«f. s?o. fcfd)e;.it täglich außer Montag?, Preis pränumerando: Viertel- «Irlich g,zo Mark, monatlich l,tv Mk, wöchentlich LS Pfg frei in'? Haus. Stnzel.ie Nummer ® Wg. Sonntags-Nummer mit taustr. Sonntags- Beilage„Neue Well- tv Pfg. Poft-Adonnement: i,Zo Mi. pro Quartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Mi., für das übrige Ausland 3 Mk.pr.Monat. Eingetr. tu der Post-ZeitungS- Preisliste für is«L unter Nr. eosz. S. Jahrg. -»»,»,»- JnfertionS-Sebühr beträgt für die fünfgespaltsne Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und «erfaimnlungS- Anzeigen oo Pfg Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags i» der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen MS 7 Utir NbendZ, an Eonn- vnd Festtage» bis s Uhr Bor- mittags geöffnet. Fern fprrch- An lchlnI Amt I,»r. 4 ISS. Berliner VolKsblal!. Zsntralorgan der sozialdemokratischen-Partei Deutschlands. Aus Guglaud. London, 14. November 13S2. , u Meeting zur Erinnerung an den„blutigen Sonnig'" hat stattgefunden und in jeder Bezichlmg die an dieses gkknnvften Erwartungen gerechtfertigt. Der Besuch war so Zahlreich als der zur Verfügung stchmde Raum nur ge- Nattete, die Ordnung eine ninsterhafte und die Stimmung durchgängig eine vortreffliche, �n der That war es schwer, un diesem Tage sich nicht ennuthigenden Betrachtungen hin- �Wben. Zllles in der Welt ist relativ, und wenn das ~v9mi der„Sozialdeniotratischen Föderation" in einem Nustrirten Beiblatt zu seiner gestrigen Nummer„die Frei- ueit, wie sie ist," als ein an Händen und Füßen mit Stricken Angeschnürtes Weib darstellt, dem der Mund zugebunden ist, 1° hat das insofern seine gute Berechtigung, als die vorerst bedingungsweise erfolgte Freigabe von„Trafalgar «gnare" den Ansprüchen der Arbeiter Londons durchaus voch nicht genügt. Jedes Volk hat nach Maßgabe des von N �reichten Niveaus seinen eigeneil Maßstab für die sveurtheilung politischer ec. Zugeständnisse, und was vielleicht m)vge»d einem Lande, wo eine fürsorgliche Regierung das �vlk in bezug auf Versammlungsfreiheit an homöopathische Risten gewöhnt hat— also beispielsweise irgendwo in Tr�r—, als eine weitherzige Neuerung erscheinen würde, «v'rd hier in Ellgland als eine Halbheit empfunden, als ruie schwächliche Abschlagszahlung aus eine ganz bedeutend Kroßere Schuld. Jndeß, wie viel noch immer zurück- Mahlen � bleibt, eine Anzahlung war gemacht, Tra- l�tgar Square, vor fünf Jahren der Schauplatz brutalen Mißhandlung einer friedlichen Versammlung «rch vorher dazu eingedrillte Polizisten, sah Zehntausende on Arbeitern mit ihren Bannern— unter denen die rothe Lahne, keine geringe Rolle spielte— versammelt, und die Polizei, statt drcinzuhauen, that das Ihrige, dem Meeting nMeu ungestörten Verlauf zu sichern. Es ivar ein Kontrast, wie er größer kaum denkbar Wir. Derselbe Polizist, der vor fünf Jahren, dem Befehl nuies Vorgesetzten blind gehorchend, seinen Knüttel auf das Smipt irgend eines„Agitators" hatte nicdersauscn lassen, Ws jetzt vielleicht diensteifrig demselben Agitator, den Jockel der Nelsonsäule zu erklimme», der auf der •ioest-, Ost- und Nordscite als Plattform benutzt VUrde. Drei weitere Plattsorms waren an der den einfassenden Balustrade eingerichtet, und ivo vor fünf fahren berittene Polizisten und Gardesoldaten pastirt varen, um auf das gegebene Zeichen mit der flachen Klinge Je Menge auseinander zu treiben, da drängte sich jetzt an Kopf eine Menge friedlicher Zuschauer, die auf vein eigentlichen Square keinen Platz sinden konnten. In vkr�That, in einer Hinsicht hat die Toryprcsse Recht, wenn nf �afalgar Square als ungeeignet zur Abhaltuiig von '�vsamuilungen bezeichnet: für so große Versammlungen, v»e das Aufgebot der Londoner Arbeiterbeivegung sie zu- mmineubriiigt, ist er viel zu kle Es mögen gestern 50 Lellittetoll. *U(t on boten.) [15 B e I- A rn 1. Roman von G il y d e M a u p a s s a n t. Forestier wälzte sich vor Lachen in den Polstern, trank vd aß dabei nnanfhörlich und warf zuweilen ein so ftarke-, 'v gewagtes Wort dazwischen, daß die Damen an der Form um der Form willen ein wenig Anstoß nahmen und sfvci oder drei Sekunden lang ein bischen genirt thate». �"ijv qr etwas gar zu Arges gesagt hatte, fiigte er hinzu: ".m, Nu laßt es aber genug sein, Kinder,«oust machen 11 schließlich noch Dummheiten. . Das Dessert erschien, dann der Kaffee. Vlud die Liköre eine noch schwerere, noch heißere Verwirrung in die mgeregteu Köpfe..,. Frau von Marelle war jetzt, wie sie von vornherein .vgetündigt hatte, betrunken. Und sie bestritt es auch incht, loiibern machte es nach Frauenart eher noch schlimmer, als wirklich war. Dabei blieb sie immer noch grazio-.-. ., Frau Forestier schwieg jetzt, vielleicht ans Klngheit; -' ch Dnroy, der sich gleichfalls nicht mehr ganz nüchtern Uchlte, hielt sich geschickt zurück, um sich'"cht kompro- "'ttirell. � Zigaretten wurden angezündet. Da begann Forestier 1 Erschrecklicher Anfall war es der ihn die Kehle z«- X�> mit rolhem Gesicht, Schweißtropfen ans der St.rn suchte er bis 60 000 Menschen gewesen sein, die den Platz und seine Umgebung ausfüllten, und meist so dicht aneinander gedrängt, daß bei den Abstimmungen viele nicht im stände waren, ihre Hände zu erheben. Aber wenn es der Platz erlaubt hätte, so wäre ohne jeden Zweifel das Meeting mindestens viermal stärker besucht ge- wesen. Im Grunde kam es freilich gestern weniger auf die Zahl der Dcmonstrircnden an, als daß und wie demonstrirt wurde. Es ist nicht nöthig, die gegenwärtige Regierung stärker zu kritisiren, als sie es verdient, und man kann sogar soweit gehen, ziizngcbeii, daß der würdige Verlaus des gestrigen Meetings eine Art Erfolg auch für sie bekundet— eine moralische Niederlage der Tories, welche die letzteren ihrer eigenen staatsretterlichen Dummheit zuzuschreiben haben. Eine kläglichere Rolle als die Tories und ihre Organe in dieser Angelegenheit gespielt haben, ist gar nicht denkbar, und auf deni obeiierwähiiten Bilde figurirt denn auch höchst zutreffend die Torypresse.als keifendes Hökerweib, das in ohnmächtiger Wnth mit seinem Regenschirm in der Luft herumfiichtelt. Es fielen gestern scharfe Worte gegen die liberale Regierung wegen ihrer Halbheit, und die Masse zollte ihnen Beifall, doch wehe dem Redner, der es gcivagt hätte, diese Kritik der Liberalen zu einer Anpreisung der Tories zu fruktifiziren. Welches Schicksal seiner gewartet hätte, zeigt ein Vorfall ans Plattform Nr. 2, dem der Schreiber dieses als Zeup beiwohnte und der werth ist, hier niitgetheilt zu werde». Auf der genannten Plattform war als einer der Redner der Bürstenmacher Ben ElliS vorgemerkt, Mitglied eines Südlondoner Klubs und bisher auch ziemlich beliebter Versamnilungsrevner. Dieser Ben Ellis hat bei der jüngsten Parlamentswahl in einein der Londoner Wahl- kreise als„Arbeiterkandldat" figurirt, ohne daß vorher in regelrechter Weise die dortigen Arbeitervereine um ihre Meinung befragt worden wären und ein sie vertretendes Wahlkomitec bestanden hätte.. Es waren nur einige wenige Vereine, welche feine Kandidatur unterstützten, und bald stellte sich heraus, daß dieselbe absolut aussichtslos war und nur den einen Ziveck haben konnte, den Wahlkreis eventuell den Tories in die Hände zu spielen. Trotzdem hielt Ben Ellis seine Kandidatur ausrecht und gehörte denn auch zu den vier Ilrbeitcrkandidaten, deren Komitees durch Vermittelung der„Workmann's Times" je 100 Pfund Sterling erhielten, die von deni bekannten H. H. Chanipion herrührten. Oder vielmehr von den Hintermännern Champions, denn dieser, der sich seit Jahren bemüht, den englischen Arbeitern die Grundsätze der amerikanischen Bcutepoliliker beizubringen, ist selbst mittellos, hat aber so wohlhabende„Gönner", daß er sich vor einiger Zeit brüsten konnte, eventuell 100 Arbeiter- kaiidivaten die Wahlkosten zur Verfügung stellen zu können. Mit Hilfe des Chainpion'schen Geldes ging Ben Ellis auf die Wahl und erhielt— knapp 100 Stimmen. Mir etiva ebensoviel Mehrheit über den Liberalen drang in dem bc- den Husten in seiner Serviette zu ersticken. Als die Krisis vorüber war, brummte er wild:„Solche Vergnügungen taugen nichts für mich! Ich bin dumm, daß ich sie überhaupt mitmache." All seine gute Laune war in dem Schrecken vor dem Uebel, der seinen Geist bedrückte, ver- schwiinden. „Gehen wir heim", sagte er. Frau von Marelle klingelte den Kellner herbei und forderte die Rechnung. Sie wurde ihr fast augenblicklich gebracht. Sic versuchte sie zu lesen, aber die Ziffern tanzten vor ihren Auge», und sie reichte Dnroy das Blatt: „Warten Sie mal, zahlen Sic mal für mich, ich kann nicht mehr sehen, ich bin fertig." Gleichzeitig warf sie ihm ihre Börse in die Hand. � Die Gesammtsnmme betrug huudertdreißig Franks. Dnroy prüfte die einzelnen Posten, rechnete nach, reichte zwei Banknoten hin, erhielt Geld wieder und fragte halb- laut:„Wie viel soll ich dem Kellner geben?" „Wie Sie denken, ich weiß nicht." Er legte fünf Franks ans den Teller, gab der jungen Frau die Börse zurück und sagte dabei:„Darf ich Sie nach Hanse bringen?" „Gewiß; ich finde ja meine Hausnunimer sonst nicht." Man nahm von Herrn und Frau Forestier Abschied, und bald befand sich Dnroy mit Frau von Marelle allein in einer rolleudeii Droschke. Er fühlte sie an seiner Seite, war ihr so nahe, war mit ihr in den dunklen Kasten ge- schloffen, den plötzlich sekundenlang das Licht der Straßen- laternen erhellte. Und doch wußte er nicht, was er sagen sollte. „Was ivürde sie anfangen, wenn ich sie küßte?" dachte er. Die Erinnerung an all die Zweideutigkeiten ihres Ge- treffenden Wahlkreise der Tory durch. Ob mit Recht oder Unrecht gilt seitdem Ellis vielen Arbeitern als be- währter Helfer der Tories, und als er gestern vortrat, um die Menge anzureden, enipfing ihn das berühmte Grunzen und Hni-Rufen, und nach einigen vergeblichen Versuchen, sich Gehör zu verschaffen, mußte er den fortgesetzten Unter- brechungen gegenüber zurücktreten. Es war der einzige Mißton, der ans dem Meeting zu Tage trat. Beiläufig hat ihre Verbindung mit Chanipion der „Workman's Times" so viele Abnehmer gekostet, daß sie ihr Format hat verkleinern und, nach der Erklärung der Rc- daktion, trotzdem zu Neujahr wird eingehen müssen, wenn ihr Aboniieiltenstand sich nicht bis dahin um SOOO-hebt. Um nun zum Meeting von gestern zurückzukehren, so sind natürlich beide Resolutionen, welche ihm vorgelegt wurden— eine die Stellung der Polizei und öffentlichen Plätze Londons unter den Grafschaflsrath, und die zweite Beschaffung von Arbeitsgelegenheit für die Arbeitslosen ver- langend, soweit überhaupt gestimmt werden konnte, ein- stimmig angenommen worden. Was die Arbeitslosenfrage anbetrifft, so sind zum Glück infolge des milden Wetters die Baugewerbe und was damit zusammenhängt ziemlich gut beschäftigt, und verschiedene Lokalverwaltungen haben Extra- Arbeiten angeordnet, um so viel Arbeitslose als nur möglich unterzubringen, auch haben in mehreren der Rc- gierung unterstehenden Verwaltungskörpeui die Leiter versprochen, wo es irgend angeht, statt Uelerzeit arbeiten zu lassen, Hilfskräfte einzustellen. Aber alles das reicht der Masse der Arbeitslosen gegenüber nicht ans, und wenn, wie gesagt, das Wetter nicht verhältnißmäßig-.nUde wäre, würde die Frage sich in noch viel heftigerer Weise präsen- tircn. Tie Thatsachen, die man erfährt, sind ohnehin schlimm genug. Es ist eine charakteristische Erscheinung. 1887 erfolgte das Verbot der Versauttulungen auf Trafalgar Square, um den bedrohlichen Ansammlungen von Arbeitslosen auf jenem Platze ein Ende zu machen— war die Arbeitslosen- Frage akut. Heute, nach fünf Jahren, ist sie es wieder. Ehedem waren zehn und elf Jahre die Epoche des in- duftriellen Kreislaufes, heute sind es, scheint es, fünf Jahre, ohne daß man eigentlich in der Zwischenzeit von einer Periode wirklicher allgemeiner Geschäftsblüthe hätte reden können. Der Wechsel geht fast nur zwischen schlecht, mittel- mäßig und leidlich, Jahre flotten Geschäftsganges giebt es gar nicht mehr, höchstens Monate. Aber das Bild hat seine andere Seite. Was war der Sozialisnins vor fünf Jahren in England? Eine un- bedeutende, von den Politikern des Tages kaum beachtete, auf die wirkliche Arbeiterbewegung Englands fast einflußlose Beiveguug. Was ist er heute:? Ich will nicht über- treiben, die Dinge nicht glänzender darstellen, als sie sind. Aber so viel steht fest: der Sozialismus hat festen Fuß gefaßt im Lande, er findet seine Vertreter in allen Arbeiter- Vereinigungen, beeinflußt die Beschlüsse aller Arbeiterkongreffe und ist ein Faktor, mit dem alle Politiker zu rechnen ge- sprächs vorhin ermuthigte ihn, zugleich aber hielt ihn die Furcht vor einem Skandal zurück. Sie sagte noch weniger ctivas. Unbeweglich lehnte sie in ihrer Ecke. Er hätte sie schlafen geglaubt, wenn er nicht jedesmal, wenn ein Lichtstrahl in den Wagen siel, ihre Augen hätte glänzen sehen. Woran mochte sie denken? Er hatte die Empfindung, daß er nicht niit einer Silbe das Schweigen brechen dürfe, daß ein Wort, ein einziges Wort seine Aussichten vernichten lyürde. Aber es fehlte ihm an Kühnheit. Plötzlich fühlte er etwas an sciucn Fuß stoßen. Sie hatte eine Bewegung gemacht, eine kurze, harte, nervöse, ungeduldige Bewegung. Oder lag eine Aufforderung darin? Die fast unmerkliche Berührung jagte ihm einen heftigen Schauer über den Leib und plötzlich wandte er sich ihr zu, umarmte sie und suchte seine Lippen ans ihren Mund zu pressen. Sie stieß einen Schrei, einen leisen Schrei aus, wollte sich wehren, ihn znrilckstoßen, dann aber gab sie seinen Küssen nach, als wenn ihr die Kraft gefehlt hätte, ihm zu widerstehen. Aber bald hielt der Wagen vor ihrem Hanse. Nur wenige leidenschaftliche Worte vermochte Dnroy ihr znzu- flüstern, die seine Liebe betheuerten. Sie erhob sich nicht, sie rührte sich nicht vom Platz, sie war wie gelähnit von dem, was eben geschehen. So stieg er denn zuerst aus und bot der jungen Frau die Hand. Zitternd und wortlos verließ sie endlich die Droschke. Er zog die Glocke, und als ihre Hausthür sich öffnete, fragte er zitternd:„Wann sehe ich Sie wieder?" So leise, daß er es kaum verstehen konnte, flüsterte sie: „Speisen Sie morgen bei mir." Sie verschwand im Dunkel zwungen sind. Seine Redner waren es, die gestern auf Trafalgar Square vor allen das Ohr der Menge hatten, von ihr am lautesten begrüßt wurden. Am 13. November 1887 lag er in den Personen von John Burns, Cunninghame Grahanl und anderen am Boden, von der Polizei braun und blau geschlagen, am 13. November 1892 hat er in den Personen voi» John Bnrns und anderen im Parlament und rn den Lokalbehörden Bresche gelegt. Die Götterdämmerung der bürgerlichen Gesellschaft und die MorgeurSthe der Erlösung des Proletariats— das ist die Bedcutuug der gestrigen Demonstration. Dolttisihv AcbevlMir. Berlin, den 16. November. Dem Bn»desrath ist der Entwurf eines Gesetzes, be- treffend Abänderung der Gewerbe- Ordnung, vorgelegt worden. Die Aendernngen beziehen sich auf den Gewerbe- betrieb im Umherziehen. Sie sollen, als Entgelt für die Aufsaugung des Kleinbetriebes durch den Großbetrieb, das Kleingewerbe vor der Schädigimg durch den Hansirhandel schützen, der gesetzlich noch weiier beschränkt werden sott. Nun, auch die volle Beseitigung des Hansirhandcls würde das Kleingewerbe vor der kapitalistischen Aufsaugung nicht retten.— Das preußische Landes-Oekouomiekollcginm trat gestern, 15. November, zusauunen. Zu dem ersten Gegen- stand der Tagesordnung:„Die Ursachen der Subhastation ländlicher Grundstücke" bemerkte der Direktor des königl. statistischen Bureaus, Geh. Ober-Regierungsrath B l e n ck, daß infolge des �wangsveriteigernngsgesetzes von 1883 die Subhastationen ländlicher Grundstücke sich wesentlich ver- mindert haben. Im übrigen bezeichnete der Redner die bis- herige Statistik über die Subhastationen ländlicher Grund- stücke als vollständig minderwerthig und bemerkte, daß diese Statistik der agitatorische, böswilligen Auslegung sehr will- kommcne Anhallspnnktc biete. Geh. Ober-Regierungsrath Dr. Thiel pflichtete ihm bei. Die geringe Zahl der Sub- Hastationen sei eher ein Beweis für den Niedergang, als für das Aloriren der Landwirthschaft. In schlechten Zeiten würden im allgemeinen die Subhastationen von den Gläu- bigern nicht beantragr, weil diese befürchten, alsdann mit ihren Forderungen vollständig auszufallen. Erst wenn die landwirthschastlicheu Verhältnisse sich wieder zu bessern bc- ginnen, nähmen crsahrnngsmäßig die Subhastationen zu. Ebenso habe es den Anschein, als ob seit den letzten 20 Jahren die Landwirthschaft allmälig von dein mobilen Kapital expropriirt werde. Als Ursache der schlechten Lage der Land- wirthschaft werde in der Statistik eigenes Verschulden, un- zweckmäßige Bewirthschaftnng ec. angegeben, ohne zn berücksichtigen, daß die klimatischen und Witternngsverhältnisse, die Zoll- und Steuergesetzgebung für die Landwirthschaft von eiuschneidendster Bedeutung seien. Die Landrälhe seien gar nicht in der Lage, genau die Ursachen der Subhastationen festzustellen, weil gar zu viele Dinge an den einzelnen Zwangsversteigerungen schuld hätten. Eine Statistik der Zwangsversteigerungen, in der die Ursachen angegeben werden, müsse daher uothwendigerweise ein falsches Bild geben. Im gleichen Sinne sprachen die übrigen Redner. Ein- stimmig wurde folgender von den Herren Blenck und Thiel gestellter Antrag angenommen: »1. Eine möglichst genaue statistische Erfassung der jährlich stattfindenven Zwangsversteigerungen vorwiegeud land- und torstwirlhschastlich bemitzler Grundstücke gesondert nach den Besitzkalegoricn ist wänschenzivcrlh. 2. Die bisher von den Kreisbehörden ermittelten Ursachen der Zwangsversteigerungen geben kein richtiges Bild der wirklichen wirthschaftlichen Bor- gänge."— Religion muß sein, aber die Ausbeutung der jugendlichen Arbeiter darf darunter nicht leiden. In diesen Satz läßt sich die Stellung des Verbandes deutscher Gewerbevereine in ihrer Hauptversammlung, die gegenwärtig in Köln tagt, zusammenfassen. Direktor Romberg referirte über die Stellungnahme des Verbandes zu dem Sonntags- Unterricht an den Fortbildungsschulen und dem§ 120 der Gewerbe-Ordnung. Nach diesem Paragraphen sind die des Hausflurs und knallend wie ein Kanonenschlag flog der schwere Thürflügel zn. Er bezahlte den Droschkenkutscher und machte sich, das Herz von Freude geschwellt, raschen, triumphirenden Fußes auf den Heimweg. Endlich hatte er Eine l Eine verheirathete Frau! Eine Kran ans der Gesellschaft! Aus der richtigen Gesell- schaft! Ans der Pariser Gesellschaft! Wie unerwartet leicht es ihm geglückt war. Er hatte sich solange immer eingebildet, daß es unend- liche Mühe, unbeschreibliche Ausdauer, eine umsichtige Be- lageruna mit Seufzern und Geständnissen, Galantericen und Ecschenken erfordere, um eines dieser heiß ersehnten Ge- schöpfe zu erobern. Und nun war ihm auf den ersten Schlag, beim kleinsten Angriff die Erste, die er traf, so �rasch zugefallen, daß er starr vor Staunen war. „Sie war trunken," dachte er.„Morgen wird sie ein ganz anderes Licd singen. Ich werde Thräuen vergießen müssen." Ter Gedanke bennrnhigte ihn, schließlich sagte er aber:„Na meinetwegen! So oder so! Ich Hab' sie einmal und werde sie auch behalten." Und in der wirren Luftspiegelung, zu der sich seine Hoffnungen ans künftige Größe, Erfolg, Ansehen, Vermögen und Liebe ausbreiteten, sah er plötzlich, so wie sich beim Ballet Guirlanden von Figurantinnen zum Himmel der Apotheose aufrollen, einen Zug vornehmer, reicher, mächtiger Frauen lächelnd vorüberziehen und nach einander in goldige Trauimvolken verschwinden. Auch im Schlaf hatte er solche Visionen. Ein wenig aufgeregt stieg er am nächsten Tag die Treppe zu Frau von Marelle hinan. Wie würde sie ihn empfangen? Und wenn sie ihn nun überhaupt nicht empfing? Wenn sie ihm die Thür ihrer Wohnung verbot? Wenn sie ihrem Manne erzählt hatte? Aber nein, das konnte er nicht annehmen. Er war Herr der Situation. Das kleine Dienstmädchen öffnete ihm die Thür. Ihr Gesicht sah wie sonst aus. Das beruhigte ihn, als wenn er erwartet hätte, daß das Dienstmädchen ihn mit verstörten Augen empfangen würde. „Wie bestndet sich die gnädige Frau?" fragte er. Gewerbe-Unternehmer verpflichtet, ihren Arbeitern unter achtzehn Jahren Zeit zum Besuch der Fortbildungsschule zu gewähren. Der Unterricht an der Fortbildungsschule darf am Sonntag nur stattfinden, wenn die Unterrichtsstunden so gelegt werden, daß die Schüler nicht gehindert werden, den Hanptgottesdienst oder einen mit Genehmigung der kirchlichen Behörden für sie eingerichteten besonderen Gottes- dienst zu besuchen. Herr Romberg nieinte: Der idealste Zustand wäre, wenn der Unterricht ganz in die W ichentage veilegt würde. Wo ein Zwang dazu möglich war, hat man aus Zweckmästigkeilsgründen darauf verzichtet, weil man sich wohl bewußt war, daß eine Schule nicht ge- deiden kann, wenn die Gegnerschaft der Meister besteht. Nach alle» Vexbältninen bleibt nur der Sonntag Vormil'ag, und da fragt es sich, wie ist es zu ermöglichen, daß Schule und Kirche zu ihrem Rechre kommen. Er schloß mit den Worten: Darüber herrscht Einstimmigkeit, daß der Sonntag nicht entbehrt werden kann. Ihr Vornanv empfiehlt Ihnen folgende Sätze: Erstens, überall, wo während des Unterrichts der Hauptgotlesvienst slatlfindel und vor und nach dem Unterricht Gelegenheit ist, in die Kirche zu gehen, ist eine Störung des Unterrichts nnnöthig und nachtheilig. Zweitens, in anderen Fällen sind besondere Schulgottesoienste herbeizuführen. Triltens, überall, wo dies nicht möglich ist und nur ein einziger Gotlesdienst stattsiudet, kann der Schüler nicht gezwungen werden, die Schule zu besuchen. Mit dem§ 120 liegt die Gefahr nahe, daß mit einem Schlage eingerissen wird, was in Jahrzehnten m mühevoller Arbeit aufgebaut wurde. Man öffne die Thoren der Kirche, aber schließe nicht die der Schule. (Lebhafter Beifall.) Nur zwei Redner erklärten sich hiergegen. Henrich- Metz will für den Lehrling am Sonntag nur Ruhe und keinen Unterricht und der Vertreter von Freiburg i. B. spricht die Ansicht ans, daß der Unterricht an Sonntagen ausfallen und auf die Wochentage verlegt werden könne, wie es in seiner Hcimath der Fall sei. Die große Mehrheit schloß sich den Ausführungen des Referenten an und beauftragte den Vorstand, im Sinne deS Vortrags deS Herr« Romberg eine Eingabe an den Reichstag auszuarbeiten. In größerer Nacktheit ist wohl kaum das bloße Interesse der Unternehmer in den Vorder- grund gestellt. Nimemd fand es der Mühe wcrth, das Wohl der jugendlichen Arbeiter auch nur in Erwägung zu ziehen.„Religion" soll denselben zwar beigebracht werden, d. h. die Religion, welche sie am geeignetsten und will- jährigsten für die Ausbeutung durch die Unternehmer macht.— Zn den Steuervorlagen hat die freisiiunge Fraktion beschlossen, dieselben abzulehnen. Gegenüber den Nach- richten über Meimmgsverschiedenheiten innerhalb der Fraktion über diese Frage bemerkt die„Freisinnige Zeitung": „Die Abweichungen unter den Mitgliedern der freisinnigen Partei lassen sich dahin charalterifiren, daß die Einen vielleicht aus zwölf, die A n d e r n aus fünfzehn oder aus achtzehn Gründen zur Ätblehnnng ver vor- gelegten Gesetzentwürfe gelangen. Darüber, daß diese Gesetzen lwürfe nicht geeignet find, eine rationelle Sie er- reform herveizusühren, besteht keinerlei Memungsoersasteden- heit."— De» Verunglimpfungen der Landwehr widmet Herr- Eugen Richter in seiner„Freisinnigen Zeitung" eine ganze Rubrik. Zum Lobe der Landivehr zitirl er eine Reihe Ver- hcrrlichnngen der Landwehr aus der Zeit nach dem Kriege, ohne zu bedenken, daß auch diese denselben Ursprung haben, wie die Bismarck'schen Fälschungen und die ans denselben sich ausbauenden nationalliberaleu Märchen. Freilich haben die„Freisinnigen" Bismarck's äußere Politik im Wetteifer mit den eingefleischtesten Nationalliberalen stets in den Himmel erhoben, wenn sie auch noch so sehr seine innerse Politik angriffen, ohne zn bedenken, daß seine innere wie äußere Politik die Auswüchse desselben gewaltthätigen und trügerischen Geistes waren.— Nochmals die Lehrer in der Ferienkolonie. Die gestern von uns gebrachte Mittheilnng über die Behandlung der Lehrer in einzelnen Truppentheilen ivird noch über- boten durch einen anderen Bericht, den gleichfalls die „Preußische Lchrerzeitnng" veröffentlicht. Derselbe lautet: Wenn solche Erscheinungen, wie in diesem Jahre in Osterode (Ostpreußen« bei einer Erfatzreserve-Kompagnie unter Premierlieutenant H. vorkommen, die leider durchaus nicht vereinzelt dastehen, so kann dies nicht zur Stärkung soldatischen Ehr- „Gut, wie immer," erwiderte daS Mädchen. Sie ließ ihn in den Salon treten. Er ging sofort zum Spiegel, um sich zn überzeugen, in welcher Verfassung sich seine Frisur und sein Anzug be- fänden, und er ordnete noch an seiner Kravatte, als er im Spiegel die junge Frau eintreten, auf der Schwelle ihres Zimmers stehen bleiben und ihn betrachten sah. Er that so, als hätte er sie nicht gesehen, und so sahen sie sich einige Sekunden im Spiegel an und suchten ihre Gedanken zu erspähen, bevor sie sich einander gegen- über traten. Er drehte sich um. Sie hatte sich nicht vom Fleck ge- rührt und schien zu warten. Er eilte auf sie zn:„Wie liebe ich Sie, wie liebe ich Sie," stammelte er. Sie öffnete ihre Arme und sank an seine Brust. Tann hob sie den Kopf zu ihm empor, und sie küßten sich lange. „Das geht ja viel leichter und besser, wie ich ver- muthet hatte," dachte er. Und als sich ihre Lippen ge- trennt hatten, lächelte er sie wortlos au und suchte unend- liche Zärtlichkeit in seinen Blick zu legen. Auch sie lächelte.„Wir sind allein", flüsterte sie.„Ich habe Laurine zu einer Schulfreundin geschickt". „Dank, dank, o, wie liebe ich Sie," seufzte er und bedeckte ihre Hand mit Kassen. Dann nahm sie seinen Arm, als wenn er ihr Gatte ge- wesen wäre, und sie gingen zum Sopha, wo sie sich neben einander niederließen. Er hätte gern irgend ein verfübrerisches Gespräch in geschickter Weise begonnen, da ihm aoer nichts einfiel, so stammelte er nur: „Sie sind also nicht allzu böse auf mich?" Sie legte ihre Hand auf seinen Mund: „Schweig doch!" Man hörte durch die Wand hindurch das Dienst- mädchen mit den Tellern im Speisezimmer klappern. Die Thür ging auf:„Es ist angerichtet." Er bot ihr würdig den Arm. Sie saßen einander beim Essen gegenüber und lächelten sich nur mit einander beschäftigt unaufhörlich an. Sie aßen und wußten nicht, was sie aßen. gesühls beitragen. Einzelne betrübende und wirklich eine» jeden preußischen Lehrer entinuthigende Ausdrücke, die einem auch jede Lust und Lieb« zun? Soldatenleben rauben können, seien im Folgenden wiedergegeben. Als die betreffende � rrsatz« reserve-Kompagnie am 19. Septeinber in Osterode eingezogen war, wußte H. weiter nichts, als daß 23 Lehrer zur Hebung einberufen waren, trotzdem äußerte er sofort beim Empfang der Mannschaften auf dem Kasernenhofe:„Bon Euch Lehrern verlange ich, daß Ihr Euch ganz besonders zusammennehmt, sonst ziehe ich Euch die Hammelbeine derartig lang, daß Ihr Oel gebt!" an demselben Tage äußerte H. zu einem Lebrer:„Na, Du dickes Biest, Du wirst hier wom noch dicker werden."— Am 24. September hieß es. „Heute traf ich ein dummes Lehrerthier, das machte vor mir tront und glotzte mich dabei an, als wenn ein Ochse ein cheunthor anstiert." I.Oktober:„Das verdammte Lehrervolk kann ich absolut nicht richten. Die Schnauzen habt Ihr immer voraus; schwatzen könnt Ihr, und doch seid Ihr die Düminsten. 13. Oktober schnauzte H. eiilen Lehrer, der kranke Füße hatte, an:„Scher' Dich zum S..., Du verfl... Sauhund. 15. Oktober mußte em anderer Kollege Anreden hören:„Du verfl... Luder, Du Rhinozeros." 10. Oktober mußten die Lehrer besonders vor die Front treten und es hieß: ,,■£¥ wollt Volkserzieher sein, Ihr seid selbst nicht erzogen, ZM thranfusiges Volk, Ihr fallt überall auf. Eure Schulen sind ebenso thranfusig."— Auf dem Schießstande äußerte der Lieutenant:„Wenn ich einmal das Glück hätte, die Lehrer Ostpreußens zusammen zu haben, dann möchte ich sie schleifen bis aufs Gelbe."— Ausdrücke, die die Lehrer sast täglich vor der Front zu hören bekamen: Du erbärmliche Lehrer- um) Schulmeisterseele.— Du Biest.— Du Riesenrindvieh mll Eichenlaub und Schwertern am Ringe durch die Nase zu tragen. — Du Affenschwanz.— Du Saubesen.— Du Sauhuuv, Flügelhammel.— Ihr taugt zum Soldaten wie der Ig» zum........ Außerdem noch viele Ausdrücke, die man sonst überhaupt nicht in den Mund niimut. Dr. Tigl, der Redakteur dos„Bayerischen Vaterland", soll auch im Wahlkreise K a« f b e u r e n als Kandidat snr die Rcichstagsivahl aufgestellt werden. In Kelheim sieg� der offizielle Zentrnmskandidat nur mit winziger Majorität. Für die Haltung des Zentrums gegenüber der Militärs vorläge dürfte die Kandidatur Sigt's nicht ohne Einst»? sein. Im Wahlkreise Kelheim war es zum guten Thc" die Slimmniig gegen die Militärvorlage, welche dem Dr. Sigl eine so große Stimmenzahl zuführte, und die em' schiedene Haltiuig, welche die Zentrunlspresse gegeinvärlig gegenüber der Militärvorlage einnimmt, dürfte wohl aus Rechnung der Rücksicht ans die Stimmilna der Wähler z» stellen sein. W ihrend die Abgeordneten Lieber und Gras Konrad Preysing sich noch vor kurzem sehr rückhaltend über die Militärvorlage aussprachen, erklärt jetzt Dr. Daller, der Führer der bayerischen Zentrumspartei, die Militärvorlage sei für das Zentriln» absolut unanilehmbar, da dasselbe durch die Annahme bei seinen Wählern geschädigt werde.— Vaare war bisher in der dritten Wählerklasse zui« Stadtverordneten gewählt. Jetzt steht eine Neuwahl bevor, und da scheint es dem Ehreilmann doch bedenklich, sich einer Wahldcdatte zn liiltcrzie.)en. Er zieht es daher vor, das Mandat in der dritten W ihlerklasse den Ultramoutanen zu überlassen und sich selbst in der ersten Wählerklasse z» ivähleit.— Die Munchencr Akademie der Wissenschaftett er- nannte die Prinzessin Therese zum Ehrerniiitglied. Die bcireffeilde Meldung besagt, es sei dies die erste Frau gewesen, der in Bayern eine solche Ehrung zu theil warve. Diese Ehrung ist wohl iveniger ein Zeichen des freieres Geistes der Akademie, als vielmehr ihres tlnterthäni�keit-- gesühls. Die Ehrung galt gewiß weniger der verdlenteU Frau als der Prinzessin. Die Akademie ist ebenso wenig ivie der größte Theit des ZopfgelehrteiithilmS bereit, der Frau die Möglichkeit der wiffenschaftlichen Fortbilduilg, odc» auch nur den Zugang zu der Staffel emes wissenschall- lichen Berufs zu gewähren.— Die Kundgebungen für das allgemeine Wahlrecht in Belgien dauern fort. Am Dienstag fand eine gro� Versammlung zu Gunsten desselben in Brüssel statt. Nach der Versammliing durchzogen die Sozialisten mit dem sang der Marseillaise die Stadt und die Polizei suchte di» Manifestation zu verhindern.— Auch in Holland wächst die Bewegung für das gemeine Wahlrecht. In Ainsterdain fand am Dienstag ein° Das Mädchen kam und ging, wechselte die Teller, trüg die Gerichte aus und sah bei alledem so gleichgittig aus, daß es schien, als merke sie nichts. Als sie gespeist halten, gingen sie wieder in den Salon und setzten sich auf das Sopha., Er wollte sie an sich ziehen, sie aber stieß ihn zur»» iind meinte ruhig:„Seien Sie vorsichtig, es tüniite jemand kommen." „Wann könnte ich Sie gaiiz allein sehen, um Jh>� zu sagen, wie ich Sie liebe?" flüsterte er. Sie neigte sich zu seillcm Ohre und erwiderte ga») leise:„Ich besuche Sie cimual in diesen Tagen." Er fühlte, wie er rolh wurde:„Ja... aber.•' meine Wohnung.. meine Wohnung... meine WohnuNS ist sehr bescheioen" „Das macht ja nichts," meinte sie lächelnd.„Ich 101 Sie ja sehen und nicht die Wohnung." Nun wollte er durchaus wissen, wann sie käme. setzte einen entfernten Tag in der nächsten Woche fest, bat sie mit leuchtenden Augen und rothem Gesicht boH früher zu kommen.. Sein Eifer machte ihr Vergnügen, und sie ließ r* einen Tag um den andern abbetteln.„Morgen... sas� Sie doch morgen!" bat er fortwährend.,.» Schließlich gab sie nach:„Ja. Morgen! Um fum: Er seufzte freudig aus, und nuii begannen sie ruh)» und so vertraut mit einaiider zu plaudern, als wenn sie st� seit zwanzig Jahren gekannt hätten. Tie Entrecglocke ertönte. Sie fuhren auseinander, wenn sie einen Stoß bekommen hätten. „Es iiiuß Laurine sein," flüsterte sie. Das Kind kam, blieb sprachlos stehen, klatschte da» vor Freude Dnroy zu sehen in die Hände, sprang aus*9" zu und rief:„Gnceil Tag, Bel-Ami." Frau voir Vtarelle begann zu lachen: „Hören Sie nur: Bet-Amr! So hat sie Laurine tauft. Das ist so ein hübscher, sreundschafttichcr Bei»«»' für Sie, daß ich Sie aucb Bel-Ami nennen iveroe. � Er hatte das kleine Mädchen auf seine Knie genoinine» und tändelte mit ihm.'(Fortsetzung folgt.) Sympathie-Versammlung für die belgischen Vorkäinpfer für das allgemeine Stimmrecht statt, nach deren Schluß eine Kundgebung von etwa 2000 Personen im öffentlichen Aus- Zuge stattfand, rrobei es wiederholt zu heftigen Zusammen- stoßen kam.— Ter Pauama-Schwindel wird nun doch einer gericht- licheu Verfolgung nicht entgehen. 3iur ist noch nicht bekannt, auf eine wie große Anzahl von Personen die Anklage sich ausdehnen wird, auch die Nachrichten über die Anklage- Vstnkte sind nicht nbereinftimnieno. Pichrfach wird behanplet, die Anklage werde nur gewisse Unregelmäßigkeiten bei dem letzten Einissionsvcrsuche betreffen, bezüglich sonstiger Der- Lehen würden die klagesührenden Personeil den Weg des Zivilprozesscs betreten müssen. Von anderer Seite dagegen loird gemeldet, die übermäßigen Ankündigungskosten der letzten Emission, die sich auf 42 Millionen beliescn, würden den Anklagcpunkt bilden. Die Unlernehnier würden be- schuldigt, unrechtmäßigerweise allzugroße Kosteubeträge für chre Arbeiten lignidirt zu habeil. Als in die gerichtliche lltersolgung eingezogene Personen werden genannt Ferdinand und Charles de Lesseps, der Ingenieur Eiffcl und die Administratoren Marcus Fontane und Baron Cottu. Die ihnen zur Last gelegten Vergeheil sind Vertranensmißbranch Und Betrug.— Ans Nctv Aork meldet das„Wolff'sche Telegraphen- »«wau": „Ter Einwanterungekolninissar hat gestern angeordnet, keinen Einwanderer durchzulassen, welcher nicht mit einer Elsenbahnsahrkarte, einem Gepäckscheine und 1» Dollars Geld versehen ist. Jusolge dessen wurden gestern 200 Einwanderer nach der Kontrollsialion aus Ellis J-lanv gebracht. Die Ein- Wanderer sowie die Vertreter der Eisenbahn- und der Dampf- schifisahrlegeseUschasten protestirten energisch, jedoch vergeblich dagegen. Tie Gesellschasten drohen die Angelegenheit vor Bericht zu bringen. Das Schatzamt bereitet ein-Zirkulär vor, worin destiiiimt wird, daß die aus 20 Tage� festgesetzte Laiarantäne für Einwanderer künstighin nur auj die Zwischen- dcck-Passagiere anzuwendeil sei." V«vkvi»tc»Ä»r'ickke»r. Protestvcrsammiuligen gegen die M i l i tä r v o r l a g e wurde» weiter abgehalten in Netzschkau(Ref. L. Eckstein» Äwickan), M ü h l a n(Ref. R o s e n o iv- Chemnitz), L ö ß n i tz wtef.�D e m m l e r- Geyer). ftn dem Flugblatt, das am Sonntag in Frankfurt a. M., -�berrad, Niederrad und B o n a n, e s in einer Auflage 5®1} ca. 40 000 Exemplaren vertbeilt wurde und welches vom ststichstags- Abgeordneten Wilhelm Schmidt unterzeichnet ist, es in bezug auf die Kosten, ivelche der AiililariSmuk erfordert:„Es ist eine ewige Schmach für die Menschheit unseres vNtalters. daß ivegen des Bölkerniordwahns solche Summen ver- Sendet werden. Wie viel Nützliches hätte damit geschaffen werden wnnen für das körperliche und geistige Wohl, für die Förderung Üsi Gesundheit und der Bildung des ganzen Volkes!" Zum Schluß wird auf die inzwischen in den oben genannten Orten Ucltgehoblen zehn gropen Protestversammlungen aufmerksam S«macht und dann heißt es weiter:„Daher auf in die m nächsten Dienstag stattfindenden Versammlungen zum Protest wgen. diese, das arbeitende Volk anssaugtnde, mit der Hungcr- ,??,tlche in das geistige und körperliche Eleud treibende Wirth« Wt, damit freie Bahn geschaffen werde für die Entivichlung uiereg Volkslebens zum Wohl und Glück aller Menschen, zur vreiheil und Gerechtigkeit!" g Von der Agitation. Erfurter Genossen vertheilten am '»!"'�S Liugblalter in einer Reihe Ortschasten, die am äußersten des a» Gotha grenzenden Kreises gelegen, sowie in der von ?°lha und Schwarzburg- Sondershausen" begrenzten Enklave, lerner in R ngleben, Andtsleden, Dachwig, Hochheim und Möbie- "fg. Hier und da hatten sie Scherereien mit Ortegewaltigen, "chen die Verbreitung �sozialdenwkratycher Lektüre nicht gefiel. „Fränkisch« Tagespost" veröffentlicht folgende» '"nusanle» Arnlel: Der dupirte Ohrfeigenhistoriker. (Zur Beleuchtung des unabhängigen Huuibugs.) > Motto: „Schmiert Bücher, ww man Stiesel schmiert." ni Gin wahrer Uii|iem waltet über dem unabhängigen k?rcgeueralvr" Hans Müller. Sein- Katechismus stir ��Uptiousgläubige erleidet nicl t dlos im„Vorwärts" Nr. 241 chiung„in Sa. ein und Wirttichkeit", die den Erleuchtete» „ganz katzr, jämmerlich geilnnnit" hat, soudmi auch fein � i leget in Zürich muß ihn jür„uucuhäugig" erklären. �exfeitie legt>.cne»diuas jeiwr Scyriil die vo» ihm gegen- ieichnele, spater folgende Erllarung bei, worin der Versaster al-.- S'lcher Düpe seiner elgcnen Wünsch« und irgend elnes Seelen- ruaudten erscheint. stolz er es auch einleitend versichert hat,„daß er das �-pe>ttto..«Ue" Thalsacheuitialerial durchaus kenn e", sei» „.�flkger bezweifelt es. unter dem Eindruck des»ach- tcii'?nc",® e g e n t h e i l s, öffentlich. Dies zu bekräftige», habe» fü» lUc�1 voihig, uns in die parleipsychologischen Diesen der Alüller- »iivrrupliot.sbeweise" zu vmenken,>vir gretien vtelmeyr nach � beiläufig einzigcn— zahleugepaiizerle», der d-n Forscher, J}*1" l'u*> Dhalsaa�enben eic-Kritiker klassisch wiedergieot. „ Aas Leite 57 seiner Schrift„entlarvt" er vor uns die �aüncher Klique" als die Wurzel der„Opposition unter dein -�""'tzwngesetz", die der Heuligen ahnu>ig!.voll vorausgeeilt, /. �«einen„gr..ndsäylichen Charakter halte, aber— doch nicht ">'begrüiidel war."— Ten»,— so vermeldet der„ftum«": ej�»Große Unzusriedenheit erregte auch in mairche» Krelsen der & i1�l»lcn Züricher Parieigenoyen die Art und Weise, wie das Schaft ocs„Sozialdemokrat" und die damit verbulldeue Partei- chhcnidlting geiahrt wurde. Es seien zu viele Beamte» da, die � tterneu Geschäft keine geiiügenve Beschäfligi.ng hätte», UiN«(!) klage». Jirwiemeit diel« Beschwerde urechtigt war, Lf l'ch heule, iichl mehr unlerscheiden; daß a. er die Kassenf. hriiiig U vWin M o t te U r sehr zu wünsche!, übrigließ, geht aus d»Sozial�eiuokrat" seluft hervor. Dieser brachte in Nr. 47 dtn,-' November 1885 folgeuden Ausruf:„Im„Sozial- Nr. Sl. 18 sch fino per U,iterstüyu»gs,oads als in �chstchlaud eitigeganzen quiltirt, von A. aus B. L80 M. Wir z.� chen eines wahrscheinlich walleuden Jrrtyums halber— kos,, iuseuder dringend um sofortige Nachricht, ov dieser Beirag «i>i„, bucht etwa aus nur 2.80 M. lai.teud) ivann und an wen �■Sestaibt worden ist. Berlra. enSle.ite und Genoffen wollen �hierauf aufiuertsam macheir und an bekannte Adressen Die Expedition des„Sozialdemokrat".„ � lch»iifset Ausruf sieht auf den ersten Anblick(!) ganz Harm- U aus, ist aber bei einiger(!) Ucberlegung recht bedenklich. tachieii wir einmal die Sache: Wenn(!) 230 M. gezahlt, ttlin �u® Versehen nur 2,30 M. gebucht wurden, dann(!) mußten >Ui? n27'70®l* Ju viel in der Kasse liegen; umgekehrt, wenn(!) »ii,», M gezahlt, aber 230 M, gebucht tvurden. dann(!) 227,70 M. in der Kasse fehlen!"— füt? c tiesstnnigen Betrachtungen über„ordentliche Buch- v u»g bei Berwallung fremder Gelder und prompte Jahres, abschlüsse" koilstatirt„man" sodann, daß gegetitheiligensalles „Unordnung und Korruption" herrsche lnid flugs hebt darauf der Gepanzerte zuni Todesstreich aus. Der„Glaubeus-Excgese'U) folgt dir„Katechese"-). „Wie liegt nun diese(!) Sache?"— fährt unser Schrift- gelehrter fort:--- „Quiltirt ist in Nr. 31 von 1383, also in einer Nummer vom Juli 1883 ter Empfang von 230 Mark.(!) Der Kassen- führer(!) weiß aber»ichr, wann und von wem er die 230 Mark erhalten hat. Am 19. November 1885. also 2'U Jahre später, fragt er erst Sarnach! Da(!) der Kasseuführer(!) fragt, ob nicht etwa nur 2,30 M. gezahlt seien, so folgt daraus(!). daß nach seinem Staffenbuch 227,70 M. 21/4 Jahre lang in der Kasse(!) gefehlt haben(!), ohne daß er und die Revisoren, die� alle Jahre hierzu extra aus Teutschland nach Zürich reiste»,(!) dieses Manko(!) entdeckt hätten!"(!!) Begründet mit „tvenn", gefolgert aus„dann" und geschloffen mit „hätten", so verkündet dieser„parteihistorische" Akt dt?„That- sachenbeweise", denen Herrn Müller'S Verleger solgeude Er- klärnng beizugesellen sich verpflichtet hält: E r k l ä r t, n g. Zu Seite 53 der Schrift:„Der Klassenkampf in der deutsche it Sozialdemokratie" von Hans Müller habe ich dem Verleger folgendes unter Beweis gestellt: Das(S. 58) ans dem„Sozialdemokrat" Nr. 47, 1885, als Beweisstück gegen mich reproduzirte„Citat" giebt die im „Sozialdemokrat" gesperrt gedruckten Worte:„— per U n t e r st ü tz u n g s f o Ii d s— in Deutschland—(eingegangen qmttirt,)"— nicht i» Sperrdruck wieder. Die Absicht des Inserenten, damit im Voraus die Deutung auszuschließen, als sei die erfragte Summe aus Deutschland bei uns in Zürich eingegangen, wird somit verwischt. Die Expedition des„Sozialdemolrat" selbst aber hatte mit dem materiellen Inhalt der Aufforderung absolut nichts zu thun. Letztere erfolgte vielmehr im Auftrag einer Fonds- sainmelftelle in Deutschland, die unter dem Sozialistengesetz nicht s e l b e r unterzeichnen konnte, daher unsere Bermilt- lung erbat. Die einleitende Boranssetznitg(S. 58), sowie das weiter aus dem Wortlaute des Inserates Abgeleitete trifft also ans die Expedition des„Sozialdemokrat" oder mich in keiner Weise zu. Ter im„Sozialdemokrat" Nr. 47, 1885, unter partiellem Sperrdruck gegebene Wortlaut anerkennt vielmehr den Ein» gang des Betrages als i n D e u t f ch l a n d erfolgt, indem er auf die Fondsquittuiig im„Sozialdemokrat" Nr. 31, 1383, aus- drücklich verweist, an deren Spitze,—(wie allen„Kreisen der eingeiveilileren Parteigenossetl" bekannt)— speziell über die in Deutschland eingegangenen und verwalteten Gelder quiltirt wurde. Beim„Sozialdemokrat" in Zürich Eingegangenes wurde im Briefkasten quiltirt. Mit der sonach als falsch er- w i e s e n e n Abstellung auf uns, fällt auch die daran geknüpfte .Nntzaniveudtmg" gegen uns in ihr Nichts zusammen. Der „anonyme" Erfinder derselben ist mir seit 1885/86 durch zeugniß- sähige Personen bekannt und hat von solchen damals klaren Be- scheid erhalten. Indirekt auf Kosten des Verlags oder Versaffers mit ihm abzurechuen, beabsichtige ich nicht. Dem Verlage habe ich daher in seinem geschäftlichen Interesse anheimgestcUt, seine Abnehmer rechtzeitig ans de» wahren Sachverhalt, sowie auf die möglichen Folgen einer Weiterverbreitung ehrvcrletzenver Unterstellungen aufmerksam zu machen. Meine sachliche Erkläruug der Gesamuitauflage dieser Schrift beigeheftet und allen bisherigen Bezügern ungesäumt »achgelieferl zu sehen, genügt meine» nächsten Julentioneu. Tie Umiiändc aber, uitter denen der Ausruf im„Sozialdemokrat" Nr. 47, 1885, vom Einsender veranlaßt wurde, berühre ich nur als Beweis, daß die Exped. des„Sozialdemokrat" keine Ursache hatte, ihre Unterschrift zu verweigern. Die Aufforderung betraf folgende, in einem von 1883 bis November>835 außge- brauchten Notizbuch« abseits angebrachte wörtliche Notiz des Inhabers: „A aus B M. 2 30. Seine per Anfang Ottober 1885 erledigte u Kassabücher nnd Belege waren aus sozialistengesetzlichen Gründen, wie auch die früheren, in Zürich ausbewahrt. Bon dort bekam er auf Anfrage zunächst den Hinweis aus den unter gleicher Chiffre im„Sozialdemokrat" Nr. 31, 1883 quittirten Betrag von M. 230, ver auch gebucht und verrechnet war. Torthin richtete er demunbeschadet den bekannten Aufruf, um absolut sicher sestzuftctten, daß jene Notiz keine neueren ondsgelder betreffe, die er, öfter aon Hause abwesend, seinem lellvertreter etwa ausgefolgt,— wesfalls alleroingS die beider- seitigen, sonstwie korrekt b e s u» d e n e n Kassabestände» kolli- dirt hätten. Der Auftuf brachte Klarheit darüber, daß die Notiz einfach die nicht d urchstr ich ene Vormerkung des gebuchten, anittirten und verrechneten 1383er Postens war und keinerlei neuer in Frage stand. London, den 17. Oktober 1392. Juk. Motteler. Das Verlagsmagazin hat keinerlei Gründe, Z.veiiel i» die ihm gewordene» Darlegungen zu dieser Erklärung zu setzen, »nd entspricht somit dem angeregten Vorschlag, sie mlen Exemplaren des Buches„Der Stlassenkaitips in der deutsche» Sozialdemokratie", von Hans Müller, beizuheften und nach» zuliefern. Zürich, de» 25. Oktober 1892. I. Schabelitz.' Ccit« 15 seiner Schrift, die i,t Fr a nz ö s i s ch ein Motto von M i r a b e a u trägt, das sich stolz gegen die gewöhn- heits mäßigen Verleumder und Ketzerrichter ivendet,— erklärt Herr Müller:— „Es giebt Geister, deren ganzes Dasein ver- logen i st." Geist Mirabeau's, erleuchte ihn und unsere Leser darüber, wo>v ir diese Geister z u finden haben!— VevsÄunnlUttgezr. Die in den Oilutibus-, Pferdebahn- und Packetfahrt- Vetrieben beschäftigten Personen hielten i» der Nacht vom 15. zum 16. November drei ö> entliche Versammlungen ab. Die im Saale von Joel tagende Versammlung war schwach besucht. Hier reierirte Genosse S ta bern ack. Derselbe ließ die in de» letzten Wochen an die Oeffenilichkeil gezogenen Leide» der Angestellten der großen Verkehrsbetriebe nochmals vor dem geistigen Auge der Versammelten Revue passiren, aus ihnen die Nothwendigkeil eines festgeschloffencn Ziisan>mengehe»s der Verussgeuoiien folgernd. Wie man habe erfahren können, seien am verflossenen Tage etwa 25 Kündigungen von Schaffnern und Kutschern der P-erdebahn erfolgt, die als Maßregelungen betrachtet werden könnten. Der Druck, welcher in den vergangenen Wochen von den Direktionen ausgeübt worden fei, um die aufblühende Vereinigung zu zer- stören, habe in diesen Maßregelungen seinen krassesten Ausdruck gesunden. Ihm wäre wobl auch der schwache Besuch der Bersamm- lung zu verdanken. Den Maßregelungen müsse auf das entschiedenste entgegengetreten werden; zur Ausführung der nölhigen Maß- regeln wähle man am besten zwei Personen, die mit f« zwei in den beiden anderen Versammlungen gewählten Beru-sgenoffe» eine Lohnkommisfion zu bilden hätten." Diese Kommission habe sich mit den Direktionen der Gesellschaiten, welche Maßregelungen um der Betvegung willen vornehmen, i« Verbindung zu setzen und t) BibelerNärung. s) Unterricht durch Frage und Antwort. die Zurücknahme der Maßregelungen«sie auch die Nichtvornahme von neuen zu verlangen bezm. eine Einigung zn erzielen. Ge- linge dies nicht, so müsse der Kommission das Reckt bleiben, einen Streik zu veranlassen und die angebrachten Schritte zu ltnin. Stabernack's Ausführungen fanden Beifall. In der Diskussion sprach zunächst Schaffner Labrenz: Auch er habe seine Kündigung von der Leitung der Großen Pferdebahn-Gesell« schaft erhalten, trotzdem er den Besuch der Versammlungen mög- lichst vermieden habe, um nicht außer Brot zu kommen. Er sei im Feen-Palast in einer Versammlung gewesen und habe einen Zwischenruf getha», welcher die Gesellschaft anklagte. Das müsse man wohl der Direktion angezeigt haben. So lange sei er kein Sozialdemokrat gewesen, jetzt werde er aber einer werden und so viel wie mög- lich agitiren. Zwei Jahre sei er»u» bei der Pferdebahn; in diesem Zeitraum habe er es aber noch nicht zu einem neuen Hemde gebracht, so gut sei der Lohn für die atigestrengte Thätig- keit. Redner wies dann nach, wie durch eine Menge von Unv ständen die Arbeitszeit immer über das angenommene Maß von etwa 12 bis 13 Stunden hinausgehe und oft 15 mid 16 Stunden betrage. Einer der größten Uebelstände sei, daß die Schaffner an bestimmten Tagen nicht nach Hause gehen könnten und in einem Bett schlafen müßten, da? alle vier Wochen mal überzogen werde, während alle Tage ein anderer darin schlafe. Wer noch geslind sei, könne hierdurch krank werden, denil leicht könne einer der Schläfer eine ansteckende Krankheit haben. Ter Redner forderte, wie dann ebenfalls die Herren Seidel und Gröppler, zum Anschluß an die Organisation auf. Folgende Resolution fand daraus� einstimmige Annahme: „Die Versammlung erklärt, daß die Entlassungen und Maß-u «gelungen der Angestellten, welche von der Direktion vor- aenonnnen wurden und werden, um eine Berufsorganisatioil der Bediensteten der großen Fährbetriebe zu hintertreiben, geeignet sind, diesen das Koalitionsrceht illusorisch zu machen. Die Bersammlung erklärt, daß trotz diesem die Verkehrsbediensteten sich nicht abhalten lassen werden, von dem ihnen nach dem ß 152 der Reichs- Gewerbe- Ordnung zustehenden gesetzlichen Rechte Gebrauch zu machen. Außerdem beschließt die Versammlung, daß die zu wählende Lohnkominisston alle gesetzlichen Mittel mtzuwenden hat. um die Maßregelungen rückgängig zu machen und zu ver hindern und sollte es selbst durch das Mittel des Streiks sein." Die Versammlung beschloß die Wahl von zwei Personen zur Lohnkoinmisüo». welche mit den in den übrigen Bersamiiifungen gewählten vier Personen zusammen die Forderungen der Verkehrs- bediensteten den Direktionen z» unterbreiten haben. Gewählt wurden die Herren B o r ch e r t und H a u d e. Zum Schluß beleuchtete noch ein Angestellter der Packetfahrt die bei derselben herrschenden Nebel, deren besondere Besprechung Genosse Slabernnck für eine julünstige Bersammluiig in Aussicht stellte. Ueber die zur selben Zeit im„Märkischen Hof" stattgesundene Versammliing erhalten wir folgenden Bericht: Es wurde zunächst in der Versammlung sestgestellt, daß auf allen Bahnhöfen die- jenigen entlassen wurden, welche sich hervorragend an den Orgailisattolisbestrebungen der Verkehrsdedieusteteu betheiligt hatten. Der Vorsitzense der Versainuilung führte an, daß die Direktion der Großen Berliner Pferdebahn-Gesellschaft die Halte- zeit für die Wage» der Linie Rixdorf-Spittelmarkl auf den End- stationeu von 12 aus 6 Minuten herabgesetzt habe, wodurch den Angestellten auch jede Möglichkeit zilm Einnehmen der Nahrung entzogen sei; de»» in den meisten Fällen gelangten die Wagen an der Endstation mit 1—2 Minuten Verspätung an. Ferner hat der Schaffner Lonschinsky vom Depot Rixdorf es fertig gebracht, seine Kollegen, welche er erst zur Theilnahme an der Organisation aufforderte, dem dortigen Inspektor namhaft zu machen. Außerdem wurde noch angeftihrt, daß die Direktion diejenigen Leute, welche jetzt ein- gestellt werde», schriftlich verpflichte, keine Versammlungen zu sbe- suchen und sich nicht dem Verein anzuschließen; außerdem sei heut in Rixdors bei Hoffmann von„gutgesinnteil" Vorgesetzten ein„Theeabend" eingerichtet worden, um die Bediensteten vom Versammlungsbesuch zurückzuhalten. Klein besprach und er- läulerle das Verhältniß zwischen Kapital und Arbeit und brachte außerdem noch interessante Details über die Verhältnisse in den Betrieben der Gr. Verl. Ps.-Ges. zur Kenntiiiß der Versammelten. Ei» Antrag, welcher die Wahl von 2 Personen zu einer sogen. Lohnkommissio» verlangt, wurde einstiinniig angetio»ime>l. Diese Lohukoimuifsion solle sich aus sechs Bediensteteii mit Einschluß eines Ausschußmilgliedes der Streik- KontroUkoimnission zusammensetzen welche dann der Direktion folgende Forderungen zu unterbreiten habe. 1. Die Unterlassung jeder ferneren Maß'- regelung von Bedien st eten und die Wieder- einstelluiig der bereits Entlassenen und Ge- maßregelten.— 2. Festsetzung eines Lohnsatzes für Kutscher und Schaffner von 90—120 Mark, für Stallleute von 73—100 Mark.— 3. Einführung einer zehn st ündigen Arbeitszeit mit Einschluß aller Nebenarbeiten.— 4. Festsetzung erner halbstündigen Mittagspause. Ter.Borsiyende F a b e r führte aus, daß, wenn die Direktion nur den guten Willen zeigen wolle, sie diese Forderungen leicht beivilligen könne. Bewillige sie diese Forderungen nicht, so habe sie die Folgen zu trage». Außerdem ist Redner der Meinung, die Direktion habe durch die Maßregelungen klar gezeigt, daß es ihr um eine andere für beide Theile bessere Regelung dieser Sache gar nicht zu thun sei; sie wolle eben unumschränkt über ihre Arbeiter herrschen.— Es wurden nunmehr die gemäß- regelten Schafs»er Mudlag! und Barth mit großer Majorität in die Lohukonnnission gewählt. Ferner wurde sol- geude Resolution, nachdem noch dazu verschiedene Rebner ge- sprachen, einstimmig angenommen. „Tie Versauanlung erklärt, daß die Entlassungen und Maß- regelnugen der Angefiellten, welche von der Direktion vor- geiiommen werden, um eine Berussorganisalion der Bediensteteii zu hinlertreiben» geeignet sind, den Angestellten das gesetztlich ge- wührleistete Kcalilionsrecht illusorisch'zu machen. Die Bersaninilung erklärt trotz diesem, daß die Verkehrs- bediensteten Berlins sich nicht abschrecken lassili werde», von dem ihnen gesetzlich zustehenden Rechte des§152 der Reichs- Zewerbe� ordnuna Gebranch zn machen. Außerdein beschließt die Versammlung, daß die Lohn- kommission alle gesetzlichen Mittel anzuwenden hat, um die Maß- «gelungen auszuhebeu und sollte es selbst durch das Mittel des Streiks sein." Durch die Annahme dieser Resolution wurde der Lohn- kommission mithin eine Direktive gegeben, nach welcher sie nöthigenfalls zu handeln hat. Nach einer kürzeren nochmaligen Debatte über die vor- stehende Resolution erfolgte Morgens 3 Uhr Schluß der Ver- sammlung mit einem dreimaligen brauseuden Hoch au st die Be- wegung der Verkehrsbedieusteten Berlins. N-»ba»d deutscher Karliier», Fr-.senrr und HterrüMenmuchcr, Imeiguerein Berlin. Milaliedcr Versammlung am Donncrstag, den 17. Ao- vrinber, AdendS 10 Uhr, in der Rosemhalrrstr.«8. �«hrkursu« der Herliuer Arbeiter und Arbeiterinnen zur erste» Hilf« bei Htu«lii«i»»fäi>eii. Donnerstag, den>7. November, Abeuv« Uhr, bei Bolg, Alle Jatobstr. 7ö: Vortrag des prall. Arztes Herrn Dr.»utimann. Uebuagsstuiide. Ausgabe der Bibltolhet. Ziiobuttrblub der Haubdiener. Srobe Versammlung am Domierstag. den 17. November, Abends 8 Uhr, bei Sommer, Sriinstr. Li. Vortrag über „flortschrill una A>muih". Zonentarif, zi-rrin für Eisenbahn reform, den 17 November, Abends s Uhr: Ord-nlI.che Versammlung im Restaurant„Zum Prülaten'- am Aleranberplatz, Bogen o«wgang gegenüber dem Polizetpräsidium. Tages- ordnung: i. Borbesprechung über die zu veraaslallende VoUs-versamur- Umg. 8. Der Badische Syendahn-Sieformverein. Für den Inhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Perantwortuug Theater. Dounerstag, l7. N o v e m b e r. Gprrnhau«. GeneiiuS. Schanspirtl»aus. Meister Balzer.' Lrsftng- Theater. Die Orientreise. Kerliuer Theater. Der Hütten- besttzer. i Malluer-Theater. Sodoms Ende. eutsche» Theater. Lolo's Vater. roll'« Theater. Johann von Lothrinaen. Kestden?- Theater. Im Pavillon. (Le Parirnn). Friedrirh-KUilhetmItädt. Theater. Pariser Lebe». Thomaa-Theater. Der Einsam. Adolph Kruft- Theater. Die wilde Madonna. Aleranderplah- Theater. Sport- Mädel. Alational-Theater. Maria Stuart. Apollo- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Theater der KeichohaUeu. Spezia- litäten-Borstellung. IMiuter-Gartril. Spezialitäten-Vorstellung. Kaufmann« Uaristö. Spezialitäten Vorstellung. Vebrüder Kichter'« Uariote. Spe zialiläten-Vorstellung. Li nst- �Ileater. Die wilde Madonna. Gesangsposse in 3 Akten von l..Trspto*r Couplets von G. Görss. Musik von Xl. Stelfens. Mit neuen Kostümen und Dekorationen aus dem Atelier des Herrn I,ütkemo>sr in Coburg. In Sceue gesetzt von ääolpd Ernst. nmr Anfang 7>/2 Uhr.-M» Morgen; Dieselbe Vorstellung. AlMiitt-Platj-Thellttt. Heute Abend V'/g Uhr: zum 4. Male: Sport-Mädel. Grosse Posse mit Gesang. Tanz und Tableanx in 4 Bilder» von 3. Krenn ii. A. Schöofeld. Musik von Max Lustig. Mit vollständig neuer Ausstattung. Kasseiieröfsn. 6'/» Uhr. Aus. 7'/Z Uhr Morgen: Kpor-t-Nlädrl. �meriean-l'deater. Reil! Die MtHMüiitr, oder„Das Kind i» der Kommode", parodislisch- realistischer Vorgang im Keller, beobachtet vom Hof aus, von Oskar Wagner. Hauptrolle: Zler«rliomifchk Heudir. Jeden Abend jubelnder Beifall. Der seille Reiwr. Berliner Lokalposse von O. Wagner. �y?sMk' Wiener Original- vLvU. Soubrette Clotilde Kowala. Ansang 7>/z Uhr. Entree 7ö Pf. Sonntags C Uhr. InSflMBaHBBBHBnHBi J. R. Bauet*, Nene Königstr. 56, I. 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Verlag:llans Baake, Berlin S., City-Passage. Kolporteure, auch außerhalb, gesucht. Rabalt. Muster geg. Einsend. v. 85 Pf.| Sozialdemokratischer Wahlvereiu. für den 6. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Versammlung am Dounrrstaa. den 17. Nov., Abends 8'/2 Uhr. in Pape's Salon(fr. Knebel), Badstr. 53. T a g e s- O r d n u n g:, 1. Vortrag(Referent wird in der Versammlung bekannt gem«y0' 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.< Neue Mitglieder werden in der Versammlung aufgenommen. Um rege Betheiligmig ersucht Der Norstand.- Oeffeutliche Versmvlluilg jiiriiiiiiieniiiii irmien am Sonntag, den Ä0. November, Abend« 0!lhr, in der Berliner Bock- Brauerei, Tempelhofer Kerg. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Hoffmann- Zeitz ubee- Die zehn' Gebote und die besitzende Klasse. 2. Disküssion. Der Gittbernfe� � Nach der Bersammlnng: Gemütlilichea Keisammenfein mit TM' verqnsiallet vom Sozialdemokratischen Wahlverein für den 2. Berliner Reich-' tags-Wahlkreis. Um zahlreichen Besuch bittet_ Der Dorstand. Räolcerl Achtung Achtung!™ Oeffentiidze Wrsammlung heute, Donuerstag, Nachm. 3 Uhr, in den Ztndreas- Gcscllschaftssälen, Zlndreasstraße Nr. SR. Tages-Ordnung:. I. Die Maßregelungen und das ganze Wesen der Genossenschasts-Bäckerei Referent: I. Schlüter. 2. Bericht über die von der Reichskommission verausgabten Fragebogen. Berichterstalter E. Kretschmer. 3. Verschiedenes. 128/1 Oer Einberufeis�. rofze osstnnuye Bersammlnug Donnerstag, den 17. November, Abend» 0 Uhr, im Tisktütki Ehanfteestrafte 88... Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen A. Wih über„Kap"� nnd Arbeit. 2.'Die Geheimnisse der Honigkuchen- Fabrikats'"'' Nähere Erlänterung und Älntwort auf die Vertheidigung der F>t" Theodor Kildebrandt St Sohn. Referent: Kollege Koch. 8. S* kussion. 4. Verschiedenes. Tie Arbeitgeber sind zu dieser Versammlung speziell eingeladen. � ......... Firma ist brieflich dazu eingelade». 96/8 Der Ginbernfer: W i l h e l m Weißenstein.. Krasse öffentliche Maurer- und Putzer-Versammlung Berlins und Umgegend am Sonntag, den 20. Nov., Vorm. lO'/z Uhr, im Feen Palast, Burgstra"- Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Uleist-Köln: Tie politische und gewerkschm� liche Arbeiterbewegung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.* Die Uertraurnsleut». _ Heinrich Schlgolski. H. Gräachka Rummelsburg. Sonntag, den SO, November. Nachmittags 4V2 Uhr» Ceffentliche Versammlung für Frauen und Mannt» im Lokal des Herrn Weigel, Tiirrschmidtstraße 45. Tagesordnung: I. Vortrag über: Aberglaube. Refereutin Frau Rohrlack. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammliing statt. Der Nertrauenamann�. frsls Volksbllliiie< Am Tontttag, 20, November, findet für die 1. theilung, am So,«ntag, 27. November, für die 2. Abttz� lnng, am Sonntag, Dezember, für die S. Abtheilung, Vorstellung Im Natlonal-Theater, Gr. Frankfurterftr. l6'1 statt. In den Borstellungen gelangt zur Aufführung: Der freie Wille. Schauspiel in 3 Aufzügen von Kerman» Faber. Die Hauptrollen liegen in den Händen der Damen Clara BfeW1 Käthe Griep, der Herren Haalch, Stiel, Wesselsky vom.National«»?«" � und den Mitgliedeni des„Lessing-Theaters" Frl. klarte Emst»nd V, Eichard ckürgas. Die Regie Hat Herr Gskar Höcker, Ulitglied Lefftng-Theater», übernommen. Die Norltellungen beginnen stets um L'/s Uhr UachM'tt,. die Nerloosnng um I'/i Uhr. Die Mitglieder werden dring. ersucht, bi« spätesten« ÄV, Uhr tu erscheinen, damit keine Kto» kurz vor Kegin» der Narllellung eintritt.-»»flu!'»' Diejenigen Mitglieder, die aus irgend welchen Gründen die Borstel; ihrer Abtheilung nicht besuchen können, haben das Recht, die Vorstellung' anderen Abtheilung zu besuchen, sovett der kaum es gestattet. Ein A»«i% des Kassirers ist nicht nölhig, doch htttet der Verstand nnr in gann bs» � deren Fällen von diesem Recht Gebranch zu machen, da zuerst die MiW' � derjenigen Abtheilung berücksichtigt werden müssen, für die dieBorstellung beiu ist. Grtrascheine für diejenige» Mitglieder, die zweimal die» itl fteflung besuchen wolle», werden in jeder porstelluug, der ersten, ausgegeben, soweit der panm gestaltet. Auw diese Scheine ist ein Anowei« de» Kasstrer« von jekt ab j nicht«um. Istitgliedvr lNr die 3. Hhtheilnng veerden in allen � stellen autgenvmmen gegen Zahlung des Einschreibegeldes von t � und des Beitrages für den Monat Dezember von 50 Pf. Der Beitrag U Roveincer braucht von den Mitglieder» der 3. Abtheilung nicht mehr zu werden., � Infolge vieler Anfragen wird den Mitgliedern mitgetheilt, daß die».• stellnng der 3. Abtheilung vom 13. November von 985 Personen besucht ivu� und zwar von 547 Mitgliedern der 3. Abtheilung und 433 Mitglieder», � die Vorstellung zum zweiten Mal besucht haben. Der Vorstand der„Freien Volksbühne". I. A.: Inlin« Türk, SV, Selmsstr. 24 Verantwortlicher Redakteur: August Enders in Berlin. Druck uns Verlag von Max Baving in Berlin, SW. Beukdstraßs 2. Arbtittt-Geslinglicreili„Nord"... Die Uebungsstunde findet am Freitag nioM bei Herrn Nickolay, Elisabethkirchstraße 14, sondern �. S�sllen, Bsrgstr. 68, statt. Um zahlreiches Erscheu� bittet vor Vorstand� t* 157/7 Vierji» zwei Beilaö . Beilage zum„Vorwärts" berliner Nr. 270. Donnerstag, den 17. Uovember 189 9. Jahrg. Wsvkeikng litt Tl>Ml!>cmo!rlltislht!l Partei �eutschlaiilis. Zweiter Verhandlungstag. Berlin, 16. November. � Singer eröffnet um 9>/z Uhr die Verhandlungen mit der s-tttlheilung der eingegangenen Schreiben. Die Parteigenossen "t Lemgo theilen mit, daß Genosse Schnitger in den Landtag Pwählt worden sei.'(Bravo l) Genosse öiiesop bezeichnet in �»e». Schreiben an den Parteitag die gestrigen Aussührungen des -telegirlen Bogs(nicht Bobsin) aus Bromberg, soweit sie sich ?ui seine Person beziehen, als unwahr. Begrüßungsschreiben £ eingetroffen ans Wien(Redaktion des„Haudlungsgchilfeit"), «tanada(durch Sievers) und aus Konstanz. Hieraus wird zur Wahl der Siebenerkoinmissio», die die Solinger Angelegenheit zu prüfen hat, geschritten. Tie Wahl "-°>gt durch Liste. Das Ergebniß wird in der Nachmittagsihilng nitgencllt werden. Es>vird in die Tagesordnung eingetreten und die Diskussion »u Punkt 1 und 2 fortgesetzt. .. Znnttchst wird die Untersiütznngssrage für ave bisher zu v-ese» Punkten eingelaufenen Antrage aus der Mitte der De- Mlrten gestellt. Der Antrag Hoch, der gestern mitgelheilt worden, l-niet nicht die nölhige Unlersiützung. .. K r a h l- KottduS-Spremberg bespricht die Landagitation. Er I�t ans dein Lande groß geworden. Bei der Auswahl der Land-Agita- '»«» müsse man äußerst vorsichtig sein. Höchst schonend müsse mit Elaubeusgruudsäycn der Landleute umgegangen werden. Gc- �gnete Broschüren müssen geschrieben werden, wie die von �»ols Hoffmann:„Die zehn Gebote und die herrschenden Klassen" »Die Sozialdemokraten kommen." Es sei verfrüht von der ........ Bodens(Na na!) zu sprechen. A�giseUscha tung deS Grund und- e Einsicht konime allmälig. .' � Lien- Haniburg nimmt den Antrag Hoch-Frankfurt Y<"'®'c�er üllf- Die Unterstützung reicht jetzt aus. b», c 9 j£ n tadelt die dreimalige Empfehlung einer Kirchen- mm durch die„Münchener Post." Es seien be- Reklamen gewesen, die sich unmittelbar an den redaklio- eiten Tezt anHeschlossen hätten, so daß uneingeweihte selltwgsieser es für redaltioneUe Empfehlung halten konnten. . Handlungsweise der Redaktion verstoße gegen das sozial- mvlralische Prinzip. In» weiteren empfiehlt Ridner den ersten des Hoch'sct en Antrages; der zweite sei überflüssig. Auch " Antrag Grünwald(Angelegenheit Auer-Prczytulski) bittet e-ner anzunehmen. kt.:° �' Pritztvalk schildert die Schwierigkeiten der Agitation in '"»eren Orten. Ein Antrag auf Schluß der Diskussion wird angenommen. E? folgen persönliche Bemerkungen. (erv u machet bestreitet, aus Eholerasurcht im Kreise Viele- - nrcht gesprochen zu haben. tof-P£ r b e r t- Stettin rechtfertigt das Stettiner Parteiblatt gen dxr Aufnahme von Inseraten geboykolt->ter Lokale. hx.- be>onberen Beschluß des Parteitages erhält das Wort Istndert�G�� Schluß der Debatte an einer Erwiderung ver- sich � � Liebknecht: Es ist eine Erscheinung, die Sei r- n u,,feren Parteitage», besonders auf denen vor dem blättP letlßefe9' gezeigt hat, daß die Redakteure der Partei- Sieich i>'e Ändianer am Pfahl stehen müsse». Im Ver »och früher gesagt worden, ist das Dieemaligl wir.n n®-' Niemand kennt die Mängel besser, als wir. Wollte! iaiia? Einsendungen bringen, die von außerhalb an uns ge- s? müßten wir ein vier- bis fünfmal so großes Blatt ."• Wir müssen mit dem Raum sparsam umgehen. Der sei eben auch das Lokalblatt' der Ber- �-rwärts 4'' P1* CTV vvvt» VMV■V/V» V« V.V» Sllj j Das Schlimmste sei der Mangel an geeigneten Kräften. (Jboi,V. kl'**) von Leipzig nach Berlin übergesiedelt sei, um als ei»k>>, u �ur des„Vorwärts" zu fungiren— nicht ohne erst habe' Patfeu Andrängen des Parteivorstandes zu folgen— da fcfiifi," � gesagt, der„Vorwärts" müffe, entsprechend der Be btu,, 9 der Partei, für die er das Zentralblatt sei, auch ein be- erst o werden. Aber er habe sich geirrt. Es sei vor- nicht möglich gewesen, über alle Vorgänge auf geistigem fibej. ZU verbreiten. Außerdem habe er sich auch davon Sntert?*' daß das Gros der Parteigenossen daran keinerlei w."e habe. Die Minderheit der vorgeschrittenen Genossen rn der„Neuen Zeit" ihr Organ. z...Daß der„Vorwärts" nicht tadellos sei, das wolle er gerne Tie m Rder man möge doch die Umstände berücksichtigen. ti-ch», sei riesig schnell gewachsen und die Zahl wirklich sii J®*1 Redakteure habe nicht damit Schritt gehalten. Dann wiint zweite Redakteur, Dr. Bruno Schönlank, überarbeitet, äutt; auf längere Zeit gezwungen, hinter die Front zurück- de»« i. �"d ein wie großer Unterschied besteht nicht zwischen Ist'edaktioiien bürgerlicher und sozialdemokratischer Blätter. denn auch nur für einen Tag ein ruhiges Zusanimen- 'dilint möglich? Entweder man wird durch die Polizei be- dad, �h.e� ein Redakteur wird vernrtheilt; und plötzlich wird eine Lücke in die Redallion gerissen, ich selbst habe im 8 zu erscheinen und Iverde für Agitationsreiseu stark be- est,"iuf alle Fälle sei aber gegen früher der„Vorivärts" doch anderes, besseres, größeren Anforderungen entsprechendes li>stj,..geworden. Tie Bemerkung eines Redners, daß die Poli- «»-."ebersicht des„Vorwärts" sich durch langweilige Monotonie stf.-.chne, und daß derjenige, welcher ein Vieteljahr diese lliubrik auswendig könne, sei gänzlich hinfällig. Dann sei jeden- ber betreffende Redner diejenige Person, die die Politische so�""cht derart mannigfaltig geualten könne und nach der man "9e gesucht habe.(Heiterkeit.) Polemik mit be» Vorwurf, daß ver„Vorwärts" in seiner rich.."abhängigen nicht immer korrekt gehandelt habe, sei auch »i».. Za wie er vorgebracht worden, richtig. Diese Polemik gilt bwv aen paar unbedeutenden Leutchen, die sich Unabhängige nennen, --------., �---------»v.'. �»,'0 &hfn �uer Macht, der gegnerischen Presse, die mit Vorliebe teri- Uen der Unabhängigen gegen die Partei ausschlachtet. Ans '........' M» hall übergehend.' bemerkte Redner, daß sein Ge- ?�t"'eleu Genossen hoch erscheine, aber es würde ihm Airrf...möglich sein, damit auszukommen, wenn er nicht Aber die Lebenshaltung nach unten Delegirten sind N Neu-Auflagen seiner Schristen Ncbeneinkomm-n beziehe selbst bin so arm. wie nur einer von Ihnen, est und.ich lebe z,,?rvletarierhast, wie jeder einzelne von- Ihnen. »"M'. daß eine Ausgleichung in der Lebe, g"stnden muß, ist arundsalsch. Auch die~ e�r�if�or, feffem Sinne alle Aristokraten, verglichen mck den schlesischen Z'bern. Mas würden Sie nun sagen, wenn diese d� Bnlangen k?. Sie stellen wollten, eS solle kein Mensch e.n Meres Einkommen als die Weber selbst haben-8��� WS NS ULM '.h«»ch'NUß. darauf sehen, daß meine Kinder dje nölhig ist. Sie werden später gewiß keme � arY» haben, und deshalb muß ich meine Söhne, die � ß geworden sind, für den Kampf um's Dasein rüsten habe seine Redakteurlaufbahn mit einem Monats gehalt von 66 Mark begoimen.— Ich bin aber nicht von der Partei abhängig, und die Partei ist nicht von mir abhängig. Ich würde mich iveit besser stehen, wen» ich in Leipzig geblieben wäre,, thatsächlich bringe ich also ein Opfer. Im Uebrigen thue der„Vorwärts" was er kann. Die Be- hauptung, es bestehe ei» Ring, von dem tüchtige Elemente ferngehalten würden, sei ganz hinfällig, so habe der Parleivorstand dem geistig bedeutendsten der jetzigen Unabhängigen den Redaklions- posten angelragen, dieser habe aber ans Gesundheilsrücksichte» abgelehnt. Es ist kein Ring vorhanden. Jever kann hinein, der das nölhige Zeug und die»ölhige Tüchtigkeit hat.(Beifall und Händeklatschen.) Das Schlußwort erhält der Berichterstatter N. Fische r. Redner bespricht die kiiizelnen zu Punkt 1 und 2 gestellten Au- träge und legt die Stellung des Parieivorstandes dazu klar. Im weiteren stellt Redner eine Anzahl Unrichtigkeiten, die in der Teaalte den Rednern unterlaufen sind, richtig. Vom Partei- sekretariat sollen Briefe im Tone eines preußischen Unteroffiziers geschrieben worden sein. Das sei eine der Legenden, die allmälig den Schein der Wahrheit anzunehmen schienen: Alier sei grob und Fischer nicht viel feiner. Der Vorwurf sei ganz emschieden zurückzuweisen, es müffe verlangt werden, daß die Beweise dafür gebracht werden. Hm Gegeiitheil müsse viel eher von manchen Briefen der Genossen an den Vorstand gesagt werde», daß in ihnen das Sekretariat als Blitzableiter für die schlechte Laune der Genossen dienen. Tie Briefe des Sekretariats seien sachlich und in einem Tone geschrieben, wie ihn die Genossen von ihren angestellten Beamten zu verlangen hätte». Redner wendet sich zu den Ausführungen Hoch's und hebt hervor, daß er, was die Programinbroschllrc anlange, n»r �.gesagt habe, es reiche nicht anS, eine solche Broschüre'zn be- ichließen, man müsse eben auch die Männer habe», die sie so schreiben könnten, daß sie alle Wünsche befriedigt. Den von Legien aufgenoiiiliienen Antrag Hoch bittet Redner abzulehnen. Das Sekretariat sei init?lrbeiten überhäuft. Ein deutliches Bild von der Tiefe der Agitation könne durch die Liste dock nicht geschaffen werden. Nur mit Hilfe der Ver- trauensleute sei eine solche Liste aufzuftelleu. Da nuiffe denn auch ein Klagelied über die Parteigenossen im Laude au- geslimmt werden. Vergebens sei aufgefordert worden, regelmäßige Mittheilungen' über Vernrtheilungen zu der Rubrik „Unterm neuen K»rs«" einzusenden. Das Sekretariat sei auf die Mittheilungen der Parteipresse angewiesen. Die Verlraueuslcute seien eben auch mit Arbeiten überhäuft, so daß die Befürchtung vorliege, daß der Antrag Hoch ein Antrag nur ans dem Papier bleiben würde. Mit der Kritik der Gehälter mache man es einer Anzahl seinsühliger, sentimentaler Personen unmöglich, länger im Dienste der Partei zu bleiben.(Sehr richtig.) Es sei nicht jeder- inanns Sacke, sich dieser Kritik beständig auszusetzen. Was für die Handarbeiter recht sei, sei für die Kopsarbeiter billig. Weil ein paar erlöse Bube» das Schlagwort von der Parteikrippe er- funden WMn, deshalb glauben einige Genosseii, diese kleinlichen Dinge vorbringen zunu'iffe».(Zilstinnmiilg.) Die Frage ist so zu stellen: ?st die Leistung gut, dann muß das Gehalt dasAegnivaleiit dazusein. iebknecht habe in den ersten Jahren 26— LS Thaler monatlich als Redakteur gehabt. Da sei nie ans den Kongressen gesagt worden, das sei zu wenig; es gehe nicht an, daß ein Redakteur weniger habe, als ein einigermaßen geschickter Setzer. Wenn ivir heut in der glücklichen Lage sind, ein Gehalt z» zahlen, das den Leistungen einigermaßen entspricht, so haben wir die Pflicht, es zu thun. I» einer ganzen Reihe von Parteizeitungen lvird die Kraft des Redakttnrs aufs äußerste ausgenutzt. Von früh bis spät soll der sttedakleur thätig sein, an de» Abende», an den Sonntagen reden und ngiliren. Und dabei ist die Be> Zahlung des Redakteurs oft schlechter, als die des letzten' Setzers im Geschäft.(Zustimmung.) Was die Klagen über den„Vorivärls" betrifft, so war ich auf ganz andere, wuchtigere gefaßt. Ich habe Mich geradezu gewundert über die Bedeutungslosigkeit dieser Angriffe. Ich dachte vor allem, daß die Vertreter der Provinzpress« ihre Schmerzen über den„Vor- wärts" zum Ausdruck bringen würden. Der„Vorwärts" bringt in seiner„Politischen Uebersicht" fast nur Raison nements, das thatsächliche Material an politischen Tagesereignissen aber fehlt. Und es wäre doch seine Ausgabe, dieses Aialerial der Provinzpresfe zur Versügiliig zu stellen. Auch ich bin der Meinung, daß der„Voriv." nicht aus der Höhe seiner Aufgabe steht, aber die Einwände, die hier über einzelneseiner Notizen laut geworden sind, gehörten wirklich nicht hierher. Das sind Dinge, die vor die lokale Preßkommission gehörei» und von ihr entschieden werden müssen. Es liegt mir fern, irgend einen Vorwurf gegen die Person des Chefredakteurs zu erheben. Sie alle sind schuld daran, wenn der„Vorwärts" nicht das ist. was er sein sollte. Was verlangen Sie nicht alles von Liebknecht! Er ist Chefredakteur, Parleischrlststeller, Agitator, Führer, Abgeordneter. So zersplittern Sie seine Kraft. Er kann sie nicht ausschließlich auf den„Vorivärts" konzenlriren. Sachlich sollte auch diese Frage behandelt werden, nicht persönlich. Was die„Nene Welt" betrifft, so theill der Vorstand die Ansicht, daß ihre Gestalt, ihre Erscheinungsweise, ihr Inhalt den Wünschen der Partei nicht gerecht wird. Ein Fehler aber ist es, zu sagen: Wie ganz anders war die alte„Neue Welt". Viele, die so reden, haben die alle„Neue Welt" wohl garnicht gelesen. Denn auch damals war die ganze Partei einig darin, daß die„Neue Welt" nichts tauge. Nickt Verfolgungen, nicht das Sozialistengesetz haben ihr den Garaus gemacht, an der allgeincinen Langeiveite ist sie ein- geschlafen. Jetzt aber steht man mit einem Male unter dem Eindruck, als hätte man ein verloren gegangenes Glück z» beklagen. Noch ein Wort über Liebknecht. Volle vierzig Jahre steht er im Parteidienste, und niemals hat er Rücksicht auf das eigene Wohlbehagen genomme». Slets>var für ihn entscheidend: Was erfordert ber Dienst, das Interesse der Partei von mir!(Lebhaste Znstinmiung.) Er hat der Partei seine ganze Zeit und Kraft geopiert. Noch heute ist Liebknecht als Führer, als Schriftsteller und Agitator der Partei einzig und unerreicht, unersetzbar für die Partei. Wo ist eine Kraft vor- Händen, die sich mit der seinen messen könnte? Wer von uns wollte leisten,»vas er in Jugendsrische geleistet hat aus seinem Zug nach Marseille und in den zahlreichen Versammlungen nachher? Kein Gnadengehalt wollen ivir ihm geben, nur das, was seine Leislungen' verdienen. Es ist die Pflicht und Schuldigkeit der Partei, ihm das Gehalt in dieser Höhe zu gewähren.(Lebhaste Zustimmung.) Zum Schluß bittet Redner, alle persönlichen Rücksichten bei Seite zu lasten und nur nach sachlichen Momenten zu urtheilen. Das habe die Partei groß gemacht. Wir wollen auf dieser Bahn, frei von allen persönlichen Nebenabsichten, weiter wandeln, der Partei zum Nutz, den Feinden zum Trutz!(Lebhafter Beisall und Händeklatschen.) Kaden- Dresden stellt als Referent der Kontrolleure einen Jrrthum im gestrigen Bericht des„Vorwärts" richtig. Eine Be- schwerde aus Köln über den Vorstand sei zuerst von den Kontrol- leuren abgewiesen. dann aber nach Beibringung weiteren Materials für berechtigt erllärt und festgestellt worden, daß der Parteivorstand in diesem Fall nickt ganz korrekt ge- handelt habe. De? Parteitag ertbeilt hierauf einstimmig Decharge und stimmt dann über eine Reihe von Anträgen zu Punkt 1 und 2 der Tagesordnung ab. Zur Annahme gelangt der Antrag Grünwaldt, �daß eine Kommission von 5 Mitgliedern gewählt wird, um die Sache des Prczytulski sofort zu untersuchen und diesem Parteitag zur Ent- scheidiliig zu unterbreiten. Gleichsalls angenommen ivird der Antrag Bandert-Npolda, den Vertrauensmännern den„Vorwärts" auf Koste» der örtlichen Parteikasse zu liesern. Der Antrag Legicn-Hoch wird abgelehnt. Ter Parteitag tritt danach in die Berathmlg des 3. Punktes der Tagesordnung ein: Bericht über die parlamentarische Thätigkeit der Reichstags- Fraktion. Neserent Singer: Parteigenossen! Ich will Ihnen leine längere Rede halten, dazu ist die Zeit des Parteitags zu kostbar; in dem Ihnen vorliegenden Bericht des Parteivorstandes ist über die parlniiientarische Thätigkeit das Nötbige anSführlich genug gefugt. Nur in der Diskussion resp. im Schlußwort ivill ich evcnk. abweichende Ansichren beleuchten. Jetzt möchte ich nur einen Punkt näher berühren. Da der Reichstag demnächst zu- sammeutritt, und über die neue Militärvorlage zu beschließen hat. so muß auch der Parteitag, besonders da er so kurze Zeit vor Erösfiniiig des Reichstags tagt, in dieser Frage sein Aolui» abgeben. Natürlich will ich hier keine langen Erörterungen über de» Militarismus anregen. Jedermann weiß, wie sich die Sozialdemokratie zum Militarismus stellt, sie bekämpft ihn, und wird nicht eher ruhe», bis er zerschmettert am Boden liegt. Wir sagen nicht wie die Fortschrittspartei: dieser Regierung. keine» Mann und keinen Giosche», ivir sagen: diesem Syst em keinen Mann und keinen Groschen. Ich bitte den Parteitag, seine Meinung in einer Nesolution kundzugeben, und schlage Ihne» die folgende vor: „Durch die dem Reichstage in Aussicht gestellte Miliiärvor- läge werden dem schon jetzt durch den Militarismus aufs äußerste bedrückten deulschen Volke nach neue persönliche und finanzielle Lasten zugeinnthet, die es nicht tragen kann, ohne auf die wichtigsten Kulturarbeiten zu verzichte», und ohne daß die Quellen der produktiven Arbeit geschädigt werden. Das herrschende Militärsystem, nicht im stände, die Sicherheit Deiitschlands gegen feindliche Ueberfälle zn gewähr- leisten, bildet eine forldauernde Bedrohung des Völkerfriedens. und dient der kapitalistischen Klassenherrschaft, deren Zweck die wirthschaflliche Ausbeutung und die politische Niederhaltung der Arbeiterklasse ist, als vornehmlichsles Werkzeug. Ter Parteitag fordert daher, entsprechend dein Programm der sozialdemokratischen Partei, die Einführung eines ans Er« ziehung zur allgemeinen Wehrhaftigkeit beruhenden und die all- genieine Volksbewaffnung verwirklichenden Wehrsystems und erklärt, daß die sozialdemokratische» Abgeordneten in vollem Einklang mil der in der Sozialdemokratie politisch organisirten Arbeiterklasse Deutschlands handeln, indem sie die Negiernngs- vorläge sowie jede anderweite Forderung für das gegemvärtige Militärsystem verwerfen."(Lebhafter Beifall.) Die Debatte wird eröffnet. A u g n st i 11 bittet um Annahme seiner Resolution in der Frage der Stichwahlen, die von Dr. Lütgenau, dessen An» schauungen Redner bekänipft, angeregt sei. I ä h 11 i g- Halle tritt dafür ein, daß die Fraktion im Reichstag den Antrag auf Einfüliriing des achtstündigen Arbeits- tage? einbringe, dninir die kollossale Arbeitslosigkeit, ivie sie sich auch in Halle zeige, beseitigt werde. V 0 g l h e r r nimmt gleichfalls in der Frage der Stichwahlen das Wort und venvirst jede» Kompromiß mit den bürgerlichen Parteien, da man ja deren Verhalten ini entscheidenden Momente kenne. Im übrige» empfiehlt Redner die Singer'sche Resolution zur Militärvorlage und fordert i» der„Meineidsangelegenheit" die Fraktion auf, im Reichstage die Ailfhebnng der religiösen Forin des Eides zn beantragen. Mittag- Quedlinburg ist mit dem Antrag der Fraktion, die Einführung des Achtstilndentages erst für 1863 zu verlangen, nicht einverstanden. In Hinblick auf die geivallige Arbeitslosigkeit müsse die gesetzliche Einsührniig der achtstündigen Arbeitszeit sofort gefordert ivcrden. A l b r e ch t- Halle bekämpft den von der Fraktion gestellten Antrag auf Verstaatlichung des Apothekenwesens. K 0 en e n- Hamburg: Als es sich im Reichstage um die Beivilliguug der Korvette X handelte, hätte Putlkamer auf die Arbeitslosigkeit in Stettin hingewiesen. Dem hatte der freisinnige Dohr» widersprochen: in Stettin gebe es keine Arbeitslosigkeit, lind der Arbeiter verdiene 0 M. Redner fragt, weshalb dieser Behauptung nicht von einem sozialdemokratischen Abgeordneten widersprochen worden sei. 1l l l e n b a u m- Elberfeld euipsiehlt, den z>veiten Theil unseres Programms in Form von Gesetzentwürfen zn bringen und diese nebst den bisherigen ArbeUerschntzgesetz-Eiitwürfen dem Reichstag vorzulegen. B u 0 b- Oberclsaß bedauert, daß die Fraktion nicht die Auf- hebuiig des Ausnahmegesetzes für Elsaß-Lolhringen beantragt habe, trotzdem der Ersmter Parteitag es wünschte. Redner schildert die rigorose Weise, mit der man die Presse im Elsaß knebele. Nicht e i n Preßgesctz bestehe, sondern 27 Acrordniingen, von denen die ältesten aus dem Jahre 173S, die jüngsten ans dein Jahr« 1368 herrühren(und größtenlheils auS der hourbonischen und»apoleonisckeu Gemallherrsehasl entstanden sind. Seine weilcre» Mittheilimgen über die Brutalität des Kapitalismus und die Bexatiouen durch die Behörden in Elsaß-Lothringcn, riefen wiederholt die allgemeine Entrüstung des Parteitages hervor. Das Königreich Sachsen und das Königreich Stumm seien nicht so schlimm, wie das Eldorado der Biircnilkratie, Elsaß- Lothringen. Man könne uns dort den Kopf vor die Füße legen, ohne daß es eines anderen bedürfe, als eines Berichtes des Stadl- Holters an den Reichskanzler. Als Elsaß- Lothringen vor 22 Jahre» annektirt wurde, da habe in den Bonrgeoisblätterii oft ein Sturm der Entrüstung über die verlotterte Franzosen- wirtlsschast getobt, und heule seien dieselben Gesetze noch gillig und pe würden schliinmer gehandhabt als früher. Er müsse im Namen der intelligenten Arbeiterbevölkerung Elsaß-Loihriiigens ganz energisch Protest einlcgeu gegen solche Verhältnisse inid erkläre auch im Namen der aufgeklärten Arbeiter, daß sie keine Chauvinisten seien, sie seien leine Protestler, auch keine Franzosenköpfe, sie seien international gesinnt, seien revolutio- näre Sozialdemokraten. Wir protestircu zwar gegen die Annexion, aber nur aus denselben Gründe», wie die deutsche Sozialdemo- kratie, weil das Volk seines vornehmsten Rechtes, des der Selbst- bestimmung dadurch beraubt worden ist. Wir wollen gleichsam das Bindeglied zwischen Frankreich und Deutschland sei»; nicht ein trennender Keil.(Wiederholter begeisterter Beifall, Bravo!) Flöther verbreitet sich zunächst über den Nutzen der parlamentarischen Thätigkeit und verlangt dann, daß die Fraktion energisch im Reichstag den Antrag auf Einführung des Acht- stimdentagcs vertrete. Des weiteren wendet er sich gegen die Ausichteii. die Dr. Lütgenau i« der Frage der Stichwahlen ver- treten hat. Hieraus werden die Berathmigen aboebrochen und der Vor- sitzende macht dem Parteilag die Mitlheilnng. daß von Schivedt an der Oder ein Schreiben, unterzeichnet mit 66 Namen, ein- gegange» wäre, welches bestätigt, daß der Genosse Thierbach als ©eleatrtet gewählt sei. Besagtes Schreiben wird der Mandats- Prüfungskommission überwiesen. Begrüßungsschreiben sind eingegangen aus Schweinfurt vom Gesangverein Vorwärts, aus Saarbrücken, Ostrau, Köpenick und aus der Lausttz. Damit schließt die Vormittagssihung. N a ch in i t t a g s- S i tz u n g. G o t t l i e b- Bremen eröffnet nach g'/a Uhr die VerHand- kungeu mit der Verlesung der Einläuse. ' Die Debatte wird sortgesetzt. B o g s- Bromberg spricht im Namen seines Kreises der Ira.lion Dank für ihre Thätigkcit aus. Er bitiet die Fraktion. im Reichstage baldigst die Neueiutheilnng der Wahlkreise zu beantragen. S ch w e e r- Hamburg hält die Verstaatlichnng des Slpolheken- 'Wesens und ebenso die Verstaatlichnng des Arztwesens für durch- aus nolhwendig. Das habe die Cholera-Epidemie in Hamburg bewiesen. Tie armen Leute hätten sich die theuere Medizin nicht lausen können. Kant- Güstrow wünscht ein Vereins- und Versammkungs- gesctz für das Deutsche Reich. Er sctuldert die Scdwierigkeiten, in Mecklenburg eine Versammlung gestaltet zu bekommen. Tie Fraktion solle in der nächsten Sitzungsperiode energisch für ein Reichsvereinegeseh eintrete». Lorenz will obligatorische Einführung der gcwerb- nchen Schiedsgerichte für die Gemeinden. M e tz n e r- Berlin: Die Fraktion möge die Abschaffung der religiösen Form des Eides beantragen Die Eibcsformcl, deren man sich in einer zukünftigen Gescllschast wohl überhaupt nicht bedienen werde, müsse so gefaßt werden, daß sie die Gewissen iticht bedrücke. I. Auer: Bei diesem Punkte der Tagesordnung soll eine Kritik an der Thätigkeil der Fraktion geübt werde». Alle die Zuknnftsträunie aber, die hierbei noch laut geworden sind, haben doch eine sehr große Aehnlict keit mit dem, was man leeres Stroh- dreschen nennt. Was die Fraktion zu rhun hat, ergirbt sich aus Verhältnissen, Situationen und Umständen, auf die wir hier keinen Einfluß haben. Was die Acnderung der Eidessormel und den Majeilät.beleidigungs-Paragrapheu betrifft, so muß man doch sagen, daß wenn mir ernmal an eine Aend erring des Strafgesetz- buches gehen, diese beiden Paragraphen durchaus nicht die einzigen sind, die einer Reform bedürfen. In Rücksicht auf die reichhaltige Tagesordnubg, die Fragen berührt, wo der Parteitag unter allen Umständen Direktive» geben muß, erscheint es mir doch ange- bracht, die Diskussion auf eine Kritik der bisherigen Thätigkeil der Fraktion zu beschränken. Wollten wir Zukuilftsiiiusik treiben, dann wäre es ja das einfachste, die Reichstags-Fraktio» zu beauf- tragen, den sozialen Staat einzusühren. Alles andere sind ja doch nur Bruchstücke. Und diese einzelnen Wüusche können ja doch direkt an die Fraktion gerichtet werden, wenn sie zusammen ist. Jeder Genosse hat dazu das Recht. Redner bespricht noch den Antrag der Düsseldorfer, wonach von jetzt an nur einzelne Abgeordnete im Parlament rer- treten sein, die übrigen im Lande agitircu sollen. Leider hätten die Düsseldorfer keinen Tclcgirten geschickt, der uns sagen könnte, wie das zu machen sei. Redner bittet noch einmal die Diskussion aus die Kritik zu beschränken. Ehrhardt- Ludwigshasen spricht den Wunsch aus, daß »>an allen jene» Genossen, die besonders hervorragend agitatorisch thätig sind, eine Art Kompendium über die Thntigkeit des Reichs- tages zur Verfügung stelle, in denen ähnlich wie im Lux'schen sozialpolitischen Handbuch alles Material übersichtlich geordnet an die Hand gegeben wird. Bebel: Ich bin diesmal nicht mit meinem Freunde Auer einverstanden. Wir müssen alle Wünsche über die zukünftige Thätigkeit der Fraktion diskulircn, da die Fraktion wissen niuß, was die Partei wünscht, was sie thue. Freilich sind eine ganze Reihe der gestellten Anträge über's Ziel hinausschießend. So verhält es sich zunächst mit dem Elberseldcr Antrag, er läuft darauf hinaus, den ganzen zweiten Theil des Programms als ausführlichen Gefetzentwuri vor den Reichstag zu bringen. Das ist zu viel verlang' als Antragstellcr hätte doch wisse» müssen, welch' g. Arbeit es bedarf, derartiges Material als Gesetzentwurf zu st muliren. Der Arbeilerschutzgesetz-Entwurf hat monatelange Ar- beit erfordert und schließlich wurde er doch vielfach als sorinell nicht sorgfältig bezeichnet. Ein anderer Antrag habe verlangt, daß die gewerblichen Schiedsgerichte möchten obligatorisch eingeführt werden. Nun, die Fraktion hat diesen Antrag eben erst im Reichstag eingebracht, derselbe wurde abgelehnt, und wir können daher nichl jetzt schon wieder den gleichen Autrag stellen. Wenn dann Buel in zündender Rede die entsetzlichen Zu- stände in Elsaß-Lothringen geschildert und der Fraktion einen Vorwurf daraus»lacht, daß sie nicht den Antrag ausAvsch.ffung des berüchtigten Tiklatnrparagraphen, ans Aencerung des Preß- gesetzes und des Vereins- und Versammliiugsgesetzes im Reichs- tag eingebracht habe, so habe er darauf nur zu erivioeru, daß eS überhaupt nur möglich sei, die zwei ersten Punkte vor das Forum des Reichstags z' bringen. Wir konnten indeß den Erfurter Antrag nicht stellen, da wir eben nur einen rlsässer Genossen in der Fraktion haben, und sich daher der Ansarbeilnng eines derartigen Antrages große Schwierigkeiten enlgege.. stellten. Abg. Höffe! konnte uns eben deshalb zuvorkommen, da er die Verhältnisse in den Reichslauden kannte. Sonst würden wir wohl nicht ge- zögert haben. Redner bekämpft den Antrag von Kant-Mecklen- bürg, der ein Reichsvereinegesey verlangt, und glaubt, daß sich die üvrigen Anträge am besten durch Ueberweisung an die Fraktion zur Ern'ägung erledigen laffen. Die Diskussion wird durch Annahme eines Schlußantrages geschloffen. In seinem Schlußwort hebt Singer hervor, daß gegen die Art der Thätigkeit der Fraktion wesen>iiche Emtoeadu«g«n nicht gemacht worden sind. Das gereiche ihr zur Gen glhuung. Was die Einwendungen gegen den Antrag auf Berftaatlichnng des Apothekenwesens betrifft, so sind sie wohl hiiisallig. Niemand wird sich eingebildet haben, durch Verstaatlichung der Apotheken die Klassenlage für die Arbeiter zu ändern. Das Heilmittel dürfe aber nicht zum Gegenstand der Ausbeutung gemacht werden. Besonders für die Krankenkasse» wäre es gut, wen» sie die so ermöglichten Ersparnisse für ihre kranken Mitglieder verwenden könnten.(Sehr richtig.) Zu Koeuens Anfrage bemerkt Redner, .daß es auch im Reichslage Schlußanträge gebe. Könne nicht Schlag ans Schlag erwidert werden, so sel es wirkungslos. Des- halb sei wohl auch die Behauptung des Abg. Dorn unipider- sprachen geblieben. Redner sieht dem Antrag Ehrhardt synipa- thisch gegenüber, wonach die Fraktion nach jeder Session des Reichstages einen kurz gefaßten Bericht über die parlamentarische Thätigkeit herausgeben soll. als Handmaterial für die Agitatoren. Ter Bericht müsse doch geschrieben werden, und es sei vielleicht besser, statt alle 3 ocer 5 Jahre einen Bericht nach jeder Session zu schreiben. Redner schließt: Wir geben gern zu, daß es vicueicht auch im Reichstag möglich gewesen wäre, eine größere Thätigkeit zu entfallen. Aber die Üeberzeuguug darf ick aussprechen, daß die Fraktion stets bemüht gewesen ist, die Ehre der Partei zu wahren, und das werben wir auch weiter thun, so lange die Partei uns an diese Stelle schickt Bei' der Abstimmung wird zunächst der Antrag Bebel(Ueber- Weisung der Anträge an die Fraktion) angenommen. Einstimmig angenomnien wird die von Singer vorgeschlagene Resolution zur Militärvorlage. � Angenommen wird der Antrag Ehrhardt-Lndwigshasen, und ebenso gegen 3—4 Stimmen folgende, von Vogtherr, Börner, Metzner, Täterow gestellte Resolution:...., Ter Parteitag erklärt sich mit der bisherigen parla menta tischen Thätigkeit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion einverstanden und erwartet von derselben auch ferner eine that- kräftige Vertretung der proletarischen Interessen." Die Düsseldorfer Anträge werden abgelehnt. BurterPunkt der Tagesordnung sind dieAnträge zur Agitation. Der erste lautet: Sprachliche Aenderung der§§ 3, 4 und 5 des Statuts, soweit die Rede von„Vertrai ensminnern" ist, und dafür die Worte„Vertraucnspersoneir" zu setzen.(Versammlung von Berliner Frauen und Mädchen.) Er wird begründet von Frl. Baader: Der Wortlaut müsse so sein, daß den Frauen die Mitarbeit in der Partei ermöglicht iverde. Die Männer können nur elivas erreichen, wenn die Frauen ihnen zur Seite stehen. Der Antrag wird angenommen. Der ziveite Antrag:„Streichung des in Z 9 vorkommenden Satzes: Insoweit nicht unter den gewählten Vertretern des Wahlkreises sich Frauen befinden, können weibliche Vertreter in besonderen Frauenversaininluiigen gewählt werden", wird, nach- dem Frl. Baader ihn mit dem Prinzip der Gleichberechtigung für die Frauen begründet hat, angenommen. Tie Parteigenossen von Bernburg, Bielefeld u. s. w. wünschen, daß der Parteitag nur alle zwei Jahre statlstnden soll. S l o m k e- Bielefeld glaubt, daß in Z' fünft es genügen werde, wenn alle zwei Jahre der Parteitag zusammentritt. Ter Parteilag schafft die PaUei nicht. Er kostet riesiges Geld, das zur Agitation besser verwandt wird. Tie armen Kreise sind diesmal gar nicht vertreten. Liegen wichtige Fragen vor, so hat der Vorstand ja jjas Recht, einen außerordentliche» Parwilag ein- zuberuieii. Schulze- Bernburg schließt sich diesen Ansführunge» an. Bebel bekämpft Slvmke's Antrag aufs entschiedenste, weil seine Annahme ein Unglück für die Partei sein würde. Die Be- gründung wegen Geldmanaels wäre vor 2t) Jahren nicht möglich gewesen. Der Parteitag sei geradezu ein Sicherheitsventil für die Partei, er sei ans„gcsundheitspolitischc»" Rücksichten jährlich »ölhig; was die Partei bedrücke, müsse baldigst geregelt werden. Fragen von großem Interesse seien immer da. Einen außer- ordentlichen Parteitag einzuberusen, das würde nur den Gegnern Wasser aus ihre Mühle liesern, und Sie würden sagen: Seht Ihr, in Eurer Partei kracht und gährt es an allen Ecken und Onde», so daß ein aiißerordenllicher Kongreß nöthig ist. Was man vom Staate in der Forderung ri»j»hriger Legislatur- Perioden verlange, daraus dürfe man für das Partei!. den nicht ver- zichten. Die Frage wegen Geltmangeis habe keinen realen Hinter- arund; kann denn der Anlragsteller sicher sagen, daß in zwei Jahren die Verhältnisse sich gebessert haben? Zudem braucht doch der Parteitag nicht stets von 250 Telegirten beschickt zu weiden, 150 sind auch genügend. Ich betrachte diese Anträge als ein Zeichen der Behaglichkeit und würde es bedauern, wenn dies Gefühl der Behaglichkeil weiter um sich greisen würde.(Beifall.) Nach kurzer Debatte wird der Antrag mit großer Majorität abgelehnt. Die Genoffen in Rinteln beantragen: Die Diäten der Dele- girteu zum PaUeitag aus der Parteikasse zu bezahlen. Dagegen spricht Bartels-Weenigerode, da der Antrag praktisch u»durchs ührbar sei und gegen 00 üuO M. Kosten machen ivürde. Der Antrag wird gegen ivcnige Stimmen abgelehnt. Die Anträge der Bielefelder Genossen: Die Gehälter der Parteisekretäre zu erhöhen, und das Gehalt des Chesredak- lenrs auf dem Parteitag festzusetzen, sonne den Antrag von E ck iv a r t h- Homburg, das Maximalgehalt aller Partei- beamten, welche festangestellt sind, aus 2500 M. festzusetzen, finde« nicht die nöthige Unterstützung. R e b s'- Weißenseis Antrag: Jeder Parteigenosse, welcher als Acrlreier der Sozialdemokratie in ein Parlament gewählt werden soll, hat vorher nachzuweisen, daß er aus der Kirche aus- geschieden ist, wird mit Heiterkeit ausgenommen und durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Dasselbe Schicksal erleiden zahlreiche weitere Anträge. Nicht genügende Untersiützung(b/4 der lltuwesende») findet auch ein Antrag Auer, Gerisch: D. s Gehalt des Chefredakteurs des„Vorwärts" durch den Parteilag festsetzen zu lassen. Damit ist dieser Punkt der Tagesordnung erledigt. Die 7er Kommission zur Prüsnng der Solinger Streitigkeiten durch Wahl folgender Telegirten gebildet worden: Könen, �sstnann-Zeitz, Ehrhardt, Stolle, Metzner, Wiuterbluiu, Gerisch. Die Mandats-Prüfungskomniission t heilt mit, daß Thierbach sein Mandat jetzt selber zurückgezogen habe. Es wird zum fünften Punkt der Tagesordnung: Die Mai- seier 1Sl13. geschritten. Berichterstatter ist A l b i n G e r i s ch. Er faßt seine Aus- jührunzen in folgender Resolntion zusammen: „Im Anschluß an die auf dem Brüsseler Kongreß ange- nommene Siesolulion beschließt der Parteitag der deutsche» Sozialdemokratie: Als Tag der Feier gilt der I. Mai. An diesem Tage demonstrirt die klassenbewußte deutsche Arbeiterschaft mit den klaffenbewußlen'Arbeitern der ganzen Welt für den Achtstundeiitag und die internationale Regelung der Arbeiterschutz- Gesetzgebung im Sinne der bekannten Pariser Resolution. Um die Feier zu einer einheillichen, und dadurch in ihrer Wirlting nach außen zu einer möglichst imposanten zu gestallen, beschließt der Parteitag, daß, wie im Vorjahre so auch in Zukunft, die Leitung der Feier der politischen Organisation, der Partei, zufällt. Als die nnirdigfle Form der Feier erachtet der Parteitag die Arbeitsruhe. Da jedoch weder durch die Beschlüsse des iulcr- n. tionalen Zkongreffcs in Paris, noch durch die des Kongresses in Brüssel d:e Arbeilsruhc zur unbedingt«« Pflicht gemacht, es vielmehr den einzelne» Nationen überlassen wurde, den ge- geoenen Umständen gemäß zu handeln; da ferner die Art der Feier durch die jeiveüige Geschästslonjunktur in erster Linie mit bestimmt wird, beschließt der Parteitag eine für alle Zeil giltige Norm nicht zu schaffen, sondern die Bestimmung über die Art der Feier den jährlichen Parteitagen zu überlassen. Mit Rücksicht aus die zur Zeit herrschende wirthschaftlichc Misäre, die einen geschäftlichen Aiijseywnng bis zmn uächsten Frühjahr als vöuig ausgeschlagen erscheinen läßt, hält der Partei- tag die Proklamirung der augemeiue» Kirbeitsruhe für den I.Mai 1«!)3 als undurchführbar und beschließt daher die Feier am Avend des I. Mai abzuhalten." Zu der Frage der Arbeitsruhe bemerkt Redner: Der Brüffeler Kongreß habe die Feier endgiltig auf den 1. Mai festgesetzt. Alle Anträge, welche darauf hinausgeheii, den ersten Sonntag im Mai als Feierlag zu bestimmen, sind damit hinialltg ge- worden. Die würdigste und eindrnckvollste Art der Feier wurde die allgemeine Arbeilsruhc sein. Bei der gewaltigen wirth- schaftlicven Krisis, die sich in diesem Jahr noch verschärft hat, gelte» aber dagegen noch dieselben Bedenken, die die Fraktion un Jahre 1891 zu ihrem bekannten Rathe veranlaßt haben. Damit sei jedoch keineswegs gesagt, daß die Feier für alle Zeit in dieser Weise normirt werden solle. Bei günstiger Geschäilskonjunklur, bei der die Unternehmer es nicht aus eeuen Konflikt ankommen lassen würden, lörnic sehr wovl allgemeine Aroeitsruhe eirn treten. Over aber wir yaben die Massen im gewaltigsten Um fange bereits auf unserer Seite, dann ist aber eine reine Demon- nralion bereits überflüssig und thallrasliges Handel», um die Verhältnisse umzugestalten, geboten. Tie Verhaunu.ngen werden hierauf— es ist 0 Uhr ge worden— in Rücksicht auf den Kommers der Berliner Genosten abgeorvchk». » In dem gestrigen Bericht ist die Reoe des Genoffen Opiflcius insofern nicht richtig wieeergegenen, als O. nicht die Wirlhe unternützt wissen wollte, sonoern den Parteivorpaiu ersuchte, das Material über die polizeiliche Verhängnng der Ferernbend stunde über„mißliebige" Wtrthe zu sammeln und es dem Jullrz- minister zu überreiche», damit Abhilfe geschaffen werde. UoKetles.' Achtung? Gewerkschaften?. Die Gewerkschaften Berlins seien hiermit vor einem Schwill" ler gewarnt, welcher sich Listen streikender Arbeiter zu ver- schaffen sucht. Am 16. Oktober d. I. erschien beim Unterzeichneten ein Mann, welcher sich Hermann Bittner nannte und Annenstr. ick 3 Tr., wohnen wollte. Er bat um einige Sammellisten der streikeuden Knopsarbeiter im Auftrage des Vereins der Leder- arbeiter. Da er seine Legitimation leider vergessen hatte, so zeigts er einen ganzen Bogen Bons der sozialdemokratischen Partei. Da ich glaubte, es mit einem ehrlichen Menschen zu thun zu haben, gab ich ihm die Listen 57, 58, 59. Bis heute hat sich der- selbe aber nicht sehen lassen. Alle Nachforschungen im Haust Annenstr. 14 und beim Vereine der Lederarbeiter find ersolglo» gewesen; überhaupt ist der?c. Bittner nirgends aufzufinden. E- bestehl also kein Zibeisel, daß wir einem Schwindler zum Opfer gefallen sind. �. Der zc. Bittner ist klein, trägt einen kleinen Schnurrbart, stößt beim Sprechen etwas mit der Zunge an. Es sei hierma vor dem Schwindler gewarnt. Ernst Kintzel, Kassirer, Köpnickerstr. 181, 3 Tr. Einer nusorer Abonnenten sendet uns zwei Lieder eilt, velche, wie er uns mitlheilt, in einem Restaurant in Rizdors bei einem Abendessen gesungen worden sein sollen. Die„zwe> schönen neuen Lieder paffend für den heutigen Abend" smv ge' druckt, Name u. f. w des Druckers sind natürlich nicht angegeben. Die Reimereien bestehen aus den ordinärsten Zote» und strotzen von lasziven Gemeinheiten. Ter Inhalt läßt sich auch nicht an- deutungsweise wiedergebe». Daß die Wüstlinge der Bonrgeolfie in ihren verschwiegenen Zirkels derartige Zoten knltiviren, m eine hinlänglich bekannte Thatsache. In dem erivähnten Faus liegt aber die Sache noch schliinmer, als sich die„seinen Herren nicht schämten, die Lieder zu singen, wahrend noch viele andere Gäste im Lokal anwesend waren. Auch der Text wurde linrer die anderen Gäste verlheilt und zwar machte sich ein— Recht"' anwall und Notar um die Vertheilung der Schandwische ga"- besonders„verdient". Die Vtehrzahl der Gäste waren mit Recht empört, sie wollten aber keinen Zank hcrvorr. fcn, da sie Geschästssrennde ce.> Wuthes waren und diesem das Geschäft nicht verderben wollten- Ter Wirth selbst mußte auch schweigen, weil er es mit diefer „seinen(!) Kundschaft" nicht verderben wollte. So wurden atst diese ekelhasten Zoten vom ersten bis zum letzten Verse herunter' geleiert, und die Herren wußten sich vor Lachen nicht zu lassen- wenn ein ganz gemeiner Passus an die Reihe kam.. Nun möchten wir blos wissen, welchen Mordsspektakel»ts sittsame bürgerliche Piene erheben würde, wenn bei einem As-' deilerfest auch nur ein solch' unfläthiges Wort gefallen wäre, NN' sie die„schönen Lieder" in jeder Strophe entHallen. Man haue sämmtliche Staatsanwälte der Welt alarmirt! Die„bessere Gesellschaft ist ja sofort bei der Hand, wenn es gilt, über vr „Unmoral" und die„Unsittlichkeit" der Arbeiter den Stab zn brechen. Da wird weder Rücksicht genommen auf die gerM' Schulbildung derselben— der Mrlilärstaat hat ja kein Gelo- um seinen„N>terlhnne»" gute Schulen ohne Extrazahlung s bieten—,»och ans die schlechte Lebenshaltung: der Arbeiter'» eben ein Mensch zweiter Klaffe, dessen Moral eben auch nur in zweu-r Klaffe rangirt. Wenn aber Leute aus den„oberen Zehntausend v. ihren Gelagen jedes Gefühl mrl Füßen treten und sich im Pllw der Geineinheit wälzen, dann ist die Bourgeoisie um Entschuldig-uffh. gründe nicht verlegen. Im vorliegenden Falle würde sie allerdings vergeblich anszubaldowern versuchen. Es kann n>� einmal vorgebracht werden, daß die„Herren",— an der Spw ein Rechtsanwall und Notar!!— angezecht, vulgo besoffen 9. wesen seien, denn die Sache wnrde von langer Hand vorbere»> sonst hätten die„Lieder" nicht in gutem Akzidenzsatz gev�_ werden können. Ter Wirth wagt nicht, zu protestiren; er v' dient ein paar Thaler dabei, die übrige» Gäste halten de» M» ebenfalls: sie sind Lieseranteu des Wirthes und das könnte lh> am Ende seine Kundschaft enlziehen. Deshalb müssen di« Le» die größten Brutalitäten über sich ergehen lassen. Die Geuossen von Pankow und Umgegend werde" in nächster Zeit einen Arbeiterverein gründen. Der*<1 und Dislutieverein„Proletarier", von dessen Vorstand die- regung zu dieser Bewegung ausgegangen und ein dahin geheo. Antrag ans die Tagesordnung der am 8. November stallgehav� Generalversammlung gesetzt worden ist, beschloß einstimmig:„0 Erwägung, daß der Lese- und Tic-kutirverein„Proletarier" v i der politischen Organisation der Sozialdemokratie hier am den Vereinigungen der andere», reaktionäre», Parteien gegen-w' entspricht, denselben als solchen auszulösen, und einen gemeinen Arbeiterverein für Pankow und Umgegend» gründen. In denselben sollen nach Möglichkeit alle 9 am Orte bestehenden Arbeitervereine aufgehen. Der' und Diekutirverein„Proletarier" bleibt jedoch so w|j, bestehen, bis die konslituirende Versammlung des � gemeinen Arbeitervereins stattgefunden hat. Vermögen und, Utensilien gehen in den Besitz des neuen Vereins über." We'»/� Verstäudniß und Interesse dieser Antrag und den weiteren Kreils der Genossen von Pankow gesunden hat, zeigte der ansuahmsw*' starke Besuch der genannten Ecneralversamiulung, in we>'i sämmtliche Redner, auch Milglieoer des Gssa.gvereinS» andere, ivelche als Gaste anwesend waren, mit Eiser den Aick. besürworteten.— Am nächsten Abend faßte der Gefangne1. „Echo" in seiner Sitzung ebeasalls einstimmig de» Beschl ß,' auizulöseii, um sich dem zu gründenden Ardeiterverein a>S schließen. Auch das Stiftungsfest des Vereins„Proletarier", r Sonuabeiid, den 12. November, in Borcki-rdl's Vereinsy'. gemeiert wurde, vereinigte die Genossen und Freunde in"O � Eintracht. Das Fest sollte den Geist der Zn>amme»aehor>ö � unter den Genossen und Genosstniien von Pankow und Um6e9 j£1. stärken; es sollte die MitgtiedP: der Arbeitervereine voih mit deren Familien und Freunden zu gemeinschaftlicher 0.j zusammen, ühren. Und wie es geplant, so kam es: Von Aul � bis Ende wuroe das Tanzbein geschwungen, dazwischen Festrede, Gesangs- und komische Borträge und einen Einw und was die Hauptsache war, kein Mißton trübte die ißc des Festes, deren 200— 300 Theilnehmer sich wie eine«>>>» � große Familie bewegten und erst aus Nachha segehcn da» � als, wohl manchem noch zu sruh, der helle Morgen durch Fenster sah. Nachträgliches über die EuthüllungSfeier deS f felder- Denkmals. Tie düugaiichen Zeitungen habe». Langen und Bretten berichtet üoer den äußeren Glanz und p- � welcher bei der Enthüllung entfaltet wurde. Es gab prachj Dt; Equipagen, güldene Kellen der Stadtverordnete», Amniarfa.' Mitglieder der Orl-lrankenkasse u. s. w. Unter welche"' n ständen die Niederlegung einiger Kränze eriolgte, ist aoer, der bürgerlichen Presse nicht geschildert worden. Tiesel» auch nicht des Kranzes erwähnt, den die organisirien Berlins am Denkmal mederlegten. Aus der Schleife dell* � war der Ausspruch LassaUe'S zu lesen:„Die Arbeiter N'w£i{ FAs, aus dem die Kiraze der Zukunft anfgebaur wirb- Widmung des Kranzes, welcher in» Auftrage der Kollegen lands vom Vorstand des Vereins der Lithographen, Steuw � und Berussgenoffeu Deutschlands ge,uflet worden lautete:„Nur Einzelnen brachte Deine Erfindung lah".ßc' Erwero, iiiajt Dir und den Hunderttauseno Deiner 3" ,,m!> 3)icielbe ist in Uaen Blättern verstümmelt wiederg'-s Warden, indem das„Dir" sortgelaqen wurde, sada», Schlnßpaffus lautet:„... nicht aoer de» Hnnderlta deiner Jünger." Di« bürgerliche Presse scheint i'ch der n sache zu schSuien, daß Tcnefelder trotz seiner Erfindung ein Proletarier blieb, stets mit materiellen Sorgen zu kämpfen hatte Und in Noth und Ärmuth gestorben ist. AlZ die Teputationen mit den Kränzen am Denkmal an langten, war die offizielle Feier vorüber und dasselbe bereits übergeben. Trotzdem wurde dasselbe von einer Schutzmaunsketle abgesperrt gchallen. Der Vorsitzende des Vereins, O. Sillier, vichiete an den Lieutenant die Bitte, die Kränze niederlege» zu dürfen, was nach einigem Nachdenken gewälrt wurde. Eine Leine, welche den Zugang absperrte,»vnrde gelon und nun staute sich die Menge, welche zum größten Theile aus Kollegen bestand, welche vorher der Versammlung beigewohnt hatten. Sofort gab der Lieutenant den Befehl: Treibe» Sie die Menge auseinander, wenn's nothwendig ist, mit Gewalt, wer.sich widersetzt, wird arretirt. Es Wide» setzte sich aber klugeriveise, niemaud und so konnte auch keine Auetiruug vorgenommen werden. Die Deputationen wußten nun noch ein Hiiuerniß nehmen in Gestalt einer i» halber Manneshöhe gezogenen Leine, welche nm das Denkmal bei den Tribünen gezogen war. Endlich aber koimte das Niederlegen der Kranze ohne weiteren Zwischenfall erfolgen. Bemerkt sei noch, daß das Tekorationskomitee, aus hiesigen rinzipalen der Luxuspapier- Branche beslehend, an die Vereine �rten versandt hatte, welche zum Betreten der Tribüne berechtigten. Dieselben wurden aber zurückgeschickt, weil die Slrbeiler, welche Beiträge zum Denkmalsonds zelei'iet hatten, zu den weiic.e» Berathungen nicht zugezogen wurden und auch nicht im Komitee vertreten waren. Zum Geld geben waren die Arbeiter gut genug, auch wollte man ihnen gestatten, Hurrah mit zu shreien, aber thätigen Antheil ließ man sie bei der Sache nicht »eh, neu, das konnten nur die Prinzipale thun. Wie es he»cke in dem Kunstgeioerbe aussieht, das Seneselder Nfunden hat, ist bekannt. Es in znm ganz gewöhnlichen Handwerk herabgesunken mit dein Motto: Billig und schlecht. Eine «narchische Produktion im Verein mit einer niaülosen Koicknrrenz hat die Schiiildwaare auf den Markt gebracht, die anfertigen Zu lassen die vielgernhmten„Förderer'deS Kunstgewerbes" sich Ichäinen sollten. Bei den Antisemiten muß ein schauderhafter„Talles" harschen, die sachnen Zeilen, in welchen der Golbstrom aus der «reileicstraße stoß, sind eben vorüber. Für den biederen Rektor Huer Deulschen»vird jetzt folgendes Schnorr-Zirkular(hektographirt) ln Berlin versandt: � Berlin, im November 1892. Vertraulich! Werl he Gesinnungsgenossen! Ter durch sein mannhaius und unerschrockenes Auftreten gegen die Inden in ganz Teutschland rühmlichst bekannt ge- wordene Rektor Hermann Ahlwardt, der gegeuu'ärtig seiner patriotischen Schriften wegen«ine-tmonatliche Gefängnißstrase w Plötzensee verbüßt, ist im Kreise Friedeberg- Arnswalde als uteichstagskandival ausgestellt. Es ist gegründete Hossnung vorhanden, daß es gelingt, d«>> wackeren Vortäuipfer für Deutschthum Und Recht in den Reichstag zu bringen. Zur Wahtagilatio» gehör! über Geld. Um dieses zu beschaffen, haben wir, das Nützliche w>t dein Guten verbindend, beschlossen, von dem bedeutendstei» «uch?»hlwardt'S:„Der Eid eines Jude»,"— von dem bereits gegen•Ioooo Eremplare im Buchhandel zu 1 Bi. abgesetzt sind, welches Buch auch seinerzeit im preußischen Abgeordueteuhause als der„Fall Bleichröder" eine lebhafte Erörterung gesunden und das allerorts so außerordentliche Sensation erregt hat— wehrere Tausend Exemplaren an die werthen bezüglichen Vereine Zur Weitervervreitung abzugeben. Es werten gcliciert: ltX> Expl. •i 40 Psg._ 200 Erpl. i»;'»sendu>»g oder Pustiiachnahnie des Betrages. Liockockstinasvoll DaS Komitee. Es hat fast den Anschein, als ob ein dem Verkrachen naher �stchhändler seine alten Ladenhüter auf diese Weise an den Manu q�ugcu irdUte. Da aber„das Komitee" so eindringlich den MuteistandplUitt hervorhebt, wird sich's doch wohl um eine purteischiwrrerer handeln. Daß Ehren-Ahlwardt wegen seiner «.patrio tischen" Schriften zu den 4 Monat Gesänguiß verurtheilt Worten ist, ist„nS ,oas 9ieues. Ar-Her waren wir der Ansicht, uß in Tentschlaud der„Patriotismus" belohnt würde, jetzt uwinen die Antisemiten uiit der Ansicht, daß einer ihrer Partei- genossen wegen dieses selben„Patriotismus" ins Loch gesteckt Orden ist! Wenn der„Eid eines Inden" das„bedeutendste" f�uch Ahlioardt's sein soll, so ist's mit dessen SchrislsteUerei nicht »eit her,— dasselbe kann aus den Titel Buch überhaupt keinen Zuspruch erheben. Wenn der Rektor aller Deutschen wirklich als 5"'.'lrek« von Arnswalde- Friededcrg im Reichstag erscheinen l? t' so kann er Arm in Arm mit dem Aliinenten-Böckel das 'vuh» hundert der Ausklärung in die Schranken fordern. ... Ein seines Gcheimmittel. Der Polizei- Präsident ver- lienii»chl solgeude �ekannlmachuiig: �»Als Biiltel gegen die verschiedensten Hmitkrankheiten prei!> 2°uerdi»gs eine Frau Anna Ruppart ihr Eliutouie in den �ogesbläuern a». Dies Geheimmiltel besteht aus riiicr Lös.mg On Ldueckhlberchlorid(Suvtimal) in Wasser um« Zusatz von . was Gl�ceci» und ist leicht parsümirt. Es wird in Flaschen ml ccm Inhalt zum Preise von II Mark seilgehalieii, mimend der reeue Werth des Inhalts einer Flasche eiiva snnf Mnnig beträgt. Vorstehendes wird zur Warnung des Publikuiiis ��ur.t) beka>,»t gemacht.". Nunmehr wird hossenllich auch das Wundermittel des Herrn °0lam Kader an die Reihe kommen. o. �bm'los verschwnnden ist seit Sonntag früh 8 Uhr der , luhrige, m der Gropen Fcankfurterstraöe in Schlafstelle wohnende "Udhunime Buchbinder Pellend ors«. In einem ziiruckgelafjene» lt,5wioen erklärt der junge Mann, daß er sich das Leben nehmen olle. Pix Brranlafsnng hierzu dürste darin zu suchen sein, rast infolge seines Leidens durchaus nicht gelingen wollte, sich .>Oebe eines Mädchens zu erringen. Es ist biS jetzt noch nicht �'"ngen. eine Spur des Verschwundenen zu eutoecken. sieben Spezialisten der Einbrecherzunft, die in den st-u Tagen viele Eii>brüche millels HochhebenS der RoUialousie» und namenltich einen Bäcks:.,, elster i» o» S«nie am, wer- kmpsindliäh geschädigt Häven, sind durch die Krimmalpolize i weit und sejtgenoiumen worden. ei.,» berichtete» wir, daß die Kellnerin P. llofalschte Rohrposilarte aus ihrer Wohnu.ig gelocrt Zu,, Abwesenheit vom Hanse um Sparkassenbücher Werden s i Werth von über 2>v0 M. oeslohle» x.. in Bermuthaiig, daß oer Dieb ein guler Be» .........' ßesi oeun der T Haler »Ud v..P...... Ji 1 in 2,,'e,n w-rde, hat sich vestäligt. denn der Thäler «erdrn h. ,?'n �em Handln gsgeyilfen Brett verhaftet �n'hnl' �ere Zeit zu oer P. j» lutuurn Beziehangen ge- Willem Kanner im Alter von 50-55 Jahren, der iiuii.al, ,.�chin.>el»iianüe>er r».>»e,i bat, wird jetzt von der ?Ükseb»n 85' gefahndet. Ter Mau» hat es au. Wasch, rauen brzählt lhnen, daß er von dem Hausval« einer —.— c----- mnrnen. fei. eiste Waschirau der das Anerbieien gemacht wird, mit Freuden daraus eingeht und init Vergnügen dem Unbekannten 3 Mark zur Bestreitung der Stempelgebuhren für zwei auszns«tigende Kontrakte und außerdem noch einen kleinen Betrag für den Entwurf des Preis- Verzeichnisses einhändigt.— Auch unter anderen Frauen sucht sich ein etwa Löjähriger Schwindler seine Opfer. Dieser sucht Frauen in Abwesenheit ihrer Männer aus, giebt sich als deren Freund zu erkennen und überbringt eine Einladung zu seiner bevor- stehenden Hochzeit. Das Vertrauen der Frauen verschafft sich der Schwindler dadurch, daß er sie biltel, ihm dei den Vor- bereituugen zu der Hochzeitsseier behililich zu sein, und schließlich verschwindet er auf Stiminerwiedersehen, nachdem er die Frauen erfolgreich um leihweise Ueberlassnng kleiner Geldbeträge ersucht hat, deren er bedürfe, um in der Nachbarschaft ei» paar vorlheil- hafte Einlä! se in Läden zu machen, die ihm die Frauen im Lause des Gesprächs empfohlen hatten. Ein schwerer llnfall hat sich im Eisenb.ihnbetriebe er- eignet. Als gestern früh eliva um o3/* Uhr der an der Osdorfer- straße zu Groß-Lichterfelde wohnende Arbeiter Wilhelm Böttcher von Tempelhos nach Südende in dem zweiten Wagen des Zuges gefahren war, verlor er beim Anssteigen das Gleichgewicht und gerieih so unter den Zug, daß ihm der rechte Fuß abgefahren wurde. Marktpreise iu Berlin am lo. November, nach Ermitte luncicn des PolizeipräsidiuinS. Weizen per 100 Kg. guler von 16,20—15,70 M., mitilerer von 15,60—15,10 M.. geringer von 1 5,00— 14,50 M. Roggen per 100 Kg. guter von 14,10— 13.80 M., mittlerer von 13,70—13,50 M., geringer von 13,40—13,20 3)1. Gerste per 100 Kg. gute von 17,00—16,00 Dt., mittlere von 15,90—15,00 M., geringe von 14,90—14,00 M. Hafer per 100 Kg. guter von 16,50— 15,50 M., mittlerer von 15,70—15,00 M., geringer von 14,90—14,20 M. Stroh, glicht- per 100 Kg. von 4,50—4,00 M. Heu per 100 Kg. von 7,00—5,00 M. Erbsen per 100 Kg. von 40,00—25.00 M. Spcisebohnen, weiße per 100 Kg. von 50,00—20,00 M. Linsen per 100 Kg. von 80,00 bis 30,00 M. Kartoffeln per 100 Kg. von 6,00— 4,00 M. Rind- fleisch von der Keule per 1 Kg. vrm' 1,60—1,20 M. Bauchfleisch per 1 Kg. von 1,40 0,90 M. Schweinefleisch per 1 Kg. von 1,50—1,10 DI. Kalvfleisch per 1 Kg. von 1,60—0,80 M. Hammel- fleisch per I Kg. von 1,50—0,80 M. Butler per 1 Kg. von 2,80 bis 2,00 M. Eier per 60 Stück von 5,00—2,60 M. Fische per 1 Kg.: Karpfen von 2,40—1,20 M. Aale von 2,30—1,20 M. Zander von 2,40—0,80 Dt. Hechte von 1.80—1,00 M. Barsche von 1,60—0,70 M. Schleie von 2,40—1,20 M. Bleie von 1,40 bis 0,70 M. Krebse per 60 Stück von 12,00—2,00 M. Polizeibericht. Am 15. d. M. Vormittags stürzte in der Bnchdruckerei von Büxenstein, Zimmerstr. 40.41, der Fahrstuhl infolge Bruchs des Drahtseils aus dein dritten Stock in den Keller hinab. Hierbei ertilten die denseldm benutzenden Arbeiter Metzner und Döring bedeutende Verletzungen und mußten nach dem Krankendause gebracht werden.— In der Holzbearbeitungs- anstalt von Mahchrzak, BeUcrinnnnflr. 93, gerieih Nachmittags ein in Erledigung eines dienstlichen Auktrages dort ainvcsender Schiltzniann bei Besichtigung einer Hobelmaschine mit der Hand »»nter das Dtesser der zwar abgefleUlen, aber noch nicht zum Siillstand gelangten Maschine, und wurden ihm die ersten Glieder der drei Miitclsinger völlig abgeschnitten. Er wurde nach dem Lazarus-Kranlenhause gebr-chl.— Vor dem Hause Spittel- markt II ivurde Abends ein Mädchen durch einen Onmivns überfahren und an beiden Beinen so bedeutend verletzt, daß/ seine llrbersühru'.'.g nach dem jira>.ke>»hause Bethanien er- , orderlich wurde.— Im Laufe des Tages fanden sechs kleine Brände statt. �RftNsi/zse�v___ ji»', j.er deauslragt worden, fei, eine Wafcy, k!-!?a öie Person, die in die,« Eigenfchasl ' �'Nen thälig war, erlrankt in. Daun laß: er b. �"ftalt"f't,p3en gsben ,»id schreibt die Preise auf, welche �il ift"£?!'ökblich jür jedes gereinigte Wäsche,»ück zu zahlen 4. lese Prcisfätze sind so hoch, daß die Waschfrau, Gevitfiks-�eikuna:. Der räuberische Nebcrfall im Thiergarte», welch« derzeit wegen der Verwegenheit der Thäter bedeutendes Aufsehe» erregte, beschäftigte gestern das Schwurgericht des Landgerichts I. Aus der Anklagebanl hatten der Schlächicrgeselle Gustav Neu- mann, der Schlächtergeselle Theodor Pawlitzki, der„Ar- beiter" Leopold Pawlitzki» der Cchlnckterineister Max S ch m i d t und defsen Ehefrau P a u l i n e geb. B o l d t Platz zu nehmen. Tie drei Erstgenannten wurden des gemeinsamen Straßenraubes, Schmidt und seine Ehefrau der geiverbemäßigen tchlerei beschuldigt, N e n m a» n wurde» außerdem f'nf»nd dem heodor Paivlitzki zwei Markihallendiebstähle zm Last gelegt. Nach dem Gesiändniß deS Angeklagien Theodor Vaivlinki liegt dem Raubanfalle folgender' Sachverhalt zu Grunde Nachdem er mit dem Angeklagten Neuuiann verschiedene Markt- hnllen-Tiebstählc begangen und sie u. A. auch ein g.mzcs, mit Fleisch beladenes Fuhrwerk gestohlen hatten, beschlossen sie auf Anregung des Neumann, eme bede tendere That anszuführen, um in den Besitz einer größeren Summe zu gelange». Theodor Pawlitzki hatte im vorigen Frühjahre in Nauen gearbeitet und ivußte, daß mehrere dortige Schlächter au bestimmten Abenden mit Frisch nach Berlin fuhren. Es wurde beschlossen, einen solche» Wagen mit Gewalt gegen den Führer zu rauben. Neuuiann, der die Seele des Unternehmens war, bestand darauf, daß hierzu drei Personen»ölhig seien, worauf Pawlitzki sich an seinen Bett«, de»„Arbeiter" Leopold Pawlitzki wandle, der sich mich bereit erklärte, der dritte im Bnnde zu sein. Am Abende des 14. Juli wurde zur Ausführung der That geschritten. Die drei Per- bündeten begaben sich nach Spandau, wo sie sich in der Nähe der Ausspannung aufhielten, wo die Nauen« Schlächter anzn- kehren pflegten/ Es kamen auch zwei Wagen, ein Zweispänner und ein Einspänner. Ter letzlere gehörte dem Schtachtcrineisicr Fischer ans Nauen nnd wurde von dessen Ibjährigen Lehrling Lukas gefuhrt. Ans dem Zweispänner saßen 2 Personen. Beide Wagen fuhren gleichzeitig wieder ans Spandau fort, die An» getlagten, welche es ans den Einspänner abgesehen hatten, liefen in einiger Entfernung hinterher. Aus der Ehauffee zwischen Spandau und Eharlottenbnrg konnte der beabsichtigte Uebcrfall nicht auegeführt werden, weil beide Fuhrwerke sich dicht zu- sammcuhiellen. Nachdem Eharlottenburg aber passirl rvar, fuhr der Zweispänner etwas schneller und'die Entfernung zivischen den beide» Fuhriverken vergrößerte sich. Neumann suchte den Muth seiner beiden Begleit« anzufacue». In der Nähe des Großen Sterns hielten sie die Gelegenheit für günstig, zur That zu schreiten. Neumann gab das Kommando:„Los!" Darauf eilte Theodor Pawlitzki aus den Wagen zu nnd stellte an Lukas das Ansinnen, er möge ihn mitnehmen. Dieser sah noch zwei GeüaUci, im Tiinkel auitauchen. es wurde ihm un- heimlich nnd er lehnte das Ansinnen ab. So'vrt erhielt er von Theodor Pawlitzki mittels eines Stockes wuchlige Schläge gegen den Kops, daß« betäubt wurde. Gleichzeuig sprang Leopold Pawlitzki ans den Wagen; Lukas wurde her ntergefioßeu und fiel zur Erde. Wie verabredet war. zagten die beiden Paivlitzki's mit dem Wage» davon, den beivußttosen NeverfaUenen dem Neumann überlasiend. Sie fuhren»ach dem Hause Flottweltstraße 10, woselbst der Angeklagte Schmidt eine Schläch- lerei betrieb. Schmidt war der Abi.chm« des sruher gestohlenen Fleisches gewesen. Wie Neuuiann und Theodor Pair titzki über- einstimmend behaiipteien. waren sie am Tage vor dem Raubanfall bei Schmidt geivesen und hatten ihn darauf vorbereitet, daß sie in der jolgeuden Nacht eine größere Menge Fleisch bringen würden. Der Uebersall fand gegen 1 Uhr statt und tald darauf erschienen die beiden Pawlitzki's auch vor »em Schnüdt'schen Laden. Ans ein veiauredeles Klopsen gegen den Rollladen wurde dies« halb in die Höye ge- zogen und das auf dem Wagen befindliche Fleifch— acht Rinderoiertel, zwei halbe Schweine und drei Kalb« z»in Gesammhverthe von 700 M.— durch die Oeffnung geworfen.' Gleich darauf erschien auch Neumann in der Jlottwellstraße, er erzählte, daß er den Lukas noch gehörig verhauen habe. DaS gestohlene Fuhrwerk fuhren die Angeklagten nach der Hasenhaide, wo sie es stehen ließen. Der Überfallene Lukas stieß laute- Hilfe- rufe aus, nachdem er wieder zu sich gekommen, zwei vorüber- gehende Herren nahmen sich seiner an nnd führten ihn nach der Sanilätswache in der Lessingstraße. LukaS hatte drei klaffende Kopfwunden erhalten. Im Termin bestritt Neumann, daß er allein noch auf den ohnmächtigen Lukas eingeschlagen habe, er habe es seinen Genossen nur gesagt, um sich daniil zu brüsten. Die 'Angeklagten Schmidt'schen Eheleute bestritten ihre Schuld. Schmidt leugnete, daß er mit Neumann und Theodor Pawlitzki bekannt sei und denselben jemals Fleisch abgekauft habe. In der Nacht zum 15. Juli hatten fremde Gesellen gegen seine Thür geklopft. Nachdem er geöffnet, hätten ihm die Ge- sellen geklagt, daß ihnen vor seinem Laden die Achse gebrochen sei; sie bäten ihn, das Fleisch bis zum folgenden Morgen aufzu- I«wahren. Diese Angaben widersprachen denjenigen der übrigen 'Angeklagten nnd fanden auch durch Beweisaufnahme keine Be- slätigung. Als der Kriminalbeamte am Morgen nach dem Raubanfall bei dem schon längst verdächtige» Schmidt eine Haussuchung vornahm, war ein Geselle desselben schon dabei, das Fleisch zu zerlegen und Frau Schmidt hatte bereits davon verkauft. Der Staatsanwalt hielt durch die Beweisaufnahme sämmt- liche Angeklagte für überführt, mit Ausnahme der Ehesran Schmidt, für deren Schuld leine Beweise erbracht seien. Der Spruch der Geschworenen lautete auch ganz im Sinne des Staatsanivalts, d« gegen die Ehefrau Schmidt die Frei- sprechung, gegen die übrigen Angeklagten Zuchthausstrafe» von neun, siebeneinhalb, sieben und vier Jahren, sowie die üblichen Nebenstrafe» beantragte. Das Erkennt« iß lautete gegen Neu- mann auf neun, gegen Theodor Pawlitzki auf sechs Jahre sechs Monate, gegen Leopold Pawlitzki auf' sechs und gegen Schmidt auf drei I a h r e� Zuchthaus. Sämmtliche Angeklagte ivnrden außerdem zu Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurtheilt. Tie stereotypen Kl, igen vieler Laudwirthe über den großen Mangel an ländlichen Dienstboten und Arbeitern erhielten eine eigenthümliche Illustration durch eine Verhandlung, welche am Mittwoch vor der zweiten Strafkammer am Landgericht II. stattfand. Auf der Anklagebank stand der Adnnnisirator des 11000 Morgen großen Borsig'schen Ritterguts Groß-Behnitz bei Nauen, Inspektor Engel. Derselbe ivar vom Schöffen- gericht in Nauen wegen, gemeinschaftlicher Körperverletzung unter Annahme mildernder Umstände zu 50 M. Geldstrafe verurtheilt worden, während die Wirthschaslerin desselben Gutes, Fräulein von Taimy ivegen desselben Deliktes zu 100 M. verurtheilt worden war. Fräulein von Danny hatte sich bei dem Erkenntnis be- ruhigt, Jiispekror Engel hatte Berufung«iugelegt, er bestritt die Mißhandlung und gab nur zu, das mißhandelte Dienstnüiochen fest angefaßt zu haben. Der«st« Richter hatte folgende Feststellung getroffen: Unter anderen diente eine Dienst- magd Grebitz auf dem Gute, die in. Schlesien angeworben worden war. Zwei Jahre war sie bereits in dieser Stellung und sär das dritte Jahr hatte sie bereits neuerdings Miethsgeld crhalten, da kam am Abend des 10. Oktober 1691 die Wirth- schastsmamsell Fräulein von Danny iu die Rüche und schlug ohne jede Veranlasfting auf die Magd ei». Diese ermannte sich und gab mit dem Bemerken, daß sie sich ohne Grund nicht prügeln lasse, den Miethsthaler zurück. Fräulein von Dauny warf der Magd de» Thaler vor die Füße, Holle dann den Administrator und erzählte diesem, die Magd habe den Thaler aus die Erde geworfen. Ter Administrator ging entrüstet auf die Magd zu, faßte sie* derb beim Arm und soll— was er bestreitet— die Magd gestoßen und geschlagen haben; währenddem war Fräulein von Dauny auch nicht müßig, mit einem Besenstiel prügelte sie die Magd windelweich und die etwa daneben gegangenen Schläge hott- si? später mit einem starken Handfeger nach. Diese Mißhandlungen gingen über den weilen Rahmen der Gestnde-Ordnung hinaus und mußten zur Bestrafung sühren. Fräulein von Dauny hat sich bei der Strafe beruhigt, Inspektor Engel begründete seine Berufung damit, daß er aus dem Rahmen der Gesinde-Ordnung nicht herausgetreleu sei. Die Magd sei widerspenstig, aufsässig und besonderes diebisch gewesen, woraus der Staatsanwalt replizirte, daß es unter diesen Umständen doch merkwürdig sei. daß die mit allen Untugenden behastete Magd noch snr ein drittes Jahr gemielhet worden sei. Der Gerichtshof konnte sich lrotz elner vorgeführte» Entlastungszeiigin nicht entschließen, die Handtungsweise des Angetlagten anders denn als strasbare Miß- Handlung aufzufassen, er ließ aber das Moment der Gemein- schastiichkeil fallen und setzte die Strafe aus 20 M. herab. Frau Apotheker Ihrer auS Velteu stand gestern wegen Veleidiaung der Oifizicre und Fähnriche der Armee vor der ersten Straskaminer des Landgerichts I. In einer in der Weber- siraße stattgehabten Versammlung hatte die Angeklagte über den Brüsseler Kongreß berichtet und war dabei auch auf die Militärsrage eingegangen. Nach den Notizen des überwachenden Polizei- beamten soll die Angeklagte bei dieser Gelegenheit auch aus- die Proletarier weit mehr als den Kriegsgelüsten zu leiden Herren Lieutenants und Fähn- Händen hinten ständen und schickten. Wegen dies« Bemer- knngen hatte der Kricgsininist« den Straiantrag gestellt. Bei der Verhandlung drehte es sich wesentlich darum, wann die be- treffenden Aeußerungen zur Kenntnis des Kriegsministers ge- kommen sind. Die schriftliche Mittheilung desselben, daß er wenige Tage vor Stellung des Strafantrages diese Kenntniß erlangt habe, hielt Rechtsanivalt Morris nicht für ausreichend. sondern erachtete die persönliche Ladung des Kriegsministers sär erforderlich. Ter letzteren vermochte der Minister gestern nicht Folge zu leisten und der Gerichtshof beschloß desh'lb, die Ver- Handlung zu vertagen und zum nächsten Termin den Kriegs- minister noch einmal vorzuladen. Eutscheidunge» des Ober- BerloaltutigSgerichts. Zn Ehren der sozialdemokratischen Maiieier sollte sich in diesem Jahre in Köslin ein Zug mit Musikbegleitung vom Marktplatz aus in Bewegung setzen und sich hieran die Abhaltung einer Bersammlnng unter freiem Himmel anschließen. Die Orts- Polizeibehörde vcrsagte dem Zinnnerer P. die hierzu nachgesuchte Genehmigung und verhielt sich auch dann ablehnend, als letzterer nur die Erlaubniß zur Verlinstaltuiig jener Ber- sainmlung«bat. P. beschritt nminiehr den Beschwerdeweg nnd strengte, von dem Regi«»ngspräs>de»ten und demnächst vom Oderpräsidenten der Provinz Pommern abgewiesen, noch Klage an. Der Oberpräsident machte in der Klagebeantwortung gellend, daß, wenn auch die Sozialdemokratie in Köslin nicht stark vertreten sei, sich immerhin mehrere hundert Personen an der fraglichen Versaminlung betheiligt haben würden. Derartige Versammlimgeii seien bisher in Pommern unbekannt und es hätte der Theil der Bevölkerung Köslins, der in den Bestrebungen der Sozialdemokratie eine besondere Gefahr«blicke, die Abhaltung jener Versaminlung als eine Herausforderung auf- fasten können. Die Polizeiverwaltung habe nur pflichtmäßig gehandelt, wenn sie bei der g«i»gen Zahl von Exekutivkräften geglaubt h.ibe, nicht die Gernähr für die Aufrechterhaltung der Ordnung bei Zulassung der Versammlung übernehmen zu können. Der erste Senat des Ober- Berwaltungsgerichts ver- sagte der Klage den Erfolg. Gründe werden nicht verkündet. („Kreuz-Zeitung.") geführt habe», daß gerade die Bourgeoissöhne»nter hälten, dä namentlich die riche mit ihren zarten die Kanoniere in's Feuer Soziole ilcltcvVidjf. Achtung Töpfer? Zur Berichtigung des Artikels in Nr. 263 im„Vorwärts" mit obiger lleberfchrift vom 15. d. Mts., wolle» wir hier zur Erwiderung onführen, daß wir unseren Lohntnris vo» Herrn Töpsernieisrer G. Wentzel immer voll bekommen Huben; wir erhalten noch demselben auch jetzt am Bau Juvalidenstraße 144 richtig unfern Lohn m" ahlt. ES handelt sich hier lediglich nur um de» Kollegen itz, welcher am 12. d. Mts. entlassen worden ist. Uebrigens möge sich Herr Heinrich Hoffmann bei derartigen Sachen erst informiren. bevor er sie der Oeffentlichkeit übergiebt. Die arbeitenden Kollegen: P. Feder. H. Kretschmer. C. Kramer. Rudolf Jaschinoivski. R. Decker. G. Zipper. A. Federau. Mewis. G. Wulff. In dieser Angelegenheit wird uns noch folgende Zuschrift zugestellt: Es ist nicht wahr, dast ich den Lohntarif nicht anerkenne; ich zahle stets»ach Lohntarif aus; ebenso unwahr ist, das ich Leule gemapregelt habe; wohl habe ich aber den Gesellen Habantz enrlaffen und zwar aus dem Grunde, weil mir von andern Ge- Zellen mitgethcilt worden ist, Habantz habe bereits einen andern Bau und warte nur darauf, daß auf demselben angefangen werden könne, wo er dann meine Arbeit aufgeben und noch andere Gesellen von mir mitnehmen würde. Dies ist der ganze Sach- verhalt. Hochachtungsvoll G. Wentzel. A» die Töpfer Berlins und Nmgegeud! Kollegen! Schon oft hat der Vorstand aus die Vorzuge eines geregelten, sich in Hände» der Arbeiter befindlichen Ardeilsnach- weises aufmerksam gemacht. Leider muß der größte Tbeil der Kollegen unsere Mahnung unbeachtet gelassen haben, sonst wäre es kaum möcflich gewesen, daß während des Fenslerstreiks, wo Hunderte von Arbeitslosen vorhanden waren, fremd zugereiste 'Kollegen, die ihre Wanderuntcrstützung erhalten hatten und gar- nicht wußten, ob der Unternehmer auch den Lohntarif voll und ganz bezahle, hier in Arbeit gestellt wurden. Wir sehen, daß die Unternehmer Tag für Tag in den Zeitungen nach Arbeits- kräften von Auswärts inseriren, ja wir können mit Recht be- hauplen, daß sie Summen für diese Annoncen anwenden, deren Höhe vollauf zur Zahlung nach dem von uns geforderten Tarif ausreiche» würde. Aber nicht allein die Unternehmer, sondern unsere eigenen Kollegen umgehen den Zlrbeilsnachweis. Wir können wohl mit Recht behaupten,' daß in den meisten Geschäften die Äluscou teurer c s in der Hand haben, Kollegen einzustellen, ja, viele Unternehmer kümmern sich garnicht darum, wer eigentlich auf dem Bau .arbeitet, sondern sind zufrieden, wenn derselbe besetzt ist. Es heißt ferner, daß in nächster Zeit ein Unternehmer einen großen Bau in Angriff nehmen wird, indem viele Meißner Oefen gesetzt werden sollen. Um nun die Preise zu drücken, will derselbe hierzu Dresdner oder Meißner Kollegen einstellen. Wir machen daher ßchou jetzt die Kollegen darauf aufmerksam, daß wir hier genügend Kräfte am Ort haben, die wohl im stände sind. Meißner W a a r e z u v e r a r b e i t e n. Kollegen! Schon mehrfach haben wir dazu aufgefordert, uns die Adressen der Auskouleurer zukommen zu lassen, bis jetzt innner vergeblich. Deshalb ersuchen wir Euch, dieses jetzt energisch in die Haud zu nehmen und uns sofort die Adresse eines jeden Auskoulenrers zu übersenden, damit wir endlich in dieser Sache einen Schritt vorwärts kommen und eine Versammlung mit de» Anskonleurern abhalten können. Mit kollegialem Grnß Der Vorstand. I. A.: H. H o s f m a n n. Die Weber der Firma W i e h a g e r u. Komp. in Hückeswagen haben tvegen bedeutender Lohnkürzung die Arbeit niedergelegt. Sie ersuchen, da die Firma in auswärtigen Blättern Stellenangebote erläßt, um strenge Fernhaltung des Zuzuges und um Unterstützung. Alle Sendungen sind zu richten an Ewald B l a n k e n a g e l in Hückeswagen, Lindenberg. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck des Vorstehenden gebeten. Derittisrk'.kes. Entgleisung. Oldenburg, 15. Nov. Bei Kloppenburg ist infolge Entgleisung eines Personenzuges, wobei größerer Materialschaden entstanden ist, das Geleise gesperrt, die Passagiere müssen umsteigen. Guten Appetit 1 Grimma. Ein appetitliches G e s ch i ch t cb e ii wird vom letzten Jahrmarkt erzählt. Ein die Genüsse des Volksfestes aus dem Nikolaiplatze verschönender„tür- kischer Zuckerbäcker" wurde beobachtet, wie er bei der Anferti- gung von Bonbons von Zeit zu Zeit kräftig in die Hände— spuckte, um das Ankleben des Teiges zu verhindern. Geschmeckt werden die orientalischen Süßigkeiten seinen Kunden wohl trotz- dem haben. Berurtheiluug. Paris, 15. November. Das Schwur- gericht verurtheilte den anarchistischen Journalisten Z e v a c c o wegen einer Rede, in welcher er zum Mord aufgereizt hatte, zu halbjähriger Gesängnißstrase und 1500 Frcs. Geldbuße. Eiseubahn-Atleutat. A r l o n, 14. November. Aus der Strecke Paliseul-Bouillon wurden in der Nacht vom 11. zum 12. d. von Berbrecherhand vier schwere Steine ans die Schienen gewälzt. Die beabsichtigte Entgleisung scheiterte an der Geistes- gegenwart eines Lokomotivführers. ttnglücksfall. Salanianka, 15. November. In der Ortschaft Bejar brach während einer Hochzeitsfeier der Fußboden deS Saales durch, in welchem das Fest staltsand. Dabei wurden 7 Personen getödtet und 12 Personen mehr oder weniger s ch>v c r verletzt. tWolff'S Telegraphcn-Burcau.j Leipzig, 16. Noveniber. Die hiesige Handelskammer hat nach längerer Beealhung den Beschluß gefaßt, dem in bezng auf die Leipziger Kanalfrage eingeforderten Gutachlei, der Berliner Ingenieure Havestadt und Contag, unter Fallenlassen der früheren Projekte Leipzig— Wallwitzhnfen und Leipzig— Alten beizutreten und somit für Herstelluiig eines schiffbaren Kanals von der Unterelbe über die Saale nach der Oberelbe— Barby, Halle a. S.— Creypau bis Leipzig— Eilenburg— Torgau sich zu erklären und zwar unter der unbedingten Voraussetzung, daß die preußische Slaatsregierung und die sächsische Slaatsregierung dem Unlernehinen ihre Unier- stützung widmen werden und die Leistungsfähigkeit der Saale in bezug auf Schiffbarkeit, von ihrer Einmündung in die Elbe bei Barby bis Creypau ans dasselbe Niveau, wie d«sjenige der Elbe, gebracht wird. Die gesammten Herstellititgslosten, in welche die Kapital- Unterhaltungskosten einbegriffen sind. beziffert»zan in betreff der Kanalstrecke Barby- Halle- Creypau- Leipzig ans 20 900 000 Mark und in betreff der Strecke Leipzig- Eilenburg- Torgau auf 32 250000 M. Nach- gewiesen ist für beide Strecken die technische Ausführbarkeit ohne Ueberwindung großer Schwierigkeiten. Die Bauzeit für jede der beiden Kaitalstrecken ist aus je 5 Jahre berechnet. Die tandelskammer beschloß einstimmig, das Giltachten der Herren avesladt and Contag der königlich sächsischen Slaatsregierung zu überreichen mit der Bitte, die Sache nunmehr kräftig sördern zu wollen. Damit ist die Leipziger Kanalfrage in ein neues und vielleicht entscheidendes Stadium eingetreten. Neapel, 16. November. Auf der Insel Ponza fand heute ein Erdbeben mit starkem unterirdischen Getöse statt. Die Be- völkernng lagert im Freien, zusammen mit etwa 300 auf dtt Insel in Hast befindlichen Personen. Hilfeleistung ist abgesandt. (Depeschen des Bureau Herold.) Hamburg, 16. November. Diesen Nachmittag um Uht erklärte der Senat Hamburg für seuchenfrei. t München, 16. November. Die Augsburger„Postzeitung' vernimmt, daß der Kauf des„Münchener Fremdenblatt" durch ein katholisches Konsortium zum Preis von 200 000 M.»»- mittelbar bevorstehe. Wien, 16. November. In der Maschinenfabrik zu König- stellen(Mähren) streiken vierhundert Arbeiter wegen Anstellung eines inißliebigen Ingenieurs. Wien, 16. November. Bon einem Pesier Postwagen wurde heute auf bisher unaufgeklärte Weise ein Sack, enthaltend eine Million Gulden Staatsnote», verloren. Zliarktweiber lieferten den auf der Straße gefundenen Sack der Polizei ab. Stockholm, 16. November. Die zweite Abtheilung de- besonderen Ausschusses des Reichstages hat sich bezüglich der finanziellen Fragen zur Durchführung der Militärvorlagen dahin ausgesprochen, daß die direkte Besteuerung besonders durch Er- höhung der Abg. den von Grundbesitz und Einkommen Hera»- zuziehen sei, daß dagegen die niedriger Besteuerten aus- geschlossen werden müßten, ferner sei die Erbschast� sleuer nach dem progressiven Steuersystem heranzuziehen' der Ausschuß wird deshalb bei der Regierung dN Ausarbeitung und Vorlage eines in diesem Sinne n»ff gestellten Finanzplanes beantragen. Was sodann den Staatshaushalt für das Jahr 1393 und die in diesem Jah� neu hinzukommenden Ausgaben betrifft, so erklärte sich der Aus- schnß gegen die Verwendung der Staatsüberschüsse aus dem Jahre 1390 zu diesem Zweck und beantragt dafür eine besondere Ziischlagsbeivilliguiig unter Befreiung der Einlomnien ro» weniger als 300 Kronen. Der Ausschuß hat schließlich die Vor' schlage der Regierung bezüglich der Seewehr angenommen, ade- auch den Mannschafte» der Seewehr die höhere Löhnung willigt, wie sie für die Mannschaften der Landbewehrung schloffen ivurde. Amsterdam, 16. November. Die beabsichtigte Llrmeeuior� des Kriegs mintfters eihöht die Heeresstärke' von 11 000»»! 63 000 Mann und setzt die Dienstzeit in He» und Reserve aus 9 Jahre fest. Ordentliche Generalversammlung Mfoniknikasse der MM u. BtrussMjsen Berlins um Aonnadend, den 19. Uovember, Abends S'/a Uhr. in der Brauerei Bötzow, Prenzlauer Aller Ur. Ä44. Tages-Ordnung: 1. Wahl von 3 Vorstandsinitglisdenl(1 Arbeitgeber, 2 Arbeitnehmer). 2. Wahl von 3 Revisoren zur Prüfung der Rechnungen des Jahres 1892. 3. Wahl von Vertretern zur Generalversmnmlung. 4. Statutenberathung nach der Fassung des Gesetzes vom 10. April 1399. 5. Verschiedenes in Kassen- angelegenheiten.— Eingeladen werden hierniit sämmtliche Mitglieder der Orts-Krankenkasse der Kürschner und alle Arbeitgeber, welche aus eigenen Mitteln Beiträge zur Kasse leisten. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen bitten wir um zahlreichen Besuch. 03b Her Vorstand. Orts-Krankenkasse der Seidenwirker u.Weber zu Bernau. Konnabend, d. 36. Uovember, Abends 8 Uhr, im Saale des„ei/sium" i General-V ersammlung. Tages-Ordnung: 1. Wahl vo» Vertretern, 10 Arbeit- geber, 45 Kaffenmitglieder. 2. Wahl von 3 Vorstandsmitgliedern. 3. Wahl der Rechnungs- Prüfungskommission. 4. Tesinitive Genehmigung des mit dem Kassenarzt abgeschlossenen Vertrags. 5. Vorlegung des neuen Statuten- Entwurfs. Um zahlreiches Erscheiueii der Arbeit- geber und Kassenniitglieder ersucht 329/2 Her Vorstand. Fllchv.d. Tischler. Freitag, de» 18. Uovember, Abends 3Vs Uhr: Ortskrankenkasse der Gürtler. Zu der am Sonntag, den 20. Nov., Vorn,. 10 Uhr, im Restaurant?reiiis», Drcsdenerstr. 10. stattfindenden ordeut- lichen Generalversnmmlung werden die Herren Telegirten ergebenst ein- geladen. Tagesordnung: 1. Neuwahl des Vorstandes. 2. Wahl einer Kommission zur Prüfung der Rechnung des lausenden Jahres. 3. Ver- schiedenes. Nach Schluß dieser Versammlung findet daselvst eine Generalversamiiilung für die Mitglieder der Juvalidr»- hnfft itv Gürtler statt. Tagesordnung: 1. Neuwahl des Vorstandes. 2. Wahl einer Konimission zur Prüfung der Rechnungen des laufenden Jahres. 3. Verschiedenes. 70d Der Vorstand. G. Kneiff, Vorsitzender. 66. aoeügo, Viutorpelotot«, 66. nach Maaß, werden hochelegant an- gefertigt bei Karle. L273L Reaterhaitdlung 06. Waldemarstraffe 66. bei Norbert, Veuthstraße Nr. 22. Um pünktliches Erscheinen ersucht 308/11 Oer Vorstand. Dachdecker. Sonntag, de» 20. N o v e m b e r, Vormittags 9�/2 Uhr: Ordentliche General-Versammlung der Orts- Krankenkasse der Dachdecker im Herbergslokal, Weinstr. II. Tagesordnung: Nenivahl für die ans- scheidenden Vorstandsmitglieder. Neu- s�ahl der Wahlvertreter. Wndl des Rechiiiliigsprüfnngs-Ausschusses für das Jahr 1392. 316 Ter Vorstand. W. Woitschach, Friedrichsgracht 13 U. Senuiiwarte. �ADALBERT VOGTS C«/ jv � BERLIN- v s'ivtn' Die in der ganzen Welt rühmlichst bekannte 30351. „Helm-Putz-Pomade" ist nur unser Erzeugniss. Dosen mit anderen Helmen und nicht mit unserer Firma, weise man als werthlose Nachahmungen zurück. 0 1« h amim n«tt tIrööles Lager Berlins KlIll>eriWgeil.A„dreaokr.Ä6.H.p. Kanarienhähne verkauft Müller, Perlebergerftr. 12, vorn 4 Tr. 87h Die Geburt eines strammen Sozial- demokraten zeigen hocherfreut an Waldemar Graf nebst Frau, 3291L Thuerstr. 7/3. Unserm Freunde und Herbergsvater Restaurateur Tchüneman», genannt dicker W'lly, Weinnieisterstr. 19, geb. am 17./N. 1367 in Berlin neben dem Pfeffcrberg. ziveimal geimpft und sämmt- licheKliiderkrankheiten schwer aber glück- lich bestanden, zu seinen, 26. Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch, verbunden mit dem Wunsche, daß er nach oft den Tag mit Wohlsein erleben möge und sein Kind, genannt Mulle, bald Hochzeit mache» soll! 68h P. P. O. B. M. Sch. F. H. B. St. H. St. N. Sch. G. K. F. D. O. W. Erwiderung. Ans die Aufforderung des Tischlers Julius Waloszek, Berlin, betreffend die angebliche Beleidigulig in Nr. 255 dieses Blattes, erklärt ver Vorstand des Arbeitervereins für Nummelsbnrg, daß es bei der ersten Bekanntmachung ver- bleibt, da die Schuld durch eigenhändige Unterschrift anerkannt ist. 110/4 I. A.: Alfred Rosenkranz. Die Herrn Fr. Hilliger zugefügte Beleidiaung nehme ich hiermit zurück und erkläre denselben für ehrenhaft. 39h F. Devantier. Empfehle all. Freunden U.Genosse» mein Wcij- h. Bckisch-BittlM. Kleiner Saal für 150 Personen(auch als Vereinszimmer) sowie 2 Kegelbahnen sind noch einige Tag« in der Woche zu vergeben. Daselbst Zahlstellen des soz. Wahlvereins für den 2. Verl. Reichstags- Wahlkreis. Verband der Metallarbeiter, Deutscher Tischler-Verband, Arbeiter- Bildungsschule, Genossenschaftsbäckerei. Otto Klein, Schiinleiustr. 6. SteOM!! größte Auswahl!! am billigste»! in Emil Lefövre's Fabrik, Berlin, Oranienstr. 158.(182011 'Ä'-eMMtrpr Stück 4, 6, 8 und 10 Mark. Werth das Doppelte!! Jllufir. Preislift« gratis u. franko. »tt*.« iß der\M\)U grcuiii) her Kmsrilm? Die große Beliebtheit, welckicr sich seiner vorzüglichen Eigenschnff�" wegen seit einer langen Reihe vo» Jahren das rühmlichst bekannte „Dr. Thompson's Seifenpulver" erfreut, hat viele geringmerthige Nachahmungen hervorgerufen, so daß derer jetzt schon eine große Anzahl existirt.. 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Flotte Destillation, Pferdebahn-Haltestelle, verk. C. Senf, Dresdenerstr. 45, Lokal. 33h Dr. med. Böhm, prakt. Arzt, Hprnalarst 234Sh für Naturheilverfahren und Massage Kochsir. 37, 2 Tr. 8—10 und 4—5. Teppirsze! (ßovMueU-;, rNoppdecktett a», billigsten w der kssdn», j. Brünn,»iSV fiflSF" Stadtbahnhof Börse. Grünkramgeschäft mit.jop heilshalber billig zu verk. Tel») p- fM» 10.— ijÄ 4 Dr. Hocsch, homöopoth- g,;/ Linienstr. 149. 8-10, 5-7, Son»� Ein junger Mann sinder gutt stelle bei Horn, Waldemarstr. l'- � Nur tüchtige Marmor-«tt>n für massiv uns ein Aufsahö»1 IUI IIIU,,,» lim, viu«44III—.IU...mf scher finden dauernde BeschäM �. Act-Oes. Kiefer, Trebbinerl1� Beraniwortlicher Redakteur: August Euders in Berlin Druck unv Verlag von M,x Bading»n Berlin VW.. Beulhswaße 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ar. 270. Donnerstag, den 17. Uovember 1JS92. 9. Jaljrg. Die schweizerischen Unternehmer und der Ardeiterschutz. Durch ein 5?rei?schreiben voin 30. Juli 1891 wandte sich das eidgenössische Judustrie-Tepartelucut an die Organe oer Arbeiter, Geieerbeireibeildcn und Industriellen mit einer Anzahl Fragen, die von der Bundesversammlung dein Bundesrat he zur Berichterstattung und eventuellen Antrag- stellung überwiesen worden waren. Tic erste Frage betrifft eine vom Nationalrath im April 1891 sür erheblich erklärte Motion des neucnburgischcn Abgeordneten C o m l e s s e be- treffend die Ergänzung des Obligationenrechts im Sinne größerer Garantieleistung sür die A n s b e z a h l n n g des Arbeitslohnes, die völlige Verrniniöglichung des Trucksystems in jeder Gestalt und die Ausbezahlung der Arbeitslöhne mindestens aller 14 Tage. Tie weitereu d r e i Frageir betreffen mehrere Arbeite r-Petitiorren. die anläßlich der Maifeier 1891 au die Buudes- behörden gerichtet wurden und die verlaugten, die Ersetzung des im eidgenössischen Fabrikacsctz normirtcn Arbeitstages von 11 Stunden durch die Nor- wirung einer täglich 10- resp. 9- oder 8stiindigen Arbeits- Zeit, das Verbot der Arbeit verheiratheter Frauen in den Fabriken und die Verniehruug der eidgenössischen Fabrik- inspcktore» oder Jnspcktionskreise. Als das Organ der schweizerischen Arbeiterschaft kam der Arbeit erb und mit seinen ca. 1L0V00 Mitgliedern in Betracht und wurde der in Winterthnr doniizitirte Vor- stand des Zlrbciterbundcs zur Beantwortung resp. gutachtlichen Aeußcrung über die obigen vier Fragen aufgefordert. Ob diese Begutachtung schon geschehen, wissen wir nicht, gelesen haben wir davon, daß sie schon geschehen, nirgends etwas. Das Organ der Gewerbetreibenden, das schweizerische «iewerbesekretariat, veranstaltete eine Euqnete über die vier Fragen, indem es dieselben an a» Sektionen des schweizerischen Gewerben-reiaS ver- lündte. mßDSN 80 BeuntwortunAeli cttheiltci!. Dllv Geweröesekrctartat stellte die eingelaufenen Antworten zusammen und unterbreitete sie in einem zusammenfassenden Gesaninilbericht im Januar dieses Jahres dem eidgenössischen Judustriedepartemenl. Bezüglich der Aiotion Comtesse (größere Garantie für die Lvhuausbezahlung) faßt der Gc- san nitbericht die einzelnen Aeußeruugen dahin zusammen, »daß d>>- Absicht der darin enthaltenen For- "..grn allgcnien, anettäMN, üuein die üener Gcsctzc-bcstinmiungen fast allseitig verneint wird, weil bczügl>ä.e Dußstände nur ganz vereinzelt vorkommen." Uebcr die Frage des Z e h n st u n d e n t a g e s äußern stch die meisten Gutachten ablehnend, einzeme Sektionen befürworten diese Arbeiterforderung als eine W o h 1 t h a t für die F a b r i k a r b e i t e r und würden sich Mit hüb. « ch t stundentag gefallen lassen, wenn er international Zugeführt wurde— aber nur für die Fabrikarbeiter. Ucb�r die Frage des Verbots der Arbeit ver- deiratheter Frauen in den Fabriken, eine Forderung, die die Billigung sozialdemokratischer Arbeiter Wenfalls nicht finden kann, äußern sich ebenfalls die meisten Gutachten mit theilweise sehr zutreffenden Gründen a b lehnend und nur drei Gutachten befürworten das Ar beUerpostnlat. � Betreffend die Vermehrung der Fabrik- vs" i pell vre n äußern sich die Gutachten der Gewerbe- »erbenden dahin,„daß eine solche Berinehrung„überflüssig" oder doch nicht„dringlich" sei". . Tic Begutachtung der arbeitcrschritzgesetzlichen Fragen durch die Gewerbetreibenden ist so ansgesallen, ivie sie er- wartet werten mußte. Taß die Gciverbetreibenden den «khnstnndentag für ihre Werkstätten, mehr Inspektoren 1"r deren häufigere Kontrolle und die strengsten Bc� Die Waffen nieder! �ine Lebensgeschichte von Bertha von Suttner. - Viele der vorangehenden Blätter habe ich mit Schau- und mit lleberwindnng geschriebeir. Picht ohne inneres Zusetzen vermochte ich die Austritte zu schildern, die ich "s meiner Fahrt nach Böhmen nnd während der Cholera- d?"che in Grnmitz nütgemacht. Ich habe es gclhan, um nier Pstjchlmahnung zu gehorchen. Ein geliebter Mund /d* Mir einst den feierlichen Befehl ertheilt:„Falls ich früher sterbe, uinßt Tu nieine Ausgabe übernehmen, für das if.r>ednis,verk zu wirken."— Wäre mir dieses bindende �rheiß nicht geworden, ninimer hätte ich es über mich gc- j�ftcht, die Schmerzensivunden nieiner Erinnerungen so 'Aonuugslos aufzureißen. i-s. i'in ich aber bei einem Erlebniß angelangt, das A berichten, nicht aber schildern will— nicht kann. Nein, ich kann nicht, kann nicht! 9ua �rh habe es versucht: zehn halbbeschriebene, zerrissene "tatler liegen auf dem Boden neben meinem Schreibtisch Herzkrampf befiel mich— die Gedanken stockten oder Allsten wild in meinem Hirn-- ich mußte die Feder »i.Mörsen uttd weinen, bitter, heftig, kläglich weinen wie Kind. Jetzt, einige Stunden später, nehme ich meine Aufgabe w'eder vor. Aler auf die Beschreibung der Emzechelten �chllehenden Geschehnisses, auf Milthnlmig dessen, was ich u cuizjfunben— muß ich verzichten. stimmnngen für die Lohnanszahlung befürworten resp. sich dafür aussprechen würden, das hat sicher von ihnen Nie- mand, auch das eidgenössische Jndustricdcpartement nicht, erhofft. lind ebensowenig ist das erwartet worden von dem Organ der Großindustrie, des Großkapitals, nämlich von der schweizerischen Handelskammer. Dieselbe hat in einer Sitzung vom 24. Oktober die vier Fragen be- gntachtet nnd namentlich der Einführung des Zehn- st n n d e n t a g e 3, einige, den Kapitalinen aller Länder sehr geläufige und von den schweizerischen Kapitalisten schon 1877 gegen den gesetzlichen Elfstundentag ziemlich verbrauchte Gemeinplätze wiederholt und sich dagegen ausgesprochen bezw.„der freien Vereinbarung zwischen Arbeiter und Arbeitgeber überlassen". Nun auf diesem Wege haben be- reils viele tausende Arbeiter bisher schon den Zehnstunden- tag erreicht, ohne den Rarh der Handelskammer einzuholen oder auf denselben zu warten. Bemerkt sei hier, daß im Juni 1891 der B u n d e s r a t h D e» ch e r, Chef des Jndnitrie- departenients, im Nationalrath sich sehr sympathisch über den gesetzlichen Zehnstundentag ausgesprochen und im Hinblick auf die Gefahren der Volksabstimmung den schweizerischen Arbeitern rieth, sich möglichst in allen Gewerbe- und In- dnstriezweigen den Zehnstundentag zu erkämpfen, bei dcffen großer Ausdehnung dann wohl auch der gesetzliche Zehn- stundentag vom Volke sauktionirt werden dürfte. Ziveifel- los wird auf diesem Wege trotz oppouirender Gewerbe- treibender und Kapitalisten das Ziel in einigen Jahren doch erreicht werden. Betreffend die Vermehrung der Fabrik- Inspektoren meint die Handelskammer,„daß dieselbe im Wesentlichen von den Erfahrungen abhängen wird, welche bisher die Behörden bei der Vollziehung dieses Gc setzes gemacht haben". Bezüglich ves Verbotes der Frauenarbeit weist die Kammer darauf hin, daß dieser Ausschluß ntcht witr hon n f s i z i e l l e n Begehren der Arbeiter- schafi fignrire, außerdem würde ein solches Verbot nur die Hausindustrie fördern. Die Motion Comtesse wird gleichfalls abgelehnt. Tie Gutachten der kleinen und großen Unternehmer weisen eine rührende Uebcreinstinuiinng auf und involviren nur das eine positive Ergebuiß, daß das Unternehmerthum heute gerade noch so wenig vom gesetzlichen Schutz der Arbeit wisstu will wie vor 6 oder 2 oder anderthalb Jahr- zehnten— und das war ohaehin bekannt. Trotzdem worden in der Schweiz auch fernerhin arbeitcrfrcundtichc Gesetzes- maßnahmen getroffen werden und zwar wie bisher in jedem Falle gegen die mehr oder minder heftige Opposition eines größeren oder kleineren Theils des Unternehmerthnnis. Auch in dieser Beziehung wird die Situation noch eine Neihe von Jahren die gleiche bleiben. ward-- infolge eines �>e Ttatsache genügt: bo! P�kdrich— mein Einziger.. »n'V" gefundenen Berliner Briefes der Spionage ver- ... von einer sanatischen Rotte umrlngt„a mort t j. 1 mort lo Pmssien!"— vor ein Patriotentnbnnal ge- -- am 1. Februar 1871——--- stuiiö» �Utch erschossen. Epilog. _.... (an? ich zum ersten Aiale wieder zu Beivnyiiein ge- fiik, war der Friede geschlossen- die Kon.m.me über- RnS Westprcnße» wird uns berichtet: Wie sehr die Wegner das Aufkeimen einer proletarische» Bewegung in unfern abgelegenen Gegenden fürchten und zu verhindern suchen, ersieht man am bellen aus den Praktiken, die sie anwenden, wenn wir ihnen durch Veranstaltung von Versammlungen unbequem zu werden drohen. In folgendem eiiage Beispiele von der Be- Handlung, die wir in solchen Fällen zu gewärtigen haben. In Dirscha« auf der Suche nach einem Lokal begriffen, waren wir guter Dinge, schließlich einen Wirtb gefunden z» haben, der den Rothen seine Räumlichkeiten zu Versammlungszwecken hergebe» wollte, ja, der nicht einmal an der Person des Referenten, dein Reichslago-Abgeordiiete» Schulye-Königsderg, Anstoß»ahm. Aber o weh,»vir harten»»s zu früh gefreut! Schon am nächsten Morgen kam von dem Wirthe ivunderuilld die kleinlaute Bot- schafr. daß er sich doch lieber nicht mir sozialdemokratischen Ber- standen. Monatelang hatte ich— von meiner treuen Frau Anna gepflegt— in einer Krankheit dahingelebt, ohne zu wisse», daß ich lebe. Und was es für eine Krankheit war — ich weiß es heute noch nicht. Meine Umgebung nannte es zartsinnig: Typhus; ich glaube aber, daß es einfach— Wahnsinn war. So ganz dunkel erinnerte ich mich, daß die letzte Zeit mit Vorstelliingm von knatternden Schüffen nnd lodernden Bränden gefüllt war; vermuthlich vermengte sich da niit meinen Phantasien die in meiner Gegenwart besprochenen Ereignisse der Wirklichkeit, nämlich die Käinpfe zivischeu Bersnillcrn und Kommunarden. Daß— als ich meine Vernunft wieder erlangte nnd mit dreier auch das Verständniß meines tiefen Unglücks: daß ich da nur rem Leid angethan oder daß der Schinerz mich nicht tödtete, das lag wohl an dem Besitze meiner Kinder. Durch diese konnte, für diese mußte ich leben. Noch vor meiner Krankheit— an dem Tage selber, an dem das Schreckliche über mich hereingebrochen— hat mich Rudolf am Leben erhalten. Ich war laut jammernd ans die Knie gesunken, indem ich wiederholte:„Sterben— sterben!. Ich niuß sterben!" Da umfaßten mich zwei'Arme nnd ein bittendes, schmerzhaft- ernstes, wunderlicbes Knabengesicht sah mich an: „Mutter!" dahin hatte mich mein Kleiner nie anders als ,.1!ania" genannt. Daß er in diesem Augenblick— zum ersten Male— das Wort„Mutter" gebraucht, das sagte mir m zwei Silben:„Tu bist nicht allein— du hast einen Sohn, der deinen Schmerz theilt— der dich über alles liebt und ehrt, der niemand har ans dieser Welt, als dich— verlaß' dein Kind nicht, Mutter!" Ich preßte das thenre Wesen an mein Herz:— und ihm zu zeigen, daß ich verstanden hatte, stammelte auch ich: „Mein Sohn, mein Sohn!" Zugleich erinnerte ich mich meines Mädchens— e ni c s Madchens, und mein Entschluß, zu leben, war gefaßt. Aber der Schmerz ivar zu unerträglich: ich verfiel in geiflige Nacht. Und nicht irnr dieses eine Mal. Im Laufe sammliliigen befassen wolle. Also war es mit der Versanimlnng wieder Eisig. Damit nun aber die lieben Tirschauer auch in der nächste» Zeit vor etwaigem Unheil verschont bleiben, wurde einige Tage nach diesem Verfall dem Einberufer der bürger- meillerliche Bescheid zu theil. daß die beabsichtigte Versammlung überhaupr nicht stattfinde» dürfe, und zwar ivegen7zu befürchten- der— Choleragefahr. Schruuim! Glücklicher waren wir mit iinserer Propaganda in W e h l a u, Ostpreußen, wo am 3. Nov. von freisinniger Seite eine Versammlung, zu der alle Parteien eingeladen waren, abgehalten wurde. Ter freisinnige Agitator Dr. Er ä n k e l aus Weimar gab dort einen Vortrag über die politische Mrge und die Militärvorlage zum Beilen. Als das Referat, leider eril eine halbe Stunde vor Mitternacht, beendet war, meldete sich Genosse S ch u l tz e- Königsberg zum Wort. Sogleich inter- venirte ein Polizeikommissar mit dem vorsorglichen Bevenken, daß Schnitze nicht zu den angemeldeten Rednern gehöre. Doch die Versaiiiinlung zeigte für einen Augenblick wirklich freisinnige Anwandlungen und beschloß, daß Schultze das Wort zu erstatten sei. Schulye erbrachte nun in seiiier Rede den Nachweis, daß die freisinnige Partei ihrem Namen in keiner Weise Ehre mache und insbesondere ihr redlich Theil gcthan habe, den Militarismus mit groß zu ziehen. Kaum hatce Schultze zehn Minuten ge- sprochen, als ihm auch schon echt liberal das Wort entzogen wurde, worauf der Referent die noch übrige Viertel- stunde mit einer gewaltigen Philippika gegen die Sozialdemokratie ausfüllte. Dennoch halte die kurze Rede unseres Genossen Schultze genügt, die in der Versammlung anwesenden Arbeiter über die wahre Natur des Freisinns allfzukiärcn und sie für uns zu geivinnen.— Von gutem agitatorischen Werth war anch eine in Marienburg, natürlich ebenfalls nicht ohne Hindernisse abgehaltene Versammlung. Hier hatte man heraus- gefiiuden, daß der bereits seil zwei Jahren abgemeldete Verein sür Volksbilviiiig gemiisermaßen aus der vierten Dimension heraus der geistige U> Heber der Versanimlung wäre. Da dieser ehemalige Verein in seinem Statut ge»»äß dem Vereins- gesetz eine Bestiinniung hatte, nach welcher Frauen an ihm nicht theiliiehmen konnten, so wurde gefolgert, daß den Frauen auch zu der aiigeuieldelen Versamiulung der Besuch zu verbieten sei. Weiler verbot man daß Erheben eiiies Eintrittsgeldes. Auf erfolgte Beschwerde hin hob der Bürgermeister letzleres Verbot allerdings wieder auf, den Frauen wurde jedoch der Besuch der Versammlung nach wie vor untersagt, nur daß die Begründung geändert wurde. Statt des verblichenen Vereins mußte»äinlich auch hier die � Cholera herhalten! Trotz dieses mithin ausrecht erhaltenen Verbots war die Versaminluiig gut besucht und vertief vor allem dadurch iiileressant, daß ei» Gegner, welcher die Sozialdemokratie der Zerstörung des Familienlebens bezichtigte, sowie von Millionär- Sozialisten flunkerte, die ihre Arbeiterinnen schlecht bezahlten, unter allgemeinem Beifall die gebührende Abfertigung erhielt. Trotz aller Hindernisse, die man uns in den Weg legt, sind wir guten Biuthes und der feston Neberzcugung, daß die nächste» Wahlen de» Juni«»» und Pfaffen die Fruchte unserer Arbeit zu ihrem Schreck schon zeigen werden. »» Polizeiliches, Gerichtliches:c. — In A l t e» w e r d e r bei Hamburg(17. hannöv. Wahl- kreis) wurde Genosse Blümel vom Schöffengericht zu 30 M' Geldstrafe verurtheilt, weil er nach Wiederfreigabe des s. Z. tzv- llzeilich geschlossen gewesenen sozialdemokratischen Vereins eine Versaminliing desselben aiinoncirl halte, bevor ihm von seilen der Behörde die gerichtliche Wiederfreigabe des Vereins eröffnet war.— In demselben Orte haben 4 Genossen je 3i) M. Strafe zu zahle», weil sie einen Berusungstermin versäumt hatten, resp. um cc>. lS Minuten zu spät gekommen waren. — Wegen Beleidigung des Magdeburger Staatsanwalts Maizier soll der Redaltenr der„Würzen er Zeitung", Ge- nosse Breuer, drei Monate Gefäiigniß absitzen. — Sächsisches. Tie Chemnitzer Amtshanptmami- schaft verbot die Adhaltinig einer öffentlichen Versammlung in Gablenz, weil das dazu in Aussicht genommene Lokal zur Auf- nähme einer größeren Anzahl von Personen„aus sicherheits- und feuerpolizeilichen Gründen nicht geeignet" erscheine. Da in dem Lokal schon mehrfach öifeutliche Versammlungen abgehalten wurden, ohne daß irgend ein Unfall vorgekommen wäre, wird Beschwerde erhoben.— In einer Versammlung zu A l t ch e m n i tz halten die Genossen Otto und Hafner einen Zettel verlesen bezw. zur Beachtung empfohlen, in welchem die Versammlungs-Theilnehnier aufgefordert wurden, zur Deckung der Tagcskosten einen frei- willigen Beitrag auf den Tisch des Bureaus niederzulegen. Das der Jahre, in immer längeren Zwischenräumen— blieb ich Rückfällen von Tiefsinn unterworfen, von welchen mir dann in genesenem Zustande gar keine Erinnerung blieb. Jetzt, seit mehreren Jahren bin ich schon ganz frei davon. Frei von der b e w u p t l o s e n Schwerirnity heißt das, nicht aber von bewußten An fällen bittersten Scelenschmerzes. Achtzehn Jahre sind seit dem ersten Februar 1871 vergangen, aber der tiefe Groll und die tiefe Trauer, welche die Tragödie jenes Tages mir einflößt— die kann keine Zeit— und lebte ich hundert Jahre— verwischen. Wenn auch in letzter Zeit die Tage immer häufiger sich einstellen, da ich, von den Begebenheiten der Gegenivart eingenommen, an das ver- gaugene Unglück nicht denke, da ich sogar die Freude meiner Kinder so lebhaft mitempfinde, daß mich selber noch etwas wie Lebensfreude dnrchivallt, so vergeht doch keine Nacht — keine in der niich mein Elend nicht erfaßte. Das ist etwas ganz Eigenthümliches, das ich schwer beschreiben kann, und das nur solche verstehen werden, welche ähnliches an sich erfahren haben. Es deutet wie auf ein Doppel- leben der Seele. Wenn auch das eine Bewußtsein, im wachen Zustande, von den Dingen der Außemvelt so ein- genomnicu sein kann, daß es zeitweilig vergißt, so gicbt es in der Tiefe meiner Persönlichlcit noch ein zweites Bewußtsein, welches jene schreckliche Erinnerung immer mit dem gleichen treuen Schmerz bewahrt; und dieses Ich— wenn das andere eingeschlafen— macht sich dann geltend, rüttelt das andere gleichsam auf, um ihm sein Leid mitzu- theilen. Allnächtlich— es dürste immer um dieselbe Stunde sein— erwache ich mit einem unsäglichen Wchgesühl.... Das Herz krampst sich zusammen und mir ist, als sollte ich bitter" weinen, kläglich schluchzen. Das dauert so einige Sekunden, ohne daß das aufgeweckte Ich noch weiß, warum jenes andere unglückliche gar so ungtücktich ist.... Das nächste Stadium ist dann ein weltumfassendcs Mitleid, ein voll schinerzlichstcn Erbarmens geseufzles:„O ihr armen, armen Menschen!" Da nun sehe ich unter hageldichten Mordgcschossen aufschreiende Gestalten zusammenbrechen— und jetzt erst erinnere ich mich, daß anch mein Liebstes so znsaiumeiibrach... Aber im Traume, sonderbar: da weiß ich nie etwas von wkr ein Vergehen gegen den Miuisterinlerlap, welcher öffenilichs Sammlungen der behördlichen Genehmigung nnterstcllr, und koster jedem der beiden Genossen Iv M., falls sie nicht 2 Tage Hast verbüßen wollen. Soziale AelkeeNcht. 3(h die Gewerkschaften Berlins l Der Streik der Knopfardeiter der Firma H. Kusche, hier, Kvpeuickerstr. LZo, ist beendet, da die Ausgesperrten, bis ans vier Mann, sämmtlich anderweitig in Arbeit getreten sind. Die Sperre dauert jedoch fort. Zuzug ist streng sernzuhatlen. Die K o m in i s s i« n. Die Zigarreuarbeiter der Firma Bracksicck und V r ü g g e m a n n in L a n g>v e d e l traten am Sonnabend an die Fabrikanten mit einer Lohiifordernng heran; dieselbe wurde entschieden abgelehnt, ivorauf die Arbeiter smumllich die Arbeit niederlegten. Sie ersuchen nun bis auf weiteres um Fernhaltung des Zuzuges. Zur Lage der Bergarbeiter. In Bochum fanden am Soiiutng zwei Bergarbeiler-Vcrsammliingcn statt. Iii der ersten erklärte Schröder- Dortmund, bei der elenden Lage werde es schwierig sein, den kommenden Winler die Rnhe� ausrecht zu er- halten, namentlich, wen» ans dem Ausland Streiknachrichten kämen. Die Lage der Bergleute sei trostloser als bis jetzt bekannt geworden, sie wären am iliande der Verzweiflung. Die iklns- führnngen fanden unter den Versammelten allgemeine Zu- stimmnng. Es wurden folgende Resolutionen angenommen: I.„Die heutige Versammlung p r o t e n i r t gegen d i c A n- st e l l u ii g von Qberällesten und beauftragt die gewählte» Knappschaftsältesteii, in der am 17. Dezember stattsiiidenden Generalversammlung des Knnppschaftsvcreiiis riicrgisch dafür Sorge zu tragen, daß der Absatz Ii) im§ 193 gestrichen werde Außerdem erhalten die unlängst gewählten Acltesten den Auf- trag, für kürzere, wenn möglich einjährige Wahlperioden zu sorgen."— 2.„Tie heutige Verfaiiimlung spricht den bisherigen Kiiappschaftsältesteii wegen ihres Verhaltens ihr Miß- trauen aus und fordert �sie auf, ihre Mandate nieder- zulege n." Die Former Sachsens halten am IS. Dezember in Dresden eine Koiiserenz ab, in welcher auch der Reichslags- Abgeordnete Th. S ch w a r tz- Lübeck, Vorsitzender des Zentral- vereinL der deutschen Former, erscheinen wird. Zweck der Kon- feren, ist. die sächsischen Former mehr für die gewerkschastliche Organisation zu erwärmen. Die Berckleute PrzibramS marschirten am Sonntag in beträchtlicher stärke— das„Präger Tageblatt" beziss°rl die Zahl der Theilnehmer aus 500 Mann— zum Vorstande der fiskalischen Bergwerke, dem Oberbergrath Nowak, um durch eine Delegation die nachträgliche Auszahlung von zehn Freischichten aus dem Grunde zu verlangen, weil die Bergleute nach der Brandkatastrophe am 31. Mai iniltels Bekauntmachiing aufgefordert worden. waren, ani 10. Juli die Arbeit unbedingt wieder ausznnchmen f deshalb gebührten ihnen vom 1. bis 10. Juli die Freischichten. Uebcriliisstgerweise fand sich auch der Bezirkshaupttnaiin Baron.Weder mit einer Anzahl Gendarmen ein und forderte die Bergleule auf, ihre Wünsche der vorgesetzten Behörde„in legaler Weise" zu unterbreiten. Da die Bergleute dem Gebote des Herrn Barons nicht gehorchten, ließ derselbe die Gendarmerie„einschreilen". Wie wenig aber die Bergleute mit ihrem Zuge Ungesetzliches beadflchligt hatten, gehl daraus hervor, daß sie der Handvoll Gendarmen ernstlichen Widerstand nicht entgegensetzte!!. DciTttitimltmacu. Eine General- Bersammlnnst des Fach Vereins der Stuckatenre fand am 3. November flalt. Die Abrechnung wurde in einigen Punkten beanstandet und, nachdem beantragt war, sie einer nochmaligen Revision zu unterziehen, auf die nächste Tages- ordniiiig gesetzt. Laut Bericht der Arbeitsnachiveis-Koinmissioii haben sich im dritten Quartal 98 Kollegen für Bau und 37 für Werkstelle einschreibe» lassen; davon erhielten Arbeil zugewiesen 47 Kollegen für Bau und L4 für Werktielle. An durchreisende Kollegen wurden 9.50 M. Unterstützinig gezahlt. Es wurde so- dann beschlossen, dem Inhaber des Arbeitsnachweises, Herrn Schünemanii, Marken zu überweisen, damit reslirende Mit- glieder ihre Beiträge auch dort einzahlen können. Die Abrechnung des Vergnügiingskomitees ergab eine Einnahme von 178,90 M., eine Ausgabe von 200,25 M., daZ Defizit beträgt mithin 21,35 M. Die Nachwahlen ergaben die Wahl der ftollegeu Krebs und Götze als Revisoren, Marler als Mitglied der Rechtsschntz- Kommission, Wedln g wurde zum Mitglied des Vergnngiings- koinitees gewählt. Im Verschiedenen wurde sodann in beziig aus die Lichlarbeit aufgesordert, dieselbe im Interesse der arbeits- losen Kollegen zu beseitigen. Tie Freie Vereinigung der Kaufteute hielt am 8. No vember eine Versammlung ab. Der Referent, Stadtverordneter Dr. Zadel, verbreitete sich ausführlich über die Frage, was nach dem neuen Krankciikasseiigesetz die Ortskassen und die freien Hilfsk'issen zu leisten im stände sind. Die letzteren hätten, soweit sie nicht bisher schon frei Arzt und Medizin auch für Arbeits unfähige gewährten, durch den neugeschaffenen§ 75 vom I. Jan 1893 ab derartige Mehrkosten, daß wohl in den meisten Fällen ihre Existenz dadurch in Frage gestellt werden würde. Neber- Haupt ginge das Bestreben der Negierung dahin, den freien Hilfskassen das Leben zu erschweren. So seien dieselben jetzt gezwungen, ihre Mitglieder bei der Behörde abzumelden; ferner seien sie nicht mehr im stände, trotz ihrer Zenlralisirnng einheitliche Niitersiiitzungssätze zu gewähren, da sie sich nach dem ortsüblichen Tagelohn richten müßten. Im Gegen satz zu den sreien Hilfskassen hätten die Ortskassen eine dreitägige Karenzzeit, doch dürsten sie diese durch statutarische Bestiiniiiiiiig fortfallen lassen; auch könnten sie bis zu 52 Wochen Krankengeld gewähren, wie es ebenfalls nach dem Gesetze angängig sei, bis zu dreiviertel des ortsüblichen Tage- lohnes zu zahien. Ein großer Nachtheil sei ferner bei den Orls- lassen der Aerzlezwang. Tie freie Arztwahl aber ist, wie der Referent im Älnschluß an ein Zitat aus Virchoiv's„Medizinische Reform", Jahrgang 1848, des längeren ausführt, eine unerläß- liche Forderung der Humanität und der Hygiene. Doch auch darin haben einige Kassen Besserung geschaffen, indem sie ans dem von den Oriskassen gebildeten Gewerks- Krankenverein austraten und bei sich freie Arztwahl einführten. Bei den Orts- lassen stehen den durch die Beitragspsticht der Arbeitgeber und durch die größere Betheiligung viel stärkeren Einnahinen häufig geringere Unkosten für die Verivaltung gegenüber. Nach alledei», so führt Redner weiter aus. werden die freien Hilfskassen gleiche Leistungen nur auf Kosten der Acrzte ermöglichen können. Es ist überhaupt ans diesem Gebiet, wo die Kassen„Arbeil- gebcr" und die Aerzte„Arbeitnehmer" sind, eine ganz unwürdige Lohndrückerei eingerifsen, welcher nur cntgegengelreteii werde» kann, wenn die Aerzte sich zu einer Fachorganisalion zusanimen- schiießen und so die Spekulation der Kassen ans Streikbrecher unter ihnen zii Schande» mache». Die Hilsskassen haben ver nünstiger Weise keine so rigorosen Bestimmungen über die Ge schlechtskranken wie die Ortskassen, doch brauchen die letzteren diese nicht durchznführeii. Die Hilsskassen haben ferner den Vor- zug der Zeiilralisirniig, wodurch die Kasseiiimiglieder nicht ge- nölhigt sind, äuszutrete», wenn sie»ach einem anderen Ort ver- ziehen. Auch ist zu bedenken, ob nicht vielleicht das Oriskassen- buch als Arbeilsbuch verwendet werden und der Arbeitgeber daraus ersehen kau», wie lange der Angestellte ans jeder einzelne» Stelle gewesen ist. Zum Schluß betoiue der Referent, daß der ganze Streit, ob Ortskrankenkassen oder freie Hilfskassen, doch zur der Arbeiter gegen Arbeiier führen dürfe.(Beifall.) In der ehr lebhasten Diskussion trat Kollege H i n tz e des öfteren für die freien Hilsskassen ein. die er sehr ivarm befürwortete. Ihm traten mit der Forderung, sich den Ortskassen aiiznschließeii, entgegen die Herren S t e i» f e l d. Türk, A ß m a n». H e y- >!> a n n lind K a tz. Zum Schluß ivurde folgende Resolutioi, au- geuomnieii: „Die heute in Stein's Salon lageude Versammlung der „Freien Vereinigung der Kaufleute" beschließt nach eiuem Referat iiei Herr» De. Zadek, UN» nnch«ingeheaöer Tiskufsioil über die vorliegende Frage, in die am I. Januar 1893 ins Leben ir-r-nde Orts-Krankenkasse einzutreteu und für alle die Vortheile zu ivirken, welche für die Mitglieder, ahnlich wie bei der Maschinen- bauer-Kasse. daselbst zu erreichen sind." Alsdairil wurde die Versammluiig mit einem Hoch aus die Sozialdemekratie geschlossen. Ter Hifttiu cr.rb ärfachür am 13. d. M. die Uuionsbrauerei, um die Wirkungen der Koivitzk.- scheu Ranchverdrennnngs-Methode zu beobachten. Die Experi- iiieiile, welche unter der Leitung des Maschinemiieisters Herrn Endler ausgeführt wurde», ergaben zufriedenstellende Resultate. Es wurde beobachtet, daß, sobald der Apparat eingestellt wird, der starke Rauch, welcher sich nach dem Beschicke» der Feuer ent- wickelt, nach etwa 25 Sekunden sich bis aus kleine Dampswolken vermiiidert, um nach kurzer Zeit fast gänzlich z» verschwinde». Die allgemeine Ansicht der Befiicher war die, daß die Leistung der Kowitzki'sche» Apparate wohl bis heute die rationellste sei. Eine öffentliche Versammlung der Kistenmacher nahm kürzlich die Abrechnung vom Vertraueiisnian» eutgege». Dieselbe ergab eine Einnahme von 51,90 M., eine Ausgabe von 3,75 M., der jetzige Bestand ist 32,84 M. Ter Kas sirer wurde entlastet. Zum zweiten Punkt wurde beschlösse», die Sanimlung zunl Unterslützungsfonds wieder aufzunehiiien, 5 Pf.-Marken ansertigen zu lassen und dieselbe» durch eine Kommisston unter den Kollegen zu verbreilen. Tann wurde die Schleuderkonlurrenz einiger Fabrikanten beleuchtet und bekannt gegeben, daß die Sperre in der Fabrik von Werner, Neue Fneduchslraße 6, weiter verhängt bleibt. In einer Bersauimlnng der Schneider nnd Schneide- rinnen hielt Genosse R ei ß h a u s- Ersurt am 15. November einen Vortrag über die Kampfmitlel des Proletariats. Eine ein- gehende Besprechung widuiete der Referent hierbei der Konlroll- marke und dem Boykott. Albrecht- Halle unterzog da? Kampsmittel des Streiks einer Kritik und schloß sich im allge- meinen den Ausführungen des Genossen Reißhaus an. Frau Wenzels äußerte sich dahin, daß die Aufnahme einer Statistik in der Koufektionsbranche infolge der überwuchernde» Haus- industrie undurchführbar sei. Nur die Ausdehnung der Fabrik- inspektion auf die Hansiiidustne werde einigen Wandel schaffe» können. Timm gab den von auswärts anwesenden Kollegen ein Bild von de» hiesigen Verhältnissen; trotz der vielen «treiligkeiten, welche das Gedeihen der Organisation hemmten, gehe jetzt wieder ein gesunder Hauch durch die Bewegung. Der Ansicht Niehoffs/ daß die Kontrollmarke die Waaren ver- theuere, trat Pfeifer uiit ausführlicher Argumentation ent- gegen. Zum Schluß gab Timm bekannt, daß der Zentral- arbeitsnachiveis nebst Ausknuflsbureau sich vom 1. Dezember ab Schützenstraße 13 im Restaurant Freygang befindet, sowie daß die nächste Verbandsversaiumlung am 22. d. M. in Gratweil's Bierhalle» abgehalten wird. Im Zlrbe>ter-Bild>!«gst>ere,'u„Zukunft" zu Reinickett» dorf hielt am Sonntag Genosse Pätzel einen interessanten Vor- trag über Irland, an denselben schloß sich eine lebhaste Dis- kussion. Unter Verschiedenen! wurde beschloffen, 25 M. zur Weihuachtsbescheerung auszusetzen; das weitere Arrangement der- selben wurde dem Vorstand übertragen. Ferner wurde bekannt gegeben, daß der Gesangverein„Weiße Rose" in dem Arbeiier- Bildimgsverein aufgegangen ist. Zum Schluß wurde zur regen Benutzung der Bibliothek aufgefordert. Gharsottenbnrg. Am 12. November fand in der Ver- sammlung des Verbands der in Holzbearbeitungs- fabriken und auf Holzplätzen beschäftigten Ar- beiter nnd Arbeiterinnen Deutschlands eine Vor- lesnng statt über das Thema: Die Knebelung der Wahrheit durch die Beleitigungsparagraphen. Eine Diskussion hierüber fand aicht statt. Zum zweiten P»nkt der Tagesordnung:„Verbands- angelcgenheiten." wies der Vorsitzende darauf hin, daß für ivanderiide Kollegen eine Reiseunterstützung vom Verband ge- währt wird. Zum Antrag: Gründung eines Arbeitsnachweises wurde beschlossen, mit der Gründung desselben erst zum Frühjahr zu beginnen. Mit der Weisung, recht rege für den Verband z» agiliren, schloß der Vorsitzende die Bersaminlung. Britz. In der Versammlung, welche der hiesige Volks' bildlingsverer» am 7. November abhielt,"ivurde be- 'chlossen, jeden ersten Montag im Monat eine Vorlesimg mit Diskussion, sowie allmonailich nach dem 15. eine Wander-Ber- sainnilling abzuhalten. Die Einladungen sollen durch von Arbeitslosen onszntragende Handzettel erfolge». Nach Annahme b-r Bibliothekordmiiig und Erledigung einiger internen Angelegen- heitcii wurde die Versammlung mit einem Hoch aus die SoM- de»lotu.»ii> aeschloffen. 31e5#Hee-#Upu«0Ofrf|uif, Oi-nnerfiaq Äi'b.ids fltt—-w-' ü,s i » ch» l e: Hagelsbergernr.«z: llmemchi m D-uIsch com.«»), Lo�U i S u o° N Schule, Sfeichiubevgevfir. 183; Unterricht in'«-schichte(mlttey: C J; « d) u I e, MariuSftr. 31: Unterricht in Physiologie! Nord-Zchule. MnMi- sirabe I7ga; Unlerrichi in Chemie. In alle Fächer rönnen noch Schuler«no Schülerinnen, auch jeyi, im Lause des Semesiers, eintreten.„ K,l»!> der grseUisen Ari-eltrrarre>>,» Serlin» NN»»tu,l>eg»n>- Alle �uichrisien den Bund deirefsend sind ,u richlen an: Od Schrod-O Nostiznralle Z Treppen. D-nnerirng: Rmichklnb Graue Wolt*- Kraulftr. 18.— Musitverein Osiris. bei Noll, Ndalbertslr si.— Gesellige- «crem Grüne Eiche(vor dem Qalle'schen Thor), dci Kavorke. Solm- .'k.'SchvMaüser' 4.U««.- Frei nnd Susi ig bei Götze, Oraniennrabe I»».— Geselliger Azalie, Micha-i Brücke I.— Zinime.-Schützengesellschast Fein Korn,o- Klall, Boccitzilr. 81.— Muftloerei» Pantenschwengel, Elalllchreun xlesang-. Curn» nnd gelellige ziereine, yonnerltag. Männer- Gesangverein Ali-Dessau, AbendS n Uhr, bei Kind, Wrangelstr. s>. SesangsabiheUung des sozialdemokraiilchen Arbeitervereins sv. "Serßensce und Umgegend Tonnerüag« und Sannabends«ben° >s MsUtr siß feisiirmMer!, Königs- Chauffee.— Männer- Eesangvertl� y r v l i c» u e, Abends j Uhr bei Fausiinan», Reichenbergersir.?8a. � Gesangverein Gioclenrein, gemikchler Chor, jeden Tonnersiag von 8° i Uhr bei Knapp, Kasianien-Allee»6/06. MusUve.ein Frisch-Ans, Nnnensir. Ii. bei Ehrenberg.„. Privai-Thraierverein„Ftd e l er Getsi i", Abends s Uhr, im Marris»- Hof, Admiralsir.>8. Zunivcrein Gesund brnnnen(Lehrling?-Abiheilung) lurni Wo«-» und Tonnersiag Abend von 8 10 Uhr, in der Turnhalle. Panksir. 2«....e Gesellig er Berein Freiheil, Abends 9 Uhr, hei Thierbach, Sch'vco j strabe 14. Geselliger Klub B I a u- B e i l ch e», AbendS» Uhr, AniKnstr.« S. Pro«.— iL e r e in e b e in a l t g e r 2». G e m- i nj) e sjh ü i e r Uhr bei Schröder, Sieglitzerur. ig.._ Psropsenverei»«vedding, � �,, �-llntt. Aiilomlr. s.- Freundschast, AbendS--. bei Busse. Schvnhauier Allee io.- BergnügnngS-Berein Re»ala 1««' Tonneruag 9 Uhr Abende im Resiauranr Götz. Oraniensir. ,93.- Zith/Jl lud Gleich he it, jeden Tonnersiag Abend 9 Uhr, bei Hohn, Sionslir»' platz na.- Gesangverein Proielartat sqem. Chor) seden Tonnrcslo»- Abende 9 Uhr. UedungSiwiide bei Möwe«. Böckhkir. 8.— Geselliger' U n t v e r f Ii IN, Sitzung mit Tomen Adeuds 91 Uhr b. Hagemann, straße 81. Boriräge. FidelilaS. Rauchlliid«ol leg,« Abend? 9 Uhr. in Bernhardr'S Tesi>ll-lil>n- Siglttzerslr. ii- RauchNub Zvaldesgriin, Abend« gv, Uhr. Resl-ur»» «.Sa«p»r, Reichen bergersir. li8a.- RaiichNub Ohnesorge, Abendsoilbs U»r, M Berel« "F-ihrin<- Abt) ineinem Verlust. Da geschieht es häufig, daß ich mit Friedrich spreche und verkehre, als wäre er noch am Leben. Ganze Auftritte aus der Vergangenheit— aber keine trüben— spielen sich da ab: das Wiedersehen nach Schleswig-Holstein; die Scherze an Sylvias Wiege; unsere Fußtouren in den schweizer Bergen; unsere Stndicnstnnden über geliebten Büchern und hier und da jenes gewisse Bild im Abendsonnen- schein, wo mein weißhaariger Mann mit seiner Garten- schcere die Aiosenzweige stützt--„Nicht wahr," lächelt er mir zu,„ivir sind ein glückliches altes Paar?"--- Meine Trauerkleider habe ich niemals abgelegt— selbst am Hochzeitstage meines Sohnes nicht. Wer cilien solchen Mann geliebt, besessen nnd verloren— so verloren— dessen Liebe mnß auch„stärker sein als der Tod", dessen Rache- groll kann nimmer erkalten. Aber wen trifft dieser Zorn? An wem sollte ich Rache .üben? Die Menschen, weiche die That vollbracht, trifft nicht die Schuld. Der allein Schuldige ist der Geist des Krieges und diesem mir könnte mein— attznschwaches— Versolgungswerk gelten. Mein Sohn Rudolf stimmt mit meinen Gcsiummgen iibercin— was ihn aber nicht hindert, natürlich, alijährlich die Wasfeiiiibniigeii mitzumachen, und was ihn nicht hindern kann, wenn morgen der über unseren Häuptern schwebende europäische Riesenkrieg ausbricht, an die Grenze zu mar- schiren. Und dann werde ich es vielleicht noch einmal sehen müssen, wie mein Thencrstcs auf der Welt dem Moloch hingeopsert— wie ein licbcgescgncter Herd, an welchem meinem Alter Ruhe nnd Friede winkt, in Trümmer gc- schlagen wird. Werde ich das noch erleben müssen nnd dann un- wicderbringlich dem Wahnsinn verfallen, oder werde ich den Triumph der Gerechtigkeit nnd Menschlichkeit noch sehen, der jetzt, gerade jetzt in weitverzweigten Bündnissen und Reslcuuaiil«»der.«räsesirabe 18.- RauchNlw»ernspi»«. 8)! Uhr. bei A. Böhl. RüderSdorserstr. 8.-«auchNub Areon a, 9 Uhr, bei SiemeulinSti. Reichenbergerstr. 71.- Rauchkliid« r c>d i P«>.,,en AbendS 9 Uhr. bei Berndt. Perlebergerslr.»7.— �lud O b» e st r e'' �rie' Tonnersiag Abend 9 Uhr im Rellaurant Böhiner, Britzerllr. 82.-? Kol «iid-Wesi, Abend« 9 Nhr, Eimeonsir. 2.1 bei Flicl.- 4beoUU>etM.- giöclchen. Englischer Hos. Reue Roßsir. 8.- Rauchilub Brüder leit, jeden Tonueistas von» bi« Ii Nhr be> Lehmann, Na»- (Är0�tamiw To urnee. Abend« 8� Nhr, bei Ullrich, Wrangelstr. 8«. klub RüelwllrtS. Abend« Uhr bei Arndt PnUiI-idenm.17. bei Ruderveretn Vorwärts. Sitzung am Tomieistag, Abend« 8»9 Bodendurg, Kommaudaatenstr.»i. Eäste wUlkommen. � in allen Schichten der Völker so sehnsnchtskrästig nach Bcthätignng ringt? Die rothcu Hefte— mein Tagebuch— weisen keine weiteren Eintragnngeil auf. Unter daS Datum 1. Fe- brnar 1871 habe ich ein großes Kreuz gemacht, und damit schloß auch meine Lebcnsgeschichte ab. Nur das sogenannte Protokoll— ein blaues Heft— welches Friedrich mit mir angelegt und in das wir die Phasen der Friedensidee auf- gezeichnet haben, ist seither mit einigen Notizen bereichert worden. I» den ersten Jahren, welche dem deutsch-französischen Krieg folgten, hätte ich— abgesehen von meinem geistes- kranken Zustande— kaum Gelegenheit gehabt, eine Friedens- knndgebnng zu verzeichnen. Tie zivei einflußreichsteii Stationen des Festlandes schivelgten in Kriegsgedankeu, die eine im stolzen Rückblick ans die errungenen Siege, die andere in sehnender Erwartung einer bevorstehenden Revanche. Allmählich legte sich der Wogengnng dieser Gefühle. Dies- scits des Rheins wurden die Standbilder der Germania etivas weniger angejubclt und jenseits diejenigen der Stadt Straßbnrg mit weniger Trauerfloren geschmückt. Da, nach zehn Jahren, konnte die Stimme der Frledcnsjilnger wieder gehört werden. Blnntschli, der große Bölkerrechts-Gelehrte — derselbe, mit welchem mein Verlorener sich in Verbin- dung gesetzt— war es, der bei verschiedenen Würdenträgern und Regierungen sich deren Ansicht über den Völterfriedcn einholte. Damals fiel des schweigsameii„Schlachteirdeukers" bekanuicr Ausspruch:„Der ewige Frieden ist ein Traum — und nicht einmal ein schöner Traum." „Je nun: wenn Luther den Pabit gefragt hätte, was er von eiuein Abfall von Rom hält, die Autivort ivürve da auch nicht reformationsfrenndiich auvgefallen sein," schrieb ich damals neben Mollle's Worte in das blaue Heft. Heute gicbt es fast niemand mehr, der diesen Traum nicht träumte oder der dessen Schönheit nicht zugeben wollte. Und auch Wache giebt es— ganz helle- — welche die Menschheit ans dem langen Schlaf f* Barbarei erwecken wollen und thatkräftig, zielbewußt zusam menschaaren, um die weiße Fahne� aus). pflanzen. Ihr Schlachtruf ist:„Krieg dem ihr Losungswort— das einzige Wort, welches Krieg< noch tjU stände wäre, das dem Ruin entgegenrnstende Eurep, erlösen— heißt:„Tie Waffen nieder!" Allere»� in England nnd Frankreich, in Italien,! den nordischen Ländern, in Deutschland, in der Schweiz,' Amerika— haben sich Vereinigungen gebildet, deren es ist, durch den Zwang der öffentlichen Meinung, dn«� den gebieterischen Druck des Volksivillens die Regierung� zn bewegen, ihre zukünftigen Streitigkeiten einem-7, sie selber vertretenen— internationalen Schiedsgericht! übermitteln und so ein für allemal an Stelle der roh Gewalt d a s R e ch t einzusetzen. Daß dieS kein Tra««' leine„Schwärmerei" ist, bcivcisen die Thatsachen: Alaba>w" die Karolincninseln und mehrere andere„Fragen" wnr-. auf diese Art� schon beigelegt, lind nicht nur Leute ' oh>'e Diacht lnid Stellung— wie einst der arme Grobsckm p sind es nunmehr, welche sich zu diesem Fricdenswer 4-<...«» cn�..r______--«rt» ' Tai" fammenthnn, nein: Parlamentsmitglieder, Blschofe, lehrte, Senatoren, Minister stehen auf de» Lifteu... noch jene Partei, deren Anhänger schon nach Ai« zählen, die Partei der Arbeiter, des Volkes, aus.�.> Programm unter den wichtigsten Forderungen der„-v jx frieden" obenansteht.— Mir ist das alles bekan» � Aichrzahl der Leute erfährt es nicht), weil ich Aiitf Persönlichkeiten im Verkehr geblieben bin, mu w Friedrich im Hinblick auf fein edles Ziel Verbindung�- � geknüpft hatte. Was ich durch diese über die E-smg'- Pläne der Friedensgesellschasten erfahren, das ward g- lich in das„Protokoll" eingetragen. (Fortsetzung folgt.) V-rannvortlichcr R.dakleur: August Euders in Berlin Druck nnd Verlag von Max Babing in Berlin SVv., Beurhstraße 2.