Nr. 15. RbonncmentS'Bedlngungen: Blonncmentä•®rciS drSnumeranda i Bierteljährl. Z.Z0 Mt� Mona», l.lo Mr., WSchenIIich 2S Pfg. frei inS Hau». Einzelne Numnier 5 Pfg. Sonntags. Nummer mit illustrierter Sonntags- »eilage.Die Neue Welt' lll Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post.ZeitungS. Preisliste. Unter Krenzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland 8 Mark pro Monat. PostabonnementZ nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland. Italien. Luleuiburg. Portugal, «umiinien, Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. VI»»«« Uzll» anBtr tnostigt, Vevlinev VolKsblatk. Ole TnlernonS'GebQbr beträgt für die sechSgespaltenc llolovel- geile oder deren Raum GO Psg., für politische und gewerNchastliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnxeigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedeS weitere Wort S Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis Z Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geblsnet. »elegramm- Adresse: „SHisllUBOkni Berti»". Zentralorgan der rozialdemokratifcben parte! Deutfchtandd. Redahtion: SCQ. 68, Lindcnstrasse 6g. afcrnftirprtirr; Zimt IV. Nr. 1!)SS. Freitag, den 18. Januar 1007. Sxpedltion: SRI. 68, Lindcnstrasse 69. Usernsprecher: Slmt IV. Nr. I»8t. UngrMe gegen das Koalitionsrcdjt. Gesetzliche Arbeiters chutzvors chriften und ein die gesamte Arbeiterklasse umfassendes gesichertes, geschütztes Koalitions recht ist dringend erforderlich zum Schutz gegen eine Willkür liche und schrankenlose Ausbeutung der Arbeitskraft, zur Erringung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen und zur tebung der Kultur. In wachsendem Maße hat die herrschende lasse sich gegen die Arbeiterschutzvorschriften, gegen eine Erweiterung, gegen eine Sicherung, ja gegen eine A u s> Übung des Koalitionsrechtes gewendet. Die Unternehmer klasse hat die Tendenz, die persönliche Arbeitskraft zu vergegenständlichen, die Arbeiter zu Wesen degradieren, die wesentlich als Arbeitsmaschinen des Kapitalisten Dienste zu verrichten haben. Der Heißhunger der Kapitalistenklasse nach Profit hat den biblischen Satz:„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen" in den Satz umgewandelt:„Im Schweiße deines Angesichts will ich mein Brot essen und mein Kapital vermehren. Lebe, um für mich zu arbeiten." Ein Rückblick zeigt klar, wie die bürgerliche Klasse unverrückbar das Ziel der Beseitigung des Koalitionsrechts im Auge hält und es der Regierung vorschreibt. Wie in der letzten Rcichstagssession, so wird auch in der künftigen Tagung ein Versuch der bürger lichen Parteien, das Koalitionsrccht direkt oder indirekt zur Aufhebung zu bringen, nicht unterbleiben. Einen Rückblick auf einige Tatsachen zeigt uns, wie die durch die Großindustrie beherrschten Parteien und Regierungen dem Koalitionsrecht feindlich gegenüberstehen. Als am 8. Juli 1861 im preußischen Abgeordnetenhause die Abgeordneten Dr. Faucher, Michaelis und Genossen eine Resolution einbrachten, welche die Ausnahmegesetze gegen das Koalitionsrccht der gewerblichen Arbeiter aus der preußischen Gewerbeordnung von 1846 beseitigen sollte, begründeten sie ihre Antragsteller unter anderem damit:„Die Folgen versuchter Arbeitseinstellung sind die beste Abschreckung gegen die Wieder- holung des Versuches". Als im Jahre 1869 für die gewerb- lichen Arbeiter das Koalitionsrecht im Z 152 der Gewerbe- ordnung zur Einführung gelangte, wurde daneben statt einer Sicherung des Koalitionsrcchtes der Galgen des 8 133 der Gewerbeordnung gegen die Ausübung des Koalitionsrechts errichtet. Freilich, allemal wurde von bürger- lichen Parteien, selbst vom nationalliberalen Professor Gneist noch im Jahre 1878, das Koalitionsrecht als eine„Grund läge der bestehenden Gesellschaftsordnung" hingestellt. V e r weigert wurde es aber insbesondere den ländlichen Arbeitern, den Staatsarbeitern, den Eisenbahn- arbeitern usw. Verweigert entgegen der preußischen Ver- fassung, die das Vereinigungsrecht für alle Bürger festlegt; verweigert, wiewohl die preußische Regierung vor dem öfter- reichischen Kriege unter dem 10. Februar 1866 die Aufhebung der Strafbestimmungen wegen Ausübung des Koalitionsrechts der Landarbeiter als dringend notwendig anerkannte und die Auf- Hebung des Z3 des gegen die ländlichen Arbeiter gerichteten Aus- nahmegesetzes vom 24. April 1854,„aus Gründen des Gemein- Wohls" beantragte. Der berüchtigte§ 8 bedroht bekanntlich mit Gefängnis bis zu einem Jahre die gemeinsame Verabredung zur Arbeitsniederlegung zwecks Erlangung besserer Lohn» und Arbeitsbedingungen. Völlig vorenthalten bis heute ist das Koalitionsrecht weiten Klassen der Bevölkerung, wiewohl noch im Jahre 1867 der konservative Abgeordnete Wagner ausdrücklich erklärte,„daß er es für völlig unzu- lässig hält, nachdem man das Vereinsrecht in der größten Ausdehnung bewilligt hat, dem Arbcitcrstande noch denjenigen Teil des Vereinsrechtes vorenthalten zu wollen, der allein für ihn ein wertvoller ist". Das bißchen Koalitionsrecht ist widerwillig gegeben, und in immer schärferer Weise wird versucht, es durch neue Gesetze, durch die Verwaltungspraxis und durch die Rechtsprechung außer Wirksamkeit zu setzen. Als das schandbare Sozialisten- gesetz am 9. Oktober 1878 in zweiter Lesung zur Beratung stand, äußerte der damalige Reichskanzler Fürst Bismarck gegen die Bedenken, daß nach Inkrafttreten des Sozialisten- gesetzeS den Arbeitern das durch§ 152 der Gewerbeordnung garantierte Koalitionsrecht genommen würde: „Ich habe schon bei der ersten Lesung mir erlaubt, zu be- merken, daß ich eine jede Bestrebung fördern werde, welche positiv auf die Äerbesserung der Lage der Arbeiter gerichtet ist, also auch einen Verein, der sich den Zweck gesetzt hat, die Lage der Arbeiter zu verbessern, den Arbeitern einen höheren Anteil an den Erträgnissen der Industrie zu gewähren und die Arbeitszeit nach Möglichkeit zu verkürzen, soweit die Grenzen, die durch die Konkurrenz und die absatzfähige Fabrikation gegeben sind, beide Bestrebungen noch gestatten." Der nationallibcrale Herr v. Bennigsen betonte damals ähnliches, lobte die englischen Trades Unions und forderte die Arbeiter auf, diesen nachzustreben, um„gemeinschaftlich ihre Forderungen, wenn nicht heute, so doch nach und nach gegen- über den Kapitalisten durchzusetzen." Und was geschah? Sofort nach Inkrafttreten des Schand- gesetzcs wurden sämtliche Gewerkschaften mit Ausnahme des Buchdruckerverbandes verboten. Diese älteste deutsche Arbeiterorganisation entging der Auflösung nach vielerlei- Schikanierungen nur dadurch, daß sie sick freiwillig unter Polizei- liche Kontrolle stellte. Gewerkschaftsversammlungen wurden aufgelöst, Führer der Gewerkschaften ausgewiesen; das war die „Förderung" der gewerkschaftlichen Bestrebungen. Der Minister v. Puttkamer erklärte, hinter jedem Streik lauere die Hydra der Revolution, er werde jeder derartigen Bestrebung mit allen Machtmitteln des Staates ent gegentreten. Aus Anlaß des Maurerstreiks von 1885 wendete sich eine Deputation der Berliner B a u- I n n u n g s m e i st e r an den Junkerminister und überreichte eine Liste der„Rädelsführer" des Streiks von 1885. Darauf hin wurden die Führer der Maurerbewegung aus gewiesen, der Maurerfachverein a u f g e l ö st und es erging der berüchtigte Puttkamer-Erlaß vom 11. April 1886. Der Erlaß wendete sich gegen das Streik- postenstehen und selbst dagegen, daß die Arbeiter durch„Heber- r e d u n g" ihre Genossen zum Beitritt veranlassen sollten. Um dieselbe Zeit, als die Staatsgewalt gegen die Be tätigung des Koalitionsrechts mobil machte, begann die Recht- sprechung ihre Jnterpretationskünste zwecks Unmöglichmachung der Streiks. Im Jahre 1888 wurde zum erstenmal vom Reichsgericht eine jener Entscheidungen erlassen, nach der die Drohung mit einem Streik zwecks Verhütung des Streiks unter Umständen als Erpressung geahndet werden durfte. Das den wirtschaftlichen Kämpfen der Arbeiterklasse'wildfremd gegenüberstehende Reichsgericht erklärte gar, in dem Urteil des 4. Strafsenats vom 3. Dezember 1889, daß die Koalitionsfreiheit ein„strafrechtliches Privilegium" sei. Das Sozialistengesetz fiel. Unter dem Ministerium des Scrrn von Berlepsch wurde noch im Jahre 1890 in der ewerbeordnungsnovelle eine erhebliche Verschärfung des§ 153 beantragt. Der Tatbestand sollte ausgedehnt, als Minimalstrafe ein Monat festgelegt und die heutige Maximalstrafe von drei Monaten auf ein Jahr erhöht werden. Der Z 153 fiel, keineswegs ähnliche Bestrebungen. Es genüge, nach der Richtung zwei Zitate der Vergessenheit zu entreißen. Beim Buchdruckerstreik 1891 schrieb die„Freisinnige Zettung" unter dem 13. Dezember 1891: „Hiernach kann eS für keinen Unbefangenen mehr ein Zweifel sein, daß es sich bei diesem Streik allgemein darum handelt, die bestehende Gesellschaftsordnung zu vertreten gegenüber einer frechen, sozialde in akratischen Kriegserklärung. Diejenigen Blichdruckerei- besitzer, welche unter solchen Umständen noch die Forderungen der Streikenden bewilligen, machen sich der Begünstigung der Sozialdemo- kratie und der Untergrabung der bestehenden Gesellschaftsordnung schuldig." Am 14. Januar 1893 erklärte- der spätere Minister, da- malige nationalliberale Abgeordnete Möller: „Ueberhaupt sind Streiks dieser Art wie eine Art Geisteskrankheit, eine Epidemie, die über die Menschen fällt, ohne verständliche Gründe." Das Bohren der Großindustrie gegen die Gewcrk- schaften ging unablässig weiter und hatte Erfolg. Im Februar 1889 hatte der deutsche Kaiser geäußert, es sei notivendig,„den Arbeitern die Uebcrzeugung zu schaffen, daß sie ein gleichberechtigter Stand sind und allseitig als solcher anerkannt werden." In den kaiser- lichen Erlassen vom 4. Februar 1390 wurde ausdrücklich be- tont,„daß es eine der Aufgaben der Staatsgewalt ist, die Dauer und die Art der Arbeit so zu regeln, daß die Erhaltung der Gesundheit, die Gebote der Sittlichkeit, die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Arbeiter und ihr Anspruch auf gesetz- liche Gleichberechtigung gewahrt bleibe n." Der Zentralverband deutscher Industrieller tobte gegen Arbeiterschutz und erklärte:„In Wirt- schaftlicher und sozialer Beziehung ist der Arbeiter von der Gleichberechtigung durch unsere bestehende Wirtschafts- und Gefells chafts-Ordnung unbedingt ausge- schlössen." Und die Bestrebungen des Zentral- Verbandes siegten. Am 17. Juni 1897 wurde die bekannte Rede Kaiser Wilhelms IL auf dem Sparrenberge bei Bielefeld gehalten, in der er„rücksichtslose Niederwerfung jedes Umsturzes und die schwerste Strafe dem an- droht, der sich untersteht, einen Nebenmenschen, der arbeiten will, an freiwilliger Arbeit zu hindern." Am 11. Dezember 1897 erließ der Minister v. Posadowstß auf Veranlassung von Großindustriellen ein vertrauliches Schreiben, in dem er die Behörden zu Vorschlägen„gegen den Terrorismus", gegen„Posten- aufstellen",„Arbeitsstätten, Zugänge zu denselben, öffent- liche Straßen und Plätze(Bahnhöfe, Hafenplätze) über- wachen" usw. aufforderte. Am 13. Dezember erklärte derselbe Minister sich unumwunden gegen das KoalitionSrecht.- Er führte wörtlich aus: „Meine Herren, der Abgeordnete Bebel ist dann auch auf das bestehende Koalitionsverbot für Vereinigungen von Arbeitern zu sprechen gekommen. Ich glaube, wenn es in irgend einem Lande weniger nötig ist, solche Arbeiter- koalitionen zuzulassen, soist daS in Deutsch- land. In einem Lande, wo das direkte allgemeine Wahl- recht besteht, werden schon durch die Schwerkraft der Tatsache. datz die Arbeiter die große Masse der Wähler bilden, die Interessen der Arbeiter eine lebhafte und wirksame Unterstützung finden. Infolgedessen ist eine Vertretung der Arbeiter, wie sie in den Koalitionen liegr, bei un« nicht annähernd so notwendig, wie in anderenStaatenmitanderemWahl modus." In derselben Rede führte er aus, daß die Regierungen gegenwärtig den Arbeiterkoaltionen skeptisch gegenüberstehen; dazu trage auch die EntWickelung der Verhältnisse in Eng- land bei. Am 26. Mai 1899 wurde das berüchtigte Züchthaus- gesetz, betitelt„Entwurf eines Gesetzes zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses" vorgelegt. Das Reichsamt des Innern ersuchte den Zentralverband deutscher Industrieller: „Daß die Industrie 12000 Mark zum Zweck der Agitation zum Entwurf zur Verfügung stellen möchte." Das Zuchthaus- gesetz wurde verscharrt. Von nun an wurden andere Wege zur Beseitigung der Ausübung des Koalitionsrechtes eingeschlagen. Während Rechtsprechung und Verwaltung immer mehr die Ausübung des Koalitionsrechtes durch Auslegung von Gesetzen zu ver- hindern suchten, wurde gleichzeitig auf Umwegen, durch die Einzelstaaten, gegen das Koalitionsrecht und seine Aus- dehnung vorgegangen. Der Lübecker Senat erließ am 24. April 1900 eine rechtsungültige Verordnung gegen das Streikpostenstehen. Sie wurde im Reichstage gekennzeichnet und später in dem Strafverfahren gegen den Genossen Molkenbuhr auch vom Reichsgericht als mit der Reichsverfassung unvereinbar erklärt. Trotzdem sind die Einzelstaaten, Preußen voran, mit landesgesetzlichen Polizeiverordnungen gegen die Ausübung des Streikpostenstehens bis in die neueste Zeit hinein vor-- gegangen. Gegenüber den ländlichen Arbeitern versuchte der deutsche Landwirtschaftsrat seit dem Jahre 1894 durch ein Netz cinzelstaatlicher Gesetze die preußischen Ausnahmegesetze gegen ländliche Arbeiter auf ganz Deutschland zu übertragen und die Ausnahmevorschriften noch zu vermehren. Dem ersten nach dieser Richtung erlassenen Gesetze, dem anhaltischen Gesetze vom 16. April 1899, welches den K 0 n t r a k t b r u ch mit Strafe bedroht und ländliche Arbeiter mit Gefängnis bis zu einem Jahre bedroht wissen will, wenn sie durch Ver- abredung der Einstellung der Arbeit bessere Lohn- oder Ar- beitsbcdingungcn zu erringen suchen, stimmte auch ein Frei« sinniger, der anhaltischeAbgeordnete Jrmer, zu. Der geschäftsführende Ausschutz der Frei- sinnigen Volkspartei erklärte unterm 7. Juli 1902, datz das Nürnberger Parteiprogramm das zulasse. Andere Staaten folgten dem anhaltinischen Vorgehen; das im Jahre 1904 für Preußen versuchte Hörigkeitsgesetz scheiterte an dem Widerstande der Arbeiter. Der Kampf gegen die Gewerkschaften seitens der bürgerlichen Parteien hat neue, verstecktere und gehässigere Formen angenommen. Die beiden durch die Auflösung des Reichstages beseitigten Entwürfe, der Entwurf eines Gesetzes über die Hülfskassen und das Anti- gewerkschaftsgesetz, sind direkt gegen die Gewerkschaften ge- richtet. Das Antigewerkschaftsgesetz sollte nach Posadowskys Erklärung, vom 24. Dezember die Grundlage für ein neues Arbeitcrrecht bilden. Behörd- lich genehmigte Arbeitervereine, die tatsächlich als Schutztruppe der Unternehmerklasse fungieren und. die am polizeilichen Halfterband geführt werden, sollten durch dies Gesetz zu offiziellen Vertretern der Arbeiterklasse er- hoben werden I Den Landarbeitern, den Eisenbahnarbeitern, den Staatsbeamten sollte auf immer das Koalitionsrccht, der wesentlichste Teil des Vereinsgesetzes reichsgesetzlich, vor- enthalten werden. Die Aktionsfähigkeit der Gewerkschaften sollte unmöglich gemacht werden. Man täusche sich nicht darüber, daß die bürgerlichen Parteien ein- schließlich des Zentrums der Grundlage dieses Gesetzes z u st i m m e n wollten. Die„Tägl. Rundschau" hat dieser Tage behauptet, derZentrumsabgeordnete Trimborn habe einen Herrn von Schönberg dem Minister von Posado wsky als brauch- baren Arbeiter empfohlen. Herr von Schönberg sei Regierungsrat geworden und werde von seinen Kollegen als der„schwarze Kurier" bezeichnet, der zwischen dem Reichsamt des Innern und dem Zentrum hin und her pendele. Tatsächlich ist die Verbindung zivischen dem Zentrum und dem Rcichsamt des Innern eine sehr enge. Hierbei mag Trimborn glauben zu lenken, tatsächlich wird er durch das vom Zentralvorband deutscher Industrieller beeinflußte Reichsamt selbst geleitet. Daher ist seine Bereitwilligkeit erklärlich, der Grundlage der Anti- gewerkschaftsvorlage zuzustimmen, einer Vorlage, die in so hinterhältiger und ungeheurer Weise gegen das Menschcnrecht der Arbeiter vorgeht, wie kein Gesetz der Welt. Wir wiesen oben auf das Hülfskasscngesetz hin, es sei auch darauf hin- gewiesen, daß in dem ebenfalls unerledigt gebliebenen Gefetze über den Versicherungsvertrag unter ausdrücklicher Zustimmung des Zentrums landcsgesetzliche Vorbehalte für die Versicherungs- gesetzgebung eingeräumt wurden. Der Plan des Zentral- Verbandes deutscher Industrieller, vor- getragen durch die Regierung und unterstützt durch das Zen- trum, ging offensichtlich dahin: nachdem man die Streikbrecher- kolonnen als gesetzliche Vertreter der Arbeiterklasse nominiert hatte, wollte man die ohne polizeiliche Genehmigung erfolgte Unterstützungen von Gewerkschaftsmitgliedern, grab' wie unterm Sozialistengesetz, unmöglich machen und bestrafen. So hoffte man jede Aktionsfähigkeit einer Gewerkschaft lahm- legen zu können 11 Also auch die um Naumann! Und ein solcher Liberalismus. träumt von einer Zukunft! Revolution im Oberharz. Aus dem kurzen, feineswegs vollständigen Ueberblick über| fliegen, daß ihnen das Wiederkommen für alle Zeiten vergeht!" Die| Gerlachschen Drgan ohne irgend einen Zufak geschehen, so daß man die Bestrebungen der bürgerlichen Klassen auf dem Gebiete Arbeiter faßten trogalledem nicht zu, wichen vielmehr auseinander annehmen kann, daß er die Ansicht der hiesigen Nationalsozialen des Koalitionsrechtes geht klar die Feindseligkeit, ja der Haß und nur einige, die direkt mit Namen genannt und aufgefordert follettiv vertritt." der herrschenden Klasse gegen das Koalitionsrecht hervor. Die wurden, unsere Genossen zu verfolgen, gingen, von einem Meister Antigewerkschaftsbewegung muß einen jeden Arbeiter, er stehe angetrieben, ihnen in gemessenen Schritten nach. Werft doch den Lumpen Steine auf den Belz!" schrie der politisch auf welchem Boden es sei, zu der Ueberzeugung ge- Meister, während ein anderer in die Hütte zurück lief und„ beherzte bracht haben, daß die gesamten bürgerlichen Parteien als eine und handfeste Kerle" holte, um sie auf die Wehrlosen zu hezzen. Es reaktionäre Masse dem Menschenrecht der Arbeiter war aber zu spät, denn ehe er mit der Kolonne handfester Kerle" Jm Oberharz, im 13. Hannoverschen Wahlkreise bekommen die entgegenstehen und die höchste nationale angestürmt kam, hatten die Verfolgten bereits den Bahnhof erreicht. Sozialdemokraten keinen Saal und kein Klubzimmer zu VersammDen bürgerlichen Parteien dagegen Ware, die Arbeitskraft, aufs äußerste gesetzlich zu miß-" Wir sind gerettet!" sagten die beiden fast gleichzeitig. Aber was lungen und Besprechungen. handeln bestrebt sind. wird aus unseren Kollegen auf der Wehrdener Chaussee werden, stehen alle Lokalitäten zur Verfügung. Der Druck auf die Wirte geht Auf die gesamten bürgerlichen Parteien paßt das Wort, deren Rüdgang am Hüttentor vorbeiführt und denen sie ebenfalls vom föniglichen Bergamt aus, das überhaupt die beiden Bergstädte auf der Spur sind?" Diese beiden wurden jedoch glücklicherweise Clausthal und Zellerfeld beherrscht. Die Bevölkerung besteht fast das Professor v. Treitschke über das System schmutziger Geld- von einem Hüttenarbeiter über ihre Lage in Kenntnis gesetzt und von nur aus königlichen Beamten und königlichen Bergarbeitern. In gier der französischen Bourgeoisie in der ersten Hälfte des ihm querfeldein durch Wiesen und Felder den Verfolgern entzogen beiden Städten erhielten wir 1903 die Majorität der Stimmen. vorigen Jahrhunderts prägte: und in Sicherheit gebracht. Dem musterhaften Berhalten der Wenn trotzdem kein Saal zur Versammlung für unsere Partei zu Als diese in gehässigen Stlassentämpfen verbildete Bourgeoisie armen Hüttenarbeiter verdanken es unsere Genossen, daß sie Völk- haben ist, kann man sich einen Begriff von dem Einfluß der Bedie Zügel des Staates in die Hände nahm, da begann ein lingen, Röchlings Königreich, mit heilen Knochen verlassen konnten. hörde machen. Regiment ständiger Selbstsucht, das manche Sünde des Aber dafür werden die Arbeiter büßen müssen. Nach dem Bahnhof Die Erbitterung der königlichen Bergleute ist eine maßlose. französischen Sozialismus entschuldigt. Frohlockend nennen fam noch ein Arbeiter zu unseren Genossen und sagte ihnen, daß In dem föniglichen Bergwerk herrscht die längste Arbeitsdie Fabrikanten und Kaufleute in der Kammer sich selber die Hüttenmeister ihnen angekündigt hätten, sie würden es ihnen zeit und die allerniedrigsten Löhne in ganz Deutschland. Feudalherren der neuen Gesellschaft. Für das schon gedenken, daß sie die Zumpen nicht angefaßt hätten. Lohn- Trotzdem bestehen die höchsten Knappschaftskassenbeiträge, aber die Elend des kleinen Mannes hat die Staats- abzug droht also den Sklaven, die sich nicht wie tolle Hunde auf geringsten Renten werden gezahlt. Selbst die vor allen Wahlen gewalt fein Auge. Er muß zusehen, wie ihm die wehrlose Menschen hezen ließen! übliche Lohnerhöhung vermag den Groll der Arbeiter, daß ihr unentbehrlichsten Waren berteuert werden In solcher Weise fämpfen in Saarabien die Handlanger der Kandidat, der Genosse Leinert aus Hannover nicht zu ihnen reden durch Schutzölle, deren Ertrag in die Taschen liberalen Vopelius, Röchling, Tille usw. Unsere Genossen werden konnte, in keiner Weise zu dämpfen. Die Situation drängte unsererder Unternehmer wandert, und wird durch parteiische fich dadurch aber nicht einschüchtern lassen; sie werden zur nächsten seits zur Anwendung eines außergewöhnlichen Mittels. Geseze verhindert, mit vereinten Kräften Flugblattverbreitung anstatt mit vier, gleich mit 30 Genossen die Am Dienstagabend gegen 7 ühr wurden im Oberharz Zettel jetne gerechten Ansprüche auf höheren Lohn Tore dieser Sklavenburg besetzen. verteilt mit der Mitteilung, daß Genosse Leinert von 128 Uhr ab durchzusetzen." Und wenn die Sklavenvögte auch alles aufbieten, sie werden im Lokale„ Glückauf" zu sprechen sei. Gegen 8 Uhr war bereits Am 25. Januar gilt es, mit den Bedrängern des Koalitions- auf die Dauer doch nicht verhindern, daß es licht wird in das Gastzimmer überfüllt. Mann stand an Mann. Der Wirt verrechts gründlich aufzuräumen. Saarabien. weigerte die Deffnung des Saales, weil er feine verbotene VerDa ertönte der Ruf:„ Ins sammlung abhalten lassen wolle. Schüßenhaus!" Die Menge brach auf und in dichtem Schwarm Im zweiten weimarischen Wahlkreise Eisenach Dornbach zogen die Arbeiter ins das Schüßenhaus. Der Wirt konnte die Gäste macht der Antisemit Schack mit seinen Trabanten die größten An- nicht alle unterbringen und mußte den Saal noch als Gastzimmer strengungen, um wieder in die Stichwahl zu gelangen. Mit welchen benutzen. Allmählich füllte sich der geräumige Saal, so daß über Mitteln die Herren arbeiten, das mag ein Vorkommnis in einem 400 Personen anwesend waren. Nun ergriff der Genosse Leinert In der Vorahnung der kommenden Dinge, suchen die liberalen Herr, der sich als Schwager des Herrn Schack ausgab, unserm Genossen erschien. Dorfe zeigen, wo der Antisemit Thomas- Hamburg und ein anderer das Wort. Kaum hatte er seine Rede begonnen, als die Polizei Parteien sich selbst Mut zu machen. Der Selbsttäuschung dient auch ippold entgegentrat. Thomas erzählte den anwesenden Bauern: Drud der Bergbehörde verhindern sollte, durch ihr Massenaufgebot Sie sah, daß hier die Harzer Bergarbeiter das, was der eine Zusammenstellung derjenigen Kreise, in denen wir seit 1903 bei Die sozialdemokratischen Führer trinken nicht nur den besten doch erreicht hatte. Nachwahlen Stimmenverlust zu verzeichnen haben. Das papierne Gesetz war aufgehoben Bei den Nach- Wein, sondern sie baden sich auch in Wein. Darum haben sie gegen die und wahlen ist aber von jeher eine schwächere Wahlbeteiligung zu Schaumweinstener gestimmt. Von unseren Genossen in die Enge unternehmen. Deshalb machte sie auch gar keine Miene, die Verdie Polizei war völlig machtlos, irgend etwas zu fonstatieren. Dazu tam, daß in einigen Streifen lokale Vorgänge getrieben, den Beweis der Wahrheit anzutreten, mußten die sauberen sammlung aufzulösen, sodaß Genosse Leinert ungestört seine Nebe für uns die Wahl ungünstig beeinflußten. Wo solche Momente Herren erklären, daß sie es nur gehört hätten". In einem anderen beenden konnte. nicht mitspielten, haben wir auch bei den Nachwahlen Fortschritte zu Orte erklärte derselbe Thomas, die Sozialdemokraten wollen unseren verzeichnen. Erklärlicherweise werden diese Kreise in der gegnerischen alten Kriegsveteranen teinen Pfennig Pension geben. Am liebsten Aufstellung aber- bergessen. Man will dem Spießer doch die wäre es dem Herrn Singer, wenn die Kriegsveteranen von Haus Flunkerei in dem Gerede vom Rückgang der Sozialdemokratie nicht und Hof gehezt würden. merten Tassen. Die Kreise, in denen wir bei den Nachwahlen Stimmenzuwachs zu verzeichnen haben, sind die folgenden: Hannover. Iserlohn. Wahlkampf. Liberaler Selbstbetrug. Hagen Hofgeismar Kaiserslautern Essen Fürth. Donauwörth • Hauptwahl Stichwahl Zunahme der Stimmen gegen die Wahl im Jahre 1903 2422 401 4755 2428 3655 507 468 5955 8870 538 244 1593 207 768 786 Eisenach In Hofgeismar, Essen, Kaiserslautern und Donauwörth war unser Zuwachs von einem Stimmenrüdgang bei den gegnerischen Parteien begleitet. Der 25. Januar 1907 wird dem Geschwafel von dem Rückgang der Sozialdemokratie für die Gegner ein Ende mit Schreden bereiten. Hüttentyrannei in Saarabien. Aus dem Saarrevier wird uns geschrieben: Antisemitische Lügenperlen. " felben Abend im ganzen Oberharz wie ein Lauffeuer bekannt. Dieser fühne Streich der Sozialdemokratie wurde noch an dem Selbst die 800 Meter tief in der Erde fronenden Bergleute_erfuhren sofort davon und diese Versammlung hat im 13. Hannoverschen Wahlkreise die Situation für die Sozialdemokratie wesentlich verDie Sozialdemokratie hat bekanntlich stets für die bessere Versorgung der Veteranen plädiert und mehrfach die Regierung gebessert. drängt, dafür größere Summen bereitzustellen. Die Regierung und die nationalen" Parteien haben die dahinzielenden Anregungen und Anträge der Sozialdemokratie meist abgelehnt und haben heute noch nicht alle ihre Forderungen für die Veteranen erfüllt. Schadet nichts, die antisemitischen Agitatoren lügen luftig drauf los, zur höheren Ehre der deutschen Nation! Denn in deren Namen führen sie ja den Kampf gegen die vaterlandslose Sozialdemokratie. 21 Proletarische Opferwilligkeit. Die Hafenarbeiter von Stettin beschlossen einstimmig, am 25. Januar von mittags 12 Uhr ab die Arbeit ruhen zu lassen. Im roten Königreich, so wird uns aus Sachsen geschrieben, ist der Wahlkampf aufs Helfe, was helfen mag! heftigste entbrannt, besonders in den Kreisen, wo sich die Gegner noch einige Hoffnungen machen. Das gilt besonders von der OberUngeheuerliche Anstrengungen machen die„ nationalen" Parteien tausit, wo wir zwei Mandate( Bittau Fischer und Löbauim trauten Verein mit dem Reichsverbande, um der Sozialdemo- Sindermann) zu verteidigen haben, während im 3. Wahlkreiſe fratie den 8. hannöv. Wahlkreis( Hannover) zu entreißen. Berge( Bauzen) unsere Genoffen mit Siegeszubersicht zum Sturm auf von Flugblättern, in denen die Sozialdemokratie und die Gewert die antisemitisch- agrarische Feste rüsten, die bisher der Reformer schaften auf das gemeinste verdächtigt und verleumdet werden, sind Gräfe vertreten hat. Unsere Gegner find mit einer noch niemals teils verbreitet, teils harren sie noch der Verbreitung; unter den beobachteten Rührigkeit tätig. Doch ist ihre Angst, auch noch den Vorräten befinden sich drei neue Bilderbogen. Die Gegner bieten Bauzener Wahlkreis zu verlieren, weit größer als ihre Hoffnungen alles auf, um auch den letzten zuverlässigen" Wähler an die Urne auf Sieg in den anderen beiden Bezirken der Lausitz. zu holen. Die nationalliberale Verzweiflung will sogar an den Täglich finden in den drei Laufiger Kreisen eine größere Anzahl Ehrgeiz appellieren. Sie bereitet Briefe vor, in denen es u. a. heißt: Versammlungen statt. Dabei berfahren die Gegner geheimnisvoll; ,, Können Sie sich für keinen der aufgestellten bürgerlichen durch Handzettel, die ganz kurz vorher verteilt werden, fündigen sie Kandidaten entscheiden, so wählen Sie nur irgend eine genau ihre Versammlungen den Bewohnern ländlicher Ortschaften an. zu bezeichnende Persönlichkeit, event. sich selbst. Auf diese Weise wollen sie verhindern, daß unsere Genossen Kenntnis von ihren Krebsereien erhalten. Alles, was ein Jede Wahlenthaltung zählt indirekt für die sozialdemo= fratische Partei, jede gültige Stimme für einen bürgerlichen fahren in der Dunkelheit Bürgermeister, Amtsrichter, Pfarrer, Aus den Städten bißchen reden kann, wird mobil gemacht. Kandidaten gegen dieselbe." Schuldirektoren und Aerzte auf die Dörfer; wie die Diebe in der Nacht Auch dieser Strohhalm wird versagen. schleichen sie hinaus, ängstlich darauf bedacht, daß kein Sozial demotrat etwas davon merkt und ihre Versammlungen stört. Nicht immer gelingt es ihnen, uns zu entrinnen. Erscheinen unsere man, je nach der Situation, entweder an, daß Sozialdemokraten ausgeschlossen sind oder man gewährt ihnen 10 Minuten Redezeit, wenn's nicht anders geht. Ein ,, nationaler Silferuf. Im Inseratenteil der Leipziger Neuesten Nachrichten" findet Genossen, dann in ihren geheimnisvollen Versammlungen, kündigt für Wahlversammlungen Reichstagswahl! Redner Der große Wählerschub in Leipzig, Ausgeschlossen ist es ja nicht, daß vielleicht einige Personen der Wahl wegen verzogen sind, von Hunderten oder gar Tausenden kann aber nicht die Rede sein. Bei der Behörde beabsichtigte man anfangs, nach Erscheinen der Zeitungsnotiz, Recherchen einzuleiten. Man tam jedoch davon ab, weil es jedenfalls zwecklos gewesen wäre, da man bei der Anmeldung von Personen ja nicht nach dem politischen Glaubensbekenntnis fragt." Ob die wahrheitsliebende" Post" und ihre würdigen Geschwister Meldung bringen werden? Am schmutzigsten benimmt sich in diesem Wahlkampfe der Freisinn". Er unterstützt nicht nur Antisemiten und kon fervative Scharfmacher, er ist mit diesen Elementen direkt im Bunde, ja er ist bei seinen Wahlpraktiken unter das Niveau der Konfervativen gesunken. Von allen seinen Wahlversammlungen, die er im ersten Wahlkreise( Zittau) abhält, wo der Freisimmige" Buddeberg ordnungsparteilicher Mischmaschkandidat ist, schließt er Sozialdemokraten aus. Nur nationalgesinnte Wähler werden eingeladen, nur solche bekommen das Wort in der Aussprache", diese feige lucht des Freisinns vor der Sozialdemokratie dient natürlich nicht dazu, das Ansehen dieser Jämmerlinge vor den Wählern zu erhöhen. Bis jetzt hat nur noch der Antisemit Gräfe diesen Grad politischer Verkommenheit erreicht. Der nationalliberale Bankdirektor Dr. Weber( Kreis Löbau) gewährt noch eine beschränkte Redefreiheit, die unsere Genossen ausnutzen, die phantastische Kolonialschwärmerei dieses Herrn zu beleuchten. Dabei haben die Nationalliberalen bisher sehr schlecht abgeschnitten. Dafür rächte sich der Ordnungsmischmasch in Löbau, daß er alle Stinkblasen aus dem Reichsverbandsbuche herauslas und sie, in Flugblättern zusammengestellt, gegen die Sozialdemokratie losläßt. Damit zeigen die Herren mehr ihre eigene Geistesarmut, als sie uns schaden. Am Montagabend nahmen unsere Genossen von Saarbrücken aus die erste Flugblattverbreitung an den Ausgängen der Röchlingschen Guzstahlfabrik zu Völklingen vor. Am Hauptausgang des alten Gußstahlwerkes in der Wilhelmstraße standen vier Mann, zwei ungefähr 500 Meter vom Eingang nach Wehrden zu, die anderen 3tvei etwa 20 Schritte vom Torausgang nach der Stadt. Eine Viertelstunde blieben unsere Genossen unbelästigt und die Flugblätter fanden freudige Abnahme. Mehrfach tamen Arbeiter, die sich an der nächsten Laterne von der Parteirichtung des Flugblattes überzeugt hatten, zurück und baten um mehr für ihre Freunde. Schon hatte der Hauptstrom das Hüttentor verlassen, als plöglich vier Hüttenaufseher auf die Landstraße stürmten und den Arbeitern die Annahme der sich folgende stimmungsvolle Annonce: Blätter verboten. ,, Kein Hüttenarbeiter darf ein solches Blatt annehmen und wer schon eins hat, schmeiße es sofort in den Dreck und trete mit Füßen darauf!" Die Arbeiter waren über dieses Anfinnen sehr erstaunt und einer der bereits ein Blatt in der Hand hatte, gegen Sozialdemokraten fagte: Erst will ich doch das Blatt lesen, dann gesucht. Offerten unter M. 22 Grp. d. Bl. Peterssteinweg 19 erb. werde ich es fortwerfen"." Willst Du es sofort hinwerfen?!" Also die große nationale" Begeisterung für die„ nationale" schrie ihn der Aufseher an und als der Arbeiter noch immer das Blatt feft- Ehre ist nicht einmal groß genug, dem Ordnungsmischmasch freihielt, riß der Hüttenvogt es ihm aus der Hand, knitterte es zusammen willige Kämpfer zuzuführen. Er muß Mietlinge auf Stundenlohn, und schleuderte es dem Manne ins Gesicht mit der Bemerkung: Achtgroschenjungen suchen! Unser Beileid. ,, Lausbub, dreckiger! Das werde ich Dir schon gedenken!" Ein anderer Arbeiter wurde gezwungen, das empfangene Flugblatt in den Dreck zu werfen und darauf zu treten. Während er dies tat, davon die„ nationale" Presse gar sittlich entrüstet zu fabulieren hielt er die Hand auf den Rücken, um heimlich ein neues zu bewußte, erweist sich als ein großer Schwindel. Die Leipziger kommen; aber das wurde von einem Antreiber bemerkt, er Abendzeitung", ein bürgerliches Blatt, mußte berichten: schnauzte den Arbeiter gehörig an und notierte ihn dann noch auf! Dabei wußten die Leute nicht, ob es sich um Zentrums- oder sozialdemokratische Flugblätter handelte. Genosse Leimpeters trat ant den kommandierenden Hüttenvertreter heran und fragte ihn, mit welchem Recht er den Leuten die Annahme der Flugblätter verbiete? Die Arbeiter hätten das Recht, die Blätter anzunehmen, sie seien Bürger eines freien Rechtsstaates und nicht die Sklaven der Völklinger Hütte. Diese Worte blieben auf die Arbeiter nicht ohne Eindruck und wieder streckten mehrere es mochten sich an 30 bis 40 Mann angesammelt haben die Hände nach der verbotenen Nicht minder heftig wie in der Lausitz ist der Wahlkampf im Frucht aus und unsere Genossen wollten von neuem mit dem Ver- Aus Marburg wird uns gemeldet:" In einer von national- neunten Kreise( Freiberg) entbrannt, Genoffe Schulze, teilen beginnen. Nun wurden die Hüttenmeister rabiat und einer von liberaler Seite einberufenen großen Wählerversammlung, in der der unser Kandidat, sucht seinen Gegner in seinen Versammlungen auf, ihnen rief mit Stentorstimme:„ Ein Hüttenarbeiter, der es wagt, noch ein offizielle Redner des Abends, Professor Heymann, den Zolltarif als soweit er dazu Zeit und Gelegenheit hat. Es kam dabei schon folches Dreckblatt anzufassen, soll sehen, was ihm passiert! Hier die größte Ruhmestat in der Geschichte der natio zu heftigen Zusammenstößen. Mehrmals ist bei solchen Gelegenbefehlen wir und nicht der rote Lump mit seiner großen Schnauze! nalliberalen Partei" bezeichnete, wurde von nationalliberaler heiten der konservative Amtsrichter Dr. Wagner, der Mischmasch= Wir geben Euch Lohn und Brot, diese Lumpen geben Euch nichts!" Seite den in großer Anzahl anwesenden Nationalsozialen, Genosse Schulze fürzlich in einer Versammlung zu Dederan den Unsere Genossen wandten ein, daß die Arbeiter für den Lohn den fie erhielten, schwer schaffen müßten, das sei durchaus kein Geschenk. die sich bekanntlich im Besitz des Mandats befinden( v. Gerlach) ihre Herren fragte, ob er für ein neues Sozialistengesetz und eine Darauf ein anderer Hüttenauffeher:„ Ein paar handfefte Kerle Sozialisten freundlichkeit vorgeworfen. In der Diskussion Wahlentrechtung zu haben sei, antwortete dieser mit einem vielher! Gebt den roten Lumpen einen Schub, daß sie in den Dreck ergriff zur Verteidigung gegen diesen Vorwurf der Pfarrer Professor fagenden Schweigen. Es wird dadurch offenbar, daß dieser Amtsfliegen! Schlagt doch die Hunde nieder!" Ein großer Hüttenarbeiter Dr. Rade, der bekannte Herausgeber der„ Christlichen Welt" das richter ein gelehriger Schüler Dertels ist, der allerdings bisher die trat vor und rief: Rein Hüttenarbeiter nehme jezt mehr ein Wort und erklärte wie von Ohrenzeugen festgestellt und am schlimmsten seiner reaktionären Hintergedanken versteckt hat, bis er Blatt an, nachdem unsere Herren Meister so nächsten Tage auch in dem Versammlungsbericht des Organs der von uns entlarbt wurde. sehr dagegen sind." Die Situation wurde bedenklich, denn Nationalsozialen, dem Herrn v. Gerlach gehörigen Blatt Hessische Die Ordnungsflique gibt sich ja allerwärts die größte Mühe, Menge immer mehr anwuchs und die beiden Genossen eingeschlossen Landeszeitung" zu lesen stand, wenn Herrn v. Gerlach und Situation ist ihr indes sehr ungünstig. Die sächsische Wahlrechtsdie Schmach von 1903" im roten Königreiche zu tilgen. Die hatte. Genosse Leimpeters erklärte den Arbeitern:„ Wir sind Arbeiter feiner Partei der Vorwurf einer zu großen Freundlichkeit schmach wirkt noch ungemindert. Mit dem Schandmal der Volkswie hr, haben Euch nichts getan, Euch nicht belästigt, auch Euren gegen die Sozialdemokratie gemacht werde, werde, so sei er, entrechtung behaftet, buhlen die fächsischen Reaktionäre jegt um Meistern haben wir nichts getan, aber dennoch werdet Ihr jetzt auf- Rade, fogar ein so großer Gegner der Sozialdemokratie, die Stimmen des entrechteten Voltes, das die Gelegenheit herbeigefordert, uns durchzuprügeln, in den Dred zu werfen, mit Füßen daß er bei einer etwaigen Stichwahl zwischen sehnt, ihnen wieder einen Denkzettel mit dem Stimmzettel geben zu treten. Wenn Ihr mun glaubt, daß wir das verdient hätten und dem Sozialdemokraten und Herrn Siebert zu können. Dazu kommen die Haltung der Landtagsmehrheit und Ihr Eure Lage damit verbessern könnt, dann schlagt uns nieder; wir( dem rechtsnational liberalen Kandidaten) seine der Regierung zum Fleischwucher und viele andere Sünden. Es find gegen Euch machtlos, werden uns nicht einmal wehren, andernfalls Stimme Herrn Siebert geben würde". Dieser für die fennzeichnet nur die Verlegenheit der Gegner, wenn ihnen laßt uns gehen!" Die Arbeiter wichen sofort auseinander, ließen die Nationalsozialen überaus bezeichnende Ausspruch ist deshalb noch volle Ankündigung der Wahlrechtsreform beizuspringen sucht. jezt die Regierung durch die bekannte und Genossen aus dem Kreis heraus und als die Hüttenvögte dieses sahen, schrie einer vor Wut fast rasend: Ist denn nicht ein beherzter bemerkenswerter, als Rade nicht nur einer der anerkanntesten Führer Benn die Regierung ihre Wahlrechtsvorlage beschnuigt, Kerl unter Euch, der den Mut hat, zuzufaffen? Ihr feigen Hunde! des hiesigen Nationalsozialismus, sondern auch persönlich in nächster indem sie sie zur Wahlrechtsmache für Wahlrechts Die roten Lumpen lachen Euch nachher nur noch aus! Schlagt die Fühlung mit Naumann steht( er ist sein Schwager, hat deffen Schwester räuber benutzt, muß dadurch das Mißtrauen der Wäbler auch Hunde doch nieder! Tretet sie in den A..., daß sie in den Dreck geheiratet). Auch ist die Wiedergabe dieses Standpunktes im gegen die Regierung geweckt merden, die Hüttenmeister drohten handgreiflich zu werden, während die " die Die eine reaktionäre Masse. Als # Höchst interessant ist die Tatsache, daß sich bei dem diesmaligen rade in dem wichtigsten Punkte antinational, national- sendungen, die aus Anlaß des Aufrufes uns zuflatterten, hätte Wahlkampfe alle Hauptmacher der agrarisch- antisemitschen Kliquen, feindlich. Ebenso ist es eine Forderung wirklich nationaler genügt, um drei solche Prozesse damit führen die im Landtage und in der konservativen Partei den Ton angeben, Politik, die Nation im Mutterlande selbst festzuhalten. Die Ent- zu können. Mit Seelenruhe sah daher unser Verantwort völlig im Hintergrunde bleiben. Mehnert, Opitz, Andra und alle anderen find jetzt wie vom Erdboden verschwunden. Scheidung über die Geschicke Deutschlands, einer Landmacht, kann licher der Entwickelung der Dinge entgegen. Aber die Dinge wollten und wollten sich nicht entwickeln. Die Herren wissen, warum sie jetzt in die Mauselöcher verschwinden. nur in Europa selbst fallen. Jene„ Patrioten", die stets von den Sie werden sich aber täuschen, wenn sie glauben, ihre unbekannten Gefahren sprechen, die Deutschland angeblich von allen Seiten be- Die Lösung wurde unserem Genossen Weber flar, als er Helfer bei der Neichstagswahl mit Erfolg für sich frebsen zu lassen. drohen sollen, denen nie genug gerüstet wird, sie müßten alles ver- vor einigen Tagen folgendes Schreiben erhielt: Das sächsische Volt sieht scharf zu. Und reden die Herren noch so meiden, was die deutsche Volkszahl vermindert. Neben dem vollDer Erste Staatsanwalt schön, man sagt ihnen: Du sprichst wie ein Wahlrechtsräuber. ständigen Stillstand der Sozialpolitik bedroht in erster Linie die bei dem Königl. Landgericht I Berlin 32. I. 471 06./17. deutsche Handelspolitik das Anwachsen der Bevölkerung und ihr Festhalten in Deutschland. Die deutsche Handelspolitik vermindert die Exportmöglichkeit der Industrie, verlangsamt ihr Wachstum in Deutschland und schränkt damit in der kapitalistischen Gesellschaft die Lebensmöglichkeiten des Proletariats in Deutschland ein. Herzogtum Lauenburg. Berlin, den 11. Januar 1907. Im 10. schleswig- Holsteinischen Wahlkreise( Kreis Herzogtum Das gegen Sie eingeleitete Verfahren wegen Beleidigung, Lauenburg), der 1903 von uns in der Stichwahl gegen die Konserbativen erobert wurde, kandidieren außer dem Genossen Lesche der begangen durch den Abdruck des der„ Augsburger Abendzeitung" Antisemit Landwirt Julius Müller und der entschieden" Liberale entnommenen Artikels unter„ Politische Uebersicht" im Hauptblatt S. Hedscher- Hamburg. Da die beiden bürgerlichen Parteien mit Wird das Wachstum der deutschen Industrie nicht künstlich ge- der Nr. 141 des Vorwärts" vom 21. Juni 1906 ist eingestellt. einer Stichwahl rechnen und jede von ihnen hofft, mit dem Sozial- Hemmit, dann reicht es vollkommen aus, um die zuschüssige BeIsenbiel, demokraten in die Stichwahl zu kommen, hat sich in den letzten völkerung aufzunehmen, allerdings innerhalb der Grenzen der Oberstaatsanwalt. Tagen ein Komitee für bürgerliche Wahlen" gebildet, dessen Devise tapitalistischen Wirtschaftsordnung, die stets eine industrielle lautet:„ Ob Jud', ob Christ, wenn er nur ordnungspolitisch ge= Unseren Lesern aber, die über das nüchterne Schreiben sonnen ist". Brüderlich vereint sizen in diesem Komitee Liberale", Reservearmee in einem gewissen Umfange für die wechselnden des Oberstaatsanwalts hinaus auch Gründe für die EinBauernbündler, Antisemiten usw. Es will, wie es in dem Aufrufe Verwertungsbedürfnisse des Kapitals bereit halten muß. Aber stellung des Strafverfahrens hören möchten, wollen wir ein heißt, dahin wirken, daß alle Wahlberechtigten ihre Wahlpflicht in innerhalb dieser Grenzen ist es ganz falsch, daß in uns gleichzeitig mit den Briefen von Schuttrupplern zubürgerlichem Sinne ausüben und entweder in der Hauptwahl für Deutschland irgend ein größerer Ueberschuß an Bevölkerung geflattertes Schreiben nicht vorenthalten. Vielleicht bietet es Müller oder Dr. Heckscher stimmen. Nach einem vornehmen Kampf vorhanden wäre, der alljährlich auswandern müßte. fönnen und werden sich die Gegner die Hand reichen und mit ver- mehr ist die deutsche Auswanderung ständig zurückgegangen. unterschätzendes Material in Punkto" Rechtspflege". Biel- auch unseren Genossen bei der Wahlagitation ein nicht zu einten Kräften in der Stichwahl die rote Fahne ein für allemal zur Seit dem Jahre 1881, wo sie die Zahl 120 089 oder 2,11 pro Ehre unseres lieben Herzogtums herunterreißen." Recht„ bornehm" ist dieser Kampf am Mittwochabend in Wohltorf im Sachsenwalde Tausend der Bevölkerung erreichte, ist sie stetig und rasch gefallen, geführt worden, wo die Antisemiten und Landbündler fortgesezt sie betrug 1905 nur 28 075 oder 0,47 Tausendstel der Bevölkerung, unseren Genossen Rosbitti durch pöbelhafte Zurufe unterbrachen also eine verschwindende Ziffer. Dieser Auswanderung gegenüber und auch Dr. Heckscher und den diesem Sukkurs leistenden Pastor steht eine viel größere Einwanderung ausländischer Arbeiter, Kießling- Hamburg anrüpelten, so daß beide Herren erklärten, den die von den patriotischen Kapitalisten zu dem Zived herangezogen Vorteil aus diesem Treiben würden nur die Sozialdemokraten werden, um die Lohnansprüche der deutschen Arbeiter nicht behaben. Von Herrn Dr. Heckscher verlangten die Radaubrüder zu wissen, wie er sich zu der Stichwahlparole stelle. Der Interpellierte, friedigen zu müssen von denselben Patrioten, die fortwährend den die Bundesbrüderschaft sehr peinlich berührte und der die anti- über angeblichen Arbeitermangel, d. H. über Mangel an genügend semitische Wahrheitsliebe an einem frassen Beispiele beleuchtete, bedürfnislosen Arbeitern jammern und damit drohen, deutsche lehnte es ab, sich hierzu vor der Hauptwahl zu Arbeiter durch chinesische Kulis zu ersetzen. äußern. Und nach der Hauptwahl? Sollte es dann wohl heißen: In den Armen liegen sich beide und weinen vor Schmerz und Freude? SO 募 den paar Landgesellschaften mit ihren paar Tausend Mark wirklich eingezahlten Kapitals, weigert sich das deutsche Kapital standhaft, sich in den Kolonien zu„ verwerten". Es weiß warum und überläßt es der Regierung, die werbenden" Anlagen zu machen. ,, Deutsches Kapital geht zwar ins Ausland, doch nicht in die deutschen Kolonien, sondern nach Mittel- und Südamerika, nach Kleinasien, nach Britisch- Südafrika, in andere europäische Länder überallhin, nur nicht in deutsche Kolonien. Das Schreiben lautet: 32. J. 471 06. Berlin, 8. November 1906. In der Anlage beehre ich mich Reinschrift der Anklage, die ich der Straffammer einzureichen gewillt bin, zur gefälligen Kenntnisnahme zu übersenden. Für den Ausgang des Verfahrens glaube ich nicht einstehen zu können, auf eine Freiheitsstrafe ist kaum zu rechnen, vielmehr wird die Straffammer voraussichtlich auf eine Geldstrafe erkennen. Es handelt sich im vorliegenden Falle nicht um vom Vorwärts" hämisch dargestellte und entstellte Vorkommnisse oder um selbständige gehässige Urteile, sondern um die wörtliche Wiedergabe eines Artikels der„ Augsburger Abendzeitung", einer den Ordnungsparteien zugehörigen Zeitung. Da RUN gegen die Quelle des ,, Borwärts" selbst aus den in dem Schreiben der Staatsanwaltschaft in Augsburg vom 19. und 22. September erörterten Gründen nicht vorgegangen werden wird und diese Tatsache der Verteidigung des Redakteurs des„ Bortvärts" nicht unbekannt bleiben kann, wird diese Tatsache allein schon zu scharfen Erörterungen führen. Es ist ferner mit Sicherheit zu erwarten, daß der ,, Vorwärts" mit Hülfe der Parteipresse unzufriedene Elemente aus den entlassenen Afrikakriegern ermitteln und als Zeugen zur Führung des Wahrheitsbeweises, der gar nicht abzuschneiden ist, stellen wird. Die von den Zeugen geschilderten Einzelheiten würden kaum durch den mir gütigst benannten Sachverständigen zu widerlegen sein. " Die Beweisaufnahme wird daher bei der Allgemeinheit der beleidigenden Behauptung( die alten Mannschaften werden schlechter als die Schwarzen behandelt) vom„ Vorwärts" mit Leichtigkeit verschleppt werden können. Der Vorwärts" hätte somit gegen Zahlung einer geringen Geldstrafe die ihm äußerst willkommene Gelegenheit, sich als Schuhpatron der Manuschaft aufspielen zu können und in der Presse selbst die Beweisergebnisse für seine Zwecke auszuschlachten. Nicht besser steht es mit dem anderen Grund, der für die Kolonialpolitik angeführt wird, mit der Notwendigkeit des Kapitalexports. Auch hier ist der Betrag, der exportiert wird( genaue Der Wahlkampf in der Provinz Brandenburg. Zahlen können leider nicht angegeben werden), gering im Verhältnis zu den Kapitalien, die alljährlich im Inlande neu angelegt In Potsdam sprach am Dienstag vor überfüllter, polizeilich werden. Aber auch hier wird fortwährend von denselben Leuten, abgesperrter Versammlung Genosse Singer unter begeisterndem die die Kolonialpolitik befürworten, die Klage erhoben, daß in Beifall. Ein sich zur Diskussion meldender„ Herr Assessor", welcher Und in der sich durch politische Unwissenheit und Dreistigkeit auszeichnete und Deutschland Kapitalmangel herrsche. durch seine Unwahrheiten und persönlichen Gehässigkeiten sich als Send- Tat, die deutsche Volkswirtschaft ist auch heute noch bis zu ling des Reichsverbandes verriet, erhielt eine so derbe Abfuhr, daß einem gewissen Grade auf den Zuschuß fremden er sich wohl in Zukunft seinen Gegner etwas genauer ansehen wird, Kapitals angewiesen. Ebenso wie die deutschen bevor er den Angriff wagt. Die Gegner hätten an diesem Abend Auswanderer flieht auch das auswandernde Kapital die lernen können, was unbeschränkte Redezeit heißt, die man bei deutschen Kolonien. Außer ihnen so sehr vermißt. Aus dem Wahlkreis Kalau- Luckau wird uns geschrieben: Mit einem Kaiserhoch eröffnet und mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen, dieses immerhin originelle Schicksal war einer Versammlung beschieden, die vom Ortspfarrer Becker in Schönborn einberufen war. Sie begann damit, daß der Herr Pastor die anwesenden Sozialdemokraten von Kirchhain aus dem Saal wies, wobei er mit dem Hausrecht drohte. Dann begann der Herr seine Belehrung mit den Worten, die Sozialdemokraten seien Lumpengesindel und Mörder, weil sie den Doch der Kapitalerport ist überhaupt kein Vorteil für die Kaiser töten wollten. In diesem Tone ging es weiter. Als Arbeiterklasse des betreffenden Landes. Neue Kapitalanlage, er seinen Sermon geendet, ergriff er feinen Spazierſtock, und schlug den Takt zu dem Liede:" Deutschland, Deutschland über das bedeutet unter sonst gleichen Umständen: neue Verminderung alles", das von einigen der Anwesenden mitgesungen wurde. Sichtlich Nachfrage nach Arbeitskräften, befriedigt von dieser großartigen Demonstration, wurde dann kurzer der Arbeitslosigkeit, Steigen des Lohnes. Das Hand die Versammlung geschlossen, Hiergegen erhob der zufällig Kapital wird exportiert, nicht weil keine Anlagemöglichkeit im Inanwesende Genosse Schulze Dresden, ein Schönborner Kind, lande überhaupt mehr zu finden wäre, sondern weil die Anlage im energischen Einspruch. Als der Herr Ortspfarrer darauf nicht Ausland zu einer höheren Profitrate erfolgen kann als daheim. reagierte, wandte er sich an die Versammelten mit der Frage, ob Der Kapitalerport verhindert deswegen das Steigen des Lohnes im stehendes Schreiben. fie eine Diskussion wünschten. Mit großer Mehrheit wurde dies bejaht. Nun zerpflückte Genoffe Schulze das Lügengespinnst des Herrn Inlande, das Sinken des Profites infolge der Lohnsteigerung. Er Seelsorgers und fragte ihn, ob er die Wohnung eines Arbeiters schon ist unmittelbar ein Nachteil für die Arbeiterklasse. Er bedeutet für einmal gesehen habe. Zahlenmäßig wies er nach, wer die Staats- fie, daß der Lohn und die Arbeitsgelegenheit Lasten zu tragen habe. Dann forderte er die Anwesenden auf, im selben Maße vermindert wird, in dem das fozialdemokratisch zu wählen. Unter nicht endenwollendem Beifall se a pital auswandert. schloß der Redner seine Ausführungen, und ein donnerndes Hoch Die offiziöse Nordd. Allg. 8tg." macht geradezu verauf Schubert wurde ausgebracht. Das Haupt auf beide Arme ge- Kolonialpolitik; es gilt aber in erhöhtem Maße für die deutsche zweifelte Anstrengungen, um die Tatsache aus der Welt hinwegstügt, saß der streitbare Gottesmann da, unfähig auch nur ein Wort zu dem nicht erwarteten Erfolg zu sagen. In Senftenberg Kolonialpolitik. Die deutschen Kolonien sind in jeder zudisputieren, daß der Reichstag von der Regierung über die wirkfelbst fand am Sonntag gleichfalls eine Versammlung statt, die Beziehung bedeutungslos und wertlos für die liche Lage in Südwestafrika vor und am 13. Dezember getäuscht, erste, die den Arbeitern überhaupt möglich war. deutsche Volkswirtschaft. Sie sind für Deutschland keine das Volk also genasführt worden ist. Aber das offiziöse Drgan ist Quelle der Bereicherung, wie etwa Indien für die englische nachgerade derart in die Enge getrieben, daß es zu den d ümmst en Bourgeoisie, sondern ein Schwamm, der einen immer größeren An- Ausreden seine Zuflucht nimmt, die seine Position nur noch verteil der Steuergelder des deutschen Voltes aufiaugt. Sie sind ferner schlechtern. ein Vorwand, die unerträglichen Lasten der Rüstung zu Lande und zur See zu vermehren. Genosse Schubert referierte unter lautem Beifall der großen Mehrheit der an 700 Anwesenden, die den Saal bis zum letzten Stehplatz füllten, während draußen noch Hunderte standen, die feinen Einlaß gefunden hatten. Am Sonnabend hörten aber 1600 Personen im Bittoria- Hotel" zu Finsterwalde einen Vortrag des Genoffen Maurenbrecher. In Betschau sprach am Sonntag im " Schüßenhause" in starkbesuchter Versammlung Genoffe Blod. " Faliche weltpolitische Argumente. Alles dies gilt selbst, tapitalistisch betrachtet, für eine vernünftige opfervollen Politik mit ganzer Straft entgegengetreten ist, sie wird Die deutsche Arbeiterklasse, die von Anfang an dieser sinnlosen, ihren Protest am 25. Januar mit verstärkter Wucht erneuern, Unter diesen Umständen stelle ich vor Absendung der Anklage nochmals Erwägung ehrerbietigst anheim. gez. Isenbiel. Fürwahr, treffender kann die Objektivität der deutschen Rechtspflege wohl nicht charakterisiert werden als durch vorPolitifche Uebersicht. Berlin, den 17. Januar 1907. Der genasführte Reichstag. " Die„ Nordd. Allg. 3tg.". hatte in ihrer letzten Entgegnung erflärt, die Regierung habe allerdings davon gewußt, daß bereits schwebten, aber dem Reichstag sei hiervon auch Kenntnis ge seit Ende Oktober Friedensverhandlungen mit den Hottentotten geben worden. Wir richteten daraufhin an das offiziöse Organ die Höfliche Bitte, uns doch gefälligst zu verraten, wann diese Kenntnisgabe erfolgt sei. Daraufhin weiß die„ Nordd. Allg. Die objektivite Behörde der Welt. 3g" nichts zu erwidern als das Folgende: wieder." " Das eine ist sicher, wer von Südwestafrika heimtommt, der tommt als Sozialdemokrat Der Schreiber des Artikels in der Augsburger Abendzeitung", einem liberalen Organ, hatte diesem Briefe hinzugefügt: " " In der Sitzung der Budgetkommission bom 6. Dezember hat der Oberstleutnant Dua de ausdrücklich darauf hingewiesen, daß eine baldige Niederwerfung des Aufstandes zu erhoffen" fei, und hinzugefügt, daß nach ihm zugegangenen Nachrichten Oberst v. Deimling an dieser Hoffnung im gegenwärtigen Moment besonders festhalte". Zwei Gründe sind es, die hauptsächlich für die deutsche Weltpolitik ins Treffen geführt werden. Das starke Wachsen der BeIn unserer Nummer 141 vom 21. Juni v. J. brachten völkerung einerseits, die starke Zunahme des Kapitals andererseits. Beides erfordere, heißt es, die Erwerbung von Kolonien, die dem wir unter dem Titel„ Die Zustände im südwestafrikanischen deutschen Auswanderer Schutz, dem deutschen Kapital sichere Anlage- Expeditionsforps" eine Notiz, in der wir auf Grund von möglichkeit gewähren. Beides liege im Interesse auch der deutschen Briefen von Mitgliedern des Expeditionskorps die Behandlung Arbeiter. Wenn sie auswanderten, blieben sie unter deutschem Recht, der Mannschaften durch ihre Vorgesetzten beleuchteten. Unter und die Gelegenheit zu vorteilhafter Anlage gäbe dem deutschen anderem waren aus der„ Augsburger Abendzeitung" einige Kapital die Möglichkeit, mehr deutsche Arbeiter auszubeuten, dort veröffentlichte Briefe wörtlich abgedruckt, von denen der oder wie man so schön sagt: zu beschäftigen". Nur schade, daß das letzte schließt: Letzte Argument, das auch Herr Dernburg jüngst seinem ProfessorenKollegium borsette, schon längst als alter Schwindel allen Arbeitern bekannt ist. Sie wissen, daß das Kapital nicht verloren geht, auch wenn es zu anderen als zu unproduktiven Arbeiten für die kolonialen Sandwüsten verwendet wird; sie wissen, daß das Kapital, ohne in Koloniale Anlagen gesteckt zu werden, auch dann seine Funktion, Arbeit auszubeuten, erfüllen würde, und sie bedanken sich zu dem mit aller Entschiedenheit dafür, das Kapital, das sie ausbeuten soll, sich zum allergrößten In Anbetracht der besonderen Aufmerksamkeit, deren sich vorstehenden Abschluß eines Friedens mit feiner Silbe die Nede war. Teil auf dem Wege der indiretten Besteuerung der Vorwärts" seitens der„ objektivsten Behörde der Welt", Oberstleutnant uhl malte im Gegenteil die Dinge noch Gran in aus ihren eigenen Taschen herausholen zu lassen. der Staatsanwaltschaft, erfreut, erhielt unser Verantwortlicher, Grauer ließ fogar den Bandenführer Morris noch fortgesetzt Ganz abgesehen hiervon, sind überdies die beiden Hauptgründe, Genosse Weber, eine Einladung zum Untersuchungsrichter, Bieh rauben, um zu betonen, daß der Feind bis zur völligen bie für die deutsche Weltpolitik angeführt werden, bei näherer Be- der ihm mitteilte, daß die königl. Staatsanwaltschaft auf Erschöpfung verfolgt werden müßte. 7000 Mann feien selbst trachtung absolut nicht stichhaltig. Richtig ist die Tatsache des Ersuchen des Oberkommandos der Schutz- dann noch nötig, wenn die Bahn von Kubub bis Keetmanshoop fertigstarken Anwachsens der deutschen Bevölkerung und dieses Wachstum truppen Strafantrag wegen Beleidigung gestellt ſei! ist zugleich auch eine Quelle der steigenden Macht und Größe gestellt habe. Ganz erstaunt wies der Sünder darauf Aber weiter. Wir stellten wiederholt fest, daß Oberst Quade Deutschlands, eine wichtige Bedingung des Auf hin, daß er es eigentlich nicht verstehe, warum das Ober- noch am 13. Dezember im Reichstage. erklärt hat, daß die Zahl der schwunges der deutschen Volkswirtschaft. Dieses kommando der Schußtruppen ihn anflage. Es sei doch nicht im Felde stehenden Hottentotten gerade jetzt noch auf 5-600 Mann Wachstum zu befördern, aber auch die wachsende Bevölkerung in gut anzunehmen, daß bürgerliche, regierungsfreundliche Preß geschätzt werde! Deutschland selbst zu erhalten, ist die wichtigste Aufgabe organe die Unwahrheit schrieben; wenn aber angeklagt werden einer wahrhaft nationalen Politit. Für diese müsse, folle der Staatsanwalt sich nur an die Adresse der Politik haben jedoch die nationalen" Parteien nie etwas Augsburger Abendzeitung" wenden. übrig gehabt. Die noch immer erschreckend hohe Kinder- Aber was nüßen manchmal die treffendsten Argumente? Sterblichkeit ein Drittel der unehelich, fast ein Fünftel Wir erließen daher Ende vorigen Jahres einen Aufruf in der ehelich geborenen Kinder sterben im ersten Lebensjahre der Parteipresse, in dem wir um Ueberlassung von Briefen läßt sie gleichgültig und der ausgiebige Schutz der arbeitenden von Schußtrupplern ersuchten, die für den in Aussicht stehenden Franen stößt auf ihren heftigsten Widerstand. Ihre Politit ist ge- Prozeß Verwenduno finden könnten. Die Fülle der EinDas ist alles! Wo ist die geringste Andeutung von den bekannten Friedensverhandlungen, die bereits seit sechs Wochen schwebten, deren letter formaler Abschluß unmittelbar bevorstand! Warum hat Herr Duade nicht wenigstens sekret der Kommission die ihm bekannten Tatsachen mitgeteilt?! Weil das Parlament getäuscht werden sollte! Eine Absicht, die, wie wir aus den Reden der Herren Arendt und Schrader vom 13. Dezember nachwiesen, auch vollkommen erreicht wurde! Zu allem Ueberfluß aber hielt neben Herrn Quade auch der " Ich wiederhole, der Mann ist ein Soldat von Oberstleutnant Kuhl als Beauftragter der Regierung in der tadelloser Führung und aus einer Familie, Budgetkommission am 6. Dezember eine Rede, in der von dem beaus der keine Sozialdemokraten fom men." " Und was bringt die Nordd. Allg. 3tg." gegen diese den ganzen offiziöfen Schwindel glatt niederschmetternde Tatsache vor? Sie schreibt: „ Diese Angaben beruhen selbstverständlich auf den Be⚫ richten aus dem Schuhgebiet, aber gerade diese be stätigen auch die Ausführungen des Oberstleutnants Quade, daß die Zahl der im Felde stehenden Hottentotten infolge der fortwährenden Zugänge stets als schwankend anzusehen ist. So meldet beispielsweise Oberst v. Deinling am 6. Oftober: .Banden in KaraSvergen und östlich durch Zuzug vom Orangefluß her und Anschluß ehemaliger M o re n g a len te angewachsen"; und am 17. Oltober:„Auf- stand geschürt durch Bondelzwarts in Kapkolonie infolge dauernden Verkehrs über Orangefluß."... Vielleicht nimmt der„Vorwärts" auch Notiz von den in den„Hamburger Nachrichten" unter dem 12. Januar dieses Jahres veröffentlichten Prtvatbriefen aus Warmbad. Ein vom 20. November datierter Brief sagt dort:„Es sollen übrigens noch 600 Hottentotten im Felde stehen I" Das ist denn doch geradezu eine offiziöse Bankrotterklärung! Unsere auf die Briefe der Schutztrnppenmannschaften sich stützenden Enthüllungen besagten, daß die Hottentotten sich Ende Oktober gestellt hätten. Damit stimmt auch das neuerliche offiziöse Ge- ständnis überein. Und um die Unterschlagung dieser Tatsache dreht sich der ganze Streit. Und nun wagt die„Nordd.«llg. Ztg." sich ans Meldungen des Oberst Deimling zu berufen, die vor der Stellung der Hottentotten, vor der Eröffnung der Friedens- Unterhandlungen eingegangen waren I Man sieht, bisher wußte die Welt wirklich noch nicht, mit wie wenig Verstand offiziöse Blätter zusammcngeschmiert werden! Geradezu kläglich nimmt sich vollends die Berufung auf ein nacherzähltes Anekdötchen des Hamburgischen Schars macherorgans aus I Warum gibt man denn nicht neuerliche amtliche Meldungen wieder? Weil man ein Haar in der offiziösen Schwindelei gefunden hat?I Zum Schluß geben wir noch eine Gegenüberstellung der amt licht» Meldung vom 25. Dezember und des Schutztruppenbriefes vom 30. Oktober, die die offiziösen Täuschungsmanöver besonders hübsch illustriert: Brief vom 30. Oktober: .... Signalistcii suchten Verbin- dung mit Narudas-Süd. Diese blitzten herüber, daß der Oberkapitän der Bondclzmarts, Johann Christian, sich i» Heira- chabis eingefunden,»m Friede» zu machen, sämtlicher Orlog sei eingestellt und wir sollten auf dcnl schnellsten Wege nach Liefdood zurück. Inzwischen ist E h r i st i a n nach U famo« gekommen mit seinen Groß- leuten und hoffentlich wird der Orloa endlich klar. Wenn Ihr diese Zeilen in die Hände bekommt, werdet alles Nähere bereits wissen." Amtliche Meldung vom 25. Dezember: Der Stamm der Bondel- zwartS hat sich unter- warfen; Johannes Christian mit seinem nächsten Anhange hat sich dem Oberstleutnant V. Estorff in Hcirachabis gestellt. Die Zahl der Männer beträgt 120, der abgegebenen kleinkalibrigen Ge- wehre 105. Zerstreute Banden und Stammesangehörige, die aus britischem Gebiete zurückkehren, sind in die Unterwerfung ein- bezogen. Kein BondelzwartS darf Schußwaffen tragen. DeutfcKes Reich« Nur 135 Proz. verdienten Tippet und Pod k Herr Dernburg erzählte bekanntlich kürzlich den gläubigen Herren Professoren, daß bei der deutschen Kolonialpolitik bisher eigentlich nur die— Arbeiter profitiert hätten. Täppischerweise ist nun das offiziöse Organ, die„Nordd. Allgem. Ztg.", mit dem Nachweis in die Ouere gekommen, daß die Interessenten der Firma Tippelskirch bei ihren Koloniallieferungen„nur" 135 Proz. ver- dient hätten. Die„Nordd. Allgem. Ztg." schrieb in einer Polemik gegen Herrn Erzberger: „Die Firma hat in zwei Jahren auf ein Kapital von zirka 900 000 M., zusammen 135 Proz. Dividende verteilt. Die früheren Gewinne waren nicht erheblich. Berechnet man den legitimen Gewinn auf 10 Proz. pro Anno, so bleiben 115 Proz. Mehrgewinn, also 517 500 M. auf jedrS der beiden Jahre und nicht 2 Millionen Mark." Die wackere patriotische Monopolfirma hat also in zwei Jahren an dem südwestafrikanischen Kriege nur rund 1 100000 M. verdient. Auf den biederen Pod dürften davon nur armselige paar Hundert- tausend Märker entfallen sein! Ob damit freilich der gesamte Nebbach der famosen Firma Tippel u. Pod erschöpft ist, erscheint noch sehr fraglich. Die Firma Tippelskirch machte ja bekanntlich auch in allerhand Makler- g e s ch ä f t e n, so für die Firma W ö r m a n n. auch«ine der Monopolfirmen, denen der Krieg in Wüst-West Millionen in den Schoß lvarf. Ferner ist auch die Kiautschou-Gesellschaft eine Tippelskirch-Gründung I Aber selbst wenn die Herren Tippel, Pod, Bäumler und Kon« sorten„nur" 135 Proz. verdient hätten, so wäre das immerhin noch ein höchst respektabler Gewinnst, den hohe Reichsbeamte. respektive deren Gattin, infolge der Bemogelung der Regierung einheimsten!_ Ei» Erfolg sozialdemokratischer Kritik. Unsere fortgesetzten Brandmarkungen der Tatsache, daß der Reichstag hauptsächlich deshalb aufgelöst wurde, weil man sich in Südwestafrika eine Kolonialarmee schaffen wollte, haben bereits einen gewissen Erfolg zu verzeichnen. Tag offiziöse Organ, die„Nordd. Allgem. Ztg.", erklärt nämlich, daß, nachdem sich die Lage in Südwestafrika„erfreulicherweise gebessert" und„der wichtig st e Gegner sich unterworfen" habe, an eine weitere Verminderung der Schutztruppe gedacht werden könne. Das offiziöse Organ erklärt dann wörtlich: „Schon jetzt ist eine weitere Verminderung der Schutztruppe um 600 Mann unter die für April vorgesehene Zahl von 300» Mann beschlossen worden, und für das Etatsjahr 1907 kann voraussichtlich eine weitere beträchtliche Verminderung in Aussicht genommen werden. Die Regierung wird ihr Wort einlösen." Diese Mitteilung des offiziösen Organs, die bezeichnenderweise unter der Rubrik„Zum Wahlkampf" ihre Stelle gefunden hat, bc- weist also abermals, wie frivol die Regierung gehandelt hat, als sie den Reichstag auflöste. Die Auflösung geschah bekanntlich deshalb, weil das Zentrum nicht 8268 Mann vom 1. April 1907 ab bewilligen wollte, sondern Vorbereitungen getroffen zu sehen wünschte, eine weitere Herabsetzung der Schutztruppe vor- zunehmen. Trotz alledem bedeuten diese für den Wahlfang angekündigten Konzessionen nicht das geringste g e g e n die Absicht der Regierung. in Südwestafrika jene Kolonialarmee zu schaffen, die man in Ost. asien nicht zu schaffen vermochte. Wenn auch von den 8268 Mann 600 Mann abgehen sollen, so bleiben immer noch 7668 Mann übrig, und wenn auch während deS Etatsjahres vom April 1907 bis zum April 1998 weitere Mannschaften zurückgezogen werden sollten, so würden immer noch nach dem 1. April 1908 6006 bis 7000 Mann in Südwestafrika zurückbehalte» werden. Man hätte also trotz alledem noch die Kolonialarmee, derentwegen die Bande zum Teufel gejagt wurde!—_ Ein 40 Millionenprvjekt für Swakopmund. Das„Berliner Tageblatt" teilt mit. daß ein großer Hafen für Swakopmund gebaut werden soll. Und zwar nicht auf Reichs- k o st e n, sondern durch eine private Gesellschaft, deren Projekt bereits als„prinzipiell gesichert" betrachtet werden könne. Ueber die Einzelheiten des Vertrages schwebten noch Verhandlungen. Wie ein anderes Blatt mitteilen zu dürfen behauptete, würden sich die Baukosten für diesen neuen großen Hafen in Swakopmund auf 40 Millionen Mark stellen. Von sachverständiger Seite wird unö nun zu diesem Projekt geschrieben: „Im„Verl. Tagebl." ist eine Notiz über den beabsichtigten neuen Molen- und Hafenbau in Swakopmund abgedruckt, die offen- bar als Wnhlmanöver und Beitrag zur Täuschung der öffentlichen Meinung über die Lage von Südwest zu verstehen ist. Die Lage ist tatsächlich die, daß nach vollständiger Versandung des durch die alte Mole geschaffenen Hafenbeckens jetzt nach wie vor die weit draußen auf der Reede ankernden größeren Dampfer mit Leichtern gelöscht werden. Die Firma Arthur Koppel ist nun damit beschäftigt, mit Wissen und wahrscheinlich auch mit Unter- stützung der Regierung Projekte für eine neue Mole auszuarbeiten, die weit ausgreifend einen brandungsfreien Hafen schaffen sollen. Man hat hcrausgcrechnct, daß man durch Ueber- flüsfigwcrden der Leichterarbeit ein Kapital von 40 Millionen Mark ersparen und damit eine schöne Mole bauen könnte. Zunächst wären natürlich die 40 Millionen Mark für den Bau— es können aber noch viel mehr werden— von den deutschen Steuerzahlern auf- zubringen. Sparen würden später wahrscheinlich nur die Reedereien, die bei ihren guten Beziehungen zu den Machthaber» wohl auch nicht einmal die Transportkosten für die Regierung herab- zusetzen brauchen werden— viel weniger noch die für die paar privaten Kunden! Aber bis dahin hat es noch gute Weile, denn wenn selbst die neue Mole gebaut wird, so sind sich doch die eingeweihten Kreise vollständig klar darüber, daß die Versandung auch des neuen Hafens nicht ausbleiben wind, und daß man ihm nur durch ständig ar- bcitende starke Bagger die nötige Tiefe erhalten kann. Daß diese ständige Baggerarbeit nicht noch viel teurer wird, als dnS jetzige Leichtern, ist sehr auszunehmen! Die Versandung wird von dem Flützchcn Swakop verursacht, der gewöhnlich hinter den Dünen verrinnt, während der Regenzeit aber sehr stark anschwillt und die vorgelagerten mächtigen Sandbcrge und das eigene Gcschwcmine in die Bucht reißt und absetzt. Mit der neuen Mole wären die Projektemacher dann gerade so lveit lvie jetzt. Dort einen Hafen zu bauen, erfordert eingebende Studien an Ort und Stelle, die voraussichtlich dahin führew müssen, in Swakopmund überhaupt jeden Hafenbau aufzugeben. Dabei ist das schöne Projekt für die Mole noch nicht einmal so weit gediehen, daß man weiß, wie man sie bauen will. Senk- k a st e n hier in Deutschland zu bauen und drüben zu montieren, ist bei den in Frage kommenden Abmessungen zu teuer. Man möchte eS daher mit alten ausrangierten Dainpfern versuchen, die mit Beton gefüllt als Senkkasten dienen sollen. Das werden die Reedereien bald merken und sie, die den größten Vorteil von dem Hafenbau haben werden, können außerdem sonstigen Transportprofit auch mit ihren alten Kasten schönes Geld verdienen! Dafür kann man schon etwas«nationale Politik" treiben I"_ Eine Wanderredner-Ezzellenz. Herr Dernburg gedenkt sich allem Anscheine nach in der Voraus- ficht, daß er nicht lange auf seinem Posten bleiben wird, zum Wanderredner auszubilden. Es wird in verschiedenen Städten die hier gehaltenen schönen Vorträge über moderne Kolonialpolitik wiederholen— selbstverständlich mit kleinen Ort und Zeil an- gemessenen Veränderungen. So will er. wie wir hören, in München die Geschichte von der Dattelkiste und den schönen Dattelpalmen ins Bayerische übersetzen und sie dahin variieren. daß im vorvorigen Jahre jemand in der Omaheke-Wüste Gerstenkörner verloren, und als er im letzten Jahr dahin zurückkehrte, dort prächtige wogende Gerstenfelder vorgefunden hätte— und»och mehr, die verlorenen Gerstenkörner hätten nur aus grober russischer Futtteraerste bestauden, infolge der besonderen Eigentümlichkeit des südwestafrikauischen Wüstensandes hätte die rusfische Futtergerste sich in die schönste mährische Malz- gcrste verwandelt, so daß künftighin das Münchener Hofbrauhau« gut daran tun würde, seinen Bedarf an Malzgerste auS der Omaheke-Wüste zu beziehen. Selbst den konservativen und antisemitischen Blättern wird übrigens nachgerade die Dcrnburgsche Faselei und ihre Ver- himmelung durch freisinnige Blätter zu bunt. So schreibt beispiels- weise die„Wahrheit": „Eins muß man dem neuen Luther aus der Tarmstädter Bank lassen: er versteht den Rummel. Keine Zeitung, die nicht täglich über ihn berichten müßte. Bald eine ganze Spalte, bald ein viel- sagendes Notizchen. Papa ist Redakteur und kennt alle Preß- Kanäle. Heute hat Herr Dernburg ein Autogramm versandt. morgen ist er als Kandidat aufgestellt. Natürlich„ohne Wissen und Willen". Huldigungstelegramnie erhält er täglich, stündlich und minütlich, und sogar„auS Erzbergers Wahlkreis" wird er an- gehimmelt. Nun hat er, von einem Stab bejahrter Professoren um- teben, eine Rede gehalten, in der er alle seine genialen Intuitionen ber Kolonialpolitik ausschüttete. Unbefangene Mensche» wundern sich darüber, daß Herr Dernburg, der sich seit drei Monaten mit diesem Theina beschäftigt, bereits so tiefgründige Weisheit ver- zapfen kann, aber sie kennen seine Begabung nicht, wissen nicht, wozu ein in höhere Sphären entrückter Bankdirektor fähig ist. Solch ein Mann bekommt es fertig, die Quintessenz.von zwanzig und mehr Kolonialbroschüren in einen ganz besonderen Saft zusammenzupressen und den ältesten Afrikanern zu imponieren, ohne jemals den dunklen Erdteil betreten zu haben.... Wie war's denn bei der Darmstädter Bank? Die letzte Bilanz unter Dernburgschem Regime brachte eine Baisse von 4 Proz.: das war das Ende der„genialen" Expansionspolitik. Als Herr Dernburg die Bank verließ, um unsere Kolonien zu sanieren, da kennzeichnete ein angesehenes Mitglied der dauts finance diesen Stellungswechsel als eine Fahnenflucht."— Bier ZentrumSkandidaten in einem Wahlkreise. Im Wahlkreise ArnSberg-Olpe- Meschede geht'S immer toller zu. Die Wählerschaft ist gespalten in die Anhänger F u«- a n g e l S, des bisherigen Vertreters, und die Anhänger Becker», des offiziellen Zentrumskandidaten. Nun gibt« außerdem noch Ultra- montane, die sich weder für Fusangel noch für Becker entscheiden können; ein Teil von ihnen agitiert für den Landrat D r o e g e in Arnsberg, ein anderer für den Justizrat Scheele in Leipzig. Also vier Zentrumskandidaten in einem Wahlkreise. „Wann mag endlich einmal," so seufzt die„Kölnische VoUS- zeitung",„dieser unselige, unser ganze? Parteileben vergiftende Per« fonenkampf aufhören? Die Gegner lachen sich ins Fäustchen und die Sozialdemokratie, die derartige Streitsachen bekanntlich geschickt auszunutzen versteht, ist eifrig an der Arbeit." Fusangel hielt am Sonnlag im Kreise eine Versammlung ab. Er tadelte unter großem Beifall scharf die katholischen Geistlichen, die im Sauerlande durch ihr herrschsüchtige» Austreten die Fühlung mit dem Volle verlöten hätten, und bezeichnete die Zentrum«- blätter Westfalen»— da« in seinem Verlage erscheinende natürlich ausgenommen— als Schmutzpresse. vom„Zentrumsgeneral." Ueber den vom Zentrum im unterfränkischcn Wahlkreise Neu- stadt aufgestellten General Häusler urteilt das bauernbünd- lenfche Blatt in Würzburg: „Wenn wir über die Kandidatur Häusler etwa« sagen sollen. dann gilt unsere Äeußerung nicht der Person de» ehrenhasten Offiziers, sondern den Z e n tr um S h er r e n, die bei jeder Wahl über den Militarismus Schwefel regnen lassen, die großen Ausgaben für Armee und Flotte beanstanden, im Reichstag den Kredit für Armee und Flotte abstreichen und dann einen General als Kandidaten ernennen, der zur Disposition, also sozusagen noch im Milttärverbande steh� und also schwerlich in der Lage sein wird.� gegen den Regierungsstachel zu locken. Die Aufstellung eines Generals zeigt an, daß es gegen l i r- dem Zentrum mit seinem ewigen M a u l'k a mp f den Militarismus und gegen das persön- iche Regiment des Kaisers, des obersten Kriegsherrn, dem doch ein General nicht die Zähne weisen darf, absolut n i ch t e r n st w a r, noch s e i n w i r d." Nationale„Arbeitgeber". Der westpreußischen Landwirtschaftskammer folgt nunmehr eine Handelskammer und fleht um Kulis. Der„Eon- fcctionair" berichtet: Maßnahmen gegen denArbeiterman gel. Die K o t t b u s e r Handelskammer hat an den Handels- minister das Ersuchen gerichtet, das Verbot der Beschäftigung aus- ländischer Arbeiter in den industriellen Betrieben zu beseitigen, da befürchtet wird, daß sich der Arbeitermangel immer stärker fühlbar machen wird. Kuslanct. Ungarn. Herr Polonpi! Dem ungarischen Justizminister Polonhi schwillt dasWasser all- mählich doch bis an den Hals. Der Vorwurf, daß er als Rechtsanwalt die Bordelle vertrat, ließ ihn kalt. Den Nachweis, daß er-mit ausländischen Schisfahrtsgcsellschasten unfaire Geschäfte machte, ignorierte er. Die gegen ihn erhobene Anklage wegen Erpressung veranlasste ihn nicht, sein Amt freiwillig niederzulegen. So wird denn Geza Polonyi, der saubere Ungarn-Minister, wohl bald „gegangen" werden. Zum 5lapitcl„Polonyi" hat jetzt der pensionierte Budapester Bürgermeister Johann Haimos einen hübschen Beitrag geliefert, indeni er eine Erklärung veröffentlichte, durch die nun ganz authentisch bewiesen wird, daß Polonyi als Mitglied des Munizipal- auSschusscs seine Stellung als Repräsentant der Stadt Budapest gcmißbraucht hat, um sich zu bereichern; alle anderen Interessen mußten in den Hintergrund treten, wenn der Advokat Polonyi in eigener oder in semer Klienten Angelegenheit auf Vorteil ausging! Das HalmoS'schc Dokument würde jeden anderen ver- nichtcn. Aber Polonyi ist Minister! Und wenn preußische Minister schon Rhinozeroshaut haben, so dürfte die Brust ihrer ungarischen Kollegen— zumal die des Polonyi— wahrscheinlich mit Panzerplatten umkleidet sein. Frankreich. Die Kriegsgerichtsreform. Der Ministerrat erklärte sich in seiner DonnerStagsttzung mit den Grundzügen des Gesetzentwurfes über die Kriegsgerichte ein- verstanden, dessen endgültiger Wortlaut am nächsten Sonnabend festgestellt werden soll. Der Gesetzentwurf überträgt die Unter- s u ch u n g bei den von Militärpersonen begangenen Ver- gehen und Verbrechen an die Zivilrichter. Die Delikte sollen von Militärrichtern unter Assistenz eine? Zivil- richterS abgeurteilt werden; die Verbrechen kommen vor eine auS sechs Militärpersonen zusammengesetzte Jury, das Urteil wird aber von den Richtern deS Appellhofes gesprochen, die die Verhandlungen leiten. Ferner soll ein aus vier Militärrichtern und einem Rat als Vorsitzenden zusammengesetzter Appellhof gebildet Iverden mit einem Zivilbeamien als Staatsanwalt.— Di« Bischöfe beschäftigten sich in ihrer Mittwochsvcrsammlung, wie verlautet, auch mit der Möglichkeit einer Abhaltung des privaten Gottesdienstes. Der Erzbischof von Avignon erklärte, das wäre lediglich ein Gottesdienst für die Reichen! Auch die meisten Bischöfe sprachen sich gegen den Gedanken eines privaten Gottesdienstes aus und meinten: Selbst wenn die � Geistlichen genötigt sein sollten, die Kirchen zu verlassen, müsse man für die Abhaltung eines öffentlickien Gottesdienstes in Privat» gebäuden sorgen. Unter die Bischöfe wurde eine auf Anregung hervorragender katholischer Persönlichkeiten geprägte Denkmünze verteilt, welche auf der einen Seite einen Christuskopf und auf der anderen ein von einem Oelzweig umschlungenes Kreuz und das Wort„libeite"(Freiheit) trägt. Die Denkmünze soll als Einigung». zeichen und als Protest für alle französischen Katholiken dienen. Das Erträgnis wird kirchlichen Zwecken gewidmet werden. Japan. Die Energie der Japaner zeigt sich wieder einmal bei ihrem Vorgehen auf der Insel Sachalin. Während der Abschluß der russisch- japanischen HandelSvertragsverhandlungen noch weit im Felde ist. dringen die Japaner auf Sachalin mit bewunderungswürdiger Energie vor. Besonders frappierend erscheint der Umfang dessen, was diese zielbewußten„Gelvfratzen" in dem ihnen zugefallenen südlichen Teile der Insel schon erreicht haben: In kurzer Zeit übersiedelten dorthin etwa 15 000 Japaner und errichteten in dem russischen Wachtposten Korsakowsk mehr als 600 Häuserl Gleich- zeitig sind mehrere Schulen laüch höher«), Post- und Tele- ?rapycnämter errichtet. Bon KorsakowSk bis Wladimirowka ver- ehrt bereits eine Eisenstahn, und von da ab bis Mauki sind die Bahnarbeiten in vollem Gangel Obwohl Süd-Sachalin sich noch immer in den Händen der japanischen Militärverwaltung befindet, läßt die zivile Fürsorg�, um diese Gegend wenig zu wünschen übrig. Unter solchen Umständen darf es nicht wunder- nehmen, daß sich zahlreiche japanische Interessenten finden, die ihre Kapitalien in Süd-Sachalin anlegen und dort schon jetzt Ländereien erstehen oder pachten. Wie rege die Verpachtung de? Parzellen zu Fischcreizweckcn ist, geht unter anderem schon daraus bervor, daß die japanische Regierung allein im ersten Jahre der Verwaltung von Süd-Sachalin nicht weniger als 542 335 flcn (gleich 1 134 564 M.) Pacht erhalten hat. So wird denn dieser an Naturschätzen so reiche, von den Russen aber total vernachlässigte Teil der Insel Sachalin, die bisher für jeden Russen der Inbegriff deS Schreckens, des allmählichen aber sicheren Todes war. von den Japanern in eine blühende Landschaft verwandelt.— Hetzte JSachncbten und Depefcben. Der Wahlapparat des Zentrums. >.) Aus Baden wird Viiinimskreiscn ver- Frankfurt a. M., 17. Januar.(B. der„Franks. Ztg." berichtet: Wie aus„ lautet, haben sämtliche katholischen Geistlichen deS Landes Wcisnng erhalten, am Abend vor dem Wahltaste in ihren Pfarreien Versammlniige» abzuhalten, um noch einmal allen Katholike» streng inS Gewisse» zu reden. Folgen der Wahlagitation. Leipzig, 17. Januar.(W. T. B.) Das Reichsgericht verwarf heute die Revision deS katholischen Pfarrer» Michael Gaiscrt von Giindelwange». der im Oktober 1006 vom Landgericht Freibucg i. Br. wegen Versuches der Berlritung zum Meineid zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt worden war, nachdem ein früheres frei- sprechendes Urteil deS Landgerichts Waldshut vom Reichsgericht aufgehoben worden war. Die strafbare Handlung stand im Zu» fammenhang mit den LandtagSwahlen. Der Kavalleriesitbel gegen Demonstranten. Sofia, 17. Januar.(Privatdepcsche des„Vorwärts".) Bei einer gestern stattgehabten Demonstration zogen Leib- gardisten und ausgerückte Kavallerie blank. 20 Personen wurden verwundet und viele verhaftet. Ter Untcrrichtsminister Schischmanosf reichte seine Demission ein.__ gicrontto. Redakteur: Han» Weber. Lerlm. Inseratenteil verantw.: Glocke. Berlin. Druck wPerlagTvorwärtSBuchdr, u7B-rIag»anst»lt Daul Singer SeCo., Be rlin SW. Hierzu 2«rilagen«. UnterhaltnngSblaU Nr. 15. 24. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt Agrarischer Schwindel. Rürzlich hatten wir im Vorwärts" auf Grund authentischer Tagelöhnerfontratte eine Berechnung des Jahreseinkommens der ländlichen Gutsarbeiter im allgemeinen und das eines pommerschen Gespanntnechtes im speziellen zusammengestellt. Diese Berechnung ist dem bekannten Organ der Landbündler, der Deutschen Tageszeitung", arg in die Krone gefahren. Das Blatt faselt von schiefen" Darstellungen des Vorwärts" und meint, wir hätten den Naturallohn( Wohnung, Getreide, Milch usw.) des erwähnten pommerschen Gespanntnechtes nicht nach dem örtlichen Wert, sondern nach großstädtischen Preisen umrechnen müssen, denn erft damit würden die beiden Vergleichsobjekte nämlich der Lohn eines ländlichen Tagelöhners und eines großstädtischen Industriearbeiters auf die gleiche Grundlage gestellt". Und nun rechnet das edle Bündlerblatt darauf los in einer Weise, daß sogar die berühmten Dernburgschen Phantasierechnungen über den Zukunftswert unserer Kolonien dagegen nicht aufkommen. 1701,50 m. betrage, schwindelt die Deutsche TagesBeitung", das Jahreseinkommen eines pommer schen Gutstnechts. Wie würde dem armen Tagelöhner, der nur den einen Wunsch hegte, das Gut wieder ungeschoren berlassen zu dürfen, wohl zu Mute werden, wenn er hörte, zu welch einem Krösus er von dem Leiborgan des Bundes der Landwirte geStempelt wird. Da kommt zuerst die Wohnung heran. Nach den Angaben des Arbeiters war sie von einer Beschaffenheit, daß kein Vieh im Winter darin wohnen tann". Wir wissen, daß folche Wohnung" in der pommerschen Gutswallachei höchstens mit einem Jahresmietswert von 50 M. berechnet wird. Die Deutsche Tageszeitung" aber schäßt sie auf- 360.! Wir sind gewiß keine Bewunderer der Berliner Arbeiterwohnungen, aber für 30 M. monatlicher Miete bekommt man hier denn doch eine andere Wohnung wie solchen windschiefen gutsherrlichen Schweinestall", in dem einem bei schlechtem Wetter fast die Haare vom Kopfe fliegen. Von den 28 Zentnern Deputatgetreide will das Blatt nur gütigst 24 3entner für Brotkorn in Rechnung stellen, welches dann zu Brot berbacken, einen Wert von 275 M. oder etwa 11,50 M. pro Zentner repräsentieren soll. Der beste Roggen kostet aber nur etwa 8 M. pro Zentner, daß dieser von uns zu Grunde gelegte Preis noch reichlich hoch bemessen ist, weil als Deputatgetreide in der Regel nur minderwertiges, bielfach sogar borjähriges dumpfiges und ftodiges Korn verabfolgt wird. Die Kosten für das Mahlen muß aber der Arbeiter selbst tragen, ebenso die Kosten für das Baden, wenn er nicht selbst einen alten Backofen hat, den er dann aber doch von seiner knappen Deputatfeuerung heizen muß. Die berühmten Leutekartoffeln" berechnet das Blatt stramm zu Berliner Marktpreisen mit 2,50 M. pro Zentner. Wir nahmen 1,20 M. an, und das war hochgegriffen, denn meistens berechnen die Gutsbesitzer diese Sorte Kartoffeln selber nur mit 80 Pf. pro Zentner. Für die gelieferte Magermilch werden dann prompt 30 Pf. pro Tag oder 10 Pf. pro Liter angesetzt. Die Briketts hatten wir schon zu Berliner Detailpreisen angerechnet, nämlich zu 1 M. pro Zentner; die" Deutsche Tageszeitung" aber schlägt noch flugs 25 Pf. auf den Zentner auf. Nun aber die Schweine, Ziegen und Hühner, die der Gutsknecht gar nicht hatte, und die er sich bei dem fürstlichen Barlohn von 230 M. erst mit größter Sparsamteit im Laufe mehrerer Jahre hätte anschaffen müssen, wenn er nicht bei dem Gutsherrn von vornherein in die Schuld und damit in noch größere Abhängigkeit geraten wollte, falls dieser ihm eins oder das andere der Tiere auf Kredit„ verkaufen" täte. Sollte der Mann also 32 M. aus dem Verkauf von Eiern erzielen, so hätte er diese Gier wohl oder übel erst selbst legen müssen. bient er sich eines Empfehlungsschreibens des österreichischen Genossen Viktor Adler, das ihm entweder auf noch nicht aufgeklärte Weise in die Hände fiel oder aber gefälscht ist. Der Polizeispiel versucht die ihm vertrauenden Personen, die in ihm einen Gleichgesinnten vermuten, nach Rußland zurückzuschwaben, um sie dann den Henkersknechten auszuliefern, die wahrscheinlich an den verschiedensten Stellen schon auf die Beute lauern. Fortschritt der Presse. Der Karlsruher Volksfreund" hat seit dem 1. Dezember um 1185 Abonnenten zugenommen. In der Buchdruckerei des„ Volksfreundes" wurde mit dem 1. Januar mit dem neuen Buchdruckertarif die achtstündige Arbeitszeit eingeführt. Von den Organisationen. Der Sozialdemokratische Verein zu Saalfeld zählt jetzt an die 500 Mitglieder. Zur Behandlung der Reichsverbands- Klopffechter machte die Leipz. Volksztg." diefer Tage folgenden Vorschlag: " In der gegenwärtigen Wahlbewegung tritt als häßlichste Erscheinung das Treiben des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie hervor. Man mag es historisch- psychologisch zu begreifen suchen und man begreift es auf diesem Wege auch sehr gut, daß eine unaufhaltsam ihrem Untergange entgegen eilende Gesellschaft die Vertretung ihrer Interessen zulegt einer Bande gedungener Subjekte anvertraut, die an Ehre nichts mehr zu verlieren haben und gegen bare Zahlung bereit sind zu jeder Niedertracht, mit der das Aufsteigen einer höheren Kultur noch bekämpft werden kann. Freitag, 18. Januar 1907. und die Aufmerksamkeit mehr in Anspruch nehmen; die Fleischnot an sich ist aber feineswegs beseitigt. Die öffentliche Diskussion wird sich wieder mehr mit der Frage beschäftigen, wenn erst politisch ruhigere Zeiten gekommen sein werden. Die Kleinen Mittel, die die Regierung nach der Interpellation im verflossenen Reichstage gewährt hat, wie die Deffnung der Grenzen für gefchlachtetes Schweinefleisch aus Skandinavien, haben sich als durchaus unzureichend erwiesen, da der hohe Boll und die hohen Untersuchungsgebühren eine Schweinefleischeinfuhr aus Skandinavien in großem Umfange unmöglich machen. Aber nicht allein an Schweinefleisch herrscht ein fühlbarer Mangel, auch für anderes Fleisch sind die Preise so hoch, daß ruhig von einer Unterernährung weiter Boltstreise an Fleisch gesprochen werden kann. Als im vorigen Jahre die Klagen über die Fleischnot besonders lebhaft waren, zur zeit des„ Fleischnotrummels", wie die Agrarier die berechtigten Klagen so hübsch nannten, nahmen wir Veranlaffung, uns auch an dieser Stelle mit der Frage zu beschäftigen und als Abhülfsmittel die Einfuhr von gefrorenem Fleisch zu empfehlen. Wir wiesen darauf hin, daß dieses Fleisch sich in Deutschland zu einem Preise einführen ließe, der dem Fleische von heimischem Vieh kaum Konkurrenz machen werde. Der Konsum solchen Fleisches würde nur in denjenigen Voltskreisen stattfinden, die sich jetzt den Fleischgenuß entweder gänzlich versagen oder ihn auf das Aeußerste einschränken müssen. Leider hat aber die Regierung feine Veranlassung genommen, der Frage näher zu treten und dafür zu sorgen, daß unserem Volte die Wohltat billigen und dabei guten Fleischgenusses zuteil werde. Agrarisch ist und bleibt leider wohl auch ferner Trumpf." Aber die historische Erklärung dieser widerlichen Erscheinung macht sie nicht anmutiger. Im Gegenteil! Als Produft einer unheilbaren Fäulnis hat sie nur noch symptomatische, aber nicht mehr politische Bedeutung. Es hat niemals zu den Gewohnheiten der deutschen Sozialdemokratie gehört, ihren Gegnern aus zuweichen; sie liebt den Kampf Auge im Auge mit dem Feind, wie sie seit dem ersten Tage ihrer Geschichte bewiesen hat und noch jeder Tag beweist. Es ist auch niemals ihr Fehler gewesen, den Widerstand zu unterschätzen, auf den sie stößt. Aber des Kolonialschwindels nicht ihre Interessen verraten werden. es gibt in allen Dingen eine Grenze, über die hinaus Vernunft Rheinisch Westfälisches Kohlensyndikat. Der rechnungsmäßige zum Unsinn und Wohltat zur Plage wird, und nachdem nunmehr hundertfach bewiesen worden ist, daß hinter den persön- Kohlenabsatz betrug im Dezember 1906 bei 23 Arbeitstagen lichen Lügen und Verleumdungen, mit dem der Reichsverband zur 4964 525 Tonnen gegen 4 901 173 Tonnen im Dezember 1905 bei Bekämpfung der Sozialdemokratie operiert, nicht einmal der ebenso viel Arbeitstagen. Er hat also im Dezember 1906 gegen Schatten einer ehrlichen Ueberzeugung, nicht einmal die Spur denselben Monat des Vorjahres insgesamt um 63 352 Tonnen zu eines politischen Kampfes steht, scheint uns der Zeitpunkt gekommen genommen. Von der Beteiligung, die sich im Dezember 1906 auf zu sein, wo reiner Tisch gemacht werden muß. 5 896 853 Tonnen( im Vorjahre 5 879 943 Tonnen) belief, sind demnach bei einer um 16 910 Tonnen höheren Beteiligungsziffer 84,19 Prozent( im Vorjahre 83,35 Broz.) abgesetzt worden. Der Kotsabsaz hat im Dezember 1906 insgesamt 1054 886 Tonnen gleich In Erwägung, daß jede politische Anschauung zu achten arbeitstäglich 45 617 Tonnen gleich 95,64 Proz. der Beteiligung beift, die aus ehrlicher Ueberzeugung entspringt: tragen gegen insgesamt 994 198 Tonnen gleich arbeitstäglich 42 992 in Erwägung aber, daß die für Bezahlung angeworbenen Tonnen gleich 94,49 Proz. der Beteiligung im Dezember des VorAgenten des Reichsverbands zur Bekämpfung der Sozial- jahres. An Briketts wurden im Dezember 1906 insgesamt 200 107 Demokratie keine bestimmte parteipolitische Ueberzeugung ber- Tonnen gleich arbeitstäglich 8653 Tonnen gleich 90,62 Proz. der Beteiligung abgefeßt gegen insgesamt 190 210 Tonnen gleich arbeitsdaß sie vielmehr von ihren Chefs tommandiert werden, täglich 8225 Tonnen gleich 86,32 Broz. der Beteiligung im Dezember den verschiedensten bürgerlichen Parteien ihre Dienste zu leihen, des Vorjahres. um im Interesse des Kapitalismus und der Reaktion die Sozialdemokratie zu bekämpfen; Die politischen Redakteure der freifinnig- nationalliberalen Presse fcheinen von den wirtschaftlichen Gefahren, denen Deutschland unter der agrarischen Herrschaft entgegengeht, nichts zu wissen. Der Kolonialrummel hat es ihnen angetan. Diesem Rummel zu Liebe bentühen sie sich angelegentlich dafür zu sorgen, daß das Agrariertum noch mehr Trumpf wird in Deutschland. Das nennt man praktische Politik. Die Arbeiterschaft hat dafür zu sorgen, daß wegen Unseres Grachtens sollte unsere Partei in allen WahlverfammLungen die Diskussion mit den Söldlingen des Reichsverbandes ablehnen, aber unter folgender Begründung: treten dürfen, in fernerer Erwägung, daß diese bezahlten Agenten des Kapitalismus und der Reaktion erfahrungsmäßig den Kampf gegen die Sozialdemokratie mit den gehässigsten und schmuzigsten Mitteln führen und dadurch den Wahlkampf bergiften; beschließt die Versammlung im Interesse der politischen Reinlichkeit, feinem diefer gedungenen Agenten des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie das Wort zu gestatten. Und die 80 m. aus dem Erlös der Ziegenmilch? Will ihm etwa der Gutsherr die 80 M. dafür geben? Der Arbeiter würde zweifellos sehr erfreut darüber sein. Wie aber soll ein Tagelöhner, der Vater von acht Kindern ist, es möglich machen, 400 Pfund Schinken, Fleisch und Speck zu verkaufen, selbst wenn er zwei Schweine hätte? Hierfür aber 360 M. in Rechnung zu setzen, das bekommt eben nur die" Deutsche Tageszeitung" in ihrer agrarischen Rabulistik fertig. Vielleicht ist es auf der löblichen Redaktion des Blattes möglich, Schweine lediglich mit Abfall fett zu machen. Der Gutsarbeiter braucht dazu auch Maßkorn, und zwar mehr als bier Zentner Leichtgerste aus dem dritten Dreschmaschinenloch. Dieses Korn muß er aber wiederum kaufen, und der Gutsherr läßt es sich teuer, sehr teuer bezahlen, so daß der Vorteil bon der Schweineaufzucht nicht dem Tagelöhner, muß von Fall zu Fall entschieden werden. sondern dem Gutsherrn in den Schoß fällt. Wir möchten diesen Vorschlag zunächst der Diskussion innerhalb der Partei unterbreiten." Es gehört wirklich die ganze Berlogenheit agrarischer Klopffechter dazu, um die einfachsten Tatsachen so dummbreist und Soziales. Sankt Bureaukratius in der Krankenversicherung. " Der Schlosser Karl R. erkrankte im Jahre 1904, während er in dem Betriebe" Brockensammlung", dem Verein„ Dienst an Arbeitslose" gehörig, beschäftigt war. In einer Krankenkasse war N. nicht Da mit der ein gemeldet. Das Schidial spielte R. übel mit. getretenen Erkrankung auch die Existenzmittel des St. erschöpft waren, mußte S. zeitweilig zur Unterkunft das" Asyl" aufsuchen. Die Krantenbehandlung konnte daher, mit Ausnahme einer kurzen Zeit, in welcher St. im Krankenhause Moabit Aufnahme fand, nur in der Charité eine poliklinische sein. Als R. wieder gesund geworden, Den Efel unseres Leipziger Bruderblatts wird jeder Genoffe machte er zunächst feine Entschädigung bei dem Betriebe BrodenDer Betriebsleiter wies die Ansprüche verstehen und teilen. Trotzdem tönnen wir uns für den Vorschlag sammlung" geltend. nicht erwärmen. Auch den Schein, als fürchteten wir die freie zurück, da der Betrieb nicht ersicherungspflichtig fei. Aussprache, muß vermieden werden. Ob Leuten, die sich St. legte biergegen Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde ein und daß in dem Betriebe Brockensammlung" erwiesenermaßen unanständig in unseren Versammlungen benommen machte geltend haben indem sie ihnen widerlegte Lügen von neuem wiederholen, eine größere Anzahl Arbeiter dauernd beschäftigt würden. Ge indem sie das Schlußwort des Referenten nicht abwarten usw. würden nicht nur Reparaturarbeiten, sondern auch neue das Wort in den folgenden Versammlugen zu verweigern ist, das Gegenstände( Kohlenschaufeln usw.) angefertigt und zum Verschleiß gestellt. Die Beschäftigung dauere also nach der Art des Betriebes" länger als acht Tage, somit wären die dort beschäftigten Arbeiter gemäß§ 1 des Krankenversicherungsgesetzes auch der Krankenversicherungspflicht unterworfen. Durch die oberste Aufsichtsbehörde wurde die Versicherungspflicht ausgesprochen und der Betrieb der Ortskrankenkasse der Staufleute, Apotheker und sonstige Gewerbetreibende und HandelsPolizeiliches, Gerichtliches ufw. ' Kein Strafaufschub für den sozialdemokratischen Preßfünder. gottesfürchtig auf den Kopf zu stellen, wie es hier von ihnen ge- Tas Hamburger Echo" meldet: schehen ist. Man vergegenwärtige sich: die landwirtschaftlichen Unser Kollege Gustav Wabersky ist mitten im WahlUnfallberufsgenossenschaften bemessen den Jahresarbeitsverdienst tampfe aus unserer Mitte gerissen, damit er die angeblichen Beeines Landarbeiters laut Festseßung der oberen Verwaltungs- leidigungen der Polizei büße, die unsere Kritik der Polizeitaten leute als zuständig überwiesen. behörde auf 450 bis höchstens 600 M. Weshalb ist dieser vom 17. Januar v. J. enthalten haben soll. Sogar die achttägige St. glaubte nun, daß er im Besiße des ihm zustehenden KrankenSab denn nicht höher bemessen, wenn die Deutsche Frist zum Strafantritt, die fast jedem Spizbuben, gemeinen geldes gelangen würde. Genosse St. denkt und der BureauTageszeitung" dem Landarbeiter ein drei bis viermal so hohes Schwindler, Zuhälter und Sittenverbrecher zugute tommt, hat, wie fratismus lenkt. Die Ortstrantenkaffe der Kaufleute verlangte Einkommen herausdestilliert? Die Antwort wird das Blatt wohl wir schon mitteilten, die Staatsanwaltschaft unserem Stollegen fategorisch den Nachweis, daß N. auch, wirklich frant" und schuldig bleiben; es weiß ja, daß ihm kein Mensch seinen Schwindel durch einen einzigen Federstrich genommen. Der Verteidiger im Sinne des Krankenversicherungsgefeßes erwerbsunfähig glaubt. Wabersfys, Dr. Suse, wandte sich darauf mit einer Eingabe an den gewesen sei, Wir wünschen den Soldschreibern des Bündlerblattes nur, Senat, bei dem er beantragte, Wabersty einen Strafaufschub bis Neue Schwierigkeiten entstanden dem R. Da N. eben aller daß sie selbst einmal nur auf ein Jährchen Knechtsdienste auf einem zum 15. Februar zu gewähren damit er einmal seiner staatsbürger- Barmittel beraubt, ärztliche Behandlung nicht erlangen konnte, Gute berrichten müßten, dann würden sie später jedenfalls wohl lichen Pflicht, zu wählen, genügen könnte und weiter sein Amt als mußte er sich mit der poliklinischen Behandlung zufrieden etwas weniger begeisterte Loblieder über das Los der Landarbeiter Redakteur am Echo" vorläufig weiter versehen könnte, da er zur- geben. t. konnte daher für den Nachweis seiner Krankheit nur die anstimmen. Selbst als Hausdiener in einem sozialdemokratischen" geit feinen Ersatz für sich schaffen könne. Starte der„ Poliklinik" von der Charité beibringen. Diese genügte Konsumberein würden sie sich entschieden wohler fühlen, wenn fie Der Senat hat diesen Antrag ebenfalls abgelehnt. Und indeffen der Stasse nicht; diese verlangte ein Attest über die jezt auch ihre Lästerungen über diese Vereine, die mit der Sozial- hat es nicht einmal für nötig gehalten, gehörig auf den Antrag erDauer der Erwerbsunfähigkeit" usw. Monde sind ins Land gegangen. R. bemokratic an fich gar nichts zu tun haben, in die Welt hinaus- widern zu lassen und den Entscheid zu begründen. Auf einem vorbetam teinen Befcheid auch Krankenunterstützung. Von neuem mußte St. Trähen. gedruckten Formular, das für ablehnende Bescheide für Gnaden- feine gesuche eingerichtet ist, wird die Antwort erteilt. Weder unser der Aufsichtsbehörde Beschwerde führen. Nach vielen Scherereien. ihm wieder aufgegeben, die Beweise", daß er Sollege Wabersty noch sein Verteidiger haben den Senat, in dem wird Vertreter des Wahlrechtsumsturzes, wie von Melle, Predöhl, Holts tatsächlich ärztlich behandelt worden sei, zu erbringen. Private" eine Behufen, O'Swald, Dr. Traun usiv., sitzen, um Gnade gebeten. Die Charité lehnt es natürlich ab an Nur um ein Recht, wenn auch vielleicht nur um, ein mo= scheinigung zu geben und R. ist wieder nicht imstande den Beweis", Das Hamburger Echo" brachte in seiner Mittwoch- ralisches Recht, das gar schon gemeinen Verbrechern ge- daß er frant und erwerbsunfähig gewesen sei, zu erbringen. Nummer die Mitteilung, Genoffin Rosa Luxemburg sei am worden ist und um so eher wohl einem politischen Sünder hätte zu- Darauf geht ihm ein Schreiben von der Aufsichtsbehörde zu: wenn er innerhalb 8 Tage die„ Betveise" nicht beigebracht habe, dann Sonnabend vom Warschauer Kriegsgericht zu 15 Jahren teil werden sollen." müffe die Angelegenheit als erledigt angefehen werden. R. schreibt schwerer Zwangsarbeit, sieben Mitangeklagte seien zum Tode nun, da ihm als" Private" eine Bescheinigung nicht gegeben werde, berurteilt. so soll sich die Aufsichtsbehörde als Behörde an die Charité wenden, ihr der Gewerbedeputation, als Behörde müſſe doch Ausfunft erteilt werden. Wieder ist eine geraume Zeit verstrichen und Die russische Revolution. Ein Gerücht. Unseres Wissens entspricht diese Nachricht nicht den Tatfachen. Zumal wäre es felbst vom Standpunkte russischer Feldkriegsgerichts- Justiz unbegreiflich, wie den sogenannten Mitangeklagten" unserer Genossin so schwere Vergehen nachgewiesen wären, daß man sie zum Tode verurteilen sollte! Genoffin Luxemburg ist gegenwärtig hier und da im Deutschen Reiche tätig, ihr Wissen und ihr Temperament im Dienste der Partei dem Wahlkampfe zu widmen. Sie spricht heute hier, morgen dort- wir können sie also nicht leicht erreichen. Vermutlich wird sie sich selber noch zu der Mitteilung unferes Hamburger Bruderblattes äußern. Aus der Partei. 11 Gor einem russischen Polizeifpitel, der in Kattowib sein Befen treibt, warnt die Breslauer Volkswacht". Der unsaubere Patron hält sich dort namentlich im Café Monopol" auf. Um das Vertrauen der russischen Genossen zu erschleichen, beBehaussucht wurde das„ Volksblatt" zu Saalfeld. Es handelt sich um einen in der Nummer vom 23. Dezember erschienenen Artikel, betitelt„ Die nationale Ehre und der Parlamentarismus" der Beleidigungen der Reichsregierung enthalten foll. Dem nichtstaatsanwaltlichen Auge find sie nicht erkennbar, Aus Industrie und Handel. Die Fleischnot. " " bei nun erhält R. von der Gewerbe- Deputation die Entscheidung, daß er( R.) mit seiner Klage gegen die Ortskrankenkasse der KaufLeute, Handelsleute und Apothefer to stenpflichtig abge wiesen sei. Aus den Gründen sei einiges hier angeführt: Die Beklagte hat sich zur Zahlung des Krankengeldes für die Dauer der durch ärztliches Attest nachgewiesenen Erwerbsunfähigkeit In der freifinnig- nationalliberalen Bresse scheint die Ver- bereit erklärt. Sie hat ihrer Behauptung nach indes nicht zahlen bindung zwischen dem politischen und dem Handelsteil vollständig tönnen, da ein Attest nicht habe beschafft werden können. 63 gestört zu sein. Der allgemeine Teil ist auf den Kampf gegen die war wie gefchehen zu entscheiden... Kläger habe die Erklärung Sozialdemokratie abgestimmt und fast jeden Tag stößt man auf abgegeben, nicht imstande zu sein, ein Attest zu beschaffen, da Mitteilungen über Kompromisse zwischen Liberalen und Konser- die Königliche Boliflinit der Königlichen Charité, in welcher er be Auf das diesvativen, die dem Zwecke dienen, zugunsten letterer der Sozialdemokratie handelt ist die Ausstellung abgelehnt hat. seitige Ersuchen um Abgabe eines Gutachtens über die das Mandat, abzunehmen. Zu dieser Haustnechtspolitik im Dienste Dauer der Griverbsunfähigkeit des Klägers ist von der königlichen des Agrariertums past trefflich eine Auslassung im Handelsteil Charitédirektion die Antwort eingegangen, daß es sich nicht feststellen des" Hamburger Korrespondent" über die Fleischnot. Es heißt laffe, wie lange der Kläger im Jahre 1904 erwerbsunfähig geda u. a.: wesen ist." Wenn sich im Augenblick die Deffentlichfeit weniger mit der Fleischnot in Deutschland beschäftigt, so liegt das daran, daß andere politische Angelegenheiten in den Vordergrund getreten sind Weil die Erwerbsunfähigkeit ärztlicherseits nicht bestätigt werden fonnte, mußte der Kläger( St.) abgewiesen werden! Das Erlebnis klingt wie eine Satire auf unsere gesegnete Sozialreform". Nirgend im Gesetz ist borgeschrieden, noch kann bei Festhaltung dcS Grundsatzes der freien BeweiSwürdigung vorgeschrieben werden. daß der Beweis der Krankheit nur durch Atteste geführt werden könne. Zweifelte die Kasse oder die Gewerbedeputation an dem schon durch seinen Kampf um die Versicherungspflicht glaubhaft ge- machten Auspruch. so stand es bei ihnen, die Behörden um Auskunft zu ersuchen. Hoffentlich findet der vom Schicksal so schwer heim- gesuchte Kläger mehr Verständnis für die Sachlage bei den ordeut- lichen Gerichten._ Gesteigerter Konsum von Pferde- und Hundefleisch. In Chemnitz ist der Konsum von Pferde- und Hundefleisch im Jahre 1306 ungeheuer gestiegen, obwohl der Fleisch- konsum im allgemeinen zurückgegangen ist. Die Schlachtstatistik redet eine nur zu deutliche Sprache. Im Schlachthofe zu Chemnitz wurden im Jahre 1906 zusammen 128 661 Tiere, das sind 1685 Stück weniger als 1303, geschlachtet. Weniger wurden geschlachtet 412 Kälber, 1317 Schafe, 13 Ziegen und 331 Schweine, dagegen wurden mehr geschlachtet als 1303: 232 Rinder, 88 Pferde, 3 Esel und 87 Hunde. Im Jahre 1906 wurden im ganzen 1070 Pferde und 698 Hunde geschlachtet. Wie soll das gar lverden, wenn die Krise wieder einsetzt'� Und dabei hat die allgemeine Teuerung aller Lebensmittel selbst Pferdefleisch und Hundefleisch ergriffen: fie sind um 20 Proz. im Preise gestiegen.— Möge es die Chemnitzer Arbeiter-' schast den Zollwucherparteien a>n 23. Januar heimzahlen I SewevKfcdaftUcKe**. Arbeiterausschüsse in Staatswerkstätten. Tue Maschinenputzer der Betriebswerkmeistcrei Lehrter Bahnhof in Berlin haben seit Mai vorigen Jahres zu wieder- holten Malen durch ihre Vertreter im Arbeitcrausschuß bcan- tragt, daß ihnen Teuerungszulagen gewährt werden möchten. Daß derartige Zulagen für die Maschincnputzec eine dringende Ätotwendigkeit sind, kann nicht zweifelhaft sein, denn sie erhalten einen Anfangslohn von 3 Mk. täglich und erst nach zwölfjähriger.Tätigkeit steigt der Lohn auf 3,69 Mk. Daß das Gesuch der Arbeiter begründet ist, hat man auch an maß- gebender Stelle nicht bestritten, inan hat auch das Gesuch nicht abgelehnt, aber bewilligt ist es bis jetzt auch noch nicht. Die Arbeiter dürfen immer noch aus die erbetene Zulage hoffen und sich derweil mit dem Lohne von 3—3,60 Mk. durch- hungern. � So oft inzwischen im Arbeiterausschuß angefragt wurde, wie es �denn mit der Zulage stände, erhielten sie den Bescheid, die Sache sei im Gange. Nachdem die Arbeiter monatelang gehofft und geharrt hatten, schien es ihnen doch unwahrscheinlich, daß ein so begründetes Gesuch sich so lange im Gange befinden könne, ohne in der einen oder anderen Weise als erledigt zurückzukommen. Die Arbeiter glaubten, ihr Gesuch werde wohl im Papierkorb eines Jnspektions- biireaus seinen Gang beendet haben. Sie setzten deshalb eine Eingabe an die Direktion auf.— In einem staatlichen Muster- betriebe herrscht natürlich militärische Ordnung. Demzufolge dürfen die Arbeiter ihre Eingabe nicht direkt an die Direktion .einreichen, sondern sie müssen sich dazu der Verniittelung des Vorstehers der zuständigen Maschineninspektion bedienen. Die Eingabe wurde also in einer Sitzung des Arbeiterausschusses dem Bauinspektor Bode niit der Bitte um Weitergabe vor- gelegt. Der Inspektor fragte den Beauftragten der Arbeiter, ob er diese Beschwerde w i r k l i ch(!) an die Direktion richten wolle. Als der Betreffende darauf bestand, bezeichnete ihn der Inspektor als„frechen P a t r o n", und der Wrekstatt- Vorsteher machte dem Arbeiter, der die Interessen seiner Kollegen im Ausschuß Vertrat, den Vorwurf, er sei ein„Auf- wiegler". Es ist recht bezeichnend für die Wertschätzung des Arbeiter- ausschusses in einem staatlichen Betriebe, wenn ein Ausschuß- Mitglied, weil es im Interesse und im Auftrage von viel- leicht hundert Arbeitern handelt, als„frecher Patron" und „Aufwiegler" bezeichnet wird. Seit diesem Vorfall ist wieder einige Zeit vergangen. Das Gesuch um Gewährung einer Teuerungszulage ist immer noch nicht bewilligt. In der letzten Sitzung des Arbeiter- ausschusses am 17. Dezember v. I. wurde dem Vertreter der Maschinenputzer auf seine Anfrage nach dem Schicksal des Gesuches wieder der Bescheid gegeben, es sei alles im Gange. Es ist nicht zu glauben, daß die Entscheidung darüber, ob man Arbeitern mit einem Tagelohn von 3—3,60 Mk. Teuerungszulagen gewähren will oder nicht, eine Zeit von 6—8 Monaten oder noch mehr in Anspruch nehmen sollte. Die Sache wird vielmehr so liegen: Gewähren will man nichts, vor einer Ablehnung scheut man sich, denn sie läßt sich wirklich nicht begründen und deshalb vertröstet man die Arbeiter mit der Versicherung, es sei alles im Gange. Inzwischen können die Arbeiter weiter darben. Die Herren, welche über die Zulage zu entscheiden haben, leben ja in guten Verhältnissen. Sie fühlen nichts von der Not, mit der schlecht entlohnte Arbeiter zu kämpfen haben. Wenn dann am Wahltage die Quittung für solch Ver- halten in der Abgabe von Millionen sozialdemokratischer Stimmzettel erfolgt, schrecken sie ja aus ihrem Sicherheits- gefühle auf. Aber nicht in ihrem eigenen Verhalten suchen sie eine Erklärung dafür, sondern in der„Aufwiegelung" der Arbeiter, dieser„frechen Patrone", die sich erdreisten, Menschen mit menschlichen Gefühlen und Ansprüchen zu sein! Berlin und Umgegend. Der Kamps in der Holzindustrie. Die Zahl der Ausgesperrten wächst langsam aber stetig. Gestern ist durch die Kontrolle des Holzarbeiterverbandes festgestellt worden, daß in Berlin 471 Ausgesperrte hinzugekommen find. In Berlin sind bis jetzt 4800 Arbeiter ausgesperrt, in den Vororten etwa 1300, so daß die Gesamtzahl der Ausgesperrten 5800 beträgt. Wenn die Arbeitgeber sich streng an ihre Beschlüsse und Weisungen hielten, so müßte die Aussperrung natürlich einen bedeutend größeren Um- saug haben. Aber es ist auch diesmal wieder so, wie es vor zivei Jahren war. Viele Arbeitgeber, die gerade reichlich mit Aufträgen versehen sind, kehren sich eben nicht an Beschlüsse und Weisungen, ja sie suchen sogar die Kontrolleure ihrer Vereine zu täuschen. Nur ein Beispiel dieser Art sei hier angeführt. Tischler- meister F I a t h o w(Werkstatt für Ladeneinrichtungen) entließ einen Teil der Arbeiter, fünf beschäftigte er weiter, instruierte fie aber dahin, daß sie bei einer etwaigen Kontrolle dem kontrollierenden Meister sagen sollten, sie seien nicht organifiert. Die Arbeiter wollten diesen Schwindel nicht mitmachen, und da eS der Holzarbeiterverband für angebracht hielt, den Betrieb des Herrn Flathow ganz stillzulegen, so verließen auch noch die fünf, die Herr Flathow behalten wollte, die Werkstatt. Solche Fälle sind dein Holzarbeiterverband in großer Zahl gemeldet worden. Nicht selten kommt eS auch vor. daß Arbeitgeber, die ihre älteren Arbeiter behalten»vollen, sie ruhig weiterarbeiten lassen und ihnen noch nach dem 12. Januar neue Akkordarbeit gegeben haben.— In der Werkstatt von Lütke, Gitschinerstraße, sind 13 Gewerk- vcreinsmitgliedcr beschäftigt. Der Arbeitgeber ersuchte sie, sich mit Ausweispapieren über ihre Mitgliedschaft im Gewerkverein zu ver- sehen, um sich den» kontrollierenden Meister gegenüber ausweisen zu können. Eine solche Kontrolle ging aber selbst den Hirsch- Dunckerschen zu weit, sie wollten davon nichts wissen. Vielleicht ist ihnen auch die Verwerflichkeit der Haltung ihrer Organisation zum Bewußtsein gekommen.— Berliner Tischlergesellen sind auswärts zurzeit sehr gesucht. Täglich laufen auf dem Bureau des Holz- arbeiterverbandes Nachfragen nach Arbeitskrästen ein, gestern allein gingen 36 solche Gesuche aus einer größeren Stadt ein. So gelingt es, trotz aller Gegenmaßregeln der Unternehmer, einen Teil der Ausgesperrten außerhalb Berlins in Arbeit zu bringen. Wie bei jedem wirtschaftlichen Kampfe, so ist auch bei dieser Ge- legenheit die Polizei auf dem Posten, wenn irgend ein aussperrungs- wütiger Unternehmer polizeiliche Hülfe nötig zu haben glaubt. In einer Schankwirtschaft in der Gneisenaustr. 43 verkehren die Aus- gesperrten einer in der Nähe befindlichen Tischlerei. Arbeitswillige gibt es in ihrer Werkstatt nicht, es hat also schon aus diesem Grunde kein Arbeitswilliger„belästigt" werden können. Trotzdem kam der Leutnant des 78. Polizeireviers gestern vor- mittag in das betreffende Lokal und sagte in forschem Tone zu dem Wirt, es seien Beschwerden eingelaufen, daß Arbeitswillige von dem Lokal aus belästigt worden seien, wenn das nicht unterbleibe, dann »verde er, der Polizeileutnant, diese Leute— er meinte damit einige aiuvesende ausgesperrte Tischler— hinausbringen lassen und das Lokal räumen. Der Herr Polizeileiltnant überschätzt seine Amtsbefugnisse. Wer gibt ihm das Recht, ein Schanklokal zu räumen auf Grund von Beschwerden, deren Jithalt gar nicht bewiesen und auch nicht be- gründet ist?__. Die Aussperrung der Automobilführcr soll hartnäckig fortgesetzt lverden, so beschlossen die Unternehmer in ihrer letzten Ver- sammlung im„Heidelberger". Man will sich auf den Verinittc- lungsvorschlag, 20 Proz. zu bewilligen und alles übrige beim alten zu lassen, nicht festlegen als einen Beschließ der Vereinigung. Wenn einzelne Unternehmer sich für einen Vorschlag dieser Art erklärt haben, so sei dies ihre Sache; die Gesamtheit beharrt auf dem ablehnenden Standpunkt allen Vorschlägen gegenüber, die mit der am 1. Januar eingeführten Arbeitsordnung nicht übereinstimmen. In einer Vertrauensmän nerver sammlung der A u eg e s p e r rt e n wurde am Mittwoch die gegcntvärtige Situation beraten. Die Resolution der Versammlung der Ausgesperrten vom Dienstag morgen war den Unternehmern schriftlich mitgeteilt worden und ebenso die Bereitwilligkeit, in Verhandlungen eintreten zu »vollen. Darauf wurde folgender Brief als Antwort von den Unter- nehmern unter dem Datuln vom 16. d. M. gesandt: „Das Schreiben der Kommission der im Ausstand befindlichen Kraftdroschkenführer vom 13. d. M. ist hier eingegangen und wurde der Mitgliederversammlung unseres Vereins am gleichen Tage abends vorgelegt. Diese Versammlung hat hierauf ein- stimmig beschlossen, an den Bedingungen, welche in der durch Aus- hang bekanntgegebenen Fahrordnung enthalten sind, unbedingt festzuhalten. Hiervon geben wir dem Zentralverband ge- ziemend Kenntnis. Hochachtend Der 1. Vorsitzende des Vereins der Kraftdroschkcnbesitzer. v. Lppeln-BronikowÄy." Die Automobilführer sehen der EntWickelung»der Dinge mit Ruhe entgegen und sind nicht gesomren, sich von der scheinbaren Festigkeit �der Unternehmer verblüffen zu lassen.— Etwa 100 der Ausgesperrten haben Stellung genommen als Kutscher für Pferdcdroschken. Ferner lvurde bckanntgemacht, daß 30 der in den Betrieben Angelernten sich den Ausgesperrten angeschlossen haben, dank der eifrigen Agitatioi» der aus- gestellten Posten. Achtung, Friseurgehülfen! Herr Marko»vsky, Reuchlin- straße 4, hat seilte neuerdings gegebene Bewilligung wieder zurück- gezogen. Für Mitglieder ist daher diese Firma dauernd gesperrt. Verband der Friseurgehülfen Deutschlands. Zweigvcrein Berlin und Vororte. I. A.: Paul Liere. Ausland- Zwei große Streiks in Holland. Der Hafenarbeiter st reik in Amsterdam dauert un- verändert fort. Die Versuche der Transportarbeiterorganisationen, dllrch Verhandlungen mit den Unternehmern zu einer Einigung zukommen, sind gescheitert. Der Vorstand der„Arbeitgebervereinigung auf Schiffahrtsgebiet" antwortete auf das Angebot der Organisattonen, daß keine Verhandlungen möglich seien, weil die Arbeiter am 8. Ja- nuar durch die Arbeitsniederlegung„die Machtfrage gestellt" hätten. Die Unternehmer haben nun ihre Streikbrecheragenten auf Reisen geschickt, die vermutlich auch auf deutschem Gebiet nach arbeitswilligen Leuten suchen lverden. Der Streik der über 800 Textilarbeiter und Arbeiterinnen in Rijssen dauert ebenfalls unverändert fort. Auch hier bemühten sich Vertreter der Arbeiter um eine Einigung und auch christliche Herren suchten ihren Einfluß als Friedensstifter geltend zu machen. Aber der großmächtige Jute- fabrikant Ter Horsten holte sich Rat bei dem Unternehmer- Vorsitzenden Van Heek in Enschede und wies dann alle Verhaudlungs- Vorschläge zurück. Im ganzen Lande sammelt die Arbeiterschaft Gelder zur Unter- stützuug der Jutesklaven._ Für den Weltfrieden wollen die Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten von Amerika eine große Agitation ein- leiten. Nach dem Plan von Samuel Gompers soll jede Trade Union, die zum Amerikanischen Arbcitcrbund gehört, von einem Kongreßabgeordncten fordern, daß er dafür im Kongreß in Washington»virke, daß die Vereinigten Staaten für allgemeine Ab- rüstung und internationale Schiedsgerichte eintreten. Gompers, der Präsident des Arbeiterbundcs, will sich damit billigen Ruhm erwerben und»vahrschcinlich seine Ohnmacht und Einflußlosigkeit in der Politik des eigenen Landes verdecken, wo Gesetze zugunsten der Arbeiter nur Mit schwerer Mühe vom Kongreß zu erlangen sind. Eue der frauenbcwegung. Versammlungen— Veranstaltungen. Lichtenberg. Die Versammlung für Monat Januar fällt aus. Nächste Versammlung(Generalversammlung) Montag, den 18. Februar. Friedrichshagen. Die Versammlung am 21. Januar fällt aus. Die Frauen werden ersucht, die Volksversammlung für Frauen u,td Männer am 22. Januar in Lerchs Bürgersälen zahlreich zu besuchen._ Der preußische LandeSmiSschuß für Fraucnstimmrecht veranstaltet eine öffentliche Versammlung Montag, den 21. Januar, abends 8 Uhr. in den Jndustriesälen, Benthstraße 19/20, mit der Tages- ordnung:„ R e i ch s t a g s»v a h l e n und F r a u e n st i m in- recht". Referentmnen: Else Lüders, Adelheid v. Welezeck. Männer und Frauen aller Parteien haben Zutritt. Das zerstörte Kingston. Viel verheerender als man anfänglich geglaubt, hat das Natur- clemcnt in Kingston gewütet. Nicht nur die Zahl der Toten, sondern auch der Gesamtschaden wird späteren Meldungen zufolge viel höher angegeben. Nach Meldungen aus S t. T h o m a s soll die ZahlderTotcnbei dein Erdbeben in Kingston 1000, die Zahl der Obdachlosen 90 000 und der Schaden 10 Millionen Dollgrs hetxllgeg Hülfeleistung für die Notleibenbeik. Wie aus Washington gemeldet wird, hat das Marine- dcpartement durch drahtlose Telcgraphie aus Guantanamo(Kuba) die Nachtlicht erhalten, daß Admiral Evans an Bord des Torpedo- bootes„Whipple" nach Kingston führ, um dort die nötige Unter. stützung anzubieten. Die Schlachtschiffe„Missouri" und„Indiana" folgten. Tie Proviqntschifse„Celtic" und„Glacier", die zur atlantischen Flotte stießen und voll mit Vorräten versehen warm, haben den Befehl erhalten, sofort nach Kingston weiterzufahren, wo ihre Ladung unter die Notleidenden verteilt werden soll. Den„Times" wird über St. Thomas gekabelt: Das Feuer. das dem Erdbeben folgte, hat die Zerstörung von Kingston vollendet. Man fürchtet, daß der Menschenverlnst sehr bedeutend ist. Infolge Unterbrechung der telegraphischen Landlinien sind Nachrichten aus dem Innern spärlich. Die Post litt jedoch nicht ernstlich. Mcm warnt, nach Kingston zu kommen, da der Geruch der Verwesendeir schrecklich ist und eine Hungersnot bevorsteht. Alle Geschäfte »vu-den zerstört. Mundvorräte sind dringend benötigt. Die Banken sind niedergebrannt. Die feuerfesten Gewölbe aber haben ausgehaltcn. Der Jammer ist unbeschreib- »ich, niemand weiß, Ivo seine Bekannten geblieben sind. Viele Leichen liegen unter den Trümern der Mauerstücke. Die Kaufmannschaft hat am meisten gelitten, da die Warenhäuser über ihnen zusammenbrachen; viele Kaufleute sind daher tot oder verwundet. Neger plündern die Trümmer st ättc, und häßliche Szenen spielen sich ab. Alle Gebäude in und um Kingston sind in Ruinen verwandelt und schwerlich wieder bewohnbar. Der ausgebrannte Vulkan bei Portland gibt wieder Zeichen von Tätigkeit. Ein Dampfer der Hamburg— Amerika-Linie wird, wie ein Telegramm aus New Jork besagt, am Freitag oder Sonnabend von dort nach Kingston abgehen, um für die Opfer des Erdbebens kosten- frei Lebensmittel dorthin zu bringen. Die Erdstöße dauern fort. New York, 17. Januar. Die Hafenanlagen von Kingston liegen vollständig im Ruin. Viele von den bei der Katastrophe Ver- letzten sterben infolge mangelnder Pflege. Der Materialschaden wird auf fünfzehn Millionen Dollar geschätzt. Die Erdstöße dauern fort. Zum Unglück Kingston. London, 17. Januar. Der New Jork Herald meldet aus Kingston, daß das Feuer ausgebrannt ist. Die einst schöne Stadt ist jetzt eine grausige Fläche voller Trauer und Klagen. Taufende ihres Heims Beraubte schlafen auf den Straßen, Bananen sind ihre Hauptnahrung. Gestern wurden 180 Leichen aus dein katholischen Friedhof bestattet, heute 130. Infolge der Zerstörung des Irren- Hauses streichen Hunderte von unverletzten Geisteskranken durch die Gegend. Es heißt, daß Hunderte von Weißen umgekommen sind. London, 17. Januar. Im Kolonialamt glaubt man, daß die Zahl der durch das Erdbeben von Kingston obdachlos gewordenen Personen 9000 beträgt, nicht 90 000, wie heute aus New Jork ge- meldet wurde. ßmfkarten der Redaktion. Tic juristisch« Sprcchftnnd« stnde« Frirdrichstr.>«. Aufgana 4, «ine Trepp« tSa„d«lSstätte Bcllcalliancc, Turchgaug auch Liudcnstr. l«t), >voch«u»ligl> Uhr. Jeder Zliifrage ist ein Buchstabe»nd eine Zahl als Merkzeichen bei zufüge». Briefliche Butwvrt wird nicht erteilt. Eilige Jrage»»rage mau in der Sprechstunde vor. M. M. SÄ. Sie können in Strafe genommen werden; holen Sie das Versäumte nach. Die Sache selbst wird Verlvendung finden.— H. 07. Die Adresse von Upton Sinclair ist: Pnneelon N. J., Vereinigte Staalc». Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Marktballen-DireNlon.(Großhandel.) Rindfleisch I» 70—75 pr. 100 Pjd., IIa 64-69. lHa 58-63, IVa 50- 56. Kalbfleisch. Doppelländer 120—135, la 86— 95, IIa 75—85, nia 58—72, Holl. 56—62. Hammelfleisch la 68—76, IIa 52—66. Schweinefleisch 56—65. Rehwild la per Psd. 0,00. IIa 0,00—0,00. Roiwild la 0,36—0,45, IIa 0,00—0,00, do. Kälber 0,40-0,50. Damwild 0,40—0,48, do. Kälber 0,50—0,55. Wildschweine 0,00—0,00. Frischlinge 0,00. Hasen per Stück 2,50—2,75, do. klein und IIa 2,40. Kaninchen per Stück 0,60—0,90. Wildeiilen per Stück 0,00. Hübner, alte per Stück 1,50—3,40, do. Na 1,25—1,40, do. junge per stück 1,10—1,75. Tauben per Stück 0,60—0,85, junge kleine 0,00. italienische 0,00. Enten per Stück 1,30—2,75. Hamburger junge per Stück 0,00. Gänse, Oderbrucher, per Psd. 0,60—0.70, do. Hamburger pr. Psd. 1,00 bis 1,10, Eis- 0,55-0,60. Hechte per 100 Psd. 72-94, mittel 0,00, Zander 0,00, niatt 0,00. Schleie, groß 0,00, uiisort. 113,00, Bleie, groß 43—50. Aale, groß 0,00, mittel 98—103, klein und mittel 91—93. Plötzen, klein 32-34, groß 51-54, unsort. 42—47. Karpsen. 10er 0,00, do. 30— 35er 0,00, 50 er 60—64, 80— 100er: 0,00. Barse, matt 0,00, do. 0,00. Karauschen 0,00. Bleifische 0,00. Wels 0,00, Bunte Fische 66. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila neuer 75. Seelachs 20. Sprotten, Kieler, Wall 0,75—1,25, Danziger, Wall 0,60—0,80, Flundern, Kieler, Stiege la 4—6, do, mittel ver Kiste 2—3, Hamb. Stiege 4—5, halbe.Kiste 1,50—2. Bücklinge, per Wall Kieler 3,50—5,00,' Sttalsunder 0,00. Aale, groß per Pjd. 1,10—1,30. mittelgroß 0,80—1,00, klein 0,50—0,60. Heringe per«chock 4—5. Schellfische Kiste 3— 4,00, do. Kiste 2,00. Kabliau, p. 100 Psd. 20. Heilbutt 0,00.«ardellen. 1902cc per'Anker 93, 1904er 93, 1905er 90, 1906er 73—75. Schottische Vollhermge 1905 0,00, largo 40-44, füll. 36—38, med. 33—42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, per'/, To. 60—120. Sardinen, russ.. Faß l.50— 1,60. Bratheringe, Büchsc(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schocksaß 11, kleine 5—6, Riesen- 14. Hummern, kleine, per Psd. 0,00. Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 0,00, kleine 0,00, uniort. 0,00. Galizier, groß 0,00, mittel 0,00. Eier, Land-, per Schock 4,75—5,25. Butler per 100 Psd. la 114-120, IIa 110-115. INa 108— 112, abjallcnde 90-100. Saure Gurken schock 3,50— 4,00, Psefiergurken 3,50—4,00. Kartofseln per 100 Psd. 0,00, magnum bonum 2,10— 2,25, Dabcrsche 2,10— 2,25, Rosen 0,00, weiße 1,75—2,00, Salatkarlosselu 5,00—6,00. Spinal' per 100 Psund 12—18. Karotte» per 100 Pfund 10—12. Sellerie, hiesige, per Schock 2,00—5,00, do. pommcrsche 5,00—6,00. Zwiebel» große, per 100 Psd, 2,25—4,00. do. kleine 2,00—2,50. do. hiesige Gleich am ersten Tage stellte es sich heraus, daß 1l) bis 12 Arbeiter nicht wählen konnten, weil sie nicht in der Wähler- liste standen, ein Beweis, daß die Wählerliste nicht genügend eingesehen worden ist. Arbeiter. Parteigenossen! Heute ist der letzte Tag der Wahl, setzt Eure ganze Kraft ein und be- siegt die gegnerische Liste. An alle Arbeiter und Genossen Berlins, welche mit Wilmersdorfern zusammen arbeiten, er- geht die Mahnung, dieselben auf ihre Pflicht aufmerksam zu machen. Wenn jeder seine Pflicht tut, so muß der Sieg unser sein. Die Kandidaten der Sozialdemokratie sind die Genossen: Maurer Hermann Behrendt, Buchdrucker Georg F e e s e, Stukkateur Otto Gladikow, Dachdecker Fried r. Henkel. Drechsler Emil Kiefer, Maurer Fried r. Köpping, Bildhauer Friedr. Pieper, prakt. Arzt Dr. K a r l W e st p h a l. Rixdorf. Ein erbitterter Kampf zwischen Einbrechern und Kriminal- beamten fand in der gestrigen Nacht in der Bergstraße 22 statt. Dem 3. Polizeirevier war die Nachricht zugegangen, daß drei Einbrecher die Absicht hätten, nachts in das Geschäft der Geschwister Hannach einzudringen und dort den eisernen Geldschrank zu berauben. Drei Kriminalbeamte ließen sich nun die Geschäftsschlüssel geben und schlössen sich kurz vor Mitternacht in den Laden ein. Kurz nach Mitternacht zeigte es sich, daß die Mitteilung auf Wahrheit beruhte. Gegen einhalbein Uhr hörten die Beamten, wie vom Hausflur auS verwcht wurde, die zum Laden führende Hintertür zu öffnen. Aber erst»ach fast einstündiger Arbeit gelang es den Einbrechern, sich den Eingang zu verschaffen. Zunächst leuchteten sie in alle Räume hin- ein. uni sich zu überzeugen, ob„die Lust rein sei". Hierbei ent- deckten sie die versteckt liegenden Beamten und wollten entfliehen. Die letzteren warfen sich jedoch auf die Eindringlinge und nun ent- stand ein hartnäckiger Kampf. Nach längerer Zeit gelang eS die Einbrecher zur Wache zu bringen. Treptow. Die Gemeinde errichtet eine Brauchwasserkanalisation für un- reine HauS-, WirtschaftS- und Fabrikabwässer, ausschließlich der Niederschlags- und der reinen Fabrikabwäsier. Das dieserhalb er- lassene Ortsstatut ist vom Kreisausschuß des KreiseS Teltow ge- nehmigt worden. Beitragspflichtig sind die Eigentümer derjenigen Grundstücke, welche an einer Straße liegen, in der eine den An- schluß des Grundstücks ermöglichende Kanalisationsleitung verlegt ist, ohne Unterschied, ob die betreffenden Grundstücke bebaut oder unbebaut sind. Der Kanalisattonsbeitrag ist ans 48 M. für jedes laufende Meter. Grundstückssront festgesetzt. Die Stadt Berlin ist als die Besitzerin der größten und meisten Grundstücke in Treptow an der Kanalisatton im hohen Grade interessiert. Es kommen nämlich zunächst Grundstücke der städttschen Grundeigentums-Deputation mit zusammen 0060 Meter Straßenfront und der städtischen Parkdeputation mit zu- sammen 310 Meter Front bei der Veranlagung zu den Kosten in Frage. Die Kanalisation würde also der Stadt Berlin rund 291 000 M. Kosten verursachen, die von der Grundeigentums- Deputation, und 14 900 M., die von der Parkdeputation zu tragen sind. Mit den Arbeiten für die Kanalisation ist inzwischen begonnen worden; sie dürfte ganz wesentlich zur schnellen Bebauung beitragen und ein rascheres Aufblühen des Ortes als bisher gewährleisten, für den bekanntlich in vielen Teilen die Landhausbau-Ordnung ge- fordert wird. Gräbendorf. Ein EinbruchSdieistahl bei einem Amtsvorsteher ist in der gestrigen Nacht anscheinend von Berliner Einbrechern in Gräben- dorf bei Königs-Wusterhausen verübt worden. Die Diebe drangen in die Wohnung des dorttgen Amtsvorstehers Lehmann, indem sie sowohl die Haus- als auch die Zimmertüre mit Stemmeisen er- brachen. Bares Geld fanden die Verbrecher nicht vor. Sie stahlen eine Taschenuhr, Jagdflinte. Bekleidungsgegenstände, sowie einige weniger wertvolle Schmucksachen. Die Täter haben sich dann ver- mutlich zu Fuß nach Königs-Wusterhausen begeben, um von dort mit dem Vorortzuge nach Berlin zurückzukehren. Potsdam. Angehalten wurde am Mittwochabend der Werkstattvorsteher der Teltow-Kanalbauverwaltung Frank auf dem Wege von der Station Neu-Babclsberg nach Glienicke von einem jungen Manne. Derselbe trat mit einem Messer und Revolver mit den Worten an ihNjJheran:„Geld oder Leben I" Frank schlug dem Strolch das Messer mit seinem Schirm aus der Hand, worauf derselbe mehrere Schüsse aus dem Revolver auf Frank»abgab. Der letzte Schuß drang demselben in den Unterkiefer. Frank fiel zu Boden und wurde schwerverletzt nach dem Krankenhaus in Potsdam gebracht. öcrxchtQ- Zeitung Prozeß Lima» wider Mehring. Der Belcidigungsprozeh Dr. Paul Lima« gegen die Genossen Dr. Franz Mehring, Kressin und Scegcr sollte gestern vor dem Leipziger Schöffengericht stattfinden. Mehring hatte bekanntlich in einem von ihm imt vollem Namen unterzeichnetem Artikel in der „Leipziger Volkszcitung" Angriffe des Dr. Liman abgewehrt. Letzterer war wegen angeblicher Beleidigung durch den Genossen Kressin zum Kadi gelaufen und erwirkte Krcssins Verurteilung zu einem Monat Gefängnis. Mehring und Genossen hatten die Wider- klage erhoben wegen eines Artikels, in �dem Dr. Liman schrieb: die Verklagten Kressin und Sccger seien Sitzredakteure, Mehring und andere Führer der Sozialdemokratie hätten sich am„roten Sonn- tag" ins Mauseloch verkrochen und wegen ähnlicher Limanschcr Anwürfe. Vor Eintritt in die Verhandlung erklärte Rechtsanwalt Doktor Hübler(für die Beklagten): Ich bin genötigt, den Vorsitzenden (Assessor Köster) wegen Besorgnis der Befangenheit abzulehnen. Der Privatkläger und Widerbeklagte schrieb, die sozialdemokratischen Führer hätten sich am„roten Sonntag" ins Mauseloch verkrochen. Zum Beweis dieser Behauptung stützte er sich auf den Chefredakteur der Berliner„Täglichen Rundschau". Heinrich Ripplcr. Später hat er dann diesen Zeugen fallen lassen und den Chef der Ber- lincr politischen Polizei, Polizeirat Henniger, benannt. Ich hahe hiervon Kenntnis erlangt und sofort als Gegen- zeugen die Abgeordneten Bebel und Singer genannt, die bezeugen werden, daß der Parteivorstand keinerlei Demonstrationen für den soßenannten„roten Sonntag" geplant hat und daß von vornherein der Beschlutz vorlag, lediglich Versammlungen abzuhalten. Diesem Antrage ist nicht stattgegeben worden. Es bekundet dies eine Ein- seitigkeit d«S Vorsitzenden, da der Verklagte unmöglich auf dieses Zeugnis verzichten kann, zumal Polizeirat Henniger, der Chef der Berliner politischen Polizei, selbstredend bekunden wird, daß die Vorbereitungen der Polizei am„roten Sonntag", über die sich selbst die bürgerliche Presse lustig machte, mit allem Grund ge- troffen worden seien. Ich bin deshalb genötigt, den Vorsitzenden abzulehnen. Rechtsanwalt Dr. Mittelstädt(für den Kläger): Ich wider. spreche dem Antrage. Es ist nicht behauptet worden, daß von feiten der Sozialdemokraten Demonstrationen geplant waren, sondern nur. daß sich die sozialdemokratischen Führer ins Mauseloch ver- krochen hätten. Nach kurzer Beratung des Gerichts verkündet der Vorsitzende: Da über einen Ablehnungsantrag das Landgericht zu beschließen hat, dieses aber augenblicklich nicht zusammentreten kann, ist be- schloffen worden, die Verhandlung zu v e r t a g e n. •• Die erfolgte Ablehnung ist nach Lage der Sache vollauf be- rechtigt. Es ist ein mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit un- vereinbarer Beschlutz, einen Polizeibeamten, der womöglich die Antwort darüber, wer die Subjekte sind, die ihm falsche Informationen zugetragen haben, verweigern kann und der aus eigener Wissenschaft nichts weiß, als Zeugen über die ihm gemachten Zuträgereien zu laden, die Ladung derjenigen Personen aber abzulehnen, die aus eigener Wissenschaft Bekundungen über Tatsachen zu machen vermögen. Es ist bedauerlich, daß durch das Vorgehen des Klägers und des Gerichts der Prozeß, der seit Monaten verhandlunzsreif war, noch nicht zur Verhandlung hat gelangen können. Es wäre recht er- spricßlich, möglichst bald in voller Oeffcntlichkeit festzustellen, wcs Geistes Kind der Kläger ist, der nicht als Person, sondern lediglich als Preßtrabant der hcrrschaden Klasse interessiert. Einen Liman, dem eine Fülle von Unwahrheiten und Verdächtigungen nachzuweisen ist iu.j der als Schriftsteller nachgewiesenermaßen zu derselben Zeit au verschiedenen Zeitungen in verschiedenem Sinne schreibt, zu kennzeichnen, liegt im Interesse der Aufklärung. Sollte das Landgericht den vollbcgründeten Ablchnungsantrag zurückweisen, so hat das Schöffengericht, deren Laienmttgliedcr mit dem Vorsitzenden bei der Beschlußfassung gleichberechtigt sind. es noch immer in der Hand, in vollstem Umfange Beweis zu be- schließen. Wie schlecht des Liman Sache steht, ergibt sich aus der oben wiedergegebenen Glosse seines Verteidigers: als Kronzeugen über die alberne Phrase,„die Führer sind ins Mauseloch ge- krochen", wird der von Spitzeln schlimmster Sorte bediente Polizei- beamte benannt, aber der Verteidiger hütet sich, eine einzige Tat- fache anzuführen, die den blöden Anwurs seines Klienten zu recht- fertigen vermöchte._ Prozeß Martin wider Bernhard. Die schon mehrfach verhandelte Privatilage des RcgicrungsratS im kaiserlichen statistischen Amt, Rudolf Martin, gegen den Schriftsteller Georg Bernhard kam gestern vor der dritten Strafkammer des Landgerichts III wiederum zur Verhandlung. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Kluse mann. Dem Privatkläger stand dessen Bruder, Rechtsanwalt Martin-Leipzig, zur Seite, der Angeklagte wurde durch Rechtsanwalt Dr. Werthaucr, verteidigt. Das Schöffengericht zu Charlottcnburg hatte am 13. Juni 1900 den Angeklagten wegen öffentlicher Beleidigung zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt und folgendes festgestellt: �m April 1900 gab der Angeklagte zu Charlottcnburg eine Broschüre „P l u t u s, Rußlands Bankrott", heraus. In dieser Broschüre veröffentlichte der Angeklagte mit der Ueberschrift:„Das Martinsch« Buch" einen Aufsatz, der im September 1905 bereits in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift„Plutus" erschienen war. In dem Artikel wird die Frage ausgeworfen:„Wer ist Martin?" und daran eine Ausführung geknüpft, in welcher eine an der Börse kolportierte Anekdote über ein angehliches Tischgespräch des Privatklägcrs mit einer Tischnachbarin wiedergegeben wurde. Diese Anekdote ist von dem Schöffengericht für beleidigend erachtet worden, da der Leser den Eindruck gewinnen müsse, daß der Privatkläger eine Art Mit- giftjäger sei, der danach trachte, durch eine reiche Heirat Geld zu erwerben.— In dieser Sache hat schon vor einiger Zeit Ternun in der Berufungskammer angestanden, er wurde aber nach längerer Verhandlung vertagt, weil der Angeklagte noch mit neuen Beweis- antrügen hervortrat. Zum gestrigen Termin waren Zeugen nicht geladen, der Vorsitzende unterbreitete vielmehr den Parteien noch- >nals den Gedanken, den ganzen Streitfall durch einen Vergleich aus der Welt zu schaffen. Es kam folgender Vergleich zustande: „Der Angeklagte erklärt, daß er zur Zeit des Erscheinens des Ruf- satzcs die fragliche Anekdote für unwahr gehalten und nach seiner Ueberzeugung dies auch in dem Artikel zum Ausdruck gebracht habe. Er wolle auch heute seinerseits nicht behaupten, daß die Anekdote wahr sei. Der Privatkläger erklärt, daß er dem Angeklagten nicht den Vorwurf machen wollte, daß er aus Sensationslust und zum Zwecke des Gelderwerbes den Artikel geschrieben habe."— Der Privatkläger nahm hierauf die Klage zurück, während der Angeklagte sich verpflichtete, die Kosten des Verfahrens zu tragen._ 6 Jahre Gefängnis gegen eine» 14jährigen! Der 14jährige Sohn des Arbeiters Martin Zacniejski aus Kalischcrheide überfiel seinerzeit auf dem Wege nach Mixstadt die Frau Cichowicz. Er hieb auf dieselbe mit einem Stein ein, so daß sie bewußtlos liegen blieb, und raubte daraus aus ihrem Korbe 11,90 M. Bargeld und ein Taschentuch. Tags darauf wurde er verhaftet und ins Gefängnis abgeliefert. Das Schwurgericht in Ostrowo hat ihn jetzt dafür zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Glaubt in der Tat.die herrschende Klasse, daß durch lange Gefängnisstrafen die durch die Gesellschaft selbst vsrursachte Ver- Wahrlosung jugendlicher Personen beseitigt werden kann? Fehlt ihr das Gefühl dafür, was die Gesellschaft dem Kinde schuldet, und daß derarttge Strafen nicht geeignet sein können, vor ver- brecherischen Handlungen abzuschrecken, sondern diese zu mehren? Zum Wahlfonds gingen in unserer Expedition Lindenstr. 69 folgende Beiträge ein: Gesammelt bei einer Silvesterseier 2,15. Rosenthal, Fried- land 1,30. Sparverein Vergißmeinnicht, Melchiorstr. 5 20,—. E. H. A. 25 5.—. Von Mitgl. d. 9. Männerabteilung d. Turnvereins „Fichte" 15,—. Arb. d. Fa. Moldenhaucr u. Metzdorf 9,26. Arb. d. Fa. Leiser u. Co. 15,—. Tischlerwerkstatt Thoms(Sechserkasse) 5,—. Thiele 1,50. Cohn 2,—. H. K. 20,—. Ueberschuß von einer Kranzspende der Arbeiter der Firma C. Kliemt, Neue Königstr. 74 14,50. Verband der Graveure u. Ziseleure, Filiale Berlin 100,—. Treptow, iin kühlen Grund, durch Voigt 2,30. Buchdruckerei Beruh. Paul, 4. Rate 7,20. M. N.. Müllerstt. 47 a 3,—. Bierprozente vom Bau Gause, Pariserplatz 6,—.« Hopfenblüte 8,—. Gesangverein Licdcrfreunde b. Senftleben, Johannisthal, Zubeils Geburtstag 11,30. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands, Zahlstelle Rixdorf 200,—. Zentralverband der Schmiede, Zahlstelle Königs- Wusterhausen 60.—. Rauchklub„Pappel". M. d. A.-R.-B. 5.-. Herrenschneiderei Krause, Ackcrstr. 79 5,—. Kollegen von Joseph Hildebrandt durch H. Bolz, Bureau des Bäckerverbandes 5,25. Au Stelle eines Stimmzettels von einen, deutschen Genossen im Aus» lande 17,—. Langjähriger„Vorwärts"-Aboilnent 3,—. Tischler« gesellen von Soinmerlatte, Prenzlauer Allee 100 3,—. Summa 530,75 M. Bereits quittiert 13 949,44 M. Summa 14 436.19 M. Weitere Beiträge werden in unsere» Expedition entgegen- genommen. Vernufebtes* Ein Attentat auf den Schnellzug Berlin— Stuttgart wurde dieser Tage unweit A r n st a d r i. Th. verübt. In der Nähe des Fürsten- berges war von bübischer Hand eine eiserne Kette quer über die Schienen gelegt, offenbar in der Absicht, den Zug zum Entgleisen zu bringen. Glücklicherweise wurde die starke Kette von den Rädern der Lokomotive zerrissen. Die Eisenbahndirektion Erfurt hat auf die Ermittelung des oder der Täter eine Belohnung von 100 M. aus- gesetzt. Wasserstand am 17. Januar. Elb» be« Aulstg— Meter, bei Dresden— 6 dp., bei Magdeburg+ 2,68 Reter,— Unftiu« bei Straugsurt— ,— Meter.— O d e r bei Ratibor+ 4,36 Meter.— Neitze- mündung+ 4,12 Meter.— Oder bei»lieg 4- 5,32 Meter.— Öder bei Breslau Unterpegei+ 0,70 Reter. Für den Juhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 18. Januar. Anfang 7, Uhr. Kgl. Opernhaus. Der Roland von Berlin. Kgl. Schauspielhaus. Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Urania. Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Schwahn: Der Vesuvausbruch 1906. Refidenz- Theater. Direktion Richard Allegander. Heute und folgende Tage Anfang 8 Uhr. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Die rote Robe. Schauspiel in vier Aften von Eugen Brieur. Deutsch von Anne St. Cére. Sonnabend, abends 8 Uhr: Doppelselbstmord. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Die rote Robe. Sonntag, abends 8 Ub r: Flachsmann als Erzieher. Schiller- Theater Charlottenburg, Bismarckstraße, Ede der Grolmanstr. Freitag, abends 8 Uhr: Minna v. Barnhelm. Luftspiel in 5 Aufzügen v. Gotthold Ephraim Lessing. Sonnabend, abends 8Uhr: Die Räuber. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Kabale und Liebe. Sonntag, abends 8 Uhr: Mathias Gollinger. Schiller- Theater N. Zirkus Schumann Deutsches. Die Geschwister. Mit Florette und Patapon. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. schuldigen. Rammerspiele: Frühlings Erwachen. Westen. Cousin Bobby. Lorking. Der Mikado. Anfang 8 Uhr. Leffing. Das Blumenboot. Schiller 0.( Wallner Theater.) Die rote Robe. Schiller Theater Charlottenburg. Minna von Barnhelm. Schiller N.( Friedrich Wilhelm städtisches Theater). Der Familien tag. Neues Schauspielhaus. Herthas Hochzeit. Kleines. Eine triviale Komödie. Berliner. Sherlod Holmes. Komische Oper. Lakmé. Neues. Thérese Raquin. Residenz. Florette und Batapon. Lustspielhaus. Husarenfieber. Zentral. Künstlerblut. Deutsch Amerikanisches. % Sorgenbrecher. Der Thalia. Eine lustige Doppelehe. Luisen. Herr Potter aus Teras. Bernhard Rose. Der Raub der Sabinerinnen. Trianon. Wo ist der Papa? Bor. her: Die Schloßtellerei. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Herrnfeld. Familientag im Hause Prellstein. Wintergarten. Sabaret. Spezia litäten. Apollo. Die schöne Bestalin. Spe zialitäten. Kafino. Ledige Leute. Spezialität. Folies Caprice. Das Modell. Serenissimus August XXVI. Josef Fleischmann. Pajjage. Berlin paß auf! Spe zialitäten. Figaro. Der Kavalier. Die Klaue. Chicagoer Landwirt. Unterm Bett. ( Anfang 8, Uhr.) Prater Theater. Lowood. Die Waise von Walhalla. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Hrania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Schwahn: Der Besuvausbruch 1906. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Ferdinand Bonns Schwant in 3 Aften v. M. Hennequin und Pierre Beber. Abends 8 Uhr: Der Familientag Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Zirkus Busch. Schlafwagen- Kontrolleur. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Benefiz für 2. Ottomeyer. Zum ersten Male: Herr Potter aus Texas. Amerikanisches Sittenbild in 4 Aften, frei n. d. Englischen von A. T. Home. Anfang 8 Uhr. Morgen 4 Uhr: Die sieben Raben. 8 Uhr: Ein Wintermärchen. Sonntag Uhr: Maria Stuart. 8 Uhr: Herr Potter aus Teras. DERNHARD ROSE- THEATED Große Frankfurterstr. 132. Der Raub der Sabinerinnen. Schwank in 4 Akten von Franz und Paul v. Schönthan. Morgen nachmittag 4 Uhr: Kindervorstellung: Das tapfere Schneiderlein. W. Noacks Theater. Direttion: Rob. Dill. Brummenftr. 16. Bum legten Male: König Lear. Tragödie in 5 Aften v. 3. Shakespeare. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bf. Ehren und Borzugskarten gültig. Sonnabend feine Vorstellung! Metropol- Theater Der Teufel lacht dazu. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Roth. Viktor Hollaender. Dirigent Max In Szene gesetzt Direktor Richard Schultz. von Heute abend 7%, Uhr: Große Gala- Vorstellung. Der Todes- Globus. Mig Alice Dianda, Dreffuren. Die urtomischen Clowns 4 Gebr. Fratellini. Die berühmte Reiterfamilie Lecusson. Um 10 Uhr: ROM. Gr. Drigin. Ausst.- Pantomime des Birkus Busch in 7 Bildern. Sonntag: 2 große Galavorstellungen, nachm. 4 Uhr und abends 72 Uhr. Walhalla Varieté- Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Heute abend 8 Uhr: Die erste Sensation von 1907! der Mann Kosta, mit bem drehbaren Kopf. 14 Karneval zvezialitäten 14 gänzlich neue Folies Caprice Linienstr. 132 Ecke Friedrichstraße. Dir. Felix Berg. Das Modell. Serenissimus August XXVI. Josef Fleischmann. Anfang 8 Uhr. Vorverk. 10-2 a. d. Theaterk. u. b. Wertheim. Deutsch- Amerikanisches Massary. Wolff. Bender. THEATER, Köpnickerstr. 67/68. Giampietro. Josephi. Anf. 8 Uhr. Rauchen überall gest. Heute und jeden Abend 8 Uhr: Gastsp. Ad. Philipp. Der große Lacherfolg: Der Heute Freitag, den 18. Januar, abends präzise 72 Uhr: Borwiegend humoristisches Programm und Ameritas größte Sensation! Noch nie gesehen: Der Motor im Globus. Miẞ Irene und Mr. Wizard Stone. 3 Frères Willé, die anerkannt besten Equilibristen der Gegenwart. Die berühmte Reiterfamilie Cardinale. Ferner: Sämtliche Clowns und Auguste mit ihren neuesten Wigen u. die neu engagierten Spezialitäten. Zum Schluß zum 29. Male: Die größte Bracht Ausstattungs. I Pantomime der Gegenwart: St. Hubertus. Sonntag: 2 Gala- Vorstellungen. Fröbels Allerlei- Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag Anfang 6 Uhr: Konzert, Theater u. Spezialitäten. Nummern! 15 erittlaffige 15 Nach der Vorstellung: Extratanz. Dienstags: Rose- Theater- Gastspiel. Trianon- Theater. Abends 8 Uhr: Wo ist der Papa? Vorher: Die Schloßfellerei. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Hausfreund. Brunnen- Theater Gesundbrunnen. Badstraße 58. Direttion: Bernhard Rose. Die Tochter des Gefangenen. Schauspiel in 5 Atten von Herrmann. Billettvorverkauf von 10-2 Uhr an Berliner Theater. Morgen Sonnabend, 19. Januar 1907: Sorgenbrecher.enöffnung 7 Uhr. Unf. 8 Uhr. II. gr. Metropol- Theater- Ball. Sonntagnachm. 3 Uhr halbe Preise der Theaterfaffe. Heute und folgende Tage: Sherlock Holmes Anfang 8 Uhr. Theater des Westens pollo CPOLLO a Theater Station Zoolog. Garten, Stantstr. 12. 18 Uhr: Die Spezialitäten- Attraktionen. Durchschlagender Erfolg! Allabendlich 7 Uhr: Gastspiel Frizz Werner Coulin Bobby. Neues Schauspielhaus Freitag, den 18. Januar 1907: Herthas Hochzeit. Sonnabend: Herthas Hochzeit. Anfang 8 Uhr Neues Theater. Gastspiel Desprès. Thérèse Raquin. Anfang 8 Uhr. Sonnabend: Le Détour. Sonntag: La robe rouge.( Die rote Robe. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Eine triviale Komödie für seriöse Leute.( Bunbury.) Sonnabend: Eine triviale Komödie für seriöse Leute. Komische Oper. Anfang 8 Uhr. Lakmé. Sonnabend: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag nachm. 3 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Ab. 8 Uhr: Carmen. Montag: Lalmė. Lortzing- Theater. Bellealliancestr. 7/8. Freitag, den 18. Januar, 7 Uhr: Bum ersten Male: Der Mikado. Abonnements gültig. Sonnabend: Der Freischütz. 9% Uhr: Die schöne Vestalin. Operette. Mufit von Viktor Holländer. Sonntag, den 20. Januar, nachm. 3 Uhr: Doppelvorstellung. Halbe Breise! 1. Abt. Variété. 2. Abt. Venus auf Erden. Gebr. Herrnfeldnig. Theater Einlaß 8 Uhr. 7 Uhr. Kommandantenstr. 57. Nur noch wenige Tage: Familientag im Hause Prellstein Komödie in 3 Atten mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Borverkauf 11-2 Uhr und bei Wertheim. In Borbereitung: Ein verrücktes Hotel mit dem Vorspiel Hayfisch geht zur Jagd". Komödie in 3 Aften v. A. u. D. Herrnfeld. WINTE PARTEN 65 SAHARET. Otto Reutter Kaufmann- Truppe, weibl. Radfahrer. Ein Ballabend i. Paris, Ballett, ausgef. von der Tiller- Truppe, London. Johnson und Dean, Mulatten- Gigerln. Lustspielhaus. Die 3 Schwestern Kloess, gymTäglich abends 8 Uhr: Husarenfieber. Zentral- Theater. Abends nastische Produktionen. Howard und Harris, amerikanische Exzentriks. Ancilotti und gedankenlesender Hund Pilu. Paul Cinquevalli, Jongleur. 8 Uhr Künstlerblut. Floretta's Luftballett. Der Biograph. Bugunsten d. schwererkrankt. E. Schulz. Ende 11 Uhr 99 großen Passage- Theater. Anfang 8 Uhr. Berlin paß auf! Burleske in 2 Aften v. Leop. Elh. Musit von Rudolf Nelson. In den Hauptrollen: Josefine Dora, Paulette van Roy, Albert Kühne, Martin Bendix. Außerdem: Die glänzenden neuen Spezialitäten für Januar. G uggenhagen 3. Morikplay. ock- Jubel ier- Trubel. Täglich: und Doppelkonzert Dee Oberbayern und Dachauer Bauernkapelle. Kasino- Theater Berliner Prater- Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Ledige Leute. Kastanien- Allee 7-9. Abends 8 Uhr zum ersten Male: Stomödie in 3 vitten v. Felig Dormann. Die Waise von Lowood. Borber das bunte Januarprogramm. Bella, Schwant in 1 Aft v. M.Krämer. Sonntag 4 Uhr: Die beiden Champignol. Morgen geschlossen. Schauspiel in 4 Atten von Charlotte Birch- Pfeiffer. Neuerscheinung! Das Ende des Reichs Deutschland und Preußen im Zeitalter der großen Revolution von Kurt Eisner. Elegant gebunden 5,- Mark. E Expedition des Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenstraße 69, Laden. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Zum Schluß: Neu! Christmarkt. Anfang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Colosseum Dresdenerstraße 97. Spezialitäten- Theater. Zm Konzertsaal: Großer Bockbier- Tubel. All- Deutschland im Bock." Nationale Dekoration! Ueberraschungen aller Art. Palast- Theater. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Täglich ab 19. Januar cr., abends 7 Uhr Sonntags ab 4 Uhr Große Münchener Bockbierfeste. Karl Kamberger mit seinen drei Kapellen: Original Oberlandler"," D'Wildschüßen" und " D'Schlierseer" Schuhplattler, Sänger und Sängerinnen. Rieberbücher zum Mitsingen gratis. Großartige eigene Deforation. Entree an Wochentagen 30 Pfennige. Sanssouci Softbufer straße 4a. Direktion Wilhelm Reimer. Sonnt., Montg., Donnerst.: Hoffmanns Nordd. Sänger. Die Wahrsagerin. Boffe. Jubelnder Erfolg! Sonnt. Bg. 5, Wochent. 8 U. Jeden Dienstag: Theater Abend. Gustav Behrens Theater, Berlin O., Frankfurter Allee 85. Das einzig daftehende Elite Januar Programm. 24 Nummern. Anfang 7, Uhr. Sonntags 4%, Uhr Otto Pritzkow, Münzstr. 16, Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien. Auf Wunsch Vorführung in Vereinen jederzeit. Verbindung mit größter FilmsFabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. Die Frauen und die Politik Bon Lily Braun. Preis 50 Bfg. Agitations- Ausgabe 20 Pfg. In warmen, zu Herzen dringenden Worten fordert die Berfasserin die proletarischen Frauen auf zu tätiger Mits arbeit bei den Organisations bestrebungen der Arbeiter. Die Revolution der Maschine hat die Frau der Ausbeutung des Kapitalismus überantwortet; die Maschine ebnet aber auch den Weg zur Befreiung der Frau aus den ökonomischen, rechtlichen und fittlichen Fesseln, in die vergangene geiten fie geschlagen haben. Die Berfafferin zeigt, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Buchhandlung Vorwärts Berlin SW. 68, Lindenstr. 69 Englischen Unterricht, einzeln und im Zirkel, erteilt 36372* Gertrud Swienty, Schöneberg, Sedanstraße 57, III. Bildschön ist ein zartes, reines Gesicht mit rosigem, jugendfrischen Aussehen, weißer, sammetweicher Haut und blendend schönem Teint! Alles dies erzeugt die echte: Steckenpferd- Lilienmilch- Seife von Bergmann& Co., Radebeul- Dresden allein echt mit Schutzmarke: Steckenpferd. à St. 50 Pf. in den Apotheken, Drogerien und Parfümerien. Sozialdemokratischer Wahlverein Steglitz. Am 15. Januar verstarb plötzlich im Alter von 48 Jahren unser Mitglied, der Puter Ferdinand Gollin. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 20. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Stegliger Kirchhofes aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 203/3 Der Vorstand. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Sektion der Putzer. Todes Anzeige. 3 Am Dienstag, den 15. Januar, verstarb plöglich unser Mitglied Ferdinand Gollin an Herzschlag. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. Januar, nachmittags 3 Uhr, auf dem Stegliter Gemeinde- Friedhofe statt. 133/4 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die örtliche Verwaltung. J. A.: H. Neumann. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Emil Groth am am 10. b. M. plöglich gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 18. Januar, nach mittags 12 Uhr, von der Leichen halle des Zentral Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. g Rege Beteiligung erwartet 110/20 Die Ortsverwaltung. Kranken- u. Begräbniskasse der Seifensieder. Unser langjähriges Mitglied Hermann Buß ift nach langem schweren Leiden am 15. Januar verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 19. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Dreifaltigkeits- Kirchhofes Bergmannstraße) aus statt. Um rege Beteiligung bittet 270/5 Der Vorstand. Verband d. baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Bezirk Mahlsdorf- Kaulsdorf. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Kollege Wilhelm Saar am 15. Januar an Schlaganfall verstorben ist. 32/4 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freitag, nachmittags 2, Uhr, vom Trauerhause Berlinerstr. 4 aus nach dem Gemeinde Kirchhofe in Mahlsdorf statt. Der Zweigvereins- Vorstand. Für Kolporteure! Soeben erschienen: Ein Kulturgruß aus Afrika. Diese künstlerisch gezeichnete Ansichtspostkarte, welche die Taten der Kolonialhelden darstellt, bietet lohnenden Absatz. 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