Mr. 288. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando i Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nimmer Big. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Big. Poſt. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat, Eingetragen in die Post- Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Quremburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericciot täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Geträgt für die fechsgespaltene Rolonel. Beile oder deren Raum 50 Pig., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ., Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf ftellen- Anzeigen das erste Wort 10 Big., jedes weitere Bort 5 Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm Adresse: ..Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.. Fernsprecher: Amt IV. 9r. 1983. Eisenbahntarifreform. Die feit zwei Jahren von den deutschen Bundesregierungen gepflogenen Verhandlungen über eine gemeinsame Reform der Personen und Gepäcktarife haben endlich zu einem Einverständnis geführt erfreulicherweise", wie der Reichsanzeiger" in seiner Mitteilung des Ergebnisses meint. Dienstag, den 11. Dezember 1906. Ein anderes Beispiel: Die Rückfahrkarte dritter Klasse nach Hannover- Köln tostet ohne Steuer 38,90 m. die Hin und Rückfahrt: Zwei Karten a 19,80 m. Zwei Schnellzugszuschläge a 1 M. Zweimal Gepäcgebühr a 3 M. Aachen Künftig 39,80 M. 2, 6, 47,80 " " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Nach ihrer Aeußerung im Reichsanzeiger" ist die Regieüber rung, da die Vorarbeiten zur Durchführung der gefaßten Bekostet schlüsse von den Eisenbahnverwaltungen soweit gefördert worden sind, der Hoffnung, daß bereits am 1. Mai 1907 die neuen Tarife in Kraft treten können. Leider ist in Anbetracht der Zusammensetzung des preußischen Dreiklassenparlaments kaum darauf zu rechnen, daß diese Karikatur einer Volksbertretung gegen die geplante Verkehrserschwerungsreform ernsthaft opponieren wird. Macht doch der Tarif der Verkehrsfeindlichkeit der protestantischen und katholischen Agrarier be" Die Fahrt erhöht sich also um 22 Prozent. Die Ermäßigung der bisherigen Preise für einfache Fahr Vom Standpunkt des Eisenbahnfistalismus hat diese Bezeich- karten wird also durch die Verteuerung der Rückfahrten reich- trächtliche Zugeständnisse; nur die Erhöhung der Fahrpreise nung ihre entschiedene Berechtigung, denn dem preußischen lich wieder eingebracht. Das ist auch der Grund, weshalb die erster Klasse dürfte allenfalls den Mißmut der agrarischen Eisenbahnministerium ist es bei den Verhandlungen nach Regierung nicht auf die Zuschläge für die Schnellzüge verzichten Volksvertreter" herausfordern. Wenn nicht die süddeutschen langen Bemühungen gelungen, die deutschen Regierungen will, obgleich diese im ganzen nicht teurer fahren, als Personen- Landtage noch sehr energisch protestieren, dürfte uns das für ihre Reformpläne zu gewinnen und den bom Minister Budde am 1. Juli vorigen Jahres herausgerech- züge; also der Verwaltung keine Mehrkosten verursachen. Betriebs- nächste Jahr zu der erst vor wenigen Monaten in Kraft geneten Einnahmeausfall von 15 Millionen Mart zu vermeiden. technisch begründet allerdings die Eisenbahnverwaltung die Zu- tretenen Fahrtartensteuer noch einige höchst lästige weitere VerDagegen erscheint es vom Standpunkt des reisenden Publikums schläge damit, daß, wenn die Fahrten für Schnellzüge nicht mehr tehrserschwerungen und-verteuerungen bescheren. aus höchst fraglich, ob das Ergebnis der Verhandlungen als tosten als für Personenzüge, auch im Lokalverkehr hauptsäch lich die Schnellzüge benutzt werden würden. Um dies zu vererfreulich" bezeichnet werden darf; denn die vom„ Reichs hüten und die Schnellzüge vom Lokalverkehr rein zu halten, anzeiger" mitgeteilten Bestimmungen bestätigen fast vollständig seien die Zuschläge unentbehrlich. Indes sind das nur die Meldungen, die über die Vereinbarungen seit Monaten in seien die Zuschläge unentbehrlich. Ausreden. Es läßt sich sehr wohl auch durch betriebsdie Deffentlichkeit gedrungen sind. Die geplante Zarifregelung" technische Maßnahmen eine ftrenge Sonderung zwischen dem ist danach das Gegenteil einer wirklichen, modernen Grundsäßen Lokal- und Fernverkehr erreichen, indem man zum Beispiel gesetzgeberische Tätigkeit Stolypins von der einen Jdee geleitet wird: Rechnung tragenden Verkehrsreform. Die fiskalischen Erwägungen die Schnellzüge nur an Hauptstationen halten läßt und neben eine den Wünschen der Regierung gefügige Duma zu schaffen. Nach und Rücksichten haben auf der ganzen Linie gefiegt. Die den Bummelzügen für den Nahverkehr beschleunigte Personen- einer ganzen Reihe von Gesetzen, die den Zwed hatten, die Bauern viel gepriesene Vereinheitlichung und Gleichgestaltung der Tarife soll von einem großen Teil des Publikums mit züge einlegt. Das Hauptmotiv ist doch nur, jeden Einnahme- 3u gewinnen, ist nun die Regierung mit zwei Gesezen an die DeffentVerteuerungen und Erschwerungen des Reisens erkauft ausfall zu vermeiden und, soweit möglich, noch höhere Ueber- lichkeit getreten, durch welche die für den Ausfall der städtischen werden. Nicht die Förderung des Verkehrs, sondern die schüsse wie bislang aus dem Eisenbahnbetrieb herauszuholen. Wahlen besonders wichtigen Elemente, die HandlungsDie Schnellzugszuschläge sollen betragen: Bermehrung der ohnehin schon bedeutenden Einnahmen der preußischen Staatstasse aus den Staatseisenbahnen war das Leitende Prinzip der Verhandlungen. Der wichtigste Beschluß ist, daß fünftig die Rückfahrtarte ganz wegfällt. Es gibt, falls die Tarifreform Gesetz wird, künftig abgesehen von den Sonder, Ferienbis 75 Kilometer in 1. und 2. Klaffe, 50 Pf. " 76 75 150 " " " " " 76 150 3. 1. 3. 25 " 2. 100 " " P " 50 " " " " über 150 " # 1. 2. 200 " " 150 3. 100 " " " Die russische Revolution. Die Arbeitergesetzgebung des Herrn Stolypin. Wir haben schon mehrmals darauf hingewiesen, daß die ganze gehülfen und die Handwerker, gefödert werden sollen. Durch den allerhöchsten Ukas vom 28. November wird nämlich bestimmt, daß die Arbeit in den Gewerbebetrieben an gewöhnlichen Tagen nicht länger als 12 und an einigen Tagen, die durch besondere Bestimmungen festgelegt sind und deren Zahl nicht weniger als 40 im Laufe des Jahres beträgt, nicht länger als 14 Stunden dauern soll! Eine Ausnahme bilden die und Sonntagsfahrtarten und den zusammenstellbaren Fahr- Bezüglich des Gepäcs hat sich die Eisenbahnverwaltung Restaurants und die Privatbadeanstalten, die 15 Stunden geöffnet scheinheften nur noch einfache Fahrkarten, für die sich im zu einer weiteren Ermäßigung der Grundtare bequemt. Schon sein dürfen. An Sonntagen und an den hohen Festtagen müſſen ganzen der Preis auf ungefähr die Hälfte der jezigen Rüd ihr vorjähriger Vorschlag, 0,25 M. für je 25 Kilogramm auf alle Betriebe gänzlich geschlossen sein; ausgenommen sind die fahrkartenpreise ftellt, und zwar soll berechnet werden für 25 Stilometer Entfernung, bedeutete eine Herabsetzung der Büfetts, Hotels und Gasthäuser. jeden Kilometer( 72 Kilometer= 1 Meile): Grundtage um ungefähr 20 Prozent. Inzwischen hat sie sich Durch einen zweiten Utas vom 28. November wird bestimmt, I. Klasse " III. II. niedrigste Klasse( IV oder in Bayern, rechts des Rheins, und Baden- III b). 7 Pf. 4,5 3 2 W Die fünftigen Fahrpreise, werden sich demnach im Vergleich zu den jezigen einfachen Fahrkarten für Personenzüge, soweit die drei ersten Klassen in Betracht kommen, wesentlich billiger stellen. Nämlich für die erste Klasse um 122, für die zweite und dritte Klasse um 25 Pf. Die vierte Klasse geht bei der Reform gemäß den Grundsäzen des preußischen Eisenbahnfiskalismus völlig leer aus. Für sie, die fast aus schließlich von der Arbeiterklasse und der ärmeren Landbevölkerung benutzt wird, gibt es teine Ermäßigung. Der bisherige Einheitssag von 2 Pf. pro Kilometer bleibt bestehen, und auch sonst finden keine Veränderungen statt. Die vierte Klasse scheidet also vollständig aus der ganzen Reform aus. noch zu einer weiteren Reduktion der Tariffage bestimmen laffen; denn nach der Meldung des Reichsanzeiger" soll die Gepäckfracht für Sendungen im Gewicht bis vier Zentner betragen: Auf Entfernungen von ( Bonen) Nahzone 1 bis 25 km 26 50 100 für je angefangene 25 kg M. 0,20 0,25 " II. 51 101 0,50 " " 150 0,75 " # IV. 151 200 1,00 " " V. 201 VI. 251 VII. 301 350 400 VIII. 351 IX. 401 450 250 " " 300 1,25 1,50 " " 1,75 " " " " 2,00 2,25 " " X. 451 XI. 501 XII. 601 XIII. 701 XIV. über 800 500 2,50 " " 600 3,00 IP " 700 " " 4,50 800 4,00 " " 5,00 " daß die Arbeitsdauer für Handwerker nicht mehr als 12 Stunden betragen soll( zwei Stunden als Eßpausen mit einbegriffen); auch hier find vierzig besondere Tage ausgenommen, an denen die Arbeitszeit auf 14 Stunden ausgedehnt werden darf. Auf befondere Vereinbarung und für besonderen Lohn kann die Arbeitsdauer für Handwerker noch um 2 Stunden erhöht werden!! Für bie Handwerker wird ebenso wie für die Handlungsgehülfen, die Sonntagsruhe eingeführt. Beide Gesetze frappieren durch ihre- Zwecklosigkeit. Wir wollen schon gar nicht davon sprechen, daß das Gesetz vom 28. November 1906, das die Arbeitsdauer für die Handwerker festsetzt, nur das wiederholt, was schon vor mehr als 100 Jahren unter der Kaiserin Katharina II. festgesezt und nur dank der in Rußland herrschenden Rechtlosigkeit fortwährend übertreten worden ist! Es ist bekannt, daß der Jüdische Arbeiterbund in seinem Kampfe um die Verminderung der Arbeitszeit sich Ende der neunziger Jahre eben auf dieses Gefeß Katharinas II. stüßte. Im übrigen sanktionieren die beiden Gefeße einerseits bloß diejenigen Arbeitsbedingungen, Diejenigen Reisenden, die nur einfache Fahrkarten bewelche die Handwerker und Handlungsgehülfen bereits aus nußen, fahren demnach fünftig billiger als jetzt. Dafür aber eigener Macht dank ihren gewerkschaftlichen Organisationen im letzten stellt sich die Eisenbahnfahrt für alle, die bisher RückfahrJahre érrungen haben( Arbeitstag, Sonntagsruhe), andererseits aber farten benutzten teurer und nach dem eigenen Geständnis fogar( UeberFür schwereres Gepäck, das auf eine Fahrkarte aufgegeben wird, berschlechtern sie diese Arbeitsbedingungen des früheren Eisenbahnministers Budde find bisher ungefähr kommen dieselben Säge mit der Maßgabe zur Anwendung, daß stunden!). So sei z. B. darauf hingewiesen, daß die Bäcker in 80 Broz. der Personentilometer, d. h. der alljährlich von den das 200 Kilogramm übersteigende Gewicht doppelt zu rechnen ist. Petersburg die 9½ stündige, die Schuhmacher die 10 stündige Passagieren zurückgelegten Streckenlänge, mit Rückfahrkarten Diese Ermäßigung ist recht anerkenneswert; für den und die Drucker die 9 stündige Arbeitszeit errungen haben. gefahren worden. Bei flüchtiger Betrachtung scheint sich aller- Fortfall des Freigepäcks vermag sie aber nicht zu entschädigen. Die Handlungsgehülfen in Petersburg führen jetzt dings der Fahrpreis für die dritte und zweite Klasse nicht zu ebenfalls hätte, falls aus Rücksicht auf die süddeutschen energischen Kampf für die 10 stündige Arbeitszeit, und sie haben verteuern, denn auch bisher wurden bei Rückfahrkarten die Staaten die freie Beförderung eines gewiffen Gepäckgewichts Aussichten auf Erfolg. Die Fortschritte der Handwerker und der einzelne Strecke für die zweite Klasse mit 4,5 Pf., für die sich nicht aufrecht erhalten ließ, dafür als Entschädigung eine Handlungsgehülfen in der Provinz sind noch größer. Die dritte mit 3 Pf. pro Kilometer berechnet. Aber bisher Ermäßigung der Fahrkartenpreise eintreten müssen. Die neue Sonntagsruhe haben sich die Handlungsgehülfen fast in ganz Rußkonnten die Reisenden für diesen Preis auch die Schnelle Bestimmung wird lediglich zur Folge haben, daß die Abteile land schon im vorigen Herbst errungen! und, wenigstens züge benußen gilt das für Norddeutschland, einen halben Zentner Freigepäck am Schalter noch mehr als schon jetzt mit schwerem Handgepäck überfüllt aufgeben. Dagegen soll fünftig der Reisende, der Schnellzüge Die Ausgabe von zusammenstellbaren Fahrscheinheften, benutzt, dafür Schnellzugszuschläge bezahlen, und eigent- von Monat, Schüler- und Arbeiterfarten, ferner von Sonder, liches Freigepäck gibt es nicht mehr. Für das Ferien- und Sonntagsrückfahrkarten bleibt bestehen. In der Gepäck, das der Reiſende nicht mit in sein Abteil nimmt, muß darauf bezüglichen Mitteilung des Reichsanzeigers" heißt es: er bezahlen. Schon dadurch wird in vielen Fällen die Fahrt berteuert. Außerdem aber kostete bisher keineswegs auf allen Streden die Rückfahrkarte genau um die Hälfte mehr als eine einfache Fahrkarte. Dafür nur zwei Beispiele. Die Strecke von Berlin nach Köln über Hannover Oberhausen beträgt 589 Kilometer, hin und zurück also 1178 Stilometer. Die Rüdfahrkarte dritter Klasse kostete bisher( ohne Fahrfartensteuer, die hier aus der Berechnung bleiben kann, da sie auch künftig erhoben wird,) 34,80 M. Für diesen Preis fonnte der Reisende auch die Schnellzüge benußen und 25 Kilogramm Freigepäd mit sich führen. Stünftig wird sich der Preis folgendermaßen stellen: Zwei Fahrkarten a 17,70 35,40 m. Zwei Schnellzugszuschläge a 1 M.= 2,-, Zweimal Gepäckgebühr a 3 M. 6, 43,40 M. " Die Reisekosten werden sich also um 25 Proz. höher stellen, als bisher. werden. a) " 1 Allgemeine Ausnahmefäße. Zusammenstellbare Fahrscheinhefte des Vereinsreiseverkehrs. Kilometrische Einheitsfäße: I. Slaffe 7,3 Bf. und Arbeiterfarten. II. " III. 4,8 3,2 " " " 1 Wenn man in Betracht zieht, daß gleichzeitig mit der Schaffung der Gesetze vom 28. November die Regierung Stolypins einen energischen Kampf gegen die gewerkschaftlichen Organisationen führt und daß die Kontrolle über die Einhaltung der Geseze den Polizeiorganen und Stadtverwaltungen übertragen worden ist. welche letzteren sich in den Händen der Kaufleute und Arbeitgeber befinden, so wird es ohne weiteres flar, daß die Geseze vom 28. Nobember weit eher den Arbeitgebern als Mittel in ihrem Stampfe gegen die übermäßigen" Forderungen ihrer Angestellten und Arbeiter als zum Schuße der Interessen dieser letzteren dienen werden. Die Fahrscheinhefte berechtigen zur Benutzung aller Züge. Ebensowenig wie die Bauern wird die Gesetzgebung Stolypins b) Ermäßigte Preise für Kinder und für Monats-, Schüler- die Handwerker und Handlungsgehülfen täuschen können. Sie wird c) Fahrpreisvergünstigungen im Anschlusse an die bestehenden fie nur dazu dazu treiben, daß sie sich noch fester um ihre gewerkVerhältnisse für Ausflüge zu wissenschaftlichen und belehrenden fchaftlichen Organisationen scharen und im bevorstehenden WahlSweden, für Schulfahrten und Ferienkolonien, zu milden Zweden usw. tampfe ihre Stimmen für diejenigen abgeben, welche zur ( vgl. die Zusatzbestimmungen des Deutschen Eisenbahn- Berfonen Schaffung solcher politischen Bedingungen beitragen werden, ohne und Gepädtarifs, Teil I, zu§ 11 der Eisenbahnverkehrsordnung.) die sich eine wahre Arbeiterschutzgebung nicht denken läßt. d) Ermäßigte Mindesteinheitsfäße für Sonder- und für Feriensonderzüge. Abweichungen. Allgemein vorbehalten für den Stadt- und Vorortverkehr sowie für den Sonntagsverkehr. Zur Aufhebung tommen insbesondere die bayerischen, württembergischen ung badischen Fahrscheinhefte, die württembergischen und oldenburgischen Landestarten und die badischen Kilometerhefte. Zum Rechenschaftsbericht von 1905. Vor wenigen Tagen ist der Rechenschaftsbericht des Staats. fontrolleurs für das Jahr 1905 erschienen. Laut diesem Berichte standen den ordentlichen Einnahmen von 2024,6 Millionen Rubel ordentliche Ausgaben in der Höhe von 1925 Millionen Rubel gegenüber und außerordentliche Angaben in der Höhe bon 1279,6 Millionen Rubel! Diese horrende Ziffer ist einerseits auf die inneren„Unruhen", andererseits auf den Krieg mit Japan zurückzuführen, repräsentiert also den Preis, welchen das russische « Volk für seine eigene Unterdrückung und für die Abenteurerpolitik ™ der Regierung bezahlen muhte. Die Ausgaben des russischen Reiches im Lause der letzten fünf Jahre sind stetig im Steigen begriffen( mjt Ausnahme des Jahres 1903, welches einen unbedeutenden Rückgang auftveist). Die ordentlichen Ausgaben stiegen von 1964,9 Millionen Rubel im Jahre 1991 auf 192S,2 Millionen Rubel im Jahre 1905, dw austerordentlichen von 209,4 Millionen Rubel auf 830,3 Millionen Rubel im Jahre 1904 und 1279,6 Millionen Rubel im Jahre 1905! Somit sind beide Kategorien zusammen im Zeitraum von fünf Jahren von 1874,3 Millionen Rubel auf 3204,8 Millionen Rubel gestiegen, haben sich also.beinahe verdoppelt! Die Einnahmen hielten mit dieser rapiden Steigerung durch- aus nicht gleichen Schritt: Im Jahre 1901 betrugen sie 1799,5 Millionen Rubel, im Jahre 1905 2024,6 Millionen Rubel, also eine Steigerung von 12% Proz. Smji dem Berichte haben im Rechnungsjahre die ordentlichen Einnahmen ein Mehr von 47,5 Millionen Rubel gegenüber dem Voranschlag ergeben. Es wäre jedoch völlig falsch, daraus zu folgern, daß die Volkswirtschaft sich etwa trotz Nevolmü»� trotz Krieg und Handelskrise in einem blühenden Zustande befindet, denn jener „Ueberschust" von 47,5 Millionen Rubel ist durch einen ein-I fachen Trick erzielt worden, indem nämlich die ordentlichen Ein nahmen mit Absicht unter ihrer wahrscheinlichen Höhe ver- anschlagt werden, damit nachher der erstaunten Welt vorgeflunkert werden kann, dast die wirtschaftlichen Grundlagen des Reiches„nicht im geringsten erschüttert" find! Wenn wir die einzelnen Einnahmeposten näher betrachte� so bietet sich uns folgendes Bild: Die Eisenbahnen haben ein Minus von 39,8 Millionen Rubels, die Einlösungsgelder Minus 21 Millionen Rubel, verschiedene direkte Steuern Minus 32 Millionen Rubel gegenüber dem Voranschlag ergeben. Besondere Beachtung verdienen die Eisenbahnen: Während sie in einer geordneten Staats. Wirtschaft einen ansehiüicbai Ueberschust liefern, sind sie in Rußland ein Abgrund, der jährlich ungezählte Millionen verschlingt. Die 431,5 Millionen Rubel Einnahmen aus den Eisenbahnen im Jahre 1905 stehen nicht nur um 39,8 Millionen Rubel hinter dem Voranschlag zurück, sondern um 23 Millionen Rubel hinter dem Ertrag des Vorjahres! Die Ausgaben für die Eisenbahnen betragen 423,1 Millionen Rubel ordentliche Plus 86 Millionen Rubel außerordentliche, so dast sich der Zuschuh des Fiskus aus die hübsche Summe von mehr als 70 Millionen Rubel belauft. Auch die Einnahmen aus indirekten Steuern haben weniger ergeben als erivartet wurde: Das Tabakmonapol Minus 2,1 Millionen Rubel, die Auckerakzise Minus 13,2 Millionen Rubel, Naphtha Minus 4,8 Millionen Rubel, und zwar hauptsächlich infolge des den Unternehmern gewährten Aufschubs der Akzisenabgabcn. Bei Naphtha fällt jedoch auch die infolge Preiserhöhung eingetretene Äonsuuwerringerung schwer ins Gewicht. Die staatliche Forstwirtschaft hat ein Minus von 8 Millionen Rubel. ergeben infolge der zurückgegangenen Nachfrage nach Holzmaterialien in Rußland sowohl wie auch im Auslände. Aus den indirekten Steuern hat nur die Akzicf« auf Zünd- Hölzer einen Mehrertrag von 3,1 Millionen Rubel— eine Folge der Akzisenerhöhung— ergeben und das— Branntweinmonopol, welches seit Jahren eine der wichtigsten Einnahmequellen Ruß- lands ist; sie hat ein Mehr von 88,7 Millionen Rubel gebracht, was nicht nur in dem erhöhten Konsum— 75 Millionen„Eimer" (1 Eimer— 12,3 Liter) gegen 71 Millionen des Vorjahres—, sondern auch in der Erhöhung der Akzise seine Erklärung findet. Somit werden also Uebcrschüsse und Mehreinmahmcn durch die Steucrschrcnibe und durch Schädigung der Volksgesundheit erzielt. Diejenigen Posten aber, die am klarsten die ökonomische Lage wider- spiegeln— Einlösungsgelder, Eisenbahnen usw.—, sind sämtlich zurückgegangen! Daß das kein Zufall ist, wird umer anderem dadurch bewiesen, daß dieselbe Erscheinung auch im Bericht des Finanzministeriums für die ersten drei Monate des Jahres 19 0 6 wiederkehrt, was uns ioeiter nicht wundern darf, da hier die Ursachen— Revolution, Verarmung der Bauern, Krise in Handel und Industrie— nicht aus der Welt geschafft sind. Ter Bericht für 1966 wird außerdem noch bös mit der furchtbaren Hungersnot und den, unvermeidlichen Rückgang der ländlichen Konsumtion zu rechnen haben.— „Väterchens" liebe Kinder. Petersburg, 9. Dezember. Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agenlur.) Heute wurde hier eine von mehreren tausend Personen besuchte Versammlung des Verbandes der„Wahrhaft Russischen Leute" abgehalten; hohe Geistliche weihten unter großer Begeisterung die Fahnen. Dem Weiheakte folglen enthusiastische Hochrufe auf den Kaiser und die kaiserliche Familie und feindliche Kundgebungen gegen die Revolutionäre. denen die Schuld an Rußlands Niederlage zugeschrieben wurde. Hierauf wurden lebhafte Pereatrufe gegen den Grafen Witte- und gegen die Juden ausgebracht. Der Vorsitzende des Verbandes Dubrowin feuerte den Patriotismus gegen Japan an. Der Priester Johann von Kronstadt bezeichnete die Duma als Eiter« beule, die wieder zu wachsen drohe. Die Versammlung schloß mit Rufen„Nieder die Konstitution I" Eine Straßenprozession schloß die Veranstaltung ohne Ruhestörung ab. politifcbe dcberficht Berlin, den 10. Dezember. Rasche Arbeit. Für die 3. Beratung der Algeciras-Akte hatte die Regierung schleunigst den Wortlaut der vom Reichstag verlangten diplo- matischen Mitteilung Frankreichs und Spaniens über Mast- nahmen zur Sicherung Fremder in Marokko vorgelegt. Es entspann sich keine Debatte, nur der Abg. Strombeck fühlte sich berufen, eine diplomatische Rede über die Ein- führung von Waffen durch reisendes Publikum vom Stapel zu lassen. Die Regierung schwieg.— Dann wurde das Gesetz in dritter Lesung angenommen.— Ohne Debatte wurde die erste und zweite Beratung des Gesetzentwurfs über die Kontrolle des Reichshaushalts usw. für das Jahr 1906 voll- zogen. Bei der dritten Beratung des Gesetzentwurfs über das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photo- graphie empfahl Genosse Stadthagen den sozialdemo- kratischen Antrag zum ß 23: dast zwangsweises Photo- graphieren von Personen seitens der Polizei nur auf richter- iiche Anordnung vorgenommen werden dürfe. Stadthagen monierte scharf, dast dieser Gesetzesparagraph der Polizei neue Befugnisse zum gewaltsamen Photographieren von Personen einräume und die ungesetzliche Vornahme von Hand- lungen stütze, wie sie die Polizei schon oft genug Personen gegenüber beliebte, die wegen politischer Vergehen, wegen ihres Verhaltens bei Streiks oder anderer lieber- tretungen angeklagt waren.... � Graf Posadowsky bestritt, daß mit dem Gesetz ein neues Recht eingeführt würde, und er stellte die A b l e h- n u n g des Gesetzes durch die verbündeten Regierungen in Aussicht, falls der sozialdemokratische Antrag angenommen würde. Der Antrag wurde abgelehnt und dann das Gesetz in dritter Lesung angenommen. Es folgte die dritte Beratung der Gewerbeordnuugs- Novelle, nach welcher der kleine Befähigungsnachweis für das Baugewerbe eingeführt werden soll. Genosse Fr ahme kritisierte den Entwurf, den man ursprünglich als ein Ar- beiterschutzgesetz gedacht habe, der aber der Zünftlerei ent- gcgcnkomme. Das bestritten zwar die Abgeordneten Pauli- Potsdam und Erzberger. indes Genosse Frohme diente den Herren darauf mit Tatsachen. Besonders dem Zentrum hielt er dessen frühere Anträge zum Belveise vor! Nach weiterer unwesentlicher Debatte wurde der Ent- Wurf gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Frei- sinnigen angenommen.— Nächste Sitzung Dienstag 1 Ilhr. Fleischnot-Jnterpellationen der Sozialdemokraten und der Freisinnigen._ Die Peters-Kamarilla. Auf seine MIeugnung, dast er als Führer der Peter Clique nicht gegen den Geheimrat Helüvig intrigiert und an dessen Entlassung aus dem Kolonialdienst mitgewirkt hat, hat bereits vor einigen Tagen die„Voss. Ztg." dem„Volks Vertreter" Dr. Arendt nachgewiesen, daß er schon 1896 dieselben Mittel skrupelloser Pression gegen den Kolonial direktor Dr. Kayser angewendet und mit Hülfe seiner Kon sorten auch diesen zur Strecke gebracht hat. Herr Dr. Arendt hat darauf erklärt, daß er sich keineswegs an Dr. Kayser herangedrängt, sondern dieser ihn vielmehr um seine Ver- mittelung ersucht und ihn sogar an sein Krankenbett habe kommen lassen. Auf diese Arendtsche Behauptung antwortet die Witwe des früheren Kolonialdirektors Kayser mit einem öffentlichen Brief, in dem es heißt: „Ich hätte nicht««dacht, daß ich als die Witwe Dr. Kahsers so bald wieder Veranlassung Haber jolltc, Herrn Arendt wider- legen zu müssen. Es sind erst ungefähr zwei Jahre her, daß ich ihn zu einem Widerruf in der Kolonialdebatt« im Reichstag ver- anläßt«-, nachdem ich erfahren hatte, daß er vorher ganz das Gegenteil von dem, was mein verstorbener. Gatte seinerzeit im Reichstage gesagt, in die Debatte gebracht hatte. Rur, lese ich Ihren Artikel im Morgenblatt vom Freitag, der so reich an Un- Wahrheiten von feiten des Herrn Dr. A. ist, daß ich mich ver- anlaßt fühle, Verjchiedenes sofort zu berichtigen. Zuerst über seinen Besuch im Aprft 1896, bei dem ich glücklicherweise Augen- und Ohrenzeugin gewesen bin, und der der einzige war, den er meinem Mann gemacht hat. Mein Mann lag schwer danieder an den Folgen einer Blutvergiftung, und der Arzt hatte auf das strengste jeden Besuch, sogar den der Familie, verboten. Da kam Dr. A. und verlangte meinen Mann zu sprechen; ich bedauerte ihn nicht vorlassen zu können; er ließ sich aber nicht abweisen, und durch die Unterhaltung vor seiner Tür aufmerksam geworden, wünschte der Kranke Be- scheid. Ich teilte ihm also mil, nra was es sich handelt�, und A. wurde unter der Zusicherung, seinerseits dem Kranken nur eine kurze, wichtige Mitteilung zu machen, hinein- gclaffen. Ich blieb im Nebenzimmer in der offenen Tür, und nach kaum zwei Minuten trat ich erschrocken ins Zimmer und sah, wie mein Mann sich erhoben hatte und mit ausgestrecktem Arm rief:„Was, Sie unterstehen sich, zu mir zu kommen, um mich in meinem Hause zu be- drohen? Sie verlassen augenblicklich meine Wohnung und ich vcirbiete Jhnqn, jemals wieder mein Haus zu betreten." Das bedarf wohl keines Kommentars weiter? Für heute nur noch die kurz« Notiz, daß mein Mann niemals veranlaßt wurde, sein Amt niederzulegen, an das er sein Herzblut hingab; er hat im Gegenteil während seiner 6% jährigen Amtszeit dreimal vergeblich um seine Entlassung gebeten, ohne daß sie ihm gewährt wurde." Also auch diese Behauptung des Herrn Arendt ist er funden. Herr Arendt ist völlig seines Freundes Peters würdig, und dieser.seines edlen Gönners Arendt. Verwandte Seelen finden sich zu Wasser und zu Lande.— Das italienische Finauzexpose. Rom, 6. Dezember.(Eig. Ber.) Der Eindruck, den das Finanzexposö in weitesten Kreisen hervor- ruft, ist zwar nicht der der Enttäuschung— denn nach der Rede von Catania war man auf Schlimmes vorbereitet— wohl aber.der einer gewissen Erbitterung. Glänzende Lage der Finanz, glänzende Lage des Schatzes, Aufschwung und Ueberfluß überall, und trotzdem kein Geld für Abgabcnerleichterung, lein Geld für öffentliche Arbeiten, kein einziges greifbares Zeichen der verbesserten Lage für die stcuerzahlende Masse. Es ist gewiß eine Befriedigung, dast das Budget von 1966/07 mit einem Gebarungsüberschust von etioa 30 Millionen abschliestt, obwohl durch eine Reihe neuer Gesetze die Ausgaben um mehr als 40 Millionen gestiegen sind, sodast fürs nächst« Finanzjahr ein lieber- chnst von 55 Millionen veranschlagt wird, von dem allerdings durch das weitere Steigen der Ausgaben 34 Millionen wieder aufgesogen werden. ES ist ohne Zweifel erfreulich für Italien, dessen Finanzen -o lange das. Aschenbrödel � Europas waren, zu hören, dast die Metallvalnten der italienischen Emissionsinstitute die der deutschen Reichsbank und aller deutschen Enüssionsbanken zusammen über- treffen und sich denen der Metallvalnten der Bank von England im Verein mit den Banken von Schottland und Irland nähern und dast die Gold- und Silberreserven der Banca d'Jtalia die der Bank von England übertreffen, aber diese Befriedigung ist sehr platonisch, solange die Abgaben mit der gleichen Wucht auf der Masse lasten, solange die Lebensmittelpreise in höherem Moste steigen als die Löhne, solange der Hunger Hunderttausende von Aus- Wanderern alljährlich in die Fremde treibt. Solange die Dinge s o tehcn, klingt ein glänzendes Finanzexpose wie ein Hohn. Dieser Eindruck hätte gemildert werden können, wenn sich die Regierung wenigstens zu einer einzigen Abgabenreduktion auf- gerafft haben ivürde. Nach jahrelangen Versprechungen hätte man dann doch endlich einmal eine Tat gesehen. Statt dessen ber- lautet offiziös, dast die Herabsetzung des Petroleumzolles i48 Lire für den Hektoliter) geplant worden sei, aber noch nicht verwirklicht werden könne, weil Italien von den ihm hauptsächlich Petroleum. liefernden Staaten— Rustland und Nordamerika— erst eine Gegenlei stung auf dem Gebiete der Zolltarife erzielen müsse. Als ob der Budget- Überschuß gekommen wäre wie ein Dieb in der Nacht, ohne daß die Regierung Zeit gehabt hätte, in Petersburg und Washington über Leistung und Gegenleistung zu unterhandeln! Hat die Ne- gierung wirklich die Dinge so sehr an sich herankommen lasten, dast ie wegen Fehlens zweckmäßiger internationaler Abmachungen den Petroleumzoll nicht vermindern kann, so stellt sie sich dadurch ein Unfähigkeitszeugnis aus, um das sie keine andere Regierung be- neiden dürfte. Wirtschaftet sie mit gleicher Umsicht weiter, so könnten sehr wohl die sieben fetten Jahre vergehen ohne Zoll- rednktion, die nachher in den mageren Jahren erst recht niemand riskieren dürste.— lieber die Verwendung des Budgetüberschusses 1905/1906— 63 Millionen— erfahren wir. daß 25 Millionen dem Post- und Telegraphendienst zugedacht sind, der allerdings sehr der Verbesierung und des Ausbaues bedarf; weitere 18 Millionen sind für Hafen- bauten bestimmt. 7 Millionen für Kanäle, 5 Millionen für daß Arsenal von Taranto. 5 Millionen für einen Fonds zur Erwerbung von Kunstiverken. Somit wäre das Geld untergebracht und denen, die nichts bekommen haben, bleibt die Hoffnung auf— bessere Zeiten. Wir erfahren weiter, dast das Personal der StaatSverwalttmgen seit 1898/99 Verbesserungen erzielt hat, die das Staatsbudget jähr« lich um 33 Millionen belasten. Das hat Majora»a gesagt', damit es sich die„begehrlichen� Zollbeamten hinter die Ohren schrieben. Leider hat er nicht gesagt, wie sich die 3» SttOiraen verteilen. So ist auch dies FmanzexposS eine Illustration für die alte Erfahrung des italienisches Volkes: in guten und in schlechten Zeiten, bei Ueberschust oder bei Defizit finden sich stets die Millionen für gewiffe Dinge— die 200 neuen Millionen für das Heer hat Majorana einfach als„gewohnte Ausgabe" mit verarbeitet, obwohl die sechs Jahre, für die die austerordentlichen Gelder be« willigt waren, inzwischen ablaufen! Für gewisse andere Dinge ist nie Geld da, trotz aller Hymnen über das Wachsen der Finanzmacht und der Ueberschllffe, trotz des Tanzes der Millionen, den der Minister vorführt. So lange die Staatsfinanzen schlecht standen, glaubte die Masse, der Steuerdruck sei eine Folge der Finanzlage. Heute ist die Finanzlage glänzend, aber der Steuerdruck ist dem Lande erhalten geblieben. Was kümmert da die„frohe Botschaft" der verschiedenen Finanznnnister die Masse? Genau so viel wie das Feuerwerk am Tage des Verfassungsfestes: Man staunt die Raketen an und geht hungrig nach Hause.— � Dcutfcbes Reich. Agrarischer Schwindel. Wie ungeniert die Autoritäten der Landbündler schwindeln, haben wir bereits im Leitartikel der Sonntagsnummer des „Vorwärts" bewiesen. Für heute noch eine kleine Nachlese: In dem Flugblatt wird behauptet, Deutschland habe im letzten Jahre zirka 160 000 Schafe nach London ausgeführt. Tatsächlich belief sich die Gesamtaussuhr Deutschlands an Schafvieh im Jahre 1905 auf nur 98 478 Stück, und davon gingen nur 41 432 Stück nach Eng- land, nachdem sie bis auf wenige Stück in Rotterdam geschlachtet worden waren. Noch ein Beispiel: In dem Flugblatt wird kühn behauptet, seit Bestehen des Zolltarifs sei der Lohn der Hütten- und Walzwerks- arbeiter um 450 Mark pro Jahr oder wöchentlich um 9 Mark gestiegen. Nach den Ausweisen der Hütten- und Walzwerks-Berufsgenoffen- schaft ergeben sich folgende Zahlen: Zahl der ver- wirkliche gezahlte sicherten Personen Lohnsumme pro Kopf 1900.. 134 717 1354 Mark 1901... 126 902 1310„ 1902... 126 488 1301„ 1903.... 131 061 1327. 1904.... 136 961 1866„ Die Bündler werden es verstehen, wenn man begierig darauf ist, zu erfahren, auf welche Art sie die 450 M. Lohnzunahme heraus- gerechnet haben.—_ Die neueste Justiz-Aera. Die preußische Justiz ist in eine glorreiche Aera emgetreten, in die Epoche der ParlamentSbeletdigungSprozesse. Neben die TageszeiwngS-Rubrik:„Chronik der MajestätS- beleidigungsprozesfe" wird mit Gleichberechtigung treten das Rubrum:.Chronik der ParlamentSbeleidigungs- Prozesse". Die preußische Justiz ist noch nicht befriedigt von dem Erfolge, den sie durch die beiden Prozesse für die Ehre des preußischen Drei- klasienhauses gegen sozialdemokratische Organe erziett hat. Sie ist noch nicht zufrieden damit, dast in diesen Prozessen das Ver- halten dieser gesetzgebenden Körperschaft vor aller Welt angenagelt wurde, dieses Parlaments der Besitzenden, das die Angreifer ver- folgen läßt, die es selbst straflos beschimpft. Sie dürstet nach neuen„Erfolgen" ähnlicher Art, sie will eine Aera der Abgeordneten- Haus-Beleidigungsprozeffe uns bescheren und wird damit unser Waffenarsenal gegen die Dreiklaffenschmach verstärken. Die Verurteilungen von Düffeldorf und Erfurt, die 14 Monate Gefängnis, die wegen Beleidigung des preußischen Abgeordnetenhauses über drei sozialdemokratische Prestsünder ver- hängt sind, genügen dem Gerechtigkeitseifer der preustischen Justiz noch nicht. Kaum ist das Urteil von Erfurt ergangen, da kommt schon die Meldung, dast ein erneutes Strafverfahren wegen Beleidigung des preußischen Parlaments gegen die „Düsseldorfer VolkSzeitung" eingeleitet ist, die also zum zweitenmal daran glauben soll, weil ihr offenbar die erste Verurteilung noch nicht den nöttgen Respekt vor dem Hause der Geldsackvertreter beigebracht hat. Aber dies neue Straf- verfahren ist nicht das einzige. Auch die Magdeburger .Volksstimme" muß melden, daß die Staatsanwaltschaft gegen sie wegen Beleidigung des Abgeordnetenhauses, die angeblich durch einen Leitarttkel„Triumph der Wahlrechtsfeinde" in der Nummer vom 26. Juni begangen sein soll, ein Verfahren eingeleitet hat. Wenn also das preußische Landesparlament im Januar wieder zusammentritt, so wird es mindestens zwei staatsanwaltliche Anträge auf Gestattung der Strafverfolgung sozialdemokratischer Preßsünder vorfinden. Es wird sich erlaben können an diesen Beweisen des Eifers der Jnstiz. die Ehre und das Ansehen der gesetzgebenden Körperschaft Preußens zu schützen. Werden die Erwählten des Dreiklaffenwahlrechts die Ermächtigung zur Strafverfolgung er» teilen?_ Erzberger-Semler. Der„Lokal-Anz." hat, um sich die Sensation nicht entgehen zu lassen, einen Berichterstatter nach Herrn Erzberger geschickt, um ihn darüber auszuholen, wie sich der von uns am Sonntag berichtete Vorgang zwischen ihm und dem nationalliberalcn Abgeordneten Semler in der Budgctkommission abgespielt hat. Erzberger ver- weigerte nominell jede Auskunft, indirekt aber gab er das in die Oeffentlichkeit Gedrungene zu. indem er erklärte: „Ueber die Vorgänge in der Budgetkommission kann ich Ihnen zu meinem lebhaften Bedauern keinerlei Mitteilungen machen. Ich fühle mich durch den Beschluß der Kommission, welcher den Mitgliedern Gcheipthaltung der Angelegenheit auferlegt, ge- bunden, selbst nachdem durch die Indiskretion eines anderen Ab» geordneten, der übrigens mit meiner Fraktion in keinerlei Ver- bindung steht, der Vorfall bekannt geworden ist. Ich bedauere dies unendlich, nicht meinetwegen, denn ich kann meine Angaben beweisen, sondern weil das Bekanntwerden dieser Geschichte Deutschland im Auslande schaden kann. Ich habe festgestellt, dast der Korrespondent der„Köln. VolkSzeitung" seine Informationen nicht von einem ZcntrumSmitgliede erhalten hat — und das werde ich bei erster Gelegenheit auch dem Reichs» tage mitteilen—, sondern daß ein anderer Abgeordneter kaum eine Viertclstmnde nach Schluß der Sitzung der Budgetkommission über den Bortzall auf der Journalistentribüne gesprochen hat. So gelangte sie«n die Oeffentlichkeit." Gleichzeitig veröffentlicht Herr Semler eine Erklärung im Hamb. Fremde rtbl.". in welcher er sagt, der Vertrauensbruch von anderer Seite entbinde ihn nicht von der ihm in der Budget» kommission auferlegten Schweigepflicht; er wolle aber in der nächsten Sitzung der Budgetkommission am Dienstag den Antrag stellen, daß er von seiner Verpflichtung, Diskretion zu üben, in diesem Falle entbunden werde, damit er in der Lage sei, eine öffentliche Erklärung in der Angelegenheit zu erlassen. Wir sind neugierig, welche Auftlärungen Herr Semler über seinen schönen Plan, wegen der Insel Fernando Po einea Streit mit der spanischen Regierung zu provozieren und dadurch der deutschen Regierung Gelegenheit zur AnncUion dieser Insel zu bieten, geben wird. Er besitzt zwar eine ansehnliche Dosis Un- verfrorenheit, aber das einfache Wleugnen dürfte nicht viel nützen.— Begriffsverwirrung. Auf dem konservativen Delegierten tag hat der Freiherr v. Manteuffel mit Nachdruck das preußische Drei- klaffen Wahlrecht verteüdigt. Dies veranlaßt das.Berl. Tageblatt" zu der Bemerkung: »Die Konservativen wissen eben nur zu gut, wo die Wurzeln ihrer eigentlichen Stärke liegen, und klammern sich an die Macht, ohne sich einen Deut darum zu kümmern, daß die Dreiklassen- wähl nur eine jämmerliche Karikatur des Volkswillens schaffen kann." Das soll doch wohl heißen, die Wurzeln der konservativen Stärke liegen im Dreiklassenwahlrecht. Eine kuriose Begriffs- Verwirrung. Das„B. T." scheint vergessen zu haben, daß das Dreiklassenwahlrecht ein G e l d s a ck s Wahlrecht, d. h. also ein liberales und kein konservatives Wahlrecht ist? Es kennt keine Vorrechte der Geburt, sondern nur solche des Besitzes. Würden die Liberalen nicht so jämmerliche Waschlappen, sondern Kämpfer sein, so könnten aus diesem Wahlrecht niemals die Konser- vativcn, sondern immer nur die Liberalen Kraft und Stärke saugen. Das Wahlrecht ist ihnen geradezu auf den Leib zu- geschnitten, es begünstigt s i e und nicht die Konservativen und hat seine liberale Wirksamkeit auch bewiesen, als die Liberalen noch nicht so verkommen waren wie heute. Im Jahre 1861 waren von den 352 Mitgliedern des preußischen Abgeordnetenhauses nur 59 konservativ, dagegen 216 liberal. Der Verfassungskonflikt be- gann, und bei der Reuwahl im November 1861 schrumpften die Konservativen auf 15 zusammen, während die Liberalen auf 256 anwuchsen. Das Abgeordnetenhaus wurde ausgelöst und im Mai 1862 kehrten nur 12 Konservative wieder gegen 285 Liberale! Selbst 1863 änderte sich dies Verhältnis nur wenig, nämlich 33 Konservative gegen 262 Liberale. Dann aber kam der Krieg 1866, und die am Tage von Königgrätz stattfindenden Wahlen brachten die Konservativen auf 142 und-reduzierten die Liberalen auf 174. Bald darauf erfolgte dann der völlige Umfall eines Teils der Liberalen und die Gründung der nationalliberalen Partei. Die Liberalen haben also in Preußen dank dem Dreiklassen, Wahlrecht tatsächlich die parlamentarische Macht in Händen gehabt, und es ist eines der traurigsten Kapitel in der preußischen Gc- schichte, daß sie es verstanden haben, trotz dieser erdrückenden Mehr- heit nichts auszurichten und ihrem politischen Gegner alle Macht in die Hände zu spielen.— Die Immunität der Volksvertreter. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat am Montag im Reichstage folgende Anträge eingebracht: 1. Dem Artikel 30 der Reichsversassung werden folgende Sätze hinzugefügt: Demgemäß sind die Mitglieder des Reichstages auch be- rechtigt. in Ansehung desjenigen, was ihnen in dieser Eigenschaft anvertraut ist. das Zeugnis zu verweigern. Gegenstände, die ein Mitglied des Reichstages in dieser Eigenschaft erhalten hat und die sich in seinem Besitz oder seiner tatsächlichen Gewalt be- finden, sind der Beschlagnahme entzogen. Dasselbe gilt von Aufzeichnungen, die Mit- glieder des Reichstages in dieser Eigenschaft gemacht haben. 2. Der Reichstag wolle beschließen: dem Absatz a(beS Hauptantrages) unter Ziffer 1 folgende Fassung zu geben: »4. Mitglieder des Reichstages, emes Landtages oder einer Kammer eines zum Reiche gehörigen Staates und Mitglieder eines kommunalen Vertretungskörpers in An- sehung desjenigen, was ihnen in dieser Eigenschaft anvertraut ist." Die durch Sperrdruck hervorgehobenen Worte sind Ziisätze zu dem Antrag de? Zentrums zu Art. 36 der Reichövermssung beziehentlich zu dem Antrag der Freisinnigen. Die Stellungnahme der Fraksion entspricht den wiederholt von unS dargelegten Rechts- anschauungen._ Der Bundesrat erteilte in seiner Montagssitzung seine Zu- stimmung dem Ausschußbericht betreffend den Entwurf einer deutschen Arznertaxe für 1907 sowie dem Entwurf eines Gesetzes betreffend die Feststellung des ReichShaus- haltSetats für daS Rechnungsjahr 1967 nebst dem Haupietat und der erläuternden Denkschrift.— Die Lande der Obotriten bewahren allen Kulturfortschritten zum Trotz ihre alten Erbeigentümlichkeiten. Dem gemeinsamen Landtag beider mecklenburgischen Länder liegt z. B. zurzeit ein Gesuch des Magistrats der Stadt Rostock vor, welches die Auf- Hebung des Verbots der Aufstellung von Aschenurnen und Bei- fetzung von Aschenresten verbrannter Leiber auf den mecklenburgischen evangelisch-lutherischen Friedhöfen verlangt. Dieser Verstoß aus dem Wege zu einer„heidnischen Sitte" hat den Vorfitzenden des Oberkirchenrats kürzlich veranlaßt� in einem Vortrage gegen die Leichenverbrennung zu Felde zu ziehen. Er äußerte Bedenken, ob nicht„der für die Auferstehung notwendige Lebenskeim" durch die Verbrennung vernichtet werde.— Die Entschädigung für die abgehackte Hand. Im Biewald- Prozeß gegen die Stadt B r e s l a u hat das Landgericht eine einstweilige Verfügung erlassen, wonach die Stadtgemeinde bis zur endgültigen Erledigung des Prozesses verpflichtet ist. cm Biewald vierteljährlich 175 M. Rente zu zahlen.— Die Sozialdemokratie im neuen wllrttembergifchen Landtag. Die„Ulmer Ztg." berechnet auf Grund der im ersten Wahl- gang abgegebenen Stimmen, auf welche Parteien die durch die Kreis-Proportionalwahlen zu vergebenden 17 Mandate sich ver- teilen werden. Sie gelangt zu folgendem Resultat: Im Neckar- und Jagstkreis, in dem 9 Abgeordnete zu wählen sind, wurden abgegeben für die Deutsche Partei rund 35 306. Volks- Partei 37 866, Konservative bezw. Bund der Landwirte 33 566, Zentrum 24 766, Sozialdemokratie 54 666 Stimmen. Es würden also erhalten die Sozialdemokraten 3, Volkspartei und Deutsche Partei je 2, Konservative und Zentrum je 1 Mandat. Im Schwarzwald- und Donaukrcis wurden ab- gegeben für die Deutsche Partei 22 866. Volkspartei 46 960. Konfer- vative bezw. Bund der Landwirte 17 966. Zentrum 57 766, Sozial- demokratie 31 900 Stimmen. Bon den 8 Mandaten, die auf diese beiden Kreise kommen, würden somit erhalten: Zentrum 3, Volks- Partei 2, Sozialdemokratie, Deutsche Partei und Konservative je 1. Im ganzen würden durch die Kreiswahlen erhalten: Volks- Partei, Zentrum und Sozialdemokratie je 4, Deutsche Partei 3 und Konservative 2 Mandate. In dem demnächst stattfindenden zweiten Wahlgang kann die Sozialdemokratie mit einiger Sicherheit auf die Eroberung von 5 oder 6 Sitzen rechnen. Danach ergibt sich folgende Gesamtzahl der sozialdemokratischen Mandate: erster Wahlgang 5. zweiter Wahlgang 5 oder 6, KreiS-Proportionalwahl 4. im Ganzen also 14 oder 15 Mandate, während in der letzten Zweiten Kammer die sozialdemokratische Partei nur 7 Vertreter hatte.— AuS dem Kolonialrtat für 1967. Die„Nordd. Sllgem. Ztg." fetzt ihre Suszüge aus dem Reichs- etat für das nächste Jahr fort. Besonders interessant sind die Ziffern deS KolonialetatS. Sie beweisen, daß die Regierung eine beträcht- liche Ausdehnung ihres bisherigen Kolonialsystems plant, denn fast für alle„Schutzgebiete" werden bedeutende Neuforderungen gestellt. Vomehmlich sollen die Schutztruppen verstärkt werden. Im Etat für das Ostafrikanische Schutzgebiet betragen die eigenen Einnahmen 5 658 936 M.(+ 461 649 M.), der Reichszuschuß 6 266 844 M.(+ 292 777 M.). Von der Gesamtausgabe in Höhe von 11319 774 M. entfallen bei einer Dotierung des Reservefonds mit 14 262 M. auf die fortdauernden Ausgaben 9 969 612 M.(+ 762 226 M.), auf die einmaligen Aus- gaben 1 396 566 M.(— 68 406 M.j. Bei den fortdauernden Aus- gaben ist hervorzuheben: Neu geschaffen sollen werden ein Bezirks- gericht in der westlichen Hälfte des Schutzgebietes, ein Bezirksamt in Udjidji mit Nebenstellen Bismarckburg und Usumbura.— Außer den in diesem Herbst entsandten 8 Kolonialanwärtern werden im Mai nächsten Jahres zwei weitere Anwärter die Ausreise nach Ostafrika antreten.— Bei der Schutztruppe ist, wie es in der„Norddeutschen Allgem. Ztg." heißt, eine Verminderung auf den Sollbestand des Jahres 1965 nicht möglich. Als Führer der Maschinen- gewehrabteilung wird ein Oberleutnant neu vorgesehen. Für das Rekrutendepot, für das bisher nur ein Feldwebel vorgesehen war, kommen, da es die Stärke einer Kompagnie hat, 1 Hauptmann, 2 Leutnants. 1 Sergeant und 1 Unteroffizier in Zugang. Da der Gouverneur nach Trennung der Zivil- und Militärverwaltung die Geschäfte des Kommandeurs der erheblich verstärkten Schutztruppe nicht mehr mit veriehen kann, kommt 1 Kommandeur in Zugang. Die Ge- schäfte der Intendantur der Schutztruppe wurden bisher vom Finanzdirektor im Rebenamt erledigt. Es wird jetzt die Stelle eines Vorstehers der Intendantur in Zugang ge- bracht. Beigegeben werden diesem 2Jntendantursekretäre, stir die bei der Zivilverwaltung 2 Sekretäre in Fortfall kommen. Bei den einmaligen Ausgaben sind die Kosten für notwendige Gebäude des Hauptzollamtes Muansa entsprechend dem Auffcknounge des Handels im nördlichen Seengebiet eingestellt. 5 0 6 66 6 M., von denen 266 666 M.»och aus dem Etat für 1904 zur Ver- fügung sind, sollen zur Erwerbung der von der Ostafrikanischen Eiienbahngesellschaft in Daressalam errichteten Kaianlagen so- wie zur Verbesserung der Lösch- und Ladeeinrichtungen im dorsigen Hafen verwandt werden; ferner werden ge- fordert: 180600 M. zur Beschaffung von Unter- kunftsräumen für die Truppe in Tabora: 120066 M. als erste Rate für derf Neubau eines Forts in Muansa; 44 060 M. für eine Expedition zur Festlegung der deutsch-portugiefischen Grenze am Nyasiasee. Der vorläufige Rechnungsabschluß für 1965 läßt einen Ueber- schuß von 1 571 837 M. erwarten, von denen 660666 M. unter den Einnahmen für 1967 eingestellt sind. Im Etat für Kamerun sind die eigenen Einnahmen auf 3653 760 M.(+ 180 000 M.), die Ausgaben auf 6 158 654 M.(+ 699 309 M.) veranschlagt, davon forldauernde Ausgaben 5 219 856 M., einmalige 923150 M., Reservefonds 16 654 M.; der Reichszuschuß beträgt 3 164 354 M. (+ 618 609 M.). Unter den Neuforderungen befindet sich der Be- darf für eine zehnte Kompagnie der Schutztruppe. Ferner werden 366 666 M. als erste Rate zur Durchführung eines m besonderer Denksckrift dargelegten Wegebauprogramms angesetzt. daS im ganzen 5 306 666 M. erfordern würde. Der vorläufige Rechnungsabschluß für 196ö läßt einen Fehlbetrag von 332 436 M. erwarten. Für Togo ist ein Reichszuschuß nicht erforderlich, die eigenen Einnahmen tn Höhe von 2 073 340 M.(+ 242 304 M.) decken die Ausgaben, von denen 1 827 540 M. fortdauernde, 284 666 M. einmalige sind. Für den Reservefonds verbleiben 11 866 M. Bei den Entnahmen ist der Betrieb der LandungSbrücke, der Küstenbahn und der Jnlandsbahn mit 187 006 M. angesetzt. Der vorläufige Rechnungsabschluß für 1905 läßt einen Fehlbetrag von 244 374 M. erwarten. Für Neu-Gumea betragen bei einer Ausgabe von 1 515 225 M.<+ 20 985 M.) die eigenen Einnahmen deS Schutzgebiets 361 306 M. (+ 26 023 M.). so daß unter Zuführung von 4060 M. zum Reservefonds ein Reichszuschuß von 1 153 925 M. (— 5038 M.) erforderlich ist. Bei den Einnahmen kommt der größere Teil des bisher aus dem Betriebe des Regierungsdampfers „Seestern" erzielten Gewinnes mit 3500 M. in Wegfall. Der vor- läufige Rechnungsabschluß für 1965 läßt einen Fehlbetrag von 321 187 M. erwarten. Für die Karolinen-, Polau-, Marianen- und Marschall-Jnseln wird ein Rcichszuschuß von 325 366 M.(— 182 250 M.) bei einer eigenen Einnahme von 137 141 M.(+ 4326 M.) und einer Ausgabe von 462 441 M.(— 177 924 M.) einschließlich des Reservefonds von 1351 M. erforderlich. Für Samoa sind die eigenen Einnahmen auf 555 753 M.(+ 69 804 M.) veranschlagt, die Ausgaben auf 735 594 M.(+ 16 914 M.), so daß ein Reichszuschuß von'179 841 M.(— 52 890 M.) erforderlich wird.— Der vorläufige Rechnungsabschluß für 1905 läßt einen Ueberschuß von 33 784,26 M. erhoffen, wovon 25 666 M. als Einnahme in den Etat für 1967 eingestellt worden sind. Der Etat für Kiautschou veranschlagt die eigenen Einnahmen des Schutzgebietes auf 1542766 M. (+ 494 700 M.). den Rcichszuschuß auf 11 735 506 M.(— 1 414 500 M.). Von den auf 13 278 206 M.<— 919 800 M.) bemessenen Ausgaben entfallen 7 612 567 M.(+ 247 248 M.) auf fortdauernde, 6 230 000 Mark(— 1 145 000 M.) auf einmalige Ausgaben, 35 693 M. auf den Reservefonds. Bei der Zivilverwaltung ist die neue Forde- rung für einen Bezirksamtmann zu bemerken. Die Gesamtausgaben der Zivilverwaltung betragen 1 246 872 M. (+ 65 244 M.). Bei der Militärverwaltung sind erhebliche Neuforderungen nicht zu verzeichnen. Die fortdauernden Ausgaben für ihre Zwecke be- laufen sich auf 3 339 241 M.(+ 132 316 M.). Bei den einmaligen Ausgaben sind für die Hafen- a n l a g e n 2 320 600 M.(1 090 000 M.) angesetzt. ES bleiben noch 2 876 666 M. zu fordern. Zu Hochbauten sind 1 685 666 M. (— 60 000 M.), zu Tiefbauten 1040 000 M.(+ 445 000 M.) an- gesetzt. Zur Beteiligung an der Beschaffung von Wohn- und Arbeiter- Häusern werden 56 666 M.(— 50 000 M), zur Regulierung der Wildbäche und zur Aufforstung, wie im Vorjahre. 36 666 M. ver- laugt. Kuslanä. Oesterreich. Ein Weihnachtsgeschenk. Wien, 9. Dezember.(B. H.) Blättermeldungen zufolge soll der Kaiser gegenüber Herrenhausmitgliedern den Wunsch ausgesprochen haben, daß das Gesetz über die Wahlreform in der„Wiener Zeitung" am 1. Wcihnachtsfeiertag als ein Gc- schenk für die Nation veröffentlicht werden möge.— Die Postbeamten rührey sich wieder. Aus Unzufriedenheit mit ihrer Lage beabsichtigen sie noch vor Weihnachten in die passive Resistenz einzutreten und dieselbe auf alle Zweige des Postverkehrs auszudehnen!— Schweiz. Das RuhetagSgesetz im Kaiiton Zürich. Zürich, 5. Dezember.(Eig. Ber.) Der Züricher Kantonsrat hat in der fortgesetzten Beratung des neuen Ruhetagsgesetzes an der Kommissionsvorlage einige Aenderungen vorgenommen. Er strich den Artikel 16, der den Konditoreien, Verlaufsstellen für alkoholfreie Getränke und Obst an den Sonn- und Festtagen Ausnahmen im Sinne des längeren Offenhaltens einräumen sollte, mit 152 gegen 46 Stimmen.„Die Friseurgeschäfte müssen am Karfreitag und eidgenössischen Bettag, ebenso am Ostermontag, Pfingst- montag uiid zweiten Weihnachtstage gänzlich, an den übrigen öffentlichen Ruhetagen sowie am Ostersonntag, Pfingstsonntag und ersten Weihnachtstag von vormittags 11 Uhr an ge- schloffen bleiben", so hatte die Kommission vorgeschlagen; der Kantonsrat beschloß aber, daß an den letztgenannten Feiertagen schon um 9 Uhr zu schließen sei. Auch der 8 12, der den Photo- graphen, Zigarrengeschäften und Verkaufslokalen für Zeitungen und Änsichtskarten eine Ausnahmestellung gewähren wollte, wurde gestrichen; diese bleiben also den allgemeinen Bestimmungen unterstellt. Die Apotheker haben an den Orten, wo ihrer mehrere sind, an den öffentlichen Ruhetagen abwechselnd offen zu halten, wofür die Direktion des Gesundheitswesens die näheren Bestimmungen aufstellen wird. An Orten, wo nur eine Apotheke ist, soll diese während mehrerer aufeinanderfolgender Stunden geschlossen bleiben. Die Gemeinden erhalten die Kompetenz, mit Genehmigung der Regierung die Sonntagsarbeit für einzelne Berufsgruppen noch weiter, als das Gesetz es bestimmt, einzuschränken. Den Gehülfen, Angestellten und Arbettern, welche Sonntagsarbeit verrichten, ist in jedem Falle mindestens der dritte Sonntag ganz freizugeben, außerdem in den- jenigen Wochen, in die kein freier Sonntag fällt, ein Nachmittag. Das Nähere darüber wird noch durch eine Regierungsverordnung bestimmt werden. Die Friseurgehülfen haben Anspruch auf wöchentlich je eine» freien Nachmittag, spätestens von 2 Uhr ab.— Zürich, 10. Dezember. Nach heftigem Wahlkampfe wurde gestern hier als Bezirksrichter der Sozialdemokrat Dr. Enderli mit 11428 gegen 9225 Stimmen gewählt. Frankreich. Ministerstege und Niederlagen. Paris, 7. Dezember.(Eig. Ber.) Wenn man den Kurs der jetzt herrschenden bürgerlichen Politik erkennen will, so braucht man nur die zwei parlamentarischen Begebenheiten ins Auge zu fassen, die sich gleichzeitig am Dienstag in der Depittiertenkammer und im Senat ereignet haben. Jin Senat erlitt B i v i a n i eine empfindliche Niederlage. ES handelte sich um das Bleiweißverbot. Diese sozialhygienische Maßregel war schon längst fällig. Die Depuiiertenkammer hatte das betreffende Gesetz auch schon vor einigen Jahre» erledigt. Im Senat aber, wo die Sozialreaktionäre eine kompakte Masse bilden, ging die Sache nicht so leicht von statten. Man bekam da sogar einen würdigen Herrn zu hören, der die Verwendung des Gifte? mit einem feierlichen Appell an die„Freiheit des Menschen" bekämpfte! Da indes die Majorität doch nicht wagte, diesen Anschauungen Folge zu geben, entschloß sie sich, da« Bleiweißverbot wenigstens für die Kapitalisten so wenig empfindlich wie nur möglich zu machen. Darum wurde vorgeschlagen, den durch das Gesetz betroffenen Unternehmen! eine Eni- s ch ä d i g u n g zuzubilligen. Vergebens sprach Viviani namens der Regierung dagegen. Alle Hinweise auf Präzedenzfälle sowie auf die den Unternehmern bewilligte Uebergangsperiode von drei Jahre» und auf die Tatsache, daß das Bleiweißverbot schon lange zu er- warten war und die Fabrikanten sich danach einrichten konnten, blieben vergebens. Die Senatoren bewilligten die Entschädigimg mit erheblicher Mehrheit. Nach diesem edlen Prinzip, Nutznießer von volksvergistenden Unternehmungen schadlos zu hallen, werden künstig noch Bordellwirte Eni- sckiädigung fordern dürfen, wenn man ihre Häuser schließen sollte. Allerdings— die Liebe der Senatoren zur„individuellen Freiheit" schützt die Herren Bordellbesitzer wohl lange noch vor solchen Ge- fahren. Mußte der Arbeitsminister auS dem Senat als Geschlagener abziehen, so errang dafür Briand in der Deputiertenkammer einen großen Triumph. Er hatte auf eine sozialistische Interpellation zu antworten, die die Maßregelung eines republikanischen Lehrers betraf. Der Schulinspektor G u e r y hatte in einem Departement für den weltlichen Unterricht etwas kräftiger agitiert, als dem Präfekten und den Abgeordneten just vor den Wahlen angenehm war. Sie setzten seine strafweise Versetzung durch, und Briand hielt diese Versetzung auch aufrecht, als der Verband der Lehrerschaft und die Liga der Menschenrechte zu seinen Gunsten intervenierte. Vom Genossen B l a n c wegen seiner Haltung in diesem Falle zur Rede gestellt, erlviderte Briand. die Lehrer hätten die Jugend zu unter- richten, aber nicht Politik zu treiben, und wenn e r. Briand, sich in seinem Vorgehen gegen den Schulinspektor etwas zur Last zu legen hätte, so nur, daß er zu großmütig gewesen seil Die Mehrheit begrüßte diese famose Erklärung des „Sozialisten" Briand mit donnerndem Beifall, und die reaktionäre Presse, der„Temps" voran, ist ganz entzückt von einem solchen Unterrichtsminister. Die„Humanits" kritisiert Briand mit der gebührenden Schärfe, und Genosse R e v e l i n weist treffend darauf hin. daß die Unterweisung der Schüler im bürgerlichen Rechte künftig Leuten übertragen werde, denm selbst diese Rechte oft- zogen seien.—_ Kritische Tage. Die Antwort des Papstes aus die von mehreren Bischöfen in- folge des jüngsten ministeriellen Rundschreibens gestellte Anfrage lautet, wie die Blätter melden:„Den Gottesdienst in den Kirchen fortsetzen, sich jeder Erklärung enthalten!" Ministerpräsident Clemenceau erklärte einem Berichterstatter des„Matin" gegenüber:„Die Kirche will den Krieg, sie wird ihn haben! Das Versammlungsgesetz ist bisher von allen Franzosen befolgt worden. Der Papst befiehlt der Geistlichkeit: Dieses Gesetz werdet Ihr nicht anerkennen, Ihr werdet es verletzen! und alle diejenigen, die sich dem Gesetz bereits unterordnen wollten, beugen sich nunmehr vor den Befehlen Roms. Ist das nicht ein glänzenoer Beweis dafür, daß neben der regulären Regierung Frankreichs noch eine andere besteht? Da haben wir sie ja, die Agenten des Auslands. Das kann so nicht länger dauern." Die gesamte Presse erörtert eingehend die durch daS Vorgehen des Papstes geschaffene Lage. Die radikalen und die sozialistischen Blätter sagen, die Kirche habe den Religionskrieg erklärt, der Papst sei weit über seine eigene Enchclica hinausgegangen. Die Republik könne sich nicht verhöhnen lassen. Wenn die Geistlichkeit der auf« rührerischcn Weisung des Papstes gehorche, dann müßten die Ruhe- gehälier und die Unterstützungen für den KleruS sofort unterdrückt und die Kirchengebäude den Gemeinden zurückgegeben werden. Die Regierung habe genug gesprochen, genug nachgegeben. Jetzt müsse sie fordern! Die meisten konservativen und nationalistischen Blätter billigen die päpstliche Entscheidung. Die katholische Religion, der 46 Milli- onen Franzosen angehören, wolle nicht mit herablassender Duld- samkeit behandelt werden. Gewalttätigkeit und Religionskrieg sei der Unterwerfung unter das Joch der Freimaurer vorzuziehen!! Die einzige noch mögliche Lösung sei die. daß die Republik sich-nt- schließt, endlich in Verhandlungen mit dem Papste einzu- treten. Die Regierung ist entschlossen, angesichts der augenblicklichen Lage alle Vorschläge der Bischöfe zurückzuweisen, die bischöflichen PalaiS zu vermieten, und alle Gebäude, die dem Staate gehören und von der Geistlichkeit bewohnt werden, vom 11. Dezember, dem Tage des Inkrafttretens des Trennungsgesetzes, ab zu veräußern. Australien. Die Wahlen zum Bundesparlament finden am Mittwoch, den 12. Dezember in Australien statt.(Der endgültige Termin ist erst spät bekannt gemacht worden.) Die Arveiterpartei hat eine sehr rübriae Agitatioi entfaltet.„Kampf gegen den Sozialismus' war das Thema in allen Wahlverfammlungen der Gegner. Zahlreiche Frauenversammlungen wurden abgehalten, und die Teilnahme der Frauen an den Wahlen wird verhältnismäßig start fein. Ueber die Vertretung der Arbeiterpartei im jezigen Parlament gibt folgende Aufstellung ein Bild: Im Senat: Jm Repräsentantenhause: Mitglieder Neu- Südwales.( 26) Vittoria Mitglieder 7 Arb.-B.( 6) ( 23) 3 " Süd- Australien.( 7) Quensland 3 " ( 9) 7 " West- Australien.( 5) ( 5) 4 1 " Tasmanien " ( 6) ( 6) GORGO 1 Arb.-B. " 3 5 " 1 4 1 " " 75 darunter 25 Arb.-P. 36 darunter 14 Arb.-P. 75 darunter 25 Arb.-P. 36 darunter 14 Arb.-. Gewerkschaftliches. Noch einmal die nüßlichen Gelben". " Generalsekretär Dr. Westphal, der in der Versammlung re- Dänemark, Deutschland usw. veröffentlicht werde. Gie sekten thre ferierte, führte aus, daß der zum 1. April 1907 einzurichtende Bentral- Streifbrecherei fort und ihre Namen wurden dann der von Iversen arbeitsnachweis nie anders denn als eine Einrichtung der Innungen unterzeichneten Sperrnotiz in Social- Demokraten" angefügt und gedacht worden sei. In der Schlichtungskommission habe auch der Ge- so den Verbandsmitgliedern wiederholt in Erinnerung gebracht". fellenvertreter Heshold zugegeben, daß der Zentralarbeitsnachweis Das Gericht sprach beide Angeklagten frei. Ueber die Anklage eine Innungseinrichtung sei. In Versammlungen und in der Presse gegen Griffen urteilte die Mehrheit des aus drei Laien zusammenhabe Heßschold, beziehungsweise der Bäckerverband die entgegen gefeßten Gerichts, daß die objektiven Voraussetzungen des gejezte Auffassung vertreten. Die Meisterschaft wünsche nicht den Bergehens gegen das Strafgesetz vorhanden seien. Man stützte sich Abbruch der Vereinbarungen, fie wolle friedliche Beziehungen mit hierbei hauptsächlich darauf, daß nach dem Versammlungsprotokoll den Gesellen beibehalten. Bon der am Dienstag( heut) stattfindenden die Verbandsabteilung beschlossen hatte, die Kläger als Streitbrecher Bersammlung der Gesellen werde es abhängen, ob der Friede zu kennzeichnen". Einig war das Gericht darin, daß die suberhalten werde. Der Referent empfahl eine Resolution, iettiven Voraussetzungen einer Verurteilung fehlten, da der welche dem Sinne nach besagt: Die Versammlung ist Angeklagte sich nicht bewußt gewesen sei, daß er sich einer Drohung, einverstanden, sie ist gewillt, die in den Vereinbarungen vom Mai machte. Der eine Richter, Schulrektor arſen, äußerte, daß mit der Haltung der Meistervertreter in der Schlichtungskommission und noch weniger, daß er sich einer strafbaren Handlung schuldig dieses Jahres gemachten Zugeständnisse aufrechtzuerhalten, protestiert auch die objektiven Voraussetzungen fehlten, da das Schreiben keine aber gegen die Auslegung, welche die Vertreter des Bäckerverbandes Drohung enthalte. Ueber die Anklage gegen Iversen erklärte der Vertragsbestimmung über die Einrichtung des Zentralarbeits- das Gericht einstimmig, daß er nicht für die Form jenes Vernachweises gegeben haben. Die Meisterschaft hat dieser Bestimmung antwortlich gemacht werden könne. Auch sei es nicht bewiesen, daß sammlungsbeschlusses und Schreibens der Verbandsabteilung ber eine Innungseinrichtung sein soll. Die Gesellenvertreter in der Aufsichts- wäre, um zu drohen oder jemand zu zwingen. Das Ger.at nahm nur unter der Voraussetzung zugestimmt, daß der Zentralarbeitsnachweis die Veröffentlichung der Namen in" Social- Demokraten"-rfolgt tommission des Arbeitsnachweises sind vom Gesellenausschuß, die an, daß der 3wved war, die organisierten Arbeiter über die Ber Meistervertreter vom Vorstand der Innung zu stellen, die Anstellung hältnisse zu unterrichten, vielleicht auch, die genannten Personen des Sprechmeisters bleibt nur der Innung vorbehalten. Sollte der zu chikanieren. Diese lette Auffassung jei jedoch weder in der Verband der Bäcker auf seinem Standpunkt verharren, so ist das Anklage noch in der Verhandlung berührt worden. beauftragt ihre Vertreter, alle erforderlichen Maßnahmen für diesen daß in Norwegen die Gewerkschaften wohl das Recht haben, Leute, als Bruch der Vereinbarung zu betrachten. Die Versammlung Durch die Freisprechung der beiden Angeklagten ist festgestellt, Fall zu treffen, verbietet ihnen aber, ihren Standpunkt in der Frage die zu Verrätern an der Arbeiterklasse werden, auf das Verwerfliche des Zentralarbeitsnachweises zu ändern. und auf die Folgen ihrer Handlungsweise gehörig aufmerksam zu machen und ihre Namen mit dem richtigen Titel„ Streitbrecher" in der Oeffentlichkeit bekannt zu geben. der Eingegangene Druckfchriften. Ein wichtiges Dokument für die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung ist ein in der liberalen Augsburger Abendzeitung" erschienener Bericht über die Generalversammlung der Vereinigten Maschinenfabriken Augsburg- Nürnberg. Darin heißt es u. a.: Der Arbeiterverein vom Werk Augsburg ( die gelbe Garde!) hat derzeit 2060 Mitglieder= 64 Proz. Ser Eintrittsberechtigten. Dieser im Oktober 1905 gegründete Verein hat sich in jeder Beziehung als sehr jegens reich erwiesen. Hervorzuheben ist insbesondere: 1. Durch Dem Referat folgte eine lebhafte Diskussion. Der erste Redner das energische( lies terroristische) und geschlossene Vorgehen Fischer sagte, er sei von Anfang an der Meinung gewefen, oaß des Arbeitervereins wurden wieder geordnete Zustände in der Zentralarbeitsnachweis ein paritätischer sein soll. Anders könne den Werkstätten erreicht, das Wühlen und Heßen der Organi- er die Vertragsbestimmung nicht auffassen. Er schlug vor, daß die fierten hat aufgehört und es findet wieder die gegenseitig Schlichtungsfommission nochmals versuche, eine Verständigung zunötige Beihilfe beim Arbeiten statt, das ist besonders für die ftande zu bringen. Der bekannte Scharfmacher Bernard stieß Eisengießerei sehr wichtig. 2. Von dem Formerausstand in vor, in einem paritätischen Arbeitsnachweis habe fräftig in die Kriegstrompete. Er redete der Versammlung Augsburg, welcher in diesem Frühjahr von der sozialdemo- Verband allein zu bestimmen, ein roter Assessor werde den rote fratischen Organisation veranlaßt war, wurde Werk Augsburg Vorsitz führen und die Meister hätten dann ohne Widerrede jeden nicht betroffen, die Organisationsführer hatten offen erklärt: Gefellen einzustellen, der ihnen geschickt werde. Nachdem Bernard auf Dort find wir wegen des Arbeitervereins machtlos." 3. Be- diese Weise die von ihm gewünschte Stimmung hervorgerufen hatte, sonders schätzenswert ist es, fährt der offizielle Bericht fort, forderte er in kräftigem Lon, daß die Meister an dem Jnnungsdaß die Mitglieder des Arbeitervereins den Wühlereien der nachweis festhalten. Wenn an dieser Frage der Friede Heger nicht mehr ausgesetzt sind. Erfahrungsgemäß ist es den scheitert, dann solle man es ruhig zum Kriege tommen lassen. Hetzern vielfach gelungen, solche Arbeitskreise, besonders von Die nachfolgenden Redner waren zwar nicht so friegswütig wie Herr Bernard, fie stimmten aber der Provinz aufzuwiegeln, welche vorher mit den Verhält- fachlichen Ausführungen des Referenten zu. nissen ganz zufrieden waren. 4. In den meisten größeren traten abweichende Anschauungen. Most machte den Vermittelungs- 5 M. Berlag R. Bong, Berlin. Werken der Industrie in Nürnberg, auch bei Siemens- vorschlag, den Gesellenausschüssen aller Innungen das Wahlrecht Schuckert, sowie in denen von München, besteht schon länger für die Hälfte der Sprechmeisterposten zu geben. Ein Arbeitsnachweis Jm weiteren Verberg war deshalb genötigt, diefelbe auch einzuführen. Die lauf der Debatte stellte Fischer einen von Most und Organisierten in Augsburg hatten deshalb darauf ge- Bersammlung ist der Ansicht, daß nach den Vereinbarungen der Petersohn mitunterzeichneten Antrag, welcher besagt, die drungen, daß auch im Werk Augsburg die Arbeitszeit auf Bentral- Arbeitsnachweis nur bon den Innungen und den Lemberg, 10. Dezember.( B. H.) Der 28jährige Gutsbesizer 57 Stunden wöchentlich herabgesetzt werde. In diesem Falle Gesellenausschüssen errichtet und verwaltet werden kann.- Dr. West- Mar Gwozdziy erschlug in Wibranowts seinen Bater, seine Mutter wären auch alle anderen Augsburger Metallindustriellen dazu phal sagte, was dieser Antrag wolle, das sei den Verbands- und seine Schwester wegen Besitz streitigkeiten mit einem Beil. Der gezwungen gewesen. Der Arbeiterverein( Die vertretern in der Schlichtungskommission schon vorgeschlagen worden, Mörder wurde verhaftet. gelbe Garde) aber hatte erklärt, daß Versie wollten aber nicht darauf eingehen. Zum Schluß betonte der fürzung der Arbeitszeit durchaus nicht ge- Vorsitzende, Obermeister Schmidt, nochmals, daß die Meister den Georg Haberland. An das Baugewerbe! Kritik des Gesezentwurfes über die Sicherung der Bauforderungen. 62 Seiten. Verlag 2. Simion Nf., Publikation Hans Kraemers( Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Berlin Berlin SW. 48. Von Der Mensch und die Erde", der neuen wissenschaftlichen W. 57, 60 Pf. pro Lieferung), sind bereits die Lieferungen 11-13 erschienen. Deutschlands Heer in österreichischer Beleuchtung. Briefe eines t. u. t. Offiziers. 1,80 M. Berlag F. Engelmann, Leipzig. Webers Juristen- Kalender 1907. Bearbeitet von Rechtsantvalt Dr. A. Kallmann. Breis 2 M. Berlag F. Weber, Berlin W. 35. Der Maximalarbeitstag, von B. Harms. 80 Pf. H. Lauppsche Buchhandlung in Tübingen. Ad acta!! Eingaben an Hohe und Höchste Stellen, 55 Seiten, von meistens den 2. Deuß Selbstverlag Hamburg. Einzelne Redner berVölker Europas! Der Krieg der Zukunft von<--, 664 Seiten. die 57stündige wöchentliche Arbeitszeit. Unser Werk in Nürn- ohne Beteiligung der Gefellen sei nicht denkbar. Im weiteren Ber Letzte Nachrichten und Depefchen. Dreifacher Mord. Gegen die Pfaffenherrschaft. Baris, 10. Dezember.( W. T. B.) Kultusminister Briand wünscht wird, wohl aber eine Vermehrung Frieden wünschen und zu weiteren Verhandlungen in der Schlichtung hat an die Präfetten ein Rundschreiben gerichtet, in welchem an der Wohlfahrtseinrichtungen. Lediglich Die Resolution des Referenten wurde gegen vier Stimmen angedeutet wird, daß gegen Geistliche und andere Veranstalter von wegen dieser Stellungnahme des Arbeiterbereins genommen. ist eine Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit unterDeutfches Reich. Fulturellen Zusammenfünften, die die gesetzlich vorgeschriebene Erflärung nicht abgegeben oder eine ungenügende Erklärung gemacht blieben. Ein großer Teil der Industriellen In der pfälzischen Nähmaschinen- und Fahrradfabrik zu Kaisers: haben, bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige zu erstatten ist. Deutschlands, darunter die angesehenſten, inter- lautern von vormals Gebrüder Kayser ist ein Streit aus- Die Regierung rechne auf die Festigkeit und die Wachsamkeit der Präfetten, damit dem Gefeße Achtung verschafft werde. effiert sich ganz außerordentlich für den gebrochen, der zur Aussperrung führte. Die Hirsch- Dunderschen Präfetten, damit dem Gefeße Achtung verschafft werde. Arbeiterverein. Von zirka 80 Verbänden und Firmen Gewerkvereinler und Christlichen haben mit den Indifferenten ein schreiben an die Staatsanwaltschaften erlassen mit der Anweisung, Justizminister Guyot Dessaigne hat seinerseits ein Rundwurde Auskunft über denselben erbeten. Auch eine große Bündnis geschlossen, um ihrem Ruhmestranz als Unternehmer zu ihrer Kenntnis tommende Uebertretungen der auf die Ausübung Anzahl von Augsburger Industriellen, und zwar nicht nur schußtruppe ein neues Ruhmesblatt einflechten zu können. Zuzug bes kultus bezüglichen Bestimmungen unverzüglich zur Bestrafung bon der Metallindustrie, hat die Errichtung von ähnlichen ist streng fern zu halten. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abbrud gebeten. zu bringen. Diese Strafverfolgungen sollen unabhängig von der Arbeitervereinen aufgenommen. Verfolgung etwaiger Verbrechen oder Vergehen, die aus Anlaß Weil sich dieser Arbeiterberein also so segensreich er maurer, Zimmerer und Erd- und Bauhülfsarbeiter werden. Der Minister empfiehlt den Staatsanwälten zu prüfen, Lohnbewegung im Baugewerbe zu Straßburg. Die Tarife der kultureller Vereinigungen begangen werden sollten, durchgeführt wiesen hat für das Unternehmen, hat die Generalversammlaufen gleichzeitig am 31. März 1907 ab. In drei außerordentlich ob es im Falle von Freisprechungen solcher Beschuldigten nicht anlung der Aktiengesellschaft der gelben Garde wieder einen start besuchten Versammlungen der gut organisierten baugewerblichen gezeigt wäre, Berufung einzulegen. größeren Geldbetrag geschenkt einen Brocken von dem Branchen wurde beschlossen, die Tarife am 31. Dezember zu Riesenreingewinn! Die Herren Aktionäre aber sacken tündigen und in Lohnbewegungen einzutreten. Die Maurer Die Klassenjuftiz der Kriegsgerichte. 172 Prozent Dividende ein. und 8immerer, verbunden durch Kartellvertrag, stellen folgende Paris. 10. Dezember.( W. T. B.) Im Laufe der Debatte Forderungen: Neunstündige Arbeitszeit, Grhöhung des Stunden- über das Kriegsbudget in der heutigen Sizung der Deputierten lohnes von 47 auf 55 Pf., des Lohnes für Kanalisations, Waffer- tammer sprach Réville seinen Ülawillen darüber aus, daß ein und Brückenbauten von 52 auf 65 f. Die Bauhülfsarbeiter junger Soldat in Bésancon, der im trunkenen Zustande einen fordern: Neunstündige Arbeitszeit, Erhöhung des Stundenlohnes Korporal geschlagen hatte, deswegen zum Tode verurteilt worden sei, von 35 auf 45 Pf., für Erdarbeiten von 39 auf 50 Pf., Zuſchläge und verlangte unter Hinweis hierauf die sofortige Abschaffung der für Ueberstunden von 15 Pf., für Nacht-, Wasser- und Feuerungs- Kriegsgerichte. Unterstaatssekretär Chéron erwiderte, eine Vorlage, arbeiten 25 Bf. pro Stunde und für Sonntagsarbeit doppelten Lohn. welche die militärische Gerichtsbarkeit vollkommen abschaffe, werde in einigen Tagen dem Hause zugehen. Die erwähnte Verurteilung sei eine Unmenschlichkeit und müsse Aergernis erregen, auch werde fie ihm als Material dienen, um die Abschaffung jener AusnahmeBerlin und Umgegend. Husland. Streit holländischer Textilarbeiter. gerichtsbarkeit zu verlangen. Die Härte derselben für die Mannschaften habe nur ein Gegenstück in ihrer Milde für die hohen Chefs. ( Lebhafter Beifall. Widerspruch rechts.) Die Verteilung der Nobelpreise. Die Schmiede wollen in eine Lohnbewegung eintreten. Am Sonntagvormittag hielten sie eine gut besuchte Versammlung in den„ Musiker- Sälen" ab und beschlossen einstimmig, den Verbandsvorstand zu ermächtigen, die einleitenden Schritte zu tun. Siering referierte und erklärte, daß sich die Zohnverhält nisse bei den Schmieden seit 1½ Jahren nicht verändert hätten, von einigen vorübergehenden Gelegenheiten abgesehen, daß dagegen die Lebensbedingungen in derselben Zeit sich stark zum Nachteil der Arbeiter verändert haben. Die Schmiede sehen sich Zu Rijssen in der Provinz Overijsel ist am Montag ein großer vor die Notwendigkeit gestellt, auf eine Erhöhung der Löhne zu Textilarbeiterstreit ausgebrochen. Ungefähr 1000 Arbeiter und dringen. 27 M. Minimallohn ist bei der langen Arbeitszeit zu Arbeiterinnen haben die Arbeit eingestellt. Sie verlangen in den wenig. Im letzten Sommer war der Lohn vorübergehend etwas verschiedenen Arbeitszweigen Lohnerhöhungen von 5 bis 20 Proz höher; Stockgesellen erhielten einen Minimallohn von 45 Pf. die Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse sind so erbärmlich, daß diese Stunde. Und das ist äußerst bescheiden! Die Schmiede könnten Forderungen als sehr bescheiden gelten müssen. Das beweist sogar Kristiania, 10. Dezember.( W. T. B.) Jm Storthing fand sich ein Beispiel nehmen an den Holzarbeitern und der Bauarbeiter die offizielle Sterblichkeitsstatistik. In ganz Niederland starben von heute nachmittag die feierliche Zuteilung des Nobelschen Friedensschaft von Berlin, die jetzt den Achtstundentag und Löhne von 70, 1000 Einwohnern an Krankheiten der Atmungsorgane durchschnitt- preises statt. Minister des Aeußern Lövland, als Vorsitzender des 80 und 85 Pf. die Stunde fordern. 70 Pf. gilt für die Schmiede lich 5,52 im Jahre, in 15 Gemeinden der Provinz Overijsel, wo die Nobel- Komitees, teilte mit, daß der Friedenspreis dem Präsidenten jezt noch als unerreichbar. Der Kampf wird nicht leicht werden, Textilindustrie zu Hause ist, 6,63; am schlimmsten aber ist es in Roosevelt zuerkannt worden sei. denn die Scharfmacher sind in der Schmiedeinnung tonangebend. der Gemeinde Rijssen, denn dort ist diese Durchschnittszahl 9,11. Stockholm, 10. Dezember.( W. T. B.) Der Nobelpreis für Das Verhältnis zwischen dem Gesellenausschuß und dem Innungs- Ihre Forderungen haben die Arbeiter schon im Mai dieses Jahres Physik wurde dem Professor Thomson zu Cambridge für seine borstand ist gegenwärtig ein sehr gespanntes. Man hat gesehen, gestellt, und seitdem bemühen sich der christliche und der allgemeine langjährigen Forschungen über das Wesen der Elektrizität, der Preis daß die Innung ihre Preise um 25 Proz. erhöhte und Redner Tertilarbeiterverband gemeinsam, Verhandlungen mit den Fabri- für Chemie dem Professor an der Universität Baris Henri fragte, ob die Meister vielleicht freiwillig die Löhne erhöhen wollen, fanten anzuknüpfen; die wollen aber nicht verhandeln und be- Moissan für seine Untersuchungen über das Element Fluor und die Versammlung antwortete darauf mit einem schallenden Sehaupten, wie üblich, daß sie an der Auslandskonkurrenz zugrunde dessen Isolierung sowie für die Einführung des elektraschen Ofens lächter. Eine straffe Organisation ist notwendig, um in den Kampf einzutreten, und jeder muß daran in der nächsten Zeit mit aller gehen müßten, wenn sie die Löhne erhöhten. Sie schieben, offenbar in den Dienst der Wissenschaft, der Preis für Medizin den Proum der Sache einen politischen Hintergrund zu geben, die Haupt- fefforen Camillo Golvi in Pavia und Ramon b. Caial in Kraft arbeiten, daß Mann für Mann in allen Werkstätten zum schuld an dem Ausbruch des Streiks dem Bürgermeister, dem Madrid für ihre Arbeiten über die Anatomie des Nervensystems Berband gehöre. Siering brachte später noch die Lehrlingsfrage zur Sprache. Pfarrer und dem Steuereinnehmer zu, weil diese Herren flerital, erteilt. Bologna, 10. Dezember.( W. T. B.) Der schwedische Gesandte Vor einiger Zeit wurde eine Versammlung einberufen, um die fie aber liberal sind. Der Pfarrer soll allerdings wiederholt geLehrlinge für die Jugendorganisation zu gewinnen. Die Meister äußert haben, daß die Löhne zu niedrig sind. Den Bürgermeister hat heute im Auftrage des Königs Oskar dem Dichter Giosuè waren darüber sehr erbost und nannten diese Agitation den„ Gipfel haben die Fabrikanten um strenge Maßregeln gegen die Streifenden Carducci den Nobelpreis für Literatur überreicht. aller Verworfenheit". Es wurden Lehrlinge geprügelt, die an der ersucht; der soll aber erklärt haben, daß er sich bemühen werde, unVersammlung teilnahmen. Siering wandte sich scharf gegen parteiisch zu handeln. Gleichwohl hat er 28 Polizeileute mit der die Prügelmethoden in der Lehrlingsschule und auch in der Wert- Aufrechterhaltung der Ordnung" betraut und das Zusammenstehen stätte. In einer warmen, herzlichen Weise bat er die Gesellen, die mehrerer Personen auf der Straße verboten, weil bei einem Streitible Gewohnheit des Prügelns der Lehrlinge, die in mancher Werk- brecher Fenster eingeworfen sind, allerdings nicht von Streifenden. statt herrscht, abzulegen. Es ist ein Zeichen von Roheit und ( Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) niedriger Gesinnung, zu glauben, daß ein Lehrling mit Schlägen erzogen werden müsse. Die Agitation unter den Lehrlingen wird trotz aller Opposition fortgesetzt werden, denn die jungen Beute bedürfen dringend der Aufklärung. Erdbeben. Cosenza, 10. Dezember.( W. Z. B.) Nachdem in der ver gangenen Nacht bereits einige leichtere Grderschütterungen verspürt waren, wurde die Bevölkerung heute früh 1 Uhr 4 Min. durch einen heftigen Erdstoß in Schreden versett. " Korruption. Das Recht der Gewerkschaften in Norwegen. In der norwegischen Stadt Skien ist dieser Tage ein Urteil gefällt worden, das für die Gewerkschaftsbewegung von großem Wert New York, 10. Dezember.( B. H.) Der„ American" behauptet, Die Streitfrage über den Arbeitsnachweis der Bäcker beschäftigte Maurerverbandes in Stien und der Hauptvorsitzende des Verbandes, gewirkt haben sollen, daß der Kongreß keinen Beschluß bezüglich der ift. Angeklagt waren der Vorsitzende Eriksen der Abteilung des König Leopold unterhalte bezahlte Agenten in Washington, die dahin gestern eine allgemeine Innungsversammlung der Bäckermeister Svarre Iversen aus Kristiania. Beide sollten sich gegen den Grenel im Kongoftaat faßte. Oberst Kowalsky, der Chef dieser Berlins und der Vororte. Wie wir bereits früher mitgeteilt haben,§ 222 des Strafgesetzbuches vergangen, strafbaren 3wang" aus- Agenten, habe 100 000 Frank jährlich. Indessen deutet der ist zwischen den Meistern und den Gesellen in der Schlichtungs- geübt haben. In Stien hatten die Maurer einen Tarifvertrag abAmerican" an, daß hochgestellte Personen, darunter Staatssekretär tommission eine Meinungsverschiedenheit ausgebrochen über die geschlossen, der die Meister unter anderem auch dazu verpflichtete, Root gegen eine Untersuchung eintraten. Root war der juristische Frage, ob der nach den Vereinbarungen vom Mai dieses Jahres nur organisierte Gesellen zu beschäftigen. Ein Meister erkannte Bertreter Thomas Ryans, der fürzlich umfangreiche Privilegien vom einzurichtende Zentralarbeitsnachweis eine Einrichtung der Innung den Tarif nicht an und bei ihm arbeiteten vier Unorganisierte. Kongostaat erhielt. Ryans Associé ist ein Sohn des Senators -wie die Meister verlangen oder ein paritätischer Arbeits- Ihnen wurde in einem Schreiben der Verbandsabteilung mitgeteilt, Aldrich, des republikanischen Führers im Senat. Kowalsky soll die nachweis wie die Gefellenvertreter fordern fein soll. Diese daß, wenn sie nicht gemeinsame Sache mit ihren organisierten Staatsbeamten zur Erlangung der Geheimdokumente bestochen haben. Meinungsverschiedenheit hat sich bekanntlich so zugefpigt, daß ein Kollegen machen wollten, sie als Streifbrecher angesehen und ihre Zwei weitere Agenten seien zur Beeinflussung der Presse und der Abbruch der vertraglichen Beziehungen zu befürchten ist. Namen auf die Liste kommen würden, die in Norwegen, Schweden, Mitglieder des Repräsentantenhauses angestellt. Berantm. Rebatteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.; Ch. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 4 Beilagenu. Unterhaltungsblatt Nr. 288. 23. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 11. Dezember 1906. 187. Sigung vom Montag, den 10. Dezember, nachmittags 3 Uhr. Am Bundesratstische: Graf Posadowsky, Freiherr von Tschirschky, Dr. Nieberding. Zuerst steht auf der Tagesordnung die dritte Beratung des Gesezes zur Ausführung der Algecirasatte. Auf Antrag des Abg. v. Normann( f.) wird das Gesez en bloc angenommen. aber nicht vergessen, daß die meisten Maurer- und Zimmermeister weit davon entfernt, der Organisationslosigkeit beim Handwerk nicht nur am Wohnorte, sondern auch an anderen Orten Bauten und dem Unternehmertum das Wort zu reden. Wir wünschen übernehmen. Es handelt sich hier um eine Maßregel von außer im Gegenteil die Organisation des Unternehmertums. Die ordentlich einschneidender Wirkung, und wir müssen daher die Vor- Herren um Bauli dagegen wollen die Bindung des Handwerks. lage ablehnen.( Beifall links.) Wenn von einem Mißbrauch des Handwerks zu politischen Zwecken treten. würden. Urheberrecht an Werken der bildenden Künfte und der Photographie. gewendet werden. Die§§ 1 bis 22 werden debattelos angenommen. § 23 lautet: Hat ist und Fällen nicht die Ortspolizeibehörde, sondern die untere Berwaltungs- Sie find es, die dem Handwerk in Rücksicht auf politische ParteiGeh. Rat Spielhagen: In Preußen entscheidet in den angezogenen die Rede sein kann, so lediglich bei Ihnen auf der rechten Seite. behörde, die, nachdem sie Sachverständige gehört hat, auf Verfagung intereffen zu schmeicheln suchen und bei dem Wettrennen um die der Erlaubnis flagen fann. In einzelnen Fällen tann im allgemeinen Gunst des Handwerks fann feine Richtung bei Ihnen der anderen Interesse allerdings eine Verfügung der Polizei sofort in Kraft einen Vorwurf machen.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das erkennt man aber auch in den Kreisen des Handwerks, und Abg. Dr. Böttger( natl.) erklärt sich im allgemeinen für die man beginnt daher, fich vont Ihnen abzuwenden. Herr Pauli Hierauf wird in erster und zweiter Beratung ein Gefeßentwurf Beschlüsse zweiter Lesung. Wünschenswert wäre es, wenn die Befagt, die von den Arbeitern gestellten Baukontrolleure würden ihre betreffend Kontrolle des Reichshaushalts für Elsaß- Lothringen und des Haushalts der Schutzgebiete für 1906 debattelos angenommen. Stimmungen der Vorlage auch auf den Tiefbau Anwendung finden Macht im Interesse der Sozialdemokratie mißbrauchen. Welche Grfahrung gibt ihm ein Recht hierzu? Aber auf Ihrer Seite mißgönnt Es folgt die dritte Beratung des Gefeßentwurfes betreffend Geh. Rat Spielhagen: Das Gesetz soll auch auf den Tiefbau an- man dem Arbeiter jede Stellung, die ihn in ein gerechtes Verhältnis zu den anderen Ständen bringen könnte. Bei den OrtskrantenAbg. Frohme( Soz.): faffen haben Sie stets das Gespenst zitiert, daß die böse Sozial" Für Zwecke der Rechtspflege und der öffentlichen Sicherheit Die ursprüngliche Tendenz der Vorlage war im wesentlichen auf demokratie sich einniste, und hier macht man es ebenso. Sie meinen, man würde fich einer Art Verfündigung gegen dürfen von den Behörden Bildnisse ohne Einwilligung des Be- den Arbeiterschutz gerichtet. Die jetzige Tendenz ist aber eine die bestehende Staatsordnung schuldig machen, wenn man unserem rechtigten sowie des Abgebildeten oder seiner Angehörigen ver- zünstlerische; man will daran gehen, einen Befähigungsnachweis zu Antrag Folge geben würde! Zunächst ging diese Anschauung von vielfältigt, verbreitet und öffentlich zur Schau gestellt werden." schaffen. Der Staatssekretär Graf Posadowsty hat sich früher den Unternehmern aus, dann drang fie bei den Beamten ein. Auf Antrag der Abgg. Albrecht und Genoffen( S03.) soll hinter unseren Anregungen gegenüber, einen ausgiebigen Arbeiterschutz doch der preußische Handelsminister am 16. Februar d. J. im ,, dürfen" eingeschaltet werden nur auf richterliche Anordnung", nach zu schaffen, durchaus entgegenkommend gezeigt. In den Abgeordnetenhaus gefagt:" Die Frage spigt sich praktisch dahin zu, dem Worte„ Angehörigen" soll eingefügt werden:„ angefertigt", und Betitionen, die sich gegen unsere Bestrebungen richten, hat man ob der Beamte ein Beamter" der sozialdemokratischen Agitation oder es soll der Zusatz hinzugefügt werden:„ Die richterliche Anordnung allerdings den Vorwurf gegen uns erhoben, daß die Bestrebungen ein Staatsbeamter sein soll." darf nur auf Grund reichsgesetzlicher Bestimmungen erteilt werden". der baugewerblichen Arbeiter das Baugewerbe vernichten würden. ein Staatsbeamter sein soll." Es wird der Vorwurf erhoben, die Bauarbeiterkontrolle solle Man hat es für unmöglich gehalten, die Bauarbeiter zur Baus Abg. Stadthagen( Soz.): fontrolle mit heranzuziehen und Vorwürfe gegen diese Arbeiter er- für die sozialdemokratische Agitation ausgenutzt werden. Wenn die Wir haben unseren schon in der zweiten Lesung eingebrachten hoben.( Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeiter Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften in ihrer Agitation Antrag wiederholt, weil hier trog aller gegenteiligen Beteuerungen haben ein großes Interesse daran, die Unterlassungsfünden der auf die Ausnutzung der Baukontrolle angewiesen wären, dann hätten durch den§ 23 ein neues Recht für die Polizei geschaffen werden Unternehmer festzustellen. Es ist eine ganze Anzahl von partiellen wir alle Ursache, zu sagen, daß die Bauarbeiterkontrolle für uns foll. Wir verlangen mindestens einen Schutz durch die Einfügung Streits ausgebrochen, weil den Unfallverhütungsvorschriften von feine Bedeutung hat.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nein, wenn etwas bon der Sozialdemokratie und von ,, nur auf richterliche Anordnung". Soweit das Recht, eine Person feiten der Unternehmer nicht genügend Rechnung getragen wurde. den freien Gewerkschaften rein fachlich ohne jede Rücksicht zu photographieren und die Photographie zu vervielfältigen, für die Wenn man immer nur von der Rücksichtslosigkeit der Bauarbeiter worden auf parteipolitische Interessen verhandelt Bolizei notwendig ist, genügen die bestehenden reichsgesetzlichen Be- spricht und nicht die Rücksichtslosigkeit der Unternehmer gleichzeitig verhandelt wird, so ist es diese Frage. Der Abg. Bauli hat auf stimmungen der Strafprozeßordnung. Sollten neue Be hervorhebt, so ist das ein so niedriger tendenziöser Standpunkt, daß stimmungen notwendig werden, fie erlassen man von dem, der sich auf einen derartigen Standpunkt stellt, fein einen Unfall beim Bau des Genossenschaftshauses hingewiesen. Mit werden. der Ausführung des Baues hatte aber die sozialdemokratische Partei Dagegen find sicherlich Bestimmungen notwendig, gesundes maßgebendes Urteil verlangen kann.( Zustimmung bei den als solche gar nichts zu tun! Der Bau ist ausgeführt worden von daß bei der Strafverfolgung wegen einer Handlung, die Soziald.) Man verleumdet die Bauarbeiter und zeiht sie der Lüge, der als solche gar nichts zu tun! Der Bau ist ausgeführt worden von einen politischen Charakter an sich trägt, der Beschuldigte Fälschung und Täuschung. Man behauptet, daß alle Mitteilungen, bewährten Architekten. Die Arbeiterschutzkommission trifft nicht der einem alten, bewährten Baumeister in Verbindung mit einem ebenso einen angemessenen Schuß gegen die Anfertigung, Vervielfältigung die sie uns über die Unterlassungen des Unternehmertums machen, und Verbreitung seines Bildnisses erhält.( Sehr wahr! bei den nicht wahr seien. Den gleichen Vorwurf erheben besonders die allergeringste Vorwurf. Sie( nach rechts) wollen alles immer nur Sozialdemokraten.) Durch Annahme der Resolution bei der zweiten Berufsgenossenschaften, und sie warnen die chriftlichen Arbeiter vor zuungunsten der Arbeiter auslegen. Bom Zentrum wird darauf hingewiesen, daß es schon im Jahre Lesung des Gesetzes hat der Reichstag diese Notwendigkeit aus unserer Forderung der Baukontrolle. Sie sagen, der chriftliche Bere 1877 Arbeiterschutzbestimmungen verlangt hat. Bei dem damaligen drücklich anerkannt. Glauben Sie aber ja nicht, daß die Regierung band habe sich sicherlich nicht flar gemacht, daß die Einführung Bentrumsantrage handelte es sich im wesentlichen um Einschränkung bereit sein wird, diefe Resolution in Gefeßesform umzugießen, wenn einer solchen gesetzlichen Kontrolle die Auslieferung des christlichen der Gewerbefreiheit. Einen wirklichen Arbeiterschutz haben allein die fie nicht durch andere Gestaltung des§ 23 dazu gezwungen wird. Verbandes an die Sozialdemokratie bedeutet. Es ist eben die Tendenz, Sozialdemokraten unter dem energischen Widerstande der ( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) unter allen Umständen gegen die freien Gewerkschaften zu bezen, fie Herrschenden Barteien verlangt.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Selbst für Breußen hat das Reichsgericht anerkannt, daß§ 6i irgend welcher Bestrebungen, die gar nicht in ihrem Wesen liegen Das Zentrum hat es auf eine neue zünftlerische Organisation abdes Gesetzes vom 11. März 1850 zwar der Polizei gestattet, alles, und liegen tönnen, zu beschuldigen, um sich den berechtigten Anwas sonst im Interesse der Gemeinde notwendig ist, zu verordnen, daß forderungen der Arbeiter zu entziehen.( Sehr wahr bei den Sozial- gesehen. Abg. Erzberger meint, wir hätten den Beweis für die Durch damit aber der Polizeistaat nicht wieder durch eine Hintertür ge- demokraten.) Ganz fälschlicherweise stellt man die Sache so dar, als schaffen werden und daß die Polizei feineswegs außerhalb des ob die Bauarbeiter ein Monopol beanspruchen, indem sie die führbarkeit unseres Antrages nicht erbracht. Auf seine Argumente Gesetzes gestellt werden soll. Was also nicht einmal in Preußen Unternehmer und die technisch gebildeten Bauleiter von der einzugehen, habe ich um so weniger Veranlassung, als wir den möglich ist, das soll jetzt für ganz Deutschland geschaffen werden: Kontrolle ausschließen wollen. Antrag ja jetzt nicht wieder eingebracht haben. Aber ich muß Herrn Nichts ist verkehrter. Die Erzberger doch sagen, daß, wenn das Zentrum wirklich die Tendenz ein neues Recht für die Polizei. Ich will nicht alles wiederholen, Arbeiter berlangen mur eine entsprechende Beteiligung und was bei der zweiten Lesung gesagt worden ist, aber die Herren vom erkennen durchaus an, daß die technisch Gebildeten sogar eine etwas daraus herauszuarbeiten. Aber in der Kommission sind des Antrages billigt, in der Kommission Gelegenheit gegeben wäre, Zentrum will ich doch daran erinnern, daß bei dem preußischen leitende Stellung bei der Kontrolle haben müssen; aber es gibt Einwände, wie die vorhin von ihm erhobenen, nicht gemacht worden. Gesetze zum Schuße der persönlichen Freiheit die beiden Abgg. sehr viele Dinge auf den Baustellen, die ein guter, geschulter, erReichensperger die Allmacht der Polizei und den Polizeistaat fahrener Arbeiter leichter erkennt als ein noch so tüchtiger, technisch energisch bekämpft haben. Wie können Sie es da verantworten, durchgebildeter Mensch.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Artikel 1 wird gegen die Stimmen der Linken angenommen. bei Gelegenheit dieses Gesetzes der Polizei ein neues Recht ein- Dente man doch nicht zu fleinlich von den Arbeitern, die doch auch In Artikel 2 wird festgefeßt, daß der Mangel an theoretischer zuräumen?( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Tagaus, tagein vernünftige Menschen sind. Erkenne man doch in dem Streben Vorbildung als Tatsache im Sinne des Artitel 1 nicht geltend fehen wir in Preußen, wie unter dem Namen der„ Sicherheits- des. Arbeiters nach Beteiligung an der Baukontrolle auch gemacht werden kann, wenn jemand die Prüfung für den höheren polizei" das Gegenteil der Sicherheit für die Staatsbürger erreicht das Streben zum Aufwärtssteigen an. Gerade die gesetzliche wird. Angesichts solcher Zustände wollen Sie die Almacht der Beteiligung an der Baukontrolle wird für den Arbeiter ein Sporn oder mittleren bautechnischen Staatsdienst bestanden hat, und daß Bolizei noch vergrößern?( Sört! hört! bei den Sozialdemokraten.) sein, die Eigenschaften zu erringen, welche ihn zur Uebernahme der Mangel an technischer und praktischer Vorbildung nicht geltend Für viel notwendiger würde ich ein Gesetz gegen die Willkür der Kontrolle geeignet machen. 100 000 tüchtige Gesellen gibt es, die gemacht werden kann bei jemand, der ein Zeugnis über die bestandene Meisterprüfung erbracht hat. 10 fönnten Arbeiter ( Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Die Debatte ist erschöpft. Abg. Cuno( frs. Vp.): Durch diesen Artikel soll zweierlei Recht geschaffen werden. Sie wollen, wie hier der Abg. Trimborn selbst angegeben hat, auf indirettem Wege den Befähigungsnachweis wieder einführen. Wir werden diese Bestrebungen ablehnen. Artikel 2 wird gegen die Stimmen der Linken angenommen; das Gesetz im ganzen angenommen. Die zu dem Gefeßentwurf ergangenen Petitionen werden durch die gefaßten Beschlüsse für erledigt erklärt. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. der Nächste Sizung: Dienstag, 1 Uhr( Fleischnotinterpellationen Freisinnigen und der Sozialdemokraten.) Schluß 6 Uhr. Der Zentralwahlverein für TeltowBolizei halten. Sind doch durch Polizeibeamte Kinder unter sechzehn ohne weiteres Meister werden könnten, wenn es ihnen nicht an Jahren bestimmten Unternehmern zu geschlechtlichen Zweden zu Geld dazu fehlte.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) geführt worden.( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In vielen Es ist verlegend für die Massen, wenn man in dieser Fällen ertönt jetzt schon der Ruf um Schutz gegen den Schutz törichten und frivolen Weise über die und mann. Wird dieser Paragraph Gesez, so wird die Polizei ihre Fähigkeit spricht, während fie es doch sind, welche ihn anwenden in Fällen polizeilicher Verfolgungen, wie fie den Bau ausführen, das Material verarbeiten, das Gerlist beim Kulturkampf und beim Sozialistengesetz stattfanden. Arbeitern Herstellen, oft mit Gefahr ihres Lebens.( Zustimmung bei den mit derselben Majorität werden debattelos die übrigen Artikel und gegenüber, welche streifen wollen, wird die Polizei von ihrer Be- Sozialdemokraten.) Die Schuld an den meisten Unfällen schiebt fugnis Gebrauch machen. Der Reichstag sollte sich jedes Eingriffs man dem Arbeiter selbst zu. Sehr häufig liegt diese Schuld aber in die persönliche Freiheit enthalten, nicht aber der Polizei ihre Macht, an dem Alfordsystem, an dem Antreibesystem, das auf den Bauten Iosgelöst vom richterlichen Schuße, stärken. herrscht und die äußerste Anspannung aller Sträfte notwendig macht. Bei der zweiten Lesung wies der nationalliberale Abg. Bär- Sie dürfen schon glauben, daß diese und ähnliche Umstände in wintel auf den Hauptmann von Köpenick hin, der nur ergriffen der Tat für die große Mehrzahl der Bauunfalle die Ursache sind. werden konnte, weil er von der Polizei seinerzeit photographiert Woher kommt es denn, daß die Bauunternehmer so oft auswärtige worden war. Aber ich meine, gerade dieser Fall sollte uns Arbeiter einstellen? Es ist dies eine beliebte Methode, die Löhne warnen, der Polizei noch besondere Rechte zu geben. Als der einheimischen Arbeiter herabzudrücken. Daß diese Braris auch Drgan der Gesellschaft zur Ergreifung Voigts hat in diesem Falle zur Vermehrung der Bauunfälle beitragen muß, liegt auf der Hand. nicht die Polizei, sondern der Zuchthäusler Kallenberg fungiert.( Bustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie auch heute Die Polizei hat nichts anderes getan, als jenen unglücklichen Mann, unsere Forderungen ablehnen, so wird doch die Zeit kommen, wo den Schuhmacher Voigt, überall aus der Arbeit zu treiben, und sie man unseren Vorschlägen zustimmen wird.( Lebhafter Beifall bei hat ihn auf den Weg des Verbrechens geradezu gedrängt. In der den Sozialdemokraten.) felben Weise hat die Polizei gegenüber politisch Mißliebigen gewirkt. Geben Sie ihr jetzt noch ein weiteres Recht, so wird die persönliche Sicherheit noch mehr unterminiert werden, als fie gegenwärtig schon von der Polizei unterminiert ist.( Bravo! bei den SozialdemoStaatssekretär Graf Posadowsky:§ 23 schafft nicht neues Recht, sondern er legt bestehendes Recht in sehr engen Grenzen fest. Sollte der Antrag Albrecht angenommen werden, so kann ich nicht die Zustimmung der verbündeten Regierungen zu dem Gesetze in Aussicht stellen. Ich bitte, diesen Antrag abzulehnen. fraten.) bekannt. Präsident Graf Ballestrem: Die Diskussion ist geschlossen. Abg. Stadthagen( Soz.( zur Geschäftsordnung]): Ich hatte mich noch zum Wort gemeldet. Bräsident Graf Ballestrem: Davon ist den Schriftführern nichts Abg. Stadthagen( Soz.): Ich hatte mich deutlich zum Wort gePräsident Graf Ballestrem: Es muß doch wohl nicht so deutlich gewesen sein, sonst hätten es die Schriftführer gemerkt. Die Anträge Albrecht und Genoffen werden abgelehnt, § 23 wird unverändert angenommen. Zur Schlußbestimmung beantragt meldet. die Beeskow hielt am Sonntag im Restaurant Wilhelmsgarten zu Tempelhof eine Generalversammlung ab. Bor Eintritt in die Tagesordnung fennzeichnete Genosse 8ubeil an einer Reihe von Einzelfällen das Abg. Pauli Potsdam( t.) verteidigt den Ausführungen des schifanöse Vorgehen der Polizei gegen die Parteigenossen in TempelAbg. Schrader gegenüber die Vorlage. Dem Abg. Frohme bemerke hof und Mariendorf; er zeigte weiter, daß trozdem unsere Anhängerich, daß der Gefeßentwurf nicht nur die Tendenz des Bauarbeiter- fchaft am Drte ständig gewachsen ist, und sprach die Erwartung aus, schutzes hatte, sondern auch die Tendenz, dem ganzen Baugewerbe daß sie auch ferner, allen reaktionären Maßnahmen zum Troß zu dienen. Die Tendenz des Arbeiterschutes ist in der Vorlage wachsen werde. noch erheblich verstärkt worden. Wir haben nicht die Absicht, die Genoffe Böste gedachte des verstorbenen Genoffen Dreesalten Bünfte wieder aufleben zu lassen, wir verlangen bach, dessen Andenken die Versammlung in der üblichen Weise ehrte. Organisationen für das Handwerk, den Bedürfnissen Der preußische Parteitag" lautete der erste Punkt der Neuzeit sich anpassen. Sie( zu den Sozialdemokraten) ber Tagesordnung. Der Referent, Genosse Hirsch führte aus, er verlangen die Ausübung der Bautenkontrolle durch Arbeiter. Da sei mit den Grundgedanken des vorliegenden Entwurfes des Abg. Henning( f.) tritt namens feiner Freunde für die un- follten Sie doch vor Ihrer eigenen Türe fegen. In Halle wird ein Drganisationsstatuts einverstanden. Die Einwände, welche gegen veränderte Annahme des Paragraphen ein. fozialdemokratisches Genossenschaftshaus gebaut, da hatten die Partei- den Entwurf erhoben wurden, richteten sich in der Hauptsache dagenossen eine besondere Schußkommission bestellt und trotzdem ist gegen, daß der Entwurf der Parteiorganisation Breußens nicht das ein Gerüst von 13 Meter Höhe eingestürzt, und es find Menschen selbe Maß von Selbständigkeit gewähre, welches die Organisationen verunglückt. Der gewissenhafte und gute Unternehmer sorgt für die anderer Bundesstaaten haben. Diese Tatsache sei richtig; fie erkläre Sicherheit der Arbeiter und der gewissenhafte Unternehmer soll durch sich daraus, daß die Landesorganisation für Preußen zusammendie Vorlage unterſtügt werden. Sie( zu den Sozialdemokraten) arbeiten müsse mit bem deutschen Parteivorstand. Wenn die preußische wollen durch die Baukontrolle die Agitation fördern. Für eine Barteiorganisation alle preußischen Angelegenheiten erledigen sollte, Baukontrolle in Ihrem Sinne find wir nicht zu haben.( Beifall dann bliebe dem deutschen Parteivorstand nicht mehr viel zu tun übrig. rechts.) Aus diesem Grunde sei es begreiflich, wenn viele Genossen der An Abg. Erzberger( 8.): Wir verwahren uns gegen den Vorwurf, sicht sind, daß kein Grund vorliege, an dem Tätigkeitsgebiet des zünftlerisch zu fein; wir verlangen, daß Ordnung und Organisation Barteivorstandes Aenderungen vorzunehmen, daß sich die preußische auch im Handwerk herrsche. Dafür sollten die Sozialdemokraten Organisation deshalb auf die Erledigung der notwendigsten An um so mehr eintreten, als ein zuverlässiger Bauunternehmer durch gelegenheiten zu beschränken und mit dem deutschen Parteivorstande Abg. Dr. Müller- Meiningen( fri. Vp.), den Termin für das In- feine Perfon schon Gewähr für ein Stück Arbeiterschutz gibt.( Lachen Hand in Hand zu arbeiten habe. Die Aufgaben, die der Verfaffer krafttreten des Gesetzes auf den 1. Juli 1907 festzusetzen.( Nach der bei den Sozialdemokraten.) Den sozialdemokratischen Antrag auf des Vorwärts- Artikels bem preußischen Landesvorstande zuweisen Vorlage soll das Gesetz bereits am 1. Januar 1907 in Kraft den Bauarbeiterschutz könnten wir nicht annehmen, weil er will: Studium der preußischen Verfassung und Verwaltung, tönne nicht brauchbar ist. Er scheidet die Aufgaben der Reichs ein Vorstand, der nur ein Verwaltungsorgan der Partei sei, gar nicht treten.) Unterstaatssekretär Wermuth empfiehlt die Annahme des An- behörde und der Landespolizeibehörde nicht, er scheidet nicht erfüllen. Gewiß müßten auch diese Aufgaben erfüllt werden; das könne zwischen kompliziertem Bau in der Stadt und einfachem Bau auf aber nicht ein Vorstand von seinem Bureau aus machen, sondern trages Müller- Meiningen. Der Antrag Müller- Meiningen wird angenommen, darauf ein- bem Lande, er will die unannehmbare solidarische Haftbarkeit der damit werde er Genossen betrauen müssen, die auf diesem Gebiete stimmig das ganze Gesetz. Bauunternehmer und Bauherren. Die Zuziehung von gewählten bewandert sind, wie das ja der deutsche Parteivorstond auch in beEs folgt die dritte Beratung der Novelle zur Gewerbeordnung Vertretern der Bauarbeiter zur Kontrolle wünschen auch wir. In zug auf preußische Angelegenheiten tue. Der Referent besprach ( Einführung des Kleinen Befähigungsnachweises für das Bau- Bayern besteht sie und man hat gute Erfahrungen damit gemacht. Die Anträge auf Aenderung des Entwurfes, welche der Versammlung gewerbe). Auch in Preußen sollte man sich entschließen, wenigstens einen Ber- borlagen. Eine Reihe von Anträgen des Lichterfelder Wahlvereins Abg. Schrader( frf. Wg.): Man hat ganz willkürlich den§ 35 fuch zu machen.( Beifall im Zentrum.) bezweden Alenderungen verschiedener Baragraphen, richten sich herausgegriffen, wonach die Erlaubnis zur Ausübung des Bau- Abg. Frohme( Soz.): Herr Pauli sagt, die Vorlage enthalte be- aber nicht grundsäßlich gegen die im Entwurf vorgeschlagene Eine der Organisation. andere Neihe von Angewerbes von der Polizei gegeben oder verweigert werden soll. Es deutende Verbesserungen für den Arbeiter. Er behauptet damit etwas, Form ist doch ein großer Fehler, das ganze Baugewerbe unter was nicht der Fall ist. Daß zünftlerische Bestrebungen hervortreten, trägen, Charlottenburger Wahlverein gestellt, gehen Polizeiaufficht zu stellen, weil einzelne Mißstände vorliegen. Hat ja der Herr Staatssekretär felbst zugegeben. Gegen die zünft dagegen ouf die Schaffung einer Landesorganisation aus, Die Entscheiduna soll die Ortspolizeibehörde treffen. Man darf doch l lerischen Strömungen wehren wir uns. Die Sozialdemokratie ist der ein größeres Maß bon Selbständigkeit zugebilligt wird 13 bom als es Im Entwurf vorgesehen ist.— Der Referent besprach noch die Tagesordnung deS preußischen Parteitage? und sagte zum Schluß, die Hauptaufgabe desselben liege auf agitatorischem Gebiet. Es handele sich darum, daß wir den seit Jahrzehnten von uns vernachlässigten preußischen Angelegenheiten mehr Interesse als bisher zuwenden. ES sei zu hoffen, daß der preußische Parteitag in organisatorischer und agitatorischer Hinsicht das beste schafft. Nunmehr wurde der Bericht der MandatSprüfungskommisston erstattet. Derselbe ergab, daß außer den Funktionären SS Delegierte aus 38 Orten anwesend waren. Friedersdorf und Zernsdorf waren nicht vertreten. Die Mandate wurden alle anerkannt. Dann trat die Versammlung in die Diskusfion über den ersten Punkt der TageS- ordnung ein. Bruno Borchardt- Charlottenburg begründete die Char- lottenbnrger Anträge. Dieselben hätten, sagte er, den Zweck, eine lebensfähige Organisation zu schaffen, waS man von dem Entwurf nicht sagen könne. Die Landeskonferenz habe nach den Bestimmungen des Entwurfes kein Organ, welches die Beschlüsse der Konferenz aus- zuführen habe. Die LandeSkommission des Entwurfs sein keins, das etwas leisten und ausführen könne. Der Entwurf fei entstanden auS der Besorgnis, daß eine lebenskräftige preußische Organisatton den deutschen Parteivorstand lahmlegen werde. DaS gehe aus einer Aeußerung des„Vorwärts" hervor. Wenn man der Ansicht fei, daß der Parteivorstand die Angelegenheiten in Preußen zu leiten habe, dann solle man nicht eine Scheinorganisation für Preußen schaffen. Wenn man meine, daß eine lebenS- kräftige Organisatton, wie sie die Charlottenburger Anträge schaffen wollen, den Parteivorstand lahmlege, dann könne man auch davon absehen, preußische Landeskonferenzen festzusetzen. Es könne dann dem Parteivorstand überlassen bleiben, alle zwei Jahre Konfe- renzen der Genossen Preußens einzuberufen, um preußische Fragen zu erledigen. Einer besonderen Organisatton bedürfe es dazu nicht. E i s n e r: Es sei ein Unding, eine Organisation zu schaffen, die hin und wieder zusammenkommt, die aber keine Exekuttve habe. Die Schaffung einer Organisatton, die nur dekorativen Wert habe, solle man Unterlasten. Andererseits müsse die preußische Or- ganisation aber derart sein, daß der Parteivorstand in allen Parteiangelegenheiten die Führung behalte und jede Nebenregierung, die durch ein selbständiges Vollzugsorgan der preußischen Organisatton eintreten könne, ausgeschlossen sei. Um eine Vermittelung zwischen den entgegenstehenden Ansichten herbei- zuführen, beantragte der Redner: Die Landeskommission wählt aus ihrer Mitte zwei ständig besoldete Sekretäre mit dem Sitz in Berlin, die mit drei Mitgliedern deS Parteivorstandes die preußischen Ge- fchäfte zu erledigen haben.— Werde dieser Anttag angenommen, dann behalte der Parteivorstand die Mehrheit in der Kommission, er könne mit den preußischen Spezialisten zusammenarbeiten und die Gefahr einer Nebenregierung sei ausgeschlossen. Grunwald führte aus, er sei nicht der Meinung, daß der Entwurf geändert werden müsse. GeWitz soll jede Organisatton lebcnSkräfttg sein. Das erreiche man aber nicht durch ein Statut, sondern durch das Interesse und die Teilnahme der Parteimitglieder, welche hinter der Organisation stehen. Wünschenswert seien einige redaktionelle Senderungen deS Entwurfes. Das könne die Landes- konfcrenz machen. B ö S k e machte Mitteilungen über die Arbeiten der Korn- mifston, die den Entwurf beraten hat. Der Parteivorstand sei mit dem Entwurf einverstanden. Die hier vorliegenden Charlottenburger Anträge seien in Wirklichkett Anträge des Genossen A r o n s, der in der Kommission dieselben Anttäge gestellt habe, welche sich jetzt die Charlottenburger Genossen zu eigen gemacht haben. Arons wolle den Partcivorstand so viel wie möglich ausschalten. Ein Organ. wie sie die süddeutschen Staaten haben, könne für Preußen nicht eingeführt werden. Die süddeutschen LandeSorganisattonen lassen sich vom Parteivorstand wenig dreinreden, selbst Partei- tagSbefchlüffe seien schon unbeachtet geblieben. Wenn auch für Preußen solche Verhältnisse geschaffen werden sollten, dann würde-der Parteivorstand nur noch ein Repräsentationsorgan sein. Dahin wolle eS Genosse AronS bringen. Das sei aber im Parteiinteresse nicht zu billigen. Man möge dem Entwurf zustimmen. Wenzel- Lichterfelde begründete die Lichterfelder Anträge. Aus dem§ 2 des Entwurfes solle das Proportionalsystem beseitigt werden. Dasselbe sei, innerhalb der Partei angewandt, verkehrt; eS gelte ja auch nicht bei der Delegation zum Parteitag. Der Redner bezog sich auf die Bemerkungen der„Vorwärts"« Redaktion zu seinem Artikel über das Proportionalsystem. Da werde er mit Unrecht als ein Eingänge! hingestellt. Der Partei- tag in Breslau habe über einen Antrag von Berlin I diSkuttert, welcher besagte, daß auf Verlangen nach Wahlkreisen abzustimmen und daS Stimmenverhältnis der Kreise nach der Zahl der Reichs- tagSwahlftimmen zu regeln fei. Also ein Proporzsystem. Der Parteitag habe den Antrag abgelehnt, und was Stadthagen gegen den Antrag sagte(der Redner verlas die betreffende Stelle), sei eine vollendete Ablehnung de? Proportionalsystems. Er, Redner, stehe also mit seiner Ansicht durchaus nicht vereinzelt in der Partei. v r u h l- NowaweS: Wenn man das WeiSheitsanhängsel lese, welches die Redaktion zu dem Wenzelschen Arttkel machte, dann komme man zu der Anficht, daß unsere Organisationen nicht mehr der Agitation, sondern nur noch der Vereinsmeierei dienen. Es sei ganz egal, wie viele Genossen aus den einzelnen Orten delegiert werden. Die Folge des Proportionalsystems sei, daß die kleinen Orte, welche keine Vertretung bekommen, unzufrieden sind. Die Agitatton werde dadurch benachteiligt. Eine Organisation für Preußen sei notwendig. Sie rnüffe ihr Hauptaugenmerk darauf richten, daß unsere Partei in den Gcmeindekörperschasten vertreten ist. In den Landtag würden wir vorläufig doch nicht kommen. Der Redner empfahl den Lichterfelder Antrag, daß jeder Kreis drei Delegierte zur Landeskonferenz sendet. Z u b e r l: Wenn die Charlottenburger Anttäge angenommen würden, dann hätten wir in Preußen zwei Parte, vorstände, denn ein sehr großer Teil der Arbeiten des deutschen Parteivorstandes beziehe sich ja auf Preußen. Mit einem preußischen Parteivorstande würden wir eine Nebenregierung schaffen und Reibungen mit dem deutschen Parteivorstand wären unvermeidlich. Dadurch, daß wir neben dem Parteivorstande, als oberster Vertretung der Partei, die Generalkommission als Verttetung der Gewerkschaften haben, sei schon die Ursache zu Reibungen und Unstimmigkeiten gegeben, die noch vermehrt würden, wenn als drittt Körperschaft ein preußischer Parteivorstand hinzukäme. Wir müssen die Reibungsflächen ver« mindern, aber nicht vermehren. Auch der Antrag Eisner sei nicht annehmbar. Wem, nöttg, könne der Parteivoritand Sekretäre für preußische Angelegenheiten anstellen, aber sie müssen unter der Lettung des Parteivorstandes stehen. G r a m e n z» Baumschulenweg erklärte sich mit dem Entwurf im allgemeinen einverstanden, nur einige formale Aenderungen seien z« wünschen. Ein von H e i n r i ch«« Rixdorf begründeter, von B o r ch a r d t« Charlottenburg bekämpfter Schlußanttag wurde angenommen. Die Abstimmung über die einzelnen Paragraphen de» Ent« Wurfes und die dazu eingebrachten Anträge hatten folgende? Er- gebnis: Zu g 2 wurde der Lichterfelder Anttag angenommen. welcher besagt, daß die Delegiertcnwahl zur Landeskonferenz nicht nach dem Proportionalsystem erfolgt, sondern jeder Kreis bis drei Delegierte entsenden kann, auch sollen die Redaktionen aller in Preußen erscheinenden Parteiblätter berechtigt sein, je einen Vertreter zur Teilnahme an der Landeskonferenz zu entsenden.— In,§ 8 soll der S piatz 1:„Prüfung der Mandate"(weil da» etwas Selbst- derftändliches ist) gestrichen werden.— Alle anderen Lichterfelder Anttäge wurden abgelehnt.„„. § 10 de» Entwurf« bestimmt, daß die Landeskommission au« C! einem Vertteter jeder Provinz und Groß-Berlin» besteht und daß ie Landeskommission au» ihrer Mitte einen Ausschuß von drei Personen wählt, dessen Obmann in Berlin wohnen muß. Charlottenburg beantragte hierzu: Der Landesvorstand besteht au» fünf Personen(zwei Vorsitzenden, zwei Sekretären und einem Mtgliede de» deutschen Parteivorstandes). Die vier ersten wählt die LanbeSlovwknz, die fünfte entsendet der Parteivorstand. E i S n e r hat den in der Diskusfion bereits mitgeteilten Antrag gestellt: Die Landeskommisfion wählt auS ihrer Mitte zwei besoldete Eettetäre, die mit drei Mitgliedern deS Parteivorstandes die preußischen Geschäfte zu erledigen haben. Der Charlottenburger Anttag wurde mit erheblicher Mehrheit. der Antrag E i S n e r mit 63 gegen 48 Sttmmcn abgelehnt. Hierauf zog Borchardt die übrigen Charlottenburger Anttäge zurück, weil sie durch die Ablehnung der beiden eben genannten An- ttäge gegenstandslos geworden waren. Der ganze Entwurf mit den beschlossenen Aenderungen wurde gegen drei Sttmmen angenommen. AlS Delegierte wurden gewählt: Stiefenhofer, Gramenz. Bruno Borchardt; als Ersatzmänner Grunwald und Küter. Ein Anttag von Lichterfelde, die Polenfrage auf die Tagesordnung de» preußischen Parteitags zu setzen, wurde angenommen. Die Einberufer des preußischen Parteitags werden durch einen angenommenen Anttag ersucht, die Referate zu den Punkten 2. 3 und 4 der Tagesordnung als Broschüre drucken zu lassen und die- selbe noch vor dem Parteitage herauszugeben. Unter„Verschiedenem" klagte Heinrichs-Rixdorf darüber, daß der„Vorwärts" nach Rixdorf in zwei Sendungen nacheinander expediert werde, was zur Folge habe, daß viele Leser da» Blatt zu spät erhalten. Eine Anzahl von Abonnenten habe deshalb den „Vorwärts" abbestellt.— Z u b e i l antwortete hierauf in längeren Darlegungen, aus denen hervorgeht, daß der von Heinrich» beklagte Zustand vor März oder April nicht werde geändert werden können, weil sich der Bau und die Ausstellung neuer Maschinen nicht so schnell bewerkstelligen lasse, als die Abonnentenzahl gestiegen sei. Nachdem noch einige andere Anftagen und Mitteilungen erledigt waren, wurde die Versammlung geschlossen. Der Kreiswahlverein Niederbarnim hielt am Sonnabend in Rummelsburg eine Generalversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende F r e i w a l d t dem durch die Kugel eines Gendarmen getöteten Genossen Herrmann in Hohen-Neucndors, sowie dem ver- storbenen Genossen Dreesbach Worte des Nachrufes, den die Anwesenden stehend anhörten. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: Der preußische Partei- tag, referierte S t a d t h a g e n. Er besprach den Organisations- entwurf und erklärte sich mit den Grundgedanken desselben ein- verstanden. Unter anderem führte der Redner aus, er würde cs für einen Fehler halten, wenn man der preußischen Landeskom- Mission Befugnisse und Arbeiten zuteilen wollte, welche bisher zu den Aufgaben des deutschen Parteivorstandes gehörten. Wenn die Vorschläge, welche der L. A. gezeichnete„Vorwärts"-Artikel bezüg- lich des Landesvorstandes machte, durchgehen sollten, dann würde das nicht die Schaffung einer lebenskräftigen für praktische Aus- gaben geeigneten Landesorganisation bedeuten, sondern es würde nach den Vorschlägen von L. A. ein bureaukratisches Gebilde zu- stände kommen und Reibungen des Landesvorstandes mit dem deutschen Partcivorstande würden unvermeidlich sein. Aufgabe der Landesorganisation müsse es sein, die Agitation und Organisation zu beleben, sie habe die Interessen der Parteigenossen des Landes wahrzunehmen in demselben Sinne wie unsere Provinzial- und Kreisorganisationen die Parteiangelegenheiten für die Provinz und den Kreis zu erledigen haben. Es sei eine Utopie, wenn L. A. in seinem letzten Artikel sagte, kurz und kühn ausgedrückt, solle die preußische Landesorganisätton die Aufgabe haben, die Ver- fassung und Verwaltung Preußens im Sinne der Sozialdemokratie umzugestalten. Dies Ziel werde doch nicht dadurch erreicht, daß man eine wie immer gestaltete Organisation schafft oder eine Kommission einsetzt. Die Erreichung dieses Zieles gehöre zu den politischen Aufgaben der Sozialdemokratie, während die Organi- sation dazu dient, unsere Agitation zu beleben und zu fördern. Wenn gesagt werde, die Landesorganisation solle sich mit den be- sonderen preußischen Angelegenheiten beschäftigen, so sei doch zu bedenken, daß es kein Gebiet der preußischen Gesetzgebung gebe, das nicht das gesamte deutsche Proletariat interessiert. Eine Be- Handlung von Fragen, die der preußischen Gesetzgebung unter- stehen, sei nicht denkbar, ohne daß man gleichzeitig die gesamten Deutschen Verhältnisse berücksichtigt. Eine lose Organisation, die mit dem deutschen Partcivorstande nicht in Kompetenzkonflitt ge- raten könne, sei das beste. Eine solche Organisation schlage der Entwurf vor. deshalb sei die Annahme desselben zu empfehlen. Weiter besprach der Redner die Tagesordnung des preußischen Parteitages. Der erste Diskussionsredner, Körte- Pankow, hält eine preußische Landesorganisation nicht für notwendig, da der Partei- vorstand die Interessen der preußischen Genossen in befriedigender Weise wahrnehme.— Im übrigen wurden in der kurzen Diskussion Einwendungen gegen einzelne mehr nebensächliche Bestimmungen des Entwürfe» gemacht, die Stadthagen als unbegründet nachwies. Hierauf erstattete die Mandatprüfungskommission ihren Be- richt. Anwesend sind außer dem Abgeordneten und den Funktio- nären deS Kreises 113 Delegierte und 16 Vorsitzende der Bezirk»- vereine. Die Mandatprüfungskommission halt es für statthast, daß Lichtenberg 28 Delegierte gesandt hat, während die festgesetzte Zahl 18 betrage. Ueber diese Angelegenheit entspann sich eine längere Debatte. Die Lichtenberger Genossen beriefen sich auf den Wortlaut des Statuts; danach ständen ihnen, ihrer Mitglieder- zahl entsprechend, 28 Delegierte zu. Bon anderen Rednern wurde dagegen geltend gemacht, daß der Kreisvorstand unter Zustimmung der Bezirke seinerzeit die auf die einzelnen Bezirke entfallenden Zahlen der Delegierten für das ganze Jahr festgesetzt habe, und zwar in Uebereinstimmung mit dem KreiSstatut und dem Statut für Groß-Berlin.— Die Versammlung beschloß, nur 18 Lichten- berger Delegierten das Stimmrecht zuzugestehen. Während dieser Debatte waren die Stimmzettel für die Dele- giertenwahl zum preußischen Parteitag auSo-»ählt worden. Das Ergebnis ist: S o n n c n b u r g- Friedrichshagen, Freiwa>dt- Pankow, Grauer- Lichtenberg sind als Delegierte und U n g- r- Lichtenberg als Ersatzmann gewählt. Hierauf wurden einige Abänderungsanträge zum Statut diS- kutiert. Annahme fanden folgende Aenderungen: § 8. Absatz l. Maßgebend für die Delegation ist die Mitgliederzahl, welche sich auS den im vorhergehenden Jahre eingegangenen Mitglieder. beitrügen ergibt. Als grundlegend für die Berechnung ist die Zahl 12 anzunehmen. Die Delegierten können auf die Dauer eine» JahrcS gewählt werden. Für ausscheidende Delegierte sind von den Bezirkswahl- vereinen Ersatzwahlen vorzunehmen. § 6, Absatz III. Anträge zu den Genevalversammlungen, welche zur Ver- öffentlichung gelangen sollen, find spätestens acht Tage vorher dem Vorsitzenden einzureichen. Ein Antrag auS Lichtenberg, welcher fordert, daß die von den Bezirken vorgeschlagenen Kandidaten zu Vorstands- und Tele- giertenwahlen auf eine Liste gedruckt werden, die in der General- Versammlung als Stimmzettel benutzt werden solle, wurde ab. gelehnt, nachdem in der Diskussion geltend gemacht worden war, daß bei Annahme des Antrages die Generalversammlung an dir Vorschläge der Bezirke gebunden wäre, ohne noch selbst Vorschläge machen zu können. Zum Schluß stimmte die Versammlung einigen oraanisato- rischen Aenderungen in den Bezirken FriedrichSfewe, Erkner und Weißensce zu. Huö der parte!» Die Spaltung der Polnisch-Sozialistifchen Partei.(?. k. S.) Ueber die schon gemeldete Tatsache, daß auf dem Parteitage, der dieser Tage zu Krakau tagte, eine Spaltung der k. P. 6. eingetreten ist, wird uns geschrieben: Für denjenigen, der einigen Einblick in das innere Leben der Partei im Lause der letzten Jahre gehabt hatte, ist die Spaltung nicht unerwartet gekommen. Sie ist nur der logische Abschluß eines Kampfes, der seit längerer Zeit in der Partei tobt, eines Kampfes zweier Anschauungen— der sozialdemokratischen und der klein- bürgerlich-revoluttonären. Die?. P. 8. ist in einer Zeit ensstanden, da die russische Arbeiterklasse noch nicht den Schauplatz des Kampfes mit dem Zarismus betreten hatte. Infolgedessen ist das ganze Programm der P. P. 8. auf der Ueberzeugung der Machtlosigkeit der russischen revolutionären Bewegung aufgebaut: das polnische Proletariat muß sich selbst besreien, es muß die polnische demokrattsche Republik durch einen bewaffneten Ausstand gegen den Zarismus erobern. Diese Auffassung über die nächsten Auf- gaben der polnischen Arbeiterbewegung wird noch jetzt in manchen Kreisen der Partei, insbesondere aber in ihren aus- ländischen Organisattonen aufrecht gehalten. Diejenigen Partei- Mitglieder aber, die in Russisch-Pole» mitten im Kampfe stehen, wurden sich mit dem Anschwellen der russischen revolutionären Arbeiterbewegung immer mehr klar darüber, daß das polnische Proletariat mit dem Proletariat ganz Rußlands gemeinsame Sache machen müsse, daß der Sieg der russischen Revolution auch die politische und nationale Befreiung des polnischen Proletariats— wenn auch in der Form einer unabhängigen polnischen Republik— mit sich bringen würde. Notwendigerweise mußte dieser Gegensatz zwischen den beiden Anschauungen sich auch in der Taktik wiederspiegeln und wurde ganz besonders durch das Auftreten der Kampfesorganisationen verschärft, die von dem den alten Auffassungen tteu gebliebenen Teil der Partei ins Leben gerufen und von ihm als Uebergangsstufe zum offenen Krieg gegen die russische Regierung betrachtet wurden. Das Zentrale Arbeiterkomitee der P. P. 3., das den Zusammenhang zwischen der russischen und polnischen Arbeiterbewegung richtig begriffen hatte. bemühte sich von Anfang an. der Tätigkeit der Kampfesorganisationen entgegenzutreten, es verbot Ueberfälle auf Patrouillen, die nur Erbitterung gegen die Revoluttonäre in der Armee hervor- riefen, es suchte' die Kampfesorganisationen von Unternehmen abzubringen, die nur neue grausamere Repressionsmatzregeln der Regierung zur Folge hätten. Trotzdem gelang es den Kampfeöorganisationen nach und nach sich jeder Kontrolle des Zenttalkoniitees, jeder Parteidisziplin zu entziehen, sich durchaus selbständig zu machen, bis endlich nach dem Ueberfall des Zuges in Rogowo die Geduld der Partei riß und die Führer der Kampf« gruppen auf dem neunten Parteitag aus der Partei ausgeschlossen wurden. Damit war das Zeichen zur Spaltung gegeben, und die Vertteter der ausländischen Organisationen verließen nebst noch einigen Delegierten den Parteitag. Sie rissen die Druckerei des Zenttalorgans der Partei.„Robotnil", an sich, legten sich den Namen„Revoluttonäre Fraktton der P. P S." bei und erließen eine Erklärung, worin der Ausschluß der Mitglieder der Kampfsgruppe nur als Veranlassung der Spaltung be- zeichnet wird. Der G rund aber sei der„Verrat" des Zenttalkoniitees an den„alten Grundsätzen" der Partei, der ein weiteres Zusammen- arbeiten unmöglich gemacht habe. Auch daS Zentralkomitee sieht in der Spaltung einen Konflitt zweier Taktiken— des proletarischen Klassenkampfes und des nationalisttschen PutschiZrnus, eines Erb- stücks aus 1883-, die Spaltung sei unvermeidlich gewesen, da die Partei sich nicht zur nattonalisttsch-separattstischen Takttk, die daS polnische Proletariat dem russischen zu entfremden sucht, bekennen wollte. Welche Folgen diese Spaltung für die P. P. 8. und überhaupt für die polnische Arbeiterbewegung haben wird, ist schwer voraus- zusagen, aber früher oder später mutzte eS doch zu einem endgülttgen Bruch zwischen den beiden Auffassungen kommen.— Wie verlautet, soll sich nur eine kleine Anzahl von Organisatton zur.revolutionären" Fraktton bekannt haben._ Geineindewahlen. Ein besonders erfreulicher Sieg ist aus dem Erz» gebirge zu melden. Dort haben unsere Genossen einen schweren Stand. Die Behörden und ihre Vertreter behandeln die Nassen- bewußte Arbeiterschaft, als glaubten sie, das Sozialistengesetz bestehe noch immer. Besonders in Schneeberg haben die Genossen unter dieser Art Sozialistenbekämpfung zu leiden. Dort wurde gegen den Genossen Jacob ein Verfahren anhängig gemacht. Die Haltlosigkeit der Beschuldigung wurde kurz vor der Wahl gerichtlich bestätigt. Die Schneeberger Genossen haben die rechte Antwort auf die Tat der Behörde gegeben. Sie wählten drei Genossen, darunter Jacob, in das Stadtverordnetenkollegium. Darüber herrscht in dem Berg- städtchen nicht geringe Bestürzung unter den patentterten Staats- stützen. Es ist dort das erstemal, daß unsere Genossen w da» Stadt« verordnetenkollegium einziehen. In Herne sWestfalen) erhielten die bürgerlichen Kandidaten 1441, 14VS und 1460 Stimmen. Auf die sozialdemokrattschen Kandi» baten vereinigten sich 838, 916 und 883 Stimmen. Von 6834 Wahl- berechtigten übten 2338 Personen ihr Wahlrecht ans. Die Stimmenzahl der Sozialdemokratie ist gegen die Vorwahl um 600 gestteaen. Bei der BürgerauS schußwahl in Ziegelhausen sBaden) siegte in der dritten Klasse die sozialdemo- l r a t i s ch e Liste mit 123 gegen 67 Stimmen. Der Erste. In den P r o v i n z i a l r a t für da» Fürstentun» Lübeck(zu Oldenburg gehöng) wurde zum erstenmal ein Sozialdemokrat, und zwar im benachbarte» Schwartau bei Lübeck, gewählt. Bon der sozialdemottatischen Presse Japans. Ueber die bevor- stehende Herausgabe der sozialistischen Tageszeitung in Tokio ist noch mitzuteilen, daß sie von dem Genosse» S. K o b o k u redigiert werden wird. Genosse I. Sakai hat den„Sumpf" von Sinclair in die japanische Sprache übersetzt; desgleichen„Arbeit" und „Gerechtigkeit" von Emil Zola und„Ein Rückblick aus dem Jabre 2000" von Edward B e l l a m y. Diese Werke sollen im Feuilleton der neuen Tageszeitung veröffentlicht werden. Die Genossen in Japan entfattrn eme lebhafte Agitation. Soziales. Die LandeSverfichernnzsanftalt Brandenburg im Jahre 1S05. Der jüngst herausgegebene Bericht über das GesöbäftSjahr 1906 entbehrt nicht eineS größeren Interesses. Zunächst stellt der Bericht fest, daß für 1906 33 258 723 Wochenmarken verkauft wurden. Tie Zahl der Versicherten ivürde demnach etwa 76 OVO vetragen, hierbei lämen auf den Kopf 61 Wochenmarken. Die wirkliche Zahl der Ver- sicherten dürfte jedenfalls eine höhere fein. Insgesamt sinkl. der aus dem Vorjahr stammenden Anträge) ivurdeu 986 Altersrenten- und 10 686 Jnvalidenrentenanträge gestellt. Die Zahl der wirk- lichen Rentenempfänger beträgt nach dem Bericht für 1906: 7932; darunter Slltersrentner 779 und Krankcnrentner 878. Von den gesamten AlterSrenttrern find im Berichtsjahre durch den Tod oder sonstige Ursachen 1842 ausgeschieden. Von den Jnvalidenrcntiiern sind durch den Tod oder sonstige Ursachen 4639 ausgeschieden; von den Krankenrentnern sind durch den!£od oder sonstige Ursachen 611 ausgeschieden. In 949 Fällen wurde die Reine aufgehoben wegen wieder eingetretener CrwerbSfähigkeit; in 90 Fällen wurde durch Einleittmg de« Heilverfahrens bei den Antrag- stellern die ErwerbSfähigkeit wieder hergestellt. Die„gesicherte Existenz" bi« WS hohe Alter hinein wird durch folgende Zahlen in drastischer Welse illustriert. Die Jahresbeträge der Renten betragen pro Kopf in der ersten Lohn» Nasse 108,80 bi« 139.80 M.: in der zweiten MO, 40 biS 109,80 M.; in der dritten 170.40 bi» 199.80 M. und in der vierten 200.40 biS 280,40 M. Bei den Invalidenrenten beträgt der JahreSbettag in der ersten Lohnklasie 118,40 bi» 163.80 Mark; in der zweiten 134,40 bis 167,40 M.; m der dritten 16S bis 198.20 M.,' in der diertsn 193,80 bis 218,40 M.; und in der fünften 219 bis 231 M. DaZ find durchschnittlich pro Monat 9 bis 15 M. Eine„Rente" von 30 bis 50 Pf. täglich— und diesen Beitrag zur Armenpflege nennt man: Soziale Wohlfahrt; da spricht man von benei!»enswerter gesicherter Existenz der Arbeiter bis in ihr hohes Alter I Vollkommenste Unkenntnis der wirklichen Verhältnisse oder blutiger Hohn haben die dahin gerichteten Behauptungen diktiert, von deren aus Anlah des.Silberjubiläums" der kaiserlichen Botschaft die bürgerlichen Blätter Überflossen. Insgesamt zählte die Anstalt am 31. Dezember 1905 57 009 Jnvalidenrentner. Weiter sagt der Bericht in lakonischer Kürze: „Was die Zahl der Invalidenrenten überhaupt anlangt, so ist der seit dem borigen Jahre eingetretene Rentenrückgang auch weiter zu verzeichnen. Es wurden im Jahre 1903: 10 005, im Jahre 1904: 8905, im Berichtsjahre aber nur 0265 Invaliden- reuten bewilligt." Nach dem Berichterstatter wäre der Rentenrück- gang nicht nur in den iveniger gestellten Anträgen zu suchen, sondern dürfte auch in den in letzten Jahren besonders günstig ge- wordenen Wirtschasts- und Erwerbsverhältnissen zu suchen lein. Das ist eine haltlose, der Wirklichkeit in« Gesicht schlagende Annahme des Berichterstatters. Wir gehen indes nicht fehl, wenn wir den Rückgang der Renten nicht auf die„günstigen" Wirlschaftsverhältnisse, sondern auf die Rentenquetschsucht und den gemeingefährlichen Hokuspokus zurückführen, der seit drei Jahren Mediziner und Versicherungs- otgane die neue Methode gelehrt hat. Kranke und Erwerbsunfähige für gebessert und erwerbsfähig zu erklären. Kürzlich muhten wir einen Fall registrieren, in dem einem völlig erwerbsunfähigen Arbeiter die Rente auf Grund eines Guchtachtens solches von der Sticht nach Nichtbewilligung der Rente befallenen Medizinmannes abgelehnt wurde: er wurde in dem Bescheid für völlig gesund und erwerbsfähig erklärt. Der Bescheid traf ein, als der Arbeiter infolge der Krankheit verstorben war. Es ist erschreckend, wie seit der im Jahre 1903 in der„Schlesischen Zeitung" gebrachten Entdeckung. unter den Arbeitern grassiere eine Sucht nach Rente, sogenaitnte Revisionen, Bereisungen durch Kommissionen des Reichs- Versicherungsamts in Arbeit' traten«nd Tausenden von Invaliden- rentnern die Rente wegen vermeintlicher Wiedererlangung der Erwcrbsfähigkcit in allen Versicherungsanstaltsbezirken absprachen. Minister Möller— ähnlich auch von Posadowsky— sprach auf Grund des Artikels der»Schlesischen Zeitung", dem ähnliche anderer antisozial gerichtete Aerzte folgten, von einer„Psychose", „einer Art von Krankheit, die über die über die Arbeiterschaft ge- kommen ist, sich Invalidenrenten zu verschaffen". Der Erfolg der Sucht Invaliden für erwerbsfähig zu erklären, ist wie auch der Bericht der Brandenburger Anstalt zeigt, ein geradezu gemein- gefährlicher geworden. Gegen diese nachträgliche Aberkennung der Renten tut dringend gesetzlicher Schutz not. Auch die Arten der Krankheiten, welche die Erwerbs- Unfähigkeit herbeigeführt haben, zeigen die Haltlosigkeit der Be- hauplung des Berichterstatters von einer Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Die Invalidenrente wurde ait 1665 Personen wegen Entkräftung, Blutarmut und Altersschwäche; an 826 Personen wegen Tuberkulose der Lungen; an 504 Per« fönen wegen Krankheiten der Lunge(ausschliehlich Lungen- tuberkulöse) gezahlt. Auf je 100 Rentenempfänger kommen demnach 13,18 Proz. Lungentuberkuloser und 3.04 Proz. anderer Lungenkranker. Die Lungentuberkuloseerkrankten entfallen auf die jüngeren Jahrgänge und überwiegen hier alle anderen Erkrankungen. Sie betragen für die 20 er Jahrgänge (20-30) 59,23 Proz., für die 30 er Jahrgänge(30-40) 37,64 Proz. und für die 40 er Jahrgänge(bis 50) noch 25,77 Proz. aller Fälle. Diese hohe Zahl Lungentuberkuloser in den besten Jahren des Menschen zeigen deutlich, dast von„günstigen" Erwerbs« Verhältnissen der Versicherten nicht die Rede sein kann. Nehmen wir dann noch die hohe Zahl der wegen Entkräftung und Blut« armut rnvalid gewordenen Versicherten hinzu, dann beweisen diese Zahlen jedem, der sehen und hören tvill, daß die Lebenshaltung der Versicherten keine normale ist, sondern daß dauernde Unter- ernährung besteht— trotz der„gesicherten Eristenz Für das Heilverfahren wurden an 696 Versicherte, welche an anderen Krankheiten als Lungentuberkulose litten, im Berichts jähre 1905(einschließlich Reisekosten und Angehörigenunterstützung) insgesamt 164 015 M. aufgewendet. Für das Heilverfahren an Lungentuberkulose erkrankter Versicherter wurden 602 991.66 M. auf gewendet. Von dieser Summe wurden 133 377,90 M. erstattet. Beklagt wird in dem Bericht, daß die„Selb st Versicherung noch so wenig ausgeübt wird. trotzdem doch die Versicherten durch Bezug einer Rente vor der äußersten Not geschützt sind und ihnen ein jorgenfteies(?) Alter gewährt wird. Es ist blutiger Hohn, wenn man bei den Versicherten von„sorgenfreiem" Alter spricht; wie man bei einer Rente, die etwa im günstigsten Falle 15 M. monatlich beträgt, sorgenftei leben kann, mag der Bericht erstatter vormachen, dessen Gehalt täglich 15 M. übersteigt. An Beiträgen vereinnahmte die Anstalt 3 345 643,34 M., an Zinsen 1 017 161,87 M. Dagegen wurden an Renten nur 4 869 623,35 M. gezahlt. Also etwa die Hälfte des Markenerlöses wird für die Versicherten an Rente gezahlt. Da darf man sich nicht wundern, wenn das Vermögen der An- ftalt bereits die Höhe von 56024 716,91 M. erreicht hat. Die antisoziale Richtung der Anstalt„Brandenburg" zeigt sich auch bei der Bezahlung der Bureaudiener, die bei dem Schiedsgericht für Arbciterverstcherung des Regierungsbezirks Potsdam in Berlin tälig sind. Diese„Beamten" erhalten bei einem außerordentlich an« strengenden Dienst die riesige Sunt»« von 1200 pro Jahr, wenn sie l'/o Jahre angestellt sind. Klridergeld erhalten sie nicht Die Anstaltsleitung scheint offenbar von den teueren Lebens' mittelprcisen keine«hnnng zu haben. Die Diener der Berliner Anstalt sind mit 1750 M. angestellt. Die Berliner Anstalt hat ihren Dienern auch eine Teuerungszulage gewährt. Die Diener am Potsdamer Schiedsgericht von der Brandenburger An- st a I t haben nicht einen Pfennig TetiernngSzulage erhalten. Der Vorstand kann eine Erhöhung der Gehälter dieser Beamten nicht eintreten lassen, weil— diese eben der P r o v i n z i a l Verwaltung unterstehen. Vielleicht helfen hier die Ausschußmitglieder der Ver« sicherten etwas nach._ Prämien für Kassenvekrügtr. Der Stttkkatenrnteister Karl Biron in Düsseldorf hatte 251 M. Krankenkasscnbeiträge unterschlagen. Die Düsseldorfer Straf- kammcr, an welcher die Sache verhandelt wurde, verurteilte den Biron zu 5 M. Geldstrafe. Der Angeklagte machte geltend, er habe Verluste bei Neubauten gehabt; das Gericht billigte ihm mildernde Umstände zu. In diesem Falle hat der Unternehmer kein schlechtes Geschäft gemacht: 251 M. unterschlagen, Geschästönnkosten 5 M. Strafe, macht 246 M. Reingewinn. Selbstredend ist Biron ein gewaltiger„Ordnungsmann" und ein Gegner der Sozial- demokratie., Ausnahmsweise können wir über eine Verhandlung berichten, in der das Gericht nicht auf eine Straf« erkannt, deren Milde wie eine Prämie auf Begehung ähnlicher Unterschlagnngen wirken muß. Wegen Unterschlagung von Kranken- und Jnvalidengeldern hatte sich der Bauunternehmer Grocger vor dem Landaericht in Dresden zu verantworten. Der Angeklagte errichtete in Dresden einen Neubau. 'Bei der Lohnanszahlung wurden die von den Arbeitern zu zahlenden Versicherungsbeiträge abgezogen. Diese Beiträge hat der Unter- nehmet für sich verwendet und nicht an die OrtSkrankenkass« ab- geliefert. Die von Gcoeger unterschlagene Summe beträgt etwa 33 Mark. Der Angeklagte will sich in schlechten Verhältnissen be- „„s.... � t.R.» an----- m—------- n da» dritte -i/mi... angckiHaie iwi" I>�">>uc�mu»u> funden und aus Not gehandelt haben. Wegen Vergehens geg< Kranken« und JnvalidenversicherungSgesetz verurteilte ihn dre mmc Strafkammer des Landgerichts Dresden zu 50 Mark Geldstrafe oder zehn Tagen Gefängnis.-- Wie würde gegen einen Postboten oder gegen einen Arbeiter erkannt sein, der 351 oder 33 Mark unterschlagen hätte? ProduktionSsteigeruno trotz Arbeitszeitverkürzung. Die Behauptung, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit, wenn Le sich in richtigen Grenzen hält, nicht nur keine Verringerung der hervorgebrachten Leistung, sondern, da der Arbeiter nicht übermüdet werde und daher mit größerer Energie arbeite, sogar eine Er- höhung bedeute, wird besonders in Unternehmerkreisen noch immer heftig bestritten. Von Interesse sind daher die Resultate, welche nach den Bxrichten der Fabrikinspektion in der Schweiz mit einer Herabsetzung der täglichen Arbeitszeit erzielt worden sind. In der Schweiz be- trägt der Maximalarbeitstag kür alle Arbeiter elf Stunden. Da- neben macht die freiwillige Verkürzung der Arbeitszeit auf zehn Stunden ständige Fortschritte. Ueber die Wirkung der Verkürzung auf Arbeitsleistung einerseits und auf die Lohnhöhe andererseits entnehmen wir den Berichten folgende Beispiele: In einer Seiden- winderei wurde produziert: bei elfstündiger Arbeitszeit 8 Kilo- gramm pro Stunde, bei zehnstündiger Arbeitszeit dagegen 9,61 Kilogramm. Der Lohn stieg dabei von 18,6 auf 22,6 Centimes pro Stunde. Bei einer Verminderung der Arbeitszeit um 7,7 Proz. wurde die Arbeitsleistung um 20,1 Proz., der Verdienst um 21,5 Prozent gesteigert. In einer anderen Seidenfabrik erfolgte bei einer Reduktion der Arbeitszeit von 16,9 Proz. infolge der ge- steigerten Arbeitsleistung eine Steigerung des Stundenverdicnftes um 9,6 bezw. 10 Proz.; eine Maschinenfabrik reduzierte ihre Arbeitszeit um 15,25 Proz. und erreichte eine Lohnsteigerung von 11,63 Proz. Mehr als diese immerhin vielleicht nicht auf alle Fälle gleich anwendbaren Zahlenverhältnisse spricht für eine günstige Wirkung der Arbeitszeitverkürzung bezüglich der Arbeitsleistung der Umstand, daß keine der Fabriken, welche zunächst probeweise die verkürzte Arbeitszeit eingeführt haben, sich von diesem Modus wieder abgewendet hat. Auch in Deutschland sind mit der Per- kürzung der Arbeitszeit schon vielfach ähnlich günstige Resultate er- zielt worden, die sowohl vom wirtschaftlichen, als auch vom sozial- politischen Standpunkt zu begrüßen sind. Wird der Reichstag und die Regierung durch Festsetzung eines Maximalarbeitstages sich den volkswirtschaftlichen Aufgaben gewachsen zeigen? Warnung vor dem Bettritt zur Allgemeinen KrankenversichcruiigSkasse e. H. zu Chemnitz. Wiederholt ist vor der oben benannten Kasse in der fozialdemo- kratischen Presse und von uns gewarnt, weil sie das ist, was man schlechthin als Schwindelkasse zu bezeichnen pflegt. Wie berechttgt unsere Warnung war, zeigt eine kürzlich vor dem Schöffengericht stattgehabte Verhandlung. Herr A. Bauer, Vorsitzender und Geschäftsführer der Kasse, fühlte sich durch einen Brief gekränkt, den Kaufmann K. und Schlosser R. an ihn gerichtet hatten und in dem sie ihrer Entrüstung über das Geschäftsgebaren der Kasse Ausdruck gaben. Weil die Geschäftsführer in diesem Brief „Spitzbuben" und„Schwindler" genannt waren, erhoben die Herren Bauer und Genossen Privatklage wegen Beleidigung. In der Verhandlung gab der klägerische Anwalt als möglich zu, daß einige von dem Beklagten K. benannte Per- sonen nach ihrer Erkrankung das geforderte Krankengeld trotz ärztlichess Zeugnisses nicht erhalten haben und bemerkte, daß die Allgemeine Krankenversicherungs lasse keine so große Mitgliederzahl habe, als Zwang« lassen, z. B. Ortskassen und daß sie nicht sofort das Krankinaeld bezahle, wenn die Mitglieder melden, sie seien erkrankt. Auch genüge ihr das ärztliche Zeugnis nicht.(!) Sie lasse es vielmehr darauf an- kommen, das heißt, sie lasse es erst auf die Klage ankommen. Wenn die Krankheit gerichtlich nachgewiesen sei. dann werde die Krankenunterstützung ausgezahlt(III) Es wurden nun eine Reihe Beispiele dafür angegeben, daß die Kasse die Leute abzuwimmeln versucht, wenn sie Unteistützung be- anspruchen. So wurde einem Mitgliede die Mitteilung, daß er die verlaugte Unterstützung nicht erhalten könne, da er bei seiner Auf- nähme verschwiegen habe, daß er im Jahre 1890 einmal an Influenza gelitten habe I Er habe also die Kasse getäuscht und kein Recht auf Unterstützung. Das war selbst dem Vorsitzenden zu toll. Er sagte zum Ver« treter der Privatkläger:„Herr Anwalt I Ich überlaste solches Ge- baren Ihrer Kritik." Der aber entgegnete, daß dieser Fall mit der vorliegenden Älagesache nichts zu tun habe. Der Vorsitzende er- gegnele:„Man kann es dem Mann(K.) nicht ver- denken, wenn er seiner Empörung dadurch Luft machte, daß er sich hinsetzte und an B. denBrief schrieb. Er hatall'denJammerge- sehen und die Beschwerden der Leute gehört, die da glaubten, daß sie gegen Krankheit ver- sichert seien und sich dann getauscht fühlten." Und darauf hatte der Anwalt nichts zu erwidern, als:»DieLeute brauchten doch nur zu klagen!" Die Sache verfiel der Vertagung, weil noch Zeugen über daS Geschäftsgebaren der Kasse gehört werden sollen. Mörder Kapitalismus. Ein siirchtbareS Bild unsere sozialen Zustände entrollte eine Ver- Handlung vor der Strafkammer in Metz gegen den Ziegeleidirektor R ü s ch aus Uecktnaen wegen fahrlässiger Tötung. Der Sachverhalt ist folgender. Die Witwe Mittelberger mußte sich mit fünf Kindern mühsam durchs Leben schlagen. Natürlich mußten die Kinder, soweit sie dazu in der Lage waren, bereits mitverdienen helfen. Zu diesem Zwecke wurde der zwölf- jährige Sohn der Witwe von der Schule auf einige Zeit dispensiert. Er trat bei dem Angeklagten in Arbeit und hatte da in der Nähe de» Walzwerkes einen Wasserhahn zu be» dienen. Auf bisher unaufgeklärte Weise geriet der Junge am 17. September 1905 in die offen liegenden, nicht geschützten Zahnräder deS Werkes und wurde totgedrückt Eine furchtbare Anklage gegen die AuSbentungSsiicht des Kapitalismus, die auch vor zivölfjährigen Kindern nicht Halt macht, aber auch gegen die völlig unznretchende Gewerbeiiupektion. Nach diesem Unglück wurde der Betrieb des Walzwerkes von der Aufsichtsbehörde besichtigt. Die UnfallberufSgenossenschaft sowohl wie die Gewerbeinspektion begutachteten übereinstimmend, daß, wenn die vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen vorhanden gewesen wären, das Unglück nicht entstanden wäre. Diese Gutachten lagen dem Gerichte vor, der Staatsanwalt beantragte vier Wochen Gefängnis. Da« Gericht. kam zu einer— Freisprechung de« An« geklagten. Von Rechts wegen. Die kapitalistische Gesellschaftsordnung, in der für die Armen und Elenden so glänzend gesorgt ist, zwingt die Witwe, ihr zwölf« jähriges Kind dem Kapitalismus auszuliefern. Die-Sckule dispensiert den Schüler. An Leib und Geist wird das Kind der Armut gestraft. Die Witwe meint, eine Stütze in der augenblicklichen Not und ftir die spätere Zeit zu haben. Da naht sich dem jungen Menschenleben der Tod infolge deS Mangels vorgeschriebener Schutzvorrichtungen. Den entseelten Körper des schwachen Kindes zieht ein mitleidiger Mitarbeiter aus den Klauen des eisernen Ungeiüms. Ein Mensch, ein Kind weniger. Das Getriebe geht weiter. Da? Gericht spricht den Verantwortlichen frei, weil der juristische Gedankengang sich abseits des Empfinden« des ausgebeuteten, nach Gerechtigkeit hungernden Volkes befindet. Weiter rast da» eiserne Ungetüm und wird noch wie viele? sühnelos fordern. Die Reichsbotemnehrheit und die Regierung lehnen aber ab, daß die Arbeiter zur Verhütung der ihnen drohenden Gefahren mitwirken. Wie lange noch soll diese Rücksichtslosigkeit gegen Leben und Gesundheit der Aroeiter herrschen? Hue Induftrle und ftandel Industrielle Reservearmee. Wenn man die industriellen Marktberichte liest, sollte man glauben, von einer Reserdearmee von Lohnarbeitern könne zurzeit gar keine Rede sein. Bekommt man doch kaum einen Bericht z« Gesicht, in dem nicht bewegliche Klage geführt wird über Arbeiter- Mangel Tatsächlich gibt es aber mich jetzt noch genug Arbeitslose. Auf einer Tagung oeS verband«» rheinssch-westfulsscher ArbeitSnach« weife bemerkte Beigeordneter Dominikus, daß in Sftaßburg ständig eine Reservearmee von 300 Personen zur Verfügung stehe. Arbeiter« Mangel gibt es dort nicht und so dürfte es noch an vielen anderen Orten sein. In Berlin z. B. war der Andrang zu den von der Post ausgeschriebenen 2000 Aushülfsstellen für den Weihnachtsverkchr so stark, daß die Liste schon nach wenigen Tagen geschlossen werden konnte. Trotz der glänzenden Wirtschaftslage wird auch in diesem Jahre mancher Proletarier als Arbeitsloser traurige Weihnachten feiem._ Geschäftslage im Ledergewerbe. DaS Ledergewerbe hat im laufenden Jahre eine Hausse der Roh- stoffpreise durchgemacht, wie sie nicht nur kein anderes Gewerbe in diesem Jahre erfahren hat, sondern wie sie überhaupt nur selten vor- kommt. Wie enorm die Rohstoffpreise im Laufe des Jahres empor- geschnellt sind, zeigt ein Vergleich zwischen den Januar- und den Oktoberpreisen für Rohmaterial und Halbzeug in den letzten Jahren. Während in den Jahren 1902, 1903, 1904 gar keine oder doch nur ganz geringe Aufschläge von Januar bis Oktober stattfanden und 1905 bei den einzelnen Sorten mit einigen Zunahmen erhebliche Abnahmen abwechselten, wurden im laufenden Jahre alle Sorten Häute und Felle von einer rapiden Haussebewegung erfaßt. Um die Spannung zu veranschaulichen, seien nachstehend die Preise für einige Sorten angeführt. Es kosteten 1905 1906 Januar Oktober Januar Oktober Bremen, Ochsheute... , Kipse, Durbungah Hamburg, Ochshäute, Rio G Köln, Kipse...... Frankfurt a. M., Ziegenfelle „ Kalbfelle Die Verteuerung der Rohstoffe im ohne Einwirkung auf den Außenhandel Obwohl auch im Auslande das Rohmaterial sich verteuerte, war es für den Handel in gewissen Fällen immer noch günstiger, aus- ländische! Fabrikate zu vertreiben als einheimische. Das erhellt daraus, daß die Einfuhr von Lederwaren gestiegen ist, während die Ausfuhr abgenommen hat, zum erstenmal wieder seit 1901, von wo ab sie Jahr für Jahr gewachsen war. In Doppelzentnern betrug nämlich die Ausfuhr von Leder und Lederwaren in den ersten zehn Monaten: laufenden Jahre ist nicht in Fertigwaren geblieben. 1900... 156 971 1901... 156 442 1902... 169 741 1906.. Die Einfuhr dagegen, die 82 184 Doppelzentner betragen 84135 hinauf. 1903... 173 751 1904... 182 317 1905... 196 761 .. 189 710 in der betreffenden Zeit 1905 hatte, ging in diesem Jahre auf Ncugründungen. Im November 1906 wurden 15 Gesellschaften mit einem Nominalkapital von 60 300 000 M. gegründet. Demnach beläuft sich die Zahl der Neugründungen in den ersten elf Monaten des laufenden Jahres auf 2l0 und das nominelle Gründungskapital beziffert sich auf 444 571 000 M., gegen 176 Gesellschaften mit 318 426 000 M. in der gleichen Zeit 1905. Imponierender Optimismus. In der Hauptversammlung deS Vereins deutscher Eisenhüttenleute, die am Sonnabend in Düsseldorf tagte, führte Generaldirektor Springorum bei Erstattturg des Ge- schäftSberichts u. a. aus, daß die Tättgkeit der Eisenindustrie sich fortdauenid in aussteigender Richwng bewege und in der letzten Zeit sogar ein beschleunigtes Tempo angenommen habe. Eine Ueber- Produktion sei bisher nicht in Erscheinung getreten, vielmehr sei der Absatz nicht nur für jetzt, sondern auch auf geraume Zeit hinaus gesichert. Dazu komme, daß die Verwendung von Eisen und Stahl sich immer mehr ausdehne, was gute Aussichten für die Zukunft eröffne, zumal die Preisstellung infolge maßvollen(?) Verhaltens der großen Verbände nornial geblieben sei. Jede Unsicherheit werde mit Erneuerung des Stahlwerksverbandes schwinden. Bei solch glänzenden Aussichten dürfen die Arbeiter wohl auf eine Weihnachtslohnzulage rechnen! Wandcr-Fahrrndwerke in Themnitz. DaS letzte Geschäftsjahr erbrachte bei reichlichen Abschreibungen einen Reingewinn von 392 414 M. gegen 341317 M. im Vorjahre. Für die Aktionäre, die für 1904/05 17 Proz. erhielten, sollen diesmal 18. Proz. Dividende ausgeschüttet werden._ Wild-West im Kampfe gegen die„Trusts". New Dork, 9. Dezember. Das gewaltsame Vorgehen der Be- völkerung des Staates Kentucky gegen den Tnbaktrust dauert fort. Weitere Scheunen und Speicher werden mit Dynamit in die Luft gesprengt oder in Brand gesteckt. Die StaatSregierung ersuchte um Entsendung von Bundestruppen zur Unterdrückung der Bewegung. Der englische Außenhandel. Nach der am 7. Dezember ver- öffentlichterr HandelSstatistik für den Monat November belief sich der Wert der Einfuhr auf 65 748 868, der Ausfuhr auf rund 33 Millionen Pfund Sterling. Im Vergleich mit dem Parallelmonat des Jahres 1905 zeigt die Einfuhr eine' Zunahme von 2,6 Millionen. die Aussuhr 3,4 Millionen Pfund Sterling. In den letzten 11 Mo- naten belief sich die Einsuhr auf 553,4 Millionen, die Ausfuhr auf 344,3 Millionen Pfund Sterling. Im Vergleich mit der gleichen Periode des Jahre« 1005 zeigt die Einfuhr eine Zunahme von 41,2. die Aussuhr 42,0 Millionen Pfund Sterling. Da keine Ursache vor- liegt, daß sich der Gang des Außenhandels im Dezember 1906 anders gestalten wird, so darf man den englischen Außenhandel des Jahres 1906 auf ungefähr 975 Millionen Pfund Sterling(19,6 Mil« liarden Mark) schätzen._ Eingegangene vruckfckrikten. Bon der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben da» 10. Heft des 25, Jahrganges crlchicncn, ES hat folgenden Inhalt i Die Kolonialdebatte,— Trlcbkräst« und Aussichten der russischen Revolution. Von K, KautSly,(Schluß,)— Ideale und Wirklichkeit in der russischen Literatur, Von Ernst KreowSkt(Berlin,)— Die Schule der Zukunst, Von H, B, Adanis-Lchmaim,— Die sranzösisch« Presse in den ersten Jahren der großen Revolution, Von Heinrich Sunow,(Fortsetzung)— Literarische Rundschau: T, W, Teisen, Die Besitzenden und dt« Bcsihiojen tu Oesterreich. Von G, Eckstein. Die„Neue Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von S,S5 M, pro uuartol zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Ps. Probenummcrn stehen jederzett zur Versügung. Von der„Gletchhctt", Zelkschttst für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul singer), lst uns soeben Nr, 25 de» IS, Jahr« Sange« zugegangen. Sie bat folgenden Inhalt: iltn die Partetgenossinnen ireußen« l— Die gewerkschastlich organisierten Arbeiterinnen im Jahre 1905. Von Luise Zieh,— Zur Frage des Dicnstvertrages.— DaS Haus Rieht Von Adelheid Popp.— Ueber dl« Ursachen der ungleichen Entlohnung von Männer- und Frauenarbeit, Von Gustav Hoch.— Der Prozeß AugSpurg. — Die Ansänge der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland. Von Klara Zetkin,(Schluß,)— Au» der Bewegung: August Drccsbach tot!— Bon der Agitation.— Weibliche Delegierte zum zweiten preußischen Partes« tag.— Tätigleitsbcrtcht der Verwauensverson de» Stetttner Wahlkreises.— Die Polizei im Knmpse gegen dle proletarischen grauen.— Gewerlschastliche Rundschau.— Notiz, iitcil! Slrbelttbedingungen der Arbelterinnen.— Dienst» botensraae,— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland,— Frauen« stimmrccht,— Frauenbewegung,— Berschtedcnes.— Empfehlenswerte Wcihiiachtsbüchcr.— Feuilleton: Erster Geburlstag. Von A. N.— Ganz allein. Von A. Möller, Frauen-Beilage: DaS trunkene Lied, Von Fnedrich Nietzsche.(Gedicht.) — Was sollen wir unseren Kindern schenken. Von K. D.— Die Lust Von Dr, Adams-Lehmann,— Volkslied. Von Leo Heller.(Gedicht.)— Das Recht des Kindes aus seine Mutter. Von H, Böget(Schluß.)— Die Mutter als Erzieherin,— Für die Hausfrau. Die„Gleichheit" erscheint aller 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementsprcis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps., unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2,69 M, Roland, Monatsschrift sür srclhcitliche Erziehung in Haus und Schule. Herausgegeben von einer Veretniguna Bremischer Lehrer. Hest 11 und 12. Bezugspreis! halbjährlich 3 M., Einzeihest 40 Ps. Verlag A. Janü-N, Hamburg. Für das Weihnachtsfest empfehlen wir unseren Lesern nachstehende Prämien und Jugendschriften: ferdinand freiligraths fämtliche Werke in 9 Bänden. Mit einer Einleitung von Schmidt- Weißenfels ca. 1650 Seiten start, in 3 eleganten Leinenbänden gebunden ( bisheriger Ladenpreis 5 M.) I. Für die Kleinen. 1. Bestow, Hänschen im Blaubeerenwald. 16 Farbendrucke, Text von Brandt. ( Löwe, Stuttgart.) Kl. Ausg. 1,20 Mt. 2. Ferdinands, Ri- ra- rutich. Bilder von Volkmann.( Behr.) 1,50 Mt. 3. Meggendorfer, Luftige Geschichten. Farbiges Bilderbuch.( Braun& Schn.) 1,50 Mt. 4. Pletsch, Gute Freundschaft.( Löwe, Stuttgart.) 0,90 mt. 5. Pletsch, Der alte Bekannte.( Löwe.) 1,50 mt. 6. Pletsch, Allerlei Schnickichnack.( Löwe.) 1,50 Mr. 7. Pletsch, Springinsfeld.( Löwe.) 1,50 m. 8. Richter, Ludwig Richter- Gabe. Auslese von 16 Bildern.( Dürr.) 1 Mr. 9. Wolgast, Schöne alte Kinderreime. Mit farbigen Bildern von Mauder. ( Verlag der Jugendblätter.) 0,60 Mr. und 1,20 Mr. 10. Das Deutsche Bilderbuch.( Scholz- Mainz.) à Bd. 1 Mt. Jeder Band mit acht großen farbigen Bildern. Lefler und Urban, Marienkind. 11. Dasselbe, Münzer, Aichenputtel. 12. Dass., Schmidhammer, Rotkäppchen. 13. Dasselbe, Diez, Dornröschen. 14. Dasselbe, Scholz, häniel und Gretel. 15. Dasselbe, Kunz, Frau Holle. II. Vom 8. bis 10. Jahre. 16. Andersen, Märchen. Auswahl von Werther.( Union, Stuttgart.) 0,80 mt. 17. Avenarius, Der geftiefelte Kater. Mit 12 Bildern von Speckter.( Callwey.) 0,60 Mt. 18. Bechstein, Märchenbuch. Illustriert von L. Richter.( G. Wiegand.) 1,20 Mt. 19. Bechstein, Reues deutsches Märchenbuch. Mit Bildern.( Bartleben.) 1,20 m. 20. Bechstein, Märchen. Auswahl. Farb. ill. v. Fahringer.( M. Gerlach, Wien.) 1,50 Mt. 21. Busch, Max und Moritz. Bubenstreiche. Mit farbigen Bildern.( Braun & Schneider.) 3 Mr. 22. Grimm, Kinder- und Hausmärchen. 13 farbige Bilder von P. Meyerheim. ( Bertelsmann.) Geb. 1,50 Mr. 23. Grimm, Fünfzig Märchen. 12 Bilder von 2. Richter.( Reclam.) 0,80 mt. 24. Grimm, Kinder- und Hausmärchen. Ohne Bilder.( Bibl. Inst.) 0,65 Mt. 25. Jungbrunnen, Die Gänfemagd. Der Ellenhans. 3wei Märchen von Grimm. Bilder von Braune.( Fischer& Franke.) Súng. 1,25 t 26. Jungbrunnen, Vom klugen Schneiderlein. Vom Grufeln. Zwei Märchen von Grimm. Bilder von Bernuth.( Fischer & Franke.) Ung. 1,25 Mt. 27. Jungbrunnen, Grimm, Der Meisterdieb und andere Märchen. Bilder von Stumpf.( Fischer& Frante.) 1,50 Mt. 28. Kreidolf, Der kleine Timmerfatt. Farbiges Bilderbuch mit Versen. ( Schaffstein.) 2 Mt. 29. Kreidolf, Die Wiefenzwerge. Farbig. Bilderbuch.( Schaffftein.) 3 Mt. 30. Kreidolf, Blumenmärchen. Farbiges Bilderbuch mit kleinen Gedichten. ( Schaffstein.) Kleine Ausg. 1,25 Mr. 31. Specter, Katzenbuch. Bilderbuch mit Gedichten von G. Falte.( Janßen, Samburg.) 0,50 Mt. 32. Specter, Vogelbuch. Bilderbuch mit Gedichten von G. Falte.( Janßen, Samburg.) 1 Mr. 33. Weber, Der Deutsche Spielmann. Gedichte und Märchen, mit Bildern von Kreidolf.( Callwey.) 1 Mt. III. Vom 10. bis 12. Jahre. 34. Andersen, Märchen. Auswahl. Mit 10 Bildern von Speckter.( R. Mecklenburg- Berlin.) 1 Mr. 3 Mark. :: Franz Grillparzers:: fämtliche Werke Neue, illuftrierte Pracht- Husgabe. Herausgegeben von Rudolf von Gottschall. Ueber 1000 Seiten start, in 2 Bänden elegant gebunden 3 Mark. 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Wagner, Entdeckungsreifen in Feld und Flur, in Saus und Sof, in der Wohnstube.( Spamer.) 3 Teile à 2,50 Mt. V. Für die reifere Jugend ( 14 und mehr Jahre). Erzählungen, novellen, Dramen und Anderes. 91. Aleris, Die Hofen des Herrn v. Bredow. Roman.( Deutsche Bücherei, Berlin.) 1 Mr. 92. Andersen, Märchen und Geschichten, Verein für Kunstpflege.( Samburg. G. Seitz, Nachf.) 1,- Mt. 93. Chamisso, Peter Schlemihl.( Sendel.) 0,50 Mt. 94. Cervantes, Don Quichote. Bearbeitet von G. Höller.( Schaffstein, Köln.) 2 Mt. 95. Erdmann Chatrian. Frau Therefe. ( Glocke, Berlin.) 1,- Mt. 96. Sebbel, Nibelungen. Teil I und II. Drama.( Sendel.) 0,75 Mt. 97. Kleist, Michael Kohlhaas. Geschichte. ( Sendel.) 0,50 Mt. 98. leift, Prinz Friedrich von Homburg. Drama.( Dichter- Ged. Stiftg.) Jlluftr. 0,90 Mt. 99. Loewenberg, Vom goldenen Weberfluß. Gedichte aus neueren deutschen Dichtern.( Voigtländer.) 1,80 mr. 100. Porger, Moderne erzählende Profa. Bd. Il( Belhagen& Klasing) 1,20 Mt. 101. Scott, Quentin Durward. Roman. ( Sendel.) 1,25 Mr. 102. Stifter, Bunte Steine. Erz.( Sendel.) 1,25 9. 103. Storm, Der Schimmelreiter. Roman. ( Gebr. Paetel.) 5 Mt. 104. Weber, Der deutsche Spielmann. Bd.5. Meer. Bd. 9: Arbeiter. Bd. 10: Soldaten. Bd. 11: Bürger. Bd. 13: Sommer. Bd. 14: Serbst. Jeder Band 1 Mr. 105. Wohlrabe, fleier Heimbrecht.. Bearbeitung der mittelhochdeutschen Dorfgeschichte Werner der Gärtner.( Joh. Friedr. Dürr.) 1,- Mt. 106. Deutsche Humoristen. Erzählungen von Rosegger, Raabe, Reuter, Roderich. ( Dichter- Gedächtnis- Stiftg., Samburg.) 1 Mr. Gefchichten, Sagen, Biographien. 107. Grimmelshausen, Simplicius Simplicissimus.( Spemann.) 2 Mt. 108. Rügelgen, Jugenderinnerungen eines alten annes.( Sendel.) 1,75 m. 109. Reichard, Stanley.( Sofmann.) 3,20 mt. 110. Schwab, Die schönsten Sagen des klaffifchen Altertums.( Bertelsmann.) 3,60 Mr. 111. Tegner, Frithjoffage. Elebersetzt von Monicke.( Hendel.) 0,50 Mt. Naturkunde und Geographie. 112. Blochmann, Cuft, Waffer, Licht und Wärme.( Teubner.) 1,25 Mt. 113. Fofter, Physiologie.( Trübner.) 0,80 m. 114. Sanson, fileeresforschung und Meeresleben.( Teubner.) 1,25 Mt. 115. Rennan, Zeltleben in Sibirien.( Bib. Inft.) Geb. 1 Mr. 116. Lassar- Cohn, Die Chemie im täglichen. Leben( Boß, Samburg.) 4 Mt. 117. Ragel, Deutschland.( Grunow.) 2,50 Mt. 118. Borgigti, Blütengeheimniffe. Blütenbiologie.( Teubner.) 3 Mr. 119. Bernstein, Naturwiffenichaftliche Volksbücher. Bb. 1: Jeder Band 1 Mr. ( Dümmler.) Klaffiker- Husgaben, in Leinen gebunden( fämtlich Verlag Heffe). 120. Bürger. 1 Bd. 1,75 Mt. 121. Eichendorff. 2 Bde. 3,50 Mt. 122. Goethe. Auswahl in 4 Bänden. 6 Mt. 123. Grillparzer, Meisterdramen. 1 d 1,75 Mt. 124. Hauff. 2 Bde. 3,50 Mt. 125. Hebbel, Meisterdramen. 2 Mr. 126. Heine. 4 Bde. 6 Mt. 127. Kleift. 1 Bd. 1,75 Mt. 128. Cenau. 1 d. 1,75 Mt. 129. Celling. 3 Bde. 5 Mt. 130. Schiller. 4 Bde. 6 Mt. 131. Shakespeare. Auswahl in 4 Bänden. 6 Mt. Expedition des ,, Vorwärts", Berlin S. 68, Lindenstr. 69. 1 Bb. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Anferatenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Gudruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 288. 23. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 11. Dezember 1906. Die Gewerkschaftsvorlage und die Lords. suchungen beizustehen. Nichtsdestoweniger kam die Kommiſſion zu lehnen wir gleichzeitig jede Verantwortlichkeit dafür ab, und wir fagen vor der Kommission zu machen und ihr in ihren Unter- treten kann. Und wenn wir das Gesez auch passieren lassen, so Schlüssen, die mit drei von den vier Paragraphen der Bill überein können nur die Hoffnung aussprechen, daß der gesunde Sinn der London, 6. Dezember.( Eig. Ber.) stimmen." Unternehmer und der Arbeiter uns vor den Gefahren schützen möge, Am 4. Dezember wurde die Gewerkschaftsvorlage in zweiter" Ich komme nun zum vierten Abschnitt( kollektive Haftbarkeit die aus dem Gesetze entspringen können, welches die Regierung egt Lefung vom Oberhause angenommen. Formell ist zwar noch ein oder Rechtsfähigkeit der Gewerkschaft). Ein Kluger Mann sagte: man durchbringen will." ziemlich weiter Weg bis zur endgültigen Annahme, aber die Reden, kann von einem Dinge nichts verstehen, so lange man nicht weiß, Das sind merkwürdige Worte. Sie besagen, daß die britischen die bei der zweiten Lesung gehalten wurden, lassen keinen Zweifel wie es emporgewachsen ist. Das gilt auch von unserem Gegen- Lords nicht imstande sind, sich dem Willen der Arbeiter zu widermehr darüber aufkommen, daß die Vorlage auf keine ernsten stande. Trade- Unions gibt es in England seit 200 Jahren. Bis setzen. Der Wille des Volkes ist höchstes Gesez. Aber dieser Wille Schwierigkeiten im Oberhause stoßen wird. Das ist auch die An- zum Jahre 1871 waren die verschiedenen Regulierungen und Geseze muß sich klar aussprechen, wie er sich politisch in den letzten Hauptsicht so durch und durch konservativer Blätter wie" Standard" und grausam gegen alle Arbeiterorganisationen. Eine Person konnte wahlen ausgesprochen hat. Das ist der Sinn der Rede Lansdownes, „ Globe", wegen Zugehörigkeit zu einer Trade- Union unter Anklage gestellt eines der erfolgreichsten Diplomaten unserer Zeit. Bei der Wichtigkeit, die diese Vorlage nunmehr auch für die werden. Streifs waren ungesetzliche Handlungen. Man konnte Nach ihm sprachen mehrere Lords gegen die Bill. Unter diesen deutschen Arbeiter hat, dürfte es wohl angezeigt sein, die wichtigsten eine Trade- Union straflos bestehlen. Sie war rechilos. Aber Rednern befand sich auch Lord Kelvin( der berühmte Physiker und Reden, die zu dieser Frage im Oberhause gehalten wurden, zusammen einen Vorteil hatte sie: Man konnte sie nicht vor Gericht Mathematiker William Thompson), der die Bill als eine Vergewaltigung zufassen. bringen. Es liegt bis auf die letzten Jahre kein Fall vor, wo eine der Freiheit betrachtet. Eröffnet ward die Debatte durch den Lordkanzler als den Trade- Union verklagt worden wäre. Neben mir sitt Lord Croß, Für die Bill trat in warmen Worten der Bischof von Präsidenten des Oberhauses und eigentlichen Justizminister Englands. der als Mitglied der konservativen Regierung in den Jahren 1875 Southwart( Süd- London) ein. Er wohnt in einem Arbeiterviertel Dieser Bertreter der Regierung lenkte in einer längeren, fich durch und 1876 hervorragenden Anteil am Zustandekommen des Trade- und kennt das proletarische Leben. Er sagte:" In dieser wichtigen musterhafte Klarheit auszeichnenden Rede die Aufmerksamkeit der Unionsrechts genommen hat, wofür ihm die Gewerkschaftsführer öffentlich Sache sollen nicht nur Juristen und Politiker, sondern auch die VerLords auf den Inhalt der Vorlage im allgemeinen und auf den gedankt haben. Wenn er mir in meinen Ausführungen widersprechen treter anderer Professionen mitsprechen; denn diese Bill geht über bierten Abschnitt, der den Taff- Vale- Entscheid beseitigt, im besonderen. sollte, so würde ich wissen, daß ich im Unrecht bin. Auch jene juristische Erwägungen hinaus. Es gibt kaum eine andere Frage, Er führte aus: Die Bill, wie sie jetzt vorliegt, unterscheidet sich vor- Geseze wußten nichts von einer kollektiven Verantwortlichkeit oder die einen so weiten Umfang hat wie die Frage der Wohlfahrt der nehmlich im vierten Abschnitt von der Bill, die die Rechtsfähigkeit der Trade- Unions. Disraeli ist einer der Urheber Arbeiter. Ebensowenig wie man eine ganze Nation anklagen Regierung einbrachte. Die Regierung wollte die kollektive des Trade Unionsrechts; er tannte die Arbeiterfrage, wie nur wenige tann, so wenig fann man die Arbeiterpartei nur wie eine der Haftbarkeit im Prinzip aufrecht erhalten, aber sie in der unter uns; er war von der Notwendigkeit eines freiheitlichen vielen Parteien und Parteiungen behandeln, mit denen Pragis auf gewisse Fälle beschränken. Gleichzeitig lag Arbeiterrechtes tief überzeugt. Und unter diesem Rechte bauten das Gesetzbuch zu tun hat. Damit will ich nicht aber dem Unterhause eine bon den Arbeitervertretern sich untere Trade- Unions auf, bis im Jahre 1901 der Schlag des sagen, daß man die Arbeiter tie eine beborrechtete eingebrachte Bill vor, die die kollektive Haftbarkeit ganz beseitigte. Taff- Vale- Entscheides kam, der die in schwerer Arbeit zusammen- Klaffe behandeln müßte. Die organisierte Arbeiterklasse Die Regierung stellte es dem Unterhause anheim, sich für eine dieser gesparten Groschen der Gewerkschaften gefährdet. Diesen Schlag fühlt, daß sie im Wettbewerb mit den übrigen Klassen die schwächere beiden Vorlagen zu entscheiden. Das Unterhaus entschied für die wollen wir parieren und das Gesetz so faffen, wie es nach all- ist. Sie fühlt, daß ihr die finanziellen Hülfsmittel, die administraVorlage der Arbeitervertreter, worauf die Regierung fie zu der gemeiner Ansicht bis zum Jahre 1901 gegolten hatte." tive Maschinerie der großen Industriekapitäne fehlen. Sie fühlt, ihrigen machte. Der Inhalt dieser Vorlage stimmt mit dem der Der Lordkanzler ging sodann auf die übrigen Paragraphen daß ihre Aktionen langsam und schwerfällig sind. Mit einem Worte: Trade Disputes Bill aus dem Jahre 1903 wesentlich überein. Ich ein: Picketing( Streitpostenstehen) und Verschwörung. Er zeigte die sie fühlt, daß sie mit einem Strick um den Hals auf dem Kampfwar damals noch im Unterhause und unterstützte sie, aber das Haus Notwendigkeit des Picketingrechts sowie den Unsinn der Anklagen play tritt. Ich habe einen starken Glauben in den Gerechtigkeitslehnte sie mit einer Mehrheit von 30 Stimmen ab. Sie wurde im wegen Verschwörung und empfahl zum Schluß die zweite Lesung. sinn der Arbeiterklasse und ich bin überzeugt, sie würde die Bill Jahre 1904 wieder eingebracht und mit einer Majorität von Ihm entgegnete Lord Lansdowne, der Führer der ganz gut rechtfertigen fönnen. Die Arbeiter würden sagen: 29 Stimmen angenommen. Im Jahre 1905 rief die Vorlage im Konservativen im Oberhause. Er machte sich zuerst über die liberale„ Es ist sehr schwer für uns, unsere Organisation wirkungsvoll und Unterhause wieder eine längere Diskussion hervor, welche die Mitglieder Regierung lustig, die ihre eigene Bill aufgab, um die stark zu machen. Gegenüber dem Gewichte der gesellschaftlichen tiefer in das Wesen der umstrittenen Grundsäge eindringen ließ und zur Bill der Arbeitervertreter, die die in einem wichtigen Punkte Kräfte, die gegen uns in die Wagschale geworfen werden, gibt es Annahme der Bill mit einer Mehrheit von 122 Stimmen führte. von jener abweicht, zu unterstützen: Die Kassen der Gewerkschaften für uns kein anderes Mittel als Immunität unserer Stassen." Im Jahre 1906 stieg die Mehrheit auf 350 Stimmen. Das mert feien gewiß des gefeßlichen Schutzes wert, aber nur insoweit sie Das Vertrauen der Arbeiter wurde erschüttert; die Aufgabe des würdigste ist, daß auch die im Unterhause sizenden Unternehmer wohltätigen Unterstügungszwecken wie bei Krankheit, Arbeits- Parlaments kann jetzt nur die sein, den Arbeitern dieses Vertrauen feine Schwierigkeiten machten. Und als die dritte Lesung vor- lofigkeit, Arbeitsunfähigkeit usw. dienen. Jedoch derjenige Teil wiederzugeben. Wird die Bill zum Gesez erhoben, so genommen werden sollte, erhob sich der Führer der Konservativen, der Fonds, der zu Streifzwecken verwendet werde, müßte nach Recht fam es wohl kommen, daß wir anfangs schlechte Zeiten Mr. Balfour, und empfahl seiner Fraktion, die Vorlage passieren zu und Billigkeit eventuell für Schäden herangezogen werden können. werden durchmachen müssen. Aber ich bin überzeugt, daß Tassen" Ehe ich weiter gehe," so führte der Lordkanzler ferner Allerdings sei nicht zu vergessen, daß das Land sich zugunsten der wir ein gesundes soziales Leben nicht durch eine oberaus, muß ich noch der königlichen Kommission gedenken, die Gewerkschaftsvorlage ausgesprochen habe. Die letzten Hauptwahlen flächliche Gleichheit des Gesetzes erlangen werden, sondern durch von der letzten( konservativen) Regierung eingesetzt worden war. seien ja vornehmlich auf Grund dieser Bill ausgefochten worden, die Selbstverwaltung der Arbeiter, durch die Selbstbeherrschung und Sie bestand aus fünf Mitgliedern. Eins derselben war Vertreter und die Mehrheit entschied sich für sie. Unter solchen Umständen Weisheit der Trade Unions. Durch das alte Trade- Unionsrecht der Unternehmer; dagegen lehnte es die legte Regierung ab, müsse das Haus der Lords vorsichtig sein.„ Der Kampfplatz würde haben wir bereits Fortschritte nach dieser Richtung gemacht und dies einen Arbeitervertreter in die Kommission zu berufen. für uns ungünstig sein. Auch wenn die Lords einen Sieg erringen könnten, ist auch der Weg für die Zukunft. Ich bin deshalb gerne bereit, Daraufhin fagten die Arbeiter:" Dies ist keine unparteiische und wäre dieser Sieg schließlich fruchtlos. Wir sind davon überzeugt, für die Bill zu stimmen." richtig( fair) zusammengesetzte Kommission. Es ist eine Kommission, daß diese Bill den Arbeitern nicht Rechte, sondern Vorrechte ge- Zum Schluß sprach der Vertreter der Regierung, Lord Crewe, in der unsere Gegner wohl vertreten sind, aber wir sind darin währt, die dem Gemeinwesen gefährlich werden können. Dennoch für die Bill, die dann wie gesagt- in zweiter Lesung annicht vertreten." Sie lehnten es deshalb ab, irgend welche Aus- liegen die Dinge so, daß dieses Haus der Bill nicht in den Weg genommen wurde. Schlafröcke Die Freude aller Ehemänner u. Junggesellen. Angenehmster Schutz gegen Erkältung. Ungemein reichhaltige Sortimente in molligen, warmen Stoffen. Hübsche Fassons mit schönen Besätzen, Nur eigene Erzeugnisse 30.- 27.- 24.21.- 18.- 15.12ML. Herren- Morgenröcke 50 Schöne Schlafrockstoffe mit Besätzen 30.- 24.- 18.- 12.Winter- Joppen Warm gefüttert. überschlag. 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Boltsstück in 5 Atten von Charlotte Birch- Pfeiffer. Jeden Sonntag, Montag u. Donnerstag: Nordd. Sänger und Tanzkränzchen. Sonntags Beginn 5, Wochent. 8 Uhr. Dienstag, 18. Dez.: Letter TheaterAbend vor Weihnachten. Otto Pritzkow, Münzstr. 16. Gustav Behrens Theater, Berlin O., Frankfurter Allee 85. Sonntag 4 Uhr: Alexander der Große. S Das vollständig neue Dezember- Programm. Fröbels Allerlei- Theater. Neu Der Hauptmann v. Köpenick Neu! Schönhauser Allee 148. Gastspiel Bernhard Rose- Theater. Mittwoch nachm. 34, Uhr: Kinder- Barra- Truppe, Burlesk Birtus Am Altar. vorstellung, fleine Preise: Kindestreue und Weihnachtssegen. Abends 7 Uhr: Die Zauberflöte. musik. tom. Aft. bon Paul Sander. Dazu 8 erfillaffige Spezialitäten und Berlin im Omnibus. Zeitgemälde in 5 Aften. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Billettvorverkauf: Krüger& Oberbeck, Rastanienallee 1. Neues Schauspielhaus Bernhard Rose- Theater Stomb. Anfang 8 Uhr. Große Frankfurterstr. 132. Abends 8 Uhr: Die Hochzeitsfackel. Das Käthchen von Heilbronn. Mittwoch nachm. Aschenbrödel. 3 Uhr: Abends Morgen: Die neue Welt. Donnerstag: Das Käthchen von 8: Die Hochzeitsfackel. Heilbronn. Freitag: Ausgewiesen, Uhr: Neues Theater. Die Anfang 8 Uhr. Sonnabend: Das Käthchen von Heilbronn. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brummenftr. 16. Condottieri, Im Edelgrund und tiefen Wald Morgen und folgende Tage: Die Condottieri. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: 8um 135. Male: Ein idealer Gatte. Mittwoch: Ein idealer Gatte. Donnerstag: Die Feinde. Freitag: Ein idealer Gatte. oder: Das Buschlies'l. Boltsstück mit Gesang in 4 Aften. Anfang 8 Uhr. Entree 30 f. Ehren und Vorzugskarten gültig. Mittwoch zum legtenmal: Kean. WINTER CARTEN Komische Oper. Letzte Woche! Abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Mittwoch: Carmen. Donnerstag zum erstenmal: Pariser Leben. Anfang 7 Uhr. Freitag: Lakmé. Lortzing- Theater. Bellealliancestr. 7/8. Heute abend 7 Uhr: Fra Diavolo. Abonnements gültig. Mittwoch nachm. 3 Uhr: Märchenborstellung: Peter und Paul reisen ins Schlaraffenland. Abends 742 Uhr: Die Regimentstochter. Ruth Handwerker, Schönb. Alle 153. Folies Caprice Linienstr. 132 Ecke Friedrichstraße. Dir. Felix Berg. Heute: Debüt Fleischmann! Anfang 8 Uhr. Vorverkauf von 10-2 Uhr u. b. Wertheim. Walhalla Variete Theater Weinbergsweg 19/20 Am Rosenthaler Tor. Eine Variété- Vorftellung einzig in ihrer Art. 60 internationale Artisten 60. Unter anderem: Die 12 Akrobaten Lorch in ihren phänomenalen ifarischen Spielen mit 3 Ponys und Efeln. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. St. Denis. Colosseum Passage- Theater. Täglich abends 8 Uhr: Berlin Lustspielhaus. paß auf! Täglich 8 Uhr: Husarenfieber. Zentral- Theater. ( Operette.) 8 Uhr: Der Rastelbinder. Burleste in 2 Aften v. Leop. Ely. Musik von Rudolf Nelson. In den Hauptrollen: Josefine Dora, Paulette van Roy, Georg Kaiser, Martin Bendix. Außerdem: Die glänzenden Dezember- Spezialitäten. Das urtomische Dezember Programm. 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Mts. verstarb nach langen Leiden unser Mitglied, der Schloffer 226/13 Franz Lampe Buttmannstr. 2 am an der Proletarierkrankheit. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 12. b. Mts., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Paulskirchhofes ( Plößensee) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schloffer Franz Lampe gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Zeichenhalle des neuen Pauls- Kirchhofes in Blößensee aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Zentral- Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin u. Umgegend. ( Bezirk 8.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Fritz Schröder verstorben ist. ant Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 11. Dezember, nachmittags 32 Uhr, von der Leichenhalle des Schöneberger Kirchhofes, Marstraße, aus statt. Um recht rege Beteiligung ersucht 255/9 Der Vorstand. Statt besonderer Meldung! Allen Freunden, Bekannten und Berwandten die traurige Mitteilung, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder und Schwager, der Produktenhändler, frühere Schleifer Franz Schrei am 9. Dezember, vormittags 11%, Uhr, nach schwerem Leiden verschieden ist. Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchhofes aus statt. Um rege Beteiligung bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Witwe Schrei, Georg Schrei. 2606 Brandenburgstraße 48. Sonntag, den 9. Dezember, ver schied unser lieber Stollege, der Schneider Franz Loehs 2706 im 42. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Kollegen der Firma Peek& Cloppenburg. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 12. Dezember, nachmittags 2, Uhr, von der Leichen halle des Luisen- Kirchhofes, Her mannstraße, aus statt. m. am Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berliner Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 8. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Händler Wilhelm Breyer ( Biesenthalerstr. 10.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des neuen BaulsKirchhofes, Plögensee, Seestraße, aus statt. 226/12 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Arbeiter- Raucher- Bund Berlins und Umgegend. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied Karl Leonhardt aus Klub Henfeltöppfen" am 8. d. M. verstorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. Dezember, nachmittags 2 Uhr, vom Trauer hause Brunnenstr. 97, Hof II aus statt. Der Vorstand. 298/8 Deutscher Senefelder- Bund. ( Verband der Lithographen und Steindrucker.) Todes- Anzeige. Am 8. Dezember verstarb unser Mitglied und Kollege, der Linoleumbruder 298/7 Karl Pohle im Alter von 35 Jahren nach sehr kurzer Krankheit. Ehre seinem Andenten! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 11. Dezember, nachmittags 3, Uhr, vom Trauerhause, Köpenid, Sturzestr. 12, aus statt. Die Verwaltung der Filiale I. Die Beerdigung unserer guten Mutter, der Frau 2625 am Lina Schultze, Witwe des Genoffen Carl Schultze ( Königsberg i./Br.) findet Mittwoch, den 12. b. M., nach mittags 3 Uhr, von der Leichen halle des Friedhofs der Freireligiösen Gemeinde in der PappelAllee aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die liebevollen Beweise innigfter Teilnahme bei der Beerdigung meiner innigft geliebten Frau resp. Tochter Anna Lehfeldt geb. Janike fagen wir allen Bekannten und Verwandten, speziell dem Gesangs verein Syrene" Berlin und dem Lotterieverein- Bankow auf diesem Wege unseren tiefgefühltesten Dank. Fritz Lehfeldt. Albert Janike und Frau. Allen denen, welche mir bei der Beerdigung meines lieben Mannes Alwin Brösel sowohl durch die überaus zahlreiche Beteiligung wie durch reiche Blumenspenden in so herzlicher Weise ihre Teilnahme erwiesen haben, sage ich hiermit meinen tiefempfundenen Dant. Witwe Brösel nebst Kindern. Kranz- und Blumenbinderei von Robert Meyer, nur Mariannen- Straße 2. Hygienische Petroleum- Heizöfen, Bedarisartikel. Neuest. Katalog Empfohl.viel Aerzte u.Prof. grat. u.fs H. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. Friedrichstrasse 91/92, * Petroleum Kocher, Weißblech- Stoch geschirr. Ausverkauf zu spottbilligen Preisen. 2615 H. Kleinschewsky, Ratiborftr. 4. Wurms Magendoctor, Magendoctor Apath A Worms ist das concentrirter Kräuter Liqueur Beste für den Magen! conc. Kräuterlikör, bas Beste für den Magen, ärztlich anerkannt empfiehlt [ 31932 Apotheker A. Wurms Generaldepot, Likörfabrik, Berlin 0. 27, an der Michaelbrüde 1. Tel.: 7. 238. Ueberall erhältlich. Achtung! Achtung! Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder! Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer Heimarbeiter und Arbeiterinnen! Dienstag, den 11. Dezember 1906, abends 8% Uhr finden für Groß- Berlin 1. Kreis: 2. Kreis: 3. 1. 4. Kreis: 4. u. 5. Kreis: 6. Kreis: Lichtenberg: Pankow: Reinickendorf: 16 öffentliche Versammlungen in folgenden Lokalen statt: Berlin: Arminhallen, Kommandantenftr. 20. Zühlke, Dennewitftr. 13. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Boeker, Weberstr. 17. effelans, Suiuruindrift. 298/5 4L Swinemünder Geſellſchaftshaus, Swinemünderstr. 41. Bernhard Rose- Theater, Badftr. 58. Milbrodts Gesellschaftshaus, Müllerstr. 7. Arminiushallen, Bremerstr. 70/71. Nieder- Barnim: Gebr. Arnhold, Frankfurter Chauffee 5. ນາ Die Sperre über 44/4 National- Cash- Register- Comp. ist aufgehoben. Die Differenzen sind zu beiderseitiger Zufriedenheit erledigt. Der Gauvorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zablftelle Rixdorf. Donnerstag, 13. 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Tagesordnung in sämtlichen Versammlungen: für Spandau und Umgegend bei Kumke, Restaurant zum Vorwärts, Schönwalderstr. 80. Tages- Ordnung: 1. Jahresbericht der Bezirksleitung. 2. Neuwahl der Bezirksleitung. 3. Verbandsangelegenheiten. " Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Bekanntmachung der Orts- Krankenkasse Lichtenberg. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der zweite und dritte Nachtrag zum Statut die Genehmigung des Bezirksausschusses zu Potsdam er halten hat und solche mit dem heutigen Diese Nachträge sind nach Ablauf 214/4 Die Ortsverwaltung. Unnenuousden ff. Malbleder mil Goldmonagram 4MK.00 161/7 Heraus mit dem gesetzlichen Schutz für die Heimarbeiter!" Referenten: P. Blum, Lily Braun, Eug. Brückner, A. v. Elm, Jul. Fräßdorf, Auguste Kadeit, Fr. Käming, M. Kiesel, H. Krätzig, H. Molkenbuhr, A. Ritter, W. Nöffel, G. Sabath, J. Saffenbach, H. Stühmer, F. Zietsch. Parteigenoffen und Gewerkschaftsmitglieder! Erscheint zahlreich in diesen von drei Wochen auf dem Staffen- Album- und Lederwaren- Fabrik Versammlungen und bringt Eure in der Heimarbeit tätigen weiblichen An- durch die Herren Arbeitgeber in Oskar Gundau gehörigen mit! Oranienstr. 30 Ecke Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. Der Zentral- Vorstand und Umgegend. der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins Empfang zu nehmen. Der Kassenvorstand. J. A.: M. Hentschel, Borfigenber. Von der Reife zurück Dr. med. Adolf Schlesinger Vereinigung der Maler, Magnetopath Lackierer Anstreicher. Melchiorstraße 28. Filiale Berlin. Fernspr. Amt 4. Nr. 4787. Donnerstag, den 13. Dezember 1906, abends 8 Uhr, in den Musiker- Sälen, Kaiser Wilhelmstraße 18m: Mitglieder- Versammlung. Tages Drdnung: " Die Nechtsfähigkeit der Berufsvereine". Referent: Genosse Wilhelm Düwell. Aufstellung der Kandidaten zur Generalversammlung in Leipzig. 126/ 10* Diskussion. Die Ortsverwaltung. Achtung! Tapezierer! Achtung! Die zum Donnerstag, den 13. Dezember, bei Wendt geplante Versammlung fällt aus. Dafür findet am selben Abend, also am Donnerstag, den 13. Dezember, abends 8%, Uhr, bei Wendt, Beuthstr. 20, eine Vertrauensmänner- Sihung = statt mit der Tagesordnung: Stellungnahme zu dem im Frühjahr ablaufenden Tarife. Jede Werkstatt muss unbedingt vertreten fein. Die Verbandsleitung. NB. Jeder Vertrauensmann muß sich als solcher legitimieren können. Außerordentl. 179/12 Verband der haugewerblichen Hilfsarbeiter Autorent. Generalversammlung Dentschlands. X X Zweigverein Berlin u. Umgegend. Vertreter Arbeitgeber Orts Krankenkasse der V Sektion der Deckenbranche. Maschinenban- Arbeiter und verwandten Gewerbe zu Berlin am Donnerstag, den 13. Dezember 1906, abends 8 Uhr, Mittwoch, den 19. Dezember d. J., bei Wohlfarth, Rosenthalerstr. 57: Außerordentliche Mitglieder- Versammlung. Tages Drdnung: 1. Unsere nächstjährige Lohnbewegung und wie stellen wir uns dazu? Referent: Kollege W. Kribow. 2. Bericht von der Bertreter fizung. 3. Borschläge zur Neuwahl des Zweigvereins- Borstandes. 4. Berbands- Angelegenheiten. Auch findet am Donnerstag, den 13. Dezember, abends 8 Uhr, bei Wernan, Schwedterstr. 23/24, die diesmonatliche Mitglieder- Versammlung der Sektion der Putzerträger mit derfelben Zages Drdnung statt. abends 8 Uhr, im Berliner Ratskeller ( Fraktionszimmer), Jüdenstraße. Zages Ordnung: Erfahwahl für zwei Vorstandsmitglieder an Stelle der Herren Dopp und Milik. 268h Um pünktliches Erscheinen der Herren Bertreter wird gebeten. Das Mandat legitimiert. Berlin, den 10. Dezember 1906. Der Vorstand. H. Blank. Bekanntmachung. Laut Beschluß der General bersammlung vom 23. November 1906 bleibt das Kaffenlokat vom 1. Januar 1907 ab an Sonn- und Felertagen gänzlich geschlossen. Recht rege Beteiligung in beiden Versammlungen er den festgelegten Staffenstunden von wartet der wichtigen Tagesordnung wegen bestimmt 48/2 Der Zweigvereins- Vorstand. Geld! Leihhaus„ NORDEN" Linienstr. 203-204 a. 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Zur Lokalliste. Im fünften Kreis steht uns das Lokal„Sophien- Halle"rge!ommen seien. DaZ Gericht lehnte alle Beweisanträge ab. Es unterstellte die von Schneider angeführten Tatsachen als wahr, erkannte an, daß er dadurch erregt worden sei. billigte ihm auch den Schutz des ß 1S3(Wahmmg berechtigter Interessen) zu, ver» urteilte ihn aber zu einer Geldstrafe von 30 Mk., weil che ihrer Form nack beleidigenden Aeußerungen nicht auf bestimmte Per. sonen, von denen die gegen den Verband gerichteten Aeußerungen ausgingen, sondern ganz allgemein auf die Mitglieder des Bundes bezogen worden seien._ Seltener Tierschaden. Dia Anwendung de? Z 833 B. G.-B. machte der Handelsmann I. zu Berlin gegen den Kartofselhändler L. dortselbst geltend, weil er von einem Pferde des L.. das einen Maulkorb trug, zw a r nicht gebissen, aber— umgestoßen worden war. Das Fuhr- werk des Beklagten stand zirka 11—12 Meter neben anderen Wagen von dem Ladegleis des Stettiner Bahnhofs in Berlin entfrcnl I. wollte, trotzdem ihm ein bkeiter Raum zur Verfügung stand, direkt an dem Pferd vorübergehen. Dieses streckte, ohne sonst von der Stelle zu treten, plötzlich den Kops nach I. hin, indem es eine Drehung des Halses niachte und I. dabei umwarf. Infolge der hierbei erlittenen Verletzungen, dl« che Arbeitsfähigkeit des I. herabsetzten, verlangte dieser neben den Heilungskosten von dem Tierhalter L. eine jährliche Rente von 700 M. Das Land- g e r i ch t und das Kammergericht zu Berlin erkannte auf Verurteilung des Beklagten nach Z 833 B.°G.-B. demGrunde nach. Das seitens des Beklagten geltend gemachte Mitverschulden des Klägers, weil dieser zu nahe an dem Pferd, das schon einen Maulkorb trug und bei dem deshalb Vorsicht geboten schien, vorbei- gegangen war, wurde verneint. Das Kammergericht ist der Meinung, daß der Kläger vor dem Beißen durch den Maulkorb ge- schützt war, darauf aber, daß daS Pferd ihm mit dem Kopfe stoßen und umwerfen werde, brauchte er nicht zu rechnen, denn das sei etwas Außeryewöhaliches. Das Urteil des Ka m m e rg e r i ch t s wurde jedoch auf die Revision des Beklagten vom IV. Zivilsenat deS Reichsgerichts aufgehoben urtd der Kläger z u zwei Dritteln mit seiner Klage wegen mitwirkendem Ver,» s chu l den(Z 254 B.-G.-B.) abgewiesein. DaS Reichsgericht hat mithin auch in diesem Fall den§ 254 B. G.-B., der bei Mit» verschulden des Geschadigten die Abwälzung eines Teiles deS Schadens auf diesen zuläßt, im weitesten Maße zur Anwendung gebracht. Zu dem Verlangen,§ 833 B. G.-B. zu ändern, wie es Agrarier und aus ihr Geheiß die Regierungen fordern, liegt demnach nicht der geringste Grund vor._ Der Verführung des Teufels Vitra erlegen war der katholische Kaplan Sittel, der sich vor dem Krefeldcr Schwurgericht wegen Notzucht zu verantworten hatte. Sittel war in Bonn Kaplan gewesen, doch hatte er diesen Wirkungskreis wegen seiner Neigung zum schönen Geschlecht verlassen müssen. Man hielt eS für geraten, den brünstigen Priester in einen kleineren Ort zu versetzen, man hoffte, dort würde es besser klappen. So kam Sittel nach Uerdingen bei Krefeld. Doch kaum war der Sünder warm in dem Städtchen, als Teufel Bitru ihn wieder geschlechtstoll machte. Die lieben Beichtkinder.bestellt« er sich in seine Wohnung, allwo er ihnen durch praktische Exerzitien über die irdische Seligkeit einen Vorgeschmack von der ewigen Seligkeit einflößte. Es müssen aber auch Mädchen eingeladen worden t«in, die von der LiebenS» Würdigkeit des Kaplans nicht so sehr erbaut waren und die Sache in die Oeffentlichkeit brachten. Der liebebedürstige Kaplan sollte bei semen Erkursronen auf dem Gebiete der Erotik nach den Klagen beseelter Mädchen und Frauen gewaltsam vorgegangen sein. Kurz und gut: Der Skandal ward so offenkundig, daß einzelne Väter und Gatten hübscher Beichtkinder die sofortige Entfernung des Don Juan verlangten. Sie wollten von einer Anzeige bei der Staats. airwaltschaft absehen, wenn die Kirchenbehörde den Sittel mindestens zwei Jahre kaltstelle. Das wurde versprochen, doch schon nach kurzer Zeit ward der Ssttlichkeitsapostel Pfarrverwalter in einem Dorfe in der Eifel. Nun fühlten sich einige Uerdinger Katholiken bewogen, der Kirchenbehörde mitzuteilen, daß sie sich nicht mehr an ihrem Wort, kein« Anzeige zu erstatten, gebunden erachteten. Da die Kirchenbehörde in Köln ihnen ablehnende Antwort zukommen ließ, wurde Anzeige wogen gewaltsamer Vornahme von unzüchtijjen Handlungen an Frauen und Mädchen erstattet. Sittel wurde im August d. I. verhastet und nach Krefeld transportiert. Unter vollständigem Ausschluß der Oeffent- lichkeit— sogar die Presse hatte keinen Zutritt— wurde gegen den Kaplan verhandelt. Die Verhandlung dauerte einen vollen Tag. Die Geschworenen kamen zu einem N i ch t s ch u l d i g. Ter sofort Freigelassene wurde von einem Teil seiner Beichtkinder mit Jubel empfangen. Das Gericht stand auf dem Standpunkt, daß der Angeklagte sich nicht bewußt war, Gewalt angewendet zu haben, sich vielmehr in dem Glauben befand, daß ihm alles freiwillig ge» währt wurde. So mag denn der, von der Anklage der Notzucht mit knapper Not Freigesprochene in kurzer Zeit wieder von der Heilig- ieit der Ehe im allgemeinen und der Keuschheit im besonderen predigen, nebenbei aber, vom Teufel Bitru getrieben, das Amt deS Gemeürdehirten versehen— uns kannS recht sein. Polizeibeamte, die a«f Begehung einer Straftat«arten, lernte man auS einer Revisionsverhandlung vor dem Reichsgerichte kennen. Vom Landgerichte Duisburg ist am 6. September der Bauhülfsarbeiter Jakob Groß von dort wegen MajestätS- beleidigung unter Anrechnung«incS Teils der UntersuchungS. Haft zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. In der Nacht zum 19. August t. I. machte er sich in einer Wirtschaft, nachdem er schon wacker gezecht harte, durch sein laute» Verhalten auffällig, sodaß ein antvesender Polizeinnicktmeister sich veranlaßt sah, ihn durch ,wei Polizeibeamte beobachten zu lassen. DaS taten diese Leute denn auch nach Borschrift. AIS der Angeklagte gegen 3 Uhr morgens, nachdem er immer weiter„seiiren Durst gestillt" hatte, fortging um sich in einer anderen Wirtschast weiter zu stärken, folgten ihm die beiden Beamten auch dahin. Groß begann nun mit einigen noch anwesenden Personen ein Gespräch und tat auch eine Aeuherung über den Kaiser, in welcher von den Kosten der Reisen desselben die Rede war. Pflichtgemäß schritten nunmehr die beiden Beamten, nachdem sie solange hatten warten müssen, ein und verhafteten den Mann. In der Hauptverhandlung behauptet« Groß, er sei vollständig be- trunken gewesen. Das Gericht kam zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte sich nicht in einem Zustande befunden habe, der /leine Zurechnung sfähigkeit ausschloß.— Die Revision deS Ange- klagten wurde am Freitag vom Reichsgerichte verworfen. Hua der Frauenbewegung. Dienstbotennot in Amerika. Eine angesehene Zeitung. -Springfield Republican", brachte dieser Tage einen Artikel über das bekannte Thema.Tienstbotennot". der mancher deutschen -gnädigen Frau" einen Seufzer der Erleichterung entlocken kann. Die genannte Zeitung schildert Verhältnisse, wie sie für Amerika typisch sind; diese Verhältnisse erhalten ihre besondere Färbung durch da» Völkergemisch drüben und durch die Notwendigkeit, aus- ländische Mädchen zu engagieren, da Amerikanerinnen nur selten als Dienstboten sich verdingen. Zahlreich und nicht wenig ge, fürchtet find die Mädchen aus Irland, die allerlei.Mucken" haben. Sie sind streng katholisch und versäumen nie einen Kirchgang, sind aber gerade deswegen sehr unbeliebt nicht nur in.heidnischen", sondern erst recht in römisch-katholischen Familien. Sie nehmen nur in bestimmten Stadtteilen Stellung und bewahren in mancher Weise große Unabhängigkeit. Als fleißig sind die Schwedinnen und Polinnen geschätzt, ebenso die Hollanderinnen und�Dcutschen. aber man traut ihnen keine besondere Geschicklichkeit zu; beliebt für bessere Dienft« sind die Französinnen, aber sie sind sehr schwer ?ii bekowwen. Die Mädchen sind in keine'' Weise gebunden; sie erhalten ihren Wochenlohn und können ihren Dienst nach Belieben, ohne Kündigung, aufgeben. In den Familien— das Wort Herrschasten kennt man nicht— werden sie auch oft als gleichstehend behandelt. Man denkt nicht daran, Unterwürfigkeit zu verlangen. Trotz alledem bleibt der Dienstbote der Arbeitsesel, auf den die Familie alle unangenehme Arbeit abwälzt, der sich doch immer als abhängig fühlt, der keine geregelte Arbeitszeit hat und der schlecht bezahlt wird, wenn man auch die deutschen Löhne gar nicht mit den amerikanischen vergleichen kann. Warum nicht Rege- rinnen engagiert werden, die doch so zahlreich sind, das wird in dem erwähnten Artikel in heiterer Weise erklärt. Da jammert eine Hausfrau, daß ihre Negerin nicht das mindeste von der Küche versteht, eine andere schildert die gräßliche Unsauberkeit der Schwarzen. Näpfe und Töpfe, Gläser und Vasen werden zer» brachen und die Schwarze blickt heiter unschuldig drein und— weiß von nichts. Eine Frau hatte zwei Negerinnen und über- raschte sie in der Küche, wie sie„Cancan" tanzten anstatt Abend. brot zu besorgen. Immer lustig und gut gelaunt, können die schwarzen Mädchen nicht einsehen lernen, daß sie den ganzen Tag für die Madam arbeiten sollen. In einigen Familien hat man Zuflucht zu den Chinesen und Japanern genommen, die kochen und waschen und scheuern, ohne zu murren, von früh bis spät, aber sie sind etwas teurer wie die Dienstmädchen. Eine New Dorker Agentur vermittelt Japaner für 25 bis 35 Dollar pro Monat, während man ein sehr tüchtiges Dienstmädchen, die kochen kann, für 20 Dollar pro Monat oder 5 Dollar pro Woche bekommen kann. Gegen Chinesen haben viele Leute ein Vorurteil; man verwendet sie wohl im Stall, Hof und Garten, aber nicht gern in der Küche. Eine„Reform-Liga" in Springfield im Staate Massachusetts hat eine Statistik aufgestellt, die sich mit der Dienstbotennot be- schäftigt. Man kann daraus ersehen, daß die Löhne trotz großer Nachfrage nach Dienstboten gering geblieben sind. Die Lohnsätze pro Woche waren folgende: Niedrigster Höchster Durchschnitt Doll. Doll. Doll. Köchinnen...... 3,60 10 5,18 Mädchen für bessere Arbeit 3 6 4,45 Mädchen für grobe Arbeit. 2 5,50 8,87 ES ist überall dieselbe Erscheinung: Die Leute wollen sich die Hausarbeit bequem machen, den Hausangestellten aber möglichst geringen Lohn zahlen und jammern dann über Dienstbotennot. Im Jahre 1903 waren in Springfield 7008 Stellungen für Dienst- mädchen frei, aber nur 3485 konnten besetzt werden: im Jahre 1904 konnten für 9282 freie Stellen nur 4768 Reflektantinnen gefunden werden._ Versammlungen— Veranstaltungen. Charlottevburg. Mittwoch, 12. Dezember, 8'/, Uhr, im Bolkshause, Rosinensicaße 3: Vortrag. Gen. Stürmer:.Die Interessen des weiblichen Proletariats". Köpenick. Mittwoch, 12. Dezember, bei Will: Vortrag, Genossin Thiel, Neuwahl des Vorstandes. Steglitz. Donnerstag, 13. Dezember, SVa Uhr. bei Wahrendorf, Schloßstr. 117: Vortrag. Herr Dr. ChaijeS:.Frauenleiden". Britz. Donnerstag, 13. Dezember, bei Weniger, Werderstratze 28: ' Vortrag, Genossin Baader. Vernrilcbtes. Wiederaufnahme deS Verfahrens gegen einen zum Tode Verurteilten. Vor dem Greifswalder Schwurgericht wird seit gestern im Wiederaufnahmeverfahren gegen den Tischlergesellen Ludwig T e ß n o w aus Baabe auf der Insel Rügen verhandelt. Am 4. Juli 1902 ist Teßnow vom Schwurgericht zum Tode verurteilt. Die sechs und acht Jahre alten Fuhrmannssöhne Franz und Her- mann G r a w e r t aus Göhren wurden im Juli 1901 ermordet. Die Köpfe, Arme und Beine waren abgetrennt, die Schädel zertrümmert und die Leiber von oben bis unten aufgeschlitzt. Das Herz des einen Kindes sowie gewisse Körperteile des anderen hatte der Lust» mörder mitgenommen. Teßnow wurde alsbald nach der Tat als mutmaßlicher Mörder verhastet. Alsbald nach seiner Festnahme und im Laufe seiner Vernehmung stellten sich mehrere Umstände heran», die der Staatsanwalt- schast den Verdacht nahelegten, daß Teßnow auch der Mörder zweier Schulmädchen gewesen sein müsse, die am 9. September!898, also drei Jahre vorher, in Hechtingen bei Osnabrück in ähnlicher Weise wie die Grawertschen Knaben hingeschlachtet worden waren. Es waren dies die siebenjährige Elise Hetdemann und die sieben- jährige Elise L a n g m e y e r. die auf dem Heimwege von der Schule, der sie durch einen Wald führte, von einem unbekannt gebliebenen Manne mit Apfelsinen angelockt und dann in scheußlichster Weise er» mordet worden waren. Auch ihnen zertrümmerte der Täter den Schädel, schnitt Kopf, Arme und Beine ab und trennte den Leib von oben bis unten auf. worauf er gewisse Teile mitnahm. Ebenso ver- ging er sich an den Armen und Beinen der Mädchen und verstreute die einzelnen Leichenteile nach allen Himmelsrichtungen. Ein weiterer dem Angeklagten zur Last gelegter Fall betraf den Mordversuch an der Dienstmagd Lau in Staven- Hägen in Mecklenburg. Dieses Mädchen wurde am 3. März 1901 im Pribbenower Forst bei Stavenhagen von einem Manne überfallen und zu ennorden versucht, doch rettete daS Mädchen sich schließlich durch seine Geistesgegenwart. Nach seinen Angaben war auch hier Teßnow der Täter. Ihm war ferner zur Last gelegt, daß er am 11. Juni 1901 dem Pfarrpächter Timm in Sagard drei Mutter- schafe, zwei Hammel und einenBock ganz sowie die vier Kinder abgeschlachtet und sich daran vergangen habe. Teßnow steht auch in dem dringenden Verdacht, einen fünften Lustmord au? dem Gewissen zu haben, der 1897 in Torburg in Schleswig-Holstein begangen und für den in» zwischen ein anderer hingerichtet wurde. Die Revision des Angeklagten gegen das in vier für erwiesen erachteten Fällen ergangene Todesurteil wurde verworfen, des- gleichen ein Gnadengesuch. Am 12. Oktober 1903 sollte Teßnow hingerichtet werden. Auf dem Schaffst wurde er plötzlich von einem schweren epileptischen Anfall heimgesucht, der die Hinrichtung unmöglich machte. Teßnow war aus seiner un- zweiselhaft echten Bewußtlosigkeit, in die ihn der Anfall versetzt halte, nicht zu erwecken. Der Hinrichtungsakt mußte im letzten Moment ausgehoben werden. In der Folge gelang es dann dem Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. F r a n ck- Greisswald, die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Teßnow durch zu'etzen. Und zwar war dabei maßgebend jener epilep tische Anfall. der für die von' der Verteidigung während des ganzen Strafverfahrens gegen den Angeklagten geltend gemachte Ansicht sprach. daß Teßnow ein perio» disch in epileptische Dämmerzustände ver- fallender Mensch sei. dem, wenn er wirklich die ihm zur Last gelegten Mordtaten begangen hätte, dieser krankhafte Zustand zugute gerechnet werde müsse. In der früheren Verhandlung war angenommen, Teßnow sei zwar ein sadistisch veranlagter (Mensch, bei dem die Zusügung von Grausamkeiten wollüstige Empfindungen auslöst), aber zurechmingsfnvig� Mensch. Zu der infolge deS Wiederausiiahmeoerfahreiis neuen Verhandlung sind eine große Reihe medizinischer Sachverständige geladen. Ueber den Ausfall der aus mehrere Tage berechneten Verhandlungen werden wir berichten._ Selbstmord einer männlichco Braut. In Breslau hat am Sonnabend eine etwa 35 Jahr« alt« männliche Person, die sich bisher als junge Dame narnenS Alma de Paradeda ausgab, kurz vor der ärztlichen Untersuchung durch Gist geendet. Ein Breslaucr Lehrer, der nach Paris zur Erlernung der französischen Sprache beurlaubt war, lernte„die junge Dame" kennen. Bald daraus fand die Ver. lobung statt. Nachdem der Lehrer nach Breslau zurückgekehrt war, folgt« dl« Braut am 28. Oktober nach und mietete sich in eine feine Pensum ein. Mehreren Freunden des Lehrers stiegen Zweifel an dem weiblichen Charcckter der Brau! auf. Infolgedessen erfolgte der Bruch des Verlöbnisses, und der Bräutigam erstattete Anzeige über diesen Verdacht bei der Polizei. Am Sonnabend nahm die an» gebliche Gräsin. um einer Untersuchung vorzubeugen, in Gegenwart des Arztes Gift. Ihre Leiche stellte sich als männlichen Geschlechts heraus; der Busen, die.Hüften und die langen Haare waren un- echt. Der Tote wurde alS der 35 Jahre alte Stiefsohn eines in einem Berlinde Vorort ansässigen Arztes agnosziert. Ein furchtbares Unwetter ist über Valencia niedergegangen. Der Blitz schlug in eine Kirche in Santa Cruz und richtete großen Schaden an. Eine Person wurde getötet, viele verletzt. Ferner wird berichtet, daß eine Fischerbarke im Sturm gesunken ist, wobei zwei Personen ertranken. Giftige Leckereien. Der von der Standard Oil Company kon» trollierte Glucosc-Trust hat seinen Betrieb im Staate Pennsylvania einstellen müssen, da es ihm nicht gelang, die Anklage zu wider- legen, er verkaufe Konditvrwaven, die mit giftiger schwefelhaltiger Glucose hergestellt seien. Der Trust hatte die 500 000 Dollar be- tragenden Kosten des Gerichtsverfahrens zu tragen. Smgegangene Druckrcbnftcn. Vom„Wahren Jacob" ist uns die 25. Nummer de» 23. Jahrganges zugegangen. Die Nummer enthält die Wiedergabe etneS guten BiloeS unseres August Dreesbach. dem ein warmempsundener Nachruf ge- widmet Ist. sodann erwähnen wir die beiden farbigen Bilder»Der polnische Schrecken" und„Der Balalaikaspieler" und die weiteren Illustrationen „Stilgerecht",.Das gute Vorbild". Studts Zwangserziehung',.Der Schatz der Jesuiten",.Verdienste",.Michel und sein Schneidermeister',.Duma- wablen in Rußland',„Der Schweinepriester"..Unterm persönlichen Regiment", .Der Kamps gegen die Kolonialhydra',.Das Privilegium",.Wie eS kommen muß", und.Achtung, rechts richt' euch I" Der textliche Test der Nummer enthält die Gedichte.Der Kanzler spricht!",»Der.Ober' von Berlin", .Die Teckel seiner Majestät",.Die Bassermämier",.Sächs'sche Richder'(in sächsischem Dialekt),„Wahlprüsung' und außer zahlreichen kleineren Lei- trägen die Novelle„Die Diebin' von Hans Hhan und mehrere größere satinschc Feuilletons. Strafrecht und Sittlichkeit. Von Dr. H. Dorn. 1 M. Berlag: Ernst Rembardt, München. Hermann Köhler. Landwlrtschast und Sozialdemokratie. Band 3. 143 Seiten. Verlag: I. C. Hinrichs'sche Buchhandlung in Leipzig. Odin und sei» Reich. Die Götierwest der Germanen. Von W.Hahn. Geb. 3 M.— Kraft und Leben dem Vaierlande. Von Dr. Julius von Pflugk-Haritung. Geb. 4M.— Humor im Berliner Volksleben. Vou A. BrcnnglaS. Zeichnungen von Hosemann. 3 Bände. Gebunden pro Band 2,50 M.; nichtillustrierte Ausgabe pro Band t,30 M.(Sämtlich Patria-Verlag, Berlin.)_____ Briefharten der Redaktion. Di« inristischc Sprechstunde findet Friedrich st r. 10, Aufgangs, eine Treppe(Handrlsstätte Bellcalliance, Durchgang anch Liudenstr. 101), wochentäglich von?'/- bis tt'/i Uhr abends statt. Geöffnet 7 Uhr, Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 0 Uhr. Jeder Ausrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Aterkzcichen beizufügen. Briefliche Autwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. S. K. IS. Vom Vcrsasser noch keine Antwort erhalten. Ein Fach- mann teilte uns jedoch mit, daß die Sache ihre Richtigkeit hat, nur muß daS Papier recht gut und fest sein.— S. F. 18. 1. 17. Jahr. 2. Ja. 3. u. 5. Ja, Näheres erfahren Sic bei dem Regiment, bei dem Sie sich melden wollen. 4. Nein. 6. Feldwebel. 7. Wenden Sie sich nach Kiel.— E. H. 115. Sie müßten der Erbschaft entsagen, um die Erbschaslsschulden nicht tragen zu müssen.— P. R. 35. So viel uns bekannt, nein.— Rixdorf R. T. 129. Halten Sie die Berufung ausrecht und lege» sie dar, daß Sie nicht imstande sind, ohne Beeinträchtigung des notwendigen Unterhalts Ihrer Frau und Ihre eigenen Kosten zu zahlen.— Sadiner 7. Wenn die Statuten nichts Gegenteiliges enlhalten, ist der Ausschluß zu- lässig.— C. R. 38. Ja.- R./. Kiste 2-3,00. Kabliau, p. 100 Psd. 20-25. Heilbutt 0,00. Sardellen. 1902« per Anker 95, l904«i 95, 1905er 63, 1906er 73— 75. Schottische Vollhering« 1905 0,00, large 40-44, füll. 36—88, med. 35—42, deutsche 87—44. Heringe, neue Maises, per'/. To. 60—120. Sardinen, ruff.. Faß 1.50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schocksaß 11, kleine 5—6, Riesen. 14. Hummern, kleine, per Psd. 0.00. Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 0,00, kleine 0,00, unsort. 0,00. Galizier, groß 0,00, mittel 0,00. Eier, Land», per Schock 4,00—4,60. Butter per>00 Psd la 123-125. na 115-123. Ina 110-114, abfallende 95-106. Saure Gurken Schock 3,50— 1,00, Psestergurken 3,50—4,00. Kartoffeln per 100 Pid. 0,00, magnura bontini 2,00—2,10, Dabersche 2,00—2,10, Rosen 0,00, weiße 1,75-2,00, Salatkartoffeln 4,00-6,00. Spinat per 100 Plnnd 8,00—7,00. Karotten per Schockbund 3,00—4,00. Sellerie, hiesige, per Schock 4,00—5,00, do. pommersche 4,00—5,00. Zwiebeln große, per lOOPsd. 3,00— 3,50., do. kleine 2,00—2,50. do. hiesige fPerl») 0,00. Charlotteii 60-70. Peiersilie. grün, Schockbund 1,25-1,50. Koblra« per schock 0,50—1,00. Rettig, bahr., per Schock 2,40—4.80. Radieschen per Schockbund 0,80—1. Salat, per Schock 0.00—0,00. do. EScarole. per Mandel 1,25—1,50,, do. Endioien 1,75—2. Mohrrüben per >00 Psd. 3,00— 3,50. Teltower Rüben per tOOPsd. 8— 10. Weiße Rüben, groß« 2—2,50, lleme 5—6. Rote Rüben 1,50—2. Blumenkohl Holl, per Kops O.CÖ. do. ital. Kops 0.00. Wiistngkohl per Schock 3,00—6,00. Rotkohl p. Schock 3.00-8,00. Weißkohl Schock 2,00—3,00. Rosenkohl p. 100 Psd. 12—18. Grünkohl per 100 Psd. 3—4. Schnittlauch 12 Töps« 4— 4,50. Kohl» rüben, Schock 2—3. Kürbis 5—8. Birnen, per UM Psd. hiesige 7—20, böhmische 8—20. Aepsel, per 100 Psd., hiesige 3—20, Gravensteiner 0,00, Tiroler in Fässern 17-30. Kiste 32-80, Amerik. ,6-26. Preißel. beeren, schwedische 0.00, Gebirg«. 0,00.«allnüsse per 100 Psd. 16—20, do. rumänische 23- 30 do. franz. CorneS 28— 34. Paranüsse 60— 65. Hasel» nüsse lange 41—48. runde 32—35. Zitronen. Mesjina, 300 Stück 8,00—12,00, 360 Stück 7,00—10,00, 200 Stück 7—10. Wetter-Vrognoir für DicnStag. den ll. Dezemder IS««. 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Mts. angetretenen Ausreise nach dem La Plata vor Dover einen Steffelschaden erlitten. Die Passagiere sehen die Reise mit dem am 15. von Hamburg abgehenden Dampfer Cap Verde" fort. Cap Trio" wird voraussichtlich Ende des Monats wieder in den Dienst gestellt werden können. Der in Kristjansund beheimatete Fischdampfer„ Tremad" strandete gestern infolge Sturmes bei der Insel Smolen. Von der aus elf Mann bestehenden Besatzung ertranten sieben. Von den übrigen vier, die vom Lande aus gerettet wurden, starb einer nach der Rettung. Auf der Höhe von Snode ist eine englische Bart, deren Namen noch nicht feststeht, gesunken. Es war unmöglich, Rettungsboote Der Postdampfer„ Cap Trio" der Hamburg- Südamerikani- abzulassen. Die Besabung von fünf Mann ist umgekommen. Der Dampfer Sagasta", an dessen Bord sich eine große An zahl Auswanderer befand, stieß, wie aus Livorno gemeldet wird, mit dem Dampfer" Zula" zusammen. Die„ Sagasta" erhielt ein großes Led und sant sofort. Die Passagiere, darunter 56 Auswanderer, wurden an Bord des" Dzione" in Sicherheit gebracht. Auch das andere Schiff hatte schwere Beschädigungen erlitten. Gestern früh geriet der Dampfer Clan Macdonald" bei der Suezer Kanalstation 146 auf Grund; er versperrt den Kanal. Der Dampfer Mooltan" mit der indischen Post ist schon seit 15 Stunden fällig. Bei einem plöblich aufgetretenen Unwetter sind nach Tokiper Meldung mehrere von Schinagawa abgegangene Fahrzeuge, die mit Personen überladen waren, gesunken. Von 95 Personen sollen nur 35 gerettet worden sein. Weihnachts- Vorzugspreise. Teppiche Saalgröße.... Salongröße Gardinen Portieren a 90, 65 u. 50 M. Englisch Tüll a 65, 40 u. 30 M. Brüsseler Tüll .. per Fenster von 2.50 M. Plüsch, gestickt, 2 Schals u. 1 Lambreqnin von ⚫ per Fenster von 4.75 M. Tuch, gestickt per Garnitur von 9 M. 6 M. . per Fenster von • per Fenster von 10 M. Velvet m. Tuchapplikation per Garnitur von 12 M. Wolle, gestickt 15 M. per Garnitur von 7 M. 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