Nr. 23. Abonnements- Bedingungen: abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 m, monatl, 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt 10 Big. Bolt Abonnement: 1,10 Mart pro Monat, Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweben und die Schweiz. Crichcint täglich außer Montage. Vorwärts Berliner Volksblaff. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Baum 50 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebrudte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf. Hellen Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen dis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm breffe: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Ferniprecher: Ami IV. Nr. 1983. Parteigenoffen! Parteigenossen! Sonntag, den 27. Januar 1907. Aber es bedurfte nur dreier Jahre und wir verdreifachten die Zahl unserer Mandate- eroberten 1890 ihrer 85 und verdoppelten die Zahl unserer Stimmen. Man sieht, wie wenig Ursache wir haben, ob einer Niederlage zu berzagen. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsbrecher: Amt IV. Mr. 1984. Je mehr diesmal unser Fortschritt gehemmt wurde, desto gewaltiger muß er sich bei der nächsten Wahl äußern, dessen dürfen wir versichert sein. Dafür spricht die Geschichte unserer Partei, der Gang der industriellen Entwickelung, der Charakter jener Schichten, die für uns, und jener, die für unseren Gegner den Ausschlag geben. Aber natürlich, von selbst kommt nichts. Wenn auf eine Niederlage, wie die bon 1887 ein so glänzender Sieg wie der und Die Hauptwahlen sind vorüber. Wir haben eine Anzahl Indes geht die Analogie zwischen 1887 und 1907 noch Mandate, in manchen Kreisen auch Stimmen verloren. Da weiter. Auch die Mittel, mit denen unsere Gegner damals arbeiteten, waren die gleichen. Die beiden Hauptmittel, durch gegen ist in vielen auch in den der Partei entgangenen die es den Regierungsparteien 1887 gelang, uns zu über von 1890 folgte, fo ist das nicht zum mindestens, ja vor Wahlkreisen ein bedeutender Stimmenzuwachs zu verzeichnen. wältigen, waren einmal der Appell an die Partei der Nicht allem dem zuzuschreiben, daß die Niederlage nicht entmutigend, Eine Würdigung der Ursachen dieses Ausgangs behalten wir wähler, auf die mit den stärksten Mitteln eingewirkt wurde, sondern anstachelnd wirkte; daß sie die Energie der Genossen uns bor. Für heute gilt es Stellung zu nehmen zu den und der Zusammenschluß der Liberalen und aufs äußerste aufpeitschte, die Kraft und Bucht bielen Stichwahlen, bei denen wir beteiligt sind. der Konservativen zu einer reattionären ihrer Propaganda verdoppelte. Das muß auch die Masse. Nur sind wir darin heute weiter als vor zwanzig erste größte Wirkung unserer Verluste bom Jahren und darin spiegelt sich der Fortschritt, den wir seitdem 25. Januar sein. Wir haben noch nie gefeiert nach einem gemacht. Damals schlossen sich Nationalliberale und Kon Sieg, noch weniger wollen wir feiern nach einer Niederlage. fervative zum Startell zusammen, der Freifinn gehörte mit Nach jedem Kampf. den wir ausgefochten, wie immer er ausdem Zentrum noch zur Opposition. Heute gibt es keinen gehen mochte, hieß es immer wieder: vorwärts zu neuent eigentlichen Gegensatz mehr zwischen Freisinnigen und Kon Kampf, vorwärts zu neuem Sieg! Unsere Sache ist unfervativen. Schon 1887 verrieten jene ihr Herz bei den Stich erschütterlich, ist unbesiegbar. Unsere Gegner dagegen können wahlen, wo sie gegen die Sozialdemokraten für die Kartell- teine Niederlagen mehr vertragen. Eine große Niederlage brüder stimmten. Diesmal taten sie das schon bei der ersten tötet sie. Der Sozialdemokratie schlägt alles zum besten aus, Wahl und erhielten sie bei der ersten Wahl schon massenhaft fie saugt neue Straft nicht bloß aus Siegen, sondern auch aus Niederlagen, fie erhebt sich immer wieder zu neuen und erfonfervative Stimmen. höhten Triumphen, denn ihre Sache ist die Sache der Arbeit, der Kultur, die Grundlage alles gesellschaftlichen Seins. Vor allem handelt es sich darum bei für uns aussichtsbollen Stichwahlen alles aufzubieten, um durch Heranziehung unserer Reserven und durch Aufwendung stärkster Agitation den Sieg zu erringen. Alle Kräfte müssen aufgeboten werden, um in diesen Kreisen die eroberten Sie im Reichstage zu vermehren! Bei Stichwahlen zwischen gegnerischen Parteien empfehlen wir, nach folgenden Grundsätzen zu verfahren: Unter keinen Umständen dürfen Konservative, Reichspartei, Bund der Landwirte, Antisemiten und Nationalliberale eine fozialdemokratische Stimme bei den Stichwahlen erhalten. Für die anderen Parteien empfehlen wir folgende Stellungnahme unferer Genossen: Voraussetzung für die Unterstützung einer dieser Parteien bet den Stichwahlen muß die Verpflichtung des Kandidaten sein, daß er 1. gegen jede Verschlechterung des allgemeinen gleichen geheimen und direkten Wahlrechts stimmen wird; 2. daß er jeden Versuch das Koalitionsrecht einzuschränken unbedingt zurückweisen wird; 3. daß er sich gegen jedes wie immer geartete Ausnahmegefeh erklären wird. Das Aufhören des Freisinns als demo tratische Oppositionspartei, sein wieder aufleben als linker Flügel der kon servativen Regierungspartei, das ist die Signatur dieses Wahlkampfes. vom 25. Januar 1907. Der feste Zusammenschluß aller bürgerlichen Barteien mit Das Gesamtergebnis der Reichstagswahl Ausnahme des Zentrums gegen die Sozialdemokratie, deren Wahlsieg von 1903 sie aufgepeitscht und in Schrecken bersetzt hatte, und das Heranschleppen der großen indifferenten Masse an die Wahlurne, das sind die Hauptursachen unserer Mandats- Danach find 229 Abgeordnete gewählt, während in 156 Wahlberlufte. Das sind aber Mittel, die ihre Grenzen haben und nicht überboten werden können. Was auf dem Boden des kreisen Stichwahlen stattzufinden haben. allgemeinen Wahlrechts gegen die Sozialdemokratie geschehen Bisher sind aus 385 Wahlkreisen die Ergebnisse bekannt. tann, ist diesmal geschehen. Stärkere Mittel tönnen unsere Sozialdemokratie. Nationalliberale . • 4 Gegner nicht mehr in Anwendung bringen. So können sie greifinnige Parteien und Süddeutsche Nachdem diese Erklärungen abgegeben sind, empfehlen unseren Siegeszug nur vorübergehend hemmen, er muß von Volkspartei. wir den Streiswahlkomitees die Entscheidung, ob ein nun an wieder weiter vorwärts gehen! solcher Gegner bei der Stichwahl sozialdemokratische Unter- Aber war die Wahl von 1887 nicht insofern günstiger für Zentrum. stüßung finden soll, unter der Würdigung der Persönlichkeit uns wie die jetzige, als sie uns damals einen starken Stimmen- Deutsch- Konservative des Gegners zu treffen. Unter keinen Umständen aber darf zuwachs brachte? Es ist richtig, daß wir 1887 wohl mehr als Deutsche Reichspartei einem Standidaten eine sozialdemokratische Stimme zufallen, die Hälfte aller Mandate verloren, aber 200 000 Stimmen Antifemiten und Mittelstandsparteiler gewannen. Wie groß unsere Stimmenzahl diesmal wird, läßt Bolen der die aufgestellten Bedingungen nicht akzeptiert. sich noch nicht bestimmen, jedenfalls ist ein toloffaler Zuwachs, Bilbe wie er 1903 eintrat, ausgeblieben. Aber gerade dieser Zuwachs erklärt den jezigen Stillstand- so weit ein solcher stattfand. Bei der letzten Wahl vor 1887, der von 1884, hatten wir keinen erheblichen Fortschritt über den Stand von 1903 dagegen waren wir von 2 Millionen auf 3 Millionen ge1877 hinaus gemacht- 550 000 Stimmen gegen 500 000. wachsen. Eine Million Retruten! Diese zu ererzieren und zu festigen, so daß sie jedem Feuer standhielten, das war unsere nächste Aufgabe. Und sie ist uns gelungen. Parteigenossen! Das Interesse der Partet erfordert bei der gegenwärtigen Wahlsituation die stritte Innehaltung dieser Stichwahlparole. Vorwärts zum energischen Stampf und Steg in den Streifen, in denen wir uns noch einmal mit den Gegnern zu messen haben. Mit Anspannung aller Kräfte wird es gelingen, noch in vielen Streifen die Gegner niederzuringen. Berlin, 27. Januar 1907. Der Parteivorstand. Es sind gewählt 30 an Stichwahlen beteiligt 90 9 56 17 62 90 38 12 15 9 17 19 2 5 7 Das Wahlergebnis für die fozialdemokratische Partei. Bestand 1903 noch ein Drittel unserer Armee aus Rekruten, Von den 81 Mandaten, die im Jahre 1903 unsere Partei die zum Teil nur vorübergehende Stimmungen in unser Lager bei den Haupt- und Stichwahlen erlangte, haben wir im getrieben hatten, so besteht sie jest vollständig diesmaligen ersten Wahlgang 29 behauptet, nämlich folgende aus erprobten Rämpfern, auf die wir uns Streife: unter allen Umständen berlassen tönnen. Wer Das Ergebnis der Wahlichlacht. bem tum ftandhält, der in den letzten Wochen gegen und tobte, in der ist uns sicher, der kann uns nicht mehr entrissen werden. Noch liegen nicht aus allen Wahlkreisen genaue Ziffern Haben wir unsere Armee nicht erheblich vergrößert, so doch über die Abstimmung vom 25. Januar vor, aber was bekannt erheblich konsolidiert. Das bezeugt schon die stete Zunahme der ist, genügt, ihren Charakter erkennen zu lassen. Es wäre Leser unserer Parteipresse, der Mitglieder unserer Organisationen. Torheit, verhehlen zu wollen, daß sie uns eine Enttäuschung Und die Begeisterung dieser Armee ist so stürmisch, hingebend, gebracht hat. Seit zwei Jahrzehnten ist die deutsche Sozial- wie nur je. Gerade das trat im legten Wahlkampf kraftvoll demokratie gewöhnt, nur mit Siegen zu rechnen, und nun zutage, und gerade das war die Ursache der großen Siegeseine Wahl, die uns taum ein erhebliches Anwachsen unserer gewißheit in unseren Reihen. Stimmenzahl, dabei aber den Verlust einer ganzen Reihe von Ist aber das Heer unserer Anhänger innerlich gefestigt Mandaten bringt, die zum Teil alter Besitz der Partei waren. worden, so haben unsere Gegner nichts gewonnen, als jenes Eine Partei, die an stetes, unaufhaltsames Vordringen ge- gedankenfaule und tatenarme Philifterium, das sich höchstens wöhnt ist, hat alle Ursache enttäuscht zu sein, wenn sie einmal zur Wahlurne schleppen läßt, aber sonst hinter dem Ofen einmal einen Rückschlag erleidet enttäuscht, aber nicht hoden bleibt und nicht der geringsten Mühe, nicht des geringsten entmutigt. Opfers für feine Sache fähig ist. Wer auf diese Schicht baut, Kaum anders als heute war die Situation vor zwanzig der hat auf Sand gebaut; deffen Hays bricht bei dem ersten Jahren. Auch damals gab es Faschingswahlen und auch starken Windstoß zusammen. Das sind jene Schichten, die damals brachten sie uns enorme Mandatsverluste. Von den bonapartistischen Plebisziten ihre ungeheuren kaiserlichen 25 Mandaten behaupteten wir in der Hauptwahl bloß 6 Berlin IV und VI, Hamburg I und II, Altona und Nürnberg, also im Grunde nur drei Städte. In den Stich wahlen gewannen wir dazu fünf weitere Streise( Breslau II, Elberfeld, Solingen, Hannover und Frankfurt a. M.), so daß vir mit 11 Mandaten weniger als die Hälfte unseres früheren Befitsfandes behaupteten. Wir gingen hinter den Besikstand von 1877( 12 Mandate) zurück. Majoritäten brachten und die bei der ersten Niederlage des Kaiserreiches dieses in den Abgrund der Hölle wünschten. Diefelben Schichten, die 1887 Vismard eine große Majorität verschafften und ihn 1890 stürzten, die den bismärdischen Kartellparteien 1887 220 Mandate brachten, um sie 1890 auf 135 zu reduzieren. Von diesen Schichten brauchen wir uns am allerwenigsten imponieren zu lassen. Preußen. Berlin, 2. Wahlkreis: Richard Fischer. Berlin, 3. Wahlkreis: W. Heine. Berlin, 4. Wahlkreis: P. Singer. Berlin, 5. Wahlkreis: N. Schmidt. Berlin, 6. Wahlkreis: G. Ledebour. Niederbarnim: A. Stadthagen. Teltow- Storkow: F. 8ubeil Waldenburg: H. Sachse. Aschersleben- Calbe: A. Albrecht. Kiel- Rendsburg: R. Legten. Altona- Stormarn: K. Frohme. Hannover: A. Brey. Solingen: Ph. Scheidemann Bayern. München II: G. b. Vollmat. Nürnberg: A. Sübetum. Sachfen. Dresden- Neustadt: A. Kaden. Dresden- Tharandt: G. Horn. Mittweida- Limbach: D. Studien. Leipzig- Land: F. Geyer. Chemnitz: G. Noste. Glauchau- Meerane: J. Auer. Zwidan- Crimmitschau: K. Stolle. Stollberg- Schneeberg: H. Goldstein. Württemberg. Stuttgart: K. Hildenbrand. Baden. Mannheim: 2. Frant. Hanfeftädte. Hamburg, 1. Wahlkreis: A. Bebel. Hamburg, 2. Wahlkreis: H. Diez. Hamburg, 3. Wahlkreis: W. Metzger. Lübeck: Th. Schwarz. Neu gewonnen wurde: Elsaß- Lothringen. Mülhausen: 2. Emmel. Verloren sind folgende 21 Kreise: Preußen. Rarlsruhe. Liebenwerda- Torgau: Fleißner( Soz.) und Wilde( nafl.). Ged( S03.) 14 896( 11 429). Schmidt( Bentr.) 11 462( 7478). Oschersleben- Halberstadt: A. Bartels( Soz.) und Rimpau( natl.). Hoffmann( fonferv.) 2482( 2261). Stichwahl zwischen Geck und Schmidt. Durlach- Pforzheim. Apenrade- Flensburg: Michelsen( Soz.) und Wommelsdorf( natl.). Redingen- Neuhaus- Lehe: A. Haberkamp( Soz.) und Böttger( natl.). Göttingen: Heymann( Soz.) und Ohlenhusen( Belfe). Eichhorn( Soz.) 15 899. Wittum( natt.) 12 421. Belzer( 8.) Hameln- Linden: R. Schmidt( Soz.) und Hausmann( natl.). Stabe- Bremervörde: Rhein( Soz.) und Reese( natl.) Harburg: Baerer( Soz.) und Depken( natl.) Bayreuth: K. Hugel( Soz.) und Hagen( natl.) 6805. Darmstadt: Stichwahl zwischen Eichhorn und Wittum. Berthold( Soz.) 15 012( 14 144). Dfann( natt.) 10 183( 8659). Raiserslauteru: E. Klement( Soz.) und Röside( Bund der LandKorell( lib.) 8457( 1997). Mainz. Stichwahl zwischen Berthold und Dsann. wirte.) Ulm- Heidenheim: A. Dietrich( Soz.) und Storz( Deutsche Volksp.). Eisenach- Dermbach: H. Leber( Soz.) und Schad( Antisemit). Dr. David( Soz.) 14 654( 13 027). Molthau( Bentr.) 9250 Rigingen: R. Kern( Soz.) und Baumann( Bentr.) ( 8151). Dr. Pagenstecher( natt.) 8666( 4895). Bremen. Stichwahl zwischen David und Molthau. Wandsleben: Silberschmidt( Soz.) und Rieseberg( Mittelstand). Dieburg- Offenbach: C. Ulrich( Soz.) und Dern( natl.). Holzminden- Gandersheim: R. Kalber( Soz.) und Damm( Welfe). Schmalfeldt( 503) 27 360. Hormann( Frs. Volksp.) 28 006. Eichwege- Schmaltaden: Eikhardt( Soz.) und Raab( Antis.) Ifelbi( 504) 27 300 Depken( B. d. 2.) 1141. Stichwahl zwischen Schmalfeldt und Hormanu. Königsberg- Stadt: H. Haase. Breslau- Ost: F. Zuzauer. Breslau- West: E. Bernstein. tus a Bochum. Sue( Soz.) 42 019( 39 135). Sloft( Bentr.) 33 416( 31 408). Chreiszewsky( Bole) 9818( 6208). Toe Stichwahl zwischen Hue und Franken. Franken( natl.) 40 512( 33 428). Schaumburg- Lippe: H. Klingenhagen( Soz.) und Dr. Brunster mann( Reichsp.). Koburg: Redakteur Zietsch( Soz.) und Quard( natl.) Magdeburg- Stadt: W. Pfannkucj. Saalfreis Halle: F. Kunert. Naumburg- Zeit: A. Thiele. Königreich Sachsen. Löbau- Ebersbach: K. Sindermann. Pirna: Fräßdorf. Freiberg- Dederan: E. Schulze. Leipzig- Stadt: H. Lange. Bichopan- Gelenau: P. Göhre. Kirchberg- Auerbach: A. Hoffmann. Württemberg. Böblingen- Vaihingen: K. Sperta. Eßlingen- Nürtingen: 2. Schlegel. Göppingen- Gmünd: H. Lindemann. Deutsche Kleinftaaten. Braunschweig: W. Blos. Sonneberg- Saalfeld: P. Reißhaus. Gotha: W. Bock. Schwarzburg- Rudolstadt: M. Hofmann. Reuß ältere Linie: H. Förster. Reuß jüngere Linie: E. Wurm. In den übrigen Wahlkreisen, die wir 1903 eroberten, finden Stichwahlen statt und zwar stellt sich das Wahlergebnis des ersten Wahlganges folgendermaßen: Wefthavelland- Brandenburg. Weimar- Apolda. Baudert( Soz.) 12 062( 10 685). Gräf( Deutschsozial) 7641( 0). Weiß( Frf. Boltsp.) 7581( Natl. Ziefe 5737, Heydenreich 3771, Fri. Ver. 2924). Stichwahl zwischen Baudert und Gräf. Frankfurt a. M. Dr. Duard( Soz.) 28 900( 20 178). Defer( D. Volksp.) 17 700 ( 5068). Kämpf( Antis.) 5020( 4506). Erzberger( Bentr.) 4500( 3551). Stichwahl zwischen Dr. Quard und Deser. Sachsen- Altenburg. Buchwald( Soz.) 18 450( 18 695). Kommerzienrat SchmidtAltenburg 14 975( 14 498). Dr. Höfer( Frf. Volksp.( 7045( 2993). Stichwahl zwischen Buchwald und Schmidt. Wekt die Scharte aus! Der Ausfall der Reichstagswahl hat schlagend bewiesen, daß der schlimmste Feind des politischen Fortschritts die Dumpfheit und Geistesträgheit des Volkes Heinrich Peus( 503.) 11 252( 11 228). Dr. Goerte( tons.- iſt. natt.) 7009( 6587). Keruth( Fri. Vp.) 5910. Stichwahl zwischen Beus und Goerte. Randow- Greifenhagen. Alwin körsten( S03.) 17 222( 17 145). Frhr. v. Steinäder ( fonf.) 15 779( 15 806). Strüger( Frf. Vp.) 4900( 1153). Stichwahl zwischen Körsten und v. Steinäcker. Stettin- Stadt. Es ist deshalb die unerläßliche Pflicht jedes flaffenbewußten Arbeiters, noch ganz anders als bisher dafür zu sorgen, daß endlich in den Bresche gelegt wird. Unverstand der Maffen Die Reichstagswahl hat gezeigt, daß die Partei nur da sichere und stetige Fortschritte macht, wo die Arbeiterklasse Dr. Dohrn( Fri. straff organisiert und durch die Preffe genügend aufgeklärt ist. In Berlin und Umgegend sind mehr als 300 000 Stimmen abgegeben worden. Trotzdem beträgt die Auflage des Vorwärts" erst Friz Herbert( S03.) 14 525( 13 111). Ver.) 15 441( 9472). Sepfe 3686( 4989). Stichwahl zwischen Herbert und Dohrn. Reichenbach- Neurode. Kühn( Soz.) 9715( 11 619). Dr. Fleischer( Bentr.) 6514( 8432). Kopsch( Fri. Voltsp.) 5732( 1729). Dortmund. Stichwahl zwischen Kühn und Fleischer. Bömelburg( S03.) 38 753( 38 305), Prof( natt.) 25 727 ( 21 117). Effert( Bentr.) 22 248( 19 472). Chrciszewski( Pole) 5088( 2743). Voltening( Freif.) 488( 1100). Stichwahl zwischen Bömelburg und Prot. Lennep- Mettmann. Meist( Soz.) 21 373( 21 802). Gidhoff( Frf. Voltsp.) 16 659 ( 12 494). b. Derzen( Christfoz.) 7065( 2600). Nat.( 7466). Hammacher( Zentr.) 6240(-). Chrciszewski 44. Elberfeld. Stichwahl zwischen Meist und Eickhoff. Wolkenbuhr( Soz.) 27.177( 27 056). Hingmann( natl.) 14125 ( 14 091). Ling( fonf.) 13 904( 12 070). Marg 6536( 5100). Stichwahl zwischen Molkenbuhr und Hinzmann. München I. Birt( Soz.) 10 800( 10 178). 2ölzl( natt.) 10 214( 5984). Nagler( Bentr.) 5592( 5136). 8wei Bezirke fehlen. Stichwahl zwischen Birk und Wölzl. Speyer- Ludwigshafen Frankenthal. Ehrhardt( S03.) 16 477( 16 567). Buhl( Lib.) 13 843( 6990 +4745). Laven( 3.) 8414( 8095). Stichwahl zwischen Ehrhardt und Buhl. 1. fächsischer Kreis Zittau. Fischer( Soz.) 10 661( 11 265). Buddeberg( Frf. Bp.) 11 179 ( 4953 und 6084 natl.). Frohberg( konf.) 2244( 0). berger( 3.) 837( 0). Stichwahl zwischen Fischer und Buddeberg. 5. sächsischer Kreis Dresden- Altstadt. ErzGradnauer( S03.) 19 389( 21 569). Heinze( natl.) 18 701. Unrasch( fonf.) 4966( 1903 Mischmasch 15 172 und 1354 nat.- fo3.). Erzberger( Bentr.) 545( 726). Stichwahl zwischen Gradnauer und Heinze. 7. sächsischer Kreis Meißen. Nizschke( Soz.) 12 503( 15191). Göbel( Antif.) 5951( 12182). Prof. Dinger( fons.) 5177( 0). Ligte( Frf. Ver.) 2973( 0). Stichwahl zwischen Nizschte und Göbel. 125 000! Parteigenossen, Arbeiter, wollt Ihr Berlin, die rote Hochburg, gegen jede Ueberrumpelung schützen, so sorgt für eine noch weit größere Verbreitung des„ Vorwärts"! Nur tägliche Belehrung und Aufklärung sichert auch die fünftigen Siege! Genossen! Vorwärtsleser! Sorgt für weiteste Verbreitung Eures Kampforgans! Gedenkt der künftigen Wahlschlachten! Weht die Scharte aus! Rostock- Doberan Dr. Herzfeld( Soz.) 10 433( 13 398). Fischer( Frf. Boltsp.) 6708( 8542). Link( natl.) 5699( fonferv. 3951). Stichwahl zwischen Dr. Herzfeld und Fischer. Pinneberg- Segeberg. Nachträge. Unserer heutigen Nummer liegt die Spezial- Ausgabe bei, die wir gestern mittag erscheinen ließen. Die an dieser Stelle hier veröffentlichten Nachträge stellen Ergänzungen bezw. Berichtigungen zu den in unseren beiden Nummern von gestern mitgeteilten Resultaten dar. Stuhm- Marienwerder. Westpreußen. Bartel( Soz.) 640( 677), itt( Reichsp.) 9785( 8071), Wolszlegier( Pole) 6525( 6214), Dr. Spahn 742( 687). Gewählt: Witt. Graudenz- Strasburg. Bartel( S03.) 1413( 1401), b. Zaczewosti( Bole) 12 820 ( 12503), Sieg( natt.) 13 843( 12223), Spahn( Bentr.) 48( 121). Stichwahl zwischen Sieg und Laczewski. Thorn- Kulm. Neumann( So.) 529( 998), Bolt( Bole) 15 155( 13 952) Ortel( fons.) 15 478( 13 406), Spahn( Bentr.) 37( 89). Stichwahl zwischen Boldt und Ortel. Schwek. Stichwahl zwischen Bole und Reichspartei Schlochau- Flatow. ओ Crispien( Goz.) 163( 115). Bödler( Antis.) 4097( 6956). Dr. v. Komierowsti( Pole) 5454( 5194). Wildens( fons.) 10 138( 3225). Spahn( 3entr.) 2905( 2875). Stichwahl zwischen Wildens und v. Komierowski, Deutsch- Krone. Stichwahl zwischen Gamp( Reichsp.) und Spahn( Bentr.). Ost- Priegni. Brandenburg. Maaß( Soz.) 1528, v. Dallwitz( f.) 5849, Löscher( Wildkons.) 4719, Holz( Antis. u. Mittelstand) 1017, Bolzenthal( Fr. Vp.) 607. Stichwahl zwischen den beiden Konservativen v. Dallwik und Löscher. Prenzlau- Angermünde. Bels( Soz.) 4218. v. Winterfeld( tonf.) 18 187. Steinweg ( Frf.) 3707. Gewählt: v. Winterfeld. Jüterbog- Luckenwalde. Ewald( Soz.) 11 113. b. Dergen( D. Np.) 12 564. Boschle ( Frf. Vg.) 5535.( 39 Landgemeinden stehen noch aus.) Stichwahl zwischen v. Derzen und Ewald. Teltow- Beeskow. Zubeil( Soz.) 103 873. Oberbürgermeister Boddin( L) 52 434. Stadtschulrat Reufert( Frf. Vp.) 39 045. Schriftsteller Erzberger ( 3.) 2862. Rentier v. Czarlinski( Pole) 916. Berſplittert 175. Gewählt: Zubeil. Züllichau- Kroffen. Grauer( Soz.) 8790( 3745). Schlüter( D. Np.) 10 358( 9017). Prof. v. Liszt Freif.) 5568( 4714). Eraberger( 8.) 624. Gewählt: Schlüter( D. Rp.). leg to Cris b. Im( Soz.) 18 599( 19 144), Thomsen( natl.) 7899( 7517), Randow- Greifenhagen. Carstens( frs. Bp.) 12 824( 7357). Stichwahl zwischen v. Elm und Carstens.. Pommeru. Körsten( Soz.) 17 231( 17 145). Konservativ 15 732( 15 806). Freis. Voltsp. 4722( 1158). Außerdem kommt unsere Partei in folgende Greifenberg- Rammin. Stichwahlen: Köln- Stadt: A. Hofrichter( Soz.) und Trimborn( 3.). Sharping( Soz.) 1825( 1287). Normann( fonf.) 11 676 ( 8328). Normann gewählt. Nordhausen- Hohenstein: Th. Glocke( Goa) und Biemer( Ref. p.) dle Glode( Soz.) und 28 iemer( Fef. Bp). Proving Sachfen. Hirschberg- Schönau: Albert( Soz.) und Dr. Ablaß( Frf. Vp.). Karlsruhe- Bruchsal: Adolf Geck( Soz.) und Dr. Weill( Frs. Vp.) Durlach- Pforzheim: Eichhorn( Soz.) und Wittum( natl.) Görlit: H. Müller( Soz.) und Mugdan( Frf. Vp.) Friedberg( Hessen): H. Busold( Soz.) und Oriola( natt.). Bauch- Belzig: F. Ewald( Soz.) und v. Dergen( Deutsche Reichsp.). Erlangen- Fürth: M. Segit( Soz.) und Manns( Frs. Vp.). Düsseldorf: G. Grimpe( Soz.) und Kirsch( 3.). Essen: G. Gewehr( Soz.) und Giesberts( 3.) Duisburg: C. Hengsbach( Soz.) und Junck( Block). Hagen: M. König( Soz.) und Cuno( Frf. Vp.). Dr. Giese( tonserv.) 9714 Straßburg- Stadt: B. Böhle( Soz.) und Burger( Blod). 1. fächsischer Kreis Ofchas- Grimma. Lipinski( S03.) 9855( 10 060). ( 9824). Langhammer( natl.) 5523( 2590). Borna. Stichwahl zwischen Lipinski und Giese. Oberbarnim: B. Bruns( Soz.) und Pauli( Deutsche Reichspartei). Botsdam- Osthavelland: K. Liebknecht( Soz.) und Bauli( tons.) Frankfurt- Lebus: H. Braun( Soz.) und Profeffor Detto( natl.). Schöpflin( So3.) 9783( 10 408). Generalleutnant v. Liebert. Rottbus- Spremberg: Dr. A. Bernstein( Soz.) und v. Dirdsen 10 812( 8804). Fritsch( Ant.) 4777. Stichwahl zwischen Schöpflin und Liebert. Plauen- Delsnits. Gerisch( Soz.) 15 218( 16 406). Beidler( fonf.) 7737( 8313). Günther( Fri. Bp.) 13 080( 6992). Korengel( natl.) 3811( 0). Erzberger( Bentr.) 94( 54). Stichwahl zwischen Gerisch und Günther. Annaberg- Schwarzenberg. ( Deutsche Reichsp.). Bielefeld- Wiedenbrück: K. Sebering( Soz.) und Möller( natt.). Altena- Iserlohn: H. Haberland( Soz.) und Müller( Block). Güstrow- Ribnik: G. Knappe( Soz.) und von Treuenfels( tons.). Danzig- Stadt: H. Trilse( Soz.) und Mommsen( Frf. Vg.) Elbing- Marienburg: A. Crispien( Soz.) und v. Oldenburg( tonf.). Rinteln- Hofgeismar: D. Betterlein( Soz.) und Herzog( Antis.) Kaffel- Melsungen: H. Hüttmann( Soz.) und Lattmann( Antis.). Hanau- Gelnhausen: Hoch( Soz.) und Dr. Lukas( natl.). Grenz( Soz.) 12 550( 13 273). Stresemann( natt.) 8798( 10 137). Söchft- Usingen: F. Brühne( Soz.) und Itschert( Bentr.). Noch( Fri. Volksp.) 6505( 0). Stichwahl zwischen Grenz und Stresemann. Wiesbaden: G. Lehmann( Soz.) und Bartling( natt.). Erfurt: H. Schulz( Soz.) und Hagemann( natl.). 9019 260 Wanzleben. Silberschmidt( S03.) 8814( 7900). Riefeberg( Mittelstb.) 5899( 2022 fonf.). Schmidt( natl.) 3691( 5275). Erzberger( Bentr.) 520( 518). Stichwahl zwischen Silberschmidt( Soz.) and Riefeberg ( Mittelftd.) out galdudad Calbe- Aschersleben. Albrecht( S03.) 21 920( 20,261). Rahardt( Mittelft.) 2054( 0). Schiffer( natl.) 8127( 16 999). Fleischer( 8.) 479 ( 218).( 1903: frs. Vp. 1769.) Gewählt: Albrecht( Soz.). Oschersleben- Halberstadt. Bartels( Soz.) 14 067( 13 771). Rimpau( natl.) 14 375 ( 11 393 und 1675 Frf. Vp.). Eisenträger( ischmasch) 7182 ( 5369 Bd. d. Lw.). Stichwahl zwischen Bartels( Soz.) und Rimpau( natl.) Mansfelder See- und Gebirgskreis. Trautwein( Sog.) 8187( 9011). Dr. Arendt( Rp.) 22 753 ( 16 750). Ropich( Frf. Wp.) 2291( 1102). Gewählt: Dr. Arendt( Rp.) dr I gu Heiligenstadt- Worbis. Bebel( Soz.) 579( 359). b. Strombed( Bentr.) 12 031( 8974). Zimmermann( fonferv.) 1825( 1286). Gewählt: v. Strombeck( Zentr.) Bitterfeld- Delitsch. Rante( Soz.) in Stichwahl mit Bauermeister( 9cp.) Heffen- Naffan. Frislar- Homberg- Ziegenhain. Jordan( Soz.) 774( 644). Liebermann v. Sonnenberg( antif.) 8942( 6767). Müller- Fulda( Zentr.) 446( 352). Freudenstein ( Frs. Vp.) 3697. Gewählt: Liebermann v. Sonnenberg. Eschwege- Schmalkalden. Edhardt( So3.) 7811( 6485). Kimpel( Frs. Vp.) 5850( 4546). Raab 9794( 3309). Stichwahl zwischen Edhardt und Raab. Hersfeld- Hünfeld. Suhn( Soz.) 1783( 1300). Werner( Antis.) 7556( 5577). Müller- Fulda( 3entr.) 3364( 3299). Bodelschwingh( B. d. 2.) 3323( 2938). Wolf( Fres. Vp.) 165. Colmar. Stichwahl zwischen Werner und Müller- Fulda wahrcheinlich. Peirotes( Soz.) 4514( 2871). Preiß( Elfäffer) 7882 ( 8163). Blumenthal( Wolfsp.) 5688( 2768) Stichwahl zwischen Preiß und Blumenthal. Hagenau- Weißenburg. Boigt( Soz.) 2520( 1787). Wiltberger( Freis.) 14 753( 11 686). Golk( Freis.) 9491. Zabern. Gewählt: Wiltberger. Schulenberg( Goz.) 2223( 1903 kandidierte tein Soz.). Soeffel( Rp.) 9571( 7709). Wolf( Freif.) 5626( 7368). Gewählt: Hoeffel. Volchen- Diedenhofen. Voortmann( Soz.) 4351( 6364). de Wedel( Elsässer) 18 232( 8495). Birkheier( 3entr.) 9649( 6671). Gewählt: de Wedel. Königreich Sachsen. Dresden- Land( 6. Kreis). Horn( Soz.) 33 618( 33 781). Bassenge( natt.) 26 091 ( 17 042 Antif.) Gewählt: Horn( Soz.) 13. Kreis. Leipzig- Land. 2. Areis. Eisenach- Dermbach. Reber( Soz.) 6705( 6018). Dr. Winter 5937( 3585), Schad ( Antis.) 6411( 2145). Nachwahl 1905: Leber 6799, Schad 4049, ( Natlib. 2782). Stichwahl zwischen Leber und Schad. 3. Streis. Jena- Neustadt. Beutert( S03.) 7851( 9364). Lehmann 8280( 7349). hendörffer 4846( 5304). Stichwahl zwischen Leutert und Lehmann.. Sachsen- Altenburg. Buchwald( Goz.) 18 450( 18695).( B. d. Nacht. 1904: 17 427). Schmidt( fons.) 14 975( 14 498). Dr. Höfer 7045( 2993). Stichwahl zwischen Buchwald und Schmidt. Fürstentum Waldeck. Müller( Soz.) 1073( 1880). Frhr v. Richthofen( Wirtsch. Vg.) 4089( 4155). Dr. Botthoff 4621( 2891). Böttcher( natl.) 1343( 0). Stichwahl zwischen Potthoff und v. Richthofen. H Wird das Zentrum vor Dernburg tuschen? Die Germania", das führende Zentrumsorgan, beröffent lichte unmittelbar vor der Wahl folgende Angriffe gegen die Kolonialexzellenz: " Es wird ein Glück für das Land sein, wenn das Unternehmen anders ausgeht, als es geplant war, und wenn Herrn Dernburgs Politik gleich zu Anfang feiner Laufbahn eine gründliche Niederlage erleidet. Das Deutsche Reich ist keine Börse und kein Boden für verwegene Spekulationen. Seine Lage, zumal nachdem in den letzten anderthalb Jahrzehnten ein großer Aufwand schmählich vertan worden ist, verlangt ruhige, stete Arbeit und kann fühne Coups, die die Aufmerksamkeit der Welt erregen sollen, nicht ver tragen. Hoffentlich bleibt die Dernburgerei eine Episode, an die bald weiter nichts mehr erinnert, und die man höchstens im Gedächtnis behält, un fich stets zur rechten Zeit zu fagen, wie man es nicht machen soll. Die Zentrumswähler können viel dazu beitragen, daß die Episode für alle, die es angeht, ,, lehrreich" werde." Also wetterte das Zentrum vor der Wahl gegen den Steuermann des weltpolitischen Regierungsfurses! Man darf jezt geSchaumburg- Lippe. spannt darauf fein, ob das Zentrum auch nach der Wahl Klingenhagen( S03.) 2664( 2310). Brauer( natt.) 2150 diefer Worte eingedent ist und die kolonial- und weltpolitische ( Fr. Bp. 1256). Brunstermann( Streichsp.) 8678( Nachwahl Schröpfung des Bolles ablehnt. Oder wird das Zentrum als 1904: 3584). Stichwahl zwischen Brunstermann( Reichsp.) und Klingen- Konkurrent des Freisinns mithelfen, tünftig erst recht für unsere Klingen- Kolonialpolitik einen„ großen Aufwand schmählich für verwegene hagen( Soz.). Spekulationen zu vertun"?! Reuß ält. Linie. Förster( Soz.) 6350( 6840). Arnold( fonf.) 8570( 6707). Gewählt Arnold. " Reuß jüng. Linie. Wurm( Soz.) 12 985( 13 261). Horn( natlib.) 15 697( 10 805). Schug, daß er gewünscht haben könne, durch eine Provokation der Gewählt: Horn. 1. Blankenburg. Braunschweig. Ein Grund mehr zur Zurückziehung der Kolonialarmee in Südwest! Die freiwillig offiziöse wadelstrümpflerisch freisinnige WeserBeitung" nimmt Herrn Lindequist eifrig gegen den Verdacht in Ovambo einen furchtbaren Kolonialfrieg heraufzubeschwören. Die Vertreter der Regierung dächten gar nicht an die Heraufbeschwörung eines solchen frivolen kolonialen Abenteuers. Habe doch selbst Trotha erklärt, daß ein solcher Krieg umso eher vermieden werden könne, als die in Deutsch- Südwest afrita lebenden Ovambos Gewählt ist Kreisdirektor Langerfeldt( Wirtsch. Bgg.). Bisher durchaus friedlich gefinnt feien und sogar willig Arbeiter stellten. Blos( Soz.) Diese absolut friedliche Haltung der Ovambo ist also nur ein Grund mehr, endlich die füdwestafrikanische Kolonialarmee zurüd2. Helmstedt, Wolfenbüttel. zuziehen! Hoffentlich bieten die neugewählten Freisinnsabgeordneten Gewählt ist Rittergutsbefizer b. Kaufmann( Natl. Sofp.) mit alles auf, um eine solche Zurückziehung so rasch als möglich durch600 St. Mehrheit.( Bisher v. Kaufmann( Natl.- Hosp.) aufezen! Kostet doch jeder Mann 10 000 M.! Geyer( Soz.) 46 888( 54 819). Sülgner( Natl) 33 597( 20 321 +3488 Antif.). Baer( Fr. Vp.) 644( 334) Erzberger( Zentr.) 307( 315). 3. Gewählt: Geyer( Soz.). 11. Streis. Dichah- Grimma. Lipinski( S03.) 9855( 10 060). Giese( Ronf.) 9714( 9824). Langhammer( Natl.) 5523( 2590 Fr. Vg.). Stichwahl zwischen Lipinski( Soz.) und Giese( Kons.). 14. Streis. Borna- Begau. Schöpflin( G03.) 9783( 10 403). Generalleutnant v. Liebert ( tons., Reichsverband) 10 812( 8804). Fritsche( Ant. 4777( 0). ( 1903: Frs. Vp. 3162). Stichwahl zwischen Schöpflin( Soz.) und v. Liebert( tons., Reichsverband!!) 15. Kreis. Mittweida- Burgstädt. Stüdlen( Soz.) 18 343( 19 270, in der Nachwahl 1903: 16 040). Zöphel( natl.) 8595( 11 478, in der Nachtv. 1903: 10517). Starke( foni.) 6953( 0). Gewählt: Stücklen( Soz.). 17. Kreis. Glauchau- Meerane. Auer( Soz.) 16 682( 18 849). Dr. Clauß( natl.) 13 452( 7392). Erzberger( Bentr.) 47( 30). Gewählt Auer( Soz.) Holzminden Gandersheim. Stichwahl zwischen Rechtsanwalt v. Damm( Welfe) und Calwer ( Soz.). Bisher v. Damm( Welfe). Altkirch- Thann. Elsaß- Lothringen. Gjell( Soz.) 5558( 4023). Dr. Ridlin( Elsässer) 13 072 ( 15 531). Dr. Ceutlivre( natl.) 4231( 135). Gewählt: Ridlin. Politische Uebersicht. Berlin, den 26. Januar 1907. Das gleiche Wahlrecht! Die gestrige Reichstagswahl hat wieder einmal eindringlichst bewiesen, daß wir nicht nur in Preußen und anderen Bundesstaaten ein schmachvolles Klassenwahlsystem befizen, sondern uns auch im Deutschen Reiche von dem gleichen" Wahlrecht immer weiter entfernen! Jm Kreise Teltow Beestow wurde Genosse 3ubeil mit 103.000 Stimmen gewählt. Genosse Ledebour erhielt im 6. Berliner Wahlkreise ebenfalls ca. 100 000 Stimmen; Singer im 4. Berliner Wahlkreise 83 000 Stimmen; Genosse MetzgerStolle( Soz.) 23744( 25335). Leupold( natl.) 19181( 12262). Hamburg III 65.000 Stimmen. In diesen 4 Wahlkreisen stimmten Erzberger( Zentr.) 173( 138). mehr als Gewählt Stolle( Soz.) 18. Kreis. Zwidau. 19. Areis. Stollberg- Schneeberg. 350 000 Wähler Freifinn und Staatsstreichsgelüfte. Die freisinnig- bolksparteiliche Bresl. 8tg." leistete sich am Vorabend der Wahl folgende Epistel: " Ob der Absolutismus, die Herrschsucht der Sozialdemo kratie durch die Wahlen gebrochen werden wird? Die Hoffnung ist sehr gering, und ihre Erfüllung hängt davon ab, ob es gelungen ift, die Partei der Nichtwähler an die Urne zu bringen. Die Sozialdemokratie ist bisher verwöhnt worden, weil sie von Wahl zu Wahl an Stimmen und Mandaten gewonnen hat. Die Sozialdemokratie rechnet auch diesmal mit einer gewaltigen Vermehrung der Stimmen und Mandate. Nichts wäre daher niederschmetternder für sie, als wenn die Wahlen einen Stillstand oder gar einen Rückgang der sozialdemokratischen Bewegung ergeben. Denn noch niemals haben sich ausgesprochenermaßen politische Wahlen unter für die Sozialdemokratie fo gün stigen allgemeinen Verhältnissen vollzogen, wie diesmal. Gelänge es, den Sozialdemokraten eine Anzahl Mandate abzunehmen, so wäre das für sie eine ernste Mahnung, sich zu überlegen, ob die bisherige Politik und Taktik des Prozentums und des Terrorismus gegen Staat und Gesellschaft beibehalten werden kann. Die Wege, die die Sozialdemokratie zurzeit wandelt, gefährden jeden politischen und wirtschaftlichen Fortfchritt, gefährden das Wahlrecht, gefährden die Preßfreiheit, gefährden die VersammIungsfreiheit und sichern den Bestand einer agrarischen Wirtschaftspolitik." Auch aus dieser Auslassung ersieht das Proletariat, wie wenig selbst der Freisinn zu hoffen wagte, die Massen durch die nationale Phrase betölpeln zu können! Er traute den Massen der nichtfozialdemokratisch. Sie werden durch ganze 4 Abgeordnete im bejizenden Klassen größere politische Einsicht zu, als sie bei der Goldstein( Soz.) 18 999( 20 096), Löscher( natl.) 14 524 Reichstage vertreten sein! Dagegen waren 1903 die Konservativen Wahl tatsächlich bewiesen haben! Die Verhältnisse lagen für die ( 9246 tonferb.+291 natlsoz.). mit 914 000 Stimmen durch 52 Abgeordnete im Reichstage Sozialdemokratie selbst nach freifinniger Ansicht man denke Gewählt: Goldstein( Soz.) an die Kolonialkorruption, die weltpolitische Geldverschleuderung, 20. Kreis. Bichopau- Marienberg. Göhre( Soz.) 11 285( 13 616, in der Novemberwahl 1904 10 156) Bimmermann( Antiſ.) 14733( 9876 tons., bei Nachwahl 1904 5986 Antis.+4316 Konf.). Gewählt: Zimmermann( Antif.). 21. Kreis. Annaberg- Schwarzenberg. Grenz( So.) 11 852( 13 273). vertreten. Die jetzige Reichstagswahltreiseinteilung stammt noch aus dem die Tippelskircherei, die Wahlentrechtungen des Proletariats, die Jahre 1866. Sie bestimmte, daß auf durchschnittlich 100 000 Seelen Breslauer abgehackte Hand, das Gewerkschaftsknebelgeset usw. usw. der je ein Abgeordneter entfalle. Inzwischen hat sich die Bevölkerungs-- so günstig, daß das Bürgertum eine Stagnation der Sozialzahl der einzelnen Wahlkreise iufolge der industriellen Entwickelung demokratie nicht zu erhoffen wagte. Daß trotzdem das Proletariat Kolossal verschoben. Kreise mit Arbeiterbevölkerung, wie die vier in seiner breiten Masse so wenig politische Einsicht bewiesen, darf obengenannten, besigen eine Seelenzahl von 300-700 000, fie be- die Gemüter aller Volksknebler und Ausbeuter mit berechtigtem fizzen aber nur das gleiche Wahlrecht wie agrarische Kreise mit Triumphe erfüllen! 60-70 000 Einwohnern! Echt freisinnig ist aber die Behauptung, die Sozialdemokratie Diese standalöse Entrechtung der Arbeiterklasse ist eine schreiende stärke die wirtschaftliche und politische Reaktion! Warten wir doch 22. Streis. Kirchberg- Auerbach. Berlegung jenes Prinzips, auf dem seinerzeit das Reichstagswahlrecht erst einmal ab, in wieviel Wahlkreisen diesmal wieder der FreiHoffmann( So3.) 17 500( 19 101). Merkel( natl.) 18 073 aufgebaut war! Während in Ostelbien und in anderen agrarischen finn den Brotwucherern und Staatsstreichhetern zum Siege ver, ( 12 988). Bezirken schon 10 000 Wahlstimmen genügen, um einen Agrarier hilft! Gewählt: Merkel( natt.). und Fleischwucherer in den Reichstag zu entsenden, haben in TeltowBeeskow und Berlin VI 100 000 Arbeiterwähler nicht mehr WahlStresemann( natt.) 8623 ( 10 187). Noch( Frs. Voltsp.) 6556( 0). Erzberger 21( 0). Stichwahl zwischen Grenz( Soz.) und Stresemann( natl.) 23. Kreis. Plauen. Gerif( Soz.) 15218( 16406), Dr. Schanz( fonf.) 7737( 8313), Günther( Frs. Boltsp.) 13 080( 6992), Strengel( natl.) 3811( 0), Erzberger( 3tr.) 94( 54). Stichwahl zwischen Gerisch( Soz.) und Günther( Frf. Volksp.) Gießen. Großherzogtum Heffen. ( 5355). Köhler( Antis.) 7520( 5123). Stichwahl zwischen Heiligenstaedt und Röhler. Lauterbach- Alsfeld. Arbeiterverhöhnung! Die nationalliberale, ölu. 3tg.", die Zuhälterin recht als die 10 000 Stonservativen oder Landwirtschaftsbündler! So wird nicht nur in den Einzelstaaten das Volt schmählich der agrarischen Brot und Fleischwucherer, bringt folgende entrechtet, sondern auch im Deutschen Reiche selbst! Die befizende Notiz über Fleischteuerung und Arbeiter. Kelaffe hat es deshalb leicht, sich in den Sattel zu schwingen" und der fronenden Masse des Proletariats die Kandare anzulegen! Weniger Mandate, mehr Stimmen! Nach den vorliegenden genaueren Angaben hat die Krumm( Soz.) 5895( 6025). Seligenstaedt( natl.) 6980 Sozialdemokratie in 140 Streifen( aus den übrigen Kreisen fehlen vollständige Resultate) rund 152 000 Stimmen gewonnen. Dabei mag bemerkt werden, daß in der Aufstellung die 23 Kreise aus dem Königreich Sachsen, die uns rund 39 000 Stimmen Verlust brachten, enthalten sind. Unter anderem hatten wir in den 8 Berliner Wahlkreisen und in Rheinland- Westfalen zusammen rund 126 000 Stimmen Zuwachs. Ferner hatten wir Stimmenzuwachs in Bayern, und den Hansa- Städten. Orbig( Soz.) 1157( 1084). Dr. Wallau( natl.) 6000( 5642). Bindewald( Antis.) 6000( 5472). Stichwahl zwischen Bindewald und Dr. Wallau. Offenbach- Dieburg. Ulrich( So3.) 20 256( 16 539). Dern( natlib.) 13 478 in der Provinz Sachsen, Großherzogtum Hessen, Hessen- Nassau ( 11 969). Uebel( 3entr.) 7385( 6326). Stichwahl zwischen Ulrich und Dern. Erbach- Benshelin. Stichwahl zwischen Haas( natlib.) und Rippel Christl.- Soz.). Weilburg- Limburg. Habicht( Soz.) 1630( 1986), Buchfieb( natt.) 10 520( 8063), Cahensly( Bentr.) 9742( 7720), Schmidt( Chriftl.- soz.) 524. Stichwahl zwischen Buchfieb( natl.) und Cahensly( Zentr.) Dillenburg- Oberwesterwald. Trott( Soz.) 1022( 1312), Lohmann( natt.) 9072( 4733), Burkhardt( Christl.- soz.) 11 162( 4326). Gewählt: Burkhardt. Sachsen- Weimar. 1. Kreis. Weimar- Apolda. Baudert( Soz.) 12 062( 10 865). Weiß( Frs. Wp.) 7581( 2924 Frf. Bgg. 3771 natl.+ 5737 natl.). Gräf( Antis.) 7641( 0). Stichwahl zwischen Baudert( Soz.) und Graf( Antif.). Es geht trot und alledem vorwärts! Deutfches Reich. Liebert der Triumphator! Herr Liebert, der Organisator und Protektor des Streit brechertums, ist im 14. sächsischen Wahlkreis( Borna) mit dem Genoffen Schöpflin in aussichtsvolle Stichwahl gekommen. Rafft sich nicht das Proletariat dieses Wahlkreises noch in legter Stunde zu einer gewaltigen Kraftanstrengung zusammen, so wird der Vertreter des kämpfenden Proletariats durch den Generalissimus des Reichsverleumdungsverbandes, durch den Schirmherr aller Gelben" und Streifbrecher verdrängt! Wahrlich, ein Faktum, das die arbeitende Klasse dringend zur Einkehr mahnen sollte! Iöhne": Ein sehr bemerkenswertes Urteil über Fleischteuerung und Arbeiterlöhne fällt die Berliner Handelstammer in ihrem soeben erschienenen Jahresbericht für 1906. Sie weist auf die auffällige Steigerung aller Roh- und Hülfsstoffe hin, und atvar nicht nur der Nahrungs- und Genußmittel, sondern auch der Futtermittel, Holz und Steine, Kohlen, Eisen und andereit Metalle, Textilfasern, Häute und Felle, Chemikalien, Kautschut. Indem sie insbesondere noch ausführt, daß die heimische Viehzucht immer noch unter der Nach. irtung der schlechten Futterernte von 1904 leide, erklärt sie dann, daß die Preissteige rung in der Hauptsache auf die starte, oft stürmische Nachfrage zurückzuführen sei, die bei den Welthandelsartikeln nicht nur auf dem deutschen Markte, sondern fast in allen Erdteilen sich geltend macht. Dazu sei dann die Steigerung des Preises der Arbeit gekommen. Die Arbeiter hätten über den Ersatz der Mehrkosten der Lebenshaltung hinaus einen Anteil an der günstigen Konjunktur verlangt und bei dem dringenden Bedarf an Arbeitskräften auch erhalten. So könne denn festgestellt werden, daß die Kaufkraft auch der letzten Verbraucher bisher nicht überanstrengt worden sei; denn die gewachsenen Mengen der fertigen Fabrikate feien feineswegs zu Bagern aufgehäuft worden, sondern in den Konsum übergegangen, und die Nachfrage habe nicht einmal immer befriedigt werden können. Man dürfe also annehmen, daß die Einkommen aller Art mit der einzigen Ausnahme der schwer beweglichen Beamtengehälter, die nur hier und da durch Teuerungszulagen eine Gr höhung erfahren hätten also das Einkommen aus Arbeit, aus Unternehmergewinn, aus Besiß von Grund und Boden und von beweglichem Kapital, stärker gewachsen seien als die Kosten des gesamten Lebensunterhaltes, und daß daher Mittel zu verstärktem Verbrauche verfügbar geblieben feien." Daß die Besitzenden die Fleischteuerung nicht sonderlich verspüren, ist begreiflich. Ihr Einkommen hat sich ja derartig vermehrt, daß sie trop einer flotten Lebensführung, troß Fleischnot und Mietssteigerung noch hübsche Erspar- ise 94 rucklegen konnten. 384 000 preußische Zensiten in 10 Jafjren nicht weniger als 16 Milliarden, oder pro Kopf und Jahr 4100 Mk.' � Dem Proletariat ist es nicht so gut gegangen. Solange freilich auch noch Millionen und AbermillionenNichtbesitzender für Konservative, Nationalliberale und Freisinnige stimmen, dürfen sie sich über die Lebensmittelverteuerung nicht beklagen I Wie das Volk sich bettet, so liegt es! Huetand. Frankreich. Versammlungsfreiheit— dank dem Vatikan. Die Kurie hat das Böse gewollt und das Gute geschaffen: Ihr hat es die Republik zu danken, daß sie endlich zu einem unbeschränkten Versammlungsrecht kommt. Ein Gesetzentwurf, den die Regierung gestern eingebracht hat, hebt die An- Meldungspflicht für öffentliche Versammlungen auf. Sein erster Slrtikel lautet: „Oeffentliche Versammlungen, welche» auch ihr Gegenstand Jrf, können ohne vorhergegangene Aumeldnng und zu jeder Ztunde stattfinden." Der Wert dieser Reform wird dadurch nicht beeinträchtigt, daß sie ihrer Entstehung nach eine Konzession an die Kirche ist. Der Papst hat bekanntlich den Priestern die Anmeldung des Gottesdienstes trotz der ihnen hierbei gewährten Begünstigungen untersagt. Die Regierung kommt nun in ihren Bestrebungen, der Kirche die Märtyrerrolle unmöglich zu machen, ihr noch weiter entgegen. Die doktrinären Antiklerikalen von der Richtung Combes iverden in dem Entlvurf nur das Zurückweichen vor der Kirche sehen und sich das in die Augen fallende Argument nicht entgehen lassen, daß die Republik in einem Monat ein Gesetz dem Papst zuliebe mache und es wieder aufhebe, weil es seine Billigung nicht gefunden habe. Ein unbefangenes Urteil wird indes dieses Experimentieren mit größerer Nachsicht betrachten. Es ist eben keine einfache Sache, einen neuen, in alte Volks' gelvohnheiten so tief einschneidenden Zustand auf eine gesetz' liche Basis zu stellen. Die Notwendigkeiten des Lebens»vollen immer durch die groben Maschen der Doktrin schlüpfen. Ei handelt sich ja um den Gesamte ff ekt, nicht um die schul gemäße Taktik. Und darilm»vird man auch der sich zweifellos noch weiter erneuernden Notlvendigkeit, die kirchenpolitischen Verhältnisse durch Gesetzesnovellen zu klären, angesichts des Erreichten ruhig entgegensehen können. Daß sich der Staat von seiner Tributpflicht gegen die Kirche befreit hat, daß er das Kirchengut— mit Ausnahme der Kirchengebäude selbst— öffentlichen Zwecken zugeführt hat, das ist eine geschichb liche Leistung, die wohl erst in der Z u k u n f t gewürdigt werden»vird. Ob der Vatikan avch jetzt noch einen Vorwand finden»vird, die Anerkennung der Erträglichkeit des gcsctz- lichen Zustandcs abzulehnen. Das steht noch dahin. Zivcifellos ist aber der Sieg der weltlichen Gelvalt, auch nach dieser neuen Konzession. Für die Kirche stellt sich die neue Situation nach An- nahnie der Vorlage s o dar, daß der Geistliche den Gottes- dienst nicht anmelden muß. Wohl aber bleibt ihm eine Ver- günstigung gewahrt. falls er die Anmeldung erstattet: nämlich die unentgeltliche Benutzung der Kirchcngebäude. Bei Beurteilung der Reform vom demokratischen Standpunkte aus wird man gut tun, bei aller Anerkennung ihres Prinzips nicht zu übersehen, daß die Polizei- g e>v a l t des Staates fortbesteht und tatsächlich die Versammlungsfreiheit auch weiter bedrohen wird I Man sieht auch, daß der entscheidende Artikel nur die Freiheit der Versammlung zu jeder Stunde ausspricht, dagegen über den Ort nichts sagt! I Vielleicht ließen sich der Regierung jetzt auch in dieser Richtung gelvisse Garantien abgeivinnen, so daß die Novelle nicht nur auf die Freiheit der Kirche, sondern auch auf die des Volkes zugeschnitten wird.— Italien. Tod einet verdienten Stantsmannet. Rom, 21. Januar.(Eig. Der.) In seinem Geburtsort B i st a g n o ist gestern im Alter von 89 Jahren der Staatsmann Giuseppe Saracco gestorben. Mit ihm scheidet einer der letzten von der alten Garde aus dem Leben, die noch die Kämpfe für Italiens Einigung mit durch- gemacht haben. Seit 1851 gehörte er der subalpinen Kammer an; 1862 war er UnterstaatSsckretär der öffentlichen Arbeiten unter D e p r e t i s, dann der Finanzen unter S e l l a. Fünfundzwanzig Jahre später finden wir ihn als Minister der öffentlichen Arbeiten erst im Kabinett Depretis. dann im Ministerium C r i S p i. Aber erst als Achtzigjährigem fiel ihm die schwerste Aufgabe zu: Als P e l l o u x den Regierungskarren ganz und gar verfahren und die reaktionäre Politik abgewirtschaftet hatte— im Frühjahr Ivvo—, beauftragte der König Saracco mit der Kabinettsbildung. Und der alte Mann übernahm daS Ministerium des Innern und die Präsidentschaft des Kabinetts, und er hielt mit eisernem Griff die Horde der Reaktion zurück, als sie nach der Ermordung Humberts l. sich zu Orgien der Rache rüstete. Wenn die Tat BresciS für Italien nicht eine neue Aera der Reaktion und der Unruhe eingeleitet hat. so ist das allein dem Minister Saracco zu danken. Mehr konnte der alte Mann nicht tun. Er konnte die ge- heimnisvolle Macht der Cliquen nicht brechen und mußte bei dem ersten Zusammenstoß mit ihnen zurücktreten. Als im Dezember 1V00 der Präfekt von Genua— ein Eckstein der Clique um Gtolitti— die dortige Arbeitskammer auflöste und die Arbeiter- schaft der ganzen Provinz de» Generalstreik proklamierte, da hat Saracco in einer eminent ernsten Stunde die Tat des Präfektcn desavouiert und die Wiedereröffnung der Arbeitskammer gestattet. Das Kabinett Saracco ging daran zugrunde und eS folgte jene neue Aera Zanardelli-Giolitti, die noch heute die Cliquen mästet und das Land bedrückt. In eine solche Aera paßte Saracco nicht. Der„Mann von lauterster Rechtschaffenheit", wie ihn der„Avanti" in seinem Nach- rufe nennt, war dem Helden der Banca Romana ein Dorn im Auge. Giolitti hatte es, einmal zur Herrschaft gelangt, sich nicht Verlagen können, ihn im Senate heftig anzugreifen und ihn auch in unschöner Weise der Senatspräsidentschaft zu entheben. Aber Saracco hat dem jetzigen Ministerpräsidenten im Senate eine Ant- wort gegeben, die wie Feuer brannte!— Als Privatmann war der Verstorbene von der aller- größten Schlichtheit. Man sagte ihm nach, daß er mit einer Hand- voll Nüfie zu Mittag speise und nannte ihn den„Mann der vier Nüsse". Auch galt er für geizig, obwohl sich seine fanatische Ge- uauigkeit nur auf die Verwaltung öffentlicher Gelder bezog. Bedürfnislos, wie er war, hat man ihn in Rom nie. auch nicht als Ministerpräsidenten, im Wagen fahren sehen. Saracco ging immer zu Fuß. und wenn er von der Bahn kam, trug er seinen Koffer selber; neben ihm trottete sein Diener, der gleichfalls feinen Koffer trug. Es war Prinzip des alten Staatsmannes, keine per- fönliche Dienstleistung anzunehmen, wo er sich selbst helfen konnte. Sein Familienleben hat ihm viel Leid gebracht; er war zweimal verheiratet und verlor beide Frauen nach kurzer Ehe. seine beiden Söhne als Kinder begraben müssen. Da» italienische Proletariat wird Saracco, der als Charakter das politische Gewürm seiner Zeit um mehr als Manneshöhe überragt« ein ehrendes Andenken bewahren.— Amerika. Die Sonntagsgesetze. Gesetze, die unbedingte Sonntagsruhe fordern, notwendige Tätigkeiten in der Oeffentlichkeit verbieten und unter Umständen nicht einmal Musik dulden, sind in Städten wie Boston zu einer Plage geworden. Der Grund zu den„Sonn- tagsgefetzen" in Massachusetts wurde 1782 gelegt, und heute sie noch respektiert»Verden! Zahllose Prozefie werden dieser Gesetze wegen geführt. Die Besitzer der Hotels. Theater und anderer Etablissements haben sich nun zusammengetan und eine Bewegung gegen die übermäßig strengen Sonntagsgesetze hervorgerufen. Der Bewegung schließen sich alle Geschäftsleute an, und die Bürger von Boston sind im allgemeinen auch keine Freunde der puritanischen SonntagSordnung. Die Legislatur von Massachusetts hat endlich wenigstens eine Kommission eingesetzt, um die veralteten Gesetze einer Revision zu-unterwerfen. 1S65 erzeugt: Gießereiroheisen 2 168 084 Tonnen(1 905 668 Tonnen), Bessemerroheisen 482 740 Tonnen(425 237 Tonnen). Thomas- roheifcn 8 088 534 Tonnen<7 114 885 Tonnen). Stahl- und Spiegel- eisen 043 573 Tonnen(714 335 Tonnen) und Puddelroheisen 854 536 Tonnen(827 493 Tonnen). Die Mineralproduktion der Vereinigten Staate» von Amerika im Jahre 1905 ist nach den soeben erschienenen Berichten der Geological Survey wiederum ganz außerordentlick gestiegen. Die Verschiedenheit der für die einzelnen Mineralien angewandten Maßeinheiten gestatten >eute sollen|ejne summarische Angabe sür die Masse der gelieferten Mineralien; regeliiiatzig„ur für jede einzelne Sorte ist das möglich. Insgesamt kann nur der Wert der geförderten Erze usw. angegeben lverden, und da ergibt sich folgendes Entwickelimgsbild: Wert der geförderten Mineralien in Dollar Soziales* Zum Begriff des Unfalls. Im Gegensatz zu der Praxis des Reichsversicherungsamt? über den Begriff„Unfall" steht nach einer Mitteilung in Nr. 17 der „Sozialeu Praxis" ein vom Oberlandesgericht Hamm jüngst gefälltes" Urteil. Die Praxis des NeichsversicherungSamts schließt leider von dem Begriff Unfall alle Fälle aus. in denen andere schädigende Ereignisse' eine Disposition zu der Gesundheits- schädigmig geschaffen haben oder in denen außer dem„plötzlichen Ereignis" noch andere Gründe di? Gesundheitsschädigung veranlaßt haben. Diese der Arbeiterklaffe höchst nachteilige Praxis ist mit dein Sprachgebrauch nnvereinbar und ist oft wir erinnern an Professor Leviiis Ausführunge» für das Gebiet der Vergiftungen und Berufskrankheiten— mit triftigen Gründen angefochten. Der Tat- bestand, auf Grund dessen das eingangs erwähnte oberlandesgericht- liche Urteil ergangen ist, welches der Praxis des Reichsverstcherungs- amtes entgegensteht, ist nach der„Soz. Praxis" folgender: Der Bergmann Sochoiviak klagte gegen den KnappschaftSverein auf Zahlung einer Jnvalidenreiile, da er»ich auf Zeche„Shamrock" Wurmkrankheit zugezogen und während der Behandlnng plötzlich das Augenlicht verloren hat. Die Krankheit entstand dadurch, daß die Bergleute wegen Mangels an Aborten die verschiedenen Strecken benutzten. Dadurch kamen die mit Würmern durchsetzten Abgänge in den Sumpf, dessen Wasser zur Berieselung der Strecken gegen Kohlenstaub ver- wendet wurde, und auf diese Weise gelangten die Würmer wieder in die Körper der Arbeiter. Erst im vergangenen Jahre hat die Zeche diesem Mißstande dadurch zu steuern versucht, daß sie in den Strecken eiserne Abortkübel aufstellte. Da Kläger sich die Krankheit während seiner Arbeit zugezogen hat, beantragte er die statuten- mätzige Invalidenrente. Das Landgericht Bochum wies die Klage ab. Kläger beziehe sich zu Unrecht auf die Statuten von 1892 beziehungsweise 1900, in denen in den§§ 65 und 67 beziehungsweise 19 und 81 unterschieden wurde zwischen derjenigen Invalidität, die auf Verunglückung, und derjenigen, die auf anderen Ursachen beruhe. Bezüglich der letzteren fehle die Voraussetzung, da Kläger noch nicht 250 Wochen der Klasse der ständigen Mitglieder bez. der zweiten Arbeiterklasse angehört habe. Aus eine Beriinglückung dagegen, die bezüglich eines daraus her- zuleitenden Rentenanspruchs keine Karenzzeit voraussetze, sei die In- Validität nicht zurückzuführe». Eine Verunglückung sei ein Betriebsunfall, ein zeitlich bestiminteS Er- eig n iS, nicht jedock eine im Betriebe allmählich entstehende gewerblicke Krankheit, wie die Wurm- k rankheit. Ein ftakitenmäßiger Anspruch stche daher dem Kläger nicht zu. Auf die gegen diese» Urteil vom Kläger eingelegte Berufung hat nun das Oberlandesgericht Hamm, nach stattgehabtem Gutachterbeweise, das landjjerichtllcke Urleil durch Teilurreil dahin abgeändert, daß dem Klager vorläufig 720 M. und außerdem eine jährliche Rente von 180 M. zuzuerkennen sei. Hoffentlich bricht sich bei dem Reichsverficherungsamt nun endlich die Erkenntnis Bahn, daß ein Betriebsunfall seinen Charakter nicht dadurch verliert, daß ein anderer Umstand, inS- besondere eine durch die Art der Arbeit oder Arbeitsstätte veranlaßte sogenannte Gewerbe- oder Berufslrankheit die Gesundheit deS Arbeiters geschädigt hat._ Hud Induftrie und ftandel Aus der Großindustrie. Auf einer Zusammenkunft, die kürzlich in Düffeldorf von Ver tretern deS Kohlensyndikats, deS Roheisensyndikats, der reinen Walz werke und anderen Jnteresteiitciigruppen arrangiert war. wurde hervorgehoben, daß die»vmschaftliche Lage trotz deö infolge der Jahreszeit etwas ruhigeren Geschäftsganges nach»vir vor als außerordentlich günstig anzusehen jei. Als besonders befriedigend wurde dabei beiiierkensiverterweise die Lage der reinen Walzwerke bezeichnet. Während in den größeren Kartellen die Stimmung noch immer ziemlich unmutig ist, machen die FusioiiSbestrebnngen ganz er- staunliche Fortschritte. Von der Montanindustrie ganz ab- gesehen, der die letzten Monate eine fast auffallend hohe Zahl von Fusionen beschert haben, hat auch in anderen Gelverben in letzter Zeit die Zahl der Verschmelzungen stark zugenommen. So steht im Brauereigewerbe, in dem seit Inkrafttreten der neuen Zoll- und Steuerbelastungen die Koiizentrationsbewegung erheblich zu- genommen hat,»vieder eine Verschmelzung in Aussicht und zwar sind eS zwei Berliner Großbrauercien, zwischen denen Berhandlungen über eine Verschmelzung schweben. Auch die llmgestaltung von Brauereifirmen in Aktiengesellschaften oder Gesellschaften mit be» schränkter Haftung hat in letzter Zeit größere Bedeutung gewonnen. Charlottenburger Wasserwerke. Die Betriebsergebnisse des ver- flossenen Geschäftsjahres waren laut Rechenschaftsbericht äußerst günstig. Die Geiaintfördermenge des Jahres stieg von 13 917 917 Kubikmeter auf 16 789 770 Kubikmeter. Der Uebersckuß auS dem Betriebe 1905/06 beträgr 2 819 945 M.(im Vorjahre 2 477 054 M.); hierzu kommen noch aus der Veräußerung von Grundstücken und Anteilscheinen 11 867 338 M. Von dem Gewinn dienen 5,5 Millionen Mark als Einzahlung auf die neugeschaffenen 5 Millionen Mark Aktien nebst ReservcfondS-Dotation, 150 000 M. für den Pciisions- fonds, 1 603 431 M. für Kosten, Steuerreserve uslv., 7 050 000 M. 47 Proz. Dividende, so daß 168 096 M. als Vortrag auf neue Rechnung verbleiben. Preiserhöhungen. Die wirtschaftliche Vereinigung deutscher Gas- werke beschloß noch der„Köln. Volksztg." eine durchschnittliche Erhöhung der Preise sür Gaskoks um 20 M. pro Waggon. Rheinisch-Westfälischcö Kohlrnsyiidikat. Die Förderung der dem Syndikat aiigefchlossenen Zechen betrug im Jahre 1906 76 631431 Tonnen oder arbeitstäglich 255 433 Tonnen(gegen 61 368 630 resp. 222 249 Tonnen im Jahre 1904). Der rechnungsmäßige Absatz be- trug im ganzen 64 969 548, arbeitstäglich 2l 6 565 Tonnen. 51752188 resp. 187 423 Tonnen. Der Gesanitkohlenabsatz der Syndikatszechen betrug im ganzen 76 581 477 resp. 255 272 Tonnen(60 833 947 resp. 220 313 Tonnen.) Der Versand einschließlich Landdebit, Deputat und Lieferung der Hüttcnzechen an die einzelnen Hüttenwerke betrug in Kohlen im ganzen 52 634 052 resp. 175 447 Tonnen(44 395 076 resp. 160 779 Tonnen) in Koks im ganzen 14 294 692 resp. 47 649 Tonnen(9 217 980 resp. 33 380 Tonnen), in Briketts im Ganzen 2 532 207 refp. 8441 Tonnen(1 739 020 resp. 6293 Tonnen). Deutschlands Rohrisencrzeiiguiig. Die Gcsamterzeiigung von Roheisen in Deutschland und Luxemburg belief sich im Jahre 1906 auf 12 473 067 Tonnen gegen 10 937 623 Tonnen des JnhreS 1905, Auch hat er.'sowie 8 520132 Tonnen im Jahre 1900. Auf die einzelnen Sorten 'verteilt wurden in den Jahreu 1006 und, in Klammern angegeben, 1905 1904 1903 1902 1901 1900 1899 1 628 877 000 1 360 884 000 1491 885000 1 323 069 000 1 141 972 000 1 107 020 000 1 014 856 000 Zunahme absolut in Dollar Prozent 262 993 000 19.3 131 001 000—«.8 168 814 000 12.3 167 097 000 14.6 34 952 000 8.2 92 664 000 9.2 Seit 1899 ist die Mineralerzengung ihrem Geldwerte nach um 699 52t 000 Dollar, das sind 60.1 Proz., gestiegen. In diesen Zahlen spiegelt sich ein gut Stück kapitalistischer Entivickelung der Vereinigten Staaten wieder. Sind doch allein Kohle und Eisen an den Wert« mengen mit 677 296 000 Dollar beteiligt. Den größten Anteil an der amerikanischen Erzgewinnung nehmen die Kohlen in Anspruch. Die amerikanische Förderung überragt die aller anderen Länder ganz außerordentlich stark. Zur Illustration mögen die Kohlensörderzahlen der wichtigsten Länder seit 1900 hier in Millionen metrischen Tonnen angegeben werden: Ueber ein Drittel der gesamten Kohlenfördemng der Erde liefert also jetzt schon Amerika allein. Mit Amerika kann sich mir ein Land der Erde in Bezug auf Kohlenreichtum messen, nämlich China. In der Provinz Shansi soll sich ein Kohlenbecken von 91 000 Ouadratkilometer Ausdehnung befinden, ein Feld, dem kein zweites auf der Erde zur Seite gestellt werden kann. Die großen natürlichen Wasserstraßen deS Huangho und Janlsekiang werde» dort die Ausbeute erleichtern. Auch mit der Gewinnung von Eisenerzen stehen die Vereinigten Staaten längst an der Spitze. Im Jahre 1905 wurden dort 43,3 Mllionen gewonnen, während Deutschland 1904 nur 22,0 und England im Jahre 1882: 13,3 Millionen Tonnen erzeugte. Diese drei Zahlen geben für jedes Land die höchsten bisher gewonnenen Jahresmeiigcn an. Der amerikanische Export an Rohelsen betrug 1905 nur 530 457 Dollar, an Kohle dagegen 29 158 000 Dollar. Naturgemäß ist der Export in manchen anderen Erzen und Mineralien viel bedeutender; Kupfer wurde für 86409000 Dollar, Petroleum für 79 641000 Dollar exportiert. Oenckts-Deining. Zum BerrinSrecht. Eine„Besprechung über Kassierer und Redisoren' wollte das Landgericht Glogau absolut zu einer Erörterung öffentlicher An- gelegenheiten gemäß§ 1 des Vereinsgesetzes stempeln. Nachdem die Angelegenheit bereits einmal daS Kammergericht beschäftigt hatte, verurteilte das Landgericht zum zweitenmal den BezirkSleiter Schlegel zu Breslau auf Grund der§8 1 und 12 deS Vereins- gesctzes zu einer Geldstrafe. ES führte aus: Der Vezirksleiter Schlegel vom Deusichen Melallarbeiterverband habe in einer Veriammlung der Sprottauer Mitglieder dieses Verbandes einen informatorischen Vortrag über die neu ausgestalteten Unterstützungseinrichtungen gehalten. Damals habe nun in Sprottau bei den Verbandsmitgliedern die Absicht der Gründung einer Ver- bandszweigstelle(örtlichen Verwaltungsstelle) bestanden. Auf Wunsch auS der Versammlung habe Schlegel nach seiner ersten Besprechung sich über die Einrichtung und über die Organe einer derartig«! örtlichen Verwaltungsstelle ausgelassen. Es sei als festgestellt zu erachten, daß Schlegel in dieser zweiten Rede niindestenS einzelne wesentliche Seiten der Einrichtungen einer örtlichen Lerivaltungöstelle, nämlich die VerivaltungSorgane deS Kassierers und deS Revisors besprochen habe und daß die Besprechung in der Absicht erfolgt sei, die dcmnächstige Gründung der Verwaltungsstelle durch Erteilung sachdienlicher Auf- kläruiigeu zu fördern und vorzubereiten. Damit aber habe er ein Thema besprochen, welches die öffentlichen Jntereffen insofern be- rührte, als die Gründung der geplanten Verwaltungsstelle selbst die öffentlichen Interessen berühre. Dadurch sei die Versammlung eine solche geworden, welche der Erörterung öffentlicher Angelegen- heiten dienen sollte, und hätte der polizeilichen Anmeldung bedurft. Da sie aber nicht angemeldet war, so habe sich Schlegel als Redner strafbar gemacht. Die von Schlegel gegen dies Urteil eingelegte Revision recht- fertigte Rechtsanwalt Dr. He i n e in a n n vor dem Kammergericht. Er tat die UnHaltbarkeit des Urteils dar und beantragte, falls das Kammergericht nicht gleich zl» einer Freisprechung komme, die Sache an ein anderes Gericht zu verweisen.— Der erste Straf- senat deS Kammergerichts unter dem Borsitz von Dr. Kronecker hob das letzte Urteil des Glogauer Land- gericht wieder au? und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht in Breslau. iudeiii ausgeführt wurde: Es sei nur festgestellt, daß darüber gc- sprachen worden sei, was Kassierer und Revisoren in der neu zu gründenden VerlvaltungSstelle zu tun hätten und was zu tun wäre, um die neue Verivaltungsstelle einzurichten. Das seien aber keine öffentlichen Angelegenheiten, denn solche wären nur die, die das öffentliche Interesse berührten. Aus Freisprechung sei aber nicht ohne weiteres zu erkennen. Denn es sei in der neuen Verhandlung in Breslau noch nacvzuprüfen, ob nicht vielleicht»eben der Beiprechimg über„Kassierer und Re- visoren" eine Erörterung öffentlicher Angelegendeitcn stattgefunden habe, ob und wie z. B. die Ziele des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, die Organisation von Streiks oder dergleichen erörtert worden seien._ Letzte j�aebnebten und Dcpelcbcn, Einberufung des wiirttembergischen Landtages. Stuttgart, 26. Januar.(W. T. B.) Ter Landtag ist durch königliche Verordnung auf den 7. Februar d. I. einberufen. Schiffsunfall. Odessa, 26. Januar.(W. T. B.) Der russische Dampfer „Nachimaw" ist auf der Fahrt von Konstartinopel infolge Sturmes aus dem Kurse geraten und auf einen Torpedo gestosten. Der Dampfer ist vollgelaufen, Passagiere und Mannschaft sind gerette». Perantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verant«.: k». Glocke. Berlin. Druck u.Perlag:«orwärtSBuchdr.u.Berlag«anstaltPaulSingerL:Co..BerlinLVV/ Hierzu 3 Brilageu. £r. 23. 24. Zahrgns. 1. WIM te Jontiätls" Wlinn BsIliüHntt. Sonntag, 27. Zavaar Ml. Die bürgerliche iPreife über die Aahiev. Die„Rotbb. Ll l l g e m. Ztg.- feiert in hohen Tönen bcn Sieg des nationalen Geistes über die umstürzlerische Rotte. Das Blatt schreibt: „Das Ergebnis des gestrigen Hauptivahltages ist bezeichnet durch eine durch keinerlei Täuschungskünste fort- zuleugnende Niederlage der Sozialdemokratie. Der nationale, der koloniale, der weltpolitische Gedanke im deutschen Bolle hat einen glänzenden ersten Sieg erfochten über die Vater- landslosen Bestrebungen einer Partei, der je mehr und mehr alle positiven Ideale verloren gegangen sind. Der Pessimismus ist verscheucht, der sich so lange infolge unerquicklicher parla- mentarischer Verhältnisse wie ein grauer Nebel über Reich und Volk gelagert hatte. Das frisch pulsierende Leben des Wahl- tampfes hat in ungeahntem Maße neue Kräfte im Volke rege gemacht. Man darf hoffen, daß die Sozialdemokratie mindestens auf den Stand von 1898 zurückgeworfen und der.Fleck auf der Ehr" von 1903 endgültig getilgt wird.". In ähnlichem Sinne äußert sich die agrarische„Deutsche Tageszeitung". Nur durchzieht ihren Triumphartikel zw gleich der Leitgedanke, daß der errungene Erfolg nun noch scharst macherisch ausgenützt und die Sozialdemokratie vollständig«nieder gerungen und niedergezwungen" werden müsse: „Man hüte sich aber in der Freude über das Ergebnis, die noch immer vorhandene Gefahr zu unterschätzen. Noch wird die Sozialdemokratie sicher wenigstens den achten Teil der Plätze im Reichstage einnehmen; noch ist die Stimmeckzahl, die auf ihre Kandidaten entfallen ist, in vielen Kreisen zum Teil erheblich gewachsen. Sie besitzt also noch eine erhebliche Werbekraft, und was sie vielleicht an Menge verloren hat, das hat sie sicher an revolutionärer Energie und Stoßtraft gewonnen. Es wäre höchst bedauerlich und ungemein bedenklich,.wennchdie maßgebenden Kreise und die bürgerlichen Parteien sich nun im Glänze dieses Erfolges sonnen und die Zukunft für gesichert halten wollten. Die Sozialdemokratie wird alle Nerven, alle Kraft anspannen, alle Mittel wählen, uin die Schlappe, die ihr der LS. Januar beibrachte, wett zu machen. Sie wird vielleicht nach einem kurzen Augenblick der Erschlaffung und Verschnaufung ihre Wühlarbeit mit gesteigertem Eifer und mit skrupelloser Rücksichtslosigkeit fortsetzen. Verfallen wir wieder in den alten Dämmerschlummer, in den uns das Eia- popeia von der Mauserung eingelullt hat. so wird die Sozial- demokratie trotz des Rückschlages fortschreiten und, wenn auch nicht zum schlietzlichen Siege gelangen, so doch schwere Erschütte- rungen über das Volk bringen. Deshalb gilt es. die Energie, die jetzt entwickelt worden ist, festzuhalten, insbesondere im Kampfe gegen die Sozialdemokratie, die unbedingt nieder gerungen und niedergezwungen werden muh." Einen ähnlichen Ton schlägt baS„R e i ch" an: „Die Freude und Befriedigung, daß es gelungen ist, der vor der Wahl in ihren Preßorganen geradezu toll gewordenen Sozialdemokratie eine größere Anzahl Wahlsitze zu entreißen, kann nicht lebhaft genug empfunden und nicht tief genug beherzigt werden. Aber wenn die Tat- fache nün feststeht, daß in vielen Wahlkreisen verständiges Kartell der Nationalen den Umsturz äußerlich mit vereinter Kraft wirklich zurückdrängen kann, so darf doch auch die andere be- klagenswertc Tatsache nicht unberücksichtigt bleiben, daß von einer inneren Ueb erwindung der Sozialdemo- kratie. von einer Lichtung ihrer Reihen, von einer Gewinnung ihrer Mitglieder für ernste politische Arbeit leider noch keine Rede ist. Dir absolute Zahl der roten Wahlstimmen hat nicht ab- sondern zw genommen. Es mag das zum Teil daher rühren, daß die Sozial demokratie in neuen Wahlkreisen nur auf Zählziffern aus gegangen ist. Aber allein erklärt dieser Umstand den Zuwachs nicht. Vielmehr ist klar, daß ein gewaltiger Prozentsatz der starken deutschen Volksvermehrung alljährlich wie von selbst in die Sozialdemokratie hineinwächst. Die Gefahr für Staat � und Reich hat sich nirgends vermindert. Oder doch höchstens in dem Sinne, daß Kraft- und Selbstgefühl auf der Rechten gewachsen ist." Man sieht, die Scharfmacher, und Brotwucherpartei sind sich ihres Erfolges noch nicht vollständig sicher. Mit gutem Grunde befürchten sie. daß die Sozialdemokratie nun erst recht alle Kräfte anspannen wird, um die Scharte wieder auszuwetzen. Und in der Tat wird das deutsche Proletariat seine Ehre darein setzen, durch künftige gewaltige Erfolge die momentane Schlappe wieder gut» zumachen. Es hieße auch an dem Genius des deutschen Volkes ver- zweifeln, wollte man aus dem diesmaligen Ausfall bev Wahlen schließen, daß die Sozialdemokratie in der Tat„ihren Höhepunkt überschritten" und endgültig zugunsten der ZollauSwucherung, der BohlkSknebelung und der prozentpatriotischen Weltpolitik ab- gedankt habe! Die„Germania" bezeichnet ebenfalls das Ergebnis der gestrigen Hauptwahl als eine offenbare Niederlage der Sozialdemokratie. Nun, für eine bürgerliche Partei wäre ein Stimmenzuwachs, wie ihn die Sozialdemokratie trotz alledem errungen hat, noch immer ein respektabler Erfolg. Wir dagegen haben nicht den geringsten Grund, irgend etwas an der schmählichen Tatsache zu beschönigen, daß der dies- malige Vorstoß des Proletariates an der Rückständigkeit zahlreicher proletarischer Elemente, an dem ideallosen Krämergeist irregeleiteter Kleinbürger und der in geradezu amerikanischem Stile betriebenen Wahlmache der eiuen reaktionären Masse gescheitert ist. Wir ge- stehen also den Mißerfolg rückhaltlos ein in der unerschütterlichen Zuversicht und dem eisernen Willen, künftig den Kampf noch viel nachhaltiger, viel wuchtiger zu führen! Die„Germania" mokiert sich dann mit Recht über die völlig zuschanden gewordenen Illusionen der liberalen Kulturkampfpauker: „Eine wesentliche Veränderung ist durch die gestrige Haupt- Ivahl trotz der vorläufigen Schwächung der sozialdemokratischen Mandatsziffern noch nicht entschieden, solange die Zentrums- f r a k t i o n ungeschwächt oder vielmehr verstärkt in den Reichstag wieder einzieht. Unsere„guten Freunde" von der Parole„Lieber rot als schwarz" mag das schmerzen; aber sie müssen nun einmal sich wieder davon überzeugen, daß der ZentrumSturm noch immer unüberwindlich ist, sie müssen schon jetzt damit rechnen, daß die Zentrumsfraktion in jedem Falle auch im nächsten Reichstage die st ä r k st e Fraktion sein wird und nach wie vor ihr gewichtiges Wort in die Wagschale der parlamentarischen Verhandlungen legen kann. Der Traum von einer„liberalen Aero", von einer dominierenden Stellung deS Liberalismus im nächsten Reichstage ist bereits zu Wasser geworden, und die Idee von einer„konservativ-liberalen Mehr- heit" im Reichstage wird bestenfalls nur ein„Ideal" bleiben, das gegenüber der realpolitischen Wirklichkeit eher an die Potem- kinschen Dörfer erinnert." In. der Tat. Das, Zentrum hat alle Ursache, sich dcS Wahl. uuSfalleS zu freuen und der zerronnenen Hoffnung des Libera- liSmus zu spotter. Die Nationalliberalen und cnch der Freisinn haben— der Freisinn mit nationalliberaler und selbst konservativer Hülfe— noch einmal einen Zuwachs erfahren. Aber waS haben sie damit erreicht? Das Zentrum kehrt so stark wie nur je in den Reichstag zurück. Die Regierung ist gezwungen, wieder ihren Frieden mit den Ultramontanen zu schließen. Die ganze wirtschaftlich und geistig reaktionäre Politik der Regierung wird also nicht die geringste Aenderung erfahren. Will der Freisinn dabei mittun» so verscherzt er sich das bißchen Kredit, das ihm diesmal noch naive Wähler als der Partei der„Freiheit" und des„Fortschrittes" gewährt haben. Sucht er aber die in ihn ge- setzten freisinnigen Hoffnungen zu rechtfertigen, so geht er das nächste Mal der einflußreichen Protektion der Regierung und deS Beistandes der nationalliberalen und konservativen Elemente verlustig, den er seinen diesmaligen Aufschwung zu danken hat. Das dämmert selbst dem„Berliner Tageblatt" auf. daS sich also vernehmen läßt: „Es ist interessant, daß von einer Partei bei alledem kaum gesprochen wird, nämlich von der Partei, die angeblich in erster Linie das Kampfziel bilden sollte: dem Zentrum. Der Zentrumsturm ist, wenn nicht alles täuscht, durch die gestrigen Wahlen nicht im winde st en erschüttert worden, und sowohl Herr R o e r e n wie Herr Erzberger werden auch im neuen Reichstage erscheinen. Aber vielleicht hat Fürst Bülow, als er die Auflösung beschloß, den Streich gar nicht gegen das Zentrum führen wollen, das seine reaktionäre Poli-.k sechs Jahre lang so wacker unterstützte, und vielleicht kam es ihm einzig darauf an, der Sozialdemokratie ein Bein zu stellen. Fürst Bülow hatte, nach dem Auftreten Dernburgs, die ungeheure Abneigung gesehen, mit der in allen nicht-katholischen Gegenden des Reiches die Zentrumswirtschaft betrachtet wurde, aber er wußte genau, daß in den katholischen Hochburgen der Zen- trumsturm nicht wanken würde. Tie Sozialdemokraten hatten den taktischen Fehler begangen, sich mit dem Zentrum zu ver- bandeln(??!>. und mit unleugbarem Geschick schmiedete der kluge Fürst sie m't den kompromittierenden Klerikalen zusammen,-uie Sozialdemo-eatie hatte seit dem Dresdener Parteitage schon an ihren eigenen Sünden zu tragen. Jetzt teilte sie. im protestan- tischen Deutschland, die UnPopularität der„Schwarzen"." Das„Berliner Tageblatt" vermutet also, daß es dem Fürsten Bülow nicht auf eine Stärkung des Liberalismus oder auch nur eine Schwächung des Zentrums angekommen ist, sondern lediglich auf eine Schädigung der Sozialdemokratie! Der Liberalismus weiß aber selbst, daß für eine wirklich freisinnige Politik im deutschen Reichstage nur die sozialdemokratische Fraktion zu haben gewesen wäre. Er weiß, daß jede Schwächung der Sozial- demokratie auch eine Schwächung einer wirklich prinzipiell frei- sinnigen Politik bedeutet. Weng er sich trotzdem des Mandats- Verlustes der Sozialdemokratie freut, so jubelt er über die Zurück- drängung des wirklichen Fortschrittes in der Volksvertretung selbst! Dem Freisinn scheint auch bereits das Bewußtsein auf- zudämmern, daß der politische Fortschritt trotz seiner an- scheinenden Erfolge bei dem Wahlausfall das denkbar schlechteste Geschäft gemacht habe!— Huq der partcL Der schweizerische sozialdemokratische Parteitag findet am 23. und 24. März in St. Gallen statt. Für da? KoalltionSrecht. Basel, LS. Januar. sEig. Ber.) Bei der gestrigen von der organisierten Arbeiterschaft abgehaltenen Rusienfeier wurde be- schlössen, die Initiative für die Abschaffung deS dem K 153 der deutschen Gewerbeordnung entsprechenden§ 164 des BaSler Strafgesetzes zu ergreifen, welcher lautet:„Wer andere durch Zwang, Drohung, Ehrbeleidigung oder Verrufserllänmg bestimmt oder zu bestimmen versucht, an Verabredungen zum Behuf Erlangung günstigerer Lohn- oder Arbeitsbedingungen, besonder« durch Ein- stellung der Arbeit oder Entlassung von Arbeitern, teilzunehmen, ebenso wer durch solche Mittel andere hindert oder zu hindern ver- sticht, von solchen Verbindungen zurückzutreten, wird mit Haft (1 bis 42 Tage) bestraft." Es ist ein nacktes Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter, das die Klassenjustiz auch sinngemäß handhabt. (SewerKfcKafrtieKeq. Der Kampf in der Holzindustrie. Di«„Fachzeitung" der Tischlermeister usw. füllt wieder einige Spalten mit einer natürlich nicht freundlichen Polemik gegen den „Vorwärts". Auf unsere Forderung, klipp und klar zu sagen, wann und wo wir die Arbeitgeber und ihre Vorstände beschimpft und verlästert haben, weiß sie weiter nichts zu sagen, als daß wir den Vorständen wissentliche Unwahrheit vorgeworfen hätten. Nun, damit haben wir nur eine Tatsache festgestellt, denn, witpn die Tischlermeister angewiesen werden, den Ausgesperrten— wie das in der heutigen Nummer der.Fachzeitung" aufs neue geschieht — zu sagen, sie würden deshalb entlassen, weil der Holzarbeiter- verband„unter Ablehnung der Vorschläge des Einigungsamtes in seiner bedrohlichen Haltung den Arbeit- gebern gegenüber verharrt, so ist das tatsächlich eine Aufforderung, die Unwahrheit zu sagen. Es ist und bleibt wahr, daß der H o l z a r b e i t e r v e r b a n d keine Vorschläge des EinigungsamteS abgelehnt hat. Diese Tatsache wird nicht dadurch aus der Welt geschafft, daß die Fachzeitung" fort- gesetzt— auch in der heutigen Nummer— das Gegenteil be- hauptet. Wer den wirklichen Sachverhalt kennt und trotzdem eine gegenteilige Behauptung verbreitet, der macht sich der wissentlichen Unwahrheit schuldig. Das ist auch heute noch unsere Meinung. Wenn dte„Fachzcitung" daS als eine Beschimpfung und Verläste- rung hinstellt, so ist das eine jener maßlosen Uebertreibungen, mit denen sie gern operiert, wenn sie sich gegen uns und andere Arbeiterorgane wendet. Der Bericht über die Tischlermeisterversammlung, den wir am Donnerstag, gestützt auf Angaben eines Teilnehmers der Ver- sammlung brachten, gefällt der„Fachzeitung" auch nicht. Unser Gewährsmann soll alles falsch verstanden haben. Das halten wir nicht für wahrscheinlich. Andererseits wissen wir auch, daß in Ver- sammlungen, von denen die Oeffentlichkeit ferngehalten lvird, mancher manches zu sagen Pflegt, was er öffentlich nicht sagen würde und was dann schließlich abgestritten wird, wenn cS die Oeffentlichleit doch erfährt. Auf die Einzelheiten, welche die „Fachzeitung" unserem Versammlungsbericht gegenüber anführt, gehen wir nicht ein, denn, wenn ein Wort dem Munde entflohen tst, läßt sich später nie mehr mit Sicherheit feststellen, ob es so oder anders gelautet hat. Aber wir müssen jetzt doch noch auf eine Bemerkung in jener Versammlung zurückkommen, und verlaßt uns dazu der Tischlermeister Herr A. Flatojo. In bezug auf den Betrieb dieses Herren sagten wir in unserer Nummer vom 18. Ja. nuar, er habe einen Teil seiner Arbeiter entlassen, und die übrigen dahin Instruiert, sie sollten bei einer Kontrolle des Betriebes sagen, sie seien nicht organisiert. Das stand, wte gesagt, am 18. diese? Monats im„Vorwärts". Am 21. fand die Versammlung der Tischlermeister statt und da wurde vom Vorstandstische aus erklärt. Herr Flatow solle veranlagt werden, dem„Vorwärts" eine Berichtigung zu senden. Die veranlaßt«, vom 22. datierte Berichtigung ist am 25. in unsere Redaktion angelangt� Herr Flatow bestreitet, baß er die Arbeiter in der angegebenen Weise instruiert habe. Wir können im Augenblick nicht feststellen, wie weit die Behauptung des Herrn Flalow zutrifft, werden uns aber bemühen, Fest- stellungen nach dieser Richtung zu machen. Weiter„berichtigt" Herr Flatow:„Demgemäß können die Arbeiter auch nicht erklärt haben, daß sie diesen Schwindel nicht mitmachen." Hier versucht Herr Flatow oder der, welcher ihn„veranlaßte". etwas zu„be- richtigen", was wir gar nicht gesagt haben. Von einer Er- k l ä r u n g der Arbeiter steht kein Wort in unserem Blatte. Wir sagten:„Die Arbeiter wollten diesen Schwindel nicht mitmachen und... verließen 4.., die Werkstatt." Also bitte, richtig lesen, che man sich„veranlassen" läßt, mit„Berichtigungen" zu kommen. Auch das glaubt Herr Flatow oder der„Veranlasser" als„Be- richtigung" gegen uns ins Feld führen zu müssen, daß die Arbeiter. welche er nicht entließ, erst am Mittag des 18. Januar die Arbeit niederlegten, während wir schon in der Nummer am 18. Januar die Arbeitsniederlegung mitteilten. Nun. wir wußten eben schon am 17. Januar, daß der Betrieb des Herrn Flatow stillgelegt werden sollte. Jedenfalls haben formelle Gründe die Arbeits- niederlegung bis Mittag des folgenden Tages verzögert. Wenn nun auch von dieser„veranlaßten" Berichliguttg nichts mehr übrig bleibt, so haben doch die„Veranlass er" die Freude gckhabt. zu fechen. daß dem„Vorwärts" eine Berichtigung zugegangen. Daß es sich nur um einen äußerst nebensächlichen Vorgang handelt, das stört die Freude der„Veranlasser" nicht im geringsten. In Bezug auf unsere Angaben, die für die Bewegung und für die Handhabung der Aussperrung von Bedeutung sind, hat bis jetzt niemand eine Berichtigung„veranlaßt".— Wie schön wäre es nickst gewesen, wenn man den Tischlermeister Kümmel hätte„veranlassen" können, die Mitteilung des„Vorwärts" zu bestreiten, welche besagt, daß sich der Betrieb des Herrn Kümmel nicht an der Aus- s p e r r u n sz beteiligt. Aber bezüglich dieser Mitteilung sieht sich nur die„Fachzeitung" veranlaßt, folgendes zu bemerken:„Wemi die Gegner sich anfänglich darauf berufen konnten, daß nach in manchen Stellen gearbeitet werde, so ist die Richtigkeit dieser An- gäbe ohne weiteres zuzugeben. Es handelt sich da fast überall uni Beendigutig vorgegebener Akkords, mit welcher die Leiter der Bewegung einverstanden waren. Gang ähnlich liegt der Fall in Beztig auf eine größere Firma, auf welche die Gegenseite als außerhalb der Bewegung stehend Bezug nimmt." Diese eine Firma ist also doch wohl die Firma Kümmel. Daß diese nicht ausgesperrt hat, gibt die„Fachzeitung" zu. Nach unserer Mitteilung hat der Meister der Firma, gestützt auf eine Weisung des Chefs, dem Vertreter des HolzarbeiterverbandeS erklärt, daß dieFirmafichüberhauptntchtanderAuSfperrung beteiligt.— Wenn, wie die„Fachzeitung" es hinstellt. Herrn Kümmel nur ein Aufschub gewährt worden wäre, dann hätte man zweifellos veranlaßt, daß uns eine Berichtigung in dies am Sinne zugegangen wäre. Wenn eS aber so sein sollte, wie die„Fachzeitung" sagt, daß die Leiter der Bewegung Herrn Kümmel gestattet hätten, vic Aussperrung bis zur Beendigung vorgegebener Akkorde hrnauS- zuschieben, dann wäre damit bewiesen, daß die Leiter der Bewegung gegen die von ihnen erlassenen Berhaltuttgsmaßregeln gröblich ver- stoßen. Seit Mitte Dezember sind doch die Arbeitgeber angewiesen, die Akkorde so einzurichten, daß am 12. Januar samtliche Arbettor ouÄacsperrt werben können. Wenn