Nr. 301. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 RI, monatl. 1.10 M., toöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt" 10 Bfg. Bost. Elbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements Rehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Echweden und die Schweiz. Caciat täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder beren Naum 50 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 80 Pig. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebrudte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf. stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Bfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Borte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. r. 1983. Agrarische ,, Heimatspolitik". Freitag, den 28. Dezember 1906. 0 Roggen, mittelgut, pro Tonne Weizen, mittelgut, pro Tonne Speisekartoffeln, mittelgut, pro Tonne Butter, II. Qual., pro Doppelzentner. Dasen, II. Qual. " pro Doppelztr. Schlachtgew. D Jm Durchschnitt der Jahre 1900/1904 139 M. 54" 244 # Zurzeit 163 163 M. 178 " 44 212 B " 123 164 " " 132 180 " " 121 172 " " 105 122 " " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Postwendend widerlegt." か Der Kölnischen Zeitung" hat unser Wort von den Sungerwahlen" nicht gefallen. Begreiflicherweise, da die National liberalen ein gerüttelt Maß von Mitschuld an der Verteuerung der Lebensmittel fragen. Das rheinische Unternehmerblatt wird daher grob und feift, daß sich der Vorwärts" die breisteste und unverschämtefte aller Wahllügen" leiste, die aber, wie es aufatmend hinzufeßt, glüdlicherweise durch die tatsächlichen Zustände postwendend widerlegt werden tann". " Wohl mit Rücksicht auf diese Widerlegung durch die tatsächlichen nehmer " bie Kälber, II. Seit der Reichstagsauflösung sind die Leifartikel und Hammel, I Notizen über die zunehmende Lebensmittelteuerung aus der Schweine, II. freisinnigen Presse fast gänzlich verschwunden, so daß der seine Und diese Preissteigerung beschränkt sich nicht nur auf die politische Meinung ausschließlich aus freisinnigen Blättern be- vorgenannten Nahrungsmittel. Auch die Preise einer Reihe Bustände" schenkt sich die Kölnische" jeden Nachweis der Unziehende ehrfame Pfahlbürger zu der Ansicht kommen muß, anderer ebenfalls im kleinen Haushalt ständig verbrauchter richtigkeiten unserer Behauptungen. Sie begnügt sich mit der viel die Preise der notwendigen Lebensmittel feien in schnellem Bedarfsartikel zum Beispiel Staffee, Schmalz, Gier, bequemeren Maßnahme, sie einfach erlogen und gefälscht zu nennen. Sinten begriffen. Jeder, der die Marktnotierungen verfolgt, eringe usw. befinden sich in der Aufwärtsbewegung. Wir haben keine Veranlassung, das Blatt bei dieser Beschäftigung weiß jedoch, daß die Preise in den letzten Wochen nicht ge- Daraus ergibt sich, daß heute zum Beispiel der Berliner zu stören. Mag es seine Lefer ruhig irreführen. Das wird ihm fallen, sondern weiter gestiegen find. Das Ver Arbeiter einen um 20 Proz. höheren Gelbia zweifellos gelingen, da die Zeiten für die Unterfeine allerdings die durch die offizielle betrag für die Anschaffung der nötigsten Breissteigerung der Lebensmittel bei den Summen ihrer HausHungerzeiten find und schwinden der Notizen über Agrarpolitik hochgetriebenen Lebensmittelpreise aus den Lebensmittel aufwenden muß als im Jahr baltsbudgets zu wenig ins Gewicht fällt, als daß sie den Herren liberalen Blättern hat einen anderen Grund. Die frei fünft 1900 bis 1904. Alles, was der Arbeiter in den besonders fühlbar werde und ihnen fagen tönnte, daß die Besinnigen Polititer fühlen sich nämlich aus Rücksicht auf die letzten Jahren durch schwere gewerkschaftliche Kämpfe an Lohn- hauptung des Blattes von der postwendenden Widerlegung unserer Regierung und die jest mit ihnen zur Wahl marschierenden erhöhung errungen hat, geht auf diese Weise wieder verloren, Angaben durch die tatsächlichen Zustände nur ein Wahlschwindel ist. tonservativen Parteien verpflichtet, ihre frühere Agitation gegen oftmals noch viel mehr. Die Kölnische Zeitung" ist übrigens so unvorsichtig, zuzugeben, den agrarischen Lebensmittelwucher einzustellen oder wenigstens in den Hintergrund treten zu laffen, und dafür sich mit Auf im Reichstage mit unerschütterlicher Ausdauer versichert, das böse Benfur für die nationalliberale Politit des Die agrarische Presse hat zwar während der Zollkämpfe daß im Laufe des Sommers das Gespenst einer Unterernährung des Volkes zeitweilig aufgeftiegen ist..." Was eine Lebensbietung aller moralischen Kräfte über die Nebenregierung" Ausland trage den Zoll; und als im März dieses Jahres mittelwuchers bedeutet, die das Aufsteigen dieses Gespenstes des Zentrums zu entrüsten; denn die Anfeindung der nach dem Inkrafttreten des neuen Zollvertragstarifs nicht verschuldet. Die Kölnische" gibt das Aufsteigen des Hungerfonservativen Agrarpolitik und ihrer Folgen könnte die zur- fofort die Preise stiegen, tannte ihr Frohlocken über die gespenstes allerdings nur zu, um die Versicherung daran zeit mit der Freisinnigen Volkspartei alliterten Großgrund- faschen Prophezeiungen der Freihändler feine Grenzen. Das zu hängen, jede Hausfrau wisse, daß inzwischen die Fleischpreise gebefizer, die ohnehin von der ihnen durch die Reichstagsauflösung alberne Geschwät über die Richtigkeit der agrarischen Zoll- fallen seien. Wenn das Blatt sich indes auf dem Viehmarkt zu aufgehalften liberalen Stampfgenossenschaft wenig ein- theorie hat jedoch nicht lange gedauert. Nachdem die Stöln hätte erkundigen wollen, so hätte es erfahren können, daß die genommen sind und sehnsüchtig nach dem Zentrum schielen, vor dem 1. März in das Zollgebiet eingeführten bedeutenden Schweinepreise dort längst wieder gestiegen sind ganz abgesehen vollends zur Abschwenkung in die Fänge des Zentrums Getreidevorräte auf die Neige gingen, begannen alsbald die babon, daß die Senkung der Preise die alljährlich im Winter einpolypen treiben. Mögen jedoch für die freisinnige Bresse der Getreidepreise zu steigen, und schon im Durchschnitt tretende war, die im Frühjahr ebenso regelmäßig vom Steigen der Breise wieder abgelöst wird. artige Wahlrücksichten maßgebend sein, für die sozialdemo- des zweiten Quartals stellten sie sich auf Es handelt sich indes nicht bloß um die Fleischpreise. Auch die kratische Presse ergibt sich um so mehr die Pflicht, dem vor den deutschen Hauptmärtten fast um den Preise anderer Nahrungsmittel find gestiegen. Die Berliner Halbeiner neuen Reichstagswahl stehenden Volte, vor allem der vollen Zollbetrag höher, als auf den zoll- monatschrift Der Arbeitsmarkt", hat vor furzem ausgerechnet, daß Arbeiterschaft zu zeigen, welchen Parteien es die freten Märkten Londons, Liverpools und bei Bugrundelegung der doch gewiß nicht allzu opulenten Rationen heutige Berteuerung feines Lebensunter- Antwerpens. Es tostete z. B. im Durchschnitt der Mo- der deutschen Marinesoldaten eine viertöpfige Arbeiterhalts zu berdanten hat. nate April, Mai und Juni guter mittlerer Weizen in Berlin familie( bier Kinder gleich zwei Erwachsene gerechnet) für die Da die agrarische Presse die enorme Preissteigerung der pro Tonne 183,2 M., in Mannheim 196,1 M., dagegen guter Ernährung ausgeben mußte Theiß- Weizen in Wien 157 M., mittlerer Donau- Weizen in meisten Lebensmittel nicht zu leugnen bermag, verlegt sie sich Antwerpen 133,5 m., mittlerer englischer Weizen in London darauf, für diese den guten industriellen Geschäftsgang, die angeblich unzureichenden Ernteergebnisse der lezten Jahre oder 140,4 M. und guter La Plata- Weizen in Liverpool 143,8 M. auch die steigenden Bedarfsansprüche der sogenannten unteren Die Differenz zwischen Mannheim und Antwerpen betrug demnach ungefähr 62 M., zwischen Mannheim und London Boltstlaffen verantwortlich zu machen. Nur die agrarische 56 M., zwischen Mannheim und Liverpool 52 Mt. Der ErZollpolitik ist nach ihrer Versicherung absolut schuldlos an der Lebensmittelverteuerung, denn den Zoll trägt bekanntlich nach tragszoll stellt sich bekanntlich auf 55 M. pro Tonne. Conservativer Entdeckung stets das Ausland. Deutschland hat die höchsten Getreidepreise aller Kulturländer Europas; selbst in Paris standen im zweiten Quartal Zu einem gewissen Teil wirkt sicherlich auch der durch die des Jahres 1906 die Weizen- und Roggenpreise weit niedriger beffere Geschäftslage geweďte und vermehrte Bedarf als preis- als auf den Getreidemärkten Westdeutschlands. Und nicht nur steigernder Faktor, doch ist die Bedarfsvermehrung im ganzen in dieser Hinsicht ist der deutsche Arbeiter ungünstiger gestellt. ein ziemlich nebensächliches Moment; und noch weniger läßt wie Deutschland die höchsten Getreidepreise Europas hat, so sich die stetige Aufwärtsbewegung der Preise während des dem hat es auch die höchsten Viehpreise. Es wurden nächst abgelaufenen Jahres auf Mißwachs und schlechte Ernte- 3. B. im zweiten Quartal pro Doppelzentner Schlachtgewicht erträge zurückführen. Das Jahr 1905 hatte eine relativ gute gezahlt: Kälber D 9 20 Dagegen: in Berlin in Frankfurt in Köln in Mannheim 187,8 188,2 158,9 141,0 182,8 148,3 148,7 126,2 141,1 133,9 164,8 179,9 166,6 141,6 167,8 in Kopenhagen in Rotterdam 101,2 111,3 100,4 102,0 B 0 106,8 151,7 109,8 in Baris 102,5 182,4 149,9 158,8 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 pro Woche pro Jahr 20,44 1062,88 20,56 1069,12 20,72 1077,44 21,15 1099,80 21,29 1106,98 21,98 1142,96 23,01 1196,92 Vielleicht erkundigt sich einmal die„ Kölnische Zeitung", wieviel Arbeiterfamilien in Köln sich eine solche Ausgabe allein für Nahrungsmittel leisten fönnen wir wissen, fie wird nicht allzu viele finden, denn 23,01 M. pro Woche, das ist in vielen Fällen schon mehr, als der ganze Wochenlohn erwachsener verheirateter Arbeiter beträgt! Woraus das Blatt, wenn es sehen wollte, erkennen könnte, daß das Gespenst der unterernährung jahraus jahrein in vielen Arbeiterwohnungen nicht vom Herde weicht, da die Rationen, die für den Marinefoldaten als notwendig erachtet werden, um feinen Körper gefund und arbeitsfähig zu erhalten, für große Streise der Arbeiterschaft einfach nicht erschwinglich find! Weizen und Roggenernte, und die Kartoffel- und Heuernte Doch vielleicht meint die Kölnische Zeitung", daß der industrielle lieferte einen Ertrag, wie ihn die deutsche Landwirtschaft noch Ochsen II. Dual. Schweine Arbeiter und feine Familie die Nationen der Marinesolbaten nicht niemals vorhergesehen hatte. Der Ertrag an Kartoffeln stellte zu beanspruchen hat. Daß folche Meinung die Arbeiter aber nicht sich auf mehr als 48,8 Millionen Tonnen, über 12 Millionen Hammel gerade für nationalliberale Reichstagsabgeordnete begeistern Zonnen mehr als im Jahre 1904, und die Ernte an Wiesenheu könnte, dürfte sie wohl noch noch einsehen tönnen. Auf ergab 26,3 Millionen Zonnen, 4,8 Millionen Tonnen mehr, alle Fälle beweisen indes die Zahlen unserer unverdäch als im voraufgegangenen Jahre. Und dieses Resultat wurde Dachfen II. Qual. tigen Quelle, daß die Lebenshaltung gegen 1900 bedeutend berteuert worden ist. Und wenn die Kölnische Zeitung" nicht etwa durch eine starte Vergrößerung der Anbaufläche Schweine fich die amtliche Statistit über die Löhne der Bergleute im Ruhrerzielt, sondern durch die Ertragssteigerung pro Hektar, die Kälber rebier, einem Gebiete, das ihr ja so nahe liegt, ansehen wollte, so bei Kartoffel von 110 auf 145 Doppelzentner, beim Wiefenheu Hammel. würde fie finden, daß dort die Löhne heute, bei den gestiegenen bon 36 auf 44 Doppelzentner pro Heftar stieg. Und noch Deutschland ist das Land der höchsten Getreide- und Vieh- Lebensmittelpreisen, niedriger stehen als 1900. Und günstiger stellt sich nach der vorläufigen Berechnung der preise in Europa: das ist das Resultat der von der Streuz- wenn sie sich die Antworten auf eine Umfrage an Landwirtschaftskammer die diesjährigen Ernte. Der Gesamt- 3tg." und der Deutsch. Tagesztg." fo hoch gepriesenen fehen wollte, die die Zeitschrift Konfektionär" unter den ertrag der preußischen Landwirtschaft anGetreide wird auf nicht ei matspolitit": der Politit der Grenzsperren und größeren Firmen der Textilindustrie und Konfektion angestellt hat, weniger als 17 271 000 Tonnen veranschlagt gegen 15 629 000 Bollerhöhungen. Den Vorteil von dieser Politik haben die o würde fte finden, daß als besonders gut bezeichnet wird die Lage Tonnen im Jahre 1905, also um 10% Proz. höher. Großgrundbefizer. Damit ihre Einfünfte steigen, damit sie Tuhindustrie sei an der Hochtonjunktur nur in verhältnismäßig der Konfektionsindustrie, daß dagegen gemeldet wird, die Schlechte Ernteergebnisse haben also die sich einige Rennpferde mehr zu halten und ihre Jagdreviere geringem Grabe berührt. In den Berichten aus letzterer Induſtrie Preissteigerung nicht bewirtt. Was ist aber dann zu arrondieren vermögen, wird dem arbeitenden Volke heißt es ausbrüdlich: Brot und Fleisch maßlos verteuert. Die bevorstehende die Ursache der jetzigen teuren Zeit? Die dem Profit- Bahl gibt dem unter der Raft des Lebensmittelwuchers interesse der ländlichen Großgrundbesitzer dienende offizielle Bollpolitit. Deutschlands feufzenden Volke Gelegenheit, mit den LebensmittelBevölkerung steigt durchschnittlich in jedem Jahre um berteurern: den Stonservativen, Nationalliberalen und 1 Proz, und zugleich entwickelt sich das Deutsche Bentrumspolitikern gründlich abzurechnen und deren faubece Reich mehr und mehr zum Industriestaat. Die Folge Heimatspolitik" zu brechen. Erlangen diese edlen Bolts- und ist eine steigende Nachfrage nach landwirtschaftlichen Bro- Baterlandsfreunde aufs neue im Reichstage die Mehrheit, so duften nicht nur für den unmittelbaren einheimischen werden sie unbedingt ihre Lebensverteuerungspolitik auf BoltsBerbrauch, sondern auch zur industriellen Verarbeitung. fosten wieder aufnehmen und fortseßen. Diesen Bedarf bermag die einheimische landwirtschaftliche Produktion nicht mehr zu decken, und da die Zufuhr aus fremden Agrarstaaten durch Grenzsperren und hohe Zölle teils verhindert, teils erschwert wird, so entsteht ganz naturgemäß ein Mißverhältnis zwischen dem künstlich verminderten AnWahlkampf. Die Auslegung der Wählerliften gebot und der steigenden Nachfrage, das au hat in Preußen begonnen. Der Stürze der Zeit wegen, die einer allgemeinen Preissteigerung der betreffenden Erzeugnisse auf dem einheimischen für ihre Anfertigung zur Verfügung stand, ist zu erwarten, Martte führt. Wie hoch bereits die Preise für die daß sie zahlreichere Lücken und Fehler aufweisen werden als wichtigsten Lebensmittel: Brotgetreide, Kartoffel, die Listen von 1903. Die Stontrolle ist also diesmal ganz Fleisch, Butter gestiegen sind, zeigt folgender Vergleich. besonders dringend nötig. Die furze Frist muß allerorts aufs Es betrug in Berlin der Großhandelspreis für: energischste ausgenügt werden. bie konsumtraft der Stonsumenten der breiten Waffen leidet unter den hohen Lebensmittelpreisen. Die Konsumenten aus der breiten Masse können sich trop der da und dort eingetretenen Lohnerhöhung doch nur billiges 8eug kaufen, während sich mancher Arbeiter vorher einen guten Zuchanzug machen lassen konnte." Es muß also die günstige Rückwirkung der Hochkonjunktur der deutson Arbeit auf die Löhne doch entschieden nicht fo allgemem ein, wie die Kölnische Zeitung" in der optimistischen Stimmung des Unternehmertums annimmt, das allerdings aus dieser Hochtonjunttur goldene Gewinne zieht. Es muß in dieser Zeit der Teuerung große Kreise der Arbeiterschaft geben, die von nennenswerten Lohnsteigerungen, die die Lebensmittelteuerung auch nur ausgleichen, nichts versparen! Um die Belastung der Arbeiterschaft durch die indirekten Steuern brüdt fich die Kölnische" m der wohlfeilen Redensart herum, daß sie nach einer mechanischen Theorie der Catistit den mechanische Theorie der Statistit", mis diesem Ausdruck soll e Arbeiter allerdings höher belasten als den Wohlhabend, Dic Mehr vermag die„ Kölnische" Berechnung diskreditiert werden. nicht, denn umzustoßen vermag sie die Ergebnisse der Wis chast nicht, bie feit einem Menschenalter feststehen. Zum Schluß prunkt das Unternehmerblatt natürlich mit der großen wirtschaftlichen Sicherstellung", die der Staat dem deutschen Arbeiter durch seine Sozialgefeßgebung bereitet hat. Wie diese Sicherstellung" aussieht, das ergibt sich unter anderem aus der 1] Die politische Stimmung ist für uns äußerst günstig, das Als Zentralwahllomitee für den Bezirk wurde das angenehmen Tatsache, daß das Reich für das Jahr 1907 in dem politische Interesse bedeutend gewachsen. Der Sozialdemokratische Agitationsfomitee bestimmt. Dasselbe hat sich konstituiert und zum an den aufgelösten Reichstag verteilten Gtat 827 250 m. an Reichs- Verein Nürnberg hat in der Woche nach der Reichstagsauflösung Vorsitzenden With. Gewehr, zum Kassierer Hermann Bollens, Elberzuschuß für die Invalidenversicherung weniger verlangt, als über 200 Neuaufnahmen gemacht, überall nimmt die politische feld, Brüderstr. 23, und zum Schriftführer Karl Haberland, Elberim Vorjahr. Durch eine schärfere Auslegung des Gesetzes, durch Organisation erfreulich zu. feld, Robertstr. 8a, ernannt. die Entdeckung, daß Arbeiter, die zwar nicht mehr arbeiten können, doch noch ihrer Arbeitsfähigkeit besitzen, daß sie, wenn sie in ihrem Beruf auch nicht mehr arbeiten können, doch die theoretische Möglichkeit haben, bei anderer Beschäftigung ob sie sie finden, ist ihre Sache! cin Drittel ihres früheren Verdienstes zu gewinnen, spart man jcbt Invalidenrenten! Von Jahr zu Jahr ist die Zahl der bewilligten Renten gesunken! 100 Das ist die große wirtschaftliche Sicherstellung". Man sicht, die postwendende Widerlegung durch die tatsächlichen Zustände ist freie Phantasie der Kölnischen". Die Wider legung aber, die das Blatt selbst versucht hat, ist die Druderschwärze nicht vert. Post wendend mag sie sein richtig ist sie nicht! Und deshalb bleibt's bei den ungerwahlen", so laut die Kölnische" und ihre Gesinnungsverwandien auch über die dreisteste und unverschämteste aller Wahllügen" zetern mögen. Der 25. Januar wird den Lebensmittelwucherern schon zeigen, was die Wählerschaft von der postwendenden Widerlegung durch die tatjächlichen Verhältnisse hält! Der Freifinn in Nöten. Im Wahlkreise Nürnberg haben sich die Nationalsozialen dem Mischmasch angeschlossen, während die Mittelstandsvereinigung aus Aerger darüber, daß der Freisimm sie vor Aufstellung seiner Kandidatur nicht befragte, beschlossen bat, selbständig in die Wahl einzutreten und den Drechslermeister Probst aufzustellen. Die Mittelständler wollen hauptsächlich ihre Aufmerksamkeit den in differenten Wählern zuwenden und sie zur Urne bringen, um bei der Stichwahl, auf die sie ganz bestimmt" rechnen, dem Liberalismus ihre Unentbehrlichkeit zu beweisen. Im Wahlkreise Fürth haben die vereinigten Liberalen und Demokraten den Schäftefabrikanten Manz in Bamberg aufgestellt. Der Mann nennt sich freifinnig, ist aber ein Scharfmacher erster Güte, als den ihn die Arbeiter in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Verbandes der deutschen Schuh- und Schäftefabrikanten schon öfters fennen gelernt haben. mit ihm will man besonders den Fürther Großindustriellen und Erporteuren, die von der Bauernfreundschaft des früheren Abgeordneten Barbec nicht sonderlich erbaut waren, imponieren. Die Konfervativen und Bauernbündler stellen den bekannten Agrarier Beckh bom Rathsberg auf. Hessen- Nassau. Eine Wahlkreiskonferenz, die letzten Sonntag in Wiesbaden Der Freifinn zog bekanntlich mit der stolzen Barole ins tagte, proklamierte einstimmig als sozialdemokratischen Reichstags Feld: Gegen das schwarz- rote Startell". Er tauschte dafür die Bruder kandidaten für den 2. nassauischen Wahlkreis( Wiesbaden) schmäße der Agrarier und Scharfmacher ein. Bald aber gaben die den hessischen Landtagsabgeordneten Genossen Gustav LehmannScharfmacher und Fleischwucherer dem Freifinn zu verstehen, daß fie Mannheim. Eine Einigung zwischen den Mischmaschparteien ist gar nicht daran dächten, etwa den Freifinn für die Verluste, die in diesem Wahltreise nicht zu stande gekommen. Für die National ihm die Parole" gegen das ja liberalen kandidiert der seitherige Abgeordnete Kommerzienrat schwarz- rote Kartell" todsicher bringen müßte, ihrerseits schablos zu halten. Bartling, für die Freifinnigen 23. Straft- Wiesbaden. Die Die Fleischwucherer erklärten vielmehr brüst, daß sie feine Pflaumen- Wahltonstellation ist daher für unsere Partei sehr günstig. weichen" in den Reichstag zu bringen gedächten, sondern waschechte Sozialdemokratie der Gewerkschaftsbeamte Genosse Robert Habrecht Im 4. nassauischen Wahlkreise kandidiert für die Zöllner und Lebensmittelwucherer. Frankfurt a. M. Für Kurhessen und Walded sind folgende Kandidaten aufgestellt: Rinteln- Hofgeismar- Wolfhagen: Stadtverordneter Dstar Vetter= Lein Helmarshausen. Kassel. Kaffel- Melsungen: Stadtverordneter Heinrich Hüttmann- Frant furt a. Main. Friglar- Homberg- Biegenhain: Stadtverordneter August JordanEschwege Wisenhausen- Schmalkalden: Landtagsabgeordneter Fr. Eckhardt Salzungen. Hersfeld- Hünfeld- Rotenburg: Stadtverordneter Heinrich Huhn. Walded- Pyrmont: Expedient Ernst Müller- Stassel. Kaffel. Auch ein Kandidat der Unterdrückten. Vorstand und Aufsichtsrat des nordschleswigschen Wählervereins haben den bei der Nachwahl am 23. Oftober gewählten Reichstagsabgeordneten H. P. Hanssen wiederum als Kandidaten für den Wahlkreis Hadersleben- Sonderburg aufgestellt, nachdem er eine jene beiden Körperschaften befriedigende Motivierung seiner Haltung in der Reichstagssitung vom 13. Dezember vorgebracht hatte. Dieser Vertreter der nordschleswigschen Länen hat nämlich im Reichstage sowohl für den Vermittelungsantrag der Freifinnigen, wie schließlich für die Regierungsforderungen gestimmt, also den Vernichtungskampf gegen die Hereros gutgeheißen. Das hat, wie leicht begreiflich, große Mißstimmung bei seinen Wählern hervorgerufen und Flensborg Avis" verlangle dringend, daß nicht ein leiner Kreis von Personen über die Kandidatur entscheiden solle sonst würde, meinte das Blatt, ohne Zweifel Gefahr der Zersplitterung und Verwirrung unter den dänischen Wählern entstehen. Diese warnenden Worte haben also nichts gefruchtet. Hinter verentschieden und mutet nun den Wählern zu, einen Mann zum Ver schlossenen Türen hat man sich wieder für Hanssens Kandidatur treter der nationalen Rechte der Dänen zu wählen, der bereit ist, Das ging denn doch wenigstens dem weiblichen Freisinn Für den Wahlkreis Marburg Frankenberg, den bisher der Reichsregierung alles zu bewilligen, was sie zur Unterdrückung wider den Strich. Er machte eine Achtelsörehung und verkündete der Rationalioziale v. Gerlach vertrat, wurde als sozialdemokratischer und Ausrottung der Hereros und Hottentotten für notwendig erdrohend, daß er nicht nur die schwarze, sondern auch die kon- Reichstagskandidat der Gewerkschaftsbeamte Genosse Robert DiBachtet. Hanssen gilt für" liberal", cr ist es offenbar im Sinne des servative Reaktion bekämpfen werde. Der Eidhoffsche und mann Frankfurt a. M. nominiert. deutschen Liberalismus". Mugdansche, chedem wasserstieflerische" Freifimm leiter Genosse sremser Frankfurt a. M. von den Sozialdemo In dem Wahlkreise Wetzlar- Altenkirchen wurde der Gaufährt dagegen noch heute fort, unentwegt" in seinen Flug- leiter Genosse sremser- Frankfurt a. M. von den Sozialdemofraten aufgestellt. Blättern gegen das schwarz rote arteII" Felde zu ziehen und die Frage des Brot- und Fleischwuchers, der Gewerkschaftstnebelei und der Staatsstreichlerei als Bagatellen zu behandeln, die für den heurigen Wahlkampf für einen Freisinnigen" überhaupt nicht in Frage kommen! Aber auch die Drohungen des weiblichen Freisinns werden von der blauen Reaktion nur mit einem Sohngelächter beantwortet. So macht sich die Post" den Spaß, auszurechnen, daß der Freifinn, ohne sich selbst zu vernichten, gar nicht in der Lage ist, den Stainpf nach wei Fronten" zu führen. Der Freisinn fönne nur dann hoffen, mit einem blauen Auge davonzukommen, wenn er fich eines aufrichtigen Zusammengeheus mit den rechtsstehenden Parteicn" befleißige! " " " 13 zu Das, Berl. Tage b 1." beantwortet diese beleidigende zu mutung mit allerhand törichten Verlegenheitsphrasen. Die Parole " Gegen Zentrum und jede Neaktion" bedeute noch keineswegs ein Schlagen nach 3 1v ei Fronten, sei doch das Zentrum nur eine „ Spielart" der einen Reaktion. Nun, der Freifinn will doch aber auch gegen die Sozialdemokratie den Kampf führen, lehnt doch das Berl. Tagebl." die Unterstellung der" Post", als könne von einem freifinnig- sozialdemokratischen Bündnis" irgendwie die Rede sein, entrüstet ab. Bei all dem Gerede des Moffe- Blattes tommt schließlich nur fobiel heraus, daß es mit nationalliberaler Hülfe allen Gefahren ringsum trogen zu können wähnt! " M Unterwerfung der Bondelzwarts. ſtellen. Die offiziöse Meldung hat folgenden Wortlaut: Aus dem Wahlkreise Bochum- Gelsenkirchen- Hattingen- Witten. Wie das offiziöse Wolffsche DepeschenMit einer überfüllten Versammlung in Hattingen, in der der Kandidat des Kreises, Genosse Hue, referierte, eröffneten unsere bureau in einer unverkennbar in der Wilhelmstraße Genoffen am Sonntag den Wahlkampf. In Gelsenkirchen- stilisierten längeren Meldung bekannt gibt, hat sich nunmehr eßler sprach Genosse Sach fe in einer ebenfalls äußerst start der Stamm der Bondelzwarts unterworfen. 120 Männer besuchten Versammlung. Die Stimmung unter dem Industrie- dieses Stammes haben sich samt dem Stammeshäuptling proletariat ist eine vorzügliche. Ueberall wird die Auflösung des Johann Christian der Schutztruppe gestellt und ihre Waffen Reichstages eifrig besprochen und freudig begrüßt; besonders die abgeliefert. Später noch weitere 35 Mann. Auch die sich Bergarbeiter rüsten zu einer kräftigen Antwort auf das verhunzte noch zerstreut umhertreibenden fleineren Banden des Stammes Berggesez, die Knappschaftsnovelle usw. Am fünfund awanzigsten Januar ist 3ahltag!"" Die National werden sich nach der abgeschlossenen Rapitulation den Truppen liberalen haben den schon einmal durchgefallenen Oberbürgermeister Haarmann von Witten aufgestellt. Diese Kandidatur hat in den Kreisen der evangelischen Arbeitervereinler starke Opposition hervor gerufen, weil die Leitung der nationalliberalen Partei das 1903 gegebene Bersprechen, einen Arbeiterkandidaten aufzustellen, gebrochen hat. Herr Hünnebeck, der nationalliberale Macher, motivierte die Aufstellung Haarmanns mit der plöglichen Reichstagsauflösung, man habe infolgedeffen keinen geeigneten Arbeiter finden können. Tatsächlich war aber Haarmann schon seit 1 Jahren als Kandidat in Aussicht genommen. Als Rache für diesen schnöden Wortbruch haben nun die Christlichsozialen den zweiten Vorfizenden der christlichen Bergarbeiterorganisation, Kühme, als Gegenkandidaten aufgestellt. Für die Nationalliberalen dürfte diese Kandidatur besonders unangenehm werden und sie aus der Stichwahl drängen. Wie in fast allen industriellen Kreisen, hat das Zentrum auch hier, um die Arbeitermasse zu födern, einen Renommierarbeiter, den Arme freisinnige Jlusionäre. Im Jahre 1908 eroberte der christlichen Arbeiterfefretär Sloft- Essen, aufgestellt. Kloft kandiFreisinn 25 Wahlkreise bei der Stichwahl, davon 11 mit dierte 1903 im Wahlkreise Duisburg, hat aber dort eine aberHülfe Zentrums, 8 mit Hilfe der Sozialdemokratie. malige Kandidatur abgelehnt. Db er ettva glaubt, im Bochumer Lassen ihn nun diese Barteien fallen, so behält er allenfalls noch Wahlkreis mehr Aussicht zu haben? Die Sozialdemokratie wird den 6 Wahlkreise. Und selbst wenn er sich mit Haut und Haaren den Wahlkampf mit aller Energie führen, damit das rote Banner auch Agrariern verschreibt, wird er Haare laffen müffen! Nun droht ferner über dem drittgrößten Reichstagswahlfreise flattert. und bettelt der Freifinn nach allen Richtungen, um überall berYacht und bei der Wahl mit wohlverdienten Fußtritten regaliert zu werden! Westpreußen. Die Freunde des bekannten Bündlers Kandidaten Aufstellungen. In Oberschlesien find als Reichstagskandidaten definitiv aufgeftelt für: Kattowis- Zabrze: Gewerkschaftsbeamter Adamek. Beuthen- Tarnowit: Gewerkschaftsbeamter Scholthfet. Gleiwitz- Lublinis: Parteisekretär Tra balsti. Bleß- Rybuit: Gewerkschaftsbeamter Danisch. Ratibor: Geschäftsführer Binisatiewicz. D V Im Wahlkreise Gr. Strehlig kosel wird die Aufstellung Kandidaten in den nächsten Tagen erfolgen. 0 Berlin, Mittwoch, 26. Dezember. Bei den Verhandlungen über den Nachtragsetat für Südwestafrika im Reichstage wurde von Vertretern der verbündeten Regierungen und des Großen Generalstabes die Versicherung abgegeben, unsere dort noch tämpfenden Soldaten möglichst schnell im gleichen Tempo mit den Fortschritten der kriegerischen Operationen weiter zu vermindern und heimzusenden. Vom Krlegsschauplatz ist gestern folgende Meldung eingetroffen: Der Stamm der Bondelzwarts hat sich unterworfen; Johannes Christian mit seinem nächsten Anhange hat sich dem Oberstleutnant v. Estorff in Heirachabis gestellt. Die Zahl der Männer beträgt 120, der abgegebenen fleinkalibrigen Gewehre 105. Berstreute Banden und Stammesangehörige, die aus britischem Gebiete zurüdkehren, sind in die Unterwerfung einbezogen. Kein Bondelzwarts darf Schußwaffen tragen. Die Unterworfenen follen bei Keetmanshoop und Kaltfontein 2otationen erhalten und bort unter militärischer Aufsicht in Lagern gehalten werden. Die Durchführung der Unterwerfungsbestimmungen wird noch einige Zeit erfordern. Auch stehen noch einzelne Banden von anderen Stämmen, wie Simon Copper und Fielding, im Feldc. " Im Wahlkreise Görlitz- Lauban hatte der Ortsverein Görlitz den An den hiesigen leitenden Stellen hegt man in UebereinGenossen Keller wieder als Reichstagskandidaten vorgeschlagen. Auf der Kreiskonferenz, die am ersten Feiertag in Görlig stattfand, stimmung mit dem Oberkommando in Südwestafrika die Zubat Genosse Keller wegen feines Alters und eines zunehmenden verficht, daß nunmehr der Krieg rasch zu Ende gehen wird und die Oldenburg- Herzleidens von seiner Person Abstand zu nehmen. Die Kreis- tolonisatorische Arbeit in den weiten von ihm berührten Gebieten Januschau, der bisher den Wahlfreis Ibing- Marien- fonferenz stellte darauf einstimmig Genoffe Herm. Müller, wieder beginnen tann. Diese günftige Wendung bestärkt zugleich burg im Reichstag vertreten durfte, find in großer Sorge, daß die Mitglied des Parteivorstands, als Reichstagskandidaten auf. Die in der Ansicht, wie falsch die Haltung der MehrheitsSozialdemokratie diesmal den Kreis erobern könnte. Bei der letzten Stimmung in dem Wahlkreise Mugdans ist uns sehr günstig. parteien im verflossenen Reichstag war: Der mit der Wahl siegte Oldenburg erst in der Stichwahl mit 11 215 Stimmen Wahrung des Budgetrechts der Volksvertretung motivierte Zentrums über unseren Genossen Crispien, der 9344 Stimmen auf sich verantrag, trog jener Versicherung der verbündeten Regierungen und einigte. Deshalb haben jetzt selbst tonfervative Leute auf Oldenburg des Kriegskommandos eine bestimmte Zahl für die im Felde einzulvirken versucht, daß er von der Kandidatur zurücktreten möchte. stehenden Truppen im voraus gesetzlich vorzuschreiben, erscheint Umsonst, Oldenburg bleibt. Damit sind zunächst auch alle sonstigen nun erst recht als ungerechtfertigt und nur aus dem unsachlichen Versuche der übrigen bürgerlichen Parteien, einen Mischmasch Bedürfnis einer parlamentarischen Machtprobe erklärKandidaten der Sozialdemokratie entgegenzustellen, gescheitert. lich, dem sich die Regierung nicht fügen durfte. Der Interessant dürfte noch sein, wie fich das Zentrum in dem WahlFestigkeit der verbündeten Regierungen ist es nächst der geschickten freise bei einer etwaigen Stichwahl zwischen dem Bündler und dem des Striegsführung und dem tapferen Ausharren unserer Truppen zu Sozialdemokraten verhalten wird. Das Zentrum tam in der letzten danken, daß der Süden des Schuhgebietes gegen Bahl auf 3292 Stimmen und taun ausschlaggebend fein ist Franz Trabalsti, Kattowih, Bernhardstraße 2, Kassierer Borsitzender des Zentralwahlkomitees für obige sechs Wahlkreise Eleinmütige Bedenken uns erhalten worden ist. Am 23. Dezember wurde in den Elbinger Zeitungen Man sieht, das Auswärtige Amt begnügt sich nicht eine Erklärung veröffentlicht, in welcher 24 Herren die Julius Bruhns, Kattowiz, Sachsstraße 10. damit, einfach die Tatsache der Unterwerfung des Kandidatur Oldenburgs empfehlen. Diese Erklärung hat auch In der Parteikonferenz für den 8. und 10. schleswig- Holsteiniſchen wichtigsten der bisher noch im Stampje stehenden ein Herr Förster, Bürgermeister(!!), Tiepenhof, unterzeichnet. Db Wahlkreis, die am Sonntag in Altona stattfand, wurde nach einem wichtigsten der bisher dem Herrn Bürgermeister, als er seinen Zitel mißbrauchte, um für packenden Vortrage des Genoffen Frohme über die bevorstehende Hottentottenstämme zu melden, sondern es polemisiert zugleich die Wahl eines Bündlers Propaganda zu machen, das Schreiben Reichstagswahl zur Kandidatenfrage Stellung genommen. Ein- gegen die Reichstagsmehrheit, die am 13. Dezember die des Ministers v. Bethmann- Hollweg noch nicht bekannt war? stimmig wurden die seitherigen Vertreter beider Kreise, die Genossen Regierungsforderungen abgelehnt hat. In dem Gefühl, daß Der Minister hat die Landräte und Bürgermeister doch ersucht, keine rohme( 8. Kreis Altona Storman) und Lesche diese Meldung das Verhalten der Reichstagsmehrheit geradezu Wahlaufrufe zu unterschreiben. Oder pfeift der Tiepenhofer Bürger-( 10. Kreis( Herzogtum Lauenburg), als Standidaten nominiert. glänzend rechtfertigt, versucht es die Regierung, die Sachlage meister auf das Schreiben des Ministers? Das Zentralwahlkomitee für beide Streife hat von jetzt ab seinen so darzustellen, als ob dieser Triumph" der„ nationalen Unsere Genossen im Wahlkreise sind raftlos an der Arbeit, um Sig in Altona, Bürger str. 32. den Junker zu stürzen. Bereits in der Woche vor Weihnachten ist Waffenehre" lediglich der unentwegten Kriegspolitik der Am Sonntag gelangten in beiden Kreisen als erstes der Auf- Regierung und der hinter ihr stehenden Parteien zu im ganzen Wahlkreise ein Flugblatt bis in die fernsten Orte ver- ruf der Parteifraktion und die Aufforderung zur Einsichtnahme in breitet worden. Das war zwar eine harte Arbeit, weil der Wahl- die Wählerlisten zur Verbreitung. In den ländlichen Orten beider Ja, die offiziöse Stilübung schließt mit der Treis sich außer aus dem Elbinger Stadtkreis aus zwei ausgedehnten Kreise herrscht überall in den breiten Volksschichten eine große Be- renommistischen Bhrase, daß es der Festigkeit der Landkreisen zusammensett, sie ist aber freudig geleistet worden. Die geisterung für die kommende Wahl, ein gutes Omen dafür, daß das Bolt berbündeten Regierungen" zu danten sei, daß Genossen wissen, daß sie nur auf ihre eigene Kraft bauen dürfen. für die Kaffernpolitik" der verbündeten Realtionäre nicht zu haben ist. ,, der Süden des Schutzgebietes... uns erhalten worden ist." Nord- Bayern. Jm 6. schleswig- Holsteinischen Wahlkreise Pinneberg- Segeberg In der Tat, welch ein Triumph! Der Süden des wurde am Sonntag in einer Riesenbersammlung, die in Ottensen Schutzgebietes, der gerade den wertlosesten Teil einer Solonie tagte, der langjährige Vertreter dieses Kreises, Genoffe b. Elm, bildet, deren wirtschaftlicher Wert für das Mutterland übereinstimmig als Kandidat proklamiert. Auch in diesem hat die Wahl- haupt gleich Null ist! agitation begonnen. Der füdwestafrikanische Krieg hat uns bis jetzt Für die Wahlkreise des Agitationsbezirts Nieder- 400 Millionen Mark gekostet! Und diese Summe ist ausrhein sind folgende Skandidaten aufgestellt: gegeben worden für ein Land, das vor Ansbruch des Krieges Lennep- Remscheid- Mettmann: KStart Meist Köln. faum 1000, schreibe tausend Farmer, Händler und Kaufleute Elberfeld- Barmen: Herm. Moltenbuhr- Berlin. ernährte. Und auch nur ernährte auf Kosten der ausSolingen: Phil. Scheidemann- Kassel. Düsseldorf: Herm. Grimpe- Elberfeld. geraubten, dem wirtschaftlichen Ruin preisgegebenen einEffen: Wilh. Gewehr Elberfeld. geborenen Bevölkerung, die jetzt zum großen Teil ausMülheim- Duisburg: Clemens Hengsbach Köln. gerottet ist! Mörs- Rees: Rudolf Bühler Essen. Kleve- Geldern: Friedr. Leweren- Krefeld. Kempen: Wilh. Reimes- Krefeld. M.- Gladbach: Dr. Laufenberg Düsseldorf. Krefeld: Wilh. Reimes- Krefeld. Neuß- Grevenbroich: Wilh. Schmitt Düsseldorf. Wittgenstein- Siegen: Jof. Gogowski Lüdenscheid. Altena- Iserlohn: Starl Haberland Barmen. Hagen- Schwelm: Mag König- Dortmund. D Jm Gau Nordbayern hat die Sozialdemokratie ihren Aufmarsch für den Wahlkampf vollendet. Der Gauvorstand ist als Wahlfomitee in Tätigkeit getreten. In sämtlichen 22 Wahlkreisen find von unserer Battei Randidaten aufgestellt und zwar: Nürnberg- Altdorf Dr. Südetum Berlin, Fürth- Erlangen Martin Segiß- Fürth i. B., Ansbach- Schwabach Mich. Hiert- Schwabach, Eichstätt- Weißenburg Karl Breder Nürnberg, Dinkelsbühl- Gunzenhausen Joh. Merfel Nürnberg, Rothenburg o. d. T. Frhr. v. Haller- St. Alban, HofMünchberg Jos. Simon- Nürnberg, Bayreuth- Wunsiedel Karl Hugel Bayreuth, Forchheim- Kulmbach Konrad Dorn Nürnberg, Kronach- Lichtenfels Jof. Seelmann Kronach, Bamberg- Herzogenaurach Friz Endreß Fürth i. B., Aschaffenburg- Miltenberg Eduard Gräf Frankfurt a. M., Kitingen Ochsenfurt Robert KernHeidingsfeld, Lehr- Hammelburg Georg Diehl Frankfurt a. M., Stiffingen- Neustadta. S. Friedr. Soldmann- Schweinfurt, SchweinfurtHakfurt Jos. Sadler- Schweinfurt, Würzburg- Heidingsfeld Franz Schmitt München, Regensburg- Schwandorf B. Hagen Regens burg, Amberg- Sulzbach D. Schrembs Regensburg, Neumarkt Hemau Karl Enßner Nürnberg, Neunburg vorm Wald Mich. eiß Weiden, Weiden- Neustadt a. Waldnaab Mich. DirscherlFürth i, M. 2 D D 13 V D S danken wäre. 11 Und was verspricht dies Land für die Zukunft? Auszubeutende Eingeborene gibt es nicht mehr, was von ihnen noch am Leben geblieben ist, hat seinen einzigen Besiz, sein Vich, vollständig verloren. Das ihnen abgenommene Land soll nun von weißen Viehzüchtern besiedelt Aber wieviel Farmen werden selbst in ferner Zufunft entstehen können? Der Ansiedelungskommissar Dr. Rohrbach rechnete mit 5000( fünftausend) anzusiedelnden werden. Farmerfamilien. Und zwar hoffte er nach Beendigung des Das rheinische Zentrumt Strieges jährlich hundert neue Farmwirtschaften errichten zu hat seinen Wahlaufruf erlassen. In der Einleitung wird versichert, fönnen, sofern die Regierung jeden dieser Farmer mit daß die Auflösung des Reichstages ohne jeden stich hal10-15 000 Mark subventioniere! In 50 Jahren hätten wir tigen Grund" erfolgt sei; niemand habe eine Ahnung gehabt, dann die 5000 Farmer glücklich angesiedelt, mit einem Staats- daß die noch bestehende geringfügige Differenz" zur zuschuß von 50-75 Millionen! Wozu dann noch jährlich eine Auflösung führen könne. Aber die Regierung wollte feinen AusAusgabe für die Schuttruppe in Höhe von 30 Millionen gleich haben, trotz des Entgegenkommens des ZenMart hinzufäme. Da uns Südwest bis zum Jahresschluß trums". Weiter heißt es: 1907 bereits 600 Millionen Mark gekostet haben wird, würden uns danach die 5000 Farmer in Südwest bis zum Jahre 1957 gekostet haben: Kriegskosten. Subvention an die Farmer. Ausgaben für die Schußtruppe( 50 Jahre a 30 Millionen Mark 600 Millionen Mark 50 " " 1500 " " in Summa also 2150 Millionen Mark! Jeder Farmer würde uns also mehr als 400 000 Mark gekostet haben! Dabei wären die 5000 Farmerfamilien nicht etwa arme Teufel, sondern Leute, die je über ein Kapital von mindestens 20-30 000 Mark verfügen müßten! Geringfügige Streitpunkt, wegen beffen es zur Krisis" tam, läßt die Anwendung so großspuriger Redewendungen in den Augen ruhig Dentender einfach als lächerlich erscheinen. Die Differenzen zwischen der Regierung und dem Reichstage waren am Ichten Ende doch nur formeller Natur; der Unterhalt unserer Soldaten, das Festhalten unserer Kolonien, die Weltstellung und Ehre des Reiches tam daber absolut nicht in Frage. Außerdem ist vom Zentrum ausdrücklich genug gesagt worden, daß es die ihm jept unter= schobenen Absichten nicht im entferntesten hege." Man suchte einen Vorwand und man hat ihn gefunden. Dieser Vorwand war die Herabminderung des Nachtragsetats um Mit diesen Absichten, sich die alte Stellung offen zu halten, ganze 8 900 000 M. Das ist eine Kleinigkeit bei einem süd- steht völlig im Einklang, daß das Zentrum den Konservativen immer westafrikanischen Etat von jährlich 70-80 Millionen. Der Auf- deutlicher seine Unterstützung im Wahlkampfe zusichert. Nachdem stand in Südwestafrika hat bisher schon 400 millionen vor einigen Tagen die Krcuzztg." offen erklärt hatte, sie könne verschlungen; jeder einzelne Soldat in diefer Kolonie kostet eine Schwächung der konservativen Elemente im Zentrum nicht jährlich 9000-10 000 Mark." wünschen, da ein starkes Anwachsen der liberalen Mandate die Regierung zur Berücksichtigung liberaler Forderungen zwingen würde, antwortet jetzt die Germania" mit nachstehender Gegenversicherung: Diese füdwestafrikanischen Agrarier würden dem deutschen Volfe also noch viel kostspieliger werden, als selbst die raff- aufzuräumen. gierigsten der oftelbischen Agrarier! " Am Ende wird es wohl die Zentrumspartei sein, die den Konservativen in verschiedenen Wahlkreisen gegen Die liberalen Regierungsparteien zum Siege verhilft. Wir haben gewiß nichts dagegen einzuwenden, vorausgesetzt, daß die Konservativen annehmbare Persönlichkeiten als Kandidaten aufstellen." Leider nur vergißt der Aufruf hinzuzufügen, daß wir die Kolonialmißwirtschaft nicht hätten, wenn nicht das Zentrum stets bereit gewesen wäre, dafür die nötigen Millionen und Milliarden au bewilligen. Und die einleitenden Säge, worin die Geringfügigfeit des Abstrichs und das Entgegenkommen auf Seiten des Zentrums betont werden, sie beweisen, daß das Zentrum gar nicht daran denkt, mit dem schandbaren System der Kolonial- und Weltpolitik Der Aufruf nennt dann als wahren Grund der ReichstagsStatt also mit dem glorreichen Erfolge" in Wüst- West auflösung: Eine Steuerbewilligungsmaschine, für die zu renommieren, sollte die Regierung lieber erklären, ob sie in ausländischen und weltpolitischen Fragen das Budgetrecht nur denn nunmehr bis zum 1. April 1907 die Schuttruppe auf auf dem Papiere steht; Stärkung des persönlichen ReDem am 12. November d. J. zur Verteilung gelangten 2500 Manu herabsetzen will! giments, der unbegrenzten Bumpwirtschaft und Haushaltsetat für 1907 ist eine Dentschrift beigegeben, Davon aber sagt sie tein Wort! der indirekten Steuern... Und im Hintergrunde Be- in der es über die Deckung des Fehlbetrages heißt: Natürlich denkt die Regierung auch gar nicht daran. feitigung des allgemeinen, gleichen und diHat doch Herr Dernburg erklärt, daß auch nach Berekten Wahlrechts, Hemmung einer vernünftigen endigung des Krieges noch mindestens 5000 Mann in Süd- Sozialpolitit." " westafrifa bleiben müßten, um die pazifizierten Eingeborenen Was diese Dinge betrifft, so hat darin der Reichstag unter in Schach zu halten und den bambos etwaige Auf- Führung des Zentrums bereits soviel gesündigt, daß darin kaum standsgelüfte auszutreiben. 5000 Mann aber würden uns noch mehr zu leisten ist. Wer war es denn, der das Budgetnach dem jetzigen Stand 45-50 Millionen jährlich kosten, recht gewiffenlos preisgegeben, wenn nicht das Zentrum bei der aber auch bei günstigeren Verhältnissen und nach Fertigstellung Flottenvorlage von 1898, ebenso wie bei der von 1900. Damals der Bahnbauten noch mindestens 30 Millionen Mark pro Jahr! erregte dieser schmähliche Berrat an den Rechten des Volkes selbst Das ist der Triumph unserer Waffenehre" in Südwest, in den Reihen des Zentrums lebhaften Unwillen. Herr Roeren das sind die dürren Folgen unserer Südwestafrikapolitik! war es, der die Beschränkung des Etatrechts mit den Worten zurüdwies: Nieder mit allen Parteien, die für eine solche Politik auch nur einen Mann und einen Groschen bewilligt haben! Politifche Ueberficht. Berlin, den 27. Dezember. Betrübte Lohgerber. An anderer Stelle unferes Blattes haben wir die Meldung von der Waffenstreckung der Bondelzwarts gebracht. Wir haben diese Die off. 8tg." flagt deshalb: 11 Wir halten uns für verpflichtet, dieses wichtigste der wenigen Rechte, die das Volk und die verbündeten Regierungen noch haben, unangetastet zu erhalten. Wir wollen am Ende der laufenden Legislaturperiode, wenn wir das Mandat in die Hände unserer Wähler zurückgeben, frei und frant fagen können, daß wir auch nicht das ge= ringste von den verfassungsmäßigen Rechten des Reichstages aufgegeben haben." Trautes Liebchen, was willst du mehr? Neue Steuern! " Für das Rechnungsjahr 1907 würden die Matrikularbeiträge die zu ihrer Deckung dienenden Ueberweisungen um den erheblichen Betrag von 57 049 841 M. übersteigen. Sie mußten gleichwohl iu diesem Betrage einstweilen in den Etatsentwurf aufgenommen werden, um gemäß Artikel 70 Absatz 1 der Reichsverfassung das erforderliche Gleichgewicht zwischen Ausgaben und Einnahmen herzustellen. Wenn nun auch nach§ 3 Absatz 2 des Reformgefetzes vom 3. Juni 1906 die den Betrag von 24 242 073 0. nach der Rechnung übersteigenden Matrikularbeiträge den Bundesstaaten einstweilen zu stunden sind, so würden ihre Haushalte hierdurch doch mit einer Zukunftsbelastung bedroht werden, welche in solcher Höbe für sie umsoweniger er träglich wäre, als der großen Mehrzahl derfelben schon die seinerzeitige Aufbringung der aus dem laufenden Rechnungsjahr im veranschlagten Betrage von 57 578 775 M. einstweilen gestundeten Matrikularbeiträge unbeschadet der Erfüllung ihrer eigenen, von Jahr zu Jahr wachsenden Stulturaufgaben nicht möglich fein wird. Die verbündeten Regierungen haben daher mit der Feststellung des Etats nicht zum Ausdruck bringen wollen, daß sie zur dauernden Uebernahme der gesamten ungedeckten, über 24 242073 M. hinausgehenden Matrikularbeiträge im stande seien. Sie müssen sich sonach eine entsprechende Entlastung durch nachträgliche Ergänzung der jungen verabschiedeten Steuergesete vorbehalten und glauben hierbei auf das Entgegenkommen des Reichstages um so ficherer rechnen zu dürfen, als er bei der Beratung der Finanzreformborlage auch seinerseits anerkannt hat, daß die bewilligten neuen Steuern zur Wiederherstellung des Gleichgewichts im Reichshaushalte nicht ausreichen." Neue direkte Steuern, die die besitzende Klasse treffen, kommen bon vornherein nicht in Frage. Die Masse des Volkes wird wieder bluten müssen! Nur keine Illusionen! Die Tägl. Rundsch." schreibt zu der Nachricht von der UnterHerr Roeren sagte, er wolle, mit reinen Händen" vor Meldung und ihre famose offiziöse Stilisierung dort bereits ein- feine Wähler treten, und in lebhafter Weise nahm er Windthorst gehender gewürdigt. Unter anderem haben wir auch die 2ächer gegen die Zumutung in Schuh, als ob dieser Zentrumsführer sich lichkeit der offiziösen Polemit gegen die Mehrheits- je dazu verstanden haben würde, die Mittel der Flotte auf sechs parteien nachgewiesen. Die Kindlichkeit dieser Bülow- Jahre hinaus zu bewilligen. Aber Herr Roeren blieb machtlos gegen Dernburgschen Bolemit ist aber selbst den freisinnigen Kumpanen die von Lieber geführte Majorität seiner Partei, die gewissenlos das der Regierung etwas zu starker Tobal. Sie fühlen, daß diese neue Etatrecht preisgab und damit eines der wichtigsten Boltsrechte Wendung des Hottentottenfeldzuges die freisinnigen Hand- opferte. Und diese Partei hat den Mut, sich jetzt als den Hüter des Tangerdienste für die Regierung nur noch würdeloser Budgetrechtes aufzuspielen! und die Haltung der Kolonialoppofition nur noch konsequenter Wer hat weiter mehr zur Stärkung des persönlichen und berechtigter erscheinen läßt. Regiments, mehr zur Züchtung des Byzantinismus getan, als das Zentrum unter Führung des Höflings und Reichstags- werfung der Bondelzwarts: Daß die offiziöse Kundgebung die tatsächlichen Mitteilungen präsidenten Ballestrem? Wer hat die Pumpwirtschaft im in eine Bolemit gegen die Mehrheitsparteien des Reiche großgezogen, wenn nicht das Zentrum durch seine BeReichstages verwebt, berrät unverkennbar, daß die Regierung willigungsluft für Heer, Marine und Weltpolitik; und wer anders einige Sorge hegt, die günstigen Nachrichten vom Kriegsschauplatz als diese Partei hat durch die Mitwirkung beim Zolltarif fönnten ungünstig auf den Wahlkampf wirken. In der Tat liegt dem Volle ungeheure 2asten aufgehalst, unter deren Drud auch die Vermutung nahe, Zentrum und Sozialdemokratie würden es zusammenbricht? Und endlich, wer weiß nicht, daß die triumphierend fagen: Das jeht Ihr's, wie recht wir gehabt Sozialpolitit im Reiche seit lange gehemmt ist und daß diese haben, die zurückziehung der Truppen bis auf 2500 Mann zu Unfruchtbarkeit wiederum nicht zum wenigsten dem Zentrum zu verlangen! Da feht Ihr's, wie falsch die Behauptung ist, wir wollten unseren Brüdern in Südwestafrika die werktätige banken ist; das, wenn es ernstlich für die Arbeiter etwas tun Hülfe verweigern. Es hat sich weder um das Schidjal der wollte, vermöge feiner ausschlaggebenden Stellung längst hätte die Truppen, noch um die Ehre und das Ansehen des Deutschen Reiches Sozialpolitik in ein anderes Geleife und schnelleres Tempo bringen gehandelt." Gewiß, so werden die Mehrheitsparteien behaupten. fönnen? Demgegenüber wird die offiziöse Darstellung, nun erst recht" erscheine die Haltung der Mehrheitsparteien ungerechtfertigt, wenig verschlagen." Noch verschnupfter äußert sich das Berl. Tagebl." zu den Stilübungen seines geliebten Dernburg: Was bezüglich des Reichstagswahlrechts vom Zentrum zu balten ist, zeigt die von der„ Kölnischen Volkszeitung" empfohlene Taktit, im gegenwärtigen Wahlkampfe die Konservativen zu unter st üßen, d. h. die Kandidaten derjenigen Partei, die offen ihre Feindschaft gegen das allgemeine, gleiche, ge heime und direkte Wahlrecht bekennt. Selbstverständlich wird die Stärke der Truppe jetzt schneller herabgesetzt werden können, als es ohne die Unterwerfung der Bondelzwarts möglich gewesen wäre. Aber der Schuß der Stationen und Farmen gegen umherziehende Räuberbanden, die Bewachung der Grenzen und die Bewachung der Gefangenen wird immer noch eine recht beträchtliche Truppenzahl erfordern. Mehr als 2500 Mann werden unseres Erachtens für längere Zeit noch gebraucht werden. Wesentliche Ersparnisse können freilich dadurch gemacht werden, daß man nunmehr bald den Kriegszustand als beendet erklärt( die Truppen also nur die Friedensgebührnisse beziehen) und daß man die Polizeitruppe auf Kosten der Feldtruppe wesentlich verstärkt. Das läßt sich rechtfertigen, sobald die größeren Kriegsoperationen im Süden aufhören. Nichts aber wäre verkehrter, als jezt Hals über Kopf den größten Teil der Schußtruppe zurückzuziehen." Aehnliches wird bald auch in der offiziösen Presse zu lesen sein! Nationale Blockpolitik. immer neue Zielscheiben. Zu den hauptsächlichsten Berfechtern dez Die Gegensäge im nationalen Blod liefern dem Spot großen konservativ- antisemitisch- nationalliberal- freifinnig- philofemitischen Allianz gehört die von den großindustriellen rheinischen Scharfmachern ausgehaltene" Post". Mit dem Aufgebot der ganzen machern ausgehaltene" Post". Mit dem Aufgebot der ganzen ,, nationalen" Begeisterung, deren diese alternde Konkubine fähig ist, Wäre der Flottenvorlage wegen die Auflösung des ReichsWäre der Flottenvorlage wegen die Auflösung des Reichs- predigt sie den liberalen Parteien die Unterstüßung der fontages erfolgt, so bin ich überzeugt, es wäre ein Reichstag fervativen Bettgenossen. Dafür soll den Freisinnigen auch ihr tages erfolgt, so bin ich überzeugt, es wäre ein Reichstag Besißstand" an Mandaten garantiert werden, nur muß gekommen, der der Versuchung einer ander das „ Eine seltsame Deduktion! Das nächst liegende wäre doch, aus der Entwickelung, die die Dinge in Südwestafrika jetzt Bei dieser Gelegenheit darf an folgendes Vorkommnis erinnert genommen, das Gegenteil von dem zu schließen, was die Regierung daraus folgert: die Regierung music bei der Beratung werden. des Nachtragskredits im Reichstage bereits etwas davon läuten ge- borlage angenommen war, da ließ sich die rheinische Zentrumsschen Allianz gehört die von den großindustriellen rheinischen ScharfAls 1898 durch den Umfall des Zentrums die Flotten hört haben, daß eine günstige Wendung in Südwestafrika bevor- partei, um den Unwillen der Wähler zu besänftigen, Herrn ſtehe. Denn von heute auf morgen haben die Bondels ihren Unter- Orterer aus Bayern kommen, der dann in einer Versammlung in werfungsentschluß nicht gefaßt und es ist völlig ausgetöln sagte: schlossen, daß das Oberkommando in Südwestafrika nicht schon seit längerer Zeit über die Stimmungen und Absichten der Bondels unterrichtet war. Das Zentrum wird mit Necht sagen, daß die Regierung, wenn sie über die Lage der Dinge orientiert war, sich die Auflösung des Reichstages hätte sparen können und sparen müssen. In der Tat lag für die Regierung, wenn sie die Sachlage lannte, feine Beranlassung vor, aus dem Zentrumsantrag einen casus Die rheinischen Arbeiter werden sich, soweit sie zu denken vers belli zu machen. Die Parteien, die gegen den Zentrumsantrag ſtimmten, taten das in dem guten Glauben, daß an eine mögen, nicht durch das Gerede der Zentrumsaufrufe betören lassen. friedliche Beilegung des Feldzuges vorderhand nicht zu denken sei; Eingedenk der Tatsache, daß des Zentrums empfindlichste Stelle die nach Pflicht und Gewissen erklärten sie sich deshalb gegen den rheinischen Industriekreise sind, werden sie den gewohnten Eifer verAntrag, der nach ihrer Ueberzeugung unsere militärischen Operationen doppeln, um der Klerikalen Herrschaft zu brechen. im Schutzgebiete lahmlegen mußte. Für die Regierung aber famen so wird wenigstens das Zentrum argumentieren diese Erwägungen nicht in Frage. Šie durfte daher die Forderung des Zentrums nicht a limine ablehnen." Man sieht, die freisinnigen Mitretter der nationalen Ehre" zu haben. weitigen Regelung des Reichstagswahlrechtes ist Hauptbedingung der Freifinn von vornherein darauf verfehr ausgefest gewesen wäre. Auch in dieser Beziehung zichten, in einigen von ihm bei der letzten Wahl eroberten Wahlist das Fortbestehen einer großen einheitlichen Partei wie das kreisen wieder freisinnige Kandidaten aufzustellen, sondern sie als Zentrum ein Gebot der Notwendigkeit." Sühneopfer willig in die Hände der früheren Besizerin, der Junterpartei, zurückliefern. In Marburg darf z. B. b. Gerlach nicht wieder kandidieren. Dieses Mandat muß feierlichst seinem konservativen Gegner, Herrn v. Pappenheim, verabfolgt werden. Außerdem sind noch vor Beginn des Wahlkampfes folgende Size auszuliefern: ㄓ Deutfches Reich. Zentrums Sehnen. Die Leiter des Zentrums rechnen mit gunchmender Sicherheit nicht zustande „ Auch in Greifswald, einem alten reichsparteilichen Kreise, wo der Liberalismus 1903 einen unerwarteten Sieg er= rang, in Walded, das früher lange nationalliberal vertreten war und 1903 von den Nationalliberalen freiwillig dem Freifinn eingeräumt wurde, ebenso in Jericho tv I und II, wo der fühlen sich in ihrer Haut so ungemütlich, wie nur möglich. Sie darauf, daß bei den bevorstehenden Wahlen eine konservativFreifinn in der Grjazzwahl für den verstorbenen Fürsten Herbert Hagen geradezu die Regierung an, fie düpiert und zu ihrer kolonialen nationalliberal- freifinnige Regierungsmehrheit nicht Bismard den Siß gewann, fann der momentane Besißstand nicht Rettungsaktion durch Vorspiegelung falscher Tatsachen hineingelodt kommt, und die klerikale Presse sucht deshalb den Wahlkampf so zu einfach als berechtigt respektiert werden. Solche Fälle hindern aber nicht, da, wo es sich wirklich um einen langjährigen Besitzführen, daß der Zentrumspartei die Möglichkeit erhalten bleibt, Ja, warum gingen denn die Freisinnsgimpel so leicht auf die wieder in ihre alte Stellung als nichtoffizielle Regierungspartei stand handelt, aussichtslose Gegenkandidaturen möglichst zu unterlassen." Leimruten der Regierung?! einzurüden. Mit einem fast komisch wirkenden Eifer betont deshalb Kommt der Freifinn diesen nationalen Ehrenberpflichtungen Berl. Tagebl" betitelt seinen Artikel übrigens die Zentrumspresse immer wieder von neuem, daß das Zentrum nach, dann wollen ihm die Konservativen gütigst gestatten, bei Stichbereits Friede in Südwestafrika". Es nimmt also an, daß jest nicht grundsäglich gegen die von der Regierung betriebene Welt- wahlen zwischen einem sozialdemokratischen und einem kon endlich mit der Zurückziehung der Schußtruppe Ernst gemacht und Kolonialpolitik sei. Auch habe die Zentrumsfraktion nie daran fervativen Kandidaten für den Vertreter der agrarischen Heimatswerden könne. Da das Moffe- Blatt so vorzügliche Verbindungen gedacht, der Regierung die erforderlichen Soldaten für Südwest politit" ihre Stimmen abzugeben.mit Erzellenz Dernburg unterhält, verrät es hoffentlich auch afrifa zu versagen. Der Abstrich der acht Millionen Mark von dem baldigst der Deffentlichkeit, mit wieviel Truppen denn jetzt die für diese Kolonie geforderten Nachtragselat sei denn auch nur von Regierung für das Jahr 1907 in Südwestafrika auszukommen ganz nebensächlicher Bedeutung, eigentlich nur eine Art Formfehler. gedenkt! Besonders versteht die„ Germania" diese Versöhnungslitanci anzustimmen. In ihrer Dienstagsnummer leistet sie sich wieder folgenden nationalen" Sermon: Das " Fällt dann die Antwort so aus, wie wir sie erwarten, so könnte der Freifinn ja seine Abstimmungsblamage vom 13. Dezember dadurch wieder gut zu machen suchen, daß er nunmehr auch zur Kolonialopposition abschwenkt! Seine Jllufionen, das Zentrum niederwerfen und ein liberales" Regiment schaffen zu können, haben sich ja ohnehin längst verflüchtigt! Greint doch auch in der von uns zitierten Stelle das Mosse- Blatt wieder zum Erbarmen darüber, daß die Regierung ihm den bitteren Kelch es Wahlkampfes überhaupt fredenzt hat! Kann es denn unter den Parteien, die jahrelang mit dem Zentrum zusammengearbeitet haben, einen auch nur einiger mazen objektiv denkenden Mann geben, der im Ernste glaubte, Das Zentrum wolle unsere Soldaten in Südwestafrika verhungern lassen, die Kolonien, die Weltmachtstellung, die nationale Ehre usw. Deutschlands schnöde preisgeben, wie die„ Nordd. Aug. 3tg." dem Reichsfangler jest alle Tage nachspricht? Der Gedanke ist in geradezu absurd, Der im Grunde doch wohl ,, Liberale Aera." Der Liberalismus treibt im Wahlkampf die ungeheuerlichste Echaumschlägerei, indem er seine Mannen durch die Fata morgana einer liberalen Aera" auf die Beine zu bringen sucht. Seine Verbündeten von der Rechten aber erheben gegen das Zentrum zornige Anklage, daß es sich des Schlagwortes von der Liberalen Aera bedient, um seinen orthodoxen Wählern vor einer solchen Aera gruselig zu machen. So schreibt der„ Reich 3. bote": Wir halten diese Mache für viel zu plump, als daß sie den Zusammenschluß der nationalen Parteien da stören könnte, wo er nötig ist, und wir hoffen, es wird tein allgemeiner Kampf awischenkonservatives undNationaNiberalen entbrennen, obgleich einzelne liberale Zeitungen von einer liberalen Aera schwärinen, sie also dem Zentnmi glücklich auf den Leim gekrochen sind.... Wie soll nuu aber eine liberale Mehrheit im Reichstage zu- staube kommen? Nationalliberale, Freisinnige Vereinigung, Frei- sinnige Volkspartei und deutsche Bolkspartei zählten im alten Reichstage 37 Mitglieder sSI-j- 10-f 20+ 6). Mit 70 Sozial- demokraten hatte diese«Linke" llili Sitze inne. Damit eine Mehr- heit der Linken zustande käme, müßten diese Parteien 33 Sitze mindestens gewinnen. Nun richtet sich der Kampf der Freisinnigen und Nationalliberalen aber vielfach gegen die Sozialdemokraten, andererseits müsse»' sie Mitglieder der Rechten gegen die Sozialdemokratie unterstützen. Sie müssen einfach, weil die national empfindenden Wähler es verlangen werden. Man darf daher erwarten, daß die Sozialdemokraten eher einige Sitze ver- lieren als gewinnen werden. Selbst wenn nur der kleinste Teil des Gewinnes der Rechten zufällt, ergibt sich für die gesamte Linke kein Gewinn, da die nationale Linke nur ihre möglicheHülfS- trupp e, die Sozialdemokratie, schwächt." Der Freisinn verfällt seinem verdienten Los: dem Spott seiner eigenen Verbündeten über seine kindischen politischen Luft- spiegelungen. Mtl nackten Worten wird ihm bedeutet, daß er ein- fach der Reaktion Handlangerdienste zu leisten hat, ohne auf irgend- welche Gegenleistungen rechneu zu können! Und die Ausführungen des.Reichsboten" sind absolut unbcstreit- bar. Eine„liberale Aera" wäre nur dann möglich, wenn der Liberalismus geschlossen mit der Sozialdemokratie in den Wahlkampf gezogen wäre. Das wäre freilich nur dann möglich gewesen, wenn es noch einen wirklichen Liberalismus gegeben hätte I Daß aber in Deutschland niemals mit einer wirklich liberalen Opposition zu rechnen ist, daß die Schlacht ge- schlagen werden muß zwischen Sozialdemokratie und geeinter Reaktion, das beweist gerade die eigenartige Konstellation dieses Wahlkampfes I- Ein Preisausschreiben! Die„National-Zeitung", das führende Organ der national- liberalen Kolonialphantasten, hat zu Weihnachten ein klassisches Preisausschreiben erlassen. Es lautet: Ein Preisausschreiben: Drei Preise Mark 2000. Mark 1000, Mark 500 in bar für die drei besten Antworten auf die Frage: Wie machen wir unsere Kolonien rentabel? Es gibt keine fanatischeren Kolonialschwärmer als die innerhalb der nationalliberalen Partei, als die Herren Paaschs, Semler und Konsorten I Gerade die genannten beiden Herren haben ja die Kolonien bereist und diverse Bücher über unsere„herrlichen Kolonien" ge- schrieben. Und trotzdem sieht sich jetzt die»N a t.- Z t g." veranlaßt, ein solche? Preisausschreiben zu erlassen! Hoffentlich beteiligen sich auch die Herren Wörmann, TippelSkirch und Podbielski an dem Preisausschreiben. Für s i e wäre die Beantwortung der Frage doch ein Kinderspiel I— Zur Fleischteuerung. Die Regierung hat bekanntlich bor kurzem sich zu dem gering- fügigen Zugeständnis bequemt, daß frisches Fleisch als Eilgut zu gewöhnlichen Frachtpreisen befördert werden soll. Hinterher scheint ihr diese Konzession jedoch wieder leid geworden zu sein, denn sie hat dieselbe, wie jetzt bekannt wird, auf Rind- und Hammelfleisch beschränkt. Von einer Hamburger Fleischwarenfirma wird der „Voss. Ztg." geschrieben: „Die königl. Eilgutabfertigung in Halle a. S. teilt uns mit, daß die Versetzung von Fleisch frisch geschlachteten Viehes in den Eilgutspezialtarif ffich nur auf� frisches Fleisch von Zwei- hufern bezieht, also von Rindern, Schafen u. a. Es muß dem- nach bei der Versendung von Fleisch im Frachtbriefe immer an- gegeben werden, von welchen Tieren das Fleisch ist." Da Schweinefleisch von dem Versand ausgeschlossen ist, wird vas Zugeständnis der Regierung um die Hälfte geschmälert. Slus der Beantwortung der Fleischnotinterpellation im Reichstage durch den Grafen Posadowskh war nicht zu entnehmen, daß Schweine- fleisch auch fortan noch den vollen Tarif zu tragen habe. Vielleicht hat die Regierung nachträglich geglaubt, die dem Volke zu ge- währende Gabe sei zu groß, wenn auch das Schweinefleisch etwas verbilligt werde.— Hustand. Frankreich. Gesetzgeberische Borarbeiten. Die Klabiersteuer hat der Finanzausschuß des Senates ab- gelehnt; dagegen beschloß er. die Erhebung einer Steuer von 10 Frank für jede Million des bei Gesellschaften versicherten Kapi- tals in Vorschlag zu bringen. Der Ministerrat begann unter dem Vorsitze Clämenceaus die Prüfung des Gesetzentwurfes, nach welchem die Kriegsgerichte aus- nahmslos abgeschafft und die Militärpersonen für Verbrechen und Vergehen gegen das gemeine Recht vor den Z i v i l g e r i ch t e n abgeurteilt werden sollen, jedoch unter Erhöhung des Strafmaßes. — Der Gesetzentwurf erkennt ferner nur dem Hauptmann das Recht der Strafgewalt zu. doch kann der Bestrafte beim Disziplinar- gericht des Regiments Berufung einlegen.— Dänemark. Die Einheitsschule und die Sozialdemokratie. Auf Grund des im Jahre 1003 beschlossenen Gesetzes über die allgemeinen Schulen ist es den dänischen Kommunen möglich ge- macht, an Stelle der Gemeinde- und der Bürgerschulen E i n h e i t s- schulen zu gründen, die allen Kindern, ob grm. ob reich, den gleichen Unterricht bieten, und zwar in der Weise, daß die be- jähigten Kinder das Reisezeugnis zuin Gymnasium erlangen können. Daß diese Schulreform zur Tatsache wird, hängt in den einzelnen Städten lediglich von der Zusammensetzung der Ge- meindevertretuna ab oder— mit anderen Worten— davon, daß die Sozialdemokratie Macht und Einfluß genug hat, um die Klassenunterschiede im Schulwesen zu beseitigen. Nach dem noch immer geltenden kommunalen Zweiklassenwahlrecht hat nun die allgemeine Wählerklassc in den Stadtgemeiudcn einen Stadt- verordneten mehr zu wählen als die höchstbesteuerte Klaffe. Bei Beschlüssen des Gemeinderates hängt jedoch die Entscheidung in Zweifelsfällen von der Stimme des von der Regierung ernannten Bürgermeisters ab! In Aarhus hat der„liberale" Bürger- iiteifter so vorläufig die Gründung der Einheitsschule hintertrieben. Tort sitzen 10 Sozialdemokraten und 0 Konservative im Gemeinde- rat. Der„liberale" Bürgermeister stimmte mit den Konservativen. Unser Parteigenosse Harald Jensen sagte dem liberalen Herrn samt seinem konservativen Anhang, daß sie eine Torheit begangen hätten, da ja nach Durchführung der bevorstehenden Reform des Gemcindewahlrechtö die Einheitsschule doch gesichert sei. Uebrigens ist die Schulreform trotz des Zweiklassenwahlrechts schon in Holbäk, Älalborg und einigen anderen Städten beschlossen worden. In Aalborg, wo die Sozialdemokratie bei der Wahl im vorigen Jahre sämtliche Mandate der allgemeinen Wählerklasse er- oberte und auch im Schulausschutz die Mehrheit hat, besuchten bis- her 1200 der im ganzen ungefähr 4200 Schulkinder der Stadt die Bürgerschule, die übrigen die Freischule. Nach der neuen Ordnung besteht für die Gemeinde nur noch die„Volksschule", die 7 Klaffen pmfaßt, von denen die 4 untersten die„Grundschule" bilden, und die 3 oberen die„Mittelschule", in der den befähigten Schülern— LevtvlV. Redakteur: Han» Weber, Berlin. Lnferatenleil verantw,: unentgeltlich wie in der Volksschule— so viel Unterricht geboten wird, daß sie ins Gymnasium übertreten können.— Die Ausgaben der Stadt erhöhen sich durch die Einheitsschule um nicht mehr als 2ö 000 bis 20 000 Kronen im Jahre. Die „Bürgerschule", die nun verschwindet, wurde Mitte des vorigen Jahrhunderts errichtet mit der Begründung, daß die besser gestellten Kinder nicht auf einer Schulbank mit den Kindern sitzen sollten, „die durch Arbeit in Fabriken zu ihrem Unterhalt selbst beitragen müssen!"— Man sieht, welch ein Umschwung der Anschauungen in wenigen Jahrzehnten durch die unermüdliche Tätigkeit der Sozialdemokratie herbeigeführt werden kann. Australien. Die Strastenbayncn von Adelaide hat der Staat(Südaustralien) durch ParlamentSbeschluß übernommen. Eine Anleihe von 280 000 Pfund Sterling soll es dem Staate ermöglichen, die Bahnen käuf- lich an sich zu bringen. Ter Betrieb wird sofort in den elektrischen umgewandelt werden.— Reuseeland hat mit Südafrika einen Handelsvertrag auf Gegenseitigkeit abgeschlossen, der vom 1. Januar an in Kraft tritt. Man verspricht sick von ihm eine starke Belebung des Handels zwischen beiden Ländern.— Euq der Partei. Der Parteitag der tschechischen Sozialdemokratie irat am Sonntag, 23. Dezember, zu Prag zusammen. Nahezu 400 Delegierte waren erschienen, daneben zahlreiche Gäste. Unter anderem waren anwesend die Reichsratsabgeordneten H y b e s ch und C i n g r und sämtliche neugewählten tschechischen Landtags- abgeordneten aus Mähren. Die Parreivertretung der deutichen Sozialdemokratie Oesterreichs war durch Seliger vertreten. Ferner war als Vertreter der rulhenischen Sozialdemokratie Rußlands M o w a erschienen. Das Internationale Sekretariat in Brüssel hatte ein Begrüßungsschreiben gesendet. Die Verhandlungen des ersten Tage? bewerten sich um die Berichte der Parteivertretung, aus denen wir die wichtigsten An- gaben bereits gebracht haben. Einige Redner äußerten Unzufriedenheit mit den deutsch-österreichiichen Genossen, die die Tschechen zu wenig berücksichtigten. Mährilch-Prag warf dem Genossen Adler vor, daß er sich im Parlament allzusehr wie ein Hofral benoinmen habe. Zum iiilernatiouaten Kongreß in Stuttgart soll jede der dreißig Organisationen der Partei einen Delegierten entsenden, damit die Stärke der Partei auch nach außen zum Ausdruck komme. Der Referent zu diesem Punkte, Genosse Ncinec, erklärte, daß auch die Tschechen ein Interesse daran hätten, sich in der Internationale zur Gettung zu bringen. Am 24. Dezember wurde über die beiden Punkte Wahl- reform und Organisation und Wahlen verhandelt. Am Nachmittag fand eine vertrauliche Beratung statt, in der die Frage der Kandidaturen für die kommenden ReichstagSwahlen er- ledigt wurde. Der Bericht der MandatSprüfungskdmmission ergab die An- Wesenheit von 369 Delegierten, darunter 8 Frauen, 2 Bauem und 26 Gewerbetreibende._ Vom Fortschritt der Presse. An 4000 neue Abonnenten hat die„ S ch w ä b i s ch e Tagwacht" in den letzten dreiMonaten gewonnen. Personalien. Aus der Redaktion der„Königsberger Bolkszeitung" ist Genosse Artur Cri spien ausgeschieden. Er tritt seinen neuen Posten als Parteisekretär für West- Preußen an und verlegt seinen Wohnsitz nach Elbing. Soziales. Aufbewahrung der Leiche eines Beteranea im Schweinestall. In dem Annenhaus zu Palschau in Westpreußen starb ein 63 Jahre alter Kriegsveteran, der„in zwei Feldzügen für Deutsch- lands Ruhm und Ehre gestritten hat". Es war im Annenhause kein Plätzchen vorhanden, wo die Leiche des Akten hätte aufgebahrt iverde» können. Do schaffte man die Leiche des taten Proleten in den Schweinestall. Am Tage der Beerdigung mußte ein Leid- tragender über den Sarg in den Schweinestall hineinklettern, damit die Leiche aus dem Stall herausgetragen werden konnte. Auf dem Friedhof des Dorfes, ein armseliges Stuck Land, das nicht einmal mit einem Zaun umgeben ist, fand der alte Krieger endlich die Ruhe. Den Angehörigen des Toten war es überdies noch ziemlich schwierig, geistlichen Beistand zum Begräbnis zu erhalten. Der erste Pfarrer war krank, der zweite heiser. Schließlich gelang es einen Kaplan mit einem Meßdiener zu gewinnen. Der zweite Pfarrer meinte, es wäre doch nicht schlimm, wenn die Leiche des Veterans ohne Messe und ohne die Beteiligung eines Pfarrers begraben werden würde. Dieselbe Ansicht werden viele teilen. Aber Geistliche dürfen von ihrem Standpunkte aus als.Diener des Herrn" und auf Grund ihrer Lehren doch wohl zu anderer Betätigung den Ncbenmcnschen gegen- über verpflichtet sein, die, wie in diesem Falle, geisttlche Mitwirkung wünschten. Selbst der Tod vermag also in unserer Gesellschaftsordnung die Kluft nicht auszufüllen, die sich zwischen Ann und Reich klaffend austut. Ist auch die Leiche eines Großgrundbesitzers oder Groß- industriellen im Schweinestall aufgebahrt? Zusammenhang zwischen Unfall und Tod. Ein interessanter Rentenfall wurde vom Schiedsgericht für Arbeiterversicherung in Chemnitz dieser Tage zugunsten der Rentenansprecherin entschieden. Witwenrente und Sterbegeld beanspruchte die Witwe des Arbeiters K., der im November 1904 eine Beinverletzung in Ausübung seines Berufes erlitten hatte, an die sich eine Blutvergiftung anschloß. K. wurde nicht wieder arbeitsfähig und starb schließlich am 2. August 1006. Als Todesursache war Magencrkrankung und Lungentuberkulose festgestellt worden. Von drei ärztlichen Gutachten sprach sich nur eins für einen indirekten Zusammenhang der Unfallfolgen mit dem Tode aus. Deshalb hatte die an sich verpflichtete Berufsgenosien- schaft die Renten- und Sterbegeldansprüche der Witwe abschlägig bcschieden. Das Schiedsgericht holte nun ein Gutachten ein, das sich unter ausführlicher Begründung für den Zusammenhang von Unfall und Tod aussprach. Es wurde darin gesagt, daß die durch den Unfall eingetretene Infektion das auslösende Moment der latent bei K. bestandenen Tuberkulose gewesen sei und auch die Heilung des bestandenen Magenleidens verhindert habe. Ter Witwe Anspruch wurde deshalb anerkannt. Aus dem mitteldeutschen Braunkohlenrevier. Die durch die elenden Zustände im Bergbau geschaffene Leute- not in Perioden wirtschaftlicher Prosperität läßt die Unternehmer auf die waghalsigsten Kunststücke verfallen, um die Produktivität der Werke zu steigern. So sind im mitteldeutschen Braunkohlen- bergbau nach Einführung der Neunstundcnschicht soviel Ueber- stunden gcleostet worden, daß die durch neunwöchentlichen Streik erreichte Benkürzung der Arbeitszeit damit gleichsam illusorisch gemacht worden ist. Neuerdings ist man auf einigen Gruben des Weißenfels-Zeitz-Meuselwitzer Bezirkes dazu übergegangen, eine siebente Schicht einzulegen! Um dies zu ermöglichen, muß die Tagesschicht Sonnabends früh 4 Uhr mit der Arbeit beginnen. Nachdem um 1 Uhr die Scksicht zu Ende ist, tritt die andere Schicht an und nachts 1 Uhr geht die erste Schicht wieder auf Arbeit, um bis in den Sonntag- morgen hinein bis zur Kirchzeit im Bergbau zu schuften! Die Leute haben also von 30 Stunden gut 18 ltt.