Nr. 302. Abonnements- Bedingungen: 9 Donnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 r., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Ginzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. summer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Cricheint täglich außer Montags. Vorwürts Berliner Volksblaff. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 80 fg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jebes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Sonnabend, den 29. Dezember 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Die Wählerlisten liegen aus! Nutze jeder die kurze Frist! Von der Eintragung hängt das Wahlrecht ab! Unbequeme Zahlen. Aber das ist nur die geringste Fehlerquelle der ganzen Rechnung. Der Hauptfehler liegt, wie schon hervorgehoben, in der ganz willkürlichen und sinnlosen Unterscheidung zwischen einkommensteuer freier und einkommensteuerpflichtiger Bevölkerung! Wenn man eine ungefähr richtige Grenze zwischen Proletariat und Bourgeoisie, zwischen Nichtbesitzenden und Besitzenden ziehen will, so muß man die EinkommensWahlkampf. Das Wahlrecht der außerhalb des Wohnorts Arbeitenden. Wie bei allen Wahlen, so werden auch diesmal wieder Der, Nordd. AIIg. 3tg." hat unsere ziffernmäßige Darstellung über die Herkunft der Einnahmen des Reiches und die Verwendung dieser Einnahmen des Reiches begreiflicherweise wenig gefallen. Bewiesen diese Zahlen doch, grenze von 1500 M. wählen! Zieht man aber diese Grenze, daß der Löwenanteil aller Einnahmen des Reiches vom Pro- so entfallen nach dem Ausweis der amtlichen Einkommen- Fälle bekannt, in denen die Behörden sich weigern, Wähler, letariat aufgebracht werden muß, während sämtliche wirklichen steuerstatistik von den 35 Proz. Einkommensteuerpflichtigen die im Wahlbezirk zwar nicht den dauernden Wohnsiz haben, Einnahmen des Reiches nicht einmal ausreichen, um die zirka weitere zwei Drittel auf die proletarische Bevölkerung. Von den die aber die Woche über dort arbeiten, in die 11, Milliarden betragenden jährlichen Lasten für Militarismus, nach unten abgerundeten- 1000 Millionen als Kopfsteuer Wählerliste aufzunehmen. Marinismus und Kolonialpolitik zu decken, weshalb denn auch wirkenden Reichssteuern entfielen dann nicht nur 65 Proz. auf Das steht in flagrantem Widerspruch zum Wahlgesetz und für das Etatsjahr 1907 eine Anleihe in Höhe von 264 Millionen das Proletariat, sondern 65 Proz.+ 23% Prog.= 88 Proz., zu den Normen, die die Wahlprüfungskommission vorgesehen ist. des Reichstags in langjähriger Praxis aufgestellt hat. 6. H. 885 Millionen Mark! Alle diese Tatsachen sind dem offiziösen Organ außer- Die Bevölkerung mit mehr als 1500 M. Einkommen In einem Bericht, den diese Kommission über die Ergebnisse ordentlich unbequem. Um ihren Eindruck zu verwischen und hätte dann nur 115 Millionen Mark von der Milliarde zu 1893-1898 erstattet hat, gibt sie eine Reihe von Erläuterungen der Wahlprüfungen in der neunten Legislaturperiode von den bürgerlichen Klopffechtern während des Wahlkampfes zahlen, wozu dann noch 120 Millionen solcher ReichsMaterial zu ihrer angeblichen Widerlegung an die Hand zu steuern kämen, die vornehmlich von der besitzenden Klasse ge- zu verschiedenen Paragraphen des Wahlgesetzes, Die zum geben, macht deshalb das offiziöse Organ eine lange Gegen- tragen werden. Das Endresultat wäre also das, daß zirka§ 7 lautet: rechnung auf, die nichts Geringeres beweisen soll, als daß das ein Fünftel aller Reichssteuern von der befizenden Klasse gedeutsche Proletariat von den besigenden Klassen tragen würde, während vier Fünftel auf die nichtbesitzende weit mehr erhält, als es in Gestalt indirekter Steuern Klasse entfielen! zu zahlen hat! Um dies trostlose Bild der Finanzwirtschaft des Reichs Die Nordd. Allg. 3tg." berechnet, daß die ein noch mehr zu verschleiern, rückt dann die ,, Nord. Allgem. tommensteuerfreie Bevölkerung( also die Bevölkerung 3 eitung" mit den Staats steuern und Kommunalmit weniger als 900 M. Einkommen) an indirekten Staats- steuern an. In Preußen betrage für 1906 die Einnahme steuern und kommunalen Verbrauchssteuern pro Kopf aus der Einkommen-, der Vermögens- und der Stempelsteuer jährlich nur 16,64 M. zu zahlen habe, während auf den 282 Millionen, wozu dann noch die Kommunalsteuern mit Kopf der preußischen einkommensteuerpflichtigen 485 Millionen tämen, Steuern, die wiederum von den EinBevölkerung an direkten wie indirekten Reichssteuern, Staats- fommensteuer pflichtigen aufgebracht würden. Nun, um steuern, kommunalen Verbrauchssteuern und sonstigen Kom- die von den Besitzenden zu tragenden Lasten zu ermitteln, munalsteuern der Betrag von 84,7 M. entfalle. müssen wir von diesen zusammen 767 Millionen die Steuern Dder anders ausgedrückt: Die einkommensteuer- abziehen, die von den Einkommensteuerpflichtigen mit pflichtige Bevölkerung steuere in Preußen zu den 900-1500 m. gezahlt werden, also mindestens 67 Millionen Reichs, Staats- und Kommunallasten über 1100 Millionen Mark. " § 7. Die Niederlassung an einem Drte mit der Absicht längeren Verbleibens berechtigt zur Wahl an diesem Drte. Wahlberechtigte mit mehreren Wohnfißen sind an den mehreren Wohnfizen in die Wählerlisten aufzunehmen, wählen können dieselben nur an einem Drte. Kellner, welche in einem Badeorte für die Badesaison in Stellung treten, Saisonarbeiter, Feldarbeiter, welche die Woche hindurch außerhalb ihres Wohnortes arbeiten, den Sonntag aber am Wohnorte zubringen, sind am Drte ihrer Beschäfti gung wahlberechtigt und deshalb auch in die Wahlliste dieses Drtes einzutragen. Wechselt ein Wähler nach der Aufstellung der Wahllisten den Wohnort, so bleibt er in dem Orte, in dessen Wahlliste er eingetragen ist, bis zur Stichwahl wahlberechtigt. Der Kampf gegen das schwarz- rote Kartell". Während der Liberalismus den Mund nicht voll genug nehmen Man halte nötigenfalls Behörden, die sich weigern, die außerhalb ihres Wohnortes Arbeitenden in die Wählerliste Mark bei, während die einkommensteuerfreie Be- Betrachten wir nunmehr, analog der Berechnung der ihres Beschäftigungsortes aufzunehmen, diesen Beschluß der völkerung dagegen nur rund 400 Millionen aufbringe. Norddeutschen Allgemeinen", die Verhältnisse speziell Preußens. Wahlprüfungskommission des Reichstages vor und erhebe in Unterziehen wir diese Berechnung einmal einer kleinen Die preußische Bevölkerung beträgt nicht ganz/ der Be- jedem Fall, wo dennoch die Eintragung verweigert wird, unNachprüfung. völkerung des Reiches. Von der proletarischen Bevölkerung gesäumt Beschwerde!! Nach dem Etat für 1907 betragen die Reichssteuer- Preußens müssen also an Reichssteuern knapp/ von Lasten rund 1179 Millionen Mark. Nach unserer Berech- 885 Millionen aufgebracht werden, also rund 550 Millionen nung waren hiervon 1069 Millionen Steuern, deren Last sich Mart. Dazu zirka 70 Millionen Staats- und Kommunalzur Hauptsache auf die arbeitende Bevölkerung ver- steuern. Zusammen also 620 Millionen Mark. Von der teilte. Die Nordd. Allg. 3tg." behauptet, es feien nur besitzenden Klasse mit mehr als 1500 M. Einkommen dagegen fann beim Wettern gegen das schwarz- rote Kartell", bettelt er be989 Millionen, da 190 von den 1179 Millionen auf Steuern knapp/ der 235 Millionen Reichssteuern= 150 Millionen reits das mit Kulturkampfphrasen bombardierte Zentrum hündisch um Wahlhülfe gegen die Sozialdemokratie an! entfielen, die ausschließlich von der befizenden Klasse+700 Millionen Staats- und Kommunalsteuern, zusammen getragen würden. Zu diesen Steuern rechnet aber die„ Nordd. also 850 Millionen Mark! Allg. 8tg." seltsamerweise die Frachturkundensteuer Die besigende Klasse zahlt danach also noch immer mehr mit 14 Millionen, die Personenfahrtartensteuer Steuern, als die nichtbesitzende Klasse. Was bedeuten aber mit 45 Millionen und die 8igarettensteuer mit in Wirklichkeit diese 850 Millionen Mark Steuern für die 11 Millionen Mark Ertrag! Als ob nicht auch ein besitzende Klasse, wenn man sich vergegenwärtigt, daß erheblicher Teil dieser Steuern von der proletarischen 526 000 preußische Zensiten mit mehr als 3000 M. Einkommen Bevölkerung mitgetragen würde! allein 4780 Millionen Einkommen besaßen und 383 000 davon Aber wir wollen um ein paar Millionen nicht einmal außerdem ein Vermögen von 58 786 Millionen Mark! streiten und die Summe der Steuern, die als Stopfsteuern Ja, die 88 000 preußischen Zensiten mit mehr als 9500 M. wirken, auf rund 1000 Millionen beziffern. Wie berechnet Jahreseinkommen besaßen allein ein Jahreseinkommen von nun aber die Nordd. Allg. 3tg.", welcher Teil diefer Steuern zusammen 2505 Millionen Mark; sie allein hätten also die vom Proletariat, der nichtbesitzenden Klasse, 850 Millionen Steuern der Besitzenden in Preußen aufbringen getragen werde und welcher Teil von der besitzenden können und dabei noch immer pro Kopf und Jahr 20 000 M. Klasse? Sie unterscheidet einfach zwischen einkommensteuer- zu verzehren gehabt! Wir hatten das vor einigen Tagen vorausgesagt. Der entartete Liberalismus werde bei den Stichwahlen, so führten wir aus, wieder brünstig um die Gunst der Schwarzen buhlen und sie Die Köln. Voltsztg." bemerkt nun zu dieser unserer Aeußerung: Stärken". " „ Das ist sehr grob, aber davon abgesehen scheint der Vorwärts" seine Pappenheimer gut zu kennen, denn die lettere Bemerkung trifft schon jetzt zu. Schon jetzt liegt das Gesuch eines liberalen Wahlfomitees an das Zentrum vor, um Wahlhülfe gegen die Sozialdemokratie bei den Stichwahlen unter Zusicherung der gleichen Gegenleistung für den Fall, daß nicht der Liberale, sondern das Zentrum in die Stichwahl kommen sollte." Die liberalen Phrasendrescher haben also nicht einmal die freier und einkommensteuer pflichtiger Bevölkerung, als Wenn dagegen eine Proletarierfamilie von fünf Köpfen Anstandsfrist bis zu den Stichwahlen verstreichen lassen, sondern sie ob die Proletarierſchichten mit über 900 M. Einkommen pro Kopf rund 20 M. an indirekten Steuern, zusammen haben sich so weit erniedrigt, schon jetzt die Schwarzen" um Wahleinfach den besigenden Klassen zugerechnet werden also 100 M. indirekter Steuern jährlich zu zahlen hat, so hülfe anzubetteln! fönnten! bedeutet das für sie eine sehr empfindliche Einschränkung ihrer Und das Zentrum wird sich, so sehr es auch jezt höhnt, Eine solche statistische Methode verschleiert natürlich die ohnehin höchst notdürftigen Lebenshaltung, in vielen Fällen schließlich doch erweichen laffen. Schon hat es ja beschlossen, der Klassengegensäge und Interessengegenfäße der verschiedenen direkt Hunger und Elend! freisinnigen Volkspartei je nach Lage der Dinge die Klassen, statt sie ungeschminkt zutage treten zu lassen. Dies Zu dieser Steuerbelastung kommt aber noch die un- Unterstützung nicht zu verweigern! So findet sich die ganze zeigt sich sogleich an folgendem Beispiel: Das offiziöse Organ geheuere Belastung durch die allgemeine Lebensmittelvertenerung bürgerliche Reattion frog aller folonialen und nationalen beziffert die einkommensteuer freie Bevölkerung auf 65 Broz. infolge der 3ölle und Grenzsperren! Eine Belastung, Phraſendrescherei und liberalen Kulturkampfpaulerei allmählich der Gesamtbevölkerung, folglich entfallen auf sie auch 65 Broz. die pro Kopf ebenfalls mindestens 20 M. beträgt, das fläg wieder zusammen, noch bevor der 25. Januar ins Land gegangen ist! der( angeblich!) 989 Millionen indirekter Steuern= 643 liche Budget einer fünftöpfigen Familie also abermals um Millionen, während die einkommensteuer pflichtige Be- 100 M. einschränkt! Und die Milliardenprofite aus diesem Lebensvölkerung 346 Millionen zu tragen habe, dazu noch die( an- mittelwucher fließen zur Hauptsache in die Taschen der Großgeblich!) 190 Millionen, die von den Besitzenden ohnehin allein grundbesitzer! aufgebracht werden müßten, so daß für sie der Gesamtbetrag So liegen die Dinge in Wirklichkeit im Reiche der bon 536 Millionen Mart herauskomme. Gottesfurcht und frommen Sitte! Feurige Kohlen sammelt das Bentrum auf seiner Gegner Haupt. Im Kreise 8abern hat das Zentrum beschlossen, bei den Steichstags. wahlen von einer eigenen Kandidatur abzustehen und für den freitonservativen Dr. Höffel einzutreten. Im ersten Wahlgang Verbrüderung zwischen Zentrum und Diese auf die einkommensteuer pflichtige Bevölkerung Und diesem System gilt der Wahlkampf! Mag das Konservativen! Im ersten Wahlgang eines Wahlkampfs, der unter berechnete Summe stimmt nicht. Erstens ist der Gesamtbetrag deutsche Proletariat am 25. Januar den offiziösen Weißjehern der Losung: wider Zentrum und Sozialdemokratie! der Kopfsteuer höher, und zweitens sind von den und Schönfärbern den Beweis dafür liefern, wie wohl es sich ausgefochten werden sollte! Wie wird den diversen Liberalen? 190 Millionen mindestens die oben spezifizierten 70 Millionen in der Aera des Militarismus, der Kolonialpolitik und des Dder glauben fie, daß die Konservativen gegen solches Liebeswerben abzuziehen. Lebensmittelwuchers fühlt! lunempändlich bleiben werden, um der natiovaien bre" willen? Ter Wahlkampf in der Provinz Brandenburg. Für den Wahlkreis Kalau-Luckau ist von der konservativen Partei wiederum der Rentier Henning- Berlin als Kandidat auf- gestellt. In einem hektographierten Rundschreiben werden die den verschiedensten Parteirichtungen angehörigen Insassen des Kreises aufgefordert, ihre Unterschrift zur Veröffentlichung eincS Wahl- aufruf« zu geben, alle Parteiunterschiede und Streitigkeiten beiseite zu lassen und dem Kandidaten die Stimme zu geben, der allein Aussicht hat, den Sieg über den sozialdemokratischen Gegner zu erringen. Es unterliegt kaum dem geringsten Zweifel, daß der Frei- sinn wie bei der letzten Wahl auch diesmal dieser reaktionären Aufforderung Folge leisten wird. Unterzeichnet ist dieser Angstruf von dem Landesdirektor Frhr. V. Manteuffel im Auftrage des konservativen Partei-Ausschnsseö des Kreises Luckau. Hat sich denn kein Kreisinsasse zur Hergabe des Namens im Kreise selbst gefunden, daß man sich an den Scharfmacher nach K r o s s e n wenden mußte? Der geeignetste Kandidat. Eine Ueberraschung, wie sie nur die Junker fertig bringen können, wird dem deutschen Volke von den Junkern der O st- pr ig nitz bereitet. Der„aus Gesundheitsrücksichten" gegangene Minister für hohe Schweinepreise, der nicht bei Tippclskirch' u. Co., sondern nur bei seiner Frau beteiligte Pod erscheint als konservativer Kandidat wieder auf der politischen Bildfläche. Der Mann, der durch die Verniittelung seiner Frau— an den Wucherprofiten Teil hatte, die sich die' Firma Tippclskirch auf Kosten des deutschen Volkes verschaffte, soll als— Vertreter des deutschen Volkes in den Reichstag einziehen. Der Manu, der die berühmte„preußische Beamteutraditiou" schwer geschädigt hat, wird von den Junkern aufs Schild erhoben. Was schiert iie die Moral I Der dicke Pod verdient ihren Dank für konsequent durchgeführte Fleischverteuerung und kann ihnen als gewandter Sprecher und rücksichtsloser Draufgänger noch manches nützen. PodbielskiS Kandidatur hat als Charakteristikum dieses Wahl- kampfes noch gefehlt. In der umfangreichen Person des Schweine- züchters von Dallmi» verkörpern sich zwei der Segnungen, unter denen das deutsche Volk in der letzten Zeit am meisten geseufzt hat: Kolonialpolitik und Fleischnot I Mit beiden wird der' Name Pod- bielskis für alle Zeit untrennbar verknüpft bleiben. Und wenn der konservative Wähler der Ostprignitz am 25. Januar seinen Stimm- zettel für Podbielsli in die Urne senkt, dann darf er's mit dem erhebenden Bewußtsein tun, an seinem Teile mitzuwirken, daß der deutsche Junker auch künftig von der Nahrung und von den Kolonial- rechnungen des deutschen Volkes seinen gehörigen Tribut erheben kann. Podbielski ist der beste Kandidat für diesen Wahlkampf. So denken die Junker. Und so denken zweifellos auch die leider noch verhältnismäßig dünn gesäeten klassenbewußten Proletarier der Ost- prignitz. Der Name Podbielski soll ihnen die heiße Wahlarbeit wesentlich erleichtern. Mit Podbielski als Gegenkandidaten wird unser Genosse Benno Maaß, der in dem Wahlkreise sür die Sozial- demokratie kandidiert, zweifellos der konservativen Mehrheit erfolg- reich auf den Leib rücken. Im ganzen Reiche aber wird die Kandidatur Podbielski dem arbeitenden Volke erscheinen als Zeichen junkerlichen UebermutS, als ungewollter, aber umso wirksamerer Alarmruf zum Kampfe wider Kolonialpolitik und Fleischwucher I Die sozialdemokratischen Krücken des Freisinns. Wir hatten jüngst in einer Ausstellung die Wahlkreise aufgeführt, in denen der Freisinn bei der Wahl 1ö03 in der Stichwahl das Mandat erlangte, und dabei ausgerechnet, daß er in acht Kreisen der Hülfe der Sozialdemokratie bedurfte. Diese Rechnung ist für den Freisinn noch zu günstig. In der Liste fehlten noch die beiden schlesischen Kreise Sagan-Sprottau, wo Müller- Sagan in der Stichwahl gegen den stärkeren Konservativen stand und wo die Sozialdemokratie als dritte Partei mit 3652 Stimmen den Aus- schlag gab, und Grünberg-Frehstadt, wo der Freisinnige B l e l I- Hirschberg in der Stichioahl gegen den Konservativen, der in der Hauptwahl rund 1700 Stimmen mehr erhalten hatte, auf die 4485 Stimmen der Sozialdemokratie angewiesen war. Die Zahl der Mandate, die der Freisinn nur durch sozialdemokratische Hülfe er- langt hat, beträgt also nicht, wie wir dieser Tage angaben, acht, sondern zehn! Die Wahlbewegnng in Württemberg. Stuttgart, 27. Dezember. sEig. Der.) In Württemverg trefft die Reichstaigswahl- bewegung eine eigentümltchepolttische Situation an. Während im Reiche bereits das Feldgeschrei wider Rot und Schwarz ertönte, mogelten bei den Landtagswahlen noch die Stationalliberalen in unveraibredetem, darum aber umso deutlicherem Einverständnis mit dem Zentrum gegen das„rote.Kartell", das Vollspartei und Sozialldömokratie miteinander abgeschlossen hatten. Mit innerem Behagen jagten die Nationalliberalen der Volksparlei Matidate ab, um sie dem Zentrum zuzuschanzen, als mitten in dieses idyllische Spiel das SMial von Berlin kam, das zum Sammeln gegen das Zentrum blies. Einen Augenblick war man Wohl verdutzt und wurde sich der eigentümlichen Situation bewußt, tu der man sich befand. Aber die Ueberraschung war bald über- wunden. Welchen Gcsinnnngswechisei gäbe es wohl, dessen sich ein nationalliberales Gemüt binnen tvenigen Tagen nicht mit Glanz ructerzöge? Und richtig! Eben war von der national liberalen Presse noch die Streitaxt gegen die Volkspartei wild geschwungen worden und noch sind die Landtagswahlen nicht einmal zu Ende, als der Vorstand der Nationalliberalen bereits die Kühnheit hatte, in einem Schreiben die Konservativen, den Bauernbund und— die Volkspartei zu Verhandlungen über ein Zusammengehen der Parteien gegen Zentrum und Sozialdemokratie aufzufordern!„Ins- besondere wäre es dringend wünschenswert", heißt es in dem Schreiben,„daß die drei Parteien über diejenigen Wahl- kreise, welche im Besitz des Zentrums oder der Sozialdemokratie sich befinden, zu einer Verständi- gung gelangen würden, da nur auf diese Weise die Reichs- tagsmindcrheit gestärkt werden kann." Ob es zu den Verhandlungen hierüber kommen wird, läßt sich noch nicht sagen, doch ist kaum anzunehmen, daß die Zahl der zu stände kominonden gemeinsamen gegen Zentrum und Sozialderno- kratie gerichteten Kandidaturen trotz der genieinsamen Wahlparole diesmal größer sein wird, als sie ohne eine solche Parole zu normalen Zeiten gewesen wäre. In einer Rede, die der Volks- parteiler Conrad Haußmann vor einigen Tagen hielt, äußerte er sich über die Haltung seiner Partei zu den Reichstagswahlen mit den Worten:„Nimnand wird uns auch blind für die Tatsache finden, daß des Reichstags Aufgabe sich nicht in der einzigen Kolonialabst-immung erschöpft, die an einem Tage vorgenommen werden wivd. Ter Reichstag ist auf 1826 Tage gewählt, und unsere besoimene Mission ist. z u v e r« hüten, daß nicht zwischen Schculedern nur nach einerFragegeblicktnnddarüverdiesreihettliche Vorsicht vergessen wird." Dieses und andere Zeichen sprechen dagegen, daß die Volks- Partei im Handumdrehen den scharfen Kampf vergessen würde, den sie soeben gegen den Bauernbund und die mit ihm verbündeten Nationalliberalen geführt hat, und nun mit fliegenden Fahnen zu ihnen übergehen würde. Und zu welchem Zweck wohl? Dem Zentrum einen seiner württembergfischen Reichstagswahlkreise ab- zunehmen, ist so gut wie«rnsgeschlössen. Es blieben also nur die vier sozialdemokratischen Wahlkreise übrig, von denen einer, S t u t t-> gart, sicherer Besitz unserer Partei ist. Bei den drei anderen wird es aus Gründen der Rivalität auch kaum zu einer bürger- lichen Koalition kommen. Die Schwierigkeiten einer solchen liegen, abgesehen von der überall sehr kmfflichen Pevsonenfrage, namentlich in den nicht wegzudisputjerenden Gegensätzen zwischen Links» Liberalismus und Bauerichund. Ein klassisches Beispiel dafür bietet der Wahlkreis Heilbronn, der in der letzten Periode vom Agrarier Dr. Wolfs hertreten war. Ihm wollten Volkspartei Md Nativnalsozigltz FrUdrich Naumann esiksegenstelloch was selbstverständlich die Nationalliberalen glatt ablehnten. Wenn sich die letzteren in Heilbronn gegen den Banernbund wenden würden, würde ihnen das einzige württembergische Reichstags- Mandat, das sie nöch haben, das des Prof. Hieber in Cann- statt, unwiderruflich verloren gehen. Das HörigkoitsveohältniS. cn dem die Nationalliberalen zum Banernbund stehen, ist schon zu weit entwickelt, alS daß sie es wagen dürften, von ihm ein Zu- geständnis in irgend einem Kreise zugunsten der Volkspartei zu verlangen, und so wird wohl aus diesem Grunde auS der von ihnen angestrebten bürgerlichen Sammlung nicht viel herauSsprmgen. Die Sozialdemokratie ist sich der schwierigen Aufgaben, die ihrer im Wahlkampf harren, vollauf bewußt. Sie hat die Pflicht, ihren Besitzstand zu verteidigen, und noch möglichst einige Kveise hinzuzugewirmen. Die Kandidaten sind noch nicht in allen Kreisen nominiert, was ja erklärlich ist, da die Reichstagsauflösung mitten in die Landtagswahlarbeiten hineinkam. Vorläufig steht fest, daß in Stuttgart(Stadt und Amt) der bisherige Abge- ordnete Hildenbrand, in Eßlingen(mit den Aemtern Nürtingen, Kirchhsimi, Urach) der bisherige Abgeordnete Schlegel und in Göppingen(mit den Aemtern Gmünd, Schorndorf, Welzheim) der bisherige Abgeordnete Dr. Lindemann wieder kandidieren werden. Ueber ihre bürgerlichen Gsgenkandidaten verlautet noch nichts. Im Wahlkreis Cannstatt(mit den Aemtern Ludwigsburg, Waiblingen, Marbach) hat bisher der verdiente Parteigenosse Leonhard Tau scher kandidiert, dem sein hohes Alter aber nicht mehr gestattet, die Mühen der Wahlagitation noch» mals zu übernehmen, obwohl er 1003 bereits in aussichtsreicher Stichwahl gegen Prof. Hicber gestanden hat. An Stelle TaustherS ist nunmehr der Lmrdtagsabgeordneete Keil als Kandidat auf- gestellt worden. Weitere Kandidaturen in für uns aussichtsreichen Bezirken werden im Laufe dieser Woche definitiv bestimmt werden. Bei dieser Gelegenheit kann auch noch mitgeteilt werden, daß die Kandidaten für die Landesproportional- wählen zum w ü r t te m b e r g i s che n Landtag nunmehr von den Parteien nominiert sind. Für die Sozialdemokratie kandidieren in der nördlichen Landeshälfte(Neckar- und Jagstkreis) die Parteigenossen Feuerstein, Schlegel, Dierrich', Reichel, Wagner und Vehr, in der südlichen Landeshälfte (Schwarzwald- und Donaukreis) die Genossen Mattutat, GeschäftsftihrerRovert Eduard Gräf- und im zweiten durchzubringen. Der Wahl-Parteitag der badischen Sozialdemokratie. Am zweiten Weihnachtsfeiertag hielten die badischen Genossen in Offenburg einen außerordentlichen Parteitag ab, der sich mit der Reichstagswohl beschäftigte. Genosse Parteisekretär Eichhorn gab einen Ueberblick über den Stand der Organisation, wobei er hervorhob, daß die über 100 Protestversammlungen, die im November in Baden gegen die Lebensmittelteuerung stattgefunden, eine gute Vorarbeit für die Wahlen seien. Im allgemeinen stehe die Orjjani- sation gut, im letzten Jahre seien zirka 30 neue Organisationen gegründet worden, die uns bei der Agitation gute Dienste leisten werden. Weiter wurde bei der Besprechung der Parteiverhältnisse in den einzelnen Wahlkreisen hervorgehoben, daß die Sozial demokratie in vier Wahlkreisen vermutlich in die Lage komme, in der Stichwahl den Ausschlag zwischen Nafionalliberalen und Zentrum zu geben. In zwei Kreisen hofft man sofort im ersten Wahlgang zu siegen, in zwei weiteren, von denen der eine jetzt schon in unserem Besitz ist, kommen wir in aussichtsvolle Stichwahlen. Die Erörterung der Wahlagitation nahm unter leb hafter Beteiligung der Delegierten längere Zeit in Anspruch. In bezug auf die W a h l t a k t i k wurde folgende Resolution e t n> stimmig angenommen: „Der außerordentliche Parteitag der badischen Sozialdemo kratie begrüßt freudig die Auflösung des Reichstages, die dem deutschen Volke erwünschte Gelegenheit gibt, über die von Re> gierung und Mehrheitsparteien des Reichstages seit Jahren be- liebte verderbliche innere und äußere Politik zu Gericht zu sitzen Für die Sozialdemokratie kann daher der Anlaß zur Reichs tagsauflösung auch nicht alleinige Wahlparole und die zufällige Parteigruppierung bei der Ablehnung der Kolonialsorderung nicht maßgebend für die Stellung zu den bürgerlichen Parteien sein. Wie noch bei jeder allgemeinen Wahl werden wir auch diesmal als Wahlparole unser bewährtes Programm haben und dem- entsprechend den Kampf mit gleicher Schärfe gegen all« bürger« lichen Parteien führen. Der Parteitag macht eS den Partei- genossen zur Pflicht, in diesem Sinne im Wahlkampfe tätig zu sein! Von dem Parteitag wurden sodann für die 14 badischen Wahl« kreise folgende Kandidaten proklamiert: t. Kreis Konstanz-Ueberlingeu: Malermeister Aug. Krohm Konstanz. 2.„ Donaueschiiigen-Villingen: Schuhmachermeister Wilhelm G r a h l- Triberg. 3.„ Neustadt-Sch-Pfheim: Sattler Adolf Müller-Schopf- heim. 4.„ Lörrach- Staussen: Textilarbeiterverbandsbeamter A. K i e s l i ch- Lörrach. 5.„ Freiburg-Waldkirch: Sägenfeiler Ernst Kräuter« Freiburg. g.„ Ettenheim-Lahr: Arbeitersekretär Wilhelm Engler» Freiburg. 7.„ Kehl-Offenburg: Metallarbeiterverbandsbeamter Herrn. Fa b e r- Pforzheim. 8.„ Baden-Rastatt: Apotheker Theodor Lutz- Baden-Baden. 9.„ Pforzheim-Durlach: Parteisekretär Ennl Eichhorn- Karlsruhe. 10.„ Karlsruhe-Bruchsal: Buchdruckereibesitzer Adolf Geck- Offenburg. 11.„ Maunheii». Weinheim: Rechtsanwalt Dr. L. Frank« Mannheim. 13.„ Heidelderg-Mosbach: Expedient Georg Pfeiffle« Mannheim. 13.„ Bretten-Sinsheim: Maurerverbandsbeamter Richard fi o r t e r- Mannheim. erbischofsheim-Buchrn: Installateur Karl Hahn» Mannheim. Die Aufstellung der Kandidaten erfolgte einstimmig. Zur eventuellen Beratung der Stichwahltaktik soll der Landesvorstand. der sich als Zentralwahlkomitee sür Baden konstituierte, die Kan- didaten die drei bisher in unserem Besitz befindlichen Kreise sowie die Bertrauensmänner der Kreise zuziehen. Der in größter Begeisterung verlaufene Parteitag war von 44 Vertretern besucht. Kandidaten- Aufstellung en. Die sozialdemokratischen ReichstagSkandidaten für die 12 Wahlkreise des Agitationsbezirks Frankfurt a. M- sind: 1. Höchst-Usingeii-Homburg: Schuhmachermeister Friedrich Brühne- Frankfurt a. M. 2. Wiesbaden-Biebrich-RüdeSheim: Geschäftsführer Gustav L e h- mann- Mannheim. 3. Montabaur-St. Goarshausen z Redakteur F. A. Vetters» Gießen. 4. Diez-Liinburg-Wcilburg; Gauleiter Robert Habicht« Frank- fürt a. M. 5. Dillenburg-Herborn: Kaufmann Louis T r o t t- Haiger. 6. Fraukftirt a. M.: Redakteur Dr. jur. Max Ouaxck- Frank- furt a. M. 7. Hanau-Gelnhausen-Orb: Arbeitersekretär Gustav Hoch- Hanau. 8. Fulda- Schlüchtern: Kassenbeamter RomanuS Göller- Frankfurt a. M. 9. Wetzlar-Altenkircheu: Gewerkschaftsbkamttk Wilhelm Kremser- Frankfurt a. M. 19. Marburg-Kirchhain-Böhl-Frankenierz D i ß m a n n- Frankfurt a. M. 11. Aschaffenburg a. M.: Arbeitersekretär Frankfurt a. M. 12. Lohr a. M.: GewerkschastSborstand Georg Diehl- Frank- furt a. M. Nnsere sächsischen Genossen haben nunmehr auch überall ihre Kandidaten nominiert. Die bisherigen Abgeordneten sind sämtlich wieder aufgestellt; im 3. Wahlkreise wurde, ivie bei der letzten Wahl, Genosse Höppner-Dresden und im 20. Wahlkreise Genosse Paul G ö h r e aufgestellt. Unsere Kandidatenliste fürs Königreich Sachsen sieht NU» so aus: I.Wahlkreis: Zittau: Edmund Fischer. 2.„ Lübau: Sindermann. 3.„ Bautzen: H ö p p n e r. 4.„ Dresden-N.: Kaden. 6.„ Dresden-A.: Dr. Gradnausr, 0.„ Dresden-Laud: Horn, 7.„ Meißen-Großeiihain: N i tz s ch k e. 8.„ Pirna: Fräßdorf. 9.„ Freiberg: Schulze- Cossebaude. 10.„ Döbeln: Pin kau.' 11.« Oschatz: L ip ins ki. 12.„ Leipzig-Stadt: M o t t e l e r. 13.„ Leipzig-Land: Geyer. 14.„ Borna: S ch ö p f l i n. 15.„ Limbach: Stücklen. 16.„ Chemnitz: N o s k e. 17.„ Meerane: Auer. 18.„ Zwickau: Stolle. 19.„ Stollberg: Gold st ein. 20.„ Marienberg: G ö h r e. LI.„ Schwarzenberg: Grenz. 22.„ Rcichenbach: Hoffmann- Berlin. 23.„ Plauen: G e r i s ch. Schleswig- Holstein kandidieren folgende Im Agitationsbezirk Genossen: 1. schlesw.-holstein. Wahlkreis: S- I"n" 7. ,""" 10! G. Niendorf- Kiel. P. M i ch e l s e n- Flensburg. P. H o f f m a n n- Hamburg. W. Breeour-Kiel. P. Müller- Hamburg. 81. v. Elm- Hamburg. C. Legien- Berlin. C. F r o h m e- Hamburg. P. Weinheber- Hamburg. Fr. Tesche- Hamburg. Fürstentum Lübeck(1. oldenburg. Wahlkreis): Jobs. Stelting- Lübeck.. Aus Schlesien ist noch zu melden, daß in Oels-Wartenverg Genosse Emil Neukirch(Parteisekretär in Breslau) aufgestellt wurde. Für Mühlhausen-Laugensalza(Thüringen) kandidiert Max Grunwald. In Elsaß-Lothringen kandidieren sür unsere Partei: Strasburg: Genosse Bohle. Straßburg-Land: Genosse Fuchs. Mülhausen: Genosse Emmel. Kolmar: Genosse Peirotes. Gebwriler: Genosse Bucher. Metz: Genosse Schleicher. In der Pfalz kandidieren für die Sozialdemokratie: 1. Kreis(Speier- Ludwigshasen- Frankenthal): Franz Ehrhart. (Neustadt-Landau): Josef Huber. tBrrgzabern-Gerniersheim): Bruno Körner. (Zweibrücken. St. Jngbert-PirmasenS): Philipp Keidel. (Hombnrg-Kuscl-Landsluhl): Friedrich Profit. (Kaiserslautcrn-Sirchheimbolanden): Eduard Klement. Genosse Josef 2. ». 4. 5. S. Wer hat das Geld? Unseren Zahlen über die„christliche" Verteilung der Ein- kommen in Preußen mögen heute einige Zahlen über die Verteilung des Vermögens in Preußen folgen. Nach der amtlichen Statistik wuchs das Vermögen aller Z c n s i t e n in Preußen(d. h. aller Personen mit einem Ver- mögen von mehr als 6000 M.) von 63857 Millionen im Jahre 1895 auf 82410„„„ 1905 Der Vermögenszuwachs betrug also in diesen 10 Jahren 18 553 Millionen Mark. Die Zahl der zur Vermögenssteuer herangezogenen Zensiten wuchs von 1 162 000 im Jahre 1895 auf 1379000„„ 1905 nahm also zu um 227 000. Unter diesen 227000 waren hinwiederum Zensiten mit einem Einkommen von über 3000 Mark 115 000, dagegen Zensiten mit einem Einkommen von unter 3000 Mark 112 000. Das Vermögen der Zensiten mit mehr als 3000 Mark wuchs nun um 16246 Millionen, während daS Vermögen der Zensiten mit einem Einkommen von weniger als 3000 Mark nur um 2307 Millionen zunahm t Im ganzen besaßen im Jahre 1905: 996000 Zensiten ein Vermögen von 23 624 Millionen Mark! 3830M........ 58 786 96,2 Proz. der preußischen Bevölkerung konnten aber überhaupt nicht zur Vermögenssteuer herangezogen werden, weil sie weniger als 6000 M. Vermögen besaßen! Wie viele darunter ein„Vermögen" von 0,00 M. besaßen, mögen unsere Leser sich selbst sagen I Würden aber die 82 Milliarden Vermögen derer mit mehr als 6000 M. Vermögen gleichmäßig unter die preußische Gesamtbevölterung von 87 Millionen Köpfen verteilt, so entfiele auf den Kopf die Summe von 2200 M. t Herr Eugen Richter und seine Mannen haben ja mmer dem Proletariat damit graulich zu machen versucht, daß die Sozialdemokratie„teilen" wolle. Nun. selbst wenn diese Teilung vorgenommen würde, bekäme jede woletarische Familie von fünf Köpfen einen Anteil des llattonalvermögons in Höhe von 11 000 Mark. Wäre das schließlich ein gar so schlechtes WeihnachtS- geschenk? l €in versuch mit untauglichen Mitteln. Die Nationalliberalen möchten sich bor dem 2S. Januar gern /loch etwas rehabilitieren. Sie wissen— die letzten Nachwahlen Habens ihnen nur allzu deutlich eingepaukt— daß sie bei den Wählern äußerst schlecht angeschrieben stehen, und so sehen sie trotz aller großspurigen Begeisterungsphrasen dem Tage des Gerichts mit bangem Zagen entgegen. Was sollen sie be» ginnen, um ihre Sünden vergessen zu machen? Der Zoll- Wucher, die Fleischnot, die neuen Steuern, die preußische Schul- berpfaffung stehen auf ihrem Schuldkonto und die Schrift ist noch so frisch, daß man bei allem Vertrauen zu dem bekannten kurzen Ge- dächtnis der Wählerschaft doch nicht erwarten kann, sie werde das alles am Wahltage verschwitzt haben. Was wn? Die Situation, die die voreilige Reichstagsauflösung heraufbeschworen hat und die sich selbst durch die verzweifeltsten Be- schwörungen der hurrapatriotischen Instinkte nicht wesentlich ver- bessern läßt, erfordert außerordentliche Mittel. Und schnell ent- schlössen ergriff der Nationalliberalismus die erste Gelegenheit, sich der erstaunten Welt im festlichen Glänze neu erstrahlenden Libera- lismus zu zeigen. Und diese Gelegenheit bot ihm die Einberufung des preußischen Dreiklasseuparlaments, das zum 8. Januar, noch mitten in der Wahlschlacht, noch Berlin entboten worden ist. Ausgemacht an der Pforte jener Körperschaft, in der sich erst vor einigen Monaten der Nationalliberalisimls als treuester Fridolin jeder Reaktion gezeigt hat, in der er noch vor kurzem mitgeholfen hat an der Verpfaffung der Volksschule, an der Verankerung der Dreiklasseuschmach, au der Verfolgung sozialdemokratischer Redakteure, ausgemacht an der Pforte dieses Geldsacksparlaments pflanzt der Nationalliberalismus seine neue Standarte auf, damit die Welt wieder an seinen Liberalismus glauben soll. Ein ganzes Bündel von Anträgen haben die nationalliberalen Helden ausgearbeitet, die sie im preußischen Parlament einbringen und vertreten wollen. Ein ganzes Bündel. Denn eine außer ordentliche Situation erfordert außerordentliche Mittel. Und wem die Qualität nicht genügt, dem imponiert doch vielleicht die Quantität. An der Spitze steht ein Wahlrechtsantrag: Die Nationalliberalen machen eine Aktion gegen das Dreiklassenwnhlrecht— nachdem sie im Sommer dieses Jahres dem preußischen Minister des Innern erst geholfen haben, dieses baufällige Wahlsystem etwas zu modernisieren und so wieder für einige Zeit wenigsten» technisch möglich zu machen. Aber wie sieht die nationalliberale Wahlreform in Preußen aus? Bringt sie das allgemeine, gleiche, geheime, direkte Wahlrecht? Närrische Frage I Die erbitterten Feinde des Reichstagswahlrechts werden doch nicht für Preußens Parlament das gleiche Recht für alle«vollen. Dazu verpflichtet sie ihr neuerstandener Liberalismus nicht. Sie sind maßvoll und vorsichtig I Sie fordern daS Pluralwahlrechtl Der Wahlrechtsantrag lautet: Das HauS der Abgeordneten wolle beschliehen: die königliche Staatsregierung zu ersuchen, baldmöglichst einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen eine Aenderung des für die Wahlen zum Haufe der Abgeordneten geltenden Rechts in der Richtung herbeigeführt wird, daß 1. unter Festhaltung an den in dem Gesetze vom 27. Juni 18ö0 und den zur Ergänzung desselben erlassenen Gesetzen für die Zuteilung der Abgeordneten maßgebenden Grundsätzen zum Ausgleich für die inzwischen eingetretenen erheblichen Ver- änderungen eine anderweite Feststellung der Wahlbezirke und der Zahl der in ihnen zu wählenden Abgeordneten herbeigeführt, 2. unter Beibehaltung eines erhöhten Wahlrecht» bei höherer Steuerleistung. a)ein erhöhtes Wahlrecht auch bei höherer Bildung und höherem Alter eingeführt, b) den der dritten Abteilung angehörenden Wählern ein eriveiterteS Wahlrecht eingeräumt, c) die indirekte Wahl beseitigt, 6) den Minderheiten eine Vertretung ermög> licht wird. Das Pluralwahlrecht, das Wahlrecht für Besitz und Bilduni ist das Ideal der Nationalliberalen. Der Nichtbesitzende sei un! bleibe entrechtet, ist ihre Parole. Nur etwas mildern wollen sie die Entrechtung, damit der Proletarier nicht in voller Größe das auf- reizende Unrecht empfinde. Ein paar unschädliche Konzession»- schulzen sollen ihm zugebilligt werden. DaS Recht zum Herrschen und Regieren aber darf ihm nie erreichbar sein— da» ist und da» bleibt für alle Zeit das Vorrecht der Befitzenden und kraft ihre« Besitzes Gebildeten l Das ist der nationalliberale Gedankengang, wie ihn der Wahlrechtsantrag der Nationalliberalen verrät. Was aber vom Landtagswahlrecht gilt, das gilt natürlich auch vom Rcichtagswahlrecht. Ist für den Landtag daS Plural- Wahlrecht gut. so auch für den Reichstag I Und verzichtet der National- liberaliSmus zurzeit darauf, diese Forderung zu stellen, so geschiebt eS, weil er weiß, daß er damit feine Situation nicht verbessern, sondem nur verschlechtern werde. Nur gegen das krasse Un« recht des DreiklassensystemS gehalten, kann der Wahlrechtsantrag der Nationalliberalen den Schein eines Reformplanes gewinnen. Den Schein I Denkende Wähler wird er über seinen reak- tjonären Charakter nicht täuschen, denkenden Wählern wird er lediglich ein Beweis mehr sein, daß die Nationallibcralen das Reichslagswahlrecht hassen, ebenso grimmig hassen wie die Junker, und daß sie es beseitigen, daß sie es meucheln und an seine Stelle das Pluralwahlrecht, die Entrechtung der Besitzlosen setzen würden, wenn sie die Macht gewönnen. Und deshalb ist dieser Versuch, die Sünden des National- liberalismus mit dem Versprechen liberaler Betäsigung im preußischen Parlament zu bedecken, ein Versuch mit untauglichen Mitteln I Mit diesem Wahlspeck werden keine Mäuse gefangen werden. Um so mehr, als die übrigen Blüten des Anträgebuketts ebenso mißdusten wie die erste und pompöseste. Hastig hat man alleö zusammengerafft, was man in der Schnelligkeit ausdenken konnte, und zusammengebastelt. Die liederliche Arbeit verrät den geringen Ernst, den die Herren an das Werk gewandt haben. ES ist eben nicht für den Gebrauch, nur für die Schau hergestellt. Nichts anfassen I Obne zu berüllfichsigen. daß sie durch ihre eigene Politik die Erfüllung dieser Forderungen aufs äußerste erschwert oder ganz unmöglich gemacht haben, fordern die Nationalliberalen von der preußischen Regierung die Zurück- nähme des Studtschen Erlasses gegen die Er- höhung der Lehrergehälter in den Städten sin Form einer Jntertzxllatton), fachmännische Schulaufsicht snach- dem die städtische Selbstverwaltung auf dem Schulgebiete eben erst durch das neue Schulgesetz zerstört und die Verpfaffung der Schulen befördert I), Ermäßigung der Eisenbahnpersonen- tarife(nachdem die Nationalliberalen so wacker bei der Fahrkarten- steuer mitgeholfen I), Maßnahmen auf dem Gebtete der inneren Kolonisation, Regelung der Verhältnisse der nicht zum Richer- stände gehörigen Staatsbeamten, einen Gesetzentwurs über die Haftung des Staate» und der Kommunen für den von ihren Beamten in Ausübung �der ihnen an- vertrauten öffentlichen Gewalt zugefügten Schaden, eine Erhöhung der staatlichen Bethülfen für die Handwerkskammern und endlich schleunige Bereitstellung von Mitteln„zur Beseitigung der Notlage der durch die allgemeine und andauernde Verteuerung de» Lebensunterhaltes, zu- mal der Lebensmittel besonders schwer betroffenen Unter- b e a m t e n und der ihnen im Einkommen nahestehenden Beamten- klaffen"(nachdem die Nationalltberalen tapfer bei der Lebensmittel- Verteuerung mitgeholfen I). Wem sollen solche Spiegelfechtereien imponieren? Glaubt der Natroitalliberalismus die Verantwortung für seine Taten loszu- »erden, indem er nachträglich ein paar ftomme Wünsche ausspricht, l geworfen werden sollen l— daß die Konsequenzen seiner Sünden daS deutsche Volk nicht zu hart treffen möchten? Glaubt er auf die Weise Absolution zu er- halten? Er wird sich täuschen I Diese Mion ist und bleibt ein Versuch mit untauglichen Mitteln l politische CUbcrficbt. Berlin, den 28. Dezember. Tie Aera Biilow. Unser Leipziger Bruderblatt, die„Leipziger Volks- Zeitung", hat jüngft auf Grund der amtlichen Uebersichten über die Reichsausgaben berechnet, daß das Deutsche Reich für seinen Kolonialbesitz in den Jahren 1884— 1906 nicht weniger a l s 1475 Millionen Mark verausgabt hat. Von dieser Ausgabe entfällt jedoch nur ein verhältnismäßig kleiner Teil auf die ältere Kolonialära der Jahre 1884—1897; der größte Teil der enormen Aufwendungen ist erst in den letzten neun Jahren erfolgt, das lieißt seit der Zeit, wo der damals noch nicht zum Grafen und Fürsten ernannte Herr v. B ü l o w das Staatssekretariat des Auswärtigen Amtes übernommen hat. Auch vorher schon unter der Aera v. Marschall waren die Ausgaben für unsere prächtigen Kolonien von Jahr zu Jahr gestiegen: aber erst mit Bülows Amtsantritt kam der große und kostspielige Schwung in die deutsche Kolonial- Politik. Mit vollen Segeln ging es nun in den Strudel der Weltpolitik hinein, und das Tempo der wilden Fahrt steigerte sich noch, als Bülow auch die Reichskanzlerschaft übernahm. Die„Köln. Volksztg." leistet sich eine höchst interessante Zusammenstellung der Riesensummcn, die seit 1898, dem Be- ginn der Aera Bülow, das deutsche Volk für das Bewußtsein, auch Kolonien zu besitzen, hat zahlen müssen. Danach, er- gaben sich als Gesamtausgaben für die deutschen Schutz gebiete und die zu ihrer Verteidigung erforderlichen Kriegs expeditionen folgende Beträge: 1898...... 18 Millionen Mark 1899...... 42„„ 1900...... 180 1901...... 126 1902...... 74„„ 1903...... 48„„ 1904...... 164 1906...... 164 1906...■■. 207„, Insgesamt 963 Millionen Mark Demnach haben mit Einschluß der Nachtragsetats und bereits angekündigten Etatsüberschreitungen, die durch ein besonderes Kreditgesetz noch angefordert werden sollen und einstweilen durch Ausgabe von Schatzanweisungen gedeckt worden sind, die Schutzgebiete dem deutschen Volk allein in den letzten neun Jahren 968 Millionen Mark, also fast eine Milliarde gekostet. Von diesem Be- trag sind aber nur ungefähr 250 Millionen Mark aus den laufenden Reichseinnahmen gedeckt worden, für die übrige Summe(ü b e r 7 0 0 M i l l l o n e n M a r k) hat daS Reich Schulden gemacht und teils Schatzanweisungen, teils Reichs anleihen aufgenommen, die natürlich jährlich vom deutschen Volk verzinst werden müssen. Doch dabei ist es nicht geblieben. Mit den Kolonial- ausgaben sind zugleich die Kosten für die„größere Flotte" gestiegen. Diese Marineausgaben belaufen sich für die glorreiche Bülowsche Aera auf 1720 Millionen Mark, von denen ebenfalls nur etwas mehr als drei Viertel aus den laufenden Einnahmen des Reiches, der Rest aber durch Anleihen gedeckt worden sind, so daß allein durch die Ausgaben für Kolonial- und Marinezwecke in den neun Jahren der Bülowschen Geschäftsführung die Schulden last des Reiches um 1200 Millionen Mark gewachsen ist. Die weltpolitische Aera Bülow des Schönschwätzers kommt demnach dem deutschen Volk recht teuer zu stehen.— Was nun? Die BonbelzwartS haben nun die Waffen gestreckt. Zwar steht Morris möglicherweise noch im Felde, während M o r e n g a sich schon seit langer Zeit in britischer Haft befindet, allein da er nun keine Leute mehr hat, wird er schleunigst ebenfalls über die Grenze retirieren müssen. Von namhaften Führern kämpft also kein einziger mehr, denn auch der Hottentottenfühter F i e l d i n g hat sich mit wenigen Leuten auf englische« Gebiet flüchten müssen, daS er schwerlich wieder verlassen wird. ES bleibt einzig noch Simon C o p p e r mit seiner Handvoll Leute übrig, deren Uebergabe aber wohl auch in allernächster Zeit erfolgen wird, da Major L e u t w e i n gerade diesen Führer als einen keineswegs besonders kriegS- und unternehmungslustigen Kämpen schildert. Der Hottcntottenkrieg wäre also m der Tat zu Ende. Und von einer Erhebung anderer Hottentottenstämme kann nach diesem Ausgang des Feldzuges erst recht keine Rede sein. Zumal dem Scherl-Blatt von sachkundiger Seite versichert wird. daß die B e r s a b a- Hottentotten, von deren Kriegsgelüsten kürzlich die Tägl. Rundschau' fabelte, von den Truppen längst völlig entwaffnet worden seien. Mit allem Fug müßte deshalb auch von kolonialfreund» l t ch e r Seite ernstlich die Frage aufgeworfen werden: Was nun? In welchem Tempo sollen nunmehr die Truppen zurückgezogen werden? Und wieviel Truppen gedenkt man überhaupt in Südwest. 190? und in den folgenden Jahren zurückzulassen?! Die Beantwortung dieser Fragen ist umso dringlicher, als die Regierung weder im Reichstag, noch in der Budget- kommission darauf eine klipp und klare Antwort gegeben hat Nur soviel hat die Negierung durch die die Bolksmehrheit brüs- kierende Reichstagsauflösung bewiesen, daß sie keine Reduktion der Truppenzahl auf 2500 Mann wollte! Denn sonst wäre die Reichstagsauflösung noch viel unsinniger gewesen, als sie es ohnehin ist. Am 11. Dezember, zwei Tage vor der Auflösung, erklärte noch Oberstleutnant Quabe in der Budgetkommisston. daß 5000 Mann dauernd in Südwestafrika bleiben müßten. Oberstleutnant Kühl sprach gar davon, daß auch vom Jahre 1908 ab noch 7000 Mann dort behalten werden müßten! Der n bürg zog es vor, überhaupt leine klare Auskunft zu erteilen. Will man nun 8200 oder 7000 oder„nur' 5000 Mann 1907 und später in Wüst-West belassen!? 6000 Mann würden uns vorläufig noch immer einige 45 Millionen pro Jahr kosten; 7000 oder gar 3200 dagegen einige 60-— 80 Millionen im Jahr« I Und welche Stellung gedenken die Parteien im neuen Reichstag zu dieser Frage einzunehmen? Wollen diesNationalliberalen und der Freisinn auch jetzt noch der Regierung völlig freie Hand lasten? Die Frage ist gestellt, mögen die Beftagten, Regierung wie Parteien, nun unumwunden Antwort geben! Sin Versteck- spielen wird ihnen nicht helfen--- denn die Wähler erwarten Antwort auf die Frage, wieviel Millionen auch jetzt, nach Befriedigung der nationalen Ehre', noch für Südwestafrika zum Fenster hinaus- Deutlches Reich. Wie der ReichSfiSkuS spart! Während die Reichsregierung mit den Ausgaben für die wert- losen Kolonien nicht knausert und seit dem Jahre 1834, den, Beginn ihrer Kolonialerwerbungen, mit Einschluß der Kosten de» China« feldzuges, des Herero- und Hottentottenkrieges sowie der Wißmann» Expeditionen und der Subvention für die Ostaftika-Dampferlinien, insgesamt fast 1'/, Milliarden Marl verausgabt hat, also durch- schnittlich 64 Millionen pro Jahr, ist sie eifrigst bemüht, an den Gehältern der von ihr beschäftigten unteren Beamten so viel als möglich zu sparen. In dem amtlichen Bericht über die Verwaltung der Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen. der kürzlich dem Reichstage zugegangen ist, befindet sich z. B. auf S. 124 ff. eine Zusammenstellung der in den Rechnungsjahren 1900/06 an die Gehülfen und Arbeiter gezahlten durchschnittlichen Löhne. Danach bezogen z. B. an Besoldung oder Lohn für den Tag im Durchschnitt: 1904 1906 Nichttechnische Burcangehülfen. M. 3,37 3,23 Bureau- und HülfSarbeiterinnen„ 3,20 3,19 Zeichnergehülfen......„ 3,99 8,75 Kanzleigehülfen....... 3,06 3,00 StationSgehülfen....... 3,19 3,13 Schreibgchlllfen......„ 3,91 3,83 Hülfskartendrucker.....„ 3,07 8,02 Frauen im Telcgraphendienst.„ 2,24 2,22 HülfSweichensteller...... 2,36 2,80 Hülfsbahnwärtcr....... 2,71 2,61 Schrankenwärterinnen.„ 0,52 0,51 Hülfslokomotivheizer.....„ 2,96 2,93 BahnhofSarbeiter......„ 2,88 2,86 Werkstättenarbeiter y,....„ 4,27 4,20 Werlstättcnhandarbeiter...„ 3,43 8,38 Werkstättenlehrlinge...... 1,18 1,15 Von 84 Arbeiterkategorien, die in der Liste aufgezählt sind, haben 16, also die Hälfte, eine Verringerung ihres Lohne» erfahren. In einer Vorbemerkung zu dem Bericht wird zwar gesagt, daß der Rückgang der Durchschnittslohnsätze bei einzelnen Gruppen darauf zurückzuführen ist, daß bei der betreffenden Gruppe Arbeiter der höheren Lohnllasse ausgeschieden und durch jüngere Arbeiter mit geringeren Lohnsätzen ersetzt worden sind. Dieser Wechsel hebt aber nicht im geringsten die Thatsache auf, daß die Staatswerkstätten in jeder Weise den Unternehmern ein Muster im Löhnesparen liefern. Wie übrigens bei einzelnen Arbeiterkategorien, z. B. bei den L e h r l i n g e n, es möglich sein soll, noch jüngere ArbeitSlräfte als bisher einzustellen, bleibt ein Geheimnis der Eisenbahnverwaltung. Für militärische und Kolonialzwecke sind Millionen und aber Millionen übrig, am Arbeiter hingegen sucht man auf kleinliche Weise Ersparnisse zu erzielen.— Heute noch auf stolzen R-ffen, morgen... Auf der großen ultramontanen Herbstparade, auf dem Ka- tholikentage in Essen hatte daS Zentrum Gelegenheit, sich auf der Höhe seiner Macht zu zeigen. Alle Reden waren ge- leitet von dem Gedanken, die Größe und Herrlichkeit des Zentrums zu zeigen, seinen Einfluß nach oben wie nach unten, seine Not- wendigkeit und Unentbehrlichkeit zur Erhaltung von Staat und Gesellschaft, von Ordnung und Sitte. Besonderen Eifer in dieser Beziehung entwickelte Amtögerichtsrat und Abgeordneter de Witt, der in der dritten öffentlichen Versammlung über die Stellung des Katholiken im wirtschaftlichen und öffentlichen Leben redete. Er zitierte eine lange Reihe von Aeußerungen aus Gegnermunde, begann mit Fürst Bismarck, der im Jahre 1837 dem Zentrum bezeugte, daß es eine staatserhaltende Partei sei und schloß mit einem Zitat au» der„Allgemeinen evangelischen Kirchenzeitung":„Wäre da» Zentrum nicht da, so müßte eS erfunden werden, denn ohne das Zentrum gingen die Reichsgeschäfte nicht einen Tag weiter." Jedes dieser Zitate wurde von der Versammlung mit Beifall und Hände- klatschen entgegengenommen, und als der Redner mit dem Gelöbnis schloß, daß da» Zentrum weiter kämpfen werde„für die Wohl- fahrt der Gesamtheit, für Kaiser und Reich, Voll und Vaterland," da folgte stürmischer, langanhaltcnder Beifallsjubel. Das war Mitte August. Vier Monate darauf war daS Zentrum von der Höhe seines Unentbehrlichkeitsbowußtseins herab- gestürzt und an der Seite der Sozialdemokratie stand es da» ge- brandmarkt als antinationale Partei. Und während noch Ende Oktober sich die„Germania" auf den Fürsten Bülow berufen konnte, der gesagt hatte, daß man sich auf das Zentrum verlassen könne, mußte sechs Wochen darauf das Zentrum erleben, daß feinet- wegen der Reichstag aufgelöst wurde. Die Herren Spahn und Genossen mögen daraus ersehen, wieviel sie trotz allen Bemühungen noch zu tun haben, um die„nationale staatserhaltende" Gesinnung des Zentrums über alle Zweifel. Bedenken und Anfechtungen hinaus sicher zu stellen.—_ Wie der Freisinn die Reaktion bekämpft! Das Mosse-Blatt bringt unter der Stichmarke„D i e Aussichtender Liberalen in Ostelbien" einen Leitartikel, der wahrhaft typisch dafür ist, wie der Freisinn die — Reaktion zu bekämpfen gedenkt. Das„Verl. Tageblatt" gibt ein Tableau von 22 ostelbischen Wahlkreisen, in denen der Freisinn 1903 mit stärkeren Stimmonzahlen vertreten war. Einer dieser Wahlkreise, Königsberg, wurde von der Sozialdemokratie in der Stichwahl gegen den Freisinn er- obert, trotzdem die Konservativen für den Freisinnigen stimmten. In allen übrigen 21 Wahlkreisen siegten die Konservativen. Sie siegten, weil sich in sieben Wahlkreisen bei der Stichwahl mit der Sozialdemokratte der Freisinn auf die Seite der Konservative» schlug, trotzdem in den zwei Stichwahlen, wo der Freisinn gegen die K o n s e r v a t i v e n zu kämpfen hatte, die Sozial- demokratie für den Freisinn eintrat I Aller Voraussicht nach wird aber diesmal die Zahl der Stichwahlen zwischen Kon- servativen und Sozialdemokraten noch wachsen. während andererseits möglicherweise der Freisinn in mehr als zwei Wahlkreisen gegen den Konservativen in Stich- Wahl kommen könnte. Wollte der Freisinn tatsächlich den Kamps gegen die Reaktion führen, so müßte er diesmal die Parole: Gegen die Konservativen ausgeben. Mehr als ein Drittel der 2l konservativen Wahlkreise würde dadurch der Reaktion ent- rissen werden. Aber von einer solchen Parole sagt das Mosse-Blatt kein Sterbenswörtchen! Es phantasiert vielmehr davon, wie viel Wahlkreise der Freisinn aus eigener Kraft, durch ein„Er- starken des Liberalismus" und ein Heranziehen der 25 Proz. säumiger Wähler für den Freisinn erobern könne! Durch solche Narreteien entreißt der Freisinn der Reaktion kein einziges Mandat, wohl aber sorgt er dafür, daß auch künftig wieder zahlreiche Konservative mit Hülfe des Freisinns in den Reichstag gelangen! Das ist der freisinnige Kampf gegen— die Reaktion! Freilich wäre das nur ein Teil des freisinnigen Sünden- registers. Verschaffte doch der Freisinn den Konservativen das Mandat(n Memel-Heydckrug, Tilsit-Niederung, Mariendurg- Elbing, Ruppin-Templin, Potsdam-Osthavelland, Westprignitz, Oberbarnim, Landsberg-Soldin, Kalau-Luckau, Zauch-Belzig, Kottbus-Spremberg, Striegau- Schweidnitz, Lüben-Bunzlau, Querfurt-Merseburg, Bitterfeld-Delitzsch, Liebenwerda-Torgau, Minden-Lübbecke, Hagenow-Grevesmühlen, Güstrow-Ribiiitz, Mecklenburg-Strelitz, Czarmkau-Kolmar; insgesamt 21 Ma»- d«te.—_ Eine freisinnige Wahlrede. Im Jahre 1861 kandidierte Hermann Becker, genannt „der Rote", in D o r t m u n d für den preußischen Landtag. In seinem Wahlprogramm schilderte er die Gefahren des Militär- staats, des allen Nationen gemeinsamen Feindes, der in Paris, in Napoleon seinen einflußreichsten Vertreter habe. „Ueberall, wo die Völker in krampfhaften Anstrengungen um eine zuträgliche Gestaltung ihres Staatswesens ringen, kann man sagen, daß das Menschentum mit diesem fürchterlichen Systeme kämpft, das die Fähigkeit, die Strebsamkeit, die Tätigkeit und das Arbeitserzeugnis des Individuums und der Völker rechenschastslos dem Ungeheuer opfern zu dürfen glaubt, das der M i l i t ä r st a a t genannt wird. Der Mensch ist sich Selbstzweck, das Staatswesen soll ihm dienen. Will diesen, menschlichen Staate gegenüber der Militärstaat sich selbst zum Zweck der Menschheit machen, so ist das eine Heraus- forderung an die bürgerliche Gesellschaft auf Leben und Tod. Die Not dieses Kampfes ist es, die ganz Europa empfindet und überall die freisinnigen Fraktionen ver- einigen mutz. Die europäische Gesellschaft kann in diesem Kampfe nur dann siegreich bleiben, wenn sie allerorts den Feind da auf- sucht, wo sie ihn am nächsten hat. Sie tut das, indem sie ihre bürgerlichen Forderungen, soweit sie zur Sicherung des Be- stehenden unentbehrlich sind, ohne irgend einen Verzicht scharf abgrenzt und dem Militärstaat sagt: wir sind nicht deinetwegen da, sondern du bist unseretwegen d a und nur so weit es uns nützt zdiebürgerlicheFreiheit sollst du schützen, aber nicht unterdrücken, den b ü r g e r- tichen Wohl st and sollst du sichern aber nicht aufheben." Die politischen Nachkommen des„roten" Becker tun heute von alledem das Gegenteil. An der Seite des Junkertums fechten sie für Militarismus und Marinismus, für Flotten- und Weltpolitik. und verschachern ihre bürgerlichen Forderungen an den säbel- rasselnden Absolutismus.—_ Die Verhaftung unterm Weihnachtsbaum oder: Der preußische Polizeikommifsar als Christ- k i n d l e i n. Durch die Straßen von Königsberg(Ostpr.) marschieren all- jährlich am„Heiligenabcnd" viele Musiker und blasen den Choral: „Vom Himmel hoch da komm ich her..." Als diese feierlichen Töne letzten„Heiligabend" erklangen, als überall in den Wohnungen die Tannenbäume in ihrem Lichterglanz er- strahlten, als in den meisten Familien Freude herrschte, schritt ein Polizeikommissar zu den Eltern des Genossen Franz Krüger, um diesen vom Weihnachtsbaum weg zu verhaften, da er eine Strafe von vier Monaten und zwei Wochen zu verbüßen hat.— Wenige Tage vor dem Weihnachtsfest erhielt Krüger die Auf- forderung am 22. Dezember seine Strafe anzutreten. Er kam um Strafaufschub ein, weil er an Lungentuberkulose leidet. (Er war erst im vergangenen Jahre in der Lungenheilstätte Hohen- stein.) Krüger erhielt keinen Bescheid, sondern am„Heiligabend", als er gerade dabei war, für seinen jüngeren Bruder den Weih- nachtsbaum zu schmücken und seine schwerkranke Mutter durch ein Zeichen der Liebe zu erfreuen, trat der„Besuch" in Ge- stalt des Polizcikommissars ein. der im Auftrage der Staats- anwaltschaft kam. um den„Verbrecher" m den Kerker zu führen. lind ohne daß er von seinen Freunden und Bekannten Abschied nehmen konnte, verschwand er hinter den düsteren Mauern. Ob sie ihn lebend wiedergeben werden? Wer weiß es! Jedenfalls wird die Tortur der Gefängnishaft auf seine hart angegriffene Gesundheit geradezu vernichtend wirken. Und warum das alles?— Hat Genosse Krüger etwa im Duell einen Menschen ermordet oder den Staat um Hunderttausende geprellt? Nichts von alledem. Drei Monate Gefängnis erhielt er als völlig unbestrafter Mensch wegen Beleidigung des Polizeipräsidenten von Königsberg! In einem Handzettel hatte er zwei Worte gebraucht, die nach der An- ficht des Gerichts für die Polizei so schwer beleidigend waren, daß sie pro Wort mit anderthalb Monaten Gefängnis geahndet werden mutzten. Der Polizeipräsident, der sich beleidigt fühlte, trat selber für eine bedingte Begnadigung Krügers ein. Er erteilte auf die Anfrage des Staatsanwalts die Auskunft, daß Krüger leine Neigung zum Verbrechertum besitzt und die„Straftat" nur„aus Unbesonnenheit und Unerfahrenheit" begangen und sich stets gut geführt habe. Das Gericht machte von dem Rechte der bedingten Begnadigung keinen Gebrauch.— Weiter hat Krüger sechs Wochen zu verbüßen, weil er einen Lehrlingsverein gegründet hat, der durch recht sonderbare Aus- legungen zu einem politischen gestempelt wurde. Aber damit ist die Anzahl der Strafen noch nicht erschöpft. Krüger erhielt noch wegen Verstoßes gegen 8 110 des Strafgesetzbuches(öffentliche Auf- forderung zum Ungehorsam gegen Gesetze) einen Monat Ge- fängnis; diese Strafe wird allerdings erst im Februar rechts- kräftig, falls nicht das Urteil in der letzten Instanz aufgehoben wird. Durch Krügers Verhaftung unterm Weihnachtsbaum ist wieder einmal die ganze Barbarei unseres„christlichen" Klassenstaates in vollster Nacktheit enthüllt. Nur gut, daß durch solche„Kultur. taten" unseren Parteigenossen ihre schwierige Agitation im Wahl- kämpfe erleichtert wird.— DaS„nationale" Rindvieh vor dem Kriegsgericht. Ein schwunghafter Viehhandel, der drastisch zum Ausdruck brachte, in wie trauter Gemeinschaft Viehhändler und Agrarier einander Hand in Hand arbeiten, wenn es sich darum handelt, anrüchiges Vieh an den Mann zu bringen, beschäftigte in Halle das Kriegsgericht der 8. Division in der Sache des überzähligen Vizefeldwebels, jetzigen Postanwärters Otto Schulz von Eisleben. Der Angeklagte, der früher bei dem Viehhändler Moses wohnte, hat bei der Halleschen Staatsanwaltschaft eine Anzeige erstattet und zugleich Moses einen Brief geschrieben, wonach er Moses be- schuldigte, dieser habe„von Landwirten krankes Vieh gekauft und dieses in betrügerischer Absicht wieder verkauft. Dadurch sollte sich Schulz der Beleidigung, der wissentlich falschen Anschuldigung und der versuchten Erpressung schuldig gemacht haben. Der Angeklagte trat den Wahrheitsbeweis an und brachte durch die Vernehmung des Stallschweizers Werunszky, der lange Zeit bei Moses tätig gewesen war, geradezu haarsträubende, ekelerregende Dinge über den Viehhandel mit den Agrariern an den Tag. So bekundete Zeuge, daß er von den Bauern in der Umgebung von Eisleben bei Moses in Stallung gebrachte kranke, mit Geschwülsten behaftete Kühe, die manchmal knapp ausstehen konnten, abgeholt und an Fleischermeister weiter geschafft habe. Nachts vier Uhr habe er von den Bauern zuweilen das Vieh weggeholt. Bei einem Amtsvorsteher habe er eine Kuh aus dem Stall geholt, wo es der- artig gestunken habe, daß er sich habe die Nasenlöcher zuhalten müssen. Bei einer schwarzen zerschundcnen Kuh habe er vor dem Verlaus die Blut- und Schandflecke mit schwarzer Wichse überschmieren müssen. Für die angeblich durch den Angeklagten verletzten Zeugen. Landwirte usw.. war ein Rechtsanwalt als Nebenkläger erschienen, der keine Neigung hatte, für die seinem Schutze anvertrauten auch nur ein Wort zu sagen. Als die vielen vor der Tür stehenden„Eni- lastungszeugen" vernommen werden sollten, wurde plötzlich mit- geteilt, Viehhändler Moses habe seinen Strafantrag wegen Beleidigung zurückgezogen. Des Angeklagten Ver- teidigcr, Rechtsanwalt C z a r n i k o w bedauerte dies und meinte, es wäre ganz gut gewesen, wenn die ekelerregenden Ge- schichten, die sich bei Nacht und Nebel im Fleisch- Handel abgespielt haben, durch die„weitere Beweis- aufnähme noch näher beleuchtet worden wären. Der Ange- klagte habe zum Wohle der Menschheit gehandelt und dafür eine Anklage erhalten. Der Angeklagte wurde antragsgemäß von der wissentlich falschen Anschuldigung und der versuchten Erpressung frei- gesprochen._ Patriotische Studenten! Die Kieler Studenten offerieren sich den„nationalen" Parteien als Wahlschlepper. Der Studentenverband der Kieler Studenten hat, begeistert durch den Anblick der Kieler Kriegsschiffe, einen schwülstigen, von nationalen Phrasen triefenden Aufruf erlassen, worin die deutschen Studenten ermahnt werden, für das„große" weltpolitische Werk zu arbeiten. „Stellt Euch— heißt eS in dieser Kundgebung— in den Dienst der nationalen Parteien am Wahltage und vorher zu aller Kleinarbeit, die man Euch zuweisen wird und die besser und wirkungsvoller geleistet wird- von Euch als von bezahlten Kräften. die nur mit halbem Herzen bei der Arbeit sind. Deutsche Studenten, zwar wird es unter Euch viele Lässige und Gleichgültige geben, die all das Ge- schehene nicht aus ihrer Trägheit herausgebracht hat. Diese inüssen aufgerüttelt werden. Von allen nationalen Verbänden auf deutschen Hochschulen und Akademien erwarten wir, daß sie sich mit allen Kräften der großen Sache widmen werden. Wenn so alle Kräfte sich regen, kann das große Werk nicht scheitern. Dieser Aufgabe Dich anzunehmm, ist, deutsche Studenten- schuft. Deine heilige Pflicht!"— Das alte Rezept. Im Herzogtum Sachsen-Altenburg wird der Kampf gegen die Sozialdemokratie immer noch mit den bekannten Hausmitteln betrieben. Nachdem der sozialdemokratische Verein in Eisen- b e r g beschlossen hatte, an den Gemeinderat in Tautenhain nochmals ein Gesuch um Ueberlassung des Gemeindegasthofs zu öffentlichen Versammlungen zu richten, erhielt der Vorsitzende auf seine Eingabe folgende Antwort: Tautenhain, den IS. Dezember 1906. Antwortlich Ihrer Mitteilung vom 29. November 1906 müssen wir Ihnen erklären, daß der Gemeinderat zu Tautenhain auf Grund Landratsamtlicher Verfügung vom 3. Juni 1904 u. 7. Juli 1906 u. Ministeriellen Erlasses vom 24. August 1906 (Ick. J. III, 5046, 4625, 4166) gezwungen ist, ein für alle Male den Gemeindegasthof sozialdemokratischen Versammlungen zu verschließen. Sollten Sie darauf bestehen, für Ihre Zwecke den Tauten- hainer Gemeindegasthof zu bekommen, so müßten Sie sich an das Herzog!. Landratsamt zu Roda oder an das Herzog!. Ministerium, Abt. des Innern, wenden. Nur wenn eine Ober- behördliche Genehmigung auf Grund Ihres Antrages, den Sie natürlich selbst einreichen müßten, vorliegt, sind wir in der Lage, Ihren Wünschen zu entsprechen, sofern Ihr ganzes Programm keine staatsfeindlichen Zwecke verfolgt. Der Gemeindevorsteher. Eichhorn. Das Programm der sozialdemokratischen Partei scheint dem biederen Gemeindevorsteher eine terra incogniu zu sein, sonst würde er nicht solch naive Vorbehalte machen. Vielleicht machen es ihm die Genossen zugänglich und dann kann er über den„staats- feindlichen Charakter" desselben urteilen.— Bier Mann in Südwestafrika ertrunken! Berlin, 28. Dezember.(Amtliche Meldung.) Am 25. De- zcmber 1906 im Außenhafen von Lüderitzbucht bei der Ueberfahrt nach Griffitsbay infolge Kentern des Segelbootes ertrunken: Unteroffizier Felix Lemmen. geboren am 22. Mai 1883 zu Köln; Unteroffizier Robert Schmidt, geboren am 12. Mai 1879 zu Breisach; Unteroffizier Fritz Goldmann, geboren am 11. Januar 1882 zu Schweidnitz: Reiter Richard Glaubke, geboren am 14. Oktober 1883 zu Darsow. Frachttarif für Fleisch. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" dementiert die Meldung der Vossischen Zeitung", daß für Schweine- fleisch die Herabsetzung des Eilguttarifs nicht gilt. Das Regierungs- blatt schreibt:„Durch verschiedene Blätter läuft die angeblich auf amtlicher Mitteilung beruhende Notiz, wonach der zum 15. d. M. eingeführte ermäßigte Eisenbahnausnahmetarif für Fleisch von frisch geschlachtetem Vieh, der zum 1. Januar nächsten Jahres noch eine iveitere Ermäßigung erfährt, nur für frisches Fleisch von Zwei- hufern, nicht aber für frisches Schweinefleisch gelte. Diese Notiz ist unrichtig. Der Tarif gilt nach dem Wortlaut der amtlichen Be- kanntmachung für Rindvieh, Schweine, Schafe, Ziegen, auch Kälber, Ferkel, Lämmer, Zicklein. Für frisches Fleisch Von Einhufern gilt er allerdings nicht." Kluslaud. Frankreich. Eine Ziviltaufe. Aus Paris wird uns geschrieben: Die während der großen Revolution oft zutage getretene Tendenz, die bis dahin von der Kirche ausgeübten Funktionen der weltlichen Gewalt zu übertragen, scheint sich jetzt unter der von der Kurie selbst verschuldeten antiklerikalen Bewegung an manchen Orten zu erneuern. So wird aus dem Dorfe Mecringes im Departement Marne berichtet, daß der dortige Bürgermeister eine Ziviltaufe vorgenommen hat. Ueber ihre näheren Umstände gibt der von ihm bei diesem Anlaß verlesene Akt Aufschluß. Es heißt darin:„Vor uns, dem Maire von Mecringes, sind Herr und Fräulein X erschienen, die uns das Kind B l a n ch e t, geboren am 10. April 1906, vorwiesen, mit der Bitte, ihr Patenkind bürgerlich zu taufen.... Wir erklären das Kind Blanchet(Paul) für bürgerlich getauft und wünschen, daß es sich im Leben als ein freier und republikanischer Bürger bewähren möge, der seiner Familie, seinem Paten und seiner Patin Ehre niacht...." » Paris, 28. Dezember. Einer im Ministerium des Innern auf- gestellten Statistik zufolge sind bis jetzt 71 erzbischöfliche und bischöf- liehe Palais, 73 große und 83 kleine Seminare geräumt worden. Rom, 28. Dezember. Wie verlautet, soll sofort nach amtlicher Bekanntgabe des neuen französischen Kultusgesetzes ein Schreiben des Papstes an den Kardinal-Erzbischof Richard erscheinen, in dem erklärt wird, daß das Gesetz für die Katholiken unannehmbar sei und von ihnen als nicht bestehend betrachtet werden müsse! Dieser Trotz wird nicht lange vorhalten.— Marokko. Gegen Raisuli soll jetzt Ernst gemacht werden. Der Sultan hat ihn„abgesetzt", und seine Anhänger fallen— wie es in einer optimistischen Darstellung lautet— von ihm ab. Ueber Cadix kommt nun folgendes Telegramm vom 28. Dezember: Wie es heißt, lehnt es Raisuli ab, auf seine Amtsbefugnisse als Gouverneur zu verzichten und rüstet sich zum Widerstände in Zinat. Er sandte seinen Harem unter dem Schutze der Kabylen vom Stamme der Beniarios in die Berge. Die Marine- Verwaltung sichert sich durch Kontrakt die Verprobiantierung des spanischen Geschwaders im Hafen von Larrache und in der Bucht von Tetuan, wo nach und Nach Polizeimatznahmen eingeführt werden sollen.— Amerika. Aus Uruguay(Südamerika). Die Regierung von Uruguay hat eine Botschaft awden Kongreß gesandt, um eine Vorlage zum Schutze der Arbeiter dringend zu empfehlen. Uruguay will sich als ein junges Land die durch Arbeiterkämpfe in anderen Ländern ver» ursachten wirtschaftlichen Schäden zur Lehre dienen lassen. Der Achtstundentag soll eingeführt werden, nachdem ein Jahr lang der Neunskundentag in Geltung war. Die Sonntagsruhe wird ge- fordert; die Kinderarbeit soll verboten sein; Schutzbestimmungen für schwangere Frauen sollen erlassen werden und hohe Strafe die Unternehmer und Arbeiter treffen, die die Gesetze übertreten.--- Huö der Partei. Zum Parteitag der tschechischen Sozialdemokratie wird uns noch geschrieben: Die Verhandlungen standen unter dem Eindrucke der durch die Wahlreform geschaffenen neuen Situation. In einem Referat über die Wahlreformbewegung wies Genosse N e m e c darauf hin, daß die Wahlreform nicht unser Ziel, sondern nur ein Mittel sei, um den Staat zu demokratisieren und sozialisieren. Die Partei müffe aber vorerst trachten, auch den Frauen das Wahlrecht, den nichtdeutschen Nationen volle Gleichberechtigung in i t den Deutschen und die Abschaffung der ein- jährigen Seßhaftigkeit zu erkämpfen. Genosse Dr. S o u k u p entwarf ein Bild des nächsten Wahl- kampfes und gab den Delegierten die nötigen Weisungen für ihn. In der Debatte wurden von den Wiener Delegierten und den Delegierten aus den nordböhmischen gemischtsprachigen Bezirken Klagen laut, daß die deutschen Genossen nicht immer die nationale Gleichberechttgung zu wahren wissen, und daß sie den Fortschritt und die Entfaltung der tschechischen Organisationen hemmen. Die Klagen wurden dem Parteivorstande überwiesen, der sich hierüber mit dem deutschen Parieivorstande ins Einvernehmen zu setzen hat. Für die Wahlen wurde die Parole ausgegeben:„Gegen die schwarze Gefahr!" Bei den ersten Wahlen sind überall Kandidaten aufzustellen. Im übrigen wurde der Parteivorstand ermächttgt, die Stellung der Partei bei Stichwahlen zu regeln ent- sprechend den gegebenen Verhältnissen.— Nach den Wahlen wird ein neuer Parteitag einberufen werden, der der Partei eine neue, dem neuen Wahlgesetze entsprechende Organisatton zu schaffen berufen ist.—_ Löo» Defuisscaux t Brüssel. 25. Dezember.(Eig. Bei.) Am Freitag ist hier nach langer Krankheit der ehemalige sozia- listische Abgeordnete Leon Defuisseaux im Alter von 65 Jahren gestorben. Die Geschichte der belgischen Arbeiterbewegung nennt ihn unter den Besten. Er war einer großbürgerlichen Demokraten- familie entsprossen, die im B o r i n a g e von altersher wegen ihrer arbeiterfreundlichen Haltung ein außerordentliches An- sehen genoß. Defuisseaux vollendete seine Rechtssttidien in Paris, wo er auch eine Zeitlang Sekretär Jules Favres war. 1870 wurde er, nach seiner Rückkehr in die Heimat, in die Kammer gewählt, wo er alsbald in die aufreibenden Kämpfe mit den Klerikalen und Liberalen geriet. Nach 11 Jahren legte er, nach einem vergeblichen Versuch, eine Erweiterung des Wahlrechtes durch- zusetzen, sein Mandat mit der auffehenerregenden Erklärung nieder, daß daS allgemeine Wahlrecht binnen kurzem in der Kammer als Sieger einziehen werde. Als der Kampf um das allgemeine Wahl- recht gegen Ende der achtziger Jahre begann, war eine Flugschrist Defuisseaux', betitelt:„Die Schande des ZenfuSshstemS" einer der ersten Trompetenstöße. Ein originelles Argument für die Wahlreform lieferte Defuisseaux, indem er vor den Wahlen für die konstituierende Versammlung seine Kandidatur im Wahlkreise Möns einer VolkSabstinunung unterwarf, die ihm 40 000 Stimmen brachte, wogegen die folgende legale Wahl nur einige Hundert auf seinen Namen ergab. Nach der Wahlreform von 1894 wurde Defuisseaux als sozialistischer Kandidat in den Wahlkreisen Lütttch und Möns gewählt. Er optierte für letzteren und vertrat ihn bis 1900, in welchem Jahre er eine neue Kandidatur ablehnte, weil er unter der Geltung des von ihm heftig bekämpften Proporttonal- systemS nicht Abgeordneter fein wollte. Seither lebte er zurück- gezogen vom öffentlichen Leben, doch in freundschaftlichen Beziehungen mit den Parteigenossen, insbesondere mit den Bergarbeitern des Borinage, die ihn ebenso verehrten wie seinen vor einigen Jahren verstorbenen Bruder Alfted. Heute wurde die Leiche Defuisseaux' von den Parteigenossen Brüssels und den Delegierten der Provinzorganisationen zum Süd- bahnhof geleitet, von wo sie nach Paris übergeführt wurde, um dort nach dem letzten Willen des Verstorbenen verbrannt und auf dem Pöre Lachaise beigesetzt zu werden. An der Pariser Leichen» feier wird sich die ftanzösische sozialistische Partei beteiligen. Eingegangene Druckschriften. „The Soclallett Annaul 1007"(Sozialistisches Jahrbuch für 1907), herausgegeben von Th. Rothstein, Verlag der.XX. Century Preß»- London, 67 Seiten, 0,50 M. Jesus Christus vom Standpunkte des Psychiaters. Von Dr. de Loostcn(Dr. Georg Lomcr). SM.— Der schwarze Dod von Dr. M. Wittich. 64 Seiten.— Darf das Rrichstagswahlrecht geändert werden? Dr. jur. Th. Frank. 84 Seiten. Verlag: Handelsdruckerei Bamberg._ Letzte J�achnchten und Dcpefchea Gemaßregelte Schiffsoffiziere. Hamburg, 23. Dezember. W. T.-B. Nach einer Mitteilung des Vereins deutscher Kapitäne und Offiziere der Handelsmarine sind bis gestern wegen Verweigerung der von hiesigen Reedereien verlangten Unterschrift des bekannten Reverses 71 Kapitäne und Offiziere gemaßregelt worden. Schweres Eisenbahnunglück in England. London, 23. Dezember. W. T.-B. Ein Eisenbahn- zusammenstoß fand nahe Dundee statt; 13 Personen sind ge» tötet._ Schneestürme in England. London, 23. Dezember.(W. T. B.) Andauernde schwere Schnee- stürme stören in allen Teilen des Landes den Verkehr; die Landstraßen und Schienenwege sind au vielen Orten unpassierbar; die Telegraphcndrähtc find zerrissen. Der Bahnverkehr zwischen England und Schottland ist zerstört. Mehrere Todesfälle durch Erfrieren werden gemeldet; schwere Stürme wehen an der ganzen Küste. Un- Wetter ist schlimmer als seit vielen Jahren. Ein Förderer der Progrome. Odessa, 28. Dezember. W. T.-B. Der Kommandierende der Truppen des Militärbezirks Odessa General Baron Kaulbars ist in einen andern Bezirk versetzt worden. Der Grund hierfür liegt, wie verlautet, in seinen engen Beziehungen zu dem Verbände des russischen Volkes und darin, daß er es nicht verstanden habe, den Ausstand der Hafenarbeiter zu verhindern. Leiantw. Redakteur: Hau» Web», Berlin. Inseratenteil verantw.i kt» Blicke, Berlin. Druck wLerlo»: VarwärttBuchdr.u.Lerlagsaztjtelk UaulS'ngerLiCo.,BerlinSW. Hierzu 2 Beilagen«.UnftrhaltunaShlM Kr. M. W. ZchiWuz. l. Keilm de» LmSrls" Knlim WsM Souuabend, 29. Dezember 1996. Die russische Revolution. Die Bewegung in der Marine. London, 28. Dezember.(B. H.) Blättermeldungen zu- folge ist augenblicklich im Hafen von Helsingfors eine MeuteM an Bord der russischen Kriegsschiffe'in Vorbereitung. Diese Meuterei sollte bereits vor einiger Zeit ausbrechen, wurde aber verschoben, weil die Matrosen einen günstigeren Augen- blick abwarten wollten, wo der Hafen zugefroren wäre. Die Behörden erhielten von diesem Plane Nachricht und trafen die umfassendsten Maßregeln, um einen Kampf zu vereiteln. Die Bevölkerung ist ruhig, da sie von dem Plane nichts weiß. Die Wahlkampagne. Am 20. Dezember wurde in Moskau eine Konferenz der bevoll- mächtigten Vertreter folgender Verbände abgehalten: des All- russischen Bauernverbandes, der Arbeitsgruppe G,Trudowiki"), des Lehrerverbandes, des Medizinischen Verbandes und des Allrussischen Eisenbahnerverbandes. In der Ansicht, daß der gegenwärtige politische Augenblick ohne Aufschub ausgenutzt werden müsse, haben die Vertreter der genannten Organisationen der werktätigen Bauern- schaft, der Arbeiterschaft und' der demokratischen Intelligenz be- schlössen, unverzüglich in die Wahlkampagne einzutreten und ihre Aktionen in Uebereinstimmung zu bringen:„Es sollen gegen- seitige Vereinbarungen getroffen und gemeinsame Wahlkonntees gebildet werden, sowohl ein zentrales Komitee als auch örtliche und GaukomiteeL. Die Organisationen, welche die vorliegende Ver- einbarung abschließen, erblicken in derselben den Anfang zu der weiteren Vereinigung aller Arbeitsorganisationen und-Parteien." Die anwesenden auswärtkgen Vertreter der Organisationen schilderten die Stimmung derJntelligenz, der kleinbürgerlichen städtischen Demokratie und der Bauernschaft. So wurde erzählt, daß man es in der gegenwärtigen Wahlkampagne nicht besonders nötig haben werde, die Programme der verschiedenen Parteien zu erläutern — die Sache sei viel einfacher: An vielen Orten werde inan so ver- fahren:„Wer für die Regierung ist, trete auf die rechte Seite, wer gegen sie ist— auf die linke!"— Im Gouvernement Kostroma werde es genügen, den Arbeitern und Bauern einfach zu sagen: „Wenn ihr wollt, daß man euch erschießt und hängt, stimmt für den und den; wenn nicht— für den und den!" Und' in den Gouverne- incnts Saratow und Samara werde die Wahlparole lauten: Für Gurko oder gegen Gurko? Die Wahlagitation, die von den Schwarzen Banden betrieben wird, beginnt die jüdische Masse stark zu beunruhigen. Im Ansiedelungsrayon werden die Wahlausrufe der Schwarzen an allen Orten verbreitet und die Generale der Schwarzen Armee bereisen daS Land zu Agitationszwecken. Aber nicht immer ist ihre Agitation von Erfolg gekrönt. So wurde z. B. in Mohilew in einer Ver- fammlung, die vom Verband der echtnissischen Leute einberufen war, eine sozialdemokratische Resolution angenommen l Die Polizei löste die Versammlung natürlich auf. Die Finanziers der Pogrome. In der„Humanitv" charakterisierte JaursS dieser Tage die Umtriebe der jüdischen Hochfinanz von Frankreich zugunsten des Zarismus. Zur Zeit der letzten Anleihe haben die Pariser Finanz- Häuser mehrere Milliarden gezeichnet, das Haus Louis Hirsch allein einen Betrag, der der ganzen Anleihe gleichkam! Jaurös weist auf die Verantwortlichkeit der Regierung hin, die jetzt die schwindelhasten Praktiken der Banken duldet, welche dem russischen Absolutismus die Möglichkeit zur Auflösung der neuen Duma sicher» wollen. Das Publikum wird durch scheinbare Be- günstigungen irregeführt. Statt der Einzahlung eines Zehntels der gezeichneten Summe begnügt man sich mit einem Zwanzigstel oder gar einem Dreißigstel! Ein Syndikat von Finanzleuten, an deren Spitze der ehemalige Ministerpräsident Rouvier steht, umgeht ohne Scheu das Gesetz, das die Emission von ausländischen Werten ohne Genehmigung der Re- gierung verbietet. Die Emission wird diesmal als„Lieferung von Eisenbahnmaterial" notdürftig maskiert. Die Gesellschaft, die von der französischen Handelsbank und der internationalen russischen Bank mit einem Kapital von ö Millionen Frank— nicht 30 Millionen, wie die russische Presse berichtet— ins Leben gerufen werden soll, hat keine industrielle Operation, sondern nur die Beschaffung einer verkleideten Anleihe zur Aufgabe. Die Materialbestellungen werden nicht einmal der französischen Industrie zugute kommen. Aber die Sozialisten werden die Regierung zwingen, Antwort auf die Frage zu geben, ob sie mit dem französiichen Gesetz so Schindluder treiben lassen will. Wie die Judcnhetzen gemacht werden. In Starodub gab der Staatsanwalt Butowskij im Prozeß wegen des Oktoberpogroms die Erklärung ab, ein Russe habe zu Provokationszwecken die russische Kirche in Brand gesteckt, worauf die Judemnetzcleien begannen!! „Regent" Stolypin. Die„Russische Korrespondenz" erhält das nachstehende Tew grantm: Petersburg, 28. Dezember. In letzter Zeit sprach man davon, daß Gouverneur Weretenikof in Kiew auf Verlangen des Generalgouverneurs Suchomlinow ver- setzt werden solle. Darauf saiidte der Kiewer Verband des russischen Volkes folgendes charakteristische Telegramm an den Minister- Präsidenten Stolypin: „Die Feinde des russischen Volkes agitieren eifrig gegen Gouverneur Weretenikof, welcher unsere einzige Stütze ist. Wir fordern, daß Exzellenz diesen Intrigen unserer Feinde sofort ein Ende macht, sonst werden wir die russische Macht mit eigenen Mitteln schützen müssen. Unsere Geduld ist erschöpft." Dieses charakteristische Telegramm zeigt die Macht, die der Verband des russischen Volkes gegenüber dem Ministerpräsidenten zu haben glaubt. Blaue Bohnen für Hungernde. Als im Kreise Tztvilisk lGouvernement Kasan) hungernde Bauern aus den für die Hungernden bestimmten Speichern Korn entnehmen wollten, kam es zu einer förmlichen Schlacht, da die Polizisten ihnen entgegentraten. 0 Tote, 16 Verwundete!— Die Schraube der direkte» Steuer in Preutzen. Für Preußen tritt mit dem stcuerjahr 1907 die Novelle vom 19. Juni 1906 zum preußischen Einkommensteuergesetz in Kraft. Durch dieselbe hat das preußische Dreiklassenparlament der besitzenden Klasse neue Steuerbefreiungen, der Arbeiterklasse neue Lasten und Entrechtungen beschert. Würde der Steuerzettel für das Jahr 1907 schon vor dem 26. Januar den Wählern zugehen—, so würde der erwerbstätigen Bevölkerung vor der Wahl sinnenfällig klargemacht. wie auch aus dem Gebiete der direkten Steuern der Besitz privilegiert, die Arbeit belastet wird. Der Steuerzettel wäre ein Agitationsmittel ersten Ranges für die Wahlen. Das Einkommensteuergesetz hält sich von der auch von bürgerlichen Politikern aufgestellten Forderung fern, zum mindesten das vom Reich bereits im Jahre 1877 als unentbehrlich und deshalb unp fändbar bezeichnete Jahreseinkommen bis 1200 Mark steuerfrei zu lassen. Würde Preußen alle Jahreseinkommen s e l b st bis LOOO Mark völlig steuerfrei lassen und die Steuerschraube vi de» höheren Einkommen nnr um 1 Prozent anziehen, so würde der Staat rund 35 bis 40 Millionen mehr herausschlagen, als er » Herne einnimmt. Das preußische Dreiklassenparlament ist den ent- gegengesetzten antisozialen Weg gegangen: es hat durch die Novelle eine stärkere Belastung der Einkommen, die nur ein von der Hand in den Mund leben gestatten, erstrebt, hat ferner alle Vereine zum gemeinsamen Einkauf von Lebens- und hauswirtschaftlichen Bedürfnissen im großen und Ablaß ini kleinen, insbesondere auch die eingetragenen Genossenschaften und die Ge- sellschaften mit beschränkter Haftung einer enormen, mit dem Prinzip der Reichsgesetzgebung unvereinbaren Steuer be- legt und hat auf der anderen Seite für die Besitzenden und Reichen, insbesondere für die Großgrundbesitzer neue Privilegien ein- geführt. Nach dem Gesetz ist künftig der Arbeiter der einzige Staats- bürger, der in Staat und Gemeinde von seinem Einkommen voll und ohne Privilegien bis auf den letzten Pfennig Steuern zahlen soll. Auch bislang waren die Steuerbehörden im Zugreifen Arbeitern gegenüber nichts weniger als blöde. Allein zum Beispiel der Regierungsbezirk Düsseldorf weist 45 700, Arnsberg 30 000 Be- rufungen aus. Die übergroße Zahl dieser Berufungen trifft Arbeitercinkommen. Hatte man bisher schon den Arbeitern vielfach Reklamationen und Berufungen dadurch geradezu verekelt, daß man die Reklamierenden zur Auskunftserteiluna vorlud, ohne den durch Wahrnehmung solcher Termine entgehenden Arbeitsverdienst zu erstatten, so hat man für die Zukunft den Steuer- Pflichtigen mit Einkommen von nicht mehr als 3000 Mark den Rechtsweg gegen ungerechte Ver- anlagungen erheblich beschnitten. Fortan steht ihnen nur der Einspruch an die Veranlagungskommission und die Be- rufung an die Berufungskommission zu: Die Beschwerde an das Oberverwaltungsgericht ist dem Mittel stand und dem A r b e i t e r st a n d genommen. Nur den mit Einkommen über 3000 Mark Veranlagten steht der Weg an das von der arbeitenden Bevölkerung mit bezahlte Oberverwaltungsgericht noch offen. Die Verkümmerung der Rechtsmittel ist wie bei der reichsgesetzlichen Beschrankung der Revision an das Reichsgericht eine Verschlechterung der Rechtslage der Erwerbstätigen gegenüber der besitzenden, wohl- habenden Klasse. Diese Erhöhung der Rechtlosigkeit der arbeitenden Bevölkerung schafft für die Willkür der Berufungskommission— deren Mitglieder bestehen aus von der Regierung ernannten Bureau- kraten und vom Provinzialausschnß(in Berlin vom Magistrat und Stadtverordnetenversammlung in gemeinschaftlicher Sitzung) ge- wählten Einwohnern— breitere Bahn. Dem Dreiklassenparlament genügte aber diese Rechtsverkiirzung noch keineswegs zur Erfüllung des Satzes im Ev. Markus 4,25: „Denn wer da hat. dem wird gegeben, und wer nicht hat, von dem wird man nehmen auch das, was e r h a t." Von konservativer und nationalliberaler Seite wurde der Re gierung folgende von uns wiederholt gekennzeichnete Vorschrift in !s 23 Abs. 3 zwecks Steuers chnüffeler nach Arbeits- löhnen apportiert: Wer für die Zwecke seiner Haushaltung oder bei Ausübung seines Berufes oder Gewerbes andere Personen dauernd gegen Gehalt oder Lohn beschäftigt, ist verpflichtet, über dies Einkommen, sofern es den Betrag von jährlich 3000 Rk. nicht übersteigt, der im Absatz 1 genannten Behörde auf deren Verlangen binnen einer Frist von mindestens zwei Wochen Auskunft zu erteilen. Für diese neue Bedrückung der Arbeiter stimmte in der Korn- Mission des Abgeordnetenhauses neben den Konservativen und Nationallibcralen auch ein Teil des Zentrums. Im Plenum stimmten Zentrum, Freisinnige Vereinigung und Freisinnige Volkspartei da gegen. Der Wortlaut des§ 23 zielt aus eine Denunziaticmspflicht auf Ausragen über bestimmte einzelne Personen ab. Der Steuer fiskus hat durch den Finanzminister unter dem 6. November d. I. den Vorsitzenden der Einkommensteuerberufungskommissionen kund und zu wissen gegeben, daß der 8 23 Abs. 3 eine über die Aus- kunftserteilung auf Anfragen, die im Einzelfall er- gehen, weit hinausreichende Bedeutung habe. Er soll danach eine„wirksame Handhabe" bieten, alle Einkommen von nicht mehr als 3000 Mark jährlich genau zu erschnüffeln. Dieser Zweck, meint der Finanzmmister, könne nur erfüllt werden, wenn „von dem Arbeitgeber Auskunft über das Einkommer aller bei ihm beschäftigten Angestellten und Arbeiter" verlangt Ivird. Es sind deshalb an die Arbeitgeber Formulare mit dem Verlangen ver- sandt, den Namen, die Wohnung und Beschäftigung, den Ver- dienst an Geld und Naturalien usw. der bei ihnen Beschäftigten bei Vermeidung des Strafweges auszufüllen. Hierzu sind die Ar bcitgcbcr keineswegs verpflichtet. Es haben eine große Reihe von Arbeitgebern, weniger aus Rücksicht auf die Arbeiter als wegen der mit Erfüllung dieser Denunziationspflicht verbundenen Scheerereien mit Recht die Ausfüllung der Listen abgelehnt. In letzter Instanz wird daS Kammergericht über die gesetzliche Berechtigung und moralische Verpflichtung dieser Weigerung zu entscheiden haben. Aber nicht alle Arbeitgeber haben diese Beantwortung abgelehnt: eine große Reihe von Angestellten und Arbeitern werden daher ein plötzliches Hinaufschrauben der Steuersätze in Preußen im kommenden Jahre verspüren. Diese aus§ 23 Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes heraus- gelesene Offenbarungspflicht über das Einkommen der dauernd An- gestellten erstreckt sich nicht auf die Teilhaber offener Handelsgesell- schaften. Hatte z.B. Frau Minister v. Podbielskt seit den Hcrero-Unruhen ein Jahreseinkommen von mehreren hundert- tausend Mark aus ihrer Beteiligung zu 40 Proz. an der Firma Tippelskirch u. Cie., so hatten Tippelskirch u. Cie. hierüber der Steuerbehörde nichts zu melden. Auch in Zukunft ist nur der Ehemann der Exzellenz von Podbielski ver- pflichtet, die mehrfachen hunderttausend Mark, die seiner Frau als Jahreseinkommen aus ihrer Beteiligung an der Tippelsnrch- Firma zugefallen sein mögen, mitzuversteuern. Maßgebend für die Höhe des Einkommens Ivar bislang der dreijährige Durchschnitt. Es ivurde dadurch hier und da die Härte'vermieden, daß ein zur Steuer Veranlagter das zu- fällige höhere Einkommen eines Jahres in dem kommenden, mit einer schlechteren Gesamteinnahme abschließenden versteuern mußte. Diese Vorschrift ist für die Zukunft gegenüber Ar- b eitern aufgehoben: die Veranlagung erfolgt fortan nach den Ergebnissen des dem Steuerjahr unmittelbar vorangegangenen Kalenderjahres oder nach dem mutmaßlichen Jahresertrage. Hin- gegen ist das Einkommen aus Handel, Gewerbe, Bergbau und aus L a Ii d- und Forstwirtschaft auch künftighin nach dreijährigem Durchschnitt zu veranlagen, falls der Steuerpflichtige in geordneter Weise Bücher führt. Das Gesetz sagt nicht, was eö unter Buchführung in geordneter Weife versteht. ES ist daher nicht unmöglich, daß beim Großgrundbesitz 2000— 30Ö0 M., die für persönliche Ausgaben oder für Verwertung der eigenen Arbeitskraft als Ausgaben gebucht sind, von der Steuerpflicht frei bleiben. Das ist um so eher anzunehmen, als die preußische Regierung diese eigenartige Art Buchführung bei Berechnung des Ertrages von Grundstücken bei Gelegenheit der Zolltarifdebatten im Jahre 1902 anwendete. Den Kapitalisten find durch die Einkommensteuernovelle aber noch eine Reihe anderer Abzüge bei Berechnung ihres Ein- kommens gestattet, denen ähnliche Abzüge der Arbeiterklessse gegen- über nicht zur Seite stehen. Die wesentlichsten dieser neuen gesetz- lichen Steuerprivilegien zugunsten des Großkapitals und des Groß- grundbesitzeS sind folgende: Es sind künftig abzugsfähig: 1. Die Beiträge zu öffentlichen Be- und Entwässe- rungsverbänden sowie zur Unterhaltung vo» solchen Wasscrläufen, für welche besondere Gesetze zur Verhütung von Hochwassergefahre» erlassen worden sind, 2. die von dem Grundeigentum, dem Gewerbebetrieb und dem Bergbau zu entrichtenden direkten Kommunal- steuern bis zur Höhe der staatlich veranlagten Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer. Bis zur gleichen Höhe werden in den Gutsbezirken die realen Kommunal- steuern und die neben ihnen bestehenden G u t s I a st e n als abzugsfähige Werbungskosten angesehen: Die Gutslasten kommen dabei mit 30 Prozent der staatlich veranlagten Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer auch dann in Absatz, wenn dieGuts- lasten erheblich niedriger sind; 3. die Beiträge zu den Berufskammern, z. B. die an eine Landwirtschafts-, Handels-, Handwerks-, Aerzte-, Anwalts-, Apotheker-Kammer zu zahlenden Beiträge(nicht aber die an Gewerkschaften oder Arbeitervereine zu entrichtenden Beiträge); 4. die auf Kirch enpatronats-Verpflichtungeu beruhenden dauernden Lasten; 5. die auf Grund rechtlicher Verpflichtung vom Steuer- Pflichtigen zur allmählichen Tilgung eines auf s e i n e m G r u n d- besitz hastenden Schuldkapitals zu entrichtenden Be- träge, soweit sie 1 Proz. des Kapitals und den Betrag von 600 M. jährlich nicht übersteigen; 6. für die Besitzer von Waldstücken, Ivelche nicht nach einem forstmäßigen Plane bewirtschaftet werden, trifft 8 12 des Ein- kommenfteuergefetzes das neue Privilegium, daß die Ergebnisse von Abtrieben aus diesen Waldstücken als steuerpflichtiges Einkommen nicht anzurechnen sind, wenn und soweit dieselben sich in einem Jahre auf mehr als den zehnten Teil des Wertes des vorhandenen Holzes erstrecken. Neben diesen insbesondere dem Großgrundbesitzer zugute kommenden neue n �Geschenken ist die Zulässigkeit der bereits früher für zulässig erklärten' Abzüge aufrecht erhalten. Dahin gehören zum Beispiel die Deichlasten, die indirekten zu den Geschäftsunkosten zu rechnenden Abgaben, die regelmäßigen jährlichen Ab- setzungen für Abnutzung der Gebäude, Maschinen_ und des sonstigen toten Inventars. Nach wie vor sind dorn Arbeiter Abzüge ftir die zur Erhaltung seiner Arbeitskraft gemachten Auf- Wendungen nicht gestattet: er kann weder für Lebensunterhalt, noch für Bekleidung, noch für Miete Abzüge machen. Für die Abzüge, die e r vom Einkommen machen darf, gelten nur folgende allgemeine Bestimmimgcn: Es find abzugsfähig: 1. die von den» Steuerpflichtigen zu zahlenden Schuldenzinsen; 2. Renten und dauernde Lasten, die auf Prwatrechtstiteln (z. B. Vertrag, Verschreibung, letztwilliger Verfügung) beruhen; 3. die von dem Steuerpflichtigen für seine Person gesetz- oder vertragsmäßig zu entrichtenden Beiträge zu 51! ranken-, Unfall-, Alters- und Invalide nversicherungs-, Witwen-, Waisen- und Pensionskassen, s o iv e i t diese Beiträge zusammen die Höhe von 600 M. nicht übersteigen; 4. Versicherungsprämien, welche für Versicherung des Steuerpflichtigen oder eines nicht selbständig zu veranlagenden Haushaltungsangehörigen auf den Todes- oder Lcbcnsfall gezahlt werden, soweit die Prämien den Betrag von 600 M. jährlich nicht übersteigen. In Betracht kommt für den Arbeiter noch folgende durch die Novelle erweiterte Vorschrift des 8 19 zugunsten solcher Steuer- zahler, welche Kinder oder Angehörige zu unterhalten haben: „Gewährt ein Steuerpflichtiger, dessen Einkommen den Betrag von 3000 Mark nicht übersteigt, Kindern oder anderen Familien- angehörigen auf Grund gesetzlicher Verpflichtung Unterhalt, so wird ihm von dem steuerpflichtigen Einkommen für jedes derartige Familie>r Mitglied der Betrag von 50 Mark in Abzug gebracht mit der Maßgabe, daß in jedem Falle eine Ermäßigung staitsindet um eine der im§ 17 vor- geschriebenen Steuerstufen bei dem Vorhandensein von drei oder vier, lim z w e i S t u f e n bei dem Vorhandensein von fünf oder mehr derartigen Familienmitgliedern. Bei Einkommen von mehr als 3000 Mark, aber nicht mehr als 6500 Mark, wird der im 8 1? vorgeschriebene Steuersatz er- mäßigt um eine Stufe, lvcnn der Steuerpflichtige drei oder vier. um zwei Stufen, wenn der Steuerpflichtige fünf oder mehr Kindern oder anderen Familienangehörigen auf Grund gesetzlicher Verpflichtung Unterhalt geivährt. Bei der Feststellung der für die Ermäßigung, naßgebenden Personenzahl(Absatz 1 und 2) iverden nicht mitgerechnet die Ehefrau des Steuerpflichtigen und diejenigen Kinder und Angehörigen, welche das vierzehnte Lebensjahr über- schritten haben und entweder im landwirtschaftlichen oder gewerblichen Betriebe des Steuerpflichtigen dauernd tätig sind oder ein eigenes Einkommen von mehr alS die Hälfte des ortsüblichen Tagelohns nach ihrer Altersklasse und nach ihrem Geschlecht haben. Ist nach Absatz 1 Ermäßigung unter den Steuersatz voir 6 Mark begründet, so tritt Befteiung von der Staatssteuer ein." Die Vereinigung von Konsumenten zwecks Berbilligung der Lebensbedürfnisse durch gemeinsamen Einkauf wird von der Reichs- gesetzgebung als im Interesse der Arbeiter und des Mittelstandes liegend bezeichnet. Dem preußischen Dreiklassenparlament ist eine wenn auch noch so geringe und vorübergehende Erleichterung der Lage des Mittelstandes und der Arbeiterklasse ein Frevel, der ge- straft Iverden muß. Die Novelle zum preußischen Einkommensteuer- gesetze hat, wie eingangs erwähnt, alle Vereine einschließlich ein- getragener Genossenschaften zum gemeinsamen Einkauf von Lebens- oder hauSwirtschastlichen Bedürfnissen im große» und Ablaß im kleinen, auch wenn ihr Geschäfts- betrieb nicht über den Kreis ihrer Mit- lieber hinausgeht, sowie die Gesellschaften mit eschränkter Haftung mit einer maßlos hohen Einkommen- steuer belegt. Im Reich predigen Konservative und National- liberale gegenüber der Fleischteuerung Ausschaltung des Zwischen- Handels durch Zusammenschluß zu Einkaufsvereinen und in Preußen belegen sie solche Einkaufsvereine mit einer Erdrosselungssteuer, deren Erhebung mit dem Reichsgesetze auch nach dem früheren Ausspruch von Regierungsvcrtretcrn unzulässig ist. Doch wann hätte der preußische Junker vom Schlot und Kraut nicht auf ReichSgesetze gepsiffen? Der zur Steuer herangezogene„Geschäftsgewiini" der Gesellschaften mit beschränkter Hastung soll in ähnlicher Weise wie der Geschästsgetmnn aus Handel, Gewerbe und Bergbau ermittelt werden. Der Steuertarif für Gesellschaften mit beschränkter Haftung übersteigt den für andere Einkommen festgesetzten allgemeinen Tarif. Der allgemeine Tarif beträgt bei einem Einkommen von jährlich mehr bis ein- Steuer für Gesellschaften als schließlich niit beschränkter Hastung 900 1050 6 M. 7 M. 1050 1200 9„ 10., 1200 1350 12„ 14 ,. 1350 1500 16„ 18„ 1500 1650 21„ 24„ 1650 1800 26„ 30 ,. 1800 2100 31„ 36„ 2100 2400 36„ 42.. 2400 2700 44„ 44„ 2760 3000 52., 56„ 3900 4200 92„ 96„ 5060 5590 132„ 148„ 6699 6590 160„ 180„ 7090 7500 192„ 220„ 9000 9500 276„ 300, 9500 10500 300„ 340„ Die Steuer des allgemetnen Steuertarifs steigt bei höheren Einkommen von mehr als 10$00 bis 30600 in tZKuhyr- bon 1000 M. um je 30. von mekr als 30 500 bis 32 000 in Stufen von 1500 M. um je 60, bei 32 000 bis 78 000 für je 2000 M um 80, bei 78 000 bis 100 000 für je 2000 um 100 M. und beträft die Steuer bei Einkommen aon mehr als 100 000 bis 105 000 M. 4000 M. und steigt bei höheren Einkommen in Stufen von 5000 M. um je 200 M. Die Steuer des Tarifs für Gesellschaften mit beschränkter Haftung steigt bei höheren Einkommen von mehr als 10 500 bis 46 500 M. in Stufen von 1000 M. um je 40. bei 46 500 bis 48 000 tvt. in Stufen von je 1500 M. um je 60 bei 48 000 bis 100 000 in Stufen von 2000 M. um je 100 M.' Gesellschaften mit beschränkter Haftung unterliegen bei Einkommen von mehr als 100000 bis 104000 M. einer Steuer von 4600, bei höherem Einkommen steigt die Steuer in Stufen von je 4000 M um je 130 M. Nach allen Richtungen hin weist also die Novelle zum preußischen Emkommensteuergesctz Bevorrechtigungen der Wohlhabenden, ins- besondere der Grotzgrundbesitzer. und Benachteiligungen der Arbeiter- tlasse auf._ Hus Induftrie und Handel Schutz der nationalen Arbeit. In einer Zuschrift an die„Bossische Ztg.« über die Lage des KleineisengewerbeS heißt es: „Durch die neuen Zölle ist einzelnen Finnen der Export direkt untergraben, und man beabsichtigt, dazu überzugehen, Betriebsabteilungen in? Ausland zu verlegen, um dort, nachdem die Rohstoffe über die Grenze gebracht worden sind, sie zu Fertige fabrikaten zu verarbeiten.« DaS find die Folgen der neudeutschen Zollpolitik, für welche die Arveiter am 25. Januar die Quittung ausstellen werden. Deutschlands Kohlenverbranch. Für die 11 Monate des laufenden Jahres stellt sich die Produktion im Vergleich zu der Parallelzeit des Borjahres wie folgt: Steinkohlen Braunkohlen Koks Briketts 1005... 110 672797 47426 651 13 378 842 11748 721 1900... 125 693 158 51 329 874 18 475 721 13 345 283 Allerdings hat auch die Ausfuhr eine Zunahme erfahren, aber das Produktionsplus übersteigt doch die Exportzunahme. Es wurden eingeführt ausgeführt 1905 1906 1905 1906 Tonnen Tonnen Tonnen Tonnen Steinkohlen. 8 614 287 8 355 056 16 446 517 17 975 384 Braunkohlen. 7 176 868 7 764 865 18 423 16 837 Koks.... 655435 534098 2 509209 3165357 Demnach ergibt sich folgender Kohlenverbrauch: Stein- Braun- kohlen kohlen 51010 in Tonnen 1905... 102 840 567 54 585 096 12 025 068 1906... 116 072 330 59 077 896 15 844 462 Die Zunahme des Verbrauchs stellt sich für Steinkohlen auf 13231 763-- 12,89 Proz., Braunkohlen 44 923000 8,23 Proz.. Koks 3 719394=- 30,93 Proz. Kohlenproduktion der Welt im Jahre 1905. ' Nach einer Zusammenstellung des englischen Bourä of Trade belief sich die Weltproduklion von Kohle» mit Ausschluß der Braun kohlen im Jahre 1905 auf etwa 840 Millionen Tonnen. Der Anteil der wichtigeren Länder an dieser Erzeugung während der letzten drei Jahre ist m der nachstehenden Tabelle ersichtlich gemacht: Produktionsländer ��nen To�en Tomwn Bereinigte Staaten von Amerika..... 319 068000 314 563000 330 821000 Großbritannien... 230334000 282428000 236 129000 Deuischland..... 114 768 000 118 874 000 119 349 000 Frankreich..... 33 668 000 32 964 000 34 778 000 Belgien...... 23 415 000 22 395 000 21506 000 Hiernach ist die Kohlenproduktion aller vorstehend genannten Länder, Belgien ausgenommen, im Jahre 1905 gestiegen. Die letzt- jährige Erzeugung der Bereinigten Staaten von Amerika übertraf diejenige Großbritanniens um mehr als 100 Millionen Tonnen. während Deutichlands Anteilziffer nur etwa die Hälfte und die Belgiens und Frankreichs zusammengenommen nur den vierten Teil der englischen Produktion ausmachte. Auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet, übertrifft die Kohlen- gewinnung Großbritanniens(mit fast S'/u Tonnen pro Kopf) die- jenige der Vereinigten Staaten von Amerika) mit ettvaS weniger als 4'/« Tonnen). In Belgien kamen 3 Tonnen, in Deutschländ etwa 2 Tonnen und in Frankreich etwas unter 1 Tonne Kohlen auf jeden Einwohner. Sozialem Was ist das Leven eines Arbeiters wert? Der kurze Bericht, den wir über ein RegenSburger Urteil am 19. Dezember unter dieser Ueberschrift brachten, hat die„Kreuz- Zeitung«, deren Bibelkenntnis und Wahrheitsliebe, wie wir neu- lich nachwiesen, auf sehr tönernen Füßen steht, ohne daß das Organ für Junkerei und Muckerei etwas zu erwidern vermochte, in Harnisch gebracht. Die biedere Reaktionärin schreibt: Berlin, 27. Dezember. In der Wahl seiner Mttel, die Arveiter zu»erhetzrn, entwickelt das sozialdemokratische Zentralorgan zuweilen eine kaum zu überbietende Skrupel- lofigkeit. So las man kürzlich im„Vorwärts" unter der Ueber- fchrift„Was ist das Leben eines Arbeiters wert?" folgende Notiz: „Durch das Verschulden des Steinbruchbesttzerö und Kommerzienrats Anton Lang in Neukehlheim an der Donau hat ein Steinbrucharbeiter sein Leben eingebüßt. Das Landgericht in Regensburg bewertete das Leben des Arbeiters nicht hoch. eS ver» urteilte den Kommerzienrat zu— 150 M. Geldstrafe." Mit dem Wert des Lebens hat dieses Urteil nicktS zu tun. Der„Vorwärts" entstellt gröblich, wenn er behauptet, das Regens- burger Landgericht habe das Leben des verunglückten Arbeiters nurmit 150 M. bewertet. Es handelt sich hier lediglich um die Ahndung einer Außerachtlassung von Unfallverhütungsvorichristen, um eine Fahrlässigkeit, die wahrscheinlich dem Arbeitgeber nicht einmal unmittelbar zur Last fällt, der nur deshalb bestraft wird, weil er die Verantwortung dafür trägt. Ueber die Bewertung des Menschenlebens gibt es Prozesse und Präjudizien zur Genüge, es wird individuell nach dem Verdienste des durch Unfall oder sonst- wie getöteten Menschen im Interesse der Hinterbliebenen und ihrer Entschädigung berechnet. Mit seiner Notiz will der„Vor- wärts" Gesetz und Rechtsprechung diskreditieren und die gewohnte Verhetzung, seine Hauptarbeit, betreiben. Sollten nicht in den gröblichsten Fäll», solcher Art amtliche Richtigstellungen der be- treffenden Behörden nützlich, ja notwendig sein? Brrr! Was sollen denn die„betreffenden Behörden« richtig stellen? Sollen sie den Tod des Arbeiters beseitigen? Sollen sie lnitteilen, an dem Tod des Arbesters war nicht nur der zu so ge- linder Strafe verurteilte Kommerzienrat, sondern die bürgerlichen Parteien, voran die„Krenz-Zeitlmgs"-Paitei, schuld, die alle sozial- demokratischen Anträge abgelehnt hat, die darauf abzielten, die Unglücksfälle im Betriebe zu verringern? Die„Kreuz-Zeitung" wagt angesichts der Tatsache, daß das Unfallgesetz im besten Falle nur zwei Drittel des Schadens vorsteht, zu behaupten, bei Unfällen lverde nach dem Verdienst des getöteten Menschen„tm Interesse der Hinterbliebenen und ihrer Entschädigung" die Be- Wertung des Lebens bemessen! Die konservativen mitsamt den anderen bürgerlichen Parteien waren es. die den vollen Schaden- ersatz Arbeitern gegenüber wiederholt ablehnten. Gegen die Möglichkeit einer Verringerung der A r b e i t e r- Unglücksfälle und für die Beeinträchtigung der Schadenersatzrente an Arbeiter ist die konservative Partei mitsamt der„Kreuz- teitung« eingetreten. Die Rücksichtslosigkeit gegen eben und Gesundheit der Arbeiter ist gerade in den landwirtschaftlichen Großbetrieben, deren Interessen die„Kreuz-Zeitung" wahrnimmt, erschreckend groß. Die hohen Zahlen der Unfälle in der Landwirtschaft tragen in sich eine solch furchtbare Fülle von Not und Elend, daß der Kaiser am 11. November 1890 in dem Landesökonomiekollegium sich gegen die„Gleichgültigkeit des Besitzers gegen daS Leben der von ihm beschäftigten Arbeiterinnen" aussprach. Damals, im Jahre 1890, betrug die Zahl der jährlichen Unglücksfälle im Landwirtschaftsbetriebe 12 573. Diese Zahl schnellte bis zum Jahre 1901 aus 55 983, im Jahre 1904 gar aus 66 003 hinauf! Diese Zahlen, diese Tatsachen, diese Rücksichtslosigkeit gegen das Leben seiner Mittnenschen, biedere„Kreuz-Zeitung", nicht unsere den tatsächlichen Verhältnissen entsprechende Mit- teilung der Wahrheit wirkt„verhetzend". Wer so wie die 5kreuz-Zeitung" den Mangel an Nnfallvcrhütungsvorschriften und ihrer Befolgung und die Kürzung des Rentenrechts der Arbeiter noch zu beschönigen wagt, der ist an dem namenlosen Elend, der Armee der im Betriebe der Landwirtschaft und Industrie Verunglückten und ihrer Hinterbliebenen mitschuldig. Berichttgen Sie, werte„Kreuz- Zeitung". Ihre Moralonschauungen und unterlassen Sie Ihr dumm dreistes Schreien nach behördlicher Berichtigung. Die gefüllte Kompottschüssel der Staatsarvester. Schon mehreremals haben wir über Arbeiterentlassungen auf der kaiserlichen Werst in Danzig berichten müssen. Der„Segen" der Flottenvermehrung ist besonders den Werstarbeitern in Danzig durch diese Entlassungen eingebläut worden. Kurz vordem Weihnachtsfeste sind nun wieder einzelne Staatsarbeiter aufs Pflaster geworfen. So ist ein Maschinenbauer entlasten worden, der chon zwei Jahre auf der Werft tätig gewesen ist. An dem Tage, an dem sein Kind starb, erhielt er die Kündigung. Der Mann ist weder gewerkschaftlich noch politisch organisiert gewesen; ja er hat sich nie um öffentliche Angelegenheiten ge- kümmert. Vorher wax er fast drei Jahre im Dien st e der Marine in China tätig und mußte als„dauernd halb- invalide" entlassen werden. Seine Pension wurde ihm um 33'/. Proz. gekürzt. Nun glaubte er dauenid auf der kaiserlichen Werst beichästigt zu werde», doch kurz vor dem„heiligen" Weih- nachtsfeste wurde er brotlos gemacht. Und weshalb? Der Mann gab sich die größte Mühe, die Gründe seiner Entlassung zu erfahren. Doch vergeblich. Nur andeuttingsweise wurde ihm mitgeteilt, daß er als vorbestrafter Riensch nicht würdig sei, in einem Staatsbetriebe zu arbeiten. Der Mann hat vor drei Jahren eine Torheit begangen und dafiir ein Strafmandat über eine Geldstrafe erhalten, die auf seinen Einspruch in eine Gefäitgnisstrafe von einigen Tagen umgewandelt wurde. Deshalb ist nun der invalide China kampfer mit seiner Familie mitten im harten Winter der bitter st e n Notausgesetzt! Uebrigens wurde von der kaiserlichen Werft noch ein Kessel chmied kurz vor Weihnachten entlassen, der schon sieben Jahre im Dienste des Staates gearbeitet hat. So erzieht der Vater Staat StaatSarbeiter zu Sozialdemokraten. HeimarbeitauSstellung in Frankfurt a. M. Durch die Berliner HeimarbeitauSstellung, welche Anfang dieses Lahres stattfand, veranlaßt, und einer Anregung des Frankfurter Stadtverordnetenkollegiums folgend, faßte eine Anzahl bürgerlicher Wirtschaftspolitiker. Industrieller und Gelehrter den Plan, eine ölchc Ausstellung in Frankfurt a. M. ins Leben zu rufen. Die Ausstellung soll nun im Herbst 1907 stattfinden. Der vorbereitende Ausschuß setzt sich unter anderem aus Vertretern des Sozialen Museums, Gewerkschaftskartells, christlichen Kartells und der Stadt Frankfurt zusammen. Das Komitee hat sich zur Aufgabe gemacht. in der Ausstellung hauptsächlich die Heimarbeit des Frank- urter Wirtschaftsgebiets darzustellen; es soll aber in diesem eng begrenzten Rahmen ein gründliches, umfassendes Bild der Heimarbeit in ihren wirtschaftlichen, technischen und sozialen Voraussetzungen, Formen und Folgen gegeben werden. Die Aus- stellung soll vollständige Ilnparteilichkeit zu ihrem Grundsätze machen und sich daher in gleicher Weise auf die Mitarbeit der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer stützen. Die örtliche Begrenzung des AusstellungsbercicheS ist: die- jenigen Gebietsteile Hcssen-Nasiaus �rnd Bayerns, die von den Ge birgen Westerwald. Vogclsberg, Rhön, Spestart, Odenwald und von dem Rhein umgrenzt sind. Tie sachliche Begrenzung der Aus- tellung ist: Darstellung der Heimarbeit dieser Gegenden in den verschiedenen Industriezweigen 1. nach ihrer wirtschaftlichen und technischen Seite hin: Arbeitsverfahren. Arbeitsverhältnis, Arbeits- preis und Herstellungskosten, sowie Verkaufspreise des Produktes; 2. nach der sozial-wirtfchaftlichen Natur der Heimarbeit: a) Zu- ammenhang zwischen Heimarbeit und anderen gewerblichen und landwirtschaftlichen Tätigkeiten; b) Zusammenhang zwischen Heim- arbeit und Familie; c) Einfluß der Heimarbeit auf die Ein- kommeusverhältnisse; 6) Zusammenhang zwischen Heimarbeit und Wohnung. Stach diesen Grundzügen ist der Plan der Ausstellung auf- gestellt. Die moderne Arbeiterschaft hat ihre Mitwirkung an der Ausstellung zugesagt, da ja ohne ihre Beteiligung keine derartige Ausstellung stattfinden kann. Auch liegt es im Interesse der Arbeiterschaft, wenn immer und immer wieder die Schäden der Heimarbeit in ihrer krassen Wirklichkeit gezeigt werden. Mögen die bürgerlichen Sozialpolitiker davon lernen. GewcrkfcbaftUcbee. Berlin und Qmgegenck. Bergrößerung deS Berliner Gewerkfchaftshanseö. Die Gesellschaft Gewerkschaftshaus hat gestern das Grund- tück Etigel-Ufer 14 zum Preise von 180 000 M. erworben, um im Anschluß an das jetzige HauS ein neues Bureaugebäude aufzuführen. Die Kosten des Anbaues, einschließlich des Grund und BodenS, sind auf 420000 M. veranschlagt. Mit dem Abbruch soll am 1. April 1907 begonnen werden, so daß !ier Anbau am 1. April 1908 in Benutzung genommen werden nnn. Die für den Anbau nötigen Gelder sind durch die Berliner Gewerkschaften zur Verfügung gestellt worden. Die Differenzen im Bäckcrgewerbe. Der.Zentralverband der Deutschen Bäckerinnungen« versendet an die Presse eine Notiz, die die jetzigen Differenzen im Bäcker- gewerbe salsch darstellt und die Differenzursachcn wohlweislich teils ,anz verschweigt, teil« zu verdunkeln versucht. Di« Zuschrift sucht n der öffentlichen Meinung den Verband der Etreikgeliiste zu be- chuldigen, während umgekehrt der fortgesetzte Tarifbruch, die Kampfesrüstungen und BiüSkierungen der Gesellenschast durch die Innungen zu der jetzigen Spannung geführt haben. Die Sachlage ist folgende: Die Grundlagen der tm Mai 1906 abgeschlossenen Verein- barungen liegen in folgenden beiden Bestimmungen: 1. Kost und Logis darf den Gesellen vom Meister nicht mehr gewährt werden, Ausnahmen sind nur auf ausdrücklichen Wunsch der Geselle» zulässig. 6. Für Berlin und seine Vororte, die dieser Abmachung an- geschlossen sind, soll ein zentralisierter Arbeitsnachweis errichtet werden. Dieser ist einer aus gleichen Teilen von Meistern und Gesellen gewählten Kommission zu unterstellen. Die einzusetzende Sckilichtungskommission hat die Vorarbeiten zur Errichtung dieses Arbeitsnachweises zu treffen. Die Innungen verpflichten sich, nach Inkrafttreten dieses Arbeitsnachweises ihre Mitglieder zur ausschließlichen Benutzung desselben anzuhalten. An diesen klaren Bestimmungen haben die Innungen vom ersten Tage an durch allerhand Auslegungskünste gerüttelt. . Schon der erste Punkt ist von Ansang an von den Innungen durchbrochen worden. Obgleich im Tarif ausdrücklich bestimmt ist, daß die Jnnungsarbeitsnacbweise unter diesen Bedingungen Gesellen nicht in Arbeit schicken dürfen, schicken die Jnnungssprechmeister nach wie vor die Gesellen gegen ihren ausdrücklichen Wunsch in Arbeit mit Kost und LogiS beim Meister. Noch mehr, die Jnnungsmeister erließen in ihrer Zeitung— sogar ohne Befragung der Schlichtungskommlssion— eine dahingehende Anweisung an die Sprechmeister. Wer von den Gesellen sich dagegen sträubte wurde gemaßregelt. Ein geharnischter Protest der Gesellen- Vertreter in der.Schlichtungskommission führte zum Ucberfluß dahin, daß sich die Innungen auf den Standpunkt der Sprechmeister stellten. Sie— die Innungen— legen den Tarif„eben so auS", wenn es auch anders drin stände, erklärten sie trocken. Die neuerliche Auslegung des Punkt 5 des Tarifes lArbeits- nachweis) seitens der Innungen hat dem Faß den Boden auS- geschlagen. Obgleich der Tarif ausdrücklich besagt, daß der zu errichtende Arbeitsnachweis, unbeschadet seines Jnnungscharakters einer pari- tättschen Kommiision unterstellt wird, und die ganze Einrichtung desselben der SchlickitungSkommission übertragen ist. wollen jetzt die Innungen selbst bestimmen, wie der Arbeitsnachweis aussehen soll und sollen auch ferner die HauptsunkNonen der Verwaltung desselben den Jnnungsvorständen überlassen bleiben. Das hieße auf gut Deutsch: ES bleibt alles beim alten; die bisherige Wirtschaft im Arbeitsnachweis. die der Gesellenschaft so sehr verhaßt ist und gerade durch den Tarif beseitigt werden sollte, soll weiter bestehen bleiben. Wenn das die Absicht d-r Gesellenschast gewesen wäre, dann wäre es unfinnig gewesen, bieten Punkt überhaupt erst in den Tarif auszunehmen. Die Innungen haben eben alles versprochen, wollen aber nichts halten. Die Innungen haben auch stets stritte Tarifgegner unterstützt. haben diesen sogar Unterstützung gegen die Gesellen zugesichert. Auch in anderer Weise haben sie die Zurückhaltung einer Tarifpartei vernnssen lassen. Sie haben gegnerische Gesellenorganisationen gegründet, deren Mitglieder durch die Jnnungöorgane systematisch in die Stellungen von Verbandsmitgliedern und auch unorganisierten Familienvätern hineinbugsiert wurden, wodurch letztere brotlos ge- macht wurden. Der Arbeitgeberschutzverband wurde wie nie zuvor propagiert. Alles ließ darauf schließen, daß die Innungen etwas im Schilde stihrlen. Die VerbandSleitung hat den Vorschlag gemacht, daß daS Einigrnigsaml des Berliner Gewerbegerichts in dieser Sache einen Schiedsspruch fällen möge; dies haben die Innungen abgelehnt und wollen nur dem Jnnungsschiedsgericht diese Sache zur Beurteilung unterbreiten. Daß die Arbeiterorganisation— nach einem früheren Ver- sammlungsbeschluß— ihre Sache prinzipiell nicht einem Jnnungs- schiedsgericht anvertrauen darf, wird jeder denkende Mensch begreiflich finden. Die Bäckergesellen unterwerfen sich gern einem Gericht, wie dem Berliner Gewerbegericht, wo ebenfalls bürgerliche, aber unabhängige Richter den Ausschlag geben, können aber keinerlei Vertrauen zu einem Gericht haben, dessen ausschlaggebende Personen mehr oder weniger von den Innungen abhängig find. Ucbcrhaupt können Partei und Richter nicht— wie im JmmngS- schiedsgericht— in einer Person verkörpert sein. Räch alledem können die Bäcker es mit gutem Gewisien der Oeffentlichkit überlassen, darüber zu urteilen, wer die Schuld an dem jetzigen Streit hat. wer auf einen Streik hinarbeitet und diesen vor langer Hand vorbereitet hat und wer den Frieden will. Die Bereinigten Berliner Mörtelwerke haben ihren Kutschern am dritten Feiertag die V Mitteilung gemacht, daß von jetzt ab bis auf weiteres der Lohn auf 21 Ä. pro Woche festgesetzt werde. Das bedeutet für die Kutscher eine Lohnreduzierung von 8,50 M. die Woche. ES handelt sich um Unorganisierte. Ob wohl jetzt diese Arbeiter einsehen werden, wie notwendig die Organisation ist? Oeutrdus Reich. Die Borgeschichte einer Scharfmacher-Rede. Wir haben gestern nach dem Wölfischen Telegraphen-Bureau den Wortlaut einer Strafrede wiedergegeben. die der Direktor rumme den Offizieren der Hambnrg-Amerika-Linie hielt. Diese Rede hat eine interessante Vorgeschichte, die der Telegraph leider mitzuteilen vergaß, über die man uns aber schriftlich aus H a m- bürg berichtet. Danach hat Herr Generaldireltor Ballin während des höchsten Festes der Christenheit, das ja ein Ver- söhnungsfest sein soll, seine Kapitäne und Schiffsoffiziere zu einem koscheren Karpfenschmaus an Bord eines der Schnelldampfer eingeladen. Von den etwa 250 Kapitänen und Schiffsoffizieren, die sich während der WeihnachtStage in Hamburg befanden, folgten noch nicht einmal zweiDutzend derEinladung! Darauf ließ der Generalgewaltige die Schiffsoffiziere vor den Direktor Fregatten- kapitän und früheren Flügeladjutanten Grumme laden, der den Herren Schiffskapitänen und Schiffsoffizieren dann das Koalitions- recht gnädigst zugestand, sie aber in demselben Atemzuge auffordete. aus diesem Verein auszutreten. Unser Korrespondent fügt hinzu: Diese Brutalisierungsversuche kommen gerade zu einer Zeit, wo mancher sich bedrückt Fühlende eine Revision seiner politischen Ge- sinnung vorzunehmen pflegt. In diesen, Sinne wird auch die Maß- nähme der Reeder und deren Sachwalter sich als ein Teil von jener Kraft erweisen, die das Böse will, aber das Gute schafft. Mit einer Niederlage der Scharfmacher endete bekanntlich die Formeribewogung dieses Jahres. Der Gesamt- verband deutscher Metallindustrieller hatte aus Anlaß der van den Formern aufgestellten Forderungen die Aussperrung von nicht weniger als 320 000 Metallarbeiter angedroht, verschob dann wieder- holt die Ausführung dieser Drohung, um sckilicßlich beim endlichen Versuch zu ihrer Durchführung einen klcylichen Reinfall gu er- leben.' In einer der letzten Nummern gibt die„Mctallarb.-Ztg.« einen Ueberblick über die Erfolge und die Aufwendungen des Metall- arbeiterverbandeS bei diesem Kampfe. An der Bewegung waren beteiligt: ES wurden also durch die Formerbewegung 36 195 Arbeiter in Mitleidenschaft gezogen. Aber damit ist diese Bewegung durchaus noch nicht abgcschlosien, sondern in einer ganzen Anzahl Orte und Betriebe sind die Former und Gießereiarbeiter jetzt noch daran, ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern. Ter größte Teil der an der Formerbewcgung beteiligten Arbeiter(26 668— 57,1 Proz) wurde ausgesperrt. Ter Erfolg dieser Maßregel war: die Unternehmer mußten sich zu einer Reihe von Bugeständ- 155 000 Mitgliedern, das sind für 22 000 mehr als im Vorjahre ein-| Benfus, ferner 8125 weibliche Bibliothekare. Im Berufe der Rechtsnissen bequemen, die für die Arbeiter eine gegangen. Es ist leicht erklärlich, daß bei solch geringer Summe anwälte und Aerzte ist die Frau keine Seltenheit mehr; Aerztinnen wesentliche Verbesserung ihrer wirtschaftlichen auch von der Kommission keine großen Leistungen erwartet werden gibt es etwa 10 000. Lage bedeuten. Das beveist folgendes Ergebnis: Für 10 815 fönnen. Das ganze Budget der Kommission weist eine Jahres- 2086 Schankwirtinnen und nicht mehr als 440 Büfettfellnerinnen Arbeiter wurde pro Woche eine Verkürzung der Arbeitszeit von einnahme von 4914 Fr. und eine Ausgabe von 3408 Fr. auf; nach gab es im Jahre 1900 in den Vereinigten Staaten. zusammen 25 788 Stunden erreicht, das sind im Durchschnitt für der Deckung eines Defizits für das von der Kommission herausden Einzelnen 2,3 Stunden die Woche. Aber nicht nur für die gegebene Organ verbleibt ein Bestand von 576 Fr. Former und Gießereiarbeiter ist eine Verkürzung der Arbeitszeit erreicht worden, auch den übrigen Metallarbeitern der betreffenden Betriebe ist sie zu gute gekommen. So ist in Hannover für rund 2000 Metallarbeiter die 59stündige Arbeitswoche erreicht worden, in Fürstenwalde wurde die 9½stündige Arbeitszeit anstatt vorher 10 Stunden für den ganzen Betrieb mit 1100 Arbeitern eingeführt und in Mülhausen im Elsaß wurde für rund 5000 Arbeiter durch die Forderungen der Former eine Verkürzung der Arbeitszeit von 2 Stunden die Woche erzielt. Zu dem sind aber auch ganz bedeutende Lohn- und Verdienstausbesserungen er rungen worden. Es haben zusammen 17 461 Former und Gießereiarbeiter einen Mehrverdienst von 29 844 M. die Woche zu verzeichnen, das ist für jeden Beteiligten im Durchschnitt 1,70 m. die Woche mehr als vorher. Aber auch in dieser Beziehung haben eine große Zahl von Arbeitern, die nicht direkt an der Formerbewegung Metallarbeiterverbandes in Brüssel. Er, sowohl als Baeck, der beteiligt waren, Vorteil von ihr gehabt. In Butler in Pennsylvanien gibt es ein Fräulein Polizeisergeant, das wegen ihrer Strenge, besonders Trunkenbolden gegen Die einzelnen Landesföderationen überlassen es ihren Zweig über, sehr gefürchtet ist. In Woodlawn in Ohio gibt es einen vereinen und Provinzialverbänden, sich der Kommission anzu- weiblichen Leichenbesorger und Einbalsamierer. Eine Zeitung beschließen oder nicht. So find von den 60 000 organisierten hauptete, daß sich mancher Mann in Woodlawn schon das Leben geBergleuten nur etwa 25 000 der Kommission angeschlossen, die Bei- nommen habe, um sich von Fräulein Jennie begraben zu lassen. träge sind aber nur für 12 000 eingegangen. Seitens der blämischen Gegen die Pfeile der Lächerlichkeit wie gegen Angriffe anderer Delegierten wurde es auch sehr scharf gerügt, daß gerade die Art müssen die Frauen überall gut gewappnet sein. Die ersten wallonischen Elemente so wenig zu den allgemeinen Untoften bei Vorurteile zu überwinden, ist gewöhnlich nicht leicht, trotzdem haben tragen. Die meiste Unterstügung wird der Gewerkschaftskommission die Frauen auf allen Gebieten, die sie zuerst kaum zu betreten von dem Metallarbeiterverbande zuteil. Dieser führt für seine wagten, in den letzten 15 Jahren ungeheuere Fortschritte gemacht. 7000 Mitglieder regelmäßig die entsprechenden Beiträge an die Sonderbarerweise sind Rückschritte gerade in den Beschäftigungsarten Kommission ab; in diesem Jahre wird er entsprechend dem zu verzeichnen, die sonst als speziell weibliche bezeichnet werden. Zuwachs feines Mitgliederbestandes für 10 000 Mitglieder Zum Beispiel ist in der Damenschneiderei der Mann vorgedrungen. bezahlen. Bergmans, der jetzt in der Hauptsache die Arbeiten der Die Zahl der Schneiderinnen ist geringer geworden, ebenso die der arbeit dürfte hierbei wesentlich als Ursache in Betracht kommen. Gewerkschaftskommission nebenamtlich erledigt, ist Lokalbeamter des Bugmacherinnen und Näherinnen. Der Fortschritt in der Maschinen. Generalsekretär der belgischen Metallarbeiter, treten entschieden für die Anstellung eines befoldeten Beamten für die Gewerkschaftskommission ein; sie verweisen auf das Beispiel ihres Verbandes, der durch die Anstellung besoldeter Beamten( 8 an der Zahl) gute Fortschritte gemacht hat. Es entspinnt sich eine lange Diskussion, die sich durch drei Sigungen hindurch zieht und die damit endet, daß man beschließt, die Frage zur Ürabstimmung an die GewerkBusammen fchaften zu verweisen. Diese follen sich innerhalb drei Monaten geäußert haben. In der Formerbewegung handelte es sich in der Hauptfache nicht um Arbeitszeitverkürzung und Lohnerhöhung allein, sondern auch um die Beseitigung langjähriger unhaltbarer Zustände im Formerberuf. Die nachstehende Uebersicht gibt ein Bild über die errungenen Vorteile in dieser Beziehung: Durch Be Erreicht wurde Tarif • weg. ohne Durch Angriff streifs Arbeitseinstellung in Fällen 24 Zabl der Be teiligten in Fällen 2 893 7 6 526 20 4831 9 Babl der Be teiligten Bei Auss Sperrungen in Fällen 598 2 703 2 4 386 8 11 011 28 5 032 10 6 305 11 839 3 315 20 3 502 2 Bahl der Be teiligten in Fällen 43 33 Bahl der Bes telligten 3 534 11 859 5 843 17 679 Aus der Frauenbewegung. Wahlrechtskampf in England. Fünf wegen Teilnahme an den Kundgebungen vor dem Parlamentsgebäude zu mehreren Tagen Gefängnis verurteilte Frauenrechtlerinnen wurden am 27. Dezember nach Verbüßung ihrer Strafe von ihren Kolleginnen im Triumphzuge aus dem Gefängnis abgeholt und in ein Restaurant geleitet, wo ihnen zu Ehren eine große Weihnachtsfeier stattfand. Im Gefängnis von Holloway befinden sich zurzeit noch 15 Frauenrechtlerinnen. Seit Beginu Der diesjährigen Bewegung sind 35 Frauen, darunter 22 verheiratete, wegen derartiger Rundgebungen vor dem Parlament Gefängnisstrafen verurteilt worden. Regelung der Affordarbeit 37 947 65 Beseitigung v. Mißständen 33 309 44 Zuschläge für Ueberstunden 49 1 636 87 Zuschläge für Nacht- und Sonntagsarbeit 31 42 7 144 Festgesetzte Mindestlöhne. 41 48 68 6865 Sonstige Vorteile. 31 6517 25 5050 10 1273 66 12 840 Diese wenigen Zahlen bedeuten für Zehntausende von Arau beitern eine gewisse Sicherstellung des Arbeitsverhältnisses, wo vorher Willfür und krasseste Mißstände herrschten. Von sämtlichen 140 verschiedenen Bewegungen mit 36 195 Beteiligten endeten nur drei Angriffstreifs und eine Aussperrung mit zusammen 837 Be teiligten erfolglos. der Oeffentliche Bibliothek und Resehalle zu unentgeltlicher Beuntung für jedermann, SW., Allegandrinenstr. 26. Geöffnet täglich ven 5-10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9-1 und 3-6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Beitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 30. Dezember, vormittags 83 Uhr, im Rathause( Eingang Jüdenstraße), Saal 109: Bersammlung. Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 10%, Uhr in der Schulaula, Kleine Frankfurterstr. 6: Vortrag des Herrn M. H. Baege über: Entstehung und Wesen der Religion. 1. Januar 1907, vormittags 10%, Uhr, Kleine Frank furterstraße: Festvortrag des Herrn Walded Manaffe. Diskutierklub Freie Zusammenfunft". Heute abend Gewerkschaftshaus, Zimmer 16: Sizung. Eingegangene Druckfchriften. Plutus. Kritische Wochenschrift für Volkswirtschaft und Finanzwesen ( Herausgeber: Georg Bernhard.) 52. Heft. Abonnements einschließlich der Blutus- Merttafel vierteljährlich ver Post und Buchhandel 3,50 M., direkt vom Verlag 4 M. Verlag: Berlin- Charlottenburg, Goethestr. 69. Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Friedrichstr. 16, Aufgang 4, eine Treppe( Sandelsstätte Bellealliance, Durchgang auch Lindenstr. 101), wochentäglich von 7 bis 9 Uhr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Die französischen Sozialisten für das Frauenstimmrecht. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Am 21. Dezember erschien eine zahlreiche Deputation der Ver- Buchstabe und eine Zahl als werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort einigung" Frauensolidarität" in der Kammer, um die sozialistische wird nicht erteilt. Gilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Fraktion zu einer Intervention zugunsten des Frauenstimmrechts auf1490. Sie tönnen nicht einseitig von dem Bertrage zurüdtreten. In einer übersichtlich zusammengestellten Tabelle gibt die zufordern. Sie wurde im Fraktionszimmer von den Abgeordneten weifel. Urlaub haben Sie, falls die Krankheit das zuläßt, zur Ausübung „ Metallarbeiter- Zeitung" ein Bild der wichtigsten in den abge- Dr. Belletier, erinnerte an den Beschluß des Parteitages von tragung beantragen. Die Sprecherin der Gruppe, Genoffin des Wahlrechts zu beanspruchen. Sie, nicht der Arz, müßten die EinButting. Die Staffe ist zur Rüderstattung der schlossenen tariflichen Vereinbarungen enthaltenen Punkte. M. E. 12. Natürlich hat diese gewaltige Bewegung dem Deutschen Metall- imoges, die sozialistischen Abgeordneten beauftragt, berauslagten Medizinkosten in Ihrem Fall nicht verpflichtet. Unverständlich. Wilmersdorf. Die Stellen werden im„ Borwärts" arbeiterverband auch ganz erhebliche Opfer geloftet. Die Haupt- einen Gefeßentwurf über das Frauenwahlrecht einzubringen. G. 94. Forderungen bis zu veröffentlicht. Kandidat ist Friz Zubeil. taffe hatte 1517 909 M. und die Lokaltassen 250 392 m. aufgu- aurès erwiderte, daß die Fraktion in nächster Zeit 300 M. Können Sie ohne Anwalt eintlagen. O. W.. 21. Sie Die Gefahr des Kleritas bringen; das sind zusammen mehr als 1% Millionen Mart, die das Erforderliche tun werde. fönnen beim Gericht Verkauf des Hauses zwecks Auseinandersehung ausgegeben werden mußten, um den Widerstand der Unternehmer lismus, die so oft von den Feinden des Frauenstimm- beantragen, jedoch entstehen hierdurch erhebliche Kosten. O. W. Rein. zu brechen. Gewiß ein Beweis außerordentlicher Leistungsfähigkeit rechts an die Wand gemalt wäre, bestehe nicht. Wenn die Frauen O. 5. 38. Ohne Einsicht in die Prozeßakten, insbesondere in das unserer Industrieberbände, wenn man berücksichtigt, daß diese wirklich von den Pfaffen fanatisiert wären, könnte sich die Trennung Urteil ist es unmöglich, eine Ansicht darüber zu äußern, ob eine Berufung von Kirche und Staat nicht in so friedlicher Weise vollziehen. Aussicht auf Erfolg hat. Soweit aus Ihrer Darstellung der Sachverhalt Summen ohne jede fremde Hülfe aufgebracht wurden. Auch andere sozialistische Abgeordnete versicherten die für die Rechts- ersichtlich, würden nicht Sie, sondern der Vormund des Kindes event. zur Selage berechtigt sein. Ch. 7. Es ist nicht wahrscheinlich aber möglich, gleichheit kämpfenden Frauen ihrer Sympathien. In der folgenden daß Ihnen die Kongeffion wegen des früheren Borfalles versagt wird. Fraktionsfizung wurde eine Kommiffion gewählt, die den Gesetz Ihrer Frau lann deswegen die Stonzession nicht abgelehnt werden. entwurf über die aktive und passive Wahlberechtigung der Frauen ausarbeiten und auch die anderen, auf die politische, wirtschaftliche der Wohnung vor, so flagen Sie schleunigst auf Aufhebung des Vertrages E. G. 28. 1. und 2. Liegt ein die Gesundheit gefährdender Zustand und privatrechtliche Gleichstellung der Frauen bezüglichen Vorschläge und auf vollen Schadenersat. Zweckmäßig ist es, mit der Klage einen studieren soll. Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung zu verbinden. 3. Nein, aber wenn etwa angegeben ist, die Möbel gehören Ihnen, während sie tatsächlich anderen gehören, so tann in dieser Angabe ein Bea Viktoria. 4. Nein. Die Vereinbarung trug erblidt werden. D. Nein. Husland. Die arbeitende Frau in Amerita. Das Elend der Heimarbeit vor der niederländischen Kammer. Der Textilarbeiterstreit in Rijssen und das furchtbare Elend, das ihn hervorgerufen hat, tamen am Montag in der zweiten Kammer des holländischen Parlamentes zur Sprache. Genosse Van Stol sagte, er habe in seinem Leben viel tiefes Elend gesehen, sei aber niemals so durch und durch erschüttert worden wie vor einigen Wochen bei seinem Besuch in Rijssen, wo die traurigen Folgen der Nach dem letzten Zensus in den Vereinigten Staaten werden Hausindustrie in der schrecklichsten Weise zutage treten. In den Frauen in fast allen von 805 aufgezählten Tätigkeitsgebieten beschäftigt. würde leider voraussichtlich für gültig erachtet werden. A. J. 2. Bestand in der Tat die Schuld, so wäre eine Stlage aussichtsFabriken ist die Arbeitszeit die längste, werden die niedrigsten Nur von vier Gebieten läßt sich sagen, daß Frauen durchaus nicht los. 2. B. 666. 1. Nein. 2. Ja. Otto 88. Ja. R. D. 88. Löhne der ganzen Provinz Overijsel gezahlt. Um die Löhne zugelassen werden. Sie blieben ausgeschlossen von der Armee, der 1. Nein. 2. Geldstrafe und Gefängnisstrafe ist zulässig. 3. Ja. 4. Ja, die zu ergänzen, find find die Frauen und Kinder gezwungen, Marine, der Feuerwehr und dem Schiffsdienst des Bundes. Da Höhe richtet sich nach dem tatsächlichen Schaden. D. R. 58. Ja. Heimarbeit anzunehmen, in den elenden Löchern, die sie bewohnen, werden Frauen nicht geduldet. A. F. 7. Der Antrag ist an den Magistrat Abteilung für Invaliden- und Jutesäcke für die Fabrikanten zu nähen. All das entsetzliche Elend, Die Zahl der arbeitenden Frauen in den Vereinigten Staaten Altersversicherung, Kölnischer Part, zu richten. Sie müßten die Invalidität das Friedrich Engels einstmals aus der englischen Fabrifindustrie wurde im Jahre 1900 amtlich auf 5 319 397 angegeben. Da die Altersrente fönnen Sie erst vom bollendeten 70. Jahr ab M. M. 1000. Nein. enthüllte, findet man in Rijssen noch heute und diesen Tag. Man gunahme von 1890 bis 1900 eine außerordentlich starke war, etwa beanspruchen. 2. 2. 400. Ja. gewinnt dort den Eindruck, daß diefer Ort eine Schwindsuchts- 33 Broz., so glaubt man nicht fehlzugehen, wenn man die gegen des in den öffentlichen Bibliotheken ausliegenden Arbeiterrechts. 8. H. 74. Ein Beispiel für einen Zahlungsbefehl finden Sie Seite 597 A. R. 35. folonie ist. In keinem der Industrieorte von Twente ist die wärtige Zahl auf rund sechs Millionen schäßt. Die Zahl der weib- Nach§ 42 der Gefindeordnung ist, wenn nichts anderes vereinbart ist, für Sterblichkeit so grok wie dort; innerhalb eines Biertel- lichen Berfonen im Alter von mehr als zehn Jahren wurde 1900 auf das Gefinde die Antrittszeit, wenn sie an fich auf einen Sonn- oder Festjahrhunderts ist die Zahl der Schwindsüchtigen unter tausend rund 28 Millionen angegeben; somit kommen auf etwa fünf weib- tag fällt, der vorhergehende Werkeltag... 13. Zahlen Sie an Einwohnern von sieben auf zwölf gestiegen im Jahre. Die Kinder- liche Bersonen eine Arbeiterin. feinen, sondern hinterlegen Sie die Miete. . 8. Benden Sie sich sterblichkeit ist in Rijssen doppelt so groß wie in Amsterdam. Die Auf die Landwirtschaft entfallen etwa eine Million arbeitende an den Verband der sozialdemokratischen Vereine, Lindenstraße 69, dritter ganze Bevölkerung ist durch die Hausindustrie degeneriert. Kinder, Frauen, zirka 665 000 Farmarbeiterinnen und über 300 000 Farme heidungstlage getrennt zu leben. Das ist ohne Rechtsnachteil nur möglich, wenn Hof, 3 Treppen. 2. M. 20. Keineswegs hat man während der EheSie zur Schule gehen, sehen aus wie alte Frauen und alte Männer; rinnen. Unter den legteren gibt es viele, die Musterbetriebe führen. ein gerechtfertigter Grund hierfür vorliegt und dieser vom Gericht anerkannt ist. was spielen ist, wissen sie nicht; sie erscheinen freudlos und stumpf- Zum Beispiel haben zwei Schwestern in Connecticut eine Obst- Gneisenaustr. 63. Wenden Sie sich an Ihre Gewerkschaft.- R. 100. finnig. Es herrschen Zustände in Rijssen, die an die Leib- farm, die weit und breit wegen ihrer ausgezeichneten Produkte be- Sie fönnen einen Antrag an das Vormundschaftsgericht stellen; wenn die eigenschaft des Mittelalters erinnern. Van Kol ersuchte rühmt ist. Gleich berühmt ist eine große Gemüsefarm bei Boston, Bewilligung Ihres Antrages im Interesse Ihrer Stiefschwester liegt, so ist den Arbeitsminister Beegens, eine Enquete über die Haus die der Leitung von einer Frau und ihrer Tochter untersteht. In demselben stattzugeben, Gegen einen ablehnenden Bescheid steht Ihnen industrie in Rijssen und anderen Orten zu veranstalten und, Illinois betreiben zwei Frauen eine Farm, die nur der Veilchen: Bertrag find Sie gebunden. Die Gesellschaft kann mit Erfolg auf Zahlung das Beschwerderecht zu. R. S. 47. An den von Ihnen unterschriebenen tvenn es erforderlich sein sollte, ein Notgefez dazu vorzucht gewidmet ist und außerordentlich lukrativ sein soll. Groß der Beiträge flagen. F. M. Sie wenden sich am besten an den zuschlagen. Der Minister lehnte den Gedanten einer Enquete ist die Zahl der Geflügelfarmen, von den fleinsten bis Reftor einer Schule. nicht ab, erklärte aber, daß er erst die He.marbeitsausstellung, die zu den ausgedehntesten, die von Frauen selbständig betrieben werden. wenden Sie fich demnächst in Amsterdam stattfinden soll, sowie die Berichte der unter den armarbeiterinnen sind eingewanderte Frauen verwirrend Arbeitsinspektoren abwarten wolle. Auf jeden Fall, meinte er, stehe zahlreich; fie müssen schwer arbeiten, der Lohn ist sehr gering. so viel fest, daß die Zustände in Rijssen nach Verbesserung schreien. Er rechne bei Vorschlägen in dieser Angelegenheit auf die Unterstügung der Kammer. Abonnent 5. 1. Ja. 2. Teilweise, an einen Arzt. 3. Die Schriften find mehr als aufklärend, wir fönnen fie nicht empfehlen. Witterungsübersicht vom 28. Dezember 1906, morgens 8 Ilht. Bien Barometerstand mm qui Es gibt kein Handwerk, in welchem nicht Frauen arbeiten. Im Bauhandwerk wurden zum Beispiel gezählt: 167 weibliche Maurer, 545 weibliche Zimmerleute, 1759 weibliche Maler und Bolierer, 241 weibliche Kleber usw. Es gab auch hundert weibliche Architekten Der Jahreskongreß der belgischen Gewerkschaften und 150 weibliche Baumeister, die Kontrakte für Bauten über- Stationen tagte während der Weihnachtsfeiertage im Maison du Peuple zu nahmen. Brüssel. Neben einer großen Anzahl Delegierter der Gewerkschafts- Lincoln, Staat Nebraska, rühmt sich eines weiblichen Schmiedes. verbände waren auch einige Vertreter der Arbeiterpartei anwesend; Die Schmiedin ließ auch ihre beiden Töchter das Schmiedehandwerk Swinembe. 749 23 das belgische Arbeitsamt hatte ebenfalls einen Vertreter entsandt. erlernen. Hamburg 749 SD Die belgische Arbeiterschaft ist gewerkschaftlich noch recht schlecht Start vertreten find die Frauen im Handelsgewerbe, als Ver- Berlin 750 Still organisiert, namentlich ist die Bentralisation nur erst von wenigen täuferinnen, Reisende, Agenten, im Kontor bis hinauf zur Bant Frantj.a.M. 749 S Berufen durchgeführt und in den meisten Organisationen werden so präsidentin. Unter dem Kontorpersonal wurden 86 118 Arbeiterinnen München minimale Beiträge erhoben, daß die Leistungen auch dementsprechend als Stenographen und an der Schreibmaschine gezählt. Als Lehrerinnen sind nach dem Zenfus 325 000 Frauen angeringe find. Es besteht zwar eine Gewerkschaftskommission, welcher im ganzen dieselben Aufgaben zugewiesen sind, wie unserer gestellt und sie werden häufig bevorzugt vor den männlichen deutschen Generalfommiffion; man hat es aber bisher noch immer Kollegen, und nicht nur, weil sie billiger sind. Unter den Lehrerinnen nicht zur Anstellung eines befoldeten Sekretärs gebracht. Nach besteht gegenwärtig eine starte Betvegung zur Erhöhung der Geden Beschlüssen früherer Kongresie sollen die Gewerkschaften, hälter, um auf eine gleiche Stufe mit den besser bezahlten Lehrern welche der Kommiffion angeschlossen sind, pro Mitglied und zu kommen. Jahr 5 Centimes an diefe abführen; wie aus dem Bericht der Weibliche Geistliche der verschiedenen Glaubensbekenntnisse sind Kommission hervorgeht, find im Berichtsjahre die Beiträge von nur angeführt. Nicht mehr wie 6418 Schauspielerinnen zeigte der Lustspielhaus. Husarenfieber. Nachmittags 3, Uhr: Gänseliesel. Deutsch Amerikanisches. Für den Inhalt der Juierate| Leffing. Rosmersholm. übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Berantwortung. Theater. Sonnabend, ben 29. Dezember. Anfang 7 Uhr. Kgl. Opernhaus. Die luftigen Beiber von Windsor. Kgl. Schauspielhaus. König Heinrich IV. I. Zeil. Deutsches. Ringelspiel. Weften. Kufin Bobby. Nachmittags 3 Uhr: Stindestreue und Weinachtsfegen. Lorking. Martha. Anfang 8 Uhr. Schiller 0.( Wallner Theater.) Doppelfelbstmord. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Mathias Gollinger. Neues Schauspielhaus. Die Hochzeitsfadel. Nachmittags 3 Uhr: Aschenbröbel. Kleines. Ein idealer Gatte. Berliner. Sherlock Holmes. Nachm. 3 Uhr: Die Jungfrau von Drleans. Komische Oper. Lakmé. Nenes. Stinder. Zentral. Künstlerblut. Nachmittags 3½ Uhr: Schneewittchen und die fieben Zwerge. Refidens. Florette und Patapon. U Der Sorgenbrecher. Thalia. Eine lustige Doppelehe. Nachmittags 4 Uhr: Rotkäppchen. Luifen. Vergnügte Feiertage. Bernhard Rose. Berliner Raub Nachm. 4 Uhr: Frau Holle. bögel. Nachm. 4 Uhr: Dornröschen. Trianon. o ift der Bapa Borher: Die Schloßfellerei. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Wintergarten. Saharet. Spezialitäten. Apollo. Die schöne Bestalin. Spe gialitäten. Rafino. Die beiden Champignol. Spezialitäten. Folies Caprice. Das Modell. Serenissimus August XXVI. Josef Fleischmann. Passage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 18/49. Im Theater abends 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Nachmittags 4 Uhr: Sizilien. Neues Neues Theater. Anfang 8 Uhr. richtung Windstarte Better 2 better Zemp. n. 6. 5º 5.= 4° R. Stationen Barometer. stand mm Wind Bun Windstärke Beller Zemp. n. T. 3Schnee-8 -8 Haparanda 755 GD 2bebedt 10 -6 Petersburg 7460 -7 Scilly -22lberdeen 4 Nebel Nebel 1 bededt 9 Baris 749 SSW 1molten! 752 S 1 Nebel 753 2 Nebel Wetter- Prognose für Sonnabend, den 29. Dezember 1906. Beitweise aufflarend, vorwiegend nebelig mit leichten Schneefällen, ziemlich strengem Frost und schwachen südöstlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserstand am 28. Dezember. Elbe bei luffig--Meter, bei Dresden-1,86 meter, bei Magdeburg+0,78 Meter. Unstrut bei Straußfurt- Meter. Dber bei Ratibor+1,35 Meter. Neige mündung+ 2,04 Meter. Oder bei Brieg- 1,30 Meter. Ober bei Breslau Unterpegel 1,64 Meter.( Großschiffahrt geschlossen.) Ferdinand Bonns Berliner Theater. Rachmittag 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Abends 8 Uhr: Sherlock Holmes Morgen: Sherlock Holmes. Neues Schauspielhaus Sonnabend nahm. Aschenbrödel. 3 Uhr Abends ur Die Hochzeitsfacket. Sonntag abend 8 Uhr: Der Helfer. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Bum 153. Male: Kinder. Lustspielhaus. Gin idealer Gatte. Morgen und folgende Tage: Kinder. Nachm. 3 Uhr: Gänseliesel. Abends 8 Uhr: Husarenfleber. Sonntag nachjm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Ein idealer Gatte. Montag z. erstenmal: Cine triviale Komödie für seriöse Leute. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- ilh. Th.) Sonnabend, abends 8 Uhr: Sonnabend, abends 8 Uhr: Doppelselbstmord. Mathias Gollinger. I. Wahlkreis. Bauernpoffe in 6 Bildern von Ludwig Lustspiel in 4 Aufzügen von Ostar Morgen Sonntag, den 30. Dezember 1906, mittags 12 Uhr, im Palaft- Theater, Anzengruber. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Die rote Robe. Sonntag, abends 8 Uhr: Hasemanns Töchter. Montag, abends 8 Uhr: Der Hochtourist. Blumenthal und Mar Bernstein. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Das Lumpengesindel. Sonntag, abends 8 Uhr: Heimat. Montag, abends 8 Uhr: Mathias Gollinger. ZirkusSchumann Heute Sonnabend, den 29. Dezember, abends präzise 7%, Uhr: XII. Grande Soirée High Life. = Gala Programm und fämtliche Spezialitäten. Zum Schluß zum 9. Male: Die diesjährige große Schumannsche Ausstattungspantomime St. Hubertus. Dem edlen Waidwerk entnommen und in 6 Bildern auf das glänzendfte inszeniert vom Direktor Albert Schumann. Sonntag 2 Gala- Borst., nachm. 32 Uhr u. abends 7, Uhr. Nachmittags ein Kind frei; zum Schluß: Der Karneval in Venedig. Abends: St. Hubertus. C astans Panopticum Friedrichstraße 165 Der Räuberhauptmann v. Köpenick. Die zusammengewachsenen Schwestern. Abends 6 Uhr: familien- Bier- Kabarett. Palast- Theater. Prater- Theater. Burgstraße 24. Kastanien- Allee 7/9. Nur noch bis 31. Dezember: Große Spezialitäten- Vorstellungen arrangiert von der Internationalen Artisten- Loge. E. V. Berlin. Anfang der Vorstellungen: Sonntags 7, Uhr, wochent. 8 Uhr. Theater des Westens Zirkus Busch. Station Zoolog. Garten, Kantstr. 12. Nachmittags 32 Uhr fleine Preise: Kindestreue und Weihnachtssegen. Abends 72 Uhr zum erstenmal: Cousin Bobby. Bobby. Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Breise: Der Freischütz. Abends 7, Uhr: Cousin Bobby. Friz Berner a. G. Heute abend 7 Uhr. Um 19 Uhr: Die größte Tiger- u. Löwengruppe, dressiert und vorgeführt vom Dompteur Herrn Willy Peters. Ferner: Martha Mohnke, Schulreiterin. Mig Dianda, dressierte Hunde, Affen und Kaladus. Gefchivister Singer, Equilibristen. 4 Springpferde- Konkurrenz. Um 10 Uhr: Komische Oper. ROM. Samom in 7 Bilb Abends Lakmé. 8 Uhr: Sonntag nachm. 3 Uhr: Carmen. Abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Montag: Pariser Leben. Lortzing- Theater. Bellealliancestr. 7/8. Nachm. 3 Uhr lette Märchenvorstellung zu sehr fleinen Preisen: Peter und Paul reisen ins Schlaraffenland. Abends 7, Uhr: Martha. Sonntag nachm. 3 Ubr: Undine. Ab. 7%, libr: Die Regimentstochter. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Abends 7, Uhr: Flotte Weiber. Residenz- Theater. Direktion Richard Merander. Heute und folgende Tage Anfang 8 Uhr: Drigin. Bantom. Gr. Orig.- Ausstatt.- Pantomime des Zirkus Busch in 7 Bildern. Burgstraße, Ede St. Wolfgangstrake: Versammlung. ages Drdnung: 236/8 Die Sozialdemokratie und die Neuwahlen. Referenten: Georg Ledebour und Dr. Leo Arons. Freie Aussprache. Parteigenoffen, Wähler, erscheint in Massen! Urania Wissenschaftliches Theater. Nachmittags Sizilien. 4 Uhr Heute 8 Uhr abends: Die Feuergewalten der Erde. Zentral- Theater. ( Operette.) 3, Uhr halbe Preise Schneewittchen. Abends 8 Uhr: Künstlerblut. OWINDES RTEND Heute Sonnabend: Saharet Dr. Angelos, lebendes Porzellan. Martine Bros., kom. Akrobaten. MIB Lorette, leb. Jagdbilder mit dem Hunde, Ben". Florettas Luftballett. Madeleine de Nocé, Opernsängerin. Kitafuku, Japanertruppe. Kara, Jongleur. Millmann- Trio, Drahtseilakt. Amalia u. Leonora, Equilibristinnen. Kaufmann Truppe, weibliche Radfahrer. Das Erntefest, Ballett- Szene, ausgef. v. d. TillerTruppe, London. Der Biograph. pollo Theater Zäglich 9 Uhr: Metropol- Theater Die schöne Vestalin. Abends 8 Uhr: Der Teufel lacht dazu. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender. Giampietro. Josephi. Rauchen überall gestattet. Sonntag, 30. Dezember, nachmittags 3 Uhr: Operette. Musik von Viktor Holländer. Borher 8 Uhr: Erstkl. Spezialitäten. Sonntag, den 30. Dezember und am Neujahrstage, nachm. 3 Uhr: Große Familien Vorstellungen halbe Preise! Buggenhagen ( Moritzplatz). Täglich: Gustav Gottschalks populäre Konzerte. Am 31. cr.: Großer Silvester- Trubel, Am 3. Januar 1907: Beginn der 10. Bockbier- Saison. Auf ins Metropol. Walhalla Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Alee 148. Jeden Sonntag und Donnerstag: Variate Theater Weinbergsweg 19/20 Am Rosenthaler Tor. Nur noch wenige Zage: Konzert, Theater, Spezialitäten, Die 12 Akrobaten Lordh Stets erftflaffige Riefenspielfolge. Florette und Patapon. Rad ber Borstellung: Gr. Tanz. Schwant in 3 Atten v. M. Hennequin und Pierre Beber. Sonntag, den 30. Dez., Dienstag, Tanzleitung: B. Sachse. Anf. Sonntag 5, Donnerstag 8 Uhr. und die übrigen 60 internationalen Artisten 60. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Montag, den 31. Dezember cr.: Große Silvester- Feier. Anf. den 1. und Sonntag, den 6. Januar Kasino- Theater f. 9% Uhr. Eintrittspreis für nachm. 3 Uhr: Eine Hochzeits: nacht. Deutsch- Amerikanisches THEATER, Köpnickerstr. 67/68. Jed. ab. 8 Uhr: Gastsp. Ad. Philipp. Der große Lacherfolg: Lothringerftr. 37. Zäglich 8 Uhr. Bis Freitag, den 4. Januar: Die beiden Champignol. Sonnabend, den 5. Januar: Ledige Leute. Sonntag 4 Uhr: Hotel Klingebusch. Der Sorgenbrecher. Dienstag 4 Uhr: Singvögelchen. Sonntag u. Dienstag nachm. 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Brunnen- Theater Montag, den 31. Dezember 1906: Große Silvester- Feier Gesundbrunnen. Der Sorgenbrecher. DERNHARD ROSE- THEATED ERNHARD ROSE- THEATED Große Frankfurterstr. 132. Rachm. 4 Uhr Kindervorstell. bei fleinen Preisen: Dornröschen. Abends 8 Uhr: Berliner Raubvögel. Morgen nachm.: Das Käthchen von Heilbronn. W. Noacks Theater. Direttion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Der Rattenfänger von Hameln. Schauspiel mit Gesang in 3 Atten bon Braun. Sunold Singuff: Dir. Rob. Dill. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Ball. Chren und Borzugskarten gültig. Montag: Großer Silvester- Ball. Badstraße 58. Direttion: Bernhard Rose. Morgen Sonntag nachmittags 3 Uhr bei volkstümlichen Preisen: Theater und Tunnel 1 M. 2 Morgen Sonntag: 2 Vorstellungen 3½ und 8 Uhr. olosseum olosseum Colo Dresdenerstr. 97. Das urfomische Dezember Programm. Neu! Im Konzertsaal: Neu! D' Mondscheinbrüber. Beste Wiener Schrammeln und sechs erstklassige Gesangskräfte. Caratterbild in 7 silbern von Streifel. König Allgold. Reichshallen- Theater. Abends 7 Uhr: Der Störenfried. Lustspiel in 4 Aften. Montag: Große Silvesterfeier, Vorstellung und Ball. Folies Caprice Linienstr. 132 Ecke Friedrichstraße. Dir. Felix Berg. Das Modell. Serenissimus August XXVI. Josef Fleischmann. Anfang 8 Uhr. Vorverk. 10-2 a. d. Theaterk. u. b. Wertheim. Stettiner Sänger. Zum Schluß: Neu! Christmarkt. Anfang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Sanssouci Scottbuferstraße 4a. Sonnt., Mont., Donnerst.: Hoffmanns Nordd. Sänger. Der sozialdemokratische Wahlausschuß. Passage- Theater. Täglich abends 8 Uhr: Berlin paß auf! Burleske in 2 Aften v. Leop. Ely. Mufit von Rudolf Nelson. In den Hauptrollen: Josefine Dora, Paulette van Roy, Georg Kaiser, Martin Bendix. Außerdem: Die glänzenden Dezember- Spezialitäten. Trianon- Theater. Abends 8 Uhr: Todes- Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach richt, daß uns unser lieber Sohn und Bruder, der Schriftsezer Max Werner im Alter von 24 Jahren am 27. d. M., vormittags 11 Uhr, durch den Tod entrissen wurde. Die Beerdigung findet Sonntagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des katholischen Kirchhofes in Weißensee, Wörthstraße, aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen Ernst Marquardt Bertha Marquardt geb. Werner Otto, Ernst, Dora Marquardt. Wo ist der Papa? Zentral- Verband der Maurer Vorher: Die Schloßfellerei. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Haus: freund. Gebr. HerrnfeldTheater Kommandantenstr. 57 Stallschreiberstr. 42-44. Heute, den 29. Dezember: Familientag im Hause Prellstein Die unvergleichl.Herrnfeldtiade m. d. Autoren i. d. Hauptrollen. Anj. 8 Uhr. Billettvorverkauf nur Kommandantenstraße bormittags 11-2 Uhr. Rauchen in all. Räum. gestattet. Montag, 31. Dezember: Gr. Silvester-Feier mit außergewöhnlichen Ueberraschungen, Neujahrs- Jubel. gruß, Bollssänger- Soiree. Podium- Vorträge. Festunterhaltung in den Prachtfoyers. 2 Uhr früh Klabrias Partie ( wird i. Foyer ohn. Dekoration zur Darstellung gebracht.) Billetts f. Silvester schon heute! Theaterkaffe, Wertheim, Inbalidendant. Gustay Behrens Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied 135/12 Ernst Rapmund am 26. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Weißenfeer GemeindeFriedhofs( Nöltestraße) aus statt. Die örtliche Verwaltung. J. B.: A. Kelpin. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und der zahlreichen Kranzspende bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters und Großvaters, des Restaurateurs Ernst Stenzel fagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, dem Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands, dem Perfonal der Bitwe Hante als auch dem der Buchdruderei Müller, wie auch den Genossen des 718. Bezirks des sozialdemokratischen Wahlvereins des 6. Berl. ReichstagsWahlkreises unseren verbindlichsten Dant 5745 Bw. Stenzel und Famille, Brinzen- Allee 83. Dr. Schünemann Spezial- Arzt für 30742* Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ede Schüßenstr. 10-2, 5-7, Gonnt. 10-12 Uhr. Theater, Silvester- Karpfen Berlin O., Frankfurter Allee 85. In dem großartigen Weihnachtsstück Das Wiedersehn nach 30 Jahren. Direttor Gustav Behrens als Hamburger Schiffskapitän. Außerdem 22 Nummern. 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Dezember, früh 6 Uhr, verstarb unser treuer Kollege Erich Tiedke. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. Dezember, nachmittags 3 Uhr, bon der Leichenhalle des Gemeinde- Fried hofes in Lichtenberg, Bornigstraße ( früher Dorfstraße), aus statt. Die Kollegen werden gebeten, dem Verstorbenen, der stets seine Schuldigkeit getan, die letzte Ehre zu erweisen. 570b J. A.: Karl Ashölter. Verband d. baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Bezirk Südost. Todes- Anzeige. Am Donnerstag, den 27. Dezember, verstarb unser treuer Kollege Hermann Wandelt. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Der Zweigvereins- Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Adolf Woide am 26. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. Dezember, nach: mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Markus Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 99/8 Die Ortsverwaltung. T Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Bauanschläger Otto Schulz gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes in Wilmers. dorf, Berlinersti. 100, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 166/9 Die Ortsverwaltung. Zentral- Verband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Todes- Anzeige. Am Donnerstag, den 27. Dezember, verstarb unser Kollege Paul Schmidt im Alter von 19 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. Dezember, nachmittags 81, Uhr, von der Leichenhalle des Brizer Stirchhofes aus ſtatt. 212/2 Der Vorstand. Am Donnerstag, den 27. d. M., früh 31 Uhr, entschlief nach kurzem schwerem Leiden mein lieber Mann, unfer guter Vater und Großvater, der Maurer 5695 August Bambach. am Dies zeigen tiefbetrübt an Johanna Bambach geb. Prehn und Kinder. Die Beerdigung findet Sonntag, den 30. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Heilig- Streuz- Stirchhofes, Mariendorf, aus statt. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, Biograph-( St. Louis) unferes guten Baters Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Verbindung mit größter FilmsFabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Friedrich Bachmann fagen wir allen Freunden und Befannten, dem Verband der Maurer, dem Wahlverein sowie den Kollegen des Baues Voltastraße 20-28 unseren herzlichen Dant. 34532 Die trauernde Witwe Amanda Bachmann nebst Kindern. Den ganzen Tag Vorstellung. Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 302. 23. Jahrgang. 2. KcilM ks.Amiick" Kerlim Jldllislilatl. Zounabend, 29. Dezember 1906. Der Wahlkampf in Gvotz-Berlin. Rote Wahlen in Berlin. In Nachfolgendem geben wir den Genossen in einigen grossen Umrissen ein Bild von der Entwickelung der Partei in Berlin� wie sie bei den Wahlen in Erscheinung kommt. In der Reichshanptstadt, wo in der Kommune der Freisinn noch eine grosie Rolle spielt, hatte die Partei der Pflaumenweichen, der A llerlve ltsp o li tiker, die sich an jede Partei anlehnt, um nicht vollständig umzufallen, bisher auch noch für die Reichstagswahl einige Chancen. Die Jeremiaden, die in den letzten Tagen in der Freisinnspresse angestimmt lverden, lasien erkennen, dasi in jenem Lager wenigstens dunkel das kommende Verhängnis geahnt wird. In blindem Eifer hat man die Krücken, mittels deren man bisher noch ein kümmerliches Dasein fristen konnte, zerbrochen, und allmählich wird das Gefühl stark, daß der 25. Januar, dem man zunächst in kolonialen Verzückungen als das neue Morgenrot des Liberalismus glaubte entgegensehen zu dürfen, zu einem Menetekel für das ganze würdelose Freisinnsgelichter werden wird. Unter diesem GesichtSivinkel ist für uns von be- sonderer Bedeutung die Wahl im ersten Wahlkreise, wo eS gilt, das Bruderpaar: Freisinn und— Konservative, in die Flucht zu schlagen. Ob das möglich ist, und wie sich die Verhältnisse in den einzelnen Kreisen gestaltet haben, soll nunmehr zahlenmäßig dargestellt werden: 1. Wahlkreis. Bei den Wahlen zum deutschen Reichstag siegten bisher stets die Kandidaten der Fortschrittspartei und deren Nachfolger. Die Namen der Abgeordneten sind der Reihe nach folgende: Hagen, gewählt 1871 und 1874; Hirsch, gewählt 1877 Hänel ge- wählt 1878; Ludwig Löwe, gewählt 1878(Nachwahl) 1881 und 1884, Klotz, gewählt 1884(Nachwahl) 1887; Träger 1890, Dr. Meyer 1890 (Nachwahl), Dr. Langerhans 1893, und 1898—1903. Bon den abgegebenen gültigen Stimmen entfielen bei der Hauptwahl auf den Kandidaten der Sozialdemokratie in Prozent: 1871: 1,73- 1874: 9,48— 1877: 16,12— 1878: 14,83- 1881: 0,24— 1884: 5,10— 1887: 12,74— 1890: 23,56— 1893: 23,61— 1898: 28,50— 1903: 41,38. Wer damals das Resultat im ersten Berliner Wahlkreise als Maßstab für ein allgemeines Urteil benutzte, konnte schon der Meinung sein, der Gewaltniensch Bismarck habe mit dem Sozialisten- gesetz die Sozialdemokratie zertrümmert. Von über 15 Proz. der abgegebenen gültigen Stimmen im Jahre 1877 ging der Anteil der Sozialdemokratie auf 0,24 Proz. iin Jahre 1881 zurück. Aber die Reaktion jubelte über einen nur scheintoten Gegner. Allerdings, bei der nächsten Wahl, im Jahre 1884, waren es erst wieder 5,10 Proz. der abgegebenen Stimmen, die unser Kandidat auf sich vereinigte. Aber dann ging eS vorwärts, unaufhaltsam, mit festem Schritt, sicgsicher dem Ziele zu. Und jetzt scheint auch der Zeitpunkt ge- kommen, wo Berlin C., das Domizil des kaiserlichen Palastes, der Börse und des Domes, der Sozialdemokratie als reise Frucht in den Schoß fällt. Die letzte Perle muß diesmals in den roten Kranz eingefügt werden. Daß das gelingen kann und muß. beweisen die folgenden Ziffern: Im Jahre 1898 betrug die Zahl der Wahlberechtigten 18 837, die der Wähler 12 794. Von den Wahlberechtigten waren mithin 32,1 Proz. der Urne ferngeblieben. Von den abgegebenen gültigen Stimmen erhielt Genosse Redakleur Poetzsch 3635, gleich 28,5 Proz. Auf den Kandidaten der Konservativen, Oberineister Bernard. vereinigten sich 2126 Stimmen(16,7 Proz.); 5667 Wähler(44,4 Proz.) votierten für die Freisinnige Volkspartei, deren Kandidat Dr. �""zerhanS war; der Nationalsoziale Tischendörfer erhielt 1008 Stimmen(7,9 Proz.) und 279 Wähler(2,2 Proz.) schworen zur Zentrumsfahne, schwarzer Fähnrich war Legationsrat v. Kehler. Aus der engeren Wahl ging der Kandidat der Freisinnigen als Sieger hervor. Unsere Stimmen- zahl vermehrte sich nur nm 367 auf 4002, während für Dr. Langerhans 8386 Stimmen abgegeben wurden. Nur einige der im ersten Wahlgang für den Nationalsozialen und den Zentrums- mann abgegebenen Stimmen waren zu uns abgeschwenkt, die Zahl der Absentisten stieg um 338; der übrige ganze Troß ging zu den Freisinnigen über. Die sonst so bitter gehaßte Gruppe siegte dank der Hülse der Junkerfteunde. Im Jahre 1903 zeigen die Wahlziffern ein ganz anderes Bild. Die Zahl der Wahlberechttgten war um 1332 auf 17 505 zurück- gegangen. Berlin C. wird innner mehr Geschäftsviertel; die relativ wenigen Privatwohnungen kosten enorme Preise, sodaß aus diesem exklusiven Stadtteil die Proletarier immer mehr hinausgedrängt werden. Und trotzdem war das Wahlresultat ein für uns überraschend günstiges. Die Sozialdemokratie rückte mit ihrem Kandidaten, Genossen Dr. A r o n s, weitaus an die erste Stelle, für ihn votierten 5315 Wähler, das waren 41.4 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen. Für den Kandidaten der Frei- sinnigen, Stadtv. Kämpf, wurden 4266 Stimmen(33,2 Proz.) abgegeben. Die Freisinnigen beklagten gegen die vorige Hauptwahl einen Rück- gang um 1401 Stimmen, während die Sozialdemokratie 1680 Stimmen gewonnen hatte Auch die Konservativen erzielten einen Zuwachs um 797 auf 2923 Stimmen<22,8 Proz.). Die Nationalsozialen waren wieder von der Bildfläche verschwunden, das Zentrum hatte gegen die vorige Hauptwahl eine Stimme verloren. Die schwarze Heerschar belief sich jetzt noch auf 278 Getreue. Um die veränderte Situation zu veranschaulichen, inachen wir folgende Zusammenstellung: Bon den abgegebenen gültigen Stimmen entfielen auf den Kandidaten der 1898 1903 in Prozent Sozialdemokratte... 28,5 41.4 Freisinnigen..... 44.4 33,2 Konservativen.... 16,7 22,8 Die Konservativen, die in der Stichwahl den Ausschlag gaben, riehen den Freisinnigen nochmals die Krücken, auf denen diese in den Wallolbau hineinhumpelten. Die für Genossen AronS abgegebene Stimmimzahl stieg aus 6233, gegen die Hauptwahl mehr 918 Stimmen. Für den Kandidaten der Freisinnigen wurden abgegeben 6607 Stimmen; Stadtverordneter Kämpf hatte mit einer Mehrheit von nur 374 Sttmmen, oder mit 51,5 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen, gesiegt. Im Gegensatz zu der Stichwahl 1898 war diesmal die Wahlbeteiligung etwas stärker als in der Hauptwahl; es erschienen sechs Wähler mehr an der Urne. Bei der diesmaligen Wahl im ersten Wahlkreise werden unsere Genossen ihre Ehre darin sehen, mit einem glänzenden Ergebnis den Parteigenossen Deutschlands aufzuwarten. Zähne und Nägel müssen darangesetzt werden, um auch den ersten Wahlkreis, wie die übrigen sünf, in der Hauptwahl zu erobern. Genosse Arons, der diesmal wieder kandidiert, wird dann als sechster Roter Berlin im Reichstage vertreten. Glückauf zur Jagd, z» roten Siege«! Achtung, 1. Wahlkreis! Morgen Sonntag, den 30. d. Mts., mittags 12 Uhr. findet im„Feenpalast', Bnrgstraße, unsere erste Wählerversainniluiig statt und ersuchen wir die Parteigenossen um zahlreichen Besuch. Der Wahlausschuß. » Ucber de» Kandidatcnschachcr unter unseren Gegnern wird berichtet:„Die„Mittelstandsvereinigung" unterhandelt hier mit den Freisinnigen wegen der Zurückziehung der Kandidatur Kämpf zugunsten eines Beamtenkandidaten, des PostsekrctärS Stock- mann, und gleichzeitig mit den Bodenreformern, die für diesen Kreis ihren Führer Damaschke aufgestellt haben. Wenn die Bodenreformer auf den ersten Kreis verzichten, soll ihnen der dritte und fünfte überlassen werden. Ferner wird eine Verständigung erstrebt dahin, daß die Freisinnigen im sechsten Wahlkreise den konservativen Kandidaten unterstützen, während die Konservativen im vierten Kreise für de» Freisinnigen stimmen wollen. Ob die Liberalen darauf ein- gehen, ist freilich sehr ftagtich. Dritter Wahlkreis. Sonntag früh 8 Uhr findet eine Flugblattverbreitung statt. Die Genossen des dritten Kreises werden ersucht, sich zählreich und pünkilich in ibren Bezirken einzufinden. Die Hülfskräfte vom vierten Kreis(Südost) lverden ersucht, sich zu den am vorigen Sonntag zugeteilten Stellen zu begeben. Achtung, fünfter Wahlkreis. Soimtag, den 30. Dezember 1006, morgens 8 Uhr: Flugblattverbreitung von Rausch, Winsstr. 12, „ Tuschet, Georgenkirchstr. 49, „ W a l l b u r g, Kaiser Wilhelmstr. 18o, „ Wohlfarth, Roscnthalerstr. 67, „ Wirth, Auguststr. 51, „ W i t t ch o w, Elsasserstr. 63. „ Kürbis, Luisenstr. 26. Unbedingtes und pünktliches Erscheinen der Kreisgenossen not- wendig. Die Hülfskräfte aus dem 4. Kreise(Osten) werden wiederum gebeten, ebenso zahlreich wie bei der vorigen Verbreitung, sich auch diesmal im Zentralburcau bei Münzcr, Sophienftr. 6, Amt III. 8367 einzufinden. Der V o r st a n d. ♦ Im 6. Wahlkreis findet die nächste Flugblattverteilung am Sonntag, den 6. Januar, statt. Der Vorstaud. Bus dem Wahlkreise Teltow- BeeSkow- Storkow- Charlottenbnrg wird gemeldet: In einer stark besuchten Vertranensmänner-Ver- sammlung der freisinnigen Volkspartei wurde unter Zustimmung der Delegierten der freisinnigen Vereinigung der Stadtschulrat Dr. Ne uffert- Charlottenburg als ReichStagskaildidat einstimmig aufgestellt. Partei Angelegenheiten. Rummelsburg. Sonntag, den 30. d. Mts., morgens 8 Uhr: Flugblattverbreitung. Die Genossen werden ersucht, zahlreich zur Stelle zu sein. Der Vorstand.' Mahlsdorf a. d. Ostbahn. Sonntag, den 30. d. Mts.: Flug- blattverbreitung früh 8 Uhr von Schliefe, Hönowerstraße aus. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Friedrichshagen. Heute, Sonnabend, abends 8'/z Uhr, im Restaurant Karl Conrad: Volksversammlung. Vortrag des Genossen Artur Stadthagen über:„Die Auflösung des Reichs- tageS und die bevorstehende Neuwahl". Parteigenossen! Erscheint zahlreich in der Versaminlung und agitiert für einen guten Besuch derselben. Ober-Schöneweide. Die Genossen werden aufgefordert, sich am Sonntag, den 30. d. M., früh ll.ß Uhr, bei Sipli, Siemensstr. 28, Kaufholt, Wilhelminenhofstr. 18, Schulte, Wilhelminenhofstr. 43, und bei Voß, Wilhelminenhofstr. 64, zur Flugblattverbreitung ein- zufinden. Groß-Schönebeck. Am Sonntag, den 30. Dezember, nachmittags 3 Uhr, findet im Restaurant des Herrn Jung eine Volksversammlung statt. Tagesordnung:„Unsere Kolonien und die eigentlichen Gründe der Reichstagsauflösung.' Referent: Genosse Röber-Pankow. Das Wahlkomitee für den Bezirk Pankow. Weißensee. Sonntag, den 30. Dezember, morgens 8 Uhr, findet eine Flugblattverbreitung für den ganzen Bezirk statt. Treffpunkt in de» Bezirkslokalen, für die nach außerhalb gehenden Genossen bei Schmutz, Äönigs-Chaussee 38. Reinickendorf- Ost. Die Flugblattverbreitung findet am Sonntag früh 3 Uhr von folgenden Lokalen ans statt: 1. Bezirk: von der Genossenfchaftsbäckerei, Wilkestr. 62; 2. Bezirk: Restaurant Hermann, Residenzstraße, Ecke Holländerstraße; 3. Bezirk: Restaurant Bolien, Seestraße, Ecke Gcsellschaftsstraße; 4. Bezirk: Restaurant Peterat, Bürgerstraße, Ecke Provinzstraße; 5. Bezirk: Restaurant Schiller, Provinzstr. 79; 6. Bezirk: Restaurant Brückner, Provinzstr. 82, Ecke Herbststraße. Die Genossen für Lieben walde treffen sich um 3 Uhr aus dem Kleinbahnhof Reinickendorf-Rosenthal. Es ist Pflicht jedes Mitgliedes, sich au der Flugblattverbreitung zu beteiligen. Der Vorstand. Nieder- Schöuhausrn. Die Verbreitung des Wahl- flugblattes am Sonntag, früh 8 Uhr, findet von folgenden Lokalen aus statt: T h u l m a n n, Uhlaudstraße; B a b st, Beuth- straße(Ecke der Waldemarftraße) und S ch ö n i ck e, Treskowstraße (Ecke der Wrangelstraße). Die Parteigenossen werden gebeten, pünktlich und vollzählig anzutreten Tegel. Morgen Sonntag, den 30. Dezember, findet die Flugblatt- verbreining morgens 8 Uhr von dem Genossen Gehlhaar, Berliner- straße 92, aus statt. U>n zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Bezirk Waidmannslust. Sonntag, den 30., früh 8 Uhr, findet in sämtlichen Orten des Bezirks eine Flugblattverbreitung statt. Die Genossen sind verpflichtet, pünktlich und vollzählig in den be- kannten Stellen zu erscheinen. Die Genossen von Borsigwalde, die andere Orte zu unterstützen gewillt sind, ebenso die Radfahrer werden ersucht, um 7 Uhr früh bei Albert Reuter, Ernst- und Räuschstraßen- Ecke, zu erscheinen. Der Vorstand. Wilhelmsruh-Nordend. Die Flugblattverbreitung am morgenden Sonntag findet in Wilhelmsruh um 8 Uhr, für Nordend um 10 Uhr von den bekannten Lokalen aus statt. Jeder Parteigenoffe muß zur Stelle stein. Oranienburg. Am Sonntag, den 30. Dezember, früh 8 Uhr: Flugblattverbreitung. Treffpunkt: 1. Bezirk bei Vorwerk, Berliner- straße; 2. Bezirk bei Heider. Mühlenstraße; 3. Bezirk bei Emil Schumann, Schlltzenstraße 34. Die Genossen, welche über Land gehen, treffen sich bei Heider. Jeder Genosse muß an der Flugblatt- Verbreitung teilnehmen. Der Vorstand. Spandau. Sonntag früh Flugblattverbreitung für Stadt und Land. Genoffen, tretet zahlreich a»l Der Vorstand. Berliner j�acbricbten. Von der städtischen Waisenvrrwaltuug. Die Waisenverwaltung der Stadt Berlin behauptet, daß Waisen- linder in Familien viel besser untergebracht seien als in Anstalten. Wer näher zusieht, findet zwar als hauptsächlichsten „Vorzug" der Familienpflege den, daß sie für den Stadtsäckel billiger ist. Aber die. Waisenverwaltung versichert, daß in der Familien- pflege auch die Erziehungsresultate im allgemeinen günstiger als in der Anstaltspflege seien. Daher ist sie auch durchaus damit ein« verstanden, daß die eigenen Waisenanstalten der Stadtgemeinde nicht vermehrt werden, so daß die Familienpflege immer mehr zur Regel wird. Nun wird manckier meinen, daß dann die Waisenverwaltung toenigstens einigen Wert darauf legen werde, zur Unterbringung ihrer Pfleglinge möglichst solche Familien auszusuchen, die sich in guten Verhältnissen befinden. Je besser es den Pflege- eltern geht, desto weniger ist ja zu befiirchten, daß sie aus der Pflege eines Waisenkindes einen materiellen Vorteil erwarten. Das ist ober durchaus nicht der Fall. Die Regel ist, daß sie die Waisen- linder solchen„Familien" übergibt, die selber nicht viel in die Suppe zu brocken haben. Hinterher wundert sich dann mancher, wenn bei den Revisionen Familien dabei ertappt werden, daß sie die ihnen anvertrauten Kinder mangelhaft ernähren, das bißchen Arbeitskraft der Kinder in uilzuTfiiger Weise ausnutzen usw. ii1"' Ein Beitrag zur Beleuchtung dieses Ver�'AnS der Waisen« Verwaltung Ivird von einer Frau Dr. F. in«H'nem hiesigen Blatt veröffentlicht. Die Frau Doktor, die mir Glücksgütern reich gesegnet ist, aber keine Kinder hat, erzahlt da, daß es ihr nicht gelungen sei, ein Waisen« kind in Pflege zu bekommen. Das Ehepaar wünschte ein nicht über zwei Jahre altes Waisenmädchen zu über- nehmen, und der Mann schrieb an etwa ein Dutzend Waisenhäuser. Die einen antworteten gar nicht, die anderen lehnten ab— mit alleiniger Ausnahme des Berliner Waisenhauses. Nur von hier aus ivurde der Versuch gemacht, auf den Vorschlag einzugehen. Bei dem Ehepaar ivurde recherchiert und nach einigen Monaten(I) kam dann vom Waisenhause der Bescheid, der Antrag sei genehmigt. Jahre sind seitdem vergangen, aber noch immer wartet das kinderlose, mit Glücksgütern reich ge- segnete Ehepaar auf die Zuweisung eines Kindes. Die Frau Doktor schließt ihre Darstellung mit den Worten:„Un§ hat man keins abgegeben, und das arme, elternlose Geschöpf, welches in unserem Hause einer glänzendenZukunft entgegengegangen >o ä r e, wird sich mühsam durch's Leben quälen müssen.' Es ist ja möglich, daß dieses Ehepaar nur infolge eines Ber- sehens unberücksichtigt geblieben ist. Aber so ganz unglaubhaft erscheint auch das nicht, daß die Waisenverwaltung es absichtlich unterlassen hat, diesen init Glücksgütern reich gesegneten Leuten, die sich so eifrig um ein Pflegekind bewarben, allzusehr nachzulaufen. Die Waisenverwalttmg ist der Ansicht, daß es keineswegs be- sonders empfehlenswert sei, Waisenkinder in Pflegestellen dieser Art zu geben. Zwar hebt sie in ihren Berichten rühmend die wenigen Fälle hervor, wo einmal bemittelte Leute ein Waisenkind wie ein eigenes behandeln, ihm eine höhere Bildung zu teil werden lassen usw. Sonst aber hält sie es doch lieber mit den anderen Pflegeleuten, denen es so schlecht geht, daß auch ihre Pflege- linder„sich mühsam durchs Leben quälen müssen." Und sie glaubt, daß sie so den Kindern am besten diene. Die Aussicht auf eine„glänzende Zukunft'— ja, das ist eben nichts für ein Waisenkind. Leute, wie jene Frau Doktor und ihr Herr Gemahl, sollen sich nur nicht einbilden, daß sie der Waisenverwaltung groß nützen, wenn sie sich ihr aufdrängen. Waisenjungen und Waisenmädchen sind dazu bestimmt, einmal einem Handwerksmeister in die Lehre gegeben zu werden oder in Gesindedienst zu gehen. Wer einem Waisenkinde ein besseres Los bereiten will, der weckt nur die„Begehrlichkeit". Nene Formulare für PostanweisungS-Quittungen. Das Formular für Postanweisungen mit Empfangsanzeige hat eine neue zweckmüßigere Fassung erhalten. Seit wenigen Jahren werden bekanntlich unfrankierte Formulare zu inländischen Post- anweisungen ausgegeben, denen eine zweite Karte angehängt ist. Die Karte ist mit einem Vordruck zu einer Bestätigung des Empfangs der Geldsendung versehen. Sie muß vom Absender nach der Taxe der Postkarte frankiert werden. Der Text der Rückseite dieser angehängten Karte ist durch einen Neudruck ersetzt worden. Es heißt darin: Von... in... Mark... Pf.... durch Postanweisung vom... empfangen zu haben, wird hiermit be- stätigt.(Name). Der Raum nach dem Worte„von" ist erheblich zur Aufnahme von weiterem beliebigem Text erweitert worden. Krantenhausbeschwerdcn.„Wenn's Ihnen nicht paßt, dann können Sie ja gehen!" Mit dieser Antwort ist man in manchen Krankenhäusern rasch bei der Hand, wenn mal ein Patient sich über dies oder das beschwert. Auch in dem Ostkrankenhaus kennt man dieses„Abhülfemittcl". Den Namen„Ostkrankcnhaus" trägt eine private Heilanstalt für Geschlechts- und Hautkranke, die sich im Hause T i l s i t c r st r. 22 befindet. Geleitet wird sie von einem Dr. v. Chrismar. der wohl auch zu den Besitzern der Anstalt gehört. Ueber die Beköstigung, die dort an Patienten verabreicht worden ist, hat man uns wunderliche Mitteilungen gemacht. Daß zum ersten Frühstück und zum Vesper nur trockene Schrippe mit Kaffee, zum zweiten Frühstück unbelegte Butterstulle mit Mehl- suppe, zum Abendbrot Butterstullen mit spärlichem Belag gegeben wurden, das wird die Anstaltslcitung vielleicht mit den Diätvor- schriften begründen wollen, die bei diesen Krankheiten streng inne zu halten seien. Wenn aber zu Mittag zähes Rindfleisch auf- getragen wird, wenn ein Bohnengericht mehr aus Kartoffeln als aus Bohnen besteht, wenn Mohrrüben unvollständig abgeputzt sind — ja, dann muß man sich doch fragen, ob alles das gleichfalls zu den„Heilfaktoren" gehört. Empfindlicheren Patienten können solche Mängel der Beköstigung den Aufcnhalt gründlich verleiden. Aber Herr Dr. v. Chrismar scheint in seinem Reich keine Empfindlichen zu dulden. Einem, der sich beklagte, wurde die oben angeführte Antwort gegeben:„W e n n's Ihnen nicht patzt, dann können Sie ja gehen!" Der Mann ging, und mit ihm gingen noch vier andere, denen es gleichfalls„nicht patzte". Der Patient, dem der Herr Doktor so kurz angebunden hinausgcwinkt hatte, war Kassenkranker— wie übrigens die Mehrzahl der zirka 160 Patienten, die im Ostkrankenhaus liegen. Die Kranken» kassen-Vor stände sollten sich dieses sogenannte Krankenhaus einmal näher ansehen. Wenn in den öffentlichen Krankenhäusern Berlins rechtzeitig für eine ausreichende Zahl Betten zur Verpflegung Geschlechts- kranker gesorgt worden wäre, dann wären private Anstalten, wie diese, weder nötig geworden noch überhaupt möglich gewesen. Wir vermuten, daß das Ostkrankenhaus des proletarischen Viehhofs. Viertels hauptsächlich den Zweck hat, Herrn Dr. v. Chrismar und seinen Kollegen als Lehrwerkstätte zu dienen. In der Anstalt»- Praxis wird an den Kassenkranken des ordinären Ostens gelernt. was in der Privatpraxis an den selbstzahlenden Patienten des vor- nehmen Westens verwertet werden kann. Der Abschluß der städtischen Gaswerke. Nach dem vorliegenden Jahresabschluß der Hauptlasse der städtischen Werke schließen die städttscheu Gaswerke für das Etatsjahr 1905/06 mit einem rechnungsmäßigen Soll von rund 76'/, Millionen Marl ab. Die Eivnahmen iet GaSanstcilten Betrugen rund 441/? Millionen Mar! und in Rest verblieben lO'/s Millionen SWatfr Hierzu kommen die Einnahmen aus der VerWallung des Magazins und der Werkstatt mit rund LOV« Millionen Mark, des Erneuerungsfonds mit rund 1>/g Millionen Mark, des Feuer- und Erplosionsversicherungsfouds mit 144000 3W. und der Petroleumbeleuchtung mit rund 30 000 M. Der Ueberschutz betrug danach bei der Verwaltung der Gaswerke rund 73li Millionen Mark imb mit Einschlich der Reste rund 0 Millionen Mark. Er ist somit um rund 920 000 M. höher als nach dem Etat angenommen wurde, »vaS zum Teil auf den Erlös ftir veräuherte Grundstücke zurück- zuführen ist, die vor Jahren erworben, jetzt nicht mehr gebraucht werden und nun zu vorteilhaften Preisen verkauft werden konnten. Bemerkenswert sind die Ausgaben für Kohlen, sie betrugen rund 13 Millionen Mark, die für Arbeitslöhne rund 3V, Millionen Mark und die für die Privatbeleuchtung einschließlich der Beiträge für die Kraulen- und Invalidenversicherung 2>/z Millionen Mark. Für eine Berstadtlichung der Fllrsorgestcllen für Tuberkulose tritt>r.r. Rabnow in der„Med. Reform" ein. Die Stadt Berlin hat im vorigen Jahre Fürsorgestellcn für Säuglinge geschaffen wahrend sie das Fürsorgewesen für Tuberkulöse der privaten Vereinstätigkeit überläßt. Es bestehen hier die Fürsorgestelle des Bolksheilstättenvereins vom Roten Kreuz, die lange Zeit von Dr. Wolf Becher geleitete des Vereins der freigewählten Kassenärzte und vor allem die vom Direktor der Chante, Geh. Rat Pütter, ins Leben gerufenen und von Dr. Kayserling geleiteten im der Eharite. der Paliiadenstraße und der Neuenburgerstraße. Als ihre Haupt- aufgäbe betrachtet auch Rabnow die Ermittelung der Kranken, ihre Auslese für die verschiedenen Anstalten und die vorbeugenden Matz- regeln durch Wohnungshygiene usw. Aehnlich wirken die Fürsorge- stellen in Eharlottenburg und Schöneberg. In Schöneberg ist die Ermittelung der Kranken dadurch erleichtert, datz die Polizeiver waltung alle� Anze�m von Todesfällen an Lungen- und Kehlkopf tuberkulöse'sofor?* Kenntnis der Fürsorgestelle bringt, damit diese die in jedem£..lle unentgeltliche Desinfektion vornehmen lätzt. Für vorgeschrittener� Tuberkulöse baut der Schöneberger Tuber- kuloseperein ein eigene Heilstätte bei Sternberg, zu der er von der Stadt einen Zuschuß von 100 000 M. erhalten hat. Sie hat den doppelten Zweck, das städtische Krankenhaus zu entlasten und durch Entfernung der hustenden Kranken ans den Wohnungen die An stecknngsgefahr zu verringern. Damit aber die Fürsorgestellen eine sichere wirtschaftliche Grundlage erhalten, müßten sie von der privaten Wohltätigkeit unabhängig gemach werden, ohne daß diese ganz ausgeschaltet zu werden braucht. Schöneberg ist wohl die erste Stadt Deutschlands, welche die von dem dortigen Verein zur Be kämpfung der Tuberkulose eingerichtete AuSkunfts- und Fürsorge stelle für Tuberkulöse in städtische Regie übernommen hat. Freitich waren die Vorbedingungen dazu günstig. Besonders wichtig war, datz sich die Trennung der Tuberkulösenfürsorge von der Armenverwaltung leicht bewerkstelligen ließ, dank dem Vorhanden- sein einer städtischen Deputation für Wohlfahrts pflege, die als selbständiger Zweig der Verwaltung einen eigenen Etat hat. Di« Aufgaben dieser'Deputation hat der Ober bürgermeister Wilde folgendermaßen gekennzeichnet: 1. Sorge für gesunde Wohnungen und Nahrung� 2. Bekämpfung ansteckender Krankheiten. 3. Fürsorge für die heranwachsende Jugend. Die Stadwerordnetenversanunlung hat der Deputation zunächst folgendes Arbeitsfeld zugewiesen: 1. Volksbadeanstalten, 2. GenesungÄ)eime, 3. Bekämpfung der Tuberkulose, 4. Bekämpfung der Säuglings- sterblichkeit, 5. Ferienkolonien. Hierdurch«st Schöneberg in der Lage, auf dem Gebiete der Tuberkulosebekämpfung einen weiteren, sehr nachahmenswerten Schritt vorwärts zu tun.. Auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge humpelt Berlin leider hinter vielen �Kommunen her, obwohl nicht vergessen werden soll, datz auch der Staat nach dieser Richtung hin nichts tut. Nur kurze Zeit hat sich der Mechaniker Adolf Schäwe feiner wiedergewonnenen Freiheit zu erfreuen gehabt. Am 28. November wurde er aus dem Zuchthause entlassen, in welchem er zwölf Jahre verbannt war, weil er mir Beamten der politischen Polizei einen Zu sammcnstotz hatte. Berufskollegen vom Metallarbeiterverband hatten für Schäwe eine Sammlung veranstaltet, um ihm. so gut es noch ging, wenigstens bor materiellen Sorgen zu schüren und ihm die Herstellung feiner schwer angegriffenen Gesundheit zu ermöglichen. Die Sammlung hatte auch ein günstiges Ergebnis; sie ergab 11 372,20 Mark. Schäwe suchte zur Herstellung seiner Gesundheit am Sonnabend vor acht Tagen die Nervenheilstätte HauS Schönow in Zehlendorf auf, es war aber schon zu spät. Die lange Zuchthausstrafe hatte ihn körperlich zermürbt? gestern ist er einem Anfall erlegen. Die Freiheit bedeutete für ihn den Tod, und das grausame über Schäwe seinerzeit verhängte Urteil ist somit zu einem Todes- urteil geworden. Ja, ja: Beraehen gegen die staatliche Autorität werden von der bürgerlichen Gesellschaft furchtbar gerächt I Da gibst» keine Schonung, und sollten selbst Menschenleben vernichtet werden! 33 051 Gasflammen brennen jetzt täglich in Berlin auf Strotzen und Plätzen. Dazu kommen noch 982 elektrische Lampen, darunter 760 Bogenlampen, 81 Jntensiv-Bogenlampen, 14 Glühlampen. 144 Nernstlampen und 37 Jntensiv-Nernstlampen. Die Gesamtzahl der Flammen, die der öffentlichen Beleuchtung dienen, erhöhte sich auf 34 033. Die Gaserzeugung der städtischen Werke erhöhte sich im Quartal Juli— September dieses Jahres gegenüber dem gleichen Quartal 1905 um 3'/e Millionen Kubikmeter auf 42 342 000 Kubikmeter. Auch die GaSabgabe stellte sich im dritten Quartal dieses Jahres bedeutend höher als im vorigen Jahre. Sie betrug rund 35'/, Millionen Kubikmeter. Davon wurden durch 20 744 Münz� gasmesse« allein 3 Millionen Kubikmeter abgegeben. Die Steigerung bei den MünzgaSmessern betrug 38'/, Prozent des Verbrauchs und bei den gewöhnlichen Gaslnessern 7 Prozent. Neu anfgestellt wurden 3031 Stück MünzgaSmesser, sog. Automaten, dagegen nahm die Zahl der Gasmotoren weiter ab. Am 1. Oktober d. I. waren nur noch 700 Stück in Berlin in Betrieb. Olepäckdiebstähle auf der Schlesischen Bahn sind in der letzten Zeit mehrfach gemeldet worden. Der Student der Medizin v. W. wollte die Weihnachtsfeiertage bei seinen Angehörigen verleben und benutzte zur Fahrt nach seiner Heimat einen Vorortzug, in der Absicht, in Erkner den Fernzug zu besteigen. Bei Ankunft auf der letztgenannten Station entdeckte v. W., datz sein gesamtes L leise. gepack, welches er in dem Gepäcknetz des Wagens niedergelegt hatte, verschwunden war. Der Diebstahl«st vermutlich zwischen den Stationen Wilhelmshagen und Rahnsdorf verübt worden, als sich der Student für wenige Augenblicke nach dem Nebenabteil begeben hatte. Mit der Schneeabfuhr in Berlin ist n gönnen worden. Es wurden im Laufe des wagen in Betrieb gestellt, die täglich je zehn den Stratzon der Reichshauptstadt fortschaffen. Die Zahl der Gefährte wurde im Laufe des gestrigen TageS auf fünfzehnhundert am Donnerstag be- res tausend Abfuhr- bikrneter Schnee von Erreicht hat die»Große Berliner" nun auch die Ober- leitung über den Potsdamer Platz. CS wird berichtet: Die beständigen Störungen der Unterleitungsstrecken der Stratzen- bahn auf dem Potsdamer Platz haben die Aufsichtsbehörde ver- anlaßt, der Großen Berliner Straßenbahn die Beseitigung der Unterleitung und ihren Ersatz durch Ober- leitung zu gestatten. Durch diese Aenderung wird die Per- kehrsregelung auf dem Potsdamer Platz wesentlich erleichtert: die häufigen, von dort ausgehenden Berkehrsbehmdenmgen. deren Folgen sich bis in die äußeren Grenzen Groß-BerlinS bemerkbar machten, werden jedenfalls erheblich vermindert werden. Die Aufftellung neuer Masten auf dem Potsdamer Platz wird zunächst nicht not- wendig sein, da die vorhandenen zur Befestigung der neu zu spannenden Drähte genügen. Die Arbeiten find bereits in Angriff genommen und werden in kürzester Zeit zu Ende geführt sein. Gleichzeitig wurde auch die Genehmigung zur Beseitigung der Unterleitung vor dem Charlottenburger Schloß erteilt; auch bort sind die Arbeiten für die Herstellung der Oberleitung bereits im Gange. Eine größere Verkehrsstörung im Straßenbahnbetriebe fand am Freitagvormittag am Potsdamer Platz statt. Dort ftlhr an der Ecke der Potsdamer- und Linkstraße der Motorwagen Nr. 2177 der Linie 23 mit heruntergelassenem Pfluge auf den Auflauf. Bei dem Berstlche, rückwärts zu fahren, entgleiste der Wagen mit dem Hinter- truck. Die Entgleisung des Waggons dauerte zirka 20 Minuten. Für die Dauer der Störung nmtzten die die Unterleitungskurve be- fahrenden Linien 23, 24, 51, 52, 50, 57, P und R abgelenkt und über den Askanischen Platz und Hafenplatz geleitet werden. Die Wagen der Richtung Leipziger— Potsdamerstraße wurden durch die Charlotten-, Koch- und Anhaltstraße über den Askanischen Platz ge- leitet. Ein Opfer der Glätte wurde gestern der Arbeiter Noack, als er die Greifswaldevstraße entlang ging. In der Nähe des Königtores glitt N. aus, siel auf den Fahrdamm, und zwar so unglücklich, daß er mit den Füßen ztvischen Vorder- und Hinterachse eines vorbei- fahrenden Bierivagens geriet. Der Arbeiter wurde überfahren und erlitt Brüche beider Beine. Er wurde nach dem Krankenhause am Friedrichshain übergeführt. Mehrere schwere Unglücksfalle haben sich gestern infolge des starken Schneefalles zugetragen. In der Gartenstraße glitt ein junges Mädchen, Minna Skobroneck aus der Bergslr. 15, auf dem Bürgersteig aus und zog sich bei dem Sturz einen Bruch des rechten Vorderarmes zu.— Auf dem Hof des Grundstücks Jnvalidenstr. 145 verunglückte der 20jährige Edmuird Schultze. Sch. hatte eine Leiter besttegen und war in der Höhe der ersten Etage auf einen mit Schnee bedeckten Mauervorsprung getreten. Er glitt ab und stürzte ans den Hof hinunter. Mit erheblichen Verletzungen am Kopf und am Rücken wurde Sch. in die Unfallstation in der Eichendorfsstraße eingeliefert.— In der Brunn enstraße kam der 30 Jahre alte Ar- beitcr Emil Tornow, Soldinerstr. 32, zu Fall urrd erlitt einen Bruch des linken Armes. Um dem Unfug in der Silvesternacht zu steuern, werden seit längerer Zeit die dabei vorfallenden Ausschreitunyen nicht durch polizeiliche S t r a f v e r f ügung e n erledigt, sondern der Staatsanwaltschaft zur gerichtlichen Erledigung überwiesen. Im Jahre 1906 sind aus diesem Anlaß 150 Personen bestraft worden, darunter einzelne imt Freiheitsstrafen bis zu sechs Wochen, 108 Personen mit Geldstrafen bis zu 50 M. und 16 jugendliche Unfugstifter mit gerichtlichen Verweisen. Auch dieses Jahr ist die Schutzmannfchaft angewiesen, energisch gegen Unfugstifter vor- zugehen. Das Ende des Kriegsveteranen. Unbekai«nt«st in der Stacht zum zweiten Feiertag im städtischen Asyl für Obdachlose ein etwa 60 Jahre alter Mann, der nach einer Tätowierung Kriegsveteran von 1870/71 gewesen zu sein scheint, gestorben. Der Mann, der morgens früh tot auf seiner Pritsche lag und wohl am Herzschlag gestorben ist, hat auf einem Arm eine Tätowierung, die ein Herz darstellt. Darin ist zu lesen:„1870/71 bis 7. 2. 02. Gott mit uns." Dem Toten fehlt übrigens an der linken Hand der Ringfinger. Verunglückte Schlittenfahrt. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag auf der Frankftirter Chauffee. Der Eigen» tümer Neumann aus Alt-Landsberg wollte auf einen ihm gehörigen Personenschlitten nach Berlin fahren. In der Nähe von Mahlsdorf scheute das vor den Schlitten gespannte Pferd vor einem entgeg-n- kommenden Automobil, brach seitlich aus und rannte mit solcher Gewalt gegen einen Telegraphenmast, daß es schwer verletzt zu- sammenbrach Der Kutscher sowie N. wurden auf die Chaussee ge- schleudert. Während letzterer mit unerheblichen Kontusionen davon kam, erlitt der Kutscher schwere Verletzungen am Kopfe und mußte nach einem Krairkenhanse übergeführt werden. Das verunglückte Pferd wurde sofort getötet und der Abdeckerei überwiesen. Lebensgefährlich verbrannt ist vorgestern abend die Ehefrau Schmidt aus der Holsteinischenftr. 39. Frau Sch war mit der Petroleumlampe von der Küche nach dem Wohnzimmer gegangen u««i) wurde auf dem Flur plötzlich von Krämpfen befallen. Sie stürzte besinnungslos zu Boden, die Lampe kam dabei zur Erplosion >«nd da? Petroleum ergoß sich über die Kleidmig der Frau hinweg. Nach wenigen Sehuiden stand die Unglückliche«n hellen Flammen. Hausbewohner waren durch den Brandgeruch aufmerksam geworden und in die Wohnung eingedrungen. Da inzwischen das Feuer weiter um sich gegriffen hatte, mußte die Feuerwehr alarmiert werden. Frau Sch. hatte so schwere Brantmunden am ganzen Körper davongetragen, daß sie in fast hoffnungslosem Zustande dem Krnkenhaus zugeführt werden«Eitzte. Von einem Wagen der städtischen Straßenreinigung überfahren und schwerverletzt wurde vorgestern der Zimmermann Friedrich Post, Rochowstr. 1 wohnhaft. P. wollte an der Ecke der Hermann« ui«d Selchowerstraße auf seinem Zweirade zwischen einem Straßenbahn wagen und einem Gefährt der städtischen Straßenreinigung hin> durchfahren; er wurde zedoch umgestoßen urid unter den Reinigungswagen geschleudert. Schwerverletzt lieferte ein Schutzmann den Verunglückten in das städtische Krankenhaus ein. Verbrechen oder Unglücksfall? Ein unaufgeklärter Todesfall beschäftigt gegenwärtig die Polizei. In einer der letzten Näcbtc fand ein Schutzmann des 6. Polizeireviers in der Fuldastraße an der Ecke des Weigandufers einen etwa 45 Jahre alten Mann be- Wußtlos auf dem Bürgerstcig liegen. Der Unbekannte wurde nach dem städtischen Krankenhaus gebracht, wo bei ihm am Hinterkopf und am Körper eine ganze Reihe schwerer Verletzungen festgestellt wurden. Auch einen Bruch des«echten Oberarmes konstatierte der Arzt. Ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, starb der Vernoundete. In dem Toten wurde der Tischler Oswald Otto aus der Wrangelstr. 62 erkannt. Auf welche Weise er zu den schweren Verletzungen, die seinen Tod herbeiführen sollten, gekommen ist, konnte noch nicht aufgeklärt werden. Eine absonderliche Behandlung wurde einem gestern abend auf dem Bahnsteig des Ringbahnhofes Friedenau-Wilmersdorf Ver- unglückten zuteil, der durch Ausrutschen unter den Zug geriet lind erhebliche Verletzungen davontrug. Wie unS berichtet wird, legte man den Verunglückten auf die Steiufliesen des Bahnsteiges, wo er etwa eine Viertelstunde bis zum Eintreffen des Arztes und der durch diesen angeordneten lieber« führung nach einem Krankenhause liegen blieb. Wir meinen doch, daß auf jedem Bahnhofe Räume vorhanden sind, die es möglich machen, Verunglückten vorübergehend Unterkunft zu gewähren. Bei der jetzt herrschenden Temperatur ist es nicht zu verstehen, daß man Verunglückten so wenig entgegen kommt. Der Män«iergesangvertin„Nvrddeutsche Schleife" rubriziert mit unter den Vereinen, die zu den größeren und leistungsfähigeren zu zählen sind. Seine gelegentlichen Aufführungen legen davon be- redtes Zeugnis ab, und er bewies diese Totlache von neuem an- lätzlich seiner am 1. Feiertag in„Kliems Festsälen" arrangierten Weihnachtsfeier. Das Programm des Abends war ein äußerst reich- haltigeS und sorgsam zusammengestellt. Gut ausgewählte Gesangs- piecen wurden durch einen vorzüglichen musikalischen Teil ergänzt. Im letzten Teil wirkte ein Kammermusik- Trio mit, bestehend au» den Herren Karl Rockstroh(Klavier), Oskar Löblich(Violine) und Richard Callies(Cello). Die künstlerische» Aufführungen dieser Herren wären— leider muß eS gesagt werden— einer iröfeeren Ruhe würdig gewesen; denn nicht immer bietet sich iir die Arbeiterklasse die Gelegenheit, Musikstücke hervor- ragender Konrponisten in so künstlerischer Vollendung zu hören. Die Unruhe beeinträchtigte auch die vom Gesangverein„Norddetitsche Schleife" aufgeführten Gesänge.„Hymne an die Nacht", von Beet- Hoven,«Nachtzauber" von Strauß verlangen eine große Andacht. Dies um so mehr, als der Verein unter der Direktion Herrn Her- mann Boschs sich seiner Aufgabe voll und ganz gewachstm gezeigt hat. Es muß anerkannt werden, daß sich die Stimmen exakt in den Schranken hielten, daß die von den, Verein vorgetragene„Hymne an die Nacht",„Abschied",„Nachtzauber" einen großen Fleiß des Dirigenten und der Sänger verrieren. Im„Sturm" zeigte sich auch der Tenor den an ihn gestellten Anforderungen gewachsen. Großen Beifall rief das Singspiel:„Die Forstdiebin" hervor. Den Schluß des Programms bildete ein Theaterstück„Die Vergeltung". Alsdann ging es z«lm Tanz, wobei sich die Gesellschaft noch einige Stunden amüsierte. Das Polizeipräsidium teilt mit: Noch nicht ermittelt ist die anscheinend geistesschivache Witwe Wilhelmine Krause geb. Haulick, am 9. August 1345 zu Britz. Kreis Teltow geboren,«velche sich am 27. Juni 1906 ans dem Siechenhause in der Fröbelstraße enifernt hat. Beschreibung: Größe 1,55 Meter, Haare melier«. Augen grau, Zähne fehlen im Oberkiefer. Kleidung: grau- und schwarzwollenes Matinee, schwarzer Cheviotrock, sckwarze Alpakaschürze mit Spitze, alte Filzschuhe, Anstalrshemd und Strümpfe. Personen, welche An- gaben zur Sache machen können, werden gebeten, dies der Kriminal» Polizei, Zimmer 326, oder einem Polizeirevier zu den Akten 4303. IV. 22. 06 mitzuteilen. Am zweiten WeihiiachtSfeierwg ist bei der Matinee bei Schirms, Badstraße 19, ein Hausschlüsicl gefunden worden. Abzuholen bei Raschle, Ackerstr. 86, Spedition. Aus der Treptow- Sternwarte spricht Direktor Archenhold am Sonntag, den 30. Dezember, nachm. 5 Uhr, über:„Jupiter und Saturn", um 7 Uhr über:„Das Geheimnis des Weltenbaues." Am Montag, den 31. Dezember, wird nachm. 5 Uhr in einem Rück- blick auf die Entwickelung der Astronomie die Beziehung der letzteren zur Weltanschauung behandelt. Am Nelijahrslage nachm. 5 Uhr Ipricht Dir. Archenhold über:„Die Eroberung des Weltalls", um 7 Uhr über:„Weltanschauung und Himmelskunde". Sämtliche Vorträge sind mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet.— Mit dem großen Fernrohr wird nachmittags zuerst die Sonne, später der Mond bezw. Saturn oder Jupiter gezeigt. Im wissenschaftlichen Theater der Urania finden während der Schulferien außer den Abendvorstellungen, an welchen der neue dekorativ und szenisch ausgestattete Vortrag„Die Feuergewallen der Erde" zur Tarstellung gelangt, auch noch Nachmittagsvorstellungen zu ermäßigten Preisen statt und zwar: Am Freitag und Sonnabend „Sizilien, Lebens- und Naturbilder aus klassischen Stätten", am Sonntag, Montcm und Menstag„Frühlingslage an der Riviera" und am Mittwoch und Donnerstag„Tierleden«n der Wildnis". Feuerwehrbericht. Die Berliner Feuerwehr hat auch in den letzten Stunden ununterbrochen zu tun gehabt und falls sie in den nächsten Tagen weiter so in Anspruch genommen wird, wie bisher, dann wird sie mit 400 Alarmen in einem Monat einen„Rekord" zu verzeichnen haben. In v>.r letzten Nacht kam in einer Kartonfabrik am Görlitzer Ufer 35 Feuer au«. Pappkartons brannten dort. DaS Feuer war durch einen Trockenofen ausgekommen und konnte auf seinen Herd beschränkt werden. Auf einem Neubau in der Hufelandstraße 8 brannten nachts Säcke, Fenster und anderes und an, Kottbuser Damm 79, sowie Frankfurter Allee 149 Schornsteine usw. Der achte Zug wurde gleichzeitig nach der Falckensteinstr. 23 gerufen, wo Fleisch in Brand geraten war. Der 12. Zug hatte in der Hohenzollernstr. 17 zu tun. wo auf einem Hängeboden Feuer durch Unvorstchtigkeit ausgekommen war. tn der Stralauerstr. 45 brannte eine Rohrumhüllung und in der hausseestt. 44 Sttohverpackung u. a. Schaufensterbrände mußten in der Lützowstr. 40 u. a. Stellen gelöscht werden. Der 11. Zug niußte in der Heimstt. 19 einen Kellerbrand löschen. Wegen Ab« sturzes elnes mit Personen besetzten Fahrstuhls wurde der 19. Zug nach der Leipzigerstt. 114 gerufen. Gegenüber, Leipzigerstt. 26, brannten Tapeten. Der 15. Zug wurde gestern wegen eines Wohnungsbrandes nach der Lübeckerstraße 15 gerufen. Dort war in Abwesenheit der Eltern Feuer ausgekommen, wobei zwei Kinder in große Gefahr gerieten. Hausbewohner eilten zum Glück herbei und brachten die Kinder noch vor Ankunft der Feuerwehr in Sicherheit. Die Flammen konnten bald gelöscht werden. Ferner wurde die Feuer« wehr noch nach d*» Fohrerstraße 13 und dem Marienheim m der Tieckstraße 17 gerusen. Vorort- JVacbncbtem Charlottenburg. FrelsinnS-Manieren. Welch gemeiner Waffen sich unsere Gegner im Kampfe gegen die Sozialdemokratie bedienen, lehrt ein Blick in das Organ der Charlottenburger Liberalen, die berüchtigte„Neue Zeit", ein Blatt, auf dessen Redaktion das Wort aus Gustav Frehtags„Journalisten" von den Leuten zutrifft, die rechts und links schreiben können. Nachdem die Schmocks, die in der„Neuen Zeit" ihr Unwesen treiben. den Wahlkampf mit niedrigen Beschimpfungen gegen einzelne unserer Parteigenossen eingeleitet haben, erbringen sie in ihrer Weihnachtsnummer den Beweis, daß sie in bezug auf Verleum- düngen sich selbst noch übertreffen können. Zuerst jammern sie wehmütig darüber, daß sich der Liberalismus, der von allen Seiten von Feinden umringt wird, auch in dem neuen Wahlkampfe in einer schwierigen Situation befindet, so datz der„gewaltige Auf- schwung des Liberalismus, wie man ihn jetzt so gern prophezeit, Wohl noch eine längere Zeit auf sich warten lassen" wird. Sodann wird«n zwei Spalten gegen die Sozialdemokratie hergezogen. deren am Sonnt-»- verbreitetes Flugblatt mit Schlagworten, Ueber» treibungen und Fälschungen arbeite. Den Beweis für seine dreiste Behauptung erbringt das Blatt nicht. Dafür leistet es sich selbst aber die unverschämten Verleumdungen, daß die internationale Sozialdemokratie und das Zentrum ihre Direktiven vom Auslande empfangen, daß diese Parteien von vaterlandsloser Gesinnung beseelt seien, daß der Wahlaufruf der Sozialdemokratie von Fisch- weibcrn verfaßt sei, und was dergleichen schöne Dinge mehr sind. Dann kommt der Haupttrumpf: Angestellte sozialdemokratischer Unternehmungen werden so schlecht bezahlt und behandelt, daß sie al« Opfer des sozialdemokratischen Ausbeutungssystems sich vor dem Strafrichter zu verantworten hatten, nachdem sie durch erbärmliche Löhne zur Begehung von Verbrechen getrieben worden seien. DaS soll aus Gerichtsverhandlungen bekannt sein. Ist das Blatt im- stände, auch nur eine einzige solche Gerichtsverhandlung anzu- führen? O nein! Das ist auch nicht nötig. Man verleumdet, ob- wohl man von der Unwahrheit seiner Behauptung überzeugt ist, man spekuliert auf die Dummen, die da glauben, daß das, was die bürgerliche Zeitung schreibt, unumstößlich wahr ist. Daß ein Blatt auf einer so tiefen Stufe der Moral stehen, daß in einer Redaktion so gewissenlose Lügner ihr Spiel treiben können, da» erscheint ja auch einem Menschen mit gesunden Ehrbegriffen undenkbar. Ter Artikel läuft aus in gehässige Angriffe auf den„Millio- när" Singer, Angriffe so erbärmlicher Art, daß selbst die Sudel- schristen des Reichsverbandes zur Verleumdung der Sozialdemo- kratie im Vergleich hierzu anständig genannt werden können. Natürlich bekommt auch Zubeil sein Teil ab. Daß zum Schluß von etnem schwarz-roten Bündnis gesprochen wird, nehmen wir dem Blatt nicht weiter übel. Die Fälschung politischer Tatsachen gehört nun einmal zu seinem Handwerk. Wie Ironie aber klingt eS, wenn wenige Zeilen später in einer besonderen Notiz darüber ge- klagt wird, daß die Sozialdemokraten den Wahlkampf nicht sachlich führen. Mit solcher Sippschaft sachlich zu kämpfen«st ein Kunst- stück, daS gewöhnliche Sterbliche nicht fertig bringen. Durch amtliche Verfügung sind neue Straßennamen in Eharlottenburg festgesetzt worden. Die Straße 27» V 3 hat den Namen Horstweg. die Straße 33» V 4 den Namen Philippisttaße, Straße 27a V 4 die Bezeichnung Saldernstraße erhalten. Ferner sind bezeichnet worden: die Straßen 271 V 4-fit Riehlstraße, 33 und 8 V 4»itd 7b V 5 mit Kaiserdamm, der Platz U V S mit Reichskanzlerplatz, die Straßen 7a V 5 mit Reichsstraße, 35 V 4 mit Haeselerstraße, S8b V 4 mit Friedericistraße, 32a V mit Meerscheidtstraße, 35a V 4 mit Stülpnagelstraße, 34, 34a, 34b, 37 V 4 mit Rognitzstraße, 27 V 4 mit KnobelSdorffstraße, IIa V 5 mit Halmstraße, 11 V 5 mit Klaus Grothstratze, 24 V 5 mit Stormstraße, 17b V 3 mit Gervinusstraße, 15» V 3 mit Drohsestraße, 8 V 3 mit Dahlmannstraße, 8b V 3 mit Waitzstraße, 8a V 3 mit Roscherstraße, 1a V 1 mit Clausewitzstraße, 17t V 1 mit Otto Ludwigstraße, 4 V1 1 und 2 mit Kamminerstraße, 36 und 3Sa V 1 mit Mindenerstraße, 8a V 2 mit Neue Grolman- straße, 12k V 3 mit Lohmeyerstraße, die Fritschestraße zwischen Spandauer- und Scharrenstraße mit Oranienstraße. Die Bismarck- straße hat ihren Namen beibehalten, und ihrer Verlängerung vom Sophie Charlottenplatz ab nach Westen bis zum Grunewald ist der Name Kaiserdamm verliehen worden und der im Zuge dieser Straße belegenen Brücke die Bezeichnung Kaiserdaminbrücke bei- gelegt worden. Wilmersdorf. Nach der in der letzten Gemcindeverordnetenversammlung an- genommenen Besoldungöordnung für die Gemeindebeamten, die Lehrer und Lehrerinnen an den Volksschulen und den höheren Lehr- anstalten, gestalten sich die Gehälter wie folgt: Für mittlere Beamte in leitender Stellung beträgt das Anfangsgehalt 5000 M, und das Endgehalt nach 12 Jahren 6500 M,, Oberstadtsekretäre, Rendanten und ihnen gleichgestellte Beamte 3900 M. bis 5700 M. nach 15 Jahren. Sekretäre, Kassierer usw. 2700 M, bis 4200 M, nach 21 Jahren. Bureau- und Kassenassistenten, welche die Sekretär- Prüfung abgelegt haben, erhalten 2400 M. bis 4200 M. nach 21 Jahren und Assistenten ohne Prüfung 2200 M. bis 3600 M. nach 15 Jahren. Unterbeamte erhalten ein Anfangsgehalt von 2000 M. und 3050 M. nach 21 Jahren. Das Grundgehalt der an Gemeindeschulen beschäftigten Lehrkräfte beträgt für Rektoren 2550 M., Lehrer 1450 M„ wissenschaftliche Lehrerinnen 1300 M. und technische Lehrerinnen 950 M. Die Alters- zulagen bewogen 250 M., 250 M.. 150 M. und 100 M. An Miets- entschädigung erhalten Rektoren 1000 M., Lehrer mit eigenem Hausstand 750 M., die übrigen Lehrer und wissenschaftlichen Lehre- rinnen 500 M. und die technischen Lehrerinnen 450 M Die Direktoren höherer Lehranstalten erhalten ein Anfangsgehalt von 6500 M., steigend in 15 Jahren bis auf 8000 M., außerdem eine Dienstwohnung oder eine Mietsentschädigung von 1500 M., die auch bei der Versetzung in den Ruhestand in Anrechnung kommt. Oberlehrer erholten 2800 M. Anfangsgehalt und 1000 M. Wohnungs- geldzuschuß, steigend in 21 Jahren auf 7400 M. inkl. WohnungS- geldzuschuß. Die Vorschullehrer beziehen ein Anfangsgehalt von 2600 Mark und ein Endgehalt von 4850 M. nach 31 Jahren. Oberlehrerinnen mit Staatsexamen 3000 M. Anfang«- und 4700 M. Endgehalt. Akademisch gebildete Zeichen-, Gesang- und Turnlehrer, sowie ordent liche Lehrer erhalten 2800 M. und nach 27 Jahren 5500 M. Die Arbeiter scheinen bei dieser neuen BesoldungSordnuna nicht gerade reichlich bedacht worden zu sein, denn von den rund 64 000 M. Mehr- kosten, die die neuen Besoldungssätze für das Rechnungsjahr 1907 erfordern, entfallen auf die Arbeiter nur 6555 M., auf die Beamten 11500 M., die Gemeindeschullehrer 22 000 M. und die Lehrpersonen der höheren Schulen 23 650 M. Die Gemeindearbeiter werden das geringe Entgegenkoinmen, das ihnen die jevige Gemeinde verordnetenversammlung gezeigt hat, wohl zu bewerten wissen. Es kann ftir sie nur ein Grund mehr sein, sich mehr und mehr der gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen, um durch dieselbe einen höheren Lohn zu erringen. Die Stadwerordnetenwahlen finden nach einer Meldung des hiesigen Lokalblattes nicht nach, sondern noch vor der Reichstagswahl statt. Die III. Abteilung wählt am 16., 17. und 18., die IL Abteilung am 22. und die X. Abteilung am 24. Januar. Gewählt wird in der HI. Abteilung von 10—2 Uhr vormittags und 5—8 Uhr nach« mittags. Unsere Genossen haben also in der kurzen Zeit eine an- strengende Arbeit zu verrieten. Bei Aufbietung aller Kräfte muß es jedoch gelingen, in der III. Abteilung Mandate zu erobern. Erkner. Die leiste Generalversammlung des Wahlvereins von Erkner und Umgegend nahm Kenntnis von den Abrechnungen und wählte angesichts der bevorstehenden ReichStagSwahlen sämtliche Funktionäre wieder, mit Ausnahme deS Kassierers, welcher wegen Ueberbürdung seines Postens entbunden sein wollte. An dessen Stelle wurde Genosse Schulze gewählt. Die Debatte über die kommenden Reichstagswahlen zeigte eine erfreuliche Stimmung. Allgemein wurde der Meinung Ausdruck gegeben, daß nun den Lebensmittelwucherern eine treffende Antwort gegeben werden muh. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte die Versammlung des verstorbenen Genossen DreeSbach in ehrender Form. Spandau. Das„Spandauer Tageblatt", ein fleißiger Kostgänger de« Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, entwickell eine geradezu fieberhafte Tätigkeit gegen die Sozialdemokratie Dem Pauli-Organ scheint der Bode» unter den Füßen bereit« zu heiß zu werden, weshalb es auf die Sozialdemokratie schimpft nach Herzenslust. Unter dem Titel:.Sozialdemokratische Brüderlichkeit" bringt das Blatt in seiner gestrigen Nummer einen Artikel, der von vornherein den Stempel gewerbsmäßiger Verleumdung trägt. ES ist ein Produkt des Reichsverbandes, dazu bestimmt, den kon- servativen Schreiberseelen ihre Aufgabe etwa« zu erleichtern. Der Autor läßt einen Artikel des.Korrespondenten". Organ für Deutsch- lands Buchdrucker und Schriftgießer, gegen die.Leipziger Lolkszeitung" aufmarschieren, um am Ende ein Loblied auf die Buchdruckergehülfen anzustimmen. Das gute Einvernehmen der Gehülfen in dem Gewerbe mit den Prinzipalen wird über den grünen Klee gelobt, dagegen von einer„ausreizenden" Schreibweise der„Leipziger Volkszeitung" und dem„Vorwärts" gesprochen. Zum Schluß wird der Spruch:„Und willst Du nicht mein Bruder sein, so ichlag' ich Dir den Schädel ein" als.brüderliche Devise der Sozialdemokratie" gekennzeichnet. Eine solche Kampfesweise mit „geistigen Waffen" kann der Sozialdemokratie im Kreise nur an- genehm sein. Sie kennzeichnet so recht die Berleumdungssucht und Verlogenheit unserer„Staatsstiitzen". Das Handlnngerblatt des Reichsverbandes schätzt die Arbeiterbevölkerung Spandaus sicher etwas zu ttef ein. wenn es glaubt, durch solche Anekdoten Erfolge zu erzielen. Das Wahlkomitee macht darauf aufmerksam, daß in Spandau mehrere nicht gestempelte Sanimellisten klirsieren. Es haben nur die gedruckten und abgestempelten Listen Gültigkeit.' Liembts- Leitung. Wegen versuchten Vergehens gegen das NohrungSmittelgesetz ist am ig. Juni vom Landgericht II in B e r l i n der Schlächter- meistcr Karl Reeck in Charlottenburg zu vier Monate» Ge- fängnis verurteilt worden. Er schlachtet Vieh in Privathänsern und stellt das Fleisch da zum Verkauf aus. Dem Schlächtermeister W. hatte er eine« Tages mehrere Lebern und Lungen verkauft. Die des einen Schweines waren stark tuberkulös. Der Tierarst M. warf diese in das Konfiskationsfaß, welches mit fauligem Wasser gefüllt war. Nachmittags kam der Angeklagte, vermißte das Geschlinge und erfuhr, was geschehen war. Er Holle dann die Leber, die stark roch, aus dem Fasse heraus, wusch sie a� und hängte sie zu den übrigen drei Geschlingen. Darauf nahm er eine andere Leber von jenen drei Geschlingen fort und fuhr damit zu dem Tierarzt, den er zur Rede stellte. Dabei tat er so, als ob die mitgebrachte gefundene Leber die beanstandete fei. M. ging dann hin und stellte fest, daß die von ihm verworfene Leber bei den übrigen Geschlingen hing. Die betreffende Leber war gesundheitsschädlich wegen der Tuberkeln und der Berührung mit dem fauligen Wasser.— Die R e v i s i o n des Angeklagten wurde vom Reichsgericht verworfen. Prozeß v. Berger-Schildkraur. Der Direktor des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg V.Berger hatte, wie erinnerlich, gegen den Schauspieler Schildkraut auf Untersagung des Auftretens Schildkrauts in Berlin wegen vermeint- lichen Kontraklbruchs geklagt. Die Klage war in Hamburg in beiden Instanzen abgewiesen. Gegen das Urteil des Hamburger Ober- landesaerichts vom 11. Juli legte v. Berger Berufung ein. Der auf gcsteru vor dem Reichsgericht anbcrarnnte Termin wurde auf- gehoben, weil der Kläger die aussichtslose Revision zurück- gezogen hatte. Ein Volksschiillehrer als Sittlichkeitsvertrecher unter Anklage. Schwere sittliche Verfehlungen eine? VolksschuUchrers bildeten gestern den Gegenstand eine? Strafprozesses, der hinter verschlosseneu Türen vor der vierten Strafkammer des Landgerichts III verhandelt wurde. Wegen schweren Sittlichkcitsverbrechens mußte sich ein Gemeindeschuilehrer Fritz Sch. vor dem Strasrichter verantworten. Der erst 28jährige Angeklagte war als Lehrer an der ersten Gemeinde- schule in Deutsch- Wilmersdorf angestellt. Mit seinen Schülern stand er auf einem sehr vertrauten und fast sreundschaft- lichen Fuße. Da der Angeklagte mit einem Lehrer des Mossc-Stifts in Wilmersdorf näher bekannt war, so fand er auch hier linier den Zöglingen junge Freunde, die ihm häufig Bücher in die Wohnung bringen mußten. Unter diesen befand sich auch der 13 jährige Schüler Ernst K. Niemand dachte an etwas Arges, als plötzlich die Eltern eines Schülers dem Rektor Mitteilung machten, daß sich Sch. seit längerer Zeit an den Schülern in sittlicher Be- ziehung schwer vergehe. Dies sollte anläßlich der Besuche in der Wohnung des Angeklagten geschehen sein. Mehrere der Schüler wurden einem Verhör unterworfen und räumten ein, daß sich Sch. wiederholt in unsittlicher Weise an ihnen vergangen habe. Am 4. November erschienen Kriminalbeamte in der Wohnung des Angeklagten, um ihn zu verhaften. Sch. ging unter einem Vorwande in ein Nebenzimmer und öffnete sich mit einem Rasiermesser die Pulsadern. Durch einen Nebenausgang stürmte er dann auf die Straße, wo er bewußtlos zusammenbrach. Die Verletzungen waren so schwerer Natur, daß der Angeklagte sofort als Polizeigefangener nach der Charils über geführt werden mußte. Aus dem Ulitersuchungsgefängnis wurde Sch. nun gestern der Strafkammer vorgeführt.— In dem Vorverfahren machten stch schon erhebliche Zweifel an der Zu- rechnungssähigkeit bemerkbar. Die Taten des Angeklagten waren schon deshalb unverständlich, da er erst vier Monate vorher ge heiratet hatte und mit seiner jungen Frau in selten glücklicher Ehe lebte. Zu der gestrigen Verhandlung waren als psychiatrische Sachverständige Dr. Magnus H i r s ch f e l d und der Nervenarzt Dr. Placzei geladen. Ersterer legte in einem ausführlich be gründeten Gutachten dar. daß der Angeklagte ein neurasthenisch ver- anlagter Mensch sei, der durch eine hinzukonimende erbliche Belastung leicht zu sexuellen Verirrungen neige. In diesem Zustande handele der Angeklagte in einer vollständigen Bewußtseinsstörung und müsse eine Strasfälligkeit des Sch. nach Maßgabe des Z 51 des Strafgesetz buches für Taten, die er in diesem Zustande begehe, verneint werden. Nicht so weitgehend war der zweite Sachverständige, der allerdings erhebliche Ziveifel an der geisttgen Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten für vorliegend erachtete. Das Gericht hielt die Straftaten des Sch. objektiv für erwiesen, jedoch wurde angenommen, daß der Angeklagte m einer krankhaften Störung des Geistestätig- keit gehandelt habe. Auf Gnind des§ 51 erkannte die Strafkammer auf Freisprechung._ Ist eine Vereinbarung gültig, nach erfolgter Kündigung Provision und nicht festes Gehalt zu zahlen? Um diese Frage von prinzipieller Bedeutung handelte es sich in einem Rechtsstreit, welcher gestern der Entscheidung der vierten Kammer des KaufmannSgerichts unterlag. Der Ber sicherungsinspektor Max Lion war von der Versicherungsgesellschaft Viktoria mit einem Vertrage engagiert worden, der u. a. folgende Bestimmung enthielt:„Falls von einer der beiden kontrahierenden Parteien eine Kündigung erfolgt, so hat der Angestellte vom Tage der Kündigung an nicht mehr Anspruch auf die Garantie(festes Gehaltj, sondern nur noch auf die Provision". Dem Kläger L. wurde nun mit einmonatiger Kündigungsfrist ge- kündigt, und auf Grund obiger Vertragsklausel verweigerte die Ge- sellschaft die Zahlung der Garantiesumme für den Kündigungs monat. Der Kläger erhebt gegen die Beklagte einen Anspruch von 102 M. Er wendet ein. der Vertrag verstoße gegen die guten Sitten und sei deshalb als nichtig anzusehen. Die Vertragsklausel charakterisiere sich als eine Umgehung der gesetzlich vorgeschriebenen Kündigungsfrist. Nach erfolgter Kündigung habe der Kläger gebeten, wenigstens sofort austreten zu dürfen, aber seine Bitte habe die Gesellschaft abgelehnt und ihn gezwungen, bis zum Ablauf der Vertragsdauer tätig zu sein. Er habe im letzten Monat genau so arbeiten müssen wie vorher, die Gesellschaft stecke sich aber hinter den ominösen § 14 ihres Anstellungsvertrages und suche sich ihren Ver- pflichtungen gegen den Angestellten zu entziehen. Er bitte daher, den Vertrag für ungültig zu erklären und ihm auch für den Kündigungsmonat die garantierte Summe zuzu- sprechen. Da« Kaufmannsgericht wieS den Kläger mit seinem An- s p r u ch ab. Der ÄnstellungSvertrag sei ordnungsgemäß zwischen dem Kläger und der beklagten Gesellschaft geschlossen worden und es lag im freien Willen des Klägers, auf die Vertragsbedingung deS§ 14 einzugehen oder nicht. Da das Gericht in der Vertrags- klausel einen Verstoß gegen die guten Sitten nicht erblickte, so war der Vertrag auch als rechtsgültig anzusehen. Das Kauf- mannSgericht dürste übersehen haben, daß durch die getroffene Ver- einbarung der Grundsatz von der Gleichheit der Kündigungsfrist verletzt und daß sie deshalb ungültig ist. Eine Rauferei um eine Silvcsteraufführung. Um da? Aufführungsrecht des Wildeschen Stückes„Bumbury" streiten sich die Direktoren Reinhardt und B a r n o w s k y. Beide bereiten das Stück für den Silvesterabend vor. Ersterer hat das Stück von Eduard Bloch(Ludwig Bloch) für das Deutsche Theater, letzterer von Felix Bloch Erben(Artur Sliwinski) ftir daS Kleine Theater erworben. Sowohl Eduard wie Felix Bloch glauben das Berfügungsrecht über das Stück zu haben. Die Sache der Firma Eduard Bloch wurde von den Rechtsanwälten Hugo Marcus« und Oskar Meyer das Recht der Firma Felix Bloch Erben vom Justizrat Paul Jonas vertreten. Direktor Barnowsky. der auch persönlich zugegen war. stand Rechtsanwalt Willy Gotthelf zur Seile— Direktor Reinhardt hatte gegen Direktor Barnowsky im Wege der einstweiligen Verfügung ein Verbot gegen eine Sicherheitsleistung von 20 000 M.. die vom Kammergericht auf 4000 M. ermäßigt wurde, erwirkt, durch die dem Direktor Barnowsky die AuMhrung deS Stückes bei einer fiskalischen Strafe von je 1500 R. unterlagt wurde. Die Sicherheit ist vom Direktor Reinhardt hinterlegt, Drrektor Barnowsky will aber gleich- wohl die Aufführung am Silvesterabend bringen. Gleichzeitig hat er gegen die einstweilige Verfügung Widerspruch eingelegt, und diese Beschiverde bildete den Gegenstand der gestrigen Verhandlung. Außerdem hat Herr Barnowsky nun seinerseits eine einstweilige Verfügung gegen Herrn Reinhardt beantragt, über die am 31. d. M. Termin zur mündlichen Verhandlung ansteht.— Im gestrigen Termin wurde nach langer Verhandlung dahin entschieden: daß die ein st weilige Verfügung aufzuheben und Herrn Direktor Reinhardt die Kosten aufzuerlegen seien. Räch Ansicht de« Gerichts hat Herr Sliwinski bezw. Direktor Banrowskh das Aufführungsrecht rits erworben und die Aufführung im Kleineu Theater kann nicht verboten werden.— Ob nun am 3l. d. M. ein solches Verbot gegenüber Herrn Direktor Reinhardt ausgesprochen werden wird, bleibt abzuwarten. Welchen Wert für die A l l g e m e i n h e i t hat das Sonderaufführungsrecht eines Theaters? Auch Gefälligkeiten können schadensevsatzpflichftg macht«. Der Fuhrwerksbesitzer H. in Stuttgart forderte eines Tages einen Bekannten, den er auf der Landstraße angetroffen, auf. sein Fuhrwerk zu benutzen und mitzufahren. Als der Wagen des H. eine schon oft passierte steile Straße hinunterfahren mußte und der Beklagte den Radschuh anlegen wollte. Platzte die Sperrkette und der Wagen rollte die Straße hinunter. Der mitgenommene Bekannte strengte eine Schadensersatzklage wegen der durch die Ver- letzungen erlitteneu Nachteile an. Er rügte in der Klage besonders den mangelhasten Zustand der Sperrlette, welcher dem Fuhrwerks- besitzer bekannt sein mußte. �_ Das Landgericht Rottweil und Oberlandes» gericht Stuttgart kamen zu einer Verurteilung des Beklagten dem Grunde nach. Das Oberlandesgericht sieht es als erwiesen an, daß die Kette ausgeschlissen und fehlerhaft war, was der Fuhrwerks- besitzer erkennen mußte. Er hätte Vorkehrungen treffen müssen, die geeignet waren, einen Bruch der Kette zu verhindern. Auch wäre das Platzen und Versagen der Kette verhindert worden, wenn der Schutz noch durch eine Beikelte gesichert worden wäre. Das Reichsgericht wies die Revision gegen das oberlandesgerichtliche Urteil z u r ü ck. Das Reichsgericht führt im Urteil aus, derjenige, der einen anderen zum Mitfahren auf seinem Fuhr- werk veranlaßt, ob für Bezahlung oder unentgeltlich, müsse zum mindesten dafür sorgen, daß der Mitgenommene nach den all- gemeinen Grundsätzen der§§ 823 und 276 B. G. B. geschützt ist. Vermischtes. Schwerer Eisgang herrscht zurzeit nach einer Meldung aus Hambrirg infolge des anhaltenden Frostes auf der Unterelbe, der für kleinere Seeschiffe bereits ein großes Hindernis bildet. Der größte Eisbrecher Nr. 3 ist in Dienst gestellt und nach der Unterelbe abgegangen. BergmannSlos. Auf der Königin Luise-Grube(Westfeld) sind vorgestern abend drei Bergleute durch zu Bruch gehendes Gestein verschüttet worden; einer ist getötet, die beiden anderen sind schwer verletzt, aber geborgen. Ueber große Schneefälle wird aus Budapest berichtet. Danach ist Budapest und Umgebung seit vorgestern früh förmlich im Schnee begraben. Der Straßenbahnverkehr mußte vollständig eingestellt werden. Aus dem ganzen Lande treffen Meldungen über große Schneefälle ein. Der Eisenbahnverkehr ist vielfach gestört. Mehr als hundert Kinder soll eine Hebamme in Paris im Laufe des Jahres im Ofen ihres Wohnzimmer« verbrannt haben, und nur durch einen Zufall kam die dunkle Geschichte, wie Pariser Blätter berichten, ans Tageslicht. Ein Bankier, dem ein wertvolles Juwel abhanden gekommen war, beschuldigte die Frau eines Bankbeamten. die ihre Beziehungen zu ihm plötzlich abgebrochen hatte, des Diebstahls. Die Polizei fand die Frau im Pensionat einer Hebamme, konnte aber das gestohlene Juwel nicht entdecken; überdies bestritt die Beschuldigte auf das entschiedenste, an dem Diebstahl beteiligt zu sein. Dem mit der Recherche betrauten Polizeibeamten fiel es nun auf, daß trotz der unmittelbar vorhergegangenen Geburt eines Kindes keine Spur von letztcrem auffindbar war. Weitere Recherchen ergaben, daß jahraus, jahrein Damen bei dieser Heb- amme kurz vor ihrer Niederkunft Unterkunst suchten, keiner der Hausbewohner sich jedoch entsinnen konnte, je die Spur eines Kindes gesehen oder bemerkt zu haben. In dem großen Ofen des Salons fand man dann die Ueberreste vieler verbrannter neugeborener Kinder. Die Verhaftung zweier beteiligter Aerzte soll bevorstehen. Im Schneesturm auf ein Riff getrieben. Der große japanische Paketdampfer„Awamaru", von Antwerpen nach Middlesboro unter- wegs, wurde, wie aus London berichtet wird, in der Nacht zum Donnerstag im Schneesturm eine Meile von Redcar entfernt auf ein Riff getrieben. Große Seen gingen über das Schiff hinweg. Fischerboote aus der Umgegend und ein Rettungsboot hatten schwere Arbeit, um die an Bord befindlichen Personen zu retten. Bis Mitternacht waren die zwei einzigen Passagiere und 70 von der 120 Mann starken Besatzung an Land gebracht. Der Sturm hatte inzwischen so sehr an Gewalt zugenommen, daß das weitere Rettungswerk unterbrochen werden mußte. Das Schiff legt sich auf die Seite. Eine halbe Stadt durch Erdbeben zerstört. Ein Tetegramm aus Santiago de Chile berichtet, daß die Hälfte der Stadt Arica vor- gestern durch ein Erdbeben zerstört worden ist. Die Erdstöße richteten auch in mehreren anderen Städten und Ortschaften in der gleichen Provinz Schaden an. Unter der Bevölkerung herrscht Panik. Sachalin, 28. Dezember. Am Donnerstag wurde in AlexandrowSk ein heftiger Erdstoß verspürt, durch den mehrere Häuser beschädigt wurden. Fünf Minuten später erfolgte ein zweiter Stoß. Berltuer Marktpreisr. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Martthallen-Direttion,(Großhandel) Rindfleisch la 70—76 pr. 100 Psd., IIa 64 69(IIa 58-63, IVa 50-56. Kalbfleisch, Dopp-ll-wder 116—125, la 90-98, IIa 78-88, IN-» 64-76, Holl, 50-60. Hammelfleisch la 67—75, IIa 52-65. Schweinefleisch 56- 65. Rehwild la per Psd. 0,60-0,75. IIa 0,40—0,58. Rolwlld la 0,40-0,48, IIa 0,00, do. Kälber 0,40—0,54. Damwild 0,40—0,55, do. Kälber 0,55—0,75. Wildschweine 0,35—0,50. Frischlinge 0,55. Hasen per Stück 3,00—3,35, do. klein und IIa 2,40—2,90. Kaninchen per Stück 0,70—1,05. Wildenten per Stück 1,50. Hühner, alte per Stück 1,50—2,75, alte IIa 0,90—1,40, junge per Stück 0,70—1,25. Tauben per stück 0,30—0,55, junge kleine 0,00. ttal. 0.75. Enteil, junge per Stück 1,50—2,00, Hamburger, junge pr. Stück 3,35. Gänse, Oderbrucher, per Psd. 0,50—0,68, do. la per Stück 3,00, IIa 2,50. Hechte per 100 Psd. 87—96, matt 0,00. Zander 0,00. groß 0,00. Schleie uns. 74, mittel 0,00, lleine 0,00, Viele 0,00. Aale, groß 0,00, mittel 0,00, klein 0,00, uns. 0,00. Plötzen 0,00. Karpfen. 25— 30er 0.00, do. 30— 35er 68—70, do. 70 er 0,00, Laus. 60— 70 er 69—73, Schief. 00. Barse 0,00. Karauschen 0,00. Blei- fischc 0,00. Wels 0,00. Bunte Fische 0,00. Amerika». Lachs la neuer per 100 Psd. 110—180, do. IIa neuer 90—100, do. nia neuer 75. Seelachs 20—25, Sprotten, Kieler, Wall 0,75—1,25, Danziger, Wall 0.60—0,80. Flundern, ponunersche la, per Schock 0,00, do. pommersche IIa 0,00, Kieler, Stiege la 4—6. do. mittel ver Kiste 2—3. Hamb. Stiege 4—5, halbe Kiste 1,50—2. Bücklinge, per Wall Meter 3,50—5,00, Straliunder 0,00. Aale, groß per Psd. 1,10—1.30, mittelgroß 0.80—1,00, klein 0,50—0,60. Heringe per Schock 4—5. Schellfische Kiste 4,00, do. Kiste 2,00. Kabliau, p. 100 Psd. 20-25. Heilbutt 0.00. Sardellen. 1902« per Anker 95, t 904er 95, t 905er 93, 1906er 73— 75. Schottische Bollheringe 1906 0,00, large 40-44, füll. 36-38, med. 35—42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, per'/, To. 60—120. Sardinen, russ., Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—1,75. Nciuiaugen, Schocksaß 11, kleine 5—6, Riesen- 14. Hummern, kleine, per Psd. 0,00. Krcbie, per Schock, große 0,00, mittel 0,00, kleine 0,00, unsort. 4,50. Galizier, groß 0,00, mittel 0,00 Eier, Land-, per Schock 4,00—5,00. Butter per 100 Pfd. la 128-131, IIa>22-126. INa 115-118, absallende 100—108. Saure(Mnvten Schock 3,50—4,00, Psessergurken 3,50—4,00. Kartoffeln oer 100 Pid. 0,00, magnum bonum 2,00—2,10, Dabcrsche 2,00—2,10, Rosen 0,00, weiße 1,75—2,00, Salatkartoffeln 4,00—6,00. Spinat per 100 Pfund 20,00. Karotten per Schockbund 3,00—4,00. Sellerie, hiesige, per Schock 4,00—5,00, do. pommersche 4,00—5.00. Zwiebeln große, per tOOPsd. 3,00- 3,50. do. kleine 2,00—2,25, do. hiesige lPerl») 0,00. Charlotten 60—70. Petersilie, grün, Schockbund 1,75—2,00. Kohlrabi per Schock 0,00. Rettig. bahr., per Schock 2,40—4,80. Radieschen per Schockbund 0,00. Salat, per Schock O.OO. do. EScarole, per Mandel 1,50—1,75, do. Endipien 1,75—2,00. Mohrrüben per 100 Psd. 2,50-3,50, Teltower Rüben per 100 Psd. 8-10. Weiße Rüben, große 2—2,50, kleine 5—6. Rute Rüben 1,50—2. Blumenkohl Holl, per Kops 0,00. ital. per Kops 0,15—0,25. Wirsingkohl per Schock 3.00—6,00. Rotkohl p. Schock 3.00-8,00. Weißkohl Schock 2,00-3,00. Rosenkohl p. 100 Psd. 18—20. Grünkohl per 100 Pjd. 4—6. Schnittlauch 12 Töpse 4-4,50. Kohl. rllben, Schock 2—3. Kürbis 0,90. Birnen, per 100 Psd. hiefige 7—16, böhmische 8—20. Aepsel, Per 100 Pfd., hiesige 3—20, Graoensteiner 0,00, Tiroler in Fässern 00-00, Kiste 32-80, Ameriki 15-30. Wallnüsse per 100 Pfd. 0,00, do. rumänische 0,00, do. stanz. Cornes 22—25. Paranüsse 0,00. Haselnüsse lange 40-42, runde 0,00. Zitronen. Messina, 300 Stück 7.00-10.00. 360 Stück 7,00-9.00, 200 Stück 7—11. Apselsinen. Jaffa, Per Kiste 8—14. Murcta 200 er per Kiste 6—12. do. 800 er 7—12, Valencia 420 er per Kiste 12—20, do. 714er 13—23. Partei- Speditionen: Zentrum I: Friz 3inte, Mauerstr. 89. Zentrum II: Albert a hnisch, Auguststr. 50, Eingang Joachimstraße. 2. Wahlkreis, Süden und Südwesten: Hermann Werner, Mittenwalderstr. 30. 2. Wahlkreis, Besten: Gustav Schmidt, Bülowoftr. 52, Hof. 3. Wahlkreis: St. Friz, Brinzenstr. 31, Hof rechts part. 4. Wahlkreis, Diten: Robert Wengels, Rüdersdorferstr. 3, am Rüftrinerplat. Wilhelm Mann, Petersburgerplak 4( Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Laufiperplaz 14/15 ( Laden). 5. Wahlkreis: Leo Bucht, Seibelstr. 42( Laden). 6. Wahlkreis( Moabit und Hansaviertel): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding: Karl Weiße, Wiesenstraße 41/42. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Hermann Raschte, Aderstr. 36, Eingang Anflamerstraße. Gesundbrunnen: F. Trapp, Rügenerstr. 24, born part. links. Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Lychenerstr. 123. Alt- Glienicke: Reinhold Schulz, Nudowerstr. 83. Charlottenburg: Gustav Scharnberg, Sesenheimerstraße 1, Ede Goethestraße, born I. Wilmersdorf- Halensee: Georg Feese, Berlinerstr. 46, Laden. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg: Seitel, Kronprinzenstraße 50, I. Dtto Rummelsburg, Boxhagen: A. Rosenkranz, At- Borhagen 56. Grünau: Otto Schröder, Wilhelmstr. 21. Rixdorf: M. Heinrich, Neckarstraße 2, im Laden. Schmargendorf: Gustav Kaminsky, Cunostraße 2. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Tempelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. Ober- Schöneweide: Julius Gru no w, Edisonstr. 10, I. Nieder- Schöneweide: Bonatowsky, Hasselwerderstr. 1 d. Johannisthal: Franz Hünold, Bismarckstr. 7. Adlershof: Erich Steuer, Roonstr. 8, I. Königs- Wusterhausen: Friedrich Baumann, Ludenwalderstrage 4b. Köpenick: Friedrich Woid, Grünstr. 4. Friedenau- Steglitz- Südende: 5. Bernsee, Schloßftr. 115, Gartenhaus I, in Steglit. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. Schellhafe, Ahornstr. 15 a. Mariendorf: Paul Müller, Bergstr. 35, Hof I. Baumschulenweg: Stod, Ernststr. 2, II. Treptow: Rob. Gramenz, Kiefholzstraße 412, Laden. Nen- Weißensee: W. Reste, Sedanstr. 105, parterre. Reinickendorf Ost, Wilhelmsruh und • P. Gursch, Provinzstraße 108, II. Tegel, Borsigwalde, Wittenau Schönholz: Waidmannslust, Hermsdorf und Reinickendorf- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Schubartstraße 43. Pankow- Niederschönhausen: G. Freiwaldt, Mühlenstr. 73. Bernau: Heinrich Brose, Hohesteinstr. 74, part. Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankels Ablage: Alfons Graz, Eichwalde, Kronprinzenſtr. 82, I. Teltow: Wilhelm Steiler, Hohersteinweg 7. Nowawes: Wilhelm Jappe, Friedrichstraße 1. Spandau: öppen, Jagowftr. 9. Außerdem ist sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen Werke dort zu haben. Auch werden Inserate für den ,, Vorwärts" entgegengenommen. Nachahmungen ohne DE Bitte ausschneiden. Schimaneigespann zurüdweisen Unsere Weinstuben werden auch in diesem Jahre am Sylvester von Nachmittag 5 Uhr an geschlossen bleiben. BERLIN W. 8 M. Kempinski& Co. Leipzigerstr. 25. Eine Mark wöchenti. Teilzahlung liefere elegante, fortige Herren- Moden. Ersatz für Maß. Maß- Anfertigung feinste Verarbeitung Garantie tadelloser Sitz. J. 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