Ar. 391. B&emtfmenfS'Beälngangefl! KtonnemenJ?. Preis prSnumeranb»; Pierteljnhrl. z.zo Ztr., monall. 1,10 Blf, ivöchenllich L3 Psg, frei ins Haus, Einzelne Nllnuner k Pfg. Sonniag». nummer mil illililrierler Sonntags« Beilage.Die Jicue fflelt" 10 Pfg, Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Mannt. Eingetragen in die Post.Zcltungs. Kreieiisie. UiUer Kreuzband für DeuNchland und Oeslerreich, Ungarn Z Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pra Monat, Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Siurnänieti. Schweden und die Schweig, (rfchclit tigllch aiBir Rontag«, Vevlinev Volksblcrkk. 33. Jahrg. vle fnIerNons-Sedildr ietrSgt für die sechsgespaltene«olonel. geile oder deren Raum SO Pfg,, für politisch« und gewerlschastliche»ercins. UNd Bersammlungs-Anzeigen SO Pfg, „Kleine Anzeigen", das erste(fei!- gedrucktes Wart 20 Psg„ jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Echlch. siellen-Anzeigen das erste Wart 10 Pfg,, jedes weitere Wart 6 Pfg, Warle über IK Buchstaben zählen sür zwei Worte, Inserate sür die nächste Nummer müssen VIS S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijl vis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: „SnlaldHitknt Bcrlli". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion; SCQ. 68» Lindenstrasse 69. Zhernivreckirr: Nml IV. Nr. tiltili. Freitag, den 14. Dezember 1996. !! Expedition: EM. 68» lindenstrasse 69. Nernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Der Reichstag aufgelöst! So ist denn das kaum zu Erwartende Ereignis geworden! In den letzten Tagen schwirrte es in der Luft von Krisen- gerüchten. Schon nach den Kolonialdebatten der vorigen Woche sollte Fürst Bülow mit der Auflösung des Reichstages gedroht haben. Diese Drohung konnte nur als ein Druck auf das Zentrum aufgefaßt werden, es in das kaudinische Joch der kolonialen Regierungsforderungen zu zwingen. Aber das Zentrum sperrte sich. Die namenlose Blamage, die es sich selbst durch seine kolonialen Schachergeschäste, seine Hintertreppenschleichereien, und dann weiter durch seine jammervolle Verleugnung des Abgeordneten Roeren zu- gezogen hatte, suchte das Zentrum durch eine Trutz- Politik in der Budgetkommission vergessen zu machen. Es ver- langte dort, daß die Schutztruppe in Südwestafrika voni l. April 1907 ab auf 2500 Mann herabgesetzt werde. Ohne diese Zusicherung erklärte es den südlvestafrikanischen Nachtrags- etat ablehnen zu müssen. Bei der entscheidenden Abstimmung in der Budgetkommission fielen denn auch in der Tat sowohl die Regierungsforderungcn als auch der freisinnig-volkspartei- liche Vermittelungsantrag,„Vorbereitungen" für eine weitere Reduzierung der auf 8200 Mann festgesetzten Truppenzahl treffen zu wollen. Die Frage war nun die. ob das Zentrum auch im Plenum fest bleiben werde. Die Haltung der Zentrumsprcsse erlaubte keinerlei zuverlässige Schlüsse. Zwar drohte die„Germania" noch am Mittwochmorgen, von ihrer Forderung der Tnippeu- Herabsetzung auf 2000 Mann nicht um Fingers Breite ab- weichen zu wollen; allein in ihrer Abendnummer am Mittwoch gab sie halb und halb zu verstehen, daß das Zentrum auch für den Vermittelungsvorschlag Ablaß zu haben sein iverdc! Wider Erwarten ist das Zentrum diesmal nicht umgefallen. Es hat sowohl die Regiernngssorderungen abgelehnt, als auch den Antrag Ablaß. Allerdings bedeutete ja dieser freisinnige Antrag nichts anderes, als eine verschämte Formulierung der Regierungsforderungen! Denn der Anttag Ablaß gestand der Regierung die geforderten 8200 Mann für das Jahr 1907 zu. nur fügte er den Platonischen Wunsch bei, daß«Vorbereitungen" für eine tunlichst weitere Ver- Minderung der Truppenzahl getroffen würden. Und da Herr Dernburg rund heraus erklärte, daß die Regierung die 8000 Mann bis zur Fertigstellung des Bahnbaues Kubub-Kcctmauns hoop gebrauchen werde und daß alsdann vielleicht weitere 1900 Manu entbehrt werden könnten, wäre ein Eintteten des Zentrums für den Anttag Ablaß nichts anderes gewesen als eine neue schallende Ohrfeige» die sich diese ohnehin so schwer kompromittierte Partei vor aller Oeffcntlichkeit selbst versetzt hätte l Aber die Möglichkeit des Ertragens solcher Blamagen hat denn doch ihre Grenzen. Wenn das Zentrum nicht einer Katastrophe entgegensteuern und sich selbst für 1308 das Grab schaufeln wollte, mußte es auch den Anttag Ablaß ablehnen! Da nun aber der Reichskanzler gleich eingangs der Reichstagssitzung die dürre Erklärung abgegeben hatte, daß die Regierung sich auf keinen Fall einem ablehnenden Votum der Reichstagsmehrheit unterwerfen werde, blieb nichts anderes übrig als die Reichstagsauflösung. Die Verlesung der kaiserlichen Order, die die Auflösung verkündigte, rief im Hause ungeheuere Sensation, bei der Sozialdemokratie aber stürmisches Beifallsklatschen hervor! Und in der Tat: Wir fürchten die Konsequenzen unserer Politik nicht! Die Sozialdemokratte ist freudig bereit, mit der Regierung und der ganzen bürgerlichen Rcaktton den Tanz zu wagen! Ans zum Mahlkampf! Für die Regierung und die bürgerlichen Parteien freilich ist die Situatton eine keineswegs rosige. Die Regierung hat geglaubt, alles auf eine Karte setzen zu sollen. Für sie handelt es sich um einen Vorstoß gegen das parlamentarische Mitbestimmungsrecht des Volkes überhaupt. Dem Volkswillen soll das persönliche Regiment, die Diktatur des Militarismus, die Cliquenwirtschaft kleiner aber wirtschaftlich mächtiger Kreise entgegengesetzt werden! So fügsam sich das Zentrum immer erwiesen hat, in dem Augen- blick, Ivo es im Interesse seiner Selbsterhalttmg den Aberwitz der Kolonialpolitik nicht mehr unbesehen mitmachen konnte, wurde es als unbequeme„Nebcnregierung" brüskiert, verhöhnt und brutal zur Seite gestoßen! Und dann stehen die Regierung und ihre Getreuen an der entscheidenden Wende der Kolonialpolitik. Man will Welt- Politik großen Sttls tteibcn, man will endlich die lang- ersehnte Äolonialarmee schaffen! Aus Ostasien hat man sich mit langer Nase zurückziehen und die dortige„Besatzungs- brigade" auflösen müssen. Nun soll in S ü d w e st a f r i k a die Kolonialarmee errichtet werden. Mindestens 5000 Mann — vielleicht aber auch noch mehr— will man für alle Zeiten, auch nach Niederhetzung des letzten Hottentotten, in Südwest- ofrika belassen. Diesem Plan konnte das Zentrum nicht Vorschub leisten, wollte es nicht der Masse seiner Wähler vor den Kopf stoßen. Gab aber die Regierung nach, so war wieder mal für absehbare Zeit die schöne Gelegenheit zur Schaffung der Kolonialarmee verpaßt. Deshalb der Ge- waltstreich! Deshalb der Versuch, durch eine Kraftprobe die Kolonialopposition unter die Füße zu tteten l Das Volk wird die Antwort nicht schuldig bleiben! Es wird den Angriff auf das parlamentarische Mitbestimmungs- recht wuchtig zurückschlagen. Es wird durch seine Abstimmung dem persönlichen Regiment und allen kolonialen Abenteurer- Projekten eine zerschmetternde Niederlage bereiten! Das zum politischen Pronunziamento aufgerufene Volk wird aber darüber hinaus mit der ganzen Regiernngspolitik abrechnen. Es wird eine schallende Antwort geben auf die Verhöhnung der Volksmassen durch die Mißachtung aller Proteste gegen die BolkSaushungernng, durch die Aufrecht- erhaltuug des Zollwuchers und der Grenzsperren! Es wird auch flammenden Protest erheben gegen das Attentat der Regie- rung, gegen das berüchtigte, von der Arbeiterschaft aller Parteien bekämpfte Gesetz zur Erdrosselung aller energisch«in die Hebung der proletarischen Klassenlage kämpfenden Ge- Werkschaftsorganisationen! Aber auch die bürgerlichen Parteien werden vom Volke bei der Neuwahl den gebührenden Denkzettel erhalten. Voran das Zentrum. Seine verspätete Ablehnung der neuesten kolonialen Zumutungen vermag die Mitschuld des Zentrums an der abenteuerlichen Kolon�ilpolittk, die uns viele Hunderte von Millionen und Tausende von Menschenleben gekostet hat, nicht wieder gut zu machen. Das Zentrum wird zur Rechen- schaft gezogen werden für die schweigende Duldung all der ungeheuerlichen Kolonialgreuel, die es gekannt hatte, ohne da- gegen vorzugchen! Aber das Zenttum wird sich auch zu ver- antworten haben wegen seiner dem Brot- und Fleischwucher ge- leisteten Helfersdicnstc. Die bodenlos alberne und provozierende Rede des Abgeordneten Gerstonberger über die Fleisch- not wird bei dem Wahlkampf nicht vergessen werden. Auch die jammervolle, verräterische Haltung des Zentrums bei der Beratung des Anti-Gewerkschaftsgesetzcs wird dazu dienen, vielen Tausenden von proletarischen Zentrumswählern die Augen über die„Arbeiterfteundlichkeit" dieser Partei die Augen zu öffnen! Üllles, was für das Zentrum zuttifft, gilt in verstärktem Maße auch sür die Konservativen und Nationalliberalen. Aber auch der Freisinn hat ein langes Sündenregister zu ver- antworten. Er zieht in den Wahlkampf, beladen mit der Schmach, die südwestaftikanische Kolonialwirtschaft der Regierung beschirmt und unterstützt zu haben! Dieselbe freisinnige Volkspartei, die bisher unsere Kolonialpolittk in Presse und Versammlungen gegeißelt hatte, deren Redner auch bei der letzten Kolonial- debatte wieder haarsttäubende Mißstände des kolonialen Ver- waltungssystcms aufgedeckt hatten: dieser selbe Freisinn setzt seine ganze Kraft ein, um dem persönlichen Regiment in der Kolonial- Politik zu einem Triumphe über den Bolkswillen z« verhelfen? Dieser nämliche Freisinn bietet der Regierung und der Clique Kardorff-Arcndt die Handhabe, entgegen einem früheren Be- schluß der Reichstagsmehrheit, zu der auch der Freisinn gehörte, die brutale, sinnlose Niederhetzung der Eingeborenen fortzusetzen— fortzusetzen bis zum Weißbluten der deutschen Steuerzahler, die mit einer Viermilliarden- Schuld an der Pumpwirtschaft noch nicht genug haben! Der Freisinn war es, der der Regierung durch seinen famosen Kompromiß- anttag die ersehnte Kolonialarmcc apportieren wollte! Und das alles, weil ein smarter Börscnmann Kolonialdirettor geworden, weil er durch beispiellose Prospekte im wüstesten Gründerstil die Volksvertretung zum Besten gehalten hatte! Diese eine Tatsache und die Brüskierung des Zenttums gc- nügten, um den wackeren Freisinn, der ja so- lange schon nach der Regierungsgunst geschielt hatte. mit den Arendt und Genossen in einen tollen Wettlauf um die Gunst des persönlichen Regiments eintteten zu lassen. Bis auf die Knochen blamiert ttitt auch die freisinnige Opposition in den Wahlkampf ein! Für die Sozialdemokratie ist die Wahlparole durch die Ereignisse gegeben. Sie führt den Wahlkampf im Zeichen des Kampfes gegen das persönliche Regiment, zum Schutze der bedrohte» Bolksrechte. Sie kämpft gegen die userlose Flotte«- und Weltpolitik, gegen die volköaussaugerische Kolonialpolittk, gegen die Besudelung der nationalen Ehre durch koloniale Untaten. Sie känipft gegen die Bolksausbeutuug durch Zollwuchcr und Grenzsperre», gegen den Brot- und Fleischwuchcr, der trotz der momentan günsttgen Konjunktur das arbeitende Volk skandalös auspowert. Sie kämpft gegen die neue Zuchthausvorlage, das neue Anti- gcwcrkschaftsgesetz, durch das die mühsam unter namenlosen Opfern aufgebauten Gcwerkschafts- organisationcn entmündigt und zertrümmert werden sollen l Sie kämpft für Befteiung der arbeitenden Mehrheit des Volkes vom Joche der herrschenden Klasse, für politische und soziale Gleichberechtigung aller Glieder des Volkes, für Freiheit und Recht! Der Kampf ist uns entboten, nehmen wir ihn auf mit aller Tatkraft! Uorwärts für Recht, für Kultur uud Gestttuug! Hinein in den Wahl Kampf! Zun» Wnhlkampf. Was sagt die Verfassung über eine Auslösung des Reichstags? Ueber das Recht zur Auflösung des Reichstags bestimmt Artikel 24 der Verfassung: „Die Legislaturperiode des Reichstags dauert fünf Jahre. Zur Auflösung deS Reichstags während derselben ist ein Beschluß des Bundesrats unter Zustimmung des Kaisers erforderlich." Wann muß die Neuwahl stattfinde»? Artikel 2ö der Reichsverfassung schreibt vor:„Im Falle der Auflösung des Reichstags müssen innerhalb eines Zeit- raums von 60 Tagen nach derselben die Wähler und innerhalb eines Zeitraums von 90 Tagen nach der Auflösung der Reichstag versanimelt werden." Demnach muß der Wahltermin spätestens auf den 11. Februar anberaumt werden. Es verlautete im Reichs- tag, als Wahltag solle dcr6. Februar ausersehen sein. Indes ist das nicht gewiß. Auch die Festsetzung eines früheren Wahltermins ist möglich. Wie steht es mit Auslegung der Wählerliste»? In jedem Wahlbezirk sind nach§ 8 des Reichswahlgesetzcs zun: Zwecke der Wahlen Listen auszulegen, in welchen die zum Wählen Berechtigten nach Zu- und Vornamen, Alter, Gewerbe und Wohnort eingetragen werden. Diese Listen sind spätestens vier Wochen vor dem zur Wahl bestimmten Tage zu jedermanns Einsicht auszulegen, und ist dies zuvor unter Hinweisung auf die Einspruchsfrist öffentlich be- kanut zu machen. Einsprachen gegen die Listen sind binnen acht Tagen nach Beginn der Auslegung bei der Behörde, welche die Bekanntmachung erlasse» hat, anzubringen und innerhalb der nächsten 14 Tage zu erledigen, worauf die Listen geschlossen werden. Nur diejenigen sind zur Teilnahme an der Wahl berechtigt, welche in die Listen aufgenommen sind. Vereins- und Versammlungsrecht. 8 17 des Reichswahlgesctzes schreibt vor:„Die Wahl- berechtigten haben das Recht zum Betrieb der den Reichs- tag betreffenden Wahlangelegcnheitcn Bereine zu bilden und in geschlosseneu Räumen unbewaffnete öffentliche Versammlungen zu veranstalten." Wie steht es mit der Verbreitung vou Druckschrifte« während der Wahlzeit? Hierüber treffen die Absätze 3 bis 5 folgende Vorschriften: «Zur Verteilung von Stimmzetteln und Druckschriften zu Wahl- zwecken bei der Wahl zu gesetzgebenden Körperschaften ist eine polizeiliche Erlaubnis in der Zeit von der amtlichen Bekanntmachung bis zur Beendigung des Wahl- altes ni«cht erforderlich." Dasselbe gilt auch bezüglich der nichtgcwerbSmäßigen Verteilung von Stimmzetteln oder Druckschriften zu Wahlzwecken. In geschlossenen Räumen ist zur nichtgewerbsmäßigen Ver- teilung von Druckschristen(nicht nur Wahlschriften)„oder anderen Schriften oder Bildwerken eine Erlaubnis nicht erforderlich". Genoffen! Nutzt die Zeit der Wahlagitation gründlich aus, um der Arbeiter- klasse und der Partei dauernde Vorteile zu sichern. Es gilt nicht nur möglichst viele Stimmen und möglichst viele Wahlkreise zu erobern; es gilt auch, die Eroberungen zu dauernden zu gestalten.. Das geschieht durch Gewinnung möglichst vieler Abonnente» für unsere Parteiblätter und möglichst vieler Mitglieder für unsere Parteiorganisationen. Nicht nur die Wahlversammlungen sind zu diesem Zwecke zu benutzen. Es ist Ehrenpflicht jedes aufgeklärten, zielbewußten Arbeiters gerade die Wahlzeit zu gebrauchen, um die Indifferenten, Lauen, Verzagten aufzurütteln und neue Kämpfer für die Sozial« demokratie, neue Todfeinde der bestehenden Ungerechtigkeiten, des Unrechts in jeder Gestalt zu werben. Frisch aus zur Werbearbeit, zum Wahlkampf! politifcbe(leberlickt. Berlin, den 13. Dezember. Ter letzte Tag des Reichstages! Der 13. Dezember ist für den deutschen Reichstag ein kritischer Tag. Vor vier Jahren siel im Reichstag unter An- Wendung von Rechtsbruch und Gewalttat die En t s ch e i- du n g über den Zolltarif. Heute wurde der Reichs- tag infolge einer Hurrastiinmnng in Regicrungskreisen auf- g e l ö st. Die Situation war bereits vor Beginn der Sitzung eine sehr gespannte, allerhand Gerüchte schwirrten durch die Hallen des Hauses, auch das Gerücht von einer bevorstehenden Auflösung, das aber bei alten Parlamentariern wenig Glauben fand, weil das Objekt, das zu Differenzen zwischen Regierung und Zentrum geführt hätte, nänilich die Ab- lehnung des Nachtragsetats für Slldwestafrika, die Auflösung des Reichstages nicht zu rechtfertigen schien, und weil die Regierung von der Hurrastimmung der nationalliberalen Kolonialfere und nach dem reaktionären Auftreten der Junker- Partei bei Neuwahlen zweifellos keine Erfolge zu er- warten hat. Aber es kam doch andersj das Temperament hat über die nüchterne Erwägung gesiegt, die„Kerls",„die ganze Bande" wurde auseinandergesprengt wegen der Ablehnung lumpiger 30 Millionen Mark zu Kolonialabenteuern. Hatte auch der Reichstag das Gesicht eines„großen Tagest so spielten sich doch die Verhandlungen sehr harm- los ab. Trocken, wie immer, sprach der Abgeordnete Spahn, als Referent der Budgetkommission, ohne jede Anspielung auf die Differenzen, die infolge der Ablehnung des Etats zwischen Zentrum und Regierung entstanden sind. Als dann der Reichskanzler, umgeben von Staatssekretären und Ministern, eine Erklärung abgab, daß die Ablehnung des Etats und der Leutrumsontrag, der eine Herabminderung der Schutztruppe auf lltiOO Mann will, für die verbündeten Regierungen u n- a n n e h m b a r sei, ließ auch das alle diejenigen kühl, deren Nerven nicht durch allerhand Koirfliktsgeschwätz überspannt waren. Wohl aber brachten die Liberalen und Konservativen dem Reichskanzler für diese Erklärung ihre Sympathie mit einer JSeifallsjalve entgegen. Schnell fiel die Stimmung des Hauses, als der Abge- ordnete R o e r e n eine lange Erklärung für seine neuliche Kolonialrede abgab, die als eine klägliche Entschuldigung für seine Angriffe angesehen werden muß. Diese Situation nützte der Kolonialdirektor Der n bürg aus, der abermals mit einigen Enthüllungen über die„Nebenregierung" des Zentrums aufwarten und dafür, sowie für sein„schneidiges" Auftreten den ostentativen Beifall aller Kolonialfexe erntete. Genosse Ledebour ging näher auf die Forderungen der Negierung ein und wies nach, wie berechtigt die Ablehnung der Forderungen sei. Nach einer be?eutungslosen Rede des Konservativen v. R i ch t h v f e n erklärte der Kolonialdirektot Der n bürg einen von den Freisinnigen gestellten Antrag für die Regierung für diskutierbar, der der Regierung freie Hand für die Zurückziehung der Truppen läßt. Die Abgg. Paaschs und Schräder traten für diesen Antrag eben- falls ein. Alsdann trat der„ehrliche Makler" des Zentrums, Spahn, für den Zentrumsantrag ein und erklärte, das Zentrum sei sich der Verantwortung für die Folgen dieses Antrages bewußt und übernehme voll diese Verantwortung. Rührend war eS, als Spahn betonte, die Sparsamkeit müsse zur Entlastung des Etats endlich bei diesen Kolonialausgaben einsetzen, denn dasselbe Zentrum hat Hunderte von Millionen für die abenteuerliche Kolonialpolitik bewilligt, gegen die die „sparsamen" Abstriche wie ein Eierkuchen erscheinen! Die Frage ist nur die: Welche Kompensationcu dem Zentrum ver- weigert wurden, daß es sich in diese Oppositionsstellniig be- geben hat? Eine Lärmszene rief der Antisemit L a t t m a n n her- vor, der von den„Schandtaten seines Vorredners" sprach, des Abgeordneten v. EzarlinSt'i, der vorher gegen die Regierung gesprochen hatte. Die Mehrheit des Haufes ließ den Ab- geordneten L a t t m a u n nicht weiter reden, bevor ihm der Ordnungsruf für diese rüde Anrempelung erteilt worden war. Nach einer abermaligen geharnischten Erklärung des Reichskanzlers, aus der so etwas wie Konfliktslust klang, und in der die Ablehnung der Forderung abermals und Hrbeltcr! partdgctiof fcn! Antwortet ouf die Anflösnng deZ Reichstages mit einer energischen Agitation für Euer Organ, für das Blatt, das im W a h l k a mj) f Eure wuchtigste Waffe sein muff, für den „Vorwärts"? Die erste Wirkung der Reichstagsauflösung muff sein ein kräftiges Steigen der Abonnentenschar der Parteiprcsse, des „Vorwärts"! energischer als unannehmbar bezeichnet wurde, kam es zur Abstimmung. Das Amendement Ablaß wurde mit 176 gegen 171 Stimmen und dann die Regierungsvorlage mit 178 gegen 168 Stimmen, bei einer Enthaltung, abgelehnt. Gleich darauf erhob sich der Reichskanzler, der erklärte, daß er dem Reichstag eine kaiserliche Botschaft mitzuteilen habe. Diese Ankündigung rief brausendes und nicht enden- wollendes Bravo! und Händeklatschen bei den Sozialdcmo- kraten hervor, das sich wiederholte, als der Reichskanzler die Auflösung aussprach. Dann verließen die Sozialdemokraten den Saal, in dem die übrige„auseinandergesprengte Bande" ein Hoch aus den Kaiser, der die Auslösung verfügt hatte, ausbrachte. Nach Mitteilungen finden die Wahlen am 6. Februar 1907 statt.—_ Wer hat Nutzen von der Fleischteuerung? Die Wortführer des Juukertuins haben, da sie fürchten, die über die Fleischvcrteuerung erbitterte ärmere Bevölkerung könnte beiden demnächstigen Reichstagswahlen geschlossen gegen die konservativen Zollwucherer stimmen, aus ihrer Argumenten- Rumpelkammer einen alten Trick wieder hervorgeholt. In der„Korrespondenz des Bundes der Landwirte" und den von diesem unfreiwilligen Witzblatt gespeisten konservativen Landrats- und Kreisblättern taucht neuerdings wieder die aus den Zollkämpfen der Jahre 1901/02 bekannte Behauptung auf, von hohen Viehpreisen hätten gerade die Großgrund- besitzer nur ganz geringen Nutzen, denn mehr als neun Zehntel des gesamten deutschen Schlacht- viehes würde von kleinen Landwirten, größtenteils sogar von Landarbeitern, aufgezogen. Wenn die Großgrundbesitzer also für hohe Vieh- und Fleischzölle ein- getreten wären, so hätte sie dazu nicht das eigene Interesse bestimmt, sondern lediglich die Rücksicht auf dieklei neu Landwirte. Auch das jüngste Flugblatt des Bundes der Landwirte benutzt dieses Argument. Es heißt darin: „Nach der amtlichen Statistik verteilt sich aber der gesamte deutsche Schweinestand von 19 Millionen Stück zu 72 Proz. (= 13,7 Millionen Stück) aus den Besitz der ländlichen Arbeiter, Handwerker, kleinen Beamten und Kätner, zu 23 Proz. (= 4,3 Millionen Stück) aus den bäuerlichen Besitz und nur zu 5 Proz.(= 1 Million Stück) auf den Großgrundbesitz..... Es handelt sich in der vorliegenden Frage also nicht um daS wirtschaftliche Jntereffe einiger Großgrundbesitzer, sondern� um die ganze wirtschaftliche Existenz von 4M. Millionen kleinbäuerlicher und Arbeiterwirtschaften mit 18 Millionen Mitgliedern." Selbst die höchste wissenschaftliche Leuchte der Agrarier, Graf von Schwerin-Löwitz, konnte sich in der gestrigen Reichs- tagssitzüng nicht versagen, auf dieses abgestandene Argument zurückzugreifen. Nur 7 Prozent des deutschen Schlachtviehes, behauptete er, würden von Großgrundbesitzern produziert, 93 P r b F- hing-egen von tt einen L a n d>v i r t e n. Wir haben zur Zeit der Zollkämpfe wiederholt die Iln- richtigkeit dieser und ähnlicher Behauptungen nachgewiesen. Das erneuteZurückgreifcn der agrarischen Macher aus derartige statistische Rechenkunststücke zwingt uns jedoch, nochmals den rechnerischen Nachweis zu führen, daß es um diese Behaup- tungeu nicht besser bestellt istz als um die meisten übrigen Argumente der junkerlichen Sippe. Nach den statistischen Aufnahmen des Jahres 189c> (neuere allgemeine amtliche Aufnahmen gibt es nicht) waren in Teutschland 2 529 132 kleine landwirtschaftliche Betriebe mit weniger als 1 Hektar Fläche vorhanden, von denen aber 780 063, also fast ein Drittel kein Vieh, d. h. keine Pferde, Rinder, Schweine. Schafe oder Ziegen hielten. Auf die anderen zwei Drittel der Parzellcnbetricbe kamen von dem Gesamtviehbestand, der sich 1893 in runder Zahl aus 18 491 000 Rinder, 14 273 000 Schweine und 10 867 000 Schafe stellte, nur 343 310 Rinder, 2 347 239 Schweine und 363 750 Schafe. Demnach entfielen auf eine jede dieser Kleinwirtschaften mit weniger als 1 Hektar Fläche(1 Hektar gleich 10 000 Quadratmeter oder beinahe 4 preußische Morgen) noch kein ganzes Schwein, ungefähr derfünfteTeileinesRindesundd er siebente Teil eines Schafes. Aber selbst wenn wir die Klein- betriebe mit einer Fläche bis 2 Hektar, also bis 8 Morgen, mit in Betracht ziehen, ergibt sich keine wesentlich größere Viehhaltung. Tie Gesamtzahl der Betriebe bis zu 2 Hektar betrug nämlich 1895 im Deutschen Reich 3 236 367. Diese Betriebe hatten insgesamt 1 413 239 Rinder, 3 463 989 Schweine und 567 687 Schafe. Demnach kam auf den einzlnen dieser Kleinbetriebe ungefähr 1 Schwein, ein halbes Rind und ein Sechstel Schaf. Jedoch ist diese Rechnung noch viel zu günstig für die agrarische Behauptung, denn zu dieser Viehzahl sind auch die Molkereien und Milchkuranstalten mit ihrem Viehbestand, ferner die zum Milchhandel gehaltenen Kühe, sowie die von den Biehmästern zur sogen.„Stallmästung" aufgekauften Rinder und Schweine und die von städtischen Betrieben (Ackerbürgern, Gastwirten. Handwerkern usw.) gehaltenen Schweine hinzugerechnet. Und schließlich kommt noch in Be- krackst, daß bei den Rindern noch die Kühe mitgezählt sind, die in manchen ostelbischen Gegenden der Gutsherr seinen Tagelöhnern oder Insten zur Nutznießung überläßt, gewisser- maßen als Naturallohn. Rechnet man alle diese Rinder und Schweine ab, dann schrumpft der obige Besitzstand noch mehr zusammen. Welchen Nutzen hat nun der kleine Landmann, der sich der Milch wegen eine Kuh hält und vielleicht alljährlich 1 oder auch 2 Schweine fett macht, von der Viehteuerung? Gar keinen. Denn das Fleisch des einen oder der zwei Schweine, die er schlachtet, gebraucht er durchweg im eigenen Haushalt, nur einige Schinken oder Würste bringt er allen- falls zum Verkauf. Meist hat er sogar von der heutigen Agrarpolitik einen Nachteil, denn nur selten erzeugt er alles Futter im eigenen Betrieb; er muß meist Futter- mittel hinzukaufen und diese infolge der hohen Zölle weit teurer bezahlen als früher. Betrachten wir demgegenüber den Vorteil, den die land- wirtschaftlichen Großbetriebe, die größtenteils die erforder- lichen Futtermittel selbst gewinnen, von der Viehteuerung haben. Es gab 1893 20 881 landwirtschaftliche Betriebe mit einer Fläche von 100 bis 300 Hektar. Aus jeden dieser Be- triebe kamen durchschnittlich 63 Rinder, 29 Schweine und 150 Schafe. Und noch günstiger stellt sich das Verhältnis bei den großen Rittergütern mit mehr als 500 Hektar Fläche, deren es 1895 4180 in Deutschland gab. Aus jedes dieser Güter kamen 1895 ungefähr 155! Kühe, 69 Schweine und 713 Schafe. Berücksichtigt man, daß nicht selten mehrere solcher Güter oft 3, 4 oder 5 in der Hand eines einzelnen Groß- grundbesitzers sind, so bedarf es keines weiteren Nachweises. in welchem Interesse die künstliche Preissteigerung des Schlachtviehes durch Grenzsperren und Zölle liegt. Die Junker kämpfen nicht umsonst mit allen Mitteln der Fälschung und der Lüge gegen die Aufhebung der Grenzsperre. D i e innerhalb zweier Monate stattfindende Reichstagswahl bietet Gelegenheit, mit den Lebensmittelverteurern ab zu rechne.», Auf zum Kampf gegen den Fleischwucher!—> „Und nun gehe hin, Urteil!" Die stille großherzogliche Residenz Weimar hat einen politischen Prozeß gesehen, dessen Ausgang einen»»eiteren Schritt rückwärts in der Entwickelung der deutschen Rechtspflege anzeigt, und der deshalb geschichtliche Bedeutung besitzt. Der Prozeß der Genossin Luxemburg ist zwar nicht des Strafmaßes wegen— wir sind im Reich der Gottesfurcht und srommen-Sitte ja an harte Urteile gc- wöhnt— wohl aber durch die Ausweitung des Begriffs der straf- baren Handlung, eine Tat der Klassenjustiz, die besonders vermerkt und betrachtet zu werden verdient. Die Genossin Luxemburg ist verurteilt worden, weil: 1. der politische Massenstreik an sich keine Gewalttätigkeit darstellt, sondern ein gesetzlich erlaubtes Kampfmittel ist; 2. die Angeklagte nicht zu einem derartigen Massenstreik aufgefordert hat, sondern 3. die Auffassung bekämpft hat, man könne einen Massen- streik„machen" oder mit blödsinnig angewandter„Gewalt" eine neue Wirtschafts- und damit Gesellschaftsform„schaffen". Diese Tatsachen stehen unerschütterlich fest und können durch kein Urteil, und ziere es tausendfach die Schlußformel„von Rechts wegen", aus der Welt geschafft werden. Das Gerichtsurteil unter- steht hier im wahrsten Sinne des Wortes dem Volksurteil, denn jedermann kann sich über die„Straftat" durch Einsichtnahme des Jenaer Parteitagsprotokollcs über unsere klaffcnstaatlichc Gercchtigkeitspflege unterrichten. Acußcrlich hat die Justiz mit der Sache viel. Pech gehabt. Zu- nächst hat man sich gedulden müssen, bis die Angeklagte ihre Arbeit in Rußland unterbrechen konnte, um dem an sich herzlich un- bedeutenden Justizdrama beizuwohnen, das aber unter den Händen der Sachwalter deS Klaffenstaates— wider deren Willen natürlich — zu großer Bedeutung emporwuchs. Pech war es weiter für die Anklage, daß der Jenaer amtliche Vertreter staatlicher Autorität unter seinem beiligsten Eide er- klärte, die Angeklagte habe nicht zu Gewalttätigkeiten angereizt, „das komme erst, wenn der Generalstreik im Gange sei". Alan habe sogar die Rede„nicht ernst genommen, der Beifall sei ironisch gewesen". Mutzte ein solch vernichtendes Zeugnis nicht der An» klag- crbarmpngDlos den Hals brechen? Man hat es ihr gerette! — auf KoZtcn ihrer Reputation! Und nun gehe hin. Urteil? Erfülle deine historische Mission. Tu bist nicht der Aufreizungsurteile schwerstes, aber doch von besonderer Bedeutung. Du hast gezeigt, daß der herrschende Lilasscnstaat selbst eine wissenschaftliche Diskussion einer theoretischen Frage vor gebildeten Er- wählten nicht mehr dulden kann. Damit verrätst du historischen Instinkt, weil du ahntest, daß hier ein neues Gesellschafts- Prinzip dein altes mit unfehlbarer historischer Notwendigkeit überwinden will. Das wolltest du aufhalten. Armes Urteil! „Ein Gott" aber, um mit Lassalle zu schließen,„hat dich gezwungen, nicht mich,(das neue Prinzip!) sondern dich selbst und dein eigenes Tun zu verurteilen!" »» • Deutfcbca Reich. Die patriotische Mache beginnt. Die„National-Ztg." verrät bereits in ihrer der Reichstags auslvsung gewidmeten Abendausgabe, unter Ivelcher Parole die nationalliberale Partei den neuen„Knltllr"-Wahlkaiupf gegen die Schwarzen und die Roten für des.deutschen G e i st e Hauch"(d. h. für die Welt- und kolonialpolitische Mission Deutsch lands) zu führen gedenkt. Sie veröffentlicht folgendes Jubelgedicht zur Neichstagsauflösung: Frei! Das war ein Jubel, grenzenlos und wild, Wie Sturm und Wetter fuhr es durch das Haus; Das Lied, das fchmählich-traurige ist aus, Ein Sonwstrahl übergoldet unser Schild. Ja Mannesworte, voll von Mut und Kraft Durchzuckten scharf die schwüle, dicke Luft, Kein Kompromiß verzimmerte die Klust, Wir haben endlich reinen Tisch geschafft. Das Lied ist ausl Die Schwarzen und die Roten, Sie haben deutschen Geistes Hauch verspürt, Zum ersten Male blieb man ungerührt, Ob sie enthüllten auch und finster drohten. Auf neuen Wegen nun zu neuen Zielen Tragt uns das alte Banner stolz voran. Die deutschen Bürger folgen Mann für Mann Der Losung, unter der die Streiche fielen. Der Knoten ist zerhauen, wir sind frei, Doch unsere Sache ist es, frei zu bleiben, Frei von der finst'ren Mächte bösem Treiben. Frei l Und ein Schuft, wer diesmal nicht dabei! Arme nationalliberale Tröpfe! Euch wird schon noch auf dem .Weg zu neuen Zielen" Eures„deutschen Geistes Hauch" ausgehen. Hoffentlich bringt das werktätige Volk manchen von Euch, der au „neuen Wegen" zu neuen Kolonialvergrößerungen strebt, im Walch kämpf zur Strecke. Vor wenigen Wochen noch zeterte das nationalliberale Blatt gegen das absolutistische Regiment; heute kämpft eS im Jnteres des Äolonialkapitalismuö für dieses Regiment gegen das Selbst- bestimmungsrecht des Volkes.— Eine Enthüklimg Hohenlohes. Die„Nattonal-Ztg," eröffnet in ihrer die Reichstagsauflösung ankündenden dritten Ausgabe den Wahlkampf bereits mit einer Sttnkbombe gegen das Zentrum. Sie veröffentlicht folgende Mit teilung aus dem nichtveröffentlichtcn Teil der Denkwürdigkeiten des Fürsten Hohenlohe: „Eine Tagebuchnotiz Hohenlohes stellt im Zusammenhang mit den Aufzeichnungen über die Militärvorlage des Jahres 1893 fest, daß der Papst Leo XI II. von Kaiser Wilhelm ein Geldgeschenk in Höhe von fünfmalhiinderttausend Frank wünschte. Fürst Hohenlohe wurde um seine Ansicht gefragt und erklärte sich damit einverstanden, daß das Geldgeschenk gewährt werde, riet indes, dem Papst das Geldgeschenk erst zu geben, nachdem die Militärvorlage angenommen, es aber sofort in Aus ficht zu stellen. Vorläufig solle General v. Loö dem Papst einen Edelstein überreichen."_ Zur Charakteristik des Hauptmanns Dominik. Die„Tägl. Rundschau" gräbt ein Urteil über den von Bebel bei ber Äolonialdebatte angegriffenen Hauptmann Dominik aus, das vor IVa Jahren der ehemalige Führer der deutschen Niger— Beunc— Tschadsee-Expedition im„Globus" veröffentlichte. Es heißt darin Als ein bleibendes Verdienst soll es dem Leutnant und gegen- wärttgen Hauptmann Dominik angerechnet werden, daß er in seinem Verwaltungsbezirk Jaunde Wege geschaffen hat, und zwar»ntcr Vermeidung jeglicher llnkosteu. Das sind Wege, die als mustergültig bezeichnet werden können und diesen Bezirk zu einer Oase in umgebender Wildnis gestempelt haben sie haben Handel und Wandel geschaffen und das ganze Land zu gedeihlicher Entwickelung gebracht. Aber Jaunde ist nur ein kleiner Teil des großen, gegenwärtig unter Verwaltung be findlichen Gebietes; weshalb ist in anderen Gegenden nicht dasselbe Verfahren eingeschlagen worden? Statt dessen hat es der Gouverneur bedauerlicherweise<1) zugegeben, daß man die G u t in ü t i g k e i t(? I) der Jaunde mißbrauchte und diese Leute in Massen gegen ihren Wille» auf die Plantagen schaffte. Dominik hatte die Jaunde vollkommen unter seiner Botmäßigkeit. Wenn die Station ans- trommelte, sie benötige aus irgend einem Dorfe eine gewisse An zahl Arbeiter, dann waren diese am nächsten Morgen zur Stelle. Die Bezirksamt männer unter den Küstenstämmen hätten sich die Arme lahm trommeln können und kein Mann wäre erschienen; die Plantagen brauchten Arbeiter, die Küstenneger wollten aber nicht arbeiten; aus die letzteren einen Druck auszuüben, wagte die Regierung nicht, sie griff lieber auf die geduldigen Janndeschafe zurück, die z w a r murrten und knurrten, aber gehorchten! Kein Wunder, daß es dort überall jetzt gärt und im vergangenen Jahre der offene Aufstand nur dadurch verhindert wurde, daß der inzwischen dort wieder zur Regierung gelangte Dominik die gefährlichsten Häuptlinge gefangen sehte. Außer ihm hätte dasaberso leicht kein anderer fertig gebracht, denn kein zweiter weiß gleich ihm in den inneren Stammes- Verhältnissen der Jaunde Bescheid und vernrag mit sicherer Hand die richtigen Rädelsführer herauszugreifen." Und dies Urteil soll nach der„Tägl. Rundschau" zu- g u n st e n des Angegriffenen sprechen! Hauptmann Dominik zwang nach dem Artikel widerrechtlich zu den schwersten Fronden, die selbst ein Pnttkamer anderen Stämmen nicht zuzumuten wagte. Und als endlich infolge dieses Systems skandalöser Zwangsarbeit in Jaunde eine Gärung ausbrach, warf Dominik widerrechtlich die„gefährlichsten Häuptlinge" in den Kerker! Das sind ja allerliebste Enthüllungen, die das Konto des Dominik noch weiterhin schwer belasten. Und ein solches Vorgehen soll den Mann entschuldigen?! Unsere Kolonialfexe scheinen samt und sonders vom Tropenkoller befallen zu sein!—- Württembergische LaudtagSwahkcn. Stuttgart, 11. Dezember.(Eig. Ber.) Bezüglich der am 18. Dezember stattfindenden zweiten Wahl- gänge ist zwischen Sozialdemokratie und Volks- Partei ein Abkommen getroffen worden, dessen Wortlaut heute an der Spitze der beiderseitigen Parteiblätter von den Landcsvorständen der Parteien veröffentlicht wird. Danach zieht die Sozialdemokratie in den fünfzehn Wahlkreisen, wo ihre im ersten Wahlgang er- zielte Stimmen zahl nicht hoch genug ist, um einen Erfolg in der zweiten Wahl erwarten zu dürfen, ihre Kandidaten zurück und fordert die sozialdemokratischen Wähler auf, ihre Stimmen geschlossen auf die Kandidaten der Volkspartei abzugeben. Diese Stimmabgabe, so heißt es in dem Aufruf, ist im politischen Interesse des Landes geboten angesichts der Ge- fahr, welche durch den Zusammenschluß der rückschrittlichen Parteien der fortschrittlichen Entwickelung Württembergs droht. In Würdigung dieser Gefahr hat des weiteren die Volkspartei ihre Kandidaten in fünf Wahl- kreisen zurückgezogen, in denen die Stimmen- zahl der Sozialdemokratie im ersten Wahlgang größer war als die der Volks Partei, und fordert hier ihre Wähler auf, geschlossen für die Sozial- d e m o k r a t i e zu st i ni m e n. In fünf weiteren Wahlkreisen, in welchen die Gefahr eines Ver- lnstes des Mandats an die Licaktionären nicht besteht, wird der Kampf im zweiten Wahlgange zwischen Volkspartei und Sozial- demokratic zu Ende ausgefochten. Infolge dieser Vereinbarung besteht noch immer die Aussicht, zninal wenn auch die Landesproportionalwahl günstig ausfällt, daß Volkspartei und Sozialdemokratie zusammen in der Lage sind, im neuen Landtage wenigstens die einfache Mehrheit zu bilden. Die Nationalliberalen, die im ersten Wahlgange mit dem Bauern- bnnd Geschäfte gemacht hatten, glaubten sich für den zweiten Wahl- gang an die Volkspartei anbiedern zu sollen, in der Hoffnung, mit dieser gemeinsam die Sozialdemokratte bekämpfen zu können. Erfreulicherweise haben sie die ihnen gebührende Abweisung er- hatten. _ Zu gleicher Zeit kann noch mitgeteilt werden, daß zwischen den Stuttgarter örtlichen Parteiorganisationen von Sozial- demokratie und Volks Partei auch ein Wahlabkommen für die am Freitag bevorstehenden Bürgerausschuß wählen erzielt worden ist. Es sind in diesem Jahre 16 Mandate zu be- setzen. Nach dem Abkommen werden hiervon erhalten die Sozial- d e m o l r a t i e 8, die Volkspartei 5 und 3 sollen möglichst mit Kandidaten, die im Baufach sachverständig sind, besetzt werden, bei deren Auswahl die Parteistellung nicht als ausschlaggebend gelten soll. Wenn dieser gemeinsam vereinbarte Wahlzettel am Freitag zum Siege gelangt, ist ein weiterer wesentlicher Schritt vorwärts zur Sicherung des sozialpolitischen Fortschritts in der Stuttgarter Gemeindepolitik getan.—_ Graf und Bauer. Die rheinische Landwirtschaftskammer hat in ihrer jüngsten Hauptversammlung über einen Antrag betreffend die Aenderung des Wahlrechts zur Kammer beraten. Das Gesetz bestimmt, daß die Kreistage die Landwirtschaftskammern zu wählen haben, es gibt jedoch den Kammern das Recht, später ihr Wahl recht selber zu ändern. Der rheinische Baucrnverein beantragte nun. die Mitglieder der Kammer durch die Landwirte selber wählen zu lassen, und zwar auf Grund eines abgestuften und indirekten Wahlrechts. Der Antrag, der durchaus nichts Volksfrcundliches in sich hat, richtete sich besonders dagegen, daß durch die Wahl ver- mittelst der Kreistage auch Nichtlandwirte, Beamte, Landräte usw in die Landwirtschaftskammern hineinkommen. So gehören der rheinischen Landwirtschaftskammer 17 Landräte und 4 Bürger� meistcr an— Leute, von denen die rheinischen Bauern fürchten daß sie die agrarischen Interessen nicht in genügendem Maße wahr zunehmen wissen. In der Debatte sang nun der Graf und Marquis von und zu Hoensbroech das Lob der Landrälc in den höchsten Tönen. Der Landrat bekleide die schönste Stelle im Staate, er solle der Vertrauensmann des Kreises sein und die Interessen der Bevölkerung nach oben hin zur Geltung bringen, Vom Landrat verlange man Charakterstärke; solche hätten sie im Provinziallandtage oft genug bewiesen, wieviel mehr würden sie das tun in der Landwirtschaftskammcr, die doch vollständig un- politisch sei. Weiter äußerte sich der Herr Graf über das W a h l r e ch t d e r kleinen Leute, indem er es für recht bedenklich hält, kleinere Landwirte in die Kammer hineinzu- wählen. Diese hätten nicht das nötige Verständnis und würden die Arbeit nur erschweren. Der heutige Stand der Dinge und, die Anträge zahlreicher kleiner Landwirte gäben der Kammer keinen Anlaß, das Wahlrecht zu ändern; dieser Sprung ins Dunkle sei nicht zu empfehlen. So Graf und Marquis von und zu Hoensbroech über das Recht der kleinen Bauern. Die Hoensbroechs sind— trotz des Exjesuiten — eine gutkatholischc Familie und tapfere Zentrnmsleute; einer von ihnen war langjähriger Abgeordneter de s'Z e n t r u m s im Reichstage wie ini preußischen Abgeordnetenhause. Es wäre interessant zu wissen, in welchem Verhältnis der vorgenannte Graf Hoensbroech zum Zentrum steht. Vielleicht äußert sich die ultra. montane Presse darüber.—_ Ketten und Prügel in Ostafrika. Der„Neuen Bayerischen Landeszeitung", dem Organ des bayerischen Bauernbnndes, werden von einem früheren Schifssarzt sensationelle Mitteilungen über die Behandlung der Eingeborenen gemacht. Jedem Fremden, so heißt es in der Zu- schrift, fielen die Kolonnen von Gefangenen auf, die in Gruppen von 12 bis 26 Personen, durch anderthalbmeterlange eiserne Ketten zusammengeschlossen, unter der Aufsicht eines zur Polizeitruppe gehörigen Askaris öffentliche Arbeiten verrichteten. In Dar es Salam befänden sich 266 solcher Gefangenen, in Kilwa Kiwindje zirka 506. Sämtliche Gefangenen seien in der geschilderten Weise— Männer und Weiber in bunter Reihe— durch Ketten oder Kokosstricke„wie eine Herde Vieh" aneinander gebunden. Diese Gefangenen seien größtenteils Kriegsgefangene aus dem letzten Feldzug. Der Gewährsmann teilt ferner mit, daß ihm von einem Sach- verständigen versichert worden sei, daß dem letzten Aufstand min- destcns 156 666 Eingeborene zum Opfer gefallen seien. Tausende von Gefangenen seien wie die Fliegen auf dem Transport nach der Küste an Krankheiten, Erschöpfung, ungenügender Ernährung und Ueberagstrengung gestorben! Außerdem seien manchmal in Kilwa über hundert in einer Woche aufgeknüpft worden,„i m m c r gleich dutzendweise". Es sei auffallend, daß gerade in Kilwa die auf der 51olonialstudienrcise befindlichen Reichstags- abgeordneten nicht an Land gegangen seien, obwohl hier alle mög- lichen Vorbereitungen für den Empfang getroffen waren, sondern daß sie sich in der englischen Kolonie und auf der englischen Uganda- bahn die nötige Kolonialbegeisterung geholt hätten!— zu stellen, befahl cp, zlvci bis an den Rand gefüllte Eimer in daS Spind nebeneinander zu stellen. Dadurch lief das Wasser natürlich über und in das Spind und in die Stube. Mit der Drillichjacke eines Kameraden mutzte der Soldat dann die Wassertümpel aufwischen/ Dazu sind die Kleidungsstücke dal Einen Soldaten gab er eine Ohr- Dazu sind die Kleidungsstücke dal Einem Soldaten gab er eine Ohr- klopfte er mit der Säbelscheide auf die Finger, wieder einen anderen stieß er gegen � den Ofen. Das Kriegsgericht stellte 3 Fälle von Mißhandlungen, 2 Beleidigungen und 18 Fälle vorschriftswidriger Behandlung fest. Strafe: Drei Wochen mittlerer Arrest! Zum polnischen Schulstreik. Das Landgericht Gleiwitz hat die Beschwerde des Zeitungskolporteurs Piecha in Zabrze wegen des Beschlusses des Zabrzcr Amtsgerichts zurückgewiesen, nach welchem Piecha das Recht der Erziehung seiner beiden Kinder wegen Schul- streiks entzogen wird.— Gegen die Fleischteucrung. In der heutigen Sitzung der Hamburger Bürgerschaft teilte der Präsident die Autwort des Senats mit auf das am 5. d. M. von der Bürgerschaft an ihn gerichtete Ersuchen um Auskunft darüber, ob und in welcher Weise der Senat dem Ersuchen der Bürgerschaft vom 27. September 1965 entsprochen habe. Schritte zu tun, um die durch zu geringes Angebot bewirkte Fleischteuerung zu beheben. In der Antwort des Senats heißt es, der Hamburgische Bevollmächtigte zum Bundesrat habe vonseiten des Senats wiederholt Instruktionen erhalten, ans Ermäßigung der Fleisch preise hinzuwirken. Auch an den Reichskanzler seien entsprechende Anträge hin- sichtlich der Erleichterung der Zufuhr von Vieh und Fleifch aus Dänemark nach Hamburg gerichtet worden.— Husland. Ein angehender Soldatenschinder, der Unteroffizier Joseph S ch m i d t von der 16. Kompagnie des Fußartillericregiments Nr. 13 tand vor dem Kriegsgericht der 31. Division in Slraßburg. Er warf den Soldaten, die ihre Spinde offen stehen liehen, die Kleider hinter die Schränke, die die Soldaten nur dadurch wieder erlangen konnten, daß sie über die Schränke kletterten und in den nur zirka 86 Zentimeter breiten Zwischenraum zwischen Schrank und Spind hinuntersticgcn. Hierbei zog Sch. einen Soldaten am Bein vom Schrank herunter. Der Soldat stürzte und zog sich eine Verletzung zu. Hierdurch kamen die Straftaten zur Meldung. Einem Rekruten, der versessen hatte, das schmutzige Wasser vor die Tür Schweiz. Die Kranken- und Unfallversicherung. Bern, 5. Dezember.(Eig. Ber.)' Nach sechsjähriger Wartezeft hat der Bundesrat nun endlich wieder Entwürfe zur Schaffung von Kranken- und Unfallversichc- rungsgesetzen ausgearbeitet. Im Jahre 1966 waren die Vorlagen betreffend die Kranken- und Unfallversicherung in der Volks- abstimmung verworfen worden: Von den Agrariern, weil sie für ihr Personal keinerlei Opfer bringen wollten, von einem Teil der Arbeiterschaft, weil ihr die Vorlagen in finanzieller Beziehung zu wenig boten und das Recht der Selbstverwaltung in den Kranken- kassen durch die aufoktroyierte Mitwirkung der Unternehmer ge- schmälert werden sollte. Der vorliegende neue Entwurf, betreffend die Kranken» Versicherung, ist im Gegensatz zu der früheren zentralistisch- bnreaukrattschen Vorlage föderal» st isch, indem er in der Hauptsache nur Grundsätze aufstellt und alles weitere den Kantonen überläßt. Diese können öffentliche, obligatorische Krankenkassen errichten und die Unternehmer zur BÄtragsleistung heranziehen. Der Bund seinerseits subventioniert die anerkannten Krankenkassen mit 1 Rappen pro Mitglied und Tag, mit IV2 Rappen, sofern sie über die vorgeschriebene Minimalleistung hinausgehen und ein tägliches Krankengeld von wenigstens 1 Franken zahlen; für ärzt- liehe Behandlung in den Gebirgsgegenden werden 2 Rappen Sub- vention geleistet. Bezuglich der Un f a l lv e rficheru n g deckt sich d,e neue Vorlage im wesentlichen mit dex im Jahre 1966 verworfenen: Der Bund errichtet eine eidgenössische Unsallversicherungsanstalt lmit Sitz in Bern), die geleitet ist durch eine Direktion, der ein Ver- waltnngsrat beigegeben wird. Letzterer zählt 36— 40 Mitglieder, wird gewählt von Arbeitgebern und obligatorisch Versicherten, von frei Versicherten und dem Bundesrat. Die Anstalt errichtet Agenturen in allen Kantonen und kann solche auf Kassen über- tragen..... Die Unfallversicherung ist 0 b l i g a t 0 r i s ch für alle gewerblich» industriellen Arbeiter, die heute schon durch die Haftpflicht der Unternehmer geschützt sind, fakultativ für die Ärbeirer im Kleingewerbe, in der Hausindustrie und Landwirtschaft, sowie für das hausivirtsck»aftliche Dienstpersonal. Die Leistungen der Anstalt bestehen in ärztlicher Behandlung, Pflege und Krankengeld, letzteres bis zu 66 Proz. des Tagelohnes. Im Todesfalle erhalten die Sintcrlasscnen 46 Franken BeevdigungSgcld, die Witive 30 Proz., mit Kindern insgesamt bis zu 50 Proz. des Jahresverdlenstes des Ver- storbenen. Auch hierzu leistet der Bund Beiträg«. Zur Erledigung von Streitigkeiten soll ein Bcrsicherungsgericht von 3 Richtern und 3 Botsitzern gegründet werden. Da die Enttvürfe sowie die Begründung im Wortlaut noch nicht vorliegen, läßt sich noch kein abschließendes Urteil über die neuen Vorschläge fällen. England. Das Unterhaus hat in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (um i&l Uhr!) die Resolution der Regierung, nach welcher die vom Obcrhausc au der Unterrichtsvorlage vorgenommenen Ab- ändcrungen en bloe abgelehnt werden, mit 415 gegen 167 Stimmen angenommen! Diese außerordentlich große ministerielle Mehrheit wurde mit langanhaltendcm Beifall begrüßt. Die� Vorlage geht nunmehr mit allen abgelehnten Abänderungsanträgen an das Oberhaus zurück.— Norwegen. Ein„Meuchelmordversuch" aufS Königtum. Die Norweger pflegten bekanntlich ihre Loyalität gegen den alten König Oskar in gewissen Grenzen zu halten, und sie scheuten sich auch nicht, gelegentlich seine Zivilliste herabzusetzen, nämlich dann, wenn er ihrer Meinung nach schlechte Arbeit geliefert, das heißt die Konstitution des Landes verletzt hatte. So etwas hat sich freilich der neue König, den sie sich im vorigen Jahre erwählten. noch nicht zuschulden kommen lassen. Dessenungeachtet finden natürlich republikanisch gesinnte Norweger, daß der Jahresbetrag von 760 000 Kronen, den man dem König zur Verfügung stellt, zu hoch ist. zumal da man doch ganz gut ohne einen so teueren Beamten in erblicher Stellung auskommen könnte. Alle, die dies erkannt habsn, mutzten darum mehr oder minder mit dem Antrag cinvcr-. standen sein, den Gen. E r i k s e n am 4. Dezember im Storthing bei der Beratung über die Apanagen für das königliche Haus stellte. Er schlug vor, den Arbeitslohn des Königs aus 106 000 Kronen her- abzusetzen, und sprach die Hoffnung aus, daß dieser Antrag von Storthingswahl zu Storthingswahl immer mehr Anklang finde. bis er durchgeführt und damit erreicht werde, daß die Tage des Königtums gezählt seien. Merkwürdig, aber bei den norwegischen Parteivcrhältmssen nicht weiter ungewöhnlich ist es, daß ein anderes Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion, Lind Johannscn, die 100 00» Kronen für zu wenig erachtete und meinte, er würde lieber 500 000 Kronen vorschlagen, werde aber doch für Eriksens Antrag stimmen!!— Daß die Bezüge des Königs zu hoch seien, erklärte auch der Linkcnmann HanSson. Aber. meinte er, der Lohn sei nun einmal im vorigen Jahre beschlossen worden, bevor der König gewählt wurde, und darum müsse er die 700000 Kronen so lange erhalten, bis sie ihm selbst als zu viel er- 'chienenü E r i k s e n bemerkte darauf, daß doch der Kontrakt mit dem König nicht unkündbar sei, im Gegenteil in ganz kurzer Frist gelöst werden könne— was ja die Absetzung Oskars bewiesen hat. Das Verhalten der Linftmpartei zu seinem Antrage bezeichnete Eriksen als einen Beweis dafür, daß diese Partei wiederum ihre Prinzipien verleugnete und daß es nur die Sozialdemokratie ist, die ihren Grundsätzen gemäß handelt. Hier wurde ihm von dem Linkcnmann Konow nicht mit Unrecht entgegengehalten, daß doch die Sozialdemokraten im vorigen Jahre mit für das Königtum gestimmt haben, worauf Eriksen mit den bekannten Erklärungen von der„Zwangslage" antwortete, in der sich die sozialdemokratische Storthingsgruppe damals angeblich befand. Von einem Rechten- mann wurde Eriksens Antrag als ein„Mcuchellnordvcrsuch ans das Königtum" bezeichnet.— Der Budgctposten für das königliche Haus: 750 912 Kronen Ausgaben und 2500 Kronen„Einnahmen" wurde dem Vorschlage des Budgetkomitces entsprechend bewilligt und zwar mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Amerika. Der neue Staat Oklahoma. Der Kongreß in Washington hat bekanntlich vor einiger Zeit das bisherige Territorium Okla- h o m a als Staat in die Union aufgenommen. An den letzten Wahlen beteiligte sich Oklahoma noch nicht als Staat, sondern wählte erst eine„Versa,'sungs-Konvention". deren Aufgabe es ist. die Staatsverfassung in eine bestimmte Form zu bringen und die Wahlen für das Parlament und die Staatsämtcr anzuordnen. In diese Konvention wurden auch einige Sozialisten gewählt. Ein interessanter Vorschlag in bezug auf die zwei Sitze im Bundes- senat in Washington» zu welchen jeder Staat berechtigt ist. wird gegenwärtig erörtert. Man will einen Bollblutindianer nach Washington senden, und der Vorschlag findet allgemeine Zu- stimmung. In Oklahoma leben die fünf zivilisierten Indianer- stämme, aber bei der Verachtung der Amerikaner gegen die Indianer ist der Vorschlag recht sonderbar, und die Zeitungen im Osten mögen Recht haben, die erklären, daß der neue Staat mit dem Indianer nur eine Art Reklame machen und die allgemeine Auf- merksamkeit auf sich lenken wolle. Drei Indianer werden als Kandidaten genannt; alle drei sind sehr reich und werden als hochgebildet geschildert.— Australien. Die Hauptwahlen. Das ComnionwesltK of Australia(australische Gemeinwesen), da? heißt die Vereinigung der sechs Kolonien oder ursprünglichen Staaten: Neusüdwales. Victoria, Queensland, Südaustralien, West- «rustralien und Tasmanien zu einem politischen Bunde, entstand am 1. Januar Iglll auf Grund eines Gesetzes des britischen Parlaments vom 9. Juli 1900. Die Königin Victoria war damals noch am Leben, und— wie ihr Biograph Sidney Lee erzählt— sie konnte sich mit dem Titel„Commornvealtb"(Gemeinwesen) gar nicht befreunden.— Sie schlug dafür den Titel„Dominion of Australia"(australisches Herrschaftsgebiet) vor, da das Wort „Commonwealtb" einen revolutionären Klang habe!— Die Australier bestanden indes aus dem von ihnen gewählten Titel. der sie an die Zeiten Cromwells und der englischen Revolution erinnerte, und die Königin mutzte nachgeben.— Die gesetzgebende Macht liegt beim Bundcsparlament, das aus Repräsentantenhaus und Senat besteht.(Man mützte eigentlich auch den König, der dort durch einen Gcneralgouverncur ver- treten ist, einschlietzen, aber wir rechnen hier mit wirklichen und nicht mit fiktiven Kräften.) Der Senat besteht aus 36 Mit- gliedern, 6 für jeden Staat. Das Repräsentantenhaus zählt 75 Mitglieder, die sich folgendermatzcn verteilen: Neusüdwales 26. Victoria 23, Queensland 9, Südaustralien 7, Westaustralien 5, Tasmanien 5. Die Parteiverhältnisse und das Wesen der Parteien eines Landes sind gewöhnlich den Ausländern nicht leicht begreiflich. Auch wenn die Namen der Parteien und ihrer Kampsobjekte überall dieselben wären, so könnte man sie doch nicht ohne weiteres ver- stehen, da die Namen nicht überall denselben Inhalt haben. Wenn das schon auf europäische Länder zutrifft, um wieviel mehr auf außereuropäische! Allgemein gesprochen gibt es in Australien drei Parteien: Schutzzöllner, Freihändler. Arbeiter. Die Schutz- Zöllner sind konservative Sozialpolitiker, die einen starken Staat wollen. Die Freihändler sind Freisinnige, welche die Sozialpolitik, das staatliche Eingreifen in die wirtschaftlichen Verhältnisse, ver- werfen; sie sind Antisozialisten. Die Arbeiter bilden eine sozia- listisch- nationale oder eine politisch- gewerkschaftliche Partei. Eigentliche Sozialisten, wie wir sie in Europa verstehen, gibt es in Australien wenig. Ein Land muh wirtschaftlich erst viel um- fassender und höher entfaltet sein als Australien, um eine sozialistische Partei in unserem Sinne zu erzeugen. Die australischen Arbeiter waren ursprünglich Nurgewerkschaftler, gleich ihren englischen Brüdern. Aber seit 1899 ungefähr sind sie zu der Ueberzeugung gekommen, datz das Gewerkschaftswesen allein nicht imstande ist, die Arbeiter zu schützen und datz sie daher eine politische Macht im Staate werden müssen, um ihre Interessen Ivahren zu können. Sie wandten sich deshalb der Politik zu. Und da eine selbständige Arbeiterpolitik notwendigerweise zu sozialistischen Matzregeln führt, so treiben die australischen Arbeiter Sozialpolitik. Sie treten ein für Verstaatlichung der Verkehrs- mittel, der Minen, der Schiffahrt und anderer Gewerbe, für Fabrikinspektion, Achtstundentag, Alterspensionen usw., aber auch für Ausschlietzung der„farbigen" Rassen und vielfach gar für Schutzzoll und für andere Matzregeln, die mehr ins Gebiet der nationalen Politik fallen. Die Arbeiterpartei geht deshalb oft mit den Schutzzöllnern zusammen, die aus nationalen Rücksichten sozialpolit-sch sind. Dagegen herrscht zwischen Arbeiter- Partei und Freihändlern offener Kampf.— � Die Schutzzöllner werden von Deakin geführt, die Frei- Händler von R e i d, die Arbeiter von W a t s o n. Bei den letzten Hauptwahlen im April 1994 wurden ins Repräsentantenhaus gewählt: Schutzzöllner......... 26 Freihändler......... 27 Arbeiter.......... 22 Die Arbeiter wurden demnach die ausschlaggebende Partei, und sie wurden schlietzlich veranlatzt, die Regierung zu übernehmen und ein Kabinett zu bilden. Aber sie konnten nur mit Hülfe der Schutzzöllncr regieren, die aber bald versagten. Deakin übernahm dann die Regierung, die sich längere Zeit halten konnte, da sie zwischen den Arbeitern und den Freihändlern balancierte. Wurden die Arbeiter in ihren Forderungen zu extrem, so kam Reid dem Kabinett zu Hülfe. Wo es sich aber um sozialpolitische und nationale Matzregeln handelt, da stimmten die Arbeiter mit der Regierung. Im gegenwärtigen Wahlkampfe, der in wenigen Tagen ent- schieden sein wird, stellt die Regierung folgendes Programm auf: Gesetz gegen Trusts; innere Kolonisation durch den Staat; Ver- staatlichung der Schiffahrt; progressive Einkommensteuer; Er- höhung der Schutzzölle im Interesse der heimischen Industrien. Die Freihändler unter Neid haben nur eine Wahlparole: Kampf gegen den �Sozialismus— Reid ist der australische Eugen Richter. Die Arbeiter unter Watson haben ihr altes Programm: Sozialpolitik und ein„Meitzes Australien". Ihre Abgeordneten werden wegen der Geradheit ihres Charakters allgemein geachtet. Auf große Erfolge der Arbeiterpartei wird nicht gerechnet, da zwischen Deakin und Reid das Abkomnien getroffen wurde, in sozialistischen Wahlkreisen geschlossen gegen den Arbeitcrkandidaten zu stimmen! Die alte Frage: Schutzzoll oder Freihandel tritt hinter die Frage: Sozialismus oder Kapitalismus zurück, obwohl der australische Sozialismus matzvoll auftritt und in manchen Punkten— wie gesagt— eine nationale Politik treibt.— In den Depeschen über die Wahlresultate werden die Parteien loahrscheinlich als Ministerielle, Oppositionelle und Arbeiter angegeben werden. Unter„Ministeriellen" werden die Schutzzöllncr verstanden; die„Oppositionellen" sind die Frei- handle;,—_ GewerkrcbaftHchc� Achtung, Gewerkschaftsvorstäude! Durch die Auflösung des Reichstages ist der im Reichs- tage eingebrachte Gesetzentwurf betreffend„Die Rechtsfähigkeit der B.rnfsvereine" in Wegfall gekommen. Die von den Vor- ständen zum 8. Januar 1907 geplanten Protestversammlungen gegen diesen Entwurf finden deshalb nicht statt. Alle Vor- arbeiten dazu sind rückgängig zu machen. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskomniission. I. V.: Alwin Äörsten. BerUn und QtngegencL Achtung, Gold- und Silbcrarbeitcr! Die Kollegen von der Firma Meyerricks, Schmidstr. 42, haben die Arbeit niedergelegt, da der Arbeitgeber unseren Tarif nicht an- erkennen will. Wir ersuchen die Kollegen, dieses Geschäft zu meiden. Die Firma ist bis auf weiteres gesperrt. Deutscher Metallarbeiter-Verbaud. Ortsverwaltung Berlin. Nun also! Vor einiger Zeit brackiten bürgerliche Blätter eine Schauergeschichte, nach der ein Streikbrecher aus den Siemens- Schuckert-Wcrken von Streikenden verfolgt und dann mißhandelt worden sei. Die Korrespondenz, aus der die Nachricht stammte, stellt nun ihre Mitteilungen wie folgt richtig: Zu dem augeblichen Ueberfall auf den Techniker Kaufmann, der nach seiner Behauptung auf dem Wege von den Siemenswerken nach dein Gesnndbninnen von ausständigen Arbeitern überfallen sein wollte, und so schwer nütz- handelt wurde, datz er nach dem Krankenhause Westend gebracht werden mutzte, erfahren wir, datz die polizeilichen Er- Mittelungen keinen Anhalt für die Richtigkeit der vo>l K. gemachten Darstellung ergeben habe». Festgestellt ist vielmehr, datz der Techniker sich in einem Lokal auf dem Gesundbrunnen aufgehalten hatte und dort in eine Schlägerei verwickelt worden war. Die schwere Armverletzung soll sich K. dadurch zugezogen haben, datz er eine Schaufensterscheibe zertrümmerte. Also eine„besoffene" Sache. Wir haben aus Grund eingehender Recherchen sofort einige Tage nach dem Vorfall fast genau dieselbe Darstellung des Borkommilisses bringen können, wie sie jetzt die polizeilichen Ermittelungen ergeben haben. Unseres Wissens hat von unseres Richtigstelllmg keins der Blätter Notiz genommen, welche die Verdächtigung der streikenkcn Arbeiter ver- breitet haben. Wir halten es fürselbstverstäudlich, datz die so hochanständige bürgerliche Presse auch jetzt von ihrer Verdächtigung der Streikenden kein Wort zurücknehmen wird. Wie so viele„TerrorismuS"- Lügen wird auch diese in den Sammelmappen der Arbeiterfeinde aller Richtungen Aufnahme finden und bei allen geeigneten und un- geeigneten Gelegenheiten der Oeffentlichkeit als bare Münze an- gepriesen werden. Den Achtstundentag haben auch die Berliner Formen- ziseleure errungen. Die Unternehmer wehrten sich viel weniger gegen die Forderung der achtstündigen Arbeitszeit als vielmehr die damit verbundene einer 15 prozentigen Lohnerhöhung. Nach ver- hällnismätzig kurzer Dauer des Streiks kamen dann folgende Vereinbarungen zustande: Die tägliche Arbeitszeit beträgt acht Stunden, zugleich wird der Stundenlohn erhöht, so datz der bestehende Wochenlohn erreicht wird, ferner beträgt der Minimallohn für Aus- gelernte 45 Pfennige, nach 6 Monaten 59 Pfennige pro Stunde. Der Zuschlag für Ueberstunden beträgt 25—59 Prozent. Bei Ein- stellung von Ziseleuren ist zunächst der Arbeitsnachweis des Verbandes zu benutzen. Der 1. Mai ist als Feiertag frei zu geben. Die Regelung des Lehrlingswcsens ist der Handwerkerkammer zu überweisen, und zwar aus dem Grunde, weil eine große Anzahl der Kleinmeister Lehrlinge, aber keine Gchülfcn beschäftigt. Weiter wird vereinbart, datz jede vorkommende Differenz einer SchlichtungS- kommisfion, der drei Meister und drei GeHülsen angehören, über- wiesen werden soll. Sonderabinachnngen mit einzelnen Arbeitnehmern find unzulässig, ebenso dürfen Maßregelungen nicht statt- finden._ Achtung, Graveure! Bei der Firma P. Hübner, Knopffabrik, Markusstr. 5, haben die Graveure die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Venrkcbes Reick». Christliche Bruderliebe. In Königsberg sind die Schneider und Schneiderinnen in eine Lohnbewegung getreten. Das nutzen nun einige traurige Gesellen, die sich„Christen" nennen, aus, um einen „christlichen" Verband zu gründen, dxr dann im geeigneten Moment den llnternehmern zur Hülfe eilen soll. Nun haben die Leute aber wenig Glück bei den Königsbergcr Schneidern; etwa 599 sind im Zentralverband der Schneider organisiert, so datz fiir die„Christen" wenig übrig bleibt. Diese wollen nun die Unorganisierten und die Kriegervereinler in ihre Netze ziehen. Doch selbst diese hüpfen nicht auf den christlichen Leim. Zu Montag hatten sie eine Versammlung einberufen, die von zehn Personen besucht war; natürlich tagte sie hinter verschlossenen Türen. Gleich zwei christliche Arbeiter- sekretäre aus Königsberg wie aus Danzig waren erschienen, um den Anwesenden das Evangelium der christlichen Bruderliebe zu predigen. Aber auch einige Zentralverbäudler hatten sich ein- gefunden, die jedoch in den Augen der Herren Christen keine Gnade fanden. Obwohl sie mit Einladungen verschen waren, wies man fie aus dem Lokale. Als es darüber zum Wortwechsel kam, ergriff ein Christ einen Stuhl und schrie:„Ich schiebe Ihne» den Stuhl in den Rachen!" Natürlich verließen die Genossen nunmehr das gast- liche Heim, wo die wahre Bruderliebe thront. Wenn sie selber die Christen auch nur annähernd so bchandell hätten, so würden alle bürgerlichen Zeitungen unter der Devise:„Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel einl" auf den„entsetzlichen sozialdemokratischen Terra- rismus" hingewiesen haben. Jetzt aber decken diese die Tat der Christen mit dem Mantel der christlichen Liebe zu.— Wie sehr die Polizei in Königsberg die Christen in ihr Herz ge- schlössen hat, geht aus folgendem Vorfall hervor: Als am Dienstag in der öffentlichen Schneiderversammlung das Verhalten der Christen gebührend beleuchtet wurde, unterbrach der über- wachende Polizcibcamte einen Redner und erklärte ihm, datz er Beleidigungen ausgestotzen habe, falls er damit nicht auf- höre, mnffc er ihn arretieren!! Der Leiter der Ver- sammlung sagte, daß er keine beleidigenden Aeutzerungen vernommei» habe. Darauf erwiderte der Polizist, daß der Redner die Christlichen beleidigt habe!! Natürlich ist ein derartiges'Ein- greifen des Beamten völlig unzulässig, und der Einberufer der Ver- sammlung wird beim Polizeipräsidenten Beschwerde erheben. Aber man sieht deutlich, datz sich die Christen nicht nur der Fürsorge der Unternehmer, sondern auch des Schutzes der Polizei erfreuen. Die Mälzerei- und Braucrciarbeitcr in Andernach am Rhein sind in den Ausstand getreten. Eine großartige Blaniage hat sich ein erzreaktionärer Fabrikant in Augsburg zugezogen. In seiner Papierfabrik(Haindl) wurde vor eniiger Zeit eine eiserne Schraube in eine Maschine hineingeloorfen, was zur Folge hatte, datz die ivertvolle Maschine ruiniert, der Be- trieb gestört und ein enormer Schaden verursacht wurde. Natürlich mutzte dieses Bubenstück ein organisierter Arbeiter getan haben. weil— so dachte der Fabrikant— die organisierten Arbeiter seiner Fabrik allen Grund hatten, gegen den Unternehmer böse zu sein. Mehrere organisierte Arbeiter wurden als der Tat dringend ver- dächtig entlassen und man versäumte nicht, dieses Verbrechen der organisierten Arbeiter in die Welt hinauszuposaunen und es als Werbemittel für die neugegründete gelbe Garde der Fabrik zu benutzen. Nun kam durch einen Zufall an den Tag, datz der Urheber dieses Bubenstückes kein organisieoter Arbeiter war. sondern ein Mitglied der von dem Unternehmer ins Leben gerufenen gelben(I) Ge- werkschaft, also ein vom Untemehmer als„gutgesinnt" und ..brav" anerkannter Arbeiter, der jederzeit bereit ist. organi- s i e r t e Arbeiter zu v c r r a t e n I Und warum hat der Streikbrecher die Schraube in die Maschine � geworfen? Warum hat er das Werk zum Stillstand gebracht? Er � sagte:„ Weil ich keine Ueberstunden mach en' wollte. �— Sich den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern an« zuschließen und unter Wahrung der Solldantät die mörderische Ueberzeitarbeit unmöglich machen zu helfen, war der Bube zu feig und seine Feigheit und niedere Gesinnung, die den Streikbrechern eigen ist, trieb ihn zu dem Verbrechen, das ehrlichen Arbeitern zur Last gelegt wurde. Ausland. Staatsbeiträge zur Arbeitslosenversicherung in Dänemark. Der dänische Gesetzentwurf, der den Arbcitslosenkassen der Ge- wcrkschastcn sowie anderen dem gleichen Zweck dienenden Ver- sichcrungskasscn von Lohnarbeitern und Angestellten in Industrie, Handwerk, Handel, Landwirtschaft usw., Staats- und Gemeinde- Zuschüsse verschaffen soll, hat im dänischen Foltething eine ziemlich günstige Aufnahme gefunden, so datz Aussicht vorhanden ist, daß er noch in dieser Session durchgeführt wird. Die erste Beratung ist am Sonnabend beendet worden. Der Entwurf ist einem aus 15 Ab» geordneten besteheirden Ausschutz überwiesen worden. Wir haben die Grundzüge des Entwurfs bereits in Nr. 233 des„Vorwärts" mitgeteilt. Der Staatszuschutz wird auf jährlich 259 999 Kronen bemessen. Der Staat soll den Arbeitsloscnkassen ein Drittel der Unterstützungsausgaben ersetzen, die Kommunen können außerdem ein Sechstel zuschießen, womit dann die Hälfte der Unterstützung aus öffenrlichcn Mitteln aufgebracht würde. Der Entwurf ist aber keineswegs in allen Einzelheiten 10 gestaltet, daß er für die Arbeiterschaft ohne weiteres annehnrbar wäre. Er enthält unter anderem die Bestimmung, datz Arbeits» lose ihnen nachgewiesene Arbeit annehmen sollen. Das kann selbstverständlich unmöglich in der Form zur Geltung kommen, datz man. um der Unterstützung nicht verlustig zu gehen, um jeden Preis eine Arbeit annehmen mutz. Hieran wie an anderen unbrauchbaren und unzulänglichen Bestimmungen übte Martin Olsen, der Vorsitzende des Gewerkfchaftsver. bandes, bei den Verhandlungen im Folierhing eine gründliche Kritik. Im übrigen bezeichnete unser Genosse den Umstand, daß die Regierung den Gesetzentwurf eingebracht hatte, als eine sehr wichtige Begebenheit und wies darauf hin, datz es sich hier um die.Frucht einer jahrzehntelangen Agitation der organisierten Ar- beiterschaft handelt..~ t n, (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auslage.)! Spaltung unter den russischen Eisenbahnern. In der letzten Zeit kann man unter den Eisenbahnern zwei Strömungen beobachten. Einerseits besteht der alte Allrussische Eisenbahnerverband darauf, daß der Verband auch fernerhin ein politischer Verband bleiben soll. Andererseits vergrößert sich, vc- sonders unter den Eisenbahnarbeitern und den niederen Bedientestcn, immer mehr die Zahl der Anhänger eines rein gcwerkscbaftlichen, außerhalb der Parteien stehenden Verbandes. Vor einiger Zeit habn die Anhänger dieser letzteren Richtung in Moskau einen besonderen„gewerkschaftlichen Verband der Eisenbahnangestellten des Moskauer Knotenpunktes" gebildet. Diesem Verbände sind hauptsächlich die Eiscnbahnarbeiter beigetreten, und die Zahl seiner Mitglieder bcläuft sick bereits auf einige Tausende. Die, er Tage •hat die Versammlung des„Bureau des Moskauer Eisenbahnknoten- Punktes" bezüglich der Stellung zum Allrussischen Er,enbahncr° verband folgende Resolution gefaßt:„In Anbetracht der von einigen Kollegen angeregten Frage über die Stellung zum Uli- russischen Eisenbahncrvcrband, hat das Bureau des Moskauer Ei,c.i- bahnknotcnpunktcs seine Ansicht in dieser Angelegenheit folgender- maßen sormnlicrt: 1. Das Bureau hat prinzipiell nichts gegen eine Vereinbarung mit dem Allrussischen Eiscnbahnerverband, er- achtet aber, datz dieselbe nur auf dem Wege eines Kongresses, dessen Mitglieder von allen Eiscnbahnerorganisationen auf demokratischen Grundlagen gewählt worden sind, ausführbar ist. Bis zum Kon- gresse aber ist eine Vereinbarung nur in dem Falle möglich, wenn der Verband auf sein politisches Programm verzichtet und sich smi'.it in eine rein gewerkschaftliche Organisation verwandelt. 2. Das Burcan hält bis zum Zusammentritt des Kongresses standige oder temporäre Vereinbarungen mit dem Allrussischen Effenbahner- verband für zulässig."—_ Versammlungen. Tie Metallarbeiter(Verwaltungsstelle Berlin) nahmen in ihrer Generalversammlung am Sonntag zunächst den Kassenbericht vom 3. Quartal entgegen. Einnahmen und Ausgaben der Haupttasse bilanzierten in der Summe von 467 594,23 M. Verausgabt wurden u. a. an Unterstützungen bei Krankheit 61 423,39 M., bei Arbeits- losigkeit 63 761,29 M.. bei Streiks 18 336,95 M.. bei Maßregelungen 16 967,20 M.. für Rechtsschutz 19 523,42 M.. dazu die entsprechenden Zuschüsse aus lokalen Mitteln in der Höhe von reichlich 11 999 M. ffcie Lokalkasie hatte einen Bestand von 286 499,17 M. Als Kandi- baten zur Ersatzwahl der Revisoren wurden Scheck. Gut- schmidt und Laos nominiert. Die Wahlen selbst finden in den Bezirken statt. Zum Schluß teilte der erste Bevollmächtigte Cohen mit, datz von der Ortsverwaltung demnächst eine Statt st ik aufgenommen werden soll, um festzustellen. wieviel Mitglieder des Verbandes hier in Berlin den sozialdemo- krntischcn Wahlvereincn angehören und wieviel gleichzeitig Abonnenten des„Vorwärts" sind. Letzte JVacbricbtcn und Dcpcfcbcn. Unter den Trümmern begraben. Wien, 13. Dezember.(W. T. B.) Heute mittag ist hier das Gerüst eines Neubaues im 12. Bezirke zusammengebrochen und hat zahlreiche Arbeiter unter seinen Trümmern begraben. Bis jetzt sind 6 Schwerverletzte geborgen worden. Die Rettungsarbeiten werden ? � f» 7 c> Ii � lieber das Bauunglück im 12. Bezirk wird weiter berichtet: Nach dreistündiger angestrengter Tätigkeit der Feuerwehr sind alle Ver- unglückten geborgen, ö Arbeiter sind schwer, 4 leichter verletzt, einer ist getötet. Beim Rettungswcrk erlitt ein Feuerwehrmann Verletzungen. Die Rettungsgesellschast war auf der Unglücksstätte unausgesetzt tätig._ Tynamitexplosion. Schlau(Böhmen). 13. Dezember.(W. T. B.) Heute nach. mittag explodierte beim Ferdinandschachtc an der Buschtierahderbahn Dynamit" das der Patroneirmeistcr mit sich führte. Ter Patronen- meistcr sowie ein Mann sind getötet, zwei Mann verletzt. Knebelung der Presse. Petersburg, 13. Dezember.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agcntur.) Der Justizministcr brachte, da die Presse die ihr durch das bestehende Preßgesetz verliehene Freiheit mißbraucht. im Ministerrat einen Entwurf ein behufs Einführung eines Ar- titels in das Gesetz, nach welchem die Verherrlichung verbrecherischer Handlungen in Wort und Schrift eine Gefängnisstrafe bis zu 8 Monaten bezw. einen Arrest bis zu 3 Monaten und eine Geld- strafe bis zu 390 Rubel nach sich zieht. Eisenbahnunglück. Tetschen. 13. Dezember.(B. H.) Ter nachts hier eingetroffene Wiener Schnellzug fuhr infolge falscher Weichcnstcllung auf eine alleinstehende Maschine; beide Maschinen wurden arg beschädigt. Ter Lokoinotivsührer sowie ein Reisender aus Budapest wurden verwundet._ Progromversuche. Jaß. 13, Dezember.(B. H.) Ein hier auS Kischinew eingetroffener Viehhändler schildert die Lage in Kischinew als äußerst bedrohlich. Ter Mob versuchte in der vergangene»» Nacht in-der Lbaralambayastratze einen jüdischen Laden zu plündern, wobei ein Kino des GeschästsinhaberS tödlich verletzt wurde. - sagte:„Weil ich reine Ii e o e r ,i u n o e n machen' Kinv vcs �eilpaiisniiiavers uttum»umm._ verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantv.: Hj. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr.u.VerIag»anit«U W«il Smger LiCo..Berlin8)V. Hierzu 3 Beilagen v-lluterhaltuntv »»---»«« t leihje iifs Jitmärts" Iftliw JütelUB. i-w»»-»«»» Reichstag* 140. Sitzung vom Donnerstag, den 13. Dezember. nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstische: Für st Bülow, v. Tschirschth, Dernburg, Frhr. v. Stengel, später Graf Posadowsky und V. Einem. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung de? Nach- tragsetats für 1906 f ü r S ü d w e st a f r i k a, der die Nach- bewilligung von 29 220 000 M. für die Kosten der Kriegsführung (8000 Mann) fordert. Die Komniisston beantragt den Nachtragsetat abzulehnen. Vom Zentrum liegt der Antrag vor, 20 288 000 M. mit der Mahgabe zu bewilligen, dost spätestens bis 31. März 1907 neben der Heimsendung weiterer 4000 Mann die Vorbereitungen dazu getroffen find, die Geiamtstärle der Schutzlruppen aus die Zahl von 2500 Mann zu vermindern. Die Freisinnigen, Abg. Ablaß und Genossen, beantragen die Bewilligung des Etats mit der Maßgabe, daß die Heimsendung von weiteren 4000 Mann im Laufe des Rechnungsjahres erfolgen soll und bis zum Ablauf des Rechnungsjahres die BorbereiNuigen zu einer erheblickien weiteren Verminderung der Gesamtstärke der Schutztruppe», entsprechend der fortschreitenden Beruhigung des Schutz- gebieies getroffen werden. Referent der Kommission ist Abg. Spahn(Z.). Reichskanzler Fürst Bülow: Die Ihnen vorliegende, sorgfältig vorbereitete Vorlage fordert nur das Unerläßliche, nur diejenige Truppenstärke, die für die Unter- werfung des Aufstandes und die Beruhigung unserer Kolonie un- erläßlich ist. Wir werde» die Truppen in Südwest bis znm April nächsten Jahres aus rund 8000 Mann vermindern, je nach dem Fort- schritt der Operationen und der Verbesserung der Etappen in, Laufe des nächsten Etalsjahres weitere Venninderungen eintreten lassen und nach Beendigung der Operationen nur die not- wendigsten Bcsatzungstruppen zurückbehalten. Ihre Kommission ist zu einem positiven Ergebnis nicht gelangt. Sic hat vielmehr alle Anträge und die Regierungsvorlage abgelehnt. Der Vorschlag, uns schon jetzt für das Etatsjahr 1907 auf eine be- stimmte, gegenüber der jetzigen wesentlich verminderten Truppenzahl festzulegen, ist für die verbündeten Regierungen unannchnibar.(Bravo I rechts.) Sachverständige Militärs haben Ihnen in der Kommission dargelegt, daß die verlangte Truppenstärke wirklich notwendig, und daß eine Vermiuderuna die Durchführung der militärischen Aktion ver- hindern würde. Eine solche Einstellung der militärischen Aktion vor der völligen Unterwerfung des AufstandeS würde aber die schwersten Folgen nach sich ziehen. Sie würden nicht nur bestehen in dem Verlust des Südens der Kolonie, wir würden auch die Mitte und den Norden auf das Schwerste gefährden.(Sehr richtig I rechts.) Wir werden, das sagen alle Kenner der Verhältnisse, binnen kurzem neue Auf- stände in allen Teilen unseres Schutzgebietes zu gewärtige» haben, deren Bewälttgung uns die doppelten und die dreifachen Opfer kosten würde.(Sehr richttg I rechts.) Diese Aufstände würden naturgemäß auch auf unsere anderen Kolonien überspringen, und wir würden eine allgemeine Erhebung der Schwarzen gegen die weiße Herrschaft erleben.(Na! na l bei den Sozialdemokraten.) Unsere Schutztruppen würden bei ihrer geringen Anzahl einer solchen Bewegung nicht gewachsen sein, und wir stünden dann vor der Frage, ob wir unsere Kolonien mit außerordentlichen Opfern wieder erobern, oder ob wir sie für immer verlieren wollen. Alle Sachverständigen sind darin einig, daß eS sich um eine letzte Anstrengung handelt, um unseren Kolonien dauernd Ruhe und Sicherheit wiederzugeben. Wenn wir vor diesem letzten Opfer zurückschreckten. so würden wir uns einer schweren Unterlaffung. einer nattonalen Versündigung schuldig machen I(Lebhafte Zusttnimung rechts.) Ich kann nicht annehmen, daß dieses Haus einen solchen in finanzieller und militänscher, polittscher und nationaler Hinsicht gleich bedauerlichen und bedenk- lichen Beschluß fasien wird. Sollte ich mich hierin täuschen, s o würde ich mich als verantwortlicher Lenker der ReichSgeschäste vor dem deutschen Volke und vor der Geschichte nicht in der Lage sehen, eine solche Kapitulation zu unterschreiben.(Lebhafter Beifall rechts und bei den Nattonalliberalen, anhaltende Bewegung.) Abg. Schmidt-Elberfcld(ftrf. Vp): Wir halten im Einklang mit unserer früheren Haltung die Herabminderung der Truppen in Südwest auf eine bestimmte Mindestzahl und in einer bestimmten Zeit für undurchführbar. Wir würden damit dem Gang der Ereignisse vorgreifen und die völlige Beruhigung der Schutzgebiete würde dadurch viel- leicht unmöglich werden. Der Antrag Ablaß will dem Schutzgebiet diejenige Truppen zahl lassen, die zur völligen Beruhigung nötig ist, andererseits trägt der Antrag aber auck dem sehnlichen Wunsche des Reichstages und des deutschen Volkes Rechnung, daß alle entbehrlichen Truppen zurückgezogen werden. Im Interesse des Etatsrechts ist die von der Regierung in der Kommission zugesagte Zurückziehung von 4000 Mann bis zum 31. März 1907 als Bedingung in den Antrag Ablaß aufgenommen, für den sich hoffentlich eine Mehrheit finden wird.(Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. Ronen(Z.): Meine neuliche Rede und ihre Beantwortung durch den Kolonial- direktor haben zu Mißverständnisien Anlaß gegeben. Ich sehe mich daher zu folgenden Ausführungen veranlaßt. Meine Rede hatte allein die Mißstände zum Gegenstand, die in der Kolonialverwaltnng aus kulturellem Gebiet sich zeigten. Abg. Erzberger hatte die finanzielle Beleuchtung unserer Kolonialpolitik zur Aufgabe, während tch auf die erwähnten Mißstände einzugehen hatte. Das ist von mir in sachlicher und ruhiger Weise unter Heranziehung ver- schiedener Vorgänge geschehen. Die Wisruba-Angelegen- h e i t war von mir nur vor ü berge he nd be- rührt(Aha I- Rufe), so weit ich durch die Ausführungen des Vt-crednerS dazu gezwungen war. Trotzdem hat der Kolonialdirettor gerade sie zur Unterlage genommen, um darauf den Vorwurf einer unerträglichen Pression, ja geradezu den einer Nebenregierung zu erheben. Dadurch wurde der Gegenstand meiner Rede in den Hintergrund gedrängt und ein günsttger Resonnz- boden für die Klagen über unberechtigte Rebenregierung des Zentrums geschaffen. Von den Mißständen in den Kolonien, der Prügelstrafe an Eingeborenen, der Einschüchterung der Zeugen, der unzuverlässige» Rechtsprechung ist nirgends mehr die Rede gewesen. Wie wenig aber von einer Pression oder gar von einer Nebenregierung die Rede sein kann, geht auS den mit uns gepflogenen Verhandlungen deutlich hervor. Im September 1901 kam der apostolische Präfekt der katholischen Mission zu mir und legte mir das unerträglische Ver- hältnis zwischen der Mission und dem Gouvernement dar und bat mich um meinen Rat. wie eine Besserung herbeizuführen sei. Ich riet ihm, die ganze Angelegenheit der Kolonialabteilung klar dar- zulegen und wandte mich a» den Herrn Reichskanzler»fit der Bitte, eine Besprechung der Angelegenheit zu veranlassen. Darauf erhielt ich von der Kolonialabteilung am 25. Ottober ein Schreibe». worin anerkannt wird, daß die Mission unrechtmäßig behandelt sei und worin gesagt wird, eine nochmalige Besprechung würde die beste Gewähr für die Beseitigung des unerträglichen Verhältnisses bieten. ES heißt dann:„Vor allem, wenn Ew. Hochwohl- geboren die Güte haben ivollten, dabei gegen- wärtig zu sein.(Hört I hört! beim Zentrum.)" Erst nach diesem Schreiben habe ich den ersten Schritt in das Kolonialamt getan. Es hatte darauf eine Besprechung stattgefunden, die zu einer schriftlichen, Feststellung der Punkte führte, über welche die Mission zu klagen» Grund hatte, und es wurde festgestellt, daß die Mission daran keine Schuld trägt. Auch in einem Schreiben des Kolonialdirettors vom 15. März 1904 ist dieses nochmals anerkannt worden. Bei dieser Besprechung wurde von beiden Seiten der Wunsch ausgedrückt, die Sache nicht in der Oeffentlichkeit zu be- sprechen.(Hört I hört I) Auch in einem Schreiben des Reichskanzlers vom März dieses Jahres heißt es, daß es weder im Interesse der Kolonialverwaltnng noch im Interesse der Mission läge, die An- gclegcnheit öffentlich zu besprechen. In der einseitigen Auszeichnung, die Herr Geheimrat v. König von dieser Besprechung gemacht hat, befindet sich die Redewendung von dem kandinischen Joch.„Herr Stübel mußte schließlich die Versetzung eines Beamten in ein anderes Schutzgebiet zusagen, obwohl er Herrn Roeren gebeten hatte, ihm dieses kandinische Joch nicht zuzumuten." Ich erinnere mich zwar an eine solche Aeußerung nicht, da sie aber von Geheimrat v. König in einer einseitigen Bezeichnung niedergelegt ist und Herr Stübel diese ja wohl gelesen hat, wird sie wohl auch gefallen sein. Daß ich bei den Verhandlungen für eine Sühne des schweren Unrechts, das die Mission erfahren hatte, eingetreten bin, war meine Pflicht.(Sehr richtig I im Zentrum.) Wie wenig aber von einer Pression, von einem unerträglichen Druck die Rede sein kann, das zeigt diese Königsche Aufzeichnung vom kandinischen Joch selbst. Es handelt sich um die Versetzung, nicht um die Absetzung eines subalternen Beamten, welcher bei der unrechtmäßigen Verhaftung der Mission in unrechtmäßiger Weise als Staatsanwalt fungiert hatte und auch sonst Anlaß zu berechtigten Beschwerden der Mission gegeben hatte. Wenn schon die Versetzung eines solchen Mannes als kaudinisches Joch bezeichnet wird, so ergibt sich schon daraus, wie begründet die Beschwerden waren und wie wenig man berechtigt ist, von einer Pression oder gar Nebcnregierung zu reden. Von hochangesehener Seite in den Kolonien wurde mir damals mit- geteilt, daß Wistuba sich von den Anfeindungen gegen die Miss'onei, sentgehalten und stets freundlich und gut mit den Missionen ge- standen habe. Mit der Zeit hat der größte Teil der Beamtenschaft in Togo eine feindliche Haltung gegen Wistuba eingenommen, weil er Ucbelständc zur Anzeige bringen mußte, und er wurde aus Togo abberufen. Auf das Zeugnis des apostolischen Präsekten über Wistuba habe ich mich des Maiiiies angenommen. Bon de» Kolonial- vrrwaltnng war der Wunsch ausgedrückt worden, daß die ganze Ber- haftungsgeschichtc nicht an die Oeffentlichkeit kommen sollte. Es wurde ja stets das Interesse der Missionen bei kolonialen Forde- derungen in den Vordergrund gestellt, und wenn man voir der empörenden Behandlung der Missionare in Togo im Lande erfuhr, so mußte das einen ungünstigen Eindruck hervor- rufen, und deshalb waren die Verhandlungen beiderseits von dem Gesichtspunkte geleitet, eine öffentliche Behandlung der Togo- angclegenheit zu vermeiden. Wenn der Reichskanzler die WistubaangelegenHeit persönlich erledigte, so lag kein Anlaß zur öffentlichen Erörterung vor; in die Oeffentlichkeit konnte die Sache nur konnnen, wenn der Reichskanzler den Wistuba- fall vor die Disziplinarkammer brachte. Unter diesem Gesichtspunkt sind allein die vom Kolonialdirektor verlesenen Briefe- von mir geschrieben worden. Der Assessor Brückner hat in einem Nebenbericht gesagt, ich hätte erklärt, wenn die WistubaangelegenHeit nicht nach nie in cm Wunsche erledigt werden würde, so würde nichts mehr für die Kolonien bewilligt werden. Diese fragliche Aeußerung befindet sich nicht in dem Protokolle über meine Zeugenaussage, ich habe sie nicht als Zeuge getan, ich kann sie nur gesprächsweise getan haben. Die Aeußerung ist nach Abschloß des Protokolls ohne meine Zustimmung und ohne daß ich mich dazu äußern konnte, auf Veranlassung eines Kolonial- beamten von Assessor Brückner in einem Bericht aufgenommen worden. Wenn die Aeußerung als notwendig betrachtet worden wäre, so hätte sie in das Protokoll hineingehört. Ich will die subjektive Glaubwürdig- keit des Assessors Brückner nicht bezweifeln, aber ich erkläre aus das bestimmteste, daß die Erklärung nicht im Sinne einer Drohung er- folgt sein kann. Das ergibt sich schon daraus, daß für mich nicht der geringste Anlaß vorlag, dem Assessor Brückner, der gar keinen Einfluß auf die Wistuba-Angelegenheit hatte, zu drohen. Eine solche Drohung hätte doch nur dem Kolonialdirektor oder dem Reichs- kanzler gegenüber Sinn gehabt. Diesen beiden gegenüber habe ich mich aber lediglich dahin ausgelassen, daß, wenn der Reichskanzler die Wistuba-Angelegenheit nicht selbst erledigt, sondern sie vor der Disziplinarkammer zur Verhandlung komme, notwendigerweise die ganze Togo- ungelegeiiheit ausgerollt werden müßte, und daß infolgedessen kein Geld mehr für die Kolonien gegeben würde. Wen» ich diese Aeußerung überhaupt getan habe, so kann ich mich nur in diesem Sinne geäußert haben, ans den Wortlaut kann ich mich nicht mehr besinnen. ES könnte vielleicht den Anschein erwecken, als ob ich für Wistuba eine günstige Entscheidung erzielen wollte. Aber es kam lediglich darauf an, daß die Togoangelegenheit nicht in die Oeffentlichkeit kam. Beim Lesen des stenographischen Berichtes meiner Rede habe ich gefunden, daß ich mit der Bezeichnung „grüner Assessor" zu weit gegangen bin.(Heiterkeit.) Ich habe mich sofort für verpflichtet gefühlt, ohne einen Anstoß dazu von irgend einer Seite zu erhalten, bei der ersten Gelegenheit diese Bezeichnung als ungehörig zu widerrufen und diese Gelegenheit bietet sich heute in dieser Verhandlnng.(Beifall im Zentrum.) In der W i st u b a a n g e l e g e n h c i t bin ich vom damaligen Kolonialdirektor am 15. März 1904 ausdrücklich e r s u ch t worden, auf Wistuba einzuwirken, damit er sich beruhige» möge. Da kann also von einer unerwünschten Einmischung meinerseits gar keine Rede sein. Es handelt sich hier auch gar nichl um ein Gerichtsverfahren sondern lediglich um ein Ermittelungsverfahren gegen Wistuba. Ein Be- schluß des ReichSkauzlcrs, die Angelegenheit der Disziplinarkammer zu überweisen lag damals noch nicht vor und er liegt meines Erachtens auch heule noch nichl vor. Den Vorwurf, daß ich irgend eine Pression versucht habe, muß ich auf das bestimmteste zurückweisen. Mein Schritt beruht ja gerade auf dem Ersuchen des damaligen Kolonialdirektors, und aus dieser meiner ganzen Haltung kann man mir doch nicht den Vorwurf der Ncbenregicrung machen. Am Schluß der Verhandlungen, die auf Wunsch der Kolonialverwaltung stattgesunden haben, hat mir der Reichskanzler in einem Briefe seinen Dank ausgesprochen. Es wird in dem Briese anerkannt, daß ich zur Beseitigung der Togo- angelegenheit in dankenswerter Weise mitgewirkt habe. Dieser Brief ist vom 6. März 190k datiert. (Hört! hört!) Der Reichskanzler drückt mir also de» Dank aus nach der ganzen Korrespondenz, die der Kolonial- direktor hier vorgetragen bat und auch nach den Nebenberichten des Herrn von König und des Assessors Brückner. Die Mißstände in Togo bestehen»»verändcrl fort, namentlich die grausame und will- kürliche Berhängung von Prügelstrafe» finde»»och immer statt, und nül Rücksicht darauf habe ich mich für verpflichtet gehalten, die Sache hier zur Sprache zu bringen. Für alle meine tatsächlichen Anführungen sind der Kolonial- Verwaltung, ich wiederhole das, schon seit langer Zeit eine große Reihe von Zeugen genannt worden, die vernommc» worden sind. Ich glaube dargelegt zu haben, daß mein ganzes Verfahren nicht der geringste Vorwurf treffen kann. Namentlich nicht der einer Pression oder der einer Nebenregierung.(Lebhafter anhaltender Beifall im Zentrum.) Kolonialdirektor Dernburg: Herr Roeren hat mir vorgeworfen, ich sei nicht auf den ma- teriellen Inhalt seiner Rede eingegangen, sondern habe von diesem abgelenkt.(Sehr richtig I im Zentrum.) Ich erinnere daran, daß er seine Behauptungen auf Anschuldigungen gegen Herrn K e r st i n g j gestützt hat, auf das sogenannte Material, das er und Herr Ablaß l besaßt Inzwischen hat sich herausgestellt, daß diese Anschuldigungen absolut unbegründet gewesen sind. Auf derartige unbegründete Beschuldigungen einzugehen, habe ich gar keine Veranlassung. Ebenso hat er von dem Beamten Schmidt behauptet, daß er Zeugen eingeschüchtert habe und überhaupt über die Unzuverlässigkeit der Rechtspflege in Togo geklagt. Auch davon ist nichts b e« wiesen.(Widerspruch im Zenttum.) Was Sie behaupten, ist kein Beweis. Es sind die Aussagen schwarzer Zeugen verlesen worden und als absolute Wahrheit ausgegeben. Die Wichtigkeit der Frage der Eingeborenenbehandlung erkenne auch ich an, aber man soll die Eingeborenen behandeln nicht wie sie eS wünschen, sondern wie es uns als deutscher Nation nach Ehre und Würdigkeit zukommt. «Beifall rechts und bei den Nationalliberalen.) Herr Schmidt hat mir einen jammervollen Brief geschrieben, in welchem er sagt: wie kaim ich mir helfen, ich habe Herrn Roeren gebeten, er möge doch seine Behauptung außerhalb des HauseS wiederholen. Das hat er aber nicht'getan. Der Fall Schmidt fällt hier also auch fort, Herr Schmidt ist vollkommen hülflos gegenüber Herrn Roeren. Ebenso verhält es sich mit der Sache des Assessors Diey. Seine Mutter hat mich schriftlich gebeten, ihn doch hier zu rehabilitieren, und ich er- kläre hier, der Assessor Dietz ist ein außerordentlich tüchtiger, wackerer Beaniter gewesen, der im Dienste seines Vaterlandes und seines Kaisers in Togo gestorben ist.(Lebhafter Beifall rechts und bei den Nationalliberalen.) Weiter habe ich gegen die Missionen den Bor- wurf erhoben, daß sie sieben Jahre lang Material gcsanimclt und aufbewahrt habe», und dabei hat Herr Wistuba geholfen. Dieses ganze Material ist wesentlich Dien st böte»klatsch, es besinden sich ja die Aussagen von nicht weniger als fünf Köchen dabei; wenn Sic hier Köche fragen würden, werden Sie ganz ähnliche Geschichten von der Herrschaft hören.(Lärm im Zentrum. Große Heiterkeit rechts.) Herr Roeren hat den Briefwechsel niemals vollständig vor- gelesen, in der„Nordd. Allg. Zeitung" ist er ganz abgedruckt und daraus geht hervor, daß das Kolonialamt die Vermittlerrolle des Herrn Roeren keineswegs fürdieWistuba-An gel e g en« h e i t, sondern lediglich für die Beseitigung des M i s s i o n s» z w i st e s gewünscht hat. Aber darüber hinaus hat Herr Roeren sich in die Wistubasache gemengt.(Rufe im Zentrum: Das hängt eben zusammen I Lachen und Lärm im Zentrum.) Es ist schade für Herrn Roeren, daß er nicht auch Abschriften derjenigen Briefe hat, die er selb st geschrieben hat. Am 1 1. Februar dieses Jahres empfiehlt er Herrn Wistuba für sechs oder sieben bessere Stellen als er vorher gehabt hat.(Hört! hört! rechts.) Daß der Botschafter- Posten in St. Petersburg nicht dabei ist, ist ein wahres Wunder. (Große Heiterkeit.) Ich denke, wir habe» im Hohen Hause Wichtigeres zu tun, als dergleichen Klagen von Beamten entgegen zu nehmen. (Unruhe im Zentrum.) An der Aeußerung vom kandinischen Joch ist gar nicht zu zweifeln. Herr Roeren hat sie auch nicht geleugnet, sondern nur entschuldigt.(Widerspruch und Lärm im Zentrum.) Gegen die Tätigkeit des Herrn Roeren habe ich mich gewendet, nicht nur weil sie unter dem früheren Kolonialdirektor Herrn Stübel unangenehm empfunden worden ist, sondern weil er versucht hat» sie aiich in meine Amtstätigkeit hineinzuspielen.(Hört! hört! bei den Nattonalliberalen.) Am 3. November hat mir der Präfekt der Mission auf Anraten des Herrn Roeren geschrieben: Herr Kersting ist über- Haupt d i e Gefahr, die in Togo besteht, weil er die anderen Beamten kennt. Das ist die ganze Anschuldigung gegen Hernt Kersting, auf die hin er nichl wieder nacb Togo gesandt werden sollte. Herr Roeren hat gesagt, er habe seine Anschuldigungen lediglich wegen der herrschenden Mißstände vorgebracht. Aber am 20. November hat er mir noch geschrieben: „Gegenwärtig soll das beste Einvernehmen zwischen der Verwaltung und der Mission bestehen."(Hört! hört! bei den Nattonalliberalen.) Wem soll ich denn nun glauben? So liegt die Geschichte. Wir wollen sie jetzt einmal vorbeigehen lassen.(Lärm im Zentrum.) Gegen solche unberechtigte Einmischung werde ich mich stets wehren. gletchgiiltig, von wem sie ausgeht, und die Flucht an die Oeffent- lichkeit antreten, die diesmal sehr gut gewesen ist.(Lebhafter Beifall rechts und bei den Nattonalliberalen.) Gegenüber der Er- klärung des Herrn Schmidt-Elberseld bemerke ich: Im Mai 1900 waren im Schutzgebiete 14 500 Köpfe, jetzt ist die Zahl der Truppen auf 10002 Köpfe reduziert, weitere 600 Mann find unterwegs, bereits zu Schiff, 1000 Mann sollen im Februar zurückgeführt werden und weitere Zurückführungen sollen, sobald eS möglich ist, stattfinden. Abg. Schmidt-Elberfeld(frs. Vp., zur Geschäftsordnung) beantragt in den, freisinnigen Antrage statt„die Heimsendung" zu sagen,»die im Gange befindliche Heimsendung". Abg. Ledcbour(Soz.): Auf die Auseinandersetzungen zwischen Herrn Roeren und dem Herrn Kolonialdirettor will ich sachlich mcht eingehen. Ich würde sie überhaupt nicht erwähnen, wenn nicht Herr Bassermann jüngst auf Gruild dieses Konflikts von einer großen neuen A e r a gesprochen hätte, die damit eingeleitet würde. Offenbar geben sich die Herren(zu den Nationalliberalen) der Hoffnung hin. daß sich so eine Art Kultlirkainpf aus dieser Angelegenheil ent- spinnen könnte, aber sie haben sich schon heute überzeugen müssen, daß das wiederum eine vollkommen verfehlte Spekulation gewesen ist. Den BiSmarckschen Kulturkampf werden Sie nicht wieder ins Leben zurückrufen können. Dieser tote Frosch läßt sich nicht mehr galvanisieren. Sollte es einmal zu einem wirklichen Kultur- kämpf in Deutschland kommen, zu einem Kampfe, der geführt wird für die Trennung der Kirche vom Staat, für die vollkommene Frei- heit der Schule vom geistlichen Einfluß, zu einem Kulturkampf, wie wir ihn kämpfen werden, sobald>oir können, dann werden wir gerade Sie(zu den Naaonalliberalen) zu unsere» Gegnern zu zählen haben.(Lebhafte Zustimmung bei den Soziald-'v.»?kraten.) Sino Sie doch im preußischen Abgeoronetenhause Hand in Hand mit den reaktionären Parteien gegangen, um die Klerikalisierung der Schule zu bollenden. De» Beifall, den Herr Dernburg auf der Rechten und bei den Nationalliberalen gesunden, würde ich für echter halten können, wenn diese Parteien sich nichl nur gegen die angeblichen Einmischungs- gelüste des Herrn Roeren, sondern auch gegen die erwiesenen Ein- Mischungen des Herrn Arendt mit gleicher Entschiedenheit gewandt hätten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten und im Zentrum.) Da haben Sie aber geschwiegen.(Sehr richtig! im Zentrum.) Denn die Leute, die sich da eingemischt haben, sind Fleisch von Ihrem Fleische und Blut von Ihrem Blute. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten und im Zentrum.) Herr Roeren verdient Borwürfe, daß er sich überhaupt auf eine Hintertreppenpolitik eingctaffcn hat, aber gegenüber dem Vorgehen der Herren Arendt und Genossen steht er doch glänzend da.(Sehr richtig! im Zentrum.) Hat er doch die Hintertreppe nur benutzt, um schwache Leute, die im Kampf gegen das Beamtentum standen, zu schützen.(Sehr richtig I im Zentrum.) Aber die Herren von der Rechten, die für Herrn Dr. Peters eingetreten sind, haben einem der gefährlichsten Verbrecher in unserer ganzen Kolonialgeschichte wieder zu Amt und Ehren verHelsen wollen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und das ist hundertmal verwerflicher als das, was Herr Roeren getan hat.(Sehr richttg I bei den Sozialdemokraten.) Sie(nach rechts) haben jedenfalls kein Recht, Herrn■ Dernburg zuzujubeln, wenn er hier in ganz über- triebener, ungerechtfertigter Weise gegen Herrn Roeren vorgegangen ist.(Sehr richtig I im Zentrum.) Auch Herrn Dernburg würde ich allenfalls noch mildernde Umstände zubilligen, wenn er seinerseits gegen die Arendt und Genossen eingetreten wäre. Aber er hat den dringenden Appell meines Freundes Bebel. doch endlich die Peters- Akten *u veröffentlichen abgelehnt, ja er hat ihm nicht einmal die Einsicht in die Akten gestatten wollen, die Herrn Arendt gestattet Wirde« ist.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ein.Mann, ficr so handelt, verliert in meinen Augen das Recht, sich über Herrn Roercn zu entrüsten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich möchte nur hoffen, daß nach diesen Erfahrungen auch die Herren vom Zentrum niemals wieder de« Zylinder aufsehen werden tGroße Heiterkeit), wenn ihnen aus dem Reichskanzleramt oder dem Kolonialamte freundlich gewinkt werden sollte. Denn Sie laufen ja alle Gefahr, wenn Sie die schönsten Verhandlungen geführt und den wärmsten Dank vom Reichskanzler eingeheimst haben, und Sie treten dann aus der Hanstür heraus, dann springt hinter der Haustür ein Mann mit robustem Gewissen auf Sie zu und treibt Ihnen hinterrücks den Zylinderhut über den Kopf, daß Ihnen Hören und Sehen vergeht.(Große Heiterkeit.) Der Herr Reichskanzler hat heute das schwerste Geschütz auf- . gefahren, das er bei seiner im allgemeinen zur Jovialität neigenden Natur überhaupt benutzen kann. Seine Rede war gar nicht anders zu verstehen, als daß er, wenn die Vorlage nicht in der von der Regierung gewünschten f�orm angenommen würde, entweder mit der Reichstagsauflösung oder mit seiner Amtsniederlegung gedrohthat. Sollte er den Mut zu dieser Konsequenz haben, uns würde es recht sein! Dann würde es endlich einmal zu einer klaren Entscheidung kommen, ob die Herren vom Generalstab und die sonstigen Militärs, die im Hintergrunde die hohe Politik dirigieren, noch länger nicht bloß ihre Handlanger in den hohen Reichsämtern finden ivllen, sondern ob auch der Reichstag zu all diesen Machenschaften fortgesetzt seine Zu- stimmung geben soll. Die Frage, vor die wir gestellt sind, ist: soll der Reichstag vor den hohen Militärs kapitulieren, oder soll er diese wichtige Frage nach eigenem Ermessen entscheiden. Der Herr Reichskanzler hat ganz unbestimmt versprochen, nach der Reduzierung der Truppenmacht auf MOV Mann vom 1. April 1907 ab würden in den folgenden Jahren, wenn es ginge, weitere Truppen zurückgezogen werden. Er ist vom Generalstab da un- genügend informiert, denn in der Kommission haben sich die Militärs viel präziser ausgesprochen. Sie haben gesagt, bis zu der Beendigung der Bahn, die nach Kcetmanshopp gebaut werden soll, werden wir die Truppen bis auf 7000 Mann reduzieren können, und späterhin wird es möglich sein, eine noch weitere Reduktion eintreten zu lassen. Für den Plan der Regierung, wie sie den Krieg weiterführen will, ist durchweg der Generalstab maßgebend gewesen, und die bestimmten Angaben der Herren vom Generalstab in der Kommission werden in Wirklichkeit die Meinung der Regierung sein. Wir wissen ferner vom HerrnKolonial- direktor, daß die Unterhaltung einer Truppenzahl von 8000 Mann fiir die Zeit, in der sie für erforderlich betrachtet wird, rund achtzig Millionen Mark jährlich kosten würde. Mit diesen Kosten'haben wir also nach der Zurückziehung der 4000 Mann vom I.April ab zu rechnen. Erst wenn die Bahn fertiggestellt wäre, also vom 1. August 1908 ab, würden wir mit 7000 Mann zu rechnen haben, und diese würden 60 Millionen Mark kosten. Erst von Mitte 1909 ab hätten wir mit 5000 Mann zu rechnen, die uns auf unbestimmte Zeit 40 Millionen Mark jährlich kosten würden. Als Nachwirkung des nach Aussage des Herrn Reichskanzlers eigentlich schon beendigten Krieges müssen wir also in l'/z Jahren 122 Millionen Mark hinauswerfen und dann mit dem" dauernden Unterhalt einer Truppe für jährlich, weit über 30 Millionen Mark rechnen. Diese ungeheuerliche Geldausgabe muß man im Auge be- halten, wenn man erkennen will, was die Regierung eigentlich mit dieser Vorlage bezweckt. Sie will sich nicht nur vorläufig die Mittel verschaffen, um im Laufe dieses Etatjahres eine Truppenzahl von über 8000 Mann aufrecht erhalten zu können, sondern sie will die Fort- ftthriliig des Krieges auf eine nahezu nnbegreuzte Zeit. Maßgebend siir diesen Plan sind nur die Erwägungen deS Generalstabs und des Truppenkomnrandeurs in Südwest. Die Herren wollen die Ein- geborenen uiederhetzen, sie entweder in Gefechten aufreiben oder durch Gefechte zur Ergebung zwingen. Sie lehnen es ausdrücklich ab, auf die Bedingungen hin, die der R e i ch s t a g in seiner Resolution in diesem Frühjahr ausgesprochen hat, mit den Eingeborenen in Verhandlung zu treten. Herr v. Lindequist hat in der Verhandlung erklärt, auf solche Bedingungen hin könne man mit den Eingeborenen nicht verhandeln, weil man ihnen dadurch zu sehr entgegenkomme; man dürfe ihnen keine Landüberweisung zusichern. Wenn es nach Herrn v. Lindequist geht, sollen also die Eingeborenen voll- kommen landlos gemacht und dann den Farmern in Südwest als Arbeiter zur Verfügung gestellt werden. Er hat gemeint, außer dem Lande müßte den Eingeborenen dann auch Vieh überwiesen werden, und das würde ungefähr 20 Millionen Mark kosten. DaS liegt aber in der Forderung des Reichstages gar nicht darin. Es ist sehr wohl möglich, den HereroS und den Holtxntotten zuzusichern, daß sie später Land in genügendem Maße bekommen sollten, wenn sie die Möglichkeit hätte», sich das nötige Vieh zu beschaffen; sie sollten provisorisch beschäftigt werden, damit sie Geld erwerben, um Vieh sich anzuschaffen. Sehen die Eingeborenen aber, wie die Taktik der Re- gierung ist, daß sie niemals Land bekommen können, dann werden sie bis zum Weißbluten weiterkämpfen. Zum Weißbluten kommt aber auch das deutsche Volk, das für diesen Krieg ungeheuere Gelder aufbringen muh. Dazu kommt, daß diejenigen Eingeborenen, die sich übergeben haben und sich in Gefangenschaft befinden, unter Verhältnissen leben, die ihnen das Aussterben in ziemlich sichere Aussicht stellen. Uns ist ein Brief über die Zustände ans der Haifischinsel zugegangen, auf der an 2000 Hottentotten interniert sind. Es wird darin versichert, daß nach der Angabe eines Arztes die 2000 Gefangenen auf dieser in der Lüderitzbucht gelegenen Insel in zwei Jahren sämtlich am Klima sterben müsse».(Hört l hört! bei den Sozialdemokraten.) Das feuchte Klima, an das sie nicht gewöhnt sind, muß sie verderben. Ich frage die Herren von der Kolonialverwaltung: Sind Ihnen die ZuftSude auf der Haifischiusel bekannt? Ich fordere Sie auf, uns die Stcrblichkcits- ziffer zu nennen, die sich auf den Haifischinseln und in den anderen Gefangenenlagern ergeben hat. Die Fortführung des Krieges führt zur Ausrottung der kämpfenden und zum Tode der gefangenen Eingeborenen. Alles das sind Gründe, weshalb der Krieg sobald wie möglich beendet werden muß, und nicht nach dem Plan der Kolonialverwaltung noch auf ungefähr zwei Jahre weiter geführt ivird. Der Krieg läßt sich schon jetzt beendigen, wenn mit den Eingeborenen verhandelt wird, und dann haben wir nach den Erfahrungen der englischen Kolonialpolitik in Südwest die Gewähr, daß die Eingeborenen auch die Waffen niederlegen werden. Die Engländer haben im Basutoland und Zululand den Eingeborenen trotz des blutigen Krieges ihr Land ge- lassen. Die Reichsregierung glaubt sich aber unheilbar in den Augen der Eingeborenen zu kompromittieren, wenn sie dasselbe tut, was die Engländer getan haben. Natürlich arbeiten in Südafrika die Farmer und die Interessenten aller Art darauf hin, daß der Krieg fortgesetzt wird. Die Händler und die Lieferanten, tAeil sie ungeheure Profite aus den Kriegslieferungen ziehen, und die Farmer, weil sie ein Jnterejse daran haben, daß die Eingeborenen landlos gewacht werden, damit sie sie, als Volk vollkommen widerstandSunsällig gegen AuS- beutung, zu den billigsten Preisen für ihre Farmen bekommen können. ES ist im allgemeinen, auch hier im Reichstage, nicht bekanitt, daß diese Farmer nicht etwa Leute sinv, die nach Art unserer Kleinbauern selber Hand anlegen an den Pflug oder Viehwirtschaft treiben, es sind Großunternehmer. Gerade der Farmer Schlettwein, der uns in der Kommission vorgeführt wurde und der unter außerordentlich günstigen Umständen im Nordwesten der Kolonie, wo der Krieg keinen Einfluß hatte. Jahre hindurch seine Farmen besaß, und an Viehlieferungen kolossale Profite gemacht hat, hat erzählt, daß er mit 35 000 M. Kapital hingegangen sei, urttz daß dieses Kapital sich in vier bis fünf Jahren auf 130 000 M. erhöht hat; der Mann arbeitete mit 17 Eingeborenenfamilien. Das ist also eine Arbeitermasse, wie sie bei unS nicht einmal ein Großbauer hat, selbst wenn man den Eingeborenen nur die Hälfte der heimischen Arbeitsleistung zutraut. Alle diese Leute wünschen und hoffen auch disFortsetzung desKrieges, um den Eingeborenen dasLand zunehmen. Es ist aber geradezu unverantwortlich von der Regierung, daß sie sich in das Schlepptau dieser Leute nehmen läßt und diese un- glaubliche Landpolitik befolgt, welche notwendig einerseits zur Minierung der Eingeborenen, andererseits zu deren völliger Ver» sklabuiig, wenn es zum Ende des Krieges kommen sollte, führen muß. Unter keinen Umständen können wir unsere Hand dazu bieten, daß auf solche Weise im Interesse der Lieferanten und der anSbeutunaswütigen Farmer dieser Krieg verlängert wird und so die Eingeborenen teilweise ausgerottet, teilweise zu landlosen Hörigen der ausbeutenden Weißen gemacht werden. Wir wollen, daß dem Kriege sobald als möglich ein Ende gemacht wird.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Und das einfachste Mittel dazu ist, daß die Regierung durch Verweigerung der Mittel dazu gezwungen wird, diesem Kriege ein Ende zu machen, oder daß sie einer anderen Regierung ihre Stelle abtritt. Irgend einen Grund, dem Appell de? Reichskanzlers Folge zu geben, haben wir nicht; wir lehnen deshalb die ganze Regieriingsvorlage rundweg ab!(Lebhaftes Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Frhr. v. Richthofen(k.): Der Reichskanzler und die Kolonialverwaltung werden uns immer auf ihrer Seite finden, wenn es sich darum handelt, eine parlamentarische Nebenregierung zu unterdrücken. Zur Sache selbst bemerke ich, daß es eine Schande wäre, wenn wir vor den Schwarzen das Feld räumen wollten. (Beifall rechts.) Wir können dem Antrage des Grafen Hompesch nicht zustimmen. Wir bewilligen der Regierung die Mittel, die sie zur Niederwerfung des AufstandeS braucht. Auch wir wünschen dringend, so viel Truppen zurückzuziehen, wie irgend möglich ist. Wir verhalten unS gegen den Antrag Ablaß nicht gerade ab- lehnend, er ist uns aber noch nicht klar genug, und wir könnten ihm nur zustimmen, wenn wir von der Regierung mit Bcstimmthelt die Erklärung erhalten, daß sie keine Bedenken gegen die Fassung des Antrages hat.(Beifall rechts.) Kolonialdirektor Dernburg: Die Summe in dem Nachtragselat ist angefordert worden, weil dqr Reichstag im Frühjahr von der geforderten Summe 15 Mil- lioncn gestrichen hat und weil wir höhere Transportkosten zahlen mußten. Es handelt sich um die Bereitstellung von Mitteln für diejenige Truppenzahl, die bis zum 31. März 1907 in dem Schutz- gebiet gehalten werden nmß. Tie Verbündeten Regierungen sind bestrebt gewesen, die Truppenzahl auf das denkbar niedrigste Maß herabzusetzen. Die Sachlage ist von gewissen Parteien kom- plizicrt worden dadurch, daß verlangt worden ist, daß gewisse Zusagen für die Truppenzurückziehung gemacht werden sollten, weit über die Zeit hinaus, für die der Nachtragsetat bestimmt ist. Wir sollten ganz programmatische Erklärungen abgeben, die wir gar nicht abgeben konnten. Nach dem überein- stimmenden Gutachten der militärischen Sachverständigen müssen 8268 Mann dort noch gehalten werden, bis der Aufstand nieder- geworfen ist. Gouverneur v. Lindequist hat in der Kommission die Erklärung abgegeben, daß selbst wenn der Aufstand nieder- geworfen sein wird, bis zur völligen Pazifizierung des Landes 4— 5000 Mann dort gehalten werden müssen. Wir werden die Truppenzahl bis auf 8690 Mann herüntersetzen bis zum 1. März. Weiter können wir gegenwärtig nichts tun. Wenn sich die Ver- kehrsverhältnisse günstiger gestalten, so werden wir ja wohl noch weitere 1000 Mann frei bekommen. Ich kann aber nicht sagen, daß 2500 Mann ausreichen werden. Deshalb ist der An- trag des Grafen Hompesch für die Verbündeten Regierungen nicht annehmbar. Sollte von dem Hause gewünscht werden, daß der Ge- danke, der die verbündeten Regierungen ebenso bewegt wie das Haus selbst, daß die.großcn Kosten des Kriege? möglichst stark her- abgemindert werden und die Truppenzahl so viel als möglich eingeschränkt wird, in anderer Form zur Annahme kommen müsse, sind die verbündeten Regierungen bereit, wenn die Regierungs- Vorlage fallen sollte, hier ein gewisses Entgegenkommen zu zeigen. Es hat ja staats- und ctatsrechtliche Bedenken, derartige Dinge in den Wortlaut eines Gesetzes aufzunehmen, wie in dem Antrag Ablaß vorgesehen ist. In ein Gesetz soll man unnötige Dinge nicht hineinschreiben. Wenn wir 4000 Mann zurückbefördern wollen, und wir haben schon 2800 Mann zurückbefördert, so hat eS keine Bedeutung, das noch in das Gesetz hineinzuschreiben. Die Mannschaften sind zum größten Teil schon zurück. Dem Abg. Frhrn. v. Richthofen aber möchte ich bemerken, daß die ein- schränkenden Bedingungen des Antrages Ablaß irgend einen Ein- griff in die Kommandogewalt nicht bedeuten würden und baß im Notfall noch eine größere Truppenmacht zurückbehalten werden soll. (Hört! hört! links.) Ich glaube, daß die Herreu, die den Antrag gestellt haben, darüber nicht zweifelhaft sind.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Nach der Prüfung der Verhältnisse, die der Generalstab und der verantwortliche Gouverneur des Schutzgebietes angestellt haben, nach dem Urteil der maßgebenden Instanzen würden eS die verbündeten Regierungen für unrichtig halten, wenn von dieser Vorlage irgend etwas abgestrichen würde. (Beifcrll rechts.) Abg. Dr. Arendt(Rp.): Die Darstellung, die Dr. Kayser seinerzeit über den Verkehr mit mir gegeben hat und die jetzt wieder aufgefrischt wird, habe ich schon am 22. Oktober 1896 als Unwahrheit bezeichnet, und ich habe Dr. Kayser darum ersucht, gerichtlich gegen mich vorzugehen. Das ist nicht geschehen. Das ganze Gerede von einer Ncbenregierung ist mützige Verleumdung. Den Nachtragsetat können wir nicht ablehnen, das deutsche Volk kann vor den Hottentotten nicht kapitulieren. Der Antrag des Grafen Hompesch ist praktisch nicht durchführbar. Dem Antrage Ablaß könnten wir zustimmen, wenn das, was er in das Dis- positiv bringen will, in einer Resolution gefordert werden würde. Wir freuen uns, daß der Reichskanzler heute mit einer derartigen Entschiedenheit aufgetreten ist, so daß wir endlich wieder den Eindruck gewinnen, daß wir eine feste Regierung haben, die ihre Forderungen durchzusetzen in der Lage ist.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Piasche(natl.): Der Reichskanzler hat mit einer Energie, die wir leider in den letzten Jahren nicht bemerken konnten, der regierenden Partei des Zentrums gegenüber es aus- gesprochen, daß er die Absicht hat, seinen Willen zur Geltung zu bringen.(Lebhafte Zustimmung bei den Nationalliberalen.) Wenn der Abg. Roeren hier wieder Angelegenheiten zur Sprache gebracht hat, die er selbst als seine persönlichen Angelegenheiten bezeichnet. so sind wir nach den Erklärungen des Kolonialdirektors diesem außerordentlich dankbar für die mannhafte Art und Weise, in der er erklärte, daß er nicht dulden könne, daß irgend ein Neben- regiment geführt werde.(Lebhafter Beifall.) Wir danken ihm, daß er die Widerstände brechen will. Die Situation ist sehr ernst, wenn das Zentrum an dem für die Regierungen unannehmbaren Antrage festhält.- Ich glaube, namens meiner politischen Freunde sagen zu können, daß sie dem Antrage Ablaß zustimmen werden. (Beifall.) Abg. Schräder(frs. Vgg.): Wenn auch anzuerkennen ist, daß der Abg. Roeren das Bedürfnis hatte, sich zu rechtfertigen, so gehörte doch diese ganze Sache nicht in die heutige Beratung hinein. Der Nachtragsetat muß angenommen werden, wir haben aizch keinen Anlaß, uns darüber groß zu ereifern, denn in wenigen Wochen werden wir ja den Kolonialetat für das nächste Jahr beraten. Ich bin der Meinung, daß auch die verbündeten Re- gierungen wünschen, so viel Truppen zurückzubefördern, wie cS irgend möglich ist. Der Antrag Hompesch ist für uns unan- nehmbar. Der Antrag Ablaß hat ja einen Schönheitsfehler, da wir aber etwas Nützliches zustande bringen wollen, so kommt eS darauf nicht an.(Beifall.) Abg. v. Ezarlinski(Pole): Ich glaube, daß im Hause von uns Polen niemand etwas anderes erwarten wird, als daß wir eine völlig ablehnende Stellung gegen die Vorlage einnehmen. Das erklärt sich aus der Behandlung, die uns zuteil wird. Die Re- gierung hat es uns gegenüber zu Schandtaten kommen lassen. (Unruhe rechts.) Vizepräsident vr«f St»lberg: Für diese Aeußerung rufe ich Sie zur Ordnung. Abg. v. EzarlinSki(fortfahrend): In erster Linie muß man dafür sorgen, daß die Eingeborenen zufriedengestellt werden. Zu» friedene Leute machen keine Revolutionen. Redner geht auf den Streik der polnischen Schullinder ein und spricht sich unter großer Unruhe des HauseL anerkennend über die Kinder aus, die das göttliche Gebot und daS du Eltern befolgt hatte», ohne Rücksicht auf die Falgen- Vizepräsident Graf Stolberg: Ich rufe Sie zur Ordnung. (Heiterkeit.) Abg. Lattmann(Wirtfch. Vgg.): Die Schandtaten des Vor- redners—(Große Unruhe, Glocke des Präsidenten, Rufe: Zur Ordnung, zur Ordnung!) Vizepräsident Graf Stolberg versucht, durch minutenlanges Läuten Ruhe zu schassen und erklärt dann: Es wird mir mit- geteilt, daß Sie dem Vorredner Schandtaten vorgeworfen haben. Ich rufe Sie deshalb zur Ordnung.(Beifall bei den Polen.) Abg. Lattmann(fortfahrend) erklärt, daß seine Freunde für den Antrag Ablaß stimmen würden. Abg. Dr. Spahn(Z.): Unser Antrag versagt weder einen Mann, noch einen Groschen.(Widerspruch rechts.) Man hat den Etat auf Grund der Berechnungen aufgestellt, die früher gemacht sind. Würden wir jetzt die 29 Millionen voll bewilligen, so würden wir das Bild verschleiern; wir wollen, daß die Summe genau festgestellt wird. Vor einem halben Jahre wurde uns erklärt, der Aufstand sei niedergeworfen. Jetzt hat uns Oberst» leutnant Ouade in der Konimission erzählt, daß die Hottentotten den Verzweiflungskampf führen, daß sie ihr Leben nicht mehr fristen können. Ter Antrag Ablaß enthält nicht einmal eine Zeitbestimmung für die Zurückziehung der Truppen. Die Beschlüsse, die der Reichstag faßt, werden doch immer nur unter der Voraussetzung der Verhältnisse, wie sie zur Zeit der Beschlußfayung liegen, gefaßt. Wenn andere Verhältnisse eintreten, z. B. Gefahr durch Morenga wieder entsteht, müssen die dann entstehenden Bedürfnisse neu geprüft werden. Welche Gefahr liegt denn vor, wenn die Truppen auf 2560 Mann reduziert werden? Ist denn unsere Lage eine so glänzende, daß wir nicht Mittel und Wege suchen müssen, dem Volke Lasten zu ersparen. (Sehr wahr! im Zentrum.) Wir glauben, daß die großen Truppen- massen, von denen nur 14 vor den Feind kommt, sich eigentlich selbst verzehren. 396 Hottentotten stehen im Feld, und gegen sie sollen wir vom 1. April ab noch 8969 Mann halten. Auf Grund des uns vorgelegten Materials glauben wir, daß der Aufstand niedergeschlagen ist und wir die Truppen zurückziehen können. Flackert trotzdem der Aufstand wieder aus, so müssen wir dann die notwendigen Mittel zu seiner Bewältigung bewilligen.(Beifall im Zentrum.) Oberstleutnant Quade: Die Erklärung, die der Chef des Gencralstabes in der Budgetkommission abgegeben hat, habe ich hier noch einmal abzugeben. Vorher bemerke ich: die Zahl der im Felde stehenden Hottentotten soll sich von 390 auf 500 bis 600 erhöht haben.(Lachen links.) Ein gefallener Hottentott bedeutet keine Verminderung der Zahl, wenn wir nicht auch sein Gewehr erbeuten. 8000 Mann sind notwendig, um den Krieg zu Ende zu führen; nach Maßgabe des Fortschreitens des Eisenbahnbaus können noch weitere 1000 Mann zurückgezogen werden. Die Frage hat sich zugespitzt auf die, wie weit es möglich ist, im Jahre 1907 die Truppenzahl auf 2500 Mann zu verringern. Dafür kann der Chef des Generalstabes die Verantwortung nicht übernehmen. Abg. Zimmermann(Antis.): Wir müssen der Regierung die notwendigen Mittel zur Niederwerfung des Aufstandes bewilligen, und werden daher für den Antrag Ablaß stimmem Doch bedeutet das keine Vcrtrauenskundgebung für den Kolonialdirektor.(Bravo! bei den Antisemiten.) Abg. Dr. Semler(natl.): Herr Spahn sagt, wir wollen keinen Mann und Groschen verweigern, und die Mittel bewilligen, wenn der Aufstand nieder aufflammt. Das heißt doch, den Brunnen zudecken, wenn das Kind hineingefallen ist. Sie sagen, was bc- deuten 300 Hottentotten! Nun, sehen Sie sich gefälligst unsere Verlustlisten an.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Spahn(Z.)(auf der Journalistentribüne un- verständlich) scheint den Vorwurf zurückzuweisen, daß er sich etwa wegwerfend über den Kampf mit den Hottentotten geäußert habe. Reichskanzler Fürst Bülow: Noch in letzter Stunde mache ich auf die schwere Verantworwng aufmerksam, die Sie mit den bevorstehenden Beschlüssen auf sich nehmen. ES handelt sich nicht um ein paar Millionen, sondern klar und nett um die Frage, ob wir die Kolonien behaupten wollen oder nicht.(Unruhe im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Es handelt sich um unser Ansehen in der Welt, um unsere Waffenehrr. (Stürmische Unruhe und laute Unterbrechungen bei den Polen und den Sozialdemokraten. Rufe: Um die Waffen- ehre gegen 300 Hottentotten I Anhaltende Unruhe im ganzen Hause, Glocke des Präsidenten.) Um eine verhältnismäßig geringe Summe zu sparen, will man die Mittel verweigern, diesen Feldzug zu beenden, der unS Hunderte von Millionen gekostet hat. (Lärmender Beifall rechts.) Wollen wir in einer Stunde des Klein- muls die Früchte jahrelanger tapferer Anstrengungen gefährden? (Sehr gut! rechts.) Die Regierung kann sich von den Parteien und dem Parlamente nicht vorschreiben lassen, wieviel Truppen sie fiir kriegerische Operationen braucht.(Stürmische Protestrufe bei den Sozialdemokraten und im Zentrum. Präsident Graf Ballestrem schwingt lange vergebens die Glocke. Erst nach mehreren Minuten legt sich die Unruhe.) Wir können nicht unsere Truppen, unsere Waffenehre, die Zukunft unseres Vaterlandes abhängig machen von Fraktionsbeschlüssen und Parteirücksichten.(Stürmischer Beifall rechts, bei den Nationalliberalen und den Freisinnigen.) Die Truppen, sie haben gekämpft, sie haben gelitten, und sollen sie jetzt etwa zurück, weil die kleinmütige Regierung, nein, weil die Regierung aus Kleinmut, aus Scheu vor dem Parlammt oder aus Parteirücksichten ihren Heldenmut vor den Feinden im Stich läßt.(Stürmischer, langanhaltender Beifall bei den Frei- sinnigen, Nationalliberalen und rechts.) Andere Völker haben Kolonialkriege geführt, phne mit der Wimper zu zucken. Soll Deutschland sich vor anderen Völkern blamieren? Auf diese Frage, fordern die verbündeten Regierungen eine klipp und klare Antwort.� (Lebhafter Beifall bei den Freisinnigen, Nationalliberalen und rechts.� Wir müssen durchhalten.(Erneuter Beifall auf der bürgerlichen' Linken und der Rechten.) Ich soll gesagt haben: Nur keine innere. Krisis.(Heiterkeit.) Ich habe nie etwas derartiges gesagt.! ES gibt Situationen, bei denen ein Zurückweichen vor der Krisis Mangel an Mut und an Pflichtgefühl beweisen würde. Wenn Sie wollen, haben Sie die Krisis.(Stürmischer, langanhaltender Beifall bei den Freisinnigen, Nattonalliberalen und rechts.) Die Parteien haben keine Verantwortung zu tragen.(Hefttger Widerspruch und Ohol-Rufe im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Die Regierung weicht nicht zurück, wo dir nationale Ehre in Frage steht.(Bravo I rechts, bei den Nattonalliberalen und den Freisinnigen. Zischen im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) ES ist nicht wahr, daß ich ge- schoben werde. Niemand schiebt mich. ES handelt sich hier um eine von mir als Reichskanzler nach gewissenhafter Ueberzeugung vertretene Auffassung der verbündeten Regierungen. Nochmals, es handelt sich um unsere Weltstellung.(Lautes Lachen im Zenttum und bei den Sozialdemkraten.) So etwas bleibt nicht ohne Rückwirkung auf das Ausland.(Sehr richtig! rechts.) Aber die Regierung wird nicht kapitulieren.(Stürmischer Beifall rechts, bei den Nattonalliberalen, bei den Freisinnigen und auf den Tribünen. Präsident Graf Ballestrem rügt das Klatschen auf den Tribünen nicht.) Damit schließt die Debatte. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Ablaß(frs. Vp.): Ob die persönlichen Angriffe deS Kolonial- direktors klug und taktvoll waren, lasse ich dahingestellt. Ich ver- zichte bei der gegenwärtigen Sachlage darauf, ihm so zu erwidern, wie er eS verdient hätte. Ich behalte mir vor, später darauf zurück- zukommen. Abg. Roeren(Z.): Von verschiedenen unrichttacn Behauptungen des Kolonialdirektors will ich nur die hervorheben, ich hätte am 4. November einen Brief an die Kolonialverwaltung gesandt. » Mg. CzarlinSkh(Pole) wendet sich gegen Mg. Lattmann. Das Schluhwort erhält der Berichterstatter Abg. Spahn: Gegen über dem Herrn Reichskanzler muß ich betonen, daß der Reichstag auch in bezug auf diejenigen Mittel, die er zur Führung der aus- wärtigen Politik gewährt, sich seiner Verantwortung voll bewußt ist. (Lebhafter Beifall im Zentrum.) Es wird zur Abstimmung geschritten. In namentlicher Abstimmung wird der Antrag Ablaß mit 176 gegen 171 Stimme» abgelehnt. Dann wird die Regierungsvorlage mit 178 gegen 168 Siimmcn bei 1 Stimmenenthaltung abgelehnt. Reichskanzler Fürst Bülow: Ich habe dem Reichstage eine kaiserliche Verordnung mitzuteilen (die Abgeordneten haben sich erhoben, lebhafte Beifallsrufe ertönen rechts, die Nationalliberalen und viele Tribünenbesucher klatschen lebhast in die Hände, die Sozialdemokraten antworten mit ironischem Beifall und Händeklatschen): Präsident Graf Ballcstrem: Es ist mit den Händen geklatscht Worden.(Lebhafte Rufe: Auf den Tribünen I) Das ist nicht Sitte m diesem Hause.(Allmählich tritt Ruhe ein.) Reichskanzler Fürst Bülow: Die kaiserliche Verordnung lautet: „Wir Wilhelm von GotteS Gnaden deutscher Kaiser und König von Preußen verordnen hiermit auf Grund des gemäß Artikel 24 der Reichsverfassung vom Bundesrat unter unserer Zustimmung ge- faßten Beschlusses im Namen des Reiches was folgt: Der Reichs- tag wird aufgelöst. Gegeben Bückeburg, den 13. Dezember 1906." Auf Grund der kaiserlichen Verordnung erkläre ich namens der oerbündeten Regierungen auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers die Sitzungen des Reichstages für geschlossen.(Lebhafter Beifall rechts und bei den Nationalliberalen; ironisches Bravo! bei den Sozial- demokrateu.) Präsident Graf Ballestrcm: Wir aber trennen»ins. wie immer, indem wir in Treue und Verehrung rufen: Se. Majestät der deutsche Kaiser und König von Preußen. Wilhelm II., lebe hoch! Die Abgeordneten, mit Ausnahme der Sozialdemokraten, die bereits den Saal zu verlassen beginnen, stimmen dreimal in dos Hoch ein. Dann leert sich der Saal langsam unter großer Erregung der Anwesenden. Schluß 6 Uhr 20 Minuten. parlamentarisches. Letzte Sitzung der Wahlprüfungskommission. Die Wahl des konservativen Abgeordneten Kern, Wahl- kreis Lüben-Bunzlau, war bekanntlich nach heftiger De» batte im Reichstag an die Wahlprüfungskommission zurückverwiesen worden, um eine nochmalige Prüfung der in Lüben bettiebenen bürgermeistcrlichen Beeinflussung vorzunehmen. Bei dieser Nach- Prüfung bequemte sich gestern die Mehrheit der Kommission zwar zur Kassierung der für Kern in Lüben abgegebenen Stimmen. weil damit das Wahlrcsultat nicht geändert wird. Eine Berechnung der Beeinflussung gegen den aus der Stichwahl gedrängten frei- sinnigen Kandidaten lehnte aber die Mehrheit ab; es wurde die Ansicht geäußert, die Empfehlung des konservativen Kandidaten in einer Versammlung, von der die Sozialdemokraten aus- geschlossen waren, durch den Bürgermeister in Lüben sei nicht als amtliche WahlbeeiNfluffung zu betrachten, obgleich bekanntlich die Kommission und der Reichstag bezüglich der Wahl B u ch w a I d Altenburg entgegengesetzt entschieden haben und aus diesem Grunde die Wahl für ungültig erklärten. Nach dieser Prozedur wurde die Wahl Kerns von der Mehrheit gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozial- dcmokraten für gültig erklärt. Darauf wurden die Berichte über die Wahlen Pauli-Potsdam und Barbeck-Fürth- Erlau gen festgestellt. Möge die Wählerschaft im Jahre 1967 so wählen» daß eine Mogclarbeit» wie die Wahlprüfungskommission sie zugunsten kon- servativer und ultramontaner Mandate im verflossenen Reichstag vorgenvmmcn hat. unmöglich werde.— Den Befähigungsnachweis für das Musikergewerbe fordert eine Petition des..Deutschen Musikdirektoren-Verbandes" in Leipzig, welche am Mittwoch in der Petitionskommission des Reichs- tagcS zur Verhandlung kam. Die Kommission lehnte einen Antrag unseres Genossen Tutzauer, auf Ucbergang zur Tagesordnung ab und beschloß, diese Forderung der Petition den: Reichskanzler als Material zu überweisen. Weiter fordert dieselbe Petition� Ausdehnung der Kranken- Versicherungspflicht auf die im Musikergewerbe beschäftigten Per- sonen, obligatorische Fortbildungsschulen für die Musikerlehrlingc und Zuständigkeit der Gewerbcgerichtc für gewerbliche Streitig- leiten zwischen Arbeitern und Unternehmern im Musikergewerbe. Abg. Tutzauer(Soz.) als Referent hielt diese Forderungen der Petition für durchaus gerechtfertigte und beantragte, diesen Teil der Petition dem Reichskanzler zur Berück- sichtigung zu überweisen. Gegen diesen Antrag wehrte sich der Regierungskommissar, welcher Uebcrwcisung als Material vorschlug. Von dritter Seite wurde Uebcrwcisung zur Erwägung beantragt. Der Petition sind statistische Fragebogen, deren Unterschriften behördlich beglaubigt sind und die sich auf 117 Betriebe beziehen, beigefügt. Aus diesen Fragebogen ergibt sich, daß in den 117 Be- trieben 2166 Lehrlinge(Schüler werden sie in den Fragebogen genannt) und nur 848 ausgelernte Musiker beschäftigt werden. Ein Musikdirektor in Radcberg gibt an, 33— 40 Lehrlinge und 2— 5 Musiker, ein anderer in Seehausen i. d. Altmark, 40 Lehr- linge und keine Gehülfen, ein dritter in Harburg a. Elbe 40— 45 Lehrlinge und nur einen Konzertmeister zu beschäftigen. Es herrscht also im Musikergewerbe die denkbar schlimmste Lehr- lingSzüchterei. Da sei es kein Wunder, so führte Genosse Tutzauer aus, wenn die Beschäftigungslosigkeit und Proletarifierung unter den Musikern immer größere Fortschritte machen. Dieser Lehrlings- ausbeutung sollten die zuständigen Behörden auf Grund des§ 128 der Gewerbeordnung energisch entgegentreten. Das würde besser wirken als der Befähigungsnachweis. Daß sich der Regierungs- kommissar noch nicht überzeugt habe von der Nützlichkeit der Pflicht- fortbildungsschulc, sei nicht zu verstehen. Im Königreich Sachsen habe man damit gute Resultate erzielt. Es sei an der Zeit, die allgemeine Fortbildungsschulpflicht auf das ganze Reich aus- zudchnen. Auch gegen die Zuständigkeit der Gewcrbcgerichte für die Musiker könnte ein vernünftiger Grund nicht geltend gemacht werden. I Abg. Thiele(Soz.) führte aus, daß die Angelegenheit völlig spruchreif sei. Es bedürfe keiner weiteren Vorarbeiten und Er- Hebungen, auf die der RegierungSkommissar hingewiesen hatte. � Nach längerer Debatte, in der auch die abweichenden Anträge begründet wurden, stimmte die Mehrheit der Kommission dem Antrage Tutzauer zu, beschloß also die genannten drei Forderungen der Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen. Die russische Revolution. Eine Enthüllung über die Anleiheverhundlungen. Dem offiziellen Organ der Volkssozialistischen Partei(.Rarodnhj Trud", Heft 7) ist es gelungen, in den Besitz eines Schreibens zu kommen, das von einem Agenten der stanzösischen Regierung an Clömenceau gerichtet wurde. Dieser Agent hat Rußland bereist zu dem Zwecke, dem stanzösischen Ministerpräsidenten über Rußlands Wirtschaftliche Lage Bericht zu erstatten. Sein Bericht ist zwar noch nicht fertig, da aber Witte das Gerücht verbreitet hat, Clömenceau habe seine Einwilligung zur Aufnahme einerneuen russischen Anleihe gegeben, sah sich der stanzösische Agent gezwungen, sofort— noch vor Fertigstellung seines Berichtes— ein Schreiben an Clömenceau zu richten, den» wst folgende Stellen entnehmen: „Daß die russische Regierung in finanzieller Hinsicht bis zur letzten Extremität gelangt ist und daß ihr die Aufnahme einer be deutenden Anleihe not tut, damit sie sich durch die Politik der Anarchie, die sie treibt, weiter halten lönne, das steht außer Zweifel. Es ist aber ebenso zweifellos, daß die neue Anleihe, ohne etwas zu retten, nur die jetzige Anarchie des administrativen und öffentlichen Lebens, die unerträglich auf dem alltäglichen Leben eines jeden Einwohners lastet, v e r- längern wird. Andererseits wird sie für die sich in unangenehmer Lage befindenden Besitzer der russischen Wertpapiere keine Retluiig bedeuten, sondern wird vielmehr dazu beitragen, diese Lage völlig aussichtslos zu machen I Endlich— vom Standpunkte der inter- nationalen Politik— wird sie für Frankreich nutzlos sein, da das offizielle Rußland gegenwärtig in der stanzösischen Allianz aus- schließlich eine finanzielle Operatton erblickt und in politischer Hinsicht zu Deutschland hinneigt.... ... Der deutsche Einfluß ist in Zarskoje-Selo maßgebend. Auch die i n n e r e Politik der russischen Regierung, wird in hohem Maße durch den deutschen Einfluß bestimmt, welcher eine Monarchie nach preußischem Muster, aber keine wirkliche parlamentarische Ordnung in Rußland zulassen will. Die Dumaauflösung ist beinahe auf einen dircktm Befehl des deutschen Kaisers hin erfolgt. Deutfchland bekämpfte mit allen Mitteln das von der Duma auf- gestellte Prinzip der Enteignung von großen Gütern, das der deutschen Herrschaft in den Ostseeprovinzen ein Ende macben würde. Der praktische Nutzen der stanzösisch-russischen Allianz ist jetzt eine Fiktion, indem Rußland unfähig ist und noch längere Zeit unfähig sein wird, eine Mobilisation durchzuführen. Eine neue Anleihe wird der jetzige» schlimmen Lage keineswegs abhelfen. Der Ertrag wird ausschließlich dazu dienen, die Staatsrentei, die fakttsch am Vor- abende des Bankerotts steht, noch für einige Monate davor zu retten. ... Die wirkliche Lage ist eine solche, daß der Reichskontrolleur Schwanebach es für seine Pflicht gehalten hat, sich über meine Meinung zu erkundigen betreffs der Folgen, welche die Abschaffung des fixierten Rubelkurses, das heißt die Wiederherstellung des Papierrubels, in Frankreich nach sich ziehen würde, indem diese Maßnahme ihm nicht später als »ach sechs Monaten ganz und gar unvermeidlich scheint... Wenn die ausländischen Finanzmänner der jetzigen russischen Regie- rung zu Hülfe kommen, so wird der revolutionäre Kampf umso eher wieder auflodern, als die Regierung sich für stark genug halten wird, die Hauptforderung des Volkes abzuschlagen, nämlich: eine parlamen- tarische Regierung. Die Minister, die ich gesprochen habe, erklärten wir einstimmig, daß die Regierung in dieser Frage nicht nachgeben und daß sie die Duma eventuell wieder auflösen wird, diesmal endgültig, um das Wahlgesetz abzuändern und nachher eine Art„Semsli Sobor" aus den Vertretern der örtlichen Selbst- Verwaltung, die sich gänzlich in den Händen der Großgrundbesitzer befindet, einzuberufen. DieS würde eine dauernde Anarchie bedeuten, denn nur der, welcher Rußland nicht gesehen hat, kann glauben, daß sich dieses Volk unter den Schlägen beruhigen werde. Was wird dann mit unseren Zinsen geschehen? In dieser Hinsicht habe ich häufig in den fortschrittlichsten Kreisen dieselben Aeußerungen gehört wie bei den Vertretern der extremen Reaktion. Wenn Rußland von der französischen Freigebigkeit nichts mehr erhält. so wird Rußland nicht« verlieren, wenn es sich einfach bankrott er- klärt I Im Gegenteil, es wird 700 Millionen Frank sparen, die wir nicht mehr bekommen werden. Roch mehr: Der Nationalismus, dessen Symptome ich überall bemerke, wird sich einfach in der Konfiskation unserer Jndustrieunternehmungen äußern." Zum Schluß sagt der stanzösische Agent, es wäre möglich, der russischen Regierung Geld zu geben, aber nur als Gegenleistung für Eisenbahnkonzesfionen I Er rät Clömenceau, die russische Regierung auf den Weg des Verkaufes von russischen Eisenbahnen an fran« zösische Gejellschasten zu locken.-- Tätigkeit der Regierung. Di« Pogroms vom 17. Oktober 1905 bis zum 17. Oktober 1906 haben der jüdischen Bevölkerung Rußlands folgende Opfer ge- kostet: Im ganzen erlitten 38 225 Familien(162 700 Personen) Schaden; der materielle Schaden beträgt 52 119 703 Rubel. Getötet wurden 985 Personen; infolge der schweren Verwundungen sind für immer arbeitsunfähig geworden 1442 1 Die Zahl der Verwundeten beläuft sich aus viele Tausende, die der verwitweten Frauen aus 380; halbverwaiste Kinder 328. ganz verwaist 211. Hud Induftrle und ftandeL Elektrizitätswerke. Die Frage der Gewinnung und Abgabe elektrischer Energie zu Kraft- und Lichtzwecken ist zweifellos von größter Bedeutung. Es dürfte nicht sehr lange mehr dauern und die gewerbliche Kon- kurrenzfähigkeit ist von der Möglichkeit der Verwendung elektrischer Energie hervorragend abhängig. Die Elektrizität hat der Dampf- kraft gegenüber den Vorzug, daß sie gewissermaßen transportabel ist; von der Erzeugungsstätte aus kann ein großer Landstrich, hin- auf auf Berge, hinab in die Täler, mit Kraft versehen werden. Dagegen erlaubt der Kostenpunkt nicht, Elektrizität wie Dampf- kraft an jedem xbeliebigen Ort zu erzeugen. Rentabel wird die Kraftgewinnung nur im Großbetrieb und am allerbilligsten dort, wo wohlfeile Kraftquellen zur Verfügung stehen. Das ist in den Industriezentren der Fall, wo die Abgase der Oefen eine fast kosten- lose Kraftquelle darstellen. Die bekannten Jndustriekönige Thyssen und Stinnes haben auch längst erkannt, daß die Elektrizitäts- erzeugung ein großindustrieller Zweig der Zukunft ist. und daß die Herrscher in diesem Reich weite Gebiete der privaten als auch der kommunalen gewerblichen Tätigkeit unter ihre Botmäßigkeit bringen würden. Und sie gingen planmäßig vor, um sich zu solchen Herrschern aufzuschwingen. Sie brachten das Essener Elektrizitäts- werk unter ihre Kontrolle, vergrößerten eS und schloffen in aller Stille mit zahlreichen Gemeinden und Privatabnehmern Lieferungskontrakte ab. Auf einmal kam man dahinter, daß Thyssen- Stinnes auf ein Monopol hinarbeiten. Nun gab es Sturm. Zahlreiche Projekte tauchten auf. Kommunen und Private wollten durch Zusammenschluß Konkurrenzwerke errichten. Die meisten Projekte verschwanden bald wieder von der Tagesordnung. Unbeirrt arbeiten Thyssen-Stinnes mit zäher Energie an der Voll« endung ihres Planes. Ihre Preisoffertcn hatten den Erfolg weiterer Anschlüsse. Nur das für einen Teil des Industriegebietes von einer Anzahl Kommunen projektierte Elektrizitätswerk„Mark" schien zunächst die gehegten Erwartungen nicht enttäuschen zu wollen. Aber auch die Verwirklichung oieses Projektes stößt auf ziemlich erhebliche Schwierigkeiten. Wenn es schließlich doch zu- stände kommt, wird es ebensowenig wie das Dortmunder Werk, das angeblich seine Selbständigkeit nicht aufgeben will, dem Essener Werk gegenüber, das mit viel günstigeren Vorbedingungen arbeitet, nicht konkurrenzfähig sein. Für das rheinisch-westfälischs Industrie� gebiet scheint der Kamiff zugunsten des Privatkapitals entschieden zu sein,_ Hoch- und Untergrundbahn. In der gestern stattgefundenen Generalversammlung begründete Direktor Wittig den Antrag auf Erhöhung des Aktienkapitals von 10 Millionen Mark. Er führte u. a. aus: An den Endpunkten der Bahn sei für umfangreiche Terrain- erwerbungen rechtzeitig Vorsorge zu treffen, die Gesellschaft habe dort Terrainkäufe vorgenommen und größere Anzahlungen ge- leistet. Aber auch die eigentlichen Betriebsanlagen erforderten steigenden Aufwand. So sei die Leistungsfähigkeit des Kraft- Werkes an der Trebbinerstraße zu verdoppeln, ein Wagenschuppen für 100 Wagen zu errichten, Aufwendungen, die für sich einen Betrag von SVa Millionen Mark beanspruchen. Sodann seien bei innenstädtischer Fortführung der Bahn auf Wunsch der Haus- besitzcr, deren Grundstücke von der Bahn teilweise berührt werden, deren ganze Terrains zu erwerben. Für solche Zwecke seien Ith Millionen Mark ausgegeben, die Verwaltung werde auch in Zukunft solche Erwerbungen vornehmen, um sie zum geeigneten Zeitpunkt wieder vorteilhaft zu verwerten. So besitze die Gesell- schaft jetzt 16 derartige Hausgrundstücke. An der Finanzierung des Hotels Fürstcnhof habe die Gesellschaft im Interesse der Durch- führung des Tunnels unter dem Hotel durch Hergabe von Dar- lchcn teil genommen. Die Direktion empfahl die Annahme einer Offerte der Elektrischen Licht- und Kraftanlagcngcsellschaft, die zum Conzern der Deutschen Bank gehört. Die Offerte schließt das Bezugsrecht der Aktionäre ans. Ein gegenteiliger Antrag wurde mit 18 909 gegen 62 Stimmen abgelehnt. Die interessierenden Banken halten die Majorität und sie votierten nicht gegen ihre Interessen. Preistreiberei. Zu der binnen weniger Monate erfolgten Preissteigerung der Kakaobohnen um mehr als 56 Proz. führt der Gordian aus, daß, während noch im Jahre 1902 einer Welt- ernte von rund 121 Millionen Kilogramm ein Verbrauch von nur 117 Millionen Kilogramm gegenüberstand, im Jahre 1905 bei einer Ernte von 141� Millionen Kilogramm der Verbrauch 142% Millionen Kilogramm betrug. Das Jahr 1906 werde 148 Millionen Kilogramm als Ernteertrag bringen, wogegen 152 Millionen Kilo- gramm würden verbraucht werden. Da dieses Mehr des Per- brauches aus den Beständen früherer Jahre genommen werden müsse, so sei wohl angemessene Preiserhöhung berechtigt; nicht be- rechtigt aber sei die 50prozcntige Preissteigerung, die lediglich auf Künste von Unternehmern zurückzuführen sei. Unternehmer in den Hauptplätzen Hamburg, New Aork, London hätten größere Posten Kakao aus den sichtbaren Vorräten gezogen und halten mit Angeboten zurück. Unterstützt werde ein solches Treiben dadurch, daß Hamburg, wo jährlich über 666 060 Sack Kakao im Werte von rund 50 Millionen Mark umgesetzt werden, seine Uebersicht über Einfuhr, Ausfuhr und Vorräte von Kakao um 18—20 Monate zu spät bekannt gibt, so daß sie dann für das praktische Bedürfnis wertlos geworden ist. Richtige Beurteilung der Marktlage. Anscheinend traut man in den Kreisen des Stahlberbandes die eigenen Marktberichte nicht, denn es soll jetzt erst versucht werden, ein richtiges Bild über die Marktlage zu gewinnen. Den Kunden des Stahlverbandes ist folgendes Schreiben zügegangen: Wir bitten Sie hierdurch, uns gefälligst über folgende beiden Fragen eingehende Auskunft geben zu wollen: Sind Ihre Lagerbestände in Formeisen gegenwärtig größer oder kleiner, als sie im vorigen Jahre um die gleiche Zei waren? Werden Sie unter Berüchsichtigung der zur Lieferung im Winter spezifizierten Mengen— die also im Laufe der Wintcrmonate oder, bei Verladung zu Wasser, bei der Eröffnung der Schiffahrt bei Ihnen eintreffen— mit Beginn des nächsten Frühjahrs bor- aussichtlich einen größeren oder kleineren Lagerbestand haben, wie in diesem Frühjahr? Die Beantwortung dieser Fragen dürfte für die richtige Beurteilung der Marktlage für Sie, sowie für uns von Wichtigkeit sein; wir sehen daher Ihren geschätzten Nachrichten mit Interesse entgegen. Preiserhöhung. Die Vereinigung deutscher Gaskocher- fabrikanten beschloß eine sofort in Kraft tretende Erhöhung des seit Anfang diese? JahreS festgesetzten Teuerungszuschlages auf Gaskocher von 5 Proz. auf 10 Proz. Die Vereinigung wurde auf ein Jahr verlängert. IZus der Frauenbewegung. Versammlungen— Veranstaltungen. Friedrichshage». Montag, den 17. Dezember. 8'/, Uhr, in WilhelmS- bad, Vortrag. Genosse Störmer:„Der Kampf ums Recht." Lese- und DiskutierNnb„Hafenclever". Heute adend 8'/, Uhr bei Korss. Elisabethkirchstr. 18, Sitzung. Agitaeionsverein für den Wahlkreis Landsderg> Soldin. eute, Freitagabend 8>/, Uhr, Generawerjammlung im G ewerlschastshauje, aai 8. Gäste willkommen. «Itternngsaderiicht vom IS. Dezember 1VVS, morgen» 8 Ny». was --% s P M% — 1 1 7 -1 2 Wetter-Prognose für Freitag, den 14. Dezember lgvS. Zunächst etwas kühler, zeitweise heiter bei mäßigen südwestlichen Winden-, später neue Erwärmung, Trübung und geringe Niederschläge. Berliner Welte rbureau. für die nUchutc kVammer müssen spätestens bis 5 Uhr nachmittags des vorherigen Tages in nnaercr Expedition abgegeben werden. Größere Anzeigen für die Sonntags- Nummer erbitten dagegen schon bis Freitag nachmittag 5 Uhr, da nur in diesem Falle die Aufnahme garantiert ............ worden kann............ p: Freitag den 14. Sonnabend den 15. Dezember fuün. Telephon: Amt VI, 7190 l- it ® o (0.o Haoptgeichäft Bahnhof Bort«, Bogen 8-10 Deutsche Dampf- Fischerei- Gesellschaft Amt III, 8804 PrinzonalraMO 30 „ o o5-o LandsberSentruM 52 Seelachs;1, 20 PI. HlÄIl pro Uli. selmitt Lv Pl.|| Kabeljau ohne Kopf 33 Hg., im Anschnitt 35 Hg.|| Gerftach. Bienen-Lachsheringe 2 Stück 25 Pfg. Alle übrigen Sorten Seefische zu den billigsten Tagespreisen. S Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Wnrbi»enI>d»S(SrobeFrnnfinrter» ftvntje 9, paclem. If TkhPirhrmilFarbcilIrbIcrn Fabrik. nleberlafle Mraxe Fraitfjilrlkritiatze 9, parterre. fl Ltcppbecfe» billigst Fabrik Trotze granklunerstratze 9, parterre fl Steppdecken, schönstes praktisches Weihnachts-Geschcnk, spottbillig und reell, direkt Fabrik, Große Frank- surterstraße KV, I, kein Laben, sonn- tags geössnet. 2t0Af Teppiche!(scblerdasie) in allen Grützen sür die Hälsle des Werke? t»i Tcppichlagcr Brün», Haifejcher Marfl f. 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Die Aussagen der Zeugen ergaben, daß die „Gründung" so zustande kam: Ley lud einige Freunde und Nachbarn, im ganzen 25— 30 Personen, zu einer Versammlung ein. Da legte er die von ihm mitgebrachten Satzungen vor, es wurde darüber gesprochen und der Verein zur gegenseitigen Hülfe mit dem schön klingenden Namen„Volkswohl" war gegründet. Ley wurde zum Vorsitzenden„gewählt", die Leitung der Geschäfte lag ausschließlich in seinen Händen, während die übrigen Borstands- Mitglieder sich um die Vereinsgeschäfte gar nicht kümmerten und deshalb auch keine Auskunft über die Praktiken des Angeklagten geben konnten. Ein entfernter Verwandter de» Angeklagten, der Zeuge Fritsch, hat im„Volkswohl" das Amt eines zweiten Bor- fitzenden bekleidet, obgleich er nicht einmal Mitglied des Vereins war. Er hatte nichts für den Berein zu tun, hat sich auch um nichts gekümmert, aber ein Darlehen von 200 M. aus der Vereins- lasse wollte er vom Vorsitzenden Ley haben. Da aber angeblich die Kasie leer war. bekam er nichts. Später ist Fritsch Mitglied deS Vereins geworden, und als er Krankengeld beanspruchte, hat er solches nicht bekommen. Ein anderer Zeuge. Gundlach, der auch bei der Gründung in den Vorstand„gewählt" worden ist, hat sich auch um die Vereins- geschäfte gar nicht gekümmert. Denn, so sagte der Zeuge, Ley machte ja alles selber, auch die Mitglieder, welche Ansprüche geltend machten, fertigte er ab. Dabei gab es oft Krach, wenn den Mit- gliedern gesagt wurde, daß sie keinen Anspruch auf Unterstützung haben. Wenn es Krach mit einem Mitgliede gab. dann machte Ley die Tür auf und BumS, war das Mitglied draußen. — Ein beisitzender Richter fragte den Zeugen, ob er sich keine Gedanken darüber gemacht habe, daß der Verein ein unreelles Unternehmen sei. Der Zeuge antwortete: Ley hat ja selbst zu anderen gesagt, daß alles Schwindel ist. Eine große Reihe von Zeugen und Zeuginnen gehören zu den Geschädigten, die dem Verein beigetreten sind in der Annahme, in Krankheitsfällen Unterstützung zu erhalten, die dann aber, als sie ihre Ansprüche geltend machten, nichts erhielten. Aus den An- gaben dieser Zeugen geht hervor, daß sie mit unerhörter Leicht- gläubigkeit und Vertrauensseligkeit den Agenten des Angeklagten auf den Leim gingen. Die Mitglieder wurden hauptsächlich durch Agenten geworben. Die Agenten legten den Leuten einen ge- druckten Prospekt vor, an dessen Kopf ein Bild der Königin Luise prangte, bestimmt, leichtgläubige Leute zu betören. Und merk- würdig, viele Leute ließen sich durch das Bild der Königin Luise auf dem Prospekt derart in Vertrauen wiegen, daß sie sich sagten, hier müsse doch ein reelles Unternehmen vorliegen. Die Agenten redeten den Leuten auch alles mögliche vor, um sie ins Garn zu locken. Sie sagten, der Verein werde von reichen Leuten unterstützt, die Verwaltung werde in uneigennützigster Weise von Herrn Ley geführt, der ein reicher Mann und pensionierter Major sei. Wenn jemand trotz aller gleißenden Reden der geschäftsgewandten Agenten Zweifel an der Reellität des Unternehmens hatte, dann wies der Agent mit wichtiger Miene auf das Bild der Königin Luise hin, und diese Spekulation auf die Unerfahrenhcit der Leute scheint immer ver- fange» zu haben, denn mehrere Zeuginnen bekundeten, sie hätten geglaubt, weil das Bild der Königin Luise auf dem Prospekt stehe, könne doch kein Schwindel im Werke sein. Daß der Verein statuten- gemäß den Mitgliedern keinen Rechtsanspruch auf irgend welche Bezüge gewährt, sondern die Gewährung von Unterstützung im Be- lieben deS Herrn Ley liegt, das verschwiegen die Agenteil wohl- weislich. Auch das Statut wurde den Mitgliedern vor der Auf. nähme nicht in die Hand gegeben. Die Agenten hatten zwar Statuten bei sich, gaben sie den zu werbenden Mitgliedern aber nur auf deren Verlangen zur Einsicht. Dem Agenten war es ja nur darum zu tun, daß f�n Opfer den Aufnahmeantrag unterschrieb, der natürlich auch mit dem Bilde der Königin Luise geschmückt war. Durch die Unterzeichnung des Aufnahmcantragcs bescheinigte der Unterzeichner unter anderem auch, daß er das Statut gelesen habe und dasselbe für sich als rechtsverbindlich anerkeim«. In Wirklichkeit hatte jedoch keiner der Zeugen weder das Statut noch den Auf- nahmeantrag gelesen. Sie haben denselben vielmehr. hypnotisiert durch das Bild — wie sich einige Zeugen ausdrückten— „einer so hohen und frommen Frau" unbesehen unterschrieben. Jetzt erklären die durch Schaden klug gewordenen Zeugen allerdings: Wenn wir gewußt hätten, daß wir keinen Rechtsanspruch habe», dann wären wir dem Berein nicht beigetreten. Nachdem nun die durch falsche Vorspiegelungen von Agenten auf den Leim Gelockten wochenlang, monatelang Beiträge gezahlt hatten, dann krank wurden und Unterstützung beanspruchten, kam die bittere Enttäuschung. Was hierüber durch eine große Anzahl von Zeugen bekundet wlirde, ist fast immer dasselbe. Sie gingen, in der Erwartung Geld zu bekommen, in das Bureau des Angeklagten. Nur wenige bekamen etwas. Die meisten wurden zunächst mit allerlei Vorwänden vcr- tröstet. Bei weiteren Vorstellungen wurde dann den Leuten, teils durch den Angeklagten, teils durch seine Buchhalterin, gesagt, daß sie überhaupt nichts zu beanspruchen haben, denn sie hätten ihre Krankheit selbst verschuldet, oder die Krankheit sei eine chronische und für solche Fälle werde nach dem Statut keine Unterstützung gewährt. Dann kam der Hin- weis darauf, daß die Mitglieder nach dem Statut überhaupt keinen Rechtsanspruch auf Unterstützung haben. Wer nach solchen Vor- Haltungen nicht ohne Geld zufrieden von bannen trollte, sondern noch Einwendungen machte, der flog einfach hinaus. Nachdem die Vernehmung der Zeugen beendet war, machte ein als Sachverständiger vernommener Bücherrevisor Angaben über die finanziellen Verhältnisse des Vereins„Volkswohl". Diese Angaben beziehen sich auf die Zeit vom 1. Dezember 1903. dem Anfang des Geschäftsbetriebes. bis zum 4. November 1904, wo die Geschäftsbücher durch die Polizei mit Beschlag belegt wurden. Die Einnahmen betrugen 30 593 M.. davon flammen 25 857 M. aus Beiträgen der Mitglieder. Aus- gegeben sind: an Krankengeld 3470 M., Arznei 326 M., Vcr- trauensarzt 348 M.. Stellenvermittelung 991 M.. Bureaueinnch- tung, Rcklamewagen usw. 4966 M., Gehälter 5872 M.. Provision 4281 M.. Drucksackien und Porto 7364 M., Diverse 2336 M. Be- stand 2420 M. ,r m Ein zweiter Sachverständiger, Versichcrungsrcvisor Warmet, chke, ließ sich darüber aus, ob der Geschäftsbetrieb des Angeklagten unter Berücksichtigung der versickerungStechnischen Grundsätze als reell angesehen werden könne. Der Sachverständige meinte, wenn man die Krankenstatistik für das Deutsche Reich zugrunde lege, könne der Betrieb als lebensfähig angesehen werden.' In Berlin lägen die Verhältnisse jedoch ungünstiger, das scheine bei dem Verein„Volkswohl" nicht in Betracht gezogen zu sein. Der Staatsanwalt führte aus, die Annahme, von der die Anklage ausging, daß der Geschäftsbetrieb des Angeklagten ein Schwindelmanöver großen Stils sei, lasse sich nicht halten. Es sei nicht nachgewiesen worden, daß sich der Angeklagte auf Kosten der Armen und Kranken einen rechtswidrigen Vermögensvorteil verschaffen wollte, ebensowenig, daß er seiner Familie unrechtmäßige Zuwendungen aus dem Vercinsvermögen gemacht habe. Der Staatsanwalt beantragte die Freisprechung wegen Mangels an Beweisen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Holländer, schloß sich im allgemeinen dem an, und betonte noch, daß Störungen im Geschäftsbetrieb des Vereins infolge des polizeilichen Eingreisens im Jahre 1904 eingetreten seien, jetzt dagegen komme der Verein seinen Verpflichtungen ordnungsgemäß nach. Der Angeklagte selbst stellte gar den Antrag, auch die Kosten seiner Verteidigung der Staatskasse aufzuerlegen l Nach kurzer Beratung des Gerichts verkündete der Vorsitzende das Urteil dahin: Wenn der Angeklagte eines Betruges schuldig befunden werden solle, dann müsse nachgewiesen werden, daß er entweder von vornherein, durch die ganze Imlage des Geschäfts oder aber bei dem Llbschluß der einzelnen Verträge mit den Mitgliedern darauf aus- gegangen sei, sich durch Vorspiegelung falchcr Tatsachen einen rechts- widrigen Verinögensvorteil zuzuwenden. In erster Hinsicht sei nur erwiesen, daß der Prospekt falsche Angaben enthalte, denn es sei darin gesagt, die Mfitglieder hätten das Recht der freien Arztwahl, was aber in Wirklichkeit nicht der Fall sei. In dem Statuten- auszuge, den der Prospekt enthalte, fehle der§ 9, in dem gesagt ist, daß der Verein nur ein Wohltätigkeitsverein fei, der keine Rechts- anfprüche auf Unterstützung gewähre. Diese beiden Tatsachen reichen nicht aus, um zu beweisen, daß es der Angeklagte von vornherein auf Betrug ahgeschen hatte. Es sei aber auch nicht erwiesen, daß der Angeklagte bei den Vertragsabschlüssen betrügerische Absichten verfolgte. Keiner der Zeugen sei beim Vertragsabschluß mit dem Angeklagten selbst in Verbindung getreten, sondern nur init dessen Agenten. Was aber die Agenten den Leuten vorgeschwindelt haben, das könne dem Angellagten nicht zur Last gelegt werden. Untreue (auf dieses Delikt hatte das Gericht auf Antrag des Staatsanwalts im Laufe der Verhandlung die Anklage ausgedehnt) liege auch nicht vor, denn es sei nicht erwiesen, daß der Angeklagte aus dem Ver- mögen des Vereins etwas beiseite geschafft habe. Der Angeklagte müsse hiernach freigesprochen Werden. Die Kosten fallen der Staatskasse zur Last. Die Ver- teidigungskosten der Staatskasse aufzulegen, liege kein Anlaß vor, denn der Verdacht deS Betruges sei ausreichend begründet gewesen. Auf den Zeugenbänken saßen in langen Reihen viele Mitglieder des„Wohltätigkeilsvereins", die in ihren Hoffnungen auf die„Wohl- tateu" betrogen und ihr sauer verdientes Geld losgeworden waren, ohne eine Gegenleistung dafür zu erhalten. Sprachloses Staunen herrschte bei diesen Leute», als sie den Freispruch vernahmen. Auf dem Korridor des Gerichts aber drückte sich das Staunen der Ge- schädigten in lebhaften Worten aus. Besonders die Fraueil waren es, die sich durch.das Urteil in ihren, Rechtsempfinden verletzt fühlten uild diesem Gefühl beredte Worte liehen. Den Leuten, die sich durch falsche Vorspiegelungen hatten ins Garn locken lasse», wollte es nicht in den Sinn, daß jeinand ein ehreilwertcr Geschäfts- mann sein kann, wenn seine Agenten durch Schwiildelmmlöver das Geschäft erst in Blüte bringen. Wenn diese Leute auch so einfältig waren, sich durch sckzwindelhafte Agenten mit dem Bilde der Königin Luise betören zu lassen, so hatten sie doch das richtige Empfinde» und sprachen es unverhohlen aus: Das Unternehmen des Herrn Ley konnte doch nur unter der Voraussetzung gewinnbringend für ihn sein, daß die Mitglieder in den Glauben versetzt wurden, sie hatten«inen Rechtsanspruch auf Krankengeld. Aber es konnte ja Herrn Ley nicht nachgelviefen werden, daß er die Mitglieder getäuscht hätte. Das haben ja nur seine Agenten getan. Mit Rückficht daraus sprachen die Geschädigten die Erwartung aus. daß der Staatsanwalt nun gegen die Schwindler unter den Agenten vorgehen werde. Die Freisprechung ist ein Beweis dafür, daß die bestehenden Einrichtungen nicht dazu ausreichen, wirkliche Schwindler zur Be- strafuiifl zu bringen. Zu unsereni Ersrcuuien lind Bedauern müssen wir konstatieren, daß die Staatsanwaltschaft über die Borgänge der Gründung, über die Gründung selbst und über das schwindelhaste Gebaren des Angeklagten weniger nuterrichtet war, als man nach den öffentlichen und im Reichstage erhobenen Darlegungen über die Gesellschaft annehmen mußte. Insbesondere auffallend ist uns das ungeheuerliche Sachverstälidigengutachten. In der Kommission des jevt aufgelösten Reichstages über die Hülfskassengesetznovelle ist von Kinem Mitgliede der Kommission oder der Regierung in Abrede gestellt, daß die Fassung des Prospekts und der Statuten, ins- besondere auch dessen Versprechungen, den Ausdruck Schwindelkasse verdienen. Weshalb ist kein Mitglied des ReichSamt für private Versicherungen als Sachverständiger vernommen? Weshalb ist ferner keiner der frühere» Angestellten des„Bokkswohl" vernommen, die ja über das Geschäftsgebaren des Angeklagten selbst Auskunft zu geben in der Lage waren? Huö der Partei. AuSkauf der Sozialdemokratie. Dem Kopfe des Ruhrrevier-Magnaten S t i n n e s ist ein Gedanke und eine Tat entsprungen, wie sie nur dem Hirne eines Großkapitalisten enikpringen konnte, der ge- wohnt ist, nüt seinem Gelde alles zu erreiche», waS er Willi Herr Mathias StinneS ist auf den schlauen Gedanken gekommen, die Sozialdemokratie in Essen ailSzukaufen. Er hat plötzlich das Grundstück gekauft, auf dem sich bereits der Neubau erhob, in dem die demnächst von den Essener Genossen in Betrieb zu nehmende P a r t e i dr u ck e r e i und der Verlag und die Redaktion des eigenen Essener ParteiblatteS. das mit der eigenen Druckerei ins Leben treten sollte, Unterkunft finden sollten. Die Essener Genossen hatte» zum Bauherren'für den Bau einen gewissen Janzen bestellt, der früher Wirt in Gelsen- kirchen war. Dieser Janzen hat das Vertrauen, daS die'Genossen in ihn setzten, schmählich getäuscht, hat hinter ihrem Rücken mit Stinnes: Verhandlungen angeknüpft und hat ihm, wie behauptet wird, mit einem gehörige» Profit das Grundstück, mit dem ziemlich weit fertig gestellten Neubau ver- kauft. Es ist ein Bubenstück seltener Art, das in Essen verübt worden ist, ein Streich, durch den die Essener Genossen um die Früchte langer, mühsanier Arbeiten betrogen werden.! Geldverluste werden die Or- ganisattonen allerdings, so viel wir. wissen, nicht erleben, da ihre Gelder hypothekarisch eingetragen sind. Herr Stinnes hat zweifellos einen Preis zahlen müssen, der die Hypotheken deckt. Aber die Her- ausgäbe der neuen Parteizeitung wird natürlich verzögert durch den Verrat, und die Genossen Essens sind nun um Räume gebracht, die sie für die Zwecke des Unternehmers praktisch und zweckentsprechend hatten herrichten lasse». Indes diese Nachteile werden überwunden werden. Nicht.allzu lange wird durch diesen Streich das Erscheinen des neuen Partei- blattes verzögert werden. Wenn Herr Stinnes glaubt, daß er der Essener Sozialdemokratie durch diesen Aus- und Hauskauf ernste Schwierigkeiten macht, dann wird er bald erkennen, wie sehr er sich irrt. Um die Sozialdemokratie Essens aktionsunfähig zu machen, dazu langen all seine Millionen nicht. Nichts anderes hat er erreicht, als daß für viele Zehn- tausende seine Tat die Pforte zur Erkenntnis der Gemcinschädlichkeit des Kapitalismus sein wird und für MMonen eine Befestigung und Bekräftigung dieser Erkenntnis. Herr Stinnes dürfte bald dahinter kommen, daß dieser Versuch, einer politischen Partei durch AuSkauf die Möglichkeit der Betätigung zu nehmen. erstens ein Versuch mit untauglichen Mitteln ist und zweitens eine bedenkliche Bloßstellung des kapitalistischen Systems bedeutet. Gemeindewahle». Siege. Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Bei den Stadtverordneten st ichwahlen errangen unsere Genossen einen glänzenden Sieg: In Bornheim, wo uns die reaktionären Mittelständler gegenüberstehen, eroberten wir drei Mandate! Gewählt sind: drei Sozialdemokraten— die Genossen Parteisekretär W. Dittmann, Arbeitersekretär Ed. Gräf, Buch- druckereibesitzer Benno Schmidt— drei Demokraten, drei Frei- sinnige, drei Nationalliberale. Die zentrumlich-konservativen Mittel- ständler haben eine vernichtende Niederlage erlitten! Kein einziger ihrer Kandidaten drang weder bei der Haupt- noch Stichwahl durch. Die sozialdemokratische Fraktion zieht nun in der doppelten Stärke ins Stadtparlament: trotz Wahl- zensus von 1200 M.— Wir schreiten vorwärts I In der Stadtverordneten-Stichwahl zu Zehdenick(Branden- bürg) wurden am Mittwoch als erste„Hechte in den Karpfenteich" die Genossen Mittag und Kadler mit 50 Stimmen Mehrheit gewählt. In A l t l u ß h e i m(Bade») siegte bei der BürgerauSschußwahl in der dritten Klasse die sozialdemokratische Liste mit 114 bezw. IIS Stimmen gegen die Liste des bürgerlichen Kuddelmuddels, auf die 69 bis 70 Stimmen entfielen. Mandatsgewinne. Die Biirgerausschußwahlen in Heilbronn ergaben die Wahl der Kompromißliste. auf der auch zwei Sozial- demokraten standen. Stimmenzuwachs. Aus Essen wird uns vom 12. Dezember berichtet: An den heute abend beendeten Stadtverordneten- Wahlen dritter Abteilung beteiligten sich von 32413 Wählern nur 10 346. In der Altstadt siegten die vom Zentrum, den „Vereinigten Nationalen" und der B ü r g e r p a r t e i gemeinsam aufgestellten vier Kandidaten gegen die der Sozial- demokraten und der Christlich-Sozialen, in Essen- Rüttenscheid und E ss e n- W e st siegte das Zentrum gegen die Kandidaten der Sozialdemokraten und der All- gemeinen Bürger- und Arbeiterpartei bezw. der Sozialdemokraten und der„Evangelischen Volks- Vereinigung". Gewählt sind in der Altstadt: Rechtsanwalt Dr. Bell(Z.j. Rechtsanwalt Kempfer(natl.), Klempnermeister S ch n e t k e r(Bürgerpartei), Gewerkschaftssekretär Bissels(Z.), in Essen-Rüttenscheidt: Gewerkschaftssekretär Veltumf 100 M. Geldstrafe eventuell 10 Tage Haft, ferner auf Publikations- befngnis für die Deister und Leine-Zeitung. Es führte auS: Das Gericht habe sich im wesentlichen den UrleiiSgründen des ersten Richters angeschlossen. Von 8 k93 des Strafgesetzbuchs könne nicht die Rede sein. Strafmildernd sei aber erwogen, daß der An- aeklagte'von erheblichen Mißständen überzeugt gewesen sei und daß tatsächlich auch Mißstäube voryauden tvarcn, denn es sei un- widcrgesprochcn geblieben und auch bewiesen, daß kranke Mädchen auf dem Boden gelegen hätten. Ter Angeklagte habe sich im Aus- druck vergriffen und sei deshalb eine Sühne von 100 M. als ge- nügend erachtet._ Gültige Polizeiverordnung über Arbeitcrmasscnquartiere. Von sozialpolitischer Bedeutung ist ein jetzt vom Kammer- gericht gefälltes Urteil. Der Negierungspräsident zu Stade hat unter dem 18. März 1888 beziehungsweise 17. Oktober 1005 für seinen Regierungsbezirk eine Polizeiverordnung erlassen, welche die Ar- beitermassenquarticre aus Ziegeleien und ähnlichen Betrieben bc- trifft. Es werden an die Unternehmer eine Reihe Anforderungen in hygienischer und sanitärer wie sittlicher Beziehung gestellt. Unter anderem wird vorgeschrieben, daß Wohn- und Schlafräume gehörig zu reinigen und dauernd im reinen Zustande zu er- halten sind. Der Zicgeleibesitzer Rossini in Aumund hatte seit zwei Jahren den Arbeiter Sch. mit der Sorge für die Reinigung betraut. Obwohl Rossini vom Landratsamt in Blumenthal zur Beachtung jener Vorschrift schon einmal angehalten worden war, weil eine Recherche im März einen unreinlichen Zustand ergeben hatte, fand ein Gendarm doch wieder Wohn- und Schlafräume ver- wabrlost vor. Asche, Papier, Kartofsclschalcn, Eierschalen lagen umher und unter den Betten lag Stroh.— Der Ziegelei- k> e s i tz e r Rossini wurde deshalb wegen Uebertretung der Vor- ordnung des Regierungspräsidenten zu einer Geldstrafe ver- urteilt. Das Landgericht Verden als Berufungsinstanz führte dazu aus: Tie Haftung des Unternehmers werde nicht dadurch ausgeschlossen, daß er für die Ausführung der polizeilichen Borschrift einen Vertreter bestellt habe. Es sei sinngemäß der § 151 der Gewerbeordnung anzuwenden: Wenn bei der Aus- Übung des Gewerbes polizeiliche Vorschriften von Personen über- treten werden, welche der Gewerbetreibende zur Leitung des Be- triebes oder eines Teiles desselben oder zur Beaufsichtigung be- stellt habe, sei der Gewerbetreibende neben denselben strafbar, wenn die Uebertretung mit seinem Vorwissen begangen sei, oder wenn er bei der nach den Verhältnissen möglichen eigenen Beaufsichtigung des Betriebes, oder bei der Auswahl oder der Beaufsichtigung der Betriebsleiter oder Aufsichtspersonen es an der erforderlichen Sorg- falt hat fehlen lassen. Da Angeklagter neben der Ziegelei wohne, so hätte er selber auch die Beachtung der polizeilichen Vorschriften kontrollieren können, und er hätte das um so mehr tun. müssen, als er durch die Aufforderung des Landrats von dem Mißstande unterrichtet gewesen sei. Nur einmal habe er nachgesehen. Das sei nicht genügend. Das Kammcrgericht v e r lv a r f die gegen das Urteil eingelegte Revision. Zunächst sprach es sich über die Gültigkeit der Polizeiverordnung aus: Die Polizei- Verordnung, die unter anderem von Eßsälen, Aborten für 25 Per- sonen usw. spreche, wolle sich nach ihrer ganzen Fassung auf Massen- guartiere beziehen. Sic sei rechtsgültig. Anwendbar sei§ 6t des Polizeivcrwaltungsgcsetzcs, der dem Polizeivcrordnungsrecht die Sorge für Leben und Gesundheit zuweise und wieder auf§ 10 II 17 des Allgemeinen Landrechts beruhe, wonach es zu den Aufgaben der Polizei gehöre, dem Publikum bevorstehende Gefahren ab- zuwenden. Das Publikum in diesem Sinne könne in einer größeren Zahl fluktuierender Arbeiter gesehen werden. Die Verordnung sei auch richtig angewendet. Wenn ihr§ 1 von einer Vertretung spreche, so sei das mindestens ganz überflüssig. Auf jeden Fall regele die Frage der Vertretung mit Bezug auf Polizeioorschriften der§ 151 der Gewerbeordnung erschöpfend. Praktische Parteitätigkcit. Unsere Parteigenossen in Halle stellten in der letzten Stadt- verordnetcn-Sitznng den Antrag, den ortsüblichen Tagelohn, der jetzt auf 2,45 M. feststeht, zu erhöhen resp. den Magistrat zu er- suchen, die Erhöhung bei dem Regierungspräsidenten zu beantragen. Der Antrag, der für die Arbeiterschaft von großer Wichtigkeit ist, da nach dem ortsüblichen Tagelohn das Krankengeld. Unfallgcld usw. berechnet wird, wurde angenommen und ist zur Nachahmung zu empfehlen. Denn je höher der ortsübliche Tagelohn ist, um so besser für die Rentenempfänger. Versammlungen. Fahrstuhlführer. Am Montag fand im„Englischen Garten", Aleranderstr. 27c, eine Versammlung der Fahrstuhlführer Berlins, einberufen vom Berein Berliner Hansdiener, Mitgliedschaft Ii, des Verbandes der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Teutschlands, statt. Ein Berufskollege referierte über die Mißstände im Berufe der Fahrstühlführer. Der Lortragende schilderte die überaus traurigen Verhältnisse, worunter die Fahr- stuhljührcr zu leiden haben, als da sind in erster Linie überaus lange Arbeitszeit und dafür Löhne von 60— 75 Ml. monatlich. Zum Verhungern zuviel, zum Leben zus wenig. Die„reichlichen Trink- golder", auf welche der Unternehmer beim Engagement hinweist, bleiben fast immer aus, abgesehen davon, daß überhaupt die Ent- lohnung durch Trinkgelder unmoralisch und entivürdigend ist. Dazu kommen außerdem die täglichen Gefahren an Leben und Gesundheit, denen die Berufskollegen ständig ausgesetzt sind. Der Aufenthalt in den zugigen Hausfluren und Höfen erzeugt Rheumatismus und andere Erkältungskrankheiten. Der Referent bemerkte an, Schlüsse seiner Ausführungen, daß diese Uebelstände nur aus der Welt ge- schafften werden könnten, wenn sämtliche Fahrstuhlführer Berlins sich einer großen festgegliedcrten Berufsorganisation anschlössen, als welche zur Zeit der Verein Berliner Hausdiener, Mitglwdschaft I des Zentralverbandes der.Handels-, Transport- und Verkehrs- arbeiter und Arbeiterinnen Dcutschlmrds in Betracht käme. Um die Zlgitation unter den Fahrstuhlführern besser betreiben zu können, wurde eine Sektionsleitung, bestehend aus 4 Kollegen, gewählt. Die Versammlungsteilnehmer sprachen den Wunsch aus, daß im Januar eine öffentlich« Versammlung sämtlicher Fahrstuhlführer Berlins einberufen werden möge, um dort die diversen Kollegen, welche noch sogenannten kleinen Berufsvereinchen angehören, als da sind „Gentrum",„Fortschritt" usw., dahin aufzuklären.� daß nur eine große Einheitsorganisation imstande ist, die Interessen der Berufs� kollegen energischer als bisher wahrzunehmen, und dem Unternehmertum baldmöglichst bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen ab- zuringen._ Für tu'ii Inhalt Oer ktnierate überiiininit die Rednkliv» beut Publik» in gegenüber keinerlei Zleruiiiuiortiiiig. Theater. Freitag, den 14. Dezember. Ansang 7 Uhr. Kgl. Opernhaus. Tristan und Isolde. Ansang Vj, Ubr. Kgl. Schausplelftaüs. Klein Dorrit. Deutsches. Das Wintcrmärchcn. Kammerspielc: Frühlings Er- wachen.(Anfang 8 Uhr.) Westen. Der Freischütz. Lorhing. Undme. Ansang 8 Uhr. Schiller O., Wallner-Theater.) Der Hochtourist. Schiller>.(Friedrich Wildelm städtilches Thealer). Frau Inger von Lestrot. Lesimg. Hedda Gabler. Reu es Schauspielhaus. Die Hochzeitssackel. Kleines. Ein idealer Gatte. berliner. Sherlock Holmes. Neues. Die Condoitieri. Komische Oper. Lakmö. Zentral. Der Rastelbinder. Residenz. Florette und Batapon. L u si i ,> i e Um ti s. Husaicnsieber. Deutsch- Amerikanisches. Im wilden Westen. Herr Hauptmann v. Köpenick. Thalia. Eine lustige Doppelehe. Luisen. Biel Lärm um nichts. Bernharb Rosefrüher Earl Weih. Ausgewiesen. Triano». Wo ist der Papa? Vor- her: Herr Hups. Walhalla. Spezialitäten. Avollo, Spezialitälen. Metropol. Der Teuscl lacht dazu. Kasino. Tie beiden Ehampignol. Spezialitälen. Folies Gaprice. Debüt Fleisch- mann. Passage. Berlin paß' aus! Spe- zialitäten. Reichshailen. Siettlner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. »ritiiiit. Taiibettilratir 4N/4!t. Im Theater abends 8 Uhr: Frühlingskage an der Rioiera. Steriitimrie. Zabalidenftr. 51/6'2. Ferdinfuiel Bonn« Berliner Theater. Freitag, Sonnabend: öderlock Dölmes. Anfang 8 Uhr. Sonnlag Gastspiel L. V i ö r n a: U,elatt. Theater des Westens Stattvn Zoolog. Garten, Kanlstr. 12. AbendS VI, Uhr: Der Freischütz. Sonnabend nachm. 3'/, Uhr Kindcr- vorstellimg: Kleine Preise: llinckesleouv vnii Wei.inachtssegen. Neues Schauspielhaus AbendS 8 Uhr: Die Hochzeitsfackel. fSt Die KochMsfacktl. Neues Theater. Zum 50. Male: Die GondotM Ansang 8 Uhr. Morgen und solgende Tage: IM« Condottiorl. Trianon-Theater. Anfang 8 Uhr Wo ist der Papa? Vorher: Herr Hups. Sonntagnachm.: vor HautfreuMl. Urania. Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr; Frühlingstage an der Riviera. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Zum 138. Male: Ein idealer Gatte. . Sonnabend: llin idealer Gatte. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. MendS 8 Uhr: Ein idealer' Gatte. Komische Oper. •PÄt Lakmö. Sonnabend und Sonntag: pariser leben. Sonntag nachm.: Hotfmanns Erzählungen. Montag: Carmen. LortzingTheater. Bellealllancestr. 7/8. TZ* Und ine. Abonnements gültig. Sonnabend nachm. 3 Uhr Märchen- vorstelltiiig: Peter und Raul reisen ins Schlaraffenland. AbendS VI, Uhr: Die Fledermaus. Lustspielhaus. Täglich 8 Uhr: Hnfareufieber. Zenttal-Theater. (Operette.) 3 Uhr: Der Zigeunerbaron Luisen-Tlisater Reichcnbergerstr. 34. Zum 1. Male: Viel Lärm um Uilijis. Lustspiel in 3 Ausz. v.W.SHakespeare. Ansang 8 Uhr. Sonnabend 4 Uhr Kindervorstellung: Frau Holle. Adet dS 8 Uhr: Shcrlock Holmes. Sonnlag 3 Uhr: Preciosa. tilbendö 8 Uhr: Viel Lärm um nichts. Rcsititiis-Theiilcr. Direktion Richard Alexander. Heute und solgende Tage Ansang 8 Uhr: Florette und Patapon. Schwank in 3 Akten v. M. Hentiequin und Pierre Beber. Dienstag, 2S. Dez., nachm. 3 Uhr: Fron-Frou. Mittwoch, 26. Dez, nachm. 3 Uhr: (Sine Hochzeitsnacht. ventscb-�meriiianiscdes Theater. Abende 8 Uhr: Im wilden Westen und Herr Hauptmann v. Köpenick. Sonntngnachm. 3 Uhr, halbe Pr.: L'ebcr'n groBen Teich. Sonnabend, 22. Dez., abds. 8 Uhr: 1* H K W I F. it L-MV DerSorgenbrecher. Posse m. Ges. i.4Akt. v.A.Philipp. Passage-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Berlin paß' auf! Burleske in 2 Men v. Leop. Ely. Musik von Rttdolj Nelson. In den Hauptrollen: Josefine Dora, Paillette van Roy, Georg Kaiser, Martin Bendiz. Außerdem: Die glänzenden Dezember-Spezialitäten. Schilier- Schiller-Theater 0.(Wallncr-Tbealer). Freitag, abends 8 Uhr: Ikci- Hochtonri.t. Schwank in 3 Arten- von Kurt Kraatz und Max Real. S o n n a b e n d, abends 8 Uhr: Illathlas(äolllngcr. S o n n t a g, nach m. 3 Uhr: vlc rote Hobe. S o ti it t a g, abends 8 Uhr: Iber HochlourlHt. Theater. Schiller-Theater N.(Frtedr.-Wilh.Th.) Freitag, abends 8 Uhr: W'r»« Injscr von Oestrot. Schauspiel in 5 Auszügen von Henrik Ibsen. Deuisch vcu Wilhelm Lange. So n n abend, a bendS 8Uhr: Doppol.clb.ttuord. Sonnlag. nachm. 3 U h r: Da« lininpensesindel. S o it it t a g. abends 8 Uhr: _ KaprenHtreich._ Patast- Theater. Praler- Theater. Burgstraße 24. 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Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittags 3'/- Uhr. von der Leichenhalle des neuen Rixdorser Kirchhofes, Mariendorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 235/18 Der Vorstand. VeM der Bueh- und Steindrotei-Bisarbeiter n. Arbeiterinnen Deutsehlands. Ortsverwaltang Berlin. Zahlstelle II. Todes- Anzeige. Am 12. Dezember starb nach schiverem Leiden unser Mitglied. der Kollege Gustav Paschke im 38. Lebensjahre. Ein ehrendes Andenken be- wahrt ihm Die Zahlstelle II. Berlin. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 15. Dezember d. F., nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus-Kirch- HoseS, Rlxdorf, aus statt. Vösbgnll deutsctiks Gastwirtsgeholfen| (Ortsverwaltung Berlin). Am Dienstag, den 11. Dezember ist unser Mitglied Franz Görling nach kurzem Krankenlager ver- sterben. 298/10 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den t5. Dezember, nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der verstand. AerelniMg der Maler, Fackitrer, Anstreicher N»d berwandter Verufsgen. Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maler Hoher! Weinschenk am 12. d. M. gestorben isL Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung, findet Sonntag. den 16. d. MtS., nachmittags 3 Uhr, vorn Krankenhaus Moabit. Eingang Birkenslrage, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 126/11 Die Ortsverwaltung Zurückgekehrt von dem Grabe, das fich joebeii über unserer unvergeblichen Mutter geschlossen, ist eS uns HerzenS- bedürsnis, allen denen unseren lies- gksühllesten Dank auszusprechen, die ihr das lebte Geleit gegeben und uns dadurch ihre Teilnahme in so reichem Matze bewiesen haben. Be- sonderen Dank noch dem Genossen Waldeck Manasse für seine trostreichen Worte am Sarge der teuren E»t> schlasenen. 303b Berlin, 13. Dezember 1906. Geschwister Schnitze. L. Jacubowski. Verband d. baugewerbiiehen Hiiifsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Bezirk*Wedding, Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Kollege Otto Brandt am ooimtog, den 9. d. M., frei- willig aus dem Leben geschieden ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute, Freitag, nachmittags 3 Uhr. von der Leichenhalle des neuen Nazareth» Kirchhofs, Berlinerstratze.Reinicken- don, aus statt. 48/4 Uin rege BeteUigung ersucht Der Zweigvereins-Vorstand. AligeniEine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29.) Filiale Tempelhof. Slm 12. Dezember verstarb unser Mitglied, der Klempner .Julius Ballwey. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am «ountag, den 16. d. M., nach» mittags 2 Uhr. von der Leichen» halle des Mariendon'er Kirchhofes in Mariendors, aus statt. 313b_ Die Ortsverwaltung. Statt besonderer Meldung! SIllen Freunden, Bekannten und Verwandten die traurige Mit» teilung, datz mein lieber Mann, unser guter Vater. Bruder und chwager, der Gerber Wilhelm Olremh» am Dienstag, den 11. d. Mts., nachts, nach schwerem Leiden ver- schieden ist. Die Beerdigung sindet Sonntag nachmittag 2 Uhr vom Kranken- haus am'Friedrichshain aus nach Wilhelmsberg statt. 3291b Die trauernden Hinterbliebenen .Ida Otrcmha rnid Sobn. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt. datz am t2. d, M., morgens 5 Uhr, meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwieger- und Grotzmutter Marie König Gen? am Schlagansall verstorben isL Die Beerdigung sindet Sonn- abend, den 15. d. M., nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral> Friedhoses(Friedrichs- jelde) aus statt. 307b Um stilles Beileid bittet im Siamen der Hinterbliebenen Aug. KSokz. Putzer. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben unvergetzlichen Mannes, des chlosserS Franz l-ampe, sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie den Kollegen und Genossen des sechsten Wahlkreises meinen innigsten Dank. 306b Vfitwe Auguste Lampe geb. Kliter. Die mir erzeigte Teilnahme am Grabe meines Mannes von allen Verwandten, Freunden und Be- tnmiten, dem Jnieressenvei ein der Produkteiihändler und-Händlerinnen. ebenso den Kollegen' der Firma I. Mehlich hat mich lies gerührt und spreche ich hiermit meinen herzlichen Dank aus. Wittve Albertlne Schrei geb. Steltzer nebst Sohn, 3086 Brandenburgstr. 48._ Danksagung. Allen denen, welche mir bei der Beerdigung meines lieben ManneS, des Händlers >VUlielm Breyer sowohl durch die überaus zahlreiche Beteiligung wie durch reiche Blumen- spenden in so herzlicher Weise ihre Teilnahme erwiesen haben, sage ich hiermit meinen besten Dank. 309b Ww. Barle Breyer geb. Heier. Danksagung. Für die vielen Beweise- herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes, unseres guten Vaters, Bruders, Schwiegersohnes und Schwagers Wilhelm Wen sagen wir allen, insbesondere den 'Mitgliedern der Wahlvereine für Mühlenbeck und Nieder-Schonhausen. der Filiale der Töpser. des Zentral- Verbandes der Maurer, des Ver» bandes der Fabrik-, Land- und Hülss- arbeiter, besten langjähriger Kassierer der Verstorbene war, dem Arheiter- Radsahrei-Verein und dem Gesang. Verein„Gemütlichkeit" für die finn- reichen Gesänge als auch für die reichen Kranzspenden unseren herz- Uchsten Dank. Mühlenbeck, im Dezember 1900. Im Siamen der Hinterbliebenen: Martha Iben nebst Kindern. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Te! nähme bei der Beerdigung melm lieben ManneS, Vaters Franz Loet sagen wir allen Verwandten, Freu, den 11(1 d Bekannten sowie den Kolleg- der Firma Peek u. Cloppenburg, d< Kollegen des Verbandes der Schneid: und Schneidraunen unsern Her lichsten Dank. 301 Kinille I-oehs nebst Tochter. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den KtseratenteU verein»».: Ztz. QÜtafe. Berlin. Druck u. Perlag: Porwarts chuchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer& To.. 9aHn SW, »ta jsmw»)>. firilniit kü„Höniiiiilü" llolliüliliitt,»»»Itw-W«» Zentral-Vorftand des Verbandes iozial- demokratischer Nahlvereine Groß-Ißerlins. Heute Freitag, Sc» 14., abends 8 Ahr präzise: Sitzung w: Augustin. Das Erscheinen aller Mitglieder ist unbedingt nötig. Der geschäftsführende Ausschuß. Partei-?Zngelegenkeiten. Charlottevburg. Heute, Freitag, den 14. d. M., findet im Volts- haus die Fortsetzung deS Vortragszyklus über„die Eiiifüyrung in die Ideen des Sozialismus" statt. Anfang 8'/» Uhr. Gäste willkommen. Der Vortrag ist unentgeltlich.' Der Borstand. Trebbin. Sonnabend, den 15. Dezenibcr er., abends S'/i Uhr, Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Wahl des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Jahresbericht. 3. Bericht von der Kreis- Generalversammlung. 4. Neuaufiiahmen. 5. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist vollzähliges Erscheinen notwendig. _________ Der Vorstand. Berliner IVadmchten. Konflikt— auch im Stadtparlament? Reichstagsauflösung! Unter dem Eindruck dieses Ercig- nisses stand die gestrige Sitzung der Stadtverordneten. Kurz nach dem Beginn der Sitzung gelangte die Kunde in den Saal, und mit Windeseile verbreitete sie sich durch die Reihen.„Der Reichstag ist aufgelöst!" Einer rief es dem andern zu, und überall bildeten sich Gruppen, die die Nachricht besprachen. Tie freisimligcn Stadt- väter machten ernste Gesichter; sie wissen, wie wenig dies- mal bei den Neuwahlen für den Freisinn zu holen ist. Als Genosse Singer den Saal betrat, lvurde er von den Mitgliedern unserer Fraktion lebhaft begrüßt. Auch Frei- sinnige gesellten sich zu der Gruppe, die sich um ihn bildete. Ein paar Tribüncnbcsucherinnen, die die Begrüßung mit- ansahen, deuteten sie als Gratulation.„Warum gratulieren die denn alle dem Singer?" fragten sie erstaunt. Die ahnungsvollen Engel! Tie Sozialdemokratie kann sich in der Tat gratulieren zu diesen Neuwahlen— zu keinem günstigeren Zeitpunkte konnte uns diese Rcichstagsauflösung kommen.. Kon'fllktsluft war vom Köntgsplad nach der Königstraße hinübergcwcht— Äonsliktslust herrschte auch während der gestrigen Verhandlungen unseres Stadtparlaments. Ter Streit umdieRegclung der Lehrer ge Hölter, der seit ziemlich zwei Jahren zwischen dem Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung geführt wird, kam diesmal zu einem so h e f t i g e n A u s b r u ch, wie ihn mancher hier für unmöglich gehalten haben dürste. Ter Antrag Cassel-Rosen ow wollte dem Magistrat eine Brücke bauen, mit deren Hülfe man zu einer Einigung kommen tonnte, aber Herr K i r s ch n e r, der in der Frage der Lchrergehältcr den gesamten Magistrat hinter sich hat. blieb uirbeugsanr. Herr Cassel, der als erster Idedner für den Antrag sprach, bat in den beweglichsten Worten um ein klein bißchen Entgegenkonnnen. Herr R o s e n o w, der gleich- falls zur Begründung des Antrages das Wort nahm, empfahl ihn mir dem offenen Geständnis, seine Annahme werde vor allem„u n s", d. h. der Stadtverordnetenversammlung, Ruhe vor den Lehrern schaffen. Am Magistrakstisch blieb alles stumm! Herr P r e u ß wies hin aiif dieses vielsagende iLchwcigcn. Genosse Singer spöttelte, vielleicht wolle der Magistrat erst die Stimmung der ganzen Versammlung kennen lernen. Wie die sozialdemokratische Fraktion über die Frage der Lchrergehälter denkt, das sagte Singer denn auch mit aller nur wünschenswerten Tcutlichkeit. Wir wollen, so führte er aus, den Lehrern eine ausreichende Besoldung geben, die sie vor Sorgen schützt und ihnen die Bcrufsfrcudigkcit erhält. Taß die Lehrer sich mit den mir mäßigen Vorteilen, die ihnen der Antrag Rofcnow-Cassel bringen würde, völlig zu- frieden geben, das könne und solle man nicht von ihnen fordern. Warum wolle man es ihnen verübeln, daß sie eine immer weitere Besiernng ihrer Gehaltsvcrhältnissc anstreben? Dieser Appell an die„Begehrlichkei t" ging selbst den Freunden de» Antrages Rosenow-Cassel zu weit, Herrn K i r s ch n e r aber erfüllte er mit Entsetzen. Ernst und feier- lich erhob sich der Oberbürgermeister, um die Meinung„nicht des Magistrats", sondern„nur seiner eigenen Person" vorzu- tragen. Seine Rede war ein eigensinniges„Ich will nicht!"— und in unzweideutiger Weise drohte er mit einem Konflikt. Herr M o m m s c n beeilte sich, dem Magistrat seine Bundeögenossenschaft anzubieten. Herr Cassel aber ant- wartete dem Oberbürgermeister mit der Erklärung:„Ich beuge mich nicht!" Den Mchrhcitsführer in der Opposition zu sehen, das ist ein seltenes Vergnügen. Herr Cassel spielte die ihm zugefallene Rolle so gut, daß er jetzt plötzlich erklärte, die Stadt habe ja für die Lehrer bisher noch gar nicht so viel getan. Wenns ihm in den Kraut paßt, pflegt dieser Herr bekanntlich zu behaupten, daß für die Lehrer schon mehr als gsimg getan worden sei. Nach dem Tuell Kirschncr-Cassel zog die Debatte sich noch eine Weile hin. Herr K i r s ch n c r erkannte wohl, daß er sich verrannt hat, doch er gab's nicht zu. Singer stellte fest, daß eine etwaige Verzögerung der Gchaltsregelnna lediglich dein Magistrat Zur Last fallen werde. Tic?s b st i m ni u n g ergab Annahme des Antrages viit 81 Stimmen gegen 18>— ein starkes Mißtrauensvotum � für den Magistrat. Wird er sich die Sache noch einmal über- legen— oder fest bleiben?_ Der RrichStag ist aufgelöst! so schallte eS gestern durch die Straßen Berlins. Die Extrablätter, die der„Vorwärts" tmd einige andere Zeitungen über diesen plötzlichen politischen Vor- gang verbreite» ließen, wurden den Verteilern fast aus den Händen gerissen. Riefen schon tagelang die im Reichstage gepflogenen Debatten über die Kolonialgreuel, die Fleischnotinterpellation und vor einigen Wochen über den Gesetzentwurf zur Rechtsfähigkeit der Bentfsvcreinc die Bevölkerung zur innigen Teilnahme am politischen Leben wach, so war die gestrige Kunde geradezu eine llcbcrraschmig. Der deutsche Michel hatte sich bald schon gewöhnt an daS Ja imd Ame» zur dentichcn Politik. Nur die sozialistisch denkende Arbeitrrflasie ist an den elenden Zuständen grollend vor- übergegmtgcn. Da plötzlich bietet ihr dieses Ereignis die Möglich- kcit, eher, als eS sonst geschehen konnte, abzurechnen mit dem heutigen Kurs, wiederum eine kräftig« Antwort zu geben auf das Treiben unserer herrschenden Klaflc». Das immer festere Schnüren des Hungerrieniens durch eine Jntereflenclique hat die Arbeiterklasse bereits zur vollsten Empörung gebracht. Sie ist es denn auch, die diese Auflösung deS deutschen Parlaments mit Freuden begrüßt. Die Freude am Kampf, am Klassenkampf war e?, die ausgelöst wurde. Gibt uns doch der bevorstehende Wahlkampf Gelegenheit, die Massen aus ihrer Lethargie aufzurütteln und ihnen ihre Klassenlage vor Augen zu führen. Unsere Genossen trifft dieses Moment nicht unvorbereitet. Soweit Berlin und die beiden Vorortkreise in Frage kommen, sind die Organisationen geschloffen und jederzeit bereit, den Kampf, den wir ohnehin ständig führen, in verstärktem Maße fortzuführen. Jetzt gilt es an die Arbeit zu gehen, für den Sozialismus zu werben und den Kampf aufzunehmen für eine beffere Volksvertretung. « Die Heimstätten der Stadt Berlin wurden im vorigen Sommer endlich wieder um eine vermehrt, so daß ihre Zahl auf sechs stieg. Die sechste Heimstätte, die- jeniae in Buch, war für lungenkranke Männer bestimmt. Seitdem stehen zur Verfügung: zwei Heimstätten für lungen- kranke Männer(Gütergotz uno Buch), zwei für lungenkranke Frauen(Blankenfelde und Malchow), eine für genesende Mätmcr(Heincrsdorf), eine für genesende Frauen(Blanken- bürg). Durch die Eröfsitung der Heimstätte Buch konnte natürlich >mr die ältere Heimstätte Gütergotz entlastet und lediglich den lungenkranken Männern eine zeitigere Aufnahme ermöglicht lverden. In den übrigen Heimstätten hat sic? nichts gebessert. Noch immer bleibt in ihnen die Zahl der Betten hinter dem Bedürfnis zurück, noch immer müsien lungenkranke Frauen und audi genesende Männer und genesende Flauen in den Sommermonaten viele Wochen warten, ehe sie in den fiir sie geeigneten Heimstätten Aufnahme finden können. Der Mangel ist dort begreiflicherweise von Jahr zu Jahr fühlbarer geworden. Besonders für die Heimstätten der lungenkranken Frauen haben sich schlimme Zustände herausgebildet— nicht minder schlimm als diejenigen, die bis zum vorigen Sommer für die Heimstätte der lungeitkranken Männer bestanden hatten. Der vom Hcimstättenkuratorium erstattete Verwaltungs bericht für das letzte Jahr, das Etatjahr 1903(1. April 1905 bis 31. März 1906), liegt jetzt vor. In Güter g o tz tmd Buch wurden zusammen 1279 lungenkranke Männer verpflegt und 58 941 Verpflegungstage geleistet, während im Etatsjahre 1904 Gütergotz nur 750 Kranke und 35651 Verpflegungstagc gehabt hatte. Hierbei ist zu be- achten, daß die Heimstätte Buch nach ihrer im August 1905 erfolgten Eröffnung zunächst auf' Monate hinaus nicht mal voll belegt wurde. Zu einer annähernd vollen Bc- lcgung kam eS erst im Frühsahr 1906. März wurden dann in Gütergotz und Buch zusammen /0O6 Verpflegungstage geleistet, während im März des vorhergehenden Jahres Gütergotz nur M33 Verpflegungstage hatte leisten können. Dafür standen Mitte März vongen Jahres auf der Liste der Vorgemeldcten 150 Männer, aber Mitte März dieses Jahres keiner. Im Jahre 1903 war in den Sontmermonaten die Zahl der Bormcldungen gelegentlich über 200 hinaus- gegangen, in dem laufenden Etntsjahr 1906(auf das der Bericht sich noch nicht erstreckt) erreichte sie Mitte Mai ihr Maximum mit 83, was freilich auch noch genug ist. Das Gegenstück von Gütergotz und Buch bilden jetzt Blankenfelde und Malchow. Int Etatsjahr 1903 konnten sie zusammen 1399 lungenkranke Frauen verpflegen mid 61940 Verpflegungstage leisten, im vorletzten Etatsjahr hatten sie 1280 Kranke verpflegt und 57 270 Verpflegungstagc geleistet. Die Zahl der LerpflcgungStage hat hier nicht mehr sehr erheblich zugenommen. Eine weitere Steigerimg ist nur niöglich, wenn die Heimstätten auch im Winter noch mehr ans- gcsuchj werden. In den Sommermonaten ist die Zahl der vorgemeldetcn llmgenkrankcn Frauen so groß, daß man noch zwei bis drei Heimstätten damit füllen könnte. Im vorigen Jahre wurde Mitte Jnli mit 147 Wartenden das Maximum erreicht, in dem lausenden Etatsjahre 1906 um dieselbe Zeit warteten 261 Frauen auf Aufnahme. Auch in der Heimstätte Heinersdorf für genesende Männer ist im letzten Sommer die Aufnahme zeitweise recht schwierig gewesen. Heinersdorf verpflegte im ganzen Etats- jähr 874 Männer an 23 692 Tagen, im Jähre vorher hatte diese Heimstätte nur 803 Kranke gehabt und 21 223 Tage geleistet. Gering war diesmal die Frequenzzunahme in der Heimstätte Blankenburg für genesende Frauen. Dort wurden 734 Frauen an 20 693 Tagen verpflegt, während im vorletzten Jahre sogar 738 Frauen verpflegt, aber allerdings nur 20378 Tage geleistet worden waren. Diese Heimstätte kann ihre Leistungsfähigkeit schwer noch steigern, wenn nicht die Wintcrkurcn mehr als bisher üblich werden. In den Sommer- monaten hat sie schon seit Jahren mit sehr starkem Andränge zu kämpfen. Wann die für Blankenburg beschlossene neue Heimstätte fertig wird, kann heute niemand wissen. Die Notwendigkeit, Heimstätten zu schaffen und die vor- handcnen rechtzeitig zu vermehren, wird vom Magistrat und der freisinnigen Stadtverordnetenmehrheit nur sehr widerivillig anerkannt— und eine Verpflichtung hierzu wird von jener Seite überhaupt bestritten. Das ist begreif- lich; denn die Heimstätten gehören— mehr noch als die Krankenhäuser— zu denjenigen Einrichtungen einerKommuno, von denen die besitzende Klasse nicht für sich selber direkten oder indirekten Nutzen erwartet. Unter den 3870 Per- sonen, die im letzten Jahre von den sechs Heimstätten neu aufgenommen wurden, waren nur 105 Selbstzahlcr. Für 3093 Personen wurden die Kosten von Krankenkassen getragen. Die übrigen wurden zum größeren Teil auf Kosten der Armen- direktion oder der Waisendeputation, zum geringeren auf Kosten von Stiftungen und Vereinen oder des städtischen Freistellen- fonds verpflegt. Es sind fast ausnahmslos Personen aus der u n- bemittelten Bevölkerung, die in den Heimstätten Erholung und Genesung suchen, vor allem die von ihren Krankenkassen dort untergebrachten Arbeiter und Ar» beitcrinnen. Bemittelte Leute gehen in private Sana- torien und Pensionate._ Wofür Sankt Burcaukratius nicht zu sorge» hat. Der Droschkenkutscher St. erhielt wegen einer am 22. Januar stattgefundenen Straßenpolizeikontravention in Berlin eine Straf- Verfügung in Höhe von 16 M. Geldstrafe eventuell 5 Tagen Haft. Da mit Anträgen auf richterliche Entscheidung viel Schererei ver- Kunden ist. unterließ der Kutscher weitere Maßnahmen gegen die Polizeistrafe. Da er über überflüssiges Geld nicht zu verfügen hat. brummte er die 5 Tage Hast in der Stadtvogtei ab. Am 30. Juni verließ er die gastlichen Räume. Im August verhaftete ihn ein Schutzmann zwecks abermaliger Bcrbnßung von 5 Tagen Haft. Vergeblich protestierte der Kutscher und wies seinen„Sitz"- Ausweis vor. Der Schutzmann fand, das Aktenzeichen stimme nicht. Der Verhaftete protestierte auch auf der Polizei! Darauf wurde er nach dem Krimmalgericht mittels grünen WagcnS geführt. Hier wurden Akten nachgeschlagen: zurück ging's zur Stadtvogtei. Dort mußte der Kutscher trotz allen Protestes abermals fünf Tage absitzen. Am 30. August, also sechs Tage nach seiner Bcrhastmig, wurde er entlasten. Der Kutscher beschwerte sich bei dem Polizeipräsidium, daß er eine Strafe doppelt habe absitzen müssen. Darauf erteilte ihm das Amtsgericht folgenden auffallenden Bescheid: Verfügung in der Strafsache o/u St. 144/146 0. 245. 06. Auf Ihre an uns zu Ihrer Bescheidung abgegebene Eingabe an daS Polizeipräsidium wird Ihnen folgendes eröffnet: Allerdings sind Sie wegen des Borfalls vom 22. Januar 1906 zweimal bestraft: in 146 C. 883. 06 und 146 C. 245. 06. Sie haben auch in beiden Sachen die Strafe(mit je fünf Tagen Hafts verbüßt. Sie haben sich die doppelte Bestrafung selbst zuzuschreiben, da Sie nicht Einspruch gegen den zweiten Strofbefehl erhoben haben. DaS Gericht oder eine andere Behörde trifft keine Schuld. Beranlaffung zu der Doppclbestrafung ist, daß der Schutzmann Liebenau zwei Anzeige» gegen Sie erstattet hat: eine an das VerkehrSkomniissariat. die andere an Abteilung VI des Polizei- Präsidiums. Beide Anzeigen find dann an die Amtöanwaltschast zur Herbeiführung Ihrer Bestrafung weitergegeben worden. Bei der großen Menge der bearbeiteten Sachen tonnte natürlich nicht bemerkt werden, daß wegen derselben Sache zwei Verfahren gegen Sie schwebten. Berlin, den 15. November 1906. NW. 52, Werftstr. 7. Kgl. Amtsgericht Berlin-Mitte Abt. 144» gez. Wagler." des Guten zu viel: Der Schutzmann er» Anzeige. Die Amtsanwaltschaft prüft und pflichtschuldigst— also ist„natürlich nicht wegen derselben Sache zwei Berfabrcn schweben". Dem Mann ist nur ein Strafbefehl zugegangen. Slfier selbst wenn ihm wegen derselben Tat zwei Strafbefehle fahrlässigerweise zugestellt wären, so hätte nicht er„sich die doppelte Bestrafung zuzuschreiben. sondern die Beamten wären offensichtlich schuld. die erstens wegen ein und derselben Tat zweimal einschritten, ferner den Mann verhasten und endlich trotz Protestes des Kutschers die Strafe doppelt verbüßen ließen. Der Kutscher machte nach Empfang der oben wiedergegebenen Verfügung abermals eine Eingabe, diesmal an das Gericht direkt. Dies ließ dem Kutscher nun folgenden Bescheid zugehen: DaS ist denn doch stattet an zwei Stellen verfolgt beide Anzeigen bemerkt worden, daß Auf Ihre Eingabe vom 23. November 1900 teilen ivir Ihnen mit, daß das Gericht jedenfalls keine Schuld trifft und daher vom Strafrichter nichts veranlaßt werden kann. Berlin, den 27. November 1SOO. NW. 52, Werftstraße 7. Kgl. Amtsgericht Berlin-Mitte, Abt. 144. gez. Wagler. Ei» trefflicher, ein salomonischer Bescheid. Der zu unrecht Ver- haftete, zu unrecht zweimal Bestrafte, zu unrecht mit sechs Tagen Freiheitsentziehung Bedachte wendet sich an die Behörde. Diese weiß dem Manne keinen weiteren Rat als: das G e r i ch t t r i f f t jedenfalls keine Schuld. Nunmehr wird der Kutscher gegen Sankwm Bureaukratium im Wege der Zivil» und Strafklage vorgehen. Trifft die Beamten wirklich keine Schuld? Uns dünkt, er hat ein vollgerüttelt Maß Slnspruch auf volle Entschädigung und, wenn nicht auf Entschuldigung wegen des groben Versehens— das um so grober ist, je häufiger die Möglichkeit solcher Doppelstrafe dem BureaukratiSmuS vorkommen kann— auf Prüfung des Falles nach Maßgabe der strafgesetzlichcn Vorschriften. Wie sagte doch Graf PosadowSky: wir leben in einem Lande der„vollendetsten Rechtsgarantien". Stadtverordneter Rentier Albert Daber ist gestern g e- starben. Er gehörte der Stadtvcrordneten-Versammlung seit dem Jahre 1901 an und vertrat den neunten Bezirk der zweiten Abteilung. AuS den städtischen Betrieben. Zu unserem in Nr. 289 ent- haltenen Artikel wird uns berichtigend mitgeteilt, daß der ohnmächtig gewordene Arbeiter der Anstalt" Danzigerstraße im Platzarbeiter- unterkunftSraum eine Stunde gelegen habe, ehe er mit der Droschke nach Haus« geschafft werden konnte. Für die Handwerker des Schlacht- und Viehhofes ist der Tage- lohn nicht auf 5 bezw. 0,50 M. festgesetzt, wie im gestrigen Bericht des Kuratoriums zu lesen war, sondern 4,50 M. Anfangslohn und 0,50 M. Höchstlohn. Berlin im neuen Reichsetat. Im neuen P o st e t a t werden für Berlin und Umgegend folgende Neuforderungcn verlangt: 1. 120 000 M. zu einem Um- und Erweiterungsbau auf dem Post- grundstücke Königgrätzerstraße 20, 1. Rate. Das Telegraphen- versuchsamt soll hierher von der Oranienburgerstraße verlegt werden. 2. 255 000 M. für Vergrößerung des Postbauplatzcs Ecke Magazin-� und Alexänderstraße und zur Herstellung eines neuen Dienstgcbäudes daselbst. Dieses neue Postamt soll die Aemter 25 (KönigSgraben) und 27 sBIumenstraße) entlasten und eigenen Bestelldienst erhalten. 3. 220 000 M. zur Herstellung eines neuen Dienstgebäudes für das Postamt 9 am Potsdamer Platz. Dieses Postamt, dessen Verkehr immer mehr zunimmt, hat jetzt Dienst- räume in vier getrennten Häusern. Geeignete Änfahrtsplätze für den starken Postwagenverkehr fehlen ganz. Es soll ein neues Dienstgebäude unter Benutzung der reichsfiskalischcn Häuser Link- strahe 4/5 gebaut werden und Anfahrtsplätze geschaffen werden. 4. 120 000 M. zu einem Erweiterungsbau auf dem Postgrundstücke in Grotz-Lichterfelde, 1. Rate. Das Postamt, das auch Teile von Dahlem und ganz Lankwitz bestellt, reicht nicht mehr aus. 5. 280 000 M. zur Herstellung eines neuen DienstgebäudeS in Steglitz, 1. Rate.(Grunderwerbskosten im Vorjahre be- willigt.) 6. 389 481 M. zur Erwerbung eines Bauplatzes und zur Herstellung eines neuen Dienstgebäudes in Wilmersdorf- Berlin. Die bisherigen Mietsräume(Berliiierstrahe 34) sollen durch rcichscigene ersetzt werden, da sie unzulänglich sind. Ter Bauplatz soll unweit des jetzigen Postanitcs gewählt werden. Man beabsichtigt, das unbebaute Grundstück Uhlandstraße 85 und Pfalz- burgerstrahe 41 anzukaufen. 7. 091 009 M. zur Erwerbung eines Grundstücks in der Französischenstratze. Die Aemter 8, 49 und 04 müssen 1910 ihre bisherigen Räuzne aufgeben, sie sollen alsdann in einem Postamt vereinigt werden, da die jetzigen Zustände un- haltbar sind. 3. 50 000 M. für Erwerbung eines Grundstücks zu neuen Postbetriebsanlagen für den Anhalter und Potsdamer Bahn- Hof, I. Rate, analog den Postlade-Einrichtungen auf dem Schlesischen Bahnhofe. Die Einrichtung kann wegen des großen Paketverkehrö nicht mehr hinausgeschoben werden. 9. 332 216 M. zur Ver- grötzerung des Postpaketamtes in der Oranienburgerstraße durch Ankauf benachbarter Häuser. 10. 128 328 M. zur Vergrößerung des Postgrundstückes in der Berlinerstraße in Charlotten- bürg, 1. Rate. . Ferner werden an Ratenzahlungen gefordert: 665 000 M. als letzte(6.) Rate für die neuen Postbetriebsanlagen auf dem Schlesischen Bahnhofe, 14 000 M. für Vergrößerung des Haupt- Postamtes in der Spandauerstraße, 5. Rate, 500 000 M. zur Her- stellung von Dienstgebäudcn auf der Postverladestelle am Schlesischen Bahnhof, 4. Rate, 118 000 M. zur Herstellung eines neuen Dienst- gebäudes für das Postamt 7(Dorotheenstratze), letzte Rate. Der Militäretat fordert für Berlin: 1. 15 000 M. als Schlußrate für die Kaserne des 3. Telegraphenbataillons, 2. 175000 Mark zur Erweiterung der Geschäftsräume des Kriegsministeriums, voller Bedarf, 3. 52 000 M. zur Erweiterung der Geschäftsräume des Generalstabes, 4. 1800 M. für den Neubau eines Dienstgebäudes für den katholischen Feldpropst der Armee in Berlin, l. Rate(für Entwurf), 5. 1 Million Mark für den Neubau der Kaiser Wilhelms- akademie im Jnvalidenpark. Ter Durchstich des Teltow-Kanals bei Groß-Lichterfelde wird voraussichtlich Mitte nächster Woche, jedenfalls aber noch vor Weih- nachte», stattfinden und somit die Wasserflächen des Kanals der» einigt werden. Anscheinend ist es jetzt endlich gelungen, die Morast- niassen des Bäketales zu verdrängen und einen festen Untergrund für das Kanalbett und die Böschungen zu schaffen. Sobald der Durchstich beendet ist, werden die überschüssigen, zur Festlegung des Kanalbetres versenkten Erdmassen ausgehoben, so daß noch im Januar der Teltow-Kanal in seiner ganzen Ausdehnung befahrbar wird. Wenn auch nach Eintritt der Winterruhe die Schiffahrt auf dem Teltowkanal zunächst keinen bedeutenden Umfang annehmen wird, dürfte nach Wiederaufnahme des Fernverkehrs bei der Schiffahrt im Frühjahr der Verkehr auf dem Kanal einen beträcht- lichen Umfang erfahren. Darauf deutet schon der lokale Verkehr in der verflossenen Saison, der eine fast von Tag zu Tag steigende trequenz aufzuweisen hatte. Die Baukosten des Kanals, welche ei der Inangriffnahme auf 25 Millionen veranschlagt waren, haben sich um rund 15 Millionen Mark erhöht, die Gesamtausgaben für die Anlage betragen 40 Millionen Mark. Diese gewaltige Differenz ist lediglich durch die ungeheuren Schwierigkeiten, welche die Bodenbeschasfenheit den Arbeiten entgegensetzte, verursacht worden. Der Ausgabe stehen jedoch noch zu erwartende Einnahmen aus Terrainverkäufen gegenüber, da die Kanalbauvcrwaltung bc- trächtliche an den Kanal angrenzende Ländereien an der Kanallinie miterwerben mußte. Mit Rücksicht auf die durch den Kanalbau herbeigeführte Steigerung des Bodenwertes dürften die Kosten des 5!analbaues bei Verkauf der Grundstücke nicht unbeträchtlich herab- gesetzt werden können. Große Trauer herrscht unter den Berliner Schulkindern. Das norwegische Königspaar wird nämlich den Kaiser in Potsdam und nicht in Berlin besuchen. Dadurch kommen unsere Schul- kinder um ihre Einzugsferien uyd um daS„Vergnügen", Unter den Linden Spalier bilden zu müssen. Der Schuhmacher Voigt, der zu vier Jahren Gefängnis ver- urteilte falsche Hauptmann von Köpenick, ist nunmehr nach dem Strafgefängnis Tegel übergeführt worden. Was die Art der ihm zuzuweisenden Beschäftigung betrifft, so wird er wahrscheinlich in seinem gelernten Handwerk beschäftigt werden. Ueber einen Bauunfall, der sich am Montagabend bei den AuS- schachtungsarbeiten der Untergrundbahn am Leipziger Platz er- eignet haben sollte, wurde in einer der letzten Nummern berichtet. Wie uns heute von anderer Seite mitgeteilt wird, hat sich der Unglücksfall nicht bei dem Bau der Untergrundbahn, sondern auf einem Abrißgrundstück in der Kraufsnstraßc zugetragen. Der dort schwer zu Schaden gekommene Arbeiter Hübner aus der Kaiser Friedrichstraße 13 befindet sich noch im Krankenhaus« Moabit. Ein schwerer Zusammenstoß eines Straßenbahnzugcs mit einem Postwagen fand Mittwoch abend gegen �7 Uhr in der Dorotheen- strahe statt. Als der Straßenbahnwagen Nr. 2392 der Linie 18 die Kreuzung an der Universirätsstraße befuhr, bog aus der letzteren der Postpaketwagcn Nr. 604 unmittelbar vor dem Motorwagen in die Torothcenstraßc ein. Der Führer des Straßenbahnwagens gab sofort Gegcnstrom, doch wurde bei dem schlüpfrigen Pflalter der Postwagen gegen die Vorderplattform des Kraftwagens ge° schleudert. Infolge des Anpralles wurde der Postillion von seinem Sitz herabgestoßen, stürzte auf das Stratzenpflaster und blieb be- sinnungslos liegen. Er hatte, wie in der königlichen Klinik in der Ziegelstraße festgestellt wurde, schwere innere Verletzungen er- litten. Bei dem Zusammenstoß wurde an dem Postwagen die Hinterachse zertrümmert, bei dem Straßenbahnwagen die Luft- bremse beschädigt. AuSnahmetage während der Weihnachtszeit. Die AuSnahmetagc vom Neunuhrladenschluß, die in diesem Jahre während der Weih- nachtszeit für offene Ladengeschäfte zugelassen werden, sind folgende: Bis 10 Uhr abends dürfen die Läden geöffnet sein vom 13. blS 15., vom 17. bis 22. und am 29. Dezember. Im Auftrage der Firma Vereinigte Gerüst-Bau- und Leih- Anstalten L. Altmann zu Echaru/imburg, Spandauerstraße 20, ersucht uns Herr Rechtsanwalt Hahr nachstehende Berichtigung der im„Vorwärts" am 8. d. M. über die Firma gebrachten Notiz zu veröffentlichen: 1. Es ist unwahr, daß. wenn über Gerüst-Einstürze berichtet werden muß, in vielen Fällen die Gcrüstfirma Altmann genannt wird, wahr ist vielmehr nur, daß in 16 Jahren 4 Gerüstcinstürzc bei der Firma Altmann erfolgt sind, bei denen sämtlich festgestellt worden ist, daß sie entweder aus höhere Gewalt oder auf Ver- schulden fremder Handwerker, die auf dem Gerüst gearbeitet hatten, zurückzuführen sind. Es ist also auch unwahr, daß die Schuld an dem Einstürzen Altmannscher Gerüste auf die in diesem Geschäft herrschenden Arbeitsmethoden zurückzuführen ist. 2. Es ist unwahr, daß die Firma Altmann bei Vergebung von Arbeiten die übrigen Firmen unterbietet. 3. Es ist unwahr, daß die Firma Altmann bestrebt ist, möglichst billige Arbeitskräfte zu bekommen; wahr ist vielmehr, daß sie die höchsten Löhne im Lcitcrgerüstgewerbe zahlt. 4. Es ist unwahr, daß organisierte Arbeiter Herrn Altmann ein Gräuel sind, und er ihnen kurz und bündig erklärt, sie mühten sich vom Engelufer Arbeit holen; wahr ist vielmehr, daß Herr Altmann unterschiedslos organisierte und nicht.organisierte Arbeiter beschäftigt. Auf diese höchst originelle Berichtigung haben wir unfern Ge- währsmann um Aeuherung ersucht. Das Berliner Adreßbuch für 1907 ist erschienen und gelangt von heute ab in der Haupt-Erpcditkm des„Berliner Lokal- Anzeigers". Zimmcrstraße 37— 41, von 9- Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags zur Ausgabe. Von den Vorbestellern kann das Adreß- buch gegen Aushändigung der ihnen zugegangenen LegitimationS- karte in Empfang genommen werden: in einem Bande gegen Zahlung von 10 M., in. zwei Bänden zum Preise von 12 M. Von Montag, den 17. d. Mts., ab erfolgt gegen eine Zustcllunosgcbühr von 20 Ps. die Zusendung der nicht abgeholten Exemplare in die Wohnungen der Besteller. Der Verkauf nicht vorbestellter Bücher zum Ladenpreise, der um 2 M. höher ist als der Vorbestellpreis, findet nur in der vorgenannten Haupt-Expedition für die Ausgabe in zwei Bänden statt.— Der�vorliegende Jahrgon■ bat eine Stärke von 320 Druckbogen zu 16 Seiten, zusammen also: 5120 Seiten. Das Namensverzeichnis enthält allein 2770 Seiten und hat damit nahezu den Gesamtuwfang der ersten Ausgabe, die in dem der- ze,.igcn Verlag hergestellt wurde(Jahrgang 1896), mit 280L Seiten erreicht. Das Bemühen der Ober-Postdircktion, durch Erzielung zuverlässiger und vollständiger Adressen die Schnelligkeit der Brief- bestellung zu fördern, ist vom Verlag durch Hinzufügung der zu- ständigen Postbezirke und Postämter bei jeder Adresse sowie durch einheitliche Schreibung der Straßennamen in wirksamster Weise unterstützt worden. Eine anerkennenswerte Neuerung bringt das neue Adreßbuch in Gestalt der nunmehr bei jedem Vorort dem Text vorangestellten Situationspläne, die den großen Verkehrsplan ergänzen und die Orientierung in den einzelnen Orten wesentlich erleichtern. Feuerwchrbericht. In der letzten Nacht gegen 2 Uhr kam in der Landsbergerstr. Ig. in einem Lagerraum ein gefährlicher Brand aus, der den ersten Zua längere Zeit beschäftigte. Dort brannten außer Pappen und anoerein Kisten, Fußböden, Schaldecken. Balken usw. Durch kräftiges Wassergeben gelang es. eine weitere Ausdehnung zu verhüten. Gestern früh um 7 Uhr entstand in einer Tischlerei in der Lippehnerstr. 23 ein Brand, der an Holz reiche Nahrung fand. In der Kronenstr. 66 mußte ein Feuer gelöscht werden, das nachts aus einem Kloset ausgekommen war. Kleider u. a. brannten in einer Werkstatt in der Wilhelnistr. 63/64 und ein Badezimmer in der Gueisenaustr. 64. Wegen eines KellerbrandcS wurde der 13. Zug nach der Artilleriestr. 22 gerufen, wo Papier u. a. in Brand geraten war. Aus der Luisenstr. 45 wurde ein Ladcnbrand gemeldet und aus der Hausburgstr. 10 ein Küchenbrand. Der 11. Zug hatte in der Nostizstr. 46 mit einem Schornsteinbrand zu tun. Zur Rettung einrS dreijährigen kranken Kindes wurde auf Veranlassung eines ArzteS ein Samariter der Wehr nachts nach der Stallschreiberstr. 10 entsandt, der dem Kinde längere Zeit Sauerstoff einatmen ließ. Das Berliner Aquarium hat einerseits durch seine Tochter- anstatt Rovigno und andererseits durch die königliche Biologische Anstalt auf Helgoland eine ganze Reihe kaltblütiger und Wirbel- loser Seetiere aus den süd- und mitteleuropäischen Meeresgebieten zugesandt erhalten. Unter den von Helgoland eingelieferten Fischen sind besonders hervorzuheben der lebend so schwer zu erhaltende. dem Namen nach aber wolhl jeder Hausfrau bekannte Steinbutt, dessen Fleisch zu den feinsten Tafelgenüssen, die das Meer dem Menschen zu bieten vermag, gehört, und der zierlichste aller Flossen- träger der deutschen Meere, der zu den beachtenswertesten Selten- heiten eines Aquariums zählende Seestichling, der schöner und an- mutiger als seine das Süßwasser bewohnenden Verwandten, aber leider infolge seiner Empfindlichkeit auf dem Transport schwer durchzubringen ist. Aus den der Adria entstammenden sechs Arten muß in erster Linie eine zu den Schell- oder Weichfischcn ge- hörende Seequappe vermerkt werden, die in der Aalquappe unserer Gewässer eine Verwandte hat und sich durch fünf Bartfäden aus- zeichnet. Die Station Rovigno sandte sieben Haieier ein. die hier nun ihre Weiterentwickelung durchmachen. Der Zoologische Garten, dessen Papageiensammlung jetzt über 110 Arten umfaßt, hat kürzlich vier zum Teil hier zum erstenmal gezeigte Formen erworben. Sie gehören sämtlich zu der Gruppe der in Australien lebenden Plattfchtvcifsittiche und sind auf der Papageienseite des neuen Vogelhauses untergebracht. Ein felscn- Bewohnender Klippensittich hat in einem Glaskäfig Unterkunft ge- funden, ebenso ein Pärchen der stattlichen Kappensittiche, während ein Paar Scharlachsittiche, nahe Verwandte der bekannten Rosen- sitttche und ein zierlicher Glanzsittich zwischen ihre Landsleute in der obersten Reihe der Papageien-Einzelabteilungen eingereiht sind.__ Vorort-[Vaebriebten. Schöneberg. Wie ein Pädagoge über die Frequenz der Schulklassen denkt, beleuchtet der stenographische Bericht einer der letzten Schöneberger Stadwerordnetensitzungeu. In dieser Sitzung äußerte sich der Stadtverordnete Vrofessor Hagen. Vorsteher dieser Versammlung, darüber folgendermaßen:„Vom pädagogischen Standpunkte au? halte ich es in der Tat auch gar nicht für so gefährlich, wenn die Zahl der Schüler etwas größer ist. Für den Lehrer ist eS ein bißchen anstrengend, unzweifelhaft, aber der Schüler ist eigentlich hygienisch besser versorgt, denn er ist nicht immer derjenige, auf den sich die Attacke in jedem Augenblick richtet. Wenn statt 30 50 Schüler da sind, kommt die spezielle Frage an diesen etwas seltener, und man weiß pädagogisch sehr gut. es ist ein Glück, daß der Schüler nicht bei jeder Frage mir der scharfen Ausinerksamkeit beteiligt ist. daß er sich sagt, dir bist derjenige, der gefragt wird und mußt Antwort geben. Wenn das der Fall wäre, würden die Schüler es nicht aushalten, daß sie mit so vielen Srunden in Anspruch genommen werden, wie es jetzt der Fall ist. Das ist schon eine alte Praxis und eS ist damit nicht so schlimm." Der Mann, der diese Worte gesprochen hat. ist Professor und Lehrer am Falk-Realgynmasium in Berlin. DaS Bürgertum könnte. wenn das. ivas hier gesogt ist. zuträfe, in diesem Herrn einen glänzenden Verteidiger unserer heutigen Volksschulzustände erblicken. Rur schade, daß der von dem Herrn Professor aufgestellte Grundsatz nur für die Volksschulen und nicht auch für die höheren Lehranstalten Anwendung findet. Daß ein Pädagoge allen Ernstes solche An- sichten äußern kann, wird in der Arbeiterschaft sicherlich großes Kopf- schütteln erregen. Eine Erleichterung des Stcuerzahlcns soll auf Beschluß der städtischen Körperschaften im nächsten Jahre zur Einführung ge- langen. Mit den in Schöneberg befindlichen Bankinsliluten und Bankfilialen wird gegenwärtig ein Abkommen gettoffen, wonach sich dieselben verpflichten, Steuern auf Rechnung der Stadt und des Staates entgegenzunehmen und zwar in der Zeit vom 1. bis ein- schließlich den 18. des zweiten Monats eines jeden Viertel- jahreS. Eine besondere Bcrgütigung erhalten die Banken von der Stadtgemeinde hierfür nicht. Mit dieser Einrichtung ist den Steuerpffickittgen die Gelegenheit gegeben, auch außerhalb der Bureaustunden der städtischen Steuerkaiie ihre Steuern entrichten zu können. Die bisherige Einholuna der Steuern durch die städtischen Steuererhebcr wird jedoch bis auf weiteres noch' beibehalten werden. Charlottenburg. Verein Freier Kindergarten. Wie bereits mitgeteilt, findet Sonnabend, den 15. Dezember, im.Volkshause", Rosinenstr. 3. ein Winterfest zur Belustigung der Kinder mit Spielen, Kasperle- theater und Bescherung statt. Anfang 4 Uhr. Eintritt für Er- wachsen« 20 Pf., für Kinder 10 Pf. Lichtenberg. Die„BolkSzeitung" für Lichtenberg, Friedrichsberg und Wilhelms- berg hat abermals ihren Redakteur gewechselt. In der Mittwoch« nummer gibt das Blättcheu den Lesern bekannt, daß ein Herr M ü l l e r- S u n d die Redaktion übernommen hat. Auch der neue Herr bittet um die gütige Unterstützung der Mitbürger. Hat der Vorgänger diese? Herrn vielleicht wider den Stachel der Grund- besitzerinteressen gelökt, daß er in Ungnade versallen? Schildow-Blankenfelde(Bezirk Nieder-Schönhausen). Weihnachtsbetrachtungen lautete das Thema eines Vortrags, den Genosse H. W e b e r in der am Sonntag in Mönchsmühle bei Knappe tagenden Wahlvereinsversammlung hielt. Eine Diskussion über daß mit lebhaftem Beifall aufgenominene Referat fand nicht statt. Der Vorsitzende crmahnte die Anwesenden zu fleißiger Agi- tation für die Organisation und sozialistische Presse. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung die verstorbenen Ge- nassen August Dreesbach und Wilhelm Iben in der üblichen Form. Nowawes. In einer am Dienstag im„Volksgarien" abgehaltenen, von 260 Personen besuchten Volksversammlung referierte Genosse Paul Wagencr-Berliu über die„Schäden der Heimarbeit und den Gesetz- entivurf betreffend die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine". Seine Ausführungen fanden lebhafte Zustimmung. Eine Resolution, in welcher der gesetzliche Hcimarbeiierschutz gefordert wird und die sich gegen den Gesetzentwurf über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine ausspricht, fand einstimmige Annahme. Gerichts-�eitung. Verurteilung wegen SerienloSschwindel. Eine Anzahl Scrienlosschwiudler. vor deren Unternehmen wir so oft eindringlich gewarnt haben, ist gestern von der Trierer Straf. kammer verurteilt. Wegen Serienlosschwindels wurden verurteilt der Kaufmann Seck aus Luxemburg zu 2% Jahren und U Tagen Gefängnis, der Kaufmann Uhlig aus Frankfurt a. M. zu vier Monaten Gefängnis und der Kaufmann Roeder aus Luxemburg zu zwei Monaten Gefängnis. Der LosHändler Passarge aus Lübeck wurde freigesprochen. Nochmals: Hand weg von Serienlosen! Aufzug oder Spaziergang. Streikende Bergleute mit ihren Familien waren im April auf der Landstraße über Streckau nach Zeitz gewandert. Hundert bis zweihundert sollen eS gewesen sein. Dann und wann musizierten einzelne. Tischenidörf und Genossen, die sich beteiligten, wurden vom Landgericht Naumburg von der Anklage der Uebcrtretung der 88 10 und 17 des Vereinsgesctzes freigesprochen, weil kein genehmigungspflichtiger öffentlicher Aufzug vorliege. Das Kammcrgcricht hob das Ustteil auf und verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Landgericht zurück: Das Landgericht verkenne den Begriff des öffentlichen Aufzugs im Sinne des Vereinsgesctzes, wenn es meine, es müßte damit der Zweck einer Störung der öfscntlichcn Ordnung und des Verkehrs verbunden sein, tvas hier nickst der Fall wäre. Aber auch der zweite Gruna des Landgerichts rechtfertig« n i ch t die Freisprechung. DaS Landgericht sage nämlich an zweiter Stelle, die Leute hätten nur einen Ausflug, einen Spaziergang nach Zeitz gemacht. Dem widerspreche eS, wenn das Landgericht vorher feststellte, daß 100 bis 200 Personen sich„im Hausen" auf der Landstraße fortbewegt hätten, wobei auch musiziert worden sei. Wer so gehe, der wolle eben nicht bloß spazieren gehen, sondern vielleicht(!) damit demon-, striercn. Die Vorinstanz nnisss somit noch weitere Nachprüfungen vornehmen. Mögen die Arbeiter aus dieser Art Rechtsprechung Anlaß nehmen, zu gegebener Zeit in hellen Haufen zur Wahlurne zu gehen. Dieser Spaziergang ist erlaubt. Die weiße und die-rote Schleife. Wie der Kampf der herrschenden Klassen und ihrer Institutionen gegen die Hfl- Sozialdemokratie doch manchmal auch einen starken Stich ins Komische erhalten kann, davon hier ein Beispiel. Vor dem Schöffengerichte in Ruchrort sollte kürzlich der Berg« mann W. in der üblichen Weise verknaxt werden, weil er bei der Beerdigung seines Kameraden Lindcnschmidt einen Kranz mit roter Schleife getragen hatte, d. h. so behauptete es die Anklage. Zur allgemeinen Verblüffung ergab nun aber die Beweisaufnahme, daß W. keine rote,, sondern eine weiße Schleife am Kranze gehabt hatte! Allgemeines Erstaunen. Doch so leicht sollte der Sünder nicht davonkommen. Hatte er nun auch keine rote Schleife getragen, 'o war doch in dem Leichenzuge irgend jemand auch mit einer roten Schleife gewesen. Und dadurch, so deduzierte der Herr Amtsanwalt, werde das Leichenbegängnis an sich zu einem„außer- gewöhnlichen" ergo könne W. wegen Teilnahme an einem außergewöhnlichen Lcichenbegängniffc, zu dem die Genehmigung nicht eingeholt sei, bestrast werden. Sckirumml Zudem hatte W. bei' der Niederlegung seines Kranzes gesagt:„Im Namen Deiner Kameraden vorn Bcrgarbeitervcrbande"— also war auch die„Rede am Grabe" fertig.-, Das Schöffengericht konnte sich nun doch zu dieser Höhe amts- anwaltlicher Logik nicht aufschwingen, es sprach den Angeklagten tostenlos frei. Um so mehr Verständnis fand der Herr Amts» cmwalt bei der Berufungsinstanz. Der StaatSanNxrlt be° antragte 5 M. Geldstrafe, doch die Strafkammer des Landgerichts in Duisburg, den Spuren des Amtsanwalts folgend, verurteilte dm Äianzträger zu 15 M. Geldstrafe, in der Begründung zum all- gemeinm Erstaunen betonend, daß W. nicht aus Pietät gclmndclt, sonder« nur für seine Partei habe demonstrieren wollen!(Mit der' weißen Kranzschleife! I) Durch das Tragen einer roten Schleife fei das Leichenvegängnis zu einem ,, austergewöhnliäien" geworden. Daß W. selbst diese rote Schleife nicht gehabt, ändere nichts an dem Charakter des Leichenzuges. Und da nun die Beweis- aufnahm« ergab, dast W. beim Niederlegen des Kranzes mit der weißen Schleife gesagt:„JmNamenDeinerKameraden vom Bergarbeiterverbandc", so habe W. auch noch eine „Rede" gehalten, die nur den Geistlichen zukomme!— Wenn es wahr ist, daß„Lächerlrchkeit tötet", dann dürste dieser Prozeß einer von den Nägeln zum Sarge unserer heutigen Rechtsprechungsart sein. An den Wählern ist es. die Herbeiführung gerechterer Zustände durch de« Stimmzettel zu beschleunig en. Schutz gegen Schutzleute! Wegen Mißhandlung eines von ihm verhafteten Arbeiters hatte sich der Schutzmann Ehlers vor der Braunschweiger Strafkammer zu verantworten. Bei der Borführung zur Vernehmung auf der Polizei- wache hat er seinen Arrestanten, der sich bei der Verhaftung wider- festlich benommen und den Beamten durch Schimpfworte gereizt haben soll, grob angefahren und ihm mit der Faust derbe Püffe und Schläge versetzt. Der Vertreter der Staatsanwalt- schaft sah die Sache recht milde an; er meinte, man dürfe es einem Polizeibeamten nicht so sehr verübeln, wenn er sich in der Erregung über ihm zugefügte Beleidigungen einmal zu Tätlichkeiten verleiten lasse. Nicht so dachte der Gerichtshof, der statt der vom Staatsanwalt beantragten 15 M. auf eine Geldstrafe bcn 5l) M. erkannte. Landgerichtsdirektor Bode setzte dem An- geklagten sehr ernst auseinander, daß das Gericht nur deshalb von einer Freiheitsstrafe abgesehen habe, weil der mißhandelte Arbeiter in sehr schlechtem Rufe stehe. Ein Schutz- mann müsse stets kaltblütig seine Ruhe wahren und dürfe sich nicht so vergessen, wie der Angeklagte es getan habe. ,,Ta haust Du einen schönen Bauern raus!" sagte beim Nürnberger Bauarbeiterstreik der Maurer Max Huber zu dem arbeitswilligen Stcinhauer Xaver Schenk, den er bei der Arbeit vor einem Neubau beobachtete. Der Ausdruck ist in Bau- arbeiterkreisen viel gebräuchlich und soll eine scherzhafte Bezeich- nung für eine nicht ganz ordnungsgemäße Arbeitsausführung sein. Der Arbeitswillige schlug sofort mit der Richt- latte auf den Kritiker ein. sodaß die Latte brach, dann warf er ihn zu Boden, inzwischen kam der Unternehmer Polln- berger hinzu, und als nun Hubcr aufstehen wollte, schlug er eben- falls auf diesen ein. Der Geschlagene kam nun noch wegen Vergehens gegen den§ 153 der Gewerbeordnung vor Gericht. Der hinzugekommene Schutzmann hatte ihn angezeigt und in der An- zeige bemerkt, der Ausdruck:„Da haust Du einen schönen Bauern raus", sei eine Aeuherung, die von den Streikenden oft gebraucht werde, um Arbeitswillige zur beleidigen und zur Teilnahme am Streik zu veranlassen. Das Gericht sprach ihn jedoch frei, dagegen wurden der Unternehmer und sein Streikbrecher wegen Körperverletzung zu je drei Tagen Gefängnis verurteilt. Wassersland am 13. Dezember. Elbe bei ülusflg— Meier, bei Dresden— 0,80 Meier, bei Magdeburg 4- 2,08 Meter.— U n st r n t bei Straußsurt— Meter.— O d e r bei Ratibor-f 1,47 Meter.— Neiße» mündunz 4- 1,77 Meter.—Oder bei Brieg 4- 2,32 Meter.— Oder bei Breslau Unierpegel— 0.82 Meter. Terrrnfchtcs» Hagel und Donnerwetter im heiligen Trier. Am Mittwochabend ging über das Moseltal ein Gewitter mit gewaltigen Donnerschläaen. Hagelschauer und Sturm nieder. Viele Dächer in Trier sind stark beschädigt worden. Auch in Köln sind infolge des Sturmes große Störungen im Telephonbetrieb und zahlreiche Unglücksfälle herbeigeführt worden. Die Tclephonleitungen nach fast allen Richtungen wurden unter- brachen. Unterhalb von Worringen wurden abends zwei auf einem Schleppkahn weilende Personen von einem Sturmwind in den Rhein geweht, eine Person ertrank. Unweit des Bahnhofes Köln-West wurde ein Anstreicher von der Plattform eines Wagenabteils 4. Klasse auf die Gleise geschleudert, als in demselben Augenblick der Baseler Schnellzug die Strecke passierte. Der Verunglückte wurde schwer- verletzt einem Hospital überwiesen.— In A a ch c n wurde ein Fabrik- neubau schwer beschädigt. Ein Arbeiter erlitt tödliche Verletzungen. Glücklich im Hafen. Der der Stettiner Reederei Kunstmami gehörige Dampfer„Teruvta", der am 10. d. Mts. an der nord- amerikanischen Küste gestrandet war, ist durch eigene Hülfe wieder abgebracht worden und im Hasen von Philadelphia angekommen. Entgleist ist gestern vormittag g Uhr 50 Min. auf dem Bahnhof Halberstadt Maschine uud Packwagen des einfahrendes Personen- zuges Nr. 3 der Halberstädter-Blankenburger Eisenbahn. Reisende sind nicht verletzt. Der Lokomotivführer erlitt geringe Erschütte- rungen. Die Ursache der Entgleisung ist Schienenbruch. Der Betrieb ist nicht gestört. Der Porsonenverkehr wird aufrechterhalten. Ein Felssturz. Infolge eines großen Felssturzes auf der Strecke Czennosek-Sebsin geriet, wie aus Leitmeritz gemeldet wird, der Schnellzug der Nordwestbahn in große Gefahr. Nur mit großer Muhe gelang es, ihn im letzten Augenblick zum Halten zu bringen und vor einer folgenschweren Entgleisung zu bewahren. Empfehlensiverte Gegend. Auf den zwischen Resizan und Bogsan verlehrenden Personenzug wurden mehrere Schüsse abgegeben. Eine Anzahl Waggonfenster wurden zertrümmert, indessen wurde glück- licherweise niemand von den Passagiere� verletzt. Frauen als Henker. In Columbia, Ohio, Vereinigte Staaten von Amerika, soll ein Frank Castro, der einen Polizisten ums Leben gebracht hat, hingerichtet werden. Zwei Frauen bewarben sich eifrig um das Heukcramt, das darin bestehh, eine Kurbel zu drehen, so- bald der Mörder auf dem elektrischen Stuhl festgebunden ist. Die eine Frau ist die Matrone des Sladtgefängnisses, die andere die Witwe des ermordeten Polizisten, welche die Behörden gebeten hat, ihr diese„Genugtuung" zu geben. Beide Frauen sind sehr ent- rüstet darüber, daß von verschiedenen Seiten der Versuch gemacht wird, eine Begnadigung für Castro zu erlangen. örnfttaCten der Redaktion. Die jnriftisckie Sprechstiind- findet Friedrich st r. 1«, Aufgang 4, eine Treppe(Handelsftätte Bcllcalliance, Durchgang auch LIndenstr. 101), loochentäglich van?>/, bis»>/, Uhr abends statt. Gcöfiiic»? Uhr. «ouiiabends beginnt die Sprechstunde»m« Uhr. Jeder Anfrage ist ei» Buchstabe und eine tlahl alS Ntcrkzeichc» beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. — B. B. 300. 1. Leider ja. 2. Durch 1 erledigt.— Thüle 100. Wiederholen Sie Ihre Anfrage unter Ergänzung, wann und wo die Heirat statt- gefunden hat und ob beide Eltern noch leben.— I. A. 550. 1. Nein. 2. Nach 2kwöchcntlicher mit Erwerbsimsähigkeit verbundener Krankheitsdauer oder bei erwiesener Invalidität. 3. Das Gericht kann das annehmen: eS ist von Fall zu Fall zu entscheiden.— 01. Sie können sich an Berün(Köllnischer Park) wenden.— W. äflä. Nein. — G.®. 8. 1. Bezieht die Rente weiter, kann auch Abfindung erhalten. 2. Sie beantragen die Weiterzahlimg.— 50. Nein.— Oskar 750. 1. Ja. 2. Nur, falls die Gesellschaft zugestimmt hat. 3. Nur wenn er zum Schein erfolgt. 4. Die Abtretung hat schrisllich zu erfolgen, desgleichen die Zustimmung der Versicherungsgesellschast.— H. M. 39. Ja, Sic können dann bei Gericht Kostensestsetzung zwecks Erstattung des Bezahlten durch Klägerin verlangen.— O. S. 1884. 1. Falls Ihr Vertrag nichts Gegenteiliges besagt:»ein. 2. Klage aus Unterlassung beim Amtsgericht. — Gotthard. Jagerstr. 53(». Mendelssohn-Bartholdh).— L. I. 31. Die Arbeiter, die einer dem§ 75 des KrankcnversicherungS-Gescßes entsprechenden HülsSkassc angehören, sind von der Zugehörigte't zur OrtSlrankenlasse befreit, also vom Arbeitgeber nicht anzumelden. — K. 00. Sie müssen ohne weitere Ausioröerung zahlen: sonst können Sie verhaftet werde».— H. Ripdorf 7. Nein. — C. K. lOO. Zwischen 6 und 20 Marl sür die Hülse und zwischeii 1 bis 2 Mark sür jeden Besuch werden als angemessen erachtet. Dies Geld kann im Loraus verlangt ivcrden.— A. L. 2, Schönebcrg, Marirndorsvr Weg.«ei«.— G. E. 2, Sie sind leider zum volle» Schadenersatz(also Mattglas mit Malerei) verpflichtet.— H. 00. 1. Nein. 2. Entwcver ein Viertel des Nachlasses oder, salls sie nach märkischem Recht erben ivill, die tälste des Vermögens beider Eheleute.— A. B. 100. 1. Ihr mit cchtstraftattest versehenes Scheidungsurteil sowie Geburtsurkunden und die Militärpapixre werden gesordcrt. 2. Die Anerkennung crsolgt bei der Heirar. Berliner Marktpreise. Aus dem amtliche» Bericht der städtischen Markthalleii-Direkiioil.(Großhandel.) Niudfleisch la 70—75 pr. 100 Psd., IIa 64-69, lila 58-63, IVa 50-56. Kalbfleisch. Doppelländer 115-125, la 88-95, IIa 76-86, ITTa 62-74, holl.'50-00. Hammelfleisch la 69-77. IIa 54-67. Schweinefleisch 55-64. Rehwild la per Psd. 0,60-0.80. IIa 0.50—0,58. Rotwild la 0,10-0.52, IIa 0,00. do. Kälber 0,45—0.55. Damwild 0,40-0,58. do. Kälber 0.60-0.69. Wildschweine 0,27—0,50., Frischlinge 0,55—0,70. Hasen per Stück 3,00—3,25, do. klein und IIa 2,00—2,75. Kaninchen pr. Stuck 0,70—1,00. Wildenten pr. Stück 1,70 bis 1,75. Krickenten 0,00. Rebhühner, junge la 0,00, junge IIa 0,00, alte 0,00, junge kleine 0,00. Hühner, alte per Stück 1,50—2,50, alte IIa 1,00—1,40, junge per Stück 0,60—1,40. Tauben per Stück 0,25—0,55, ital. 0.75—0,80. Enten, junge per Stück 1,40—2,35, Hamburger, junge pr, Stück 3,10. Gänse, Odcrbrucher, per Psd. 0,45—0,60, do. la per Stück 3-3,70, IIa 2—3. Hechte per 100 Psd. 76— 86. Nein 0,88. Zander, 105-111, groß 67. Schleie uns. 90—113, viittel 76, kleine 0,00, Bleie 0,00. Aale, groß 0,00, mittel 98—99, klein 70, uns. 95. Plötzen 0,00. Karpfen, 25cr 0,00, do. 35 er 0,00, do. 110 er 60, do.* 50— 60 er 63—66, 40 er 0,00. Barse, matt 66—73. Karauschen 57. Blci- sische 0,00. Wels 0,00. Bunte Fische 22-54. Amerika». Lachs la neuer per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila neuer 75. Seelachs 20—25. Sprotten, Kieler, Wall 0,75—1,25, Danziger, Wall 0,00. Flundern, pommerscho la, per Schock 3—6, do. pommerfche IIa 2—4, Kieler, Stiege la 4—6. do. mittel der Kiste 2—3, Hamb. Stiege 4—5, halbe Kiste 1,50—2. Bücklinge, per Wall Kieler 3,50—5,00, Stralsund« 5—6. Aale, groß per Psd. 1,10—1,30, mittelgroß 0,80—1,00, klein 0,50—0,60. Heringe per Schock 4—5. Schellsische Kiste 4—4,50, do. Kiste 2-3,00. Kabliau. p. 100 Psd. 20-25. Heilbutt 0,00. Sardellen. 1902« per Anker 95, 1904er 95, 1905er 93, 1906er 73—75. Schottische Vollheringe 1905 0,00, large 40-44, füll. 36—38, med. 35—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Masses, per To. 60—120. Sardinen, russ., Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schockjaß II, kleine 5—6, Riesen- 14. Humwirn. kleine, per Psd. 0,00. Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 0,00, kleine 0,00, unsort. 0,00. Galizier, groß 0,00, mittel 0,00. Eier, Land-, per Schock 4,00—4,60. Butter per lOO Psd. la 123-125, IIa 115— 123, llla 110-114, absallende 95—105. Saure Gurken Schock 3,50— 4,00, Pjefscrgurken 3,50—4,00, Kartossclu per 100 Pfd. 0,00, magnum. bonum 2,00—2,10, Dabcrsche 2,00— 2,10, Rosen 0,00, weiße 1,75—2,00, Salatkartoffeln 4,00—0,00. Spinat per 100 Pfund 8,00—10,00. Karotten per Schockbund 3,00—4,00. Sellerie, hiesige, per Schock 4,00—5,00, do. pommerfche 3,00—5,00. Zwiebeln große, per lOOPsd. 3,00—3,50. do. kleine 2,00—2,25. do. hiesig:(Perl-) 0,00. Charlotten 60—70. Petersilie, grün, Schockbund 1,50—1,75. Kohlrabi per Schock 0,50—1,00. Rettig, bahr., per schock 2,40—4,80. Radieschen per schockbund 0,80—1,00. Salat, per Schock 0,00. do. Escarole, per Mandel 1,25—1,50. do. Endivien 1,75—2,00. Mohrrüben per lOOPsd. 2,50— 3,00. Teltower Rüben per lOOPsd. 8— 10. Weiße Rüben, große 2—2,50, kleine 5—6. Rote Rüben 1,50—2. Blumenkohl Holl, per Kops 0,18 bis 0,20, do. ital. Kops 0,11-0,13. Wirsingkohl per Schock 3.00-6.00. Rotkohl p. Schock 3,00-8,00. Weißkohl Schock 2,00-3,00. Rosenkohl p. 100 Psd. 15—18. Grünkohl per 100 Psd. 3— 4. Schnittlauch 12 Töpfe 4— 4,50. Kohl- rüben. Schock 2—3. Kürbis 5—8. Birnen, per 100 Psd. hiesige 7—16, böhmische 8—20. Aepsel, per 100 Pfd., hiesige 3—20, Gravensteincr 0,00, Tiroler in Fässern 17—30, Kiste 32-80, Llmerik. 16—30. Preißel- beeren, schwedische 0,00, GebirgS- 0,00. Wallnüffe per 100 Psd. 16—20, do. rumänische 20—28, do. franz. ComeS 28— 3t. Paranüffe 60— 66. Hasel- nüsse lange 41—45, runde 32—35. Zitronen, Messina, 300 Stück 8,00-10,00, 360 Stück 7,00-9,00, 200 Stück 7-11. Berlin und§7j seine Vororte 1907 ist erschienen und wird in der Haudt-Expedition des„Berliner Lokal-Anzeigers", sw. Zimmerstr. 37-41(Portal 1) zu den bekanntgemachten Preisen ausgegeben. August Scherl. Istler H Heute Freitag, abends S'lz Uhr, im Gcwerkschastshausc, Eugel-User Nr, 15 Sitzung den Orisverwaltung. Sonntag, den 16. Dezbr., vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel-User 15, Saal 5: Vsnssmmluiig aller in der Telephon s Branche und auf photographtsche und chirurgische Apparate deseKMgtsn ViseMsr. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Kommission, 2, Branchenangelegcnhcitcn, 3, Verschiedenes, IM" Nur Berbandsmitglicdcr haben Zutritt. Montag, de» 17. Dezember, abends 8V2 Uhr, bei Milbrodt, Mullerstraße 7: Bezirks-Versammlung für Wedding und Gesundbrunnen. Tagcs-Ordnuug: 98/10 1. Wahl der BeitragSsammlcr für die Zahlstellen 1t, 14, 18 und 21. 2. Verbandsangclegenheiten, 3, Werkstattangelegenheiten, Um zahlreiches Erscheinen ersucht nie Ortsvcrwaltung. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin..Hauptbureau: Zimmer 34, Amt 4, 3353. llagel-Uler 15. Zimmer 1—5, Amt 4. 9679. 5oimtsg, den 16. Dezemier, Tonnlttags 10-! Ohr, findet die Wahl zweier Keuisoren in folgenden Lokalen statt: Mllbrolüs Gesellschaftshaus, MOIIerstr. 7. Bernhard Rose-Theater, Badstr. 58. Wernaus Festsäle, Schwedterstr. 23. fioekers Festsäle, Weberstr, 17. Granmanns Festsäle, Naunynstr. 27. Viemers Restaurant, Boiowstr. 58. Kronen-Brauerei, Alt-Moabit 47/49. Metzdorf in Charlottenborg, Potsdamerstr. 44. Thiel in Rixdorf, Bergstr. 152. Vahrendorf in Steglitz, Schiaüstr. 117. Bähle in Spandau, Neumeisterstr. 5, Kaufhold in Ober-Schäneweide, Wilhelminenhofstr. 18. Tempel in Rummelsharg, Ait-Boxhagen 56. Helivig in Köpenick, Schönerlinderstr. 5. Schmutz in Veißeisee, König-Chaussee 38. Gehlhaar in Tegel, Beriinerstr. 92. Ohne Mitgliedsbuch kau» niemand wählen. verteilt. Tie Stimmzettel werden am Eingang zu den WahNotale» vertei Wahlleiter ist der Kollege Joset Hartmann, Engel Ufer 15 I. 161/12 nie Ortsreewaltung. Verband der Hafenarbeiter u. verw. Berufsg. ncntschland». MitBlIcdHchaft Berlin, Sonntag, den 16. Dezember, vormittags 107, Uhr: Mitglieder Uersammluttg im KSnigstadt Kafino, Holzmarktftr. 72. Tages-Ordnung: 1, Bcrbandsangelcgenhciten(Fortsetzung über den Zusammen- schiltst der Verbände) 2, Verschiedenes, Aufnahme neuer Mitglieder. Nll. Um zahlreichen und Pünktlichen Besuch wird ersucht. 19/1' Oer Vorntand. 1 ZweigTereln Berlin. Sektion der Qips- und Zementbranche. = Gruppe der Jementierer. Sonntag, den 16. Dezember, vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftsha»«se (Saal 1), Engel-Ufer 13: Mitglieder- Uerjammluug. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen RedaltcurS Baal.lalia:„Die Rechts- söhizkeit der BcnifSvereinc". 2, Disliission. 0. Verschiedenes, Des wichtigen Vortrags wegen ist cS Pflicht aller Kollegen, zu erscheinen, 151/10_|_ Oer Vorstand. Zentralverband der Dachdecker. —— VcrwalliinffSBtcIIe Berlin. Sonntag, den 16. Dezember, vorm. 10 Uhr, bei Feind, Wriuftr. 11: * 1■- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Die Antwort des Gan- und gentrakvorstandes aus unsere Forde- ruug, 2, �LerbaitdSangelegenheiten. 58/4 Ber Verstand. Zahlreiches Erscheinen erioartet RsFsiung l Achtung! Zuschneider-Vereinigung, Berlin. Den Mitglieder» zur Keimlnis, daß an den drei Zounabcildeu vor Rcujahr bei BrUsel, Reue Fricdrichstr. 35, Z a h l a b e» d e stattsindcii. Es ivird den Mitgliedern hiermit Gelegenheit gegeben, d:e noch rückständigen Beiträge zu cnlrichleii, Ber Vorstand. ¥1. Wahlkreis! Sonntag, den 16. Dezember, abends 6 uhr, im„Kolberger Salon", Kolbergerstr. 23: W«Imz flr Mm M Flira, Tages-Orduung: 1. Vortrag des Genoffen DHussvII über:„Preußen als Polizeistaa�. 2. Diskussion. 226/15» Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Der ElnUerater. Nach der Versammlung: lMtHChKS SetSSMMKNSeM Mit 7SNZ. Bureau: Berlin O. 54. Dragonerftr. 15, Hos I. Fernsprecher: Amt KU Rr. 5688. Sonntag, den 10. Dezember, vormittags 10 Uhr: Ailgkmeille Mitgiltdkr-Ukchmmiuug des Nereins der Ziiiimkrer Kerlins und Kiitgtgtnb in den Jndustriesälen, Beuthstr. 20. Tagesordnung: 1. Bcreiusaiigelegeuheiteu. 2. Bortrag ühcr: Die Aufgabe» der Sozial- demokratie in ber innere» und äussere» Politik. Referent: Genosse Dr. A. Bernstein. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes,{258/18]_ Der Borstand. I. A,: A. Juppenlsli. deutscher Buchbinder-Verband. - Zahlstelle SerUn.- Sonnabend, den 15. Dezember, abends 8va Uhr: Außerordentliche Grnerat-Nersammlnng im Gewerkschaftshanse, Engel-Ufer 15 II, Saal 4. TageS-Ordnung: 1. Fortsetzmig der Beralung und Belchlußsaflung über das neue OrtSstawt, 2. Akzeptierung der An- stellungsbedingungen. 3, Verbandsangelcgenheiten(Weihnachtsgratifikation an die Arbeitslosen), 26/15» mmmmmmmmmm Ohne Ultglledsbach kein Zntrltt! Zahlreichen Besuch crwattet laalsalvösband daa iacbii. esbaan-Haraonala - Sltr Berlin.- Sonnabend, den 15. Dezember, abends 11 Uhr, im Gewerkschaftshanse» Engel-User 15: l�itgliecßer-'Vertammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen II. Kloß. 2. Ber« Landsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. gM- Zahlreiches und pünktliches Erscheinen ist erwünscht.-MM 19011 Der Vorstand. Die Ortsverwaltung» Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin.> Artung! Gewerkschaften!«-btung: Das seit l900 im OiewerlschaslShause, Engel-User 15, II, innegehabte Bureau, Zimmer 21. wird wegen Raniuinangel zu vermieten gesucht. Reflektanten erhalten Auslunst aus dem Btlrcau, 26/16 Tie Ortsverwaltung. Jttax Kttcms'Testsäle Hasenheide 13—15. Stilen verehrlichen Berciiicn und Gewerkschaften zur gefälligen I Nachricht, daß ich das Geschäft unverändert in bisheriger Weise sort. führe. Indem ich hierdurch mein Etablifiement zu Versammlungen und Festlichlciten in cntpschleiide Erimicrung bringe, bitte ich um seriiercs Wohlwollen und zeichne Hochachtungsvoll fr nu Relcnc KUem, Hasenheide 13-15. 1 „BcrUner Arbeiter- Radfahrer-Verein" Mitglied deS Arbeiter- Radfahrer-BundeS »Solidarität». T'oitrei» zum Sonntag, den 16. Dezember. 1. Wt. nachmittags 1 Uhr nach Gütergotz, Start: Bülowftr, 59. 2. Abt, nachmittags 1'/, Uhr nach Groß- Beeren(Seinze), Start: Ur- banstr, 7. 3, Abt. nachmittags 1'/« Uhr nach Zehlendorf(Micck), Start: Mariannen- platz. 4. Abt. nachmittags 2 Uhr nach Spreeschloß, Start: Küstrinerplatz, 5, Abt, liachniittags 2 Uhr: Kar- toffel- und Hcringstour nach Hirsch- garten(Bura-Reslaurant), b, schlechtem Detter per Bahn. Start: Elysium, 6. Abt. nachmittags 1'/. Uhr nach WaidmannSIlist(Schweizerhäuschcn). Start: Oderbergcrstt. 30(Genossen- schast), 7.?lbt. nachmittags 1 Uhr nach Spandau, Start: Köslincr Hos, 8, Mi. nachmittags 2 Uhr. Wohin wird am Start Waldstr. 8 bekannt- gegeben, 28/12 Die baarsträubenden Ztasthnde an den Internntionnlen Prodnktenbdmeife führen unfchlbnr enm l>hen«infttelm(%n9«l* zn enormen PreiKstei�ernnscen, zur H umseriiiKot, zum B5r»«n* und WirtAelinfttihmch, zur Revolution. Wer sich für diese srenilirlfclicn Torgfinffo Im Wirt« «tliaftnlcben interessiert, verlange Proestlers Broschüre: WlrtsrtiRftaiblld der Gegenwart and der Za- hankt. Vollivttindtce AaM�nbe in besserer Ausstattung RI. 2.—, Teil- and VoIksanNsrabe 60 Pfg. Zu beziehen duren alle Bncbhnodlunren CKomm. Otto Weber, Mjeipzigk woselbst auch Prospekte und Zirkulare umsonst abgegeben werden, ausserdem sind solche direkt vom Herausgeber der Broschüre. 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