Nr. 284. 23. Jahrg. «-imnnems- Prei; vrinummmd»; WD I■(■ Hl �«ehafit»8t We k48jef&flBtnt ftalojrt. »krleljihrl. 330®!t, monott. 1,10 HRT, Mi|{Hf#/ H H H W«eile oder deren gtouw M$»9-. ffa wdchenMch 28 Sfg. frei in« Hau«. I W H H W> H W f4■�K��T/»oliksche und gewerischafniche Berein». Einzelne Nununer S Pf«. Sonntag«. ��Etk IC�H DW Wj IR W> fx.[— und Beriammlung«. Anzeigen« Pf» n�-r mit illuiirierier Sonnlag». Mg«>?WD W M■■■ W> B fl B W) Bl B! 1/„Kleine Hnirtgcn". da,-rfte(fett. Sfi�nnJmmf- MO TO�i-r n0i't' Wi IW B B B B B B B B B B gidrulN-1»ort« Pfg, jede« weiter« E�ragm w �Po�Z�mng«. W■ B JB B B B B mmfiml«orl lv Psg Siellengesuche und Schlaf. Pr�IM." Un.er Kr.n band?ür W B B.W. MM> B �U�WL»lellen-An, eigen da«-rs.e«ort 1° Pfg.. »eulfchland und Oefierreich. Ungarn»>.�U> // Bl t-de« wertere«ort 8 Pfg. Worte«der » Marl, für da« übrige«luSland■ML. Z*" S ��B\ i/ �M I 15 Buchstaben zählen für zwei«orte. » Marl pro Monat. Poslabonncment» MDB /L� �Ml Inserate für die nächste Nummer müssen ÜÄ"?!«."'J.L Sil8901, die Ausgaben 453,3 gegen 421,2 und 374,0 Millionen Mark. Zieht man von dem Ueberschuß noch die einmaligen Ausgaben des ordent- lichen Etats ab, so verbleibt ein Reinüberschuß im Jahre 1905 von 59,5 Millionen Mark gegen 53,5 im Jahre 1904, 52,0 im Jahre 1903, 42,7 im Jahre 1902 und 20,3 im Jahre 1901. Die Einnahmen an Porto- und Telegraphengebühren haben im letzten Jahre die stärkste Steigerung mit 3,13 Proz. gezeigt, während die Zunahme im Jahre 1904 nur 4,84 Proz. betragen hatte.— Aus dem Reichsetat für 1907. Der Etat für die Verwaltung der Reichseiseubahneu berechnet die Einnahme des ordentlichen Etats auf 117 875 000 M.(-s- 10 492 300M). Die Ausgaben des ordentlichen Etats betragen 95 060 910 M. (-f- 6 991 650 M), der Ueberschuß mithin 22314090 M.(-1- 8500650 M.>. Auf die fortdauernden Ausgaben entfallen 88 676 790 M.(4-7 329 530 M.), auf die einmaligen 6 384 120 M.(— 327 880 M.). Hierunter befinden sich zwei Mllionen zur Vermehrung der Betriebsmittel. Zum selben Zwecke werden im außerordentlichen Etat 18'/? Millionen Mark ge- fordert, die im Laufe von 30 Jahren aus den ordentlichen Einnahmen derReichseisenbahn getilgt werden sollen. DieHöhe der diesjährigen Auf- Wendungen für Betriebsmittel erklärt sich aus der ungewöhnlichen Zu- nähme des Verkehrs, welche die Beschaffung von 126 Lokomotiven und 1707 Gepäck- und Güterwagen erforderlich macht, sowie aus der Einführung der vierten Wagenklasse, die vorläufig 250 Personen- wagen beansprucht. Die Gesamtsumme des außerordentlichen Etats einschließlich des genannten Titels beträgt 37 638 500 M. Aus dem Etat des Reichseisenbahnamts, der in Einnahme wie im Vorjahre mit 756 M., in Ausgabe mit 430 300 M.(4- 4880 M.) abschließt, ist ein neuer Betrag von 1600 M. als Jahresbeitrag zu den laufenden Kosten des internationalen Eisenbahnkongresses zu erwähnen. Nachdem fast sämtliche Knlturstaaten diesem seit 1885 bestehenden Kongreß beigetreten waren, hat im vorigen Jahre auch Deutschland seinen Beitritt erklärt.— Der Druckfehlerteufel im Kirchenlied. Das Druckfehlerteufelchen hat die von uns gestem wieder- gegebenen Kirchenliedverse: Dem Kind sie brachten alle drei Gold, Weihrauch, Myrrhen, Spezerei in Dem Kind sie brachten alle drin Dem Kind sie brachten alle drei verhunzt.— Hudlamt Oesterreich. Dem Sieg der Wahlreform widmete Genosse Viktor Adler am Sonntag in einer Riesenversammlung des Wiener Proletariats folgende Worte: »Gestern wurde im Abgeordnctcnhause das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht in zweiter und dritter Lesung beschlossen. (Brausende Hochrufe auf das allgemeine und gleiche Wahlrecht und auf Dr. Adler.) Drei Tage über ein Jahr ist es her, daß wir vor das Parlament gezogen, an jenem glorreichen Tage, in einer Demonstration, die unerhört war und unvergleichlich. Mit ihr haben wir vor aller Augen klargestellt, daß die Arbeiterschaft Oester- rcichs überzeugt und entschlossen ist, die Notwendigkeit für Oester- reich durchzusetzen, koste es, was es wolle.(Stürmische Zu- stimmung.) Ein Jahr der schwersten politischen Arbeit ist ver- gangen, ein Jahr voll Krisen, voll Gefahren, ein Jahr, wo jede Woche so viel politischen Inhalt hatte wie sonst oft nicht Jahre. Dieses Jahr ist zu Ende, und das gleiche politische Recht ist eine Tatsache in Oesterreich.(Brausender Jubel.) Parteigenossen! Wir sind weit davon entfernt, zu sagen, daS Proletariat allein habe durch seine Uebermacht und durch seine Gewalt das gleiche Recht durchgesetzt. Wir wären ohnmächtig, wenn wir uns nicht in den Dienst der geschichtlichen Notwendigkeit ge- stellt hätten; wir wären ohnmächtig, wenn wir nicht die Träger wären der Ideen, die zum Siege kommen müssen, wenn die Ver- nunft der Menschheit sich verwirklichen soll. So aber sehen wir. daß die geschichtliche Notwendigkeit überwunden hat den Wider- stand der Kurien, den Widerstand der Bureaukratie, den Wider- stand alles dessen, was Macht und Gewalt hat in Oesterreich, und so wissen wir. daß die Kraft unserer Idee uns auch weiter führen wird. Das allgemeine und gleiche Wahlrecht, das Ende des Kurien- Parlaments und der Kurienschandc, der Beginn eines wirklichen Volksparlaments ist in diesem alten Oesterreich Tatsache. Zwar, Genossen, ist noch nicht der letzte Streich zu diesem Werke getan. Noch harrt das gleiche Wahlrecht der Unterschrift des Herrenhauses. Wir wissen sehr genau, leicht wird es den Herren im Herrenhause nicht werden, das gleiche Recht des Volkes anzuerkennen. Das wissen wir. Aber wir haben das eiserne Vertrauen, daß die un- abwendbare Notwendigkeit, di« das Abgeordnetenhaus, ja die die viderftrebenden Parteien gezwungen hat, das gleiche Recht zu fördern— wir sind überzeugt, daß diese Notwendigkeit für den Staat, für das Volk und für die Möglichkeit der Kultur und Ent- Wickelung in Oesterreich auch stark genug sein wird, daß sich die Herren im Herrenhause ihr werden beugen müssen. Fern von uns liegt es, Terrorismus üben oder auch nur andeuten zu wollen. Wir wollen die Herren nicht vergewaltigen— wir haben ja nicht die Gewalt hierzu—, aber vergewaltigt werden sie werden, und beugen werden sie sich müssen, wie wir uns alle beugen müssen vor der Notwendigkeit der Völker und des Staates. Parteigenossen! Den Arbeitern Oesterreichs aller Zungen gebührt heute der größte und wärmste Dank ganz Oesterreichs. Sie haben in einer wahrhaft musterhaften und bewundernswerten Weise gezeigt, daß sie alle Eigenschaften haben, die zur politischen Reife gehören, die sie befähigen zu großen politischen Dingen. Die Arbeiterschaft Oesterreichs hat Energie, Entschlossenheit und Kampf- bereitschaft gezeigt, wenn es notwendig war; sie hat aber auch eine weise Mäßigung, jene kluge Zurückhaltung zu bewahren gewußt, wo es am Platze war. Tapferkeit und Weisheit, die haben unsere Sache zum Siege geführt. Eins will ich noch sagen: ich hoffe und wünsche, daß das klaffen- bewußte Proletariat Oesterreichs, das mit dieser bewundernswerten Energie und mit dieser noch größeren Weisheit sein Recht zu er- kämpfen verstanden hat, dieselbe Weisheit und dieselbe Kraft be- wahren wird, wenn es gilt, das Recht zu gebrauchen, das es sich jetzt als Waffe erkämpft hat, seine Interessen durchzusetzen.(All- gemeiner Beifall.) Das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht ist heute ein erreichtes Ziel; von morgen an ist es der Beginn eines neuen Kampfes in neuem, größerem Umfang, mit mehr Kraft und mehr Mitteln und hoffentlrch auch mit mehr Glück für die Arbeiterschaft. Der Kampf für das Wahlrecht ist zu Ende. Was nun beginnt, ist der Gebrauch des Rechtes, ist der Kampf für die speziellen Interessen der Arbeiterklasse, bewehrt mit dem gleichen Rechte, das sie sich erobert und von niemandem wird nehmen lassen.(Tosender Beifall.) Und so schließe ich: Es lebe das all- gemeine, gleiche und direkte Wahlrecht! Es lebe die internationale Sozialdemokratie!"(Brausende Hochrufe, jubelnde Begeisterung in der ganzen Versammlung.) Ungarn. Im Budgetausschuß der österreichische» Delegation zu Budapest hielt am Dienstag der Minister des Aeußern, Freiherr v. Nehrenthal, ein großes Exposo, in welchem er die freundschaftlichen Beziehungen Oesterreich-UngarnS zu.allen Faktoren der europäischen Politik"— zumal zu Deutschland— Italien und— Rußland betonte. Zur Marokkosrage machte der Mnister folgende interessante und wichtige Ausführung: .. Die marokkanische Frage ist auch dermalen noch nicht abgeschlossen, die Spannung, welche sie in einem gegebenen Momente in Europa erzeugt hatte, liegt noch nicht weit genug zurück, als daß es unbedenklich erschiene, schon jetzt diese heikle Phase der betreffenden Verhandlungen neuerlich vor der Oeffent- lichkeit aufzurollen." Das Expose fand großen Beifall, und das Budget des Ministeriums des Aeußeren wurde nach längerer Diskussion in der General- wie in der Spezialdebatte angenommen. Schweiz. Die Volksabstimmung über die Trennung von Kirche und Staat im Kanton Neuenburg ist auf den 19. und 20. Januar 1907 fest- gesetzt.— Auch im Kanton Aargau ist die Frage der Trennung der Kirche vom Staate aufgetaucht. Frankreich. Der erste Polizist seines Landes. Paris, 2. Dezember.(Eig. Ber.) In der heutigen Generalversammlung des Unterstützungsvereins der Polizeibeamten hielt Elomenceau eine Ansprache, deren humoristische Absichten die geradezu fossile kleinbürgerliche Denkweise des Sprechers nicht verdecken können. Der Minister sagte unter anderem:„Wir sind hier alle von der Polizei, und ich bin ihr erster Agent! Wir sind hier eine Versammlung von „flies"(der Spitzname für die Schutzleute im Pariser Verbrecher- Jargon)... Aber alle Bürger sind von der Polizei. Wenn jemand auf der Straße rufen hört:„Haltet den Dieb!" so läuft er und sucht den Dieb zu fangen. Er handelt im sozialen Interesse, zu einem uneigennützigen Zweck. Diese gelegentliche Handlung vollbringen die Polizisten zu jeder Stunde. Sie sind „der ehrliche Mensch in Permanenz". Weiter versicherte der Minister, daß die Polizei heute nicht mehr ein Instrument der Willkür, sondern des Rechtes, und daß daS„pnsssm ü tabao" (daS Prügeln der Gefangenen auf den Polizeiwachstuben)„eine Legende" sei! Clömenceau selbst hat doch in der ersten Zeit seiner Ministerschaft einen Erlaß gegen diesen berüchtigten Polizeibrauch herausgegeben!! Und Herr Clömenceau, der vor dem ersten Mai die skandalöse Verschwörungsfarce aufführen und Wahleffekten zu- liebe etliche Bürger verhaften ließ, weiß nichts von Polizeiwillkür? Herrn Elomenceau ist es heute in seiner Rede wiederum passiert, daß er paradox sein wollte und nur die Spießbürgerlichkeit seines Witzes verriet. Die Rede ist geeignet, die täglich wachsende Zahl der Enttäuschten zu vermehren, die eingesehen haben, daß auch eine Menge von geistreichen Einfällen und drastischen Wendungen noch keine große Idee ergeben. Es hat Leute gegeben, die Clömenceau für eincnStaalsmanndcrmodernenBourgeoisie hielten und die in seinen bekannten Ausfällen gegen den Staat eine extreme Formulierung des liberalen Gedankens fanden. Nun sehen wir ihn auf einmal sich zur spieß- bürgerlichen Nachtwächleridee vom Staat bekennen, die in der Ein- lochung von eigentumsgefährlichen Bösewichtern die erhabenste soziale Funktion und im hülfeeifrigen Respekt vor der Polizei die edelste Bürgertugend sieht. Dieser vorgebliche Neuerer, der sich der Welt als.Sozialist" präsentiert hat, entpuppt sich als der letzte Erbe polizeiseliger Biedermeierei der Restaurationszeit. Der heutige Regent Frankreichs steht bekanntlich hinter den aufgeklärten Despoten des 13. Jahrhunderts zurück, die die ersten Diener des Staates fein wollten, während Clömenceau sich als ersten Polizisten fühlt.-_ Bleiweiß-Berbot. Paris, 4. Dezember. Der Senat beriet das Gesetz betreffend daS Verbot der Berivendung von Bleiweiß bei Malerarbeiten. Arbeitsminister Viviani bekämpfte den Kommifstonsbefchluß auf Ent- schädigung für die Bleiweißhändler im Falle der Annahme des Ge- fetzentwurfS und erklärte schließlich, daß jede soziale Reform un- möglich werde, wenn sie von einer Entschädigung abhängig gemacht werde. Finanzminister Caillaur bat den Senat, nicht durch An- nähme des KommisfionSbeschlnsses einen Präzedenzfall zu schaffen. Trotz des Widerspruchs des Arbeitsministers Viviani beschloß der Senat mit 132 gegen 109 Stimmen die Entschädigung.— Spanien. In? Kabinett ist als Marineminister Admiral Annan ein- getreten an Stelle Cobians, der vor der Eidesleistung seine Ent- lassung nahm.— England. Tie Gewerkschaftsvorlage. London, 4. Dezember. Die zweite Lesung der Bill be- treffend die gewerblichen Streitigkeiten wurde in der heutigen Sitzung des Oberhauses einstimmig angenommen. In der Debatte übte Marquis of Lansd'owne Kritik an der Vorlage, gab aber zu, daß die Regierung die Aufgabe habe, die zur Beratung stehende Frage zu erledigen und daß es für das Oberhaus nur den einen Weg gebe, die Vorlage anzunehmen. Tie Opposition lehne jede Ve r a n t w o r t u n g für die Be- stimmung der Bill ab und hoffe, daß der gesunde Menschen- verstand der Arbeiter und der Arbeitgeber widrigen Folgen vorbeugen werde. Wir haben bei Gelegenheit der Meldung, daß die Vor- läge vom Unterhause in dritter Lesung angenommen sei, schon auf den Unterschied in der Auffassung bei der Majorität des deutschen und beim englischen Parlament hingewiesen. Jetzt beschämt gab das englische Oberhaus die deutsche Regierung und deren Trabanten!— Niederlande. Borbereitungen zur Fricdens-Komödie. Haag, 6. Dezember. In der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer erklärte bei Beratung des Budgets des Auswärtigen der Minister der auswärtigen Angelegenheiten van Tets van Goudrian unter Bezugnahme auf die gestrigen Ausführungen mehrerer Redner und auf die von ihnen gegebenen Anregungen, die Regierung beabsichtige weder die Aufnahme der Frage der allmählichen Ab- rüstung noch die der Neutralitätserklärung Hollands in das Pro- gramm der zweiten Haagcr Friedenskonferenz zu beantragen. Die letztere Frage müßte durch einen internationalen Vertrag geregelt werden, aber er, der Minister, sei der Ansicht, daß die Vorteile einer Neutralerklärung für Holland geringer sein würden als die damit verbundenen Gefahren.— Amerika. Das Budget. Washington, 5. Dezember. Schatzsekretär Shaw hat heute dem Kongreß seinen Jahresbericht vorgelegt. In diesem wird mitgeteilt, daß sich die Gesamteinnahmen des am 30. Juni zu Ende gegangenen Rechnungsjahres auf 762 386 904 Dollars und die Gesamtausgaben auf 736 717 582 Dollars beliefen und somit ein Ueberschuß der Ein- nahmen über die Ausgaben von 25 669 322 Dollars verblieb, gegen einen Fehlbetrag von 23004 228 Dollars im Rechnungsjahr 1905. Die Einnahmen des Rechnungsjahres 1906 weisen gegen das Vor- jähr eine Zunahme um 65 285 634 Dollars, die Ausgaben eine solche um 16 612 033 Dollars auf. Die Staatsschuld hat sich um 10 lös 375 Dollars erhöht.—_ Hus der Partei. „Für unsere Kinder", Weihnachtsbuch der„Gleichheit", heraus- gegeben von Klara Zetkin(Zundel), Stuttgart 1900, Verlag und Druck von Paul Singer. Geschmackvolle Ausstattung, vorzügliches Papier, scharfer, wenn auch etwas kleiner Druck auf mehr als 100 Folio-Seiten. Und all das für IM.— Veranlassung genug, dem Verlage Anerkennung zu zollen. Indessen mit der verehrten Herausgeberin dieses Weih» nachtöbuches müssen wir uns ein wenig auseinandersetzen.— Die Redaktion der„Gleichheit" schickt dem Sammelbande ein hübsches Geleitwort„An die Eltern" voran. In diesem Geleitwort ist am Schluß von„UnVollkommenheit des Versuchs" die Rede sowie auch davon, daß die Aufnahme des Versuchs darüber entscheiden soll,„ob derselbe nächstes Jahr, und zwar vervollkommnet, wiederholt werden wird". Um verständlich zu machen, wie der erste„Versuch" zustande kam und weshalb eine Wiederholung und eine— Vervollkomm- nung wünschenswert ist, müssen wir uns einen kleinen Rückblick gestatten. Der vierten sozialdemokratischen Frauenlonferenz(Mannheim. 22. und 23. September 1906) lag zum Punkt„Presse" u. a. folgender Niederbarnim-Teltow-Beeskower Antrag(Nr. 12) vor: „Die bisher erschienenen Kinderbeilagen der„Gleichheit" sind in guter Ausstattung als Weihnachtsbüchlein für unsere Kinder herauszugeben." In der Diskussion bekämpfte nur Frau Plum-Essen den Antrag. Genossin Bäuinler-Schöneberg sowie Ottilie Baader verteidigten ihn, und Klara Zetkin machte folgende Bemerkungen: ....... Ueber den Antrag, die bis jetzt erschienenen Kinderbeilagen als Bändchen herauszugeben, habe ich bereits mit Genossen Dietz und dem Parteivorstand Rücksprache genommen. Die Sache liegt so, daß für dieses Jahr die Erfüllung dieses Wunsches aus den verschiedensten praktischen Rücksichten nicht durch- führbar ist. Ich begrüße aber den Antrag, welcher aus den Reihen der berufensten Beurteiler der Bedürfnisse unserer Kinder ge- kommen ist und nicht nur den Verlag, sondern die ganze Partei auf eine wichtige Aufgabe hinweist, auf eine Lücke in der Partei- literawr, die ausgefüllt werden niuß.(Sehr richtig I) Ich hoffe deshalb, daß dieser Antrag(der schließlich der Zentralvertrauens- Person und dem Verlage der„Gleichheit" zur Berücksichtigung überwiesen wurde) in der nächsten Zukunft seiner Verwirklichung entgegengehen wird... Bleibt dann der Satz stehen, so werden wir damit zu einer äußerst billigen und guten Kindrrliteratur komme»...." Eine erfteuliche Ueberraschung, daß die Erfüllung jenes Wunsches doch noch in diesem Jahre möglich ward, eine äußerst un- erfreuliche Ueberraschung, daß bei der Zusammenstellung des Bandes die Grundsätze maßgebend waren, die Genossin Zetkin in Mannheim proklamierte. Erstanirlicherweise nämlich ist das Weihnachts- buch so hergestellt worden, daß die 26 Kinderbeilagen der„Gleich- heit" von 1905 und 1906 einfach hintereinandergererht wurden! Ist also doch von vornherein schon der Satz stehen geblieben?!— Wenn nicht, um so erstaunlicher, daß man daS in jenen 26 Nummern gebotene Material nicht umordnete und so ein wirkliches Weihnachts-Buch schuf. Wir legen auf die Kvustatierung dieses Konftruktions- und Dispositionsfehlers deshalb so großes Gewicht, weil wir es für durchaus erforderlich halten, daß in Zukunft nicht wieder so vcrfohren werde, zumal da man den Satz der einzelnen Nummern ja stehen lassen und ihn nachher beim Arrangement der Buch- Ausgabe trotzdem umordnen lann; denn schließlich ist es ein geivaltiger Unterschied, ob wir unseren Kindern ein Werklein in die Hand geben, bei dessen Komposition der Zufall des chronologischen EmlmifeS der Beiträge den einzigen ordnenden Faktor gebildet hat, oder ob wir nachher die Fülle des in 26 oder in 13 Nummern gebotenen Materials nach literarischen, pädagogischen, künstlerischen Gesichtspunkten sondern und sichten. Geschieht das nicht, dann sieht die Sammlung ebenso aus wie unser erstes Weihnachtsbuch.— Da haben wir z. B. gleich in Nr. 1 Ida Heijermans' hübsches „Märchen von der Arbeit".„Fortsetzung folgt" in Nr. 2 und in Nr. 3.„Schluß folgt" in Nr. 4. Muß das sein bei der Buch» Ausgabe? Ein Märchen von 5'/z Spalten aus 4 Nummern ver- teilt 1 1 Und dergleichen Beispiele mehr. Oder aber: In Nr. 7(1905) hat sich PlatenS schauderhaftes „Grab im Busento" hineinverirrt. So etwas kann einem passieren, wenn man schnell eine Nummer zum fälligen Termin zusammen» stellen muß. Aber ist es durchaus nötig, das Gedicht auch in die Buch-Ausgabe zu übernehmen? Genügt es nicht, daß unsere Kinder mit diesem„Poem" in der S ch u l e hinreichend gequält werden? Wollen wir nicht gerade„Anderes", Besseres geben?-» Und auch dergleichen sowie andersartige Beispiele mehr. Kurz und gut, werter Verlag, werte Redaktion der„Gleich- heit", wir schließen mit den Worten Eurer eigenen Einleitung: „Möchte die Unvollkomnienheit des Versuchs Fähigkeiten und Willen lösen, welche dazu beitragen können, die Kiuderbeilage(und die Weihnachtsbücher) der„Gleichheit" künftighin inimer mehr zu dem zu machen, was sie sein soll." Und wenn Euer„Versuch" dann im nächsten Jahre oder in zwei Jahren«vervollkommnet wiederholt" ist, so werdet Ihr vielen, dielen Dank und uneingeschränktes Lob einheiinsen in Hülle und Fülle._ G. D. S5on der schweizerischen Sozialdemokratie. In der am Sonntag in Biel abgehaltenen Sitzung des sozialdemokratischen Parteikomitees wurde zunächst zur neuen Militärorganisation Stellung genommen. indem folgende Resolution zur Annahme gelangte: „Die Vertreter der sozialdemokratischen Partei in der Bundes- Versammlung werden beauftragt, die Postulate der sozialdemo- kratischen Parteitage bestmöglich zu verteidigen, lieber die für die Bollsabstimmuiig auszugebende Parole entscheidet der Parteitag." Von der Gründung einer Widerstandskasse zur Unterstützung von Wehrmännern, die im Streikfalle den Dienst verweigern, wird zurzeit abgesehen. Es sollen auf dem Wege freiwilliger Beitrags leistung die notwendigen Mittel beschafft werden. Im Anschluß an den nächsten Parteitag sollen die sozialdemo- kratischen Vertreter in den Gemeinden zu einem schweizerischen Kommunaltag eingeladen werden, damit Einheitlichkeit in die Tätig- kelt dieser Vertreter in den Gemeinden gebracht werden kann. Ans dem Antrag der Geschästsleitung wird beschlossen, der Frage der Gründung einer schweizerischen Monatsschrift für Wissenschaft- lichei, Sozialismus zurzeit keine Folge zu geben. _ Der nächste ordentliche Parteitag soll Mitte März 1907 nach Sankt Gallen einberufen werden. Die Arbeiten des italienischen Partcivorstandes. Rom. den 30. November.(Eig. Ber.) Der Parteitag hatte dem neuen Parteivorstande einige wichtige Fragen zur Lösung überlassen, mit denen er sich in seiner ersten Plenarsitzung beschäftigt hat. Außer dem Entscheide in der Frage der autonomen Zirkel, über den wir bereits berichteten, hat sich der Parteivorstand mit der Frage der Agitation in den süd- italienischen Provinzen, mit der Reorganisierung der Propaganda, mit dem Reglement für den neuen Parteivorstand, init der Frage des Antimilitarismus und mit einer Reihe sekundärer Fragen beschäftigt. � Ueber die Agitation in den Provinzen des Südens und der Inseln, wo die sozialistische Bewegung noch ziemlich loeit zurück ist. wurde beschlossen: aus der Zentralkasse 7000 Lire für die Verstärkung der Propaganda auözulverfen. Für die Jahre 1907—1903 ergibt der Voranschlag des Budgets der Zentralkasse einen GebarungSüberschnß von etwa 26 000 Lire. Für Süditalien soll nun ei» besonderes Parteisekretariat errichtet werde» (das zunächst auf ein Jahr mit 4000 Lire dotiert wird), ferner eine Reihe Lokalkoinitees, denen der Rest der 7000 Lire zur Verfügung gestellt wird. Zur Hebung der Parteipropaganda im allgemeinen beschloß der Parteivorstand, drei(bisher zwei) Propagandisten anzu- stellen, einer von diesen soll sich hauptsächlich der gewerkschaftlichen Propaganda widmen. Des weiteren wurde das Exekutivkomitee des Vorstandes beauftragt, von den Sektionen die systematische Ein- tragung in die Wählerlisten zu fordern, eine Statistik der sozia- listischen Stadtverwaltungen sowie der sozialistischen Stadtverordneten aufzunehmen, die Gründung einer Föderation der sozialistischen Ge- meinden vorzubereiten, desgleichen die einer Rechtsauskunftsstelle für die in den Kommunalverwaltungen tätigen Parteigenossen, serner Daten über den Stand der Parteibewegung in den verschiedenen Teilen Italiens zu sammeln und die lokalen Wochenblätter durch geeignete Justruttionen und Ueberweisung zu verbeffern und nütz- licher zu machen. Ein inneres Reglement für den Parteivorstand mußte festgesetzt werden, da begreiflicherweise eine Körperschaft von 37 Mitgliedern in anderer Weise arbeiten muß, als der bisherige siebenköpfige Parteivorstand. Es wurde beschlossen, daß das aus den in Rom lebenden Vorstandsmitgliedern(neun Personen) bestehende Exekutivkomitee in Zukunft„Permanentes Konntee" heißen soll. Ihm liegt die Verwaltung der Partei ob. doch hat es dem Parteivorstand Rechenschaft abzulegen und in wichtigen Fragen das Votum jedes einzelnen Mitgliedes schriftlich einzuholen. Der Pnrteivorstand. für den daö Organisationsstatut vier Sitzungen im Jahre vorschreibt, wird nur einmal im Jahre Plenarsitzung halten; zu außerordent- lichen Sitzungen tritt er zusammen auf Antrag der Mehrheit seiner Mitglieder. An den Sitzungen des permanenten Komitees können die zufällig in Rom anwesenden Mitglieder des Parteivorstandes mit beratender Stimme teilnehmen. Schließlich entscheidet das perma- nente Komitee als letzte Instanz in allen Fragen der Disziplin, mit Ausnahme solcher, die die Provinz Rom angehen. Zur Frage des Antimilitarismus wurde nach langer Diskussion, in der von allen energisch die Ideen Hervös ab- gelehnt wurden, beschlossen, die Genossen Paoloni, Morgari, Ferri, Camerini, Cabrini und Lerbini mit der Ausarbeitung einer Prinzipiencrklärung über die Stellung der Partei zu betrauen. Ueber die Militärausgaben einigte man sich dahin, von einer Agitation für die Verminderung vorläufig abzu- sehen und sich auf eine energische Bekämpfung neuer Militärlasten zu beschränken. Die auf dem Kongreß angeregte Frage betreffs einer Namens- änderung des„Avanti della Domenica" wurde vom Parteivorstand als außerhalb seines Kompetenzbereichs stehend erklärt. Da müsse die Leitung des„Avanti" selbst vorgehen. Der Parteivorstand hat sich damit begnügt, öffentlich zu erklären, daß der„Avanti della Domenica" kein Parteiorgan ist. Die in ihm vertretenen Ansichten sind Privatmeinungen seiner Redaktion, mit denen sich die Partei in keiner Weise identifiziert. Schließlich hat eine gemeinsame Sitzung des Parteivorstandes mit den Delegierten der Konföderation der Arbeit und der sozia- listischen Parlamentsfraktion stattgefunden, in der fast ohne Dis- kussion beschlossen wurde, eine Reihe sozialer Reformen im Parka- ment zu vertreten und energische Opposition gegen die Bewilligung neuer Militärausgabeu zu treiben. Für den Fall, daß das Parka- ment einer parlamentarischen Enquete über die Heeresverwaltung zustimmen sollte, wurde beschlossen, die Wahl eines Sozialisten in die Enquetekonimission zu verlangen. Der Kampf gegen die neuen Heeresausgaben soll im Parlament gemeinsam mit den anderen Parteien der äußersten Linken geführt werden. polüeilicius» Omcbtiicbea uftv* Ein abgeblitzter Staatsanwalt. Frankfurt a. M., 5. Dezember. Der erste Staatsanwalt in Stade ersuchte in einem Schreiben an die hiesige Stadtverordneten- Versammlung um die Ermächttgung der Versanunlung zur Straf- Verfolgung gegen den verantwortlichen Redakteur des sozialdemo- kratischen„Volksblatt für Harburg", das in einem Arttkel„Er- bauliches aus einem Stadtparlament" die Affäre Zilowski behandelt hatte. Die Stadtverordnetenversammlung beauftragte den Vor- sitzenden, zu erwidern, man habe keine Veranlassung znr Sttaf- Verfolgung._ Mit dem Streik der Buchdrucker bei der Firma ReiSmann-Grone in Essen(„Rheinisch- Westsälische Zeitung") stand der Prozeß in einiger Verbindung, der Dienstag am Landgericht zu Dortmund gegen den Genossen Arno Franke von der Dortmunder „Arbeiterzeitung" verhandelt wurde. Bei dem Streik suchten die ausständigen Buchdruckergehülfen natürlich auf die übliche Weise durch Streikpostenstehen usw. den Zuzug arbeitswilliger Elemente fernzuhalten. Dabei soll einer der Stteikenden einen Arbeitswilligen beleidigt oder belästigt haben, was für den Streik- sünder emen amtsgerichtlichen Strafbefehl zur Folge hatte. Ehe nun diese Strafe bezahlt worden war oder doch der Strasbefehl auf andere Weise seine Erledigung geftmden hätte, wurde derselbe in der Dortmunder„Arbeiterzeitung" zum Abdruck gebracht. Ein schweres Staatsverbrechen, das nicht ungesühnt bleiben durfte! Genosse Franke wurde wegen vorzeitiger Veröffentlichung deö Wort- lnnts des Strafmandats zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Man sieht, auch die Dortinuuder Justiz stellt in der Rettung des Staates und der Ordnung ihren Mann I 8o2uleg. (Siehe auch 1. Beilage)'. Methoden des gewerblichen Eiuigungswcsens lautete das Hauptthema der am 3. und 4. d. Mts. unter Vorsitz des Ministers a. D. von Berlepsch zu Berlin abgehaltenen dritten Generalversammlung der Gesellschaft für Soziale Reform. Er wurden folgende Beschlüsse angenommen: Zur Debatte am Nachmittag wurden folgende Leitsätze gestellt: „1. Eine Milderung der getoerblichen Arbeitskämpfe in Deutsch- land ist am sichersten durch die Vervollkommnung der sozialen Organisationen(Arbeiterberufs» Verbände, Privatbeamten- Vereine, Arbeitgeber- Verbände) und durch den darauf gestützten Ausbau der paritätischen kollek- tiven Arbeitsregelung(Tarifverträge;— Arbeitcrausschüsse, Lohn- und Schlichtungskommissionen, Einigungsämter und SchiedZ- gerichte) zu erreichen. Dieser VervollkomnmungSprozeß würde durch eine gründliche, weitherzige Reform des Koali- tions« und des Verein s rechts sowie durch die gesetz- liche Ordnung deS Tarif v.ertragsrechts erleichtert und beschleunigt werden. II. Das friedenstiftende System der tariflichen Arbeits- regelung, das heute in Deutschland bereits Millionen Arbeiter in den Handwerken sowie in anderen Gewerben mit klar geordneten Lohnmethoden und besonnen geleiteten starken Berufsorganisationen umfaßt, ist seinem elastischen Wesen nach auch auf die sogenannten Groß- und Schwerindustrien mit besten! Nutzen anwendbar, wie die Erfahrungen des AuS- landes beweisen. Stur das veraltete und heute meist in sich völlig unwahre Unternehmerprinzip des„Herrn im eigenen Hause" steht der Einbürgerung des Tarifvertrages in den genannten kapitalstarken Jndustnen entgegen. Der Wille zur friedlichen, paritätischen Ver- ftändigung auf beiden Seiten und eine allerdings mühsame Revision der vielfach rückständigen Lohn- und Arbeitsverfassungen würden die bisher vorwiegenden Konfliktstoffe auf das naturgegebene Maß ver- ringern. Auf solcher Grundlage würden ständige, der Eigenart der Industrien angepaßte Einigungsausschüsse der beiderseittgen Organi- sationen, unter Mithülse der gewerbegerichtlichen Vergleichs- und Schiedsinstanzen sowie hervorragender Vertrauenspersönlichkeiten deS öffentlichen Lebens, leicht imstande sein, der Alisartung der meisten Streitfälle zu offenen Kämpfen vorzubeugen und die trotzdem aus- brechenden Arbeitskämpfe einem schnellen, versöhnlichen Ende entgegenzuführen. III. Wenn auch freudig anzuerkennen ist. daß die deutsche Gewerkschaftsbewegung iir einem rasch fortschreitenden Ge- sundunasprozeß begriffen ist, so hasten ihr, allerdings durch die Mängel des deutschen Gcwerkvereinsrechts sowie der sozialen Rechts- und Berwaltungspraxis stark mitverschnldet. heute doch noch schwere grundsätzliche und organisatorische Mängel an. welche die Unternehmer in ihrer Weigerung, mit den Arbeiter- organisationen zu verhandeln, immer wieder bestärken und die Sym- pathien der öffentlichen Meinung für die gewerkschaftlichen Bestrebungen keineswegs vermehren. Ehrliche und strenge Selbsterziehungsarbeit vor allem tut den deuffchen Gewerkschaften not, um in den breitesten Schichten des Bürgertums bis in die leitenden Kreise der Regierung hinauf, die soziale Sinnesänderung hervorzubringen, die durch ihr moralisches nnd politisches Gewicht schließlich auch die noch rückständigen Arbeitgeber zu einem gesunden Konstitutionalismus der Arbeits- regelung zu bekehren vermag." Die Debatten waren von allgemeiner Harmonierederei reich- reichlich durchtränkt und, wie auch der oben mitgeteilte Leitsatz 3 zeigt, von zutreffender Erfassung des ZusammcnhangS der nnrtschaftlichen und politischen Verhältnisse recht weit entfernt. hingegen von dem Gedanken der Bevormundung der Arbeiterklasse durch„soziale Reforin-Gesellschasten".„gutmeinende Arbeitgeber" u. dergl. beherrscht. In den Verhandlungen waren trotz des von Tag zu Tag fühlbarer werdenden Klassengegensatzes viel von Zu- nähme einer Annäherung und Verständigung zwischen Kapital und Arbeit die Rede. Die in der Luft schwebenden ideologischen An- sichten der wohlmeinendsten„Sozialreformer" vermögen über die harte Wirklichkeit des Klassenkampfes nicht hinwegzutäuschen. Am Dienstagabend hielt der Verein in der Neuen Philharmonie. Köpenickerstraße, eine öffentliche Versammlung ab. Der Erste Bürger- meister. Abgeordneter Dr. Cunow-Hagen referierte über das Thema: „Die Perbesserung der Arbeitsverträge". Zur Schlichtung von Zwistigkeiten zwischen Arbeitgebern und -uehmern auf gewerblichem Gebiete, führte Redner aus, empfehle es sich, in Deutschland ähnliche Einrichtungen zu schaffen wie in Eng- land. Dort bestehe ein Gewerbeausschuß der Arbeiter, dem zunächst alle Streitigkeiten unterbreitet würden. Versage dieser, so werde die Entscheidung des D i st r i i t s r a t s angerufen, dem würde das Z e n t r a l e i n i g u n g s a m t übergeordnet sein. Käme in allen diesen Instanzen eine Einigung nicht zustande, so werde der „Ult parteiische' angegangen. dessen Urteil sich dann beide Parteien endgültig zu unterwerfen hätten. Der Redner kritisierte dann vo»t Rechtsstandpunkt auö daö Wesen der heutigen Arbeits- Verträge und wies besonders darauf hin. daß zwar rechtlich die Kündigungsfrist für beide Teile von gleicher Dauer, dabei aber doch von ganz verschiedenartiger Wirkung sei. Die Kündigung des Arbeitgebers ziehe für den Arbeiter ganz andere Folgen nach sich, als umgekehrt eine Kündigung des Arbeiters für den Arbeitgeber. Es sei ja be° kannt, daß durch den Zusammenschluß der Groß- Industriellen es unliebsam gewordenenArbeitern fast unmöglich gemacht werde, in bestimmten Bezirken wieder Arbeit zu erhalten. Das Gesetz ftage aber nicht nach der Wirkung einer Kündigung und gebe somit den Unternchmenr Gelegenheit, nicht nur einen Druck auf die Arbeiter auszuüben, sondern auch mdirekt deren wirtschaftliches Leben ungünstig zu beeinflussen. Die starken Organi- sationen der Arbeiter allein vermöchten hier den Nebergriffen der Unternehmer eine Grenze zu ziehen. Der Vortragende bedauerte, daß die Arbeitgeber sehr oft sich nicht entschließen könnten, bei Lohnstreitigkeiten vor dem Gewerbegericht zu erscheinen. Den besten Weg zu einer friedlichen Lösung der gewerblichen Arbeiterfragen erblickte er in dem Abschlüsse von Tarif- Verträgen auf möglichst allen gewerblichen Gebieten. Ein guter Anfang sei in dieser Beziehung bereits gemacht, denn man zähle in Deutschland schon jetzt mehr als 3000 solcher Verttäge. Der Zentrumsabgeordnete Giesberts meinte, selbst die Groß- industrie würde auf die Dauer der Tarifbetvegung gegenüber sich nicht ablehnend verhalten können. Erstrebenswert sei die AuS- dehnung der gewerblichen Fortbildungsschulen auch auf industrielle Arbeiter, eine gerechte ArbcitSverfasiiing und die Schaffuitg eitles ordentlichen Schiedsgerichts zur Schlichtung von Streitigkeiten. Davon, daß der Weg zum richtigen Ausbau des ArbeiterrechtS längst von sozialdemokratischer Seite durch zweckmäßige Anträge an- S gebahnt ist, aber vom Freisinn und Zenttum nennenswerte Unter- tützung nicht geleistet ist, wurde in den Vortrögen nichts erwähnt. Se�erkfckaMickey. Eine bemerkenswerte Wendung. Lange Zeit galt Italien als ein Strcikbrecherexportland. Speziell die deutschen Arbeiter hatten allen Anlaß. Klage darüber zu führen, daß förmlich organisierte Streikbrecher- Werbekolonnen in Italien nicht ohne Erfolg tätig waren, dort „nützliche Elemente" für das deutsche Unternehmertum anzu- werben. Mit dem Erwachen nnd der Verbreitung des sozia- listtschen Gedankens in Italien wurde das besser. Der Sozialismus hat in Italien die geiverkschaftliche Aufklärung in die Masten getragen und die wirtschaftliche Organisation mög« lich gemacht. Freilich konnte er nur Fuß fassen, weil gleich- zeittg mit seinem Auftauchen die Ilmwandlung Italiens in einen modernen Industriestaat begann. Diese Industrialisierung hat den italienischen Arbeitern im eigenen Vaterlande die Arbeitsgelegenheit erschlossen, die sie vorher im Auslande suchen mußten, und jetzt gehen die italienischen Industriellen bereits auf die Streikbrechersuche ins Auslandl Der„Avantt" macht bekannt, daß die Besitzer der Schiffs- werft von Riva Tri g o s a(Genua), deren gesamtes Personal seit zwei Monaten ausständig ist, in Deutschland Streik- brecher anwerben lassen! Kein deutscher Arbetter möge den Anerbietungen der Unternehmer Gehör schenken. Er würde dadurch seinen italienischen Arbeitsgenossen, die im eigenen Lande die allergrößte Solidarität fanden, in den Stücken fallen und die schweren Opfer eines mehr als zweimonattgen Kampfes zunichte machen. Die Arbeiter von Rwa Trigosa streiken, um die Abschaffung von einer besonders gefährlichen Sorte Maschinen, die mit komprimierter Lust arbeiten und geradezu mörderisch genannt werden können, zu erzwingen. Ihr Kampf verdient die Solidarität und die Unterstützung des Proletariats aller Länder. Für Auskunft wende man sich an den Genossen F. Mariani, Ehiavari(Genua). Via Vittorio Emanuele 21. Die deutschen Arbeiter haben es verstanden, sich den Ruf der Solidarität in der ganzen Welt zu sichern. Trotz der „Gelben", Christen und Hirsche werden sie sich ihn zu erhalten wissen und dem Unternehmertum zeigen, daß eine Streik- brechersuche in Deutschland ein undankbares Beginnen ist. Berlin und Umgegend« Achtung, Metallarbeiter! Die Maschinenfabrik von Bollenbach, Siemensstr. 12, ist für Dreher gesperrt. Deutscher Metallarbeiterverband(Ortsverwaltung Berlin.) Einen gehörigen Strich durch die Rechnung ist der Rixdorfcr Zwangsinnung für das Barbiergewerbe gemacht. Trotz des Bc» schlusses, die Gchülfenforderungen abzulehnen, belauft sich die Zahl der unterschriftlich eingelaufenen Bewilligungen auf 65. Die Arbeitgeber, welche den aufgestellten Forderungen nachkoinmen, erhalten als Ausweis ein weißes mit rotem Rand versehenes Plakat, mit dem Namen L i c r e. Die Gehülfen müssen im De- sitze einer gleichen Kontrollkarte fein. Diese ist nur gültig, wenn laufend gestempelt. Da es sich diesesmal auch um eine Prinzipien- frage handelt, die für die gesamte Arbeiterbewegung von Wert ist, so sind diese Kennzeichen unter dem Beding ausgehändigt, daß das Plakat im Sckzaufenster von außen sichtbar sein müsse, ebenso wie die Kontrollkarte am Spiegel angebracht werden muß. ES sind bis jetzt 35 Geschäfte, in denen idicje Vorschrift beachtet wird. Eine Liste der betreffenden Geschäfte wird in nächster Zeit erscheinen. Verband der Friseurgehülfcn Deutschlands.(Zweigverein Berlin und Vororte.) Bureau: Rosenthalcrstr. 57. Tel.-Amt III, 1296. Deutkehes Reich. Ein internationaler Kongreß der Holzarbeiter wird am 16. und 17. August 1907 vor Beginn deS internationalen ArbeiterkongresseS in Stuttgart stattfinden. Der Deutfilw.Holzarbeiterverband hat mit mehreren aus- ländischen Verbänden Kartellvcrträge abgeschlossen, welche den gegenseitigen unentgeltlichen UebertrUt der Mitglieder und deren Unterstützung auf der Reise regeln. Gegenwärtig bestehen solche Verträge mit folgenden Verbänden: Verband der Holzarbeiter Oesterreichs, Verband der Ungarländischen Holzarbeiter(Ma- gyarvrszägi Famuickäsok Szövetfege), Schweizerischer Holzarbeiter- verband, Verband der Tischler in Dänemark(Snedkerforbundct i Danmärk) und Verband der Vergolder in Dänemark(Forgyldcr- forbundct i Danmark). Die Mitglieder dieser fünf ausländischen Bruderverbände erhalten, sofern sie mindestens 52 Beiträge cnt- richtet haben, auf der Reise in Deutschland eine Reiseunterstützung Beim Uebcrrritt solcher Mitglieder in den Deutsches Holzarbeiter- verband erhalten dieselben ein deutsches Mitgliedsbuch, während das ausländische zur Aufbewahrung an die Hauptkasse einzusenden ist. Mitglieder anderer ausländischer Verbände als der oben- genannten haben auf eine Unterstützung in Deutschland keinen Anspruch. IZiisUmd. Die Buchdrucker in Bern haben in einer von 350 Mann besuchten Versammlung mit 234 gegen 24 Stimmen den schweizerischen Normal- tarif angenommen, dagegen einstimmig die ungenügenden Vorschläge der Berner Prinzipale betteffend Teuerungszulagen abgelehnt. Bom Matrofenstreil in Odessa. Der Russischen Dampfergesellschaft gelang eS. den Dampfer „Zefarewitfch" mit Hülfe einer zufällig ausgemusterten Mannschaft zu einer Alexandria-Rundreise abzufertigen. Der nach der Krim abgefertigte Dampfer„Rußland" derselben Linie ist in der Nähe von Eupatoria aus eine Sandbank aufgelaufen. Letzte JVachrlchtcn und Dcpcfchm Zur Fleischteuerung. Hamburg, 5. Dezember.(W. T. B.) Die Bürgerschaft nahm in der heutigen Sitzung den dringlichen Antrag Beit und Genossen an, wodurch die Bürgerschaft den Senat um Auskunft darüber ersucht, ob und in welcher Weise der Senat dem Ersuchen der Bürgerschaft bom 27. September 1905 entsprochen habe. Schritte zu tun. um die durch zu geringes Angebot bewirkte Fleischteuerung zu heben._ Schwerer Unglücksfall. Mannheim,'5. Dezember.(B. H.) Ein gräßliches Unglück ereignete sich heute auf der Neckarbrücke, wo. nachdem gestern ein Bogen gesetzt war, Arbeiter mit der Beseitigung des Gerüstes be- schäftigt waren. Hierbei stürzten vier Leute ab. zwei davon fielen in den Neckar, zwei andere ans ein vorüberfahrendes Schiff. Bau den beiden letzteren wurde einer schwer verwundet, von den crsteren ertrank einer, zwei konnten gerettet werden. Zur Erinnerung. Petersburg, 5. Dezember.(W. T. B.) Kurz nach dem Attentat auf den Polizeibeamten Scheremctew ivurde seiner Frau ein Paket zugestellt, daß einen Dolch enthielt mit der Aufschrist: dem Organisator des Byalostoker Pogrom« zur Erinnerung! und dem Nainenszug deS im Mai cnnordcteit AdmiralS KuSmitfch. 60 Menschen umgekommen. Slifto«(Arizona). 5. Dezember.(W. T. B.) Durch die Ueber- flutung infolge deS gestrigen Dammbruches sind 60 Menschen um- gekommen und große Schäden an Eigentum angerichtet worden. Das Geschäftsviertel der Stadt ist zerstört und die Gleise der Arizona and Mexico Eisenbahn sind auf mehrere Meilen Länge fortgespült worden." Beraniv. Redakt.: CarlWermnth, Berlist-Rixdorf. Inserate verantiv.: II. Glocke, Berlin. U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u.Lcrlagsan�alt U«ul Singer LcCo.. De rlin S W. Hierzu Z Beilagen u. vnterhattungNlaV Nr. 284. 23. Jahrgang. 1. Mm des Jonuiittö" Kerlim llolbsiilntt. Donnerstag. 6. De jembet 1906. Reichstag 134. Sitzung vom Mittwoch, den 6. Dezember, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Nieberding. Auf der Tagesordnung stehen die Interpellationen der Polen und des Zentrums über den polnische» Schulstreik. Die Interpellation der Polen lautet:„Die preußische Staats- regierung hat versucht, auf Grund der§§ 1666 und 1838 Bürgerliches Gesetzbuch durch Anrufung des Vormundschaftsgerichts aus durchaus unzureichenden Gründen den Eltern das ihnen nach§ 1631 Bürgerliches Gesetzbuch zukommende Recht, ihre Kinder zu erziehen, und hat bereits in Einzelfällen gerichtliche Beschlüsse erzielt, wonach die Kinder wegen Befolgung von Anordnungen ihrer Eltern der elterlichen Erziehungsgewalt entzogen und der Fürsorgeerziehung überwiesen werden sollen. Wir richten an den Herrn Reichskanzler die Frage, was er zu tun gedenkt, um diesen Eingriffen preußischer Behörden in die Ge- Wissenssphäre und in das durch das Bürgerliche Gesetzbuch und sonstige Bestimmungen garantierte Recht der Eltern auf die geistige und sittliche Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder, wie es ihrer religiösen Ueberzeugung und den Grundsätzen und Normen ihrer Kirche entspricht, wirksam entgegenzutreten." Die Interpellation des Zentrums lautet:„Ist dem Herrn Reichs- kanzler bekannt, daß in preußischen Volksschulen Kindern deutscher Reichsangehöriger die Erteilung des Religionsunterrichts in ihrer Muttersprache vorenthalten und daß Fürsorgeerziehung gegen Kinder angeordnet wird, welche in, Religionsunterrichte nicht in deutscher Sprache geantwortet haben? Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun. um diese mit reichsgesetzlichen Vorschriften im Widerspruche stehenden Eingriffe in das Recht der elterlichen Fürsorge für die Person des Kindes zu verhindern?" Staatssekretär des Reichsjustizamts Dr. Nieberding erklärt sich zur Beantwortung der Jnterpellattonen bereit. Zur Begründung der Interpellation der Polen erhält das Wort Abg. Dr. v. Jazdzewski(Pole): Ich bedaure, daß die preußische Regierung hier nicht vertreten ist, die doch das größte Interesse an der Sache haben sollte. Sie wissen alle. daß in unseren Heimat- Provinzen seit einigen Wochen ein großer Unftiede zwischen dem Elternhause und der Bolksschttle besteht. Jedes Volk hat ein natür« liches Recht auf seine Sprache, und es hat das Recht, seine Rattonalität zu wahren. Leider wird das uns nicht ge stattet.(Hört I hört!) Als die polnischen Lande an Preußen .kamen, wurde aus dem Wiener Kongreß in feierlicher Weise versprochen, daß dem polnischen Volke seine Sprache gelassen werden solle, und es wurden dann vor allem Grundsätze aufgestellt, nach denen der Religionsunterricht in der Muttersprache erteilt werden sollte. Aus der Mißachtung dieser Grundsätze ist die Be- unruhigung unserer Bevölkerung hervorgegangen. Seit 1873 hat man öi? früheren Grundsätze über Bord geworfen. Damals ist be- ftinunt worden, daß der Religionsunterricht nur auf der Unter- stufe in der Muttersprache erteilt werden müsse. Alle Ein gaben. die unsere Bevölkerung seit jener Zeit an das preußische Abgeordnetenhaus, an das Ministerium, an deir Monarchen gerichtet hat. sind erfolglos geblieben. Nach Artikel 24 der preußischen Verfassung wird der Religionsunterricht in der Volksschule von den Religionsgesellschaften geleitet. Wem, also die katholische Kirche verlangt ,' daß der Religionsunterricht in der Volksschule in der Muttersprache erteilt werden muß, so hat das die preußische Re- gicrung zu respektieren. Das ist schon aus dem Grunde notwendig, weil die Kinder sonst nicht in das Verständnis der Religion ein- dringen können. Wenn aber polnischen Kindern von acht Jahren der Religionsunterricht in deutscher Sprache erteilt wird, so wird doch niemand behaupten, daß in dem Alter das erforderliche Verständnis vorhanden ist. In einzelnen Gegenden wird der Religionsunterricht schon auf der Unterstufe deutsch erteilt I Die Konservativen wagen die Schuld daran, daß man in dieser Weise gegen uns vorgegaitgcn ist. Der Staatsrechtslehrer BluntschU hat dargelegt, daß es keine gerechtere Ursache zur Auflehnung toider die Tyrannei gibt als die der Verteidiguiig der Nationalität, und er erklärt weiter, daß das Recht des Staates über den Menschen kein absolutes sei. Bei den hier in Frage stehenden Vorgängen handelte es sich nur um einen passiven Widerstand, Die Ausschreitungen, die dabei vor- gekommen find, nehmen wir in keiner Weise in Schutz. Aber Ivenn man tveiß, mit welcher Roheit gegen Kinder und Eltern vorgegangen wird, so kann man sich über das Vorkommen von Ausschreitungen nicht wundern. Die Kinder erhallen wöchentlich zweiunddreißig Stlmden Unterrricht, davon entfallen nur vier Stunden auf den Religionsunterricht, und man hat also reichlich Zeit, um den Kindern die deutsche Sprache beizubringen. Die preußische Regierung hat den Lehrern an den Volksschulen ver- boten, die Kinder zu züchttgen. Aber die Kinder, die sich bei dem fremdsprachigen Religionsunterricht, den sie nicht verstehen, auch nur regen, werden eine bis zwei Stunden zurückbehalten. Wenn die Kinder den Geboten ihrer Eltern gehorchen und nicht deutsch ant- Worten, spricht die preußische Regierung von„sittlicher Ver- Wahrlosung".(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das Ver- sammlungsrecht ist bei uns überhaupt aufgehoben. In Oberschlefien wurde ein Schuhmacher verhaftet, in Ketten geschlagen und ins Ge- fängnis geführt, lediglich weil er vor einer Menschenmenge sich abfällig über Regierungsmaßnahmen geäußert hatte.(Hört! Hört!) Ich wende inich zu den Maßnahmen, Kinder solcher Eltern, welche das Antworten m deutscher Sprache im Religionsunterricht v.rbi.ten, in Fürsorgeerziehung zu bringen und der elterlichen Gewalt zu entziehen. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ist dies nur bei gröblichem Mißbrauch der elterlichen Gewalt und Gefährdung des Kindes zulässig. Bei Beratung des betreffenden Gesetzes- Paragraphen stellten die Sozialdemokraten das Amendement, daß politische und religiöse Beeinflussung der Kinder durch die Eltern als ein Mißbrauch im Sinne dieses Paragraphen nicht anzusehen sti. Das wurde abgelehnt, nicht aus materiellen Gründen, sondern weil es selbstverständlich sei. In der Tat ist die ungesetzliche Ver- fügung des Amtsgerichts in Zabrze, die in die heiligsten Rechte der Eltern eingreift, eine so empörende Maßregel, daß sie mit parla- mentarischen Worten gar nicht gekennzeichnet werden kann.(Leb- hafter Beifall bei den Sozialdemokraten und den Polen.) Wir haben keinen Anlaß, die Unzufriedenheit der Bevölkerung noch zu verstärken, aber an die Regierung müssen wir die Bitte richten, mit ihrer jetzigen Politik einzuhalten. Wenn die preußische Regierung der Bevölkerung nicht entgegenkommt, so fürchte ich, daß der Schul- streik noch sehr lange dauern wird. Glaubt die Schulverwaltung der Bevölkerung nicht durch eine Abänderung ihrer Maßregeln ent- gegenkommen zu können, so gebe sie die Erteilung des Religions« Unterrichtes an die Kirche zurück.(Zustimmung im Zentrum und bei den Polen.) Se. Majestät hat kürzlich ausdrücklich den Grundsatz der Freiheit der Religionsübung anerkannt. Möge die Schulverwaltung aus dieser Aeußerung des Königs die nötigen Konsequenzen ziehen, dann wird wieder Frieden bei uns einziehen.(Beifall bei dm Polen und im Zentrum) Zur Begründung der Interpellation des Zentrums erhält das Wort Abg. Glowatzki(Z.): Wir haben noch eine besondere Interpellation eingebracht, weil wir meinen, daß die Sache so wichtig ist. daß sie möglichst eingehend besprochen werden muß. Wenn die Kinder gezwungen sind, die Volksschule zu besuchen, so ist diese auch verpflichtet, beim Religionsunterricht die Grundsätze der Kirche zu befolgen. Räch dem Raturrecht hat jedes Volk einen (Anspruch darauf, daß seine Sprache respektiert lvird, und jede ver- nünflige� Pädagogik berücksichtigt beim Unterricht die Muttersprache der Schüler. Der Abg. Scmler hat ja auch in der Schilderung seiner Reise nach Afrika hervorgehoben, daß in den Regierungs- schulen dort der Religionsunterricht in der Muttersprache erteilt wird. Nun, was den Herero recht ist, sollte doch den Polen billig sein.(Sehr richttgl im Zentrum.) Die Militär- Verwaltung läßt den polnischen Rekruten die Kriegsartikel in polnischer Sprache verlesen und erklären. Die Petitions- kommission des preußischen Abgeordnetenhauses hat eine Petition um Gestattung der Muttersprache beim Religionsunterricht in Litauen der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. In Nordschle-Zwig ist es den Lehrern gestaltet, den Kindern gegenüber die dänische Muttersprache zu gebrauchen, soweit es zum Verständnis notwendig ist, so sollte man das gleiche auch den polnischen Kindern gegenüber gestatten. Wir sind in Oberschlesien noch besonders benachteiligt, weil man dort den Religionsunterricht nur im ersten Schuljahr in der Muttersprache erteilt. Auf den oberschlesisckien Seminaren wird französischer und englischer Unterricht erteilt. Statt dessen sollte man lieber polnischen Unterricht erteilen, damit die Lehrer später den Religionsunterricht in der polnischen Sprache geben können. Wir müssen ver- langen, daß der Religionsunterricht auch in Oberschlesien mindestens auf der Unterstufe in der Muttersprache erteilt wird, damit die Kinder zu Hause mit den Eltern beten können. Es ist uns gelungen, von Oberschlesien den Schul- streik fernzuhalten, die grotzpolnische Agitation hat dort kemen Boden. (Zustimmung im Zenttum, Widerspruch bei den Polen.) Wenn die Staatsregierung den Wunsch der Bevölkerung nicht erfüllt, so wird sie allerdings die großpolnische Agitation fördern. Darum bitte ich den Reichskanzler, dafür zu sorgen, daß Oberschlesien in dieser Richtung nicht schlechter behandelt wird als andere Landesteile. (Beifall im Zentrum.) Staatssekretär Dr. Nieberding: Die Beschwerde geht zunächst dahin, daß dem Reichsrecht zu- wider in die Rechte der Eltern dadurch eingegriffen wird, daß der Religionsunterricht in deutscher Sprache erteilt wird. Hierzu habe ich zu erklären, daß der Reichskanzler verfassungsmäßig nicht befugt ist, im Sinne der Interpellanten bei der preußischen Regierung Schritte zu tun. Arttkel 3 der Verfassung garanttert nur, daß die Angehörigen der verschiedenen deutschen Staaten gleich behandelt werden, greift hier also nicht Platz. Auch K 1631 des Bürgerlichen Gesetzbuchs findet seine Grenzen am öffentlichen Recht in jedem Bundesstaat, hier affo an dem Schulrecht in Preußen, daher muß der Reichskanzler es ablehnen, auf diesen Punkt weiter ein- zugehen, und er kann auch nicht gestatten, daß, wenn die Debatte auf diesen Punkt eingeht, ein Mitglied des Bundesrats sich daran beteiligt.(Abgeordneter v. Czarlinski(Pole):„Zur Geschäfts� ordnung I" Vizepräsident Graf Stolberg(im Begriff, da? Wort zu erteilen, schwingt die Glocke: der Redner, der noch nicht fertig ist, blickt sich erstaunt um. Große Heiterkeit). Dr. Nieberding(fortfahrend): Weiter beschweren sich die Jnter pellanten darüber, daß in die Rechte der Eltern eingegriffen wird, indem ihnen auf Grund des§ 1666 des Bürgerlichen Gesetzbuches die Erziehung ihrer Kinder entzogen wurde und diese in fremde Er- ziehung übergeführt werden. Diese Maßregel darf zweifellos nicht bloß deshalb verlangt werden, weil ein Kmd in der Schule mut- willig oder böswillig oder störrisch ist, sondern auch wegen eines schuldhaften Verhaltens des Vaters. Unter welchen Voraussetzungen ein solches Verhalten vorliegt, daS zu prüfen ist nicht Sache der Verwaltung, sondern des unabhängigen Gerichts.(Sehr richtig I rechts.) Gegen die Entscheidungen des Vormundfchaftsgerichts kann Beschwerde an die zweite Instanz, gegen diese an den höchsten Ge- richtshof eingelegt werden. Meine Ermittelungen haben ergeben, daß die verbündeten Regierungen mit der ganzen Sache nichts zu tun haben, das weder vom Kultusininister, noch vom Mnister des Innern, geschweige denn vom Justizminister irgend eine Verfügung erlassen ist, daß in dem Sinne vorgegangen wird, wie die Jnter- pellanten es dargelegt haben. Bei sieben Gerichten schweben die Ermittelungen über die Anwendbarkeit der Bestimmungen des K 1666 zurzeit noch. E i n Gericht hat ein Vorgehen auf Grund dieses Paragraphen für nicht zulässig erachtet. Ein Gericht, das in Zabrze, hat es für zulässig erachtet. Hier schwebten drei Fälle. Einer davon ist dadurch erledigt, daß das Kind wieder in den Religionsunterricht geschickt wird, an ihm teilnimmt, aber nicht auf Grund des Vorgehens des Vormundschaftsgerichts, sondern nach Erwägung der Eltern. In zweiFällen sind die Verfügungen aufUeberführung in die Fürsorgeerziehung erlassen, gegen sie ist Beschwerde erhoben, die zur- zeit noch schwebt. Sie werden doch nicht verlangen, daß der Reichs- kanzler in ein schwebendes Verfahren eingreift. Kabinettsjustiz ist bei uns nicht zulässig.(Beifall rechts, Lachen links.) Die preußischen Richter sind sich ihrer Unabhängigkeit und ihrer Pflicht bewußt. Das hohe Haus kann daher ruhig abwarten, wie die EntWickelung der Dinge weiter geht. Die preußische Regierung hat nicht die Absicht, irgend eine Maßnahme zu treffen oder einen Schritt zu tun, die sich nicht mit dem ReichSrecht vereinbaren lassen.(Beifall rechts.) Aus Antrag des Abg. v. CzarlinSki(Pole), der vom Zenttum und der Linken unterstützt wird, tritt das Haus in die Besprechung der Jnterpellattonen ein. Abg. v. Normann(k.): NamenS meiner polittschen Freunde erkläre ich, daß wir uns an der Besprechung der beiden Jnter- pellationen nicht beteiligen werden, weil eS sich um Angelegen« heiten handelt, die der Landesgesetzgebung der Einzelstaaten vor- behalten sind. Die Beschäfttgung des Reichstages mit preußischen Angelegenheiten müssen wir als einen Eingriff deS Reichs in die Rechte der Einzelstaaten betrachten.(Beifall rechts.) Abg. v. Tiedemann(Rp.): Auch wir werden uns an der Besprechung nicht beteiligen, weil wir die Bezugnahme auf die Artikel der Reichsvcrfassung nicht für berechtigt halten. Wir geben aber der Zuversicht Ausdruck, daß der Reichskanzler in Ueberein- stimmung mit der preußischen Regierung und dem Landtag seine Ostniarkenpolitik mit aller Energie und Festtgkeit weiter konsequent durchführt.(Beifall rechts.) Abg. Büsing(natl.): Meine politischen Freunde haben wiederholt dargelegt, daß wir mit der seit einer Reihe von Jahren von der preußischen Regierung verfolgten zielbewußten Polenpolitik durchaus einverstanden sind. (Hört! hört I) Wir verlangen, daß die polnischen Einwohner Preußens Abstand nehmen von jeder deutschfeindlichen Agitation. (Sehr richttgl bei den Nationalliberalen und rechts.) Wir find damit einverstanden, daß die Staatsregierung mit allen zulässigen Mitteln den großpolnischen Bestrebungen entgegentritt, welche teilioeise schon aufrührerische Formen angenommen haben.(Lebhafte Unruhe bei den Polen und links. Zurufe:„Scharfmacher I"—„Der ist ja noch schlimmer als Tiedemann!") Das Volksschulwesen unterliegt nicht der Kompetenz des Reiches: eS könnte nur dann vor das Forum des Reichstages gezogen werden, wenn Reichsgesetze verletzt find.(Zuruf: Das ist ja geschehen!) Gestatten Sie, daß ich anderer Meinung bin. Die groß-polnische Agitation geht so weit, daß die Kinder für deren Zweck mißbraucht werden.(Unruhe. Pfuirufe.) Die deutsche Sprache wird nur auf den Unterrichtsstufen verwendet, aus denen die Kinder volles Verständnis dafür haben.(Widerspruch bei den Polen und links.) In der Provinz Posen bestehen gegenwärtig mehr als 1200 Schulen. in denen der Religionsunterricht auf ollen Stufen in der polnischen Sprache erteilt wird. Wir verlangen von der preußischen Regierung und den ihr untergebenen Behörden, daß sie mtt aller Energie be- strebt sind, den Widerstand der polnischen Eltern zu brechen. Daß dies nur mit gesetzlichen Mitteln geschehen darf, versteht sich von selbst. Tic Interpellanten beschweren sich darüber, daß renitente Kinder in Fürsorgeerziehung gegeben worden sind. Es liegt aber noch kein rechtskräftiges Urteil darüber vor, und es kann nicht Auf- gäbe des Reichstages sein, in schwebende Rechtssachen sich cinzu- mischen.(Sehr richtig I bei den Nationalliberalen und rechts.) Ich stehe aber nicht an. zu erklären, daß wir die An- ordnung der Fürsorgeerziehung gegenüber vielen Tausenden von Kindern für ein geeignetes Mittel, den Schulstrcik zu beendigen, nicht halten können. Das Kammergericht hat vor einigen Jahren dahin entschieden, daß, wenn ein Vater das geistige Wohl seines Kindes dadurch gefährdet, daß er nicht für den Schulbesuch seines Kindes Sorge trägt, ihm das Recht der Erziehung seines Kindes genommen werden kann. Wenn ein Vater dauernd gegen die Schulordnung verstößt, wird ein gedeihlicher Religionsunterricht unmöglich gemacht. Die Anwendbarkeit des 8 1666 auf Kinder, die auf Anstiften der Eltern ungehorsam in der Schule sind, ist also aus verschiedenen Gründen zulässig!! (Stürmische Unterbrechungen links, und bei den Polen. Rufe: Pfui!) Vizepräsident Graf Stolberg: Ich bitte den Redner nicht zu unterbrechen. Der Ausruf„Pfui!" ist unzulässig. Ich rufe den Herrn, der ihn ausgestoßen hat, zur Ordnung. Abg. Korsanty: Ich war es I Abg. Büsing(fortfahrend): Ob§ 1666 anwendbar ist, entscheidet das Gericht, nicht der Reichstag. Deswegen sind meine Freunde nicht in der Lage, die Beschwerden der Interpellanten ftir begründet zu erachten. Abg. Bebel(Soz.j: Als ich heute sah. daß an Stelle des Reichskanzlers der Staatssekretär für das Reichsjustizamt erschienen war, war meine erste Frage: Wie kommt Saul unter die Propheten?(Heiterkeit.) Denn ich sagte mir: die Frage, die uns hier beschäftigt, ist eine eminent polirische, keine juristische Frage. Die Herren von der Reichs- Verwaltung meinen allerdings, es handele sich um eine juristische Frage, die noch nicht entschieden sei und für deren Beantwortung der Staatssekretär des Reichsjusttzamtes die geeignetere Person sei. Wenn ich mir aber dann vergegenwärtige, was insbesondere der letzte Herr Redner in bezug auf die Interpellationen gesagt hat, so bedauere ich um so mehr, daß der Herr Reichskanzler nicht erschienen ist: denn sowohl Herr v. Tiede- mann als besonders Herr Büsing haben die ganze Angelegenheit durchaus als eine politische behandelt. Herr Tiedemann hat gesagt, er hoffe, daß der Herr Reichskanzler mit aller Energie und Festig- keit festhalten werde an derjenigen Polenpolitik, die er bisher unter Billigung des preußischen Landtages getrieben habe. Ebenso hat Herr Büsing erklärt, daß er aus denselben Gründen die Maßregeln billige, welche die preußische Regierung in bezug auf den polnischen Religionsunterricht ergriffen habe. Vor allem ge- wundert hat es mich, daß gerade Herr Büsing hier die Kompetenz- frage angeregt, derselbe Mann, dem von jener Seite(nach rechts), als er die mecklenburgische Verfassungsfrage anschnitt, erwidert wurde, daß der Reichstag sich nicht in Landesangelegenheiten ein- mischen dürfe!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten, links und im Zentrum.) Nein, meine Herren, es handelt sich nicht um eine preußische, sondern um eine deutsche Angelegenheit. Es kann für das Deutsche Reich nicht gleichgültig sein, wie diese Dinge in Preußen behandelt werden. Es kann auch für das Deutsche Reich nicht gleichgültig sein, wie im Auslände darüber gcurtcilt wird. Es handelt sich um die Ehre Deutschlands! (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Interessant war es auch, daß Herr Büsing im Namen seiner Fraktion erklärte, daß sie den 8 1666 nicht für ein geeignetes Mittel halte, um diejenigen Zwecke zu erreichen, die man jetzt mit seiner Anwendung erreichen will, und daß Herr Büsing dann dazu überging, des langen und breiten zu erklären, wie richtig die Anwendung deS 8 1666 fei. Er ging ja sogar so weit, zu erklären, daß er kein Bedenken in der An- Wendung dieses Paragraphen sehe. Wenn ein Redner sich in einer kurzen Viertelstunde in derarttgen prinzipiellen Wider- sprüchen bewegt wie heute Herr Büsing, dann muß ich sagen: Stärker kann eine Partei sich nicht blamieren! (Lebhafter Beifall links.) Freilich— ich werde darauf noch zu sprechen kommen— es kommt ja für die Herren immer nur darauf an,>vo die Dinge sich abspielen. Ich werde Herrn Büsing nach- weisen— er ist ja mit mir in dem gleichen Alter und hat dieselben Dinge erlebt wie ich— wie er und seine Freunde sich früher zu den gleichen Fragen gestellt haben. Allein das ist ja gerade der Grund- sah des Nationalliberalismus, daß er keine Grundsätze hat und daß er, je nachdem, entgegengesetzt entscheidet.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Herr Büsing hat. wenn ich nicht irre, auch der Kommission für das Bürgerliche Gesetzbuch an- gehört. Derselbe Herr erklärt, er finde in der Anwendbarkeit des 8 1666 durch das Vormundschaftsgericht in Zabrze keinen Widerspruch gegen den Inhalt dieses Paragraphen. In der Tat läßt sich gar nicht bestteiten, daß der 8 1666 in seiner gegenlvärttgen Fassung außerordentlich dehnbar ist. Man soll vor solchen Zuständen nicht die Augen verschließen. Es ist notwendig. daß im ersten Augenblick, wo eine solche Kluft, ein solcher Gegensatz zwischen der Rechtsauffassung des Volkes und der Praxis der Ge- richte aufgedeckt wird, sofort die Aufmerksamkeit des Reichstages darauf gelenkt wird. Die Polen und das Zentrum hatten daher recht, daß sie sofort, wo eine solche bedenkliche Rechtspraris einzu- greifen droht, die Aufmerksamkeit hier darauf lenken. Dabei ist es- vollständig gleichgültig, ob die preußische Regierung in diesem Augenblick zur Frage der Anwendbarkeit des'8 1666 irgendwie Stellung genommen hat. Es genügt vollkommen, daß die Gerichte sich der Sache angenommen, daß sie entsprechende Urteile gefällt haben und daß ein angesehenes Mitglied der nationalliberalen Partei dieses Urteil gebilligt hat. Es ist daher die Gefahr vorhanden, daß die Auffassung deS ersten Vormundschaftsrichters sich bis zum höchsten Gericht Bahn bricht, nach bekannten Beispielen, die wir in den letzten Jahren erlebt haben. Als der 8 1666(Redner verliest den« 'elben) hier zur Erörterung stand, hat die Sozialdeinokratte einen Zusatz beantragt, daß das Vormundschaftsgericht nicht berechtigt sei, daS Verhalten des Vaters in religiöser und polittscher Hinsicht oder seine Einwirkung auf das Kind in dieser Richtung als einen Mißbrauch seiner Gewalt oder eine Einwirkung auf das Kind in dem Sinne dieses Paragraphen zu erachten. Hätten Sie damals diesen Zusatz, der eine Deklaration des 8 1666 geben wollte, angenommen, so wäre die heutige Ver- Handlung nicht nötig gewesen, und kein Gericht hätte den Para- graphen in Anwendung bringen können. Das beweist einmal wieder, wie außerordentlich bedenklich eS ist, wenn man bei solchen Gesetzes- bestimmungen den Gerichten vertrauensselig mit einem wahren Vertrauensdusel entgegenkommt.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn man glaubte, die Gerichte würden sich nach der Auffassung derjenigen richten, welche den Para- jraphen beschlossen haben, sie würden sich nach der Au- icht der Kommission richten, so war das hier ein großer Fehler. (Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Dann will ich noch auf ein anderes hinweisen. Damals lag bereits eine eigentümliche Aus- legung einer Bestimmung des preußischen Landrechts vor. Ein Richter in Hanau hatte einem sozialdemokratischen Arbeiter das Erziehungsrecht genommen, weil sein Kind einem Arbeiterturnerbund angehörte, der als sozialdemokratisch bezeichnet wurde. DaS zeigte chon damals die Wichtigkeit dieser Bestimmung. Allerdings wurde das Hanauer Urteil durch das Oberlandesgericht aufgehoben. Aber die Sache ist vorgekommen und zeigte, daß der Geist, der dem Utteil des VormundschaftSgerichts in Zabrze zugrunde liegt, längst im preußischen Staate— alles Schlechte m Deutschland kommt 10 aus Preußen—(Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten) bor Händen war. Im Jahre 1904 hat das Amtsgericht in Sommerfeld gegen eine Arbeiterin entschieden, sie solle aus dem Textilarbeiter� verband austreten, oder es müßte ihr die Vormundschaft über ihre Kinder genommen wetden.(Lebhaftes Hört I hörtl bei den Sozial- deinolraten.) Eine arme Arbeiterin, die ihrem Berufsverbande an- gehört, um gerade im Interesse der Erziehung ihrer Kinder zu versuchen, durch den Verband ihren Lebens- unterhalt zu verbessem, die soll vom Amtsgericht gezwungen werden, aus dem Verbände auszutreten, wenn sie nicht ihr heiligste Mutterrecht preisgeben will!(Hört! hört! bei den Sozial demokraren.) Leider hat die Arbeiterin sich einschüchtern lassen, so daß eine Beschwerde gegen den Entscheid nicht eingelegt ift Freilich, wenn die Meinung des Reichstages maßgebend loäre, so müßte man glauben, daß die Richter bei der Anwendung des§ 1666 sich doch wenigstens die Frage vorlegen sollten, welche Anschauung zum mindesten die Vertreter derjenigen Parteien hatten, die den Paragraphen festsetzten. Damals führte mein Parteigenosse Stadthagen gerade im Hinweis auf das Hanauer Urteil auS:„Wenn solche Mißbrauche vorgekommen sind, so muß man unseren Antrag annehmen, um ein solches Hineinziehen der Politik in die Gerichts säle, eine solche Unterminierung der elterlichen Gewalt, eine solche Vergiftung der Kindesseele unmöglich zu machen." Wie be- denklich die Ablehnung unseres Antrages wirken konnte, ist Ihnen also klar gezeigt worden.(Zustimmung bei den Sozinldemo- traten.) Man hat unseren Antrag aber damals nicht angenommen. und Sie' sehen jetzt die Folgen, obwohl der Abg. Gröber damals erklärte, es sei ja begreiflich, daß ein solcher Gerichtsbeschluß den Antragsteller in eine große Erregung und Entrüstung bringen müsse und diese Entrüstung sei um so begreiflicher, als mau glauben sollte. daß bei uns solche Entscheidungen nicht vorkonimen könnten. Der Abg. Bachem fügte dem noch hinzu: Wenn aber wirklich das Ge fürchtete zutreffen, eine solche Entscheidung vorkommen würde, so hoffe er, daß die oberen Instanzen sie aufheben würden. Das Hanauer Urteil ist damals ja auch in der Tat aufgehoben worden, aber wie lange der Widerstand, der Gerichte gegen die Verwaltung vorhalten wird, das wird sich erst zeigen, wenn die Polenpolitik in Preußen ihren vollkommenen Bankrott erlebt hat. Wenn die preußische Regierung zu der Ueberzeugung kommen sollte. daß sie mit allen ihren Mitteln gegen die Polen nicht mehr weiter kommen kann, dann wird sie zum äußersten schreiten; dann werden sich auch die Gerichte ihrem Drucke nicht entziehen können, und wir haben keine Garantie, daß dann nicht auch die obersten Gerichtshöfe so entscheiden werden, wie jetzt die unteren Instanzen entschieden haben.(Lebhaftes Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. Bachem hat seinerzeit als Berichterstatter über das Bürgerliche Gesetzbuch gesagt, daß jeder Paragraph einem Miß- brauch ausgesetzt sein könnte' man müsse damit rechnen, daß im Einzelfalle eine höhere Instanz Remedur schafft. Wir haben gesehen, wohin die unglückselige Vertrauensseligkeit des Zentrums bei der Beratung des Bürgerlichen Gesetzbuches uns geführt hat. Wäre das Bürgerliche Gesetzbuch zehn Jahre früher gekommen als der Kultur- kämpf noch bestand, dann wäre der Scharfsinn und das Mißtrauen des Herrn Spahn gewiß in anderer Weise zum Ausdruck gekommen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Zur Konfliktszeit, 1866, waren die Liberalen außerordent- lich mißtrauisch gegen die Gesetzesauslegungen, die damals stattfanden. Wenn aber heute ein neues Strafgesetzbuch geschaffen werden würde, so würde es unendlich viel schlechter werden, als das alte war.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Reaktion im Innern ist immer weiter vorgeschritten, und alles ist im Rückschritt begriffen. Rückwärts! rückwärts! DaS ist die Losung, das ist der Geist, der zu den eigentümlichen Auslegungen des§ 1666 geführt hat, von denen wir heute gehört haben. Als mein Freund Singer vor 10 Jahren als Mitglied der Berliner Schuldeputation gewählt wurde, durfte er da nicht eintreten, weil der Minister meinte, ein Sozialdemokrat habe dazu nicht die„sittliche Qualifikation". Aus demselben Grunde durfte mein Freund Arons nicht als Privatdozent über Chemie und Physik dozieren; auch er hatte nicht die nötige„sittliche Ouali fikation!"(Hört! hört! links.) Jetzt hat Herr Studt sogar einem Turnlehrer die Anstellung verweigert, weil er als Sozialdemokrat nicht die nötige„sittliche Qualifikation" habe.— Den Seminaristen wird verboten, Sudermann oder Hauptmann zu lesen. Herr Haupt- mann ist wiederholt Tischgast des Fürsten Bülow gewesen, und einen solchen Mann bezeichnet Herr Studt als bedenklich für die Semi- naristen!(Hörtl hört! bei den Sozialdemokr.) Alles das ist der Geist, der in der Auslegung des 8 1666 zum Ausdruck gekommen ist. ist ein trauriges Zeichen für unsere öffentliche Meinung, daß alle diese Dinge m Deutschland vollständig unbeachtet geblieben sind, daß nirgends ein Schrei der Empörung ausgebrochen ist gegenüber einem solchen Kultusminister.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Da braucht man sich nicht zu wundern, daß jetzt der Kultusminister in einer Depesche darauf hingewiesen hat, daß mit allen gesetzlichen Mitteln die Anordnungen der Schulbehörde gegenüber dem Schulstreik durchgeführt werden sollen. Ich habe den polnischen Schulkinderstreik geradezu bewundert; er ist großartig!(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Ich wünschte, wir wären in Deutschland eines Tages mal so weit, daß wir für die Trennung der Schule von der Kirche eintreten könnten. Ick würde eine solche Trennung als einen außer- ordentlich kulturfördernden Schritt ansehen. Das Deuffche Reich besteht jetzt öö Jahre. An seiner Wiege haben große Parteien ge standen, in-erster Reihe kommt-dabei das Zentrum in Betracht. Als vor 64 Jahren das Jesuiteugesetz auf der Tagesordnung stand, da haben wir gesagt: Das nützt nichts, auf diesem Wege kommt Ihr nicht zum Ziel! Das einzige Mttel ist, daß die Kirche fich auf ihr eigenes Gebiet zurückzieht. Wenn die Kirchlichgesinnten die nötige Begeisterung für ihren Glauben haben, so werden sie die Kirche auch erhalten; haben sie die Begeisterung aber nicht, so ist eS nicht Aufgabe des Staates, sich darum zu kümmern. Wenn wir die Schulpolitik in wahrhaft kulturellem Sinne gehandhabt hätten, so würden wir heute wahrhaft grotzarttge Früchte davon geerntet haben.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Man ist gegen die Polen scharf vorgegangen, und das Ende war, daß die Polen, wie der Reichskanzler sich aus- drückte, sich kaninchenartig vermehrten(Heiterkeit), und heute wissen wir, daß alle Maßregeln gegen die Polen genau das Gegenteil be- wirft haben von dem, was erreicht werden sollte. Diejenigen, die man schwächen wollte, hat man gestärtt, und diejenigen, die man stärken wollte, hat man geschwächt.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Nun sollte man meinen, der Reichskanzler müßte sagen: Ich habe mich geirrt, es war eine falsche Politik, die ich eingeschlagen habe. Der Reichskanzler spricht aber von einer Rhinozeros- haut, die er sich zeitweilig anlege, und seine Polenpolitik macht fast den Eindruck, daß er mit eisernem Kopf gegen die Wand rennen will.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das„Deutsche Adelsblatt" hat vor einer Reihe von Jahren geschrieben, daß die Polen glauben, daß Christus in ihrer Sprache gesprochen habe und daß sie mit ihm nur in polnischer Sprache verkehren können. Das ist das schärfste Desaveu, das das„Deutsche Adelsblatt" den Konservativen im Abgeordnetenhause aussprechen kann. Gerade bei der Stellung, die Sie(»ach rechts) dem Religionsunterricht zuloeisen, die Sie den Religionsunterricht als die vornehmste Grundlage des ge- samten Staatswesens hinstellen, müßten Sie, wenn Sie nicht ganz verbohrt wären(Heiterkeit; Zurufe rechts), dahin kommen, daß der Religionsunterricht in der Muttersprache erteilt wird. Ich wollte nur von den Konservativen im Landtag sprechen. Ich meine, daß diese von ihrem Standpunkt aus den größten Fehler begehen, wenn sie fich dagegen wenden, daß der Religionsunterricht in der Mutter- spräche erteilt wird. Wir sind der Meinung, daß in kultureller Beziehung die Schule viel mehr. leisten müßte und könnte, wenn der gesamte Schulunterricht in d e r Sprache erteilt würde, die die Binder vom Mutterleibe an verstehen.(Sehr richtig! bei dm Sozial- 'emokroten.) Gerade die staatserhaltenden Parteien haben das größte Interesse daran, daß der Unterricht in der Muttersprache erteilt wird. Das war vor 100 Jahren noch etwas ganz Selbstverständliches. Herr von Altenstein hat im Jahre 1822 ausdrücklich darauf hin- gewiesen, daß der Religionsunterricht in der Muttersprache der Kinder erteilt werden müsse. Das war der Standpunkt der preußi- schen Kultur vor 80 Jahren. Wenn man aber die sonstigen da- maligen Verhältnisse betrachtet, so könnte man meinen, daß Herr v. Studt in das Jahr 1822 gehört und Herr v. Altenstein in das Jahr 1906!(Heiterkeit.) Der reaktionäre Kultusminister v. Mühler auS den sechziger Jahren steht in bezug auf die Schule turmhoch über Herrn v. Studt von 1906. Die Liberalen haben doch damals sicherlich Herrn v. Mühler als den reakttonärsten Menschen bezeichnet, aber er war ein Fortschrittsmann gegenüber Herrn v. Studt, mit dem die Nationalliberalen ein Volkstchulgesetz gemacht haben. So setzen sich die Herren mit sich selbst in Wider- sprach.(Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die ältesten Mitglieder dieses Hauses, zu denen Herr Büsing und ich ge- hören, haben in den 60er Jahren an jener großen politischen Be- wegung teilgenonnnen, die sich besonders begeisterte für die Rück- gewinnung von Schlcswig-Holstein. Was uns aber am meisten in Erregung brachte, das war damals der infame Versuch der dänischen Regierung, den Deutschen in Schlcswig-Holstein die Muttersprache zu nehmen!(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Das setzte damals alles in Flammen, so wenig einverstanden man auch mit der Politik Bismarcks war. Aehnlich war die Stimmung, als es sich um die Russifizienmg der Ostsee- Provinzen, um die Unterdrückungsversuche der Deutschen in Ungarn. um die Unterdrückung der Italiener in Venedig und der Lombardei durch das danialige Oesterreich handelte. Wie haben unsere Liberalen da getobt! Heute aber, wo die Deutschen die gleiche Gewalt- polilik gegen die Polen einschlagen— ja, Bauer, das ist etwas anderes!(Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten und den Polen.) Jetzt ist Ihr Urteil(zu den Nationalliberalen) ein ganz entgegengesetztes. Jetzt heißt es: Je schärfer gegen die Polen vor- gegangen wird, desto besser. Wir haben im Jahre 1870/71 Elsatz-Lothringen erobert. In den Jahren nachher führte mich meine Beschäftigung häufig nach Elsaß- Lothringen, und ich war überrascht, daß nach 200jähriger Zugehörig- keit zu Frankreich das elsässische Volk noch deutsch sprach. Aber das- 'elbe elsässische Volk hat mit wahrer Begeisterung und Liebe an Frankreich gehangen. Das war nur möglich, weil die Franzosen die Eigentümlichkeiten der Elsässer stets geschont haben und ihnen nie zu nahe getreten sind.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Seit Ende des 17. Jahrhunderts haben die Elsässer acht verschiedene 'ranzöstsche Regierungssysteme durchgemacht, aber die großen Kultur- erobcrungen, die ihnen die französische Revolutton gebracht hat, haben sie nie vergessen. Auf allen Schlachtfeldern der Republik und des Kaiserreiches haben die Elsasser und Franzosen gemeinsam ge- blutet. Sie haben eine große Zeit gemeinsam erlebt, und das hat die Begeisterung für Frankreich im Elsaß so lange erhalten. Preußen ist aber stets der allerschlechtcste Germanisator � gewesen!(Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Zu zen wichtigsten Imponderabilien jeder Nation gehört die Mutter vrache. Sehen Sie die kleine Schweiz an: drei Sprachen, deutsch, ranzösisch und italienisch, werden dort gesprochen, und im Berner Nationalrat sind alle drei Sprachen vertreten. Jeder Vertreter der einzelnen Nation redet in seiner Muttersprache. Gemeinsam werden die Gesetze gemacht, und nichts von Feindseligkeit, von Rivalität ist zu merken. Jede Nation hat ihre eigene Schulverfassung, und frei und unabhängig— als Gleiche neben Gleichen— leben sie in voller Harmonie miteinander.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial demokraten. Sind wir wirklich ein großes Kulturvolk, dann ist es eine Schmach und eine Schande, wenn Deutschland es nicht versteht, die gleiche Parität zu gewähren wie die kleine Schweiz.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Dazu gehört kein besonderer Mut; es gilt nur. fremde Nationen nicht nach dem Recht des Eroberers zu ichandeln, sondern ihnen die einfachsten Menschenrechte einzuräumen. Erneuter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Es läge ja nahe für mich, auf die ganze Polenpolitik der preußischen Regierung einzugehen, aber ich will es unterlassen, all die Versuche zu besprechen, von denen jetzt die Rede ist. Schon wird die allgemeine Expropriation aller Polen vorgeschlagen. Schon macht die„Kreuzzeitung" den Vorschlag, eine Zwangsauswanderung der Polen zu organisieren. Dabei brauchen wir so sehr Menschen, daß wir aus dem Auslande Galizier, Tschechen, Italiener, sa sogar Kulis holen. Aber der Vorschlag der.Kreuzzeitung" zeigt, daß elbst ihre hartköpfigen Kreise begreifen, daß es auf dem bisherigen Wege nicht weiter geht. Glauben Sie aus diesem Wege weiterschreiten zu müssen, so gehen Sie ihn; er führt zum Verderben! Wollen Sie aber die Kultur fördern und eine wirkliche Kulturnatton sein, dann legen Sie pand an und schleudern Sie die ganze Polenpolitik in den Orkus. Stürmischer Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Träger(stf. Vp.): Weil eine Anzahl meiner Freunde die Poleninterpellation mit unterzeichnet hat, ist die Hakatistische Presse ganz aus dem Häuschen. Sie spricht von schmachvollem Verhalten, Versagen in nattonalen Fragen und von Liebesdienst gegen die Polen.(Große Heiterkeit links.) Solche Redensarten können bei uns keinen Eindruck machen und sie stammen aus derselben Rümpel kammer, wie das Gerede von der Reichsfeindschaft.(Sehr wahr links.) Niemand hat das Recht, an unserer patriotischen Ge- ännung zu zweifeln, aber die Prüfung der Mittel, mtt denen nationale Interessen verfolgt werden sollen, müssen wir uns in jedem einzelnen Falle vorbehalten. Es ist eine alte parlamew tarische Courtoisie, Fraktionen, die nicht stark genug sind, um die Besprechung eines Gegenstandes herbeizuführen, die notwendige Am zahl Unterschristen zu stellen, falls man der Meinung ist, daß die Sache zur Sprache gebracht werden muß. Ich gebe auch der Rechten zu, daß die Besprechung der allgemeinen Polenpolitik nicht so recht zu unserer Kompetenz gehört. Wohl aber gehört die Frage zu unserer Kompetenz, ob der 8 1666 verletzt ist, zu dem äas preußische Fürsorgegesetz mir ein Ausführungsgesetz ist. Sobald wir aber an eine solche Prüfung herangehen, dann schreit die Regie- rung und die Rechte immer:„Um Golteswillen, rührt nicht an der Unabhängigkeit der Reichter."(Heiterkeit und lebhafte Zustimmung links.) Vor Kabinettsjustiz herrscht bei uns leider keine ängstliche Scheu;(Sehr gut! links.) sobald aber die Volks- Vertretung eingreifen will, dann heißt es sofort:„Ihr wollt uns zumuten, die Unabhängigkeit der Richter zu bedrohen I" So sind wir immer die armen Sünder.(Heiterkeit links.) Eine der höchsten Autoritäten, Geheimrat Blanck, hat in seinem Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch ausdrücklich anerkannt, daß das Recht äes Vaters in religiöser oder polittscher Hinsicht oder die Einwirkung des Vaters auf sein Kind bei der Auslegung des 8 1666 nicht in Bettacht gezogen werden dürfe.(Sehr richtig I links.) Die Vorgänge im Reichstage bei Beratung dieses Paragraphen hat Herr Bebel sehr richtig geschildert. In seinem süddeutschen Optimismus meinte damals Herr Gröber, solche Entscheidungen, wie sie befürchtet würden, dürsten wohl nicht vorkommen. Aber in Preußen, dem Reiche der un- begrenzten Möglichkeiten,(Große Heiterkeit links) sind sie indirekt vor- gekommen. Ein polnischer Vater hat seinen Kindern verboten, in der Religionsstunde deutsche Antworten zu geben, und ein Richter hat sich gefunden, der in seinem Geiste dieses Kind bereits zum Rebellen emporwachsen sah und der dem Mädchen wohl zugetraut hat, daß es als Jungstau von Orleans sich dereinst an die Spitze der polnischen Jnsurgentenschar stellen könnte.(Große Heiterkeit links.) Ich will nicht verteidigen, nicht anklagen. Die ganze Frage ist nur: Ist die Diktattir der Schule so groß, so widerspruchslos, daß sowohl Kinder wie Eltern ohne Murren sich fügen müssen, oder steht den Eltern nicht das Recht der Kritik zu? Stellen Sie sich vor, daß im November oder Dezember der Schulunterricht ausfällt, weil die Kinder Spalier stehen sollen; es handelt sich vielleicht um die Einholung eines weit entfernt wohnenden Herrschers,(Heiterkeit) und die Kinder sollen bei der' Temperatur in diesen Monaten„Hurra!" schreien.(Heiterkeit.) Wenn nun ein Vater sagt, dazu gebe er nicht seine Erlaubnis, weil die Kinder sich da erkälten könnten, so dürsten nach der stattgehabten Auslegung des 8 1666 die Kinder in Zwangserziehung genommen werden.(Heiterkeit.) Wenn eine solche Strafe sestgesetzt wird, so muß doch ein entsprechendes Vergehen der Eltern vorliegen. Vor allem aber müssen wir darauf hintveisen, daß die Beschwerde aufschiebende Wirkung hat. Daß die Einbringung der Jnter- pellation angebracht und daß es der Mühe wert war, die Sache von allen Seiten zu beleuchten, das hat der Verlaus der Debatte be- wiesen. Wenn ich den Staatssekretär richtig verstanden habe, so hat er erklärt, daß die Anwendung des 8 1666 in dieser Frage zu miß- billigen sei, und das genügt uns.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Licbcrmiinn v. Sonnenberg(Ant.): Ich spreche nicht für alle meine Parteisteunde(Heiterkeit); die beiden Mitglieder des bayerischen Bauernbundes stehen auf einem anderen Standpunkte. Durch die Heranziehung des 8 1666 des Bürgerlichen Gesetzbuches ist eine Form gefunden worden, um die Angelegenheit, für die der Reichstag nicht kompetent ist, hier zur Besprechung zu bringen. Wir behaupten, die Einbringung der Interpellation der Polen ist nicht aus religiösen, sondern ans politischen Gründen erfolgt. Aus religiösen Gründen härten die Freisinnigen nicht in so großer Anzahl ihre Unterschrist für die Interpellation hergegeben. Wie bedenklich aber die Verhältnisse in den polnischen Landesteilen. besonders in der Provinz Posen find, ist bekannt; diese Verhältnisse bilden eine Gefahr für ganz Deutschland. Die Frage steht so: Soll die deuffche oder die polnische Sprache triumphieren?(Stürmisches Gelächter links.) JhrLachen beweist, daß Sie wenig von der Geschichte kennen, die nicht mit Jahrzehnten, sondern nach Jahrhunderten und Jahrtausenden rechnet. Unter den hervorragendsten deutschen Männern finden sich solche mit polnischen Namen.(Rufe: Podbielski I) Ja. auch Herr v. Podbielsft gehört dazu.(Stürmische Heiterkeit.) Auch Sie, meine Herren Polen, die Blüte Ihrer Nation, sind Germanisierungsprodukle. Seien Sie also dankbar gegen das deutsche Volk.(Stürmische Zurufe bei den Polen.) Mein teurer Herr Korfanty, Sie sind noch sehr jung und erlauben sich eine Sprache, die sich für Sie nicht schickt.(Ad. Hoffmann(Soz.): Alter schützt vor Torheit nicht! Stürmische Heiterkeit. Glocke des Präsidenten.) Der Schulstreik ist eine Borbereitung zum Aufruhr; er zeigt das Bestehen einer großen geheimen Verschwörung.(Schallende Heilerkeit und Zurufe.) Die guten polnischen Elemente wollen wir assimilieren, aber der Gewalt werden wir Gewalt entgegensetzen.(Bravo I bei den Antisemiten.) Abg. Gothein(frs. Vg.): Wir billigen den Schulstreik nicht. Aber entstanden ist er aus dem Boden der preußischen Polenpolitik. Lebhaft bedauern müssen wir, daß durch Ueberweisung von Kindern in Fürsorgeerziehung preußische Richter die Gesetze extensiv aus- gelegt, d. h. gar nicht ausgelegt, sondern ihnen etwas untergelegt haben, woran die Gesetzgeber nicht entfernt gedacht haben. Was will man dadurch erreichen? Glaubt man, 40 000 Kinder in Fürsorge- erziehung überweisen zu können? Die einzige Lösung des Konflikts erblicken meine Freunde in der vollständige» Beseitigung des Religionsunterrichts aus der Staatsschulc. Die Verquickung von Kirche und schule durch das neue preußische Schulunterhaltungsgesetz läßt die Verwirklichung dieser Hoffnung freilich entfernt erscheinen. Aber. der Gedanke der Notwendigkeit der Beseittgung des ReligionS- Unterrichts, der ausschließlich der Kirche zu überlassen ist, aus der Schule, bricht sich bis in die Reihen des Zentrums und der Rechten hinein Bahn. Gerade der Schulstreik zeigt diese Notwendigkeit aufs deutlichste. Abg. Röllinger(Elsaffer): Abgeordneter Bebel hat mjt Recht darauf hingewiesen und ich danke ihm dafür, daß dte französische Regierung, als das Elsaß stanzösisch war, gegen die deuffche Muttersprache in ähnlicher Weise nie vorgegangen ist. Das war aber kein Hindernis zur Eroberung der Herzen des elsässische» Volkes für Frankreich. In bezug auf die Jnterpellatton begrüße ich die Mnder, die ihr Recht so muffg verteidigen (Bravo I). ich begrüße die Eltern, die. weil sie ihr Recht nicht er- halten können, auf diese Weise vorgehen.(Bravo! bei den Sozial- demottaten.) Sorgen Sie für die Erhaltung der polnischen Sprache, damit werden Sie deutsche Herzen erobern. Abg. Hanffen(Däne): In Nordschleswig hat man früher Eltern interniert, die ihre Kinder zur Ausbildung in Pensionen nach Dänemark schickten!(Hört! hört! links.) Wir haben das Recht, unsere Nattonalität zu bewahren wie die Deuffche» in den russischen Ostseeprovinzen und die Sachsen in Siebenbürgen. Wenn wir aber das tun und unsere Kinder nach dem Gebote handeln„Ehre Vater und Mutter", so ist das ein Vergehen! Eine Mtwe hatte ihren fünfzehnjährigen Sohn als Lehrling in eine dänische Druckerei geschickt, und es wurde ihr nicht nur das Recht der Erziehung dieses Sohnes genommen, sondern auch das der Erziehung von neun kleineren Kindern.(Pfuiruf links.) Die Entziehung des Elternrechts ist nicht nur unchristlich, sondern auch ungesetzlich. Ein Vertagungsantrag wird angenommen. Persönlich bemerft Abg. Korfanty(Pole) dem Abg. Liebermann b. Sonnenberg gegenüber, daß deffen Ausführungen und die„Hamburger Nach- richten", auf die er sich bezogen hat, die dufttgsten Blüten deutschen Geistes seien. Präsident Graf Ballefttem: Das war keine persönliche Bemerkung, sondern eine mehr oder minder sachliche Bemerkung. (Heiterkeit.) Der Präsident schlägt vor, die nächste Sitzung Donnerstag Uhr abzuhalten und auf die Tagesordnung zu setzen: Die Jnter- .) über die Verwendung von als Futtergerste rauzwecke, sowie über die Ausfuhr von Äsen- ferner die Berattmg der Generalakte von pellaffonen Speck(! verzollter Gerste für 8 erzen aus Schweden, AlgeciraS. Abg. Stychel(Pole) bittet, morgen die heutige Beratung an erster Stelle fortzusetzen, da die Polen bei der Debatte nicht zu Worte gekommen seien. Abg. Singer(Soz.): Ich möchte diesen Antrag unterstützen, um den polnischen Mitgliedern Gelegenheit zu geben, wenigstens durch einen Redner bei der Debatte zu Worte zu kommen. Präsident Graf Ballefttem: Bis zur Weihnachtspause haben wir nur noch sieben Sitzungen, in denen wir noch manches zu erledigen haben. Heute sind von allen Parteien Redner zu Worte gekommen, auch aus den Teilen des Vaterlandes, wo fremdsprachliche Ein- wohner leben. Ich glaube, die Sache ist gründlich besprochen.(Sehr richtig! rechts.) Ich bleibe bei meinem Antrage. Auch vom Zentrum, das eine Interpellation eingebracht hat, ist kein zweiter Redner zu Worte gekommen. Abg. Stychel(Pole): Gegen die Zentrumsfraktion sind auch keine Anklagen erhoben worden, wohl aber gegen uns und gegen die polnische Nation! Abg. Singer(Soz.): Ich mutz dem Abg. Stychel beipflichten, daß weit über den Rahmen der Interpellation hinaus Anklagen und Vorwürfe gegen die polnischen Mtglieder geäußert sind, aus welche ihnen die Antwort zustehen muß. Abg. Spahn(Z.): Ich schlage vor, die Interpellationen über den Schulstreik als dritten Punkt auf die Tagesordnung zu setzen. Abg. Stychel(Pole) schließt sich dem an. Das Haus beschließt gegen die Stimmm der Rechten und Nationalliberalen demgemäß. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr. Schluß 7 Uhr._ parlamentarisches. Die Nachtragsetats in der Budgetkommission. Die Budgetkommission des Reichstags trat gestern(Mittwoch) vormittag zusammen, um die Nachtragssorderungen für Südwest- afrika zu beraten. Herr Spahn tat„oppositionell" und verlangte, daß am 1. März n. I. die Truppenzahl auf 2500 Mann herab- 1. März nächsten Jahres die Truppenzahl auf 2500 Mann herab- gesetzt werde; Herr Paasche befindet sich fast in„kriegerischer" Stimmuug. Ihm gefällt die ganze Choie»'cht, seitdem er beinahe ■3 Anterstaatssekrelär für die Kolonien geworden wäre. An Stelle des Draufgängers v. Deimling hat sich die Regierung in diesem Jahre einen Zivilisten als Sachverständigen verschrieben: den Gouverneur V. L i n d e q u i st, der der Kommission phantasiefrohe Zukunfts- bilderchcn vormalte. Dabei spielten allerdings bedenklich viele »Wenn" und„Aber" eine Rolle. LOlXl Soldaten müssen noch in der Kolonie bleiben— natürlich, wovon soll die Kolonie leben, wenn die Milchkuh, das Militär, von dannSn zieht? Momentan sind, wie der Gouverneur gestand, die wirtschaftlichen Aussichten der Kolonie sehr traurig. Aber„alles wird sich zum besten wenden", wenn der Reichstag Geld bewilligt; heidenmäßig viel Geld, für Bahnen, Bohrungen usw. Im Norden ruhen„w a h r s ch e i n- I i ch" große Kupferlager im Schöße der Erde— ein Syndikat will die Schätze heben. Kohle hat man an zwei Stellen gefunden,„v e r- mutlich" sehr gute Kohle und— Hurra!— ein Neger hat vor einigen Jahren sogar„einen" Diamanten gefunden! Seinen Fund hatte er verschwiegen, weil er die Weißen fürchtete. Bereits hat sich ein Mann mit einer baren Million gemeldet, ebenso ein eng- lischcs Syndikat, um nach Diamanten zu graben. Nur müsse daT Reich Bahnen und andere Verkehrswege bauen, sonst werde aus den schönen Unternehmungen nichts werden. Für den Farmbetrieb ständen 700 000 Quadratkilometer Land zur Benutzung; 7000 Farmer könnten sich schon ansiedeln, später, nach besserer Lösung der Wasser. frage, auf der gleichen Fläche viel mehr. Uebrigens sei die Wasser- frage zum Teil schon gründlich gelöst in— der englischen Kapkolonie, wo schon im Jahre 1904 mit Hülfe der Bohrungen eine tägliche Wassermenge von 42, b Millionen Liter gewonnen werden konnte. Wenn w i r erst energisch mit Bohrungen losgehen, dann wird wohl alles zu Wasser werden! Aber auch sonst: frohe Zu- kunft, segensreiche! Luzerne(ein Viehfutter) könne man jährlich sechs- bis achtmal schneiden, sämtliche in Deutschland gebauten Ge- müse könnten in Südwestafrika kultiviert werden; sogar der Wein- bau und Dattelanpflanzungen würden sich lohnen.„Windhuker Aus- bruch" und„Waterberger Blümchen"! Ein Prosit dem Vaterland! Während des Aufstandes haben sich die Strauße enorm vermehrt; ihre Zucht werde ein lukratives Unternehmen werden. Bereits haben sich auch Leute gemeldet, die den Viehexport betreiben und eventuell Konservenfabriken anlegen wollen. Nur das liebe Rindvieh fehlt noch, das exportiert werden soll; denn der Krieg und die Rinderpest haben unter den gehörnten Vierfüßlern entsetzlich gehaust. Auch von den Erfolgen mit der Wünschelrute hat sich der Gouverneur überzeugt; die komische Gemeinde dieser Gläubigen ist somit um ein gewichtiges Mitglied reicher geworden. Lindequists Glauben stützt sich auch darauf, daß ein so alter preußischer Landrat, wie Herr v. Uslar, doch nichts unternehmen werde, was ihm eine Blamage eintragen könnte! Ein preußischer Landrat und sich blamieren! Einfach undenkbar! So'was gibt's ja gar nicht! Also: Schöne Dinge können wir in Südwestafrika erleben, aber— Geld, Geld und nochmals Geld ist notwendig, das war der langen Rede harter Sinn. Das werden ja saftige Rechnungen, die dem Reichs- tag noch präsentiert werden.»Machen wir!" wird Exzellenz Dern- bürg sagen._ Aus der Wahlpriifungskommissioo. Zunächst befaßte sich die Kommission mit der Feststellung der iLerichte über die Wahl P a u li- Potsdam und R a a b- Eschwege- Schmalkalden; die erste ist bekanntlich für gültig, die letztere für ungültig erklärt.— Darauf schritt die Kommission zur Prüfung der Wahl B a r b e ck s(freisinnig) im Wahlkreise Erlangen-Fürth, die am 20. Juli 1905 stattgefunden hat, nachdem die Wahl von 1903 für ungültig erklärt worden war. Es wurden bei der Nachwahl 28 059 Stimmen abgegeben; davon erhielt B a r b e et 14 426 St., Scgitz(Sozialdemokrat) 13 624 St. Gegen die Wahl ist ein Protest sowie ein Gegenprotest rechtzeitig eingereicht worden. Der Protest behauptet eine Anzahl gesetzlicher Verstöße: Verbot deS Anschlags eines Plakates. Abgabe von Auszügen aus den Wählerlisten zum Schleppcrdienst, Agitation Beamter zugunsten Barbecks, Auf- legung von Stimmzetteln für Barbeck im Wahllokal, gesetzwidrig verspätete Eröffnung der Wahlhandlung usw.— Verstöße, die, soweit sie als erheblich erklärt werden, doch nicht zu einer Ungültigkeils- «rklärung der Wahl führen würden. Deshalb beschloß die Kam- Mission, die Wahl Barbecks für gültig zu erklären. � Dann gelangte die Kommission zur Prüfung der Ergebnisse der Beweiserhebungen bezügsich der Wahl S ch e r r e s(konservativ), Wahlkreis Sangerhausen-Eckartsberga. wo Aufrufe mit der Unter- schrift des Landrats für Scherre verteilt worden sind! Bei den Ver- nehmungen habe sich nach Auffassung der Kommissionsmehrheit herausgestellt, daß diese Unterschrift ohne Wissen und Willen des Landrals unter das Flugblatt gekommen ist und daß diese Flug- blätter bis auf wenige wieder abgeholt worden sind.— Auch die weiteren Ergebnisse der Beweiserhebung veranlaßten die Mehrheit der Kommission, die Wahl Scherres für gültig zu erklären.— Die Petitionskommissio» des Reichstages beschäftigte sich am Mittwoch mit mehreren Petitionen, betreffend die Förderung internationalev Schicdsgerichtsvertrüge. Nachdem der Regierungskommissar darauf hingewiesen hatte, daß daS Deutsche Reich solche Verträge, z. B. mit England, bereits abge- schloffen habe, daß ferner in den Handelsverträgen auf die Erledigung von Streitigkeiten durch ein internationales Schiedsgericht hingewirkt worden sei, Deutschland auch bereits zwei- mal au das Haager Schiedsgericht appelliert habe, beschloß die Kommission, die Petitionen dem Reichskanzler als Material zu überweisen.— Eine Petition fordert, daß dem„Berner Friedens- bureau" vom Deutschen Reiche zährlich 1000 Mark als Subvention überwiesen werden., Die Kommission beschloß: Uebergang zur Tagesordnung. Derselbe Beschluß wurde gefaßt bezüglich einer anderen Petition, welche die Interessen der Staatsgläubiger durch internationale Verträge bezw. Schiedsgerichte zu wahren vorschlug. Mehrere Petitionen fordern die Beseitigung des Impfzwanges, eventuell Abänderung der gesetzlichen Bestimmungen in dem Sinne, daß Eltern, die sich weigern, ihre Kinder impfen zu lassen, wegcä desselben Vergehens gegen das Jmpfaesetz nicht wiederholt bestraft werden dürfen, wie es leider häufig geschehen.— Abg. Wallenborn(Z.) trat für die Fotderung der Petenten ein. Abg. Dr. Ällugdan(frs. Vp.) hält die Klagen der Jmpfgegner für unbegründet.,. � Abg Thiele(Soz.): Die Freunde der Zwangsimpfung hatten nachzuweisen, daß die Zwangsimpfung einen wirklichen Nutzen bringe. Abg. v. Gerlach(frs. Vg.) vertritt die Ansicht, daß den ärztlichen Gutachten zugunsten der Zwangsimpfung zuviel, den aus denselben Kreisen kommenden Erklärungen gegen die Zwangsimpfung aber zu wenig Wert seitens der Regierung beigelegt würde.? Der Regierungskommissar weist auf die Entstehung des Impf- gesetzes bin: Zu Anfang der siebziger Jahre seien in Deutschland in zwei Jahren 25 000, im vorigen Jahre nur noch 30 Todesfalle an Pocken vorgekommen. Die Jloangsimpfung sei ein großer Segen für die deutsche Bevölkerung. Bei der Abstimmung lohnte die Kommission emen vom Abg. Thiele(Soz.) gestellten Antrag, die Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen, gegen acht Stimmen ab. Ein Antrag Wattendokf(Z.) auf Uebevweisung zur Erwägung wurde ebenfalls gegen 11 Stimmen abgelehnt.— Mit 13 Stimmen wurde Uebergang zur Tagesordnung beschlossen. Soziales. Wie Rellten durch das ReichsversichcrungSamt erspart werden. Auffallend ist, wie wiederholt von uns betont, daß nach den Ergebnissen der vom Reichsversicherungsamt veröffentlichten Statistik seit Jahren die Zahl der lltentcnempfänger. die als voll- ständig erwerbsunfähig gelten, absolut und prozentual zurück- gegangen ist. Es ist darauf im Reichstage seitens der sozialdemo- kratischcn Redner immer hingewiesen worden, daß die Spruch- krsxis am Reichsversicherungsamt sich dahin wendet, nur in außer- ordentlich seltenen Fällen, man könnte behaupten, nur dann, wenn der Arbeiter schon zu einem völligen schweren Siechtum über- gegangen ist, die Vollrente zu gewähren. Als abermaliger Beweis hierfür mag folgender Fall, der sich vor einigen Tagen am Reichs- versicherungsamt unter dem Vorsitz des bekannten Geheimrates Friedensburg abspielte, dienen: Der Arbeiter Franz P o r w o l l i k erlitt am 20. Februar v. I. in dem Betriebe der Vereinigten Königs- und Laurahütte dadurch einen Unfall, daß er durch Sturz vom Dach sich einen komplizierten Schädelbruch und eine Vereiterung des rechten Handgelenks zuzog. Als Unfallfolge wurde von Herrn Sanitätsrat Dr. Hartmann nach Omonatlicher Behandlung des Verletzten im Krankenhause festgestellt, daß infolge eines komplizierten Schädel- bruches die Schädeldecke ein Loch in Größe eines Hühnereies auf- wies. Nach langen Versuchen war es schließlich möglich, eine Deckung der Oeffnung durch die äußere Kopfhaut zu erzielen. Das rechte Handgelenk war vollständig versteift und die Hand zu jeder Erwerbstätigkeit unbrauchbar, da die Finger nicht beweglich, nur zwei Finger in mäßigem Grade beugungsfähig waren. Dieser ärztliche Sachverständige hält den Verletzten sofort nach Omonatlicher Behandlung im Krankenhause für 20 Proz. er- werbsfähig. Ein anderer Arzt, der den Verletzten im Krankenhause behandelt hatte, schildert den Zustand desselben wie folgt: „Die Verletzung des P. war eine außerordentlich schwere, das Schädeldach war in großer Ausdehnung zertrümmert, scharfe Knochensplitter hatten die harte Hirnhaut zerrissen und waren tief in das Gehirn eingedrungen. Die Knochenstückchen wurden wieder regelrecht zusammengefügt, es gelang aber nicht, sie zur EinHeilung zu bringen, da sich eine Eiterung einstellte, welche große Partien des Gehirns zerstörte. Infolge von Verschleppung giftiger Keime durch das Blut entstanden schwere, eitrige Entzündungen des rechten Handgelenks, denen mehrere Handwurzelknochen und die Strecksehne des Ringfingers zum Opfer fielen. Das Handgelenk wurde des- halb steif und erlangte auch durch die lange fortgesetzte medico- mechanische Behandlung keine nennenswerte Beweglichkeit wieder. Ueber der großen Knochcnlücke im Schädeldach schloß sich Haut in einer breiten Narbe und verwuchs hierbei direkt mit dem an dieser Stelle von der harten Hirnhaut entblößten Gehirn." Der ärztliche Sachverständige kommt schließlich nach ausführ- licher Schilderung des Gesamtzustandes des Mannes zu folgendem Ergebnis: „Daß P. keine Arbeit mehr findet, ist wahr- haftig kein Wunder; wer will den armen Krüppel be- schäftigen, der an seiner rechten steifen Hand nur zwei gebrauchs- fähige Finger hat, dem das Gehirn aus einer Z Zentimeter breiten und 7 Zentimeter langen Lücke im Schädeldach bei jedem Senken des Kopses herausquillt, nachdem ihm ein fast hühnereigroßer Teil des Gehirns mitsamt der bedeckenden Gehirnhaut herausgeeitert ist? Glaubt man denn im Ernst, daß P. noch ar- betten könne, w eil er herumgehen kann und rote Backen hat? Ein Glück für ihn, daß ihn niemand zur Arbeit annehmen will; das durch längere wenn auch leichtere Be- schästigung angestrengte und durch öfteres Bücken gezerrte Gehirn würde bald mit epileptischen Anfällen reagieren. Man gönne doch dem armen Menschen das bißchen Gesundheit, was ihm bis jetzt noch geblieben ist, und gewähre ihm die wohlverdiente Vollrente, ehe ihn Nahrungs- mangel gänzlich ruiniert. Solange nicht auf operativem Wege eine Aenderung in dem Zustande P.s geschaffen wird, muß er als vollkommen erwerbsunfähig betrachtet werden." Diese bewegte Klage des Arztes über den Zustand des Mannes loste m der bekannten Weise bei dem Herrn Geheimrat Frie- d«nsburg nur ein Lächeln aus. Solche Argumente haben auf ,hn wden Eindruck verfehlt und er entschied deshalb auch, daß dem Mann noch füreinekürzereZeit nach dem Unfall die Voll- rente zu gewähren sei, dann aber nur 8 0 Proz. Rente ge. nugend seien. Der Antrag des Vertreters vom Arbeitersekretariat, wenigstens noch einen anderen Gutachter in der Sache zu hören bei der widersprechenden Beurteilung, wurde schlankweg abgelehnt. Das ist die Art, in der vor dem Senat des Herrn Friedensburg Arbeiter mit ihren berechtigten Renten- ansprächen abgefertigt werden. Darf man sich dann wundern, wenn die Zahl der Vollrentner zurückgeht, wenn diesem elenden Krüppel zugemutet wird, er besäße noch ein Fünftel der Arbeits- fahigkect, über die er in gesunden Tagen verfügte? Das Reichsversicherungsamt, das unter Vorsitz des Präsidenten Boediker mit Recht des Rufes sozialen Empfindens sich rühmen durfte, darf bei solcher antisozialen und dem Zweck des Gesetzes diametral entgegenstehenden Uebung sich nicht wundern, daß einzelne seiner Senate, allen voran der Friedensburger. in Arbeiter- kreisen bereits als Renten-Oberquetschanstalten bezeichnet werden Und von„sozialer Fürsorge" sprechen gerade am lautesten die Herren, deren Spruchpraxis von den. Arbeitern als eine gegen ihre durch schwere Beiträge wohlerworbenen Rechte gerichtete mit Recht empfunden wird._ � Genebte- Zeitung. .Otterngezücht." Vom Landgericht Beuthen(S.-Schl.) ist am 25. April der Bankbeamte Adalbert S i k o r a in Grempa wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Schulordnung der Regierung zu Oppeln ,u einer Geldstrafe verurteilt worden. Er hat als Redakteur des „Polak" den von einem unbekannten Verfasser herrührenden Artikel „Otterngezücht" zum Druck gegeben. Darin wird zur Bekämpfung des Systems der Ausrottung der polnischen Sprache aufgefordert— Die R e v l s i o n des Angeklagten wurde am Dienstag vom Reichs- gericht verworfen. -• Ein entarteter Mensch. Zu lebenslänglicher Zuchthaus st rase ist am 13. Oktober vom Schwurgericht O e l S der Tischlergeselle Wilhelm Draga verurteilt worden. Er hat am 19. März 1905 ein lljähriges Mädchen gewaltsam geschlechtlich gemißbraucht und zwar derart, daß der Tod des Kindes eintrat.— Die Revision des Angeklagten, welcher behauptete, er sei bei Begehung der Tat sinn« los betrunken gewesen und der Staatsanwalt habe die Zeugen durch Kreuzsragen beeinflußt, wurde am Dienstag vom Reichsgericht verworfen. Genau dasselbe scheußliche Verbrechen ohne die tödliche Folge hat nach der vom Kolonialsekretär zugegebenen Darstellung der kaiserliche Beamte o. D. Schmidt mehrfach in den Kolonien ver- übt. Er blieb unbestraft, weil— man nicht„feststellen" konnte, daß die gemißbrauchten Kinder unter 14 Jahren alt waren. Und das Zentrum verschwieg(bis auf den Abg. Roeren) diese Verbrechen und war mit dieser Straflosigkeit eines Beamten, dessen Gehalt es aus der Tasche des Volkes bewilligt hatte, einverstanden. Versammlungen. Zwei große öffentliche Versammlungen hätte dieser Tage die Berliner Jugendorganisation einberufen, die sich einer starken Be- tciligung erfreuten. Auch waren ein gut Teil Erwachsener er- schienen. In der Versammlung für den nördlichen Stadtteil, im „Kolberger Salon" referierte Dr. B r o h, in der für den südlichen Teil, in Habels Brauerei Simon Katzen st ein über:„Der Kampf der freien Jugendorganisation um Anteilnahme an den Gütern der Kultur". Recht eingehend würdigten die Redner die erziehliche Tätigkeit des Jugendvereins. Die Jugend soll gehalten werden zum selbständigen Denken und Handeln, um selbst einen Platz an den Kulturgütern erkämpfen zu können. Sie soll be- geistert werden für hohe Ideale, um furchtlos und opferfreudig mit jugendlichem Mute und Unerschrockenheit für die wahren Menschenrechte einsutrete«. 8a cci Tes'ussipn tzdcilhien sich charakteristischertSeise Nur Jugendliche. Sie schilderten die Mängel ihrer Lohnverhältnisse. Mehrere führten bitter darüber Klage, daß sie nicht nur von den Meistern, sondern leider auch von erwachsenen Arbeitern ihrer Zugehörigkeit zur Jugendorganisation wegen schika- niert werden. Gewöhnlich seien dies ja sogenannte„Nichtraucher". Ein Lehrling wurde sogar von einem Arbeiter beim Meister de- nunziert,'daß er'der Jugendorganisation angehöre. Dadurch habe er viel Schimpfereien und sogar Mißhandlungen zu erleiden. Die Versammlungen brachten der freien Jugendorganisation eine weitere stattliche Anzahl Mitglieder. Verband der Friseurgehülfen Deutschlands.(Zwcigvcrein Berlin und Vororte.) Versammlung am 6. Dezember, abends d'J, Uhr, Nosen- thalerstraße 11/12. Erscheinen unbedingt notwendig. Vermischtes. Eine groteske Elefantenjagd erlebte die Bevölkerung von Cincinatti(Ohio) am Sonnabendnachmittag. Basil, der älteste Elefant im Zoologischen Garten, hatte zur Feier seines 95. Ge- burtstages ein außergewöhnlich reiches und schmackhaftes Frühstück erhalten. Während er sich damit beschästtgte, eS zu verzehren, biß ihn ein anderer Elefant, der sich offenbar zurückgesetzt fühlte, in den Schwanz, woraus eine Blutvergiftung entstand. Es wurde sofort ein Arzt geholt, und dieser riet zur Amputation des Schwanzes, die auch von einem Tierarzt ausgeführt wurde. Basils Aufmerksamkeit wurde durch Vorschüttung eines Haufens Früchte abgelenkt, und seine Unachtsamkeit wurde dann benutzt, um ihn an allen vier Beinen mit Ketten an den Boden zu fesseln. Er ließ sich das auch ruhig gefallen, und nur, als der Arzt mit schnellem Schnitt den Schwanz von der Wurzel trennte, machte Basil seinen Gefühlen durch lautes Trompeten Lust. Das schlimmste kam jedoch erst noch. Mit einem rotglühenden Eisen brannte der Arzt die Wunde aus, und das war zu diel. Mit einem einzigen gewaltigen Ruck ritz Basil die Ketten von ihren Haltern und dann wandte er sich gegen seine Pciniger, die schleunigst die Flucht ergriffen. Er brach die Mauer nieder und machte sich dann auf in die Stadt, gefolgt von vier anderen Elefanten, die ebenfalls ihre Fesseln zerbrochen hatten. In den Straßen entstand eine Panik, als die Elefanten dort erschienen. Alle Fußgänger flüchteten in die Häuser und viele Pferde jagten, vor Furcht unlenkbar, die Straßen hinunter. Nach vierstündiger Verfolgung, an welcher sich Hunderte von Personen be- teiligten, wurden die Elefanten glücklich wieder eingefangen. Der Rhein im Steigen. Der Rhein ist, wie aus Köln ge- meldet wird, in fortwährendem Steigen begriffen; seit gestern vor- mittag ist er wieder um 20 Zentimeter gestiegen, so daß die Rhein- höhe jetzt 2,2 Meter beträgt. Eine Panik im Theater, Temesvarer Stadttheater Kulissen eine große Panik. Mehrere Personen wurden im Gedränge mehr oder minder schwer verletzt. Die Vorstellung mußte abgebrochen werden. Bei der gestrigen Abendvorstellung im entstand durch das Umfallen mehrerer Opfer der Arbeit. Bei unter dem Eastriver zu New Feststellungen insgesamt 17 worden. der neulichen Explosion im Tunnel ork sind nach den nunmehr beendeten rbeiter getötet oder schwer verletzt Ein Dammdruch in Arizona. Ein Telegramm aus Clifton (Arizona) meldet, daß durch einen Dammbruch etwa die Hälfte der Stadt zerstört und achtzehn Personen ums Leben gekommen sxien. Aus Wild-West. 300 berittene und maskierte Männer besetzten am Sonntag in den stühen Morgenstunden die Fabrikanlagen des Tabaktrusts in Princeton(Kentucky) und zerstörten sie, um ihrem Protest gegen die Trusts fühlbaren Ausdruck zu geben. Die Männer, unter denen viele bekannte Farmer und Pflanzer waren, ritten um 2 Uhr morgens in Princeton ein, nahmen alle Polizisten gefangen und entwaffneten sie, durchschnitten die Telephon- und Telegraphendrähte und steckten dann die Trustfabrikcn in Brand. Um den brennenden Gebäudeblock zogen die Reiter eine Blockadelinie, durch die sie niemand, auch die Feuerwehr nicht, hin- durchließen. Nachdem die Flammen sich so weit entwickelt hatten, daß an ein Löschen nicht mehr zu denken war, rückte die Reiter- schar unter Abfeuerung zahlreicher Gewehr- und Revolverschüsse ab. Der Feuerwehr gelang es dann, die benachbarten Gebäude vor dem Feuer zu schützen, von den Fabrikanlagen war jedoch nichts mehr zu retten. Amerikanische Bahnen. Nach statistischen Aufftellungen, die soeben veröffentlicht werden, wird die Zahl der im Jahre 1906 auf den amerikanischen Bahnen beförderten Personen auf 800 Millionen, die Frachtmenge auf 1610 Millionen Tonnen berechnet. Dem steht eine Verlustliste gegenüber, laut welcher im letzten Rechnungsjahr auf den amerikanischen Bahnen 9703 Personen getötet und 86 008 verletzt wurden._ evteteriingsüderslcht vom 5. Dezember 1906, morgen» 8 Ith«. Stationen Stationen SB I6 §2 C 3 i 5 5atmranba!7419l Betci erSburg 748 NW Scilly c'lberdeen Pari» 763 W 742 WSW 759 SW LwoMg 2 wölke, il 6 bedeckt 4 heiter 3 bedeckt Swtnemde, Hamburg Berlin Sranff.a.SK.j München Wie» Wetter-Prognose für Donnerstag, den 6. Dezember 1906. Ein wenig wärmer, veränderlich, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und ziemlich starken westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. «euer Wasserstand am 5, Dezember, Elbe bei Aussig— Meter, bei Dresden— 0,63 Meter, bei Magdeburg 4- 1,52 Meter,— Unftrnt bei Straugsnrt— Meter,— O d e r bei Rgtibor+ 1,70 Meter.— Neiße- Mündung+ 2,04 Meter.— Oder bei Brieg-f 2,56 Meter.— Oder bei Breslau Unterpegel— 0,48 Meter. II�SLK�TE für die nächste Kammer müssen spätestens bis 6 Uhr naohmittags dos vorherigen Tages in unserer Expedition abgegeben werden. Größere Anzeigen für die Sonntags- Nummer erbitten dagegen schon bis Freitag nachmittag 5 Uhr, da nur in diesem Falle die Aufnahme garantiert ............ werden kann............ A. WERTHEIM HERREN- UND KNABEN- GARDEROBE Winter-Paletots marengo Cheviot» 28 Mk- Loden-Joppen dunkelgrau und oliv gefüttert 6.90 l�k. Beinkleider Ädn;sustaeurerhafte Qualitäten' 7.20 mk Sch laf röcke mit Tuch 1 7 Mk. PhantaSie-WeSten neue dunkle Muster 5.90 Mk. Blusen-Anzüge blaue und farbige Stoffe für ca. 2—4 5—7 8—10 Jahre 5.20 6.20 7.50«». Knaben-Winter-Joppen�,Ä?l!r.ll£lr;.3.85 Knaben-Beinkleider ScrESÄ1"'""' 1.75 HERREN-HÜTE, KRAWATTEN etc. Herren-Oberhemden mit Pikee-Falten-Einsatz, Q qk ungewaschen mit Mainschetten mit Manschetten 3.60 Mk. 4.50 Mk. mit Leinsn-Einsatz 3.50, Herren-Kragen Fa«ona�" 5 fach, moderrm 5� 8.40 Mk. Herren-Manschetten Leinen Dtz. 6 Mk., 9.60 Mk. Herren-Serviteursgiatt65pf.,.25 Herren-Serviteurs gut», lang 50, 75 pr. Herren-Krawatten Seibeibinder, neue Deseins 65 Pf., 1.25 Mk. unTFoPmeT8 75 Pf., 1.25 Mk. Schleifen, neue Dessins und O K 7 Formen OO,/ O Pf. Zyllnderhüte foto«8 8.75, 1 1.75Mk. Herren-Hüte steife Formen 2.25, 3.75, Haarfilz 4.25, 6.50 Mk. Herren-HÜte weiche Formen 2.50, 3.75, Haarfilz 4.75, 6.50 Mk. Spazierstöcke mit Silber- und Goldeinlage in grosser Auswahl. TRIKOTAGEN UND STRÜMPFE Damenstrümpfe gestrickt, Wolle plattiert, schwarz 70 Pf. Damenstrümpfe pf- 1- so, 1.95 Mk, Damenstrümpfe 87fw?rzÄecÄge1-i o, 1.50 Mk. Herrensocken 7dn naÄbig 75 pf.. Herrensocken Wolle 45 pf. Herrensocken remewoiie 85 pf., I.20 Mk. 1.25 Mk. Grosse Umschlagetücher 3.25, 4.50, 6.50 Kinderstrümpfe JSeÄÄ. Alter von Jahren: 1-2 2-3 3-4 4-5 5-6 6-7 7-8 8-10 10-12 12-15 la'oaautfi8 70 80 95 Pf. 1.10 1.20 1,30 1.40 1.55 1.65 1.75 Barchent-Damenröcke �fÄt 1.85,2.50 Trikot-Damenröcke gefüttert 2.25 Mk. Damen-Plaids MTsterA7swlhi6rO88er2.40, 3.60, 5.25 seidenweiche Qualitäten 7 Mk., 9.75, 1 4 Mk. SCHUHWAREN Damen- Knopf- und Schnürstiefel Boz-Calf 8.25, 1 1.50 Mk. Chromleder 8.75, Chevreauzl 2 Mk. Damen-Hausschuhe rotes Chagrinleder mit Filzfutter Q cn mv und Absatzfieck O.OU Mk. Kinder-Rossleder-Schnürstiefel No. 27— 30 4.75, No. 31— 35 5.25 Mk. Kinder-Hausschuhe rotes Chagrinleder ÖeckNo!24d-29 2.25, No. 30-35 2.90 Mk. 'Besondere Gelegenheit! Knaben-Schnürstiefel Hossleder 6.50, Box-Calf 8 Mk. Herren-Schnürstiefel Rossieder 7.75 Mk. Box-Calf 1 0.50, 1 2 Mk., 1 3.75 Mk. Herren-Schnürstiefel chevreaux 1 4.50 Herren-Zugstiefel Box-caif 1 3.75 Mk. Herren-Zugstiefel Rossieder 7.35 Mk. Filz-Pantoffeln mitpuzsohie für Kinder No. 27-30- 31—35 für Damen für Herren 36- 42 43-46 65 pf. 70 pf. 90 pf- l.io FilZSChuhe mit Filzsohle für Kinder No. 26-30 81—35 für Damen 36-42 95 Pf. 1.20 1.40 1.85 Filzschuhe mitFilz- und Eedersohls für Kinder 26-30 91—35 für Damen 36-42 1.30 1.40 1.85 2.75 für Herren 43—46 1.75 für Herren 43—16 2.35 Filz-Schnallen st iefel stür�dTbÄA für Kinder für Damen für Herren 24-29 30-35 36-42 43-46 2 Mk. 2.35 2.85 3.35 Mk. Damen Herren für Kinder Harburger Gummischuhe 1.70 2.io 2.35 3.io 3.90 No. 27—30 31—35 Kinder-Box-Calf-Schnürstiefel breite Form 5.35 5.90 Mk. IM GESCHÄFTSHAUSE LEIPZIGER STRASSE NEUE SPEZIAL- ABTEILUNG FÜR AMERIKANISCHE SCHUHWAREN ALLEINVERKAUF DER FIRMA HAMILTON, BROWN SHOE Co., ST. LOUIS DAMEN-STIEFEL 14 mk, 15.50 HERREN-STIEFEL 17.50 mk. PHOTOGRAPHISCHE ATELIERS ORIGINAL-AUFNAHMEN UND REPRODUKTIONEN AUFNAHMEN VON 8 BIS 8 UHR. VERGRÖSSERUNGEN NACH JEDEM BILDE. Ssantwortl. Redakteur: Carl WermuthTBerlmMirdorf. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glock�rlin. Druck u. VerwgTVorwärt» Kuchdruckerei u. Berlag-anstalt P-ul Singer& To..»crlin SVl gr-m 2. KeilM des LllMlllts" Kerlim WldsdlM.« o-Mtt'M. Zum preußischen Parteitag' nahmen am Dienstag die Genossen von Berlin in sechs groben Versammlungen Stellung, wobei gleichzeitig die Wahl der Dele- gierten vorgenommen wurde. Zwei Versammlungen beschäftigten sich außerdem noch mit dem Gesetzentwurf betreffend die Rechts- fähigkeit der Berufsvereine, wobei man zu einer einmütigen Ab- lehnung dieses Entwurfes kam. Der Verlauf der Versammlungen war im einzelnen folgender: Erster Wahlkreis. �.Der Wablverein des ersten Kreises versammelte fich in Drasels Festsalen. Ueber das Thema„Der preußische Parteitag' referierte Genosse Oppel. Er wies daraufhin. daß die Genossen über die Bedeutung der Preußentage sich anlätz- lich der Diskussionen über das Landtagswahlrecht wohl zur Genüge ausgesprochen haben. Um die O r g a n i s a l i o n zu kräftigen und zweckentsprcchenv zu gestalten. loird dem Parteitage ein Entwurf vorgelegt, den man in den Zahlabenden der Berliner Genosien schon vielfach diskutiert hat und den man zur Annahme nur empfehlen kann.— Ueber die bisherige Tätigkeit des preußischen Landtags und das Wahlrecht in Preußen loird Genosse A d l e r- Kiel sprechen. Genosse Oppel machte darauf ausinerksam. wie die Forderung immer lauter erhoben werde, daß die Arbeiterschaft eine Vertretung im Landtage habe, die ihre Interessen wahrt. Sicher werden die Wahlrechtsdemonstrationcn vom Parteitage eingehend erörtert werden mit Rücksicht auf die Frage: Was muß weiter geschehen, um das Wahlrecht zu erobern? Die Demonstrationen müssen energisch wiederholt oder andere Mittel und Wege ausfindig gemacht werden, um zum Ziele zu gelangen. Sobald die ersten Sozialdemokraten ihren Einzug in den Landtag halten, ist die Agitation für das allgemeine Wahlrecht bedeutend er- leichtert, und durch die Aenderung der Wahlkreiseinteilung ist viel- leicht Aussicht geboten, einen Anfang damit zu machen. Genosie Oppel empfahl, daß bei dem zweiten Punkt der Tagesordnung: Der polnische Schul st reik eingehend gewürdigt werden sollte, wozu Genosse Adler als Kenner der Dänenpolitik Preußens der geeignete Mann wäre, denn mit den Polen würde es gemacht wie mit den Dänen, sie sollen mit Gewalt preußisch werden. Durch eine bestmimte Stellungnahme der Partei lasse sich die Agitation in der polnischen Bevölkerung fördern, und diese Gelegenheit solle man nicht versäumen.— Drittens steht die Lage der Staats- arbeiter in Preußen zur Berawng. Referent Legten wird Gelegenheit haben zu zeigen, wie der Staat seine kleinen Beamten und Angestellten bezahlt und behandelt. Zum LSjährigen Jubiläum der Sozialreform und im Teuerungsjahre ISO« wird das besonders interessant sein.— Der vierte Punkt der Tagesordming heißt: Die Landtags Wahl 1908; Berichterstatter Genosse Ar ons. Da wird es gelten. Kritik an dem Verhalten der bürger- lichen Parteien zu üben und die eigene Taktik fest- zulegen. Zu beachten ist die Fortwirkuug der Reichstags- Wahlen anf die Wahlen zun» Landtage 1908. Als Ganzes wird der Preußentag eine gute Förderung und An- regung zur Agitation für den Sozialismus bieten. Mit dem Wunsche, daß dazu jeder Genosse beitragen möge, schloß der Redner. Eine Diskussion wurde nicht beliebt: Anträge lagen nicht vor. somit schritt man zur Wahl der Delegierten. Nach dem Vorschlage der Äreiskonferenz wurden die Genossen Bittner. May und W o l d e r s k h gewählt. Der Borsitzende machte noch darauf aufmerksam, daß Mauer- straße 89 eine Parteispedition lVertreter Zinke) eingerichtet worden sei und daß am Sonntag ein Flugblatt gegen die Ausbeutung durch die Heimarbeit zur Verteilung gelangt. Zweiter Wahlkreis. Die Gen eral versa nimlu n g des zlociten Wahl- k r e i s e s ehrte zunächst das Andenken der verstorbenen Genossen Äaube. Hummel. Wilde und Kolleng. Dann sprach Genosse Werner über den preußischen Parteitag. Alle Wünsche, sagte er, hätten bei Aufstellung der Tagesordnung nicht berücksichtigt werden können. Bei der notwendigen Beschränkung der Verhand- lungen auf drei Tage sei es ganz ausgeschlossen, mehr als die vier vorgeschlagenen Punkte zu erledigen, so wichtig auch die Fragen seien, die zurückgestellt werden mußten. Der Redner ging dann auf den Entwurf für die Landesorganisation ein. wobei er besonders betonte, daß es nicht angebracht erscheine, eine durchaus selbständige Organisation für Preußen mit einem eigenen Landesvorstand zu schaffen, und führte hierfür wesentlich die in dem Dienstagartikel des„Vorwärts" erörterten Gründe an. Besonders bemerkte der Redner, daß leicht und ganz ohne Zutun der betreffenden Genossen Reibungen zwischen Landesvorstand und Parteivorstand entstehen könnten, daß durch Anstellung besoldeter Beamten die Kassenverhält- nisse unnötig belastet würden und daß infolge einer solchen Organi- sationSform das llebergewicht der preußischen Genossen sich leicht auf den deutschen Parteitagen in einer für die Genosien in den anderen Bundesstaaten unangenehmen Weise geltend machen könnte. Der Redner verlas dann die einzelnen Paragraphen des Entwurfs, gab zu jedem eine kurze Begründung und äußerte zum Schluß, daß, wenn der Entwurf auch kein vollkommenes Werk sei, er doch eine feste Grundlage der Organisation biete. Erweise er sich im Laufe der Zeit als nicht mehr ausreichend und zweckmäßig, so könne man dann ja immer noch andere Bestimmungen treffen. In der Diskussion äußerte Genosse D i t t m e r, er verkenne nicht, daß man bei Gründung der Preutzenorganisation nicht sofort große Sprünge machen könne, doch sei die Kritik, die besonders auch in der Provinz an dem Entwurf geübt worden wäre, nicht ganz un. berechtigt. � Erwäge man, welche Vollmachten andere Landesorgani- sationen hätten, so könnte man wohl auch hier etwas mehr Selbst- ständigkcit anstreben. Die Erkenntnis, daß arbeitsreiche Aemter nicht nebenbei verwaltet werden könnten, breche sich immer mehr Bahn, und da doch der Parteivorstand stets mehr mit Arbeit über» lastet werde, könne man wohl auch einen besonderen Beamten für Preußen anstellen. Reibungen zwischen einem Landesvorstand und dem Parteivorstand würden gewiß keinen größeren Umfang an- nehmen, als die, die jetzt gelegentlich hier und da vorkämen. Die prozentuale Vertretung werde wohl auch in der Provinz auf starke Opposition stoßen. Der Redner sprach die Hoffnung aus, daß die Berliner Delegierten auf dem Preutzentag den Wünschen der Ge- nassen aus der Provinz gewissermaßen entgegenkommen möchten. Genosse M a t u s ch e ck äußerte ebenfalls die Meinung, man müsse mindestens eine Pcrtrauensperson fest anstellen. Es können nicht alle Arbeiten nebenbei gemacht werden. Schon die Bezirks. führer seien mit Arbeit überlastet, wie viel mehr müsse das bei dem Leiter der Preußenorganisation eintreten. Es sei wohl zu wünschen, daß eine sirasc Organisation geschaffen werde. Genosse F ä h n d r i ch möchte der Landcskommission keine Marschroute vorgeschrieben haben. Es sei wohl nicht gerade not- wendig, einen Beamten anzustellen. Der Redner sprach sich aber für eine straffe Organisation aus. In seinem Schlußwort erwiderte Genosse Werner auf d,e verschiedenen Einwendungen und Wünsche. Mit der Anstellung von Genossen werde nicht das erreicht, was zu tun notwendig sei. Sie würden, so viel sie auch wirken könnten, nicht imstande sein, die 5lleinarbcit zu leisten, und hier müsse man auch auf die Stimmung derjenigen Rücksicht nehmen, die diese Arbeit vollführten. Wenn man die Landeskommission nicht überlaste, werde sie auch ohne An- stellung eines Beamten ihre Arbeit bewältigen können. Was not- wendig, sei gewiß mit der Organisation in der vorgeschlagenen Form durchzuführen. Als Delegierte zum preußischen Parteitag wurden, den Vor. schlügen der Bezirksführer entsprechend, die Genossen K ö ck e r i tz. Rabe und R e i m a n n gewählt, und als Ersatzmann Hinze. Unter Partei- und Vereinsangclegenheiten führte der Vor- sitzende Werner aus, der Vorstand habe es für wünschenswert ge- halten, dem Genoffen Fischer, als dem Abgeordneten des Kreises, nahezulegen, ob er nicht hier vor den Genossen sich über die Ver- leumdungen äußern wolle, die aus Anlaß der Rexhäuserschen An- griffe in der gegnerischen Presse wider ihn und die Vorwärts- druckerei erhoben worden und von der„Freisinnigen Zeitung" für die Zwecke des Wahlkampfes in einem Leitartikel behandelt worden seien. Genosse Fischer ging in längeren Ausführungen auf diese Angriffe ein und behandelte auch die nichtswürdige Verleumdung betreffend Papierabschluß, die so raffiniert abgefaßt sei, daß er nicht einmal gerichtliche Klarstellung herbeiführen könnte. Am Schlüsse stellte Genosse Werner durch Abstimmung fest, daß die Ver- sammluna sich einstimmig mit dem Standpunkte und der Abwehr des Genossen Fischer einverstanden erklärte. Hierauf sprach Genosse B e h r e n d über das Urteil, das in dem Auöschlutzverfahren, das gegen ihn eingeleitet worden war, gefällt worden ist, und das seiner Meinung nach, obwohl er einstimmig von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen freigesprochen ist, in der Begründung und in ihrer Veröffentlichung durch die Wiesenthalsche „Mctallarbeiterzeitung" ihn schwer in seiner Parteiehre und seiner Tätigkeit als Vcrbandsbcamter schädige. Er äußerte den Wunsch, daß eine außerordentliche Generalversammlung hierüber entscheiden möge, erklärte sich aber, nachdem Genosse Werner hervorgehoben hatte, daß der Wahlvereinsvorstand selbstverständlich nichts mit der Veröffentlichung des Urteils zu tun habe, damit einverstanden, daß in der nächsten ordentlichen Generalversammlung über die Sache verhandelt werde. Dritter Wahlkreis. Der Wahlverein für den dritten Wahlkreis hatte seine Ver- sammlung iin großen Saal des Gewerkschaftshauses. Zum preußischen Parteitag sprach Genosse G e h r m a n n. Von größter Bedeutung sei die Schaffung der Parteiorganisation für Preuße». Feste oder lose Organisation für Preußen, das sei die Frage, die zu entscheiden sei. Die Ausarbeiter des Entwurfs hätten sich für die losere Form entschieden. Dagegen seien nun Stimmen laut geworden. So habe Genosse A r o n s unter anderem ver- langt, daß eine festgefügte Organisation für Preußen ge- schaffen, die ihren eigene» Parteivorstand usw. habe. Wenn mau dem folgte, würde das aber ein recht übler Schritt sein. Redner legte näher dar, daß allerlei Koinpcienzstreitigkeiten und Reibungen mit dem Vorstaude der deutschen Sozialdemokratie dabei herauskommen könnten. Zwei selbständige Partei- vorstände neben einander würden nicht der Agitatton förderlich sein: ein solcher Zustand würde vielnrehr ein Hemmnis bedeuten. Redner verweist auf den Leitartikel des„Vorwärts":„Zur Landesorganisation der preußischen Sozialdemokratie" und erklärte dessen Darlegungen für zutreffend. Lebhaft enipfiehlt er den vorliegenden Entwurf zur Annahme. Dann würdigte er noch die übrigen Punkte der Tagesordnung des„PreußentageS" nach ihrer Bedeutung. Ohne Debatte erklärte sich die Versammlung mit dem Organi- sationöentwurf einverstanden.— Als Delegierte wurden die Genosien Gottfried Schulz, K. Alboldt und A p p i ch und als Ersatzmann Genosie Eugen Günter gewählt. Das Referat über die„Rechtsfähigkeit der Berufs- vereine" hielt an Stelle des verhinderten Genosien W. Heine der Genosse v. Elm. Den Regierungsentwurf, dies schon im Reichstage kritisch zersetzte„Monstrum", unterwarf Redner einer vernichtenden Kritik, wobei er seine Ersahrungen, die er als praktischer Gewerkschafter und Politiker gesammelt hat, mit verwertete. Besonders hell beleuchtete er die Möglichkeit, die ein Gesetz im Sinne deö Entwurfes dazu bieten würde, die Aktionsfähigkeit einer ihm unterstellten Gewerkschaft gerade dann zu unterbinden, wenn eine Aktion größeren Stils unternommen oder durchgeführt tverden soll. Scharf wandte sich Redner gegen die Argumentation PosadowSkyS, daß die Landarbeiter des ihnen vorenthaltenen Koalitionsrechtes schon deshalb nicht bedürsten, weil bei ihnen von einer Verelendung keine Rede sein könnte. Tatsächlich seien die Verhältnisse der Landarbeiter selbst in Schleswig. wo sie noch besser seien wie in, Osten, die allertraurigsten.— Verschiedene Aeußerungen des Grafen Posadowsky legt Redner dahin aus, daß man mit den, ganzen Gesetz daraus abziele, eine Zersplitterung der Gewerkschaftsbewegung herbeizuführen und Vereine zu fördern, die lammfromm seien, die aus dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung ständen und das Ostelbiertum als etwas von Gott Gewolltes anerkennten. Diese wolle man ausbauen und später wolle man ihnen weitere Rechte einräumen: sie sollten vermutlich die projektierten Arbeiterkammern zusammensetzen. Also nicht Arbeiterrecht, sondern Arbeitgeberschutz, Schutz für Streikbrechervereine, das sei die Grundtendenz dieses Gesetzentwurfs. Nun, Ansätze zu solchen„gelben" Gewerk- schaften hätten wir ja schon in Deutschland. In Frankreich und England seien sie schon weiter ausgebaut, in England unter dem Namen„Freie Gewerkschaften". Diese englischen freien Stteikbrecher- geiverkschaftcn habe man in Haniburg als Streikbrecher kennen ge- lernt: ein versoffenes und absolut versumpftes Volk. Mord und Totschlag habe man erlebt auf den Schiffen, wo dieses Gesindel einzog. Der öden, über- flüssigen und unsinnigen Reglementiererei, die die Regierung be- abfichtigt, hält Redner den Wortlaut des amerikanischen Gesetzes gegenüber. Danach wird allen eingetragenen Vereinen die Macht- Vollkommenheit ausdrücklich bescheinigt, Statuten. Regeln, Nebenbestimmungen so und dann zu machen, wie und wann man es für notwendig halt, und diese Bestimmungen zu amendieren. aufzuheben und zu verändern ganz nach Bedarf, sowie nach eigenem Ermessen die Pflichten und Rechte ihrer Beamten, des Wahlmodus. der Daner der Amtsperioden festzusetzen und Untervereine. Zweigvereine irgendwo in den Vereinigten Staaten zu errichten usw. So müßte auch ein deutsches Gesetz aussehen, das den Bedürsnisien der Ge- werkschasten gerecht werden sollte.— Die im Gesetzentwurs nieder- gelegte Schadenersatzpflicht kennzeichnet Redner als schlimmste und geradezu ruinös wirkende Bestimmung. Nach Be- und Verurteilung der hauptsächlichsten Bestimmungen des Entwurfs, die ein Ausnahme- gesetz gegen die um ihr Wohl kämpfende Arbeiterschaft bedeuteten, kam Genosse v. Elm zu dem Schluß: Die Arbeiterschaft habe die Verpflichtung, das Zustandekomnien dieses Gesetzes auf dieser Grund« läge unter alle» Umständen zu verhindern. Es bestehe ja auch be- reit» ein Beschluß, einen allgemeinen Gewerkschaftskongreß einzu- berufen. Einladungen ergingen auch an die Christlichen und Hirsch- Dunckerschen. Wenn diese wirklich Arbeiterinteressen vertreten wollte», dann müßten sie hier zusammengehe»»nt den freien Gewerkschaften. Das eine stehe fest: wenn die Arbeiter geschlossen stehen, wie seinerzeit gegen über dem Zuchthausgesetz, dann werden sie das Schicksal des Gesetzes entscheiden. Wie sich aber die Dinge auch gestalten sollte», auf jeden Fall seien die Arbeiter aus die ihnen erwachsenen Gefahren aufmerksam zu machen. Gewiß seien auch papierne Proteste not- wendig, aber eine weit größere Wirkung habe die Tat. Und die be- stehe hier darin, daß wir unbekümmert um die Attentate gegen uns die Organisationen in politischer und gewerkschaftlicher Hinsicht weiter ausgestalteten. Das seien unsere Waffen, und je stärker wir würde», je kühler könnten wir den Dingen entgegensehen. sLebhafter Beifall.) Nachdem die Genossen G. Schulz und I. Hildebrandt unter dem Beifall der Versammlung im Sinne des Referats gesprochen und zu energischer Arbeit angefeuert hatten, empfahl Genosse G e h r» «an» folgende Stesolution: „Die Versammlung nimmt Kenntnis von dem Vorgehen der Regierung gegen die Arbeiterschaft unter der Parole: Die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine. Sie ist der Ansicht, daß dieses Gesetz nur zur Knebelung der Arbeiterschaft führt. Sie erkennt es als ihre höchste Pflicht an, alles zu tun, um dieses Gesetz in den Orkus zu stürzen." Der nächste Punkt der Tagesordnung lautete:„Ausschluß eine» Mitgliedes". Es handelte sich hierbei um den Genossen Dr. Friede- berg, d. h. um die Entscheidung darüber, ob es nottvendig se», nach seiner bekannten Erklärung in der letzten Wahlvereinsversammlung das Ansschlutzverfahren einzuleiten. Da es schon nach 11 Uhr war, Friedeberg aber wegen der prinzipiellen Bedeutung des Falles < Ausschluß wegen der Gesinnung) eine gründliche Aussprache für notwendig erachtet, so wurde nach kurzer Geschästsordnungsdebatte mit großer Majorität die Vertagung beschlossen. Eine besondere Bersaminlung soll sich mit der Sache beschäftigen. Vierter Wahlkreis. In der Generalversammlung des Wahlvereins für den vierten Kreis referierte Genosse Mann über den Preußentag, und führte u. a. ungefähr folgendes ans: Der Antrag 25 des ersten Prenßen- tageß verpflichtete die Berliner Genossen, ein Organisationsstatut auszuarbeiten, und dieser Verpflichtung haben sich die Berliner Genossen in Verbindung mit dem Partcivorstande entledigt, indem sie den ja wohl allen bekannten Entwurf vorlegten. Redner verliest sodann den Entwurf und erläutert einige wichtige Paragraphen desselben. Die vorgeschlagene provortionclle Vertretung habe bei einigen Genossen'der ländlichen Kreise die Befürchtung geweckt, daß der Parteitag nur eine Vertretung der städtischen Genossen werden würde. Diese Befürchtung sei jedoch hinfällig, man müsse sich aber doch auch immer vergegenwärtigen, daß nicht die Wahl- kreise, sondern die Genpssen vertreten werden sollten. Es sei deshalb eine Sache der Gerechtigkeit, unser in der Theorie stets anerkanntes Prinzip der Proportionalvertretung in die Wirklichkeit umzusetzen. . In der Diskussion wurde vom Geossen Leo Ostrowski go- wünscht, daß bei Punkt 2 der Tagesordnung nicht nur allgemein über das Wahlrecht gesprochen'werden solle, sondern daß der Referent verpflichtet werden müsse, geeignete Mittel und Wege zur Beseitigung dieser Ungerechtigkeit in Vorschlag zu bringen. Der Parteitag werde ja wohl, davon sei er überzeugt, auch den richtigen Weg finden. Der inzwischen schriftlich eingegangene Antrag auf Abänderung des Punktes 2 der Tagesordnung wird sodann nach kurzer De- batte angenommen und folgende Fassung für denselben vorgc- schlagen:„Die bisherige Tätigkeit des Landtages, das Landtags- Wahlrecht in Preußen, und wie beseitigen wir dasselbe." Sodann referierte Genosse Georg David söhn über den neuen Gesetzentwurf, die„Rechtsfähigkeit der Berufsvereine" be- treffend. Unter allgemeinem Beifall der Versammlung geißelt Redner dieses neueste Produft arbeiterfeindlicher Scharfmacherei und sozialpolitischer Unfähigkeit. Redner schließt seinen eineinhalb- stündigen Vortrag mit dem Hinweis darauf, daß nicht nur das Lebensinteresse des Proletariats die Beseitigung dieser Vorlage er- heische, sondern auch die Pflichten der internationalen Solidarität diese gebieten. In dem Augenblicke, wo die herrschenden Klassen in England ein bestehendes Unrecht beseitigen, können die deutschen Arbeiter sich cinsn derartigen Faustschlag nicht gefallen lassen. Das inzwischen eingelaufene Resultat der Delegiertenwahl war folgendes: Abgegebene Stimmen 516, ungültig 13. Von den 15 Vorgeschlagenen wurden die Genossen Eugen Brückner. Hackelbusch und Paul L i t fü n gewählt. Fünfter Wahlkreis. Die Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahl- Vereins fand am Dienstag im„Alten Schützenhaus" statt. Der Besuch Ivar nur mäßig. Zunächst widmete der Vorsitzende Zucht den verstorbenen Mitgliedern Blankenburg, Hausmann und Feuerstein sowie dem Genossen Dreesbach warm empfundene Worte des Nachrufs, worauf das Andenken der Ver- blichenen durch Erheben von den Sitzen geehrt wurde. Sodann er- folgte die Bestätigung von 147 neu aufgenommenen Mitgliedern. Hierauf referierte Wels über die Tagesordnung des bevor- stehenden zweiten preußischen Parteitags. Redner wies auf die Bedeutung und den würdigen Verlauf des vorigen Preußentags hin und gab der Gewißheit Ausdruck, daß auch die diesmalige„rote Nationalversammlung" Preußens eine eminente agitatorische Wirkung nicht nur auf die Arbeiter, sondern auch auf die Unterbeamten im preußischen Staatsdienst ausüben werde. Ein besonders wichtiger Gegenstand der kommenden Erörterungen des zweiten Preußentags sei ja zweifellos die Frage der p r e u h i s ch e n Landes-Parteiorganisation. Der Organisations- entwurf sei ja bereits bekannt, er werde auch wohl im großen und ganzen die Zustimmung der Delegierten finden, da er sich zur Hauptsache nur darauf beschränkt, den preußischen Genossen einen angemessenen Einfluß lediglich in agitatorischer und pro- pagandistischer Hinsicht der speziell preußischen Angelegenheiten zu sichern unter voller Wahrung der Direktiv-Funktionen des Partei- Vorstandes. In richtiger Würdigung aller in Betracht kommenden Umstände müsse deshalb auch der im„Vorwärts" publizierte Vor- schlag des Genossen Leo A r o n s als ein unglücklicher und folglich unannehmbarer bezeichnet werden. Jedenfalls werde der preußische Landesparteitag das richtige treffen, um durch einen verbesserten Ausbau der politischen Organisation die Agitationskraft und die Schlagfertigkeit der Partei wesentlich zu stärken.(Beifall.) Ohne Debatte wurden sodann Wels, Schräge und Böttcher als Delegierte zum Preußentag gewählt. Unter„Parteiangelegenheiten" bemängelte Sieb er. daß sich seiner Ansicht nach der„Vorwärts" eigentlich viel zu eingehend mit dem neuen Buchdruckertarif beschäftigt habe. Das sei durchaus nicht nötig gewesen, denn einmal wäre die Tarifsache lediglich eine ge- werkschaftliche und keine politische Angelegenheit, dann aber auch würde der„Vorloärts" wohl gerade am allerwenigsten von Buch- druckern gelesen, so daß der schöne Raum des Blattes nutzlos für die Buchdrucker verschwendet worden sei. Wels bemerlte darauf, die Kritik deS Tarifvertrages der Buchdrucker durch den„Vorwärts" sei schon im allgemeinen Arbeiter- interesse notwendig gewesen. Er begründete.dies mit dem Hinweis auf verschiedene Bestimmungen des Vertrages und die Art, wie der- selbe zustande gekommen ist. Ucbrigens wisse doch jeder Genosse, daß der„Vorwärts" als Tageszeitung nicht nur ausschließlich politische Dinge erörtern könne. Sonst werde doch immer getadelt, daß die Redaktion gerade die gewerkschaftlichen Angelegenheiten angeblich zu knapp behandele, und jetzt mit eincnimal solle sie beim Buch- druckertarif wieder des Guten zu viel getan haben I L i e p m a n n weist darauf hin, daß sich doch die Berliner Buch- drucker zuerst fast einmütig auf den Standpunkt des„Vorwärts" gestellt hätten, mithin wäre der Raum des Blattes doch wohl nicht so nutzlos für die Buchdrucker verwandt worden. Dann aber sei es nach dem Verlauf des Mannheimer Parteitags so unangebracht wie nur möglich, sich so zu äußern, als gingen die gewerkschaftlichen Angelegenheiten die Partei nichts an. Im Gegenteil sage er: Die Partei hat sich um die Gewerlschaften, und die Gewerkschaften haben sich um die Partei zu kümmern. Beide sind auf einander angewiesen. Das lehre jetzt auch wieder der Gesetzentwurs über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine. Sieber erwiderte darauf: Wenn der„Vorwärts" Zeit und Raum hatte, den Buchdruckertarif so eingehend zu kriti- sieren. dann wäre eine ähnliche Kritik beim derzeitigen Abschluß des Buchbindertarifs mindestens ebenso angebracht gewesen. Denn letzterer fessele die Buchbinder ebenfalls auf fünf lange Jahre und enthalte zweifellos noch schlechtere Bestimmungen wie der Buch. druckertarif.» Da aber habe der.Vorwärts" keinen Top gesag' Wels machte hierauf dem Vorredner unter allgemeiner Zu- stimmung der Versammlung klar, daß die beiden Tarifabschlüsse der Buchdrucker und Buchbinder gar nicht mit einander zu vergleichen seien. Der Tarifabschluß der Buchbinder sei nach einem langen, hartnäckigen und kostspieligen Streik zustande gekommen, infolge- dessen habe sich die Verbandsleitung gewissermaßen in einer Zloangs- läge befunden. Eine Kritik des Vertrages hätte deshalb geradezu einer Verhöhnung der Buchbinder gleichkommen müssen, und der- artiges werde man doch dem„Vorwärts" nicht zumuten wollen. Bei den Buchdruckern lag die Sache dagegen so, daß dieselben ohne Kampf einen Vertrag akzeptierten, der unter energischer Ans- Nutzung ihrer gewerkschaftlichen Machtmittel jedenfalls günstiger hätte ausfallen können. Unter solchen Umständen war es einfach Pflicht des„Vorwärts", mit seiner Kritik einzusetzen. W a s n e r machte sodann darauf aufmerksam, daß laut Bericht eines Montagsblattes die Genossin Lily Braun einen Zyklus von Vorträgen über„Probleme der modernen Frauenbewegung" gehalten habe, worüber der„Vorwärts" auffallenderweise keinen Bericht gebracht hat. Ihm scheine, als seien dafür wohl wieder besondere Gründe" maßgebend gewesen, sonst hätte der„Vorwärts" von jenen Vorträgen doch ebenfalls Notiz nehmen müssen. Er er- warte, daß sich die Preßkommission nach den etwaigen Gründen erkundige. Nachdem noch mehrere andere Angelegenheiten zur Sprache ge- bracht worden waren, ermahnte der Vorsitzende sowohl die An- wescnden als auch die A b w e s en d e n noch besonders, sich recht zahlreich zu der am Sonntag stattfindenden Flugblattverteilung einzufinden. Hierauf wurde die bereits stark gelichtete Versammlung geschlossen. Sechster Wahlkreis. Die Versammlung tagte in den Germaniasälen. Nach Er- öffnung derselben gedachte Genosse Freythalcr des verstorbenen Genossen Dreesbach. Die Versammelten ehrten das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Hierauf machte Freythaler Mitteilung von dem E r- gebnis der Stichwahl im dritten Berliner Land- tagswahlkreise. Er betonte dabei, der Ausfall dieser Wahl, bei der unsere Partei unter den denkbar ungünstigsten Verhält- nissen zu kämpfen hatte, habe dennoch gezeigt, daß die Partei im Wahlkreise einen Fortschritt seit der Hauptwahl gemacht habe.— Genosse Ledebour sprach in demselben Sinne. Wir könnten mit dem Resultat der Wahlbcwcgung zufrieden sein, denn unsere Parteigenossen seien mit der größten Energie in die Wahlbewegung eingetreten, obgleich sie wußten, daß ein Sieg nicht zu erlvarten war. Während ein erheblicher Teil der freisinnigen Wahlmänner der Wahl ferngeblieben sei. hätten sich unsere Wahlmänner nahezu vollzählig an der Wahl beteiligt. Das sei ein Beweis der politischen Reife unserer Genossen. Die Hauptwahlen zum preußischen Land- tage hätten ja schon gezeigt, daß die Freisinnigen für uns nicht bündnisfähig seien und daß diejenigen Genossen die Situation richtig beurteilt haben, welche sagten, wir müssen aus eigener Kraft in den Landtag einzudringen versuchen. Nach den bisherigen Er- fahrungen könnten wir mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß, wenn wir in gewohnter Weise weiter arbeiten, wir bei der nächsten Wahl mindestens zwei Berliner und vielleicht noch einige andere Kreise erobern werden. Nunmehr kam die Versammlung zur festgesetzten Tagesordnung: »Der preußische Parteitag". Freythaler besprach den Entwurf des Organisations- statuts. Die Bearbeiter des Entwurfes hätten sich von dem Ge- danken leiten lassen, daß es nicht angängig sei, für Preußen eine Organisation zu schaffen, welche der Parteiorganisation der anderen Bundesstaaten gleich sei, denn die Parteigenossen in Preußen bilden einen so großen Teil der deutschen Partei, daß der Partei- vorstand nahezu ganz ausgeschaltet werden würde, wenn sich die Genossen Preußens ebenso organisieren würden, wie die Genossen in anderen Bundesstaaten. Würden sich die Genossen in Preußen eine straffe Landeszentralisation geben, so würde die Organisation der deutschen Gesamtpartei dadurch dezentralisiert, sie würde zu einem Föderativsystem werden und damit die Vorzüge der ein- heitlichen Zentralisation verlieren. Aus diesem Grunde hielten es die Bearbeiter des Entwurfes für angebracht, eine möglichst lose Form der Organisation für Preußen zu empfehlen. Auf diese Weise werde das Zusammenarbeiten der Gesamtpartei am besten gefördert. Es sei nicht angebracht, in das Tätigkeitsgebiet des deutschen Parteitages einzugreisen. Der preußische Parteitag solle sich deshalb auf die besonderen preußischen Angelegenheiten beschränken, was ja auch in der aufgestellten Tagesordnung des preußischen Parteitages zum Ausdruck komme.— Der Redner verlas einen vom Genossen Halfter gestellten Antrag. Derselbe will die Delegierten zum preußischen Parteitage verpflichten, dahin zu wirken, daß dieser Parteitag einen Beschluß faßt, welcher den nächsten deutschen Parteitag veranlaßt, den die Beteiligung an den preußischen Landtagswahlen betreffenden Beschluß des Mainzer Parteitages aufzuheben, weil die Erfahrungen im dritten Berliner Landtagswahlkreise gezeigt hätten, daß die Beteiligung an den preußischen Landtagswahlen eine unverantwortliche Kraft. Verschwendung sei.— Freythaler bemerkte hierzu: Das sei schon ein Antrag, der in das Gebiet des deutschen Parteitages ein- greife. Es sei kein gesunder Zustand, wenn man die Delegierten dazu verpflichten würde, den preußischen Parteitag zu bewegen, daß er die Aufhebung eines Beschlusses des deutschen Parteitages verlangt. Aus diesem Grunde möge die Versammlung den Antrag Halfter ablehnen. Zur Diskussion meldete sich niemand. Der Antrag Halfter wurde fast einstimmig abgelehnt. Als Delegierte wählte die Ver- sammlung die von den Bezirksführern vorgeschlagenen Genossen Brunner, Hönisch und Freythaler. Nunmehr setzte die Versammlung die Debatte über den Parteitag in Mannheim four, die seinerzeit vertagt worden ist und wegen der Landtagswahl erst jetzt wieder auf- genommen werden konnte.— Die Debatte drehte sich lediglich um die Gewerkschaftsftage. Wiesenthal vertrat die Ansicht, der Gedanke der Zentrali- sation komme in den Gewerkschaften nicht in zweckentsprechender Weise zur Durchführung. Wenn die Zentralisation den Interessen aller ihr angehörenden Mitglieder gerecht werden»volle, dann müsse sie so eingerichtet und gegliedert sein, daß in ihr jede Berufsgruppe die Angelegenheiten deS betreffenden Berufes selbst besorge, namentlich auch über Lohnbewegungen, die nur den eigenen Berus betreffen, zu entscheiden habe. Nur dann könnten die demokratischen Grundsätze in der Gewerkschaft zur Gelhing kommen, wenn bei strenger Zentralisation die Möglichkeit gegeben sei, daß die Fach- und Berussinteressen gewahrt werden. Theodor Fischer bekannte sich zu demselben Standpunkt. Man möge die Berliner Gewerkschaften ihre Angelegenheiten selber regeln lassen, Parteitag und Parteivorstand brauchten sich nicht damit zu befassen. Hoffentlich würden wir nicht das Schauspiel erleben, daß der nächste Parteitag den Genossen, die sich bis dahin den Verbänden noch nicht angeschlossen haben, die Zugehörigkeit zur Partei abspricht. Wenn von den Parteigenossen verlangt werde, daß sie gewerkschaftlich nur den Zcntralverbänden angehören dürfen, dann müsse von diesen auch gefordert werden, daß sie sich rückhalt- los zur Sozialdemokratie bekennen. Wenn die Verbände halten, was sie der Partei in Mannheim versprochen haben, dann werde die Zeit kommen, wo sich die Lokalisten den Verbänden anschließen können. Ehe diese Garantie nicht gegeben werden kann, würden die Lokalisten ihren Standpunkt nicht verlassen. Zeruicke glaubt, es werde dem Parteivorstand nicht möglich sein, innerhalb eines JahrcS eine Einigung zwischen den Lokalisten und den Verbänden herhcizuführen. In längeren Ausführungen polemisierte der Redner gegen die lokalistischen Anschauungen. Wie auf politischem, so sei auch auf gewerkschaftlichem Gebiete die Ein- heit der Organisation notwendig. Der nächste Parteitag müsse sich also entschließen, die Handlung vorzunehmen, zu der er schon heute jterfjtigt wärst oder er müsse sich aus den Standpunkt des Genossen Ledebour stellen und überhaupt nicht festsetzen, welche gewerkschaft- liche Organisation für die Parteigenossen maßgebend sei. Arendsee beantragte den Schluß der Debatte mit der Be- gründung: Hier sei nun über die Gewerkschaftsfrage von geWerk- schaftlichen Führern so viel gesprochen, daß sich die Mitglieder der Gewerkschaften, die doch über die Gewerkschaftsfrage zu ent- scheiden haben, ein Urteil bilden könnten.— Nachdem L i e b e r t gegen den Antrag gesprochen hatte, wurde derselbe mit sehr großer Mehrheit angenommen. Damit war die Tagesordnung erledigt. — Freythaler schloß die Versammlung, indem er die Genoffen ersuchte, aus diesen Debatten die Lehre zu ziehen, Parteigenossen, die gewerkschaftlich anderer Memung sind, nicht abzustoßen, sondern sie zu überzeugen und zu sich heranzuziehen. Partei- Angelegenheiten. Sechster Wahlkreis sGesundbrunnen). Sonntag, den S. d. Mts., findet abends 6 Uhr bei Silberstein, Badstraße 8 sCftn- gang Behmstraße), eine Versammlung für Männer und Frauen statt, in welcher der Stadtverordnete Genosse Schubert sprechen wird über das Thema:„Aus Studts Reich". Nach der Versammlung geselliges Beisammensein mit Tanz. berliner JVadmcbtcn. Von der Berliner Fürsorgeerziehung. Ueber die Ausführung der Fürsorgeerziehung im Stadt- kreis Berlin bringt der neueste Bericht der Waisendeputation wieder die üblichen Mitteilungen. Im Etatsjahr 1905/06, das der Bericht behandelt, wurden 633 Fürsorgezöglinge überwiesen, das ist seit Bestehen des Fürsorgeerziehungs- gesetzes die höchste Zahl, die im Zeitraum eines einzigen Jahres„erreicht" wurde. Bis zuin Schluß des Etatsjahres, d. h. bis zum 31. März 1906, war die Zahl der Fürsorge- zögtinge des Stadtkreises Berlin nun bereits aus 2931 ge- stiegen(einschl. 338 Zöglinge, die vor Erlaß des Fürsorge- erziehungsgesetzes auf Grund des damaligen Zwangs- erziehungsgesetzes überwiesen worden waren). Die Unterbringung der Zöglinge hat, so versichert der Bericht, keine Schwierigkeiten bereitet. Wo waren sie untergebracht? Aus den 2931 Zöglingen, von denen übrigens 1924 männlich und nur 1007»veiblich waren, sind zunächst auszusondern: 185 Zöglinge, die bereits aus der Fürsorgeerziehung wenigstens widerruflich entlassen waren, und 64, die zunächst der eigenen Familie widerruflich über- wiesen worden waren; auszusondern sind ferner: 211 ent- laufene Zöglinge, 36 im Gefängnis sitzende, 63 im Kranken- Hause befindliche. Es bleiben dann 2372 Zöglinge, die in Pflegestellen untergebracht waren. Auch von diesen gehen noch 417 ab, die sich bereits in der Lehre befanden, und 524, die im Dienst- oder Arbeitsverhältnis standen; denn der Lehr- Herr oder sonstige Arbeitgeber gewährt ja selber die Pflege. Hiernach waren für die übrigen Zöglinge nur noch 1431 Pflegestellen erforderlich. Von diesen Zöglingen befanden sich 11 in den beiden Waisenhäusern der Stadt Berlin, 246 in den Berliner Erziehungshäusern zu Lichtenberg und zu Kleinbeeren, 931 in privaten Anstalten, 243 in Familien- pflege. Hier fällt der bedeutende Anteil der Privatanstalten auf. Wenn die Waisenverwaltung bei einer so beträchtlichen Zahl von Fürsorgezöglingen die Anstaltserzichung als notwendig erkennt, so ist nicht einzu- sehen, warum die Stadtgemeinde nicht an eine Bermehrung ihrer eigenen Anstalten herangeht. In der eigenen Anstalt Lichtenberg waren 217 männliche Zöglinge untergebracht, in der eigenen Anstalt Kleinbeeren befanden sich 29 weibliche Zöglinge. In Privatanstalten dagegen wurden 469 männ- liche und 462 weibliche Zöglinge verpflegt. Warum zögert die Gemeindeverwaltung, durch Vermehrung ihrer Anstalten sich unabhängig zu machen von jenen privaten Anstalten, in denen ein engherzig-kirchlicher Geist die Erziehung beherrscht? Der Bericht schweigt sich übrigens über die Privatanstalten so vollständig aus, daß er nicht einmal ihre Namen nennt. Am Ende sind etliche darunter, von denen die Waisenverwaltung selber meint, daß sie keinen Staat mit ihnen machen kann? Viel Staat kann sie leider nicht mal mit den eigenen Anstalten Lichtenberg und Kleinbeeren machen. Besonders aus Lichtenberg sind Dinge bekannt ge- worden, die der Waisenverwaltung wirklich nicht zur Ehre ge- reichten. Als ein wichtiges Erziehungsmittel wird in Lichten- berg immer noch der Stock betrachtet, obwohl dort keine schul- Pflichtigen Knaben mehr verpflegt werden, sondern nur noch Zöglinge, die im 15. bis 21. Lebensjahr stehen. Um die Sinnlosigkeit dieser fürsorgenden Prügelpädagogik voll würdigen zu können, muß man in dem Bericht die Mit- tcilungen über die ärztliche Behandlung der Lichtenberger Zöglinge nachlesen. Der Anstaltsarzt weist in seinem Referat hin auf die nervösen undpsychischenStörun gen, die sich bei einer nicht geringen Zahl von Zöglingen finden und teils auf natürliche Anlage, teils auf den Einfluß ihrer früheren Umgebung zurückzuführen sind. Krankhafte Ber- änderungen dieser Art, die bei den Zöglingen auftreten oder schon vorhanden sind, können dem Erzieher verborgen bleiben, weil es sich nicht immer um einen ausgebildeten Krankheit»- zustand handelt: der Arzt aber erkennt sie.„Unter den Zog- lingen befindet sich", sagt der Bericht des Anstaltsarztes,„ein in Zahlen nur schwer ausdrücklicher Prozentsatz degenerativer und psychopathischer, d. h. in ihrem Geistes- und Gemütsleben nicht vollwertiger oder ausgeglichener Individuen." Was Zer Arzt tut, um solche Zöglinge vor prügelnden Pädagogen u schützen, darüber bringt der Bericht nur Andeutungen. Für >ie degenerativen und psychopathischen Zöglinge„können die entsprechenden Maßnahmen bis jetzt nur von Fall zu Fall getroffen werden". Bis zu einer allgemeinen Kapi- tulation der Erzieher vor der Einsicht des A r z t e s ist man eben in Lichtenberg noch nicht vorgeschritten. Der Bericht weist aber hin auf das,„was in dieser Hinsicht seit einiger Zeit in Angriff genommen worden ist und worin auch die Grundzüge einer weiteren Ausgestaltung liegen". So sei im letzten Jahr auf Anordnung der Behörde vom Ansialtsarzt begonnen worden, für das Erziehungspersonal eine Reihe gemeinverständlicher Vorträge zu halten; ihr Zweck sei '»er,„bei den Lehrern und Erziehern eine gewisse Einsicht in ie nervenärztlichen Erfahrungen und Folgerungen bei ihren Zöglingen zu erwecken". Die Untersuchung der Zöglinge bei Zcr Aufnahme erstreckt sich außer auf ihren körperlichen Zu- stand auch auf etwa vorhandene psychische Veränderungen. Die ersprießliche Verwertung der Untersuchungsergebnisse ist aber, so sagt der Bericht des Arztes, abhängig von einer Kenntnis des Vorlebens der Zöglinge und„von der ä r z t- ichen Mitwirkung bei jtzer weiteren Gestaltung der Fürsorgeerziehung". Diese„ärztliche Mitwirkung" ist in den'ErzieHungs- anstellten der Stadt Berlin und besonders in der Anstalt Lichtenberg in der Tat nicht zu entbehren. Möchte sie dort zu einer völligen Neugestaltung der Erziehungsmethode, zu einem gänzlichen Verzicht auf die bisherigere- waltpädagogik führen. Die Anstalten unserer Stadt sollten hierin zum Vorbild und Muster werden für all die Privatanstalten, in denen fast viermal so viel Berliner Für- sorgezöglinge stecken, wie in den eigenen Erziehungshäusern. Ueber die Zustände, die in diesen privaten Anstalten herrschen, sowie über den erziehlichen und gesundheitlichen Befund der ziemlich tausend Zöglinge, die darin untergebracht sind, wird in dem Bericht, wie schon erwähnt, kein Sterbenswörtchen gesagt._ Schulhygiene in der Pflichtfortbildungsschule. Die Bestrebungen, der lernenden Jugend Schutz vor den Schädi- gungen zu gewähren, die der Schulunterricht ihr bringen kann, dürfen sich nicht aus Elementarschulen und höhere Schulen be» schränken. Es versteht sich von selber, daß sie sich auch auf die Fort- bildungsschulen erstrecken müssen. In Berlin besteht die allgemeine Verpflichtung zum Besuch einer Fortbildungsschule erst seit dem vorigen Jahr. Jetzt beginnen hier die Schulhygieniler, auch dieser Schulart mehr Aufmerksamlcit zu schenken. Einen Vortrag, der die Schulhygieniler über den Gegen- stand nach seiner untcrrichtlichen Seite hin informierte, hielt der Direktor der 9. Pflichtfortbildungsschule, Herr Haumann, in einer gemeinsamen Sitzung des„Berliner Vereins für Schul- gesundheitspflege" und der„Deutschen Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege". Haumann behandelte eingehend die Organi» sation der Berliner Pflichtfortbildungsschule: sie dürfte unseren Lesern bekannt sein, so daß wir auf Wiedergabe dieses Teiles seines Vortrages verzichten können. Ueber die Frage, welchen Ein» fluß die Anforderungen, die an die Leistungs- fähigkeit der Fortbildungsschüler gestellt werden, auf ihre Gesundheit ausüben, sprach H. sehr viel weniger ausführlich. Dieses Gebiet der Schulgesundheitspflegc ist eben bisher nur spärlich bearbeitet worden. Eigentlich muß man sich darüber wundern; denn gerade der Abendunterricht, den in den Fortbildungsschulen die jungen, in der Entwickclung stehenden Leute noch nach anstrengendem Tagewerk über sich ergehen lassen müssen, häüejöe� Schulhygienikern längst ein Anlaß sein sollen, warnend ihre Stimme zu erheben. Die Schwierigkeiten, den Unterricht der Pflicht» fortbildungs schule in eine möglichst günstige Zeit zu legen, wurden von dem Vortragenden geschildert. Er erklärte es für dringend nötig, die Schüler nicht erst so spät am Abend zu unterrichten, da sie erschöpft zum Unterricht kommen. Aber gegen einen Beginn des Unterrichts schon am Nachmittag werde von vielen Arbeitgebern Einspruch erhoben. In dieser Hinsicht seien die Arbeitgeber verwöhnt durch das schlechte Beispiel der Wahlfortbildungsschulen und ähnlicher Anstalten, die in den späten Abendstunden(die Fortbildungsschule der Kaufmann- schaft sogar erst 8—10 Uhr abends) unterrichten. In der Pflicht- sortbildungsschule soll um 7 Uhr, in„Ausnahmefällen" um 8 Uhr geschlossen werden. H. bedauerte, daß die„Ausnahmen" nötig seien. Zu den betrübendsten Erfahrungen, die er gemacht habe, gehört das, daß in seiner Pflichtfortbildungsschule z. B. Laufburschen ihm mit. teilen mutzten, sie hätten ihre Stelle verloren, weil der Arbeitgeber sie nicht so zeitig zum Unterricht gehen lassen möge. Solche Schwierigkeiten sind von Bedeutung auch für die Frage, ob d i e wöchentliche Stundenzahl auf mehrere Tage ver- teilt werden soll oder nicht. H. hält es für unbedenklich, lieber an einem Tage vier Stunden hintereinander zu geben. Da der Unterricht der Pflichtsortbildungsschule sich eng an den Beruf an- lehne und daher mehr als der Unterricht der Volksschule den Ae- tätigungstrieb des Schülers wecke und pflege, so sei nicht zu fürchten, daß vier Unterrichtsstunden zu sehr ermüden. � Bei ungeteiltem, vierstündigem Unterricht werde am Schulweg gespart. Der Fehler dabei ist nur der. daß bei ungeteiltem U n t e r r ich t die Schüler noch zeitiger als jetzt zur Schule kommen müssen, und eben das wollen ja die Herren Arbeitgeber nicht. H. selber meint, daß man für sie in der ersten Zeit einige Nachsicht haben müsse. Er hofft aber, daß später, wenn die PflichtfortbildungS- schule erst voll ausgebaut sein wird, die gewerblichen Verhältnisse sich der Schule anpassen werden. In der Diskussion wurde unter anderem vom Gewerbe- schulrat Dr. Meyer auf die Notwendigkeit eigener Schul- Häuser für die Fortbildungsschulen hingewiesen. Heute sind die Fortbildungsschüler zu Gaste in Gemeindeschulhäusern und benutzen Tische und Bänke, die für Kinder bestimmt sind. Von anderer Seite wurde gefordert, die schulärztliche Aufsicht auf die Fort- bildungsschulen auszudehnen. Das sei doppelt nötig, da kränkliche Kinder oft einem ungeeigneten Beruf zugeführt werden. Die Frage nach der Disziplininden PflichtfortbildungS- schulen wurde von dem Vortragenden dahin beantwortet, in seiner Schule seien bei zirka 2199 Schülern nur ganz vereinzelte Störungen vorgekommen. Letztes Disziplinarmittcl sei das Polizei- liche Strafmandat, doch werde in der Regel die bloße Ermahnung genügen. Seit April dieses Jahres seien an seiner Schule nur fünf Strafmandate gegen Schüler nötig geworden, aber gegen lässige Arbeitgeber— etwa 100. Beachtung verdient schließlich noch eine Mitteilung H.'s über die Pflichtfortbildungsschule für Mädchen. Gersten. berg habe in diesem Sommer an die Vorarbeiten zur Lösung auch dieser Aufgabe gehen wollen. Durch seinen Tod sei eine Verzöge- rung eingetreten; doch werde, wenn die Gemeindebehörden die Pflichtsortbildungsschule für Mädchen beschließen, zu Ostern 1908 die Eröffnung möglich sein. Wir fürchten, daß dann der Tanz mit den Arbeitgebern von neuem anheben wird. Die eben stattgehabte Landtagswahl im dritten Berliner Landtags- Wahlkreise war die erste, die auf Grund des neu geschlossenen Wohl- reglements stattgefunden hat. Die Aenderungen gegen den bis- berigen Zustand bestanden im wesentlichen darin, daß die Urwähler nicht wie bisher zur festgesetzten Stunde zu Beginn der Wahlhand- lung sämtlich im Wahllokale anwesend sein und bis zum Schluß da verbleiben mußten, sondern während der festgeietzten Wahlzeit ihr Wahlrecht ausüben konnten. Die Wgeordnetenwahl selbst fand der großen Zahl der Wahlmänner entsprechend auch nicht wie bisher in einem einzigen Lokale statt, sondern getrennt in mehreren, in fünfen. Stichwahlen der Wablmänner sowohl wie die Stichwahl bei der Abgeordnetenwahl erfolgte nicht unmittelbar im Anschluß an die beendete Hauptwahl, sondern an einem besonders festgesetzten Termin. Was nun die Wahlmännerwahl anbelangt, so will man die Erfahrung gemacht haben, daß die bei der jetzt vollzogenen Wahl festgesetzte Zeit für die zweite und erste Abteilung zu reichlich bemessen gewesen sei und eS soll nach dieser Richtung hin bei der nächsten Wahl eine Aenderung getroffen werden. Viele Wahlvorstände hätten vor lauter Langeweile manchmal nicht gewußt, wie sie die Zeit totschlagen sollten. Soweit die dritte Abteilung in Frage kommt, haben wir gefunden. daß die Wahlzeit keineswegs als„eine für die Wahlbeteiligung möglichst günstige" bezeichnet werden kann, wie es das Wahl- reglcment verlangt. Der Wahlschluß um 7 Uhr abends schließt von vornherein eine große Anzahl von Arbeiterwählern von ihrem Wahlrecht auS. Man komme uns nicht mit dem Einwand, daß in einer Anzahl von Wahllokalen alle Erschienenen ihr Wahlrecht ausüben konnten. Es find in verschiedenen anderen Wahllokalen eine ganze Anzahl Wähler durch den Siebenuhrschluß um ihr Wahl- recht gekommen. Der Wahlschluß muß auf eine erheblich spätere Zeit als um 7 Uhr festgesetzt werden, damit die Ardeiterwähler, die in groger Entfernung von ihrer Dohnstätte arbeiten, noch recht- zeitig nach Arbeitsschluß nach ihrem Wahllokale kommen können. Die nächste Landtagswahl im Jahre 1S03 wird sich für Berlin und Vororte auf Grund einer Neueinteilung der Wahl- kreise vollziehen. Das braucht natürlich ein Blatt, wie das.Deutsche Blatt", das leider auch noch in zahl« reichen Arbeiterfamilien gelesen wird, nicht zu wissen. In einer Besprechung über den Wahlausfall im dritten LandtagSwahlkreise schreibt das„Deutsche Blatt": „Der Freisinn hat den Kreis, der ihm noch vor wenigen Jahren vollkommen sicher war, trotz des bestehenden Landtags- Wahlunrechts nur mit Mühe und Slot behauptet, und es erscheint keineswegs ausgeschlossen, daß die Sozialdemokratie bei der allgemeinen Erneuerung des Abgeordneten- Haufes im Jahre 1908 in Berlin III zum Siege gelangt, zumal wenn dann wieder wie diesmal am Wahltage schlechtes Wetter herrschen sollte. Bekanntlich hat am 27. November„aus Witterungsgründen" eine ansehnliche Zahl freisinniger Wahlmänner die von. ihnen übernommene Pflicht nicht erfüllt: ein trauriges Zeichen der politischen Teilnahmslosigkeit in diesen Kreisen I" In Wirklichkeit wird im Jahre 1908 der dritte Berliner Land- tagSwahlkreiS in der heutigen lokalen Abgrenzung verschwunden sein und es ist deshalb unsinnig, über den Ausfall der Wahl im dritten Berliner LandtagSwahllreis im Jahre 1908 zu orakeln. Das ficht aber das„Deutsche Blatt" nicht weiter an; eS weiß, daß es seinen Lesern solche„kleine Irrtümer" bieten kann. Bekanntlich ist Berlin nach dem neuen Wahlgesetz in zwölf Landtagswahlkreise eingeteilt, die je einen Abgeordneten zu wählen haben. Diese neue Einteilung deckt sich nicht im geringsten mit der heuttgen. Mag aber die Einteilung eine veränderte und für uns nicht ein- mal eine ungünstige sein, mögen auch die Formen, in der sich die nächsten Landtagswahlen vollziehen, einige Erleichterungen bringen, alles daS ändert nichts an der Tatsache, daß auch diese kommenden Wahlen zum Junkerparlament auf der Basis des Drei- klassenwahlrechts vollzogen werden. Für uns erwächst daraus lediglich die Aufgabe, die LandtagSwahl 1903 zu einer inten- siven Bewegung gegen daS elende Dreiklaflenwahlrecht zu ge- stalten._ Die Berliner Ei nkimmenSpyramide. Die Steuerdeputation des Magistrats hat ihren Bericht über das Steuerjahr 1905/06 erstattet. Die Mitteilungen, die er ent- hält, werfen wieder manches Schlaglicht auf die sozialen Zustände Berlins. Lehrreich sind vor allem wieder die Angaben über die Abstufung der einkommensteuerpflichtigen Be- ,vö lkerung. Sie zeigen den bekannten Gegensatz: auf der -inen Seite eine gewaltige Schar von Unbemittelten, die mit ge- ringen und oft geradezu erbärmlichen Einkommen wirtschaften müssen— aus der anderen Seite eine kleine Zahl von wohlhabenden und reichbegüterten Leuten, denen alljährlich ein Einkommen zur Verfügung steht, das für zehn, für hundert, ja für tausend und mehr Arbeiterfamilien ausreichen würde. Für das Steuerjahr 1905/06 hatte die Personenstandsauf- .nähme, die alljährlich zum Zwecke der Besteuerung ausgeführt wird. 1 947 634 Personen ergeben.(Die Aufnahme für 1905/06 fand Im Oktober 1904 statt.) Darunter waren 21369 Militärpersonen und 1926 269 Zivilpersonen. Unter den Zivilpersonen waren ,1 077 673, die als Haushaltungsvorstände oder als eventuell einzeln .zu Besteuernde für die Einkommensschätzung in Betracht kamen, Während die übrigen 843 591 als nicht persönlich zu besteuernde Angehörige usw. ausgesondert wurden. Bei der Schätzung ergab sich, daß schließlich nur für 562635 Haushaltungs- vorstände oder einzeln zu Besteuernde das »Jahreseinkommen von mehr als 900 M. vorausgesetzt werden konnte, mit dem die Heranziehung zur Einkommensteuer beginnt. Schon die Unterscheidung in Einkommen von 900 bis 3000 M. und Einkommen von mehr als 3000 M. ergibt ein Mißverhältnis, daS lehrreich ist und drastisch wirkt. Von den 562 635 Einkommen- steuerzahlern hatten 505241 weniger als 3000 M. Ein- kommen und nur 57006 über 3000 M. Einkommen. Die Einkommen von weniger als 3000 M. stuften sich in der Weise ab, daß die Einkommcnstufen 900 bis 1050 M. und 1050 bis 1200 Mark die beträchtliche Zahl von 189 015 und 117 907 Steuer- Pflichtigen aufwiesen, aber schon in den Stufen 1200 bis 1350 M. und 1350 bis 1500 M. nur noch 59 611 und 41 987 Steuerpflichtige waren. Gehen wir durch die folgenden Stufen hinauf, so sinkt die Zahl der Steuerpflichtigen ungefähr in demselben Tempo weiter. ,Jn der Stufe 2700 bis 3000 M. finden sich dann nur noch 11934 Steuerpflichtige. Die Gruppe der 57 006 Steuerpflichtigen, die ein Jahres- Einkommen von mehr als 3000 M. hatten, bildet den oberen Teil der EinkommenSpyramide. 12 315 von ihnen versteuerten mehr als 10 000 M. Jahreseinkommen, 1715 von diesen erfreuten sich eines .Einkommens von mehr als 50 000 M. pro Jahr, und von diesen wieder hatten 684 im Jahre über 100 000 M. Einkommen. Unter ihnen waren 41, die jährlich über eine halbe Million einsacken durften, und bei 15 davon scheffelte es so, daß sie es auf mehr als eine ganze Million Jahreseinkommen brachten. Diese 15 mit ihrem Millionen-„Lohn" bilden den Gipfel der Ein- kommensphramide. Die oberste Spitze repräsentiert ein Mann, der ein Jahreseinkommen von sogar mehr als drei Millionen versteuerte. So ist die Verteilung des Einkommen?. Die Verteilung der Arbeit, durch die diese Einkommen erworben wurden, ist be- kanntlich umgelehrt. Die oberen Schichten tragen zur Schaffung des Wohlstandes wenig oder nichts bei— und alle Mühe und Arbeit, die ihn erzeugt, ruht auf den unteren Schichten. Tausende könnten von dem lcbcu, was einer„verdient"— und zwar nur deshalb„verdient", weil Taufende für ihn arbeiten! Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnetenvcrsamm- lung am Donnerstag, den 6. Dezember, nachmittags 5 Uhr, zunächst in gemeinschaftlicher Sitzung mit dem Magistrat: Wahl von 27 Mitgliedern und 15 Mitgliederstellvertretern für die Ein- kommcnstcuerberufungSkommission. Demnächst: Die Akten, betr. die Wahl des Bildhauers Dupcmt, SolmSstr. 33, und des praktiscken Arztes Dr. Jsaac, Alexauderstr. 22, zu Stadtverordneten.— Berichterstattung über die Borlagen, betr. den Abschluß eines Zusatz- abkomincns zu dem Vertrage zwischen der S ta d tg e m c i nd c Berlin und der Aktiengesellschaft Berliner Elektrizi» tätswcrke vom 14. März/1. April 1399— und die Beschaffung eiserner Röhren für verschiedene projekttertc Druckrohrlcitungen.— Vorlagen betr. die Revision der Manuale des Magistratsdepofi- toriums für 1905,— die Annahme einer Stiftung des verstorbenen Ehrenbürgers Haack zugunsten der Beamten und Arbeiter der städtischen Wassertoerke,— die Uebcrichreitung der für die Er- Weiterung der Erfrischungshalle im Treptower Park verfügbaren Bausumme,— die bei dem Untersuchunftsamte der Stadt Berlin für Nahrungsmittel, Gennßmittel und Gebrauchsgegenstände zu- nächst einzurichtenden Stellen— und die anderweite Festsetzung der Bes o ld u ngSv e rhä ltniss e des L e h r p e r s o n a I S an den Gemein deschulen.— Berichterstattung des zur Vorbereitung der Neuwahl von zwei unbesoldeten Stadträten ein- gesetzten Ausschüsse». Die Genchmignug der Errichtung einer Fleischvernichtungs- und SerwcrtungSanstalt durch die Stadt Berlin auf städtischem Gelände bei Rüdnitz ist rechtskräftig geworden, da innerhalb der gesetz- lichen Frist von keinem der Adjazenten Beschwerde gegen die dies- bezüglrche Entscheidung des Kreisausschusses für den Kreis Ober- bannm erhoben ist. Der Berliner Magistrat hat allerdings wegen einiger für die Errichtung der Anstalt aufgestellter Bedingungen bei dem HandelSminister Rekurs eingelegt, doch berührt dieser die grund- sätzliche Frage der Genehmigung nicht. Berliner Asylverein für Obdachlose. Im Monat November nächttgten im Männerasyl 20 126 Personen, wovon 8905 badeten. im Frauenasyl 4385 Personen, wovon 1211 badeten. Tariferhöhungen für Automobil-Omnibussc sucht die Omnibus- gesellschaft von den Aufsichtsbehörden zu erlangen und dann sogenannte Zehnpfennig-Teil st recken einzurichten. Begründet wird dieses Verlangen mit der Rentabilität und es heißt, daß der Polizei- Präsident diesem Ersuchen entsprochen haben soll. Diese Durch- breckung des Zehnpfeimigtarifes durch die Omnibusgesellschaft kommt natürlich auch der Großen Berliner zu statten, da diese bekanntlich ebenfalls Automobilbetrieb für bestimmte Strecken plant. Das Publikum ist, wie immer, der leidende weil zahlende Teil. Der erste Schnee hat sich gestern in Berlin eingestellt. Der gestern nacht erfolgte Temperaimswrz hatte auS dem ununterbrochenen Sprühregen der letzten Tage feine Eiskristalle gemacht, die sich jedoch wenig dauerhaft zeigten und auf dem Pflaster bald zerrannen. Erst um die zehnte VormittagSsttinde setzte ein lustiges Schneegestöber mit großen Flocken ein, wie es nötig ist, um dem Straßenbilde den rechten winterlich-weihnachtlichen Anstrich zu geben. Die Jugend auf dem Schulwege begrüßte den neuen Sckniee mit gebührender Freude. In den Berliner Straßen hatte sich die weiße Decke freilich bald in jene schmutzigbraune Masse verwandelt, die der Berliner mit„Matsch" bezeichnet. Zwischen Berlin und Trebbin 2 verkehren vom 10. Dezember neue Frühpersonenzüge 2.-4. Klasse: Ab Berlin(Anhalter Bahn- Hof) 5.15, in Trebbin an 6.02. Ab Trebbin 6.28, ab Thyrow 6.34, ab Ludwigsfeldc 6.42, ab Großbeeren 6.50, ab Teltow 6.57, ab Groß-Lichterfclde(Süd) 7.03, ab Grotz-Lichterfelde(Ost) 7.08, in Berlin(Anhalter Bahnhof) 7.20 an. Eine schwere Katastrophe im Eisenbahnverkehr, bei der drei Per- sonen den Tod fanden und mehrere verletzt wurden, hat sich gestern vormittag zwischen den Stationen Schlesischer Bahnhof und War« schauer Brücke zugetragen. Ein Eisenbahnzug fuhr in eine Kolonne von Streckenarbeitern hinein und richtete furchtbares Unglück an. Drei der Leute waren so entsetzlich verstümmelt worden, daß sie kurz darauf verstarben. Eine Anzahl weiterer Arbeiter war mit leichteren Verletzungen davongekommen. Unter der Aufsicht eines Rottenführers hatte die Kolonne auf dem Ferngleise Bahnschwellen umgewechselt. Die Hauptaufgabe des Rottenführers war es, die arbeitenden Leute aufmerksam zu machen, sobald ein Zug auf dem bettestenden Gleise nahte. Dies geschah durch das übliche Hornsignal. Als kurz vor l/212 Uhr der fällige Fernzug von Schneide- mühl nahte, gab der Rottenführer nach seinen Behauptungen auch das Warnungssignal. Ob dies nun zu spät geschehen ist oder ob die Schuld an irgend etivas anderem lag, wird die gerichtliche Untersuchung ergeben. Die Maschine befand sich plötzlich dicht bei den Arbeiten» und nur teilweise gelang es den Leuten, sich durch einen Seiten- sprung zu retten. Drei hatten das Unglück, von der Maschine er- faßt und unter die Räder geschleudert zu werden. Die Bedauerns- werten waren vollständig zermalmt worden und obwohl sofort ärzt- liche Hülfe zur Stelle war, konnten die drei nicht mehr gerettet lverden. Auch mehrere Krankenwagen, die zum Transport der Ver- unglückten in ein Krankenhaus beordert waren, mußten unverrichteter Sache wieder abfahren. Bon den leichter Verletzten hatte der Arbeiter Gierke aus der Simon Dachstr. 28/29 einen Mittelhandbruch erlitten. Er erhielt die ersten Notverbände auf der Unfallstation an» Grünen Weg. Einige seiner Kollegen hatten durch Stöße von der Maschine Quetschwunden davongetragen. Gegen 12 Uhr erschien eine Untersuchungskommission an der UnglllckSstätte und nahm eine genaue Besichtigung vor. Bei seiner Vernehmung verblieb der Rottenführer dabei, daß er das Warnungssignal ordnungsgemäß ge- geben. Zu dem Unglück am Schlesisschew Bahnhof wird uns weiter berichtet: Die Namen der Toten sind: Otto Bauer, Heinrich Blischki und Heinrich Gerlach» Bauer war erst 18 Jahre alt und unverheiratet, Blischki zählte 31 Jahre und war verhei- ratet. Er wohnte mit seiner Familie in der Madaistr. 4. Bauer wohnte bei seinen Eltern in der Wcndenstr. 2. Gcrlach stand im 20. Lebensjahre und wohnte in der Litthanerstr. 15. Der an» schwersten verletzte Arbeiter ist der 32jährige Gustav Schmidt. Er hatte von den Puffern der Maschine einen wuchtigen Stoß gegen den Kopf erhalten und wurde in ein.Krankenhaus gebracht. Die Ursache der bedauernswerten Katastrophe ist, wie jetzt feststeht, darauf zurückzuführen, daß durch mehrere Lokomotiven, die in uu- mittelbarer Nähe der Leute standen, ein dicker Oulm verbreitet wurde, der sich auch über die Gloise hinweg zog. Dem Rotten- sichrer war es infolgedessen erst im letzten Auge», blick möglich, daS Signal zu geben. Im ganzen waren 27 Arbeiter in den Gleisen beschäfttgt. Ter Z»»g trug die Nummer 312. Von einem herabstürzenden Balken niedergeschlagen und lebensgefährlich verletzt wurde gestern»»achmittag die Kranken- Pflegerin Anna Weidner, die in den» AugustaJ8iktoria-Hei»n tätig war. Fräulein W. war mit zwei anderen Schwestern durch die Leipzigerstraße gegangen und als sie an dem Neubaugrundstück Nr. 72 vorüberging, stürzte plötzlich ein Balken von oben herab und traf die W. mit solcher Wucht gegen den Kopf, daß sie besinnungslos zusainmenbrach. Ten beiden Begleiterinnen loar es gelungen, sich durch einen Seite»sprui»g zu rette»». Die Verunglückte wurde nach der Unfallstation in der Kronenstraßc gebracht, wo der Arzt einen chweren Schädelbruch feststellte. In äußerst bedenklichem Zustand aäd die Acrmste im Krankenhaus Moabit Ausnahme. Zirka 2000 Hülssarbeiter werden zur Bewältigung des Päckerei- Verkehrs in den Weihnachtsfeiertagei, auf dem Paketpostamt und den Dahnpostämtcri, eingestellt werden. Di« Zahl der Meldungen für den' Aushülfsdicnst»var so bedeutend, daß die Liste der Ein- zustelle»»den bereits Mitte November abgeschlossen werden konnte. Wie an den Meldestellen durch Anschlag bekaz»nt gegeben ist, tonnen Bewerbungen jetzt keine Berücksichtigung mdhr finden. Zum Zwecke einer geordneten Durchführung des Paketbestcll- diensteS in den Tagen vor dem Weihnachtsfeste wird das gesamte Personal aus den Paketannahmestcllcn der einzelnen Postämter zur Verstärkung des Verkehrspersonals des Paketpostamts herangezogen»verde»». Die abkommandierten Beamten verbleiben bis zum zii>eiten Feiertage in dem Päckercidienst. Vom 28. Dezember ab, an welchem Tage erfahrungsgemäß bereits der Neujahrsbricf- verkehr durch Aufgabe von Masscnsendungen einsetzt, wird eine Verstärkung des Personals des Briefpostamts vorgenommen. Vom 30. Dezember ab werden auf den Briefbcstcllämtcru Aushülfskräfte eingestellt. Die Hennigaffäre hat nun ihr End« gefunden. Gestern Morgen um M>8 Ilhr wurde Hcnnnig mif dem Gefängnishof der Strafanstalt Plötzenscc durch den Sckmrfrichter Zietsch aus Breslau hingerichtet. Geradezu grauenhaft liest es sich, wenn bürgerliche Blätter über die Einzelheiten in breiter Weise berichten. Eo schreibt die ,.B. Z. an» Mittag": „H., der vorgestern von Moabit nach Plötzensee überführt wurde, zeigte bis zu seinem TodcSgange keine Reue und lcgjx kein Gejtä»»dnis ab. Er verbrachte die letzte Nacht in größier Unruhe, spielte den wilden Mann und»var für den Trost deS Geistlichen unzugänglich. Nur mit Mühe gelang es, ihn zum Richtplatz zu bringen, wohin ihn die Gefängnisbeamtcn förmlich schleifen mußten. Als der Erste Staatsamvolt von Potsdam, Mendelsohn, das Urteil verlas, blickte Hcmiig umher, al-»venu er nicht»vußte, lvas ihn zur Richtstätte gebracht hatte. Ter Hinrichtung»vohnten Landgerichisdirettor Barchcwitz, die LandacrichtSräte Dr. Korfel und Dr. GiseviuS und Gerichts- sekcctär Krumm bei. Außer dem Polizeiaufgebot von 12 Mann betrug die Zahl der Antveftnden, unter der sich eine Reihe höherer Offiziere befand, etwa dreißig. Die Exekution dauert« genau zwei Minuten. Von anderer Seite wird noch gemeldet: Gestern»tack- mittag gegen 4 Uhr wurde Hennig die Mitteilung gemacht, daß heute früh das Urteil vollzogen werden soll. Heunig»rar im Augenb lick furchtbar niedergeschlagen, aber sehr schnell faßte er sich und begann sofort ein neues Gesuch um Wiederaufnahme des Verfahrens zu schreiben. Der Gerichtshof trat am Abend noch zusammen, um über das Gesuch zu elttscheiden, und nach ein- gehender Beratung wurde um 8 Uhr abends daS Gesuch abgelehnt — Bis zu seinem letzten Augenblicke lcugirete Heimig und sträubte sich gegen die Pollstreckung; erst als das Urteil verlesen und er zun» Richtblock geführt wurde, verließ ihn die Kraft, und ganz gebrochen mußten ihn die Gehülfen auf die Riihtbank legen." Der„Lokalangeiger"»st sogar in der„glücklichen" Lage, sich von einem Auge>»zeugen über d»e Hinrichtuirg berichten! zu lassen. Wir beneiden ihn nicht ob seines Geschmacks! Durch einen schändlichen Unfug ist Dienstag abeird der Schul- knabe Arnold Thiele aus der Prinzenallee 25 um sein Augenlrcht gebracht worden. Als er durch die Reinickendorferstraße ging, schleuderten ihm plötzlich zwei halbwüchsige Burschen ungelöschten Kalk ins Gesicht. Schwerverletzt»vurde der bedauernswerte Knabe »»ach der Unfallstatton gebracht, doch war inzwischen das rechte Auge bereits ausgelaufen. Th. fand später in der königlichen Klinik Aufnahme. Altch das linke Auge hat unter dem beißenden Kalk derartig gelitten, daß cS wohl kau»»» gerettet werden kann. Das Walhalla-Varietetheater am Weinbergsweg, dessen ge. schäftliche Leitung seit I. Dczelnber wieder in die Hände des Metropoltheaters übergegangen sein soll, während die art»stische Leitung in der Hand des Direktors Saitmacher verbleibt, hat wieder ein abwechslungsreiches Programm für den Monat Dezember zu- sainmengesiellt. Ist auch auf dem Gebiete der Akrobat»! und Gymnastik des Guten etwas zu viel getan, so bleiben»mmerhcn eine Anzahl recht hübscher Darbietungen übrig, die dem Besucher einige angenehme Stunden bereiten. Z»» den besseren Programm- nummern gehöre»» in erster Linie die D'Loisachtaler, clne oberbayrische Sänger- und Tänzergesellschaft, die durch ihre hermal- lichen Lieder und Tänze das Publikum zu starkem Applaus ver« anlaßten. Besonders der zlveite Teil des Programms enthalt fast durchgängig gute Leistungei».„Im Reiche der Wogen, cur phantastisches Idyll auf dem Meeresgründe, wechselte ab ni,t eincm Gesangsquartett, das vier als Studenten geklerdete Damen»n». provisierten. Als gewandte musikalische Exzentriks produzierten sich die Astley-Compagnße mit ihren mehr als sonderbaren „Instrumenten". Geradezu Vorzügliches leistete die Familie Lorch mit ihren ikarikchen Spielen. Die zwölf Personen starte Gesellschaft zeigte in jeoer einzelnen Produktion eine Gewand hei:, die in der Tat an die Leistungen erstklassiger Kräfte auf diesen, Gebiete ohne Uebertrcibung heranreichte. Zun, Katalog der Bibliothek der Korporation der Kaufmann- schaff in Berlin ist soeben«in neuer Nachtrag erschienen. Er umfaßt alle Neuerwerbunger» vom Juli bis November und kann in der Lesehalle»nährend der Dienststundcn von 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends unentgeltlich in Empfang genommen werden. Feuerwchrbericht. Gestern früh um 3 Uhr kam in der Königs- bergerstr. 5 Fmer aus. Es brannte dort die Einrichtung eines LadenS für Fischkonserven. Die Feuerwehr mußte längere Zeit kräftig Wasser geben, um die Gefahr zu beseitigen. In der Reinickendorfer- straße 113 brannte ein»verwolles Automobil. Benzin und anderes in einer Motorwagenfabrik. Am Schinielplatz 6 war nachts aus einer undichten Leitung Gas ausgeströmt. Die Feuerwehr beseitigte die Gefahr. Am Urbanhafen war ein Pferd über die hohe Kaimauer inS Wasser gestürzt. Der Feuerwehr gelang eS mit vieler Mühe. das Tier wieder aufs Trockene zu befördern. Im ersten Stock des Ouergebäudes in der Klosterstr. 40 brannte eine Wohnung und in der Schwedterstr. 9 in einer Tapeziererlverkstatt Werg u. a. Ferner hatte die Feuerwehr in der Mühlenstr. 2/3 zu tun, wo in einer Wohnung Feuer ausgekommen war. Außerdem liefen noch Feuer- nieldunaei» aus der Waßmannstr. IS, Stallschreiberstr. 68, Langestraße 13, Stargarderstr. 13 und airderen Stellen ein. Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. Einen burschikosen Ausfall gegen die Sozialdemokratie unter- nimmt in ihrer Mittlvochnummer daS Charlottenburger Freisinus- organ, die„Reue Zeit". Anlaß hierzu bietet ihr. daß im„sozial- demokratischen Volkshause", in der Ülostneustraße, am Montag eine Pnckterversaminlung stattgefunden hat. Die Einladungen zu dieser Versammlung enthielten,»vie genanntes Blatt mitteilt, Bemerkungen wie„Juden, Jüdinnen und Hunden ist der Eintritt Verbote»»"; „Wanderer, hier liegt ein Jude. Wanderer sei heiter und geh' lveiter";„Kauft nicht bei Juden" usw. Hieran knüpft das Blatt folgende Benierkungen:„Es ist charakteristisch, daß die Sozial- demokraten, die ja in der letzten Zeit in ihren Blättern gleichfalls antisemitische Flegeleien oft genug begehe», Leuten, die sich der- artige Gemeiiiheilen zuschulde» kommen lassen, das Gastrccht ge- ivähren. Der Leiter der sozialdemokratischen Partei Herr Singer und die übrige» zahlreichen sozialdemokratischen Agitatoren jüdischer Herkunst müssen an diesen.Geiiossei»" ihre helle Freude haben, besonders auch der sozialdemokratische Stadtverordnete Hirsch, der als„Eigentümer" des Voltshauses eingetragen ist." Wir lönnen uns denlei», daß dem konservativ-freisinnigen Blatt die Schreibiveise sozialdemokratischer Blätter nicht gefällt. JndeS. nur eine politisch indifferente Schreiberseele wird den Mut finde»» zu behaupten, die Sozialdemokraiie bediene sich antisemitischer Flegeleien. Wem» weiter ein in sozialdemokratischen» Eigentum befindliches Etablissement auch anderen Parteien zur Verfügung steht, so ist das nur eine Befolgung des Grundsatzes, den die Sozial- demokratte an alle bürgerliche Saalbesitzer bisher gestellt hat. Wem» der Besitzer des VollshauseS den Antisemiten den Saal verlvcigcrt hätte, so könnte das Freisinnsorgan— uild zivar mit vollem Rechte— den Sozialdemokraten den Vor- wurf der Intoleranz machen. Unsere Stellung zu de»» Pücklertiraden dürfte auch dem„edlen" Freisinnsblatt bekannt sein; zu Dlitzenden von Malen haben wir die Arbeiter davor gelvarnt, ihre Zeit für die blödsinnigen und theatralischen AuSführungeu Pücklers zu vertvenden. Aus diesem Umstand schon müßte,»venu ein solches Blatt noch eine Spur von Wahrheitsliebe und politische»» Anstand besäße, es eine solche niedrige Rüpelei miterlassen. Wem» sich, wie das Blatt berichtet, trotz unserer Mahnung Sozialdemo- traten in jener Versammlung eingefunden, ja sogar ai» der Diö- tussion teilgenommen haben, so ändert das selbstverständlich an unserer Stelliing zu dem Pücklerrummel nichlS. Rixdorf. Bei der heutigen Stadtverordnetenstichwahl erhielt der sozial- demokratische Kandidat 115 Stimmen, während der bürgerliche Gegner mit 183 Stimmen den Sieg davontrug. Weiftensee. Die Gcmeilldcverttetung faßte in ihrer letzten Sitzung einen für die Arbeiterschaft höchst wichtigen Beschluß. Der bisherige erste Vor- sitzende des Gewerbegerichts Dr. Pape ist mit großer Mehrheit mit dem 1. Januar 1907 seines Amtes enthoben. Seine an der ihr Recht suchenden Arbeiterschaft geübte Gerichtspraxis schien selbst den bürgerlichen Vertretern bedenklich. Zu einer heftigen Auseinander- setzuiig zivischen Dr. Pape und dem Gemeindevorsteher Dr. Woelck kam es alsdann bei Gelegenheit der Anstellung eines Ge- meindearzteS. Als Dezernent der Armeiiverwaltung wollte ersterer von der Anstellung nichts wissen, da die jetzige erste Hülfe vollauf genüge, er sehe die Anstellung eines Gemeindearztes als Hindernis für den Ausbau des Armenwesens an. Der Gemeinde« borsteher trat dieser Anickauling entgegen und betonte, daß. wenn sein jüngerer Kollege die Erfahrungen hinter sich haben würde, die er nl-Z Armendezemenl gesammelt, so würde er zu einer anderen Au- schauung kommen. Herr Dr. Pape glaubte seinem Vorgesetzten gegenüber am Schluß seiner Entgegnung den Ausspruch:„Alter schützt vor Torheit nicht!" anwenden zu müsien. Natürlich hatte hiermit die Gemütlichkeit ihr Ende erreicht und Herr Schöffe Severin verlangte die Zurücknahme dieser Worte und appellierte an das Anstandsgefühl einem Vorgesetzten gegenüber. Herr Dr. Pape empfand indes wenig Neigung, dies zu tun, er antwortete, über Anstand lasse er sich keine Vorschriften inachen, selbst nicht von einem Schöffen. Im übrigen wurde der Antrag, an Stelle der nur nebenamtlich beschäftigten Schul-, Armen- und Vertrauensärzte vom 1. April 1907 ab einen ver- heirateten Gemeindearzt mit längerer Praxis und Pensions- berechtigung anzustellen, angenommen. Das Anfangsgehalt wird auf 5000 M. bei einer dreimaligen Steigerung um je 500 M. fest- gesetzt, die Probezeit währt ein Jahr, und Privatpraxis ist aus- geschlossen.— Die Polizeisergeanten find uin Gewährung einer Teuerungszulage eingekommen, es wurde jedoch beschlossen, ihnen eine ständige Gehaltszulage von 100 M. jährlich zu bewilligen. Des weiteren wurde beschlossen, die Mietsentschädigungen der Rektoren von 510 auf 660 M., und die der Lehrer von 475 auf 525 M. zu erhöhen. Den Wohnungsgeldzuschuß der Oberlehrer der Real- schule zu erhöhen, lehnte die Gemeindevertretung ab, jedoch soll den verheirateten Oberlehrern eine Ortszulage von jährlich 140 M. gewährt werden.— Die in diesem Jahre vorgenommenen Baumanpflanzungen haben den festgesetzten Bewag im Etat um 3610 M. überschritten; die Summe wurde nachbewilllgt. Die Wahl einer Kommission zur Beschlußfassung über die Einsetzung eines Arbeilerausschusses und eventuelle Festsetzung der Bestimmungen über die Täligkeit desselben, wurde von der Tagesordnung abgesetzt, da merkwürdigerweise in letzter Stunde die Gemeindearbeiter den Anwag gestellt haben, von einem solchen Arbeiterschuß nichts wiffen zu wollen. Diese Stellungnahme der Arbeiterschaft in den Äe- meindebetriebcn steht wohl einzig da und wifft wohl auch die von einigen Genossen ausgesprochene Vermutung zu, daß sie von irgend einer Seite beeinflußt worden sind. DaS Opfer einer Lenchtgasvergiftung wurde das ISjährige Dienst- mädchen Berta Schumann, das bei dem Gärtnereibesitzer I. in dex Feldmannstraße in Weitzensee in Stellung war. Die Sch. hatte den Auftrag/ einen Kronleuchter zu putzen und drehte dabei infolge Un kenntnis der Einrichtung mehrere Gashähne auf. Durch die aus- swömenden Gase wurde das Mädchen betäubt und brach besinnungS- los zusammen. So ivurde sie bald darauf von Herrn I. aufgesunden. Ein hinzugerufener Arzt veranlaßte die Uebersührung der Erkrankten, die noch schwache Lebenszeichen von sich gab, nach dem Kranken- Hause Friedrichshain, wo die Sch. in fast hoffnungslosem Zustande daniederliegt. �riedrichshagen. Ein geheimnisvoller Todesfall beschäftigt seit gestern die Polizei- behörden von Köpenick rmd Friedrichshagen. Der Schmelzer Hermann Schulz, der in der Fabrik von Krüger u. Co., Berlin-Köpenick. be- schäftigt war. wurde gestern abend, als er zu seinen Angehörigen, die in Friedrichshagen wohnen, heimkehrte, plötzlich bewußtlos. Nach etwa einer Stunde war er tot. Der Arzt, welcher hinzugezogen worden war, stellte fest, daß der Tod durch Vergiftung herbeigeführt worden war. Bei einer Auspumpung des Magens fand er die giftigen Stoffe vor. Auf welche Weise nun das Gift dem Sch. bei- gebracht worden ist, konnte nicht festgestellt werden. Für die An- nähme, daß es Sch. selbst zu sich genommen, liegt nicht der geringste Anhalt vor. Auffällig erscheint es, daß sich Sch. gestern wie ge- wöhnlich von daheim entfernte in der Absicht, seine Arbeitsstätte aufzusuchen. Dort wurde er jedoch während des ganzen Tages nicht gesehen. Pankow. Die Gemeindevertretung bewilligte einstimmig die schon von uns erwähnte Gehaltserhöhung der Beamten und Arbeiter sowie die Ferien für die Arbeiter. Der finanzielle Effekt stellt sich auf zirka 65 000 M.. davon entfallen auf die Lehrer 33000 M.. auf die Beamten 22000 M. und auf die Gemeindearbeiter 9000 M.— Ein Ortsstatut betreffend die Gewährung von Reisekostenentschädigung an Gemeindevertreter und Beamten wird angenommen. Einem Gesuch des Gemeindekirchenrats um Erhöhung des Zuschusses zur Genieindediakonin wird stattgegeben, der Zuschuß, welcher bisher 1200 M. betrug, wird auf 2700 M. festgesetzt.— Ein hiesiger Lehrer, welchem zwei Kinder kurz hintereinander starben, äußerte das Verlangen, die Kinder in einer gemeinsamen Gruft zu beerdigen. Die Friedhofsverwaltung gab dem Verlangen nach und verlangte den Preis für zwei Grabstellen. Diese selbstverständliche Forderung weigert sich der Herr zu erfüllen, ttotzdem er dazu pekuniär sehr wohl in der Lage ist. Es ist nun von der Gemeinde die Klage erhoben worden. Gewöhnliche Sterbliche müssen bekanntlich im voraus bezahlen oder fallen der Armenverwaltung zur Last. Mahlsdorf a. d. Ostbahn. In gutbrsuchter Mitgliederversammlung des Wahlvereins referierte Genosse SpieckermaZnn über:„Die Wirkung der Zoll- gesetze". Seine Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall ent- gegenaenomnren. An Stelle des verzogenen Genossen Weiß wurde Genosse B a r t s ch zum Kandidaten der Gemeindevertretung auf- gestellt. Zu der am 2. Dezember stattgesundenen Kalenderverbreitung hatten sich nur eine ganz geringe Anzahl Genoffen eingefunden. trotzdem die Organisation bereits 130 Mitglieder am Orte zählt. Daß unter solchen Umständen es der Leitung des Wahlvereins un- möglich ist, den an sie gestellten Aufgaben gerecht zu werden, müßte namentlich den Genoffen einleuchtend sein, die zonst nur immer kritisieren können. Der Borstand ersucht deshalb die Genoffen, in Zukunft mehr als bisher bei den zu leistenden Parteiarbeiten zur Stelle zu fein. Nieder- Sch önhausen. Zu der heute nachmittag 3 Uhr vom Trauerhause in Mühlenbeck stattfindenden Beerdigung des am Freitag verunglückten Genossen Wilhelm Iben, werden die Genoffen um rege Teilnahme ersucht. Abmarsch der Nieder-Schönhauser Genossen mittags»/zZ Uhr von Bratvogel, Nordend aus. Nowawes- Neuendorf. Bon einem erfreuliche» Aufschwung berichtet die RowaweS-Neuen- dorfer Genoffenschaftsbewegung. Der Geschäftsbericht des Konsum- verein« für das abgelaufene Geschäftsjahr zeigt, daß sich die Mit- gliederzahl von 610 auf 695 in diesem Jahre gehoben hat; dem» entsprechend ist mich der Umsatz gestiegen, so daß derselbe 177584 M. im abgelaufenen Jahre gegen 154 933 M. im vorhergegangenen be- trug, mithin ist ein Mehr von 22650 M. zu verzeichnen. Der durch- schnittliche Bezug an Waren auS den Verkaufsstellen betrug pro Mit- glied 262 M. Der Umsatz bei der GroßeinkaufSgesellschast bezifferte sich auf 73 699 M.. das sind rund 50 Proz. des Gesamtumsatzes. Von der GenoffenschaftSmolkerei Lehnin find im vorigen Jahre für 30 514 M. Butter bezogen, wovon für über 10 000 M. an befteundete Vereine abgegeben wurden. Der Reingewinn beträgt 10 504 M.; es sollen laut Beschluß der am Montag stattgefundenen Generalversammlung den Mit- gliedern 6 Proz. Rückvergütung gewährt werden. wovon jedes Mitglied 1 M. an den Reservefond» zu zahlen hat. In der General- Versammlung wurden die Genossen Exner und Sabrowski als AufsichtSratsmitglieder und Genosse Fesser alS Kontroleur gewählt. Ferner wurde beschlossen, die Vorstandsmitglieder nach Ablauf ihrer Amtszeit mit vierteljährlicher Kündigung anzustellen. Räch Weih- nachten soll eine außerordentliche Generalversammlung des Konsum- Vereins einbernfen werden, der ein Antrag des Vorstandes und AufsichtSrateS auf Errichtung einer eigenen Bäckerei vorgelegt werden wird. Die Mitglieder werden deshalb ersucht. diesem Projekt das nöttge Jntereffe entgegen zu bringen, um eine baldige Verwirklichung dieses Unternehmens zu erreichen. Berliner Marktpreise. AuS dem amtlichen Bericht der städtischen Marttballen-Dtrektton.(Großhandel.) Rindfleisch la 68 73 vr. 100 Pfd., IIb 62-67, ITIb 56—61, IVa 60—55. Kalbsieilch, Doppelländer 115—125, ia 86-93, Ua 74-84, lila 60-72, Holl. 54-58. Hammelsteilch ia 70-78, IIa 54—67. Schweinefleisch 56-65. Rehwild Ja per Psd. 0,60—0,75. Ha 0,40— 0,68. Rotwild Ia 0,40—0,50, Ha 0,35-0,38, do. Kälber 0,40—0,55. Damwild 0,35—0,65, do. Kälber 0,60—0,65. Wildschweine 0,45. Frischlinge 0,00—0,00. Hasen per Stück 3,00—3,10, do. klein und IIa 1,00—2,90. Kanwchen pr. Stück 0,40— 0.90. Wildenten pr. Stück 1.40—1,50. Krickenten 0,00. Rebhühner, junge la 0,90—1,00, jung« IIa 0,00—0,00, alte 0,80, junge kleine 0,00—0.00. Hiibiier. alte per Stück 1,50—2.30. alte lla IM— 1,40. jung« per Stück 0,60—1.70. Tauben per Stück 0,30—0,60, ital. 0,75. Enten, junge per Stück 1,50-2,30, Hamburger, junge Pr. Stck. 2,90—3,10.«ante, Oderbruchcr, per Psd. 0,40—0,58, do. Ia per Stück 3,00-3,50, Aa 2,00-2,90. Hechte per 100 Psd. 86. groß 0.66. Zander mittel 0,00. Schleie 0,00, mittel 0M, steine 121—125. Bleie, steine 0,56. Aal«, groß 0,00, mittel 93— 107, Nein 0,00, uns. 0,00. PlStzen 0,00. Karpsen, 25er 0,00, do. 30er 0,00, do. lOOcr 0,00, do. 50— 60 er 64—86, 40 er 0,00. Barse 41. Karauschen 0,00. Bleifische 0,00. Weis 0,00. Bunte Fische 32—37 Amerikan. Lachs Ia neuer per 100 Psd. 110—130, do. Ha neuer 90—100, do. lila neuer 75. Seelachs 20—25. Sprotten, Kieler, Ball 0,75—1,25, Danziger, Wall 0,60—0,80. Flundern, pommersche Ia, per Schock 3—6, do. pommcrsche Ha 2— 4, Kieler, Stiege Ia 4—6. do. mittel ver Kiste 2—3, Hamb. Stiege 4—5, halbe Kiste 1,50—2. Bücklinge, per Wall Kieler 3,50—5,00, Stralsunder 4—5. Aale, groß per Psd. 1,10—1.30, mittelgroß 0.80—1,00, Nein 0,50—0.60. Heringe per Schock 4—5. Schellfische Kiste 4—5, do >/, Kiste 2—3,00. Kabliau. p. 100 Psd. 20-25. Heilbutt 0.00. Sardellen. 1902er per Anker 95, 1904er 95, l 905er 93, 1906er 73. Schottische Bollheringe 1905 0,00, iarge 40—44, füll. 36— 38, med. 35— 42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, per>/, To. 60—120. Sardinen, russ., Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schocksaß 11, steine 5—6, Riesen- 14. Hummer», steine, per Psd. 6,00. Krebse, per Schock, große 0.00, mittel 0,00, steine 0,00, unlott. 0,00. Galizier, groß 0,00, mittel 0,00. Eier, Land-, per Schock 4,00—4,60. Butt« perl« Psd. Ia 123-125. IIa 115-123. lila 110-114, absallende 95-105. Saure Gurke» Schock 3,50— 4,«, Psesfergurten 3,50—4,«. Kartoffeln ver 1« Psd. 0,«, magimm bonum 2,«— 2,10, Dabersche 2,00— 2,10, Rosen 0,00, weiße 1,75—2,00, salatkartoffeln 4,«— 6M. Spinal per 1« Pfund 6,«— 8,«. Karotten per Schockbund 2,50—3,«. Sellerie, hiesige, per schock 3,«— 5,«, do. pommcrsche 4,«— 5,«. Zwiebel» große, per lOOPsd. 3,«— 3,50. do. steine 2,«— 2,50, do. hiesige iPerl«) 0,«. Charlottcu 60—70. Petersilie, grün, Schockbund 1,25—1,50. Kohlrabi per Schock 0,50—1,«. Retlig, bayr., per Schock 2.40—4,80. Radieschen per Schockbund 0.80—1. Salat, per Schock 0.«— 0,w. do. EScarole, per Mandel 1,«— 1,50, do. Endivien 1,50—2. Mohrrüben per 1« Psd. 2,50-3,50. Teltower Rüben per l«Psd. 8-10. WeißeRüben, große 2—2,50, steine 5—6. Rote Rübenl,50— 2. Blumenkohl Holl, per Kopf 0,18-0,20, do. ttal. Kops 0,10—0,13. Wirsingkohl per Schock 3.«— 6.«. Rotkohl p. Schock 3,00—3,«. Weißkohl Schock 2,«-3,«. Rosenkohl p. 1« Psd. 15—16. Grünkohl per 1« Psd. 3-4. Schnittlauch 12 Töpfe 4-4,30. Kohl. rüben. Schock 2—3. Kürbis 5-8. Birnen, per 100 Pfd. hiesige 7—20, böhmische 8—20. Aepsel, per. 100 Psd., hiesige 3—20, Gravcnsteiner 0,«, Tiroler in Fässern 17-30, Kiste 32-80, Amerik. 17-26. Prcißel- beeren, schwedische 0.«, Gebirgs- 30—33. Wallnüsse per 1« Psd. 16—20, do. rumänische 23-30, do. franz. CovneS 29-32. Paranüsse 60—65. Haselnüsse lange 42-48, runde 32-35. Zitronen, Messina, 3« Stück 8,00-12.«, 8« Stück 7.«-10M, 200 Stück 10-12, 420 Stück steine 5—8, 500 Stück steine 5—8. ßnefftarten der Redaktion. ®i» jiirlftttche Tvrechftnnde findet Fried richftr. I«, Aufgang 4, eine Treppe(Haudelsstätte Bellcalliance, Turchgang auch Lindeostr. 101), wochentägltch Vau?>/, dt»»>/, Uhr adeud» statt. lSeösfnct? Uhr. Sonnabends beginut die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist»ia Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizusüge». Briefliche Autwort wird nicht erteil». Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Hypothek 1. Die Vollmacht müßte gerichtlich oder notariell beglaubigt sein. Der Kostenpunkt beträgt etwa 10 bis 20 M. DaS einfachste ist, Sic lasten sich von Ihrem Gläubiaer bezw. destenzAnwalt eine Urlunde zusenden und unterschreiben nachher diese Urkunde vor einem Notar oder vor dem Gericht und senden die Urkunde mit dem Beglaubigungsoermerk zurück. — A. N. IVOO. Wenden sie sich an die Gewerkschastskommission, Engel- User 15.— R. 44. Wenn Sie noch im September Ihren Verzug der Berliner steuerdeputatton angemeldet haben, so würde ein Antrag aus Niedettchlagung der angesorderten Steuer von Ersolg sein.— G. H. 50. DaS ist zulässig. Gewöhnlich geschieht es in der Form einer Erhöhung der an den Ehemann gezahlten Unterstützung.— R. H. 100. Nein, nur eine und zwar die höhere Rente wird gezahlt.— Kiel. Wenn Ihre Braut jünger als 21 Jahre ist, bedürjen Sie der Erlaubnis des VaterS oder, wenn dieser gestorben ist. der Mutter Ihrer Braut. Ist Ihre Braut üller, so bedarf es leiner Genehmigung. Bezüglich der Anzeige folgen Sie am besten dem Wnnsch Ihrer Braut.— Z. M. 1000. Rein. —ren mit Lbstvlisr... von 1,45 an ttiekol-liomonIoir-Uin-en, 30 Sw-IVeii von 2,65 an Echt silberne Rernontoir-Uhren.. von 6,50 an Echt silb. Rernontoir-Uhren, 6 Rubis von 7,— an Echt gold.Oamenhal«k.m.Schieb.,i30cml.v. 11,50 an Echt goldene Ringe....... von 0,90 an Versand gegen Nachnahme oder vorherige Einsendung dos Betrages. Risiko ausgeschlossen. da bei Nichtgefall. Geld retour. Julius Busse BERLIN C. 13 Grfinstr. H/4 0. und Leipzifferfttr. 77. DlM- Reich illustrierter Katalog-WG über alle Arten von Uhren, Kotten, Gold-, nrafjn Silber-, Nickel- u. Bronzewaren, optischen yiflll» Instrum., photograph. Apparat., Musikwerk,,.. franbn Leder- u.Stfthlw..Uhronfourn. u. Werkzeugen 0» llallnu Kaffeeservice, vernickelt, 4tlg., 1 L. von 6,50 an Brotkörbe........... von 0,45 an Tafelaufsitze versilbert..... von 2,50 an Pholographische Apparate mit 6 maliger Plattenwechselung..... von 4,50 an Operngläser mit Etui...... von 3,40 an Wirklich billige und anerkannt reelle Bezugsquelle für Wiederverkäufer, Uhrmacher und Händler. Uhren aller Art. Bronzowaren. Photograph. Apparate. Staatspreise. Goldene Medaillen. Ehrenpreise. BERLIN SO. CARL ZOBEL BERLIN SO. Köpenickerstr. 121, Eckhaus. Köpenickerstr. 121, Eckhaus. Beste Herreiia und KnabeneQarderoben der Gegenwart. � Alle Größen, auch für korpulente Herren, in reichster Auswahl vorrätig. Für jedes bei mir gekaufte Kleidungsstück übernehme ich volle Garantie. Feste Prelae. Werkstätten im Hause- Ankleidezimmer in jeder Abteilung. Groflea Stolflager für UlaBnrbelt. Der gute_Rnf_meiner_Firma_bürgt jür_gggjssenhafte und billige Bedienung. Besichtigung ohne Kaufzwang gestattet- Vor Weihnachten Ziehung 14. und 15. Dezember. Keine Ziehungs-Verlegung. 1. Breslauer SfiX Lose a 1 m. liz Rrr5oooo»i.siooooÄ Lotterie Lotteriebank R. Arndt, Breslau V.■»»«»- empfiehlt and versendet Em. Eeyer Jr., Stralauerstr. 64. FmI Steinberg A Co., Bosenthalorstr. 11-12. Friedrichstr. 89b. Croner 4k Co., Passage. Knrl Gebrle, Brnnnenstr. 168. zu haben bei H. C. Kröger, Friedrictistr. 250. 8c�,!r,?r*U',®jrer' Friedrichstr. 149. A. Silbermann. Friedrichstr. 153. E. Lnnfe, Potsdamers tr. 131. Ans* Keller, Molkenraarkt 14. S. Sllbermann, 3W9L* Oerontooitl, Redakteur: Carl gSeimuty, BerUn-Rixdorf. Für den Aaleratenteil veraiUw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Perlag: BottvärtH Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 284. 23. IlchrglMg. tilfio.c kö Jitmäits" Kkllim NcksblR Douuelstilg, K. Dezember IM. �US Inäustrie unä r>anäel. Dir Rombacher. Die Rombacher Hütte, di� im Vorjahre 12 Proz. Dividende tertc lte, scbüttet für das letzte Jahr 14 Proz, aus. Bei K716 Bc- schäßiqten(Beamte und Arbeiter) stellt sich der Bruttogewinn auf 7325 566 M.— im Vorjahre 5 810 875 M.— der Reingewinn auf 4 82 575 M,— 3 808 278 M.— und die Gesamtsumme der gezahlten Löhie und Gehälter auf 9 924 988 M. Es entfällt inithin auf den Äap der Beschäftigten: Lohn respckiive Gehalt 1477 M,, Brutto- gewnn 1090 M., Reingewinn 718 M.!! Nimmt man als Jahres- lohu für den Arbeiter 1300 M, au, dann mutz für jede Mark Lohn ein Bruttogewinn von 84 Pf. und ein Neingewinn von bbx!x Pf. erarkitet werden. Rechnet man noch die ObligationS- und Anleihe- zinsei hinzu, dann kommt auf den Kopf der Arbeiter gerade so viel Tribu an das Kapital» wie an Lohn. Eine schöne Harmonie der Jnterssen._ Lebensmittelpreise im November. Ii allen Marktorten steht der Roggenpreis gegenwärtig unter dem tktoberpreis und dem Noveniberpreis 1905: dadurch ist auch die Sannung, die noch im Oktober gegenüber dem Jahre 1904 vor- handa war. bedeutend herabgemindert worden. Eine Tonne Roggen kostet nämlich im November der letzten drei Jahre: 143 resp. 167 resp. 59 M. tie Abwärtsbewegung am Schweinemarkt hatte schon im Oktodr eingesetzt; da indes im Laufe des Jahres schon verschiedent- lich vrübergeheude Rückgänge stattgefunden hatten, die bald durch eine lmso stärkere Steigerung wieder abgelöst wurden, hatte man noch ücht recht an eine durchgreifende Verbillignng geglaubt. h den wichtigeren Märkten kosteten 50 Kilogramm Schweine Lebengewicht in Mark 1904 1905 1906 Serlin..... 47—55 68—73 51—60 Breslau.... 50—60 66—73 51—59 Hamburg.... 46— 56 70—74 55—63 Frankfurt a. M.. 52—60 7t— 79 55—68 Stuttgart.... 50—65 10—79 62—72 Köln a. Rh.... 47—56 62—76 56—65 I einigen großen Städten zeigt der Schweinefleifchprcis im Monat Noveiber der letzten Jahre folgende Bewegung. Die billigste Sorte Schttinefleisch kostete pro Kilogramm in Mark in 1904 1905 1906 Berlin.... 1,20 1,60 1,50 Danzig... 1,20 1,50 1,40 Dresden... 1,40 1,00 1,60 Chemnitz... 1,20 1,70 1,60 Leipzig.... 1,20 1,60 1,50 Stuttgart... 1,40 1,70 1,70 » München... 1,34 1,68 1,72 tri den anderen Viebsorten haben die Preise im November allenngs eine weitere Erhöhung erfahren. Von wichtigen Nahrungs- mitln sind noch Butter, Eier und Kartoffeln zu nennen. Während Butr etwas billiger wurde, so datz sie auch gegenüber dem Vor- jafy eine Abnahme auflveist, erfuhr der Eierprcis im November eimStcigerung. Von 3,20—5,20 M. pro Schock Ende Oktober ging der Preis auf 3,40—5,60 M. Ende November hinauf. Kartoffeln bliem gegen Oktober im Preise stabil. Schlecht bekommen ist der Russischen Eisenindustrie-Aktiengcsell schaft in Berlin die zarische Kulturarbeit, der sich die Arbeiter durch Streiks usw. widersetzten. Der Reingewinn der beiden russischen Werke, der im Vorjahre 231 769 M. betrug, beläuft sich für das letzte Jahr auf nur 55 592 M. Eine Dividende kommt diesmal nicht heraus. Der Ausschuß des Deutsche» HandelStages nahm in seiner am 3. und 4. Dezember stattgefundenen Sitzung erneut Stellung zur Frage der Fleischteuerung. Folgende Resolution, deren Annahme erfolgte, gibt der Meinung der Korperschaft Ausdruck: „Der Ausschuß des Deutschen Handelstages spricht sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß die in seiner Sitzung vom 30. November 1903 aufgestellten Forderungen zur Abhülfe der Fleisch teuerung nicht erfüllt worden sind. Unbeirrt durch vorübergehendePreis ermäßigungen für einzelne Viehgattungen, welche bei Fortdauer der künstlichen Absperrungsmittel unter demEinfluß der wechselndcnFutter mittelcrnten stets wieder von Perioden bedrohlicher Preissteigerung abgelöst werden, erklärt der Ausschuß sich nach wie vor dafür, datz die Einfuhr von Vieh und Fleisch erleichtert werde und ist der Ansicht, daß zu diesem Zwecke auch die Herabsetzung der über mäßig gesteigerten Zölle auf Vieh und Fleisch zu"fordern ist." Plutzer einer Reihe weiterer Allgelegenheiten, wurde auch ein Mißstand iin Kleinhandel mit Briketts erörtert und dazu folgende Entschließung angenommen: Hinsichtlich der im Verkehr mit Briketts bestehenden Mißstände beschloß der Ausschuß(Berichterstatter Kaempfert- Halberstadt), bei den Jitteressenteil der Kohlenproduttion und des Kohlenhandels dahin zu wirken, daß der Kohlenverkauf nach Ge- wicht auch im Kleinhandel eingeführt werde. In der Erloartung, daß diese Bemühungen von Erfolg sein würden, verzichtet der Ausschuß einstweilen darauf, für eine gesetzliche Regelung der An- gelegenheit einzutreten. Deutschland ein Industrieland? Eine kaum glaubliche Nachricht kommt aus Dortmund, nämlich die. Der Ausschuß für den Wieder- aufbau der Burg Altena anläßlich der dreihlindertjährigen Zugehörigkeit der Grafschaft Mark zur Krone Preußens verwarf die Anregung des Professors Ehrenbcrg und Genossen, anstatt des Schloßbaues eine technische Hochschule in Westfalen zu errichten. Der Ausbau soll 600 000 Mark kosten. Man hält also die Erinnerung an die Zeit der Buschklepperei für notwendiger, als die Errichtung von technischen Schulen, denen wir nach verschiedenen Zeugnissen zu nicht geringem Teil die Erfolge auf dem Weltmarkt mit zu verdanken haben. Sehr lvtniderbar muß es berühren, loenn man hört, datz der General- direktor deö Bochumer Vereins, Kommerzienrat Baare erklärte, die Industrie habe eine neue technische Hochschule nicht nötig.— Herr Baare hätte gleich beantragen sollen, in der Burg eine Propaganda- anstalt zur Wiederbelebung feudaler Einrichtungen zu etablieren. Kohlenverforgnug einiger Großstädte. In der Zeit von Januar bis einschließlich Oktober stellt sich die Versorgung mit Kohlen— Zufuhr abzüglich Versand—: Steinkohlen u. Koks Braunkohlen Summa in Tonnen 2 854 382 1 447 117 4 301 499 525 147 119 573 644 725 ... 244 628 99 855 344 483 ... 304 715 595 731 900 446 ... 317 021 1039 779 1 356 800 Verbrauch Berlins ist in der Hauptsache auf die starken Ansprüche durch Industrie und Schiffahrt zurückzuführen. Fast ausschließlich dienen diesen Zwecken Steinkohlen und der ein- geführte Koks. Die auch nur zum Teil Hausbrandzwecken dienende Braunkohle macht nur 1I3 der Gesamtversorgung von Groß-Berlin aus. Für Berlin u. Vororte „ München... „ Nürnberg... „ Dresden... ., Leipzig.... Der große Zum Panama Gurko-Lidval. Die„Neue Wremja", die bis jetzt ein bescheidenes Stillschweigen über die Machenschaften des Ministcrgehülfen Gurlo bewahrt hat, nunmehr aber zu der Einsicht gekommen ist, daß der Held sein Spiel verloren hat und es daher für praktisch hielt, ins Lager der Ankläger überzugehen, bringt in ihrer letzten Nummer interessante Angaben über die„Kreditfähig- keit" der Firma Lidval, die von Gurko 800 000 Rubel erhalten hat. Es stellt sich heraus, daß die Firma Lidval gar keine Immobilien besitzt. Das Haus in Petersburg, das auf 2 Millionen Rubel ein- geschätzt wird, gehört der Mutter Lidvals, ist verpfändet und befindet sich unter Gerichtsvcrbot. Mehrere Forderungen sind bereits gegen die Firma Lidval beim Gericht eingereicht worden; die ihr gehören- den Waren sind vom Gericht in Beschlag genommen. Wie vorteil- hast für den Fiskus die Bedingungen der Firma Lidval sind, kann man daraus ersehen, daß der Firma Lidval das Getreide a 85 Kop. pro Pud übergeben ist, die Tulaer Semstwo aber ä 77 Kop. pro Pud eingekauft hat!— Vorbereitungen zur Anleihe. Aus Paris wird dem„Rußkoje Slowo" telegraphiert:„Nach aus Petersburg eingetroffenen Meldungen wird dieser Tage der Minister der auswärtigen Angelegenheiten den ausländischen Ge- sandten und Botschaftern eine für die beterffenden Regierungen be- stimmte Note zukommen lassen, worin die Erklärung enthalten sein wird, daß die Revolution völlig unterdrückt sei. Die russische Re- gierung hofft, daß eine solche Note eine beruhigende Wirkung aus- üben und den Abschluß der Anleihe erleichtern werde. Zwecks Vor- bereitung des Bodens zum Abschluß dieser Anleihe wird ein offizieller Agent der russischen Regierung in Paris eintreffen."— Der Pariser Korrespondent des„Towarisch" teilt interessante Einzelheiten mit über die in der französischen Deputiertcnkammer bevorstehende Interpellation des Sozialisten Meslier über die Vor- bereitung der russischen Anleihe. Mit Ausnahme der„Humanite" übergeht die ganze französische Presse diese Interpellation mit Still- schweigen. Dennoch herrscht hinter den Kulissen eine schreckliche Aufregung, besonders in den Rcgicrungs- und Finanzkreisen. Alle möglichen Anstrengungen werden gemacht, uni Meslier von der Interpellation abzubringen. Man weist ihn darauf hin, daß er seine ganze Karriere vernichten und nichts erreichen werde. Meslier erhält eine Masse Drohbriefe im Stil des„Verband der echt russischen Leute". Dessenungeachtet bleibt Meslier fest bei seinem Entschluß, das Ministerium zur Beantwortung seiner Interpellation zu zwingen. Er hat ein reiches Material gesammelt, das die jeg- licher Kontrolle bare und inonopole Eigenmächtigkeit des aus fünf bekannten sehr großen Bankhäusern bestehenden Konsortiums bloß- legt. Meslier wird die Frage vom nationalen Standpunkt be- handeln und den Nachweis führen, daß Frankreich, indem es die Möglichkeit verliert, die zu unumgänglichen öffentlichen und staat- lichen Arbeiten(Eisenbahnen, Kanäle usw.) erforderlichen Summen aufzuwenden, sich in einen Weltwuchcrer verwandelt. Durch die russischen Anleihen bringen diese Bankhäuser um ihrer unsauberen Vorteile willen den Nationalreichtum in eine Lage, mit der der- glichen selbst Panama ein Kinderspiel erscheinen wird. In Frank- reich sind russische Papiere im Werte von 19'ch Milliarden untergebracht, und die russische Regierung mutz, um die fälligen Zinsen aufzubringen, zu neuen Anleihen ihre Zuflucht nehmen, und das muß schließlich zu einem endgültigen Krach führen. Bei der Ver- anstaltung seiner Enquete stieß Meslier auf die sehr interessante Tatsache der Bestechung der französischen Presse durch die russischen Agenten. Jaures ist der einzige„Zeitungsdirektor", der sich allen Bcstcchungsvcrsuchen für die Finanz-Publicite gegenüber un° zugänglich erwiesen hat. Wsemö Lodenstoffe mit molligen Futterarten, Praktische Fassons mit doppeltem, breitem BrustOberschlag. Nur eigene Erzeugnisse! 24.-. 21.-, 18.-, 15.- ISeo, 12,—, 10.—, 7.50 Pelz-Jsppgn Starke Stoffe, durchweg mit Pelzfutter 45.-, 36.-, 27.-, 21.- 15.— Mk. Vornehme Mass- Anfertigung» Eerren-Büte 2wei hervorragend billige Sonder- Angebote in steifen und weichen neuen Formen 2.90, 1.90 Mk. Singer Nähmaschinen. Einfache Hnndhnbiiug! 29462» Große Haltbarkeit k Hohe Arbeitsleistung: Wellausetellung n«*an/l DeS-v Weltausstellung Paris 1900: ViFdllU fFIA st. Louis 1904. »»entgeltlicher»nterricht, mich in moderner Knnftttickerei. Elettromotore für Nähmaschinenbetrieb. Singer Co. Mkmasckinen Hct.Geö. Berlin W., Lelpzigerstr. 92. Filialen in allen Stadtteilen Das Unwesen, das die T�eervorkAnfer an den internationalen Pro« duktenböraen treiben, führt direkt zum lieben« anittel- maucrel, zu enormen Preissteigrernnfirene zur Hung-er«« not, zum Kürsen- und Wirt«cliaft«krach, zur Revolution. Wor sich für diese �efälirlichen Torerftn�e im Wirtschaftsleben interessiert, verlange Proestlers Broschüre: „Ra* Wirtschnftsbild der Gegenwart und der Zu- fcunft44."Vollständige Ausgrabe in besserer Ausstattung M. 2.—, Teil- und"VolkNau8g:abc 60 Pfg. Zu beziehen durch alle lUichliandlnngren(Komm. Otto Weber, T-elpxigr), woselbst auch Prospekte und Zirkulare umsonst abgegeben werden, ausserdem sind solche direkt vom Herausgeber der Broschüre. Kaufmann Michael Proestlor in Würeburg, portofrei zu beziehen. Teppiche mit wenig sichtbar. Farbenfehlern Gardinen, Steppdecken �uig Portleren. Tischdecken reich bestickt Mk. 1,75. Louis Qordan, 6ramenstr.42(Oranienplatz). Teilnehmer an einem englischen Zirkel werden gesucht: wöchcnllich zwei Stunden, monatlich 3 Mark. 30192" Fr°u G. Swienty-Liebknecht, Schöneberg, Sedanstraße 57, Iii. Empfehle allen Freunden und Bekannten zum bevorstehenden tVclhnachtafei.t mein• Glas-, Porzellan-, Steingut-, Nippes-, Lampen- uon Emaillewaren-Gesehäft sowie Httmtllchc Küchen-Artf* Hugust JVIicUrt, S teppdecken Sjxzialbaue Emil Lefevre, Berlin Süd. Seit 1882 nur Oranienstr. 158 �nirgends Filialen! ! Gelegenheitskauf!! ScuTÄenlslW« 1 sowie Httmtilchc KUchen-Arttkcl zu den billigsten Preisen. Petersbnreerstr. 41 bei der Landsberger Allee. .71 Spezialhaus grOssten Massstabee Chausseestrasse 24*125• 11 BrQckenstrasse U Gr. Frankfurterstr. 20. Der Haupl-Katcilog Nr. 30(neueste Wintermoden) wird auf Wunsch hostenlos zugesandt. ®ct Dänische Kapitän-Kautabak ist vom Patentamt gesetzlich geschützt, es ist baher strafbar, andere Pabake unter dein Namen „Kapltiln-Knatebak" zn verabfolgen. Man achte genau aus den in jedem Stück befindlichen Zettel mit der Ausschttst: 31632» Dilnlscher Kapltün-Kantabak(ges. gesch. 75658). ©cn.'Sertr.: C. Bäcker, LorlinO., GrünerWeg 112. Amt?, 3861. I Zu habtll in den«triflkn ZignmngtsrMtit. genr dick S.ÄII- Weihnaehts- Eitraliste und Katalog enorm billiger Goschenkartikel (600 Abbild.) gratis und franko. -- 31051," Extra billig! Ein Rlesenposten reiehgestickte Pliischdeeken Webfehlern! kleinen (Haben Sie Stoff?- A ich firtige down Anzug od. Paletot I noch Mast, schick, demerh. Zutaten, von20 Mark an. Moritz Labaad, I Oranienburger Strasse 4, /■ J �Hygienische seaarnaniuei..NeuoRt. Katalog Ca. Empfohl.viei Aorzie u.Prof. grat. uujf H. Oactr, Gurnrnivaroiliferüi Berlle MW. Friedrichs tnnse 81/98. Kür heu Inhalt her Inserate iiberniiiiint hie Nehaktion hei» ivublitni» gegenüber keinerlei Zjeraiillvortung. Zhcatcr, DonnerSlag, den 6. Dezember Ansang T'/j Uhr. QPernhanS. Der Freischütz. Schauspielhaus. Das Glashaus. Deutsches. Der Kansmann von Venedig. Westen. Der Schmetterling. Lorhins. Die Regimentstochter. Ansang 8 Uhr. Schiller O.< Wallner-Thealer.) Doppelselbstmord. Schiller(Friedrich Wilhelm städtisches Theater). Mathias Gollinger. Neues Schauspielhaus. Die Hochzeitssackel. Kleines. Ein idealer Gatte. Lessing. Der heimliche König. Nerliner. Liielott. Neues. Die Enndottieri. Koniische Oper. Die Bohöme. Residenz. Triplepatte. Zentral. Tausend und eine Nacht. Lnftspielhaus. Huiarensieber. Deutsch- Amerikanisches. Im wilden Westen. Herr Hauptmann v. Köpenick. Thalia. Eine lustige Doppelehe. Luisen. DeZ Meeres und der Liebe Wellen. Bernhard Rose früher Carl Weift. Die neue Welt. Trianon. Der Hausfreund. Walhalla. Spezialitäten. Sipollo. Spezialitäten. SRelropol. Der Teufel lacht dazu. Kasino. Die beiden Champignol. Spezialitäten. Kolies Capriee. Debüt Fleisch- mann. Passage. Spezialitäten. RetchsHalleu. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitüten. Urania. Tandenitraiie 48/49. Im Theater abends 3 Uhr: Sizilien. Im Hörsaal ö Uhr: Der Stamm der Würmer. 8 Uhr: Staatenbildung bei niederen Tieren. Tternuiarte, Jnvalidenstr. 67/62. If'crdinnntl Bonus Berliner Theater. Gastspiel Lucie Vierna. Liselott. Freitag Gastspiel Lucte Vierna: l.i»siotl. Ikeglöl lies Westens Station Zoolog. Garten, Kantstr. 12. Abends 7'/, Uhr: Der Schmetterling. Fritz Werger a. G. Freitag 71/. Uhr: Der Sehrnetter- ling. Fritz Werner a. G._ Urania Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater QS�SISon abends 8 Uhr: OlAlliCll Im Hörsaal 6 Uhr: Der Stamm der Würmer. 8 Uhr: Staatenbildung bei niederen Tieren, Lustspielhaus. Täglich 8 Uhr: Husarenfieber. Zentral-Theater. (Operette.) Heute abend 8 Uhr: Tllusktld und knie lldjt. Operette in 3 Akten v. Johann Strautz. Freitag: 1991 Nacht. Sonnabend S'l, Uhr: Ichnee- wittchen. 8 Uhr: Bogelhändler. Heues 8c>isnsi>ie»ie>is Donnerstag, den 6. Dezember: Die Hechzeilsslilliel. 'Ansang 8 Uhr. Morgen: Die Hachlkitsfalkrl. Neues Thesler. Ansang 8 Uhr. llie (Freitag und folgende Tage: DI« vondottlert. Kleines Theater. Zum 131. Male: Ein idealer Gatte. Ansang 8 Uhr. Freitag: Die Feinde. Sonnabend: Ein idealer Gatte. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Ein idealer Gatte. Komische Oper. Heute abend 8 Uhr: Die Boheme. Freitag: Carmen. Sonnabend: Lakmö. Sonntag nachmitt.: Carmen. Abends: Hoffmanns Erzählungen. Montag: Figaros Hochzeit. LortzingTheater. Bellcaiiiancestr. 7/8. Donnerstag, den 6. Dezember, abends Vl2 Uhr: Die Regimentstoeliier. Abonnements gültig. afsenschmied. Freitag: Der Was!__ Bernhard Rose-flieatep Große Franksurterstr. 132. Iß Die neue Welt. Sonnabend nachm.: Kar und Morifz. Sonntag nachm.; Der GISekner von Notre Dame. Montag: Ausgewiesen. Dienstag: Das Kllthchen v. Heilbronn. V. Hoacks Theater. Dlreltion i Ilod. Dill. Brunnenstr. 16. venestz für den Kapellmeister «rltW Kiefer. Zum ersten Male: Im Edelgrund und tiefen Wald oder: Das Bnschlis'I. «ollSstück mit Gesang in 4 Akten, Anlang 8 Uhr. Entree 39 W Ball. l-iiissn-Iiieates Reichenbergerstr. 31. Gastspiel von Frau Arndt-Lorenz vom kgl. Schauspielhause zu Berlin. Zum ersten Male: Des Meeres ued der Liebe Weilen. Trauerspiel in 5 Auszügen von Franz Grillparzer. Ansang 8 Uhr. Morgen: Flotte Weiber. Sonnab. 4 Uhr: Kindervorstellung: Frau Helle. Abends: Flotte Weiber. Rkßdkiij-Theiiltr. Direktion Richard Alexander. Heute Donnerstag Ansang 8 Uhr: Iriplepsttai Vicomte Robert de Houdan: Richard Alexander. Freitag, 7. Dezember, zun: ersten- nial: Zum Besten der Verunglückten in Annen und Witten: Florette und Patapon. Schwank in 3 Akten von M. Hennequin u. Pierre Veber. Sonntagnachm. 3 Uhr: Eine Hoch- zeitsnacht. GeutseHnierikaiiiselies Mr. Zum 108. Male: „Im wilden Westen" und der große Lacherfolg ferr Hauptmann v. Köpenick. Sonntagnachm. 3 Uhr, halbe Pr.; Peber'n groOcn Teich. Metropol-Thealer 11 Große Jahresrevue in 7 Bildem von Julius Freund. Musik von Viktor HoUaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender, Joseph!. Anf. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Sonntag, 9. Dez., nachm. 3 Uhr: ErmäBigte Preise Auf in s Metropol. Die neueste Attraktion des Variötös: ÄthBeiik-IClub. Musik von Julius EinödShoser. 39 Damen! 39 Damen l Barra-Druppe, Burlesk-Zirkus mufik. kam. Akt. von Paul Lander. Dazu 8 erstklassige Spezialitäten und Berlin im OmnibnS. SIslH-Ilissler Moabit Alt-Moabit 47/49. Gastspiel Bernliard Rose-Theater. Das Käthchen von Heilbronn. Historisches Schauspiel in fünf Akten. Knssenerössnunä 7 Uhr..Ans. 8 Uhr. Billctlvorverkaus bei Krüger AOber- beck, Turm- u. Beusselstrahen-Ecke sowie im Restaurant d.Stadt-TheaterS. Folies Gaprica| Linienstr. 132 Ecke FriedrfchstraBe. Dir. Felix Berg. ■ Hente: i [Debüt FleisehmannlJ �Anfang 8 Uhr. Vorverkauf von' 10— 2 Uhr u. b. Wertheim. Passage-Theater. Täglich abendS Uhr: iterlin palt* anf! I Burleske in 2 Akten v. Leop. Elh. Musik von Nudols Nelson. In den Hauptrollen: ioseline 1 Dora, Paulelte van Roy, Georg Kaiser, Martin Bendi*. Außerdem: Die glänzenden I Dezember-Spezialitäten. FWWWWWWWWWWW Schiller- Schiller-Theater D.(Wallner-Theater). Donnerstag, abend§8Uhr: Doppelselb stmord. Bauernposse in 4 Akten von Ludwig Anzengruber. Freitag, abends 8 Uhr: Der Doeittoor1«t. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Hoffnnng anf Segen. Theater. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh.TH.) Donnerstag, abendSLUHr: Zlertbi»» tiollingei-. Lustspiel in 4 Auszügen von OSkar Blumenthal und Max Bernstein. Freitag, abends 3 Uhr: Die rote Robe. Sonnabend, abendS 8 U h r: Donna Diana. Buggenhagen Rorltzplatz. Donnerstag, d. 6. Dez.: Gustav Gottsclialk5 Benefiz und »all. Palasl- Theater. Prater- Theater. BurgstraBe 24. Kastanien- Allee 7/9. I�assen-Vorstellungen — von erstklassigen Spezialitäten vom 1. bis 31. Dezember 1906— arrangiert von der 183/13* Internationalen Artisten-lioge. E. T. Berlin. Anfang der Vorstellungen: Sonntags lll3 Uhr, weshenfc 8 Uhr. Zirkus Sciiumann Heute Donnerstag, den 6. d.M., abendS präz. 7»/, Uhr: Eilt«- Arbend. Gala-Programm. U. a.: Die jugendliche Schulreiterin Frl. Dora Schumann. m K. Kill? genannt das Phänomen. Ferner: Zum erstenmal in Europa: Moki-Indianer-Truppe Unter anderem"WWi Der Adlertanz, Schlangen- tänze usw. err Dono mit seinen 12 Araber- engsten. Dir. Alb. Schumanns neue und moderne Dressuren. Um 10 Uhr: Die grolle Ausstattungs- Pantomime: Ein Tag in Monte Barlo. � V Vorletzte Woche! und das neue Spezialit.-Programm. «WMM ITarlele�Thöäfer Weinbergsweg 19/20 Am Rosenthaler Tor. EineNtmete-Ntirsttilung tinzig in iljrrt Art. 60 Internationale Artisten 90. Unter anderem: Die 12 Akrobaten Lorch in ihren phänomenalen ikarischen Spielen mit 3 Ponys und Eseln. Ansang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Zirkus Busch. Heute abend 71/, Uhr: Um'/.SUhr: Wiederauftreten 1 des Dompteur Herrn Will/ Peters mit seiner großen Tiger- ii. Lömugruppe.! Um 9'/« Uhr: Zum 20. Male: 1 DH/Vl®r- Origin.- Ausst- IV v/m. Pantom. in 7 Bild. Bes. hervorzuh.: Radium-Ballett. Die großen Kampfspiele i. Zirkus I Caligula. Die Todessahrt über 1 die zersprengte Brücke. Phant. j Allegorie in seenhasten Licht- und Wasserspielen. Rssino-Thvstvr1 Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr: Corradini Berlins Liebling. Barelkow X Eilmann Duo. Dazu: Grofter Lacherfolg. Die beide» Chiimpignol. Sonntag 4 Uhr: Singvögelchen usw. Shrachtsäle des Westens Spichcrnstr. 3. Carl Stechert. Heute Theater-Aufsübrung. Zugenä. Schauspiel von Max Hawe. Anf. S'/j Uhr. Entree 40 Ps. Nach'der Vorstellung:. Eaniilieniiriinxeben vustsv RedrellZ Idester, Derlin O., Frankfurter Allee 85. Das vollständig neue"WG Nezember-Programui. Unn(Der Hauptmann v. KSpenickllQ.. s . großer Lachersolg. nBU. 32 Nummern. Ansang VI, Uhr. Sonntags S'/j Uhr. Fröbeis Allerlei-Theater Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag und Donnerstag: Konzert, Tbeater, Spezialitäteo. Stets erstklassige Riesenspielsolge. Nach der Vorstellung: Vir. Tanz. Tanzleitung: B. Sachse. Ans. Sonntag 5, Donnerstag 8 Uhr. Sanssouci, SV/ Direktion Wilhelm Reimer Jeden Sonntag, Montag, Donnerstag: Hoflinann« und Tanzkränzchen. I Stürmischer Beifall! Landwehrmanns Weihnachten. Sonntag Beginn 5, Wochentags 8 Uhr. Dienstag, 11. Dez.: Dheater-Zlbend. Der Leiermann und sein Pflegekind. Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr Der HanSfrennd. Sonntagnachm.: Ihr zweiter Mann. ReieltthaUen- Theater. Stettiner Sänger Anfang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. •olossenm Drondenerotr. 07. g®- Das urkomische Dezeinber-Procrainn«. Neu! Im Konzertsaal: Neu l D' SNondscheinbrnder. Beste Wiener Schrammeln und sechs erstklassige Gesangskräste. Nelt-MIIuiiiß- Biograph-csi. louis) Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Verbindung mit größter Films- Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. ♦ Den ganzen Tag Vorstellung. ♦ Otto Pritzkow, Ißzstr. IS. Album- und Lederwaren-Fabrik Oskar Gundan Oranienstr. 30 M£Xr. Vir. Lager aller Arten Eeder- waren und Schinnckoachcn zu billigen Preisen. 3182L* III Wurst III Landzwicbelleberwurst Pfd. 0,60 Braunschw. Kalbslebcrwurst„ 1,— Thüringer Rotwurst, 0,55 Westfälische Mettwurst„ 0,75 Pommcrsche Schlackwurst, 1,15 Holstein. Schlackw., Dauerw.. 1,35 Delik.-Schinlen i. g.(2-3 Psd.)„ 1,30 SchinkcnIpeck,ii.St. l'/,-2Psd.„ 1,10 westfälischer:/ ganz mager„ 1,25 Pommersche Gänsebrüste la„ 1,50 Landspeck hles. Schlacht., seit, 0,80 Jolr. Slriepling, KSS".™. KUpcnlckerntr. 159/51. 2. Invalidenstr. 147(Bergstr.). 3. Brunnenstr. 106(Zioj Tor). 4. Friedrich- stralle 21(a. d. Halle). 5. Kottbuser- Damm 43(Hermannplatz). „Armin-Hallen" Kommandantenstr. 20. Der große und der kleine Saal sind noch an einigen Sonnabenbc», Sonntagen und AÜllttttT frei. Freie Volksbühne Huffloristisclies Winterfest großer historischer Kostümball 230/8 Von Jena bis Köpenick Festzug X Originaltänze X Solovorträge X Einakter. Die Festteilnehmer werden gebeten, in einem originellen, den verschiedenen denkwürdigen Zeitabschnitten des Jahrhunderts entsprechenden Kostüme zu erscheinen. ■ Fesfmarken und Gastkarten vom 15. Dezember ab in allen Zahlstellen. Neues Schauspielhaus. 6./7. Abteilung Der Sturm. Sonntag, den O. Dezember, Berliner Theater. 13./I4. Abteilung: Ora et labora Abrechnung. und 5. Serie: Sonntag, 30. Dezember: Bernhard Shaw Die Käuser des tferrn Sartorius. Komödie in 3 Aufzügen. 4. Serie: Sonntag, 16. Dezember: Serlbe Das Glas Wasser. Lustspiel in S Aufzügen. 20. Knnstabend im Bathaas, Freitag, den 4. Januar, 8'/, Uhr: Bierbaum- Liliencron. Unserem Mitglicde Genossen Albert Eochman» liebst Gattin zu ihrem üöjäbrigcn Ehejubiläum die besten Glück- wünsche zum heutigen Tage. Möge es ihnen noch lange vergönnt sein, in unserer Milte zu verweilen. Dies wünschen die Genosien der Möbelfabrik»Hoffnung". Zentral-Verband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Am 2. Dezember verstarb iich kurzen: Krankenlager im Zlicr von 33 Jahren unser Kollege Max Mohns. Ehre seinem Anoenkerk Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. Dezcnber, nachmittags S'l. Uhr, von der Leichenhalle des Kreuz-Kirchbscs, Mariendors, aus statt. 211/17 Ter Borsta». Berlins nnd ömgegenc Hiermit zur Nachricht, daßdas BnndeSmitglied Heinrich Kernhöh aus dem Klub«Blauer Dachs" am 4. Dezember verstorben t. Ehre seinem Andenke' k Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. Dezember, nachmittags 2'/, Uhr, vom Kraken- bause Moabit nach dem icuen Nazareth-Kirchhoj in Reiicken- dorj-West statt. 298/3 Der Vorstaid. Will tUßm. (Filiale Berlin.) Am Sonntag, den 2. DezeSer, verstarb unser Mitglied Oskar Lars». Ehre seinem Andenket! Die Beerdigung findet am I Freitag, den 7. Dezember, ich- mittags 3 Uhr, auf dem Emmes- Klrchhpse in Rixdors, Hermen- s straße, statt. Zahlreiche Beteiligung erwact ! 179/11 Die Ortsvenvaltuz. Gestern früh 7 Uhr cntsäes I sonst nach schweren Leiden rin I lieber Mann, der Dachdecker Robert Schulte im Alter von. 50 Jahren. Dies zeigt tiesbetrübt an>ie trauernde Gattin Elise Schnlfte, geb. Kein, Lübcckerstr. 20. Die Beerdigung findet Frag nachmittag 3 Uhr von der Hle des neuen St. Johannis-Kirch ss (Jungscrnhcide) aus statt. 1b DunKsuxunx. Für die herzliche Teilnahme bsem Begräbnis meiner lieben Frawem Meister Pribbnom und Kollegen, llen Verwandten und Bekannten mien innigsten Dank. k4b Herrmann Strietzel und Töcbr. Dr. Simtnel, sim," Sp-zialarzl für 35 Haut- and llarnlcidei 10— 2,6— 7. Sonntags 10— 12, 34. Offeriere in nur frischer Ware: Kissen große schwere für nur... M. 39 große wilde Kaninchen.., 99 .Keulen von.... 49 "Rücken..... 99 Qänse 182S Psd. 60 u. 65 Ps. in riefiger AuSwc. W6{]tl61% SO, Marlannenstr., ■ Hochrentable Existenz.» Wegen Todesfall 20 Jahre in ein Hand befind!. Flaichenbier-Gros Handlung(Kassageschäft), meist m Weißbier-Privatkunden. 4 gute Pserd 5 Wagen, zirka 100 000 Flaschen, zm V* Jnventarwert zu verkaufen, �sack kenntnifle nicht erforderl.. Käufer wir angelernt. Kein Verlust, fem Rifiki Ersorderl. zirka 8000 M. Nur �elbs res! crh. AuSk. v. Slonhaiipt Zossencrstr. 10-_ 277/20 X Ä. B. Koch X Kolilen-Groß-Handlunu Berlin 0. 34, Brombergerftr. I. Preise für nur t, Marken ab Plc von 19 Ztr. an:(3197! Prima la Haldsteine(bekanv Marken).. � 85 g . Diamant(HO bis 120 Stck.).... OOü . IsJlfe u Akw... 95' . laZlnthrazitEadö. L.L0 Koks, Steinkohlen usw. zu k billigsten Tagespreisen. Anlicserr sret Keller je nach Quantum Pr.* 10— 15 Ps. mehr.— Bei Origin Waggons und größeren Aöschlü verlange» Sie meine ShezW-Cßse Fliesenleger! Donnerstag, den 6. Dezember, abends S1/? Uhr: Versammlung der Sektion der Fliesenleger des Maurerverbandes. im Gewerkschaftshause Engel-User 15, Saal 7. Tag eä. Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Us* Anton über: Die Verkürzung der Arbeitszeit. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen sämtlicher Kollegen notwendig. 151/3« Der Icktiousvorstand. r Zwcigvercin Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Freitag» den 7. Dezember, abends 8 Uhr. im Gewerkschafts- hause, Engel-Ufcr 15, Iaal I: Mitglieder Versammlung der Gruppe der Rabitzputzer. s== Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„In- und ausländische Politik". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.—(Reserent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) gBF" Des interessanten Themas wegen ersuchen wir die Kollegen, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. 154/4 vor«rnitpenvorntnnd- Einladung zur General»Versammlung im die am Freitag, den 14. Dezember lilvv, abends 8 Uhr i,BbelnscliloB", Friedenau, Rheiustr. 60, stattfindet. Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes. 2. Bericht des Ausfichtsrates. 3. Beschlußsassung über die Bilanz, Verteilung des Reingewinnes, Entlastung des Vorstandes. 4. Antrag des Ausfichtsratcs:.Festsetzung der Zahlung Geschäftsführer/ müssen diese so zeitig gestellt werden, das; sie drei Tage vor der Generalversammlung in vorschriftsmäsitger Weise publiziert werden können. Friedenau, 1. Dezember 1306. Konsamvei-vtn Friede_ Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Hastpflicht. 208/10 Der AufsichtSrat. Ii. Lungimit. d Umcegend. -' Di. Alle Freunde nebst Familie und Bekannte lade ich hiermit zu der am Sonntag, den S. Dezember 1906 stattfindenden meiner neu erbauten ein. 176b Einweihung; q Restauration nebst Saal freundlichst Ernst Lier SHersdorf bei Zeuthen. Deutscher ffietallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Zimmer 34, Amt IT, 3353. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt-Bureau: Engel-Ufer 15. Zimmer 1—5. AmtlT, 9079. Sonntag, den 9. Dezember 1906, vormittags 10 Uhr: Oeneral-Versammlung in der„Neuen Welt", Hasenheide 108/114. 160/18 Fortsetzung der nicht erledigten Tagesordnung vom 18. November 1906: i. Kassenberieht vom 3. Quartal und Bericht der Revisoren. 2. Keumhl der Revisoren. 3. An die Verwaltung gelangte Anträge. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Zahlreichen Besuch erwartet Dt« Ortsverwaltung. Moabit! jttoabit! Donnerstag, den 6. Dezember, abends 6 Uhr, im„Moabiter Gesellschaftshaus", Wiclefstr. 24: OeflenfUehe Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Rcichstags-Wgeordnctcn v. Elm übet: zFapitallstische tzmounoral und proletarisches Wolle!!." 2. Diskussion. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 208/18 Her Einbernfer. E raumanns Pestsäle Bfitlne! Naunynstr. 27 3 Kegelbahnen Sonnabende u. Sonntage im Dezember, zu Weihnachts- bescherungen, desgl. auch Silvester und Neujahr noch frei. 736L* Für die Arbeitnehmer im GewerkschastShause, Engelutee 15, Saal 8, am Montag, den 10. De- zembcr 4900. Es sind zu wählen: abends S1/»— 9l/j Uhr durch die Kasseiimitglicder 470 Vertreter. b) Für die Arbeitgeber im Kasseniokai, Spandancrstr. 5, am Montag, 10. Dezember 1906, nachmittags 4 Uhr. ES sind zu wählen 65 Vertreter. 175b Oer Vorstand. Lrts-Kra»ke»kasse der Drechsler und verwandten Gewerbe. Montag, den 17. Dezember 1906, abends von 71/2— S1/. Uhr: Wahl- Versamminngen im Dresdener Garten, Dresden erstr.45. 1. Versammlung sämtlicher großjähriger Mitglieder der Kasse nach§ 49 des Statuts behufs Wahl von 173 Vcr» tretern derselben pro 1907. 44. Eine Versammlung sämtlicher Arbeit- gebet der Kasse, weiche Beiträge für die Mitglieder aus eigenen Mitteln zahlen, findet am Montag, den 47. Dezember 1906, abends 8—9 Uhr im Dresdener Garten, Dresdenerstr. 45, statt, behuss Wahl von 82 Vertretern derselben pro 1907. ffOBT" Für die Mitglieder legitimiert das Kassenbuch, für Arbeitgeber die letzte Quittung der Kasse über gc- zahlte Beiträge. �MI 107b Montag, den 10. Dezember 1906. abends 7'/z— 8>/, Uhr, findet im Dresdener Garten, Dresdenerstr.45, eine Bersaniiuliiug sämtlicher groß- jähriger Mitglieder der Kasse bc- Hufs Ausstellung von Kandidaten zur Vertrctcrwahl pro 1907 statt. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht 4»er Torstand. I. A.: Gustav Tledt, Hafenhclde 49. Jeden Freitag bei tkuuustm3�en%.. Frische Wurst. Rilligste Rezugsquelle! jftusih- Instrumente, Geigen, Cellos, Bässe, Zithern, Man- dolinen, Klarinetten, Flöten, Bogen, alle Blech-Jnstrumente billigst. Großer Posten Zieh- u. Mundharmonikas sehr billig,-mm- Für Ifündier und Markt- reisende Ausiiahmeprcijc. Rothgießer, Skaiitzerstr. 24a. Kaufhaus Max Mannheim Ecke Königsberger Strasse• FpftllkfUPtGF A.11GG 109~110• Ecke Konigsberger Strasse ßroße Vorteile bei Weihnaebts- Einkauf en! Zng'abo von == Gratis Fkoto�r apliie> bis 15. Dezember Bei Einkäufen von:. 5 Mark '>4 Dutzend Visit- oder Prinzess- Format 10 Mark '1, Dutzend Visit- oder Prinzess- Format 15 Mark 'I« Dutzend Kabinet oder Griseldis-Format 20 Mark 'Iz Dutzend Kabinet oder Griseldis- Format Diese Photographie- Bons berechtigen auch zu Kinder- Aufnahmen. Gratis— Pracht- Kalender 1907—-Gratis Hauptkataloff gratis und franko. Sonntag, den 9. Dezember geöffnet von 8—10 und 12—2 Uhr, Sonntag, den 16. und 23. Dezember von 12—8 Uhr. Große Veihnaehts-jksstetlutu) vom 8. Dezember ab in der zweiten Etag-e. Donnerstag Freitag Sonnabend: 10 Ol 0 Brunnenstraße 17 18 Veteranenstraße 1-2 W Mit Ausnahme einiger Artikel. direkt aus der Fabrik. == Kein Laden Nach beendeterEngros-Saison enorm Jacketts Paletots Havelocks Capes Kostüme Kostüm- Röcke Mädchen- Paletots Pelz-Stolas Robert Baumgarten Hausvogtei- Platz II, 2. Etage (an der Jerusalemerstraüe). | Bei Vorzeigung d. Inserates ! an der Kasse werden 5 Proz. j Rabatt vergütet. Aach Sonntags geöffnet. (Ortsgruppe Berlin.) I. Stiftungs-Fest am Sonnabend, den 8. Dezember, präzise 9 Uhr, in Louis Kellers Festsälen, Koppenstr. 29. Auftreten von Spezialitäten I. Ranges. Um zahlreiches Erscheinen wird 298/2 tephdecken 0i billigst birett in der Fabrik* 73. WalKtr. 73, wo auch alte Steppdecken nuigearbeitel werden. Bernhard Jtrohiiiandel, Berlin Ks. yllustr. Jlafnlog gratis. gebeten. Der Torstand. Sassen Sie sich nicht durch anglanblichc Reklame verleiten und kaufen Sie keine billige Zither, die keine Stimmung hält. Ein solches Instrument ist etwas fürs Auge, aber wertlos. Wollen Sie wirklich Freude haben, dann kaufen Sie sich die echte Menzenhauer Guitarzither mit unterlegbaron Noten, welche jedermann sofort spielen kann. Ceber l1/. Rillion' im Gebrauch. Preis R. 30.0« u. R. 35.00. Versand franko mit schriftlicher Garantie für 1 Jahr. Za haben in jeuem b e s s er e n Rnsikhans oder direkt bei Menzenhauer& Schmidt, Berlin, Spittelmarkt 15. Bei Einsendung dieses Inserates erhält jeder Käufer einer Guitarzither VV" 13 Toten gratis."VEO B Ctegr. 1886. Kommandantensiraße 70-71 zwischen Beuth- u. Neue Grünstr. 2 Min. vom Spittelmarkt. Aäumungs- Verkauf zu bedeutend ermäOigten Freisen. Eskioo-Jaeketts und Paletots 6-18* istraehan-ßoleros und Paletots 7-24« ihendniMel und Capes 6-20 m Prima Tueh-u.ennliselieltostiiine 12-40 m RostMeke, fuSfrei und lang 1.85-15 m Blusen 1,25-12 m in Wolle, Samt- u. Seide Unerreicht grSBte Auswahl selbst (ür ganz starke Damen. Phänomen- Zigaretten Phänomen-Zigaretten sind aus echten türkischen Tabaken hergestellt Phänomen-Zigaretten sind garantiert Handarbeit Phänomen-Zigaretten sind nach ägyptischer Art Phänomen-Zigaretten übertreffen Importen Phänomen-Zigaretten sind überall zu haben Stttck 3, 3, 4 and 5 Pfg. Türk. Tabak- und Zigaretten-Fabrik f �amkori" 3069L* Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen( ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen tQr Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der ffaupt- Expedition, L Indenstrasse 09, bis 5 Uhr angenommen. Deckbett. Unterbett, Kisten mit glattrotem Inlett 10,50, Pfandleihe Andrcasstrastc achtunddreistig. 2042St* Rptrnsn-gestrcistcs Deckbett, Unter bell, zwei Kisten 18,00, Slndreas- siraste achtunddreistig. Pfandleihe.* Bauerudeckbctt, Unterbett, zwei Kisten 27,00. Graste Laken 1,00. Leihhaus AndreaSstraste achtund- dreißig. Eletttlfchc nach überall.' Großer Posten Japaner- und Perser-Teppiche, 2 Meter lang, 2,!!5, 8,05, 5,85. Bettvorleger, Stück 0,38, 0,84, 1,25, 1,85, 2,15, 2,65, 2,95 Ulm., nur so lange Vorrat._ 2091.11' Jabrikmuster, echte Plüschteppiche, imbcdcutendc Websehler, 15 Prozent Rabatt, nur kurze Zeit. WeistenbergS Teppichhaus, Große Franksurtcr« straste 125, zweites Hans von der K'oppcnstrastc. 20925!' Fnbrifinuster, Plüschtischdecken mit kleinen Stickjehlern, reiche Sticke- rci, 10 Prozent Rabatt, 6,85, 7,50, 9,85, 12,50 usw._ 20935t* Tuchportiere». Fabrikmuster, mit Ouerbehang, 3,65, 4,35, 5,25, 5,75, 0,50 uiro., nur so lange Vorrat.' Plüschportieren, Fabrikmusler, Mit Ouerbehang, reich gestickt, 7,35, 7,85, 8.90. 9.50 usw._ 20955t' Tüllbettdecke», Reisemnster, nur furze Zeit, 1,85, 2,25, 2,85, 3.65. 4,35 usw. 209651* Dteppdecken, seltene Gelegenheit, 2,85. 3,50, 4,35, 5,50, 0,50, 7,85 usw. WeistenbergS Teppichhaus. Große Franksurterstrastc 125, zweites Haus von der Koppenslraste._ 20975t' Vollständiger Ausverkaus. Zurück- gesetzte Gardinen, 1— 6 Fenster, bis 30 Prozent herabgesetzt, noch extra 15 Prozent Rabatt. 209851' Borziehgardiur», weist, creme, gold und rot. Fenster 1,40, 1,85, 2,15, 2.45, 2.85 usw._ 20995t* Einmaliges Angebot: Imitierte Kamelhaardecken. jetzt Stück 3.85, schwere Schaswolldeckeu, jetzt Stück 0,35, wert das Doppelte. WeistenbergS Teppichhaus, Große Franksurtcr- siraste 125, zweites HanS von der Koppenslraste._____ 21005t-* GardinciilinnS GrosteFrailtlurler. straste 9, parterre._____ U Teppiche liiiiFarbeiiscblcriiFabrtt. Niederlage Große Fraukjurlerstraste 9, paricrrc._ fü Steppdecke» billigst Fobril Große Frmiksurlerstraste 9, parterre. �s> Steppdecke», schönstes praktisches Weihnachis-Gcschcut, spottbillig und reell, direkt Fabrik, Grogc Frank- surtcrstrastc 00, I, kein Laden. Sonn- tags geössnet. 21025t' Musikwerke,«prechmaschwen. Teilzahlungen. Jnvalidenstraste 20. Skalitzerstraste 40._ 1936K Moiiatsanzüge und Wiuier- paleiols von 5,00, Joppen von 4,50, Hosen von 1,50, Gebrockanzüge von 12,00, Fracks von 2,50, sowie sür korpulente Figuren, Neue Garderobe zu staunend billigen Preise», auS Psaudleihen versallene Sachen taust ina» am billigsten bei Rast, Mulack- straste 14. 159b' Möbeltischlerei liesert gediegene Wohnungseinrichtungen äußerst billig. Bunte Küchen. Reelle Arbeit. Be- sichttgung meines staunend großen Lagers erbeten. Auch Ratenzahlung. Nur Keller und Hinterräume. Harnack, Tischlermeister, Dresdener- straste 124, zwischen Oranienplatz und Kollbuser Tor._ 17685V' Manchester-Kleidung 1 Manchester ist in guter Qualität das beste und nobelste Zeug sür Arbciterkteidung. Es ist in Meterware als auch in fertigen Hosen, Westen, Joppen, auch in Itnabenhoscn und 5tnabcnanzügcu zu haben. Gewarnt wird vor billigen Qualitäten, dieselben werden blant und imanschnlich, wer aber Preise anlegt, erhält vorzügliche Qualitäten bei Herrmann Schiesinger, Turm- straste 58, 85. 1967K Bekannt billigste Bezugsquelle sür'.Röbel, Spiegel, Sosas, Trumeaus, Bettstellen, reelle Malratzen. ,Nur Hermann Dwinatzki", Grünerweg 81. Hochvoriielime Herrenanzüge, Herreupaletols a»S feinsten Mast- swfjen 18 bis 38.00, Hosen 7—12.00 vertaust täglich, Sonntag. Deutsches BersandhauS, Jägerstrastc 63, 1.' Krawattenstoffe, großartige Auswahl, Wallnertheaterstraste 30. 277/16* Kinderwagen, itinderbettstelleu, Puppenwagen, zurückgesetzte, spott- billig. Sommer, Wicncrstraste 5t.' Möbelangebot. Im Anhalter Bahuspcicher, Möck-rnstraste 25, An- Halter Jnncnbahnhos, direkt Hoch- bahiislation Möckcrnbrücke, stehen ver- schieden« Einrichtungen zum Per- tauf. Darunter befinden sich hoch- moderne Schlafzimmer, Speisezimmer, Herrenzimmer, auch einzelne Salon- garnitnren, Paneclsosas, Biblio- thelen,, AnIIeideschränte, Nußbaum- büsettc, Bronzekronen, Oelgemälde, Schreiblische 28,00, Ruhebetten mit prachtvoller Diwandccke 22,50, wun- derschöne Säulculrumeaus 30.00, hochelegante Salonleppiche schon 14.00 bis zu allergrößten Saalteppichen, allerliebste Zimmerleppiche 8,00, reichgestickte Ucbcrgardinen. Spachtel- storcs, Tüllgardiuen, Steppdecken, Salonbilder, Standuhren, prachtvolle Plüschttschdecken 5,00, verschiedene Gelegenheiten. Uebernabme voll- ständiger Warenlager. Wirischasien, Konkursmassen, Nachlässe zum schnellen Verlaus und Versteigerung. Otto Lideles Anhalter Bahujpeichcreicn. Teppickie!(sehlerbasle) in allen Größen sür die Hülste des WcrleS im Tcppichlager Brün», Hackcjcher Markt 4/ Bahnhos Börle. 268/14* Federbetten, Stand 10,50, große 16,00, Gardinen, Wäsche, Decken, Winierpalctois, Uhren, Goldsachen spoltbillig Psandleihhaus Küstrincr- platz 7._'21235t* Restaurant, gut gehend, ver- käuslich, sofort zu übernehmen, Rixdors, Richardstraste 9. xltü* Gasheizsparöfe»! Gasbratöscnl 7,00. Zweilochgastocher 3,00. Gas- plätteisen, Gasbügelapparat! Gas- Ihren 1'/,, Gaszuglampen! 9,00. Wohlauer, Wallnertheaterstraste 32. SSinterPaletotS. Monalsanzüge, wenig getragene, von 5 Mark an, große Auswahl für jede Figur, auch neue elegante Garderobe aus erster Bczugsquelle 20 Prozent billiger wie im Laden, direkt vom Schneider- »icister Paul Fürsteiizeli, nur Rosen- thalerstraste 10. Habe keine Filialen. .Hochvornchnic Herrenhosen aus seinstcn Maststossen 9—12 Mark. Verlaus Sonnabend und Sonnlag. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. Keine Filialen. 198851* Federbette» 11,00, zweischläfrig 15,00. Michel, Drcsdenerstraste 38. WinterpaletotS. Winteranzüge, Winterhosen. Psandleihhaus, Weiden- weg neunzehn._ WinterpaletotS, Gehrockanzüge, Damcngarderoben Spottpreise, Wei- dcnweg neunzehn._ 183/20 WinterpaletotS, elegante, 12,00 und 18,00 Mark. Betten billigst, Gubcncrstraße 3, Pfandleihe. t35* Damenuhren, versallene, goldene, 10,00 an, Hcrrenuhrcn, Riesenauswahl, Kelten, Rmge, Armbänder, spottbillig Leibhaus Neue Schönhauserstraste 11. Parteilokalpreiswert zu verkaufen. Näheres unter R. W. 49, Vorwärts, Salzwcdclersttaste 8._ t18 Knnartenroller, Selbstzucht, billig. Krause, Reichenbergerstraste 106. Ptaiitno 120,00, goldgraviert (Garantieschein'/ Turmstraste 8, I. Schlafsofa 20,00, wie neu, Pali- sadenstraste 23, Tapezierer. 184/14 Beachtung! Bringe Freunden, Bekannten und meiner werken Nach- darschast mein Konfitürcn-Geschäst in Erinnerung. Zu Weihnachten große Auswahl in Pseffcrluchen; austcrdenl einpjehle ich mein Schnapsgeschäst, wie Rum, Kognak, Stralsunder, Punsch, Grog, Glühwein, alles in guter Qualität. Albert Bäron, Pappel- allee 43._ t62 Kinderwagen, Kinderbettstellen, gebrauchte, zurückxfesctzle Puppen- wagen spottbillig. Schneider, Kur« fürstenstraste 172._ 84b* Nähmaschinen: Vergüte bis 15 Mark, wer Teilzahlung kaust oder nachweist. Sämtliche Systeme. Brauser, Tilsiterstraste 90.__+35* Nleiizenhauer- Zither 8,00. Skrabci, Brunnenstrastc 100.-s-96* Teppiche mit kleinen Wcbcsehlcrn, solange Vorrat, säst sür die Hülste. Teppichhaus Joseph, Roscnthalcr- straste 2, am Tor. 2112K Wäsche wird sauber gewaschen, Freien getrocknet. Abholung Sonn- abends. Emil Pankrath, Köpenick, Müggelhcimerstraste 40._ 1636 Plüschdecken in diversen Größen und Farben mit kleinen Dtuckstcllen kolossal billig. Teppichhaus Joseph, Rosenthalerslraste 2, am Tor. 2N3K Gardinenreste. von 1 bis 3 Fenstern, sowie angeschmutzt, kolossal billig. Gardinenhaus Joseph, Rosen- thalerstraste 2, am Tor.. 2l14K Läuferstosfe in Jute, Cocos. Plüsch. Reste spottbillig. Tcppich- Haus Joseph, Rosenthalerstraste 2, am Tor. 2115K Groste Divandccken 4,85, Kara- mani, doppelseitig 7,50, prima Plüsch 25,00. Tcppichhaus Emil Lejsvrc, nur Oranienstratze 158._ 20325t* Möbel- Lagerspcicher Brunnen- straste 182 stehen zum schleunigen Verlaus: Schreibtisch, Nustbaumbüsett, Paneelsosa, Taschcnsasa, Muschel- schrank 28,—, Teppiche, Gardinen, GaSlronen, Trumeau, Garderoben- spind, Muschclbett 25,00, Wäschespind, Spiegel, Spiegelspind, Tische, Kom- moden, bunte Küchenmöbel, Bilder, alles spottbillig. 20865t' Versdiiedenes. Einweihung! Alle Genossen und Freunde lade zu der am Donnerstag, den 6. d. MiS., stattsindenden Einweihung meines Lokals und meines zirka 100 Personen sasscnden Vereins- zimmerS ergebenst em. Speisen und Getränke empfiehlt in bekannter Güte Robert Hellriegel, Weidenweg 68, früher 27.__+121* Bolkssänger-Gesellschast Schmcltzer, Gnörich, Balzh, Manteustelstraste 41. Pateutauwalt Wessel, Gitschiner. straste 94»._ 927b* Federbetten, schöne breite, Stand 20 Mark, 5 Zimmer wenig gebrauchte Möbel sofort zu verkaufen Dresdener- straste 38, vorn II links. 184/17» Gänse! Gänse! srischgeschlachlck, äusterst billige Preise, sind zu verlausen Sämariterstraste 21. Vettjederu-Ver« . laus. Paul Host. 184/15*. Verantfvorll. Redakteur i(5 arl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Für den Fnseratenteil vereytw.i?h. Glocke» Berlin. Druck u. verlas: vorwärLl vuchdrulkrei u. WerlagSanstalt Paul Singer& Co., B«lin SW. Pfandleihe. Prinzeiiftraste 63, täglich 8—8, Sonntags bis 2[ 19085t'* Rixdorf, Brüse» Festsälc, Knese- beckslraste 113, Restaurant, Garten, Percinszimmer, Partettsaal(600 Per- sonen). Sonntags Ball._ tU4* Kunststopferet von Frau Kotoslh, Ebarlotlenburg, Goethcstraste 84, I.» «msonstl Zementsüllungen, zahn- ärztliches Institut, Chausscestraste 2 L, Hof II. 270/4' Saal Sonnabends bcrgerstraste 14. frei. Perle- t7S* .Hand- Wäscherei von Rudolf Ehling, Köpenick, Kaiser Wilhelm- straste 14. Trocknen tm Freien, Ab- holung Sonnabends. Preise: drei Handtücher 0,10, 4 Taschentücher 0,10, Leibwäsche per Stück 0,10. 1786 Bautischler sucht Teilnehmer, 2000 Mark, Werkzeug, gute Arbeit vorhanden. Offerten unter 0. 5, Expedition dieser Zeitung. 179b Vermietungen. Wohnungen. Hochmoderne Kleinwohnungen billig Türkcnstraße 17, am Paul Gerhardlslist. 209051' Schlafstellen. Sofort Schlafstelle. Frau Suppus, Friedrichsbergerstraste 17. 180b �rbeitsmarkt. Stellengesuche. Blinder SluHlstechier bitte! um Arbelt. Stühle werde» abgeholt und zurückgellesert. LI. Gläser, Mulack- straste 27._ 1468b Stellenangebote. Klavierspieler Skalitzerstraste 59. verlangt Mix +13* Chromo- Lithographen, Feder- monier, verlangt Hugo Frommbolz, Ralbenowerstraste 5o._ 184(11* Tüchtige Bohrer verlangt Piano« Mechaniksabril Reichenbergerslraste 63». Für die Abteilung Bügeltaschen sowie TresorS aus einem Stück suche eventuell per sofort tüchtigen Meister. Heinrich Lewy, Ritterstraste 45. 165b* Automobilschule! Chauffeure werden gewissenhaft prakttsch und theoretisch ausgebildet unter polizeilich geprüfter Leitung. Kostenloser Stellen- Nachweis. Kursus 50,00 bis zur Er- teilung emes polizeilichen Fahr- scheiiies.„Berliner Ehausseur-Schule", Schöneberger User 5/9._ 212651* Flotte Nageler verlangt Spiegel- sabrik, Schmidstraste 24/25._ 1776 Tüchtige Rohrer verlangt Rixdors, Delbrückstraste 61, Gisewsti. f116 Tüchtige Gürtler aus chirurgische Instrumente, Louis Loewenstein. Ziegelslraste 23._ 270/7 Klavierspieler verlangt straste 7, Lokal.______ Plätterin verlangt, Urban» 1515 dauernd Bauer, Swiiiemündei. straste 49. j-97 Achtang! Achtung! Klavierarbeiterl lieber die Pianosabril Reil