Nr. 5. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 m, monatl. 1,10 R., wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericeint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 60 Pfg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebrudte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1983. Das genasführte Parlament. Sonntag, den 6. Januar 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. dieser Weise nasführte die Regierung den Reichstag in der zicht auf ihr höchstes Staatsbürgerrecht so wählen, wie die historischen Sizung vom 13. Dezember! Regierung es wünscht. So war es zu Bismards Zeiten, und so Aber diese Täuschung des Parlaments und des Volkes ist es noch heute. Der Minister des Innern v. Bethmann- Hollweg ist noch ein Kinderspiel gegen eine weitere Nasführung des fordert kurzer Hand die Beamten auf, von ihrem Wahlrecht in M3 am 13. Dezember der Kampf um die Bewilligung Barlaments. Wie nämlich unser Königsberger Bruder- patriotischem" Sinne Gebrauch zu machen. Wir unterlassen es, der von der Regierung verlangten Kopfzahl der Schutztruppe organ in feiner neuesten Nummer festzustellen in der Lage auf die durch den bekannten Ministerial- Grlaß bedingte behördliche für Südwestafrika tobte, der mit der Ablehnung der Re- ist, mußte der Regierung bereits am 13. Dezember bekannt Wahlbeeinflussung des näheren einzugehen, sondern begnügen uns gierungsforderung endigte, stellten es die Vertreter der Re- geworden sein, was sie erst 14 Tage später meldete; daß mit der Untersuchung der Frage, ob die Beamten irgend einen gierung so dar, als ob der Kampf gegen die Hottentotten noch nämlich die Ergebung des einzigen noch im Felde stehenden Anlaß haben, der Aufforderung des Ministers Folge zu leisten. keineswegs zu Ende sei, sondern als ob es gelte, möglicher- Hottentottenstammes der Bondelzwards bereits stattgefunden Diese Frage müssen wir rundweg verneinen. Gerade die soweise noch nach dem 1. April 1907 den Stampf gegen die Hotten- nämlich aus einem ihr zur Verfügung gestellten Brief eines gemacht werden, sind es gewesen, die bei jeder Gelegenheit nicht habe. Die Königsberger Volkszeitung" teilt genannten" patriotischen" Parteien, für die die Beamten mobil totten weiter zu führen. Alle Redner, die sich zugunsten der Beamten in Südwestafrika folgende Stelle mit: Regierungsforderungen äußerten, gingen von der Voraussetzung aus, daß es noch weiterer energischer Anstrengungen bedürfte, um den Hottentottenaufstand niederzulverfen. So sagte der Abgeordnete Dr. Arendt; " So lange deutsche Truppen Feinden gegenüber im Felde stehen, ist es unsere Verpflichtung, daß wir die Opfer, welche aufzubringen sind, auch aufbringen. Schließlich wird auch das deutsche Volt nicht vor den Hottentotten kapitulieren!" Der Abgeordnete Schrader erklärte: " " Am 2. Dezember wurde in Windhut bekannt, daß sich 120 Hottentotten ergeben haben. Oberst v. Deimling hält damit den Feldzug für im wesentlichen erledigt, denn er bestellte bereits für den 4. Dezember sein Automobil nach Keetmanshoop, um den Kriegsschauplatz zu verlassen. Am 1. Januar 1907 soll der Krieg als definitiv beendigt erklärt werden." nur die Wünsche der Beamten und Staatsarbeiter mit Füßen getreten, sondern ihnen auch ihre staatsbürgerlichen Rechte genommen haben. Speziell in Preußen ist seit 1899 eine Aufbesserung der Unterbeamten nicht erfolgt. Obwohl die damalige Aufbesserung durchaus unzulänglich war und obwohl zahlreiche Kategorien von Beamten sich wiederholt petitionierend an den Landtag wandten, Es war also bereits am 2. Dezember in Windhuk be- hat das Parlament und die Regierung ihren Wünschen doch keine fannt, daß sich die Bondelswards ergeben hatten, und es ver- Rechnung getragen. Ja, die Regierung hat sogar erklärt, daß sie steht sich ganz von selbst, daß auch der Regierung diese im dienstlichen Interesse den Bestrebungen der Beamten nach Es handelt sich darum, den Krieg zu Ende zu führen, es wichtige Nachricht lange vor dem 13. Dezember bekannt ge- weiterer Aufbefferung mit Entschiedenheit entgegentreten werde, handelt sich darum, neue Zustände zu schaffen, ein Land, das durch worden sein mußte! Die Regierung wußte also nicht nur und der konservative Abg. Frhr. v. Erffa warnte davor, die einen neuen Strieg in Aufruhr und Verwirrung gesezt ist, allmäh- vor der Reichstagsauflösung um die Absichten der Bondels- Beamten noch begehrlicher zu machen, da das Gehalt, das sie belich in Ordnung zu bringen. Das sind ganz unübersehwards, bare Verhältnisse. Was da noch passieren kann, kann niemand wards, dte Waffen zu strecken, sondern sie hatte von dieser Waffen- zögen, ihrer Lebensstellung und ihrer Geburt durchaus entspreche. Was da noch passieren kann, kann niemand streckung als von einer vollendeten Tatsache bereits vor dem Bereits vorher hatte die Regierung es gewagt, den Beamten das voraussagen." 13. Dezember amtliche Kenntnis erlangt! Um aber eine ihnen durch die Verfassung gewährleistete Petitionsrecht einfach Man muß sich dabei immer vor Augen halten, daß das Hurramehrheit im Reichstage zu finden, oder um wenigstens bin wegzu dekretieren! Noch heute besteht jener Erlaß vom Zentrum keineswegs verlangt hatte, die Truppen bis zum mit einem Scheine von Recht der Mehrheit des Reichstages 18. April 1896, worin den Beamten befohlen wird, sich der Anteil1. April 1907 unter allen Umständen bis auf 2500 Mann den Fehdehandschuh hinwerfen zu können, verschwieg sie die nahme an Bestrebungen zu enthalten, die darauf gerichtet sind, zurückzuziehen, sondern daß es nur forderte, daß bis dahin ihr bekannt gewordene Tatsache der Beendigung des Hottentotten- der Durchführung der Regierung politische Schwierigkeiten au Vorbereitungen zu einer solchen Truppenreduktion getroffen trieges! würden. Außerdem hatte der Abgeordnete Spahn erklärt, Diese unglaubliche Täuschung der Volksschließt der Erlaß.. die Beamten sämtlicher Ressorts hierauf mit daß das Zentrum weiterhin bereit sei, an Stelle der zurück- vertretung wird noch viel ungeheuerlicher, wenn man dem Bemerken hinzuweisen, daß die Regierung willens ist, ihrer zuziehenden Mannschaften der Schußtruppe eine entberücksichtigt, daß Oberstleutnant Qua de im Namen der diesbezüglichen Auffassung eintretendenfalls unnachsichtlich sprechende Zahl von Polizeimannschaften in Südwestafrika zu belassen! Selbst also, wenn der Regierung am 13. Dezember im Reichstage folgende Aus- Geltung zu verschaffen". führungen machte: Hottentottenkrieg bis zum 1. April noch nicht beendigt gewesen wäre, hätten auch nach dem Zentrumsantrag der Regierung die genügenden Mannschaften zur Verfügung gestanden, um jeder Situation gewachsen zu sein. bereiten. Das Staatsministerium hält es für angezeigt", so Also, die Beamten sollen nichts sein als willenlose Meine Herren, nachdem seitens der Kolonialverwaltung und Werkzeuge für die Regierung. Hält es die Regierung des Oberkominandos der Schußtruppen ausführlich in der Budget- für angebracht, zusammen mit dem Zentrum voltsfeindliche Geseze tommission die gegenwärtige Lage im Schutzgebiet auseinander zu machen, dann sollen die Beamten fie darin unterstüßen. Schlägt gesezt und insbesondere auch darauf eingegangen war, wie es sich der Wind um und wird das Zentrum als Reichsfeind erklärt, Inzwischen hat die Regierung sich gezwungen gesehen, erklärt, daß sich die kriegerischen Operationen so lange hinaus dann sollen die Beamten die Wandlung mitmachen. Heute sollen mitzuteilen, daß sich 155 Hottentotten ergeben haben und daß ziehen können, nachdem ein Gegner von anscheinend nur sie mit dem Zentrum gegen den Freisinn marschieren, morgen Arm damit der ganze Strieg sein Ende gefunden hat. Als die 300 Hottentotten gegenübersteht, ist ausführlich dargelegt in Arm mit dem Freisinn das Zentrum bekämpfen. Jeder Regierung mit dieser Hiobspost herausfam, führten einige worden, daß die Zahl von 300 Hottentotten diese Bedeutung, selbständigen politischen Willensäußerung sollen sie sich enthalten! Freisinnsblätter, darunter das„ Berliner Tageblatt", die ihr hier im hohen Hause und in der Presse zugemessen wird, bittere Beschwerde darüber, daß sie von der Regierung nicht befizt. Die Zahl ist anscheinend schon mal geringer gewesen, Das Wort des Grafen v. Hohenthal im Herrenhause:„ Weß Wie den Beamten, so geht es den Staatsarbeitern. fie hat sich wieder erhöht; man schätzt sie jetzt sogar auf über die wirkliche Situation in Südwestafrika getäuscht 500 bis 600." Brot ich effe, deß' Lied ich finge" spricht Bände, es zeigt, daß die worden seien. Denn die Ergebung der Hottentotten könne unmöglich über. Nacht eingetreten sein; die Re- Es gehört in der Tat viel dazu, daß die Regierung Regierung keine freien Menschen, sondern gehorsame Sklaven gierung habe schon vor dem 13. Dezember wissen müssen, noch am 13. November erklären ließ, daß jetzt nicht weniger wünscht. Den Eisenbahnarbeitern wagt man das Koalitionsrecht daß diese Waffenstreckung unmittelbar bevorstehe. Sturz, die als 300 Hottentotten, sondern deren sogar 5 bis 600 im zu nehmen, den Beamten verbietet man, bestimmten Vereinen beizutreten, kurz und gut, man würdigt Staatsbeamte und StaatsRegierung habe den Freisinn durch ihre Schwarzmalerei über Gelde ständen! die wirkliche Situation getäuscht und das Parlament ge- der Volksvertretung gegenüberzutreten wagt, läßt sich am Gunst der Beamten und der Staatsarbeiter, aber nach den Wahlen An dem Grade der Aufrichtigkeit, mit der man arbeiter zu Staatsbürgern zweiter Klasse herab. Vor den Wahlen buhlen die herrschenden Klassen um die nasführt. Die„ Nordd. Allgem. 3tg." suchte diesen Angriffen besten die Wertschäßung, die die Regierung für die Vertretung fümmern sie sich nicht um fie, da haben sie für ihre berechtigten in gereiztester Form dadurch zu begegnen, daß fie behauptete, des Boltes empfindet, ermessen! Berächtlicher und rücksichts- wünsche nichts übrig als Drohungen und Be= die Regierung habe mit der baldigsten Beendigung des Strieges loser ist niemals eine Volksvertretung behandelt worden, als schimpfungen! Glüdlicherweise sind die Beamten zum großen auch schon am 13. Dezember gerechnet und namentlich auch der deutsche Reichstag am 13. Dezember! Und eine Regierung, die den erwähnten Vertretern des Teil aufgeflärt genug, um sich nicht länger mehr zum Narren zeit ihre Interessen vertritt und ihre Wünsche, soweit das in ihrer Auffassung gelassen. Von einer Täuschung des Reichstagswahlen ein Reichstag hervorgehen wird, der es der Regierung Macht liegt, befriedigt. Beamte und Arbeiter, die sich als Stimmin den Kommissionsberatungen keinen Zweifel über diese ihre Volkes in einer solchenweise begegnet, erwartet, daß aus den Neu- balten zu lassen; sie wissen, daß es nur eine Partei gibt, die jedertönne also gar keine Rede sein. Daß die Regierung den Reichstag und das Volk tatsächlich ermöglicht, den Willen des Volkes noch schnöder zu miß vieh gebrauchen lassen, mögen so stimmen, wie die Regierung allen selbstherrlichen Anwandlungen Letzten offiziösen Erklärungen unzweifelhaft hervor. Wenn die raum zu verleihen?! Nordd. Allgem. 3 tg." in einem offiziösen Artikel erst Am 25. Januar hat das deutsche Volt sein Urteil darüber wenschen würde haben, werden sich durch Erlasse ihrer vor. letter Tage erklärte, daß auch nach der nunmehr erfolgten abzugeben, ob es fernerhin als mündiges, seine Geschicke nach gesetzten Behörden nicht bewegen laffen, gegen ihre Ueberzeugung Beendigung des Krieges, ja noch über den 1. April 1907 bester Einsicht selbst regelndes modernes Kulturvolt fein will au stimmen. Wollen die Beamten und Arbeiter, daß auch für sie bessere Zeiten hereinbrechen, wollen sie, daß man es fernerhin Schutztruppe unmöglich auf weniger als oder eine stumpfsinnige Masse von Heloten, die vor dem nicht wagt, ihnen ihre verbrieften Rechte zu nehmen, dann müssen 8200 Mann herabgesetzt werden könne, so steht diese Degen Bonapartes" feige und ehrlos zu Kreuze kriecht! fie dazu beitragen, daß möglichst viel sozialdemokratische AbgeordErklärung im schärfsten Widerspruch zu den Erklärungen nete gewählt werden! der Regierung, die am 13. Dezember abgegeben wurden. An diesem Tage führte nämlich der stellvertretende Direktor des Solonialamtes Dernburg nach Dernburg nach dem amtlichen Stenohinaus, die gramm aus: Meine Herren, aufgestellt ist dieser Etat auf Grund_derjenigen Angaben... die der Generalstabsoffizier der Schutz truppe, Oberstleutnant Quade, und der Vertreter des großen Generalstabes abgegeben haben, die übereinstimmend dahin lauten: So viel Truppen, wie der Truppenkommandeur da unten verlangt, 8268 Mann, brauchen wir, um diesen letzten Stoß zu machen und das Endziel zu erreichen, nämlich den Aufstand niederzuwerfen. Fernerhin haben wir in der Kommission den Gouverneur von Lindequist gehabt, der seinerseits erklärt hat: Selbst wenn dieser Aufstand niedergeworfen sein wird, werden bis zum Eintreten friedlicher Zustände bis zur Pazifizierung der Hereros bis zur vollständigen Pazifizierung der Hottentotten, bis zur Beschränkung des polizeilichen Schutzes, bis zur Herstellung der von der Regierung angeregten Miliz mindestens 4000 bis 5000 Mann notwendig sein." " Wahlkampf. Rechtsschwenkung der württembergischen Demokratie! Stuttgart, 4. Januar.( Eig. Ber.) Wie wir berichtet hatten, ist das von den württembergischen Nationalliberalen angestrebte Kartell aller Parteien mit Dem Parteivorstande wurden für die Reichstagswahl Ausnahme von Zentrum und Sozialdemokratie gescheitert, weil überwiesen: 1000 m. 6000 M. Für den Wahlfonds. sowohl der Bauernbund wie die Volkspartei darauf nicht eingehen Vom Verband der Bauhülfsarbeiter, Zweigverein Berlin wollten. Die Nationalliberalen, abgebrüht und grundsablos, wie sie nun einmal sind, ließen sich davon nicht abschrecken. Sie Vom Zentralvorstand des Verbandes der Handels-, Trans- handelten rechts, und sie handelten links und siehe da, es ging. port, Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands Sogar das kaum für möglich Gehaltene ist geschehen. Die Volkspartei, die soeben erst von den Nationalliberalen bei der Landtagswahl schmählich behandelt und nur dadurch Vom Zentralvorstand des Verbandes der Schuhmacher vor dem Bersinken in gänzliche Bedeutungslosigkeit behütet worden war, daß die Sozialdemokratie mit ihr bei den NachVom Zentralverband der Brauereiarbeiter, Sektion II Berlin wahlen zusammenging, hat für die Reichstagswahl einen Batt mit den nationalliberalen Reaktionären abgeschlossen. Metallarbeiter- Kolonialfartell" ist damit zwar nicht pro forma, aber de facto für Württemberg zur Wirklichkeit geworden. 2000 M. 500 M. Vom Vorstand des Allgemeinen deutschen berbandes( Siz Berlin) 300 M. Das Gewerkschaftstartell in Wiesbaden hat be= Das In unserem im Vorwärts" vom 29. Dezember veröffentlichten Herr Dernburg erklärte also: die 8200 Mann sind notwendig, um den Hottentottenaufstand niederzuwerfen. Ist dies Ziel erreicht, so werden nur noch 4000 bis 5000 Mann zu schlossen, bei den einzelnen Gewerkschafts- Bahlstellen anzuregen, für Bericht hatten wir bereits als wahrscheinlich angedeutet, daß es zu den von ihm angeführten Zwecken notwendig sein. Heute aber jedes Mitglied 50 Pf. an den Wahlfonds abzuliefern. erklärt die ,, Norddeutsche Allgemeine Zeitung", auch nach der Niederwerfung der Hottentotten brauchten wir Die Beamten, die Staatsarbeiter und die Wahlen. noch 8200 Mann, d. h. doppelt so viel, als Herr Dern- Es entspricht einer alten preußischen Tradition, von den burg am 13. Dezember für ausreichend erklärt hatten Beamten und Staatsarbeitern zu verlangen, daß sie unter Ver- Imanns, in der er in bezug auf die Haltung seiner Partei zu den einigen gemeinsamen Kandidaturen der beiden liberalen Parteien kommen würde. Aber der Pakt, der jetzt bekannt gegeben wird, übertrifft doch bei weitem alle Erwartungen. In der erwähnten Korrespondenz berichteten wir über eine Rede Konrad Hauß Ncichstagswahlen sagte:„Niemand wird uns auch blind für die Tatsache finden, dag des Reichstags Aufgabe sich nicht in der einzigen Kolonialabstimmung erschöpft. die an einem Tage vorgenommen wird. Der Reichstag ist auf 182ö Tage gewählt, und unsere besonnene Mission ist. zu verhüten, daß nicht zwischen Scheuledern nur nach einer Frage geblickt und darüber die freiheitliche Vorsicht vergessen wird." Und zwei Wochen später hat sich Konrad Haußmann dennoch dieScheulederumgebunden und„alle freiheitliche Vorsicht" in den Wind geschlagen; denn aus seiner Feder stammt aller Wahrscheinlichkeit nach, die partcioffiziöse Auslassung im beutigen„Beobachter", in der die komplette Rechts- schwenkung der Volkspartei„prinzipiell" begründet wird. Sie bezeichnet es wirklich alSdieHauptaufgabederVolks- Partei bei der bevorstehenden R e i ch s t a g s w ahl. dafür zu sorgen, daß die k o l o n i a l p o l i t i s ch e Minderheit vom 13. Dezember in eine Mehrheit »erwandelt werde! Und um das herbeizuführen,„darf sie am 25. Januar keinem Gegner der Vorlage zum S i e g e v e r h e l f e n... Sie muh deshalb gegen die Sozial- dcmokratie mit aller Entschiedenheit und Klarheit Stellung nehmen." Diese offene Kriegserklärung wird dann mit vielen Drum und Dran von Worten belastet, ohne daß ihre Begründung dadurch auch nur um einen Grad sachlicher würde. Mit dem Einwand, daß die Sozialdemokratie„blindlings und gewohnheitsmäßig gegen alle Etats stimme", lockt man heute wahrlich keinen Hund mehr hinterm Ofen vor. Und im übrigen war diese Eigentümlichkeit der Sozial- dcmokratie Herrn Konrad Haußmann vor vier Wochen, als er mit uns das„rote Kartell" zur württembergischen Landtagswahl ab- schloß, genau so gut bekannt wie heute. Sein eigenes Parteiorgan, die„Frankfurter Zeitung", wird Herrn Haußmann bös den Text lesen müssen. Am lö. Dezember schrieb sie in einer Polemik gegen die falsche Wahltaktik der frei- sinnigen Volkspartei:„Trotz aller prinzipiellen Gegnerschaft gegen die Sozialdemokratie ist doch nicht zu verkennen, daß diese Partei in politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fragen der Reaktion energischen Wider- stand und sie an der Seite einer erstarkten Linken Gewähr gegen volksfeindliche Pläne bieten w ü r d e." Diese Gewähr ist für Herrn Konrad Haußmann bc° dcutungslos. Seine Hauptsorge ist, daß Fürst Bülow die verlangten Millionen für nicht ganz 200 Hottentotten bekommt. Diese Mil- lionen aber wollen die Sozialdemokraten nicht bewilligen, und darum — nieder mit ihnen! Ob sich Herr Konrad Haußmann und seine Freunde über d i e Wirkung ihres Tuns klar geworden sind, wissen wir nicht. Indessen werden sie sich wohl nicht einreden, daß die Sozial- demokratie ruhig still hält, wenn ihr jemand an den Kragen will. Die Sozialdemokratie hätte es in der Hand, die volksparteilichen Reichstagsmandate auf eins zu reduzieren. Und bei der jetzigen Haltung der Volkspartei iväre ihr Verschwinden aus dem Reichstag kaum ein Verlust für die freiheitliche Linke. > Als die Volkspartei einmal von der Sozialdemokratie „reaktionär" geheißen wurde, war sie arg verschnupft und wollte das nicht wahr haben. Gewiß, sie hatte recht, sie war und ist nicht die Reaktion— aber sie ist nach dieser neuesten Leistung un- bestritten ihr> diensteifriger Lakai! Ob ihr diese Tharakterifierung wirklich lieber ist?? Freisinnige Wohlanständigkeit. Durch die bürgerliche Presse geht eine bewegliche Klage über „sozialdemokratische Roheiten", die wider den braven Freisinn verübt worden seien. Der Bericht stammt aus dem frei- sinnigen„Boten aus dem Riesengebirge" zu Hirschberg und behauptet unter der schönen Stichmarke:„Ein Flegel als sozialdemokratischer Reichstagslandida t", daß der im Kreise Hirschberg-Schonau stir die Sozialdemdkratie kandidierende Genosse A l b e r t- Breslau durch Toben und Brüllen, worin er durch seine Anhänger unterstützt wurde, dem freifinnigen Kandidaten und bisherigen Abgeordneten Dr. Ablaß das Sprechen in einer freisinnigen Versammlung zu Voigtsdorf solange unmöglich gemacht habe, bis der Wirt den Ruhestörer am Kragen genommen und zur Tür hinausbefördert habe. Dann sei sofort Ruhe eingetreten und Herr Ablaß habe zu seinen Wählern sprechen können. In dieser Darstellung des freisinnigen Blattes erscheinen die braven Ablaßleute als die reine, blütenweiße Unschuld, die niemand ein Leids getan hat— die Sozialdemokraten haben danach ans purer Roheit und weil sie die vernichtenden Ausführungen des Herrn Ablaß fürchteten, die Versammlung der gesitteten und wohlanständigen Freisinnigen gestört. Wie liegt die Sache aber in Wirklichkeit? In der Versammlung zu Voigtsdorf hatte man Genossen Albert notgedrungen— entgegen der Praxis in den vorhergehenden Versammlungen, wo man echtfreifinnig der angegriffenen Sozialdemo- kratie das Wort rundweg verweigerte— reden lassen müssen, weil die große Mehrheit der Versammelten das schon vor Beginn der Ver, sammlung energisch verlangte. Nachdem Genosse Albert auf die Rede Ablaß erwidert und dieser aus dem ihm sichtlich peinlichen Beifall der Mehrheit der Anwesenden entnommen hatte, daß die freisinnigen Tiraden hier keinen Bode» gefunden, begann Herr Ablaß eine regelrechte Provokationsrede. Vor Zorn immer unsicherer. vor lauter Hülflosigkeit ärgerlich und nervös geworden, begann er mit Hülfe gewagter Juristenkniffeleien, den Genoffen Albert mit Arguinenten aus Eugen Richters nachttopfdustendem„Sozialisten- spiegel"„mausetot" zu schlagen. Ruhig ließ es die Versammlung über sich ergehen. Als aber der Herr sich zu der— Kühnheit ver- stieg, zu behaupte": „Weshalb ist Herr Albert nicht so ehrlich, auch zu sagen, daß der reiche Billenbesitzer August Bebel Hunderttausende geerbt und der Partei davon bis heute nicht einen Pfennig abgegeben hat?" da war es mit der Geduld der Leute vorbei. Genosse Albert rief dem Ablaß zu:»Herr Doktor. Sie wissen, daß Bebel über 60 000 M. sofort der Partei geschenkt nud längst die Villa nicht mehr hat. Sie werden das zurücknehmen!" Natürlich lveigerte sich der Tapfere, zu revozieren, und als er gar Miene machte, in demselben Tone weiter zu— reden, erscholl aus hundert Kehlen ein donnerndes:„Zurück- nehmen oder Abtreten!" und es erhob sich ein derartig stürmischer Widerspruch, daß er schleunigst abtreten mußte. Nicht einmal die VO Bauern schützten ihn! Nachdem auch ein zweiter FreifinnSredner vergeblich versucht hatte, znm Wort zu kommen, da die große Mehrheit der Versammelten verlangte, Herr Ablaß sollte erst seine Verleumdung zurücknehmen, wurde dann Genosse Albert durch den Wirt„auf Befehl" auf- gefordert. daS Lokal zu verlassen. Mt ihm gingen 100 von den 160 Anwesenden. So der Verlauf. Und nun überlasten wir allen anständigen Leuten das Urteil darüber, wer unanständig gehandelt hat; unsere Genossen, die die Zurücknahme einer Verleumdung verlangten, oder Herr Ablaß und seine Leute, die sich dessen weigerten und hinterher einen total verlogenen und von Schimpf Worten st rotzenden Bericht in die Oeffentlichkeit brachten! Hinterher hat der Verein der Freisinnigen Volkspartei für Hirschberg-Schönau dem Genossen Albert durch eingeschriebenen Brief den Zutritt zu allen freisinnigen Versamnilungen bis zum Stichwahltoge verboten. Für den Zuwiderhandlungsfall wird An- zeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Haus- friedenSbruches angedroht! Freisinnige Helden 1 Freisinnige «Uohlanständiglett I Und abermals„geistige" Waffen des Zentrums. Aus dem Rheinland wird uns geschrieben: Bei den jetzt allsonntäglich von unseren Parteigenossen in den katholischen Bc- zirken der Rheinprovinz vorgenommenen Agitationstouren, die vorzugsweise der Verbreitung von Flugschriften dienen, zeigt sich die vom Zentrum erzogene und beherrschte Bevölkerung wieder in ihrem ganzen Tiefstand. Aus allen Gebieten kommen wie bei früheren Wahlen die Nachrichten von Beschimpfungen, Belästigungen und brutalen Mißhandlungen unserer Leute. Davon, daß dem Zentrum angehörende Bürger- meister, Ortsvorsteher, Polizeidiener usw. dem Vereins- und Ver- fammlungsgesetz ebenso wie dem Recht der öffentlichen Schriften- Verteilung zu Wahlzeiten vielfach den Hals abdrehen, soll hier weiter nicht geredet werden, obwohl diese Fälle bei dieser Wahl häufiger als je zuvor zu verzeichnen sind. Dazu kommen die von der katholischen Geistlichkeit Hand in Hand mit den Behörden gepflegten feigen Saalabtreibungen. Das Niederträchtigste aber sind die brutalen körperlichen Mißhandlungen unserer Flugblatt- Verteiler, zu denen offen und versteckt in Reden, Predigten und Zeitungsnotizen aufgefordert wird. Wir haben schon in früheren Jahren wiederholt festgestellt, wie die Zentrumspresse zu Brutalitäten gegen sozialdemokratische Flugblattverteiler geradezu aufreizt; besonders die„Koblenzer V o l k s z e i t u n g" des Abgeordneten Dr. Marcour hat sich auf diesem Gebiete des öfteren hervorgetan. Kaum ist die Wahl- agitation diesmal eröffnet, so legt das Blatt schon wieder, aller- dings in weniger plumper Weise als früher, los. Jede Vorsicht außer acht läßt die„Euskirchener Volkszeitung". Dieses Zcntrumsblatt schreibt, daß der Ort Frauenberg von fünf Genoffen zum Verteilen von sozialdemokratischen Flugblättern besucht worden sei.„Nachdem sie mit einer gehörigcnPortionSchnee- ballen empfangen worden waren, mußten sie unter dem Gejauchze der Ortseingesessenen und der Schuljugend(!) d e n R ückz u g antreten. Andere Ortschaften, die von diesen Weltverbesserern besucht werden sollten, können sich pieS zum Beispiel dienen lassen." f Am allergemeinsten aber hat es der„O p l a d e n e r Bot e", ebenfalls ein frommes Zentrumsblatt, getrieben. Das Blatt forderte die„Katholiken von Opladen und Umgegend" in Hinsicht auf eine von sozialdemokratischer Seite angekündigte Flugblatt- Verbreitung auf,„energisch das Hausrecht zu wahren":„Drei- malige Aufforderung, fünf Finger, ein Griff, Vordermann, vorwärts marsch, mit dem linken Fuß angetreten und der rote Hampelmann liegt draußen! Aus keine langen Erörterungen einlassen— handeln." Eine ganze Reihe von Fällen liegt bereits vor, wo die ver- hetzte Zentrumsanhängcrschaft in rheinischen Orten nach solchen und ähnlichen Aufforderungen gehandelt hat: In Hahn(Bezirk Aachen) wurden vier unserer Flugblattverteiler von dreißig bis vierzig Personen verfolgt und bombardiert; zwei erhielten schwere Kopfverletzungen, die beiden anderen wurden durch reisten Zufall weniger schwer verletzt. Den Ueberfall in Oberdrees bei Bonn haben wir nach der„Rheinischen Zeitung" schon gemeldet. Jp W a l d r a ch wurde ein Flugblattverteiler derart in den Rücken getreten, daß er hinstürzte. Auch der wie oben von dem Zentrumsblatte geschilderte Ueberfall in F r a u e n b e r g ist durch- aus nicht so einfach verlaufen, wie das Blatt den Anschein gibt. Denn die fromme Bevölkerung warf nicht nur mit Schneebällen, sondern bedrohte unsere Genossen auch mit Prügeln und bombar- vierte sie mit Ziegelsteinen; einem Genossen wurde von einem Zentrumslümmel der Hut vom Kopf heruntergehauen. Das Zentrum behauptet immer wieder, es wolle in den Kolonien Kultur und Christentum verbreiten. Wir raten ihm, zuerst mal in seinen eigenen Domänen diese Aufgabe zu erfüllen. Wir glauben schwerlich, daß die Schwarzen in Afrika gegen fried- liche Schriftenvertciler sich Brutalitäten erlauben würden, wie es die„Schwarzen" in den katholischen Wahlkreisen des Rhein- landes und anderwärts tun. Aus der Wahlbewegung in Westpreusten. „Prosit Neujahr!"— Oldenburg. Einer der bissigsten Kämpen gegen die Sozialdemokratie ist fraglos der Junker Oldenburg-Januschau. Unsere Genossen im Wahlkreise Elbing-Marienburg, wo Oldenburg für den Reichstag kandidiert, wollten dem mutigen Sozialistentöter nun Gelegenheit geben, seine Angriffe gegen die Sozialdemokratie in einer großen Wählerversammlung im Elbinger Gewerkschaftshause zu vertreten. Oldenburg wurde schriftlich zu der Versammlung eingeladen, er zog es aber vor, nicht zu erscheinen, trotzdem ihn, vollste Redefreiheit zugesichert worden war. Dafür sandte Junker Oldenburg folgendes Telegramm: Einladung erhalten, spreche nicht in sozialdemokratischen Ver- sammlungen. Prosit Neujahr! Oldenburg." Das ist der echte Oldenburg. Es erübrigt sich jedes weitere Wort der Kritik. Im übrigen haben unsere Genossen in Westpreußen schon jetzt fortwährende Kämpfe mit den Behörden zu führen, die von den Gesetzen, die sie ausführen sollen, keine blasse Ahnung zu haben scheinen. So verweigerten die betreffenden Beamten in Marienburg, Tolkemit. Schöneberg, Pangritz Kolonie, Jungfer, Liessau usw. Abschriften der Wählerlisten. In ein- zelnen Orten verweigerte man sogar die Einsichtnahme in die Listen. Natürlich wurde in jedem Falle sofort Beschwerde geführt mit dem Erfolg, daß den gesetzesunttmdigen Beamten von der vor- gesetzten Behörde die nötigen Belehrungen zu teil wurden. Auf einzelne Beschwerden ist bisher noch keine Antwort erfolgt. Auch Pfarrer sind, Ivie üblich, in Aktion getreten und beimtzen die Gottes- Häuser, um den Gläubigen anstatt der Sonntagspredigt staats- erhaltende Wahlreden zu halten. So marschieren denn alle büraer- lichen Parteien Arm in Arm mit dem Ordnnngsklüngel geschlossen gegen die Sozialdemokratie. In der nordwestlichen Ecke Dentschlnnds ist die Wahlarbcit in vollem Gange. Wie bekannt, haben unsere Hamburger Genossen auch nock die Agitation für die am 1. Februar stattfindende» Wahlen zum Landesparlament zu erledigen. Sie unterziehen sich de» Strapazen mit regem und Erfolg versprechendem Eifer. Die bisherigen Berjammlungen erfreuten sich überall eines außerordentlich starken Besuches und es kam in mehreren zu regen Aussprachen mit den„entschiedensten Liberalen". die nicht verwechselt werden wollen»nt irgend einer der bestehenden„liberalen" Fraktionen. Diese Herren spielen sich als Hüter und Wahrer der Volksrechte auf, meinen aber, man dürfe mit dem Feuer nicht spielen und der Reichsregiernng die nur eine Prämie für die Sicherheit des Reiches darstellenden Kosten für Landheer und Marine bewilligen und in nationalein Interesse für die Erhaltung der Kolonien einlreten, damit das allgenieine Wahl- recht zum Reichstage nicht gefährdet werde. So sieht der„eist- schiedenste" Liberalismus aus! Im 10. schlesivig-holsteinischen Wahlkreise(Herzogtum Lauen- bürg), der 1003 von uns in der Stichwahl gegen den konservativen Grafen v. Bernstorff- Stintenburg erobert wurde, finden täglich liberale Versammlungen statt, in denen der„neuliberale" Kandidat Rechtsanwalt Dr. Heckscher-Hamburg sein Programm entivickelt, an dem Fürst Bülow seine helle Freude haben dürfte. Auch in diesen Versammlungen kam eS zu lebhasten Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten und Liberalen. In diesem Kreise ist außerdem ein bündlerisch- antisemitischer Oekonom Müller-Nutzhorn als Kandidat aufgestellt worden, für den Raab und Liebermann v. Sonnenberg Wahlreden gehalten haben. Außerdem gedenken noch die Nationalliberalen einen Kandidaten zu nominieren. Im 8. schleswig-holsteinischen Wahlkreise(Altona-Stornmrn) fungiert als gemeinsamer Dnrchfallskandidat des bürgerlichen Misch- maiches Rechtsanwalt Löwenthal- Altona. Im 6. schleswig-holsteinischen Wahlkreise(Ottevsen-Pinneberg) machen die Landräte gegen den— Freisinn mobil, weshalb diese, sich ihrer dem Reichskanzler geleisteten Dienste erinnernd, die Flucht m die Oeffenüubleit antreten und mit telearcwhischer Beschwerde beim Minister des Innern und mit Wahlprotest drohen. In einer intereffcntt der« laufenen Versammlung in Bornhöved meinte ein Herr Dr. Bo ß, der unserem Genossen von Elm entgegentrat, die Deutschen seieir nach Südwestafrika gegangen um dem gegenseitigen Abmurksen der Schwarzen ein Ende zu bereiten! Deshalb sei der Aufstand ausgebrochen. Auch in diesem Kreise herrscht lebhafte Begeisterung für die Sozialdemokratie und lebhafte Entrüstung über den gegenwärtigen Kurs. . In Frankfurt a. M. haben die FreisinnSdemokratcn den demokratischen Landtags« abgeordneten Oeser als Reichstagskandidaten aufgestellt. Eine Einigung mit den Nattonalliberalen ist gescheitert. Diese erklärten, nicht weiter nach links zu gehen, als bis auf den frei« finnigen Landtagsabgeordnelen Funk. Der aber lehnte ab, und so konnten die Demokraten den Cheftedakteur Oeser aufftellen. Das ersehnte Wahlbündnis mit den Nationalliberalen ging aber dabei in die Brüche. Für die Nattonalliberalen, die nun Anschluß nach rechts suchen, kandidiert Herr von Lasauly. Die Freisinnigen und eine Handvoll Nattonalsozialer wollen die Kandidatur Oeser unter- stützen. Das Zentrum hat als Zählkandidaten Erz b er g er, die Antisemiten und Mittclständler M. Kämpf aufgestellt. Die sozialdemokratische Partei eröffnete den Wahlkampf mit der Verbreitung eines Flugblattes in 120 000 Exemplaren. Bei unseren Genossen herrscht frohe Kampfftimmung und Siegeszuversicht. Sie hoffen, daß GenosseOuarck im erstenWahlgangege« wählt wird. Hungerwahle«! Der„Kölnischen Zeitung", der„Nord d. Alkgem. Ztg." und anderen„staalserhaltenden" Blättern, die sich kürzlich über unseren Nachweis enttüstet haben, daß die Reichstagswahlen im Zeichen des Hungers stehen, dedizieren wir folgende kleine Ausgrabung: „In der Tat. sind die Lebensmittelpreise so stark gestiegen, daß die Löhne dieser Steigerung nichtfolgenkonnten. Das ganzeLohnmehrwird a b s o r b i e r t(verbraucht) durch die Teuerung, und der Tribut, den unsere Industrie der Landwirtschaft zahlt, beträgt jährlich 40 bis 50 Millionen. Daß hierdurch Unzufriedenheit entsteht, ist begreif- lich, und der Regierung, welche der Industrie diese Last aufgebürdet hat, werden unsere Bevölkerungskreise wenig Dank wiffen, dabei ist noch keine Aussicht vorhanden, daß die Lera„Pod" sobald ihrem Ende entgegensieht. Wäre die Lohnerhöhung den Arbeitern wirklich zugute gekommen, im Ruhrgebiete schwirrten keine Stteikgerüchte. So dagegen kommt der Arbeiter trotz der guten Konjunktur nicht weiter, ja noch nicht so weit wie früher... und aus diesem Grunde mag die Forderung der Arbeiter als nicht unverständlich erscheinen." So schrieb am 10. Oktober 1906 die „Rhcinisch-Westfälische Zeitung"! Und ähnlich äußerte sich damals auch die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", dieselbe, die jetzt, da es der Wahlkampf er« fordert, mit dreister Stirn das Gegenteil be- hauptetl Ehrliche Leute! Pfarrer Naumann hat nun endlich einen Wahlkreis gefunden, er hat in Heilbronn angenommen, dessen Liberale ihn dringend um die Annahme� der Kandidatur gebeten haben. Nach Angaben bürgerlicher Blätter sollen auch die Nationalliberalen HeilbronnS für ihn eintreten wollen. Die„Schwäbische Tagwacht" glaubt noch nicht recht daran wegen der Abhängigkeit der schwäbischen Nattonalliberalen vom Bauernbund, der das Heilbronner Mandat bisher innehatte. Klerikale Bescheidenheit. Die„Tremonia", das Dortmunder Zentrumsblatt schreibt: „Wo hat Herr Bömelburg seinen Befähigungsnachweis im Reichstage erbracht? Herr Effert steckt doch den Herrn Bömelburg zehnmal in die Tasche, was Intelligenz und Redegewandtheit angeht." Von der„Intelligenz" des Herrn Effert, des Zcntrumskan- didaten für Dortmund, legt folgende Stelle aus einer seiner Wahl� reden Zeugnis ab:„Ich wüßte auch noch andere Stände, für deren Rechte man manches geltend machen könnte, die sogen, besseren Stände, ich glaube aber nicht, daß ich mich zum Anwalt der» selben zu machen brauche. Ich bin der Ueberzeugung, auch diese haben im Zentrum eine gerechte Vertretung nach allen Seiten, eine Vertretung, die es versteht, die Rechte der „besseren Stände" entsprechend wahrzunehmen. Das sind aber Sachen, von denen ich nichts kenne, und in die mische ich mich nicht hinein." Um Fusangels Wahlkreis. Im Wahlkreise Arnsberg-Olpe-Meschcde geht eI gegenwärtig sehr lebhaft zu. Herr F u sangel, der bisherige Vertreter im Reichstage, soll abgewimmelt werden. Aber der Mann will nicht auf die Kandidatur verzichten. In der Versammlung des Provinzialkomitees der westfälischen Zentrumspartei, wo die Kandidatenfrage der einzelnen Kreise erörtert wurde, ist man be» züglich Arnsberg-Olpe-Mcschcde zu keinem Entschluß gekommen. Unterdes hat man den christlichen Arbeitersckrctär B o ck e r dem Fusangel auf den Hals geschickt; Bocker hält im ganzen Wahlkreise Versammlungen ab, und nach den Berichten der Zentrumspresse scheint Herr Bocker der kommende Mann zu sein für den sauer- ländischen Wahlkreis. Weiter machen aber auch die Herren vom Wcstfälischcu Handwerkcrbund Anspruch auf den Kreis; in einer Sitzung des Gesamtvorstandes wurde beschlossen, den Vorsitzenden des Bundes, den Dortmunder Stadtverordneten Möller, dem Wahlkreiskomitce als Kandidaten zu empfehlen. Am Sonntag soll die Entscheidung fallen. ••• Die Wahlbetvegung in der Provinz Brandenburg. In P r i tz w a l k(Wahlkreis O st p r i e g n i tz) referierte in einer Volksversammlung, wie sie die Ostprieg'nitz noch nicht gesehen hatte, Genosse Karl Hetzschold-Berlin. Die Parteigenossen des OrteS schätzten die Besucherzahl auf zirka 1000. Zahlreich waren die Bauern und Gutsbesitzer der Umgegend sowie die Kleinbürger der Stadt vertreten. Am Nachmittag hatte eine Versammlung der Konservativen ge- tagt, in der auch unsere Genossen anwesend waren. Sie konnten sich dort ergötzen am Wettstreit der Mandatsbewerber der Brotwucher- Partei. Es waren nicht weniger als sechs konservative Kandidatur- antvärter vorhanden, darunter auch unser bester Agitator, der dicke Schweine-Pod. Aber selbst die Vertrauensleute des Bundes der Landwirte hatten ihn als zu anrüchig wegen der Tippelskircherci fallen lassen med unter den Sechsen den Sohn des verstorbenen bisherigen Vertreters des Kreises, den Gutsbesitzer Dr. v. Dallwitz, erkoren. Darüber große Aufregung bei den Freunden des Landtags- abgeordneten Löscher, der sich selbst ziemlich ungeschickt als fähiger für die Vertretung der Volksausplüudercr anpries. Schließlich siegte mit zweifelhafter Majorität der Erwählte des Spiritus- Ringes, Dr. v. Dallwitz, der dann auch eine„uatiouale" Kandidatenrede hielt, die auswendig gelernt war und etwa dem Inhalte der Flug- blätter des unter Büloivs Protektorat stehenden Reichsverleumdcr- Verbandes entsprach. Unsere dortigen Genossen rieten dem Genossen Hetzschold ab, in dieser Versammlung das Wort zu ergreifen, da der Genosse Karl Schulz am Sonmag vorher in einer gegnerischen Versammlung niedergelrampelt worden war. Wohl aber Wurden die Besucher aufgefordert, abends in der sozialdemokrati'chen Versammlung zu sein, damit sie auch gegenteilige Ansichten keimen leriuen. Dieser Einladung waren die Konservativen auch zahlreich gefolgt, selbst eine Reihe Redner der Nachmitlagsversammluugeu waren vertreten und folgten aufmerksam den fast zlveistimdigen treffenden Ausführungen unseres Redners, der die NachnnttagSversammlung und die dortigen Ausführungen der Konservativen einer vernichtenden Kritik unterzog und dem Treiben dieser Volksfeinde die Völker- befreienden Forderungen der Sozialdeinokratie gegenüberstellte. Einer der konservativen Kandidatur-Anwärter, P a st o r R a>n t o r, trat mit bekannten Phrasen dem Referenten entgegen, ging aber trotz oller Aufforderungen nicht auf die Taten seiner Partei und auch nicht auf das konservative Programm ein. Er wurde Pom Genoffen Schulz, den einheimischen Parteigenossen und namentlich dem Referenten derart heimgeschickt, daß noch am anderen Tage der Rein- fall dieses Gottesmannes das Tagesgespräch bildete und recht herz- lich belacht wurde. Diese Versammlung hat in Pritzwalk und seiner Umgebung einen vortrefflichen Eindruck gemacht, der gute Aussicht für die Wahlschlacht eröffnet. �eottuwsttrömuitge» gegen das Koalitionsreebt. Man mag die Tätigkeit des Zentrums auf jedem beliebigen Gebiete betrachten, stets schlägt sie zu Ungunsten der großen Masse der Bevölkerung aus. Selbst aus dem Koalitionsrecht läßt sich nachweisen, daß die Art. wie der größte Teil des Zentrums sich zu diesem grundlegenden Arbeiterrecht verhält, gerade genügt, um jeden belehrungsfähigen Arbeiter von der Stimmabgabe für das Zentrum abzuhalten. Zunächst sei daran erinnert, daß die in der Gewerbeordnung enthaltene Aufhebung der Koalitionsverbote der deutschen Arbeiter- schaft durchaus nicht eine, wirkliche Koalitionsfreiheit gebracht hat. Die gewerkschaftliche Bewegung ist eine ununterbrochene Kette von Beweisen, wie weit entfernt die Arbeiterklasse in Deutschland noch ist von der Möglichkeit, sich ungehindert der Verabredung und Ver- einigung zum Zwecke der Erringung besserer Lohn- und Arbeits- bedingungen zu bedienen— ganz abgesehen von der damit eng zusammenhängenden Beschränkung des sonstigen Vereins- und Versammlungswesens. Jeder Ausstand liefert neue Belege für die Unfreiheit der Arbeiter auf diesem Gebiete; tausende von ihnen haben für die Unzulänglichkeit der Gesetze und die Willkür ihrer Anwendung büßen müssen. Die Notwendigkeit, hier Wandel zu schaffen, ist von den Arbeitern von jeher erkannt worden, und zwar nicht nur von der sozialdemokratischen, sondern auch von der christlichen Arbeiterschaft, die auf ihren Gewcrk- schaftskongressen und in ihrer Fachpresse unablässig die Schaffung eines wirksamen Koalitionsrechtes und seine Aus- dehnung auch auf die bisher davon völlig ausgeschlossenen Landarbeiter und Dienstboten fordert. Was tut diesen schreienden Mißständen gegenüber das Zentrum, das, wie noch der soeben erlassene Wahlaufruf der rheinischen Ultramontanen betont, im Reichstage die aus- schlaggebe'nde Partei, demnach verantwortlich zu machen ist dafür, was in der Reichsgesetzgebung geschieht und was nicht geschieht? Das Zentrum tut nichts! Es tut auf dem Gebiete des Koalitionsrechtes ebensowenig etwas, wie in einer anderen, das Wohl und Wehe der Arbeiter betreffenden Frage: der gesetzlichen Festlegung der täglichen Höchstarbeitszeit. Von der ausschlaggebenden Stellung des Zentrums profitieren die Arbeiter, wo eins ihrer wichtigsten Rechte in Frage kommt, nicht das Mindeste. Und nicht nur das: es hat bekanntlich nicht an Versuchen gefehlt, das geringe Maß von Koalitionsrecht den Arbeitern noch mehr zu beschränken, und bei diesen Versuchen der Scharfmacher- regierung hat sich das Zentrum in einer Weise benommen, die die Unzuverlässigkeit und Arbeiterfeindlichkeit dieser Partei aufs Unwiderleglichste dartut. Als im September 1338 der Kaiser in Oeynhausen seine Zucht- hausrede hielt und die gesamte Arbeiterpresse— politisch wie gewerkschaftlich— die Ankündigung der Zuchthausvorlage mit einem Schrei der Entrüstung beantwortete, da suchte man in dep Presse des Zentrums vergeblich nach Aeußerungen, die von Verständnis für d!e der Arbeiterschaft drohende Gefahr zeugten. Man müsse abwarten, was die Vorlage bringe, die gewiß nicht so schlimm ausfallen werde, wie die kaiserliche Rede vermuten lasse — das war, neben der Befürchtung, daß der Sozialdemokratie ein fruchtbarer und willkommener Agitationsstoff geliefert sei, der Grundgedanke der Preßstimmen auf feiten des Zentrums. Dazu kam aber auch die Bereitwilligkeit, zum»Schutze der Arbeits- willigen" gerne mitzuwirken. „Wir sind die Letzten," schrieb die«K ö l n i s ch e Volks- z c i t u n g". die den Terrorismus gegen die arbeit s- willigen Arbeiter ungeahndet lassen wollen. und wenn der Entwurf nichts enthält als den Schutz der Arbeitswilligen, so werden wir gern bezeugen, daß das Koalitionsrecht nicht angetastet wird." Die„Deutsche R e i ch s z e i t u n g", das Bonner Zentrums- blatt, erklärt sich bereit, mit sich reden zu lassen, wenn„wirklich zu stärkerer Abschreckung eine schärfere Strafe notwendig sein sollte". Und eine Reihe Zentrumsblätter, die ihre sozialpolitische Weisheit im Geiste des Kaplans Dasbach verzapft, brachte es fertig, dem Zuchthausgesetz im voraus ihre Zustimmung zu erteilen. So schrieb die„T r i e r i s ch c Landes- z e i t u n g": „Es sind ja Fälle eines bösartigen Terrorismus denkbar, wo die entehrende Zuchthaus st rase an- gebracht ist. Aber es gibt auch milde Fälle, die der Richter milde beurteilen können muß. Wir halten es deshalb für selbst- verständlich, daß der Gesetzentwurf nicht ausschließlich Zuchthausstrafe, sondern solche nur neben der be- st ehe n den Gefängnisandrohung einführen will. In diesem Punkte ließe sich vielleicht eine Verständigung erzielen auf der Grundlage, daß die Fälle eines bösartigen Terrorismus, die zucht- hauswürdig sein sollen, im Gesetz näher bestimmt werden." Stach der Ankündigung der Vorlage in der Thronrede zur Er- Öffnung des Reichstages meinte die„Germania": „Wenn es in der Thronrede heißt, daß das Koalitionsrecht der Arbeiter unangetastet sein soll, so wird sich ja die Er- w ä g u n g nicht absolut von der Hand weisen lassen, zu prüfen, ob nicht bei voller Wahrung der Koalitions- freiheit dem Strcikterrorismus durch schärfere Strafbestimmungen entgegengetreten werden k a n n." Wie man aus diesen Aeußerungen der ultramontancn Presse sieht, war das Zentrum zum Schlimmsten bereit, und wenn es schließlich im Reichstage trotz anfänglichen Schwankens der Vor- läge in der zweiten Lesung den verdienten Sturz in den Abgrund bereitete, so wissen wir, welchem Umstände diese Besinnung zum Besseren zu danken ist. Herr Bache m hat es uns verraten, der am 6. Dezember 1839 im Reichstage sagte: „Es war nahezu unmöglich geworden, die Sozialdemokratie in Volksversammlungen vor Arbeiterkreisen zu bekämpfen, so lange das unglückselige Zuchthausgesetz in der Welt war; es war nahezu unmöglich geworden, die Leute auf dem richtigen Wege zu halten in einer Situation, wo sie uns jeden Augenblick ins Gesicht springen und sagen konnten: schon seit vielen Jahren geht die Agitation für das Zuchthausgesetz, nun ist es eingebracht und ihr habt noch immer nicht durch seine Beseitigung bewiesen, daß es euch ernst ist mit dem Rechte des arbeitenden .Volkes." Die Sozialdemokratie saß dem Zentrum im Nacken; die don ihr eingeleitete Abwchrbewcgung hatte auch die christlichen Arbeiter ergriffen, und vor der sozialdemokratischen Zuchtrute gabs kein Entrinnen, so gern auch das Zentrum— das zeigt seine Abneigung, sofort mit der Zuchthausvorlage aufzuräumen— den Scharfmachern zu willen und bereit gewesen wäre, die Bewegungs- Möglichkeit der Arbeiter noch um einiges einzuschränken., Die ultramontanen Bauern machten bis zuletzt aus ihrer Vorliebe für ein Zuchthausgesetz kein Hehl. Nach der Be- ratung der Vorlage im Reichstage schrieb die klcrikalagrarische „Rheinische V o I k s st i m m e": „Es zeigte sich hier so recht deutlich daS Wettlaufen um die Gunst der Industriearbeiter, der neuen Macht, des Prolcta- riats, an dem sich zu unserem großen Bedauern auch das Zentrum beteiligte.... Die Vorlage ist einstweilen ge- fallen, aber sie wird sicher wiederkommen." � � Nach der Haltung der klerikalagrarischen Presse war es nicht zu verwundern, daß die Zentrumsbauern unter Führung des Abgeordneten Herold es darauf anlegten, den armseligen Rest von Recht, der den Landarbeitern gegeben ist, vollends zu vernichten und die armen Sklaven der Scholle völlig wehr- und willenlos dem Agrariertum auszuliefern. Die Frucht ihres Be- mühens war die Einbringung des Gesetztenwurfes zur Er- schwerung des ländlichen Kontraktbruches. Im Laufe der Verhandlung im preußischen Abgeordnetenhause ereignete es sich, daß der lauteste Rufer im Streit, der Zentrumsabgeordnete Herold, im Juni 1904 plötzlich anderen Sinnes wurde, und ebensoviel Gründe er ein paar Monate vorher für den Entwurf hatte, so viel Bedenken äußerte er jetzt dagegen. Der Zen- trumsagrarier deutete selber an, was ihn zu seiner veränderten Haltung bewogen hatte: Er und seine Partei wollten zwar ein Gesetz haben, daö der Landwirtschaft nützlich sei, sie wollten aber auch das ihrige tun, um zu verhindern,„daß man mit diesem Gesetz- entwurf das Volk aufhetzen kann". Wiederum war die Sozialdemokratie, die auch in diesem Falle für die nötige Aufklärung gesorgt hatte, den klerikalen Arbeiterfeinden im Nacken gesessen, und als auf ihrem Preußen- tag im Winter 1934 die Partei die Landarbeiterfrage aufrollte, da fand es die Regierung für geraten, die Vorlage zurückzuziehen. Im März 1934 verkündete der damalige Eisenbahnminister Budde im preußischen Abgeordnetenhause, daß den Angestellten und Arbeitern der Eisenbahnverwaltung selbstverständlich das Koalitionsrecht zustehe, nur sollten sich ihre Organisationen nicht unterstehen, an die Möglichkeit eines Streiks zu denken oder gar einen solchen auszuführen. Es war ein Zentrumsmann, der Ab- geordnete v. S a v i g n h, der ausdrücklich seine Zustimmung zn der Auffassung Buddes über das Koalitionsrecht der Eisenbahner erklärte, wobei er meinte: Die Eisenbahner hätten ja das Petitionsrecht, und deshalb sei das Koalitionsrecht für sie überflüssig! Herr v. S a v i g n y berief sich dabei auf die Ausführungen, die kurz vorher sein Fraktionskollege Herold von derselben Stelle aus gemacht hatte, indem er meinte: „Das Recht der Koalition ist an sich unbestreitbar, es können aber Rücksichten auf das Allgemeinwohl ob- walten, eine Einschränkung vorzusehe n." Und als Dritter im Bunde gesellte sich Herr B r u st, der „Arbeitervertreter" im preußischen Abgeordnetenhause, hinzu, der erklärte, die Ausführungen des Herrn v. Savigny ebenso zu billigen wie diejenigen, die Herold jüngst über das Koalitionsrecht der Landarbeiter gemacht habe. Herr Brust sagte: „Das Koalitionsrecht der Eisenbahner und der Landarbeiter bedarf einer anderen Re- gelung als das der gewerblichen Arbeiter." Und als Herr Budde 2 7 Arbeiter entließ., weil sie Beiträge zum Eisenbahner-Verband gesteuert hatten, da fand Herr Brust, der„Arbeitervertreter", auch das in der Ordnung. Mit Rücksicht auf den geleisteten Treueid und wegen der sozialdcmo- kratischen Bestrebungen gegen die bestehende Staats- und Gesell- schaftsordnung erklärte Herr Brust: „Die Verwaltung ist bei der Entlassung der 27 Mitglieder der sozialdemokratischen Eisenbahnerorganis ätion nur konsequent verfahren." *• • Der nächste Reichstag wird sich ohne Zweifel wieder mit dem Gesetzentwurf über die Rechtsfähigkeit der Berufs- vereine zu beschäftigen haben, der sich nach dem Willen seiner Urheber zu einer Maßregel gegen die Gewerkschaftsbewegung, so- weit sie sich nicht auf„gute Gesinnung" verpflichtet, gestalten soll. Die bisherige Haltung des Zentrums in dieser Frage war bedenklich genug. Sieht sich doch die„Westdeutsche Arbeiter-Ztg." (M.-Gladbach) genötigt, gegen die Aeußerungen von Zentrums- blättern über den vorigen Gesetzentwurf anzugehen. Es war ein ultramontanes Blatt, die„Essener Volkszeitun g", die sich gleich nach Bekanntwerden der Vorlage in durchaus scharf- macherischer Weise dazu äußerte. Das Blatt schrieb in seiner Aus- gäbe vom 12. November 1936: „Ganz selbswerständlich ist. daß die Vereine, die eine gesetzliche Eintragung beanspruchen, gewisse Bedingungen erfüllen müssen. Sie müßten sich vor allem nur auf die För- derung ihrer Berufst ntcresscn beschränken. Man wird ihnen aber, wie die„Hamburger Nachrichten" das verlangen, nicht jedes Eingreifen in einen wirtschaftlichen Streik verbieten können. Entschieden ausgeschlossen muß sein jede Beteiligung eingetragener Bcrufsvereine an einem politischen Massen st reik. Inwieweit s o n st noch gegen Machtstreits geringerer Bedeutung Vorsorge zu treffen ist, wird sich im Reichstage ent- scheiden. Da wird auch zu entscheiden sein, in welcher Weise Arbeitern an Gas- und Elektrizitätslverken, an öffentlichen Vcrkehrsan st alten jeder Streik unmöglich zu machen wäre, ohüe daß ihre berech- tigtcn Interessen verletzt werden." Wem solche Aeußerungen nicht die Außen darüber öffnen, was die Arbeiter von der ultramontanen Partei zu erwarten haben. dem ist nicht zu helfen. Sozialdemokratie und indirekte Steuern. Stuttgart, 2. Januar.(Eig, Ber.) Durch die bürgerliche Presse geht zur Abwechselung einmal wieder eine Notiz, nach der die Sozialdemokratie sich in der Agitation zwar als eine geschworene Feindin der indirekten Steuern aufspiele, wo sie aber selbst die Möglichkeit ihrer Abschaffung in der Hand habe, sie ruhig weiterbestehen lasse. Diese Notizen pflegen meistens mit Schwänzchen, das vermutlich''für solche Fälle bereits klischiert vorliegt, zu endigen:./Man sieht, in der Praxis gehen den Sozialdemokraten ihre schönsten Prins-ipien flöten,� Die Quelle dieser Notizen ist fast durchgängig eine Nachricht deS natimmlliberalen„Schwab, Merkurs", der über einen Vorgang in den Gemeindckollcgien von F e u e r b a ch bei Stuttgart berichtete. Dort haben tatsächlich beide Kollegien, Gemeinderat und Bürger- ausschutz, eine sozialdemokratische Mehrheit und haben in einer ihrer letzten Sitzungen der Forterhebung der Biersteuer bis zum 31. März 1913 zugestimmt. Wir wollen jedoch an der Hand der tatsächlichen Verhältnisse den Nachweis führen, daß die auf dem Feuerbacher Rathaus tätigen Parteigenossen nicht im geringsten die Absicht hatten, von der grundsätzlichen Stellung der Sozial- demokratie zu den indirekten Steuern abzuweichen und sich auch nicht einmal einer Fahrlässigkeit schuldig genmcht haben. Zunächst das eine: Die Sozialdemokratie hat die indirekten Steuern nicht eingeführt, sondern sich vielmehr ihrer Ein» führung auf das heftigste widersetzt. Aber in der Körperschaft, welche den wü r tt e m be rg i sche n Gemeinden die indirekten Steuern auf Fleisch und Bier als Einnahmequelle überwies, im württember» gischen Landtag, haben nicht die Sozialdemo» kraten, sondern die bürgerlichen Parteien die Mehrheit, sind also die allein Schuldigen für ihr Bestehen überhaupt. Die bürgerliche Presse, welche jetzt bei der Erörterung des Feuerbacher Vorganges sich so stellt, als halte sie die sozialdcmo- kratische Gegnerschaft nicht für aufrichtig, kann ganz unbesorgt sein: sobald tm württe mbergischen Landtag eine sozialdemokratische Mehrheit sitzen wird, wird diese nicht nur die injdirekten Gemeindesteuern, sondern noch so manche andere im Interesse der Besitzenden geschaffene Bestimmung der Steuer- gesetzgebungbesettigem. Wir sind aber schon jetzt davon überzeugt, daß dies dann der bürgerlichen Presse keineswegs recht sein, sondern daß sie dann erst recht auf uns schimpfen wird. Nun fragt die um die Prinzipienfestigkeit der sozialdemokra- tischen Gemeindevertreter besorgte bürgerliche Presse vielleicht weiter, warum die Gemeiridkollcgien von Feuerbach nicht andere Einnahmequellen als Ersatz sür den bei Beseitigung der Biersteuer entstehenden Einnahmeausfall aussindig gemacht hätten? Wir können ihr verraten, d a;ß die sozialdemokrati- scheu Vertreter in Feuerbach diese Frage in ge- wi fsenhafte sie r Weise beraten haben und es selbst aufs lebhafteste bedauern, borläufig einen anderen Ausweg nicht gefunden zu haben, zumal eine progressive Steigerung der direkten Einkommens- oder Vermögenssteuer ja nicht in ihrer Macht steht. Wäre letzteres der Fall, so wären die in» direkten Gemcindeabgoben in Feuerbach auf einen Schlag ab- geschafft worden. Auf jeden Fall ist es unmöglich, der sozialdcmo- kratischen Rathausmehrheit von Feuerbach nachzusagen, daß sie es mit dem Kampf gegen die indirekten Steuern nicht ernst nähme. Das Gegenteil ist der Fall; denn eine der ersten Handlungen, die sie vornahm, war die Beseiti- gung d er Fleischsteuer! Davon schweigt aber die bürger- liche Presse wohlverstanden. Die Gründe dafür, daß man sich noch nicht zur Beseitigung der Biersteuer entschloß, liegen in folgendem: Feuerbach ist ein in der Hauptsache von Arbeitern.bewohnter Vorort Stuttgarts und ist wie fast aüi solche Arbeitergemeinden finanziell nicht auf Rosen gebettet. Die Einnahme aus der Biersteuer ist zwar für das laufende Etatsjahr nur m i t 333 Mark eingesetzt. aber dieser Betrag spielt im Gemeindehau schalt doch eine erhebliche Rolle. Würde er fortfallen, so müßte die aus Grund-, Gewerbe- und Gebäudesteuer erhobene G e mie indeumlage um mindestens 1 Prozent er- höht werden, was nicht nur eine Steigerung der Mieten, sondern auch eine Existenzerschwerung der kleinen Gewerbe- treibenden zur Folge gehabt hätte. Die letzteren haben naturgemäß schon sowieso unter der Nähe der Großstadt mit ihren kapital- kräftigeren und leistungsfähigeren Betrieben zu leiden und könnten eins weitere Belastung kaum ertragen. Aber selbst das hätte man in Kauf genommen, wenndurch die Aufhebung der Biersteuer die Bier kojtsu- m i er e n d e Bevölkerung Feuerbachs einen Vorteil davongehabt hätte. Das ist jedoch gegenwärtig nicht herbei. zuführen und zwar aus folgenden Gründen: Neun Zehntel des in Feuerbach konsumierten Bieres werden aus Stuttgarter Braue- reien bezogen, die pro Hektoliter eine Abgabe von 6ö Pf. entrichten. Da diese Abgabe auch in Stuttgart, wo die Braue- reien ihren Hauptabsatz haben, gezahlt werden muß, haben die Brauereien sie selbstverständlich in ihre Preise hineinkalkuliert. Solange die Braue- reien diese Preise von ihren großen Stuttgarter Konsumenten ge- zahlt bekommen, werden sie den kleinen Feuerbacher Abnehmern aber keine billigeren Preise machen, und deshalb würde die Beseitigung der Biersteuer in Feuerbach, wenigstens solange als die Biersteuer iü Stutt» gart besteht, keine' Erleichterung der Konsu» menten, sondern nur ein jährliches Geschenk von 21 333 Mark in die Taschen ber Brauerei» aktionäre bedeuten. Dazu haben sich aber unsere Feuer- bacher Parteigenossen nicht entschließen können. Es fällt natürlich der bürgerlichen Presse gar nicht ein, eine derartige Untersuchung des von ihr angeschnittenen Falles votzu- nehmen, denn ihr Beruf ist nicht die objektive Würdigung der Tat« fachen, sondern nur die gehässige Verdächtigung der Sozialdcmo- kratie. Unsere Feuerbachcr Genossen ober sind über die ihnen gemachten Borwürfe erhaben, denn gerade sie sind fest entschlossen, sobald als möglich die Beseitigung auch des letzten Restes der in- direkten Gemcindeabgabcn vorzunehmen. Da sie ihre Gegner- schaft gegen die Biersteuer aus den auseinandergesetzten Gründen im Augenblick nicht durch ihre glatte Ablehnung betätigen konnten, so haben sie wenigstens dafür gesorgt, daß der Ertrag der- selben zur Einführung der Lernmittelfreiheit an den Volksschulen zur Verwendung gelangt und haben zu ihrem Teil dazu beigetragen, das sozialpolitische Unrecht der Erhebung einer indirckieu Steuer auf solche Weise wieder gut zu mächen. Dies auch nur zu ertvähncii, hat die bürgerliche Presse natürlich gleichfalls keine Neigung. Wir haben'ts aber gerade mit Rücksicht auf• den gegenwärtigen Wahlkampf und die Verdächtigungen der Gegner für notwendig gehalten, den„Fall Feuerbach", mit dem Herr Erzbcrger auch schon im Reichstage krebsen ging, einmal klar und nach den Tatsachen darzulegen. Diese Feststellung der Tat» fachen führt ganz gewiß nicht zu einem für unsere Gegner an- genehmen Ergebnis. Die Behauptung, dahdieSozial- demokratie die Durchführung ihrer Grundsätze nicht ernst nähme, ist an dem Fall Feuerbach Keineswegs zu erweisen, wohl aber beweist der Fall Feuerbach klipp und klar, daß alle der So, z iald em o k ra ti e bei der Durchführung ihrer Grundsätze entgegentretenden Hindernisse ihr — zuvor von den bürgerliche» Parteien fein säuberlich in de« Weg gelegt worden sind!— Quock erat demonstrandum. poUtifcbe Cleberficht Berlin, den 5. Januar 1907. Freisinnige Verlegenheitsausflnchte. Die«Freisinnige Zeitung" ist über das dem Freisinn in sozialdemokratischen Flugblättern und Zeitungsartikeln vor- gehaltene freisinnige Sündenregister in arge Bedrängnis geraten. Das Blatt der Wiemcr und Eickhoff sucht sich durch krampfhafte Verlcgenheitsausflüchte zu saldieren. So sucht es die blamable Tatsache, daß am 10. Mai 1884 27 freifinnige Abgeordnete für Berlnngerung des Sozialislengescbcs gestimmt haben, durch allerhand Flausen aus der Welt zu schaffen. Es erklärt nämlich, dast diese 27 Mitglieder nicht der alten Fortschritts- Partei, sondern der liberalen Vereinigung oder Sezession angehört hätten, die sich erst kurz vorher mit der Fortschrittspartei zu der deutsch-freisinnigen Partei verschmolzen hätten. Diese Tatsache ist richtig. Da die Verschmelzung aber ein- mal vollzogen war, so gehörten die Abgeordneten der neuen geeinte» Partei an. Und trotzdem sie durch ihre Abstimmung für Ver- längerung des Sozialistengesetzes dem ß 3 des Einigungsprogramms geradezu mit Fäusten ins Gesicht schlugen, der die„Geichheit vor dem Gesetz ohne Ansehen der Person" verlangte, wurden sie keines- Wegs aus der Partei herausgeworfen, sondern blieben ruhig Mit- glieder der deutsch-freisinnigen Partei! Die Quittung für diese Schamlosigkeit erfolgte erst bei den Reichstagswahlen im Jahre 1887, wo die deutsch-freisinnige Partei ein Drittel ihrer Mandate einbüßte! Hinzu kommt noch, daß Eugen Richter, der Führer der alten Fortschrittspartei, der Reaktion die schmachvollsten HelferS- dienste leistete. Unter seinem Vorwissen versandte nämlich der Parteisekretär Dr. Otto Hermes an die abwesenden Abgeordneten der Partei Briefe, worin ihnen mitgeteilt wurde, daß sie nicht zur Abstimmung zu kommen brauchten. Teils durch die Prinzipienvcrräterei der 27 Mitglieder der deutsch-freisinnigen Partei, teils durch das durch die Abkommandierung verursachte Fernbleiben von der Abstimmung kam im Jahre 1884 die Verlängerung des Sozialistengesetzes zustande! Diese Abkommandierung ist geschichtlich feststehende Tatsache; ein alter Schwindel ist es dagegen, wenn die„Frei- sinnige Zeitung" zur Beschönigung der damaligen Freisinnsschmach auf eine„Abkommandierung" innerhalb der sozialdemokra- tischen Fraktion hinweisen zu können glaubt. Sie behauptet nämlich, daß am 4. März 1883, als es sich um eine Reichssubvention für verschiedene transatlantische Dampferlinien handelte, elf sozialdemokratische Abgeordnete der Abstimmung geflisientlich ferngeblieben seien. Zunächst läßt sich die Abstimmung über die Dampfersubvention in keiner Weise mit der Abstimmung über das Schandgesetz ver- gleichen. Die sozialdemokratische Fraktion war in der Frage der Dampfersubvention anfangs allerdings gespalten. Die Fraktion glaubte die Dampfersubvention schließlich unterstützen zu können, sofern aus der Regierungsvorlage diejenigen Linien ge- strichen würden, die als eine Begünstigung der damals inaugurierten Äolonialpolitik angesehen werden konnten. Die Fraktion erklärte durch ihren Redner, den Genossen Bios, daß die Fraktion einstimmig gegen die Dampfersubvention stimmen werde, falls die a f r i- kanische Linie und die S a in o a l i n i e aus der Borlage nicht gestrichen würden. Die Fraktion stimmte denn auch, da diese Vorbedingungen nicht erfüllt wurden, gegen die Vorlage. Bei der entscheidenden Abstimmung fehlten auch elf Sozialdemokraten, von denen zwei wegen Krankheit nicht erscheinen konnten. Die übrigen fehlten deshalb, weil, wie im Züricher„Sozialdemokrat" vom 26. März 1885 hervorgehoben wurde, die übrigen sich sämtlich durch ihre Arbeit ernähren mußten und nicht in der Lage waren, die unerwartet lange Zeit, die die zweite Lesung in Anspruch nahm— von Donnerstag bis Montag— ununterbrochen in Berlin zu bleiben. Hinzu kam, daß sich unter den ferngebliebenen Abgeordneten eine Anzahl Abgeordneter befand, die als Gegner der Dampfcrsubvention auch den freisinnigen Klopffechtern bekannt waren, die damals die Legende von der„Abkommandierung" in die Welt setzten! Man sieht, welche geradezu krampfhafte Anstrengung der Freisinn macht, um seine verjährte Schmach zu beschönigen. Und doch ist selbst die sozialistengesetzlichc Schmach des Freisinns-heinahe noch harmlos gegenüber den Handlangerdiensten, die der Freisinn gegenwärtig den Zoll- und Fleischwucherern und den Wahlrechts- feinden bei der diesjährigen Wahlkampagne� leistet! Der Freisinn ist moralisch gerichtet. Wie sehr er volitisch gerichtet ist, wird ihm der 25. Januar beweisen! Bülotvs Bankrott. Das hat der fürstliche Mitarbeiter des„Reichsverbandes zur un- freiwilligen Förderung der Sozialdemokratie" kaum erwartet, daß sein schöner Schreibebrief an den Herrn V. Liebert so traurige Folgen haben werde.„Es will nichts mehr gelingen", dies Motto der Biilowschen Politik hat sich wieder einmal bewährt. Bon allen Seiten regnet es Ablehnungen. Nicht einmal der Freisinn will recht mittun. Die Regierung hat schon jetzt die Wahlschlacht ver- loren, und Bülow ist fertig. Die ReichstagSauflösung hatte den Zweck, freie Bahn für die deutsche Weltpolitik zu schaffen, als deren Träger Wilhelm II. sich betrachtet. Der Widerstand, der dieser Politik der unbegrenzten Unmöglichkeiten von feiten des Klein- und Millelbiirgertums ent- gegengesetzt tvird und in der Zentrumsabftimmung des 13. Dezember seinen Ausdruck findet, sollte beseitigt werden.'DaS Zentrum sollte durch die Wahlen für die Regierungspolitik gefügig gemacht werden. Dann können die uferlosen Rüstungen der Weltcroberung weiter gehen. Indes wäre eS falsch anzunehmen, daß Bülow diesen Zweck mit bewußter Konsequenz verfolgt. Er ist kein„Konsequenzen- macher". Es gibt Leute, ivelche sich über die Aroganz deS Tones wundern, den er in seinem Silvesterbrief anzuschlagen beliebt, die erstaunt fragen, wo denn die Erfolge sind, die Bülow dem Deutschen Reich verschafft hat, die nicht begreifen, woher Lieser Mensch die Kühnheit nimmt, als unfehlbarer Richter zu entscheiden, wer das nationale Beste verfolgt. Welche Verkennung seiner Stellung, welche falsche Beurteilung seiner Psychologie! Hat Bülow nicht wirklich begreiflichen Grund zur höchsten Meinung von seiner Person. da er schon über sechs Jahre Reichskanzler ist und alle Plötzlichkeiten des neuesten Kurses ihm nichts anhaben konnten? Ist das nicht eine Leistung höchster Diplomatie, während so langer Zeit immer obenauf zu bleiben? Und ist es nicht unbillig, vom Korke die Einsicht zu fordern, daß es nur sein geringes spezifisches Gewicht ist, das ihn auf der Oberfläche erhält! Fürwahr, sechs Jahre Reichskanzler, sechs Jahre Kork aus den politischen Wogen— das ist Grund genug zur höchsten Selbst- einschätzung I Für Bülow war wenigstens zum Teil auch die Reichstags- auflösung ein Mittel, Kork zu bleiben und obenauf zu schwimmen. Mit den normalen Mitteln ging's nicht mehr: Fleischteuerimg. Kolonialskandale. Podbielski-Affäre und die völlige Isolierung Deutschlands in der internationalen Politik. Jeder dieser ' Perantw. Redakteur: Hans Weber. Berlin, Jiijcratentei! verant«� schönen Erfolge wäre genug gewesen, um in anderen, in konstitutionellen Ländern dem„Verantwortlichen" solcher Politik den Hals zu brechen. Alles auf einmal hätte sogar in Deutschland hinreichen können, um den Mann, der so glorreich das Staatsschiff gelenkt hat, in der Versenkung verschwinden zu lassen. Doch Bülow wünschte zu bleiben. Wenn er es aber wollte, so mußte er die Verantwortung auf andere abzuwälzen suchen. Und nichts war bequemer, als den Reichstag als Sündenbock zu benutzen. Den deutschen Reichstag! Das bequemste, ge- fügigste Parlament der Welt, dessen Mehrheitspartcien Zentrum, Konservative und Nationalliberale noch immer alles apportiert haben, was die Regierung befahl, das eine wirkliche bürgerliche Oppositionspartei gar nicht besitzt, das über die Negierungs- Politik höchstens redet, sie nie entscheidend beeinflußt. Nie ist die Unfähigkeit einer Regierung klarer zutage getreten, als in der Klage Bülows über diesen Reichstag. Das scheinen selbst die bürgerlichen Parteien zu erkennen. Die Wahlparole der Regierung ist vergessen. Die reaktionären Parteien, Konservative und Zenttum haben keine Lust, um Bülows ministerielles Dasein zu verlängern, ihre Interessen auch nur einen Moment außer acht zu lassen. Die reaktionäre Masse findet wieder ihre durch Bülows Strategie einen Moment lang anseinandergespreugte Einheit. Hoffen wir, daß Bülow nach den Wahlen erfährt, daß Kork nicht nur leicht schwimmt, sondern auch leicht beiseite geworfen wird.— Oeutlckes Reick. Das gefälschte Münchcner Protokoll. Wir nagelten gestern die Tatsache fest, daß die„Freisinnige Zeitung" dem in die Enge getriebenen Reichsvcrband zur bc- rufsmäßigcn Verleumdung der Sozialdemokratie dadurch Sukkurs geleistet hat, daß er trotz der sofort � festgestellten Fälschung, daß Bebel in München nicht von Bauern, sondern von Agrariern als einer egoistischen, rücksichtslosen, brutalen und bornierten Klasse gesprochen hat, aus dem Inhalt der Bebclschcn Rede die Richtigkeit der rcichsverbändlerischen Fälschungen nachzuweisen versuchte. Die„Freisinnige Zeitung" hat auf unsere Brandmarkung noch nicht reagiert. Dafür nimmt sich heute die „Deutsche Tageszeitung" des gefälschten Zitates an. Sie anerkennt, daß der Wortlaut des Protokolls gefälscht ist. Sie meint aber, daß erst nach dem„korrigierten" Stenogramm Bebel von Agrariern gesprochen hat. Nachträglich dürfte sich kaum feststellen lassen, ob Bebel wirklich von Agrariern oder Bauern ge- sprachen habe. Wir stellen demgegenüber fest, daß in dem Bericht des„Vorwärts", der am 19. September— also am Tage der Rede— in Druck gegeben wurde, die Rede iu dem Wortlaut wieder- gegeben ist, wie sie sich auch später in dem als Broschüre heraus- gegebenen Protokoll vorfindet. Schon diese Tatsache beweist, daß der Bericht nicht korrigiert, sondern sofort so wiedergegeben wurde, wie er von den Berichterstattern aufgenommen worden war! Die Legende von einem„korrigierten" Stenogramm ist also ein agrari- scher Schwindel, zu dessen Verbreitung höchstens die freisinnige Presse gut genug ist.— Sie werden unliberal. Da sich der Freisinn im Moraste der politischen Prostitution wälzt, kann der„Vorwärts" bei seiner Kritik eines solch ästhetischen Vorganges natürlich nicht nach Rosenöl duften. Aber iveil der „Vorwärts" die Dinge beim rechten Namen nennt, weil er, der traurigen Wahrheit gemäß, ausspricht, daß sich der Freisinn mit Schmach und Schande bedeckt, fühlen sich die zarten Nerven der Naumannschen„Hilfe" unangenehm chokiert. Das nationalsoziale Wochenblättchen nennt unsere Kennzeichnung der sogenannten Linksliberalen, die sich den Konservativen und Scharfmachern brünstig an den Hals werfen,„ungebildete Alltagsschimpferei". Diesen hysterischen Ruf nach dem Fläschchen der Nachbarin fänden wir an sich kaum erwähnenswert, wenn nicht die Schluß- folgerung der„Hilfe" äußerst charakteristisch wäre. Das Blättchen des Herrn Naumann meint nämlich, daß durch die Schimpferei des„Vorwärts" freisinnige Bürger— u n l i b e r a l gemacht würden! Muß die„Hilfe" eine hohe Meinung von dem Libera- lismus freisinniger Bürger haben! Das Blättchcn des Herrn Naumann belehrt uns, daß wir seine Schützlinge bisher noch viel zu hoch eingeschätzt hatten!— Die„Tägliche Rundschau", die die Notiz der„Hilfe" abdruckt, macht ausnahmsweise einmal einen guten Witz, indem sie bemerkt: „Der„Vorwärts" soll sich jedenfalls in acht nehmen, sonst ver- scherzt er sich den Wahlbeistand der„Hilfe" und was soll dann aus der Sozialdemokratie werden." Ein Pflaster. Nach einer Meldung der„Dortmunder e i t u n g" aus angeblich offizieller Quelle soll der aus der olonialdebattc bekannte Assessor Brückner, der von dem Abgeordneten Roeren in der Diskussion ein„grüner Assessor" genannt worden war, während der Weihnachtsfeicrtage vom Kaiser empfangen worden sein. Im Verlaufe der Audienz habe der Kaiser dem Assessor seine Beförderung zum Regierungsrat mitgeteilt. Falls die Nachricht nicht wahr sein sollte, wäre sie wenigstens nicht übel erfunden.— Eine neue Polenvorlage. Es scheint tatsächlich, als wenn die preußische Regierung völlig ihren ohnehin nicht mit allzuviel Hirn ausgestatteten Kopf verloren hat und in dem Gefiihl, daß sie deni Untergänge zutreibt, zu den verzweifeltsten Mitteln greift. Auf fast allen Gebieten hat sie seit dem Jahre 1900, dem eigentlichen Beginn der Bülowschen Aera, Mißerfolge über Mißerfolge erlitten, doch auf keinem mehr als dem der Polenpolitik. Hunderte von Millionen Mark sind verschwendet worden, um den Polen ihren Landbesitz abzukanfcn und deutsche Landwirte anzusiedeln, mit dem schärfsten Strafen ist sie der polnischen Agitation entgegengetreten— und der Erfolg? DaS Polentum ist heute viel stärker, viel verbreiteter, als früher— und wird voraussichtlich bei den nächsten Reichtagswahlen eine Reihe weiterer Mandate erringen. Trotzdem gedenkt die Regierung ihre total ver- fehlte Politik fortzusetzen, neue Mittel für ihren sog. Ansiedelungs- sondS vom preußischen Landtag zu fordern. Die„Köln. Ztg." weiß darüber, wie wir noch gestern in einem Teil der Auflage melden konnten, folgendes zu berichten: „In amtlichen Kreisen ist man sich nicht zweifelhaft darüber, daß die Regierung zur Fortführung der An- siedelungSpolitik in den vom Polentum be- drohten Landesteilen für den 1. April dieses Jahres neue Mittel anfordern muß, da bis zu diesem Zeitpunkt der Ansicdelungsfonds bis auf einen geringfügigen Rest erschöpft sein wird! Im landwirtschaftlichen Ministerium fand, wie wir erfahren, gestern wieder eine Beratung der verschiedenen bei der Ausfüllung des Ansiedelungsfonds be- teiligtcn Ressortminister statt, und die Verhandlimgeu sind nun soweit gediehen, daß über eine neue Pole«vorläge in nächster Zeit im StaatSministerium beraten ivorden wird. Auch darüber scheint in amtlichen Kreisen kaum noch ein Zweifel zu bestehen, daß die bisherige Anstcdelungspolitik in mancher Beziehung fehlerhaft gewesen ist und daß es in Zukunft, um zu einem Erfolg zu gelangen, in verschiedenen Richtungen einer Abänderung der bisherigen MaßnaHnien bedarf. O b hierzu auch eine Verstärkung der bisherigen Machtmittel deS Staates notwendig sein tvird, um zum Ziele zu gelangen, tvird eingehend erwogen. Irgend ein Weg, um das fortwährend ungesunde Steigen der Grundstücks- kh. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärt« Buchdr. u. Verlag»anhpill preise infolge der Tätigkeit der Ansiedlungskommisfiim zu hindern, wird allerdings wohl gefunden werden müssen." Es wird fortgewurstelt. Neue Mittel für die Polenpolitik, neue Mittel für den Nordostsee-Kanal, neue Mitttel für die Kolonien, neue Mittel für die Flotte, neue Mittel für Heeresverstärkungen usw. Immer ftisch darauf loS. Die„nationale Ehre" verlangt'S.— Belastung des Arbeiterhaushalts durch die Lebensmittelteurnmg. Bon einem Arbeiter im Norden Berlins wird uns geschrieben; „Wie die Lebensmittelverteuerung im einzelnen wirkt, dafür ge- statten Sie mir ein kleines Beispiel: Meine Familie besteht aus fünf Personen, davon drei Kinder im Alter von l3lt bis IS'/a Jahr. Ich will nur vier Artikel herausgreifen. In der Zeit von 1. 4. 05 bis 31. 3. 06 hat meine Familie der» braucht: 656 Liter Mich a 0,18 M.----- 118,17 M. An Backware für 77,04 M. 44 Pfd. Knorrsches Hafermehl a 0,38 M.— 16,72 M. 24'/, Pfd. Palminärts"iLesern durch die her- schiedenen Berichte bekannt sind). Er legte Wert darauf, festzustellen. daß die Oeffentlichkeit geflissentlich durch Zahlenmauöver, welche die Unternehmer in der bürgerlichen Presse aufführen, getäuscht wird, Es fei ein Schwindel, wenn dem Publikum erzählt wird. daß dt« Autoführer SllO, 400 und 500 Mark pro Monat verdienten. Als Beispiel führte er' einen Fall an. in dem auch von 400— 500 M. geflunkert wurde; diese Summe reduzierte sich nach genauer Be- rechnnng auf 135,40 M. Die Autoführer wehren sich in ihrem Kampfe gegen eine Lohnreduktion von ij3 Proz. und rechnen auf die Sympathie aller Rechtdenkenden. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in der sie sich Oouf feiten der Ausgesperrten stellt, Protest erhebt gegen die ieutung durch die Chauffenrschulen und die Einführung von städtischen Fährschule» fordert. � Die allgemeine Lage her Bewegung ist nach wie vor für die ausgesperrten Führer eine äußerst günstige. Arbeitswillige haben sich bisher in keiner Garage gesunden, mit Ausnahme der Firma „Bedgg". Jedoch kommen auch dort nur 5 Personen in Betracht, und zwar Personen, von denen schon vor Eintritt in die Be- Wegung nicht anders zu erwarten war. Di« Botenfrauen der„B«rliner Morgenpost" hahep ein Neu- jahrsgeschcnk von der Firma erhalten, das, praktisch genommen, nur zum Anschauen da ist, de»» es winkt verheißungsvoll aus weiter, weiter Ferne. Eine Spar-, Taxlehns- und Unterstützungskasse Hai hie Firma eingerichtet, ym die Botenfrauen, die bekannt- lich put den Verhältnissen sehr unzufrieden sind, etwas milder zu stimmen und sich einen festen Staprm von Zeitungslchten dauernd zu erhalten. Nach z e h'n Ja h r e n(!) uminterbochener Tätigkeit winkt der Botenfrau eine Prämie von 113 M., dse mit 3Vli Proz. verzinst wird.(Scheidet die Frau aus dem Dienste oder wird entlassen, so wird das Guthaben nicht mehr verzinst.) Erst nach zwanzig Jahren gelangt die Prämie wirklich zur Auszahlung! Die Firma rechnet also aus einen ununterbrochenen Botendienst von z w a n zig Jahren n»d zahlt dann die Summe von 303,00 M. aus. Bei solchen Aussichten muß natürlich jede llnzn.sci.�.nheit aufhören und still, bescheiden und geduldig werden die Botenfrauen vom 1. Januar 190? an auf zwanzig lange Jahre treu und brav ihren Dienst versehen; so viel glaubt die„Morgen- Post" erreicht zu haben und den Aerger mit den Botenfrauen endlich los zu sein. So sicher ist das freilich nicht und darum wird nach fünf Jahren eine kleine Unterstützung(50 M.) gezahlt, wenn die Frau Jnvalidin geworden ist und nach 10 Jahren gibt es kleine Darlehen; auch Sterbegelder sind in Aussicht gestellt.— Es ist die bekannte Sorte von„Wohltätigkeit", die große Firmen zu ihrem eigenen Nutzen gewähren und dabei noch auf wanlbarkeit Anspruch machen. Gelingt der Plap. die Botenfrauen mit diesem Köder von gorderungen abzuhalten, die die Firma von Zeit zu Zeit erfüllen müßt«, so macht sie mit ihrer„Wohltätigkeit noch ein brillantes Geschäft. So erzieht man sich billige und wihig! Arbeiterinnen und sichert sich di« erwünschte Ruhe beim Einheimsen der Geschäftsprofite. Achtung, Schuhmacher! Nachdem die Wiedereinstellung des alten Arbeiterstammes bei der Firmq Hermann Schliewe, Brunnen- straße 24, in vergangener Woche erfolgt ist, wird hiermit die Sperre über de» Bctrceb aufgehoben. Zentralverband der Schuhmacher. Ortsverwaltung Berlin. Oeutfcbes Reich. Der Stellenvermittler Theodor Riebenstahl, Berlin N., Große Hamburgerstraße 16, vermittelt Platzarbeiter für die Meide- richer Stahlwerke, Mciderich bei Duisburg. Die An- geworbeneu werden am Hochofen beschäftigt. Die ihnen als Ob- dach zugewiesene Mcnage ist voller Ungeziefer, das Essen un- genießbar. Der Agent spricht natürlich von„angenehmer" Arbeit. Die Leute werden enttäuscht, sie stehen in Meiderich mittellos.— Es sei deswegen vor Annahme derartiger Stellen gewarnt. Tie Eisengießerei und Maschinenfabrik Jäger zu Elber- selb kündigte 200 Arbeiterp. Es handelt sich um einen Kampf ums Koalitionspecht. Husland. Falls deutsche Streikbrecher nach Kopenhagen kommen, tverden sie selbst sicherlich ebenso wenig Nutzen davon haben wie die Straßenbahngesellschaften. Man muß sich nicht einbilden, daß dort, wie es in Deutschland die Regel ist, die ganze bürgerliche Presse die Streikbrecher in Schutz nimmt und gegen die Streikenden hetzt, oder daß dort Revolverhelden geduldet werden, die Streikposten einfach niederschießen und dann von der Polizei nicht aufgesunden werden. Der streikende Arbeiter ist in Dänemark auch in bürger- lichen Kreisen ebenso geachtet, wie dex Streikbrecher verachtet ist. Bon der Kopcnhagener Presse stehen nur die ganz reaktionären Arbeitgeber» und Kapitalistenblätter auf Seite der Straßenbahn- gesell schaften, aber d i e bürgerlichen Blätter, welche in den breiten Schichten des' Volkes gelesen werden, sprechen es mehr oder minder unverholen aus, daß die Straßenbahner im Rechte sind, mehr Lohn zu verlangen, und daß Streikbrecher, sollten sich welche einstellen. als Verräter gelten müssen. So schreibt das liberal-radikale Blatt „Folkets Avis. »Im großen Publikum gilt nämlich das alte Kriegsgesetz, daß nur die streitenden Parteien miteinander kämpfen sollen. Zeigen sich irreguläre Truppen, werden sie niedergeschlagen. Der Mann, der als Streikbrecher auftritt und ehrlichen Kriegsleuten in den Rücken fällt, verdient keinen Pardon." Diese lleberzeugung ist nicht nur unter den Arbeitern, sondern auch unter den Geschäftsleuten und Kleinbürgern all- gemein in das Rcchtsbewußtsein übergegangen. Die Dänen und besonders die hauptstädtischen, sind eifrige Zeitungsleser, die nicht „Sozial-Demokraten" zur Hand nehmen, werden von anderen Blättern darüber aufgeklärt, oaß die Stratzenbahngesellschaften sehr wohl die Forderungen der Streikenden bewilligen können, zumal sie jetzt die viel höheren Verluste tragen, die ihnen jeder Tag des Streiks verursacht. Die Kleingewerbetreibenden und Geschäfts- leute wissen auch, daß es in ihrem eigenen Interesse liegt, wenn die Arbeiter und Angestellten mehr Lohn erhalten, so daß ihre Kaufkraft steigt. Darum sind sie den Streikbrechern feindlich ge- sinnt, ganz besonders aber, wenn solche vom Ausland kommen. Die Fredcriksberger Gesellschaft hat am Donnerstag beschlossen, die deutsche Firma Siemens u. Halske um Sendung von Wagen- führern und Mechanikern zu ersuchen. Sollten sich deutsche Ingenieure oder gar Arbeiter nach Dänemarck verschicken lassen, so mögen sie wohl bedenken, wie sie dort von der Bevölkerung empfangen und angesehen werden. Im übrigen ist es noch sehr fraglich, ob die Kopenhagcner Behörden es zulassen, daß fremde, mit dem Verkehrsverhältnissen der Stadt nicht vertraute Leute die elektrischen Wagen durch die von aufgeregten Volksmengen an- gefüllten Straßen führen. Der Ausstand der bulgarischen Eisenbahnangestellten dauert an. Bisher gelang es nur, den Personenverkehr herzustellen; der Güterverkehr stockt vollkommen. Der Schaden, den die Handels» kreise erleiden, ist erheblich. Es heißt, daß den Ausständigen Geldunterstützungen von ausländffchen Arbeiterverbänden zu» gekommen seien. Die Gewerkschaften vin San Franziska haben in einer großen Massenversammlung sich scharf gegen die Einwanderung von Japanern und gegen Noosevelts Empfehlung, den Japanern in den Vereinigten Staaten Bürgerrechts zu verleihen,- ausgesprochen. Sie verlangen Gesetze, welche die Japaner ebenso von dem ameri- kanischen Arbeitsmarkte ausschließen wie die Chinesen.' Diese Opposition im Verein mit der allgemeinen Stimmung gegen die Japaner in Kalifornien ist der Regierung in Washington bei der offiziell gepflegten Freundschaft mit Japan sehr unangenehm. IN Japan selbst will man der amerikanischen Regierung aus der Ver- legLnheit helfen, indem man sich bereit erklärt yat, die filuS- Wanderung der unerwünschten billigen Arbeiter nach Kalifornien durch geeignete Maßregeln zu erschweren—-(vielleicht weil man sie in Japan selbst gut brauchen kann). Gerichts-Zeitung §•166 des Strafgesetzbuchs. Gott sitzt im Himmel auf einem Thron, von da aus regiert er die Welt und ihnc zur Rechten sitzt sein Sohn.— Diese naiye, arobsinnliche Ausfassung des Gottesbegriffs mag vor Jahrhunderten die herrschende in der christlichen Kirche gewesen sein. Hept wird eS nur noch wenige gläubige Christen geben, welche sich zu dieser, einer längst vergangenen Zeit entsprechenden kindlichen Ansicht be- kennen, und wenn jemand diese Anschauung über den Gott der Christenheit als grundfalsch bezeichnet, so werden selbst gläubige Christen nichts dagegen einzuwenden haben. Wenn der Kritiker seine Ansicht in etwas drastischer Form ausdrückt, dann gerät aber er in Konflikt mit dem K 166 des Strafgesetzbuchs, der zum Schutze kirchlickMr Einrichtungen gegen etwas rücksichtslose Kritiker auf- gerichtet ist'. Diese Erfahrung muhte Genosse Stürmer machen. der sich gestern auf die Anklage der Gotteslästerung, Beschimpfung der christlichen Kirche und deren Einrichtungen vor der dritten Strafkammer am Landgericht II zu verantworten hatte. In einer öffentlichen Versammlung, die am 23. August in Adlershof stattfand, hielt Stürmer einen Vortrag, worin er den Austritt aus der Landeskirche propagierte. Wie die Anklage be- hauptet, soll Störmer törichte Aeußerungen über die Religion und Gott gemacht haben. Ferner soll Störmer, als er den Spruch: „Bete und Arbeite" besprach und dabei ausführte, es würde wohl kein Unternehmer gestatten, daß ein Arbeiter seine Arbeit unter- breche, um zu beten, die Stellung eines Betenden«ingenommen und dadurch eine Einrichtung der christlichen Kirche, nämlich das Gebet, beschimpft haben. Die Anklage stützt sich auf daS Zeugnis der beiden überwachenden Gendarmen, welche auch vor Gericht be- kündeten, daß sie die unter Anklage stehenden Aeußerungen aus dem Munde Stürmers gehört haben. Einer der Ucbcrwachenden, Gendarmericwachtmeister Türmer, hat sich in der Versammlung Notizen gemacht. Tieselben wurden vor Gericht auf Antrag des Ver- teidigers Dr. Kpirt Rosenfeld verlesen. Es sind einige z u- s am men hanglose Satzfragmente, nur der eine Satz der Anklage ist vollständig aufgeschrieben.>— Der Wachtmeister Türmer scheint übrigens eine durchaus irrig» Auffassung von seinen Amtsbefugnissen bei der Ucberwachung von Versammlungen zu haben. Er sagte nämlich vor Gericht, als er sah, daß in der Versammlung ejn Flugblatt auslag, welches zum Austritt aMder Landeskirche aufforderte, da wollte er die Versammlung gar nicht stattfinden lassen. Denn er hielt dies« Aufforderung für strafbar. Er habe sich aber eines anderen besonnen und wollte abwarten, ob der Vortragende etwas Strafbares sage. Schließlich fand der Wachtmeister etwas Strafbares darin, daß Störmer sich bei der Ausführung über den Spruch;„Bete und arbeite" ein wenig nach rechts bewegt und nach Meinung des Wachtmeisters eine Bewegung machte, als ob er das Knien eines Betenden andeuten wolle. Das hielt der Wacht» meister für strafbar, er löste deshalb die Versammlung auf, wofür ihm ein Eigentümer Schulz aus Adlershof seine Anerkennung bekundete. Störmer be st reitet ganz entschieden, daß er die ihm zur Last gelegten Aeußerungen gebraucht habe. Wenn er das Wort Mumpitz angewandt haben sollte, dann sei es in einem ganz anderen Zusammenhange geschehen. JnderselbenWeise äußerten sich auch zwei Entlastungszeugen, der Vorsitzende der Versammlung, T o st und der Schriftführer Göpel. Der Staatsanwalt ließ die Anklage soweit fallen, als sie sich auf Verächtlichmachung einer kirchlichen Einrichtung durch Nachahmung der Geberde des Betens erstreckt. Dagegen hielt der Staatsanwalt unter Berufung auf das Zeugnis der Gendarmen eine Gotteslästerung für erwiesen und beantragte vier Monate Gefängnis. Rechtsanwalt Nosenfeld übte in längerer Rede eine ein» gehende Kritik an den Ausführungen des Staatsamvalts und den Zeugenaussagen der beiden Gendarmen. Diese Aussagen könnten nicht als zuverlässig gelten. Die Verlesung der Notizen des Zeugen Türmer habe gezeigt, daß dieser nicht imstande sei, dem Vortrage so zu folgen, wie es zur Abgabe eines zu- treffenden Berichts erforderlich ist. Der Zeuge Türmer sei auch voreingenommen, denn er habe ja die Versammlung schon wegeli des Flugblattes auflösen wollen und habe gewiß unter dem E i n- druck gestanden, daß etwas Strafbares gesagt werden würde. Der Zeuge Türmer habe auch ein persönliches Interesse daran, daß das Gericht eine strafbare Handlung feststelle, denn eine Be- schwerde über die Auflösung der Versammlung sei zurückgewiesen worden mit der Begründung, die Auflösung sei berechtigt, weil Störmer durch die Geberde des Betenden eine strafbare Handlung begangen habe. Der Zeuge Türmer habe hiernach ein persönliches Interesse daran, daß auch durch das Urteil des Gerichts die Auf- lösung als gerechtfertigt erscheine. Was der� Angeklagt« nach Aussage der Gendarmen gesagt haben soll, das sei an sich ein Unsinn, den man einem Manne Nne dem Angeklagten nicht zutrauen könne. In Adlcrshof habe der Angeklagte einen Vortrag gehalten, den er vorher schon 30mal über dasselbe Thema und nach_dem- selben Konzept gehalten habe und niemals sei etwas Straf- bares darin gefunden worden. Man müsse deshalb annehmen, daß er auch zum vierzigsten Male nichts anderes wie vorher gesagt habe und daß sich die Gendarmen geirrt haben. Aber selbst wenn der Angeklagte den Satz ausgesprochen hohen sollte, den di« Gendarmen gehört haben wollen, so wäre das kein Verstoß gegen § 166. Den» durch die betreffende Aeutzerung werde weder Gott noch die Kirche beschimpft, sondern nur der Glaube an einen Gott, der im Himmel sitzt, als unsinnig bezeichnet. Aus diesen Gründen müsse der Angeklagte freigesprochen werden. Das Gericht erkannte den Angeklagten des Religions- Vergehens im Sinne des§ 166 für schuldig und verurteilte ihn zu z w e i M o n a t e n G e f ä n g n i s. In der Begründung des Urteils sagte der Vorsitzende. Landgerichtsdirektor Dtetz. unter anderem: Es sei nicht einfach gewesen, zu prüfen, ob die beiden Gendarmen richtig gehört und die Aeußerung des Angeklagten richtig aufgefaßt haben, besonders deshalb, weil ihnen die Aus- sagen der beiden Entlastungszeugen entgegenstehen. Das Gericht schenkte den Aussagen der Gendarmen vollen Glauben. Die Eni- lasiungszeugen seien auch glaubhaft, aber sie hätten die betreffenden Aeußerungen überhört. Es sei festgestellt, daß der Angeklagte ge. sagt habe: Gott fitzt im Himmel, zur Rechten sein Sohn und regiert die Welt. Der Angeklagte habe damit nichts anderes meinen können, als daß die Lehre der christlichen Kirche, wonach Gott im Himmel die Welt regiert. Mumpitz ist. Der Angeklagte habe d,« christliche Kirche beschiinpft, indem er einen ihrer fundamentalsten Lehrsätze, nämlich den von Gott dem Sck>öpfer der Welt und der Dreieinigkeit beschimpft habe. Der Angeklagte habe sich sagen müssen, daß es eine Verletzung des Gefühls Andersdenkender se,. wenn er ein Mysterium, das vielen heilig ist, tn so roher Form beschimpfte, � 9 Das Urteil dürfte schwerlich in der«ichsgerichtlichen Justaliz bestätigt werden können. Freilich ist«s dort unmöglich, den Beweis zu führen, daß die Ansicht der Gendarmen über den Inhalt der Rede eine falsche ist. Unterstellt man aber auch mit dem Gericht. der Angeklagte habe sich tatsächlich so geäußert, wie die Gendarmen bekundeten, so läge, wie der Verteidiger zutreffend hervorhob, eine scharfe Kritik einer Anschauung, nicht aber eine Beschlmpfung„der christlichen Kirche" vor. Mag aber das Urteil des RelchSgerichtS wie immer ausfallen: auch dieser Prozeß zeigt, abgesehen vo» der rein prozessuale� Frage, ob das zur Strafe Gezogene ln der Tat f sagt ist, wie die persönliche Freiheit des Bürger« und dl« reiheit seines Denkens durch den§ 168 des Strafgesetzbuch» eminent bedroht wird.__ Ein nächtlicher Eszeft hat zu einer Anklage wegen Ausruhr», Körperverletzung, Wider st andes usw. geführt, dte gestern vor der zweiten Straf. kammer des Landgerichts l verhandelt wurde. D>e Anklage richtet« sich gegen 14 meist noch jugendliche Personen, von denen zwei zum Termin nicht erschienen waren. Der Hauptangeklagte ist d«r Möbelpolier ViochuS Viezens. Er und eine Anzahl der Mit- angeklagten verkehren in dem Schanklokal von B o o r o w» k i m der Heidenfeldstraße. Sie verließen das Lokal in der Nacht zum 30. Oktober, nachdem Bobrowski Feierabend geboten hatte, und zwar zu einer Zeit, als die Schutzleute Ballerstädt und Henmg auf ihrem Patrouillengange in der Nähe waren. Viezens ging mit einigen anderen Angeklagten nach dem gegenüberliegenden Schanklokal von Busch und rief in lärmender Weise den übrigen Bobrowskischen Gästen zu:„Kannenludcn hierher!" Al» der Schutzmann Ballerstädt dem Viezens das Lärmen verbot, machte ihm dieser eine lange Nase und ging in das Buschsche Lokal hinein. Ballerstädt folgte dorthin, um ihn festzustellen. Als er den BiezcnS nach der Wache bringen wollte, riß sich dieser lo» und rannte in das Lokal zurück. Auch die beiden Schutzleute kehrten dorthin zurück und fanden Viezens, der sich versteckt hatte, nach längerem Suchen vor, Er sträubte sich energisch gegen seine Wcgführung, klammerte sich krampfhaft am Billard fest, und als der Schutzmann Hennig ihn wegreiße» wollte und mit ihm ringen mußte, drehte er dem Beamten mit aller Kraft den Mittelfinger nach außen, so daß Hennig einen furchtbaren Schmerz empfand. Als die S-butzleute den Viezens glücklich auf die Strafe gebracht hatten, hatte sich dprt eine johlende, schreiende Menschenmenge angesammelt, die dem Transport nach der Wache folgte. Nach und nach war die Menge auf über hundert Personen angewachsen, die das wiederholte Gebot der Beamten, sich zu entfernen, mit Johlen beantworteten. Als ViezenS den Leuten mit lauter Stimme zurief:„Brüder, helft mir doch! Ihr wollt Brüder sein und laßt mich abführen!" ertönten als Echo aus der Menge Trohrufe. wie„Haut die Blauen! S-blagt die Plempen! Schießt mit Revolvern! Schmeißt mit Steinen!" Den beiden Schutzleuten kam dann der Schutzmann Heisig zu Hilfe, und während Ballerstädt feinen Säbel zog und die immer wieder andrängende Menschen- menge zurückzuhalten suchte, wurde BiezcnS langsam vorwärts geschoben. An der Ecke der Thorncr- und Cotheniusstraßc mußte man ein Gelände passieren» auf welchem Steine lagerten. Der Schutzmann Heisig hatte ejne Pistole bei sich, die er seinem Kollegen Ballerstädt reichte, damit dieser die lärmende Menschenmenge besser in Schach halten könnte. Plötzlich wurde ein Bombardement mit Steinen auf die Schutzleute eröffnet. Durch einen Stein wurde dem Ballerstädt der Helm vom Kopf gerissen, und als er ihn aufhob, erhielt er einen zweiten Stcinwurf gegen die Hüfte und einen dritten an die Stirn, so daß er taumelte. Während er dann die Pistole an Heisig zurückgab, suchte xifier der Tumultganten den BiezenS zu befreien, Heisig trat aber dazwischen und bekam in diesem Augenblick«inen StsinwU'.f an Kopf. Heist? Hus der Frauenbewegung. Weibliche Hafenarbeiter. ciel sur Abwehr: Burüd, oder ich schieße!" und als die Warnung Das Landgericht Hannover hatte auf Abweisung der Klagevorschübt, wird mit Gefängnis bis zu zwei Monaten bestraft," unbeachtet blieb, schoß er wirklich. Die Kugel ging einem erkannt. Dagegen verurteilte das Oberlandesgericht Celle gemäß Diese Strafvorschrift ist auch darin anwendbar, wenn ein Zeuge der Grzedenten durch die Hutkrempe. Der Schuß dem Klageantrage. Es sieht das Oberlandesgericht eine vollendete nach dem Termin Unwahrheiten vorschüßt, um die Aufhebung übte aber immerhin eine abschreckende Wirkung aus, einige Leute gemeinschaftliche Erpressung als voll erwiesen an und kommt einer gegen ihn verhängten Ordnungsstrafe zu bewirken oder dergl. tamen den bedrängten Schußleuten zu Hilfe, andere liefen zur deshalb nach den Grundsäßen der ungerechtfertigten Bereicherung Man achte als Zeuge auf den Termin; ist aber einmal ein Termin Bolizeiwache und als bon bort Hilfe erschien, ergriff die Menge aur Berurteilung der Beklagten. Gegen das oberlandesgerichtliche versäumt, so hüte man sich vor unwahrheiten zur Entschuldigung die Flucht. Viezens konnte nun zur Wache gebracht werden. Urteil hatten die Beklagten Revision eingelegt, aber erfolglos. des Ausbleibens. Bunächst waren nur wenige Erzedenten bekannt, Biezens nannte Der VI. 3ibilsenat des Reichsgerichts erkannte auf dann aber die Namen einiger, diese nannten wieder andere. So Zurückweisung der Revision, indem er die Feststellungen gelang es, die angeklagten 14 Personen zu ermitteln. des Berufungsgerichts als rechtsirrtumsfrei erklärt. Wenn auch Die meisten Angeklagten bestritten ihre Schuld. über die Frage der Erpressung Zweifel bestehen sollten, da die Be Drei Angeklagte haben sich durch ihre Renommage selbst eine flagten in einem Strafverfahren von der Anklage der Erpressung böse Suppe eingebrodt. Sie sagen wenige Tage nach dem Erzeß freigesprochen worden seien, so sei doch das Verhalten des F. in den wieder in dem Bobrowskischen Schanklokal und dabei nahm jeder Strafakten als gemein und niederträchtig" bezeichnet für sich in Anspruch, die meisten Steine gegen die Schußleute ge- worden, wie auch dasjenige des Beklagten B. eine in gröblichster ländischen Küfte, find Mädchen und Frauen im Alter von 12 bis zu In einigen Hafenplägen Schwedens, besonders an der norde schleudert zu haben. Durch dieses Streiten haben sie sich selbst als Weise gegen die guten Sitten verstoßende Handlung bar- 60 Jahren als Stauer auf den Holztransportschiffen tätig. Die Hauptmatadore bei dieser Straßenszene verraten. Der Staatsstelle, durch welche die beiden Beklagten den Kläger vorsäglich an Arbeit wirft außerordentlich demoralisierend und degenerierend, um anwalt beantragte gegen Viezens neun Monate Gefängnis, feinem Vermögen geschädigt hätten. gegen die Steinwerfer Arbeiter Emil Dames und Karl Sper= so mehr, als es den Arbeiterinnen hier an jeglichem gesetzlichen ling je ein Jahr Gefängnis, gegen den Klavierspieler Mar Schutz fehlt und selbst Schwangere die schwersten Lasten schleppen Kaufmann ein Jahr sechs Monate Gefängnis, gegen müssen. Der Frauenschutzverein vita bandet"( Das weiße Band") drei noch jugendliche Angeklagte je zwei Monate, gegen alle hat eine Untersuchung über diese Art Frauenarbeit" veranstaltet übrigen je sechs, Monate Gefängnis. Das Urteil lautete gegen einen Bassanten in nicht mißzuverstehender unanständiger Weise Reichstagsabgeordneten zugestellt wurde, Der Händler Klein hatte eines Tages in der Friedrichstraße und berichtet in einen Rundschreiben, das sämtlichen schwedischen Viezens, Dames und Sperling auf je ein Jahr, gegen angesprochen. Durch die energische Zurückweisung war die Auf- weiblichen Stauer werden in der Regel Prostituierten gleichgeachtet. unter anderem: Die Raufmann auf 1½ Jahre Gefängnis. Die übrigen Ange- mertfamteit eines Kriminalschußmanns erregt worden, dies hatte Sie benutzen oftmals den Lastraum des Schiffes als Bordell. Die flagten wurden sämtlich freigesprochen. die Feststellung der Bersönlichkeit des Klein und eine Anklage wegen Schiffsmannschaft bringt vom Ausland allerlei Lurusartikel mit, Beleidigung zur Folge. Statt des Angeklagten in Person war um die Gunst der" Holzmädchen" zu erkaufen; bie getroffen, dessen Verlesung allgemeine Seiterkeit hervorrief. Der nachten, lagern in demselben Raum mit den männlichen Arbeitern. gestern ein Schreiben desselben an den Vorsitzenden ein- Arbeiterinnen, die oft darauf angewiesen sind, au Bord zu überAngeklagte erklärt darin, daß er vor Gericht erst erscheinen werde. Die Trunksucht unter den Stauerinnen herrscht in dem Maße, daß wenn die Jesuiten wieder ihren Einzug in Deutschland gehalten sie am Schluß der Arbeitszeit gewöhnlich betrunken find.„ Hvita haben würden. Daran knüpfen sich längere polternde. Betrach- bandet" fordert die Reichstagsabgeordneten auf, für ein gefeßliches tungen über die Verderbtheit der Welt im allgemeinen und die Verbot der weiblichen Stauerarbeit zu sorgen, wenigstens soll die bösen Folgen der Zivilehe im besonderen, Angriffe gegen Bismard Arbeit für Frauen unter 20 Jahren verboten werden; weiter wird wegen seines Verhaltens zum Papst und der katholischen Kirche, die Anstellung von weiblichen Gewerbeinspektoren verlangt. Klagelieder über die vom Staate bestohlene" katholische Kirche usw. - Das Gericht beschloß auf Antrag des Staatsanwalts, den Angeklagten auf seinen Geisteszustand untersuchen und zum nächsten Termin vorführen zu lassen. Ein Entschuldigungsbrief. Der verfäumte Termin. 80lo befaßt und die Bezirksverwaltungen an der Nordlandfüfte anDie schwedische Regierung hat sich nun auch mit der Frage gewiesen, Untersuchungen auf diesem Gebiete zu veranstalten. Zum Wahlfonds gingen in unserer Expedition Lindenstr. 69 folgende Beiträge ein: Klage auf Rückgabe des durch eine gemeine Handlungsweise Erpresten, Eine Erpressungsgeschichte eigener Art zeigt der folgende Rechtsftreit. Der Gutsbefiber v. K. hatte mit dem Kaufmann F. in Hamburg und dem Anwaltsbuchhalter L. in Hannover Verhandlungen wegen eines Gutskaufes in Holstein gepflogen. Während der Verhandlungen hatte er dem 2. den Kauf des Gutes auf Ehrenwort versichert. b. K. brach die Verhandlungen jedoch ab und teilte dies dem Hauptbeteiligten F., der von dem Verkäufer des Gutes eine hohe Provision erwarten fonnte, auch mit. Jetzt bersuchten nun F. und 2. dem v. K. Angst und Bange zu machen. F. wendete sich an die Redaktion unseres Bruderorgans Volts= wille" in Hannover wegen Aufnahme eines Artikels, in dem b. K. des Ehrentvortbruches beschuldigt wurde, sowie auch an eine frühere Verlobte des v. K.( um Material gegen diesen zu gewinnen) Wegen Benutzung einer gefälschten öffentlichen Urkunde ist und dann an die Redaktion der.annoverschen Neuesten am 25. September 1906 vom Landgericht Frankfurt a. D. bie Nachrichten" wegen Aufnahme eines Artikels über die unfaire Schneidermeistersehefrau Klara Streich zu einem Monat GeHandlung eines... Adligen". 2. teilte gleichzeitig dem v. St. in fängnis verurteilt worden. Sie war für den 27. eines Monats zu D. M. 2, Silvesterfeier, Hans Beiersdorf 2,-. Aus der den grellsten Farben die Stimmung des F. und dessen Absicht mit, einem Termin in einer Zivilsache als Zeugin geladen worden, Sechserkasse d. Möbelfabrik Frenzel, Friedrichsberg 5,-. 20 Neujahrsihn durch die Oeffentlichkeit zu vernichten. Die beiden hatte es aber vergessen hinzugehen. Am Tage darauf erschien fie farten 1. Stöpenick für Bülows, Silvesterscherz 10,-. Gesammelt Blätter lehnten die Artikel jedoch ab. Nun schritten ohne die Ladung im Gerichte und tat so, alb ob der Termin erst b. Ninger, Plößensee 6,- Amerit. Auktion bei der roten Hochzeits1. und 2. gegen v. St. zu einer Denunziation wegen an diesem Tage stattfinde. Sie berief sich dann darauf, daß fie feier Stargarderstr. 67 durch W. 2. 7. E. P. u. P. P. an Stelle Majestätsbeleidigung. Das gegen b. K. eingeleitete auf den 28. geladen fei. Auf Verlangen holte sie dann die Ladung der Neujahrstarten 6, Amerikanische Auktion, Silvesterfeier 1907, Strafverfahren endete jedoch mit Freisprechung desselben, da und gab sie dem betreffenden Beamten. Dieser stellte leicht fest, Bezirk 526a 6,60. Emilie Stürber, Wien 1, Sparverein„ Ehrlichdas Gericht die Annahme für begründet hielt, daß die anonyme daß das Datum geändert worden war. Auf die Revision der feit", Forsterftr. 54, 1. State 10,-... 781 1,-. Calveley, Denunziation beranlaßt worden sei, um den v. K. in Furcht zu Angeklagten hob am Freitag das Reichsgericht das Urteil Linienstraße 5,- Silvesterfeier bei Weißenberg 3,20. Bauern bringen. Darauf hatte sich v. K. um Rat an den inzwischen ver- auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück, weil nicht und Arbeiter aus Boyadel, Kreis Grünberg 4, 5 Vorstandsstorbenen Amtsgerichtsrat G. gewandt. Dieser sagte ihm, es wäre festgestellt ist, daß die Ladung den an eine öffentliche Urkunde zu mitglieder eines Grundbesigervereins 85, M. N., Jersey City das beste, wenn er 30 000 M. nehme und die ganze Sache aus der stellenden Anforderungen entsprochen hat. Eine solche Urkunde 12,30. W. K., Rigdorf 20,-. 28elt schaffe. b. S. ließ sich darauf zur Hergabe von zirka 20 000 m. muß vom Gerichtsschreiber unterzeichnet und mit dem Gerichts- Tagschneider ber Firma Beek u. Cloppenburg, 4. Etage 20,-. Kollegen und Kolleginnen A. E. G. durch E. 2., Greifenhagenerstraße 9,20. bestimmen. Später befann er sich eines Besseren; ihm wurde flar, siegel versehen sein. daß er ja gerade durch die Befolgung des Rats des Amtsgerichtsrats Durchaus zu verwerfen war der Versuch der Angeklagten, in der Personal der Buchdruckerei Klockow 15, Taufe bei T. H., Stalizersich in eine Erpressungsschraube ohne Ende gesteckt hatte. Er ver- geschilderten Weise fich den Folgen der Terminsversäumnis zu entstraße 124 3, Personal der Buchdruckerei H. S. Hermann( 2. State, langte nunmehr im Bibilprozeß die Summe mieber surid, barunter Dr. M. 3. 12. p. 80. indem er behauptet, daß die Beklagten ihn in gewolltem 3u entsprechenden Urteil des Reichsgerichts keiner Urkundenfälschung Summa 308,90 m. Bereits quittiert 3025,27 M. Summa fammenwirten durch Bedrohung mit einer Strafanzeige und schuldig gemacht, so droht ihr doch noch eine Bestrafung aus§ 138 3334,17 mit öffentlicher Bloßstellung zur Hingabe dieser Summe gebes Strafgesetzbuches, der bestimmt: Wer als Zeuge, Geschworener Weitere Beiträge werden in unserer Expedition entgegennötigt hätten. oder Schöffe berufen, eine unwahre Tatsache als Entschuldigung genommen. = Phonographen- Kata gegenüber Alexander- Platz, Banhof, Andreas- Strasse, Blumenstrasse. WARKEYS T Inventur- Verkauf Preis 25% Ermässigung auf mehrere Hundert Phonographen u. 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Er ist im wandlung der Strafe in je 6 Wochen mittleren Arrest. Jahre 1894, nachdem er seiner Militärpflicht als Lehrer genügt, 2. In einer Diskussionsrede zu Groß- Lichterfelde soll Genosse ins Ausland gegangen. Einer Aufforderung, zirka 2 Jahre nach4. In Hamburg wird ein Deserteur, der in die Kaserne Eisner eine Majestätsbeleidigung begangen haben. Bei der Ver- audienen, weil er nicht mehr Lehrer sei, ist er nicht nachgekommen handlung vor dem Berliner Landgericht II stellt sich heraus, daß und ist dieserhalb zu 1000 M. Geldstrafe verurteilt worden, die gebracht werden soll und zu entfliehen sucht, von dem begleitenden die beiden überwachenden Polizeibeamten, deren Bericht die er auch bezahlt hat. Trotzdem wird er aufs neue angeklagt und Unteroffizier erschossen. Grundlage der Anklage bildet, gar nicht imstande waren, den verhaftet. Aus der„ hohen" Politik. Ausführungen des Redners zu folgen, sondern nur einige ganz werden vom Landgericht Aachen 14 Personen, zum größten Teil 20. Aus Anlaß eines Zusammenstoßes mit Arbeitswilligen finnlose Saßfeßen aufnotiert haben. Trogdem beantragt der Staatsanwalt 4 Monate Gefängnis. Das Gericht erkennt auf christlich organisierte Arbeiter, darunter ein Gewerkschaftsbeamter, Freisprechung, weil die Bildung der beiden Beamten nicht derart sei, daß sie die Ausführungen eines Redners mit hoher geistiger Bildung richtig wiedergeben könnten. 23. Wegen der Hamburger Polizeischlacht vom 17. Januar bielski genehmigt sei und zwar unter Verleihung der Brillanten 2. In Erfurt beginnt der Prozeß gegen die Redakteure der wird die bürgerliche Frauenrechtlerin Frl. Dr. Anita Augspurg zum Großkreuz des Noten Adlerordens. 13. Eröffnung des Reichstages. Erst an diesem Tags steht „ Tribüne" wegen angeblicher Beleidigung des preußischen Ab- der angeblichen Beleidigung der Hamburger Polizei angeklagt. Die Entlassung Podbielskis amtlich im Staatsanzeiger". geordnetenhauses. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Heine, beantragt nach viertägiger Verhandlung wird sie zu 200 M. Geldstrafe verdie Vernehmung einer Reihe von Abgeordneten und anderen Perurteilt. Der Schutz des§ 193 wird ihr versagt.„ Es tann", so fonen, teils über die tatsächlichen Vorgänge, teils darüber, daß heißt es in der Begründung, dem Publikum und einer sich im im Abgeordnetenhause die Sozialdemokratie, die dort nicht ver- politischen Leben betätigenden Schriftstellerin nicht das Recht ein treten ist und sich dort nicht wehren kann, unter dem Schute der geräumt werden, wenn Mißstände hervortreten, sich der Presse zu Immunität fortgesetzt beleidigt wird. Die Verhandlung wird bedienen. Die zuständige Stelle war die vorgesezte Behörde. bertagt. Es ist ferner zu berücksichtigen, daß die Polizei sich in einer 3. Der Streitbrecher Thiel aus Nürnberg, der den Genossen schweren Situation befand. Der Landfrieden in der Stadt wat Fleischmann crschoß, ist verschwunden und nicht mehr ausfindig gebrochen, es bestand offener Aufruhr. Die Polizei war vor eine zu machen. Dagegen befinden sich 5 Streikende, denen auf Grund schwere Aufgabe gestellt. Es gebührt der Polizei Dank dafür, der Thielschen Schießerei der Prozeß wegen angeblichen Land- daß sie dabei mit eiserner Hand zugegriffen hat. Es ist nicht zu friedensbruches gemacht werden soll, seit 7 Wochen in Unter- verkennen, daß einzelne Beamte über das Ziel hinausgegangen fuchungshaft. sind, aber es ist dabei auch zu bedenken, daß die Gefahr groß war. Wenn einzelne Beamte sich mehr herausgenommen haben, als ihnen zukam, so ist das zu bedauern, aber verständlich. das Erkennen der Zeugen, die über diesen Vorfall ausgefagt haben, war getrübt durch ihre Erregung. Daher konnte sich das Gericht nicht den Bekundungen der Zivilpersonen anschließen... 27. Als letter Aft der Erschießung eines Landarbeiters in Kutkehmen( Ostpreußen) durch einen Inspektor findet in Königsberg i. Pr. eine Verhandlung gegen Gen. Borchardt, ehemaligen Redakteur des„ Ostpreuß. Landboten", statt. Er soll beim Bericht über den Vorfall den Befizer des Gutes beleidigt haben und wird 34 300 M. Geldstrafe verurteilt. Nunmehr sind wegen des Falles verurteilt drei sozialdemokra. tische Redakteure: in Leipzig, Hannover und Königsberg. Der Inspektor aber ist freigesprochen. Dezember. 12. In Lechhausen wird der Bauunternehmer Arnold, der den bei ihm arbeitenden Arbeitswilligen Kugelmann zur Rede stellt, von diesem mit dem Messer tödlich verletzt. Er stirbt wenige Tage darauf. 14. In Stettin wird an der Dunzigfähre der Hafenarbeiter Riedel ohne Ursache von dem als Arbeitswilligen bekannten Neumann mit einem Revolver in die Brust geschossen. Der Täter wird nicht verhaftet. 16. In Nürnberg findet der erste Krawallprozeß statt. Ge handelt sich um die Vorfälle vom 17. August, bei denen Genoffe Fleischmann erschossen worden ist. Angeklagt sind 5 Streifende, denen nachgewiesen wird, daß sie während des Streits teils mit einem Stod, teils mit der bloßen Hand geschlagen haben. Verlebt haben sie niemand. Die Geschworenen. berneinen den Landfriedensbruch und bejahen nur die Frage nach Körperverlegung. Berurteilt werden: einer zu 1 Jahr 6 Monaten, einer zu 1 Jahr, einer zu 7 Monaten, zwei zu je 1 Monat Gefängnis. Bon den Arbeitswilligen ist niemand angeklagt, nicht einmal Thiel, der den Genossen Fleischmann erschossen hat; auch nicht der Fabrikdirektor Maurer, der die Arbeitswilligen zu Gewalttätigkeiten aufgereizt haf. Gegen Thiel schwebt eine Untersuchung wegen Totschlags; fie fann aber nicht zu Ende geführt werden, weil Thiel, den man aus der Haft entlassen hat, verschwunden ist. 16. In Köpenick wird von einem als Hauptmann verkleideten Betrüger mit Hülfe von 20 Mann Soldaten das Rathaus besett, Bürgermeister und Kassenrendant verhaftet und der Kassenbestand von 4000 m. konfisziert. Auch 1. Der„ Hauptmann von Köpenick" wird von der Strafkammer 34 4 Jahren Gefängnis verurteilt. In Nürnberg bleiben von allen wegen der Augusttrawalle Verfolgten nur 3 jugendliche Angeklagte übrig, von denen einer zu 7 Monaten, einer zu 4 Monaten Gefängnis wegen Aufruhrs ber= urteilt wird. Der Staatsanwalt selbst stellt fest, daß die organifierte Arbeiterschaft mit den Vorfällen nichts zu tun gehabt hat. 3. Die Fürstin Wrede bekannt durch ihre Vorliebe für fremde Silbersachen wohnt noch immer in Paris, nicht in -einem Sanatorium, sondern in einem Privathause, macht Ausfahrten, besorgt Einkäufe und wird zweimal wöchentlich von einem Nerbenarzt besucht. 1. Jm Reichstag erzählt der freisinnige Abg. Ablak,„ wie man Gouverneur wird". Im Jahre 1896 habe sich ein Regimentskommandeur aus Frankfurt a. O., namens Liebert, beim Reichstanzler Hohenlohe als faiserlicher Gesandter in Peking vorgestellt. Er sei ohne Wissen des Kanzlers und des Auswärtigen Amts vom Kaiser persönlich zum Gesandten ernannt worden. Da man ihn im Auswärtigen Amt für diesen verantwortungsvollen Posten nicht für geeignet hielt, schickte man ihn als Gouverneur nach Ostafrika. 3. Jm Reichstag heftiger Zusammenstoß zivischen Kolonial. direktor und Zentrum. Der Zentrumsabgeordnete Roeren beginnt ein wenig auszupacken" und gibt einige Stichproben des Materials über die Kolonialskandale, das er und Erzberger besitzen. Er erflärt dabei, daß er nur einen winzigen Teil seines Materials mitteile, da er sonst an einem ganzen Tage nicht zu Ende kommen würde. Auch er weist nach, daß die Regierung seit mehreren Jahren um die Verbrechen gewußt, aber nichts dagegen getan habe.„ Alle diese Beamten, die diese Berbrechen begangen haben, find noch heute in Amt und Würden." Kolonialdirektor Dernburg beweist dagegen durch amtliche Atten nicht daß irgend eine der Anklagen des Abg. Roeren falsch sei, sondern daß das Zentrum und insbesondere der Abg. Noeren sich an dieser Bertuschung beteiligt hat. Zum Schluß er flärt Herr Dernburg, daß die Regierung unter feinem Regime jede Schacherpolitit mit dem Zentrum auf kolonialem Gebiet ablehne. nicht anwesend war-, daß Herr Dernburg die Brüstierung des 4. Jm Reichstag erklärt Fürst Bülow- der Tags vorher 3entrums mit feiner( des Reichskanzlers) Einwilligung vollzogen habe. Abg. Roeren erklärt, daß er in folonialen Angelegenheiten, also auch bei seiner gestrigen Anklagerede, stets nur für seine Berson, nicht im Namen oder Auftrage seiner Partei, ge= handelt habe. Bereits vorher hat die Zentrumspresse Herrn Roeren preis. gegeben und seine Affäre mit Dernburg als eine private Angelegenheit bezeichnet. 6. In der Budgetkommission erklärt die Kolonialverwaltung, leidigung des preußischen Abgeordnetenhauses angeklagten Redak- bauernd aber 5000 Mann. Das Zentrum beantragt, die Truppen4. In Erfurt werden die beiden wegen angeblicher Be: daß zunächst noch 8200 Mann in Südwestafrika bleiben sollen, teure der„ Tribüne" zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt. zahl vom 1. April 1907 an auf 2500 Mann herabzusehen, statt auf 8200 Mann. 7 Monaten Festung verurteilt. Die für dasselbe Deliti bereits Südwestafrika im Betrage von 29,2 Millionen Mart abgelehnt. 7. In Mannheim wird Gen. Hauth wegen Fahnenflucht zu 11. In der Budgetkommission wird die Nachforderung für 22. Gegen die Leiter des Schlesischen Metall- Induſtriellen( Unternehmer-) Verbandes, Glasenapp und Neumann in Breslau, ift seinerzeit wegen der Aussperrung, in deren Verlauf die Straßenschlacht vom 19. April sich ereignete, Strafanzeige wegen Verlegung des§ 153 Gew.-O. erstattet worden. Staatsanwalt und Oberstaatsanwalt haben die Verfolgung abgelehnt. Nunmehr wird bezahlte Strafe von 1000 m. bekommt er aber nicht zurüd. bekannt, daß das Oberlandesgericht die Einleitung des Verfahrens ( Bis zum Jahresschluß hat man weiteres über den Fall nicht 23. Der Schußmann Weiß, der am 6. August in Köln den Tagelöhner Berndgen erfchoffen hatte, war in Haft genommen, aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Nunmehr wird das beschlossen hat. gehört.) Verfahren gegen ihn eingestellt! 23. In Breslau wird der einzige vor das Schwurgericht gebrachte Angeklagte vom 19. April, der Kaiserdeputierte Hirsch, bon den Anklagen des Landfriedensbruches, der Rädelsführerschaft, des Auflaufs, der Beleidigung usw. freigesprochen und nur wegen angeblichen Vergehens gegen§ 153 Gew.-D. zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt, die durch die Untersuchungshaft verbüßt find. 26. Als falscher Hauptmann von Köpenid" wird der ehemalige Schuhmacher Boigt aus Tilsit verhaftet, der 27 Jahre im Zuchthaus zugebracht hat und nie Soldat gewesen ist. Er war erst im Februar d. J. aus dem Zuchthaus entlassen worden und hatte erst in Wismar, dann in Berlin ehrlich gearbeitet. Aus beiden Orten wurde er ausgewiesen, so daß ihm nichts anderes übrig blieb, als ein neues Verbrechen zu begehen, um nicht zu berhungern. 26. Aus Breslau wird berichtet: Der am 23. Oftober berurteilte Kaiserdeputierte Hirsch saß seit dem 2. Mai in Untersuchungshaft. Er ist verheiratet und hatte außerdem für seinen 82jährigen Vater zu sorgen, an dem er mit großer Liebe hing. Der Vater überstand den Schmerz nicht und starb, als der Sohn 4 Wochen in Haft war. Der Hauptbelastungszeuge gegen Hirsch war der Arbeitswillige Runge, ein Mensch, von dem die Beweis aufnahme ergab, daß sein eigener Vater ihm jedes Verbrechen zutraut. 27. Die Stadt Breslau wird berurteilt, dem durch den Polizeisäbel verstümmelten Arbeiter Biewald eine Entschädigung zu zahlen, deren Höhe noch festgesezt werden soll. 29. In Leipzig wird Genosse Seeger, Redakteur der„ Leipziger Volkszeitung", zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt wegen angeb licher Beleidigung von Leipziger Richtern und Staatsanwälten, geschehen in der Abwehr von Angriffen eben dieser Justiz 31. Jn Düsseldorf wird Gen. Schütte, Redakteur der dortigen Bolfsztg.", wegen angeblicher Beleidigung des preußischen Abgeordnetenhauses zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. beamten. November. abgelehnt. den Tagelöhner Berndgen erschossen hat, nun doch tegen vorsätzbereitung zur Herabminderung auf 2500 Mann verlangt. Die 8. In Köln wird der Schußmann Weiß, der am 6. August Ebenso der Zentrumsantrag, der jest schon nur noch die„ Vorlicher Störperverlegung mit Todeserfolg vor das Schwurgericht gestellt. Aehnlich wie die( unterm 6. August berichtete) Schilderung benuben, um sich selbst in die Regierungsgunft einzudrängen und eilen der Regierung mit einem vermittelnden Antrag zu Hülfe, der Ehefrau des Erschossenen hatte auch die Aussage eines under nur Vorbereitungen zu einer weiteren erheblichen Verbeteiligten Schlossers Kamann gelautet. Nachher aber spiderrief diefer Stamann und behauptete, alles sei Bhantasie gewesen, er minderung der Gesamtstärke der Schuhtruppen" fordert. Dieſen habe nichts selbst gesehen, sondern nur aus der Entfernung die Antrag erklärt die Regierung für annehmbar, doch auch er wird ein Freund des angeklagten Schußmanns sei bei seinen Eltern Südwestafrika ebenfalls abgelehnt, desgleichen der vermittelnde drei Schüsse gehört. Zu Bekannten hat dieser Kamann erzählt. 13. Jm Reichstag wird die Nachforderung der Regierung für gewesen, und diese hätten ihn beeinflussen wollen, feine Aussagen Antrag der Freisinnigen( der den Namen Ablaß trägt!). Infolge= zurückzunehmen. Als Beweisstücke dienten bei der Beweisaufnahme zurückzunehmen. Als Beweisstücke dienten bei der Beweisaufnahme bessen wird der Reichstag aufgelöst. auch der Revolver des Schuhmanns und die durchschossenen Kleider des Getöteten. Es ergab sich, daß sich der Revolver nicht ein, daß sich der Stamm der Bondelzwarts, 120 Männer mit 26. Vom Kriegsschauplab in Südwestafrika trifft die Meldung mehr im ursprünglichen Zustande befand und daß die Kleider erit nach Wochen von der Staatsanwaltschaft abgeholt worden waren. 105 Gewehren, unterworfen hat. Nur noch wenige Banden stehen Die Angehörigen hatten sie erst tagelang liegen lassen, dann aber, im gelbe, Felde. als sie nicht abgeholt wurden und weil sie infolge der Darm- eine Wahlparole angebettelt haben, schreibt Fürst Bülow einen 31. Nachdem die Freifinnigen wochenlang die Regierung um Soda gesteckt und viermal gewaschen. Diese Beweisstücke" ließ die Sozialdemokratie, den er selbst als„ aufklärende Kundgebung entleerungen einen unerträglichen Geruch verbreiteten, lange in offenen Brief an den Borfikenden des Reichsverbandes gegen die Staatsanwaltschaft nachher mikroskopisch untersuchen. Die erste Vernehmung des Schuhmanns Weiß, der den Mann erschossen hat, geschah durch einen anderen Schußmann, einen Kollegen. Wie die Verhandlung ergibt, hat der Erschossene, als ihn der ihm Dank dafür, daß ich dich vor dem Zuchthaus bewahrt habe?!" persönlich bekannte Schußmann mißhandelte, gesagt: 3ft das der Das Gericht ist dem Sinn dieser geheimnisvollen Worte nicht auf den Grund gegangen. Ergebnis: Freisprechung des Schußmanns. zur Reichstagswahl" bezeichnet und worin er dem Liberalismus erlaubt, unter Nichtachtung aller seiner Prinzipien in Zukunft für sämtliche Kolonial, Militär- und Marineforderungen der Regierung zu stimmen. eingestellt. Unsere Kolonien. Oftober. 11. Wegen ihrer Rede auf dem Jenaer Parteitag über den Massenstreit wird Genoffin Rosa Luxemburg vom Landgericht haft auf freien Fuß gefeht. Das Strafverfahren gegen ihn wird 15. Major Fischer wird nach dreimonatlicher UntersuchungsWeimar zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. 13. In Nürnberg war aus Anlaß der Schlacht vom 24. August Strafantrag wegen Störperverlegung gestellt gegen 41 namhaft westafrika, Leutwein, veröffentlicht der Vorwärts" die Tatsache, 19. Aus einem Buche des ehemaligen Gouverneurs von Südgemachte Schußleute. Das Verfahren gegen sie wird eingestellt. daß der Aufstand der Eingeborenen veranlaßt worden ist durch einen 14. Die oberfränkische Kreisregierung hat eine Beschwerde widerrechtlichen Gewaltakt des Leutnants Jobst, welcher den Kapitän der Kulmbacher Brauereizahlstelle wegen der Auslieferung der der Bondelgwarts Christian gewaltsam vor sein Gericht schleppen amtlichen Berichte über ihre Mitgliederversammlungen an die wollte, entgegen dem mit den Bondelzwarts abgeschlossenen SchutzUnternehmer abgelehnt. Der Bürgermeister habe dadurch, daß vertrage. Hierbei wurden der Leutnant nebst zwei Polizeisoldaten, er den Brauereibesivern von den Beschlüssen der Arbeiter Kenntnis sowie auch der Kapitän selbst erschossen, und dies war der Beginn gab, nur seine Pflicht" erfüllt! 18. Durch das Verschulden des Steinbruchbesizers und Kommerzienrats Anton Lang in Neukehlheim an der Donau hai ein Steinbrucharbeiter sein Leben eingebüßt. Das Landgericht in Regensburg verurteilte den Kommerzienrat zu Geldstrafe. 150 M. des Aufstandes. gewesene Kolonialdirektor Erbprinz zu Hohenlohe- Langenburg tat24. Die Münch. Neuest. Nachr." behaupten aufs neue, daß der sächlich das Gehalt eines Staatssekretärs bezogen habe, und zwar tas etatswidrige. Mehr von 24 000 Mark als Vorschuß. Der Vorfonds zurückgezahlt sei. schuß sei allerdings bereits zurüdgezahlt. Die Freijinnige 8tg. deutet in Frageform an, daß er- aus dem kaiserlichen Dispositions= 2. Bei einem Streit in Schandau kam es zu einem zusammenstoß zwischen Streifenden und Arbeitswilligen und später seiner Tätigkeit in der Jugendorganisation 4 Monate Gefängnis 24. In Königsberg wird Genosse Franz Krüger, der weger: zur Antlage. Hierbei hat der angeklagte Maurer Hähnel an mehrere Beugen Briefe geschrieben, des Inhalts: sie möchten durch abmachen soll und wegen Lungenkrankheit um Aufschub der Strafe gegenseitige Aussprache ihr Gedächtnis auffrischen. Deswegen der eingekommen ist, unterm Weihnachtsbaum verhaftet und ins Ges prinz zu Hohenlohe- Langenburg mit, daß er die Leitung der versuchten Verleitung zum Meineide angetlagt, wird Sähnel vom fängnis abgeführt. Landgericht Dresden zu 2½ Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. 6. Revision der Verurteilung des Genossen Heinig- Leipzig Seer und Flotte. Oftober. 31. In einer Zuschrift an ein Berliner Blatt teilt der ErbKolonialverwaltung übernommen habe unter der ausdrücklichen Vorausseyung, demnächst als Staatssekretär an die Spise eines selbständigen Reichsamtes zu treten; Borschuß habe er erhalten, denselben aber durch Abzüge von seinem ctatsmäßigen Gehalt zurückbezahlt; die an dem Gehalt cines Staatssekretärs fehlende Differenz sei ihm nachträglich nicht zurückerstattet worden. November. zu 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis wegen angeblicher Aufreizung 12. Der„ Berl. Börsen- Tourier" erzählt, daß der Reichsschatz zu Gewalttätigkeiten und Beleidigung des sächsischen Landtages sekretär Freiherr von Stengel bei der Rückkehr von seinem Urlaub ( Urteil vom 12. Februar) vor dem Reichsgericht. Der Reichs- unangenehm überrascht war von den Forderungen der Heeresanwalt beantragt Aufhebung des Urteils und Einstellung des Ver- verwaltung und sich deshalb an den Reichskanzler wandte. Unter fahrens, soweit die Beleidigung in Frage kommt. Das Reichs- Buziehung des Kriegsministers von Einem wurde alsdann ber- 4. In dem Wiederaufnahmeverfahren in Sachen der Ramegericht verwirft die Revision in vollem Umfange. einbart, daß erst im nächsten und zweitnächsten Jahr weitere runer Afwaleute ist nunmehr das Urteil gefällt worden. Sämtliche 17. In Nostod war Genosse Kühn, Redakteur der Mecklenb. Mehrforderungen in den Etat eingestellt werden sollen. feinerzeit verurteilte Atwaleute sind abermals bestraft worden, nur Boltsztg." wegen Majestätsbeleidigung angeflagt, aber am 16. Die beiden Reservisten, welche am Tage einer Kontroll- mit dem Unterschiede, daß die beiden„ Rädelsführer" statt zu 10. Mai freigesprochen worden. Das Reichsgericht hat das Urteil versammlung mit einem als Unteroffizier fungierenden Arbeits: 9 Jahren Gefängnis diesmal zu 15 refp. 9 Monaten Gefängnis aufgehoben, und nunmehr wird Gen. Stühn auf Grund des willigen zusammengeraten und besiegen vom Kriegsgericht in verurteilt worden sind! Die übrigen Angeklagten, die in erster dolus eventualis zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Dresden am 14. September zu 2 Jahren bezw. 6 Monaten Ge- Instanz za 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden waren, haben diesmal 5 Monate Gefängnis erhalten. Bekanntlich wurde gegen im Jahre 1900 auf 14,62 Bros. Welche Gewinne bei ein die Alwaleute deshalb Anklage erhoben, weil sie die Frechheit be- geinen Gesellschaften erzielt werden, veranschaulicht die feffen hatten, sich mit einer Beschwerdeschrift wegen angeblicher folgende Tabelle. Es entfiel auf den Kopf der Beschäftigten: Vergewaltigung durch die kolonialen Behörden an den Reichstag Schalter Gruben Gelsenkirchener Bergwerfe zu wenden. Brutto- Rein gewinn 1050 M. 1060 970 23. Der neue Kolonialdirektor, Herr Dernburg, überreicht dem Reichstage zwei Denkschriften über die Entwickelung der Kolonien, die sie als eine fede Bilanzverschleierung herausstellen. Er berechnet has in den Kolonien angelegte Kapital auf eine Milliarde. In Wirklichkeit sind es nur 370 Millionen. Aber Herr Dernburg fapitalisiert einfach die Exportprodukte der Kolonien und noch dazu ihren Brutto- Betrag mit 5 Proz. und erhält so die fehlenden 630 Millionen auf dem Papier! Dabei stellt dieser Export doch nur einen Teil der Verzinsung des in den 370 Millionen schon einmal verrechneten Kapitals der Händler und Ansiedler dar. Diefelben Beträge werden also zweimal verrechnet! Dazu kommt, daß selbst die 370 Millionen zum Teil nur auf dem Papier stehen, zum Teil wie z. B. die Eisenbahnen Kriegsanlagen für Truppentransporte usw. sind, die nichts mehr einbringen, sobald der Krieg zu Ende ist. 1 30. Jm Reichstag hält Herr Erzberger vom Zentrum feine vor einigen Monaten pensioniert worden ist, geklagt habe, er sei Material vertrauensvoll in die Hände der Regierung und der von ihr ernannten Untersuchungskommission. hüllung macht er, nämlich: daß in den Kolonien ein Teil der Einnahmen nicht ordnungsmäßig gebucht und zu Selterwasser, Bilsener Bier und Lackschuhen für eine Dirne verwandt worden sei. Dezember. Nur eine neue Ente 1. Jm Reichstage teilt der Abgeordnete Bebel mit, daß der Geheimrat Hellwig, der seinerzeit Anfläger gegen Peters war und bor einigen Monaten pensioniert worden ist, geklagt habe, er fein ein Opfer der Peters- Stamarilla, nämlich der Abgeordneten Arendt, Kardorff und Konsorten. Da dies sowie die Begnadigung Peters unter der Verantwortlichkeit des Reichskanzlers geschehen sei, so gehöre der Reichskanzler mit auf die Anklagebant. Der freisinnige Abgeordnete Ablaß führt noch einmal den Nachweis, daß Fürst Bülow als Reichskanzler die durchaus pflichtgemäßen Anzeigen des Kolonialbeamten Böplau hartnädig ignoriert hat; und als diefer endlich die Vermittelung eines Abgeordneten angerufen, erfolgte immer noch feine Untersuchung der Frebeltaten, sondern das Disziplinarverfahren gegen Pöplau. Herr Ablaß bezeichnete den Reichskanzler mit dürren Worten als den Hauptverantwortlichen für die Vertuschung der Standale. Aber auch Herr Dernburg habe bereits den Beweis geliefert, daß es ihm um die Aufdeckung und Ahndung der Skandale keineswegs ernst sei. 21. Wie die„ Dortmunder 3tg." behauptet, ist Major Fischer furz vor den parlamentarischen Verhandlungen über die Nach forderungen für Südwestafrifa disziplinarisch zu 14 Tagen Stubenarrest verurteilt worden, womit sein Fall erledigt sein soll. Vier Monate hat er in der Untersuchungshaft gesessen. Wie die Morgenpost" wissen will, soll das Verfahren gegen mehrere Beamte der Kolonialabteilung wegen Verlegung der Amtsverschwiegenheit abgeschlossen sein. Die Staatsanwaltschaft soll beantragt haben, sie außer Verfolgung zu setzen. 10 1901/02 1902/03 1903/04 gewinn 580 M. 629 Brutto gewinn 839 M. 882 Reins gewinn 366 M. 363 # 585 811 " " 331 D 19 Der Schalter Grubenverein hat in den vier Jahren bei Millionen Mart Aktienkapital rund 9 Millionen Mart zu Abschreibungen verwendet und 457 163 M. Tantiemen verteilt. Die Gelsenkirchener Gesellschaft, deren Aktienkapital im Jahre 1903/04 69 Millionen Mart betrug, hat in den letzten fünf Jahren rund 50 Millionen Mart Abschreibungen vorgenommen und für den Auffichtsrat 1 109 997 M. abgestoßen. 19. Der Bergmeister a. D. Engel, während des großen Bergarbeiterstreits führer der Scharfmacher und schärfster Gegner der Arbeiter sowie auch jeder friedlichen Einmischung der Regierung, wird als Hülfsarbeiter ins Handelsministerium berufen. 27. In einer christlichen Gewerkschaftsversammlung in Essen wird mitgeteilt: die Kruppschen Arbeiter haben seit langen Jahren für die Nachtschicht 10 Proz. Lohnerhöhung gefordert. In der Bünderfabrik haben sie sie vor einigen Jahren erhalten. Am Hochzeitstage des neuen Herrn Krupp v. Bohlen und Halbach habe jeder Arbeiter ein Geschenk von 10 beziv. 5 M. erhalten. Zugleich wurde den Arbeitern der Bünderfabrit die Lohnerhöhung wieder entzogen. Macht pro Arbeiter einen jährlichen Ausfall von 180 m. November. 2. Der Effener Bergwerksverein König Wilhelm" erzielte in den verflossenen 3 Quartalen einen Ueberschuß von 2 189 725 m. gegen 1117 708 M. in derselben Zeit des Vorjahres. Der Mehrgewinn in den 9 Monaten stellt sich auf 1072 017 m. gleich 96 Broz. 15. Dem Reichstag geht der Gefeßentwurf über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine" zu. Er qualifiziert sich als ein aus dem Geist der Zuchthausvorlage geborener Versuch zur Erdroffelung unabhängiger Gewerkschaften. 11 Ochsen und Bullen 26-46 27-48 27-55 • Kälber Schweine 22-50 25-61 26-60 49-55 66-69 66-71 Schafe 25-35 30-42 29-44 6. Bergleich der Schweinepreise in Deutschland und im Ausland pro Doppelzentner Schlachtgewicht( aus der Statistit des Deutschen Reichs") im Durchschnitt des II. Quartals 1906: I. Sorte II. Sorte in Berlin • " Magdeburg.. Köln 129,3 M. 133,1 139,7 126,2 M. " 128,3" 133,9 " " " Frankfurt a. M. 144,4 141,1 " " Dresden. 140,8 135,2 0 " " " " München 143,7 " Wien " " 7 " 7 Budapest Rotterdam „ Kopenhagen 114 108 137,9 108,4 " " " " 106,2 . 105,3 103 100,4 " " " 100,8 " " 103,4 M. 91,2 98,6" November. 19. Jm Reichstag wird eine Interpellation der Sozialdemo fraten wegen der Fleischteuerung vertagt, weil die Regierung erst in 14 Tagen dazu Stellung nehmen will. " 20. Ein konservatives Blatt in Bommern meldet nach der Ritterguts Bolts- Beitung": 2auenburg, 16. November. befizer v. Sydow verkaufte sein an der nordöstlichen Kreisgrenze gelegenes Rittergut Bychow für den Preis von 700 000. an Rittergutsbesizer Ewest- Schönehr. v. Sydow, der jetzt eine, Reise nach Aegypten unternimmt, hatte Bychow vor zirka zehn Jahren für den Preis von 360 000 m. übernommen. Der etwa doppelte Wertzuwachs in zehn Jahren, der hier zum Ausdrud fommt, fonnte bei all den zahlreichen Gutsverkäufen in der letzten Zeit feftgestellt werden. Meist war der Wertzuwachs sogar noch ein weit größerer. Dezember. 11. Fleischnot- Jnterpellation im Reichstage. Die Erklärung der Regierung sagt dem Bolte mit dürren Worten, daß es weiter hungern muß. 14. Nach kurzem Preisrüdgang beginnen die Preise für Schweinefleisch wieder zu steigen. Aus der Partei. November. 16. Wegen Unterschlagung von 15 Pf., die ihr zur Aufbewahrung übergeben waren, und wegen Nächtigens in Wartefälen von Bahnhöfen und auf Promenadenbänken stand eine Arbeiterin vor dem Schöffengericht in Dresden. Sie war mit ihrem 8 Jahre alten Kinde obdachlos. Sie ist geständig, erklärt aber, nicht gewußt zu haben, daß das Nächtigen im Freien verboten und strafbar fei. Der Richter gab ihr den„ guten Rat", doch von ihrem liederlichen Leben abzulassen, denn sie sei doch alt genug, um„ verständig" zu sein. Verurteilt wurde sie zu 1 Woche Gefängnis und 1 Woche Haft. 2½ Jahr Buchthaus, 8 Monate 1 Woche 4 Tage Gefängnis, 24. Die preußisch- heffische Staatseisenbahnverwaltung hat ver- 7 Wochen Haft und 2414 M. Geldstrafe. fügt, daß Arbeiter ohne Kündigung entlassen werden, wenn sie länger frank find, als ihnen Krankengeld aus der Betriebskrankenfasse zusteht, oder wenn ihnen schon vorher eine Invaliden- oder Unfallrente zugesprochen wird. 27. Jm faiserlichen Proviantamt zu Meh wird verfügt:„ Austreten während der Arbeitszeit ist überhaupt nicht gestattet Eine Ausnahme darf nur in ganz besonderen Fällen gemacht werden( was jedesmal gemeldet werden muß). Nebertretungen sind rücksichtslos zu bestrafen. Deftere Bestrafungen in diesem Falle haben bei den Arbeitern Entlassung zur Folge..." Dezember. 25. Der Vortvärts" teilt mit: Wenige Tage nach der Debatte am 4. Dezember machte ein höherer Stolonialbeamter gegenüber brei Reichstagsabgeordneten das Zugeständnis, daß die Schuß truppe unter dem Befehl des Oberleutnants Dominid einige fünfzig Kinder in Körbe gebunden und die Nachtigallschnellen hinunter habe schwimmen lassen, wobei sie sämtlich ertranten. Die Namen des 8. Die Generalversammlung der Aktiengesellschaft Fr. Krupp beireffenden Kolonialbeamten und der Reichstagsabgeordnetend. H. Frau Krupp v. Bohlen- Halbach genehmigte für das letzte werden im nächsten Reichstag öffentlich mitgeteilt werden. Geschäftsjahr die Ausschüttung einer Dividende von 10 Proz. gleich ( Die nun folgenden Vorgänge, soweit sie nicht rein tolonialpolitischer 16 Millionen Mart. Für 1904/05 wurden 7% Proz., für 1903/04 Natur find, finden sich unter der Rubrik:„ Aus der hohen Politit".) 6 Proz. gezahlt. Soziales. Oktober. Die Teuerung. Oftober. 4. Selbst im September, der sonst immer einen Breisridgang 9. Wie ber, Vorwärts" feststellt, betrugen die Jahres oder wenigstens Stillstand bringt, find diesmal die Preise für GeLöhne der Bergarbeiter: treide weiter gestiegen. Der Vergleich mit früheren Jahren ergibt folgende Preise pro Tonne: Sept. 1908 Sept. 1904 Sept. 1905 Sept. 1906 1761 im Rebier 1899 Dortmund.. 1255 W. Oberschlesien.. 801 Saarbrücken. 1019 " " 1900 1882 M. 877 1044 " " 1901 1224 M. 872 1042 1904 1208 m. " " 836 1097 " Was die Dividenden anlangt, so stellte fich für die an der Berliner Börse gehandelten Aftien von Kohlengruben die Durch schnittsdividende der Jahre 1891 bis 1900 auf 8,74 Proz., dagegen Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedaktion bem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Sonntag, ben 6. Januar. Freie Volksbühne. Nachmittags 3 Uhr, 5. und 6. Abteilung. Berliner Theater: Die Häuser des Herrn Sartorius. 13. und 14. Abteilung im Neuen Schauspielhaus: Das Glas Waffer. Neue freie Voltsbühne. Nach mittags 2 Uhr: 9. Abteilung im Deutschen Theater: Gee Spenster. Nachm. 3 Uhr: 1. Abteilung im Neuen Theater: Die Condottieri. Nachm. 3 Uhr: 5. Abteilung voll u. 4. Abteilung h. 3601-4000 im Schiller- Theater O.: Die rote Robe. Nachm. 3 Uhr: 13. Abteilung boll 11. 11. Abteilung Kr. 10 801 bis 11 000 im Schiller- Theater N.: Das Lumpengesindel. Anfang 7 Uhr. Kgl. Opernhaus. Der Noland von Berlin. Montag: Der Evangelimann. Kgl. Schauspielhaus. Das Glas. haus. Montag: Hamlet. Menes fgl. Oberntheater. Rabale und Liebe. Montag: Geschlossen. Deutsches. Die Geschwister. Die Mitschuldigen. Montag: Das Wintermärchen. Westen. Cousin Bobby. Nachmittags 3 Uhr: Der Trompeter von Sättingen. Montag: Cousin Bobby. Lorking. Der Wildschüz. Nachmittags 3 Uhr: Der Waffen schmied. Leffing. Der heimliche König. Montag: Undine. Rachmittags 3 1hr: Rosenmontag. Montag: Die Weber. Zentral. Künstlerblut. Nachmittags 3 Uhr: Der Rastel binder. Montag: 8 Uhr. Künstlerblut Anfang Schiller Anjang 8 Uhr. 0.( Wallner Theater.) Mathias Gollinger. Nachmittags 3 Uhr: Die rote Robe. Montag: Doppelfelbstmord. Schiller N. Weizen Roggen. 159 9 129 Hafer. 182 Gerste 130 178 140 150 145 172 154 158 156 146 171 165 Und für Bieh pro Zentner Lebendgewicht: Gebr. Herrnfeld. Familientag im Kleines Theater. Hause Brellstein. Montag: Dieselbe Borstellung. Wintergarten. Saharet. Spezia litäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Rachmittags 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: 30. Jm Monat November wurden an Strafen verhängt: Gegnerische Parteien. Oftober. 4. Die Allgemeine Fleischer- 3tg." veröffentlicht einige bertrauliche Briefe der Biehzentrale resp. des Herrn Ring aus dem Sommer 1905, aus denen hervorgeht, daß damals die Viehzentrale unter bedeutenden Berlusten größere Schweinesendungen nach drei oberschlesischen Viehmärkten dirigiert hat, um den Anschein zu er weden, als sei in Schlesien ein überreichliches Angebot von Schweinen vorhanden, und so die Deffnung der Grenzen zu hintertreiben. erAntrag der Sozialdemokraten auf Einführung des allgemeinen, 17. In Bremen wird in der Bürgerschaft( Parlament) ein gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts mit 86 gegen 31 Stimmen abgelehnt, nachdem der Chefredakteur der freis finnigen Weferzeitung" dagegen gesprochen hat. November. 17. Jm Reichstag werben seit mehreren Tagen Wahlprüfungen berhandelt, und zwar in einer Weise, die den Rednern der Linken Beranlassung gibt, die Kommission strupellosester Parteilichkeit zu eihen und die Mehrheit des Hauses als ein Kartell zur Sicherung der eigenen Mandate zu kennzeichnen. 17. Das freifinnige Berliner Tageblatt" teilt mit, daß das Amtsgericht Zabrze dem Vater eines ftreifenden polnischen Schul. mädchens auf Grund des§ 1666 des B. G.-B. das Erziehungsrecht entzogen und das Kind in einer Zwangserziehungsanstalt untergebracht habe. Diese politische Vergewaltigung des flaren Sinnes bes§ 1666 wird von dem freisinnigen Blatt durchaus gebilligt, indem es behauptet, daß das Gericht den Paragraph juristisch durchaus zutreffend" angewendet habe. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner Theater). Sonntag, nach m. 3 Uhr: Die rote Robe. Schauspiel in vier Aften von Eugen Brieur. Cére. häbitges Theater). Der Familien. Apollo. Die schöne Beltalin. Spe. Eine triviale Komödie für Steug, Deulich von Binne St. Gere. städtisches tag. Nachmittags 3 Uhr: Das Lumpengefindel. Montag: Der Familientag. Schiller Theater Charlottenburg. Minna von Barnhelm. Nachmittags 3 Uhr: Die Räuber. Montag: Die Räuber. Neues Schauspielhaus. Der Helfer. Montag: Die Hochzeitsfackel. Kleines. Eine triviale Stomödie. Nachm. 3 11hr: Nachtasyl. Montag: Ein idealer Gatte. Berliner. Sherlock Holmes. Montag: Dieselbe Vorstellung. Komische Oper. Lakmé. Nachmittags 3 Uhr: Carmen. Montag: Bariser Leben. Neues. Kinder. Montag: Die Condottiert. Residenz. Florette und Patapon. Nachmittags 3 Uhr: Eine Hochzeitsnacht. Montag: Florette und Patapon. Quftfpielbans. Husarenfieber. Nachmittags 8 Uhr: Unsere Käte. Montag: Husarenfieber. Deutsch Amerikanisches. # Der Sorgenbrecher. Nachmittags 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Montag: Der Sorgenbrecher. Thalia. Eine luftige Doppelehe. Nachmitt. 3, Uhr: Charleys Tante. zialitäten. Nachmittags 3, Uhr: Familien- Bor stellung. Montag: Die schöne Bestalin. Spezialitäten. Rafino. Ledige Leute. Spezialität. Nachmittags 4 Uhr: Die beiden Champignol. Montag: Ledige Leute. Spezialt täten. Folies Caprice. Das Modell. Se renissimus August XXVI. Josef Fleischmann. Montag: Diefelbe Borstellung. Prater Theater. Bertram. feriöse Leute. Montag: Ein idealer Gatte. Dienstag, Mittwoch: Eine triviale Komödie für feriöse Leute. Neues Schauspielhaus Abends 8 Uhr: Der Helfer. Montag: Robert und Die Hochzeitsfackel. Nachmittags 4 Uhr: Mutterlegen. Montag 7 Uhr: Die Haubenlerche. Bajjage. Berlin pas' auf! Spe zialitäten. Nachmittags 3 Uhr und Montag 8 Uhr: Dieselbe Borstellung. Figaro. Der Ravalier. Die Klaue. Chitagoer Landwirt. Unterm Bett. Montag: Dieselbe Borstellung. Karl Haverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Nachmittags 3%, Uhr: Borstellung. Irania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Montag: Gine luftige Doppelebe. Berliner Theater. Luisen. Die schöne Ungarin. Nachm. 3 Uhr: Sherlock Holmes. Montag: Des Meeres und der Liebe Wellen. Bernhard Nose. Berliner RaubDögel. Nachmittags 8 Uhr: Die Schule. des Lebens. Trianon. Wo ist der Papa? Vorher: Die Schloßkellerei. Nachmittags 3 Uhr: Der Haus freund. Montag: Berliner Raubvögel. Montag: Wo ist der Papa? Borher: Die Schloßlelleret. Wetropol. Der Teufel lacht dazu. Nachmittags 3 Uhr: Auf ins Me tropol! Montag: Der Teufel lacht dazu. Heute und folgende Tage: Anfang 8 Uhr: Sherlock Holmes Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Kinder. Montag: Die Condottieri. Dienstag: Kinder. Mittwoch: Die Condottieri, Komische Oper. Rachmittags Carmen. 3 Uhr: benbs 8 Uhr: Lakmé. Montag: Pariser Leben. Dienstag: Hoffmanns Erzählungen. Theater des Westens Station Zoolog. Garten, Stantstr. 12. Durchschlagender Erfolg! Allabendlich 7%, Uhr: Gastspiel Frib Berner Coufin Bobby. Nachm. 3 Uhr zu halben Preisen: Der Trompeter von Säkkingen. Zentral- Theater. ( Operette.) 3 Uhr fleine Preise: Der Rastelbinder. Abends 72 Uhr: Künstlerblut. Montag 8 Uhr: Künstlerblut. Residenz- Theater. Direktion Richard Allegander. Heute und folgende Tage Anfang 8 Uhr: Florette und Patapon. Sonntag, abends 8 Uhr: Mathias Gollinger. Lustspiel in 4 Aufzügen von Ostar Blumenthal und Mag Bernstein. Montag, abends 8 1hr: Doppelselbstmord. Dienstag, abends 7 Uhr: Doppelselbstmord. Schiller- Theater N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Nachm. 3 Uhr: Das Lumpengesindel. Abends 8 Uhr: Der Familientag. Schiller- Theater, Charlottenburg, Bismardstraße, Ede der Grolmanstr. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Die Räuber. Schauspiel in 5 Aufzügen von Friedrich Schiller. Sonntag, abends 8 Uhr: Minna v. Barnhelm. Lustspiel in 5 Aufzügen v. Gotthold Ephraim Lessing. Montag, abends 8 Uhr: Die Räuber. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Räuber. Metropol- Theater Nachmittags 3 Uhr: Lustspielhaus. Auf in's Metropol! Nachm. 3 Uhr: Unsere Käthe. Abends 8 Uhr: Husarenfieber. Abends 8 Uhr: Lortzing Theater Der Teufel lacht dazu. Der Bellealliancestr. 7/8. Nachmittags 3 Uhr: Waffenschmied. Abends 7, Uhr: Der Wildschütz. Abonnements ungültig. Montag: Undine. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Abends 8 Uhr: Die schöne Ungarin. Montag: Des Meeres und der Liebe Wellen. Belen Deutsch- Amerikanisches THEATER, Köpnickerstr. 67/68. Heute und jeden Abend 8 Uhr: Gastsp. Ad. Philipp. Der große Lacherfolg: Schwant in 3 Often v. M. Hennequin Der Sorgenbrecher. und Pierre Beber. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Cine Sonntagnachm. 3 Uhr halbe Preise: Hochzeitsnacht. ,, Ueber'n großen Teich." Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender. Giampietro. Josephi. Rauchen überall gestattet. Passage- Theater. Heute zwei Vorstellungen: Nach. 3-7 Uhr, abends 8 Uhr. Berlin paß auf! Burleste in 2 Aften v. Leop. Elh. Mufit von Rudolf Nelson. In den Hauptrollen: Josefine Dora, Paulette van Roy, Albert Kühne, Martin Bendix. Außerdem: Die glänzenden neuen Spezialitäten f.Jannar. Urania. Zirkus Schumann Wissenschaftliches Theater. 8 Uhr: 0000000 Heute, Commlag, den 6. 3an. 1907, Lese- und Diskutierklub„ Süd- Ost". Sonntag, nachm. 3%, Uhr u. abends 7, Uhr: brillante Die Feuergewalten 2 der Erde. Berliner Aquarium Unter den Linden 68a Angang Schadow- Straße No. 14. Heute: Eintrittspreis 50 Pf. Reichhaltigste Ausstellung der an lebenden Seetieren, Welt Reptilien etc. Folies Caprice Linienstr. 132 Ecke Friedrichstraße. Dir. Felix Berg. Das Modell. Serenissimus August XXVI. Josef Fleischmann. Anfang 8 Uhr. Vorverk. 10-2 a. d. Theaterk. u. b. Wertheim. Gala- Vorstellungen 2 Nachmittags auf allen ein Kind frei. Blähen ohne Ausnahme Jedes weitere Kind unter 10 Jahren halbe Preise( außer Galerie). Ju beiden Vorstellungen, nachmittags und abends: Die Sensation des Tages. Noch nie gezeigt. Globe of Life, Eine wirkliche Novität. Miß Irene. Mr. Wizard Stone. 4/20 In beid. Vorstellung.: 3 Frères Willé, Die berühmten Nachm. zum 1. Male: Frühling, Sommer, Herbst u.Winter. Große Ballett- Pantomime v. gesamten Corps de Ballett. In beiden Borst.: Gleich reichhaltiges abwechselnd. Programm, fämtliche Spezialitäten, Clowns und Auguste sowie die bestdressierten Schul, Freiheits- und Springpferde. Abends zum 17. Male: Das größte Pracht- Manegenschaustück Sonntag, den 13. Januar 1907, in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29: 16. STIFTUNGS- FEST.. Sinfonie- Konzert des Berliner Sinfonie- Orchesters Kapellmeister Maximilian Fischer. Festrede gehalten vom Genossen Paul Singer. Gesang: Krouzborger Harmonie( M. d. A.-S.-B.). Nach dem Konzert: Tanz. 285/4 Billetts im VorKasseneröffnung 4 Uhr. Anfang 5 Uhr. XXXX verkauf 40 Pf., an der Kasse 50 Pf. XXXX C astans Panopticum Friedrichstraße 165 Der Räuberhauptmann v. Köpenick. Letzte, Die zusammengewachsenen Schwestern. 6%, Uhr: Familien- Bier- Kabarett. Wochentags ohne Abends Woche! 8. St. Hubertus. Schwarzer Trianon- Theater. Abends 8 Uhr: Wo ist der Papa? Vorher: Die Schloßkellerei. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Hausfreund. a pollo Theater Nachm. 3 Uhr. Halbe Preise! Große Doppel- Borstellung. 1. Abt. Variété. 2. Abt. Operette. Venus auf Erden von Paul Linde. Abends 9%, Uhr: Die schöne Vestalin. Dperette. Mufit bon Viktor Holländer. Borher 8 Uhr: 11 WINTER CARTEN SAHARET. Otto Reutter Kaufmann- Truppe, weibl. Radfahrer. Ein Ballabend i. Paris, Ballett, ausgef. von der Tiller- Truppe, London. Johnson und Dean, Mulatten- Gigerln. Die 3 Schwestern Kloess, Gymnastische Produktionen. Howard und Harris, Amerikanische Excentrics. Ancilotti und gedankenlesender Hund Pilu. Paul Cinquevalli, Jongleur. Die neuen Spezialitäten. Floretta's Luftballett, DERNHARD ROSE- THEATED Große Frankfurterstr. 132. Nachmittags 3 Uhr bei er mäßigten Preisen: Die Schule des Lebens. Abends 8 Uhr: Berliner Raubvögel. 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Die Geschwister", Schauspiel in einem Att von Goethe; Die Mitschuldigen", Lustspiel in drei Akten von Goethe. Eine Stimmung froher Festlichkeit lag über dem Abend. Die Verskomödie„ Die Mitschuldigen", die unter Reinhardts Leitung schon im Neuen Theater gespielt wurde, wirkte bei dieser Wiederholung mit unvermindertem Reize. Die Komit der Situationen erhielt durch das Altfränkische der Kostüme, des Milieus, der dramatischen Technik und gereimten Alexandriner, dem sich das Spiel der Darsteller in feinem Tadt vollendet anpaßte, eine eigenartig gemütliche Behaglichkeit. Es bergnügte, den jungen Goethe, der wenige Jahre nach diesem Stück die mächtige Genialität seines Dichtergeistes im Werther" und in Szenen des" Faust" Fragments offenbarte, hier in dem Negligé hausbaden spaßender Altäglichkeit zu sehen. Die ausgezeichnete Besetzung war in der Hauptsache dieselbe wie bei der Erstaufführung im Neuen Theater. Winterstein gab den Alcest, Lucie Höflich die eitle, verliebte Sophie, Paul Biensfeld, deffen schnurrig burleske, am glänzendsten in Courtelines Herr Kommissar" bewiesene Drolerie leider so selten Gelegenheit sich zu betätigen findet, den verlumpten Söller. Nur in der Rolle des Wirtes war Victor Arnold, der einstige Serenissimus, an Engels Stelle getreten, an humoristischer Behendigkeit gab er dem berühmten Altmeister nichts nach. In dem kleinen, aus der ersten Zeit des Weimarer Aufenthalts stammenden Schauspiel„ Die Geschwister" ließ das wunderbar echte Spiel Lucie Höflichs, deren Marianne sich den schönsten ihrer dt. Witterungsübersicht vom 5. Januar 1907, morgens 8 lthr. Stationen Barometer. stand mm Wind. richtung Windstärke Better Temp. n.. 5°.= 4° R. Stationen Barometer. Wind. richtung Windstärke Better Temp. n. 6. 02= ཀླི ། སྨུ ༠* 7 2wolten!-24 früheren Leistungen, ihrer Melisande und ihrer jungen Königs- fangen sich die beiden Menschen. Lucie Höflich hinreißende gattin in Ibsens Kronprätendenten" zur Seite stellt, die dramati- Darstellung wurde durch Winterstein sehr glücklich unterschen Mängel, das unnatürlich Konstruierte der Voraussetzungen stüßt. Sein Wilhelm hatte etwas Sympathisch- Herzgewinnendes, völlig vergessen. Ein ganz theaterfremdes, seltsames Gefühl vereinigte empfindsame Weichheit mit edel männlichem Wesen. freudiger Rührung wurde wach; das Glück der jungen, liebenden Seele, als sie erfährt, daß die Stimme der Natur sie nicht betrogen, warf strahlend weithin seinen Widerschein. Marianne ist die Tochter einer von Wilhelm schwärmerisch verehrten Witwe. Als die Mutter starb, hat er das Kind, ein Pfand der teuersten Grinnerung, in seine Hut genommen, es mit liebevoller Hingebung er= zogen und dem Mädchen, das sich zu einem Bilde einfach schöner Harmonie entfaltet, den Glauben eingepflanzt, sie sei ihm Schwester. Voll Entzüden sieht er, wie in den Formen geschwisterlicher Zuneigung dämmernd eine andere, leidenschaftlich tiefe, jeden Gedanken erfüllende Empfindung in Marianne erblüht, und harrt der Stunde entgegen, wo er das Geheimnis lösen, die Ahnungslose Berlin zur Gattin sich erbitten will. Gin Freund kommt ihm mit einem Antrage zuvor und deutet die schwankend ausweichenden Worte des bestürzten Mädchens als Zusage. Doch aus dem, was Wilhelm die Vernichtung all seiner Hoffnungen schien, erschließt sich ihm ihre reichste Erfüllung. Der Antrag Fabrices, ihr eigenes momentanes Schwanken, haben Mariannes ruhigen Sinn im Innersten zunehmender Bewölkung; geringe Niederschläge. aufgestört. Aus dem Sturm der Zweifel ist es ihr zur unumstößlichen Gewißheit aufgestiegen, daß sie nie einem anderen Manne folgen kann. Sie sagts dem Bruder und in ihr Geständnis klingt unwillkürlich ein Widerhall verborgenster Sehnsucht hinein, die Straußfurt leise Klage, daß sie ihm nichts mehr als Schwester sein darf. Sie mündung+2,30 Meter. hört aus Wilhelms Mund die Wahrheit und in seligem Jubel um- bei Breslau Unterbegel 1.42 Meter.( Großschiffahrt geschlossen.) Welcher Malzkaffee ist der beste?" " Wer nur die geringste Erfahrung in Malzkaffee" hat, wird darauf in Uebereinstimmung mit der Wissenschaft und den Aerzten sofort sagen:„ Kathreiners Malzkaffee!" Der Unterschied zwischen dem würzig kaffeeähnlich schmeckenden„ Kathreiner" und anderen Malzkaffees," Gerstenkaffees usw., die mehr oder weniger schlecht im Geschmack sind und gerade neuerdings wieder von vielen Seiten dem Publikum angeboten werden, tritt gleich beim ersten Versuche überraschend zutage. Die erfahrenen Hausfrauen freilich wissen das und halten deshalb in ihrem Hause streng auf den echten Kathreiners Malztaffee" in seiner bekannten Ausstattung, der nur in geschlossenem Batet mit Bild, Namen und Unterschrift des Pfarrers Kneipp verkauft wird. Darauf achte man beim Einkaufe immer! Großer InventurAusverkauf Ausnahmsweise bis 31. 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Dder bei Ratibor+1,84 Meter. Oder bei Brieg+2,08 Meter. Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Das gesamte Lager 43 Kommandantenstraße S. Böhm, Kommandantenstraße 43 und von Neiße Ober Blitz Weißmann& Leske, Schöneberg, Hauptstraße 10, Ecke Vorbergstraße, bestehend aus erstklassigen Fabrikaten deutscher und englischer Waren, haben wir aufgekauft. Wegen Räumung der Waren veranstalten wir einen großen Ausverkauf! Zur Komplettierung der Artikel haben wir aus unseren Lägern große Partie- Posten hinzugefügt, die wir zu sehr billigen Preisen mitverkaufen. Serie 1. Herren- Anzug, früh. 18.00 1200 " I. jetzt 24.00 jetzt Kinder- Anzüge bis 40%, unter Preis II. Herren- Anzug, früh. 24 16 Arbeit.- Bekleid. bis 30%, unter Preis ,. Herren- Anzug, früh. 32.00 2400 " jetzt M. 00 M. M. Posten Herren- Anzüge, Stück Ein Burschen- Anzüge, Stück. 90 41 M. 10 M. 90 M. an M. an IV. Herren- Anzug, früh 40.00 3000 jetzt v. Herren- Anzug, früh.48.00 3600 V. 99 99 VI. 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Januar 1907, abends 8 Uhr: Wähler- Versammlungen VI. Wahlkreis. Bock- Brauerei, Tempelhofer Berg. Referent: Der Kandidat des Kreises R. Fischer. Viktoria- Brauerei, Lüßomstraße 111/112. Referent: Parteisekretär Fr. Ebert. Tages- Ordnung: 1. Die Reichstagswahl. 2. Diskussion. Frauen haben Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Das sozialdemokratische Wa... komitee. 3. Wahlkreis. 238/ 2* Dienstag, den 8. Januar 1907, abends 8 Uhr: 2 öffentliche Wählerversammlungen in den Lokalen Etablissement Buggenhagen,| Franke's Festsäle, am Morikplay. Tages Ordnung: Sebastianstraße 39. 1. Die bevorstehenden Reichstagswahlen. 2. Freie Aussprache. 240/2 Referenten: Stadtb. Wilh. Pfannkuch und der Kandidat des Kreises Rechtsanwalt Wolfgang Heine. Zahlreichen Besuch erwartet Der Einberufer. 4. Wahlkreis. 6 öffentliche Wähler- Versammlungen. Montag, den 7. Januar, abends 8 Uhr: Fröbels Allerlei- Theater, Schönhauſer Allee 148. Brauerei Groterjahn, Schönhauser Alle 130. Dienstag, den 8. Januar, abends 8 Uhr: Dienstag, den 8. Jannar, abends 8 Uhr Swinemünder Gesellschaftshaus, Oeffentliche Versammlungen in folgenden Lokalen: Kellers Fettsäle, Koppenstr. 29. Elysium, Landsberger Allee 156. Litfin, Memelerftr. 67. Markgrafenfäle, Markgrafendamm. Englischer Garten, Alexanderftr.27c Boeker, Weberstr. 17. Drachenburg, Vor dem SchlesischenTor. Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. Graumann, Naunynftr. 27. Urania, Wrangelftr. 9/10. Zages Ordnung: Kösliner Hof, Köslinerstr. 8. Artushof, Perlebergerstr. 26. Kronen- Braueret, Alt- Moabit 47-49. Tages- Ordnung: Swinemünder ftraße 42. Der Reichstags- Wahlkampf. Referenten sind die Genossen: Jul. Borchard, Bernh. Bruns, Dupont, Paul Hirsch, Ledebour, Ströbel. 1. Die Bedeutung des bevorstehenden Wahlkampfes". Zu zahlreichem Besuch ladet ein 246/4 Das sozialdemokratische Wahlkomitee. 2. Freie Diskussion. 242/ 1* Referenten sind: H. Heimann. A. Ritter. W. Kubig. W. Schenk. H. Müller. Fr. Müntner. R. Augustin. Fr. Kunze. Th. Fischer. W. Grempe. Zahlreichen Besuch erwartet Achtung! Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Achtung! 4. Wahlkreis Bekanntmachung. Gewerbegericht zu Berlin. J.-N. 763 Gem.- Ger. 06. Berlin, den 4. Januar 1907. Für die Bezirke, welche in Niederbarnim wählen! bie Dienstag, 8. Januar, abends pünktl. 8% Uhr: Oeffentliche Versammlung in den ,, Prachtsälen des Ostens", Franks. Allee 151/152. Tagesordnung: 1. Die bevorstehende Reichstagswahl und die politischen Gemäß§ 83 Absah 1 und 2 unferes 6. Juni 1902 werden Drtsstatuts vom 25. Juli Beisitzer des Gewerbe. gerichts zu Berlin zur Wahl der Mitglieder des auf die Dauer von zwei Jahren( bom 1. Januar 1907 bis 31. Dezember 1908) zu bildenden Ausschusses für Gutachten und Anträge bezüglich gewerblicher Fragen zum 15. Januar 1907( Dienstag) und zwar die Arbeitgeber zu 7 Uhr abends, Arbeitnehmer 8 " nach unserem großen Saal, Zimmereingeladen. Parteien. Referent: Stadtverordneter Artur Stadthagen. straße 90/91, eine Treppe, ergebenſt 2. Diskussion. Agitiert für zahlreichen Besuch! 14/2 Der Einberufer. 6. Wahlkreis. Genossinnen und Genossen! Dienstag, den 8. Januar 1907, abends 8 Uhr: Volks- Versammlung im Lotale von Ballschmieder, Badstr. 16. Tages- Ordnung: Das Volk hat's Wort! Referent: Gen. Kurt Heinig. 2. Diskussion. Zahlreiches Erscheinen erwartte 1/ 1* Die Vertrauensperson. Empfehle den Gewerkschaften mein vergrößertes Zu wählen find 10 Arbeitgeber und 10 Arbeitnehmer und für jedes Mitglied ein Ersatzmann. gez. b. Schulz. Stolas, Kolliers, Krawatten Maffen in Nerz, Skunks, Persianer, Biber, Luchs, Nutria, Iltis, Marder, Weißfuchs, Japanische Füchse Oppossum, Tibet, alle Arten Bisam, sow. all. sonst.Pelzwar.a.best. Material Streng reell. Genossinnen! VI. Wahlkreis. Genossen! Donnerstag, den 10. Januar 1907, abends 8% Uhr: Volksversammlung in den ,, Berolina- Sälen", Schönhauser Allee 28. Tages- Ordnung: 1. Die Proletarierin beim Wahlkampf. 2. Distkuſſion. Zahlreichen Besuch erwartet Referentin: Genoffin Ottilie Baader. 1/ 2* Die Vertrauensperson. Charlottenburg! Dienstag, den 8. Januar, abends 8%, Uhr: Zwei öffentliche Volksversammlungen 250/ 1* im Volkshause Schulz' Festsäle Rofiuenstr. 3. Kaiser Friedrichstr. 24. Tages- Ordnung: Die bevorstehenden Reichstagswahlen. Referenten: Kurt Baake und Paul Litfin. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Heute abend 18 Uhr im großen Saale des Gewerkschaftshaufes, Engel- Ufer 15: Nur eig. Fabrikat. Vortrag des Direktors der Treptow- Sternwarte Serrn Archenhold: Kein Zwischenhändler, daher sehr billig. Die Zukunft der Erde Familien- Restaurant Kalman, Kürschnerstr. mit besonderer Berücksichtigung der jüngsten Erdbeben- Katastrophen u. vulkanischen über 100 Personen faffend. Bassend zu Versammlungen. Für Gefang 75. Dresdenerstraße 75 bereine noch Tage frei. Für gute Speisen und Getränke bestens gesorgt. vorn II, 2. Haus v. Thalia- Theater. Fritz Fröhlich, Muskauerstr. 1. 35422 Verkf. auch Sonntags, u. Wochentags v. 8 Uhr früh bis 9 Uhr abds. Eintritt 30 Pf. Erscheinungen, mit zahlreichen Lichtbildern. Nachher: Garderobe trel. Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Sonntag, den 20. Januar 1907, in Kellers feftfälen, Koppenftraße 29: Achtung! Fliesenleger! Achtung! 16. Stiftungsfest. Dienstag, den 8. Januar 1907, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal 7): Wagner- Konzert ausgeführt. Leipziger Philharmonischen Orchester Versammlung der Sektion der Fliesenleger des Maurerverbandes. Zages Ordnung: 1. Anträge zum 9. Verbandstage. 2. Nominierung eines Kandidaten zum Ber bandstage. 3. Gewerkschaftliches. 4. Verschiedenes. 23/3 Mitgliedsbuch legitimiert! Wegen der Wichtigkeit der Tages- Drdnung ist das Erscheinen sämtlicher Kollegen notwendig! Der Sektionsvorstand. J. A.: H. Pufaht. ( Dirigent: Herr Musikdirektor Winderstein) Ball. und der Opernsängerin Fräulein Lissi Kurz. Nach dem Konzert: Kassenöffnung 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. Berliner Ik- Trio. Felix Scheuer U Stralsunderstr. 1. Billetts im Vorverkauf 60 Pi., an der Kasse 70 Pl. Wilh. Kube's Festsäle 4/1 Alte Jakobstr. 75( früher Feuerstein). Empfehle meine Säle und Vereinszimmer zu Bersammlungen und Festlichkeiten. Sonntag, den 20. Januar ist ein groker Saal frei ge worden. 35782 Wähler- Versammlung des ersten Kreises Achtung! Achtung! 5. Kreis, Aching! Montag, den 7. Dezember cr., abends 82 Uhr, in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstr. 35. Vortrag des Kandidaten Dr. Leo Arons. Montag, den 7. Januar, abds. 8 Uhr: 2. Diskussion. 225/1 Zahlreichen Besuch erwartet Der sozialdemokratische Wahlausschuß. Achtung! Achtung! Lichtenberg Dienstag, den 8. Januar, abends pünktl. 8% Uhr, in Gebr. Arnholds ,, Schwarzem Adler", Franks. Chaussee 5: Oeffentliche Zwei öffentliche 9 Versammlung Wähler- Versammlungen Tagesordnung: 1. Die bevorstehende Reichstagswahl und die politischen Parteien. Referent: Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld. 2. Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet 14/1 Der Einberufer. Deutscher Holzarbeiter- Verband. im Alten Schützenhause, Linienstr. 5 und in den Musiker- Sälen, Kaiser Wilhelmstr. 18m. Tages- Ordnung: 1. Wie wählen wir? Referenten: Genosse Richard Fischer und ParteiTelephon 4, 3578. Zahlstelle Berlín. Telephon 4, 3587. sekretär Fritz Ebert. 2. Diskussion. Vergolder! Sonntag, den 6. Januar, vormittags 10 Uhr, bei Merkowski, Andreasstraße 26: 245/ 3* Mittwochabend 8 Uhr, in den Sophien- Sälen, Sophienstraße 17-18 Sitzung der Branchenkommission und der Vertrauensleute. Oeffentl. Wählerversammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht der Branchenkommission. 2. Ausgabe der Karten für das Jahr 1907. DPflicht der betreffenden Kollegen ist es, pünktlich zu erscheinen. Der Branchenleiter. Emil Dehlert, Berlin O. 17, Langeftr. 38, II. Möbelpolierer! 77/7 Montag, den 7. Januar, abends 8, Uhr, in den Andreas: Feftfälen, Andreasstraße 21: Branchen- Verfammlung Lages. Drbnung: 1. Bericht der Branchenleitung, 2 Distuffion. 3. Brandenangelegenheit: Wahl der gesamten Branchenleitung. 4. Ber fchiedenes. Es ist Pflicht eines jeden organisierten Stollegen, in dieser Versammlung, der Wichtigkeit wegen, zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Obmann. Donnerstag, den 10. Januar, abends 8%, Uhr, im„ Englischen Garten", Alexanderstraße 27c: Vertrauensmänner- Versammlung der in der Küchenmöbel- Brande beschäftigten Tischler und Maler. Weißensee und Rigdorf find hierzu eingeladen. Jebe Werkstatt muk vertreten sein. Der Branchenleiter. Kistenmacher! Montag, den 7. Januar, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause ( Saal 7), Engel- Ufer 15: Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Neuwahl der Kommission und der Beitragssammler. 3. Verschiedenes. Ausgabe der Billetts zum Maskenball am 19. Januar 1907. Das Erscheinen aller Kollegen ist unbedingt notwendig. Der Obmann. Montag, den 7. Januar, abends 7, Uhr, im Königstadt- Kafino", Holzmarktstraße 72: Versammlung aller in Innungswerkstellen beschäftigten Drechsler. Zages Drdnung: 1. Bericht des Gesellenausschusses. 2. Wahl des Gesellenausschusses. Das pünktliche Erscheinen ist erforderlich, weil die Versammlung gur festgelegten Zeit eröffnet wird. Bodenleger u. Bohner! Montag, den 7. Januar, abends 8 Uhr: Kommissionssikung mit Vertrauenslenten bei Achilles, Wiclefstraße 24. Alle Vertrauensleute müssen zur Stelle sein. Die Kollegen der Firma Schlesinger sind hierzu eingeladen. Der Obmann. Perlmutter, Horn- und Steinnußbranche. Montag, den 7. Januar 1907: Vertrauensmännersizung mit Kommission 77/7 Mariannenstraße 41 im Lokal. In diefer Sigung müssen alle Betriebe vertreten fein. Der Obmann. Verband der Kürschner Berlins und Umgegend. Geschäftsstelle u. Arbeitsnachweis Gollnowftr. 5. Telephon Amt 7 Nr. 318. -WW Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die Versamm lung am Montag, den 7. Januar, weil im Schützenhaus eine Parteiversammlung stattfindet- ausfällt. Die Generalversammlung findet am Mittwoch, den 30. Jannar, ftatt. 102/1 Der Vorstand. Tages- Ordnung: 1. Der sterbende Freisinn. 2. Diskussion. Ref.: Genosse Wolfgang Heine. Alle Wähler sind eingeladen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 7. Januar, abends 8 Uhr, im ,, Neuen Klubhause", Kommandanten- Straße 72: ,, Die Stellung der Frau im gewerblichen Leben". Gäste willkommen. Referent: r. Kunze. 55/1 Der Vorstand. Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin und Umgegend. Montag, 7. Januar, abends 8%, Uhr, bei Bercht, Nitterstr. 75: Versammlung. Tages Drdnung: Zusammenschluß Groß- Berlin mit den Zahlstellen Charlottenburg, Treptow und Schöneweide oder Gründung einer Zahlstelle in Lichtenberg. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltung. 138/1 Der Vorstand. Verlag G. Birk& Co. Teppiche München. 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Januar, abends 8%, Uhr, in Dräsels Festfälen, Neue Friedrichstr. 35: Versammlung der Sektion der Lackierer der Vereinigung der Maler, Lackierer usw. Tages Ordnung: 1. Jahresbericht und Neuwahl des Vorstandes und der Bibliothekare. 2. Stellungnahme zur Generalversammlung in Leipzig. 3. Unser Arbeitsnachweis. 4. Berschiedenes. In Anbetracht der reichhaltigen und ganz besonders wichtigen Zagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, bestimmt und besonders 107/1 pünktlich zu erscheinen. Die Sektionsleitung. Niffige Gesichtshaut wird fammetteich, ges ſchmeldig u. jugendfriſch Herba- Seife b. Obermeyer's Su haben in allen Apoth., Drog. u. Barf. pro St. 50.1.A Eisbahn Karpfenteich Treptower Park ist wieder eröffnet. Dresdenerstr. 45. Den geehrten Vereinen empfehle monatlich 10 M. liefere Herren- Garich meine beiden Säle und die derobe nach Maß( billigste Breise). Vereinszimmer zur Abhaltung von Bersammlungen und Festlichkeiten. J. 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Ein anderer Redner äußerte sich etwas vorsichtiger dahin:„Wenn es überhaupt möglich ist, diesen Kreis den Sozial- demokraten zu entreißen, so ist es nur mit Cassel möglich." Die Versammlung billigte den Vorschlag und proklamierte den„einzigen" Cassel zum Kandidaten der Freisinnigen. Der Vorsitzende kon- statierte„Einstimmigkeit", doch unterließ er die Gegenprobe. Hierauf hielt Herr Cassel eine Art Kandidatenrede. Die Haltung, die die freisinnige Volkspartei jetzt zu der Kolonial- frage einnimmt, wurde von ihm als die„richtige" verteidigt. Er sprach viel von der Würde und Ehre des deutschen Vaterlandes, um die es sich handele. Die freundschaftlichen Klappse, durch die Herr v. Bülow in seinem Silvesterspaß den Freisinn aufzumuntern gesucht hat, scheinen Herrn Cassel doch ein bißchen verdrossen zu haben. Pikiert wehrte er sie ab. Dann wandte er sich zu den Gegnern, mit denen der Freisinn in diesem Hcldenkampf die Klinge zu kreuzen hat. Gegen das Zentrum begnügte er sich mit etlichen Ausfällen, die merkwürdig sanft waren. Desto wütender hieb und stach er dann auf die Sozialdemokratie los. Der Mann, mit dem der Freisinn„den Sozialdemokraten den Wahlkreis ent- reißen" will, höhnte über das„nebelhafte Zukunftsstaatsgebilde", das— er selber sich zurecht machte. Aufrichtig und echt war der Grimm, mit dem er über die„verhetzende Agitation" der Sozial- demokratie giftig zeterte, über ihre„Bemühungen, die Eintracht zwischen Arbeitgebern und Arbeitern zu stören". Das ist das Lieblingsthema aller Freisinnsagitatoren und Freisinnskandidaten — und in diesem Gedanken eint sich der Freisinn mit allen anderen bürgerlichen Parteien. Wenn die Sozialdemokraten nur dem „nebelhaften Zukunftsstaat" nachjagten, so ließe man uns ruhig gewähren. Ader daß die Sozialdemokratie schon im Gegen- wartsstaat die Lage der Arbeiterklasse zu bessern sucht, daß sie dabei den Arbeiter nicht auf die Kompott- schüssel sogenannter Sozialreform verweist, sondern ihn b e i L o h n- kämpfen tatkräftig unter st ützt— eben das ist der Hauptgrund des wilden Hasses der bürgerlichen Klasse gegen die Sozialdemokratie. Hinterher mühte Herr Cassel sich wieder ab, den Nachweis zu führen, daß die Sozialdemokratie ja gar nicht mal für die Bedrängten und Bedrückten eintrete. Da er Arbeitern das nicht weismachen kann, so wandte er sich an den Mittelstand, den die Sozialdemokratie hasse. Ihm, dem Herrn Cassel, sei es unklar, wie die Sozialdemokratie in dieser Gesellschaftsschicht so viele „M i t l ä u f e r" finden könne. Den Freisinnigen, die dem Freisinn den Rücken kehren, galt seine in fast flehentlichem Tone vorgetragene Frage und Bitte:„Warum geben Sie unsere Sache auf? Lassen Sie ab von diesem Pessimismus, von dieser Sucht, ihre U n- Zufriedenheit durch einen sozialdemokratischen Stimmzettel zu bekunden!" Wohl mehr an die Adresse der Konservativen war die Aufforderung gerichtet:„Schaffen Sie uns die Möglichkeit, im Reichstag eine respektable Partei zu bilden!" Denn Herr Cassel fügte hinzu, die„respektable Partei" werde dort die Regierung gegen Zentrum und Sozialdemokratie unterstützen— und die Regierung werde auf sie angewiesen sein. Mit dröhnendem Phrasenschwall endete die Rede. Es sprach dann nur noch Stadtrat F i s ch b e ck. Von Cassel, der das schmetternde Pathos liebt, unterscheidet Herr Fischbeck als Versammlungsredner sich durch eine feierlich-singende Vortrags- weise, die einen drolligen Kontrast zu dem äußeren Eindruck und den sonstigen Manieren dieser Persönlichkeit.bilhet. Am Freitag mutete uns dieser Singsang fast wie eine Leichenpredigt an. Doch das gilt, wie gesagt, nur von dem Ton; nach Form und Inhalt war Herrn Fischbecks Rede nicht eine Klage um den Untergang des Freisinns, sondern eine hoffnungsfreudige Ankündigung seiner Wiedergeburt. Gegen die Sozialdemokratie focht dieser Redner noch mehr als Herr Cassel mit den Waffen der Irrlehren Eugen Richters. Die Geistesspeise, die dort zum Wiederkäuen so appetitlich hergerichtet ist, schmeckt manchen Leuten immer noch. Vom Kampf gegen die Sozialdemokratie und speziell gegen ihre Bemühungen, bessere Löhne und kürzere Arbeitszeit durchzusetzen, ging Fischbeck unvermittelt über zu den Versprechungen, durch die der Frei- sinn„das Vertrauen der Arbeiterkreise wieder- gewinnen" wolle, zum Schutz des Koalitionsrechtes und zur Gewährung gleichen, geheimen, allgemeinen, direkten Wahlrechtes auch für den Landtag. Wie der Freisinn in der Praxis das Koalitionsrecht schützt, davon wissen ja die Arbeiter unserer Stadtgemeinde Berlin dem Stadtrat Fischbcck samt dem Stadt- verordneten Cassel ein Liedchen zu singen. Was aber das Land- tagswahlrecht angeht, so hat erst in voriger Woche der Stadt- verordnete Rosenow, freisinniger Reichstagskandidat in Berlin III. sich des„Sieges" gerühmt, den er in der Landtagswahl von 1903 lediglich auf Grund des Dreiklassenwahlshstems über die Sozial- demokratie davontragen durfte. Wäre es dem Freisinn ernst mit seinen Versprechungen bezüglich des Landtagswahlrechtes, so müßten beispielsweise seine Berliner Abgeordneten erklären, daß sie nach ihren„Siegen" nichts anderes als ein Gefühl brennender Scham empfunden haben. Am Abend nach jener Landtagswahl von 1993, in der der Frei- sinn dank dem Dreiklassenwahlsystcm sämtliche Landtagsmandate Berlins„behauptete", frohlockte der Berliner Abgeordnete Kopsch in öffentlicher Versammlung:„Es gelingt den Sozis nichts mehr!" Das wagte ein Freisinniger zu sagen, obwohl fünf Monate vorher bei der Reichstagswahl von 1993 in ganz Berlin für den Freisinn nur SB 782 Stimmen, für die Sozialdemokratie aber 218 233 Stimmen abgegeben worden waren! Herr Fischbeck tat, wie wenn er ernsthaft glaube, daß diesmal auch bei den Reichstags- Wahlen den Sozis nichts Rechtes mehr gelingen werde. „FrühlingSahnen geht," so predigte er,„durch weite Kreise unseres Volkes!" Ach nein! Ein„Frühlingsahnen", wie er es da schilderte, geht nur durch das Häuflein fröstelnder F r c i s i n n s s e e l e n, die ihren Frühling gekommen glauben, weil jetzt die Gnadcnsonne der Regierung sie bcschcint. In Berlin V, wie anderwärts, werden unsere Genossen dafür sorgen, daß der Freisinn sehr unsanft aus seinem Frühlingstraum aufgeschreckt Wird. Gegnerische Kandidaten. Die Freisinnigen im 4. Wahlkreise scheinen init einem„ge- eigneten" Kandidaten ihre liebe Not zu haben. Erst sollte der Justiz- rat Träger den Durchfallskandidaten abgeben; als er ablehnte, kam man auf den Stadtverordneten L i e b e n o w. Aber auch er ist wohl nicht für voll befunden worden. Jetzt wird berichtet, daß die Vorstände des Wahlvereins und der Bezirksvcreinc im 4. Berliner Neichstagswahlkreis Freitag abend einstimmig beschlossen haben, der demnächst einzuberufenden allgemeinen liberalen Wähler- versaminlung den Zigarrenfabrikanten und Mitglied der Handels-. kammcr Gustav Kaphun, Königsbergerstr. 16, als a l I e i n i- gen freisinnigen Kandidaten vorzuschlagen. Auch im Teltower Kreise scheint die Kandidatenfrage Mch nicht endgültig geregelt zu sein, denn gestern wurde berichtet: für ßerlfo und Vororte Der im Wahlkreise Teltow-Beeskow-Storkow von den Konservativen aufgestellte Kandidat Oberbürgermeister B o d d i n- Rixdorf will die Kandidatur nur dann annehmen, wenn auch Nationalliberale und Freisinnige für ihn eintreten und die Kandidatur des Stadt- schulrats Dr. Neufert-Charlottenburg zurückgezogen wird. Herr Oberbürgermeister Boddin erklärt, nur als Kandidat sämtlicher bürgerlichen Parteien— wie Bürgermeister Ziethen im Kreise Niederbarnim— kandidieren zu können. Ob die Freisinnigen die Kandidatur Dr. Neufert zurückziehen, ist nicht gewiß. Was aber ihre Parteifreunde in Niedcrbarnim können, können die Teltower Liberalen auch. Uns solls recht sein! Zweiter Wahlkreis. Am Freitag fand im„Königshof" in der Bülowstraße eine von unseren Parteigenossen einberufene öffentliche Versammlung statt. Der Saal war von einer dichtgedrängten Menge gefüllt, und schon vor Beginn der Versammlung erfolgte die polizeiliche Absperrung. Viele mußten deshalb umkehren ohne Einlaß gefunden zu haben. Der Referent Richard Fischer verwies zunächst darauf, daß unsere Gegner sich mit der Hoffnung tragen, uns diesen Wahlkreis zu entreißen. Sie meinen, dieser vornehmste Kreis Berlins, der Wahlkreis der Professoren und Millionäre, müsse durch einen An- gehörigen der staatserhaltenden Parteien im Reichstage vertreten sein. Wir werden aber durch diese Rechnung einen dicken roten Strich machen. Das wird uns möglich sein, wenn wir unsere ganze Kraft im Wahlkampf aufbieten. Der Redner charakterisierte die freisinnjge Partei. Er zeigte an der Hand politischer Tatsachen, wie der Freisinn im Laufe der Zeit sich immer weiter von der Betätigung liberaler Grundsätze entfernt hat und jetzt soweit ge- kommen ist, Hand in Hand mit den Brotwucherern und den ärgsten Reaktionären gegen die Sozialdemokratie den Kampf zu führen. Widerstand des gesamten Bürgertums gegen die Sozialdemokratie. Das ist das Stichwort des gegenwärtigen Wahlkampfes. Weiter ging der Redner auf die Veranlassung der Reichstagsauflösung ein. Im Interesse der nationalen Ehre soll die Auflösung erfolgt sein. Dem nationalen Zuge, der nach der Auflösung durch das Land ging, ist bereits der Katzenjammer gefolgt. Der Reichskanzler und seine Anhänger fühlen das Bedürfnis, sich von dem Katzenjammer zu restaurieren. Nun, wir werden am 25. Januar den Hering dazu liefern.(Lebhafter Beifall.)— Im weiteren Verlauf seiner zwei- stündigen Rede beleuchtete der Vortragende die politischen Zu- stände der Gegenwart, er zeigte, daß es wirtschaftliche Interessen sind, aus denen sich die politischen Verhältnisse entwickeln und daß es das Lebensinteresse der Arbeiter verlangt, daß diese sich auf die Seite der Sozialdemokratie stellen, denn nur diese Partei ist eS, welche das herrschende System grundsätzlich bekämpft und Zustände herbeiführen will, welche jedem, der arbeitet, eine Existenz sichert. — Die wirkungsvollen Ausführungen des Referenten fanden stürmischen Beifall. Kreis Teltow. Rixdorf. In der„Neuen Welt", in der am Donnerstag Herr Erzberger seinen Gläubigen gegen 29 Pf. Entrce eine Vorstellung gab, strömten am Freitag die Wähler Nixdorfs zu Tausenden zu- sammen, um einem Vortrage des Kandidaten des Kreises, des Gen. Zubeil, zu lauschen. Eingeleitet wurde die Versammlung durch das Lied:„Empor zum Licht", wirkungsvoll vorgetragen vom Rix- dorfer Männerchor. Dann nahm Gen. Zubeil das Wort. Mit scharfer Satire geißelte Redner das in Preutzen-Deutschland Herr- schende persönliche Regiment. Kein Parlmnent der Welt sei so bedeutungslos in der äußeren Politik wie das deutsche; der Reichs- tag habe hier nur das Recht, die Millionen zu bewilligen, die im ostafrikanischen Wüstensande verpulvert werden. Dem Volke gegen- über ist die Regierung die Verantwortung bis jetzt schuldig ge- blieben.„Maul halten, Steuer zahlen. Maul halten!" ist in Deutschland die Parole. Die winzigen Rechte der Volksvertretung sollen noch mehr beschnitten werden. Am deutschen Volke sei es, am 25. Januar zu beweisen, daß es mit dieser Selbstherrschaft nicht einverstanden sei. Unter allgemeiner Heiterkeit zerpflückt Redner den Silvesterbrief des Reichskanzlers, gerichtet an den Abschaum aller Parteien, den„Reichsverband zur Bekämpfung der Sozial- demokratie". Es sei geradezu ein Geniestreich des großen Staats- mannes, das Zentrum mit der Sozialdemokratie verbünden zu wollen. Es kang nicht die Vergangenheit mit dem Werdenden, die Finsternis mit dem Licht verbunden werden, aber nach Bülowscher Meinung soll es die Sozialdemokratie, die Verkünderin des neuen Evangeliums fertig bringen, mit dem Zentrum ein Bündnis zu schließen.— Ebenso absurd sei dex Gedanke, einer Unterstützung der Freisinnigen in der Stichwahl durch die Sozialdemokratie. Lieber einem Erzreaktionär einen Wahlkreis überlassen, als einem Freisinnigen noch einmal zu unterstützen.— Zu seiner Gegcn- kandidatur führte Zubeil aus: Als Person sei ihm Herr Boddin als liebenswürdiger achtunggebietender Herr geschildert, aber als Gegner im Wahlkampfe müsse er ihn aufs schärfste bekämpfen, da er zu der Partei zähle, die Fleisch- und Brotvertcuerung, sowie persönliches Regiment auf ihre Fahne geschrieben. Es sei fast un- denkbar, daß ein Mann, der jahrzehntelang einem Gemeinwesen vorstehe, in dem die Arbeiterschaft überwiegend Ist, wo jährlich tausende Arbeitslose vorhanden sind, sich jemals einer erzrcak- tionären, arbeiterfeindlichen Partei zur Verfügung stellen kann. Mit einem markigen Appell— besonders an die zahlreich anwcsen- den Frauen,—, die säumigen Wähler aufzurütteln, daß der Reaktion und der Regierung am 25. Januar die richtige Antwort gegeben werde, schloß Gen. Zubeil seinen Vortrag unter stür- mischem Beifall. Nachdem noch Gen. Heinrichs als Vorsitzender die Ver- sammelten ermahnt, unablässig zu agitieren, insbesondere aber bei Flngblattverbrcitungen ihre Pflicht zu tun, erfolgte nach Vortrag des Liedes:„Frühlingsstürme", Schluß der imposanten Ver- sammlung. Alt-Glienicke. In einer sehr gut besuchten Versammlung, die durch den am Orte bestehenden Arbeitergcsangvcrcin eingeleitet wurde, referierte Genosse K ii t e r- Schömberg über die Auflösung des Reichstages. Die Kolonial-, Zoll- und Grenzsperrungspolitik, meinte Redner, haben das deutsche Volk nachgerade an den Rand des Elends gebracht. Dem Bestreben der herrschenden Klassen, das Volk abermals mit neuen Steuern zu belasten, es obendrein politisch rechtlos zu machen, muß das Volk mit aller Entschiedenheit entgegen- treten. Die beste Antwort�auf dieses Treiben kann es geben, wenn es am 25. Januar seine stimme für die Kandidaten der Sozial- demokratie abgibt. Unter den Besuchern herrschte eine kampfcs- frohe Stimmung. Genossin Thiel feuerte hierauf die Frauen zur Teilnahme am Wahlkampfe an. Nachdem der Gesangverein in seinem Lied zur Mitarbeit crmahnte, schloß der Vorsitzende die imposante Versammlung mit dem Rufe: Hinein in den Wahl- kämpf! NowaweS-Ncuenborf. Eine imposante Volksversammlung tagte am Donnerstag im„Volksgarten" in Nowawes; zirka 1999 Per- sonen, unter denen die Frauen stark vertreten waren, füllten das Lokal, und viele mutzten wieder umkehren, da auch nicht das be- scheidenste Stehplätzchen mehr zu finden war. Nachdem die Ver- sammlung durch ein stimmungsvolles Lied der hiesigen Arbeiter- gesangvcreine eröffnet war. nahm der Kandidat des Kreises, Fritz Z u b e l l, das Wort, um in einer wuchtigen, zweistündigen Rede unsere politischen Zustände zu beleuchten und die Haltung der bürgerlichen Parteien einer scharfen Kritik zu unterziehen; in energischer Weise wandte er sich acgen die bürgerliche Behauptung Lahlabend statt. von dem„schwarz-roten Kartell", und unter lebhaften Zustimmungs- kundgebungen der Versammelten gab er dem Wunsche Ausdruck. daß der Freisinn bei den Stichwahlen auch nicht eine Stimme er- halten möge. Redner schloß seine trefflichen Ausführungen mit der Aufforderung, dazu beizutragen, daß wir bei dieser Wahl eine bedeutende Stimmenzunahme erhalten, damit unser Kreis � eine Hochburg der Sozialdemokratie werde.(Stürmischer Beifall.) Nachdem Genosse Hoffmann auf die bevorstehenden Gemcindewahlen sowie auf die Bedeutung unserer Organisation und Presse hin- gewiesen hatte, wurde die vom besten Geiste getragene Versamm- lung geschlossen. Die GesctzcSunkenntnis mancher Gemeindevorsteher macht sich jetzt, anläßlich der Vorarbeiten zur Reichstagswahl, öfter in einer Weise bemerkbar, die eines komischen Beigeschmacks nicht entbehrt. So begab sich einer unserer Genossen in Klein-Glienicke aufs dortige Gemeindebureau, um die Wählerliste einzusehen. Der Gemeindevorsteher Engelhardt schlug die Liste auf, suchte den Namen unseres Genossen, bedeckte den übrigen Teil des Blattes mit den Händen und ließ dann den Auskunftsuchenden sich über- zeugen, daß er in der Liste verzeichnet ist; als unser Genosse darum ersuchte, auch für andere Wähler die Liste einsehen zu dürfen, ver- weigerte ihm dies der Gemeindevorsteher, und als er darauf auf- merksam gemacht wurde, daß dieses doch in anderen Orten, z. B. Potsdam und Nowawes, gestattet sei, wurde unserem Genossen von dem hochwohlwcisen Gemeindevorsteher die Antwort zuteil:„Ja, glauben Sic denn, ich bin so dumm wie die?" Gegen diese Bauernschlauheit war natürlich nur mit einer Beschwerde beim Landrat anzukämpfen, die denn auch den Erfolg hatte, daß der pfiffige Gemeindevorsteher angewiesen wurde, dem Wunsche des Beschwerdeführers stattzugeben und die Wählerliste auch für Dritte einsehen zu lassen. Nieder-Barnim. Die Versammlungen, in denen der Kandidat des Kreises, Ge» nosse Artur Stadthagen, am 29. Dezember in Friedrichs- Hagen, am 39. Dezember in Fichtenau und am 3. d. M. in Birken- wcrder über die bevorstehende Reichstagswahl referierte, waren durch- toeg gut besucht. In den Versammlungen in Friedrichshagen und Fichtenau meldeten sich trotz wiederholter Aufforderung Gegner nicht zum Wort. Resolutionen, die zu tatkräftiger Agitation für die sozial- demokratische Kandidatur aufforderten, wurden einstimmig an- genomnien. In Birkcnwerdcr hatten sich Gegner eingefunden und ergriffen auch das Wort. Von Berlin aus war ein Wagen voll Reichs- verbändler eingetroffen, die auf dem Bahnhof vom Hauptlehrer König begrüßt wurden. Die Mehrzahl der etwa 359 Personen zählenden Versammlung— darunter erfreulich viele Frauen— war den organisierten Genossen.fremd. Der Vorsitzende, Genosse T a n b m a n n, forderte ausdrücklich die Gegner auf, von der in sozialdemokratischen Versammlungen bestehenden Diskutierfreiheit ausgiebigen Gebrauch zu machen. Genosse Stadthagen be» leuchtete unter lebhaftem Beifall in anderthalbstündigem Vortrag die Wichtigkeit der bevorstehenden Reichstagswahl, insbesondere die Kolonialpolitik, die Militär- und Marinepolitik, die Zölle und Steuern, den gänzlichen Mangel jeder Sozialpolitik, das Wirtschaft- liche Elend und die politische Rechtlosigkeit der erwerbstätigen Be- völkerung und die auf Bedrängung des Koalitionsrechts, Ver- kümmerung des Wahlrechts abzielenden Pläne und die hoch- verräterischen Staatsstreichgelüste der herrschenden Klassen. Zum Wort meldete sich darauf zunächst der Redakteur und Buchdruckerei- besitzer Paul Richard N e u m a n n. Er ist Herausgeber eines Biesenthalcr Blättchens vom Schlage der vom Reichsverbande ge- speisten Blätter und hat durch Zirkulare„alle wahrhaft königstreuen, patriotischen Männer des Kreises Nieder-Barnim" dringend um Unterstützung eines von ihm herauszugebenden„Patriotischen Wochenblattes" gebeten. Die Er- Wartungen, die man danach hegte, wurden gründlich getäuscht. Er führte aus:' Der Vortrag des Referenten habe ihm„insoweit ganz gut, manchmal durchaus gut" gefallen. Nur in einem sei er nicht klar geworden. Die Sozialdemokratie sei gegen Ausbeutung und Knechtung. Wie vertrage sich aber damit— das interessiere ihn als Buchdrucker— die Knechtung des Personals der„Vorwärts"-Buch- druckerei? Dort herrsche eine Kontrolle, die jeder Beschreibung spotte und in ganz chikanöser Weise ausgeübt werde. Das habe ja auch der„Vorwärts" anerkannt; der Leiter der Druckerei. Fischer, sei darauf zurückgerufen. Hierauf nimnit der Hauptlehrer König das Wort zu etlva einstündigen Ausführungen. Er führt aus: Ehe ich auf den wunderschönen Vortrag ihres Genossen Stadthagen eingehe. freue ich mich, daß ich heute zum erstenmal Gelegenheit habe, zu Ihnen zu kommen, mir ist ja die Pflege des Liebsten was Sie haben. Ihrer Kinder, anvertraut, sür die ja auch der Referent so lebhaft eintrat. Er wendet sich dann dagegen, wie die Sozialdemokratie Sozial« Politik getrieben habe, sie habe ja die Gesetze, wie der Referent schon ausgeführt hatte, abgelehnt. Er kommt auf alles mögliche zu sprechen, betont insbesondere seinen abweichenden Standpunkt in der Kolonialsrage, wärmt die gewerkschaftsfeindlichen Darlegungen aus dem„Handbuch für nichtsozialdemokratische Wähler* auf und führt zum Schluß noch aus: Die Führer der Sozialdemokratie be» tätigen sich völlig anders, als sie eigentlich nach ihrer Lehre müßten. So führen Abgeordnete, statt 4. Klasse zu fahren, 2. Klasse. Bebel besitze ein schönes Wohnhaus, lade aber seine Genossen nicht ein, dort zu wohnen usw. Da nur noch wenige Minuten bis zun« Abgange des letzten Zuges nach Berlin blieben, mußte Stadthagen seine Antwort sehr einschränken. Er führte etwa aus: ES freue ihn, insbesondere in dem letzten Redner einen Mann gefunden zu haben, der so getreulich all das konfuse unwahre Zeug, was das„Handbuch für nichtsozialdemokratische Wähler", heraus- gegeben vom Reichsverband zur Verleumdung der Sozialdemokratie, ent» halte, zum besten gäbe. Die schönen Redewendungen, die zum Lobe seiner eigenen Rede von den beiden Gegnern angeführt sind, rührten ihn absolut nicht. Insbesondere Herrn König möchte er den Rat geben, anstatt nachzuplaudern, was er über die Sozialdemokratie Falsches gelesen habe, die Taten und Schriften der Sozialdemokratie selbst zu studieren. Dann würde er zu so eigenartigen verkehrten Anschauungen, die ihn jetzt beseelen. nicht kommen. Wenn er davon gesprochen habe, daß Abgeordnete zweiter Klasse fahren, so gehöre auch er, Redner, dazu. Diese Ausführung des Herrn König hierüber zeigten, wie stark ihm das Verständnis für das, was die Sozialdemokraten wollen, fehle. Er meine, die Sozialdemokraten wollen, daß alle vierter Klaffe fahren. Das Gegenteil sei der Fall: sie wollen, daß alle erster Klasse fahren. Gleichberechtigung verlangen die Sozial» demokraten, das möge Herr König mal zu Ende ausdenken. WaS Herr Neu manu vorgebracht habe, treffe nicht zu. Es ist unwahr, daß der„Vorwärts" überhaupt über das Kontrollsystem geschrieben hat. Herrn Neumann sei es ja bekannt, daß selbst der aus der Sozialdemokratie ausgeschlossene Redakteur des„Korresp. für Deutsch!. Buchdrucker" habe zugeben müssen und zugegeben habe, daß im Betriebe des„Vorwärts" die Arbeitsbedingungen bei weitem besser seien, wie in anderen Betrieben. Selbst wenn in irgend einem sozialdemokratischen Betriebe Fehler vorhanden wären, so beweise das doch nicht den Deut gegen die Richtigkeit der sozialdemokratischen Bestrebungen. Die Angestellten haben die reichste Gelegenheit, sich über etwaige Mißstände zu beschweren und auf deren Abhülfe zu dringen. Durchaus unwahr sei eS, Fischer sei von der Leitung abgesetzt. Das, was Neumann vorgebracht hat ist weiter nichts als der elpide Tratsch, mit denea Ordnungsblätter, voran die„Korrespondenz deS ReichSverbandes' hausieren gegangen sind. ES stehe dein„patriotischen" Herrn Neumann sehr schlecht an. dah er die R i ch t i g st e l l u n g. die der „Vorwärts", die Geschäftsleitung und die GeschäfiSinhaber über den Tatbestand gegeben haben, zwar kenne, aber hier unter» schlage. Bezüglich der Angriffe deS Herrn König gegen die Haltung der Sozialdemokratie den sogen, sozialpolitischen Gesetzen gegenüber legt Redner unter wiederholtem Beifall der Versammlung dar, welch' ungeheure Täuschung mit dieser sogenannten Sozialpolitik getrieben werde. Jammervoll niedrige sogenannte Renten, Ver» schlechterung der Stellung deS verunglückten Arbeiters gegenüber einem Nichtarbeiler, der verunglückt ist, ungeheuere Belastung der Arbeiter— und doch sei das bißchen Gute lediglich den Sozial- demokraten entnommen. Diese haben freilich verlangt. eS sollten die Kosten, die jetzt durchweg von den Arbeitern getragen werden— sei es durch direkt« Beiträge oder durch den Test des Lohnes. den der Arbeitgeber als Beitrag abführt— durch eine Einkommensteuer auf die höheren Einkommen aufgebracht werden,«S solle volle Versicherung aller mit einem Einkommen bis 3000 Mark in aus- reichendem Maße stattfinden. Das sei abgelehnt und statt dessen das schmähliche Schaugericht der sogenannten sozialen Gesetzgebung und auch daS, wie Fürst Bismarck und die Regierung ja früher anerkannt haben, nur aus Furcht vor der Sozialdeniokretie. Die Wähler der Sozialdemokraten wären berechtigt gewesen, mit Steinen auf ihre Abgeordneten zu werfen, wenn diese dafür gestimmt hätten, daß statt des Brotes, da? für die Arbeiter begehrt wurde, und auf das sie Anspruch haben. jene sozialen Steine während des Sozialistengesetzes gegeben würden. Zum Schlüsse geht Redner noch einmal auf den tiefen Ernst der Lage ein und schließt mit einem mit brausendem Beifall aufgenommenen Appell: Für die Arbeit und gegen den Kapitalismus bis zum Wahltag und am Wahltag zu wirken. Eine Resolution, die sich für die Bestrebungen der Sozialdemokratie und für deren Kandidaten aussprach, wurde hierauf gegen etwa 10 Sttmmen angenommen. Partei- Angelegenheiten. Achtung! Der Zahlabend findet, wie üblich, am Mittwoch, den 9. Januar, statt, doch fallen die Zusammenkünfte im zweiten und fünften Wahlkreise, anderer Veranstaltungen halber, diesmal aus. Der Versand des Mitteilungsblattes erfolgt erst am Dienstag, den 8. Jakular, wovon die Genossen Notiz nehmen wollen. Der Aktionsausschuß. Erster Wahlkreis. Am Montag, den 7. d. M., abends 3 Uhr, findet bei Dräsel, Neue Friedrichstr. 35, eine Wähler- Versammlung fitr die Wahlbezirke 1—7 statt. Es spricht unser Kandidat Dr. Leo Arons. Achtung? Zweiter Wahlkreis! Heute Sonntag, den 6. Januar, früh B'/a Uhr: Flugblattverbreitung von den be- kannten Stellen aus. Alle Genossen müssen zur Stelle sein. Der Vorstand. Achtung! Fünfter Wahlkreis! Sonntag, den 6. Januar, früh 8 Uhr: Flug- blattverbrettung von den bekannten Stellen aus. Die Genossen deS vierten Kreises Ost, welche bisher noch keiner Gruppe des fünftpu Kreises zugeteilt waren, wollen sich bei M ü n z e r, Sophienstr. 6, einfinden. Die Genossen, welche bereits geholfen haben, bitten wir, direkt in die Lokale zu gehen, in welchen sie bei der vorauf- gegangenen Verbreitung tätig waren. Am Montag, den 1. Januar, abends 8 Uhr: Zwei große öffentliche W ä h l e r v e r sa m m- l u n g e n im Alten Schützenhause, Linicustr. 3, und den Mustker-Säleu, Kaiser Wilhelmstr. 18m. Referenten: Fritz Ebert und Richard Fischer. Erscheinen bei allen Veranstaltungen unbedingte Pflicht. _ Der Vorstand. Schöneberg. Parteigenossen I Zwei Versammlungen sind für rauen und Männer zum 8. Januar, abends 8 Uhr, angesetzt bei bst, Meiningerstr. 8, und„Wilhelmshof", Ebers- straße 80. Referenten sind: Stadtv. E r n st Obst und der Kan- didat des Kreises Fritz Zubeil. Niemand bleibe zu Haus; in Scharen besucht diese Versammlungen. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Britz-Buckow. Heute nachmittag U/s Uhr findet im Lokale des Herrn GorSki, Chauffeestr. 18, eine Volksversammlung statt. Tages- ordnung: 1. Vortrag über die bevorstehende Reichstagswahl. 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. Das Wahlkomitee. Dienstag, den 8. Januar, abends S'/z Nhr: Generalversammlung deS Wahlvereins bei Weniger, Werderstr. 28. Tagesordnung: 1. Jahresberichte des Vorstandes. 2. Bortrag des Genossen Kimmritz: „Unsere Waffen im Wahllampf". S. Diskussion. 4. VcreinSangc- legenheiten. Der nächste Zahlabend für Britz findet nicht am S. Januar, sondern eine Woche später mn Mittwoch, den IS. Januar statt. Der Vorstand. Adlershof. Am Dienstag, den 8. Januar, abends 8 Uhr. findet Lei Kühne, früher Meißner, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Genosse Paul Hirsch, Charlottenburg, über:„Die Sozial- demokratie und ihre Gegner' sprechen wird. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet, und ersuchen wir die Parteigenosien, für zahlreichen Besuch sorgen zu wollen. Das Wahlkomitee. Ober-Schönewride. Die Genossen und Genossinnen werden auf- gefordert, am Montag, den 7. d. M., abends 8>/g Uhr, die öffentliche Versammlung im„Wilhelminenhof" recht zahlreich zu besuchen. Tagesordnung:„Welche Bedeuwng haben die Reichstagswahlen für die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter?' Referent: Genosse Arbertersekretär Ritter. Der Einberufer. Laulsdorf(Ostbahn). Am Mittwoch, den v. Januar, abends 8 Uhr, findet in Hamann? Gesellschaftshaus, Berliner Chaussee, eine Volksversammlung statt, in welcher der. Genosse Stadthagen über: „Die Auflösung de» Reichstags und die bevorstehenden Neuwahlen' sprechen wird. Am Dienstag, den 8. Januar, abends SV, Uhr, findet eine Handzettelverbrcitung zu dieser Versammlung statt. Die Genossen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Treffpunkt bei Maß. Der Vorstand. Parteigenossen von Karlshorst. Am heutigen Sonntag, vormittags 8>/z Uhr, findet eine Flugblattverbreitimg statt. Die Genossen werden ermcht, sich pünktlich in den Lokalen von A. Sabrowski, TreSkow-Allee, Ecke Krausenstraße, und Karl Gruhn, Prinz Adalbert- straße. Restaurant„Fürstenbad' einzufinden. Der Vorstand deS Wahlvereins. Am Dienstag, den 8. Januar, abends 8>/z Uhr. findet eine öffentliche Wählerversammlung iür Saale deS Herrn C. König, Treskow-Allee(am Bahnhof) statt. Wir ersuchen um vollzähliges Erscheinen. Das Wahlkomitee für Karlshorst. Reinickendorf(Ost, West) und Wilhclmsnih. Heute findet in gehlendorf beiLiebenwalde eine ö f fe n tlicheW äh ler- Versammlung statt, in welcher Genosse Stadthagen über: „Die kommende Reichstagswahl und die Parteien' sprechen wird. Die Genössen aus Reinickendorf und Wilhelmsruh, welche sich an der Versammlung beteiligen, treffen sich am Sonntag früh 3/i8 Uhr auf den Babnhijsen Schönholz, Reinickmdors-Rosenthal und Wittenau. Abfahrt deS ZugeZ von Schönhokz 8°* von Reinickendorf 8°*, von Wittenau 8U. Im agitatorischen Interesse ist rege Beteiligung dringend erforderlich. Das Bezirköwahlkomitee. Eichwalde. Die regelmäßige Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins findet am Dienstag, den 8. Januar, abends 8 Uhr, bei Witte, Eichwalde, statt. Das Erscheinen aller Mitglieder ist not- wendig.— Ferner machen wir auf die am heutigen Sonntag, nach- mittags 3 Uhr, bei Lier-MierSdorf stattfindende Volksversammlung aufmerksam. Genossen, agitiert für regen Besuch! Der Vorstand. Tegel. Morgen Montag, abends 8 Uhr, findet in Trapps Fest- sälen eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstagskandidaten Artur Stadthagen über:„Auflösung des Reichstages und Neuwahl.' 2. DiSkuffion.— Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Einberufer. Französisch-Buchholz. Heute nachmittag 2 Uhr findet in KähneS estsälen eine öffentliche Volksversammlung statt. Es spricht Genosse ulius Cohn-Berlin über:„Kolonialpolitik und Reichstagsauflösung'. Die Angehörigen aller Stände und Parteien sind hierzu eingeladen. Auch Frauen haben Zutritt. Das Wahlkomitee. Mühlenteck(Bezirk Nieder-Schönhausen). Am heutigen Sonntag. nachmittags 6 Uhr, findet im„Restaurant zur Sonne" eine öffentliche Wählerversanimlung statt. Der sozialdemokratische Kandidat des Nieder-Barnimer Kreises Artur Stadthagen spricht über:„Die Reichs- tagSwahl". Parteigenossen, sorgt dafür, daß die Versammlung bis auf den letzten Platz gefüllt ist I— Die Nieder-Schönhausener Genossen, die an dieser Versammlung teilnehmen wollen, versammeln sich bei Dücker, Eichenstr. 70; Abmarsch'/i* Uhr. NowaweS-Neuendorf. Die Mitgliederversammlung deS sozial- demokratischen Wahlvereins findet am Mittwoch, den 0. Januar, abends 3>/z Uhr, bei Schmidt, Wilhelmstr. 3, statt. Auf der Tages- ordnung stehen u. a. die am 21. und 22. Januar stattfindenden Wahlen der dritten Klasse zur Gemeindevertretung. Referent: Genosse Karl G r u h l. Gäste haben Zutritt. Um regen Besuch dieser Versammlung ersucht Der Vorstand. Spandau. Heute Sonntag, den S. Januar, finden nach- mittags 3 Uhr drei große öffentliche Wählerver« sammlungen in folgenden Lokalen statt: bei Köpnick, Pichelsdorfer str. 39, ThesnowsBolksgarten. Haken- f e l d e, und Gnädig, Neu- Staaken. Referenten find: Drunsel, Frau Ihrer. Heilmann. Die Parteigenossen werden ersucht, für möglichst guten Besuch zu sorgen. _ Das Wahlkomitee. Berliner JVacbricbten» Ueber die Aufteilung deS Grunewalds gibt folgende Korrespondenz nähere Auskunft: Was vom Grunewald noch übrig bleiben wird, wenn die von der Regierung, dem Kreis und einzelnen Gemeinden aufgestellten Pläne zur Aufteilung von Grunewaldgclände zur Verwirklichung kommen, ist ein« zeitgemäße Frage, deren Beantwortung sich ohne viel Mühe ermöglichen lägt. Mit der Herstellung der Döberitzer Heerstraße scheidet zunächst aus dem Grunewaldgebiet alles Land aus, das zwischen Westend und Spandau liegt sowie zwischen der Spandau-Charlottenburger Chaussee und der verlängerten Bismarck- straße bezw. dem Kaiserdamm. Dieses Gebiet der künftigen Ge- meinde Ruhleben fällt bekanntlich dem Kreis Teltow zu, nachdem Charlottenburg den Erwerb wegen der allzu hohen Forderungen der Regierung abgelehnt hat. Auch auf der Südseite des Kaiser» damms fällt der Wald zwischen Charlottenburg und Havel, und zwar in einer Breite von 300 Meter, der Bebauung zum Opfer. Unmittelbar an die Südseite des Kaiserdamms soll sich der Volks- park anschließen, dessen Gründung seit Jahr und Tag vorbereitet wird. Er wird von der Charlottenburger Gemarkungsgrenze bis zum Teufelssee im Westen sich ausdehnen und in seinem südlichen Teile in unmittelbare Nachbarschaft mit der Villengemeinde Grüne- wald kommen. Wie im Norden die Heerstraße, wird im Süden der geplante Grunewaldkanal dem Waldbestande Abbruch tun. Denn die Kanalanlage ist nur möglich, wenn das Ufergelände an der Seenkett« entlang bis hin zum Wannsee nutzbar gemacht, d. h. der Bebauung erschlossen wird. Zudem schreitet von Dahlem und ehlendorf her die Bebauung weiter in den Grunewald hinein. ommt das Kanalprojekt wirklich zur Ausführung, so würde von dem Grunewald nur noch der Teil erhalten bleiben, der sich zwischen der alten Chaussee Hundelehle-Beelitzhof und dem Heerstraßen- gebiet ausdehnt. Damit aber würde der Grunewald, das Haupt- ausflugsziel der Berliner, nahezu die Hälfte von seinem bisherigen Umfange für immer verlieren. Diese Aufteilung des Grunewalds ist lediglich der engherzigen, ausschießlich nur von fiskalischen Gesichtspunkten beherrschten Politik des verflossenen Landwirtschaftsministers zu danken. Dieser Frevel an der Volksgesundheit, der damit angerichtet ist, ist nie wieder gut zu machen._ Oberleitung über den Platz vor dem Opernhause? Aus Anlaß der umfangreichen Verkehrsstörungen, welche daS Versagen der Unterleitung herbeigeführt hat, ist, wie eine Korrespondenz zu be- richten weiß, dem Vernehmen nach von der Großen Berliner Straßenbahngesellschaft bei den Aufsichtsbehörden der Antrag ge- stellt worden, ihr eine provisorische Oberleitung über die„Linden" zu gestatten, bis die WitterunaSverhältnisse eine durch. greifende Reparatur der Unterleitungsanlagen ermöglichen. Zu dem BeHufe wären nur zwei Masten, je einer diesseits und jenseits der„Linden' erforderlich, die soweit zurückgesetzt werden können. daß sie gar nicht in die Erscheinung treten. Der einfache Draht, welcher zwischen beiden straff gezogen wird, soll daS Stratzenbild in kaum merklicher Weise beeinträchtigen. Vorläufig möchten wir stark bezweifeln, daß die„Große Ber- liner' mit ihrem Plan einer provisorischen Oberleitung über den Opernplatz viel Glück hat. e» sei denn, daß an einer gewissen Stelle seit dem„Unten durch' eine erhebliche Meinungsänderung ein- getreten ist. Eine aufsehenerregende Mitteilung wird uns über das Wirken der Polizei auf dem Gesundbrunnen gemacht. In der Stettiner- straße 45 befindet sich eine Armenspeisungsanstalt. die in der jetzigen Zeit der Teuerung ganz besonders stark in Anspruch genommen wird. Zunächst erhalten diejenigen Armen Essen, denen von den Armen» kommissionsvorstehern der dortigen Gegend Marken verabfolgt worden sind. Die übrigbleibenden Reste der gekochten Speisen werden an völlig Unbemittelte verteilt. Täglich finden sich auf dem Hofe zahlreiche Arbeitslose. Bettler, hungernde Frauen usw. ein. um die dargereichte Kost gierig zi» verschlingen und ihren Hunger zu stillen. Während der kalten Winterszeit ist die Zahl der Unglücklichen außerordentlich groß. Auch gestern hatten sich wieder etwa hundert Personen eingefunden. Unvermutet erschien plötzlich eine Abteilung von Polizeibeamten auf der Bildffäche und brachte die ganze Gesellschaft zur nächsten Wache. Alle diejenigen, die sich dort durch LcgitimationSpapiere ausweisen konnten, wurden bald wieder entlassen. 41 der Leute mußten auf der Wache zurückbleiben. Sie wurden später sämtlich nach dem kgl. Polizeipräsidium überführt. Der Massentransport der Sistierten verursachte natürlich in den Straßen allgemeines Aufsehen. Ein derartiges Verfahren ber Polizei ist nur geeignet, den guten Ruf und den Zweck der Anstalt erheblich zu beeinträchtigen und sie zum Zielpunkt polizeilichen UebereiferS zu machen. Das Massenelend wird durch solche Maßnahmen keineswegs beseitigt. Aus der vierten Etage abgestürzt ist gestem nachmittag der Maurer Ernst Hinze au« der Glienickerstr. 31. H. war auf einem Reubau in der Landshuterstraße mit Maurerarbeiten beschäftigt. verlor beim Emporheben einer Steinlast plötzlich daS Gleichgewicht und stürzte aus der Höhe der vierten Etage in die Tiefe hinab. Der Bedauernswerte erlitt einen schweren Schädelbruch sowie innere Verletzungen und wurde in fast hoffnungslosem Zustande in das Krankenhaus Moabit gebracht. Folgende Warnung veröffentlicht der Polizeipräsident: � Seik einiger Zeit wird unter dem Namen„Geisha",„Ohne Sorge' und „Femina" ein sogenanntes Menstruationspulver in den Handel gebracht, das angeblich seit vielen Jahren in Japan angewendet wird. Durch den Gebrauch dieses Mittels sollen, wie in auffallenden Plakaten an den Schaufenstern gewisser Drogenhandlungen an- gekündigt wird,„Blutstockung" und„Periodenstörung" bei Frauen „ohne jede Berufsstörung" wirksam behoben werden. Dieses Mittel besteht nach den angestellten Untersuchungen lediglich aus den ge- pulverten Blütenköpfchcn der„Römischen Kamille", die als harm- loses Hausmittel gegen Blutstockungen bei Frauen bekannt sind, der aber eine besondere Wirkung nicht innewohnt. Die Original» schachteln dieses Mittels kosten unter den verschiedenen Namen 1.50 bis 3 M.. wahrend die gleiche Menge dieses Pulvers in Apotheken für zirka 30 Pf. zu haben ist. Vor dem lediglich auf die Ausbeutung leichtgläubiger Frauen hinauslaufenden Schwindel sei hiermit ge- warnt. Großfeuer kam gestern früh um 3V, Uhr auS noch nicht aufgeklärter Ursache in der Dresdenerstr. 33 zum Ausbruch, wo die Feuerlvehr erst am 19. Oktober des vorigen Jahres einen ähnlichen Brand zu löschen hatte. Damals brannten die Räume der Stock- fabrik von Noa und die Kartonagenfabrik von Hänel. Diese Räume sind im Wiederaufbau begriffen und waren zum größten Teil bereits fertig. Als die Feuerwehr heute früh dort ankam, standen diese Räume im Ouergebäude mit dem Baugerüst schon total in Flammen. Außer dem Dach brannten noch das dritte und vierte Stock in halber Ausdehnung. Branddirektor Reichel ließ� auf dem Hofe eine große mechanische Leiter vornehmen und über diese sowie über die Treppen von sechs Dampsspritzen Schlauchleitungen vornehmen. Durch energisches Wassergeben gelang eS gegen 5 Uhr die Macht deS Feuers zu brechen. Zum Glück sind diesmal keine ernsten Ber« letzungcn vorgekommen. Bei dem ersten Brande wurde Brand« inspeltor v. d. Schulenburg verletzt. Der Schaden ist natürlich er- heblich. Die unteren Etagen haben durch Wasser gelitten. Außer« dem hatte die Wehr mehrere Brände zu löschen, die durch Weihnachts« bäume entstanden waren. Durch den Brand eines Güterwagens erlitt der vorgestern abend 7 Uhr auf dem Schlesischcn Güterbahnhof fällig gewesene Güterzug auS Liegnitz eine nicht unerhebliche Verspätung. Auf bisher nicht ermittelte Weise war der auf einer Doppellore stehende Möbelwagen einer Liegnitzcr Speditionsfirma in Brand geraten, und das Feuer verbreitete sich mit so gewaltiger Schnelligkeit, daß innerhalb einer kurzen Frist die gesamte Ladung in ein Flammen- meer gehüllt war. Auf der Station Erkner wurde der brennende Wagen ausrangiert und unter einen Wasserkran geschoben, um das Feuer zu löschen. Die Möbelladung, die einem Fleischermeister Hübner gehörte, und von Liegnitz nach Bcrlin-Schlcsischer Bahnhof bestimmt war, ist, total vernichtet worden. Ebenso ist der Möbel- wagen völlig unbrauchbar geworden. Den auf zirka 12 000 M. sich beziffernden Schaden haben die Eigentümer zu tragen, da die Versicherungsgesellschaften für auf dem Transport befindliche Möbel keine Haftpflicht übernehmen. Stadtbahnflcdderer entwickeln trotz einer von dem Bahnpcrsonal ausgeübten Kontrolle fortgesetzt eine lebhafte Tätigkeit, wie auS zahlreichen der Polizei zugegangenen Anzeigen hervorgeht. In den letzten Tagen sind wiederum zwei Personen, die in Stadtbahn» zügen eingeschlafen waren, beraubt worden. Die Fledderer er- beuteten Portemonnaies mit 20 resp. 40 M. Inhalt. Recht widerspenstig zeigte sich ein Geldschrank der Firma Lautenschläger, Oranienburgerstraße 54, gegen zwei Geldschrank- dicbe, welche in voriger Nacht denselben zu öffnen suchten. Trotz Hammer und Meißel gelang eS den Dieben nicht, in das Innere des Schränk«? zu gelangen. Unverrichtetersache begaben sie sich in die Bureauräume einer in der Nähe gelegenen Baufirma, um hier ihr Glück zu versuchen. Der Schrank erwies sich auch nachgiebiger, es fielen den Dieben 300 bis 400 M. in die Hände. Tie rätselhafte Entführung der Schülerin Frida Wagner wird die Gerichte nicht beschäftigen. Wie wir seinerzeit wiederholt be- richteten, war die W. von dem Lehrmädchen Ida Michaelis auf der Schloßstraße in Steglitz aus der Schule entführt und nach längeren Irrfahrten nach einem Zahnarzt gebracht worden, der dem Kinde mehrere Zähne auSzog. Die M.. die als Opernsängerin und als„Tante" deS KindeS auftrat, wurde später als die Urheberin der seltsamen Entführungsaffäre ermittelt. Die Vermutungen, daß die Michaelis nicht ganz normal sei, haben sich jetzt bestätigt. und in Anbetracht dieses Umstandes ist von einem Strafverfahren gegen die Entführerin Abstand genommen worden. Eine traurige Aufklärung hat jetzt das Verschwinden des Schiffers Wodislaw Krecschki, Köpcmckerstraße 33, gefunden. K. verschwand plötzlich kurz vor Weihnachten und wurde vergeblich von seinen Angehörigen gesucht. Vorgestern ist seine Leiche am Lützowufer aus dem Kanal gelandet worden. Ob K. freiwillig in den Tod gegangen, oder ob er das Opfer eines Unglücksfalles ge- worden ist, wird erst die Untersuchung ergeben. Arbeiter-Bildungsschule Berlin. Der zu heute abend an- gekündigte Vortrag von Heinrich Schulz muß wegen AgitationS- reisen ausfallen. Direktor Archenhold von der Treptower Sternwarte wird dafür Vortrag halten über:„ D i e Z u- kunft der Erde, mit besonderer Berücksichtigung der jüngsten Erdbebenkatastrophen und vulkanischen Erscheinungen". mit vielen Lichtbildern, im großen Saal des Gcwerk- schaftshauses, Engel-Ufer 15. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Wintergarten. Mit Jahresbeginn hat sich der Wintergarten seine alte Zugkraft wiedergeholt: den Humoristen Otto Rentier. Er enttäuscht auch nicht. Was er bringt, sind neue Schlager, die ihres trockenen Witzes wegen die Zuhörer auS dem Lachen nicht herauskonimen lassen. Eines dieser neuen Couplets hat sich die ReichstagSailflösung zum Gegenstand deS Spottes auserkoren und wurde stark beklatscht. Eine andere Bereicherung des vielseitigen Programms bildet die Vorführung eines gedankenlos enden H u n d'e S, der die an ihm aufgelvcndeten langjährigen Mühen besser und tadelloser lohnt als seinerzeit der„kluge Hans". Auf Zuruf stellt der kluge Vierfüßler zwei- und dreistellige Zahlen genau zu- sammen und macht auch in seinen Rechencxempeln einem ABC- Schützen alle erdenkliche Konkurrenz. Als ein äußerst gewandter Jongleur stellt sich Paul Cinguevalli vor, während die Geschwister Klöß vorzügliches in der Gymnastik leisten. Als Mulatten- Gigerln lernen wir Johnson und Dean kennen und Howard und Harris produzieren sich auf dem Ge- ckiiete der Exzentrickunst. Natürlich tanzt noch immer dieSaharet, aber nicht biet anders wie andere vor ihr auch. Einen ungeheuren Aufwand und großen Glanz an Kostümen bringt eine von der Töller Truppe ausgeführte Tanzszene: Auf dem Balle. Drei oder gar viermal ziehen sich die zwei Dutzend mitwirkende Damen um und zeigen in immer neuen, bis an die Knie reichenden Kostümen ihre Waden und ihre Beine, die sie gar nicht hoch genng werfen können; für manchen alten Gecken neuer StnneSkitzel I Luisen-Theater. ES war für Berlin nicht gerade ein funkel« nagelneues Stück, daS am Freitag in der Reichenbergerstrahe über die Bretter ging. Aber dennoch gefiel die Mannstädt» Wallnersche Gesangsposse„Die schöne Ungarin' nach wie vor. DaS beisallslustige Publikum kargte nicht mit seinem Applaus. Schon der urkomische„Heringsbändiger" und der drollige Schusterjunge von jenem waschechten Berliner Typus, der jetzt in Speeathen leider gänzlich ausgestorben ist, berechtigten den EiithusiaSmnS, mit dem das Stück oufgenommen wurde. Aktuelle Couplets, die sogar auf die bevorstehende ReichStagswahl Bezug nahmen, erhöhten den Reiz und die Wirkung der ewzelnen Schlager und täuschten so gut sie konnten über die einzelnen Fadheiten und Unmöglichkeiten der.sogenannten Handlung' hinfort. Besonderes Verdienst um das Gelingen der Auffiihrnng erwarben sich Albert H ü n e r als Kolonialwarcnhändler Micsebeck, Willi M e w e s als Schusterjunge Fritze Sühmilch, Käte Wille-Bach als die schöne Pseudo-Ungarin, Nicol Albrecht als Wucherer Wangebeck und Elise Hüftel als Fräulein Häppchen. Aus dem Gebiete der Radfahrcrkunst ist wieder eine Neuheit erstanden, welche gegenwärtig im Zirkus Busch sowohl wie im ZirkuS Schumann und auch im Walhalla-Varielä-Theater am Weinbcrgsweg dem Publikum mit nicht erheblichen Abweichungen vorgeführt wird. Die Radfahrer fahren in einem aus Holzreifen, bei Schumann aus Stahlgeflecht, zusammengestellten die Form eines Kugelschnittes bildenden Apparat. Die Anziehungskraft der Erde erscheint für den Augenblick völlig aufgehoben, wenn die Radfahrer auf Zweirädern den Kugelreifen durchsausen und bald in der Luft hängen, bald auf der steil abfallenden Bahn des Holzstabgitters kleben. Wer etwas dom Radfahren versteht, muß diese Nummer als Tollkühnheit in der höchsten Potenz bezeichnen. Das Publikum folgt den Vorführungen mit dem größten Interesse. Da» 4. BolkS-Abonncmcntskonzrrt, welches das Neue Sin- fonie-Orchester sDirektion: Karl Zimmer und Julius Edgar Schmock) im Konzertsaal der Aktie nbrauerei Friedrichs- Hain zum Eintrittspreise von 40 Pf. veranstaltet, findet in Gestalt eines Wagner-LiSzt-AbendS morgen tvioutag, den 7. Januar, statt. Als Solisten find die Pianistin Frl. Lucie Haiden und Herr Opernsänger Johann Th. Hickendorff aus Am st er- dam, welcher in Scheveningen, Wiesbaden, Frank- furt a. M. mit großem Erfolge aufgetreten, gewonnen worden. Personen, die gesehen haben, wie am 12. Dezember vergangenen Jahres ein aus der Schule kommendes Mädchen in der Wilhelm- straße vor der Gcmeindeschule von einem Autowagen der Bedag- gesellschaft überfahren und schwer verletzt wurde, werden um An« gäbe ihrer Adressen an Karl Rechlin, Friedrichstraße 226/227, Hof im Keller, gebeten. Im Zoologische» Garten beträgt an diesem Sonntag, dem ersten im neuen Jahre, der Eintrittspreis einheitlich 22 Pf. pro Person. Von 4 Uhr nachmittags bis 16 Uhr abends findet Militärkonzert im Saale statt, zu dem der Eintritt heute extra 25 Pf. tostet. Aktionäre und Abonnenten haben freien Eintritt. Arbeitersamariterkolonne. Montag: Fortsetzung des Kursus in der ersten Abteilung, Dresdenerstraße 45. Vortrag über: Ver- brcnnungen— Erfrierungen— Hitzschlag— Blitzschlag— Be- schädigungen durch Elektrizität. Vortragende: Fräulein Dr. Prost. Nachfolgend praktische Uebungen. Neue Mitglieder können noch eintreten. Vorort- l�ackrickten. Rixdorf. Der Kohlenbrand in der Gasanstalt, so wird uns von berufener Seit« geschrieben, hat in der städtischen Verwaltung bezüglich der z» ergreisenden Maßnahmen nicht nur heillose Verwirrung her- vorgerufen, sondern eS treten auch aus dem Kreise der Aerant- »örtlichen die verschiedensten Rechtfertigungsversuche zutage. In Wirklichkeit bestätigen die Beschwichtigungsrate nur, wie zutreffend die aus der Bürgerschaft erhobenen Vorwürfe sind. Dafür ein paar Beispiele. In der letzten Stadtvcrordnetensitzung war— trie aus unserem gestrigen Bericht ersichtlich— dem Magistrat >»egen der Katastrophe tüchtig zugesetzt worden. Die sozial. demokratische Fraktion hatte— unterstützt durch ein paar weiße Laben aus der bürgerlichen Gruppe— hierzu den Anstoß gegeben. Hierbei erklärte der Oberbürgermeister, daß erst zu Weihuachten, »achdem der Brand gefährliche Dimensionen angenommen hatte, der Magistrat von demselben Kenntnis erhielt. Vordem sei auch zu energischerem Eingreifen keine Veranlassung gewesen, da— wie die vorliegenden Akten bewiesen— sich bis dahin das Feuer als eine sozusagen alltägliche Entzündung charakterisierte, welcher die AnstaltSleitung allein Herr zu werden gedachte. Tcmgegen- »der ist eine„Erklärung" interessant, welche die„Nat.-Ztg." in ihrer Nr. 6 vom 4. d. M. bringt. In dieser von dem den er- !rankten Direltor vertretenden Betriebsingenieur stammenden lluSlassung heißt es u. a.: „Vor etwa 6 Wochen stellten wir bei einer Prüfung durch die Metzrohre fest, daß an der nordwestlichen Ecke des eng- tischen KohlenbergeS eine zu hohe Temperatur herrschte. Da man unter solchen Umständen mit einem im Innern entstandenen Brand rechnen mutzte, so wurden sofort die geeigneten Mittel an- gewendet, dieselben führten auch schnell einen vollen Erfolg her- bei. Kaum 14 Tage später fand sich aber bei einer Prüfung ein neuer ausgesprochener Brandherd. der räumlich soweit von dem ersten entfernt lag, daß ein Zu- szmmenhang zwischen beiden nicht möglich sein tonnte. Da nun dieser neue Brandherd nicht nur eine große Kohlen- vienge ergriffen hatte, sondern auch sehr u n- günstig fast in der Mitte dcS englischen Kohlenlagers sich befand, so mußte eine Umschaufelung deS ganzen westlichen Lagers vorgenommen werden." Nachdem also in der zweiten Novemberhälfte schon einmal eingegriffen werden mußte, war bereits„kaum 14 Tage später" — in der ersten Dezemberhälfte demnach— ein neuer Brandherd entstanden, welcher„eine Umschaufelung des ganzen westlichen Lagers"(zirka 360 000 Zentner) bedingte. Daraus geht hervor, daß schon vor Wochen auf das Nachdrücklichste eingegriffen werden mußte, was auch in der angezogenen„Er- klärung" zugegeben wird. Nur der Magistrat weiß davon nicht»; er Erfährt erst zu Weihnachten" von der dem Stadtsäckel zugefügten Schädigung, obwohl der Brand seit langem Stadtgespräch tjt. Ist das denn möglich? Wie ist denn überhaupt der Wider- spruch in den Darstellungen des Magistrats und des Ingenieurs zu'äsen? Eine weitere tiefe Differenz klafft auch zwischen der Angabe des stellvertretenden Anstaltsdirigenten, daß zum so- fortigen Eingreifin„leider nicht genügend HülfSkräftc zu haben waren", und der in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" ver- öffentlichten Feststellung der HerbergSverwaltung des Berliner GeverkschaftShauseS. Nach derselben sind wohl Arbeiter zur Verfügung gestellt worden, nur haben diese selbstverständlich die Brandstätte wieder verlassen, nachdem man ihnen statt deS zuerst zuqestandenen Stundenlohnes von 60 Pf. den für eine derartig gesundheitsschädliche Arbeit geradezu jämmerlichen Lohn von 4t Pf. anbot. Andererseits ist aber auch durch Nachfrage fest- gestellt worden, daß gar nur 88 Pf. gezahlt wurden. Der Mängel an HülfSkräften ist somit lediglich leere Ausrede— mangelnde Bezahlung, das ist des Pudels Kern. Und hier dürfte auch nicht zuletzt der Grund zu suchen sein für die Hinzuziehung der Pioniere. Diesen unter der zwingenden Disziplin stehenden �leistungsfähigeren" Arbeitskräften darf man ja zumuten, für ein paar Pfennige sich Gasvergiftungen und ähnliche Schädigungen an ihrem zungen Körper zuzuziehen. Sie werden kommandiert und dürfen nicht mucksen. So ivird„gespart" an Arbeitslöhnen, nachdem durch Mangel an Umsicht vielleicht schon Hunderttausende zum Teufel gegangen sind. Fürwahr! ein„ruhmvolles" Blatt über Arbeiterpolitik der Stadt Rixdorf. In der Bersammlung am Freitag wurde ein Portemonnaie sowie ein Damengürtel gefunden; beides ist in der Spedition. Neckarstr. 2, abzuholen. Die Schießerei auf den Gemüsefeldern am Dammweg, bei der eine Frau Auguste Lehmann, eine mehrfach vorbestrafte Felddiebin, schwer verletzt wurde, hat den Landwirte» Albert Stock und Friedrich Kurt eine Anklage wegen gemeinschaftlicher, gefährlicher Körper- Verletzung eingebracht. In der Verhandlung vor dem Rixdorier Schöffengericht bestritten die Angeklagten ihr« Schuld. Wohl jeien sie fol�e d.r häufigen Felddiebstäble genötigt gewesen, sich mit Flinten zu versehen, auch sei ihnen Frau Lehmann, die in Begleitung eines Mannes und einer anderen Frau aus den Feldern umherstrich, verdächtig vorgekommen. Das sei jedoch an einem anderen Abend gewesen. Sie hätten damals nur Schreckschüsse abgefeuert, die niemand getroffen haben können. Frau Lehmann erklärte, diesmal keinen Felddiebstahl beabsichtigt zu haben und wollte einen der Angeklagten mit Be- stimmtheit als den geheimnisvollen Schützen erkennen. Da jedoch auch Entlastungszeugen auftraten, die sofort, nachdem die Schüsse gefallen waren, am Tatorte waren, ohne von den Angeklagten eine Spur zu bemerken und die Glaubwürdigkeit der Lehmann durch andere Zeugenaussagen stark erschüttert wurde, erklärte das Gericht den Tatbestand für nicht genügend aufgeklärt und sprach beide An- geklagte frei. Friedenau. Ein Ranbanfall ist gestern in der Rheinstraße verübt worden. In der Nähe der Rönnebergstraße wurde eine ältere Dame von einem fteniden Burschen angefallen und ihrer Handtasche beraubt. Auf die Hülfcrufe der Bestvhlenen ergriff der Räuber die Flucht. Er wurde von mehreren Personen verfolgt, aber es gelang nicht, ihn festzunehmen. Steglitz. Vom Gewerbegericht. Nach zweijähriger Pause finden im März dieses Jahres wieder die Wahlen zum Gewerbegericht statt. Nach der kürzlich vorgenommenen Auslosung werden die Arbeit n e h m e r- betsitzer Ei necke, Krug, Rötig und Wenzel am I.März ausscheiden; eö haben also die Gruppen Metallarbeiter, graphisches Gewerbe und Nahrungsmittelgeltzerbe Neuwahlen vorzunehmen. Die letzte Gcmeiiidevcrtretcrsitzung erledigte in knapper halber Stunde die aus zehn Punkten bestehende Tagesordnung, außer einem Hoch auf das„angestammte" Herrscherhaus. Dieser traditionelle Huldigungsakt war der einzige Punkt, zu dem die Herren Gemeinde- verordneten das Wort nahmen, alles übrige wurde ohne jede Debatte erledigt. Erwähnenswert ist nur die Einführung der neugewählten Gemcindeverordneten Templiner und Nienaber sowie die Bewilligung von 5000 M. zur eventuellen Ausführung von Notstandsarbeiten. Ferner die Umwandlung der Kommission für Säuglingsfürsorge in eine ständige Kommission. Reinickendorf West. Die Sammelliste Nr. 9775 zur RcichStagSwahl ist verloren gegangen. ES wird gebeten, dieselbe anzuhalten und an den Kassierer Genossen Fritz Henschel, Rtinickeudorf-West, Eichbornstr. 59 abzuliefern. Der Vorstand. Nieder- Schönhausen. Obdachlos werden, wie uns in einer Zuschrift mitgeteilt wird, in 14 Tagen 180 bis 190 Familien in Nieder-Schönhantcn gemacht. Laut Vorschrift der Bauordnung für die Vororte Berlins vom 21. April 1903 dürfen in Häusern, die drei übereinanderliegende Geschosse enthalten, der dritte Stock und das Kellergeschoß nicht be- wohnt werden. In der Zuschrift wird nun mitgeteilt, daß Wirte und Mieter beim LandratSamt und der Potsdamer Regierung bereits vorstellig geworden sind, um eine Aenderung der für Nieder-Schön- hausen geltenden Bauordnung zweiter Klasse in die erste Klasse vor- zunehmen, um den Mietcr» und Wirten die Unannehmlichkeiten zu ersparen, die mit der plötzlichen Räumung der Wohnungen ver- Kunden sind, jedoch ohne Erfolg. Es wird des weiteren daraus hingewieicn, daß die Wohnungen mit allem Komfort, mit Gas- und Wasieranlagen, ja sogar mit Badeeinrichtung, versehen ind und somit absolut eine Feuersgefahr nicht vorhanden ist. Auch eien die Häuser in Straßen gelegen, die eine Breite bis zu 43 Meter haben, wie beispielsweise der Kaiserweg. Dahingegen sei in schmäleren Straßen von nur 16 Meter Breite das Bauen vier- stöckiger Häuser gestattet.— Wir begreifen mit dem Einsender der Zuschrift, daß sich der 180—190 Familien eine gewisse Empörung bemächtigt, wenn sie in der gegenwärtigen Jahreszeit plötzlich die Wohnungen räumen müssen. Ein Umzug kommt un- gelegen, selbst wenn er zum Vierteljahresterinin vorgenommen werden muß. Die Schuld daran aber, daß diese Familien plötzlich die Wohnungen räumen müssen, trifft in erster Linie die Wirte und nicht die Behörde, wenngleich letztere im Interesse der Familien eine längere Frist festsetzen konnte, in welcher die Räumung der Wohnungen erfolgen soll. Die für Nieder- Schönhausen gültige Bauordnung(zweite Klasse) gestattet nicht den Ausbau(demnach natürlich auch nicht die Vermietung) der Mansardenräumc. Die Wirte haben also gewissenlos gehandelt. wenn sie trotz des BermietungsverboteS, von dem sie wissen mußten. dennoch solche Räumlichkeiten vermieteten. Die in der Zuschrift erwähnten Straßenzüge, in denen ein Bewohnen der Mansarden- räume gestattet ist, besitzen die Bauordnung erster Klasse: es sind dieS die drei großen Landstraßen(Kaiser Wilhelmstraße. Linden- straße und Blankenburgerftraße) die den Ort Niedcr-Schönhausen durchziehen; die Bauordnung sieht ausdrücklich den DiSpens für diese Straßen vor. Potsdam. In der ersten diesjährige» Monatsversammlung des Wahlvereins erstatteten die Delegierten der Kctziner Kreis-Generalversammlung Bericht. Einwendungen gegen die Beschlüsse derselben wurden nicht gemacht. Alsdann wurde von der durch die RcichStagSwahl not- wendig gewordenen Ergänzung deS Vorstandes Kenntnis gegeben und die Genossen ersucht, sich rege an den Wahlarbeiten zu be- teiligen. Hierauf entspann sich eine lebhafte Debatte über die eventuelle Notwendigkeit des Besuches gegnerischer Versammlungen. Man kam dahin übercin, nur die Bersaminlungen zu besuchen, in denen eine unbeschränkte oder wenigstens annehmbare Redezeit gewährt wird. Spandau. Bon 16 270 eingetragenen Wähler» haben 4632 Einsicht in die vom sozialdemokratischen Wahlkomitee in allen Bezirken ausgelegten Wählerlisten genommen. Davon wurden 156 Einsprüche resp. Nach- tragungen von demselben Komitee beim Magistrat erledigt. Ei» Beweis, mit welcher Hast und wie mangelhaft diesmal die Auf- stelluug der Wählerlisten erfolgte. 40 Menschen verschüttet. Em schweres Unglück ereignete sich am Freitagnachmittag beim Bau der HunSrücker Bahn Boppard-Castellaun zwischen Lamscheid und Leiningen, dem eine Anzahl Menschen zum Opfer gefallen sind. Uebcr den Unfall liegen folgende Meldungen vor: Bingen. Ein furchtbares Unglück ist an dem Bau der Huns- rücker Bahn Boppard-Castellaun gestern vorgekommen. Zwischen Lamscheid und Leiningen, in der Nähe von Sauerbrunn sind gegen Abend drei Arbeiter verschüttet worden. Sie sollten womöglich noch gerettet werden, und so wurden von der Baufirma eine ganze Anzahl Arbeiter nach der Unglücksstätte abgcordert. Die Arbeiter ver- suchten in den im hinteren Teile verschütteten Schacht einzudringen, dabei stürzten jedoch plötzlich gewaltige Erbmassen ein, und etwa vierzig von den Arbeitern wurden unter den Erbmassen verschüttet. Die Firma Grün u. Billingcr sandte sofort weitere Hülfszüge nach der Unglücksstelle ab. Spät am Abend noch wurde die Leiche eines Arbeiters geborgen, später zwei weitere Leichen. Die verschütteten Leute entstammen zum größten Teile den benachbarten Orten. Einem Telegramm aus Boppard zufolge sind bis gestern früh 10 Tote und 15 Berwundete, darunter 3 Kinder, aus den zusammen- gestürzten Erbmassen geborgen. Es sollen noch 15 bis 20 Personen unter den Erdmassen liegen. Aerzte und eine Arbeitcrkolonne sind vorgestern zur Hülfeleiswng nach der Unglücksstelle abgesandt worden; die Rettungsarbeitea werden durch fortwährend nach- stürzendes Erdreich sehr erschwert. Zuschauer verunglückt- Wie der„Koblenzer Zeitung" aus St. Goar zu dem Unglücks. fall beim Bau der HunSrücker Bahn telegraphiert wird, sollen sich unter den Verschütteten auch Zuschauer befinden, die den Rettungs- arbeiten von einem benachbarten Hügel aus zusahen. Der Hügel» der auS morschem Felswerk und faulem Schiefergestein bestand, hat anscheinend die Menschenmenge nicht tragen können, zumal e? nachts gefroren hatte und der Hügel durch das darauf eingetretene Tauwetter stark unterwaschen war. Weitere drei Tote ausgegraben. Wie die„Bopparder Zeitung" zu dem Bahnbauunfall meldet, sind wieder drei Tote ausgegraben worden. Man schätzt die Zahl der noch Verschütteten auf 10 bis 18. Es sind meist junge Leute� darunter vielfach Söhne von Witwen. Die Rettungsarbeiten ge- stalten sich sehr schwierig, weil noch etwa tausend Kubikmeter Erde wegzuschaffen sind und Nachrutschungcn befürchtet werden. In weitem Umkreis umsteht eine große Menschenmenge die Unglücks« statte, unter ihr viele Angehörige der Verunglückten. Bei dem Herausschaffen der verletzten und toten Personen spielen sich grauen- hafte Szenen ab. Eine in guter Hoffnung lebende Frau, die unter den Trümmern Sohn und Mann verloren hat, mußte schleunigst ins Hospital geschafft werden. Von der Saarbrücker Eisenbahn- direktion ist sofort eine Spezialkommission und von Koblenz ein Vertreter der Regierung an der Unglücksstelle eingetroffen. »» * Der„Koblenzer Zeitung" wird noch später gemeldet: Der zu! durchschneidende Berg ist etwa 150 Meter lang. In der Mitte de» Durchstiches hat sich die östliche Scitenwand wahrscheinlich infolge des Tauwetters losgelöst und die in der Mulde befindlichen Männer verschüttet. Die Rettungsarbeiten werden vom Bauinspektor Lemke und der Betriebsinspcktion Saarbrücken geleitet. Die Verletzten sind bei ihren Familien untergebracht, sie haben meistens Bein- bräche erlitten. Es hat den Anschein, als ob die Böschung zu steil angelegt worden wäre; die Wände stehen fast senkrecht. ES steht fest» daß das Unglück 15 Menschenleben gefordert hat. Vermifcbtes. Im Eisgang. In Beiseförth bei Kassel ist beim Bruch der Eisdecke auf der Fulda der fünfjährige Sohn eines Bahnbeamten zwischen treibende Eisschollen geraten und in den Fluten versunken. Der starke Eisgang verhindert die Bergung, der Leiche. Großscuer in Toulon. Freitagabend brach in dem größtenteils von der ärmeren Bevölkerung bewohnten Stadtteil Camp Giierin ein Brand aus, durch welchen ein großer Teil des Stadtviertels zerstört wurde. Der anstoßende Güterbahnhof, welcher ebenfalls von den Flammen bedroht war, konnte gehalten werden. Eine starke Trus Penabteilung käinpfte vereint mit der Feuerwehr gegen das ver« heerende Element. Die Bewohner des Stadtviertels ergriffen, teilweise nur notdürftig bekleidet, die Flucht. Die Rettungsarbeiten waren dadurch erschwert, daß viele Kranke und Greste mittels Rettungsleitern in Sicherheit gebracht werden mußten. Der Schaden ist bedeutend._ BrUfhaften der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde findet Fried rich str. 10, Aufgang 4, ritte Treppe(Handelsstatte Bellcalliance, Durchgang auch Lindenstr. 40»;, mochettlitfllich von T'/t bis»>/, Uhr abcud» statt. Gcöstuet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde ttrn O Uhr. Jeder Anfrage ist riu Buchstabe und«in» Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trag- man in der Sprechstunde vor. P. I. S. 29. Weiteres jederzeit willkommen.— A. M. lv. Tragen Sie Zhre Angelegenheit in der juristischen Sprechstunde vor,— gl. 41. Die Gerichtskosten oerjähren in Preußen in vier Jahren. Jede Pfändung unterbricht die Verjährung, Die Vorschriften über Verjährung« anderen Staaten finden Sie im wesentlichen w den AussührungSvorschristen zum Bürgerlichen Gesetzbuch,— 2. SO. Leider müssen«i- nachzahlen und können nur Stundung beantragen,— Sch. 101. Der Monatslatz würde etwa 10 bis lö M. betragen,- Bemerkung 99. 1. Für die Daucr der Bedürstiglcit ist zu zahlen. 2. Ja.— O. Tärtng. Daß das Recht zur Auslösung deS Reichstages beliebig oft ausgeübt werden darf, ist von uns wieder holt dargelegt,— I. C. 67. Wenden Sie sich an den Handels- und Transportarbeiterverband,- H. St. 20. Sie haben zu spat gekündigt. spätestens am 23. hätte die Kündigung in den Händen des Wirts sein müssen,— A.(2. 31. 1. Engeluser tö, 2. und 3. Wenden Sic fich an das Arbettersekrekariat. — 1O00 A. Ein solcher Verein ist uns nicht bekannt. A. N. So Diel uns bekannt, sind die Arbeiten noch nicht begonnen, auch die Lose noch nicht vergeben,— H. R.. LandSbergerstraste. Der aisterchclich« Erzeuger hat kein Recht, die Erziehung oder Herausgabe semes Kindes zu verlangen oder für de» Weigerungssall die Allmentenzahlung einzustellen.— 200 R. O. 1. Durch Beschränkung aus eine bestimmte Anzahl. 2. und 3.: Ueber Lustbarleitssteuern ticfsen die verschiedenen OrtsstaUstenLestiinmungea. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallcn-Dtrektion.(Großhandel) Rindfleisch la 70—72 pr. 100 Pfd., IIa 04- 09, lila 58—03, IVa 50-50, Kalbfleisch, Doppelländer 120-135, la 92-100, IIa 80-90, lila 05-78, Holl, 50-02. Hammelfleisch la 07-75, IIa 52-05, Schweinestetsch 57-00, Rehwi'd la per Psd. 0,00-0.05. Na 0.40—0,59, RotwUd la 0,33-0.45. Na 0,21—0,37, do. Kälber 0,30-0,48. Damwild 0,25—0,50, do, Kälber 0,40—0,55. Wildschweine 0,25—0,38. Frischlinge 0,40—0,60. Hasen per Stück 2,80—2,90, do. klein und II» 1,75-2,50. Kaninchen per Stück 0,70-0,90. Wildenten per Stück 1.25—1,35. Hüblicr, alte per Stück 1,50—2.40, do. Na 0,80—1,40, do. junge peri stück 0,80—1,75. Tauben per Stück 0,40—0,80, junge klein« 0,00. Ital. 0,00, Enten per Stück 1,75—2,10, Hamburger junge per Stück 3,00. Gänse, Oderbrucher, per Psd. 0,50—0,03, do. la per Stück 0,00, Na 0,00, Hechte per>00 Psd, 80—93, groß 0,00. Zander, klein 102. Schleie, groß 73-85, unsortiert 0,00, mittel 0,00, kleine 0,00. Bleie 53—00, Aale, groß 0,00, mittel 0,00, klein u. mittel 90—114, uns, 0,00. Plötzen 53-57.«arpsen, 25-30er 0.00, do. 30-S5cr 0,00, do, unsort. 00-00, Laus, 50-70 er 0.00, Schles. 0,00, Baste, matt 51-64. Karauschen 0,00, Blei- fische 0,00. Wels 24-01, Bunte Fische 54-70. Amesttan. LachS la neuer per 100 Psd. 110—130, do. Na neuer 90—100, do. Nla neuer 75. Seelachs 20—25. Sprotten, Kieler, Wall 0,75—1,25, Danziger, Wall 0,00—0,80, Flundern, pominestche la, per Schock 0,00, do. pommestche Na 0,00, Kieler, Stiege la 4—0, do. mittel per Kiste 2—3, Hamb. Stiege 4—5, halbe Kiste 1,50—2. Bücklinge, per Wall Kieler 3,50—5,00, Stralsunder 0,00. Aale, groß per Psd,. 1,10—1,30, mittelgroß 0.80—1,00, klein 0.50—0.00, Heringe per Schock 4—5. Schellfische Kiste 3—4, do. Kiste 2,00. Kabllau. p, 100 Psd, 20-25. Heilbutt 0,00. Sardellen. 1902er per Anker 95, 1904er 95, 1905er 93, 1906er 73— 75. Schottische Bollheringe 1905 0,00, lorge 40-44, lull. 30-38. med. 35—42, deutsche 87—44. Heringe, neue Matjes, per•/, To 60—120. Sardinen, russ., Faß 1,50—1,60, Brathering«, Büchs«(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schocksaß 11, kleine 5—0, Riesen» 14, Hummern, kleine, per Psd, 0,00, Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 0,00, kleine 0,00, unlort. 4,50. Galizier, groß 0,00, niitlel 0,00 Eier, Land», per Schock 4,00—5,50, Butter per>00 Psd, l» 121—124, II»>17-120, Illa 114-117, absallende 90-105. Saure Gurken Schock 3,50—4,00, Psestergurken 3,50—4,00. Kartoffeln per 100 Psd. 0,00, rnagnurn bonuin 2,10—2,25, Dabersche 2,10—2,25, Rosen 0,00, weiße 1.75—2,00, Salatkartoffeln 5,00—6,00, Spinat per 100 Pfund 20—23. Karotten per 100 Psund 10—12. Sellerie, hiesige, per Schock 4,00—5,00, do. pommersche 4,00—5,00. Zwiebeln große, per 100 Psd, 3,00- 3,50. do, lleine 2,26-2,50. do. hiesige(Perl.) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 2,00, Kohlrabi per Schock 0,00. Rellig, bahr,, per Schock 2,40—4,80, Radieschen per Schockbund 0,00. Salat, per Schock 0.00, do, Escarolo, per Mandel 0,00, do. Eudivien 0,00, Mohrrüben per 100 Psund 3,00—4,00, Teltower Rüben per 100 Psd, 8—10. Weiße Rüben, große 2—2,50, kleine 6—8. Rote Rüben 2—3, Blumenkohl Holl, per Kops 0,00. ital. per Kops 0,17-0,35, Wirsingkohl per Schock 3,00-0,00. Rotkohl p. Schock 3,00-8.00, Weißkohl 100 Psd, 2,00-3,00, Rosenkohl p. 100 Psd, 24—35, Grünkohl per 100 Psd, 5—10, Schnittlauch 12 Töpse 4—4,50. Kohl» rüben. Schock 2—3. Kürbis 0,00. Birnen, Per 100 Psd. hiesige 7—16, böhmische 8—20. Aepsel, per 100 Psd,, hiesige 6—20, Gravensteiner 0,00, Tiroler in Fässern 0,00, Kiste 32—80, Amerik. 15-30. Wallnüsse per 100 Psd, 0,00, do, rumänische 0,00, do. franz. CorncS 22—25. Paranüsse 0,00. Haselnüsse lange 40—42, runde 0,00. Zitronen, Messina. 300 Stück 8,00-10,00, 300 Stück 7,00-9,00. 200 Stück 9-13. Slpselsinen, Jaffa, per Kiste 8—14, Murcia 200er per Kiste 6—10, ig, 800a 7-11, Valencia 120er per Kiste 11,50-20, do. 714 er 18-23. Achtung! Achtung! Arbeiter, Parteigenossen! Berliner Schneiderei- Genossenschaft G. m. b. H. 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Freitag: Bar und Zimmermann. Sonnabend: Salome.( Anfang 8 Uhr.) Sonntag: Mignon. Montag: Lohengrin.( Anfang 7 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Das Glashaus. Montag: amlet. Dienstag: Das Glashaus. Mittwoch: Medea. Donnerstag: Ballensteins Lager. Die Piccolomini. Freitag: Das Glashaus. Sonnbend: Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Sonntag: Hamlet. Rontag: Klein Dorrit. Neues tönigl. Opern- Theater. Sonntag, 6. Januar: Kabale und Ziebe. Sonntag, 13. Januar: Fra Diavolo.( Anjang 7 Uhr.) Schiller Theater 0. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die rote Robe. bends: Mathias Gollinger. Montag und Dienstag: Doppelselbstmord. Mittwoch: Mathias Gollinger. Donnerstag: Doppelselbstmord. Freitag: Mathias Gollinger. Sonnabend: Die Räuber. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die rote Robe. Abends: Heimat. Montag: Die Räuber. Schiller Theater N.( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater.) Sonntag tachmittag 3 Uhr: Das Lumpengesindel. Sonntagabend, Montag und Dienstag: Der Familientag. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Das Tiroler trippenspiel. Mittwochabend bis Montag: Der Familientag. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Lumpengefinder. Neues Theater. Sonntag: Kinder. Montag: Die Condottierie. nachmittag 4 Uhr: Hänsel und Gretel. Sonnabendabend und Sonntag:: Dienstag: Kinder. Mittwoch: Die Condottieri. Donnerstag: Kinder. Das Kätchen von Heilbronn. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Freitag: Die Hochzeit von Boel. Sonnabend: Die Condottieri. Sonntag: Kameliendame. Montag: Der Raub der Sabinerinnen. Die Hochzeit von Boel. Montag: Unbeſtimmt. Thalia Theater. Allabendlich: Eine luftige Doppelehe. Heute nach Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Trompeter mittag 3, Uhr: Charleys Tante. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: von Sättingen. Sonntagabend, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag Bis früh um Fünfe. Freitag: Cousin Bobby. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Der Freischük. Residenz Theater. Allabendlich: Florette und Ratapon. Abends: Cousin Bobby. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Undine. Abends und nachmittag 3 Uhr: Eine Hochzeitsnacht. Nächsten Sonntagnachmittag Montag: Cousin Bobby. 3 Uhr: Frou- Frou. Metropol Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Auffins Metropol. Allabendlich: Der Teufel lacht dazu. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Auf ins Metropol. 3 Berliner Theater. Allabendlich: Sherlock Holmes. Lustspielhaus. Allabendlich: Husarenfieber. Heute nachmittag 3 Uhr: Unsere Stäte. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Unsere Käte. Lorking Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Waffenschmied. Abends: Der Wildschüz. Montag: Undine. Dienstag: Der Freischüß. Mittwoch: Bar und Zimmermann. Donnerstag: Martha. Freitag: Der Freischüz. Sonnabend: Die Regimentstochter. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Bar und Zimmermann. Abends: Die Fledermaus. Montag: Der Troubadour. Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Carmen. Abends: Lakmé. Montag: Pariser Leben. Dienstag: Hoffmanns Erzählungen. Mittwoch: Pariser Leben. Donnerstag: Lafmé. Freitag: Hoffmanns Er zählungen. Sonnabend: Carmen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Lakmé. Abends: Hoffmanns Erzälungen. Montag: Carmen. Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Nachtasyl. Abends, Montag, Dienstag und Mittwoch: Eine triviale Komödie. Donnerstag: Ein idealer Gatte. Freitag: Eine triviale Stomödie. Sonnabend: Ein idealer Gatte. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Nachtashl. Abends und Montag: Eine triviale Komödie. Trianon- Theater. Allabendlich: Wo ist Papa? Die Schloßfellerei. Heute nachmittag und nächsten Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Hausfreund. Luisen Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Sherlock Holmes. Abends: Die schöne Ungarin. Montag: Des Meeres und der Liebe Wellen. Dienstag: Sherlod Holmes. Mittwoch: Die schöne Ungarin. Donnerstag: Bergnügte Feiertage. Freitag: Aus dem Buch der Liebe. Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Dornröschen. Abends: Sherlock Holmes. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Bergnügte Feiertage. Abends: Aus dem Buch der Liebe. Montag: Biel Lärm um Nichts. 11 Heute Apollo Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Familienvorstellung. Abends 8 Uhr und die folgenden Lage: Die öne Bestglin und Spezialitäten. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Familienvorstellung. Deutsch: Amerikanisches Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ucber'n großen Teich. Täglich: Der Sorgenbrecher. Nächsten Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Palast- Theater. Spezialitäten. Walhalla Theater: Spezialitäten. Reichshallen Theater. Stettiner Sänger. Bassage Theater. Allabendlich: Berlin paß' auf! Spezialitäten. Karl Haberland- Theater. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Kasino Theater. Abends: Die beiden Champignol. Dienstagnach mitt ag 4 Uhr: Gebrüder Zorn. Singvögelchen. Folies Caprice. Das Modell. Serenissimus XVL Gebr. Herrnfeld- Theater. Jeden Abend: Familientag im Hause Prelstein. Prater Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Muttersegen. 8 Uhr: Robert und Bertram. Montag: Die Haubenlerche. Urania Theater. Taubenstraße 48/49. Täglich: Die Feuergewalten der Erde.( Anfang 8 Uhr.) Schiller Theater Charlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die täuber. Abends: Minna von Barnhelm. Montag und Dienstag: Die Räuber. Mittwoch: Minna von Barnhelm. Donnerstag: Jugend. Freitag and Sonnabend: Minna von Barnhelm. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fiesto. Abends: Flachsmann als Erzieher. Montag: Minna von Barnhelm. Neues Schauspielhaus. Sonntag: Der Helser. Montag: Die jochzeitsfadel. Dienstag: Der Helfer. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Aichen rödel. Abends: Die Hochzeitsfadel. Donnerstag und Freitag: Der Helfer. Sonnabend und Sonntag: Herthas' Hochzeit. Leffing- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Rofenmontag. Abends: Sparverein für Freidenfer zur Ausführung der FeuerDer heimliche König. Montag: Die Weber. Dienstag: Wenn wir Toten beftattung. Generalversammlung am Dienstag, den 8. Januar, abends rwachen.( Anfang 7, Uhr.) Mittwoch: Das Blumenboot. Donnerstag: 8 Uhr, Schillingstr. 24. Der heimliche Stönig. Freitag: Wenn wir Toten erwachen. Sonnabend: Zentral Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Rastelbinder. Lese- und Diskutierklub„ Moabit. Nächste Sibung am 11. Fe Der heimliche König. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fuhrmann Henschel. Allabendlich: Künstlerblut. Sonnabendnachmittag 3%, Uhr: Schneewittchen. bruar 1907. Alle übrigen Sitzungen fallen wegen der Reichstagswahl aus. bends: Wenn wir Toten erwachen. Montag: Eiga. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Puppe. Verein der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen Bernhard Rose Theater( früher Carl Weiß- Theater). Sonntag Berlius und Umgegend. Abteilung III und IV. Bersammlung im nachmittag 3 Uhr: Die Schule des Lebens. Montag und Dienstag: Lokal des Herrn Litfin, Memelerstr. 67 am Mittwoch, den 9. Januar. Berliner Raubvögel. Mittwoch: Das Kätchen von Heilbronn. Donnerstag: Abteilung Bankow. Samtag, den 6. Januar, nachmittags 3, Uhr, AbBerliner Raubvögel. Freitag: Die Schule des Lebens. Sonnabend- teilungsversammlung in Lofale von Herrmann, Brehmestr. 56. Deutsches Theater. Sonntag: Die Geschwister. Die Mitschuldigen. Rontag und Dienstag: Das Wintermärchen. Mittwoch: Die Geschwister. Die Mitschuldigen Donnerstag bis Sonntag: Das Bintermärchen. Monag: Die Geschwister. Die Mitschuldigen. Dem Silberpaar Hermann Borgmann und seiner ihm in jeder Lebenslage allezeit getreuen Gefährtin gratulieren zu ihrem 25jährigen Ehejubilium am 7. Januar Die Genossen des Bezirks 514a. 7326 966666666 Allen Verwandten, Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß wir Conntag, den 6. Januar, das Fest nserer silbernen Hochzeit seiern. August Janetzke, Maurer, 5982 Schmargendorf, Sulzärstr. 12. Sozialdemokratischer Wahlverein Nowawes- Neuendorf. Todes- Anzeige. Am Freitag verstarb nach langer Acantheit, infolge eines Unfalles, unser Mitglied, der Zimmerer Karl Schölzke. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 7. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Kirchhofes aus statt. Treffpunkt der Mitglieder 24, Uhr bei hiende. 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Die Beerdigung findet heute, Sonntag nachmittag 3, Uhr, von der Leichenhalle des MatthaiKirchhofes zu Schöneberg( Priesterweg) aus ftatt. Freitag früh starb plöglich am Herzschlag unser Freund und Kollege, der Schriftfeher Karl Neumann im 52. Lebensjahre Durch seinen biederen Charakter und sein freundliches Wesen hat er sich die Achtung aller Kollegen erworben. 7575 Möge ihm die Erde leicht sein! Die Beerdigung findet Sonntag, den 6. d. Mts., nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Matthäirirchhofes in Schöneberg, Priesterweg, aus statt. Die Kollegen des ,, Berliner Tageblatt". Typographia. Am Freitag, den 4. Januar, starb plößlich unser langjähriges Mitglied, Kollege Karl Neumann. Die Mitglieder werden gebeten, unserem verstorbenen Kameraden möglichst vollzählig das letzte Geleit zu geben. Beerdigung siehe vorstehend. Der Vorstand. Verein Berliner Hausdiener. Mitgliedschaft I des Zentralverbandes der Handels-, Transport, Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. ( Gegründet 1883.) Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Wilhelm Hölich verstorben ist. 67/5 Die Beerdigung findet Sonntag, den 6. d. M., nachmittags 1, Uhr, vom Trauerhause Seestraße 66 nach dem Kirchhof in der Barfusstraße, statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Danksagung. Für die rege Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Schraubendrehers Richard Paul fage ich hiermit allen Freunden und Bekannten, sowie dem Kontorpersonal und den Kollegen der Firma G. A. Stelzner und dem Deutschen Metallarbeiter- Berband meinen herzlichsten Dant. 35972 Witwe Paul. PrinzenDr. Simmel, Str 41, 8/5 Spezialarzt für Haut- und Harnleiden. 10-2,5-7. Sonntags 10-12, 2-4. H. Greifenhagen Nachf. Brunnenstr. 17-18. Veteranenstr. 1-2. Unser diesjähriger Inventur- Räumungs- Verkauf hat begonnen. In dieser Woche sind ausgelegt: Pelzwaren, Wollwaren, Tricotagen, Strümpfe, Handschuhe, wollenę und baumwollene Schlafdecken. 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