetzgebung muß zu ihrem Recht kommen. Besonders anstößig für uns ist Abg. Schrader( fri. Vg.): Die bisherige Kolonialpolitik war vom Abg. Lattmann monierte falsche Zusammenzählung fann Es ist behauptet worden, daß von der Wörmannlinie erhebliche planlos und ohne energische Leitung. Einer vernünftigen Kolonial- ja vorkommen, aber in der Aufzählung der Reichskapitalien Beträge zu viel verrechnet worden sind. Der Herr Kolonialdirektor politik werden auch wir gern die Hand bieten. Daß die Verträge, vermisse ich die Binsgarantien, die das Reich übernommen hat fagte ja, daß da, wo zu viel verrechnet worden sei, der Klageweg die im vorigen Jahre Anlaß zu Klagen gaben, gelöst find, und die man doch nicht einfach zugunsten des Privatkapitals buchen beschritten wird. Ich glaube, berechtigt zu sein, diesen Satz auf die begrüßen wir. Die beiden vorgelegten Denkschriften sollen darf. Außer den Rubriken rentables, werbendes und unrentables Firma Wörmann zu beziehen. Das beweist doch wohl, daß das offenbar beweisen, daß die Kolonien entwickelungsfähig sind, Kapital hätte doch eine Rubrik" fressendes Kapital"( Große Heiter- Roblieb des Herrn v. Richthofen etwas zu früh fam. Dann die weiter nichts. Ein neues Programm hat uns der Herr Kolonial- teit) aufgestellt werden müssen, wohin z. B. die Mole von Swakop- Frage der Liegegelder: In ausländischen Zeitungen ist man mit Direktor als praktischer Mann Gott sei Dant nicht gegeben. Sein mund gehört. Nicht ersichtlich ist, wieso der Versuch gemacht wurde, Sohn und Spott über die deutsche Verwaltung hergefallen, daß fie Biel, mit dem wir schon im Interesse unserer Finanzen einverstanden den Export zu kapitalisieren. Man hätte uns doch einfach die Export- folch hohe Liegegelder bezahlt. Nach dem Wortlaut des Vertrages sein können, ist die möglichst baldige Selbständigkeit der Kolonien. zahlen geben sollen, die in den letzten 8 Jahren 145 Millionen Mart, mit der Wörmannlinie bin ich der Ueberzeugung, Ich bin freilich nicht so optimistisch zu glauben, daß wir dies Biel also durchschnittlich 18,1 Millionen Mart, betrngen. Dann hätte überhaupt nicht verpflichtet sind, Wörmann Liegegelder zu sobald erreichen werden. Auch für den Eisenbahnbau erwarten wir jeder Abgeordnete selbst die weitere Rechnung vornehmen können. bezahlen, benn er hat die Verpflichtung übernommen, den tein Programm. Die jetzt geforderte Eisenbahn ist zwar im Frühjahr Freilich wären dann erheblich kleinere Zahlen herausgekommen. Verkehr zwischen Schiff und Küste in einer dem allgemeinen abgelehnt worden, aber lediglich mit Rücksicht auf die Form( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Auch die Rechnung, daß Berkehr entsprechenden Weise zu übernehmen, auch dafür zu der damaligen Vorlage, auf die kurze Zeit zur Prüfung und das 12% Millionen Menschen dort wohnen und daß, wenn jeder einen sorgen, daß das nötige Personal stets vorhanden ist. Wenn also allgemeine Mißtranen gegen die damalige Kolonialverwaltung. Daß Pfennig pro Tag verdient, 42 Millionen Mark herauskommen, Schiffe einige Tage liegen bleiben müssen, so darf er dafür nicht die frühere Vorlage nicht genügend war, beweist die neue beffer bestimmt ausgezeichnet. Die Frage ist nur, ob der Eingeborene einen noch Liegegelder vom Reich verlangen. Ich möchte den Kolonialgründete, die wir bewilligen können, ahne uns mit unserem früheren Pfennig täglich verdient. Im vorigen Jahre wurde hier nach- direktor bitten, diese Frage ernstlich zu prüfen und dafür zu sorgen, Beschluß in Widerspruch zu setzen. Vorbehaltlich der Prüfung in der gewiesen, daß der Tagesverdienst des Eingeborenen nur einen halben daß die zu Unrecht bezahlten Liegegelder zurückbezahlt werden. Kommission können wir diese Bahn befürworten.( Bravo! bei den Pfennig beträgt, wodurch die Summe schon auf 21 Millionen herab- Hoffentlich erfahren wir in der Budgetkommission auch, wie Freifinnigen.) finkt. Immerhin ist der Versuch der Statistik anzuerkennen, weil groß die Einnahmen der Firma Wörmann sind. In ihrer VerAbg. Erzberger( 8.): dadurch für die Kritik eine bestimmte Grundlage gegeben ist. teidigungsschrift spricht die Firma nur von ihren Ausgaben. Namens meiner politischen Freunde habe ich unfere Stellung zu Ich wende mich nun zu dem finanzpolitischem Gebiet. Der Statt Monopolverträge zu schließen, überlasse man bei den Liefe der finanzpolitischen und wirtschaftlichen Seite der Kolonialpolitik Haushalt der Kolonien fußt ganz im Gegensatze zu dem gesamten rungen den Gouverneuren mehr freie Hand; dann können auch die darzulegen, sowie Stritit an einigen Mißständen zu üben. Bevor ich Reichshaushalt lediglich auf einer Schulden- und Pumpwirtschaft. in den Kolonien heimischen Firmen mehr berücksichtigt werden. In mich dazu wende, muß ich mit einigen Bemerkungen auf die letzte Die Wegstreichung der militärischen Ausgaben führt zweifellos zu England hat sich dies System bewährt. Ferner verlangen wir einen Rede des Herrn Reichskanzlers eingehen. Es war wohl die uns einer Trübung der Verhältnisse. Wenn sie in dem allgemeinen Bruch mit den unfähigen privilegierten Landgesellschaften. geschickteste Rede, die der Reichskanzler je in diesem hohen Hause Reichsetat bleiben, so haben wir den Anfang einer Kolonialarmee, zwei Jahren ist hier zur Untersuchung der Landkonzessionen eine gehalten hat( Unruhe rechts), da sie ihren Höhenpunkt im Falle die wir nicht wollen.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Kommission gewählt worden. Nach einem Jahre wurde sie zum erstenBöplau und in einer Generalanschuldigung gegen die Presse sand. Das deutsche Volk muß wissen, was die Kolonien kosten. Schon mal zusammenberufen! Die zweite Sigung wird am nächsten Montag jetzt steht eine Reihe von Ausgaben für die Schutzgebiete im all- fein. Wenn es in diesem„ Schnellzugtempo" weitergeht, könnten Zuerst der Fall Pöplau: gemeinen Reichshaushalt, Ausgaben für Pensionen, die Post, einen wir vielleicht 1925 den ersten Beschluß fassen. Darauf können wir Teil der Flotte. Das läßt sich vielleicht aus technischen Gründen nicht warten. Wir haben gar keinen Anlaß, diesen Gesellschaftent Im Jahre 1903 führte der Herr Reichstanzler aus:" Ich stimme nicht ändern; keinesfalls aber dürfen die militärischen Lasten dazu Geld zuzuwenden. Es gibt verschiedene Mittel, die Verträge mit Herrn Schädler darin zu, daß die rückhaltlose Aufdeckung solcher kommen.( Sehr richtig!) Vorgänge nüglich ist, weil ich es für richtig halte, daß nichts verihnen zu lösen, zum Beispiel eine kräftige Grundsteuer, namentlich Bedenklicher sind die Fragen, die fich auf die Kontrolle be- auch in progressiver Form, für das nicht bewirtschaftete Gebiet. fleistert und vertuscht wird". Nun, der Fall Böplauziehen. Seit 10 Jahren ist teine Rechnungslegung aus den Kolonien Charakteristisch ist doch, daß die deutsche Kolonialgesellschaft für beruht auf diesem Satz; denn dieser Beamte den Fall im einzelnen zu schildern überlasse ich Herrn Ablaß, der dazu berufener erfolgt.( Hört: hört! im Zentrum und links.) Ich möchte den Südwestafrika in zwanzigjähriger Friedenstätigkeit feine Dividende ift hat drei Jahre hindurch vom Jahre 1902 ab eine Reihe Serru Kolonialdirektor dringend bitten, dafür zu sorgen, daß diese gezahlt hat, dagegen im Jahre 1905, in welchem Krieg herrschte, schwerer Mißstände an zuständiger Stelle vorgebracht über die Einnahmen und Ausgaben genügen nicht. Rechnungslegung in geordneteren Fristen erfolgt. Die Uebersichten eine Dividende von 20 Prozent.( Hört! hört!) Mit Recht ist diese ( Hört! hört! Tints), ist nie damit in die Deffentlichkeit gegangen. Gesellschaft als Als Antwort erhielt er: er habe Stillschweigen über alle diese Dinge die sogenannten schwarzen Fonds oder schwarzen Kassen. Die be- bezeichnet worden.( Heiterkeit.) Wenn sie jetzt- wie verlautet Die ganze Rechnungsprüfung wird zur Komödie gemacht durch ,, Sandwuchergesellschaft" zu beobachten!( Hört! hört! links.) Es waren keine Kleinigkeiten; stehen darin: Die Einnahmen, die in den einzelnen Schutzgebieten 1 M. für den Heftar, den sie abtritt, bekommen soll, so bedeutet er selbst hat nichts angestellt, als daß er auf Verfehlungen durch Gesetz und Verordnungen festgelegt sind, werden nicht anderer Beamten aufmerksam gemacht hat. Nachdem das erfolglos in voller Höhe gebucht,( Hört! hört! links) sondern ein Teit das ein Geschenk von 200 000 M., zu dem gar keine Veranlassung war, nachdem man versucht hat, ihn sogar als geisteskrant und diefer amtlichen Einnahmen wird in besonderen Kassen festgelegt. wie so mancherlei gemacht wird. Drei oder vier Leute treten zusammen vorliegt. Ich habe oft auch hinter die Kulissen geschaut und weiß, nicht ganz zurechnungsfähig hinzustellen( Hört! hört! links), ist( hört! hört! lints.) Das ist zunächst eine nicht zu mir, sondern und dieser Abgeordnete falsche Buchung, Vor und machen eine Eingabe an das Auswärtige Amt, um eine Konzefsion зи bekommen. Steht ein flingender Name unter er zu einem Abgeordneten gegangen zu Herrn Dr. Müller Sagan hat nun gar nichts anderes getan, als daß er dieses schtverbelastende obwohl am Jahresschluß der betreffende Beamte durch Unterschrift der Eingabe, so erhalten fte auch die Konzession, aber Aftenmaterial dem Reichskanzler übergeben und um eine objektive die Richtigkeit der Buchung befundet.( Hört! hört! links.) Diese mit der Bedingung, daß 300 000 m. bar eingezahlt werden. Untersuchung gebeten hat. Gleich nach diesem Besuch hat man das Gelder werden nun zur Bestreitung von allerlei Bedürfnissen Dann wird ein Aktienkapital von 3 Millionen Mark an die zwei Jahre lang schwebende Zwangspensionierungsverfahren ein- gebraucht, bon denen man nicht sagen kann, daß fie Börse geworfen, und 2,7 Millionen stellen den Gründergewinn gestellt, um sofort am anderen Tage die Disziplinaruntersuchung zu unbedingt amtlichen Charakter haben,( Hört! hört! links.) dar. Solche Vorgänge nügen dem Ansehen Deutschlands im Auseröffnen, weil Böplau die Amtsverschwiegenheit dadurch verlegt habe, so z. B. zur Beschaffung von Lacksticfeln für einen Beamten, von lande gewiß nicht. Zur Borsicht mit solchen kapitalistischen Geselldaß er zu einem Abgeordneten gegangen ist.( Hört, hört! links.) Bilfener Bier usw.( hört! hört!) Das Material hierüber ist seit schaften mahnt die Gründung der South Afrika- Gesellschaft, deren Es nimmt sich auch eigenartig aus, wenn der erste Beamte des Jahren der Kolonialverwaltung zugegangen. Ich hätte die Sache eigentliche Besizerin die Debeers- Kompanie ist und die lediglich verReiches nichts anderes zu tun weiß bei einer solchen Debatte, nicht vorgebracht, wenn der Neichskanzler nicht geradezu provozierend hindern soll, daß die Diamanten dieser Gesellschaft eine Konkurrenz als einen entlassenen Unterbeamten als Sündenbock in die auf die Abgeordneten gewirkt hätte, die sich an der Aufdeckung erhalten. Wüste zu schicken.( Sehr wahr! links.) Zweitens hat der Herr solcher Mißstände beteiligt haben.( Sehr wahr! links.) Die Sache In dem Nachtragsetat bon 29,2 Mill. Mark ist die Rede von emen Reichskanzler den ganzen Streit auf eine falsche Basis gestellt, in- ist um so bedenklicher, als in den letzten Jahren bereits ein ähnlicher Kreditgesetz zur Bestreitung der schon gemachten Ueberschreitungen. dem er von Uebertreibungen, Entstellungen und von Ver- Fall in diesem Hause besprochen worden ist, der Fall des Haupt- Ich frage, aus welchem Fonds sind denn die Ueberschreitungen seither allgemeinerungen sprach. Ich habe die kolonialen Eröterungen manns Brandeis, wo selbst Herr Bassermann mit aller Energie gedeckt worden. Hat man etwa Schulden gemacht ohne den Reichsaufmerksam verfolgt, habe aber gefunden, daß sich niemand solcher erklärt hat, daß die Kolonialabteilung auf Ordnung halten müsse. tag? Ich bitte den Herrn Reichsschaßsekretär um Auskunft über diese Verallgemeinerungen schuldig gemacht hat als der Herr Reichs- Die Auflösung der Monopolverträge begrüßen wir. Wir er- Art der Begründung des Nachtragsetats. Unseren Veteranen hat tanzler selbst!( Sehr richtig! links.) Wo ist irgend einmal ein warten, daß die Abmachungen der Budgetkommission vorgelegt man stets gesagt, man könne ihnen nicht mehr geben, weil kein Geld Vorwurf gegen alle Beamte oder auch nur gegen alle werden. Wenn es dem Herrn Kolonialdirektor gelungen wäre, den da sei. Sollte man hier anders verfahren sein? Diese Frage ist Rolonialbeamte erhoben worden? Jm vorigen Jahre hat der Vertrag mit Tippelskirch so ganz glatt ohne jede Verbindlichkeiten eine durchaus ernſte.( Sehr richtig!) Dieses angekündigte Kreditgesetz damalige Staatssekretär des Aeußeren, Frh. v. Richthofen ausdrücklich für das Reich zu lösen, so müßte er geradezu ein Zauberkünstler wird mindestens 40 Millionen Mart betragen, dann sollen noch 8000 erklärt, er danke mir dafür, daß ich nicht allgemein die fein; denn noch im Mai 1906 forderte die Firma eine Ent- Mann Schutztruppen dableiben. Das kostet ebenfalls 80 Millionen Kolonialbeamten beschuldigt hätte. Ich weiß also nicht, wen der schädigung von über eine Million oder eine Verlängerung des Ver- Mark jährlich und das macht ohne Berücksichtigung der Kosten für die Reichskanzler im Auge hat. Die Presse zu verteidigen ist nicht trages bis 1921.( hört! hört! links.) Ich freue mich, daß die Mole von Swakopmund und für die Bahnen im Norden 120 Milmeine Aufgabe. Ich bin selbst ein Mann der Presse, freue mich Herren von der Rechten jetzt für die Lösung des Vertrages lionen für ein einziges Schutzgebiet. Und wofür das? Im ganzen dessen und würde wünschen, daß recht viele Beamte zunächst in einer sind, während sie noch im Frühjahr mit den Nationalliberalen gegen stehen noch 300 Hottentotten im Felde; zu deren Niederwerfung Redaktion beschäftigt würden. Es gibt manche Beamte, die sehr den Antrag auf sofortige Lösung stimmten; sie wollten die Stin- haben wir 12 000 Mann unten, am 1. April sollen es noch 8000 sein. weit hinauf gekommen sind und die es in der Presse nie zu der digung zum ersten rechtlich zulässigen Termin, das wäre das Dabei sagte der Reichskanzler doch, der Hauptwiderstand sei ge Stelle eines Chefredakteurs gebracht hätten.( Sehr richtig! links.) Jahr 1911 gewesen!( Hört! hört! links.) Ich erinnere noch daran, brochen. Nun, dann ziehe man die Konsequenzen und ziehe die Selbst wenn sie Reichstanzler geworden wären, wie Fürst Hohenlohe, daß die Firma Tippelstirch Stiefel, die sie nur zu ladieren und au Truppen zurüd. Man hat sich für die Kolonialpolitit jetzt auch auf den Fürsten Bismarck berufen. Hch will auch ein Wort von ihm anführen, das er geäußert haben soll auf die Frage, ob es wahr sei. daß er auch in die Kolonien gehen wolle: ,. Gewiß gehe ich in die Kolonien, und zwar will ich auf dem Kamel reiten, daS diesen Gedanken aukgeheckt hat."(Große Heiterkeit.) Herr Dr. Semler stellt sich hierher und behauptet, aus prak- tischcr Erfahrung zu urteilen, weil er eine Vergnügungsfahrt nach Süowestafrika gemacht hat.(Heiterkeit.) Meine Urteile bc- ruhen auf meinem Studium und dem, was ich von zuverlässigen Leuten erfahren habe, niemals aber wüi�e ich mir erlauben, selbst nach einem Aufenthalt von 6 Monaten zu behaupten, ich könne aus praktischer Erfahrung urteilen, während die anderen nur graue Theorie vorbringen.(Sehr gut! im Zentrum und bei den Sozial- dcmokraten.) Ein Mann, der aus praktischer Erfahrung urteilt. war der Major Estorp, der gegen die Hottentotten im Feloe stand; dieser sagt: es hätten 10 000 Farmen und 10 000 Kaufleute Plah, also eine weiße Bevölkerung von etwa 100 000 Menschen. Und da meint Abg. Lattmann, daß der Ueberschuh unserer Bevölkerung rn unsere Kolonien gehen könnte?(Sehr richtig! rechts.) Ja, meine Herren, Sie klagen doch über die Landflucht; glauben Sie denn, daß Industriearbeiter in die Kolonien gehen?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Sie haben gar keinen Anlaß, von mnem BevölkerungSüberfchuß zu reden, während Sie mit Recht . über die zunehmende Entvölkerung des Landes klagen. Auch die Kolonialschwärmcr erkennen ja sogar den Minderwert dieser Kolonie an. So schreibt die„Deutsche Rundschau": Die milchende Kuh » ist die Schuhtruppe, das sino also die Leute, die auf Kosten des Deutschen Reiches erhalten werden. Das ist ja auch der Grund, weshalb so viele Leute eine zahlreiche Schutztruppe da draußen zu erhalten wünschen; denn an dem Tage, an welchem die Truppen zurückgezogen werden, wird ein großer Zusammenbruch in Süd- Westafrika erfolgen. Auch ein offiziöse? Dokument schildert den Zustand de? Landes höchst traurig, nämlich das Generalstabswerk, das freilich dadurch die Änhnforderung begründen will. Wem nützt denn die Weiterführung des Krieges? Wir führen ihn nur zum Vorteil der Landgesellschaften, die mit großen Verdiensten Proviant liefern. Den Hauptvorteil wird eine englische Gesellschaft haben. � Als im Etat von 1906 77,6 Millionen verlangt wurden und wir, um die Summe herabzumindern, eine Verminderung de« Schutztruppe verlangten, da rechnete Oberst Deimling uns genau vor. wo jeder einzelne Mann steckte. Damals hatten noch b00 Hottentotten, die im Felde standen, Gewehre. Da kam im Früh- jähr die Eisenbahnvorlage, und Oberst Deimling erklärte, er tonnte erst nach Bewilligung der Bahn eine bestimmte Anzahl von Truppen nennen, die zurückgezogen werden könnten. In unfcnn Namen wies damals Herr Spahn diesen unwürdigen Handel mit Menschen zurück. Inzwischen sind nun L000 Mann zurückgezogen. und weitere LS00 Mann sollen zurückgezogen werden. Wie können Sie da von uns die unbegrenzte Respektierung der militä- rischen Autorität verlangen, um ihr die Finanzen Deutschlands auszuliefern? Im Gegenteil scheint eS. daß die militärischen Autoritäten dem Druck des Reichstages nachgegeben haben, und wir haben alle Veranlassung, diesen Druck des Reichstages noch zu verstärken.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich bedauere, den Professor Hasse hier nicht mehr zu sehen; denn heute würde er sicher an meiner Seite kämpfen. Hat er doch, als er noch Abgeordneter war. geschrieben, der kleinen Polizeitruppe � von ü0 Mann solle man 2 Geschütze geben und außerdem 20 Unter- offiziere, statt sie mit dem ZivilversorgungSschein auszurüsten, ihr zuzugesellen, so würde daS vollkommen genügen, um den ganzen Hottentottenaufstand niederzuwerfen.(Schallende Heiterkeit.) Im Frühjahr haben wir hier einstimmig eine Resolution an. genommen, durch die der Reichskanzler ersucht wurde, dafür zu sorgen, daß die nötigen Schritte getan werden, um eine friedliche Unterwerfung der paar Leute, die noch im Felde stehen und wahr- haftig der Ehre des Deutschen Reiches nichts antun können, herbei- zuführen. Was ist in dieser Richtung geschehen? Diese Frage stelle ich nun etwa als Zweiter. Noch haben wir keine Antwort bekommen. Vielleicht hat der frühere Kolonialdirektor Prinz Hohenlohe keine Zeit gehabt, sich darum zu kümmern; denn nicht mit Unrecht schrieb ein süddeutsche» Blatt von ihm:„Er kam. nahm Vorschuß und verschwand."(Lebhaftes: Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bon allen Zuucherunge», die uns damals gemacht worden sind bezüglich des Einhalts der Zahl der Konfis- Nationen und der Fürsorge für die Eingeborenen, ist keine einzige gehalten. Die Verordnung auf Entzug aller Ländereien wurde erlassen, und zwar in echt bureautratischer Weise traten sie mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft; auch für Leute, di� Hunderte von Kilometern vom VertündungSort lebten!(Hört! hört!) Der Kommandogewalt des Kaisers will ick nicht entgegen- treten. Aber man darf doch wohl der Verwunderung darüber Ausdruck geben, daß in den 2 Jahren der Kriegsführung so oft ein Kommandowechsel eingetreten ist. Oberst Deimling ist bereits der fünfte Kommandeur! Gegen 30» Hottentotten haben wir 10 000 Mann im Felde und alle Augenblicke einen neuen Generali Da sucht mau unwillkürlich nach ähnlichen Beispielen in der Ge. schichte und eS drängt sich der Vergleich mit Spanien auf, das den Aufstand in Kuba nicht bewältigen konnte und auch alle Augenblicke einen neuen General hinschickte, bis schließlich Amerika sich einmischte.— Ich sage mit dem Abg. Schädler: Nicht mehr Soldatenarbeit ist dort unten zu leisten, sondern nur noch Arbeit für eine Polizei- iruppe. Der Kleinkrieg kann allerdings noch Jahre dauern. Di« Hottentotten leben ja nur von den Uebcrfällen aus unsere Proviant. wagen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich fragen, wie es mit den Jnternierungskosteu für die gefangenen Hottentotten, die auf englischem Gebiet interniert sind, steht. Eine Reduzierung der Truppen liegt auch im Interesse der Truppen. Von der Undankbarkeit des Landes gegenüber diesen Truppen, von der Herr Semler sprach, kann keine Rede sein. An Gehältern-für sie hat das Reich nicht gespart. Vielleicht meinte Herr Semler diejenigen Leute, die statt Liebesgaben ganze Kisten von„Lokal-Anzeigern" herausschickten.(Große Heiterkeit.) Wenn man aber von Undankbarkeit spricht, so frage ich: wie ist es mit den Fällen von Meuterei, wie ist es mit dem Hoch auf Herrn Bebel, das von den Truppen ausgebracht sein soll? Das ist doch keine an- genehme Erscheinung.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemo- kraten. Heiterkeit.) Ich bringe diese Sachen gewiß nicht gerne vor.(Ruf rechts: Na! na!) Wenn ich dem Herrn auf diesen Zwischenruf die rechte Antwort geben wollte, müßte ich mir einen Ordnungsruf des Herrn Präsidenten zuziehen, so viel ist mir aber der Zwischenruf nicht wert.(Unruhe rechts.) In den Gang der Untersuchung der einzelnen hier vorgebrachten Fälle wollen wir nicht eingreifen. Die Untersuchung ist erst auf Veranlassung des jetzigen Herrn Kolonialdirektors eingeleitet worden;(Hört! hört!) den ganzen Sommer noch ging es so fort. Ich erwarte, daß jetzt die Untersuchung in voller Objektivität geführt werden wird.— Was die neue Bahnvorlage anbetrifft, so betrachten wir sie unter dem Gesichtspunkt der Verminderung der Schutztruppen. Die ganze Kostenberechnu..« fußt daraus, daß 0000 Mann dort sind.— Man hat nun versucht, mich als einen prinzipiellen Koloniälgealicr hin- zustellen. Da» ,oar ich nie und kann ich nach meiner christlichen Weltanschauung nie sein. Diese Weltanschauung verpflichtet mich. mitzuwirken bei der Durchführung der großen göttlichen Welt- Mission: alle Völker zum Christentum zu führen. Ein Wittel, um diesen Auftrag an die Christenheit durchzuführen, sehe ich darin, daß fremde Völker unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt werden, damit Glaubensboten aus Deutschland dort unter dem Schutz der deutschen Regierung die christlichen Lehren verbreiten können. Das deutsche Volk verdankt dem Christentum so unendlich viel, daß es die Pflicht hat, Völkern, die nicht auf dieser Höhe stehen, zu helfen. Diese meine Weltanschauung habe ich in allen Volksversammlungen stets. an die Spitze gestellt. Daraus ergibt sich: Schutz und Fürsorge für die schwarzen Eingeborenen ist der Kern einer jeden 5iolonialpolitit. Wenn die Kolonialpolitik nicht aus die materielle und sittliche Hebung der Eingeborenen zu- geschnitten ist da ist die ganze koloniale Erschließung ein- iitatiUen— dann versündigen wir uns an denen, die unter den deutschen Schutz in Afrika gestellt sind. Zum Naturrecht eines jeden Volkes gehört die Existenz und das Vorhandensein als ein ge» schlossenes Ganzes. Von christlichen und menschlichen Gesicküs- punkten aus verwerfen wir jede Maßnahme, die sich gegen die Existenz der Eingeborenen richtet, ganz abgesehen davon, daß, wenn die Eingeborenen vernichtet sind, die kühnste» Pläne aller Kolonial. schwärmer auch in wirtschaftlicher Beziehung nie und nimmer in Erfüllung gehen werden. Wenn die Kolonmlpolitik in dem von mir gezeichneten Sinne betrieben wird, dann hoffe ich, sehen unsere Kolonieen einer besseren und zukunftsreicheren EntWickelung ent- gegen.(Lebhaftes Bravo l im Zentrum.) Reichsschatzsekrctär Freiherr von Tteugel: Der Herr Vorredner hat auf die Erläuterung im ersten Nach- tragSctat hingewiesen, wo davon die Rede ist, daß die Deckung der EtatSüberschrcitungcn durch eine besondere Kreditvorlage später gefordert werden wird. ES handelt sich hier um Ausgaben, die ge- leistet worden sind und geleistet ioerdcn mußten übeh das Etatgeld hinaus, aber uns weder dem Umfange noch der Art nach zurzeit genügend bekannt sind. Die Zahlungen müssen aber inzwischen geleistet iverden. das Reich kann die Gelder nicht schuldig bleiben. Die Mittel zur Bestreitung solcher Ausgaben werden genommen aus bereiten IondS der ReichShauptkasse. die erforderlichenfalls ihre Ergänzung finden durch Begebung von Schatzanweifungcn. Der Reichstag foll durch diese Anmerkung schon jetzt darauf hin- gewiesen werden, daß solche Forderungen»och in Aussicht stehen. Sobald die Größe und Art der EtatSüberlchrcitungen bekannt ist, werden dieselben der zuständigen verfassungsmäßigen Beschlutz- fassung der gesetzgebenden Körperschaften unterstellt werden. UebrigcnS handelt es sich hier um Ueberschreitungen, die einen sehr erheblichen Betrag erreichen werde», sodaß wir sie aus ordentlichen Mitteln nicht zu decken vermögen. (Hört! hört!) Daher ist hier ausnahmsweise von einem besonderen Kreditgesetz die Rede. Kolonialdirektor Dernburg: In den Reden der Herren Vorredner ist sehr viel Material enthalten gewesen, daS nur unter Vorlegung der Akten beantwortet werden kann; ich werde hierauf in der Kommission antworten. Ich möchte zunächst eine Legende zerstören. In einer Korrespondenz heißt es, daß man hier hausieren gehe mit einem Briefe, den ich an Herrn Ledcbour mit der Bitte um Zusendung von Material geschrieben hätte. Die Sache liegt so: Herr Lcdebour hat ebenso wie andere Mitglieder dieses hohen Hauses, die Material hatten oder vorgaben, eS zu haben, einen Brief bekommen, in dem ich darauf hinweise, daß ich die Absicht hätte, die Fälle zu untersuchen, in welchen Beschwerden gegen Beamte erhoben worden sind. Wort- lich heißt es weiter:«ES wird mir gesagt, daß auch bei Ihnen solche Bcschiverden eingegangen sind; ich würde eS mit Dank anerkennen, wenn Sie mir meine Aufgabe durch Mitteilung des Sachverhalts erleichtern würden." Wenn Herr Lcdebour die Sachen mir nicht gegeben hat. so hat er vielleicht kein Material, viel. leicht wollte er auch„unentwegt" der Regierung keinen Gefallen tun. Bei einem Mitglied- des hohen Hauses tut eS mir leid, daß er sich dieser Aufgabe durch einen Vorwand entzogen hat. Herr von Richthofen hat gesagt, die Untersuchungskommisston wäre besser nicht ernannt worden, um ein Präjudiz zu vermeide». Tarin hat er Recht; sie ist auch nur bestellt worden, weil daS Kolonialamt mit laufenden Aufgaben bereits derartig überhäuft ist, daß diese Untersuchung nicht mit der nötigen Gründlichkeit mehr hätte be« wältigt werden können. Daß die preußische» Richter und Staatsanwälte mit frischem und freiem Blick an die Sache herangehen können und durchaus unbeeinflußt sind, ist ein Vorzug, hat aber mit dem Grund der Berufung nicht» zu tun. Ueber die Zahl von Truppen zu sprechen, die in Südwestafrika nötig sind, dazu bin ich nicht der Fachmann; das ist Sache des Großen GencralstabcS. Darüber werden in der Kommission nähere Mitteilungen gemacht werden.— Der Lösungsvertrag mit der Firma Tippelskirch wird natürlich auch vorgelegt iverden. WaS die Verträge mit Wörmann angeht, so weiß ich eigentlich nicht recht, warum sie im vorigen Jahre nicht vorgelegt sind. Vielleicht ist die Vorlegung nicht hinreichend deutlich und energisch verlangt worden. (Heiterkeit, und Widerspruch im Zentrum.) In den Protokollen der Budgetkommission habe ich darüber nicht viel gefunden, aber bis sollen nicht immer sehr vollständig sein. Anerkennung und Kritik der Wörmannlinie lassen sich sehr wohl vereinigen. Derjenige, di;r sich dabei nicht vorgesehen hat, ist der ReichSfiSkuS. Es ist die Frage gestellt worden: Wer hat die Verträge gemacht? Ich möckste dabei feststellen, daß nicht die Einzelpersonen, die diese Verträge gemacht haben, für das, was da vorgekommen ist, in Anspruch zu nehmen sind, sondern— wie Herr Schräder gesagt hat— eS ist in Anspruch zu nehmen das System, welches nicht genügendes Zutrauen in die Kolonien hatte und dieses Zutrauen nicht ver- breiten konnte, das System, welches sich nicht genügend klar darüber war, welche Mittel für die Entwicklung der Kolonien aufgewendet werden müssen und welche Vorbereitungen dafür zu treffen find. Dieser Mangel an System hat dazu geführt, daß die Kolonial- Verwaltung mit sachverständigem Personal nicht genügend aus- gestattet war. Für die Ausrüstung verschiedener Expeditionen war nur ein Offizier und Major Fischer da. Ebenso erklärt sich der Vertrag mit der Wörmann-Linic. Nicht schlechter Wille, nicht ein- mal Bequemlichkeit führte dazu, sondern eS trat ein, was eben ein- treten mußte, wenn man eine große Zahl von technischen Aufgaben aus eine kleine Zahl von administrativ und juristisch gebildete Leute legt. Ganz ebenso war es mit dem Landungsvertrqg in Swakopmund. Weil man für den Eiscnbahnbau nicht gesorgt hatte, mußte man für 7— 8 Mill- ncn einen großen Ochsenpark kaufen und schließlich, weil man eben das Land nicht zeitig genug aufgeschlossen hat, 25— 30 Millionen ausgeben. Solche früher ge- machte Fehler müssen wir zu vermeiden lernen. DaS hindert aber nicht, daß alle diese Sachen noch einmal tundkus(gründlich) untersucht werden, und daS will ich gern versprechen. Gewünscht wurde ferner eine Aufstellung über die Militär. lasten. Es ist nirgends in der Denkschrift die Rede davon, daß diese militärischen Lasten etwa von den-Kolonien abgerechnet werden sollen, sondern ihre Weglassung ist nur gemacht, um festzustellen, ob eine Selbstverwaltung möglich ist. Herrn Erzberger bemerke ich, daß an der mangelnden Rechnungslegung die Kolonial» abteilung so unschuldig ist, wie man überhaupt an solcher Sache seil» kann.(Heiterkeit.) Der Nachweis für 1896 ist dem Hause vorgelegt worden, und außerdem ist ein Tableau ausgearbeitet, aus dem zu ersehen ist, wo die verschiedenen Rechnungen hängen. Die Rechnung für das erste Quartal des Jahres 1906 ist bereits in den Händen des Rechnungshofes. Prompter kann man doch nicht sein. Die Frage des Systems ist eine der allerwichtigsten. Aber wenn man es nicht selbst den Leuten vormacht und zeigt, wie es anders zu machen ist. so glauben sie es einfach nicht. Das ist die Er- fahrung, die ich bisher gemacht habe.(Heiterkeit, Sehr richtig!) Von verschiedenen Rednern ist schon hervorgehoben, daß die Vor- würfe sich nur gegen einzelne Beamte, nicht gegen die Be. amten im allgemeinen richten. Ich habe eine Liste aufstellen lassen, aus der sich ergibt, daß die Zahl der Verfehlungen im Verhältnis zu der Gesamtzahl der Beamten sehr gering ist. Nun wende ich mich noch kurz zu der Bemerkung des Abg. Erzberger hinsichtlich des sogen, schwarzen Fond». Ich stimmt darin mit dem Abg. Erzberger ssberein: Wenn cS hier irgend etwas gibt, was die Regierung respektieren muß, so ist es das Etatsrecht des Reichstages. Von diesem Grundsatz werde ich persönlich niemals abweichen. Ich habe eine Untersuchung angestellt, und cS wird sich herausstellen, ob ei» Veraehen hiergegen vorgekommen ist und ob die Verfehlung in böser Absicht geschehen ist. In diesem Falle kann man die Sache milder ansehen. In der Sache selbst aber muß man daran festhalten, daß solche Verfehlungen nicht Sdtttnmim dürfen.(Bravo! im Zentrum.) Die weitere Debatte wird vertagt Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Ledebour(soz.): Der Herr Kolonialdirektor hat sich bei wogen gefühlt, hier öffentlich Mitteilung zu machen von einem Briefe, den er an mich ebenso wie an Herrn Abg. Abl-rß gerichtet hat. in welchem er mich aufforderte, ihm Material auszuhändigen. das ich in bezug auf Verfehlungen von Beamten hatte. Er hat diesen Brief verlesen, und ich behalte mir nunmehr selbstverständlich die Publikation meiner Antwort vor. Ferner hat er an diese Mit- teilung die Bemerkung geknüpft, daß„man" hier mit dem Briefe im Hause hausieren gegangen sei. Das ist eine beschimpfende Per» dächtigung, die, da er leinen Namen nannte, zunächst den äußeren Eindruck wachte, daß sie gegen m i ch gerichtet ist. Die Behauptung, daß man mit einem Briefe hier im Hause hausieren gegangen ,st. ist— um mich eines parlamentarischen Ausdruckes zu bedienen—- eine positiv unwcbrc Bebauptung in jeder Beziehung. Ich nehme an. daß der Herr Kolonialdireitor diese positiv unwahre Behauptung kritiklos auf eine Verdächtigung gestützt hat, die durch die ..Nationalliberale Korrespondenz" derbreitet ist. S,e nennt natürlich ihren Gewährs.aann nicht, ich hoffe aber, daß er sich nennt(Lachen rechts), ob-r nun im Hause oder außerhalb desselben sitzt. In dieser Verdächtigung heißt es von meinem Parteigenossen Bebel, er gehe mit dieiem Brief triumphierend im jöause bausicren.(Rufe rechts: Also!) Nachdem ich soeben er- klärt habe, daß es eine positive Unwahrheit ist, rufen Sie:„Also!" und unterstützen diese Unwahrheit! Ich erkläre, daß Bebel den Brief noch nicht einmal in der Hand gehabt hat, sondern bisher von mir nur eine mündlich: Information erhalten hat, da ich es selbstverständlich für meine Pflicht hielt, von dem Briefs, den ich von einem Beamten erhalten habe, meinem FranktionSvorstand Kenntnis zu geben. Daß der Kolonialdirektor aber kritiklos, ohne sich zu erkundigen, ejne direkte Verdächtigung in beschimpfenden Worten... Präsident Graf Ballestrem: Beschimpfende Worte sind nicht gefallen; da» hätte ich nicht zugegeben! Abg. Lcdebour(Soz.): Der Ausdruck«Hausieren" ist ge. braucht. Präsident: Auf der linken Seite des Hauses ist einmal ge. sagt worden, die Hausierer gehören zu den Edelsten der Nation. (Schallende Heiterkeit.) Abg. Ledeborur: Ich teile diese Ansicht des verstorbenen Abg. LaSker nicht. Aber auch er hat das in anderem Sinne gemeint. Die von dem Kolonialdirektor gebrauchte Anwendung des Wortes „Hausierer" ist nach meinem. Empfinden daS Gegenteil eines Komplimentes. Präsident: Ich glaube nicht, daß es zu den Verpflichtungen eines Mitgliedes des Bundesrats gehört, den Abgeordneten Kom» vlimente zu machen.(Große Heiterkeit.) Diese Unterlassung ist doch kein Grund zu einer so empfindlichen Beschwerde. Abg. Ledebour: Ich verwahre mich und meine Parteigenossen dagegen, daß ein Mitglied des Bundesrats derartige unbewiesene und unbeweisbare Behauvtungcn hier im Hause kolportert. (Heiterkeit.) Im übrigen werde ich meine weiteren AuS- führungen, die sich nicht in den Rahmen einer persönlichen Be- merkuna einfügen lassen, an anderer Stelle machen. Kolonialoircktor Dernburg: Ich wollte nur konstatieren, daß die Mitteilung des Herrn Ledebour, wonach ich ihn aufgefordert habe, mir Material zu geben, unrichtig ist. Ich habe ihn lediglich gebeten, mir von dem sachlichen Inhalt der Beschwerde Mitteilung zu machen. DaS ist etwas anderes. Präsident Graf Ballestrem! Die Debatte ist wieder eröffnet. DaS Wort hat der Abgeordnete Bebel. Abg. Bebel(Soz.): Ich beantrage die Vertagung. Ter Antrag wird angenommen. Abg. Ablaß(frs. Vp.)(persönlich): Der Abgeordnete Lcdebour' hat soeben zutreffend bestätigt, daß der andere Empfänger eines solchen Briefes ich bin. Der Kolonialdirektor hat sich bemüßigt ge- fühlt, zu sagen, ich hätte mich der Beantwortung dieses Briefes durch einen Vorwand entzog:». AIS höflicher Mensch habe ich dem Kolonialdirektor zunächst mitgeteilt, aus welchen Gründen sich die Beantwortung zunächst verzögert hat. Weiter habe ich ihm mitgeteilt, daß ich erst beabsichtige. ihm das Material im Plenum zugänglich zu machen. Die Gründe hierfür werde ich morgen darlegen. Daß ich mich der Pflicht der Beantwortung durch einen Vorwand entzogen habe, ist eine im höchsten Maße unangemessene Verdächtigung, die ich zurückweise, und die man von einem so hohen Beamten nicht erwarten sollte. (Bravo! lints.) Abg. Ledebour(Soz.)(persönlich): Der Kolonialdirektor hat geglaubt, mich in bezug auf die Bemerkung, daß er Material von mir erbeten habe, rektifizieren zu müssen. Nachdem er den Wort- laut des Briefes eben vorgelesen hat, ist das nicht recht verständlich. In seinen vorhergehenden Ausführungen hat er die Bemerkung eingeflochten, die sich gegen mich und andere richtet, er hätte sich an solche Abgeordnete gewendet, die Material gehabt hätten oder vorgaben, solches zu haben. DaS soll den Anschein erwecken. als ob von mir oder anderen Abgeordneten unrichtige Behauptungen ausgesprochen worden seien.(Widerspruch des Kolonialdirektors Dernburg.) Das ist doch zweifellos, einen solchen Anschein hat er erwecken wollen. Nun ist ihm bekannt, daß ich infolge des auf Anstiften des Kolonialamts unternommenen Verfahrens gegen einzelne Beamte vor den Untersuchungsrichter geladen war, und daß ich diesem gegenüber jede Herausgabe von Material verweigert habe. Daß er angesichts dieser Tatsache sich erlauben darf, mir derartige Bemerkungen zu machen, die geeignet sind, mich zu bis- kreditieren, zeigt nur, daß ihm jedes Gefühl für persönlichen und politischen Takt abgeht.(Lebhafter Beifall links.) Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr. Tagesordnung: Fort, setzung der Beratung. Schluß 6 Mi Uhr. parlatnentanfcbcö. Die Nationallibcralen haben im Reichstag eine Interpellation Bassermann eingebracht des Inhalts: Ist der Herr Reichskanzler bereit über den Stand der gesetz- geberischen Vorarbeiten für eine Reform der Strafprozeßordnung Auskunft zu geben? Ejus der parteu Die autonomen Zirkel. Rom, 27. November.(Eig. Oer.) Zur bereits mitgeteilten Entscheidung des Parteivorstandes in der Frage der autonomen Zirkel ist in erster Linie zu bemerken, daß sie sich über die Bestimmungen des Organisationsstatuts wegsetzt, die in jedem Ort nur eine einzige Organiiation anerkennen, die aus topographischen Gründen Unterabteilungen bilden kann. Die aus politischen Gründen gebildeten Unterabteilungen sind eben verschiedene Organisationen, der neue modus vivondi ist eine verkappte Föderativorganisation. So bezeichnet auch diese» Beschluß des Parteivorftondec- einen nachträglichen Sieg eines refor» mistischen Prinzips, der übrig is eine durchaus logische Folge ihres EiegeS auf dem Parteitage ist. Es mußte eine Form gefunden Iverden, die den Elemente». d,e den reformistischen Gedanken am klarsten darstellen, das Recht der Zugehörigkeit zur Partei sichert. DaS Organisationsstatut sah hierfür keine andere Lösung vor alz ihre Einordnung in die Parteidisziplin. Nun hat die Tatsache ge» zeigt, daß die Reformisten dieser Dtsziplin nicht unterstehen wollen. Iva» ihnen allerdings gerade in Mailand durch vie Haltung der Syndikalisten ungemein schwer gemacht wird. Dah»r mißt, da» Orga,lisatio»»statut geopfert werde- STnBere Lösungen waren wohl vorgeschlagen worden, aber in der Nähe besehen, waren eS entweder keine Lösungen oder— sie waren nicht ander-Z. C a in e r i n i hatte die Auslosung sämtlicher Partciabteilungcn in Orten mit Doppclorganisationen vorgeschlagen und ihre neue Organisation auf einheitlicher Basis. Das hat man bor Jahr und Tag in Dkailand versucht, ohne ein Einvernehmen oder auch nur einen_ halbwegs erträglichen Zustand zu schaffen. Del Buono hatte eine Föderativorganisation vorgeschlagen und hat, bis auf den Namen, seinen Borschlag durchgesetzt. Deim, was ist natürlicher, als dah die. Unterabteilungen sich föderativ zusammen-. schliegen mit den Unterabteilungen gleicher politischer Farbe in anderen Städten. Für welche Sektionen das„Ausnahmevcrfahren", für welche die „Regel" in Auwendung kommt, bat der Parleivorstand noch zu ent- scheiden. Natürlich werden die Autonomisten danach streben, ihren Fall überall als Ausnahmefall hinzustellen. In Mailand, Genua, Ancona dürfte da? Ausnahnieverfahren in Anwendung koinmen. Wie wird man eS aber mit den Sektionen halten, die in Zukunft der Unvereinbarkeil ihrer Elemente bewußt werden, was jedenfalls in der Folge häufiger der Fall sein wird, als bisher, wo man noch an die Unabänderlichkeit und Verbindlichkeit des Lrgani- sationSstatuts glaubte?_ Gemeindewahle».' Das Gesamtergebnis derLeipzigerStadtverordneten- kvah len— den Sieg in der 3. Klasse haben wir schon gemeldet— zeigt, daß die Sozialdemokratie die Mehrheit der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigte. Während 1904 die gesamten ordnungs- parteilichen Stimmen die der Sozialdemokratie noch um öö über- stiegen, erzielte 1906 die Sozialdemokratie über alle ordnuugS- Parteilichen Gruppen zum ersten Male eine Mehrheit und zwar von 792 Stimmen I _ Die Wahlen in der L. Bürgerklasse zu Dresden fder Klasse derjenigen Bürger, die noch nicht 19 Jahre das Bürgerrecht haben) haben eine stark sozialdemokratische Mehrheit ergeben. Während 1905 10 277 sozialdemokratische Stimmen gegen 7832 bürgerliche fielen, wurden diesmal 12 143 gegen 8255 bürgerliche erzielt. Die Mehrheit betrug also 1905 2445, diesmal aber 3843 Stimmen. Trotz dieser Mehrheit erhalten abc. die Sozialdemolraten, wie wir gestern schon mitteilten, nur zwei Mandate und zwar infolge der Trennung der Bürger in Berufsabteilungen. Sie konnten nur in der Abteilung der Arbeiter siegen. In den Abteilungen der Renwer, Beamten, Gewerbetreibenden und Industriellen, für die nebenbei mehr Mandate geschaffen sind als für die sie an Wähler- zahl weit übertreffende Arbeiterabtcilung, siegten die Gegner. Bei der Wahl der 1. Bürgerklasse(der Klasse der Bürger, die über 10 Jahre das Bürgerrecht haben, die am Donnerstag statt- fand— nicht am Freitag, wie unser Korrespondent uns irrtümlich berichtet hatte— wurden auch zwei Sozialdemokraten gewählt. Die Sozialdemokratie gewinnt also vier Mandate und die Fraktion zählt jetzt 10 Mann. Der GesamtsiimmenzuwachS be- trägt über 2000. Von 40 045 eingeschriebenen Wählern haben 29 933 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. AuS Dresden wird unS zu dem Ergebnis»och geschrieben: In der Abteilung für Arbeiter und ErwerbSgebülfen sind nur Sozialdemokraten gewählt und zwar die Genoffen Bienert, Barsch(ansässig). Kühn und N i tz s ch e(uninsäisig). Die Gegner hatten in dieser Abteilung überhaupt keine Kandidaten aufgestellt, nachdem im vorigen Jahre der Evangelische Arbeiterverein so blamabel mit 200 Stimmen abgeschnitten hatte. DaS erfreulichste_ an der Wahl ist die starke Be teilt- gung der Arbeiter und das Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen. Obwohl den Arbeitern in ihrer Abteilung der Sieg sicher war und nicht einmal Gegenlisten existierten, gingen doch von 11000 Arbeiterbüraern. in der 2. Altersklasse 9874 zur Wahl. Diese Stimmen fielen ausnahmslos auf die sozial- demokratischen Kandidaten. Auch in der 1. Altersklasse war die Wahlbeteiligung prozentual gleich stark. In der 2. Altersklasse der Abteilung für Gewerbetreibende sind zwar diesmal unsere Kandidaten unterlegen. Da? erklärt sich aber allein daraus, daß die Gegner zu einer reaktionären Maffe zusammengeschlossen uns geaenül erstanden, während sie bei der vorigen Wahl zersplittert waren! so ermöglichten sie damals einen sozialdemokratischen Sieg auch in dieser Abteilung. Es sind aber auch hier unsere Stimmen um 800 gewachsen, sodaß wir bei genügender Vorarbeit hoffen dürfen, das nächste Mal in dieser Abteilung auch über die geschlossenen Gegner zu siegen. Obwohl wir nur vier, anstatt wie im vorigen Jahre sechs Mandate erobert haben, bedeutet dieser Wahlausfall für uns einen geradezu glänzenden Fortschritt. Unsere Stimmen sind um niehr als 2000 angewachsen. Wir sind aus der ganzen Linie fort- geschritten. Die sozialdemokratische Fraktion iin Dresdener Stadt» Parlament wird von sechs auf zehn Vertreter verstärkt, wodurch ste in der Lage ist, selbständige Anträge zu stellen. Bei den Stadtverordnetenwahlen in Gottesberg(Schlesien) wurden in der dritten Abteilung die sozialdemokratischen Kandidaten gewählt. Es ziehen die ersten vier Arbeitervertreler ins Stadtparlament ein.— Bei der Stichwahl in Gommern bei M a g d e- bürg siegten die Sozialdemokraten mit je 130 Stimmen gegen 122 bezw. 123 bürgerliche Stimmen, obwohl die Wahlzeit in die Arbeitszeit verlegt war. polizeiliches,(scrichtiicbes ufvc. Strafkonto der Presse. Wegen Beleidigung eines Ratsarbeiters, dem Denunzienmg seiner in der Organisation tätigen Kollegen vor- geworfen war, wurde Genosse Grvtzsch von der.Sächsischen Arbeiterzeitung' zu Dresden vom dortigen Schöffengericht zn einer Woche Gefängnis und 50 Mark Geldstrafe verurteilt. Hus Induftvie und ftandel Der reine Hohn. Angeblich um die Behauptungen de Arbeiter über viele Ueber- schichten und Lohnftisuren auf ihre Berechtigung zu prüfen, sollen die Revicrbeamten im Austrage des Oberbergamts in Dortmund die Zechen auffordern, sämtliche Ueber- und Nebenschichten au« den, Monat Dezember anfangs Januar in eine besondere Liste einzu- tragen und der Behörde vorzulegen. Das in Aussicht genommene Mittel ist aber vollständig untauglich zu dem gedachten Zweck. Mit der Konstatterung der Verhältnisse im Dezember erhält man doch keinen Maßstab für die BeurteKung der Zustände in den voraufgegangenen Monaten, um so weniger, da die Verwaltungen wissen, was loS ist, und sie demgemäß ihre Anordnungen treffen werden. Warum der- langt die Bergbehörde nicht die Vorlage der Markenkontrollbücher? Oder weigert man sich etwa,> solchem Verlangen zu entsprechen? Wenn ja, dann wäre das doch wohl ein Beweis dafür, daß die Be- schwer, en der Arbeiter der sachlichen Grundlage nicht entbehren. Das Vergehen deS Oberbergamtö gibt den Verwaltungen das Mittel in die.)and, die Anklagen der Arbeiter als unberechtigt erscheinen zu erl ijen, und es wird der Verdacht erweckt, als ob das der Zweck der Anordnung sei. Die Arbeiter müssen diese Art der„Unter- suchung' al» eine Verhöhnung empfinden. Eigene Stahlwerte für reine Werke. Der„Rh.-W. Ztg.' wird geschrieben:„Die Durchführung oeS Plane« der im Sauerlande ge- legenen.reinen' Walzwerke, ein gemeinsames größeres Siemens» Martinwerk zu errichten, ist nun», ehr gesichert, und auch im Sieger« lande sind die Vorarbeiten zur Gründung eines eigenen Stahlwerkes ernstlich aufgenommen worden. Die unzureichenden Lieferungen der Werke des HalbzeugverbandeS, die den.reinen' Walzwerken die volle Ausnutzung ihrer Anlagen in günstigen Zeiten gar nicht ermöglichen, die Kürzung der an« "»tneldelm BÄk"ff»menaen nickst; m mGVstjn b>e ungleich» mäßige Beliefmtt.g(einzelne Werke haben Vorrat, andere wurden stets so unzureichend beliesert, daß die Betriebe Störungen erlitten), lassen gar keinen anderen Ausweg, als den der Selbsthülfe." Keine Kohlennot. Daß das spekulative Moment bei dem dies- jährigen Kohlennotgeschrei wiederum eine große Rolle gespielt hat, bekunden folgende Auslassungen der„Rh.-W. Ztg.', die sich auf den süddeutschen Markt beziehen: Die Nachfrage nach Brennstoffen hat erhebliche Abschwächung erfahren. Infolge der gelinden Witterung ist der Bedarf an Hausbrandkohlen stark zurückgegangen; auch in Gewerbekohlen macht sich Abflauung bemerkbar, die aller- dingS in der Hauptsache auf die Beseitigung der Gefahr eines AusstandeS der Bergleute im Ruhrgebiete zurückzuführen ist, zum geringen Teil jedoch auch auf die in der jüngsten Zeit erfolgten Niederschläge, die den Flüssen im Lande reichlich Wasser brachten und dadurch vielen Verbrauchern auS dem Großgewerbe die Möglichkeit boten, die billigen Waflerkräste in erhöhtem Maße auszunutzen und den Verbrauch an Kohlen gleichzeitig in gleichem Verhältnis zu verringern. DaS Schreckgespenst.die Kohlennot' hat eben viel an Wirkung verloren, seitdem durch die Beseitigung des Wassermangels am Oderrhein und durch den Rückgang im Begehr bessere Berücksichtigung der Anforderungen der Kundschaft möglich geworden ist. Mit der Einkehr größerer Besonnenheit in den Reihen der .'hlenvcrbraucher hat auch die ganze Geschästshandhabung seitens dt Lroßhandelsfirmen Aenderung zum Vorteil der Abnehmer er- fahren. Berliner Elektrizitätswerke. Der Bauplan der Gesellschaft, den sie auf Grund eines neuen Vertragsentwurfes mit der Stadt Berlin tNisgestellt hat, soll zirka 40—50 Millionen Mark beanspruchen. Nach dem„B.-C.' sollen davon 20 Millionen Mark durch Ausgabe 4'/? prozentiger zu 103 Proz. rückzahlbarer Vorzugsaktien beschafft werden. In der am Freitag stattgeftmdenen Generalversammlung der Gesellschaft nahm man von einer Erörterung der Angelegenheit Abstand, da man zunächst abwarten will, ob die Stadt Berlin dem Vertragsentwurfe zustimmt. Eventuell soll später eine autzerordent» liche Generalversammlung einberufen werden. Brauerei Pfefferberg. Bei einem Bierabsatz von 116 000 Hekto- liter(im Vorjahre 106 000 Hektoliter) stellt sich für da« letzte Jahr der Bruttogewinn auf 1229 000 M.(1095 000 M.). Infolge erhöhter Abschreibungen ergibt sich ein Reingewinn von nur 470 000 M. (473 000 M.). woraus eine Dividende von 14 Prozent zur AuS« zahlung gelangt. Vom Grundstück«- und Hypothekenmarkt schreibt' der Verein Berliner Grundstücks- und Hypothekenmakler:„Die wenig erfteu- liche Situation auf dem Hypoihekenmarkt hält weiter an, da sich in den Geldverhälinissen noch nichts Günstiges ereignet hat. Wir notieren: Pnpillarisch erststellige Eintragungen 37/8 Proz., sonstige feine Anlagen 4—4'/, Proz., JnstitutSgelder 4Vs Proz., Vor« ortshypotheken 4'/»— 4� Proz., Baugelder 5—6 Proz., zweite Stellen in bester Lage- hinter niedrigen Eintragen 4V3— 43/4 Proz., sonstige Appointö 5 Proz. und darüber. JnstitutSgeider bedingen 1—2 Proz. Abschlußprovision. Das Grundstücksgeschäft war dagegen ziemlich belebt. Es sind uns eine ganze Anzahl Verkäufe von Renten- und Geschäftshäusern gemeldet worden und zwar> Unter den Linden, Neue Grünstraße. Oranienburgerstraße, Ecke Große Hamburgersttaße, Stubenrauchstraße in Friedenau, Wollaukstraße in Pankow, Wartburgstraße in Schöneberg und Schloßstraße in Ehar- lottenburg.' Drahtstiftvrrband. Eine Sitzung der Verbandsvertreter be« schästigte sich mit der Liquidation. Äie Hoffnungen auf Erneuerung deS Verbandes gelten als vollständig aussichtslos. Erhöhung dcr Stahlprcise. Die Generalversammlung des Ver« kaufsvereins westfälischer Stahlwerke beschloß, ab Januar 1907 die Verkaufspreise um 2 M. pro Tonne zu erhöhen. Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein A.-G., Osnabrück. DaS letzte Geschäftsjahr erbrachte einen Bruttogewinn von 8266 314 M., im Vorjahre 2 294 592 M. Der Reingewinn, der für das Jahr 1904/05 sich auf 643 122 M. belief, stellt sich für daS letzte Jahr auf 1064 974 M. Gin liberaler Schleifstembreher. Unter den Berliner Malergehiilfen macht sich schon seit längerer �eit eine immer mehr anwachsende Entrüstung geltend über die Art und Weise, wie die Arbeit- geber und ihr Verband daS Verhältnis auszunutzen suchen, daS durch Tarifvertrag und paritätischen Arbeitsnachlveis verbürgt ist. Vertrag und Parität scheint ihnen offenbar nur insoweit von Wert, wie sie damit die Gc- hülfcnschaft und ihre Organisation unterdrücken und selbst die geringsten Verbessernngeit im Berufe hintertreiben können. Die leitende' Rolle spielt hierbei der freisinnige Herr Kruse, der bei jeder Gelegenheit, auch wenn er als Wahlagitator herumreist, sein sozialpolitisches Verständnis in schöne Worte kleidet und sein warmes Herz für die Arbeiterschaft offenbart. Wie er, wenn er einmal das Glück haben sollte, in den Reichstag gewählt zu werden, dort Ivirken würde, das kann man aus seinem Verhalten bei den Verhandlungen schließen, die jüngst im Kuratorium deS paritätischen Arbeitsnachweises für das Malergewerbe über einen Antrag der Gehülfen ge- führt wurden, dessen Annahme den Meistern auch nicht einen Pfennig gekostet hätte, den Arbeitslosen aber von großem Wert gewesen wäre. Ueber diese Verhandlungen berichtete dcr Kuratoriums- obmann Wendel am Donnerstag in einer von der hiesigen Filiale der Vereinigung der Maler, Lackierer und An st reicher einberufenen Versammlung, die Kellers großen Saal füllte. Es handelte sich bei dem Antrag darum, die Arbeitsvermittelung kostenlos zu gestalten. Die Arbeitslosen müssen nämlich für jede Einschreibung 20 Pf. entrichten, was ja für den, der Geld lind Verdienst hat, eine Kleinigkeit erscheint, aber dem arbeitslosen Malergehülfen ein Stück Brot weniger für ihn selbst und seine Familie bedeutet. Die Organisation der Gehülfen hatte sich nun bereit erklärt, für ihre Mitglieder diese Ausgabe zu übernehmen. Herr Kruse, dcr nebenbei bemerkt auch Bürgcrdeputierter ist, fand daS alles ganz schön, erkannte auch den„sozial- politischen Wert" der Sache an und rühmte sich, daß er seit 18 Jahren als Sozialpolitiker für die kosten- lose Arbeitsvermittelung„einträte", den Antrag aber erklärte er für„undurchführbar". Warum? Dafür konnte er natürlich keine vernünftigen Gründe angeben. Er verlegte sich darauf, die Gehülfenvertreter zu verdächtigen, als hätten sie nicht die wahren Beweggründe für ibren Antrag kundgegeben. � Es sei nur eine Mache für die Organisation, die sie dadurch stärken wollten. Den Meistern müsse aber daran liegen, die Gehülfenorganisation nieder- zuhalten.— Es nützte nichts, daß die Gehülfenvcrtrcter dem- gegenüber erklärten, daß ihre Organisation solcher Mittel nicht bedürfe, und ebensowenig nützte es, daß der unparteiische Vorsitzende Dr. M a i e r sich auf ihre Seite stellte und den Unternehmern unverblümt seine Verwunderung über ihre Beckbeinigkeit aussprach. Für Herrn Kruse mit dem sozial- volitischen Herzen galten alle Gründe nichts und ebenso für die anderen ilnternehmervertreter. die ihrem Führer übrigens immer zu folgen pflegen. Der Antrag wurde mit Stimmen- gleichbett abgelehnt. Acht Tage darauf berichtete Herr Kruse in der Innung?'' Versammlung über die Angelegenheit. Hier stellte er den unparteiischen Vorsitzenden Herrn Dr. M a i e r als einen Mann hin, der alles vom grünen Tisch aus beurteile. Früher, bei anderen Gelegenheiten, hatte er freilich auch schon seine Klug- heit und Tüchttgkeit. sein Prakttsches Verständnis gepriesen, nämlich dann. wenn Dr. M a i e r im Kuratorium den Unternehmern beigepflichtet hatte, wie das schon oft vorgekommen ist. Vom Referenten sowohl wie in der Diskussion, an dcr sich mehrere Kuratoriumsmitglieder beteiligten, wurde das Verhalten der Unternehmer scharf verurteilt. Die Versamm- lung nahm einstimmig folgende Resolution an: „Die in Kellers Festsälen versammelten Maler und Anstreicher Berlins und der Vororte sprechen über das- Verhalten der Arbett- geber im Kuratrium des Arbeitsnachweises ihr tiefstes Bedauern auS. Die Versammelten sind der Meinung, daß durch die kosten- lose Arbeitsvermittelung der Arbeitsnachweis ganz wesentlich zur Verbefferung der wirtschaftlichen Lage beitragen würde. Die Versammelten beauftragen die Arbeitnehmer im Kuratorium, un- geachtet der wenig arbeiterfreundlichen Ansicht der Unternehmer, dahin zu wirken, daß das Anerbieten der Vereinigung der Maler, Filiale Berlin, die Kosten für das Einschreiben der Kollegen zu übernehmen, vom Kuratorium des Arbeitsnachweises angenommen wird." Dann befaßte sich die Versammlung mit der sch w a r z e n Liste des Arbeitgeberverbandes. Wie der Refe- rent Mietz hierzu ausführte, haben die Unternehmer eine Liste herausgegeben, die Namen solcher Gehülfen enthält, welche bei irgend einem Meister ihre Stellung während des Arbeitstages verlassen haben und nicht, wie es der Tarif vorschreibt, erst am Tagcsschlust. Statt daß nun der Arbeitgeberverband dem Tarifvertrag ent- sprechend solche Verstöße der Tarisüberwachungskommissio:: meldet, sucht er diese Gehülfen mittels der schwarzen Liste ein für allenial brotlos zu machen. Hierüber ist kürzlich in der Ueberwachungskommission verhandelt worden, aber der Antrag der Gchülfen, die Liste in der Berliner„Maler- Zettuilg" für ungültig zu erklären, wurde abgelehnt. Die Unternehmer wollten durchaus nicht auf die schwarze Liste verzichten. Bei den Verhandlungen zeichnete sich wieder der sozialpolitische Freisinnsmann Kruse aus. Unter anderem brauchte er die witzig sein sollende Redensart:„Das ist ja gar keine schwarze Liste; sie sieht ja weiß aus." Dann suchte er den Gehülfenve. ttetern vorzureden, es handle sich nur darum, daß die in der Liste Genannten keine Verrrauens- stellungen in den Betrieben erhalten sollten; und dabei sind es doch meist ganz junge Leute, für die dergleichen Stellungen gar nicht in Frage kommen. Schließlich sagte er, es wäre ihm ganz unmöglich, für den Gehülfenanttag zu stimmen, weil er Vorsitzenoer des Arbeitgeberverbandes sei, dessen Vorstand die Liste herauszugeben beschlossen habe. Daß diese schwarze Liste ebenfalls in der Gehülfestschaft gewaltige Empörung hervorruft, ist leicht begreiflich, und das kam denn auch in dcr Versammlung unverholen zum Ausdruck. Daran wurde die Mahnung geknüpft, fester als je in der Organi- satton zusammen zu halten und sich nicht minder eifrig politisch zu betätigen, um auch auf diesem Gebiete sozialpolitische Freisinnsleuchten wie Kruse zu bekämpfen. Im übrigen soll mit allen Kollegen, deren Namen auf der Liste stehen. Rück- spräche genomntcn werden, um nach Prüfung der einzelnen Fälle zu tun, was nötig und zweckmäßig erscheint.— Einstimmig wurde zu diesem Punkte folgende Resolution an- genommen: „Die Versammlung protestiert energisch gegen die Maßnahmen des Unternehnurverbandes. Sie sieht in der Herausgabe der schivarzen Liste eine Maßregelung gegen die Arbeiter, durch die diese in der furchtbarsten Weise wirtschaftlich geschädigt werden. Da der TarifüberwachuiigSIommission, die über alle Verstöße zu entscheiden hat, nichts gemeldet war, so erweist sich das Vorgehen des ArbcitgeberverbandeS als ein Vorstoß gegen den Tarif. Die Versammelten beauftragen die OrtSverwaltung der Vereinigung der Maler, energische Schritte hiergegen einzuleiten. Ferner ver- pflichten sich die Versammelten, in Anbetracht des Vorgehens der Unternehmer mit ibrer ganzen Kraft für den Verband zu agitieren, weil nur durch eine einige und große Organisation dem Unter» nehmertum entgegengetreten werden kann." Berliner Marktpreise. AuS dem amtliche» Bericht der stSdillche» Markthallen-Direktion.(Großhandel.) Rindfleisch I» SS— 73 pr. tOO Pfd., IIa 62-67, UU 56-61, IVa 50-65. Kalbfleisch, Doppelländer 115-125, la 88-95, Da 76-80, lila 62-74, Holl. 54-60. Hammelfleisch la 70-78, IIa 54-67. Sch'.oewefleisch 53-62. Rehwild la per Psd. 050-0,72. IIa 0,40—0,49. Rotwild la 0,40—0,45, do. IIa 0,00—0,00, do. Köiber 0,45. Damwild 0,90—0,58, do, Kälber 0,40—0,50. Wildschweine 0,25—0,50. Frischlinge 0,60—0,65. Hasen per Stück 3,00—3,25, do. klein und IIa 1,50—2,30. Kaninchen pr. Stück 0,60—0,90. Wildenten pr. Stück t.40— 1,50. Krickenten 0,00. Rebhühner, junge la 0,90—1,00, junge IIa 0,00—0,00, alte 0,75, junge kleine 0,00. Hühner, alle per Stück 1,50—2,85, alt« IIa 1,00— 1,40, junge per Stück 0,60—1,40. Tauben per Stück 0,25— 0,60, ital. 0,75—0,80. Enten, junge per Stück 1,50—2,40, Hamburger, junge per Stück 8,10. Gänle, Odcrbrucher, per Psd. 0,50—0,58, do. la per Stuck 3,20-3,80, IIa 1,25-3,00. Hechte per 100 Psd. 55—64, groß 53. Zander mittel 0,00. Schleie 98, mittel 105—107. kleine 104—121. Bleie, kleine 31. Aale, groß 0,00, mittel 105—107, klein 0,00, uns. 0,00. Plötzen 40 bis 56. Karpfen, 25er 0,00, do. 30 er 70, do 100 er 68—64, do. 50—60« 0,00, 40 er 66—68. Barje 0,00. Karauschen 67. Blei« fische 0,00. Weis 59. Bunte Fische 26—57. Amcrikan. Lach? la neuer per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. III» neuer 75. Seelachs 20—25. Sprotten. Kieler, Wall 0,75—1,25, Danztgcr, Wall 0,60—0,80. Flundern, pommersche la, per Schock 3—6, do. pommersche IIa 2—4, Kieler, Stiege la 4—6. do. mittel der Kiste 2—3/ Hamb. Stiege 4—5, halbe Kiste 1,50—2. Bücklinge, per Wall Kieler 3,50—5,00, Straisunder 4—5. Aale, groß per Pfd. 1,10—1.30, mittelgroß 0,80—1,00, riein 0,50—0.60. Heringe per Schock 4—5. Schellstsche Kiste 4—5, do. Kiste 2—3,00. Kabliau, p. 100 Psd. 20—25. Heilbutt 0,00. Sardellen. 1902er per Anker 95. IS04er 95, l005er 33. 1906« 73. Schottische Vollberwgi 1905 0,00, largo 40—44, fall. 38—38, med. 35—42, deutsche 37—44. Heringe, neue ÄatjeS, per»/» To 60—120. Sardine», russ., Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schocksaß 11, tieine 5—6, Riese»' 14. Hummern, kleine, per Psd. 0,00. Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 0,00, kleine 0,00, unsort. 0,00, Galizier, groß 0,00, mittel 0,00. Wer, Land-, per Schock 4.00—4,60. Butter per 100 Pfd. la 123-125, IIa 115—123, lila 110-114,-ibsallende 95-105. Saure Gurken Schock 3,50—4,00, Pseflcrgurken 3,50—4.00. Kartoffeln per 100 Pid. 0,00, magmim bonum 2,00— 2,23, Dabcrsche 2,00— 2,25, Rosen 0,00, weiße 1,75—2,00, Salalkarlosseln 4,00—6,00. Spinat per 100 Psund 6,00—8,00. Karotten per Schockbund 2,50—3,00. Sellerie, hiesige, per Schock 3,00—5,00, do. pommersche 4,00—5,00. Zwiebeln große, per tOOPsd. 3,00— 8.50. do. kleine 2,00—2,50. do. isscflgc iPcrl-) 0,00. Eharlotten 60—70. Petersilie, grün, Schockbund 1,25— 1,50. Kohlrabi per Schock 0,50—0,30. Rettig, bahr., per Schock 2,40—4,80. Radieschen per Schockbund 0,60—1. Salat, per schock 0.00—0,00. do..EScarole', per Mandel 1,00—1,50, do.„Enbioien" 1,50—2. Mohrrüben per 100 Pfd. 2—3,00. Teltow« Rübe» per 100 Psd. 10—12. Weiß« Rüben große 2—3, kleine 6—3. Rote Rüben 1,50—2. Blumenkohl per Mandel 0,00. do. Erfurter Kops 0,00. Wirsingkohl per Schock 3,00—6.00. Rotkohl p. Schock 3,00-8,00. Weißkohl Schock 2,00-6,00. Ztolenkohl p. 100 Psd. 10—18. Grünkohl p« 100 Psd. 3—5. Schnittlauch 12 Töpfe 0,00. Kohl« rübeu. Schock 2— S. KürbtS 8—5. Birnen, per 100 Pfd. hiesige 7—20, böhmische 5—18. Aepsel, per 100 Pfd., hiesige 3—20, Graveiistciner 8-20, Tiroler in Fässern 17-30, Kiste 32-80. Amerik. 17-30. Preißel« Heeren, schwedische 0,00, GebirgS- 30-85. W-lluüsje per 100 Psd. 16-20, do. rumänische 24—30, do. stanz CorneS 31—33. Paranüsse 60—65. Hasel« Nüsse lange 42—44, runde 32—35. Zitronen, Messma, 300 Stück 8,00-14,00, 360 Stück 7,00-16,00, 200 Stück 10-13, 420 Stück«eine 5-8, 600 Stück kleine 5-8. Schlafröcke Die Freude aller Ehemänner u. Junggesellen. Angenehmster Schutz gegen Erkältung. Ungemein reichhaltige Sortimente in molligen, warmen Stoffen. Hübsche Fassons mit schönen Besätzen, Nur eigene Erzeugnisse 40.30.- 2721.- 15.- 12.165 Herren- Morgenröcke 750 Schöne Schlafrockstoffe mit Besätzen 30.- 24.- 18.- 12.Winter- Joppen Warm getter. 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ArbeitsStreit die 141/ 16* Br. 280. 23. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonnabend, 1. Dezember 1906. Zur Katastrophe in Annen wird heute berichtet, daß der strömende Regen, der in der Nacht niederging, viel zur vollständigen Beseitigung jeder Gefahr beigetragen hat. Witten zeigte gestern morgen bereits das Kleinstadtbild sonstiger Wochentage. Die Kinder gehen zur Schule, die Schaufenster werden ausgebessert, denn Glas ist reichlich vorhanden, da sich ganz in der Nähe der Unglücksstätte zwei Glasfabriken befinden. Ueber das Unglück hat sich auch der Kaiser Bericht erstatten Taffen. Aus dem ihm zur Verfügung stehenden Dispofitionsfonds hat der Kaiser 25 000 M. zur Linderung der ersten Not anweisen lassen. Die Opfer der Roborit- Explosion. Witten, 30. November. Nach den neuesten Feststellungen find 30 Personen tot, 62 schwer verlegt. In der Fabrit sollen Dynamit und Zündhütchen gelagert haben, was nach Angaben von mehreren Seiten unstatthaft war. Die Staatsanwaltschaft hat die Untersuchung eingeleitet. Jm Marienhospital find bisher 70 Personen berbunden worden. Etwa 40 Werlegte werden dort gepflegt; fechs Personen find tot eingeliefert worden oder später gestorben. Im Diakoniffenhause sind 20 Tote und 40 Schwerverletzte eingeliefert worden, von denen fünf starben. Etwa 200 Personen sind dort verbunden worden. An der Unglücksstätte. In der Darstellung eines Augenzeugen, die von der„ Frankf. 3tg." veröffentlicht wird, heißt es: „ Als man der Unglücksstätte näher fam, zeigte sich ein immer größerer Schaden. Mehrere Dußend Häuser waren abgedeckt, teilweise die Giebel gänzlich zerstört. Einzelne Häuser besaßen weder Trennungswand der einzelnen Zimmer mehr, noch war etwas von der Decke zu erblicken oder von Fensterscheiben zu sehen. Man konnte von der Borderfront quer durch das ganze Haus sehen, ebenso wie man von unten den mit Rauchwolken bedeckten Himmel erblickte. reichen Persönlichkeit mitgeteilt wird, liegt die Vermutung vor, daß noch der Fortbildungspflicht noch nicht zufriedenen Kleinmeistern andere Stoffe in der Fabrik fabriziert wurden, für die eine Konzession und Großunternehmern noch mehr gewähren und noch weitere nicht gegeben war. Befreiung vom Schulbesuch" bewilligen wollte. Partei- Angelegenheiten. Als im Mai dieses Jahres das Berliner Handwerk in eingeleitet. In den Städten werden Sammlungen für die in Not Geratenen einer Versammlung des Innungsausschusses den Vertretern der städtischen Fortbildungsschuldeputation seine Not flagte, lag der Schöpfer der Berliner Pflichtfortbildungsschule, Stadtschulrat Gerstenberg, bereits auf dem Sterbebette. Schulinspektor Fischer, der damals als Gerstenbergs Stellvertreter an der Versammlung teilnahm, tröstete die InnungsZur Lokalliste! Im IV. Kreis( S.-O.) steht uns das Lokal meister, die Gemeindebehörden würden darauf bedacht sein, " Skaliber Garten", Stalizerstraße 54, zu den bekannten Be- daß durch die Pflichtfortbildungsschule das Handwerk, dingungen zur Verfügung. Die Lokalfommission. eine der festesten Stüßen unserer heutigen Gesellschaftsordnung, nicht geschädigt" werde. Achtung, vierter Wahlkreis! Am Sonntag, den 2. Dezember, Herr Fischer ist inzwischen Stadtschulrat an Stelle Gerstennachmittags 5 Uhr, findet bei Graumann, Naunynstr. 27, eine Ver- bergs geworden. Da kann man nur wünschen, daß der sammlung statt. Reichstagsabgeordneter Genosse A. Hoffmann wird über das Thema:„ Himmel, Hölle und ihre Bewohner" sprechen. Plan, fünftig nicht mehr dem Leiter des Volksschulwesens Nachher gemütliches Beisammensein mit Tanz. Gäste willkommen auch das Fortbildungswesen zu überlassen, endlich verwirklicht Der Vorstand. werde. nachmittags 31%, 1hr, findet in Stolpe an der Nordbahn im Lotale Waidmannsluft und Umgegend. Am Sonntag, den 2. Dezember, der Witwe Bergemann die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen Störmer über:" Zollpolitik und Fleischwucher". Pflicht eines jeden Genossen ist es, pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Bezirk Waidmannsluft. Sonntag früh 8 Uhr findet die Kalender verbreitung von folgenden Stellen aus statt: Wittenau: Busse, Triftstraße; Waidmannsluft: Schweizerhäuschen; Hermsdorf: Forst haus; Glienicke: Ulfert, Niederstr. 2; Hohen- Reuendorf und Stolpe: Starl Miesenburg. Pflicht aller Genossen ist es, sich daran zu beHerrmann, Berlinerstr. 44; Bergfelde: August Wilte; Schönfließ: teiligen. Der Vorstand. Bankow. Morgen findet die Kalenderverbreitung statt. Abfahrt bom Nordbahnhof in Pankow. Treffpunkt 7½ Uhr. Berliner Nachrichten. Die Durchlöcherung der Fortbildungspflicht. = " Bentral- Telegraphen Station bildeten seit längerer Zeit einen Ein Millionenprozeß. Die Kosten für die Unterhaltung bet Streitpunkt zwischen dem Fiskus und dem Magistrat der Stadt Berlin. Diese Station befindet sich im Polizeipräsidium und be sorgt den telegraphischen Verkehr der Polizei und zwar sowohl der Landes- als auch der Ortspolizei, des Polizeipräsidiums, der Berliner Feuerwehr und der Stadtpolizei. Für diesen Verkehr hat der Fiskus die von der Stadt Berlin bezahlten Beamten in An spruch genommen. Nach längeren Verhandlungen kam es dann zur Selage und zur Beweisaufnahme. Der durch den Polizeipräsidenten vertretene Fistus erkannte schließlich den Klageanspruch und Kosten an. Diese Summe ist dann auch vom Fiskus gezahlt in Höhe von 430 000 m. samt den inzwischen aufgelaufenen Zinsen worden. Gegen den verbleibenden Rest von rund 90 000 m. erhob der Fiskus den Verjährungseinwand, der aber in dem gestrigen Termine nicht durchschlug. Der Fiskus wurde vielmehr in der ersten Instanz zur Zahlung der Restsumme von 90 000 m. kosten= pflichtig verurteilt. " Bier Millionen für Repräsentation. Die Denkschrift des Oberbürgermeisters Kirschner über Groß- Berlin" enthält neben manchem Klagelied über die schlimme Behandlung der Reichshauptstadt durch die staatlichen Behörden auch einen Passus, der einen Bergleich zieht zwischen den von der Stadt Berlin zu tragenden Kosten für die der Allgemeinheit nüßenden Anlagen und den = Und nun die Unglücksstätte selbst. Von einem starken Bretterzaun, der das Terrain des Etablissements umschloß, sah man mur noch wenige Pfähle. Weit entfernt von diesen Ueberresten lagen die bis dorthin geschleuderten Eisenteile von maschinellen Anlagen und Mauerstücken mit einem Durchmesser von einem halben Meter. Der Zaun war durch die Explosion buchstäblich in kleine Stüde zerfetzt. Die schweren Eisenmasten, an denen die elektrischen Bogenlampen hingen, waren mehrere Male geknickt und ließen nicht Die Berliner Pflichtfortbildungsschule, die finanziellen Leistungen der Vororte für die gleichen Zwecke. Was nehr erkennen, welchem Zwecke fie eigentlich gebient hatten. Eiferne im vorigen Jahre endlich zustande tam, war von vornherein hierüber zu lesen ist, entbehrt, wenn man ber bielen tost. Treppen von 8 Meter Länge fand man total verbogen viele Meter dazu bestimmt, unvollkommenes Stückwerk zu bleiben. Die spieligen Fürsten empfänge gedenkt, nicht eines pikanten weit weggeschleudert und tief in die Erde eingewühlt. Ein vier- Gegner der Fortbildungspflicht, die in der Stadtverordneten Beigeschmades. Es heißt darüber in der Denkschrift: räderiger Wagen wurde mitten durchgerissen. Tauben und Hühner Versammlung fißen, gingen nur widerwillig und schweren an denen die übrigen Teile von Groß- Berlin, ohne einen Beitrag Es gibt eine Reihe von Berliner Anlagen und Einrichtungen, flatterten mit halbverbrannten Flügeln umher. Noch gegen 12 Uhr Herzens daran, den Lehrlingen die Möglichkeit einer besseren zu den Unterhaltungskosten zu leisten, naturgemäß teilnehmen. morgens fuchte ein Vater seinen in der Fabrik beschäftigten Ausbildung zu schaffen. Sie wußten, daß der Zwang Außerdem hat die Stadtgemeinde Berlin als Hauptstadt des Königsechzehnjährigen Sohn, über dessen Verbleib ihm nichts bekannt ge- zum Besuch einer Fortbildungsschule, die sie einführen sollten, reichs Preußen und des Deutschen Reiches eine ganze Reihe von worden war. Um 2 Uhr morgens war die ganze Fabrit bis auf den Meistern viel unbequemer sein würde als den Lehrlingen. Aufgaben zu erfüllen, deren Durchführung billigerweise„ Großdie Fundamente niedergebrannt. Auch die ungefähr fünfzig Meter Um aber den Arbeitgebern des Kleinhandwerks wie der Groß- Berlin" zufallen sollte, zu denen aber wenigstens die meisten Vorvom eigentlichen Fabrikgebäude entfernt liegende Wohnung des industrie die Möglichkeit einer intensiven Ausbeutung der ortsgemeinden nichts beitragen. In dieser Hinsicht handelt es sich Direktors Franke ist niedergebranut." Lehrlinge nicht zu sehr zu beschränken, ließ die freifinnige es verdient hervorgehoben zu werden, daß die Stadtgemeinde Berlin vornehmlich um alle Repräsentationspflichten, und In einem anderen Berichte, den die Köln. 8tg." aus Dortmund Stadtverordnetenmehrheit bei der Beratung und Beschluß neben einem etatsmäßigen Repräsentationsfonds von 15 000 Mark erhalten hat, heißt es: fassung über das Statut der Pflichtfortbildungsschule sich nur jährlich in den Jahren 1895 bis 1905 für Festlichkeiten, Ehren" Im ganzen Industriegebiet ist die Bevölkerung vom Schrecken zu den allernotwendigsten Zugeständnissen bewegen und wies geschenke und ähnliche repräsentative Ausgaben, die nicht speziell wie gelähmt. Zur Stunde läßt sich die Größe des Unglücks noch weitergehende Forderungen der Sozialdemokratie ab. gar nicht ermessen. In Annen selbst zeugen die zahllosen geim Berliner Interesse lagen, nahezu die Summe von vier Millionen Den Arbeitgebern genügte diese zarte Rücksichtnahme Mark aufgewendet hat." waltigen Trümmerhaufen von der Gewalt der beiden Explosionen, auf fie und ihren Profit noch keineswegs. Wär' es nach ihnen Vier Millionen Mark in zehn Jahren für Fürstenempfänge und in weitem Umkreise, in Dortmund, in Hörde und vor allem in gegangen, so hätte ja die Pflichtfortbildungsschule überhaupt find eine ganz schöne Summe, für die wirklich etwas Nützlicheres Witten, machte der ungeheure Luftdrud durch Verheerungen an nicht eingeführt werden dürfen. Nachdem es ihnen nun nicht rechnet es sich zur Ehre an, daß er folche Summen bewilligen darf. hätte geschaffen werden können. Aber unser Rathausfreisinn Fenstern und Dächern sich geltend. Mit Bligeseile zog zweimal die gelungen war, das zu verhindern, suchten sie wenigstens die Uebrigens hat der Herr Oberbürgermeister bei Erwähnung der vernichtende gigantische Kraft großer Massen von Sprengstoff ber- ü den und Hintertüren des Fortbildungs- Repräsentationspflichten der Stadt Berlin die Angabe vergessen, heerend über dichtbevölkerte Städte, Dörfer und Industriestätten. schulstatuts nach Kräften für sich auszunuzen. wie oft er und die repräsentationseifrigen Freisinnshelden am Hüte und Kleiderfeßen auf den Straßen und am Bahnhof in Annen Die Innungen, die den Widerstand der kleinen und großen Brandenburger Tor einen krummen Buckel machen mußten. deuten an, mit welcher vom Schrecken beschleunigten Eile die Arbeitgeber gegen die lästige Fortbildungsschulpflicht der Einwohner flüchteten. Die Unvorsichtigkeit vieler Hunderte, die nach Lehrlinge unterstützten, fanden leider bei den zuständigen Die Stichwahl im 3. Berliner Landtagswahlkreise ist auf den der ersten Explosion an den Unglücksort geeilt waren, erhöhte die Organen unserer Gemeindeverwaltung viel Verständnis für 4. Dezember festgesetzt. Die Konservativen haben mit dem Freisinn Zahl der Todesfälle und der schweren Verlegungen; die zweite Er- diese Bestrebungen und ein nur zu rasches Entgegenkommen. Erbarmen. Der fonservative Kreisverband fordert alle konservativen plosion, die der ersten nach taum einer Stunde folgte, wirkte vern zahlreichen Fällen wurde ihnen die Hinausschiebung des traten in den preußischen Landtag ihre Stimme am 4. Dezember Wahlmänner auf, behufs Verhütung der Wahl eines Sozialdemoheerend in den Reihen der die Unfallstätte umdrängenden Menschen. Unterrichts bis 8 Uhr abends gewährt, was( wie man früher für Dr. Müller- Sagan abzugeben. Unheimlich und alle menschliche Voraussicht über den Haufen versichert hatte) nur als Ausnahme zugelassen werden sollte. werfend wirken die in Das war vorauszusehen und die Freifinnigen werden nun etwas den Sprengstoffen Roborit Die freisinnige Stadtverordnetenmehrheit hatte bei der Be- weniger bedrückt sein. Zwar tun fie fo, als ob sie die Gunft der ruhenden Kräfte in der Roboritfabrik Aktiengesellschaft, der ratung des Statuts mit Vorbedacht sich geweigert, über diesen Konservativen nicht brauchen und allein Manns genug feien, um Quelle des unsäglichen Unglücks, ruhte zur Zeit der ersten Punkt eine bindende Bestimmung zu treffen und 7 Uhr als ihren Müller- Sagan auf den Schild zu erheben, allein in WirklichExplosion schon die Arbeit, und auch der zu dieser Zeit äußerste Grenze festzusetzen. Sie wußte sehr wohl, warum feit ist ihnen ein Stein vom Herzen, daß sie nun wissen, daß die Konservativen den Freisinnigen helfen wollen. Die„ Vossische Beitung" fommt in ihrer gestrigen Abendnummer nochmals auf die gegenwärtige Stonstellation zurück indem fie schreibt: diensttuende Nachtwachbeamte tann eine Erklärung der Ursache sie hier ein Hintertürchen offen ließ. an die nicht mehr geben, sein Mund ist für immer verschlossen. Eines darf Solcher Hintertürchen gibts leider mehr in unserem man als sicher annehmen: daß solche Sprengstofffabriken nicht mehr Pflichtfortbildungsschulwesen. Beispielsweise soll die Fortinmitten dichtbevölkerter Industriebezirle angelegt werden. Heute bildungsschule auch darauf Rücksicht nehmen, daß in vormittag noch konnte man in Annen viele Männer ohne Hut vielen Gewerben zu bestimmten Zeiten des und Rod umherirren sehen; die Schreckensnacht hat die Leiden noch Jahres mehr als jonst zu tun ist, sodaß dann nicht gemildert. Feuerwehren werden selbst aus weiteren Bezirken der Arbeitgeber die in der Schule ſizenden Lehrlinge noch noch nach Annen befördert; die Absperrungs- und Räumungsarbeiten schmerzlicher als sonst vermißt. In solchen Zeiten soll die dauern an. Die Größe des Unglüds tann man am ehesten ermessen Fortbildungsschule, so wünschen sich's Kleinhandwerk und aus dem Aussehen und dem Gebaren der zahlreichen Familien, Großindustrie, möglichst auf alle Rechte meist unbemittelte Arbeiter, die heute vormittag und heute lernende Jugend verzichten und den Arbeitgebern mittag von. Annen nach Dortmund befördert wurden. Viele die Lehrlinge Biele die Lehrlinge zu ungeschmälerter AusHunderte von Männern, Frauen und Kindern wurden nach Dort- nußung überlassen. In welchem Umfange das tatmund gesandt. Hier sah man einen Mann, der das Prachtstück der sächlich geschieht, das lehrt die folgende Mitteilung, die von Garderobe seiner Frau, einen schmalen Belz, um die Schultern der bürgerlichen Presse ohne ein Wort der Kritik wiederhatte, auf beiden Armen weinende Kinder, dort kamen Frauen mit gegeben wird: zahlreicher Kinderschar, alles arme kleine Würmer von 2-8 Jahren, alle ohne Kopfbedeckung, stumm noch von dem lähmenden Schrecken und ob des Verlustes aller Habe, in die Stadt wandelnd in dem rieselnden Regen und kalten Wetter. In Annen selbst liegen die beiden Krankenhäuser voll von Toten und Schwerverwundeten, ebenso in Witten." Darstellung der Roboritfirma. " In der liberalen Bresse ist im Anschluß an das negative Ergebnis der Landtagserfazwahl im 3. Berliner Landtagswahlfreise vom vorigen Dienstag die Besorgnis geäußert worden, daß das Mandat den Freisinnigen nicht mehr ganz sicher sei, daß seine Erhaltung vielmehr von dem Wohlwollen der Konservativen abhänge. Diese Befürchtung ist durchaus grundlos. Die Annahme, daß die nahezu dreihundert Wahlmänner, die durch ihr Fernbleiben am letzten Dienstag die Notwendigkeit einer Stichwahl herbeigeführt haben, sich auf die konkurrierenden Barteien ziemlich gleichmäßig verteilen, ist vollständig falsch. Von absolut zuverlässiger Seite ist festgestellt worden, daß sich unter diesen 300 Wahlmännern nur noch 14 befinden, welche vielleicht die Sozialdemokratie für sich reklamieren fann; die übrigen gehören sämtlich der freisinnigen Volkspartei an. Ein großer Teil von ihnen war auch am Dienstag noch zur Wahl erschienen, leider zu spät; es wird das hoffentlich für alle auf das Programm der freisinnigen Volkspartei gewählten Wahlmänner am nächsten Dienstag ein Ansporn sein, alsdann rechtzeitig zur Stelle zu sein. Auf die Unterstützung der Konservativen zur Erhaltung des Mandats ist der Freisinn jedenfalls in diesem Wahlkreise noch nicht angewiesen und wird auch die Konservativen darum in keiner Weise bemühen." „ Die städtische Pflichtfortbildungsschule sucht im Rahmen der bestehenden Vorschriften den gewerblichen Verhältnissen in jeder Beziehung zu entsprechen. Wie wir erfahren, schließt sie darum in Rücksicht auf das bevorstehende Weihnachtsfest den Unterricht bereits allgemein Sonnabend, 8. Dezember. Jm einzelnen wird es also vorkommen, daß Schüler schon bom Donnerstag, 6. Dezember, ab frei sind, wenn sie zu Klassen gehören, die am Die Voisin tut sich hier etwas viel auf ihre eigenen Mannen Die Rh.- Westf. 8tg." nahm Veranlassung, im Bureau der Montag und Donnerstag unterrichtet werden. Darüber hinaus zugute und meint, daß der Freisimm die Konservativen nicht um ihre Roboritfabrik in Witten die leitenden Beamten nach der Auffassung ist die Schule allerdings nicht berechtigt, noch weitere Befreiung Hilfe bemühen werde". Bemühen werde, ist sehr hübsch gesagt, bom Schulbesuch eintreten zu lassen; Gesuche, die solche oder ähn- allein ohne diese Hülfe geht es nicht und die Konservativen haben zu fragen, die man dort von den Ursachen und dem Verlauf liche Wünsche zum Ausdruck bringen, bleiben am besten un- denn auch ein Einsehen gehabt. Bei dem Hinweis auf die große der Katastrophe hat. Es wurde gesagt, daß man für die erste Er- geschrieben, da ihnen in keinem Fall entsprochen werden darf. Der Bahl freisinniger Wahlmänner, die am Dienstag fern geblieben plosion keine andere Erklärung finde, als daß ein plöglich Unterricht beginnt wieder am 2. Januar 1907." entstandener Brand auf einen Roboritbehälter waren, scheint die alte Tante nicht zu merken, welches Zeugnis der Man sieht, wie hier die Fortbildungspflicht Saumfeligleit sie ihren eigenen Parteigenossen ausstellt. übergegriffen habe und daß dann durch den erweiterten durchlöchert wird, weil die Pflichtfortbildungsschule„ den Brand schließlich das Rohstoffmaterial angegriffen worden sei. Diese gewerblichen Verhältnissen in jeder Beziehung entsprechen" Stadtverordneter F. Friederici, der seit 30 Jahren Mitglied Rohstoffe bestehen in der Hauptsache aus Ammonsalpeter. Jeden- will. Fast vier Wochen Weihnachtsferien nicht um der der Versammlung ist, ist gestern nach kurzem Kranlengager gestorben. falls find die eigentlichen Roboritvorräte nicht angegriffen, Schüler willen, sondern im Interesse der Arbeit- Friederici war Apotheker und hat ein Alter von 66 Jahren erund da sie in Gewölben von einem halben Meter Menierstärte geber! Und das ist möglich im Rahmen der bestehenden reicht. Länger denn 25 Jahre gehörte der Verstorbene dem Rech liegen, ist die Gefahr einer dritten Explosion gering. Die Erhizung Vorschriften"! Die Mitteilung stammt übrigens aus dem nungsausschuß als Vorsitzender an, ferner über 25 Jahre der der Gewölbemauern ist nicht so stark, daß eine Explosion zu Kreise der Direktoren der Pflichtfortbildungsschulen. Sie ist beitshaus und Obdach. Ferner war er Mitglied des Vorstandes Grundeigentumsdeputation, der Deputation für das städtische Aroffenbar darauf berechnet, von vornherein den noch weiter der Stadtverordnetenversammlung, der Finanzdeputation und zahlDie Bureauräume der Firma wurden gestern nachmittag von gehenden Wünschen der Herren Arbeitgeber entgegenzutreten, weil reicher städtischer Kuratorien. Friederici vertrat den 13. Som der Staatsanwaltschaft unter Verschluß gelegt. Es soll eine genaue für die Schulleiter die Möglichkeit eines geordneten Schul- munalwahlbezirk in der 2. Abteilung. Seine Amtstätigkeit hätte Prüfung der Bücher vorgenommen werden. Wie von einer sehr einfluß- betriebes aufhörte, wenn man den mit dieser Durchlöcherung noch bis zum Jahre 1909 gedauert. ertvarten ist. Ein Gerüsteinsturz hat sich gestern vormittag in Dahlem zu- 1 hinaus lagern, fofort abgetragen werden. Die Versammlung Die Zahl der in ungenbeilstätten entfandten Ber getragen. Dort wird im Botanischen Garten ein Balmenhaus er spricht die sichere Erwartung aus, daß die städtischen Behörden fonen ist von 243 auf 356 gestiegen, die Ausgaben hierfür haben richtet. Gestern waren eine Anzahl Arbeiter auf dem Gerüst emsig Mittel bereit stellen werden, um die Schäden, die Wohnungsmieter mehr als 55 000 m. betragen. Auch die Zahl der in Waldtätig, als der Monteur Wegener von unten aus bemerkte, daß das und Hausbesitzer, Ladeninhaber und Gewerbetreibende erleiden, erholungsstätten überwiesenen Personen hat sich, in der an der Westseite errichtete Gerüst infolge des herrschenden Sturmes auszugleichen." Hauptfache infolge der Gröffnung der neuen Kindererholungsstätte bedenklich ins Wanken geriet und die Arbeiter auf die drohende Westend, die eine Anzahl Kinder auch nachts draußen behält, sehr Gefahr aufmerksam machte. Kaum hatten die letzten ihren gefährals 10 700 m. betragen. starf, von 157 auf 308, vermehrt, die Ausgabe hierfür hat mehr lichen Standpunkt verlassen, so stürzte auch schon das 50 Meter lange, 25 Meter hohe Gerüst mit lautem Krachen zusammen. Durch die rechtzeitige Warnung sind glücklicherweise Menschen nicht zu Schaden gekommen. Das Gerüst gehörte der Firma Altmann. Die Feuerwehr, die bald erschien, fand nichts zu tun. Gegen Einzugsferien und Spalierbildungen der Schulkinder beim " Post". Sie schreibt: hält am Montag, den 3. Dezember, einen zweckmäßigeren Weg. Die Omnibuslinie 31 Hausbogteiplah- Schlesische Brücke erDie Linie geht von nächster Woche an nicht mehr durch die Köpenickerstraße, sondern durch die Wrangelstraße und über das Mariannenufer. Die neue Führung entspricht einem lebhaften Wunsche der Anwohner. Die Wagen verkehren in Abständen von 5-6 Minuten. Die ganze Fahrzeit vom Hausvogteiplak bis zur Schlesischen Brücke beträgt 31 Minuten. bon Einzug fremder Herrscher wendet sich sogar die freifonservative grunde, der gestern im Treptower Part gemacht wurde. In der der Entbindung und die in der Anstalt Entbundenen mit ihren Gs wäre in der Tat eine arge Uebertreibung, wenn sich die Gewohnheit einbürgern sollte, bei Besuchen fremder Herrscher den Schulunterricht ausfallen und durch die Schüler Spalier bilden zu laffen. Solche Ueberspannungen des monarchischen Brinzips wirken in unserer Zeit geradezu schädlich, sie rufen berechtigte Kritik auch in den bestgesinnten( 1) Kreisen hervor und tragen daher mit dazu bei, die monarchische Gesinnung in unserem Bolte abzuschwächen. Diese Erwägungen liegen so nahe, daß die Annahme berechtigt erscheint, man werde für die Folge von Maßnahmen der hier in Rede ftehenden Art lieber absehen." Toll! Dreißigtausend eheverlassene Frauen", fo erzählt ein Stöckerblatt, hat die Berliner Armenver: waltung in einem einzigen Jahr zu unterstüßen gehabt." Dreißigtausend" es ist tein Druckfehler! In Buchstaben steht es an der Spitze dieser sensationell wirkenden Notiz:" Dreißig tausend eheberlassene Frauen." Aus welchem Born mag das Blättchen seine Weisheit geschöpft haben? In dem neuesten Jahresbericht der Armendirektion, der das Etatsjahr 1905 behandelt, lesen wir:" Die feit zwei Jahren begonnene Feststellung der Anzahl eheverlassener Frauen hat ergeben, daß im Laufe eines beliebig herausgegriffenen Monats an 2469 derartige Frauen zusammen 34 998 M. Almosen, Pflegegeld und Ertraunterstützungen gezahlt worden sind, die einem jährlichen Aufwand von zirka 420 000 M. entsprechen." Anscheinend hat sich der Verfasser der Notiz gesagt, daß das Jahr ja zwölf Monate hat. Multipliziert man nun 2469 mit 12, so bekommt man 29 628, d. i. rund 30 000. Wir empfehlen dem Stöckerblättchen, nach demselben Verfahren die Zahl seiner Abonnenten zu berechnen, d. h. in einem beliebigen Monat das Abonnentenhäuflein zu zählen, die gefundene Zahl mit 12 zu multiplizieren und dann der staunenden Welt mitzuteilen, soviel Abonnenten habe das Blatt in einem einzigen Jahre mit Weisheit zu versorgen gehabt. Wird da das Tausend boll werden? Ein Kindesmord liegt wahrscheinlich einem Leichenfund zudie Leiche eines neugeborenen Kindes und äußere Anzeichen deuten Nähe des großen Spielplates entdeckten Spaziergänger im Gebüsch darauf hin, daß der Säugling eines gewaltsamen Todes gestorben ist. Die Baisenpflege hat es sich u. a. zur Aufgabe gemacht, der hohen Säuglingssterblichkeit, namentlich unter den unehelichen Kindern, zu Leibe zu rücken. Abgesehen von den Säuglingsfürsorgestellen ist am 1. April 1905 ein Säuglings- und Mütterheim in Verbindung mit der Entbindungsstation des städtischen Krankenhauses Kirchstraße errichtet. Hier finden die der Waisenverwaltung vorübergehend unterzubringenden Kinder unter einem Jahre, ferner Schwangere schon einige Zeit vor unentgeltliche Aufnahme. Inwieweit die bisherigen Maßnahmen Kindern bis zur Dauer von drei Monaten nach der Entbindung Saltefinder von Einfluß gewesen sind, ist schwer zu sagen. Tatsache auf die Säuglingssterblichkeit der städtischen Pflegefinder und der ist jedoch, daß die Säuglingssterblichkeit bei beiden Großes Aufsehen verursachte gestern an der Schillingbrücke der Kategorien gegen das Vorjahr nicht unerheblich Selbstmord eines Geistestranten. Der 44jährige Dreher Otto zurückgegangen ist. Eine weitere Besserung wird von der Richter aus der Reichenbergerstraße 157 war auf der Straße plöt- am 1. Oktober d. J. in Kraft getretenen Berufsvormundſchaft für lich von einem Anfall von Geistesgestörtheit heimgesucht worden alle unehelichen Kinder erwartet. und an der Schillingbrücke schwang er sich plöblich über das Geländer hinweg und stürzte sich in die Spree hinab. Alle Rettungs- Schöneberg. bersuche waren vergeblich. Der Unglückliche konnte nur noch als Leiche gelandet werden. Die letzte Mitgliederversammlung hrte vor Eintritt in die Unsere Ansicht über die Sache haben wir fürzlich schon ausTagesordnung den dahingeschiedenen Genossen August Drees. gesprochen und uns aus anderen Gründen als die„ Post" gegen das Hurraschreien auf Kommando gewendet. Die" Post" aber unter Für tausend Mark Anzüge gestohlen. Glück und Unglück hatte einmal auf die vom Wahlverein im Obstschen Lokal veranstaltete bach in üblicher Weise. Genosse Dr. Röder verwies dann noch denen zu sehen, die wider den Stachel löcken, ist mehr denn sonder eine Einbrecherbande, die in der gestrigen Nacht in das Garderoben- Jugendliteraturausstellung, die am 2., 9. und 16. Dezember von bar und nimmt under, wenn man in Betracht zieht, wer die Ver- geschäft be the neten te zäter die gab eingebungen war, 18 Uhr zur Besichtigung sowie auch für Einkäufe geöffnet fei. Mittels Dietrichs öffneten die Ladentür und suchten sich hierauf referierte Genosse S. Müller über„ Das 25jährige dann unter den Warenbeständen einen großen Vorrat von Herren- Jubiläum der amtlichen Sozialreform". Redner tat zunächst der anzügen, Fantasiewesten und Baletots aus. Die Beute, deren Wert Jubiläumsfeier im Zirkus Busch Erwähnung, die man die Totan etwa tausend Mart betrug, schafften die Einbrecher in einer feier der amtlichen Sozialreform nennen könne. Die Arbeiterschaft Droschte nach dem Hehlernest. Einen Teil der gestohlenen Sachen habe absolut feine Ursache, sich bei der Regierung für deren berfesten sie dann auf Pfandleihen. Aber nicht lange sollte sich Leistungen" auf dem Gebiete der Sozialgesetzgebung zu bedanken. die Bande ihres diebischen Erfolges erfreuen. Der Diebstahl war Was man immer als eine" Großtat" zu bezeichnen beliebe, nämlich sofort beim 108. Polizeirevier gemeldet worden und noch am die Unfall-, Invaliden- und Krankenversicherungsgesebe, sei doch gestrigen Tage gelang es der Kriminalpolizei, die Urheber zu er nichts als etwas Selbstverständliches. das den Arbeitern lange mitteln und festzunehmen. Die Haupttäter waren die Gelegen- genug borenthalten worden war. Trotzdem seien diese Geseze nur heitsarbeiter" Paul Schweiger und Wittollzel. Auch die Hehler unter dem starten Drude der Sozialdemokratie geschaffen worden, fonnten bereits verhaftet werden. gegen den erbittertsten Widerstand der Unternehmer. Dieser Widerstand der Unternehmer, ihrer Organisationen und ihrer Für 4000 Mark Ware erbeutete eine Einbrecherbande, die in Bresse, sei seitdem ständig im Wachsen begriffen. Trotz der Februar der gestrigen Nacht fast unter den Augen der Polizei in der Alten erlasse, die sich ja bis heute als unfruchtbar erwiesen hätten, sei seither so gut wie gar nichts mehr geschaffen worden. Im Gegen Schönhauserstraße 54 einen Einbruch verübte. Die Verbrecher ver- teil: der durch die Einflüsse der Scharfmacher bestimmte Kurs der suchten zunächst vom Hausflur aus in die Geschäftsräume des Schneidermeisters Goldbach einzubringen. Sie bohrten jedoch ver- Regierung hätte uns um Haaresbreite das Zuchthausgesetz gebracht; geblich die mit Eisen beschlagene Tür an. Nunmehr schnitten fie er will uns jetzt mit einem ähnlichen Schußgefes", der famosen Aus alledem gehe Rechtsfähigkeit der Berufsvereine beglücken. auf der Straße an der Rolljalousie den Riegelverschluß auf und hervor, daß die 25jährige Aera der„ amtlichen Sozialreform" mithoben dann die Jalousie empor und gelangten so in den Laden. famt ihren Ergebnissen nicht vermöge, im Proletariat auch nur den Die von den Einbrechern entwickelte Dreiftigkeit war eine um so mattesten Abglang von Jubiläumsstimmung zu erzeugen. größere, als sich gegenüber in dem Hause Alte Schönhauserstraße 5 den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine eine Polizeiwache befindet. In dem Laden räumten die Verbrecher furze Diskussion. Genoffe ein wies mit furzen Worten auf dann gründlich auf. Sie nahmen fast den gesamten Bestand an den Gesetzentwurf betr. Die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine" leiderstoffen im Werte von zirka 4000 Mart an sich und ent- hin, den er ein neues Ausnahmegesetz nannte. Dasselbe müsse fernten sich dann mit der Beute durch die nach der Dragoner- durch einen machtvollen Proteststurm der Arbeiterklasse unter allen straße liegenden Fenster der Werkstätte. Umständen zu Fall gebracht werden. Genosse Mohs ging ebenfalls darauf ein und kritisierte hierbei scharf, daß der Versuch gemacht werde, die Staats- und Gemeindearbeiter noch mehr als bisher rechtlos zu machen. Zum Punkt 3 der Tagesordnung erfolgte die Delegation der Genossen Däumig, Butrh und Stenzel zur Kreisgeneralversammlung am 9. Dezember. Zum Schluß Der Bersammlung wies der Vorsitzende bann nochmals auf die Urania"-Vorstellung des Vereins am 2. Dezember hin. Wegen der Abwälzung der Zigarettensteuer liegen sich Fabrikanten und Händler noch immer in den Haaren. Die Händler bersuchen, sich gegen die von den Fabrikanten getroffene Preiserhöhung zu wehren, müssen aber einsehen, daß die Fabrikanten die Stärkeren sind. Bisher wenigstens haben die Händler nichts Feuerwehrbericht. Gestern früh um 7 Uhr kam in einer Buchausgerichtet, und da sie selbst die Steuer auch nicht tragen wollen druckerei in der Wallstraße 17/18 im 2. Stock auf dem 2. Hofe und vielleicht auch nicht können, so werden wohl oder übel die Feuer aus. Papier u. a. brannte dort. Wegen eines Brandes Stonsumenten wieder, wie in allen anderen Fällen, die Leid. in einem Fabrikraum in der Demminerstraße 7 mußte die Feuer tragenden sein. Die Händler haben sich nun vorzugsweise darauf wehr ausrüden. Regale usw. waren dort in Brand geraten. Im verlegt, von den Fabrikanten zu verlangen, nicht an Schleuderer Erdgeschoß des Quergebäudes Prenzlauerstraße 11 brannte zu liefern, und aus einem dieser Tage in unserem Blatt veröffent- Petroleum, die Treppe u. a. Ferner hatte die Wehr in der lichten Bericht über eine Versammlung des neugegründeten Chorinerstraße 38/39, wo Kartons, Immobilien usw. brannten, in Zentralverbandes der Bigarrenhändler war zu ersehen, daß es die der Rostockerstraße 50, Karlstraße 3, Memelerstraße 56, Bergmann Händler sehr unlieb bemerkten, daß große Zigarettenfirmen auch straße 53 und anderen Stellen zu tun. an Fabrillantinen für geringeren Breis, als sonst üblich, ihre Waren lieferten. In der Versammlung war noch betont, daß die Händler sich dadurch geschädigt fühlten, weil Arbeiter und Angestellte dieser Fabriken Freunde und Bekannte häufig mit der billigen Ware versorgten. Vorort- Nachrichten. Soweit die Händler dafür wirken werden, daß die Fabrikanten mit ihren Preisen herabgehen, ist gar nichts dagegen einzuwenden. Wenn sie aber den Fabrikanten Vorschriften machen, den Fabriken Charlottenburg. und Fabrikkantinen nicht mehr für den bisherigen Preis zu liefern, so müssen wir uns dagegen wenden. Das kommt auf nichts mehr oder weniger als auf eine Verteuerung des Produkts. und auf eine Benachteiligung der Konsumenten hinaus, die in der Fabrik ihren Bedarf an Zigarren und Zigaretten decken. Diese Maßnahme der Händler richtet sich in der Hauptsache gegen die vielen Konsumvereine, die in zahlreichen Fabriken bestehen und ist nicht geeignet, ihnen in weiteren Streisen Sympathie entgegen zubringen. “ An Den Hauptmann von Köpenick nachmachen wollte in der Nacht vom Mittwochy zum Donnerstag der Arbeiter GIwing, Nollen dorfstraße wohnhaft. Dieser Versuch, der, wie sich später heraus stellte, auf Grund einer Wette gemacht wurde, ist dem E. schlecht bekommen, denn nicht lange dauerte es, als ihn die Polizei am Kragen hatte. G. soll in einem Restaurant in der Golzstraße mit mehreren Gästen die Wette gemacht haben, daß er es auch heute noch fertig bringe, einen falschen Hauptmann zu martieren. Hierauf hat er sich, soweit es ging, eine Hauptmannsuniform verschafft, einen Säbel hat er jedoch nicht mehr bekommen können. In dieser Uniform ist er dann durch die Kyffhäuserstraße nach dem Nollendorfplab gegangen. Den Passanten fiel die eigenartige Haltung Die Armen- und Waisenpflege in Charlottenburg. des Offiziers" auf; er wurde verfolgt und am Nollendorfplatz ein Nach dem in den„ Amtlichen Nachrichten" veröffentlichten Be. Schumann auf den Hauptmann aufmerksam" gemacht. Als ihn richt wurden im Jahre 1905 für die Armen- und Waisenpflege der Schuhmann verhaftete, zeigte er die größte Entrüftung; mit 1583 257 M., b. h. 138 118 m. mehr als im Vorjahre verbraucht. Hülfe eines Kriminalschußmannes wurde er jedoch nach der Wache Die Mehrausgabe erflärt sich in der Hauptsache aus der Zunahme gebracht. Dort aber martierte er immer noch den Forschen". Erst als ihm die Uniform ausgezogen wurde und unter dem Waffenrock der Bevölkerung. Einzelne Ausgabepositionen weisen jedoch über eine blaue Bluse zum Vorschein kam, gestand der„ Herr Hauptmann" diese Zunahme hinaus eine Erhöhung auf, und die auf den Kopf weinend ein, daß er Arbeiter an der Schöneberger Gasanstalt jei. der Bevölkerung entfallende Ausgabeziffer ist dadurch von 5,10 G. wurde, nachdem sein Wohnsitz festgestellt war, wieder entlassen auf 5,34 M. gestiegen. Trotzdem bleibt diese Ziffer noch immer und dürfte nun eine Antlage wegen groben Unfugs zu gewärtigen Die Delegiertenwahlen der Arbeitnehmer in der Ortskranken- weit hinter denen anderer Großstädte, insbesondere Berlins, zurüd. haben. fafte für das Schlächtergewerbe endeten mit dem Siege der Liste des Die Gesamtzahl der Unterstützten ist von 6698 auf Zentralverbandes und der Brüderschaft der Fleischer. Alle Mittel, 7461, der Prozentsatz der Unterstüßten von der Einwohnerzahl von Nixdorf. die die Arbeitgeber anwendeten, um Vertreter der ihnen ergebenen 2,98 auf 3,11 gestiegen. Unter ihnen befinden sich 1200, die ledigStreifbrechergarde, oder wie die Arbeitgeber sich ausdrücken, lich durch Verpflegung auf Armenkosten in einem Krankenhause Ein Freundesdienst. Ein großes Dpfer für seinen Freund brachte die Innungsliste, durchzubringen, waren vergebens. Vor der unterstüßt worden sind. Nicht weniger als 2009 aller Unterstüßten wie uns mitgeteilt wird, der Arbeiter Kahledt. Im September erWahl wurde noch ein Flugblatt verteilt, in welchem man die sind Witwen. Die hauptsächlichste Ursache laufender Unter- litt bei dem Brande in einer Linoleumfabrik der Arbeiter Stelzer organisierten Gesellen als arbeitsscheues Gesindel" bezeichnete stübungen find wie stets Strantheit, Gebrechen, Verlegungen und so schwere Brandwunden, daß seine Heilung nur möglich war, wenn und in der schamlosesten Weise beleidigte. Vier meistertreue Ge- Altersschwäche gewesen. Die günstige Wirtschaftslage ihm andere Menschenhaut auf die Wunden gelegt wurde. Sein Freund fellenvereine hatten das Flugblatt unterzeichnet: Verein der Ber- des Jahres 1905 hat, wie die Zahlen zeigen, auf die Höhe der Aus- Rabledt erbot fich, Haut von sich abnehmen zu lassen, was auch am liner Engrosschlächtergesellen, Verein Butte, Darmschleimer, gaben kaum einen nennenswerten Einfluß auszu- 13. November geschah. Kahlebt wurde von beiden Oberschenkeln die Katholischer Gesellenverein, Freie Vereinigung der Schlächter- üben vermocht. Haut abgezogen und dem Stelzer aufgelegt. Beide Patienten sollen gesellen zu Berlin( Gelben"). Von wesentlichem Einfluß auf die Höhe der notwendig ge- fich nun im Rigdorfer Krankenhaus wohl befinden. Hoffentlich ist Alle Anstrengung der Gegner und der Arbeitgeber war um- wordenen baren Unterstüßungen ist wiederum die Höhe der dieser Freundesdienst von heilbringendem Erfolg. sonst. Die Liste der organisierten Gesellen erhielt 255 Stimmen, Wohnungsmieten gewesen. Der Bericht hebt, wie schon bie der Meistertreuen 120 Stimmen. Bei der Vorstandswahl ent- in früheren Jahren, hervor, daß die Höhe der Mieten und die sie Schmargendorf. fielen auf die Liste der Organisierten 39, auf die der Gegner beeinflussende verhältnismäßig geringe Bahl leerstehender kleiner Ueber ,, das Leben ohne Gott" referierte in der letzten Mitglieder12 Stimmen. Nach diesem Resultat dürfte dem Innungsanhängsel Wohnungen, die Armenverwaltung zu erhöhten Anforderungen versammlung des Wahlvereins Genosse Dr. Löwenstein. Der Redner für immer klar sein, daß sie kein Anrecht an die Kaffe haben, und zwingt, ohne daß die Armen dadurch selbst irgend etwas mehr er- verstand es durch seine packende Vortragsweise das Interesse der feine Gelegenheit finden werden, dieselbe Mizwirtschaft, die sie halten. Die Mietspreise der Armenwohnungen Genossen an seinen Ausführungen zu wecken. Als Delegierte zur auf der Herberge haben, auch auf der Ortskrankenkasse einführen sind, troßdem die Preise bereits 1904 außerordentlich hoch waren, Kreis- Generalversammlung wurden die Genoffen Rogatt, Laute und zu können. noch weiter gestiegen. Die Höhe dieser Breise hat neben Peters gewählt. Die Genossen ehrten das Andenken des berder Höhe, auf der sie die Unterstübungen im allgemeinen zu halten storbenen Genossen August Dreesbach durch Erheben von den Sigen. Die Gasplage in der Müllerstraße, die seit drei Wochen die zwingt, auch nicht unerhebliche Aufwendungen zur Abwendung Anwohner belästigt und schädigt, führte zu einer start besuchten drohender Ermissionen zur Folge: 1905 in 92 Fällen 2394,40 M., Protest versammlung, die Donnerstag abend in der Bod- in der ersten Hälfte 1906 in 51 Fällen 1464,35 W. Trotzdem weist Ober- Schöneweide. M. brauerei, Chausseestraße, tagte. Es wurde mehrfach darauf hin- das städtische Familienobdach im Jahre 1905 eine gegen 1904 In der Klagesache des Genossen Grunow auf ungültigkeitsgewiesen, daß der ähende Rauch, der von dem brennenden Kohlen- wesentlich erhöhte Belegung auf: 121 Familien mit 497 Stöpfen erklärung der legten Gemeindebertreterwahlen liegt jezt das Urteil fager ausgehe, nicht nur die Gesundheit der Menschen und Tiere gegen 93 mit 882, wenn sie auch hinter der der Jahre 1901 bis des Kreisausschusses vor. Danach ist das Gericht den Einwengefährde, sondern auch den in den Geschäftsläden ausliegenden 1903 weit zurüdbleibt. dungen der Klage nicht gefolgt, indem es begründend ausführt: Nahrungs- und Genußmitteln zum Verderben gereiche. Diese Staufleute, wie auch Juweliere und ein Molkereibefiber würden der Mietspreise und bei der fortdauernden Steigerung ber Im Bericht wird darauf hingewiesen, daß man bei der Höhe Man ist ordnungsmäßig berfahren, wenn zuerst die Ver die das neue Ortsstatut vor mehrung der Gemeindeverordneten wahrscheinlich mit Schadenersatzklagen an die Verwaltung der Gas- 2ebensmittelpreise eigentlich viel höhere laufende Unter- fchrieb durchgeführt und dann dieſem vermehrten Wahlkörper anstalt herantreten. Nach reger Debatte wurde folgende te foluftüßungen erwarten müßte. Daß sie verhältnismäßig niedrig sind, die Wahl des neuen, dritten Schöffen überlassen wurde. Da dann liegt daran, daß die Unterstübungen in der Mehrzahl der Fälle nur aber bei der Wahl der Gemeindeverordneten nicht feststand, daß der " Die in der Berliner Bockbrauerei, Chausseestraße, ver- einen Zuschuß zum Lebensunterhalt bilden. Die wiederholt von neue Schöffe ein Angesessener sein würde, so mußte die Wahl derart sammelten Anwohner der städtischen Gasanstalt in der Chaussee-, reattionärer Seite in der Stadtverordnetenversammlung geäußerte geregelt werden, daß auch ohne Rücksicht auf ihn zwei Drittel Müller-, Bohen- und Sellerstraße sprechen ihre Entrüstung darüber Ansicht, es tönnten vielleicht Bersonen lediglich nach Charlottenburg ber Vertretung Angefessene find. Denn diese givei Drittel aus, daß die Verwaltung der städtischen Werke nicht sofort ener- gezogen fein, um hier eine erhöhte oder leichter erreichbare Armen- find die Mindestzahl. Unter diese darf bie Bahl gische Maßnahmen zur Löschung des Kohlenbrandes ergriffen hat. unterstübung zu erlangen, eine Anficht, die schon auf den ersten der Angeseffenen unter feinen Umständen heruntergehen." Sie fordern, daß die städtischen Behörden ihrer wiederholt Blid als widerfinnig erscheint, wird nunmehr auch durch Zählungen feits hat das Gericht aber die Wahlen der dritten Abteilung für gegebenen usage gemäß die Gasanstalt, die, wie die der zugezogenen Empfänger laufender Unterstützungen seitens der ungültig erklärt. Die willkürliche Bestimmung des Gemeindebisherigen Ereignisse gezeigt haben, eine stete und eminente Armenverwaltung widerlegt. Nur 7 Broz. aller im Jahre 1905 vorstehers, daß hier der Angesessene im 2. Wahlbezirk zu wählen sei Gefahr für den dicht bewohnten Wedding- Stadtteil bildet, aus der laufend unterstüßter Personen wohnen noch nicht 2 Jahre in Char-( die Wahl fand erstmalig in zwei Bezirken statt), ist nicht maßgebend, Müllerstraße entferne und den Betrieb ungesäumt nach der neuen lottenburg, dagegen über 81 Broz. länger als 5 Jahre, fast 60 Broz. vielmehr hätte in diesem Falle das 20s entfcheiden müssen. Die Gasanstalt in Tegel verlege, daß insbesondere auch die Kohlen, länger als 10 Jahre, fast 24 Proz. länger als 20 Jahre und fast Kosten des Verfahrens fallen mit dem Kläger und mit ½ der die weit über die polizeilich zulässige Höhe 14 Broz. länger als 3e Jahre beklagten Gemeinde au. tion einstimmig angenommen: " Anderers Pankow. Die Generalversammlung des Wdfjlvereins am Dienstag cljtte bcä Andenken de» Genossen Dreesbac�Manncheim dnrch Erheben von den Plätzen. Aus dem Vorstandsbericht ist hervorzuheben, daß die Zahl der Mitglieder in diesem Jahre uni zirka 300 gestiegen ist. Sie stellt sich aus 853, einschließlict» der Französisch-Buchholzcr, Schönwalder und Großsllzäncbeckcr Mitglieder. Im Bezirk wurden 25 öffentliche und 20 Vereinsversainmluiigen abgehalten, davon in Pankow 15 bezw�.10. Den Extrazahkabend im Oktober d. I. be- suchten 640 Genossen in Pankow und Französisch-Buchholz. Kürzlich wurden drei Vereinsmitglieder als Arbeitnehmerbeisitzer ins Pankower Gewerbegericht gewählt; dagegen siegten die Bürgerlichen diesmal bei der Wahl der Arbeitgcberbeisitzer mit 50: 10 Stimmen über die Kandidaten de» Vereins. Der Protest gegen die Franzö- sisch-Bucbholzer Eemeinderaiswahl mußte zurückgezogen werden, da die Berufungsfrist verstrichen war. Auf den Kandidaten des Vereins entfielen bei der dortigen Stichwahl 151 von 305 Stimmen(gegen 87 bei der HauptwahlZ. In der Diskussion wuvde Kubig der Vor- Wurf gemacht, daß er in einer Vorstandsfitzung des Kreiswahl. Vereins den Vorsitzenden zu Unrecht bloßgestellt habe. Kubig recht- fertigte sich gegen den Vorwurf, gerner protestierten mehrere Diskussionsredner gegen die Ausführungen Freiwaldts und Äubigs in der letzten Vereinsvcrsaminlung, denen zufolge Delegierte solche Beschlüsse, die nach ihrer Ansicht unrichtig sind," nicht zu vertreten haben. Wiederholt wurde gefordert, daß die Beschlüsse der Vereins- organisation unter allen Umständen zu respektieren sind und daß Delegierte, die einen anderen Standpunkt einneljmen, ihr Mandat niederzulegen haben. Lnerbei wurde auch beanstandet, daß die Abstimmung über die Gründung einer Zentral-Zeitungsspedition nicht im Verein erfolgt sei und der Vorstand des Kreiswahlvercins eigenmächtig gehandelt habe. Am 24. August habe der letztere bereits den Beitritt des Niederbarnimer Kreises zu der offenen Handelsgesellschaft erklärt, trotzdem der betreffende Antrag erst den Kreisversammlungen, vom 26. August und 3. September vor- gelegen habe. Die Genossen wünscksten, daß über die Vorstands- und Kommissionsvcrhandlungen rtzchtzeitig berichtet wird, damit die Organisationen beraten und beschließen können, bevor die Vcr- traucnsleute neue Einrichtungen ins Leben rufen.— Der Kassen. bestand des Vereins stellt sich auf 184,70 M.(Einnahme im Jahre 1906 2112,56 M., Ausgabe 1927,86 M.) Die Zahl'der Abonnenten des„Vorwärts" ist auf 1292 gestiegen, davon 987 in Pankow, 220 in Niederschönhausen und 95 in Französisch-Buchholz.— Zum zweiten Punkt der Tagesordnung, Stellungnahme zur Kreis- gsneralversammlung am 8. Dezember 1906, lagen drei Anträge auf Aenderung des KreiswahlvereinSftatuts vor, die angenommen wurden. Die Delegierten werden fortan auf ein halbes Jahr ge- wählt. Die Mahlzeit der in dieser Versammlung gewählten Delc- gierten läuft am 30. Juni 1907 ab. Ein Antrag des Genossen Neumann zum preußischen Parteitag, der besagt, daß die Partei sich bei den LandtagSwahlen nicht wieder in größerem Umfange be- teiligen möge, wurde wegen der vorgerückten Zeit nicht mehr er- örtert. Gewählt wurden: als Vorsitzende Räber, Glüer; Kassierer RiMe; Schriftführer Sonntag. Hilmann; Beisitzer Bollmann, Otto, Scheffler; Revisoren Fengler, Kühl, Witte; Lokalkommission Rabeiiow, Schön; Zeitungskommission Kubig, Spiekcrmann; Kreis- delegierte Albrccht, Jügler, Körte, Kühl, Lehmann, Riebke, Scheffler, Walter und Witte. In später Stunde wurde noch ein Antrag, die Vereinsversammlungen abwechselnd in den Lokalen der Herren Grotzkurt und Roczycki anzuberaumen, angenommen; dagegen der Antrag, das Lokal überhaupt zu verlegen, abgelehnt. Nieder- Schönhausen. Die RathauSfrage scheint nach den Verhandlungen der letzten Gemeindevertretung gelöst zu sein. Von dem Bau eines Rathauses wird vorläufig Abstand genommen. Bekanntlich sollte das Hoppesche Grundstück zum Bau eines neuen Rathauses angekauft werden. Nach den Andeutungen des Gemeindevertreters Jlnitzky Hoppe gegenüber ist letzterer jedoch von seinem Vorhaben, sein Grundstück an die Ge- meinde zu verkaufen, zurückgetreten. In einem Schreiben an die Gemeindevertretung weist H. die gegen ihn erhobenen Vorwürfe, als habe er einem Mitglieds der Gemeindevertretung ein Darlehn überreicht zu dem Zwecke, es bei der Ab- stimmung über den Ankauf des Grundstückes zu be- einflussen, zurück; er habe lediglich das Mitglied vor dem Zu- sammenbruch retten wollen, und das sei ihm gelungen. Aus der Debatte über die Rathausfrage ging denn auch hervor, daß die Kommisston von dem Bau eines Rathauses Abstand zu nehmen sich einig geworden sei. Eine lebhafte Debatte entspann sich über die Lösung der Frage. Die Kommission schlug vor, das Schnckertsche Grundstück m der Kaiser Wilhelmstraße zu Rathauszwecken zum Preise von 142 000 Mark anzukaufen. Hiergegen wandte sich der Gemeindevertreter Jlnitzky und machte zugleich die Mitteilung, daß die Terrain- Aktiengesellschaft der Gemeinde ein Grund- stück schenken wolle. Diese Mitteilung wurde von dem Gemeinde- Vertreter Thiebach anscheinend richtig beurteilt. Mit Recht sagte er: „Ein Geschäftsmann, der ein Grundstück uns für Rathanszwecke her- gibt, der will etwas, der will sein nebenan liegendes Terrain höher bewerten". Nach längerer Debatte wurde schließlich die Beschlußfassung über den Ankauf des Schubertschcn Grundstücks vertagt und beschlossen, die Ausschreibung von Mietsräumen zu Rathauszwecken vorzunehmen. Für die Bildung eines Armenbezirks wurde Lehrer Rehfeldt als Vorsteher in Anssicht genommen. Nach den bisherigen Verhandlungen in der Rathausftage zu urteilen, erscheint es nachgerade als eine dringende Notwendigkeit, daß ein sozialdemokratischer Vertreter in das Dorfparlament einzieht, um ? fragen, die für manchen Gemeindevater reine Jnteressenfragen zu ein scheinen, mehr vom allgemeinen Gesichtspunkte zu behandeln. Gerichte-Zeitung. Wegen Amtsunterschlagung in drei Fällen stand gestern der städtische Gelderheber Paul Schmidt vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I. Es gehörte zu seinen Obliegenheiten, die städtischen Abgaben für Gas, Wasser- lcitung und Kanalisation von den Verpflichteten einzuziehen und soll in drei Fällen mit den Quittungen widerrechtlich verfahren sein und die Gelder, über die die Quittungen lauteten, sich an- geeignet haben. Er bestritt dies und behauptete, daß es sich um Mankos handele, die bei jedem Steuererheber vorzukommen pflegen. Auf Grund einer umfangreichen Beweisaufnahme hielt der Ge- richtShof die Schuld des Angeklagten für erwiesen und verurteilte ihn zu sechs Monaten Gefängnis. Ein Wertpapierdiebstahl bei der Allgemeinen Elektrizitätß- Gesellschaft beschäftigte gestern die 1. Strafkammer des Land. gerichts I. Aus der Untersuchungshaft wurde der 25jährige Handlungsgebülfe Benno N e u m a n n vorgeführt. Der An- geklagte hat das Einjährigen-Examen bestanden, trat dann bei der Postbehörde ein. Etwa ein Jahr führte sich der Angeklagte hier zur vollsten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten, dann unterschlug er amtliche Geldbeträge. Er wurde zu einer Gefängnisstrafe ver- urteilt. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis fand N. eine Stellung in einer Buchhandlung. Hier unterschlug er einen Posten Bücher. Von nun an folgte Strafe auf Strafe. Unter unrichtigen Angaben über sein Vorleben bewarb sich der Angeklagte im Juli diese? Jahres um eine von der Allgemeinen Elektrizitäts-Gescll- schaft ausgeschriebene Stellung alS Hülfsschreiber.' Am 1. August wurde N. von der Gesellschaft angestellt. Schon am nächsten Tage hatte er Gelegenheit, bei der Lohnabrechnung mit größeren Summen hantieren zu müssen. Als er den Auftrag erhielt, sechs Geldbricfc mit einem Gesamtkapital von 8000 M. zu expedieren, füllte er die Gcldbriefe mit Zeitungspapier. Mit den gestohlenen 8000 M. in der Tasche verlieh er dann das Bureau und kehrte nicht mehr zurück. Ein Steckbrief gegen ihn hatte Erfolg, nachdem ' Z7.antwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin- Für de» er das Geld vergeudet hatte. Auf Antrag des Justizrats Sello war der Medizinalrat Dr. Hoffmann als psychiatrischer Sach- verständiger geladen worden. Das Gericht erkannte mit Rück- ficht darauf, daß N. nach dem Gutachten des Medizinalrats Dr. Hoffmann ein geistig minderwertiger Mensch sei, dem An- trage des Staatsanwalts geniäß auf ein Jahr sechs Mnate Gefängnis und zwei Jahre Ehrverlust. Die Polizeiverordnungen über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage und die Verkaufsautomaten auf Bahnhöfen. Nachdem sich das Kammergericht in Berlin neulich, wie wir berichteten, über das Verhältnis der Gewerbeordnung(Neunuhr- Ladenschluß usw.) zu dem automatischen Verkauf auf Bahnhöfen außerhalb der Bahnsteigsperre aus- gelassen hat, hatte es neuerdings Stellung zu nehmen zu der Frage, ob die Verordnungen über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feier- tage auf diese Automaten als Verlaufs st eilen Anwendung finden. Die Staatsanwaltschaft in Köln am Rhein nahm das an und erhob auf Grund einer Verfrommungs- Verordnung vom Jahre 1854 Anklage gegen den Prokuristen Hahn von der Schokoladenfirma Gebrüder Stollwerk, weil er nicht dafür gesorgt habe, daß die von dieser Firma im Kölner Hauptbahnhofc außerhalb der Sperre aufgestellten vier Berkaufsautomaten während der Stunden des Gottesdienstes an einem Sonntag geschlossen wurden, und weil er so ihre Be- Nutzung durch das Publikum ermöglich habe. Hahn wurde jedoch in zweiter Instanz vom Landgericht zu Köln frei- gesprochen und das Kammergericht hat am Montag die hiergegen von der Staatsanwaltschaft eingelegte Revision verworfen. Das Gericht verwies auf sein Urteil, durch das es die Wirksamkeit der Gewerbeordnung(Reunuhr-Laden- schlutz usw.) für diese Automaten für ausgeschlossen erklärt hat, und führte aus, daß dasselbe auch für die Be- stiminungen über die Heilighaltung der Sonn- und Feiertage gelte. Falle der Eisenbahnbetrieb nicht unter die Sonntagsheiligung, so fielen darunter auch nicht dessen im Interesse der Reisenden geschaffenen Nebeneinrichtungen, wozu auch die auf dem Bahnhof oder außerhalb der Sperre stehenden Warenautomaten gehörten. Streikvergehen. 1. Gelegentlich des Maurerstreiks im Juni d. I. zu Bautzen versuchte der Maurer Paul Herm. Sta�je vor der Saydacr Ziegelei einen Arbeitswilligen zur Niederlegung der Arbeit zu bewegen. Starke war Mitglied des Zentralverbandcs deutscher Maurer; der Arbeitende namens Kupke gehörte vor Ausbruch des Streiks ebenfalls der Organisation an, hatte auch während der ersten acht Tage gestreikt, dann aber die Arbeit wieder auf- genommen. Starke hielt seinem ehemaligen Kollegen das Unfaire seiner Handlungsweise vor:„Du darfst hier nicht arbeiten, Du bist ein Streikbrecher und wirst sehen, was passiert, wenn Du weiter arbeitest!" Kupke ließ sich aber nicht von der Arbeit ab- halten und stellte außerdem noch gegen Starke Strafantrag wegen Beleidigung und Bedrohung. Die letztere wurde in dem Satze: „Wenn Du weiter arbeitest, wirst Du sehen, was passiert!" er- blickt. Das Schöffengericht Bautzen verurteilte den An- geklagten zu einer Gefängnis st rase von zwei Wochen; das Landgericht ermäßigte diese Strafe in der Berufung auf drei Tage Gefängnis. Starke legte Revision beim Ober- landesgericht ein. Die Revision wurde verworfen. 2. Der Schlosser Oswald Alfred Fuchs in Meißen stand ge- legentlich des Ausstandes bei der Firma Biesolt u. Locke in Meißen auf sogenanntem Streikposten. Fuchs, welcher dem Streikkomitee angehörte, äußerte gegenüber einigen Arbeitswilligen:„Pfui Teubel, da wird's einem ganz schwül!" Dabei soll er ausgespuckt haben. Als dann noch ein ehemaliger Kollege, der ebenfalls die Arbeit wieder aufgenommen hatte, erschien, sagte er:„Jetzt kommt erst der schönste!" und bezeichnete ihn als Waschweib. Fuchs zog sich eine Anklage wegen Vergehens gegen die§§ 152 und 153 der Gewerbeordnung zu und wurde zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Verurteilte legte gegen diese hohe Bestrafung Revision ein. Das Oberlandesgericht verwarf auch diese. 3. Ein sonderbarer Fall spielte wieder einmal vor dem Schöffen- gericht in Dresden. Auf einem Neubau in Dresden hatten die organisierten Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Die dadurch frei- gewordenen Stellen wurden sofort von der Streikbrecher- Vereinigung besetzt. Auch diese arbeiteten nur eine kurze Zeit dort, da die Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu traurige waren. Die organisierten Arbeiter waren inzwischen sämtlich an anderen Stellen untergebracht worden. So auch der Arbeiter Kubitz. Am 17. September kam nun an dem Neubau, auf welchem K. be- schäftigt war, der Ziegelträger C. mit mehreren anderen Streik- blechern vorbei und fragten auch um Arbeit an. Da Kubitz den C. von einer früheren Arbeitsstelle her als Streikbrecher kannte, so rief er diesem in der Erregung zu:„Du Lump, Du Strolch, Du Streikbrecher, jeh' doch Du sonst wo hin!" C. erstattete über diesen Vorfall sofort Anzeige, und K. erhielt denn auch bald darauf eine Strafverfügung über eine Woche Gefängnis. Er be- antragte richterliche Entscheidung. Vor dem Schöffengericht zog C. am Donnerstag seinen wegen Beleidigung ge- stellten Strafantrag zurück. Trotzdem wurde Kubitz wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe- ordnung zu einer Woche Gefängnis bor- urteilt! 4.„Oh, ihr Streikbrecher?" rief während des Nürnberger Bau- arbeiterstreiks der Maurer Georg Luber den Arbeitswilligen zu, die an einem Neubau arbeiteten. Dafür verurteilte ihn das Schöffengericht zu 3 Tagen Gefängnis. Die auf Grund des 8 153 der Gewerbeordnung aufgebaute Strafjustiz schreit nach einem endlichen Schutz gegen diese Justiz imJnteresse der Gerechtigkeit und des Koalitionsrechtes. Ein Lehrer als Sittlichteitsverbrecher und Mörder. Der Lehrer Müller, der sich vor einiger Zeit an einer 11jährigen Schülerin verging und sie dann ermordete, wurde nach zweitägiger Verhandlung vom Bayreuther Schwurgericht gestern zum Tode und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Lehrer Müller hat nunmehr eingestanden, auch den vor etwa zehn Jahren an einer Frau Andreß verübten Lustmord begangen zu haben. Versammlungen. Die WeihnnchtSfreude der Photographcn-Gehülfen. Eine gutbcsuchte Photographenversammlung tagte am Donnerstag im Lokal Landsbergerstraße 39. Auf der Tagesordnung stand: „Ueber stunden und Weihnachtsgratifikation". Nach Eröffnung der Versammlung und Wahl eines Bureaus wollte der Vorsitzende die Versammlung vertagen, weil der Referent, Reichstagsabgeordneter Pinkau, noch nicht erschienen sei. Der über- wachende Beamte wollte das aber nicht gelten lassen. Eine Ver- Handlung wollte erst,„das Protokoll" solle mindestens verlesen werden. Da es sich um eine öffentliche Versammlung handelte, existierte natürlich ein verlesbareS Protokoll nicht. Um einer Auflösung vorzubeugen, nahm schnell der anwesende Berichterstatter des„Vorwärts" das Wort und sprach 10 Minuten lang über das Thema deS Abends und kurz über die— Nicht» berechtigung des Verhaltens des Ueberwachenden. Damit war dessen Verlangen nach einem„Eintreten in die Verhandlung" genügt. Nunmehr gestattete er freundlichst die Vertagung. Da Reichstags- abgeordncter Pinkau— vermutlich infolge eineS Mißverständnisses � nicht kam, so trat der Verbandsvorsitzende Hänlein für ihn em, Inseratenteil vcrrntw.: Tb,.vl cke» llVrlia. Druck r. Verlag: Vorwärts Redner gab einen Ueberblick über die EntWickelung des Photo» graphischen Berufes und der Arbeitsbedingungen darin und stellte fest, daß im photographischen Beruf im Gegensatz zu anderen Berufen die Enllohnungsverhältnisse nicht fortgeschritten seien, ab- gesehen von verschiedentlichen Ansätzen einer besseren Regelung in einzelnen größeren Betrieben, speziell ReProduktionsbetrieben. Im allgemeinen, namentlich aber in den Fach-Porträtateliers. wo die schlechtesten EnttohnungSverhältnisse vorkommen, fei die Bezahlung im besten Falle stabil geblieben, und das trotz der zunehmenden Teuerung. Ein Hauptkrebsschaden aber sei es, daß die vor Weihnachten notwendig werdende Ueberarbeit meist nicht bezahlt, sondern durch eine Weihnachisgratifikation abgegolten werde. Es gebe nichts Eni- würdigenderes, als wenn jemand auf ein Geschenk hoffen und harren müsse, statt seine Leistungen bezahlt zu erhalten. Während in anderen Berufen Ueberstunden bezahlt würden, sogar mit Auf« schlag, falle es den wenigsten Inhabern photographischer Betriebe ein, sie überhaupt zu bezahlen. Dem unwürdigen System müsse endlich ein Ende gemacht werden. Welche Versuche wären nun in der Richtung zu machen? Da sei es� zunächst notwendig, die Organisation auszubauen, daß sie stark werde und einen Tarifvertrag, wenn er nicht gütlich zustande komme, eventuell erkämpfen könne. Eine gütliche Verein» barung wäre natürlich, wenn möglich, vorzuziehen. Die weitere Frage sei, ob schon dieses Jahr unter Verzicht auf ein Geschenk die Bezahlung der Weihnachts-Ueberzeitarbeit zu verlangen wäre. Da eine Anzahl Arbeitgeber anwesend seien, die der Ein- ladung der Gehülfen gefolgt waren, so könnte eine Aussprache darüber von Nutzen sein. Er würde als Forderung sich denken die Bezahlung der Ueberstunden bis 10 Uhr mit einem Zuschlags von 25 Prozent, nach 10 Uhr mit 33 Vz Prozent. Möge man vorläufig an eine Regelung der Ueberzeitbezahlung und dann an den Abschluß eines ganzen Tarifvertrages denken. Die Aussichten für einen solchen wären um so besser, je eher die Arbeitnehmer, aber auch die Arbeitgeber, eine festgeschlossene Organisation hätten. Redner schloß' mit einem Aufruf an die zahlreich er- schienenen Pbotographengehülfen und-Gehülfinnen. sich dem deutschen Gchülfenverband anzuschließen.(Lebhafter Beifall.) Eine größere Anzahl Gehülfen sprachen im Sinne des Referenten und teilten verschiedene Erfahrungen mit. Aus ihren Ausführungen ist noch zu entnehmen: Einige Geschäfte bezahlen Ueberstunden, vereinzelt gibt es auch einen Zuschlag. Der Gratifikationsunfug überwiegt. Die Gratifikation erreicht nur in einigen Geschäften eine annehmbare Höhe, in anderen stellt sie auch nicht annähernd ein wirkliches Entgelt für die geleistete Mehrarbeit dar. In einer Kunst- anstalt, wo vor Weihnachten bis ll'/a Uhr nachts durchgearbeitet wurde, vertröstete man die Gehülfen ebenfalls aus die Gratifikation. In einem anderen Geschäfte wurde von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends ohne Tischzeit durchgearbeitet, ohne Entschädigung und ohne Gratifikation. Es gibt humane Chefs, daneben aber auch Ausbeuter schlimmster Art. Herr Blum, Prinzipal und Vorstandsmitglied der Berliner Prinzipalverenngung, erklärt, er könne sich nicht daran gewöhnen, daß die photographischen Mitarbeiter sich so ganz und gar auf den Standpunkt eines industriellen Arbeiters stellen wollten. Die in der Diskussion laut gewordene Annahme, die Gehülfcnschaft könne mit dem in Berlin bestehenden Arbeitgeberverein nicht verhandeln, sei irrig. Gewiß sei auch dort manches noch zu bessern. Aber es seien in ihm fähige Leute und Kräfte, die solchen wirtschaftlichen Fragen, wie sie heute verhandelt würden, gewachsen seien, und denen es am Herzen liege sie zu lösen und ein gegenseitiges Ein- Verständnis herbeizuführen. Er sei auch daran gegangen, die Eni- schädigung durch Gratifikation abzuschaffen und genau aus- gerechnet Ueberstunden zu bezahlen. Die Hälfte seiner Angestellten habe dafür, die andere Hälfte für den bisherigen Zustand gestimmt. Für die Praxis ziehe er daraus den Schlutz, daß die Ueberstunden bezahlt werden sollten. Er hoffe auf allgemeine Verständigung. Es sprachen noch mehrere Prinzipale. Zum Teil be- wegten sich ihre Ausführungen im Rahmen derjenigen deS Vorredners, zum Teil suchten sie festzustellen, daß die Porträtphoto- graphen mit ihren kleinen Betrieben wirtschaftlich zu kämpfen hätten. Einer von ihnen meinte, das neue Gehülfenprogramm: „Gegen die Harmonie", sei allerdings nicht geeignet, die Prinzipale zu erfreuen.— Prinzipal Grundner, der Vorsitzende des schon erwähnten Berliner Prinzipalvcreins, schlug vor, die Gehülfen sollten ihren Wunsch nach Abschaffung der Gratifikationen und nach Bezahlung von Ueberstunden in einem Beschlüsse niederlegen; er würde als Vorsitzender in seinem Verein den Beschlutz der Ge- hülfen dann gern empfehlen. Er hoffe auch eine Majorität dafür zu finden, daß zu den Verhandlungen des Zentralverbandes der Arbeitgeber, die die Einführung eines Tarifs bezwecken» Gehülfenvertreter hinzugezogen werden. Mehrere Redner aus den Reihen der Gehülfen, ebenso Hänlein in seinem Schlußwort, betonten gegenüber einigen Darlegungen der Prinzipale den prinzipiellen Gegensatz zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, der auch dort vorhanden sei, wo gegenseitige persönliche Achtung herrsche, und verwiesen auf die fortschreitende Industrialisierung auch des photographischen Berufs. Da die Photographengchülfen in die Rolle industrieller Arbeiter hineingedrängt seien, so müßten sie sich auch als solche fühlen. Nochmals wurde die Notwendigkeit der Stärkung der Organisation und des Abschlusses eines korporativen Arbeitsvertrages(Tarifs) hervorgehoben. Außer der Annahme einer vorliegenden Resolution schlug Hänlein noch die Wahl einer dreigliedrigen Kommission vor, die niit einer ebensolchen Kommission der Prinzipale wegen der Ueberstundenfrage baldigst in Verhandlung treten solle. Folgende Resolution wurde angenommen: „Die versammelten Photographcngehülfen und-Gehülfinnen erklären, überall, wo Gelegenheit ist, dahin wirken zu wollen, daß das entwürdigende System, für geleistete Ueberzcitarbeit zu Weihnachten ein gnädigst gegebenes Almosen zu empfangen, abgeschafft wird. Sie erwarten von den Prinzipalen, ins- besondere von den im Photographischcn Verein zu Berlin organi- sierten, daß sie soviel soziales Verständnis besitzen und diese ge- rechte Forderung erfüllen werden.— In der Erkenntnis, daß, um den Wünschen der Gehülfen gehörig Nachdruck zu verleihen, eine starke Organisation vonnöten ist, verpflichten sich die An- wesenden, unverzüglich dem Photographengehülfen-Verband bei- zutreten sowie alle indifferenten Kollegen und Kolleginnen auf- zurütteln, das gleiche zu tun. Und zwar verpflichten sie sich. so in diesem Sinne zu arbeiten, daß eventuell im nächsten Herbst eine Erfüllung-der Forderungen der Gehülfen nicht abgelehnt werden kann." Die vom Verbandsvorsitzenden vorgeschlagene Kommission soll in der nächsten Mitgliederversammlung gewählt werden. Sie soll versuchen, durch Vereinbarung hinsichtlich der Ueberstunden- bezahlung möglichst noch dies Jahr etwas zu erzielen. Freireligiöse Gemeinde.' Sonntag, den 2. Dezember, BomittagS 83/4 llljr, im Ratbause(Eingang Jüdenslraße), Saal 109: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung.— Lormittags 103/, Uhr in der Schulaula, Kleine Franksurtcrslr. v: Vortrag von Herrn Bruno Wille Uder:„WaS ist Leben?"— Herren und Damen als Gäste sehr willkommen. Ehemalige Patienten der Heilstätte Beelitz». I. werden ge- beten, sich am Sonntag, den 2. Dezember 1906, vormittag« 10 Uhr, im Lokal Brüderftratze 14 einzufinden zwecks Gründung eines Vereins. SozialdomokratUchcr Diskutierklub„Freie Zusammenkunft". Heute abend 9 Uhr: Sitzung im Gewerkschastshause, Zimmer Nr. 16. Berein der Lehrlinge, jugendliche» Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins«»d Umgegend. Abteilung Lichtenbcra-Rummelsburg. Sonn- abend, den l. Dezember, abends 8 Uhr, im Lolal deS Herrn Setzephandt, RummelSburg, Goethestraße S: Versammlung. Singegangene Druchfchnftcti. Plutiis. Kritische Wochenschrift für Volkswirtschaft und Finanzwesen. (Herausgeber: Georg Bernhard.) 43. Hest. Abonnements einschließlich der PIutus-Merttasel vierteljährlich per Post und Buchhandel 8,50 M., dtrclt vom Verlag 4 M. Verlag: Berltn-Eharloltenburg, Goethesir. 69. vüchdruckerel u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW* Sehen Staunen Kaufen! Die enorm billigen Preise haben nur bis Freitag, 7. Dez., abends 9 Uhr Giltigkeit. Für 5 Pfennige 1 Wafferglas 1 tr. Atlasband, bib. 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Wafferleitungsschoner 1 Handarbettetasche, vorgez. 1 vorgez. Schubbentel 1 eleganter Ballfächer m. Malerei 1 Kinder- Garnitur( Kragenu Muff) 1 halbseidenes Herren- Cachenez 1 Samen- Korjeft 1 Damenhemb m. Besah 1 Bet borteger 1 Batistamenfragen 4 Meter doppelter Patentrockitok 10 Meter Ia Satin- Gurtband und 5 Meter Nahtband ½ 28. Staub Ledertücher 1 Greibmappe Für 10 Pfennige 1 Bilderbuch 1 Kaften m. Gewichten 2 Knänel Häfelearn, coul. u. werk 1 Glas m. Buchstaben 8 Meter Sotin Küchenband nud 2 Schnürnabein 1 Baar Porzellan- Taffen 1 weißes Herren- Taichentuch 1 gezeichneter Topflappen 1 fariertes Wischtuch 1 Leitungsschouer 1 Secknadeltuch 1 Lampen eller Neueste Klaviernoten 25 Briefe Locken- u. Haarnadeln 1 Konferven- Ceffner 1 Meter seidenes Ripsband 1 Meter breites Sammetband 1 Hanrfamm 1 Bilder Torchentuch 1 Tablett Deckchen, vorgezeichnet 1 Achbecher zum Andstaken 1 Tintenwischer 1 Karton Bletsoldaten 1 Puppen- Küchenlampe 1 Veitiche 1 Puppenkochmaschine 1 rotes Herren Taschentuch 1 Scheuerbürfte 1 Karton Griffel. Für 98 Pfennige 1 Damen Barchent Beinkleid mit Lanquetten 1 Schultornister 1 Paar Herren Handschuhe, Krimmer mit Leder 1. DB. Küchenhandtücher 1 Gefellichattsspiel 1 Aussich- Lantpuppe 1 Puppen- Schulgarnitur 1 Wirtschaftsschürze mit Trägern 1 eleganter Spachtelfragen I großes Gewehr 1 ecckkasten 1 Puppenwagen 1 Herren Notimal- Hemd 3 Kinderhänger verschied. Größen 1 Küchenlampe 1 Küchenhandtuchhalter 2 Paar Damen- Glacé Handschuhe 1 Knaben Stoff- Blouse 1 Taschentuchbehälter, vorgez. 1 schwarzes Belz.Collier 1 Kaffee Decke 1 Watchständer 1. Ty. Tafthentücher m. Hohlsaum 6 weiße Steingumänie 1 vernickelte Caves. Sofe 1 vernickelte Menage 3 Krawatten im Karton 1 großer Papierkorb Für 15 Pfennige 1 Mundharmonika Waage für aufläden 1 Suaben Stehkragen 1 Küchen- Dandch 1 moderne Haaripange 1 Müllichippe mit Besen für Pupprunuben 1 Puppenstube 1 Kindertrommel als Sparbüchse 1 Puppenprästeifen 1 dedchen, vorgezeichnet 2 Löffeltorbdeckchen 1 Kohlenichaufel 1 Majolika Obstteller 1 Nukknacker 1 Stück Förmgfeife 1 Stück Blumenfeife 1 große@ parbüchse 1 Mtr. Küchenhandtuchstoff 1 Bilderbuch 1 Obstschale 1 Bierjeidel 2 Paar Kinder- Steumsfhalter. 18 Mtr Soutache 1 under Spazierstock 1 Taffe, elegant 1 Paar Manschetten- Kettenknöpfe 1 größeres vorgez. Tablettdeckchen 2 Taillenverschiffe 24 Druckknöpre Für 1.45 Mark 1 Velour Unterrock mit Volant 1 großer Baukasten 1 Laubsäge- Garnitur 1 Damenhemd m. handseft. Passe 1 elegante Tamen- Nachijacke 1 D. Stubenhardtitcher 1 Jacquard Thchtnch 1 h Thich- Servietten 1 weißes Herrenhemd 1 San Töpre 1 Retomaschine 1 Brotkasten 1 Majolika Blumenfübel 1 Kaffeeservice für 2 Personen 1 Kinder- Regenichirm 1 Knaben Krimmer Müge mit Ohrenklappe 1 halbleinenes Bettlaken 1. elegante Batist DamenTaschentücher 1 Velour- Bluse 1 schwarze Pelz- Muffe 1 Nerz Murmel- Collier 1 Bier- Service B 6 Vorratstonnen dek. od. abgetönt 1 Opernglas 2 weiße Rovfkissenbezüge 1 Arbeitsblufe 1 Waffelbettbede, weiß 1 Schlafdecke, bunt Für 23 Pfennige 1 Kindergewehr 1 Crsenbahn 1 Trompete 1 Puvven Möbelgarnitur 1 Nanone 1 Karton Bleifoldaten 1 Schultaiche 1 Baar wollene Kinderstrümpfe 1 Baar Kind.- Ringwood- Handsch. 1 Herren- Krawatte 1 Vaar Knaben- Hosenträger 1 Schlummerfiffen, vorgezeichnet 1 arbinde 1 Wafferkaraffe 1 Weißbierglas 1 aroße Taffe 1 Baar wollene Herren- Soden 1 Tuchbürftentaiche 1 Frühstücksbeutel, vorgezeichnet 1 Damenschuleier 1 Knaben Matrofenfragen 1 elegante große Glasschale 1 Likör- Service 1 befferes Crften shemb 1 gewebtes Wit band 1 weiß gefticktes Taschentuch 5 Glasteller 1 Kleiderbürste 1 Ordnungemappe 1 Korfettichoner Für 1.95 Mk. 1 Maler- Mittel 1 Damen Kleider- Reformschürzen. 2 Minderschürzen, schwarz u. weiß 1 Herren- Filzhut 1 eleganter Damen- Regenschirm 1 Nüchenwage 1 eleg. Damenhemb mit Stickeret Dtd. teinene Herren Taschentücher 1 Damen- Kostümrock 1 cleg. Damen- Velour- Blouse 6 E, 6 Dessertteller u. 1 Star toffelschüssel 1 Kohlenkasten und 2 Pakete Anzünder 1 Dhd.Jacquard Tisch- Servietten 1 Paar Damen- Tanzschuhe. 1 Saffeegedeckt mit 6 Servietten. = 1 eleg Satin Sofatiffen mit Volant 1 Photographie- Album 1 Tischlampe 1 Velour- Anstandsrock m. Volant 1 Brieftasche 1 Paar Ia Herren oder Damens Glacé- Handschuhe 1 Phantafie- Zifchdecke m. Dnaften 2 Shawls Portieren Dizd. wollene Damenstrümpfe 1 jeidenes Damenballtuch Ferner: Unsere berühmten 95 Pfennig- Tage 1 Bfund feine Leberwurft 1 Pid. Mettw. u. Pfe. Th.Knoblauch 95 Pf. Pid.Schinkenfped u., pio del. Sülze 95 Pf. 2 Pip. Swiebel- Leberwurft Für 42 Pfennige 1 Puppenstuben- Lampe 1 tanzender Clown 1 Dampf- Maschine 1 angezogene Gelenkvuppe 1 Paar Monichetten und 1 Paar Kettenknöpfe D. 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Herrenkragen 1 Deckbettbezug, weiß 1 Beienhandtuch, gestickt 1 Küchentischdecke, gestickt 1 Bürstentafe, gestickt 1 reinleinenes Damaft- Tischtuch 2 Shawls abgepaste engl. Züll Gardinen 1 Baar Portieren 1 Wirtschaftowage 1 Gewürzschrank und 6 Tonnen 1 Reisetoffer 1 eleg. Wagendecke u. Paradetiffen 1 Holz- Kaffeemühle 1 Handarbeitsständer 1 Paar Damen- Gummischuhe nur für Lebensmittel! 5 Pid. Kaifer- Auszugsmehl u.8 Balete 1 Bid. Emmenthaler Käse 95 Pf. Fl. Samos Ausbruch u.1Ft.Liqueur 95 Pf. 2 Flaschen Rotwein 93 Bf. ½ Fl. Cognac u,% Fl. div. Liköre 95 Bf. 1 Flaiche Mercier- Cognac 95 Pf. 1 Flasche Halb usb alb 95 p. 95 Bf. 95 Bf. 95 Bf. 2 Flaschen Rüdesheimer 95 Pf. l. Trakehner Getreidefümmel 95 Pf. 95 Bf. 2 Flaschen kör( Kluckerflasche) 93 Bf. 95 Bf. aiche btsi- Likör 95 Pf. 2 Back frt. Kuchenmaffe, 4Bad Bud.- Bulv. 95 Pf. 10 Bid, rote Weihnachts. Nepfel 95 Pf. 3 Bd. Tiroler Aeprel 95 Pf. 2 fb. frz.Wallnüffe u.1ẞfb.afelnüffe 95 Bf. Bib bayr. Biertafe, 1, Bfb. Ed. 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Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. C. Lenz. 1. Etwa 140 Mart. 2. Leichholz ist ein Dorf und Rittergut im Kreise West- Sternberg. Die Post und Eisenbahnstation ist Neutuhnersdorf, etwa 7 Kilometer vom Dorfe entfernt. 3. Der Vertrag ist notariell abzuschließen. 99 101 Schweiz. Bir lehnen grundjäßlich Empfehlung von Firmen ab. J. 3. Es haftet teiner, heißt es ist feiner verpflichtet. 5. R. 32. Wenden Sie sich an die Fortbildungsschule. Moabit 5. Bestimmte Prozentfäße bei Unfallrenten für Verlust oder Beschädigung des Auges, des Armes usw. gibt es nicht. Etwa 33 Proz. werden bei Verlust eines Auges in der Regel gezahlt. Die Unfallvente selbst wird nach Prozenten des nach bestimmten Grundsäßen zu ermittelnden Jahres arbeitsverdienstes gezahlt. Sie müßten schon Ihre Sache unter Beifügung der Papiere darlegen, es ist unmöglich, allgemein alle Fälle im Briefkasten zu erörtern. A. R. 43. Ueber Spielfragen vermögen wir keine Auskunft zu geben. A. P. Glasgow. Sie jeßen sich am besten mit dem Patentamt, Gitschinerstraße, sowie mit einem Patentanwalt in Verbindung. F. M. 34. 1. und 2. Einem unehelichen von dem Ehemann nicht erzeugten in die Ehe gebrachten Kinde seiner Frau fann der Ehemann seinen Namen geben. Hierzu ist die Einwilligung der Mutter und des Vormundes erforderlich. Diese Erklärung ist vor dem Standesbeamten, in dessen Register die Geburt des Kindes eingetragen ist, von der Mutter dem Vormund und dem Ehemann zu erklären oder es ist eine notariell oder gericht liche beglaubigte Erklärung dem Standesbeamten mit dem Antrag, den Für den Inhalt der Jujerate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Berantwortung. Theater. Sonnabend, den 1. Dezember. Anfang 72 Uhr. Opernhaus. Samson und Dalila. Schauspielhaus. Klein Dorrit. Neues Operutheater. Geschlossen. Deutsches. Der Kaufmann von Benedig. Westen. Der Schmetterling. Nachmittags 3 Uhr: Der Waffenschmied. Lorking. Fra Diavolo. Nachmittags 3 Uhr: Peter und Paul reisen ins Schlaraffenland. Anfang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Hochzeitsfadel Kleines. Die Feinde. Die Urania. Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: Geh. Postrat Prof. Dr. K. Strecker: Das Telegraphennetz der Erde und sein Betrieb. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Die Condottieri. Morgen und folgende Tage: Die Condottieri. Kleines Theater. Bum 127. Male: Ein idealer Gatte. Anfang 8 Uhr. Sonntagnachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Leffing. Der heimliche König.( An- Abends 8 Uhr: Ein idealer Gatte. Montag: Ein idealer Gatte. fang 72 Uhr.) Berliner. Kameliendame. Bentral. Laufend und eine Nacht Komische Oper. Nachmittags 3 Uhr: Schnee wittchen und die fieben Zwerge. Schiller 0.( Wallner- beater.) Die Verschwörung des Fiesco zu Genua. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Der Hochtourist. Neues. Die Condottiert. Romische Oper. Lakmé. Residenz. Triplepatte. Lustspielhaus. Husarenfieber. Abends Lakmé. 8 Uhr: Sonntag nachm. 3 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Abends 8 Uhr: Lakmė. Montag: Carmen. Lortzing- Theater Bellealliancestr. 7/8. | " Witterungsübersicht vom 30. November 1906, morgens 8 Uhr. Namen umzuändern, zu übermitteln. 2. St. 11. Uns nicht bekannt. zeit zurückgelegt haben. P. J. 100, Prinzenstraße. Mit Ihren GeldB. N. 21. Die Anzeigen find an den Staatsanwalt, Beschwerde an den stücken tönnen Sie machen, was Sie wollen. R. 66. Wenn der Vertrag Oberstaatsanwalt zu richten. Die Schilderung selbst drängt zu der Ver: nichts Gegenteiliges enthält, kann sofort die Ermissionstlage angestellt werden. mutung, daß Ihr Bruder fich irrt und daß eventuell die Staats- R. R. 44. Benden Sie sich an den Athletenverband bei Dräsel, Neue anwaltschaft das Entmündigungsverfahren gegen ihn einleiten fönnte. Friedrichstr. 35. F. B. 17. Wir möchten vom Selbstunterricht abraten. 21. 100. 1. Etwa hunderttausend Mart. 2. 30 000 M. H. H. 69. Bücher, die einen solchen versprechen, gibt es verschiedenartig; über dieselben 1. Ja. 2. Gleichberechtigung liegt vor. Liegnis 50. Das Testament erhalten Sie in jeder Buchhandlung Auskunft. 5. 3. 400. Nein. ist gültig, wenn die Formvorschriften beobachtet sind. Stempelung ist nicht M. S. Wenden Sie sich an das Bureau des Reichstages oder an den erforderlich. Anleitung und Beispiel zu einem eigenhändigen Testament Abgeordneten Kaden, Reichstag. Sch. 100. Der Name kann Ihnen finden Sie auf den letzten Seiten des dem Arbeiterrecht" beigefügten feineswegs willkürlich verboten werden. Ihnen steht der Beweis Führers. E. R. 27. Nein. 5. F. 10. 1. Sie können gegen den vor Gericht frei, daß der bisher geführte Name der richtige ist. Birt auf Gestattung und Schadenersas flagen. 2. Da die ganze Miete gepfändet ist, dürfen Sie über diese in vollem Umfange nicht verfügen. B. G. 32. Sie bleiben Angestellter der Gesellschaft in Liquidation, falls Sie das neue Engagement nicht annehmen wollen.- E. 3. 89. Ihre Schwiegermutter fann mit Aussicht auf Erfolg Rekurs an das Reichsversicherungsamt einlegen. N. M. 223. Die Klage ist mit Aussicht auf Erfolg beim Amtsgericht anzustellen. R. B. 76. 1. Daß die Miterben in der Tat benachteiligt sind, ergibt Ihre Darstellung nicht. Dieselben tönnen gerichtliche Nachlaßregulierung in die Wege leiten. 2. Ja. O. M. 40. Die Kinder allein sind erbberechtigt. Gen. B. 1. Das ist möglich. 2. Ja. M. W., Manteuffelstraße. Nein. Mülhausen. Der Zwangsinnung würden Sie angehören müssen. Ueber die Befugnis, Lehrlinge zu halten, finden Sie die erforderlichen BeStimmungen in den§§ 106, 126, 126 a, 129 und 129 a der Gewerbeordnung. Danach steht in Handwerksbetrieben die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen nur denjenigen Personen zu, welche 1. das 24. Lebensjahr vollendet haben und 2. in dem Gewerbe oder in dem Zweig des Gewerbes, in welchem die Anleitung der Lehrlinge erfolgen soll, fünf Jahre hindurch persönlich das Handwerk selbständig ausgeübt haben oder als Werkmeister oder in ähnlicher Stellung tätig gewesen sind oder die Gefellenprüfung bestanden haben und die von der Handwerkskammer vorgeschriebene LehrSchiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Sonnabend, abends 8 Ubr: Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Verschwörung des Fiesko zu Genua. Der Hochtourist. Ein republikanisches Trauerspiel in Schwant in 3 Atten von Kurt Kraak und May Neal. 5 Aufzügen von Friedrich Schiller. Sonntag, nach m. 3 br: Die Hoffnung auf Segen. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Hochtourist. Montag, abends 8 Uhr: Die rote Robe. C Sonntag, nach m. 3 Ubr: Weh' dem der lügt. Sonntag, abends 8 Uhr: Mathias Zollinger. Montag, abends 8 Uhr: Der Hochtourist. astans Panopticum Friedrichstraße 165. Der Räuberhauptmann v. Köpenick. Die zusammengewachsenen Schwestern. Abends 62 Uhr: familien- Bier- Kabarett. Zirkus Schumann Heute Sonnabend, den 1. Dezember, abends präz. 7, Uhr: Novitäten- Abend. Sensationelle neue Debuts. 1. a.: 8um ersten Miale in Europa mit spezieller Erlaubnis des Prä fidenten der U... Rosevelt, unter Leitung von Major G. C. Crager aus Neu- Merito 6 Moki- Indianer als a Stationen Barometer. fland inm Wind. richtung Swinemde 745 23 Berlin Windstärke Better Temp. n. T. 5° G. 4° R. Stationen Barometer. stand mm Wind. richtung Windstärke Beller Temp. n. G. 7 Regen 5 Regen 6 bedeckt 11 11 Haparanda 734 N 11 Petersburg 736 SSD Scilly 2 wollig 1 bedeckt 1 3 wolkig 10 berbéen 5 Baris 746 235 750 2 766, S 5 Dunst 11 3 heiter 3 bedeckt pamburg 748 WSW 8 Regen Frankj.a. M. 761 751 SW München 765 S Wien 762 BN 6 halb bd. 9 Wetter- Prognose für Sonnabend, den 1. Dezember 1906. Etwas fühler, zeitweise auftlarend, vorwiegend noch trübe mit ge ringeren Niederschlägen und ziemlich frischen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Zirkus Busch. Heute abend 712 Uhr: Gr. Origin. Ausst.ROM. Bantom. in 7 Bild. Bef. hervorzuh.: Radium- Ballett. Die großen Kampfspiele i. Zirkus Caligula. Die Todesfahrt über die zersprengte Brüde. Phant. Allegorie in feenhaften Lichtund Wasserspielen. Ferner: Zum ersten Male: Miß Dianda m. ihren dress. Affen, Hunden und Kakadus. 3. ersten Male Wiederauftreten des beliebten Zwergclown François mit seinem Dadelpferd. WINTERGARTEN Ruff St Denis die berühmte indische Tänzerin. Jeder Arbeiter, Jeder Handwerker follte zur Arbeit die Lederhose Herkules tragen. Allein- Verkauf. Sehr starkes Leder in praktischent grauen u. braunen Streifen, auch einfarbig. Am Bund aus einem Stück gearbeitet Schr feste Sapp nähte. Haltbarste Pilot- Taschen. Große Flicken umsonst. Die Hose 4 M. 50 Manchester- Hose Marke Gam5 M. 75 brinus, Zwirntette Gefütt. 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Kinder- Märchenvorst. Deutsch Amerikanisches. Im wilden Westen. Herr Hauptmann 3, efer Nachm. 3 Uhr: 1. Stinder. Märchenvorst. b. Stöpenid. Thalia. Eine lustige Doppelehe. Peter und Paul reisen ins Schlaraffenland. Abends 7, Uhr: Fra Diavolo. Abonnements gültig. Sonntag nachm.: Der Wildschütz. Nachmittags 4 Uhr! Hänsel und Abends: Die Regimentstochter. Nachmittags 4 Uhr: Rotkäppchen. Luisen. Flotte Weiber. Gretel. Bernhard Rofe früher Carleik. Lustspielhaus. Die neue Welt. Nachmittags 4 Uhr: Tausend und eine Nacht. Trianon. Der Hausfreund. Walhalla. Spezialitäten. Apollo. Spezialitäten. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Kasino. Die beiden Champignol. Spezialitäten. Folies Caprice. Auguft XXVI. Vaffage. Spezialitäten. Sereniffimus Das Modell. Reichshallen. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Nachm. 3, Uhr: Gänseliesel. Abends 8 Uhr: Husarenfieber. Palast- Theater. Prater- Theater. Burgstraße 24. Kastanien- Allee 7/9. Massen- Vorstellungen - von erstklassigen Spezialitäten vom 1. bis 31. Dezember 1906 arrangiert von der Internationalen Artisten- Loge. E. V. Berlin. Anfang der Vorstellungen 8 Uhr. Deutsch- Amerikanisches Theater. Zentral- Theater. Operette). 3, 115r halbe Breije: Schneewittchen und die 7 Zwerge. Zum Abends 8 Uhr: Tausend und eine Nacht. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Jm Theater abends 8 Uhr: Das Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung: Telegraphennez der Erde und fein Betrieb. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Hänsel und Gretel. Abends 8 103. Jeden Abend 8 Uhr: Gastspiel Adolf Philipp. Im wilden Westen. Male Herr Hauptmann v. Köpenick. Sonnab. nachm. 32 Uhr, kl. Preise: Die Reise durch's Märchenland. Sonntagnachm. 3 Uhr, halbe Pr.: Ueber'n großen Teich. Metropol- Theater Flotte Weiber. Der Teufel lacht dazu. Berliner Theater. Sonntagnachmittag: Othello. Abends 8 Uhr: Gastspiel Lucie Viörna. Abends: Preciosa. Montag: Ein Wintermärchen. Die Cameliendame. Rixdorfer Theater Schauspiel in 5 Aufzügen v. Dumas. Sonntag: Sherlock Holmes. Bergstraße 147. Sonntag, den 2. Dezember 1906: Renaissance. Theater des Westens Luftspiel in 3 Aten von Schönthan Station Zoolog. Garten, Kantstr. 12. Nachm. 3 Uhr: Schüler- Vorft., Kleine Preise: Der Waffenschmied. Abends 7: Der Schmetterling. Sonntag mittag 12 Uhr: Matinee. Frene Sanden. Nachm. 3 Uhr halbe Abends 7 Preise: Undine. Der Schmetterling. Uhr: Neues Schauspielhaus Heute abend 8 Uhr: Die Hodzeitsfackel. Morgen: Die Hodheitsfackel. Bernhard Rose- Theater Große Frankfurterstr. 132. Gr. Kinder- Nachmittagsvorst. 4 Uhr: Tausend und eine Nacht. Abends 8 Uhr: Die neue Welt. Sonntagnachm.: Ausgewiesen. Billettvorverkauf für 8 Tage vorher an her Theatertasse u. bei Wertheim. und Koppel- Ellfeld. Anfang 7 Uhr. Refidenz- Theater. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage, 8 Uhr: Triplepatte. Schwank in 5 aften v. Triftan Bernard und André Godfernaux. Bicomte Robert de Houdan: Richard Alexander. Sonntagnachm. 3 Uhr: Der Stell vertreter Kottbuser Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender. Giampietro. Josephi. Sonntag, 2. Dez., nachm. 3 Uhr: Auf in's Metropol. Anf. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Ermäßigte Preise a 189/ 13* Brunnen- Theater Direktion: Bernhard Rose. Gesundbrunnen. Badstraße 58. Morgen Sonntag nachmittags 3 Uhr bei volkstümlichen Preisen: Leonore, die Grabesbraut. Abends 7 Uhr: Die Tochter der Hölle. Nach der Vorstellung: Ball. Billettvorverkauf von 10-1 Uhr an der Theaterkasse. Folies Caprice Linienstr. 132 Ecke Friedrichstraße. Serenissimus August XXVI und Das Modell. Ab 1. Dezember Wiederauftreten von Josef Fleischmann. Anfang 8 Uhr. POLLO Kasino- Theater pollo Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr: Corradini Berlins Liebling. Debüts der Dezember- Spezialitäten Barsikow Ellmann Duo. Neueste Attraktion des Variétés: Dazu: Großzer Lacherfolg. Die beiden Champignol. Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag und Donnerstag: Konzert, Theater, Spezialitäten. Stets erstklassige Riesenspielfolge. Nach der Borstellung: Gr. Tanz. Tanzleitung: B. Sachse. Anf. Sonntag 5, Donnerstag 8 1hr. Walhalla Varieté- Theater Weinbergsweg 19/20. Am Rosenthaler Tor. Hente zum 1. Male in Berlin: 5 M. 50 Die Preise gelten für normale Größen. En gros. Export. En detail. Chauffceftr.24a/ 25.Brückenstr.11. Gr. Frankfurterstr. 20. Das 30. Haupt- Preisbuch 1906-1907 wird auf unich kostenlos zugesandt. Bei Bestellung von Hosen ist die Bundweite und die Schrittlänge, bei Jadetts und Kitteln die Brustweite anzugeben. 24882* Versand von 20 M. an franto. Nachdruck verboten! Ein Spezialit.- Massen- Programm. Trianon- Theater. 60 internat. Artisten treten auf. Die 12 Afrobaten Lorch in ihren phänomenalen Spielen mit 3 Ponys und Eseln, und die übrigen 15 grandiosen Variété- Nummern. Sonntag 2 Vorstellungen. 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Dezember 1906, vormittags 10 Uhr, in Kellers endet, unter Innehaltung einer halbstündigen Frühstücks- und einer halbständigen Mittagspause. Abweichungen von dieser Arbeitszeit sind uns sofort mitzuteilen. Die Verbandsleitung der Maurer. 3. A. Otto Hanke. Unterzeichneter hat sich entschlossen, feine in der Gemarfung Groß- töris legenen Grundstücke, eingeteilt in 120 Baustellen, gegen Teilzahlungen bon monatlich 20 M. zu verkaufen. Auflaffung erfolgt nach Zahlung der ersten Rate. Franz Schmitz, Groß Köris( Görlitzer Bahn). Die Verbandsleitung der Zimmerer. 255/8 3. A.: Wilhelm Witt. C. Stark, Deutscher Metallarheiter- Verhand. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Bimmer 34, Amt 4, 3858. Engel- Ufer 15. Bimmer 1-5, Amt 4, 9679. Montag, den 3. Dezember 1906, abends 8 Uhr, im ,, Kolberger Salon", Kolbergerstr. 23: Versammlung aller im Deutschen Metallarbeiterverbande organisierten Eisenformer u. Berufsgen. Zages- Ordnung: 1. Bericht der Brauchentommiffion. 2. Neuwahl derfelben. 3. VerBandsangelegenheiten. Wir erwarten zahlreichen und pünktlichen Besuch. Mitgliedsbuch legitimiert! 160/11 Montag, den 3. Dezember 1906, abends 7 Uhr, im Lokale von Granmaun, Nannyn- Str. 27: Versammlung aller in Metallgießereien Berlins n. Umg. beschäftigten Former und Berufsgen. Zages Drdnung: 1. Vortrag des Arbeitersekretärs Eugen Brückner über:„ And der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung." 2. Diskussion. 3. Be richt und Neuwahl ber Agitationsfommission. 4. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert! Bahlreicher Besuch wird erwartet! NB. In dieser Versammlung müssen die Billetts vom Herbstvergnügen endgültig abgerechnet werden. Montag, den 3. Dezember 1906, abends 8%, Uhr, im Lokale von Obst, Schöneberg, Meiningerstr 8: Bezirks- Verfammlung für Westen und Schöneberg. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Tielide über: Die wahren Arbeiter. freunde". 2. Distuffion. 3. Vereinsangelegenheiten und Berschiedenes. Bahlreichen Befuch erwartet Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin und Umgegend. Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz ZING Blitz Blitz Sonntag, 2. Dezember, nachmittags 4 Uhr, bei Bercht, Ritterstr. 75: M 140/5 General- Verfaminlung. Zages Ordnung: Wahl des Gesamtvorstandes, der Revisoren, der Delegierten zur Gewerkschafts. fommission, des Vergnügungskomitees. Anträge und Berschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltung. Vereinigung der Musikinstrumenten- Arbeiter Berlins und Umgegend Montag, den 3. Dezember 1906, abends 6 Uhr, bei Graumann, Naunynstraße 27: Werkstatt- Delegierten- Versammlung. Tages Drdnung: 1. Bericht des Stollegen Pipenhagen über: Die wirtschaftlichen Aufbefferungsbestrebungen der Kollegenschaft im verflossenen Herbst. 2. Fortsetzung der Diskussion über den Bortrag Regge: Unsere Stellung innerhalb der deutschen Arbeiterbewegung. 3. Werkstattangelegenheiten. Zur Beachtung! 142/18 Die Billetts zur Urania- Vorstellung ( 1. Feiertag 4 Uhr) u. zum Weihnachtsvergnügen( 3. Feiertag) gelangen in dieser Versammlung zur Ausgabe. Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Branche der Hobler, Bohrer, Fräser usw. Sonnabend, den 1. Dezember 1906, im Mesbiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße 24, Emdenerstraße 34/35: Großes Vokal- und Instrumental- Konzert. Mitwirkende: Berliner Sinfonie- Orchester( Dirigent: Kapellmeister Maximilian Fischer). Doppelquartett der Sangesfreunde. Bariton: Herr Otto Kowalski. Nach dem Stonzert: Tanz. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen Anfang präzise 9 Uhr. Programm 30 Pfennig. 50 Pfennig nach. 835 Zentralverband der Steinarbeiter Zahlstelle Berlin 1. Sonntag, 2. Dezember, vorm. 10 Uhr, im Englischen Garten", Alleganderstraße 27 c: Mitglieder- Versammlung Zages 1. Neiseunterstübung. 2. Zartsberatung. 3. Berschiedenes. Bal treichen Besuch erwartet 180/ 20* Der Vorstand. Einzelverkauf zu Engrospreisen. 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Allgemeine Orts- Krankenkasse zu Berlin, Die für die Wahlperiode 1906/1907 gewählten Vertreter werden hiermit zu der am Sonntag, den 9. Des zember 1906, bormittags 10 he, besto. 10 Uhr, in Dräsels Fest jälen, Neue Friedrichstraße 35, stattfindenden Ordentl. Generalversammlung ergebenft eingeladen. Um 10 Uhr: Bersammlung der Bertreter der Arbeitgeber. Lages Ordnung: B Wahl von zwei Vorstandsmitgliedern für die Beit 1907/1908 an Stelle der ausscheidenben Herren Biersch und Dannhäuser. SISU Um 10%, Uhr: Versammlung sämtlicher Bertreter. Tages Drbnung: 1. Wahl des Ausschuffes zur Prüfung der Jahresrechnung für 1906. 2. Die Zuweisung der Mitglieder der aufgelösten Innungstrantentaffe ber Glajer durch den Oberpräsidenten und die Abfindung der Beamten biefer Staffe. 3. Definitive Anstellung von bis. herigen Hülfsarbeitern und Genehmi gung bes mit benselben abzuschließenden Dienstvertrages, den Be schlüssen der Düsseldorfer Jahres bersammlung entsprechend. 4. Antrag der Stassenangestellten wegen Gewährung einer Zeuerungs zulage. 5. Statutenänderung. 6. Mitteilungen des Borstandes. Bersammlung der Bertreter der Kaffenmitglieder. Tages- Ordnung: Wahl von vier Vorstandsmitgliedern für die Belt 1907/1908 an Stelle ber ausscheidenden Herren Sauer, Naaja, Sieben und Runge. Berlin, den 1. Dezember 1906. 213/19 Der Vorstand. 2. Piehl, Vorsitzender. Schlafröcke Damen- Konfektion direkt aus der Fabrik. Kein Laden. Nach beendeter Engros- Saison auch Einzel- Verkauf enorm billig Jacketts Paletots Havelocks Capes Kostüme KostümRöcke MädchenPaletots Pelz- Stolas Robert Baumgarten Hausvogtei- Platz 11, 2. Etage ( an der Jerusalemerstraße). Bei Vorzeigung d. Inserates an der Kasse werden 5 Proz Rabatt vergütet. Auch Sonntags geöffnet. Arbeiter. Berufs- Kleidung. Trikotagen Winter- Artikel Brunnenstraße 158, aweites Haus bon b. Anflamerstr. Gelber Eaden. eihnachtsgeschenke für Herren. aus farb. 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Charlottenburg: Gustav Scharnberg, Sesenheimerstraße 1, Ecke Goethestraße, borit I. Wilmersdorf- Halensee: Georg Feese, Berlinerstr. 46, Laden. Neu erfchienen = find folgende Schriften, die wir unseren Lesern bestens empfehlen: für unfere Kinder! Weihnachtsbuch der„ Gleichheit“. Herausgegeben von Klara Zetkin. Gut fartoniert. 10000 Mark Strafe bei der Deutschen Bank deponiert, verpflichten wir uns an die Armen Berlins zu zahlen, wenn dieses Angebot nicht streng reell ist und auf Wahrheit beruht. Arbeiter! Handwerker! Wollt Ihr Euch billig und gut fleiden, Preis 1,00 m. fauit uns die von unserer Kundschaft nicht abgenommenen seinen Maßanzüge und Paletots ab, welche wir zum Selbstkostenpreis und Die Religion der Sozialdemokratie. Giebente benferie Zuflage. Darunter abgeben, damit unsere guten Sachen nicht den Ramschern zum Mit einem Vorwort von Eugen Dietzgen. Briefe und Auszüge Josef Dietzgen. vermehrte Preis 25 Pf. Opfer fallen. 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( Nachdruck verboten.) 172 284 344 508 42 639 96[ 1000] 1289 429 2247 364 409 12 578 610 796 3049 289 328 872[ 500] 4128[ 3000] 537 70 685 5036 83 253 416 38 618 923 6463 588 98 747 891 957 7006 107 65 287 91 462 812 8015 267 592 751 64 1500] 9057 114 89 224 390 643 887[ 500] 10202 403 21 572 730 71 11053[ 1000] 86 347 589 745[ 1000] 12007 427 45[ 500] 611 999 13101[ 1000] 85 276 78 317 72 492 511 646 768[ 500] 916 14016 372[ 500] 484 749 15076 81[ 500] 257 58 346 460 80 806 968 16402 43 87 548 611 74 884 929 39[ 1000] 17083 165 307 465 895 994 18021 149 331 501 3 83 611 972 19260 412 518 64 736 827 37[ 500] 59 20183 323 513 600 74 773 838 96 21110 267[ 1000] 89 367 98 564[ 3000] 72 80 605 47 22085 178 238 493 536 608[ 3000] 843 23075 98[ 500] 467 565 80 713 972 24226 49[ 3000] 383 475 534 763 98 890 25001 352 409 590 750 812 943 26436 604 783 27039 51 61 151 228 78 463 704 921 28119 368 513 67 848 29196 602 32 769 70 30107 277 92 410 32 72 510 640 31031 96 239 708 [ 1000] 32192 380[ 500] 401 35 33151[ 1000] 221 54 397 635[ 3000] 957 34125[ 1000] 326 41 54 463 91 739 78 93 35224 932 606 52 781 304 29 1500] 84 36-407 33 37069 147 253 73 604 18[ 500] 930 38051 135 96 202 37 53 409 39021 169 234 387 98 513[ 1000] 63 68 684 40029 56[ 1000] 230 563 710 41033 180 209 15 493 720 42063 176 82 416 70 613 31 43521 23 666 860 87 44094 141 268 94 429 545 791 849 45145 330 45 437 559 898 956 46121 741 43 55[ 500] 822 929 82 47048 346 717 843 72[ 3000] 946 61 65 48231 58 380 479 762 888 49379 89 654 87 771 82 50156 202 479 606 783 867 82 92 944 51077 114 18 38 61 211 19 40 93 95 490 514 64 71 72 76 869 986 52103 349 52 530 812 932 53067 217 366 496 811 924 40 54117 387 410 56 58[ 1000] 799 968 55113 396 470 570 659 726 949[ 1000] 56125 242 348 54 501 73 780 57008 233 69 316[ 500] 62 71 684 58010 142 369 781 84 807 59017 70 169 299[ 1000] 561 62 800 60141 558 788 61366 484 517 830 53 81 945 62057 472 597 639 53 729 51 911 63032[ 3000] 179 213 49.51 [ 1000] 594 706 91 898 953 64274 321[ 1000] 43[ 500] 55 57 439 589 842 65053 73 251 57 337 71[ 500] 518 74 97 605[ 500] 25 58 92 804 83 66303 57 558 803 69 15001 900 18 35 67073 115 39 244[ 500] 339 68167 517 68 € 10 82 781 961 69014 74 143 439 70035 494[ 1000] 521 65 708 920 71083 84 281 361 67 74 706 915 72082 181 207 327 505 58 1500] 57 695[ 500] 73179 600 20 65 707 [ 500] 813[ 3000] 24 26 74008 47 280 727 81 841 993[ 3000] 75134 43 52 69 242 319 622[ 1000] 727 76040 159 492 531[ 500] 653 77007 16 153[ 1000] 450 91[ 1000] 728 [ 1000] 58 78173 551 816 79212 337 610 16 68 80346 509 711 29 37 901 43 81258 897 82018 148 261 303 83193 355 415 69 653 990 84037 104 44 207 427 61 527 613 63 718 835 989 85380 597 731 932 86091 382 484 556[ 500] 564 709 33 800 920 75 87002 261 472 630 766 74 903 26 87 88315 930 74 89266 465 534 886 90209 39 481 594 812 19 31 942 21 91131 427 507062 657 716 [ 3000] 837[ 1000] 38 956 92114 303 91 557 670 71 720 60 863 977 93116 70 86 445[ 500] 97 502 77 623 771 801 89 94623 54 758 822 84 926 95216[ 500] 618 96468 97144 292 468 794 825 98187 371 848 994 99033 128 226 66 479 596 625 734 806 986 Arbeiter- Notizkalender für 1907. 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November, nachmittags, lies 64 506 statt 65 506 237/ 12* Eine Mark wöchentl. Teilzahlung liefere elegante, fertige Herren- Moden. Maß- Anfertigung Ersatz für Maß. feinste Verarbeitung Garantie tadelloser Sitz. J. Kurzberg, An der Jannowitz- Brücke 1, I. Direkt am Bahnhof. Kein Waren- Kredithaus. 21. Ziehung 5.Kl. 215. Kgl. Preuss. Lotterie. 145084 72 218 507 640 77 711 40 910 51 1500] 146285 29 Ziehung vom 30. November 1906, nachmittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 234 92 318 735 1009 76 119 427 88 94 944[ 500] 2014 20 42[ 1000] 96 112 35 36 224[ 1000] 55 450 913 3234 98 355 62 823 4007 25 203[ 1000] 90 316 795 5247 521 729 53 900 14 65 6321 789 805 31 7218 56 613 776 8222 25[ 1000] 304 12 485 581[ 500] 970 9027[ 1000] 35 90 111 58 460 652 836 1019 81 327[ 1000] 888 949 11104 267 69 616 39 746 852 12237 84 90 488 502 13114 422[ 1000] 512 678 728 71 14054 107 397 507 15 56 697 728 895 15046 347 443 701 [ 1000] 16013[ 500] 54 403[ 1000] 692 17030 547 874 18205 [ 1000] 87 351[ 1000] 526 66 762 860 73[ 500] 19078 385 462 [ 500] 563[ 500] 99 698[ 1000] 770 954 20056 275 86 340 654[ 1000] 21013 99[ 500] 134 37 70 240 47 642 759 72 812 23 55 939 22211 308 83 775 897 23044 77 357 68 90 564[ 500] 690 733 809 962 24254 540 [ 1000] 803 25104 58 78 383 957 26067 88 328 528 614 63 951 27098 343 884 920 65[ 3000] 28147 392 425[ 500] 73 96 538 614 81 899 29315 734 95 833 953 30047[ 500] 283 427 739[ 3000] 866 31041 309 443 725 32638 827 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270125 341 495 636 271346 497 533 616 272005 57 181 241 516 19[ 3000] 764 79 801 67 906 273610 781 900 29 38 274067 248[ 3000] 57 71 656 807 934 61 275141 50 66 533 642 91 763 963 64 276029[ 1000] 100 26 50 203[ 1000] 434 542 786 277385 88 498 568 634 837 278342 48 847 930 279015 58 116 94 [ 3000] 97 298[ 3000] 335 607 945 280063[ 500] 211[ 500] 77 302 36 421[ 500] 606 40 916 34 281041[ 500] 70 124[ 500] 252 391 99 503 282038 294 336 481[ 500] 95 517 602 755[ 500] 59 878 913 283052 373 481 577 84 637 755 831 78 284245 1500] 88 328 544 99 861 62 907 37 285227 40 61 428 1500] 507 804 999 286023 183 226 447 666 844 926[ 10001 287017 183 412 14 40 64 66 530 69 611 756 71 867 954 Für den Anferatenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud 11. Verlag: Vorwärts Suchdruckerei u. Verlaosanita Rau Singer& En Berlin SW Nr. 280. 23. Jahrgang. 4. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonnabend, 1. Dezember 1906. Soziales. Vam Mann oder Frau? und Verbot des weißen Phosphors Schankbetriebssteuer auf Konzessionserteilungen Vermischtes. Eisenbahnunfälle. Die Behauptung, die Zündmasse( Schwieningsche Masse) sei wegen erhielten in der Zeit von Mitte bis Ende August einen Bauschalihrer Explosionsgefahr unbrauchbar, sei falsch. Die Behauptung lohn von 4 bis 7,50 M. Das Schöffengericht Kulmbach verurteilte sei in Fachschriften aufgestellt und verbreitet worden lediglich im ihn wegen Uebertretung der Gewerbeordnung zu 6 M. Geldstrafe, Interesse der kleinen Betriebe, die der Billigkeit wegen den giftigen wodurch er sich jedenfalls nicht abschrecken lassen wird, die Kinder4013meißen Phosphor nach wie vor verwenden wollen. Bei richtiger arbeit auch in Zukunft auszubeuten. Die Strafe, die er durch die Behandlung der Schwieningschen Zündmasse liege teine Explosions- Kinderarbeit hundertmal verdient hat, ist geradezu ein Anreiz zur gefahr vor. Das müsse auch für die Oeffentlichkeit festgestellt lebertretung. waren die Themata, die am Donnerstag in der Gesellschaft für werden. Professor Sommerfeld bemerkte, er habe sich allerdings soziale Medizin behandelt wurden. Dr. Magnus Hirschfeld führte nur auf die Fachpresse gestüßt, nach Einsicht in die Gutachten der Zur Zentralisation der Krankenkassen in Berlin. drei Personen vor, die viele Jahre als weiblichen Geschlechts galten, Reichstagskommission fönne er aber diese Ansicht nicht aufrecht Am 23. dieses Monats faßte die Generalversammlung der während später durch ärztliche Untersuchung festgestellt worden ist, erhalten. Weiter führte der Redner aus, wenn vom 1. Januar ab Ortskrankenkasse der Maschinenbauarbeiter und verwandter Gedaß es sich tatsächlich um Personen männlichen Geschlechts handelt. die Verwendung von weißem Phosphor aufhöre, dann werde auch werbe nach einem Vortrage über den Stand der Dinge einstimmig Der Irrtum in der Geschlechtsbestimmung erklärt sich aus einer wohl die Fabrikaufsicht, soweit sie sich auf das Auftreten von eine Resolution, in der sie der Ansicht wiederholt Ausdruck gibt, anormalen Gestalt der Geschlechtsorgane, deren wirklicher Charakter Phosphornarkose bezieht, ein Ende haben. Es müsse jedoch ge- daß nur durch eine allgemeine Zentralisation die Uebelstände im nicht ohne weiteres erkennbar ist. Die eine dieser Personen ist fordert werden, daß die Ueberwachung auf Phosphorvergiftung Krankenkassenwesen beseitigt werden können, mit Bedauern von 21 Jahre alt. Sie trägt augenblicklich noch weibliche Kleidung, auch in Zukunft in den Zündholzfabriken beibehalten werde, denn dem ablehnenden Standpunkt des Herrn Oberpräsidenten Kenntnis fühlt sich aber schon seit Jahren als Mann und erwartet jezt jeden die Ersatzmittel für weißen Phosphor, wie Phosphoresquisulfit nimmt und die Zentralkommission ersucht, an dem von ihr bis Augenblid die behördliche Bescheinigung, daß sie hinfort auch im und Sulfurphosphit enthalten auch weißen Phosphor, wenn auch jetzt eingeschlagenen Weg zwecks Herbeiführung der BranchenBibilstandsregister als Mann erscheint und männliche Kleidung an- in geringen Mengen, und würden deshalb auch Vergiftungen her- Bentralisation festzuhalten, um dadurch wenigstens einigermaßen Legen darf. Die zweite Person, ebenfalls bei der Geburt für ein beiführen. Namentlich sei zu fordern, daß Vorrichtungen zur Ab- geregelte Verhältnisse herbeizuführen. Mädchen gehalten und als solches erzogen, ist 45 Jahre alt, will saugung der Dämpfe angebracht werden, weil sonst die Atmungsaber, obwohl sie männlichen Geschlechts ist und sich in der Rolle organe der Arbeiter angegriffen werden. eines Weibes unglücklich fühlt, doch keine Aenderung in ihrer Geschlechtsbezeichnung beantragen, weil sie feinen männlichen Beruf erlernt hat und als Mann keine Existenz finden könnte. Die dritte tann in Preußen nach dem neuen Kreissteuergesetze erhoben Person dieser Art ist ein 43jähriger Mann, der bis zu seinem werden, und zwar sowohl bei Erlangung der Erlaubnis zum stän25. Jahre für ein Mädchen galt, als Hülfsarbeiterin in einer Buch- digen Betrich der Gast- oder Schankwirtschaft, als auch für den gleisten vermutlich durch vorzeitiges Umstellen einer Weiche heute Mainz, 29. November. Auf dem Bahnhofe Goldstein ent druckerei beschäftigt war, während der Krankheit des Maschinenmeisters dessen Arbeit verrichtete und diese Stelle auch behielt. Kleinhandel mit Branntwein und Spirituosen. Von dieser Befugnachmittag 5 Uhr bei Ausfahrt des Güterzuges 7616 am Westende Diese Person gilt seit ihrem 25. Jahre auch im Zivilstandsregister nis haben bislang die Kreise Niederbarnim, West- des Bahnhofes die drei legten Wagen und sperrten beide Hauptihn sieht, dem fällt es schwer zu glauben, daß diese Person mit aus- macht. Alle Erhebungen werden nach der Gewerbesteuer berechnet, letzt. Der Materialschaden ist gering. Einige Züge erlitten durch geprägt männlichem Typus ein Vierteljahrhundert lang für ein und zwar nimmt Niederbarnim 100 M., Hamm 300 M., Soest Unileitung über Sachsenhausen größere Verspätungen. Das Gleis weibliches Wesen gehalten werden konnte. Mit Rücksicht darauf, 400 m. und Weſtpriegnik 1000 m. bei Gewerbesteuerfreiheit; im Goldstein- Frankfurt war um 8 ühr 40 Minuten, das Gleis Frankdaß die Aenderung des Geschlechts in den Zivilstandsregistern seit weiteren schwankte die Betriebssteuer in der 4. Gewerbesteuerklasse furt- Goldstein um 11 Uhr 30 Minuten wieder fahrbar. dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches erheblich bon 200 bis 2000 M., in der 3. Klaffe von 400 bis 4000 M., in der Charleroi, 30. November. In der Nähe von Marienburg schwieriger ist als es unter der Herrschaft des preußischen Land- 2. Klasse von 600 bis 6000 M. und in der 1. Klasse von 800 bis erfolgte ein Zusammenstoß zwischen einem Personen- und einem rechts war, empfahl Dr. Hirschfeld, daß Kinder, deren Geschlecht bei 8000 M. Auch einige Stadtverwaltungen haben in jüngster Güterzüge, wobei mehrere Wagen zertrümmert und zwei Baffagiere der Geburt nicht mit Sicherheit festgestellt werden kann, beim Zeit von ihrem Rechte zur Erhebung einer Schankbetriebssteuer sowie drei Beamte verlegt wurden. Standesamt als zweifelhaften Geschlechts angemeldet werden. Gebrauch gemacht, so z. B. die von Mülheim a. Ruhr, wo Wer das nicht mag, der solle ein Kind zweifelhaften Geschlechts die betreffenden Steuersäge 500 bis 6000 M. betragen. Bei Wirtlieber als männlich anmelden, denn das vor der Reife latente Ge- fchaftsübertragung kommt dort die Hälfte dieser Steuersäge zur schlecht entwickele sich später meist nach der männlichen Seite. Im Einziehung. Die alkoholfreien Wirtschaften sind von der Steuer anderen Falle wäre es aber, wie die Verhältnisse nun einmal liegen, befreit. Für Köln ist die Schankbetriebssteuer mit Säßen bis für eine Frau leichter als Mann zu leben, wie umgekehrt. zu 12 000 M. in Aussicht genommen; in dem vom Magistrat vorNach diesem Vortrage fand eine Diskussion über zwei in der gelegten Entwurfe sind diese Säße u. a. damit begründet, daß mit borigen Sigung gehaltene Vorträge statt. Von Interesse ist die den Schanktonzessionen bisher ein schwunghafter Handel getrieben Debatte über einen Vortrag von Professor Sommerfeld über das sei, und daß für diese, Konzessionswerte als solche( also ohne Lokal Verbot der Verwendung weißen Phosphors in der und Ausstattungsgegenstände) Beträge von 23 000 bis 138 000 m. Bündholzindustrie. Gewerbeinspektor Dr. von neuen Lokalinhabern gezahlt worden seien. Sprenger fnüpfte an eine Aeußerung des Vortragenden an, wonach die Zündmaffe, welche die Regierung nach dem am 1. Januar 1907 in Kraft tretenden Verbot der Verwendung von weißem Phosphor den kleinen Betrieben liefern will, unbrauchbar sein solle. Dr. Sprenger hält es für notwendig, diesen Irrtum richtig zu stellen. Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berliner Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 28. November verstarb unser Mitglied, der Maurer Karl Koscholke ( Brunnenstr. 88). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. Dezember, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Himmelfahrt- Friedhofes in Nordend aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Karl Koscholke am 28. November im 31. Rebensjahre an Typhus verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 2 Uhr von der Leichenhalle des Himmelfahrts. Kirchhofes in Nieder- Schönhausen ( Nordend) statt. Um rege Beteiligung ersucht 151/11 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unsere liebe Tochter und Schwester Hedwig Zech am 28. Nov., früh 7 Uhr, an der Tuberkulose nach langem Leiden sanft entschlafen ist. 805 Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1. Dezember, mittags 12 Uhr, von der Leichenhalle des Bentral Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um stilles Beileid bitten die trauernden Hinterbliebenen Julius Zech, Auguste Zech geb. Noak, Frau Quster geb. Zech, Frau Müller geb. Zech, Frieda Zech, Rich. Zech, Willi Zech. Verband der Buch- und Steindruckerei- Hülfsarbeiter u. Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Zahlstelle II. Todes Anzeige. Am 28. November starb nach langem Leiden unser Mitglied, der Kollege Paul Gummelt im 51. Lebensjahre. Ein ehrendes Andenken be wahrt ihm 43/20 Die Zahlstelle II Berlin. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. Dezember d. I., nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Sophien Kirchhofes, Freienwalderstraße, aus statt. 9 Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Albert Bölike gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. Dezember, mittags 12 Uhr, von der Leichenhalle des Krankenhauses Friedrichshain, Virchowstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 160/12 Die Ortsverwaltung. Am 28. November, morgens 4 Uhr, entschlief sanft nach langem Anreiz zur Kinderausbeutung. Der Malzfabrikant Ganßer in Kulmbach verwendete Kinder von 8 bis 12 Jahren zu Arbeiten in seiner Malzdarre. Die Kinder wurden von früh 7 bis 12 und 1 bis 6 Uhr abends beschäftigt und BerAllen Freunden und wandten die traurige Nachricht, daß meine innigst geliebte Frau und unsere gute Mutter Erna Langkau geborene Collak nach langem, schwerem Leiden. heute morgen 7 Uhr fanft ent fchlafen ist. Dies zeigt tiefbetrübt an Aug. Langkau und Kinder. Rigdorf, den 29. November 1906. Biebrichstraße 14. am Die Beerdigung findet Sonntag, den 2. Dezember, nachmittags 2, Uhr, von der Leichenhalle des Rigdorfer GemeindeFriedhofes am Mariendorfer Weg aus statt. Danksagung. 886 Allen lieben Berwandten, Genoffen und Genossinnen, die meinem lieben Mann, unserem guten Vater auf feinem legten Gange das Geleit gegeben haben, ferner dem Genoffen Walded Manasse für seine trostreichen Worte am Grabe, dem MännerGesangverein Streuzberger Harmonie" für den schönen Gesang, der ge famten Ortsverwaltung Berlins und Umgegend der Metallarbeiter- Kranten und Sterbekasse, den Filialen Berlin II und Rummelsburg für die schönen Kranzspenden herzlichen Dank. Im Namen der Hinterbliebenen Agnes Fahrenwald und Kinder. 976 Der Ortsverwaltung und den Mitgliedern der Allg. Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter Filiale Berlin 4, dem Verein der Former" sowie allen Verwandten und Bekannten, die uns am gestrigen Tage, an welchem wir 25 Jahre verheiratet waren, durch New York, 30. November. Bei dem Zusammenstoß auf der Southern Railroad wurden im ganzen sieben Personen getötet und 20 verlegt. Sturm in der Nordsee. In Hamburg und in der Nordsee herrscht andauernd starter Weststurm mit Regenböen. Die Seewarte zeigt Sturmsignal. Der Wasserstand auf der Unterelbe und im Hafen hat eine gefahrdrohende Höhe erreicht. Die meisten von See tommenden Schiffe haben Sturmschäden. Meter, bei Unstrut bei NeißeWasserstand am 30. November. Elbe bei Ausfig Dresden 1,36 Meter, bei Magdeburg+1,12 Meter. Straußfurt- Meter. Dder bei Ratibor+1,96 Meter. mündung+2,26 Meter. Dder bei Brieg+ 2,76 Meter. bei Breslau Unterpegel 1,02 Meter. -O Schuhmachermeister, jegt Neue Roßstr. 12, empfiehlt zum bevorstehenden Weihnachtsfest ſein[ 31002* Jakob Ege, zwischen Wallstraße und Roßstraßen- Brücke, Schuhwarenhaus. Große Auswahl in Herren-, Damen- und Kinderstiefeln in allen Formen, sowie Pantoffeln, Filz u. Gummischuhen. Jede Anfertigung nach Maß, fowie Sohlen, Abfäße u. Reparaturen werden in mein. Werkstatt gut ausgeführt. 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