Nr. 9. Rbonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pranumerando: Bierteljährl. 3,30 M, monatl. 1,10 Mt., wöchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Marf pro Monat. Eingetragen in die Bost Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Geträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 ẞfg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Bort 20 Big., jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlaf Stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Freitag, den 11. Januar 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Die Nationalliberalen. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Die nationalliberale Partei wurde 1866 durch Bennigsen, Fordenbed, Laster, Miquel, zeugt ebenfalls für ihre volksfeindliche Gesinnung. Sie gaben ihren Widerstand erst auf, Simson gegründet. Sie löfte sich von der Fortschrittspartei los und war im Norddeutschen als sie den Einfluß bei den Wählermassen gänzlich zu verlieren fürchteten. Reichstag und später, seit 1871, im deutschen Reichstag die Hauptstüße Bismarcks, wie sie Die Nationalliberalen sind im Reichstag allezeit die eifrigsten seitdem auch dessen Nachfolgern alle Zeit getreue Gefolgschaft geleistet hat. Sie ist die Freunde und Unterstützer der indirekten Steuern und der Zölle auf Lebensmittel Regierungspartei sans phrase( d. h. ohne jede Einschränkung.) Selbst die Konservativen sind gewesen. Die ganze bestehende indirekte Besteuerung und Zollgesetzgebung ist auch zeitweilig, wir erinnern an die Opposition der Kreuz- Zeitungs"-Partei gegen Bismarck Mitte ihr Werk. Sie haben den Brotwucher und die Fleisch- und Lebensmittelverteuerung der siebziger Jahre und gegen die Aera Caprivi, der Regierung gegenüber weit unabhängiger auf dem Gewissen. Sie haben sich für alle Sperrmaßregeln gegen die Einfuhr von Fleisch, aufgetreten als die Nationalliberalen. Vieh usw. erklärt. Noch bei der letzten Fleischverteuerungs- Interpellation im aufgelösten Reichstag hat sich ihr Redner für Aufrechterhaltung des bestehenden Zust an des ausgesprochen. Die Blütezeit der Nationalliberalen fällt in die Jahre 1874-1877, in denen sie rund 150 Mitglieder im Reichstag gegen 50 im jezt aufgelösten Reichstag zählten. Im Deutschen Reich gibt es kein Gesetz und keine gesetzgeberische Maßregel, die nicht die Zustimmung der Nationalliberalen gefunden hätte. Immer hat diese Partei es mit der rechten Seite, mit den Konservativen gehalten, und als die agrarische Bewegung ins Leben trat, hat sie sich auch zu dieser bekannt. Eine erhebliche Anzahl ihrer Mitglieder verdanken nicht nur dem Bündnis mit den Agrariern ihre Wahl, sondern sie besitzt auch in der Wolle gefärbte Agrarier wie Herrn v. Heyl, Graf Driola, Prof. Paasche und andere. Die Nationalliberalen haben im letzten Frühjahr mit Zentrum und Konservativen die 180 Millionen neuer Steuern, die für Militär-, Flotten- und Kolonialausgaben notwendig wurden, gutgeheißen und befürwortet. Sie stimmten für die Erhöhung der Biersteuer, für die Zigarettensteuer, den Frachturkundenstempel, die Eisenbahnfahrkartensteuer, die Erhöhung des Lokalportos usw. Dagegen stimmten sie nur widerwillig für die Reichs- Erbschaftssteuer und suchten ihren Ertrag möglichst zu beschränken. Der nationalliberale Vorsitzende der Steuergesetzgebungskommission, Herr Büsing, rühmte im Reichstag, daß sie mit dieser Steuergesetzgebung eine nationale Tat vollbracht hätten. ost Und abermals werden im Reich neue Mittel notwendig, die man nicht durch Einführung einer Reichs- Einkommen- und Vermögenssteuer, sondern durch neue indirekte Steuern Die Halbheit, Mangelhaftigkeit und Lückenhaftigkeit der Reichsgesetzgebung ist in erster Linie ihr Wert. Alle Zeit gab sie ihre Grundsätze auf, wenn es galt, praktisch" zu sein, das ,, Erreichbare" zu nehmen, was die Regierungen geneigt waren, ohne Druck zu bewilligen. Einstmals freihändlerisch und für die Gewerbefreiheit schwärmend, hat sie sich allen Strömungen anbequemt. Sie hat den Freihandel wie die Verkehrsfreiheit zu erlangen sucht. strupellos preisgegeben und auf die von ihr früher selbst geschaffene vergleichsweise liberale Die Nationalliberalen sind Anhänger und Verteidiger der Liebesgabenpolitit. Gewerbeordnung nachher einen reaktionären Flicken auf den anderen gesetzt. Heute ist Sie haben viele Jahre lang die Zuckerprämien aufrecht erhalten, wodurch Hunderte und fie glücklicherweise bei dem kleinen Befähigungsnachweis und Aberhunderte von Millionen Mark in die Tasche der Zuckerfabrikanten auf Stosten der Zuckerähnlichem zünftlerischen und mittelstandsretterischen Schwindel verbraucher flossen, und sie verteidigen heute noch die Liebesgabe auf Branntangekommen. Nachdem sie im Laufe der Jahrzehnte fast ihren ganzen Anhang in den wein, wodurch den Branntweinbrennern jährlich 45 Millionen Arbeiterkreisen eingebüßt hat, stügt sie sich jetzt auf den rückständigen Teil der Handwerker Mart auf Kosten der Spiritus verbraucher geschenkt werden. und der Bauern und sucht diese durch gesetzgeberische Maßnahmen, an deren Wirkung sie selbst nicht glaubt, an sich zu fesseln und als Mittel ihrer Bestrebungen zu benuken. Auch in den Einzelstaaten haben sich die Nationalliberalen als in der Wolle gefärbte Reaktionäre gezeigt. Hier sei nur erinnert an die Zustimmung der Nationalliberalen zum preußischen Schulberpfaffungsgeset. Gegen den erzreaktionären Kultusminister v. Studt Stellung zu nehmen, haben sie nicht gewagt. und Das prägnanteste Zeichen für den vollkommenen Verfall der nationalliberalen Partei trog aller nationalliberalen Jugendvereine"- ist die Tatsache, daß der eigentliche Führer Hiernach ist auch zu ermessen, was es bedeutet, wenn in diesem Wahlkampf die der Partei im aufgelösten Reichstag, Herr Bassermann, ruhelos in ganz Deutschland Nationalliberalen plöglich eine Art Johannistrieb empfinden und tun, als wollen sie dem nach einem Wahlkreis gesucht hat, bis sich seiner der erzreaktionäre, arbeiterfeindliche Graf fulturfeindlichen Zentrum entgegentreten. Dieses Verhalten läuft nur auf eine Arnim- Mustau annahm und ihm seinen eigenen Wahlkreis anbot. Düpierung der Wähler hinaus. Viele Jahre haben Zentrum und NationalUnd als Erwählter dieses Wahlkreises, als Vertrauensmann tonservativer Bauern und liberale im Reichstage und vor allem auch im preußischen Landtage zusammen gearbeitet und Handwerker wird Herr Bassermann voraussichtlich in den Reichstag ziehen. Wir möchten die gemogelt. Beide Parteien waren nahe daran, einen Bruderbund abzuschließen, demzufolge Wahlreden hören, die er vor diesen hält! Sic transit gloria mundi!( So vergeht der Ruhm sie sich im Jahre 1908 bei den allgemeinen Reichstagswahlen gegenseitig ihre Wahlkreise der Welt.) War es nicht würdevoller, Herr Bassermann blieb zu Hause, als daß er sich sichern und die sozialdemokratischen Wahlkreise Rheinland- Westfalens unter einander aufteilen unter das Joch eines ostelbischen Junters beugte und aus dessen wollten. Diesem sauberen Bündnis hat die Reichstagsauflösung und der Neujahrsbrief Bülows, Hand demütig das Mandat in Empfang nimmt? Würdeloser hat noch nie in dem er zum Kampf gegen Sozialdemokratie, Zentrum, Welfen und Polen aufforderte, ein liberaler Parteiführer in Deutschland geendet. ein jähes Ende bereitet. Aber wie der Führer, so die Partei, die überall mit Junkern und Junkergenossen gegen Wenn auf Grund dieser Ereignisse der Nationalliberalismus tut, als wolle er jetzt die aufstrebende Arbeiterklasse und ihre politische Vertretung, die Sozialdemokratie, gemeinsame wirklich liberal werden, ja wenn einzelne seiner Kandidaten so weit gehen, Sache macht. anzukündigen, sie wollten für die Trennung der Kirche und Staat eintreten, Den Nationalliberalen in stetiger Gemeinschaft mit den Konservativen hat so ist dies eitel Heuchelei und Wählerfängerei. Bis heute hat kein das Volt es zu verdanken, daß, sobald die Faschingswahlen des Jahres 1887 diesen beiden Nationalliberaler tein sogenannter entschiedener Liberale, ja selbst Parteien eine Mehrheit verschafft hatten, sie die dreijährige Gesetzgebung 3- nicht einmal ein bürgerlicher Demokrat gewagt, weder im Reichstage noch in einem Landtage periode des Reichstages auf fünf Jahre verlängerten lediglich zu die Trennung der Kirche vom Staat ernsthaft anzuregen. Die Trennung der Kirche vom dem Zweck, die Abgeordneten vom Willen der Wähler möglichst unabhängig zu machen. Staat wäre das wirklichste Kulturkampfmittel gewesen, allerdings nicht bloß gegen die Die Nationalliberalen haben bisher allen Militär-, Flotten- und Kolonial- katholische, sondern auch gegen die protestantische Kirche. Selbst in der Siedehizze des Kulturborlagen zugestimmt; ihre Presse, die Presse der Waffen-, Munitions-, Montierungs-, tampfes in den 70er Jahren hat der Liberalismus sich nicht getraut, diese Frage aufzuwerfen. Panzerplatten, Schiffsbau- und Eisenbahnmaterialien- Lieferanten hat sogar meist die Re- Sie war für ihn ein Pflänzchen Rühr- mich- nicht- an" 1 Und zwar aus dem Grunde, weil für gierungen zu neuen Rüstungen und Ansprüchen gedrängt. Die Nationalliberalen die bürgerlichen Parteien wie für die Regierungen die Kirche das Leitseil ist, an sind für alle Fehler unserer inneren und äußeren Politik verantwortlich. Sie haben dem man die ungebärdigen Massen im Baum zu halten sucht. Auch wenn der Bourgeois fie entweder geduldet oder unterstützt. Die Nationalliberalen waren allezeit fanatische nicht glaubt und die wenigsten sind gläubig so soll doch das Volk glauben, denn Anhänger der Ausnahmegesetze und Ausnahmemaßregeln gegen ihnen unbequeme für das Volt ist die Religion notwendig". Das haben wir in den letzten Parteien und Bevölkerungsschichten. Auch auf diesem Gebiete waren sie vielfach die An- Jahrzehnten von sehr hoher Stelle öfter gehört. Das ist der Gedanke, der die herrschenden treiber der Regierungen. Sie unterstützten die Ausnahmegeseze und lassen vom ersten bis zum letzten ihrer Angehörigen erfüllt, darum wollen sie es nicht mit Ausnahmemaßregeln gegen die Elsaß Lothringer, gegen das der Kirche verderben, in der sie eine wirksame Stüße für ihre Ausbeutung und Unterdrückung Zentrum, die Sozialdemokratie, die Dänen und die Polen. Bei der sehen. Und als Buchtmittel für die Massen ist die katholische Stirche zweifellos biel wirksamer Bolenpolitik, deren vollständigen Zusammenbruch erst bor einigen als die protestantische. Daher die Freundlichkeit gegen die katholische Kirche, die in den Zagen die offiziöse Nordd. Allgem. 3tg." zugestehen mußte, waren höchsten Kreisen vorhanden ist. Es ist daher auch voller Ernst, wenn Bülow erklärt, daß er den Kampf nicht gegen sämtlichen Ausnahmegeseze und Ausnahmemaßregeln, gegen alle die erwähnten Parteien das Zentrum als religiöse Partei, sondern als politische Partei aufnehme. Der nacheinander erlitten, hat die Bereitwilligkeit der Nationalliberalen, immer wieder für neue gute Mann übersieht nur, daß das eine das andere bedingt. st erst der Asahlkampf vorüber, so werden weder die Liberalen und die Nationalliberalen die Frage der Trennung der Ausnahmegesetze, für neue Unterdrückungsmaßregeln zu stimmen, nicht vermindert. Die Nationalliberalen sind daher auch nächst den Konservativen Kirche vom Staat aufwerfen, noch wird Bülow oder wer dann sonst an seiner Stelle steht, die grimmigsten Gegner der politischen Gleichberechtigung der Arbeiter und ärmeren Volks. darauf eingehen. schichten mit der sogenannten höheren Klasse" der Gesellschaft. Sie find Feinde des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts. Ihre gegenteiligen Versicherungen, die sie jetzt im Wahlkampfe durch ihre Kandidaten abgeben lassen, haben nur den Zweck, Einfältige einzufangen und die Wähler nicht vor den Kopf zu stoßen. " 0 sie noch in den letzten Wochen die Rufer im Streite. Der vollständige Bankrott, den die " " Deutschland, die fromme Kinderstube. Ist teine französische Mördergrube. Was in Frankreich, dem katholischen Frankreich möglich ist, ist noch lange nicht im bermuderten Deutschland, im Deutschland der Hohenzollern und der Junker möglich. Die Probe auf ihre" arbeiter- und volksfreundliche" Gesinnung haben sie bei den Darum müssen unsere Parteigenossen überall diese öden Kulturkampfphrasen entschieden Bahlräubereien in Sachsen, Hamburg und Lübeck gezeigt. Ferner bei den zurückweisen, wo sie im nationalliberalen oder liberalen Lager auftauchen. Es ist weder Wahlrechtsverschlechterungen in den Gemeinden, wo sie das Heft in den Händen haben. Die Ernst noch Kraft dahinter. gleiche Gesinnung zeigt ihr Widerstand gegen die Beseitigung des preußischen Dreiflassen- Der Neujahrsbrief Bülows hat den Nationalliberalismus galvanisiert; er tut, als wahlsystems. Der neuerdings von ihnen gestellte Wahlantrag auf Einführung eines Plural habe er noch Bengungsfähigkeit, obgleich seine Impotenz längst amtlich und wahlrechts in Preußen bestätigt nur ihre Feindschaft gegen das gleiche und geheime Wahl- außeramtlich testiert ist. Sorge die Wählerschaft am 25. Januar recht. Es soll das Muster für ein künftiges Reichswahlrecht abgeben. Die Widerwilligkeit, dafür, daß er auf den Invalidenetat gestellt wird. Eine widerspruchsdie sie der Landtagswahlrechtreform in Ba or, Baden, Hessen usw. gegenüber gezeigt haben, vollere und unzuverlässigere Partei als die Nationalliberalen gibt es nicht. Sahlkamps. Neue Rufe nach Wahlentrechtung des Proletariats! Die bürgerliche Presse entrüstet sich sittlich über ein„sozial- demokratisches Wahlmanöver", dem man zu Leipzig auf die Spur gekommen sein will. Es sollen dort an die 1000 sozialdemokratische Wühler aus dem Wahlkreis Leipzig-Land in den Wahlkreis Leipzig- Stadt verzogen sein.(Leipzig- Land ist sicherer Besitz der Sozialdemokratie, in Leipzig- Stadt siegte 1903 Genosse Motteler in der Stichwahl.) Ein ähnliches Wahlmanöver„solle" bereits 1903 geschehen sein. Die„Leipziger Volkszeitung" habe auf die Meldung nichts Rechtes zu sagen vermocht. Unser Leipziger Parteiorgan hatte die alberne Meldung mit der kühlen Feststellung abgetan, daß eS nichts Ungesetzliches sei, wenn jemand..seinen Wohnsitz nach Leipzig verlege. Uebrigens habe das nationalliberale„Leipziger Tageblatt"(das die Entdeckung zuerst brachte) am allerwenigsten Grund sich darüber aufzuregen, da es erst vor kurzem den„nationalen" Wählern emp- fohlen habe, während der Wahlzeit ihren Wohn- sitz in den Leipziger Stadtkreis zu verlegen. Wir möchten noch hinzufügen, daß, wenn die Meldung des„Leipziger Tageblatts" richtig wäre— unsere Gegner faseln übrigens bei jeder Wahl ein paarmal davon, daß.„auf Kommando des Partei- Vorstandes natürlich", einige tausend„sozialdemokratischer Schlaf- burschen" aus sicheren sozialdemokratischen Wahlkreisen in mindersichere verzogen seien— dann die„Nationalen" noch nicht die geringste Ursache hätten, sich zu beklagen. Denn im Wahlkreise Leipzig-Land sind infolge des Umstandes, daß die nach der Verfassung erforderliche Neueinteilung der Wahlkreise seit Bestehen des Reiches noch niemals vorgenommen ist, jetzt so viel Proletarierwähler zusammengedrängt, daß der Zustand eine Verringerung des Wahlrechts der Sozialdemokraten bedeutet. Leipzig-Land hatte 1903 421 749 Einwohner, 96 927 Wahlberechtigte, 79 706 Wähler und davon 54 819 sozialdemokratische Wähler, neben 20 821 nationalliberalen, 3488 antisemitischen, 344 freisinnigen und 81ö Zentrumswählern. Nach der Verfassung sollte der Wahlkreis ungefähr 100 000 Einwohner und also zirka 22000 Wähler haben! Wenn nun durch den Fortzug sozial- demokratischer Wähler aus Leipzig-Land nach Leipzig-Stadt die Wahl- auSsichten der Sozialdemokratie in letzterem Wahlkreise verbessert würden, so wäre das lediglich eine kleine Korrektur der schreienden Ungerechtigkeit, die die jetzige Wahlkreisgeometrie gegen die Sozial- demokratie verübt I Soviel zur Kennzeichnung der sittlichen Entrüstung der „Nationalen" über das verwerfliche„sozialdemokratische Wahl- Manöver". Welche Schlüsse aber zieht die reaktionäre Presse aus der Meldung des„Leipziger Tageblattes' Z Der„Reichsbote" schreibt dazu: „... ES legt dieS die Erwägung nahe, ob man das Wahl- recht nicht an einen längeren, vorgängigen Ortsaufcnthalt zu knüpfen hätte als bisher; denn auf diese Weise kann das seßhafte Bürger- tum vielfach benachteiligt und das Wahlergebnis im sozialistischen Sinne beinflußt bezw. gefälscht werden, namentlich wenn, wie es den Anschein hat, die Parteileitung derartige Wohnungswechsel auch mit Geld unterstützt. Ja es soll vorgekommen sein, daß manche Arbeiter sogar gesetzwidrig auf Grund dieser Schiebungen � zweimal gestimmt haben, an ihrem alten und ihrem neuen Wohnsitz. Es wird vielleicht gut sein, die Wählerlisten benachbarter Kreise auch auf diese Möglichkeit zu überwachen. Die Sozialdemokratie mit ihrer fanatischen Agitation und ihrem bekannten Partei- moralboden bringt mancherlei fertig. Das beste freilich wäre, wenn durch eine Reform desWahlgesetzes nebenEin- sührung der Wahlpflicht auch die Verlegung des Be- ginnes der aktiven Wahlberechtigung vom 25. auf daS 30. LebcnS- jähr beschlossen würde. Dadurch würden die jungen fluktuierenden Kreise von der Wahl ausgeschlossen und die Wahl den seßhaften Klaffen mit reiferem Urteil zugewiesen." Das ist die nackte, klare Aufforderung zur Verschlechterung des Wahlrechts, zur Entrechtung des Proletariats. Denn der Arbeiter ist's vornehmlich, der nicht seßhaft werden kann, der Arbeiter ist's, der durchschnittlich kürzere Lebensdauer hat als der Bourgeois, der Arbeiter also, den jede Hinaufsetzung des WahlalterS vor allen Dingen trifft. Die Bindung der Wahlberechtigung an längeren Ortsaufcnthalt, die Hinaufsehung des WahlalterS, beides ist eine Maßnahme gegen die Arveiterschast, beides bedeutet eine Verkümmerung des Wahlrechts der Arbeiterklasse! Wnhlrechtsraub planen die Reaktionäre. Der„Reichsbote" hat ausgesprochen, was der ständige Gedanke der„nationalen" Politiker ist! Arbeiter, seid auf dex Hut l Wie selten bei einer Wahl arbeiten die Gegner im stillen. Das Anwachsen der Zahl derjenigen, die die Wählerlisten einsahen, ist ein Zeichen dieser eifrigen Arbeit unserer Feinde I Es heißt alle Kräfte anspannen, jede Minute aus- nützen, damit eine WahlrechtSräuber-Mchrhrit im neuen Reichstage nicht zustande kommt. Es gilt am 25. Januar das wichtigste, das kostbarste Staats- bürgerrecht zu verteidigen, es gilt mit dem Stinimzettel zu schützen das ReichStagswahlrecht daS allge:.' gleiche, geheime und direkte Wahlrecht! Auf die frechen Verdächtigungen des PastorenblatteS, daß Sozialdemokraten zweimal zu wählen geneigt feien, lohnt es sich nicht einzugehen. Nach der großen Niederlage von 1903 hat die OrdnungSpreffe dergleichen Behauptungen in verschwenderischer Fülle aufgestellt— nachgewiesen wurde so gut wie nichts l An die Tabakarbeiter Deutschlands! ' Im weiteren Verfolg des uns vom vorjährigen Tabakarbeiter- kongreß gewordenen Auftrages halten wir es für absolut not- wendig, angesichts der am 25. Januar dieses Jahres stattfindenden ReichstagSwahl uns an sämtliche Tabakarbeiter Deutschlands zu wenden. Der am 13. Dezember aufgelöste Reichstag hat der Tabak- industrie durch das im Monat Mai vorigen Jahres angenommene Zigaretten st euer-Gesetz eine große Belastung auferlegt, die, wie nachgewiesen, kolossale Arbeitslosigkeit im Gefolge hatte und der weiteren Einführung der Maschinen in der Zigarettenindustrie Tür und Tor öffnete, obgleich die Regierung glaubte, durch plötzliche, nie vorher gekannte herzlose Ausweisung von Ausländern dieser Arbeitslosigkeit steuern zu können. Gegen d»iese Belastung der Tabakindustrie haben im verflossenen Reichstage nur die Sozialdemokraten und Freisinnigen nebst etlichen Polen gestimmt. Vom neuen Reichstage hat die Tabakindustrie bei dem sich fortwährend gewaltiger steigernden Geldbedürfnis des. Reiche? das allerschlimmste zu erwarten. Nicht gur. daßdaSZigarettensteuergesetz sehr leicht eine Hand- habe bieten kann zur Ausdehnung erhöhter Besteuerung äuch auf die Zigarrenindustrie; je nach der Zusammensetzung des neuen Reichstages haben wir auch zu erwarten, daß die Reichsregterung mit ihren alten, bis jetzt noch abgelehnten Steuerplänen: Fabrikatsteuer, Erhöhung des Tabak- z o l l e s und dergleichen auf der Bildfläche erscheint und dann vielleicht noch größeres Glück als bisher haben wird. Da die Tabakarbeiter Deutschlands die größte Befürchtung hegen müssen, je nach der Zusammensetzung des neuen Reichstages in erster Linie eine weitere Verschlechterung ihrer elenden, traurigen Lage durch ihn bewirkt zu sehen, so halten wir eS für unsere Pflicht, darauf hinzuweisen, daß auch die Tabakarbeiter mit zu denjenigen Wählern gehören, die ihr Schicksal bei den kommenden Wahlen in der Hand haben. Jeder Tabakarbeiter ist verpflichtet, im ureigen st en Jntersse sich an der Wahl zu beteiligen und nur dem Abgeordneten seine Stimme zu geben, der ihm zuverlässig erscheint, jeder neuen Belastung des Tabaks strikte entgegen zu treten. Als vollständig zuverlässig erscheint uns nach ihren Er» klärungen nur die Fraktion der Sozialdemokratie; nur sie gibt uns die Bürgschaft, daß sie gegen jede weitere Belastung ihr Veto ein- legt. Zwar haben bei der Abstimmung über das Zigarettensteuer- gesetz im aufgelösten Reichstag auch die Freisinnigen, wie schon oben erwähnt, ebenfalls dagegen gestimmt; aber wer bürgt uns dafür. daß sie neuen Tabaksteuerprojekten der Regierung ebenso ihre Zu- stimmung versagen würden? Jetzt, wo sie Regierungspartei ge- worden und der Regierung entgegen zu kommen bereit waren, müßten sie ihr konsequenterweise auch alle und jede Forderung bewilligen, die zur Fortführung dieser ihrer Heeres-, Flotten- und Kolonialpolitik dem Reichstag vorgelegt werden. Tabakarbeiter Deutschlands! Aus dem oben Ge- sagten geht doch zur Genüge hervor, daß wir einmütig in diesem Wahlkampf unsere Stellung einzunehmen haben. Jetzt ist der Augenblick gekommen, der erfaßt sein will und sämtliche Tabak- arbeiter auf dem Posten finden muß. Alle Kongresse, alle sonstigen Maßnahmen durch Agitation, Versammlungen können den Wert nicht beanspruchen, den der jetzige Augenblick für uns hat. Sind die Würfel gefallen und kommt die Regierung mit neuen Tabak- steuerplänen, so kann das Klagen und Jammern darüber sehr leicht zu spät kommen. Darum Tabakarbeiter haben wir in diesem Wahlkampf unsere Lage und die Lage unserer Familie ins Auge zu fassen, und dem- gemäß können wir unsere Stimme nur abgeben für die Ver- treker des Proletariats, für die Sozialdemo- kratie! In den Reihen dieser Partei befindet sich niemand, der für agrarische, zollwucherische und f l e i s ch V e r- teuernde Politik zu haben ist. Für diese Politik haben in erster Linie Konservative, Nationalliberale, Zentrum und Antisemiten gestimmt; auch haben diese Parteien uns das Zigarettensteuergesetz beschert. Für diese Par- teien darf kein Tabakarbeiter eintreten, denn das wäre so gut wie Selbstmord. Jeder Tabakarbeiter spürt doch in erster Linie am eigenen Leibe die verheerenden Wirkungen der Zoll- und Steuer- Politik, der Fleischteuerung,' der dadurch hervorgerufenen Unter- ernöhrung bei völlig unzureichenden Löhnen, die jeder Beschreibung spotten. Tabakarbeiter! Auf zur Wahl! Niemand darf fehlen! Jeder hat seine Stimme abzugeben für die Vertreter der Armut, des Proletariats, der Sozialdemokratie! Die Zentralkommission der Tabakarbeiter Deutschlands. I. A.: W. Boerner. Karl Butry. dlB. In Nr. 20 des„Tabakarbeiter" vom 20. Mai 1906 ist die Abstimmungsliste des Reichstages abgedruckt. Aus derselben ist zu ersehen, wer für und wer gegen das Zigaretten- steuergesetz gestimmt hat. Alle Arbeiterblätter werden um gefälligen Abdruck ersucht. Landbriefträger als konservative Flugblattverbreiter. Zu dieser unserer Meldung aus dem Kreise Labiau-Wehlau er« halten wir folgende Tatsächliche Berichtigung. ES ist unrichtig, daß im Kreise Labiau am Sonntag, den 30. Dezember, Landbriefträger mit der Verteilung von konservativen Flugblättern außerdienstlich und umsonst beschäftigt worden sind. Richtig ist, daß am 29. und 30. Dezember vorigen Jahres eine Anzahl Wahldrucksachen durch die Post verschickt snw. Am 30. sind sie aus dem Lande nirgends ausgetragen, denn es war Sonntagsruhe; am 31. sind die Briefträger dadurch allerdings amt- lich stark beschäftigt gewesen. Der Borsitzende des konservativen Kreisvereins. Thoma- Popelken. Dieselbe Berichtigung ist der.Königsberger Volkszeitung" zu, gegangen. Unser Wruderblatt bemerkt dazu:„Daß unsere Genossen nur am Sonntag den 30. Dezember Flugblätter verteilt und auch n u r an diesem Tage Landbricftröger angetroffen haben, die von H a u s zu Haus gingen und Flugschristen der Konservativen ab- gaben. Unsere Genossen leisteten dem e in e n Land- briefträger sogar noch Hülfe, indem sie den Sack mit den konservativen Flugblättern trugen, weil der arme Postbote eS gar zu schwer hatte." Wünschenswert wäre noch, zu wissen, ob die konservativen Flugblätter und Drucksachen mit Adresse, Marke und Stempel ver- sehen waren. Denn sind sie ohne das verteilt worden, so erweist sich die Behauptung, daß die Londbriefträger sie amtlich als Post- fachen bestellt hätten, als falsch, da die Post nicht adressierte Scn- düngen nicht annimmt. Wahlkampf i« Saarabie«. Der Hilger- Krämerprozeß hat dem faarabischen Shstsm doch den Todesstoß oersetzt. DaS empfinden auch die saarabi- scheu Scharfmacher, denn sie ziehen sehr resigniert in die Wahl- schlacht, befürchten doch viele, daß bei diesem Kampf ihre sicherste Hochburg fällt. In St. Johann und Saarbrücken herrscht selbst im liberalen Lager eine arge Mißstimmung gegen den Kandidaten Bolz, der als Vertreter der Großindustrie und des reinen Scharf« machertnms gilt, gegen das infolge der BürgermeisterkrisiS anläß- lich des durch den Oberscharfuiacher Dr. T i l l e emgelciteten StädtevereinigungL-rummels cnie lebhafte Opposition entstanden ist. Die kleinen Geschäftsleute, die Handwerker empfinden ebenfalls schon den Druck der Großindustrie und lernen ihre Gefahr all- mählich erkennen, sie hätten deshalb lieber gesehen, daß ein Kandi- bat des Bürgertums aufgestellt worden wäre, jedoch als L o p e l i u S, Röhling, Weitzdors uttd Dr. Till« gesprochen haften, wagten sie dem nicht entgegen zu treten. Aber Sympathie haben sie für die Kandidatur.Bolz nicht. Die Großindustrie macht die alten Anstrengungen und es ist mit Bestimmtheit damit zu rechnen, daß der bei früheren Wahlen geübte brutale Terrorismus auch dieses Mal wieder, vielleicht noch verstärkt, geübt wird. Die Bur- bacher Hütt« hat ihre Beambm In dem sogenannten Hütten verein organffiert und dieser bildet für die Hüttenbelegschast daS national- liberale Wahlkomitce. Die Arbeiterschaft ist in Kolonnen eingeteilt und jeder Meister führt seine Kolonne geschlossen in die Wahlver- sammln, igen, selbstredend nur in nationalliberale. Unserer Partei steht im ganzen Wahlkreis außer dem St. Johanner Tivoli kein Saal zur Verfügung und dorthin wagt sich kein Hüttenarbeiter und noch weniger ein Bergmann, weil die Spitzel immer noch scharenweise ausgesandt werden. Der große städtische Saal in Saarbrücken, der auf Kosten aller Bürger errichtet worden ist. steht nur den Nationallibevalen zur Verfügung und auf eine Eingabe an den Stadktat, mich unserer Partei den Saal AU überlassen, haben die „liberalen" Herren nicht einmal geantwortet. Wie sie denn auch in ihrer Presse unsere ganze Tätigkeit einfach totschweigen. Selbst das Zentrum dürfte in Burbach, im Machtbereich der Hütte kaum ein Versammlungslokal bekommen, wenigstens hat es bis jetzt, außer im katholischen Volks hausin St. Johann, noch keine Wahwersamm- lnnge abgehalten. Flugblottverteiler werden an der Hütte noch immer mcht geduldet und selbst von der offenen Landstraße sucht der Hüttenpoligist sie fortzujagen. Bei der Wahl von 1903 fuhr die Hütte gegen unsere Flugblatwerteiler die Feuerspritze auf, hatte aber später nicht mal den Riut, zu bekennen, wer eine solche„Helden. tat" veranlaßt hatte. Der Tater konnte nicht gefaßt iverden, weil die Arbeiter, um ihre Arbeitsstelle nicht zu verlieren, zu feige waren, den Beamten zu— kennen. Von der Gvubendircktton sind den Inspektionen hektographierte Versammlungsaufttellungen vom nattonalliberalen Wahloerein zugestellt worden und in den Versammlungen schwingen hohe Gruben- beamte fulminante Reden für die— nationale Ehre. Auch hier ist zu befürchten, daß die im Krämerprozeß aufgedeckte schamlose Stimmzettelkonttolle im Wahllokal durch Bcmnt-enspione sich wieder- holen wird. Bon unserer Seite, wie auch vonseiten des Zenttums wird man nach dieser Richtung hin schon die Augen aufhalten. Leute zum Verteilen von Stimmzetteln werden wir unsererseits im ganzen Bergrevier vor den Lokalen nicht aufstellen können, weil ein Arbeiter von ihnen keinen Zettel annehmen darf. Denn dafür leben wir in einem„freien Rechtsstaat". Wir werden aber unsere dosten Leute mit der Kontrollierung der Wahlldkale beauftragen. Von vornherein haben wir damir gereckmet, daß die Polizei uns Schwierigketten macht und zwar mehr als bisher geschehen ist. Daß die saarabische Polizei die Bestimmungen des Wahlgesetzes können soll, darf niemand von ihr erwarten, denn bisher wurde noch nicht gewählt und da ihre„ehrenvollste" Tätigkeit in der Bekämpfung der A rbei terbewegung besteht, ist es für ein Polizeihirn einfach unsaß- bar, baß man die„Roten" während der Wahl schonen soll, gerade dann, wenn sie an, gefährlichsten sind. Bei unserer ersten Flug- blattverbrcitung auf dem Lande, am 30. Dezember, wurden auf mehreren Ortschaften die Verteiler protokolliert, andere nach der polizeilichen Erlaubnis gefragt. In Völklingen wurden einem Genossen die Flugblätter auf der Straße konslsziert und ein anderer, der sie auf offener Straße nicht hergab, zur Wache sistiert und sie ihm dort abgenommen,. Ans erhobene Einsprache beim Landrat v. Böttcher erhielten wir die Zusicherung, daß derartige lieber» griffe nicht wieder vorkommen sollten. Eine direkte Belästigung außer der Hüttenpolizei in Burbach ist denn auch im Saarbrücker Kreise nicht mehr vorgekommen, dahingegen wurden am vergangenen Sonntag in Dillingen, Kreis Saarlouis, acht Ge» nassen die Flugblätter beschlagnahmt nnd weitere acht, die ihre schon verteilt hatten, ehe die Polizei„einschritt", wurden protokolliert. Ms d,e Ge- nossen den Kommissar auf die Gesetzwidrigkeit seines Handelns auf- merksam machten und ihn, frugen, ob ihm, denn nicht bekannt sei, daß der Landrat v. Böttcher die Bürgermeister angewiesen hätte. den Flugblattverbreitern nichts in den Weg zu legen, �erklärt« der Ordnungshüter, daß er Persönlich sehr gut wüßte, daß die Druckschriften verteilt werden dürften und daß die Polizei kein Recht zur Konfiskation habe, auchwisseer.daßderLanbrzrtv. Wöttcherdiesrag» liche Anordnung hätte ergehen lassen, aber nur für seinen K reis. Er.derKommissar, könneaber nichts daraus ändern, denn er habe direkten Befehl, die Flugblätter zu beschlagnahmen! Die Genossen sollten es so machen wie in Saarbrücken und zum Landrat gehen! In Saarlouis selbst und in Fraulautern bei Saarlouis fand keinerlei Belästigung statt. Wetter auf das Land hinaus wagen sich die Genossen im Wahlkreis des Sittsnapostels Roeren noch nicht, weil sie befürchten müssen, von der fanatisierten katholischen Menge totgeschlagen zu wecken. In der Residenz des seligen Jndust riethrannen S t u m m, in Nounkirchen sieht es genau so auS. Auch dort haben zahlreiche Protokollicrungen stattgefunden und Prügel hat es ebenfalls schon abgesetzt. Selbst in der Stadt Neun- kircben, im Fuchsviertcl hat man unseren Genossen die geisttge Wafte des Zertttums, den Besen bis ans die Straße nachgeworfen und als unsere Genossen nach der Flugdlattverteilung bei einem ullramontanen Wirt einkehrten, erklärte dieser, daß er für Sozial» demokraten kein Bier habe! So kämpfen in den saarabischen Wahl- kreisen die„Otbnungsparieien" mit„geistigen" Waffen gegen den „Umsturz". Aber ihre Mittel werden versagen, denn die Sttmmung unter der Arbeiterschaft ist vorzügliche der Mut unserer Genossen uiibegrenzt und, dessen sind wir sicher, der Wahltag wird für ruqere Partei auch in Saarabien ein Ehrentag sein. Magdeburg. Besonderes Jnbercsse dürfte dieses Mal die Wahl in Magde» bürg beanspruchen. Bei der Reichsdagswahl im Jahre 1893 wurde Genosse Pfannküch im ersten Wahlgang gewählt, während uns 1903 erst die Stichwahl den Sieg brachte. Dieser ungünstige Ausfall war offenbar auf eine falsche Siegeszuversicht zurückzuführen, der- zufolge die Genossen mcht alle Kräfte anspannten. Bei der dies- maligen Wahl sind unsere Genossen von einer anderen Stimmung beseelt. Sie glauben zwar nicht weniger zuversichtlich an den Sieg, aber sie wollen ihn so glänzend gestalten, daß die Schlappe von 1903 wieder weit gemacht wird. Die Wcchlarbeitcn werden daher mit größtem Eifer bettieben. Neben dem Genossen Pfannküch ringen noch zwei weitere Kandidaten um die Gunst des Volkes: Fleische nneister Kob elt, der Kandidat de? Misch. masches und Herr Erz berger, den daS Zentrum als Zählkandr- daten aufgestellt hat. Wie kaum in einjem zweiten Wahlkreise haben in Magdeburg die„nattonaleu" Parteien allcS„Trennende hmten- angesetzt". Man höre nur, was alles hinter der Kandidatur Kabelt steht: Nationalliberale, Freistnnme Volkspartei. Konservative. Mitbelstandsvereinigung, Reichsverbcmd-gegen die Sozialdemokratie, Verband reichStteuer Arbeiter, Sozial liberale und Reform» parteiler.' Das ist'eine bunte Gesellschaft! Im Wahlausschuß sitzen Vertreter aller dieser Parteien und Korporationen; auch ein Führer der H i rs ch- D u n ck e r s ch en gehört dem Ausschuß an. Einttächtig wirkt er und mit ihm„Freisinnige" und„Liberale mit Erzreaktionären und Scharfmachern zusammen. Dieser wirklich gemischten Gesellschaft ist auch der Kandidat würdig, den sie sich aus- erkoren hat. Ein Mann von Gesinnung hätte sich dagegen gesträubd, von einem solchen Block aus den Schild gehoben zu werden. Herr Kobelt. der„schlichte Mann aus der Wurstküche", will auch gar kern Mann von Gesinnung sein. Er erzählt seinen Wählern, daß er als Kompromißkandidat es doch niemand recht machen könne und des- halb auf die Entwickelung eines Programms verzichte. Aber nein! Ein Programm hat er doch: Gegen die Sozialdemokratie! DaS ist sein Schlachtruf und damit will er seiuc Wähler einsangen. Sonst ist er ein herzlich unbedeutender Herr, der naiv genug war. sich zum Duvchfallkckandidaten herzugeben. Möge, ihm der Durch. fall leicht sein! Wenn die Bürgerlichen an«inen Sieg glauben wültden, dann hätten sie sich diesen Herrn nicht. als Kandidaten ausersehen. Der VerlmlmdstngSreiäj&ievbwnd hat in allen bürge r- lichen Lokalen Riosenplakate aushängen lassen, auf denen, mit Riesenziffern gezeigt wird, daß die Partei der NichtWähler schuld an dem Siege der Sozialdemokraten bei der letzten Wahl war. Dm Gewerkvereinler(H.-D.) hatten an Genoffen Pfannküch ein Schreiben gerichtet, ob er die Gewerlvereme gegenüber den anderen bfttthenaerx Organisationen, insbesondere den freien Gewerkschaften als gleichberechtigte Arbeiterorgamsatioircn anerkenne. Genosse Pfannküch hat sich auf den Mannheimer Partei- togsbeschluß berufen, der verlangt, daß die gewerkschaftliche Bewegung von dem Geiste der Sozialdemokratie erfülltwerde. Die Antwort hat den Herren Gewerkvercinlern natürlich nicht gefallen. Herr Kobelt war jedoch ohne Besinnen bereit, ihnen eine befriedigende Antwort zu geben, weswegen che Hirsche nun für ihn mit Pauken und Trompeten in den Kampf ziehen. Unsere Genossen verteilen verschiedene Tausend Exemplare der„Volksstimme" an geeigneten Plätzen an daS•Straßenpublikum. fch Boginn dieser Art der Agitation wurden w,cderholt Verbreiter der..Volksstimme" von der Polizei sisttert, aber bald wieder frer �lassen. Jetzt läßt die Polizei die Verbreiter ungeschoren. Der Wahlkampf in Lübeck ist von der Sozialdemokratie soaleich nach der Auflösung de? Reichs- tages niit größter Energie aufgenommen worden. Der bisherige Abgeordnete. Genosse Theodor Schwartz, wurde von einer von mehr als 2000 Personen besuchten Parteiversammlung einstimmig wieder aufgestellt. Von bürgerlicher Seite hatte man das Gerücht ausgesprengt, Schwartz werde keine Kandidatur mehr annehmen. Auf diese Weise hoffte man Verwirrung in die Wählermassen zu wagen, da Schwartz auch bei dem demokratisch ge- finnten Teil der Lübecker Bürger Ansehen genietzt und ihm zweifel- los auch aus diesen Kreisen Stimmen zufallen. Die Stimmung im Wahlkreise ist indetz ausgezeichnet für uns. Sämtliche Per- sammlimgen, auch die im Landgebiet sind überfüllt. Das Bürgertum ist matt und energielos. Die beiden größten bürgerlichen Parteien des lübeckischen Staates, dieFreisinnigen und Nationalliberalen, verzichteten von vorn- herein aus einen eigenen Kandidaten und stellten den von den Nationalsozialen vorgeschlagenen Oberpostassistenten Klein mit auf._ Für diesen Herrn erklärten sich auch die Agrarier, die Konservativen und Katholiken. So erlebt man jetzt in Lübeck das ebenso seltsame> wie für den Niedergang des„Liberalismus" bezeichnende Schau- spiel, daß ein angeblich liberaler Mann zum Vertrauensmann der Brotwucherer und Wahl- rechtsräuber, die hier vor kurzem erst das Wahlrecht zur Bürgerschaft verschlechtert haben, erhoben wird. Dieser Tage konnte man nun die eigenarttge Beobachtung machen, daß die Landbündler mit Sammellisten für den Liberalen h c r u m l a u fen. Gelder sind überhaupt bei den„vereinigten bürger- lichen Parteien", wie sich der Ordnungsbrei nennt, sehr knapp, denn wie überall geht auch in Lübeck der Patriotismus bei den Herren der Bourgeoisie nur bis zum Geldbeutel. Aber man ist auf einen famosen Ausweg verfallen, um sich Wahlgelder zu verschaffen. Die „vereinigten bürgerlichen Parteien" betreiben nämlich zur Be- kämpfung der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften eine so- genannte Nechtsauskunftsstelle, die nebenbei auch dem von der Arbeiterschaft bereits vor Jahren errichteten Arbeitersekretariat das Wasser abgraben soll. Allerdings sind bisher auf diesem Gebiete keine Erfolge erzielt worden. Die„Rechtsauskunftsstelle" kostet aber Geld! und das muß doch auch für Wahlzwecke vor« handen sein. Da kam denn jemand auf den genialen Gedanken, daß der einfachste Ausweg sei. für die Rechtsauskunftsstelle eine staatliche Subvention zu verlangen. Dann könnte man das Geld, das man sonst für das Institut verwenden müßte, für Wahlzwecke verwenden. Gedacht, getan. Senat und Bürgerausschuß bewilligten H800 Mark aus den Steuergroschen für die„Rechts- auskunftsstelle", die zur Bekämpfung der Sozial- demokratie gegründet worden ist. Diese ersparte Summe kann man jetzt zum Wahlkampf benutzen. Es ist sicherlich sehr gentle- manlike, daß sich das Bürgertum Steuergroschen, die auch von den Sozialdemokraten mit auf- gebracht werden, zur Bekämpfung unserer Partei b ejw i l l i g t. Ist die Opferwilligkeit der„vereinigten bürgerlichen Parteien" gering, so ist ihre Feigheit um so viel größer. In der Presse verspriLt man das Gift des Reichsverleumdungsverbandes; in unsere Versammlungen wagt man sich jedoch nicht und eigene öffentliche Versammlungen find von bürgerlicher Seite überhmwt in Lübeck noch nicht abgehalten worden. Der Kandidat des Bürger- tums vermag weder als Person, noch als Politiker zu interessieren, und allgemeines Staunen erregte es, als sein Name genannt wurde. Die Lübecker Parteigenoffen ziehen mit blankem Ehrenschild in den Kampf, während die vereinigten bürgerlichen Parteien mit dem Ludergeruch des Zollwuchers und des Wahlrechtsraubes be- haftet sind. Wahlziffern. Die nachfolgende Tabelle gibt für die einzelnen Wahlen die Zahl der Wahlberechtigten, die Zahl der Wähler sowie die für die Sozialdemokratte abgegebenen Stimmen an. m' d-- U'xV Wahl- gültige demokratie betmi berechtigten Stimmen°Z�-n-n 1871.... 7656273 8884803 113048 1874.... 8 523 446 5 190 254 850 861 1877.... 8 943 028 5 401 021 493 258' 1878.... 9 124 311 5 760 947 437 158 1881.... 9 090 381 6 097 760 311 961 1884.... 9 383 074 5 662 957 649 990 1887.... 9 769 802 7 640 938 763 128 1890.... 10 145 877 7 228 542 1 427 298 1898.... 10 828 292 7 673 973 1 780 989 1898..,. 11 441094 7 769153 2113536 1903.... 12 528 963 9 495 762 3 010 756 Interessant ist die Tatsache, daß die Zahl der Wahlberechtigten bisher schneller gewachsen ist, als die Bevölkerung. Auf je 100 Ein- wohner entfielen nämlich Wahlberechtigte in der Reihenfolge der Wahlen: 19,4, 20, 8� 20,9, 21,4, 20,1, 20,7, 20,9, 21,7, 21,3, 21,9, 22,2. Auch die Wahlbeteiligung ist besser geworden und sie ist mit einigen Schwankungen sortgesetzt gestiegen. Von je 100 Wahl- berechtigten machten nämlich von ihrem Wahlrecht Gebrauch: 1871 1374 1877 1873 1881 1384 1837 1390 1893 1893 1903 60,3 61,1 60.4 63,3 56.1 60,5 77,4 71,4 72,2 67,9 75.8 Geht die EntWickelung so weiter, dann wird sich die Zahl der Wahlberechtigten diesmal auf zirka 14 Millionen und die Zahl der Wähler auf mindestens!!>/, Millionen stellen. Die Sozialdenio- kratie ist von den Schwankungen in den Wahlziffern nicht berührt worden, auSgenonuncn die Unterbrechung in den Jahren 1878 und 1881, ist sie sortgesetzt und man kann fast sagen: nach einem be- stimmten Gesetz, gewachsen. Das zeigt recht siunenfällig folgende Zusammenstellung:. Für die Sozialdemokraten wurden Stimmen abgegeben in Prozent Jahr der der Wahlberechtigten Wähler 1871..... 1,48 2,91 1874..... 4,12 6,76 1877..... 5,52 9,13 1878..... 4,79 7,59 1881..... 3,43 6,12 1834..... 5,86 9,71 1887..... 7,81 10,<2 1890..... 14,07 19,75 1893..... 16,76 23,21 1898..... 18,47 27,24 1903.... 24,03 31,71 Ihrer Stimmenzahl nach müßte die Sozialdemokratie über 126 Mandate verfügen. Das gibt die Erklärung dafür, daß die gesamten bürgerlichen Parteien, deren Sozialdemolratie-Ver- nichtungsrcdner jetzt auch mit dem gleichen Wahlrecht schön tun. von einer Aenderung der für sie so günstigen Wahlkreisgeometrie, nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit, nichts wissen wollen. Sozialdemokratische Kandidaturen. Provinz Schlesien. Regierungsbezirk Breslau:,. � � Guhrau-Steinau-Wohlau: Vcrbandssekretar Joh. Mommert- Breslau(bisher Graf Carmer. k.). � � Militzsch-Trebnitz: Maurer H. Rösler- Breslau(bisher v. Hehde- branb und der Lafa, k.). �, Gr.-Wartenberg-Oels: Parteisekretär Emil Neukrrch- Breslau (bisher v, Kardorff, Rp,). NamSlau-Brieg: Redakteur Paul L übe- BreSlau. zurzeit Gefängnis in Wohlau bis 12. Febr.(bisher F. v. Spiegel, k.»-- Ohlau-Nimptsch-Strehlen: Verleger Oskar Schütz- Breslau(bisher Rother. I.). Stadt Breslau-Ost: Lagerhalter Franz T u tz a u e r- Berlin(bisheriger Vertreter). Stadt Breslau-West: Eduard Bern st ein-Berlin(bish, Vertreter). Breslau-Land-Neumarkt: Verleger Oskar Schütz-Breslau(bisher Limburg-Stirum, f.). Schweidnitz- Striegau: Redakteur Fr, F e l d m a n n- Langenbielau (bisher v. Richthofen-Damsdorf(k.): Waldenburg: Verbandsvorsitzender Herm. Sachse- Breslau(bis- heriger Vertreter). Reichenbach-Neurode: Schneidermeister August Kühn- Langenbielau (bisheriger Vertreter). Glatz-Habelschwerdt: August K ü h n« Langenbielau(bisher Fr. Hart- mann, Z,). Frankenstein-Münsterberg: August K ü h n- Langenbielau(bisher Graf Praschma, Z.). Regierungsbezirk Oppeln. Kreuzburg-Rosenberg: August Bebel« Berlin(bisher v. Hohenlohe- Oehringen, k,). Oppeln: August Bebel- Berlin(bisher Szmula, Z,). Kosel-Gr.-Strehlitz: Gewerkschaftsbeamter Herm. B a u d e- Kattowitz (bisher Glowatzki, Z.), Lublinitz-Tost-Gleiwitz: Verbandssekretär Danisch- Gleiwitz(bis- her v. Ballestrem, Z,), Beuthen- Tarnowitz- Königshütte: Bergarbeitersekretär Scholthssek- Beuthen(bisher Napicralski, Pole). Kattowitz-Zabrze: Bergarbeiter A d a m e k- Kattowitz(bisher Kor- fanty, Pole). Pleß-Rybnik: Arbeitersekretär And ersch- Kattowitz(bisher Faltin, Z.). Ratibor: Arbeitersekretär Andersch- Kattowitz(bisher Frank, Z.). Leobschütz:(Bisher Klose. Z.). Neustadt O,/S.: Verleger Oskar Schütz- Breslau(bisher Strzoda, Z,). Falkenbcrg-Grottkau: August Bebel-Berlin(bisher Hubrich, Z.). Neiße: Verleger Oskar Schütz« Breslau(bisher Horn, Z.). Regierungsbezirk Liegnitz. Grünberg-Freistadt: Parteisekretär Herm. Stolpe- Görlitz(bisher Blell, frs. Vp,). Sagan-Sprottau: Gauleiter Fr. Schlegel-BreSlau(bisher Müller- Sagau, frs. Vp.). Glogau: Verbandssekretär Herin. Zimmer- Breslau(bisher Hoff- meister, fts. Vp.). Bunzlau-Lüben: Bierverleger Reinhold S ch e b s- Bunzlau(bisher Kern, w.-k.). Löwenberg: Redakteur Stauding er- Leipzig(bisher Kopsch, fts. Vp.). Liegnitz-Haynau-Goldberg: Gauleiter Dietrich- Breslau(bisher Pohl. frs. Vp.,. Jauer-Landeshut-Bolkenhain: Redakteur Herm. Kr ätzig-Berlin (bisher Hermes, frs. Vp.) Hirschberg-Schönau: Redakteur Robert Albert- Breslau(bisher Ablaß, frs. Vp.) Görlitz-Lauban: Parteisekretär Herm. Müller-Berlin(bisher Mugdan, fts. Vp.) poUtifcbe Qeberltcbt Berlin, den 10. Januar 1907. Ultramontane Arbeiterkandidaturen. Das Zentrum hat. wie die„Kölnische Volkszeitung" mitteilt, folgende Arbeiterkandidaturen aufgestellt: Giesberts (Essen), Schiffer(Borken-Recklinghausen), Becker(Olpe- Meschede), Wiedeberg(Hamm-Soest), Efferft(Dortmund), Kloft(Bochum), Gronowski(Duisburg), Röhling(Solingen). Fischer(Mülhausen i. E.), Schirmer(Cham i. Bayern). Unter diesen Wahlkreisen, so meint das Blatt, seien mehrere „bombensichere Zentrumsdomäuen": genannt werden Arns- berg-Olpe-Meschede, Borken-Recklinghausen und Cham. Der sauerländische Wahlkreis ist allerdings von altersher unbe- strittener Zentrumsbesitz, aber für den Arbeitersekretär Becker ist er durchaus nicht sicher, da bekanntlich Johannes Fusangel ihm den Kreis streitig macht. Was Borken-Recklinghausen betrifft, so äußerte noch vor kurzem ein Zentrumsblatt, die „Trierische Landeszeitung" lebhafte Befürchtungen, daß er der Sozialdemokratie in die Hände fallen könnte. Deshalb hat man ja gerade den Gewerkschaftsführer Schiffer aufgestellt, weil man glaubt, daß er den Kreis retten wird. Im übrigen hat es große Mühe gekostet, die Aufstellung Schiffers im Wahlkreise durchzusetzen, und hätte man nicht Herrn Euler, den bisherigen Vertreter, im zentrumssicheren Trier unter- gebracht, wäre es zur offenen Auflehnung gekommen. Aus der Liste der„Kölnischen Volkszeitung" vermissen wir die Arbeiterkandidatur Schwartmann in Osnabrück. Sollte dort die Opposition, die sich unter Führung des ein- flußreichen Zentrumsmannes Korff gegen den Arbeiter- kandidaten geltend macht, bereits Erfolg gehabt haben und Herr Schwartmann das Schicksal seines Kollegen Wernerus teilen, der vom Kreiswahlkomitee als Kandidat für Saar- brücken aufgestellt, auf einen Wink der besseren Zentrumsleute einem Justizrat Platz machen mußte? Im allgemeinen bleibt die Tatsache bestehen, daß das Zentrum seinen Arbeiterkandidaten die unsicheren oder völlig aussichtslosen Wahlkreise überläßt,'namentlich solche, in denen es den Kampf mit der Sozialdemokratie zu bestehen gilt, wie Essen, Duisburg. Dortmund,"Bochum. Hier herrscht außerdem das liberale Großkapital, demgegenüber die Zentrums- agitatoren schon. mal ein radikales Wort wagen� können. Ja den eigentlichen Zentrumsdomänen, wo der katholische Unter- nehmer herrscht: in Krefeld, M.-Gladbach, Aachen usw. hütet man sich wohlweislich. Arbeiterkandidaturen aufzustellen, trotzdem solche, wegen der industriellen Natur dieser Kreise, hier ebenso angebracht wären wie in Essen oder Dortmund. Wie die Zentrumsbauern die ultramontanen Arbeiter- kandidawren auffassen, beweist ein gegen die Kandidatur des Postbeamten Hamecher in Köln-Land gerichteter Artikel der„Rheinischen V o I k s st i m m e", worin es heißt: „Es läßt sich in der jetzigen Wahlkampagne unschwer er- kennen, durch die vielfach erfolgte Aufstellung der Arbeiter- sekretäre, daß die Politik des Zentrums auf eine weitere Demokratisierung gerichtet ist. Denn darüber täusche man sich doch nicht, diese Arbeiterorganisationen resp. deren Leiter stehen mit einem Fuß. im Zentrum und mit dem anderen in der Sozialdemokratie. Der ländliche Arbeiter, soweit er noch auf der Scholle sitzt, wird heute durch alle möglichen Einwirkungen mit seinem für ihn vorteil- haften und naturgemäßen Verhältnis zu seinem Arbeitgeber hinausgedrängt und gegen den- selben aufgewiegelt. Das dürfte sich einmal in kritischen Zeiten bitter rächen, denn politisch zuverlässiger und kirchlich treuer werden diese Leute durch Abwanderung vom Lande oder Verlassen der landwirtschaftlichen Arbeit gewiß nicht. Die besten Stützen hat das Zentrum gerade auf dem Lande in dem Bauernstande, und deshalb sollte man die auch nicht sovordenKoPf stoße n." Das Blatt der rheinischen Zentrumsbauern mag sich be- ruhigen. Die Herren Spahn, Gröber und Trimborn wissen ganz genau, wie weit sie zu gehen haben. Das Zentrum wird immer bleiben Käs e'Z ist: eine bürgerliche Jnleressett- Vertretung. Die ultramontanen Arbeitcrkandidaturen sind nichts als ein Wahlmanöver. Der Klasseninstinkt der katholi- fchen Arbeiter soll den Fraktionsinteresten dienstbar gemacht werden. Im übrigen bleibt die Zahl der Arbeitervertreter im Zentrum stets so gering, daß ihr Einfluß gegenüber den agrarischen, kapitalistischen und zünftlerischen Interessen in der Partei gleich Null ist._ Abermals ein„Dementi". Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung' erklärt: „Durch ein heute, nacht eingegangenes Telegramm aus Wind« huk wird ausdrücklich'festgestellt, daß das von Oberst v. Deimling am 24. Dezember 1906 gemeldete Unter werfungs- abkommen von dem Oberstleutnant v. Estorff mit Johannes Christian, dem Kapitän der Bondelzwarts, erst am 23. De- zember 1906 in Ukamas abgeschlossen worden ist. � Die vom„Vorwärts" verbreitete Nachricht, die Unterwerfung der Hottenlotten sei bereits am 2. Dezember 1906 in Windhuk bekannt gewesen, erweist sich somit als völlig unwahr." Auch dieses Dementi läßt an Klarheit sehr viel zu wünschen übrig. Wenn auch das Unterwerfungsabkommen erst am 23. Dezember 1906 geschlossen worden ist, so fragt es sich doch, ob die Verhandlungen nicht schon viel früher geführt worden sind. Außerdem berührt es eigenartig, daß Oberst Deimling am dem- selben Tage, wo er über das Zu st anbekommen der Kap i« t u I a t i o n berichten konnte, gleichzeitig zu berichten imstande war, daß sich 155 Eingeborene mit ihren Waffen ergeben hätten. Wenn eine so prompte Ratifizierung des Unterwerfungsabkommens möglich war, so müssen sich doch bereits längere Zeit die Parteien im Waffenstillstand befunden haben. Im übrigen bemüht sich die.National-Zeitung' in ihrem Uebereifer, der„Nordd. Allgem. Ztg." das Konzept gründlich zu verderben. Sie berichtet nämlich, daß sich der„Wahlverein der alten Afrikaner" telegraphisch an einen Rechtsanwalt in Keetmans« hoop gewendet hahe mit der Bitte, er möge sofort zu dem in Kalk- fonteine internierten Führer der Bondelzwarts, Johannes Christian, reiten und feststellen, aus welchen Gründen sich die Hottentotten ergeben hätten. Dieser Rechtsanwalt hat nun folgende Drahtnachricht gesandt: „Bondels anknüpften bereits Ende Oktober Verhandlungen Ergebung, wurden aber unter Angabe, Truppen bald zurück- gezogen, von weißer Grenzbevölkerung Kapkolonie Fortführung Krieges aufgestachelt. Verdienst endlicher Niederwerfung gebührt ausschließlich Truppe." Hieraus geht hervor, daß die Unterwerfungsverhandlungen bereits seit Oktober schwebten I Die Regierung hat aber hierüber weder in der Budgetkommission noch im Reichstag irgend etwas der« lauten lassen I Daß Johannes Christian dem Rechtsanwalt erzählt hat, sein Widerstand fei von der englischen Grenzbevölkerung der Kapkolonie aufgestachelt worden, ist leicht begreiflich. Der gefangene Kapitän der Bondelzwarts sucht natürlich seinen Widerstand so gut wie mög« lich zu rechtfertigen. Bei alledem bleibt die Tatsache bestehen, daß auch heute noch die Regierung nach Niederwerfung des Aufstandes und Beendigung des Krieges die Truppenzahl in Südwestafrika nicht auf weniger als 8200 Mann, reduzieren zn wollen erklärt hat. Die Regierung will auf alle Fälle in Südwest ihre Kolonialarmee behalten I Die Schaffung dieser Kolonialarmee aber war das A und O der Motive der Reichstagsauflösung I— ••• DeutFcbcs Reich, Eine geplante Wahlkoalition für 1908. Die„Germania" leistet sich in ihrer letzten Nummer das Vergnügen, den Fürsten Bülow als den„ F ö r d e r e r u n d Mehrer der Sozialdemokratie" hinzustellen, denn dadurch, daß er den Reichstag vorzeitig auslöste, hätte er, meint sie, die sozialdemokratische Partei nicht nur vor der- fchiebenen Mandatsverlusten bewahrt, sondern ihr auch Vor- schub geleistet, neue Mandate zu gewinnen. Dabei gesteht das ultramontäne Blatt ein— und hierin besteht für uns der Wert seines Artikels— daß wenn die letzte Reichstagsperiode normal verlaufen und erst im Jahre 1908 gewählt worden wäre, höchst wahrscheinlich sich alle reaktionäre Parteien, Konservative, Reichsparteiler, Nationalliberale und Ultramontane, zu einer großen Koalition gegen die Sozialdemokratie zusammen- geschlossen hätten, um dieser einige Dutzend Mandate zu entreißen. Daß den genannten Parteien nicht genügend Zeit zu diesem Zusamnienschluß gelassen und das Zentrum durch die Reichstagsauflösung wider Willen in die Oppositton gedrängt worden ist, darin besteht, wie das katholische Blatt erklärt, eine schwere politische Schuld Bülows, die diesem mit Recht den Ehrentitel„Mehrer der Sozial- demokratie" einträgt. Wörtlich heißt es in dem be- treffenden Artikel: „Auch gegen die Sozialdemokratie soll es gehen. Allein wie soll gegen diese mit Erfolg vorgegangen werden können, wenn das Zentrum nicht mittun kann: wenn es selber isoliert gelassen wird, wo es der Sozialdemokratie sich erwehren soll und andererseits in die Unmöglichkeit versetzt, anderru Parteien gegen dir Sozialdemokratie Hülfe zu bieten. Aus- gesprochenermaßen soll der Liberalismus in seinen ver- schiedenen Schattierungen aus der bevorstehenden Wahl ge- stärkt hervorgehen, gestärkt auf Kosten des Zentrums. Daß das Zentrum selber dazu hilft oder helfen kann, ist natürlich ausgeschlossen. Das aber muß für die Sozial- demokratie von vornherein sehr vorteilhaft sein. Die Ersatzwahlen zwischen 1903 und 1907 haben fast durchgängig für sie unerfreuliche Ergebnisse zutage gefördert. Be- kanntlich hat sie drei Wahlkreise wieder verloren, welche sie 1903 (zwei im ersten Anlauf und einen in der Stichwahl) gewonnen hatte. Wie die Stimmung für ein gemeinsames und energisches Borgehen aller bürgerlichen Parteien wider die Sozialdemokratie «eitere Fortschritte machte, so durfte man für die nächste Reichstags- Wahl hoffen, daß gegen 30 Mandate ihr wieder entrissen würden. Die„Germania" sagt uns damit nichts Neues. Wir haben bereits lange vor der Reichstagsauflösung betont, daß das Zenftum darauf hinarbeite, in Rheinland-Wcstfalen und einigen südwestdeutschen Gegenden eine Wahlkoalition zwischen sich, den Nationallibcrale» und den Konservativen zustande zu bringen, um vereint die Sozialdemokratie zu bekämpfen; aber wenn wir auch wußten, was beabsichtigt war, freuen wir uns doch, daß die„Germania" offen bestätigt, ihre Partei wäre 1908 für ein solches Bündnis zuhaben gewesen.—_ Begreifliche Trolha-Bcgeisternng. General Trotha hat durch seine Bonner Rede, durch die er nach der Ausrottung der Hereros auch die Ausrottung des südwestafrikanischeu Kleinviehes empfahl, damit in dem waffer- und regenlosen Lande flott aus- geforstet werden könne, die gerührte Dankbarkeit der alldeutschen Zwillinge.Reich" und«Staatsbürger- Zeitung" erworben. Die beiden Blätter finden diese Ausrottungs- und Aufforstungsidee geradezu genial. Dagegen werfen sie dem.Vorwärts" vor, daß er keine Ahnung von den südwcstafrikaiiischen Verhältnissen habe, wenn er behaupte, das Land lasse sich nicht aufforsten, da es dort kein Wasser gebe. Besonders verdrossen hat sie aber unser Zu- fallsreim:„Der wackere Trotha, von Forstwirtschast versteht er kein Jota." In Südwestafrika gebe es sogar„prächtige Waldbestände". die schon jetzt an„Flußufern prächtig gediehen". Trothas Klein- Vieh-Vertilgungsplan begeistert die ZeitungSzwillinge schließlich zu folgenden.Versen": Versteht also Trotha Von den Dingen kein Jota, Und ist er in, Dalles, Hererosa weiß alles Viel schöner und besser. Kein Kaffer, kein Kaiman Und stäß er selbst Küh weg Hat ein größeres Maul, Als Rosa, die Lübeck. Wir wollen, gutmütig, wie wir nun einmal sind, dem wackeren Aeitungsgeschwister verraten, daß selbst in dem von derRegierung heraus« gegebenen Kolonialhandbuch zu lesen steht, daß kein einziger Fluß des Binnenlandes Südwestastikas ständigen Wasser» st and aufweist. Nur zur Regenzeit verwandeln sich zeitweise, aber nicht einmal periodisch, die ausgetrockneten Rinnsale in reißende verheerende Ströme. Im übrigen begreifen wir durchaus die Begeisterung der„Reich"- U«d,Staatsbürger"-Redakteure für die Trothasche Ausrottungsstrategie gegenüber dem Kleinvieh. Ihre schönen Verse haben auch uns poetisch inspiriert und uns den Enthusiasmus der guten Leutchen glso nachempfinden lassen: Heil unserem Trotha, Der unsere Not sah: Fort mit dem Kleinvieh! Er unlängst am Rhein schrie. Nur Ochsen darfs geben, Welche Lust, da zu leben! Der Ehren-Stöcker Schoß auch manchmal Böcker, Aber der Monheim Trägt doch die Krön' heim! Die.Freifinnige Zeitung" fährt fort, ihre alberne Verleumdung Bebels, er habe die Bauern„beschimpft", zu verteidigen. Seit Richters Tod gehört ja das Blatt nicht nur zu den unanständigsten Blättern Deutschlands, sondern auch zu den dümmsten. So dumm ist es freilich noch immer nicht, daß es wagte, von dem Inhalte unserer Brand« markungen seinen Lesern etwa? mitzuteilen. Unsere Feststellungen, daß. wenn Bebel nach der Interpretation der„Freisinnigen Ztg." die Bauern.beschimpft" habe, EugenRichter sich dieses Verbrechens erst recht schuldig gemacht habe, unterschlägt sie ihren Lesern voll« ständig. Triumphiert also hier die Schäbigkeit über die Dummheit, so läßt das Blatt gleich darauf wieder die Dmnmheit über die Schäbigkeit siegen. Die„Freisinnige Zeitung" beruft sich nämlich auf einen Bericht der„München er Allgemeinen Zeitung" über die Rede Bebels auf dem Münchener Parteitage. In diesem Bericht heißt es: „Es bewahrheitet sich hier wieder einmal, daß es keinen egoistischeren, keinen rücksichtsloseren, keinen brutaleren, aber auch keinen bornierteren Menschenschlag gibt als die bäuerliche Klasse, gleithviel welcher Gegend." Das Freisinnsblatt glaubt nun seinen Lesern vorschwindeln zu können, daß dieser Bericht eine stenographische Wiedergabe der Rede Bebels darstellte. Selbst jeder Leser der„Freisinnigen Zeitung" aber weiß, daß es bürgerlichen Blättern gar nicht einfällt, einen stenographischen Bericht über die Verhandlungen sozialdemokratischer Parteitage zu bringen. Die be« treffende Stelle der„Müncheiier Allgemeinen Zeitung" stellt nichts anderes dar als eine Inhaltsangabe der Ausführungen Bebels. Die Vergleichung dieser Stelle mit der ausführlichen Wiedergabe im„Vorwärts" resp. im Protokoll vom Münchener Parteitag beweist zudem, daß diese Stelle offenbar eine Zu- sammenziehung ausgedehnterer Ausführungen Bebels darstellt. Selbst die agrarische„Deutsche Tageszeitung" gab zu, daß sich der Wortlaut der Rede Bebels schwerlich feststellen lassen werde. Die „Freisinnige Zeitung" aber ist agrarischer als selbst das Oertel- Organ!—_ „Wenn". Wie die Zustände in Wüst-West tatsächlich aussehen, verrät die «Rat.-Ztg." durch Abdruck eines Brieses aus Swakopmund vom 12. Dezember, in dem es heißt: „Wenn es gelingt, die äußerst schwierige Frage der Be« fchaffung farbiger Arbeiter befriedigend zu lösen, genügend Wasser zu erschließen, gutes Zuchtvieh zur Verbesserung der Nassen— nachdem der ehemalige Bestand von den Herero bestialisch vernichtet wurde— zu importieren und— vor allem— keine Seuchen die Nachzucht deziniieren, dann wird auch die Farmerei wieder auf die Beine kommen." Man sieht, wie viele„Wenns" dabei in Frage kommen I Sehr eigenartig nimmt es sich aus, daß der wackere Briefschreiber über die„ b e st i a l i s ch e V e r n i ch t u n g" des Viehes jammert und dabei über die schwierige Beschaffung farbiger Arbeiter klagt! Ohne die Trothasche Menschen Vernichtung wäre an farbigen Arbeitern wahrhastig kein Mangel!— Verschuldung der Junker. Ueber die bekannte Tatsache, daß in der preußischen Landwirtschaft die Verschuldung mit der Größe der Besitztümer wächst, bringt G. Neuhaus im Dezemberhcft der„Sozialen Kultur" interessantes Einzelmaterial, aus dem sich ergibt, wie sehr die liederliche Schuldenwirtschaft der ostelbischcn Junker die eigentliche Ursache der hochgeschraubten Verzinsungs- bestrebungen der Agrarier ist. Schuldenfreie Grundbesitzer gibt es in den westlichen Provinzen 164 000, in den östlichen nur 21000; über 60 Proz. verschuldet sind dagegen im Westen 31 000, im Osten 79 000(bei Berücksichtigung der Grundsteuer-Reinertragsklassen über 60 M.). Der Rheinländer versteht es, seinen Rohertrag von durchschnittlich 1340 M. durch Nebeneinnahmen auf ISob M. zu steigern; des Ostpreußen Bruttogewinn von durchschnittlich 2172 M. sinkt durch die Zinslast auf 1360 M. und wäre noch geringer, wenn nicht unsere besonders die Produkte der Großagrarier schützende Zollpolitik ihm erlaubte, aus seinem niedrigen Anlagekapital einen bedeutend höheren Verzinsuugsfuß herauszupressen. Der Schulden- freie erzielt von seinem Kapital 4,8 Proz., der über 100 Proz. Verschuldete,(und es gibt deren 5680 Personen, die nur von ihres Gläubigers Gnaden leben, sich noch als„Grundherren" aufspielen) 6,7 Proz.!—_ Aus dem Hamburger Landesparlament. Gegenwärtig beschäftigt sich die Hamburger„Volksvertretung" mit der Fabrikation eines neuen Baupolizeigesetzes, wobei die Vertreter des Grundeigentums möglichst alle hygienischen uckd sonstigen, im Interesse der persönlichen Sicherheit notwendigen Forderungen zu hintertreiben suchen. Beschlossen wurde unter anderem, daß die zu Wohnzwecken bestimmten Gebäude, soweit nicht durch Bebauungsplan weiter einschränkende Bestimmungen bestehen,„nur" aus sechs Stockwerken bestehen dürfen und daß der Fußboden des obersten Stockwerkes nie höher als 21 Meter über der richtigen Straßenhöhe liegen darf. Ein längerer Kampf BerantwTÄedäkteur: Weber, Berlm. Jnjerateuteji veuwtv.i entspann sich über die Anlage der Fenster, die bisher hauptsächlich nach außen schlagend eingebaut wurden, ,)damit die Gardinen und die Blumen nicht leiden". Die Folgen dieser Hamburger„Eigen- art" waren recht zahlreiche Unglücksfälle beim Fensterputzen. Gegen den starken Widerspruch einer erheblichen Minderheit wurde der Beschluß gefaßt, von nun an die Fenster nach innen schlagend anzulegen, um so Unglücksfällen vorzubeugen. Das Baupolizei- gesetz wird noch mehrere Sitzungen in Anspruch nehmen.— Ei» Zentrumsgeneral. Wie die Zenftumspresse triumphierend verkündet, hat sich„dem Zentrun, endlich auch einmal ein hoher Militär als Kandidat und künftiges Mitglied des Reichs- t a g es angeschlossen". Es ist dies Generalmajor a. D. H ä u ß l e r, dessen Kandidatur im Wahlkreise Neustadt- Kissingen, wie weiter berichtet wird, überall mit begeistertem Jubel aufgenommen wurde. Als besondere Empfehlung des Kandidaten wird angeführt, daß er als aktiver Offizier in Rußland. Persien und der Türkei war und bei dieser Gelegenheit einmal aus_ längere Zeit wegen Spionageverdachts in russische Gesangen- schast kam, aus der er bei den Krönungsfeierlichkeiten des jetzigen Zaren befreit wurde. Außerdem ist der General ein„hochgebildeter Mann", was sich bei einem Zentrumskandidaten eigentlich von selbst versteht. Das Zentrum scheint durch die Aufstellung des Generals dem Fürsten Bülow den Beweis bringen zu wollen, daß es eine national- gesinnte, durch und durch militärfreundliche Partei ist. Denn wie wäre es möglich für eine Partei, die einen lebendigen General unter sich hat, in Zukunft auch noch einer militärischen Forderung zu widerstehen? Der gute Wille des Zentrums, sich als Hurrapartei zu bewähren, ist damit hinreichend bekundet. ES fehlt nur noch, daß das Zentrum seinen General zum Präsidenten des Reichstages wählt!— Die Industrie und die Sozialdemokratie. Der„Metall- arbeiter", illustriertes(Unternehmer-) Fachblatt für die gc- samte Metallindustrie, sagt zu der bevorstehenden Reichstagswahl: „Ueberall sind Preis st eigerungen und Lohn- erhöhungen eingetreten, eine direkte Folge der kolossalen Steigerung der Materialpreise und der allgemeinen Lebensmittelteuerung.... Ter Zolltarif und die neuen Handelsverträge schädigen die In- dustrie schwer und zwingen viele Exportindustrien zur Er- richtung von Betrieben im Ausland.... Das ist der sehr zweideutige Segen der Handelsverträge, welche der alte Reichs- tag aus dem Gewissen hat!" Unter dem„alten Reichstag" können nur die bürgerlichen Parteien verstanden werden, denn die Sozialdemokratie hat mit Aufbietung aller Kraft gegen diese wahnsinnige Zollpolitik, die Ursache all der schweren Beeinträchtigungen der gesamten In- dustrie und des gesamten Erwerbslebens, gekämpft.— „Segen" der Zollpolitik. Zwei Vigognespinnereien aus dem Handelskammerbezirk Plauen i. V. haben seit Inkrafttreten des neuen Handelsvertrags ihre österreichischen Betriebe ganz wesentlich vergrößert und von den Plauer Stickerei- und Spitzen- firmen haben drei in Böhmen Filialen eröffnet, eine andere hat ihren ausländischen Betrieb vergrößert und eine Treibriemen- Weberei und Seilsabrik beabsichtigt eine Treibriemenweberei nach Böhmen zu verlegen. Zwei Unternehmer des Tarmstädter Handelskammerbezirks errichten wegen der hohen Zollsätze in Oesterreich Filialen.— So wird in Deutschland durch eine ver- kehrte Zollpolitik auf der einen Seite die Industrie aus dem Reiche gejagt und die Arbeitsgelegenheit vermindert, auf der anderen Seite die Lebenshaltung deS Volkes verteuert.— Militärjuristische Tüftelei. Ein in seinen Begleitumständen interessanter Prozeß wegen qualifizierter Urkundenfälschung beschäftigte in seiner letzten Sitzung das Oberkriegsgerichts des 9. Armeekorps(Altona). Der Anklage liegt folgendes zugrunde: Bis zu seinem Diensteintritt im letzten Herbst war der Musketier O. vom Regiment„Bremen" in dem Städtchen Mewe in Westpreutzen als Kommis tätig. In bezug auf die Bestimmungen der Sonntagsruhe sollen, wie O. be- hauptet, in diesem Nest äußerst laxe Anschauungen herrschen, wes- halb er und seine Kollegen wiederholt Polizeibeamte ersucht hätten, auf die Prinzipale ein wachsames Auge zu richten. Die Polizisten seien aber mit Wutki regaliert worden und kümmerten sich daher gar nicht um die fortgesetzten Uebertretungen. Im Juli 1906 schrieb O. an den Bürgermeister einen mit„Hugo Schubert" unter- zeichneten Brief, in dem er auf die Uebertretungen und das Ver- halten der Polizeiorgane hinwies. Nach einiger Zeit wurde O. als Verfasser des Pseudonymen Briefes ermittelt. Durch die „qualifizierte Urkundenfälschung" soll O. beabsichtigt haben,„sich und seinen Kollegen einen rechtswidrigen Vorteil zu verschaffen und die Kausleute von Mewe zu schädigen". Das Kriegsgericht in Bremen erklärte in der Begründung des auf Freisprechung lauten- den Urteils, daß nur juristische Tüftelei in der Tat des Angeklagten eine Urkundenfälschung erblicken könne. Ein Brief sei überhaupt keine Urkunde zum Beweise von Rechtsverhältnissen, mithin sei es ganz gleichgültig, welche Unterschrift er trage. Gegen dieses Urteil legte der Gerichtsherr Berufung ein. Der Ankläger bezeichnete die Ansicht der Vorinstanz als eine l a i e n- hafte Auffassung der Rechtslage. Es handele sich aber nur um eine private Urkunde, weshalb er wegen einfacher Urkundenfälschung fünf Tage Gefängnis beantrage. Das Ober- kriegsgericht erkannte auf einen Tag Gefängnis; eine anonyme Anzeige sei nicht strafbar, dagegen enthalte«ine Pseudonyme An- zeige das Kriterium der einfachen Urkundenfälschung. Ehrenhaft für feige Soldatcnmißhandlung. Vor dem Kriegsgericht der 3. Division Nr. 32 in Dresden stand am Mittwoch der Major v. Zcschwiy vom Bezirkskonunando Freiberg i. S. wegen Mißhandlung eines Untergebenen. Während der Beweisaufnahme war die Oeffentlichkeit ausgeschlossen!! Der Angeklagte wurde zu acht Wochen Festungshaft verurteilt. Nach der Urteilsbegründung ist der Sachverhalt folgender: Seit Oktober v. I. war der Schütze Leipsen- ring vom Schützenregiment Nr. 108 in Dresden beim AngeUagten Bursche und mußte als solcher, wie das üblich ist, viele häusliche Arbeiten mit verrichten. Nach den Angaben des Majors soll es sehr schwer gewesen sein, den Burschen einzurichten, wobei es diesem auch noch an dem guten Willen ge- fehlt habe. Infolgedessen scheint auch der„Herr Major" nicht besonders gut auf seinen Burschen zu sprechen gewesen zu sein. Neben allerlei anderen Arbeiten mußte der Bursche auch die Mittags- tafel besorgen und hierbei hat er sich eines Tages ein kleines Versehen zuschulden komme» lassen. Bei dieser Gelegenheit ist der Major ausgesprungen und hat den Burschen mehreremal mit den Händen ins Gesicht ge- schlagen, an den Ohren gezogen und ihn geschüttelt. Außerdem hat er„Herr Major" dem Burschen noch, als dieser das Zimmer verlassen wollte, einen heftigen Fußtritt versetzt. Das Kriegsgericht hat auf die oben erwähnte Strafe erkannt. Als strafmildernd hat es die große Erregung des Major« in Betracht gezogen, während es als strafverschärfend die Schwere der Miß- Handlung angesehen hat. In Anbetracht der rohen Mißhandlung und des UmstandeS. daß ein Major vorbildlich für seine Untergebenen sein soll, ist die auS- geworfene Strafe von 8 Wockien Festung eine sehr gelinde Strafe. Ehren ha st für Soldatenmißhandlung I So rottet man Soldatenmißhandlungen aus I—_ rjsiÄlpcke.jversill. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.L»rlMSMMs Hustand« Frankreich. Antonin Dubost wurde gestern(Donnerstag) vom Senat mit 221 von 235 Stimmen zum Präsidenten wiedergewählt.— Im Ministerrat am Donnerstag teilte Justizminister Guyot- Dessaigne mit, er werde gegen den Gerichtspräsidenten Lambert Trohes, der in der Begründung eines Gerichtsurteils den Satz: „In Erwägung, daß der Staat sich alle Güter der katholischen Geistlichkeit angeeignet hat" gebraucht habe, das Versahren vor dem Kassationshofe einleiten.— Der Kardinal Lague, Primas von Irland, erklärt in einem Briefe, daß die französische Regierung der katholischen Kirche gegen- über„wie ein Tyrann gehandelt" und weder das Eigentumsrecht noch d� persönliche Freiheit der französischen Katholiken berück- sichtigt habe.— Spanien. Madrid, 10. Januar. Die„Hydra". Der Justizminister legte dem Ministerrate ein neues„Gesetz zwecks Sicherung der öffent» lichen Ruhe und Bekämpfung der anarchistischen Bewegung" vor.— Pcrsien. Teheran, 9. Januar. Ter Thronfolger Muhammed Ali Mirza traf heute vormittag 9 Uhr im Palast ein und wurde von den Prinzen, dem Großwesir, den Ministern und anderen hohen Würdenträgern als«chah anerkannt. Die Krönung ist auf den 2. Februar festgesetzt.— Marokko. Er lebt noch! London. 19. Januar.(W. T. B.)„Daily Mail" meldet aus Tanger: Raisuli befindet sich zurzeit anderthalb Tagemärsche von Tetuan bei den Omarras, einem Nachbarstamme der bekannten Risfkabhlcn, wo er seine Mannschaft durch Abenteurer zu verstärken sucht, um Tanger anzugreifen. Der von Tanger am 4. d. M. nach Fez abgegangene englische Postkurier ist in der Nähe von Arzila am 5. d. M. von Raisulis Leuten aufgegriffen, mißhandelt und drei Tage gefangen gehalten worden; seine Briefschaften sind vernichtet. Der ganze Postdienst nach dem Inneren versagt vollständig. Tanger, 19. Januar.(B. H.) Gestern abend sind zwei Geschütze mit Munition für die Regierungstruppen nach Zinat abgegangen. Die Truppen erhielten Befehl, den Stamm, bei welchen Raisuli Aufnahme gefunden hat, unverzüglichst anzugreifen. 3000 Mann sollen zur Verstärkung demnächst in Zinat eintreffen. Amerika. Arbeiterschuy in Uruguay. Die Regierung von Uruguay hat dem Parlament ein Gesetz vorgelegt, welches die Regelung der Arbeit in den industriellen und gewerblichen Betrieben vorsieht. Danach soll in den meisten Ge- werben zunächst der Neunstundentag und später der Achlstundentag eingeführt werden. Das Gesetz sieht ferner eine vollkommene Sonntagsruhe für alle Arbeiter nud Angestellten vor; Frauen dürfen »ach der Entbindung 4 Wochen lang nicht beschäftigt werden; die Beschäftigung von Kindern unter 13 Jahren ist untersagt. Für die Uebertretung des Gesetzes loerden sowohl die Unternehmer, wie die Arbeiter verantwortlich gemacht. Erlangt dieser Entwurf Gesetzeskraft, so würden die europäischen Kulturstaalen durch die kleine Republik Uruguay aufs tiessle be« schämt werden. Gegen die Japaner sprach sich der Gouverneur Pardee von Kalifornien in seiner Jahresbotschaft an die Staatslegislatur auS. Er erklärte, daß Roosevelt die großen Unterschiede zwischen Chi- nescn und Japanern auf der einen und Weißen auf der anderen Seite nicht voll zu würdigen wisse, daß Japaner niemals gute amerikanische Bürger werden könnten; mit aller Achtung vor der Bundesregierung würde Kalifornien dies Recht für sich in An- spruch nehmen, die Schulen so zu leiten, wie es seinen Interessen entspricht, bis die höchsten Gerichte des Landes anderes darüber entscheiden. Auch Schmitz, der Bürgermeister von San Fran» zisko, erklärte öffentlich, daß man den Japaner keine amerika- nischcn Bürgerrechte verleihen dürfe, wenn man nicht wolle, daß die Japaner in der Politik des Staates Kalifornien eine einfluß. reiche Stellung erobern. In der Bevölkerung, besonders in der arbeitenden, finden solche Stimmen ein lebhaftes Echo, weil die Japaner immer zahl- reicher einwandern, als Konkurrenten gefürchtet und im all- gemeinen nicht beliebt sind. Der Amerikaner betrachtet sie als minderwertig und sieht mit Unbehagen, daß sie in immer größeren Massen kommen und sich in den Staaten am Stillen Ozean fest- setzen. EingeganFene Vruckfckriften. �Praktische Winke für Damen zum Seldstsrisieren von K. Laue, 20 Seiten. Verlag: Die Kosi-Zentrale Friedenau. Der Kölner Karneval des XX. JahrtzundertS von H. Weertz. 50 Ps. Verlag Breer n. Thicmann, Hamm i. W. 2ohn- und Arbcitsbrdiiigungen im Maurergewcrbe. Statistik 1905 und Tarisverträge 1891—1905. Herausgegeben vom Zentral« crband der Maurer Deutschlands. Preis 10 M. Seibswerlag des Verbandes (Th. Bömelbura). Hamburg. Kate Tchtrmachcr, Deutschland' und Frankreich seit 35 Jahren. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte.(Bard, Marquard u. Co. in Berlin.) Letzte JVaebnebten und Dcpcfcbca Sicherung des Koalitionsrechts in— Frankreich. Paris, 10. Januar.(SB. H.) Der unter dem Vorsitz des Prä- fidenten der Republik abgehaltene Ministerrat hat den Justiz- minister beauftragt, in der Kammer einen Gesetzentwurf einzu- bringen, wodurch die Artikel 414 und 415 des Strafgesetzbuches ab- geschafft werden sollen. Ter Artikel 414 bedrohte mit Gefängnis bis zu drei Jahren und mit Geldstrafe bis zu 3000 Frank jeden, welcher mit Gewalt, durch Tätlichkeit, Drohung oder Vorspiege- lungen die gemeinsame Einstellung der Arbeit zum Zwecke der Er- langung einer Erhöhung oder Herabsetzung der Löhne herbeiführt, oder im allgemeinen die freie Verrichtung von Arbeiten verhindert hatte. Artikel 415 verfügte die Polizeiaussicht für den Fall, daß die Einstellung der Arbeit durch eine planmäßige Vereinbarung herbeigeführt war.— Mit der Unterdrückung dieser beiden Artikel wird das vollständige Streikrecht der Gewerkschaften hergestellt. Denn was man schwarz auf weiß besitzt... Paris, 10. Januar.(W. T. SB.) Aus Rom wird berichtet. der Vatikan habe die Nachricht erhalten, daß der Ministerpräsident Elrmcnceau beabsichtige, mehrere der beim Monsignore Montagnini beschlagnahmten Schriftstücke, welche sich auf die Politik deS Heiligen Stuhles gcgcnüher Frankreich nnd den anderen Staaten bezichen, in der Kammer zu verlesen. Diese Nachricht habe im Vatikan eine gewisse Aufregung Hervorgerufe«. Wahl der Präsidenten in der französischen Kammer. Paris, 10. Januar.(W. T. B.) Die Deputiertenkammer wählte mit 338 von 421 Stimmen Brisson zum Präsidenten wieder; sie wählte sodann Etienne zum Vizepräsidenten an Stelle Caillaux'; die ausscheidenden Vizepräsidenten Bertrand, Radier und Cruppi wurden wiedergewählt. Im Senat wurden Guerin, Lourties, Lehdet und Monis g« Vizepräsidenten wiedergewählt._ Bau!©iiifl« LcEo.. Berlin SW. Hierz 3 Beilagen u.PuterhölttMllStlatt Nr. 9. 24. Jahrgang. Die Eisenbahner 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. und die Reichstagswahlen. 21 Zu diesem in der Nr. 4 des Vortvärts" vom 5. Januar er: chienenen Artikel, speziell zu seinem letzten Absaß, beginnend mit den Worten:„ Die Weihnachtsklänge sind verhallt..." erhalten wir folgendes Schreiben: Effen, den 9. Januar 1907. Unter Bezugnahme auf§ 11 des Preßgefeges vom 7. Mai 1874 ersuchen wir ergebenst zur Richtigstellung des in Nr. 4 des Vorwärts" bom 5. Januar 1907 erschienenen Artikels: Königliche Eisenbahndirektion. " " „ Die Weihnachtsklänge sind verhallt... usw." auf Grund des Preßgesezes um Aufnahme folgender Berichtigung: Die Angaben des in Nr. 4 des Vorwärts" vom 5. Januar 1907 enthaltenen Artikels, daß gelegentlich des Weihnachtsfestes die für Teuerungszulagen ausgeworfenen Summen nur unter die höheren Dezernenten verteilt worden seien, der Präsident des Direktionsbezirks Effen 3000 m. für sich behalten habe und im Range nachfolgende Räte mit 1500-1800 m. bedacht worden feien, das Fahrpersonal dagegen leer ausgegangen fei, find unwahr. Die den höheren Beamten von dem Präsidenten auf Grund der ihm organisationsmäßig zustehenden Befugnis gewährten Remunerationen und Beihülfen haben im einzelnen den Betrag von 300 M. nicht überstiegen. Mit besonderer Ermächtigung des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten sind einem der höheren Beamten der Direktion 400, einem zweiten 500 M. gewährt worden. Andererseits ist auch in diesem Jahre das Fahrpersonal in feinen sämtlichen Klassen sowie die mittleren und unteren Beamten bedacht worden, und zwar insgesamt mit einem Betrage bon über 139 000 M. Der Präsident der Direktion hat eine Remuneration oder Beihilfe weder sich selbst zuwenden können noch auf irgend eine andere Weise erhalten. Bir müssen es unserem Gewährsmann überlassen, sich zu dieser Berichtigung zu äußern. Die Scharfmacherorganisationen im Dienste der Bülowschen Politik. Nach eingehenden Erörterungen wurde von dem Vorstande der Nordwestlichen Gruppe einstimmig beschlossen, an die Werke der Gruppe das Ersuchen zu richten, zu dem in dem Aufruf genannten Zwede 1 M. pro beschäftigten Arbeiter zu zahlen. Der Borsigende des Vereins deutscher Eisenund Stahlindustrieller. J. A.: Der Geschäftsführer H. A. Bued. Der vertrauliche Aufruf, auf den in diesem Schreiben Bezug genommen wird, lautet: Bertraulich! Berlin, im Dezember 1906. Freitag, 11. Januar 1907. Den Aufruf Ihnen heute in der für Ihre Mitglieder erforder lichen Anzahl von Exemplaren zugehen zu lassen, ist nicht möglich. Wir bitten Sie daher, sich der fleinen Mühe zu unterziehen, den Aufruf mit der Bezeichnung Vertraulich" möglichst schnell selbst vervielfältigen zu lassen. Das Direktorium des Zentralverbandes Deutscher Industrieller. Der Vorsitzende: R. Bopelins, Mitglied des Herrenhauses. Der Geschäftsführer: H. A. Bucck. Es ist unnötig, den obigen Schriftstücken eine Erläuterung hinzuzufügen. Sie zeigen besser als lange Auseinander Aufruf! segungen, wer den Nutzen von der Welt- und Kolonialpolitik Durch die Auflösung des Reichstages ist eine neue politische hat. Und wen es die Briefe nicht lehren, dem zeigen es die Situation geschaffen. Die nationalen Parteien, die bei der Ab- Unterschriften unter dem Aufruf. Neben den Vertretern ſtimmung des 13. Dezember in der Minorität blieben, müssen bei des Feudaladels finden wir dort Herrn Ballin der Hamburg- Amerika Linie, Herrn den Neuwahlen so gestärkt werden, daß im neuen Reichs- bon tage die Bildung einer neuen Majorität möglich Dr. Wiegand vom Norddeutschen Lloyd und wird. Dies ist in jeder Hinsicht nach innen und nach außen von die Repräsentanten der Berliner Hochfinanz größter Wichtigkeit. Die Wahlen erfordern bedeutende Geldmittel! Herrn Mendelssohn und Herrn Schwabach. Die Unterzeichneten haben sich vereinigt, eine Sammlung zu Eine feine Mischpote! Die deutschen Arbeiter werden auf die Interessenpolitik dieser Herren am 25. Januar die richtige Antwort zu finden wissen. veranstalten. Die einlaufenden Beträge follen verwendet werden: 1. für die Wahlkreise, welche von den Polen und Welfen, dem Zentrum und der Sozialdemokratie bei den legten Wahlen nur mit knapper Majorität gewonnen oder behauptet wurden, 2. zur Verteidigung der Wahlkreise, die jetzt im Besize der bürgerlichen Linken und der Rechten sind, aber von Polen, Belfen, Zentrum und Sozialdemokratie gefährdet werden. Alle konservativen und liberalen Parteien, zu deren Unterstützung dieser Aufruf ergeht, sollen gleichmäßig bei Verwendung unseres Wahlfonds berücksichtigt verden. Ausgeschlossen ist, daß diese Gelder zur Betämpfung dieser Parteien untereinander bers wendet werden. Generalleutnant Graf von der Asseburg. Generaldirektor Ballin. Friedrich Dernburg. Dr. Graf Sh. von Douglas. Stadtrat Hermann Jacoby. Staatsminister Dr. Frhr. Lucius v. Ballhausen, Robert von Mendelssohn. Otto Fürst zu Salm- Horstmar. Baul Schwabach. Stadtrat Mag Weigert. Generaldirektor Dr. Wiegand. J. van der Zypen. Beiträge bitten wir einzusenden an das Bankhaus Mendelssohn Die russische Revolution. Terror! Petersburg, 9. Dezember. Mit jedem Tag muß es der Regierung flarer werden, daß dieses Polizeiregime, wie es von Durnowo eingeführt und dann von Stolypin weiter entwickelt worden ist, die Stellung der Monarchie und ihrer bezahlten Agenten nicht sichert. Die Reaktion hat wieder dem alten revolutionären Terrorismus die Wege geebnet, und nun vergeht fast kein Tag, an dem nicht der eine oder der andere Vertreter der Despotie ins Jenseits befördert wird. Daß diese Erscheinung, wie sie in der Zeit Plehwes bestand, bei Fortdauer der Gewaltherrschaft wiederkehren würde, war für jeden worden. Selbst die harmloſen Stadelten werden drangfaliert, ihre Das legale Wirken der Parteien ist möglich gemacht Die Zollgesetzgebung des Jahres 1902 hat verschiedenen Presse ist wieder zur unterirdischen Eristenz verurteilt. Die Gefängnisse Wahlbureaus geschlossen, ihre Wahlaufrufe konfisziert. Die sozialistische Zweigen der deutschen Großindustrie, vor allem der Eisensind überfüllt, und immer neue Kasematten werden cingerichtet. So und Stahlindustrie enorme Vorteile gebracht. Durch die bewurde z. B. beim Stadtamt in Mostau von der politischen Polizei trächtlichen Zollerhöhungen wurde die Konkurrenz der u. Co., Berlin. angefragt, ob es ihr nicht ein neues provisorisches Gefängnis für amerikanischen, englischen und belgischen Stahlindustriellen fast etwa 1000 Personen zur Verfügung stellen könnte! gänzlich vom deutschen Inlandsmarkt ausgeschlossen und Herr Kommerzienrat G. 2. Meyer hat natürlich dem Dieses Jahr der Diktatur hat das ganze Land mit einem Haß Dieser wehrlos den großen Syndikaten und Kartellen der Ersuchen des Herrn Bued sofort entsprochen und an die Mit- erfüllt, der seinesgleichen nicht fennt, und nun erntet die Regierung deutschen Eisen- und Stahlindustrie zur Ausbeutung aus glieder der norddeutschen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- b. d. Zaunig, den Durnowo Ende 1905 auf den verantwortungs Gleich nach Ignatiew fiel jetzt aus- glieder die Früchte ihrer Politit. v. geliefert. Und die verschiedenen Unternehmerverbände dieser und Stahlindustrieller folgende Aufforderung gerichtet: Industriegruppen haben dieses ihnen durch die deutsche offizielle Zollpolitik gebotene Monopol strupellos ausgenugt. Bertraulich! So ist beispielsweise seit Dezember 1905 nach den Notierungen der Düsseldorfer Börse: Bessemereisen um zirka 6 M., Spiegeleifen um 12 M., Gießereieisen I. Qualität um 9 M., Hämatit um 11 M. und Stabeisen um 45 M. pro Tonne erhöht worden. Hannover, 7. Januar 1907. An die zur Norddeutschen Gruppe des Vereins Deutscher Eisenund Stahl- Industrieller gehörigen Mitglieder. Die Reichstagswahl betreffend. Unter Bezugnahme auf die anliegenden, die Reichstagswahlen Nicht minder vorteilhaft haben sich für die verschiedenen des Vereins Deutscher Eisen- und Stahl- Industrieller gern nach, inbetreffenden Schriftstücke komme ich der Aufforderung des Vorsitzenden Zweige der Stahlindustrie die Weltpolitik und die mit dieser dem ich die zur Norddeutschen Gruppe des Vereins gehörenden zusammenhängenden beträchtlichen Flottenbauten erwiesen. Von den 1720 Millionen Mart, die seit dem Beginn der Aera Firmen erfuche, für den angegebenen Swed: Betämpfung den 1720 Millionen Mark, die seit dem Beginn der Aera antinationaler Wahlen" den vorgeschlagenen Beitrag von Bülow das Deutsche Reich für seine Striegsflotte ausgegeben 1 Mart pro Kopf der beschäftigten Arbeiter hat, sind viele Hunderte von Millionen den Stahlindustriellen baldtunlichst für Schiffsbaumaterialien und Schiffsmaschinen aller Art zu bei der Hannoverschen Bank hier zugunsten meines Sonder geflossen. Und aus diesen Riesenlieferungen haben die großen Kontos W einzuzahlen. Werte und Maschinenbauanstalten hohe Gewinne gezogen, denn so gerne auch ihre Besizer die edlen Patrioten spielen, muß Der Vorsitzende der Norddeutschen Gruppe des Vereins Deutscher doch das Reich alle ihm gelieferten Schiffsbaumaterialien höher bezahlen als das Ausland. So wurde bekanntlich 1901 Eisen- und Stahlindustrieller. Gerhard L. Meyer, Geheimer Kommerzienrat. Ea vollen Posten des Stadthauptmanns von Petersburg berief. halfen nicht die größten Vorsichtsmaßregeln auch seine Stunde tam. Und heute fiel General Pawlow, der Obermilitärprokurator, jener gehaßte Verächter aller Voltsrechte, den die Duma als Mörder gebrandmarkt und die Reaktion zu großen Bütteldiensten gegen die Revolution erforen hatte. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß es sich hier nicht im sporadische Attentate handelt, sondern daß der Kampf systematisch Wer ist nun der nächste, der an die Reihe tommt? Die Presse geführt wird, und da fragt man sich denn jeden Tag unwillkürlich: erörtert die letzten Anschläge lebhaft und sie ist übereinstimmend der Meinung, daß nur eine scharfe Schwenkung nach links die Regierung vor neuen lleberraschungen bewahren kann. Jeder weitere Schritt auf dem Wege der Reaktion wird den Terrorismus nur stärken. Das„ B. H." meldet: Petersburg, 10. Januar. Die Regierung ist entschlossen, sich durch das Attentat auf Pawlow sowie durch die nach dem Attentat von den Terroristen vorgenommene Verteilung von Flugblättern, in welchen eine neue Serie von Attentaten angekündigt wird, nicht einschüchtern zu lassen, sondern schärfste Nepreffivmaßregeln zu ers in der Budgetkommission festgestellt, daß die beiden deutschen Außerdem hat, wie wir aus unserem Düsseldorfer Partei- greifen. Es finden bereits Massenverhaftungen statt. Da General Partei- Reinbott in Mostau unentbehrlich ist, so wird der Stadthauptmann Lieferanten von Nickelstahl- Panzerplatten, Krupp und Stumm, organ, der Boltszeitung", ersehen, das Direktorium von Rostow am Don, der General Dratichewsky, wahrscheinlich zum der deutschen Marineverwaltung für diese Platten pro Tonne des Zentralverbandes deutscher Industrieller Stadthauptmann von Petersburg ernannt werden. Dratschewsky iſt 400 m. mehr abgenommen hatten als dem amerikanischen folgendes Schreiben an den Vorsitzenden des Vereins deutscher einer der ärgsten Reaktionäre. Maschinenbauanstalten gesandt: Marineamt. der Düsseldorf. Attentat. Lodz, 10. Januar. Heute vormittag wurde in der Andrejew straße der Gendarmeriechef Oberst Schadjlo- Andrejet erfchoffen. Männern ausgeführt, die ihre Waffen gleichmäßig abfeuerten. Von Der Anschlag tourde von zehn mit Revolvern bewaffneten Man will also zu Ehren Pawlows, des Schöpfers der nieder. Es ist begreiflich, daß unter diesen Umständen die an den Herrn Vorsitzenden des Vereins deutscher Maschinenbau- bie russische Regierung bei dieser Tattit fahren wird, das kann trächtigen Feldfriegsgerichte, neue Blutströme fließen lassen. Wie Herren Industriellen dieser Branchen nicht nur für die anstalten Ge h. Kommerzienrat H. Lueg Bülowsche Politit des Schutes der natioallerdings kaum zideifelhaft sein. nalen Arbeit, sondern auch im höchsten Maße für die Welt- und Flottenpolitit schwärmen, zumal feit der zunehmenden Ausdehnung dieser Politik die ihnen verhaßte Sozialgesetzgebung völlig ins Hintertreffen geraten ist. Deshalb war vorauszusehen, daß die Eisen- und Stahlmagnaten zur Stüße der ihnen so nüßlichen Bülowschen Politik beträchtliche Summen in die nationalliberalen Wahltassen zahlen würden. Aber die vaterländischen Herren, die troß ihrer Riesenprofite wegen geringer Lohnforderungen leichthin Hunderttausende ihrer Arbeiter auf die Straße feßen, gehen tatsächlich noch einen Schritt weiter: fie Legen sich neben ihren sonstigen Zuschüssen zu den nationalliberalen Wahlfonds eine Extrastener von 1 M. pro Arbeiter ihrer Betriebe auf. Ein günstiger Wind weht uns folgende Schriftstücke auf den Redaktionstisch: Verein deutscher Eisen- und Stahlindustrieller. Berlin W., Karlsbad 4a. An den Herrn Vorsitzenden der norddeutschen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller Geh. Kommerzienrat Gerh. 2. Meher Hannover. Der anliegende Aufruf ist dem Vorsitzenden des Vereins deutscher Eifen und Stahlindustrieller Herrn Geh. Kommerzienrat Gervaes zugegangen. Dieser erachtete es für zweckmäßig, den Aufruf zunächst in dem Borstande der Nordwestlichen Gruppe" zur Erörterung zu stellen. Dies ist geschehen in der fast vollzählig besuchten Es wurde Sigung des Vorstandes zu Düsseldorf am 3. d. M. anerkannt, daß die hohe nationale Bedeutung der bevorstehenden Wahlen zum Reichstag es der Industrie, soweit sie diese Bedeutung anerkennt, zur unabweisbaren Pflicht macht, sich an die Seite der Regierung zu stellen und sie in dem schweren Kampfe dadurch zu unterstützen, daß fie im Sinne des Aufrufes und entsprechend ihrer Stellung im wirtschaftlichen Leben unseres Baterlandes Beitrag zu dem interfraktionellen Wahlfonds leistet. Von dieser Pflicht kann nach der Ansicht des Vorstandes auch nicht der Umstand entbinden, daß die Industrie bereits in weitem Umfange durch die lokalen und zentralen Organisationen der nationalen Parteien zu geldlichen Opfern herangezogen sei, die sie willig gebracht habe. In dem vorliegenden Falle handle es fich um eine allgemeine vaterländische Sache, und einer solchen babe fich die Industrie noch nie entzogen Wir bitten Sie, von dem anliegenden Aufruf Kenntnis zu nehmen, der an den Zentralverband, als den Vertreter des allergrößten Teiles der deutschen Industrie, gerichtet worden ist. Wir vertreten die Ansicht, daß die hohe nationale Bedeutung bevorstehenden Wahlen es der Industrie, soweit sie brei Soldaten, die den Gendarmeriechef begleiteten, wurden zwei diese Bedeutung anerkennt, zur unabweisbaren Pflicht macht, sich an die Seite der Regierung zu stellen und sie in dem schweren Kampfe dadurch zu unterstüßen, daß sie im Sinne des Aufrufes und entsprechend ihrer Stellung im wirt schaftlichen Leben unseres Vaterlandes Beiträge zu dem allgemeinen Wahlfonds leistet. Von dieser Pflicht kann nach unserem Erachten auch der Umstand nicht entbinden, daß die Industrie bereits in weitem Umfange durch die lokalen und zentralen Drganisationen der nationalen Parteien zu geldlichen Opfern herangezogen find, die sie willig gebracht haben; denn es gilt hier zu zeigen, daß die Industrie in ihrer Gesamtheit gewillt ist, nach ihren Sträften die von der Regierung vertretene nationale Ehre des Vaterlandes zu stüßen und hochzuhalten. schwer und der dritte leicht verwundet. Bufällig vorübergehende stojaten schossen auf zwei Personen, die davoneilten. Sie wurden getroffen und schwer verwundet in ein Spital gebracht. Neue Gegenminen. Der Anfang ist bereits von der Nordwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller" gemacht worden. In einer fast vollzählig besuchten Sigung des Vorstandes ist ein stimmig beschlossen worden, die Mitglieder aufzufordern, zu dem in dem Aufrufe bezeichneten 8wede eine Mark pro beschäftigten Arbeiter abzuführen. Es unterliegt feinem Zweifel, daß die übrigen Gruppen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller diesem Beispiele folgen werden. Wir sind überzeugt, daß das Gleiche auch bei den übrigen von dem Zentralverband vertretenen Industrien der Fall sein wird. Daher richten wir an Sie die Bitte: R. Ku." schreibt: Dem russischen Polizeidepartement gingen soeben zahlreiche Dokumente zu, die am 3. 5. M. in Nowotscherkast bei der Entdeckung einer sozialdemokratischen Druckerei beschlagnahint worden sind. Aus diesen Dokumenten geht hervor, daß im Dongebiete cine viel berzweigte sozialistische Stofafenorganisation existiert, deren Zeitung mit dem Nowotscherfaster sozialdemokratischen Arbeiterkomitee in engster Verbindung steht und eine rege Tätigkeit entwickelt. Kadetten und friedliche Erneuerung". Interessant ist es zu beobachten, wie die Kadetten auf Stolypins Wahlreglement, welches den nicht eingetragenen Partelen die Verbreitung gedruckter Wahlzettel untersagt, reagieren. In einem Artikel, welcher der Stritit dieses Reglements gewidmet ist, schreibt die Mjetsch":" Jetzt wird das Vorhandensein mehrerer oppositioneller Kandidatenlisten noch schädlicher als früher wirken, und daher rückt Aber auch die Frage der Wahlabkommen in ein neues Licht." nicht Wahlabkommen mit den linken Parteien", sondern mit der „ friedlichen Erneuerung"!! Denn in demselben Atemzug heißt es in der Njetsch":" Das Reglement steigert in der unerwartetsten Weise die Bedeutung der einzigen eingetragenen Partei, die zu den oppositionellen gerechnet werden kann: der Partei der friedlichen Erneuerung, und bei Wahlabkommen muß dies selbstverständlich berücksichtigt werden." Die Mitglieder Ihrer Vereinigung mit tunlichster Beschleunigung aufzufordern, zu dem in Rede stehenden Zwecke eine Mark pro beschäftigten Arbeiter an die Direktion der Also die Kadetten planen ein Abkommen mit der„ friedlichen Diskontogesellschaft zu Berlin W., Unter den Linden 35, mit Erneuerung"! Die Gründe dieses plöglichen Frontwechsels sind leicht der Bezeichnung:„ Angelegenheit des Zentralverbandes deutscher zu erraten. Die„ friedliche Erneuerumg" ist eine eingetragene Partei, Industrieller a konto Wahlfonds" abzuführen und von der sie hat somit das Recht der Wahlzettelverbreitung; wenn also die geleisteten Zahlung der Geschäftsführung des Zentralverbandes, Kadetten sich mit ihr verbünden, erhalten sie die Möglichkeit, genau Berlin W. 35, Karlsbad 4a, Anzeige zu machen. so wie bei den vorigen Wahlen den Wählern ihre gedruckten Die leberweisung der Gelder ist an die Bedingung gefnüpft Kandidatenlisten einzuhändigen. Zwar müssen als Preis für diesen worden, daß Herr Generalsekretär Dr. Beumer- Düsseldorf und Freundschaftsdienst den„ Ernenerern" ein paar Mandate abgetreten der mitunterzeichnete Geschäftsführer des Zentralverbandes als werden, aber sie werden eher mit sich reden lassen und jedenfalls Vertrauensmänner der Industrie dem unter dem Aufruf ver- doch weniger anspruchsvoll sein als die„ anmaßenden" Sozialdemo aeichneten Ausschuß beitreten. traten. Ueberdies sind sie ja teine Feinde von Ordnung und bieten. Ferner waren 3,49 Proz. Sparkassenbücher mit 3000 bis Abonnenten gewonnen. Im ganzen erscheint die sozialdemokratische 10 000 m. Einlage vorhanden sagen wir mit durchschnittlich Presse Dänemarks täglich in angefähr 100 000 Exemplaren. 6000 M. Es waren also 295 000 Bücher mit 1774 Millionen Mark Einlage. Soziales. Eigentum", sondern harmlose, friedliche Leutchen, die ihre ganze Berebtsamkeit gerade am liebsten gegen die äußerste Linke" auf Daß es teineswegs nur bei den Worten der jetsch" bleiben wird, sondern daß seitens beider Parteien tatsächlich Schritte zur Das sind zusammen schon 2306 Millionen Mart, die Berständigung unternommen werden, beweist unter anderem der nicht den„ weniger Bemittelten" gehörten! Umstand, daß in einer Petersburger, von den friedlichen Erneuerern" Ferner waren unter den 8450 000 Spartassenbüchern Schuh der Krankenkassen gegen Behördenwillkür. einberufenen Versammlung der Referent unter einem nichtssagenden rund 23 Proz. 1943 500 mit 600-3000 m. Einlage, sagen Vorwand auf die Kritifierung der Kadetten verzichtet hat, und der wir durchschnittlich 1500 M. Einlage, also mit einer Gesamt- Presse und im Reichstag über oft willfürliche und gesetzwidrige Den unermüdlichen Darlegungen der Sozialdemokratie in der Kabettenchef Miljukow dafür den friedlichen Erneuerern" öffentlich einlage von 2914 Millionen Mart. Rechnen wir nun von Bedrängungen seitens sogenannter Aufsichtsbehörden ist es bekannteinen Wandel nach links und eine Annäherung an den politischen den 2914 Millionen Spareinlagen mit 600-3000 m. die lich gelungen, im§ 45 Absatz 6 des Krantenversicherungsgesetzes Standpunkt der Kadetten" bescheinigte. Der Kuhhandel hinter Hälfte auf proletarische Spareinlagen, so entfielen doch auf bei der Novelle vom Jahre 1903 den Verwaltungsrechtsweg gegen den Kulissen scheint sich demnach zur beiderseitigen Bufriedenheit ab- die besitzende klasse von den Spareinlagen noch immmer 3763 behördliche Anordnungen zur Feſtſchung zu bringen. Den Ber Millionen Mart. Ziehen wir nun auch hiervon noch einmal waltungsgericht entgegen getreten, so auch in nachfolgendem am suchen, diesen Rechtsweg einzuengen, ist wiederholt das Oberver20 Proz. ab, um unsere Wahrscheinlichkeitsrechnung 7. dieses Monats entschiedenen Fall: ja nicht zugunsten der Besitzenden zu färben, so entfällt noch immer der Betrag von 3010 Millionen auf die Befitzenden! Da die gesamten Spareinlagen nun im Jahre 1899 in Preußen 5283 Millionen betrugen, so ergibt sich, daß auf die Besitzenden. zuwideln. Hunger! Dem fogenannten Hungerfomitee" der kaiserlichen freien Blonomischen Gesellschaft zu Petersburg ging auf eine Anfrage soeben eine offizielle Mitteilung zu, daß in den von Mißernte betroffenen Gebieten Ost- Rußlands Fälle registriert worden sind, wo hungernde Bauern aus Not ihre Töchter verkauft haben. Dernburgiche Phantasien entfielen. 3010 Millionen Mark die Nichtbesitzenden. 2273" " Seit 1899 hat sich aber das Verhältnis sicherlich nicht zugunsten des Proletariats verschoben! Schrieb doch an dem und amtliche Zahlen. genannten Orte berregierungsrat Ewer: In der bereits gestern von uns furz charakterisierten Rede des Herrn Dernburg tommt abermals eine Reihe echt Dernburgscher Zahlenmäßchen vor. Es sind, wie sich das bei diesem Zahlenjongleur am Rande versteht, luftige Phantasien, die bei näherer Nachprüfung wie Seifenblasen zerplazen. Wir wollen diesen Dernburgschen Phantasien amtliche Zahlen gegenüberstellen. Die Kolonialexzellenz sagte in ihrer Rede: " Die Kolonialfrage ist also zum guten Teile eine Geldfrage, und da ist die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Nation zu prüfeit. Das Deutsche Reich hat in 22 Jahren 700 Millionen Mart für seine Kolonien ausgegeben, also durchschnittlich etwa 30 Millionen Mark jährlich. Darunter befinden sich auch viele Millionen für werbende Zwecke, die sich also noch bezahlt machen werden. In diesen 22 Jahren hat sich das deutsche Nationalvermögen um mindestens 30 000 Millionen vermehrt. Die Aus gaben für die Kolonien betragen hiervon etwa 2 Broz. Die Sparanlagen des deutschen Volfes in den öffentlichen Sparanlagen betragen zurzeit jährlich etwa 700 Millionen Mart und die zeitigen Einlagen in diesen Sparkassen etwa 13 000 Millionen. Es bes tragen also die gesamten Ausgaben für unsere Kolonien in 22 Jahren nicht mehr als der weniger bemittelte Teil unseres Bolles in einem Jahre zurückgelegt hat, und durchschnittlich, aufs Jahr gerechnet weniger als ein Biertel vom Hundert des Sparfaffenbermögens. Herr Dernburg wiederholt also zunächst trot unserer Feststellungen und einer derben Abfertigung des Herrn Erzberger seelenruhig den alten widerlegten Schwindel, daß die Ausgaben Deutschlands für die Kolonien, bon 1884 bis 1906 700 Millionen betragen hätten. In Wirklichkeit betrugen sie reichlich das Doppelte, rund 1500 Millionen Mark! Die jährliche Ausgabe betrug also nicht 30, sondern über 60 Millionen Mart. Alle Prozentrechnungen des Herrn Dernburg sind also von vornherein demgemäß zu korrigieren. Dann behauptet Herr Dernburg, das Nationalvermögen sei in den letzten 22 Jahren um mindestens 30 Milliarden gewachsen. Und da er die Spareinlagen in Höhe von dreizehn Milliarden einfach dem ,, weniger bemittelten" Teil der Bevölkerung zuschreibt, erweckt es den Anschein, als ob ein erheblicher Teil dieser 30 Milliarden dem Proletariate zu gute gekommen sei. Wie liegen die Dinge in Wirklichkeit? Mit den 30 Milliarden an sich dürfte es seine Richtigkeit haben. Unwahr ist es jedoch, daß diese Vermehrung des Nationalvermögens den„ iveniger bemittelten" Klassen zugute gekommen sei! " Die Zunahme der Bücherzahl betrug gegen das Vorjahr 4,97 Proz, überstieg also den Zuwachs der Bevölkerung immer noch um ein Mehrfaches. Am größten war sie bei den Büchern mit mehr als 10 000 M. Einlage, die sich um 6,21 Broz. vermehrten." unter anderem auch für die Organe der Krankenkassen die Ver Der§ 144 des Gewerbe- Unfallversicherungsgesetzes schafft pflichtung, den im Vollzuge dieses Gesetzes an sie ergehenden Ersuchen, unter anderem der Berufsgenossenschafts- und Sektionsborstände, zu entsprechen und den Organen der Berufsgenossen schaften auch unaufgefordert alle Mitteilungen zukommen zu lassen, welche für deren Geschäftsbetrieb von Wichtigkeit sind. Der Vorstand der Sektion II der Nordwestlichen Eisen- und Stahlberufsgenossenschaft zu Magdeburg hatte nun an den Vorstand der Allgemeinen Ortstrantentasse Magdeburg geschrieben:" In der Unfallsache des Maurers Ritthausen zu Magdeburg bitten wir um Mitteilung, seit wann der Verlegte der dortigen Kasse angehört und an welchen Leiden er jeweilig ertranft gewesen ist und wie lange.( Von wann bis wann.) Die Uebersendung der Krankenscheine wäre erwünscht." Der Kassenvorstand verweigerte die Erfüllung des Ersuchens, worauf der Magdeburger Magistrat dessen Finanzminister v. Rheinbaben im Abgeordnetenhause: Aber noch am 20. März 1906 erklärte der preußische Erfüllung als Aufsichtsbehörde anordnete. Der Kaffenvorstand focht die Anordnung des Magistrats im Berwaltungsstreitverfahren Die Sparkassen haben sich vielfach von der Basis entfernt, gesetzes, welcher das Verwaltungsstreitverfahren gegen die von der an und stützte sich auf§ 45 Absah 6 des Krankenversicherungsdie sie nach dem Sparkassenreglement haben. Sie waren ge- Aufsichtsbehörde auf Grund des Absatz 1 oder des Abſaz 5 des dacht als lokale Regipienten für die Spargelder des fleinen S 45 getroffenen Anordnungen zuläßt, sofern die Anfechtung der Mannes und sollten auch das Anleihebedürfnis für ihren Anordnung darauf gestützt wird, daß die getroffene Anordnung Lokalbezirk befriedigen. Viele Sparkassen haben aber aus entfernter rechtlich nicht begründet und die Kasse oder das Vorstandsmitglied liegenden Bezirken Spargelder an sich gezogen und sind auch mit durch die Anordnung in einem Rechte verlegt oder mit einer rechtder Ausleihung des Geldes weit über die Grenze ihres Bezirks lich nicht begründeten Verbindlichkeit belastet sei. hinausgegangen, um höhere Gewinne zu erzielen. Die Spareinlagen ausschuß Magdeburg verneinte die Zulässigkeit des Verwaltungsvon über 3000 M. haben in letzter Zeit um 9,9 Proz. zu streitverfahrens für Fälle wie dem vorliegenden und wies deshalb genommen, diejenigen über 10 000 M. fogar um 11 Proz., während die Klage als unzulässig ab. Er führte aus: Die Klage aus die kleinen Einlagen in derselben Zeit nur um 3 bis 4 Proz. ge-§ 45 Absaz 6 des Krankenversicherungsgesetzes sei hier nicht gestiegen sind." auf Grund des§ 45 Absatz 1 oder 5, worauf sich Absatz 6 desgeben. Erstens handele es sich hier gar nicht um eine Anordnung selben Paragraphen nur beziehe, sondern die Verfügung des Magistrats beruhe lediglich auf§ 144 des Gewerbe- Unfallversicherungs gesetzes. Da tönne nur die Beschwerde an die der Aufsichtsbehörde der Stasse übergeordnete Behörde, hier an den Regierungspräsi denten, in Frage kommen. Zweitens aber fete eine Anordnung gemäß§ 45 Abfah 1 des Krantenversicherungsgefeßes( als welche die Kasse die Anordnung des Magistrats betrachtet wissen wolle) eine Androhung, Festsetzung oder Vollstreckung von Ordnungsstrafen gegen die Mitglieder des Kassenborstandes voraus, denn§ 45 Abjab 1 laute: Die Aufsichtsbehörde überwacht die Befolgung der gefeßlichen und statutarischen Vorschriften und kann dieselbe durch Androhung, Festsetzung und Vollstreckung von Ordnungsstrafen gegen die Mitglieder des Kassenvorstandes erzwingen". Eine solche Androhung, Festsetzung oder Vollstreckung von Ordnungsstrafen habe die Anordnung des Magistrats nicht begleitet. Das sind Dernburgsche Phantasien, und das die schlichten Tatsachen! in die Taschen der Reichen geflossen. Die 30 Milliarden Zunahme des Nationalvermögens sind Milliarden für die Kolonialpolitik aufbringen! Mögen also gefälligst auch sie durch direkte Steuern die Aus der Partei. Das Partei- Archiv, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, fucht möglichst schnell durch Geschenk oder eventuell durch Kauf zu erwerben: Berliner Boltsblatt", Jahrgang 1888, 1., 2. und 3. Quartal, Jahrgang 1889, 1. und 2. Quartal, Jahrgang 1890, 1., 2., 3. und 4. Duartal. Der Bezirksmehrmaligen Abbruck dieses Gesuches gebeten. Die Partei und Gewerkschaftspresse wird um geben für alle Verfügungen, die sich als solche der Aufsichtsbehörde Die Kasse legte Revision beim Oberverwaltungsgericht in Berlin ein, vor dem ihr Vertreter, Rendant G. Wendland, in Rechtsausführungen darlegte, daß der Wille des Gesetzgebers gewesen sei, durch§ 45 Absatz 6 das Verwaltungsstreitverfahren zu über die Befolgung statutarischer oder irgend welcher für die Kaffen in Betracht kommender gesetzlicher Vorschriften darstellten, auch Ein Jahr sozialdemokratischer Wahlerfolge in Dänemart. Das solcher ohne Strafandrohung usw. Auf die Entscheidung dieser Jahr 1906 war für Dänemark ein Jahr der Wahlen, und diese Frage werde hier das Hauptgewicht gelegt. Aber auch fachlich wäre Wahlen dienten vor allem zur Stärkung der Sozialdemokratie und die Anordnung des Magdeburger Magistrats nicht gerechtfertigt. brachten die Gemeindewahlen in den Provingstädten der Sozial- Entscheidung: Das Urteil des Bezirksausschusses sei zunächst als zur Schwächung der bürgerlichen Reaktionsparteien. Im Januar Der dritte Senat des Oberverwaltungsgerichts fällte folgende demokratie 155 von den 400 Mandaten, die zur Wahl standen. Sie rechtsirrig aufzuheben. Im Gegensatz zum Bezirksausschuß und siegte ganz oder zum Teil in 50 Städten. Dabei ist es noch gar in Uebereinstimmung mit der Kasse und ihrem Vertreter nehme nicht lange her, daß der erste sozialdemokratische Gemeindevertreter der Senat an, daß hier das Verwaltungsstreitverfahren doch gein einer dänischen Provinzstadt gewählt wurde; es war im Inhre geben sei. Der Wortlaut des oben zitierten Absatz 1 des§ 45 1992 bei einer Ergänzungswahl in Helsingör. Bei den Ge- des Krankenversicherungsgesetzes, und namentlich der Ausdruck meindewahlen von 1894 wurden dann 10 Sozialdemokraten in gefeßliche Vorschriften", deute darauf hin, daß diese Bestimmung Nach der amtlichen Ergänzungsstenerstatistik( bergleiche und jetzt hat sich die Zahl der Städte verdoppelt, die der pflichtungen auferlegten, nicht bloß das Krankenversicherungsgesetz 8 Städten gewählt, im Jahre 1900 56 in 25 Städten alle Gefete umfaffe, die überhaupt beständen und den Staffen Ver Statistisches Jahr für den Preußischen Staat, 1905, heraus sozialdemokratischen Stadtratsmitglieder fast verdreifacht. In einer und seine Bestimmungen. Ge sei also auch mit umfaßt§ 144 bes gegeben vom tgl. statistischen Landesamt, S. 283) wuchs das Stadt, in Esbjerg, wo die Sozialdemokratie auch bei Wahlen der Gewerbe- Unfallversicherungsgesetzes, der die Unterlage für die an Vermögen aller zur Ergänzungssteuer herangezogenen Benjiten höchstbesteuerten lasse siegte, hat sie die Mehrheit im Stadtrat, gefochtene Anordnung abgab. Somit wäre auch hier nach§ 45 in Preußen( d. h. der Personen mit mehr als 6000 M. Ver- nämlich 12 von 19 Sigen. In einigen anderen Städten, wo sie Absah 6 des Krantenversicherungsgesetzes das Berwaltungsstreit mögen), insgesamt in dem Zeitraum von 1895-1905 fämtliche Mandate der allgemeinen Wählerflaffe inne hat, ist sie berfahren gegeben, denn es sei gleichgültig, ob die Anordnung des also in 10 Jahren um 18 553 Millionen Mart. Davon wohl auch mit einer Stimme in der Mehrheit, kann das aber Magistrats eine Etrafandrohung, Straffeftfeßung oder Strafvoll entfiel aber auf die Zensiten mit einem Jahreseinkommen von nicht ausnutzen, weil der meist antifozialistische Bürgermeister eben stredung enthielt oder nicht. In der Sache selbst müsse der Senat mehr als 3000 M. allein die Summe von falls Stimmirecht hat. aber aus fachlichen Gründen die Abweisung der Klage der Kasse Bei den Stadtverordnetenwahlen in Kopenhagen im März bestätigen. Die Frage, ob eine auf Grund des§ 144 des Gewerbe fiegte die Liste der Demokratie, und vier Sozialdemokraten Unfallversicherungsgesezes verlangte Auskunft von Wichtigkeit sei während alle Zenfiten mit weniger als 3000 m. Jahres- fowie zwei Radikale wurden mit 20 300 bis 20 667 Stimmen und deshalb befolgt werden müsse, sei objektiv zu entscheiden. Allein einfommen nur einen Vermögenszuwachs von gegen die 16 128 bis 16 222 Stimmen der Antisozialisten gewählt. maßgebend könne weder die Auffassung der Kasse noch die der Die Sozialdemokratie ist die stärkste Partei in der Hauptstädtischen Berufsgenossenschaft sein. Ob eine Erheblichkeit vorliege, das hänge Gemeindevertretung. in jedem einzelnen Falle von den Umständen ab. Hier läge nichts erfuhren! 16 246 Millionen Mark, 2307 Millionen Mark 363 846 Personen in Preußen allein schluckten also binnen zehn Jahren von dem Wachstum des Nationalvermögens das Dernburg während 22 Jahren für ganz Deutschland auf 30 Milliarden beziffert mehr als die Hälfte, nämlich 16 Milliarde! Ende Mai wurde das Follething neu gewählt und die Sozial- vor, was die Kasse berechtigt hätte, anzunehmen, es handele sich demokratie gewann 8 Mandate, so daß sie dort nun statt 16 24 Ber- um eine bloße Belästigung. Sehr wohl können für die Beurteilung treter hat. Ihre Stimmenzahl stieg im Vergleich zur Wahl vom der Beschränkung der Erwerbsfähigkeit eines Unfallverlegten, für Jahre 1903 von 57 578 auf 76.612. 25 Prozent der abgegebenen die Frage, welche bestimmte Rente ihm zukomme, die früheren Stimmen waren sozialdemokratische. Im September fanden dann Gesundheitszustände des Versicherten mitsprechen, z. B. der Umdie Wahlen zum Landsthing, dem Oberhaus des Reichstags, statt. stand, wie lange und wann und an welcher Krankheit er gelitten Hier erhöhte fich die Zahl der sozialdemokratischen Vertreter von 1 habe. Das könne von großem Einfluß sein. Die Stasse hätte des auf 4. halb das Verlangen der Berufsgenossenschaft erfüllen müssen. Die kommunalen Wahlen zu den Steuerkommissionen und den Die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts halten wir auch Warum unterschlug Herr Dernburg seinem Publikum Borständen der freien Armenfassen der Provinzstädte, die im August nach der materiell rechtlichen Seite für zutreffend. Die Ausdiese interessante Tatsache? Glaubte er, daß sie selbst bei und September stattfanden, verliefen für unsere Genoffen ebenso gestaltung der Berufsgenossenschaften als Arten von Behörden, den Herren Professoren die Schwärmerei für die Kolonial- günstig wie die Stadiratswahlen. ja von anderen Behörden und Verwaltungsorganen beherrschenden politit und das ganze kapitalistische System abgekühlt Gemeindevertretungen, den Kirchspielräten. In der einen Hälfte der fet festgelegt und nach dem Wortlaut und 3wed des§ 144 bes Die legten Wahlen des Jahres waren die zu den ländlichen Behörden, ist gewiß keineswegs erfreulich. Sie ist aber durch Ge haben würde? Aber Herr Dernburg jongliert auch mit den Zahlen der dänischen Kirchspiele standen die Mandate der allgemeinen Wählerklaffe Gewerbe- Unfallversicherungsgefeßes muß eine Krantentasse auf AnSparkasseneinlagen, die er kurzerhand in den Besitz des zur Wahl, in der anderen Hälfte die der höchstbesteuerten Klaffe, die suchen die gewünschte Auskunft geben. nur ein Fünftel der Wähler umfaßt, aber doch in den Landgemeinden auf Bücher bis zu 60 M. Einlage 28,22 Prozent ,, weniger bemittelten Teiles" der Bevölkerung immer einen Vertreter mehr zu wählen hat als die allgemeine Mißstände im Dresdener Findelhause. übergehen läßt. Klasse, damit den wohlhabenden Bauern immer die Mehrheit in Die zehn sozialdemokratischen Dresdener Stadtverordneten Gehören aber die 13 Milliarden nach den Angaben den Kirchspielräten sicher ist. Die Wahlen der allgemeinen Klasse haben beim Rat zu Dresden eine Interpellation über Mißstände des Statistischen Jahrbuchs für das Deutsche Reich 1906 waren brachten der Sozialdemokratie ungefähr 200 Mandate in 60 Kirch im städtischen Findelhause eingebracht und den Rat um Auskunft es 1908 nur 11 Millionen- wirklich den weniger Be- spielen. Zusammen mit den Mandaten, die sie bei den Wahlen vor ersucht, ob Maßregeln zur Beseitigung derselben getroffen worden mittelten?" In der Zeitschrift des Kgl. Preuß. Statist. Bureaus drei Jahren errungen hat, ist die Zahl ihrer ländlichen Gemeinde- find. Es handelt sich um den Vorfall, der in der Gerichtsfür 1901 finden wir eine Berechnung des Ober- Regierungsrats bertreter jest zirka 400, verteilt auf 100 der im ganzen rund verhandlung, über die wir am 4. d. Mts. ausführlich berichteten, 1100 Kirchspiele des Landes. beleuchtet ist. Ein Motorwagenführer der städtischen Straßenbahn G. Ewer. Danach tamen im Jahre 1899 Die Zahl der Sozialdemokraten, die ein kommunales Ver- hatte sich wegen Erkrankung seiner Ehefrau gezwungen gesehen, trauensamt innehaben, das heißt: in den städtischen und ländlichen seine vier Kinder im Alter von 4-6 Jahren dem städtischen FindelGemeindevertretungen, im Magistrat von Kopenhagen und in den hause anzuvertrauen. Gesund und muntet wurden sie am Steuerkommissionen und Armentassenverwaltungen fißen, ist seit 2. Februar 1906 eingeliefert. Die Mutter erkundigte sich mehrmals Beginn des neuen Jahrhunderts von 500 auf 1500 angewachsen. bom Stadtkrankenhause aus telephonisch nach ihren Kindern und Hand in Hand mit den Wahlfiegen ging die Entwickelung und erhielt stets die Zusicherung, daß es den Kindern gut gehe. Beim Ausbreitung der Parteipresse. Die Kopenhagener Parteigenossen Verlassen des Findelhauses befanden sich jedoch die Kinder in einem hatten gegen Ende des Jahres 1905 eine außerordentliche Agitation für sehr schlechten Zustande. Das jüngste der Kinder hatte Ausschlag, Sozial- Demokraten" begonnen. Sie wollten die Abonnentenzahl von Magen und Darmitatarrh, eine Beule an der Stirn, war ganz 42 000 auf 50 000 bringeit. Das Ziel ist nicht nur erreicht, sondern heruntergekommen und entfräftet. Alle Kinder hatten Susten und überholt worden. Das Hauptorgan der Partei hat jetzt über machten einen blöden Eindruck und erkannten ihre Eltern nicht 52 000 Abonnenten. Die sozialdemokratische Provinzpresse besteht einmal. Diesen Zustand der Kinder führen die Eltern auf Mißaus neun selbständigen Tagesblättern, von denen jedoch in stände im Findelhause zurüd, die jetzt durch das Eingreifen des Stadt18 Städten oder Aemtern besondere Lolalausgaben erscheinen. Die berordneten- Kollegiums beseitigt werden sollen. Insbesondere Provinzpresse hat im Laufe des verflossenen Jahres 5000 neue follen im Findelbause teine Vorrichtungen zum folieren er mit 60-150 " " " " 15,48 " 150-300 "" " # 13,81 " 300-600 " " # 15,40 " 600-8000 " " " " 28,17 " 3000-10000 " " " " 3,49 " " " über 10000 0,42 P " " Leider ist hier die Einlage der einzelnen Kategorien nicht angegeben. Sie läßt sich aber ungefähr berechnen. Es waren insgesamt 8450 000 Sparkassenbücher vor handen. 0,42 Broz. mit über 10 000 W. Einlage find 85 490 Bücher Rechnen wir auf jedes Buch 15 000 M. Ein lage, so macht das die Summe von 582 Millionen Mart. frankter Kinder vorhanden sein. Auch bezeichnet es der Sach- 1 verständige, Sanitätsrat Dr. Blettner, als richtig, daß Kinder, die gesund in das Findelhaus eingeliefert werden, gewöhnlich nach furzer Zeit erfranken. Mit ihren Maßnahmen für die Säuglingsfürsorge hat die Stadt Regensburg gute Erfahrungen gemacht. Seit drei viertel Jahren besteht dort eine Beratungsstelle für Mütter nebst einigen hygienischen Einrichtungen( scharfe Milchkontrolle, strenge Ueberwachung der Kosttinder usw.). Im Jahre 1906 ist nun die Kindersterblichkeit von 441 im Vorjahre auf 313 gesunken, was auf die neuen Einrichtungen zurückgeführt wird. Die Beratungsstelle hatte bei einer Frequenz von 138 Säuglingen eine SterblichkeitsBiffer von null Brozent. Aus Industrie und Handel. Industrielle Konzentration. feit an der gleichen Arbeitsstelle besondere Zuwendungen aus| fie das ihnen zugegangene Exemplar einsehen. Ob aber Leute Stiftungen pp. zuteil werden lassen, so muß es diesen selbst- Glauben verdienen, die öffentlich einem Friedens- Balaver verständlich freistehen, die von der Zentralverwaltung gezahlten beiwohnen, heimlich aber Kriegsvorbereitungen treffen, steht Benfions- oder Invalidenbeiträge durch Zuschüsse aus der eigenen auf einem anderen Blatt. Dokumentarisch festgestellt ist jedenfalls, daß beat. der Bezirks- Verbandskasse zu erhöhen. er aufs Konto der Holzwenn der Kampf entbrennt Sie würden zu Danke verpflichten, wenn diese Vorschläge industriellen mit Herrn Rahardt an der Spitze fällt. bereits gelegentlich der nächsten Ausschußfizung am 21. Dezember zur Kenntnis der Versammlung gebracht werden könnten, damit Im Kampfe der Automobilführer ist der zweite„ kritische Tag", sie event. bei den Reichstagswahlvorbereitungen der 10. Januar, vorübergegangen, ohne den Propheten im Lager der schon benutzt werden könnten. Hochachtungsvoll Labes, Hauptmann a. D., Unternehmer die Erfüllung ihrer Weissagungen zu bringen. Bes kanntlich war den Führern zuerst gedroht worden, daß sie jede Uusficht auf Wiederanstellung verlieren, tvenn sie sich bis zum 5. Januar nicht unterworfen hätten. Die Drohung wirkte hoffnungslos; man setzte den 10. Januar als allerlegten" Termin fest, aber man dort ein Fahrer heimlich, die Berachtung feiner Kollegen fürchtend, batte ebensowenig Erfolg diesmal. Es mag bereinzelt hier oder zurückgekehrt sein; die große Maffe aber steht draußen und ist zum Ausharren entschlossen. Stellvertretender Vorsitzender des Arbeitgeber- Verbandes der Eisen- und Metallindustrie Niels. Soweit wir in Erfahrung brachten, haben die Herren Geheimrat e d mann und Kommerzienrat Men& voik Metallindustriellenverbande die dee nicht so unübel gefunden. Die Herren Großindustriellen sind überhaupt begeisterte Am Mittwochabend fand eine Vertrauensmännerbersammlung der Ueber die Konzentration im Kohlenbergbau belehrt recht deutlich heit bieten, für den Fall von Streifs und Aussperrungen ihre geschildert wurde. Unter den Ausgesperrten von en ver Meinung Anhänger der gelben" Gewerkschaften, die ihnen Gelegen- ausgesperrten Führer statt, in der die allgemeine Lage als günstig die Beteiligungsziffer beim Rhein.- Weſtf. Kohlensyndikat. Auf die Position pen Heinen Unternehmern gegenüber noch günstiger Stimmung vorzüglich sein. Man gab von allen Seiten der Meinung 79 angeschloffenen Gesellschaften verteilt sich nach der letzten Auf zu gestalten, als sie es ohnehin schon ist. Als im Laufe des Ausdrud, ruhig die Entwidelung der Dinge abzuwarten; man hat stellung eine borigen Jahres die große Aussperrung der Metallarbeiter bemerkt, daß die kleineren Unternehmer mit wachsender Unruhe auf nehmer unter allen möglichen Vorwänden um diese herum. lassen, und andererseits auch bereit, die Organiſation der Führer erfolgen follte, drückten sich bekanntlich die Unter- die Entschlossenheit der Ausgesperrten bliden und manche bereit sollte, drückten sich bekanntlich die Unter- wären, einzelne Forderungen, wie die Kautionsleistung, fallen zu heimer von der Augsburger Maschinenfabrik. Er ver- der Bewegung ein günstiger. Den originellsten aber erfand Herr Direktor Guggen anzuerkennen. Nach den Berichten der Vertrauensleute ist der Stand langte, daß er nur 30 Prozent seiner Arbeiter aus sperren dürfe, weil angeblich 70 Prozent der„ gelben" Organisation angehören. Die Berliner Kühnemänner Das Bes 76 425 834 Zonnen Kohlen. Für 1906 belief sich die Beteiligung in Stots auf 12 258 200 Tonnen und in Kohlen auf 76 275 834 Tonnen. Unter den 79 Gesellschaften sind aber 23, die allein über 53 Millionen Tonnen Stohlen und 8,9 Millionen Tonnen Rots 53 Millionen Tonnen Kohlen und 8,9 Millionen Tonnen Kots verfügen. Und unter diesen 23 Großen finden wir wieder 5, auf die allein 26 Millionen Tonnen Kohlen und 4,8 Millionen Tonnen Deutfches Reich. Rots entfallen. Demnach beherrscht 11 der Gesellschaften über Streit der Hamburger Schornsteinfegergesellen. 1 der Gesamtbeteiligung in Kohlen und Rots. Gs gibt aber immer noch Leute, die kalt In der Lat bedeuten die„ gelben" Gewerkschaften fein sprachen sich gegen eine solche Bevorzugung einzelner Werke streben der in der Hauptsache auf Trinkgelder angewiesenen Ham trationstheorie sei Unsinn. abzuschließen, doch Das sind dieselben Leute, die den Kampfmittel des Unternehmertums als Klasse, sondern ein gerichtet, einen festen Tarif mit einem Minimallohn von 15 Mark Arbeiter von der Sozialdemokratie wegloben oder schimpfen wollen. solches einzelner Großbetriebe, das bei Kämpfen auch zur Be- haben diese auf die wiederholten Gingaben nicht geantwortet. Da Fufion: Gelsenkirchen- Rote Erde- Schalke. In der letzten Sigung ihren Arbeitern neben den Lohn- und Arbeitsbedingungen, am Donnerstag die Gesellen die Arbeit eingestellt. Soffentlich nachteiligung der Kleinbetriebe führen muß, die natürlich auf friedlichem Wege nichts zu erreichen war, haben nunmehr der vereinigten Aufsichtsräte der Gelsenkirchener Bergwerks- Attiengesellschaft, des Aachener Hütten- Aktienvereins und des Schaller die ihnen die Arbeiterorganisation erkämpfen würde, nicht werden nun die Arbeitgeber, unter denen sich viele voluminöse Gruben- und Hüttenvereins wurde beschlossen, den demnächst einzu- noch besondere Vorteile bieten können. Knallproben befinden, die aus sehr naheliegenden Gründen nicht berufenden Generalversammlungen die Verschmelzung des Aachener Das oben abgedruckte Zirkular ist für uns aber deswegen mehr in die Essen kriechen können, die bescheidenen Forderungen Hütten- Aktienvereins und des Schalker Gruben- und Hüttenvereins besonders wertvoll, weil es auch den harmlosen und indiffe- der Gefellen bewilligen. mit der Gelsenkirchener Bergwerks- Aktiengesellschaft im Wege der renten Arbeitern gegenüber als Beweis dafür dienen kann, daß Ein Erfolg des Textilarbeiterverbandes. Die Differenzen in der Fusion vorzuschlagen. das Unternehmertum für seine Wohltaten" einen Verrat an Flanellfabrik von Siegel u. Schüße in Pößned sind bereits am Ein Syndikat gekündigt. Die Rheinisch Westfälische Zeitung" den Arbeitsgenossen vorausjett, egal, ob es zu einer Bentrali- beigelegt worden. Die Firma erfüllte die Forderungen der Arbeiter, Dienstag durch Vermittelung des Gauleiters Bretschneider meldet aus Siegen: Nachdem die Geisweider Eisenwerke den zweiten fation der„ gelben" Gewerkschaften kommt oder bei ihrer so daß die Arbeit sofort wieder aufgenommen wurde. Die Hochofen angeblasen haben, wodurch ihre Roheisenproduktion, laut lokalen Form bleibt. Wenn sich aber Bestrebungen zur Ben- Organisation gewann mit einem Schlage hundert Prospekt auf 85-90 000 Tonnen gesteigert ist und nachdem alle tralisation der Gelben" öffentlich bemerkbar machen, wiffen mitglieder. Der größte Teil der Pößnecker Textilarbeiter gehört Berhandlungen mit dem Werke, es zum Beitritt zum Syndikat zu wir jekt, woher sie kommen! Daher, wo die gelben" dem Verbande an. bewegen, bisher erfolglos geblieben sind, hat eine große Anzahl Siegerländer Hüttenwerte das hiesige Syndikat mit einer sechs Gründungen überhaupt stammen, aus Scharfmacher. monatigen Frist gekündigt. Das Syndikat erreicht somit am freisen! 7. Juli sein Ende, ebenso der Bertrag mit dem Roheisen- Syndikat Düsseldorf. = Gewerkschaftliches. Eine Zentralisation der Gelben". Die sogenannten gelben" Gewerkschaften bestehen in Deutschland bisher nur in einigen großen Werken in Form von Wohltätigkeits- Veranstaltungen", die die Werksangestellten an den Betrieb fesseln und so Ausstände unmöglich machen sollen. Die größte Rolle spielen sie wohl in der befannten Augsburger Maschinenfabrik sowie in den SiemensSchuckert- Werken und bei der Firma Siemens u. Halske, wo sie auch in der jüngsten Bewegung in die Erscheinung traten. Im übrigen ist die Meinung über den Wert diefer Organi fationen in industriellen Streifen eine geteilte; namentlich ist man sich unklar, welche Bedeutung sie im Falle einer Aus. sp rrung haben könnten. Der Gesamtverband deutscher Metallindustrieller macht sich in dieser Beziehung einige Versprechungen, während der Berliner Kühnemännerverband der Sache etwas skeptischer gegenüber steht. Jezt ist der Sache ein neuer Verfechter in der Person eines Herrn Hauptmann a. D. Laves von den Howaldtwerken in Riel und stellvertretenden Vorsitzenden des Kieler Scharfmacherverbandes in der Metallindustrie erstanden. Die jüngste Bewegung der Arbeiter auf der Howaldt- Werft hat den Herrn zu der schwierigen Arbeit des Nachdenkens veranlaßt. Er ist zu dem Resultat gekommen, daß allein eine Zentralisation der gelben" Gewerkschaften das Unternehmertum aus seiner schwierigen Situation zu erretten vermag. Deswegen verfaßte er folgendes Zirkular, das er an eine Anzahl großer Werke versandte. Das übliche PflichtEremplar" flatterte natürlich auf den Redaktionstisch des Borwärts". Die Zuschrift lautet: Kiel, den 15. Dezember 1906. An den Vorstand des Gesamtverbandes Deutscher Metallindustrieller Berlin Potsdamerstraße 184 A. Unter Bezugnahme auf den von mir in der letzten Ausschußfißung des Gesamtverbandes gestellten Antrag zur Gründung einer über das ganze Deutsche Reich sich er= stredenden Zuschußtrantentasse für nicht ge= ivertschaftlich oder sozialistisch organisierte Arbeiter gestatte ich mir heute noch einige Vorschläge zu machen, die nach meiner Meinung mit der genannten Kasse infofern im Zusammenhang stehen, als für diese ein und diefelbe Zentralverwaltung in Betracht fäme. Zunächst würde es sich darum handeln, auch eine Arbeitslofenversicherung, bielleicht nach dem Muster derjenigen, wie fie die Vereinigung der Berliner Metallwaren abritanten bereits besißt, ins Leben zu rufen und hiermit gleichzeitig einen 3entral- Arbeitsnachweis zu berbinden. Da es sich, wie gesagt, nur um nicht gewerkschaftlich oder sozialistisch organisierte Arbeiter handelt, wird jede Firma bezw. jeder Bezirksvorstand danach trachten, sich diese Leute zu erhalten und sie, wenn irgend möglich, zu beschäftigen oder aber nach dem Muster der Berliner Vereinigung zu entschädigen, vorausgesetzt, daß die Zahl der Arbeitslosen in mäßigen Grenzen bleibt. Wird diese Grenze aber überschritten und ist die Nachfrage nach Arbeitern nur gering, so sorgt der Zentral- Arbeitsnachweis für den nötigen Ausgleich durch Ueberweisung Arbeitsloser an solche Nachweise, welche Arbeitermangel haben, und durch gleichzeitige Uebernahme der Reisekosten oder Zahlung von Kilometergeldern. " " Berlin und Umgegend. Wer will den Kampf im Holzgewerbe? Bekanntlich schwebten in der Zeit nach Weihnachten vor dem Ginigungsamt unter dem Vorsitz des Herrn v. Schulz Verhandlungen, die auch zu einem Einigungsvorschlag seitens des Vorfizenden führten. Herr v. Schulz schlug den Parteien einen breijährigen Tarif vor, wobei im ersten Jahre eine Abschlagszahlung von 24, im zweiten eine solche von 25,50 und im dritten 27 M. pro Woche gezahlt werden sollten. Während dieser Verhandlungen versandte Herr a hardt folgendes Zirkular: Bereinigte Verbände der Berliner Holzindustrie. Berlin C., den 28. Dezember 1906. Alexanderstraße 31. Gerichts- Zeitung. Streifende Arbeiter und die Justiz. Während des borjährigen Bauarbeiterstreits in NürnbergFürth war der arbeitswillige Taglöhner Andr. Riedel mit einem Streifenden, den er provoziert hatte, in Streit geraten und hatte ihm, angefeuert durch das glorreiche Beispiel des Streitbrechers Thiel in Nürnberg, der drei Tage vorher den Streitführer Fleischmann erschossen hatte, einen gefährlichen Messerstich in die Seite bersetzt. Am Tage darauf fand in Nürnberg die Beerdigung des erschossenen Fleischmann statt, zu der sich auch aus Fürth eine große Anzahl Streifender einfand. Bei der Rückkehr nach Fürth trafen die streikenden Bauhülfsarbeiter Greiner, Hafenrichter, Kittlinger, Schmidtmann, Weller und Wellein mit dem Messerhelden zusammen. Er hatte sich einen Bolizisten als Schußengel Sehr geehrter Herr Kollege! zugelegt. Die uniformierte Begleitung gab ihm den Mut, sich Zu Ihrer vorläufigen Information über die jeßige, durch wieder recht herausfordernd zu benehmen. Hierdurch ließen sich den drohenden Lohntampf geschaffene Lage teilen wir Ihnen er die Streitenden hinreißen, mit ihm anzubinden und ihm einige gebenst mit, daß bis heute teine Tatsachen bor Siebe mit Spazierstöden und Regenschirmen zu versehen. Der liegen, welche den Schluß rechtfertigen, daß der Schußmann legte sich fräftig für seinen Schußbefohlenen ins Zeug Streit bezw. die Aussperrung bermieden und ging mit dem Säbel vor, der ihm dann entrissen wurde. werden könnte. Sie müssen sich daher nach wie vor in Daraus wollte man einen Aufruhrprozeß machen. Die sechs jeder Weise darauf einrichten, daß spätestens Streifenden wurden verhaftet und 17 volle Wochen in Unteram Sonnabend, den 12. Januar 1907, abends, sämt- fuchungshaft behalten. Nachdem dann die beiden Nürnberger liche Betriebe zu schließen sind, wenn wir erreichen Aufruhrprozesse ein so flägliches Ergebnis zeitigten, wurden die wollen, daß der Kampf ein möglichst furzer und für uns erfolg Leute entlassen. Hätte man sie wegen Aufruhrs angeklagt, so reicher sein soll. Wir erlauben uns deshalb, Sie nochmals auf hätte das Schwurgericht urteilen müssen. Man machte ihnen aber folgende bereits durch die Fachzeitung veröffentlichte Maß den Prozeß wegen der geringeren Vergehen der Körperverlegung nahmen aufmerksam zu machen, die wir in Ihrem eigenen und des Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Hierfür zur AbInteresse ohne jeden Vorbehalt und ohne jede Einschränkung urteilung auständig waren die gelehrten Richter der Nürnberger durchzuführen bitten: Straffammer, die am Mittwoch über den Fall verhandelte und auf folgende Strafen erkannte: Greiner 8, Hafenrichter 6, Schmidtmann und Weller je 5, Wellein und Kittlinger je 2 Monate Gefängnis. Die mildernden Umstände wurden ihnen versagt. Am 25. Januar gilt es, über die heutige Justiz ein Volks. gericht abzuhalten. 1. Vorgegebene Afforde müssen unter allen Umständen spätestens am Sonnabend, den 12. Januar beendet sein. 2. Allen Arbeitern, welche mit Kündigung angenommen find, muß am Sonnabend, den 29. d. M. gekündigt worden sein, und zwar möglichst in Gegenwart einwandsfreier Zeugen. 3. Sollte etwa jetzt noch die Einstellung neuer Arbeiter Ihrerseits für erforderlich erachtet werden, so sind dieselben entweder nur in Lohn unter Ausschluß der Kündigungsfrist( d. h. also, nur auf bestimmte Zeit, nämlich bis zum 12. Januar 1907) zu beschäftigen, oder es dürfen nur so kleine Akkorde vorgegeben werden, daß diese Arbeiten mit Sicherheit bis zum 12. Ja nuar 1907 beendet sind. 4. Am Sonnabend, den 12. Januar 1907 find alle Arbeiter zu entlassen, welche dem Holzarbeiterverbande angehören. Ob Mitglieder anderer Arbeiterorganisationen 3. B. des Gewerkvereins( Hirsch- Dunder), der christlichen bezw. katholischen Verbände zu entlassen sind, darüber erhalten Sie vor dem 12. Ja= nuar noch befondere Nachricht. Nichtorganisierte Arbeiter sind nicht zu entlassen; es muß jedoch die Nichtzugehörigkeit derfelben zu einer Orga nisation bei einer ebtl. Kontrolle glaubhaft nach gewiesen werden können. 5. Weitere Ausführungsbestimmungen, betreffend die EntLaffung usw., werden Ihnen rechtzeitig durch die Fachzeitung bezw. durch Brief übermittelt werden. " Aus der Frauenbewegung. Versammlungen Veranstaltungen. Groß- Lichterfelde und Umgegend. Montag, 14. Januar, 8 Uhr, GroßLichterfelde- Ost, im Restaurant Kaiserhof" am Kranoldplay: Vortrag. Herr Dr. Pinkus: Frauenkrankheiten". Schöneberg. Der Wahl tegen fällt die Versammlung 14. Januar aus. Verfammlungen. am Eine öffentliche Bäderversammlung, die sehr stark besucht war, fand am Dienstag in Kellers Saal statt. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete ein vom Verbandsbevollmächtigten Schneider gehaltener Vortrag über die Reichstagswahl. Der Redner schilderte die politische Situation und forderte die Anwesenden unter allgemeinem Beifall auf, am 25. Januar Mann für Mann ihre Stimme gegen das herrschende Regierungssystem abzugeben. Alle böswilligen Ausstreuungen über angeblich inforrettes Lebhaftes Interesse brachte die Versammlung dem zweiten Punkt Verhalten dieses oder jenes Kollegen weisen Sie als unbegründet der Tagesordnung entgegen. Sezschold referierte über eine zurüd, folange wir den Fall nicht eingehend geprüft haben; die- Episode aus dem Kampfe gegen die meistertrene gelbe Gefellenfelben find lediglich zu dem Zwecke verbreitet, Unmut und gegen organisation. Um die arbeiterfeindlichen Umtriebe dieser von den feitiges Mißtrauen in unseren Reihen wachzurufen und ver- Innungen großgezogenen und unterstüßten Organisation an der dienen nicht den mindesten Glauben. Zuverlässige Infor- Quelle tennen zu lernen, hat der Verband einige seiner Mitglieder mationen sind lediglich beim Vorstande, den Bezirksvorstehern, dem gelben Bunde beitreten lassen. Es war das, wie der Referent im Bureau oder durch die Fachzeitung" zu erlangen. Lassen sagte, teine angenehme Aufgabe; sie wäre aber notwendig geworden, Sie sich weber mit den Arbeitern auf Verhand- um die Schliche der Gelben durch Tatsachen aufzudecken. Der lungen oder günstig scheinende Abmachungen Vertrauensmann des Verbandes hat seine Stolle bei den Gelben fo ein, noch messen Sie den zumeist tendenziös täuschend gespielt, daß er schon als Bundesvorsitzender in entstellten oder gänzlich unwahren Ver Aussicht genommen war. Kürzlich ist nun der Betreffende öffentlichungen im Vorwärts" irgend welchen von den Gelben wieder zurückgetreten und die Entrüstung der Glauben bei. Haben Sie Beschwerde zu führen, so wenden Ueberlisteten ist groß. Durch eine Reihe von Tatsachen schilderte Sie sich zweckmäßig stets sogleich an das Bureau, Alexander- der Referent die Korruption, welche im Bunde der Gelben herrscht. straße 31, welches sofort alles Nötige veranlassen wird. Beachten Im Anschluß daran besprach der Pfeudo- Gelbe seine Erlebnisse in Sie forgfältig unsere Veröffentlichungen in der Fachzeitung". der gegnerischen Organisation. Was der falsche Gelbe von seinen Wenn Sie diese Anweisungen befolgen, so fann es nicht falschen Bundesbrüdern an Geld und sonstigen Zuwendungen ers zweifelhaft sein, daß der Erfolg auf unserer Seite sein wird. halten hat, ist bis auf den Pfennig berechnet und wird den Be Seien wir deshalb einig in unseren Bestrebungen und beweisen treffenden zur Abholung zur Verfügung gestellt. Zur Empfang wir diese Einigkeit durch die Tat! nahme hat sich aber bis jetzt niemand gemeldet. Die Versamm Mit tollegialem Gruße Tung nahm zu dieser Angelegenheit eine Resolution an, welche Die Vorstände der Vereinigten Verbände der Berliner Holzbefagt, daß dem von den Innungen gefpidten gelben Bunde die industrie. tiefste Berachtung ausgedrückt wird. Ferner erklärt die Resolution, Im Auftrage: C. Rahardt. daß durch die neuesten Enthüllungen bewiesen ist, daß der Tarifs bruch der Junungen von deren Führern von Bei der Organisation der sogenannten gelben Verbände besteht zurzeit noch der große Nachteil, daß die Freizügigkeit der Mitglieder sehr start beein trächtigt wird, ein Grund, der sehr viele, hauptsächlich jüngere und kräftigere Arbeiter, die sich noch in der Welt umfehen wollen, abhält, sich diesen Verbänden anzuschließen. Soll hierin wirklich Wandel geschaffen werden, so müssen auch die gelben Verbände, gerade so wie der MetallarbeiterVerband, zentralisiert und möglichst der gleichen Verwaltung angegliedert werden, der auch die Zuschußkrankentasse und die Arbeitslosenversicherung unterrichten des Vorwärts" über die Lage Glauben zu schenken. I anger Hand vorbereitet ist. Die Gesellen werden daraus stehen. Sollen einzelne Firmen oder ganze Bezirksverbände Daß unsere Mitteilung über das Birkular des Herrn Rahardt die Lehre ziehen, den tarifbrüchigen Junungen kein Vertrauen mehr ihren gelben Verbänden für langjährige, ununterbrochene Tätig- den Tatsachen entspricht, davon können sie sich überzeugen, wenn zu schenken. Wir können den Tischlermeistern doch lieber raten, den Nach Erster Wahlkreis. Charlottenburg. Heute Freitag, den 11. Januar, abends 8 Uhr, im ,, Café Gärtner", Holsteiner User 17/18: Wähler- Versammlung für das Hansaviertel und in den Zelten. Tages Drdnung: Heute Freitag, den 11. Januar, abends pünktlich 8 Uhr, im Volkshause, Rosinenstr. 3* 250/2 Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Zages Ordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Verschiedenes. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: 1. Die Neuwahlen zum Reichstage. Referent: Kandidat des Kreises Dr. Leo Arons. 2. Diskussion. Simmer 34, Amt 4, 3353. Wähler! Erscheint in Massen. Der sozialdemokratische Wahlausschuß. III. Wahlkreis. Freitag, den 11. Januar, abends 8 Uhr: Der Vorstand. General- Versammlung der Kranken- Unterstütungsu. Begräbniskaffe Engel- Ufer 15. Zimmer 1-5, Amit 4, 9679. der Lederzurichter Berlins Achtung! Rohrleger u. Helfer. Achtung! ( E. E. Nr. 50) am Sonntag, 20. Jan., vorm. 10%, Uhr, Weinstr. 11, bei Feind. Tages Ordnung: 1906. S Die im Monat Januar fällige Bersammlung findet 1. Rechnungslegung vom 4. Quartal wegen der bevorstehenden Wahlbewegung nicht statt. Wir ersuchen, die im Monat Februar kommende Versammlung zahlreich zu besuchen. Die Ortsverwaltung. 2. Bericht der Revisoren. 3. Borstandswahl: a) Wahl eines 2. Vorstehers; b) des Kassierers; c) des Kontrolleurs; d) der Er fatmänner. 2 Wählerversammlungen Verband der baugewerbl. Hülfsarbeiter Deutschl. farmer in folgenden Lokalen: ,, Arminhallen", Kommandantenstraße 20. Referent: Redakteur Wilhelm Düwell. ,, Berliner Klubhaus", Ohmstraße 2. Referent: Stadtverordneter Dr. Zadek. Tages Ordnung: 1. Die Neuwahl zum Reichstage. 2. Freie Aussprache. Zahlreichen Besuch erwartet 240/ 3* Der Vorstand. VI. Wahlkreis! 2 öffentl. Wählerversammlungen Freitag, den 11. Januar, abends 8 Uhr, in der„, Borussia", Ackerstraße 67; Sonntag, den 13. Januar, mittags 12 Uhr, den„ Germania- Pradhtfälen, Chauffeestraße 103. 0 Tages Ordnung: 246/ 5* Der Reichstags- Wahlkampf. Referenten sind die Genossen Grunwald und Ledebour. Bu zahlreichem Besuch ladet ein Das Wahikomitee. VI. Wahlkreis. Sonntag, den 13. Januar, abends 6 Uhr, im Kolberger Salon, Kolbergerstr. 23: Versammlung für Männer und Frauen. Tagesordnung: 1. Vortrag der Genoffin Kadeit: Welche Pflichten haben die Frauen im gegenwärtigen Wahlkampfe? 2. Diskussion. Um zahlreichen Besuch bittet 246/71 Der Einberufer. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein mit Tamz. VI. Wahlkreis! Zweigverein Berlin und Umgegend. Sektion der Dachdecker- Hülfsarbeiter. Sonntag, den 13. Jannar, vormitt. 10 Uhr, im Gewerkschaftshause ( Saal VII), Engel- Ufer 15: Mitglieder- Versammlung. Sektion der Putzerträger. Sonntag, 13. Januar, vormittags 10 Uhr, in Wernaus Festfälen, Schwedterstr. 23: Mitglieder- Versammlung. Sektion der Töpferträger. 32/3 4. Geschäftliches. 8075 Der Vorstand. J. A.: Gustav Busse. Allgemeine Familien- Sterbe- Kasse zu Berlin. Sonntag, den 20. Januar 1907, bormittags 92 Uhr, im Lokale des Herrn Wiesenthal Alderstraße 123: Außerordentliche General- Versammlung. Tages Drdnung: Montag, 14. Januar, abends 8 Uhr, im Rosenthaler Vereinshause, Statuten- Renderung. Rosenthalerstr. 57: Mitglieder- Versammlung. Sektion der Rohrer. Sonntag, den 13. Januar, vormittags 10 Uhr, bei Merkowski, Andreasstr. 26: Mitglieder- Versammlung. Sektion der Fahrstuhlarbeiter. Sonntag, den 13. Jannar, vormittags 10 Uhr, bei Jannaschk, Inselstr. 10: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung wird in den Versammlungen bekannt gemacht. Um recht rege Beteiligung an allen Versammlungen ersucht Der Zweigvereinsvorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Heute Freitag, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer Nr. 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Achtung! Vertrauensleute. Die Ausgabe der gelben Vertrauensmänner- Karten erfolgt am Sonnabendabend von 6-8 Uhr in den Lokalen, wo die Vertrauensmänner- Versammlungen stattfinden, für Bezirk Süden bei Lehmann, Gräfeftr. 2. Telephon 4, 3578. Zahlstelle Berlin. Einsetzer! Telephon 4, 3578. Sonntag vormittag 10 Uhr finden in den bekannten Lokalen die Bezirks- Sizungen statt. Tagesordnung: Bericht der Kollegen über den Umfang der Der Obmann. Sonntag, 13. Januar, abends 6 Uhr, bei Wilke, Brunnenstr. 188: Aussperrung in unserer Branche. Versammlung. Tagesordnung: Der Reichstags- Wahlkampf. Referentin: Frau Anna Mesch. Nachher: Gemütliches Beisammensein und Tanz. Buchhandlung Vorwärts, Berlin Sw. 68, Lindenstr. 69. Soeben ist in zweiter, neu durchgesehener Auflage erschienen: Gefchlechtsverkehr und Gefchlechtskrankheiten Preis 20 Pf. Von Dr. E. Gebert. Porto 3 Pf. Orts- Krankenkasse für Oberschöneweide Die Stelle eines Krankenbesuchers und Kassenboten ist sofort zu besehen. Anfangsgehalt 1450 M., Raution 300 M. Bewerbungen find nur schriftlich bis zum 21. Januar 1907 an den 2. Borfizenden Herrn Kaufholt hierfelbft, Wilhelminenhofstraße 18, einzu reichen. 270/4 Automat- Restaurant, 77/12 Abänderung des§ 11 des Statuts. Erhöhung des Sterbegeldes. Ferner§ 7 Abs. I: Hinter dem Worte beitraten ist innerhalb 6 Monate" zu setzen. Der Eintritt ist nur gegen Vorzeigung des Duittungsbuches gestattet. Um pünktliches Erscheinen ersucht 8006 Der Vorstand. J.A.: Aug. Acke, Bors., Grenzstr. 14, I. in für Deutschlands Spezialgeschäft grösstes Bettfedern Erste Bettfedernfab. m. elekt. Betriebe Gustav Lustig BERLIN S. Prinzenstr. 46 bersendet geg. Nachnahme garantiert neue und gut entstäubte, gut füllende Bettfedern p. Pfd. M. 0.55-1.00-1.25; prima Halbdannen M. 1.75; Gänse: rupffedern M. 2.00; prima weiße Gänsehalbdannen M. 2.50-3.00-3.50 echt chines. Monopoldaunen Mt. 2.85, echt ruffisch. Mata: dor: Gänsedaunen M. 3.50 Von den Daunen genügen 3-4 Pfd. zum groß. Oberbett. Ganfefedern ( 3. Reißen) M. 0.60 per fund; Gänse: fchlachtfederu, wie fie von der Gans fallen, mit allen Daunen m. 1.50. Proben und Preisliste gratis. um. tausch oder Rücksendung geftat. Berpackung fostenfrei. Lektjähriger Umfag über 2000 Zentner Bettfedern, von keinem zweiten Betten: u. Bettfederngeschäft erreicht. Kinematograph- Theater Rixdorf Berlinerstr. 80/81 und Bergstr. 55 in Berlin Breslauerstr. 19a. H. Zimmermann Vorführung lebender Photographien Berlin SO. Juwelier Oranienstr. 206 Gold- und Silberwaren- Fabrik, Uhren- Großhandlung. Eigene Werkstatt für Neuarbeit u. Reparatur. Streng reell. Billigste Preise. 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In welch überaus mißliche wirtschaftliche Lage Tausende und| feineswegs eine besondere Bevorzugung, wir verlangen nur das| welche Stellung er unserer auf Beseitigung der staatlichen Konaber Tausende unserer Berufsgenossen durch den unbeschränkten gleiche Recht, welches allen anderen bürgerlichen Berufsklassen turrenz gerichteten Forderung gegenüber einnimmt. Zu betonen Mufit Gewerbebetrieb der Militär- und Beamtenmusiker hinein zusteht. Wir verlangen eine freie Bahn zur Ausübung unserer wäre hierbei, daß wir keineswegs eine Beseitigung der Militärgeraten find, wer von uns wüßte das nicht? Seit Jahren Kunst, unseres Berufes. mufit als solche verlangen. Nur die Beseitigung des gewerblichen tämpfen wir gegen die durch Privilegierung dieses Gewerbe- Die Macht, den Militär- und Beamtenmusikern das gewerb- Musizierens der Militär- und der Beamten- Musiker ist es, was betriebes seitens der diesen Musikern vorgesetzten Behörden in- liche Mufizieren zu verbieten, haben wir nicht. Wohl aber wir fordern und im Interesse der Erhaltung unseres Standes augurierte Berelendung unferes Standes. Beweise über Beweise zwingt uns die durch diese Konkurrenz in unseren Stand hinein- fordern müssen. Die Erlangung eines Verbots des Musikhaben wir dafür erbracht, welch schweres Unrecht hier einer Klasse getragene Not, mit aller Macht dagegen anzulämpfen und nichts gewerbebetriebes der Militär- und Beamten- Musiker ist für uns von Staatsbürgern zugefügt wird. Dadurch zugefügt wird, weil unversucht zu laffen, was zur Erreichung des hier geſtedten Bieles eine wirtschaftliche Frage von fundamentaler Bedeutung, und man zwar den Zivilmusikern die Pflicht beläßt, durch ihre Steuern führen könnte. deshalb können und werden die Zivilmusiker und deren Freunde mit zur Erhaltung des Militär- und Beamtenstandes beitragen Als eins der wirksamsten Mittel zur Erreichung unseres nur solchen Kandidaten ihre Stimme geben, die sich bereit zu müssen, andererseits es aber auch zuläßt, daß den Zivil- Bieles hat unzweifelhaft die Anrufung und Aufklärung der erklären, auch im Reichstage für eine Lösung dieser Frage in musikern die Gelegenheit zum Erwerbe, zur Erhaltung und Er- unserem Berufe fernstehenden Bevölkerungsschichten zu gelten. unserem Sinne einzutreten. höhung ihrer Steuerkraft durch Angehörige des Militär- und Kollegen! Der Reichstag ist aufgelöst. Die Neuwahlen werden Kollegen! Das Präsidium des Allgem. Deutschen MusikerBeamtenstandes fast unmöglich gemacht wird. in furzer Zeit stattfinden. Hier nun bieten die bevorstehenden Verbandes wird dem neuen Reichstage die alte Forderung der Diese Tatsachen sind natürlich keineswegs dazu angetan, bei Wahlversammlungen eine überaus günstige Gelegenheit, unsere Zivilmusiker übermitteln. Sorgt dafür, unser diesmaliges Vordem Zivilmusiker den Stellen gegenüber, welche für das Bestehen Klagen über den uns so schädigenden Gewerbebetrieb der Militär- gehen in der oben erwähnten Weise nach Möglichkeit zu untersolcher Zustände verantwortlich zu machen sind, irgendwelch dant- und Beamtenmusiker in weite Kreise des Volkes zu tragen. Wir stügen. Agitiert für Euch und Euren Beruf! bares Gefühl auszulösen. Letzteres könnte und würde gewiß sollten es deshalb nicht versäumen, an solchen Versammlungen der Fall sein, wenn sich die Regierung entschlösse, die soziale teilzunehmen, dort das Wort zu ergreifen und nach Darlegung Fürsorge, den allen wirtschaftlich Schwachen verheißenen Schutz der Verhältnisse ob unserer Eigenschaft als Reichstagswähler an auch auf den Zivilmusikerstand auszudehnen. Wir verlangen den zur Wahl vorgeschlagenen Kandidaten die Frage zu richten, Das Präsidium des Allgemeinen Deutschen Musiker- Verbandes. J. A.: Fritz Stempel, Bizepräs. 6/7 Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Norwärt Bruder u. Norsanſtalt Haul Singer Co., Brit. SW Nr. 9. 24. Jahrgang. 2. Stilajf Ks Jmärto" ßtrlinet AlksblM Freitag. 11. Jannar 1907. kommunales. Stadtverordveten-Bcrsammlung. 2. Sitzung vom Donnerstag, den 10. Januar, nachmittags 6 Uhr. Die Sitzung wird nach S'/a Uhr vom Vorsteher-Stellvertreter Mich elet mit der Mitteilung eröffnet, dah der Vorsteher Dr. LangerhanS vor einigen Tagen auf der Straffe von einem Wagen angefahren und am Fuffe leicht verletzt worden ist. Sein Be- finden fei indesien durchaus befriedigend und er hoffe, baldigst seine Tätigkeit wieder aufnehmen zu können. Auf den Neujahrsglückwunsch der Versammlung hat der Kaiser eine Antwort ergehen lassen, die die Versammlung mit Ausnahme der Sozialde, nokraten st e h e n d anhört. Vor der Sitzung haben sick die A b t e i I u n g e n konstituiert und eine Reihe von neu beschlossenen Sonderausschüssen gewählt. In den Ausschutz für die Wasferwerksvorlage sind u. a. auch die sozialdemokratischen Mitglieder Koblenzer, Schneider, Tolksdorf und Dr. Wehl deputiert; dem Ausschüsse für die Vorlage wegen Einstellung neuer oder erhöhter Zuwendungen an gemeinnützige Vereine, Anstatten usw. gehören auch die Stadtvv. Glocke. Koblenzer und Dr. Zadel(Soz.) an. Auch die st ä n d i g e n Ausschüsse haben sich vor der Sitzung neu konstituiert. Die Tagesordnung für die heutige Sitzung ist außergewöhnlich kurz. In die Hochbaudeputation wird Stadtv. Fischer sSoz.) gewählt. Den Beschlüssen der Versammlung hinsichtlich der Verwendung deS der Stadtgemeinde zustehenden Zehntels aus den Erträgnissen der I a g o r st i f t u n g zu Stchendien an der technischen Mittelschule bezw. an den technischen Mittelschulen ist der Magistrat beigetreten. Die Vorlage wegen Veräußerung zweier Berlin gehöriger in Ripdorf am Britzer Grenzweg belegenen Parzellen an die Stadtgemeinde Ripdorf, welche den Rixdorfer Stichkanal bis zum Teltow-Kanal in Britz durchzuführen beabsichtigt, wird ohne Debatte angenommen. Durch besondere Vorlage ersucht der Magistrat die Zustimmung der Versammlung zur Erhöhung der Subvention für den Berliner Asylverein für Obdachlose von 10 000 M. auf 12 000 M. nach. Stadtv. Hellriegel/a Uhr einberufenen Versammlung fielen einige in Kaulsdorf fremde Leute durch das Ungeschick aus, mit dem sie für die Bravos der Junker Propaganda zu treiben suchten. Nach Beginn der Versammlung schlugen die im Saal verteilten etwa zehn Döringianer einige der Ihrigen als Bureau vor. Die große Mehr- heit der Versainmlung wählte das von den Genossen vorgeschlagene Bureau. Darauf Radau der„Berliner nationalgesinnten Hülfstruppe". Der Vorsitzende ersuchte um Ruhe und machte darauf aufmerksam, daß er gegen mutwillige Ruhestörer vou seinem Hausrecht Gebrauch machen werde. Ein Genosse schlug vor, dem Wunsche der Spreng- kolonisteu, eine Gegenprobe zu veranstalten, so unberechtigt und un- bescheiden es sei, nachzugeben. Lachend stimmte die Versammlung zu. Abermalige Abstimmung erfolgte. Und siehe da: ganze zehn Hände erhoben fich für das Bureau derer um Döring. Genosse Stadthagen erhielt nun das Wort zu seinem Vortrage. An- dauernde Unterbrechungen gingen los:„Wir wollen einen im Bureau haben", Unverschümtheit",„Juden" u. dgl. Der Vorsitzende forderte »ach wiederholter fruchtloser moralischer Züchtigung der Störenfriede die Ruhestörer zum Verlassen des Saales auf. Dem wurde nicht nachgekommen. Lebhafte Rufe:„Raus mit den Störern!" wurden laut. Der Gendarm machte Miene, zur Auflösimg der Versammlung zu schreiten. Der Vorsitzende vertagte die Ver- Sammlung auf zehn Minuten. In der Pause forderte er zwei junge Radaubrüder dreimal vergeblich auf, das Lokal zu ver- lassen. Er ließ dann deren Namen durch den Gendarm feststellen. Diesem gegenüber bezeichneten sich die Ver» sammlungsstörer als Reisender Ernst Jecks, Lichten- berg, Wagner st r. 13, und Handlungsgehülfe Albert Götter, MarsiliuSstr. 12 wohnhaft. Der „Redakteur" der„Staatsbürger-Zeitung" Döring sieht, daß mit der Entfernung der Ruhestörer Ernst gemacht werden soll. Er fragt den Vorsitzenden, ob er das Wort erhalten würde, er würde dann seine Freunde zur Ruhe auffordern. Der Vorsitzende erwidert ihm, daß er ja bereits mitgeteilt habe, daß Diskussion stattfinden soll; wenn Döring sich melde, iverde er das Wort erhalten. Die Versammlung wird wieder eröffnet. Döring fordert„seine Freunde" zur Ruhe auf. Nach etwa einer Stunde beendet Genosse Stadthagen seinen von reichem Beifall begleiteten Vor- trag. Der Gendarm wendet sich an den Vorsitzenden mit der Aufforderung, die Versammlung aufzuheben, sonst würde er sie auslöfen, da die Polizei st unde ein- getreten sei. Der Vorsitzende muß dem Verlangen nachgeben, da dem Hamannschen Gesell schaftshaus(Inhaber Mees), dem einzigen hier Arbeiterversammlungen offen stehenden Lokal die Zchnuhr-Polizeistunde gesetzt ist. Wüster Radau:„Das ist ein Trick",„jüdischer Trick".„Unverschämt- heit" und dergleichen Zeichen geistiger und moralischer Armseligkeit der„schwarzen Zehn" durchtoben den Saal.— Wenn es noch not» wendig gewesen wäre, die Anwesenden von dem wahren Charakter des Ordnungsbrcis und seiner zehn Schutzengel zu überzeugen, so ist diese Aufgabe durch das Auftreten der Zehn erfüllt. Adlershof. Vor etwa 700 Versammelten referierte am Dienstag im Lokal von Kähne Genosse Paul Hirsch. Die von dem Redner in trefflicher Weise geübte Kritik an dem Verhalten der Mehrheits- Parteien im Reichstag insbesondere des Freisinns in der Kolonial- Politik fand die lebhafte Zustimmung der Versammelten. Zum Schluß forderte Redner auf, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß der Kandidat des Kreises Genosse Zubeil mit erdrückender Majorität gewählt wird. Am 5. Januar müsse der Regierung gezeigt werden, daß des Volkes Wille das oberste Gesetz sei. Der Referent erntete stürmischen Beifall. Eine im Sinne des Referats abgefaßte Resolution gelangte zur einstimmigen Annahme. Trotzdem den anwesenden Freisinnigenkvolle Redefreiheit gewährleistet wurde, ergriff von ihnen keiner das Wort. Im Sinne des Referenten sprachen noch unter Beifall die Genossen Hildebrandt und Reichert. Pünktlich um 10 Uhr erfolgte die polizeiliche Auflösung der Versammlung. Partei-?Zngelegenkeiten. Zur Lokalliste. Der Anglerverein„Boxfelde" veranstaltet am 16. Februar in dem gesperrten Lokal von Supke, Spandau, Adamstraße, einen Maskenball. Es wird versucht, Eintrittskarten hierzu in Acbeiterkrcisen abzusetzen und ersuchen wir daher, derartige Angebote entschieden zurückzuweisen. Die Lokalkommission. Nicderschöiihausen. Eine Handzettelverbreitung für die öffentliche Wählerversammlung am Mittwoch, in der Art» r Stadthagen spricht, findet Sonntag früh 8 Uhr von folgenden Lokalen aus statt: T h u l m a n n, Uhlandstraße; S ch ö n i ck e, Treskowstraße, Ecke der Wrangelstraße, und B a b st. Beuthstraße, Ecke der Waldemarstratze. Die Wahlvereinsmitglieder werden ersucht, sich vollzählig an dieser Handzettelberdreitung zu beteiligen. Trebbin. Sonntag, den 13. Januar, früh 3 Uhr, Flugblatt- Verbreitung in der Stadt und den Landbezirken. Genossen! Erscheint zahlreich und erfüllt Eure Pflicht. Der Vorstand. ßerlitier JVacbnchtcn. Ein„Aufstand" im Stadtberordnetcnsaal, Las ist das wichtigste der.Ereignisse, die wir aus der geskrigen> ganz ungewöhnlich kurzen Sitzung unseres Stadtparlaments zu melden haben. Ein„Aufstand"?! Ja: aber es handelt sich nicht gleich um den„Zukunftsstaat", den etwa die sozial- demokratische Fraktion der Stadtverordneten mit Gewalt (wie die tapferen Freisinnsführer Kämpf, Cassel, Rosenow usw. das jetzt in ihren Versammlungen freisinniger Wähler so anschaulich-graulich zu schildern wissen) zunächst mal für unsere Haupt- und Residenzstadt Berlin einführen wollte. Es handelt sich überhaupt nicht um die Sozialdemokratie, sondern nur um die freisinnige Stadtverordnetenmehrheit, die da„aufstand" lediglich zu dem Zweck, einem Kaiser- brief Reverenz zu erweisen. Diesmal gab es auf einen Schlag sogar zwei Kaiserbriefe und als Zugabe noch ein Prinzenbriefchen. Den Gratulanten des Rathauses, die aus Anlaß des Jahreswechsels sowie der Verlobung des nächsten der noch ledigen Prinzen ihre Ergebenheit und Treue be- kündet hatten, wurde vom Schlosse aus der gebührende Dank abgestattet. Die drei Briefe wurden verlesen, und die frei- sinnige Mehrheit hörte sie einen nach dem anderen stehend mit an. Ter Dank für die Neujahrsgratulation unterschied sich diesmal in auffälliger Weise von früheren Dankbriefen. Er war merklich wärmer gehalten, der«Haupt- stadt des Deutschen Reiches und ihrer treuen Bürgerschaft" wurde darin,„ein reich gesegnetes neues Jahr" gewünscht. Dachte der Absender des Briefes an die großen Taten, die der Empfänger— der Berliner Freisinn—• für den 25. Januar träumt? Djie freisinnigen Stadtverordneten begleiteten die Verlesung des Briefes mit freudig- begeistertem Bravo. Uns fiel da jene denkwürdige Stadtverordnetensitzung ein, in der ein Dankschreiben der Kaiserin für eine ihr übersandte Geburtstagsgratulation ver- lesen wurde. Das Schreiben war unterzeichnet nicht von der Kaiserin selber, sondern nur von ihrem Herrn von Mirbach. Die Stadtverordneten wurden darin gründlich abgerüffelt und als nacheiferungswürdige Muster wurden ihnen die „guten und treuen Elemente" vorgehalten. Auch damals hatte die freisinnige Stadtverordnetenmehrheit sich erhoben— aber sie rief nicht Bravo. Das war im Jahre 1899. Wie haben sich doch seitdem die Zeiten geändert! /— Berlin im neuen preußischen Etat für 1907. In dem neuen preußischen Staatshaushalts-Etat ist Berlin nur wenig im allgemeinen berücksichtigt worden, namentlich was Neu- forderungen anbetrifft. Die hauptsächlichen Forderungen find die folgenden: ») Etat für das Finanzministerium: 1. 13 254 M. zu baulichen Instandhaltungen im Opernhause; 2. 2 154 354 M. zum Erwerb der Grundstücke Luisenstratze 4 und 6—12 für Erweiterungsbauten der Charits; 3. drei Millionen Mark zum Erwerb deS PalaiS der ver- storbenen Prinzessin Friedrich Karl(Leipzigerstr. 10) durch den Fiskus, um Uebergang in Privatbesitz zu verhindern. b) Etat der Handels- und Gewerveverwaltung: 44000 M. zum Erweiterungsbau des Ministerialdienstgebäudes Leipzigerplatz 11. läge wurde debattelos angenommen. Besonderes Interesse erregte die zu Beginn der Sitzung vor> genommene Wahl des Vorstehers. Die Stärke der Fraktionen ist folgende: Liberale 34, Unpolitische 17, Sozialddniokraten 13, Ali Charlottenburg 8. Die Liberalen verlangten daher die Stelle des Vorstehers mit einem der ihrigen zu besetzen und präsentierten den bisherigen Vorsteher-Stellvertreter, Herrn Kaufmann. Die Mit- glieder der anderen Fraktionen waren dagegen der Meinung, daß lein Anlaß vorliege, Herrn Rosenberg nicht wiederzutvählen. der es stets verstanden hat, die Würde der Versammlung auch dem Magistrat gegenüber zu wahren, was von Herrn Kaufmann nicht in gleicher Weise erwartet werden könne. Bei der Wahl waren 64 Stadtverordnete zugegen, darunter 82 Liberale. Es wurden 32 Stimmzettel für Kaufmann und 32 für Rosenberg abgegeben. Inzwischen hatten sich noch 8 Stadt- verordnete eingefunden, so daß bei der notwendig gewordenen Stichwahl 67 Stadtverordnete zugegen waren; eS fehlte nur 1 Mit- glied der Unpolitischen wegen Krankheit und 4 Mitglieder der Sozialdemokratie, die zum Teil durch Krankheit, zum Teil durch die Wahlagitation am Erscheinen verhindert waren. Die 84 Libe- ralen, welche vollzählig anwesend waren, verfügten also über die absolute Majorität und hielten daher ihren Sieg für ganz sicher. Als das Resultat der Auszählung der Stimmzettel 34 Stimmen für Rosenberg und nur 33 Stimmen für Kaufmann ergab, hielten sie das für vollständig unmöglich und verlangten stürmisch eine nochmalige Zählung. Zwar konnte darin eine Mßtrauenskundgebung gegen den ehrwürdigen Alterspräsidenten. den Stadtverordneten B a r n e w i tz, welcher die Zettel verlesen und die Auszählung geleitet hatte, erblickt werden. Derselbe kam jedoch den mehrfach in lauter und dringender Weise geäußerten Wünschen nach Wiederholung der Auszählung nach. Das Ergebnis blieb aber dasselbe, Rosenberg war als Vorsteher gewählt. Demnach muß auch»in Liberaler für ihn gegen seinen Fraktions- kollegen Kaufmann gestimmt haben. Unter den im ersten Augenblick ganz verblüfften Liberalen erhob sich alsbald große Entrüstung.„ES ist ein Skandal, daß wir einen solchen Gesinnungslumpen unter uns haben", äußerte laut einer der Herren, und auch andere sprachen entrüstet von der„Gesinnungs- lumperei", die sich unter ihnen gezeigt habe. Gleich nach Schluß der Sitzung, der bereits um'/z3 Uhr erfolgte, fand eine Fraktions- sitzung der Liberalen statt, in welcher die geheim« Stimmabgabe-— echt liberal— einer eingehenden Nachprüfung unterzogen werden sollte. Ob eS dort gelungen ist, das räudige Schaf, de»»Ge- sinnungslumpen", zu ermitteln und zu bestrafen, haben wir nicht erfahren. Ober- Schöneweide. Gcmcinderatssitzung. Eine ausgedehnte Debatte zeitigt« der Antrag des Grundbesitzervereins, die Unterhaltung der Bürgersteige auf die Gemeinde zu übernehmen. Vom Gemeindevorsteher lag der Vertretung eine eingehende Darlegung der Materie gedruckt vor. Nach derselben ist die Rechts» läge so, dpß im Gegenteil zu einem Teil der Grundbesitzer,— für welche in drei Instanzen eine Unterhaltungspflicht nicht besteht.— 285 andere laut grunobuchlicher Eintragung hierzu verpflichtet sind. Unsere Genossen und einige bürgerliche Vertreter beanlraglen in Anbetracht der Wichtiakeit Kommissionsberatung. Beschlossen wurde, ab 1. April 1907 Umbau, Ausbesserung und Reinigung der Bürger- steige auf die Gemeinde zu übernehmen. Für die am l- April zu errichtende fünsllassige katholische Schule soll von der Schaffung einer Rektorstelle abgesehen werden. Dem Leiter derselben sollen 300 Mark Funklionszulage gewährt werden. Für die Kanalisationsanlage der neuen Schule soll eine neue Submission ausgeschrieben werden, da bei der erstmaligen die Firma Grave einer anderen Firma gegenüber Abmachungen versucht hat, die von der Vertretung nicht gutgeheißen wurden. Auf Antrag unserer Genossen wurde eine Kommission gewählt, welche die Gehällcr der Unterbeamten und Arbeiter einer Revision unterziehen soll. Eine an dem Verkauf de« neueingemeindeten Forstterrains be« teiligre Terraingesellschaft will die auf sie fallende Umsatzsteuer von 112 000 M. nur zur Halste zahlen. ES schweben dieserhalb Ver- Handlungen vor dem KreisauSichuß. In Sachen der Schulanleihe wurde beschloffen, zur Begleichung einer schwebenden Schuld IVO 000 M. aufzunehmen, rückzahlbar bis 31. März d. I. In ver verwickelten Streitfrage, wem das Eigentumsrecht an dem Gleiskörper in den Straßen der Gemeinde— welcher vormals von der Grimdrentengesellschaft geschaffen wurde— zusteht, sollen erneut Maßnahmen zur endlichen Klärung der Sache getroffen werden. An Stelle de? ausgeschiedenen Vertreters der ersten Klasse Weber ist der Direktor der Straßenbahn Benz gewählt worden. Lichtenberg. Am Sonnabend, den 12. Janjtar, findet in den Prachtsälen de? Ostens, Frankfurter Chaussee ISt/152, das Stiftungsfest des Vereins für Frauen und Mädchen der Arbeiter- klaffe von Lichtenberg statt. Alle Freunde deS Vereins und die Genossen werden ersucht, dieser Veranstaltung zu gedenken und für zahlreiche Beteiligung zu agitieren. Köpenick. Raubanfall«it Hülfe deS Fernsprecher». Durch ein schlaues Manöver haben gestern zwei Räuber ihr Opfer in die Falle ge« lockt. Bei dem Pferdehändler Erdmann Höh in der Kietzerstraße wurde aus Gosen, einem Landstädtchen bei Erkner telephonisch an- gerufen, er solle doch so bald als möglich nach Gosen kommen, da dort soeben ein großer Pferdetransport eingetroffen sei. Die Ge- legenheit sei äußerst günstig, gute und billige Pferde zu kaufen. H. steckte sich eine große Geldsumme ein und fuhr auf seinem Zweirade nach Gosen. Als er kurz vor der Stadt die Spreebrücke passieren wollte, stürzte plötzlich aus dem Hinterhalt ein unbekannter Mann hervor und schlug ihn vom Rade herunter. Kurz darauf erschien auch noch ein zweiter Wegelagerer und fiel gleichfalls über den Händler her. Nach langem Ringen gelang e« jedoch H., die beiden Räuber von sich abzu- schütteln und auf seinem Rade zu entkommen. Als er sich in Gosen nach dem Pferde-Transport erkundigen wollte, wurde ihm erst zur Gewißheit, daß die Nachricht von den Räubern herrührte. Die beiden harten zu dem Zwecke bei H. angerufen, um ihn zur Mit- nähme einer großen Geldsumme zu veränlassen und ihn dann zu berauben. Die Tärer, vermutlich zwei ehemalige Pferdetransporteure konnten noch nicht ermittelt werden. Pankow. Die in der letzten Gemcindevertretersitzung vollzogene Wahl des Brauereibesitzers Pradel zum unbesoldeten Schöffen ist von der Re- gierung umgehend bestätigt worden. Der Vertrag über den Verkauf von Gntsgelände an die Berliner Stadtsynode zur Anlage einer Zufahrtstratze zum Zentralfriedhof bei Mühlenbeck wird angenommen. Für das Krankenhaus wird die Anstellung eines Bureaubeamten beschlossen, derselbe wird gegen Kündigung mit einem Gehalt von 2100 M. angestellt. Die Wnsserwerlskommission beantragt die Nachbewilligung von 33 000 M. für den Bedarf an Kohlen und elektrischer Kraft. In den Etat sind hierfür 31 000 M. eingestellt, welche bereits im November verpulvert waren, da der Wasserspiegel auf 18 Meter gefallen ist und 10 Meter gehoben werden muß. entstehen erhebliche Mehrkosten. Wenn auch die Vev hältnisse beschönigt wurden, so steht fest, daß da« Wasserwerk mit Unterbilanz arbeitet, statt Ueberschüsse abzuwerfen. Bekanntlich war der Wasserzins seinerzeit auf 15 Pf. für den Kubikmeter herabgesetzt worden, welcher im Oktober vorigen Jahres wieder auf 20 Pf., uuter Fortfall der bis dahin erhobenen Grund- gebühr erhöht wurde. Wie jetzt festgestellt ist, kostet der Gemeinde der Kubikmeter 23 Pf., während nur 20 Pf. erhoben werden. Ein Antrag der Gemeindeverwaltung den Wasserzins zu erhöben oder die Grundgebühr wieder zu erheben, wurde durch die Hausbesitzermajorität in der Kommission abgelehnt, wird aber bei der bevorstehenden Etats- beratung wieder gestellt werden.— In wie unverantwortlicher Weise die früheren Dezernenten gewirtschaftet haben, ist jetzt wieder fest- gestellt worden. Die Baugesellschaft am Amtsgericht hat das Geld zur Kanalisierung ihres Terrains hergegeben und die Gemeinde führte vor fünf bis sechs Jahren unter Leitung des Dezernenten Görsch, eines früheren Gemüscgärtners, die Arbeiten aus. Der Hauptentwäsierungskanal ist von so geringer Weite, daß umgehend ein neues Kanalrohr gelegt werden muß. Der Schildbürgerstreich kostet der Gemeinde nicht weniger als 00 000 M. Würde irgend ein Beamter oder Unternehmer im Dienste der Gemeinde so wirtschaften, so würde er mit Recht zum Teufel gejagt werden. Diese erst- klassigen Vertreter und Dezernenten aber sitzen nach wie vor im hohen Rat, ohne sich die geringsten Gewisiensbisse zu machen. unterbreitet. aufzufallen. Serickts-Leitung. Fälschung zwecks Befferung der Posteinrichtungen. Aus dem Untersuchungsgefängnis wurde gestern der 38jährige Postassistent Karl Madeja vorgeführt, um sich vor dem Schwur- gericht des Landgerichts I wegen Fälschung einer öffentlichen Urkunde, Betruges gegen den Postfiskus, Urkundenvernichtung und -Unterdrückung zu verantworten. Der in Ornantowicz geborene Angeklagte hat eine sehr schnelle Carriere gemacht. Er ist der Sohn eines Bergarbeiters und hat die Dorfschule in Bhkowina besucht. Nachdem er ebenfalls in dem Schwintochlowitzer Bergwerk gearbeitet hatte, wurde er Soldat. Er kapitulierte und brachte es bis zum Vizcfeldwebel. Im Jahre 1904 trat er bei der Postbehörde ein und wurde ein Jahr später als Postassistent dem Postamt 36 auf dem Görlitzer Bahnhof zugeteilt. Er hat eine„Schule für Militäranwärter" herausgegeben, dem Staatssekretär Krätke Pläne zur Verbesserung der postalischen Einrichtungen, dem -'"je zur Neuorganisation des Unteroffizierstandes i verschiedenen Anlässen suchte er als„Patriot" I Im Sommer v. I. befand sich M. in Geld- Verlegenheit, da er einer Schwester ein Darlehen von 700 M., welche» ihm diese zur Herausgabe eines BuchcS gegeben hatte, wiedergeben sollte. Ende Juli faßte er den Plan, sich durch eine Fälschung Geld zu verschaffen. Diesen Plan leitete er in äußerst raffinierter Weise ein. Er mietete sich unter dem Namen„Lineck" bei einem Arbeiter in Spandau eine Wohnung. Um die spätere Ucbersendung der Postanweisungen vorzubereiten, fälschte der An- geklagte einen Poststempel, um einer Postkarte den Anschein zu geben, als käme sie aus dem Orte Berent. Einige Tage später stellte er auf dem Postamt eine Postanweisung über den Betrag von 128,50 M. aus und fälschte ebenfalls den Postaufgabestempel auf den Ortsnamen Berent. Diese Postanweisung, die er an Lineck in Spandau adressierte, mischte er unter die übrigen Post- Wertsachen, in der Hoffnung, das Geld würde an ihn in Spandau ausgezahlt werden. Der Betrug wurde jedoch von dem Post- assistenten Brummer sofort entdeckt. Dieser telegraphierte an die Postanstalt in Berent und verlangte nähere Auskunft. Der An- geklagte unterschlug nun seinerseits die Antwort aus Bereut und legte ein fingiertes Telegramm an dessen Stelle. Obwohl der Angeklagte früher ein offenes Geständnis abgelegt hatte, trat er vor Gericht mit der dreisten Behauptung hervor, er habe durch die Fälschung beweisen wolle», wie leicht die Behörde zu täuschen sei und wie reformbedürftig die Organisationen seien. Da erhebliche Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten bestanden, war der Mcdizinalrat Dr. Hofsmann geladen, der dem An- geschuldigten jedoch nur als einen nervös überspannten Menschen bezeichnete. Dem Wahrspruch der Geschworenen gemäß wurde M. nach mehrstündiger Verhandlung wegen Urkundenfälschung und BxtrugeS zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte IM Jahre Gefängnis beantragt. Kaution und Mankogelder. Abermals beschäftigte die Frage, wann für ein Manko auf- zukommen ist, am Mittwoch die zweite Kammer des Kaufmanns- gerichtes. Die Verkäuferin Frau Anna Sch. klagt gegen den Kolonialwarenhändler Friedrich Kern auf Rückzahlung der ge- leisteten Kaution in Höhe von 400 M. Der Beklagte verweigert die Herauszahlung dcS Geldes, weil nach seiner Behauptung bei Austritt der Klägerin aus der von ihr geleiteten Filiale ein Warenmanko von 1000 M. vorhanden war. Die Klägerin trat einen umfangreichen Beweis dafür an, daß sowohl die Anfangs. wie die Schluhinventur sehr unordentlich aufgenommen wurde. EL gelang ihr, durch Zeugen zu beweisen, daß ganze Kasten und Fässer mit Ware nicht mit aufgenommen wurden. Auch ergaben einige seitens der Beisitzer vorgenommene Stichproben grobe Rechenfehler in der Berechnung der letzten Inventur. Sodann wurde vier Wochen vor Austritt der Klägerin ein nächtlicher Ein- brach im Geschäft verübt, wobei nur festgestellt wurde, daß an barem Gelde nichts fehlte. Der Chef unterließ eS, eine sofortige Aufnahme des Warenlagers vornehmen zu lassen, um etwaige Mankos am Warenlager zu ermitteln. Der Beklagte vertritt die Ansicht, daß er auf alle Fälle berechtigt ist, sich für jedes Kasten- oder Waren-Mqnko gleichviel wodurch dasselbe entstanden ist. an der Kaution der Klägerin schadlos zu halten. Tos Kaufmannsgericht verurteilte den Beklagten zur Heraus- Zahlung der hinterlegten Kaution von 400 M. Bei der Ungenauig- keit der aufgenommenen Inventuren sei es nicht erwiesen, ob wirklich ein Manko von 1000 M. vorhandev war. Selbst wenn man aber das Vorhandensein eines geringeren Mankos annehme» wollte, sei der Beklagte den Beweis dafür schuldig geblieben, daß das Defizit durch Verschulden der Klägerin entstanden ist, und nur ein solches gebe ihm das Recht, sich an der Kaution schadlos zu halten. Die Annahme des Gerichts, daß kein Verschulden der Klägerin vorliegt, wird besonders durch den verübten Einbruch gestützt.— Die grundsätzliche Auffassung deS Kaufmannsgerichts, daß nur bei Verschulden der Gehülfe für Manko hafte, ist durchaus zutreffend und von den höheren Gerichten im Gegensatz zu einigen bedauerlichen Entscheidungen des hiesigen Landgerichts wohl aus« nahmslos oder fast ausnahmslos als den Grundsätzen von Treu und Glauben entsprechend anerkannt. Vermifcbtes. Entgleist. Auf der Schmalspurbahn Beuthen— Piekar entgleiste gestern nachmittag 1 Uhr auf der Strecke Rudi— Piekar� ein aus 84 beladenen Güterwagen bestehender Zug. 18 Wagen sind mehr oder minder schwer beschädigt, Personen nicht verletzt. Die Auf« räumungsarbeiten sind sofort in Angriff genommen. Erderschütterungeu werden aus Kristiania und Frederiks« st ad gemeldet. Es wird berichtet, daß gestern in Kristiania um l'/a Uhr nachts ziemlich heftige Erderschütterungen bemerkt worden" sind. In Frederiks st ad beobachtete man eine schwächere Erschütterung um 12]/4 Uhr und eine stärkere um l'/a Uhr nachts. Nach einer Meldung aus Göteborg sind auf der Strecke KovnSjö« Mellcrud gestern 1»/, Uhr nachts zwei starke Erderschütterungen be« merkt worden. Auch in Ström st ad ist zu derselben Zeit ein starkes Erdbeben verspürt. In A r v i k a sVermland) wurde in der vergangenen Nacht um 1 Uhr 35 Minuten eine heftige Erderschütterung verspürt, durch welche die Einwohnerschaft aus dem Schlaf geweckt wurde und welche die Häuser erzittern machte. Auch aus der Umgegend werden ähnliche Erderschütterungen mit unterirdischem Geräusch ge- meldet. Schneestürme und strenge Kälte richten, wie der„Frlf. Ztg." ge« meldet wird, in Montreal große Verluste unter dem Viehbestande der Alberta RancherS an._ Ein grauenhafter Tod. In Pittsburg platzte infolge einer Explosion in den Stahl« werken von John Langhlin ein Schmelzofen. Von 33 an dem Ofen arbeitenden Leuten sind drei getötet und sieben schwer verletzt worden. Ueber den Verbleib der übrigen Leute ist nichts bekannt; man befürchtet, daß sie in den ausfließenden Massen des ge« schmolzenen Metalls verbrannt sind. Ein schlagendes Wetter. Im Kohlenbergwerk zu Gardanne wurden nach einer Meldung aus Marseille durch schlagende Wetter elf Arbeiter schwer verletzt._ Verein für die Interessen der Hausangestellten. Unterhaltung«. abend Sonntag, den 13. Januar, bei M. Würich, Steglitzerstr. 35. Ansang 6 Uhr. Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Lese- und DiSkutierklub.Hasenclever". Heute abend 81/, Uhr bei Korsf, Elijabethkirchstr. IS, Sitzung. KrUfKaltai der Redaktion. A. 1. B. Kant,.Logik 2,50. Erläuterungen hierzu 0,90. ES gibt außerdem eine Reihe neuerer Werke, von denen obiges das billigste ist. Berliner Marktpreise. Slu« dem amtlichen Bericht der städtilchen Marklhallen-Direktion.(Großhandel) Rindfleilch In 70—75 pr. 100 Pfd., IIb 64-69, lila 58-63, IVa 50-56. Kalbfleisch. Doppelländer 120-135, la 92-100, IIb 80-90, ITIa 65-78, Holl. 56-62. Hammelfleisch la 67—75, IIa 52—65. Schweinefleisch 53—62. Rehwild la per Psd, 0,55—0,65, Ha 0,40-0,54. Rotwild la 0,38-0,43, IIa 0,30—0,36, do. Kälber 0,00. Damwild 0,30—0,48, do. Kälber 0,45—0,50. Wildschweine 0,25—040. Frischlinge 0,40—0,60. Hasen per Stück 2,50—2,80, do. klein und IIa 0,00. Kaninchen per Stuck 0,70—0,95. Wildenten per Stück 1,20—1,40. Hühner, alte per Slück 1,50—3,10, do, IIa ILO— 1,40, do. junge per stück 0,90—1,75. Tauben per Stück 0.50—0,75, junge kleine 0,00. italienische 0,00. Enten per Stück 1,60—2,25. Hamburger junge per Stück 0,00. Gänse, Oderbrucher, per Psd. 0,53—0,63, do. I» per Stück 0,00, IIa 0,00. Hechte per 100 Psd, 64—82, groß 67. Zander, 82—92, Schleie, groß 69—75, unsortiert 0,00, mittel 82. Biete 82—43, Haie, groß 119, mittel 94—97, klein u. mittel 0,00, uns. 0,00. Plötzen 40—58. Karpscn. 25— 30er 0,00, do. 30— 35er 0,00, do. unsort. 0,00, 50—60 er 0,00, 80— 100er 0,00. Börse, matt 35—47. Karauschen 0,00. Bleifische 12—20, Wels 0,00, Bunte Fische 11—22. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Psd. 110—180, do. Ha neuer 90—100, do. Illa neuer 75. Seelachs 20—25. Sprotten, Kieler, Wall 0,75—1,25, Danziger, Wall 0.80. Flundern, pommersche la, per schock 0,00, do. pommersch» IIa 0,00, Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel ver Kiste 2—8, Hamb. Stiege 4—5, halbe Kiste 1,50—2. Bücklinge, per Wall Kieler 3,50—5,00, Stralsunder 0,00. State, groß per Psd. 1,10—1,30, mittelgroß 0,80—1,00, klein 0,50—0,60. Heringe per Schock 4—5. Schellfische Kiste 3—4,00, do. 's» Kiste 2,00. Kabllau. p. 100 Psd. 20-25. Heilbutt 0.00. Sardellen. 1902er per Anter 95, 1904er 95, 190Ser 93, 1906er 73—75. Schottische Vollhering« 1905 0.00. large 40-44, lull. 36—38, med. 85—42, deutsche 87—44, Heringe, neue MatjeS, per'I, To, 60—120. Sardinen, russ., Faß 1,50—1,60, Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schocksaß 11, kleine 5—6, Riesen- 14. Hummern, kleine, per Psd. 0,00. Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 0,00, kleine 0,00, unsort. 4,50, Galizier, groß 0,00, mittel 0,00. Eier, Land-, per Schock 4,40—5,25. Butter per>00 Psd. la 121-124, IIa 117-120. Ma 114-117, absallende 90-105. Saure Gurken Schock 3,50—4,00, Pfeffergurken 3,50—4,00. Kartossein per 100 Psd. 0,00, rnagnurn bonurn 2,10—2,25, Dabersche 2,10—2,25, Rosen 0,00, weiße 1,75—2,00, Salatlartosseln 5,00—6,00. Spinat per 100 Pfund 10—15. Karotten per 100 Pfund 10—12. Sellerie, hiesige, per Schock 4,00—5,00, do. pommersche 4,00—5,50. Zwiebeln große, per iOO Psd. 3,00— 3,50. do. kleine 2,00—2,50. do. hiesige(Perl») 0.00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbimd 2,00. Kohlrabi per Schock 0,00. Netttg, bahr., per Schock 2,40—4,80. Radieschen per Schockbund 0,00. Salat, per Schock 0,00. do. EScarole, per Mandel 0,00, do. Endloien 0.00. Mohrrüben per 100 Pfund 3,00—4,00. Teltower Rüben per 100 Pfd. 8—10. Weiße Rüben, groß, 2—2,50, lleine 6—8. Rote Rüben 2—8. Blumenkohl Holl, per Kops 0,00. ttal. per Kops 0,17—0,30. Wirsingkohl ver Schock 3.00— 6, i«. Roikohl p. Schock 3,00-8,00. Weißkohl 100 Psd. 2,00-3,80. Rosenkohl p. 100 Psd. 16—25. Grünkohl per 100 Psd. 2-3. Schnittlauch 12 Töpfe 4—4,50. Kohl. rüden, Schock 2—3. Kürbis 0,00. Birnen, per 100 Pfd. hiesige 7—16, bihmlsche 8—20. Aepsel, per 100 Pfd., hiesige 6—20, Gravenstelner 0,00, Tiroler in Fässern 0,00, Kiste 32-80, Arnetil 14-80. Wallnüsse ver 100 Psd. 0,00, do. rumänische 0,00, do. franz. Cornea 0,00. Paranüsse 0,00. Haselnüsse lange 0,00, runde 0,00. Zltronen, iviessina, 300 Stück 8,00-10,00, 360 Stück 7,00-9,00, 900 Stück 9-18. »Ipselsinen, Lassa, per Klste 0-00, Murcia 200 er per Kiste 6-10, do. 300 er 7—11, Valencia 420 er per Kiste 11,50—20, do. 714 er 18—23. Witternngsüdersicht vom 10. Januar 1007, morgen» 8 Ny». Stationen a a «— Ii a« w-B Swtnemde 763® Hamburg 767 WSW Berlin 1767® Franks,« M 7703?® München 772 SA Wien 1769® Wettrr.Prognose für Freitag, de» 11. Januar 1907. Mild, jedoch ziemlich trübe und nebelig bei müßigm südwesllichvt Winden; kegle erheblichen Niederschläge. O'tllDtt 23 c t.t« t B 8 1 1■ P Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 11. Januar. Anfang 7, Uhr. Rgl. Opernhaus. Bar und Zimmermann. Kgl. Schauspielhaus. Das Glas haus. Urania. Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Schwahn: Vulkanismus der Erde. Schiller- Theater N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Täglich abends 8 Uhr: Der Familientag. Deutsches. Die Geschwister. Die Lustspielhaus. Mitschuldigen. Weften. Cousin Bobby. Lorning. Der Freischüz. Täglich abends 8 Uhr: Husarenfieber. Leffing. Benn wir zoten erwachen. Zentral- Theater. Schiller ( Wallner Theater.) Mathias Gollinger. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Der Familientag. Schiller- Theater Charlottenburg. Minna von Barnhelm. Neues Schauspielhaus. Der Helfer. Kleines. Eine triviale Komödie. Berliner. Sherlod Holmes. ( Operette.) 8 Uhr: Künstlerblut. Refidenz- Theater. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage Anfang 8 Uhr: Komische Oper. Hoffmanns Gr. Florette und Patapon. zählungen. Neues. Die Hochzeit von Poel. Mesidenz. Florette und Patapon. Lustspielhaus. Husarenfieber. Zentral. Künstlerblut. S Deutsch Amerikanisches. Sorgenbrecher. Thalia. Eine luftige Doppelehe Der Luifen. Aus dem Buch der Liebe. Bernhard Nose. Die Schule des Lebens. Trianon. Wo ist der Papa? Vorher: Die Schloßfellerei. Schwant in 3 Aften v. M. Hennequin und Pierre Beber. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Frou Frou. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Abends 8 Uhr: 8um 1. Male: Metropol. Der Teufel lacht dazu. Aus dem Buche der Liebe. Gebr. Herrnfeld. Familientag im Hause Prellstein. Wintergarten. Saharet. Spezia litäten. Apollo. Die schöne Bestalin. Spezialitäten. Kasino. Ledige Leute. Spezialität. Folies Caprice. Das Modell. Sereniffimus Auguft XXVI. Josef Fleischmann. Prater- Theater. Wilhelm Tell. Passage. Berlin paß auf! Spe. zialitäten. Komödie in 4 Auszügen und einem Vorspiel von Sevaria Driola. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kindervorstellung: Dornröschen. 8 Uhr: Sherlock Holmes. DERNHARD ROSE- THEATED Große Frankfurterstr. 132. Anfang 8 Uhr. Billettvorverkauf v. 10-1 Uhr. Figaro. Der Kavalier. Die Stlane. Die Schule des Lebens. Chicagoer Landwirt. Unterm Bett. Walhalla. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Schwahn: Bulkanismus der Erde. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Sonnabend nachm. Kindervorst. bet fleinen Preisen: Hänsel und Gretel. Abends: Das Käthchen v. Heilbronn. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brummenstr. 16. Die Grille. Ländl. Charaktergemälde in 5 Aften. Anfang& Uhr Entree 30 Bf. Ehren und Vorzugskarten gültig. geschlossen. Berliner Theater. Connabend wegen Brivatjeftlichkeit Heute und folgende Tage: Anfang 8 Uhr: Metropol- Theater Sherlock Holmes Der Teufel lacht dazu. Theater des Westens Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Station Zoolog. Garten, Kantstr. 12. Viktor Hollaender. Dirigent Max Durchschlagender Erfolg! Allabendlich 72 Uhr: Gastspiel Frik Berner Coulin Bobby. Neues Schauspielhaus Abends 8 Uhr: Der Helfer. Sonnabend zum erstenmal: Herthas Hochzeit. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Hochzeit von Poel. Sonnabend: Die Condottieri. Sonntag: Die Hochzeit v. Poël. Montag: Kinder. Neues Theater Gastspiel Suzanne Desprès aus Paris. Dienstag, 15./1.: La robe rouge. Mittwoch, 16./1.: Denise. Donnerst., 17./1.: Maison de Poupée. Freitag, 18.11.: Thérèse Raquin. Sonnab., 19./1.: Le Détour. Borverkauf täglich an der Theaterkaffe. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Eine triviale Komödie für Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender. Giampietro. Josephi. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gest. Sonntag, den 13. Januar, nachmittags 3 Uhr: Auf in's Metropol. Passage- Theater Anfang 8 Uhr. Berlin paß auf! Burleste in 2 Aften v. Leop. Ely. Musik von Rudolf Nelson. In den Hauptrollen: Josefine Dora, Paulette van Roy, Albert Kühne, Martin Bendix. Außerdem: Die glänzenden neuen Spezialitäten für Januar. 765 SAHARET. seriöse Leute.( Bunbury.) Otto Reutter Sonnabend: Eine triviale Komödie für seriöse Leute.( Bunbury.) Komische Oper. Abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Sonnabend: Carmen. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Lakmé. Abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Montag: Carmen. Lortzing Theater Bellealliancestr. 7/8. Abends 7, Uhr: Kaufmann- Truppe, weibl. Radfahrer. Ein Ballabend i. Paris, Ballett, ausgef. von der Tiller- Truppe, London. Johnson und Dean, Mulatten- Gigerln. Die 3 Schwestern Kloess, Gymnastische Produktionen. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Mathias Gollinger. Lustspiel in 4 Aufzügen von Oskar Blumenthal und Mar Bernstein. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Räuber. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Die rote Robe. Sonntag, abends 8 Uhr: Heimat. Schiller- Theater, Charlottenburg, Bismardstraße, Ede der Grolmanstr. Freitag, abends 8 Ubr: Minna von Barnhelm. Lustspiel in 5 Aufzügen v. Gotthold Ephraim Lessing. Sonnabend, abends 8 Uhr: Minna v. Barnhelm. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Fiesko. Sonntag, abends 8 1 br: Flachsmann als Erzieher. ZirkusSchumann Heute Freitag, den 11. Jamuar, abends präzise 7½ Uhr: Die Sensation des Tages! Noch gesehene Globe of Life is nie ger Wizard Stone. Dem Genossen Fritz Zubeil, unferem Reichstags- Kandidaten, zu feinem 59. Geburtstage ein dreifach donnerndes Hoch! 8105 Mehrere Genossen des Kreises. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und außergewöhnlich präch tigen Kranzspenden bei der Beerdigung meines geliebten Gatten sage ich allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Genossen Walded Manasse für seine zu Herzen gehenden Borte am Sarge, dem sozialdemofratischen Wahlverein des 4. Kreises, dem 389. und 390. Wahlbezirk, dem Verband der Freien Gast- und Schantwirte, den Faßkutschern und Mitfahrern der Brauerei Bazenhofer, dem Deutschen Holzarbeiter- Verband, dem Flöterschen Gesangverein meinen tiefWitwe Viecens. Serien fa Irene u. Mr. gefühlten Dank. 3 Frères Willé, phänomenale Equilibristen. Außerdem: Die großartigen neuen Spezialitäten sowie die bestdressierten Schul- und Freiheitspferde. Zum Schluß zum 22. Male: Das größte Pracht- Man egenschaustück Schwarzer Friedrichsberg. Fernsprecher Nr. 8. St. Hubertus. Adler Frankfurter Chaussee 5. Freitag, den 11. Februar 1907: Lustspielabend unter Leitung von Felix Mensow Der Raub der Sabinerinnen. Zirkus Busch. Palast- Theater. Heute abend 72 Uhr. Der Todes- Globus Außerdem: Fr. Marguérite, Schulreiterin. Herrn Ernst Schumanns Neudreffuren. Mig Dianda, dressierte Affen, Hunde und Kakadus. Die berühmte Reiterfamilie Lecusson. Um 10 Uhr: ROM. Gr. Drigin. Ausft. Pantom. in 7 Bild. Deutsch- Amerikanisches THEATER, Köpnickerstr. 67/68. Heute und jeden Abend 8 Uhr: Gastsp. Ad. Philipp. Der große Lacherfolg: Der Sorgenbrecher. Sonntagnachm. 3 Uhr halbe Preise: ,, Ueber'n großen Teich." Cpollo Theater Neues Programm. 8 Uhr: Erstflasfige Spezialitäten. 9 Uhr: Neue Operette Die schöne Vestalin. Operette. Mufit von Viktor Holländer. Sonntag, 13. Januar, nachm. 3 Uhr: Große Doppel- Vorstellung. 1. bt. Variété. 2. Abt. Venus auf Erden. Operette von Baul Linde. Gebr. Herrnfeldnig. Theater Ginlaß 8 Uhr. 7 Uhr Kommandantenstr. 57 Stallschreiberstr. 42-44. Familientag im Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse Heute 8 Uhr: Benefiz für Hans Reitz. Einmalige Aufführung: Augen der Liebe. Lustspiel in 3 Atten. Dazu: Der Januar- Spielplan. Nach d. Borft.: Ball ohne Nachzahlung. Entree 30 Pf. Folies Caprice Linienstr. 132 Ecke Friedrichstraße. Dir. Felix Berg. Das Modell. Serenissimus August XXVI. Josef Fleischmann. Anfang 8 Uhr. Vorverk. 10-2 a. d. Theaterk. u. b. Wertheim. Kasino- Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Ledige Leute. Borher das bunte Januarprogramm. Komödie in 3 Aften v. Felir Dörmann. Bella, Schwant in 1 Att v. M. Krämer. Sonntag 4 Uhr: Die beiden Champignol. Walhalla Variete Theater Weinbergsweg 19/20, Rofenth. Tor. Heute abend 8 Uhr: Die erste Sensation von 1907! der Mann 26252 Heute Freitag bei ftraje 103: Augustin, Oranien Frische Wurst. Gustav Behrens Sozialdemokrat. Wahlverein für Köpenick. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Genosse, Maurer Ernst Henze infolge Unfalls gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freitag, nachmittag 2, Uhr, bom Trauerhause Glienickerstraße 31 aus statt. Die Genossen werden ersucht, sich recht zahlreich zu beteiligen. Der Vorstand. Todes- Anzeige. Am 8. Januar d. J., abends 10 Uhr, verschied plößlich mein inniggeliebter Mann, unser guter Bater, Sohn und Schwiegervater, der Zigarrenarbeiter Hermann Senz 8065 im 58. Lebensjahre an Herzschlag. Dies zeigt schmerzerfüllt an Wwe. Senz nebst Kindern. Die Beerdigung findet Sonnabend, den 12. d. Mts., nach Theater, mittags 4 Uhr, von der LeichenBerlin O., Frankfurter Allee 85. Das einzig daftehende Elite Januar Programm. = 24 Nummern. Anfang 7%, Uhr. Sonntags 42 Uhr Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Bum Schluß: Neu! Christmarkt. Anfang Bochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Otto Pritzkow, Münzstr. 16, Welt- Ausstellungshalle der Sophien Gemeinde in der Freienwalderstraße aus statt. Deutscher Tabakarbeiter- Verband. ( Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Hermann Sens am am Dienstag abend 10 Uhr plöt lich am Herzschlag gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 12. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Halle der Sophien Gemeinde, Freien walderstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 187/2 Die Ortsverwaltung. Deutscher Biograph- St. Louis Tabakarbeiter- Verband. Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Verbindung mit größter FilmsFabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. 3 uggenhagen Morihplatz. ockbierfest Täglich: Doppel- Konzert der Oberbayern und Dachauer Bauernkapelle. Arbeiter Gesang- Vereine finden die grösste und beste Auswahl an Musikalien bei J. Günther, Verlag, Dres don, Ziegelstr. 24. Reichste Auswahlsendungen zu allen Gelegenheiten. Katalogo gratis. Verlag G. Birk& Co. Kosta, mit dem drehbaren Kopf. 14 Sarneval. penultäten 14 scheint gänzlich München. In den nächsten Tagen er3546L* Das Hause Prellstein Trianon- Theater. persönliche Regiment. Komödie in 3 Atten mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Borverkauf 11-2 Uhr an den Theaterfassen bei A. Wertheim und Invalidendant. Rauchen in allen Räumen gestattet. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Uhr: Wo ist der Papa? Reden und Vorher: Die Schloßkellerei. sonstige öffentliche Aeußerungen Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Haus freund. Colosseum Dresdenerstr. 97. 12 erstklassige Schlager 12 Konzertsaal: Brunnen- Theater Wiener Schrammeln. Gesundbrunnen. Badstraße 58. Direktion: Bernhard Rose. Howard und Harris, Amerikanische Der Löwe Excentrics. Ancilotti und gedankenlesender Hund Pilu. Paul Cinquevalli, Jongleur. Floretta's Luftballett. Der Biograph. Ende 11 Uhr Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag und Donnerstag: des Tages. Sens. Poffe mit Gefang in 3 Atten. Kasseneröffnung 7, Anfang 8 Uhr. Billettvorverkauf von 10-2 Uhr an der Theaterkasse. Sanssouci Rottbufer straße 4a. Wilhelm II. Zusammengestellt von Wilhelm Schröder. 208 Seiten. Preis M. 1.-. Bestellungen werden schon jetzt entgegengenommen. ( Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Reinhold Benner am Dienstag nach langer Krantheit verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 12. Januar, nach mittags 3 Uhr, von der Halle des Auferstehungsgemeinde- Friedhofs, Weißensee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Berwaltungsstelle Berlin. Todes Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Max Stolpe am am 7. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 11. d. M., nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Bintschstraße 5 aus, nach dem Georgen Kirchhof, Landsberger Alee statt. B Rege Beteiligung erwartet 110/11 Die Ortsverwaltung. Verband der Sattler Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Dienstag, den 8. Január, unser Mitglied, der Kollege Alfred Seifert ( Werkstatt J. Mohr) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 11. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Dorotheenstädtischen Kirch hojes aus statt. Rege Beteiligung erwartet 156/3 Der Vorstand. Zur Wahlagitation Direktion Wilhelm Reimer. empfehlen wir den Parteigenossen die folgenden Schriften: Somnt., Montg., Donnerst.: An den Einzelnen, auf den es nicht ankommt 100 Eremplare Hoffmanns Nordd. Sänger. Du, Mutter, was läuft der Herr Gendarm so?. Der Säugling. Nieder mit den Sozialdemokraten! Jubelnder Erfolg! Sonnt. Bg. 5, Wochent. 8 1. Nächsten Sonntag: Große Elite Soiree v. Hotfmanns Norddeutsche Sänger. Grundsäge und Forderungen Die Vernichtung der Sozialdemokratie Ziele und Wege Eugen Richters Sozialistenspiegel Berliner Prater- Theater Jeben Dienstag: Theater Abend. Christentum und Sozialismus Kastanien- Allee 7-9. Freitag, 11. Januar cr., abends 8 Uhr Bum erstenmal: 4 Achtung, Vereine! Der Freischütz. Konzert, Theater, Spezialitäten. Wilhelm Tell. Bernhard Raabes Left- Säle Abonnements gültig. Morgen: Stets erstklassige Riefenspielfolge. Nach der Vorstellung: Gr. Tanz. Tanzleitung: B. Sachse. Die Regimentstochter. ant. Sonntag 5, Donnerstag 8 Uhr. Schauspiel in 5 Aften v. F. v. Schiller Morgen: Geschlossen. Kolbergerstr. 23. Umständehalber ist ein Sonnabend im Februar frei geworden. 8005* Ein tatholischer Pfarrer als Sozialdemokrat Wie ein Pfarrer Sozialdemokrat wurde. riftliche Arbeiterpflichten Der Schwindel der klerikalen Arbeiterpolitit Brinz von Arenberg und die Arenberge. M.- 10 " 1, -, 10 " " , 10 , 10 , 20 20 , 10 , 10 , 10 , 35 <-, 20 Expedition des ,, Vorwärts" Berlin SW. 68, Lindenstraße 69, Laden. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin, Für den Snferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 233/ 1* Freitag, 11. Januar 1907. Kreisarzt Dr. Klem vor Gericht. Gegen den Schriftsteller Joachim Gehlsen zu Charlottenburg begann, wie wir bereits mitteilten, vorgestern ein Prozeß wegen vermeintlicher Beleidigung des Kreis- und Gerichtsarztes Medizinal- rates Dr. Klein vor der ziociten Strafkammer des Landgerichts II. Ter Prozeß wurde aber bereits gestern beendet, weil die Straf- antragssteller, der Polizeipräsident und Dr. Klein, ihre Straf- antrage zurückgezogen, nachdem ein Teil der Beweisaufnahme erledigt war. Es handelte sich um mehrere Artikel, die der Angeklagte in der von ihm herausgegebene»„Stadtlaterne" vom Mai. Oktober und November 190o gegen die amtliche Tätigkeit und die ganze Per- sönlichkeit des Mcdizinalrates Dr. Klein veröffentlicht hat. Die Tendenz des c r st e n inkriminierten Artikels ging dahin, nach- zuweisen, daß Dr. Klein ein Mann sei, der sich für einen so ver- antwortungsvollen Posten absolut nicht eigene und gemeingefährlich sei. Diese Behauptung wird unter anderem an einem be- stimmten Falle eines erkrankten, in der Rosinenstr. 7 in Charlottenburg wohnenden Kellners W. zu eriveisen gc- sucht. Wegen dieses Artikels in der Maiuummer hat der Polizeipräsident den Strafantrag gestellt. Medizinalrat Dr. Klein selbst hat wegen der in der Oktober- und November-Nummer veröffentlichten Artikel den Strafantrag gestellt. Aus dem Artikel der Oktober-Nummer liest er heraus, daß ihm der Vorwurf gemacht werde, er habe in dem Falle des ehemaligen An tisemitenführerS und Rechtsanwalts Herl w ig gewissermaßen„bestellte Arbeit" gemacht, d. h. wider besseres Wissen auf Schwachsinn als MilderimgS- grund plädiert. Aus einem Artikel der November- Nummer ist ein Passus inkriminiert, in welche»» behauptet wurde, Medizinalrat Dr. Klei» habe dem{Dr. Edel für dessen Irren an st alt Blankovollmachten gegeben zur Ausnahme von Patienten. Der Augeklagte erklärte, daß er die Behauptungen der Artikel dnrchauS aufrecht erhalte. Die von ihm behauptete„Ge- meingefährlichkeit" des Dr. Klei» ergebe sich aus folgenden Fällen: Die Frau des Kellners W. in Charlottenburg sei Mitte März 1S03 erkrankt. Der sie behandelnde Arzt Dr. Dermitzel stellte die Diagnose auf Genickstarre und habe sofort pflichtschuldigst Anzeige erstattet. Dr. Klein als berufener Wächter der öffentlichen Gesundheitspflege sei erst nach mehr als 30 Stunde» erschienen und habe festgestellt, daß es sich bei der Frau, die am nächsten Tage starb, nicht um einen Fall von Genickstarre gehandelt habe. Der zweite Fall betrifft das Verhalten des Medizinalrats Dr. Klein bei einem in Charlottenburg vorgekommenen Pestfall. In bezog hierauf hat die„Stadtlaterne" aus der Berliner klinischen Wochenschrift einen Vortrag des Prof. W. D ö n i tz ans dem Institut für Infektionskrankheiten über de« in Charlottenburg vorgekommenen Pcstfall wiedergegeben. ES wird im Anschluß an diesen Bortrag dem Dr. Klein darin der Vorwurf gemacht, daß er nach Empfang der Mitteilung, daß der Arzt Dr. Sachs pestverdächtig erkrankt fei, nicht schleunigst für seine Ueberfiihruug nach der Charitv gesorgt, sondern ihn in das Charlottenburger Krankenhaus habe bringen lassen. In dein Artikel wird in bezug auf diesen Pestfall weiter mitgeteilt:„Zu dem Transport wurde ein Krankenwagen des Fuhrherrn Swade benutzt. Herr Sivade fuhr den Wagen selber, ohne in, Besitz der polizeilichen Ordonnanz mit der Ichriftlichen Meldung des Pestverdachts zu sein. Der Kranke wurde daher ärztlich ohne besondere Vorsichtsmatzregeln unter- sucht und in ein Jsolierzimmer gebracht, weil man eine septische Lungenentzündung bei ihm vermutete. Der bisherige Insasse des Jsolierzimmers wurde auf derselben Bahre, auf welcher der Pestkranke gelegen hatte, fortgetragen. Die Wärterin. die den Pestkranken zu pflegen hatte. besorgte zu gleicher Zeit auch einen mit 16 Betten belegten Krankensaal." Der Bericht macht dem Medizinalrnt Dr. Klein auf Grund dieser Tatsachen den Borwurf, daß durch dessen Maßnahmen die Insasse» des Charlottenbnrger Krankenhauses in die allergrößte Gefahr gebracht worden seien. Dieses Verfahren des Kreisarztes gegenüber dein Pestfall ivird mn so sonderbarer bezeichnet, als er aus einer Harm- losen Augenepidemic in einer der Charlottenburger Volksschulen einen viel größeren Eifer an den Tag zn legen für nötig befunden habe. Hier habe er ohne jede Rücksprache mit dem Schularzt die Schule schließen laffen. Zu dem Pcstfall äußert sich Medizinalrat Dr. Klein auf die Fragen des Vorsitzenden und zahlreiche» Zwischenfragen der Verteidiger im allgemeinen wie folgt: Er habe, als er zu dem erkrankten Dr. Sachs gerufen wurde, Verdacht geschöpft, daß ein Pestfall vor- liegen könnte, und habe seiner Instruktion gemäß an das Institut für Infektionskrankheiten telephoniert. einen Herrn zu weilerer Fest- stellung hinauszuschicken. Er habe den Eindruck gehabt. daß Geheimrai D ö n i tz, der im Institut anwesend war. verstanden habe, um was es sich handelte. Er habe den Dr. Sachs noch bei Besinnung angetroffen, und dieser habe auch seinerseits den Verdacht gehabt, daß er sich bei seinen Experimenten infiziert habe» könnte. Der Verdacht sei also nicht von der Hand zu weisen gewesen, und da Herr Dr. Sachs als Chambrcgarnist bei kleinen Leuten wohnte, ergab sich doch eine sehr gefährliche Situation. Der Herr, der von dem Institut für Infektionskrankheiten kommen sollte, sei aber nicht gekommen, eS sei 1—2 Stunden vergeblich auf ihn gewartet worden, und auch das Telephoniere» sei vergeblich gewesen, da Anschluß nicht zu haben war. Er selbst habe den Kranken nicht mehr verlassen und auch eine Probe des Auswurfs genommen. Schließlich habe er doch mit dem Vertreter der Polizei die Frage erörtern müssen, ob man den Kranken in der gefährlichen Situation belassen solle oder sofort ins Krankenhaus schaffen miisie. In die Charilä könne e r niemand schicken, das hätte der Herr tun müssen, der als Vertreter des Instituts für Infektionskrankheiten gerufen worden. Er habe deshalb an das Charlottenburger Krankenhaus denken müssen, und es sei ihm bekannt gewesen, daß dieses nicht nur auf dem Hofe eitle Isolierbaracke besaß, sondern auch über eine schöne isolierte Baracke am Fürstenbrunner Weg verfügt. Die Frage der Verteidigung. Rechtsanwälte Löwenstein und Dr. Holpert, ob er sich denn nun schleunigst mit dem Krankrnhause in Verbindung gesetzt und dasselbe darauf hingewiesen habe, alle Vorbereitungen zur Auf- nähme eines Pcslverdächligen zu treffen, verneint der Zeuge. Dazu sei gar keine Zeit gewesen, es habe auch keine Beranlasstmg dazu vorgelegen. Er habe sich auf das Polizeibureau begeben und dort den kurzen Bericht für das Krankenhaus geschrieben. Inzwischen sei ein Schntzmonnspoften vor der Tür des Dr. Sachs auf- gestellt worden, der die direkte Weifung hatte, niemand heraus oder hinein zu lassen. Er habe ferner einen Schutzmann auf dem Rade mit einem Schreiben an Prof. Kolle. den» zuständigen AbteilungS- Vorsteher des Instituts für Infektionskrankheiten, abgesandt und diese Ordonnanz beauftragt, alles zu tun, um den Prof. Kolle auf- zufinden. Dem Fiihrherrn Sawade, dem ans allgemeinen öffentlichen Gründen nicht gesagt wurde, daß eS sich um einen Pestverdäckstigen handele, sei durch einen Schutz- mann die Weisung gegeben worden, sich zur Beförderung eines Kranken nach dem Krankenhause bereit zu halten, aber zu warten, bis er ein Schreiben und einen Polizeibeamten als Begleiter mitbekommen würde. Während er den Bericht ans Krankenhaus geschrieben, sei nun aber Herr Sawade vor dem Hause des Dr. Sachs schon erschienen, der vor der Tür postierte Schutz- mann habe sich von ihm düpieren lassen, und so habe Herr Sawade den Kranken ohne Berechtigung vorzeitig abgeholt. Man habe sofort einen Boten hinterher geschickt, dieser habe ihn aber nicht mehr eingeholt. Dieser ganze Pestfall sei im Mi» isterium sehr eingehend erörtert worden und sein Verhalten habe nach keiner Richtung hin z u r B e a n st a n d u n g V e r a>r I a s s u n g gegeben. Er habe durchaus nach seinen Instruktionen und nach der Lage des speziellen Falles gehandelt. Er habe gewußt, daß im Krankenhause Isolier- baracken vorhanden waren und wenn sie belegt gewesen wären, hätten sie geräumt werden müssen. Professor Grawitz, Direktor der Abteilung für innere Krankheiten des Charlottenburger Krankenhauses: Das alte Charlottenburger Kranken- haus sei damals überfüllt gewesen. Das Krankenhans hatte ja eine Baracke, die aber nicht als Isolierbaracke in Gebrauch, sondern mit Haut- und Geschlechtskranken gefüllt war. Es wäre ja möglich gewesen, im Notfall diese Baracke frei zu machen, das hätte aber erhebliche Zeit erfordert. Die Annahme, daß diese Baracke disponibel war, mag ja bei dem Medizinalrat obgewaltet haben, sei aber nicht zu- treffend gewesen. Die Baracke am Fürstenbrunner Weg sei nur ein Holzhans ohne irgendwelche Einrichtungen gewesen. Iii» sie in Betrieb zu setzen, hätte eS auch längerer Zeit bedurft. Er habe, als er sah, daß es sich nnr einen Peslverdächtigen handelte, sofort seine Dispositionen getroffen, um den Kranken nach der C h a r i t ö überzuführen, und dies sei ihm auch gelungen. B e i der mangelhaften Beschaffenheit des Charlotten- burger Krankenhauses und der eminenten Gefahr abe er diese Ueberfiihrnng ohne Rücksicht auf den päteren Kostenpunkt für dringend notwendig erachtet. — Ruf Vorbaltung der Verteidiger bekundet der Zeuge: Wenn dem Krankenhause einige Zeit vor der Ueberführung des Kranken mitgeteilt worden lväre, daß es sich um einen Pest- verdächtigen handelte, wäre die Räumung der Baracken möglich ge- Wesen.— Rcchtsanw. Holpert: Herr Medizinalrnt Dr. Klein hat doch Revisionen im Krankenhause abzuhalten und er mußte doch daraus wissen, daß die Baracken im Hofe gefüllt und die Baracke an, Fürstenbrunner Weg nicht im Betriebe war? Der Zeuge gibt dies zu. Geh. Rat Prof. Dr. Dönitz bekundet, daß er die Meldung, die der Medizinalrat Dr. Klein ihm telephoniscki übermittelt hatte, nicht richtig verstanden habe. Es habe zweifellos infolge nicht richtigen Funktionierens des Telephons ein Mißverständnis zwischen ihm und dem Medizinalrat obgewaltet. Er sei danials sehr an- gestrengt mit Typhusuntersnchungen beschäftigt gewesen und habe geglaubt. daß es sich auch bei dieser tclephonischen Meldung um Typhus- Erkrankung handelte. Er habe jetzt nach so langer Zeit den Eindruck, als hätte er dem Medizinalrat gesagt, er würde ihn am nächsten Morgen be- suchen. Er habe ihn auch am nächsten Tage aufgesucht und dann zu feiner Ueberraschung erfahren, daß es sich um einen P e st f a l l handelte. Medizinalrat Dr. Klein sei von seinem Besuche überrascht gewesen. Im allgemeinen konnte der Zeuge gegen die Maßnahmen des Mcdizinalrats nichts ein- wenden, gibt aber auf Vorhalt deS Verteidigers zu, daß es vielleicht unisichtiger gewesen wäre, vorher das Krankenhaus über den zu überweisenden Patienten aufzuklären, ebenso sei eS vielleicht zweck- mäßig gelvefen, einen Versuch zur Unterbringung deS Kranken in der Charit« zu machen. In vielen Punkten setzte sich die Zeugin, Frau Briefträger Lcppicn, mit den Bekundungen des Medizinalrats Dr. Klein in direkten Widerspruch. Sie behauptet a.»., daß nur verboten worden sei, aus der Wohnung aus- und einzugehen, bestreitet aber, daß durch Aufstellung eines Schutzmanns für die Befolgung dieses Verbots gesorgt worden sei. Es sei außerdem gar nickt gefragt worden, ob und wer mit dem Kranken etwa in Berührung gekommen sei. Nacknnittags habe, als er die Wohnung verlassen, ihr gesagt, sie solle das Zimmer des Kranken nicht mehr betreten, aber es sei ihr einfach überlassen worden, ob sie auch danach handelte. Der Kranke habe nun aber mehrere Stunden ganz allein und ohne Hülfe gelegen und deshalb habe sie aus Menschlichkeit das Zimnier doch wieder betreten, um nach dem armen Kranken zu sehen. Die Zeugin behauptet ferner, daß auch die Kommunikation aus dem Hause heraus in keiner Weise beschränkt gelvesen sei. Dr. Klein habe, als er zuerst in die Wohnung gekommen sei, den Kranken auch gar nicht untersucht, sondern sich immer in der Nähe der Tür gehalten, habe eS aber zugelassen, daß sie den Kranken ausricbtete und dem Medizinalrat das Sputum des Kranken hinreichte. Als der Kranke weggebracht worden war, sei Dr. Klein wieder gekommen und habe sie gefragt, ob sie noch Gegenstände in der Wohnung habe, welche schon vorher mit dem Kranken in Berührung gekommen waren. Sie habe dann alle diese Gegenstände wieder in das Zimmer zurückbringen müssen. Weitere Anordnungen bezüglich ihrer Person seien nicht ge- troffen, auch sei sie nicht befragt worden, ob sie mit anderen Per- sonen in Berührung gekommen sei. Die Zeugin ist dann am folgenden Tage mir ihren Familiengliedern zur Isolierung und Beobachtung in die Charit« übergeführt worden. lieber diese Aussage entstehen lebhafte Auseinandersetzungen zwischen dieser Zengin und Herrn Mcdizinalrat Dr. Klein. Dieser tritt einigen Behauptungen der Zeugin stritte entgegen, andere führt er auf Unkenntnis der Sachlage zurück und sucht nachzuweisen, daß er in bezug auf die Sorge für den Kranken, die Isolierung der Wohnung usw. alles getan, was angebracht war und zu seinen Obliegenheiten gehörte. Er habe als Kreisarzt nur Anordnungen zu treffen und Sache der Polizei sei es, die Durchführung der Anordnungen zu kontrollieren. Der Frau Leppien habe er nur gesagt, sie solle nicht unnötig in das Zimmer des Kranken gehen. Ein Betreten des Zimmers habe er der Zeugin nicht untertagen können, im übrigen sei eine Person, die bis dahin schon mit dem Kranken in Berührung gewesen, doch ganz geeignet, den Kranken zu unterstützen und ihm behülflich zu sein, wenn der behandelnde Arzt nicht da ist. Die Zeugin bleibt trotz wiederholter Vorhaltungen bei ihren Angaben und die Verteidiger stellen sich mit dem. was sie für die Pflicht des Kreisarztes in dein gegebenen Falle halten, in Gegensatz zu dem Medizinalrat Dr. Klein. Nach ihrer Ansicht seien die Anordnungen, die dieser zur Abivendung jeglicher Gefahr� für Dritte in einem solchen schweren Falle getroffen, gänzlich unzureichend gewesen. Insbesondere halten sie es auch nicht für richtig. daß Medizinalrat Dr. Klein den Kranken stundenlang allein und sich selbst überlassen habe. Auch den hierauf bezüglichen Ausführungen des Verteidigers widerspricht Dr. Klein und behauptet, daß sie unzutreffend seien. In der Mainummer der„Stadt-Latcrne" machte der Angeklagte Mitteilung von einem Vorfall, in welchem er selbst durch den Medizinalrat Dr. Klein in nicht ordnungsmäßiger Weife behandelt fein will. Gehlsen hatte seinerzeit eine Strafe in dem Tegeler Gefängnis zu verbüßen. Als er die Aufforderung zum Strafantritt erhielt, war in seiner Familie gerade Diphtheritis und Scharlach ausgebrochen. Wie der Angeklagte vor Gericht darlegte, sei auf seinen Antrag un, Strafaufschub eines Tages Dr. Klein mit einem Kriminal- beainten bei ihm erschienen, uin den Sachverhalt zu prüfen. Dr. K. habe ihm einmal in den Hals geguckt und gesagt, er sei gesund, man könne ihn abführen. Trotzdem habe Dr. K. seine Nichte, die bei ihm sich mit der Pflege der erkrankten Kinder beschäftigte, vor der Ansteckungsgefahr gewarnt. In Tegel sei er sofort wie ein Pestverdächtiger isoliert worden und auch sonst nur mit besonderen Vorsichtsmaßregeln behandelt worden. Der Angeklagte behauvtet, daß eine erhebliche Ansteckungsgefahr vor- lag— seine Frau wäre z. B. ebenfalls an Diphtheritis erkrankt—, trotzdem habe Medizinalrat Dr. Klein ihn für fähig erklärt, die Strafe anzutreten. Hierdurch habe Dr. K. die gesamten Insassen des Strafgefängnisses in eine große Gefahr gebracht, da durch ihn sGehlsen) sehr leicht die Seuche in das Gefängnis geschleppt werden konnte. Mcdizinalrat Dr. Klein erklärt, daß er absolut sachgemäß vorgegangen sei, da eine An- steckungsgefahr durch den Angeklagten nach Anwendung geeigneter Mittel im Gefängnis nicht bestanden habe. Der als Zeuge geladene Direktor des Tegeler Strafgefängnisses Dr. Klein bekundet, daß nur eine Bestimmung bestehe, nach welcher mit an- steckenden Krankheiten behaftete Personen nicht in eine Strafanstalt aufgenommen werden dürfen. In dem Falle Gehlsen habe ein Aufnahmebefehl von der Staatsanwaltschaft vorgelegen und Gehlsen sei vorschriftsmäßig, allerdings nach Anweisung des Mcdizinalrats Dr. Klein unter besonderen Vorsichtsmaßregeln aufgenommen worden. Die Nichte des Angeklagten, Fräulein Paula Simon hatte seinerzeit die Pflege der erkrankten Kinder übernommen. Auch sie sei vom Medizinalrat Dr. Klein untersucht worden. Dieser habe ihr gesagt, sie täte besser aus dem Hause zu gehen, da sie sich leicht anstecken könne. Die Fortsetzung der Beweisaufnahme über die in der„Stadt- laterne" behandelten Fälle wurde gestern jäh abgebrochen. Der Staatsanwalt verlas ein Schreiben des Polizeipräsidenten, in welchen, dieser den von ib», gestellten Strasantrag zurück- zieht. Ferner überreichte Medizinalrat Dr. Klein dem Gerichts- Hofe ein Schreiben, wonach auch e r den von ihn, gestellten Straf- antrag zurücknimmt. Griinde wurde» nicht an- gegeben. Der Staatsanwalt beantragte hierauf Einstellung des Verfahrens. Rechtsanwalt Dr. Löwen st ein beantragte, auch die dem Angeklagten erwachsenen notwendigen Ausgaben, einschließlich der Kosten der Verteidigung der Staatskasse zur Last zu legen. Das Gericht erkannte auf Ein- stellung des Verfahrens. Es lagen zwei Eröffnungsbcschlüsse vor, auf Grund eines StrafanlrageS des Polizeipräsidenten und eines solchen des Dr. Klein. Die Folge der Einstellung des Verfahrens sei, daß die K o st e n bezüglich des ersten Strafantrages der Staats- lasse, bezüglich des Medizinalrates Dr. Klein diesem zur Last fallen. Einen Anlaß, auch die notwendigen Auslagen des An- geklagten und die Kosten der Verteidigung der Staatskasse zur Last zu legen, habe der Gerichtshof nicht für vorliegend erachtet, da das bisherige Verfahren durchaus noch nicht die Aussichtslosigkeit einer Verurteilung wegen Beleidigung ergeben habe. Nach 8 499 Abs. 2 der Strafprozeßordnung„können" die dem außer Verfolgung gesetzten Angeschuldigten er- wachsenen notwendigen Auslagen(Vertcidigungskosten usw.) der Staatskasse auferlegt werden. Leider heißt es in der Vorschrift nicht, wie von sozialdemokratischer Seite oft bean- tragt ist,„müssen" statt„können". Hätten der Polizei- Präsident und der Kreisarzt Klein Privatklage angestellt, so hätten auch die Verteidigungskosten dem Angeschuldigten abgenommen werden müssen. Daß dieselbe s�olge nicht bei den„im öffentlichen Interesse" erhobenen Klagen eintreten muß, entspricht den Grundsätzen der Billigkeit und Gerechtig- kcit nach keiner Richtung hin. Abgesehen von dieser mehr formalen Kostenfrage bedauern wir lebhaft, daß die Beweis- aufnahnie so jäh unterbrochen ist. Tie Oeffentlichkeit hat ein recht erhebliches Interesse daran, klar zu erkennen, ob die für die Gesundheit und öffentliche Sicherung der Gesundheit von Dr. Klein getroffenen Maßnahmen ebensowenig aus- reichende waren, wie die in dem verhandelten Pestverdachts- fall. Tie Strafanträge sind ohne Begründung nach der nicht zugunsten des Dr. Klein ausgefallenen Beweisaufnahme zurückgenommen. Ilcber Jahre schwebt die Anklage: weshalb sind die Anträge, die man zu stellen für nötig er- achtete, erst jetzt zurückgezogen, wenn nicht der materielle Inhalt der Gehlsenschen Beschuldigungen im wesentlichen ge- rechtfertigt war? Die Anklage ist„im öffentlichen Inter- esse" erhoben. Läge es nicht weit mehr im öffentlichen Inter- esse, Strafanträge zu unterlassen und dafür Sorge zu tragen, daß die bereits durch die Verhandlung bewiesenen und die weiteren Mißstände, über die Beweiserhebung stattfinden sollte, in Zukunft vermieden werden? Auf der Anklagebank saß der alte Herr Gehlsen.�dcssen politische Anschauung und Betätigung übrigens der Sozialdemokratie fernsteht— als Gerichteter verlassen hat den Gerichtssaal der Kreisarzt Dr. Klein und seine Wirksamkeit in der öffentlichen Gesundheits- pflege zu Charlottenburg._ Zum Wahlfonds gingen in unserer Expedition Lindensft. 69 folgende Beiträge ein: Gesangverein.Männerchor" der Schneider Berlins 30,—. Buch« druckerei- Hülfsarbeiter im„Vorwärts", Notationssaal 10,—. Akademikus 20.—. Tischler der Firma Kraft, Fürstenstraße, Sechser- lasse 10,—. G. R. 10,—. O. F. 2,—. Tanzlehrerverband Soli- darität 50,—. Zentralverb. d. Maschinisten u. Heizer. Zahlstelle Treptow 20,—. Diener und Maschinellpersonal der Firma A. Jandorf, Filiale Gr. Frankst, rterstr. 113 8.60. Hotel Müller. Bremen 7.—. H. Eckert. Jahnstraße 2.—. Tellersammlung der öffentlichen Bäcker- versammlling vom 8. Jamiar 55,70. Berliner Schwimmklub„Neptun" 5,—. N. N. 2,05. E. L. 10.—. Bierprozeme der Firma Opitz, Tempclhof 20,—. Angestellte der O.-K.-K. f. d. B.(darunter M. Str.. Kaufin. 0,50), 3. Rate 11.—. Schlossergesellen der Firma Stahl u. Sohn 25,—. �_ Summa 208,25 M. Bereits quittiert 6355,12 M. Summa 6153.37 M. Weitere Beiträge werden in unserer Expedition entgegen« genommem_ eingegangene Druck lcw'iften. Der UltramontaniSinnS. Von Dr. Ernst Hanviller. Preis 10 Ps. — Ist das Zentrum eine Gefahr für das Deutsche Reich. Von G. 2t. Schlechtendahl. Preis 20 Ps.— Die Nebenregierung der Zentrums- herm. Von P. Bräunlich, München, I. F. Lehmanns Verlag. Preis 40 Pf. Charlotten burg Bahnhof Wilmersdorferstrasse 111 Teleph.: Charlottenburg 6718 Teures Fleisch Bester FleischErsatz 000 Hoher Nährgehalt Billige Seefische Potsdamerstrasse 112 a, Telephon: Amt VI, 7190 Hoch Bahnh Bülow Str L. Ziehung 1. Kl. 216. Kgl. Preuss. Lotterie, Ziehung vom 10. Januar 1907, vormittags. Nur die Gewinne über 50 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 9 29 155 62 297 493 695 764 76 924 1013[ 100] 48 45 120 218 83[ 100] 633 79 817 57 971 2300 28 80[ 200] 471 526 861 3065 160 336 49 460 771 840 68 4281 354 495 645 749[ 100] 5285 510 58 661 912 69 6090 192 207 60 80 329 608 701 87 847 69 7017 50 257 553 971 8073 110 43 261 606 41 749 879 9166 261 74 329[ 100] 523 635 10431 800 83 795 810 86 955 11027 244 401 25 34 729 12045 111 332 405 593 626 737 800[ 100] 48 951 75 13474 756 815 70 14078 135 50 73 279 588 614 809 22 15381 456 84 98 529 619 958 16101 43 743 926 17005 516 73 665 980 81 89 18058 513 604[ 100] 859 95 19118 506 61 600 722 20140 61 207 300 19 496 692 855[ 100] 999 21284 315 411 613 990 22136 23 842 923 23272 73 416 96 967 24132 242 352 753 804 43[ 100] 985 25422 679 807 952 66 26058 167 204 11 27379 592 94 618 814 971 28313 687 763 29126 51 205 338 482 92 622 42 59 700 60 825 30333 47 515 649 61 848 31004 112 314 29 83 473 73 684 715 958 79 32111 63 84 326 34 91 454 600 907 10 33180 448 768 836 87 34161 200 452[ 200] 682 712 817 940 35388 489 645 62 709 97 36029 168 413 616 880[ 100] 82 920 37269 440 74 603 4 10[ 100] 806 909 13 66 38038[ 100] 146 457 71 551 707 39203 426 808 18 23 72 933 82 06[ 100] 457 71 40013 299 366 622 41073 106 82 271 719 74 92 888 42081 145 309 400 17 516 43101 86 93 399 614[ 100] 704 860 44050 111 291 346 410[ 300] 797 920 45039 454 501 623 82 977 46001 247 477 623 751 851 985[ 100] 47022 187 252 602 92 795 936 48023 221 675 773[ 200] 99 49081 182 299 500 93 617 48 708 52035 79 139 236 392 515 841 981 53012 166[ 100] 76 89 275 314 63[ 100] 76 429 610 [ 100] 719 872[ 100] 960 54338 68 55287 98 646 51 823 58 935 56027 73 157 251 57 602 41 770 85 920 57187 245 305 492 58543 49 645 51 723 59054 139[ 200] 255 349 589 629 149 289 56[ 100] 547 788 30077 335 334 826 901 31 51093 60091 151 221 412 73 61138 278 494 558 91 692 710 86 870 930 62026 257 477 692 710 21 877 82 63207 463 500 748 64030 382 499 551 96 666 65089 450 79 813 45 66011 235 511 620 825[ 100] 912 67299 887 538 952 68035 155 99 420 739 77 893 69029 98 225[ 100] 55 395 515 619 44 721 850 70100 469[ 100] 520 675 71104 511 676 943 77 72098 177 575 609 24 891 73177 355 69 641 51 79 777 952 74819 539 802 41 901 75197 273 501 26 600 715 824 964 76081 155 202 813 91[ 100] 595 77073 284 73[ 100] 301 539 679 781 78723 29 803 81 981 79113 871 595 798 976 80015 209 79 853 83 482 511 80 831 952 01 37 93 81065 863 82183[ 300] 317 419[ 200] 543 70 82 622 67 79 789 973 83204 418 685 968 84016 265 380[ 100] 577 630 786 869 85000 77 152 805 401 45 516 995 86077 216 59 63 381 604 83 783[ 100] 995 87298 593 629 82 847 923 88001 61 294 401 569 888 89077 119 56[ 100] 220 73 301 89 660 64 706 71 875 84 923 90136 261 341 95 450 783 876 91303 14 37 469 521 46 611 89 71 88/764 92301 529 57 69 613 93000 11 403 23 82 631 803 94041 481 513[ 100] 58 921 26 90 95046 63 91 215 22.53 73 313 308 895 910 96126 321 440 41 43 51 51 540 733 822 958 97082 641 51 776 929 73 98197 375 85 498 533 614 762 875 908 99207 363 425 77 533 878 101085[ 100] 231 33 351 402[ 200] 572 869 98[ 100] 945 84[ 100] 102129 260 97 454 513 603 103575 600104112 72[ 100] 227 307 64 428 523 605 64 768 833 105102 505 14 84 627 718 855 106245 325 39 492 632 782 848 914 44 107178 251 362 93 403 27 507 727 807 917 108096 215 335 85 440 44 62 849 64 109127 48 91 211 64 S0 374 713 977 110547 692 848 83 81 87 96 990 111149 309 91 431 35 932 61 112107 83 574 93 660 63 955 87 113431 4 728 889 915 114572 683 799 115011 33[ 100] 110 272 387 459 553 611 783 116030 620 50 997 117168 228 34 472 573 855 74 844 118075 409 75 91 583[ 100] 673 900[ 100] 46 119020 70 129 63 323 507 733 975 120053 440 63 507[ 100] 658 853 946 121591 708 58 826 955 122361 562 600 757 806 15 38 123027 52 53 213 359 72 83[ 100] 878 124073 116 314 92 747 862 66 125158 461 593 601 782 126093 98 129 69 663 898 057 127640 893 128120[ 100] 273 300[ 200] 472 76 845 129010 325 543 648 761 962 130713 85 131107 30 206 33 508 621 28 30 21 132208 15 383[ 100] 583 669 881 133023 521 638 797 808 11 911 63 97 134042 230 583 53 731 135067 185 498 823 917 136023 213 413 507 861 ( 100] 89 137172 683[ 100] 899 081 54 138377 445 594 703 67 896 139223 37 481 597 680 895 924 41 Seefisch- Kochbücher gratis 000 Bhf. Börse Hauptgeschäft Bahnhof Börse, Bogen 8-10 Deutsche DampfFischereiGesellschaft Nordsee Prinzenstrasse 30 Hoh Bahnhof Prinzen Str. 952 147109 831 821 982 148051 209 402 82 546 49[ 100] 74 608 85 759 70 908 149170 414 88 595 892 150115 29 54 566 77 622 60 724[ 100] 912 151014 155 308 401[ 500] 74 727 802[ 200] 152210 28 403 14 41 531 49 677 716 816 21 71 967 71 153206 97 402 20 72 154032 550 73[ 100] 691 99 902 155788 871 156183 377 482 582 735 839 49 53 157049 124 209 13 24 71 88 618 44 861 158112 322 478 925 35 57 159059 78 108 485[ 200] 362 30 735 8 160068 376 665 98 924 161017 388 480 786 81 812 18 67 924 162158 391 96 733 47 163163 447 569 75 640 752 815 164023 126 203 378 515 66 37 165013 165 379 953 166040 193 642 803 36 50 167389 513 38 689 168077 297 352 488 515 54 612 901 44 169033 307 73 75 488 830 [ 100] 170287 644 706 993 171024[ 200] 52 101 86 284 379 429[ 200] 64 973 172269 844 986 173026 226 56 350 409 510 624 60 789 943 47 174138 86 464 790 890 175388 436 597 681 726[ 400] 93 923 81 176011 58 88 141 221 464 177217 307 84 413 61 608 60 889 016 30 64 79 178271 489 643 43 850 987 179102 272 425 33[ 400] 180045 453 510 684 705 12 38 181264 452 182006 106 201 22 433 653 708 9 81 921 183594 927 184956 357 631 50 739 952 185114 509 14 809 186093 204 829 452 507 754 852 95 963 187072 310 545 932 188009 17 49 56 158 373 189156 326 594 765 844 72 936[ 100] 190063 181 201 94 322 477 688 909 191066 408 87 519 619[ 100] 80 84 926 192006 14 259 389[ 100] 91 489 863 957 59 193000 97 167 1200 327 579 733 194392 [ 300] 628 83 734 914 195031 135 84 237 344 668 717 960 75 196014 15 72 249[ 300] 467 95 599 801[ 100] 66 197094[ 200] 500 657 710 198140 236 322 476 516 68 84 758 88 199088 217 847 993 200193 272 589 622 760[ 200] 201268 397 530 681 89 783 96 202158 237 42 435 654 843 91 909 203011 17 525 630 754 955 80 204186 95 379 91[ 100] 514 74 63 73 [ 100] 895 908 205344 57 510 69 877 85 958 206072 533 731 81 306 20726: 518 718 46 68 979 208041 114 444 519 639 959 209082 197 340 41 462[ 300] 53 838 63 79 904 210285 356 498 525 916[ 3000] 28 211045 48 86 371 403 693 795 987 212338 634 71 72 706 30 869 213854 452 698 715[ 200] 41 86 214060 109 76 258 549 657 215430 595 665 92[ 100] 750 839 47 216127 223 50[ 200] 58 76 439 74 624 98 96 855 217328 411 12 88 93 565 778 218019 107 215 447 67 85 583 681 89 843 998 219073 81 413 386 533 631 648 52 83 757 955 220049 73 94 179 302 54 631 748 861 69 921 221002 133 422 556 67 656 736 222147 523 794 865 223220 487 521 781 85 87 832 42 918 94 224009 87 182 642 730 25 95 225159 234 593 819 915 51 226077 199 233 599 614 45 95 755[ 100]$ 74 227175 629[ 100] 795 228280 353 557 59 744 46 967 229139 63 73 273 429 99 521[ 100]€ 40 720 92 850 988 230013 127 43 254 357 64 063 76[ 100] 231110 97 202 813 007 732[ 300] 64 847 950[ 100] 232032 203 343 53 612 801 56 930 [ 100] 233011 55 203 822 531 49 095 721 62 900 28 37 [ 100] 234139 96 216 43 504 48 704 36 1200] 51 86 235001 93 263 855 79 423 236937[ 300] 237051 62 194 821 407 46 694 789 914 90 99 238257 319 28 73 446 758 939 97 239171 85 222 45 63 490[ 100] 94 640 82 830 977 240350 620 34 917 241281 720 820 242122 359 604 57 59 756 243200 300 483[ 300] 771 81 830 244319 402 98[ 200] 788[ 200] 883 245070 72 201 10 380 471 658 790 879 903 45 246139 595 673 89 247088 299 330 517 775 248221 326 592 633 249409 520 649 896 970 250085 414 720 251258 400 534 37 55 610[ 100] 253027 129 435 42 54 99 542 629 831 982 254111 216 41 462 627 723 40 814 255110 17 60 67 486 907 77 256241 59 410 92 814[ 100] 914 25 50 257040 363 258121 82 304 98 552 615 93 741 53 86 885 259201 [ 100] 519 31 65 683 709 48 260021 479[ 200] 547 786 884 261533 679 712 819 954 262085 86 131 277 408 25 590 727 871 95 963 263156 297€ 24 72 93 769 904 82 264320 43 82 500 69 660 66 78 776 265002 234 331 711 64 814 266023 485 820 267110 363 85 632 757 268149 61 237 396 485 659 269151 811 69 410 591 660 74 789 97 861 270185 263 875 79 98 415 921 59 271040[ 100] 70 185[ 100] 217 714 272022 34 113 491 544 856 047 49 273017 440 814 819 993 274000 42 43[ 100] 146 823 412 623 34 904 275173 236 483 695 276083 165 840 85 588 62 68 87 684 277802 3 99[ 200] 405 9 937 278135 65 79 90 588 878 99 279345 410 57 71 531 601 917 73 280084[ 300] 285 400 664 99 741 969[ 100] 281004 44 79 122 86 282 342 549 857 282035 280 400 38 45 [ 100] 47 569 89 610 12 880 902 283087 298 320 479 758 991 284078 435 57 554 682 65 777 809 74 87 285088 103 9 201 25 359[ 100] 93 505[ 100] 18 33 67 286079 175 98 896 505 785[ 100] 805[ 100] 287039 52 140021 113 67 254 443 627 780[ 200] 141227 352 83 555 665[ 100] 85 88 975 142084 106 306 78 443 59 91 521 143169 354 425 93 615 877 144158 253 354 580 609 754 814 924 145102 67[ 100] 486 775 861 923 146185 216 790 86 334 646 781[ 500] 91 823 63 947 95 Jedes Wort 10 Pfennig. 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