Mr. 20. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 M., monati. 1,10 M., wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Bellage Die Neue Belt" 10 Bfg. Bost bonnement: 1,10 art pro Monat Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Criscint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 50 Big., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 80 fg. ., Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Bort 20 Bfg., jebes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Saf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Rummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition t bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berita". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Donnerstag, den 24. Januar 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Die sozialdemokratischen Kandidaten für Berlin und die Nachbarkreise sind: 1. Wahlkreis: Stadtverordneter Dr. Leo Arons, Berlin. 2. Wahlkreis: Geschäftsführer Richard Fischer, Berlin. 3. Wahlkreis: Rechtsanwalt Wolfgang Heine, Berlin. 4. Wahlkreis: Stadtverordneter Paul Singer, Berlin. 5. Wahlkreis: Arbeitersekretär Robert Schmidt, Berlin. 6. Wahlkreis: Schriftsteller Georg Ledebour, Zehlendorf bei Berlin. Für Nieder- Barnim: Stadtverordneter Artur Stadthagen, Berlin. Für Teltow- Beeskow- Storkow- Charlottenburg: Stadtverordneter Fritz Zubeil, Berlin. Der Kampf um die nationale Ehre! betertums und ihrer Bedrohung aller Aber es Heraufbeschwörung der verhängnisvollsten internationalen Ron- Das Volt der Arbeit steht an einer politischen Wende. flifte, mit ihrer Zusammenschweißung des ganzen fapitalistischen Es hat darüber zu entscheiden, ob es reif ist für eine verAusbeutertums und ihrer Bedrohung aller freiheitlichen und nünftige Vertretung seiner Interessen. In seinen Händen fozialen Regungen! liegt die Entscheidung darüber, ob der Weg des Proletariates Während die von weltpolitischen Macht- und Bereicherungs- auch fernerhin ein Aufstieg zu politischer Freiheit, zu kultureller Der politische Kampf in Deutschland ist an einem Wende- gelüften entbrannte Bourgeoisie in fremden Ländern lockender Sebung sein soll, oder eine Sackgaffe, deren Ausgang die punkt angelangt. Die deutsche herrschende Klasse fühlt den Beuteoft freilich auch nur äffenden Phantomen- nach Kapitalistenklasse ein für allemal gesperrt hat! Zeitpunkt gekommen, um noch einmal mit aller Rücksichts- jagt, will das deutsche Proletariat, wie das fozialistische Nicht mit einem Schlage kann die Entscheidung fallen. losigkeit den Kampf für die brutalen, alles Jdealismus baren Proletariat a Iler Länder, im Heimatlande kulturelle Heimat Es gilt langen, schweren, opfermütigen Stampf. tapitalistischen Ausbeuterinteressen gegen die humanitären und politit treiben. Es will jener Masse des Volkes, die mit ihrer handelt sich darum, ob das Proletariat eine neue Schanze sozialen deale des Selbstbewußtsein erwachten Hände Arbeit alle Werte schafft, auf deren frongebeugten erftürmen oder aus seiner bisherigen Position zurückgeworfen Proletariates zu führen. Nach echter Flibustiersitte hat dabei Schultern die ganze Welt der kapitalistischen Herrlichkeit ruht, werden will! das tapitalistische Freibeutertum eine falsche Flagge gehißt: endlich faktisch jene Bürgerrechte erobern, die ihm das liberale die des Nationalismus. Bürgertum bereits seit einem Jahrhundert verheißen hat! Das Volk der Arbeit will sich selbst regieren, selbst seine Geschicke, d. h. die Geschicke der Nation regeln, sich nicht länger von einer dünnen Schichte Privilegierter vermittelst des Degens Bonapartes" beherrschen lassen! " Darum hinein in die Wahlschlacht! Vorwärts für die wahre nationale Idee! Vorwärts für Volksfreiheit, für den großen Kulturkampf der Menschheit im Zeichen des Sozialismus! Wahlkampf. Wahlresultat- Telegramme Im Namen der„ nationalen Ehre" führt man Ausrottungsfriege gegen Eingeborene, die eine strupellose Politik der Ausplünderung in den Verzweiflungskrieg getrieben hat. Im Namen der nationalen Ehre" bergeudet man Milliarden für eine koloniale Gründer- und Spekulantenpolitit, die nur einer Das Proletariat will nicht länger Millionäre züchten und Handvoll von Reedern, Kaufleuten und Kolonialagrariern die den Nationalreichtum" mehren, auf daß er von ein paarLaschen füllt. Im Namen der„ nationalen Ehre" treibt man mal hunderttausend Besitzenden usurpiert wird, sondern eine Politik des weltpolitischen Abenteurertums und der diesen Reichtum der Nation selbst, den 88 Proz. Befitlosen zu Provokationen, die über furz oder lang zur Katastrophe furcht- teil werden lassen! Das Proletariat heischt aber nicht nur ersuchen wir die Wahlkomitees der einzelnen Wahlbarster internationaler Zusammenstöße führen muß. bollen Anteil an allen materiellen Gütern, sondern auch freise am Freitagabend bis spätestens 11 Uhr abzusenden an Das persönliche Regiment hat auch dieser neuesten Phase als sein unveräußerliches Menschenrecht vollen Anteil an den die Adresse: des Kampfes feinen Stempel aufgedrückt. Aber der Abso- geistigen Schäßen unserer modernen Kultur! Dringend. Sozialdemokrat, Berlin. Tutismus vermag sich nur durchzusehen, weil die besitzende Das Proletariat will nicht länger Kulturdünger sein, sondern Teilresultate bitten wir nur dann zu senden, Klasse sich ihm willfährig untergeordnet hat. Wie bei der selbst Träger und Teilhaber der Stultur! Flottenpolitit hat sie sich jetzt auch bei der Kolo- Die Bourgeoisie sucht dem Proletariate vorzuschwaßen, wenn bis 11 Uhr das Gesamtresultat nicht zu erhalten ist. nialpolitik dem Absolutismus in die Arme geworfen. daß sich ja auch seine Lage bessere, erhöhe sich doch auch sein Spätere Telegramme finden in der Extraausgabe von Die Weltpolitik, der Flottenpolitik wie Kolonialpolitik dienen, Einkommen. Nun, noch immer befizen 65 Prozent des Volkes Sonnabend mittag Aufnahme. Sie müssen spätestens 7 Uhr ist das Objekt, wie die Form, die Kampfparole, um die und ein Einkommen von weniger als 900 Mart, und weitere unter der der Kampf gegen die demokratischen und sozia- 15 Prozent besigen ein Einkommen von kaum 1000 Mart morgens abgesandt werden. listischen Bestrebungen der Arbeiterklasse geführt wird. jährlich! Und soweit sich das Geldeinkommen der Arbeiter Der seichte und rücksichtslose Güüstling der Börse, vermehrt hat, ist diese Lohnerhöhung wieder reichlich ausExzellenz Dernburg, ist der eigentliche Führer im Kampfe geglichen worden durch die Verteuerung der Lebensmittelpreise. vative der vom kapitalistischen Bereicherungstaumel und Größenwahn Dagegen ist das Vermögen der Besitzenden, dieser paar Prozent befallenen Bourgeoisie gegenüber dem machtvollen Kultur- der Gesamtbevölkerung, in zwei Jahrzehnten in der Tat um ringen des Proletariates. Seine pomphaften Zahlenfinfonien 30 Milliarden gewachsen! " und Gründerprospekte berauschen die ganze herrschende Klasse, Und wenn nun gar die Klopffechter der Bourgeoisie erbenebeln felbft die Vertreter der Intelligenz", die kapi- flären, eine fozialistische Organisation der Produktion, talistische Afterkunst und die offizielle Wissenschaft. Haben sich eine Vergesellschaftung der Produktionsmittel sei unnicht goldene Segensströme über das deutsche Volt" ergossen, ausführbar, so beweist schon die ta pitalistische Gesellschaft hat sich nicht das„ Nationalvermögen" in zwanzig Jahren das Gegenteil. Sind nicht die größten Betriebe, die um mindestens 30 Milliarden vermehrt? Haben nicht die Eisenbahn, die Post, schon heute verstaatlicht? Und funktionieren Tippel und Bob 135 Prozent verdient? Was bedeuten dieser diese Betriebe nicht tadellos? Würden sie vielleicht schlechter Fülle kapitalistischen Segens gegenüber die paar Milliarden, funktionieren, wenn die Post- und Eisenbahnproletarier wüßten, die für die Kolonien und die Flotte verausgabt worden sind. daß aus den Riesenüberschüssen dieser Betriebe nicht Nur neue Milliarden ausgestreut, und die Ernte der deutschen Militarismus und Marinismus gemästet würden, sondern ihr Kapitalistenklasse wird eine noch viel üppigere sein! eigenes Einkommen aufgebessert werden würde? Allein das deutsche Proletariat läßt sich durch diese Dem Proletariat glaubt man einreden zu können, daß Sirenentöne des weltpolitischen Börsenritters nicht locken. Es die Interessen der Gesamtheit Schaden erleiden würden, weiß, daß von den 30 Milliarden des Zuwachses des natio- wenn die Kontrolle über die Betriebe der Gesamtheit selbst nalen" Vermögens nichts in seine Tasche geflossen ist. Es hat übergeben würde. Von der besitzenden Klasse jedoch, die doch es am eigenen Leibe zu deutlich gefühlt, daß das agrarisch- aus demselben Stoffe getnetet ist, wie die Masse des Volkes, industriell- börseanische Kartell nur dadurch zustande gekommen soll das Volk glauben, daß sie nicht nur ihre eigenen ist, daß sich alle Schichten des Ausbeutertums in gleicher Weise Betriebe zu verwalten befähigt sei, sondern obendrein auch auf seine Kosten bereichern! Es weiß, daß es die Lasten für noch die des unmündigen Volkes! die Flotten- und Kolonialpolitik zu tragen hat, während die In dem Kampf um die Weltpolitik fulminiert der Kampf Bourgeoisie sich in die Beute teilt! um die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Herrschaft über Aber das deutsche Proletariat bekämpft nicht allein aus die Masse des Voltes! diesen Gründen die Weltpolitik. Es weiß, daß es tein Das Volt soll auch fünftig entrechtet bleiben. Ja, ihm schlimmeres Hemmnis der wahren nationalen Kulturpolitik sollen zur größeren Sicherheit neue Retten aufgelegt werden! gibt als diese Weltpolitik mit ihrer Heranzüchtung eines über- Schon ist der Ueberzahl der Herrschenden selbst das Reichstagsmächtigen Militarismus und Marinismus, mit ihrer Ab- wahlrecht ein Dorn im Ange! Schon will man auch, wie das Stumpfung aller humanitären Regungen, mit ihrer Entfesselung Antigewerkschaftsgesetz bewies, dem gewerkschaftlich koalierten der strupellosesten tapitalistischen Raubbegierden, mit ihrer Proletariate Knebel anlegen! Wahlrechtsfeinde find fie alle! Die bürgerlichen Parteien nämlich. Das konferChemnißer Tageblatt" schrieb dieser Tage: " Wie die Nationalliberalen im innersten Herzen über das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht denken, geht aus einem foeben erst veröffentlichten Leitartikel der( Chemniter) Allgemeinen Zeitung" hervor. Da heißt es hinsichtlich des bon Zentrum eingebrachten Antrages, das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht auch für den preußischen Landtag einzuführen, wörtlich: " ,, Daß der Antrag, in Preußen das Reichstagswahlrecht einzuführen, ein Schlag gegen die ruhige, stete Entwidelung des Staates ist, weiß das Zentrum sehr wohl, für die Konservativen aber ist ein solcher Antrag Gift." Abgesehen davon, daß dieser Antrag für die Nationalliberalen und Freisinnigen in gleicher Weise Gift ist, wie für die Konservativen, muß man hier die Erkenntnis hervorheben, daß das Neichstagswahlrecht ein Schlag gegen die ruhige, stete Entwidelung des preußischen Staates ist. Ist dem Deutschen Reiche eine ruhige, stete Entwickelung nicht ebenso gu gönnen, wie dem preußischen Staate?! Nur aus Rücksicht für die politisch unreifsten Elemente der Wählerschaft machen viele Liberale aus ihrem Herzen eine Mördergrube und preifen öffentlich das Reichstagswahlrecht, während sie in Wabcheit für die Schattenfeiten desselben keineswegs blind find. Auch vielen Freifinnigen ist es innerlich nicht recht wohl dabei, wenn sie mit schwankender Stimme programmgemäß ihren hymnus auf das Reichstagswahlrecht anftimmen müssen. Wie tommt es denn, daß diese Partei in den Städten, wo sie eine große und sehr radikale Mehrheit in der Stadtverwaltung hat, wie z. B. in Berlin, ein durchaus plutokratisches Klaffenwahlrecht dem Reichstagswahlrecht wohlweislich vorzieht?" Ganz recht! Feinde des Reichstagswahlrechts sind sie alle. Arbeiter und Kleinbürger, denkt daran, wenn Ihr morgen zur Wahlurne schreitet! Ein Erlaß gegen Wahlfälschungen. Fn einem Erlaß, den der preußische Minister des �nneril, um Wahlfälschungen vorzubeugen, an die Kreis- und Kommunalbehörden gerichtet hat. heißt es wörtlich: Nach den Reichstagswahlen von ISlIJ haben zahlreiche'(?) Strafverfolgungen wegen Wahlfälschung gegen Personen durch- geführt werden müssen, die auf einen falschen Namen oder mehrfach in verschiedenen Wahlbezirken gewählt hatten. Die Wahlvorsteher sind berechtigt, von den zur Wahl erscheinenden Personen bei Zweifel über ihre Identität eine Legitimation zu verlangen, und erscheinende Wähler. die neu zugezogen sind oder von denen sonst anzunehmen ist, daß sie auch anderwärts in die Wählerliste eingetragen sind, in ge- eigneter Weise darauf aufmerksam zu machen, daß jedermann nur in einem Wahlbezirk und bei der Haupt- und Stichwahl je nur einmal wählen darf. Jede Zuwiderhandlung ist zur Bestrafung anzuzeigen. Die Wähler werden aber gut tun, sich mit ausreichender Legitimation— Militärpapiere, polizeilicher Anmeldezettel, Jnvalidenversicherungskarte und dergleichen mehr— zu der- sehen, damit sie der Zweifel eines Wahlvorstehers wegen nicht das Wahlrecht einbüßen. Denn wer bis 7 Uhr seinen Stimmzettel nicht abgegeben hat, darf nicht mehr wählen, selbst wenn er schon längere Zeit im Wnhlokal anwesend gewesen wäre! Gehe duher niemand ohne Legitimation zum Wahl lokal i Ob übrigens Herr Bethmann-Hollweg auch die Wahl- fälschungen gewisser Wahlvorsteher erwähnt hat, die bei den Wahlen von 1903 festgestellt wurden, und hat er die Wahl- Vorsteher auch angewiesen, ordentliche Jsolier-Vor- r i ch t u n g e n und Wahlurnen zu beschaffen? Und hat er ihnen die Pflicht zur strengen Achtung des Wahlgeheim- nisseS in Erinnerung gebracht? Nötig wär's schon! Eisenbahnrückfahrten und Reichstagswahl. Die Eisenbahndirektion Berlin hat folgende Bestimmung über die Benutzung der Eisenbahnrückfahrten am Wahltag erlassen: Am 25. Januar ds. Js. finden die Neichstagswahlcn statt. Aus diesemAnlaß dürfen die Arbeiterrückfahrt- karten am 25. Januar zur Rückfahrt nach dem Wohnort benutzt werden. Ebenso dürfen n e u e Arbeiter- rückfahrkarten ausgegeben werden: a) am 25. Januar zur Fahrt vom Arbeitsort nach dem Wohnort; b) am 25. oder 26. Januar zur Fahrt vom Wohnort nach dem Arbeitsort. Die unter a genannten Arbeitcrrückfahrtkarten berechtigen zur Rückfahrt nach dem Arbeitsorte am 25. oder 26. Januar. Aus gleichem Anlaß dürfen Arbeiterwochenkarten am 2b. Januar zur zweimaligen Hin» und Rückfahrt benutzt werden. Der Freisinn beschämt durch einen Max Lorenz. Der Freifiun ist bekanntlich ganz auf den ReichSlügenverband gekommen. In vielen seiner Flugblätter war in Reichsverbands- manier zu lesen:.Unsere vor dem Feinde stehenden Jungen lassen wir nicht im Stichst Ueber ein Flugblatt des Reichsverbandes, das in ähnlicher iRanier abgefaßt war, schrieb Max Lorenz, der erbitterte Sozialistenvcrnichter, in seiner„Antisozialdemokratischeu Kor respondenz: .Wenn es z. B. in ihrem Flugblatt heißt:»Noch stehen Tausende deutsche Soldaten fern von der Heimat im Kampfe gegen einen Feind, der an Grausamkeiten seinesgleichen in der Weltgeschichte nicht aufzuweisen hat! Sollen wir sie schutzlos sich selbst überlassen? Deutschlands Ehre, Deutschlands Größe, Deutschlands Ruhm, errungen durch die glorreichen Siege von 1870/71, stehen auf dem Spiele"— so ist das eine höchst schäd- liche und abgeschmackte, von Unwahrhafligkeit strotzende Ueber« treibung, aus die der biedere und immerhin realpolitisch genug empfindende deutsche Wähler nicht anders als mit dem Worte „Stuß" reagiert." Ganz richtig I Was aber sagt der Freisinn zu dieser Kenn Zeichnung? Die Verkommenheit des Freisinns tritt besonders grell bei der Wahlagitation im Wahlkreise N ü r n- b e r g zutage. In den letzten Tagen wurde ein großes Unternehmen inS Werk gesetzt, um die Arbeiter der Sozialdemokratie Der Freisinn verteilte cm........ abspenstig die Arbeiterwähler ein be fu machen. W anderes Flugblatt, in dem versucht wird, die Arbeiter gegen ihre Führer aufzuhetzen durch die Beschuldigung gegen die letzteren, daß sie die Polizeischlächtereien in der Regensburger- straße veranlaßt hätten. Der Freisinn traut den Nünt- berger Arbeitern ein kurzes Gedächtnis zu, wenn er ihnen solches zu bieten wagt. Seit Jahrzehnten hat er die Arbeiter mit den schäbigsten Mitteln von der Vertretung in der Gemeinde ausgeschlossen, ihnen die allgemeine Ortskrankenkasse vorenthalten, sie auf jede Weise unterdrückt. An die Borgänge des letzten JahreS hätte er am besten gar nicht erinnert, denn da war eS die freisinnige Presse, die fortgesetzt gegen die streikenden Arbeiter hetzte, die Polizei gegen sie scharf machte, die in der Stadtverwaltung sitzenden freisinnigen Parteihäuptlinge waren eZ, die den Arbeitern das Koalitionsrecht durch das Streikpostenverbot raubten. In dem letzten Anfrnhrprozeß mußte der Staats- anwalt selbst anerkennen, daß sich die organisierte Arbeiterschaft den Radauszenen in der Regensburgerstraße ferngehalten, aber trotzdem wagt man es jetzt, diese Vorgänge gegen die Sozialdemokratie aus- zuschlachten. Gegnerisches Zeugnis für die Sozialdemokratie! Im nationalliberalen»Leipziger Tageblatt' vom 2S. Mai 1904 erschien eine Besprechung der vom Genossen Göhre herausgegebenen.Denkwürdigkeiten und Er- innerungen eines Arbeiters, von Karl Fischer. Verfaßt ist sie von Eduard Goldbeck fBerlin). Es heißt barin; ..... Auf Dutzenden von Seiten erzählt uns Fischer von seinem Dienst als Erdarbeiter, von seinem Kampf mit dem lehmigen, quelligen, bresigen Boden, für den er immer neue Adjektive findet, von der Arbeit in der Steinfabrik. Wir sehen. wie völlig rechttos und ohnmächtig dazumal, vor einem Menschen- alter, der Arbeiter war, wie die Kameraden mit vierzig Jahren als «ndraiichbare, morscheLcute gelten, deren der Unternehmer sich skrupellos entledigt, wie keine Forderung der Humanität geachtet wird, kurz, wir erkciMn, wir notwendig, wie segensreich die sozialdemokratische BcwcgnnUipar. Ohne sie hätte die industrielle Entwickelung zu der entsetzlichsten Berelendung de? Lölkes geführt, mit der tn letzter Linie auch der Industrie schlecht gcdv-ut gewesen wäre. Die revoluttonären Zuckungen wären nicht ausgeblieben, und wir ständen da, wo heute Rußlanv steht. Karl Fiicher irrt jahrelang als Erdarbeiten von Arbeitsstätte »u Arbeitsstätte. Einmal erkrankt er schwer und kann trotz allen FlehenS keine Aufnahme im Spital finden. Ein utttteidiger(Den- von der Hand, er verdient sein Existenzminimum nicht mehr. Da muckt er auf— so heißt es im disziplinaren llitternehrner- Jargon—»„.Sentimentaler würde sagen: dem Gequälten entringt sich ein Schrei der Verzweiflung, und er wird entlassen. Unter der Hlgafsungsschein.sieht der Na:- ein»»-.05•atmen, den er gesehen Die Dertellung des Dationalvermögetts. Herr Dernburg und mit ihm die kapitalistischen Klopf- fechter weisen stets auf die Sparkasseneinlagen hin, die beweisen sollen, daß auch die nichtbesitzende Klasse am Nationalvermögen stark beteiligt sei. Ende des Jahres 1904 befand sich(vergl. die amtliche Zeitschrift des Königlich Preußischen Statistischen Landesamts 1906, IV S. 247 ss.) in sämtlichen preußischen Sparkassen eine Einlage von 7763 Millionen Mark. Davon entfielen, sofern man alle Spareinlagen bis zu 600 M. und die Hälfte aller Spareinlagen von 600—3000 M. als proletarische Spareinlagen rechnet, auf die uichtbcsitzende Klasse 3963 Millionen Einlagen besitzende Klasse.. 4800„„! t Auf jede der 8 300 000 proletarischen Spareinlagen entfiel also iin Durchschnitt die Summe von 356 Mark! Das ist das„Vermögen" der arbeitenden Klasse! Dagegen besaßen 384 000 preußische Zensiten(vergl. das amtliche Statistische Jahrbuch für den preußischen Staat 1903, S. 287) ein Bcrmögcu von 38 786 Millionen Mark. Jeder dieser Besitzenden besaß also im Durchschnitt ein Vermögen von loZOW» Mark! Fürwahr, eine göttliche Weltordnung! hat. Seine wirren, kindischen Versuche, mit den Arbeitgebern Ab- rechnung zu halten, schließen den ersten Band mit possenhafter Tragik ab. Ich empfehle die Lektüre allen Scharfmachern; die Aufrichtigen unter ihnen werden sich, wenn sie ihn gelesen haben, vielleicht noch die Frage stellen: Wo soll, wenn Familie, Schule und Kirche nur knechtet, wenn die Fabrik nur ausbeutet, der Staat nur drillt, wo, beim Teufel, soll da der Patriotismus her« kommen?..." So Herr Goldbeck unter dem Eindruck der erschütternden Schilderungen der Fischerschen Erinnerungen. Und das national- liberale»Leipziger Tageblatt", das jetzt um alles in der Welt nicht zugeben würde, daß die Sozialdemokratie Verdienste um die Ar- beiterschaft habe, nahm damals im Gefühle, daß Herr Goldbeck recht habe, die Besprechung mit dieser Stelle auf. Wenn die Gegner ehrlich sind. können sie eben nicht anders als die Tätigkeit der Sozialdemokratie für die Arbeiterschaft anerkennen. Geschäftsreisende, wählt Sozialdemokraten! Von einem Geschäftsreisenden wird uns geschrieben: Die bürgerlichen Blätter fordern die Firmen-Chefs, die Reisende beschäftigen, auf, ihren Angestellten am Wahltag durch Urlaubs- gelvähruug Gelegenheit zu geben, ihrer Wahlpflicht zu genügen; hoffentlich leisten die Ges ch. ä ftsinhaber dieser Aufforderung zahlreich Fo Ige.— Wir Geschäftsreisenden werden mit Freuden die Ge l e g e n h e i t ergreifen, für die uns durch Regierung und Mehr- heitSparteien auferlegte Separatabgabe in Form der Fahrkarten« st e u e r und der noch bevorstehenden Fahrtverteuerung, die .Personentarif-Reform", durch Abgabe entsprechender S ti m m z e tt e l zu.q u i tt i er e n. Diese Verteuerung beträgt für uns Reisende, die wir nahezu das ganze Jahr unterwegs sind, allein durch die bisherige Steuer mindestens 80 bis 100 Mark pro Jahr.— Dagegen wurden weder unsere Diäten noch unsere Provisionssätze erhöhl, so daß wir diese Steuer aus unserer eigenen Tasche bezahlen.— Ich bitte Sie gefl. um Veröffentlichung dieser Zuschrift, damit den Herren Kollegen, die s. Z. bei Einführung der Steuer sich nicht genug über die- selbe entrüsten konnten, ein bißchen das Gedächtnis aufgefrischt wird. Auch seien die Geschäftsreisenden an das Verbot des Detailreis enS und an die geltenden demütigenden und beleidigenden Bestimmungen— die Leipziger Polizei z. B. verlangt die ärztliche Untersuchung— erinnert, denen sie unterworfen sind I— Geschäftsreisende, wählt sozialdemokratisch! Die Schicht der Aüsgebtlltktkll. Immer größere Schichten der Kleinbürger und Bauern kommen zur Erkenntnis, baß sie zu den Ausgebeuteten gehören; ihre Lage wird immer ähnlicher der der Proletarier, und das einzige, was sie vom Proletariat noch trennt, ihr bißchen Besitz, schwindet dahin wie der Schnee vor der Sonne. Und selbst wo es ihnen gelingt, ihren Besitz noch notdürfsig zu erhalten, verliert er immer mehr die Fähigkeit, ihnen ein Dasein zu gewähren, da«, nach dem Maßstäbe unserer Kultur gemessen, ein menschenwürdiges genannt werden könnte. Ebenso sinken die Arbeiter der Intelligenz immer mehr und mehr auf die Stufe eines proletarierhaften Daseins herab. Nur vereinzelten Glücksvögeln unter ihnen gelingt«3 noch, sich zu einer behaglichen Stellung emporzuschwingen. Den Meisten winkt nur Not und Elend, die gerade in diesen Kreisen am drückendsten empfunden werden, wo eine höhere, bürger- liche Lebenshaltung zu den Lebensbedingungen gehört. Gleich den Proletariern sehen Bauern. Kleinbürger und besitz- lose.Gebildete" sich ausgeschlossen von all den glänzendenErrungenschaftendermodernenPro- d u k t i o n, die einzig und allein den Kapitalisten und Großgnrnd- besitzern, den Monopolisten der große« gesellschaftlichen ProdukttonS- mittel zugnte kommen und die nur durch die Verwandlung dieses Privateigentums in Gemeineigentum allen zugänglich gemacht werden können. Die Vorteile, die dem Bauern und Kleinbürger sein Privateigentum bietet, verschwindenimmermehrgegen- über den Vorteilen, die ihm die Aufhebung des Privat- eigentumS an den großen Monopolen in Aussicht stellt. (Grundsätze und Forderungen der Sozialdemokratie. Erläuterungen zum Erfurter Programm.) Stimmzettel für die Beamten! Ein Beamter schreibt uns: „Von größter Wichtigkeit ist es, daß jedem Wähler ein Stimm- zetiel brieflich oder sonstwie in die Wohnung gebracht wird; die Beamten sind sonst gar nicht in der Lage, nach ihrem Willen zu wählen. Von den vor dem Wahllokal postierten Zettelverteilern dürfen die Beamten keine Stimmzettel entgegennehmen wegen der Gefahr, von den Vorgesetzten beobachtet und gcmaßregclt zu werden. Selbst wenn die Beamten von allen Zettelverteilern Stimmzettel in Empfang nehmen wollten, würden sie sich schon „verdächtig" machen. Eine geheime Wahl für Beamte ist nur möglich, wenn ihnen Stimmzettel in die Behausung gebracht werden, die sie dann in die Tasche stecken und am Wahltage in der Klosettzclle(Jsolierraum) kuvertieren und abgeben. Rote Stimm- zettcl können sich in kleinen Nestern die Beamten nicht selbst aus- schreiben, weil die Handschrift von den Wahlkommissaricn(meistens Landräte, Junker usw.) leicht kontrolliert werden können. Also versorgt die Beamten mit Stimmzetteln!" Die Berliner Buchdrucker und die Sozialdemokratie. In einer gestern stattgehabten Versammlung der Berliner Buch- drucker gelangte eine Resolution zur Annahme, die dem Redakteur Rexhäuser resp. dem„Korrespondent" für seine Schreib- weise die tiefste Mißbilligung aussprach. Besonders wird in der Resolution die höhnische Abfassung der Briefkastcnuotizen zur NcichStagswahl bedauert. Tie Bersammclten erklärten in Ueber- eulsttmmung mit der gesamten Arbeiterschaft die Kandidaten der Sozialdemokratie als die allein von ihnen zu wählende» Ber- treter. Einer Berufsgenossenschaft geringe Achtung vor dem Wahlrecht des Arbeiters zeigt die Mitteilung eines llnfallrentners, die uns heute zugeht. Der Mann, der jetzt in Berlin wohnt, ist von der Magdeburger Bauberufsgenosseuschaft zum 25. Januar, lO'/z Uhr geladen, sich zu erneuter Untersuchuiig in der Charit« einzufinden. Der Geladene ist mit Recht über diese Ladung am Wahltage empört und stellt die Frage, ob etiva solche Ladungen kür diesen Tag in größerer Anzahl ergangen sind? Wir können das zurzeit nicht feststellen. Sicherlich darf aber eine solche Ladung, so unbequem sie sein mag, keinen Arbeiterinvaliden von der Ausübung des Wahlrechts ab- halten Z Eine Wahl-Jndianergefchichte hat am Sonntag das berüchtigte Leipziger Liman-Blatt in die Welt gesetzt. Die«Leipz. Neuest. Nachr." brachten folgende Meldung: R e i b o l d s g r ü n i. V., 19. Januar.(Privaitelegramm.) Gestern nachmittag drangen der bekannte Zehngebote- Hoffmann mit zwei.Genoffen" trotz verbotenen Zutritts in die Heilstätte Albertsberg und beunruhigten durch ihr rücksichtS- loses Agitieren die Pfleglinge. Die nüchternen Tatsachen sind die folgenden: AlS der Kandidat der Sozialdemokratie, Genoffe Hoffmann, vor drei Wochen nach Reichenbach kam, um nun bis zur Wahl dort zu bleiben, wurde ihm eine Beschwerde der Pfleglinge der Heil- anstaUen Albertsberg und Reiboldsgrün unterbreitet, in der sie mitteilen, daß der Ortsvorstand von Vogelsgrün sich weigere, sie in die Wählerliste einzutragen. Auch die Amtshaupt- Mannschaft trat der Abweisung bei. Genosse Hoffmann veranlaßte nun die Pfleglinge der beiden Anstalten, sich an den Minister des Innern in Dresden telegraphisch zu wenden. Dieser gab die Be- schwerde an die Kreishauptmanuschaft und die letztere an den Bezirksausschuß zurück. Da inzwischen viel Zeit verfloß und die Bewohner der Anstalten fürchteten, um ihr Wahlrecht zu kommen, baten sie den Genossen Hoffmann wiederholt dringend, sie doch zu besuchen und ihnen bei den weiteren schnellen Schritten zur Seite zu stehen. Am 10. d. M., als sich Hoffmann in Falkenstein befand, erhielt er sogar einen Eilbrief mit der Aufforderung, am selben Tage unbedingt nach den Anstalten zu kommen. Er konnte aber erst am 18. Januar sich hinbegeben. An den Liegehallen wurde Hoffmann freudig begrüßt; allseitig wurde ihm die frohe Botschaft verkündigt, die Pfleglinge seien durch Entscheidung dcS Bezirksausschusses infolge ihrer Beschwerde in die Wählerliste eingetragen. Genosse Hoffmann unterhielt sich nun natürlich mit den Pfleg- lingen eine kurze Weile. Einer aber von den Pflegkkngen hatte nichts Eiligeres zu tun, als dem Herrn stellvertretenden Chefarzt der Anstalt das furchtbare Ereignis zu melden. Nun kam die „Beunruhigung" der Pfleglinge. Der betreffende Arzt etablierte sich als Untersuchungsrichter(!). vernahm die Patienten (10 Mann an einem Abend), immer einen nach dem anderen. Jeder, der vernommen war, mußte in das verschlossene Neben- ztmmer und durfte nicht eher heraus, als bis alle vernommen waren. Solch ein Verfahren, soll das wohl keine Beunruhigung sein? Es scheint, als wenn eS sehr verschnupft hat, daß die Patienten ihr Wahlrecht behalten haben. Verraten wollen wir noch, daß Genosse Hoffmann auch in der Heilanstalt R e i b o l d s-. grün sich nach der Eintragung der Patienten in die Wählerliste erkundigt hat und dort auch freundlich aufgenommen wurde. Das mag den sächsischen„Nationalen" unangenehm sein, aber_vorläufig sind die Pfleglinge noch keine Gefangenen und ist der Besuch de« Pfleglinge noch kein Hausfriedensbruch l Aus Württemberg. Im Zentrum.gärt" es. Wenn man die maßlos ü>.<» triebcnen Schilderungen der liberalen Blätter liest, sollte man glauben, daß auch in Württemberg das Zentrum vor der Ge- fahr einer Spaltung stünde. Das wäre aber eine völlig irrige Annahme. Zwei Fürsten— so verkündet die liberal-demo- krattsche Presse in ihrem bekannten Bürgerstolz—, zwei veritable Standesherren, Fürst Waldburg-Zeil und Fürst Quadt» Wykradt-JSny. haben in öffentlich abgegebenen Erklärungen das Zentrum wegen seiner RcichStagSabstimmung vom 13. Dezember getadelt. Die Volkspartei, die sich in letzter Zeit an Selbstv entmannung nicht genug leisten kann, sprach daraufhin sofort den Wunsch aus, den Fürsten Waldburg-Zeil gegen Herrn Erzbergcr in Biberach als.national-katholischen" Gegenkandidaten auf- zustellen. Aber der Fürst hat abgewunken, er verzichtet auf den todsicheren Durchfall, den er dabei erleben würde. I Das Zentrum hatte schon bei der Abstimmung über die württcmbergische Verfassungsreform keinen Ein» fluß auf die katholischen Standcsherren mehr, wofür sich Herr Gröber damals dadurch revanchierte, daß er sie den.Mancrfraß" im Zentrumswrm nannte. Nun, nachdem die Herren überhaupt nicht mehr in der Lage sind, in der Ersten Kammer eine Mehrheit zu bilden, verzichtet das Zentrum gern darauf, um ihre Gunst zu werben. Das Zentrum kann sich jetzt noch viel ungenierter in die demokratische Toga hüllen als bisher, und eS kann auch ganz un- besorgt einer Rebellion weiterer ZeittrumSadeliger en:gcgcn;chen. Abtrünnige Adelige werden dem Zentrum im Volke ganz gewiß leinen Boden entziehen. Das wird nur dort geschehen, wo sich katholische A r b e t t e r vom Zentrum abwenden. So hat denn auch das hiesige Zentrumsorgan ganz recht, wenn eS schreibt, man solle ihm mit.national-katholischen" Gegenkandidaten nur kommen. Das werde höchstens dazu beitragen, die Zentrumsstimmen zu ver- mehren infolge der intensiveren Anstrengungen, welche die ZcntrumSorganisation, das heißt natürlich der KlcruS und�die Geistlichkeit in den einzelnen Gemeinden, alsdann machen würden. Die»liberale Einigung", oder besser gesagt, die Liebe- dienerei, deren sich plötzlich die Volkspartei gegenüber den Nationalliberalen zu befleißigen für gut hält, hat in- zwischen auch emige eigentümliche Erscheinungen gezeitigt. Die Volkspartei muß es sich, nur um die beiden Mandate PaverS und HaußmannS zu retten, gefallen lassen, daß die Nationalliberalen Naiionalliberalcr als Volksparteilcr ist. Selbst dieser Hai schließlich das Unheil einer nationalliberalen Gegenkandidatur nur von sich abwenden können, indem er eine Erklärung abgab, die ein nach- trägliches Bedauern über das bei den Landtagswahlen zwischen Volkspartei und Sozialdemokratie abgeschlossene Kartell enthielt. Wie verächtlich die Nationalliberalen mit ihrem demokratischen Bundesgenossen umgehen, zeigt auch ein überaus charakteristischer Vorgang auf dem Stuttgarter Rathaus. Der neugewählte B ü r g e r a u s s ch u ß, der sich zu konstituieren hatte, besteht aus 11 Nolksparteilern, 10 Nationalliberalen, 8 Sozialdemokraten und 8 Konservativen. Nach der bisher stets eingehaltenen Praxis hätte der Obmann(Vorsitzende) von der stärksten Partei, das ist die Aolkspartei, und der stellvertretende Obmann von der zweitstärksten, den Nationalliberalen, gestellt werden müssen. Die letzteren gönnten aber der Volkspartei, trotz der Bundesgenossenschaft bei der Reichs- tagswahl, den Obmann nicht. Die Nationalliberalen boten den Sozialdemokraten an, das sozialdemokratische Bürger- ausschutzmitglied Fischer unter Uebergehung der Volks Partei zum Obmann zu wählen, wenn die Sozialdemokraten bereit wären, einen Nationalliberalen zum stellvertretenden Ob- mann zu w ä h I e n. Die Volkspartei sollte auf diese Weise ganz von der Leitung des Bürgerausschusses ausgeschlossen werden. Das feine Plänchen fiel jedoch ins Wasser. Die Sozialdemokratie hat im Augenblick zwar wirklich kein Interesse daran, der Volkspartei einen Dienst zu leisten. Aber sie verschmäht grund- fätzlich die Politik der krummen Wege und wünscht, daß jede Partei die Posten eingeräumt erhält, die ihr nach ihrer Stärke zukommen. Da die Nationalliberalcn aber so intime Hasser der Volkspartei sind, daß sie hierauf absolut nicht eingehen wollten, so wurde der Vollsparteiler Dr. Erlanger mit 13 gegen 14 Stimmen zum Obmann und der Sozialdemokrat Fischer mit dem gleichen Stimmenverhältnis zum stellvertretenden Obmann gewählt; ebenso der Volksparteiler Schur zum ersten und der Sozialdemokrat Behr zum zweiten Schriftführer. Auf diese Weise haben sich also die Nationalliberalen zwischen zwei Stühle gesetzt und sind jetzt in die gleiche Position geraten, die sie der Volkspartei bereiten wollten. Das ganze nennt sich— liberale Einigung!— Aus dem Grohherzogtum Sachsen-Weimar. Im Wahlkreise Weimar-Apolda- Ilmenau entfaltet der„geeinte Liberalismus" eine immer skrupellosere Agitation. Der Schriftsteller Schöler aus Charlottenburg geht mit den bekannten Mätzchen gegen den Genossen Singer hausieren. Das Mugdansche Material gegen die Krankenkassen schlachtet er weidlich gegen die Sozialdemokratie aus. Im Allstedter Bezirk, der zum 1. weimarischcn Wahlkreise gehört, aber davon abgetrennt liegt, ist es ein ehemaliger Pfarrer, ein gewisser Pache, jetzt Direktor eines Pädagogiums, der aus dem Kapitel..Freie Liebe" u. a. erzählt, daß Stadthagen seine Konfektioneusen als H____ benutze. Man ist im Zweifel darüber, ob man mehr die Borniertheit oder Frechheit solcher„liberalen" Agitatoren verurteilen soll. Fuhrenweise lassen die Liberalen die Flugblätter des Reichsverbandes kommen und verbreiten. Saalverweigerungen und- Abtreibungen spielen diesmal eine große Rolle. In Weimar, der Hauptstadt des Landes, der größten Stadt des Kreises, steht uns diesmal kein Saal zu einer größeren Versamm- lung zur Verfügung.— Im Wahlkreise Eisenach-Dermbach, wo anfänglich sogar Beamte der Bezirksdirektion für den Antisemiten Schack Propaganda machten, treiben es diesmal die Antisemiten wieder so wie bei der Nachwahl 1305. Aus Hamburg geholte Kaufmanns- jünglinge sind zu Sprengkolonnen formiert, die die sozialde.mo- kratischcn Versammlungen stören und unmöglich machen sollen. Unter der Mitwirkung des Bürgermeisters wurde in einem Orte sogar durch allgemeinen Singsang eine Versammlung unmöglich gemacht.„Heil Dir im Siegerkranz" wechselte ab mit.Ach, welche Lust, an Sarahs Brust". Und diese Gesellschaft will noch von der Roheit der Arbeiter reden?!— Im Wahlkreise Jena-Neustadt sucht Tischendörfer mit den weitgehendsten Versprechungen den Wählern aller Kreise seine Kandidatur zu Empfehlen. Genau wie Schack,„kann schreiben rechts und kann schreiben links", spricht— wie es gerade sein muß— Tischendörfer rechts und links. Dabei ist es nun auch noch so weit gekommen, daß verschiedene Zeitungen die Aufnahme der für die Landbevölkerung berechneten sozialdemokratischen Inserate verweigern. So wurde das Inserat„Wählt Baudert" der— Fassung wegen nicht aufgenommen. Trotz der außergewöhnlichen Strapazen tun unsere Genossen tapfer ihre Schuldigkeit. poUtilchc CTcberficbt Berlin, den 23. Januar 1907. Die deutschen Kolonien als Auswanderungsgebiete. In vielen der Wahlflugblätter, die in den letzten Wochen in alle Gegenden des Deutschen Reiches hinausgeworfen worden sind, wird die Forderung neuer Geldmittel für die wertlosen deutschen Kolonien damit begründet, daß Deutsch- land deshalb seine Kolonien ausbauen müsse, um den Strom seiner Auswanderer dorthin leiten zu können. Der Gou- verneur von Lindequist hat sogar in der Dresdener Aus- stellungshalle am Sonntag unter anderen Gründen für die Erweiterung der Kolonialpolitik das große Wort gelassen ausgesprochen, es wäre doch höchst erfreulich, wenn künftig die deutschen Auswanderer(jetzt ungefähr 28 000 Menschen im Jahr) nach„unsere n" Kolonien gehen könnten, statt in fremde Länder, wo sie den Zusammenhang mit deni deutschen Vaterland verlören. Derartige Behauptungen sind nichts als Spekulationen auf die Einfalt derer, die nicht alle werden. Wie es tat- sächlich in den deutschen Kolonien aussieht, und wieweit sie sich zur Ansiedelung deutscher Auswanderer eignen, zeigt folgender Brief des Leiters der Zentralauskunftsstelle für Auswanderer: In Beantwortung Ihres an die Kolonialabteilung des Aus» wärtigen Amtes gerichteten und der Zentral-Auökunftsstelle für Auswanderer zur Erledigung überwiesenen Schreibens vom IS. d. M. übersende ich Ihnen ergebenst die einliegende Broschüre „Deutsch-Ostafrika". aus welcher Sie sich über die dortigen Ver- hältnisse, Schiffsverkehr und Passagepreise usw. orientieren können. Wie Sie aus Seite 2 und 3 der beigefügten Druckschrift er- sehen werden, sind zur Ansiedelung in Deutsch-Ostafrika, woselbst seit kurzem das Gebiet von West-Usambara für Ansiedler er- öffnet worden ist. mindestens Ist AK» M. erforderlich. Wer den dortigen Kolonialbehörden ein Kapital in dieser Höhe nicht vorzuweisen vermag, wird als Ansiedler auch nicht zugelassen. Freie Reise, Fahrpreisermäßigung oder sonstige Unterstützung wird von keiner Seite gewährt. Personen, die im Zwischendeck(letzte Schiffsklasse) nach Deutsch-Ostafrika übersiedeln wollen, haben bei ihrer Ausreise auch gleich den Betrag für die Rückreise bei der Deutsch-Oftafrika-Liuie zu de- panieren, also im ganze« mindestens KR) M. zu entrichten. Das deponierte Geld wird den Betreffenden nur dann zurückerstattet, wenn dieselben in Deutsch-Ostafrika Be- schästigung gefunden haben. Wer innerhalb eines Zeitraumes von 14 Tagen keine Arbeit in der genannten Kolonie gefunden, MS meistens.der jjt, pprd guj feine eigenen Kosten(dazu Der„blutige Trssiftn im Zchnee" uud das Klatmkll im Wiistcasaad. In den blödsinnigen Flugblättern des Reichslügenverbandes spielt daS von den Eingeborenen in Südwestafrika verbrecherisch ver- gossrne Blut der Ansiedler eine große Rolle. Trotz der Trotha- Erlasse und der Trothaschen Ausrottungsstrategie soll die Schuld der„schwarzen Bestien' noch immer nicht gesühnt sein. Und eine Reihe von Blättern legte kürzlich eine fürchterlich schöne Schauerballade des Herrn- Joseph Lanff, des posta laureatus bei, in der ein„blutiger Tropfe« im Schnee" folgendermaßen besungen wurde: Ihr Gaue wacht auf!-» Ein Frevel geschah, Ein Frevel dreimal verflucht, Wie er keinem Lande ins Auge sah, Und wie ihn kein Volk noch gebucht. Ich klagean... und der Nordsturm fliegt Durch Winterleid und Weh; Die Flocken stieben, und einsam liegt Ei» blutiger Tropfen im Schnee. Dieser„Tropfen im Schnee" sollte da? in Wüst-West vergossene deutsche Blut symbolisieren. Daß im Kriege Blut fließt, ist ja eine bekannte Sache. Die Klage des Herrn Joseph Laufs muß also dem Blute der bei der Erhebung der Eingeborenen Erschlagenen gelten. Die Zahl der Ansiedler, die bei dem Herero-Aufstand erschlagen wurden, betrug nun nach der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" (Nr. 3 vom 4. Januar 1907) 123. Diese 123 sind gerächt worden I Die Hereros zählten vor dem Aufstande mindestens 65 000 Köpfe. Am Waterberg hatten sich nach der Schätzung des Großen General st abes noch 50— 60 000 konzentriert, als sie Trotha angriff, schlug und in die Omaheke trieb, wo Unzählige von ihnen verschmachteten. Wer zurückkehrte, wurde, ob bewaffnet oder unbewaffnet, erschossen; selbst Frauen und Kinder wurden in die Wüste zurückgetrieben. Was ist nun von den 65 000 HereroS noch übrig geblieben? Die„Nordd. Allg. Ztg."(Nr. 13 vom 16. Januar 1907) bezifferte die Zahl der Gefangenen(worunter auch die gefangenen Hotten- totte» I) auf 16400. Dreitausend Hereros seien auf britisches Gebiet übergetreten; ein Teil fei zu den Ovambos geflüchtet, ein anderer Teil treibe sich noch im.Nordosten" umher. Da die Zahl dieser Flüchtigen wegen des Mangels an Vieh und folglich NahrungS- niitteln nicht mehr groß fein kann, ist die Schätzung sicher uoch zn i niedrig, wenn man annimmt, daß 40 000 HereroS bei dem Kriege umgekommen sind I DaS ist das Blutmeer im Wüsteusand! Und da wiminert Herr Joseph Laufs über den „blutigen Tropfe» im Schüre!" Sc i dient die deponierte Summe) zwangsweise in die Heimat zurückbefördert. Zum Schluß bemerke ich noch, daß dastropischeKlima Deutsch-Ostafrikas Weißen jede Beschäftigung im Freien verbietet und dann würden dieselben auch mit den dortigen Eingeborenen nicht konkur- rieren können, die jede vorkommende Arbeit zu den uiedrigsten Lohnsätzen verrichten. Vor einer Auswanderung nach Deutsch-Ostafrika ohne ge< nügende Geldmittel ist dringend zu warnen. Dies gilt auch für alle übrigen deutschen Schutzgebiete. Auch wenn Sie be mittelt sein sollten, so kann Ihnen die Zentral-Auskunftsstelle hinsichtlich des Erfolges trotz- dem keinerlei Garantie leisten. Das hängt von den verschiedensten Umständen ab und ist vielfach Glücks- fache. Hochachtungsvoll gez.: Der Leiter der Zentral-Auskunftsstelle K o f e r. Kaiserlicher Generalkonsul a. D. In Kürze zusammengefaßt, besagt die Auskunft: Weiße vermögen in den deutschen Kolonien nicht zu arbeite», die dortigen Löhne sind miserabel, und wer dorthin auswandert, verpulvert nutzlos sein Geld! Die Achlibt dkl SoDldemolttatle ist es nicht, der EntWickelung ihren Weg vorzuschreiben; sie hat nur die Hindernisse der Entwickelung zu beseitigen. Sie hat die Bahn frei zu machen für die Entwickelung der sozialistischen Gesellschaft; sie hat nicht diese künstlich zu fabrizieren. DaS Proletariat aber wird der Hebel fein, der die alte Gesell- schast aus den Angeln ebt und das mächtig st e Hindernis jeder weiteren gesellschaftlichen Entwickelung, die politische Macht der besitzenden Klassen aus dem Wege räumt. DaS Proletariat zu heben, eS in seinen Klassenkämpfen zu unterstützen, seine Kraft und Einficht zu vermehren, ebenso aber auch die ihm nahestehenden arbeitenden Klassen, Handwerker und Bauern, über ihre wahren Jntereffen aufzuklären, jeder Ausbeutung, jeder Unter- drückung, in welcher Form immer sie auftreten mögen, entschieden entgegenzutreten: DaS, und nicht daS Ausarbeiten von Plänen deS ZukunftsftaateS ist die Auf- gäbe der Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie ist die von dem Bewußtsein ihrer Aufgaben erfüllte Arbeiterpartei. Die Arbeiterpartei eines jeden Landes muß umfomehr sich mit sozialistischem Geist erfüllen, je weiter ihr Gesichtskreis wird, je mehr ihre Einsicht in den Gang der ökonomischen Entwicklung wächst. Die deutsche Arbeiterpartei ist von vornherein eine sozialdemokratische Partei gewesen, dank dem wisienschaftlichen Sinn der deutschen Arbeiter» klaffe und der wisienschaftlichen Bedeutung ihrer Lehrer. (Grundsätze und Forderungen der Sozialdemokratie. Erläuterungen zum Erfurter Programm.) J Wahlspitzel. Aus Kiel wird uns geschrieben: Im„Vorwärts" ist kürzlich die vom Direktor der hiesigen Howaldtswerke. Hauptmann a. D. Laves, angeregte Gründung von „Zuschußkassen für nicht gewerkschaftlich oder sozialdemokratisch organisierte Arbeiter" besprochen und der Vermutung Ausdruck ge- geben worden, daß es sich bei dem Plan, den der Hauptmann den industriellen Scharfmacherverbänden unterbreitete, um eine Zen- tralisierung regelrechter Streikbrccherorganisationen handle. Der „Vorwärts" hatte dann weiter in dem von ihm veröffentlichten Zirkular des Laves eine Bestätigung der bekannten Tatsache er- blicken zu sollen geglaubt, derzufolge die Unternehmer allemal, wenn sie dem Arbeiter mit„Wohltaten" kommen.� von diesem als Gegenleistung irgendeine Schurkerei an der Sache seiner Klaffen- genossen verlangen. Daß diese Bemerkung zumal bei der Grün- dung des Herrn Laves ins Schwarze traf, geht aus folgendem hervor: Auf den Howaldtswerken fand dieser Tage eine Mitglieder- Versammlung der dort seit einiger Zeit bestehenden.Zuschußkasse" statt. Die Verhandlungen drehten sich in der Hauptsache um die bevorstehenden Reichstagswahlen, und es stand von vornherein, ohne daß darüber ein Wort der Verständigung nötig gewesen wäre, fest, daß die„Kasse" sich für den Kandidaten deS Hottentottenblocks ins Zeug zu legen habe. Besonders aber wurde es den Mitgliedern ans Herz gelegt, während der Wahl zeit aus ihre Ar- beitskollegen ein wachsames Auge zu haben. Wenn man bemerke, daß ein Arbeiter als Sozialdemokrat sich hervortue, solle man eS unverzüglich zur Anzeige bringen. Die Mitglieder sollten aber„nicht alle zusammen nach vorne(ins DirektionSgebäude) laufen", sondern sie sollten„unauffällig" dem Meister Meldung erstatten, der werde dann schon„das nötige veranlassen." Man sieht, diese Zuschußhelden verdienen sich ihre Sporen zu- nächst nicht durch Streikbrecher-, sondern durch Wahlbrecher- und W a h l s p i tz e l dienste. Für die„Wohltaten", die die Firma Howaldt der Kasse durch Barunterstützung zu Teil werden läßt. revanchieren sie sich durch den verächtlichsten Verrat an ihren Klassengenossen und Arbeitsbrüdern. Wahrlich, ein System, das auf solcher Korruption ausgebaut ist, ist mehr als reif dafür, zer- trümmert zu werden. Aber die Seuche, die der Hauptmann Laves züchtet, scheint be- reitS die Grenzen der Privatbetriebe überschritten zu haben. Auf der Kaiserlichen Werft wurden in den letzten Tagen die Werkstattvorstände deS Ressorts IV zu dem Oberbaurat zitiert. Hier wurde ihnen eingeschärft, während der Wahlzeit aufs strengste die Durchführung jener Bestimmung der Arbeitsordnung zu be- achten, die jede sozialdemokratische Agitation mit sofortiger Eni- lassung bedroht. Unter Agitation sei besonders die Verbreitung von Flugschriften, daS Sammeln zum Wahlfonds usw. zu verstehen. Die Meister wurden verpflichtet, alle ihnen bekannt werdenden Fälle von Uebertretung dieser Bestimmung'sofort zu melden, es werde dann unverzüglich die Entlassung des Betreffen- den erfolgen. Für Ueberwachung und Beobachtung der Arbeiter sei Sorge getragen. Wer die Ueberwachung und Beobachtung der Arbeiter besorgt, wurde nicht gesagt. Die Meister können nicht ge- meint sein, denn ihnen wurde ja ausdrücklich mitgeteilt, daß eine Ueberwachung bereits existiere. Der Oberwerftdirektor, die Ressortchefs, Ingenieure und Baumeister werden sich auch wohl schwerlich zu solch sauberem Geschäft hergeben, ganz abgesehen da- von, daß sie naturgemäß nichts dabei ausrichten würden. Die Spitzel müssen also unter den Arbeitern selbst ge- düngen sein, und die Meister wußten denn auch Bescheid, ohne daß sie weiter fragten. Es existiert nämlich auf.der Werft seit einiger Zeit ein so- genannter„Nationaler Arbeiterverein", der gegründet wurde und gespeist wird vom ReichsverleuindungSverband wider die Sozialdemokratie. Diese traurige Kohorte, ein Bäckerdutzend unbe- kannter Biedermänner, sah bis jetzt ihren Daseinszweck darin, unter den Augen und zur besonderen Genugtuung der Werftleitung ein vom RcichSverband geliefertes Blättchen zu verbreiten, genannt „Der Reichstreue Arbeiter", in dem wie in einer Latrine die übelriechendsten Beschimpfungen der Sozialdemokratie und der Ge- werkschaften, hauptsächlich aber die Jahrzehnte alten, tausendfach zurückgewiesenen Verleumdungen wider die Führer der Arbeiter- bcwegung zusammenflössen. Jetzt, während der Wahlbewegung, scheinen diese Gesellen ihren wahren Beruf entdeckt zu haben. Die Werftarbeiter sind ohnehin aufs äußerte empört, daß sie, die staatlichen Arbeiter, die einzige Arbeiterkategorie hier am Orte sind, der es verwehrt ist, an irgend einer öffentlich bemerkbaren Wahlarbeit ihrer Partei teilzunehmen. Aus Grund der oben an- geführten Knebelparagraphen der Werftordnung sind bei früheren Wahlen oder sonstigen Parteiaktionen wiederholt„Kaiserliche" Ar- beiter, und wenn sie sich auch nur bei Flugblattverbreitungen in weit entfernten Landdistrikten beteiligten, kurzerhand entlassen worden. Jetzig wo die Spitzel organisiert und ettkettiert sind, wissen die Werftarbeiter wenigstens, wo die Denunzianten zu suchen sind. Die Wirkung dieser neuesten Entdeckung wird natürlich die sein, daß eS nunmehr auch der letzte„Kaiserliche", der eS bis- lang mit seinen Arbeiterpflichten noch nicht ernst genommen hat. geradezu für seine Ehrensache halten wird, von dem sozial- demokratischen Stimmzettel, der einzigen Waffe gegen diese schmäh- lichen Zustände, Gebrauch zu machen. Am 2b. Januar aber werden die Gönner der„Nationalen Arbeiter" und der«Zuschußkassen" ihr rotes Wunder erleben.— Deutfcbes Reich. Neue Kolonial-Enthnllungen. Nach einem Artikel der Frankfurter„V o l k s st i m m e" war Genosse Quarck in der Lage, in einer Volksversamm- lung höchst interessante Enthüllungen über neue Kriegs- zrttelnngen in Südwestasrika zu machen. Aus dem Briefe eines deutschen Kolonialfreibeuters aus Heidelberg (Transvaal), der am 29. März 1396 an das Kaiserlich- deutsche Gouvernement in Windhuk gerichtet war, teilte Genosse Quarck mit: In diesem Bericht rät R.. die deutsche Regierung solle sich mit den Barotsen(ein Stamm in Britisch. Südafrika, von dem Teile auch in Deutsch- Südwest-Afrika leben) ver- bänden, da diese jeden Beistand leisten würden, um die Ver« nichtung ihrer Todfeinde, der OvamboS, in» Werkzusetzen denn die OvamboS denen sie allein jetzt nicht? anhaben können, sind schlaue, tapfere Krieger und leben meistens auf den zahlreichen Sumpfinseln jener Gegend in Dör- fern, die mit 50 Zentimeter starken, hohen Pallisaoen umgeben sind, wo ihnen schwer anzukommen ist. Die Barotsen betrachte ich als faule Leute, aber sehr intelligent; die Männer tun nichts, und die Frauen müssen alle Arbeit verrichten und für alles sorgen. Durch großartige Geschenke zur Zeit der Krönung König Eduards hat die englische Regierung eS verstanden, den Barotsen-Groß- fürsten Lewanika vollständig auf ihre Seite zu bringen, und schwärmt er für seinen„weißen Bruder Eduard", wie er ihn nennt. Sein Sohn Lctia ist ebenfalls englisch gesinnt, denn er sagte mir, es sei unmöglich für seinen Vater, zuzugeben, daß ein kleiner Teil seines Stammes unter deutschem Protektorate sei. während die große Rasse seines Bolkxs enostsch fei. Letia ist heute von seinem Vater als Gouverneur des deutschen Teile? von Barotseland eingesetzt, und er sagt offen, dah er heute schon das Kommen deutscher Soldaten fürchte. Ein Grotzkapitän in Deutsch-Barotscland ist Mamili zu Mamili. Es würde ein schlauer Schachzug sein, wenn die deutsche Negierung ihrerseits Mamili zum Oberhäuptling für ganz Deutsch-Barotseland er- nennte." Das deutsche Gouvernement hat nun nicht etwa den siebenswürdigen Berater kurz abgewinkt; im Gegenteil konnte der Briefschreiber am 10. August 1906 berichten: «Sprach mit Lindequist; er versicherte mir. er würde gern Ovamboland den Krieg erklären, wenn er nur genug Soldaten dafür kriegen könnte. Auch hat er den Farmern im Distrikte Grootfontein auf deren Ansuchen um militärischen Schutz für das viehreiche Barotseland, um Vieh von dort nach dem viehentblöhten Süden zu bringen, mitgeteilt, daß er die Besetzung des Landes im Auge habe, da man über den Wert des Landes auch besonders durch reiche Mineralfunde überzeugt ist. Im Barotselande kostet Rind- dich heute 60 M. das Stück, gegen Waren einzutauschen, in Deutsch-Südwestafrika mindestens 306 M. in bar zu erhalten. Für ein Tauschhandelsgeschäft am Okovango sind die großartig- sten Aussichten und ungeheure Profite sicher. Notabene: Ich und meine Freunde in der Kolonie sind eventuell entschlossen, die längst verhaßte Einmischung in koloniale Sachen seitens des Reichstages abzuschütteln..." Also auch ein Krieg mit den Ovambos wäre unseren süd- westafrikanischen Kolonialfexen dringend erwünscht! Ja, nach der Mitteilung des Briefschreibers soll sogar der G o u- verneur Lindequist von solchem Abenteuer nicht ab- geneigt gewesen sein, dessen Kosten sich auf abermals Hunderte von Millionen und Tausende von deutschen Menschenleben belaufen haben würden!—_ Agrar-Zentrum. Man wird sich des Krachs erinnern, der vor einigen Jahren in der rheinischen Zentrumspartei herrschte. In den Versammlungen hagelte es Beschimpfungen und es fehlte nicht an Tätlichkeiten. Bei den Reichstagswahlen wurden den offiziellen Zentrumskandidaten ultramontane bäuerliche Kandidaten ent» gegengestellt. Die„Rheinische B o I k s st i m m e" tobte in einer Art gegen die herrschende Zentrumspolitik, die ihr bei weitem nicht agrarisch genug war, dah sie schliehlich aus der Reihe der Zentrumsblätter parteioffiziell gestrichen wurde. Und heute? Bei dieser Wahl ist die„Rheinische Volksstimme*. die man mittlerweile wieder als Zentrumsblatt anerkannt hat, lammfromm geworden. Nur in einem„Eingesandt", für das die Redaktion„dem Publikum gegenüber nicht verantwortlich" ist, hat inan aus dem Wahlkreise K ö l n- L a n d gegen die Kandidatur des Postsekretärs Kornelius H a m e ch e r aus Berlin, eines geborenen Rheinländers, der zeitweilig Vorsitzender des deutschen Post- assistentemVerbandes war, zaghaft zu opponieren gewagt. Sonst aber ist die„Volksstimme" vollkommen zentrumsfromm. Die Schreibweise ist gegen früher wie ausgewechselt. In ihrer neuesten Nummer(Nr. 19 vom 23. Januar) schreibt die„Rheinische Volksstimme": .. Vielfach(?) sind in den rheinischen ZentrumSdomänen enragierte Arbeiterkandidaten(?) auf den Schild erhoben worden, für die die ländliche Wählerschaft sich nicht zü erwärmen vermag. Nichtsdestoweniger müssen am Freitag alle Mann an Bord sein und einhellig für diese eintrete«, so schwer es dem einzelnen auch fallen wird. Es gilt aber demZentrumden maßgebenden Einfluß auch in der neuen Legis- latu rp e riode zusichern...." Die Agrarier haben erkannt, was sie am Zentrum haben. Der Abgeordnete Dr. Marcour hat es in seinem Wahlkreise ja den Landwirten ausgeplaudert, wie die Zentrumsfraktion bei den Zolltarifverhandlungen die Interessen der Städte und der Industrie an die kleine Gruppe der Großagrarier verschachert hat. Das Zentrum ist vollständig agrarisch versklavt, und unter all seinen Kandidaten— auch unter denen, die man als „Arbeiterkandidaten" bezeichnet— wird man vergebens einen suchen, der sich nicht der offiziellen Zollwucher- und Grenzsperr- Politik der Zentrumspartei verschrieben hat. Darum kann die „Rheinische Vollsstimme" in Gemütsruhe ihre Leute auffordern, dem Zentrum„den maßgebenden Einfluß zu erhalten".— Herr Poeplau bittet uns um die Veröffentlichung folgenden offenen Briefs an den Reichskanzler.' Eure Durchlaucht haben es für wichtig genug gehalten, in Ihrer die letzten Kolonialdebatten einleitenden Rede im Reichstag am 28. November v. I. meiner Person Erwähnung zu tun. Hier- für kann ich Eurer Durchlaucht nur aufrichtig dankbar sein. Eure Durchlaucht und der Leiter der Kolonialabteilung, Herr Wirklicher Geheimer Rat Dernburg, haben nun aber im Reichstag mit Bezug auf meine Eingaben und Anzeigen an Eure Durchlaucht von bei mir stark vermuteter Unzurechnungs- fähigkeit, ja sogar von Unglaubwürdigkeit meiner Person gesprochen. Daß Eure Durchlaucht bei Ihrer stets bc- tonten Wahrheits- und Gerechtigkeitsliebe öffentlich, und zwar von einer Stelle aus, von welcher Ihre Wort besondere Bedeutung haben, in der angegebenen Weise über mich sich äußerten, beweist mir, wie wenig Eure Durchlaucht neben vielen anderen Angelegen- heiten der Kolonialverwaltung auch meine Sache kennen. Denn sowohl vorstehende, als auch noch andere zur selben Zeit von Eurer Durchlaucht und bald darauf auch von Herrn Dernburg im Reichstag über mich gemachte, vorbereitet gewesene Angaben entsprechen nicht den aktenmäßig fe st stehenden Tatsachen. Eure Durchlaucht werden mir zugestehen, daß ich ein Recht habe, gegen eine den Tatsachen widersprechende nachteilige Be- urteilung und sogar Verächtlichmachung meiner Person nach- drücklichstmichzuverwahren. Jchtuedieseshier- mit. Eure Durchlaucht werden mir auch zugeben, daß ein Mann, welcher Anspruch auf Ehre erhebt, die Ehre seines Mitmenschen nicht unbegründeterweise herabsetzen darf. Ich erwarte deshalb von Eurer Durchlaucht, daß Sie zum Beweise für die vorbereitete, also wohlüberlegte Erklärung im Reichstag, daß meine Zu- rechnungsfähigkeit stark angezweifelt werden durfte, und daß ich nicht Anspruch auf volle Glaubwürdigkeit habe, auf meine Bitte hin nicht zögern werden, alsbald öffentlich anzugeben, welche Handlungen meinerseits dazu berechtigten, von bei mir auch nur zu vermuten gewesener Unzurechnungsfähigkeit zu sprechen, und welche Tatsachen vorliegen, auf Grund deren Eure Durchlaucht als Reichskanzler vor aller Welt behaupten konnten, daß ich Anspruch auf Glaubwürdigkeit nicht habe. Da mein wiederholt an Eure Durchlaucht schriftlich gerichtetes gleiches Ersuchen unberücksichtigt geblieben ist, so habe ich mich genötigt gesehen, nunmehr zunächst in dieser Sache an Eure Durch- laucht öffentlich mich zu wenden. Berlin, im Januar 1367. Oskar Poeplau. SO., Bevernstr. 2. gjfianto. ped�kteur: Hau» Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: Zwischen Deutschland und Danemark ist ein Verlrag zustande gekommen, der die Staatsangehörigkeitsverhältnisse der sogen. dänisch-prcußischen Optantenkinder regelt. Durch den Artikel 13 des Wiener Friedens vom 36. Oktober 1864 wurde den Bewohnern der von Dänemark an Preußen und Oesterreich abgetretenen Ge- biete freigestellt, sich unter gewissen Bedingungen durch Option die dänische Staatsangehörigkeit zu erhalten. Die Verschiedenheit der Auslegung dieser Bestimmungen durch die preußischen und dänischen Behörden führte zu dem unerwünschten Ergebnis der Entstehung der Kategorie der„staatenlosen" Optantenkinder, die von Preußen nicht als preußische, von Dänemark nicht als dänische Staats- angehörige anerkannt wurden. Diese mißlichen Verhältnisse wer- den durch den neuen Vertrag geregelt, der folgende Bestimmungen trifft: Artikel 1. Die preußische Regierung wird den im preußischen Staatsgebiete wohnhaften staatlenlosen Optantenkindern, d. h. den nach der Optionserklärung des Vaters aber vor dem Jnkraft- treten des dänischen Staatsangehörigkeitsgesetzes vom 13. März 1898 außerhalb Dänemarks geborenen Kindern auf ihren Antrag bei dem Vorhandensein der allgemeinen gesetzlichen Voraussetzungen die preußische Staatsangehörigkeit verleihen. Artikel 2. Durch die Bestimmungen des vorstehenden Artikels wird das Recht eines jeden der vertragschließenden Teile, Llnge- hörigen des anderen Teiles entweder infolge gerichtlichen Urteils oder aus Gründen der inneren und äußeren Sicherheit des Staates, oder aus Gründen der Armen- und Sittenpolizei den Aufenthalt zu versagen, nicht berührt. Diese Befugnis besteht für die königlich preußische Regierung auch hinsichtlich der Optantenkinder, welche von dem ihnen im Artikel 1 gewährten Rechte, preußische Staats- angehörige zu werden, keinen Gebrauch gemacht haben oder deren Anträge mangels der gesetzlichen Voraussetzungen abgelehnt werden mutzten. Diesen Optantenkindern wird die dänische Regierung den Aufenthalt in Dänemark, insoweit nicht � andere Gründe des dänischen Rechts dafür vorliegen, nicht verschränken. Artikel 3. Die beiden Regierungen sind darüber einverstanden, daß unter Optantenkindcn im Sinne der Artikel 1 und 2 dieses Vertrages nicht bloß Nachkommen im ersten Grade, sondern auch deren Nachkommen zu verstehen sind. Kuslanck. Ungarn. Verwesung. Der Fall Polonyi wühlt das Innere der ungarischen Politik auf, und immer neue Schmutzwellen wälzen sich über die Herren des Landes hin. Heute kann festgestellt werden, datz Polonyi der Koalition den Weg zur Regierung ebnete. Der alte Agent für Hurenhäuser benutzte dazu die Hülfe einer Baronin Wallerstein, die sehr nahe„Beziehungen* zum Adjutanten des Kaisers, dem Grafen Paar hatte. Für ihre Dienste am Hofe sollte diese Frau 56 666 Kronen erhalten. Herr Polonyi aber unter» schlug diese ihm von der Koalition anvertraute Summe, was denn auch zur Preisgabe seiner an Baronin Wallerstein gerichteten Briefe führte. In einem dieser Briefe schreibt Polonyi unter anderem: „ES wäre großartig zu erfahren, wie Tisza bei Sr. Majestät auf- genommen wurde und was ihm Se. Majestät sagte. Wie ist die Stinnnung bei Hof; ist Neigung vorhanden, daß dcrKönig auch Kossuth anhören soll? Wenn das geschieht, wird Se. Majestät so populär, wie ein König es nie gewesen ist.... Ihr Sie verehrender Geza Polonyi.* Den Bürgermeister Haimos bewog Polonyi zur Rücknahme seiner gravierenden Anschuldigungen dadurch, daß er ihm kraft seiner Macht als Justizminister die Jnternierung in die Isolierzelle eines Irrenhauses androhte!! Den Vermittler dieser Drohung machte der Hausarzt des Halmos. ein gewisser Dr. Wein. Es ist nun bezeichnend, daß dieser Dr. Wein ein naher Verwandter des Präsidenten des ungarischen Preßbureaus im Minister- Präsidium, des Herrn Abranyi ist, daß also die Spuren der Vertuschungs» und Erprefsungsversuche bis in das Haus des Ministerpräsidenten Weierle führen. Herr Abranyi selbst ist einer der Korruptionshelden der ungarischen Politik, ein Mann, dem die gemeinsten Revolverstücklein ins Gesicht hinein nachgesagt wurden, ohne daß er auch nur ein Wort zur Wider- legung gefunden hätte I Herr Weierle aber und Herr Kossuth. der Polonyi noch vor drei Tagen durch ein Vertrauensvotum der Unabhängigkeitspartei erstellte, sind nicht nur durch persönliche Sympathien, sondern durch ihre politische Existenz mit dem Schicksal Polonyis verbunden. Der Fall wird in der bürgerlichen Presse auf die Person Polonyis zugespitzt, und doch ist dieser Fall nur ein Symptom der allgemeinen Verwesung eines ganzen Systems. In Ungarn gab eS»einen einzigen Zcitungsleser, der nicht schon lange vor dem Regierungsantritt Polonyis über dessen Vergangenheit im klaren war!! Seine Vergangenheit ist seit Jahren offenkundig, ja sogar gerichtsnotorisch! Trotzdem wurde er der unentbehrliche Ministerkollege der Grafen Andraffh, Apponyi, Zichy, der Herren Weierle, Daeranyi, Kossuth. Er wurde gebraucht, um skrupellos das Korruptionssystem der verflossenen liberalen Partei für die Eniporkömmlinge der Koalition von neuem zu inaugurieren, er war berufen, die volksmörderische Ausbeutungspolitik gegen den Ansturm der Massen zu verteidigen. Er tat dies in steter Berufung aus die„Heiligkeit der Familie und des Privateigentums", er tat es durch eine ungeheuere Verseuchung der Gerichte und der Verwaltung, durch Ankündigung von Aus- nahmegesctzen gegen die Sozialdemokratie. Er stand und fällt als würdiger Anwalt der herrschenden Klasse Ungarns.— Frankreich. Gewerblicher Unterricht in der Kaserne. AuS Paris wird uns geschrieben: Es wird immer deutlicher, daß die französische Demokratie an einem Wendepunkte angelangt ist: Datz sie gezwungen wird, mit den in diesem Lande besonders eingewurzelten Traditionen des wirtschaftlichen Liberalismus zu brechen und sich einer tieferen Erfassung der sozialen Probleme, einer alle Gebiete der gesellschaftlichen Kultur umfassenden Reform- arbeit zu widmen. Datz der entscheidende Faktor hierbei der Sozialismus ist, der teils— durch die Ausbreitung seiner Ideen— als unmittelbare Triebkraft, teils mittelbar wirksam wird durch die Angst der herrschenden Klassen, durch ihr Streben, ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen, das ist unbestreitbar. Wir haben schon Gelegenheit gesunden, auf die interessante Erscheinung hinzuweisen, daß in diesem Umwandlungsprozesse die Armee nicht immer als hemmendes Element wirkt. In den aufgeweckten Kreisen des Offizierkorps, soweit dieses aus dem Volke hervorgegangen ist(und dank den Andreschcn Reformen und nicht minder dank der Fronde der reaktionären„Gesellschaft" wird das in immer steigendem Maße der Fall), wird mitunter eine Selbständigkeit und ein Mut der Gesinnung sichtbar, der dem in kleinlichen Profitinteresien befangenen Kleinbürgertum völlig ab- geht. So ist der Gedanke, datz der Heeresdienst in einer Demokratie nicht ein bloher soldatischer Drill bleiben dürfe, sondern in der Erziehung zum Bürger aufgehen müsse, schon so manchem Offizier vertraut geworden. Die Demokratie bedarf ja nicht nur wehrhafter Schützer für die Zeit der Bedrängnis, sondern vor allem der tüchtigen und pflichtbewußten Arbeiter. Gerade die bis an die äußerste Grenze des Möglichen ausgedehnte allgemeine Wehrpflicht rtz.Gl»cke,Bellin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanMt führt dazu, einen Zustand schließlich unerträglich erscheinen zu lassen, bei dem die Jugendkraft der Nation brach liegt, ja sogar zu einem nutzlosen Zehrer am Arbeitsprodukte des Volkes wird. Diese' Anschauungen haben die Offiziere des 26. Jäger- bataillons, das in der Pariser Vorstadt Vincennes liegt, dazu geführt, gemeinsam mit dem städtischen Arbeitsinspektor Herrn Rocheron und unterstützt von den Soldaten selbst sowie von ein- sichtigen Bürgern und Arbeitern, den Plan einer beruflichen Er- ziehung in der Kaserne auszuarbeiten! Der Kriegsminister hat dem Entwurf bereits seine Genehmigung erteilt. Das Arbeitsprogramm dieser neuartigen Organisation enthält folgende Punkte: Einen allgemeinen geschichtlichen und geographischen Unterricht, der die EntWickelung der Weltanschauungen bis zum Ideal der Wissenschaft und der Arbeit als ihrer Anwendung darstellt. Weitere Vorträge behandeln die militärischen Fragen, wobei besonders der Unterschied zwischen einer auf dem Kastenwesen beruhenden und einer d e m o- k r a t i s ch e n Armee gezeigt werden soll. Für den eigentlichen Berufsunterricht sind die Soldaten in drei Klassen eingeteilt: Für die Zweige Ackerbau, Industrie und Handel. Beim Ackerbau wird besonderes Gewicht auf die Anwendung der Wissen- schaft gelegt. Die jungen Soldaten werden angewiesen, die Kultur dem Boden und dem Klima anzupassen, die Technologie und die Hygiene zu Rate zu ziehen. Auch werden ihnen die Vorteile des genossenschaftlichen Prinzips erläutert!! Beim in- dustriellen Unterricht werden gleichfalls die wissenschaftlichen Grundlagen der modernen Produktion aufgezeigt. Ein eigene? Kapitel ist dem Arbeiterschutz gewidmet, und es wird auf die allmähliche Verdrängung des Individualismus durch das Kollektive hingewiesen!! Nach denselben Prinzipien wird der Handels- Unterricht erteilt, zu dem auch eine Unterweisung im Handelsrecht tritt. In allen Kompagnien des Bataillons wird ferner Elementar- Unterricht im Zeichnen erteilt werden, im ersten Jahre die für a l l e Berufe gleich notwendigen praktischen Kenntnisse vermittelt. Im zweiten Jahre erhalten die Soldaten den ihrem Berufe ent- sprechenden Fachunterricht im Zeichnen, der neben den ästhetisch-dekorativen Fähigkeiten besonders die konstruktiven aus- bilden soll. Zur Ergänzung und Befestigung des Unterrichts gehört die Besichtigung von Einrichtungen, die das Gelernte den Schülern an- schaulich vorführen, wie die Gemüsekulturen der Pariser Umgebung, der städtische Versuchsgarten, die Anstalten für Obst- und Blumen- zucht, die Jndustriewerke, die gewerblichen Museen, die Lager- Häuser usw. Wohlgemerkt, es sind keine S o z i a l i st e n, die das Unter- nehmen ins Werk gesetzt haben. Das geht schon aus den Details für den sozialpolitischen Unterricht hervor. Aber der Versuch selbst bedeutet schon einen kühnen Bruch mit der militaristischen An- schauung und einen bedeutungsvollen Schritt vorwärts in der Pädagogik, einen originellen Ansatz zu einer Theorie und Praxis vereinigenden Erziehung, die ihre Vervollkommnung in der sozialistischen Gesellschaft zu finden bestimmt ist, wo das soziale Ideal der Arbeit den Menschen ins Herz gepflanzt wird. Eingegangene DmcKscKrtftm. Berlin nnd seine Arbeiter in englischer Beleuchtung. Von Best, Davis und Perks aus Birmingham. Deutsch herausgegeben von Dr. Waldemar Zimmermann. Verlag Dr. Wedetind u. Co., G. m. b. Ö-, Berlin SW. 19. Preis 1 M. Letzte JVaebnebten und Depefeben. Verkehrsstockung. Breslau, 23. Januar.(SB. T. B.) Die königliche Eisenbahn- direktion gibt bekannt: Wegen verweigerter Frachtübernahme durch die Kaschau-Oderbergcr Bahn sind Frachtgüter und Wagenladungen nach Stationen der Kaschan-Oderberger Bahn imd in Durch- gang durch diese Bahn nicht anzunehmen, rollende Wagenladungen und Frachten find anzuhalten und den Versendern zur Verfügung zu stellen._ Vom Schnellzug überfahren. Osnabrück, 23. Januar.(B. H.) Der Bremer Schnellzug über- fuhr bei der Station Bellm mehrere Arbeiter. Zwei van ihnrn wurden getötet, einer schwer verletzt. Das kann gut werden. Budapest, 23. Januar.(W. T. B.) Infolge eines Beschlusses, der im heutigen Ministerrat gefaßt wurde, wird Justizminister Polonyi einen Prozeß wegen Verleumdung gegen seine Angreifer an- strengen. Die Wirkungen der Kälte. Trieft, 23. Januar.(W. T. B.) Bei heftiger Bora herrschten hier heute früh 12,3 Grad Kälte, was seit 1853 nicht beobachtet worden ist. Alle Arbeit ruht, die Schulen und die Theater find ge- schlössen. Zahlreiche Nnfälle werden gemeldet. Erfrorener Wachtposten. Lemberg, 23. Januar. dessen hat der einzige dänische Reichstags- Abgeordnete, Herr Hansen, unbegreiflicherweise am 13.'Dezember für den Hottentottenschwindel gestimmt, also für dieselbe Polittk, deren Opfer auf deutschem Boden seine Partei ist. Sogar die engeren Partei« genossen Hansens verstehen diese Stellungnahme ihres Führers nicht, und es wird sich nun wahrscheinlich bald in Flensburg herausstellen, ob Hansens Abstimmung eine einmalige Entgleisung oder den Be- ginn einer taktischen Schwenkung in der dänischen Oppofitionspolittk tn Nordschleswig bedeutet. Im 8. Wahlkreise(Altona-Stormarn) ist der bürgerliche Mischmasch in die Brüche gegangen. In dem liberalen Rechts� anwalt Löwenthal glaubten die bürgerlichen Parteien einen gemein- samen Sammelkandidaten gefunden zu haben. Als aber die Agratter des Kreises in Erfahrung brachten, daß Löwenthal Jude und auf wirtschaftspolittschem Gebiete Freihändler ist, sägten sie ihn ab und stellten Liebermann von Sonnenberg als Kandidaten auf. Inzwischen haben die unentwegten„Rationalen", soweit sie dem Verein zur Wahrung der wirtschaftlichen Volksinteressen gegen die Bestrebungen der Sozialdemokratte angehören. ein dunkles Blatt im Vorleben des Herrn Löwenthal „entdeckt", indem dieser seinerzeit mit den Sozis gegen die Wahl des Oberscharfmachers Menck zum preußischen Landtage paktiert haben soll(Annahme sozialdemokrattscher Stichwahlhülse gegen Menck). Dieses„Verbrechen" beantworteten die„Nationalen" init der Aufstellung des rossenreinen Kolonialdirektors Dernburg zum Reichslagßkandldaten. Herr D. hat zwar abgewinkt, aber er- folglos. Kürzlich fand in Wandsbeck eine Versammlung der „nationalen" Parteien statt, in der sich die Dernburgianer und Löwenthaler gegenseitig mit Jnvektiven regalierten. Wutentbrannt liefen sie schließlich auseinander. Im 10. Wahlkreise(Kreis Herzogtum Lauenburg) arbeiten die Antisemiten, die in Hamburg total abgewittschaftet haben, mit allen Mtteln der Verleumdung, um ihr Ziel, mit unserem Genossen Lesche in die Stichwahl zu kommen, zu erreichen. Selbst die Gebeine Bismarcks werden nicht in Ruhe gelassen.„Fortan muß die rote Flagge weichen, weil hier Bismarcks Gebeine bleichen", stehl in den„nationalen" Aufrufen. Wie wir schon mit- teilten, hat sich ein„Komitee sür nationale Wahlen" gebildet, das in„vornehmer Weise" den Wahlkampf zu führen bittet, damit in der Stichwahl alle bürgerlichen Stimmen entweder auf Müller(Ant.) oder Dr. Heckscher(liberal) fallen. Das hindert aber die vornehmen anttsemitischen Bundesbrüder nicht, den„Judew stämmling" Dr. Hcckscher mit den ärgsten Jnvektiven zu überschütten. Trotzdem hat der liberale Verein die Parole ausgegeben, eventuell für Müller zu stimmenl In allen sozialdemokratischen Ber- sammlungen, die durchschnittlich doppelt so stark besucht siud, als 1903, herrscht ein sroher Kanrpfesmut und eine große Begeisterung. Jahren auf 26 999 Tote und 31 999 Verwundet« an. ohne diejenigen z» rechnen, die durch die„Pazifizierungsarbeit" der Strafexpedittonen umgekommen sind. Der größte Teil dieser 57000 Mann starken Armee entfällt auf das Jahr 1906. Di« Zahl derer, die dem revolutionären und dem Regierungsterror im Jahre 1906 zum Opfer gefallen find, beläuft sich auf 1109 Tote und 1649 Verwundete, worin die durch Urteil der„Gerichte" Erschossenen und Gehängten nicht mit ein- begriffen sindl Durch den revolutionären Terror wurden 75 Generäle, Generalgouverneure und Stadthauptleute bettoffen (diese Zahl bezieht sich auf Tote und Verwundete; die mißglückten Attentate sind nicht gerechnet); aus den Reihen der Polizei und des Militärs wurden 410 Personen getötet und 463 verwundet. Außerdem gab es über 90 mißglückte Attentate.— Die Zahl der durch Urteilsspruch der Kriegs- und besonders der FeldkrtegS- g- r i ch t e Getöteten beträgt etwa 1010 Personen, ohne die etwa 750 in den Ostseeprovinzen Erschossenen zu rechnen. Bon all den 1010 Todesstrafen enffallen 858 auf die Zeit nach der Dumaauflösung! Desgleichen übertrifft das Ende deS Jahres die erste Hälfte desselben in bezug auf die terroristischen Akte. Außer diesen Opfer» der Revolution im letzten Jahre seien noch die Verschickten und Verhafteten erwähnt: Die Zahl der administtattv Verschickten beläuft sich nach mehr oder minder offiziellen Angaben auf 35 000 Personen, lieber die Zahl der Berhaffeten mangelt es an genauen giffern. Anfang des JahreS, im April, nannten die Zeitungen die allgemeine Zahl 72 090! Nach den weiteren MeldtMgen zu schließen, haben sich die Verhaftungen nach der Auflösung der Duma noch vermehrt. Eö genügt, wenn man darauf hinweist, daß allein in der Warschauer nisse zu rechnen) im Monat' — Wenn man die allgemeine hafteten auf 150 000 einschätzt, aeni Zitadelle(ohne die G e f ä n g- Die russische Revolution. Das verkrachte Rußland. Die heutigen Blätter bestätigen nicht nur daS Gerücht von einer neuen Anleihekombination, sondern sie bringen auch weitere Einzel- h e i t e n, die zeigen, daß die Regierung tatsächlich mit einer Ber- Pfändung der Eisenbahnen beginnt! An der Moskauer Börse hat man mit Bestinimtheit erfahren, daß ein Konsortium französischer und deutscher Banken bereit ist, gegen Verpfändung bezw.«Ver- Pachtung" von Eisenbahnen der Regierung 390 Mllionen Rubel vor- zuschießen. Man ist nur noch darüber nicht einig, welche Bahnen verpfändet werden sollen. DaS Konsottium will die Jeka- terininsche Bahn, weil es mit dieser gleichzeittg auch die Kohlenwerke deS Donezbassins in seine Hände bekommt. Die Regierung will entweder die PeterSburg-Warschaucr oder die Moskan-Windau- Rybinsk-Bahn abtteten. Wie die Blätter weiter mitteilen, geht der Finanzminister Kokoffzew in dieser Angelegenheit nach Paris. Das Jahr 1996. Die NeujahrSauSgaben der russischen Zeitungen konnte» in ihren dem verflossenen Jahre gewidmeten Rückblicken nicht umhin, der Opfer der russischen Revolution zu gedenken. Die Zeitung„Perelom", welche einige offizielle Angaben zur Hand hatte, gibt die Zatyl der Opser der revolutionären Bewegung m Rußland m den letzten zwei uli 8395 Personen interniert waren. ahl der im verflossenen Jahre Ver- so ist daS sicher keine Uebertreibung. Nimmt man die 40 000 Toten und Verwundelen und die 35 000 Verschickten dazu, so erhalten wir die respeffable Ziffer 225999! ES fragt sich nun: Wie groß muß ein Volk sein, dessen„Leiter" es fich erlauben dürfen, binnen so kurzer Zeit 225 099 ihrer„Untertanen" auS dem Vollslvrper auszuscheiden?— „Formale Defekte." Die„Russische Korrespondenz" erhält daS nachstehende Tele- gramm: Petersburg, 28. Januar. Wie ich erfahre, findet heute in Terjoli die erste Zeugen- Vernehmung in dem wieder aufgenommenen Prozeß wegen der Ermordung Herzensteins statt. Obgleich die Verdachtsmomente gegen die Mörder HerzensteinS bereits erdrückende sind, wurden Verhaftungen gleichwohl ab- gelehnt. Die finnländischen Behörden, die Verhaftung verlangten, setzten ihre Forderung in Petersburg bisher nicht durch, da die Anträge„formale Defekte" enthalten sollen. Wenn's nach den„formalen Defekten" ginge, dann müßte die russische Regierung längst mit Stumpf und Stiel--» abgelehnt sein. Eue der Partei. Die ZeuguiSfolter in Halle. Zu der schon telegraphisch gemeldeten Bestrafung deS Genoffen Molkenbuhr wegen Zeugnisverweigerung wird unS noch ge- schrieben: Rechtsanwalt Suchsland fühlte sich beleidigt durch zwei im „Bolksblatt"- Halle unter den Spitzmarken:„Der irrende Rechtsanwalt" und„Die mißglückte Anwaltsrechnung" veröffentlichte Artikel. Er klagte aber nicht gegen den verantwortlichen Redakteur Genossen Molkenbuhr, sondern gegen den Genossen Redakteur Thiele, den er als Verfasser ansieht. Genosse Thiele lehnte aber die Ver- antwortung mit dem Hinweise ab, er sei preßgesetzlich nicht veranlwort- lich. In einem früheren Prozesse gegen den Berichterstatter Ebeling habe erst das Schöffengericht, dann die Sttaflammer und schließlich das Oberlandesgericht anerkannt, daß nur der Verantwortliche zur Rechenschast zu ziehen sei. Ebeling als vermutlicher Täter sei freigesprochen und die Vereidigung deS damals verantwortlichen Re« datteurs Däumig sei in allen Instanzen abgelehnt worden. Dieses Vorgehen entsprach dem Preßgesetz. Das Schöffengericht hat ent- gegen dem früheren Standpunff MolkenbuhrS Vereidigung be- schloffen. Genosie Molkenbuhr. der es schon in einer früheren ver- Handlung abgelehnt hatte, sich darüber zu äußern, ob Thiele die Artikel verfaßt habe, wurde damals mit 75 M. Geldstrafe besttast. Als er nun jetzt wiederum aus Grund deS§ 56 der Strafprozeßordnung— er kommt als Teilnehmer in Frage— das Zeugnis verweigerte, wurde gegen ihn eine Sttafe von 150 Mark festgesetzt. Dann wurde die Verhandlung behufs weiterer Maßnahmen vertagt. Ob die Hallenser Richter noch zur Verhängung der Zeugnis- zwangshast schreiten werden? Das würde der deutschen Wähler- schaft noch knapp vor dem Wahltermin wieder einmal die Notwendig- keit der Abschaffung der Zeugnisfolter demonstrieren. Es ist höchste Zeit, daß der Justiz das Recht genommen wird, den Versuch zu machen, jemand durch ZeugniSzwangShast zu einer Handlung zu zwingen, die von der überwiegenden Mehrheit deS deutschen Volke? als eine Unehrenhaftigkeit beurteilt werden müßte. Sttafkont» der Presse. Der Genosse Redakteur Fröhlich vom Halleschen„Bolksblatt" stand am Dienstag vor dem Schöffengericht, um sich wegen Vergehens gegen das famose Ein- führungsgesetz zur Militärgerichtsordnung vom Dezember 1893 zu verantworten. Im November v. I. hatte vor dem OberkricgSgericht in Wittenberg eine Verhandlung gegen den Sergeanten Becker vom Jnfanterie-Regiment Graf Tauentzien stattgefunden, bei der wegen Gefährdung militärdienstlicher Interessen und wegen Sittengefährdung die Oeffcntlichkeit ausgeschlossen worden war. Da hierüber trotzdem einzelne Details in dem„Volksblatt" erschienen waren, die man gern im geheimen Militärbusen bewahrt hätte, beantragte der Staatsanwalt gegen Fröhlich eine Geldstrafe von 390 Mark. Das Gericht erkannte auf 150 Mark Geldstrafe. Der 7. Jahreskougreß der britischen Arbeiterpartei. London, 2t. Januar.(Eig. Ber.) Am 24. Januar ttitt die britische Arbeiterpartei zu ihrem 7. Jahreskongresse in Belfast(Irland) zusammen. Der JahreSbencht deS Parteivorstandes gibt eine Uebersicht über den numerischen Fort- schritt der Partei, sowie über die Wahlerfolge und die Siege im Parlament. Zu Anfang des JahreS 1906 zählte die Partei 921 280 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter und Sozialiften; jetzt 997 665. Die Zahl der Gewerkschaften, die der Partei an- gehören, bettägt jetzt 175; die der Gewerkschaftskartelle Drackss Councils) 13. Ebenso sind ihr im Laufe des Berichts- .ahres zwei Arbeitergenossenschaften bcigetteten. An Parlaments- verttetern zählt sie jetzt 30, da ein früherer liberaler Arbeiter- abgeordneter, der Bergarbeiterführer Taylor, sich der selbständigen Arbeitergruppe angeschlossen hat. Der Bericht konstatiert ferner, daß ich die Beziehungen der Partei zu den liberalen Arbeiterführern erheblich gebessert haben. Die alte Feindschaft zwischen Sozialisttn und Gewerkschastsleitern ist verschwunden, so daß sich kein Ar- beiterführer mehr dazu hergeben will, liberale Kandidaten gegen Arbeiterkandidaten zu unter- t ü tz e n. Besonders zeigtesichdieSbeiderparlamentarischenNachwahlin puddersfield, die im Herbst des Berichtsjahres stattfand. Die Ein- ladungen, die der Führer der liberalen Partei an Gewerkschaftsleiter ergehen ließ, den liberalen Kandidaten bei der Wahl zu unter- tützen, wurden nicht mehr befolgt. Dann wurde diese Nachwahl auf Grund eine? rein sozialistischen Programms auSgefochten. Die Borschläge des Parteivorstandes find rein finanzieller und organisatorischer Natur. Nach den Hauptwahlen, wenn der„Vorwärts' mehr Raum für auswärtige Angelegenheiten zur Verfügung hat, werden wir die Verhandlungen des Kongresses in einem besonderen Artikel würdigen. Hud Induftne und HandeU Schiffsabgabt«. In ihrem soeben erschienenen Jahresbericht für 1906 weist die Handelskammer für den Kreis Mannheim u. a. darauf hin. dag die Verwirklichung der von Preutzen betriebenen Einführung von Schiffahrtsabgaben auf dem Rhein die Stadt Mannheim in ihrem eigentlichen Lebensnerv aufs allerschwerste treffen würde. Würden doch von der ganzen Summe des durch Rheinschiffahrtsabgaben auf der Grundlage von durchschnittlich 0,04 Pf. für das Tonnen- kilometer einzubringenden Ertrages gegen zwei Drittel mit jährlich weit mehr als einer Million vom Mannheimer Verkehr aufzu- bringen sein. Noch gibt die Kammer die Zuversicht nicht auf, dah der Bundesrat es ablehnen werde, die Hand zu einer offenbaren Verletzung der Reichsverfassung zu bieten oder dem Reichstage die Abänderung des Art. 04 des Grundgesetzes vorzuschlagen und damit einen Strich durch die in fünfzigjährigem Kampfe errungene Befreiung der Strombefahrung von Wasserzöllen zu machen; noch hält sie fest an dem Vertrauen, daß es nicht gelingen werde, die Grundlage der wirtschaftlichen Blüte Badens und des ganzen Oberrheingebietes, die RheinschiffahrtSakte und die in ihr feierlich festgelegte Abgabenfreiheit der Stromschiffahrt zu zertrümmern. Unter den Kindern, die der Paarung Agrariertum und Liberalismus entspringen, wird eines bestimmt den Namen tragen: .Schiffahrtsabgaben",_ Allgemeine Teuerung. Die Steigerung der Preise fast aller Massenverbrauchsartikel hat auch im Jahre 1906 in verstärktem Maße angehalten. Be- sonders die Preise der Rohmaterialien haben eine Höhe erreicht, wie jie noch niemals beobachtet worden ist. Auch die Nahrungs> mittel haben sich zum grötzten Teil der Aufwärtsbewegung ange schloffen, vornehmlich das Fleisch. Das allgemeine Preisniveau hat sich mit einer kleinen Unterbrechung im Februar und März unausgesetzt erhöht und im November 1906 den Höchststand erreicht, der in den letzten 3 Jahren beobachtet worden ist. Wenn man den durchschnittlichen Preisstand des 10jährigen Zeitraums von 1889 bis 1893 gleich 100 fetzt, so ergeben sich nach einer Zusammenstellung der„Vosslschen Zeitung" für die Jahresdurchschnitte 1904 und 190S, sowie die Monatsdurchschnitte November 1905 und November 1906 solgende Verhältniszahlen: Jahres- durchschnitt 1904 1905 Roggen Weizen Hafer Riiböl MaiS Berlin Berlin Berlin Hamburg Hamburg Reis, Rangoon Bremen Tabak. Kentucky Bremen Kaffee Hamburg Rinder Berlin Schweine Berlin Kälber Berlin Hammel Berlin Butter, I. Sorte Berlin Heringe, norweg. Stettin Schmalz Bremen Häute». Felle, beste Ochsen- Bremen Wolle Berlin Baumwollgarn Mülhausen i. E. Kattun LRnengarn Rohseide Hanf Jute Mülhausen i. E. Landeshut Krefeld Lübeck Hamburg Eisen(Gießerei) Düsseldorf Blei Kupfer Zink Zinn Kohlen, westf. rankfurt a. M. Frankfurt a. M. Breslau Frankfurt a. M. amburg 91.3 100,3 91,9 85,6 104,7 102,4 120.1 55.3 114,9 94,0 127,1 122,7 103,1 115,0 104,9 123,6 121,5 113,9 115,4 119,7 91,7 114,0 117,9 99,4 103,6 120,1 119,7 159,3 93,9 102,7 101.1 98,1 88,9 110,3 105,3 118,7 57,4 120,1 122,9 134,6 134,1 111,8 196,3 109,2 132,1 127,6 105,5 107,5 115,5 97,1 114,1 152,5 100,5 118,9 146,1 136.1 180,9 94,5 Novbr. 1905 112,7 103,7 105,8 89,6 126,7 105,7 128,3 60,4 125,7 139,4 149,7 149,1 117,6 196,9 114,8 189,8 132,7 113,1 121,5 119,3 98,7 114,3 162,3 104,5 134,8 164,4 149,0 194,3 96,4 Nodbr. 1906 107,8 103,2 110,1 123,8 136,7 108,2 147,1 57,1 141,7 119,3 166,2 153,3 121,0 171,8 140,2 163,4 142,9 121,9 130,8 144,2 115,8 129,5 242,9 119,3 164,8 204,0 151,1 246,7 110,0 Die meisten Waren haben also einen Preis erreicht, der weit über dem zehnjährigen Durchschnitt von 1889— 1898 liegt. Die Großhandelspreise der Rohmaterialien für die Textil- und Metall- industrie haben einen Aufschlag von 44 bis 58 Proz. erfahren, und bei den tierischen Produkten war der Preis annähernd izhmal so hoch wie im Durchschnitt der Jahre 1889— 1898. Der Konsument hat natürlich nicht nur diesen Aufschlag der Großhandelspreise zu tragen, sondern es kommen noch die erheblichen Spesen de? Zwischen- und Kleinhandels dazu. Soziales. Mann über Bord! «Die Ursachen deS Selbstmordes des Heizers oder Trimmers N. N. vermochten nicht festgestellt zu werden," so lautete früher in den meisten Fällen das stereotype Sprüchlein der Seeämter, wenn ihnen einer der zahlreichen Selbstmorde an Bord der Ozeanriesen zur Beurteilung vorlag. Am Dienstag hatte das Hamburger See- amt ein Urteil zu fällen, das etwas anders lautete: Es stand das „Verschwinden" des Trimmers Schumann von Bord des zur Reederei von Diederichs in Kiel gehörenden Dampfers„Wik" zur Verhandlung. Infolge des vorjährigen Streiks der Hamburger Seeleute ging der Dampfer zur Komplet- tierung seines Personals nach Geestemünde und musterte auch fünf unbefahrene Leute, darunter Schumann, zur Be- dienung der Maschine an. AIS der nach Ostasien bestimmte Dampfer das Rote Meer passierte, wurde Sch. infolge der fürchterlichen Hitze schlapp, wie auch andere Leute dienstunfähig waren. Vorher hatte Sch..der sonst ein kräftiger Mann war. mehrfach geklagt, daß er den Dienst nicht verrichten könne; er wurde von einem Schwindelanfall betroffen und siel die Treppe hinunter, und am 13. Juni befreite er sich von seinem Leiden, indem er über Bord sprang. � t Der Reichskommissar. Vizeadmiral v. B o d e n h a u s e n. äußerte die Ansicht, daß Sch. aus Verzweiflung über Bord gesprungen ist. Unter den obwaltenden Umständen hätte das Schiff so viele unbefahrene Leute anmustern müssen. weil eS sich in der Zwangslage befand. Daß man diese unbe- fahrenen Leute, wenigstens bis Algier, sechs Stunden Wache gehen ließ, war ungesetzlich. Im Roten Meer habe eine Temperatur bis zu 63 Grad Celsius geherrscht, und daß bei solcher Temperatur Menschen arbeiten können, ohne ihre Gesundheit zu schädigen, halte er für ausgeschlossen. Um so hohe Temperaturen zu vermeiden, müsse die Ventilation in den Heiz- räumen entschieden verbessert werden. In dieser Beziehung aber st ehe die Schiffahrt b i n t e n a n. Der Spruch des Seeamts lautet: Der Trimmer Sch. ist am 13. Juni 1906 von Bord des Dampfers„Wik" verschwunden und eS ist als erwiesen anzusehen, daß er durch Ueberbordspringen Selbstmord verübt hat. Die Ursachen der Tat liegen darin, daß der Mann als Heizer und Trimmer unbefahren war und daher bei der großen Hitze im Roten Meer sich der Arbeit nicht gewachsen fühlte. ES sollte darauf hingewirkt werden, daß wenig. stcnS bei Neubauten von Schiffen für künstliche Ventilation der Hcizräume gesorgt werde. Der Maschinenleitung wird eine Ver- antwortung für den Selbstmord des Sch. nicht beigemessen." Die„Veranwortlichen" sitzen ganz wo anders. Als im vorigen Jahre die Seeleute mehr Sccarbeiterschutz verlangten, wurden ihre Forderungen brutal zurückgewiesen, und das R e e d e r k ap i t a l erfreut sich nach wie vor deS Schutzes abfeiten der Behörden und Gerichte, vor dem„Terrorismus" der Echiffsleute. die außerdem noch durch ein Ausnahmegesetz, hße SeemannSordnung, geknebelt werden. Haben doch jüngst selb? Kapitäne und Steuerleute, die sich u. a. zwecks besseren Schutzes des Lebens und der Gesundheit der Mannschaft zusammengetan hatten, vor der Macht des Reeder- kapital? kapitulieren müssen, das Aufgabe des Koalitionsrechts be- fahl.„Mann über Bord"— was tut's. ES ist ja kein Reeder oder Geldsack._ Dichten ein Entlassungsgrund. Die Buchhalterin Edith R., die in der Motorbau-Gesevschaft m. b. H., bedienstet war, wurde von dem Direktor der Gesellschaft, v. Bittlach, sofort entlassen, weil sie über das Geschäft ein Spott- gedicht verfaßt hatte. Der Direktor hatte dieses Poem in ihrem Arbeitspult gefunden. Edith R., die gestern vor der dritten Kammer des Kaufmannsgerichts 100 M. Restgebalt gegen die Gesellschaft einklagte, beteuert, daß ihr jede Absicht, die Firma verächtlich zu machen, ferngelegen habe. Diese gereimten Er- güsse sollten nicht etwa im Druck erscheinen, sondern' sie schrieb sie nur zu ihrem reinen Privatvergnügen. Hätte sie nicht das Manuskript Unvorsichtigerwerse liegen lassen, so hätte weder die Direktion noch das andere Personal etwas davon erfahren. Der Direktor v. B. führt« demgegenüber aus, daß er die verschiedenen Persiflagen über die Chefs und die anderen Vorgesetzten noch hätte hingehen lassen, nur eine Jronisierung der Kreditfähigkeit der Firma müsse er als Entlassungsgrund aufrecht erhalten, und zwar schrieb die Klägerin darüber folgenden Vierzeiler: „Es klopft, und langsam tritt herein Der Kassenbote von Schaaffhausen, Hält in der Hand'nen Zettel klein, Ja— woher nehmen und nicht mausen?" Durch Zeugenvernehmung wurde festgestellt, daß Direktor v. B. von dem ganzen Spottgedicht, einschließlich des obigen Vier zeilers, schon vor Monaten wußte. Das Kaufmannsgericht muhte deshalh schon aus diesem Grunde zu einer Verurteilung der beklagten Firma in Höhe der Klageforderung kommen. Der Direktor konnte den Entlassungsgrund nach Ansicht des Ge< richte nur geltend machen, wenn er auch sofort nach Kenntnisnahme deS Spottgedichts die Entlassung ausgesprochen hätte. Hatti er der Klägerin ihr Vergehen einmal verziehen, so konnte er später nicht mehr auf dieses zurückgreifen. Der vom Kaufmannsgericht angegebene Grund trifft im vor- liegenden Fall den Einwänden der beklagten Firma gegenüber zu. Irrig ist aber die aus der Anordnung einer Beweisaufnahme schon zu ziehende Folgerung, als ob der Reim die Beklagte überhaupt berechtigt hätte, den Vertrag sofort zu lösen. Hierzu wäre sie nur aus einem wichtigen Grunde berechtigt gewesen. Eine Privat beschäftigung mit scherzhaften Reimereien über die Firma ist nimmermehr ein„wichtiger", zur kündigungslosen Entlassung be- rechtigender Grund._ Des Handelsministers fruchtloser Kampf gegen Zahntechniker� Innungen. Einen eigenartigen Kampf gegen das Vereinsrecht der Zahn- techniker führt der preußische Handelsminister. Diesen Kampf hat er am Montag vor dem Oberverwaltungsgericht verloren. In einem Erlaß an die Regierungspräsidenten vom 17. Mai 1905 führte der Minister zur Ausführung seines Erlasses vom 12. Februar 1902 folgendes aus: Die Zahntechniker übten einen Zweig der niederen Heilkunde aus. Die Gewerbeordnung finde nach ihrem% 6 auf die Ausübung der Heilkunde und also auch auf die Ausübung der Zahnheilkunde nur insoweit Anwendung, als die Gewerbeordnung ausdrückliche Bestimmungen darüber ent- halte. Die Zahntechniker könnten daher auch nicht zu Innungen zusammentreten. Gleichwohl sei dies mehrfach geschehen. Es er- scheine geboten, den gesetzwidrigen Zustand alsbald zu beseitigen. Hieran knüpfte dann der M i n i st e r das Verlangen, die Re- §ierungspräsidenten sollten die in ihrem Bezirk etwa bestehenden iahntechnikerinnungen durch die AuftichtSbehörde auffordern lassen, ihre Auflösung zu beschliehen. Soweit sie dieser Aufforderung nicht nachkämen, sei die Klage auf Schließung der Innung gemäß ß 97 Abs. l Zifferl zu erheben.— Dieser Weisung war u. a. auch der Regierungspräsident von Schleswig gefolgt. Auf sein Verlangen forderte der Magistrat von Altona die Zahnkünstlerinnung für den Regierungsbezirk Schleswig(Sitz Altona) zur Auflösung auf, indessen vergeblich. Auch seine Klage wurde abgewiesen und das Oberverwaltungsgericht, vor dem Rechtsanwalt W. Heine die beklagte Innung ver. trat, bestätigte da» Urteil. In den Gründen heißt es: Allein in Betracht kommen könnten die§§ 84 und 07, Abs. I Ziffer 1 der Gewerbeordnung, da wird bestimmt: Die Schließung einer Innung kann erfolgen, wenn sich ergibt, daß nach K 84 die Ge- nehmigung hätte versagt werden müssen, und die erforderlich« Aenderunaen des Statuts innerhalb einer zu setzenden Frist nicht bewirkt wird." Das ist nur so aufzufassen, daß sich die Bestimmung der Ziffer 1 überhaupt nur auf Abänderung eines vorhandenen genehmigten Statuts bezieht. Sie bezweckt nicht eine Ent- scheidung auf Beseitigung eines ganzen Statuts (Auslösung einer Innung an sich), sondern nur die A bände- rung eines Rechtszustandes durch Abänderung eine? vorhandenen genehmigten Statuts. Die Behörden haben vorliegend das aber gar nicht erstrebt, sondern von vornherein auf die Auflösung einer Innung eines bestimmten Berufsstandes als einer ansich rechtlichnichtzulässigen Institution abgezielt. Somit kann der§ 97 gar nicht mir Anwendung kommen. Schon deshalb sei die Abweisung der Klage des Magistrats berechtigt und es braucht auf die weiteren Ausführungen der Parteien nicht eingegangen werden. Dasselbe Schicksal hatte ecn gleichartiger Prozeß des Oberbürgermeisters zu Köln, gegen die dortige Zahntechnikerinnung. Eine Reihe ähnlicher Prozesse schweben noch. Das Erkenntnis des Oberverwaltnngsgericht hat nur die formalrechtliche Seite der Sache in den Kreis seiner Erörterungen gezogen und mußte sich auf diese beschränken, da schon sie ergibt, daß die Ministerialverfügung jeglichen gesetzlichen Bodens entbehrt. Wir möchten den Gründen des Obervcrwaltungsgcrichts noch folgen- des zufügen. Ob die Praxis der Zahntechniker zur Ausübung der Heilkunde gehört und deshalb nach 8 6 Gewerbeordnung den Vor- fchristen der Gewerbeordnung entzogen ist, ist zum mindesten in der Allgemeinheit, wie das die angeführten Ministerialerlasse be- haupten, falsch. Aber auch wenn das Zahntechnikergewerbe als ein Zweig der Heilkunde anzusehen wäre, so irrt der Minister in der Annahme, fundamental nicht der Gewerbeordnung unterstellte Gewerbe dürften keine Innungen bilde«. Das Recht. Innungen zu bilden, ist ein Ausfluß der Vereinsfreiheit und steht einem jeden zu. Etwas anderes sind die besonderen Befugnisse, die je nach der von uns gestern mitgeteilten, den Barbier Beutel und die Innung der Barbiere, Friseure und Perrückcnmacher zu Niendorf betreffenden Entscheidung, nach der— freilich unhaltbaren Ansicht der Verwaltungsbehörden gar so weit gehen, einem Mitglsede unter Strafe zu verbieten, anständige, der Achtung vor der Ar- beitSkrast seiner Gehülfen entsprechende Handlungen zu betätigen. GewcrkrcbaftUchcfc Berlin und Umgegend- Achtung! Wegen der Reichstagswahl bleibt das Bureau der Ge- werlschastskommisswn am Freitag, den 26. Januar, geschlossen. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommtssion. Der Kampf i» der Holzindustrie. Gestern meldeten sich auf dem Bureau des Holzarbeiterverbandes nur 6 Arbeiter, die am Dienstag von fünf Meistern, welche sich bisher noch nicht an der Aussperrung beteiligt hatten, ausgesperrt worden sind. AuS solchen Betrieben, welche schon ausgesperrt haben, sind 17 Ausgesperrte hinzugekommen. Diesen 23 aufs neue AuS- gesperrten sind 151 Arbeiter hinzuzuzählen, die der Holzarbeiter- verband am Dienstag aus Betrieben, welche eilige Arbeiten haben, herausgezogen hat. Die Zahl der Ausgesperrten und Streikenden hat sich demnach um 174 vermehrt und beträgt für Berlin insgesamt 6617. Von dieser Zahl gehen jedoch mindestens 1000 ab. die abgereist, beziehungsweise auswärts in Arbeit getreten sind.— Die geringe Zunahme, welche die Zahl der Ausgesperrten erfahren hat, berechtigt zu dem Schluß, daß die Aussperrung jetzt ihren H ö he- Punkt erreicht hat. Man kann nach diesem Ergebnis sagen: Der vor langem vorbereitete und mit allen Mitteln einer rücksichts- losen Agitation ins Werk gesetzte Borstoß gegen den Holzarbeiter- verband ist bei weitem nicht so wuchtig ausgefallen, wie es nach der Absicht der scharfmacherischen Führer hätte sein sollen. Möglich, daß noch der eine und andere Arbeitgeber durch terroristische Matznahmen der Führer gezwungen wird, die Aussperrung mitzumachen. Das kann aber für die ganze Bewegung nicht mehr inS Gewicht fallen. Alle, die dem Schlachtruf der Herren Rahardt und Bry folgen wollten oder auch wegen Mangel an Arbeit ohne Schaden folgen konnten, dürften sich jetzt wohl im Heerbann der Angreifer des Holzarbeiter- Verbandes befinden. Hiernach kann es nichr mehr zweifelhaft sein, datz der von den Scharfmachern beabsichtigte Erfolg der Aussperrung nicht eintritt. Diese Annahme findet auch ihre Bestätigung durch das, was wir über die Stimmung und den Verlauf der Meisterversammlung er- fahren, die am Montag im„Konkordiasaal" abgehalten wurde. Wir konnten zwar keinen unserer Berichterstatter in die Versammlung schicken, denn auf unsere telcphonischc Anftage beim Bureau der Tischlerinnung erhielten wir— jedenfalls aus dem Munde deS Herrn Rahardt— die bündige AntlvGrt:„Berichterstatter werden nicht zugelassen."— Wie sich nach est glich gezeigt hat, richtet sich der Ausschluß nur gegen urnfer Blatt. Berichterstatter bürgerlicher Blätter sind zugelassen worden. Wir fühlen uns dadurch keineswegs gekränkt und führen das nur deshalb an, weil es für die Führer der Tischlermeister wie für die ganze Situation kennzeichnend ist. Obgleich lvir also keinen Berichterstatter in die Versammlung der Tischlermeister entsenden tonnten, waren wir doch in der Lage, schon am Morgen nach der Versammlung einen kurzen Bericht zu bringen, der uns ohne unser Zutun von einem Teil- nehmer der Versammlung zugestellt worden ist. Jetzt erhalten wir von einem Tischlermeister, der ebenfalls in jener Versammlung war, einen sehr ausführlichen Bericht mit dem Wunsche, denselben zu veröffentlichen, damit sowohl die Arbeiter als auch die Arbeitgeber, welche Herrn Rohardt nicht blindlings folgen, ein zutreffenderes Bild von der Meisterverfamm- lung erhalten. Wir können dem Wunsche des Einsenders nicht in vollem Umfange nachkommen und müssen uns deshalb mit einer Wiedergabe der besonders charakteristischen Momente begnügen. Die Versammlung war von 570—580 Meistern besucht. Diese Zahl deckt sich ungefähr mit der Zahl der Betriebe, welche aus- gesperrt haben. Andere Meister werden auch nicht anwesend ge« wesen sein. Herr Bry, der eine kräftige AgitationSrede hielt, meinte, die Aussperrung habe kolossale Dimensionen angenommen. Er sagte auch klipp und klar, was auf der Seite der Unternehmer bisher abgeleugnet worden ist, nämlich, daß die Unter- nehmer die Angreifer find. Weiter sagte er: Hätten wir den Riß, der zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern entstanden ist, verkleistert, so wäre doch kein dauernder Friede zustande gekoinmen und die Meister hätten dann gesagt, wozu haben wir unsere großartige Organisation! Also das ist des Pudels Kern. Um sich die Gefolgschaft der Tischlermeister zu sichern, um zu zeige», was man kann, mußten die Scharfmacher diese Aussperrung ins Werk setzen, denn wenn der Friede ein dauernder ist, könnten ja die Meister es für überflüssig halten, der Fahne der Herren Rahardt und Bry zu folgen. Die Herren arbeiten nach„großen Borbildern". So zettelten auch schon „Staatsmänner", die in hoher Politik machen, Konflikte, ja Kriege an, um sich im Amte zu erhalten. Weiter sagte Herr Bry: Wenn wir die Forderungen der Gesellen bewilligen, müssen wir die Preise um 20 Proz. erhöhen. Erst wollen wir aber die Preise erhöhen. Auf keinen Fall lassen wir unS durch Streiks etwas abtrotzen.— Also weil die Arbeiter eine Lohn- erhöhung von 10 Proz. fordern, müssen die Preise um 20 Proz. erhöht werden. Ein feines Geschäft für die Unternehmer. Und wenn die Herren die 20 Proz. haben, dann wollen sie auch so gütig sein, den Arbeitern etwas(I) vielleicht 5 Proz. zu bewilligen. Diese Aussperrung werde nicht so lange dauern wie die vor zwei Jahren, meinte Herr Bry. Das glauben wir auch, doch sind wir hinsichtlich des Erfolges, den die Aussperrung schließlich haben wird, anderer Meinung wie Herr Bry.— Der Herr äußerte auch seine Freude darüber, daß die gesamte bürgerliche Presse auf feiten der Arbeitgeber steht, er bildet sich auch ein, daß die Redaktion des„Vorwärts" nicht mit dem Herzen zur Sache des Holzarbeiterverbandes steht.— Da hat Herr Bry seinen gläubigen Zuhörern etwas vorgeredet, was' er selber schwerlich glauben kann. Für den Fall, daß er oder seine Gewerkschaft eS doch glauben sollten, wollen wir ihm ausdrücklich versichern, daß er sich noch nie so gründlich geirrt hat, wie in diesem Falle. Nach der Rede des Herrn Bry folgte die Berichterstattung der Branchen- und Bezirks- Obmänner. Hiervon interessiert uns nur der Bericht des Herrn König, Demniinerstr. 7, welcher den Nordbezirk leitet. Herr König bezeichnete die Aussperrung in seinem Bezirk als eine großartige. Er vergaß aber hinzuzufügen, daß er in seinem eigenen Betriebe keinen Anteil an dem„großartigen Erfolge" hat. Wie uns die Leitung des Holzarbeiterverbandes soeben mitteilt, hat Herr König nur fünf Arbeiter ausgesperrt, während alle übrigen weiter arbeiten, sowohl die Lohn- wie die Akkord- arbeiter. Ein Lohnarbeiter hat sogar in dieser Wochen noch 24 Wäschespinden zugeschnitten. Wenn Herr König den Beschlüssen seiner Organisation, über deren großartigen Erfolg er berichtet, selber nachgekommen wäre, dann müßte er längst sämtliche Arbeiter ausgesperrt haben. Doch hier scheint be- schließen und danach handeln zweierlei zu sein. Doch darüber mögen die Tischlermeister mit ihren Führern rechten. Wir sehen au« der ganzen Situation, daß der Angriffskrieg der Unternehmer dem Holzarbeitervcrband wohl einige Geldopfer kosten wird, ohne daß d,e Kraft und Widerstandsfähigkeit des Verbandes geschwächt werden kann und ohne daß er nötig hat, sich den Scharf- machern auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Achtung, Mitglieder des MctallarbeitcrverbandcS! Die Frage- karten für die Feststellung der Zahl der„Vorwärts"-Leser sowie der Mitglieder der Wahlvereine sind jetzt an die Vertrauensleute verschickt worden. Die Karten müssen innerhalb einer Woche zurück sein. Sollten Vertrauensleute keine Karten erhalten haben, so ersuchen wir, dieselben im Bureau, Engel-Ufer 15, zu fordern. In kleineren Betrieben, die vielleicht keinen Vertrauensmann haben, kann ein anderer Kollege die Ausfüllung.der Fragekarten übernehmen. Wo die Vertrauens« leute lässig sein sollten, bitten wir die Mitglieder, den Vertrauens- mann zu mahnen. Es dürfen nur diejenigen als politisch organifiert oder als„Vorwärts'-Leser eingetragen werden, die dem Vertrauens- mann das Mitgliedsbuch eines Wahlvereins bezw. die letzte„Vorwärts"- Quittung gezeigt haben. Die Ortsverwaltung. Achtung, Kürschner! Den Kollegen hierdurch zur Kenntnis, daß in der Königlichen Pelzlvarenfabrik in Rotterdam Differenzen aus- gebrochen sind. Jeder Zuzug nach dort ist aufs strengste zu meiden. Verband deutscher Kürschner, Zahlstelle Berlin. Achtung, Barbiergehülfen! Hiermit zur Kenntnis, daß in dem Geschäft Markusstr. 9 nach wie vor ein organisierter Gehülfe be« schastigt ist, welcher die Interessen des Verbandes voll und ganz vertritt. Der Vorstand deS Verbandes daubscher Barbier-, Friseur- und Perruckenmachevgchülftix, Bertin, EchilliMhy, I5ZI& Die Aussperrung der Automobilführer besteht noch unverändert fort. Die Unternehmer haben wieder eine Sitzung abgehalten und hoffen, durch allmähliche Heranbildung von Lehrlingen ihr Personal zu ersetzen. Diese schwache Hoffnung wird aber von vielen Unter- nehmern nicht geteilt, die vielmehr von Tag zu Tag darauf warten, daß ihre ausgesperrten Fahrer sich der neuen Ordnung unterwerfen und Zurückkehren. Die Vertrauensmänner der Ausgesperrten haben ebenfalls eine Sitzung abgehalten und festgestellt, daß noch kein Kämpfer aus ihren Nethen zum Feinde übergegangen rst. Immer mehr Leute haben sich dem Pferdedroschkenbetrieb zugewandt und auch Privatstellungen als Kutscher oder Chauffeur angenommen. Die Uebrigen halten aus und wollen auf keinen Fall als Besiegte in die Betriebe zurückkehren. Deutfcdes Reich. Achtung, Holzbildhauer! In Zeitz, Probinz Sachsen, sind unsere Kollegen bei der Firma Gustav Dinger u. Söhne in den Streik getreten. Die Lohnverhältnisse sind dort sehr traurige. Tie Firma sucht nun in hiesigen bürgerlichen Zeitungen fünf bis sechs tüchtige Holzbildhauer. Beachte kein Kolloge diese Annoncen. Haltet den Zuzug von Zeitz fern. Die AgitationSkommifsion der Bildhauer. Die Bewegung der Zimmcrleute in Nkrnberg-FürtH scheint einem Konflikt entgegenzutreiben. Die Lohnkommission der Arbeiter hat mit den Uuternehmern verhandelt, die unter keinen Umständen die ucunstüiidige Arbeitszeit zugestehen und die Löhne nur geringfligig aufbessern, sowie sich nur auf einjährigen Tarifabschluß einlassen wollen, da beabsichtigt sei, im nächsten Jahre m ganz Nordbayern ein gleichmäßiges Lohnverhältnis zu schaffen. Die Arbeiter erklärten, daß sie an der neunstuudigen Arbeitszeit und entsprechender Lohn- crhöhung festhalten und nötigenfalls die Bewegung bis zur letzten Konsequenz durchführen werden. Gerickts-Leitung. Die Heilsarmee eine Religionsgesellschaft? Diese Frage, die schon früher das Reichsgericht beschäftigt hatte, wurde am Dienstag vom höchsten Gerichtshofe nochmals eingehend geprüft und beantwortet Es handelte sich um ein Urteil des Land- gerichtS Dresden vom 13 SeptemJber v. I., durch welches der Bäckergeselle Emil Müller wegen Störung des Gottesdienstes zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt worden ist. Am 25. Juli v. I. hatte er mit einem Offizier der Heilsarmee Streit gehabt. Er be- schloß nun, sich an der Heilsarmee zu rächen. Er ging in eine Per- sammlung und rief während der Gebete und Gesänge: Unsinn. Mumpitz! Das Gericht hat angenommen, daß der Angeklagte damit den Gottesdienst einer im Staate bestehenden Religionsgesellschaft gestört hat. Die Heilsarmee sei als eine solche anzusehen; einer desonderen staatlichen Genehmigung bedürfe eine Religionsgcsell- schaft nicht. Die fragliche Versammlung stelle einen Gottesdienst dar, wenn sie auch dem Vereint und Versammlungsrechte unterliege.— Gegen das Urteil hatte der Staatsanwalt zugunsten des Angeklagten Revision eingelegt. Der Reichs. a n w a l t erklärte sie für begründet. Es sei falsch, daß eine im Staate bestehende Religionsgesellschaft der staatlichen Genehmigung nicht bedürfe. Das sächsische Gesetz verlange gerade eine soWhe Genehmigung. Der Tatbestand des Z 167 liege also nicht vor, wahr- schemlich aber der des§ 166. Zu prüfen sei noch, ob der Saal zu religiösen Handlungen bestimmt war.— Das R e i ch sg e r i ch t hob das Urteil auf und verwlies die Sache an das Landgericht zurück. Zur Begründung wurde ausgeführt: Es kann ein Zweifel erhoben werden, ob die Heilsarmee eine Religionsgesellschaft im Sinne des§ 167 fsi, sofern sie nur als eine besonders organisierte Vereinigung zum Zwecke der inneren Mission zu betrachten war ohne eigene Glaubenslehre. Immerhin steht der Senat auf dem Standpunkte, daß die Heilsarmee sich be- sonderer Formen der Gottesvevehruny zur Erreichung ihrer Zwecke bedient, daß man also wohl davon sprechen kann, sie habe einen be- sonderen religiösen Kultus. Wenn man die Sache in diesem Lichte betrachtet, kann der erkennende Senat lder 4.) ebenso wie der 3. und 2., die sich mit der Frage der Heilsarmee beschäftigt haben, dahin gelangen, anzunehmen, daß die Heilsarmee eine Religions- gesellschaft im Sinne des Z 167 ist. Geschützt wird nun aber nicht jede Religionsgesellschaft, sondern nur die im Staate be- stehende. In dieser Richtung ist Gewicht darauf zu legen, daß der Wortlaut des Gesetzes(»eine im Staate bestehende") schon allein darauf hinwefft, daß die Verhältnisse des betreffenden Bundesstaates in Betracht zu ziehen sind um so mehr, als eine reichsgesetzliche Regelung der Angelegenheit nicht stattgesunden hat. Es richtet sich also, da sich die geschichtliche und gesetzliche EntWicke. lung der kirchlich-rechtlichcn Verhältnisse in den einzelnen Bundes- stauten verschieden gestaltet hat, die Beantwortung der Frage, ob eine R e l i g i on s ges e l l s cha ft im Einzel- staate besteht, nach der Gesetzgebung und der Rechtsentwickc- lung in den einzelnen Bundesstaaten. Es ist zu unterscheiden, ob in den einzelnen Bundesstaaten Vorschriften über die Zulassung von Rcligionsgesellschaften bestehen oder nicht. Ist letzteres der Fall, dann kann schon in> der Tatsache, daß der Existenz und Betätigung der Religionsaesellschaft staailichcrseits nichts in den Weg gelegt wird, der Nachweis dafür gefunden werden, daß sie im Staate be- steht. Wo aber dos Landesrecht gewisse Vorbedingungen setzt und eme besondere Zulassung erfordert, da kann nicht gesagt werden, daß eine Religionsgesellschaft im Staate bestehe, ohne daß dieser gesetzlichen Voraussetzung genügt würde. So liegen aber die Ver- hältniffe in Sachsen. Der Z 21 des Gesetzes vom Juni'1870 er- fordert die staatliche Genehmigung des Statuts zur Ausübung des KultuS. ES ist nicht nackgewiesen, daß diese Genehmigung der Heilsarmee bisher in Sachsen erteilt worden sei. Deshalb mußte das Urteil aufgehoben werden. Anzuerkennen ist, daß möglicher- weise ein Delikt noch§ 166 vorliegt. Diese Frage wird in der neuen Verhandlung zu prüfen sein. „Welche» Recht." Daurat Vasser- der Angeklagte damals nicht wußte— selbst dem Borchers Arbeiten bei dem Bau der leitungen geliefert! Diese Prozesse vor den preußischen Gerichten waren bereits im borigen Winter und Frühjahr zur Verhandlung gekommen. Erst vor wenigen Tagen hat nun in Stuttgart die Verhandlung gegen den Verfasser des inkriminierten Artikels, G r e V e, und gegen den Redakteur H e n k i n g vom Stuttgarter „Voran" stattgesimden. Die Verhandlung vor dem Stuttgarter Gericht wich bedeutend von der vor den preußischen Gerichten ab. Das Zeugenangebot der Angeklagten wurde in entgegenkommender Weise zugelassen und weitgehende Erhebungen verastanltet. Die Be weisaufnahme fiel durchaus zugunsten des Artikels aus. So bekundeten die Zeugen Heipke und Schünemann aus Klein Freden, sie waren Mitglieder einer von der Gemeinde eingesetzten Wasserbaukommission, diese Kommission löste sich auf. weil sie gegen- über dem Baurat Borchers nichts zu sagen hatte! Dieser wollte die Bestimmung über die Lieferung nicht aus der Hand geben. Mehr als ein Dutzend ähnlicher Aussagen ließen einen Blick in die Art der von der Regierung den Handwerkern bereiteten Konkurrenz tun. Und was war die Folge dieser eingehenden und sachgemäßen Untersuchung vor dem Stuttgarter Gericht? Die Angeklagten wurden beide freigesprochen und die Kosten der Staats- lasse auferlegt!! blatt für Installateure, eine Zuschrift des Installateurs H. G r e v e in Einbeck(Hannover), in welcher die Fachgenossen aufgefordert wurden, gegen die von der Regierung oder deren Beamten dem Handwerk bereitete Konkurrenz Front zu machen. In dem Schreiben wurde behauptet, der Geheime Regierun gs und Baurat Borchers in Hildesheim arbeite für den ganzen Regierungsbezirk Wasserleitnngs- Projekte aus, liefere das Material dazu und sei bekannt dafür, billige Wasserleitungen zu liefern, aber diese »feien auch danach". Diesen Artikel, der die Ueverschrift trug.Ein Notschrei aus dem Hannoverschen", druckten eine Reihe Zeitungen ab, u. a. auch das „Göttinger Tageblatt", das„Hildesheimer Tageblatt" und die Alfelder»Niedersächs. Volkszeitung". Gegen diese Blätter, wie auch gegen den„Voran" und gegen den Verfasser Greve wurde darauf auf Veranlassung des Hildesheimer Regierungspräsidenten Klage wegen Beleidigung des Geheimrats Borchers erhoben. Die Redakteure R o ß'm a n n- Alfeld und Eschemann- Hildesheim kamen vor die Hildesheimer Strafkammer und wurden ersterer. weil„vorbestraft", zu 300, letzterer zu 160 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Hildesheimer Strafkammer ließ das An- erbieten des Angeklagten Roßinann, den Wahrheitsbeweis durch zu stellende Zeugen zu erbringen, unberücksichtigt und vernahm als einzigen Zeugen den Nebenkläger Geheimrat Borchers, also den Beleidigten selbst! In Göttingen wurde der Redakteur des dortigen Tageblattes vom Schöffengericht zu 160 Mark Geldstrafe verurteilt. Als Schöffe fungierte dabei ein Kollege des Installateurs Greve- Einbeck, nämlich der Göttinger Installateur Blume. Dieser Herr hätte von dem An- geklagten eigentlich wegen Befangenheit abgelehnt werden müssen, denn der Schöffe Blume hatte— was Rvsvwoitli&r Ncdakteuri Weber. Berlin. Für de, Versammlungen. Der deutsche Sencfelder-Vund hielt cnn Montag im großen Saal des„Gewerkschaftshauses" eine Versammlung der Mitglieder aller Filialen Berlins ab. Der erste Punkt der Tagesordnung war: „Die Gewerkschaften nsid die R e i chs ta g s w a h l Der Redner, Genosse Paul Um breit, begann seinen Vortrag mit der Bemerkung, daß die Gewerkschaften keine politischen Ver- eine seien und daß es ebenso notwendig wie zweckmäßig sei, die Ver- i""'------- schaffenen Organi- „„. die Gewerkschaften geradezu dazu gezwungen, sich auch um politische Fragen zu be- kümmern.— In einer©childerimig der ganzen, teils direkt gegen die Gewerkschaften, teils gegen andere Lebensinteressen der Arbeiter- schaft gerichteten Regiierungspolitik zeigt« der Redner dann, wie notwendig es ist, daß die Gewerkscbaften, und daß ihre Mitglieder den politischen Vorgängen nicht gleichgültig gegenüberstehen. Eine Uebersicht über das Verhalten>der verschiedenen Reichstagsparteien führte den Redner zu dem Schluß, daß nur die Sozialdemokratie übrig bleibt als die Partei, die in jeder Hinsicht für die Rechte der Arbeiterschaft kämpft. Es liege den Gewerkschaften fern, ihren Mitgliedern den sozialdemokratischen Stimmzettel in die Hand drücken zu wollen; es genüge, wenn sie ihnen einen guten Rat gäben. Ties liege schon im Interesse der Selbsterhaltung der Ge- werkschafden. Aber sie müßten den Mitgliedern auch sagen, daß es nicht hinreiche, nur ihren Stimmzettel abzugeben, sondern daß sie sich auch politisch organisieren müßten. Das innige Verhältnis zwischen gewerkschaftlicher und politischer Bewegung, das in Mann- heim geschaffen wurde, werde die schönsten Früchte tragen und dgzu mitwirken, daß es auch diesmal gelingt, alle Angriffe der Reaktion abzuwehren.— Stürmischer Beifall bewies, daß der Redner durch- aus im Sinne der Versammelten gesprochen hatte. Im Anschluß an den Vortrag wies der Vorsitzende auf die Drangsalierung der Gewerkschaften durch die Behörden hin, auf die Verfolgung der Streikposten usw., und sprach die Ueberzeugung aus, daß kein Mit- glied so töricht sein werde, der Regierung mit seinem Stimmzettel ein Vertrauensvotum zu geben. Einstimmig nahm die Versamm- lung folgende Resolution an: „In anbetracht des Umstandes, daß die Gewerkschaften als Ob- jekt der Politik das größte Interesse an der Zusammensetzung des Reichstags haben, versprechen die versammelten Lithographen, Steindrucker und Berufsgenossen dafür zu wirken, daß der neue Reichstag so zusammengesetzt wird, daß er.den Interessen der Gc, werkschaftcn und ihrer Mitglieder durchaus Rechnung trägt. Sie erblicken die geeignetste Vertretung ihrer Interessen tn der sozial- demokratischen Partei und werden daher nur einem Vertreter dieser Partei ihre Stimmen geben." Der zweite Punkt der Tagesordnung war auch außerordentlich� geeignet, den Mitgliedern klar zu machen, daß die Regierung und bie von ihr abhängige Verwaltung und Rechtsprechung in keiner Weise das Vertrauen der Arbeiterschaft verdient. ES handelte sich um das ReichsgerichtsurteilgegendcnSenefelder- bund,!daZ bekanntlich das Urteil der Vorinstanz bestätigte und den Leuten Recht gibt, die, als sich die Lithographen und Stein- drucker Deutschlands in einem schweren Kampf mit dem Unter- nehmertum befanden, die Beschlagnahme des Bundesvermögens er- wirkten. In dieser Angelegenheit sind nicht weniger als acht Urteile gefällt worden, die sich, teils ihrem Inhalt, teils ihrer Begründung nach, widersprechen. Nachdem der Referent Hermann Müller die höchst verwickelte Situation geschildert, der Vcrbandsvorsitzendc Sillier und einige andere Mitglieder sich dazu geäußert hatten, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Tie versammelten Mitglieder aller Berliner Filialen des Deutschen Senefellder-Bundes nehmen Kenntnis vmi der Eni- cheidung des Reichsgerichts in der Klage gegen die Verschmelzung. Die Versammlung bedauert das Urteil, durch das auf dem Gebiete des Vereinslebens völlig neues Recht geschaffen wird, und erklärt ich die Möglichkeit einer solchen Entscheidung nur aus der in der Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltung immer offener zu- tage tretenden Tendenz, der Arbeiterbewegung Schwierigkeiten zu bereiten. Von der in Hannover am 26. Februar dieses Jahres zu- ammentretenden Generalversammlung erwarten die Ver- ämmelten, daß sie einen Weg findet, den durch die Verschmelzung geschaffenen Fortschritt in den OrganisationSvcrhältnissen dcS Steindruckgewerbes und verwandter Berufe aufrechtzuerhalten. Sollte dies aber nur auf dem Wege des Komprmnifses mit dem fo- genannten„RochtSfdsutzverem" möglich fein, fo müßte dieser Weg, als der Ehre eines jeden Kollegen zuwiderlaufend, vermieden, und die Trennung der beiden Organisationen vorgezogen werden. In diesem Falle wäre durch einen Gegenseitigkcitsvcrtrag die Grund- läge zu einheitlichem Zusammenwirken und zur Sicherung sowohl der gewerkschaftlichen Aufgaben wie der UnterstützungSeinrichtungcn zu schaffen." Die Schmiede hielten in Dräsels Festsälen eine gut besuchte Mit. gliederversammlung ab. Eingangs wurde das Ableben von drei verstorbenen Kollegen in üblicher Weise geehrt. Die hierauf vorge- nommene Wahl eines Bureaubeamten fiel wieder auf den Kollege» S i e r i n g. Die für Januar beabsichtigte Aufnahme einer Statistik wurde zurückgestellt. Eine lebhafte Erörterung knüpfte sich an einen Antrag der Beschwerdekcnnmission, welcher auf Ausschluß und End- ziehung des Verkehrs gegen den Kollegen und Verkehrswirt A. H a h n lautete, der einen Kollegen unter Umgehung des Arbeitsnachweises in Arbeit brachte. Der Antrag wurde schließlich abgelehnt. Ein Antrag, am Schluß der Versammlung eine Tellersammlung statt- finden zu lassen und den Ertrag dem sozialdemokratischen Wahl- fonds zu überweisem, wurde einstimmig angenommen. Ebenfalls angenommen wurde ein Antrag der Ortsverwaltung, dem Wahl- fon-ds 600 M. zu überweisen. Weiter gab die Versammlung einer Uebernahme eines Anteils am Gewerkschaftshausanbau von 4600 Mark ihre Zustimmung. Nach Erledigung einiger interner An- gelegenheiten richtete Siering zum Schluß eindringliche Worte der Ermahnung an die Kollegen, bei der kommenden Reichstagswahl ihre Pflicht zu tum. Die Rollkutscher, Speditions- und Bodenarbeiter nahmen am Sonntag im„Englischen Garten" in einer außergewöhnlich stark besuchten Versammlung Stellung zu den Reichstagswahlen. Das Referat hielt der Verbandsvorsitzende Otto Schultzki. Redner appelliert an die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, der Re- gierung am 26. Januar die Quittung für ihre Haltung in Arbeiter- fragen durch die Wahl eines Sozialdemokraten zu geben. Die Transportarbeiter sollten mit dafür sorgen, daß am 26. Januar über ganz Berlin die rote Fahne flattert. Der jubelnde Beifall bewies, daß der Referent im Sinn« sein?? ZithiW? geMWeA hatte. Einstimmig wurde eine Resolution Aue angenommen, sich mit den Arbeitgebern zu verständigen, damit am Wahltage von 2 Uhr ab die Arbeit ruht. Nachdem B e r n e r Bericht über die Tätigkeit der Sektionsleitung erstattete, erfolgte die Neuwahl der- selben. Als Sektionsleiter wird Fritz B e r n e r, als Stellvertreter Ernst D a e h n e gewählt. Die Agitationskommission besteht aus Anton Schulz, Wich. Scheer, Herm. Prinz, Ernst Sprenger, Wich. Otto, Felix L e p p, Alst. Kempin. O. Kraft, Theod. Nood. Jul. Hain. Ernst Lemke, Fritz Püschel, Adolf Bodenburg. Jakob Luno, Karl Zober und Ferd. Ouasebarth. Ter Verein Berliner Hausdiener, Mitgliedschaft I des Zentral- Verbandes d. H. T. V. hatte zum Dienstag, den 22. Januar eine öffentliche Versammlung nach dem großen Saale des„Englischen Garten", Alexanderstr. 27c, einberufen, die auch gut besucht war. Der Referent, Arbcitersekretär Genosse AlbinMohs, unternahm es, die als Thema für die Versammlung gestellte Frage„Wen wählen wir in den Reichstag?" in seinem mehr als l�hstündigen Vortrag gründlich zu beantworten. Der Redner stellte sich nicht nur die Aufgabe, als« Parteigänger fiir eine bestimmte Partei die Wähler zu interessieren und zu gewinnen, sondern er suchte auch den Gewerkschaftlern zu zeigen, daß es in den modernen Klassenkämpfen nur eine Klasse gibt, die die Interessen der für die Verbesserung ihrer Lage kampfenden Arbeiter wirksam ver- treten kann, nämlich die in der Sozialdemokratie politisch organi- sierte, sich ihrer Klassenlage bewjutzte Arbeiterklasse. Man muß gestehen, diese Aufgabe gelang dein Redner in seiner lichtvollen Darstellung vorzüglich. Stürmischer, minutenlanger_ Beifall dankte dem Redner denn auch für seine vortrefflichen Ausführungen und fand folgende Resolution einstimmig Annahme: „Die heute am 22. Januar im„Englischen Garten tagende, stark besuchte Versammlung des Vereins Berliner Hausdiener. Mitgliedschaft I des Zentraloerbandes d. H. T. V.. ist mit den Ausführungen des Referenten einverstanden, sie erklärt, daß es für die modern denkenden Handelshülssarbeiter selbstverständlich fft, am 26. Januar für die Sozialdemokratie ihre Stimme abzu- geben. Die Versammlung protestiert gleichzeitig gegen das nur theoretisch bestehende gleiche Wahlrecht und beauftragt!ne ,ozial- demokratische Reichstaosffaktwn für eine� gerechte WahIIreisein- teilung eneryisck ihre Stimme zu erheben." Von einer Diskussion wurde Abstand genommen und der Vor- sitzende machte noch auf die Gründung einer„gelben" Gewerffchaft der Hausdiener, die sich schon als Streikbrecherkolonne etabliert, aufmerksam. Ein anderer Kollege bittet, sich während der T i s ch l e r- aussperrung nicht als Streikbrecher gebrauck>en zu lassen, sondern alle gesperrten Firmen der Holzindustrie streng zu meiden. Ein begeistert aufgenommenes Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung und die völtcrbefreiende Sozial- demokratie beschließt die prächtige Versammlung. Zum Wahlfouds gingen in unserer Expedition Lindenstr. 09 folgende Beiträge ein: Bnchdruckerei-Hülfsarbeiter des„Vorwärts", Rotationsmaschinen. 2. Rate 10,—. Skatklub Nonnendamm 0,50. Heilstätte Beelitz. B. III d. Schulze 2,50. Arbeiter-Nadfahrervcrein„Voran I". M. d. A.-.R,-V. „Freiheit", 2. Rate 14.—. Von der Kneipe d. IV. Männerabteilung des Turnvereins„Fichte" 20,—. Gesangverein„Vereinigte Sänger Lichtenbergs" d. Jahn 6.—. O. B. 2,—. Drei Kollegen d. Otto 6.—. Scblosser d. Firma Nachtigall, Lindeiistraße, 2. Rate 3,70. Zentralverband d. Maurer, Zweigverein Hennickendorf 10,—. Putzerkolonne H. Nischan, Köpenick 6.—, Sechserkasse der organisierten Brauerei- arbeitcr(Sektion II) d. Genossenschastsbrauerei Friedricbshagen 5,—. Gras Slawioda MiradowSky 3,—. Sechserkasse d. Arbeiler d. Firma Puppet 10,—. Böttcher d. Schultheiß-Brauerei, Abt. I, dar, 1 M. Wette zwisch. B. u. H, 6,90. Anders, Dunckcrstr. 81 2,06, Verband d, Kupfer» schmiede, Filiale Berlin 160,—. Former und Hülssarbeitcr d. Firma Hartlmg. Eisengießerei. Wiclesstraße, 2. Rate 60,—. Ges. auf der Hochzeit Alisch, Hussitcnstraße 3,76. von einer begeisterten u. über» zeugten Sozialdemokratin 60,—. Summa 308,40 M. Bereits quittiert 17 941,91 M. Summa 18 250,31 M. Weitere Beiträge werden in unserer Expedition entgegen- genommen._ Singegangene Druckrebnften. „BolkSwirtschaftliche Blätter" Nr. 2(herausgegeben im Austrage deS Deutschen Voltswirtichasllichen Verbandes von H. E. Krügcr-Berlm). Karl Heymanns Verlag, Berlin\f. 6._„ Der Prozest gegen H. Thyssen wegen Bruch deS EhcverlprcchenS von Eh. Taylor-Weber. 48 3. Verlag A, Stichtenoth Nachf., Wolsenbüttel. Koloniale Abhaudluugcn.-öest(5, Der Aethiopisiiiiis in Süd- astila von K, Axenscld, Preis 40 Pf.— Hcst 7. Die groften Epoche« der neuzeitlichen Koloiiialgcjchichte von Dr. E. v. Halle. Preis 40 Ps. Verlag: W, Süsseroll. Berlin W. 30. Handbuch für RcichStagswähler. Statistik. Preis 1 28. Verlag: H. Schönseld, Dresden. Monatsschrift sür chrisU. Sozlalrcsorm. Januarbest. Begründet von Frist. K. v, Vogeisang, M, 6,40. Verlag Bäßler, Drechsler u. Cie., Zürich. Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Berliner Marktpreise. AuS dem amtlichen Bericht der städlilchen Marktballen-DireNion,(Großhandel.) Rindfleisch la 70—75 Cr. 100 Psd., IIa 64-69, nia 58- 63, IVa 50-56. Kalbfleisch, Doppelländer 110—125, fa 82-90, IIa 72- 80. lila 54-68, Holl, 50—58, Hammelfleisch la 66—74, IIa 50— 64. Zchweiiiefleisch 54—62. Rcbwild la per Pfd. 0,00. IIa 0.00—0,00. Roiwild la 0,36—0,50, Na 0,80, do. Kälber 0,45— o'öa. Damwild 0,45—0,58, do, Kälber 0,40—0,65. Wildschweine 0,35—0,50. Frischlinge 0,60—0,70. Hasen per Stück 2,40—2,80, do. klein und IIa >,75— 2,30. Kaninchen per cUück 0,60— 1,00. Wildente» per Stück 0,00. Hubner. alte per Stück 1.50—2,90, do IIa 1,30— 1,50, do. jnnge per Stück 0.75. Tauben per Stück 0.60—0,97. junge«eine 0,00—0,00. iloUcnflche 1,00. Ente» per Stück 1,80— 2.75. Hamburger junge per Siück 0.00—0,00. Gäule, Oderbrncher, per PId, 0,53, do, Hamburger pr, Psd, 1,00 bis 1,20, Ei». 0,20—0,60 Hecht» per>00 Pjd. 70—90, grob 55—71. Zander 0,00, matt 0,00. Schleie, grotz 0,00—0,00, uns ort, 0,00. Bleie, matt 30. Aale, groß 0,00, mittel 00, klein und mittel 00— 00. Plöten, klein 0,00, groß 0,00, 32—51. Karpsen, 10er 0,00, do. 30—35« 0,00, 50 er 0,00, 30— 100er 66. Barse, matt 00-00, do. 0,00. Karauschen 0,00. Bleifische 0,00. Wels 0,00, Bunic Fische 00—00. Amerikanisch« Lachs la neuer per 100 Psd, 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. Nia neuer 75. Seelachs 20. Sprotten, Kieler, Wall 0,75—1,25, Danziger, Wall 0,60—0,80. Flundern, Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel ver Kiste 2—3, Hamb. Stiege 4—5, kalbe Kiste 1,50—2. Bücklinge, per Wall Kieler 3,50—5,00, Stralsund« 6,00, Aale, groß per Psd, 1,10—1,30, mittelgroß 0,80—1,00, klein 0,50— 0,60. Heringe per Schock 4— 5. Schellfische Kiste 3— 4,00, do. >/, Stifte 2,00. Kabliau, p..t00 Psd. 20. Heilbutt 0,00. Sardellen, 1902« per Sinter 93, 1904er 93, 1905er 93, 1906er 73—75. Schottische Vollberinge 1905 0,00, large 40-44, füll. 36-38, med. 35—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Matjes, per•/, To. 60—120. Sardinen, russ., Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—!,75. Neunaugen, Schocksaß 11, kleine 5—6, Riesen- 14. Eier, Land-, ver Schock 4,75—5,25, Butter per 100 Psd, la 114-120, IIa 110-115, lila 103-112, abfallende 90-100. Saure Winten Schock 3,50— 4,00, Pseffergurken 3,50—4,00. Kartoficl» per 100 Psd. 0,00, rnagnurn bonvun 2,10—2,25, Dabersche 2,10— 2,25, Rosen 0,00, weiße 1,75—2,00, Salalkartosseln 5,00—6,00. Spinat per 100 Psund 12—18. Karotlen per 100 Pfund 10—12. Sellerie, hiesige, per Schock 2.00—5,00, do. pommerschc 5,00—6,00. Zwiebeln große, per 100 Psd. 2,50—4,00. do. kleine 2,00—2,50. do. hiesige(Perl.) 0,00. Charloiien 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 2,00, Kohlrabi per Schock 0,00. Retlig, bahr., per Schock 2,40—4,80. Mohrrüben per 100 Psund 2,50—3,00. Teltow« Rüben per 100 Psd. 7—10. Weiße Rüben, große 2—2,50, kleine 6—8. Rote Rübe» 2,00—2,50, Blumenkohl Holl, per Kops 0,00. Kohlrüben per Schock 2—2,50, Wirsinalohl ver Schock 3,00—6.00. Rotkohl per Schock 3,00-8,00, Weißkohl 100 Psd, 2.00-2.50. Rosenkohl p, 100 Psd. 15—25, Grünkohl per 100 Psd, 2—5, Schnittlauch 12 Töpfe 4—4,50. Birnen, per lOO Psd, hiesige 7—16, böbin, 8-20, ital, 15-25. Aepscl, per 100 Pfd., hiesige 5—22, Grabenstein« 0,00. Tiroler in Fässern 0,00, Kiste 32—60, Amerik, 11—30. Zitronen, Mesfina, 300 Stück 8,00—10.00, 360 Stück 8,00—9,00, 200 Stück 9—13. Apselsinen, Jaffa, per Kiste 0,00, Murcia 200« Kiste 7—10, do. 300« 8—11, Valencia 420er Kiste 13—18,00, do. 714« 13—20, Messina. Blut. 100« 10, do. 150er 10,50, do. 80er 9,50. Wuchdruckerci u. Verlaatanstalt Paul Siug-r& Co., Berlin ZW, Nr. 20. 24. Jahrgang. 2. KtilM Ks Jimiiiirls" lirtlinct lolblilntt. Donnerstag, 24. Januar 1907. Der Wahlkampf in Grofj-Berlm. Was jeder Reichstagswähler für den 25. Januar wissen muss! Was er wissen muß? Zunächst, daß das R e i ch s t a g s- Wahlrecht ein anderes ist als das Wahlrecht für den Landtag oder die Gemeinde. Das Wahlrecht und auch das Wahlvcrfahren ist hier ein anderes. Vor allem ist die Wahl zum Reichstag eine geheime. Dieser Vorzug erklärt die außerordentliche Wahlbeteiligung, die man bei allen Reichstagswahlen beobachten kann. Er erklärt aber auch die Unbeliebtheit, die das Reichstagswahl- recht bei sämtlichen bürgerlichen Parteien, trotz aller schönen Redensarten sogenannter„Wahlrechtsfreunde", genießt. Bei den Reichstagswahlen hat der Wähler im Wahllokal nicht etwa den Namen des Mannes zu nennen, den er wählen will, sondern er übergibt dein Wahlvorsteher einen in ein Kuvert gesteckten Stimmzettel. In einer besonderen Wahlzelle, die immer nur von einer Person betreten werden darf, hat der Wähler seinen Stimmzettel vorher in das Kuvert zu stecken, das ihm im Wahllokal eingehändigt worden ist. Ten Stimmzettel muß er sich selber mitbringen. Tie Parteien schicken sie ihm ins Haus oder drücken sie ihm draußen vor dem Wahllokal in die Hand. Jeder Wähler achte darauf, daß er den richtigen Stimmzettel(aber nur einen!) in das Kuvert steckt. Wahlberechtigt sind bei den Reichstagswahlen auch Schlafburschen und auch solche Personen, die keinerlei Steuern zahlen. Das ist für die bemittelten Bevölkerungsschichten und für die Parteien, die auf sie sich stützen, wieder noch ein Grund mehr, das Reichstagswahlrecht zu hassen. Das Wahlrecht hat jeder Deutsche, der über 25 Jahre ist. Wenn er am Tage der Listenaufstellung, die diesmal am 15. Dezember erfolgt ist, das 25. Lebensjahr schon erreicht hatte, so muß er in die Liste aufgenommen worden sein. Dauer des Wahlaktes. Um 1 l) U h r morgens beginnt die Wahl, um 7 U h r abeirds wird sie geschlossen. Punkt 7 Uhr! Wer uni diese Zeit noch nicht seinen Stimmzettel abgegeben hat, darf nicht mehr heran, auch wenn er schon im Wahllokal sich befand. Es ist daher jedem Wähler zu raten, daß er so zeitig wie möglich zur Wahl geht. Wer sichs leisten kann, komme möglichst schon am Vormittag. In den Abendstunden ist der Andrang groß: wer zu anderen Stunden kommen kann, sollte nicht am Abend anderen Wählern den Platz wegnehmen. Wo jeder zu wählen hat, das haben unsere Leser aus der Uebersicht der Wahllokale ersehen, die wir in unserem Blatt veröffent- licht haben. Versehe sich jeder Wähler mit Legitimation. Uebrigens vergesse niemand, eine Legitimation mitzunehmen, durch die er sich über seine Person ausweisen kann. Für die Reichstagswahlen wird nämlich den Wählern keine amtliche Legitimation ins Haus geschickt. Die Herren Wahlvorsteher sind in der Regel Freisinnige, und mancher von ihnen argwöhnt in jeden: Wähler, den er nicht persönlich kennt, einen Schwindler. Wer dann erst im letzten Augenblick nach Hause laufen muß. um sich seine Legitimation zu holen, kann leicht um sein Wahlrecht kommen. Als Legitimation werden am besten die poleiziliche Anmelde- bescheinigung, die letzte Steuerquittung oder der Miets- kontrakt benutzt. Wer nach Aufstellung der Wählerlisten die Wohnung gewechselt hat, wählt trotzdem da. wo er zur Zeit der Listenausstellung wohnte. Solche Wähler sollten aber doppelt vorsichtig sein und sich mit ausreichender Legitimation versehen. Vorsicht gegen Stimmzettelverteiler. Vorsicht empfehlen wir auch gegenüber gewissen Zettel- Verteilern. Es gibt Zettelverteiler, die die Kandidaten des Freisinns, der Konservativen, des Zentrums usw. dreist als..Arbeiterkandidaten" anpreisen, um Wähler aus der Arbeiterklasse zu übertölpeln. Arbeiterkandidaten sind nur die Kandidaten der Sozialdemo- kratiel Ganz besonders werden die Wähler des zweiten Kreises das beachten müssen. Wissen muß ein verständiger Wähler überhaupt das, daß er überall keinem anderen K a ndidaten als dem der Sozialdemokratie seine Stimme geben kann. Der richtige Stimmzettel ist immer nur der sozialdcmo- kratische. Man kann ihn sich von Hause mitbringen und ihn in der Wahlzelle unbemerkt in das Kuvert stecken. Ohne Furcht vor Verfolgung und Schädigung durch Arbeitgeber oder Vorgesetzte darf jetzt jeder sozialdemokratisch stimmen und mithelfen zum Sieg der Sozialdemo- k r a t i es » Gegnerische Wahlarbeit. Während sich unsere Parteigenossen zur Flngblattverbreitung und anderer Wahlarbeit in der bereitwilligsten und lobenswertesten Weise in den Dienst der eigenen Sache stellen, sind unsere Gegner nach dieser Richtung hin auf fremde Hülfe angewiesen. Die Liberalen bedienen sich zur Verbreitung ihrer Wahlaufrufe in der Hauptsache der Post und der Paketfahrtgesellschast, während die Konservativen eigens Leute engagieren zum Austragen ihrer Flug- hlätter. Die Paketfahrt gibt ihren Austrägern besondere Warnungen mit auf den Weg. die zugleich bestimmte Strafbcstimitzungen ent- halten. Ein solches Schriftstück wurde uns abschriftlich zugestellt, es besagt: «Wir machen die Voten darauf aufmerksam, daß seitens der liberalen Parteien das Bestellfeld durch ein großes Aufgebot von Kontrolleuren überwacht wird. Wir warnen daher daS Personal nachdrücklichst vor allen un- lauteren Manipulationen während der Bestelltätigkeit, da wir beim Nachweis solcher die einzelnen Boten in der vollen Höhe ihrer Kaution haftbar machen." Von besonderem Vertrauen gegen die Angestellten zeugt dieses Schriftstück gerade nicht. Die Konservativen haben, wie schon oben bemerkt, Hülfskräfte angenommen, die das reaktionäre Geschreibsel austragen müssen. Diese Arbeit geht nur sehr langsam und es ist in großen Wahl- kreisen sehr ftaglich, ob die Leute bis zum Wahltage den Kreis einmal vollständig belegt haben. Dazu kommt die Schwierig- keit, die Leute bis zun: Wahltage zu halten. Das liegt oämlich daran, daß man diesen Hülfslrästen ohne jede Kenntnis der einzelnen Stadtgegenden Aufgaben zumutet, die sie nicht erfüllen können. Einer dieser Boten im 6. Wahlkreise erzählte, daß er an einen: Tage nicht weniger denn 36 Hänser belegen sollte, es aber nicht schaffte. Es war auch eine Unmöglichkeit, da die betreffenden Häuser mehrere Seitenflügel und zwei bezw. drei große Hinterhäuser enthielten. Dabei steht die Bezahlung dieser Tätigkeit in keinem Verhältnis zur verlangten Leistung. Drei Mark ist der Lohn für dieses Arbeitspensum. Zu dieser Tätig- keit»leidet sich mancher, der arbeitslos ist und nun glaubt, etwas zu verdienen; aber auch mancher befindet sich darunter, der es mit seiner Aufgabe nicht gerade sehr ernst nimmt. Das ist begreiflich, wenn man bedenkt, daß diese Personen nicht das Interesse an der Arbeit nehmen, wie das bei unseren Parteigenossen der Fall ist. die ja für ihre eigene Sache lv i r k e n. Da kommt eS denn oft vor, daß so mancher da? ewige Treppauf, Treppab bald satt kriegt und es schließlich vorzieht, Flugblätter Flugblätter sein zu lassen und ii: einer Kneipe sich Stärkung holt. Am Wahltage ist vielfach dasselbe der Fall nnd wir haben oft gesehen, daß konservative Stiminzettelverteiler bereits mittags nicht mehr gerade stehen konnten. Ereignen sich aber solche Fälle, so konnte man schon bei den bisherigen Wahlen konstatieren, daß alles auf unsere Partei abgewälzt wurde. Da hieß es: Sozial- demokraten haben den Leuten die Flugblätter abgenommen, die Stimmzettelverteiler der Gegner betrunken gemackit usw. Dieses Wahlmärchen kehrt auch in diesem Wahlkmnpfe wieder. Zunächst erscheint der Magistratsoffiziosus auf der Bildfläche und meldet pflichtschuldigst:.Arbeiter überfielen heute einen Zettel- Verteiler, entrissen ihm über 2000 konservative Flugblätter, vernichteten sie und verschwanden, noch bevor die Polizei einschreiten konnte." Wo sich dieser Vorfall zugetragen, wird natürlich geflissentlich verschwiegen: eö könnte sonst der Schwindel wohl aufgedeckt werden. Auch das.Wolffsche Telegraphen-Bureau" darf getreu dem Grund- satze:„Gelogen wie telegraphiert" nicht zurückbleiben; es verbreitet folgende Mitteilung:„Um die Agitation der nationalen Parteien in einigen Berliner ReichStagswahlkreisen lahm zu legen, be- absichtigen Sozialdemokraten, sobald fteisinnge oder konservative Flugblätter in diesem Kreise zur Verteilung gelangt sind, die Häuser abzugehen und alle in den Briefkästen oder in den Türen steckenden Fugblätter jener Parteien an sich zu nehmen und zu vernichten." Das„Wolffsche Bureau" ist zwar etwas vorsichtiger als der Magistratsoffiziosus, denn eS spricht nur von der Absicht der Sozialdemokraten, allein Schwindel ist auch diese Nachricht. Den Vogel schießt aber eine sozialistenfresserische Korrespondenz ab, die wir in der„Post" finden. Da heißt es: „Achtung I Sozialdemokratische Betrüger und Diebe gehen um! Besonders in Berlin werden die bürger- lichen Parteien in gleicher Weife von sozialdemokratischem Gesindel bedroht. Zettelverteiler find überfallen und ihnen Tausende von Flugblättern geraubt worden! Genossen des Herrn Singer haben sich unter falschen Angaben in gegnerische Wahlbureaus geschlichen und sich zum Berteilen von Flug- blättern erboten, um sie dann zu vernichten. Das Manöver ist geglückt. Die Meldung, daß Sozialdemokraten in die Häuser gehen wollen, um soeben ausgelegte gegnerische Flug- blätter en gros zu stehlen, kann nicht ernst genug genommen werden. Man möge in solchen Fällen von Diebstahl kein Mit- leid beweisen, sondern jedes Mitglied der sozialdemokratischen organisierten Diebesbanden, wenn man ihrer habhaft wird, fest- halten und dem nächsten Schiitiman» übergeben! Daß die„Post" von sozialdemokratischem Gesindel, fozialdemo- kratischen Betrügern und Dieben phantasiert, ist bei einem so- genannten„staatserhaltenden" Blatte selbstverständlich, das gehört zum Handwerk eines Postesels. Wir drucken den"Blödsinn nur ab, um auch den Humor im Wahlkampfe zu seinem Recht kommen zu lassen, denn im Ernste gesprochen, haben wir für unsere Kräfte wirklich bessere Verwendung, als gegnerische Flugblätter oder Stimmzettel wegzunehmen, wie die« die Parteigenossen der„Post" auf dem Lande wiederholt versucht und auch ansgeführt haben, sogar durch Inanspruchnahme behördlicher Organe. Wenn unsere Gegner für ihre Zwecke nicht genügend zuverlässige Leute finden, und diese Leute zur Entschuldigung für unerledigte Aufgaben ihren Anfttaggebern solche Bären aufbinden von Wegnahme der Flug- blätter und dergleichen, so können wir doch nichts dafür. Mögen die Herren Komürerzienräte, Bankiers, Fabrikbesitzer und dergleichen doch selbst ihre Flugblätter und Stimmzettel austragen, dann wissen unsere Gegner doch, daß das Material an die richtige Adresse gekommen ist. Vorläufig bezweifeln wir nur. daß unser Vorschlag auf fruchtbaren Boden fällt. Um ihr Wahlrecht gebracht sehen sich eine ganze Anzahl Wähler Berlins,- deren Reklamation auf Eintragung in die Wählerliste nicht berii-kstchtigt wurde, trotzdem l alle BorauSsetznngcn dazu vorhanden waren. Zum Beispiel im ihren polizeilichen Hintcrleutcn «»Slande gcdorcnc Deutsche, die ihr StaatSziiaehörigleitSzeugni« und ihren Militärpab bei der Reklamation vorwiesen. Und was dnö Skandalöseste ist, die Ablehnung wurde den Betreffenden so spät zu.ge stellt, daß jede Reklamation und nachttägliche Eintragung unmöglich wurde. Uns liegt heute wieder ein solcher Fall vor: die Ablehnung ist vom 14. Januar datiert, die Zustellung erfolgte am 20. Januar.— Nach§ 3 des Wahlrcglements muß die Entscheidung über seine Reklamation jeden« Reklamanten spätestens drei Wochen nach Auslegung der Wählerliste„durch den Gemeindevorsland bekannt gemacht sein" also spätestens am 17. Januar. Der Abschluß der Wählerliste muß am 18. Januar erfolgt sein. Sllso jeder Wähler, dessen Reklamation zu Unrecht nicht berücksichtigt wurde, hat sofort beim Oberpräsidcnten in Potsdam Be» s ch w e r d e zu erheben, sowohl über die Abweisung wie über die verspätete Zustellung. Wählen kann er freilich trotzdem nicht mehr, aber für den W a h l p r o t e st sind diese Fälle wichtig, weil solche Stimmen de»: unterlegenen Kandidaten zugerechnet werden müssen, was wichtig ist, wenn z. B. der ftcifinnige mit kleiner Majorität gewählt worden wäre. Wir fordern alle solche zu Unrecht zurück- gewiesenen Wähler zur Beschwerde andenOber- Präsidenten und zur Mitteilung an«nS oder daö Wahlkomitee ihres Kreises auf. Es ist ja gewiß eine Schande für den freisinnigen Berliner Magistrat, in solch bummeliger Weise solch wichtige Angelegenheiten zu behandeln. Wenn auch der Erfolg, nicht die Absicht, solcher Schlanqierei für den Augenblick dem Freisinn zugute- kommt, wir wollen aber dafür sorgen, daß das dicke Ende nach- kommt. Und Herr Bürgermeister Reicks wie Herr Stadtrat Fischbeck täten vielleicht besser, in solchen Dingen nach dem Rechten zu sehen, denn als Regiernngskandidaten über Wahlreden zu brüten. Links oder rechts? Die Wahtlandidatcn. mit denen in Berlin der Freisinn unter her erst noch zu erhetteluden Stichwahlhülse der Konjervativen „das rote Banner herunterzuholen" verspricht, bilden an sich schon ein wunderliches Sammelsurium von Mischm/g Uhr finden vier Wählerversamm- lungen statt und zwar in folgenden Lokalen: Arminhallen, Konimandantenstr. 20; Buggenhagen, am Moritzplatz; Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15, und Märkischer Hof, Admiralstr. 18o, in denen die Genossen Richard Fischer, Johannes Sassenbach, Richard Augustin und Adolf Cohen die Wähler„auf zur Wahl" rufen werden. Fünfter Kreis. Donnerstag, den 24. Januar, 8 Uhr abends, vier Wähler- Versammlungen: Lipps Brauerei, Am Friedrichshain; Schweizer-Gartrn, Am Königstor; Altes Schützcnhaus, Linieustr. 5; Johannis-Säle, Johannisstr. 20. Referenten: Friedländer, Liepmann, WelS und Dr. Wehl sowie in allen Versammlungen Ansprache des Kandidaten Robert Schmidt. Wir erwarten, daß alle Genossen und Genossinnen erscheinen und niemand bei diesen letzten Veranstaltungen fehlt. Die Wahlkomitees. Zentralwahlbureans unserer Partei. I. Wahlkreis, Restaurant Weihnacht, Grünstr. 21. Amt I 1787. 2.„ Refereatenschule, Lindeustr. 3(letzter Hof). Amt IV 10170. 3.„ Restaurant Pusch, Dresdenerstr. 116. Amt IV 4174. 4.„» Merkowski. Andreaöstr. 26. Amt VH 945. 5.„„ Münzer. Sophienftr. 6. Amt III 8367. 6.„„ Fahro w, Ravenöstr. 6. Amt III 2137. Teltow-BeeSkow. Charlottenburg, BolkShanS, Rosinen- straste 3. Amt Charlottenburg 4606. Niederbarnim. B oxhaaen-Rummelsburg, Tempel, Alt-Boxhagen 56. Amt VH 10078. * ♦# Für diejenigen Kreise, welche am Wahltage Hülfskräfte ge- brauchen, teilen wir nachstehend die BezirkSwahlbureauS mit, von welchen aus die Zuweisung erfolgen kann: 2. KreiS. 1. Restaurant WiemerS, Bülowstr. 59, Amt VI 9247. 2. r Großmann, Magdeburgerplatz 8, Amt VI 9456. 3., Damm, Schützensir. 18/19. 4.„ Schmidt, Lindenstr. 3, II. Hof. 5.» Saß, Hornstr. 2, Amt VI 9964. 6.„ Thomsen, Gneisenaustr. 30, Amt IV 1403. 7.. Leu. Boeckhstr. 7, Amt TV 2340. 8.« Donath, Schönleinstr. 6, Amt IV 1391. 4. KreiS. � Südost. Fröhlich. Muskauerstr. 1. Amt IV 4519. Osten(Landsberger Viertel). Beyersdorf, Elbingerstr. 9, Amt VII 6343. Osten(Stralauer Viertel). Zietz, Warfchauerstr. 61, Amt VII 3327. 6. KreiS. 1. Wernau, Schwedterstr. 23, Amt III 33. 2. Ludwig Kranz, dl. 58, Dunckerstr. 8, Amt HI 3969. 3. Hube, Kopenhagenerstr. 74, Amt III 2472. 4. Wille, Brunnenstr. 183, Amt III 6325. 6. Fritz Bergmann, Brunnenstr. 79, Amt III 2572. 6. Paul Agthen, Pflugstr. 5, Amt III 2271. g j Georg Pielecke, Waldstr. 8, Amt II 660. 9. Fritz Zietz, Wiesenstr. 29. Amt II 1238. 10. Heinrich Sauerweier, Maxstr. 16. 11. Albert Knapp, Grünthale'rftr. 5, Amt III 737. Die Wahlhelfer, die den ganzen Tag sich zur Verfügung stellen, wollen sich schon um 3 Uhr in dem Abteilungsbureau bezw. Bezirkslokal ihres Kreises ein- finden, damit die Zuteilung der Wahlarbeit korrekt erfolgen kann. Die- jenigen Genoffen, die nur teilweise abkömmlich sind und zur Ab- lösung anderer Genoffen sich bereit erklärt haben, wollen sich recht pünktlich in ihrem Abteilungsbureau bezw. Bezirkslokale einfinden. Die Genossen des 6. Kreises, welche im 1. Kreise geholfen haben, »..4.(Südost).. 3.,.. 0 m»4.(Ost)„» ü.„.„„ werden gebeten, sich an den Stellen, an welchen sie vorher tätig waren, einzufinden. Je zahlreicher aber sich Genoffen am Tage der Wahl in den Dienst der Partei stellen, desto leichter und erfolgreicher wird die Arbeit und desto sicherer ist der Sieg! Der Aktionsausschuß. Wahlversammlungen. Erster Wahlkreis. Di« Versammlung, welche am Dienstag in WendtS Saal in der Beuthstraße tagte, war. wie die meisten Versammlungen, welche während dieses WahlkompseS von unserer Seite veranstaltet worden sind, sehr gut besucht. Meisten« waren es HandlungSgehülfe», Hülfs- arbeiter ans kaufmännischen Geschäften, auch kleine Geschäftsleute. Ein Publikum, wie es der Geschäftsgegend, in der das Versammlungs- lokal liegt, entspricht. Daß auch die Angehörigen dieser Kreise, welche bis vor kurzem noch zu dem Heerbann der bürgerlichen Parteien, besonders der Freifinnigen. gehörten, ihre Sympathie mm» mehr der Sozialdemokratie zugewandt haben, das bewies der un- geteilte Beifall, den der Vortrag des Genossen Kali Ski fand. Seine Kennzeichnung der Deruburgschen Kolonialreklame, die scharfe Verurteilung de? Verhaltens der Freisinnigen wurden mit ebenso lebhaftem, oft stürmischem Beifall aufgenommen, wie die Empfehlung der Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten.— Nach dem Referenten nahm Genosse Eisner das Wort. Es war eine durch_ Tatsachen gestützte scharfe Beleuchtung der deutschen Kolonialpolitik, die der Redner gab. Als die größte Gefahr der deutschen Kolonialpolitik bezeichnete er den Umstand, dah sie eine Bedrohung der englischen Kolonien sei, und dah sich deshalb schwere auswärtige Konflikte aus der abenteuer- lichen Politik in Afrika ergeben würden. Der Ausfall der Wahl sei deshalb auch eine Frage an das internationale Schicksal Europas. — Zur Diskussion nahm ein Gegner, Dr. Thierbach daS Wort. Zu welcher Partei er sich rechnet, konnte man aus seinen Worten nicht ersehen. Anscheinend ist er ein Freisinniger, doch wußte er auf die vom Referenten vorgetragene äußerst scharfe Verurteilung dieser Partei nichts weiter zu sagen, als dah man, auch ohne Sozial- demokrat zu sein, das persönliche Regiment nicht zu billigen brauche. Andererseits schien es wieder, als sei der Herr selber kein Gegner des persönlichen Regiments, wenigstens wollte er der Versammlung einreden, dah ja selbst in der sozialdemokratischen Partei ein persön- liches Regiment des Genossen Bebel herrsche.— Durch diese alberne Rederei erntete der Herr Doktor natürlich amr allgemeines Gelächter und eine treffende Widerlegung durch den Referenten.— Damit war die Versammlung beendet. Das sozialdemokratische Wahlkomitee des ersten Kreises der« anstaltete am Dienstag in der Johannisstrahe auch eine Versamm- lung, die erst um 1 Uhr nachts eröffnet wurde. Warum begann die Versammlung zu so später Etimde? Wohl war es eine Wähler- Versammlung, wie deren schon eine große Menge stattgefunden haben und doch unterschied sie sich von allen anderen'Wählerversammlungen dadurch, dah nur die Wähler eines besonderen Berufes, und zwar alle persönlich eingeladen waren. Den Wählern, welckw in Hotels und Gastwirtschaften angestellt sind, galt die Einladung, und diese Arbeiter sind bekanntlich vom frühen Mvrgen bis in die späte Nacht in ihrem Berufe beschäftigt und deshalb nicht in der Lage, eine Versammlung zu besuchen, welche abends stattfindet und schon zu Ende ist, wenn die Hotel- und Gastloirtsangestellten die kurze Ruhepause antreten können, die ihnen zwischen zwei Arbeitstagen vergönnt ist. Etwa 200 Personen waren in der Versammlung er- schienen. Mit Verständnis und Jntereffe folgten fie den AuS- führungen des Genossen K a l i s k i, der ihnen nachwies, dah es eine Folge der ausbeuterischen Gelüste des Kapitals ist. wenn die Lage der hier in Frage kommenden Angestellten in den meisten Fällen eine loeit schlechtere ist. als die Lage anderer Arbeiterschichten. Insbesondere erinnerte der Referent daran, dah die Hoteldicner usw. »och in»»er des Arbeiterschutzes entbehren, den die sozialden, akratische Partei im Reichstage seit Jahren für diese Angestellten fordert, der ihnen aber durch die bürgerlichen Parteien bisher verweigert worden ist. Unter allseitigen, lebhaften Beifall forderte der Referent die Anwesenden auf. für ihre Jntereffen dadurch zu wirken, dah sie am 25. Januar dem Kandidaten der Sozialdemokratie ihre Stimme geben und auch unter ihren Kollegen, die nicht anwesend waren, in diesem Sinne zu wirken. Da nur die Sozialdemokratie für möglichst weitgehenden gesetzlichen Arbeiterschutz eintritt, so ist auch das Jnter- esse der Hotel--c. Angestellten am besten gewahrt, wenn sie dem Kandidaten der Sozialdemolratie ihre Stimme geben.— Der leb- hafte Beifall, mit dem die Versammlung die Ausführungen des Re- ferenten aufnahm, läht erwarten, dah die Hotel- und Gastwirtschaftü- angestellten im ersten Wahlkreise dem Rufe, der an fie ergangen ist, Folge leisten und an ihrem Teil beitragen werden zum Siege unseres Kandidaten, des Genossen Arons. Zweiter Wahlkreis. Eine imposante Wählerversammlung, vcr- anstaltet von den Genossen im zweiten Berliner Rcichstagswahl- s� tagte am Dienstag im Etablissement der Bockbrauerei am Tcmpelhofer Berg. Der Ricsensaal füllte sich schnell, so daß man daran gehen mußte, die Tische zu entfernen. Redner des Abends war P a u l S i n g e r. Er wurde von den Tausenden, die öer Wahlkampf zusammengeführt hatte, lebhaft begrüßt. Ein- leitend kennzeichnete er die Situation, die zur Auflösung des vcr- floffenen Reichstages geführt hat, wobei er unter starkem Beifall hervorhob, daß allerdings die Sozialdemokratie durchaus zufrieden sein könne damit, daß dieser Reichstag kein natürliches Ende ge« funden habe, sondern vorher zu seinen Vätern versammelt wurde. Wohin der Kurs wirklich gehe, das sei durch ein Wort Bülows bei jenen Kolonialverhandlungen blitzartig gezeigt worden:„Die Re- gierung könne sich vom Parlament und den Parteien nicht vor- schreiben lassen, wie viel sie zur Kricgsführung brauche usw." Es werde deshalb am 25. Januar neben vielen anderen wichtigen Fragen auch die zu entscheiden sein, ob den Ausschlag in derartigen Dingen nur geben solle das persönliche Regiment, die Militär- drktatur, der große Generalstab, oder ob nicht vielmehr das Votum des Volkes mit vollem Gewicht in die Wagschale zu werfen sei. (Lebhafter Beifall.) Wir meinen, daß des Volkes Wille das höchste Gesetz sein müsse.(Stürmische Zustimmung.) In großen Um- rissen zeichnete Redner ein wahrheitsgetreues Bild der reichs- deutschen Politik auf den verschiedensten Gebieten, unter Beachtung der damit verbundenen Volksverwüstung. Ein besonderes Kapitel widmete er auch der Kolonialpolitik der Firma Bülow, Dernburg u. Co., bei deren Phantasien man an das berühmte oder vielmehr berüchtigte Beispiel der Potemkinschen Dörfer erinnert werde. (Allgemeine Heiterkeit und Beifall.) Sorgen wir am 25. Januar dafür, dah der KolonialparöxismuS etwas ernüchtert werde.— Eine gründliche Abrechnung hielt Genosse Singer mit dem Frei» sinn, dessen Sünden und dessen absolute Unzuverlässigkeit er unter vielfachen Beifallsbezeugungen einer sehr scharfen, indessen ebenso gerechten Kritik unterzog. Mit Verve trat er für die Wahl des Genossen Richard Fischer als den Kandidaten der Sozialdemo- kratie ein. Schmutzkübel über Schmutzkübel schütte die freisinnige Gesellschaft in diesem Wahltampfe über sozialdemokratische Kandidaten aus. So auch über den Kandidaten des zweiten Wahl- kreises. Nur damit es nicht so aussehe, als ob man nichts zu den elenden Verleumdungen in den gegnerischen Flugblättern zu sagen wisse, komme er darauf zurück. In Richard Fischer besäßen wir einen der bravsten und ältesten, im Feuer des Sozialistengesetzes und im Gefängnis gehärteten Mitstreiter. In frühester Jugend habe er das Los der Verbannung über sich ergehen lassen müssen, weil er für seine Ueberzeugung eingetreten sei. Wenn trotz aller Aufklärungen die Freisinnigen in ihren Flugblättern an den Ver- leumdungen gegen Richard Fischer festhielten, so gehöre dazu die ganze Perfidie eines politischen Rowdys. Daß Differenzen in der Buchdruckerei des„Vorwärts" vorgekommen seien, habe niemand geleugnet. Aber als ein genauer Sachkenner dürfe er sagen, daß sie zum allergrößten Teile zur Zufriedenheit der Arbeiter beigelegt seien. Obnc Ueberhcbung dürfe er darauf hinweisen, daß die Arbeitsverhältnisse ini„Vorwärts" weitaus bessere seien, als in anderen, in bürgerlichen Betrieben. Die Lohn- und Arbeits- Verhältnisse seien im„Vorwärts" in einer Weise geordnet, daß den Arbeitern alle Rechte, die ihnen zukämen, zugestanden seien. Daß in einem Großbetriebe Meinungsverschiedenheiten vorkämen, wer wolle das leugnen! Sei das ein Grund dafür, den„Vorwärts" in so gemeiner, nichtswürdiger Weise als eine Ausbeutungsbude hin- zustellen? Die infame Behauptung. eS fei ein Zuchthaus- gcschäft, enthalte nicht nur eine Beleidigung der leitenden Per- sonen und der zuständigen Kominission, sondern auch der im Bc- triebe beschäftigten Arbeiter. Was vorgekommen, seien kleine Differenzen, die ihren Ausgleich gefunden hätten. Daß Fischer Arbeitern die Ehre abgestritten habe, sei eine gemeine nichts- würdige Verleumdung. Die fragliche Aeußerung sei in einem ganz anderen Zusammenhange gefallen, und die Arbeiter selber hätten erklärt, sie könnten den Worten eine solche Auslegung nicht geben. Ebenso sei es eine perfide Verleumdung, daß die Selbständigkeit der Arbeiter mit Füßen getreten und ihre Ehre angelastet werde durch Koatrollinaßregel», Fischer Hab« e» bisher mit Recht unterlassen, zu antworten auf die Schmähungen gegen ihn. Das richtigste tväre ja auch ein Schweigen der Vcr» achtung. Nachdem aber die sjrage in den Flugblättern der Liberalen aufgerollt sei, halte Redner es für eine Pflicht des An- standes, zu erklären, dag Fischers Bestimmungen sich in demselben Rahmen bewegt hätten, wie er durch die Firmenträger und durch die beigeordnete Kommission vorgeschrieben sei. Eine grenzen- lose Gemeinheit stellten die Angaben dar, daß Fischer in seiner Person ein Ausbund von Ausbeutungspolitiker sei. Glaube man jenen Leuten ihre Worte nicht! Betrachte man sie als das, was sie sind, als gemeine nichtswürdige Wahl- manöver der Liberalen, die mit den Waffen der Verleumdung kämpften.(Stürmischer Beifall.) In Leipzig hätten gegenüber ähnlichen Vcrleudungen die Buchdrucker erklärt, nur in der Sozialdemokratie ihre Vertretung zu finden. Nach seiner festen Ueberzeugung würden ebenso die Buchdrucker Berlins sprechen, würden auch die des„Vorwärts" sprechen. Jene Sude- leien des Freisinns ständen noch unter denen, die bisher ein Monopol des Neichsvcrbandes zur Verleumdung der Sozialdemo- kratie gewesen seien.(Lebhafte Zustimmung.)— Nachdem Redner noch die Gefahr beleuchtet hatte, in der sich das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht befindet, schilderte er Wirken und Ziele der Sozialdemokratie, um dann seinen mehr als LM-stündigen Vortrag mit einem flammenden Aufruf zu intensivster Wahl- agitation zu schließen. Tue ein jeder, auch die proletarische Frau. seine Schuldigkeit, damit Richard Fischer mit glänzender Majorität gewählt werde und auch über dem zweiten Kreise wieder die rote, die siegreiche Fahne der Sozialdemokratie wehe!— Gewaltig durchbrauste minutenlang der. Beifall der versammelten Tausende den Saal.— Nach kurzer Diskussion schloß die imposante Ver- sammlung mit dem alten Kampfruf. Dritter Wahlkreis. „Die Wahlen und die bürgerlichen Parteien" war die Tagesordnung zweier Wählerversammlungen, die unsere Parteigenossen am Dienstag im dritten Wahlkreis veranstaltet hatten. Die große Kälte hatte dahin gewirkt, daß die Versamm- lungen nicht so außerordentlich stark besucht waren wie bisher, doch hatte sich sowohl im„Deutschen Hof" wie in den„Armin- hallen" eine zahlreiche Zuhörerschaft eingefunden. Im großen Saale des„Deutschen HofeS" sprach der Kandidat des Kreises, Genosse Heine. Seine wirkungsvolle Rede wurde oft von Beifall, aber einige Male auch von gegnerischen Zwischenrufen unterbrochen. Dies war der Fall, als der Redner von der unglücklichen Ehe oder Paarung zwischen Freisinnigen und Konservativen sprach und den Freisinn als die Frau bezeichnete. Da rief ein Freisinniger oder Demokrat:„Die Frau behalt aber meistens Recht!"—„Das mag bei euch so sein", erwiderte Heine; „aber eine solche Frau, die von vornherein so wenig Achtung ein- flößt wie die Tante Votz, wird nicht Recht behalten und nicht gut behandelt werden von ihrem Manne, dem preußischen Junkertum." — In der Diskussion stellte sich der Zwischenrufcr als ein weit links stehender„Demokrat" vor, erklärte, daß er im Prinzip mit Heine nicht uneins sei, daß aber Rosenow nicht der„schlimme Mann" sei. als der er hingestellt worden wäre. Ob die Freisin- nigen sich paaren würden mit den Konservativen, müsse man erst „abwarten". Daß die Freisinnigen für die sogenannten lumpigen S Millionen stimmten, käme kaum in Betracht, zumal jetzt ein Mann an die Spitze der Kolonialverwaltung gestellt wäre, der gewillt sei, den Stall auszumisten. Warum aber gingen Sozialdemokratie und Zentrum zusammen, wie im heutigen„Vorwärts" stehe? Gegen Junkertum und Dunkelmänner müsse gekämpft werden. Man solle dahin streben, daß der Liberalismus sich mehr nach links, die Sozialdemokratie mehr nach rechts entwickele.— Natürlich war es Heine ein leichtes, nachzuwesicn, wie irrig und töricht jene Behauptungen sind. Gerade am„Vorwärts" vom Dienstag zeigte er, daß die Sozialdemokratie den Kampf gegen das Zentrum mit unverminderter Kraft führt und gegen die Dunkelmänner vorgeht in einer Weise, die jede Bundesgenossenschaft ausschließt, daß aber, wie der Wahlkampf und die freisinnige Presse beweist, das Wahl- bündnis zwischen Freisinnigen und Konservativen eine offenkundige Tatsache ist. Ebenso wies der Redner nach, wie eitel die Hoffnung ist, oatz Dernburg der starke Mann sein werde, der der kolonialen Mißwirtschaft ein Ende bereitet; daß es sich bei dem Bewilligungs- cifer der Freisinnigen nicht um 9 Millionen, sondern um viel höhere Summen und tatsächlich um das Budgetrecht des Reichs- tagS handelt, und daß der Vorwurf, daß die Freisinnigen die demo- kratischen Ideale verraten haben, nur zu berechtigt ist.— Die Ausführungen Heines wurden ebenso wie die einiger anderer Partei- genossen mit lebhaftem Beifall aufgenommen. In den„A r m i n h a l l e n" sprach Genosse Fülle zu einer zahlreichen Versammlung, die mit größter Aufmerksamkeit seinen Ausführungen folgte und lebhaft ihren Beifall kundgab. Der Redner schilderte die reaktionäre Mißwirtschaft im Reich und in den Kolonien, räumte mit verschiedenen Wahllügen der Gegner auf und bemerkte unter anderem, er habe bei seiner Agitation in der Provinz die Erfahrung gemacht, daß auch dort selbst un» fern- stehende Wähler den Schwindel, die„nationale Ehre" stehe auf dem Spiele und es handle sich um das Wohl„unserer braven Jungen", sofort durchschauten und erklärten:„Ach was. das ist ja alles Unsinn, was in den nationalen Blättern steht."— Der Mah. nung deZ Redners, alle Kraft einzusetzen, um dem sozialdemokrati- schen Kandidaten einen glänzenden Sieg zu sichern, stimmte die Versammlung begeistert zu. Sechster Wahlkreis. Die am Dienstag abgehaltene Wählerversammlung bei Daase, Brunnenstr. 154, gestaltete sich für die Anwesenden zu einem in mehrfacher Beziehung recht interessanten Abend. Als Referent war Genosse D ü w e l l erschienen. Redner streifte kurz die bekannten Ursachen der ReichStagsauflösung und ging dann in großzügiger Weise auf eine Reihe derjenigen Fragen ein, die unS grundsätzlich von unseren Gegnern trennen. Seine treffliche Kennzeichnung des heutigen Staates nicht als Kultur-, sondern als Polizeistaat, sowie das anschauliche Bild, das er von der Struktur unserer heutigen kapitalistischen Gesellschaftsordnung und den daraus erwachsenden natürlichen Klassengegensätzen entwarf, sicherten ihm den lebhaftesten Beifall der Versammlung.— Als erster Diskussionsredner meldete sich ein junger Genosse, der den Feldzug gegen die Hereros als Afrikakrieger mitgemacht hatte und sich jetzt invalide fühlt. Es sei alles so ganz anders ge- kommen, als wie es ihm hier bei der Truppe so schön vorgemalt worden war. Und nun schilderte er Südwest-Afrika gerade nicht als Dernburgschen Dattelhain. Im Gegenteil: Enttäuschung auf Schritt und Tritt. Trauriges Oedland, Dornbüsche, spärliche» Hartgras, Wüstensand, Steinboden, meilenlange Durststrecken, kre- pierte Zug- und Reittiere, hin und wieder mal ein elendes stin- kendeS Wasserloch mit totem und lebendem Viehzeug drin, Stra- pazen, Tag- und Nachtmärsche, Kampf am Waterberg, Durst und nochmals Durst und endlich— Typhus. Nur einen Wunsch kannte er nach seiner Genesung: RauS aus Aftika. Mit dem„Helden- tum", mit den erträumten Abenteuern warS nichts. Und wofür hatte er gelitten? Jetzt weiß er'».„Die Sozialdemokratie hat durchaus recht", so schloß er,„wenn sie sagt, daß jeder, der von Südwest-Aftika wieder heimkehrt, als Sozialdemokrat zurück- kommt. Nicht durch neue Truppensendungen wird den armen Sol- daten dort unten geholfen, sondern dadurch, daß man sie sämt- lich wieder zurückholt, so wie es die Sozialdemokratie will." Mit dieser einfachen, ungekünstelten Erzählung seiner eigenen Erlebnisse hatte der kurierte Llfrikakrieger im wesentlichen nur bestätigt, was die Sozialdemokratie schon längst über das Dernburgsche„Wunderland" gesagt hat. Nach diesem Redner wandte sich Fräulein Hoppe mit eindringlick>er Mahnung an die anwesenden Frauen, auch ihrerseits nach Kräften für den Wahl- sieg der sozialdemokratischen Partei zu wirken, wenn auch nicht al« Wahlerinnen, so doch als W ü h l e r i n n e n. Hierauf meldete sich ein junger Mann als Gegner zum Wort. Er wußte offenbar noch selbst nicht, zu welcher Partemchiung er sich eigentlich be- ianea sollte. Halb gab er sich al» Bodenreformer und halb als Antisemit. Genosse D ü w e l I belehrte in seinem Schlußwort den judcnfeindlichen Rcformschwärmer ebenso wohlwollend wie schlag- fertig über das Unhaltbare seiner verworrenen Anschauungen. Mit einem Hoch auf die Partei wurde die Versammlung sodann um Mitternacht geschlossen. In Ballschmieders Saal hatten sich die Wähler vom Gesundbrunnen ebenfalls wieder zahlreich eingefunden, um ein Referat des Genossen Pagels über die bevorstehenden Reichs- tngswahlcn entgegenzunehmen. Redner behandelte alle einschlä- gigen Fragen der deutschen Tages- und Wcltpolitik gcmeinver- ständlich und mit großer Sachkenntnis, sodatz die Versammlung seinen Ausführungen lebhaften Beifall spendete. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Vom Vorsitzenden wurde alsdann nochmals auf die Notwendigkeit einer möglichst rührigen Haus- und Werk- stattagitation hingewiesen, damit der Genosse Ledebour als Vertreter des größten deutschen Wahlkreises auch mit einer cnt- sprechend hohen Stimmenzahl gewählt werde. Die Versammlung im„Swinemünder Gesellschafts- haus" war um 8 Uhr abgesperrt. Eine dichtgedrängte Menge lauschte den Ausführungen des Genossen S t r ö b e l über die be- vorstehende Rcichstagswahl. Der Referent fand lebhafte Zustim- mung, als er erklärte, daß die Regierung überrascht sein werde von der Antwort, die das Volk auf die ihm zur Entscheidung über- gebenen Fragen am 25. Januar erteilen wird. Mit gespanntem Interesse folgte die Versammlung dem Bilde, das Ströbel von der Kolonialpolitik entrollte und helle Entrüstung brach aus, als er einige der Kolonialgreuel schilderte. Er ging dann auf die Ge- schichte der Auflösung des Reichstages ein und zeigte, wie die Re- gicrung den Reichstag täuschte und wie das Wort von der„natio- nalen Ehre", die auf dem Spiele stehen soll, nur eine hohle Phrase ist. Die sozialdemokratische Partei gibt die Parole aus, daß mit dem ganzen System gebrochen werden muß und fordert die Massen zur Gefolgschaft auf. Der Sieg, den uns der 25. Januar bringen wird, soll wieder eine Etappe auf dem Vormarsch zur sozialistischen Gesellschaftsordnung sein. Stürmischer Beifall folgte diesen Schlußworten des Redners. Es wurde noch bekannt gemacht, daß der 4. und ö. Kreis viel Kräfte für die Agitation in der Provinz brauchen, denn diesen Kreisen ist vornehmlich die Aufgabe zuge- fallen, in der Provinz zu wirken. Kreis Teltow. Zur Bekämpfung der Sozialdemokratie stellt sich jetzt das„Rixdorfer Tageblatt" dem Wahlausschuß der „geeinigten nationalen Parteien und Vereinigungen" zur Verfügung. Bereits in der vorgestrigen und gestrigen Nummer des Blattes be- findet sich der Wahlaufruf gegen die Sozialdemokratie. Die hunderte und tausende Arbeiterwähler, die innerlich schon längst zur Sozial- demokratie gehören, aber noch Abonnenten dieses„unparteiischen" Blattes find, haben jetzt da? Vergnügen, sich in diesem Blatte besudeln und beschimpfen zu lassen. In geradezu demagogischen Wendungen sucht der Aufruf gegen die Sozialdemokratie Stimmung zu machen. Den Abonnenten wird die Gefährlichkeit und feindliche Haltung der Sozialdemokratie gegen den kleinen Geschäftsmann und Mittelstand zum Erbrechen vor Augen geführt Die Sozialdemokratie ist indem Aufruf die Ausbeuterin der Arbeiterklasse und lockt denselben den siebenfachen Bettag aller Staats- und Gemeindesteuern zu Partei- zwecken aus der Tasche. Selbst daS Lied vom Terronsmus der Sozialdemokratie fehlt nicht. Dieser blödsinnige Schwindel dürfte wohl der Rixdorfer Arbeiterschaft zur Genüge beweisen, daß mit ihr eitel Bauernfang getrieben werden soll. Es kann nur eine Losung für sie geben, den sozialdemokratischen Kandidaten Fritz Zubeil gegen den Kandidaten der reaktionären Parteien Boddin zum Siege zu verhelfen. » Bürgerliche Wahlkampfspendrn. In einer Quittung teilte der .Friedenauer Lokal-Anzeiger" mit, daß Ende der vergangenen Woche zum Kamps gegen die Sozialdemokratie schon 8,50 M. eingegangen wären. Nun ist dem Blatt ein Eingesandt zu- gegangeu, in welchem eine gerechte Verteilung obiger Summe vor- geschlagen wird. Das Eingesandt hat folgenden Wortlaut: DaS ist ja ein großartiges Resultat! Als BertcilungSmodus schlagen wir dem geschätzten„Lokal-Anzeiger" vor, von diesen für den Wahl- auSschuß aller bürgerlichen Parteien eingegangenen 8,50 Mark zu senden, 1. an den konservativen-liberalen Kandidaten Boddin in Rixdorf 4,15 M., 2. an den liberalen- konservativen Kandidaten Reufert in Eharlottenburg 4,15 M., 2 Postanweisungen a 10 Pf. Porto ---- 20 Pf., zusammen 8,50 M. Bei dieser Opferwilligkeit deS riedenauer Bürgertums werden wir wohl darauf verzichten müssen, lugblätter zur Empfehlung dieser beiden Kandidaten zu erhalten, die za doch nur Unwahrheiten enthalten würden. Es hat auch alles keinen Zweck, gewählt wird Fritz Zubeil, und zwar deswegen, weil er mit Entschiedenheit die liberalen Forderungen vertritt und weil er über unsere schamlosen Zustände so denkt, wie die Mehrzahl der ge- bildeten Wähler. Mehrere wirklich Liberale von Friedenau. Ein hierauf folgende« Eingesandt erklärt die erste Zuschrift als ein„Machwerk verkappter Anhänger deS zukünftigen Zuchthaus- staate»". DeS weiteren wirft ihnen der Einsender Mangel an Bildung vor. ES sei. heißt eS weiter, eine Unverschämtheit, ihren mongechaften Ceisttszustand der Mehrzahl der gebildeten Wähler zu imputieren. Diese werden ihnen im übrigen am 25. Januar die richtige Antivort zuteil werden lassen. ES ist sicher keine angenehme Sache, sich für herzliche Spenden noch verulken lassen zu müssen. Indes 8,50 M. zur Bekämpfung der Sozialdemotratte ist gerade nicht zu viel, wenn man bedenlt, daß das Sammelergebnis der Friedenauer Sozialdemokratie bereits 650 M. beträgt. Die Friedenauer Genossen müssen aber dafür sorgen, daß selbst die paar lumpigen Groschen, die einige Bürgerliche zur Bekämpfung der Sozialdemokratie hergeben, umsonst geopfert sind. Die heutige Versammlung bietet noch, einmal Gelegenheit zu demonstrieren und sich zum morgigen Wahlkampf zu rüsten. Alle Wähler müssen heute abend in der Versammlung erscheinen. „Wie stellt sich dir ländliche Bevölkerung und die Schiffer zu der bevorstehenden ReichStagSwahl" lautete das Thema zweier Wähler- Versammlungen in Lebbin bei Storkow und Vernsdorf. in denen die Genoffen H o r l i tz und S t ö r m e r referierten. Die treffenden Darlegungen der Referenten riefen den stürmischen Beifall der Ver- sammelten hervor. Riederlehme. Eine aus deutschen und polnischen Wählern be- stehende Versammlung nahm am Sonntag im Ballschcn Lokal Stellung zur Reichstagswahl. Der Referent Chrzanowski- Berlin hielt sein Referat in polnischer und deutscher Sprache und führte somit den zahlreichen Anwesenden in klarer verständlicher Forin die politische Lage vor Augen. Er zeigte den Polen, daß die polnische Fraktion die Regierung bei allen kulturfeindlichen Plänen unterstützt hat und nur die Sozialdemokratie die Wählerin der Interessen der Nichtbesiyenden ist. Es müsse deshalb Pflicht der polnischen Wähler sein, ihre Stimme nur dem sozialdemokratischen Kandidaten Fritz Zubeil zu geben. Ein Herr Goseniski-Berlin vom polnischen Nationalkomitee konme zwar den Ausführungen des Referenten nicht entgegentreten, er meinte jedoch, durch den Zusammenhalt der Polen werde der Regierung begreiflich gemacht, daß ihre Unterdrückungspolitii gegen die Polen nichts nütze. Die Ausführungen des Redners wurden von den folgenden DtS- kussionsredncrn widerlegt. Zum Schluß wurde folgende Resolution angenommen: Die Versammelten in Riederlehme erklären heute, 20. Januar, sich mit den Ausführungen des Genossen Chrzanowski einverstanden und verpflichten sich, am 25. Januar wie ein Mann für den sozial- demokratischen Kandidaten Fritz Zubeil zu stimmen. In Hankel« Ablage hörten am Dienstag im„Seglerschloß" die Zeuthencr Wähler, denen durch Saalverwelgcrung ein Lokal am Orte selbst nicht zur Verfügung steht, ein Referat des Genossen Kurt H ei n i g- Berlin. Die VersaNunlung war trotz der„Hunde- kälte" und der weiteren Entfernung des Lokals von dem weitaus- gedehnten Zeuthen gut besucht und ihr Verlaus läßt darauf schließen, t>aß die Stimmeuzahl für Zubeil eine bettächttiche Erhöhung er- fahren wird.— Im zweiten Punkt der Tagesordnung rechnete die Versammlung mit den Zeuthcner Saalverweigerern Trill, Lindemann und Rastaedt gründlich ab und gelobte, alles daran zu setzen. den von den Groschen der Arbeiter lebenden, sie aber höhnenden und durch Saalverweigerung bekämpfenden Herren die gebührende Quitttmg zu erteilen. Nicder-Barnim. In Wcißensee beschäftigte sich eine Wählerversammlung pol- nischer Sozialdemokraten mit der ReichStagSwahl.-Zu derselben hatte sich eine Anzahl Nationalpolen eingefunden, sKe den AuS- führungen des Referenten Abrainowicz mit gespannter Auf- merksamkeit folgten. Derselbe plädierte für einmütiges Eintreten tür den sozialdemokratischen Kandidaten Artur Stadthagen, da eine polnische Sondcrkandidatur nur Stimmenzersplitterung her- beiführen würde. Eine in diesem Sinne verfaßte Resolution fand gegen einige Stimmen Annahme. Dir zum Dienstag nach Enders Lokal in Weißensee einberufene Wählerversammlung war bis auf den letzten Platz gefüllt. Wohl 1200 Personen waren anwesend. Die Ausführungen deS Kandidaten Genossen Stadthagen fanden brausenden Beifall. Der Vorsitzende Genosse Taubmann forderte in erster Reihe die Gegner wiederholt eindringlich auf, das Wort zu ergreifen. Endlich nahm Professor Kemsis, der Leiter des hiesigen Ordnungsbreies, das Wort. Seinen Ausführungen gegenüber bewahrten die Versammelten die größte Ruhe, wiederholt löste aber die gar zu sonderbare Logik des Herrn Professors wahre Heiterkeitsstürme aus. Man solle, meinte der Professor, doch in nationalen Dingen einander nicht bekämpfen, dazu gehörten die Kolonien, die seien notwendig. Denn wo sollen wir mit unserem Reichtum hin? Habe doch der National- Wohlstand seit 1870 um 30 Milliarden zugenommen. Wenn nicht sofort, so würden doch auch die Arbeiter in 20, 30, 40 oder 50 Jahren Vorteile haben. Das Zentrum sei zn bekämpfen. Denn 1872 bis 1873 stand es in Opposition, nie tue es etwas umsonst, immer treibe es Kuhhandel, wen die Schwarzen gepackt, den lassen sie nicht aus den Fingern, er erinnere an den Kanossagang im Büßerhemde usw. Als die Versammlung die kulturkämpferischen und die herrschende Klasse unbewußt verspottenden Ergüsse des Jugendbildners mit heiterer Ruhe anhörte, polterte er erstaunt loS: „Sie sind ja selbst Gegner des Zentrums, warum klatschen Sie mir nicht Beifall?" Lustiger ironischer Beifallssturm erfreute darauf den geistigen Führer des„nationalen" Breie«. Dann bat er die Anwesenden himmelhoch, doch für die Reaktionäre zu stimmen.„Sie brauchen Ihrer sozial- demokratrschen Gesinnung nichts zu vergeben, Sie können Sozialdemokraten bleiben, wenn Sie für uns stimmen", apostrophierte er unter schallendem Gelächter die Zuhörer. So hatte der Professor den Bülowschen Sammelruf noch übertrumpft. Weitere Gegner meldeten sich trotz wiederholten Aufrufs nicht. Dem Professor wurde von dem Genossen Seger, von Frau Teuber und Sommerfeld arg heimgeleuchtet und betont, wie dringend notwendig gegenüber der Agitation der Gegner durch wirtschaftlichen Druck, heimliche Versammlungen und unheimliche Verleumdungen eS sei, daß der letzte Mann zum Protest gegen das herrschende Verleumdungs- und Ausbeutungssystem aufgeboten werde, um so durch eine imposant? Mehrheit der Reaktion da« Wiederkommen zu verleiden. Nach einem die professoralcn Glossen zerpflückenden und zur intensiven Arbeit anfeuernden Schlußwort des Genossen Stadthagen schloß der Vorsitzende mit einem dreifachen Hoch aus die Sozialdemokratie und ihren Sieg die imposante Versammlung. HeinerSdorf bei Wvißcnsce. In den letzten Tagen hatte der bekannte Lehrer Berg im Orte eine„Wählerversammlung aller nationalen Parteien" einberufen und in der Einladung volle Rede- freiheit zugesichert. Unsere Parteigenossen von Weißensee besuchten in der Starke von etwa 100 Personen zusammen mit den Heiners- dorfer Parteigenossen diese Versammlung. Herr Berg betrat um 9ll, Uhr den Saal. Wer aber glaubte, die Ursachen d?r ReichStagsauflösung, oder so etwas wie ein„nationales" Programm, oder auch nur die Empfehlung irgend eines Kandidaten zu erfahren, wurde schwer enttäuscht. Dafür mußten„der Reichtum der soziak- demokratischen Führer",„Bebels Billa",„Stadthagens Getreide- spekulationen" usw. herhalten. Die Versammelten, unter denen die 15 bis 20„Nationalen" wie eine Schar verschüchterter Kirch- lein saßen, bewahrte angesichts der Anpöbelungen eine musterhafte Haltung. Der Referent betonte beständig seine Arbeiterfteundlichkeit und brachte es richtig fertig, bis nach V,41 Uhr zu reden, so daß den eingezeichneten Rednern nur je 10 Minuten Zeit blieb. Genosse Frahm bezeichnete sehr treffend die Ausführungen als ein„Rede- ragout", welches mehr Zeit zur Widerlegung brauche und wies energisch die Benmglimpfungen rmserer verdienten Parteiführer zurück. Der nächste Redner, ebenfalls ein Parteigenosse, ging mit Herrn Berg scharf inS Gericht, wies, soweit es in 10 Minuten möglich war die Geineingefährlichkeit der jetzigen Politik nach und erreichte denn auch, daß Herr Berg bei dem Hinweis auf die alten Mätzchen über unsere leitenden Führer nervös wurde. Der Vorsitzende unterbrach und wies auf die Poltzeistimde hin; da aber keine Polizei anwesend war, erklärte Herr Berg selbst das Hausrecht vom Wirt übernommen zu haben und ein Weitcrredcn nicht gestatten zu löuneu; dies hielt ihn aber nicht ab. selbst noch '/« Stunde beim Schlußwort zu verweilen. Mit einem brausenden Hoch aus die Sozialdemokratie verließen die Genossen den Saal. Die Versammlung hat in diesem urreaktionären Ort in der Nähe Berlins, in dem kein Saal für uns zu haben ist, großen Eindruck gemacht, so daß sogar der Vorsitzende erklärte: er sei nicht mit allen Ausführungen des Referenten einverstanden und wolle noch eine zweite Versammlung einberufen. Reinickendorf. Das Wahllokal im 199. Wahlbezirk ist nicht Prodinzstr. 86, sondern 76 bei Großmann. Auch in Mahlsdorf ist die Stimmung eine glänzende, was die am Dienstag gut besuchte Wählerversammluug, in welcher Genosse Kloth referierte, bewies. Die anwesenden Gegner meldeten sich trotz mehrmaliger Aufforderung nicht zum Wort. Das war um so aus- fallender, als aus einer vor einigen Tagen stattgefunden«« „nationalen" Wählerversammluug, in der Bürgermeister Ziethen referierte, unsere Parteigenossen vor Beginn der eigentlichen Ver- sammlung mit dem Hinweis auf das HauSrecht ausgewiesen wurden, weil angeblich in einer vorher in KaulSdorf stattgesmrdciien sozialdemokratischen Versammlung keine Redefreiheit gewährt worden sei. In Schöneichr referierte vor gut besuchter Versammlung Genosse R ü h l, dessen Ausführungen die bereits vorhandene Wählkamps- sttmmung noch günstiger gestalteten. Genosse Danzmann forderte die Anwesenden noch zum Schlüsse auf, sich am Wahltage voll und ganz zur Verfügung zu stellen. Franzöfisch-Buchholz. Am Montag referierte Genosse Stadt- h a() e n in überfüllter Versammlung im Kähneschen Saal. Der Beginn der Versammlung mußte leider hinausgeschoben worden, da der Referent nicht den Bahnanschluß erreichte. Der Vorsitzende füllte durch Mitteilungen über die Agitation und Wahlhandlung die Pause aus. In eindringlicher Rede setzte Genosse Stadthagcn unsere Stellungnahme zu der durch die Reichstags- auflösung geschaffenen politischen Lage in Deutschland auseinander und erläuterte kurz die hauptsächlichsten Programniforderungen. Die Zeit ivar kurz bemessen, da um 10 Uhr Polizeistunde ist. Lebhafter Beifall wurde dem Vortragenden bekundet und nach einem kurzen anfeuernden Schlußwort des Vorsitzenden gingen die Versammelten mit Hochrufen auf die Partei und den Genossen Stadthagen aus- ewander. Die am Sonntag vom Wahlverem für WaidmannSlust und Um- gcgcnd nach Stolpe bei Bergemann einberufene Volksversammlung ivar gut besucht. Der Referent Genosse Deutz er entledigte sich seines Auftrages in 1>/„stiiiidiger, oftmals von lebhaftem Beifall unterbrocheneu Rede. Unbarmherzig ging er mit den Gegnern und deren Flugblätter» ins Gericht. An der Debatte beteiligten sich in längeren Ausführungen die Genossen Neumann, Oimde und Kotterba. Die beiden Gegner, welche zur allgemeinen Freude er- lchienen, waren inzwischen verduftet. Die Resolution wurde ein- stunmig angenommen. 5— COO zählte die Besucherzahl einer am Dienstag in Friedrichs- hagcn� stattgehabten Wählerversammlung. Der Lerchesche Saal war vollständig gefüllt. Das Referat hielt Genosse Mermuth, dessen Ausführungen lebhaften Beifall fanden. Am gleiche» Abend hatten auch die bürgerlichen Parteien eine Versammlung nach dem Eiskeller einberufen, in der der Kandidat Ziethen als Referent angekündigt inar. Die paar„nationalen" Seelen blieben aber hübsch unter sich. Der Wahlkampf in der Provinz Brande, tbnrg. Im Wahlkreise Potsdam- Osthavelland wurde der letzte Sonntag vor der Wahlschlacht zu reger Agitationsarbeit be- nutzt. Zahlreiche Wählerversammlungen fanden statt, zum Teil unter freiem Himmel, so in Schönwalde, Fahrland, Pausin, Staffelde und Knoblauch. In Beetz war es unseren Genossen zum ersten Male gelungen, ein Lokal zu bekommen. Hier referierte Genosse Fülle- Berlin vor zirka 30(1 Personen. Eine angeregte Diskussion folgte, an der sich u. a. der Ortsvorstcher Vogler und der Ortspfarrer Conrad beteiligten. Letzterer Herr hatte in einer freisinnigen Wählerversammlung acht Tage vorher recht ausfällige Bemerkungen über die Sozialdemokratie gemacht. Diesmal war der Herr viel zurückhaltender. Er erklärte von vornherein, daß er sich in vielem mit der Kritik des sozialdemokratischen Redners einverstanden erklären müsse und attestierte dies in einem fach- lichen und maßvollen Vortrag. Trotzdem kam er zu dem Schluh, daß man als Christ und Staatsbürger konservativ wählen müsse. In seinem Schlußwort ging der Referent aus alle Einwände der Gegner ein und beleuchtete namentlich die Behauptung des Pastors Conrad,„daß die indirekte Besteuerung von der Bevölkerung nichts so gemerkt werde". Mit einem dreifachen, begeistert auf-' genommenen Hoch auf die Sozialdemokratie wurde die Versamm- lung, die einen vorzüglichen Eindruck hinterlassen hat, geschlossen. In Kremmen sprach abends 7 Uhr ebenfalls Genosse Fülle- Berlin im vollbesetzten Saale bei Papproth. Auch hier hatten sich Gegner aller Parteischattierungen eingefunden. Es meldete sich aber trotz wiederholter dringender Aufforderung nie- mand zun» Wort.„Die haben die Kurage verloren!" meinte ein alter Äremmener Bürger;„diesmal wählen wir alle rot!" In Schönwalde fand eine Versammlung unter freiem Himmel statt, in der Genosse Rich. Schmidt- Velten referierte. Tie Versammlung war trotz starkem Schneegestöber von 60—70 Personen besucht. Die Ausführungen des Referenten fanden lebhaften Beifall. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Aus dem Wahlkreis Kalau-Luckau wird uns geschrieben: Eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel a u f g e l ö st und wieder eröffnet, das dürfte wohl zu den Seltenheiten gehören. Die Genossen des Dorfes Rictzneuendorf bei Golßen mußten zum Sonntag eine Versammlung unter freiem Himmel abhalten, da ihnen kein Versammlungslokal zur Verfügung stand. Die Versammlung war von zirka 125 Personen besucht. Ein fehlender Zaun wurde sogleich in Gestalt einiger mit Schnur ver- bundencr Pfähle hergestellt. Der Gendarm meinte, die Schnur gefalle ihm nicht; doch auf Zureden des Vorsitzenden machte er loeiter keine Einwendungen. Als der Vorsitzende aber die Ver- sammlung 7 Minuten nach der in der Anmeldung angegebenen Zeit eröffnete und dem Genossen Stadtverordneten Gottfried Schulz- Berlin das Wort erteilte, löste der Gendarm die Ver- sammlung auf mit der Begründung:„Es sind 7 Minuten über die Zeit verstrichen!" Daß der Herr Wachtmeister energisch auf das Vereinsgesetz aufmerksam gemacht wurde, versteht sich am Rande. Auf die schließliche Mahnung des Vorsitzenden:„Wir wollen doch die Versammlung fortführen!" erklärte der Herr:„Na, machen Sie man weiter." Unter großer Heiterkeit eröffnete der Vorsitzende noch einmal die Versammlung und erteilte dem Ge- nassen Gottfried Schulz das Wort zu seinem Vortrage, der lauten Beifall fand.— In der Diskussion sprachen die Genossen Marcus und M o e b u s ebenfalls unter großem Beifall. Als der Genosse Marcus den Artikel über den frechen preußischen Junker und Rcserveleutnant verlas, der die Landarbeiter mit Schweinen und Zigeunern verglich, erscholl ein vielstimmiges Pfui! Mit einem dreifachen Hoch auf die internationale Sozialdemokratie schloß der Vorsitzende die imposante Versammlung. Im Wahlkreis Ost- und West- Sternberg kam am Sonntag in einer konservativen Versammlung zu Reppen ein Sozialdemokrat sehr wider den Willen der Einberufer zum Wort. Die Versammlung in der Stadtbrauerei war wohl von 1000 Per- soncn besucht, Saal und Nebenräume waren überfüllt. Der kon- servative Kandidat v. Kapphengst-Kohlow entwickelte sein Pro- gramm. Er versicherte u. a.: Er stehe fest auf der Ver- sassung, das Reichstags-Wahlrecht wolle er schützen— nur seine Auswüchse(ein vieldeutiges Wort!) bekämpfen. In der Diskussion sprach dann ein Herr aus Reppen 25 Minuten unter dem Gelächter der Versammlung viel krauses Zeug zusammen. Als Vertreter der Sozialdemokratie forderte nun der Genosse Karl Wiesenthal das Wort. Der Vorsitzende verweigerte es ihm mit der Begründung, nur die Kandidaten aller Parteien und die Wähler des Kreiles bekämen das Wort. Unser Genosse hatte seinen Platz auf der Bühne dicht hinter dem Referenten. Nach der Wortverweigerung sagte er diesem:„Soeben versicherten Sie, daß Sie auf dem Boden der Verfassung stünden. Danach gibt es auch Versammlungs- und Redefreiheit. Bekomme ich nicht sofort das Wort, so rufe ich in die Versammlung hinein, daß Sie wissentlich die Unwahrheit gesagt habe n." So gelang es mit Unterstützung unserer Genossen in der Versamm- lung, die stürmisch forderten, daß unserem Vertreter das Wort er- teilt werde, daß der Referent selbst vom Vorsitzenden forderte, das Wort zu erteilen. In 25 Minuten, die er als Redezeit hatte, zerpflückte nun unter lautloser Stille der Versammlung unser Genosse das Referat des konservativen Herrn. Brausender Beifall folgte seiner Auf- forderung, am 25. Januar den Genossen Freiwaldt zu wählen. Erst der wiederholten Aufforderung aus der Versammlung leistete Herr von Kapphengst Folge und suchte sich zu verteidigen. Doch wie kläglich! Da er die sachlichen Äussührungen des Ge- Nossen Wiesenihal sich nicht zu erschüttern getraute, mußte schließ- lich das alte Märchen der schlechten Bezahlung der Mäntelnähe- rinnen durch den Genossen Paul Singer die Verlegenheit des Refc- reuten verdecken. Der Vorsitzende rief bei dieser Stelle dazwischen: „Der Kompagnon des Juden Singer!" In einer persönlichen Be-. merkung wies Genosse Wiesenthal die Verdächtigung gegen den Ge- nossen Singer gebührend zurück. Die Versammlung dürfte unserer Partei nicht unerheblich genutzt haben. Auch im Wahlkreise Züllichau- Krossen kam in der vorigen Woche ein Genosse in einer gegnerischen Versammlung zum Wort. In Dobersaul fand eine Versammlung der ver- einigten Liberalen statt, in der Graf Bothmer-München referierte. In der Diskussion sprach zunächst der Pastor Standan-Beutnitz für den konservativen Kandidaten Schlüter. Nach ihm erhielt Genosse Aug. P ä ch- Landsbcrg das Wort, der dem Arbeiterfang des Herrn Pastors so trefflich zu Leibe ging, daß dieser konservative Politiker des öfteren die Farbe wechselte. Als unser Genosse geendet hatte, wünschte der Gutsbesitzer und Amtsrat zu Lochwitz das Wort. Es wurde ihm aber wegen dernahenPolizeistunde verweigert. Es geschah ihm sehr recht. So konnte der Herr einmal den Segen der Polizeistunde am eigenen Leibe spüren. Er war natürlich höchst entrüstet. Die Stimmung der Genossen im Kreise ist die beste. Im Junkerparadies, dem Kreise Königsberg(NeuRark) tobt zur Zeit ein Kampf, der an Schärfe nichts zu wünschen übrig läßt. Vier Kandidaten ringen um den Preis, denn zu dem konser- vativen, liberalen und sozialdemokratischen hat sich noch ein anti- semitischer Kandidat gesellt und ztvar der Redakteur der„Staats- bürgerzeitung" Kammerer, der die Schönheit seiner Person den Wählern im Bild auf Flugblättern vor Augen führt. Unsere Genossen haben es durch jahrelange unausgesetzte Tätig- keit erreicht, daß der Zentralwahlvere-in in zwölf Orten festen Fuß gefaßt und die Zahl der Organisierten sich vervierfacht hat. So war es möglich, den Vertrieb der Flugschriften, Kalender usw. mit eigenen Kräften zu bewerkstelligen, was noch bei der letzten Wahl durch Hülfskräfte aus Berlin erfolgen mußte. Der Kampf wurde, wie sich ganz von selbst versteht, von uns durch eine Versammlung im„Gewerkschaftshause" zu Güstcbiese eröffnet, wo es allerdings nichts zu trinken giebt und eine Ver- sammlung in Küftrin. Beide Versammlungen waren glänzend be- sucht. Weit übertroffen wurden diese Versammlungen durch die am 13. und 20. Januar in Küstrin abgehaltenen, die beide polizeilich abgesperrt wurden, weil der Andrang geradezu lebensgefährlich war. Der Saal ist auf 1000 Personen polizeilich abgeschätzt, dreizehn bis vierzehnhundert Personen aus allen Parteien waren sicher an- wesend; solche Versammlungen hat Küstrin noch nie gesehen. Aber auch die Versammlungen der Liberalen sind sehr gut besucht, aller- dings mit einem starken Einschlag unserer Genossen; zum Teil, wie in Neudamm bildeten wir die Majorität, obwohl die doppelte Zahl wegen Ueberfüllung draußen bleiben mußte. In allen liberalen Versammlungen erhielt unser Kandidat, Stadtverordneter Borg- mann- Berlin annähernd dreiviertelstündige Redezeit. Gelang es uns einmal, einen Saal zu mieten, so wurde er uns trotz Miets- vertrag und gezahlter Miete wieder abgetrieben, so in Alt-Rüdnitz und Alt-Küstrinchen. Im ersteren Orte gab der Amtsvorsteher, der Sohn des ehemaligen liberalen Reichstagsabgeordneten Lüben, die Bescheinigung für die am Tage vorher erfolgte Anmeldung nicht heraus, und der Gendarm löste die Versammlung auf, weil keine Anmeldungsbescheinigung vorgelegt werden konnte. Die Konser- vativen halten ihre Versammlungen nur für königstrcue Wähler ab, der Besuch ist daher auch nur schwach. Diskussionen finden nicht statt, es dürfen nur Fragen gestellt werden, aber keine oppo- sitioncllen, sonst fliegt der Fragesteller raus. Die Herren verlassen sich auf ihre bewährten Praktiken i>er auch heute noch mit Erfolg betriebenen Wahlbeeinflussungen. Gibt es doch eine ganze Anzahl Gutsbezirke, wo hundert Prozent der ein- geschriebenen Wähler konservativ gewählt haben. In einzelnen Orten sind den Gutsarbertern bei der letzten Wahl vom Gutsbesitzer, der zugleich Amts- und Wahlvorsteher war, die Stimmzettel im Wahllokal verabreicht, oder gar ohne Kuvert abgenommen und in die Urne gelegt worden. Andere haben wieder ganz munter auf dem Kuvert in die Ecke den Namen des Wählers geschrieben, um eine„hübsche" leichte Kontrolle zu haben. Nun, für diesmal ist Vorsorge getroffen, den Herren ordentlich auf die Finger zu sehen. Trotz dieser Praktiken hatten die bürgerlichen Parteien bei der Wahl 1903 nur 28 Stimmen Zunahme, die Sozialdemokraten aber 1694 Stimmen. Der seitherige Verlauf läßt der Hoffnung Raum, daß wir abermals einen solchen Sprung machen werden, dessen Wirkung die Zertrümmerung der konservatwen Herrschaft sein wird Jedenfalls können sich die ausstellen, daß es an hingebender im Kreise das Zeugnis lrbeit nicht gefehlt hat. LiericMs- Leitung. Graf Pückler, der Held der OrdnungSpartcicn, vor Gericht. Wegen Anreizimg zu Gewalttätigkeiten hatte sich gestern der Graf Walter v. Pückler- Kl.-Tschu»e wiederum vor der 3. Strakammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Langner zu veramworten. Es handelte sich um eine am 5. November in Kellers Festsälen stattgefundene Versammlung, in welcher der An- geklagte einen Vortrag über den„AnttsemitismuS und seine Feinde" hielt. Zu den inneren Feinden rechnete er Leute wie den Grafen Reventlow, wobei er die Bemerkung machte:„Jetzt ist der Hund ein- fach verreckt I". ferner die kleinen antisemitt scheu Blätter, die „von den Juden bestochen seien". Zu den äußeren Feinden gehören nach seiner Meinung die preußischen Behörden.„Wer mit diesem Korps der Rache zu tun habe, sei verloren. Hol' sie der Teufel l" Er habe bei dem Kaiser Audienzen nachgesucht, aber gar keine Antwort darauf erhalten, während Juden wie Ballin und Mendelssohn empfangen werden. Im weiteren Verlaufe seiner Rede hat der Angeklagte nach den Aufzeichnungen des überwachenden Polizeileutnants v. Herrfurth sich dahin geäußert: Die Offiziere hätten sich bisher von den Juden frei gebalten,„sie könnten unS aber unterstützen und eine frische und fidele Bierreise mit uns mitmachen." Er hat dann ferner davon gesprochen, daß man die Juden„anpumpen" müsse. Diese Bemerkung soll unter Hinweis auf einen kurz vorher bei Salinger u. Leppmann aus- geführten Sinbruchsdiebstahl gemacht sein.„Zu den Juden muffen Sie hingehen und sie anpumpen; da kann die Polizei nichts machen. Vor einigen Tagen haben auch einige forsche Kerle bei Salinger u. Leppmann 40 000 M. gepumpt, die sie bisher nicht zurückgebracht haben. Wenn Sie sich etwas vornehmen und zum kleinen Cohn gehen, dann müssen Sie nicht allein hingehen." Schließlich betonte er die Notwendigkeit,„die Lokale von dem Ungeziefer, den Ratten und Mäusen zu säubern" und forderte auf«zum frischen, fröhlichen Kampfe".— Der Angeklagte bestritt, die Absicht gehabt zu haben, zu Gewalttätigkeiten aufzufordern. Das seien Versammlungs- scherze, ohne die ein Führer des Volkes in großen Versammlungen nicht auskommen könne. Die Harmlosigkeit seiner Aeußerungen ergebe sich aus der Tatsache, daß die Ver- sammlung nicht aufgelöst wurde. Im übrigen bitte er um Ver« togung, weil er dem Polizeileutnant Ohrenzeugen aus jener Versammlung gegenüberstellen wolle.— Zu dem heutigen Termin war von der' Staatsanwalischast auch Medizinalrat Dr. H o f f- mann als Sachverständiger geladen. Ueber den Grund dieser Ladung befragt, äußerte sich StaatSauwaltschafts- rat Dr. Artelt dahin: Wenn man die Familie des An- geklagten, seinen Bitdungsgrad und die Tatsache in Betracht zieht, daß er des Königs Rock gettageu und die Rechts- Wissenschaft studiert hat, wenn man ferner die Tätigkeit berücksiwtigt, die der Graf seit vielen Jahren ausübt und wenn man endlich er- wägt, daß er trotz der Erfahrungen, � die er in kriminalistischer Be- ziehung an sich selbst hat machen müssen, sich nicht veranlaßt gesehen hat, seine Tätigkeil anders zu gestalten, so liegt der Gedanke nahe, daß bei dem Grafen ein geistiger Defekt vorhanden ist, daß er sich nicht im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte befinde. Bei dieser Sachlage hält es die Staatsanivaltschast für notwendig, den Grafen auf seinen Gesundheitszustand untersuchen zu lassen.— Der Angeklagte widersprach diesem Antrage, den er für einen kolossalen Schimpf ansehe, welchen ihm die Staatsanwaltschaft antue. Er wisse gar nicht, wie die Staatsanwallschaft zu einem solchen Au- trage konime. Die Judensrage könne � man nicht mit Glacöhand- schuhen anfassen, dazu gehöre eine eiserne Faust. Das weise doch nicht auf Verrücktheit hin.— Das Gericht beschloß Vertagung. Der Antrag des Staatsanwalts auf Beobachtung des An- geklagten wurde abgelehnt, da die vorgebrachten Tatsachen einen Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten zu begründen nicht geeignet seien. Der Gerichtsbeschluß erscheint unter Berücksichtigung des geistigen und moralischen Tiefstandes der Kreise zutreffend, in deren sozialen und politischen Anschauungen der Graf aufgewachsen ist. Verfahren wegen Meineids gegen Fürstin Wredes Diener eingestellt. Gegen den ehemaligen Diener des Fürsten Wrede, Willi Glase, war bekanntlich von der Staatsanwaltschaft in Güstrow auch ein Verfahren wegen M e i n e i d S eingeleitet worden. Er wurde beschuldig?, am 80. April 1908 zu Basedow bei seiner Ben- nehmung unter seinem Eide wahrheitswidrig bekundet zu haben, daß er in dem an den Fürsten Wrede nach Madrid gerichteten Brief ausdrücklich gesagt habe, die 50 000 M. Schweigegelder, die er verlangte, seien„für die Armen" bestimmt. Jetzt ist durch Be- schluß der Güstrower Strafkammer dieses Verfahren eingestellt: worden. Die Strafkammer sah keinen genügenden Anholt für die Annahme, daß der Angeklagte die unrichtige Angabe über den In- halt des Briefes wider befferes Wissen oder auch nur fahrlässiger Weise falsch gemacht habe. Der Angeklagte habe bei seiner Ver. nehmung des sicheren Glaubens sein können, daß der zur Ab- sendung gelangte Brief den von ihm angegebenen Inhalt gehabt habe.— Glase verbüßt zur Zeit die ihm in der Erpressungs- angelegcnheit auferlegte Strafe im Strafgefängnis Plötzensee.— Fürstin Wrede ist— noch nicht angeklagt. Ein„Skandal"— 5 Monate Gefängnis. Wegen Beleidigung des sächsischen JustiMinisters Dr. Otto ist am 4. August v. I. vom Landgericht Dresden der Schrift- steller Erich Herz zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er hat als Redakteur der„Dresdener Rundschau" einen Artikel veröffentlicht und mit einem Schlußabsatz versehen, in welchem be- hauptet wurde, in Sachsen würden die älteren Richter gegen die jüngeren zurückgesetzt. In dem Schlußabsatze nannte der Ange- klagte das angebliche Verfahren des Ministers einen Skandal.— Die Revision des Angeklagten wurde am Dienstag vorn Reichsgericht vertvorfen Anerkennung berechtigter Interessen des die Eisenbahn benutzenden Publikums. Vom Landgericht Hamburg ist am 27. September v. I. der Eisendreher und Redakteur des„Weckruf" der Eisenbahner, K. I. F. Weiß, von der Anklage, den inzwischen verstorbenen Minister v. Budde beleidigt zu haben, freigesprochen worden. Er hatte im Anschluß an einen Bericht über die Gerichtsverhandlung gegen die Beamten, welche da.� Eisenbahnunglück bei Spremberg verursacht haben, eine Anzahl Zeituugsstimmen zu- sammengestellt und abgedruckt. Durch eine Stelle darin über das„fluchwürdige Sparshstem" sollte der Minister beleidigt sein. Das Urteil nimmt an, daß das genannte Un- glück lediglich durch die Fahrlässigkeit zweier Beamten verursacht worden ist und daß der zweigleisige Betrieb der fraglichen Strecke auch keinen absoluten Schutz gegen Unfälle geboten haben würde. Dennoch hat das Gericht dem Angeil�...eu den Schutz des Z 193 zugebilligt, da es sein Recht sei, die Rede des Ministers im Abgeordnetenhause, d. h. eine amtliche Leistung, zu krittsieren, und er als Einwohner, der genötigt sei, die preußischen Bahnen zu be- nutzen, das Recht Hobe, den vermeintlichen Uebelstand zu rügen. Auch in dem Ausdrucke, daß die ersparten Gelder dem Militärmoloch in den Rachen geworfen würden, hat das Gericht keine Beleidigung durch die Form erblickt.— Die Revision des Staatsanwalts gegen dieses Urteil wurde am Montag vom Reichsgericht verworfen. Vermifcktes. Ein Unfall des Orient-Expreßzuges. Dem ausfahrenden Orient- Expreßzuz 12 fuhr gestern abend in der Station Augsburg die für den Personenzug 722 besttmmte Lokomotive in die Flanke, wobei diese Lokomotive sowie die des Orient-Expreßzuges entgleisten und nebst drei Wagen unerheblich beschädigt wurden Von den Insasse» des Orient-Expreßzuges wurden der Koch des Speisewagens und sein Gehülfe, beide von Paris, durch herabstürzendes Kochgeschirr leicht verletzt; sonst kam niemand zu Schaden. Der Erpreßzug setzte mit den unbeschädigt gebliebenen und zwei neu eingestellten Wagen die Fahrt mit 88 Minuten Verspätung fort. Ein Selbstmord. In Nürnberg haben sich gestern Nacht zwei Schwestern, die als Prrvatteren in der Pirkheimerstraße wohnten und seit längerer Zeit ncrvenleidend gewesen sein sollen, von ihrer im 3. Stock belegenen Wohnung in den Sofraum hinabgestürzt wo sie zerschmettert liegen blieben. Ein großer Brand. Wie der„Vogtl. Anz." aus Mylau meldet, ist gestern früh GVi Uhr die große mechanische Kammgarnweberei von Gebrüder Chevalier bis auf die Umfassungsmauern nieder- gebrannt. Zwei Mädchen sind bei dem Brande ums Leben gekommen. Die EntstehungSurfache des Feuers ist noch nicht bekannt. Ueber 200 Arbeiter sind brotlos. Die Kälte. In ganz England herrscht, wie aus London be- richtet wird, furchtbare Kälte. Auf einem Bestellgange fand ein Landbviofträger in Schottland vier Erfrorene. Petersburg, 22. Januar. Telegramme aus verschiedenen Gegenden des Reiches melden andauernde große Kälte bis zu 35 Grad Reaumur. Wegen Schneeverwehungen können auf den Südostbahnen Züge nicht verkehren. Der Hafen von Odessa ist zugefroren, sodaß die dort liegenden Dampfer einem Dampfer, der in der Nähe von Odessa Schiffbruch gelitten hatte, nicht Hülfe bringen konnten Zahlreiche Todesfälle durch Erfrieren werden ge» meldet. Die Schulen sind in verschiedenen Städten geschlossen worden. Ein neues Erdbeben. Der Seismograph in Grcnoble hat gestern morgen um 9 Uhr 20 Minuten zwei Evdbebenstöße angezeigt. In Konstantinopel wurde gestern früh um 4% Uhr ein ziemlich starkes Erdbeben verspürt. Ein Großfeuer. In Rostow am Don hat auf dem großen Gute der Aktiengesellschaft Siegel Großfeuer sämtliche Gebäude, darunter auch die Fabrik zerstört. Der Schaden wird auf über eine Million Rubel angegeben. 1500 Menschen ums Leben gekommen. Ueber die Flutwelle in Niedcrländisch-Jndien wird noch aus Haag berichtet, daß die Hauptinsel Simenluatjoet fast gänzlich vom Erdboden verschwunden ist. Man glaubt, daß noch mehr als 1509 Menschen ums Leben gekommen sind. Der Sachschaden ist fast un- ermeßlich; das ganze Küstengebiet der Insel Sumatra ist über- schwemmt. Gleichzeitig mit der Flutwelle wurden mehrere Erd- stöße beobachtet. Die Hülfsfonds für San Francisco sollten bekanntlich durch Veruntreuungen arg geschädigt worden sein. � Sogar der Bürgermeister Schmitz wurde beschuldigt, daß er seine Hände nicht rein gehalten habe und damit wollte man zugleich einen Schatten auf die Gewerkschaftsbewegung werfen, durch die Schmitz als„Arbeiter- mayor" in die Höhe kam. Jetzt ist von der Gesellschaft, welche die Fonds verwaltete, an den Kriegssckretär in Washington, dem die Angelegenheit unterstand, die Mitteilung gelangt, daß alle Gerüchte von Unterschlagungen grundlos seien. Jeder Geber hat eine numerierte Quittung erhalten, von drei Beamten unterzeichnet, die Bücher sind in Ordnung und das einzig fehlende Paket mit Geld- scheinen ist später aufgefunden worden. Die Gesellschaft bittet, diese Mitteilung bekannt werden zu lassen, denn genaue Unter- suchungen haben nichts ergeben, was die Gerüchte rechtfertigen konnte._ Wailerttaud am 23. Januar. Elb« bei ülulstg— Meter, Bei Dresden— 2 dp., bei Magdeburg+ 3,40 Meter, Eisgang.— U u st r U l bei Strautzsurt— Meter.— Oder bei Natibor—. Meter. Neiße» Mündung Meier.— O d e r bei Brieg— Meter.— Oder bei Siesliin Untervegel+ 1.30 Meter._ Nevmtwortlicher Redakteuri Hans Weber, Berlin. Für des Lnseratenteil ver-ntw.: Th. GI»cke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt»»uchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer& Co.. Berk« SW„ 9t. 20. n.mm. 3, Aeüllljt iles„Poimfltfö" pfllillfl Polllölllölf. hmuHZUmmmi Partei- Angelegenheiten. Zweiter Wahlkreis. Heute abend 7 Uhr. findet eine Flilgblattverbreitung von den bekannten Stellen aus statt. Alle Mann müssen zur Stelle sein, damit die Arbeit schnell erledigt wird. Diejenigen Parteigenossen, welche sich am Tage der Wahl zur Verfügung stellen, und ihrem Bezirksführer noch nicht bestimmt versprochen haben, in ihrem Bezirke zu helfen, werden ersucht, sich an das Wahlbureau H. Werner, Mitten- walderstr. 30, zu melden, oder am 25. Januar, früh '/z9 Uhr, in den Bezirkswahlbureaus, von wo aus alle über- flüssigen Kräfte durch die Zentrale verteilt werden, zu er- scheinen._ Achtung! Fünfter Wahlkreis! Donnerstag, den 24. Januar, 7 Uhr abends: Flug- blattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Die Genossen des Kreises sowie die Helfer aus dem vierten Kreise Ost treten dort an, wo sie schon früher tätig waren. Alle Mann zur Stelle, damit die Arbeit rasch erledigt wird._ Da« Zentralwahlbureau deS Kreises Teltow-Bceskow-Storkow- Charlottenburg befindet sich in Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Die Wahlkomitees der einzelnen Orte des Kreises werden ersucht, die Resultate auf dem schnellsten Wege nach dorthin zu über- Mitteln. Bei Telegrammen benutze man folgende Adresse: Dringend. Eberhardt, Charlottenburg, V o l l s h a u s. Auf jeden Fall sind aber die ausgegebenen Zählkarten ausgefüllt einzusenden. Diejenigen Orte des Kreises, welche Versamutluitgen am Abend deS Wahltages zwecks Bekanntgabe der Wahlresultate veranstalten, wollen sich zur Empfangnahme der Resultate an einem der nächst- gelegenen Wahlbureaus: Charlottenburg, Bolkshaus, Rosinen- strafee 8, Schöneberg, Obst, Meiningerstr. 8, oder R i x d o r f, Hoppe, Hermanustr. 49, wenden. Das Zentral-Wahlkomitce. Rixdorf. Die ZeitungSspedition, Ncckarstr. 2, ist am Tage der Wahl von vormittags 19 Uhr ab geschlossen. Ebenso werden Bücher aus der Bibliothek des Wahlvereins an diesem Tage nicht ausgegeben. In Rücksicht darauf, daß ein großer Teil der Wahllokale räum- lich sehr beengt ist, ersuchen wir die Genossen, sich nach Abgabe ihrer Stimme aus dem Wahlraum zu entfernen, um den von uns be- stellten Listenführern usw. die Arbeit nicht unnötig zu erschweren. Es ist zu erwarten, daß sich die Wahlhandlung vorwiegend in den Mittags- und Abendstunden unter großem Andrang vollziehen wird. Ein unnötiger Aufenthalt im Wahlraum und überflüssige Frage- stellungen an die Listenführer würde nur störend wirken. Ferner bitten wir, den Anordnungen der durch Legitimationskarten kennt- lichen Genossen unbedingt Folge leisten zu wollen. Das sozialdemokratische Wahlkomitee für Nixdorf. Charlottenbnrg. Am heutigen Donnerstag finden fünf Volks- Versammlungen statt(siehe.Vorwärts"-Annonce). Ferner ersuchen wir alle diejenigen Gewerkschaftler, welche am 2b. Januar arbeitslos sind, sich um 9 Uhr vormittags im„Volkshause". Rosinenstr. 3, im kleinen Saal, einzufinden. Mitgliedsbuch der Gewerkschaft ist der Kontrolle halber vorzuzeigen. Die Mitglieder des Wahl- Vereins erhalten ihre Anweisung vom Bezirksführer. Soweit dieses nicht geschehen ist, haben sich auch diese Genosien im Volkshause um 9 Uhr einzufinden. Der Vorstand. Schöncberg. Wählerl Parteigenossen! Heute am Vorabend der Wahlschlacht ist es notwendig, noch einmal die Waffen zu schärfen. Um jedem Gelegenheit zu geben, sich daran zu beteiligen, finden vier Volksversammlungen statt. Der sogenannte Libera- lismus ist zu diesen Versammlungen eingeladen und können dessen Vertreter ihre Ansichten den Arbeitern unterbreiten. Wir wollen den Herren durch zahlreichen Besuch beweisen, daß ein Leichnam, genannt Freisinn, nicht in der Lage ist, die Sozialdemokratie tot- zuschlagen. Versäume niemand am Freitag rechtzeitig zur Wahl zu gehen. Das Wahlkomitce. Maricndorf, Marienfelde und Umgegend. Freitag, den 25. d. Mts., abends 8� Uhr, findet in Mariendorf bei Borgfeldt, Feldstr. 44, und in Marienfelde bei Berger, Dorfstr. 39, je eine Versammlung statt. Tagesordnung in beiden Versammlungen: Verkündigung der Wahlresultate. Die Genossen werden ersucht, recht rege für den Besuch der Versammlungen zu agitieren. Steglitz. Alle Parteigenossen, welche am 25. d. Mts. helfen wollen, melden sich im Zentralbureau, Restaurant Wahrendorf, Schloßstr. 117, Telephon Nr. 224, von früh 7 Uhr an geöffnet. Abends 8 Uhr: Mitgliederversammlung bei Schellhase, Vcr- kündigung der Wahlresultate. Helfe, wem es irgend möglich ist. Treptow-Vaumschulenweg. Heute, Donnerstag, finden zwei große Volksversammlungen statt: Für Baumschutenweg in Speers Festsälcn, Referent Genosse Julius Kohn, und für Treptow in Bcylers Lokal, Köpenickcr Landstraße 29, Referent Genosse Pagels. Parteigenossen! Sorgt für einen guten Besuch. Unsere Wahlkontroll-Lokale befinden sich in Treptow im Restaurant W ernecke(Radrennbahn), Elsen- straße, Ecke Treptower Chaussee, Telephon: Amt 4 Nr. 9797; für Baumsckulenweg im Restaurant Joseph Schäfer. Baumschulenstr. 14/15, Telephon: Amt Ober-Schöneweide Nr. 52. Parteigenossen, die sich am Wahltage der Partei zur Verfügung stellen, wollen sich nur in diesen Kontrolllokalen melden. DaS Wahlkomitee. Stralau. I. Bezirk. Alt-Stralau 3— 67, Tunnelstraße, Friedrich Jungestraße, Seeweg, Parallclweg, Liebesinsel, Abtei, Bullenkrug. Wahllokal: Alte Taverne, Alt-Stralau Nr. 26—27.— 2. Bezirk. Alt-Stralau 1—2 und 68—71 sowie Markgrafcndamm. Wahllokal:„Zum gemütlichen F r i tz",'Rittwach, Alt-Stralau Nr. 5. Lichtenberg. Heute, den 24. Januar, abends 814 Uhr, findet im„Schwarzen Adler", Gebr. Arnhold, Frankfurter Chaussee 5, eine öffentliche Wählerversammlung statt. Tagesordnung:„Ein letztes Wort an die Reichstagswähler". Referent: Reickstags- kandidat Artur Stadthagen. Wir erwarten zahlreichen Besuch. Das Wahlkomitee. Johannisthal. Heute, Donnerstagabend 8 Uhr, findet im Lokal von Krüger, Friedrickstr. 19, eine öffentliche Wähler- Versammlung statt. Genosse Kurt Eisner wird über die be- vorstehende Rcichstagswahl referieren. Pflicht der Parteigenossen ist es. für diese Versammlung zu agitieren.— Die Genossen, die gm Freitag mit auf die Tour gehen, müssen bestimmt erscheinen. KarlShorst. Den Genossen hierdurch zur Mitteilung, daß das Wahlkomitee am Wahltage sein Bureau im Gasthaus zur Rennbahn(Treskow-Allee. neben dem Fürstenhaus) aufschlägt. Die Genossen werden ausgesordert, sich zur Mitwirkung bei den I Wahlarbeiten zur Verfügung zu stellen. Diejenigen, welche bereits am Vormittag mitwirken können, wollen sich um 9 Uhr im vorbezeichneten Wahlbureau einfinden. Die Genossen, die sich für die Wahlarbcit in Biesdorf bereit halten wollen, mögen sich Freitag früh 3 Uhr am Bahnhof einfinden. Mahlsdorf-Süd(Königstal). Das Wahllokal befindet sich Mahlsdorf, Bahnhofstr. 83 bei Brandt. Friedrichsfelde. Heute, Donnerstagabend 814 Uhr, im Lokal von Bube. Prinzen-Allee 39: Oeffentliche Reichstagswähler-Ver- sammlung. Referent: Genosse Stühmer. Das letzte Wort an die Wähler. Reinickendorf-Ost. Das Zentral-Wahlbureau befindet sich bei Brückner, Provinzstr. 82. Alle Genossen, die sich am Tage der Wahl zur Verfügung stellen und noch nicht eingestellt sind, melden sich von früh 8 Uhr ab; ebenso die Radfahrer. Das Wahlkomitee. Nieder-Schönhausen. Wahllokale: 1. Bezirk, Lokal „Schloß S ch ö n h a u s e n", Lindenstr. 11(umfaßt die Germanen- straße, Teutonenstraße, Keplerstraße, Sachsenstraße. Rosenthaler Grenzwcg, Treskowstraße, Blücherstraße, Wrangelstraße, Ziethen- straße, Bismarckplntz, Lindenstraße, Kaiserin Augustastraße, Friedrich Wilhelmstraße. Viktoriastraße, Podbielskistratze, Kaiserweg, Hohen- zollernplatz).— 2. Bezirk, Lokal L i e d e m i t, Kaiser Wilhelm- straße 83(umfaßt die Kaiser Wilhelmstraße, Waldstraße, Uhland- straße, Eichenstraßc, Platanenftraße).— 3. Bezirk, Lokal„Neu- K a r l s h o f", Charlottcnstr. 8(umfaßt die Blankenburgerstraße, Siegfriedstraße, Rolandstraße, Buchholzerst�aße, Jdastraße, Her- mannstraße, Charlottcnstraße, Waldemarstraße, Waldowstraße, Marthastratze, Beuthstraße. Straße 8, Schillerstraße, Körnerstraße, Fritz Reuterstraße, Schlotz-Allee). Bezirk Nieder-Schönhausen. Wahllokale: Mühlen- beck(im Amtsgebäude), Summt(im Schulhause), Zühls- dorf(im Schulhause), Wensickendorf(im Schulhause), Schildow(im Wulfschen Gasthof), Blankenfelde(im Staabschen Gasthof). Bezirk Waidmannslust. Das Bezirks-Wahlbureau befindet sich am Tage der Wahl in Hcrmsdorf im Lokal„Zum Forsthaus", Auguste Viktoriastraße, Telcphonamt Tegel Nr. 199. Alle Genossen, die von früh an sich der Partei zur Verfügung stellen wollen, werden ersucht, sich spätestens früh 7 Uhr im„Forsthaus" einzufinden, von wo aus die Verteilung an die einzelnen Wahllokale erfolgt. Eben- falls haben sich die Radfahrer dort zu stellen. Diejenigen Genossen, die bis Mittag arbeiten, werden ersucht, nach Abgabe ihrer Stimnie sich dem Wahlbureau in Hermsdorf zur Verfügung zu stellen, da- mit die Ablösung der Genossen von ihren Posten vorgenommen werden kann. In Anbetracht der Wichtigkeit der jetzigen Reichstags- wähl ist es Pflicht aller Parteigenossen, sich der Arbeit am Wahltage zu widmen, denn nur dadurch können wir zum Siege gelangen. Das Wahlkomitee. Mittenwalde. Donnerstagabend 714 Uhr: Volksversammlung. Referent: Emil Lüdkc-Baumschulenweg. Spandau. Alle Funktionäre und Listcnführer Werden ersucht, sich Freitag früh 7 Uhr bei Kumke einzufinden. Dessauer Genossen bitten uns, darauf hinzuweisen, daß die in Berlin arbeitenden und in Dessau in der Wählerliste stehenden Maurer am Wahltage in Dessau sein und ihre Stimme abgeben sollen. Es kommt auf jede Stimme an. berliner j�aebnebten. Die juristische Sprechstunde fällt am Freitag, dem Wahltage aus. Berliner Kommunalfreisinn im Wahlkampf. Haben die Leistungen des Freisinns in der Berliner Gemeinde- Verwaltung irgend etwas zu tun mit den Reichstagswahlen? So fragen die Freisinnigen, wenn man ihnen vorhält, wie oft der Berliner Kommunalfreisinn die Interessen des werktätigen Volkes mit Füßen getreten hat. Zwischen dem Freisinn in der Kommune Berlin und dem Freisinn des Reichstags wird allemal dann unterschieden, wenn das den Freisinnigen in ihren Kram patzt. In Wirklichkeit sind ja die viel fordernden Freisinnigen des Deutschen Reichstags und die wenig gewährenden Freisinnigen des Berliner Stadtparlaments ein und dieselbe Clique. Wenns ihnen mal anders paßt, dann verleugnet die Clique nicht ihre Leute, sondern weist ausdrücklich darauf hin. daß sie alle zusammengehören. Der Zufall will es, daß diesmal obenein den vier für den Freisinn wichtigsten Wahlkreisen Berlins als Freisinnskandidaten vier Personen präsen- tiert worden sind, die in der Berliner Gemeindever- waltung eine Rolle spielen: im ersten Kreis Stadt- verordneter Kämpf, im zweiten Kreis Bürgermeister Reicke, im dritten Kreis Stadtverordneter Rosenow, im fünften Kreis Stadt- verordneter Cassel. Da macht sich's ja ganz von selber, daß man sich daran erinnert, wie der Freisinn im allgemeinen und diese vier im besonderen ihre„Volksfreundlichkeit" betätigt haben. Und gerade diese vier Freisinnskandidaten weisen in ihren Wählerver- sammlungcn darauf hin,„wieviel" die Stadt Berlin für das werk- tätige Volk getan habe und„wieviel" eS noch tun wolle. Trieb doch Herr Cassel, ein Hauptführer des Kommunal- freisinns und Hauptschuldiger an Berlins Rückständigkeit, in seiner Versammlung vom Dienstag die Dreistigkeit so weit, den Wählern vorzuerzählen, wenn in Berlin vielfach sozialpolitische Einrichtungen geschaffen worden seien, wenn den Gemeinde- arbeitern Urlaub gewährt, wenn Schulärzte angestellt, wenn eine Pflichtfortbildungsschule eingeführt, die Krankenpflege verbessert, die Bibliotheken umgestaltet worden seien, so sei speziell er an keiner dieser Aufgaben unbeteiligt gewesen? Gewiß,„unbeteiligt" war Herr Cassel niemals. Aber seine Teilnahme an der Lösung solcher Aufgaben besteht in der Regel zunächst darin, daß er erklärt. man müsse sich die Sache doch sehr überlegen, am Ende brauche man so weit nicht zu gehen, es sei auch auf den Kostenpunkt Rück- ficht zu nehmen, lieber solle man die Erfüllung dieser Forderung einer späteren Zeit vorbehalten, und so weiter. Wenn aber dann dem unermüdlichen Mahnen und Drängen unserer Genossen in der Stadtverordnetenversammlung schließlich nicht länger Widerstand geleistet werden kann, dann entpuppt sich Plötz- lich Herr Cassel als derjenige, der„gern bereit" ist, auf alles ein- zugehen. Und wenn es dann endlich zur Erfüllung der alten sozialdemokratischen Forderung kommt, dann— ist's der Freisinn. der alles„selber gemacht" hat. Müssen wir Herrn Cassel erst sagen, wie lange eS gedauert hat, bis die Sozialdemo- kraten die Urlaubsangelegenheit in Fluß bringen konnten? Weiß er nicht mehr, mit welchem Hohn die freisinnige Stadtvcrordnctcnmehrheit den Ruf der Sozialdemokraten nach Schulärzten anfangs beantwortet hat? Erinnert er sich nicht mehr daran, wie oft die freisinnige Mehrheit gegen die Sozialdcmo- kratie die P f l i ch t f o r t b i l d u n g s s ch u l e für unmöglich er- klärt hat? Hat er vergessen, wie oft die Sozialdemokratie den Mangel ao Krank eghältjexn zur Sprache gebracht und wie oft die Mehrheit ihn abgestritten hat? Sollen wir ihm ins Ge- dächtnis zurückrufen, daß auch der Gedanke einer Neugestaltung der Volksbibliotheken nur durch Anregungen von sozial- demokratischer Seite gefördert worden ist? Der Berliner Freisinn läßt im Wahlkampf sich nicht daran genügen, die Sozialdemokratie zu verunglimpfen. Er will auch mit seiner eigenen Tüchtigkeit prahlen, und da muß dann auch die Berliner Kommunalverwaltung zur höheren Ehre des Freisinns gepriesen werden Es ist nötig, daß man all diesen Komödianten von Zeit zu Zeit immer mal wieder die schöne Maske von ihren häßlichen Gesichtern herunterreißt. Zur Lehrergchaltsfrage wird uns aus Lehrerkreisen geschrieben:„Der Wahlkampf treibt immer sonderbarere Blüten. Im„Vorwärts" ist ja schon öfters darauf hingewiesen, mit welcher erstaunlichen Regelmäßigkeit die Regierungen vor den Wahlen„ihren" Beamten und Arbeitern ihr ganz besonderes Wohlwollen und ihre stete Fürsorge anpreisen. Diese Methode,„gute" Wahlen zu machen, scheint sich auch der hie- sige Magistrat im jetzigen Wahlkampfe angeeignet zu haben, wie eine vor einigen Tagen in die Tagespresse lanzicrte Notiz beweist. Es ist den Lesern des„Vorwärts" bekannt, welche tragikomische Rolle die Aufbesserung der Lehrergchälter seit mehr als Jahres- frist im Berliner öffentlichen Leben spielt. Mit erstaunlicher Regelmäßigkeit wandern die betreffenden Vorlagen vom Magistrat zur Stadtverordnetenversammlung, um hier angenommen und dort wieder verworfen zu werden. Der Wahlkampf scheint aber auch dieses holde Schaukelspiel gestört zu haben, denn während der Ma- gistrat sonst immer nahezu drei Monate gebrauchte, um seine Ent- schlietzungen zu treffen, hat er diesmal„schon" in vier Wochen zu den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung vom 13. De» zember v. I. Stellung genommen, indem er, wie nicht anders zu erwarten war, den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung nicht beitrat, sondern eine anderweitige Regelung der Sache ver- sprach. Zugleich versicherte der Magistratsoffiziosus, daß der Ma- gistrat in der nunmehr zu erwartenden Vorlage sowohl den Wim- scheu der Lehrerschaft als auch den Beschlüssen der Stadtverord- netcn entgegenkommen werde. Aber nicht bloß die Schnelligkeit. mit welcher der Magistrat dieses Mal die Angelegenheit erledigt hat, sondern auch die durchaus unverbindliche Form, in welche er sein Versprechen hüllt, sind charakteristisch und lassen die ganze magistratsoffiziöse Notiz als Wahlmache erscheinen. Zunächst sind zwei Mitglieder des Magistrats, Bürgermeister Reicke und Stadt- rat Fiichbeck, als Reichstagskandidaten direkt interessiert. Zwar kennt der Freisinn die Lammesgeduld der Getreucsten seiner Ge- treuen, der Lehrer, viel zu gut, um nicht zu wissen, wie leicht sich dieselben durch große Worte auch ohne entsprechende Taten zu- friedcnstellen lassen. Immerhin deuteten einige Ereignisse der letzten Zeit darauf hin, daß die Kerntruppen der freisinnigen Armee, die Lehrerschaft, fahnenflüchtig werden könnte. In Danzig hatte man den dortigen freisinnigen Rcichstagskandidaten und hie» (igen Stadtverordneten Herrn Mommsen auf eine Weisung von Berlin aus auf sein eigenartiges Verhalten in der Stadtverord- netensitzung am 13. Dezember v. I. hingewiesen— er hatte näm- lich den Magistrat wacker verteidigt und war ob dieser Mannestat vom Herrn Oberbürgermeister eines Handdrucks gewürdigt worden — und ihn gefragt, wie er sich künftig zur Besoldung der Lehrer stellen werde. Da er erwiderte, er werde auch in Zukunft den „übertriebenen" Forderungen der Lehrerschaft entgegentreten, sa hat ihm die Lehrerschaft seines Wahlkreises die Heeresfolge vcr- weigert. In dieselbe unangenehme Lage sollten auch die beiden Magistratsmitglieder und Reichstagskandidaten, Herr Reicke und Herr Fischbcck, durch lästige Frager gebracht werden; dem ist nun aber der Magistrat durch die oben erwähnte Veröffentlichung zu- vorgekommen. Leider ist dem Magistrat auch hier durch„grobe Indiskretion" ein Strich durch die Rechnung gemacht worden. In welcher Weise der Magistrat den Stadtverordneten und Lehrern entgegenkommen wollte, sollte bis nach den Wahlen geheim gehalten werden. Die Besoldungsskala ist aber trotz größter Sorgfalt, sie geheim zu halten, in die Presse gekommen. Darob soll im Rathause große Entrüstung herrschen. Ja, der Herr Oberbürgermeister soll, wie man sich in freisinnigen Wählerversammlungen erzählt, erklärt haben, daß diese Vorlage nun die letzte sei, die er in dieser Ange- legenheit mache; gehe sie nicht durch, so gehe er. Es ist freilich sehr zweifelhaft, ob der Herr Oberbürgermeister der Berliner Lehrer- schaft diese größte aller Freuden, die sie je erlebt hat. gönnen wird, er müßte denn„höheren" Orts verbindliche Zusicherungen, das Studtsche Erbe antreten zu dürfen, erhalten haben. Von einem Entgegenkommen des Magistrats kann in der neuen Vorlage ganz und gar keine Rede sein. Er bewilligt keinen Pfennig mehr als in seinen sonstigen Vorlagen, nur hat er die Zu- lagen einmal wieder, Abwechselung muß ja sein, auf die unteren und oberen Stufen verschoben, während die mittleren leer aus- gehen. Auch darin ist ein gut Stück echt freisinniger Politik zu finden. Indem man die unteren Stufen erheblich aufbessert, will man die finanzielle Anziehungskraft Berlins auf die aus der Pro- vinz kommenden Lehrer, die in den letzten Jahren gewaltig nach- gelassen hatte, stärken, und die oberen Stufen, denen meist die Führer der Lehrerschaft, die freisinnigen Wahlmachcr und lästigen Antichambristen angehören, will man gleichfalls zufriedenstellen. ohne auch nur einen Pfennig mehr auszugeben. Der Magistrat rechnet wohl auch selbst nicht mit einer Annahme seiner Vorlage durch die Stadtverordnetenversammlung. Aber selbst auf die Ge» fahr hin, daß das letztere geschähe, müßte er sich sagen, daß der Vorlage die behördliche Bestätigung versagt werden würde, da ei» Drittel der Lehrer überhaupt keine Aufbesserung erhält und gerade die Stufen, die es ebenso wie die unteren sehr nötig haben. Die Komödie wird also von neuem beginnen und die Lehrerschaft wird dabei die Zeche bezahlen. Es ist auch möglich, daß der Magistrat mit dieser Methode zugleich erziehlich wirken will auf die„begehr- liche Nimmersatte" Lehrerschaft. Vielleicht will er sie absichtlich warten lassen, um sie so gefügiger gegen ihre Oberen zu machen. Die Wirkungen dieser Erziehungsmethode kennt ja keiner beger als der Berliner Magistrat und vor allem der Oberbürgermeister. Man hat sie ja oft genug von„oben" herab auf sie angewandt. Doch nicht jeder ist für diese Methode empfänglich, nicht bei jedem er» zeugt sie Lendenlähmung und Knochenerweichung; schon manchem hat sie die Augen geöffnet, und schon manchen hat sie erstarken lassen. Hoffen wir, daß sie auch bei dem größten Teile der Lehrer- schaft die zuletzt genannte Wirkung hervorbringt, daß sie die Lehrer die wahren Freunde der Volksschule erkennen läßt, die bereit sind, ihren Worten auch Taten folgen zu lassen." Diese Auslassüngen eines Lehrers werden ergänzt durch eine Erklärung des Vorstandes des Berliner Lehrervereins folgenden Inhalts:„Die neueste Magistratsvorlage stellt sich im wesentlichen als eine Umrechnung der Vorschläge vom 39. November v. I. dar; während die frühere Vorlage für die Lehrer 382 899 M. auf» wenden wollte, kostet die neue Vorlage 493 299 M., also 29 499 M. mehr. Die Stadtverordneten wollten mit ihrem Beschluß vom 13. Dezember v. I., dem der Magistrat nicht beigetreten ist, 528 959 M. aufwenden. Der Beschlutz der Stadtverordneten hatte außerdem den Vorzug, daß allen(rund 3999) Lehrern Zulagen zwischen 159 und 259 M. zugedacht waren, während nach der Ma- gistratsvorlage ein Drittel(etwa 1999) leer ausgeht. Die Stadt- vcrordnetcnversammlung wollte die Berliner Lehrer eine Klcinig- keit(im Durchschnitt 59 M. pro Jahr) besser stellen als ihre Kol- legen in Charlottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf; der Magistrat will den Lehrern im wesentlichen(mit ganz geringen Ab- weichungen) das geben, was die Lehrer Charwttenburgs seit ziem, lich zwei Jahren erhalten, Daß der Beschluß der Stadtven» btbnelen angesichts der Teuerungsvcrhältnisie, ton denen alle bedrückt werden, der bessere ist, liegt auf der Hand. Die Herren Cassel und Rosenow, die hauptsächlich auf jenen Beschluß hingearbeitet haben, waren sich als gute Kenner des städtischen Etats auch zweifellos klar, daß die Finanzlage der Stadt die Mehr- auSgabe ohne neue Steuern tragen könne. Hoffentlich kommt diese Frage, die nun schon über Jahr und Tag in der Schwebe ist, endlich einmal zu einem befriedigenden Abschluß." Die Bibliothek der Arbriterbildungsschule bleibt heute abend Wegen der morgen stattfindenden Reichstagswahl geschlossen. Arbeiter-Samariterkolonne. Die Uebungsstunde der 3. Abteilung für Schöneberg findet der Reichstagswahlen wegen erst in der nächsten Woche statt. Das Nähere wird noch bekannt gemacht. Die grimmige Kälte hat auch auf die Tunnelarbeiten am Spittelmarkt und Potsdamerplatz einen ungünstigen Einfluß ausgeübt. Die Erdarbeiten, welchen durch den an der Niederwall- ftraße liegenden Kanal ohnehin bald der Fortgang versperrt wird, mußten in letzter Nacht um 3 Uhr gänzlich eingestellt werden, weil die Transportkähne in dem zugefrorenen Wasserlaufe stecken blieben. Dagegen wird an der Installation der Wasserhaltung für den Bahnhofstunnel am Spittelmarkt und ebenso an den Rammen in der Wall- und Niederwallstraße weiter gearbeitet. Der Kälte wegen haben die Betonierungsarbeiten unter dem Hotelneubau am Leipziger- platz eingestellt werden müssen, während der Abbruch des alten, eingleisigen Tunnels in der Kvniggrätzerstraße fortgesetzt und in wenigen Tagen beendet sein wird. Bis auf 21 Grad Celsius unter Null war am gestrigen Morgen das registrierende Thermometer der Uraniasäulen an einigen Stellen der Stadt, so beispielsweise am Rathaus, gesunken, während das Barometer gleichzeitig enorm stieg und in Berlin einen Höhepunkt erreichte, wie er unseres Wissens hier noch nicht beobachtet worden ist. Die Skalenreihe des registrierenden Baro- meters reichte nicht aus für die Aufzeichnung des Schreibstiftes, da bei den Uraniasäulen als höchst möglichsten Stand des Baro- Meters 785 Millimeter angenommen wird, während heute morgen ein Stand von 787 Millimeter abzulesen war.— Die Spree ist jetzt nicht nur außerhalb Berlins mit einer Eisfläche überzogen, sondern auch innerhalb der Stadt ist der Wasserlauf vielfach zugefroren, obwohl bei der zumeist geschützten Lage und infolge der durch Einengung stärkeren Strömung der Spree die Eisbildung auf der- selben erschwert ist. Das Eis des Müggelsees hat innerhalb einer 24stündigen Frostperiode eine Festigkeit erlangt, wie sie bisher in so kurzer Zeit noch nicht beobachtet worden ist. Schon am gestrigen Vormittag tummelten sich Kinder auf der polizeilich natürlich noch nicht freigegebenen Fläche, doch besitzt das Eis, das am heutigen Tage schon eine Stärke von 4 Zoll aufweist, bereits eine recht erhebliche Tragfähigkeit. Jedenfalls dürfte die beliebte Bahn schon morgen, spätestens aber am Freitag die erforderliche Stärke besitzen, um polizeilich freigegeben zu werden. Die Ferien in den Gemeindeschulen sind wie folgt festgesetzt: Osterferien: Schluß des Unterrichts Sonnabend, den 23. März 1907, Anfang des Unterrichts Montag, den 8. April 1997. P f i n g st- 'erien: Schluß des Unterrichts Freitag, den 17. Mai 1997, An- ang des Unterrichts Freitag, den 24. Mai 1997. Sommer- 'erien: Schluß des Unterrichts Freitag, den 5. Juli 1997, An- äng des Unterrichts Dienstag, den 18. August 1997. Herbst- erien: Schluß des Unterrichts Sonnabend, den 28. September 1997, Anfang des Unterrichts Dienstag, den 8. Oktober 1997. WeihnachtSferien: Schluß des Unterrichts Sonnabend, den 21. Dezember 1997, Beginn des Unterrichts Dienstag, den 7. Ja- nuar 1998. Wir finden diese Aufstellung recht unvollständig, denn eS fehlen die schon zur Regel gewordenen Paradeferien und Einzugs- ferien._ Eine neue Millionenbrücke. Unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Reicke fand gestern eine Sitzung der Tiefbaudeputation statt, in der Stadtbaurat Krause die Entwürfe für den Bau einer Brücke zur Ueberführung der Putzlitzstraße über den Bahnhof Moabit und einer Brücke im Zuge der ersteren zur Verbindung der P u t l i tz« und Föhrer- ftraße über den Schiffahrtskanal und dessen beiden Ufer, des Nord« und SüduferS, vorlegte. Beide Brücken sollen zur besseren Verbindung des Weddings mit Moabit dienen. Die Kosten sind mit 1399990 M.-f- 420 099 M., zusammen 1729 999 M. veranschlagt. Die Entwürfe deS ge- waltigen Bauwerkes wurden von der Deputation genehmigt. Nach diesen Entwürfen wird in der Putlitzstraße eine Rampe auf- geführt, die nach der Ouitzowstraße acht Bogen enthält. Ein Bogen soll für den Verkehr frei bleiben, die übrigen sieben sollen ähnlich den Stadtbahnbogen für städtische Zwecke— StraßenreinigungS- depot usw.— nutzbar gemacht werden. Die Mittelpromenade der Putlitzstraße wird für diese Rampe in Anspruch genommen werden. Der Eisenbahndamm wird natürlich vollständig und zwar in einer Länge von 2ö9 Meter überbrückt werden. Zur Erleichterung deS Verkehrs ist von der Ouitzowstraße aus eine Treppenanlage vorgesehen, die es ermöglicht, von dieser Straße aus mit Umgehung der Langen Rampe die Brücke zu erreichen. Die zweite Brücke als Fortsetzung der ersten hat über den SchiffahrtS« kanal eine Spannweite von 25 Meter und über den beiden Ufer- straßen von je 12 Meter. Die Architektur wird mit Rücksicht auf die gewaltigen Abmessungen und die bedeutenden Kosten in ein- fachen Formen gehalten werden. Es sind sogenannte Cyklopen- mauern aus märkischen Findlingen in den Entwürfen vorgesehen. Die sogenannte.Millionenbrücke" über den Bahnhos Gesundbrunnen kostete rund eine Million Mark, so daß also diese neue Brücke (Putlitzbrücke) rund dreiviertel Millionen Mark mehr verursachen würde._ Verlegung von Straßenbahnlinien. Die Straßenbahn muß zwei Linien wegen des Baues der Untergrundbahn in der Jäger- straße verlegen. Um den Bau dieser Bahn vorzubereiten, nimmt jetzt die städtische Kanalisationsverwaltung Kanalbauten in der Jägerstraße zwischen der Oberwall- und Kurstraße vor. Die Linien der Großen Berliner Straßenbahn 17 Greifswalderstrahe— Moabit und 63 Greifswalderstrahe— Hansaplatz können deshalb bis zur Beendigung der Arbeiten nicht durch die Jägerstraße geführt werden. Die beiden Linien gehen von der Oberwallstraße durch diese und durch die Französischestraße. Zur Lage der Arbeiter auf den städtische» Rieselgütern wird UNS geschrieben: Wenn eö eine Kategorie städtischer Arbeiter gibt, die noch unter den Bedingungen der ostelbischen Arbeitsverhältnisse fronden müssen, so sind eS die Rieselfeldarbeiter, obwohl der kürzlich er- schienene Verwaltungsbericht an einer Stelle sagt, daß mit etwa 299 Mark Löhne pro Hektar 59 Mark mehr als auf Privatgütern bezahlt werde, die in höherem Maße landwirtschaftliche Maschinen ur Ersparung von Handarbeit verwenden könnten. Wir halten oafür. daß die bei der Drainage und auf den Rieselgütern voll- brachte Arbeit nicht mit der landwirtschaftlichen Arbeit auf den Privatgütern verglichen werden darf, weil die Arbeit zum großen Teil eine körperlich schwerere, ungesündere und widerliche ist. Die Rieselwärter, die in Wind und Wetter die von den Pumpstationen fugeleitete Jauche zu regulieren haben, erhalten täglich 2,59 bis Mark Lohn bei einer Arbeitszeit von durchschnittlich 12 Stunden täglich. Da Schutzbuden trotz zahlreicher Eingaben nicht gewährt sind, so müssen die Arbeiter hinter den Erdwällen oder in selbst- gegrabenen Erdhöhlen Schutz vor Unwetter suchen. Die Rohrleger erhalten täglich 4,75 M., während Hülfsarbeiter mit 35 Pf. Stundenlohn zufrieden sein müssen. Den größten Teil der Arbeits- kräste der Rieselfelder stellt jedoch das Gutspersonal und die auf den Rieselgütern beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen dar, die sich au» ansässigen, meist mit Deputatlöhnen angestellten Leuten, Schnittern ßr Sovimerorbeit und Häuslingen be* i: Arbeitshauses zu Rummelsburg zusammensetzen. Es waren vorhanden durchschnittlich im Monat: 1. ortsangehörige Männer 1162 2... Wittwen 978 3.., Kinder 916 4. Häuslinge aus Rummelsburg 1142 zusammen 4198 Personen. Diese Leute erhalten außer einem nach heutigen Verhältnissen unzulänglichen Deputat im Sommer 1,89 M. täglich, im Winter 1,29 bis 1,49 M. täglich. Bei 12— 15stündigcr Arbeitszeit macht das einen Stundenlohn von 19 bis 15 Pf. Das Deputat besteht im Durchschnitt aus Kartoffeln, Gartenland, Brennmaterial und etwas Stroh. Anscheinend ist als Maßstab des Rechtsverhältnisses die Gesindeordnnng maßgebend, denn es bestehen weder Arbeiter- ausschüsse, noch haben diese städtischen Arbeiter Anspruch auf Ferien oder Reliktenversorgung. Bei geringfügigen Versehen werden den Arbeitern die Strafen vom geringen Sold rücksichtslos abgezogen. Daß die Arbeit auf den Rieselfeldern ihre gesundheit- lichen Gefahren hat, beweist wohl am besten die Stelle des Jahres- berichts, in der die Erkrankungen ausführlich aufgezählt werden. Bei den 4198 Personen zeigten sich 1299 Erkrankungen, die in ärztliche Behandlung kamen. Zahlreich waren die Erkrankungen der Vcrdauungs- und Atmungsorgane. Zur Hebung der sozialen Lage der Nieselfelderarbeiter muß seitens der Stadt Berlin noch mancherlei geschehen, wozu man sich heute nach kapitalistischen Gepflogenheiten nicht verstehen will. Saalbcsiher und Deutscher Kriegerbund. Einen offenen Brief an den Deutschen Kriegerbund richtet der Bund der Saal- und Konzcrtlokalinhaber Deutschlands in seinem Organ, um die Frage der Saalverweigerung für sozialdemokratische Ver« sammlungen zu erklären. Der Deutsche Kriegerbund hat bekannt lich den Grundsatz aufgestellt, daß alle diejenigen Saalbesitzer aus den Kriecjervereinen auszuschließen seien, die ihre Loeale für sozial- demokratische Versammlungen hergeben. Hiergegen wendet sich der offene Brief in eingehender Weise. Es wird darauf hingewiesen, daß sich erst kürzlich die Regierung gegen Saalverweigerungen aus gesprochen hat. Durch die Hergabe des Saales sympathisiere der betreffende Saalinhaber noch lange nicht mit den Zielen der Sozialdemokratie. Er wäre aber ruiniert, wenn er irgend einer Partei die Benutzung seiner Räume vorenthalten würde. Man könne ihm das Geschäft mit Sozialdemokraten ebensowenig der bieten, wie anderen Gewerbetreibenden. Der offene Brief schließt mit der Aufforderung an das Präsidium des Deutschen Kriege» bundes, die in der Mehrzahl durchaus königstreuen Saalbcsitzer nicht durch das Festhalten an seinem bisherigen Standpunkt zu Scharen aus den Kriegervereincn zu treiben, sondern die Aus- schließung nur auf die Besitzer von Lokalen mit rein sozial- demokratischem Charakter zu beschränken. Wegen schwerer Sittlichkeitsverbrechen, die er an seiner Stief- tochter begangen, ist gestern der Schneider Kasimir Sepinsky, Frank- furter Allee 34, durch die Kriminalpolizei verhaftet worden. Den Flcischereibetriebcn soll, wie eine Korrespondenz zu be richten weiß, die Polizei jetzt eine erhöhte Aufmerksamkeit schenken und speziell darauf achten, daß die Arbeitsräume für die Gesellen den durch daS Gesetz vorgeschriebenen Bestimmungen entsprechen. In den älteren vorhandenen Betrieben findet vielfach noch die Wurstfabrikation in Kellerräumen statt, welche nicht die vor- geschriebene Höhenlage besitzen. Soweit in solchen Räumen Aenderungen nicht vorgenommen werden, ist ein Einschreiten der Aufsichtsbehörde nicht möglich. Wird jedoch auch nur durch Auf- stellung einer neuen Maschine usw. der Zustand in dem alten Räume umgewandelt, so benutzt die Polizei die Gelegenheit, der- artige Betriebe zu schließen. So ist aus diesem Grunde dieser Tage eine Fleischerei in der Neuen Königstraße geschlossen worden. Hundert Mark Belohnung sind von den Elektrizitätswerken der Stadt Oranienburg für Ermittelung derjenigen Diebe aus- gesetzt worden, welche seit einiger Zeit die Stromkabel zer- stören und stehlen. Wir meldeten schon bor kurzem, daß zahlreiche Geschäftsleute in den nördlichen Vororten dadurch in Verlegenheit kamen, daß infolge der Drahtdiebstähle Strom nicht geliefert werden konnte. Obwohl nun die Elektrizitätswerke die Leitungen ständig unter Strom halten, sind in letzter Zeit doch wieder die Drähte zerschnitten und gestohlen worden. Die Diebe müssen, um sich vor Verletzungen zu schützen. Vorsichtsmaßregeln treffen und tragen vermutlich Gummihandschuhe, um ohne Gefahr die Leitungen zerschneiden zu können. Die Arbeitrrtnuenheime in der Brückenstr. L und Usedom- straße 7 wurden im vergangenen Jahre von 99162 Gästen be« sucht. Die abendS stattfindenden Gesang-, Putz-, Schneider- und Kochstunden fanden rege Beteiligung. Die Heime bieten in ihren freundlichen Räumen von 12— 2 Uhr einen schmackhaften MittagStisch zu 29 und 39 Pf. und angenehmen Aufenthalt, abends zu beliebiger Beschäftigung. Fremde und Alleinstehende finden»ort Anschluß, Ge- selligkeit und Anregung. Seit kurzem befindet sich ein drittes Heim dieser Art Kottbuser Ufer 33. In diesem wurden als Neuerung Schlafstellen eingerichtet, welche alle vermietet sind. In der Versammlung am 22. d. M. in der Berliner Bock- braucrei ist ein Pompadour gefunden worden; abzuholen bei dem Kassierer Gustav Schmidt, Bülowstr. 52, Aufgang 4, parterre. Feuerwchrbericht. Die große Kälte hat zu einer Vermehrung der Alarmierungen geführt. In der letzten Nacht brannten in der Münzstraße 11 Regale, Möbel, Schuhwaren, Fußböden usw. Der 1. Zug mußte dort kräftig Wasser geben, das dabei in den Schläuchen fror; der 8. Zug mußte in der Oranienstraße 156 einen Laden- brand löschen und der 13. Zug ein Feuer, das in der Elsasse» straße 14 in einer Kellerwohnung ausgekommen war. Am Mariannenufer 2 brannten Preßkohlen und vor dem Hause Universi- tätsstraße 1 nachts um 2 Uhr ein Automobil. Die Feuerwehr nahm ein Rohr vor, konnte aber nicht verhindern, daß das Auto der- brannte. Im 2. Stock des Hauses Klosterstratze 92 brannten bei Rosenfeld Regale, Stoffe, Kleider u. a. in großer Ausdehnung. In der Köthenerstraße 41 und Charlottenstraße 95 brannte Stroh in Kellerräumen. Gardinen, Teppiche, Schreibtisch, Stühle usw. wurden Unter den Linden 47 ein Raub der Flammen. Ein Spiritusfaß stand in der Frankfurter Allee 74 in einem Keller in Flammen. Ferner hatte die Wehr in der Mühlenstratze 35, Ama- lienstraße 16, Mendelssohnstratze 6, Gneisenaustraße 89, Prinzen- straße 72, Friedenstraße 22, Prenzlauerstraße. Hohcnzollernstraße und anderen Stellen zu tun. Vorort- I�ach richten. Wilmersdorf. Die vor ein paar Tagen stattgefundenen Stadtverordnetenwahlen haben die Schändlichkeit des DreiklassenwahlsystemS wieder einmal in die grellste Beleuchtung gerückt. Was bei dem allgemeinen. gleichen und direkten Wahlrecht nicht möglich ist— nämlich die kleinen Beamten und städtischen Arbeiter für die Zwecke der be« sitzenden Klassen zu gebrauchen— daS wird bei dem Dreiklassen- Wahlrecht in der Kommune durchgeführt. Hier muß auch der letzte an die Urne, um.seine Pflicht" zu erfüllen. ES kommt hinzu, daß für Wilmersdorf ein WahlmoduS zur Anwendung kam, wie er in Städten gleicher Größe nicht mehr angewendet wird. Auf diese Weise hat die bürgerliche Liste diesmal noch eine bedeutend größere Stimmenzahl auf sich vereinigt, als die sozialdemokratische. Die Arbeiterschaft Wilmersdorfs hat nun bei der morgen statt- findenden ReichötagSwahl Gelegenheit, durch das Eintreten für die Sozialdemokratie auch gegen das schändliche Dreiklassenwahtrecht zu demonstrieren. Sie muß auch den letzten Mann an die Urne bringen, um zu zeigen, daß das Komnumalwahlrecht«ur ein Wahl- recht für die befitzende Klasse ist. Lichtenberg. An die Frauen und Mädchen Lichtenbergs? Genossinnen! Nur noch wenige Stunden trennen uns von der Wahl. Bemitzt noch diese kurze Spanne Zeit und agitiert in Euren Bekanntenkreisen sowie bei Euren Hausgenossen und Hausgenossinnen. Gerade die jetzige teure Zeit, in der alle Lebensmittel im Preise gestiegen sind und noch steigen, gibt Euch die beste Gelegenheit, allen denen, die sich nie um Politik gekümmert, die nur das Schimpfen unserer Gegner gegen die Sozialdemokraten gehört haben, zu sagen, wodurch die tlotwendigsten Nahrungsmittel so teuer geworden find und wer jeiw Leute sind, die dazu mit bei- getragen haben, daß sie so teuer getvorden siud. Hebt unsere besonders jetzt zur Wahl herauSgegebeiien Flugblätter, die Flugblätter der sozialdemokratischen Partei auf und studiert sie gründlich, sie sollen und werden Euch in der Agitation ein guter Helfer fem. Rur ein aufgeklärter, wissender Menich kamt andere belehren. Bei Euren Einkäufen betin Siblächter, Kaufmann und auf dem Markt, wo Ihr täglich mit vielen Krane» zusammenkommt, bietet sich Euch die beste Gelegenheit, auf die Wahl zu sprechen zu kommen. Nützt diese Gelegenheit aus. Sagt ihnen, daß derjenige, der den, Kandidaten der nationalen oder liberalen Partei seine Stinune gibt, mit Schuld daran trägt,. dah durch dle m- direkten Steuern. die zur Erhaltung und Vermehrung deZ Heeres und der Marine dienen, durch Zölle und Grenzabsperrungen unsere notwendigsten Nahrungsmittel verfeuert werden. Sagt ihnen» daß ihre Männer mir einen Stimmzettel mit dem Namen des Kandidaten der Arbeiterpartei— Stadtverordneter Artuc Stadt ha gen—■_ in die Wahlurne stecken können: sie würden sonst ihr eigenes Urteil, das sie zu Hunger, Not und Elend, zur Eutrcchluug lind Knechtschaft ver- dämmt, unterschreiben. Genossinnen! Erschciilt in Manen am heutigen Abend in der öffcntlicheii Versammlung im.Schwarzen Adler"; zeigt, daß die Interessen Eurer Männer. Väter und Söhne Eure eigensten Interessen sind. Die Bertraueitsperson. Ober- Schöneweide. FortbUduiigsschule. Dem Kuratariinn lag ein Gesuch des Ver« eins der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter vor, den Schuluntcr- richt in die Zeit von 4—6 Uhr nachmittags zu verlegen. Be- gründend wurde angeführt, daß bei der jetzigen Schulzeit s6 bis 8) solche Lehrlinge, die auswärts wohnen, erst gegen'/AO Uhr nach paus gelangen. Unsere Genossen befürworteten dieses Gesuch. Be« chlossen wurde, eine Schulzeit von 5—7 vorzuschlagen. Da die Einziehung des Schulgeldes bei auswärts wohnenden Lehrherren Schwierigkeiten begegnet, soll das Ortsstatut die Aende- rung erhalten, daß nur im Gemeindebezirk arbeitende Lehr« linge zum Besuche der Schule verpflichtet sind. ES soll damit auch eine Uebereinstimmling mit den Statuten der Nachbargemeinden er- zielt werden. Reinickendorf-West. Ein bedauerlicher Borfall ereignete sich gestem in dem Hause Augusta Viktoria-Allee 33. Dortselbst verbrannte das vierjährige Kind der Nitschkeschen Eheleute in Abwesenheit der Mutter. Borsigwalde-Wittenau. Die Wählerliste zu der im Frühjahr stattfindenden Gemeinde- wähl liegt in B o r s i g w a l d e im Lokal von Reuter zur Ein« sichtnahme für jedermann aus. In Wittenau liegt die Liste im Gemeindebureau während der Dienslstunden bis zum 30. Januar aus. Es ist Pflicht jedes Wahlberechtigten, sich zu überzeugen, ob er darin verzeichnet steht, sonst geht er seines Wahlrechts verlustig. Der Vorstand des Wahlvereins. Nowawes-Neuendorf. Mit einem glänzenden Siege der Sozialdemokratie hat die am Montag und Dienstag stattgefundene Neuwahl der Vertreter der dritten Abteilung für die Gemeindevertretung der erweiterten Ge- meinde Nowawes abgeschlossen. Während auf die gegnerische Kandidatenliste, die von samtlichen bürgerlichen Parteien aufgestellt war, 255 Stimmen entfielen, erhielt die sozialdemokratische Liste 1215 Stimmen. Dieser Erfolg ist um so hoher anzuschlagen, als die Gegner alles mögliche versuchten, um uns den Sieg streitig zu machen. Allen voran waren es die Hirslh-Dunckerfchen, die mit einer kaum zu überbietenden Niederträchligkeit arbeiteten; noch am Sonntagmorgen verbreiteten sie ein Flugblatt, welches von Ver- leumdungen der Sozialdemokratie geradezu strotzte. Genutzt hat dies alles nichts, es scheint vielmehr, als ob die anständigen Gegner unserer Partei von diesem Treiben derart angewidert worden sind, daß sie der Wahl fern blieben; besonder? aus Neuendorf ist eine außerordentlich schwache Deteiligung der Bürger- lichen pU verzeichnen, womit übrigens den dortigen bisherigen bürgerlichen Vertretern der Hl. Abteilung, die zum Teil diesinal wieder kandidierten, für ihr trauriges Verhalten eine gehörige Quittung ausgestellt worden ist. Da' bei de» vorigen Gemeinde- Vertreterwahlen in Nowawes und Neuendorf für die bürgerlichen Kandidaten der Hl. Abteilung zusammen 466 Sfhnmei, abgegeben lvorden und auf die Sozialdemokratie 991 Stimmen entfallen sind, so resultiert für uns bei der diesmaligen Wahl ein Gewinn von 314 Stimmen, während die Gegner einen Verlust von 211 Stimmen zu verzeichnen haben. Dieser«rfteuliche Forlschritt muß un» ein Ansporn zu intensiver Agitation sein, um alle Wähler, welche für unser« Kandidaten gestimmt haben, aber unserer Organisation noch fernstehen, derselben zuzuführen und auch unserer Press« weitere Ausbreitung zu verschaffen. Darum vorwärts zu neuer Arbeit, zu neuen Erfolgen!_ ßnefhartcn der Redaktion. Tie taristtsche Tvrechftuud- findet?ried richftr. 16, Aufgang 4, eine Treppe lHandelSstätte Bellealliaiiee, Tueifigang auch Linden ftr. lol), Niochentäglich von 7'lt bis W/t Uhr abend« statt. Oleönae«? Uhr. Eonnahends beginn» die Eprechfliindc»m 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ei» Buchstabe und eine Pähl als Merkzeichen belznfiigen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen»rage man i» der Sprechstunde bor. Hundezähne. Sie können Schadenersatz verlange». Die Höhe desselben hängt von dem Ermessen deS Gerichts ab. Die vom Goldarbclter an- gebotene Entschädigung dürste als angemessen erachtet werden.— A. R. 87. Sie können Anspruch aus da« Geld erheben.— Wolter-Stealitzerstraste. Liegt kein schrisllicher Vortrag vor, so ist in Ihrem Falle der Vertrag über- Haupt ungültig. Liegt ein schrisllicher Vertrag vor, so würde die Klage aus Aushebung und Schadenersatz Nu-Zsitt aus Erfolg haben.— Riint 14. 1. Die Klage, die beim Amtsgericht anzustrengen wäre, hilte Ausficht auf Erfolg.— G. M. 8. Nicht verwendbar.— 9C.; G. 100. Pro- bi»rcn Sie es.— W. SS. Einen Weg zur Sicherstellung in dem von Ihnen gewünschten Sinne kennen wir nicht.— H. 16. Da Sie Betreffende minderjährig ist, wäre eine Klage aussichtslos.— D. D. 134. Nein. — E. R. SSS. Ja.— S00. Dessau. Sie können Rückgabe verlangen und eventuell bei Gericht aus Rückgabe klagen.— D. D. L. Nein.— P. F. 101. 1. New. 2. Ehambregariitften und Ichlasburschen, die monat- lich gemietet haben, können bis am 15. zum 1., nicht aber umgekehrt am 1. zum 15. kündigen.— L. M. 117. DaS müssen Sie sich leider gefallen lassen.— A. K. 100. Ja.— ffi. H. 3«. 1. Vom i. Januar 1908 ab. 2. Als Zeuge mutz man aus Ersordern alle Strafen angeben.— P. H. 100. Glaubt der Betreffende benachteiligt zu sein, so kann er klagen. Ihre Darlegungen lassen nicht erkennen, daß ein« Benachteiligung geplant war.— F. gi. 100. Die Münzen werden in der Münze der einzewen Staaten hergestellt.— Verlust 80. 1. bis 3. Nein.— O. R. Ja. Witteennastider«»» vo», 23. Januar 11)67, mora«,,»» Uhr. Sl-N-ittN Swwemde Hamburg «erlw v e Ii »= 795 DSD 792 D 799 0 Franfl.a 23.1781«SRO München"79 O Wien! 790 Still SeUct �wölken! 4 wolkenl 4 wolkenl 5 wolkenl 5 wolkenl heiter * s c 7, » U £» M Si —16 -14 -17 —15 —19 -19 Stakionrn £= 1? Haparanda 768 SM Petersburg 795 S Scillh Aberdeen Paris 78, NO 789«SD 777 NO OeUtt 4 bedeckt 1 wolkenl—24 wtä e« Ü s& 5 bedeckt 2 bedeckt 4 wolkenl 2 2 -11 Wetter-Prognoie für Donnerstag, den 84. Januar 1007. Trocken und vorwiegend heiter bei strenge« Frost und frischen äst- lichea Winden. verltoer Vetterbureau. 1. Wahlkreis. 3. Wahlkreis. Heute Donnerstag, den 24. Jannar, abends 8 Uhr, in Dräfels Festsälen, Neue Friedrichstraße Nr. 35: Wähler- Versammlung Heute Donnerstag, den 24. Januar, abends 8% Uhr: 4 Wählerversammlungen Wähler- Versammlungen Zages Drdnung: Auf zur Wahl! Referent: Dr. Leo Arons. Bahlreichen Besuch erwartet 2. 286/8 Referent: Genoffe Richard Fischer. Distuffion. Gewerkschaftshaus, Ufer 15. EngelDer sozialdemokratische Wahlausschuß. Referent: Genoffe Adolf Cohen. Arminhallen, Rommandantene. 20. Referent: Stadtv. Joh. Sassenbach. Märkischer Hof, bmiralftr. 180. Referent: Stadtb. Richard Augustin. Zages Drbnung: Wahlkreis.dog. Auf zur Wahl! 2. Freie Aussprache. Freitag, den 25. Januar, abends 8 Uhr: Zahlreichen Besuch erwartet 0 5 Volksversammlungen Posamentierer Berlins. in folgenden Lokalen: Tempelhofer „ Kliems Festsaal", Safenheide 18/15. ,, Hofjäger- Palast", Hasenheide 52/53. ,, Alter Bürgergarten", Lindenstraße 105. Zühlkes Festsaal", Dennewigstraße 13. 1 238/ 10* Donnerstag, den 24. Januar, abends 8 Uhr: 240/14 Der Einberufer. Achtung! Genossen! Achtung! Freitag, den 25. Januar, früh: Wellfleisch und frische Wurst beim Genossen 87592 Görliker Oeffentliche Versammlung Max Wehner, 1058b ( Saal 5). Tages- Ordnung: Die Aussperrung in der Möbelbranche. the Z Sages Dronung: Verkündigung des Wahlresultats. Bahlreichen Besuch erwartet Das sozialdemokratische Wahlkomitee. 12 Jahre Garantie! Sprechstunde 9-7. ähne 2 Mk. Vollst. schmerzl. Behandl. Zahnz., Plombieren 1 Mk. Reparaturen sofort. Der Vorstand. Wöchentl. Teilzahlung. Weidenweg 12, ab 1./2 ein Laden m. Wohnung, 60 M. d. Trollsch L. Schöne Wohnungen Berlin N., Türkenstr. 19. Zähne 2 Mark, Berthorn Border. und Gartenhaus- Wohnungen v. zibet Zimm., Bad, Klos. u. Kammer, mit Deutsch- Amerikanische Zahnklinik, 45. Prinzenstraße 45. bafelbft beim Berwalter 1 Er. born. 4. Wahlkreis. 10 öffentliche Wähler- Versammlungen am Donnerstag, den 24. Januar 1907, abends 8 Uhr, in folgenden Lokalen: Louis Keller, Koppenstraße Nr. 29.[ Boeker, Weberstraße Nr. 17.- agni Graumann, Naunynstraße Nr. 27. „ Elysium", Landsberger Allee Nr. 41. Walter, Andreasstraße Nr. 21. ,, Urania", Wrangelstraße Nr. 9-10. Litfin, Memelerstraße Nr. 67. ,, Drachenburg", Vor dem Schlesischen Markgrafensäle, Markgrafendamm. Tore. ,, Süd- Ost", Waldemarstraße Nr. 75. Tages- Ordnung: 1. Wem geben wir morgen unfere Stimme? 2. Freie Diskussion. Referenten sind: Freie Diskuffit Der Kandidat des Kreises, Stadtverordneter Paul Singer. 249/5 Sekretär Späthe. Hugo Heimann. Sekretär Hermann Jaeck. Sekretär Dittmer. W. Schenk. Robert Fendel. Küter. Oskar Jensch. Rechtsanwalt Roth. Zahlreichen Besuch erwartet Das Wahlkomitee. Achtung! 5. Wahlkreis. Achtung! Verband der Baugewerbl, Hülfsarbeiter Deutschl. Donnerstag, den 24. Januar, Vier öffentl. abends 8 Uhr: Zweigverein Berlin und Umgegend. Wir machen unseren Mitgliedern hiermit befannt, daß unser Verbands. Bureau am 1902 1901 Freitag, 25. Januar, geschlossen Wählerversammlungen ift wegen der Reichstagswahl. Ebenso machen toir nochmals darauf aufmerksam, daß am Sonntag, den 27. Januar, vormittags von 10-12 Uhr, die Wahlen des Zweigvereins vorstandes stattfinden. Die Wahllokale sind bereits überall in den Bezirken bekanntgegeben durch Flugblätter, welche mit dem letzten Verbandsorgan ausgegeben worden sind. Wir fordern auch zu dieser Wahl unsere Kollegen auf, Mann für Mann zur Wahl zu kommen. Jeder Wähler erhält einen 82/6 Lipps Brauerei, am Friedrichshain.| Altes Schützenhaus, Linienſtr. 5. Stempel ins Mitgliedsbuch: Schweizer Garten, am Königstor. Johannis- Säle, Johannisstraße 20. 1. Referenten: Friedländer, Liepmann, Wels, Dr. Weyl. Zages Drdnung: Volksrecht oder Kommandogewalt. 2. Diskussion. In allen Versammlungen hält der Kandidat des Kreises Robert Schmidt 245/8 Gewählt. Auf diesen Stempel ersuchen wir hauptsächlich die Baudeputierten Dbacht zu geben. Der Zweigvereinsvorstand. J. A.: W. Kribow. eine Ansprache. Me Wähler des Kreises find eingeladen. Die Genoffen und Genoffinnen sind zu pünktlichem Das Wahlkomitee. Erscheinen verpflichtet. Vorher, abends 7 Uhr: Flugblattverbreitung bon den bekannten Stellen. Die Genossen des Kreises sowie die Helfer aus dem 4. Kreise( Oft) treten an den Stellen an, an denen sie schon früher tätig waren. Tue jeder seine Schuldigkeit! Freie Vereinigung der Maurer Deutschlands Ortsverein Berlin. Bureau: 0. 54, Steinftr. 38, 1. Etage. Der Vorstand. Buchhandlung Vorwärts Berlin S.W. 68. 129/1 Fernsprecher: Amt III, 8100. In unserem Verlage erschien soeben: Bir machen unseren Mitgliedern hiermit bekannt, daß unser Bureau Freitag, den 25. Jannar, wegen der Reichstagswahl geschlossen ist. Wir erwarten von unseren Mitgliedern, daß Sie nicht nur am Tage der Wahl ihr Wahlrecht aben, sondern ich auch der Wartei zur Verfügung stellen. Der Vrstar 1, Lindenstraße 69. Rotdeutfchlands Hufftieg. Wahlkampf- Lieder von C. M. Scavola. Preis 20 Pfennig. Porto 3 Pfennig. Worte voller Begeisterung und Feuer richtet der Dichter, der bekannte Verfasser von: 12 Jahre der Verbannung", an die Wähler. Jedermann sollte im Besitze des hübschen Heftes sein. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Freitag, den 25. Januar, bleiben Burean, Arbeitsnachweis und Krankenkaffe wegen der Reichstagswahl den ganzen Tag geschlossen. Cine Kontrolle der Ausgesperrten und Arbeitslosen findet an diesem Tage nicht statt. 78/14 Die Ortsverwaltung. Vereinigung der Maler, Lackierer, Anstreicher etc. Filiale Berlin. freitag, den 25. Januar 1907 bleibt das Bureau wegen de Reichstagswahl den ganzen Tag geschlossen. 124/5 Die Ortsverwaltung. 6. Wahlkreist is Heute Donnerstag, den 24. Januar, abends 8 Uhr: 7 öffentl. Wählerversammlungen Arbeiter- Raucher- Bund Berlins und Umgegend. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Ehefrau des Mitgliedes Schurig aus Klub Fefte Brüder Moabit" am 21. d. M. verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 25. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Pauls- Kirchhofes, Blögensee, aus statt. Bernhard 24 Fröbels Allerlei- Theater, Schönhauser Allee 148. Hensel, Invalidenstr. 1a. Rose- Theater, Badstr. 58. Marienbad, Badftr. 35/36. Raabes Salon, Stolbergerstr. 23. Bockbrauerei II( fr. Norddeutsche), Chausseestr. 58. Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefftr. 24. Zagesordnung: Der Vorstand. Todes- Anzeige. Am 22. Januar verschied nach Auf zur Reichstagswahl! Emil Schulz Referenten sind die Genoffen: Dr. Oskar Cohn, Düwell, Ebert, Julian Borchardt, Leid, Litfin, Rosenfeld. Freitag, den 25. Januar, abends 8% Uhr: 12 Volks- Versammlungen! ww Wilke, Fröbels Allerlei- Theater, Schönhauser Allee 148.- Groterjan, Schönhauser Allee 130. Brunnenstr. 188.- Daase, Brunnenstr. 154.- Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünderstr. 42. Schirm, Badftr. 19. Marienbad, Badftr. 35/ 36.- Bock- Brauerei( früh. Norddeutsche), Chauffeestr. 58. Kösliner Hof, Röslinerstr. 8.- Sachon, Müllerstr. 136.- Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/49. Verkündigung der Wahlresultate. Bu zahlreichem Besuch ladet ein 246/16 Charlottenburg. Donnerstag, den 24. Januar 1907, abends 8 Uhr: 3 Volksversammlungen h 8000E im ,, Volkshause", in Schulz' Festsälen, im Lokale v. Kirschkowsky, a Rosinenstr. 3. Kaiser Friedrichstr. 24. Zages Drdnung: Beusselstr. 9. 250/ 4* Ein letztes Wort an die Reichstags- Wähler. Das Erscheinen aller Männer und Frauen Charlottenburgs erwartet Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Rosinenstr. 3. Telephon: Charlbg. 6366. NB. Da bermutlich von unseren Gegnern unsere Säulenanschläge mit der Aufschrift Wählt Zubeil!" abgerissen werden, so ersuchen wir jeden Genossen, falls er einen derartigen Schänder erwischt, unverzüglich dessen Name und Adresse feststellen zu lassen und denselben uns zu übermitteln. D. 0. Schöneberg! Das Wahlkomitee. -Moritzplatz.Täglich: ockDoppel- Konzert der Oberbayern u. Dachauer Bauern tapelle. Fest ierAuftr. d. echten Blattler u. des berühmt. Zirkusdir. mit s. Wunderpferd. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Marstraße 13 c. Dies allen seinen Freunden und Befannten zur Nachricht. Beerdigung am Freitag, den 25. b. M., nachm. 3, Uhr, von der Leichenhalle des NazarethKirchhofes, Reinickendorf West, Berlinerstraße, aus. 1065b Allen Freunden, Bekannten und Kollegen zur Nachricht, daß mein Mann, unser guter Bater, der Tischler 10695 August Müller am 22. d. M. nach langen, schweren Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Sonntagi, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Bonifacius- Kirch hofes in Südende aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen 3754L* InventurExtrapreis! Eine Partie große Divan decken Mk. 4,356,75 auf beiden Seiten benutzbar Wert Buntpersische doppelseitige. Divandecken Wert MK. 7,50-8,75( 12-15 Mk.) Mocquett- Plüsch- Divandecken Größe 150/300 cm 23,50( 33 MK.) Wert Teppich- Spezial- Hans Emil Lefèvre Berlin Süd. Seit 1882 Danksagung. Für die rege Teilnahme bet bernur Beerdigung meines lieben Mann es, des früheren Expedienten Robert Herzfeldt ſage ich allen Bekannten, insbesondere den Angestellten der„ Vorwärts" Expedition meinen herzlichsten Dant. Witwe Auguste Herzfeldt. Für die große Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unferes treuforgenden Baters, Onkels und Schwagers, des Puzers F. Gollin sagen allen Beteiligten, besonders dem Gesangverein Zukunft I, den Buzern und Maurern sowie dem sozialdemofratischen Wahlverein Stegliz herzlichen Dank. 37602 Die trauernden Hinterbliebenen. 3½ Kranz- und Blumenbinderei Spezialarzt für Hant- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. von Robert Meyer, Maskenanzüge nur Mariannen- Straße 2. berleiht Quanter, Charlottenburg, Wallstr. 35. Donnerstag, den 24. Januar, abends 8 Uhr: 1970 Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68 4 Volks- Versammlungen E.Obsts Festsäle, Meiningerstr. 8. Wilhelmshof, Ebersstraße 80. Klubhaus, Hauptstraße 5-6. in den 2otalen: Wieloch, Grunewaldstraße 110. Zages Ordnung: Wen wählen wir? Referenten find: Paul Hirsch, August Gebert, Emil Kloth, Fritz Kasper. 15/6 Gegner find willkommen! Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Adtung! Rixdorf. Adtung! Reichstags- Wähler! Donnerstag, den 24. Januar 1907, abends 8 Uhr: Fünf öffentl. Versammlungen Hoppes Festsäle, Hermannstr. 49. in folgenden Lokalen: Thiels Festsäle, Gröplers Bürgersäle, Bergstr. 151/152. Heickaus Festsäle, Karlsgartenstr. 6/10. Bergstr. 147. Bruses Festsäle, Rnefebedftr. 113. Zagesordnung: Unser letztes Wort an die Wähler! Referenten: Schriftsteller Katzenstein, Stadtverordneter Dr. Silberstein, Wutzky, Freie Diskuffion. 232/3 Groger und Thurow. E3 tft Pflicht aller Wähler, in diesen Versammlungen zu erscheinen. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Zentralverein d. Bildhauer Deutschlands. -Verwaltung Berlin. Anfäßlich der Reichstagswahl am Freitag, 25. Januar, bleibt unser Bureau den gauzen Tag geschlossen. Die Auszahlung der Unterstützung für Arbeitslose ist Sonnabend vormittag bis 11 Uhr, für Ausgesperrte von 12-1 Uhr. 20/3 Die Ortsverwaltung. Sanssouci otbufer straße 4a. Direktion Wilhelm Reimer. Sonnt., Montg., Donnerst.: Hoffmanns Nordd. Sänger und Tanzkränzchen. Großer Erfolg! Vor der Reichstagswahl! Lustspiel in 1 Aft. Sonnt. Bg. 5, Wochent. 8 U. J. Dienstag: Theaterabend Bon Linden- Straße 69. Blut und Eisen • Oranienstraße 158. Habe nirgends Filialen! Nach auswärts per Nachnahme. Inventur- Extraliste billige Sonderangebote gratis u. franko! Colosseum Dresdenerstraße 97. Spezialitäten- Theater. Im Konzertsaal: Großer Bockbier- Jubel. All- Deutschland im Bod." Naționale Dekoration! Ueberraschungen aller Art. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Bum Schluß: Neu! Christmarkt. Anfang Bochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Krieg und Kriegertum in alter und neuer Zeit WalhallaBon Hugo Schulz Allgemeinverständliche, populäre Abhandlungen aus der Kulturgeschichte ift foeben Heft 17 zur Ausgabe gelangt. Preis pro Heft 20 Pf. Abonnenten können jederzeit eintreten. SCHUTZMARKE 8 Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Heute abend 8 Uhr: Die erste Sensation von 1907: der Mann Kosta, mit bem drehbaren Kopf. Karneval- Spezialitäten 14 14 Berliner Bock- Brauerei Aktien- Gesellschaft Tempelhoferberg und Chausseestraße 58 Die Eröffnung der 69. Urbock- Saison 1907 findet am Sonntag, den 27. Januar, vormittags 12 Uhr statt. Einzig! Täglich großer Bock- Jubel! Original und unerreicht! Original Bockbier bester Ersatz für sogenannte echte Münchener Biere kommt in Flaschen und Gebinden vom 25. Januar ab zum Verkauf. De Nur echt in Korkflaschen mit Kapseln und zwei eingeblasenen DF Böcken. Bestellungen erbeten: Telephon Amt VI, 3019, 9191( Abt. I, Tempelhoferberg) Telephon Amt III, 2603, 2623( Abt. II, Chausseestr. 58) Allein Verkauf für Kannen und Syphons: Kannenbler- Versand- Gesellschaft m. b. H. BERLIN NW., Lüneburgerstraße 17/18. Telephon: Amt III, 2018, 3214. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Snferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Raul Singer& Co., Berlin SW. r. 20. 24. Jahrgang. 4. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnerstag, 24. Januar 1907. Verfammlungen. moralische Erfolge zu verzeichnen. Die Spielhöllen, welche früher] Zentralverband der Konditoren. Die lehte Generalversamm eine große Menge der Bädergesellen anzogen, sind zum größten Teil verschwunden. Das moralische Niveau der Bädergesellen hat sich also, dank dem Einfluß der Organisation in erfreulicher Weise gehoben. lung nahm zuerst den Jahresbericht entgegen und vollzog die Wahl der Ortsverwaltung. Einer Gesamteinnahme von 8228,56 M. stand eine Ausgabe von 8197,52. gegenüber. An Kranten, Arbeitslosen- und Reiseunterstübung waren 1499,50 M., an StreifBerband der Bäder. Die Mitgliedschaft Groß- Berlin hielt Der Rechnungsbericht, den der Kassierer, Barth erstattete, und Gemaßregeltenunterstüßung 720 M. ausgegeben worden. Im am Dienstag eine Generalversammlung ab, wo der Jahresbericht weist eine Einnahme auf von 53 920,11 m., eine Ausgabe von Arbeitsnachweis waren 780 Arbeitsgesuche und 663 Arbeitsangebote für 1906 gegeben wurde. Schneider erstattete den Vorstands- 51 453,89 M. und einen Bestand von 2466,22 W. Unter den Aus- eingelaufen; befest wurden 430 Stellen. Der Mitgliederstand bericht. Das vergangene Jahr begann mit den Vorbereitungen gaben befinden sich 9200 M. für Krantenunterstüßung, 223 M. für war am Jahresschluß 252 männliche und 152 weibliche, zusammen zur Lohnbewegung, es folgten Beratungen mit den Meistern und Reiseunterstüßung, 498 M. für Krankenunterstützung, 555 M. Für 404, der Jahresdurchschnitt betrug 376 Mitglieder. Als Bevoll infolgedessen der Abschluß des Vertrages, der eine wesentliche Auf- den sozialdemokratischen Wahlfonds, 181 M. für die Opfer des mächtigter wurde Felix Weidler, als 2. Borfibender Karl besserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse darstellt. Vor der russischen Freiheitstampfes. Am Schlusse des Jahres 1905 be- ipf, als Hülfsbeamter Mar Thieme und für die anderen Hahn, Kuhrts, Heufel, Lohnbewegung waren 50 Proz. der Berliner Bäckergesellen außer lief sich die Zahl der Mitglieder auf 1829, am Ende des Jahres Vorstandsposten Niesig, Koft und Logis; als eine Folge der Lohnbewegung ist die Zahl 1906 waren es 1911 Mitglieder. Wie schon bemerkt, herrscht Morgenroth, Junge, Peters, Albrecht, Webel auf 70 Proz. gestiegen. Den Arbeitgebern ist ja besonders die Ab- unter den Mitgliedern eine sehr starke Fluktuation. Einem Zu- fowie Frl. Guska und Schwarz gewählt. Revisoren wurden zur Gewerkschaftsschaffung des Koft- und Logiswesens sehr unangenehm. Sie haben gang von 2047 Mitgliedern im Berichtsjahre steht ein Abgang von Dorsch und Bracklow, Delegierte deshalb versucht, die Vertragsbestimmungen zu umgehen und 1965 gegenüber. Nachdem die Berichterstattung erledigt war, fommission Achtenhagen und Schöbel, Kontrolleure des schließlich ist es wegen der im Vertrage vorgesehenen Einführung erfolgte die Neuwahl des gesamten Vorstandes. Dieselbe hatte Arbeitsnachweises üthie, Lehninger, Strzodka. An bes paritätischen Arbeitsnachweises zu einer Differenz zwischen den folgendes Ergebnis: Schneider, 1. Vorsitzender; Ulitschke, genommen wurde ein Antrag, die Hauptverwaltung zu ersuchen, Vertretern der Meister und der Gesellen gekommen, wodurch das 2. Vorsitzender; Barth, Kassierer; Bolz, Gaufaffierer für den in allen Mitgliedschaften des Verbandes eine Umfrage zu berWeiterverhandeln in der Schlichtungskommission nicht mehr mög- Westen; Bennede, i. Schriftführer; Nitsche, 2. Schrift anstalten, wie sich diese prinzipiell zur Gründung eines Nahrungs Bäckern mittelindustrie Verbandes zwischen Konditoren, und lich erscheint. Hiernach steht es jetzt so, daß, wenn die Be- führer; Schumann, Pfefferkorn, Schulz, Wide, stimmungen des Vertrages durchgeführt werden sollen, es wohl zu Gram 3, Beifiker; Lief länder, Weise, Springer, Müllern stellen, und wenn die Mehrheit der Mitglieder zustimmend einem Kampf fommen wird. Weiter führte der Redner aus, daß Schach, Menacher, Revisoren. botiert, den Zentralverwaltungen der Bäcker und Müller die gleiche die Organisation im vergangenen Jahre gute Erfolge erzielt hat. Zum lepten Punkte, Gewerkschaften und Frage vorzulegen. Wenn auch die Vermehrung der Mitgliederzahl nicht besonders esschold über die Reichstagswahlen. Er Reichstagswahl, wurden die Mitglieder verpflichtet, unbedingt an groß ist, da die häufige Arbeitslosigkeit der Bäder die Ursache einer forderte die Stollegen auf, im Interesse der Sozialdemokratie zu der Wahl feilzunehmen und für die Sozialdemokratie Progroßen Fluktuation ist, so hat doch der Verband bedeutende wählen und zu wirken. paganda zu machen. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, den 24. Januar. Anjang 7%, Uhr. Sgl. Opernhaus. Mignon. Kgl. Schauspielhaus. Wallenfteins Zon Die Geschwister. MitDeutsches. fchuldigen. Weften. Coufin Bobby. Zorning. Die Regimentstochter. Romische Oper. Hoffmanns Er zählungen. Anfang 8 Uhr. 1353 Berliner. Der Hund von Basterville. Leffing. Benn wir Toten erwachen. Schiller 0.( Wallner Theater.) Der Kaiserjäger. Schiller Theater Charlottenburg. Die Räuber. Schiller N.( Friedrich Wilhelmftädtisches Theater). Die von Hochfattel. Neues Schauspielhaus. Herthas Hochzeit Kleines, Ein tdealer Gatte. Neues. Die Condottieri. Nefidenz. Florette und Patapon. Luftspielhaus. Husarenfieber. Zentral. Künstlerblut. Deutsch Amerikanisches. Sorgenbrecher. Der Hierauf sprach Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater). Schiller- Theater Charlottenburg, Donnerstag, abenb38Uhr: Bismarckstraße, Ede der Grolmanstr. Zum ersten Male: Donnerstag abends 8Uhr: Der Kaiserjäger. Die Räuber. Komödie in 3 Aufz. v. Hans Brennert Schauspiel in 5 Aufzügen von und Hans Ostwald. Friedrich Schiller. Freitag, abends 8 Uhr: Freitag, abends 8 Uhr: Jugend. Die Räuber. Sonnabend, abends 8 Uhr: Sonnabend, abend 38115: Der Kaiserjäger. Jugend. Arnold Scholz Neue Welt Hasenheide 108/14 Von Sonntag, den 27. Januar 1907 an täglich im festlich dekorierten Saale Gr. Münchener Bockbier- Fest Originellster Bock- Jubel und Trubel Berlins Baron Muckl's Original Oberbayrische Bauernkapelle D'Hollertauer Schuhplattler, Jodler und Instrumental- Gesellschaft Alpenblumen Bedienung durch 30 echte bayrische Madl in Nationaltracht Sensationelle Ueberraschungen. Anfang Wochentags 7 Uhr Entree 30 Pf. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Thalia. Eine fuftige Doppeleže. Die Condottieri. Luisen. Sherlod Holmes. Bernhard Rose. Der Raub der Sabinerinnen. Trianon. Frl. Josette meine Frau. Metropol. Der Teufel lacht dazu Gebr. Herrnfeld. Familientag im Hause Prellstein. Wintergarten. Saharet. Spezia litäten. Apollo. Die schöne Beftalin. Spe zialitäten. Rafino. Ledige Leute. Spezialität. Folies Caprice. Das Model. Serenissimus Auguft XXVI. Paffage. Berlin paß auf! Spezialitäten. Figaro. Eine gute Partie. Die Klaue. Chicagoer Landwirt. Unterm Bett. ( Anfang 8, Uhr.) Prater Theater. Wilhelm Tell. Walhalla. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Im Hörjaal 8 Uhr: Dr. B. Donath: Die chemischen Stromwirtungen. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Hund von Baskerville. Theater des Westens Station Zoolog. Garten, Kantstr. 12. Durchschlagender Erfolg! Allabendlich 71 Uhr: Gastspiel Frit Berner Morgen und folgende Tage: Die Condottieri. Kleines Theater. Bum 160. Male: Ein idealer Gatte. Anfang 8 Uhr. Freitag, Sonnabend u. Sonntag: Eine triviale Komödie für seriöse Leute.( Bunbury.) Sonntag nach. mittag 3 Uhr: Nachtasyl. Anfang Sonntags 4 Uhr. Entree 50 Pf. Urania. Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: Die Fenergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr Dr. B. Donath: Die chemischen Stromwirkungen. Metropol- Theater Abends 8 Uhr: Der Teufel lacht dazu. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Lortzing- Theater Roth. 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Januar 1907: Slein Däumling. 8 Uhr: Raub der Sabinerinnen. Herthas Hochzeit. Sonntag nachm. 3 Uhr: Sherlod Freitag: Die Hochzeitsfackel. Anfang 8 Uhr Komische Oper. Anfang?, Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Freitag: Tosca. Sonnabend: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag nachm. 3 Uhr: Carmen. Abends 8 1hr: Tosca Montag: Bierpuppen und Don Pas quale. Holmes. 8 Uhr: Wilhelm Tell. Cipollo Theaten Hervorragende Spezialitäten und Die schöne Vestalin. Operette. Mufit von Viktor Holländer. Sonntag, den 27. Januar, nachm. 3 Uhr: Doppelvorstellung. Halbe Breise 1 1. Abt. Variété. 2. Abt. Benus auf Erden. Der Raub der Sabinerinnen. Billettvorverkauf von 10-1 Uhr an Freitag: Die Schule des Lebens. Sonnabend Bremiere: Kean oder: Genie und Leidenschaft. Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Berlin paß' auf! Burleste in 2 Atten v. Leop. Ely. Mufit von Rudolf Nelson. In den Hauptrollen: Josefine Dora, Paulette van Roy, Albert Kühne, Martin Bendix. Außerdem: Die glänzenden neuen Spezialitäten für Januar. 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