Nr. 2 ötWeint läglich auber Montag», Prot» pränumerando:«ierlel- iährlich 3,30 Mar!, monatlich '.10 M!, wöchentlich 38 Psg frei tn'Z Hau». Einzelne Nummer 6 tpfg. Sonntag»-Nummer mit tttuitr. Sonnlag»'- Beilage»Neue Se't" 10 Pfg. Post-ildonnement: •.30 Sit.pro Quartal. Unter ttreuz- dand: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 M!., für das übrige Ausland z Mlpr.Monat. Eingetr. >» der Post-Zeitung»-Preisliste für ibsa unter Nr.««:•, S. Jahrg.' JnserlionS-Sebühr beträgt für die sünfgefpaltene Petttzeile oder deren Kaum«0 Pfg,, für Bereins- und PersammlungS- Anzeigen 30 Pfg Inserats für die nächst« Nummer müssen biS s Uhr Nachmittag» in der Srvedition abgegeben werden. Die Erpedilion ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr AbendS, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr Bor- mittags geöffnet, G,rafvv»ch Anschluß »,*» I. itv. 4186. Verllner VolKsSlall. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Kedaktion: 8V.l9. Aeuth-Straße 2. Die Anflselmng direkter Staatsstenern bei der Miqnet'schen Steuerreform. .. Nächst der bereits kurz besprochen'i»„Denkschrift" über iie Miqnel'sche Stelierrcform kommt unter dcii Vorlagen das preußische Abgeordnetenhaus der Gesetzentwurf ivegen Aufhebung direkter Staatssteuern, dar dadurch nötbig ge- worden ist, daß die staatliche Steuerkasse auf die Grund- und Gebäudestcuer verzichtet und dieselben an die Gemeinde- Men abtritt. Bekanntlich hält sieb die preußische Staats- �sse theilweise dadurch schadlos, daß sie die ailf Preußen �tfallenden Einnahmeil anS den Zollen im Reich nicht mehr "p die Kreiskassen vertheilt, wie bisher, sondern hübsch im �genen Sacke behält. Zu dem Experiment im ganzen «im� nur dasselbe gesagt, verden, wie schon zur Denk- 'chrift: es ist eine äußerliche Verbesserung des verrotteten pteußischen Stenersystenis von Anno Tobak, von der Her- bellung einer sozialpolitisch gerechten Steuervertheilung kann �er gar keine Rede sein: Der Grundbesitz wird im Staate jeder Abgabe gänzlich befreit, während der ärmste Schlucker mit 1000 M. augenblicklichem Arbeitseinkommen "üiten muß— wer es fertig bringt, dieses System als stoßen Forlschritt zu preisen, der nmß eben ein dreimal Keaichter Bourgeois sein. Genall wie in den Gemeinden ontinen im Staate alle öffentlichen Einrichtungen km Besitz in erster Linie zu Gute— den mußte deshalb auch in'beiden die Haupt- sttlier treffen, und die ärmliche Vermögenssteuer, die p.�r Miqucl einführt, nachdem er die Grundbesitz-Steuer Ttaatswegcn allsgehoben hat, ist lvenig mehr, als ein n3c«t Trost für das böse Gewissen, das dabei schlägt. ts Nun bewendet es aber nicht einmal nur bei der »ußerhebuugsetzuug der Grundbesitz- und Häuserstcner im , tzlate. Herr Miquel ist ein kluger Mann lind weiß sich � jedem'„Fortschritt� die Maßgebenden im Staate anch besonders zu verpflichten." Durch seine nene An- ,«'"118 werden die Besitzsteuern nicht nur nicht aus- i bildet, wie es die verdammte Pflicht und Schuldig- J.' eines sozialpolitisch gerechten Finanzministers sondern sie werden sogar noch ganz bedeutend s"l ä ß i g t. Das ist eben das raffinirte Geschick Miquel's: -.pkr dem Scheine von Riesenreformcn auch noch für seine siiscngenoffcn etwas Hübsches an Stelierprosit heraus- °'ichiagen und doch die Steuereimmhmen im Ganzen zu ver- i. Rten. natürlich ans Kosten der Besitzlosen. Die Er- Ü der Besitziteuern geht aber auf zweierlei Weise " örrroßen preußischen Steuerreform vor sich. Keii x l>a�'ir�' daß die preußischen Landgemeinden, fibtii»; r und Gebäudefteuer als Einnahmequelle "ictu u' wxt), diese Quelle einfach so gut wie Pe k; JS$en rcerdetl- Ganz außer Hebung können Gr ind- und Gebäudesteuer zwar nicht setzen, Fcmflctcm. "»»d, "»ff oiibcnn.) 110 B e 1- A m i. Roman von Guy de M aupassant. Zwanzig Minliteil vor drei stand er ans, um sich nach "IfW zu begeben. Auf der Treppe vor der halb if' c" 2hür flüsterte er noch einmal fast nnhörbar: '1° morgen um fünf!" vaud�' ��'derte die junge Frau lächelnd und ver- �ubald er seine Redaktionsarbeiten erledigt hatte, über- imc l' auf nielche Weise er sein Zimmer für den »<>». r®c''ebtcn Herrichten und wie er am besten l f$* des Raumes verbergen könne. Er hatte »Uer„�t- kleine japanische Schnurrpfeifercien an den dinil �llznstcckeii und kaufte für fünf Franks eine ganze Dippti"9 U0U Lunten Läppchen, kleinen Fächern und btto num' er die allzu sichtbaren Flecken der stlenu'inj die Fensterscheiben klebte er durch- limei dchen, die Kähne auf Bächen, durch rothe ' sufgeude Vögel, vielfarbige Damen auf Balkonen darstellt�"e'ner schmarzer Menschlein auf Schnee loKin Zimmer, das gerade groß genug war, um darin lex.''"d sitzen zu können, sah bald wie das Hnnere stieb- Pc>pierlaterne aus. Er war mit dem Eindruck "n uiid brachte den Abend noch damit zu, auf die dagegen ist im Gemeindesteuer-Gesetz ein Riegel vor- geschoben. Aber auf dem denkbar niedrigsten Stand werden die Herren Agrarier in den Landgemeinden alle Kultur- ausgaben halten, um die Grundsteuer in keiner Weise an- wachsen zu lassen. Schullokale und Lehrergehälter werden aus den Dörfern noch erbärmlicher werden, als sie ohnedies sind; für keinen Zweck von öffentlichem Interesse, der nicht zugleich den Gutsbesitzern baaren Nutzen bringt, wird Geld von der Gemeinde zu haben sein, und auf diese Weise schenkt Herr Miqucl den Agrariern einen Betrag der Grundsteuer, der in viele Millionen geht. Bei aller Halbheit der Reform hätte sich hier eine beffere Lösung finden lassen: die Ucberlaffnnq der Grundsteuer an die Kreise, denen nach einer Meldung der„Kreuz- Zeitung" demnächst auch die Schullasten auferlegt werden sollen. Hier hätte der agrarische Egoismus nicht ganz so freien Spielraum gehabt, wie in den Gemeinden. Aber Herr Miquel weiß, waS er will, und die Agrarier sind seine guten Freunde, er wird sich hüten, sie an ihrer empfindlichsten Stelle zu verletzen. Das ist die eine Ermäßigung der Besitzsteuern, die der preußische Finanzminister nach der agrarischen Seite fertig bringt— als gewiegter Weltmann hat er jedoch auch etwas für die Schlotbarone übrig. Sein Entwurf eines Gesetzes wegen Aushebung direkter Steuern enthält außerdem— die Aufhebung der B e r g w e r k s st e u e r für die Kohlenjunkcr. So muß es gemacht»verden,»veun„sozialpolitisch gerecht" vertheilt »verden soll! Die Kohlenzechen in Preußen»varen so wenig vorbereitet auf das Geschenk, das ihnen Herr Miquel in den Schooß wirft, daß sie eben erst eme Enquete über die Bergiverkssteucr eingeleitet hatten und noch tüchtig „Material" sammelten, als ihnen schon die gebratene Taube in den Mund flog. Die Begründung des Gesetzentwurfes spricht viel von dem geschichtlichen Ursprung der Bcrgwecks- steuer,»vclche eine Fortsetzung des längst aufgehobeilen staat- lichcn Bergwcrksmonopols geivesen sei und schon deshalb nicht in unsere Zeit passe(Steuern ailf Salz und Brot paffen aber nach Meinung derselben Regierung sehr gut in unsere Zeit!). Der Bergbau sei schon mit der neuen Einkommensteuer belastet,»oobei vergessen ist, daß die Ein- kommensteucr nur den baaren Geivini» der Schlotbarone trifft, während die Bergwerkssteuer eine ganz gerechtfertigte Vorausbesteuernng nach dem Besitze darstellte, die gairz richtig und mechanisch ohne Rücksicht auf Gewinn nach der Brutloförderung an Kohlen berechnet wurde. Nicht einmal als Gemeindesteuer soll die Bergiverkssleuer wieder aufleben können, sie wird„völlig ausgehoben", wie sich Herr Miquel kaltlächelnd ausdrückt—„weil sie für die' kommunale Besteuerung überhaiipt nicht verwendbar ist". Den Beiveis für diesen Satz aber sucht man in der ganzen breit- spurigcn„Begründung" vergebens. Nun will es die Jroirie dcS Schicksals, daß seiner Zeit im Organ.der ivestfäUscheu Kohlenzechen, im„Glückauf" zu Essen, ein Aussatz gestanden hat(Nr. 35 v. I. 1390), der ausdrücklich sagte, daß die Decke Vögel zu kleben, die er aus den noch übrigen Bilder- bogen herausgeschnitten hatte. Dann legte er sich zu Bett, und das Pfeifen der Züge wiegte ihn ein. Am nächsten Tage kehrte er rechtzeitig aus der Re- daktion heim und brachte eine Tüte voll Thcegebäck und eine Flasche Madeira mit, die er beim Krämer gekauft hatte. Er mußte noch einmal hinunter, um zwei Teller und zivei Gläser zu holen. Diesen Imbiß stellte er aus seinen Toilettentisch, dessen unsaubere Platte dilrch eine Serviette verdeckt»var. Waschbecken und Wasserkrng waren darunter verborgen. Dann»vartete er. Um fünf ein viertel kam sie. Die bunte Papier- schmctterlingswirthschaft gefiel ihr uiid sie rief:„Ach, bei Ihnen ist es ja reizend! Aber es sind soviel Leute aus der Treppe!" Anderthalb Stunden später begleitete er sie bis zum Drocchkenhaltcplatz in der Rne de Rome.„Also nächsten Dienstag mn dieselbe Zeit," flüsterte er, sobald sie im Wagen saß. „Ja Dienstag, um dieselbe Zeit", sagte sie. Und da es schon dunkel»var, zog sie seinen Kopf in den Wagen hinein und küßte ihn aus die Lippen.„Adieu, Bel-Ami", rief sie, während der Kutscher auf den Gaul lospeitschte, und der Schimmel vor dem alten Rmnpelkasten setzte sich in müden Trott. Alle zwei oder drei Tage empfing er so Frau von Marelle. Als er sie eines Nachmittags erwartete, lockte ihn lauter Lärm aus der Treppe vor die Thür. Ein Kind heiilte. Eine zornige Mannesstimme rief:„Was hat denn die Jöhre zu heulen!" Eine erregte, kreischende Weiberstimme er- völlige Aufhebung der Bergwerkssteuer„einem an sich nicht zu billigenden Geschenke an die jetzigen Bergiverksbesitzer gleichkommen iv ü r d e." Der Ertrag der Bergwerkssteuer sollte, dahin ing der damalige Vorschlag eines Rechtsbeistandes der Zechen im„Glückauf", so venvendet»verden, daß ihn die Zechen statt an den Staat in die Knappschaftskassen zahlten und dadurch einen Theil der Kaffenbeiträge der Bergleute übernähmen. So sehr waren sich die Kapitalisten selbst der Gerechtigkeit der Besitzsteuer bewußt! Sie sind eben kapitalistische Waisenknaben gegen Herrn Miquel. Er übertrumpft sie weit in der feinen Berechnung und kraft- vollen Wahrnehmung ihrer Besitzinteressen. Er schenkt ihnen mit seiner grrroßen Reform, was sie demüthig zum Besten der Arbeiter weiter zu zahlen gedachten. Besser kann die Miqnel'sche Steuerreform nicht gekennzeichnet werden. Schenkungen an die Schnaps- und Schlotbarone— das sind also die hervorstechenden Merkmale des Gesetzent- »vurfes wegen Aufhebung direkter Staatsstcuern in Preußen nach de»:» alten Bibelwort, daß dem, der wenig hat, alles genommen und dem, der viel hat, alles gegeben wird. Denselben kapitalistischen Grundzug»verden wir im Ver- mögensstcuer- und Gcmeindeabgaben-Gesetzentlvuxf des Herrn Miquel»viederfinden. VolikiMio Aevevstckik: Berlin, den 17. November.. Ter Bnudesrath genehmigte in der am Dienstag unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten des Staatsministeriulns, Staatssekretärs des Innern Dr. von Böttichcr abgehaltenen Plenarsitzimg die Entwürfe zum Reichshaushalts-Etat für 1893/94: über den Reichs-Jnvalidenfonds, über die Ein- nahmen an Zöllen, Verbranchssteuern»ind Aversen, über die Einnahmen an Stempelabgaben, dxr Post- und Tele- graphen-Verwaltung, der Verwaltung der Eisenbahnen, der Reichs-Justizverivaltung, für den Reichskanzler und die Reichskanzlei, des Ansivärtigen Amts, des Rcichsamts des Innern, des Rcichs-Schatzamts, des Reichs-Eisenbahnamts, des Rechnungshofes»tnd der Reichsdruckerei. Der Antrag Bayerns, betreffend den Entwurf eines Gesetzes»vegen Abänderung der Gewerbe-Ordnung(Gewerbebetrieb im Umherziehen),»ourde den Ausschüssen für Handel und Verkehr und für Justizwesen überiviesen. Dem Antrag, betreffend die Abänderung der Verkehrsordnung für die Eisenbahnen Deutschlands, und dem Entivurs einer vvln Reich mit der österreichisch-ungarischen Regierung zu treffen- den Vereinbarung erleichternder Vorschriften für den Wechsel- seitigen Berkehr zwischen den Eisenbahiien Deutschlands einerseits und Oesterreichs und Ungarns andererseits rück- sichtlich der bedingungsiveise zur Beförderung zugelassenen Gegenstände wurde die Zustünmung ertheilt. Einer Ein- widerte:„Die alte Kokotte, die immer zum Journalisten oben kommt, hat Nikolaus von der Treppe gestoßen. Nicht 'mal aus die Kinder auf der Treppe paßt so'n altes Frauen- zimmcr auf." Erschreckt wich Duroy zurück, denn er hörte rasches Klciderrauschen und eilige Schritte die nächste Treppe herauf- kommen. Bald klopfte es an seiner Thür, die er eben zugemacht hatte. Er öffnete und Frau von Marelle stürzte in höchster Erregung athcmlos ins Zimmer. „Hast Du gehört?" stammelte sie. Er that so, als wisse er von nichts. „Nein. Was denn?" „Beleidigt haben sie mich." „Wer denn?" „Tic erbärmlichen Menschen. nuten." „Ich habe aber gar nichts gehört;»vas»var denn, er- zähl' doch!" Sie begann zu schluchzen und konnte zuerst kein Wort herausbringen. Dann aber brach ihr Zorn los. Er sollte sofort hinunter, sie schlagen, sie tödten, ver- langte sie. „Aber bedenke doch, Kind," sagte er,„es sind ja ganz ungebildete Leute. Wir müßten vor Gericht, es würde be- kannt, wer Du bist. Du könntest verhaftet»verde» und»värft verloren. Mit solchen Leuten läßt man sich nicht ein." Sie kam auf einen anderen Gedanken.„Was sollen wir jetzt thun? Hierher setze ich keinen Fuß mehr." „Ganz einfach," erwiderte er.„Ich ziehe um." „Nein, das würde zu lange dauern," flüsterte sie. Plötzlich fiel ihr ein Ausweg ein und beruhigt sagte sie: .Nein, höre, ich habe'ivas anderes gefunden, laß mich <;al)c wegen Herstellung einer BezlvkZ- Ferusprecheimichtung für Köln und Umgegend beschloß die Versaininlung keine Folge zu geben.- Znr Psychologie der BiSmorck'scheu Selbstdenun- ziativncn wird der„Kölnische» Volks-Zeitung" geschrieben: Die.göttlichen Sauhirtcn", welclze dem Älltreick)skanz!«r unberufen ihre Dienste leihen, arbeiten ganz sicher nicht nach seinem Sinn. Eben so wenig wie jener Redakteur, dem Bis- marck eine politische MUtheüung„vertraulich- machte, und der sie auch nicht abdruckte. Worauf der Allreichskauzler, als er die Nachricht noch immer nicht in den Blättern fand, ärgerlich ausrief:„Glaubt der Esel, ich hätte ihm die Mittheilung zu dem Zweck gemacht, um ihn in politische Geheimnisse einzu- weihen!" So auch in diesem Falle. Daran liegt dem Fürsten sehr wenig, als diplomatischer Tugendbold geseiert zu werden. Wir habe» ein biechen herumgehorcht, wie die©ache zusammenhängt. Es sei, so hörten wir, dem Altreichskanzler zu Ohren gekommen, gewisse Berliner Kreise hätten sein Verdienst als „Begründer Deutschlands" zu schmälern versucht. Man habe — ganz im Sinne der„patriotischen" Mytheobildung— ge- äußert, der Krieg von IS70 sei durch französische Frivolität gegen unser Wünschen und Wollen über uns hereingebrochen, darauf habe unsere tapfere Armee, mit König Wilhelm und Moltke an der Spitze, die frevlen Angreiser zu Boden ge- schlagen und nach dem Siege— jetzt kommt die Hauptsache! � wäre die Einigung Deutschlands kein Kunststück mehr ge- wesen, sie sei gewissermaßen von selb st zu Stande ge- kommen als natürliches Resultat der Entwickelung der Dinge, und wenn auch der unfähigste Staatsmann an der Spitze Preußens gestanden hätte, wäre es ihm kaum möglich gewesen, durch Thorheiten diese Entwickelung zu— hinters- treiben. So ungefähr soll i» manchen Kreisen eine mündliche Kritik gelautet haben, die man sich als Echo ans die Wiener Agitations- reise Bismarck's mit ihrer Herabsetzung des neuen Kurses zu denken hat, und ähnliche Gedanken sollen auch in einigen Broschüren zur Verlheidigung des neuen Kurses leise an- gedeutet sein. Angesichts dessen wäre der Sinn der Bismarck- scheu Enthüllung, daß er demgegenüber offen hervortritt und sagt:.Nein, ich bin es gewesen, der damals den Krieg ge- wollt, weil ich den Zeitpunkt für den nützlichen hielt, und darum bin ich auch iu Wahrheit der Begründer der deutschen Einheit." Bismarck will lieber das Odium auf sich nehme», den Krieg provozirt zu haben, als aus den Rnhm verzichten, der Gründer des Deutschen Reiches zu sei». Das erscheint als die W a h r y e i t über die Entstehung dieser sonderbar verspäteten Kontroverse. Die weisen Thebaner der„Nat.-Zlg" haben es nicht begriffe», was es dedeuleie, und die Leipziger Pylhia in Rechtsauwaltsg-stalt— Herr Hans Blum— auch nicht.— Betreffs der Militärvorkage setzten die Liberalen ihre Hoffnung vielfach aus deu Suohhalw. desBundesraths. Sogar von Brauuschiveig, das unter der Regentschaft eines preußischen Prinzen steht, wurde Opposition gegen die Militärvorlage erwartet. Wie dieses aus der Luft gegriffene Gerücht recht bald denieutirt wurde, so geschieht es jetzt auch bezüglich der erivarteten sächsischen Opposition. Da» �Dresdner Journal" meldet aus amtlicher Quelle: „Es find in letzterer Zeil in verschiedene» Tagesblättern Gerüchte in Umlauf gesetzt worden, daß an maßgebendster Stelle in Sachsen der Militär� orlage keinerlei Sympathie» entgegengebracht würden. Die Gerü. te evtbehren. wie wir mit Bestimmtheit aussprechen können, jeder Begründung." Ten Nationalliberalen wird also nichts übrig bleiben, als nach der Pfeife der Regierung zu tanken. Mantspitzeu hilft ihnen nichts— sie müssen pfeifen.— Die„«othleidende" Landwirthschaft, wie sie im Preußischen LandeS-Oekonomiekollegium durch Geheimräthe, Rittergutsbesitzer und Domänenpächtcr vertreten ist, hat sich für Errichtung von Laiidwirthschaftstammern ausgesprochen, die dazu berufen sein sollen, bei allen landwirthschaftlichen Gesetzen gehört zu werden, die Gesammtinteressen der Land- und Forstwirthe ihres Bezirks zu vertreten und durch zweckentsprechende Einrichtungen zu fördern. Die Errichtung dieser Landwirthschaftskammern soll sich der bestehenden landwirthschaftlichen Berciusorganisation anschließen, und können die Rechte und Pflichten einer Landwirthschasls- kammer auf die landwirthschaftlichen Zcutralverelue, welche den Bezirk einer Provinz oder unter Umständen auch nur einen Theil der Provinz umfassen, ausgedehnt werden. In der langen Debatte über diesen Gegenstand war zwar ein Theil der Versammlung der Meinung, daß die land- wirthschaftlichen Vereine zur Vertretung der Landwirthschaft genügten, zumal die Regierung dieser ein so weitgehendes nur machen und kümmere Dich um nichts. Morgen früh schick' ich Dir eine kleine Blaue." „Kleine Blaue," nannte sie die Stadttelegramme. Sie lächelte jetzt wieder, so vergnügt war sie über ihren Einfall, den sie aber nicht enthüllen wollte. Dennoch war sie sehr erregt, als sie die Treppe wieder hinunterging, und sie stützte sich mit aller Gewalt auf den Arm ihres Geliebten, als wenn sie ihre Füße nicht tragen könnten. Sie begegneten Niemandem. Da er gewöhnlich spät aufstand, lag er am nächsten Morgen um els Uhr noch im Belle, als der Telegraphen- bore ihm das„Kleine Blaue" brachte, das sie ihm ver- sprachen hatte. Duroy öffnete es und las:„Komme um fünf nach der Rue de Konstantinovle, Nr. 127. Laß' Dir dte von Fran Duroy gemicthete Wohnung öffnen. Viele Küsse. Clo." Punkt süns trat er beim Portier eines großen möblirten Hauses ein und fragte:„Hat Frau Duroy nicht hier eine Wohnung gemiethet?" «Ja". „Wollen Sie nlich gefälligst hinführen". Ter Mann, der augenscheinlich an delikate Situationen, wo Klugheit nöthig ist, gewöhnt war, sah ihn scharf au und fragte, während er ans einem großen Schlüsselbund den richtigen heraussuchte:„Sie sind wohl Herr Duroy?" „Geiviß, gewiß". Er öffnete ihm eine kleine möblirte Wohnung, die aus zwei Zimnirri» bestand und im Erdgeschoß der Portierloge gegenüber lag. Duroy musterte die Einrichtung und dachte unruhig: „Die Wohnung muß ein rasendes Geld kosten. Irgendwo muß ich Geld pumpen. So ein Blödsinn von ihr!" Die Thür ging ans und Clolilde stürzte ihm mit rauschenden Kleidern und offenen Armen entgegen.„Nicht wahr, hier ist's hübsch?" rief sie entzückt. Und so bequem im Erdgeschoß. Wir können zum Fenster hineinklettern, ohne daß uns der Portier sieht." Er erwiderte kalt ihren Kuß und wagte die Frage nicht zu thun, die ihm aus den Lippe» lag. Wohlwollen widme, die Mehrheit aber glaubte: besser ist besser; eine Regierung kann sich oder ihre Anschauungen ändern, und da sei es besser, gesetzlich die Befugnisse der landwirthschaftlichen Vertretung festzustellen. Die Land- wirthschaftskammer soll in erster Linie das Recht haben, alle landwirthschaftlichen Besitzer zur Deckung der aus ihrer Thäligkeit entspringenden Kosten heranzuziehen.— Hamburgisches Defizit. In der gestrigen(Mittwoch?-) Sitzung der Bürgerschaft wurde vom Senat das Budget für 1893 überreicht. Dasselbe schließt mit einem Fehlbeträge von 4 278 886 M. ab. Hamburg hat etwa 150 000 Steuerzahler, während zur Bürgerschaft nur 20 000 wahlberechtigt sind. Die Vertreter dieser Minorität führen aber die Wirthschaft ans Kosten der Gcsammthcit, auf deren Schultern sie die Verantwortlichkeit' ihrer Rtißwirthschaft abwälzen. Das ist das Wesen des Klassenstaates, wie es auch in dem hambnrgischeu Mißgebilde einer Republik zu Tage tritt.— Der Kompromiß Baare-Fusangel zeitigt, wie wir gestern bereits miltheilten, weitere Btülhen bei den bevor- stehenden Stadtverordnetenwahlen in Bochum. Baare weicht vor dem Zentrum. Die uatioualliberale Lokalpresse hüllt sich in Schweigen, da ihr verherrlichter Ehrenmann vor ihren verhaßte» Gegnern die Waffen streckt. Aus der„West- falischen Votkszeitnug" erfahren wir, daß.Herr Baare in einer Versammlung von Beamten und Arbeitern des Bochnmer Vereins die von uns gebrachte Nachricht be- stätigte, indem er zugleich den Wunsch kundgab, daß mebeu dem nationalliberalcn Kandidaten, Bureauchcf Generotzky vom Bochumer Verein für das von ihm selbst bisher be- sessene Mandat ein der Zentrumspartei augehörigcr Mühlen- besitzer gewählt werde. Das Zentrum nahm dieses Kom- promiß an. Baare läßt sich in der ersten Abtheilung wählen, wo er über 3 von deu vorhandenen 5 Stimmen verfügt.— Der Antisemitismus iu Magdeburg. Die national- liberale„Magdeburgische Zeitung" warnt in einem Leit- arlikel die liberalen Parteieit ihrer Stadt vor dem Jrrthum, in dem sie sich zu befinden scheinen, wenn sie der systematisch betriebenen Propaganda des Antisemitismus jede Bedeutung absprechen.„Deu Juden schlägt man, den Liberalismus meint man." Wenn der Antisemitismus erst einen Keil in das Bürgcrthum getrieben, dann sei an eine Niederwerfung dcs sozialdemokratischen Kandidaten nicht mehr zu denken. Das wird aber im gegebenen Falle die Nationalliberalen in Magdeburg ebenso wenig wie anderwärts hindern, sich wie in Siegen mit den Antisemiten zu verbinden.— Eine Strafe für die Sachsengnngerei sieht die „Kreuz- Zeitung" darin, daß die Stadl Halte a. S. sich veranlaßt gesehen hat, 40 000 M. zur Unterstützung b e- schästigungsloser Arbeiter aufzuwenden. Das sind die Folget: der unbegreitztett Freizügigkeit l„Aus dem ganzen Osten strömen die Arbeiter itn Frühjahr in die ge- segnete Provinz Sachse», nach ihrer Ansicht das Land, wo Milch und Honig fließt. Und jetzt muß Halle noch diese Arbeiter unterstützen, die vor den Segnungen des „patriarchalischen" Regiments der Junker der Ostprovinzen flüchten. Die fromme„Kreuz-ZeiiNng" möchte diesen gotttosen Arbeitern jede Pestilenz auf den Hals wünschen und darin den Finger Gottes erblicken.— Der sozialdemokratische Meineid. Ans die Be- schwerde gegen den Landgeri chls-Direktor Schmidt, welche die Sozialdemokratie Breslaus an das Justiz- Ministerium richtete, ist, wie die„Votkswacht" mitlheilt, folgender Bescheid ergangen: V r e s l a u, den 15. November I3SL. Die Beschwerde, welche Sie bei dem königtichen Justiz- minifierium»der eine Aenßerung des Landgerichts-Tirektors Schmidt Hierselbst in einer öffentlichen Strafkammersitzung ei»« gereicht haben, ist mir von dem Herrn Jnstizminister zur Prüfung und weiteren Beranlassung zugefertigt worden. Demgemäß habe ich eine Prüfung vorgenommen. Dieselbe hat zu dem Resultate geführt, daß die Aeußerung, welche der Landgerichts- Direktor Schmidt in Wirklichkeit ge- t h a n, in ihrem Wortlaute nichts einhält, was eine Be- letdigung darstellt oder als eine andere strafbare Handlung aufgefaßt werden könnte. Die Aeußerung ist auch lediglich iu Wahrnehmung seines Amtes zum Zwecke der Förderung der „Ans drei Monate habe ich's gemiethet, natürlich auf Deinen Namen, meinen konnte ich doch nicht angeben," plauderte sie.„Jeder von uns bekoiymt einen Schlüssel, und dann ist noch einer in der Portierloge, falls wir unsere» vergessen haben." „Dn wirst mir sagen, wann die Miethe bezahlt werden muß," erwiderte er. „Tie ist schon bezahlt, mein Schatz," erwiderte sie einfach. „Wieviel bin ich Dir dann schuldig?" „Nicht doch, nicht doch, mein Herz. Das geht Dich gar nichts weiter an. Laß mir doch das kleine Ver- gtmgen." Er that so, als sei er böse darüber.„Nein, das geht wirklich nicht. Das erlaube ich nicht." Nun kam sie bittend dicht heran und legte die Hände ans seine Achseln:„Bitte, bitte, lieber Georg, es macht mir so viel Vergnügen, das kleine Nest ganz allein gesunden zu haben. Sag', daß Du nicht böse bist, lieber, lieber Georg." Er ließ sich bitten, zog ein böses Gesicht, wollte nichts davon wissen, gab aber dann nach und fand es im Grunde sehr richtig, daß sie bezahlte. Als sie fort war, rieb er sich die Hände und murmelte, ohne in die Falten seines Herzens zu spähen, woher ihm die Worte kamen: „Sie ist doch sehr nett!" Einige Tage später empfing er ein zweites Telegramm, das lautete:„Mein Mann kommt heut Abend nach sechs- ivöchentticher Inspektionsreise zurück. Wir haben also acht Tage Ferien. Wie dumm! Deine Clo." Duroy war aufs äußerste überrascht.' Er hatte wirk- lich gar nicht mehr daran gedacht, daß sie verheirathet tvar. Und nun war ein Gatte da, dessen Kopf er übrigens doch einmal sehen wollte, um ihn kennen zu lernen. Dennoch wartete er geduldig auf die Abreise des Ge- inahls. In der Zwischenzeit war er zwei Mal in den Folies-Bergsre, wo er Rachel traf, � Eines Vormittags empfing er� dann ein neues Tele- gramm, das nur vier Worte enthielt:„Heut um füus. Clo." Interessen der Rechtspflege erfolgt. Darnach lag die Absicht völlig fern. Jemanden zu beleidigen oder zu verleumden. Wollen die betreffenden Herren dies nicht anerkennen, so, bleibt es ihnen selbstverständlich unbenommen, mit einein Siraf- anlrage bei der königlichen Staatsanwaltschaft vorzugehen. Meinestheils Hube ich keinen Anlaß, eine oerartige Prüfung durch die zustSitdigen Organe herbeizuführen. K u n o w s k i., Wirklicher Geheimer Ober-Justizrath. An den Redakteur Herrn Otto Friedrich hier I. 13597». Dieser Bescheid erregt den Schein, als hätte der Land- gerichtsdirektor Schmidt etwas anderes gesagt, als die Be- schwerdeführer behaupten. Wir erfahren aber nicht, welche' Aeußerung Herr Schmidt denn„in Wirklichkeit gethan". � Uebrigens halten wir es für vollständig überflüssig, die Sozialdemokratie noch länger gegen den Vorwurf, daß sie den Meineid billige, zu vertheidigen, zumal in einer Zeit, in welcher sänimtliche Ordnungsparteien, konservative wie liberale, Lüge und Fälschung geradezu rühmen und ver- berrlichen, wenn sie um eines„patriotischen" Zwecks er- folgt, selbst wenn diese Lüge und Fälschung Millionen auf die Schlachlbank führt. Die Anschuldigung der„Ordnung�' Parteien", die Sozialdemokratie verthcidige den Meineid, wird von ihnen selbst nicht geglaubt; sie befolgen nur die alte Regel ertappter Spitzbuben, die, um die Verfolgung von sich abzttleuken, am lautesten schreien: Hallet den Dieb!— In der französischen Teputirteukammer wurde bei von der Regterttttg vorgelegte Gesetzentwurf gegen die Presse in der Millwochs- Sitzung von den Radikalen wie von der Rechten bekämpft, von den ersteren, weil er der Willkür Raum böte, von der letzteren, weil die Regierung von ihre» Atachtmitteln keinen gewaltsameren Gebrauch mache. Laguerre(radikal) bekämpft den Gesetzentwurf als unnütz und gefährlich.(Beifall auf der äußersten Linken.) Ter Berichterstatter Lasserre weist auf die Nolhtvendigkeit hin, die in dem gegenwärtigen Preßgesetze vorhandenen Lücken anszitsüllen.(Vereinzelter Beifall im Zentrum.) De Mun (Rechte) führt aus, daß die gegenwärtige Lage das Resultat der antireligiöse» Erziehung sei, welche der Bevölkerung gegeben werde.(Beifall auf der Rechten, Widerspruch aus der Linken.) Konsettpräsideiit Loubet bestreitet de Mau gegenüber, daß die Regierung den offiztelleil Atheisunw predige und das religiöse Gefühl zu zerstören suche; die Rc- publik unterdrücke die Religion nicht, sie respekliredie Glaubens freiheit. Nach einer Erwiderung Douville Maillefeu's, welches die Deputirteil der Rechten in heftiger und gröblich�' Weise angriff und sich dadurch einen Ordnungsruf zuzog, nahm Deschapel(Republikaner) das Wort, um nach' zuweisen, daß das Gesetz nothwendig sei. Die Sitzung wurde hierauf suspeudirt. Nach Wiederaufnahme der Sitzung bekämpfte Robert Mitchell(Bonapartist) den Gesetz' enlwurf, welcher ein Attentat der Anarchisten in keittt* Weise verhindern würde. Clause! de Coussergues sprach für den Gesetzentwurf. Die Fortsetzung der Berathung wurde sodann auf morgen vertagt.— Elysöe Neclns erklärt, daß der von uns übersetzle, einem Pariser Blatt entnommene Brief mit seiner Unter- schrift, betreffend das letzte Pariser Attentat, nicht von ih's' herrühre. Was er über dieses Attentat denkt, sagt er tn»)1' Nun, nichts sagen, ist jedenfalls klüger, als, wie Etysve Reclus es bezüglich der Ravachotiade» that: erst verurtheilen und dann billigen.— Wie aus London gemeldet wird, hat der Polizei- gerichtshof von Bow Street, welchem der Anarchist Fr.tu?v>» heute wieder vorgeführt wurde, nach längerem Verhör das Auslieferuttgsgestich der französischen Regierung geuehm>ö� Franvois hat gegen diese,! Beschluß Berusung eingelegt. Charles Lesseps behauptet, die Ahmiuistratore» der Punatua-GescUschaft seien ein Opfer von Jntrigucn- Ter Prozeß werde ergeben, daß von ihnen keine Gelder vergeudet, sondern daß die Adtuittistratore» persönlich � gröpten Opfer gebracht hälte«.— Vor der festgesetzten Zeit trafen sie sich in der Rue Constantinople. „Wenn Du willst, kannst Du mich heut irgend wo?''. zum Diner führen," sagte Clotitde.„Ich habe mich>" gemacht.".. Es war gerade Monatsanfang, und Duroy batte, dr" wohl er sein Gehalt schon auf lauge im Voraus yatte u» von Tag zu Tag von geborgten Summen leben mußte, w. er von allen Seiten auftrieb, Geld in der Tasche. Deshm war es ihm recht, einniat Gelegenheit zu haben, für I' etwas auszugeben. „Gewiß, mein Herz, wohin Tu willst!" erwiderte er. Um sieben gingen sie den äußeren Boulevard entlaus- Sie lehnte sich fest an seinen Arm und ftusterle:„Wie ge'' gehe ich so mit Dir." „Wollen wir zu Lathnile?" fragte er.„ „Ach nein, da ist es fein," erwiderte sie.„Ich wow am liebsten mal in so eine lustige, gewöhnliche Kneipe, w Kommis und Arbetleriniien verkehren. Ich liebe solche BuMw' fahrten. Ach, wenn wir doch mal eine Landpartie mach' könnten!" Da er im Viertel nichts derartiges kannte, irrten � den Boulevard enttaug und gerielhen schließlich in Weinstube, wo es in einem besonderen R-'"' auch Essen gab. Sie hatte durch die Fensterscheiben tz'' durch zwei Mädchen ohne Hut entdeckt, die zwei Soldat> gegenüber saßen. o Drei Droschkenkutscher speisten im Hintergrund langen, schmalen Raumes, und ein Mensch von unbestimmt Beruf lag mit ausgestreckten Beinen, die Hände im bnnö und den Kopf iveit nach hinten über die Lehne häutig auf einem Stuhl und rauchte seine Pfeife. Sein schien ein wahres Musetuit von Schmutzflecken zu sei". in den wie Bäuche angeschwollenen Tascyen wurde der H®- einer Flasche, ein Stück Brot, ein in ZeUungspapier geh'�L Packet und ein heraushängendes Ende Bindfaden sichtbar. J»'' Haare saßen in dichten unordentlichen Zotten um 1'!?� Kopf herum und waren grau vor Unsauberkeit; seine lag unter dem Stuhl aus der Erde. (Fortsetzung folgt.) Nouttnunoles. Stadtverordnetcu-Veriai»uUung. Oeff en tliche Sitzung vom Donnerst c>g, den 17. November, N�cbmittagstzUhr. Vorsteher Stryck dal e-nen vicriuö�entlichen Urlaub ge- »ommen; den Vorsitz führt sein Stellvertreter Dr. Langer- Hans. Stadtv. Zubeil hat Urlaub angezeigt. In gemenischastlicher Sitzung de? Magistrats t'nd der Stadt- tierordnelen-Versammlung findet zunächst die Wahl von zwei Mitgliedern und zwei Stellvertretern derselben für den B ezirks- o n s s ch u ß an Stelle der am r April 1893 ausscheidenden Serren auf die Zeit von dabin bis I. April 1893 statt. Die erren Baumeister Koch und Fabrikbesitzer Darinsiädter werden zu Mitgliedern, Verlagsbuchhandler Springer und Baumeister Fritz Koch zu Siellverlrelern wiedergewählt. In der- selben Weise ersolgt die Wahl von acht Mitgliedern und acht Stellvertretern des für Berlin zu bildenden Sleuerausschusses der Eeiverdestenerklasfe I; die von der gemischten Depulalion vor- geschlagenen Personen werden durch Zuruf gewählt. Am 20. Oktober cr. ist von den Sladivv. D i n se u. Gen. folgende Anfrage an den Magistrat gerichtet worden: Bon einigen Berliner Bürgern, welche an der Spitze der Berliner Gewerbe-Ausstellung von 1879 gestanden haben, wird gemäß Bericht der Tagesblätter beabsichtigt, für 1894 wieder eiite Gewerbe-Ansstellung in Berlin herbeizuführen. Tie Unterzeichneten fragen hiermit an, ob der Magistrat Kenntniß hiervon hat und wie er sich zu diesem Unternehmen, welches einer All- gemeinen Deutschen Ausstellung oder einer Weltausstellung in Berlin hindernd in den Weg lrelen würde, zu stellen beabsichtigt? Sladtv. Dinse: Das Projelt einer Weltausstellung in Berlin ist von nnserer gemischten Deputation f. Z. mit aller Energie gesördert worden. Die Deputation verdient dafür den wärmnen Dank; die Befürwortung eines Garantiefonds von 10 Millionen war die erste Thal auf diesem Gebiete, während die leitenden Kreise jede Thatkraft vermissen ließen. Nachdem das Projekt infolge gewisser Einflüsse zu Falle gekommen, hat sich ein Komilee von Industriellen gebildet, welches das Projekt von nuten herauf zu fördern bestrebt ist und schon erhebliche Erfolge erzielt hat. Dem Forrgang dieser Bestrebungen würde das in der Anfrage berührte Unter- uehnien hindernd in den Weg treten. Inzwischen haben aller- dmgs die Befiirworter dieses Unternehmens sich selbst in erster Linie für eine Allgemeine Deulsche Ausstellung entschieden, und der größte Theil der gehegten Befürchtungen ist damit hinfällig geworden. Stadtrath de N ä v e erklärt, dem Magistrat sei offiziell von jenem Plane einer Gewerbe-Ausstellung nichts bekannt; er habe daher auch nicht Stellung dazu nehnwn können. Erst'n den letzten Tagen sei ihm eine schriftliche Vorstellung zugangen, die aber nur von einer„großen" Ausstellung, nicht von einer Ber- uner Ausstellung spreche.' Auf genügend unterstützten Antrag Singer wird in eine loesprechuug der Anfrage eingetreten. Sladtv. Singer:. Ich will mich über den.Distanzritt' der beiden Organisationen zur Jnszenirung einer Ausstellung in Berlin nicht äußern, da die Idee der Ausstellung, die nach weiner Auffassung nolhwendig ist. von beiden nicht mit dem «rfer beirieben wird, der die Voraussetzung des Gelingens ist. •on einem Kreise von Berliner Interessenten we.den Anstrengungen gemacht, um trotz des ablebnenden Bescheides des Kaisers bezüg- «ich der internationalen AussteUmig doch eine solche in die Wege leiten. Wir haben nun, wie man so ost hört, einen„neuen' Kurs, aber es müßte ein„neuester' Kurs werden, wenn man Aussicht haben sollte, eine solche Ausstellung, die von jenen 'Stellen als unlhnnlich bezeichnet wird, ans die Initiative einiger ■vsntmfftntei, kreise zu verwirklichen. Die auch von Herrn Dinse Erwähnten Einflüsse widersprechen direkt der Hoffnung, daß die Auffassung an der entscheidenden Stelle sich ändern wird. Diese Emflüssehat Herr Dinse nur angedeutet; er hätte einfach sagen können, ss sind agrarische Jnlereffen, die hier m Frage kommen Und die Ablehnung veranlaßt haben. Man sürchtek in laud- wirthschosllichen Kreisen, daß eine internationale Ausstellung einen Ungeheuren Zufluß von Landarbeitern nach Berlin zur Folge haben würde, man glaubt, und nach den heutigen Verhältnissen ver Landarbeiter mit Recht, daß denselben, wenn sie einmal hier sind, es hier doch wohl besser gefallen möchte, als auf ihren Gutern, daß sie wohl nicht zu den Fleischlöpsen Egyptens zurück- tehrcii würben— das ist das Motiv für die Verhinderung der Ausstellung gewesen. Da man aber in der Regierung zu den neuen Bescheeri.ngen, mit denen man das Volk beglücken will. wese Kreise braucht, so wird der Einfluß derselben so groß sein, aa» wir die Hoffnung auf eine Weltuusstellung vorläufig auf- «eben müssen. Nun streiten sich dje Herren darüber, ob *s eine nationale oder eine Berliner Ausstellung werden lau. Ich habe für keine von beiden auch nur die geringste «ympathie. Eine deutsche Halle ich für überflüssig. weil der Werth dieser Außnellungen nicht darin liegt, daß die Deuts6)en untereinander kennen lernen, was sie produziren— oafür giebt es andere Erfahrungsquellen—, sondern darin, daß die Völker von einander lernen, zu einander kommen, einsehen lernen, daß sie noch wichtigere Dinge zu»hun haben als ihre Lanze Kraft auf Rüstungen und Erfindung neuer Waffen zu verwenden, daß sie diejenigen Gebiete ins Auge fassen, auf denen sie friedlich kulturell zu arbeiten haben. Biel geringer noch ist das Interesse, das man für eine Berliner Ausüellung haben könnte. Die Herren haben ja 1379 eine ganz hübsche Ausstellung «»szenirt, weshalb sie jetzt damit wiederkommen zu müssen glauben, uegt wohl lediglich daran, daß es den Herren in ihren Aus- ichüssen und Vorstände» so gut gefallen hak, daß sie sich nach «mer Wiedeiholung sehnen.(Sehr richtig!) Ich tan» dem Magistrat gar nicht verdenken, daß er sich so dilatorisch ausgesprochen hat, aber ich halte mich zefre t, wenn der Mogistrat etwas euergischer den Aspirationen «ntgegengmcten wäre, die auf Unterstützung durch die Stadt in einer rei» loschen Sache rech en. Es würde das auch die Arbeit der Herren für die deutsche Ausstellung erleichtert haben. Die Versammlung des Vereins von Industriellen hat nun freilich be- schloßen, das Wort„Berliner" ivegzulassen; Herr Dinse wird sich doch nicht einreden, daß jene Herren damit sich für die deutsche Ausstellung entschieden haben, sie denken einfach� an eine groge Berliner Ausstellung. Wir haben bei solcher Sachlage keinen Grund, uns für dies Projekt zu erwärmen. Diesen Standpunkt wollte ich zum Ausdruck bringen; wenn er von der Versammlung getheilt wird,'ir erden wir verschont bleiben mit diesen Anstren- gnngen, die nur vereinzellen Personen und nur zur Besnedigung vein lokaler Interesse» dienen sollen.(Beifall.) Siadw. Scheid in g tält die Erörierung der Frage nach >>en Erklärungen des Magistiatsveri reters für nicht am Platze. Die �idee einer Wellausslellung gebe er noch nicht auf; das Deutsche Reich brauche nicht zu fürchten. Fiasko zu machen. Ten Magistrat aber muffe man ersuchen, den sreundlichen Ätandpunkt Vicht zu verlasfe», den er noch im Juni eingenommen. Auch ter Reich.- tag müsse von den Berliner Vertretern für die Sache imeresfirt werden.(Beifall.) m Stadtv. Dinse hat nur den partiklikarrstischen Berliner Be- strebnngen entgegentreten wollen, er bittet gleiclisalls den Magistrat, von seiner dem Gedanken der Weltausstellung geneigten Stell ungnahme nicht zurückzutreten.., � Stadtv. P r e tz e l(Bürgerpartei) siebt einen Hauptgrund für das Scheitern der WeltnnssteUung in der ablehuenden Haltung der vbeinisch- westfälischen Industrie und erklärt, die Mitglieder der Komitees für die deutsche resp. Berliner Au»>lelluug gegen die «»griffe Singer's in Schutz nehmen zu muffen. Er gebe der deutschen Ausstellung allerdings auch den Vorzug und wünsche nur, daß die gemischte Deputation sich dauernd mit der An- gelegenheit beschäftige. Ein Schlnßanuag wird angenommen. Damit ist die An- gelegenheit erledigt. Ter Petitionsaiisschuß hat über eine Reihe von Petitionen Bericht erstattet. Ueb ergang zur Tagesordnung empfiehlt er zu- nächst bezüglich der Petilion des Schriilfiellers Hermann Rosen- lhal i»n Herbeifübrmig von Maßnahmen zur B e- s e i t i g u n g des N o t h st a n d e s widerwillig s e i e r n- der Arbeiter. Ter Petent hat eine von ihm verfaßte Bro- schüre„Ter Hungerfchutz, ein Vorschlag zur Befestigung des be» stehende», Belämpsinig der Sozialdemokratie und Huugerstillling des armen Mannes" überreicht. Er gehl von dem Gesichlspunkle ans, daß alle Ausstände der unteren Volksschichten mehr oder minder Hungerrevolten seien, und macht zur Verhütung der- selben Vorschläge, wonach jeder ividerivillia feiernde Arbeiter auf ein oder znei Monate gegen Roth geschützt werden solle. Das Mittel hierzu sei sein Projekt der Bildung einer Versicherung durch Erhebung von 2 pCt. des Lohnes eines jeden Arbeit- »ehmers. Mit der Durchführung einer solchen Versicherung würden Ereignisse, wie die vom 26. Februar er. vermiede» wer- den. Sei der arbeitsame Mann gegen den ärgsten Feind der Me»schheil geschützt, so könnten uiisaiibeve Elemente niemals über ihn die Herischast gewinnen. Letztere allein aber könnten mit Erfolg keine Revolte machen. Der Magistrat hat den Petenten mit seinem Petitum an den Reichstag verwiesen. Auch der Petitionsansschuß der Bersamm- lung hat dem Antrage nicht zugestinimt, da er u. a. aniiimiut, das in seinen statistischen Berechnungen durchaus»iisichere Projekt werde wohl selbst bei den Arbeitern wegen der ihnen aufzn- erlegenden Beilragspfiichr aus Widerstand stoßen, dann aber auch den Strom beschäftizuiigsloser, nicht imnier widerwillig Feiernden, sich aber aus die Hilsskasse stützender Arbeiter»ach Berlin leiten und die damit rerbundenen Gefahr en für die Reichshauplstadt eher steigern als mildern. Gegen den Uebergang zur Tagesordnung wird Widerspruch nicht erhoben. Zur U e b e r>v e i s n n g an den Magistrat zur Er- w ä g u n g empfiehlt der Ausschuß die Petition des Freiherrn von Schirp, Friedrichstr. 176. Dieser sucht um Genehmigung der Aufstellung von 209 Brunnen auf den öffentlichen Straßen und Plätzen Berlins mit absolut gesundem Triiikwasjer nach, gegen Erlheilung der Erlaubuiß der Ausnutzung der Brunneu zu Reklamezwecke» in ähnlicher Weise, wie es jetzt hin- sichtlich der Urai iasäulen der Fall fei. Der Petent ist vom Magistrate abschläglich beschieden worden. Der Ausschuß ist dem Vorschlag aus praktischen und ästhetischen Gründen geneigt, dann aber auch, weil der Magistrat zugegeben bade, daß ihm die Anlage der genügenden Zahl von Brunnen mit gesundem Wasser i» naher Zukunft nicht möglich sei. Sladlrnth Voigt binei um Ablehnung des Ausschuß- antrages; es entspreche vor allem nicht dem öffentlichen Interesse, Privatpersonen die Wasserversorgung zu überlassen. Sladtv. Dr. Zadel bittet gleichsalls um Ablehnung des Ausschußantrages, hält aber für die Pflicht des Magistrats und der Behörden, für gutes Trinkwaffer zu sorgen, und verlangt, daß sie dieser Pflicht nachkonimen. Die große Mehrzahl der Berliner Brunnen liefere nnlrinkvares Wasser; dabei werden 43 pCt. alles Wasserverbrauchs in Berlin aus Brunnen enl- »ommen. Bei der Gefahr, daß die Cholera im nächste» Früh- jähr wieder auflebt, sollte doch zunächst eine allgemeine Enquete vorgenommen werden und alle gesundheitsschädliches Wasser liesernden Brunnen geschlossen werden, und zwar durch Abnahme des Pumpenschwengels. Tie veralteten Kesselbrunnen müßten durch Röhrenbrunnen ersetzt werden. Die Trinkwasserversorgung Berlins sei so traurig(Widerspruch), daß gar nicht dringenb genug zu schleunigen Maßnahme» aufgefordert werde» könne. Sladlbnuralh H o b r e ch t macht �der Versammlung die Zusage, daß über die Vr-unnenverhältnisse ihr eine Vorlage zugehe» soll, die zeigen würde, daß es damit nicht so steht, wie der Bor- redner geschildert. In der Abstimmung wird der Ausschußantrag abgelehnt: Bei der Besprechung der Vorlage betreffend den Stand und Fortgang der Kanalisationsarbeiten im Quartal Juli/September 1892 fragt Stadtv. Z a d e k iviederum an, wie weit der Bau der Pump- station. in der Seestraße gediehen sei; jetzt gingen die Fäkalien durch einen Nothkaual undesinsizirl in den Spandauer Schiff- fahrtekniial und verseuchten denselben. Stadtbanrath H o d r e ch l: Die Pumpstation wird voraus- sichtlich im Früchahr in Betrieb gesetzt werden. Die vor- handenen Uebelstände find nicht entfernt so schlimm, wie ge- schildert worden. Das jetzt in den Schifffahrtskanal geleitete Wasser ging früher in die Pauke, aus dieser in den Nvrvhafen und den Schifffahrtskanal, jetzt geht es nicht mehr durch die Stadt. Der jetzige Zustand ist auch nicht schön aber viel besser als ter frühere. Stadtv. Zadel: Diese Auskunft befriedigt mich nicht. Es war früher und es ist jetzt ein Mißstand vorhanden. Am Schifffahrts- kanal wohnen auch Leute, namentlich Schiffer, die auf das Waffer des Kanals angewiesen und bekanntlich für die Verbreitung der Cholera sehr stark in Betracht gekommen sind. Da der Schiff- fahrtskanal kaum ein Gefälle hat, so fehlt jede Flnßreinigung, und doch wird nichts gelhan, die Fäkalie» zu desinsiziren. Warum verseuchen Sie die Fli.sse? Die Tesiniektion könnie ohne große Schwierigkeiten ersoige». An der Belle-Alliance befindet sich ein gleicher Auslaß, durch den die Abwässer von ganz Rixdors gehen. Stadtbaurath H o b r e ch t: Der Schifffahrtskanal hat eine fast zu große Geschwindigkeit. Von Filtration und Desiiileklion halle ich nichts; auch wäre eine solche Anlage viel zu kostspielig, um sie für ein halbes Jahr herzurichten. Nicht wir verseuchen die Fliiffe, sondern von Alters her die Einwohnerschafl lhul es. In den Auslaß an der BeUealliance-Brncke ergießt sich nichts von dein Uurath von Rizdorf, sondern er eutwassert 5 Häuser der Privaliiraße Am Tcmpeihofer Berg, die jetzt an die Kanal». salio» aiigeschlossen werden soll. Die Versammlung»imml die Vorlage zur Kenntniß. Der Sltagifirat ersucht die Versammlung, ihre Zustimmung dazu zu geben, daß für das Sleuerjahr 1893/94 die G em e in d e- E i n k o m me» ste uer in der untersten Stufe von 420— 660 M. Einkommen allgemein erlassen »vird. Zur Begründung dieses Antrages bemerkt die Vorlage, daß das jetzt beginnende, nach dem neuen Einkoiiiuienstener-Gesetz zu vollziehende Veraulagmigsgeschäjt für die Boreiuschätzuugs- und die Veranlagiingsloinmiiston eine große Arbeitslast»iil sich bringt und daß sich eine Erleichierung und ebenso eine nicht unbeträchl- liche Kostenersparnis erzielen lassen würde, wenn schon jetzt ein Beschluß in dee Richtung des virnrages gefaßt würde. Da der gleieye Erlaß schon in den letzten 9 Sleuerjahren eriolgt, die Befreiung der untersten Stufe finanziell auch diesmal um so un- bedenklicher sei, als es sich um etwa 129 000 Zensiten mit einein Brutlo-Steuerertrag von nur 20l 009 M. handle, so stehe der beautragle» Beichlußsassnng ein Hiiideruiß nicht im Wege. Die Vorlage wird ohne Tebälle genehmigt. Infolge einer bei der letzten Elalberathnng gefaßten Resp- lution Hai die Park- und Gartendeputalion beschlossen, vom nächsten Jahre ab die Spielplätze in den städiischen An- lagen veriuchsweis« an den Tagen, wo sie von den städtischen Schulen nicht benutzt werden, dem großen Publikum von 3 Uhr ab bis zum Eintritt der Dunkelheit freizugeben. Ebenfalls auf dem Wege der Eiaisresolution hat die Ver- sammlung feiner Zeit den Magistrat aufgefordert, seinen Ein- stuß auf die Pserc-ebahn-Gesellichaft dahin geltend zu machen, baß den berechligten Wünschen des Publikums auf Abstellung von Mißständen im Betrieb« der Pfe rdebahnca und Einführung von Verkehrsverbesserungen stattgegeben werde. Die vom Magistrat geführten Verhandlungen haben seit dem vorigen Jahre bis jetzl nur zur Erledigung des einen Punktes geführt, wonach die Gesellschaft für den Winter durch starke Strohmatten und darüber liegende Friesdecken eine wärmere Unterlage für die Füße der Hassagiere schaffen will. Wegen fünf anderer Punkte schweben die Verhandlungen noch. Sladtv. Dinse bringt hierzu einen Antrag ein, der das Bedauern über die mangelhaften Ergebnisse dieser Verhandlungen ausspricht, den Magistrat zu energischem Auftreten gegen die Gesellschasren auffordert und die Einführung des Zehnpfennig- larifs für alle innerhalb des Weichbildes gelegenen Strecken empfiehlt. Stadtv. Vogtherr: Die Vorlage zeigt, wie zäh und widerstandsfähig die Gesellschaften sind auch gegen die be- scheidensten Wünsche des Publikums und wie leicht der Magistrat zu befriedigen ist und sich mit seiner Verantwortung abfindet. Die Zugestäiidiiisie sind ungeiiügend in jeder Beziehung. Es klingt fast wie Hohn, daß für eine Erwärmung der Pferdebahn- Wagen Sirohmalten und Friesdecken zugesichert werden; viel- leicht erlauben die Gesellschaften gütigst, daß das Publikum sich diese Gegenstände selber mitbringt. Dadurch werden die klaffenden Wunden in den Fußböden nicht geheilt. Bei einigem guten Willen wäre eine gründliche Bessern, ig gerade in diesem Punkte ungemein leicht.— Ein weiterer Mißstand ist die geradezu jammervolle Belenchlung der Wagen.(Widerspruck.) Es sollen doch nicht Dunkelkammern sein; man muß Abends wenigstens darin lesen können(Unruhe), das ist jetzt einfach nicht möglich. Erfreulich ist, daß Herr Dinse die von mir vor zwei Jahren gegebene Anregung sich mit seinen Freunden angeeignet hat, die aus den Zehnpseniiig-Tarif abzielt. Ich will den Gesell- schasten keineswegs gute Rathschläge geben, wie sie eine größere Ertragsfähigkeit erzielen können; aber ich bin überzeugt, daß diese Maßregel bei dem kolossalen Betriebe nicht nur dem Publikum, sondern auch ihnen zum Vortheil ansschlagen würde. Der Einwand, daß die Bahnen dann überlastet würden, ist hin- fällig. Niemand fährt zum Vergnügen auf der Pferdebahn, weil es eben kein Vergnügen ist; niemand wird auch nur einen Schritt weiter fahren als er muß. Durch ihr zähes Festhalte» an verrotteten Einrichtungen zeigen die Gesellschalten nur, daß ihre Unter- nehmungen längst nicht mehr Anstalten im öffentlichen Verkehrs- inieresse, sondern nur noch Apstalten zur möglichsten Steigerung des Uiiternehmerprofils sind. Bewundernswerth ist lediglich die Geduld, mit der das Publikum sich diese Zustände immer noch gesallen läßt. Stadtv. Friede mann verlangt, daß nicht blos für die Zeiten großer Kälte, sondern auch großer Hitze geeignete Vor» kehrungen getroffen werden. Sladtv. Klein: Die Bedingungen, unter denen die An- gestellten der Pferdebahn thälig sein müssen, sind ganz unglaublich harte. Die Schaffner aus der Pferdebahn nach Rixdors haben auf der Endstation statt früher 12 jetzt nur 6 Minuten Auf- entbalt; wie sollen sie in diesen 6 Minuten ihr Mittag-, ihr Vesperbrot verzehren? Die Arbeitszeit betrügt oft 16 bis 17 Stunden. Die Forderung einer halbstündigen Mittagspause ist doch gewiß nicht zu hoch. Von den 6 Minuten bleibt schließ- lich überhaupt kaum noch etwas übrig, wenn der Wagen einige Mimilen Verspätung hat; ost muß die Frau, die dem Manne das Essen bringt, drei- oder viermal umkehren! Zu der langen Arbeitszeit und der Gefahr, die in dein Gewerbe liegt, gesellt sich ein absolut unzureichender Lohn. Der Schaffner erhält heute 78 M., er muß noch das Publikum anbetteln. Ist eine Gesell- Ichaft, die so hohe Dividenden verlheilt, berechtigt, die Leute so »lanaelhaft zu besolden, daß sie noch auf Biergelder angewiesen sind? Herr von Berlepsch hat ja im Reichstage schon selbst aus- gesprochen, daß diese Verhältnisse einer besonderen reichs- gesetzlichen Regelung bedürfen. Die Schaffner verlangen einen Lohn von 90 bis 120 M., die Slallleute von 73 bis 100 M. Einige haben 100 M., aber jetzt macht man daran Reduktionen, und wer sich das nicht gesallen lassen ivill, wird hinausgesetzt. Wenn die Leute eine Nacht auf dem Depot zubringen müssen, werden ihnen Betten angeiviesen, die 4 Wochen nicht überzogen sind, gegen die die Betten der niedrigsten Herberge noch Gold sind! Das sind doch grauen- erregende Zustände(Unruhe). Wegen der Theilnahme au der Aufftelliiiig der Beisitzerkandidaten zum Gewerbe- Schiedsgericht find Angestellte gemaßregelt worden» ist das ehrenwerth von ölcher Gesellschast? Tie ärmere Bevölkerung zahlt auch ihre Steuern, die Stadtverwaltung hat auch sür ihre Interessen zu sorge», bringt sie sie in eine bessere Position, so kann sie von hr auch höhere Steuern bekoiiimm. Fährt die Gesellschaft mit ihren Maßregeln und Maßregelungen so fort, so muß sie päter auch die Folgen davon aus sich nehmen.(Unruhe.) Hier jigen gewiß viele Allionäre der Gesellschaft, die Schäden sind aufgedeckt, die Mißstände sind vorhanden— das gesammte Material wird Ihnen demnächst in Broschürenform zugänglich zeliiacht werden—, machen Sie Ihren Einfluß geltend, daß Lesserung geschaffen werde! Hat doch ein Direktor einen In- pekior gesagt, er möge den Schaffnern auf die Finger sehen, da diese meistens Schwindler seien! Diese Zustände könneii grünv- lich nur beseitigt werden, wenn die Pferdebahn in städtische Regie genommen wird; aber damit würden Sie ja einzelnen Kapitalisten ins Geficht schlagen, weil ihnen die fette» Dividenden enlgiiigeii, die sonst der Stadt zukäme».(Beifall.) Sladtv. Dinse unterschreibt die Ausführungen Vogtherr's dem Sinne nach vollkomme». Er findet gleichsalls höckst de- dauerlich, daß den Wünschen des Publikums ein so überaus geringes Entgegeukouimen geworden ist. Den bisherigen Be- chwerdepuntlen fügt er noch einige neue hinzu, so das Bemalen der Fensler, und tadelt ebeusalls die wangelhaften Arbeits- ordnuiigen, die den Angestellten nicht einnial zur Wahrnehmung ihrer» eigensieu Interessen die nölhige Zeit ließen. Den Zehn- pfenniglarif empsiehlt er mit den schon früher angeführte» Mo- iiieuteii. Der Gesellschaft müsse die volle Macht der Stadt- Verwaltung gezeigt werben, da sie rund heraus erklärt habe, zur Zeit uureutable Linien im Hinblick aus die 1911 erlöschende Kon- zession nicht bauen zu können! Sladtv. B a i 1 l e n(Bürgerpartei) ist gegen den Zehn- pfennigtarif, der die Pferdebahn überlaste» und einem Theil des Publikums die Benutzung unmöglich machen würde, und spricht sich sür die Ueberuahme der Pferdebahnen in städtische Ver- wallung nach Ablans der Konzession aus. Der Antrag Dinse wird in seinem ersten Theil angenommen, bezüglich des Zehnpfennigtarifs aber nach Auszählung abgelehnt. Die Berhanvlungen des Magistrats mit der Aktiengesellschaft Berliner Elellrizitäts werke haben zum Anschluß einer Vereinbarung geführt, wonach die Nachtragsbestimmuiigen zum Tarif dahin abgeändert werde», daß den Slroinabnehmern aus Wunsch geftailel wird, die Beschaffung und Wartung elektrischer Lampen(Glüh- und Bogenlampen inkl. Kohlenstiste) selbst zu übernehmen. Die Lampen und Kohlenstiste müssen den be- Ivnderen seitens der Gesellschast zu erlasfenden Bedingungen und Vorschrift»» eutfprechen, welche der Genehmigung des Magistrats unterliegen. Für diese Abnehmer soll die jährliche Lampengebühr für- jede Bogenlampe 15, für jede Glühlampe 2 M. betragen. Der Preisberechnung sür den Verbrauch von Elektrizität wird wie bisher die Lauipenbrennstilnve mit 2,6 Pf. zu Grunde gelegt. Die neuen Bestimmungen sollen am 1. Januar 1893 in Kraft lrelen. Bezüglich der in den elektrischen Kabelleitungen aufgetrelenen Störungen und die dadurch verursachten B e- 'chädigungen benachbarter Leitungen hat der Magistrat daS Ergebnis seiner Ermittelungen zur Kennlnißnahnie übersandt. Die Vorlage wird ohne Debatte zur Kenntniß genommen., Zur Erweiterung der Wärme Halle ans dem Alexander« platz bewiuigt die Persmumlniig einen Zuschuß von 3030 M, Schluß öV« Uhr. Jiir de» Inhalt der Inserate über» nimmt die Redaktiou dem Publikum gegenüberkeinerlei Verantwortung Tl/eater. Freitag, 18. November. Äpernhano. Keine Vorstellung. Kchauspielhan». Fiesco, oder: Die Verschwörung zu Genua. gefftitg- Theater. Nalsen wider Nalsen. berliner Theater. Julius Caesar. Ulallner-Theater. Die Großstadt- luft. Deutsches Theater. Die Räuber. troll'« Theater. Die Zauberflöte. estdrn»» Theater. Im Pavillon. (Le Parfüm). Lriebrich-Pllilhelmltädt. Theater. Pariser Leben. Thomas-Theater. Der Einsam. Adolph Trust-Theater. Die wilde Madonna. Alrranderplah- Theater. Sport- Mädel. National- Theater. Der Ver- schwender. Apollo-Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Theater der jSrichshallrn. Spezialitäten-Vorstellung. Ntiuter-Garten. Spezialitäten-Vorstellung. Kanfniann'o Uarietö. Spezialitäten- Vorstellung. Gebrüder ZZichter's Uariste. Spezialitäten-Vorstellung._ Adolph Ernst- Theater. Die wilde Madonna. Gesaugsposse in 3 Akten von L.Treptow. Couplets von ß. Görss. Musik von O. Steffens. Mit neuen Kostümen und Dekorationen aus dem Atelier des Herrn LtttKemeyer in Coburg. In Scene gesetzt von Molpb Ernst. nmr Anfang T'/j Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. AltMer-Plalj-Theater. Heute Abend TVa Uhr: zum 4. Male: Sport-Mädel. Große Posse mit Gesang, Tanz und Tableaux in 4 Bilden, von J. Krenn n. A. Schönfeld. Musik von Uaz Lnstig. Mit vollständig neuer Ausstattung. Kasseneröfln. Uhr. Ans. Uhr Morgen: Kport-Wädrl. Lonntag, d. 20. d. M., Abends 71/, Uhr: Der Müller und sein Kind Volksdrama in ö Akten v.E. Raupach. Montag und die solgenden Tage: Hport-Ulädel._ American-Theater.| M»! Die TrolktlilvHiier, oder„Das Kind in der Kommode", parodistisch- realistischer Vorgang im Keller, beobachtet vom Hof aus, von Oskar Wagner. Hauptrolle: Der urkomische Kendir. Jeden Abend jubelnder Beifall. Zer seiile Leisner. fZerliner Lvkalposse von O. Wagner. I Die Wiener Original- vlvU. Soubrette Clotilde Rowala. Ansang 7'/} Uhr. Entree 75 Pf. Sonntags 6 Uhr. Fassage- Fanopticum. Fuß:: ein Rieselt- Kmd::: vhne Extra- Entree. von H— 1 und t— 9|(Hr. Castan's Panoptikum. Hrnsationell! PriMl TvPse. Vorstellungen II— 1 und 4— SV, Uhr- stündlich. Ohne Extra-Entree. Gntree 59 Pf., Kinder 25 Pf. Ronzertpark Victoria Frankfurter Allee 72. (Inhaber Frih Nasche.) ßi'öScSalelrtjpuf �* Vere inszimmer. � � W ♦ Zu Uersammlunge« und Fest- lichkeiteu auch Sonntags. s3l7öll Concordia-Festsäle, knüttSiS- strasse 64. Sottnabcnd, den 19. November 1892: Zur Feier des 31. Stistungsfestes des Kesangverews„t-iseßsstnoikoit" (Miiglied des Arbeiter-Sängerbundes). Dirigent Herr N. Tieh. Gr. Vokal-«. Jnstrumental-Kollzert. Die Musik wird von der„Freien Vereinigung der Zivil-Berufsmusiker" ausgeführt unter Leitung des Herrn G a r l m a n n. Zur Aufführ, gelangt„Ein jvintermärcheu" von U. Seine, komp. v.Scheu. 157/6 Nach dem Konzert: Linossen SsU. Killet» für Herren ä 50 Pf., Damen ä30Pf., sind bei den Mitgliedern, owie in allen mit Plakat belegten Handlungen zu haben. Anfang S'/s Uhr. Freunden und Genossen einen genußreichen Abend zusichernd ladet freundlichst ein Da» Komitee. I-auSsmalluseliatt der Schleswig-Holsteiner zu Berlin. Sonnabend, 19. Nov., Ab. 8t/z Uhr, in den Arminhallen, Kommaudantenstr. 20: kr,j»S HndsimDip. Bachbinder-Männerchors(Mitglied des Arbeiter-Sängerbunds). Killet», für Herrn 50 Pf., Damen 80 Pf., bei Hinz, Dresdener- straße 48, 8 Tr., C. Manouvrier, Brnndenbnrgstr. 36 park., Restaurant >. Saß, Markgrafenstr. 102. Landsleute, sowie Gäste willkommen. öd Der Vorstand. Freie Vereinigung der Lohgerber und Lederzurichter Berlins. IST Versammlung am Sonntag, 20. November, Vormittags lO'/j Uhr, bei Feind, Weinstr. 11. Tages-Ordnung: Wie stellen wir uns zu dem Lederarbeiter-Verband Deutschlands? 2. Wahl eines Revisors. 3. Verschiedenes. 206/2 ver Voretanel. Allgem. Unterstützungs- Verein der Töpfer u. Äerufsgenossen Deutschlands.(Filiale Berlin.) Sonntag, den 26. d. M., Vormittags 10 Uhr, bei Knhlmey, Schönhauser Allee 28: Versammlung. Tagesordnung: l. Vortrag: Schädliche Wahrheil oder nützlicher Jrrthum 2. Regelung der Wander-llnterstützung. 3. Wahl eines 4. Hilfskassirers und Urabstimmung der Ausschuß-Mitglieder. 323/4 ver Vorstand, Schöneberg! Freie Vereinigung der Bau- und gewerblichen Hilfsarbeiter Schönebergs u. Umgegend. Sonntag, den 20. November 1893, Nachmittag» präzise!>/, Uhr» in Iarob's Salon, Erunemaldstraffe 119: mr Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: I. Wissenschaftliche Vorlesung. L.Diskussion. 3. Vereins- angelegeuheilen. Verschiedenes u. Fragekasteit. Neue Mitglieder werden aufgenommeil. Um pünktliches Erscheinen ersucht 121/2 ver Vorstand. Circus Renz. (Karlstraße.) Freitag, den 18. November 1892, Abends 774 Uhr: kr. luißtrortieiltl. Vorstelliulg mit Humor. Einl. sämmllicher Klowns. Auftreten sämmtlichcr Künstlerspeziali- täten I. Ranges. Außerdem: Mr. Fillis, der bedeutendste Schulreiter der Gegenwart, m. d. Schulpferde«arhir. Gebr. Gelli, Akrobaten I. Ranges. »de. la Baronne de Bellefoi mit dem Schulpferve Fen. Zum Schluß: Auf f rlgoiand. Gr. Land-, Wasser- u. euer- Schauspiel mit neuen Tanz- einlagen, u. A.: 1. Garde-Regiment. Hamburger Bürgerwehr. Ballet von 82 Damen. Morgen: Parade-Galavorstellung. Sonntag(Todtensest), Abends �i|� Uhr: Gr. Sport-Vorstellung mit neuem Pro- gramm und„Aus Helgoland". Billet- Vorverkauf durch den„Jnvalidendank", Markgrafenstr. 51a. Feen Palast Burgstraße, nebeit der Börse. Welt-Lokal Berlins, 5000 Pers. fassend. T a g 1 1 e 8 kr. SpeMlitaten- Vochlliüig mit abwechselndem Programm. Auf. Wochent. T/2 Uhr. Sonnt. tt Uhr. Gntree 50 Pf. Jeden Mittwoch und Sonntag Nachm. (irosses Familien- und Kinderfest mit Qratis Verloosnngen und Spezialitäten Uorstellnug. Anfang Mittwochs 4 Uhr, Sonntags 3l/j Uhr. Entree für Rinder wie Erwachsene L Platz 50 Pf. II. Platz 25 Pf. ÄLKAZÄR' Concert-Haus { Dresdenersir. 52 53, City-Passage. 32921 Heute: Große SpejiklitSiek-Vliritellunli. Austr. Künstler allererst. Ranges. Rassen-Eröffnung 6 Uhr. ®W tßntrrr 30 Pf.*WB Familien-Abonnement monatlich 1 M., reservirt 1,50 M. N. tVZnKler.» Uircus Fort) �Itliutf. Serli», Friedrich-Pari-Uf«r, Ecke Karlstraße. Freitag, den 18. November: Abends 7>/2 Uhr: Komiker-Vorstellung mit höchst amüsantem Programm. Austr. sämmtl. Klowns, sowie d. 8 dumme» Augusts in ihren neuen komisch. Eulrees u. Intermezzos. Außerd.: Die 3 Nationen, z. Pf. bärgest, v. Mr. End. Cooke. 6 russ. Hengste, in Freih. vorgef., sowie d. Schulpf. Nheingold, ger. v. Dir. Althoff. Hr. Angele, Jockey. Mr. Harry, Stelzenkünstler. The Hanions, Luslgymnast. Mr. Hubert, Jongl. z. Pf. jc. Morgen, Sonnabend: I. Cala- Snoris-Torstellnna Kaufniann's Variete Am Stadtbahnhof Alezanderplatz. fg Das großartigste gj pezialitäten-Programm der Residenz. Familie Lars-Larsen, Elite-Parsoree-Gynniastik.-Truppe. Brooks& Duucan, Original-Kongo-Neger. Charles Liffton. Athlet aus dem Drahtseil. Brothers Barett. rhs Uro Panneg Gentlemen. The Original-Satours, Anatomisches Wunder. Jeden Abend stürmischer Erfolg. GratweiFs Bierhallen Konunandantenstraße 77—79. Täglich: Borussia-Konzert- nnd Kouplet-Sänger. Wochentags frei. Sonntags 30 Pfennig. Kinder 10 Pf. Gr. Friihstüch»- u. Mittagstifch. MF* Zwei Snle zu Versammlungen und Verguügungen, sowie 6 Billards und 3 Kegelbahnen. F. Sodtko. ! Maurer. Oeffentliche Versammlung der MQNvev Berlins und Umgegend am Sonntsg, den 20. November, Vormittags 10 Uhr, im Foon»psl»st| Burg- und Woligangstraßen-Ecke. NB. Alle Maurer Berlins und Umgegend sind verpflichtet, in dieser Versammlung pünktlich zu erscheinen. 242/2, Die Vertraueusmäuner der M�nrer Äerlius n. Umg. I. A.: F r i tz W a g e n, Alt-Moabit 125. Verband deutscher Gold- und Silberarbeiter nud vrrw. Kerufogenosse».(Zahlstelle Bettln.)_ Mitglieder-Versammlung-WD am Sonnabend, 19. Nov., Ab. gi/s Uhr, im Dresdener Barten, Dresdenerstr. 45. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Liltgenau:„Der älteste Mensch auf Erden'. 2. Disknsüon. 3. Bericht der Bibliothekkommission und Neuwahl derselben. 4. Neuwahl der Vergnügungskommission. 5. Verschiedenes. Aufnahme neuer Mitglieder. Zeitungen, sowie Beiträge in der Ver- sammlung beim Kassirer. Gäste, sowie unsere Berufsgenossinnen, stets will- kommen.— Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 163/3 Der Vorstand. Sonntag, den 27. November, findet eine Matinee in Ranfmann'S Variöte statt. Billets hierzu sind in der Versammlung zu haben. Uerei.:«si»>mer für 20—25 Per- sonen zu verg. Bheinsbergerstr. 41. Zerbllilij der Tattler md hmtu (Filiale Berlin.) Uerfa mml««g Ki/t? Uhr. kipi am Sonnabend, 19. Nov., Abends S'/e Uhr, bei Vieneche, Alte Jakobfir. 86. Tages-Ordnlliig: I. Vorlesung vom Kollegen N atz l äff, über: Das Recht auf Faulheit- 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Herren und Damen als Gäste sind herzlich willkommen. 264/4 Der Vorstand. Fllchv.dttMilrlilgr-llHrMllrbeiter. Sonntag, den 29. November, Vorm. 19'/» Uhr: PUT Mitglieder-Versammlung"WW in Deigmullör's Lokal, Alte Jakobstraße 48». Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 260/8 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht vor Vorstand. Große öffentliche Versammlung der in Holzbearbeitungsfabriken und auf Holz- Plätzen beschüft. Arbeiter Berlins u. Umg. am Sonntag, 20. Nov., Vorm. 10 Uhr, in der Helsohach'sohen Brauerei(Stralau)- Tages-Ordnung: 1. Vortrag: lieber die Ursachen der heutigen Krisis. Referent Genosse Stabernack. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht 173/3 Di« Agitatious-Kommifsto». Freireligiöse Gemeinde. Todtenf est- Vortrag e am Sonntag, den 29. November, Vorm. I9'/< Uhr: Im großen Saale RosonthalrrstraHe 38(nahe dem Hacke'schen Markt)' Herr 0r. Bruno Wille. Im großen Saale von Joel. Andreasstraße 2U Herr E. Vogthern Gäste sehr willkommen. 151/8 Verein d. Gumnüarbeiter Derltne u. Umgegend. Sonnabend, de» 19. November, Zlbends 8>/z Uhr, bei Soll»(früher Feuerstein), Alle Jakobslr. 75. Tagesordnung: 1. Berichterstattung des Vorstandes. 2. Abrechnung vom 3. Quartal. 3. Neuwahl eines zweite» Kassirers. 4. Vortrag des Genossen Thal: Tie Religion im Licht« der heuligen Wiffenschast. 5. Vereins- angeleaenheiten. "Mitgliedsbuch legitimirt. Um zahl- reiches Erscheinen ersucht 92b' D«v Uorstnnd. Achtung! Maler! Filiale Moabit. Am Sonntag, 20. November, 5 Uhr, nentllthliches Beisammensein im Re- staurant Lütlko. Stephanstr. 23. D. V. Bruchbänder, M chirurg. Gnmmiwaaren, Gummi- Strumpfe, Geradehalter, T.etb- binden, Spritzen, Snspensur's etc., Umstandsbinden, tnedicin. Verbandstoffe, Brillen otc., Pincenez, sowie Artikel aller Art zur Rrankenpllego empfiehlt[2950L J. Cb. Pollmaun,gepr. Uandagist, Berlin, 30 Linienstrasso 30. Lieferant für die vereinigten Hilfs-Krankenkassen. Spitzel auf Reisen. Ein neues Gesellschaftsspiel. Preis 7S Pf. Verlag:Hsns Baake,! Berlin 8., Eity-Passage. j Kolporteure, auch außerhalb, gesucht. Rabalt. Muster geg. Einsend, v. 82 Pf. Größtes Lager Berlins »Andrea» kr. Äll.H.p. Unserm Freund und Genossen Otto Zabel zu seinem heutigen Wiegensest>! ein 99 mal donnerndes Hoch. Otto vergeß' nicht, wenn der Brauer kommt- O. B. A. G. A. A. A. D. H. W- G. I. F. M. Unserm Freunde, Genossen u. Skat« bruder, dem Reilaurateur O. Zabel, zu seiuein heutigen Geburtstage ein dreimaliges Hoch. � K. K. M. S. B. K. A. W. T.«- B. B. S. B. K. B. 1832 L Sophabezöge! Reste in Rips, Damast, Granit, Plüsch u.bllnt.Stoff, spottbillig. 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Vorteikog dtt Cozillldmokrlltislhell Partei MMlihs. Dritter Verhandlungstag. Verlin, 17. November. Der Vorsitzende G o t t l i e b eröffnet die Verhondlungen um v/- Uhr mit einer Reihe gcschästlicher Mitlheilungen. Be- gr> ßungsicbreiben sind eingetroffen ous Tilsit(die dortige Post- beHorde hat dos Wort„revolutionär" in dem Telegramm kon- wziit! Heiterkeit), aus Metz, Gießen, Thalheini, Mainz, -burcuest, M. Gladbach und von deni Naiionalralh der srauzösischen -ärbetterportei(Guesde und Lafargue). Es wird in die Tagesordnung eingetreten. Znr Debatte steht Punkt IV: Tie Maiseier 1898. Eine grobe Reihe von Anträgen und Amendements ist zu der von A. Gerisch eingebrachten Resolution eingelaufen. L r e y e r- Göttingen empfiehlt die Maifeier auf den erste» «an»tag im Mal zu verlegen. Gegen Versammlungen am Abend reo I. Mai ist nichls einzuwenden da, wo es möglich ist, wohl .Ober gegen die Arbeitseinstellung. Theiß- Hamburg; Freudigen Herzens durfte keiner der Telcgirten die Resolution Gerisch annehmen. Doch niüffen wir Uns den Verhältnissen sögen. Ter Vorschlag, die geier nur durch Abendrersan rulnngen zu begehen, sei etwas dürstig. Ter Be- irbluß. am 1. Mai die Arbeit nicht einzustellen, habe im Aus- lande, besonders in Oesterreich, böses Vlur gemacht; er sei als lng bezeichnet worden. Doch könne man nicht mit dem Kops durch die Wand. Die Verhältnisse zwingen uns, in den sauren Apfel der Resolution zu beißen, unbckünunert um das Geschrei der„Unab- hangigen". Die Hamburger wünschen eine Erweiterung der Resolution dahin, daß am ersten Sonntag im Mai Temon- firaiioi.cn durch Umzüge in Szene gesetzt werden dürften, damit Hamburg in der bisherigen nachdrücklichen Weise siir die Mai- vewegung eintreten könne. Dr. Adler- Wien: Eine Einmischung oder den Versuch Sie Zu beeinflussen, was ja auch unmöglich wäre, liegt mir fern. Wir Österreicher halten uns aber doch vervflichiet, bei dieser inler- fiaiionalen Frage, die ohne Rücksicht auf die andere nicht zu lösen R. Ihnen einiges thatsächliches Material förJhrenBeschluß zu bieten. Ror allem möchte ich feststellen: Ihre Resolution enthält einen kleineu Fkrthum in sachlicher Beziehung. Der Brüsseler Beschluß lautet "'cht, daß es den einzelnen Nationen überlassen bleiben soll, den Lezebeueu Umständen gemäß zu Handel»; er empsiehli vielmehr d'.e Arbeitsruhe und sagt, daß sie tiur dort unterbleiben sollte, die Ilm stände es unmöglich machen. Das ist etwas anderes und mußte festgestellt werden. Nun wird gesagt: Ja, 'hr in Oesterreich habt unsere politischen Rechte, unser Wahlrecht "'cht. deshalb niüßt Ihr die Arbeitsruhe als Maidemonstration haben, wir nicht. Wir Oestcrreicher denken anders. Wenn ,vir selbst bas Wahlrecht hätten, so würde die Maifeier bei uns doch eine große Rolle spielen. Wir betrachten die Bewegung nicht ausschließlich als iine politische. Wir säsicn sie auf als ein.- proletarische Massen- bewegung. Und diese Massenbewegung iil bei uns»och nicht so jfiap, wie sie sein müßte. Gerade in die Massen hinein wirkt I. Maiseier durch die Arbeitsruhe und zwar in einem Maße, wovon man sich vorher keine Vorstellung gemacht hat. Nun sagt wan: Ihr habt eben noch eine besonders rückständige Masse, aus Re Ihr nur symbolisch, nur durch das Gefühl wirken könnt. stimmt. Und ich gratulire Ihnen, wenn Sie diese rück- ständige Müsse nickt haben. Ich weiß es ja nicht. Ter Ham- chirger Redner(Theiß) hob— und das ist ckaraktc- '"Usch— hervor, daß in die indifferenten Massen hu'.ails auch diesmal gewirkt werden müsse. Ob Sie es »hun, ist nalürlich Ihre Sache. In Oesterreich, in Frankreich "ö'd Ihre Haltung nicht begriffen werden. Wir haben dieselben Cchmierigkeiteu zu überwinden wie Sie. 1891 haben wir i» der That den Kanonen gegenübergestanden— man halte den schneidige» General, den man hier noch sucht— aber gerade v>e Einmüthigkcit, mit der w.r die Arbeit einstellten, hat bewirkt, man sich die Sache doch überlegte und die Kanonen nicht losgingen. Ware in England, in Deutschland dasselbe geschehen, Halle man dieselbe Haltung eingenonunen ivie wir, dann wäre die Schlacht sür uns bereits gewonnen und der Maiseierlag überall Rs'chgesefct. Ob die Schlacht jetzt noch zu gewinnen ist, weiß ich nicht. Massenhaste Aussperrungen baben auch bei uns im Jahre 1891 stafigesunden. Und doch haben wir nicht leichtfinnig gehandelt, a-- wir auch sür das nächste Jahr die Arbeitsruhe beschlossen. ö' Parteitag ju Pfingsten hat sich gesagt: Es wird Opfer jösten, die Unternehmer haben sich auch bei uns organisirt, sie Halen von der Sozialdemokratie gelernt, aber gleichviel: an der Rrbciisruhe muß an allen ten Orlen sestgehalten werden, wo die Ärbeitersckast mitgeht, und dieser Beschluß wird auch ausgesührt wer! en. Tie Rücksicht auf die Gegner darf hier nicht wcßgebcnd sein. Gerade die große indifferente Masse "ersteht es nicht, wenn wir von der Maifeier ab- fi'hen. In ihrcn Augen würden wir uns damit eine Riederlage holen. Es wird gesagt, ja, rm Süden, in Oesterreich fit der i. Mai von Allers her Volksjeiertag. Nur für die Bourgeoisie, sür den Adel ist das wahr. Für die Arbeiter hat kiesen Feiertag nie gegeben. Nun haben wir ihn und von keiner Seile würde begriffen werden, wenn wir ihn aufgeben Würden. So steht die Sache bei uns. Ich gebe zu, daß die /ffiage diesmal ungüustia liegen. Tie Unlernehmcr werden durch die wirihschastliche Krisis eingeladen, uns eine Schlacht zu "Kern, jagen» diese Schlackt einmal geliefert werden soll, so wäre Cs sür uns unklug, sie von vornherein verloren z» 9Cbe».£ic denken an eine Feier am Abend. Das in Oesterreich ausgeschlossen. Wollen wir ein "est am Abend veranstalte», so brauchen wir dazu den l. Mar '"cht. Wir können da auch sehr gut onr 18. Juli, am ö. November �der an fönst einem Abend ein Fest seiern, können so viele Rlei.dst'ste veranstallen, roif wir wollen. Die Bedeutung der -tsmonstration geht dabei völlloinmen verloren. 9!us die Gesahr, "'s„radikal" zu gelten, muß ich doch noch ans ein Symptom aus- "'irlfam machen." Schon hat ein Liedner, der erste>» der heuilge» tovou Qc[f'tod}CH, auch die A den d u n terhaU u n g am h- Mai nur dort zu veranstalten, wo e? möglich ist. Auf dem Rege nach rückwärts giebt es keinen Hall. Ans diese abjckus'ige Eben« begeben wir Ocslerreichcr uns nicht, ckm ersten Abend mgte ich ja Ihnen: Wenn Sie vorwärts gehen, haben Sie die österreichische Vruderparrei stets an Ihrer Seile. Ich muß tun- Z" setze»: Sie haben uns aber nur an Ihrer rsetle, wenn Sie "vnväris gehen!(Beifall.) � ,.. . D e ni p w o I f- Mannheiin erklärt, daß'eine Anftcaggcver vüi der Resolution Gerisch übereinstimmen, er personlich aber Nicht. Er tritt für Niederlegung der Arbeit am I. Mai ein. öire M'ssenmaßregelung sei dann nicht möglrch, wenn Millionen "en Arbeitern feiern. Das habe sich deutlich rm Vorjahre in der Cchweij gezeigt, da hätten dte Unternehmer vorher das große rou geführt, jeden Feiernden aus der Arbeit zu eutlassen. Dieser Entschluß der Unternehmer hat die Ehre und das E'elheils- ?eiühl weiter Arbeitermassen ausgerüttelt, und dieje haben in so Kroßem Unrfanae die Arbeit am 1. Mai r«h«i lassen, daß Ro Arbeilgeber nicht in der Lage waren, Eutlaffungen vorzn- fikhmen. Der Vorsitzende verliest einen Antrag der in Paris lebenden deutschen Genossen, wonach am 1. Mai die Arbeits- niederlegung einpsohlcn wird. S ch m i d t- Fricdberg meint, eine Demonstration durch Arbeilseinstellung würde nicht wuchtig, sondern kläglich verlaufen, da eben die Sozialdemokratie noch nicht überall eine Macht sei. v. Volkmar» München: Ich kenne die Beredsamkeit des Genossen Adler und scke, daß er Gefühlsmomente besonders be- tont hat. Deshalb Halle ich eine Erwiderung für durchaus uoth- ivendig. Ich gestehe, daß ich einer derjenigen bin, der, als es sich zum ersten Male um die Maiseier handelte, sedr zur Arbeits- ruhe hiitneigte. Mit mir waren damals die Rtünchencr Ge- nossen derselben Ansicht. Wir haben in München im Jahre 1899 im größten Umfange die Arbeit niedergelegt, ohne daß nennenSiverthe Maßregelungen vorgekommen wären, aber die Erfahruugen eines Ortes dürfen nicht generalisirt werden. Sckon 1899, wo die wirthsckaftliche Lage unvergleichlich besser war, hat es sich gezeigt, daß die allgemeine Durchführung der Arbeitsruhe unmöglich war. Das hat sich besonders in Hamburg gezeigt. Genosse Adler meinte, der Beschluß der Arbeitsruhe sei de» Geldsncken unangenehm. Das erscheint mir denn doch fraglich. I», Gegentheil, ste würden ihn begrüßen. Genosse Adler hat vergessen, daß in der neuen Arbeitertrutz-Gesetznovelle ein ausgezeichnetes Werkzeug von der Bourgeoisie geschaffen worden ist, die Maifeiernden zu maßregeln. Der Kontraktbruch- Paragraph kann mit Leichtigkeit dahin ausgelegt werden. Für mich ist dieser Grund aber noch nickt ausschlaggebend. Läge die Möglichkeil vor, die Arbeit in allgemeiner Weise einzustellen, dann wäre die Sache anders. Dann würden die Unternehmer halt machen, wenn sie Einmüthigkeit sähen. Aber ich glaube, nicht die Hälfte, nicht ein Zehntel der sozialdemokratischen Arbeiter ivürde sich zu einer Arbeitseinstellung am 1. Mai entschließen. Was 1899 nicht möglich war, ist heute ganz ausgeschloffen, wo nicht Ueberfluß an Arbeit, sondern Ueberfluß an Arbeitsmangel herrscht. Tie Frage der Maiseier wird von uns nicht gleich- giltig genommen, aber wir überschätzen sie nicht. Die Sozial- demokratie hat doch schließlich noch andere Ausgabe», als eine Demonstration am l. Mai für den achtstündigen Arbeitstag. Bei ipls liegen die Dinge eben anders, als in Ländern mit nn- entwickelter Bewegung, mit nicht so innigem Zusammenhange des Proletariats. Ich unterschätze gewiß die Bedeutung des Arbeilerschntzes nicht, aber er ist"doch ein untergeordnetes Glied unseres Gefamnitprograunns und unserer Gesammt- bewegung. Das Allgemeine, die sortlaufende Bewegung hat mehr Werth, als ein einziges Stück unser Forderung. Und diese Bewegung stören und gesahrden wir, wenn wir die Arbeitsruhe am 1. Mai beschließen wollten. Wir wollen die Indifferenten heranziehen; gut, ste folgen uns, sie stellen die Arbeil ein, Hunderl- tausende werden arbeitslos. Sie sagen: Unlerstützt uns! Wir haben kein Geld, sie zu unterstützen. Ist das sür nns von Nutzen� Ich stehe auf dem Boden des Antrags Gerisch und bedauere nur, daß die Parteitage immer jährlich eine Norm über die Art der Feier feststellen sollen. Die wirthschaftliche Krists ist derartig, daß in den nächsten Jahren eine Aenderung nickt zu erwarten ist. Unsere Haltung in dieser Frage braucht nicht jedes Jahr aufs tteue in Frage gestellt zu werden. Ge- nosse Adler hat seine Rede sehr wirksam geschlossen. Ich meine aber: Nichls Ungesckicklercs giebt es in politischen Tingen, als eigensinnig auf einem Beschluß zu bestehen, den man als un- richtig erkannt hat. Die österreichische Sozialdemokratie möge blühen«md gedeihe»; sie wird uns stets aus ihrer Seite finden. Aber ste soll ja nicht meinen, daß, weil wir nicht allcZ aus eine Karle sehen ivollen, wir den Rückzug angetreten haben. Nein, die deutsche Sozialdemokratie marschirt in jeder Hinstcht vor- wärts!(Beifall.) S ch tv e e r- Hamburg schließt sich den Ausführungen von Theiß an, da im Falle einer allgemeinen Arbeitseinstellung kolossale Maßregelungen i» Hamburg stattfinden würden. Grünwal dt Hamburg meint, daß wenn vor 2 Jahren die Fraktion rechtzeitig zur Maifeier Stellung genommen hätte, mir immer durch Arbeitsruhe den 1. Mai gefeiert haben würden. S a l o m o n- Wrietzen wünscht, daß am ersten Sonntag im Mai gefeiert würde, da es sich durch die lange Arbeitszeil des Landarbeiters für diesen verbiete, am 1. Mai durch Abcndver- sammlnngen zu demonstriren. S ch ö n s e l d- Dresden wünscht, daß am Abend des I. Mai in würdiger Weise deinvnstrirt werde. Wo Arbeitsruhe möglich sei, dort möge man am l. Mai feiern. König- Witten verlritt die westfälischen Bergarbeiter und hält angesichts der großen Geschästsflaue, unier der gegenwärtig besonders die Bergarbeiter leiden, eine Demonstration durch Arbeitsruhe für ttnmöglich. Bebels Unsere Stellung in der Maiseiersroge wird uns heftige Angriffe des Auslandes eintragen. Ich bin mir sehr wohl bewußt, daß. wenn die Arbeiter irgend eines Landes durch unseren Beschluß in eine ungünstige Position gebrängt werden, es gerade unsere österreichischen Brüder sind. In Rücksicht darauf kann ich mich nicht darauf einlassen, die Verhältnisse der Bruder- Parteien des Auslandes hier ausiührlich zu erörtern, weit diese Erörterungen die Aussichten verschlechtern müßten. Tie österreichische Regierimg. die österreichische Bourgeoisie ist nicht so energisch, wie die unsere. Adler hat das drastische Wort seiner Zeit ausgesprochen, in Oesterreich herrsche der Despotismus, gemildert durch die Schlamperei Bei uns aber herrscht alles andere als die Schlamperei. Das Unter- nehmerthum ist bei uns viel rücksichtsloser, als anderwärls. Wenn wir demonstriren, so müssen wir es in einem Maße thun, das der Ehre und der Bedeutung der stärkste» Partei Deutsch- lands entspricht. Zum mindesten müßte eine Zahl von Demon- slranten in Bewegung gebracht werden, die der Zahl unserer Wähler am 29. Februar entspricht. Und das ist bei weitem nicht zu erwarte». Tamil wäre von vornherein schon die Niederlage da. Wir würden durch die Arbeitsruhe die deutsche Bourgeoisie Heraussordern, und da müssen wir eingestehen, daß ste die Siegerin bleiben würde.'Auch der Gesichtspunkt, den Volimar angeffihrt hat, kommt in Betracht. Gar kein Zweifel, daß alle Gerichte den Kontraktbrnch- Paragraphen gegen diejenigen anwenden würden, die gegen den Willen der Unternehmer die Arbeit ruhen ließen. Aber diese Folgen sind cs nicht, die ich fürchte, wohl aber die Ausspernuigntz die Arbeitslosigkeit. Sind wir in der Lage, die Hunderttansende von Arbeitern, die auf's Straßen- Pflaster geworfen werden, dauernd zu unterstützen's Können wir das, dann sage ich: Ja, wir wollen durch Einstellung der Arbeit demonstriren. Sind wir es aber nicht, und das ist unzweiielhast der Fall, dann können wir diese Demonstration nicht aus uns nehmen.(Sehr richtig!) Großen Eindruck habe» die Schlußsätze unseres Genoffen Adler gemacht. Aber sind wir denn rückwärts gegangen? Wir haben den Standpunkt der Oefterreicher in dieser Frage nie getheilt. Ein General, der den Kamps ausnimmt, wo er ernsieht, daß er von vornherein der Schwächere ist und unterliegen muß, der begeht eine Dummheit. Und wir sind die Schwächeren. Demonstriren wir durch Einstellung der.Arbeit, so nimmt die Bourgeoisie den Handschuh auf. So stehen die augenblicklichen Machtverhältnisse nicht, daß unsere Gegner vor uns zu Kreuze kriechen. Wenn wir so weit schon wären, dann, sage ich, hätten wir auch die Macht, noch viel mehr zu erreichen. (Lebhaste Zustimmung.) Am diesmaligen l. Mai ist die Situation für Einstellung der Arbeit die denkbar ungünstigste. Die Krise ist ungeheuer, die Arbeilslostgkeit gewaltig. Ich spreche es offen aus, die Bourgeois wären Thoren, wenn sie den Kamps nicht aufnehmen würden. Wenn ich das Kampsfeld wählen kann, dann suche ich mir das günstigste auS. Wird es uns freilich ausgezwungen, dann verlangt es die Ehre der Partei, um jeden Preis den Kampf auszukämpfen. Hier sehe ich mit klarem Auge die Niederlage unserer Partei voraus. Stellen wir die Arbeit am I.Mai ein, so müssen gewaltige materielle Opfer gebracht werden. Dann braucht die Regierung nur den Schachzug unternehmen und die Neuivahlen unmittelbar nach dem 1. Mai vornehmen zu lassen, und dann möchte ich einmal das Resultat sehen! Redner wendet sich im weiteren gegen verschiedene der inzwischen ein- gelaufenen Anträge, die eine Abschwächung der Resolution Gerisch bedeuten. Besonders wendet er sich gegen den Abände- rnnpsvorschlag der Dresdener Genossen, die es der freien Ent- scheidung der einzelnen Ortsorganisationen überlassen wollen, ob die Arbeit ruhen soll oder nicht. Dadurch könnten leicht Spaltungen unter den Parteigenossen der einzelnen Orte hervorgerufen werden. Im weiteren bittet Redner auch die Vorschläge abzulehnen, die eine Verlegung der Feier auf den ersten Sonntag im Mai wollen. In Brüssel sei der 1. Mai fest- gesetzt, die deutschen Vertreter hätten sich einmüthig dafür er- klärt. Die Frage ivürde ja den internationalen Kongreß in Zürich von Neuem beschäftigen. Würden doch die Engländer auch diesmal wieder am ersten Somttag im Mai demonstriren. Zweckmäßig iväre das auch, weil dabei die Demonstration ohne Opfer erreicht werde, die sie doch nicht werth sei. Denn so dürfe die Maifeier nicht aufgefaßt werden, als sei sie festgesetzt, um de» Kampf i, outrance(bis zum Aeiißerfien) mit der Bourgeoisie zn provoziren. Adler habe gesagt, durch die reine Abendfeier am 1. Mai tvürde die Demonstration so harmlos, daß sie ebenso gut am l. November oder 15. Juli begangen werden könnte. So liegt die Sache doch nicht. Wir seiern den l. Mai, um dem Ge- danken der Jnternationalitär Ausdruck zu geben. Die Gleich- zeitigkeit der Demonstration ist entscheidend.(Zustinnnung.) Redner wendet sich noch gegen Grünwald'S Behauptung, daß die Hallung der Fraktion die Niederlage der Hamburger verschuldet habe, und schließt: So wie wir jetzt von jedem Streik abrathen, so dürfen wir auch jetzt nicht die Demonstration der Arbeits- Einstellung am l. Mai beschließen, deren Mißerfolg außer allein Zweifel stehen tvürde!(Lebhafter Beifall.) L ö>v e n st e i n- Nürnberg erklärt sich wie die Hamburger Delegirten für die Resolutton Gerisch mit dem Zusatz, daß am 1. Sonntag Demonstrationen und Aufzüge stattfinden. Tr. Adler- Wien: Ich danke Ihnen zunächst, daß Sie mir gestatten, noch einmal sprechen zu dürfen. Aber ich halte die Frage für so ivichtig,>vie wenig andere. Sie ist so international, wie keine zweite. Seit zwei Jahren erst sind die internationalen Zusammenhänge enge geworden, und sie müssen enge bleiben. Bollmar's Ansicht, daß die Bedeutung des l. Mai sich im Arbeiterschntz erschöpft, ist durchaus unrichtig. Zugegeben, daß viele die Imponderabilien, die unwägbaren Dinge, unter- schätzen. Der Gedanke, daß in ein und derselben Stunde überall, wo der Kapitalismus herrscht, alle klassenbewußten Ar- beiter von der gleichen Idee erfüllt werden, darf aber nicht ver» gessen werden. TaS Moment des Enthusiasmus, wie es in dieser Idee liegt, dies gleichsam religiöse Gefühl dürfen wir nicht missen. Macht cs sich doch auch dte Bourgeoisie nutzbar. Ist sie denn etwa religiös gesinnt? Das mar sie nie und ist sie nicht. Sie befördert aber rüstig alle Kircheubauten, weil sie das Gesühlsmoment, das nun einmal in jedem mehr oder iveuiger vorhanden ist, ausnützt. Wir Ocsterreichcr sind nicht eigensinnig, wie Bebel und Bollmar durchblicken lasse». Wir können nach Lage der Dinge eben nicht anders handeln. Die Maiseier hat bei uns in Oester- reich eine Wirkung gezeitigt, von der sich niemand träumen ließ. Sie hat gleich einem Umpflügen von Urgebiet gewirkt und hat mäcktig Wurzeln in den Herzen des österreichischen Proletariats geschlagen. Wir können sie garnicht mehr aus dem Herzen der Massen reißen. Die Arbeiter wollen feiern, und wir können sie nicht daran hindern. Ich habe vorhin gesagt, daß wir Oesterreicher nns nur dann an Eurer Seite finden werde», wenn Ihr vorwärts geht. In dieser Frage der Maifeier habt Ihr aber einen Rückzug ge- macht. Bor 2 Jahren ließ die Fraktion die Frage offen, ob die Arbeit niedergelegt werden solle oder nicht. Jetzt wünschen Sie nicht mehr, daß die Arbeit niedergelegt werde. Und doch liegen im nächsten Jahre die Verhältnisse gerade so günstig wie kaum sonst, da der l. Mai auf einen Montag fällt. Wenn nicht am Montag gefeiert wird, dann wird an an- deren Tagen erst recht nicht gefeiert werden. Wir in Oester- reich haben allen Grund, uns nicht niederwerfen zu lassen, das würde aber der Fall sein, wenn wir jetzt mit einem Mal von einer Arbeitsruhe absehen wollten. Die Unternehmer würden sich einfach sagen, die Arbeiter sind widerstandsimfähig, und ivürdcn mit brutalen Maßregeln nicht zurückhalten. Die Ocsterreichcr werden Euren Beschluß sicher für einen Fehler halten, aber sie werden sich auch sagen, daß die Deutschen de» Besckluß niit vollster Ueberlegung gefaßt haben, und daß es ihnen nicht leicht geworden ist. so zu beschließen. Wenn wir in dieser Frage nicht harmoniren, so stimmen wir doch um so mehr in allen anderen Fragen mit Ihnen überein. (Bravo!) Hoch- Frankfurt ist der Meinung, daß es nicht nöthig, daß die Arbeiter der ganzen Welt zu einer und derselben Stunde demoiistriren, sondern cs genüge, wenn an einen» Tage die Arbeiter der ganzen Welt durch eine Idee geeint sind. Am 'Abend des 1. Mai inöge gefeiert werden, und wo eine andere Feier möglich sei, solle dies gelhan werden. Nachdem noch Flöther, Stegmann, Slomke, Zaffkc für?ln- nähme der Resolution gesprochen, und Wartmann- Friedrichs- Hägen den Standpunkt Dr. Adler's verfochten, wird die Debatte geschlossen. Nach einem Schlußivort des Referenten Gerisch, der Haupt- sächlich der Ansicht entgegentritt, daß wenn die Arbeitsruhe bei der ersten Maiseier geglückt iväre, ein Erfolg sür alle Zeit sicher sei, und un übrigen möglichst einstimmige Annahme der Resolution vorschlägt, wird namentliche Abstimmung beantragt. Ta die Präsenzliste mehrfacher Ergänzungen bedarf, wird die Abstimmung aus mehrere Minuten vertagt. Zunächst wird abgestimmt über die Frage, ob am l. Mai gänzlich die Arbeit niedergelegt werden soll. Das Resultat der Abstimmung ergab, daß 2 Dclegirte sich derselben enthielten, nämlich die Genossen Dentpivolf-Mannheim »nd Körsten-Berlin, daß 8 Telegirte mit Ja antworteten, nämlich die Genossen Arndt-Paris, Buchwald-Altenburg, Höckel- Sagau, Ladjuhn-Groß-Lichterfelde und Schrolle-Glatz� während 285 Telegirte mit Nein stimmten. Hierauf gelangt zur Abstimmung die Frage, ob am Abend des l. Mai demonstrirt werden solle. Resultat: 167 Stimmen mit Ja, 71 Stimmen mit Nein. Durch diese Abstimmung haben eine Reihe von Anträgen ihre Erledigung gesunden. lieber die Frage, ob tveilere Anträge zur Abstimmung ge- langen sollen, entsieht eine längere AnZeüunldersetzuug, in deren Lauf Singer anIfübrr, daß der prinzipielle Standpunkt der Partei durch die namentlichen Abstininiungen fixirt sei. Ob die Gc- Nossen noch nebenher eine besondere Feier veranstalten»vollen, Wusse in ihr Belieben gestellt bleiben. Der Parteitag könnte weder lZorschristen noch Äerbote erlassen, er empfehle Uebergang zur Tazesordnung. Et wird gegen wenige Stimmen zur Tagesordnung über- gegauxen und nur noch über die Resolution Gerisch abgestimmt, die ges ell einige Stimmen angenommen wird. I izwischen ist der Antrag eingelaufen, daß zu Punkt 8 der Tagesordnung: Tas Gencsseuschailsivesen, der Boykott und die Kontroll-Seluibmarke ein Korreferent ernnnntwird, dem die gleiche Redez it gewährt werde wie dem Referenten. Nachdem Referent Auer bemerkt, daß noch niemand wissen könne, welche Gesichtspunkt: er in seinem Referate geltend machen werde,«in Kor- rcfere rl also gar nicht ernannt werden könne, geht der Parteitag zur Tage orduung über. i llegen vorgerückter Zeit, es ist inzwischen VsL Uhr geworden, werd m die Berhandlungen auf morgen vertagt, da das Lokal am Nach n.ttag nicht zu haben ist. iigearüßungsschreiben find noch «mge lausen aus Spremberg, Geestemünde, Bukarest, Lauenburg und Apolda. Am Freitag findet eine Abendfitznng statt. Zn dem gestrigen Bericht'über die Debatte des Antrages: .der Parteitag solle alle 2 Jahre stattfinden", heißt es nach Bedel's Rede: „Nach kurzer Debatte wird der Antrag... abgelehnt." Ties? Darstellung giebt ein nicht ganz zntrefferrdes Bild von dem Gang der Verhandlung. Stach Bebel sprach nur noch em Redner. Hierauf wurde ein Schlußautrag gestellt. Gegen denselben wandte sich der Delegirte von Frauksirrt a. M. mit der Begründung. Bebel habe dem Antrage Gründe nnterlegt, welche die Frankfurter Genosse», als sie diese» Antrag ausstellten, nicht geleitel hätten. Die Genossen möchten ihm daher die Möglichkeit nicht nehmen, die Ansichten der Frankfurter Genossen in dieser Frage zu vertreteir, zumal er sich bereits beim Beginn der Debatte zum Wort gemeldet habe.— Der Parteitag schloß jedoch die Debatte, �uud hierauf erfolgte die Ablehnung des Antrages. •» In den meisten Zeitungsberichten über meine gestrigen Be- wcrkungei, betreffend den„Vorwärts" und das Redciktionsgehalt wird mir die Aeußerung in den Mund gelegt:„Für geiniges Vermögeir gilt nicht die nämliche Einschäyungsarl wie für das macerielle." Das wäre ein, obendrein ganz zweckloser. Gemein- pkatz gewesen. Was ich sagte, war:„Für das geistige Vermögen gilt nicht die Selbst eii schätzuug wie für das materielle". Berlin. 17. November. M. Lrebknech t. HoTtalcs* Zu einem Volksfest im wahrsten und edelsten Sinne des Wortes gkstaltele sich vorgestern Abend der Kommers, welcher von den Berliner Genossen zu Ehren der Telegirlen des Partei- tages veraustallet wurde. Der prachtvolle Concordiasaal, in welchem der Parteitag abgehalten wird, war lange vor Beginn der eigentliche» Feier von einer festlich beivegteu Menge erfüllt, der sich von Minute zu Minute neue Schaaren zirgeseUleri. Das Komitee hatte eine geschmackvoll ausgeüatlete Festzeitung aus- gegeben, die den Festgeuvssen gratis zur Verfügung gestellt wurde. Ter von Manfred Witlich(Leipzig) gedichlele schwungvolle Prolog, der von dem Verfasser aus das Wirkiiiigsvollste vorgetragen wurde, fand begeisterten Beifall. Mit jubelnder Zusnmmung wurde» die von Genossen effektvoll arraugirten lebenden Bilder begrüßt, ebenso spendete man den wirtlich bemerkensiverihe» Leistüiigeii der Gesangvereine, sowie den sonstigen und der Musik- k apelle ivohlrerdienten Beifall. Eine wirkliche Festslimmung hielt die Festtheilnehmer bis lange nach Mitternacht zusammen. Der Zentralvereiu für Arbeitsnachweis wiegelt schon jetzt ab. Er hat sich an die Proviuzpreffe mit dem Ersuchen gewandt, die Arbeiter vor dem Zuzug nach Berlin zu warnen und ihnen möglichst einzuredkn, dap sie während des Winters hübsch da bleibe», wo sie einmal find. In den Nachweisdureaus des Vereins herrscht nämlich schon seit ernigen Wochen ein erbeblicher Ziidrang von auswärtigen arbciislosen Personen, namentlich von solchen aus ländlichen Bezirken. Ter Verein hat seine Bureaus deshalb schon angeiviesen, alle auswärtigen Arbeiter abzuweisen und die wenigen offenen Stellen, die jetzt zur Anmeldung kommen, mit Berliner Arbeiterir zu besetzen. Was die vielen ländlichen'Arbeiter anfangen sollen, die jetzt entlassen werden oder schon enllaffen worden find, ist eine Sache, die den Verein nicht iveiter kümmert. Wenn dieselben die paar Groschen, die sie im Sommer etwa zurückgelegt haben, ausgezehrt haben werden, bleibt ihnen natürlich nichts anderes übrig, als zum Wander- oder was damit gleichbedeutend ist, zum Bettelstab zu greisen. Es hat doch niemand Lust, in seinen Sielen zu verhungern, nur damit er den besser Srtuirten nicht etwa lästig fällt! Dre Wanderschaft beginnt also, und das nächste Ziel ist die Kreisstadt oder die Hauptstadt der Provinz. Wer es aber möglich machen kann, fährt nach Berlin. Hier glaubt er am ehesten soviel verdienen zu können, wie er zum Leben braucht. Daß diese Hoffnung in den meisten Fällen nicht in Erfüllung geht, bewerten die Arbeitslosen gewöhnlich erst dann, wenn es zn spät ist. Wenn schon der Zentralverein zngiebt, daß jetzt nur sehr wenig freie Arbeitsstellen zur Anmeldung kommen, so muß das Geschäft in Berlin sehr flau gehen. Denn der Verein sucht gern den Schein zn erwecken, als ob er der einzige große Regulator des Angcboles und der Nachfrage in Berlin sei. Beginnt erst nach den, Weihnachtsfeste die große GeschästSstille. dann dürste» die Bureaus erst recht keinen Zweck mehr haben, denn dann wird es garnichls mehr„nachzuweisen" geben. Das Angebot von Ar- beitekräften wird ins Ungeheuerliche gestiegen und die Löhne werden bis aufs Aeußerste gedrückt sein. Daß wir uns dann wieder im schönsten Nothstande befinden, kann bei keinem Einsichtigen mehr zweifelhast sein. Rührt denn aber jetzt jemand auch nur einen Finger, rrm den mit Bestimmtheit zu erivartenden Nothstand abzuiuenden? Wir bemerken hiervon weit und breit nichts, wenn wir nicht de» Magistratsdeschluß erwähnen wollen, nach welchem im Winter die Wärmehallen wieder aufgemacht werden. Was das nun schon heißen will! Trotz der Ereignisse des � vergangenen Jahres sollen die Arbeitslosen immer ruieder mit einigen Wohl- thalen abgespeist werden. Die Leure wollen aber keine Wohl- thaten um der Gnade und Barmherzigkeit willen. Sie verlangen Arbeit nnd pochen auf ihr Recht auf Arbeit.� Es ist nicht ihre Schuld, daß sie brotlos geworden sind, es ist auch nicht ihre Schuld, daß sie nirgends ihre Arbeitskraft verwettben können. Die Eesellschast hat also die Pflicht, sür die Arbeitslosen zu sorgen und je länger sie sich dieser Pflicht enrzieht, de.o n e, iger Ursache hat sie, sich über die Jolgeii zu beklagen, welche rhr aus dieser iXuterlassangssiinde erwachsen. Die soziale Frage ist wieder einmal gelöst worden.— allerdings nur in dem Kopse des Schriftstellers Herrn H. Ro.e,,. thal, welcher ein probates Mittel entdeckt hak. den Notbstand wider Willen feiernder'Arbeiter zn beserirgen. Dreses Mrltel hat der geniale Herr Rosenthal in einer Broschüre, dre den scnwnng- vollen Tiiel führt;„Ter Hungerschutz. Ein Vorschlag zur Be- feftigung des Bestehenden, Bekämpfung der Sozialdemokratie und Hurrgerstillung des armen Mai,«es", bearbeitet und diese den städtischen Behörden unterbreitet, damit diese für seine„Idee" beim Reichskarrzleramt und beim Reichstage Propaganda machen mögen. Ter geniale Herr Rosenthal ist der an sich ganz zu- treffenden Meinung, daß alle Ausstände der unteren Volks- schichten mehr oder rvenigcr Hungerrevolten sind und glaubt, diese drohende Gefahr barmerr zu können durch eirie Art Hungerverficherung, vermöge welcher jeder wider Willen arbeilslole Arbeiter ein oder zwei Monate vor Roth geschützt werden soll. Die Mittel hierzu sollen— und das ist die„Idee" des Herrn Rosernhal— dadurch aufgebracht werde», daß jeder Arbeitnehmer 2 Pfennige von jeder verdienten Mark, oder 2 pCt. seines Wochen- oder Monatslohnes in eine große Kasse zahlt, ans welcher im Falle der Roth die Hungerndeir unterstützt wer- den. Daß eine solche Idee nicht ernst zu nehmen ist, liegt auf der Hand. Der Magistrat hat denn auch, wie verlautet, Herrn Rosenihal die einzig richtige Antwort erlheilt, dahingeb-nd, Herr Rvsenthal möge mit seiner„Idee" dein, Reichstage selber sein Heil versuchen.— Herr Schriftsteller Rosentdal lhäte wahrlich besser, mit seinen sozialpolitischen Quacksalbereien zu Hause zu bleiben, als damit kühn vor die Oeffenilichkert zu treten. Die„Stryck, ade" tobt unter den freifinnigen Bezirks- vereins-Meiern noch immer. Neuerdings hat der„derrlscr.frei- sinnige Bürgerverein der südwestlichen L isenstadt" über dieses interessante Thema eine längere De atie gepflogen. Ter Abg. Mnnckel hatte einen Vortrag über die Militärvorlage aehalten. Daß dieser Herr seine freisinnigen Pappenheinier kennt, ging aus folgendem Paffns hervor: Er glaube nicht, daß die Militär- vorläge angenommen werde, denn mancher möchte dielelde gern annehmen, aber er könne nicht! Nach Beendigung des Vortrages geht eine Resolulion ein, in welcher der Verein sein tiefes Bedanern über die Wiederwahl des Herrn Dr. Stryck ausdrücken nnd sich mit dem Austritt der 13„entschieden" freisinnigen Siadl- verordneten einverstanden erklären sollie. Und siehe da, diese Resolution fiel rn's Wasser, die Mehrheit erklärte sich für Herrn Tr. Stryck! Nach diesen Vorgängen zu schließen, wird es bei den nächsten Stadtverordnerenwatzlen im„freisinnigen" Lager rechl lebhaft hergehen. Die 13 Sezesfionisteir werden natürlich alle Hebel in Bewegung setzen, um ihr Fähnlein zu vergrößern und Sie Fraktion der Lotteriekollekleure wird allen nur möglichen Schwatz anf- bielen, um de» Vereine» die„alten bewähr, en Mitglieder" von Neuem aus den Hals zu reden. Die Möglichkeit ist also nicht ausgeschlossen, daß sich diese beiden„freisinnigen" Richtungen bekäinv,en. In allen den Bezirken, in welche,» das geschieht, wird sich natürlich auch ein sozialistischer Beiverber um das Mandat einstellen, die Chancen für denselben sind dadurch nicht schlechier geworden. Ein ergötzli nes Schauspiel aber wird sich darbieten, wenn zu Beginn des neue» Jahres im Stadtverordireteu-Kollcginiu die Neuwahl des Vorstehers stalismdet. Herr Dr. Stryck wird gehen, um ans seinen wohl verdiente» Lorbeeren auszuruhen. Wer aver soll sei» Nachfolger werden? Tie Majorität ist so arm an Männer r>, die sich- diesem Amt eigneten, daß da wirklich guter Rath theuer ist. In der Provinz wird man die„srelsinnigen" Berliner auslachen, wenn man erfährt, daß sich dieselben zum Stadtverordneten-Bor- steher einen Herrn aussuchten, der nicht im stände w»r, auch nur einen Satz m freier Rede zu spreche, r. Es hörte sich wirk- lich ganz kläglich an, wenn der Herr Dr. Stryck der einer Ge- legeuheit, bei welcher er repräsentiren sollte, sein Blättchen Papier aus dem Busen zog und mühielrg ernige Sätze davon herunterlas. Es hatte sich denn doch niancher den Stadtverordneten Vorsteher der Haupt- und Residenzstadt Berlin etwas anders vorgestellt. Nnd nun jammern die guten freisinnigen Seelen noch in herz- brechenden Tönen darüber, daß der„bewährte" Herr Vorsteher nicht mehr mitspielen will. Es geht doch nichts' über die Be- scheidenheit der Berliner Freisinnigen. In wie alberner Weise die Bewegung unter den Be- diensteten der Pferdebahnen in Mißkredit zu bringen manche Leute bestrsbt find, davon liefert ein Artikel in Nr. 44 der „Slraßenbahn" eine liebliche Illustration. In demselben heißt es nämlich unter anderem:„Tie!2 Eurlassenen(der Großen Ber- ttner Pferde-Eisenbahn-Gesellscha,t), welche bis Ende des Jahres ihr G.Halt unverkürzt erhalten, brauchen sich„ich, allzusehr zn beklage», denn sie haben Zeit, da die Bewegung doch eine» größeren Umfang angenonniien hat, sich auf Konen der Gesell- schasl auf ihren zukünftigen einträglichere» Beruf als sozialistische 'Agitaloreu in, Verkehrsgewerbe vorzudereite.i. Das bringt jeden- saus mehr, als der Schaffnerdienst." Herrn Karfunkel, dem Redakteur und Verleger der„Straßenbahn", scheruk die Schla,» mutze noch bedenklich lief über den Ohren zu sitzen. Eine»mrei- willige Komik entwickelt Herr Karsunkel aber, wenn er weiter sagl:„Inzwischen hat eine große Berfanimlung statt- gesunden, eine Vereinsorganisalion ist auch ins Leben gerufen worden. Dabei ist uns Verschiedenes aufgefallen, was wir nrcht nmerdriicken wollen. Als Vorsitzender n. mlich erschein, ein„Schaffner" Faver, von dem wir uns erinner», daß er im Ansang der Bewegung als Goldarbeiter genannt wurde. Diese plötzliche Verwandln g weist auf einen gewerbsmäßige» Agitator hin, der wahrscheinlich— um seine B.rechligiuig nnd Fachkenntniß außer Zweifel zu stellen— von den andern Letter» der Bewegung schnell zum„Ehrenschnffner" ernaniit worden ist." ur Erklärung dieses ergötzlichen Phaiitafreftückes des Herr» arfrrnkel möge hier bemertt fein, daß ein der Verhällniffe un- knndiger Reporrer in einen, Berichte an die„Kreuz-Zeiiung" den als Obmann des geschäftsmhreiiden Ausschusses der Berliner Streik- Konkrollko». Mission niärrrrrglich bekniwien Goldarbeiter Faber als„Pserdeb.chnscknffner" hat figurrren lassen. Herr Karfunkel hat also aus der„Kreuz-Zeitung" seine Weisheil geschöpft, die er nun lenchien laßt— wie es in einem schönen Liede heißt—„wie der Karfunkel im Ofenloch, wie das Lichl rn der Latern'." Dem Herrn wäre doch anzuraihen, sich einen zuverlässigeren Weisheilsbori, zu beschaffen, als die„Kreuz- Zeitung". Und wenn Herr Karfunkel sich schließlich noch er- dreinet, zu schreiben:„Ter von Seilen dieser Heiren(der Leirer der Bewegung) zu Tage trerende Idealismus, ihre ungemeine Vorsorglichkeit für das Wohl der aruien AngestcUlen im öffent- lichen'Verkehrsgewerve, enthält eine starke Beimischung von Eigennutz; man hat das bestimmte Gefühl, daß die Herren sehr gern im Trüben fette Lachse fangen wollen", so hat er sich damit »ur selber das Urtheil gesprochen als unberuseiiem und un- gerufene», Verlreler der Interessen der Verkehrsgesellschasten. Eine bemerkenstverthe Entscheidung, die in den weitesten Kreisen Aussehen erregen dürile, hat die kaiserliche Over-Post- direition gegenüber der Petition eines Fenrsprech-Angeschloffenen soeben gelroffen. Ter Belreffende. ein Buchdruckercibentzer, in dessen Verlage eine ganze Anzahl Fachzeirrmgelr erscheinen, hatte sich an die obige Bebörde mit der Bitte gewandt, die einzetuen Namen seiner Journale unter den entsprechenden Buchstabe» des Fernsprech-Regifters mit einem Hinweis aus den Namen des Verlegers eintragen lassen zu dürien. Es haiidelr sich dabei um rnsgesammt sechs Eintragungen und dieser Wunsch ist dem Buch- druckereibekitzer gewährt worden, er muß aber dafür 600 M. pro Jahr bezahlen! Tie Ober-Pofrdirektion schreibt in rhrer Erit- jcheidung wie folgt: „Ew. Wohlgeboren theile ergebenst mit, daß die Eintragung eines Fernsprech-Anschlusies gri.nosatzlich nur an einer Stelle des Verzeiobmsses erfolgt und daß es nur in dem Falle, in welchem der Name des Inhabers einer FeriisprechsreUe von feiner Handels- gerichtlichen Eintragung abweicht, statthaft ist, eine» eiUfprecveii- den Hinweis an ziveiler Stelle kosrenfrer aufzunehmen. L-ofern dagegen die Aufnabme mehrerer selbstnändiger Eintragungen bezio. Firmen geu'ünscht wird, ist die sür die Betberttguag an einer Sladt-Fenisprecheinrichluiig festgesetzte Gebühr von riiiiidellerrs loO M. zu entrichten. Hirrjür würde alSdann auf Wunsch dre Ausstellung je eines weiteren Apparates ohne Erhebung weiterer Kosten erfolgen. Tie Gebühr ermäßigt sich jedoch nrcht, wenn Sie von der Aufstellung weiterer Apparate abstehen sollten, rmo dieselbe muß auch dann erhoben werden, wenn der �nhnvcr oer verschiedenen Einrichtungen bezw. Firmen ein und drefe.re Person ist." Eine recht zeitgemäße Vekauutinachnng, die sür Berriit in Hinblick aus den durch Gasausströmung criolgten Unsall ,<> der Alexandrinenstraße besonders aktuell ist, erläßt dre Ver- waltung der Gasanstalt einer benachbarten Stadt. Die Bekannt- mach iig lautet:„Anhaltend starker Frost verursacht, tief r» das Erdreich eindringend, unter Umständen Nndrchligkeitelr um? Brüche irr den in der Erde liegenden gußeisernen Gaöleitungs- röhren. Das in-solchen Fällen ausströmende Gas kann dura) die geirorene Erddecke(und in Berlin auch durch Asphalt uno betomrtes Pflaster) nicht nach oben entweichen, sondern fuchl häusig, besonders den Eiuführnngen der Kanal- und Wasserrohren folgend, einen Ausweq in benachbarte Gebäude, so daß Fälle ein- treten können, daß sich in Häusern(und in Wohnungen) Tas- aeruch bemerkbar macht, in denen gar keine Gasleitung beneht. Es ist daher dringend nothwentig, in allen Fällen, wo Gas- geruch rvahrgenomuien wird, sofort direkte Anzeige auf der Ges- änsialt zu niachen, zugleich aber die delreffenden Räume zu lüften und dieselben nicht mit brennendem Licht oder Feuer zu betteten." Von dem Direstor der Städtischen Vlindenaustalt, Herrn Küll, erhalte» hiesige Blätter folgende Zuschrift:„Dre Ängelegenheit des„berühmten" arabischen Augenarztes Golanr Kader nimmt z. Z. das öffentliche Interesse lebhaft in Anspruch. Ein Bericht über dessen Erfolge bei den Zöglingen der Städtischen Blindenanstalt, Alte Jakobstr. 112, dürtte daher nrchr ungelegen kommen. Herr G. Kader ließ kurz nach seiner An- kilnft in Berlin hier anfragen, ob er die Zöglinge der Anstalt einer augenärztiichen Untersuchung unterziehen dürste. Es lag kein Grund vor, ihm dies zu verweigern. Er kam daher am solgendeu Tage in Begleitung eines Dolnrelschecs und unter- snchle etwa 1W Zöglinge, von denen die Hälfte Erwachsene und die anderen schnlpftchtige Kinder sind. Die Zöglinge sind zum größte» Theil rn Behandlung unserer tüchrignen Augenärzte ge- ivesen, und es ist somit nichts unversucht geblieben, ihnen ibre Sehkraft zn erhallen oder zu bessern. Tie Untersuchung ivar eine höchst fluchtige und vollzog sich in kaum einer Viertelstunde. Es wurde von dem Augenarzt auch nrchr an einen Zögling irgend welche Frage nach Ursochi- Alter und Grad der Erblindung gerichtet. Dagegen er- klärte der Arzt die sämmllichen Zöglinge mit nur geringeu 'Ausnahinen für heilbar, selbst Kinder, die von Geburt an stock- ilind sind, während er einen zehi. jährigen Knaben, der noch so viel Sehkraft besitzt, daß er Zar. en unterscheidet, als nrchl befferurigssähig abwies, was unser Befremden erregte. Nachdem er dann»ockr im Handarbeitssaal der Erwachsenen diesen einen ihn sehr rühmenden Zeilungsansschnilt durch seinen Dolmetscher hatte vorlesen lassen und dadurch die Gemüther mit den kühnsten .Hoffnungen erfüllte, erbot er sich, die sän.nr lichen Zöglinge in »neiilgeUliche Behandlung zn nehmen. Wir konnten diesen Ver- sprechungei, gegenüber vorläufig nichts thun, als unsem ZoZ- lingen ralhen, sich mit ihren Angehörigen zu besprechen und teil zn versuchen, jedoch die Annattsordnung nicht zu verletzen. s haben sich die meisten uiiserer Zöglinge dem Herrn Kader sofort in Behandlung gegeben. Jetzt, nachdem hiern cr bereit- drei Wochen veistrichen i.nd, und Herr Kader bei seinem Hiersein die Dauer der Kar ans etwa vier Wochen feststeUle, haben wf» die«rivachsenen Blinden im Mnsilsa<1 versammelt und sie belreffn ihrer Behaiidlnng und deren Erfolge bei Herrn Kader au-geforftht. Dabei hat sich folgendes ergeben: Versammelt waren 46 Blinde, die zum größten Theil eine dreiwöchentliche Kur mit täglich einmaliger Be- yanvUing bereits überstände» haben. Die Behandlung selbst>!' niit wenige» Ausiiahmen bei allen dieselbe geivesen. Herr K. besitzt ein Flnivum, angeblich aus eimgen 60 indischen Kräriterrr hergestellt, das er vermittelst eines Pinsels in die Aligen einführt. In einzelnen Fällen wird de» Blinden eine Salbe auf das unlere Augenlred anfgelrageu, auch Pillen ins illuge gelegt oder eM Pulver ihnen zu schnupfen aeg-ben. Einzelne erklären auf Be- fragen, daß sie alle mir demselbe» Pinsel bestrichen worden sind- und daß nur bei den„zahlen en" Bliuden der Pinsel»ach dem Gebrauch gereinigt wird. Was nun die Wirklina der Bchand" lung onveirifft, so wird folgendes lestgestellt: Alle haben noch Eins hrung des Fluivums en, lebhailes Brennen in den Augen empstindcn, das erwa zrvonzig Ntinuten andauerte. Bei vielen yar sich infolge der Behanolniig ein heftiger Kopfschmerz ein- gestellt, der sich bis zum Genick erstreckte und die Betreffenden ur einen Zustand höchster nervöser Erregung versetzte. Bei einem Manne, der ans dein linken Auge noch e»>ige Sehkraft besitzt, hat sich dieses Auae stark entzündet und ist dick hervorgelretc». Ihm ist sortivahrend geivesen, als habe er Sandkörner in� den Augen. Er hat alsdann sofort die Knr ein- gestellt und das erkrankte Ange durch Kauiillenumschläge wiederhergestellt. Eine direkte Wirkung ans die Augen, die aber nur kurze Zeit andauerte, wollen etwa 12 Zöglinge verspürt Huven, iind zivar nach jedesmaliger Behandlung beim Herauslreten aiff die Straße, wo sie kurze Zeit das Gefühl hatten, als habe stch ihre bisherige Sehkraft gebessert. Zwei wollen in diesem 3� stunde die Hausiiumlnern erkannt haben, die sie sonst nicht gk- sehen hoben. Die übrigen 34 Zöglinge haben nicht die geringltt Veräiiderung ihrer Auge» bisher wahrnehmen können. EineaN- dauernde Besserung ihrer Sehknul wollen 5 Zöglinge gewonneü haben. Einer von diesen, ein sechzehnjähriger Zögling, der ft" seinem zweiten Lebensjahre total rlind ist, will jetzt nach 14»e- suchen das Lampenlicht sehen könne». Es muß bei diciem Zögling aber bemerkt werden, daß er auf einer niedrigen Stuft geistiger Fähigkeiten steht, und daß in diesem Falle nur eine ärztl.che Prüfung das Ergebnrß als glaubwürdig hinstellen körnue.� Ein anderer von den Fünfen bezeugt, er habe durch Kader in 14 Tagen dieselbe Besserung seiner Augen erlangt, dre er durch dreimonailiche Soolbäder, die ihm ein h.ef'ger Augenarzt verordnete, erzielte. In diesem Falle steht in ttrn9e, od der gegenwärtige vernicinlliche Erfolg nicht ehe» der» soolbädern» die er in leyier Zeit genommen hat, als oeM K.'schen Flurdum zuzuschreiben ist. In allen fünf Fällen mülft» die rhalsächlicheii dauernden Erfolge als kaum iieimenswerttft bezeichnet werden. In einein Falle hat der Augenarzt ein junge- Mädcyen unserer An all für unheilbar erklärt und ihr gerathen, ihre Besuche einzupellen, sie trotz dieser bestinimte» Erklärung aver gepinselt uns ihr«Schmerzen verursacht, worüber dies jung* Mädchen noch heule ganz empört ist. Nach unseren Erfahrungen hat Herr K. mit seinem Fluidum bisher nur so viel erreicht, vap er die Blnrden in einen Z.stand nervöser Ausreau.ig ve. setzt»nd ?. V"6" lösche Hoffnungen unterhält. Nach Mitthe>lu»g der Zöglinge sollen ihm allerdings einige gr. Staarvpcratioifti gelungen sei», bekanntlich die einfachsten Augenoperalionen, auch uniere Augenarzt» mit sicherem Erfolge vollst hren. W-n" Nch daher Herr K. seiner Heilungen rühmt, so werden wohl dies damit gemeint sein. An seine übrigen Mute! aber fangen auch unsere Zöglinge bereits an, den Glauben zu verlieren. W s im übrige» vu- Austreten des Herrn K. betrifft, so muß es befremde», daß � 'Ä«e!net. f,1''®" marllschreierrschen Ankündigung einen»de- Niymle» arabischen" Augenarzt nennt, während' er doch �"'3aPore feme Ät die» gemacht und nur in Indien uno 3tn',e!, bish« prakttzirl yal, und daß er ferner in ebenderselben ckl"' " Institut für„unheilbare" Blinde Z" h.r mU ST0Btem Erfmge„geyeilt" zu haben. Wen» tfh(chr,h� r>vhte' f" dälle.i damals unsere Fach'. hrn, t f �, sur Bllndenwesen sicherlich hierüber Aiitihcilnngen * JEi.» ist cn er keineswegs der ttnll aeiveieii Wir Häven deif iSitte'e Blindenanstalt in Genua gewandt n>>t der Bitte um Au-tunft hierüber und warten noch auf AeftHeft- fccu wir demnächst mitlheilzn werde», sobald derselbe eiugetrofsetl 'It. Was soll man endlich von der Srztliäien Gewissenhaftigkeit des Herr» Kader halten, wenn derselbe bei seinem Besuche in »mserer Anstalt mir durch seinen Dolmetscher die Behauptung «vermitteln ließ:»Er habe in einer Swnd- schon 1000 Blinde vehandelt 1" Ciue» werthvollen Fnnd glaubte am Dienstag der Lumpen- san'mler Gustav E. in Rixdorf gemacht zu haben, als er in der Ar ifttasche eines alten Rockes die suiikeliiagilneue Aktie einer «aubauk, über SOO M. lautend, fand. Freilich hatte E. keine Ahnung, daß diese Baubanl während der Gründerzeit entstanden «nd mit derselben auch verkracht, das Papier also absolut nicht einen Heller iverth war. Freudestrahlend ging(K. nun nach •tJecltn und versuchte an verschiedenen Stellen die Aktie zu ver- mtBeiH, wurde jedoch zu seinem Aerger überall lachend abgewiesen. Er kehrte deshalb nach Rixdorf zurück, begab sich in ein' dortiges lcoknl, mochte hier ei»e ziemlich große Zeche und gab hinterher »oas werthlose Papier in Zahlung. Die Folge davon war, daß a.ein,fm Gendarmen übergeben wurde, der den„verkrachten Aktionär" wieder laufen ließ, als ihi» dieser sein Leid erzählte Und stch zur Zahlung der Zeche in Baar bereit erklärt h.tie. In dem Prozest wider Ablivard wegen der in der Juden- stintenbroschüre a:-gesprochenen Beleidungen ist die LOO Seiten parte Anklageschrift kein Angeschuldigten zugestellt worden. Tie- selbe ist vom Staatsanwalt T rescher unterfertigt und enthält etwa achtzig verschiedene Strajanlräge, darunter die des Staats- winisteriums, des Krieg-wiiiislers. des Oberstlieutenants Kühne, zahlieicher Regimeiils- Kommandeure, die Ahlwardt in seinen Reden beleidigt haben soll und vieler anderer Offiziere. Tie Ciaatsanivaltschafl erachtet seine Anschuldigungen im volle» Um sauge für unerwiesen. '- 30,00 M. Kartoffeln per 100 Kg. von 3,00— 4,00 M. Rind- aeilch von der Keule per 1 Kg. von l,3o— 1,20 M. Bauchfteisch 1 Kg. von 1,40 0,90 M. Schweiiiestrisch per 1 Kg. von t.S0-i.iy M. Kalofleisch per 1 Kg. von 1,30-0.80 M. Hammel- NNsch per 1 Kg. von 1,50-0,80 M. Butler per 1 Kg. von 2.80 's 2,oo M. Eier per 30 Stück von 6,00—2,30 M. Fische per ijKg.: Karpseu vo» 2,40-1,20 M. Aale von 2,80— 1�0 M. «ander von 2,40-0,80 M. Hechte von 1,80— 1,00 M. Barsche ah» 1.30—0,70 M. Schleie von 2,40—1,2) M. Bleie von l,4o 0,70 M. Krebse per 30 Stück von 12.00—2,00 At. » Polizeibericht. Am 13. d. Mts. Vormittags wnrde ein �ußdte.'.er in ferner Wohnung in ter Wnßmannstrape erhängt �gefunden.— Vor dem Hause Garlenstr. 162 gerielh Nach. "tlagZ«jn fünfjähriger Knabe unter die Räder einer Droschke a"b wurde am Arm bedeutend verletzt.— Bemi Abspringen von �neni m der Fahrt befindlichen Omnibus fiel'Abends ein satlter lot dem Hause Rilterstr. Uo zur Erde und erlilt eine Verletzung Kniegelenks.— In der Nacht zu», 17. d. M. fand m eiiiet �chankivirthschast in der Schillingnraße eine wchlägerei siatt, bei der Arbeiter Pohle eine» Schuhmacher mittels eines Numpsen .«''liriimenls am Kopfe so bedeutend verletzte, daß denen ueler- > chrung nach de», Krankenhause am Friedrichshain»iarderuch . urde. Ter Thäler wurde verhaftet.— 2lm 13. d. Ai. saude» bte, Brz.chx Patt. Gevill»ks-I!-iku»ia. Prozeß Oberwinder. 0 T, Vor der vierten Strastan,n>er hiesigen �ndg-richt- I bkgann Z?.ern die Verhandlung gegen den Vcrlagsbuchhn'bler un) �risllleller Heinrich O b e r w i n d e r, ld.gt ist. °urch eine Broschüre die Mitglieder des<�nchlsho,es in kleve. welchem f. R. die Verhandlungen rn Sache» de-.�anlener ?aabe», uorves stallaesunden, insonderheit d«» U"ler,i�ung-r ch r «««..,*-4 1 1,, t„-.w° is ss: hoL"1;�!0 b»l-'d.gl zu haben.- Ten%taaliaimalt. � yz*°Schw�d?-''S°'und Broschüre unter dem Titel„Der Fall Buschvsf. Die Untersuchung über den Zkanteil er Knabenmord. Von einem Eingeweihte n." herausgegeben, welche ivegen ihres Inhalts s. Z. mit Beschlag belegt worden ist und den Gegenstand der Anklage bildet. In einem frühereil Termin war beschlossen worden, die oben genannten Gerichtspersonen und mehrere in dem Clever Prozeß als Zeugen vernommenen Personen als Zeugen hierher zu laden. Erschienen sind u. a. der Erlte Staatsanwalt Baum- gard, Laudgerichtsralh B rix ins aus Cleve, Kaplan Aresser, Bürgermeister Schieß, Stadtverordneter Küppers, Synagogenvorsteher O st er, Gärtner M ö l o e r s und die Tiensimagd Tora Moll aus Xanten, Oberrabbiuer Dr. Hör witz, Kriminalkommissar Verhülsdont aus Krefeld, Kriminalkommissar Wolfs aus Berlin. Der Angeklagte erklärt, daß er den Inhalt der Broschüre vertrete, bis auf einige i» derselben enlbaltenen Geschmacklosig- keilen. Die Schrift sei von einem angesehenen Bürger, der an Ort und Stelle lebt, versaßt woroen, er lehne es aber ab. den Verfasser zu nenne». Aus der Broschüre werden zunächst zahlreiche Stellen ver- lesen. Es wird darin dem Ersten Staalsauivalt Baumgaro und dem Landgerichteratd Brixius der Vorwurf gemacht, daß die Nnterslichllug gegen Buschoff geführt- worden sei, nicht um die Wahrheil zu ermitteln, sondern um die Unschuld Buschoff's dar- zuthun. Außerdem wird behauptet, daß Frau Kernder, eine Be- lastui gszeugin gegen Buschoff. die sich im Tezeinber 1391 vor der Slraikammer des Clever Landgerichts wegen Mißhandlung einer Jüdin zu veranlivorien halte, zu einer imverhältmst mäßig hohen Strafe verurtheilt worden sei und zivar. weil sie als Belasumgezeugin gegen Buschoff auf' getreten sei. Dem Ctaaisauwalt Baumgard wird vor- geworfen, daß er leim Verhör die Belaüungszengen barsch behandelt und dieselben dadurch verwirrt, sich dem Judenmädche» Vuschoff gegenüber aber stets kavaliermäßig benommen habe. Derselbe sei erst acht Tage, nachdem das gemordete Kind vor- gefunden, persönlich am Thatorte erschienen und habe dann, an- statt die Blisä ofs'sche Wohining in allen Ecken und Winkeln zu durck.suck.en sich mit einer sehr oberflächlichen Besichtigung des ThatorteS begnügt. Es wird serner behauptet, daß Ver- dunklungsversuche gemacht wurden. Anstatt sofort nach Aus- finde» des gemordeten Kindes an Ort und Stelle zu eilen, habe der Erste Staalsauwalt in Cleve die erste Augenscheinnahme dem Assessrr C l ä s s e n überlassen. Von vornherein habe ma» die Unter siichui'g in das undurchdringlichste Dunkel gehüllt, kein Hoc! verraiheprozeß könne je mit größerer Geheimthuerer geführt werden. Die Herren Brixius und Baumgard scheinen es eben darauf abgesehen zu heben, für alle Fälle in dem pyramidalen Verfahren frei» Hand zu behalten. Der öffentliche Ankläger habe die allerelementarsten kriminalistischen Pflichten außer Acht ge- lassen und vo» Anfang an nur mit augeisscheinlichem Widerstreben eingegriffen, er habe die einwandsfreien Zeugen keineswegs unter- stützt, sondern durch barsches Wesen emmuihigt. Nach alledem würde man stch kaum darüber wundern können, wenn terr Brixius es am Ende noch fertig bringe, nach dem kurzer Muster irgend einen Katholiken an Stelle Buschoff's auf ben Thurm zu schicken. Es hätten sich ja im Laus» der Vor- iintersuchmig schon die wundersamsten Uederraschungen abgespielt, ivarum sollie also der wilro mortale einer Chrislenverhastung als>v>risa»isler Blitzableiter erspart werden? Die Belasinngs- zeugin Kernder sei mit den ihrigen zu längerer Haft und Geld- d ße verurtheilt worden, weil sie es nicht dulden wollte, baß die jüdische Schlächterfrau Bruckmann ihren Sohn, welcher „Hepp" gerusen habe» soll, erheblich mißhandelte jc. je. Der Angcllagte weift darauf hin, daß die Broschüre nach der Haftentlassung Buschoff's geschrieben worden sei, welche mit Recht ungeheures'Aliffehe» erregt habe. Er sei bei der Heraus- gäbe nickt von Judenhaß geleitet gewesen, sondern man habe in Xanten die Belrachtiing angestellt: wäre es das Kind eines reichen Mannes gewesen, welches du ermordet vorgesunden wurde, so wäre die Untersuchung gewiß in ganz andere Wege geleilet worden, als jetzt,>vo es sich nm das Kind armer Eltern handele. Ter Angeklagte lührt eine ganze Reihe von Thatsachen an, aus welchen nach seiner Ansicht hervorgeht, daß die genannten Herren in der That befangen und voreingenommen gewesen seien und ihre Pflicht nicht tzethan haben. Es sei beweisbar, daß Staatsanwalt Baumgard die Belastnngszeime» barsch behandelt babe und sie veranlassen wollte, ihre Aussagen zurilckznziehen. Er habe die Empfindung, daß man dort und hier in Berlin von cem Gedanken beherrscht worden, daß man alles vermeiden lNiisse, wns der sogenannten antisemitischen Agitation Nahrung geben könnte. Das Material, welches dem 5irimiim!kommissarii>s Wolfs vorgelegen und zur Verhafliing des Buschoff geführt habe, habe auch dem Kriminalkommissarius Verhütsdouk vorgelegen. Mit diesem Material war er zu dem Staatsanwalt Baumgard gegange», und trotzdem babe derselbe die Verhaftung nicht vorgenommen, weil, wie er gesagt haben soll, der Oberstaatsanwalt es nicht wollte. Alle Akte, welche der Erste Staatsanwalt und der Laudgerichtsralh Brixius in dieser Sache vorgenommen, zeugten davon, daß dieselben befangen und voreingeuommen und ihrer Ausgabe nicht gewachsen gewesen seien. Ter ganze Prozeß sei zweifellos anders geführt worden, wie es sonst üblich sei. Die in den Händen der Juden befind- liche Presse habe sürBuschoff ag'tirl, ihr hätten sich die Rabbiner und der jüdische Gemeindevoriieher angeschlossen, ja, Herr Hirsch Hildes heiinersei sogar bis zum Minister gegangen und habe selbst ver- sucht, auf die kriminalistische Seile des Prozesses Einfluß zu ge- winnen. Er habe fleh in der Broschüre zum Anwalt des de- leidigten Rechtsbewußiseins gemacht, denn, wie er sich in Xanten persönlich überzeugt habe, halte man dort, wie auch er, das Ver- iahren in dem Buschoff. Prozesse für ein ganz pyramidales und die dortige Benöllenrug fei auch jetzt noch über den Ailsgang ter ganzeu Sache ganz erstaunt. Er selbst halte B-schoff nickt jfit einen Verbrecher, glaube auch nicht an de» Ritual- uiord, aber er wisse, daß es überall abergläubige Menschen giebt, welche aus Aberglauben Verbrechen begehen. — Ter Angeklagte schildert eingehend die Einzelheiten der Vor- untersuchulig und des Prozesses Buschoff, um darzuthun, daß die Angriffe, welche die Broschüre entballe, berechtigt gewesen seien. — Ter Vorsitzen d e bemerkt dem Angeklagten, daß ihm sicher kein Mensch verbieten könne, wenn er den Buschoss-Prozeß zum Gegenstand einer Broschüre machen wolle. Es lasse sich ja viel an dem Vrtsahreii kritlflren, wenn aber der Angeklagte dem ersten �taatsanivalt und dem Untersuchungsrichter Befangenheit Hütte zum Vorwurfe machen wollen, so hätte er die- zweifellos ohne Beleidigungen thun können. Ter Angeklagte kenne ostenbar die Akten nicht, denn diese beweisen, daß der Erste Sraalsanwalt feine Maßnahmen keineswegs einseitig er- gliffen habe. Er wisse gewiß gar nicht, daß der Staats- anivalt verlangt habe, die Anklage nicht nur gegen Buschoff, laadern auch gegen dessen Frau und Tochter zu erheben. Die beschliepende Siraskammer habe aber die Erhebung der An- klage gegen Frau und Tochter abgelehnt. Ter Staatsanwalt haue sick damit aber keineswegs beruhigt, er habe viel- mehr Beschwerde bei dem Oberlandesgericht in Köln erboben und erst nachdem dies erjolglos geblieben, mujjte die Freilassung der Frau und des Mädchens ersolgeu. Richtig sei es ja, daß der Erste Slaatsanivalt von Ansang an der Aiisichl geivesen ist. daß Bnsckoff der Thäter nicht ist; er habe auci) von Ansang an den Standpunkt vertreten, daß die Geschichte vom Ritualmord«in Unsin» sei. Diese Anschauung habe durch den Prozeß doch ihre volle Bestätigung gesunden durch das Gutachten der einwandsfreien Sachverständigen. Es sei klar erivieseu. daß es sich um gar keinen Schächterschnitt Haudelle, sondern um den ungeschickten Schnitt eines anderen Maniies ge- handelt habe.— Der Angeklagte beharrt auf der Richtigkeit lemer Behanptlingen und läßt sich über die Motive der die Unter- suchung führenden Haien ans.— Staatsam. S t, ch o w: Vielleicht giebt eine Stelle auf der Seite 23 der Broschüre darüber Auskunft, welche Motive geineint sind. Es heißt dortz nämlich:„Wenn es sich um irgend einen Christeunienscheir handelt, in oder vor dessen Behausung ein Ermordeter auf- gefunden wird, so pflegen unsere Exekutivbehörden meistens der- artig befremdliche Rücksichten nicht zu üben, sondern in neunzig von hundert Fällen wird, ivenn nicht bc- sondere Entlastungen vorliegen, sogar aufs Geradewohl eine vorläufige Verhaftung volgenomnle». Bei dem Schlichter Buschoff hingegen, zu dessen Gunsten sich— selne Glaubensgenossen aus- genommen— auf 10 Quadratmoilen in der Runde auch nicht eine Stimme erhob, wird jedoch, Gott weiß ivarum, der öffent- licken Meinung zum Hohne von einer Durchsuchung und Fest- setzung„prinzipiell" abgesehen." Ter Staatsanwalt hält es gleichzeitig für seine Pflickt, da die vielen Anführungen des An- getlagten vielleicht nickt Gegenstand der Beweisaufnahme werden dürften, aufs ausdrücklichste zu erklären: Alles, was derselbe be- züglich des Ganges der Untersuchung und die Thätigkeit der an oer Untersuchung Betheiligten gesagt hat, ist nur halb richtig oder unrichtig. Ter erste Zeuge ist der Erste Staatsanwalt Baumgard. Derselbe weist den ihm gemachten Vorwurf, Belast ugszeugen barsch behandelt zu Halen, als unwahr und ungehörig zurück. Es könne sich höchstens um seine Behandlung des Zeugen M ö l- ders handeln; was er über den Zeugen Mölders zu den Akten gebracht, halte er voll und ganz aufrecht, namentlich, daß derselbe bei der ersten Vernehmung einen besangenen und bedenklichen Eindruck gemacht habe. Äuss Entschiedenste bestreite er, daß er diesen Zeug-n barsch angefalire» und verwirrt habe. Was sein angebliches kavaliermäßiges Auftreten gegen das Judenmödchen, betreffe, so bemerke er, daß er nicht blos gegen Judenmädche» sondern gegen jedermann anständig austrete. Er bemerke im allgemeinen, daß er seine Aussagen hier nur in dem Sinne mache, daß er dem Gerichtshof Aufklärung zu gebe», nicht aber sich der Vertheidiguug gegenüber zu rechrserligen.— Rechts- anwalt E l a s i n g findet in den strafprozessualischen Vorschriften keine Handhabe für eine solche Unkerscheidung.— Zeuge Baumgard verivahrt sich weiter gegen den Vorwurf, daß er bei seinen Maßnahmen, die er' gegen Buschoff unter- nommen, säumig gewesen sei. Der Mord in Xanten sei am 29. Juni gegen Abend verübt worden, am Mittag des 30. Juni sei � ihm die erst» Mittheilung davon geworden. Er habe den Assessor Cläß sofort nach Xaiiten geschickt, aber nicht allein, sondern in Begleitung des Staatsanwalts Hintz. Nach der Rückkehr des Assessors Cläß und dem Berichte desselben habe sich der Verdacht zuerst herausgebildet, daß es sich um die That eines Verrückten, vielleicht des geisteskranken Oheims des ermordeten Knaben Hegmann, handele. Von einem Verdachte gegen Buschoff wurde amtlich nichts gemeldet, erst später wurde von einem„draußen" zirkulirenden Gerücht gesprochen. Am 3. Juli, als er noch nicht im Besitz der Allen gewesen, habe er darum nach Xanten telegraphirt, die Akten seien ihm zugegangen, er habe sie wäh- rend des Sonntags studirt und sei am Montag selbst nach Xanten gefahren. Er habe am Montag und Dienstag 45 Z-ugen vernommen. Unwahr sei es, daß er keine Besichtigung les Buschoff'schen Hauses vorgeiloiuinen, vielmehr habe er das Haus vom Keller bis zum Dach untersucht. Aus die Frage des Landrichters Dr. Curtius, warum über diese Haussuchung kein Protokoll aiisgenoinmen worden sei, erwidert der Zeuge, daß er dies nicht lür»öthig gehalten, weil er nur im polizeilichen Enintlelnngs- wege thatig war und um nicht i»»iöthiger Weise Oel ins Feuer zu gießen. Er habe in allen diesen Dingen das gethan, was seine Pflicht gewesen sei. Er gestehe zu, daß er damals seinerseits Verdacht gegen einen anderen siidischen Händler Namens Fcllmann gehabt habe, der bald nach der That aus Xanten verschwunden gewesen sei. Gegenüber anderen Vorwürfen behauplet er, daß er so lange und so oft in Xanten gewesen sei, wie er es für nöthig gehalten habe Er sei zuerst zwei Tage dort gewesen, konnte aber ohne de» Bürger- meister, der nicht anwesend gewesen, nichts thun. Er sei dann am 9. oder 11. Juli wieder dort gewesen und habe dann be- schlössen, einen Detektiv dorthin zu senden. Er habe deu.'elben entsprechend instruirt. Zeuge Erster Staatsanwalt Baumgard bekundet im weiteren Verlause seiner Vernehmung, daß er während des anzen Jahres keinen Urlaub genommen habe, um an Ort und Stelle bleiben zu können. Am 12. August habe er berichtet, daß die Einleitung irgendeines gerichtlichen Verfahrens sich emvsehle. Am 26. September sei dann der Kriminalkommissar Wolff aus Berlil: gekommen. Bis dahin habe nicht genügendes Belastungsmaterial gegen denselben vorgelegen. Erst im Oktober konnte Buschoff ver- haftet werden, und er blieb so lange in Haft, als nur irgend ein Verdacht gegen ihn haften blieb. Da sich aber die Voraussicht des Kriminalkommissars Wolff, daß durch zu Tage tretende Wider- spräche sich das Belaftungsuiaterial verstärken würde, sich nicht erfüllte und der von Buschoff angetretene Alibibeweis erheblich an Beweiskraft gewann und vetzvöllständigi wurde, konnte die Verhaftung nicht mehr ausrecht erhalten werden. In Ueber- einstimmiliig mit dem Untersuchungsrichter und unter Genehmigung des Ober-Slaalsauwatts, mit welchem er in allen diesen Fragen Fühlung genommen habe, habe dann die Hastentlassung Buschoffs staltgesunden. Er sei der festen Ueberzeugung, daß die Hast- «nllanung und das spätere gerichtliche Veriahren in aller Ruhe verlausen wäre und daß alle Erregung erst von draußen hliieiiigetragen worden. Es sei dann nach der Haftentlassung das sachverständige Gutachten des Dr. Bauer gekommen, welcher bekuiidele, daß das eine der bei Buschoff vorgefundenen Messer den angeblichen Schächtschnitt habe hervorrufen können. Nicht richtig sei es, daß i h m schon dasselbe Material vorgelegen habe, welches dem Kriminalkoinmissarins Wolff vorgelegen n»d welches zur Wiederverhaftung des Buschoff Veranlassung gegeben habe. Herr Wolff brachte im Gegeutheil noch eine ganz neue Kombination >» die Sache, indem er Angaben über das angebliche Motiv auf Grund seiner Erniltlelungen machte. Wolff habe ebenso wenig an einen Ritualmord gedacht, wie irgend ein anderer, aber er habe lestnellen zu können geglaubt, daß der Knabe Hegmann dein Buschoff einen Leichenstein deschädigt habe. Diese Kombination verdiente um so mehr Beachtung, als Buschoff mehrfach die Drohung ausgestoßen haben sollte, daß er die Kinder tobt machen würde. wenn sie ihm die Leichensteine noch einmal beschädigen würden. Diese neue kriminalistische Kombination deS Kommissars Wolfs in Verbindung mit dem Gutachten des Dr. Bauer über das Messer haben ihn veranlaßt, am 7. Februar die Wieder« lisnahnie der Untersuchung gegen Buschoff und seine Wiederverhaslung zu beantragen. Das sei früher geivesen, als der Herr Jnstizminlsier irgend welchen Einfluß aus eine Wiek erverhaftung hätte ausüben können.— Es folgt eine lange Reihe von Kreuz- und Quersragen der beiden Ver- theidiger an den Zeugen, die sich ans alle Einzelheiten der Voruntersuchung, die Blutentziehung a» dem er- mordeten Knaben, die Haussuchung, den Alibibeweis w. jc. erstrecken. Der Zeuge weist eingehend jeden Vorwurf, der ihm gemacht werden solle, zurück und bleibt dabei, daß er in jeder Beziehung seine Pflicht gethan habe.— Ueber die Art und Weise, wie der Zeuge das Register über die Zeiten festgestellt hat, welches schließlich zur Feststellung des Alibibeiveises führte, wird der Zeuge besonders von Landrichter Dr. Curtius eingehend befragt. Er erivibert, daß damals die Zeiten genau festgestellt worden sind.— Aus weitere Fragen erwidert der Zeuge, daß er Buschoff's Kleidung an Ort und Stelle untersucht und auch Zeugen darüber vernonimen habe, od Buschoff die Kleider gewechseli haoe. An der Kleidung habe sich kein Blut vorgesunden und auch die Untersuchung des vorgesundenen Sackes habe keinen belastenden AnHall geboten.— Eine längere Diskussion zwischen Sem Rechtsanwall K I a sin g und dem Zeugen veranlaßt eine Frage nach dem Schicksal, welches ein dem Vater des ermordeten Kindes zugegangener Drohbrief gehabt habe. Dem Vater Heg- mann war nämlich ein Drohbrief zugegangen, welcher etwa lautete:„Flieht, flieht, so lauge es noch Zeit ist, denn mau ist auf Eurer Spur! Ihr seid der Mörder Eures Kindes!" Ter Verlheidiger wünscht zu wissen, ob die Staatsanwaltschaft Schritte gethan habe, um den Schreiber des Briefes zu ermitteln. Der Zeuge bejaht dies und bemerkt, daß anonyme Briese mit allerlei vagen Andeutungen ihm in ganzen Bergen zugegangen seien. Zille Recherchen über solche Andeutungen haben zu irgend welchen Ergebnissen nicht geführt.— Ter Beisitzer Dr" C u r t i u s wünscht die Beweggründe zu wissen, ans welchen heraus der Erüe Staatsanwalt in einer solchen Sache, in welcher doch lediglich ein Indizienbeweis geführt wurde, von vornherein ge- sagt habe, daß die Zeugenvernehmungen die Angaben des Än- geklagten bestätigen ivürden.— Ter Zeuge erwidert, daß er nur die Absicht hatte, von vornherein aus die Wichtigkeit und Penibilität aller Momente hinzuweisen. Wenn seinen Worten eine weitere Tragweite gegeben werden sollte, so sei er mißverstanden worden. Im übrigen erinnere er an den§ 158 der Strafprozeß-Ordnung, wonach es auch seine Pflicht sei, diejenigen Momente hervorzuheben, welche den Angeklagten entlasten könnten.— Alis Befragen der Bertheidiger erklärt der Zeuge: es sei ihm nichts bekannt davon, daß Agenten eines Berliner Detekliv-Burcau? in Cleve oder Xanten gewesen seien und dort ogilirt oder im Interesse des Angeklagte» sich mit den Geschworenen�in Verbindung gesetzt haben. Tagegen wisse er, daß vo»{j entgegengesetzter Seite eine Agitation enfaltet worden, die sogar versucht habe, dem Obmann der Geschworenen ein Flugblatt zuzustellen.— Weitere längere Auseinandersetzungen drehen sich um die Frage des am Thatorte vorgefundenen Blutes und um die Sachversländigen-Gutachten bezüglich der Frage des Ritualmordes.— Der Zeuge erklärt, daß er von seinem Bildungs- stände aus überhaupt nicht an einen Ritualmord geglaubt habe. Ta aber die Andeutungen nach dieser Richtung immer mehr überhand nahmen, habe er cS für seine Pflicht gehalten, um alleS zu erschöpfen auch nach dieser Richtung hin Erhebungen zu veranlassen.— Der Vorsitzende mach: den Angeklagten darauf aufmerksam, daß ja auch ein Gutachten des Medizinal- .kollegiums zu Köln über diese Frage erstattet sei, und der Staats- anwalt hebt aus dem Gutachten die Stelle hervor:„Nur Un- kenntniß des Sachversiändigeu-Gutachtens oder geflissentliche Jgnorirung desselben könne annehmen, daß zu wenig Blut am Thatorte gefunden worden."— Die Bertheidigung befragt sodann den Zeugen, wieso er gesagt habe, daß der verfolgte Matge Degen kein Jude sei?— Ter Zeuge erwidert, daß dies alten- mäßig ja auch richtig sei. Derselbe sei thatsächlich kein Ii de. sehe aber aus>vie ein Jude und habe, auf dieses Aussehen sich stühend, bei den Juden umhergeschnorrt.— Landrichter Curtius wünscht Ausklnrung darüber, weshalb auf die Anregung des Geschworenen von Loö nicht die Unter- frage in betreff der„Beihilfe" oder„Anstiftung" gestellt sei. — Der Zeuge erklärt, daß er sich dabei auf tz 294 der Straf- Prozeßordnung stütze, wonach die Stellung derartiger Untersragen sich nur rechtfertige, wenn im Lachse der Verhandlung Thatsachen zu Tage geireten sind, welche solche Fragen gebieten. Im übrigen sei es Sache des leitenden Borsitzenden gewesen, die Fragestellung zu besorgen.— Der Beisitzer fragt weiter, ob in dem Falle, wo der Borsitzende einer derartigen Anregung, die doch zeigte, daß bei den Geschworenen Zweifel obwalteten, keine Folge giebt, der Zeuge sich nicht verpflichtet gehalten habe, ex officio eine solche Frage zu stelle». Das Recht dazu stehe ihm doch zu. Ter Zeuge erwidert, daß die Verhandlung keine der- artigen Thatsachen ergeben habe. Außerdem habe er nicht allein die Auklagehörde vertreten, und die maßgebenden Anschauungen des Ober-Slaaisanwalts haben doch für ihn Geltung.— Aus der großen Fülle der bei der Vernehmung des Zeugen gegebenen Anregungen ist noch herauszuheben, daß der Zeuge die in Buschoff's Wohnung von ihm vorgefundenen Messer nicht beschlagnahmt hatte, seiner Angabe nach, weil er Buschoff für unschuldig hielt. Eine weitere Anregung des Vorsitzenden, ob etwa der Kaplan Bresser der eigentlich Verantwortliche für die Broschüre ist, ver- neint der Angeklagte entschieden. Landgerichtsrath B r i x i u s schließt sich der thatsächlichen Darstellung des Vorzeuge» an. Richtig sei es, daß er den Synagogen-Vorsteher O st e r ans dessen Ersnchen zu der Orts- besichtignng zugelassen habe, weil er denselben gewissermaßen für einen Vertreter Buschoffs, wenn auch nicht für einen legi- timirten Vertreter gehalten habe. Vorsichtiger Weise habe er die Thalsache der Zulassung des Oster ins Protokoll aufgenommen, obgleich die Thatsache an sich gleichgiltig war. Er habe auf die öffentliche Meinung keine Rück- ficht zu nehmen, namentlich nicht, wenn dieselbe künstlich aufgeregt worden, sondern er habe nur seine Pflicht und Schul- digkeit zu thun und auch hier gethan.— Die Bertheidigung hält die Zuziehung des Oster doch für eigenthümlich, namentlich da doch schon die Stimmung sehr erregt war und die öffentliche Meinung dahin ging, daß ein jüdisches Verbrechen vorlag.— Der Vorsitzende erklärt, daß er nickt wisse, welches Verbrecken in dieser Zuziehung liegen solle. Der Zeuge giebt der Vertheidigung zu, daß er in der Schwurgerichts-Verhaudlung gesagt habe, er habe den Ost er ans Trotz zugezogen. Er wollte' damit den Ge- schworenen nur zur Beurtheilung anheimgeben, ob er, der nach jeder Seite rücksichtslos leine Pflicht thue, ein Mann sei, den man solche schmähliche Vergehunaen gegen Pflicht und Ge> wissen, wie ein gewisser Theil der Presse ihm vorgeivorse», zm trauen dürfe. Er bestreitet, daß das Wallen seines Schwieger söhn es, Rechtsanwalls Fleischauer als Vertheidiger des Buschoff ihn irgendwie besangen gemacht habe. Er habe auf Grund der öffentlichen Angriffe die Entscheidung der Strafkammer unter- breitet; die Straskannner habe ihn auch nicht für befangen er- achtet, es aber doch, nin allen falschen Schein zu vermeiden, für angezeigt gehalten, daß er von der Untersuchung zurück- trete.' Zeuge giebt weiter zu, daß er es nicht für möglich bezw. wahrscheinlich gehalten habe, daß der kleine Hegmann in der Art, wie es Zeuge Mölders behauptete, durch einen Arm in das Buschoff'sche Haus gezogen sein könne. Er bleibe auch jetzt noch da bei,"daß die von Mölders bekundete Art und Weise zwar mög lich, aber sehr unwahrscheinlich sei. Was die Verhaftung des Buschoff betrifft, so habe das Motiv der eigenen Sicherheit des: selben allerdings auch mit obgewaltet, es sei aber nicht das allein maßgebende gewesen. Ter uäckste Zeuge ist Kaplan Bresser. Derselbe be- streitet, das Material zu der Broschüre geliefert zu haben. Er habe großen Einfluß auf den Xantener Boten; aus diesem Blatte haben nnn antisemitische Blätter, mit denen er in gar keiner Verbindung stehe, Artikel abgedruckt und dieselben mit Bttfiswig auf seine Person ausgestattet. Ter Zeuge wird darüber verkomme», ob ihm vom Ersten Staatsanuall Baum- gard ein Artikel für den Boten übersandt worden sei, der Unrichtig- leiten enthalten und dazu haben dienen können, die Sache zu verdunkeln. Der Zeuge erklärte, baß er in zwei Punkten diesen Bericht nicht für richtig gehalten habe, namentlich nicht einen tassus, welcher sagte, daß die Untersuchung auch keine pur von Anhalt für die phantastischen und abenteuerlicken Geschichten bezüglich des Ritualmordes ergeben habe. Diesen Passus in dem Bericht habe er gestrichen, da nach den ihm ge- wordenen Miitheilungen die Blutlacke, die bei der Leiche ge- fünden worden, nicht den ganze» Blutverlust des Kindes dar- stellen konnte. Er wolle seinerseits keineswegs den Ersten Staats- anwalt den Vorwurf machen, daß er absichtlich die Unwahrheit berichtet habe. Er seinerseits hatte bis dahin in seinem Blatte die ganze Sache sehr zurückhaltend behandelt, auch noch gar keinen Namen genannt, so daß die einfachen Leute sich schon darüber aufhielten. Hätte er den von ihm ge- strichenen Passus stehen lassen, so würden die Leute gesagt haben: Na da sieht man es ja: selbst die Geistlichkeit nimmt in solcher Weise gegen die allgemeine Ansicht Partei. Tie Zuziehung des Oster durch den Untersuchungsrichter habe die Leute in Xanten, wie ihm von angesehenen Bürgern gesagt wurde, empört.— Auf Befragen des Landrichters Curtius erklärt der Zeuge: er sei noch nie in ähnlicher Weise zu einer Vor- Untersuchung zugezogen worden, wie hier der Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Ihm sei ähnliches von seinen Amtsbrüdern auch nicht bekannt. Bürgermeister Schieß aus Xanten weiß nichts von einen: Auftreten des Zeugen Baumgard gegen Mölders. Richtig sei es, daß man in Xanten manches über ungenügende Untersuchung und unzureichende Haussuchung gesprochen habe. Der Vorsitzende ist der Ansicht, daß der Zeuge als erster Polizeibeamter alle Veranlassung hatte, seinerseits die energischsten Untersuchungen anznstellen. Der Zeuge erklärt, daß nach seiner Ansicht seine Funktionen auf- hörte», sobald der Amtsrichte'- die Sache in die Hand nimmt. Der Zeuge bestätigt, daß man in Xanten vielfach über Er- schütlerung des Rechtsdewußlseins gesprochen. Bei der Ver- nehmung des Zeuge» Mölders vor dem Untersuchungsrichter sei ihm allerdings sehr aufgefallen, daß dieser dem Mölders habe vordemonstriren wollen, daß es doch ganz unmöglich sei, daß er von seinem Standpunkte aus das Hereinziehen des Knaben in dasBuschoff'sche Haus habe sehen können. Stachher habe sich heraus- gestellt, daß dies doch möglich sei. Dem Oberstaatsanwalt habe bei der persönlichen Vernehmung der Zeuge Mölders einen ganz glanbhasten Eindruck gemacht. Er selbst kenne Mölders als ruhigen arbeitsamen Mann, der nur hier und da'mal einen über den Durst trinke. Er verrnuihete, daß auf Grund dieser Mölders- schen Aussage doch vielleicht eine Mitthäterschaft oder Mitwissen- schaft des Buschoff erweisen und daraushin eine Verhaftung stattfinden könne. Daraus habe der Erste Staatsanwalt ge- antn ortet:„Nein, den Gefallen kann ich Ihnen nicht thun!"— Zeuge Baumgard stellt fest, daß er hinzu- gesetzt habe, er müsse erst darüber berichten. Dieses Berichten" erscheint dem Landrichter Curtius ausfällig. Es sei doch nicht zu erklären, daß der Erste Staatsanwalt nicht gewagt Hube, selbst die Voruntersuchung einzuleiten oder die Verhajluug z» dekreliren, sondern erst immer sich nach Berlin oder a» den Ober-Staatsanwalt wende.— Der Zeuge erwidert, daß er bei der Aufregung, die der ganze Fall erregte, es ihm doch sehr an- gemessen schien, sich stets mit dem Ober-Staatsanwalt ins Be- nehmen zu setzen. Im übrigen sei das doch Sache der inneren Disziplin. Er habe aus Grund der Zeitungsaugriffe gegen seine Person die Disziplinaruntersuchung gegen sich oder das Strafverfahren gegen die Zeitungen beantragt. Das Letztere sei erfolgt.— Ter Bürgermeister erklärt der Vertheidigung w:>ter, daß die Bevölkerung in Xanten friedlich und erst seil dem Prozeß eine antisemitische Strömung daselbst bemerkbar sei. Auf welche Motive dies zurückzuführen sei, wisse er nicht. Richtig sei es, daß die Aenßerung gefallen:„Wenn wir dea Jude» verhaften, dann giebt's eine Judenhetze." Wer diese Bemerkung gethan, wisse er nicht. Ebenso sei es richtig, daß man in Xanten pikirt darüber war, daß die Ver- Haftung so lange auf sich warten ließ.— Schließlich bestätigten die Zeugen Schieß und Baumgard, daß die Recherchen nach dem Mörder des Knaben Hegmann keinen Augenblick ruhen, sondern ununterbrochen fortgesetzt werden. Um Uhr wird die Sitzung aus Freitag 9 Uhr vertagt. Schluß auf, sich an der durch die Arbeiter- Sanitätskomnnsswn beabsichtigten Statistik über die Arbeits- und Schlaf- räume recht lebhaft zu betheiligen. In der folgenden Diskussion ermuntert F i s ch e r- Weimar die Berliner Kollegen mit kernigen Worten zu lebhafterer und thatkräftigerer Agilaiion, damit die Bäcker in den kleineren Orten sich ein Beispiel daran nehmen können. Hierauf erläutert Kollege Schlüter das Wesen der GenossenschaftSbäckerci und bespricht ausführlich die dort jüngst erfolgten Entlassungen einzelner Ar- beiier, ausführend, daß er dieselben als Maßregelungen betrachten müsse. Als Beweis hlerfür führt er ein Telephongespräch zwischm Lazarus und dem jetzigen Geschäslssührer Scholz an, bei dem Redner zufällig Zeuge gewesen sei und gehört haben will, wie Lazarus Scholz auigeforoert habe, den Kollegen Kretschmer zu entlassen. Er könne sich die Entlassungen nur dadurch erklären, daß dem Aussichtsralh und der Geschästsleitung eilizelne Personen im Wege waren. Die Geschästsleilung bezeichnet Redner als eine unsinnige und verkehrte. So sollen, wie behauptet wird. mehr Arode produzirt worden sein, wie konsumist werden konnten, weshalb es vorgekommen sei> daß l M.-Brote zu 25 Pf. und 50 Pf.-Brote zu 10 Pf. als ViehfuttS verkauft werden mußten. Auch halte er das aus fünf Personen bestehende Komptoirpersonal für überflüssig. In der lebhasten Debatte werden die Ausführungen Schlüter's bestätigt, theilweise auch abgeschwächt. Hierbei therlen Goßmann, Milde, Kretschmer, Pfeiffer und H e i» d o r f Einzelheiten mit, welche geeignet sein sollen, die Unfähigkeit der Ge- schäftsleitung und die behauptete Mißwirthschaft nach- zuweisen. Der Reichstags Abgeordnete Metzger- Hamburg er« klärt, entgegen den in Umlauf gesetzten Gerüchten, als stehe den erfolgte» Maßregelungen nahe, niemals weder mündlich noch schricklich mit dem Aussichtsralh und der Geschästsleitung der Ge- »ossenschastsbäckerei in Verbindung gestanden zu haben. Es wird beschlossen, die Angelegenheit der Berliner Streik-Konlrollkom- Mission zur Erledigung zu übergeben. Zum Schluß wurde eine gegen den Vorstand und Aussichtsralh gerichtete Resolution �ein- stimmig angenommen. Der Fachverein der Musikinstrumente»- Arbeiter fät de» Norde» Berlins hielt am 12. November eine Mitglieder- Versammlung ab, i» welcher Wolff über das Thema:„Wie stellt sich die Bourgeoisie zum Sozialismus"?" einen mit großem Interesse verfolgten Vortrag hielt. Nach Beendigung desselben wurde über die Musikiniirumenleiifabrik von Pietschmann u. Söhne eine Reihe Mitlheilungxn erstattet. Zum Schluß erging die Anst forderung an die Mitglieder, sich zahlreich an dem am 3. Weih- nachlslage erfolgenden Besuch der„Urania" zu beiheiligen. In einer öffentliche» Holzarbeitcr-Bersammlung hiett am Atontag Genosse 5i o o p m a n n einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über die Kämpfe der Ärbeilerorgani- satione!-, welchem sich eine lebhafte Dislnssion anschloß. Unter Verschiedenem wurden hierauf die Kollegen der Scheffler'schen Werkstatt aufgefordert, sich der Organisation anzuschließen, worauf die Versammlung vom Versammlung vom Vorsitzenden mit der Aufforderung geschlossen wurde, das Gehörte nach Kräften ag� tatarisch zu verwerthen. Nersn ittmUt nge». I» einer öffentlichen von 20U Personen besuchten Bäckerversammlung, die gestern Nachmittag bei Joel in der Andreasstraße stattfand, erstattete Kollege Kretschmer Bericht über die von der Reichskonnnission verausgabten Fragebogen. Tieselben sind, den Ausführungen des Redners zufolge, nur zum kleinsten Theil an die Arbeiter selbst verausgabt worden.— Zln- schließend an das von Krelschmar Vorgebrachte, stellte der Vor- sitzende fest, daß von den sämmtlichen in der Versammlung an- wesenden Bäckereiarbeitern der Fragebogen nur 4 Personen zugestellt worden ist. Dort wo dies geschehen, hätten die Unter- nehmer die Ausfüllung selbst übernommen, meistens seien die Formulare aber den Bäckermeister» zugestellt worden, ohne daß die Arbeiter hiervon Kenntniß erhalten hätten. Gegen die Art der Vcrtheilung der Fragebogen ist, wie Redner sich weiter äußert, seitens der Agilationskommission der Bäckereiarbeiter Protest an das Polizeipräsidium gerichtet worden. Eine Antwort ist von demselben hierauf nicht erfolgt. Redner fordert zum Dopesrheir. (B-olff'S Telegraphen-Bnrean.) Bern, 17. November. Der sozialdemokratische Nedaktestr Steck, welcher jüngst in den Berner Großen Rath gewählt worden ist, sollte heute vereidigt werden, erklärte jedoch, stink religiöse Ueberzcngung gestalte ihm nicht, den Eid zu leisten, könne nur ein Gelübde ablegen. Der Rath entschied sich»ää> längerer Berathung mit 134 gegen 40 Stimmen gegen die 3� lässigkeit eines bloßen Gelübdes. Steck erklärte, er werde bei der Bmidesbehörde Schutz suchen. (Depeschen des Bureau Herold.) Leipzig, 17. November. Das Reichsgericht hat die Nevisio» des Redakteurs Bellmann der antiscniischen„Westfälischen Reform zu Dortmund gegen das Urlheil des Landgerichts Dortmund vo»> 13. Juli 1892, welches denselben wegen Beleidigung des Ober- Landesgerichls.Präsidenlen zu Frankfurt a. M. und des dortigen Disziplinar-Gerichtshofes zu 0 Monaten Gesäugniß vernrtheilte- verworfen. Bellmann hatte diesen Parteilichkeil in der bekannte» Angelegenheit des Landrichters Liebmann vorgeworfen.., Hamburg, 17. November. Der amerikanische Vizckonsul Burke, bekannt durch seine Angriffe gegen die hiesige Polizei n» „Sun", ist abberufen worden. Hamburg, 17. Nooeniber. Wie verlautet, wird für Schifft Hamburgischer Provenienz die 20 tägige Quarantäne in nord- amerikanischen Häfen noch ein Jahr ausrecht erhallen werden. Kopenhagen, 17. November. Der Dampfer„Theresia" all- Flensburg ist gestern, aus England kommend, auf Björnskunve an der Westküste von Jüilano gestrandet. Nähere Nachrichte» fehlen noch. Dviefs, alten Vev Nedaltticur. W. Z., C. Tch., F. K. Ihr Eingesandt betreffs de- Referenten kann nur unter Mitveröffenllichung Ihres Namens publizirt werden. E>- Tp., Fulda. Die Beschwerde ist zunächst beim Landrath anzubringen. M. A. 22, Wollen Sie die Güte haben, uns die Anj«'9e einzusenden. Frau F. Guben. Ter Roman„Die Waffen nieder" ist'» Buchform erschienen und kostet geb. 8 At. Sozialisten■ HTSarsch Neu! fUp Zither erschien, sowie alle Arbeiterlieder auf Spieldosen zum Drehen und selbstspielend. 32901. Lag» iv än Mg-, Streich-«.Blasinsinliileilteil. Lausitzerstr. 51, Aug. Kesslet*} Lausitzerstr. 51, Instrumenten» Geschäft. Gottfried Schulz Adiniralstraße 40a(Ecke Kottbuser Thor) empfiehlt sein 32301. Citgarren- u» Ta back.Geschäft. aitFI.pl Spiegel- und Polsterwaaren, gttttze Wohmmgseinrichmllgen in Haha- Qoni und Nnsihanm, empfehlen � Gebr. Klink, sw., Friesenstrasse 21 SW. Bitte, lesen Sie! 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Ohi'e dieie dürfen nach dem in de» Rcichtlanden gillige» franzoflschen Gesetz pplitische Versammlungen nicht stallfinden. Die z' hl reichen Prolestversammlungen, welche am Dienstag Abend in F r a n k f n r t a. At. und Umgegend abgehallen winden, ?e>laltelen fich sämnillich zu großartige» Kundgebungen. Der Zudrang des PnbliknmS war so stark, daß die Polizei mehrere Säle absperren mußte. Geradezu plänzer d war die Bersaunntung '» Hausen besucht, wo uns sonst und zwar Jahre lang nicht Marien- faale, wo Reichsiaas- A> geordneter W. Schmidt reserirte, ge- taugke folgende Resolniioii zur Annahme: In Erwägung, daß der Mililarisnuis als ein Auswuchs der herrschenden kapitalistischen Wirlhschaftsweise. verbunden mit den adsvlutistischen, vvlts- und ireibeitsseindlichen Sirömungen, be- traä.tet»erden muß, der jede wahrdasle Klillnrenlii ickelnng hemmt, erklärt die heutige Volksversammlung die Noldwendizkeil der Un Wandlung der beslehendcn kapilalisiischen Protnklions- weise in die sonalislische, für und durch die Gesellschaft betriebene Prvtullion. Die Versammlung erklärt sich lerner entschieden Segen jede weilcre Verniehrung der Heere- last; sie verlangt die Al'schassung des slehendeu Heeres und die Errichtung der Volksivehr. Die in den übrigen sVersammlungen beschlossenen Resolutionen tauten in ähnlichem Sinne. «• . Bei der Ttadtverorduetmi-�rsahwahl in Gassen er- s'elie» uuskre Gei.osfeu einen schönen Ülchluiigeerfolg. Es wurden iur uns SO Stimmen abgegeben, während die vereinigten Gegner wcht mehr als 95 Slimmen ausbrachten.— Bei der Siadt- verordnetenwahl in Magdeburg- S n d en b urg bekamen wir 180 Stimmen, die Freisinnigen öbS, die Naiionalliberalen 41. Lm Jahre I8ö7, wo unsereiseils zum ersten Male an der Stadt- netenwahl theilgenommen wnrde, erhielten wir nur 19 St. Das Resultat ist also für uns günstig. Es würde aber ein noch weit besseres sein, wenn die Brlheiligung an der Wahl nicht eine ftyr starke Minorität gegen sich gehabt hätte, was, wie die„Volks- stimme�, erklärt, uubetingt enlmutdigend nuf die Wähler ge- �kt�hZ�. Von 2�48 eingeschriebenen Wählern stimmten nur « �» . Zu den Stadtverolduetrilwahle» in W a n d s b e ck stellte doriige Sozialdemokratische Verein zwei Kandidalen aus. Von der Agitation. Die Kieler Genossen vertheilten Soi niag lö uot) Ezemplare eines Flugblatles, in welchem aie Einwohner ansgesordert werden, bei der bevorstehenden Sladt- �ttordnelenwahl. für die Kandidalen«wserer Partei zu sümn'en. In Oberhausen bei Tiefen am Ammersee(Bayern) fand gm Sonntag eine Znsammenknust von 89—40 Landbewohnern natt, in welcher Geiivsse S ch in i» aus München die Benrebunge» miserer Partei schilderte. Nach dem Bericht der„Münchrner Poft" verspricht der Erfolg der Znsammcnkunft ein ausgezeichneter »U werden; die Bauern widerlegten selber den Scknlmeister, der w Verlrelung des Pfarrers gegen die Sozialdemokralie sprach.— Agitation in der sächsischen Lausitz, die von Bautzen betrieben wird, zeitigt ebenfalls schon gute Erfolge. Wie me„Sächsische Ardeiter- Zeitiuig' berichtet, kommen selbst aus » bre 5 Sliinden weit entleauien. weltfernen n entaschen Bauern- ®6Tfnn oft Leute nach Bautzen, um sich sozialdemokratische� «Ntuiigen und Broschüren zu holen. », Im Kreise ArnSwalde gehen die Wogen des Wahlkamples l�hr hoch. Unsere Venrfsen sowohl»vi« Freisinnige, National- werale, Antisemiten i.nb Konservative ballen ahvechselnd Ver» )»mmlungen ab. Die antisemilische Agitation ist natürlich von f w üblichen Raban begleitet. Daß vieler nicht fehlt, dafür !°sgen die Herren P ckendach-Berlin und Werner-Marburg. Das ruix dieser biederen Deutschlinge ist„Juden'raus l" und Jms vierte:„Goltene und rolhe Ji.ternalionale". Unsere Gc- motzen sind den A> liscmiten die mlaisten Gegner, weil sie ihnen Überall, wo es mkglich, die Wahrheit sagen� So neulich in Arns- walde, wo Pickei'bach in einer von 1909 Personen besuchten Ver- MMmlung ans Juden, Eozialkemokiaten und Freisinnige schimpfte Mio die Koi.fervaliven bestmöglich herausstrich. Genosse J7 sab er nack- Berlin und der Kandidat unserer Partei, Ge- vste Dt i l l r r g- Berlin. widerlegten die Piclciivach'sche �'Ibaterei irestend, was die Antisemiten selber an- Fmintf*, indem sie beiden die Redefreiheit schmälerten. Reetz, einer kleinen Sladt, ginge»»»isere Ge- Die Waffen nieder! 176 ®iiie Lebensgeschichle von Bertha von Suttner. Die letzte dieser Eintragungen ist folgender Brief, den ?l'i eine diesbezügliche Aufrage der Präsident der in London »reu Hauptsitz habenden Liga an mich geschrieben hat: Internationale Echiedsgerichts» und Friedensgesetlschaft. London 41, Onter Temple. im Jnli 1880. teiner Zeit in der Weltgeschichte stand die Sache des gWelenS so hoffnungsvoll wie heule. Es will scheinen, nun endlich die lange Nacht des Todlschiags und der P�slörung aufhören soll, und wir, die wir auf der Berges- SfU der Menschheit stehen, glauben, daß wir die erften prahlen des Himvielreichs auf Erden sehen. Es niag wstderbar tiingeu, daß wir dies zu eiiier Zeit sagen, da die wie nie zuvor mit bewast'nelen Blänner» angefiillt � und mit Schreckensmaschiuen, die zu ihrem stuchwürdigen jwerke bereitstehen;— aber wenn die Tinge zum schlnumsten Klangt sind, deginnen sie, sich zum bessern zu wenden. In . et That, der Ruin, den diese Niesenheere»lach sich ziehen, e�ugt allgenieine Konsternation hervor: und bald müsse» .« bedrückten Völker sich erheben und mit einer Stimme Lenkern zuruseu:„Reitet uns und rettet unsere Sucher vor der Hungersnoth, die«»S droht, wenn die nosien in eine antisemitische Versaunnluna und ver- thcillen daselbst Flugblätter st.r Millorg, worüber die Ami- semilen begreiflicher Weise äußerst rliigeinüthlich wurden. Zu i�rem Sainerze mußte» sie dann holen, daß die schrecklichen Rothen auch in den Hä> fern der Siadt Flugblätter vertheilt Hutten. I» F ri ed e v erg verüblen die Antisemiten folgenden ger»>a»isa>en Konp. Unter Benutzung der wirihschaslllche» Abhängigkeit der Arbeiter. Handiverker n. s. w. luden sie diese ein zu kliiil» Nack miltagekafiee nebst Knchcuesjen; nachdem die Ge- labeneu gegene» uno getrunken halten, kam man mit einer Liste, in welcher jeder Beiheiligte sich einzeichnen mußte, um Alitglied de- neuen antisemitische» Vereins zu werden. Außerdem balle iever 10 Pfennig abzuladen. Biels der solchermaßen ge- preßten Mitglieder sind schon wieder ausgetreten. Ale i» Fnedeberg und Umgegend verlaulcle, daß die Sazialdeinokralen eine Ver- sammlung mit Dr. Lütgenau als Reierenten abhalten wollten, gerieih alles in Aufruhr. Unsere Genossen hoffen, daß in Friede- berg diesmal mehr Smnmen für den sozialdemokratischen Kandi- daten adgegebe» werden, als im Jahre 1899, obwohl zu befürchten ist, daß bei der großen Abhängigkeit, in welcher die Arbeiter jenes Wahlkreises auch in gesellschaftlicher und politischer Hin- ficht leoen, mancher Arbeiter fürchten wird, sein Brot zu ver- lirren, wenn er i» der jetzigen Zeit des beispiellos elenden Ge- fchästsganges für unsere Partei stimmt. Jedenfalls werden unsere Genossen ihre ganze Kraft einsetzen, nur das Wahlrestlltat für uns so güpsiig wie möglich zu gestallen. In Dessau wird- eine an den Magistrat gerichtete Petition in Umlauf gebracht, in welcher die Zurückzahlung des Bürgerbriefgeldes an diejenigen Bürger verlangt ist, deren Wahlrecht ruht, weil sie nicht mehr den vorgeschriebenen Steuersatz zahlen können. Polizeiliches. Gerichtliches et. — Genosse Linxweiler, Redakteur her Elberfeld er „Freien Presse", hat ain Miltivoch nach sünsmonailicher Halt das dortige Gesängmß verlassen. — Wegen Jskraut- Beleidigung verurlbeilte die Biele- selber Etraskammer den Genossen K o b u s ch zu 80 SN. event. 6 Tagen Haft. — Ter Redakteur der M a g d e b u r ger„V o l k s st i m m e", Dr. Lux, wurde wegen Beleidigung der früheren Husaren Hobusch, Bock, Klasse» l»nd Linnekampf, früher in Stendal, zu 150 M. Geldstrafe verurlheilt. Es handelte sich um denselden Artikel, auf Grund dessen Tr. Tiederich-Tortmund ebenfalls ver- urlheilt worden ist. In dem Ailikel behauptete bekanntlich der Deserteur Hugo Acker, der Husar Opperniann sei von den oben- genannten vier Husaren brutal mißhandelt worden. und er. Acker, wolle wegen zu bejürchiender ähnlicher Behandlung den Tod in der Elbe suchen. Acker ist aber nicht in die Elbe ge- gangen, somern hat sich, wie schon neulich erwähnt, nach Schweden gefli chtet und beschwor dort, kommissarisch vernommen. daß seine Angaben richtig wären. Auch i» der Magdeburger Verhandlung beschwöre» aber drei der beleidigten Husaren, daß die Angabe» Acker's unwahr seien, und einer derselben, der jetzt beim Train in Hannover dienende Gefreite Hobusch beschwor sogar, daß bei der in Frage kommenden Schwadron des Wachtmeisters Anger- stein SV! iß hau dl»»gen überhaupt nicht vorgekommen feien. TerSchutz des 8>93(Währung berechtigter Jnieresse») wurde Dr. Lnx nicht ziigedilligt. Die„Volksstinime" macht zu dem Bericht über die VerhandtUlig folgende AliLlasiungen:„Das Urlheil mußte nach Lage der Sacke, sosern nicht K 198 in Betracht kam, in dieser Weise ausfallen, darin bestand kein Zweisel. Andererseils jedoch wollen wir mit unserer Ansicht nicht zurückhalten, daß wir dem Hugo Acker, der sich als guler Parteigenosse gerirle, eine solche hanebüchene Entstell», ig der Wahrheil nicht zutrauen, schon die Aussage des eine» Zeuge», daß bei seiner Schwadron SNißhand- lungen überhaupt nicht vorgekommen seien, macht uns stutzig. Aufgabe des Hugo Acker, sowie der Siendaler Genossen wird es nun fein, solche Thatsache» resp. solche glaubivürdige Zeugen aussindig zu macheii, welche die Auefsthrnngen des Hugo Acker bestäligen. Im Interesse des Acker selbst muß es liegen, sich von dem nunmehr auf ihm lastende» Vorwurf der wissentlichen Ver- lenmduug zu reinigen. Wenn er dazu nicht imstande ist. ist natürlich der Stab über ihn gebrochen." Sojiale Dlebevtlrfik. Ru die Vorstände resp. OrtSverwaltungen der freie» eingeschriebene» Hilfstasseu«erlinS und Umgegend k Da der Hamburger Verband, wohl infolge der Cholera, bisher ver- hindert war, in Aklion zu treten, ist den hier am Play befind- lichen freien Krankenkassen die Aufgabe gestellt, die örtlichen Ver- bindungen erst herzustelleu. Um diese' Aufgabe zu erledigen, iverden sämmtliche Vorstände«fp. Orlsverwaltniigei, zu einer am Sonnabend den 19. d. M., Abends 8 Uhr, bei Secseldt, Grenadierstr. 33, staltfindenden Besprechung freundlichst ein- Tinge so fortgehen; Rettet die Zivilisation und alle Er- ruilgenschafleu, welche in ihrem Namen von großen und weisen Männern vollbracht worden sind; reitet die Welt vor einem Rückfall in Barbarei, Raub und Schrecken. �„Welche Anzeichen gießt es, fragen Sie, daß solche bessere Zeilen herankommen Nun denn, frage ich als Euvidernng, ist nicht die üben in Paris stattgehabte Be- gegnnng der Teleairten von mehr als hundert Gesell- schaften behufs Erklärung iuterngtionaler Eintracht und Eiiisetznng eines Znstandes der Gerechtigkeit und Gesetzlich- keit au Stelle des Geivaltzustandcs ist dies nicht ein in der Geschichte noch nie dagewesenes Ereigniß? Haben wir da nicht Männer aus allen Nationen versammelt gesehen, die mit Begeisterung und E>iistlinn>igkeit praktische Vorschläge zu dem großen Ziele durchgearbeitet haben? Haben wir nicht auch— zum ersten Male i» der Geschichte— einen Kongreß von Parlamentsmitgliedern verschiedener Staaten gesehen, welche sich zu Euusteu von Verträgen erklärten, denen sich alle zivilisirlen Staaten auzuschließen hatten und durch welche sie sich verbindlich machten, die Schlichtung ihrer Streitigkeiten de,» Schiedsspruch eineS autoüsirten Tribunals zu überantworten, su�t ihre Zuflucht zu Massenmord zu nehmen. Ueberbies: Diese Parlamentarier haben sich verpflichtet, alljährlich in irgend einer europäische» Stadt zusammen- zutreten, um jeden zu Mißverständnifsen oder Konflikten Anlaß gebenden Fall zu untersuchen und ihren Einfluß auf die Sliegierungeu zu gunsten von gerechten und friedlichen Lösungen gellend zu niachen. Das find doch— dies muß der ärgste Pessimist auch. zugebe«— Anzeichen einer Zu- gelaben. Insbesondere richten wir diese Einkadung an die Vorstände der Kassen, welche ihren Beitritt schon bis Oktober zugesagt haßen. Es sind dies die Zentralkassen der Tischler, § nmburg; der Drechsler, Hamburg; der Maler, Hamburg; der apezirer, Hamburg; der Maurer, Altona; der Schneider, Braunschweig; der Tabakarbecker, Verden; der Schuhmacher, Oflenbach; der Dachdecker, Berlin; der Wirker und Weber, Ehemnitz; der Wagendauer, Gotha. Die Ortsverwaltiing der Zentral-Kranken- und Sterbekasss der Formstecher Deutschland?. I. A.: Heemaiin Keib, Vorsitzender. Aufruf au all« erbeiterfreundliche« Turner Deutschlands. � Turngeiiossen! Ans dem Turntag des Märkischen Ar eiter- Turnerbundes am 13. S-ptember in Berlin wurde aus Wunsch oer nord- und süddeutschen Delegirten der Antrag einslimmig angenommen, diesen Bund über ganz Deutschland auszudehnen� Um dieses Unternehmen in finanzieller Beziehung z» erleichtern' hat der Borstand obigen Bundes eine Broschüre herausgegeben' in welcher die Verhandluiigen über dessen Entstehen klar vo� Augen gejührt werden. Wir richten nun an jeden uns nahe. stehenden Genossen, die dringende Bitte, diese Broschüre nick� allein unter Turnern, sondern auch in anderen Vereinen, welch� sich mit den Arbeitern solidarisch erklären, z» verbreiten.®er Preis der Broschüre ist auf nur 5 Pf. festgesetzt. Zu beziehe� ist dieselbe durch den Vorsitzenden des Märkischen Arbeiter � Turnerbundes P. Müller, Brandenburg a. H., Bahnhojstr. 8' sowie durch die unten verzeichnelen Kommissionsmitgliever. Ferner ist zur Agitation und Erledigung der Vorarbeiten für den Bund auf dem Märkischen Arbeiter-Tnrnlag eine Koni- Mission von 10 Mitgliedern gewählt worden, welche die Agilalions- bezirke folgendermaßen vertheilt hat: Arnoio-Konstaiiz: Baden, Württemberg, Ober- und Nieder- Bayern, Elsaß-Lothringen, Rheinpfalz. Bloh-Brandenburg: Rheinland, Westfalen, Braunschweig, Hannover(südlich der Lünebnrger Haide). Fromm-Leipzlg, Schulze-Wnrzen: Königreich Sachsen. Gentz-Berlin: Oft- und Westpreußen, Posen, Hinterpommern. Krobne-Nowawes: Provinz Sachsen. Kröber-Gera: Thüringe», thüringische Staaten, Hessen. Paris-Vellen: Mecklenburg, Vorpommern. Plöse-Luckenwaloe: Brandenburg, Schlesien. QueUinalz-Ahrensburg; Hamburg, Lübeck, Bremen, Schleswig- Holstein, Oldenburg, Fmslauv, Hannover(nördlich der Lüne- vurger Haide). Vereine, welche dem Bunde beitreten wollen, werden gebeten, sich bei den obengenannten Milgliedern zu melden. Die Z e h n e r- K v in m i s s i o n. I. A.: Fr. Gentz, Berlin, Tresckowstraße 26a, llrbeiterbläiter werden um Abdruck gebeten. Arbeitereutlassnuaen, Lohnkürzungen, jeder Tag bringt darüber neue trübselige Meldungen. So sind zahlreiche Arbeiter auf dein Stahlwerk Eschiveiler-Au entlassen uoroe» und weitere Entlassungen sollen bevorstehen. Auf der Grube von der Heydt iin Saarrevier hat man die Gedinge um 20, 40 und 50 Pfennig die Tonne, je nach der Lage, herabgesetzt. Ferner wird berichtet, oaß auf der Bahnstrecke Boun-Euskirchen iast ein Dritiel der Bahnarbeiler entlassen wurde. Kurz, die Privaluniernehmer wie der Staat behandeln die Arbeiter nach einem und demsclven Rezept. 18 Ttuuveu täglich— von früh 6—12»nd Nachmittags von 2—9 Uyr— taut jetzt der fromme königliche Hochachbinder und konservative Landlags-Adgeorduele Gustav Fritzschein Leipzig seine Arbeiter schanzen, weil„die neuen gesetzliche» Be- ftimmangen die Sonniagsarveit in einer Weise erschweren", daß er sich„trotz Erlanbuiß daz." Strafe zuzieht, ferner, weil eS einer großen Anzahl der Arbeiter jenes Herrn„nicht paßt, Sonntaas zu arbeiien, und da. Gort sei Tank, noch so viel Arbeit im Hause ist, emige Ueberflunden zu machen". Herr Fritzsche ist so gülig, zu bemerken, daß der 13ftündige Arbeitstag „vorausuchtlich nur sehr kurze Zeit Bestand haben wird, da die allgemeine Geschäftslage eine sehr trübe zu werden verspricht"; er ersucht„deshalb" die Arbeiter in dem vom 17. Okrober dalirlen Schreiben, die neue Bestimmung„ge- rechterweise" anzuerkenuen und durch ihre Stamensunierschrifi zu bestalrge». Da es im System der Peivatwirihschaft liegt, daß der Unternehmer dem Konkurrenten kernen Aus trag gönnt, ist das Eritzsche'sche Verfahre» durchaus nichts Wunderdares. Die ozialpolitiker am grünen Tisch aber könne» daraus ersehen, daß die Einschränkung der Sonntagsarbeil sür die Arbeiler insofern tverlylos ist, als sie nicht durch einen gesetzlichen Normal-Aibeits- lag vor der Schädigung ihrer Gesnndheil geschützt sind, welche die Übermäßige Verlängerung des Arbeitstages durch Uebersivndeu naturgemäß mit sich brmgt. Die stinterpommerschen Bourgeois hegen hinsichtlich der Ausbeutung der weiblichen Amil- kraft ebensowenig Bedenken, wie ihre Kollegen im übrigen Deutschland. So wird in Stolp- münde, einem ca. 2999 Einwohner zählenden Hasenort, nach kniift, in welcher der Krieg als die verbrecherischste Thorheit betrachtet werden wird, welche die Mettschheitsgeschichte auf- zuweisen hat. Genehmigen Sic, gnädige Frau, die Versicherung meiner tiefsten Verehrung. Ihr ergebener Hodgson Pratt. Die interparlamentarische Koiifereuz. auf welche Hodgson Pratt anspielt— die erste dermalige Bersammlung, welche die Geschichte aufweist— ward von JuleS Simon präsidirt. Hier ein Bruchstück aus seiner Eröffnungsrede: Ich bin glück ich, in diesen Räumen die autorisirten Vertreter der Friedeiisfreunde verschiedener Nutiouen gegenwärtig zu sehen. Eine geivisse Anzahl hat sich eingefunden. ech wollte, es wäre eine Menge, oder ich wollte auch, die ahl wäre kleiner, aber es wäre dies, statt eines frei- willigen— ein offizieller diplomatischer Kongreß. Aber was wir nicht mit Gesetzeskraft verfügen können, dazu können »vir doch wirksam beitragen. Als Vertreter der verschiedenen Staaten können wir von der größten Gewalt, die es giebt — nämlich die Geivalt, die uns von unser» SWählern über- tragen ist— den vorkresftichsten Gebrauch machen. Sie sollen es wissen, meine Herren, die Majorität unseres Landes ist friedenssrenudUch. Lassen Sie mich denn in Uebereinstimmung mit den Franzosen Sie Alle aus tiefstem Herzensgründe willkoinmen heißen rc. w. Die bei dieser Konferenz anwesenden Mitglieder der dänischen, spanischen und italienischen Parlamente haben beschlossen, im Verlauf der nächsten Sessionen ihren be- tressenden Regierungen den Antrag aus Einsetzung inter« cuictijftuf)cu'uiici des Stetiiuer„Vlllksboten" die Ladunq säinmt- «che Dampfer und Segelschiffe durch Frauen gelöscht und wieder ein.elabcn. Nur zum Feststaueu der Ladung im Schiffsraum ��den Männer verwendet.„Die Frau erhält 15 Pfennige Ar- �itslohn pro Stunde; Arbeitszeit von Morgens 6 bis Abends " Uhr(10 Stunden). Nun wird häufig bis Nachts 12 Uhr gc- arbeitet, dann gicbt es für die Frauen 20 Psg. die Stunde. Tie Männer bekommen 30 Pfg. die Siunde, ohne Zulage nach Feier- abend. Da arbeiten nun Wittiven und verheiralhele Frauen und deren Ehemänner zusammen, auch Mädchen befinden sich in Menge dabei. Wenn nun 5—0 Schiffe im Hasen find, so werden zuerst die weiblichen Arbeiter verlangt, und allzuoft stehen die Männer iniibig; sie werden nicht zur Arbeit angenommen. Da kommt es oft vor. daß der Mann seine Ehesrau von ihrer zu- gewiesenen Arbeit ablöst und an ihrer Stelle weiter arbeitet, damit die Frau Mittag besorgen kann. In diesem Fall erhält er auch nur 15 Psg. die Stunde. Das find die schönen Zustande im gelobten Hinterpommem." Krankeukassentvese». Tie Zentral- Kranke»lasse der organisirlen Buchdrucker wird gemäß dein einstimmig gefaßten Beschlüsse der am Sonntag in Berlin stattgehabten Gencralversamntlnng am 1. Januar 1893 a n s g e l ö st. Tie Kranken- Unterstützung geht auf den Verband deutscher Buchdrucker über und hat danach nur den Charakter eines Znichnsses zu den Zwangskafsen. Die Hnngerpeitsche soll 43 Tabakarbeitern die bürgerliche Aloral einbläucn. welche, wie bereits gemeldet, in der Fabrik von Bracksieck und Brnggemann zu Langen- wedel die Arbeit einstellten, weil ihnen die geforderte 10 pro- zentige Lohnerhöhung abgeschlagen wurde. Der„Bremer Bürger- zeitung" ist ein Zirkular zugesandt worden, worin der Breiner Zigarrcnfabrikauten-Verein durch seinen Vorfitzenden F. L. Bier- mann die Mitglieder strikte aniveist, keinen der namhaft ge- machten 43 Streikenden i» Arbeit zu nehmen, eventuell sofort wieder zu entlaffen.— Es ist bezeichnend für den Klassen- rharalter des Staates, daß das Gesetz den Arbeiter nicht einmal vor derartigem ungeheuerlichen Unjug schützt, sondern es ihm im Gegentheil durch d»e politische Schmälerung der Koalitionsfreiheit auch noch erschivcrl ist, sich gegen die Uedergriffe der Unternehmer zu wehren. AuS Briinu wird der„Voss. Ztg." unterm 10. November berichtet: Die mehrere Hundert Personen umfiissende Aroeiter- schaft der Brünn-Königsfelder Maschinenfabrik Leder er und P o r g e s hat wegen der Ausnahme eines Werkstätteniugenieurs die Arbeit eingestellt. Der betreffende Ingenieur stand früher durch neun Jahre den Werkstätten der ersten Brünner Maschinenfabriks-Aktiengesellschaft vor. Heute vormittags hat in Königsfeld eine Vers ammlung der ausständigen Arbeiter statt- gefunden, in der eine sechsgliedrige Abordnung gewählt wurde, welche dein Firinachef die Beschwerden der Arbeiter gegen den Werlstätteningenienr vorzulegen hat. -pcovcoenee yaveit vte t e i g i e ß e r nach viermonat- Uchem Kampfe ihre Forderungen(neunstündige Arbeitszeit, 3 Tollars 50 Cents oder 14 M. pro Tag) durchgesetzt. In Bufsal.o haben in einer Fabrik für landwirthschastljche Maschine» 300 Eisengießer die Arbeit niedergelegt, weil man ihnen eine - zu drakonische Fabrikordming aufzwingen wollte. Der Streik der E i s e n ba h n a n g e st e l l ten Nordamerikas, von dem wirkürzlich meldeten, daß er wahrscheinlich bei Beginn der Weltausstellung «usbrechen werde, scheint schon jetzt in Fluß zu kommen. In D e n v e r(Kolorado) ist zwar der Streit der 350 Lokvmoliv- tführer beendet, dahingegen streiken in G a l v e st o n(Texas) die (Telegraphenbeaniten und in Kol u m b u s fämmttiche Bahn- angestellten. Bon St. Louis wird gemeldet, daß, wenn die t ordeningen der Weichensteller nicht bewilligt werden, der treik jedenfalls ein allgemeiner werden und sich über Chicago, Cindunali und Indianapolis erstrecken wird. Eine schwachbesuchte Versammlung der Metallarbeiter tagte am 8. Nvvbr. in Rixdorf. Lebhaft bedauert wurde der schwache Besuch und die Jutereffelosigkeit der Kollegen an den Organisationsbestrebungen; es mußte aus diesem Grunde von dem auf die Tagesordnung gesetzten Vortrag Abstand genommen werden. Als Vertrauensleute der Metallarbeiter Rixdorfs wurde» die Kollegen Krüger, Ziethenstr. 63, II, und I s a ck, Schön- weiderslr. 20, gewählt; diese sollen für Einberufung der Versammlungen sorgen, hierbei aber darauf achten, daß diese nicht wieder, wie geschehen, mit politischen Versammlungen an einem Tage abgehalten werden. In der am 10. November im Louisenstädlischen Konzerthause abgehaltenen beschließenden Versammlung wurde über die bei der Firma Gr aden w itz stattgefundene Arbeitseinstellung ver- handelt. Tie streikenden Kollegen legten zunächst die Gründe klar, welche sie zur Arbeitsniederlegung veranlaßt haben. Dem- nach sollen in Zwischenräumen Lohnabzüge stattfinden, auch soll die Behandlung, die der Werlsühm den Arbeitern zu theil werde» läßt, eine derartige sein, daß die Kollegen ein Weilerarbeilen mit demselben unter diesen obwaltenden Umständen für unmöglich erklärten und die Entfernung des betreffenden Meisters be- anspruchten. nationaler Schiedsgerichte vorzubringen. Die nächste inter- parlamentarische Konferenz soll in» Juli 1890 in London zusammentreten. Auch ein Fürstenmanifest findet sich in dem blauen Heft »- datirt März 1888— ein Manifest, auS welchem endlich — mit altem Herkommen brechend— statt des kriegerischen, ein friedlicher Grift hervorleuchtete. Aber der Edle, der mit dem Aufwand seiner letzten Kraft nach den» Szepter griff, daS er handhaben»vollte, als»vär's ein Palmenziveig — der blieb machtlos an das Schincrzenslager gefesselt, und nach kurzer Frist ivar Alles vorbei... Ob seil» Nachfolger— der begeisternngSglühende, der großes wollende— sich für das Friedensideal begeistern wird?? Nicht's ist unmöglich. -i«* „Mutter, willst Du übermorgen Deine Trauerkleidcr nicht ablegen?"' Mit diesen Worten tratfi heute Morgens Rudolf in mein Zimnler. Für übermorgen nämlich— 30. Juli 1889 — ist die Taufe seines erstgeborenen Sohnes al»gesetzt. „Nein, mein Kind," antwortete ich. „Aber bedenke, au einem solchen Freudenfeste wirst Du doch nicht traurig sein—»varum also das mlßere Zeichen der Trauer beibehalten?" „Und Du wirst doch nicht abergläubisch sein und fürchten, das schwarze Kleid der Großmutter könne dein Enkel Unglück bringen?" „Das wohl nicht— aber es stimmt nicht zu der umgebenden Fröhlichkeit. Hast Tu denn einen Eid ge- schworen?" Diese Angelegenheit hatte bereits den Vorsiand in zwei Sitzungen beschäftigt, derselbe konnte den Streik nicht für gerecht- fertigt anerkennen; aus diesem Grunde mußte die beschließende Bersamiiilling, weil beantragt, einberufen werden. Die Kollegen Gerisch, Kirmes und Neu mann, welche beauftragt ivaren, mit dein betreffenden Fabrikanten wegen dieses Streiks in Uiiterhaiidlnng zu treten, erstatteten hierüder Bericht. Auch die Versammlung konnte hiernach nicht den Ein- druck gewinnen, daß die Arbeitscinstelluiig eine gerechtfertigte zu nennen sei; den Kollegen wurde der größte Vorwurf darüber gemacht, daß sie betreffs der vorhandenen Differenzen den Vor- stand nicht vorher benachrichtiglen, es wäre dann, ivie ausgeführt wurde, wohl möglich gewesen, ein günstiges Resultat zu erzielen. Verschiedene, von den streikenden Kollegen angeführte Mißstände haben sich auch bei den Unterhandlungen mit dem Unternehmer als nicht stichhaltig herausgestellt und find auch von den Kol- legen, welche bei dieser Uiilerhandlnng zugegen waren, während derselben nicht weiter verlheidigt worden, sodaß die Kommission i» diesen Sachen absolut nichts zu thnn im stände war. Aus diesen Gründen lehnte die Versammlung den Antrag ab, die ausständigen Kollege» der Firma Gradenwitz zu unterstützen. Hierauf erklärten die streikende» Kollege», welche Mitglieder des Verbandes waren, ihren Austritt aus demselben. Zum Schluß wurde noch ein Antrag angenommen, daß sämmtliche Älnträge in Zukunft nur schriftlich eingereicht werde» dürfen. Eine öffentliche Versammlung der ZGlaSschleifer tagte am 9. d. M. Zinn Streik bei Otto Grund n. Co., welcher auf der Tagesordnung stand, nahm ein Kollege der Grund'schen Werk stelle das Wort, um nachzuweisen, daß' dieser Streik durch eine Lohnrednktion den Kollegen aufgezivnngen wurde; die vor einigen Wochen erkämpfte kleine Lohnerhöhung sei jetzt bei mäßigem Rückgang der Produktion schon wieder streitig gemacht worden. Nach lebhafter Diskussion wurde beschlossen, zwei Kollegen zu wählen, welche mit der Firma verhandeln sollten. Diese Verhandlung fand auch, wie wir hinzufügen, am Tage nach der Versammlung stall, blieb jedoch ohne Erfolg, denn die Kommission wurde mit schroffen Worten von der Firma ab- geiviesen. In einer öffentlichen Versammlung der im Ver- g o l d e r g e w e r b e beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen sprach am 13. November Kollege Boges über die bevorstehenden Telegirtemvahleu zu unserer Orts-Kranken- kaffe. Ter Redner beleuchtete die verschiedenen Mißstände der OrlSkaffen und des Gewerks-Krankenvereius. Es sei jetzt eine Bewegung im Gange, welche den Slustritl aus dem Gewerks- Kranleuverein und Einführung der freien Aerzlewahl zum Ziel habe. An und für sich sei dies ein gutes Vorhaben: es hätten sich bereits lO Kassen augeschlossen und von Neujahr ab würde» lOOO Aerzte uns zur Versügung stehen. Alleidiiigs werde vielfach behauptet, daß die Hilsskassen am vorlheilhastesten seien, trotzdem ihnen durch die neue Novelle die Exisieuzsähigkeil genommen sei. Zmeckmäßiger sei es nach allem, für die Verbesserung der Ortskasse einzutreieu. Es sei Pflicht der Versammelten, am 21. November nur solche Delegirte zu wählen, welche wirklich nnsere Interessen al» Ar- beiter vertreten ivürden. Ebenfalls müsse unser Standpunkt sein, die Beiträge selbst zu bezahlen, erst dann würden wir vollständige Macht über die Octskasje» erlange»; aus der Beitragspflicht der Prinzipale könnten diese auch leicht das Recht der Bevormundung herleiie». Unsere Pflicht sei es fortzuwirken, dann werde mit der Zeit auch der Gewerts-Krankenverein stürzen. An der Diskussion be- theiliglen sich die Herren Cramer, Höpfner und Sprenger; die- selben ivaren sämmtlich der Ansicht, daß eine rege Agitation zu der am 21. November slattsiiideiideu Telegirteinvahl betrieben werden müsse, damit wir siegreich die wirklichen Vertreter unserer Interesse» duichbringen kömilen und uns nicht von reallionäreii Elemente« bevounuiiden zu lassen brauchen. Wenn ein jeder seine Pflicht thue, dann sei der Sieg unser. K«z«lklnd Alnterrck. Jede« Freitag, SlbenbS S1,: Uhr, ttn Klubhaus TüdoU. Arbiitr?-Ki>d»ng»sch,>l». Freilaa, Abends von 8?;— lvzz Uhr: Süd- D lb u i e, Hagels beroerftr. s«: Nnlerrich! t» Buchführung ldoppelle): oberes Rechnen. Süd-Ostüch ule, Retchcnbirgerflr. IZZ: Deuifch(unlere«): Ma- lhemalil»nd malhenialiichc Eeographie. Oft-Schul», Mallusstrahe 3i: Unlemchl in welchtchle(neue). Nvrd-Echule, Müllerstrafte irso Umer- rlchi in Teullch(unteres); Bhnfiologic. In alle Fächer, rönnen Schüler und Schülerinnen, auch jehl im vauf« des Semesters, etnirele». jese- und Zlialiutirlilnd». Freitag. NariMarr, Abends»)( Uhr, bei Grube, Mariendorferiir. lo.— Weste», bei Hmnerle, Bülowstr. 89. —..Hi Ol ja r b e t i e r". Abends«?j Uhr im Lolale des Herrn Pelerson, Bei« anenür. ra. Arbeiter Kiingerl»,,,» �ierli»» und Zlnigegenb. Freitag. Neduiigs- stunde Abends» Uhr. Ausnahme von Milgiiedern. Kaifer'scher Mannerchor, Schönhauser Allee»8, bei«uhlmen.— Nord, Berg- strafte«8, bei»eller.— Vorwärts i, S.O. Adalbsrtstr. 21, bei Roll.— st»mm er'scher«Iesangoerein, van gestraft« SS, bet Tempel.— Buch- Kinder- Männerchvr Berlins. Alle Jatobstrafte o», bei A. Richter — Maiplölichen, Hochstr. 320, bet- Wille.— Aemüthltchleil Putzer), Seydeliir. so.— I r i S, Naunpnstr. SS, bei gubell.—. Palme, in B.ilen. bet Schröder.— Blaue Schlelfe, in Lanloiv, Mühtenstr. 2«, dei Slöhr.— M orgen roth«, Köpenicl, Müggelbeimerstr. s bei Held.— Wahrheit, An der Zwölf-Apostellirche 7b', bet Frainke.— Karlhaus- scher> Übe, Berliner Bockbrnuerei.— Quariellverei» Wedding, Abends»¥ Uhr, bei Könift, Serich'.sstrafte 37.— Männerchor Waldesrauschen, Abend 9 Uhr, bei Weigt, Marsgrasenstv. 87.— Privat- Thcaterverein Eres cendo, Abends 9 Uhr, dei Schulz, Putibuserftr. 33.— M ustkveveiu Tusch, Freilafl Abend 9 Uhr, Reflau. ant Rebeltn, Lanze- strafte los.— B u ch dt» d er-Mä n n c r ch or, Abends» Uhr, Restaurant Richter, Alle Zatobiir. es.— MuNk-Dllettantcnverein„Tonika", Abends »)( Uhr bei Schenk,»rautstr. s», U-bnngsslunde. Berliner Turn ge n o sse n s cha st. Die erste Männerabiheilunz turn» Freitag und Diensiag Abend von Sj— lOlj Uhr tn der Turnhallt de» Lesstnz-Glnnuastums Panlstr. o— id.— Turnverein Gesundbrunnen die I. Männer-Abchtiluna turnt heule Avend von sjj— loij Uhr tn der Tun«» Halle des Lessing-GtimnasiuiilS, Panlstr. 9— 10. Bergnügungsverein Gspcrance, Abends 9Nhr, Roieulhalerftr. II—>2, im Restaurant.— Lergnügungivercin Beilchen, Abend 9�»Ihr, be! Braun», Oranienstr. Iii p.— Geftlliger Arbetlerverei» Grap h i a, Ab.ndS»i Nhk, Alte Zaiobstr. 128 lLogcnhaus).— Unterhallungsklub Schiller, jeden Freitag Abend 8 Uhr im Restaurant Holzbächer, Treilestr. 8.— SkaUluh Grand. Jeden Freitag, Abends s/j Uhr, bet Huvrich, Lüdbenerstr. iü. TngUsI, Convei-satioiisI Club Shakespeare- Meeting every Friday at 9 p. m. at Bebreas Bestaurant Künigstr. 62, Cuests are welcome. Spvcckzsnal. Sie Redaktion stellt die Benutznng"e» Spi-chsaal«,.soweit»er Raum dasü» abzugeben ist, dem Publikum zur Belprechjmg von A.'geiegcnhciien allgemeinelt JnlerefseS zur Bersiigung; sie wahrt sich aber gleiltzzetttg dagegen, mit bei» Inhalt dcsielben identtsizirt zu werben. Berichtigung. Bezugnehmend auf den in Nr. 265 des„Vorwärts" an die Dachdecker Berlins gerichteten Ausruf sehen wir uns veranlaß» darauf hinzuweisen, daß der betr. Einsender nnsere Namen ohne unser Vorwissen unter diesen Aufruf gesetzt hat. Zu dem Inhalt selber haben mir zu berichtigen, daß der jDachdecker Mehrlein gar nicht als Kandidat zum Geiverbegericht ausgestellt worden ist,' derselbe ist vielmehr nur Mitglied der Agitatioiislommisslon zum Geiverbegericht. Im übrigen thäte der Einsender gut, zu der- an igen Tingen nicht wieder die Namen anderer Kollege» z» mißbrauchen. Hermann L e b o ck, Gr. Frankfurterstr. 12S. Albert Petets, Staunynslr. 5. Literarisches. »Für die Tonntagsruhe". Die Handlungsgehilfen und Gewerbetreibende» werden auf diese, bereits in zweiler Auflage im Berlage der.Volksstimme" Burgstädt(Sachsen) erschienene Broschüre aufmerksam gemacht. Es wird darin die Anlioort ans die für Einschränkung der Sonntagsruhe betriebene Agitation gegeben. Die 32 Seile» starke Broschüre ist zum Preise von 10 Pf. durch die Expedition des„Vorwärts" zu beziehen. Bei der Redaktion eingegangene Schriften: Alldeutschland in Wort und Bild. Von August Tri» ins. 3. und 4. Heft Berlin. Dümmln's Berlage buchhandlung. Berliner Polizei und Verbrecherthnm. Von Pani Lindenberg. Lnpzig, Verlag von Philipp Sieklam jun. Vevlitislftkes. Alle guten Dinge sind drei. Einen neuen Bazillus, sink neue Krankheit und endlich auch«in neues Heilmittel hat Vit vergangene Woche der ärztlichen Well gebracht. Wie wir der „Aerzllichen Rundschau" entnehmen, glaubt Trr. Ritter in BerlM den Bazillus, oder vielmehr Diplokokkus des Keuchhustens Oectt zn haben. Derselbe soll sich bei allen diesbezügllchen Kranken finden»ndkulturfähigsein. Die»eueKrankheitheißtErythromelalg>e- Sie besteht in höchst schmerzhafter Schwellung und Röthuus der Hände bei Personen der mittleren Jahre und kroyl vorläufig jeder Behandlung. Das neue Heilmittel heißt Losophon, ist ein' toiuplizirte Jodverbindung, und wird bei aiisteckenden Haulkraiw heilen sehr gerühmt, namentlich bei solchen, die mit starkem reiz einhergchen. Erdbeben. Neapel, 17. November. Heftige Erdstöße habeo heute Alorgeu wiederholt hier stattgefunden. Tie Einwohner fi� geflüchtet und karnpiren, von alle», entblößt, auf de» Felders- Tie Noth ist groß. Explosion. Bautzen, 17. November. Zwei Pnlverhäusts der sächsischen Pulversabrik-Aktiengesellschaft sind in die Liis' geflogen. Drei Arbeiter find dabei verunglückt. Vriefs» asten der Liedalikion. Nr. 11. Da die zu zweit gelieserlen Fenster Ihrer eigenes Angabe noch eiwas kleiner waren, als die ersten, so müssen®' den für die eisten Ihnen bewilligten Preis entsprechend ermäßige»' Um wie viel?, das können wir, als nicht sachverständig stj Glaserarbeilen, nicht wissen. Für die Klage ist das hiesige ÄM� gerichl I zuständig. warst Tu zur Zeit des bosnischen Feldznges noch n»#' wehrpflichtigen Atters— nur dann hätte ich mein Buch � verlängern müffen. Doch so wie es ist, war es sch"' schmerzlich genug zu schreiben." „Und wohl auch— zu lesen..' bemerkte Rudoist in der Handschrift blätternd. »Das hoffe ich. Wenn dieser Schmerz nur in einigt Herze« thatkräftigen Abscheu gegen die Quelle des hier schilderten Unglücks weckt, so iverde ich nicht vergebens lsiw» gequält haben." »Hast Du aber auch alle Seiten der Frage beleuchtet alle Argumente erschöpft, den Wurzelkomplex des Kriegs geistes analysirt, die wissenschaftlichen Grundlagen genügt' aufgebaut? Hast Du—" Mein Lieber, wo denkst Du hin? Ich habe ja •<.(vvvv/«VW wtiV|S Mfa»»/»»»•«�vtw j,">. sagen können, was sich in meine m Leben— in rnein� beschräuklen Erfahrungs- und Empfindungskreisen abgesp'�z Alle Seiten der Frage beleuchtet? Gewiß nicht! Was sve>« ich z. B.— ich, die Reiche, Hochgestellte— von den Leid� die der Krieg über die Masseil des Volkes verhängt? w, kenne ich von den Plagen und bösen Einflüssen des K a s e r n e n l e b e n s? Und die wissenschaftlichen Gruü_ lagen? Wie komme ich dazu, in ökoiiomlsch-sozialen Frag� bewandert zu sein, uiid diese sind es— so viel weiß � nur— welche schließlich olle Umbildungen bestimmen Seine Geschichte des vergangenen und zukünftigen Pöstt � rechts stelle» diese Blätter dar— eine Lebensgesch� nur." (Fortsetzung folgt.) Veramworrlicher Revakieur: Slugust EuderS in Berlin Druck und Verlag von Max Baviug in Berlin SW., Beuthftraße 2.