Nr. 281. BbonncmentS'Bedingung«; Sbonncments- Preis vränumerand»! Bierteljührl. A.ZV Ml> Mona«. I.lv Mk, wöchenilich 23 Psfl. frei ins Haus. Einzelne Ninnincr ö Pig. Sonntags. ninnnier nnt illnslrierier Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" l0 Pjg. Post» Nbonnement: l.IO Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeilungs- Preisliste. Unter ttrcnzband für Dculichland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 26. Jahrg. CiMMot tssli» luBll(ilontast. Nerlinev VolKsblcrkt. Zentralorgan der rozialdcmokratifchcn Partei Deutfchlands. Bit!nf(Mlons*G(bflbr beträgt für die sechsgespaltene Koloneigeile oder deren Raum BO Pjg.. für politische und gewerlschastliche Vereins- Und VersammIungS-Anzeigen 30 Psg. „Rtelne Snreigen". das erste tlett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- slcllen-Anzcigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über lö Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adreffe: ,, Sozialdemokrat Rtrila". Redaktion: 85Q. 68, Windei, Strasse 69, Kerulprrrber: Ani« IV, Nr. 198». Sonntag, den 2. Dezember 1906. Expedition: 8M. 68. �.indenstrasse 69. aiernsprechcr: Amt IV. Nr. 1984. Sie Rataltrophe. Die Katastrophe, die Herr Erzberger der Regierung mit Rücksicht auf die Fraktionsinteressen des Zentrums erspart hatte, brach heute dennoch über sie herein in Gestalt der beiden Reden, die von Bebel und dem Abgeordneten Ablaß ge halten wurden. Wenn Herr Erzberger den Vorwurf erhoben hatte, daß man die kleinen Diebe hänge, die großen aber laufen lasse, so hatte er in seiner Rede s e l b'st die Rolle eines so parteiischen Richters gespielt! Er hatte allerhand verjährte und erledigte Dinge in der breitesten Weise behandelt, um die aktuellen Fragen der Kolonial Politik um so leichter übergehen zu können. Er hatte ilunachsichtlich an den Verfehlungen der Stübel und Seitz, also der„kleinen Diebe", Kritik geübt, um die Haupt- verantwortlichen um so zarter anzufassen. Er hatte die ganze Kolonialkorruption im wesentlichen als ein der Vergangenheit angehörendes Uebel behandelt, um Herrn Dcrnburg um so reichlicher Vorschußlorbeeren spenden zu können. Kurz: er hatte die Kolonialkorruption als ettvas Zufälliges und bereits Ueberivundenes dargestellt, ohne das System zu brandmarken, das diese Korruption verschuldet. Ein System, das auch heute noch unerschüttert fortbesteht! Es ivar das Verdienst der Abgeordneten Bebel und Ablaß, heute um so gründlicher nachzuholen, was der Zentrumsdemagoge Erzberger so kläglich unterlassen hatte. Bebel und Ablaß wiesen durch Anführung geradezu zer- schmetternder Tatsachen nach, daß das die Äolonialkorruption verschuldende System noch keineswegs abgewirtschaftet hat, sondern noch in voller Glorie fortbesteht. Der freisinnige Abgeordnete Ablaß bewies das gewissermaßen als Jurist unter scharfsinniger Darlegung unanfechtbarer krimineller Tatsachen. Genosse Bebel beschränkte sich nicht allein auf die Konstatierung solcher Tatsachen, sondern er fiihrte in einer gewaltigen sunmiarischen Anklagerede durch Entlarvung unserer ganzen Kolonialwirtschaft, ihres Systems und ihrer treibenden Kräfte den Nachweis, daß die ganze kapitalistische Kolonialpolitik ein solches System der Ans- bcutung, der Vergewaltigung und Vertuschung hervorrufen muß, wie es unsere noch bei weitem nicht erschöpften Kolonialskandale entlarvt haben. Beide Redner begnügten sich nicht damit, alte, längst bekannte Dinge wieder auf- zuwärmen oder untergeordnete Verfehlungen breitzutreten, sondern ihre Anschuldigungen gipfelten in der Anklage des ganzen Vertuschungssyst c�m s und der der Volks- Vertretung einzig verantwortlichen Repräsentanten dieses Systems! Bebel begann mit einer Abrechnung mit dem Zentrum. Das in kolonialpolitischen Dingen mit Herrn Erzberger ge- sinnungsverwandte„Bcrl. Tageblatt" habe in einem Artikel über Erzbergers gestrige Rede diesen Abgeordneten als„Trium- phator" bezeichnet. Dieser listige Täuschungsversuch der öffent- lichen Meinung vermöge die Tatsache nicht zu verschleiern, daß in der Diskussion gestern nicht Herr Erzberger, sondern Herr D e r n b u r g der Triumphator gewesen sei. Habe doch das Zentrum in Person des Henm Erzberger vor dem neuen Vertreter unserer Kolonialpolitik glatt kapituliert. Er habe ihn mit Komplimenten geradezu überhäuft, in Rosen, Weih- rauch und Myrrhen förmlich erstickt. Dabei hätte doch schon die famose Kolonialbilauz beweisen müssen, daß Herr Dem- bürg wahrlich nicht der Mann ist. mit dem kolonialen Ver- tuschungssystem zu brechen. Er, Redner, könne Herrn Dernburg durchaus nicht seines Vertrauens versichern. Nach seinem ganzen Auftreten müsse er ihm im Gegenteil unbedingtes Mißtrauen entgegenbringen. Die von Herrn Erzberger so überschivänglich gefeierte Lösung der Verträge mit Tippelskirch, Wörmann und Riedel stellte doch das allermindeste von s e l b st- verständlichem Entgegenkommen dar, das jeder„neue Kolonialherr", selbst ein Bureaukrat, dem Reichstag als Ver- söhnungsopfer habe darbieten müssen. Oder gäbe es auch nur einen Abgeordneten im Hause, der es sür möglich gehalten habe, daß nach der Kritik des Sommers diese Verträge hätten fortdauern können? Nicht die Tatsache der Lösung der Verträge könnte in Verwunderung setzen, vielmehr die Tat- fache, daß nicht auch schon der Kolonialprinz eine Lösung durchgesetzt habe. Bebel rechnete dann weiter mit der Kolonialpolitik und ihrer Unterstützung durch das Zentruni ab. Vor allen Dingen sei es ein starkes Stück, daß Herr Erzberger, statt, wie an- gekündigt, in der Oeffcntlichkeit die Regierung für die Kolonial- skandale und ihre Vertuschung gebührend zu geißeln. Herrn Dcrnburg auf dessen Wunsch sein Material vertrauensvoll mitgeteilt habe. Es gehöre ein geradezu bcwunderungs- würdiger Optimismus dazu, einer so furchtbar bloßgestellten Regierung ein derartig kindliches Vertrauen entgegen- zubringen,(fj,, nicht geringerer Optimismus sei es. iverni das Zentrum trotz der ungeheuerlichen Taten unseres Kolonialchristentums die Kolonialpolitik deshalb zu unterstützen erkläre, um bei den Eingeborenen Christen- tum und Kultur zu verbreiten. Eine koloniale Kultur- Politik werde selbstverständlich auch die Sozialdemokratie unterstützen. Aber tausend entsetzliche Tatsachen aus der deutschen Kolonialaeschichte sowohl wie aus der kolonialen Geschichte aller Länder beiveise, daß trotz aller humanen Phrasen das Wesen der kapitalistischen Kolonialpolitik nur in der Beraubung, Nnterdrückung, Vergewaltigung und beutung der Eingeborenen bestehe. Redner beleuchtet ferner den ökonomischen Nutzwert unserer Kolonialpolitik. Weder als Siedelungskolcmien noch als Exportland, das belegt er durch weitschichtiges Zahlen- Material, kämen diese Kolonien irgendwie in Frage. Ein geradezu unerhörter Utopismus aber spreche aus der Phrase des„neuen Kolonialherrn", daß man Südwestafrika zu einem Stück„Neudeutschland" machen wolle. Ein ehemaliger Börseaner und Kaufmann, der mit solchen Redens- arten komme, verscherze schon damit von vornherein jedes Vertrauen in seine kaufmännischen Eigenschaften. Genosse Bebel ging dann näher auf die im Namen des Christentums und der Kultur verübten unerhörten Barbareien durch Kolonialbeamte ein. Er forderte den Kolonialdirektor zur Untersuchung einer Reihe von Scheusäligkeiten auf, die so bestialischer Art sind, daß sich die Feder sträubt, sie zu schildern. Man könnte meinen, daß solch unflätige Barbareien nur dem Fieberivahne eines delirierenden Henkersknechts entsprungen wären, wenn nicht die Geschichte der offiziell und amtlich bestätigten Kolonialgreuel vollwertige Seitenstücke zu diesen Niederträchtigkeiten böte. Es bleibt abzuwarten, in welchem Maße eine diesmal wirklich energische und rücksichtslos vorzunehmende Untersuchung Bebels einstweilen rein referierende Mitteilungen bestätigt. Ueberaus dramatische Szenen spielten sich ab, als Bebel dann,in ätzender Polemik gegen die Pctersaetreuen Arendt, Kardorff und Konsorten eingehend das Material über den Fall Peters vorführte. Die sensationelle Szene er- reichte ihren Höhepunkt, als Bebel erzählte, daß der ehemalige Kolonialdirektor Freiherr v. Richt hosen den Vorsitzenden des Disziplinarhofes, der seinerzeit über Peters abzuurteilen hatte, den Geheimrat Dr. Hellwig zu veranlassen versucht habe, seine Entlassung einzureichen. Hellwig, der dann später faktisch entlassen worden fei mit einer Pension von lOOOO M., habe Reichstagsabgeordneten gegenüber geklagt, daß er das Opfer der Peters-Kamarilla, eben der genannten Abgeordneten, geworden sei. Wie mächtig der Einfluß dieser Kamarilla sei, habe sich darin gezeigt, daß ja Peters begnadigt und als Beamter wieder rehabilitiert worden sei. Diese Be- gnadigung und Rehabilitierung habe nicht ohne die Befiir- ivortung des höchsten Reichsbeamtc» geschehen können. So zeige sich auch in diesem Falle, daß der Reichskanzler selbst ans die Anklagebank gehöre, wenn über die Vertuschung der Kolonialkorruption gesprochen werde! Unter einem donnernden dreifachen Bravo der Linken verließ der sozialdemokrasische Redner nach seiner zweieinhalbstündigen Rede das Rednerpult. War die Rede Bebels von hinreißendem Pathos und flammender Empörung getragen, so bildete die Rede des freisinnigen Abgeordneten Ablaß in ihrer messerscharfen Zuspitzung und beißenden Vcrhöhnnng der Hauptverant- wortlichen in ihrer Art eine nicht minder vernichtende Anklage. Herr Ablaß nannte eingangs seiner Aus- führungen das Auftreten Bülows eine Klopffechterei. Er sprach weiter in einer Form von einem Don Quichote und einem S a n ch o Pausa, daß die Herren von der Re- gierung sich nicht im leisesten Zweifel darüber sein konnten, auf wen diese Ausdrücke gemünzt waren. Viel schlimmer aber als diese Despektierlichkeit des Ausdrucks waren die tatsächlichen Angriffe, die Herr Ablaß gegen den Reichs- kanzlcr und seineu Schildknappen richtete. Herr Ablaß führte den unumstößlichen Nachiveis. daß Fürst Bülow als Reichskanzler die durchaus pflichtgemäße» Anzeigen des Kolonialbeamten Pöplau hartnäckig ignoriert hat. Als Pöplau darauf durch einen Abgeordneten den Reichskanzler zu bewegen suchte. endlich Schritte zur Untersuchung der genau substantiierten und geradezu haarsträubenden Freveltaten zu unter- nehmen, erfolgte zwar noch immer keine Unter- s u ch u n g dieser Kolonialbestialitäten, Wohl aber auf dem Fuße das Diszipliuarverfahrcu gegen Pöplau. Herr Ablaß bezeichnete den Reichskanzler mit dürren Worten als den Hauptverantwortlichen für das bis dahin geübte beispiel- lose Vertuschungssystem der Kolonialskandalosa. Er nannte es die Pflicht eines Bolksvertretcrs, dies jahrelange systematische Vertuschungssystem und seine Hauptverantwortlichen eud- lich an den Pranger zu stellen. Aber auch Herr Dernburg habe bereits den Beweis geliefert, daß es ihm um die rücksichtslose Aufdeckung und Ahndung der Kolonialskandalosa keinesivegs so furchtbar ernst sein könne. Habe er doch dem Kolonialbeamten W i stirb a erklärt, daß man von ihni keinerlei weiteres BelastniigSinaterinl in Empfang nehmen werde, da sich in einem speziellen Falle seine Angaben als unrichtig erwiesen hätten. Selbst angenommen, daß diese letztere Behauptung richtig sei, beweise das einen erstaunlichen Mangel von Fähigkeit zur Erfüllung der in Aussicht gestellten Aufgabe, rücksichtslos den kolonialen Augiasstall auszumisten. Obendrein aber sei die Unrichtigkeit der Informationen Wistubas in dem bewußten Falle noch keineswegs er- wiesen. Denn wenn auch drei Zeugen die Angaben Wistubas nicht bestätigt hätten, so seien doch erst noch die 17 weiteren angegebenen Zeugen zu vernehnien gewesen, um sich ein Urteil über Richtigkeit oder Unrichtigkeit der Darstellung dieses Beamten zu bilden. Statt dessen habe man demselben einfach erklärt, sein Material künftig ohne iveiteres dem Papierkorb einverleiben zu wollen. Es möge dahingestellt bleiben, ob. wie es scheine, Dernburg nur im Auftrage eines Höheren gehandelt habe; auf ieden Fall habe er durch ein solches Vorgehen den Beweis dafür geliefert, daß ihm diejenige Energie und derjenige Scharfsinn mangelten, die zu der«großen Reinigung" unbedingt not- wendig seien. Der so schwer angegriffene Reichskanzler hatte sich seiner Verteidigung dadurch entzogen, daß er überhaupt nicht im Reichstag er schienenwar, obgleich ergänz genau wußte, daß die Affäre Pöplau von Herrn Ablaß zur Sprache gebracht werden würde. Auch Herr Dernburg. der anwesend war, fand kein Wort zu seiner Ver- teidigung I So endete dieser historische Tag für die Regierung, deren Reputation unter den Anklagen der Äbgeord- neten vollständig zusammenbrach. Die Regierung erlebte eine moralische Katastrophe, wie sie schlimmer kaum je die Re- gierung eines anderen Landes erlebt hat. Wenn diese Kata- strophe nicht zu einer wirklichen Regierungskrise führt, so hat sie das nur dem Zentrum zu danken, das die ihr so äußerst genehme derzeitige Regierung unter allen Umständen am Ruder zu halten entschlossen ist! Wäre es dem Zentrum wirklich ernst mit seiner Bekämpfung der ja gerade von ihm so demagogisch gegeißelten Vertuschungs- polisik, so müßte es nach den Feststellungen dieses Tages den Verantwortlichen eines solchen Systems rundweg jede fernere Unterstützung verweigern! Das Zentrum freilich machte sich, wenn es auch jetzt noch seinen geliebten Bülow zu halten versuchte, wieder einmal zum Mitschuldigen eines Systems, dem es selbst in der Presse vorgeworfen hat, daß es die „kleinen Diebe hänge, aber die großen laufen lasse." Es wäre dann in letzter Hinsicht der Hauptschuldige nicht die Regierung, sondern die Zentrnmspartei! Warten wir es ab. Der Montag wird zeigen, ob Deutschland wirklich aus der Reihe der Kulturstaaten zu streichen ist! Die russische Revolution. Vogelfrei! HelsingforS, 1. Dezember. Der finnländische Senat hat gestern durch ein Rundschreiben die Gouverneure angewiesen, Russen, die im russischen Reiche Verbrechen begingen und in Finnland Unterkunft suchen, auf Aufforderung der russischen Behörden ohne weiteres auszuliefern. *•* Petersburgs. November.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Im Ministerrate wurde heute festgestellt, daß die Firma Lidwall von der ihr vom Semstwodepartement des Ministeriums des Innern übertragenen Lieferung von 10 Millionen Pud Getreide für die notleidenden Gouvernements, die in den Monaten Oktober, November und Dezember dieses Jahres zu erfolgen hatte, bis zum 19. November dieses Jahres nur 590 Waggons Getreide verladen hatte. Da dieser Umstand Zweifel hervorrief, ob die Firma, die bereits 899 090 Rubel Vorschuß erhalten hat, im« stände sein wird, die Lieferung zum festgesetzten Termine auszu- führen, beschloß der Ministerrat, sofort die strengste Untersuchung aller Unistände der Lieferungsaffäre anzuordnen. Mit dieser Unter- suchung sollen Personen betraut werden, die daS besondere Vertrauen des Kaisers genießen und nicht dem Ministerrate angehören. Außer- dem traf der Ministerrat Maßregeln, damit durch die Verzögerung der Getreidelieferungen seitens der Firma Lidwall die notleidenden Gouvernements nicht geschädigt würden. Die Stimmung unter den Bauern. Die russische Bureaukratie wendet ihre gesamten Kräfte daran. eine gehorsame Duma herzustellen. Das Kabinett Stolypin arbeitet geradezu nnt Virtuosität, soweit es den Wahlraub an den breiten Massen betrifft. In diesen Tagen sollen im Ministerrate die Äampfesmittel beraten werden, mit denen man den Oppositions- block berennen wird. Neue Mitteilungen der Gouverneure von Moskau. Nowgorod und �aroslaw konstatieren, daß die Wählerzahl sich durch die„Senatserläuterungen" und anderen Maßnahmen im ersten Gouvernement um ein Drittel, im zweiten um ein Viertel und im dritten uin ein Fünftel vernündert habe! Zugleich heben aber alle Gouverneure — laut den Nachrichten des Polizeidepartements— hervor, daß die Regierung bei den diesmaligen Wahlen auf die Unterstützung von Bauern so gut wie gar nicht rechnen könne! Das Polizei- departement konstatiert, daß die regierungsfeindliche Propaganda unter den Bauern im Wolgagebiete und in Südrußland eher zu- als abgenommen habe. In Polen und den Ostseeprovinzen sowie auch im Kaukasusgebiet werden allem Anschein nach Kandidaten der ä u ß e r st e n Linken durchkommen.— Der„Rußkoe Sslowo" wird aus dem Gouvernement Wladimir geschrieben:„Unter den Bauern macht sich mehr als siüher eine Strömung bemerkbar, die mit allen Mitteln„für Land und Freiheit" kämpfen will."— Ans dem Gouvernement Kursk meldet man der „Rnßk. Wjedomosti":„Die Bauernunruhen brechen hier immer von neuem wieder aus. Der Gouverneur bereist daö Gebiet. Die „bewußteren" Bauern werden massenweise arretiert." Im Gouvernement Smolensk zahlen, der„Strana" zufolge, die Bauern keine Steuern!— Man kann gespannt sein auf die Resultate der kommenden Wahlkampagne.� poUtifchc Qcbcrficht. Berlin, den 1. Dezember. Landesausschustwahlen im Reichslande. S t r a ß b u r g, den 30. November. Die parlamentarischen Zustände im Reichslande werden nur noch übcrtroffen durch die Zustände in Mecklenburg. Das Reichsland hat seinen„gewählten" LandeSauSschuß. Mecklenburg seine erblichen Landstände. Aber in beiden Ländern verweigert man der Ge- samlheit des Volkes die Teilnahme an der Verwaltung des Landes'»urch Vorenthaltung des allgemeinen, gleichen, direkten Wahlrechts zu den gesetzgebenden Körperschaften. Bis zum Jahre 1877 gab es im Neichslande überhaupt keine gesetzgebende Körperschaft, sondern das Land wnrde von einem den, Reichskanzler unmittelbar unterstellten Oberpräsidentcn verwaltet. Die Gesetzgebung lag in den Händen deS Kaisers, des Bundesrats und des� Reichstages. Im Jahre 1874 wurde durch einen Erlaß des Kaisers vom 29. Oktober ein beratender Landes- a u s s ch u ß berufen, der aus je zehn von den drei Bezirkstagen zu wählenden Abgeordneten bestand. Diese beratende Körperschaft wurde durch das Gesetz vom 2. Mai 1877 zu einer gesetzgebenden erhoben mit der Zuständigkeit für alle Landesgesetze mit Ausnahme der Verfassung. Dabei wurde indessen der Erlaß von Landesgesetzen im Wege der Reichsgesetzgebnng vorbehalten. Am 1. Oktober 1879 trat in der Verfassung des Landes eine Aenderung ein. Der Reichskanzler schied als staatliches Organ für Elsaß-Lothringen aus; an seine Stelle trat der Statthalter. Der Landesa, lsschuß wurde in der Zahl der Mitglieder verstärkt und den Gemeinderäten ein Einfluß auf die Zusammen- setzung der gesetzgebenden Körperschaft des Landes eingeräumt. Das war aber auch alles. Dem Volke wurde das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht nicht gegeben. Seit dem 1. Oktober 1879 besteht nun der, Landesausschuß aus 68 Mitgliedern, davon wählen die drei Bezirkstage Unterelsaß, Oberelsaß und Lothringen 34, die Genwinderätc der Städte Straßburg, Mülhausen, Kolmar und Metz je 1 und die 20 Landkreise ebenfalls je 1 Mitglied. Die Abgeordneten der Städte müssen dem Gemeinderate angehören, die Abgeordneten der Landkreise müssen das aktive Gemcindewahlrecht besitzen und im Bezirk, nicht im Bereich des Wahlkreises wohnen. Die Wahl in den Landkreisen erfolgt durch Wahlmänner, welche die Geincmderäte auS ihrer Mitte wühlen, und zwar wählen die Ge- meinden unter 1000 Einwohnern einen Wahlmann, Gemeinden mit größerer Bevölkerung für jedes volle tausend Einwohner einen Wahle manu n,ehr. Nach diesem„allcrelendesten der Wahlsysteme" ist nun der Landesausschuß, eine recht ominöse Bezeichnung, seit Jahren zu- sammengesetzt worden. Wie er zusammengesetzt ist. kann man sich unter diesen Umständen leicht denken. Die Bezirkstage.wählen" die Vertreter meist nach dem Grundsätze der Anciennität. Und auch in den Gemeinden ist bis vor einiger Zeit von ausgeprägten Parteibildungen wenig zn spüren gewesen. Es ist eine der schwierigsten Aufgaben der Sozialdemokratie, in dieses Bollwerk der Reaktion Bresche zu schlagen. Dies haben die Wahlen der G e m e i n d e r ä t e, die am Donnerstag stattfanden, erneut gezeigt. Wie an? dem System erkenntlich, liegt die Macht in den Gemeinderäten. Wer da über die meisten Sitze verfügt, der bestimmt die Wahlniänner auf dem Lande und wählt den Abgeordneten in den vier großen Städten. In diesen Körperschaften spielt sich also der eigentliche Wahlkampf ab. Nicht die Partei agitiert für de» Kandidaten, falls dieser überhaupt Parteimann ist, sondern der Kandidat selbst zieht von einem Wahlmann zum andern, um für seine Stimine zu bitten. Nur in den Zeitungen kommen die Parteien zu Wort. Die Sozialdemokratie hatte also bei der gestrigen Wahl nur dort Aussicht Erfolge zn erzielen, wo sie die Mehrheit oder eine starke Minderheit in dein Gemeinderat hat. Dies ist lediglich in Straßburg und Mülhausen der Fall. Das Land fiel von vonlherei» ganz aus. Aber auch in den beiden Städten waren die Aussichten sehr unbestimmt. Und der Ausfall der Wahl zeigt, daß die K I a s s e n i n t e r e s s e n der Gegner stark genug ausgeprägt sind, um im Kampf gegen die Sozial- denwkratie einzelne Differenzen in den Hintergrund zu drängen. In beiden Städten gingen Liberale, Klerikale und Demokraten zu- fammen und' hinderten die Wahl der Sozialdemokraten. Ju M ü l- hausen unterlag Genosse E m m e l, der bisherige einzige Ver- treter der Sozialdemokraten im Landesausschuß mit 14 Stimmen dem Demokraten K l a i b e r, der 20 Stimmen der bürger- lichen Parteien auf sich vereinigte. In S t r a ß b u r g wurde der bisherige Vertreter, der freisinnige Reichstagsabgeordnete Riss, mit 19 Stinimen wiedergewählt gegen Genossen P e i r o t e s. der 16 Stimmen erhielt. Im ganzen wird durch den WahlrniSfall an der Zusammensetzung des Landesausschusses fast nichts geändert. Fliegen auch mit der Zeit die alten Notabeln und farblosen Lothringer heraus so kommen an deren Stelle neue Reakttonäre unter modemen Partei- »amen in das Parlament. Erst mit Einführung des allgemeine», gleichen, geheimen, direkten Wahlrechts wird es der Sozial- demokratie, die über 70 900 Stimmen bei der letzten Reichstags wähl verfügte, gelingen. Schritt für Schritt mehr Mandate im reichs- ländischen Parlamente zu gewinnen. Clemenceans Tatendurst. Paris, 39. November.(Eig. Bcr.) Die Kammer hat heute dem Verlangen der Regierung zu- gestimmt, die Interpellation JaureS über die Marokkopolitik auf den nächsten Tonnerstag zu vertagen. Jaures nahm indes vorher die Gelegenheit wahr, in einer kurzen, aber entschiedenen Er- klärung das Mißtrauen zu begründen, das die Haltung der Regie- rung erregt. Denn die Versicherung des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten, daß der französischen Regierung jeder Gedanke einer Eroberung fernliege und daß es sich ihr einzig um die Aus- führung der Beschlüsse von Algeciras handle, bietet keine Sicher- heit gegen eine neuerliche Verwickelung des marokkanischen Handels. Mit Recht hat Jaures darauf hingewiesen, daß das Pichonsche Arguinent, daß bisher noch keine Macht gegen die französisch- spanische Intervention etwas eingewendet habe, auch von Delcassä angewendet worden sei. Wenn Pichon«darauf erwiderte, damals hätten keine internationalen Abmachungen vorgelegen— wie diesmal— so ist das nicht einmal formell richtig, da sich ja die deutsche Politik damals gerade mit Recht auf die Hintansetzung der Madrider Abmachungen berufen konnte! Aber die französisch- spanische Expedition kann nur bei einer sehr wohlwollenden Jnter- pretation mit den Artikeln von Algeciras in Einklang gebracht werden, und dafür,«daß dieses Wohlwollen bei den Signatar- mächten vorhanden ist, kann eine Bürgschaft schwer gegeben werden. Internationale Politik— besonders in einer so brenzlichen Frage — lediglich im Vertrauen auf das Wohlwollen der anderen zu treiben, ist aber ein bedenkliches Hazardspiel. Es ist schwer zu sagen, worauf die jetzige Marokkopolitik Frank- reichs abzielt. Daß die gegenwärtige Situation in Tanger das Eingreifen europäischer Mächte notwendig mache, kann niemand im Ernst behaupten. Vorläufig ist die Unsicherheit dort keines- wegs größer als in irgend einem außerhalb des europäischen Kultur- kreiseS stehenden Lande. Und die Gefahr, der Ausländer z. B. im zarisch-kosakischen Rußland ausgesetzt sind, hat noch keine Macht veranlaßt, an eine Intervention zur Herstellung geordneter Zu- stände in diesem Staate zu denken! Aber die Expedition soll aus- schließlich vorbeugjem Vorbeugen— wogegen? Nach der heutigen Aufklärung Pichons gegen zweierlei: Gegen die Be- drohung der Europäer und gegen die Einmischung einer anderen. Macht im Falle einer solchen Bedrohung! Aber man muß sich fragen, warum die Vorstellung cigrr fremden Intervention die französische Regierung so beunruhigt, nachdem doch die Konferenz von Algeciras alles so klar geordnet haben soll. — Wenn aber doch Mißtrauen übrig geblieben ist, wie kann die französische Regierung sicher sein, daß ihr Vorgehen nicht neue Schwierigkeiten hervorrufen wird? Zwischen- dem Mandat, das Frankreich und Spanien durch die Konferenz von Algeciras erhalten haben, und der Aufgabe, die sich die französische Regierung jetzt zuschreibt, ist ein sehr be- deutender Unterschied. Nach dem Artikel IV der Akte von Aljeciras haben Frankreich und Spanien nur Polizeiin st ruktoren zu stellen, die ihre Tätigkeit unter der Kontrolle eines von der Schlveiz ernannten Inspektors ausüben. Wie kann man aus dieser Bestimmung, die Berechtigung zur militärischen Besetzung ddr Häfen folgern? Sicherlich ist Frankreich berechtigt, wenn seine Bürger in Marokko gefährdet sind, mit einer Flottendemonstration und nötigenfalls mit einer Intervention auf marokkanischem Ge- biete seine Rechte zu wahren, aber ein solches Borgehen ist doch leichter aus-der allgemeinen völkerrechtlichen Uebung als aus den Beschlüssen von Algeciras abzuleiten. Es ist auch nicht leicht zu er- keimen, wie Frankreich einen anderen Staat, der seine gefährdeten Bürger in Marokko auf die gleiche Weise schützen und sich die Bürg- schaft für Genugtuung sichern wollte, wenn seine Interessen ver- letzt worden wären, daran hindern könnte, dieselben Mittel an- zuwenden! Eine besondere Stellung Frankreichs hat die Konfe- renz nur für daZ Grenzgebiet anerkannt, in den Häfen da- gegen haben Frankreich und Spanien nur eine, überdies beschränkte, polizeiliche Funktion auszuüben. Daß aber die Entsendung des Geschwaders sich schwerlich darunter mit einbegreifen läßt, wird niemand ernstlich leugnen wollen. Es ist allerdings nicht anzunehmen, daß sich andere Mächte so leicht zu einer Expedition entschließen werden, die, wenn sie ihr angegebenes Ziel nicht überschreitet, wahrscheinlich ebenso über- flüssig sein wird, als sie kostspielig ist. Die französischen Finanzen stehen wirklich nicht so glänzend, daß man dem Volke neue Mehrlasten für den Militarismus so leichtherzig aufhalsen sollte. Der Marokkohandel hat die Republik im vorigen Jahre 226 Millionen gekostet!! Freilich, ein großer Teil ist davon als Profit in die Taschen der Kapitalisten geflossen, die mit der Kriegs- Verwaltung Geschäfte machen. Daß auch bei der ueucrlichen Zuspitzung des Marolkohandels die Großkapitalisten ihre Hände im Spiele haben, ist außer Zweifel. Daß im Vorgehen der Regierung der Keim neuer Konflikte liegt, beginnen auch viele Radikale einzusehen. Jaures hat mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß sich Frankreich einem Zcr- würfnis mit Spanien aussetzt, das nicht erbaut sein kann von der Zuinutung, Millionen— der französischen Regierung zuliebe — hinauszuwerfen und die ohnehin elenden Staatsfinanzen noch mehr zu belasten. Schon haben sich in Spanien selbst bei den sonst sehr franzosenfrcundlichen Republikanern Stimmen gegen das afrikanische Abenteuer hören lassen, und da die Klerikalen natür- lich gerne alles tun werden, um der kirchcnfeiudlichcn Republik Verlegenheiten zu bereiten, wird es der neuen spanischen Regierung nicht leicht werden, für die Kooperation in dem von der franzö- fischen Regierung vorgeschriebenen Stile die Zustimmung deS Parlaments zu finden. Wenn hinter der französischen Marolkopolitik die kapitali- stischen Triebkräfte unverkennbar sind, so sind doch die unmittel- baren, bewußten Motive Clemcnccaus, des Hevrn über Frank- reichs Politik, nicht deutlich. Ist es Ehrgeiz, Sucht nach einem sichtbaren Erfolg, oder spielt die Hoffnung mit, durch einen solchen Erfolg seine ziemlich ungünstige Situation im Innern zn bessern? Es könnte nur zu leicht sein, daß er gerade die entgegengesetzte Wirkung erreicht. Sein Bemühen, die Sozialisten im Parlament einflußlos zu machen, wird am sichersten vereitelt, wenn er ihnen die Gelegenheit gibt, die politische Vernunft in der internationalen Politik zu vertreten. Heute, als Jaures sprach, hat es sich gezeigt, daß die Sozialisten die führende Stellung immer wieder über- nehmen, wenn es sich darum handelt, den Frieden gegen die Aben- teuer gewissenloser oder leichtfertiger Regierungen zu schützen.— DeiitfcKes Rdcb. Zentrum und Arbeiter. In seiner Rcichstagsrede über den Gesetzentwurf betreffend die Rechtsfähigkeit der Bcrufsvereine hat der Abgeordnete Gies- bcrts es als„im höchsten Matze beklagenswert" bezeichnet, daß das Arbeiterclement im Reichstage bei den bürgerlichen Parteien so gering vertreten sei. Diese Klage ist im Kreise der katholischen Arbeiter in letzter Zeit sehr oft laut geworden, ohne daß die Partei, an deren Adresse sie sich vor allen Dingen richtet, Neigung zeigte, der Beschwerde ab- zuhclfen. Giesberts ist in der Zentrumsfraktion des Reichstages, Brust in der des preußischen Abgeordnetenhauses der einzige Arbeiter; in der hundert Mitglieder zählenden Zentrumsfraktion des bayrischen Landtages sitzen drei Arbeitcrvertreter, in einigen Stadtparlamcntcn sind vereinzelte Arbeiter vom Zentrum zu- gelassen worden— damit hat aber auch die Herrlichkeit ein Ende, und selbst wenn das Zentrum, der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, künftighin das Prolctarierelemcnt bei den Wahlen etwas mehr als bisher berücksichtigt, so werden doch die Arbeiter- Vertreter in den Fraktionen dieser Partei immer nur das fünfte Rad am Wagen spielen. Dieses Verhalten ist auch auf dem Vertrctcrtage der West- fälischcn Zentrumspartci zur Sprache gekommen. Dort referierte, wie in der ZentrumSprcsse zu lesen ist, Arbeitcrsekretär Weyer über die Organisationsvorarbcitcn zu den Wahlen; er empfahl die Organisation auf demokratischer Grundlage, damit werde der Sozialdemokratie die beste Waffe aus der Hand genommen. In der sich an das Referat anschließenden allgemeinen Debatte traten zunächst verschiedene Gesichtspunkte zutage,„insofern einerseits darauf hingewiesen wurde, daß eine a l l g e in eine Organisation auf demokratischer Grundlage sich nicht durch- führen lasse, andererseits aber ausgeführt wurde, daß diese Organisation das einzig Richtige sei; es werde dadurch die Lau- heit beseitigt und das Volt mehr herangezogen zur Mitarbeit." Die Zentrumsprcsse berichtet nicht, welche der beiden Meinungen die Anerkennung bcr Versammlung gewonnen hat. Wäre die Forderung des Referenten: Organisation auf demokra- tischer Grundlage, anerkannt worden, würde der Bericht nicht er- mangeln, davon Kenntnis zu geben. So aber heißt es:„Die freie Aussprache hatte das Ergebnis, daß man einig darüber war, den Arbeitern innerhalb der Organisation eine stärkere Vertretung ein- zuräumcn. Bemerkenswert war die Hervorhebung seitens deö Vorsitzenden, daß das Zentrum alle Bcrufsstände tatkräftig heran- ziehe; daß gerade die Arbeiter nicht unberücksichtigt blieben, zeige sich auch schon darin, daß ein Arbcitxrsekretär das erste Referat auf dem Parteitage innehabe." Mit anderen Worten: Das Zentrum denkt nicht daran, den Arbeitern zu Liebe seine Organisation auf demokratischer Grund- läge durchzuführen. Die Grafen, Prälaten und Advokaten, die Agrarier, Unternehmer und Verleger werden sich das Heft nicht auS der Hand nehmen lassen, sondern sich begnügen, je nach Bedarf einige weitere Arbeiter zu der Parteiorganisation zuzulassen und hier und da einen Arbcitersekrctär der hohen Ehre eines Referates würdigen. Herr Weyer, der seine Forderung damit begründete, daß ihre Erfüllung den Sozialdemokraten die beste Waffe aus der Hand nehme, muß also bis auf weiteres den Sozialdemokraten diese Waffe noch lassen.— Schutz vor Schutzleuten. Ein organisierter Töpfer in Zoppot hatte— eine Mark Schulstrase zu entrichten. Er war außerhalb auf Arbeit und, als er heimkehrte, fand er auf dem Bahnhofe zwei Polizisten vor, die ihn für verhaftet erklärten und ihn abführten, da er nun einen Tag Haft verbüßen sollte, weil er die eine Mark noch nicht bezahlt hatte. Er erbot sich nun, die Strafe sofort zu erlegen, doch man lehnte die Annahme des Geldes ab, was man auch vorher seiner Frau gegenüber schon getan hatte. Die Polizisten führten ihn nach der Gefängniszelle. Gesund und munter betrat er das Haftlokal und in kaum erkennbarem Zustande verließ er es nach vierundzwanzig Stunden. Er konnte kaum ans den Beinen stehen und mit Beulen und Wunden bedeckt schleppte er sich nach Hause. Es wurde sofort ein Arzt geholt, der folgendes Attest ausstellte: Zoppot, den 26. 11. 1996. AerztlichesZeugnis. Am heusiaen Tage bin ich zu dem Töpsergesellen P. M., Hierselbst wohnhaft, gerufen worden, toelcher nach seiner Angabe an, 24. d. M. schwer mißhandelt sein will. Ich fand den p. M. in einem geradezu desolaten Zustande; er klagte über hestige Schtverzen im ganzen Körper, seine Atmung war erschwert, und er konnte sich während der Untersuchung kanm auf den Beinen halten. Im besonderen ließ sich noch folgender Untersuchungsbefund feststellen: Die Lider und die Umgebung beider Augen sind hochgradig geschwollen und dunkelblaurot verfärbt(blumiNerlaufen!k geschwollen und blutrot verfärbt ist ferner die ganze linle Gesichts- älfte und ein Teil des behaarten Kopfes.— Starke Schwellungen emcrkt man ferner in: Bereiche des linken Ellenbogens, am linken Unter- und Oberschenkel und am Rücken._ Ganz besonders betroffen ist ferner die Hintere linke Brusthälfte: hier besteht eine hochgradige Anftreibnng der Weichteile, die eine genaue Ab- lesung der einzelnen Rippen unmöglich macht Beim Aus- kultieren und bei ganz oberflächlicher Betastung der ge- schwollencn Partien hört und fühlt man deutliches Knistern, welches durch ein Eindringen von Luft in das Unter- hautzellgewcbe bedingt zu sein scheint und auf einen Bruch cincr oder mehrerer Rippen schließen läßt. Nach dem durchaus ob- jektiven Befunde dürfte M. voraussichtlich inehrcrc Wochen lang erwerbsunfähig sei», ob dauernde Nachteile für ihn zurückbleiben, läßt sich vorläufig noch nicht übersehen. Weclewsk i, Arzt. So ist ein Mann in der Gefängniszelle innerhalb 24 Stunden zugerichtet worden. Der eine Polizist h a t si ch sch o n m e h r- fach nach dem Befinden dcsTöPfers erkundigt und gemeint, daß er sich vielleicht an der Pritsche gcstoßcu haben werde!! Da scheint man in Zoppot aber seltsame„Pritschen" zu besitzen. Wir erwarten, daß hier eine eingehende Unter- suchung angestellt wird, damit die Oeffcntlichkeit erfährt, wer im Gesängnis den Mann so barbarisch geschlagen hat, und da- mit gegen die Uebcltäter rücksichtslos vorgegangen werden kann. Das Märchen von der Pritsche dürfte wohl auch von den Vorgesetzten der Zoppoter Polizisten nicht geglaubt werden.—__ Landtagswahl in Sachsen-Weimar. Die allgememen Wahlen zum wcimarischen Landtageschlossen, wie uns noch kur� vor Rcdaktions-, schluß telegraphisch gemeldet wird, mit einem sozialdemokratischen Sieg in Allstedt lVerwaltungsbezirk Apolda), wo uns bei der letzten Wahl eine Stimme zur Erlangung des Mandats fehlte. Gewählt wurde Genosse Bock. Im neuen weimarischen Landtage hat dem- nach unsere Partei drei Vertreter, bisher nur zwei.— Nationalliberalc Arbcitcrfürsorge. Der„Hann. Courier" meinte vor einiger Zeit, die national- lieberale Partei laufe Gefahr, eine Honoratiorenpartei zu werden; zu einer Arbeiterpartei werde sie sich nie entwickeln. Diese Ansicht scheinen die Macher des Osnabrücker Nationalliberalen Vereins ad absurdum führen zu wollen, denn sie haben es durch den bekannten sanften Druck fertig gebracht, einige Arbeiter in den nationalliberalen Verein hineinzubugsieren. Damit nun diese Arbeiter auch sehen, daß den Nationalliberalen nichts so sehr am Herzen liegt als das Wohl der Arbeiter, beschloß man in der am 27. November ab- gehaltenen Versammlung folgende Resolution: „Bei Erlaß des jetzt geltenden Einkommensteuergesetzes sind bekanntlich die Jahreseinnahmen unter 999 M. von der staatlichen Einkommenstener besteit. Angesichts indessen der seit Erlaß deS obigen Gesetzes ganz wesentlich gestiegenen Preise sämtlicher Lebensmittel u s w. dürfte heute ein Einkommen von 1299 M. kauni mehr bedeuten als seiner Zeit ein solches von 999 M. und cS dürfte deshalb angemessen erscheinen, die Grenze des steuerfreien Ein- k o m m e n S höher hinauszusetzen. Der nationalliberale Verein zu Osnabrück beschließt deswegen in seiner heutigen Ver- sammlung, die nationalliberale Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses zu ersuchen, im Landtage eine Novelle zum preußischen Einkommensteuergesetze zu beantragen, in welcher die Grenze deS staatssteuerfreien Jahreseinkommens auf 1200 M. erhöht wird." Ein nettes Eingeständnis! Erst verteuert man die Lebens- Haltung des Arbeiters um SS'/a Prozent und füllt damit die Taschen der Agrarier, dann ist nian so ivohlwollend, die Lebensmittelwuchcr- Parteien zu ersuchen, zwei Prozent der Verteuerung auf Staats- k o st e n zurückzuerstatten! Ebenfalls mit der Lebensniittelvcrtcueruug wurde ein zweiter Antrag begründet, der dahin geht, an den Magistrat folgende Ein- gäbe zu richten:„Die Stadt Osnabrück wolle von dem ihr auf Grund des Z 33 des Kommunalabgabengesetzes zustehenden Rechte Gebrauch machen und vom 1. April 1997 an die Einlommen unter 999 M. von den Gemeindezuschlägen frei lassen." Dieser Antrag ist ebenso billig. Er kostet die nationalliberalc» Herren keinen Pfennig; raubt aber allen Bürgern, die bisher ein Einkommen von 669—999 M. versteuerten, das kommunale Wahlrecht!—_ Der Dank des Bundes der Landwirte. Die Leiter deS Bundes der Landwirte haben es sich nicht nehmen lassen, ihrem entthronten Gönner, dem früheren Landwirtschafts- minister und stillen Kompagnon der Firma Tippelskirch u. Co., ihr schmerzliches Bedauern über den erlittenen Unfall auszusprechen und zugleich an seinem Nachfolger die Mahnung zu richten, sich in puncto „Ueberzengnngstrcue und Festigkeit" seines großen Vorgängers würdig zu erweisen. Das Schreiben lautet: Ew. Exzellenz! Die Kunde, daß Euere Exzellenz durch widrige Ge« sundheitsverhältnisse gezwungen sind, um Ihren Abschied zu bitten, und daß dies Gesuch die aller- höchste Gmchmigung gefunden hak. haben auch wir mit schmerz- lichem Bedauern vernommen. Wir möchten nicht unterlassen, Eneret Exzellenz sowohl in unserem eigenen Namen wie in dem- jenigen der von uns vertretenen deutschen Landwirte auf- richtig zu danken tür alles, was Sie in schwerer Zeit für die deutsche Landwirtschaft getan haben. Gegenüber einem Ansturm der gesamten Feinde der deutschen Landwirt- fchast von einer selbst in unseren Tagen uNg'ewSHniichen Gehässig- keit und Gemeinheit, haben Euere Exzellenz unerichiittert fest- gehalten an denjenigen Maßnahmen, welche Sie ini Interesse der deutschen Landwirtschast und des gesamten deutschen Volkes für richtig erachtet haben. Euere Exzellenz haben sich so das Vcr- trauen und die Dankbarkeit der deutschen Landwirtschaft erworben, und wir können nur hoffen und wünschen, daß das glänzende Bei- spiel von Ueberzeugungstreue und Festigkeit, welches Euere Exzcllepz gegeben haben, auch bei Ihren Herren Nachfolgern Nachahmung finden möge. Also nur.durch widrige Gesundheitsberhältniffc" ist die dicke Exzellenz gezwungen worden, um seinen Abschied zu bitten. Die Herren von Wangenheim, Roesicke, Hahn beweisen, daß sie trotz ihrer platonischen Vorliebe für ländliche Ursprünglichkeit und Stallgerüche ein feines Verständnis für die„konventionellen Lügen der Kultur- Menschheit" besitzen.— Zur Abschüttelung Hohenlohes. Seit Fürst Chlodwig Hohenlohes Denkwürdigkeiten erschienen sind, ist es der nationalliberalen Partei, die einst nicht ungern hörte, wenn vom Nationalliberalismus des dritten Kanzlers ge- fprochen wurde, höchst unbequem, wenn ihr dieser an die Rockschöße gehängt wird. Die„Köln. Ztg." meint zwar in einer Spitzen- Notiz ihrer heutigen Morgen-Ausgabe. daß keine Partei sich zu schämen brauche,„einen Mann, der im politischen Leben unseres Vaterlandes eine solche Rolle gespielt hat, wie der Fürst Hohen- lobe, zu den Ihrigen zu zählen"; hintennach ist sie aber um so eifriger bemüht, unter Aufwand aller möglichen Zitate den Beweis zu liefern, daß der ,. unvor tcilhafte Eindruck", den die Denkwürdigkeiten hervorgerufen haben, gegen den Rational- kiberalismus nicht ausgeschlachtet werden könne, da die„liberale Reichspartei", der einst der Fürst Hohenlohe angehört hätte, eine Mittelstellung zwischen freikonservativ und nationallibcral eingenommen hätte. Wir müssen gestehen, daß wir ebenfalls der Ansicht sind, der üiürst Hohenlohe ist nie im eigentlichen Sinne des Wortes national- liberal gewesen. Dazu war er, wie vieles man ihm auch vor- werfen kann, immerhin zu anständig, zu vertraut mit dem po- litifchen Getriebe Deutschlands und nicht genügend rückgratlos.— Ausland. Schweiz. . Sonntagsruhe im Kanton Zürich. Zürich, 27. November. sEig. Ber.) Der Züricher Kantonsrat hat gestern und heute die Beratung des Ruhetagsgesetzes fortgesetzt und zunächst auf Antrag unseres Ge- nossen Pfarrer Reichen-Winterthür den in der früheren Sitzung ge« stricheneü Z 2, der auch den öffentlichen Beamten die Ruhetage sichern will und die Lohnzahliwg an solchen verbietet, wieder aufgenommen. Der§ 6 verbietet an den öffentlichen Ruhetagen die Arbeit in den industriellen, gewerblichen und handwerksmäßigen Betrieben, jede Beschäftigung oder Betätigung anderer Art. welche Lärm ver- ursacht oder andere im Genüsse der Sonntagsruhe zu stören geeignet ist, und die' Betätigung von Angestellten in öffentlichen und privaten Bureaus,- Diese Bestiminuugen veranlaßten eine lange lebhafte Debatte, wurden aber schließlich niit 117 gegen 63 Stimmen an- genonrmen und noch erweitert durch Ausdehnung auf die kauf- männischen Betriebe. Der 8 6 normiert die zulässigen Ausnahmen, die für ununterbrochene Betriebe, Bäckereien. Metzgereien usw., für Jahresabschlüsse und Inventuren, für' Notfälle, außerordentliche An- lässe usw. gelten. Für Gewerbe, welche dem täglichen Bedürfnis dienen, wird nach§ 7 die Sonntagsarbeit durch regierungsrätliche Verordnung nach Anhörung der beteiligten Gewerbetreibenden, Arbeiter oder Angestellten, aber immerhin im Sinne möglichster Einsckränlting reguliert/ Bezüglich der Ladengeschäfte wurde der gänzliche Schluß an den fünf Festtagen: Karfteitag, Oster- und Pfingst- soimtage. eidgenössischer Bettog und erster Weihnachtstag beschlossen. An den übrigen Sonn- und Festtagen dürfen sie von 10Vz Uhr vormittags, bis 12 Uhr mittags, an den öffentlichen Ruhetagen im Dezernber mit Ausnahme des ersten Weihnachtsfeiertages von 10>/z Uhr vormittags bis abends 7 Uhr offen gehalten werden. Das Offenhalten der Schaufenster ist, daß, nachdem 1896 diese Angelegenheit sich zu- getragen hat, im Jahre 1996 aus Anlaß dieses Vorsalles die Ab- berufung des Herrn Hellwig erfolgt sein soll. Ich bin sclbstverständ- lich nicht dafür verantwortlich, was Herr Hellwig erzählt hat, auch nicht etwa für das, was Herr v. Richthofen Hellwig gesagt haben mag. Ich habe niemals mit einem Vorgesetzten des Herrn Hellwig in dem Sinne einer Abberufung des Herrn Hellwig aus seinem Amte gesprochen.(Hört! hört! rechts.) Dagegen habe ich niemals ein Hehl daraus gemacht, auch nicht hier im Reichstage, daß ich Herrn Geh. Rat Hellwig für den Träger des falschen Kolonial- systems halte und seinen Abgang wünsche. Ob der Rücktritt des Herrn Hellwig vielleicht darauf zurückzuführen ist, daß ich hier im Reichstage den Brief des früheren Leutnants Bronsart v. Schellen- darf verlesen habe, der Hellwig beschuldigt, ihn zu den Sozial- demokraten mit Material gegen Dr. Peters geschickt zu haben, das entzieht sich meiner Beurteilung. Ich habe den Brief nur als Beweis angeführt dafür, daß der Zeuge Bronsart v. Schellendorf unglaubwürdig ist. Jedenfalls muß ich es ablehnen, irgend eine Haltung beobachtet zu haben, die Herrn Bebel auch nur annähernd zu solchen Hassesausbrüchen Berechtigung gegeben hätte.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Zur Kritik von Reichsbeamten sind wir alle berechtigt. Herrn Ablaß möchte ich darauf hinweisen, daß ich in der Molkereistation selbst gewesen bist, die einen außerordent- lichen Viehreichtum enthält, und daß ich dort recht viel Butter ge- gcssen habe.(Große Heiterkeit.) In bezug auf den Fall Liebert, bei dem ich zufällig gewesen bin, weiß ich, daß Herr Liebert nicht als Gesandter, sondern als Militärinstruktcur nach China gehen sollte. Päsident Ballcstrem: Das ist nicht persönlich; das können Sie übermorgen sagen.(Heiterkeit.) Abg. Bebel(Soz.): Dem Abg. Dr. Arendt gegenüber bemerke ich, daß weder direkt noch indirekt jemals Leutnant Schcllendorf oder Geh. Rat Hellwig mit meiner Partei irgendwelche Beziehungen gehabt hat. Weiter will ich bemerken, daß sowohl Herr Erzberger wie Herr Eickhoff mir bestätigt haben, daß das, was ich über die Entlassung des Geh. Rats Hellwig ausführte, richtig ist. Abg. Ablaß(frs. Vp.): Herr Dr. Arendt hat einen Lapsus begangen. Präsident Graf Ballestrem: Die Lapsus des Abgeordneten Arendt sind nicht Gegenstand einer persönlichen Bemerkung' dcS Abg. Ablaß.(Heiterkeit.) Abg. Dr. Arendt(Rp.): Ich habe weder behauptet, daß Herr Bronsart v. Schellcndorf noch daß Herr Hellwig Herrn Bebel Material zugetragen haben, sondern habe nur von einem Briefe des Herru Bronsart b. Schellendorf gesprochen, in dem dies be- hauptet ist. Abg. Erzberger(Z.): Herr Bebel hat gesagt, ich hätte das- jenigc, was er auf der Tribüne erzählt hat. ihm im Privatgcspräch bestätigt, obwohl die Mitteilung von mir selbst nicht ausgegangen sei. Ich kann daS� nur vollkommen bestätigen. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Präs. Graf Ballestrem: Damit wir am Montag endlich mit der Sache fertig werden, beraume ich die nächste Sitzung ausnahms- weise statt auf 3 auf 1 llhr nachmittags an. Tagesordnung: Fortsetzung der heutigen Beratung. Schluß 3% Uhr. GewerkfebaftUebe� Berlin und Umgegend« Die Aussperrung in der Doblerschcn Hartgummi- und Zelluloid- Warenfabrik, Hochstraße, scheint von der Firma selbst als ein recht unüberlegter Streich ihrerseits betrachtet zu werden, Sie tvendet sich jetzt unter der Hand an die entlassenen Arbeiter und sucht fie ciuzeln wieder in den Betrieb hineinzuziehen. Ans dem ganzen Gebaren der Firma geht hervor, daß es ihr bei ihrer ersten Aussperrungs- drobung lediglich um einen Ein schüchtern ngsver such zu tun lvar, um dadurch die par streikenden Hartgummiarbeifer der technischen Abteilung zur WEderaufnahme der Arbeit zu bewegen. Offenbar glaubte die Firma, die Arbeiter der übrigen Abteilungen lvürden infolge der Aussperrungsdrohung auf ihre streikenden Kollegen der technischen Branche derartig einwirken, daß diese sofort ihren Streik beendeten. Als dies jedoch nicht geschah und nach Lage der Sache auch nicht geschehen konnte, da stand die Firma Dobler vor einem Dilemma. Sollte sie nun ihre durch nichts begründete Aus« sperrungsandrohung zurückziehen und sich damit eine vermeintliche Blöße vor ihren Arbeitern geben, oder sollte sie mit Rücksicht auf ihre ebenfalls vermeintlich in Frage gestellte Autorität die Aussperrung vornehmen? Sie wählte aus falschen Autoritäts- begriffen heraus das letztere, so unangenehm und überraschend ihr dieser Entschluß auch selbst vorgekommen sein mag. Daß nun die Arbeiter, da sie doch auf eme geradezu leichtfertige Art gemeinsam aufs Pflaster gesetzt worden sind, jetzt nicht einzeln, sondern eben- falls nur wieder gemeinsam den Betrieb und damit ihre alten Arbeitsplätze betreten wollen, ist einfach selbstverständlich. Sie halten es deshalb auch für unangängig, den übertriebenen Autoritäts- begriffen der Firma in der gewünschten Art Rechnung zu tragen, umsoweniger, als von ihnen keinerlei Forderungen an die Fabrik- leitung gestellt waren. Die Firnia hat es mithin selbst in der Hand, ihren durch nichts gerechtfertigten Schritt und die damit ver- bundcne selbstverschuldete Geschäftsschädigung wieder gutzumachen, indem sie die gänzlich unmotivierte Aussperrung einfach wieder rück- gängig macht und sämtliche Arbeiter gemeinsam wieder einstellt. Achtung! Marmorarbeiter! Die Steinarbeiter der Firma Deutsche Sieinindustrie stehen im Solidaritätsstreik. Wir ersuchen Arbeitsangebote, auch für Hülfsarbeiter, abzulehnen. Der Vorstand. Oeutfeheo Reich. Ein christlicher Unternehmer. In der Mechanischen Baumwollspinnerei Gaustadt-Bamberg hat bis jetzt die moderne GewerkschastSorganisation noch keinen Eingang finden können. Die Leute sind außerordentlich fromm und gehören dem christlichen Textilarbeitervcrband an. Auch der Direktor der Fabrik, Herr Semlinger. ist sehr fromm und Ehrenmitglied der christlichen Organisationen. In dieser Eigenschaft fühlt er sich als„Kollege" der Arbeiter, solange der Geldbeutel nicht in Frage kommt. Kürzlich erlaubte sich der christliche Textilarbeiterverband, unter Hinweis auf die Lebensmittelteuerung um eine kleine Auf- besserung zu bitten. Da war sofort die Kollegialität" beim Teufel. Am schwarzen Brette erschien ein Anschlag des Herrn Direktors, daß er den christlichen Verband nicht als den berufenen Vertreter der Arbeiter anerkenne und jede Verhandlung mit ihm ablehne. Die Direktion werde den Arbeitern weiter nichts gewähren als eine „Teuerungszulage" für das ganze Jahr 1997, und zwar in der Höhe eines Lohnes für drei Wochen. Den Hinweis auf die Teuerung be- antwortete er damit, daß Mehl, Brot, Kaffee nicht teurer geworden seien, die Arbeiter sollen sich also mehr an Brot und Kaffee satt essen. Die christliche Organisation ist durch diese Antwort so perplex geworden, daß fie bis jetzt noch nicht die Sprache wieder ge- fanden hat. ZilusUmd. Lohnbewegung der Straßenbahner in Stockholm. Die Angestellten der Neuen Straßenbahngesellschaft in Stock- Holm verlangen Verbesserungen ihrer Lohn- und Arbeits- bedingungen. Durch langwierige Verhandlungen ist nun zwischen den Vertretern der beiden Parteien ein Tarifvertrag zustande ge- kommen, der im allgemeinen auch den Angestellten annehmbar erscheint, jedoch von ihrer Versammlung, die in der Nacht zwischen Mittwoch und Donnerstag stattfand, mit 442 gegen 13 Stimmen abgelehnt wurde, und zwar weil er auf fünf Jahre gelten sollte. Die Angestellten wollen sich zu den vorgeschlagenen Monatslöhncn von 119 bis 149 Kronen nur auf 3 Jahre binden und verlangen, daß, wenn der Tarif auf 5 Jahre abgeschloffen wird, für die beiden letzten Jahre eine Erhöhung um 5 Proz. festgesetzt werde. Sic haben nun vorgeschlagen, daß die Streitfrage einem Schiedsgericht überwiesen werde._ Neue Verfolgungen gegen die Gewerkschaften in Petersburg. Die Wahlagitation der Sozialdemokraten unter den Mitgliedern der Gewerkschaften dient als Vorwand für die neuen gegen die Gewerkschaften gerichteten Verfolgungen. Von den nach dem Gewaltstreich des 19. August übriggebliebenen Verbänden wurden neulich auf Befehl des Stadthauptmanns der Verband der Färber und die städtischen Abteilungen des Metallarbeiter-Berbandes ge- schloffen; ferner wurden die Redaktionsräume des„Metallarbeiter" von der Polizei versiegelt und am 23. November in der Redaktion des„Gewerkschaftsboten"(Zentral-Organ der Petersburger Ge- werkschaften) eine Haussuchung vorgenommen, wobei der Redak- tionssekretär, eine Kontoristin und der zufällig anwesende Redakteur des„Blatt der Bäcker und Konditoren" verhaftet wurden. Letzte jVaebnebten und Depefeben. • Verstorbener Abgeordneter. Köln, 1. Dezember.(W. T. B.) Wie die„Kölnische Volks- zeitung" meldet, ist der Landtags- und Reichstagsabgeordncte Breuer, Vertreter des Wahlkreises Bergheim-Euskirchcn(Zentrum) auf Gut Groß-Mönchshof bei Niederaußem im Alter von 75 Jahren gestorben._ Der gestörte Landfrieden. Nürnberg, 1. Dezember.(W. T. B.) Vor dem hiesigen Schwur- gericht wurde heute der Prozeß wegen der Streikausschreitungcn in der Regensburgerstraße am 23. und 24. August d. I. verhandelt, die ein Eingreifen des Militärs notwendig machten. Die An- geklagten, Lackierer Rodler, Schreiner Scheuerlein und Installateur Völkel von Nürnberg sind beschuldigt, auf die Schutzleute Steine geschleudert, beziehungsweise am Bombardement auf Fensterscheiben sich beteiligt zu haben. Völkel wurde wegen Landfriedens- bruches zu 7 Monaten Gefängnis, und Rodler wegen Aufruhr» zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Scheucrlein wurde krei- gesprochen._ Hauseinsturz. Brüssel, 1. Dezember.(B. H.) Heute mittag stürzte in der Vorstadt Andcrlacht ein Gebäude ein, welches zu einer Kapelle gehörte. Bier darin beschäftigte Arbeiter wurden verschüttet, zwei schwer verletzt. Der Unfall wurde auf Unterspüluug der Um- fassungsmaucrn zurückgeführt. Neue Opfer für die Freiheit. Kronstadt, 1. Dezember.(W. T. B.) In dem Prozeß gegen die der Meuterei angeklagten Matrosen fällte heute das Militär- gericht seinen Spruch. Er lautete für 683 Angeklagte auf Zwangs- arbeit in Strafbataillonen und Gefängnissen, für die übrigen 117 anf Freisprechung. ßtiantw. Redakteur: Hand Weber, Berlin. Jnleratenteil MlflnUB-i II.«locke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagsanWt Paul Singer& Co., Berlin t-W. KierzuSBeilogcn. #1.281. 23. Jahrgang. IJfiNt des Jütiüärts" Knlim WsM bouutag, 2. Dezemliel 1906. l was der Mann getan hat, hat er in Notlvohr gegen die Unbill getan, die- der Staat, die die Gesellschaft, die das bestehende System ihm zugefügt hat; er ist deshalb nicht schuldig des Raubes, der Erpressung, des Landfriedensbruchcs, des Betrugs, der Urkundenfälschung und unter welchen Begriff immer die Anklagebchördc seine Tat subsiunmjert. Schuldig hätte er allenfalls: der Veranstaltung einer öffentlichen Lustbarkeit ohne polizeiliche Erlaubnis sein könne— wenn er nicht das, was er tat,„unter Polizeiaufsicht" getan hätte. Zu vier Jahren Ge füngnis ist Voigt gestern verurteilt; trotz aller Bemühungen des Gerichts und der Verteidiger, die Hauptfrage möglichst imbesprochen zu lassen, ob Voigt in Notwehr, von der Gesellschaft gezwungen, so gehandelt hat, lvie er tat, hat die Beweisaufnahme diese Frage vollauf be saht. Angeklagt war Voigt— gerichtet ist die Gesellschafts ordnung. Sie ist die Schuldige für die früheren, sie ist die Schuldige für die jüngste Tat des Hauptmanns von Köpenick, der nur ihr Werkzeug war, das die von der Gesell schaft vorbereiteten Verbrechen vollzog. Daran ändern phari säische Scheltwortc vom„gemeinen Verbrecher",„geriebenen Gauner" und dergleichen nichts. Sie beweisen insbesondere gegenüber dem Schuhmacher Voigt ein recht geringes Gefühl von Dankbarkeit. Und auf Dankbarkeit sollte der Mann Anspruch haben, der so anschaulich, gleichsam experimentell. die Minderwertigkeit bcS preußisch-deutschen Polizei- und Militär- ystems illustriert hat.-_ Ucbcr Jugenderziehung und Jugendliteratur pricht am Montag, den 3. Dezember, im Neuen Klubhause, Kom- mandantenstr. 72, Genosse Heinrich Schulz. Daö Thema wird gerade jetzt lebhaftes Interesse erwecken in den Kreisen der Ge- nossinnen. da das herannahende Weihnachtsfcst die Frage nahe legt: was schenken Ivir unseren Kindern an guten und dauernd wertvollen Schriften? Leider werden vielfach die in den Zeiten der Fleischtcuerung doppelt kärglichen Mittel, die ür diese Zwecke erübrigt werden, immer noch aufgewendet für Kinder- und Jugendschriften, die in keiner Weise den Ansprüchen genügen können. die um die Erziehung ihrer 5l>nder besorgte Parteigenossen und Genossinnen stellen müssen. Hier Aufklärung zu schaffen und auf das Gute hin- zuweisen, das für das gleiche Geld und weniger zu haben ist, ist gerade jetzt doppelt nötig. Wem daran liegt, daß die ihm an- vertraute Jugend nicht teuer» Schundliteratur und schlechte Grosso« wäre in die Hand bekommt, sondern künstlerisch wertvolle Literatur, die für Gennits- und Verstandcsbildung dauernde Früchte trägt, der wird den Mahnruf nicht unbeachtet lassen. Die pädagogischen und die proletarischen Gesichtspunkte, die hierbei für uns in Frage kommen, werden beide vom Genossen H. Schulz nach Gebühr ge- würdigt werden,_ Zwei neue Stadträte müssen in den Magistrat geschickt werden und die Stadtverordnetenversammlung hat einen Ausschuß ein- gesetzt, der sich nach geeigneten Personen umsehen soll. Das hat der Ausschutz auch getan und will nun zwei Stadtverordnete zu diesem Amt vorschlagen. Es sind dies die Herren Buch o w und R aft. Stadtverordneter Buchow gehört der freien Fraktion an, ist Ingenieur und vertritt seit dem Jahre 1892 in der zweiten Ab- teilung den 16. Bezirk(Moabit). Stadtverordneter Rast trat ebenfalls 1892 in die Stadtverordnetenversammlung ein; er wurde von der zweiten Abteilung des 14. Bezirks(Norden) in das Note Haus entsandt und gehört dort der Fraktion der Linken an. Speziell Herr Rast ist bisher bekannt geworden als getreuer Sachwalter der Haus- und Grundbesitzer. Diesen„Notleidenden" galt bisher seine Haupttätigkeit. Wird er Stadtrat, so wird er in diesem Sinne tapfer weiter wirken. Der Magistrat hat einen in der„Gemischten Depu-- tation für die Vorberatung der von der Stadt- verordn eten versammlun g beschlossenen Erhöhung der Lehrergehälter" beratenen Vermittelungsvorschlag an- genommen sind wird der Stadtverordnetenversammlung vorschlagen, die Gehälter wie folgt zu regeln: Das Grundgehalt für endgültig angestellte Lehrer, die bisher 1200 M, erhielten, soll auf 1450 M. erhöht werden, so daß sie unter Hinzurechnung der Miets- entschädigung von 750 M, insgesamt 2200 M. erhalten würden. Nicht fest angestellte Lehrer sollen im ersten Jahre 1160 M. und eine MietSentschädignng von b00 M, beziehen. Zu diesem Grundgehalt kommen dann die AlterSzulagen, die mit dem siebenten Dienstjahre sich auf jährlich 150 M. stellen und bis zum 31. Dienstjahre auf 2250 M, steigen. Die Gemeindeschullehrer würden danach mit 1060 M, im ersten Jahre beginnen. bei der definitiven Anstellung im vierten Jahre 2200 M. beziehen und nach 31 Dienstjahren 4450 M. bekommen. Für die Rektoren wird der Magistrat ein Grundgehalt von 2650 M, bei 900 M. Mietsentschädigung uud den auch bei den Lehrern üblichen Alterszulagen vorschlagen. so daß danach das Gesamtdiensteinkommen der Rektoren rund IgßO M. mehr betragen würde, als das der Gemeindeschnllehrer im gleichen Dienstalter. Diese voir�oMagistrat beschlossene Gehalts- erhöhung wird schon die nächste Stadlverordnetenversanimlung be- schäftigen. Das Gehalt der Gemeindeschnllehrer entspricht dann den Bezügen der Lehrer in den meisten größeren Städten. Bezüglich der Gehälter der Lehrerinnen und Fachlehrerinnen ist der Magistrat den von der Stadtverordnetenversammlung ge- faßten Beschlüssen im großen und ganzen beigetreten und betrachtet die neue Gehaltsregulierung für die genannten Lehr- Personen als eine e in h e i t l i ch e Angelegenheit und beabsichtigt die neue Gehaltsordnung nur gleichzeitig für sämtliche Lehr- Personen zur Anwendung zu bringen. Nach dieser Ordnung lvllrden dann sämtliche Lehrer sofort um 100 M. aufgebessert werden, wie es den Wünschen der Lehrerschaft entspricht. Beim Absturz von einem Straßenbahnwagen ist gestern nach- mittag die Wirtschafterin Marie. Nehls, Augsburgerstraße 51 wohn- Haft, schwer verletzt worden. Fräulein N. hatte an der Ecke des Kurfürstxndamms und der Augsburgerstraße einen Straßenbahn- wagen der Linie 54 bestiegen und während fit noch atif dem Trittbrett stand, zog der Wagen plötzlich kurz an und die N. stürzte rücklings ab. Schwer verletzt wurde sie in das Elisabeth-Kranken- Haus gebracht.. Ein weiterer schwerer Unglücksfall im Straßcnbahnbctriebe ereignete sich gestern nachmittag an der Endhaltestelle der Kolonie Grunewald. Bei dem Rangieren von Straßenbähinvahen geriet der Schaffner Ernst Sündermann, Wcstfälischcstraßc 33, zwischen einen Motorwagen und einem Anhänger und zog sich einen komplizierten Schlüsselbeinbruch zu. S. wurde in das Krankenhaus Moabit ein- geliefert. Aufgelöst wurde wieder eine Pücklerversammlung. die am Freitag in Beckers Fcstsälen stattfand. Die Auflösung erfolgte, als in einer erregten Diskussion ein Arbeiter meinte, nur auf eigene Kraft und Organisation müßten sich die Arbeiter verlassen und nicht auf die Anrufung Gottes. Der Redner wurde nach er- folgter Auflösung der Versammlung verhaftet, angeblich wegen Gotteslästerung. Wir haben schon öfter darauf hingewiesen, daß ein ernsthafter Arbeiter seine freie Zeit besser anwenden sollte, als sich den Blöd- sinnPücklers anzuhören. Wir können unsere Mahnung nur wieder- holen. Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Heute abend 7 Uhr im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel-Ufer 15: Niederländischer Dichter-Abend mit besonderer Berücksichtigung von Multatuli und Heyermann. Literarischer Vortrag mit Rezitationen von Frau Regina Ruben-Hamburg. Eintritt 30 Pf. Garderobe frei. Mitglieder und Gäste werden hiermit fteundlichst eingeladen. Das große Interesse, welches der Bewohnbarkcitsfrage unseres Nachbarplaneten Mars entgegengebracht wird, veranlaßt Direktor Archcnhold am Sonntag, den 2. Dezember, nachm. 5 Uhr, in einem mit zahlreichen Lichtbildern ausgestatteten Vortrag über:„Altes und Neues vom Mars" zu sprechen. Der 7 Uhr-Vortrag behandelt die„Bewohnbarkeit der Welten. Das Thema für den Montag- Vortrag, abends 9 Uhr, lautet:„Unsere Erde und ihre Atmosphäre". — Mit dem großen Fernrohr wird während der ganzen Woche nach- mittags die„Sonne" und abends„Saturn".„Jupiter" bezw. der „Mond" den Besuchern gezeigt. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der mit zahl- reichen farbigen Bildern ausgestattete Bortrag„Sizilien. Lebens- und Naturbilder auS klassischen Stätten" in dieser Woche nur am Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag wiederholt. Am Freitag und Sonnabend gelangt der„ebenfalls mit farbigen Bildern ausgestattete Vortrag„Der jüngste Ausbruch des Vesuv" zur Darstellung. Im Hörsaal werden nachstehende gemcinverständ- liche naturwissenschaftliche Vorträge gehalten': Dienstag, Dr. von Unruh„DaS Acetylen und andere brennbare Gase"; Mittwoch: Dr. Scheffer„Das stereoskopische Bild"; Donnerstag 6 Uhr: Dr. Thesing:„Der Stamm der Würmer" und um 8 Uhr, Dr. Thestng „Staatcnbildung bei niederen Tieren"; Sonnabend: Dr. Donath „Fernschreiber und Fernsprecher". Arbeiter-Samariter-Kolonne. Montag abend 9 Uhr: 1. Ab« teilung, Dresdcnerstraße 45. Vortrag des Augenarztes Herrn Dr. Spiro über Augcnverlctzungen. Daran anschließend Verband- Übungen. Neue Mitglieder können jederzeit eintreten. Gäste will- kommen.— Am Dienstag, den 11. Dezember, abends 9 Uhr. öffentlicher Vortragsabend im großen Saal bei Dafe, Brunnenstraße 154. Es spricht auf Veranlassung der deutschen Gesellschaft zur Bekamp- fung der Geschlechtskrankheiten Herr Sanitätsrat Dr. Siegheim über„Das Wesen und die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten." Der Vcnitrag ist für Damen und Herren frei. Fcuerwchrbericht. Jn der letzten Nacht kam in der Lüncburger- itraße 10 durch Unvorsichtigkeit in einem Automobilschuppen Feuer aus, wobei ein Automobil verbrannte. Die Flammen wurden vom 1». Zuge durch kräftiges Wassergeben auf den Schuppen beschränkt. Gestern früh um 6 Uhr brannte in der Neuen Königstraße 75 Wäsche und anderes. Ferner hatte die Wehr in der Lehrterstrahe 48a zu tun, wo ebenfalls Wäsche brannte. In der Artilleriestraße 9 mußte ein Brand gelöscht werden, der in einer Badestube ausgckom- men war. Wetter-Prognose für Sonntag,' de» 2. Dezember 19»«. Ein wenig kälter, zeitweise heiter, aber noch veränderlich mit geringe? Niederschlägen und mäßige« nordwestlichen Winden. Z&üC 3SZC DSSC mz Y-So-y öü_ A.WERTHEIM In dieser Woche zu besonders billigen Preisen: SEIDENSTOFFE früherer Wert bis 1.75 Mk. 1.15 m». gestreift, kariert und gemustert � KK früherer Wert 2.25 bis 2.65 Mk. Mtr. I«00 Mk. 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Von der Behörde wurde angenommen, wir hätten noch einen dritten Genossen gehabt, der mit diesem Gelde geflüchtet sei. Ich fand es als eine große Ungerechtigkeit, daß irgendwelche Un- regelmäßigkcifen uns aufgebürdet wurden, die vielleicht von den Kasfenbeamten selbst begangen worden waren. Auch meine goldene Uhr, die ich dem Oberaufseher bei meiner Ein lieferung übergeben hatte, habe ich nicht in meinem Sache»Verzeichnis aufgeführt gefunden. Auf nieine Beschwerde wurde eine Haussuchung vorgenommen, bei der man die Uhr in einem nur von Beamten benutzten Klosett wiederfand. Noch schlimmer war meine Behandlung in der Gerichtsverhandlung. In einer halben Stunde war ich zu fünfzehn Jahren ZnchthanS verurteilt. Dieses Urteil war ei» Attentat auf die Strafprozeßordnung. Trotzdem niehrere Zeuge» geladen waren, wurde keiner von ihnen vernommen. Gleich nach der Verurteilung meldete ich mich bei dem Gerichtsschreiber. Dieser kam erst nach neun Tagen, anstatt innerhalb der einen Woche, in der das Urteil Rechtskraft erlangte. Ich mußte deshalb die Strafe antreten. Vors.: Es ist richtig, von de» sechs damals geladenen Zeugen ist keiner vcriiommcil worden. In dem Protokoll ist auch nicht vermerkt, daß der Staatsanwalt oder Sie selbst auf weitere Beweis- aufnähme verzichtet habe». Das Urteil ist tatsächlich anfechtbar gc- wesen.— Voigt: Es kam mir ja auch nur darauf an, die Höhe der Strafe anzufechten.— Vors.: Glaubten Sie dann, daß Sie eine mildere Strafe erwarten konnten, wo es sich um eine so überaus schwere Tat handelte. Sie haben die Ziegel aus der Wand heraus- gebrochen, mehrere Vorlegeschlösser und Geldkästen gesprengt. Bei Ihnen ist ein geladenerRevolver, ein Terzerol.Breck'stanaen ein Päckchen Pulver, Zündhütchen. Bohrer, feine Sägen gefunden worden, also ein sehr gewalliges Rüstzeug. Die Strafe wäre bei diesem Sach- verhalt wohl nicht viel geringer geworden.— Voigt: Ich gebe ja zn, daß die Sache sehr schwer ist, aber mich empörte in der Hauptsache die Behauptung vor Gericht und daß man durch uns versuchte die fehlenden Gelder!zu verschleiern. Als ich die Strafe in Rawitsch antrat, war ich in den ersten Tagen wie tot und hatte mit der Außenwelt völlig ab- geschlossen. Später habe ich Eingaben an die Minister und an den Kaiser gerichtet, die sämtlich abgelehnt wurden. Der Angeklagte schildert nun, wie jeder Mensch, mit dem er in Be- rührung kam. sich über die Höhe der Strafe gewundert habe. So habe ein später nach Berlin versetzter Oberstaatsanwalt, der dem Zuchthause einen Besuch abgestattet hotte, sich zu ihm geäußert, ob er denn bei dem Einbruch einen Menschen totgeschlagen habe, da die Strafe so hoch sei. Als meine sämtliche» Ein- gaben an die Richter abgelehnt wurden, dachte ich mir: wenn du mal entlassen wirst, dann rächst du dich an den Richtern persönlich. Denken Sie sich, Herr Präsident, 15 lange Jahre saß ich im Zuchthause. von der Außen ivelt abgeschlossen, ein toter Mann, zu dem nicht einmal ein Liebeszeichen von Verwandten gelangte. Alle Pläne ehrlich zu sein, vereitelt. Als die Zeit meiner Entladung herannahte, faßte ich all- mählich wieder Hoffnung. Was' dann? Diese Frage trat nun- mehr an mich heran. Von feiten der neu eingelieferten Ge- fangenen wurde mir außerdem mitgeteilt, daß es mit der Volizeiaufsicht jetzt besonders schars genommen werde und man einfach ausgewiesen würde. Obwohl ich bald einsah, daß mein Fortkommen fast unmöglich war, habe ich nicht verzagt. Ich wollte ins Ausland gehen, um kvieder als anständiger Mensch mein Brot essen zu können. Ich wollte nach Böhmen gehen, um hier in einem Jndustriebezirke Arbeit zu suchen, da ich in den Strafanstalten fast 25 Jahre im Maschinenbetriebe gearbeitet hatte. Um ins Ausland zu kommen. brauchte ich einen Paß, und um den drehte sich alles. Ich schrieb nach Rawitsch; von dort wurde ich»ach meinem Geburtsorte Tilsit gewiesen lind von hier Wieder nach meinem letzten Aufenthaltsort Posen. Von keiner Stelle bekam ich jedoch einen Paß, den ich mir so sehn- lichst wünschte. Ich war schließlich ganz trostlos und wendete mich in der Verzweiflung an die Direktion der Strafanstalt in Rawitsch um eine Fürsorge, damit ich ill der Welt lveiterkäme. Meine Bitte wurde abgelehnt, wahrscheinlich deshalb, weil ich mich mit dem damaligen Direktor von Madai nicht gut gestellt hatte.— Vors.: Angeklagter. Sie haben diesen Herrn seinerzeit verschiedener Dinge beschuldigt, die aber nicht hierher gehören. Was haben Sie nun nachdem aiigefange»?— Voigt: Ich wendete� mich an den Pastor Renner, der sich meiner_ auch annahm und für mich eine Annonce einsetzen ließ. Auf diese hin erhielt ich bei dem Hosschiihmachermeister Hilbrecht in Wismar Arbeit. Als mir der Hausvater im Zuchthause meine Papiere übergab, faßte ich den Entschluß, alles Was hinter mir lag. abzuschütteln und ein neuer Mensch zu werden. Ich steckte deshalb meine sämtlichen Papiere in den Ofen. Wenn es � jemand_ gibt, der, vom Freiheitsdrange getrieben, wirklich ehrlich Arbeit leisten und als an st änd i g er M enf ch leben will, so bin ich es gewesen.— Vors.: Sie er- hielten bei Ihrer Entlassung aus dem Zuchthause einen Arbeits- verdienst von 227 M. und einigen Pfennigen ausgezahlt. Dies ge- nügte doch, um Ihnen ins Leben wieder hineinzuhelfen. UebrigenS haben Sie den Auslandspaß nur deshalb nicht erhalten, weil Sie sich nicht an die richtige Stelle gewendet hatten. Bei Ihrem bewegten Leben war allerdings die zuständige Behörde sehr schwer festzustellen. Wann sichren Sie denn nun von Rawitsch fort?— Voigt: Am 21. Februar d. I. Auf weiteres Befragen erklärt der Angeklagte: Ich war bei Herrn Hilbrecht in Wismar vom 23. Februar bis 21. Mai be- schäftigt. Ich wurde dort nicht als Verbrecher behandelt, der aus dem Zuchthaus kommt, sondern wie ein Kind, das zur Familie gehört. Ich habe Zutritt zu dem Ladengeschäft gehabt, der Mann hatte immer große Geldsummen im Hause, ich war Stundenlang allein und habe das in mich gesetzte Vertrauen in keiner Weise gcmißbraucht. Ich habe dort im Familienzimmer gewohnt, am Familientisch gegessen, hatte in Wismar meinen Kirchenstuhl und habe mich so gehalten, daß ich auch keine Spur von Schmutz auf mich lud. Ich besuchte mit den Kindern Theater und Konzerte und hatte also ein Leben dort, wie ich es mir besser gar nicht denken konnte. AuS ehrlicher Arbeit gejagt. Präs.: Und warum sind Sie aus Wismar weggegangen?— Angekl.: Ich wurde plötzlich auf die Polizei geladen und mir wurde gesagt, ich sei aus Wismar und den Mecklenburgischen Landen ausgewiesen. Das traf mich wie der Schlag einer Axt auf den Kopf. Ich hatte meine Staatsabgaben bezahlt und wurde nun einfach aus dem Lande herausgeschmissen.— Präs.: Angeklagter. Wismar ist eine kleine, ruhige Stadt; sie erfährt plötzlich, daß sie einen neuen Mitbürger erhalten, der 12 und 15 Jahre im Zuchthaus gesessen und da macht Wismar von seinem ihm zn- stehenden Recht der Ausweisung Gebrauch. Ob dies in diesem Falle angebracht war, habe ich nicht zu entscheiden. Das ist die Konsequenz Ihrer Straftaten. Was nun? Der Angeklagte erzählt dann ausführlich weiter, wie er einmal nach Tilsit gefahren ist, um seinen Vater aufzusuchen, wie er diesen zum zweiten Male verheiratet fand, wie er dann in Maricnburg, Graudenz und anderswo vergeblich Beschäftigung gesucht und dann am Pfingstheiligabend völlig ratlos angekommen sei. Er sei dann nach dem Johannistisch gegangen, wo er wußte, daß solche Leute» wie er, untergebracht würden und trug den Herren seine Lage vor. Es sei ein Protokoll aufgenommen und er nach der Arbeitcrkolonic Reinickendorferstraße gewiesen worden.„Obgleich man dort auch wie in einem zweiten Gefängnis lebe", sei er doch hingegangen. Zu seiner Schwester zu gehen habe er sich geschämt, er habe sie etwa 34 Jahre nicht gesehen und schämte sich, ihr sein ganzes Leben zu enthüllen. Die Arbeit durch Polizeiausweisung abermals verloren. Er sei nach Potsdam gefahren und habe um Arbeit nachgesucht. Er ging nach dem Bahnhofe, um vielleicht Kies auszuschachten. Er habe Arbeit durch Kohlenschippen gefunden, damit 3,50 M. pro Tag verdient, aber seine alten und morschen Knochen hätten dies nicht ausgehalten. Er sei dann nach Berlin gefahren, habe bei seiner Schwester Unterkommen gefunden und bei einer Schuhfabrik in der Breslauerstratze gute Arbeit erhalten. Ich habe bis zu 34 M. die Woche verdient.— Präs.: Sie hatten sich ja wohl in dieser Zeit auch verlobt?— Angekl.: Ja.— Präs.: Warum haben Sie diese gute Stelle verlassen?— Angekl.: Ich wurde wieder aus dem Polizeibezirk Berlin ausgewiesen, erhielt eine Aus- Weisung aus Nixdorf und stand nun wieder ratlos da. Ich blieb zunächst unangemeldet in Berlin und noch eine Zeitlang in meiner ArbeitHdann mußte ich aber doch weg, denn alles, was ich mir in 16 fahren erspart hatte, also mein ganzes Vermögen von 400 M. stand auf dem Spiel, wenn ich mit der Polizei irgendwie in Konflikt käme. Ich hatte mehrere Offerten nach außerhalb, hatte aber kein anderes Stückchen Papier zu meiner Legitimation als die Ausweisung und überall hätte ich aufs neue die ganze Litanei meines traurigen Lebens erzählen müssen. Nun sagte ich mir: Die Polizeibehörde läßt Dich im Stich, nun versuchst Du eS mit der Militärbehörde. Präs.: Wann faßten Sie den Plan zu Ihrem militärischen Zuge?— Angekl.: Um einen Plan, bei dem Köpenick in Frage kam, handelte es sich überhaupt nicht. Die Möglichkeit, diese Waffe, d. h. die Benutzung des Militärs, zu gebrauchen, kannte ich schon seit 30 Jahren.— Präs.: Der Zeuge Kalken- berg, der mit Ihnen seinerzeit 15 Jahre im Zuchthause gesessen, hat die Behörde auf Jhre Spur gelenkt, indem er mitteilte, daß Sie im Zuchthause erzählt hatten, Sie würden in einer Hauptmannsuniform an der Spitze einer militärischen Abteilung einen Raubzug unternehmen.— Angel l.: In dieser Weise habe ich mich nicht geäußert.— Präs.: Wollen Sie wirklich dabei bleiben, daß die Ausbietung des ganzen großen Apparats nur den Zweck hatte, sich ein Pasiformular zu verschaffen? Angcll.: Jawohl, darauf will ich leben und sterben!— Präs.: Angeklagter Voigt! Sie werden wohl am Schlüsse der Verhandlung den Antrag auf mildernde Umstände stellen. Sie wissen aus Ihrer Erfahrung, daß es von großer Bedeutung ist, ob der Angeklagte ein volles Geständnis ablegt. Ihre Behauptung ist unmöglich ernst zu nehmen. Sie haben Ihre Dispositionen mit aller Umsicht gc- troffen. Sie haben ein hochgcfährliches Spiel getrieben und das soll alles nur des Paßformulars wegen geschehen sein?— Wie kamen Sic überhaupt aus den Gedanken, einen solchen Coup gerade in Köpenick auszuführen?— Angekl.: Ob es in Breslau, Köpenick oder Oranienburg war, war mir ganz gleich. Es war eine reine Zufälligkeit, daß ich nach Köpenick ging. Auf weiteres Befragen des Vorfitzenden macht der Angeklagte über seine Eqnipimmg folgende Angaben: Am 8. Oktober kaufte er bei dem Trödler Rcmlinger in Potsdam einen grauen Oftri-cs-nantel und xinen Neberrock, zwei Tage danach eine Feldbinde. Einen von ihm gewünschten Helm mit Gardestern und Adler fand er nicht vor. Nach abermal-Z zwei Tagen kaufte er bei Ncmlinger eine Militär- bose und bei dem Fabrikanten Fink in Potsdam ein Paar Anschluß- sporen. Einen Degen mit Koppel kaufte er in einem Berliner Geschäft, welches in der Linien- oder Hamburgerstraße belegen war und am 12. Oktober erstand er eine Militärmütze bei dem Fabnfantcn Rückart in Berlin.— Präs.: Wo bewahrten Sic die Sachen auf?— A n g c t l.: Ich gab sie beim Portier des Bahnhofes Bcussclstraße zur Aufbewahrung.— Präs.: Nun erzählen Sie uns die Vorgänge vom 1ö. bczw. 1v. Oktober. Singe kl.: Ich holte am 15. abends die Uniformstücke vom Bahnhof Beusselstratze ab, zog mich in der Jungfernhaide um, ging zu Fuße nach dem Bahnhofe Warschauerbrücke und fuhr nach Köpenick.— Vors.: In Köpenick betraten Sic in der Verkleidung als Offizier in aller Frühe das Schanklokal von Slugustin, Grün- siraßc 14.— A n g e k l.: Ja, ich trank dort eine Tasse Kaffee.— Prä s.: Nach etwa 20 Minuten sollen Sie sich entfernt haben und die Kictzerstraße zur Roscnstraße hinunter gegangen sein.— A n g c kl.: Ja, das ist richtig. Llm 16. Oktober begab ich mich «ach Plötzcnsee zu einer Zeit, als die Ablösung der Schwimm- anstalts- und Schicßstandswachc in Plötzensce nahe bevorstand. Die Wache bestand außer dem Gefreiten aus drei Mann des Garde-Füsilicrregiments. Ich rief den Gefreiten an, befahl ihm Kehrt zu machen und die vom>4. Gardcrcgimcnt zu Fuß gestellte Schießstandswackw herbeizuholen. Der Gefreite leistete dem Bc- fehle Folge. Die Schicßstnndswackc bestand aus sechs Mann außer einem Gefreiten.— Die Darstellung des Angeklagten über seinen Zug nach Köpenick und sein Auftreten im dortigen Rat- hause stimmt mit den Darstellungen übcrcin, die wir s. Z. gaben. Er machte den Gefreiten Klapdohr zum Slbteilungsführcr der vereinigten Wachen und erklärte den beiden Gefreiten, daß er auf a l l e r h ö ch st c n Befehl komme und sie nach dem Bahnhof Putlihstratze marschieren müßten. Auf dem Bahnhof löste er für die Soldaten Fahrkarten 3. Klasse und gab dem Gefreiten Muche 2 Mark zur Besorgung von Getränken für die Mann- schaftcn. In"N'ummelsburg, so erzählte er, tranken die Mann- schaften Bier. Er habe seine Anweisungen nicht etwa in barschem Kommandoton erteilt, sondern in gewöhnlichem GcspröchSton. Während des kurzen Au fcnthalts in Rrunmelsburg sah er, daß die Soldaten mit Zivilisten ins Gespräch gekommen waren und sich dieses whol um den Zweck ihrer Sendung drehte. Da sei ihm eine wirtlich einmal in Köpenick vorgekommene Geschichte eingefallen, wo man einen Gendarm einmal von der Brücke ins Wasser ge- warfen hatte und das bcwog ihn, in Köpenick selbst sehr vorsichtig zu sein. Nach seiner festen Absicht sollte die ganze Sache in Köpenick so ausgeführt werden, daß aus dem ganzen Slbcntcucr den Soldaten nichts Böses passieren könnte. Sluch in seiner Darstellung über die Besetzung des Rathauses und seine Begegnung daselbst mit dem Bürgermeister Langer- Hans, dem Stadtobcrsekretär Rosenkranz und Stadtkassenrendant v. Wiltbcrg befinden sich keine Slbweichungcn von den bisher bc- kannt gewordenen Daten. Der Gefreite Muche hatte den Llustrag erhalten, dafür zu sorgen, daß die im Rathause befindlichen Leute in ihren Zimmern blieben, jeder Verkehr derselben mit einander und auf den Korridoren sei zu verhindern; wenn jemand etwas Dringndcs hätte, so müßte ihn ein Posten begleiten. Der An- geklagte begab sich zunächst zu dein Obersckretär Rosenkranz, ließ dessen Amtszimmcrtür durch zwei Soldaten mit auf- gepflanztcm Seitengewehr bewachen und erklärte ihm „Im Namen Sr. Majestät, Sic sind verhaftet! Auch dabei will er nicht sehr pathetisch gesprochen haben.— Präs.: Aber Sie haben doch vorher sehr bestimmt gesprochen?— A n g e k l.: Das liegt doch in der Natur der Sache!(Heiterkeit.) Herr Rosenkranz erklärte doch seine Vcrlvundcrung und wollte den Grund wissen. Na, ich konnte ihm doch keine Llufklärung geben.(Heiterkekt.) Nach seiner Darstellung habe er auch dem Bürgermeister Langerhans gesagt:„Im Namen. Sr. Majestät, Sic sind verhaftet!" Der Slngcklagte meint, der Bürgermeister sei in einem Zustand gewesen, daß er unfähig gewesen sei, etwas zu tun, was ihm dock) eigentlich als Oberhaupt einer Stadt... Vors. (unterbrechend): Voigt, lasse» Sie doch diese Ausführungen! Angekl.: Der Bürgermeister war ganz niedergeschmettert.— Präs.: Na ja, wenn Sie auch nicht echt waren, was der Bürger- meister nicht wissen konnte, so waren doch die Soldaten echt.— Der Bürgermeister, so erzählt der Angeklagte u. a. weiter, sei noch mit allerlei Anträgen an ihn herangetreten. Zunächst wollte er seine Frau Gemahlin sprechen, das sei ihm auch gestattet loorden. Dann habe der Bürgermeister auf seiner Fahrt nach Berlin einen Polizeidiencr als Begleitung verlangt. Dies fei ihm etwas be- denklich gewesen, weil es doch kein persönlicher Diener war. Dann habe der Bürgermeister gewünscht, daß er mit seinem Stell- Vertreter sprechen könnte, habe aber die Antwort erhalten:„Die Verwaltung der Stadt habe ich übernommen, ich werde für Ihre Vertretung sorgen, ich bleibe bis 9 Uhr hier." Die Frau Bürger- meister hatte an demselben Slbcnd noch Abendgesellschaft und sprach den Wunsch aus, sie abbestellen zu können. Dies hat ihr der An- geklagte gestattet. Der Bürgermeister habe, so erzählt der An- geklagte weiter, wiederholt gefragt, weshalb die Verhaftung erfolge, ob vielleicht der Landrat oder vielmehr das Bczirkslommando dahinter stecke. Daraus habe er entnommen, daß der Bürger- meister Reservelcutnant sei und deshalb zu ihm gesagt:„Sehen Sie, Sie können ganz ruhig sein, gerade bei Ihnen ist es an- gemessen erschienen, Sie nicht durch eine» Leutnant, sondeiM durch einen Hauptinann zu verhaften.— Nichtig sei es, daß au?cr den Soldaten auch die Gendarmen und ein Obcrwachtmeister seinen Befehlen durchaus gehorcht haben. Auf seine Äuordnuiig haben sie draußen auf der Straße die Ordnung aufrecht erhalten.— In eingehender Darstellung gibt der Slngcklagte dann ein Bild von den Borgängen in dem Kassenzimmrr. Erst als ein junger Mann, der in das Rdthaus hinein wollte, zur Legitimation seinen vom Landratöamt ausgestellten Patz zeigte, sei ihm plötzlich zum Bewußtsein gekommen, daß seine ganze Aktion unnlltz gewesen, da er in dem Rathaus gar keine Paßformulare vor- finden könnte. Da sei er ganz gebrochen gewesen.— Die Vor- gänge in dem Kassenzimmer stellt der Angetlagtc genau so dar, wie es von uns früher dargestellt ist. Ueber den Empfang des Geldes entsteht eine längere Auseinandersetzung zwischen dem Vorsitzenden und dem Angeklagten. Voigt stellt dies in der Weise dar, daß der Rcndant von Wiltbcrg aus seinen Befehl an den Kassenschrank gegangen wäre und aus diesem zlvei Geldbeutel herausgeholt habe. Der Rendant habe dann die Beutel selbst versiegelt und ihm ein- gehändigt. Mit den Geldbeuteln habe er dann in Gemeinschaft mit dem Rendanten das Kassenzimmer verlassen, welches von dem Herrn Wiltberg verschlossen wurde. Ueber diesen Punkt. ob der Angeklagte das Geld sich genommen oder unter falschen Borspiegelungen erschlichen»der aber auch freiwillig, erhalten hat, entspinnt, sich noch eine längere Auseinandersetzung.— Bors.: Wie viel war in den Beuteln enthalten?— Voigt: Genau 4000 M. und 70 Pf.— Vors.: Wie viel haben Sie wieder zurück- geliefert?— Voigt: Annähernd 3000 M.— Vors.: Was haben Sie nun eigentlich mit dem übrigen Geld angefangen? Voigt: Ich bin sofort nach der Tat nach Berlin gefauren, um mich vor alle» Dingen umzukleiden. Ein Droschkenkutscher, dem ich Auftrag gab, mich zu irgend einem Gardcrobengeschäft in der Fnedrichstraße zu fahren, fuhr mich zufällig zu einem der teuersten Geschäfte. Ich mußte nämlich für Anzug, Paletot und Hut 187 M. bezahlen. Wo anders hätte ich das Zeug billiger bekommen.— Vors.: Als was hatten Sie sich in dem Geschäft ausgegeben?— Voigt: Ich nannte mich Hauptmann v. Maitzahn. — Vors.: Nachdem Sic nun die Garderobe hatten, was taten Sie nun?— Voigt: Ich beabsichtigte anfänglich, um 9 Uhr von Rixdorf aus nach Mittcnwalde zu fahren. Da der Zug zu spät fuhr, gab ich dies auf und zog mich später auf dem Tempel- hofer Felde um.— Vors.: Sie hatten früher behauptet, sie hätten sich nur ein Patzformular aus den Burcauräumen holen wollen und hätten gar nicht an das Geld gedacht. Wozu haben Sie dann aber die Leute verhaften lassen und nach Berlin transportiert? Sie hätten in dem Falle doch angeben können, es �wärcn Unregelmäßigkeiten im Paß- burcau vorgekommen und Sie hätten dieses zu revidieren. Auf diese Weise wären Sie doch in den Besitz von einem Patzformular gekommen. Angeklagter gibt hierauf keine Antwort. Rechtsanwalt Bahn bittet durch Befragen des Voigt festzustellen, daß dieser sich in den Jahren 1875— 89 gut geführt habe. Voigt erklärt, daß er in Erfurt, Eisenach, Budapest, Prag, Jassy und später in Rußland in der ganzen Zeit gearbeitet habe. Der Verteidigung liegt außerdem ein amtliches Schriftstück vor, aus dem sie feststellt, daß Voigt nicht nur aus Berlin und der näheren Umgebung, sondern aus noch 30 anderen Orten ausgewiesen worden war. Der Vorsitzende schließt nun die Vernehmung des Slngcklagtcn ab und tritt in die Beweisaufnahme. Als erster Zeuge wird der Arbeiter Kallenberg, der mit Voigt zusammen in dem Zuchthause zu Rawitsch gesessen hat und durch den die erste Spur auf den Slngeklagten gelenkt wurde, vernommen. Der Zeuge bekundet, daß Voigt schon während er mit ihm in Strashaft gesessen habe, sich einmal zu ihm geäußert habe: Wenn man ein paar Soldaten habe, dann könne man gute Geschäfte machen. Der Zeuge hat früher dieses Gespräch noch ausführlicher geschildert. Voigt habe gesagt: er würde sich als Offizier ver- kleiden und dann irgendwo eine Truppe anhalten, mit der er dann einen Raubzug unternehmen.würde; ferner: wenn man sich eine Truppeninacht anschaffe, könne man viel Geld damit verdienen. Der Gefreite Klapdohr bestätigt die Darstellung des Sln- geklagten. Stadtobcrsekretär Rosenkranz bekundet: Etwa zwischen 3 und 4 Uhr sei ihm auf dem Korridor des Rathauses ein Offizier in Begleitung von zwei Soldaten begegnet. Er habe auf Auf- forderung seinen Namen genannt, worauf der Offizier ihm sofort mitteilte, er sei im allerhöchsten Sluftrage verhaftet. Er möge sich möglichst ruhig verhalten, um jedes Sluffchen zu vermeiden. Auf seine bestürzte Frage, weshalb denn eigentlich seine Verhaftung erfolgt sei, erwiderte der Offizier: Das werden Sie ja selber wissen. ES handelt sich um die Kanalisation, der Landrat ist fuchs- wild und hat schon ganz Berlin in Aufregung versetzt.— Vors.: Genügte Ihnen denn diese Erklärung, Herr Zeuge?— Zeuge: Nein. Als ich nähere Sluftlärung haben wollte, war der Herr Hauptmann immer schon wieder zur Tür raus. Nachgehen konnte ich nicht, da der Soldat mit aufgepflanztem Bajonett davorstand und mich nicht durchließ.— Der Vorsitzende richtet bei dieser Gelegenheit an den Gefreiten Klapdohr die Frage, ob die Gewehre überhaupt geladen waren? Zeuge Klapdohr: Die Gewehre waren nicht geladen, wir halten überhaupt keine Patronen bei uns.— Der Zeuge Rosenkranz be- kündet dann weiter, er habe seinen Wächter, einen biederen Polen, dann später gefragt, wie lange er denn eigentlich gefangen gehalten werden solle. Der Soldat habe ihm erklärt, er gehe nicht eher weg, bis er abgelöst werde. Nach geraumer Zeit wäre es jedoch im Hause wieder ruhig geworden, und da wäre der Soldat endlich gegangen und bättc ihm die Freiheit wiedergegeben.— Vors.: Was glaubten Sic denn eigentlich, um was eS sich bei der ganzen Sache handele?— Zeuge: Bis ich von der Mitnahme der Stadttassc erfuhr, nahm ich an, cS handele sich um die fixe Idee eines Geisteskranken oder um eine kleine militärische Uebung! (Große Heiterkeit.)— Vors.: Sic sind doch selbst Soldat gewesen, haben Sic nichts Sluffälligcs an dem Hauptmann bemerkt?— Zeuge: Rein, weder in der Haltung nocki an der Uniform.— Vors.(nachdem er den Slngeklagten aus der Anklagebank her- austreten ließ, diesen genau betrachtend): Na von den krummen Beinen, von denen die Zeitungen schreiben, kann ich allerdings auch nichts sehen.— Zeuge: Die Kommandos des Angcklgaten waren ganz militärisch. Wenn jemand seinem Befehl nicht nachkam, herrschte er ihn in ganz stranimem militärischem Ton an. Slls mehrere Bureaubeamten aus ihren Zimmern herauskamen, wies sie der Angeklagte zurück. Slls sie nach einiger Zeit wieder auf den Fluren erschienen, schnauzte sie der Herr Hauptmann an: Scheren Sie sich schleunigst in Ihre Bureaus zurück, sonst lasse ich Gewalt anwenden. Slussage des Bürgermeisters Dr. LangerhanS: Slls ich in meinem Arbeitszimmer im Rathause bei der Arbeit saß, kam plötzlich ein Mann in Hauptmannsuniform in Begleitung von zwei Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett auf mich zu und erklärte mich„im Namen Sr. Majestät" für verhaftet. Ich sprang erstaunt auf und sagte:„Slber erlauben Sie mal!" Der An- geklagte entgegnete sofort:„Sie haben sich jetzt gar nichts zu er- laubcn. Sic haben wohl nicht verstand�:, Sie sind mein Arrestant!" Ich verlangte einen SluSwcis und erhielt die Slntwort:„Ich habe Ihnen gar keine Aufklärung weiter zu geben, ich habe nur meine Befehle auszuführen, die mir erteilt sind. Das Nähere werden Sie auf der Neuen Wache erfahren!" Ich wies darauf hin, daß offenbar ein Irrtum vorliege und ich ins Landratsamt tele- phonieren müsse, und außerdem meinen Vertreter benachrichtigen möchte. Darauf antwortete der Slngcklagte: Seien Sie ganz ruhig, ich werde für Ihre Vertretung sorgen, ich bleibe bis 9 Uhr hier. Dann winkte er die Soldaten in seine unmittelbare Nähe, faßte mich an der Schulter und sagte zu den Soldaten: Ihr wißt Bescheid, Ihr habt den Bürgermeister zu bewachen und Niemand hinein und heraus zu lasse». Mir ist allerdings zuerst aufgefallen, daß der Angeklagte nicht ganz vorschriftsmäßig angezogen war, ein Umstand verscheuchte aber mein augenblickliches Bedenken. ES waren nämlich für den Magistrat versiegelte Briefe angekommen, die dem Slngeklagten durch einen der Soldaten überbracht wurden. Der Singeklagte erbrach die Briefe, las sie und steckte sie in die Tasche. Da nun auch noch die ihn begleitenden Soldaten zweifellos echt waren, so mußte jeder Zweifel an seiner Qualität schwinden. Während seiner zeitweiligen Abwesenheit habe ich die Soldaten gefragt, was denn eigentlich los sei. Der eine Soldat, ein Mann polnischer Herkunft, verstand mich offenbar gar nicht, der andere erklärte: er wisse es auch nicht. Als der Angeklagte dann wieder ins Zimmer kam, betonte ich nochmals die Ungesetzlichkeit des Verfahrens, worauf er sehr ruhig antwortete: Sie können sich denken, daß mir diese Mission höchst peinlich ist, aber Sie wissen ja: als Soldat kriegt man Befehle, die man ausführen muß. Als ick dann weiter Vorzeigung des Haftbefehls verlangte. brauste er auf und erklärte mir: Sie haben überhaupt nichts zu vcrtangenl Bei dem geringsten Widerstände werde ich Sie in Arrest stecken lassen!(Heiterkeit.) Als er sich dann wieder entfernt hatte, traf der Angeklagte in den verschiedensten Teilen des Rat- Hauses seine Slnordnungen. Bei seiner Wiederkehr fragte er mich nach meiner militärischen Charge und nahm mir das Ehrenwort ab, daß ich unterwegs keinen Fluchtversuch machen würde. In einem gegebenen Moment ist dcknn meine Frau in begreiflicher Slufreauug ins Zimmer gekommen und bat gefragt, was denn das alles bedeute. Ich beruhigte sie und führte ihr vor, daß ich gar nicht in dieser Form verhaftet werden könne und sprach ihr gegen- über den Verdacht aus. daß es sich vielleicht um einen geisteskranken Hauptmann handle, der an der fixen Idee leide, daß er den Bürgermeister von Köpenick verhaften müsse. Ich war so sicher, daß die ganze Sache sich sehr bald aufklären würde, daß ich meiner Frau riet, die Abendgesellschaft erst gar nicht abzusagen. Ter Zeuge schildert die weiteren Vorgänge bis zu seiner Ucbcrführung nach Berlin in Begleitung seiner Frau, eines Amts- dicncrs und zweier Soldaten, die auf dem Kutscherbock saßen. Von der Verhaftung des Rendanten und der Auslieferung der Kasse hatte er bis dahin keine Ahnung. Unterwegs erst sagte der Slmtsdiencr, daß der Hauptinann auch die Kasse mitgenommen habe und da erklärte Dr. Langcrhans sofort:„Um Gottcswillen, dann war es ja ein Hochstapler!" Auf weiteres Befragen erklärt der Zeuge noch: Der angebliche Hauptmann hätte eine lcgäre Haltung, wenn er aber direkt sich an mich wandte, richtete er sich auf und trat bald sehr energisch und dann wieder sehr conciliant auf.— Präs.: Nun, der Slngcklagte sieht ja auch keineswegs so aus, wie er in den Zeitungen abgebildet war.— R.-A. Dr. S ch w i n d t: Wenn Sie den Slngeklagten für einen Geisteskranken hielten. warum haben Sie ihn nicht durch die plötzliche Bemerkung in die Wirklichkeit zurückgerufen: Wenn Sie mich verhaften wollen, dann ziehen Sie sich gefälligst erst vorschriftsmäßig an und setzen Sic sich einen Helm auf!— Zeuge: Wenn ich sechs Wochen Zeit gehabt hätte zum Ucbcrlegcn, dann hätte ich es vielleicht getan!(Heiterkeit!)— Vors.: Man mutz sich doch gegenwärtig halten, daß ein Mann über seinem Pult sitzt und plötzlich ein Offizier mit zwei„richtig gehenden" Soldaten hcrcintritt!— Der Angeklagte bemerkt zu dieser Slussage, daß der Bürger- meister, da die Türen nicht verschlossen waren, sondern offen standen, Gelegenheit gehabt hätte» sich mit den Draußcnstehcndcn zu verständigen. Von den weiteren Zeugenaussagen sei die des Gefreiten Muche hervorgehoben. Dieser erklärt auf die Bemerkung des Vorsitzenden: Ter Bürgermeister wollte doch einmal zu seiner Frau in dic�Wohnung gehen, um sich dort ein Schnupftuch zu hole», was haben Sie, Zeuge, darauf getan? Ich habe ihn nicht weggelassen und zu ihm gesagt:„Das können wir nicht erlauben."(Große Heiterkeit.) Der Slnstaltsgeistliche des Zuchthauses Rawitsch bekundet ebenso wie dcv Gesangslehrer der Slnstalt: Voigt sei ein durchaus arbeitsamer und höflicher Mensch, kein Slugendiencr und Heuchler gewesen. Bor seiner Entlassung hat Voigt erklärt, wenn er in Deutschland keine Arbeit bekäme, wolle er nach Oesterreich aus- wandern. Diese Absicht habe er dann fallen lassen, und durch Ver- Mittelung des Fürsorgcvcreins wurde ihm die Stellung in Wismar verschafft. Der Hoftchuhmacher hat sich sehr bedankt, daß man ihm einen so ruhigen und geschickten Menschen zugewiesen habe, der das größte Vertrauen verdiene. Der Slnstaltsgeistliche Pfarrer Bern er hebt ebenso wie der Lehrer Zeckewi'tsch hervor: Der Angeklagte hat viel gelesen, namentlich Werke belehrenden Inhalts. Slngeklagter gehörte zu den besseren Elementen. Er hat sich viel darüber lbeklagt. daß die Strafe von 15 Jahren zu hoch sei, er hat fort und fort die Wiederaufnahme betrieben, jedoch ohne Erfolg. Voigt, der bei dem Orgel- spiel in der Anstaltskirche als Balgentreter fungierte, hat sich auch wiederholt bcklagt, daß er keinen Auslandspaß bekomm c. Der frühere Strafanftaltsinspektor Krause hat sich freiwillig gemeldet, um ein Leumundszeugnis für den Angc- klagten abzulegen. Er schildert den Angeklagten als ruhigen, fleißigen Arbeiter und recht bescheidenen, artigen Gefangenen. Hofschuhmachermetster Hilbrecht bekundet: Der Angeklagte Voigt hat bei mir in Wismar als Schuh- machergescllc gearbeitet. Er hat sich ganz ausgezeichnet geführt und war ein guter branchbarer Arbeiter und ein nüchterner und fleißiger Mensch. Ich nur allein wußte von dem Vorleben des Voigt und habe zu niemand darüber gesprochen. Auch habe ich ihm streng untersagt. zu anderen darüber zu sprechen. Denn ich wollte ihn wieder zu einem anständigen und nützlichen Menschen machen. Voigt harte eine Arbertsstube für sich und sollte wie zur Familie gehören. Am Slbend saß er mit mir am Tisch und hat aus der Zeitung vor« gelesen, was er sehr schön konnte. Wenn er einmal des SlbendS fehlte, hieß es gleich: Wo ist denn Voigt heute? Für mich selbst schrieb er sämtliche Briefe. Gleich am ersten Abend arbeitete er bis%11 Uhr nachts, um eine Durchnähmaschiue in Ordnung zu bringen. Nicht nur der Fleiß des Voigt, sondern auch die Ehr- lichkeit ließ nicktS zu wünschen übrig. Er hat wiederholt Gelegen- hcit gehabt, Geld zu nehmen, ich vertraute ihm sogar meinen Kassenfchlüsscl an. Voigt sagte auch einmal: Meister, seien Sie nicht bange, ich nehme Ihnen nicht einen roten Pfennig weg.— Vorsitzender(einfallend): Na ja, Voigt sagt ja auch, er habe sich nie an privatem Eigentum vergriffen, sondern eS stets auf amtliche Gelder abgescbcn. Dies stimmt auch mit seinem sonstigen Vorleben überein.— Ter Zeuge. Hilbrecht erzählt ferner, daß er den Slngeklagten, der jeden Sonntag zur Kirch« ging, in verschiedene Familien ciirgeführt habe, die ihn mit großer Achtung behandelten. Als dem Angeklagten Voigt die Mitteilung von seiner Ausweisung aus Wismar gemacht wurde, hat er bitterlich geweint und gezeigt, daß ihm dies sehr nahe ging, weil er so gern bei mir bleiben wollte.— Der Zeuge bestätigt auch, daß sich Voigt in Wismar redlich bemüht habe. Papiere zu bekommen. DieS sei ihm jedoch aus irgend einem Grunde nicht möglich gewesen. Plaidoyer des Staatsanwalts. Zur Tatfrage nimmt Erster Staatsanwalt Wagner da? Wort: Es ist nicht meine Slufgabe, den Hauptmann von Köpenick, der von der Oeffentlichkeit über Gebühr gefeiert worden, heute hier auch noch in ein glänzendes Licht zu stellen und diesen alten Ver- brecher zu verherrlichen. Aber ich mutz ihm das Zeugnis aus- stellen, daß er die von ihm einmal übernommene Rolle vor- züglich durchgeführt hat. Wieviel er dabei schlauer Berechnung und wieviel er dem Zufall zu danken hatte, will ich dahingestellt sein lassen. Er hat sich nicht nur als Offizier verkleidet und dabei wohl nicht ohne Absicht die Uniform eines nicht in Berlin stehenden Regiments gewählt, sondern auch die Qualität eines militärischen Führers nachgeahmt und dabei«inen erstaunlichen Wagemut an den Tag gelegt. Sein Plan gelang ihn, glänzend und er be- obachtete streng die dienstlichen Formen. Man muß wirklich staunen. wie kühn und konsequent der Angeklagte die Rolle sowohl in der Anlage. wie auch in den Einzelheiten durchgeführt und wie er sich in alle nicht vorauszusehende Zufälligkeiten hineingcschickt hat. Daß er dies fertig brachte, obwohl er nur ein Schuhmacher war. der die Hälfte feines Lebens hinter den Mauern des Gefängnisses und Zuchthauses zugebracht hat, das hat ihm vielleicht in der Oeffentlichkcit die Sympathie und Be- wunderung eingebracht. Dies« ist mit Rücksicht auf seine Person nicht angebracht, wegen der Geschicklichkeit, mit der der Gaunerstreich ausgeführt wurde, begreiflich. Wenn aber der An- geklagte seine Rolle so trefflich gespielt hat, so kann man seinen Opfern doch keinen Vorwurf daraus machen, daß sie sich haben töuschen lassen. Es ist ihnen mit dem falschen Hauptmann ebenso gegangen wie den Soldaten und vielen anderen Personen, die ihn sämtlich für echt gehalten haben. ES kommt doch auch in Betracht die grenzen- lose Erregung, in die diese Herren durch die Erklärung des An- geklagten, daß er sie im Namen Sr. Majestät verhafte, versetzt sein müssen sowie die hülflose Lage, in die sie durch ihre Freiheitsberaubung und die Absperrung des Rat- Hauses versetzt wurden, schließlich der moralische Druck, de n zehnprenßischeGardi st e» mit aufgepflanztem Seitengewehr ausüben. Der Bürgermeister hatte ja auch keine Ahnung, daß es aus die Kasie abgesehen war. und so hat er sich versländigerweise der Gewalt gefügt. Der Angeklagte hat seine Absicht, die Hüter der Stadtkasie zu Köpenick zu täuschen, vielleicht über sein Erwarten hinaus erreicht und er hat durch diese TÄlschung den Rendanten beranlaszt, ihn, daZ Ziel seiner Wünsche, die Kassenschlüssel herauszugeben. Der Staats- anwalt setzt in längeren juristischen Darlegungen auseinander. oatz neben den nr der Anklage verzeichneten geringeren Delilten Betrug und Fälschung einer Pribaturkunde vorliegt. Der Haupt- mann von Köpenick hat nicht nur der weiten Welt Rätsel, sondern auch der hohen Justiz eine harte Nutz zum Knacken gegeben. Wenn man die Frage der Erpressung und der Täuschung erwägt, so kommt man zu dem Schluß, daß halb das eine und das andere vorliegt. Der Staatsanwalt vertritt die Ansicht, daß räuberische Er- Pressung nicht angenommen werden könne. Was die Strakabmessnng bewifft, so schließt er. so halte ich die AuSrede des Angeklagten, daß es ihm nur auf einen Paß angekommen sei, nicht für sehr glücklich. Es scheint, als ob er mit dem Soldateurock auch das Soldatenglück ausgezogen habe. Noch unglücklicher ist die Jnter- pretation, die er der Unterschrift unter der Quittung geben will. Es ist Pflicht, diesen alten Gewohnheitsverbrecher so lange als möglich unschädlich zu machen, und gerade sein Fall liefert den Beweis dafür, daß die Polizeiaufsicht, so hart sie für den einzelnen sein mag. im Interesse der Allgemeinheit notwendig ist. Wie entlassene Gefangene zu behandeln sind, ist ja seit langer Zeit Gegenstand der Erwägung der berufenen Organe. Der Angeklagte ist ja nicht als gebrochener Mann aus dem Zuchthause gekommen, sondern er hat rasch Gelegenheit zum Arbeiten und Verdienen gesunden, ist dann aber wieder ganz plötzlich dem verbrecherischen Triebe gefolgt, und hat alles�an seinen abenteuerlichen Plan gesetzt. Einem solchen Manne gegenüber gilt es nur zu sühnen und zu sichern. Zu sühnen ist sehr viel. Es handelt sich um einen kühnen Eingriff in die mili- tärische Kommandogewalt und einen dreisten Angriff auf die Köpenicker Gemeindeverwaltung, um eine arge Störung der staat- lichen Ordnung. Ich beantrage gegen den Angeklagten fünf Jahre Zuchthaus, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und Einziehung der Uniform. Plaidoycr der Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Schwindt: Im schroffsten Gegensatz zu dieser kolossalen Sensation, die der Fall weit über Deutschland hinaus erregte, steht die ruhige, sachliche und streng juristische Be- Handlung, welche die Sache hier in diesem Saale gefunden hat. Nichts von dem, was sich draußen in der Welt abgewickelt hat, durste der Sache bis hier in den Gerichtssaal folgen, nur eins ist von draußen her gefolgt, nämlich ein Gefühl eines gewissen mensch- lichen Mitfühlens und Mitleids mit dem Angeklagten. Der Verteidiger kommt nach nochmaliger Erörterung der einzelnen Vorfälle zu der Ansicht, daß die Handlungsweise des Angeklagten nur die Tatbestandsmerkmale des Betrngsparagraphen 263 des Straf- gesetzbuchs enthalte und nicht die des Erpreslungsparagraphen. Nicht der Ausdruck Räuberhauptmann erscheine hier am Platze, sondern die vom Staatsanwalt gebrauchte Bezeichnung.Gaunerstückchcn", und dies sei gleichbedeutend mit Betrug. Die Angabe des Angeklagten, er habe es anfänglich gar nicht auf die Stadtkasse abgesehen, erscheine sogar glaubhaft. Ihm sei ja auch in fast überraschender Weise das Geld von den Gemeindebeamten förmlich in den Schoß gelegt worden. Erst dann wird der Angeklagte wohl auf den Gedanken ge- kommen sein, sich statt der Reisepapiere, die er zuerst sich verschaffen wollte, nunmehr das Reisegeld zu verschaffen. Bei der Höhe der gegen Voigt zu verhängenden Strafe müsse in erster Linie in Be- rücksichtigung gezogen werden. daß der Angeklagte nach Ver- büßung jener fiinfzehnjährigen Zuchthausstrafe tatsächlich als ge> besserter Mensch in die Freiheit zurückgekehrt sei. Er habe arbeiten wollen und auch gearbeitet, und wer nach schwerer Tat zur Arbeit zurückkehrt hat gesühnt. Voigt habe von 4 Uhr morgens bis abends ö Uhr still und ruhig gearbeitet, kein Lokal besucht, nichts für sich selbst ge- braucht. Aus dem Wege der Rückkehr in die anständige Gesellschaft sei ihm plötzlich wie ein Blitz aus heiterem Himmel die Ans- Weisung gekommen. An und für sich stehe ja der Polizei dieses Recht zu, man müsse dabei aber so verfahren, daß man arbeits- willige und in der Besserung begriffene Leute damit verschone und nur Bummler und Arbeitsscheue, die eventuell einer Gemeinde zur Last fallen würden, ausweise. Dieses Herausreißen aus dem warmen Neste, welches ihm die christliche Nächsten- liebe eines Pastors gebaut hatte, ist das Verderben des Voigt ge- worden, der damals hinausschrie iw die Welt: Ihr gönnt mir armen alten Mann nirgends ein Plätzchen, Ivo ich meine müden Knochen ausruhen kann. Der Angeklagte hat sich gegen die Menschheit durch seine Taten vergangen, aber die Menschheit hat sich durch jenes Ilmherhetzen, durch jene Ausweisungen furchtbar gerächt an ihm. Der Verteidiger appellierte zum Schluß an das Mitleid für den alten Mann. Rechtsanwalt Bahn: Nach meiner Ansicht ist die Sache nicht vorwiegend aus juristischen Gesichtspunkten sondern aus dem Herzen heraus zu beurteilen. Mir ist unter Angeklagten kaum jemals eine Figur untergelaufen, die von solcher Tragik heimgesucht wurde und so sehr das Mitleid verdiente wie der Angeklagte Voigt. Der Staatsanwalt nannte ihn einen altcli Verbrecher, man muß aber in diesem Falle tiefer hineinsteigen in das Seelen- leben des Angeklagten, sowie in die Tiefen der Strafvollstreckung und der AnSweisungspolitik. Voigt ist ein Opfer der Verhältnisse geworden, ein Opfer höherer Gewalt, die ihn wieder auf die Bahn des Verbrechens gedrängt hat. In seiner Jugend hat er es schlecht gehabt im Vaterhause, er kam ohne genügende Reife in die Groß- stadt, er machte als siebzehnjährige schilderten Fälschungen der Postanweisu �er Mensch die von ihm ge- ungen und erhielt die furcht- bare Strafe von zehn Jahren Zuchthaus, die heute wohl in ganz Preußen kein Gerichtshof einem so jungen Menschen auferlegen würde. Noch siirchtbarer und der Straftat kaum angemessen war die fünfzehnjährige Zuchthausstrafe. Seine Denkungsart spiegelte sich in einem von ihm selbst geschriebenen Lebenslauf wieder, der geradezu erschütternd ist und u. a. das schöne Zitat ent- hält:„Wer will in die Fremde wandern, der muß mit der Liebsten gehen, es jubeln und lachen die andern und lassen den Fremdling stehen l" Die 1ö Jahre Zuchthaus erschienen ihm umso drakonischer, als ja keinerlei Schaden entstanden war. Der Angeklagte ist zweifellos der Polizei zum Opfer gefallen, sein Zug nach Köpenick ist auf die Ausweisung zurückzuführen. Redner kritisiert hierauf die AusweisungSmethodcn. Die Auz- Weisung auS Mecklenburg hatte keine gesetzliche Unterlage. Hätte man den Angeklagten bei dem Meister Hilbrecht in Wismar gelassen, so wäre eS nicht zu der Tat in Köpenick gekommen und er säße wohl noch heute ruhig auf seinem Schusterschemel und strebte einem friedlichen Lebensabend entgegen. In juristischer Beziehung steht der Verteidiger auf dem Standpunkte, daß räuberische Erpressung vorliege und die Sache vor das Schwurgericht gehöre. Wenn das Gericht anderer Ansicht sei, so sollte es eine milde Strafe aussprechen. Das staatliche Ansehen sei durch den Schuster Voigt wirklich nicht geschädigt worden. Er habe auch nicht den Militarismus herabgesetzt, sondern im Gegenteil gezeigt, wie unerschütterlich der militärische Gehorsam ist. Er sei ein genialer Schauspieler, über dessen konsequente und logische Durch- führung seiner Rolle das Publikum gelacht habe. Der Urteilsspruch. Nach längerer Beratung verkündete Landgerichtsrat D i e tz das Urteil dahin: Der Angeklagte wird wegen Tragung einer Uniform, Vergehens gegen die öffentliche Ordnung, Freiheitsberaubung, Be- trnges und schwerer Urknndenfälschung zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt. Die bei der Tat benutzten AuSrüstungsgegenstände sind einzuziehen. Bei der Strafabmessung waren die" verschiedensten Gesichtspunkte zu erwägen: Die ganz besonders schweren Vorstrafen des Angeklagten, bei denen der Gerichtshof hier nicht prüfen kann, ob sie zu hart waren. Der Angeklagte hat ferner in schwer ver- brcchcrischer Weise sich vergangen, eS handelt sich in der Tat um einen schweren Eingriff in die Kommandogewalt des Staates um eine äußerst raffinierte Art und Weise, wie es der Angeklagte verstanden hat, alles unter seine Gewalt zu bringen und wie er den Plan bis aufs kleinste ausgeklügelt hat. Bezüglich der schweren Urknndenfälschung sind ihm mildernde Um- stände bewilligt in der Erwägung, daß Voigt einerseits tatsächlich ein Opfer der Verhältnisse und der bestehenden staatlichen Ordnung geworden und ohne die Ausweisungen vielleicht noch heute ruhig als Schuhmacher in Wismar lebte, daß also mit der Ausweisung ein schweres Unglück über ihn gekommen ist, anderer- seits aber noch mehr in der Erwägung, daß die schwere Urkundenfälschung gegenüber den anderen Straftaten vollständig im Hintergrund steht und ein bloßes Annex zu diesen schon abgeschlossen gewesenen Straftaten bildet.— Auf Beftagen des Vorsitzenden er- klärt der Angeklagte auf Rechtsmittel zu verzichten und die Steife annehmen zu wollen. Die Sitzung wurde um 7 Uhr geschlossen._ Vorort- JVacb richten* Charlottenvurg. Verein freier Kindergarten. Montag, den 3. Dezember, abends 8Vz Uhr, findet im Volkshause. Rosinenstr. 3, die General- v e'r s a m m l u n g des Vereins statt, in welcher Herr Professor Wilhelm Förster einen Vortrag über«Gemeinschasts- erziehung" halten wird. Um den Kindern eine Wcihnachtsfreude zu bereiten, veranstaltet der Verein Sonnabend, den Ib. Dezember, im Volkshause ein Winterfest mir Spielen, Bescherung. Kasperlc-Theater und anderen Belustigungen. Beginn um 4 Uhr. Eintritt für Erwachsene 20 Pf., für Kinder 10 Pf. Groß- Lichterfelde. Eine Brandkntastrophe, bei der ein Kind den Tod gefunden und ein zweites lebensgefährlich erkrankt ist, hat sich in der Lorenzstraße ereignet. Als nachmittags in der fünften Stunde die dort wohn- hafte Frau de§ Arbeiters Bonatz heimkehrte, bot sich ihr ein er- schütternder Anblick. Das Wohnzimmer war dicht mit Rauch gefüllt und auf dem Sofa lag der fünfjährige Sohn Willi, ohne ei» Lebens- zeichen von sich zu geben, während vor dein Fenster auf dem Fuß- boden das vierjährige Brüderchen gleichfalls völlig leblos aufgefunden wurde. Es wurde sofort die neugegründete Unfallstation benachrichtigt und nach langen Bemühungen glückte es den, Arzt, den jüngsten Knaben wieder etwas ins Leben zurückzurufen. Dagegen war bei dem älteren bereits der Tod eingetreten. Der Zustand des Bruders ist sehr bedenklich. Die Ursache des verhängnisvollen Brandes ist jedenfalls dadurch entstanden, daß die Kinder, während sich die Mutter nach der Aufwartestelle begeben hatte, im Zimmer mit Streichhölzern gespielt hatten, tvobei eins entzündet wurde und ein Möbelstück in Brand steckte. In ihrer Angst schlugen dann die Kinder die Tür zu und langsani schivelte das Feuer fort und entlvickelte starken Qualm. Der kleine B. hatte Wohl noch den Versuch gemacht, zwn Fenster zn laufen, doch war er noch im letzten Augenblick zusammen gebrochen. Weihensee. In öffentlicher Versammlung wird am Dienstag, den 4. De» zember, abends 8'/, Uhr im„Prälaten" Genosse H. Weise über „Die göttliche Weltordnung" sprechen. Da außerdem Bericht und Neuwahl der örtlichen Vertrauensperson auf der Tagesordnung steht, ist es Pflicht der Genossinnen, in der Vcrsamntlung zu erscheinen. Auch uns noch fernstehende Arbeiterinnen sind eingeladen. Die Vcrtrauensperson. Erkner. Zwei der Straßenräuber, welche die Raubanfälle in Erkner verübt haben, sind am gestrigen Tage verhaftet worden. Wie wir mitteilten, wurde der Lehrer Steiler, als er sich auf dem Nach- hausewcge befand, von der Räuberbande angegriffen, die mit Revolvern auf ihn schoß. Gestern bemerkte St. auf dem Wege zwischen Erkner und Rahnsdorf zwei junge Burschen, in denen er Teilnehmer an dem Raubanfall erkannte. Er verfolgte sie und berankaßte in Rahnsdorf ihre Verhaftung. Reinickendorf. Eine öffentliche Versammlung des Kreises Niederbarnim finde ain nächsten Mittwoch, den S. Dezember, abefißs 81/3 Uhr bei Franke, Eichbornstraße 18, statt. Außer einem Vortrag des" Parteisekretärs Genossen Müller über:„25 Jahre Sozialreform und Arbeiterinnen- schütz" soll die Wahl einer Delegiertin zum preußischen Parteitag vorgenommen werden. Reger Besuch der Genossinnen und Genoffen ist erwünscht. Die KreisvertrauenSPerson. Mühlenbeck. Eine unerwartete Trauerbotschaft traf am Freitag abend bei der Mühlenbecker Arbeiterschaft ein. Der um 5� nachmittags von Reinickeudorf-Rosenthal abgehende Personenzug der Liebemvalde— Groß- Schönebeckcr Kleinbahn überfuhr den dort sehr bekannten Parteigenossen Wilhelm I den. Die Einzelheiten des Unglücks- falles sind bis zur Stunde noch nicht bekannt. Jedenfalls wollte I., tvelcher in Nieder-Schönhausen arbeitete und all- abendlich mit dem Rad nach Hanse fährt, noch den Bahn- Übergang zwischen Schildow und Mühlenbeck passieren, als der Zug schon in der Nähe war. Bei dem schlüpfrigen Wege ist er entweder zu Fall gekommen, oder der sonst nur als nüchtern bekannte Iben hat das Läutewerl nicht gehört. Mag dem aber sein wie ihm wolle, hier fragen wir: warum haben diese stark passierten Uebergänge keine Schranken und warum werden nicht von dem enormen Ueberschuß ein paar Bahnwärter angestellt? Die Bilanz vom 3. März 1Ü06 der Reinickendorf— Licbenwalde— Groß-Schonebecker Eisenbahn-Aktiengesellschaft spricht von einem im letzten Jahre entstandenen Betriebsübcrschuß von 122 030,45 M. Es dürfte deshalb ein leichtes sein, für genügende Schutzmaßregeln Sorge zu tragen. Die Direktion informiert uns von diesem Vorfall durch ein Schreiben, in welchem sie dem Ver- unglückten die Schuld selbst zuschreibt. Hoffentlich veranlassen unsere Anregungen die Gesellschaft, die erwähnten Mißstände abzustellen. Die Beerdigung unseres Genossen Wilh. Jden werden wir später bekanntgeben. Derselbe ist 43 Jahre alt und hinterläßt eine Frau mit drei kleinen Kindern. Spandan. AuS der Stadtverordiietenversammlung. Zunächst ehrte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Stadtverordneten Denkler in üblicher Weife. Der Vorsteher machte alsdann auf die Mißstände am Bahnübergang in der Klostcrstraße aufmerksam und wies darauf hin, daß bei starkem Verkehr sehr leicht ein Unglück entstehen könne. Er legte dem Oberbürgermeister, als dem Chef der Polizeivertoaltung, die Bitte vor, an jener Stelle einen Polizei- bemnten zur Regelung des Verkehrs postieren zu lassen. Auch sei es notwendig, daß Radfahrer an der gefährlichen Stelle absteigen. Der Oberbürgermeister anerkannte die Berechtigung der Beschwerde und versprach. Abhülfe zu schaffen. Genosse Schmidt benutzte die Gelegenheit, um auf die unleidlichen Vcrkehrsver-hältnisse auf dem Vorplatz des Personenbahnhofs aufmerksam zu machen, die eine ständige Gefahr für Fußgänger seien. Für die Herstellung einer Kondens- und Regenwass e rlei tun g in der Hamburgerstraße bewilligte die Versammlung 150 000 M., dieselben werden von der Sparkasse entliehen und mit 4 Prag, verzinst sowie mit 2 Proz. getilgt. Eine längere Debatte entspann sich über die Vorlage, die Gcuehmi- gnng des Tauschvertrages mit dem königlich preußischen Staats- fiskus(Wafferbauverwaltung) betreffend. Schon verschiedentlich hat sich die Versammlung mit der Vorlage, einen Landaustausch in den Sprecunesen zur Herstellung des Spreedurchstichs zu er- möglichen, beschäftigt. Die Wasserbauverwaltung gebraucht zur Herstellung des Sprecdturchstichs eine Fläche von 1 Hektar 49 Ar 3 Ouadraimeter, die Eigentum der Stadt sind. Dafür will nun der Fiskus der Stadt eine Flache von 2 Hektar 5 Ar übereignen. Es soll außerdem der Stadt das Vorkaufsrecht an dem oberen alten Sprcearm zugesichert sein. Die Vorlage wurde je Hoch in die geheime Sitzung verwiesen. Abgelehnt wurde nach längerer Debatte die Magistratsborlage betreffend Erhöhung, des Kauf. Preises für das Eckgrundstück Adam- und Földerichstraße um 1000 M. Z-u ertxähnen ist noch, daß dem Jugcndschriftenausschuß 50 M. als Bcihülfe zu der Jugendschriftenausstellung bewilligt wurden. Hierbei regte Genosse Schmidt die Errichtung einer öffentlichen Lesehalle oder einer Vokksbibliothck an. Es folgte als- dann eine geheime Sitzung. SrÄftMrlW Berlins nl llnigegenil. Den Mitgliedern zur Slachttcht, daß unser Mitglied Paul«Hillen aus Klub„Kairo' am 20. November verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. Dezember, nachmittags 2'/, Uhr, vom Traucr- hausc Gerichtstraße 58 auS statt. 297/20 Der Torstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anccige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Paul Müller gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 2. Dezember, nach- mittags 2'L Uhr, vom Trauer- Hause Gerichtsw. 56 aus statt. Rege Beteiligung erwartet 160/15 Die Ortsverwaltung. IfeM(!bp Blieb- und SteinfSnickerei-liülfsärbeiter u. iriteiterinneo Deutsebiaads. Ortsverwaltung Ucrlin. Zahlstelle Tl. Todes- Anzeige. Am 29. November starb nach schweren Leiden unser Mitglied, der Kollege .Albert Heise im 27. Lebensjahre. Ehre feinem Andenken I Die Ortsverwaltung Berlin II. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. Dezember, nach- mittags 2'l1 Uhr, vom Augusta- Hospital in der Scharnhorststraße nach dein Himmelsahrts-Kirchhos in Nieder-Schönhausen, Nordend, statt. 44/2 Li'. LvkunSmann Speziat-Arzt jür 30742* Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrlchstr. 203, Ecke Schützenstr. 10—», 5-7, Sonnt. Iv-I« Uhr. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Metallarbelteri», Frau kugusle SIeDltowsllv gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 2. Dezember, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Genieinde-Kirchhoses in Rummelshurg ans statt. Rege Beteiligung envartet 180/13 Die Ortsverwaitung. frrif ilminipng dkrMnnrerDr»Wa»ds. Ortsvetein Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Prltz? Mlerke Zahlstelle Norden I am 1. Dezember verstorben ist. sibre seinem Einlenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. Dezember, nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle deS Zions-Kirchhoses, Nord- end, aus statt. t 30/15 Um rege Beteiligung ersucht Der Borstaud. Todes-�nxeixe. Allen Genossen und Belannlen zur Nachricht, daß unser kleiner Sohn Fritz am 30. November nach einer schweren Krankheit saust entschlafen ist. Die Beerdigung findet am 4. d. Mts.. nachmittags 2'/, Uhr. vom Golgalha-Kirchhos aus' statt. Um stilles Beileid bitte» Die irauermlen Eltern Emii I-angc und Frau, Gartenstr. 13, o. IV. Küttftl. Zähne Plombieren, Ncrvlötcn u. schmerzloses Zahnziehen.* V. KalilMlll), Dent/«*: Berlin C., Rosenthalerstr. 4 l, a. Tor. — ag—'im n in■ i»i i im■ Todes-Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Maurer k�rieclrick /VUerke nach kurzem, schwerem Kranken. lager am 1. Dezember ver- schieden ist. Dies zeigt tiesbetrübt an Witwe Friederike BHerke nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle der Zionsgemeinde Nordend aus statt. 31892 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgänge meines lieben Mninics, des Tischlers Erieitrieli Köcher, sage ich hiermit allen lieben Verwandten, Freunden, dem Spar- verein Notgroichen, dem Birkholzauer Verschöncrungsverein und der Firma Knabe u. Thql meinen innigsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Ida Kttchcr geb. Schulz e. Danksasnng. Sage hierdurch allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Wahl- oerein sür den zweiten Wahlkreis so- wie dem Verbände der Schneider und Schneiderinnen, den Kollege» der Werkstatt G. Benedikt und dem Ge- sangverein der Schneider sür die sehte Ehre und die schönen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS meinen innigsten Dank. Die trauernde Witwe 1?Ä Ann» Köllen?. Verein für Frauen lind Mädchen u. üniyegend. Todes-Anzcigc. Den Mitgliedern hierdurch zur Nachricht, daß am 29. d. Mts. unser Milglted lause Franke geb. Lenicker plötzlich, ganz unerwartet ver- stürben ist. Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 2. Dezember, nach- mittag« 3»/, Uhr, von der Leichen- halle des Schöncberger FriedhoseS, Mnrstraße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung der Mitglieder ersucht 1/12 Der Vorstand. Treffpunkt der Mitglieder um 3 Uhr beim Gastwirt Grobke, Max- und EberSstraßen-Ecke. Zu Weihnachten offeriere Ich billig: Teppiche, Steppdecken, Tischdecken, Portieren, Gardinen, Bett- u. 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Dezember 1906. Partei- Angelegenheiten. Am Dienstag, dcn 4. Dczcmber, 8 Uhr abends, finden in den sechs Berliner Wahlkreisen die Versammlungen statt, welche sich mit dem preußischen Parteilage und der Wahl der Delegierteir zu dem- selben beschästigen. Dräiels Festsäle, Neue Friedrichstr. 35, Hofjäger-Palast, Hasenheide 52/53, Gewerkschastsbaus, Engel-Ufer 15, Andreas-Festsäle, Andreasstr. 21, Altes Schützenhaus, Linienstr. 5, Gcrmania-Säle, Chausseestr. 103. Das Mitgliedsbuch legitimiert zum Eintritt in die Versammlungen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Aktionsausschuß. Zur Lokallistc! In Niederschönhausen steht uns das Lokal ,.C a fv B e l l e v u e", Kaiser Wilhelmstraße 10. zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung, dagegen steht uns das neuerbaute Lokal..Neu- K a r l s h o f"(Oekonom Krause), Beuth- und Char- lottenstraßen-Ecke nicht zur Verfügung, worauf lvir die Partei- genossen und besonders die Vereine hinweisen. Nach den bisherigen Verhandlungen in dieser Angelegenheit zu schließen, scheint der Lekonom der Meinung zu sein, aus den Besuch der organisierten Arbeiterschaft verzichten zu können. Die Lokalkommission. 1. Wahlkreis: 2 3.' 4. 5. 6. Kreis-Wahlverein Nieder-Barnim. Am Sonnabend, dcn 8. Dezember, abends 8 Uhr findet eine Generalversammlung in Rummelsburg bei We igelt, Türoschmidtstraße, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Die bevorstehende Preußen-Konferenz. Referent Arthur Stadthagen. 2. Wahl von Delegierten. 3. Statutenänderung. 4. Kreisangelegenheitcn. Die Delegierten müssen mit Mandaten versehen sein. Der Borstand. F. A.: G. Freiwaldt, Pankow. NlZ. Dritter Wahlkreis. Heute abend 0 Uhr findet, in den Armin- hallen, Kommandantenstr. 20. eine Versammlung mit Frauen statt. Genosse Dr. Paul Bernsiein spricht über:„Oeffcntliche und private Gesundheitspflege". Nach der Versammlung gemütliches Beisammen- sein. Enttee inklusive Garderobe 20 Pf. Tanz frei. Rixdorf. Eine Bolksversammlung für Männer und Frauen findet am Montag, den 3. d. Mts., abends 8�/z Uhr, in Hoppes Festsälen, Hermannstr. 48/49, statt. Genosse Düwell hält einen Vortrag iiber: .Die Frau im Klassenkampf". 2. Diskussion. 3. Bericht und Wahl der Verttauensperson. 4. Wahl einer Delegiertin zur Preußen- konferenz. Die Parteigenossen werden ersucht, ihre Frauen und Töchter auf diese Versammlung aufmerksam zu machen und sich selbst zahlreich daran zu beteiligen. Die Äreisverttauensper>on. Friedenau. Die außerordentliche Versammlung am Dienstag, den 4. Dezember, findet abends Va9 Uhr im„Rheinschloß", Rheinstr. 60, statt. Die Versammlung beschäftigt sich mit der TageS- ordnung der Kreisgeneralversammlung, Preußentag usw. Die Partei- genossen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. Johannisthal. Dienstag, den 4. d. M., abends 8% Uhr findet die Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Mendt, Fricdrichstratze 1, statt. Da die Tagesordnung eine reichhaltige ist, werden die Genossen ersucht, zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. Britz-Buckow. Dienstag, den 4. Dezember, abends'/a9 Uhr: Wahlvercinsversammlung im„Landhaus", Chausseestr. 97."Tages- ordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Peus: „Wie wehren wir uns gegen die unerhörte Lebensmittelverteuerung." 2. Diskussion. 3. Bereinsangelegenheiten.— Frauen und Männer als Gäste willkommen. Pünktliches Erscheinen aller Mitglieder erwartet Der Vorstand. Lichtenberg. Auf die morgen abend SVa Uhr bei H. G ü r s ch, Frankfurter Chaussee 128 stattfindende Mitgliederversammlung des Wahlvereins werden die Genossen noch ganz besonders hingewiesen. DeS weiteren wird darauf aufmerksam gemacht, daß der letzte Vor- tragsabend nicht am Dienstag, sondern erst Donnerstag, den 6. Dezember im obigen Lokale abgehalten wird. Der Vorstand. Treptow- Baumschuleiiweg. Nächsten Dienstag, den 4. d. M., abends S'/a Uhr, im Restaurant Mohlau, Ecke Kiefholz- und Elsen- straße, Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Der Vorstand. Zossen. Die Genossen werden hierdurch noch einmal auf die am Mittwoch, den 5. Dezember, abends 8)4 Uhr, im Schimkeschen Saale stattfindende ordentliche Generalversammlung aufmerksam gemacht. Die wichtigsten Punkte der Tagesordnung sind: Wahl des Gcsamtvorstandcs, Jahresbericht, Wahl eines Bezirksführers» Wahl zweier Delegierten zur Kreis-Gencralversammlung. Ein zahlreiches Erscheinen der Genossen ist dringend erwünscht. Eichwalbe. Die regelmäßige Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am Dienstag bei Heinrich, Hankels Ablage, 8 Uhr abends, statt. Um pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Wilhelmsruh. Dienstag, den 4. Dezember, abends 8'/z Uhr, Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Barth, Prinz Heinrich- straße. Tagesordnung: 1. Die Konsumvereinsfrage. 2. Wahl von Delegierten zur Kreis-Generalversammlung. 3. Vereinsangelegeil- heften. 4. Verschiedenes. Zahlreicher Besuch ist Pflicht. Nowawes-Neuendorf. Am Mittwoch, den 6. Dezember, abends 8Vz Uhr. findet im Lokale des Herrn Schmidt, Wilhelmstr. 3, unsere Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag. 3. Wahl von drei Delegierten zur Kreis-Gencralver- sammlung. 4. Besprechung des Organisationsentwurfs für Preußen. 6. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Der Vorstand. Spandau. Diejenigen„Vorwärts"-Aboimenten, welche bisher den„Vorwärts" am Bahnhof in Empfang genommen haben, werden gebeten, denselben den Winter über des schlechten Wetters wegen Streßowplatz Nr. 13, Hof parterre rechts in Empfang zu nehmen. Die Ausgabe erfolgt dort von Dienstag, den 4. d. M. ab von früh SVa Uhr bis 71/2 Uhr._ Bus der frauenbeweejung. Pankow. Dienstag, 4. Dezember, S'/a Uhr. bei Großkurth, Berliner- straße 27: Volksversammlung. Vortrag des Genosseir A. Stürmer:„Der Kampf ums Recht." Neuwahl einer Weib- lichen Vertrauensperson. Um den geehrten Damen etwas ganz Besonderes zu bieten, habe aus allen Lägern meines Geschäftshauses grössere Posten abgezweigt und im Parterre meines Hauses zum Extra- Räumungs-Verkauf gestellt Die Preise sämtlicher Artikel sind zum Teil bis zur Hälfte und noch weiter herabgesetzt. 1 Posten Tuch-Abend- Mäntel j?aS früh. bis 52m. jetzt 2 8m. 1 Posten Tuch-Abend- M äntel"�n�froh. bis 59 m. jetzt 34 m. 1 Posten Modell-Theater-Mäntel N�Sea**. w. 125 m. jetzt 60m. 1—* �».•>,..__ früher 24 30 36 bis 45 M. Posten Astrachan-Jacketts prima_ �______ Qualit. Jetzt 14 19 22bis29M. 1 Posten Astrachan- Boleros-gf-j�r 13 19 22�9£ 1 Posten Havelocks �.53� 10� 1 Posten Seidene Unterröcke NeSIt letzt al 12 löbfigt früher 5.50 8 10 bis 12 M. 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Diskussion und Delegiertenwahl. 3. Partei- und Vereinsangelegenheiten. II. Wahlkreis im Hofjäger-Palast, Sch-Htide 52/53. Tages-Ordnung: i Der preußische Parteitag. 2. Diskussion und Delegiertenwahl. 3. Partei- und Vereinsangelegenheiten. III. Wahlkreis im Gewerkschaftshause, e-gtl-M 15. Tages-Ordnung: i Der preußische Parteitag. 2. Diskussion und Delegiertenwahl. 3. Die Nechtsfähigkeit der Berufsvereme. Referent: Reichstagsabg. Genosse Wolfgang Heine* 4 Ausschluß eines Mitgliedes. 5. Partei- und Vereinsangelegenheiten. IV. Wahlkreis m dm indreas-Festsälen, Wmch. A. Tages-Ordnung: i. Der preußische Parteitag. 2. Diskussion und Delegiertenwahl. 3. Die Rechtsfähigkeit der Berufsvereme. Referent: Genosse(Zeorg Davidsohn. 4. Partei- und Vereinsangelegenheiten. V. Wahlkreis im Alten ScMtzeuhause, Mich. 5. Tages-Ordnung: t. Der preußische Parteitag. 2. Diskussion und Delegiertenwahl. 3. Partei- und Vereinsangelegenheiten. VI. Wahlkreis m dm Germania'SäleL, Cb-Lc-ft. m. Tages-Ordnung: i. Der preußische Parteitag. 2. Diskussion und Delegiertenwahl. 3. Fortsetzung der Debatte über den Mannheimer Parteitag. 4. Partei- und Vereinsangelegenheiten. iVUrgUedsbxicb legitimiert zu alten Versammlungen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Aktions-Auskchuß. . Wahlkreis. Sonntag, 2. Dezember, abends 6 Uhr, in den..Arminhallen", Kommandantenstr. 20: Oeffentl. Versammlung U Männer und Frauen. Tages-Ordnung-„(Dffffiitlirijf und private Gesimdhkitsphkge". R-fn-nt- G-noff- ri*. Rc«..-ie+ö!ri Aach der Versammlung: VoniUtNeUv, aei«anii»viis«in. ur."3111 Dernsiein.— Entree infl. Garderobe 20 Sßf. Tanz frei. nS 5lu reckt»ablreickem Beluck ladet ein 12-11/81 Der Elnberufer. IV. Wahlkreis. Heute Sonntag, den 2. Dezember, nachmittags 5 Uhr, bei Granmann, Nannyi'lr. 27: Versammlung für Männer und Frauen. ÄÄ'eÄ' ä. Hoirmann über-„Himmel, Hölle lllld ihre Semohuer". Nach der Versammlung- M Gemütliches Beisammensein mit Tanz* Um regen Besuch ersucht»er Vorstand- NB. Den Mitgliedern zur Kenntnis: am Freitag, den 7. Dezember, wird das Bureau des WahlveremS. Tilfiterstr. 81. Pünktlich um 7 Uhr abends geschlossen. 263/3 Achtung! Achtung! Partei-, Qewerksehafts- und Jtonsttmgenossen! No« Muntlig, dc» 3., bis Dsuucrstsg, de« ß. Deiember: Wiederholung des am 15. November 1906 im Gewerkschaftshause gehaltenen Lichtbilder-Vortrages: „Sie englische, schweizerische und deutsche Konsumgenossenschalts- Bewegung in Wort ßnd Bild."(Referent: Martin Krolik aus Hamburg.) Die Versammlnugen werden abgehalten: Für I�OrdtttGLlktt(Moabit) am Montag. den 3. Dezember, im„Moabiter Gesell- schaftshause", Wiclefstr. 24 und Emdener- straße 34/35. Für(•havlotfanlinril am Dienstag, den 4. Dezember, im„Bolkshanse", Rosinen- stratze 3. Für den Korden und Wordosten am Mittwoch, den 5. Dczenibör, im Saale der „Brauerei Friedrichshain"(vorm. Lipps), Am Friedrichshain 22—29. Für den Ostetl und SÜdOStCll am Donnerstag, den 6. Dezember, in den Andreas-Festsälen", Andreasstr. 21. Hoß-lnn sämtlicher Versammlnnsen abends S'l, Uhr! Der Eintritt ist frei und ohne Eintrittskarten gestattet!. Wir fordern hiermit die Parteigenossen, die Vorstände der Gewerkschaften und deren Kitglieder sowie die Mitglieder der Konsumgenossenschaften auf, an diesen Versammlungen ' ch zahlreich zu beteiligen. IPST Die Anwesenheit der Frauen aller Genossen ist in Anbetracht der Wichtigkeit und der Belehrung sehr erwünscht. Ii 208/7 M dee ig M. I. A.: Ad. Ritter, Engel-Ufer 13. Wer will Weihnaebten «- trintcn oder verschenken und damit Ehre em iropfen fnnschextrahte usw. selbst und nur allein mit den berühmten Original- Reichel- Essenzen Marke„Liehtherz". Keine Knnstprodiikte.— Natürliche Destillate u. Extrakte. Nachweislich Seste, Bewährteste ÄÄ Billigste. gfVon Kennern als einzigartig erklärt. Rur in 01/ I fp Preis nach Sorte LS, 40, Originalsl. sür&' 2 50, 00, 73 Psg.-c. Bei 8 Flaschen die 7�° gi'ÄtÜT! LIegsnte Ltiquetten zur Ausstattung der Flasche liegen jeder Sorte bei! 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Diskussion, 22ö/6 Nach der Versammlung i lZkIMlIiCitöS Lei8WMKlI8eiN MÜ TaHZ, Zahlreichen Besuch envarlct_ Der Elnbernfer. Sozialdemokratischer Zentral-Wahlverein für Teltow- ßeeskow- Storkow- Gharlottenhurg. Tonntag, den 9. Dezember, nachmittags 4 Uhr, in Dempelhof» Restaurant WilhelniSgarteu(Jnh. bluoliul/e), Berlinerstrasje S: Geiierot- Nersniiimlliilz des Kttiscs. Tages-Ordnung: I. Der preuhische Parteitag. Referent: k-aul Nirsed. 2, Anträge zum Preußischen Parteitag und Wahl der Delegierten zu demselben. 3. Per- schiedcncS. Anträge, welche auf der Geiieral-Versainnilung ihre Erledigung finden follcii, müssen bis spätestens Donnerstag, ven 6. Dezember 1306,'in unserem Bureau eingesandt sein. Die General-Versammlung wird pünktlich eröffnet. Laut Statut ist jeder Wahlverein berechtigt, drei Delegierte zu entsenden. Die Delegierten mupen mit Mandat versehen sein. Parteigenossen haben als Gäste Zutritt. 203/13_ Der Zentralvorstand. sv A.: W. Eberhardt. Sozialdemokratischer Wahlyerein für den Bezirk Lichtenberg. Montag, den 3. Dezember, abends 8'/, Uhr, im„Kronprinzen- Garten"(H. Gürsch), Frankfurter Chaussee 128: Mitglieder- Versammlung. Tage»-Ordnung: 1. Der bevorstcheilde Parteitag von Preußen. 2. Stellungnahme zu der am 8. Dczcinbcr stattsiiidenden Kreisgenerai- Versammlung. 3. Wahl von Delegierten zur Kreisgeneralverjanimlung. 4. Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Tagesordimlig wegen ivird zahlreicher Besuch erwartet. 7iis Rpaphtlinn'®ct Vortragsabend findet Donnerstag, LUl ucabliiuiiy■ den 6. Dezember, abends 8'/z Uhr, im Lokale von H. Gürsch, Franksurter Chaussee 123, statt. Auch ersuchen wir um rege [14/20] Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. '■ 1 1- Zahlstelle Ucrlin.■- Luxusmöbcl- Branche! Montag, den S. Dezember, abends 8'/« Uhr, im„Märkischen Hof", Admiralstraste Nr. 18o: Nttslimiiituiis«lirr i» kilZiislilöhet-slitiriken beschäjtigtcu Arbeiter, als: Mer. Drechsler, Pollerer, Bildhauer, Maschiuen- Arbeiter«t». Tages-Ordnung: 1. Die gegenwärtige Lage und unsere Ausgabe in der Zukunft. 2. Diskussion. 3. Bericht der Kommission. 4. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Kollegen! Es ist Pflicht aller Kollegen, dafür zu sorgen. daß bei der Wichtigkeit der Tagesordnung keiner der in der Branche bc> schästigtm Kollegen fehlt l"MOi/ 37/1?_ Die Kommiitsion. Bahmemttaeher! Mittwoch, dm 5. Dezember 1906, abends ö'/a Uhr bei Naglet, Alei�andrinenstr. 103: vettrauensmänner-veriammtung. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht __ Der Obmann. MWArbkitrr. Mittwoch, den 5. Dezember, abends 8'/, Uhr, in Dräsels Festsälen, Neue Fricdrichstraße 33: Oeffentliclie Versammlung! aller in de« städtischen Betrieben und in den Englischen Gasanstalten beschäftigten Arbeiter. TageS-Ordnung: I DaS RntigewerkschaftSgefeb der ReichSrcgierung und die städtischen Arbeiter. Referent: Kollege Ott» May. 2, DiSlussion. 297,15 L, Der Stand««seter Lohnbewegung. Referent: Kollege Emil Wuyky. DaS Erscheinen aller in städtischen Betrieben bcschästigten-Arbeiter ist eine Notwendigkeit, Aus zum Protest gegen die Realtion I __ Der Ginberufet. = Lackierer!= Mittwoch, den 5. Dezember, abends pünktlich 8'/, Uhr, in Dräsels _ FeftfSlen, Neue Jriedrtchftr. 35: MT" Versammlung der Sektio« der Lackierer der Vereinigung der Maler, ss3===== Lackierer etc. Filiale Kerlin.===s£s= Tages- Ordnung: 1. Rechte und Pflichten aus dem Krankenversicherungsgesetz. Referent: Arbeilcrsctretär Eugen Brückner. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes Montag, den 3. Dezember, abends 8'/., Uhr, im Neuen Kluihause, K o n: in a n d a n t c n st r. 72: 53/5 itortrng:„Jugenderziehung u. Jugendliteratur". HciSiRhuit. Gäste willkommen. Der Vorstand. Wir ersuchen, dieses Mal recht zahlreich und besonders pünltllch zu er- scheinen!— rtuq bitten wir die Kollegen, mit den Billett» vom Kunst- abend umgehend, möglichst aber bis zum 15. Dezember abzurechnen. 107/12 Die Sehtlonsleltanzr» IVSaptern Sie nicht Bhr Gehirn über Ihre Wcihnaclits- Elnkdnfe, sondern bemühen Sie sich zu mir und besichtigen Sie mein ansier- ordentlich reichhaltiges Lager. Silo linden sicher etwas Passendes für Groß oder Klein! Theater- und Uoiscgliiscr von 4,50 JH. an bis zu den elegantesten. Drillen n. Dincenez in allen Formen u. Metallen von l ZI. an. vicscldcn in Ciold u. ISonblC von 4,50 31. an. iCuronieter, garantiert beste Werke, von O M. an. t'Iicrnionieter für Zimmer u. Fenster t>. 30 Pf. an. ReiUzenjrc für Schüler u. Techniker v. 1,Ä5 M. an. * Große Weihnachtsausstellun? Or.niprmnscbiiicn in allen Gröben von 1 W. an. Flsenbuhinon mit Uhrwerk, Dampf- u. clcktr. Betrieb von I.Äi» 31. an. Vorzügliche Klncnmto- urragthen aller Gröben von 7,50 31. an. I,atcrrm ■i.UKie«. VebolblI«Ier-Ai»i>arato, Betrlebs- inodelic, alles t» gröbter Auswahl u. in allen Preis- lagen I Garantie für Jedes Stück k Elcktromotore, Dynamos, Indnktions-Apparntc. 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Mittwoch, 5. Dezember, abends 8 Uhr. im„Englischen Garten", Zllexanderstraste 27«: Branchen-VcrftmunUmg* Tages-Ordnung: 1. Bericht des Obmanns. 2. Neuwahl desselben. 3. Braitchenangelegcnheiten. Regen Besuch erwartet[12K/8J Der Obmann. Kleber! Mittwoch, den 5. Dezember 1906, abends 8 Uhr, bei Augustin, Oranienstraste Nr. 105: Verl a mm tu»g. Tages-Ordnung: Sind die Kleber gewillt, nach Ablauf des Vertrages Lohn oder Akkord zu arbeite». In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist cS Pflicht eines jede» Kollegen, ob organisiert oder nicht, zu erscheinen. 179/10 Die Verbandsleitang. Carl Stier Berlin SO. Oranienstr. 166 Berlin W. Potsdamerstr. U3a Potsdam, Xanenerstr. ÄS. Zur Winter-Saison empfehle ich: ,20, 25 ws 70 m; PeIeriDeB-M8llt8l25,35,40bi895M. Jackett-Anz. 15, 17,50, 20�8 55 m. Rock-Anzüge 27, 33 bis 60 m. Gebrock-Anziige30)36,42bis66M. Winter-Jopp. 7,5o,9,10,Mbis25M. Beinkleider 3,50, 4,s°, 6�13 M. V erriiti� in eilen Orvllen u. Veiten. 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Eine Stichwahl im Landtagswahlkreis Berlin HI— wer härte das gedacht nach dem unbändigen Jubel, mit dem das Ergebnis der Wahlmännerersatzwahlen im freisiimigcn Lager begleitet worden war, weil es dem Freisinn wiederum die Mehrheit zu sichern schien. Das Triumphgeschrei, das ob dieses Ausganges vor drei Wochen Von den Freisinnsblättern angestimmt wurde, ist jetzt einer geradezu katzenjämmerlichen Slimmung gewichen. Am stärksten und zugleich am amüsantesten kommt dieser Um- schwung zum Ausdruck in dem Preßorgan des Forschesten der Forschen, dem Wochenblättchen des freisinnigen Stadtverordneten P e r l s. Dieser Brave hatte vor drei Wochen die tollsten Be- geisterungspurzclbäume geschlagen vor Freude darüber, daß„der ge- waltige Ansturm auf Berlin III, den größten Landtags- Wahlkreis des preußischen Staates, der bei den Reichstags- Wahlen einen sicheren Besitzstand der Sozialdemokratie bildet", nun doch„für die Äatze gewesen" sei. Auf die Oeffentlichkeit der Abstimmung bei den Landtagswahlen dürfe man, so versicherte er. diesen Mißerfolg nicht schieben: denn bei den Stadtverordnetenwahlen habe die Oeffentlichkeit der Abstimmung die Sozialdemokratie nicht gehindert, drei Viertel aller Stadtverordnetenmandate der dritten Abteilung zu erlangen. Von dein ganz besonders gearteten Dreiklassenwahlrecht, das für die Landtags Wahlen Geltung hat, schwieg Herr Perls. Er höhnte:„Die Freisinnigen, die in der sozialdemokratischen Presse als ein Häufchen Elend bezeichnet werden, zeigen wieder einmal, daß, wer zuletzt lacht, am besten lacht." Der„zuletzt lachende" Freisinnsmann verriet hiermit nur das grinsende Behagen, das er darüber empfindet, daß wenigstens bei den Landtagswahlen— dank dem Dreiklassenwahlrecht— das„Häufchen Elend" immer noch wieder obenauf kommt. Daß bei den Stadtvcrordnetenwahlen jede Abteilung allein über ihre Mandate, also auch die dritte allein über die ihrigen ent- scheidet, während bei den Landtagswahlen die erste und zweite Ab- teilung dem Freisinn die Mehrheit zurückgibt, die er in der dritten Abteilung an die Sozialdemokratie verloren hat— das stört diesen „entschieden-freisinnigen" Mann nicht. Derselbe Herr Perls hat auch jetzt, wo die Sozialdemokratie den Freisinn in eine Stichwahl gedrängt hat, in seinem Blättchen wieder ein Geheul angestimmt, aber diesmal heult er nicht vor Vergnügen, sondern vor Schmerz. Er zetert darüber, daß die Landtagsersatz- Wahl in Berlin IH„infolge der Lässigkeit der freisinnigen Wahl- männer leider nicht den glatten Sieg der frei- sinnigen Volkspartei gebracht" habe; er schimpft und tobt über die„würdelose Faulheit gewisser Spießbürger", die am Wahltage�zu Hause geblieben seien, weil es regnete; er brandmarkt es als„Sunde und Schande, daß vollausgewachsene Bürger sich das Mandat eines Wahlmannes übertragen lassen und dann dieses Mandat einfach nicht erfüllen".„Ist's nicht", so fragt er, „eine unwürdige Täuschung des ihnen erwiesenen Vertrauens? Leute, die um alles in der Welt einer verabredeten Skat- oder Kegel» Partie nicht fernbleiben würden, bekommen es vor ihrem Ge- wisicn vor ihrem Bürgerehrbegriff fertig, sich von der Aus« Übung eines durch das Vertrauen ihrer Mitbürger ihnen über- tragcnen Ehrenamtes zu drücken, unbekümmert um die Gefahr, die' sie mit ihrer Pflichtwidrigkeit der Sache bereiten, zu deren Dienst man sie in gutem Glauben an ihre Gewissenhaftigkeit berufen hat. Leute, die so handeln, sollten von allen höher denkenden Bürgern gemieden werden; man sollte sie nicht eher wieder als gleichwertige Mitbürger ansehen, als bis sie ihre Schuld in irgend einer Form gut gemacht haben." Der Schmerz und Zorn des— trotz des DreiklassenwahlrechtS— in seinen Erwartungen getäuschten FreisinnsmanneS ist durchaus bcgrünMt. Wir können auch dem Urteil, das er über seine Parteigenossen fällt, nur zustimmen. Im übrigen aber finden wir die Form, in der er seinem Schmerz und seinem Zorn Luft macht, höchst belustigend. 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Dezember 1906, vormittags. ffur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt, 'Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboren.) 214 307 622 34 899 1000 210 303 600 23 638 124 60 2028 llOOOJ 66 72 122 62 233 77 319 480 15001 643 3004 89 166 846 984 40U 683 193( 39001 97 StSt 229 61 73 394(609) 132|399uJ 0472 602 12 949 187 7288 698 704 61 63 8209 373 489 854 62 9080 363 467 1 0592 993 11419 693 614 919 1 2192 20 372 670 97 709 861 13080 393 442 652 727(10091 937 6 1 80 1 4011 71 317 679 917 1 5183 467 866 907 83 1 6080 UOOüJ 09 170 262 320 699 93 802 17062 203 324 73 622 701 19 18034 263 380 600 1 9119 60 220 320 73 419 366 93 747 87 836 92 913 03[1000] x 20187 233 787 21183 237 43 91 808[8000] 16[600] 493 343 791(399] 833(399] 22919 219 926 23040]300] 120 la«00] 30 3S 336 399 641 743 43 873 936|3001 2403.. 197 838 03 898 2 5010[1000] 48 205 30[3000] 90» 26033[3000] 112 21 307 633 743 44 811 961 70 27071(10001 83 128>10001 70 802 7 72 473 334 38 620 IIOOO] 781 2 8090 91 173[ 3000! 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November, vor* miitaga, lies 153 382 statt 253 382. 22. Ziehung 5. Kl. 2I5.KgI.Preuss.Lottei1e. Ziehung vom 1. Deiember 190«, naobmiltags. Rur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 631[1000] 33 758 862 1 063 342 409 65 677 804 55[500] «0 2841 3114 416 19 722 4291 545 5032 120 274 LI« 794 837 63 95 936 85 6182 816[500] 704 9 29[500] 882 4 061 388 464 544 661 081[3000] 94 8116 261 620 22 915 36 56 9004 131 75 424 61 1500] 892 969 XOÜ15 125 84 323 073 982[30001 X 1030 156 519 652 774 05[3000] 864 911 12170 202 70 303 439 68[1000] 568 797 932 77 85-87 1 3228 300 4 669 1 4013 20 24[1000] 669»67 1 5088 127 209[ 500] 642 718 61 819 977 1 6,66 365 66 415 518 671 72 834 970 1 7049 409 54 605 314(3000) 29[1000] 31 65 988 1 8272 300 403 27 622 635[500] 719 54 1 9163 243 042 53 749 53 818 929 00 2O023 115 41 47[ 3000] 75 254[1000] 508 14 15001 87 641 759 98 850[1000] 21012 103 301[500] 90 415 96 745 96 2 2029 242 79 691 719[500] 23076 627 950 77 2 4295 363 603[1000] 727 53 926 2 5029 117 69 73 86 83 265 826 57 499 809 062[1000] 26096 13«[500] 333 39 634 [500] 714 30 933 2 7 048 83[500] 382 431 91 28053 376 50« 699 945 69 2 9097 189 276 1600] 335 98 469 86 782 818 978 3 0008 118 53 354 99[15000] 463 67 DO 526 899[ 3000] 3 1 010 238 50 350 622[ 3000] 774 876 3 2005 117 91 272 [1000] 372[500] 619 622 37 63 868 75 3 3007 189 314 456 609 731 900 3 4156 429 85 928 51 3 5037 49 587[500] 695 767[5000] 3 6034 38 61 118 86 570[ 3900] 665 82 91 923 [500] 37055 157 Ol[500] 654 756 800 3 8144 90 240[1000] «5 71 38« 450 66 643 76 735 860 930 39161 91[3000] 350 833 936 4O140 74[3000] 208 48 41195 737 4 2069 260 852 902 44 IlOOO] 43018 393 535 682 738 49 823 923 [500] 60 4 4235 491 831[3000] 45137 201 20 407 31 76 600 68«02 29 74 809[500] 46290 337 461 47084 1«4 [3000] 70 289 745 830 4 8 U8 335 402 82 86 561 94 601 794 49137 611 919 06 5O0O0 557 628 812 25 5 1 096 502 82«01 33 885 5 2009 895 907[3000] 33 53433 512 22 46 «09 1500] 829[10001 5 4388 98 863 970 5 5050 101 251 409 535 54 60 88 5 6537[500] 66 856 941 83 57091 104 7 10[3000] 257 493 511 98 751 858 60 88 5 8106 221 41 814 35 425 97 676 722 979[500] 5 9 213 506 601 721 75 60118 84 242 63 762 894 963 6 1 006 103 342 7 0 83 485»0 93 654 70 715 93[500] 800 6 2097 217 7 8 396 403 655 939 83 6 3(73 344 158 75 001 31 983 64,28 54 2,8 .582 498 598 65154 491 884 901 66047 334 460 821 712 85 67150 52 427 658 702 872 6 8025 417 31 41 533 895 69112 63[1000] 321 728[500] 801 40 7O>lJ0 131(3000J 543 77 99[1000] 709 68 865 68 900 7 1 039 130001 597 ,44 823 7 2222 75 IlOOO] 322 468 7 3160 309 65 406 52 610 749 82 899 932 74032[ 3000] 46 182 816 515 661 784 807 924 75032 44 74 336 418 534 620 44 11000] 50 93 {3000] 763 7 6018[ 500] 181 92 783 911 7703« 1500] 48 113 473 82 573 83 87 824 51 7 8015 115 382[500] 403 92 654 flOOO] 878 7 9168 282 1500] 568 650 74 799 8O033 334 632?6D 8 1 053 220 524 797 800 927«6 8 2297 365 568 803 25[lOOO] 906 llOOOl 52 8 3206»7 308 414 826 903 35 84275 32 493 IlOOO] 701[500> 47 841 85001[600] 80 IlOOO] OOS 26[500] 710 971 86147 263 87171 49-1 615 930 8 8039 37» 425 714 15001 30[500] 802 9 22 953 8 9010 181 271«28[lOOO] 735 926 99 90171 412 77 1500] 569 983 9 1 229 317 123 596 747 9217.3 279 314 00 629 878 34 900 9 3087 261 353 415 93 [1000]-670«94[10 000] 815 9 4560 703 SSV 065 95061 [3000] 313[1000] 69 580[3000] 804 973 78 9 6013 74 18« 220 374 753«3. 97 13« 517 ,5. 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November, vor- rmiiagi, lies 97 465 statt 97 453. 'Eüasttooiflijei RedakteuL Hans Weber, Berlin. Füx des Inseratenteil veremtw.: TZ. Gläcke» Bereits Druck Berfas; VorwärtI Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW- Ar. 281. 23. Jahrgang. s. DkilM drs Lmilrls" Kerlim WsdlM Zonntag, 2. Dezember IM. Die Koborttbataürophe in Annen. Wie aus Annen berichtet wird, entstanden dort Freitag abend iiese alarmierende Gerüchte. Ein starkes Polizeiaufgebot wurde nach dem Trümmerfelde gezogen. Die umliegenden Behausungen wurden abermals geräuml. Bei den Aufräumungsarbciten. die nachmittags durch italienische Arbeiter begonnen wurden, soll sich herausgestellt haben, daß der Brand eines Zuganges zu dem öioboritlager noch nicht gelöscht war. Es konnte nicht festgestellt werden, was Wahres daran ist. Viele Einwohner reisten noch Freitag abend ab. Der Amtmann Drees, der mit zwei Kommissaren einen Rundgang um die Unglücksftelle machte, erklärte wörtlich: ?tach menschlichem Ermessen besteht keine Gefahr mehr, jedenfalls ist keine Verschlimmerung eingetreten. Was noch im Boden steckt, kann niemand wissen. Nach einer späteren Meldung hat die Auf- räumung nichts Bedenkliches ergeben; sie soll Sonnabend beendet werden. Nach Angabc der Verwaltung der Roboritfabrik werden noch viele Personen vermißt. Tie Zalil der Toten wird auf bis 80, die der schwer- und lebensgefährlich Verletzten auf 200 geschätzt. Lesfentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- »uttting für jedermann, SW., Sllexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von S'/j—lO Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Berein der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeite- rinnen Berlins und Umgegend, Abteilung VI. Montag, den 3. De- zembcr, bei Schmidt, Jasmunderstratze t: Dislutierabcnd. Lese- und Tiskutierklub»Moabit«. Montag, den 3. d. Mts., Sitzung bci Bachstcin, Salzwcdclcrstr. 16: Vortrag. 65_ 60.-, öS— 50—, 45.-, 40— 36—, 30—. 27— 24.-, 21.-, 18.- 50—, 45—, 40— 36—, 33—, 30.— 27.—, 24.—, 21.—. 1 8.— 15.— Mk. 15.- Vor nehme Mass- Anfertigung. Baer Sohn Spezialhaus grössten Massstabe. Chausseestrasse 24*125• 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20. Der Haupt-Katalog No. 30(neueste Winter-Moden) wird auf Wunsch kostenlos zugesandt. 3C 3 Big XIBE an Das neue prenMche Einkommenstenergefetz für jeden Steuerzahler, ißmä 2Ä. 1.20 per SJachn. L. Schwarr,& Oo.. Bcrlagsbuchhdlg.. Berlin 14u, DreSdenerstr. SO. ■Weibnachts-Üngebote.' Kleiderstoffe Reinwollene Kammgarnstoffe, neueste Farben.... Meter 1.25 hs Reinwollene Damentuche In eleganten Farben--.■ Meter 1.75 bis Reinwollene Cheviots, große Breite........ Meter 1.00 bis Damentuche, dunkle Karos und Streiten...... 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Montag; Cavallsria rusticana. Die Puppensee. Tchauspi�lhaiis. Das GlaZhauZ. Mittags 12 Uhr: Matinee. Montag: Sappho. Neues OPerutheatcr. Egmont. Montag: Die Journalisten. Deutsches. Ein Wintermärchen. Montag: Ein«ommcrnachtstraum. Westen. Der Schmetterling. Mittags 12 Uhr: Matinee. Irene Sauden. IiachmittagS 3 Uhr: Undine. Mfiitag: Der Schmetterling. Loruing. Die Regimcntstochtcr. Nachm. 3 Uhr: Der Wildschütz. Montag: Fra Diavolo. Zentral. Tausend und eine Nacht. Nachm. 3 Uhr: Die Ghcisa. Montag: Der Rastelbinder. Ansang 3 Uhr. Schiller«». tWallner-Thealer.) Der Hochtourist. Nachmittags 3 Uhr: Di« Hoffnung aus Segen. Montag: Die rote Robe. Schiller>.(Artcdrich Wilhelm» städtisches Theater). Mathias Galling. Nachmittags 3 Uhr: Weh' dem, der lügt I Montag: Der Hochtourist. Neues Schauspielhaus. Die Hochzeilssackel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kleines. Nachtasyl. Nachmittags 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Dieselbe Vorstellung. Lessiiig. Der heimliche König.(An- sang 7-/- Uhr.) Nachm. 3 Uhr: Roscnniontag. Montag: DaS Blumcnboot. Berliner. Shcrlok Holmes. Montag: Die Kameliendame. Neues. Die Condottieri. Montag: Dieselbe Borstellung. Komische Oper. Laims. Nachm. 3 Uhr: HoffmannS Er- Zahlungen, Montag: Carmen. Residenz. Triplcpatte. Nachmittags 3 Uhr: Der Stell- Vertreter. Montag: Triplepatte. L u st sp i c l li a u s. Husarcnsieber. Nachmittags 3 Uhr: Die von Hoch- sattcl. Montag: Husarensieber. Deutsch- Amerikanisches. Im wilden Westen. Herr Hauptmann v. Köpenick. Nachmittags 3 Uhr: Ucber'n großen Teich, Montag: Im wilden Westen. Der Hauptmann v. Köpenick. Thalia. Mne lusttge Doppelehe. Nachmittags 31/, Uhr: Charleh» Tante. Montag: Eine lustige Doppelehe. Lnileu. Prcciosa. Nachm. 3 Uhr: Othello. Montag: Ein Wintermärchen. Bernhard Rose früher Carl Weift. Die neue Welt. Nachm. 8 Uhr: AuS Montag: Die neue Welt. Trtanon. Der tznuSsreund. Nachm. 3 Uhr: Ihr zweiter Man». Montag: Der Hausfreund. Walhalla. Spezialitäten. Nachmittags 3'/, Uhr: Spezialitäten. Montag: Speziatitäten Auollo. Spezialitäten. Nachmittag» 3'/, Uhr: Familien- Vorstellung. Montag: Dieselbe Vorstellung. Nietropol. Der Teuscl lacht dazu. Nachmittags 3 Uhr: Auf ins Me- tropol l Montag: Der Teuscl lacht dazu. Kasino. Die beiden Champignol. Spezialitäten. Nachm. 4 Uhr: Singvögelchen-c. Montag: Die beiden Champignol. FolieS Caprice. Debüt Fleisch» mann. Montag: Dieselbe Borstellung. Passage. Spezialitäten. Montag: Dteselbe Vorstellung. RrtchShallen. Stetttner Sänger. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wiulergartc». Spezinlilälcn. Montag: Dieselbe Vorstellung. Urania. Tanbrniirapr SS/Iii. Im Theater abends 8 Uhr: Sizilien. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ttz'rnwarte, Jnyalldenstr. 57iv2 Luisen-Theater Reicheubergerstr. 34. Nachmittags: Othello. «beudS: Preciosa. Montag: Gin Wintermärchrn. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Sbcrlockftolmcö. Montag Gastspiel Lucie Viörna: Die Kameliendame. Dienstag Gastspiel Lucie Viörna: Die Kameliendame. Theater des Westens Station Zoolog. Garten, Kanistr. 12. Sonntag mittag 12 Uhr: Matinee. Irene Sande». Nachm. 3 Uhr halbe Preise: Undine. Abends 7'/, Uhr: Oer Schmetterling. Montag: Der Schmetterling. Dienstag: Der Schmetterling. Neues Schauspielhaus Heute abend 8 Uhr: Die Kochleilsstiiittl. Morgen: Djt fjdchjf itsftlcktl. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Die Condottieri. Morgen und folgende Tage: VIc Condottieri. Kleines Theater. Nachmittags 3 Uhr: Nachtasyl. Zum 188. Male; Ein idealer Gatte. Ansang 8 Uhr. Montag:, llin idealer Gälte. Dienstag: Man kann nie wissen. Komische Oper. Nachmittag? 3 Uhr: HoffmannS Erzahlunjen. PS» Lakmö. Montag: Carmen. Dienstag: Lakmh. Lortzing-Theater eelleallranoestr. 7)8. Nachmittags 3 Uhr: Der Wildschütz. Abends T'/j Uhr: Die Regimentstocliter. Abonnements ungültig. Montag: Fra Ulavolo. Lustspielhaus. Nachm. 3 Uhr: Die von Hochsattel. Abends 8 Uhr: HiiMarenflcbcr. Zentral-Theater. (Operette). 3 Uhr kleine Preise: ii... [DebutFIeischmauu!! .Anfang 8 Uhr. 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Feind, Vetnslraße Nr. 11, die statt. Tagesordnung: 1. Um Tl, Uhr abend» s Wahl von 13 Delegierten der Arbeitgeber pro 1907. 2. Um 8 Uhr abendS: Wahl von 27 Delegierten und 13 Er» s a tz m ä n n e r n der Arbeitnehmer pro 1907. 3. Wahl von 2 Kranlenlontrolleure» an Stelle der ausscheidenden Herren Julius Halbsguth u. Karl Schmidt. Der Vorstand. I. A.: Cuslav Hohdorf, Vorsitzender. NB. Die Ausstellung der Kandidaten findet am 10. Dezember er., abends g Uhr bei Feind statt._ 297/18 MMMM-tM und verwandte« Gewerbe Große Versammlung sämtlicher«rbetigeber sowie der grosifährtgeu Mi'gl'eber obiger Kasse am Donntag. den v. De- zember IVO«, in Plechs großem Saal, Fruchtstr. 3va. Tagesordnung 10'/, Uhr vormittags: Wahl von 57 Delegierten der Slrbeit- geber tür da» Jahr 1S07. Die Arbeitgeber legitimieren sich durch Nennung oer Firma. Tagesordnung 11'/, Uhr vormittag»: 1. Wahl von 134 Delegierten der Kaffenmitglieder für das Jahr 1-27. 2. Verschiedenes. Wahlberechtigt und wählbar find filmt- liche großjährigen Kassenmstglieder über 21 Jahre alt.80!lSfl8-I(0Niesl. Eintritt Sonntags 30 Pf., Montags 15 Ps. Herl!»» nnd Umgegend. 16. Stiftungs-Fest am Sonnabend, den 8. Dezember, präzise 9 Uhr, in der Brauerei Friedrichshain. untH Mitwirkung hervorragender Solisten. NB. Unsere Mitglieder werden gebeten, recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen.— Während des Vortrags bleiben die L-aaltürcn geschlossen._(16(18) Der Vorstand. Qiesen- Weilsnaehts- jlttsstellttitg!!!! CllßllÖS IlltlUSlFie-PalaSt,«'• �antftarter.tr.ia? und Frnchtstr. 57—58. Jteseste nnd größte SelsensuMgkeit des Ostens. Massen-Konzerte Täglich Z bis 5 Kapellen. Aussteilungen" Verkaufsbazare�SctatellungeiD Theater S156L* .so» P wie! jeder Art. Diese Aossfellnng übertrifft alles an Größe and Abwechselung nnd bietet Nenheiten, die bisher noch nicht dagewesen sind. Entree 10 Pf., Kinder in Begleitung Erwachsener frei. Sonn- und Feiertags 20 Pf. 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Berndt& Co. bleibt bis aus weiteres bestehen, bis an dieser Stelle nähere Informationen erfolgen.— Der Bau Jungstraffc wird von der Firma Barl Cör» litz, der Bau Kaiserftraste von der Firma»edot-kl fertiggestellt. auch diese sind als gesperrt zu be. trachten, Tie Verbandsleitung. Beulsebei' kolisrdeiter- Vei'bsud. Wegen Streik und Differenzen find gesperrt: Für Tischler: GUrtner, Dresdenerstraße. ViHkel, Markgrasenslr.«. WenkelM Xachf. Schulz, Gaul, Zieiinski und Grabowski) Mariendors, am Teltowkanal, Ben«llng, Planuser 92 d. Für Perlmutt- u, Kuopfarbeiter: Grlnoi, DreSdeuerstraffe. K-ekaek dt Camp., Reinickcn- dorf, Tegeler Weg. Für Kammacher, Perlmutt- und Knopfarbeiter: Alle Betriebe Berlins und Bororte k Arbeitskräfte werden nur vom Arbeitsnachweise, Engel. llfcr 15 vermittelt, Für Bodenleger: Bau Kaiser-AUee. Ecke Wilhelms- aue; Bau Pariicrstr. 18, Ecke Sächstschestraße, Firma Pnmplan (Ztvischcumeifter H. Kuppig). Zuzug ist streng feruzuhalteu. Die OrtSvcrwaltuug. Einiever! Gesperrt sind sämtliche Bauten der Firma Wenk«!» Bfachtolscr, Hclmlx,«rnbowskl, Gaul <& Zilinskl, Mariendors. Bis jetzt sind ermittelt: Ba» Btadernaek, Lichterfelde, Bahnjtr, 54, Lichterjelde, Karlstraße. Stegliü. Schönebergerstraße. Lnisenstist. Dahlem, Podbielski- straße. Halensee, Trabenerslr. 73. liaat-, Britz, am Kanal, »aeluse. Märiendorf, Feldstraße. Fürsienhof, Potsdamer Platz. Der Obmann. (Zahlstelle llerllo). Acht»«-,; kueddinder und kuedbinderet- Arb eiterinnen. Die Buchdruckerei von E. Barteln, Weißensee, Generalstr. 8, ist wegm Nichtanerkennung des Tarifs MM** gesperrt."MM Achtung; Präger» Die Reklame- Kartonprägerei der Firma!ffl. Book, Kartonsabrck, Adalberlstraße 59 ist gesperrt. Zuzug ist streng sernzuhalten l 26/5 Die OrtSverwaltnng. Aekitungl Aehtuns! Mvierarheiierl Ueber die Pianosabrik Bell � C«.. Audreasstr. 32 und Grüner Weg TS. die unter der Firma kkengedauer Z/aekr. AroeitS. willige sucht, ist nach 14wöchigem Streik die Sperre dauernd verhängt, ,141/16» Zuzug streng fernhalten. Vereinigung der Kusikinstrumeoten. arbsiter, Einem Teile unserer heutige» Nusiagc— für Moabit, Wed* ding, Chaplottenburg and Vororte- liegen Prospekt« bei: K. beS Manufaktur- und Mode» Warenhauses Otto Belwe Xacbf., Berlin, T arm- strnBe 50; S. des Herren- und Knaben- KonfektionSgefchdfteS Her- inanaBebleulag/er.Ber» Iln, DarniutraUe SS; ttlr den Bilden and SUdonten: ein Prospekt der Dentsch- aincrikaniachen Zahnklinik, Berlin B-, Prinzcnstraße 15. (�{»attnie(("tjciuätt?.; TS.&Mt, Declm. Druck u. Verlag: Vomärt» Suchdruclerei u, Äerlagsanjtalt Paul Singrr& Es.. Berlin SW,