Nr. 285. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Breis pranumerando: Bierteljährl. 8,30 t, monatl. 1,10 R., woochentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bosto bonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost- Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. für Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 fg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgebructe) Wort 20 Bfg., jebes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Bort 10 Bfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ., Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Schulftreik. Freitag, den 7. Dezember 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Ferniprecher: Amt IV. Nr. 1984. Im Anschluß an die Verhandlung des Reichstags über die Poleninterpellationen wird uns von einem Pädagogen geschrieben: Die glorreiche borussische Politik gegen unbequeme Noch beschämender als dieses kulturwidrige, Vorgehen Schließlich versicherte der Staatssekretär v. Stengel die Volksbewegungen und oppositionelle Minderheiten hat eine der Regierung ist das Echo, das es in der liberalen( 1) Lehrer- Bollwucherer des Wohlwollens der Regierung, und dann hatte interessante neue Erscheinung der politischen Aktion gezeitigt: preffe erweckt. Die„ Pädagogische Zeitung", das Haupt- dieje Zollkomödie ein Ende. Der Präsident teilte noch mit, in den polnischen Distrikten streiken die Schulkinder. Die organ des deutschen Lehrervereins, das schon die bisherigen daß der Antisemit Raab sein Mandat, das von der Wahlbewunderungswürdigen Knownothings der preußischen Phasen des polnischen Schulfrieges mit hämischen Glossen prüfungskommission einstimmig für ungültig erklärt worden Bureaukratie waren in ihrem dunklen hakatistischen Drange begleitet hatte, versteigt sich in ihrer letzten Nummer zu der war, niedergelegt habe.( Nächste Sigung Freitag 12 Uhr.) auf den schlauen Gedanken verfallen, der polnischen Schul- folgenden skandalösen Bemerkung: jugend selbst den Religionsunterricht in deutscher Sprache" Dem polnischen Schulstreit scheint man jetzt wirklich Die württembergische Landtagswahl. aufzudrängen, ein Attentat auf die nationale und religiöse etwas fräftiger zu Leibe au gehen als es zuerst Stuttgart, den 6. Dezember.( Privattelegramm.) Tradition der Polen, das in das ohnehin hochlodernde Feuer schien. In Zabrze( Oberschlesien) hat das Amtsgericht zwei Bei den gestrigen Landtagswahlen ist die Entscheidung über polnischer Agitation neues Del gießen mußte. Bätern streifender Schulmädchen das Erziehungsrecht entzogen und 48 Mandate im ersten Wahlgang gefallen; in 27 Bezirken muß eine die Zwangserziehung der Kinder angedroht; die Maßregel stützt zweite Wahl stattfinden, und 17 Mandate werden erst im Januar fich auf§ 1666 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Das hat geraubt! Während die preußische Regierung sonst die Kinder diente unser Genosse Stolle mit einer treffenden Charakteri nicht religiös genug erziehen kann, straft sie in Polen die sierung. Er entlarvte den Schwindel der angeblichen Freunde Eltern auf die ehrverlegendste und erbitterndste Weise dafür, der kleinen Landwirte, die nach einer Verteuerung der Futterdaß sie ihren Kindern ihre Religiosität erhalten wollen. Die gerste schreien. Die Viehproduktion werde, so führte Stolle aus, politischen Absichten der Regierung versetzen hier den sonst durch solche Wucherzollpolitik herabgedrückt und das ganze Volt als heilig verkündeten pädagogischen Zielen des Staates einen geschädigt. Die Quittung über diese Bucherpolitik würden die brutalen Faustschlag mitten ins Gesicht. nächsten Reichstagswahlen ausstellen. Unsere Stellung zum Religionsunterricht ist bekannt genug, als daß wir darüber noch besondere Worte zu verTieren brauchten. Wir haben in den mannigfachen Schultämpfen der letzten Jahre innerhalb und außerhalb Preußens unsere Forderung der Beseitigung des Religionsunterrichts aus den Schulen so oft und so gründlich dargelegt, daß feiner unserer Anhänger über ihre Notwendigkeit im Zweifel sein wird. Wir sind freilich auch darüber nicht im Zweifel, daß bon der gegenwärtigen preußischen Regierung alles andere eher als die Erfüllung dieser Forderung zu erwarten ist. Obwohl selbst Theologen und Kirchenfreunde darüber wehklagen, daß bei der jezigen schulmäßigen Verarbeitung der Religion mur Widerwille gegen die Kirche und die Religion erzeugt wird, beharrt die Aera Studt mit herostratischem Eifer bei ihrem religionsfeindlichen Treiben. . Unfere geholfen, die renitenten Schulväter find alsbald durch Proportionalwahl verteilt. Von den im ersten Wahlgang erzu Kreuze gekrochen und haben ihren Töchterlein an= ledigten Mandaten erhielt die Sozialdemokratie 5, die Volkspartei 8, befohlen, sich wieder hübsch artig der deutschen Sprache zu Bauernbündler resp. Konservative 8, Nationalliberale 8, Zentrum 19. bedienen. Merkwürdig ist, daß man in Posen noch nicht auf Von den sechs Mandaten der Stadt Stuttgart, die auch im„ Prodiesen sehr guten, gangbaren Weg gekommen ist; daß man ihn porz" vergeben werben, eroberte die Sozialdemokratie in Oberschlesien gefunden hat, wird ja dort jedenfalls die ohnehin brei. Hier wurde der bisherige Stuttgarter Abgeordnete, Genosse schwache Bewegung bald genug stille kriegen. Dazu kommt das Eingreifen des Kardinals Kopp, der im Gegensatz zu seinem Kloß, wiedergewählt und neu hinzu traten die Genossen Fischer und Amtsbruder von Bosen- Gnesen den Klerus von der Agitation Heymann. Nach den Berechnungen, die gegenwärtig möglich sind, zurückhält, während ihn Herr v. Stablewsti dazu ermutigt. haben für die Sozialdemokratie 19522 Wähler gestimmt gegen 13844 Doch auch hier scheint jetzt( endlich!) das lebel an der Wurzel bei der vorigen Wahl ein glänzender Fortschritt. Von den gefaßt zu werden. Wie aus Posen telegraphiert wird, hat die anderen drei Mandaten entfielen je eines auf die Nationalliberalen, Staatsanwaltschaft gegen mehrere polnische Pröpfte die Unter- Boltspartei und die Konservativen. suchung wegen Uebertretung von§ 110 des Strafgesetzbuchs einAußer den drei Mandaten für Stuttgart- Stadt gewann die geleitet Mit diesen beiden Maßnahmen scheinen nun die Mittel gefunden zu sein, die, in ausreichender Dofis Sozialdemokratie sofort wieder den Wahlkreis Stuttgart. Aber geradezu staunenswert ist die Geschicklichkeit, mit angewendet, die Polenkrankheit ziemlich schnell heilen werden." Land. Hier erhielt der bisherige Vertreter Genoffe Hildenbrand Ser dieser destruktive Eifer in der polnischen Frage sich selbst Diese schamlose Verteidigung der rücksichtslosen preußi- 5212 Stimmen gegen 3586 bei der vorigen Wahl und schlug seine überschlägt. Außer den im heutigen Religionsunterricht selbst schen Unterdrückungspolitik gegen die Polen steht in einem Gegner mit 2280 Stimment Majorität. Außerdem hat im ersten Liegenden religions- und regierungsfeindlichen Tendenzen liberalen pädagogischen Blatt! it es liberal, Wahlgang sogleich der Genoffe Steill gefiegt, der bei der werden die nationalen Leidenschaften mobil gemacht, um eine Nation gewaltsam um ihre nationale Selbständigkeit, vorigen Wahl erst in der Stichwahl gewählt wurde. große Massen der Bevölkerung der flammendsten Erbitterung fogar um ihre nationale Sprache zu bringen? Ist es päda- Stimmen find hier von 2070 auf 8196 in die Höhe gegangen. Von den entgegenzutreiben. Die Polen haßten schon bisher die gogisch, politische Zwecke in die Schulstube hineinzutragen? bisherigen Mandaten ging uns leider auch eins verloren, das wir preußische Schulpolitik in den polnischen Gegenden, weil sie it es liberal und pädagogisch, den Vätern das Erziehungs- in der abgelaufenen Landtagsperiode bei einer Stichwahl gewonnen nicht von der Absicht geleitet war, durch die Erziehung der recht zu entziehen und die Kinder in die harte, grausame haben und wieder zu erlangen hofften, nämlich Eßlingen, wo schulpflichtigen Jugend die nationalen Gegensätze zu versöhnen Zwangserziehung zu schicken, nur weil Väter und Kinder in Genosse Schlegel dem nationalliberalen Oberbürgermeister von Eßund zu mildern, sondern weil sie im Gegenteil schon in die vielleicht falsch angewendetem Eifer ihre nationale Kultur lingen, Dr. Mühlberger, unterlegen ist, dessen Kandidatur und Schulstube die hakatistische Gehässigkeit hineintrug und die verteidigen wollen? Ist es liberal und pädagogisch, eine Agitationsmethode in bezug auf politische Strupellosigkeit geradezu Lehrer zu politischen Agenten herabwürdigte. Bekanntlich derartige hartherzige Gewaltpolitik einer übermächtigen Re- verblüffend waren. wird diesen dafür von der Regierung ein verächtliches Trink- gierung gegenüber einer gefnebelten Minderheit mit höhni- Ziemlich sicher dürften wir mehrere Mandate im zweiten Wahlgeld in Gestalt der Oftmarkenzulage zugeworfen. Zwar steht schem Beifall zu unterstützen. Wenn die Comenius, Besta- gange wiedergewinnen, so das Mandat in Cannstatt Land, fast in allen deutschen Lesebüchern das gemütswarme Gedicht lozzi und andere pädagogische Vorfämpfer von dieser erbärm- wo Genosse Tauscher 2191 Stimmen erhielt, fein nationalliberaler Mar von Schenkendorfs über die Muttersprache-Mutter lichen humanitätswidrigen Haltung der tonangebenden deut. sprache! Mutterlaut, wie so wonnesam, so traut!" und die schen Lehrerzeitung erfahren könnten, sie würden sich vor Schulkinder müssen das Gedicht auswendig lernen. Aber für Abscheu im Grabe herum drehen. die polnischen und die übrigen Grenzgegenden schaltet die preußische Regierung diese Hochachtung für die Muttersprache aus. Sie verlangt, daß dort die Kinder eine andere als die Muttersprache lieb gewinnen sollen. Und da dieses unnatürliche Verlangen nicht sofort und widerspruchslos erfüllt wird, so wendet sie brutale Gewalt an. Politische Uebersicht. Berlin, den 6. Dezember. Nachklänge vom Zollwucher. " 11 Gegner dagegen 1588; ebenso das Mandat in Göppingen, wo Genosse Dr. Lindemann 4881 Stimmen erhielt, während auf das gemeinsame Mandat von Volkspartei und Nationalliberalen 3276 St. entfielen. Unsere Stimmen sind hier um 1153 gewachsen. Desgleichen werden wir voraussichtlich auch das Mandat Heil. bronn Stadt wieder erlangen, wo Genosse Schäffler 2383 Stimmen erhielt, der Bauernbund 1268. Den Ausschlag gibt hier wie in Cannstatt die Volfspartei. Unser Stimmenzuwachs in Heilbronn beläuft sich auf 1190. Ferner stehen uns im So töricht diese Zwangspädagogik nun schon in den Die Zollwuchergelüfte des Zentrums sind durch den zweiten Wahlgang noch einige neue Gewinne in sicherer Ausübrigen Unterrichtsfächern ist, viel törichter ist es, wenn sie neuen Zolltarif noch nicht befriedigt. Heute unternahm es sicht. Im Wahlkreis Heidenheim wird sich Genosse Dietrich jogar im Religionsunterricht zur Anwendung gelangt. Was der strebsame Zentrumsabgeordnete Speck, in beinahe zwei- mit dem Bauernbündler zu messen haben. Dietrich erhielt 2972, bleibt denn noch von den paar armseligen Gefühlsworten des stündiger Rede die kostbare Zeit des Reichstages totzuschlagen der Bauernbund 1692, die Volkspartei 1271, die Nationalliberalen 980, Religionsunterrichts, die ihm seine Verteidiger nachrühmen, mit der Begründung seiner Interpellation, betreffend die das Zentrum 288 Stimmen. Unsere Stimmenzahl ist hier um 890 übrig, wenn er eine unerhörte Verlegung des intimsten Ge- Verwendung von Futtergerste" als„ Malzgerfte". Der gewachsen. Günstig ist unsere Aussicht auch im Wahlkreis Maul fühls, der Vaterlandsliebe, der Anhänglichkeit an die an- langen Rede kurzer Sinn war, daß die bayerischen Gersten- bronn, wo Genoffe Sperta 1481, fein nationalliberaler Gegner gestammte Sprache, zur Grundlage hat? bauern einen besseren Schutz" für ihre Gerste, d. h. künft- 1682 Stimmen erhielt. Den Ausschlag gibt die Volkspartei mit Aber was kümmert sich Studt um Gefühle! Für ihn lich höher geschraubte Preise für dieses Produft haben wollen. 1315 Stimmen. Unser Zuwachs beträgt 658. Im Wahlkreise gelten Paragraphen, Verordnungen und Aften. Er dekretiert, In endlosen Tiraden verlor sich auch der die Inter- Nürtingen erhielt Genoffe Seeger 2084, der Bauernbund 1700, die ganz gleich, ob er das Konto seiner schier unübersehbaren pellation beantwortende Staatssekretär v. Stengel, der Nationalliberalen 598, die Wolfspartei 988 Stimmen. Von der Haltung pädagogischen und schulpolitischen Mißgriffe und Torheiten sich gleichfalls vergebens bemühte, eine genauere Unter- der letzteren hängt auch hier der Wahlausfall ab. Unser Stimmendadurch um ein neues und unerhörtes Kapitel bereichert. scheidung zwischen Futter-" und ,, Malzgerfte" zu konstruieren. zuwachs beträgt 674. Jm Wahlkreise Reutlingen- Land er Allerdings hat ihn die Wirkung dieser neuesten Maß- Hierzu möchten wir feststellen, daß der Ausdruck Futter- hielt unser Kandidat 1744, der Nationalliberale 1882, der Boltsregel anfänglich doch stuzzig gemacht. Als die Polen in ihrer gerfte" erfunden wurde, um die fleinen Bauern, die Futter- parteiler 1359 Stimmen. Die Haltung der Volkspartei ist auch hier leidenschaftlichen Erbitterung zu dem neuen Mittel griffen, gerste- natürlich durch höhere Zölle künstlich verteuerte entscheidend. Unser Stimmenzuwachs beträgt 825 Stimmen. den Kindern die Anwendung der deutschen Sprache im faufen müssen, über den Zollwucher zu täuschen und die Wir sind noch an einigen weiteren zweiten Wahlgängen beReligionsunterricht zu untersagen, und als die polnischen Bollwucherer als Freunde der kleinen Landwirte erscheinen zu teiligt, ohne jedoch aus den dortigen Situationen bestimmte HoffKinder mit erstaunlichem Mute dieser Aufforderung ihrer lassen. Diese Phrase des Bollwucherschwindels wurde schon in nungen auf den Gewinn von Mandaten schöpfen zu können. Dagegen Eltern Folge leisteten, erschrat die Regierung zunächst. Aber der Zollkommission 1902 von den sozialdemokratischen steht die Bollspartei in verschiedenen Wahlkreisen ihren Gegnern so wann hätte die allmächtige und allwissende Bureaukratie Kommissionsmitgliedern treffend gekennzeichnet, die auch auf gegenüber, daß sie nur bei voller Unterstützung durch die Soziale So sehr jemals eingestanden, daß sie einen Fehler gemacht hat? Sie die daraus entstehenden Konsequenzen hinwiesen. Die Folgen demokratie auf den Gewinn des Mandates rechnen kann. hat immer recht, und wenn ihr irgendwo die Folgen einer dieses Zollwuchers aber sind natürlich nur aus der Welt zu die Sozialdemokratie auch dem Ziele austrebt, eine reaktionäre besonders hahnebüchenen Dummheit gar zu arg auf den Pelz schaffen mit der Beseitigung des Zollwuchers überhaupt. Mehrheit im zufünftigen Landtage zu verhindern und die zu stärken, so darf rüden, so beseitigt sie nicht etwa die Ursache der schlimmen Genosse Süd etum trat den Interpellanten entgegen Bofition der linksstehenden Parteien nur selbstlos die Volkspartei Folgen, so macht sie nicht ihren Fehler wieder gut, sondern sie und kennzeichnete kurz die Zollwucherfituation, während der sie doch beanspruchen, nicht Abgeordnete Paasche und der preußische Finanzminister dort heraushauen zu zu dürfen, wo fie bon sucht den einen Fehler durch neue Fehler zu überbieten. den Gegnern So hat sie, als sie sich von ihrem ersten Schrecken über b. Rheinbaben sich abmühten, die Zolltalamitäten zu be- bedrängt wird, sie kann und wird mit vollem Recht fordern, Sen Schulstreit erholt hatte, neue, noch unglaublichere Ge- mänteln. Von den Freifinnigen wandten sich die Ab- daß auch die Wolkspartei alles aufbietet, walttätigkeiten gegen die unfolgsamen Polen verhängt: fie geordneten Kämpf und Gothein gegen die Interpellanten. Kreisen, die für uns gewinnbersprechend sind, zum Erfolge zu verhat einem Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuchs einen Besonders der letztere schilderte den Kuhhandel, der in der helfen. Sinn unterlegt, den keiner der Väter dieses Gesetzbuches als Bollkommission um die Position Gerste zwischen den Zoll- Was den Wahlausgang im allgemeinen betrifft, so wird die richtig anerkennen fann und wird; auf Grund dieser Ber- wucherparteien und der Regierung getrieben worden ist. Heute Frage, ob der Besisstand der einzelnen Parteien eine größere Vergewaltigung dieses Gefeßesparagraphen hat sie den Vätern find die Kuhhändlerparteien von damals die betrogenen Be- schiebung erfährt, sich erst nach dem zweiten Wahlgange beurtetlen laffen. Das Zentrum hat seinen festen Bestand zu erhalten gewußt Streifender Schulmädchen das Erziehungsrecht entzogen und trüger. die Zwangserziehung der Kinder angedroht. Man stelle sich Einigen süddeutschen und ostelbischen Agrariern, die ihrer und der Boltspartei ein Mandat abgenommen. Auch der Bauern die ganze Ungeheuerlichkeit dieses Vorgehens vor! Den Eltern, zollwucherischen Gesinnung in langweiligen Reden Ausdruck bund hat einige Gewinne, namentlich auf Kosten der Volkspartei Sie aus heiligstem Eifer für die Erziehung ihrer Kinder be, gaben und sich mit dem Staatssekretär v. Stengel über zu verzeichnen. Unsere Stimmen sind von 58 721 auf zirka 90 000 orgt sind, werden ihre Kinder gerade wegen dieses Eifers einzelne Vorgänge hinter den Kuhhandelkulissen herumstritten, gewachser; ein Ergebnis von ganz hervorragender Bedeutung, das um uns in den uns hoffen läßt, von den Mandaten in der Landesproportionalwahl auch noch einen ansehnlichen Teil zu erhalten. Die zweiten Wahlgänge werden voraussichtlich am IS. und IS. Dezember, die Landesproportionalwahl am 9. Januar statt- finden. Ende Januar ist dann die Einberufung des neuen Land« tageS zu erwarten. Stuttgart, ö. Dezember. Die gestern in Stuttgart nach dem Proporz vorgenommenen Landtagswahlen hatten folgendes Er- gebniS: Es wurden gewählt: Geineinderat Kloß(Sozialdemokrat mit 40 365 Stimmen, Buchhändler Fischer(Sozialdemokrat) mit IS 257 Stimmen, Redakteur Heymann(Sozialdemokrat) mit IS 005 Stimmen, Oberbürgermeister v. Gauß(Volkspartei) mit 12 927 Stimmen, Eisenbahnsekretär Baumami(Deutsche Partei) mit 11 735 Stimmen und Sekretär Hisser(konservativ) mit 5940 Stimmen. „Jammerkerle." Varnhagen von Ense nannte die Mitglieder des preußischen Ab- geordnetenhauses„Jammerkerle",„Narren und Bösewichter" nannte die „Kreuz-Ztg." die Mehrheitsmitglieder dieser Karikatur einer Volks Vertretung. Nunmehr ist diesen ehrenwerten Herren auf ihren Antrag hin von einem preußischen Staatsanwalt, freilich sehr wider deren Willen, die Richtigkeit dieser Benennungen bezeugt worden. Dem Abgeordnetenhaus selbst ist von diesen Stellen aus amtlich attestiert, daß es Handlungen begangen hat, welche „verächtlich zu machen und in der öffentlichen Meinung herabzu- würdigen geeignet" sind. Und das von Rechts wegen. Die ungeheure Strafe von je sechs Monaten Gefängnis, die gegen die Verantwortlichen Redakteure unseres Bruderorgäns, der„Tribüne". gegen die Genossen Stange und D o r n h e i m, vom Erfurter Gericht nach der am Mittwoch von uns wiedergegebenen Verhandlung vom 4. Dezember.ausgesprochen ist, täuscht über diese Tatsache nicht hinweg. Unsere Genoffen waren wegen vier trefflicher Artikel, in denen gegen empörende Handlungen des Abgeordnetenhauses und gegen verächtliche und feige Aeutzerungen einiger konservativer Mitglieder dieses Hauses Stellung genommen war, angeklagt: den Z 185 des Strafgesetzbuches, der eine formale Beleidigung mit Strafe bedroht sowie den§ 186 des Strafgesetzbuches verletzt zu haben, der bestraft wissen will,„wer in Beziehung auf einen anderen(das preußische Abgeordnetenhaus) eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben(das Abgeordnetenhaus) verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wenn nicht diese Tat sacheerweislich wahr i st." Die Preßsünder legten dar, daß die von der„Tribüne" behaupteten Tatsachen vollkommen der Wahrheit entsprechen und daß sie überdies in durchaus berechtigter Weise gehandelt hätten. Sie traten ausdrücklich dafür Beweis an, erstens daß im Falle Schöne-Brockhusen preußische Beamte einen russischen Kaufmann und Staatsangehörigen zum Verrat gegen Rußland aufgefordert und ihm einen falschen Paß ausgestellt haben, daß der preußische Minister des Innern auf die wiederholten Anfragen im Parlament: wie es denn mit der schweren Urkundenfälschung, begangen durch preußische Beamte stände, keine Antwort gegeben habe. 2. daß der Landtag über diese Behandlung des Parlaments durch den Mnister geschwiegen habe, anstatt der lebhasteften Empörung Ausdruckzu geben, 3.datzMinister und Parteien die Erklärungen zum Schulgesetz außerhalb des Parlaments„fertig" gemacht haben, und daß durch dieses Gesetz nicht nur ein Rückgang der Volksbildung, sondern auch eine Schwächung der kommunalen Selbstverwaltung erzielt würde, 4. daß das preußische Abgeordnetenhaus schlechte Sitten habe, die sich äußerten in fortgesetzten Angriffen gegen Sozialdemokraten, und zwar lediglich ihrer Gesinnung wegen: ferner in Schimpfworten wie:„nichtswürdige, schamlose Agitation, Frechheit, Schande" usw., 5. daß der Versuch von einem Abgeordneten im Parlament gemacht worden sei, den Erfurter Richtern in diesem Prozeß ein hohes Strafmaß vorzuschreiben. Das Gericht beschloß Beweis und nach Erhebung der Beweisaufnahme mußte der Staatsanwalt und das Gericht die Anklage aus Z 186 des Strafgesetzbuches fallen lassen. Sie haben also damit ausdrücklich konstatiert, daß das Abgeordnetenhaus als Gesamtheit wie einzelne seiner Mit- glieder sich in einer das Abgeordnetenhaus in der öffentlichen Meinung herabwürdigen Weise benommen hat. Das Humorvolle bei dieser gegen das Abgeordnetenhaus gerichteten Feststellung ist. daß ohne ausdrückliche Ermächtigung des Abgeordnetenhauses zur Straf- Verfolgung eine solche köstliche Feststellung gar nicht hätte getroffen werden können. Daß der Staatsanwalt und die Richter freilich keineswegs die Absicht, vielleicht nicht einmal das Bewußtsein gehabt haben, das Abgeordnetenhaus so zu charakterisieren, wie es nunmehr infolge des Verlangens des Ab- geordnetenhauses erfolgt ist, ändert an dem Tatbestand nichts, daß die verächtliche Handlungsweise deS Abgeordnetenhauses in öffentlicher Gerichtsverhandlung durch dieselben staatlichen Organe festgestellt ist, die das Abgeordnetenhaus zum Schutz seiner sogenannten Ehre angerufen hatte. Freilich nicht das Abgeordnetenhaus ist bestraft worden. Die preußische sühnende Gerechtigkeit hat dafür gesorgt, daß mit drakonischer Strafhöhe die Redakteure belegt sind, weil sie nach Ansicht des Gerichts durch Ausdrücke in die formellen Schlingen des§ 185 gegenüber dem sich selbst verächtlich machenden Abgeordnetenhause gefallen sind. Das Gericht hat den zu so hoher Sttafe Verurteilten den Schutz des§ 193 des Strafgesetzbuches nicht zugebilligt. Der§ 193 spricht den selbstverständlichen Grundsatz aus, daß„tadelnde Urteile über wissenschaftliche, künstlerische oder gewerbliche Leistungen, ingleicken Aeußerungen. welche zur Ausführung oder Verteidigung von Rechten oder zur Wahrung berechtigter Interessen gemacht werden, sowie ähnliche Fälle nur insofern strafbar sind, als das Vorhandensein einer Beleidigung aus der Form der Aeutzerung oder aus den Umständen, unter welchen sie geschah, hervorgeht." Stand nach Ansicht des Ge- richts der sogenannte Schutz des§ 193 deS St.-G-B. dem Angeklagten nicht zu. so ist dadurch ausgesprochen, daß es sich bei den Leistungen des Drei klas senparlaments wederum wissenschaftliche noch um künstlerische noch um g e w c r b li ch e L e i stu n g e n oder um ähnliche Fälle handelt-- wiederum das ver- nichtendste Urteil, das über die Leistungen eines Parlaments jemals gefällt worden ist. Da im Dreiklaffenparlament insbesondere die Konservativen und die Junker ihre eigenen Interessen und die ihrer Klasse in höchst gewerblicher und erwerbssüchtiger Weise wahrnehmen, so hat der Richter offenbar angenommen, daß die gewerbliche Leistung, die diese„Narren und Bösewichler", um den Ausdruck der„Kreuzzeitung" zu gebrauchen, zwar mit der Wahr- nehmung ihres Mandats gewerbliche Leistungen für sich ver- richten, daß aber dennoch die Leistung des Gesamthauses, des Land- tageS selbst, nicht als gewerbliche Leistung erachtet werden kann. Mit anderen Worten: So sehr die Mitglieder des Abgeordnetenhauses ihre persönlichen Interessen wahrnehmen, so wenig verrichtet dadurch das Abgeordnetenhans selbst eine der Gesamtheit dienende erwerbende Täligkeit. Das Gericht hat auch angenommen, die Redakteure hätten nicht in Wahrnehmung berechtigter Interessen, auch nicht zur Ausführung oder Verteidigung berechtigter Interessen gehandelt. Fest steht, daß eine Reihe von konservativer Abgeordneten den Schutz der Immunität im Ab g e o rdneten- hauS zu Schimpfereien und Angriffen gegen die Sozialdemokraten benutzt haben, die, als bc- leidigend erachtet werden müssen. Die Angeklagten sind Sozial« dsmokraten. Die feigen«ngrisie waren also auch gegen sie ge- richtet, mithin hat da» Gericht, als es trotzdem den Schutz de» 6 188 den Angeklagten versagte, die beteiligten Abgeordneten de» Landtages als Personen charakterisiert, deren sittliche und geistige Tiefe die Möglichkeit einer Beleidigung ausschließt: ein hartes Urte,l. Diese logischen Folgen des Urteils sind so vernichtend für die einzelnen Mitglieder des Abgeordnetenhauses wie für das HauS selbst, daß allein die Erkenntnis, welches Harikiri das DreiklaffenhauS an sich vollzogen hat. die Art und Hohe der Strafe sowie die Möglichkeit einer Bestrafung erklären kann. Im Falle des Erfurter ProzeffeS steht's also so: weil durch die Verhandlung gegen das preußische Dreiklassenparlament Tatsachen festgestellt sind, welche dasselbe verächtlich zu machen geeignet find, sind die Angeklagten, also die, die die Wahrheit sprachen, zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Verurteilt, weil sie die Wahrheit sprachen, ver- urteilt, weil sie Sozialdemokraten sind, verurteilt, nachdem im preußischen Abgeordnelenhause der freikonservative Abgeordnete Brütt dringend um hohe Strafe gebeten hatte, verurteilt, weil das Ab geordnetenhaus auf einem der elendesten der Wahlsysteme beruht und weil die Mitglieder, die dort die Mehrheit repräsentieren, ihre persönlichen Jntereffen in der widerwärtigsten Weise wahrnehmen. Wenn auch das Reichsgericht voraussichtlich das juristisch unhaltbare Urteil aufheben wird,— das Abgeordnetenhaus vor allem Abgeordnete wie Brütt, von Erffa u. dergl. bleiben so tief ver- urteilt wie irgend denkbar. Das Recht wandelt manchmal wunderliche Wege. Die Justiz hat die Redakteureverurteilt, vor der G e r e ch ti g- keit bleiben die Schuldigen: das Dreiklassenhaus und die „Narren und Bösewichter", die«Jammerkerle" in diesem Hause verurteilt.— *•* Veutfckes Reich. Die Nachtragsetats in der Budgctkommissio». Gouverneur v. Lindequist und das Oberkommando der Sch�- truppen bequemten sich gestern dazu, näheres über die militärischen Pläne und Projekte zu verraten, die sie für Südwestafrika hegen. Vorläufig sollen dort 8200 Mann bleiben; dauernd aber 5000 Mann: das heißt die Kolonialarmee soll auf diesem Umwege ge- schaffen werden. Herr v. Lindequist vertrat als sein Programm völlige Unterwerfung der Eingeborenen, Wegnahme aller Waffen, auch der Jagdwaffen; selbst die Ausübung der Jagd soll den Eingeborenen künftig unmöglich gemacht werden. Herr rzberger erklärte, das Zentrum sei einfach über diese Mtteilungen entsetzt, die die allerschlimmsten Be- fürchtungen weit übersteigen. Wo bleibe das Schatz- amt? Die Verwirklichung der Pläne führe zum Ruin Deutschlands. Schon müsse mit 39 Millionen Nachttagsforderungen gerechnet werden, die sicherlich auf 50 Millionen anwachsen; 20 Millionen werde für Bahnbauten gefordert, 10 Mllionen für die Farmer, 80 Millionen werde die Schutztruppe im Jahre 1907 kosten. Das seien zusammen 180 Millionen I Der Pensionsetat sei durch den Krieg um eine Million höher angeschwollen. Und all diese Riesensummen werden aus Anleihemitteln aufgebracht. Das Zcnttm» werde für 1907 nicht einen Pfennig aus Anleihcmitteln für Südwest- afrika oder für Expeditionen bewilligen und er verlange Deckung der Ausgaben aus den laufenden Mitteln. Aus diesen seien aber die verlangten Summen nicht zu beschaffen, noch weniger gesteigerte Forderungen. Ihm scheine, daß nunmehr die Kolonialarmee geschaffen werden solle. Die Regierung müsse un- verzüglich Frieden schließen; ohne Friedensschluß werde, wie ein- geweihte Militärs behaupten, der Krieg noch zehn Jahre dauern. Die Brüder Franqois, die beide als Offiziere in hoher Stellung in Südwestafrika gestanden haben, autorisierten Erzberger, zu erklären, daß der Reichstag eS nie verantworten könne, wenn er zustimme, daß mehr als 2500 Mann in Südwestafrika stationiert würden. Als die Otavibahn und die Bahn Lüderitzbucht-Kubub gefordert wurde, habe die Regierung mit der Fertigstellung dieser Bauten auch eine wesentliche Truppenverminderung angekündigt. Wp bleibe die Erfüllung jener Versprechungen? Kolonialdirektor Dern- bürg erging sich in allerlei phantastischen politischen Bettachtimgen, mit denen er zu beweisen suchte, die geforderten Truppen seien notwendig. Er werde aber versuchen, die Kosten herabzusetzen. Im Durchschnitt komme jetzt ei» Soldat pro Jahr auf 9776 Mark zu stehen; zukünftig hoffe er, daß für den einzelnen Mann„nur" noch rund 5800 Mark erforderlich sein werden. Deutschland dürfe den Negern keine Schwäche verraten, onst enfftehe eine schlimme Situatton. Er habe früher auch sehr kritisch gedacht, wie Erzberger, sei aber im' Amte anderer Uebeo zeugung geworden. Genosse Ledebour verhöhnte die„entsetzten' Zcntrumsmannen, die wenig Scharfblick verraten, wenn sie nicht voraussehen konnten, zu welch wahnsinnigen Forderungen die Kolonialpolitik noch führen werde. Der Gouverneur v. Bennigsen(früher Neu- Guinea) habe kürzlich in der Landkommission zugegeben, daß Südwestafrika vor dem Kriege bankrott war, und über die jetzt gepriesenen Kleinsiedelungen habe der Mann ein vernichtendes Urteil gefällt. Gebieterisch müsse jetzt der Frieden gefordert werden. Zu Bedingungen, die ür die Eingeborenen, speziell in der Landfrage, an- n e h m b a r sind. Gouverneur v. Lindequist wollte Herrn v. Bennigsen nicht als Autorität gelten lassen, wobei zu beachten ist, daß die Regierung v. Bennigsen als Kommissar in die sehr wichtige Landkommission delegiert hat, als Kenner der einschlägigen Verhältnisse. Unterstaatssekretär im Schatzamt T w e l e, der an- scheinend selbst von den Plänen der Kolonialverwaltung sehr über- rascht war, erklärte: die Mitteilungen betreffend die 5000 Mann sind keine Erklärung en der verbündeten Regierungen, das Schatzamt wisse nichts von diesen Plänen, die lediglich als persönliche Auffassungen zu bcttachten seien. Tableau!— Genosse Singer beantragte hierauf Vertagung der Kommission,' bis die Regierungen klipp und klar sagen, was beabsichtigt sei und was werden solle. Gegen die sozialdemokratischen und freisinnigen Stimmen wurde der Antrag abgelehnt. 'Gouverneur v. Lindequist erklärte der Kommissivn, daß von der Durchführung der vom Reichstage auf Antrag der Sozialdemokraten angenonmrenen Resolution, die die Verminderung der Truppen auf ein Minimum forderte, gar keine Rede sein könne. Er weigere sich als Gouverneur entschieden, der Resolution stattzugeben und werde nötigenfalls ohne weiteres die Konsequenzen ziehen! Das Zentrum stellte hierauf den Anttag, die Truppenzahl vom 1. April 1907 ab auf 2500 Mann herabzusetzen, statt auf 8200 Mann, wie die Regierung vorschlägt. Wird das Zentrum fest bleiben, oder auch diesen seinen Antrag ebenso schmählich preisgeben, wie es schon Dutzende ähnlicher Anträge trotz„bestimnitester" Erklärungen preis- gegeben hat? Bielleicht betreibt das Zentrum wiederum nur Pressionspolitik, um den Freund Roeren ein wenig zu rächen. Die ReichstagSersatzwahl im 11. badischrn Wahlkreise. Mannheim, 6. Dezember. (Privatdcpesche deS„Vorwärts".) Die Reichstagsersatzwahl für den KreiS Mannheim, die durch den Tod deS Genossen Drceöbach nöttg wurde, ist von der badischen Regierung auf den 2v..Januar 1907 angesetzt worden. Mehrere bürgerliche Blätter wissen bereits den Namen des Genossen zu nennen, den die Mannheimer Sozialdemokratie mst der Kandidatur betraut habe. Alle diese Meldungen beruhen auf mehr als Vermutungen. Die Aufstellung deS Kandidaten findet auf einer Konferenz des Wahlkreises statt, die am Sonntag, den 9. Dezember, in Mannheim tagen wird._ Nationalliberaler Parteitag der Provinz Sachse«. Die Partei der politischen Mollusken hat dieser Tage in de» alten Saalestadt Halle einen Provinzialparteitag abgehalten. Was dort Verhandelt worden ist, läßt sich mit Sicherheit nicht festste! da die Leitung der Konferenz in der ahnungsvollen VorauSflchtz Etzsellschaft daß die Verhandlungen Anlaß zu spöttischem Gelächter geben könnM prnkte der die Oeffentlichkeit ausgeschloffen hatte. Als Ersatz für die Nicht- zulassung der Presse teilt die„Saaleztg." mit, daß beschlossen worden sei, bei den künftigen Reichstags- und Landtagswahlen zu- nächst von Ka.r teilen und Kompromissen abzusehen und nur da, wo von vornherein ein Erfolg auf andere Weise nicht zu erwarten steht, mit links- oder rechtsstehenden Parteien Wahl- bündnisse zu schließen. Das in früheren Wahlperioden in einer An- zahl von Wahlkreisen bestehende Kartell zwischen Konser- vativen und Nationalliberalen wurde als nicht mehr vorhanden betrachtet. Für die Reichstagswahlen hat der Beschluß nur geringe Be- deutung, da schon bei den letzten allgemeinen Wahlen in achtzehn von den zwanzig Wahlkreisen der drei Re- gierungsbezirke Magdeburg, Merseburg und Erfurt die Nattonal- liberalen selbständig vorgegangen sind. In Jerichow I und H haben sie sich in der durch den Tod deS Fürsten Herbert Bismarck notwendig gewordenen Nachwahl in der Zwischenzeit eben- falls von den Konservativen getrennt; es bleibt dann nur noch der Wahlkreis Nordhausen übrig, wo nach dem jetzigen Beschluß die Tremmng von Konservativen und Antisemiten stattfinden müßte.— Mojsc-Schmocks. Das„Berliner Tageblatt" zeichnet sich durch eine geradezu wunderbare Konsequenz und Stetigkeit seiner politischen Haltung aus. In seinem heutigen Entrefilet über die gestrige Polendebatte mokiert es sich über den nationalliberalen Hakattsten Büsing, der den unerhörten Mißbrauch des Fürsorge- Erziehungs-Paragraphen ganz in der Ordnung gefunden hatte. Das Mosse-Blatt schreibt: Den nämlichen Standpunkt vertrat auch der nationalliberale Abgeordnete Büsing; das hinderte ihn aber nicht, auf die Sache einzugehen. Auch er betoute, daß die Anordnung der Fürsorgeerziehung bei vielen Tausenden von Kinder» kein geeignetes Kampfmittel gegen den Schulstteik sei. Im übrigen aber hat er gegen eine vereinzelte Anwendung des FürsorgeerziehungSgesetzes auf streikende Schulkinder nichts cinzu- wenden! Ein wunderlicher Standpunkt, den Herr Bebel denn auch sofort genügend glossierte. Also der Standpunkt Büsings ist ein„wunderlicher". Nun, der Standpunkt des„Berliner Tageblatts" ist noch erheb- lich wunderlicher! Schrieb es doch vor erst vierzehn Tagen in einem Leitarttkel: „Ist also juristisch das Vorgehen des Amtsgerichts Zabrze durchaus unanfechtbar, so könnte vielleicht das politische Bedenken erhoben werden, daß man mit einer solchen Maßregel nur Märtyrer schaffe, und daß gerade katholische Kreise, welche bisher das Verhalten der Polen gcmiß- billigt haben, nun diesen wieder ihre Sympathien schenken würden. Dem kann jedoch durch ein sehr einfaches Mittel vor- gebeugt werden: Man braucht die Kinder, welche der Für- sorge der Eltern entzogen werden, nicht in ZwangserziehungS- anstalten zu geben, sondern, da das Gesetz aucki die Unterbringung in einer Familie zur Erziehung vorsteht, könnte mau sie iir deutsche, gut katholische Familien geben.... Freilich, die 40 000 im Posenschen stteikeuden Schulkinder kann mau nicht sämtlich ihren Eltern wegnehmen. Aber wenn in Rom eine Legion meuterte, wurde auch nicht die ganze Mannschaft, sondern nur der zehnte Mann bestrast, und mit dieser Ungleichheit des Schicksals erreichte man am rasche st en eine Unter« werfung der Meuterer. Welche Kinder die Zwangs- erziehung am meisten verdienen, oder wiilche Eltern aus ihre Kinder den schädlichsten Einfluß ausüben, das werden die zu- ständigen Lehrer schau wissen." Man sieht: die Mosse-Schmocks können schreiben rechts und schreiben links! Erst feiern sie das Vorgehen vermittelst deS Für- sorge-ErziehungS-Paragraphen als eine preisenswerte, besteiende nationale Tat, und 14 Tage später rempeln sie einen National« liberalen an, weil er den Standpunkt zu vertreten wagt, den sie selbst zwei Wochen vorher so energisch verteidigten!— Genosse Hauch vor dem Kriegsgericht. Mannheim, 6. Dezember. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Verhandlung gegen den Genossen Redakteur H a u t h von der„Volksstimme" wegen angeblicher Fahnenflucht findet morgen vor dem hiesigen Kriegsgericht statt.— Zur Fleischteucruilg. Die Fracht für die Beförderung frischen Fleisches mit der Eisenbahn erfährt eine Herabsetzung. Der Landes- eisenbahnrat hat in seiner heutigen Sitzung mit großer Mehrheit der Vorlage der Staatsregierung über Ermäßigung der Stückgut» und Wageuladungssrachi für Fleisch von stischgeschlachtetem Vieh zugestimmt. Es wird also künftig frisches Fleffch als Eilgut zum gewöhnlichen Frachtsatz befördert. Für den EinzelhauShalt hat die Maßregel kaum Bedeutung, wohl aber für die Verbraucher großer Flcijchquantitäten, wie z. B. Hotels, Speisehäuser, Gastwirte, Fleischhändler usw.—_ Bcrufsvcrcinsgesctz und Gesellschaft für soziale Reform. Der Ausschuß der Gesellschaft für soziale Reform hat am 4. Dezember zum Gesetzentwurf betreffend die gewerblichen Berufsvereine einstimmig folgende Eni- schließung gefaßt: Auf Grund der Referate der ReichStagsavgeordueten Basser- mann und Giesbcrts hat der'Ausschuß der Gesellschaft für Soziale' Reform am 4. Mai 1901„ein Gesetz zur Regelung der Rechts» Verhältnisse der Berufsvereiue als Notwendigkeit und Gebot der Gerechtigkeit" gefordert. Indem der Ausschuß an diesem Ver- langen festhält, gibt er der llebcrzeugung Ausdruck, daß der jetzt dem Reichstag vorliegende Entwurf in sehr vielen und wichtigen Punkren den Bedingungen widerspricht, dercw Erfüllung für eine freie und gedeihliche Entwickelung der Berufs- vereine— und zwar derjenigen der Arbeitgeber und der Arbeit- nehmer nötig ist. Rückhaltlos wird der Fortschritt an- erkannt, den die Vorlage durch die vermögensrechtliche Sicherung und die Erweiterung des-Koalition s- und Vereinsrechtes den Berufsvereinen gewährt. Aber dieser Fortschritt wird gehemmt, ja zerstört durch die Einschnürung der Bewegungsfreiheit und das willkürliche Ermessen der Aufsichts- behörden. Insbesondere sind die Bestimmungen über den Bereich des Gesetzes und den Begriff des Berufsvereins Wils zu eng. teils ganz unklar gefaßt. Die Befugnisse der Verwaltungsbehörden ebenso wie die Vorschriften über Pflichten und Rechte der Vor- stände, Beamten und Mitglieder der Berufsvereiue schlagen deren Tätigkeit geradezu in Fesseln. Die Auferlegung der Haft- Pflicht gibt in ihrer Allgemeinheit die Handhabe zu schikanöser Be- drängung. Die Vorschriften für die Entziehung der Rechtsfähigkeit stellen durch ihre Dehnbarkeit das ganze Leben der Berufsvereine in Frage. Würde der Entwurf in dieser Form Gesetz, so müßte dies ein toter Buchstabe bleiben, da die Verbände der Arbeit- geber und der Arbeiter die Erwerbung der Rechtsfähigkeit ver- schmähen würden. Um aber den BerufSvcreinen die Vor- teile der vermögensrechtlichen Sicherung und der Erweiterung ihrer Bewegungsfreiheit zu gewinnen, gibt der Ausschuß der Gesellschaft für Soziale Reform dem Wunsche und der iffimng Ausdruck, der Reichstag möge den Entwurf im Sinne »er den tatsächlichen Bedürfnisien der Berufsvereine entsprechenden ien und gerechten Regelung ihrer Rechte und ihrer Pflichten dern und ausbauen, wie die? zugleich auch im Interesse des aeinlvohls liegt. Die vorstehende Resolution zeigt, daß der Ausschuß der für soziale Reform immer mehr sich dem Stand» Scharfmacher nähert. Wer von einem.Fort« schritt, Ja gar einer„Erweiterung Hes Koa- litionsrechts" Kirch die Vorlage nach den klären Dar- legungen Legiens im Reichstage noch sprechen kann, zeigt, daß ihm jegliche Kenntnis des Grnndgedankens, der Tendenz, der koalrtionsrechtsfeindlichsten Vorlage fehlt. Einige Gewerkschaften, die ihr Koalitionsrecht dem Ermesien der Unter- nehmer und der von ihnen instruierten Polizei überlassen, sollen in- sofern nach der Vorlage besser als solche Gewerkschaften gestellt werden, die ihr Menschenrecht behaupten und benutzen, sollen nach der Vorlage das Recht haben, in ihren Streik- brechervereinen auch Minderjährige und Frauen aufzunehmen und sollen, so lange es der Polizei und dem heiligen Unternehmertum gefällt, das Recht haben, auch klagen zu dürfen— das ist es. was die soziale Reformgesellschast„rückhaltlos als Fortschritt anerkennt* als„Sicherung und Erweiterung des Koalitions- und Vereinsrechts bezeichnet. Es ist gut, daß der Ausschuß für soziale Reform seinen reaktionären Pferdefuß so deutlich offenbart. Nach derselben Logik war der von v. Berlepsch, dem Vorsitzenden der„Gesellschaft für soziale Reform", im Jahre 1891 im Reichstage eingebrachte Ent- Wurf auf Verschärfung der Strafbestimmungen des§ iöS G.-O. und damit verschärfter Bestrafung der Ausübung des Koalitionsrechts eine„Sicherung und Erweiterung des Koalitionsrechts".— Der ReichstagZwahlkreis Eschwege-Schmalkalden(Provinz Hessen Nassau), der durch die(im heutigen Reichstagsbenchte mitgereilte Mandatsniederlegung des Antisemiten Raab vor eine Nach Wahl gestellt wird, ist ein viel umstrittener Kreis, der zahlreiche Nachwahlen gesehen und dessen Vertretung in den letzten zwanzig Jahren mannigfach gewechselt hat. Von der Wahl von 1887 an, wo die Sozialdemokratie zuerst in größerer Zahl im Wahlkreise auftrat, gestalteten sich die Wahlergebnisse wie fol Soziald. Frei kons. 1887....... 1478 10 542 1890....... 3213 0 214 Engere Wahl....— 7 009 1893....... 3 765 4 280 Engere Wahl....— 4832 1894(Ersatzwahl)... 5,605 3 106 Engere Wahl.... 6797— 1898....... 5 246 3 431 Engere Wahl.... 6429 9216 1903....... 6 485 3 812 Engere Wahl.... 7039— 1904(Ersatzwahl)... 5 837 3 519 Engere Wahl.... 7 649— greis. 1806 6 952 9714 2 844 3 495 8 071 4 546 10 348 4 089 Sintis. 3 809 6 879 3 826 9 964 2 410 3 809 4 552 9 861 UcBcIricchcnbe Quellen. Die„R h.- W e st f. Ztg." sagt über Bebels Darstellung der Affäre Peters: „Den„Fall Peters", wie er sich nach seinen übelriechen- den Quellen abgespielt hatte, trug er dem Hause noch einmal in breitester Behaglichkeit vor." Die„übelriechende Quelle", auf die sich Bebel bei seiner Dar- stellung stützte, ivar die Urteilsbegründung dcs Diszi- plinargerichtShofes, die über die„Henkersnatur" abzu- urteilen hatte. So ist die Ordnungspresse: ein Gerichtsurteil, das ihr nicht paßt, lästert sie als eine„übelriechende Quelle". Für die Sozialdemokratie soll aber die von Herrn Roeren so vernichtend charakterisierte afrikanische„Justiz" unantastbar sein. Des ferneren bezog sich Bebel bei seiner Brandniarkung des Hänge-Peters auf ein Buch, das PeterS selbst über seine Emin Pascha-Erpedition geschrieben hat. In der Tat eine„übelriechende Quelle" I Der Bundesrat erteilte in der heutigen Sitzung seine Zu stimmung den Ausschußberichten über die Etats für das Auswärtige Amt und das Reichsschatzamt, den Etat der Zölle, Steuern und Gebühren, die Etats für das Reichsamt des Innern und das Reichs- loloniolamt, sämtlich auf das Rechnungsjahr 1907 sowie über den Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Feststellung des Haushalts- etatS für die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1907 nebst dem zugehörigen Hauptetat und die Spezialetats der Schutzgebiete.- Dnlckfchlcrberichtigung. In dem Leitartikel der gestrigen Nummer haben sich einige sinnentstellende Druckfehler eingeschlichen. In der ersten Spalte, 22. Zeile von unten, mutz es„Förderung" statt „Forderung" heißen, also:„unter Kontrolle des Bundes über die Förderung und die Frachtsätze". Ferner sind in der zweiten Spalte, 21. Zeile von oben, die Worte:„ein Vorzugszolltarif und außer- dem" fortgefallen. Der betreffende Satz lautet demnach:„Ferner wird dem überseeischen Handelsverkehr für die Philippinen ein Vorzugszolltarif und außerdem eine große Kriegsflotte verheißen Huslanct Oesterreich. Die Wahlreform. I Der denkwürdige Kampf, den Oesterreich— bis auf die letzte, die Herrenhausphase— nun hinter sich hat, ist von so großer, so einschneidender Bedeutung, daß man den histori scheu Verlauf der Ereignisse seinem Gedächtnisse einzuverleiben trachten muß. Am 6. Oktober 1905 sah sich die Oesterreichische Re gierung gezwungen, dem Drängen des Volkes endlich nachzw geben, das die Kurienschmach satt hatte und eingereiht zu werden verlangte in die Schar der. modernen Nationen, die sich nicht mehr abspeisen lassen mit den„Segnungen" uralter und veralteter Institutionen. Die Sozialdemokratie zumal hatte � sich zu machtvollen Kundgebungen wider die .Privilegienwirtschaft erhoben, und so war dem Kampfe fürs allgemeine, gleiche Wahlrecht von vornherein eine mutige Schar energischer, zäher Streiter sicher. Und in der Tat— es entbrannte ein Kamvf. wie ihn— von anderen Ländern zu schweigen— Oesterreich noch nicht erlebt hätte. Dem gewaltigen Aufmarsch der Prager Arbeiter vor dem böhmischen Landtag am 19. Oktober folgte der unver- geßliche 23. November des Jahres 199g, an welchem Tage Hunderttausende und Aberhunderttauscndc Wiener Arbeiter und Arbeiterinnen, Studenten, Bürger, Kaufleute vor dem Parlament vürbeidefilierten und in einer der wuchtigsten aller je dagewesenen Demonstrationen ihres Herzens Wunsch in unverkennbarer Deutlichkeit darlegten. An diesem selben 28. November ließ die Regierung durch Gautsch ver künden, daß sie die Unerläßlichkeit der Wahlreform ancr kenne, und nun war die Bahn frei zum Sturm auf die vlte Feste. Am 23. Februar 1996 wurden die Vorlagen eingebracht, am 7. März begann die erste Lesung, die bis zum 23, desselben Monats währte. Am 27. März ward der aus 49 Mitgliedern zusammengesetzte Wahlreformausschuß gewählt, der seine Ar- beiten schon tags darauf begann und sie nach einer Riesen- arbeit von 7 M c> n a t e n beendete. Während der Kämpfe war Gautsch gefallen. Ihm folgte Hohenlohe, der bald wieder von Beck abgelöst wurde. Ilm 1. Dezember fand die zweite Lesung und die dritte Lesung im Plenum statt, und jetzt.hat Oesterreichs Volk sein redlich verdientes Wahlrecht im sicheren Hafen; denn daß das Herrenhaus es wagen könnte, gegen denWillen der erdrückenden Mehrheit der Nation seine Zustimmung zu versagen, das kann man nicht annehmen. Ter Wille des Volkes ist so deutlich, so klar gezeichnet, daß nur ein Haus von Wahnsinnigen es wagen könnte, ihm Trotz zu bieten, und der Versuch könnte dem österreichischen Herrenhaus sein Dasein kosten.— Italien. Das Ende der Beamtenobstruktion. Rom, 4. Dezember.(Eig. Ber,) Der Verband der Zollbeamten hat nach fünftägiger Dauer der Obstruktion die Beendigung des Kampfes beschlossen. Da die Beamten ihre Forderungen nicht durchgesetzt haben, glaubt der Minister Sieger geblieben zu sein. Aber es handelt sich recht eigentlich um einen Pyrrhussieg'; denn der Finanzminister hatte die Forderungen des Zollpersonals unberücksichtigt gelassen aus Rücksicht auf die Staats- einnahmen und auf die Disziplin. Nun hat aber die Obstruktions- kampagne den Staat viel mehr gekostet, als die Bewilligung der Beamtenforderungen für die Daner von 10 Jahren gekostet haben würde I Auch hätte die Disziplin jedenfalls einen weniger schweren Stoß erlitten, wenn der Minister dem Drängen der organisierten Beamtenschaft nachgegeben hätte, als sie ihn erlitten hat durch die von den höheren Beamten dem Obstruktion treibenden Per- sonal anfgezwungenen Pflichtverletzungen: Zu Hunderten sind in diesen Tagen Bulletins über Zollrevisionen ausgestellt worden/ ohne daß die Waren auch nur besichtigt worden wären. Die höheren Beamten unterzeichneten unermüdlich Dokumente, die sie dem Reglement nach nun und niminer ohne eine Reihe von Förmlich- leiten unterzeichnen dursten. Sie gaben das Beispiel der größten Pflichtvergessenheit und versuchten eS, diese auch von den linker- gebenen zu erzwingen. Daß solche Dinge die Disziplin nicht stärken, sollte selbst ein Mnister einsehen. Was den Eimiahmeiiausfall der Zollbehörden betrifft, so belief er sich in den ersten drei Tagen der Obstruktion allein in Genua auf 162 566 Lire. Wenigstens ergibt sich diese Summe als Differenz der Einnahmen der drei ersten Tage der vorigen Woche und denen der entsprechenden Tage der Obstruktionswoche. Bedenkt man, daß überall Obstruktion getrieben wurde, so kann man den Gesamt- schaden des Staates für verminderte Erhebung von Zollgebühren auf mehrere Millionen veranschlagen. Die Wirkungen der Obstruktion dauern heute noch fort. In Rom sind mehrere tausend Postpakete angekommen, die auf der Grenze in C h i a s s o nicht revidiert worden sind. Man hat einige zwanzig Beamte angestellt, um die Arbeit nachzuleisten. Die Zollbeamten haben also bewiesen, daß sie solidarisch ihre Sache zu vertreten verstehen und jederzeit die Mittel in der Hand haben, um dem Ministerium die allerärgsten Schwierigkeiten zu be- reiten. Das Ministerium seinerseits hat gezeigt, daß es geradezu r'ussi sch e Ansichten von Beamtendisziplin hat und lieber ein paar Millionen zum Teufel gehen läßt, als einem schlecht bezahlten Personal einige tausend Lire zu bewilligen. Durch 290 telegraphisch verfügte Strafversetzungen glaubt der naive Minister Massimim Disziplin und Prestige gerettet zu haben. Amerika. Sehr vernünftig! Washington, 5. Dezember. Die Kommission des Senats für auswärtige Angelegenheiten hat beschlossen, einen günstigen Bericht über das Algecirasabkommen erstatten zu lassen. Die Senatoren Spooner, Lodge und Baron sind bestimmt worden, eine Resolution zu verfassen, in der erklärt wird, daß die Vereinigten Staaten nicht beabsichtigen, sich in die Regelung europäischer Slngelegenheiten in Marolto einzumischen. Es verlautet, daß die demokratischen Senatoren gegen den Vertrag stimmen werden, wenn nicht eine solch: Verzichtleistung angenommen wird!! kommunales. Stadtvcrordneten-Versammlung. 36. Sitzung vom Donnerstag, den 6. Dezember, nachmittags 5 Uhr. Zunächst findet heute eine gemeinschaftliche Sitzung beider städtischen Behörden statt zur Wahl von 27 Mit- gliedern und 15 Mitgliederstellvertretern in die Einkommensteuer- Bcrufungskommisston, Oberbürgermeister K i r s ch n e r führt den Vorsitz. Die von dem Ausschuß für Unbesoldete vorgeschlagene, Liste wird durch Zuruf angenommen., Hierauf eröffnet Borsteher Dr. LangerhanS die Verhandlungen der Stadtverordnetenversammlung um 5?1 Uhr mit einem Nachruf für den verstorbenen Stadtv. Friederici(A. L.), den lang- jährigen Vorsitzenden des Rcchnungsausschusses. Die Anwesenden ehren das Andenken an den Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. In den fünfgliedrigen Ausschuß zur Vorberatung der Vorlage wegen Ucbertragung der Verwaltung zweier Schulgrundstücke an andere Vcrwaltungsdeputationen ist auch Stadtv. Dr. Arons (Soz). deputiert. In dem niedergesetzten Sonderausschuß ist das Zusatz- abkommen zu dem Vertrage von 1899 zwischen der Stadt und der Aktiengesellschaft„Berliner Eleltrizitätswerke" mit großer Mehrheit en bloc unverändert angenommen worden. Eine eigentliche Spezialberatung hat im Ausschüsse gar nicht statt- gefunden. Referent ist Stadtv. Jacobi Ihre Ausführungen gingen doch dahin, daß heute durch die Manipulationen der Gerstenimporteure in den norddeutschen Seehäfen dem Betrug Tor und Tür geöffnet sei. Sie wollen die Unklarheit, die Sie selber mitgeschaffen haben, ausnutzen, um möglichst alle importierte Gerste mit 4 M. zu verzollen. Im Interesse einer besseren Ernährung unseres Volkes aber kann es nur liegen, wenn die Futtergerste zu einem möglichst niedrigen Zollsätze hereinkommt.(Bcisall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Paasche(natl.): Bei der Beratung des Zolltarifs wurde damals erklärt, es werde alles mit 4 M. verzollt werden, was nicht Futtergerste ist. Graf Posadowsky hat seinerzeit gesagt, es könnte alle Gerste denaturiert werden, die zu dem niedrigen Zoll- satz eingeführt wird. Das Gewicht ist durchaus kein sichere- Unter- scheidnngsmerkmal der Malz- und der Futtergerste. Man sollte jedenfalls noch einmal ernstlich ins Auge fassen, alle Gerste zu denaturieren, die zu dem billigen Satz als Futtergerste eingeführt wird, um jeden Mißbrauch unmöglich zu machen.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Preußischer Finanzminister v. Rheinbabrn: Wir haben alle Ver- anlassung, dafür zu sorgen, daß die hochwertige Braugerste nicht zu dem geringen Zollsatz von 1,30 M. eingeführt wird, sowohl im Interesse der Landwirtschaft als in dem der Reichskasse. Wir haben aber auch keinen Anlaß zu der Annahme, daß dies in erheblichem Umfange geschieht. Die Handhabung der Gerstenzollordnung durch die Beamten bewegt sich durchaus in der Absicht des Gesetzes. Ein solches Ungeheuer, wie Herr Speck meinte, ist die Gerste nicht, ihre Bestimmung nach dem Gewicht ist im all- gemeinen möglich, und außerdem besteht die Bestimmung, daß auch Gerste bei minderem Gewicht als 65 Kilo pro Hektoliter den höheren Zollsatz tragen oder denawriert werde» muß, wenn aus der besonderen Beschaffenheit oder aus anderen Umständen hervorgeht, daß sie zur Malzbereitung geeignet ist. Abg. Kaempf(frs. Vp.): Nicht eine Verschärfung, sondern eine Milderung bei der Handhabung der Gerstenzollordnung ist not- wendig. Die gute schwere Braugerste und die ganz leichte billige Futtergerste sind sehr leicht zu unterscheiden. Aber jeder im Gerstenhandel Tätige weiß, daß noch eine mittlere Sorte existiert von 60 bis 62 Kilo pro Hektoliter. Das ist gerade die die zu Brennzwecken Verwendung findet, und diese Gerste ist auS unserem Import leider völlig verschwunden, weil sich kein Importeur der höheren Verzollung aussetzen kann. Dies ist umsomehr zu be- danern, als gerade diese Gerste eine gute Futtergerste ist und mit der minderwertigen Futtergerste, die jetzt allein ins Land kommt, kann natürlich auch nur minderwertiges Vieh aufgezogen werden. So trägt auch hier unsere Zollgesetzgebung zur Verschlechterung der Volksernährung bei. Abg. Hufnagel(k.) betont, daß man verlangen könne, daß die Herren vom Bundesrat sich an ihre früheren Erklärungen hielten. Abg. Gothein(frs. Vgg.): Der Bundesrat konnte gar nicht anders verfahren als nach den Bestimmungen der russischen und öfter- reichischeu Handelsverträge, deren nähere Ausführung die Gerstcnzoll- ordnung ist. Wie Herr Kaempf verlangen auch wir nicht Verschärftmg, sondern Milderung der Handhabung der Zollgesetzgebung.(Bravo! bei der Freisinnigen Vereinigung.) Abg. Stauffer(bahr. Bayernbund): Wir verlangen nicht eine Differenzierung der Gerste, sondern lediglich, daß die als Braugerste zur Verwendung kommende Gerste den höheren Zollsatz von 4 M. zahlt.(Heiterkeit links.) Wir verlangen gute Futtermittel. Zur Fleischfrage, Herr Südckum, haben meine Freunde sich bereits gefragt, ob sie nicht eine Interpellation einbringen sollen:„Was gedenkt der Reichskanzler zu tun, um dem fortwährenden Fallen der Fleischpreise Einhalt zu tun?"(Schallendes, anhaltendes Gelächter links.) Soweit find wir, meine Herren!(Erneute Heiterkeit.) Machen wir doch einen Strich durch die ganze Gerstenzollordnung. Wir sind zufrieden damit, daß der Staatssekretär erklärt hat, jede Gerste, die zu Brauzwecken geeignet ist, muß denaturiert werden. (Große Heiterkeit links.) Abg. Gamp(Rp.): Herr Gothein sollte mit seinen ländlichen Wählern mehr Fühlung nehmen: es Hai ihn ja allerdings nur der kleinste Teil der ländlichen Wähler gewählt— als das kleinere Uebel seinem Gegenkandidaten gegenüber.(Heiterkeit.) Herr Kaempf sollte sich über die landwirtschaftliche Kardinalfrage besser unter- richten. An dem Gerstenbau sind überwiegend kleine Bauern inter- essiert.(Beifall rechts.) Abg. Kohl(Z.): Ich bedauere, daß kein bayrischer Bundes- bevollmächtigter das Wort genommen hat, obwohl ein solcher während des größten Teils der Sitzung anwesend war. Es handelt sich hier um ei» wichtige- Bodenprodukt Bayerns. Wenn wieder große wirtschaftliche Fragen hier zu lösen sind, so werden wir uns nicht mit unklaren, verschwommenen Erklärungen zufrieden geben, sondern solange fragen, bis wir klare Antworten erhalten haben. (Beifall im Zentrum.) Abg. Stolle(Soz.): Schon bei der Beratimg des Zolltarifs im Jahre 1003 ist über den Gerstenzoll des langen und breiten verhandelt werden. Namentlich waren es Vertreter aus Süddeutschland, die sich über den Gerstenzoll bitter beschwerten. Der Abg. Gerstenberger führte dabei aus, im allgemeinen erwarte man in Süddeutschland nicht viel von Preußen, aber doch hielte man es nicht für nötig, daß die preußische Regierung die süddeutschen Staaten zurückgesetzt hätte, wie es in der Frage des GerstenzolleS geschehen ist. Deuffch- lands Getreideprodnktion beträgt etwa 28 Millionen Tonnen jährlich, wovon etwa 7—3 Millionen direkt zum Verkauf kommen. Fast drei Viertel der Gesaniternte findet in der eigenen Wirtschast Verwendung. Nur der kleinere Teil dient zun, menschlichen Ver- brauch, der größere lvird verfüttert. Ein großer Teil der Getreide- ernte wird also, wie wir sehen, durch die Viehhaltung verwertet. Der Brotgetreideverbrauch in Deutschland beträgt etwa 1 Milliarde Mark gleich 6 Millionen Tonnen. Die Viehhaltung dagegen ver- braucht für etwa 2 Milliarden Mark Futterkorn. Der deutsche Ge- treideban verwertet demnach sein Erzeugnis durch V c r k a u f für 1l/z Milliarden Mark, durch Verfüttern ng für 2 Milliarden, durch Brotverbrauch fiir 1 Milliarde Mark. WaS ist denn nun der Grund der Differenzierung der Futter- gerste gegenüber der Malzgerste? Schon bei der Beratung des Zolltarifs 1903 wurde gesagt, daß bei einer großen Zahl von Wirt- fchasten die Intensität so hoch gesteigert ist. daß sie nicht weiter getrieben werden kann, daß vieunehr die Wirtschaften gezwungen sind, Futtermittel zuzukaufen. Ich habe damals schon die Frage aufgeivorfen, welche Wirtschaften es denn eigentlich sind, toelche gezwungen tonren, Futtermittel zuzukaufen. Nun, das sind eben die Kleinbauern, das sind eben die Million Klein- besitzer, welche nicht in der Lage sind, ihre Produktion noch zu steigern und die doch auf ihrem kleinen Areal einen größeren Viehstand halten müssen als sie nach der Menge des Futters, das sie s e l b st erzeugen können, zu halten in der Lage find. Angesichts dieser Tatsache ist es geradezu ein Verbrechen, den Gerstenzoll auf- recht zu erhalten und diesen kleinen Wirtschaften ihre Futter- mittel in unnötiger Weise zu verteuern.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Sie wollen die Grenze nicht öffnen, Sie wollen die Viehzölle nicht beseitigen, was doch notwendig wäre, um der Fleischnot zn steuern. Das deutsche Volk leidet infolge der Unterernährung, die durch die hohen Fleischpreise hervor- gerufen ist. Millionen von Arbeitern und Kleingewerbetreibenden werden schwer geschädigt infolge Ihrer Wucherwirtschaft, durch die nur einige wenige Großgrundbesitzer mehr Gewinn einheimsen. � tLeb» hafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Unterernährung zeigt sich auch darin, daß, wie ans dem Geschäftsbericht des Konsum- Vereins„Haushalt" für Mcerane und Umgegend hervorgeht, im letzten Jahre gegen das Vorjahr 52>/z Zentner Butter loeniger, dafür aber 110 Zentner Margarine verkauft worden sind!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Treiben Sie Ihre Wucherpolitik nur noch ein Jahr lveiter und Sie werden die Quittung bei den Wahlen erhalten.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdeinokraten.) Abg. Nißler(k.): Die Ausführungen des Abg. Dr. Südekum gipfelten hauptsächlich in einer Belehrung des Bauernstandes, wie er sein Vieh füttern soll. Ich glaube, daß er der allerletzte ist, der zu solchen Belehrungen geeignet ist.(Sehr wahr! rechts.) Es kann nicht geleugnet werden, daß ein großer Prozentsatz von Braugerste als Futtergerste eingeführt wird. Wir bitten daher die verbündeten Regierungen, daß die Gerste, die zu dem niedrigen Zollsatz von 1,30 M. eingeführt lvird, genau untersucht wird.(Bravo! rechts.) Abg. Speck(Z.): Wundern muß ich mich, daß die äußerste Linke für Liebesgaben für die Brennereibesitzer eingetreten ist. Anscheinend geht ihre Abneigung gegen den Zolltarif so weit, daß sie einfach gegen jeden höheren Zoll auftritt. Die beklagten Schäden haben ihren Grund in der laxen Handhabung der AusfiihrungSbestimmungen in Norddeutschland. Darum möchte ich den Herrn Staatssekretär bitten, jedem weiteren Mißbrauch der Einführungsbestimmungen einen Niegel vorzuschieben.(Beifall im Zentrum.) Staaissekretär Frh. v. Stengel: Ich stehe den Anregungen des Herrn Vorredners durchaus sympathisch gegenüber, insbesondere der letzten Anregung, etwaigen Mißbräuchen auf diesem Gebiete vor- zubeugen. Abg. Stauffer(bahr. Bauernbund): Ich habe mich vorher ver- sprachen. Ich meinte nicht eine Interpellation wegen der sinkenden Fleischpreise, sondern wegen der sinkenden V i e h p r e i s e.(Heiterkeit links.) Damit schließt die Debatte. Präsident Graf Ballestrem teilt mit, daß der Abg. Raab(Ant.; sein Mandat niedergelegt hat. Hierauf vertagt sich das Haus auf Freitag 12 Uhr. Der Präsi- beut schlägt folgende Tagesordnung vor: Beratung der Algecirasakte, Interpellation Speck über den Import schwedischer Eisenerze, 3. Lesung des Gesetzes über das Urheber- recht an Werken der bildende» Künste und Photographie, 3. Lesung des Gesetzes betr. Abänderung der Gewerbeordnung(kleiner Be- fähigungsnachweis. Abg. Stychcl(Pole) beantragt, auch die Interpellationen über den polnischen Schulstreik auf die Tagesordnung zu setzen. Präsident Graf Ballestrem: Bei der gegenwärtigen Geschäfts- läge erscheint dies untunlich. Ein Anspruch darauf, daß eine Interpellation an zwei Tagen verhandelt wird, kann nicht anerkannt werden. Abg. Bebel(Soz.): Ich möchte namens meiner Freunde er- klären, daß wir deni Antrage Stychel zustimmen. Der Grundsatz, daß sür die Besprechung einer Interpellation nur ein Tag zur Verfügung stehen soll, ist früher niemals znr Anwendung gekommen. Abg. Stychel(Pole): Es ist uns gestern versprochen worden. daß wir Gelegenheit erhalten sollen, auf die gegen uns gerichteten Angriffe zu antlvorten. Der Antrag deS Abg. Stychel wird gegen die Stimmen der Linken, der Polen und einiger Mitglieder des Zentrums a b- gelehnt. ES bleibt bei der vom Präsidenten vorgeschlagenen Tagesordnung. Nächste Sitzung: Freitag 12 Uhr. Schluß 7 Uhr._ Die russische Revolution. Der Aufmarsch der Parteien. Wenden wir uns nun der Einzclbetrachtung der Haupt- Parteigruppen zu. I. M o n a r ch i st i s ch- r e a k t i o n ä r e Parteien. Die Gcschichte der russischen Konterrevolution ist' die Ge- schichte der Zarciimanifestc. Beginnend nnt dem Manifest vom 18. Februar 1905, da mit dem unklaren Versprechen einer Volksvertretung„alle wohlgesinnten Männer zur Ausrottung der Meuterei in unserem Lande und zum vernünftigen Widerstand gegen alle inneren Wirren" angerufen wurden, war jedes weitere Zurückweichen der Regierung begleitet von aktiver Unterstützung der konterrevolutionären Elemente und planmäßiger Organisation von schwarzen Banden. Die Ent- hüllungen von Urussow, Lopuchin und Pjctnchow haben sonnenklar erwiesen, daß die schwarzen Horden, von Agenten der Negierung organisiert, im Auftrage der Regierung das Land terrorisierten. Wohl wendet sich Ehren-Stolypin schainhaft von ihnen ab, um vor Europa das Dekorum zu wahren, in Wirklichkeit aber üben die Mord- gesellen des„Verbandes russischer Männer" und ähnlicher Gruppen den größten Einfluß auf die Regierungspolitik aus. Wiederherstellung des Absolutismus ist ihr Ziel, Kampf bis aufs Messer um die unbeschränkte Gewalt der Bureaukratie und ihre eigene Machtstellung ihr Programm. Bilden sie eine Gefahr für die freiheitliche Bewegung? Zweifellos, aber nur, so lange das Heer der Regierung noch zur Verfügung steht. Auf ihre eigene Kraft an- gewiesen, sind sie null und nichts und stürzen beim ersten Siege der Demokratie über das absolute Regime in sich selbst zusammen. Irgend welchen Erfolg bei den bevorstehenden Wahlen können sie ans keinen Fall erwarten; sie sind nnd bleiben der Abschaum des russischen Lebens, gleich verhaßt in fast allen Schichten des Volkes. Die Regierung sucht in ihren offiziellen Klindgebungcn ihre blutige Leibgarde zu verleugnen, während sie im geheimen 10 Millionen Rubel für deren Wahlagitation angewiesen hat und die Gouverneure in den Provinzen die Tätigkeit dieser Mordgesellen unverhüllt fördern. Als offene Verbündete sind sie der Regierung unbequem geworden; denn mit Progranmis wie:„Nieder mit der Goldwährung!",„Mehr Papiergeld anfertigen!",„Es lebe die Selbstherrschaft" kann die bankrotte Regierung schlechterdings nichts ausrichten. Sie braucht andere Bundesgenossen: Repräsentanten des Geldsacks und des Großgrundbesitzes, die— sür„vernünftige" Freiheit und für die Unantaslbarkeit des Privaignindbesitzes kämpfend— als Stützpunkt dienen können im Kampfe gegen die verhaßte Revolution. In erster Linie ist es die„Partei der Rechtsordnung" und der„Verband vom 17./30. Oktober", die als Regierungs- Parteien in Betracht kommen. Bei den ersten Wahlen konnten sie nur einige wenige Plätze erringen, jetzt werden sie wohl etwas mehr Erfolg haben. Wenn die„Partei der Rechts- ordnung" auch noch weiter rechts steht und sich vielerorts mit dem„Verband der russischen Männer" solidarisiert, so gibt es zwischen ihr und dem Oktoberverband doch keinen nennens- werten Unterschied. Beide rekrutieren sich aus denselben Schichten der Bevölkerung, und beide vertreten dieselben Klassenintcressen. Das liberal gefärbte Programm der Okto- bristen ändert nichts an dieser Sachlage, denn in ihrer prak- tischen Tätigkeit sind und bleiben sie eine Schntztruppe der Reaktion. Die Position dieser beiden Parteien ist durch die letzten Semstwowahlen, die fast ausschließlich konservative Elemente zum Sieg führten, gestärkt, auf Zuzug aus anderen Kreisen aber als denen der Großbourgeoisie und der Agrarier können sie schwer- lich rechnen. Selbstverständlich hat das„Deutschtum" der baltischen Provinzen das Programm der Oktobristen als Maximum von politischen Freiheiten anerkannt und sich mit ihnen konsolidiert. Wohl oder übel mußten die edlen deutschen Balten im Oktoberverbandc landen; denn eine konservativere Partei stand ihnen— da die„wahrhaft russischen Männer" den Deutschen feindlich gesinnt sind— nicht offen! Der Oktoberverband ist sich in seiner Taktik treu ge- blieben: Im Oktober 1905 protestierte er gegen die Revolution, im Dezember begrüßte er Dubassow als Retter Moskaus, im August 1906 erklärte er die Feldgerichte als notwendiges Beruhigungsmittel und jüngst proklamierte er den permanenten Kampf mit der Revolution. In der„Partei der friedlichen Erneuerung" kommt das liberale Mäntclchcn zum Vorschein:„Wir rufen Euch, Bürger, in unsere Reihen zum Kampf fiir Freiheit und Kultur, zum Kampf gegen alle Verletzungen der konstitutionellen Prinzipien. von welcher Seite sie auch ausgehen mögen"— so heißt es in ihrem Wahlaufruf!„Ausgehend von der Anerkennung des unbedingten Wertes der Persönlichkeit und die Reinheit der freiheitlichen Bewegung über alles stellend", wendet sich diese Partei„gegen den revolutionären Anarchismus der radikalen Parteien" und spricht sie sich bedingungs- los � für solche Repressalien gegen jene aus, die „ethische Prinzipien nicht verletzen",„streng gesetzlich" sind und von einer„das Vertrauen des Landes genießender Gewalt" ausgehen. Der Oktoberverband in moralisierender, gefühlsstrotzender Ausgabe! Es ist dieselbe Partei, die den Staatsstreich des Zaren als gesetzlich anerkannte! Echte Spießer, haben sie heillose Angst vor den Revolutionären, die sie sich ohne Bomben gar nicht vorstellen können und sind sie bereit, vor der verhaßten Bureaukratic tausendmal zu Kreuze zu kriechen, ihr wie bisher gefügig zu sein, von keiner poli- tischen Veränderung zu träumen, wenn nur die„Ruhe" im Lande wieder hergestellt wird. Sie hätten gegen„maßvolle" Freiheit— mit entsprechenden Beschränkungen für den Plebs— nichts einzuwenden, wenn sie von anderen erkämpft würde; sie sind aber zu allen Schandtaten bereit, wenn die gesegnete Bürgerruhe durch die Revolution gestört wird. Alle feigen Elemente des Bürgertums werden sich voraussichtlich hinter den schönen Phrasen dieser Partei verstecken, ihre Stimme für die Reaktion abgeben und nach Kräften die gottlose Revolution bekämpfen. Ein Gemisch von idealistischem Phrasengedresch und reaktionärer Spießerwut, hat diese Partei keine Zukunft. Eine vorüber- gehende Schöpfung der politischen Reaktion, wird sie mit ihr zugleich im Orkus versinken. (Fortsetzung folgt.) Hub der Partei. . Von der russischen Parteikonferenz. Die wichtigste Frage, die auf der Tagesordnung der vor kurzem stattgefundenen Konferenz der russischen Sozialdemokratie stand, war zweifellos die Frage über die W a h l t a k t i k. Die gefaßte Resolution ich den Lesern bereits bekannt, aber die vorangegangenen Debatten und die näheren Umstände ihrer Annahme entbehren auch nicht eines bedeutenden allgemeinen Interesses. Im Laufe der Diskussion haben sich klar und deutlich zwei Gruppen geschieden: die eine, bestehend aus der Fraktion der „Majorität"(6 Stimmen), den Vertretern der polnischen Sozial- Demokratie(ö Stimmen) und der lettischen Sozialdemokratie (3 Stimmen), hielt in dem von ihr eingebrachten Rcsolutionsent- wurf Wahlabkommen nur in äußersten Fällen und nur mit den- jenigen Parteien für zulässig, die für die demokratische Republik und den bewaffneten Aufstand eintreten. Mit den bürgerlich- liberalen Parteien aber, z. V. mit den Kadetten, sind Wahl- abkommen unmöglich, denn sie sind es. die durch ihre verräterische Haltung den Sieg der russischen Revolution verzögern. Das Haupt- augenmerk in der Wahlkampagne müßte daher auf die Ausklärung der Volksmassen über die Gefahr und den Schaden gerichtet werden, die für die weitere EntWickelung der Revolution entstehen würde, falls es den Kadetten gelänge, sich an der Spitze der Bewegung zu stellen. Der Standpunkt des anderen Teiles der Konferenz- Mitglieder, bestehend aus der Fraktion der„Minderheit" (11 Stimmen) und den Vertretern des jüdischen Arbeiterbundes (7 Stimmen), ist ein wesentlich anderer: den Grund der äußersten Langwierigkeit der russischen Revolution sehen sie in der politischen Rückständigkeit breiter Volksschichten und besonders des Klein- bürgertums. Gewiß sei der Kampf gegen die schwankende, uu- zuverlässige Taktik der Liberalen, die Aufdeckung ihres Klassen- charakters durchaus am Platze, aber nicht der Kampf gegen die Kadetten, sondern der Kampf gegen die Reaktion sei jetzt die Haupt- fache, denn das Zustandekommen einer reaktionären Duma würde eine schwere Schädigung der revolutionären Bewegung bedeuten. Daher müsse man selbst die Kadetten unterstützen, wenn im ent- gegengesetzten Falle der Sieg eines Reaktionärs wahrscheinlich ist. Die von dieser Gruppe eingebrachte Resolution wurde auch schließ- lich angenommen, und, um ihre einheitliche Durchführung zu sichern, wurde bestimmt, daß innerhalb jeder Organisation die Minderheit sich den Beschlüssen der Mehrheit zu fügen habe, wenn sie von der zuständigen Instanz gefaßt sind und sich im Rahmen der Partei- konferenzresolutionen und der Direktiven des Zentralkomitees be- wegen. Zur Wahllosung wurde, wie es auch nicht anders zu erwarten war, einstimmig die Idee der konstituierenden Versammlung be- stimmt,-deren revolutionärer Charakter im Gegensatz zum gc- mäßigten untz vorsichtigen Wesen der bürgerlichen Parteien in der Wahlkampagne hervorzuheben ist. Daß die Wahlkampagne auch Zwecken der Organisation des Proletariats dienstbar gemacht werden niuß, auch darüber waren sich die Konserenzmitglieder einig. Heiße Debatten entspannen sich um den vom Zentralkomitee eingebrachten Entwurf eines Aufrufes, der als Wahlplattform dienen sollte. Er wurde einer scharfen Kritik unterzogen und auf Anregung der Vertreter des„Bundes" und der„Majorität" wurden wichtige Zlegde.rungen ugd Ergänzungen vorgenommen, die cinetonfezuesjers Durchführung des Klassenstandpunktes des Proletariats und eine schärfere Hervorhebung der prinzipiellen und taktischen Momente, die es von den bürgerlichen Parteien trennen, bezwecken. Außerdem wurde Der Begriff der nationalen Selbstbestimmung klarer definiert und auf die Mittel zur Befriedigung der Kulturbedürfnisse der Nationen hingcivicscn. Einen weiteren wichtigen Gegenstand der Beschäftigung der Konferenz bildete die Frage über den allgemeinen Arbeiterkongrcß, die aus Vorschlag der polnischen Sozialdemokratie auf die TageS- ordnung gesetzt wurde, worin sie alle Gruppen, außer der„Minori- tät" unterstützten. Tie Debatten, in denen sich hauptsächlich die beiden Fraktionen der russischen Sozialdemokratie gegenüberstanden, waren äußerst erregt und heftig, jedoch gelang es schließlich, eine von den Vertretern des„Bundes" vorgelegte Resolution zur An- nähme zu bringen, die die Frage vom Standpunkt der Partei- disziplin betrachtet. Ohne den freien prinzipiellen Mcinungs- austausch innerhalb der Organisation zu beeinträchtigen, zieht die Resolution der Agitation für den Gedanken eines unparteiischen Arbeitcrkongrcsses gewisse Schranken, um ihr den desorgani- satorischen Charakter zu rauben, den sie an einigen Orten mit der Zeit angenommen hat, indem durch Hinstellung der Partei als einer „Jntelligentcnorganisation" die Arbeitermassen ihr entfremdet wurden. Diese Resolution wurde gegen die Stimmen eines Teiles der„Minorität" angenommen. Die übrigen zwei auf der Tagesordnung stehenden Fragen konnten infolge Zeitmangels nicht zur Verhandlung kommen. Der nächste Parteitag wurde aus spätestens den 15. März 1g07 festgesetzt. Was die Bedeutung der Konferenz noch erhöht, ist die zum erstenmal stattfindende Beteiligung der nationalen sozialdemokra- tischen Organisationen und die Rolle, die ihnen dabei zugefallen ist. Es ist eine traurige und beklagenswerte Tatsache, deren Vertuschung aber eher Schaden, als Nutzen zu stiften geeignet wäre, daß die Zwietracht zwischen den beiden Fraktionen der russischen Sozial- demokratie noch immer kein Ende gefunden hat. Und wenn es trotz ihrer heftigen Fehde gelungen ist, auf der Konferenz zur Beschluß- fassung zu kommen, so ist es der lebhaften Teilnahme der nationalen sozialdemokratischen Organisationen am Parteilebeu zu danken. Ihre Anwesenheit ist es, die den Beschlüssen der Konferenz mora- lischen Wert und Autorität in den Augen 1-r Parteimitglieder verleiht, da sie auf diese Weise tatsächlich von der Mehrheit der Partei und nicht nur von einer Fraktion der russischen Sozialdemokratie gesaßt sind._ Hessische Parteigenossen und der Glückwunsch an den Grosshcrzog. Die Frankfurter„Volksstimine" berichtet aus Friedberg(Hessen) vom 3. Dezember: Am Sonnabendabend fand hier eine stark besuchte Partei- Versammlung statt, die sich bei Punkt 2 mit dem bekannten Vor- gange in der hessischen Kammer befaßte. Nach eingehender Debatte wurde folgende Resolutton einstimmig angenommen:„Die heute in der Koiikordia in Friedberg tagende Parteiversaminlung der- urteilt auf das Entschiedenste daö Verhalten der sozialdemokrati- schen Abgeordneten im hessischen Landtage, indem sie die bekannte Adresse an den Großherzog unterschrieben. Indem in dieser Adresse der Wunsch ausgesprochen wird, daß der Prinz einst zum Segen des Landes regieren inöge und berufen sein wird, die Geschicke des Landes zu leiten, haben sich unsere Vertreter durch Unterzeichnung dieser Adresse in Widerspruch gesetzt mit den Grundsätzen der Partei. Die Bersainmlung ist empört darüber, daß Parteigenossen als Ab- geordnete daS Vertrauen der Genossen in solcher Weise mißbrauchen und hofft, daß die kommende Landesversammlung dieses Verhalten rügen wird." Von einer Unterzeichnung einer Adresse durch die sozialdemokratische Fraktion der Zweiten hessischen Kammer war uns bislang nichts bekannt geworden. Trifft die Darstellung zu, die die Friedberger Resolution gibt, so ist der Verstoß gegen die Grund- sähe der Partei noch größer als wir zunächst annehmen konnten. Daran ändern alle Vorbehalte der betreffenden Rede des Genossen David nichts. Internationale Solidarität. In der Mitgliederversammlung des Parteivereins für Wandsbeck wurden am Dienstag, der Auf- forderung des Parteivorstandes entsprechend, 200 M. als Beihülfe zum Wahlfonds der russischen Genossen bewilligt. Eventuell sollen noch Sammellisten in Umlauf gesetzt werden. Eine neue Parteispaltung in Rußland. Krakau, 6. Dezember. 3,29 Uhr nachm. (Privatdepesche des.Vorwärts'.) Der hier tagende neunte Parteitag der polnisch-sozia- listischen Partei(R P. S.) hatte die Spaltung in zwei Fraktionen zur Folge. Näherer Bericht folgt. H polizeiliches, Gerichtliches ufw. Strafkonto der Arbeiterbewegung. Im Monat November wurden an Strafen verhängt 2V, Jahre Zuchthaus, 8 Monate 1 Woche und 4 Tage Gefängnis, 7 Wochen Hast und 2414 M. Geldstrafen. Soziales. Bon der Wirksamkeit deS Berliner JnnungSschiedSgerichtS. Leider schließt daS Jnnungsschiedsgericht die Zuständigkeit der Gewerbegerichte auS. Wiederholt sind uns Klagen über die Er- schwerung der Geltendmachung von Klagen vor dem JnnungS- schiedsgericht vorgetragen. Klagen über.Rechtsbelehrungen" der Kläger auf dem Bureau des JnnungSschiedSgerichtS sind uns wieder- holt vorgetragen. Wären sie nur einmal unS überbracht, so hätten wir angenommen, es liege ein Mißverständnis der Kläger vor. Die Häufigkeit ganz gleicharttger Beschwerden beweist uns, daß ein Mißverständnis der Kläger ausgeschlossen ist. Danach sind Rechtsuchendcn auf dem JnnungSschiedSgerichtS- bureau ganz wundersame„Rechtsbelehrungen" zuteil geworden. Ein Geselle will wegen Nichtinnehaltung der geletzlichen(14tägigen) Kündigungsfrist Klage auf Schadenersatz erheben. Der Schreiber fragt ihn. ob mehr als 20 Personen in dem Betriebe des Meisters beschäftigt sind. Auf die verneinende Antwort erklärt der zur Aufnahme von Klagen bestellte JnnungS- beantte: Dann ist die Klage aussichtslos, die gesetz- liche Kündigungsfrist gilt für kleinere Betriebe n i ch t I! Der Mann, der wagt, einen solchen Unsinn dem Arbeiter einzureden, lehnte die Aufnahme der Klage als aussichtslos ab. Erst nachdem der zunächst verblüffte Geselle sich bei seiner Organisation Auskunft geholt hatte und bei einem zweiten Besuch deS Bureaus kategorisch, verlangte, daß seine Klage Auf- nähme finde. wurde sie protokolliert. Auf die Frage. ivelcheS Gesetz denn die Bestimmung enthalte. daß Arbeiter in kleineren Betrieben keine Kündigungsfrist hätten, blieb der Be- amte der Innung die Amworl schuldig. In anderen Fällen lehnte derselbe Herr ebenso gesetzwidrig es ab, eine Klage auf Schaden- ersatz wegen Nichteinhaltung der Kündigungsstist vor Ablauf der Kündigungsfrist anhängig zu machen. Andere Klagen gehen dahin, daß der Schreiber die Voraus- zahlung von 2,70 bis 3 Mark Gerichtskosten vor der Aufnahme der Klage begehrt— ein vielleicht nicht direkt gesetzwidriges, aber sicher für schleunige Rechtsverfolgung höchst ungeeignetes Verlangen. Arbeitern, die mit dem Jnnungsschiedsgericht als Kläger in Be- rllhrung kommen, möchten wir den dringenden Rat erteilen, sich durch die falsche Rechtsbelehrung im JnnungSbureau nicht verblüffen zu lassen. Den Bureaugehülsen geht es zwar nicht» an, ob die Klage nach seiner Anficht aussichtslos ist. Die Arbeiter mögen aber nicht verabsäumen, von ähnlichen Vorfällen ihrer Or- ganisation Kenntnis zu geben, damit diese das Erforderliche gegen die JnnungSemrichtung der Besetzung ihres Bureaus mit auf„Aus- fichtslosigkeit" gestimmten Kräften bei der Gewerbedeputalion als Aufsichtsinstauz veranlaßt und den Schaden, den heute die Recht- sprechung der JnnungSschiedSgerichtS durch Rechtsverzögerung an« richtet, auf ew möglichst kleines Maß herabdrückt. Der Notschrei eineS Landarbeiters. Unter wie entsetzlich untvürdigen Verhältnissen die ländlichen Arbeiter leben müssen, davon legt folgender Brief eines pommerschen GutStagclöhners an den Berliner Vorstand des Fabrik-, Land- und HülfsarbeiterverbandeS ein geradezu klassisches Zeugnis ab. Er lautet: Poststempel: Penkum. Abschrift Geehrter Herr, ich ersuche in meine Roth und kumer eine bitte um Hilfe oder Raht was ich machen sol, ich habe in Elektrischen Bahnhof zu Pankow gearbeitet und von 1. Oktober habe ich mir von einen Vermitler auS Berlin in ein Gutt abschicken lassen. Hier habe ich so schlecht das nicht zum aushalten ist, ich habe so schlechte Wohnung das kein Vieh im Winter nicht wohne» kann, den öteu diesen Monat hat meine Frau kleines Kind bekomen, kam die Hcbam, da war in die Stube wie in Eiskeler ich hatte kein bischen Feurung. von 1 oktober habe ich ö Ctr. Brikcts bekomen das ist schon lange zu kochen verbraucht, und jetzt wen ich verlange Feurung den schicken sie einer zur ander, der Rittmeister zu in Sckpekter der Schpekter zun�Hof- m e i st e r dabei haben sie nienialS zeit, muß man 2—3 Stunden stehen bis ein Sak Torf bekamt, das muß auf ganze Woche reichen, das ist zu kochen sehr wenig und in Ofen heizen ist keine Rede. Ich habe genomen 3 Schfl. Roggen 9 Ctr. Kartofel und 10 Mark, das sind schon zwei Monate, meine Familie bin ich, Frau, und 8 Kinder, jetzt habe ich verlangt daS sie mir was geben solen ich habe kein Lebensmittel kein Geld da ha� mir der Schpekter gesagt ich habe schon mehr ausgenomen wie ich Verdienst habe, ich knn nicht weiter, ich war bei Amts- Vorsteher und amtsgericht die wolen mir nichts helfen, ich wil nur das der Gutsherr mir entlassen soll. Hier in diese Gegend ist kein Mensch wo ich mich wenden soll, ich will»ichtS weiter nur sich von hier los machen darum mögte ich bitten in meine Roth mir helfen von hier sich loS machen. Arbeiter August B. in Gutt F r i e d e f e l d bei Penkum in Pomern. Der gutsherr heißt B o r ch e r t. Nachschrift: Wegen meinen Kontrakt hat mir der Ber- mithler gesagt er weiß nicht genau was für Kontrakt er mir geben soll, ich soll nur hin Reisen und mit dem Gutsherrn selbst einen Kontrakt machen, ich kam dahin und habe ich von dem Gutsher einen Kontrakt Verlangt, hat er mir gesagt er hatt von d e m Bcrmicthler einen Kontrakt bekomen, das hat mir der Schpektor vorgelesen, auf ganzes Jahr 230 Niark, 30 Schefel Roggen. 7 Ctr. Gerste, 40 Ctr. Vrikets und Kartoffelland, ich habe aber keine Kar- t o f f e l er hat mir 70 Ctr. versprochen und meine Arbeit ist als Pferdeknecht da muß ich jeden Morgens um 3 Uhr in der Statt sein, ich habe auch zwei Junge die auch zur Arbeit gehen, die bekomen Lohn einer 60 und der Andere 50 Pfennig pro Tag. ich bin jetzt schon zweite Woche krank, die Frau war bei dem Gutsherr er soll mir nach Krankenhaus schicken, das wolte er nicht. Oder soll er uns entlassen, das w o I t e auch n i cht. es ist noch viel mehr was zu beschreiben, ich kann das nicht fertig bekomen weil ich zu schlecht schreiben kann. Ergebenst August B. Dieser in seiner Einfachheit und Ungelenkigkeit geradezu er- schlitternd wirkende Brief wirft auf die elende Entlohnung und die mittelalterliche Abhängigkeit der pommerscheu Gutsarbeiter ein Schlaglicht, wie es greller kaum zu denken ist. Mau vergegenwärttge sich: ganze 230 M. Barlohn bekommt der Mann für ein langes, langes Jahr, und das bei einer Arbeitszeit, die morgens um 3 Uhr beginnt und spät abends endet. Feuerungsmaterial und Naturalien sind ebenfalls unzureichend. Jedoch nicht nur die Arbeitskra't des Mannes nutzt der Gutsherr gegen solchen Janstnerlohn aus, nein auch seine Kinder muß der Pferdeknecht ihm zur Ausnutzung über- liefern, und zwar für 50 und 00 Pf. Lohn pro Tag. Eigentiimlich berührt auch die ganze Art des Kontraktabschlusses. Der Inspektor verliest den Kontrakt und damit fertig. Nun ist der Arbeiter für das ganze Jahr gebunden und kein Gott befreit ihn davon. Geht er dennoch, so muß er gewärtig sein, auf Grund der Gefindeordnung zwangsweise wieder in den Dienst zurückgebracht zu werden, oder er sieht einer Reihe von Strafmandaten resp. entsprechender Haft entgegen. Das ist einfach die reine Sklaverei. Und da wundern sich die Agrarier noch, daß sich die Arbeiter aus den ländlichen Gefilden hinwegsehnen. Auf alles will dieser Arbeiter verzichten, wenn ih» der Gutsherr nur laufen läßt. Aber er wird festgehalten. Del Gutsherr besteht auf seinem Kontrakt, und Amtsvorsteher und Amts- gerichl helfen nicht. So zeigen sich uns die vielgerühmten„idyllischen" Zustände aus dem Lande in ihrer nackten Wirklichkeit. Kein Wunder, daß die Agrarier eingefleischte Gegner des Koalitionsrechtes der Land- arbeiter sind._ Aerzte und Krankenkassen. In Düsseldorf bereitet sich ein Kampf zwischen Aerzten und Krankenkassen vor, der ein sehr erbitterter zu werden verspricht. Seit Einführung der freien Arztwahl find die Ausgaben für Arzenei und auch für Krankenunterstützungen in den Düsseldorfer Orrskranken- lassen ganz enorm gestiegen. Die betreffenden Kasten sehen sich veranlaßt, entweder die Beiträge zu erhöhen oder die Familien- Versicherung fallen zu lassen. Jetzt kommen die Aerzte auch noch und verlangen den Abschluß von Verträgen auf die Dauer von fünf Jahren mit erhöhten Honorarsätzen. Merkwürdigerweise werden nicht gleiche Sätze von den verschiedenen Kassen gefordert; während man bei einer Kasse 4,45 M. als Pauschale festsetzt, wird von einer anderen 5,33 M. gefordert. Dabei sind die jetzigen Sätze so hoch, daß man 77 Pf. für jede Konsultation in der Sprechstunde und 1,15 M. für den Besuch deS Arztes im Hause des Patienten in Anrechnung setzen kann. Die Kassen wehren sich ganz energisch gegen das Vorgehen der Aerzte, und nahm eine Vertrauensmänner- Versammlung der organisierten Arbeiter Düsseldorfs folgende An- träge an: „Es ist vom Gewerkschaftskartell eine Liste von 45—50 Aerzten aufzustellen, die der Arbeiterschaft zur Konsultation zu empfehlen sind, alle nicht in diesem Verzeichnis stehenden Aerzte dürfen nicht in Anspruch genommen werden. Das Gewerkschaftskartell hat ferner in den Kreisen der organisierten Arbeiter für Au'klnnmg über die Aerzteforderungen zu sorgen und zu diesem Zwecke in der nächsten Zeit nach Möglich- keit Versammlungen zu arrangieren beziehungsweise für solche Referenten zu bestellen. Des weiteren ist eine besondere Koinmisfivn zu wählen, welche die Aufklärungsarbeit auf diesem Gebiete zu leiten und zu über- wachen hat."_ Ausbeutung und Mißhandlung von Kinder« durch Gutsbesitzer. Eine Gerichtsverhandlung, die am Mittwoch vor dem Land« Gericht Dresden stattfand, legte Zeugnis von der entsetzlichen Aus- eutung von Kindern durch Gutsbesitzer und der Dringlichkeit eines gesetzlichen Verbotes der Beschäftigung von Kindern init Landarbeiten ab. Der Guts- b e s i tz e r Zähnchen und dessen Frau wurden vom Schöffengericht in Lauenstein wegen gefährlicher Körperverletzung unter Ausschluß mildernder Umstände ersterer zu zwei Dionaten einer Woche, und letztere zu drei MonatenGefängnis verurteilt. Zähnchen, ein hochkonservattver Herr, war in der ganzen Umgebung von Dittersdorf dafür bekannt, daß seine Leute unter aller Würde von ihm behandelt wurden. Zähuchen und seine Frau waren so verschrien, daß es ihnen manch« inal kauni möglich war. Gesinde zu bekommen, denn außer un» menschlicher Behandlung waren die gezahlten Löhne— Hungerlöhne. Das Gesinde, IvaS denn Zähnchen wirklich noch bekam, hielt denn auch nie lange aus. und das Wechseln mit dem Gesinde hörte gar nicht mehr auf. Der ganze Wirtschaftsbetrieb litt unter diesem fortwährenden»Kommen und Gehen' ailßeordent« von einem " fo " lich; obgleich die Eheleute das wußten, dachten sie gar| schwedische Handelsvertrag allerdings einen Bassus, der den Zweck in die Tat um: in die bewußte, konsequente Erziehung der Kinder nicht daran, eine andere Behandlungsweise gegenüber ihrem hat, eine Einschränkung der Zufuhr schwedischen Erzes für die im Geiste der sozialistischen Weltanschauung, zum Sozialismus. Personal einzuschlagen. Sie famen im Gegenteil auf einen deutsche Eiſenindustrie zu verhindern, doch verpflichtet er Schweden Viel ist in dieser Beziehung von sozialistischen Eltern vernachGedanken, der ihnen zum Verhängnis werden sollte. Die von ihnen nur dazu, keinen Ausfuhrzoll auf seine Eisenerze zu legen. Eine lässigt worden, und es sind wahrlich nicht immer die lässigsteir gezahlten miserablen Löhne erschienen ihnen noch zu hoch, infolge- gewisse Beschränkung des Erztransportes auf der Bahn nach Kämpfer und Kämpferinnen gewesen, die dadurch gegen ihre Kinder dessen wollten sie sich auf die Kinderausbeutung legen. Narvik besteht aber bereits, seitdem diese Bahn gebaut ist und ihre Ueberzeugung gesündigt haben. Zähnchen erließ zu diesem Zwecke ein Jnserat, wonach zwei Kinder und das mußte wohl auch den den deutschen Unterhändlern Als Weltanschauung erfaßt, muß der Sozialismus eine lebengutgesinnten Ehepaar" in liebevolle beim Abschluß des Handelsvertrags bekannt sein. Bu Specs Inter- dige, fruchtbare Kraft für die Erziehung der proletarischen Kinder Pflege" genommen werden. Und richtig meldete sich auf diefes pellation bemerkte unser Bruderorgan„ Sozial- Demokraten":" Fürst werden. Indem er mit unerbittlicher Schärfe die äußersten Konse verlockend schön klingende Anerbieten eine arme Arbeiterin aus Bülow soll ihn( Speck) einfach darüber aufklären, daß, als die Bahn quenzen der modernen Gesellschaftswissenschaft wie der modernen Dresden. Da diese sich infolge anstrengender Arbeit nicht angelegt wurde, der schwedische Staat sich vorbehielt, ein Maximum Naturwissenschaft zieht, indem er geschichtlich gegeben sich aus der um ihre beiden Kinder fümmern konnte, gab fie diefe, des Erports zu bestimmen. Dieses Maximum ist seitdem von der Theorie von Gelehrten in die Praris des proletarischen Klassenein Mädchen im Alter von neun Jahren und einen Regierung auf eigene Verantwortung um weitere 300 Tonnen er- tampfes umfekt: bedingt er eine revolutionierte Stellung des Knaben im Alter von 7 Jahren, zu Zähnchen in der höht worden, mit Rücksicht auf die Kontinuität der Grubenarbeit. Menschen zur Gesellschaft und Natur, schafft er seine eigene PhiloHoffnung, daß den beiden Kindern eine liebevolle Pflege" zuteil Aber daß Deutschland Anspruch erheben könnte, Schweden vorzu- sophie und Ethik. Unter dem Drucke des Ringene der Klassen, werden würde. Es wurde ausgemacht, daß die Mutter für die schreiben, wie hoch diese Zahl sein soll, das wäre doch wohl ein welches das Proletariat auf den aufsteigenden Ast der Entwickelung Kleidung weiter zu forgen hat und daß dem Mädchen nach einiger wenig zu unverschämt, selbst für Herrn Specks Appetit." hebt, die Bourgeoisie dem absteigenden Aste derselben zustößt, gerät Zeit ein monatlicher Lohn von 2 M. gezahlt werden soll. Göteborgs Handelstidning" antwortet auf einen im Sinne er je länger je mehr und je schärfer in Gegensatz zu der bürgerFür die armen Kinder begann aber damit ein reines Martyrium. der Speckschen Interpellation gehaltenen Artikel in Scherls„ Der lichen Weltanschauung. Seine Grundlage in der Seelenstimmung, Sie mußten Arbeiten ausführen, die sonst dem Gesinde Tag": der Geistesrichtung, der Willensbildung der proletarischen Kinder zufielen. Die Ernährung der bedauernswerten Kinder tvar eine vollständig ungenügende, so daß sie in ihrer land vollkommen unwissend darüber wäre, daß zwischen den Geiste des Sozialismus eine immer dringlichere Aufgabe. UnNach diesen Ausführungen scheint es, als ob man in Deutsch kann daher nicht früh und nicht flar genug gelegt werden. In unseren Tagen aber wird die Erziehung der Kinder im Entwickelung zurückblieben. Damit die Rabeneltern Gefinde er norrbottenschen Grubengesellschaften und dem schwedischen Staat streitig wird heute in wachsenden Kreisen des Proletariats empsparten, ließen sie die Kinder allerlei Arbeiten ausführen. Das schon seit 1898 ein rein zivilrechtlicher Vertrag über die funden, daß der Sozialismus sich nicht damit begnügen darf. Mädchen mußte im Winter bei strengfter Kälte die Ställe ausmiften Regelung der Erztransportverhältnisse besteht, der unter feinen Um- Werkstatt und Fabrik zu erobern, daß er auch siegreich über die und auf dem Hofe Rüben waschen. Der siebenjährige Ständen zu einer größeren Transportquantität als 1 200 000 Tonnen Schwelle des proletarischen Hauses treten, daß die Betätigung soziaAnabe mußte für den ganzen Biehbestand( zehn verpflichtet. In der Natur der Sache liegt es, daß dieser zivilrecht liftischer Gesinnung bei der Erziehung der Kinder beginnen muß. Rinder und zwei Pferde) das Futter herbeisliche Vertrag nicht von internationalen Abmachungen über Ausfuhr- Es betundet das mehr noch als bloß die sich vertiefende Erkenntnis schleppen. Die beiden Kinder brachen manchmal bald zölle berührt wird. Das ist so selbstverständlich, daß die deutsche von der elterlichen Pflicht: Instinkt und Bewußtsein für die Beunter der Last der ihnen auferlegten Arbeit zusammen. Bresse gut täte, die Allgemeinheit zur Vermeidung fortdauernder dürfnisse des kämpfenden Proletariats. Das Suchen und Tasten Nicht genug, daß die armen Kinder bis zur Erschöpfung Mißverständnisse möglichst bald darüber aufzuklären. Wir Schweden nach Mitteln und wegen, die Kinder in einer ihrer Natur angearbeiten mußten, es ſetzte fogar bei jeber Gelegen find gewohnt, eingegangene Verträge loyal zu halten und können paßten Weise in die sozialistische Weltanschauung einzuführen, der heit Prügel. Bei diesen Züchtigungen tat sich besonders die uns nicht grundlose Infinuationen des Gegenteils gefallen lassen." anschwellende Ruf nach sozialistischer Kinderliteratur können daher liebevolle Pflegemutter" hervor, die neben allerlei Mißhandlungsinstrumenten auch Stallbesen, Besenstiele oder was ihr sonst gerade nicht furzerhand als Tageslaune und Tagesmode abgetan werden. Löhne und Ueberschuß. Sie find Symptome, daß das kämpfende Proletariat für neue Aufzur Hand war, verwendete. Die Kinder waren infolge diefer un- Die Gewerkschaft Steinkohlenbergwert Langenbrahm hat nach gaben neuer Werkzeuge und Rüstzeuge bedarf. menschlichen Mißhandlungen am ganzen Körper mit Beulen, Grinden ihrer Abrechnung pro September und Oktober aus 50 672 Tonnen Von diesen Gesichtspunkten geleitet, ist die„ Gleichheit" und Wunden bedeckt. Am schlimmsten wurde das Mädchen geschlagen. Kohlen eine Einnahme von 627 101 M. erzielt. Die Summe der vor zwei Jahren an den Versuch gegangen, durch eine e inderVon der Nachbarschaft waren die Züchtigungen des öfteren beobachtet gezahlten Löhne und Gehälter stellt sich auf 274 914 M., der Netto- beilage" ein weniges zur Lösung der Aufgabe beizutragen. worden, bis es zu bunt wurde und die Sache zur Anzeige gebracht betriebsüberschuß( zuzüglich 7213 m. sonstige Einnahmen) auf als dem Organ der kämpfenden Proletarierinnen lag ihr der Berwurde. Es wurde gegen die„ liebevollen Pflegeeltern" die Unter- 207 716 M. Es ergibt sich denmach pro Tonne Förderung eine such am nächsten. Die Proletarierfrau, welche das Leben ihrer suchung eingeleitet und alles in vollem Umfange bestätigt gefunden. Einnahme von 12,37 M., Lohntosten 5,42 M. und Nettobetriebs- Klasse bewußt mitlebt, empfindet besonders start die Notwendigkeit, Die Mutter war ob dieser scheußlichen Mißhandlungen und überschuß 4,09 m. miserablen Ernährung ihrer Kinder aufs höchste erregt. Das Schöffen- Ausgaben auf: für die Wasserhaltung 10 648,66 m., für den stom- mit der bürgerlichen Welt ringt. Der Versuch der Gleichheit" Die Abrechnung führt weiter noch folgende als Mutter eine Kämpferin zu sein, die um die Seele ihres Kindes gericht erkannte auf die oben erwähnte Strafe, welche den beiden preffor 15 738,87 M., für neue Dampffeffel 11 924,94 m., für Stamin begegnete daher unter den proletarischen Frauen vielen Sympathien. Berufung einlegten. Das Landgericht in Dresden stellte jedoch fest, Mart, für Beamtenwohnungen 12 985.81 W., für Betriebsgebäude gesteckten Bieles gerecht zu werden. Das ist zum Teil bedingt Bestien in Menschengestalt" noch zu hoch erschien und sie dieferhalb und Aschenkanal 6103,73 M., für die Lokomotivförderung 15 010,01 Trogdem ist er bis heute über die ersten bescheidenen Anfäße nicht hinausgekommen, den großen und schweren Anforderungen des daß sich das Ehepaar einer ganz schlimmen Ueberschreitung des 16 000 m., für den Bahnhofsumbau 2292,25 M., für Förderwagen worden durch die geringen materiellen Mittel, die für den Versuch Züchtigungsrechtes schuldig gemacht habe und daß eine empfindliche 1920,80 m., für Dampfpumpen 2000 M., für Grundstücke 22 644,60 aufgewendet werden konnten, und durch die verhältnismäßig sehr Strafe am Blaze sei. Die Berufung wurde deshalb verworfen. Mart, für die Arbeiterkolonie in Bergerhausen 1000 m., für den kleine Zahl von Mitarbeitern, die ihn mit Liebe und Verständnis Es läßt sich gegenüber der empörenden Ausbeutung, der förper- Ventilator 250 M, lichen, geistigen und sittlichen Verelendung, der die armen Kinder gefördert haben. Aber freilich: zum anderen, und zwar zum großen durch die„ lieben Pflegeeltern" ausgesetzt waren, nicht behaupten, Der verhaftete Polizeikommissar. Der Prokurist des Bank- Teil sind die Schwächen des Versuchs begründet in den mancherlei daß die Strafe eine" empfindliche" war. Die Abscheulichkeit des geschäfts Erich Riedel in Leipzig, der ehemalige preußische Polizei- inneren Schwierigkeiten der sich aufdrängenden Aufgabe selbst. Vorgehens der konservativen Gutsbesitzerseheleute hätte erfordert, kommissar Dittmann, wurde verhaftet. Es soll sich um Unterschleife Versuch noch nach zwei Jahren Lücken und Mängel aufweist, die So haben verschiedene Umstände zusammengewirkt, daß der daß sie wegen gemeinen Wuchers und wegen gemeinschaftlicher handeln. Die Geschäftsbücher sind beschlagnahint. Das Bankhaus wir peinlich empfinden. Wir denken dabei an erster Stelle daran, systematischer Mißhandlungen, begangen mittels gefährlicher Wert befaßte sich in der Hauptsache mit Darlehnsvermittelungen und unter- daß die Kinderbeilage" so gut wie gar nicht den Kampf gegen die zeuge, zu weit höheren Strafen und mit Ehrverlust bestraft wären. hielt über das ganze Reich Verbindungen. Aber nicht die geringe Strafe, nicht der einzelne Fall, bürgerliche Geschichtsverfälschung aufnehmen konnte; daß sie die nicht das Martyrium der beiden wie geschildert, mißhandelten sieben werksgesellschaft für das laufende Jahr wird auf 12 Proz. geschätzt zu pflegen vermochte, die ihr dank der Macht des Beispiels für Geschäftsergebnisse. Die Dividende der Gelsenkirchener Berg- Biographie bedeutender Persönlichkeiten nicht gemäß der Wichtigkeit und neunjährige Kinder ist das traurigste an dem Geschilderten, sondern daß ähnliche Kinderausbeutungen auf dem Lande leider( 11 Proz. im Vorjahre). Die Generalversammlung der Nürnberger die Entfaltung geistiger und sittlicher Kräfte zukommt. Von antypisch find und daß alle Bemühungen der Sozialdemokraten, diefen Herkuleswerke setzte die Dividende für das letzte Jahr auf 12 Broz. deren Mängeln zu schweigen. fest. Deffenungeachtet wagen wir einen neuen Versuch: die Heraus10 Proz. erhalten die Papierinhaber der Deutschen EisenbahnSchandfleck Deutschlands zu tilgen, bislang an der Macht zerschellt sind, die von reichen Gutsbesizern der konservativen und der industrie in Hamm genehmigten sich eine Dividende von 15 Proz. unsere Kinder". Wir entschließen uns zu ihm angesichts des Die der Westfälischen Draht- der Jahrgänge der Beilage Für Zentrumspartei in Deutschland ausgeübt wird. Sind es doch auch gerade diese Parteien, die den den Landarbeitern gegenüber geübten Geschäftsjahr 9 Broz. verteilte, schüttet diesmal 11 Proz. aus. Die Preußische Zentral- Bodenkredit A.-G., die für das vorige wiederholten und immer stärker werdenden Drängens, die KinderDie beilage der Gleichheit" weiteren proletarischen Kreisen als denen Raub des Koalitionsrechtes gutheißen. Befizer von Aktien der Dortmunder Union- Brauerei sollen neben der Abonnenten zugänglich zu machen; angesichts auch des lebhaften 20 Broz. Dividende, auch noch einen Gewinnanteil von 50 M. pro in die Hände ihrer Kleinen legen zu können. Was uns den EntWunsches der Genossinnen, die Nummern der Beilage gesammelt 1000 M. Aftien erhalten. Die Mitglieder der städtischen Wohnungskommission in Lechschluß erschwert hat, ist wahrlich nicht der Rückblick auf die wenig hausen( Oberbayern) kamen dieser Tage bei ihrem Kontrollgang in Gurko droht. Der Gehülfe des Ministers des Innern Gurko, ermutigenden Erfolge, welche die früheren Versuche zur Schaffung cine Wohnung, in welcher sich ihnen folgendes schreckliche Bild deffen Abschiedsgesuch nach Meldung der Blätter unabhängig von fozialistischer Kinderliteratur gefunden haben, obgleich sie sämtlich darbot: Die Wohnung" besteht aus einem einzigen dem Ergebnis der Getreidelieferungsangelegenheit angenommen Besseres verdient hätten. Es ist das Bewußtsein der Mängel, auf Zimmer, bestimmt für fünf Personen. In einer Ede werden wird, erklärt heute in einer Zuschrift an die Nowoje die wir bereits hingewiesen haben, und die in den gesammelten eine Schütte Stroh. Darauf liegt ein bleiches, hohläugiges, aber remja", daß er nach Abschluß der Untersuchung gegen die Verfasser Jahrgängen noch schärfer in Erscheinung treten. Möchte die Unnoch jugendliches Weib, an ihrer Brust einen Säugling. In der der in den Blättern veröffentlichten Mitteilungen über die Lidwall- vollkommenheit des Versuchs Fähigkeiten und Willen lösen, welche dazu beitragen können, die Kinderbeilage der Gleichheit" fünftigMitte des Zimmers fißen zwei weitere Kinder im Alter von zwei Angelegenheit die Verleumdungsflage anstrengen werde. und vier Jahren auf dem Boden. Sie schreien vor Hunger. Der hin immer mehr zu dem zu machen, was sie sein soll. Wir hoffen, daß die proletarischen Eltern neben den Schwächen des Versuchs übrige Inhalt des Zimmers besteht aus einem Nachttopf, einer alten Kiste und etwas Unrat sonst nichts! Aus allen vier Eden auch Vorzüge finden, die ihnen die Kinderbeilage lieb machen werden. grinft furchtbar das Elend! " Aus der besten aller Welten! Aus Industrie und Handel. Preiswuchertaktit. Wir wiesen schon darauf hin, daß die augenblicklichen Preisrüdgänge nicht ganz unbeeinflußt von planmäßigem Vorgehen sein dürften und daß sie bewußt dem gwede dienen sollen, den Bestrebungen auf Erleichterung der Vieh- und Fleischeinfuhr entgegenzuwirken. Das wird nun durch die Deutsche Fleischerztg." bestätigt: sie schreibt: " Hus der Frauenbewegung. An die Eltern! '11 " Von der Aufnahme unseres Verfuchs hängt es ab, ob derselbe nächstes Jahr, und zwar vervollkommnet, wiederholt werden wird. An den proletarischen Eltern, vor allem aber an den proletarischen Mütten liegt es, das Ihrige dazu zu tun, daß unsere bescheidenen Anfäße zur Schaffung sozialistischer Kinderlektüre sich fräftig weiterentwickeln. Die Redaktion der Gleichheit". Saffet uns unseren Kindern leben!" Diese Worte Fröbels müßten eine Losung für alle proletarischen Eltern werden, die ihrer persönlichen Verantwortlichteil ihren Nachkommen und ihrer Klasse gegenüber bewußt geworden sind. Eine Losung, der weit fassenden Bedeutung entsprechend, welche die Klassenlage und die geschichtliche Mission des Proletariats in sie hineinlegen. Lasset uns unseren Kindern leben", was besagt dies für die proletarijchen Mütter und Väter anderes als: Lasset uns tämpfen, um der bürgerlichen Ordnung die Voraussetzungen für das leibliche und geistige Emporblühen unserer Kinder zu entreißen; Schutz gegen Wehrwolfshunger des Kapitalismus nach billigem Kinder fleisch; ein Heim, das den zarten förperlichen und seelischen Kräften reine Luft und wärmenden Sonnenschein, verständnisvolle Fürsorge und belebende Heiterfeit gewährt; Eltern, denen die uße, die Spannkraft, der Wille eignet, durch Selbsterziehung für Gesundheitspflege. die Aufgaben der Erziehenden befähigt zu werden; eine Schule, die Menschen bildet, statt lebendige Werkzeuge der kapitalistischen Produktion und Diener ihrer sosialen Ordnung. " Der Rückgang der Viehpreise in den letzten Wochen ist nur darauf zurückzuführen, daß viele Landwirte mit der Deffnung der Grenzen bereits gerechnet haben und deshalb sich veranlaßt sahen, ihre Vorräte möglichst schnell zu verkaufen; andererseits ist er auch auf die Machinationen der landwirtschaftlichen Viehzentrale in Berlin zurüdzuführen, um der bevorstehenden Interpellation im Reichstage zuvorzukommen." Man wird die Machinationen der Schweinepolitiker bei Betarier noch eine andere Mahnung in sich: Lasset uns unsere Kinder Aber der Fröbelsche Spruch begreift für die fämpfenden Brole. sprechung der Interpellation über die Fleischnot gründlich unter die zu kämpfern für den Sozialismus erziehen, die mit. flarem Auge Lupe nehmen, damit die Regierung den faulen Zauber der Junker und kraftvoller Hand das Banner zum Siege tragen, das der Tod nicht dazu benußen kann, die geforderte Deffnung der Grenzen als unseren Händen entwindet. Lasset uns gegen alle feindlichen Genicht mehr notwendig abzulehnen. walten der herrschenden Ordnung den Kampf aufnehmen um den Geist unserer Kinder. Von den ersten Regungen seines Klaffenbewußten Lebens an Zum deutsch- schwedischen Handelsvertrag. hat das Proletariat den Kampf für seine Kinder gegen die kapitaDem deutschen Reichstag liegt bekanntlich eine Interpellation liftische Ordnung aufgenommen. Biel später erst beginnen aber des Zentrumsabgeordneten Spec vor, in der dem Reichskanzler die Massen der sozialistischen Eltern sich auf ihre Pflicht zu be nahegelegt wird, einer illoyalen Auslegung des deutsch- schwedischen sinnen, mit der Welt des Kapitalismus und ihren geistig vera Handelsvertrags fräftig entgegenzuwirken. Der Vorwurf der fflavenden Einflüssen auch um ihre Kinder fämpfen zu müssen. Jlloyalität wird der schwedischen Regierung gemacht, weil sie den Langsam reift die Erkenntnis heran, die im Kinde mehr sieht als Transport der Eisenerze auf der Bahn nach der norwegischen bloß den schußbedürftigen Pflegling von heute: den unentbehrlichen, Hafenstadt Narbit eingeschränkt babe. Run enthält der deutsch- wehrtüchtigen Kampfgenossen von morgen. Langsam seht sie sich Bahnhof Charlotten bury Wilmersdorferstrasse 111 Teleph.: Charlottenburg 6718 Bester Hoher Nährgehalt Teures Fleisch Billige Seefische Billige FleischErsatz Potsdamerstrasse 112 a, Tolophon: Amt V1, 7190 Hoch Bahnh Bülow Str Seefisch- Kochbücher gratis 000 Bhi Borse Hauptgeschäft Bahnhof Börse, Bogen 8-10 Nordsee Deutsche DampfFischereiGesellschaft Prinzenstrasse 30 Hoch Bahnhof Prinzen Str. Fernsprecher: Amt III, 8804 000 Seefisch- Kochbücher gratis " " Veranstaltungen. Charlottenburg. Mittwoch, den 12. Dezember, 8 Uhr, im Versammlungen Voltshause", Rosinenstr. 3: Vortrag. Gen. Störmer: Die Intereffen des weiblichen Proletariats." Lichtenberg. Montag, 10. Dezember, 8% Uhr, bei Gebr. Arnhold, Frankfurter Chaussee 5/6. Vortrag:" Der Kampf ums Recht." Schöneberg. Montag, 10. Dezember, 8 Uhr, bei Obst, Martin Lutherstr. 51. Vortrag des Herrn Dr. Bernstein: Deffentliche Groß- Lichterfelde und Umg. Montag, 10. Dezember, 8½ Uhr, bei Reifen, Groß- Lichterfelde, Chauffeestr. 104. Behlendorf. Sonnabend, 8. Dezember, bei W. Mied, Karlstr. 12: Kränzchen. Eintritt 25 Pf.- Mittwoch, den 12. Dezember, 8 Uhr: Versammlung bei W. Mied, Karlstr. 12. Wissenschaftlicher Zentralverein Humboldt- Akademie. Berlin W. Sonnabend, den 8. Dezember, abends 8 Uhr, findet in der Aula des Dorotheenstädtischen Realgymnasiums, Georgenstraße 30/31, der III. wiffenfchaftliche Abend statt. Vortragender ist Herr Dozent Dr. D. Stillich aus dem Gebiete: Politik und Sozialismus: Die Welt- und Gesellschaftsauffassungen der politischen Parteien in Deutschland." Der Zutritt ist für alle frei. Verein für die Intereffen der Hausangestellten. Unterhaltungsabend Sonntag, den 9. Dezember bei M. Mürich, Stegligerstraße 35. Deflamation, Gesang und Tanz. Anfang 6 Uhr. Gäste willkommen. mit Bahnhof Alexanderplatz Landsbergerstrasse 52 Seelachs 2025 pro Pid. schnitt PL. Kabeljau ohne Kopf 33 Pfg., Im Anschnitt 35 Pfg. Geräuch. Riesen- Lachsheringe 2 Stück 25 Pfg. Alle übrigen Sorten Seefische zu den billigsten Tagespreisen. Bahnhof Schlesischer A Madaistrasse 22 Niederbarnimstr. 14 Eröffnung unseres Neubaues Sonnabend, den 8. Dezember 1906 morgens 9 Uhr Kleiderstoffe Confection Wäsche Wollwaren Leinen Baumwoll Waren Tricotagen Kaufhaus Paul Held Nachf Gegrindar 1879 Kaufhaus Paul Held nachfl Elektr. Fahrstuhl durch alle Etagen 162 Invalidenstrasse 162 Mitglied des Rabatt- Spar- Vereins ,, Norden" Parterre Trikofagen Wollwaren Kurzwaren Passementerie Spitzen Korsetts Handschuhe Lager- Einteilung I. 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Zur Landesorganisation der preußischen daß der deutsche Parteivorstand in der Lage ist, auch noch die ganz die Borenthaltung zweier Gehaltszulagen und andere fachliche AnSozialdemokratie. " Die wichtigste Frage, die den zu Ende dieses Monats in Berlin zusammentretenden preußischen Parteitag beschäftigen wird die Frage der Landesorganisation ist von solcher Bedeutung für das gesamte deutsche Parteileben, daß eine ausgiebige Er örterung in den Spalten des Vorwärts" wie in der gesamten Barteipreffe wohl angebracht ist. Es wird deshalb kein Bedenken hervorrufen, wenn ich meine in Nr. 260 des Vorwärts"( zweite Beilage) gemachten Vorschläge gegen die Kritik zu rechtfertigen fuche, die sie in der Nr. 282( Hauptblatt) gefunden ja, die so fich entwickelnde Diskussion erscheint nötig, da bereits eine Reihe bon Wahlkreiskonferenzen meinen Vorschlägen zustimmten, bezw. fie zu den ihrigen machten, während die Kritik im Vorivärts" sie geradezu als parteischädigend bezeichnete. Inhalt. " Hülfsorgan von einem Parteitag gewählt wird. Nimmt man an, kollegium und beim Minister vergeblich erhobenen Beschwerde, die besondere Aufgabe einer preußischen Landesorganisation zu be- gelegenheiten betraf, zugleich aber auch sehr viel Persönliches entarbeiten, so muß diese Aufgabe auch auf dem deutschen Parteitag hielt. So sei unter anderem mitgeteilt gewesen, daß der Privatbehandelt werden, der allein befugt ist, dem deutschen Parteivorstand fläger zu einem älteren Kollegen gesagt habe: Betrachten Sie sich Aufträge zu geben, wie auch dieser Parteitag allein in der Lage als geobrfeigt". Nach Annahme des Senats feien nun die Lehrer ist, den Vorstand seinen jeweiligen Aufgaben entsprechend zu- und Lehrerinnen vom Direktor Blumberger mur zu jener sammenzusehen. Dazu bedarf es einer preußischen Landes- Sigung zusammenberufen worden, um sie zu beruhigen, um organisation überhaupt nicht. Um auf einen von ihr unabhängigen eventuellen Tätlichkeiten und anderen unliebsamen Vorgängen vor. Parteivorstand anregend und befruchtend einzuwirken", beruft man zubeugen und die Schule wie die Stadt Köln vor Schaden zu bes feine Landestonferenz aus einem Gebiet, das sich von Trier bis wahren. Allerdings habe Dr. Blumberger zu dem Zwecke aus einer Memel, von Hadersleben bis Myslowig erstreckt. Und kommt es für ihm gewordenen Auskunft mitgeteilt, daß die Mutter des Privatden deutschen Parteivorstand nur auf Hülfsorgane zur Lösung der flägers jahrelang in einer Nervenheilanstalt gewesen sei und daß sich preußischen Frage an diese sind durch die allgemeine Organi- die nervöse Erregtheit 8.8 aus einer erblichen Belastung erklären fation gegeben, die in Preußen stramm durchgeführt ist, und wo dürfte. Und dem habe Privatfläger hinzugefügt, man könnte vielleicht es noch etwa hapern sollte, so wie so durchgeführt werden muß. später davon Gebrauch machen, was ja allerdings 3. unmöglich Ist man aber der Meinung, daß die preußische Parteigenossen- machen würde. Unter Abwägung aller Umstände komme der Senat schaft als solche vertreten durch eine Landesfonferenz amtlichem zu der zu der Ueberzeugung, daß der Direktor aus großen preußischen Frage Stellung nehmen muß, so muß man Anlaß die Konferenz einberufen habe und daß eine Ueberschreitung ihr auch ein ganz von ihr abhängiges, von ihr zusammengesetztes, feiner Amtsbefugnisse nicht nachgewiesen sei. Es müsse deshalb von ihr kontrolliertes, von ihr beauftragtes Vollzugsorgan, zu das Verfahren gegen Blumberger endgültig eingestellt werden. gestehen. Und sind die Aufgaben streng umschrieben, so tann es Das Oberverwaltungsgericht würde die Beleidigungsflage demnach zwischen diesem Vollzugsorgan und dem Bollzugsorgan der deutschen nicht aufgehalten haben, wenn umgekehrt in bezug auf den Direktor Partei nichts anderes ist der deutsche Parteivorstand zu Zu- oder den Kultusminister der Oberlehrer Dr. Ziegler ähnliche Ansammenstößen bei einigermaßen gutem Willen nicht kommen. fichten geäußert hätte, wie die über ihn amtlich verbreiteten. Dann ist es auch gar nicht nötig, daß die Angelegenheiten immer in zwei verschiedenen Körperschaften beraten und beschlossen werden müssen". Die Teilnahme eines Mitgliedes des deutschen Parteivorstandes am Landesausschuß soll, abgesehen von der gewiß wertvollen Mitarbeit, nur dazu dienen, Gebietsverletzungen" zur gegenseitigen Kenntnis zu bringen. Deshalb soll auch das Vorstandsmitglied nicht bei jeder Unstimmigkeit Einspruch erheben und die Zuziehung von zwei weiteren Vorstandsmitgliedern bewirken können, sondern nur, wenn ein Beschluß über den Kreis der preußischen Angelegenheiten hinauszugehen oder dem Interesse der Gesamtpartei zu widersprechen scheint"; im übrigen muß sich das Parteivorstandsmitglied genau so überstimmen lassen wie die übrigen. " Gewiß wird niemand behaupten können, daß die vorgeschlagenen Aenderungen nun das Muster aller Vollkommenheit seien; gewiß wird auch so der Geschäftsgang nicht stets die gewünschte Schnelligfeit und Reibungslosigkeit haben. Wie aber auch nur der dreiföpfige geschäftsführende Ausschuß des Entwurfes, der nicht an einem Orte vereint ist, schneller handeln, wie die Landeskommission, die gar auf 12 Orte verteilt ist, vor der Beschlußfassung ohne Reibung mit dem Parteivorstande sich zu verständigen" hat, ist unverständlich. Meines Erachtens sollte man eher auf jede befondere preußische Landesorganisation verzichten, als den schwersten Verstoß gegen die Demokratie zu begehen, indem man die preußische Barteigenossenschaft, als Landeskonferenz konstituiert, scheinbar souverän macht, ihr aber jede Fähigkeit, durch ihren Ausschuß zu handeln, nimmt. L. A. Vermischtes. dem Verdacht der Spionage in Tallamone verhafteter angeblich Auch ein falscher Hauptmann. In Rom entpuppte sich ein unter deutscher Hauptmann als ein Münchener Maler. Nachdem ihm die Aufnahmen der Festungswerte abgenommen worden waren, ist er wieder in Freiheit gesezt worden. In england und Schottland und richtet große Verheerungen an. Ein Sturm in England. Ein heftiger Sturm wütet in NordArghill wurde durch den Sturm die große Station für drahtlose Telegraphie zerstört. Aus Liverpool fonnten selbst große transatlantische Dampfer nicht aus dem Hafen, sondern mußten ihre Abreise verschieben. ein Vorkommnis in der Tofioer Marine, welches jüngst zur Sprache Die Boruffen der östlichen Hemisphäre. Großes Aufsehen erregt bunden, gefnebelt und während einer ganzen Nacht an einem gebracht wurde. Ein des Diebstahls verdächtiger Matrose soll geBalken aufgehängt und mit eisernen Tauen gezüchtigt worden sein. Der Mann sei gestorben. Es liefen schon häufig Gerüchte um über grausame Behandlung der Mannschaften durch die Unteroffiziere des Landheeres und der Marine. Aehnliche Beschwerden werden gegen Polizeibeamte in Tokushima erhoben. Eines ist dem Kritiker ohne weiteres zuzugeben feine am Schluß vorgebrachten formellen Bedenken sind gerechtfertigt; aber fie sind als formell sehr leicht zu beseitigen. Da es sich seinerzeit nur um die Heraushebung der leitenden Gesichtspunkte handelte, ist die Fassung der Abänderungsvorschläge nicht genügend durch gearbeitet worden, und zwar ohne Bedenken. Der Berlauf der Angelegenheit auf dem preußischen Parteitag wird sich ja doch folgendermaßen gestalten: Nach dem einleitenden Referat, das übrigens sonderbarerweise nicht einem Mitglied der von dem letzten Preußentag mit der Vorlage eines Entwurfes betrauten Organisation von Groß- Berlin überlassen worden ist, werden falls nicht der vorgelegte Entwurf eine En bloc- Annahme erfährt in einer Generaldiskussion die Gesichtspunkte festgestellt werden müssen, unter denen eine sofort zu wählende Kommission ihre Bearbeitung borzunehmen hat; es wäre deshalb verfehlt, vorher die Säße bis zum letzten auszuarbeiten. Immerhin mag, nachdem der berechtigte Einwand einmal erhoben ist, wenigstens an einem Beispiel gezeigt werden, wie das Bedenken sich beseitigen läßt. So wird bezüglich des fünften Ausschußmitgliedes gesagt werden müssen, daß der deutsche Parteivorstand es aus seiner Mitte er nennen kann, und daß, wenn er von diesem Recht keinen Gebrauch macht, auch dieses fünfte Ausschußmitglied von der Landeskonferenz gewählt wird. Damit ist dem deutschen Parteivorstand nicht eine Aufgabe zugewiesen, sondern nur ein Recht eingeräumt, von dem er Gebrauch machen wird, wenn er erkennt, daß das im Interesse der Gesamtpartei geboten ist. Und diese Erkenntnis wird nicht ausbleiben. Doch damit kommen wir von der Form zum Mußte bei der Form die Berechtigung der Kritik unbedingt zugegeben werden, so muß fie inhaltlich als völlig verfehlt bezeichnet werden; und der Grund dieses Verfehlens liegt klar zutage. Der Kritiker hat sich den Zwed der Preußenorganisation nicht flar gemacht: Wenn die preußische Landesorganisation, was ihr zwed ist. Leuten ein wenig das Gewissen geschärft zu haben. Wenigstens Das Schicksal des Hauptmanns von Köpenick scheint doch manchen der Partei nuben soll,..", schreibt der Kritiker. Nun ist es ganz Leuten ein wenig das Gewissen geschärft zu haben. Wenigstens gewiß, daß es Zweck der preußischen Landesorganisation sein muß, borläufig. Der Stadtmagistrat Nürnbergs hat bisher die Ausder Partei zu nußen. Aber diesen Zweck hat auch jede Rede weisungsbefugnis ziemlich rigoros gehandhabt, nicht nur gegen entunferer Abgeordneten im Reichstag, jeder Diskutierklub, jedes laffene Sträflinge, sondern auch gegen arme Teufel, die in der Flugblatt es ist der allgemeine 3med jeder irgenwie geNot gezwungen waren, die private Mildtätigkeit in Anspruch zu arteten Betätigung der Partei. Was im besonderen Falle nötig ist, nehmen. Am Mittwoch hatte sich der Polizeifenat mit einem Anerfahren wir erst, wenn wir den besonderen Zweck ins Auge trage des Polizeireferenten zu befassen, der einen eben aus dem fassen, und der besondere Zweck der Preußenorganisation ist An einer höheren städtischen Mädchenschule in Köln, welcher der Buchthause entlassenen Mann ausweisen lassen wollte. Ein bürger. furz und fühn ausgedrückt: Die Umgestaltung der preußischen Direktor Blumberger vorsteht, ist der Oberlehrer Dr. Ziegler tätig. licher Rat verwies auf den Köpenider Hauptmann und fragte an, Verfassung und Verwaltung im Sinne der Sozialdemokratie. Ziegler hatte nun den Direktor Blumberger wegen Beleidigung ber- ob der Mann bereits Arbeit gefunden habe. Obwohl diese Frage Jeweilig die nächsten Schritte zur Verwirklichung dieses einen flagt und behauptet, der Beklagte habe mit Bezug auf ihn in seiner| berneint wurde, lehnte der Senat die Ausweisung dennoch einfreilich gewaltigen Problems ins Auge zu fassen und in die Abwesenheit in einer Konferenz der festangestellten wissenschaftlichen stimmig ab. Wege zu leiten, ist die einzige Aufgabe der preußischen Landes- Lehrkräfte des Instituts geäußert: Sie wissen ja, was für einen konferenzen, und hierfür müssen sie allerdings einen„ mit wirksamen Menschen wir im Kollegium haben. Ich könnte ihn in Köln totBefugnissen und Mitteln ausgerüsteten preußischen Landesvorstand" machen. Ich kenne Tatsachen, die ihn unmöglich machen können. als Erefutivorgan haben, deffen Mitglieder sie gerade zu diesem Seine Mutter ist im Irrenhause gestorben und er selbst ist mit Bwed passend wählen. Mit vollem Recht machte Genosse Singer erblichem Wahnsinn belastet." Der Direktor gab eine andere auf dem Preußentag 1904 darauf aufmerksam, daß der preußische Sachdarstellung und das Provinzialschulfollegium, dem der KultusParteitag dem deutschen Parteivorstande teinen Auftrag erteilen minister beitrat, erhob den Konflikt und beantragte die Einstellung tönne. Ganz energisch aber dürfte umgekehrt der deutsche Partei- des Strafverfahrens gegen Direktor Blumberger. borstand dagegen protestieren, daß unser Kritiker schreibt: In den Das Oberverwaltungsgericht erklärte den Konpreußischen Landeskonferenzen und in der Landeskommission fritt für begründet, so daß das Verfahren gegen Blumberger werden Organe geschaffen, die geeignet sind, als wertvolle Hülfs- endgültig einzustellen ist. Der achte Senat ging davon aus, daß organe des Parteivorstandes die Parteibewegung in Preußen die von einem Lehrer Professor Schramm bestätigte Darstellung zu beleben usw." Eine Landeskonferenz, namentlich wenn fie Doktor Blumbergers richtig sei. Danach seien verschiedene entsprechend den Vorschriften des Entwurfes als unmittelbarste Lehrkräfte, die wegen des eigenartigen Wesens des Dr. Ziegler und berufenste Vertreterin der größten deutschen Parteigenoffen- mit diesem entzweit waren, noch ganz besonders erregt worden durch schaft zusammengefekt ist, fann niemals ein Hülfsorgan eines die in einem Korrespondenz Elatt akademisch gebildeter Lehrer er Parteivorstandes sein, der selbst ja nur als freilich unentbehrliches folgte Veröffentlichung einer vom Kläger beim Provinzialschul Für den Inhalt der Jujerate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Verantwortung. Freitag, abends 8 Uhr: Freitag, abends 8 Uhr: Der Hochtourist. Die rote Robe. Schwant in 3 Atten von Kurt Kraak Schauspiel in vier Aften von Eugen und Mar Neal. Brieur. Deutsch von Anne St. Cére. Theater. Freitag, den 7. Dezember. Anfang 7, Uhr. Opernhaus. Sinfoniekonzert der töniglichen Stapelle. Schauspielhaus. Klein Dorrit. Deutsches. Das Wintermärchen. Weften. Der Schmetterling. Lorking. Der Waffenschmied. Anfang 8 Uhr. Schiller 0.( Wallner Theater.) Der Hochtourist. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Die rote Robe. Neues Schauspielhaus. Die Hochzeitsfadel. Kleines. Die Feinde. Veifing. Das Blumenboot. Berliner. Liselott. Neues. Die Condottieri. Komische Oper. Carmen. Residenz. Florette und Patapon. . Gerichts- Zeitung. Zum Schimpfrecht der Vorgesehten. Schiller- Theater. Sonnabend, abends 8 Ubr: Die Hoffnung auf Segen. Sonnabend, abends 8 Uhr: Donna Diana. Palast- Theater. Prater- Theater. Burgstraße 24. Kastanien- Allee 7/9. Massen- Vorstellungen von erstklassigen Spezialitäten vom 1. bis 31. Dezember 1906 arrangiert von der 183/ 13* Internationalen Artisten- Loge. E. V. Berlin. Anfang der Vorstellungen: Sonntags 7%, Uhr, wochent. 8 Uhr. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Gastspiel Lucie Vierna. Liselott. Sonnabend: Sherlock Holmes. Bentral. Lauſend und eine Nacht. Theater des Westens Luftspielhaus. Husarenfieber. Deutsch Amerikanisches. Im wilden Westen. Herr Hauptmann v. Stopenid. Thalia. Eine lustige Doppelehe. Lutien. Flotte Weiber. Bernhard Rose früher Carl Weiß. Die neue Welt. Trianon. Der Hausfreund. Walhalla. Spezialitäten. Apollo. Spezialitäten. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Station Zoolog. Garten, Stantstr. 12. Abends 7, Uhr: Der Schmetterling. Friz Werner a. G. Neues Schauspielhaus Freitag, den 8. Dezember: Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Die Condottieri. Morgen und folgende Tage: Die Condottieri. Kleines Theater. Theater. Anfang 8 Uhr. Die feinde. Sonnabend: Ein idealer Gatte. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Ein idealer Gatte. Zentral- Theater. Abends 8 Safino. Die beiden Champignol Die Hochzeitsfackel. Tausend und eine Nacht. Spezialitäten. Folies Caprice. Debüt FleischAnfang 8 Uhr. Sonnabend 32 Uhr: Schnee Sonnabend nachm. 3 Uhr: Aschen- wittchen. 8 Uhr: Vogelhändler. Abends 8 Uhr: Die Hochzeitsfackel. Lortzing- Theater mann. Vassage. Spezialitäten. brödel. Reichshallen. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Jm Theater abends 8 Uhr Der jüngste Ausbruch des Besuv. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Lustspielhaus. Täglich 8 Uhr: Husarenfieber. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Flotte Weiber. Bellealliancestr. 7/8. Heute abend 72 Uhr: Der Waffenschmied. Abonnements gültig. Sonnabend nachm. 3 Uhr Kindermärchenvorstellung: Peter und Paul Uhr: Kindervorstellung: reisen ins Schlaraffenland. Abends Frau Holle Abends: Flotte Weiber. 17, Uhr: Zar und Zimmermann. Morgen Anfang 8 Uhr. Wieder ein Erdbeben. Einem Telegramm aus Kingstown ( St. Vincent) zufolge hat Mittwochabend ein Erdbeben stattgefunden, das 30 Sekunden anhielt. Diese beispiellos lange Dauer bersetzte die Bevölkerung in Schreden. Das Erdbeben wurde auch auf Barbados und noch heftiger auf Santa Lucia gespürt. Ein Felssturz. Ein mächtiges Felsstück verschüttete, wie aus Riva gemeldet wird, kurz nach dem Vorüberfahren der Post die Ponalestraße. Ein großer Teil des Felsstückes ist in den Gardasee gestürzt und hemmt den Schiffsverkehr. Eine Typhusepidemie ist nach Budapester Meldung im Csanader Komitat ausgebrochen. Vier Aerzte sind der Krankheit bereits erlegen. Große Schneemassen sind im ganzen östlichen Westfalen niedergegangen, auf weite Streden sind die Telephondrähte gerissen, in Herford find zwei Drittel des Stadttelephonnetzes zerstört. Abgestürzt. Der 24jährige Gutsbesizer Johann Wilhelm Bischofer ist bei einer Bergpartie in das Elpechtal abgestürzt und totgeblieben. Komische Oper. Urania. Heute: Carmen. Anfang 8 Uhr. Sonnabend: Lakmé. Jm 2. Art: Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: Ende nefesas Erza: Der jüngste Ausbruch Carmen. Abends: Hoffmanns Erzählungen. Montag: Figaros Hochzeit. Refidenz- Theater. Direktion Richard Alexander. Zum Besten der Berunglückten in Annen und Witten: des Vesuv. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Boltsvorstellung: Heute zum erstenmal, Anfang 8 Uhr: Sonntag, 9. Dez., nachm. 3 Uhr: Florette und Patapon. Die Jüdin von Toledo. Schwank in 3 Aften v. M. Hennequin und Pierre Beber. Sonntagnachm. s Uhr: Eine Hochseitonacht. Brunnen- Theater Divettion: Bernhard Rose. Gesundbrunnen. Badstraße 58. Das Käthchen von Heilbronn. Historisches Schauspiel in fechs Aften. Sasseneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Billettvorverkauf von 10-2 Uhr an der Theaterkaffe. Abends 7%, Uhr: Wilhelm Tell. Dernhard Rose- TheateD Broße Frankfurterstr. 132. Die neue Welt. Sonnabend nachm.: Max und Morifz. Sonntag nachm.: Der Glöckner von Notre Dame. Montag: Ausgewiesen. Dienstag: Das Käthohen v. Heilbronn. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brummenftr. 16. Drei Tage aus dem Leben eines Spielers. Schauspiel in 3 Abteil. von Hell. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Ehren und Vorzugskarten gültig. Sonnabend Extravorstellung: Auf vielfachen Wunsch: Königin Luise.. Deutsch- Amerikanisches Theater. Fröbels Allerlei- Theater Zum 109. Male: ,, Im wilden Westen" und der große Lacherfolg Herr Hauptmann v. Köpenick. Sonntagnachm. 3 Uhr, halbe Pr.: Ueber'n großen Teich. Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag und Donnerstag: Konzert, Theater, Spezialitäten. Stets erstklassige Riesenspielfolge. Nach der Vorstellung: Gr. Tanz. Tanzleitung: B. Sachse. Anf. Sonntag 5, Donnerstag 8 Uhr. Bildschön ist ein zartes, reines Gesicht mit rosigem, jugendfrischen Aussehen, weißer, sammetweicher Haut und blendend schönem Teint! Alles dies erzeugt die echte: Steckenpferd- Lilienmilch- Seife von Bergmann& Co., Radebeul- Dresden allein echt mit Schutzmarke: Steckenpferd. à St. 50 Pt. in den Apotheken, Drogerien und Parfümerien. Zirkus Schumann Zirkus Busch. Buggenhagen Polosseum Zentralverband der Dachdecker Heute Freitag, den 7. d. M., abends präz. 7, Uhr: Das anerkannte Sensations: Programm und Will. H. Hill? genannt das Phänomen. Ferner: Zum erstenmal in Europa: Moki- Indianer- Truppe Unter anderem Der Adlertanz, Schlangentänze usw. Außerdem: Sämtliche Clowns und. Auguste mit ihren neuesten Wigen u. die großartigen neuen Spezialitäten. Um 10 Uhr: Die große AusstattungsPantomime: Ein Tag in Monte Carlo. Sonntag: 2 Galaborst., nachm. 3, Uhr Ein Kind frei) und abends 7 Uhr. Cipollo Theater Die neueste Attraktion des Variétés: Athletik- Klub. Musik von Julius Einödshofer. 86 Damen! 36 Damen! Barra- Truppe, Burlesk Zirkus mufit, fom. Att. bon Paul Sander. Dazu 8 erstklassige Spezialitäten und Berlin im Omnibus. Metropol- Theater Der Teufel lacht dazu. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender. Giampietro. Josephi. Anf. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Sonntag, 9. Dez., nachm. 3 Uhr: Ermäßigte Preise Auf in's Metropol. WINTER CARTEN Vorletzte Woche! Ruff St Denis die berühmte indische Tänzerin. und das neue Spezialit.- Programm. TalhallaVariete- Theater W Weinbergsweg 19/20 Am Rosenthaler Tor. Eine Variété Vorstellung einzig in ihrer Art. 60 Internationale Artisten 60. Unter anderem: Die 12 Afrobaten Lorch in ihren phänomenalen ifarischen Spielen mit 3 Ponys und Eseln. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Passage- Theater. Täglich abends Uhr: Berlin paß auf! Burleste in 2 Aften v. Leop. Ely. Musik von Rudolf Nelson. In den Hauptrollen: Josefine Dora, Paulette van Roy, Georg Kaiser, Martin Bendix. Außerdem: Die glänzenden Dezember- Spezialitäten. Trianon- Theater. Anfang 8 Uhr Der Hausfreund. Sonntagnachm.: Ihr zweiter Mann. Kasino- Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr: Corradini Berlins Liebling. Barsikow X Ellmann Duo. Dazu: Großer Lacherfolg. Heute abend 7%, Uhr: Um 18 Uhr: Die größte Tiger- u. Löwengruppe, dressiert und vorgeführt vom Dompteur Herrn Willy Peters. Außerdem: ROM. Gr. Origin. Ausst.Pantom. in 7 Bild. Bes. hervorzuh.: Radium- Ballett. Die großen Kampfspiele i. Birkus Caligula. Die Todesfahrt über die zersprengte Brücke. Phant. Allegorie in feenhaften Lichtund Wasserspielen. Folies Caprice Linienstr. 132 Ecke Friedrichstraße. Dir. Felix Berg. Heute: Debüt Fleischmann Anfang 8 Uhr. Vorverkauf von 10-2 Uhr u. b. Wertheim. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger Anfang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Sanssouci, Straße 4a. Direktion Wilhelm Reimer. Jeden Sonntag, Montag, Donnerstag: Hoffmanns Norddeutsch. Sänger und Tanzkränzchen. Nächsten Sonntag: Gr. Elite- Soiree. ( Durchweg neues Progr.) Sonntag Beginn 5, Wochentags 8 Uhr. Dienstag, 11. Dez.: Theater- Abend. Der Leiermann und sein Pflegekind. Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. 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Bahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. 586 Zentralverein für alle in der Hutbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Filiale Berlin). Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Kollege Dietrich Heyensodt am Dienstag gestorben ist. Die Beerdigung findet Freitag, den 7. Dezember, nachmittags 22 Uhr, von der Wohnung, Bankſtr. 31a, aus nach dem neuen Paulskirchhof statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 294/18 Der Vorstand. Verein der Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Am 5. d. M. verschied unser langjähriges Mitglied Charlotte Matthes. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Sonn abend, den 8., nachmittags 2, Uhr, von der Leichenhalle des Zentralfriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. 56/6 Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Großmutter 1855 Charlotte Matthes geb. Moeller am Dienstag, den 4. Dezember, nach langem schwerem Leiden im 60. Lebensjahre verstorben ist. Dies zeigt tiefbetrübt an August Matthes, Buzer, Diebenhofenerftr. 5. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. b. M., nach mittags 2, Uhr, von der Leichen balle des Sentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz Spenden bei der Beerdigung meines lieben und unvergeßlichen Mannes und Baters, unseres Schwiegervaters, Schwagers und Onkels, des Tischlers August Heyden fagen wir allen Bekannten, Freunden Berwandten, sowie den Kollegen der C. Bechsteinschen Hof- Pianofabril, dem Statflub Revolution, den Genossen des 4. Reichstagswahlkreises( Gör lizer Biertel), den Mitgliedern des Deutschen Holzarbeiterverbandes und des Tischlervereins zu Berlin( E. H. Nr. 89) unseren herzlichen Dant. 32082 Witwe Anna Heyden. Robert Heyden nebst Frau. 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M., nachmittags 11 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in 1945 Friedrichsfelde aus ftatt. Die Kollegen der Pianoforte fabrik W. Hoffmann. Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berliner Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 4. d. Mts. verstarb infolge Unglüdsfalles unser Mitglied, der Brunnenbauer Wilhelm Weber Rheinsbergerstraße 54. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag nachmittag in Stettin statt. 226/8 Der Vorstand. Vereinigung der Musikinstrumenten- Arheiter Berlins und Umgegend. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unfer braver Stollege und langjähriges Borstandsmit glied 142/20 Alwin Brösel am Mittwoch, den 5. Dezember, an den Folgen einer Operation im Alter von 42 Jahren ber storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. Dezember, nachmittags 1 Uhr, von ber Leichenhalle des städtischen Frieb hofes in Friedrichsfelde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Arbeiter- Raucher- Bund Berlins und Umgegend. Hiermit zur Nachricht, daß das Bundesmitglied Heinrich Bernhöft aus dem Klub Blauer Dampf" am 4. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. Dezember, nach mittags 22 Uhr, vom Strantenhause Moabit nach dem neuen Nazareth Kirchhof in Reiniden dorf- West statt. 298/3 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Hermann Rauch am 5. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedrichsfelder Kirchhofes in Friedrichsfelde aus statt. 160/20 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Für die rege Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes fage tch allen feinen Kollegen, Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dant. 1865 Witwe Friederike Mierke nebst Kindern. Für die vielen Beweise herzlicher große schwere für mur M. 3.00 Teilnahme und zahlreichen Stranz große wilde Kaninchen. 0,90 spenden bei der Beerdigung unseres Keulen von 4,00 lieben Sohnes 5,50 Reh- Riden Gänse Georg sprechen wir hiermit allen Berwandten, 182/16 Freunden und Bekannten unferen Bfd. 60 u. 65 Pf. in riesiger Auswahl. innigsten Dank aus. Die beiden Champignol. Sonntags Neue Königstraße 48, I Treppe. derplatz. Wegner, 30., Mariannenstr. 34. 1515 Sonntag 4 Uhr: Singvögelchen usw. geöffnet! Julius Heise und Fran Barschauerite. 58. Verband der Sattler Deutscher Buchbinder- Verband. Ortsverwaltung Berlin. Die nächsten Branchen- Versammlungen finden an nachfolgenden Tagen statt: Geschirrbranche: Mittwoch, den 12. Dezember. Treibriemenbranche: Sonnabend, den 8. Dezember. Taschens, Koffer- und Galanteriebranche: Donnerstag, Militärbranche: Sonnabend, den 8. Dezember. den 13. Dezember. Zahlstelle Berlin. Sonntag, den 9. Dezember, vormittags 9% Uhr: Außerordentl. General- Verfammlung im Etablissement ,, Buggenhagen" am Morigplak. Tages- Ordnung: „ Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeiter. Radfahrer- Bundes " Solidarität“. Touren zum Sonntag, den 9. Dezember. 1. Abt. nachmittags 1, Uhr nach Groß- Lichterfelde( Reisen). Start: Bülowstr. 59. 2. Abt. nachmittags 1, Uhr nag Bernau. Start: Urbanstr. 7. 3. Abt. nachmittags 1, Uhr nach Behlendorf( Mied, Karlstraße 12). Start: Mariannenplay. 4., 5. u. 6. Abt. nach Kaulsdorf. Starts: 4. Abt. 2 Uhr Rüstrinerplas 26/14 5. Abt. 2 Uhr„ Elysium", 6. Abt. 1, Uhr Dderbergerstr. 30( Genossens schaft). 1. Beschlußfassung über die dauernde Erhebung des Lokalzuschlages von 15 Pf. für Linoleumleger und Teppichnäher: Donnerstag, 13. Dezember. männliche und 10 Bf. für weibliche Mitglieder. 2. Beratung und Beschlußfassung über das Wagenbranche: Donnerstag, den 13. Dezember. neue Ortsstatut. 3. Atzeptierung der Anstellungsbedingungen. 4. Verbandsangelegenheiten. Eisenmöbel Branche: Donnerstag, den 13. Dezember. Mitgliedsbuch legitimiert! Zahlreichen Befuch erwartet Sektion Charlottenburg: Montag, den 10. Dezember. Bahlreichen Besuch dieser Branchenversammlungen erwartet. Die Ortsverwaltung. 158/6 Deutscher Holzarbeiter- Verband. Heute Freitag, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer Nr. 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Einsetzer. Sonntag, den 9. Dezember, in den bekannten Lokalen: Bezirks- Sitzungen. Zages Drbnung: Vorschläge zur Neuwahl der Kommission. Erster Bezirk tagt bei Merkowski, Andreasftr. 26. Die Auszahlung der roten Karte findet von jest an beim Staffierer Aug. Mittag, Bergmannstr. 110, statt. Der Obmann. Die Ortsverwaltung. Verband der baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschl Zweigverein Berlin und Umgegend. Sonntag, den 9. Dezember, vormittags 10 Uhr, in den IndustrieFestsälen, Beuthstr. 19/20: Mitglieder- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Der Wert der Verkürzung der Arbeitszeit. Referent: Redakteur Genoffe Aug. Winnig- Hamburg. 2. Distusfion. 3. Berbandsangelegenheiten. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist der wichtigen Tagesordnung halber dringend notwendig. Mitgliedsbuch oder Karte legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. 47/20 Der Zweigvereinsvorstand. J. A.: W. Kribow. Die Versammlung der Sektion der Bunerträger fällt für diesen Sonntag aus, findet aber am Donnerstag, bei 13. Dez., abends 8 Uhr, bei Wernau, Schwedterstr. 23/24, statt. Tifchler- Verein( E. H. 89) Deutscher Metallarbeiter- Verband. Sonnabend, den Melchiorstraße Versammlung. Tagesordnung: Vereinsangelegenheiten. Weihnachtsvergnügen. 199/14 Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Burean: Engel- Ufer 15. Zimmer 1-5. AmtIV, 9679. Ausgabe der Billetts zum Zimmer 34, Amt IV, 3353. Der Vorstand. Bürstenmacher und Lederarbeiter. Sonntag, den 9. Dezember 1906, mittags 12 Uhr, bei Wilke, Brunnenstraße 188: Oeffentliche Versammlung. Zages Drdnung: 1.„ Die Milzbrandgefahr in der Bürsten- und Lederindustrie." Referent: Arbeiterfekretär Genoffe G. Link. 2. Diskussion. 98/5 Das Erscheinen aller Kollegen zu dieser Bersammlung erwartet Der Einberufer. Sonntag, den 9. Dezember 1906, vormittags 10 Uhr: General- Versammlung in der ,, Neuen Welt", Hasenheide 108/114. Fortsetzung der nicht erledigten Tagesordnung vom 18. November 1906: 160/19 1. Kassenbericht vom 3. Quartal und Bericht der Revisoren. 2. Neuwahl der Revisoren. 3. An die Verwaltung gelangte Anträge. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Steinarbeiter Deutschlands Verband der Wäsche- und Krawattenarbeiter Berlin II. EF Marmorarbeiter. I Freitag, den 7. Dezember 1906, abends 8, Uhr, im Englischen Garten", Aleganderstr. 270: Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Kollegen! Erscheint sehr zahlreich in dieser Bersammlung. Die Ortsverwaltung. 3. A.: Durrer. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für 165 Hant- und Harnleiden. 10-2,5-7. Sonntags 10-12, 2-4. 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In der gestrigen siebenten Sitzung des Stadtverordneten- Aus- was bist Du doch für ein Sündenpfubt! Anfang 1905 gab es hier, schusses zur Vorberatung der Magistratsvorlage betreffend eine nach Berechnungen des Statistischen Amtes, 383 000 Ehefrauen. Wertzuwachssteuer wandte sich die Debatte zunächst wieder dem in Mithin hätte im Laufe des Jahres etwa jede 13. Berliner der vorigen Sitzung bereits diskutierten und angenommenen An- Ehefrau von der Armenverwaltung als, ebeverlaffen" trag der Hausbesitzer zu, nach welchem aller Wertzuwachs, der vor unterstützt werden müssen. Schrecklich, nicht wahr? Doch gemach: dem 1. August 1907 entstanden ist, für die Berechnung der Steuer Die Sache soll, nach der Versicherung der Stöckerleute, noch viel schrecklicher außer Ansatz zu bleiben hat. Die Antragsteller waren zweifelhaft sein. Wir hatten aus jener Mitteilung mur die Zahl 30000 herausgegriffen geworden, ob in Rücksicht auf die neu beschlossene Grundwertsteuer und waren auf den sonst noch darin enthaltenen Unsinn nicht weiter überhaupt ein bestimmter Termin eingeseht werden könne oder ob eingegangen. Jetzt wird aber von dem Stöckerorgan auch ber man den 1. April 1908 als Ausgangspunkt festschen müsse. andere Unsinn wiederholt und ausdrücklich aufrecht erhalten. Die gr " Reinickendorf- Ost- und West, Wilhelmsruh- Schönholz. Zu der am Dienstag, den 11. d. M. stattfindenden Boltsversammlung, die sich mit dem Heimarbeiterschutzgesetzentwurf beschäftigt, findet am Sonntag, den 9. d. M., vormittags 8 Uhr, eine Flugblattverteilung Von unseren Genossen wurde ausgeführt, daß diese Debatte 30 000 Frauen sind eigentlich nicht„ eheverlassen", sondern haben von den bekannten Lokalen aus statt; außerdem von der Genossen sich um ein belangloses Formale brehe; ob man das Jahr 1907 oder so behauptet das Blättchen rößtenteils selber die Ehe Die weit überſchaftsbäckerei, Wilkeſtr. 62. Es ist Pflicht eines jeden Genossen und 1908 einseße, ob man die Bestimmung in Bezug bringe zur neuen verlassen. In jener ersten Notiz las man: Gewerkschaftsmitgliedes zu erscheinen. Gewerkschaftskommiſſion, Grundwertsteuer sei vollkommen gleichgültig. Maßgebend bleibe, wiegende Mehrzahl dieser 30 000 Frauen ist ihren Männern davon Abt. Reinickendorf. Im Auftrage des Ausschusses: Franz Otto, daß durch den sachlichen Inhalt der bereits angenommenen haus- gelaufen". Und jetzt wird über die 30 000 aufs neue versichert, daß agrarischen Anträge die Vorlage eine Fassung erhalten habe, daß meistens sie selber dem Manne davonlaufen", und daß in der Schildow- Blankenfelde( Bezirk Nieder- Schönhausen). Am Sonntag, selbst die Freunde der Vorlage sich sehr ernsthaft zu überlegen Großstadt das Davonlaufen der Weiber geradezu den 9. Dezember, nachmittags 3 Uhr, findet in Mönchsmühle bei haben würden, ob sie solcher Steuerordnung überhaupt zustimmen epidemisch geworden ist". Aus der Tatsache, daß diese davongelaufen feien, Stnappe die fällige Wahlvereinsverfammlung statt. Auf der Tages- fönnen. Der Oberbürgermeister schloß sich diesen Ausführungen eheverlaffenen" Frauen meistens selber ordnung steht ein Vortrag des Genossen H. Weber:„ Weihnachts- vollinhaltlich an; er hätte dem grausamen Spiel im Ausschuß durch aber dann sehr bald wieder mit dem Mann zusammenlaufen, betrachtungen". Die Genossen werden ersucht, recht zahlreich und Zurückziehung der Vorlage schon längst ein Ende geinacht, wenn fei es auch zu erklären, daß man ihnen fast immer nur einpünktlich zu erscheinen. Die Nieder- Schönhausener Genossen treffen er nicht noch die Hoffnung hegte, das Plenum der Versammlung malige Unterstüßung gewährt habe. Also: im Zeitraum eines fich bei Dücker, Eichenstr. 70. Abmarsch 1 Uhr. Der Vorstand. könnte anders entscheiden wie der Ausschuß. einzigen Jahres hätte etwa jede 13. Berliner Ehefrau die Hülfe der Borsigwalde. Sonntag, den 9. d. M., früh 8 Uhr, findet in Eine eingehende Debatte entspann sich sodann über die von Armenverwaltung deshalb in Anspruch nehmen müssen, weil sie Borfigwalde eine Flugblattverbreitung statt. Treffpunkt im Vereins- unseren Genossen zu dem Steuertarif gestellten Anträge. Durch selber ihrem Mann ausgerückt war. O, diese Weiber! Plagt fie Iokal bei Reuter. Die Genossen werden ersucht, pünktlich und zahl- diese Anträge sollte bewirkt werden, daß die niedrigen Steuerfäße der Teufel? Nein, der Teufel nicht aber der Ehemann! Das Blättchen reich zu erscheinen. Bankow. Der Vorstand. verbreitung statt. Die Genossen werden ersucht, fich vollzählig in Am Sonntag vormittag findet eine Flugblattden Bezirkslokalen einzufinden. Die Bezirksführer holen die Flugblätter heute abend bei Abendroth, Mühlenstr. 25, ab. Berliner Nachrichten. Die B. E.-W." als Sieger. der Vorlage bei allen Eigentumsübergängen auch wirklich erhoben werden, was nach der Magistratsvorlage nur in Ausnahmefällen weiß nämlich noch zu erzählen, daß in diesen Ehen, fast überall den Fällen, in denen in furzer Zeit große Gewinne erzielt werden, ehelichen Niederganges" war; der Alkoholmißbrauch des geschehen würde, und daß bei allen Spekulationsverkäufen und in der Alkohol urheber des wirtschaftlichen und Zuschläge zu diesen Steuersätzen gemacht werden. Die Anträge Mannes habe die Frau zur Aufhebung der Chegemeinschaft gezwungen. wurden abgelehnt, trotzdem auch von den Gegnern zugegeben werden mußte, daß sie die Logik für sich hätten. = Erfolgreicher waren die Bemühungen unserer Genossen, den fogenannten alten Besit schärfer zu fassen. Sier wurden die Steuersäge heraufgesetzt und eine Bestimmung angenommen, die in juristisch unangreifbarer Form zum Ausdruck bringt, daß bei der Die freisinnige Mehrheit der Stadtverordneten Weräußerung solchen alten Besitzes für die Berechnung der Wert bersammlung hat gestern das Zusababkommen zu dem zuwachssteuer nicht etwa die Differenz zwischen dem gemeinen Wert zur Zeit des lebten Erbübergangs und dem VerkaufsVertrag zwischen der Stadtgemeinde Berlin preis an Dritte, sondern die Differenz zwischen dem Anund der Gesellschaft Berliner Elektrizi- fchaffungspreis des ersten Erblassers und dem Verkaufstätswerte" angenommen. Ueber die Verhandlungen des preis an Dritte maßgebend sein solle.. Ausschusses, dem der vom Magistrat vorgelegte Entwurf zur Die Beratung der übrigen Paragraphen mußte abgesetzt werden, Vorberatung überwiesen worden war, referierte Herr da zu dieser wieder umfangreiche Abänderungsanträge der HausJacobi. Das fennzeichnete die Situation. Dem rührigen befizer eingegangen waren, deren Tragweite niemand im AugenSchüßer privater Erwerbsgesellschaften sah man es an, welche blid übersehen konnte. Als heitere Episode sei noch bemerkt, daß auf eine Bemerkung Freude es ihm war, der Versammlung namens des Aus- des Oberbürgermeisters, er glaube nicht, daß in irgend einer Som schusses die Annahme empfehlen zu können. munalvertretung bei der Beratung solcher Vorlage derartige SpitzDer Minderheit blieb nur übrig, noch einmal festzu- findigkeiten hervorgekehrt würden wie bei uns, einer der Antrag tellen, daß der Gesellschaft B. E.-W." hier vom Magistrat fteller in längerer Rede ausführte, wir ständen am Rande des Abe und der Stadtverordnetenmehrheit ein Entgegen grunds; soziale Revolutionen und Kriege tönnten jeden Augenblick tommen gewährt wird, das nach Lage der Sache durch ausbrechen, da sei es die Pflicht der Hausbesitzer, diese so schädliche ats unnötig ist. Für die kleine Gruppe der Sozial- Wertzuwachssteuer mit allen nur möglichen Kautelen zu umgeben! Fortschrittler", die in dieser Frage mit der sozialdemokratifden Fraktion stimmte, sprach Herr Preuß. Er befannte, dch durch die Ausschußberatung seine Bedenken nicht nur nicht wderlegt, sondern sogar noch verstärkt seien. Der auf dem Referentenjis thronende Herr Jacobi lächelte dazu; er wußte, we gut er feine Leute an der Strippe hat. Der Standbunkt der sozialdemokratischen Fraktion wurde noch einmal bar unserem Genossen Singer dargelegt. Singer richtete fgarfe Angriffe gegen den Magistrat, der in seiner Vorlage de rechtliche Lage, die für die Stadtgemeinde durch ais günstig ist, mit keinem Wort erwähnt hat. Im Ausschuß hit der Oberbürgermeister erklärt, daß auch er und die Wehrheit des Magistrats die Rechtsauffaffung teile, die schon in der ersten Lesung von Singer vorgetragen worden war. Aber de Furcht vor einem langen Prozeß hat den Magistrat benogen, sich den Wünschen der B. E.-W. zu fügen. Singer grißelte dieses Verhalten, dieses Zurück weichen vor din Schreckschüssen der B. E.-W., die doch niemand emst nehmen könne. " auch das stand schon in jener ersten Notiz und wird jezt aufrecht erhalten. Der Vorwärts" habe diese Wahrheit nachweislich ver schwiegen", so schwaßt das Blättchen. Es trifft leider zu, daß der Altoholmißbrauch viele Chen zerstört und Not über viele Familien bringt. Aber die Stöcker- Wahrheit", die wir unseren Lesern schnöde vorenthalten haben, behauptete in dreister Uebertreibung, daß in Berlin in einem einzigen Jahr die weit überwiegende Mehrzahl" von 30 000" Frauen den Männern davon gelaufen fei, nachdem„ fast überall der Alkohol" die Ehe zerstört habe. Wir hätten nicht ge glaubt, daß der komplette Blödsinn, den jene Notiz auftiichte, noch anderswo als in Stöckers Schreibstube ernst genommen werden könnte. Aber wir sind ihm nachher auch in einem Mosse= blatt begegnet, das die Notiz ohne ein Wort der Kritik wiedergab. wird jezt das Mosseblatt dem Stöderblatt auch das nachfchivagen, daß in Berlin das Davonlaufen der Weiber geradezu epidemisch geworden" sei? Die Eisenbahnkatastrophe auf der Ostbahn, bei welcher drei Stredenarbeiter den Tod fanden, beschäftigt auch die Staatsanwaltschaft des Landgerichts I, weil die Frage, ob das Unglück durch ein strafbares Versehen des Rottenführers veranlaßt worden ist, noch nicht genügend geklärt erscheint. Bis zur vollständigen Aufklärung des Tatbestandes bleibt der Rottenführer vom Dienste befreit. Für den Sicherheitsdienst für die Streckenarbeiter sind Maßnahmen getroffen, durch welche derartige Unfälle wie der vorgestrige vermieden werden sollen. Die Rottenführer sind mit Signalhörnern Die Gewerbedeputation des Magistrats beschäftigte sich in ihrer ausgerüstet und haben lediglich auf die Annäherung von EisenbahnSigung am Mittwochabend mit einem Antrage aus Handlungs- zügen zu achten. Für jedes Gleis eritiert ein besonderes Signal, gehülfenkreisen, betreffend Verminderung der bis auf weiteres fest- das jeder Bahnarbeiter genau kennen muß. Die Annäherung eines gesetzten Tage, an denen offene Verkaufsstellen für den geschäftlichen Zuges aus Richtung A. wird durch ein einmaliges Blasen, aus Berfehr bis 10 Uhr abends geöffnet sein dürfen. Der Antrag ist Richtung B. durch zweimaliges Blasen angezeigt. Kommen Züge an das Polizeipräsidium gerichtet und von diesem sowohl der Ge- gleichzeitig aus beiden Richtungen, so werden drei Warnungssignale werbedeputation wie auch der Handelskammer und den Aeltesten der gegeben. Der Rottenführer hat seinen Standpunkt so zu wählen, Kaufmannschaft zur Rücäußerung vorgelegt worden. Die beiden daß er die Bahnstrecke nach beiden Richtungen übersehen kann, und leßtgenannten Sorporationen haben sich gegen den Antrag erflärt. das Warnungssignal so zeitig zu geben, daß jeder Arbeiter Gelegen Anders stellte sich die Gewerbedeputation. Sie beschloß, beim heit findet, ohne Ueberstürzung die gefährdete Stelle zu verlassen. Polizeipräsidium darauf hinzuwirken, die Zahl der Tage, an welchen An schwierigen Arbeitsstellen, das heißt im Kurbengelände, wo ein offene Verkaufsstellen bis 10 Uhr abends geöffnet sein dürfen, von lieberblick nach beiden Richtungen nicht möglich ist, haben zwei 15 auf 10 im Jahre herabzusehen. Diese Herabminderung kann Rottenführer die Aufsicht zu übernehmen. jedoch, falls das Polizeipräsidium zustimmt, erst im Jahre 1908 Troß diefer Vorsichtsmaßregeln, die schon seit zwei Jahrzehnten eintreten, da für das Jahr 1907 bereits 15 Tage festgesetzt sind. in Anwendung sind, ist das Vorkommen von Katastrophen nicht so Eine Betition der Heimarbeiter um Befreiung von der Zahlung selten. Vor etwa acht Jahren wurden auf der Stadtbahn in der der Handwerkskammerbeiträge für diejenigen Gewerbetreibenden, Nähe der Station Savigny- Blab fünf Bahnarbeiter, vor einigen welche der Regel nach weder Gesellen noch Lehrlinge beschäftigen, Jahren in der Nähe von Wannsee vier Bahnarbeiter von Lokowurde dadurch erledigt, daß beschlossen wurde, die genannten Bei- motiven erfaßt und getötet. In beiden Fällen war das Unglück träge fünftig nur von den gewerbesteuerpflichtigen Betriebsinhabern dadurch geschehen, daß infolge starten Nebels die Ankunft der Züge einzuziehen. Zur Gewerbesteuer werden bekanntlich nur solche zu spät bemerkt wurde. Aehnlich scheint auch die Ursache des UnHerr Oberbürgermeister Kirschner suchte diese Vor- Unternehmer veranlagt, deren Einkommen mindestens 1500 m. glüds auf der Ostbahn zu sein, wo der Fernblick durch den von wirfe zu entkräften. Seine Verteidigung war matt. Auch jährlich beträgt. mehreren Maschinen ausgestoßenen Rauch gehemmt war. der Versuch, die für die Stadt angeblich zu erwartenden Vor- Die hiesige Bäderinnung Germania" plant, wie wir bereits Hoch im Kurs standen die Preise zu der vorgestrigen Salome" tale dieses Zusatzabkommens in ein möglichst helles Licht zu berichteten, die Errichtung einer Innungskrankenkaffe. Hierzu hat riden, gelang ihm schlecht. Da hatte Herr Jacobi sich besser der Gesellenausschuß seine Zustimmung verweigert. Auch die Ge- Aufführung im Opernhause. Es wird berichtet, daß die Bewerauf dieses Geschäft verstanden. Unter den Rednern der Mehrwerbedeputation hat bereits zweimal die Ergänzung dieser Zu- bungen um Billetts zu diesem Premierenabend zwanzigfach überheit, die für die Annahme sprachen, war Herr Rosenow ſtimmung verweigert. Auf Antrag der Innung hat nunmehr der zeichnet und daß für ein Billett 100 Mark gezahlt worden seien. ( Neue Linke") der merkwürdigste. Er versicherte, am tasse erteilt. Oberpräsident die Zustimmung zur Errichtung der Innungskranken- Nicht viel anders war es in dieser Beziehung, als vor einiger Zeit Caruso, der italienische Tenor, im Opernhause auftrat. dieser Iebsten hätte er es gesehen, wenn überhaupt niemals ein Der Wunsch der meistbeteiligten Gesellen, welche Mitglieder Gelegenheit waren schon Wochen vorher die Billetts vergriffen und Bertrag zwischen Stadt und B. E.-W. zustande gekommen der Ortsfrankenkasse bleiben wollten, und der von der Gewerbe- es wurden 40 bis 50 Mart für einen Blab angelegt. Das Prenäre; aber jest stimme auch er für das Zusatzabkommen. beputation volle Beachtung fand, hat also beim Herrn Ober- mierenpublikum, das das erstemal überall dabei sein muß, Inaufert da nicht, wurden doch auch zu der Premiere Ende September im Tuch bei ihm hatten die Schreckschüsse der B. E.-W. ihre präsidenten keine Berüdsichtigung gefunden. Birkung getan. Deputation hatte zur Begründung ihres ablehnenden Standpunktes Metropoltheater:" Der Teufel lacht dazu!" für den schlechtesten lab 25 Mart, für bessere bis 100 Mart geopfert. Das Bublifum, u. a. angeführt, daß sie nicht dazu beitragen könne, die gut be- das sich das leistet, gehört natürlich nicht zu der besiklofen Klaje, stehende Ortskrankenkasse durch Gründung einer Innungskasse zu bie bei den heutigen teueren Zeiten nicht weiß, wie sie nur ihre ruinieren. Der Oberpräsident erwiderte hierauf, daß ja nach den notdürftigsten Lebensbedürfnisse befriedigen fann. Die Kreise, die gefeßlichen Bestimmungen eine Ortskrankenkasse schon mit 100 Mit- fich splche Ausgaben leisten können, gehören in der Regel zu den= gliedern zulässig sei. Auch ein Standpunkt! jenigen, die sich über die Begehrlichkeit der arbeitenden Klasse nicht genug entrüsten können. Für die„ bengalische Beleuchtung", durch die der Freiinn solche Aktionen zu verffären liebt, sorgte schließlich Serr Taffel. Er pries die Weisheit der Stadtverordnetennehrheit, und dann erfolgte die Annahme des Abkommens mit 82 Stimmen gegen 36. Die Flugen Geschäftsleute der B. E.-W. haben's erreicht: die Stadtgemeinde hat sich ohne Gegenwehr unterworfen! Das Heimarbeiterelend Die GewerbePlatz Ein schweres Fahrstuhlunglück ereignete sich gestern vormittag Troß dieses Oberpräsidialentscheides lehnte die Gewerbedeputation hierauf einen Antrag der zweiten Berliner Bäckerinnung„ Konkordia", welche für die bei ihren Mitgliedern be- in der Großen Frankfurterstr. 113. Dort war der in der Werkzeugschäftigten Arbeiter ebenfalls eine Innungsfrankenkasse gründen will, hierzu aber auch nicht die Zustimmung ihres Gesellenausschusses maschinenfabrik von Richard Weber angestellte Lagerarbeiter poll am kommenden Dienstag Gegenstand der Erörterung einer finden konnte, ab. Der Antrag ging ebenfalls dahin, die verweigerte Theodor Hinz im vierten Stock des zweiten Quergebäudes damit Inzahl von Versammlungen sein, in denen zugleich die Notwendig- Buftimmung des Gesellenausschusses durch die Gewerbedeputation beschäftigt, Waren auf den Fahrstuhl zu farren. Plöglich geriet der zu ergänzen. Grteilt nun der Oberpräsident auch hier, trop des Fahrstuhl in Tätigkeit und saufte in die Tiefe, den Arbeiter mit sich kit gesetzgeberischen Eingreifens nachgewiesen wird und ent- ablehnenden Verhaltens der Gewerbebeputation seine Zustimmung, reißend. Gin lautes Krachen, verursacht durch das Aufschlagen des prechende Forderungen an die gefeßgebenden Körperschaften auf- so werden wir das ergögliche Schauspiel erleben, neben der Orts- dahrstuhles in dem Keller, olarmierte die übrigen Arbeiter zur gestellt werden sollen. Wie notwendig auf dem Gebiete der Heim- frankenkasse im Berliner Bädergewerbe noch zwei Innungskranten- Sülfeleistung. Sinz lag blutüberströmt am Boden. Die herbeiabeit ein solches Eingreifen ist, hat bereits für weite Kreise die vor kaffen bestehen zu sehen. Im Gegensatz zu der vom Ober- gerufene Feuerwehr schaffte den Unglücklichen, der verheiratet und Ronaten stattgefundene Heimarbeitsausstellung zur Evidenz be- präsidenten geförderten weiteren Zersplitterung der hiesigen Familienvater ist und in der Scharniveberstr. 56 zu Lichtenberg niesen. Damals waren es große Teile des Bürgertums, die sich Krankenkassen sind diese Kassen bezw. ihre Mitglieder bekanntlich wohnt, sofort nach dem Krankenhause am Friedrichshain. Hier liegt enes Heimarbeiterschutzes nicht verfchließen konnten. Seit der Zeit bestrebt, eine Zentralisation der Krankenkassen Berlins herbei- er schwerkrant danieder, doch glauben die Aerzte, ihn am Leben erit es in diesen Kreisen wieder sehr still geworden, und will die zuführen; ein Bestreben, in dem sie auch von der Gewerbe- halten zu können. Der Bedauernswerte war erst seit fünf Wochen in der Fabrik tätig. Die technische Untersuchung des Fahrstuhles wird eingeleitet. Arbeiterschaft etwas Pofitives erreichen, so muß fie selbst and deputation unterstüßt werden. Eine Epidemie des Davonlaufens"! Ein Stöckerblatt hatte alegen. Mit schönen salbungsvollen Redensarten wird der ArbeiterGegen das gewerbliche Wurstmachen der Gastwirte wendet sich Es gilt dafür mitgeteilt, in Berlin habe die Armenverwaltung in einem eine Eingabe, welche die hiesige Fleischerinnung in ihrer heutigen taffe nicht geholfen; Zaten müssen folgen.. einzigen Jahre dreißigtausend ehe verlassene Sigung, wie die Allg. Fleischer- Zeitung" meldet, an das PolizeiGorge zu tragen, daß die Gesetzgebung auf wirksame Maßregeln Frauen zu unterstügen gehabt. Zu diesem tollen Unsinn präsidium abzusenden beschlossen hot. Gefordert wird, daß für dieauf diesem Gebiete hingedrängt wird. Damit, daß das recht machten wir( in Nr. 280) die Bemerkung, da sei wohl die Zahl der jenigen Räume, in welchen die Gastwirte Wurst für den gewerbendrucksvoll geschehe, muß darauf gesehen werden, daß die ge- Unterstützungsportionen gemeint, die im Laufe eines ganzen Jahres lichen Verkehr herstellen, dieselben Vorschriften erlassen werden, wie femten Dienstagsversammlungen sich zu einer großen Kundan eheverlassene Frauen gezahlt worden sind. Erst jetzt antwortet sie für die von den Fleischern benutten Fabrikationsräume ergebung gestalten. Zu diesem Zwecke findet am Sonntag eine uns das Blättchen. Es möchte uns glauben machen, daß tatsächlich lassen sind. Flugblattverbreitung statt, an welcher sich die Partei- und Gewerk in einem einzigen Jahre annähernd 30 000 verschiedene Frauen Ein gefährlicher Erpresser und Spisbube ist in der Person des shaftsgenossen recht zahlreich beteiligen wollen. Es müssen immer dieser Art von der Armenverwaltung unterstützt worden seien. In beitere Streise zu der Erkenntnis gebracht werden, daß den Heim- überlegenem Tone glaubt es uns belehren zu sollen, daß die schon mehrfach vorbestraften Privatiers" Lüdemeyer festgenommen Armenverwaltung ja nicht nur laufende, sondern auch worden. Vor einigen Tagen befand sich ein hier besuchsweije abeitsfflaven, die in erster Linie auf ihre gewerkschaftliche Orga einmalige Unterstüßungen zahlt. Nun werde gerade den ehe- weilender Amerikaner in der Philharmonic" und lernte dort den risationspflicht hinzuweisen find, eine wirksame gesegliche Hülfe verlassenen Frauen fast imuner eine einmalige, viel 2. kennen, der sich dem Ausländer auschloß und ihn schließlich bis zuteil werden muß. Helfe zu diesem Zwecke jeder gewerkschaftlich feltener eine laufende Unterstügung bewilligt. Daraus folge, nach seiner Wohnung begleitete. Dort angekommen, forderte Lüdeind politisch organisierte Genosse am Sonntag recht tatkräftig mit daß die weit überwiegende Mehrzahl derartiger Frauen von Monat meyer den Fremden auf, ihm sofort sein Geld und seine WertFeitrager zu Monat wechselt. Mit einem Wort: es bleibt bei den 80 000. fachen auszuhändigen, da er ihn sonst unter der Beschuldigung, fich gegen den§ 175 vergangen zu haben, anzeigen werde. Der geängstigie Amerikaner, der mit den hiesigen Verhältnissen nicht vertraut war, ließ sich verblüffen und gab dem Erpresser Uhr. Kette und den etwa 70 Mark betragenden Inhalt seines Portemonnaies. Hiermit war jedoch Lüdemeyer nicht zufrieden, er forderte vielmehr von seinem Opfer die Zahlung eines weiteren Betrages in Höhe von 100 Mark, den er sich am folgenden Mittag abholen wollte. Nachträglich er- stattete der Geprellte Anzeige bei der Kriminalpolizei, und dieser gelang es gestern, den L. in einem großen Restaurant im Westen Berlins zu ermitteln und festzunehmen. Eine Bullenjagd auf einem Begräbnisplatz. Ein aufregender Vorfall ereignete sich Mittwoch vormittag auf dem jüdischen Be- gräbniSplatz in Weißensee. In der König-Chaussee war ein Bulle beim Verladen entlaufen und rannte, verfolgt von einer größeren Menschenmenge, durch die Lothringenstraße. Hier geriet das Tier auf den Kirchhof der jüdischen Gemeinde, jagte quer durch die Gräberreihen, unter den zahlreichen Besuchern des Friedhofes Angst und Schrecken verbreitend. Schließlich gelang es, das Tier nach dem reservierten Teile des Begräbnisplatzes zu treiben, wo es dann endlich gefangen werden konnte. Zahlreiche Unglücksfälle im Straßenverkehr werden vom vorgestrigen Tage gemeldet. Am Gartenplatz wurde der 36jährige Arbeiter Anton Steinke, als er beim Ueberschreiten des Fahr- damms kurz vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Siemens u. Halske-Linie die Gleise kreuzen wollte, umgestoßen und in bewußtlosem Zustande in das Lazarus-Krankenhaus eingeliefert. Er hatte einen schweren Schädelbruch erlitten.— Die Unsitte, während der Fahrt vom Straßenbahnwagen abzusteigen, hat wieder einmal ein schweres Unglück herbeigeführt. Die Arbeiterin Rosalie Ankowiat aus Friedrichsfelde war am Schlcsischen Bahnhof von einem in der Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen der Linie 9 ab- gesprungen, kam dabei zu Fall und schlug mit dem Kopf auf das Straßenpflaster. Die Unvorsichtige erlitt gleichfalls einen kompli- Zierten Schädelbruch und in hoffnungslosem Zustande wurde sie in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht.— Unter die Räder eines Omnibusses geriet vorgestern abend der 72 Jahre alte Droschken- kutscher Karl Gehrke, Wilhclmstr. 15 wohnhaft. G., der bereits 50 Jahre hindurch auf dem Kutschbock gesessen, ging über den Fahr- dämm der Friedrichstratze hinweg und vor dem Hause 237 geriet er an einen Omnibus der Linie 18 heran, wurde niedergerissen und die Räder gingen ihm über beide Unterschenkel hinweg. Der Be- daucrnswerte zog sich doppelte Beinbrüche zu.— Durch die Rücksichtslosigkeit eines Bierkutschers sind vorgestern abend zlvei sechs- jährige Knaben schwer verunglückt. Die beiden passierten die Hoch- straße und an der Ecke der Badstraße wurden sie von einem Bier- wagen, der in schnellstem Tempo um die Ecke fuhr, niedergerissen und unter die Räder geschleudert. Schwerverletzt wurden sie in das städtische Krankenhaus eingeliefert. Ter Kutscher versuchte sich seiner Feststellung durch schleunigste Flucht zu entziehen, er wurde jedoch verfolgt und zur Polizei gebracht.— Das Opfer eines schweren Auto Mobilunfalls wurde gestern vormittag die 60jährige Alwine Weinbergcr aus der Stralsunderstr. 17. Die Greisin wurde in der Brunnenstraße von einem vorübcrsausenden Ltraftwagen umgerissen und mit solcher Gewalt gegen die Bord- schwelle geschleudert, daß sie sich mehrere Rippcnbrüche zuzog. Einer recht rohen Handlungsweise machte sich in der Nacht vom Mittlvoch zum Donnerstag ein Angestellter der Restauration„Zur Bierglockc" in der Münzstraße neben der Alexanderkaserne am Alezanderplatz schuldig. In diese Restauration kam um Vjl Uhr die Frau eines Handelsmannes, um für ihren auf der Straße wartenden Mann für fünf Pfennige Schnaps zu holen. Dies wurde ihr verweigert und die Frau kurzerhand von einem Angestellten auf die Straße befördert. Dabei stieß dieser Mensch die Frau mit den Beinen gegen den Leib und schlug sie mit der Faust unbarm- herzig auf den Kopf. Passanten, die Zeugen dieser häßlichen Szene waren, gaben ihrer Empörung lauten Ausdruck und überließen dem armen Handelsmann ihre Adressen, um den Helden zur Verant- Wartung zu ziehen. Wege» eines Rrnibanfalles ist gestern die 24 Jahre alte Fabrik- arbeiterin Emma Holzmann aus der Bruniienstraße verhaftet worden. Sie wird beschuldigt, eine Witwe Heischke in ihrer Wohnung Hussitenstraße beraubt und mit einem Plätlbolzen auf dem Kopf ge- schlagen zu haben. Die Sammelliste Nr. 6940 ist verloren gegangen. Der Finder wolle dieselbe in der„Vorwärts"-Spedition, Riigenerstraße 24, abgeben. Dritter Wahltreis. In der am Dienstag im GelverkschaftS- hause stattgehabten Versammlung ist ein P i n c e n e z verloren und ein Portemonnaie gefunden worden. Abzugeben resp. ab- zuholen bei August Pohl, Naunynstr. 30 IV. Urania. Um vielfachen Wünschen gerecht zu werden, werden am Freitag und Sonnabend nochmals Wiederholungen des Vor- träges„Ter jüngste Ausbruch des Vesuv", der mit zahlreichen farbigen Bildern, die die Schrecknisse, die Trümmer und die Ver- nichtung des letzten gewaltigen Vcsuvausbruchs vor Augen führen und in ihrer lebenvollcn Schärfe den vollen Eindruck der schrecklichen Katastrophe wiedergeben, ausgestattet ist, im wissenschaftlichen Theater der Uranigjn der Taubenstraße stattfinden. Am Sonntag wird der Vortrag„Sizilien, Lebens- und Naturbilder aus klassischen Stätten" zur Darstellung gelangen. Feuerwehrbcricht. In der vorletzten Nacht wurde die Wehr nach der Warschaucrstr. 81 gerufen, wo ein Automobil auf der Straße in Flammen stand. Zwei weitere Brände beschäftigten den 7. Zug in der Fruchtstr. 13 und FriedrichSbcrgerstr. 13. Tort brannten eine Holzbudc, Lumpen, Fleisch und anderes. Ferner mußte ein Brand in der Rodenbcrgstr. 31, wo Holz in Brand ge- raten war, und einer in der Spandauerstr. 74/75 gelöscht werden. Schmieröl brannte hier im Keller und Erdgeschoß. Vorort- jVachridrteii. Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung. In der Sitzung vom Mittwoch wurden zunächst die neu ge- wählten Stadtverordneten Lemm. Paetel, Thieme und Wolffenstein •in der üblichen Weise eingeführt. Wie lange sie ihr Amt auszu- üben in der Lage sind, ist ungewiß, da gegen ihre Wahl die Klage beim Bezirksausschuß angestrengt ist. Die Vorlage betr. Verstärkung der Mittel für Säuglingsfürsorge gab unserem Genossen Vogel Gelegenheit, auf die Notwendigkeit einer enemischercy Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit hinzu- weisen. Redner betonte besonders, daß besser als alle übrigen Maßnahmen die Einschränkung der Fabrikarbeit verheirateter Frauen wirke. Sein Antrag, die für Stillprämien ausgeworfene Summe um 1000 M. zu erhöhen und weitere 2000 M. zur Ein- richtung von Betten für kranke Säuglinge in den Fürsorgcstellen zu bewilligen, fand auf feiten des Magistrats und der Stadtver- ordnctcnmchrheit starken Widerspruch und wurde gegen die Stimmen der Sozialdeinokraten abgelehnt. Die Magistratsvorlage, deren Inhalt wir bereits mitgeteilt haben, wurde unverändert an» genommen. Ein Antrag Stadthagen(natl.) betr. Anlage eines Verbrennungsofens und einer Gcineindeurnenhalle wurde auf Antrag der Liberalen durch Uebergang zur Tagesord- nung erledigt. Die Versammlung will vorläufig eine abwartende Stellung einnehmen, bis das von der Stadtgemcinde Hagen an- gestrengte Verwaltungsstreiwerfahren, das auf Zulassung der LeiiHenvcrbrennung gerichtet ist, seinen Abschluß gefunden hat und bis die Verhandlungen der Gemeinde Charlottcnburg mit der Re- gierung über die Errichtung eines Gcmeindefriedhofes erledigt' sind.— Die neue Stabtanleihe in Höhe von 19 220 000 M. zum Ankauf der Charlottenburger Lerantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Wasserwerke gelangte mit großer Mehrheit zur Annahme, ebenso ohne Debatte eine Reihe kleinerer Vorlagen. Zu größeren Debatten führte erst wieder der Fall Penzig. Bekanntlich ist Stadtv. Dr. Penzig zum zweiten Male in die Schuldeputation gewählt und Wiederuni nicht bestätigt worden. Seitens der sozialdemokratischen Fraktion, in dercm Namen die Stadtv. Vogel und Hirsch sprachen, wurde die Wahl des So- zialdemokraten Klick beantragt, der entgegen dem Stadtv. Penzig ein„guter Christ" sei und niemals in Wort und Schrift die Ent- fernung des Religionsunterrichts aus der Schule und seinen Ersatz durch einen Moralnnterricht befürwortet habe. Ter liberale Redner Otto glaubte, diesen Vorschlag als einen Scherz auffassen zu sollen. In bekannter freisinniger Manier sprach er viel von der Wahrung des SelbstverwaltungsrechlS. um am Schluß dies Recht rücksichtslos preiszugeben und sich der Regierung zu unter- werfen. Einen Sozialdemokraten wollen diese„Hüter des Selbst- Verwaltungsrechts" nicht in der Schuldeputation haben, weil die Regierung ihn ja doch nicht bestätigt. Deshalb begnügen sie sich damit, die Stelle unbesetzt zu lassen, bis das neue Verpfaffungs- gesetz in Kraft tritt. Tann werden sie der Regierung Männer präsentieren, die ihr genehm sind. Um aber ihren Mannesmut zu zeigen, bcaivtragtcn sie eine Resolution, worin es heißt, daß die Versammlung gegen das Vorgehen der Regierung Protest erhebt und darin eine unbegründete Beschränkung des SelbjWcrwaltungs- rechts der Gemeinde erblickt. Die Resolution wurde angenommen. Darüber, ob die Stelle unbesetzt oder ob ein Sozialdemokrat ge- wählt werden soll, wird sich die Versammlung in ihrer nächsten Sitzung schlüssig werden. Wie der Beschluß ausfallen wird, läßt sich im Voraus sagen. In vorgerückter Stunde kam die Vorlage beir. Gewährung von Teuerungszulagen zur Beratung. Die Maaistratsvorlage begegnete auf allen Seiten lebhaften! Widerspruch. Namens der sozialdemokratischen Fraktion geißelte Genosse Hirsch die Art und Weist, wie der Magistrat sich länger als ein Jahr bitten läßt und dann noch den traurigen Mut besitzt, den Beamten und Arbeitern Almosen hinzuwerfen. Redner beantragte eine Verdoppelung der Sätze für die untere« Klassen und die Ausdehnung der Zulage auf die nichtständigen Hülfsarbeitcr. Diese Forderung rief den Unwillen des Stadtobcr- Hauptes hervor, der den Sozialdemokraten vorwarf, sie wollten nur Unzufriedenheit erregen/ Stadtv. Hirsch crividerte dem Ober- bürgermeistei� daß seine Worte von starker Ueberschätzung seiner Person zeugen und daß gerade der Magistrat es sei, der durch der- artige Vorlagen Unzufriedenheit hervorruft. Die Sozialdemo- kraten hätten gar keine Ursache, ihm inis Handwerk zu pfuschen. Nach langer Debatte einigte man sich schließlich auf einen Antrag Spiegel(lib.), wonach die Teuerungszulage durchweg 75 M. beträgt und dem Magistrat auch die Berücksichtigung der nicht- ständigen Hülfsarbeiter empfohlen wird. Die sozialdemokratischen Anträge wurden abgelehnt. Da es inzwischcr" Uhr nachts geworden war, wurden die übrigen Punkte ba• der nächsten Sitzung wird auch eine von den Sozialdemolra.cn eingebrachte Interpellation zur Be- ratung kommen, die sich gegen die von der Polizei den Streikenden in den Siemenswerken gegenüber getroffenen Matznahmen wendet. Lichtenberg. Das alte Spiel wiederholt sich fortgesetzt: unsere Genossen bringen in der Gemeindevertretung Anträge ein, die„bürgerlichen Dorchäter" lehnen die Anträge ab. Die Antragsteller werden ver- lacht, verhöhnt und die Anträge niedergestimmt.— Nach und nach aber erscheinen die Anregungen und Anwäge unter bürgerlicher Flagge wieder auf der Bildfläche und die Sozialdeinokraten sind wieder einen Schritt weiter.— Zwei Klassen für Minderbegabte Kinder sollen auf„Antrag der Schulkommission" zu Ostern 1907 als Hülfsklassen eingerichtet werden.— Der Gemeindevorstand ist mit dem Verband für„Erste Hülfe" in Berlin wegen der Errich- tung einer Unfallstation am Orte in Verbindung getreten, beides Forderungen, die unsere Genossen wiederholt im Rathause gestellt haben! Uns ist'S so recht. Aber auS mit einer anderen Forderung„Obliga- torische Fortbildungsschule", die von unseren Genossen immer wieder erhoben wird, beschäftigte sich— ein„Grundbesitzerverein". Resultat: Sobald das Gesetz die Gemeinde zur Einführung der obligatorischen Fortbildungsschule verpflichtet, wird auch der Grundbesitzerverein nichts dagegen haben! Derselbe Verein inußte am gleichen. Abend sich niit einer Anfrage beschäftigen, die allerdings sich dort recht wunderlich ausnimmt, nämlich: wie es mit einer Teuerungszulage für Beamte, Lehrer nsw, der Gemeinde Lichtenberg stehe und ob der Verein nicht eine solche„anregen" solle! Ein Berliner Magisttats- beainter(im• Rebenamte Grundbesitzer in Lichtenberg) meinte, das sei doch aber nicht Sache der Grundbesitzer, die Gemeinde werde schon für ihre Beamten usw. selbst sorgen! Daß diese Ansicht inniges Verständnis im Kreise derer von„Besitz und Bildung" gefunden, beweist eine Bemerkung, die nach der hiesigen Ortszeitimg ein„Besitzer" vor versammeltem Kriegsvolk tat:„Die Schulineister arbeiten sich nicht tot i wenn ich nicht zu alt wäre, würde ich jetzt noch Lehrer werden.".1 l(Mit Recht srägt die Redaktion der„Bolkszeitung für Niederbarnim":„Na, na, bloß zu„alt"?") Der Kreistag von Niederbarnim ist zum 18. Dezember zu einer Sitzung zusammenberufen. Nach der in der„Niederbarnimer Kreiszeitung" veröffentlichten Tagesordnung wird unter den 24 Punkten' der Tagesordnung für Lichtenberg besonderes Interesse haben der Punkt 4:„Verleihung der städtischen Verfassung an die Gemeinde Lichtenberg und der Auseinandersetzungsvertrag der Gemeinde mit dem Kreise Niederbarniin. Auch wird der Kreistag das Abkommen wegen Uebernahme der Landsberger Chaussee, soweit diese im Wcichbilde der Gemeinde belegen, in den Besitz der Gemeinde zu verabschieden haben. �riedrichsfelde. Gründlich enttäuscht wurden die Gemeindevertrcter. als in der letzten Sitzung der Punkt:„Abänderung des Ortsstatuts betreffend die dienstlichen-, Gehalts- und Pensionsverhältnisse der Beamten der Landgemeinde Friedrichsfelde und der zu diesem Statut erlassene Nachtrag" zur Verhandlung kam. Allgemem war man der Meinung. daß es sich bei diesem Antrage um eine Gehaltsaufbesserung samt- licher Gemeindeangestellten handele. Wie sich bei der Begründung des Antrages durch den Gemeindevorsteher herausstellte, soll den beiden Sekretären, von denen je einer dem Gemeinde- sowie dem Amtsbureau vorsteht, der Titel Bureauuvorsteher verliehen werden unter gleichzeitiger Aufbesserung ihres Gehalts um je 100 M. Samt- liche Redner erklärten diese Angelegenheit nicht für reif, um einen Beschlutz darüber zu fassen. Unsere Genossen erklärten sich, um eine Entlastung des Gemeindevorstehers herbeizustihren, für die An- stellung eines tüchtigen juristisch vorgebildeten Schöffen. Dafür ist das Gemeindeoberhaupt nicht zu haben. Seine Absicht scheint viel- mehr, die Anstellung einer solchen Hülfskraft biS zum Schluß seiner Aintsperiode(1908) hinausschieben zu wollen. Der Antrag würde vertagt, ebenso die Anstellung von sechs Nachtpolizeidienern unter Forlfall der Nachtwächter. Der Gemeindevorsteher teilte als- dann mit, daß die Untergrundbahngesellschaft die Rentabilität einer Verbindung zwischen Friedrichsselde und Ober-Schöneweide prüfen will. Der die Oberaufsicht über das Feuerwehrgebäude aus- übende Oberführer der Karlshorster Feuerwehr, Maurermeister Schreiber, hatte eine Entschädigung von 3000 M. verlangt, die Ge- meindevertretung lehnte diese Forderung ab. Dem schon wiederholt von unseren Genossen geäußerten Wunsche, die Gemeindevertretung vorher zu informieren, ivenn wichtige Angelegenheiten zur Beratung stehen, ist der Gemeindevorsteher insofern begegnet, als er vor Statt- finden der öffentlichen Sitzung eine private Sitzung zusammenberuft. Dies wäre eine Verbesserung des früheren Zustandcs, wenn der Gemeindevorsteher nicht zugleich die Abstimmung vornähme und da- durch die Abstimmenden für die öffentliche Sitzung bindet. Eine solche Information deS Beratungsstoffes bedeutet allerdings keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung der früheren Geschäfts- Handhabung. Rummelsburg. An die Bezirksführer und Berttauensleute. Sonntag. 9. d. M., vormittags 8>/zUhr: Flugblattverbreituna zu der am Dienstag. 11. d. M.. abends 9 Uhr, stattfindenden öffentlichen Ber- sammlung bei Weigel. Stellungnahme zu dem Gesetzentwurf ffir die Heimarbeiter. Zu dieser Flugblattverbreitung werden die Partei- genossen gebeten, recht zahlreich in ihren Bezirkslokalen zu erscheinen. Des iveiteren sei daran erinnert, daß die Delegiertenwahlen zur hiesigen Ortskrankenkass'e an, Donnerstag. 13. d. M.. stattfinden. Die Auf- stellung der Delegiertenliste wird von dem hiesig-m Gewerkschafts- kartell vorgenommen. Meldungen für diese Liste nd an den Ob- mann des Kartells, den Genossen Brüschke, Neue Bahnhof- straße 32, baldmöglichst zu machen. Weifteusee. Nicht bestätigt wurde der von der Gemeindevertretung zum Mitglied des Kuratoriums der Weißenseer Realschule gewählte Ge- nosse Taubmann, und zwar ohne Angabe von Gründen. In dem Schreibe» des kgl. Provinzial-Schulkollegiums vom 13. August an den Weißenseer Gemeindevorstand heißt es:„Die Wahl des Ge- meindeverordneten. Kasieiibeamien Albert Taubmann zum Mitglieds des Kuratoriums der dortigen Realschule vermögen wir nicht zu be- stätigen." Als die Gemeindevertretung zur Neuwahl schreiten wollte, verlangte Genosse Taubmann die Zurückstellung der Wabl und die Einreichung einer eventuellen Beschwerde beim Minister. Diesem Verlangen kam die Versammlung nach. worauf nun der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten folgende Antwort erteilt hat:„Ihrer Be- schwerde vom 8. Oktober d. I. wegen Nichtbestätigung als Mitglied des Kuratoriums der dortigen Realschule kann Folge nicht gegeben werden. Es muh vielmehr bei der Entscheidung des hiesigen königlichen Provinzial-Schulkollegiums vom 18. August d. I. sein Be» wenden behalten." Den bürgerlichen Herren in der Gemcindeverttetung wird der ministerielle Entscheid wahrscheinlich kein Stein des Anstoßes sein, wenngleich derselbe ein weiterer Faustschlag gegen das Selbst» vcrwaltnngsrecht der Gemeinde ist. Spandau. Ein Ehepaar vergiftet. Seit dem letzten Freitag wurde der Gemeindeschullehrer Franz Stein vermißt. Er erschien nicht mehr zum Unterricht und seine Wohnung, Neuendorferstt. 15. war ver- schlössen. Am Mittwochnachmittag wurde die Wohnung geöffnet, da man im Hause einen Leichengernch zu spüren glaubte. Die Ein- trelenden fanden den Lehrer und seine Frau tot im Bett. Beide hatten sich vergiftet. Auf einem Tische lagen Abschiedsbriefe an die nächsten Verwandten. Das Ehepaar hatte in geordneten Verhält» nissen gelebt. Der Mann war 30 Jahre. die Frau 23 Jahre alt. Der Lehrer war sehr nervös und wahrscheinlich lebensüberdrüsäg. Die Ehe war kinderlos._ Berliner Marktpreise. Aus dem amilichen Bericht der städtischen Marklhalleli-Direktion.(Großhandel.) Nindfleisch la 68—73 pr. 100 Pfb,, IIa 62-67, ITTa 56-61, IVa 50-55. Kalbfleisch, Doppclländer 115—125, la 86—93, IIa 74—84, Ma 60-72, Holl. 54—58. Hmnmelfleisch la 69—77, IIa 54—67. schweiiicsleilch 56— 65. Rehwild la per Psd. 0,60— 0,75. Ha 0,40—0,58. Notwild la 0,40—0,52, Ha 0,00—0,00, do. Kälber 0,40—0,58 Damwild 0,40—0,52, do. Kälber 0,60—0,66. Wildschweine 0,45 Frischlinge 0,00—0,00. Hasen ver Stück 3.00—3,20, do. klein unl IIa 1,00—2,90. Kaninchen pr. stück 0,50— 0,95. Wildenten pr. Stück 1,40— 1,50. Krickenlen 0,00. Rebhühner, junge la 0,90—1,00, junge Ha 0,00—0,00, okc 0,60, junge kleine 0,00—0,00. Hübner. alle per Stück 1,50—2,20, ckte IIa 0,90—1,40. junge per Stück 0,60—1,80. Tauben per Stück 0,30— 033, ital. 0,70—0,75. etilen, junge per Stück 1,75—2,50, Hamburger, jutge pr. Stück 3,00. Gänse, Oderbrucher, per Psd. 0,40—0,53, do. la per Suck 3,00—3,60, Na 0,00. Hecht- per 100 Psd. 71—81, groß 0,00. Zawer 14g— 147. Schleie 0,96, uns. 113, mittel 0,00, ll-ine 0,00 Bleie, crofe 0,56—57. Aale, groß 0,00, mittel 0,00, Nein 0,00, uns. 0,00. Pichen 0,00. Karpfen. 25er 0,00, do. 30 er 0,00, do. 100 et 61-63, do. 50— 60 er 65—67, 40 er 0,00. Barie 0,00. Karauschen 0,00. Bei- fische 0,00. Weis 0,00. Bunte Fische 42—44. Amerika». Lach» la neuer per 100 Pjd. 110—130, do. Ha neuer 90—100, do. lila neuer75. Seelachs 20—25. Sprotten, Kieler, Wall 0,75—1,25, Danziger, Tall 0,60—0,80. Flundern, pommerfche la, per Schock 3—6, do. Ponunetchc IIa 2—4, Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel ver Kiste 2—3, Hanb. Stiege 4—5, halbe Kiste 1,50—2. Bücklinge, per Wall Kieler 3,50— 5,», Stralsunder 4—5. Aale, groß per Psd. 1,10—1,30, mittelgroß 0,30—1)0, Nein 0,50—0,60. Heringe per Schock 4—5. Schellfisch« Kiste 4—5,)o. >/, Kiste 2—3,00. Kabliau, p. 100 Psd. 20—25. Heilbutt 0,00. Sardellen, lOEer per Anker 95. 1904er 95. 1905er 93. 1906er 73. Schollische Vollberüge 1905 0,00, largo 40-44, kuU. 36—38, wsck. 35—42, deutsche 87-44. Heringe, neue MatjeS, per'/, To. 60—120. Sardinen, ruff., Fiß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugn, Schocksaß 11, kleine 5—6, Riesen- 14. Hummern, Newe, per Psd. 0)0. Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 0,00, kleine 0,00, unsort. 0)0. Galizier, groß 0,00, mittel 0,00. Eier, Land-, per Schock 4,00—4,60. Büket per 100 Psd. la 123-125, Na 115—123. INa 110-114, absallende 95- 05. Saure Gurken Schock 3,50— 4,00, Pfeffergurken 3,50— 4.00. Kartoseln per 100 Psd. 0,00, magnulv donnm 2,00—2,10, Dabersche 2,00—210, Rosen 0,00, weiße 1,75—2,00, Salatkartoffeln 4,00—6,00. Sprint per 100 Pfund 6,09—8,00. Karotten per Schockbund 3,00—400. Sellerie, hiesige, per Schock 4,00—5,00, do. pommerfche 4,00—5,00. Zwiebeln große, per lOOPsd. 3,00—3,50. do. kleine 2,00—2,50. do. hiesige lPel») 0,00. Charlotten 60—70. Petersilie, grün, Schockbund 1,25—1,50. Kohlnbi per Schock 0,50—1.00. Rettig, bayr., per Schock 2.40—4.80. RadteZoen per Schockbund 0.80—1. Salat, per Schock 0.00—0,00. do. EScar.le, per Mandel 1,00— 1,50, do. Endivien 1,50—2. Mohrrüben itr 100 Psd. 2,50—3,50. Teltower Rüben per lOOPsd. 8—10. Weiße Rüben, grche 2—2,50, kleine 5—6. Rote Rüben 1,50—2. Blumenkohl Holl, per Kops 0,0. do. ital. Kops 0,00. Wirsingkohl ver Schock 3,00—6.00. Rotkihl p. Schock 3.00-3,00. Weißkohl schock 2,00-3,00. Rosenkohl p. 100 Pd. 15—18. Grünkohl per 100 Psd. 3—4. Schnittlauch 12 Töpfe 4—4,50. Ko.l» rüben, Schock 2—3. Kürbis 5—8. Birnen, per 100 Pfd. hiesige 7— Ä, böhmisch« 8—20. Aepscl, per 100 Psd., hiesige 3—20, Graoenstemr 0,00, Tiroler in Fässern 17-30, Kiste 32—80, Anierik. 17-26. Prcißt- beeren, schwedische 0,00, Gebirgs- 30—33. Wallnüss« per 100 Psd. 16— Ä, do. rumänische 23- 30, do. stanz. CorneS 29—32. Paranüsse 60— 65. Hast- nüffe lange 42—48, runde 32—35. Zitronen, Messina, 300 StA 8,00—12.00. 360 Stück 7.00—10.00. 200 Stück 10—12, 420 Stück«eilt 5—8, 500 Stück kleine 5—8. BSetter-Prognose für Freitag, de» 7. Dezember lSVV. Kälter, vielfach heiter, aber noch veränderlich mit leichten Schneefällu und frischen nordöstlichen Winden. Berliner W e t t er b u r e a u. B INSERATE für die nächste Xunimcr müssen spätestens bis 5 Uhr nachmittags des vorherigen Tages in Expedition abgegeben werden. unserer Größere Anzeigen für die Sonntags- Nummer erbitten dagegen schon bis Freitag nachmittag 5 Uhr, da nur in diesem Falle die Aufnahme garantiert ............ werden kann............ Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glecke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt« Suchdruckerei u. Verlagsanjtalt Paul Singer St Sa, Berlin b\v