Zlr. 298. RbonnementS'Bedlngongeii: BSonncmmtS■ Preis prSnumer-ndo: «ierteljährl. 330 Ml., monatl. 1,10 2Rf., WScheiUIich 28 Pfg. frei WS HauS. einzelne Nummer 6 Psg, Könnings- Nummer mit illustrierter EonntagS- Beilage.Die Reue Welt" 10 Pfg. Post- «tonnement: 1.10 Wart vro Monat. Eingetragen in die Post.ZeitungS. Brei-Iisie. Unter Kreuzband ,ür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland B Mark pro Mannt. PostabonncmentS nehmen an: Belgien. Dünemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Kutnämen, Schweden und die Schwei», A3. Jahrg. Crlitelnt«glich inBtt Oootati. )& v, Berliner Volksblnkk. Die Tnfertions'GebDbr Cetifigt für die sechSgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum w Psg., skir Aolilische und gcwerklchaslliche BereinS« und BcrsainmlungS.Anzcigen Z0 Psg. „Kleine Hnieigen", das erste(feil- gedruStc) Wort 20 Psg., jedeS weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- stellen. Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Psg. Worte über IS Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen b>S 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist btS 7 Uhr abends geölfnet. Telegramm-Adresse: „SozUldtnolint Bcrll»", Zcntratorgan der rozialdcmohratifcbcn Partei Deutfchlands. Redaktion: SSI. 68» Linden Strasse 69 Svernftitcdicr: Elm» IV. Mr. 1983. expedition: SSI. 68» Lindenstrasse 69. irerniv recher: Mint IV. Mr. 1984. Tn der Sackgaffe. Regierung und Parteien. Die Ankündigung der Reichstagsausiösung ist von den Vertretern der Arbeiterklasse im Reichstage mit spontanem Jubelausbnich begrüßt worden. Und dieser Jubel war wohl begründet. Es war der instinktive Ausdruck der Tatsache, daß die Sozialdemokratie noch nie mit so glänzenden Aussichten in den Wahlkampf getreten ist wie jetzt. Für eine bürgerliche Parlamentspartei bedeuten glänzende Aussichten— eine hübsche Anzahl neuer Mandate, die ihr winken; Eroberung neuer Reichstagssessel. Für eine revolutionäre Volkspartei, wie die Sozialdemokratie, sind glänzende Aussichten— vor allem Hoffnung auf mächtigen Stimmenzuwachs, Eroberung »euer hunderttausende proletarischer Herzen und Köpfe für die weltbefreiende �dee des Sozialismus. Und nicht minder: Aussichten auf Vertiefung» auf Schärfung des Klassenbewusit- scins bei den bereits gewonnenen sozialistischen Truppen. Schon auf den ersten Blick scheint das allgemeine Bild des Wahlkampfes lauter Unmöglichkeiten aufzuweisen. Die Regierung hat sich mit ihrer Kriegserklärung an den Reichstag in eine ausweglose Sackgasse verrannt. E» gehört nur die elementarste Kenntnis der Entwickelungslinien der jüngsten parlamentarischen Geschichte Deutschlands dazu, um ein- Zusehen, daß die Opposition, gegen die die Regierung in den Wahlkampf zieht, unmöglich zerschmettert werden kann. Eine Wiederholung der Wahlresultate, wie bei der Reichstags- auflösung von 1878, wo die Liberalen von einer konservativen Majorität zerschmettert wurden, oder bei den Faschingswahlen. die die reaktionäre Kartellmehrheit geboren haben, ist aus geschlossen. Die Konservativen, Nationalliberalcn und der Freisinn, auf die sich die Regierung stützt, sind gerade die jenigen Parteien, die seit Jahren im unaufhaltsamen Ab rutsch begriffen sind, während die Oppositionsparteien: das Zentrum, die Sozialdemokratie und die Polen, gerade die einzigen Parteien sind, die in den letzten Wahlperioden ein Wachstum aufweisen. Eine Verschiebung kann und wird dabei sicher nur in einem Sinne stattfinden: indem das Zentrum einen Teil seiner Stärke— sowohl an Stimmenzahl wie auch an Mandaten— an die Sozialdemokratie» vielleicht auch an die Polen wird abgeben müssen. Jmganzen wird die Opposition gewiß nur zunehmen, nicht zusammenschmelzen. Was bleibt aber als Ausweg aus der Situation, wenn ein neuer Reichstag zusammenkommt, in dem wieder Zentrum. Sozialdemokratie und Polen die Mehrheit bilden? Entweder cm Umfall des Zentrums, wie es solcher unzählige bereits auf dem Gewissen hat. Oder— falls die Regierung ihren scharfmacherischen Beratern ein williges Ohr leiht— ein Staatsstreich, ein Attentat auf das allgemeine Wahlrecht. In beiden Fällen ist die Sozialdemokratie die ein- g i g e Partei, die furchtlos und kampfbereit in die Zukunft blickt. Ein Umfall des Zentrums. nachdem es eineKraftProbe desWahl. kampfes provoziert hat, würde den Verfall und Zerfall der letzten großen bürgerlichen Partei mit einem gewaltigen Stoß beschleunigen,— und die Sozialdemokratie ist die einzige Partei, die das Erbe des Zentrums in den Volkskrcisen an» zutreten berufen ist. Schreckt aber das Zentrum nach den Wahlen vor der grell beleuchteten und klar sichtbaren Blamage eines Umfalls noch zurück, dann wird vielleicht das politische Leben Deutschlands in eine Phase stürmischer politischer Kämpfe geraten, in denen wiederum die Sozialdemokratie, die Sturmgeborene, alles zu gewinnen, nichts zu verlieren hat. Aber ebenso widersinnig ist die Position sämtlicher bürgerlicher Parteien in diesem Kampfe. Die Liberalen» die erst vor wenigen Tagen Worte des Unmuts über das persönliche Regiment in ihrer Presse und im Reichstag gefunden haben, wie sie es nicht seit Jahrzehnten wagten, sehen sich plötzlich als treue Stützen desselben persönlichen Regiments in den Wahlkampf treten? Das Zentrum aber, das als Tauf- pathe des Hungertarifs im Dezember 1902 dem deutschen Reichstag sein Bewilligungsrecht, seine Geschäftsordnung, seine Minoritätsrechte eigenhändig zertrümmert hat. das Zentrum, das den ersten Präsidenten des deutschen Reichs- tagcs gestellt hat, der seinen Posten nicht als Vertreter des Reichstags gegen die Regierung, sondern als Vertreter der Regierung gegen den Reichstag ausfüllte, dieses Zentrum sieht sich gezwungen, plötzlich einen Verfechter der Rechte des- selben niedergetrampelten Reichstags einen Gegner des Per- sönlichen Regiments zu nennen! Weiter: das Objekt des Wahlkampfes— eine Kolonialpolitik» die gerade vor wenigen Tagen' unter einer ungeheuren Last von Schmutz und Korruption vor aller Augen zusammenbrach! Und endlich: die formelle Parole der Wahl- schlacht— ein hohles Echo des Kulturkampfes, der bereits vor 13 Jahren seinen Geist ausgehaucht hat und längst zu Staub und Moder geworden ist! Es genügt, sich diese Situation zu vergegenwärtigen, um einzusehen, daß die bevorstehende Reichstagswahl über den Rahmen einer gewöhnlichen Musterung der Parteikräfte und Erneuerung der gesetzgebenden Maschine weit hinausragt. Vom parlamentarischen Standpunkt, vom d i p l 0- m a t i s ch e n Standpunkt, wie vom Standpunkt aller be- teiligten bürgerlichen Parteien sind diese Wahlen ein Widerspruch in sich selbst, ein heller Wahnsinn, eine Un- Möglichkeit. Und gerade in diesem Gesamt- lichkeit. Und gerade deshalb, gerade in diesem Gesamt- charakter liegt ihre eigentliche politische Bedeutung für die Sozialdemotratie. Denn gerade als eine Summe lauter politischer Unmöglichkeiten ist diese Reichstagswahl ein nacktes klassisches Stück der gegenwärtigen bürgerlichen Politik. Die Regierung— in einer Sackgasse, sämtliche bürger- lichcn Parteien— in einer Sackgasse, ein Wahlkampf, der sich um lauter ausgespielte Trümpfe dreht: es ist eben die bürger- liche Gesellschaft» die selbst in der Sackgasie steckt, die sich durch die eigene kapitalistische und weltpolitische Entwickelung zu ihren letzten Konsequenzen, d. h. zur äußersten Zuspitzung ihrer Widersprüche und ihres Widersinns gebracht hat. Und dies bestätigt schon ein flüchtiger Blick auf die Parteigruppierungen im Wahlkampf. Im ersten Augenblick schien das Feld geteilt in zwei Lager: hüben Zentrum als Preisfechter des„Volkswillcns" und die Sozialdemokratie, drüben Konservative und Nationalliberale um die Regierung geschart. Der Freisinn rückt schon, in einer Eingebung des Selbstmords, wie sie verfallenden Parteien eigen sind, nach einigem verzweifelten Hin und Her, zur konservativ-national- liberalen Phalanx. Aber auch das Zentrum läßt sich durch die kläglichen Versuche des Liberalismus, den Schatten des Kulturkampfes aus dem Totenreiche wieder auf die Bühne zu rufen, nicht aus dem Konzept bringen und erklärt nunmehr laut: Auch meine Losung ist„wider die Revolution", denn i ch bin die eigentliche„Ordnnngspartei"» ich bin der Pfeiler der neu- deutschen Flotten-, Kolonial-, Fleischwucher- und Zollpolitik,- i ch bin der Atlas, auf dessen Schultern die heutige bürgerlich- parlamentarische Klassenherrschaft in Deutschland ruht! Und das Zentrum hat recht? Von Rechts wegen und nach Fleisch und Blut gehört es in dasselbe Regicrungslager, aus dem es ein lächerlicher Familienzank um 9 Millionen Kolonialausgaben zur allgemeinen Bestürzung plötzlich hinaus- geschleudert hat. So rückt denn aus verschiedenen Probe- gruppierungen und Versuchen der bürgerlichen Parteien un- Versehens eine einzige„große" Ordnungsphalanx zusammen und der einzige eigentliche Feind aller heißt: Sozialdemokratie. So gestalten sich denn die kommenden Wahlen für uns von selbst aus einem Parteikampf zum Klassenkampf in schärfster Form. Nicht dieser oder jener Partei, nicht diesem oder jenem Budgetposten: der bürgerlichen Gesellschaft» der in Auflösung begriffenen, in einer Sackgasse verrannten, auf Ausbeutung und Knechtschaft errichteten gilt unser Kampf! Aahlkampf. Es ist erreicht! Die freisinnige Beschwerde über die behördlichen Saal- abtrcibereien im Kreise Züllichau an den Fürsten Bülow hat gewirkt. Nicht umsonst hat die„freisinnige" Wahl- leitung den roten Lappen geschwenkt und ihre Hülfe gegen die Roten herausgestrichen. Der zum„starken Mann" ge- häutete Fürst Bülow hat sich seiner freisinnigen Schutztruppe als Grübchen-Kanzler gezeigt und schleunigst den Züllichauer Saalabtreibern das Handwerk gelegt. Ja mehr noch, er hat es für nötig erachtet, in der„ N 0 r d d. A l l g. Z t g." folgende Erklärung zu erlassen: Saalverweigervng. Wir betrachten eS als unsere Pflicht, immer wieder darauf hinzuweisen, daß der Wahlkampf zwischen Kandidaten von Parteien, die am l3. Dezember gemeinsam für die kolonialen Forderungen gestimmt haben, unter strenger Vermeidung aller Gehässigkeiten geführt werden muß. Durch illoyale KnmpfcSwcise würde zwischen diesen Parteien eine Berbitterung hervorgerufen werden, die sich unter Umständen bei den Stichwahlen schwer räche» könnte. Zu den gehässigen Kampfmitteln gehör! auch die Saalverweigerung. Es ist selbstverständlich, daß derartige Ungehörigkeiten bei den zu strenger Neutralität verpflichteten amtlichen Stellen in keiner Weise auf Billigung zu rechnen haben würden. Damit ist der Freisinn in den Kreis der„Ordnungs"- Parteien einbezogen worden, denen durch die Behörden die Säle nicht abgetrieben werden dürfen! Heil dem Freisinn! Welch eine Wendung durch Dcrnburgs Fügung I Vereint mit den Zollwucherern und Staats- strcichshetztern darf nun der Freisinn den Kampf gegen die„Vaterlandslosen" führen. Der verdienstliche Eifer der Behörden im Saalabtreiben aber darf sich nun mit konzentrierter Wucht gegen Zentrum und Sozialdemokratie richten. Denn ihnen gegenüber sind ja nach der offiziösen Erklärung solche„Gehässig- leiten", solch„illoyale" Kampfmethoden erlaubt! Die Parole des Brot- und Fleischwuchers empfiehlt auch Herr V. M i r b a ch. Die Kolonial- Parole ziehe nicht, man möge sie möglichst aus dem Spiele lassen. „Packender" sei der Wahlspruch:„Für die Heimat, für den Mittelstand in Stadt und Land". Auf ein Wahlkartell mit dem Freisinn soll man verzichten: „Es ftefst vielmehr mit Sicherheit zu erwarten, daß von feiten der Landwirtschaftsfeinde mit allen Mitteln der Wahlagitation darauf hingearbeitet werden wird, die bisherige schntzzöllnerische agrarische Mehrheit im Reichstage zu beseitigen und unter Hinweis auf die gegenwärtige Zeil der Teuerung, die überwiegend auf unsere Zoll- und Steuerpolitik zurückzuführen sei, eine Acnderung derselben in liberalem Sinne anzubahnen. Da gilt es denn für die Konservativen, die Wählerschaft aus ihrer Lässigkeit aus- zurütteln und sie über die Bedeutung der bevorstehenden Ent- scheidung aufzuklären." So entrollen die Agrarier allenthalben ihre Fahne. Und der Freisinn bettelt, statt den Kampf gegen die agrarische Volksausplünderung aufzunehmen, um die allergnädigste Protektion der agrarisch eingeschworenen Regierung! Neue Bekenntnisse schöner Freisinnsseelen. Die„ Fr eisinnig e Zeitung" verspürt noch immer Haut- jucken. In einem langen, leeren Gerede sucht sie den Anschein zu erwecken, als ob sie gegen unsere Feststellungen irgend etwas Tat- sächliches einzuwenden hätte. Sie macht zunächst einige Kapriolen zu unserer Darlegung, daß gerade eine große Truppenzahl den Krieg nur in die Länge zieht, da die Hottentotten in der Hauptsache gerade von den deutschen Proviantkolonnen weggenommenen Lebensmitteln lebten. Die „Freis. Ztg." ringt die Hände darüber, wie der„Vorwärts" seinen Lesern etwas Derartiges„vorzusetzen" wage. Nun, wir stellendem« gegenüber fest, daß der Abgeordnete Arendt, einer der fanatischsten Südwestafrikaschwärmer, am 26. Mai d. I. im Reichstage nach dem amtlichen Stenogramm sagte: „Der Aufstand lebt ja im wesentlichen davon, daß diese Ber- Pfleglingstransporte überfallen und abgeschossen werden." Wovon sollten die Hottentotten denn auch sonst in der schauer« lichen Einöde leben? Glaubt die„Freis. Ztg." etwa, daß die englischen Händler ihnen etwa unbegrenzten Kredit gewährten?! AuS dem neuesten Buch des Abg. Sem l er ist übrigens er- sichtlich, daß zum Transport 1360 Reiter, 2S35 Treiber. 12 350 Tiere und 430 Proviantwagen mit 9600 Zugtieren gebraucht werden. Die Plünderung dieser Transporte ermöglicht den Hottentotten einzig die Fortführimg des Krieges. Zu allem Ucberfluß sei auch noch darauf verwiesen, daß bereits am 26. Mai d. I. der Kolonialprinz Hohenlohe-Langen« bürg erklärte, daß die Regierung hoffe, in„naher Zukunft" mit 1000 Mann für den Süden auskommen zu können! Natürlich er- scheint den Mugdan- und Saganesen ihr Dernburger glaubwürdiger als der Langcnburger! Zweitens leugnet die„Freis. Ztg.". fyiß daS südwest- asrikanische Kriegsabenteuer nur im Interesse einer„Handvoll Kolonial- interessenten und Kolonialphantasten" liegt. Nun, vor Ausbruch des Krieges waren in Südwest 277 Kaufleute und Händler und 813 Farmer und Ansiedler vorhanden. Ist das keine Handvoll?! Drittens meint die„ F r e i s. Z t g.", die Soldaten seien ja freiwillig nach Südwest gegangen, sie würden also nimmer- mehr vor siegreicher Beendigung des Krieges zurückkehren wollen. Als ob nicht aus tausend Briefen enttäuschter Freiwilliger die Sehn- sucht nach der Heimat spräche. Aber selbst davon abgesehen: Seit wann will der Freisinn die Dauer eines Kolonialkrieges von der Kriegslust der Soldaten abhängig machen?! Die Verherrlichung dieser neuesten Form der Säbeldiktatur ist ebenso charakteristisch für die politische Versumpfung des Freisinns, wie sein Bauchrutschen vor dem selbstHerrlichenRegimentl Der nationale Sinn. Der Tag meldet, daß der Reichskanzler F ü r st B ü l 0 w auf ein Huldigungstelegramm des Koblenzer liberalen Wahlvereins ein Schreiben gesandt habe, in dem er für die patriotische Begrüßung dankt und weiter erklärt, daß in vielen solchen Kundgebungen der nationale Sinn zu ihm gesprochen habe; möchte er bei den Wahlen auch danach handeln und Erfolg haben. Wir hoffen auch, daß bei den Wahlen der nationale Sinn „handeln und Erfolg haben wird", um in der Sprache Bülows (oder de«„Tag") zu bleiben. Denn wenn die Mehrheit der Nation erkennt, was ihr vonnöten ist, was geschehen muß, um dem deutschen Volke Wohlergehen und Kulturaufstieg zu sichern, so jagt sie sicherlich die Bande der Junker und Jnnkergenossen zum Teufel. Aber diesen nationalen Sinn, diesen wirklichen nationalen Sinn meint Bülow wohl nicht? Das kleinere Nebel. ES steckt ein Stück Ironie darin, daß gerade diejenigen Parteien. welche jetzt durch eine Blockpolitik die mächtigsten Parteien über den Hausen rennen wollen, die Nationalliberalen, die beiden freisinnigen Gruppen und die süddeutsche Volkspartei, überhaupt nur von anderer Gnaden, als das kleinere Ucbel ihr Dasein fristen. Man betrachte folgende Tabelle. Bei der letzten allgemeinen Wahl eroberten Mandate: in der Hauptwahl Sozialdemokratie... 56 Zentrum...... 87 onservative..... 34 Palen....... 13 Reichspartei..... 7 Andere Parteien... 14 Nationallibcrale.... 6 Freisinnige Volkspartei.— Freisinnige Vereinigung.— Süddeutsche Volkspartei.— in der Stichwahl 25 12 19 3 14 27 44 21 9 217 180 Katzbalgereien und Kuhhandel. Der Traum vom großen Kartell von Normann bis Naumann ist längst ausgeträumt. Aengstlich berechnet der Freisinn, wo er bleibt. wenn er sich völlig der Reaktion verschreibt, die cS halblächelnd ablehnt. ihn für Verluste anS ihrem Besitzstande zu entschädigen. Aus die Hülfe der Regierung ist auch nicht zu bauen. und wenn bei den Stichwahlen Konservative und Zentrum, die jetzt schon hie und da verstohlene Blicke tauschen, einsehen, daß sie als Brot- und Fleischlvucherparteien einander sehr nahe stehen und den Freisinn in ihrer liebevollen Umarmung erdrosseln, dann wird ihm das Be- wußtsein, sich für das persönliche Regiment und Dernburg patriotisch ge- opfert jzu haben, nicht viel Trost gewähren. So ist also an die Stelle des Bülowschen Gottesfriedens gar bald eine wüste Katzbalgerei unter denKolonialparteien saus pkrsss losgegangen und eine sucht die andere übers Ohr zu hauen. Resigniert Hai das Blatt, das die Empfindungen ccr Regierung stets getreulich nachzuempfinden Pflegt, der„Tag" des Hgrrn Scherl, festgestellt: »Das Zusammengehen der verschiedenen bürgerlichen Parteien schon in der Hauptwahl scheitert in einzelnen Wahlkreisen an der Unvereinbarkeit der Gegensätze zwischen links und rechts." Das ist etwas stark schöngefärbt. Nicht in einzelnen Wahl- kreisen scheitert das Zusammengehen, sonder» in den meisten. Nur wo die nüchterne Berechnung den Parteien sagt, daß sie vereinzelt ihre Position nnzweifelhaft verschlechtern, kommt es zum Abschluß von Kuhhändeln, wie in Westfalen zwischen Nationalliberalen und Freisinnigen. Immerhin ist zu bemerken, daß die Zahl solcher Kompromisse, die Ausstellung von Mischmaschkandidaten gegen früher zunimmt, wenn auch in einzelnen Gebieten wie im Königreich Sachsen, wo man 1903 mit solchen Kartellkandidaturen sehr schlechte Er- fahrungen gemacht hat, wieder die entgegengesetzte Erscheinung zu beobachten ist. Doch ist auch im roten Sachsen das Kartell durchaus noch nicht in allen Wahlkreisen tot. So haben die National- liberalen m Leipzig-Land einen Rechtsanwalt Dr. I u n k aufgestellt, als dessen Vorzug gerühmt wird, daß er noch keine politische Vergangenheit hat, und der es deshalb allen bürgerlichen Parteien soll reckflmachen können. Mit beißendem Spott begrüßt die„Leipz. Volkszeitung" das semitisch- antisemitische, agrarisch« industrielle, konservativ-freisinnige, muckerisch. liberale Wahlkartell. In L ü b e ck hofften die Nationalliberalen in der Person des Oberpostassistenten Klein auch einen Mischmaschkandidaten lancieren zu können, die Freisinnige Volkspartei soll aber nachträglich Be- denken bekommen und ihre Zustimmung wieder zurückgezogen haben. Der von den Nationalen des Wahlkreises Brandenburg als höchst unglücklicher Kandidat abgelehnte Generalissimus des Reichs- Verbandes, v. Liebert, ist zum Mischmaschkandidaten für den 14. sächsischen Wahlkreis Borna-Pegau erkoren worden vom— Bund der Landwirte, dessen Willen sich die NatioUalliberalen beugen mutzten. � Der alldeutsche Professor Hasse kandidiert nicht wieder in Döbeln(10. sächs. Wahlkreis)," sondern will versuchen, im Wahl- kreise Oschatz-Grinima(11. sächs.) der Sozialdemokratie das Mandat zu entreißen. Die Genossen werden ihm zeigen, daß der 11. Wahlkreis noch schlechter ist als der 19., der ihm vor kurzem den verdienten Durchfall bereitete. Wahsagitation unter den Flußschiffern Eine von etwa 599 Personen besuchte Versammlung der gegen- tvärtig in Berlin liegenden Flutzschiffer wurde gestern abend in „Feuersteins Festsälen" in der Alten Iakobstratze abgehalten. Gern waren die Leute der sozialdemokratischen Einladung gefolgt. Bot sich ihnen hier doch die leider nur zu seltene Gelegenheit, zusammen- zukommen und sich, in größerer Anzahl vereinigt, über politische Dinge zu unterhalten. In gespannter Aufmerksamkeit lauschten sie denn auch den Ausführungen der beiden Referenten, der Ge- nassen Max Kiesel und Dr. Karl Liebknecht, über die Reichstagsauflösung und die Bedeutung der kommenden Reichstags- wählen. Der lebhafte Beifall, den sie den beiden Rednern zollten, bewies, daß diese den Schiffern aus dem Herzen gesprochen hatten. Auch die Diskussionsredner aus der Mitte der Versammlung waren der Meinung, daß, wenn die Regierung kolonisieren wolle, sie hier in Deutschland ungleich bessere Gelegenheit dazu hätte, als in Afrika oder Kiautschou. Sie möchte ihr Augenmerk nur auf die so not- wendigen Flußreg ulierungcn und den Bau von Kanälen richten. Das sei entschieden vernünftiger, als das Geld mit vollen Händen für die überseeischen Sandwüsten fort- zuwerfen. Ebenfalls stehe es fest, daß die Binnenschiffer ganz«norm unter der durch die volksfeindliche Zollpolitik der Regierung hervor- gerufenen Lebensmittelverteuerung zu leiden haben; denn das Einkommen der kleinen selbständigen Schiffer sei in den letzten Jahren infolge der zunehmenden Konkurrenz durch die großen Schleppschiffahrtsgesellschaften nicht erhöht, sondern v e r- mindert worden.(Allgemeine Zustimmung.) Genosse Liebknecht gab den Anwesenden dann noch einige wertvolle Winke hinsichtlich der Ausübung ihres Wahlrechts und ermahnte sie, rechtzeitig die nötigen Schritte zu tun, um in den Orten, wo sie zur Zeit der Wahl gerade liegen würden, die Stimmabgabe vollziehen zu können. Soweit Berlin in Betracht kommt, wurde ihnen empfohlen, ihr Wahlrecht im e r st e n Kreise auszuüben. Die tätigen Parteigenossen unter den Schiffern erboten sich gern, ihren Kollegen in dieser Hinsicht mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, damit diesmal auch die Fluß- schiffcr von sich sagen könnten, daß sie ihr redlich Teil zur Wahl sozialdemokratischer Männer in den Reichstag mit beigetragen hätten. Liste der Kandidaturen. Sozialdemokratische. Grünberg-Freystadt: H. S t o l p e- Görlitz(bisher Blell, frs. Vp.). Glogau: H. Zimmer- Breslau(bisher Hoffmcister, frs. Vp.). Löwcnbcrg: A. Staudt»ger- Leipzig(bisher Kopsch, frs. Vp.). Rothenburg-Hoyerswerda: O. Neumann-Kottbus(bisher Graf v. Armin-Muskau, kons.). Görlitz-Lauban: H. K e l l e r(bisher Mugdan, frs. Vp.). Bunzlau-Lüben: R. S ch e b S(bisher Kern. k.). Hirschberg-Schönau: R. A l b e r t- Breslau(bisher Ablaß, frs. Vp.). Brieg-Ramslau: Paul L ö b e- Breslau. der zurzeit eine ein« jährige Gefängnisstrafe verbüßt(bisher v. Spiegel, kons.). Sagan-Sprotta»: Frdr. Schlegel- Breslau(bisher Müller- Sagau, frs. Vp.). Kattowitz-Zahrzc: Gewerkschaftsbeamter A d a m e k(bisher Korfanty, Pole). Torgau-Liebcnwcrda: Redakteur Fleißner- Dresden(bisher Pruschenk v. Lindenhofen, freikons.). Delihsch-Bittcrfcld: Raute(bisher Bauermcifter, freikons.). Halbcrstadt-Oschcrslebcn: A. B a r t e l s(bisher Rimpau, Rp.) Wolmirstcht-Ncuhaldcnslrben: Ritsch- Magdeburg(bisher Hosang, natl.) Salzwcdcl-Gardclcgen: Groß mann- Magdeburg(biSh. v. Kröcher, kons.) Wanzlcbcu: Silberschmidt- Berlin(bisher Schmidt, natl.) Emdcn-Lecr(1. hamiov.): R. W a g n e r(bisher Fürst zu Inn- und Knyphausen, kons.) Harburg(17. hannov.): Baerer(bisher Depken, natl.) Nelihaus-Gccstemüude(14. hannov.): A. Haverlamp- Bremer- Häven(bisher Dr. Bvttger, natl.). Hagen-Schwclin: M. König- Dortmund(bisher Cuno, frs. Vp.). Fulda: G ö I l e r- Frankfurt a. M.(bisher Müller-Fulda, Z.). Duisburg-Oherhausrn: Cl. H e n g s b a ch- Köln(bisher Beumer, natl.). Mörs-Rces: R. B l ü h e r(bisher Fritzen, Z.). Köln-Stadt: Hosrichter(bisher Trimborii, Z.). Aachen-Stadt: Honrath(bisher Nacken, Z.). Augsburg: H. St o l l w a g e n(bisher Kalihof, Z.). Landshnt: Raith(bisher Gleitsmann, Z.). Schopfheim-Säckingeu<3. bad.): Müller(bisher Schüler, Z.). Lörrach-Müllhrim(4. bad.):' Kießling(bisher Dr. Blankenhorn. natl.). Offenbach-Dicburg: C. Ulrich(seit 1993 Dr. Becker, natl.). Frirdeberg-Büdwgc»: Schreincrmeister B u s o ld(bisher Graf v.Oriola, natl.). Hagenow- Grcvesmühlen.(1. mecklenburgischer): Arbeitersckrctär Bartels-Köln(bisher Rettich, kons.), Schwerm-Wismar.(2. mecklenburgischer): Redakteur S t a r o s s o n- Rostock(bisher Dr. Dröscher, kons.). Parchim- LudtvigSlust.(3. mecklenburgischer): Grosse«'Hamburg (bisher Dr. Pachnicke, frs. Vg.) Malchin Waren.(4. mecklenburgischer): Expedient Lorenz- Hamburg(bisher Frhr. v. Maitz an, kons.). Rostock-Doberan.(5. mecklenburgischer): Dr. Herzfeld- Berlin (bisheriger Vertrerer). Giistrow-Ribnitz.(6. mecklenburgischer): Tischlermeister Knappe- Stettin(bisher v. Treuenfels. kons.). Neustreliii- Schönbcrg: Gewerkschaftsangestellter Lüth- Hamburg (bisher Nrnick, Rp.). Oldenburg I: Redakteur Stelling- Lübeck(bisher Bargmann, frs. Vp.). Oldenburg ll: P. H u g- Bant(bisher Träger, frs. Vp.). Braunschweig(1. braunschweig.): B l o s(bisher Vertreter). Hclmstcdt-Wolscnbilttel(2. braunschweig.): Stiele(bisher v. Kaufmann, natl.). Holzminden- Gandersheim(3. braunschweig.): C a l w e r(seit 1993 v. Damm, wirtsch. Vg.). Sonneberg-Saalfeld: ReitzhauS« Erfurt(bisheriger Vertreter). Gotha: B o ck(bisheriger Vertreter). Cobnrg-Gotha: Redakteur Z i e tz s ch(bisher Patzig, natl.) Schwarzburg-Sondcröhausen: Rechtsanwalt Landsberg- Magde- bürg(bisher Dr. Bärwinkel, natl.) Rcuß j. L.: F ö r st e r(bisheriger Vertreter). Hamburg lll: W. M e tz g e r(bisheriger Vertreter). Straßburg: G. B ö h l e(bisher Riff, fr. Vg.). Mülhausen: L. E m m e l(bisher Schlumberger, natl.). Neue kilegs�ettelungen! Die 800 noch im Felde stehenden Hottentotten genügen unseren kolonialen Kriegsfanatikern offenbar nicht mehr recht: sie möchten gern auch die friedfertig gebliebenen Hottentotten- stamme ebenfalls zum Aufstand aufpeitschen. Lesen wir doch in der„ T ä g l. Rundschau": Abfall der Bersaba-Hottentotten? AuS zuverlässiger Quelle erfahren wir: Bei den Bersaba-Hottentotten, bei denen schon während des Hercroausstandes Durchstechereien vorgekommen sind, soll es nicht ganz geheuer sein. Der Stamm der Bersaba- Hottentotten hat über 699 Gewehre. Der Kapitän Goliath für seine Person denkt ja nicht an Aufstand, aber unter den Jsaak-Leuten(Grotzmann des Goliath) ist eine starke Kriegspartei, und es wurde schon einmal erzählt, datz der Kapitän Goliath von der Kriegspartei ermordet fei. Sollten die Berfaba-Leute auch in den Aufstand eintreten, so wäre das Ende deS Krieges in Stidwestafrika für uns nicht abzusehen, und alles ginge von neuem los. Einmal werden die Berfaba-Leute sich wahrscheinlich doch erheben, wenn nicht bald die völlige Niederwerfung der Bondels gelingt: eS wäre aber von grötzter Bedeutung für uns, daß der Absall erst einträte, nachdem die Bahn Kubub— Keetinanshoop fertiggestellt ist.— Jedenfalls zeigt diese Nachricht von neuem, daß die Gefahr in Dcutsch-Südwest noch immer groß genug ist, um eine erhebliche Verminderung der Schutztruppen auszuschließen. Freuen wir uns, wenn wir mit»099 Mann auskommen und nicht wieder zur Verstärkung der Truppen gezwungen werden!" Das ist in der Tat die richtige Art, die Bersaba-Hotten- totten ebenfalls zur Erhebung zu treiben I Man sät Miß- trauen gegen sie und gibt ihnen mit dem Zaunpfahl zu der- stehen, daß es auch ihnen an den Kragen gehen werde, wenn man erst mit Morris und seinen Leuten fertig geworden seil Einmal würden sie sich ja doch erheben, und da sei es schon besser, der Gefahr bei erster Gelegenheit zuvorzukommen I Sie möchten nur gefälligst erst abwarten, bis man die projektierte Bahn Kabub-Keetmannshoop zu Ende gebaut habe! Fast auf dieselbe Weise hat man die Witbois in den Kampf getrieben, die Verbündeten gegen die Herero. Major Leutwein erzählt in seinem Buche:„Elf Johre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika", daß wohl, wie aus einem in O m a r u r u aufgenommenen Protokoll sich ergebe, die von Hendrik Witboi gestellten Witboi-Hülfs- kri e g e r von den neu angekommenen Offizieren und Mann- schaftcn falsch behandelt worden sein möchten. Auch müsse sich bei Hendrik Witboi die Ueberzeugung festgesetzt haben,„die deutsche Regierung hätte nichts Gutes gegen ihn im Sinne". Durch die rücksichts- lose Ausrottungsstrategie gegen die Eingeborenen mußte der alte Häuptling ja zu dieser Annahme kommen. Er schlug also, mißtrauisch gemacht, zuerst los und eröffnete damit den endlosen Feldzug im Süden. Hätte man die Hereros menschlicher behandelt, hätte man ihnen rechtzeitig den Frieden angeboten, man hätte Tausenden deutscher Soldaten das Leben gerettet und dem deutschen Volke Hunderte von Millionen erspart. Und wenn man die verderbliche Taktik des Krieges bis zum Weißbluten gegen die Hottentotten fortsetzt und gleichzeitig schlecht ver- hüllte Drohungen gegen die friedlich gebliebenen Stämme aus- stößt, so darf man sich allerdings nicht wundern, wenn man eine Neuauflage des Witboi-Aufstandes erlebt! Unseren Kolonialphantasten und kolonialen Beutepolitikern wäre ein solcher Aufstand freilich ganz recht! Um so zahl- reichere Truppen könnte man dann ja im Lande lassen, um so reichlicher flösse dann der Profit für die südwestafrjkanischen Händler, für die ja, nach dem Zeugnis der„Täglichen Rundschau" selbst, die Schutztruppe die„milchende Kuh" bildet I gas neue Flugblattio»»ea Bla,znm Anieliuindarselunea. 14tar. Oold, 580/1000 gescUlich gwiempelt, eine Schlange, Mattgold, mit echtem Diamant. die andere, Ounzgold, mit echtem Rubin, M 25 Aich einzeln za tragen. Belmonte& Co. Str. 35. Elb CloMoit IL»Wir. 46. Eike Boker tteims. [In Meisterwerk voRewIetcr Ii 1(1 Uhrenfabrikat onl Sla JUa Sport- Chatelalna für Herr., in divers, Must, echt Silbeii 800/1000 ges. jzest., Die Oegenstandc werden auch ein- Mw ceUctot' Kette. M. 6.75 Zigar.-Abs.„ 1.75 Crayon..„ 3.— Messer..„ 3.-* Ooldbo*.>, 10.— Feuerzeug ,, 6.50 W- M- ZlearsttanapUae, cm,«cht Silber. 800/1000 gesellt, gestempelt, von beiden Seiten U � 7Y desgleichen U ß. 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Dezember er. von 8— 10 und von 12—8 Uhr geöffnet. Verantwortlicher Redakteur: HanS'lieber, iSetlin. Für den gnscratemeil vcramiv: TV. Glucke, Berlin Druck u. Pcrlag: Aorwart» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer St Co.. Berlin SW, Ib. 298. 23. Wr«. Z Atilllgt iltS„UllMllltS" Dttljlltt Wlligllllltt. S-«b-.d.2Z für die Wahlagitation. Deutsche Rechtspflege. Januar. 2. Wegen Teilnahme an den Wahlrechts-Straßendemonstra- tionen zu Dresden am IQ. Dezember wird am 31. Dezember 1905 vom dortigen Landgericht der 21jährige bisher unbestrafte Metall- drücker Schreiber zu 3 Jahren Gefängnis und 2 Wochen Haft der- urteilt. Sch. hatte keine Protestverfammlung besucht, behauptete auch, mit der Sozialdemokratie nicht in Verbindung zu stehen, und nur zufällig in den Menschenstrom geraten zu sein. Einen in seiner Tasche gefundenen Dolch behauptet er, zum Zwecke des Verkaufs mitgenommen zu haben. Von demselben Gericht wird der 4Sjährige Bauarbeiter Steuer aus dem gleichen Grunde zu 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis verurteilt. St., der ebenfalls kein Sozialdemokrat ist, hat krakeelt, war aber total betrunken. 3. Weitere Urteile wegen der Demonstrationen i» Dresden: Buchhalter Bomsdorf 1 Jahr 3 Monate Gefängnis und eine Woche Hast; Mechaniker Bennemann 3 Monate Gefängnis; Arbeiter Böhmer 2 Jahre Gefängnis? Arbeiter(ehemaliger Schutzmann) Pauli 3 Monate Gefängnis und 1 Woche Haft; Arbeiter-Rieback 1 Jahr 4 Monate Gefängnis. 11. Genosse Löbe, Redakteur der„Volksmacht" zu Breslau, wird wegen angeblicher Aufreizung zu Gewalttätigkeiten, begangen in dem Aufruf zur Erringung des allgemeinen gleichen Wahlrechts zum preußischen Landtag, zu einem Jahr Gefängnis und sofortiger Verhaftung verurteilt. Gegen eine Kaution von 10 000 M. wird er vorläufig auf freien Fuß gesetzt. Genosse Quint, Redakteur der„Volksstimme" zu Frankfurt a. M. wird zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt wegen angeblicher Beleidigung des Kolonialdirektors Stübel und des Ministers Podbiclski. Die Beleidigung wurde gefunden in einem aus dem „Vorwärts" übernommenen Artikel über die Beteiligung der Ge- nannten an der Firma Tippelskirch. Der„Vorwärts" selbst war wegen desselben Artikels nur zu 1000 M. Geldstrafe verurteilt worden. 13. Die Dresdener Gerichte fahren fort in den Verurteilungen wegen der Straßendemonstrationcn. Es werden verhängt: einmal 5 Monate, einmal 3 Monate und zweimal ein Jahr Gefängnis. 17. Wegen 2S Artikel, darunter eine Notiz im Tageskalender und eine Buchhandlungsannonce, wird gegen die„Leipziger Volks- zeitung" Anklage erhoben. 19. Gesamtergebnis der Dresdener Demonstrationsprozesse: Von 26 Angeklagten ist einer freigesprochen, die übrigen erhielten insgesamt 20 Jahre Gefängnis. 22. Genosse Crispien, Redakteur der„Königsberger Volks- zeitung", wird wegen Abdrucks des Berichts über die Gerichts- Verhandlung gegen Löbe-Breslau verhaftet. ES stellt sich heraus, daß die angesehensten bürgerlichen Blätter die inkriminierten Aeuße- rungen nn Gerichtsbericht genau ebenso gebracht haben, wie die „KönigSberger Volkszeitung".— Nach ein paar Tagen wird Genosse Crispien gegen 6000 M. Kaution aus der Haft entlassen. 24. In Forst wird Genosse Perncr, Redakteur der„Volksstimme", wegen eines Aufrufs gegen das preußische.Dreiklassen- Wahlrecht verhaftet. Seiner Frau wird nicht gestattet, ihn im Ge- fängnis zu besuchen. 30. Die Zivilkammer des Düsseldorfer Landgerichts untersägt der dortigen sozialdemokratischen„Volkszeitung" auf Grund des 8 824 des Bürgerlichen Gesetzbuchs Veröffentlichungen über die Zu- stände in dem Betriebe eines Unternehmers, weil solche Veröffent- lichungen eine Störung des Geschäftsbetriebes seien. Februar. 2. Zu Markranstädt, wo wegen eigeninächtiger Lohnherab- setzung eines Unternehmers die Kürschner streikten und es am 11. Oktober 190b zu einem unbedeutenden Zusammenstoß mit Arbeitswilligen gekommen war, werden drei Streikende wegen an- geblichen Landfriedensbruchs zu je 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Sechs Angeklagte werden frei- gesprochen. Unter den Verurteilten befindet sich der Bevollmächtigte des Kürschnerverbandes, Genosse Kemnitz, den sogar der Bürger- mcister als einen ruhigen, sachlichen Mann schilderte und von dem nachgewiesen wurde, daß er im Tumult einen verkrüppelten Arbeits- willigen beschützt hatte. 6. Im Trakehner Schulprozeß, der 6 Jahre lang die Oeffent- lichkeit beschäftigte und vor insgesamt 7 Instanzen verhandelt wurde, wird Lehrer Nickel, welcher der Beleidigung des Landstall- meistcrs v. Octtingcn angeklagt war, im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen. 9. Die Regierungsverordnung in den östlichen Provinzen, laut welcher rusfische Auswanderer nur dann in preußisches Gebiet hineingelassen werden, wenn sie— außer einem ordnungsmäßigen Paß und den nötigen Barmitteln— eine Fahrkarte der Hamburg- Amerika-Linie oder des Bremer Lloyd haben, wird vom Kammer- gcricht für gültig erklärt. 12. In Leipzig wird Genosse Heinig, Redakteur der„Lcipz. Volkszeitung". der wegen 25 Artikel angeklagt war. wegen 20 Ar- tikcl freigesprochen, wegen der übrigen 5 jedoch, weil darin Auf- reizungen zu Gewalttätigkeiten enthalten seien, und wcg'N Beleidigung der Zweiten sächsischen Kammer zu 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis verurteilt. 16. In der Untersuchung gegen Genossen Perner zu Forst i. L. werden 4 Schriftsetzer in Zeugniszwangshaft genommen, um sie zur Bekanntgabe des Verfassers des von Perner verantwortlich ge- zeichneten Artikels zu zwingen. Zu 5 Monate» Gefängnis verurteilte die Strafkammer zu Elberfeld einen Arbeiter, der beschuldigt war, einem Streikbrecher einen Stockhieb versetzt zu haben. Seine Schuld war so wenig er- loiesen, daß sogar der Staatsanwalt die Freisprechung beantragt hatte. 17. In Erfurt hatte die Polizei die DemonstrationSversamm- lung am 21. Januar nur unter der Bedingung gestattet, daß Frauen und Mädchen nicht zugelassen würden. Das widerstreitet in doppelter Hinsicht dem preußischen Vereinsgesetz. Trotzdem er- loiderte auf eine Beschwerde der Regierungspräsident: er lehne es ab, jetzt noch der Frage näher zu treten, ob die polizeiliche An- ordnung aufzuheben war oder nicht. In Königsberg verbietet der Polizeipräsident eine öffentliche Versammlung, zu welcher Lehrlinge eingeladen sind, trotzdem das preußische Vereinsgesetz Lehrlingen die Teilnahme an öffentlichen Versammlungen nicht verwehrt und überdies der Polizei überhaupt nicht das Recht gibt, Versammlungen vorher zu verbieten, sondern nur sie aufzulösen: und auch dies nur in ganz bestimmten, im Ge- setz angegebenen Fällen. Eine Beschwerde wird vom Regierungs- Präsidenten abgewiesen. 21. In Nürnberg wird ein 14 jähriges Schulmädchen, das auf der Straße einem 6 jährigen Knaben ein Zweimarkstück aus der Hand gerissen hatte, wegen schweren Raubes zu 3 Monaten Ge- fängnis verurteilt. Ihr" Lehrer hatte sie als sehr gute Schülerin bezeichnet, nur habe ihre ErzvHung gelitten, weil Vater und Mutter in die Fabrik gehen und das Kind sich selbst überlassen müssen. In Rcuruppin hatte aus Anlaß eines Streiks der Steindrucker t der Vorstand des Senefeldcr-Vundcs an zwei Oberdrucker ein Schreiben gerichtet, in welchem ihnen mitgeteilt war, daß eventuell .hr Ausschluß beantragt werden müsse. Dafür wurden— auf Grund des§ 153 der Gewerbeordnung— der Verfasser des Briefes zu 2 Wochen Gefängnis und die beiden Boten, welche mit Kenntnis des Inhalts die Briefe überbracht hatten, zu je einer Woche Ge- fängnis verurteilt. Ihre Revision wird vom Kammrrgericht ver- worfen. 27. Die zur Silberhochzeit des Kaisers allgemeine erwartete Amnestie bleibt aus. März. 1. In Leipzig wird Genosse Kressin, Redakteur der„Leipz. Bolksztg.", wegen angeblicher Majestätsbeleidigung zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt, trotzdem der unter Anklage gestellte Artikel „Albertinische Profile" den gegenwärtigen König von Sachsen gar nicht erwähnt. 4. In Forst werden die vier Setzer aus der Zeugniszwangs- Haft entlassen. In Bielefeld dagegen sitzt Genosse Schumann nun schon 9 Wochen in Zeugniszwangshaft, weil er als Stadtverordneter sich weigert, einen Gewährsmann anzugeben. 7. Ein Maurermeister in Goldap hatte einem Maurer wegen sozialdemokratischer Agitation gedroht: er werde ihm mit dem Spaten den Schädel spalten. Vom Schöffengericht wegen Bc- drohung zu 3 Mark Geldstrafe verurteilt, ging er bis ans Ober- landesgericht, das das Urteil aufhob. Die Strafkammer zu Jnster- bürg erkannte alsdann auf Freisprechung. 12. In einem Prozeß vor dem Kriegsgericht zu Ulm bekundet ein Oberstabsarzt: Die Ernährung im Festungsgefängnis fei un- genügend, sie enthalte um die Hälfte zu wenig Fett; ferner sej sie unpassend zusammengestellt, da sie fast ausschließlich aus Hülsen- flüchten besteht. Dafür sei sie aber billig, 23 Pfennig pro Kopf und Tag. 13. In Berlin wird Genosse Preczang von der Anklage der Aufreizung zu Gewalttätigkeiten, begangen durch die Broschüre „Gegen Volksverdummung usw.", freigesprochen. Die inkrimi- nierten Wendungen waren einem Artikel der„Leipziger Volks- zeitung" vom 6. Dezember 1905 entnommen, der hauptsächlich vom Leipziger Gericht zur Begründung der über Genossen Heinig ver- hängten Strafe von 194 Jahren Gefängnis herangezogen war. Ams Wahlrecht. Januar. (Vergl. auch«Deutsche Rechtspflege".)' 3. Die Hamburger Arbeiterschaft beginnt den Kampf gegen die dortige Wahlrechtsverschlechterung. Nach dem Gesetzentwurf sollen von den 160 Sitzen der dortigen Bürgerschaft 80 durch Notabeln- und Grundeigentümerwahlen besetzt werden, weitere 43 sollen den„Erstklassigen", 8 dem Landgebiet vorbehalten bleiben, so daß den Besitzenden insgesamt 136 Sitze gesichert sind, während die arme Bevölkerung— d. h. bis zu 2500 M. jährlichem Einkommen — alles in allem nicht mehr als 24 Abgeordnete wählen kann. 12. In Voraussicht der für den 21. Januar geplanten Wahl- rechtsdemonstrationen tritt die Polizei in ganz Deutschland in Aktion. Alls ersten Streich beschlagnahmt sie in Görlitz 25 900 Flugblätter. 13. Beschlagnahme von Flugblättern in Danzig. 15. Weitere Beschlagnahmen in allen Gegenden Deutschlands. an der Nnterwefer, am Riederrhein, in Westfalen, in der Provinz Posen, in Westpreußcn usw. usw. 17. Neue Nachrichten über Beschlagnahme von Flugblättern treffen aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands ein. Im preußischen Abgeordnetenhaus reden die konservativen Scharsmacher gegen die Einführung des allgemeinen und geheimen Wahlrechts zum Landtage und für Beseitigung des Reichstags- Wahlrechts. In Hamburg gibt es am Nachmittag einen partiellen Wahl- rechtS-Demonstrationsstreik. Fast alle Betriebe ruhen völlig; im Hafen stockt die Arbeit. Um 4 Uhr finden 8 große überfüllte Protest- Versammlungen statt. Im Anschluß daran Straßendemonstrationen; die Polizei„säubert" in bekannter Weise die Straßen von ver» einzelten Passanten. Am Abend beginnt im Rathaus die Ber- Handlung über die Wahlrechtsraub-Borlage. Infolge der Eni- blößung des Kaschemmenviertels von Polizeimannschaft, die gegen die Versammlungsteilnehmer und friedliche Demonstranten auf- geboten ist, kommt es zu Krawallen des Rowdh- und Verbrecher- tums und radaulustiger Stcaßenjugend am Schopenstehl. 18. Aus vielen Gegenden Deutschlands treffen Nachrichten ein. daß zum 21. Januar die Soldaten in den Kasernen bereit ge- halten und die Schutzleute mit Revolvern und scharf geschliffenen Säbeln ausgerüstet werden. 19. Bereits jetzt müssen an einigen Orten die Flugblatt- Konfiskationen als unbegründet erklärt und aufgehoben» die Flug- blätter zurückgebracht werden. In Sachsen wenden an vielen Orten die für den 21. Januar angesagten Wahlrechtsversammlungen verboten. Tie Zweite Kammer des sächsischen Landtags beschließt mit 59 gegen 4 Stimmen, Strafantrag gegen die„Leipziger Volks- zeitung" wegen Beleidigung zu stellen. Die Nationalliberalen stimmen geschlossen für den Strafantrag. In Altona verbietet die Polizei die Bekanntmachung ber Demonstrationsverkamniluiiaen au den Anichlaasaulen. 21. Die Demonstrationsversammlungen im ganzen Reich nehmen einen imposanten Verlauf. 24. Fortsetzung der Wahlrechtsdebatte in der Bürgerschaft zu Hamburg. 28. An den verschiedensten Orten wird die Konfiskation der Flugblätter von den Gerichten aufgehoben, so daß die Flugblätter zurückgebracht werden müssen. 31. In der Hamburger Bürgerschaft, welche unter dem Schutz von 150 Polizisten tagt, wird die Wahlrrchtsvorlage mit 120 gegen 35 Stimmen angenommen. Februar. 3. In Elberfeld war wegen des Wahlrechtsflugblattes ein Verfahren gegen nicht weniger als 10 Genossen eröffnet worden. Nunmehr wird gegen 9 von ihnen das Verfahren eingestellt, nur der Genosse Ullcnbaum wird angeklagt. 7. Im Reichstag beantragen die Sozialdemokraten, den Ar- tikcl 3 der Reichsverfassung dahin zu erweitern, daß in allen Bundesstaaten das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahl- recht für Männer und Frauen von 20 Jahren an eingeführt wird. Regierung, Zentrum und Konservative erklären, daß diese Frage nicht zur Kompetenz des Reiches gehöre; die Freisinnigen erklären sich für, die Nationalliberalen gegen den Antrag. Die Verhandlung wird nicht zu Ende geführt. Wegen Hochverrats, begangen durch Verbreitung des Wahl- rechtsflugblattcs, war gegen 3 Hamburger Genossen in Altona ein Verfahren eröffnet worden. Das Verfahren wird eingestellt, die beschlagnahmten Flugblätter werden freigegeben. 19. In Elberfeld wird Genosse Illlenbaum freigesprochen. Der Staatsanwalt hatte wegen angeblicher Aufreizung 1 Jahr Ge- fängnis beantragt. 28. In der Hamburger Bürgerschaft wird jede weitere Debatte über die Wahlrechtsraub-Borlage abgeschnitten, indem sie en bloc mit Zweidrittel-Majorität angenommen wird. März. 3. In Koblenz hatte die Staatsanwaltschaft gegen 36 Genossen ein Verfahren wegen des WahlrechtsflugblatteS eröffnet. Gegen 34 vo» ihnen hatte sie es bereits selbst am IS. Februar eingestellt und nur gegen zwei Anklage wegen Aufreizung erhoben. Auch gegen diese beiden wird nunmehr auf Beschlutz des Landgerichts das Verfahren„mangels ausreichender tatsächlicher Belastung" eingestellt. 4. Aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens des Dreiklassen- Wahlrechts in Sachsen finden überall im Lande Demonstrations- Versammlungen statt. 5. In Straßburg war wegen des Flugblattes vom 21. Januar gegen mehrere Genossen ein Verfahren wegen Landesverrats und Aufreizung eröffnet worden. Das Verfahren wird eingestellt. 23. Das preußische Abgeordnetenhaus berät eine„Wahl- rechtsvorlage" der Regierung, die. wie der Minister v. Bethmann- Holweg erklärt, notwendig sei, um sozialdemokratischer Obstruktion. wie sie 1903 vorgekommen, die Handhabe zu nehmen. Das Zentrum beteiligt sich an der Debatte nur durch eine Erklärung, daß es der Vorlage zustimmen und im übrigen außerhalb des HausrS auf eine Reform des preußischen Wahlrechts dringen werde. Äeer uud Flotte. Januar. 12. Das Kriegsgericht zu Koblenz verurteilte einen Pionier. Unteroffizier, der einen Soldaten mit dem Knie gegen den Leib ge- stoßen hat, so daß er gegen einen Tisch fiel, zu 9 Tagen gelindem Arrest. 14. Weil er sich vor seinen Kameraden offen als Sozialdemo- krat bekannte, wird der Grenadier Cyron vom Jnfanterie-Regiment Nr. 6 zu 2 Jahr 1 Monat Gefängnis verurteilt. 15. Während rings in ganz Deutschland Sozialdemokraten und Arbeiter wogen Ausreizung zu Gewalttätigkeiten und zum Un- gehorsam gegen die Gesetze zu harten Gefängnisstrafen verurteilt werden, gibt im Reichstage der preußische Kriegsminister v. Einem im Auftrage des Reichskanzlers die Erklärung ab:„So lange der Zweikampf in weiten Kreisen noch als ein anerkanntes Mittel zur Wiederherstellung der verletzten Ehre gilt, kann auch das Offizier- korps in seinen Reihen kein Mitglied dulden, welches nicht bereit ist, gegebenenfalls mit der Waffe für seine Ehre einzutreten", Aus der hohen Politik. Januar. 16. In Algeciras tritt die Marokko-Konferenz zusammen. 17. Beim Ordensfest wird der durch den Poker-Prozeß bekannt ?ewordene Justizminister Ruhstrat zu Oldenburg zum Kapitular- omtur des Haus- und Verdienstordens ernannt. Februar. 13. Die Verhandlungen in Algeciras beginnen sich zuzuspitzen, weil Frankreich die Aufsicht über die marokkanische Polizei begehrt, was Deutschland nicht zugestehen will. 15. In der Zweiten badischen Kammer richtete auf Grund privater Mitteilungen der sozialdemokratische Abgeordnete Lehmann an den Minister des Innern Dr. Schenkel die Anfrage, ob es wahr sei, daß auch in Baden— wie im Elsaß— eine List« von Personen geführt wird, dir beim Ausbruch eineS Krieges in Gewahrsam ge- nommen werden sollen. Der Minister meinte, auf diese Naivctät verweigere er die Auskunft. März. 2, In den Bergwerken des Ruhrbezirks ist die Freizügigkeit der Arbeiter aufgehoben durch eine Verabredung der Unter- nchmer, keinen ohne Grund von einer anderen Zeche abgekehrten Bergmann einzustellen. Eine Art, mißliebige Arbeiter zu kenn- zeichnen, besteht darin, baß man auf den Entlassungsscheinen das Wort„ordnungsgemäß" fehlen läßt, selbst dann, wenn die Arbeiter mit„guter Führung" entlassen sind. Das Gewerbcgericht in Dnis- bürg, wo christliche Verbändler als Arbeitervertreter Recht sprechen, erklärte das System der Ueberweisungsscheine für einwandfrei. Llnsere Kolonien. Januar. 16. Eine Proklamation des Gouverneurs Linbcquist fordert die noch umherstreifenden Hereros zur Ergebung auf und sichert ihnen gerechte Behandlung zu. Februar. 7. Wie die„Franks. Ztg." mitteilt, soll in Kamerun viel Er- regung entstanden sein, weil zwei eingeborene Mädchen, die mit eingeborenen Männern verlobt waren und für welche schon die Hälfte des landesüblichen Preises bezahlt gewesen, von hohen Be- amten den Eltern abgekauft worden seien. Zugleich erhebt die „Franks. Ztg." noch weitere Anklagen gegen die dortige Verwaltung. Für Südwestafrika fordert eine amtliche Denkschrift den Bau einer Bahn von Kubub bis Keetmannshoop und neue Truppen, obgleich die Hottentotten nur noch etwa 400 Mann zählen und bereits 15 000 deutsche Soldaten gegen sie im Felde stehen. 18. Die„Franks. Ztg." beschuldigt den Gouverneur von Kamerun» Jesko von Puttkamer, er habe eine ihm bekannte Halb- Weltsdame mit nach Kamerun genommen, sie dort für seine Cousine ausgegeben und ihr einen falschen Paß auf den Namen Freiin von Eckstein ausgestellt. März. 2. In der Budgetkommission des Reichstages kommt die Petition der Atwaleute(Dualaneger in Kamerun) zur Verhand- lung. Die Petition enthält unter anderem 24 detaillierte An- klagen gegen das System des Gouverneurs Jesko von Puttkamer. Der Gouverneur hatte deswegen— in Kamerun— Strafantrag gestellt und das Gericht— in Kamerun— hatte daraufhin 22 Häuptlinge als Petenten verhaftet und am 6. Dezember 1905 zu insgesamt 27 Jahren und 6 Monaten Gefängnis mit Zwangsarbeit verurteilt. Davon erhielten der Oberhäuptling Dika Akwa 9 Jahre Gefängnis» ein anderer Häuptling 7 Jahre, ein dritter 1V> Jahre, die übrigen je 3 Monate.— Da das Urteil bekannt wurde und all- gemeine Empörung hervorrief, wurde es von der Kolonialvcrwaltung aufgehoben, die mit 3 Monat Bestraften wurden aus der Haft ent- lassen und die Angelegenheit einem anderen Gerichtshof übergeben. j Der Gouverneur wurde nach Deutschland berufen. In einer Recht- fcrtigungsschrift sagt er: es erscheine ihm„nicht zweckmäßig", das Urteil umzustoßen, das würde die Stellung des Bczirksrichters er- schüttern und„die Rechtsbcgriffe der Bevölkerung verwirren". Er schlägt vor. einfach die Strafen herabzusetzen. Der Referent, Zentrumsabgcordneter Kalkhof, führt aus: Das Urteil sei um so befremdender, weil der Gerichtshof die Mehrzahl der Beschwerdepnnkte in der Petition gar nicht bestreite. Wenn der Gouverneur richtig verfahren wollte, mutzte er gegen sich unn die Mitangeklagten Beamten ein Disziplinarverfahren beantrage», statt Strafantrag zu stellen. 4. Die Budgetkommission beschließt auf Antrag des Zentrums, den Reichskanzler zu ersuchen, durch einen unabhängigen Beamten die Beschwerden der Akwaleute untersuchen zu lassen. Ein fozia,- demokratischer Antrag, die Verhafteten sofort freizulassen, wird abgelehnt. 15. Eine an den Reichstag gerichtete Eingabe von Fabrikanten für Militärausstattungen stellt fest, daß die Firma Tippclskirch Lieserungen von vielen Millionen ohne jede Ausschreibung frei- händig übertragen erhält, und zwar auf Grund eines zehnjährige» Vertrages, der um die Mitte der neunziger Jahre abgeschlossen rntb bereits 8 Jahre vor Ablauf um weitere 10 Jahre verlängert worden ist. Der Landwirtschaftsminister Podbielski war früher Teilhaber der Firma Tippclslirch und hat nach dem Eintritt in den Staats- dienst seinen Anteil seiner Frau übertragen. Aus der Partei. Januar. (Siehe auch„Deutsche Rechtspflege.) 7. Der„Vorwärts" hat die Zahl von 100 000 Abonnenten überschritten. 22. Seit der Verurteilung des Genossen Löbc-Breslau» d. h. in 10 Tagen, hat die dortige„Boltswacht" 1287 neue Abonnenten gewonnen. Februar. 8. In dem einen Monat seit der Verurteilung des Genossen Löbe in Breslau ist die Zahl der Abonnenten der dortigen„Volks- wacht" um 3264 gestiegen: während ihre Abonnentenzahl im Januar 1005 erst 16 6S0 betrug, steht sie jetzt auf LS 700. 13. Bei der Rachwahl im 16. sächsischen Wahlkreis wird der sozialdemokratische Kandidat Genosse Noske mit 31629 gegen 194S3 Stimmen gewählt. Die ultramontane Zeitung„Tremonia" in Dortmund chatte die Verleumdung verbreitet, die Dortmunder„Arbeiterzeitung" habe sich aaS uuterschlagenen Streikgeldern(vom grasten Berg- arbeiterstrcik) eine neue Rotationsmaschine angeschafft. Auf die Klage der„Arbeiterzeitung" wird vor Gericht die Unwahrheit dieser Behauptung festgestellt und die„Tremonia" zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Soziales. Januar. 20. Der„Vorwärts" gibt bekannt, dast die in der preußi- scheu Justiz beschäftigten Kanzleigehülfen am Geburtstag deS Kaifers, den sie feiern müssen, sowie am Tage der Urwahlen zum Abgeordnetenhaus keinen Ldhn bekommen. 24. In Lichtenberg bei Berlin wird der arbeitslose Schlächter Micke verhungert aufgefunden. Ein wegen Raserei von» Kriegsgericht freigesprochener Soldat. Das Kriegsgericht der 35. Division in Posen beschäftigte vor- gestern ein Anklagefall, der ein hohes spychiatrischcs und politisches Interesse hatte. Angeklagt ist der Ulan Franz Schulz von der 2. Schwadron des Ulancn-Regiments 4, dem die Anklage Körper- vcrlehnng mit TodcSfolge zur Last legt. Der Anklage liegt nachstehender Sachverhalt zugrunde: Ende September wurde in polnischen Blättern berichtet, dast in dem Dorfe Radlin Ulanen, die auf dem Rückmärsche aus dem Manöver in der Umgegend einquartiert waren, den 60 Jahre alte« Arbeiter Johann Jsidorczyk aus StegoSz ermordet hätte». Die Bluttat wurde mit der gewalsam betriebenen Germanisierungspolitik iu Verbindung gebracht. Durch die Untersuchung wurde festgestellt, dast am 22. Sep- tcmber d. I. tatsächlich bei Exzessen zwischen Zivilisten und Militär der genannte Jsidorczyk in der scheußlichsten Weise ermordet worden war. ifew Ang, klagte gibt zu, nach einem vorangegangenen Streite, der von den ihnen nachkommenden Arbeitern provoziert worden ist, den p. Jsidorczyk, einen 60 Jahre alten schwächlichen Mann— mit dem diesem entrissenen Spaten und darauf mit einem Spaten- stiele erschlagen zu haben. An dem bereits genannten Tage sei er mit den Ulanen Klinge und Henkel von der bei Radlin be- legcnen Ortschaft Conty nach der vorgenannten gegangen, um sich in dem dortigen Wirtshause zu amüsieren. Kurz nach �10 Uhr hätten sie sich nach ihren Quartieren begeben. Sie seien zwar etwas angetrunken, aber nicht betrunken gewesen. Auf einer zwischen 2 Teichen belegenen Brücke hätte sie ein Trupp von S— 6 Arbeitern überholt, hier habe er, Angeklagter, sofort einen Schlag auf den Hinterkopf erhalten und dann einen auf die linke Schulter. Ich drehte mich, so fährt Angeklagter fort, um und fastte meinen vermeintlichen Angreifer mit einer Hand an der Brust und mit der anderen an das von diesem in den Händen haltende Bündel. Der Mann, den ich festhielt, setzte sich mir gegenüber zur Wehr, indem er mich an die Brust packte. Ich entwand ihm den Spaten und schlug mit diesem auf meinen Gegner ein, bis er zu Boden fiel; auch jetzt hieb ich weiter auf ihn ein, weil ich bemerkte, dast ich im Gesicht blutete und ich in diesem Schmerzen verspürte. Mich packte solch eine Wut, daß ich nicht wußte, was ich tat. Als der Spaten gebrochen war und ich nur noch den Stiel in der Hand hielt, hieb ich noch immer auf den vor mir liegenden Mann ein.— Mein Kamerad Henkel rist mich dann schliehlich mit Gewalt von meinem Opfer weg. Jetzt erst gewahrte ich, dast dieses bereits tot war. Der Bataillonskommandcur Major Graf Hardenberg bekundet: An dem mehrfach genannten Tage erschien in meinem Quartier, als ich mich bereits zu Bett begeben wollte, der Wachtmeister und meldete, dast von den Ulanen ein Mann totgeschlagen worden sei. Diese Meldung erschien mir so ungeheuer, dast ich sie nicht glauben wollte. Bald darauf erschien auch der Probst GolSti mit einigen Leuten in meinem Quartier und verlangte in einem solch erregten Tone die Vornahme einer sofortigen Unter- suchung nach dem Schuldigen, dast es mir nicht möglich war, mit dem Probst weiter zu verhandeln. Ich begab mich nach dem Tat- ort, der in der Nähe der Wohnung des Probstes sich befand, und fand hier den Erschlagenen mit ausgespreizten Armen und mit zahlreichen Wunden vor. Ich ordnete die Bewachung der Leiche durch einen Militärposten an; neben der Leiche fand man den abgeschlagenen Spaten und den gespaltenen Spatenstiel. Da von einem der Leute während des Kampfes die Worte gehört worden waren:„Julius, Julius, was hast Du getan", so liest ich alle die Mannschaften mit dem Vornamen Julius observieren. Zufällig befand sich nur ein Ulan mit diesem Vornamen bei der zweiten Schwadron, ein gewisser Mayer. Dieser konnte nicht der Täter gewesen sein, da er nachweislich an dem Abend nicht ausgegangen war. Als ich in das Quartier des Angeklagten Schulz kam, traf ich diesen beim Waschen seiner Drillichjacke an. Auf meine Frage, warum er dies tue, erklärt« er sofort freimütig, er wasche das Blut aus der Jacke, denn er sei bei der Schlägerei am Abend beteiligt gewesen. Der Angeklagte erklärte ihm dann den Sachverhalt so, wie er dies hier und auch im Laufe der Untersuchung getan. Auf meinen Vorhalt, warum er so weit gegongen und den alten Mann auf der Stelle totgeschlagen habe, gab er zur Antwort:_ Ja, wenn ich mich nicht so gewehrt hätte, dann läge ich auf dem Platze. Ucber da» Verhalten der Arbeiter, die bei d«m Ueberfall in Betracht kommen, hat Zeuge festgestellt, dast sie stark angetrunken gewesen, dast sie sich noch auf dem Bahnhof Radlin ungebührlich benommen hätten und von dem dortigen Haltestellenvorsteher zur Ordnung und Ruhe verwiesen worden wären. Der Zeuge Paterka habe auf ihn einen schlechten Eindruck gemacht und sonderbar er- scheine es, dast dieser Zeuge einen Stock, den er bei seinem Angriff zerschlagen, bei Seite geschafft hat. Bezüglich des Leumundszeugnisses deS Angeklagten bemerkt Zeuge, dast dieser ein tüchtiger Soldat gewesen, er, Zeuge, hatte Februar. 4. In Heeren in Westfalen wurden wieder drei ungarische Bergleute ausgewiesen, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen, als dast sie brave Parteigenossen sind und auch als Gewerk- schaftler ihre Pflicht erfüllten. Die Leute waren schon länger als ein Jahrzehnt auf der Zeche tätig. 10. Im Reichstag interpellieren die Sozialdemokraten wegen des furchtbaren Grubenunglücks auf der Zeche„Borussia" bei Dortmund. Graf Posadowsky im Auftrage des Reichskanzlers lehnt die Beantwortung der Interpellation ab» weil reichsgesetzliche Vorschriften nicht verletzt seien. 14. Die Aktien des HSrder Bergwerk- und Hiittenvereins steigen an der Börse um 2Ms Proz. Es verlautet, dast das erste Semester einen Ueberschust von 3 324 000 M. ergeben habe, gegen rund 2 400 000 M. im Vorjahre. Demnach wäre der Gewinn gegen die gleiche Zeit des Vorjahres um fast 40 Proz. gestiegen. Die Löhne der Arbeiter in den entsprechenden Halbjahren betrugen 641 resp. 665 M. 17. Der Aufsichtsrat der Bergwerks-Aktiengescllschaft Kon- solibation zu Gelsenkirchen bcschlost, der Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 23 Proz. für das Jahr 1905 vor- zuschlagen. 18. Wegen körperlicher Gebrechlichkeit must die„National- zeitung" einen Boten entlassen» der bei ihr seit 1875 beschäftigt ge- Wesen und. laut Zeugnis,„stets treu und ehrlich" war. März. 8. Der Dienstknecht Alois B. zu München, der ein kranke? Weib, kein Geld, weder Holz noch Kohlen hatte, nahm am 22. Dc> zember von einem voll beladenen Eisenbahnwaggon drei Scheite Solz im Werte von 60 Pfennig. Er wird wegen Diebstahls im Rückfall zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. 10. In Courrieres(Frankreich) werden bei einer furchtbaren Grubenexplosion gegen 1400 Bergleute getötet. ES stellt sich heraus, dast es schon seit einem Monat in der Grube brennt. Trotzdem hat man die Arbeiter einfahren lassen. Die„Kölnische Volkszeitung" (Zentrum) macht darauf aufmerksam, dast infolge des Unglücks die Ausfuhr von Kohlen aus dem Ruhrgebiet nach Frankreich steigen werde. die Absicht, ihn zum Gefreiten zu machen, mit ihm schließlich zu kapitulieren, so sehr habe den Zeugen die dienstliche Führung des Angeklagten befriedigt. Er sei niemals jähzornig oder be- trunken gesehen worden. Der Ulan Henkel erklärt: Als sie sich am Tattage nach',H10 Uhr nach ihrem Quartier begaben, haben sie die fünf Arbeiter Paterka, Johann und Stanislaus Kaczmarek, Pientka und Jsidorczyk ein- geholt. Auf'einmal hörte ich den Angeklagten ausrufen:„Ein Hund schlägt mich." Ich bemerkte, daß Schulz einen der Leute gepackt hielt, ich suchte ihn von dem Manne auseinanderzubringen; hierbei hörte ich, dast auf den Kopf des Schulz Schläge fielen. Die anderen Zivilisten waren fortgelaufen, nachdem ich ihnen viermal zugerufen, dast sie uns in Ruhe lassen sollten. Schulz schlug fortwährend auf seinen Gegner ein, bis dieser zu Boden fiel. Auch jetzt hörte er mit dem Schlagen nicht auf, bis dann der Spaten abbrach. Mit den Worten: ich erwürge den Hund stürzte sich Schulz wie ein Wahnsinniger auf den am Boden Liegenden. Ich habe mich etwa 10 Minuten mit ihm herum. gerissen, es war mir nicht möglich, ihn von seinem Opfer zu reisten. So wütend habe ich den Angeklagten nicht gesehen. Zeuge wiM vereidigt. Die Arbeiter Paterka» Bydlewski, die beiden Kaczmarek und Adamczyk behaupte» indessen unter ihrem Eide, dast nicht sie, insbesondere auch nicht der getötete Jsidorczyk die Angreifer gewesen seien, sondern die Angreifer seien die Soldaten gewesen. U. a. bekunden Paterka: Am 22. September d. I. hätten sie die drei Ulanen, die im Drillichanzug gewesen waren, eingeholt. Wiedererkennen könne er heute keinen. Sie seien von ihnen mit den Worten: „Halt, halt, wer geht da!" angerufen worden. Einer der Soldaten habendem 16jährigen Stanislaus Kaczmarek an seinem Koffer herumgezerrt, worauf Zeuge den Soldaten zugerufen haben will: Wenn Ihr Soldaten sein wollt, dann laßt den Jungen in Ruhe. Darauf habe der Zeuge einige Schläge auf den Kopf erhalten, wobei er sein Bündel verlor. Auf Vorhalt des Verhandlungsleiters gibt der Zeuge zu, sich gewehrt und etwa zwei- bis dreimal zurück- geschlagen zu haben, und zwar mit einem etwa daumendicken Spazierstocke. Darauf seien die Soldaten auf Jsidorczyk ein- gedrungen und dies habe den Zeugen veranlaßt, ins Dorf zu eilen, um Hülfe zu holen, daniit man den Jsidorczyk nicht totschlüge. Zeuge sei zum Probst gelaufen, dem er den Vorgang gleich er- zählt habe. Als er mit diesem am Tatorte erschienen, sei Jsidorczyk bereits erschlagen gewesen. Verhandlungsleiter:„Die Soldaten sagen doch aber, von Ihnen und Ihren Begleitern zuerst geschlagen worden zu sein?"— Zeuge:„Das ist nicht wahr. Als ich geflüchtet war, habe ich rufen hören:„Julius, Julius, was hast Du gemacht", es kann aber geheisten haben: Schulz, Schulz usw." Der erst 16 Jahre alte Stanislaus Kaczmarek bestätigt, dast er sofort ohne jeden Grund angehalten worden, er sei dann ge- flüchtet. Dasselbe hat dann auch der Onkel des Vorzeugen, Johann Kaczmarek, getan. Wegen der llebereinstimmung der Aussagen wird von der Ver- nehmung der übrigen Zeugen, unter denen sich der Probst Golski befindet, von den Parteien verzichtet. Die medizinischen Sachverständigen, die die Sektion der Leiche des Jsidorczyk vorgenommen haben, bekunden, dast am Kopfe und dem Gesichte sich 17 schwere klaffende Wunden befunden hätten, dje indessen nicht absolut tödlich gewesen seien. Der Tod des Jsidorczyk sei herbeigeführt worden durch 6 Rippenbrüche, die Ein- drückung des Brustkastens und Zerreißung der Leber, in die die gebrochenen Rippenknochen eingedrungen seien. Plaidoyer des Anklagevertreters. Der Anklagevertreter ist der Ueberzeugung, daß nicht der Soldat, sondern die Arbeiter die Schlägerei provoziert hätten; es seien ihrer fünf gewesen, die mit Stöcken und Spaten bewaffnet gewesen seien, während die Soldaten vollständig ohne Waffen waren. Solange alle diese beisammen gewesen, hätte sich An- ?:eklagtcr in berechtigter Ausübung der Notwehr befunden. Diese ei aber nicht vorhanden gewesen, als die Begleiter des Jsidorczyk geflüchtet waren und dieser wehrlos auf dem Boden lag. Wenn Angeklagter dann noch in unmenschlich roher, ja bestialischer Weise auf den alten Mann einschlug bis er tot war, so habe er die gezogenen Grenzen der Notwehr weit überschritten und er sei daher zu bestrafen. Es seien ihm mildernde Umstände in weitgehendster Weise zuzubilligen, daher beantrage er eine Gefängnisstrafe von einem Jahre. Der Verteidiger tritt dafür ein, dast der Angeklagte, wenn er tatsächlich die Grenzen der Notwehr überschritten, er dies nur aus Furcht und Bestürzung getan, er sei daher nach§ 153 R. M. Str. G. straffrei. Für den Fall, daß das Gericht diesen Fall nicht annehmen sollte, so sei zu prüfen, ob Angeklagter sich bei Begehung der Tat nicht in einem die Strafbarkeit ausschließenden Zustande geistiger Un- zurechnungsfähigkeit befunden hat, da eS nicht ausgeschlossen ist, dast er in seiner sinnlosen Wut die Folgen seiner Handlungen nicht zu überlegen imstande war. Nach längerer Beratung verkündete das Gericht zur allgemeinen Ueberrgschung die '12. Nach der Denkschrift der AnsicdelungSkommissiou für daS Jahr 1905 sind in den 20 Jahren der Ansiedclungspolitik 370 Mill. für Güterwckäufe ausgegeben morden. Tie Einnahmen betvagen 86 Millionen, so dast als reine Ausgabe 284 Millionen übrig bleiben. Dafür sind Güter angekauft aus polnischer Hand 101 810 Hektar, aus deutscher Hand 194 513 Hektar. Also zwei Drittel aller an» gekauften Güter stammen aus deutscher Hand. Die Teuerung. März. 1. Der neue Zolltarif und die auf seiner Grundlage ab- geschlossenen neuen Handelsverträge treten in Kraft. 12. Ueber die künstliche Erhöhung der Grundrente berichtet das„Berl. Tageblatt" aus Ostpreußen von 14 Gütern, deren Preis« in wenigen Jahren enorm gestiegen sind. Ein Gut war wurde jetzt für 28. Ein Antrag, die Kosten der neuen Flottenvermehrung durch eine Bcrmögenssteuer aufzubringen, wird im Reichstag mit 142 gegen 67 Stimmen abgelehnt. Dagegen stimmten Konservative, Zentrum und Nationalliberale. Die Steuer war sehr mätzig ge-, dacht; sie sollte erst bei einem Vermögen von 100 000 M. anfangen und hierfür nicht mehr als 50 M. pro Jahr betragen; bei grösteren Vermögen sollte sie mästig ansteigen bis auf 500 M. für eine volle Million. Freisprechung des Angeklagte» und begründet diese wie folgt: Objektiv ist Angeklagter nach den Ausführungen des Anklagevertreters, denen das Gericht durchweg beigetreten ist, schuldig. In subjektiver Beziehung sei aber das Gericht zu der Ueberzeugung gelangt, dast Angeklagter sich in einem solchen Zustande der Raserei befunden hat, daß er hierbei die Folgen seiner Handlungen nicht zu überlegen imstande war. ES müsse eine krankhafte Störung des Bewußtseins des Angeklagten bei Begehung der Tat vorgelegen haben und daher sei ihm der Schutz deS§ 51 R. M. Str. G. B. zuzubilligen. *» « Würde der Soldat auch dann freigesprochen worden sein, wenn er nicht den völlig schuldlosen alten Mann, sondern einem Unter- offizier, der mit Rippenstoßlogik ihn erziehen wollte, in Wut und Raserei 17 klaffende Wunden beigebracht und ihm die Rippen und den Brustkasten eingedrückt hätte, selbst wenn nicht der Tod die Folge dieser Raserei gewesen wäre? Soziales. Die Trinkgeldfrage in den Hotels soll nun durch eine in Hannover gegründete„Trinkgeld-Rückvcr- gütungsgefellschaft für die Geschäftsreisenden" gelöst werden durch Anwendung des„Tuxsystems". Dies beruht in der Hauptsache darauf, daß die Hotelbesitzer Rabattmarken, käuflich von der Gesell- schaft, beziehen und den Geschäftsreisenden auf jede volle Mark Rechnungsbetray eine Marke im Werte von 5 Pf. aushändigen. Die Gesellschaft gibt gratis und franko Hefte zum Einkleben von jedesmal 200 Marken aus, die dann mit 10 Mark in bar zur Ein» lösung gelangen. Die betreffenden Hotels sind verpflichtet worden, ihre Preise aus die fern Anlast nicht zu erhöhen.— Damit ist die Trinkgelderfrage allerdings noch nicht gelöst, wenigstens nicht für diq Hotelangcstellten, zumal das Trinkgeld als Lohn, statt eines aus» reichenden festen Lohnes, nach wie vor bestehen bleim. Die Hotel- diener, Kellner usw. können diese Miststände nur durch eigene Karst, durch eine starke Organisation, besertigen. Wird doch noch vielfach für die Gelegenheit, Triickgelder zu ver- dienen, Pachtgeld von Kellnern gezahlt. Wie Liberale Leben und Gesundheit von Arbeitern bewerten. Die aus Gewerkschaftsmitgliedern zusammengesetzte Bau» arbeiterschutzkommission in Kempten stellte in Gemeinschaft mit den Christlichen an den dortigen Stadtimtgistrat den Antrag, einen Baukontrolleur aus Arbeiterkrcisen anzustellen, um eine wirksam« Bqnlontrolle zu ermöglichen. Dieser Antrag wurde von der liberalen Stadtverwaltung abgelehnt mit der Begründung: Es sei für Anstellung eines städtischen Baukontrolleurs ein Bedürfnis nicht vorhanden, denn in den letzten zwei Jahren seien nur 189 Aauunfällr vorgekommen; davon sei nur einer tödlich verlaufen, die übrigen seien nur 43 schwere und 144 leichte Körperverletzungen!— Bevor nicht alle Jahre einige Dutzend Arbeiter totgeschlagen werden oder beim Passieren des Unglücks- ortes einige liberale Stadtväter„nur" schwer verwundet werden, scheint diese liberale Stadtverwaltung eine Baukontrolle nickst für nötig zu halten._ § 153 der Gewerbeordnung. Eine Anklage wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe» ordnung und versuchter Nötigung führte gestern den Schlosser Otto K l e i n i tz k e und den Gürtler Georg K y n a st vor die 4. Straf- kamnier des Landgerichts l. Mitte Juli war bei der Firma Schiffer in der Waldemarstraste ein Streik ausgebrochen, in dessen Verlauf auch die beiden Angeklagten zeitweilig Streikposten standen. Am 19. Juli wollte der Schlosser Dietrich, der Familienvater ist, bei der Firma Schiffer Arbeit nachsuchen. Nach seiner Behauptung sei er von dem Angeklagten Kynast abgefangen und gefragt worden, ob er auch Schlosser sei und auf die bejahende Antlvort sei der Hinweis erfolgt, daß dort gestreikt werde. Er habe sich dann zur Arbeit gemeldet und als er wieder auf die Straße getreten, sei ihm eine Gruppe von Personen in den Weg getreten und Kynast habe ihn gefragt, ob er Arbeit angenommen habe. Er habe dies zunächst verneint, da aber Kynast sein Arbeitsbuch sehen wollte, habe er die Frage bejaht. Darauf will er von Kynast beleidigt sein und einen Schlag gegen den Mund erhalten haben. Als er sich darauf nach einem Schutzmann umgetcm, habe ihm Kleinitzke gedroht:„Wenn Du einen Schutzmann holst, dann hol' Dich der Teufel, dann be- kommst Du noch mehr Prügel!"— Die Angeklagten bestritten unter Berufung auf Zeugen die belastenden Aussagen dieses Zeugen. Kleinitzke behauptete, dast sich der Zeuge in seiner Person irre, Kynast bestritt, geschlagen zu haben.— Da Zeuge D i et r i ch jeden Irrtum seinerseits für ausgeschlossen erklärte, beantragte der Staatsanwalt gegen Kleinitzke 30 M. Geldstrafe, gegen K y n a st einen Monat Gefängnis.— Rechtsanwalt Dr. Heinemann hielt die Freisprechung des Kleinitzke für geboten und empfahl bei Kynast, dessen bisherige Straflosigkeit und er- klärliche Erregung strafmildernd zu berücksichtigen. Das Gericht erkannte gegen Kynast auf— zwei Mo na te Gefängnis, gegen Kleinitzke auf eine Woche Gefängnis.>— Klassenjustiz, behaupten Leute, gibt es nicht. Wie hoch wäre ein Student bestraft, der einen anderen beleidigt und einen Schlag gibt? Und wie hoch ist der Täter der„abgehackten Hand", wie hoch der„Arbeitswillige" bestrast, der den Genossen Fleischniann in Nürnberg erschoß? Der 25, Januar hat auch über die Klassenjustiz zu Gericht zu sitzen. Fiir Den Inhalt der Jnierate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Beranttvortnng. UKeater. Sounabend. den 22. Dezember. Ansang 7'/, Uhr. Sgl. Opernhaus. Mignon. «gl. Schauspielhaus. Wilhelm Teil. Deutsches. Ringelpiel. Westen. Der Trompeter von Säckingen. Nachmittags S'/a Uhr: KindeZ treue und Weihnachis' Solching, ivtartha. Nachmittags 3 Uhr: Peter und Paul reisen ins Schlarasfenland.« Ansang 8 Uhr. Schiller O.«Wallner. Theater.) Der Hochtourist. Schiller.X.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Mathias Gollinger. Lessing. Der heimliche König. Zentral. Künstlcrblut. Nachmittags 3'/, Uhr i Schnee» wittchen. Nenes SchansPielhauS.DerSturm. Nachmittags 3 Uhr: Zlschenbrödcl. Kleines. Ein idealer Gatte. Berliner. Liselott. Neues. Kinder. Komische Oper. Pariser Leben. Residenz. Florette und Patapon. LnstibielhnnS. Husarenficber. Nachmittags 3'/, Uhr: Gänseliesel. Deutsch- Amerikanisches. Der Sorgenbrecher. Thalia. Eine lustige Doppelehe. NachmtttagS 4 Uhr: Rotkäppchen. Luisen. Vergnügte Feiertage. Rachmittags 4 Uhr: Hänsel und Gretel. Bernhard Rose. Berliner Raubvögel. Trianon. Wo ist der Papa? Bor- her: Die Schlohtellerei. Merropol. Der Tensel lacht dazu. Wintergarten. Saharct. Spezia- litätcn. Avollo. Spezialitäten. Kasino. Die beiden Ehampignol. Spezialitäten. Folies Caprie«. Debüt Fleischmann. Passage. Berlin patz' ausl Epe- zialitäten. Walhalla. Spezialitäten.. Reichshalle». Stettiner Sänger. llranta. Daubenftraste 18/4«. Im Theater abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Rtviera. Sternwarte, Invalidenstr. S7/V2. Ferdinand Bonn« Berliner Theater. Sonnabend, Sonntag: Gastspiel Lade Vierna. Liselott. Ansang 8 Uhr. Montag: Geschlossen._ Theater des Westens Station Zoolog. Garten, Kantstr. 12. Nachm. 3>/, Uhr Kinder« Vorstellung, Keine Preise: Kimlsateau« und Weihnachtssegen. Abends VI, Uhr: Der Trompeter von Sückingen. Neues Schauspielhaus ag Abend« 8 Uhr: Zum ersten Male: Der ftelfcro Sonntag: Der Sturm._ Neues Theater. AbendS 8 Uhr: Kinder. Morgen und folgende Tage: Binder. Nieines Theater. Zum 146. Male: Ein idealer Gatte. Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr: N»ehta,>I. Abends 8 Uhr: llin idealer Latte. Montag: Leeohloeeea._ Komische Oper. Abends 8 Uhr: Pariser Leben. Sonntag nachm. 3 Uhr: Carmen. Abends 3 Uhr: parieer Leben. Montag: Ceeekloeeea._ LorfzingTheater Belleallianceetr. 7/8. Nachmittag 3 Ubr: Beter und Baut reisen ine Setiiarattsnland. Abend» VI, Uhr: Zum erstenmal: Martha. Abonnements güllig. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Waffenschmied. Abends VI, Uhr: Fra Oiavolo. LusispieKhaus. Nachm. S'/a Uhr: Gänseltesel. Abends 8 Uhr: llnuarenfiebcr. Zentral-Theater. (Operette.) S'/jUhr; Schneewittchen. Abends 8 Uhr zum erstenmal: Künutlerblnt. Urania. "Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. ROtils-Thkiittt. Direktton Richard Alexander. Heute und folgende Tage Ansang 8 Uhr: Florette und Patapon. Schwank in 3 Akten v. M. Hennequin und Pierre Veber. Dienstag, 25. Dez., nachm. 3 Uhr: Frou-Fron. Mittwoch, den 26. und Sonntag, den 30. Dez., nachm. 3 Uhr: Eine HochzeitSnacht. Luisen-Tlieater Rcichenbergerstr. 34. Nachm. 4 Uhr Kinder- Vorstellung: Hansel und Gretel. Abends 8 Uhr: Vergnügte Feiertage. Voltsstück in 3 Akten(6 Bildern) von 2. Ottomeyer. Sonntag 3 Uhr: Othello. 8 Uhr: Vergnügte Feiertage. Benivan! Rose-7!iesleD Grosie Franksurterstr. 132.|| Heute Premiere: Kerlmer Kaubvögel. Große Posse mit Gesang und Tanz m 4 Akten voi: Leopold Ely. Nachm. 4 Uhr Kindervorstellung: Schneewittchen. Sonntag nachm.: Hansel u. Grete). Deutsch-Amerikanisches THE.LTER, KSpnickerstr. 67/68. Heute abend 8 Ubr Premiere: Gastspiel Ad. Philipp. Der Sorgenbrecher. Sonntag sowie an allen 3 Feieren nachm. 3 Uhr halbe Breise: ?ebcr'n großen Teich. Metropol-Theaier Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor HoUaonder. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary, Wollf. Bender. Giampietro. Josephi. Anf. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Sonntag, 23. Dez., nachm. 3 Uhr: Ermäßigte Breise Auf in's Metropol. {P/o Zum ersienmal:(|!� unter persönlicher Leitung des Komponisten Die schone Vestalin. Operette. Musik von Viktor Hollüuder. Vorher 8 Uhr: Die glänz. Spezialitäten. Kasino-Theater Lothrlngerstr. 37. Täglich 8 Uhr: Bis zum 24. d. MtS. intl. geschlossen. An allen Feiertagen: Die beiden ehampignsl. Vorher daS grandiose Fcstvrogramm. t. Feiertag 4 Uhr(Dienstag): Madame Bonivard. 2. Feiertag 4 Uhr(Mittwoch): Hotel Klingebusch. 3. Feiertag 4 Uhr(Donnerstag): Alerander der Große. Folies Gaprice Linienslr. 132 Ecke Friedricheiraße. Dir. 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Jeder Wahlverein ist berechtigt, drei Delegierte zu entsenden, die mit Mandaten versehen sein müssen.— Gäste haben Zutritt. »er Zentralvoratand. Verein Berliner Hausdiener ■ Gegründet 1883.> Bureau u. Stellenvermittelung: AlteLeipzigerstr. 1, Eingang RauleS Hos. Geöffnet von ö— S Uhr. Telephon: Amt I, 2632.— Sonntags geschlossen. Sonntag» den 23. Dezember, vormittags 9 Uhr, in Kellers Fefisälcn, Koppenstraße 23: AnftrolMtilhe fficnctal- Nttsnmiiiliing. Tagesordnung: »Erledigung des Protestes in Sachen Urabstimmung." Der überaus wichtigen Tagesordnung wegen ist jeder Kollege ber- pflichtet, pünltlich zu erscheinen. Eintritt hat nur derjenige, welcher seine Beiträge bis zur 42. Woche entrichtet hat. Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen, ohne dieses lein Eintritt. 2931/1 Ter Borstand. I. A.: kntr Wappler, Reichenvergerstr. 155. Achtung! Achtung! An die Mitglieder deA Vereins Berliner Hausdiener! Kollegen! Nach ber plötzlichen Auflösung d$ Reichstags sehen wir das gc samt« Proletariat Deutschlands mit Freuden in den Kamps ziehen zur Wahrung seiner politischen und gewerkschaftlichen Rechte. Kollegen I Auch für uns alle ist es doch wohl nun endlich einmal an der Zeit, den unleidlichen Bruderkampf, der leider heute noch in unseren Neiden tobt, auszugeben, damit auch wir mit ganzer Kraft in geschlossenen Rethen teilnehmen können an dem Kampf des Proletariats zur Bc- fretung von dem kapitalifttschen Joche des Unternehmertums. Das Arbcitgeberwm in ganz Deutschland schließt sich, gelrieben durch seine unersättliche Prosttgier, immer mehr und mehr zusammen, um jede auch noch so berechtigte Forderung der Arbeiter zurückweisen zu können. Schon deshalb sind auch wir gezwungen, uns ebensalls zu einer grossen machtvolle» GinheitSorganisation zusammenzuschließen. Kollegen I Begraben wir doch die Streitaxt, um nach dem Borbild anderer grosser Gewerkschaften vereint an der Berbesserung unserer wirtschaftliche» Lage arbeiten zn können. Es ist uns bereits gelungen, auf Grund unseres Anschlusses an den Zentraloerband ber Handels-, Transport- und PerkehrSarbciter mit größeren Handelsfirmen annehmbare Tarife für die Hausdiener und Packer abzuschließen und werden wir ganz sicherlich auch in Zukunft noch mehr Erfolge aus diesem Gebiete zu verzeichnen haben. Deshalb richten wir nun hiermit an alle denkenden Kollegen, welche auf dem Bode« der modernen Arbeiter- brwegung stehen, das Ersuchen, in der nnfjcmMiilhtn(ßtnftnlwtfnnnnliing, welche uns durch eine Minderheit reaktionär denkender Kollege«, an deren Spitz« einige Unternehmer stehen, laut Gerichtsbeschluft auf- gezwungen worden ist. Mann für Mann zu erscheinen, um dadurch zu dokumentieren, daß wir als klassenbewuftte Arbeiter den Emst der heutigen Lage ersaßt haben und nicht länger gewillt sind, UNS von der zielbewußten Arbeitcrschajt als Aschenbrödel ansehen zu lassen. Deshalb, Kollegen, richten wir Unterzeichneten im Interesse unserer beruflichen Berhöltnifle, im Jntereflr des gesamte» klassenbewuftte« Proletariats an Euch die Bitte: Erscheint alle in der stattfindenden Gc« neralversammlung und stimmt geschlossen gegen den Protest, der gegen die vorgenommene Urabstimmung erhoben ist. Wir wolle» nicht rüökwärtS. sondern vorwärts k Vorwärts endlich zu neuem Leben, zu neue» verbesserten Berhältnisseu auch für die Berliner Hausdiener! 72/1S Im Auftrage der Kezirksfiihrkr des Ostens: Richard<(naack, Palisadenstraße 7. Am Sonntag, den 30, Dezember 1306, vormittags 10 Uhr, präzise, findet im Neuen Klubhaus, Kommandantenstr, 72, eine UM1* Versammlung Häfn sätntlieiter pprip Kassenitglieiler iinil Arbeitgetter, welche aus eigenen Mitteln Beiträge zur Kasse leisten, statt. Tages, Ordnung: 1, Vortrag des Arbeitersekretärs Herrn G. Bauer: Die Beschlüsse deS Düsseldorfer KranlenkassenlongresscS und die AnstellungSbedingungen der Ortskrautenkassenbeamten. 2. Wahl von>20 Vertretern seitens der Kassenmitglieder zur General- Versammlung für>307—08. 3, Wahl von 60 Vertretern seitens der Herren Arbeitgeber zur General» Versammlung sür 1307—08. DV Quittungsbuch legitimiert."MG 214/6 Um recht zahlreiches Erscheinen«-sucht Der Vorstand. E. Oavidhlluter, Vorsitzender. H. Hertz, Schristsührer. Stukkateure! Alle arbeitslosen Kollegen werden nochmals ersucht, sich beim Kollegen H. Ulm im Nachweis von 8 bis 10 Uhr vormittags ZU melden, um die statistische Aufnahme zu vervollständigen, die über unseren Beruf z. Zt. durch den Verband vorgenommen wird, Die Firma Denner bleibt weiter wegen Maßregelung gesperrt! 181/15 Die Ortsverwaltung, Filiale Berlin. Sassen Sie sieh nicht durch anglanbllche Reklame verleiten und kaufen Sie keine billige Zither, die- keine Stimmung hält. Ein solches Instrument ist etwas fürs Auge, aber wertlos. Wollen Sie wirklich Freude haben, dann kaufen Sie sich die echte Menzenhauer Cuitarjither mit unterlegbaren Noten, welche jedermann sofort spielen kann. Ceber l'j, Rillion Im Gsbrauch. Preis R.äO.OO u. JI. 25.00. Versand franko mit schriftlicher Garantie für 1 Jahr. Zn habeu In Jedem besseren ülaslkhans oder direkt bei Menzenhauer& Schmidt, Berlin, Stliittelniarkt 15. Bei Eiusrndung dieses Inserates erhält jeder Käufer einer Gnitarzlther 12 Voten gratis."Mß jjnniitl null in der Es ist noch gar nicht lange her, da galt der Einkauf eines Herren- Anzuges oder eines Ueberziehers als eine der wichtigsten Obliegenheiten im Jahre, und der dafür aus- zugebende Betrag spielte eine wesentliche Rolle im HauS- halte der kleinen und mittleren Einkommen. Gab es doch ganze Ortschaften ohne einen Kleiderladen, und selbst größere Städte hatten nur eine oder zwei Straßen, in denen sich das Herrengarderobengeschäft konzentrierte. Ein großer Teil des Bedarfs wurde auf den Jahrmärkten gedeckt, ein an« derer vom Schneider bezogen, ein dritter vom Krämer be- sorgt, bis vor zirka 3 Jahrzehnten die Spezialisierung des Garderobengeschäfts begann, welche sich seither weiter ent- wickelte. Es ist daher auch gar kein Wunder, daß bei der eigentümlichen Entwickelung dieses Geschäftszweiges dem- selben noch einige Fonnen anhaften, welche den modernen Meiischen anmuten wie der Hotelomnibus eines Ackerstädt- chens im Vergleich mit dem Salonwagen unserer„Großen Berliner". Während wir fast alle unsere geistigen und leiblichen Bedürfnisse zu einem„festen Kanfwcrte" in unseren Besitz bringen, bildet das Garderobengeschäft fast die einzige un- rühmliche Ausnahme. Wir halten es für selbstredend, daß die Preise für Butter, Eier, Fleisch, Brot und andere LebenS- mittel zwar nach den Marklverhältnisien wechseln, jedoch innerhalb dieser Perioden im Kleinverkauf feststehen. Wir decken unsere Bedürfnisse an Wäsche, Putz, Wollivaren usw. zu festen Preisen. Nur beim Knaben- oder Herren-Anzug da müssen wir, wie eS im Volksmunde heißt,„recht tüchtig handeln" l Warum? Na ja... warum? In solchen Ge- schäflen wird eben gehandelt, und wer nicht handelt, der kauft zu teuer, und lver zu wenig handelt, kaust auch zu teuer! Wieviel soll man denn aber abhandeln? Und wenn man das Stück nun nicht billiger bekommt? Soll man kaufen oder weggehen? Ueber diese Frage hat sich im Volke eine wahre Legende von Wahrem und Falschem gebildet, eine Flut von Taxen, eine Kategorie von Kennern tst entstanden, welche alle nur das eine gemeinsam haben, daß sie alle--- reinfallen!!! Der eine stüher. der andere später; dieser manchmal, jener immer. Bald glaubt der eine, er muß„die Hälfte bieten", der andere noch weniger, der dritte etwas mehr, ein vierter zieht nur 2 M. ab. der fünfte ungefähr>/«- Dieser läßt sich von den Schwüren und Versicheiungen des Händlers bewegen, etwas zuzulege», jener bleibt bei seinem Work. Der eine kaust überhaupt nickt, ohne durch„Weggehen" den Versuch zu machen, seinen Preis zu behaupten-, der andere verlegt sich aufs Bitten, nur mit ihm allein eine Ausnahme zu machen und anderen reicheren Leuten mehr abzunehmen. So das Publikum 1 1 Nun der Kaufmann!? Man erspare es mir, die Kniffe und Tricks zu schildern, welche notwendig sind, um ein„Geschäft" zustande zu bringen. Wie zwei feindliche Heere stehen sich die Parteien gegenüber, jeder bereit, den anderen durch eine List zu„kriegen". Ich bedaure stets die Gehülfen, die dies mitmachen, die Lehr- linge, die dies„lernen" müssen. Wie ungleich sind aber die Waffen I Hier der Kausmann, deffen Beruf ja leider das Verkaufen bei diesem System gleichbedeutend mit Schröpfen ist—— dort der Kunde, der trotz aller List und Schlauheit, trotz aller Freunde und Verwandten, die dabei sind, der kriegstechnisch Schwächere ist und deshalb auch die Kosten trägt. Und warum das?— Wer ist schuld daran? Un- zweifelhaft beide Teile! Beide sind unreell! Der Kaufmann. der mehr haben will als den Preis, zu dem er den gleichen Gegenstand bereits an andere abgegeben hat. und der Kunde, der selbst nur billiger kaufen will mit ausdrücklichem Hin« weis anderen wieder mehr abzunehmen. Wie kann daS besser werden? Beide Teile müssen sich ändern! Der Kaufmann muß den festen Preis aus jedem Stück deutlich und für jedermann lesbar verzeichnen und ausnahmslos jeden gehen lassen, der irgend etwas abziehen will, und das Publikum muß alle Geschäfte meiden, in denen bor- geschlagen oder abgelassen wird. Dann wird Vertrauen im Garderobenhandel Platz greifen und die heutigen unleidlichen Zustände beseitigen. Der feste Preis muß der Qualität entsprechend auch ein billiger sein. Vom ersten Tage meines Geschäfts an verkaufe ich nur zu streng festen und billigen Preisen und habe mir dadurch das Vertrauen meiner Kundschaft erworben. Berlin NW., im Dezember 1906. (Moabit). Hermann Schlesinger, Turmstratze S8. Geld! Höchste Beleihung. Leihhaus„NORDEN" liinlenstr. 203-204 a.RosenthalerTor sür Brillanten, Gold, Silber, Pfandscheine, Bücher und alle Wertgegenstände usw. An- u. Verkauf. Privatzimmer! Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Zimmer 34, Amt 4, 3353. Engel-Ufer 15. Zimmer 1—5, Amt 4, 9679. Der Weihnachtsfeiertage wegen bleibt das Bureau an folgenden Tagen geschlossen: Montag, den 24. Dezember, nachm. von 1 Uhr an geschlossen. Dienstag, den 25. Dezember, den ganze» Tag geschlossen. Mittwoch, den 26. Dezember, den ganzen Tag geschlossen. Donnerstag, den 27. Dezember, nachm. von 1 Uhr an geschlossen. sag- An all diesen Tagen bleibt der Arbeitsnachweis gänzlich flCfrijToifen.' 166/5 Des weiteren geben wir hiermit bekannt, daft das in den neuen Mitgliedsbnaiern vorgesehene 53. Beitragsfeld nicht beklebt wird. Die OrtsverwaUang:. Seder Kerr!! ist verpfliehtet, mein Angebot zn prüfen! S. Littmann Zentrale für Herren- u. Knaben-Moden NUr KO. 2 Sraalenstraft NU? 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Atjembtr 1906. parte!- Hngelegenbeiten« Sonntag, den 23. Dezember, 8 Uhr früh, findet die erste Flugblattverbreitung in Grost- Berlin statt. Wir erwarten, daß alle Parteigenossen zur Stelle sind. Im ersten Wahlkreise finden sich die Genossen, so- wie die zur Hülfelcistnng bestimmten Mitglieder des K. Kreises in den bekannten Lokalen ein. Im dritten Kreise erfolgt die Verbreitung von: Schnieder. Adnnralstr. 21; Krüger, Naunynstr. 54; Buchholz. Alexandrinenstr. 114/115; Ziesemann, Lrandenburgstr. 49; Stramm, Ritterstr. 123; Augustin, Oranicnstr. 193; Schneider, Sebastianstr. 7; Woschinsky, Michaelkirchplatz 19; Bieberstein, Adalbertstr. 59; Radtke, Neue Jakobstr. 1. Die zur Hülfeleistung bestimmten Mit- glieder des 4. Kreises Südost sind ersucht, sich bei Schönemann, Skalitzerstr. 7 zu melden. Im 5. Kreise von Rausch, Winsstr. 12; Tuscher, Georgenkirchstr. 39; Wallburg. Kaiser Wilhelmstr. 18u; Wohlfarth, Rosenthalcrstr. 57; Wirth, Auguststr. 51; Wittchow, Elsasserstr. 68, Ecke Kleine Hamburgerstratze; Kürbis, Luisenstr. 26. Die zur Hülfelcistung bestimmten Mit alieder des 4. Kreises Ost wollen sich bei Münzer, Sophienstr. 6 lAmt III, 8367) melden. Im 2., 4. und 6. Kreis sowie Teltow-Beeskow werden die Flugblätter von den bekannten Lokalen verbreitet. _ Der Aktions-Ausschuß. Zur Lokallifte! Folgende Lokale stehen uns zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung: In R a u e n der„Gasthof zum großen Stein"(Inhaber A. Müller); in Krausnick der Gasthof von Robert Otto; st r e n g z u m e i d e n ist dort nur das Lokal von Paul Böttcher. Auf wiederholte Anstagen teilen wir nochmals mit. daß das Lokal„Mendts Pracht säle", Münzstr. 17, frei ist. In Nieder-Schönhausen veranstaltet am ersten Feier- tage der Kraft- und Artistenklub„du Nord" in dem gesperrten Lokale„Stephans Lindengarten", Lindenftt. 43, ein Vergnügen. Wir machen die Parteigenossen darauf aufmerksam, daß genannter Verein zu seinen Veranstaltungen mit Vorliebe gesperrte Lokale zu benutzen scheint: eS ist dies bereits innerhalb Jahresfrist das dritte Mal, datz wir einen Bruch der Lokalsperre durch den Verein„du Nord" konstatieren müssen. In Dabendorf bei Zossen veranstaltet am ersten Feiertage der dortige Gesangverein in dem gesperrten Lokal„Gasthof zum deutschen Kaiser" ein Konzert mit anschließenden! Ball. Wir ersuchen die Parteigenossen, alle angebotenen Billetts entschieden zurückzuweisen. Die Lokalkominission. Dritter Wahlkreis. Am Mittwoch, den 26. Dezember(2. Weih- nachtSseiertag), veranstaltet der Wahlverein des drillen Wahlkreises im großen Saale von Buggenhagen eine Matinee. Dieselbe beginnt um 12 Uhr. der Preis des Billetts ist auf 30 Pf. festgesetzt. Wahlkreis Rnppin-Templin. Achtung. Parteigenossen I Alle die- jenigen Genossen, welche zwischen Weihnachten und Neujahr den Kreis besuchen, können Material vom Genossen Paul Dobrohlaw in Empfang nehmen. Derselbe wohnt Eberswalderstr. 1. DaS Wahlkomitee. Achtung, Wahlkreis Oft-Priegnitz. Die in den Feiertagen nach dem Kreise reisenden Parteigenossen wollen sich zur E m p f a n g- «ahme von Agitationsmaterial an Karl Schulz, Roumrrstr. 18, wenden._ Das Zentralwahlbureau deS Kreises Potsdam- Spandau- Ofthavelland befindet sich in Berlin, Bernauerstr. 82 bei Gienke. Telephon Amt Hl. Nr. 668. Alle Sendungen sind zu richten an August Paris, Berlin, Bernauerstr. 82._ Treptow-Bauwschulcnwcg. Morgen Sonntag findet eine Flug blattvcrteilung statt; es wird erwartet. daß die Parteigenossen pünktlich 8 Uhr in ihren Bezirkslokalen erscheinen. Der Vorstand. Wilmersdorf. Arn Sonntag, den 23. d. M., früh 8 Uhr, findet eine Flugblattverbreitung statt. Die Genossen werden dringend ersucht, zahlreich zu erscheinen, damit diese wichtige Arbeit prompt erledigt wird. Kein Genosse darf während der bevorstehenden Stadt- verordneten- und ReichStagSwahlkämpfe untätig beiseite stehen. Der Vorstand. Schmargendorf. Genossen, welche gewillt sind, an den Wahl- arbeiten in der„Kolonie Grunewald" teilzunehmen, oder denen eS möglich ist. uns mir Adrcssenmaterial aus der Kolonie zu versehen, oder die sonst Einfluß in dortigen Kreisen haben, werden gebeten, ihre Adresse an die Genossen Julius Nogatt, Schmargendorf, Ruhlaerstr. 20/21, bezw. Paul Juttbier, Hundekehlestr. 12, gelangen zu lassen. Köpenick. Morgen Sonntag, früh 7Vz Uhr, Flugblattverbreitung zur Reichstagswahl/ Pflicht der Parteigenossen ist es. sich zahlreich daran zu beteiligen und sich den Bezirkssührern zur Versügmrg zu stellen. Die Bezirksführer wohnen: Karl Reichert. AdlerShofer- strafte 2; Max Baranowski, Kietz 13; Otto Rudolf, Wilhelmstr. 7; N. Jahnke, Kaulsdorferstr. 6a. Der Vorstand. Königs- Wusterhausen. Eine Volksversainmlung findet am morgigen Sonntag, nachmittags 3 Uhr, im Saale des Herrn Wedhorn statt. Tagesordnung: 1.„Die Auflösung des ReichtageS". Referent: Haus Weber-Berlin. 2. Diskussion.— Zahlreiches Erscheinen der Männer und Frauen ist unbedingt notwendig.— Sonntag früh Flugblattverbreitung. Alle Genossen müssen zur Stelle sein. Der Einberufer. Spandau. Zu den am 28. Dezember stattfindenden drei Volks- versamnilimgen findet morgen früh und am zweiten Feiertag eine Flugblattverbreitung statt. Es ist zu hoffen, daß der Wahlkampf die Genosse» alle Mann auf die Beine bringt. Die Bezirksführer nehmen die Flugblätter beim Genossen Rupprecht, DiSmarckstr. 6. in Empsang. __ Das Wahlburcau. Berliner JVaefmebten, Der Wahttampf in Grost-Berlin. Die Halbing des Freisinns im allgemeinen und in der Kolonialwirtschaft im besonderen hat bekanntlich dazu geführt, daß dieser Tage selbst die fteikonservative.Post" der Meiimng Ausdruck gab. diesen politischen Weichlieren auch die Hülfe der Konservativen an» gedeiheir zu lassen; verdient hätten sie sich dieselbe im vollsten Maße. Das scheint aber nur bedingt der Fall zu sein, wie folgende Nachricht besagt: Der Gesamtvorstand des Berliner deutsch-konfer- vativen Wahlvereins beschloß in seiner gestrigen Sitzung folgende Erklärung:„Der Gesamtvorstand hält die von mehreren Seiten gegebene Anregung, eine Einigung aller bürgerlichen Wähler auf je einen bürgerlichen Kandidaten in jedem Berliner Reichstags- Wahlkreise herbeizufiihren, für„nicht undurchführbar". Sollte eme solche Einigung jedoch nicht herbeizilführen sein, so niinmt der Vor- stand in Aussicht, daß in allen Berliner Wahlkreisen konservative oder rechtsstehende Kandidaten aufgestellt oder unterstützt werden sollen." Demnach scheinen die Berliner Konservativen auch bei der Kandidarenstage ein Wort mitreden zu wollen.— Wie sich unsere Gegner trösten! Ueber eine flaue Stimmung in der Sozialdemo- kratie wird dem„H. C." aus Berlin berichtet:„Die Eingänge zum sozialdemokratische» Wahlfonds find bis jetzt recht sparsam. Ans der ersten Veröffentlichung ergibt sich, daft äußer dem„Vor- wärts", der 74.30 M. beigesteuert hat, nur 103,73 M. aufgebracht worden find. Bei den früheren Wahlen gingen die Geldsammsimgen prompter vor sich; es wurde schon in den ersten Tagen über hohe Beiträge quittiert. Es scheint danach, als ob die große Be- geisterung, die in den sozialdemokratischen Blättern zur Schau ge- lragen wird, bei den Wählern nicht existiert und sich jedenfalls nicht auf den Geldbeutel erstreckt. Eine gewisse flaue Stimmung konnte man auch in den Versammlungen beobachten, die am Dienstag zur Ausstellung der Kandidaten dienten. Von der großen Freude, mit der stüher der Beginn der Wahlbewegung begrüßt wurde, war nichts zu spüren. Es waren bei weitem nicht alle Versammlungen so gefüllt, wie eS die Einberufer wohl erwarter hatten." Der Mann, der das geschrieben hat, muß wohl geschlafen haben, wenn er von einer„flauen Stimmung" in den Dienstags- Versammlungen berichten konnte. Wir haben im Gegenteil eine Be- geisternng bemerkt, die uns zu den schönsten Hoffnungen berechttat. Wir haben aber nichts dagegen, ivenir sich unsere Gegner in Selbst- täuschung wiegen. Wir gönnen ihnen den Trost! » Im Nicdcrbarnimer Kreise stellen nun auch die Freisinnigen einen Kandidaten auf und zwar den Direktor P l o n z- Lichtenberg. Aus dem Wahlkreise Teltow-Beeskow erhält die„Post" eine Zu- schrift. in der die Hoffnung ausgesprochen wird, den Kreis der Sozialdemokratie zu entreißen. Die Möglichkeit dazu sei vorhanden. Diese Möglichkeit ist. so heißt es in dem Schreiben, obwohl bei der letzten Renvslagswahl 1903 der Sozialdemokrat Zubeil mit einer absoluten Mehrheit von 14 989 Stimmen gewählt wurde, dennoch gegeben, wenn alle Wähler sich in dieser Beziehung— man muß auch von seinen Gegnern lernen— die Sozialdemokraten zum Muster nehmen und geschloffen zur Wahl gehen. Es wurden 1903 an Stimmen abgegeben; für Zubeil 73 854, für die Frei- finnigen 11711, die Konservativen 36 703, die National- sibcralen 7623. die Polen 813 und den Zentrumsl kandidaten 2013, das sind insgesamt 58 865 bürgerliche Stimmen. Wahlberechtigt waren 183 076, gewählt haben 132 904, mithin blieben zu Hause 30 172. Daß vou diesen noch eine irgend- lvie erhebliche Zahl für den Sozialdemostaten gesttmmt hätte, ist bei der straffen Organisation der Partei ausgeschlossen, ebensowenig kommen Zentrum uud Polen in Betracht. Man kann daher sehr wohl annehmen, daß mindestens 36 000 der 30 172 Wähler für die Kandidaten der nationaleil Parteien gestimmt haben würden. Wenn von diesen nur noch 23 000 ihrer Wahlpflicht genügt hätten, so würden den 73 834 Stimmen der Sozialdemokraten 83 865 Stimmen für Kandidaten der anderen Parteien gegenübergestandei» habe» und eS zur Stichwahl zwischen den, Sozialdemokraten und ver- mutlich dem Konservativen gekommen sein. Selbst wenn man bei dieser die abgegebene,! Stimmen des Zentrums und der Polen den 78 834 Stimmen fiir die Sozialdemokraten hinzurechnet und außerdem auf die größere Wahlbeteiligung einen weiteren Zuwachs von 2000 rechnet, so würden auf den Sozial- demokraten im ganzen 78 682, auf de«, Gegeniandidaten, mit dem Zuwachs von 25 000 Stimmen 8! 037 Stimmen entfallen und der Sozialdemokrat verdrängt sein. Die zahlentechnische Mögsichkeit, den Wahlkreis den Sozialdemokraten zu entreißen, ist hiernach gegeben. ES ist aber zu hoffen, daß infolge der verän denen Zeitverhältniffe, insbesondere aber auch infolge der in den Reihen der Sozialdeino- kraten mehr und mehr hervortretende» Erkenntnis, daß gerade bei diesen ihr Ideal von„Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit' nichts bedeutet und daß ihre Anhänger im wesentlichen von den Führern kommandiert und terrorisiert werden. die Stimmen der Sozialdemokraten erheblich zurückgehen werden und des« halb ist es Pflicht jedes Wahlberechtigten. bei der bevor- stehenden Wahl sein Wahlrecht auszuüben und den Gegnern der Regierung zu beweisen, daß sie doch nicht die Allmächtigen sind, und daß. wem« die anderen Parteien geschloffen sich auf einen Kandidaten vereinigen, es mit der Herrschaft des Zentrums und mit den Sozial- demokraten vorbei ist: dies gilt nicht nur fiir unseren, sondern für alle Wahlkreise im deutschen Vaterlands. Eine Verständigung be- züglich eines gemeiiisan,en Kandidaten ist ja allerdings schwer, bei gutem Willen und Hintansetzung aller persönsichen Parteiempsindungen aber möglich. Dnngend nötig aber ist eS. dyß_ die Führer der nationalen Parteien im Kreise baldmöglichst sich einigen, gemeinsam einen Kandidaten aufftellcn und Wahlversammlungen abhalten. Wollen wir siegen, dann heißt eS eben auch: Ungesäumt an die Arbeit Unsere Genossen werden alles daran setzen, diese Rechnung der Gegner vollständig zu schänden zu machen. Nicht nur muß Genosse Zubeil gewählt werden, sondern unsere Stimiiienzähl muß erheblich gesteigert werden._ Die juristische Sprechstunde fällt am Montag, den 24., und Donnerstag, de» 27. De- zember, aus._ Im Kinderhaus, Blumenstraße 78. werden Heilig-Abcnd(Montag) in der Säuglingssürsorge und in der Kinderpoliklinik keine neuen Kinder aufgenommen. Interessante Alt-Berliner Bauwerke sind durch den Bau der Untergrundbahn an, Spittclmarkt bloßgelegt, worden. An der Grünstraßenbrücke stieß man auf Fundamente älterer und neuerer Zeit. Aus Ziegelmauerwerk sehen wir u. a. ein Gcwölbestück und einen runden Tiefbrunnen von etwa einem Meter Durchmesser; die Kalkstein-Mauerrcstc dürften von den BefestigungSwerken Alt- Cöllns herrühren. Noch interessanter ist ein Ueoerrest der alten Uferbefestigung, ein sogen. U s c r- D e ck w e r k. das in einer Länge von ungefähr 20 Metern bloßgelegt ist. ES besteht aus mächtigen Holzpfähle», die, in Abständen von zirka 2 Vi Meter eingerammt, der auS übcreinandergelegten Baumstämmen gebildeten «chutzwand als Stütze dienten. Die Stämme haben Durchmesser von rund 23 Zentimeter, anscheinend haben 8 bis 10 Stück über- einander gelegen. Vor dieser Ufcrbeststigung. also nach dem Wasser zu gelegen, ragen noch Reihen von Pfählen empor, welche darauf schließen lassen, daß hier, wie heute noch bei Neu-Cölln. Fischer. Färber, Lohgerber usw. ihre Anlege- oder Arbeitsstätten gehabt haben. Die Lage des Uferdeckwerks liefert übrigens den Beweis. daß die Spree hier früher in zwei Armen geflossen ist und danach die jetzige Wallstraße auf einer langgestreckten, schmalen Insel zwischen Köpenickcr und Teltower-(Gertraudten-) Tor lag. Der alte Pfahlbau scheint danach das Ufer des südlichen Sprecarmes eingesäumt zu haben und dürste drei» bis vierhundert Jahre alt sein. In ihrem oberen Teile sind die aufrecht stehenden Pfähle schon verwittert; soweit sie im Wasser standen, haben sie der elektrischen Ramme aber noch großen Widerstand entgegen- gesetzt; denn, wo einer der neuen Tunnclpsähle auf sie gestoßen «st. haben sie weichen müssen. Der Borstand der OrtSkrankenkasse für das Buchdruckgcwcrbe zu Berlin vewill,gte seinen Angestellten je eine einmalige TheuerungS- zulage von 30 Mark. Die beiden Eiscnbahnkatastrophen auf dem Schlesischen Bahn- Hof und bei Jüterbogk, bei dcnci, je drei Arbeiter gesötet wurden, beschäftigen das Cisenbahnministerium, welches über den letzte« Unglücksfall einen schleunigen ausführlichen Bericht eingefordert hat. DaS Eisenbahnministerium wird sich mit der Frage befassen, wie die Sicherheit der Eiscnbahnarbciter gewahrt und vor allen Dingen die Wiederholung derartiger Katastrophen vermieden werden kann. Es ist bemerkenswert, daß die beiden Unglücksfälle auf der Schlesischen und Anhalter Bahn auf fast ganz gleiche Ur- fachen zurückzuführen sind. In dem Falle auf der Schlesischen Bahn wurde der Fernblick durch den niedergedrückten Rauch zweier Lokomotiven und bei Jüterbogk durch abgelassenen Dampf einer Maschine gestört. Wie einwandsfrei festgestellt sein soll, wurden in beiden Fällen die Arbeiter durch das Signal des Rottenführers rechtzeitig und ordnungsgemäß gewarnt. Dadurch aber, daß sie die angekündigte» Züge durch die Dunst- und Nebeln, assen nicht sahen, gerieten sie anscheinend in Verwirrung oder erkannten nicht die Nähe der Gefahr und betraten die falschen Gleise. Diese fest- stehenden Tatsachen dürften jedenfalls dazu führen, datz für die Tätigkeit der Essenbahnarbeiter ganz neue Bestimmungen aus- gearbeitet werden, bei denen vor allen Dingen die Frage eine neue Regelung erfahren wird, wie weit Rangiermaschinen sich einer Arbcitergruppe nähern dürfen, resp. ob bei Herannahen einer solchen Lokomotive die Arbeiten zu unterbrechen sind. Die Bahn- meistereicn werden ferner angewiesen, die Arbeiter wiederholrtttlich auf die zu ihrer Sicherheit erlassenen Bestimmungen aufmerksam zu machen.— Was nützen noch so viele Bestimmungen, wenn in der Praxis nicht danach gehandelt wird und in manchen Fällen gar nicht danach gehandelt werden kann. Auf dem Papier nimmt sich das alles sehr schön aus, in Wirklichkeit ist das aber anders. Da werden die Ar- bciter angetrieben, um nur eine hohe Arbeitsleistung zu liefern und das dazu bei einem Lohn, der zum Sattcssen zu wenig und zum Verhungern zu viel ist. Mau beseitige dieses Antreibeshstcm, damit der Arbeiter Zeit hat, selbst auf sein Leven etwas acht zu geben. Endlich— nach drei Tagen— ist über das Unglück auf dem Bahnhof Jüterbog auch der amtliche Bericht erschienen. Er lautet: Luckenwalde. 20. Dezember. Amtliche Meldung. Am 19. Dezember d. I. wurden auf dem Bahnhofe Jüterbog die mit Gleisunterhaltungsarbeiten beschäftigten Bahnunterhaltungs- arbeiter August Heinrich und Gottlob Wäsch aus Jüterbog sowie Richard Michaelis aus Dorf Zinna von dem 10 Uhr 19 Minuten vormittags die Station durchfahrenden Schnellzuge Nr. 7 er- faßt, zur Seite geschleudert und sofort getötet. Soweit die angestellten Ermittelungen ergeben haben, war in Anbetracht des herrschenden dichten Nebels ein besonderer Arbeiter ungefähr 200 Meter von der Arbeitsstelle entfernt auf- gestellt, um dem die Aussicht führenden Rottenführer die An- „äherung der Züge durch Blasen mit den, Signalhorn anzu- kündigen, damit derselbe seine Arbeiter wegen des zu erwartenden Zuges rechtzeitig aus dem Gleise heraustreten lassen konnte. Dies geschah auch bei dem genannten Zuge Nr. 7. Die drei Verunglückten sind jedoch nicht nach der ihnen vom Rottenführer genau bezeichneten Seite, sondern nach der entgegengesetzten Seite aus dem Gleise herausgetreten. Als sie ihren Irrtum bemerkten, wollten sie noch vor dem Zuge Nr. 7 wieder nach der richtigen Seite hinüberspringen, auf der sich schon die übrigen Arbeiter befanden, und wurden bei diesem Versuche von dem inzwischen an der Arbeitsstelle eingetroffenen Zuge Nr. 7 er- faßt und sofort getötet. Weitere Verletzungen sind nicht bor- gekommen. Der Unfall muß auf den herrschenden Nebel sowie auf den der in der Nähe stehenden Heiz- Lokomotive entströmenden Dampf, sowie auch auf den Rauch und das Geräusch des in der Nähe der Arbeitsstätte rangierenden Zuges 6090 zurückgeführt werden, wodurch die Verunglückten verwirrt geworden fein dürften. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen An unserer oben geäußerten Meinung über die Angelegenheit können wir auch nach diesem amtlichen Bericht nichts korrigieren. Selbst das„Berl. Tageblatt" schwingt sich zu folgender Aeutzerung auf: „Eine vernichtendere Kritik der unzulänglichen Sicherheits- maßregeln für die auf der Strecke tötigen Arbeiter als diese „amtliche Darstellung" konnte nicht gut gegeben werden, selbst wenn man berücksichtigt, daß die Arbeiten in der Nähe des Bahnhofes ausgeführt wurden. Anstatt daß man den Bahn- arbeiter,, in Anbetracht des dichten Nebels möglichst freien Aus- blick verschafft, läßt die Bahnverwaltung sie in den Dampf und Rauch der nahen Lokomotiven hüllen und durch das Geräusch eines Rangierzuges selbst das Brausen des herannahenden Schnellzuge? übertönen. Es ist anzunehmen, daß die Bahn- Verwaltung scüjst einsieht, hier müsse gründliche Aufklärung über die wahren Ursachen des bedauerlichen Unfalles geschaffen werden. Man wird ja sehen, was aus der noch nicht ab- geschlossenen Untersuchung herauskommt. Wir erhoffen nicht viel davon. Der Müggelsee ist unter der Einwirkung des strengen Frostes, der in der Donnerstaanacht— 9 Grad erreichte, mit einer leichten Eisdecke überzogen. Allerdings wutdc die Eisfläche gestern morgen von mehreren Schleppdampfern innerhalb der Fahrrinne durch- schnitten, doch dürfte die Schiffahrt bei Anhalten des Frostes schon in wenigen Tagen völlig eingestellt werden. Die Eisfläche hat zwar augenblicklich nur eine minimale Stärke, dürfte jedoch, wenn die Temperatur nicht steigt, innerhalb 8 Tagen 4 bis 3 Zoll dick sein. Auch auf anderen Binnenseen haben sich unter der Ein- Wirkung des Frostes bereits Eisdecken gebildet. Bon einem Vorortzuge überfahren und getötet wurde Donners- tag morgen in der Nähe der Station Hangelsberg der 22jährigc Arbeiter Korczewski aus Posen, der. bei dem Bahnbau beschäftigt, in Hangelsbcrg in Schlafstelle wohnte. K. wurde etwa 200 Meter hinter der Station Hangclsberg von dem um 7,26 Uhr früh von diesem Bahnhof abgelassciicn Vorortzug erfaßt und zur Seite geschleudert. K.. der schwere innere Verletzungen und einen kam- pliziertcn Schädelbruch erlitten hatte, starb schon nach wenigen Minuten. K.. der an ganz anderer Stelle beschäftigt war, hat ver- mutlich die Bahngleisc unbefilgteriveise überschreiten wollen. Ter Tod auf dem Kutschersiu. Ein unaufgeklärter Todesfall beschäftigt die Polizeibehörde. Als Donnerstag abend ein Beamter den Stein platz passierte, kam ihm eine Droschke entgegen, die an- scheinend fübrerlos war. Das Pferd wurde zum Stehen gebracht und es stellte sich nun heraus, daß der Kutscher in zusammen- gesunkener Haltung auf dem Bock lag. Ein Lebenszeichen gab er nicht mehr von sich. Eine große Blutlache bedeckte den Boden des Kutschersitzes. Ob sie nun von einem Blutsturz des Kutschers her- rührt, oder ob sie auf eine andere Ursache zurückzuführen ist. konnte nicht festgestellt werden. Die Droschke trug die Nummer 6936. Ter Führer wurde nach der Unfallstation am Zoologischen Garten gebracht, aber der Arzt konnte nur noch den Tod bei ihm feststellen. In dem Toten wurde der Droschkenkutscher D-'— Wuer WS d'eü Friedrich-Karlstr. 21 wiedererlaNNk. Die Leiche ist polizeilich beschlagnahmt und zur Obduktion in das Schauhaus eingeliefert worden. Ein Kinbesmord ist gestern morgen gegen 7 Uhr in der Kom- mandantenstraße entdeckt worden. Als zur genannten Zeit ein in dem Hause Kommandantenstratze 51 wohnender Kaufmann das Haus verlassen wollte, bemerkte er aus dem Flur die Leiche eines neugeborenen Kindes und benachrichtigte sofort die Polizei von dem grausigen Funde. Die kleine Leiche wurde nach der Unfall- station in der Alexandrinenstraße gebracht, wo der Arzt nur den schon vor mehreren Stunden eingetretenen Tod des Kindes kon statieren konnte. Nach dem Befunde muß das Kind in geradezu schrecklicher Weise getötet worden sein. Der Körper der Leiche zeigte deutliche Spuren von Fußtritten, die vermutlich den Tod des Kindes herbeigeführt haben. Ei» Berliner Beamter als stellvertretender Amtsvorstcher. Die königliche Regierung zu Potsdam hat den Administrator des Rieselgutes Blankenfelde der Stadt Berlin, R. Handtmann, zum stellvertretenden Amtsvorsteher des Bezirkes Blankenfelde er- nannt. Diesem Amtsbezirk unterstehen die Orte: Wilhelmsruh, Rosenthal, Nordend, Blankenfelde und Schildow. Es ist das erste Mal, daß ein Bertreter der Stadt Berlin zu einem solchen Amte berufen wird, obgleich anderwärts die Besitzer oder Verwalter großer Güter gewöhnlich für derartige Posten auserwählt werden. Auf Legitimationspapiere abgesehen hat es ein Schwindler, der sich an den Ausgabestellen der Arbeitsnachweise herumtreibt. Er drängt sich an weibliche Personen heran, bietet ihnen Stellungen an und ersucht sie, sich am nächsten Tage bei ihm einzufinden. Er läßt sich dann sofort die Legitimationspapiere aushändigen und wenn die Stellungsuchenden ihre Arbeitsstätte aufsuchen wollen. suchen sie vergeblich danach. Der Betrüger nennt sich Müller und gibt an, Herzbergstr. 13 zu wohnen. Er will auch eine eigene Konfektionswerkstatt besitzen. Die Polizei fahndet jetzt nach dem Burschen. Totgefahren lvurde gestern nachmittag gegen 4 Uhr an der Rügener- und Swinemünderstraße Ecke ein Knabe im Alter von 13—11 Jahren. Derselbe rannte wahrscheinlich beim Spielen vor die Pferde des Wagens einer Speditionsfirma, kam hierbei zu stalle und wurde von den Rädern des Wagens erfaßt. Der sofort hinzu- gezogene Arzt konnte nur noch den Tod des Knaben feststellen. Die Räder müssen dem Bedauernswerten über den Kopf gegangen sein, denn das Hirn war vollständig bloßgelegt. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Gestohlene Festbraten. In ungewöhnlichem Maße haben sich in den letzten Tagen die Einbruchsdiebstähle in den Lauben- Kolonien vermehrt. Die Diebe haben es jetzt auf die Beschaffung von Weihnachtsbraten abgesehen und unter den Hühnern. Tauben. Kaninchen usw., die in den Laubenkolonien gehalten werden, wird alljährlich um diese Zeit tüchtig aufgeräumt. Täglich gehen der Polizei eine große Anzahl von Meldungen derartiger Diebstähle zu, doch nur in wenigen Fällen gelingt es, der Täter habhaft zu werden. Auch die Kolonisten der angrenzenden Vororte klagen gegenwärtig über das schädigende Treiben der Einbrecher. Gasvergiftung. In der letzten Nacht wurde die Feuerwehr wegen einer Gasvergiftung nach der v. d. Heydtstraße 6 gerufen. Das Kinderfräulein Minna Swoboda und das Hausmädchen Käte Kaufmann waren dort bewußtlos in ihrem Zimmer aufgefunden worden. Die auf Anordnung eines Arztes bei Beiden vor- genommenen Wiederbelebungsversuche hatten leider nur bei den: Kinderfräulein Erfolg. Dieses wurde dann nach dem Krankenhause Moabit übergeführt. Die Leiche des Hausmädchens wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. T<> Zirkus Schumann hat am Donnerstag eine neue große Panto( me herausgebracht, der ein erheblicher Erfolg beschiedcn war u< wohl für die Saison vorhalten dürste.„St. Hubertus" heißt neue Ausstattungsstück; und es bringt Bilder aus dem Jagdsp�, Um denselben in seiner ganzen Fülle zur Geltung kommen zu lassen, verlegt der Verfasser, Herr Schumann, den Schauplatz des Manege-Schaustücks nach den Alpen. Der leitende Gedanke des Ganzen ist ein Kampf zwischen Förstern und Wilderern. In der Waldschänke:„Zum bayrischen Krug" begegnen wir drei Wilderern, die Söhne des Wirtes. Von einem Förster werden die ohne Jagdschein auf die Gemsjagd gehenden Berg- bewohner gestört und es entwickelt sich zwischen ihnen und dem Förster ein hartnäckiger Kampf, ein Kampf auf Leben und Tod. Eine wilde Verfolgung beginnt, die mit dem totbringenden Ab- stürz eines Wilderers endet. Gar nicht ungeschickt ist in die „Handlung"— wenn man in einem Zirkusstück überhaupt davon reden kann— das Treiben einer großen Jagdgesellschaft verwebt. Alle möglichen jagdbaren Tiere rennen durch die Manege: Hasen alias Kaninchen, Wildschweine usw. Auch ein Schützenfest wickelt sich vor unseren Augen ab mit seinem Preiskegeln, Schinken- springen. Gürtelringen, Adlerschießen und Schuhplatterln. Zum Schluß folgt das„Große Waldfest", bei welcher Gelegenheit die Kostümfirma Baruch u. Co. ihre ganze Leistungsfähigkeit wieder einmal zum Besten gibt und die Beleuchtungstechnik wahre Triumphe feiert. Das Stück gibt auch Gelegenheit, in vollem Maße die zirzensische Kunst zur Geltung kommen zu lassen. Der Direktor lvurde oft gerufen. Ob der demonstrative Beifall, der am Schlüsse gespendet wurde, der Aufführung galt oder ob er bei der Apotheose:„Unser allerhöchster Jagdpatron" bei diversen Besuchern patriotische Empfindungen auslöste, konnten wir nicht feststellen. Unö schien eher das Letztere der Fall zu sein und damit würde der Erfolg beeinträchtigt. Das hätte Herr Schumann, der doch auf den Besuch der breiten Masse rechnen muß, vermeiden müssen. Feuerwehrbericht. Wegen eines größeren Werkstättenbrandes wurde die Feuerwehr gestern nach der AlbrechtMaße 5 gerufen. Dort waren Polstermaterialien und Möbel in Branwgeraten. Durch kräftiges Wassergeben gelang es dem 13. Zuge, den Brand auf die Werkstclle zu beschränken.— Als ein Feuermann auf einem Revisionsgang begriffen war, bemerkte er im 1. Stock des Hauses Oranienstraße 2 Feuer. Es brannte dort eine Klosettverpackung. Dem Feuermann glückte es, durch sofortiges Einschreiten den Brand auf seinen Herb zu beschränken.— Durch Umfallen von Petroleumlampen kam in der Stolpischenstraße 64 und Strelitzer- straßc 73 Feuer aus, wobei Blusen. Kleider usw. Feuer fingen. Fast gleichzeitig mußte in der Schönholzerstraße 15 ein Küchenbrand gelöscht werden. Betten u. a. waren dort in Brand geraten. Da gleich ein sehr großes Löschaufgebot zur Stelle war, gelang es, eine weitere Ausdehnung des Brandes zu verhüten. In der Friedrichstratze 33 mußte ein kleiner Wohnungsbrand gelöscht iverden und in Alt-Moabit 82a ein Feuer, das in einer Bretter- bude ausgekommen war. Mit Erfolg wurde ein Sauerstoffapparat zur Rettung einer Frau in der Linienstraße 137 benutzt. Vorort-)Vadmcbtem Schöneberg. Die Wahlbewegung am Orte wurde durch die Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins, die einen überaus starken Besuch aufzuweisen hatte und Zeugnis ablegte von der freudigen Kampfes- stimmung, die unsere Genossen beseelt, eingeleitet. Auch die Polizei bewies ihr Interesse, indem sie die Versammlung gegen ihre sonstige Gepflogenheit durch zwei ihrer Beamten beschickte. Genosse Kurt ©einig referierte über„Die Auflösung des Reichstages". Redner gab zunächst der Ansicht Ausdruck, die Regierung habe sicher nicht daran gedacht, in wie hohem Maße sie uns durch die Reichstags- auflösung zu Dank verpflichtet habe. Niemandem könnten die Wahlen willkommener sein als unserer Partei. Böten sie doch die schönste Gelegenheit, das deutsche Volk � über all das, was Regienmg und bürgerliche Parteien in letzter Zeit namentlich der arbeitenden Klasse zugefügt hätten, sein Urteil sprechen zu lassen. Der Referent ging dann über zur Schilderung der Umstände, die zur Auflösung des Reichstage» führten, wobei er unter lebhaftem Beifall der Versammlung nament- lieh die Bülowsche Phrase von der„nationalen Ehre" mit beißendem Sarkasmus verhöhnte. Weiter brandmarkte er mit scharfen Worten die vom Zentrum befolgte demagogische Taktik, die die Haltung dieser„Regierungspartei" als grundsätzliche Ablehnung der Regierungsforderung erscheinen zu lassen bestimnit sei, obwohl augenscheinlich zutage liege, daß lediglich der jähe Sturz von der „Hintertreppe" bestimmend für die ablehnende Stellung gewesen ist. Seien doch bislang alle kolonialen Forderungen der Regierung durch die Unterstützung des Zentrums bis ins Uferlose hinein be- willigt worden. Nachdem Redner noch auf die Unzulänglichkeit unserer Sozial- gesetzgebung, auf die Versuche, die Gewerkschaftsbewegung lahm zu legen und auf das reaktionäre Verhalten der bürgerlichen Parteien verwiesen, schloß er mit einem wuchtigen Appell zu opferwilliger und anstrengender Arbeit für die Sache des Proletariats. Nach dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrage sprachen die Genossen Peterson, Dr. Levenstein und Äüter, die die Reichstagsauftösung als das beste Weihnachtsgeschenk für die Sozialdemokratie bezeichneten. Der Vorsitzende forderte alsdann mit anfeuernden Worten die An- wesenden auf, sich lebhast an den Wahlarbeiten zu beteiligen und wies auf die am Sonntag stattfindende Flugblattverbreitung hin. Es wurde alsdann eine Resolution einstimmig angenommen, in welcher die Versammelten, entgegen dem Gerücht in der bürgerlichen Presse, dem Genossen Zubeil ihr volles Vertrauen aussprechen und von der Kreis-Gcneralversammlung die einstimmige Wiederaufstellung Zubeils zum Reichstagskandidaten erwarten. Nach einem kurzen Bericht des Genossen Butry über die letzte Kreis-Generalversammlung verwies der Vorsitzende noch auf das Vergnügen des Gesangvereins „Rote Nelke" am 1. Feiertag. Die imposante Versammlung ging mit begeisterten Hochrufen auf den Sieg der Sozialdemokratie aus- einander. Nixdorf. Mit den Löhnen seiner Arbeitskollegen durchgebrannt war der 2Sjährige Bauarbeiter Paul Reuter. Ziethenstr. 72, der gestern der- haftet wurde. R. war bei der Expreß- Schacht- Krahn- Aufzugs- Gesellschaft als Vorarbeiter beschäftigt und hatte auf einem hiesigen Neubau seinen Arbeitskollegen den Lohn auszuzahlen. Am Sonn- abend, den IS. d. Mts., erhielt er etwa 300 M., um damit die Wochenlöhne zu begleichen. R. verschwand jedoch mit dem Gelde und ließ sich nicht wieder sehen. Als er sich vorgestern wieder nach seiner Wohnung zurückwagte, wurde er von der Kriminalpolizei verhastet. Wilmersdorf. Aus der Gcmeindevcrtretliiig. Der Normalbesoldungsplan wurde am Donnerstag beschlossen. Als Grundlage waren die Höchstsätze Charlottenburgs und Schönebergs genommen. Besonders interessiert an der Gehaltserhöhung waren die Volksschullehrer, die in großer Zahl als Zuhörer n::,'im waren. Gemeindevertreter Göbbels hielt die Erhöhung d,>}.•!!er im allgemeinen für berechtigt, jedoch erschien für ihn der Unlerichied zwischen Sekretär und Bureauvorsteher als unannehmbar. Jedenfalls werden die Lehrer bei den kommenden Wahlen sich für den Weihnachten erkenntlich zeigen. Die Festsetzung der Gehälter der höheren Beamten bleibt der sich später konstituierenden Stadtverordnetenversammlung überlassen. Nach dem jetzigen Ergebnis wäre die Besoldung des späteren Bürgermeisters nach dem Muster Charlottenburgs festzusetzen und zwar mit einem Anfangsgehalt von 18 000 M., steigend in neun Jahren auf 22 600 M. Zur Regulierung des Kirchhofes wurden 8000 M. bewilligt, des- gleichen für die öffentliche Stellenvermittelung ein Vorschuß von 300 Die Errichtung einer Privatklinik in der Barbarossastraße wurde abgelehnt; desgleichen ein Vermächtnis von 3000 M., welches mit der Maßgabe gestiftet werden sollte, daß das Grab des Stifters bis achtzig Jahre erhalten werden solle. Die Herren Dr. Leipziger und Redakteur Schulz, die eine vorzeitige Verleihung des Bürger- rechts beantragt hatten, wurden mit der Begründung abgewiesen, daß Verdienste der Antragsteller nicht vorliegen. Zur Gründung eines Verbandes für Niederschlagentwässerung der Grunewaldseen werden zur Anfertigung eines Projektes 8000 M. verlangt, wozu Wilmersdorf ohne jegliche spätere Verpflichtung ein Siebentel der Kosten beiträgt. Die Jugendschriften-Ailsstcllung findet nicht mehr im„Luisenpark", sondern in der Parteispedition, Berlinerstr. 46, statt; daselbst auch Verkauf und Ausgabe der bestellten Bücher. Brist. Mammutfuude. Interessante Entdeckungen find in letzter Zeit in den Kiesgruben in Britz gemacht worden. Bei den Kiesgrabungen wurden wiederholt Mammutteile gefunden. Gestern stieß ein Arbeiter auf den Riesenbackenzahn eines Mammuts. Er hat ein Gewicht von etwa acht Kilo und wird einem Museum überwiesen werden. Trebbin(Kreis Teltow). Die Generalversammlung des Wahlvereins nahm die Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre für 1007 vor. Es wurden gewählt Stamann zum ersten.und Heinrich Schönste zum zweiten Vorsitzenden, zum Kassierer Wilhelm Schönsee. Schöneich zum ersten Schriftführer und Maaß zum zweiten Schriftführer und Bericht- erstatter. Zu Revisoren wurden Eario, Knorr und Klosein bestimmt, und in die Lokalkommission Knorr. Cario, Richter und Pannicr delegiert. Den Bericht von der Kreisgeneralvcrsammlung erstattete Hannemann. Der von dem Bildungsausschutz in Aussicht ge» nommene Lehrkursus beginnt am 9. Januar. Genosse Dittmar- Berlin hat die Leitung übernommen. Zum Schluß beschäftigte sich die Versammlung mit kommunalen Angelegenheiten, unter anderem mit der von unseren Stadtverordneten beantragten Aufhebung des Regulativs betr. die Erhebung eines Bürgerrechtsgeldes von 13 M. Die bürgerliche Mehrheit hat diesen Antrag vorläufig vertagt. Neu aufgenommen wurden drei Genossen. Adlershof. Parteigenossen und-Genossinnen, welche sich zum Austritt aus der Landeskirche gemeldet haben, werden ersucht, sich am 27. De- zember 1906, vormittags 9 Uhr pünktlich, im Lokale des Herrn Kaul, Bismarckstr. 16, einzufinden. Die Kommission. Tegel. Unsere Gcmeindedeamtcn und Lehrer müssen eine vergebliche Hoffnung begraben. Sie hatten, wie ihre Kollegen in anderen Orten auch, angesichts der allgemeinen Teuerung um eine Zulage gebeten. Gestern nachmittag beschässigten ihre Gesuche die Schul- gemeindevertretung und die Gemeindevertretung. Beide Körper- schaften haben fast die gleichen Mitglieder, so ist es denn auch nicht verwunderlich, wenn der Beschluß leider der gleiche ist. Es wurde eine Teuerungszulage für jetzt abgelehnt, für den nächsten Etat aber eine Gehaltsaufbesserung der Petenten in Ausficht gestellt. Glück- sicher waren schon die Kollegen der Petenten in der Anusverwaltung. Für diese erachtete der Amtsausschuß eine Notlage ftir vorhanden und bewilligte eine Teuerungszulage von einem Monatsgehalt, aber nicht mehr als 150 M. In der Sckmlgemeindevertretung wurde weiter der Forderung der Kreissparkasse, die 80000 Mark-Anleihe zum Bau der doppelten Turnhalle mit 2'/3 statt mit l'/a Proz. zu amortisieren, zugestimmt. Auch wurde Kenntnis davon genommen, daß die Kreissparkasse nicht in der Lage ist, die Anleihe von 280000 M. für den Schulerweite- rungsbau zu geben. Das Geld muß nun anderweitig beschafft werden, und zwar möglichst bald, damit der Schulbau, der Ostern 1907 bezogen werden soll, in nächster Zeit begonnen werden kann. Die Abrechnung für den Schulerweiterungsbau 1904—05 schließt mit 188 203,81 M. ab. In der Gemeindevertretersitzung lag zunächst das PrüfungS- ergebuis unseres Wasserleiwngswassers vor. Der Sachverständige Prof. Proskauer-hat es in chemischer und bakteriologischer Hinsicht gleich gut gefunden. Auf den Kubikzentimeter Wasser fanden sich nur 14 Keime. Nicht ohne eine gewisse Heiterkeit nahmen die Gemeindevertreter Kenntnis von dem Eingeng einer Broschüre. die de» Gemeinden allen Ernstes anrät und es ihnen als vorteilhaft schildert, sich mit der Schweinemast(I) zu beschäftigen.— Dem Ab- kommen mit der Steudaler Sparkasse wegen der 116 000 M.-Hypo- thek aus das Dahintensche Grundstück lvurde zugestimmt. Die Hypothek soll, sobald es möglich sein wird, sie abzustoßen, in eine für die Gemeinde vorteilhaftere Anleihe umgewandelt werden. Vor- läufig wird sie mit 3'/a Proz. verzinst und mit 1 Proz. fteiwillig durch Einzahlung auf ein Sparkassenbuch getilgt. Spandau. Parteigenossen! Morgen(Sonntag) ftiih 8 Uhr findet Flug- blattverbreitung von sämtlichen Bezirken aus statt, des- gleichen findet am zweiten Feiertag eine Flugblattverbreitung statt. ES ist unbedingte Pflicht zu erscheinen. Das Wahlkomitee. I. A.: Reibeholz. Die Wahlbewegung im Kreise Potsdam- Westhavelland dürfte diesmal mit besonderer Schärfe geführt werden. Die Gegner machen bereits verzweifelte Anstrengungen, um diesen Kreis, den sie 1903 in der Stichwahl nur mit 505 Stimmen Majorität eroberten. auch diesmal wieder für sich zu reklamieren. Der„Neue Wahlverein" in Spandau hat in seiner letzten Generalversammlung bereits den bisherigen Vertreter des Kreises, Pauli, als Kandidaten befürwortet und die definitive Aufftellung vom Verein ist gestern erfolgt. Das „Spandaucr Tageblatt" beginnt bereits auf den Ernst der Situatton hinzuweisen und schreibt: „Ein harter Kampf wird bei der bevorstehenden Reichstags- wähl namentlich in unserem Wahlkreise zwischen den Sozialdemo- kraten und den nationalen Parteien zum Austrag kommen. Siegt in diesem Kampfe die internationale Sozialdemokratie, dann ist unser Wahlkreis, in welchem unser Kaiserhaus seinen Wohnsitz hat, lür immer für die nasionalen Parteien verloren; denn an ein Zurückerobern wäre— wenigstens so lange noch Sozialdemokraten im Deutschen Reiche geduldet werden— gar nicht mehr zu denken. Alle deutschen Männer, Hoch und Niedrig, Arm und Reich, müssen damit rechnen, daß, wenn sie nicht Mann für Mann am Wahltage ihre Schuldigkeit tun und ihre Stimme in die Wahlurne legen, der Sozialdemokrat hier im Kreise gewählt wird." Der Wahlkreis wird diesmal sozialdemokratischer Besitz, wenn alle Genosien im Kreise ihre Pflicht und Schuldigkeit tun. In Potsdam wurde bereiis die Wahlbewegung durch eine am Mittwoch stattgehabte imposante Volksversammlung eingeleitet. Schon lange vor Beginn derselben war der Saal dicht gefüllt. Der Referent, Genosse Dr. Karl Liebknecht, gab zunächst ein Bild von der durch die Reichstagsauflösung geschaffenen Situatton. Sodann ging er auf die von Regierung und Zenttum betriebene Kuhhandels- Politik ein und streifte dabei die in den Kolonien verübten Greuel- taten. Des weiteren verurteilte er das schamlose Verhalten des Freisinns, welcher vor nichts zurückschrecke, um mehr und mehr Fühlung mit der Regierung zu bekommen. Nachdem Genosse Liebknecht noch das Gesetz betreffend die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine unter die Lupe genommen, schloß er seinen interessanten Vortrag unter lebhaftem Beifall der Versammlung. Bon den zahlreich anwesenden Reichsverbändlern fand trotz wiederholter Aufforderung keiner den Mut, gegen die Ausführungen des Referenten das Wort zu ergreifen. Zum Schluß forderte der Vorsitzende die Anwesenden nochmals im Interesse der Sache zur Mitarbeit auf. Sozialdemokratischer Diskutierklub„Freie Zusammenkunft�. Heute abend 3 Uhr: Sitzung im Gewerkschastshause, Zimmer Nr. 16. Freireligiöse Gemeinde. Sonnlag, den 23. Dezember, vormittags 8'/, Uhr, im Raihause(Eingang Jüdenslratze). Saal 109: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags 10'/, Uhr in der Schulaula. Kleine Franksuricrstr. 6: Bortrag des Herrn M. H. Barge über: Die Zuchtwahl. theorie und ihre Bedeutung.— Dienstag. 1. Feiertag: Festvortrag des Herrn Prof. Dr. A. Gehrke. Mittwoch, 2. Feiertag: Festvortrag deS Herrn Adolf Stern. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Bc- Nutzung sür jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 5'/,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von S— 1 und 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung au»._ Vermischtes. Bon einer umfallenden Tanne erschlage« wurde gestern im Frankfurter(Main) Stadtwalde beim Fällen von Bäumen der in den vierziger Jahren stehende Gärtner Reinhold Müller. Treibeis auf der Elie. Infolge starken Treibeise« ist die Schiff- fahrt nach einer Meldung aus T e t s ch e n auf der Elbe eingestellt. Durch eine Sprengmine getötet. In einem Steinbruche bei Sistian explodierte, wie aus Trieft gemeldet wird, vorzeitig eine Sprengmine. Ein Arbeiter wurde vollständig zerrissen, ein anderer erlitt tödliche Verwundungen, während mehrere Arbeiter leichter der- letzt wurden. � Ein Elektrizitätswerk durch Feuer zerstört! L o n d o n. 21. De- zember. In den Elektrizitätswerken in Greenwich(London) ist vor- gestern abend eine große Feuersbrunst ausgebrochen, welche in kurzer Zeit so große Ausdehnung gewann, daß eine Explosion des Dampf- kessels erfolgte, bevor eS den Arbeitern gelungen war, sich in Sicherheit zu bringen. Zwei Arbeiter wurden getötet und viele verwundet._ Kratereinsturz am Besuv. Ein feiner Aschenregen fiel nach einer Meldung aus Neapel vor- gestern abend 20 Minuten auf die Stadt nieder. Ein stärkerer Aschenregen ging über die Ortschaften Portici, Cercala, Refina und San Sebastiano nieder. Im Vcsuvobservatorinm erklärt man, es handle sich um eine» Absturz im Innern des Krater?, welcher als Reaktion eine Explosion hervorrief. Dem Aschenregen waren weder unterirdischer Donner»och Erderschütterungen vorangegangen, wie das bei früheren Aschenregen der Fall war. Die Bevölkerung verhält sich ruhig. Die eingefrorene Beleuchtung. In Gens sind infolge des heftigen Schneefalles und des darauf eingetretenen Frostes die durch ffianer gespeisten Elektrizitätswerke zum Stillstand gekommen. Die Stadt ist daher ohne Beleuchtung und elektrische BettiebSkraft. Seemannsleide». Der argentinische Dampfer„Cachalot" hat auf einer menschenleeren Insel in den Gcwäsiern südlich vom ameri- konischen Kontinent 26 Mann. darunter den Kapitän von der Be- satzung des norwegischen Dampfers„Frithjof Nansen", aufgefunden und an Bord genommen, der am 10. Noveniber bei San Jorge ge- funken war. Neun Mann von der Besatzung find bei dem Schiff- bruch ums Leben gekommen. Lvetter-Prognoie für Sonnabend, den LS. Dezember Ivos. Vorherrschend wolkig, aber trocken bei ziemlich strengem Frost und mäßigen östlichen Winden. B e r l i n e r W e t t e r b u r e a u. Briefkasten cler Redaktion. Die juriftische Eprechstunde findet Friedrichstr. 16, Aufgang 4, eine Treppe(Handelsstatte BeUealliaoee, T-rchgang auch Lindenftr. 101), wochcntiigNch von?>/, bis»>/, Upr abcudS statt. Gcuffuet? Uhr. SoanabeudS beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr- Jeder Aufrage ist ei» Buchstabe uod eine Zahl al» ststert, eiche» beizufügen,«riefliche Antwort wird uich, erteilt. Eilig« Frage» trage man in der Sprrchstuadc vor. G. Lindeman«. Ja.— E. B. lLS. 1. Beliebig off. S. Ja. A. S. S. Innerhalb 6 Monaten, nachdem Sie Kenntnis von dem Ehe- bruch erhalten haben, können Sie auf Ehescheidung klagen. Fall» die Ehe wegen des Ehebruchs geschieden wird, steht Ihnen das Recht, aber keines- Wegs die Pflicht zu, Strasantrag zu stellen.— C. St. 15. Den Inhalt hat das AnstedelungSgefetz nicht. ES lagt aber die Möglichkeit zu. dem einen, z. B. dem Polen, das Bauen zu miterfagen.— Reuendorf IVO. Der Beamte ist leider im Recht.— R. B. j. Ja. 2. In 30 Jahren. 3. Erheben Sie Widerspruch.— O. R. Z. 1. und 2. Auch wer«men OffenbarungSeid geleistet hat, kann nach wie vor erwerben und andere Rechtsakte vornehmen. 3. Jnneidulb 2 Jahren müßten Sie Klage erheben. 4. Ja.— St. D. 19. So lange nicht auSdrücklick die Aushebung au». gesprochen ist. ist die Vollstreckung noch gültig.— S.£. 54. Nein. — 958. R. 100. Zur Pfändung war der«Ie.ichlsvollzieher berechtigt. Gehören die Sachen Ihrem Neffen, so kann dieser Jntervenlionsklage erheben.— e. 100. Ja.—®. SO. Ja.— Parteipresseleser. X. Gegen ein Streichen aus der Wählerliste würden Sie in Ihrem Falle mit Erfolg nicht ankämpfen können. 2. Ja.— K M. Guben ist unter- stützungsverpflichlet. Der Antrag auf Unterstützung kann aber an die hiefige Armcnkommission gestellt und dabei auch mitgeteilt werden, wie lange Ihr Schwiegervater bicr wohnt.— I. 9V.'.»g. Nein. — Krasemann 16. Wenn Ihre Frau volljährig ist, kann sie klagen.— ®.@. 56. 1. Ja. 2. 100 Ä.— At. L. 84. X. Sie müssen sich eine neue Karte geben lasse». 2. Die Renlenhöhe richtet sich nach der Anzahl und der Klasse der Marken.— R. 100. Ja, der Waisenrat ist zur An- srage verpflichtet.— G. K. 100. Nein.— 1440 K. X. Strasantrag kann nur gestellt werden, wenn wegen deS Ehebruchs die Ehe geschieden wird. 2. Das in der Ehe geborene Kind gilt als ehelich. Der Ehemann müßte innerhalb eines Jabres die Unmöglichkeit seiner Vaterschaft beweisen, wenn er von der Alimentationspflicht befreit sein will.— I. D. 2000. Die Bank muß Ihnen das Papier herausgeben, klagen Sie eventuell.— B. K. 100. Der Lohn könnte in Ihrem Falle gepfändet werden. Gegen das oerurtellende Erkenntnis sollten Sie Berusung einlegen.— Wilmersdorf 1000. Die Ausstellung hat noch nicht stattgcsunden.— Trebbin. Nein. ßriefhaftcn da* Expedition. Patienten in Beelifc, Buch usw. Diejenige» unserer Wonnentm, die noch während des ganzen nächsten MonatS in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberweifung von Freiexemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern d«S neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Dl« glückliche Geburt eines gesunden kräftigen Mädchens zeigen hocherfreut an Tbeodor und Locie Liebknecht. Berlin, 21. Dezember 1906. SoziiütaHclierWaUvereiDi für den 2. Berliner Reiclistagswahlkreis.| Am 20. Dezember verschied unser, Mitglied, der Maler ttsllS Marquardt Bezirk 153. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Heilig-Kreuz-Kirchhoses, Mariendors, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 239/13 Der Vorstand. Sozialdemokrat. Vablverein l.d.4.Berl.lleiclistagswah!kreis Stralauer Viertel, Bezirk 178b. Todcs-Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schlosser Joseph Braun Rommtenerstr. 32 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonnabendnachmittag 3 Uhr. von der Leichenhalle des Äarkus-zXirch- hoses in Wildclmsberg auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 263/7 Der Äorstand. SozialiieinokratiseliJaiilyereii! des 6. Berliner Vatilkreises. Todes- Anzeige. Am 19. d. MtS. oerstarb unser Mitglied, der Restauraieur Ernst Stenzel, Prinzen-Allee 83. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet morgen, Sonntag nachmittag 2'/, Uhr. vom Trauerbausc aus nach dem neuen PaulSkirchhos in Plötzensee statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 226/19 Der Vorstand. VerW tier freien Gast- und Sebankwirte Deutseblands. Zahlstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den MUglieder» zur Nachricht, daß der Kollege Ernst Lten�el, Prinzen-Allee 83. am 19. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Dezember, nachmittags 2'/, Uhr, vom Trauer- Hause, Prinzen-Allee 83. auS nach dem neuen Paulskirchhot in Plötzensee statt. Um rege Beteiligung ersucht 70/14 01« Orlsverwaltung. Verein Berliner flausdiener. Mitgliedschaft I des Zeniralverbandes der Handels-, Transport-, Bcrkehrsarbeiter undArbeiteriunen Deutschlands. TodeS-Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Franz Lobihn, Stephanstratze, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Dezember, nach- mittaas Vi3 Uhr. aus dem Sankt Johamns-ilirchhof, Plötzensee, statt. Ferner verstarb der Kollege Paul Schwartz, Sophienstraße. DI« Beerdigung findet ebenfalls am Sonntag, den 23. Dezember, von der Halle deS«ophien- Kirchhofes. Fretenwalderftraße. aus statt. t., Ehre ihrem Andenken. Zahlreiche Beteilig«»« erwünscht. Der Borttand. Dr. Simmel, Ä Svezialarzl für 165 Munt- and Harnleiden. 10—2,5—7 SouiilagS 10— 12, 2— 4 Dr. Schiinemann Spezial-Arzt siir 30712» Ifant- und Harnleiden, Vraaenkrankbeiten. Friedrlchstr. 203, Ecke Schützenstr. »0-*. 6-7, Sonnt. 10-1» Uhr. Sozialdeniokra'iisciierWali'yereiu für den Bezirk Lichtenberg. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Iraugott Hillner verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 22. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Gemeindefiiedhofes in Lichtenberg, Bornitzstraße, aus statt. 223/5 Deutscher Roizarbeiter-YerbaDd Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Hermann Haase am 19. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. Dezember, nachmittags um 4 Uhr, von der Leichenhalle des Äarkus-Kirch- hoses in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht W/1 vi« Orttverwaltung. Verein der Rohrer Berlins und Umgegend. Todes- Anzeige. Am 15. d. M. verstarb unser Mitglied, der Rohrer Efterhart Keünich Ehre seinemAndenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des GeorgenfirchboseS in Wll- helmSberg aus statt. Um zahlreiche Belelligung ersucht 145/13 Der Torstand. Todes- Anzeige. Alle» Freunden, Bekannten und Verwandten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn. Bruder und -Schwager, der Maurer August Brüx am 20. Dezember, vormittags 8 Uhr, nach schwerem Leiden im Alter von 55 Jahren sanft ent- schlafen ist 448b Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 3 Uhr von der Leichen- Halle des St Sebastian-Kirchhoses (Reinickendorf) aus statt. Dies zeigen ttesbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen Witwe M. Brüx nebst Kindern, Böttgerstr. 5. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unseres inniggeliebten Paters und Schwieger- valerS, des Gastwirts A. Grunewald. sagen wir allen Freunden und Bekannten, den Freien Gast- Wirten, dem Wahloerein Rirdors, dem Handels- und Transpor-tarbeiter-Ver- bände, dem Skatklub„Ramsch", der Direktion der Vereinsbrauerei, der Weißbierbrauerei von Fischer unseren herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Weihnachts- Geschenke Teil Zahlung gestattet Spieldosen, Gram m oplione, mit�und ohne Giocj Fabrik Otto Kreyssig; iertimr pg-» BPUnnenStP. 83 grunnen," 119 Billigste Preise! Reparaturen„«'ÄdLn flratis. Snm fOtitnachiSfcfi*«upflthlt da» Zestral-KJaderwogoB-MsgssIti ceKtartfL A« W. Meliulz, Bruaanatr. 98, a.tfabn!>«»(unbbrunnen, Kinder, Puppen-, Sport-, Knaton-, I.eitsr- n. Zlogonbookwngon, Kinder tische, Triumphe tülile, Kinder Klspp- sttthle, sowie Korbweren jeder Art. Betsll- und Holxbe tetelleu kür Erwache quo und Binder, Bitte auf Nr 95 zu achten. mmäami smmmmA «rww Spielwaren-jlusverkanf. Nach beendeter EngroS-Saison verkaufen wir die Reslbestände zu jedem annehiiibaren Preise. 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