Nr. 24. Btonncm cn tS'Bedlngungen: Ätonnpiiicnt«. Preis JjiämmieronSo: «ietlrijnftcl. 3,30 Ml., tnonall. t,10 Ml., Ivöchenilich 28 Psg. frei WS Hau». Einzelne Nummer k Pfg. SonnlagS- Nummer mit Multrierler Sonntag»- Beilage.Die Neue Weit" 10 Psm Post- «bonncinent: I.lO Marl pro Mona». eingelragen in die Post.Zeitung»- Prciklisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Ocslcrreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonnemenlt nehmen an: Belgien. Diinemnrk. Holland. Italien. Luxemburg. Porlngal, Ruluänien. Schweden und die Schwei». CrlitlJM llgllit uBcr moBtagt. 24* Jahrg. >1� V. Vevlinev Volksblntk. Die Tnlertlons'Gebflbr Betrügt für die sechsgespaltenc Kolonei- »eile oder deren Raul,: b0 Psg., für voliiische und gcwerlschastliche Verein». und Lcrfaininlling». Anzeigen 30 Psg. „KUinc Bnitlgcn", da» erste(fett- gedruiiic> Wort 20 Psg.. jede» weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen. Anzeigen da» erste Wort 10 Psg., jede» weitere Wort 6 Psg. Worte über lb Buchslaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen Bi» 5 Uhrnachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist di» 7 Uhr abend» geüssuet. Telegramm- Adresse: „SozlaUtntkni Renn". Zentfatorgan cler rozialckmokratifcbcn Partei Deutfcblands. Redaktion: 8W. 68, Lindenstraese 69. 5lfrriisl>rrrfirr: Unit IV. Nr ISKS. Dienstag, den 29* Januar 1907. Expedition: 8 Kl. 68, Lindenetraeoe 69. Mernsvrrcher:«int IV, Nr. 1084. ?Mchen den Schlachten. Das Resultat der ersten Wahlschlacht läßt sich inzwischen genauer übersehen. Die Tatsache bleibt bestehen, daß die Sozialdemokratie eine Schlappe erlitten hat. Eine Schlappe, wie sie nicht nur die Sozialdemokratie selbst nicht erwartete, sondern wie sie auch unseren bürgerlichen Gegnern völlig überraschend, ja geradezu verblüffend kam. Das Bürger- tum hatte— mit Recht— das denkbar schlechteste Gewissen. Es befürchtete, daß alle Schichten der nichtbesitzenden Klasse den bürgerlichen Parteien diesmal den zehnfach verdienten Denkzettel verabfolgen würden. Die maßlose Geldverschleuderung für eine sinnlose, obendrein durch die unerschöpfliche Korruptionswirtschaft diskreditierte Kolonialpolitik, der weltpolitische Konieten- kurs, die Volksauswucherung durch Lebensusittelzölle und Grenzsperren, die Volksentrechtung in Hamburg. Lübeck usw. — all das mußte unsere besitzenden Klassen mit banger Sorge erfüllen. Hätten sie, wie.hie Sozialdemokratie, ein reines Gewissen, ein blankes Ehrenschild besessen, hätten sie nur selbst an die Gerechtigkeit ihrer Sache geglaubt, so hätten sie ja von vornherein an den Sieg ihrer Sache glauben müssen. Daß sie es, wie sie jetzt selbst einmütig zugestehen, nicht taten, be- ..weist deutlicher als alles andere, daß sie alle ihre tönenden Phrasen selbst nuralsSchaumschlägerei, alsBetolpeliingSuianöver auffaßten, wohingegen die unverhohlene Siegeszuversicht der Sozialdemokratie bezeugt, daß sie deshalb ohne Wanken an den Sieg glaubte, weil sie von der Gerechtigkeit ihrer Sache durchdrungen war I Die Sozialdemokratie hat eine Schlappe erlitten, aber, wie sich stündlich deutlicher herausstellt, nichts weniger als eine Niederlage! Kehrt die Fraktion auch geschwächt in den Reichstag zurück: der Jubel über den Rückgang der Sozialdemokratie ist ver- früht gewesen. So weit daS Wahlergebnis einen Ueberblick ge- stattet, hat die Dreimillionenpartei trotz alledem einen Zuwachs von zirka 200 000 Stimmen erhalten. Viel zu wenig für unsere Arbeit, für die volksknechtende und volksausbeutende Tätigkeit der Gegner. aber viel zu viel für die Gegner, um der Sozialdemokratie bereits den Nekrolog zu halten! Jeder der A/« Millionen Wähler ge lobt sich, das nächste Mal noch viel aufopfernder zu arbeiten und dann die Schlappe gründlichst anSznwebe«! Es wird später noch genug Zeit bleiben, nachzliprüfen, welche Schichten diesmal versagt und den Wahlsieg der Partei vereitelt haben. Das freilich muß jetzt selbst die gegnerische Presse zugeben, daß sich in unserer jetzigen Stimmenzahl schwerlich noch„Mitläufer" befinden. So meint selbst die freisinuig.volkSparleiliche„Breslauer Zeitung":„Das Mitläufertum hat sich jetzt bis auf einen kleinen Rest unverbesserlicher Jrrlinge von ihr(der Sozialdemokratie) losgesagt." Der Ueberzeugung sind auch wir. Und das erfüllt uns mit froher Zuversicht für die Zukunft. Nicht als ob wir die„Mitläufer" mit Ruten fortgepeitscht zu sehen wünschten. Aber, das beiveist ja gerade der'Wahlausfall. mit Bestimmtheit ist doch in kritischen Situationen nur auf überzeugte Anhänger der Partei zu rechnen. Es handelt sich also nicht darum, die„Mitläufer" zurückzustoßen, wohl aber darum, sie intensiver als bisher auf» ziikläreu, sie zu bewußten und prinzipiell klaren Auhäugern der Partei zu machen! Und wir hoffen, daß mit derielben er- qliickenden Schärfe und Klarheit, mit der diesmal überall der Wahlkampf geführt ivorden ist, auch die künftige Werbe- und Aufklärungsarbeit fortgesetzt werden wird. Geschieht das, so sind ivir für die Zukunft nicht bange. Die„Mitläufer" sind dafür diesmal dem Freisinn zugeströmt. Und wir süld sicher, daß er mit diesen Mitläufern weit betrübsamere Erfahrungen machen wird als die Sozialdemokratie, die trotz der Desertion der unsicheren Kantonisten noch 200000 Stimmen gewonnen hat I Weshalb hat der Freisinn solchen Zulauf erlebt? Wir wollen von den Konservativen und National- liberalen ganz absehen, die diesmal nur aus Haß gegen die Sozialdemokratie für den Freisinn gestiinmt haben. Diese Elemente werden dem Freisinn sofort wieder abtrünnig werden, sobald er Miene machen sollte, auch nur die schüchternsten freisinnigen Regungen zu bekunden. Verzichtet er aber auf solche Betätigung, so verliert er auf der anderen Seite die Mitläufer, die sich ihm in der Hoff- nung auf eine kommende„liberale Aera" zugewendet haben I Eine solche„liberale Aera" ist aber ganz anSgeschloffeu. Nicht nur, daß die Konservativen. Antisemiten und National- liberalen ein festes Bollwerk gegen alle, sei eS auch nur fch einliberalen Anwandlungen der Regierung bilden werden auch das ungeschwächte Zentrum steht allen kultur- kämpferischen Aspirationen im Wege. Der Freisinn wird also nur„national", nicht aber auch liberal sein dürfen. Er darf alle weltpolitischen Forderungen für Heer, Marine und Kolonialpolitik bewilligen—> aber beileibe keine Gegenforderungen stellen! Ganz ergötzlich verspottet ein wildliberaleS Berliner Mittagsblatt die liberalen Illusionen der Dernburg-Wähler: „Also man hat dem Fürsten Bülow einen Vorschuß auf die versprochene Seligkeit bewilligt un d muß nun mal sehen, was kommt. Wenn der jetzt so fest im Sattel sitzende Reichs- kanzler noch eine neue ReichStagswahl abwarten will, so muß er sich mit dem Liberalismus irgendwie abfinden, daß der Vorschuß halbwegs gedeckt wird. Nun entsteht hier die Frage: woher nehmen und nicht stehlen? Der neue Reichstag wird eine Majorität haben, die in allen wirtschaftlichen Fragen genau daS Gegenteil von dem will, was der LinkSliberalismus wünscht. In geistigen Fragen werden die Nationalliberalen wenigstens teilweise auf feiten der Linken stehen, aber solche Fragen kommen im Reichstage voraussichtlich nicht vor, da Bülow klug genug ist, daS alte Feuer, da» auf dem Herde der Heinze-Männer glimmt. nicht anzufachen: im Gegenteil, da die Intellektuellen in Deutschland nun einmal gewöhnt sind, die gesamte deutsche Freiheit allein nach der polizeilichen Judulgenz sür literarische und künst- lerische Produktionen zu bemessen, kann man erivarten. daß in Zukunft den.Kunsthändlern erlaubt ivird. die Leda mit dem Schwan wieder inS Schaufenster zu stellen. Dann wird die deutsche Pro- fessoren- und Künstlerwell den Sieg des libe» ra l en Geiste« preisen. Bielleicht auch werden die ö SisterS Barrison, soweit sie noch komplett sind, aus dem Exil zurückberufen. Aber ob politisch ernste Mensche» hiermit den Vor- schnß sür gedeckt halten, da« muß trotz aller bürgerlich liberalen Bescheidenheu dezweifelt werden. An Preußen kann man sich nicht schadlos halten, denn dort bleibt alleS beim alten; also auch beim üblen." Wenn es also im liberalen Bürgertum und unter den liberalen Mitläufern überhaupt noch„politisch ernste Menschen" gibt, wird der Freisinn spätestens in fünf Jahren dieser„Mitläufer" wieder gründlich ledig werden I Freilich, die Soziaideuiokratie Ivird sich darauf nicht ver- lassen. Sie wird ihre Orgaiiisations- und Agitationstäiigkcit verdoppeln, ihre Presse verbreiten, um auch 11>12 ohne„Mitläufer" einen Erfolg zu erringen, der ihre heutige Schlappe mehr als wett macht! Mehr als je gilt es Ausklärnng der Massen, prinzipielle Vertiefung der sozialistischen Anschauungen unter den breitesten Schichten der nichtbesitzenden SUasstn, damit künftig jeder Appell an die Indifferenten, die„Partei der Nichtivähler", vergeblich ist.— Die konservative Presse ist mit dem Ausfall der Wahlen äußerst zufrieden, da ja die reaktionäre Seite des Hauses gestärkt worden sei. Sie stellt freilich auch noch für die Stichwahlen an den Freisiun das Ansinnen, zu vollenden. was er bei der Hauptwahl so erfolgreich begonnen, nämlich die freiheitliche Opposition völlig lliederznschmettern. Auch für die Stichwahlen erwartet die„ K r e n z- Z t g.", daß sich der Freisinn für die konservativ-nationalliberalen Brotwucherer und Wahlrechtsfeinde ins Zeug legen und gegen die Sozial- demokratie stimmen tvird I Die freisinnige Presse ermutigt die konservative Presse zu solchen Hoffnungen, indem sie sich jeder Aenßerung darüber enthält, wie ihre Wähler bei der Stichwahl stimnien sollen. Mag der„Frcisinu" seuie unter dem Sukkiirs des Reichs- Verbandes begoimene Tätigkeit gegen die bürgerliche Freiheit, gegen das Koalitionsrecht, gegen das Wahlrecht damit vollenden, daß er der scharf. machrrische» Reaktion zu neuen Triumphe« verhilft! Der Tag der Abrechnung wird nicht ausbleiben I Die wahre Gesinnung der Konservativen und National- liberalen kennzeichnet die„K r e u z- Z t g." trefflich und gerade znr rechten Zeit durch die Wiedergabe einer Auslassung der nationalliberalen„Mag beb. Ztg.". die lautet: „Ist nun dieser Znstand alo Verhängnis hinzunehmen. so lange das allgemeine gleiche Wahlrecht Hestedt? Ist die Emwickelung des politischen Lebens in Deutschland nnter der Herrschaft de» ReichstagSwahlrechi« jetzt an den kritischen Punkt gelangt, an dem der Gang der Maschine aufhört, zuverlässig und berechenbar zu sein? Oder vermag das deutsche Volk, wenn eS die Gefahr erkennt, mit diesem Wahlrecht die Korrektur selbst zu schaffe»? Jeder Baterlandssreimd muß luf'mfchen, daß die Wo dien darauf mit einem unzweideutigen Ja antworten," Das nationallib orale Blatt hätte also das Reichstagswahlrecht skrupellos preisgegebe», wenn diesmal das Volk nicht nach dem Wunsche des Absolutismus und des Scharfmachertums gestimmt hätte. Und die„Kreuz- Zeitung" erklärt sich mit dieser Auffassung völlig ein- verstanden! Wird der Freisinn trotzdem für dies großindustrielle und agrarische Scharfmachertum eintreten? Wird er die so unverhohlen staatSstreichliisterne Reaktion unterfttitzen, auch auf die Gefahr hin. daß sie gerade wegen deL diesmaligen Wahl- ausfalls die Verwegenheit findet, dem Volke das Wahlrecht zu raube«, solange sie dazu noch die Macht zu besitzen ivähnt?! Mag der Freisinn seine ureigenste Schicksalsfrage selbst entscheiden l Für die Sozialdemokratie gilt es, bei den Stichwahlen die äußersten Kräfte einzusetzenl Fort mit allem Kleinmut! Hinein in den Wahlkampf mit verdreifachter Energie l Alles, waö an Ingrimm in den Herzen des Proletariates bohrt und lodert, hat sich im erneutem Ansturm zu entladen l Eine jämmerliche Armee, die ans eine erlittene Schlappe anders antwortet, als durch verdoppelte Kampfes- freudigkeit! ES gilt erneuten Kampf auf der ganzen Linie. Die Gegner werden abermale mit ihren vollen Breitseiten feuern I Es gilt, ihnen de» SiegeSjubel schon bei der Stichwahl zu der- ällen! Auf gegen ihre Niedertracht und Verleumdung! Es gilt ie Wahrung der proletarischen, der wahren nationalen Ehre I ES gilt die Scharte auszuwetzen, künftigem vollen Sieg die Geffe z« bahne«! Vorwärts! Da; Lesawt-Aahlergebnis. Nach der Meldung der„Nordd. Allgem. Ztg." sind in den 397 Wahlkreisen des Deutschen Reiches am 25. Januar 1907 237 Abgeordnete endgültig gewählt worden, während in den übrigen 160 Wahlkreisen Stichwahlen stattzufinden haben. ES sind: Sozialdemokraten,,. Zentrum...... Freisinnige Vereinigung. Freisinnige VolkSpartei. Nationalllberate.... Konservative gewählt . LS . SS 1 S 20 4t Reichspartei...... 10 18 2 an Stichwahlen beteiligt Ü2 81 12 27 63 20 19 6 11 8 12 8 2 Polen Deutsche Volkspartei.. Reformpartei(Antisemiten). 8 Wirlschastliche Vereinigung. 4 Bund ber Landwirte... 2 Minelstandsparteiler... 1 Dänen........ 1— Slsäiser und FraltionSlose. 10 7 Welsen........— 4 In der letzten SonntagSnummer meldeten wir. daß 30 sozialdemokratische Abgeordnete gewählt feien, da wir nach den uns vorliegenden Stimmenzahlen auch Georg v. Bollmar— München II— als definitiv gewählt betrachteten. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß Wollmar 1393 Stimmen an der absoluten Mehrheit fehlen und demnach auch in diesem Wahl» kreise eine Stichwahl stattfinden muß. Es erhielten nämlich im zweiten Münchener Wahlkreise: G. v. Vellmar.. 40123 St. Kohl(D, Volkspartei) 20 641 St. Giehrl(Zentr.).. 19 497, Köglsperger(Bauernb.) 1 384, Probst(Mittelstand). 82. Zersplittert.... 72„ 41 516 St. Die Gewinne und Verluste der einzelnen Parteien im ersten Wahlgange stellen sich danach folgendermaßen: Gewinne Verluste Sozialdemokraten..... 1 20 Zentrum........ 2 4 Freisinnige Vereinigung...—— Freisinnige Volköpartei... 4 2 Nationalliberale..... 0 0 Konservative....... 7 2 Reichspartciler...... 2 4 Polen......... 2— Deutsche volkspartet Reformpartei 2 Wirtschaftliche Vereinigung., t 1 Bund der Landwirte....—— Mittelstandsparteiler.... 1— Dänen.........— w Slfäfser und Fraktionslose.. 2 1 Welsen 3 Bauernvund......,•» 1 Unsere Partei hat demnach im ersten Wahlgang 20 Sitze verloren und einen Kreis gewonnen: Mülhausen im Elsaß. In 92 Wahlkreisen kommt sie in die Stichwahl. Welche Kreise dies sind und wie sich in diesen Kreisen die Stimmenverhältnisse stellen, werden wir mitteilen, sobald die Sttmmenzahlen amtlich ermittelt worden sind. politische Geberltcbt. Berlin, den 28. Januar 1907. * MajestatSbeleidtgung. Die persönliche Ehre ist kein Vorrecht einer privilegierten Persönlichkeit. Der Proletarier besitzt ein ebenso großes Anrecht auf Respektierung seiner persönlichen Ehre, wie der Kapitalist, der I u n k e r, der F ü r st. Diese Ehre der Persönlichkeit, dieser Stolz auf die Flecken- losigkeit des moralischen Schildes, dieser Respekt vor der Ehre der Person steht auch uns so hoch wie nur irgend Jemandem. Aber die Anerkennung dieser Ehre des sozial Geringsten, die hinter der Ehre des durch Zufall und Geburt am höchsten Gestellten nicht zurücksteht, macht es uns zugleich unmöglich, noch eine besonders geartete Ehre für einzelne Personen anzuerkennen. Die Ehre der Persönlichkeit respektieren wir, aber die„Ehrfurcht" vor dem Rang, vor der Geburt vermögen wir nicht zu verstehen l Deshalb ist uns auch der Begriff der„Majestäislu leidignug" ein unfaßbarer. Basiert er doch auf der Vorstellung des „Untertanen", des Menschen mit minderer Ehre vor der besonderen Ehre des durch Zufall und Geburt„Höher- gestellten". Demgemäß hat denn auch die Sozialdemokratie wiederholt den Antrag auf Beseitigung des MajesttttsbeleidigungSpara- graphen gestellt. Nicht, um sich in Beleidigungen gegen fürstliche Personen zu ergehen. Die perfide Beschimpfung der politischen und Klassen-Gegner überläßt die Sozialdemokratie Leuten vom Schlage der Liebert-Männer des Reichs- Verbandes. Aber die Sozialdemokratie steht auf dem Standpunkte, daß in einem modernen Rechtsstaate die Ehre des Proletariers nicht minderen Schutzes sein soll, als die Ehre des„Höchsten". Freilich: Solange es eine privilegierte Klasse gibt, wird eS auch Klassen- und Geburtsprivilegieu gebe». Es ist uns deshalb durchaus verständlich, daß die neueste Aeußerung Wilhelms II. keinen Verzicht auf den Schutz der„Majestät", auf die dem Fürsten vermeintlich geschuldete„besondere Ehrfurcht" enthält, sondern nur eine Milderung der bisherigen S t r a f j u st i z in„Majestätsbeleidigungen" be- absichtigt l Der„Reichsanzeiger" meldet: Es entspricht Meinem Wunsche, daß wegen Majestätsbeleidigung oder Beleidigung eines Mitgliedes Meines Königliches Hauses nur solche Personen die gesetzliche Strafe erleiden, welche sich jener Vergehen mit Vorbedacht und in böser Absicht, und nicht bloß aus Unverstand, Unbesonnenheit, Uebereilung oder sonst ohne bösen Willen schuldig gemacht haben. Ich beauftrage daher Sie, den Justizminister, Mir, solange nicht das Gesetz eine entsprechende Einschränkung der Strafbar- keit enthält, fortlaufend von Amts wegen über alle nach dem Angeführten berücksichtigenswerten Verurteilungen behufs Meiner Entschließung über Ausübung des Begnadigungrechtes zu berichten. Berlin, den 27. Januar ISO?.• Wilhelm R. Fürst v. Bülow. B e s e l e r. An den Ministerpräsidenten und den Justizminister. Wir zweifeln keineswegs daran, daß die Nachprüfung durch den Kaiser manche durch hyperloyalen Uebereifcr der Justiz verschuldete Unbill ausheben wird. Aber wir verlangen nichtsdestoweniger nicht„Gnade", sondern ein Recht, das den modernen Volks- und Rechtsanschauungen entspricht. Die kaiserliche Kundgebung rechnet übrigens ja anscheinend selbst mit einer nicht länger zu verzögernden„Einschränkung der Strafbarkeit". Wir wissen nicht, ob diese An- deutung so zu verstehen ist, als ob der Kaiser selbst das Un- haltbare des gegenwärtigen Begriffs der Majestäts- beleidig ung empfunden habe. Wir werden das ja bei der neuen Verhandlung über die Beseitigung des Majestätsbeleidignngs-Paragraphen erfahren!— Ein Brudergrust ans Oesterreich! Dem Vorstand der deutschen Sozialdemokratie ging aus Wien folgendes Telegramm zU: Die ReichSkoiifercnz der deutsche» Sozialdemokraten in Oesterreich, versanimelt, um die ersten Wahlen des gleichen Rechtes vorzubereiten, begrüßt die stärkste und älteste Bor- kämpferin des internationalen Proletariats, die deutsche Sozialdemokratie, am Tage nach dem schweren Kampfe und beglückwünscht das Proletariat Deutsch- lands, das, gegenüber einer unerhörten Koalition der reaktionären Parteien, die aufgepeitscht wurden von demagogischen Schlag- warten, seine volle Kraft bewährt hat. Jederzeit brüderlich mit Euch verbunden, marschieren wir mit Euch trotz alledem und alledem mit fester Siegeszuversicht den Zielen der Sozial- demokratie entgegen. Im Auftrag: T o m s ch i k. Die deutsche Sozialdemokratie wird diese Solidaritätsbezeugung der österreichischen Brüder freudig entgegennehmen. Zeigt ihr Gruß doch, daß sie sich durch den äußeren Eindrück der Mandatsziffern nicht haben täuschen lassen, daß sie erkannt haben, mit welch un- gebrochener Kraft unsere Partei dasteht und daß sie das Vertrauen der Genossen des Auslandes nach wie vor verdient. Die deutsche Sozialdemokratie wird sich dieses Vertrauens würdig zeigen. Den österreichischen Genossen aber wünschen die deutschen bei den ersten österreichischen Wahlen unter gleichem Recht, daß der Opfermut und die Entschlossenheit, die das gleiche Wahlrecht eroberte, das öfter- reichische Proletariat am Wahltage zu glänzenden Erfolgen an Stiminen, wie auch an Mandaten führe.— Deutfcbes Reich. Zur Stenerbelastnng der deittschen und englischen Arbeiter. In den Nummern 17 und 18 des„Vorwärts" veröffentlichten wir zwei Leitartikel mit einer Berechnung über die Steucrbelastung des deutschen und englischen Arbeiters. Die beiden Artikel haben Uns verschiedene Briefe deutscher, in England lebender Genosseit eingetragen, in denen diese unsere Aufstellung, die übrigens nirgends in der reaktionären Presse angezweifelt ivorden ist, bestätigen und zugleich einige weitere Angaben hinzufügen. So schreibt uns beispielsweise ein früherer Bremer Genosse, der jetzt als Werkmeister in einem größeren Edinburger Betriebe fungiert: Mit Bezug auf Ihre beiden Artikel vom 21. und 22. d. Mts. betreffend die Steuerbelastung dev deutschen und englischen Arbeiter kann ich mich ganz Ihrer Ansicht anschließen. Jeder Deutsche hier zu Lande wird Ihre Ziffern vollauf bestätigen. Es ist eine Unwahrheit, wenn die deutsche nationale Hetzprcsse behauptet, daß der englische Arbeiter höher besteuert ist als der deutsche, wie ich Ihnen an einigen Beispielen zeigen will. Die „Rates ancl Raoss", wie Sie selbst sagen, werden in die Miete mit ciuberechnet. Ich weiß viele Straßen in den Außenteilen LonponS und auch anderen Gegenden Englands, wo man ein schönes nettes Haus, bestehend aus zwei Stuben, drei Schlaf- zimnzem, Küche mit Pantry und Badezimmer, dazu Vorder- und Hintergarten für zehn Schilling sechs Pence(lO1/, Mark) pro Woche mieten kann. Ich beziehe mich nwistens auf London, weiß aber Preise von fünf bis zehn Schilling pro Woche für ganz gleiche Häuser im Süden Englands und ebenso im Mittellande. Die sogenannten„Rlats"(Teil eines Hauses) sind dementsprechend billiger und nach meiner Ansicht trotzdem noch lange nicht mit den Mietskasernen und Hinterhöfen Deutschlands zu vergleichen, da in England selten mehr als zwei Parteien ein Haus bewohnen; meistens nur eine Familie. Ich schließe natürlich die sogenannten „SlumS" aus. Größere Häuser werden natürlich von der Lokal- steuer betroffen, die sich nach den örtlichen Verhältnissen richtet! Da mein Einkommen IM Pfd. Sterl. übersteigt, bezahle ich 2 Pfd. Sterl. Einkommensteuer bei 4000 M. Gehalt. Sollte eS mir belieben, eines der vorerwähnten kleinen Häuser Londons zu be- ziehen, so brauchte ich nicht mehr wie diese 2 Psd. Sterl. Einkommen- steuer zu bezahlen. Dasselbe würde der Fall sein, falls ich möbliert wohnen würde. Ich weiß augenblicklich nicht den Steuersatz für 4000 M. Gehalt in Preußen, möchte aber betonen, daß ich vor acht Jahren in Bremen, als ich noch in einfacherer Stellung war und 24 M. Lohn pro Woche bezog, 25 M. Steuern pro Jahr bezahlen mutzte. Aehnliche Verhältnisse fand ich in Berlin und einigen Städten Süd- deutschlands. Ich kenne jedoch viele Genossen in London, deren Gehalt 50 Schilling pro Woche beträgt, die überhaupt keine Abgaben be- zahlen: eine Tatsache, die es in Deutschland nicht gibt. Verschiedene Jahre bin ich selbst so glücklich gewesen, bei 3 Pfund Sterling (60 Mark) pro Woche Lohn keine Steuern zahlen zu müssen. Was die Lebensmittel anbetrifft in England und in Schottland, so stellen sich dieselben billiger als bei uns, namentlich Fleisch, Brot und Butter. Zum Schluß bemerke ich, daß ich nicht in den Verdacht kommen möchte. England und Schottland zu verherrlichen; im Gegenteil bin ich mit den britischen Sozialisten der festen Ueberzcugung, daß auch hier viele Dinge dringender Abhülfe bedürfen und daß man auch hier mit finchtbarer Deutlichkeit die verheerenden Wirkungen des Kapitalismus wahrnehmen kann. Eins erwähne ich jedoch, nänilich: die teuren Fleischtöpfe Deutschlands locken wenige zurück nach der lieben Heimat. Und die Schneidigkcit des Militär- staates trägt noch viel weniger dazu bei, das Herz vor Sehnsucht nach einem preußischen Schutzmann brechen zu lassen. Ich schließe mit genossenschaftlichem Gruß und vielen Glückwünschen für die Neuwahlen._ Die sozialdemokratische Stichwahlparole und der Nationalliberalismus. Die„National-Zeitnng" ist höchst erbost über die vom Vorstand unserer Partei ausgegebene Stichwahlparole. Bisher haben, wie sich au? den Aeußerungcn ihrer Presie deutlich ergibt, die national- liberalen Wortführer sich immer noch im stillen der Hoffnung hin- gegeben, die Sozialdemokratie könnte sich durch die lächerliche Kulturkampsschwätzerei der Nationalliberalen beeinflussen lassen und in den Wahlkreisen, wo nationalliberale Kandidaten mit Zentrumsmännern in der Stichwahl stehen, für die Kämpen des Nationalmiserabilismus stimmen. Nun, da sie sich in ihren ein- fältigen Erwartungen getäuscht sehen und eS nichts zu mogeln gibt, schreien sie ärgerlich auf. Das Bartliugsche Blatt leistet sich z. B. folgenden ergötzlichen Wutausbruch einer schönen Seele: „Daß die unterlegene Partei ein kaudinisches Joch errichtet. unter das kriechen muß, wer Gnade vor ihren Äugen finden will, hat zum mindesten den flüchtigen Reiz der Neuheit für sich. Die Nationalliberalen werden nichts dawider haben, daß man sie mit dem hochnotpeinlichen JngiiisitionSverfahren gütigst verschonen will. Daß sie für Verschlechterung des Wahlrechts wie des Koalitionsrechts nicht zu haben sind, ist von maßgebenden Stellen der Partei oft genug betont worden. Und wenn die Genossen nach dem Falle des Sozialistengesetzes mit weiteren Ausnahme- 7000 Abmlllknten gtilmnen! Während des Wahlkampfes hat der „Vorwärts" abermals 7000 Abonnenten gewonnen. Die Auflage, die vor der Wahlkampagne 121 000 betrug, hat sich während des Wahlkampfes auf 120000 erhöht und zur Stunde 128««« erreicht! Aber Rasten bedeutet Roste«! Parteigenossen! Rote Wähler! Sorgt für weitere Verbreitung Eures Sturmbanners: Werbt rastlos«eue Abonnenten für de» „Vorwärts"! i gesehen verschont geblieben sind, so danken sie das nicht in letzter Linie der parlamentarischen Tätigkeit des gegenwärtigen Partei- chefs Bassermann... Indem der Parteivorstand also von den Freisinnigen die schriftliche Versicherung verlangt, daß sie wenigstens in den drei bezeichneten Punkten noch freisinnig bleiben wollen, setzte er sich in den Augen der Genossen wieder auf den hohen Richterswhl, von dem aus er die Menschheit auch sonst in Gerechte und Un- gerechte zu scheiden pflegte. Daß er zurzeit eine etwas komische Figur macht, dessen scheint er sich nicht recht bewußt zu sein. Aber nicht nur einem renommistischen Bedürfnisse genügt die rote Parteiregierung, wenn sie just zwischen Freisinnigen und Nationalliberalen den trennenden Strich zieht und so gar keinen Wert darauf legt, von der reaktionärsten aller Par- t e i e n, dem Zentrum, Bürgschaften gegen ihr antiliberales Ver- halten zu fordern; dahinter verbirgt sich auch noch ein. freilich nicht allzu geistvoll erdachtes, taktisches Manöver. Was die sozial- demokratische Parole in der Gruppierung der bündnis- unfähigen Parteien an die Wand malt, soll das Schreckgespenst des alten Kartells sein." Daß die Sozialdemokrasie sich bei der Ausgabe ihrer Stichwahl- parole nicht von der Rücksicht auf den Gewinn oder Verlust einiger Mandate leiten läßt, sondern von den Interessen der Arbeiterschaft und den Forderungen der politischen Lage, vermag natürlich ein nationalliberales Gemüt, das nie Grundsätze gekannt hat, nicht zu begreifen. Wie gern die Leiter der Nationalliberalen die Wahlhiilfe der Sozialdemokratie gegen das Zentrum eintauschten, zeigt der naive Hinweis der„National-Zeitung" darauf, daß auch die national- liberale Partei nach ihrer Ansicht den Bedingungen unserer Stich- Wahlparole genügt.—_ Oppositionelle Zentrumsanwandlungen?. Die.Germania", das führende Zentrumsorgan, schreibt über den Wahlausfall: „Wir wollen kein Endurteil aussprechen, bevor das endgültige Ergebnis auch der Stichwahlen vorliegt, aber das dürfen wir be- haupten: das Zentrum bleibt nach wie vor eine Partei, mit der die Regierung und die anderen Parteien rechnen müssen. Mag man zunächst auch ohne es auszukommen versuchen, die Erfahrung dürfte doch bald lehren, daß sich aus den jetzigen Regierungsparteien keine brauchbare Kartellmehrheit bilden läßt. Sehr bezeichnend ist, daß die.Norddeutsche Allgemeine Zeitung" in einem offiziösen Artikel über die Wahlen, den sie„Das Volks- gericht" überschreibt, vom Zentrum kein Wort redet, sondern nur ihre Freude über die Niederlage der Sozialdemokratie ausspricht. Und doch hatte der Reichskanzler nicht bloß zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie, sondern gegen die„schwnrz-rote Mehrheit" aufgerufen. Sollte der Inspirator der„Nordd. Mg. Ztg." bereits erkannt haben, daß man am Ende doch mit dem Zeittrum werde rechnen müssen? Aber wenn dies auch in alter Stärke wiederkehrt, es wird nicht das alte Zentrum sein. Man wollte es durch die Wahlen„erziehen": es werden aber zunächst seine Wähler sein, die erzieherisch auf es gewirkt haben, und zwar in einer Weise, die der Regierung nicht übermäßig angenehm sein dürste. Die Zeit wird'S lehren." Die„Germama" gibt also auch hier wieder zu, daß das Zentrum sich in seiner bisherigen Politik allzusehr von der Hoffnung auf die Gunst und Gnade der Regierung hat beeinflussen lassen I Sie gelobt den Wählern, die diesmal gegen die Regierung gestimmt haben, feierlichst Besserung. Ob das Zentrum die allerdings unverkennbar erzieherischen Ab- sichten seiner Wähler respektieren wird? Oder ob es sich doch wieder mit Konservativen und Nationalliberalen in einen kläglichen Wettlaus um die Gunst der politischen und Wirt- scheftlichen Reaktion einlassen wird? „Die Zeit wird's lehren." Aber auch an den Zentrums- Wählern werden diese Lehren der Zeit nicht spurlos vorüber- gehen I Das unaufhaltsame Vordringen der Sozialdemokratie gerade in den Zentrumsgebieten sollte dem Zentrum ein warnendes Menetekel sein!—_ Ter Kyffhäuser-Berband der deutschen Kriegerbereine, der vor den Wahlen des 25. Januar durch seine im militärischen Kommando- tone gehaltenen Wahlparolen krästig zu der Rubrik„Humor im Wahlkampfe" beigetragen hat, hat es sich nicht nehmen lassen. auch für die Stichwahl eine Parole gleicher Qualität auszuarbeiten, in der er seine Getreuen gegen die Sozialdemokratie, die Polen und Welsen aufbietet. Es heißt in dem Geschreibsel: „Unsere Satzungen verlangen von jedem unserer Mitglieder deutschnationale und monarchische Gesinnung. Vaterlandsliebe, Treue zu Kaiser und Reich, zu Fürst und Vaterland! Niemand kann Mitglied eines unserer Vereine werden oder bleiben, der diese Gesinnungen nicht teilt, oder ihnen entgegenhandelt. In den östlichen Provinzen darf daher nach unseren Satzungen keiner unserer Kameraden einem Polen seine Stimme geben, welcher großpolnische, auf Loslösung von Teilen des Reiches gerichtete Bestrebungen verfolgt. Ebensowenig können unsere Mitglieder einen Anhänger der welfiscken Partei wählen, welche die be- stehenden Grundlagen deS größten Bundesstaates, Preußens, nicht anerkennt. Unter allen Umständen aber sind unsere Kameraden verpflichtet, da, wo ein Anhänger einer bürgerlichen Partei mit einem Sozialdemokraten zur Stichwahl steht, dem ersteren und unter keinen Umständen dem Sozialdemokraten ihre Stimme zu geben. Kameraden! Geht alle zur Wahl! Jede fehlende Stimme kann dem Gegner zum Siege verhelfen I Tut alle eure Pflicht! Wählt keinen Sozialdemokralen!" Elektrischer Bahnbetrieb. Die Erwägungen über die Ein- richtung des elektrischen Betriebes auf preußischen Vollbahnen sind, wie nach der„Kieler Ztg." aus sicherer Quelle verlautet, im be- jahcnden Sinne abgeschlossen worden. Zunächst soll auf der 100 Kilometer langen Strecke Altona-Kiel mit dem elektrischen Be- triebe ein Versuch gemacht werden, von dessen Ausfall es abhängen wird, ob auch längere Strecken für einen solchen Betrieb in Aus- ficht zu nehmen sind. Der elektrische Betrieb Altona-Kiel wird nicht allein den Personen-, sondern von vornherein auch den gesamten Güterverkehr umfassen._ Die Dummheit erntet Prügel! Dem deutschen Michel widmet unser Hamburger Bruderorgan die bitteren, aber wohlverdienten Verse: Jetzt, Michel, mach' den Buckel krumm, Die Prügel zu empfangen. Du warst so blind, Du warst so dumm Und bist ins Netz gegangen. Paß' auf, wie zetzt die Peiffche saust! Paß' aus, wie Dich der Junker laust l Wirst Deinen Lohn erhalten. Ach, Michel, wirst Du niemals klug? Dann darfst Du auch nicht klagen Und wirst fortan mit Recht und Fug Die blauen Striemen tragen. Wer selbst sich Prügelmeister wählt. Bekommt die Tracht auch aufgezählt Vollwichtig und gesalzen. So, Michel, tu' mw recht viel Geld In Deinen Beutel! Bleche! Hastls ja gewollt. Du Jammerheld; Nun macht man Dir die Zeche. Gib her I Gib her l Greif in den Sack l Gefräßiges Schmarotzerpack Hast Du zum Herrn erkoren. Wie, Michel, wird zu Mit' Dir sein, Ist erst der Rausch verflogen! Im Katzenjammer stehst Du's ein: Belogen und betrogen. Du hast's gewollt! Geschieht Dir«cht! Hast selber Dich gemacht zum Knecht, Die Rute Dir gebunden. Sieh, Michel, sieh, das kommt davon! Ein Tor bist Du. ein blöder! .Für Ehr' und Gut der Nation".., Nicht wahr, ein seiner Köder?! Dein Gut und Ehr'? Du armer Wicht! Ein Fußtritt, und dann murre nicht! Die Dummheit erntet Prügel. Hiidtand. England. Der englisch-amerikanische Zwischenfall in Jamaika. London, 24. Januar.(Eig. Ber.) Die Zurückweisung des amerikanischen Konter-Admirals Davis durch Sir Alexander Swettenham, den Gouverneur von Jamaika, hat hier viel Auf- sehen erregt, da sie als ime Beleidigung der amerikanischen Rc- gierung aufgefaßt wurde. Jedoch ist nicht zu leugnen, daß der Gouverneur gute Gründe für seine Maßregel hatte. Der amerika- nischc Admiral landete bewaffnete Marinesoldaten, und die Landung geschah entgegen dem Willen des Gouverneurs, der dem Admiral zu verstehen gab, daß Jamaika britisch und nicht marot-- konisch oder chinesisch sei. Zudem war nicht die geringste Nn- ordnung auf der Insel zu befürchten, da ja die Neger sehr gut regiert und menschlich behandelt werden. Schließlich kann der Engländer das aufdringliche und prahlerische Wesen der DankeeS nicht leiden. Der Zwischenfall ist indes als erledigt zu betrachten. aber zeigt, daß— wie wir unlängst berichteten— eine gewisse Miß- stimmung zwischen den beiden Ländern vorhanden ist, und zwar infolge deS cnglisch-japanischen Bündnisses.— Ministrielle Aenberungen. Zum britischen Botschafter in Washington ist Mr. James B r y c e. der bisherige Sekretär für Irland, ernannt worden. Brycc ist einer der fähigsten und gelehrtesten Politiker Englands. Sein Buch über das amerikanische Vcrfassungsleben ist musterhaft. Die Stelle von Brycc erhält Mr. B i r r e l l, der bisherige Unter- richtsminister und Verfasser der liberalen Schulvorlage. Zum Unterrichtsmini st er wurde Mr. Mac Kenna, der liberale Abgeordnete für Nord-Monmouthshire, ernannt. Dem neuen Sekretär für Irland wird in den nächsten Monaten die Aufgabe zufalle», eine Vorlage zugunsten der Ausdehnung der irischen Selbstverwaltung einzubringen und zu vertreten.— Nahlnachrichten. Stimmenzuwachs fast überall! Je mehr die genaueren, abschließenden Resultate ans den ausgedehnten Wahlkreisen einlaufen, um so nichr stellt sich heraus, daß Meldungen, die anscheinend einen großen Stimmen- Verlust der Sozialdemokratie ergaben, noch unvollständig waren, daß der anscheinend große Stimmenverlust sich in Zunahme verwandelt oder mindestens stark zusammenschrumpft. Ein Beispiel ist Gotha, wo wir nach den am Sonnabend vorliegenden Meldungen von 15 237 auf 14 889 Stimmen gesunken sein sollen. Heute wird uns mitgeteilt, daß das abschließende Resultat lautet: Bock(Soz.) 16 097. Prinz Hohenlohe(Mischmasch) 18911. Wir haben also in Wirklichkeit um über 1200 Stimmen gewonnen und den Wahlkreis nur verloren, weil die„nationale" Wahlparole die NichtWähler in noch stärkerer Anzahl an die Wahlurne brachte, wie das ja auch in Königsberg, Halle Magdeburg, Braunschweig und den beiden Breslauer Kreisen der Fall war, wo wir zwar unterlagen, aber unsere Stimmen beträchtlich vermehrten! Das Wachstum unserer Partei im rheinisch-westfäftschen Industriegebiet ist ferner noch größer, als es zuerst erschien. So wird uns aus Duisburg gemeldet: Das Endresultat ist: Hengsbach 28 250. Jung 33 045. Gronontski 27 522, Czagiszewski 5455, Poersch 508. Wir haben somit einen Zuwachs von 5000 Stimmen gegen 1903. Bon 107 000 Wahlberechtigten haben rund 9c) 000 (also fast 90 Proz.) ihr Wahlrecht ausgeübt. So werden sich noch mannigfache Stimmensteigerungen herausstellen. Die in diesen Tagen erscheinenden amtlichen Zahlen werden uns die sichere Grundlage für solche Fest- stellung bieten; vorläufig begnügen wir uns mit diesen beiden Stichproben! Zum Wahlausfall iu Hamburg wird uns geschrieben: Die Wahlbeteiligung in dieser alten Hochburg unserer Partei betrug in den drei Wahlkreisen 86,4 bezw. 85,6 und 85,8 Proz., mithin im gesamten Staatsgebiet 86 Proz. Im Jahre 1903 bc- trug die Zahl der Wahlberechtigten 192 937, diesmal 219 592, ist also um 26 565 gestiegen. 1993 wurden insgesamt 199 118 s o z i a l- demokratische und 61425 bürgerliche Stimmen abgegeben. 1997 dagegen 112 782 sozialdemokratische und 74 165 bürgerliche Stimmen. Trotz aller Kraftanstrcngungen der bürger- lichen Parteien ist die Differenz dieselbe geblieben wie 1993. Er- freulich ist die eklatante Niederlage der Wahlrcchtsräuber und Scharfmacher, deren Hauptvertreter im dritten Kreise kandidierte und dessen Stimmenzahl sich gegen die vorige Wahl um rund 16 999 — von 36 990 auf 29990— verringert hat. Auch in den beiden anderen Kreisen ist die Partei der Wahlrcchtsräuber arg aufs Haupt geschlagen worden, die in allen drei Kreisen nur 29 197 Stimmen aufbrachten, während auf die Kandidaten der Vereinigten Liberalen, die aus Gegnerschaft zur Wahlcntrechtung in Hamburg sich zu einer Partei zusammengeschlossen haben, 42 799 Stimmen fielen. Die Antisemiten kommen mit ihren 564 Stimmen nicht mehr in Betracht; diese Partei hat in Hamburg völlig abgewirt schaftet. Die Hoffnung der Gegner, uns wenigstens einen Wahl- kreis abnehmen zu können, wie vielfach vor der Wahl geäußert wurde, ist elend zuschandcn geworden. Der Ausfall der Wahl am 25. Januar ist ein gutes Omen für die am 1. Februar stattfindenden Wahlen zum Hamburger Landes- Parlament. Den Wahlrcchtsräubern wird hoffentlich eine recht derbe Lektion erteilt werden. Die Wahl in Nürnberg. In dem heißen Sturme vom 25. Januar hat sich die alte sozialistische Hochburg Nürnberg glänzend gehalten. Die Gegner hatten die ernsteste Absicht, uns diese Position zu entreißen. Noch au Abend vor dem Wahltage schrieben die liberalen„Münchener N.' N.". daß es in Nürnberg ganz sicher zur Stichwahl kommen werde, in der die Sozialdemokraten unbedingt unterliegen würden. Was der Block in der Agitation leistete, war bisher noch nie da gewesen, obwohl man schon von jeher in dieser Hinsicht an die stärksten Stücke gewöhnt war. Der an der Spitze des Blocks stehende Freisinn hatte sich aus dem Arsenal des Reichsverbandes die giftigsten Waffen entliehen, mit denen er uns zu vernichten gedachte. In den Versammlungen wurde in bezug auf Ver- leumdung und Verdächtigung das menschenmöglichste getan. In der bürgerlichen politischen Presse erschienen die„Mehreren ehe maligen Sozialdemokraten" und die„Früheren Sozi", die in langen Artikeln allerlei Schlechtigkeiten erzählten, deren sie in unserem Lager Zeuge gewesen sein wollten, und die die von„den Arbeiter- groschen gemästeten Agitatoren" aufmarschieren ließen. Hinter diesen„ehemaligen Sozis" steckten natürlich Häuptlinge des Blocks. Man verteilte an die Arbeiter ein besonderes Flugblatt, um sie gegen die Sozialdemokratie zu verhetzen und wieder für den Liberalismus einzufangen; es wurde so dargestellt, als ob die 35 000 sozialistischen Wähler Nürnbergs nur von einer Handvoll „gewissenloser Hetzer"„terrorisiert" und zur Abgabe des sozialisti- schen Stimmzettels gepreßt würden. Der Block pries sich den Ar- beitern als der Helfer an, der sie aus dieser Schreckensherrschaft befreien wolle. Auch das Unternehmertum suchte die Arbeiterschaft im„guten Sinne" zu beeinflussen. In den Elektrizitätsfirmen wurden Flugblätter verteilt, in denen es zum Gedeihen der In- dustrie als notwendig erklärt wurde, daß das in den Kolonien an- geblich vorhandene Kupfer nach Deutschland eingeführt werde, in einem vom Verband der bayerischen Metallindustriellen ver- breiteten Flugblatt wird nachzuweisen versucht, daß die deutsche Maschinenindustrie auf die Einfuhr nach den Kolonien angewiesen sei! Die verlogene hurrapatriotische Phrase wurde nach allen Regeln der Kunst kolportiert, der Freisinn verriet den letzten Rest von Prinzip und Programm, den er vorher noch aufzuweisen hatte. Aber weder Schreckschüsse noch Sirenengesang vermochte die Ar- beiter zu bestimmen, die Fahne der Sozialdemokratie zu verlassen; sie gaben darauf eine Antwort, die dem Liberalismus gezeigt hat, daß er in Nürnberg endgültig ausgespielt hat. Die Wahlbeteiligung war außerordentlich stark. Sie betrug durchschnittlich 87 Proz., in einzelnen Wahlbezirken weit über 99 Proz. Die Liberalen hatten eine stramme Organisation, die sie uns abgeguckt haben, und es ge- lang ihnen auch, die bürgerlichen Nichtwäbler zur Urne zu peitschen. Das Resultat ist noch nicht vollkommen bekannt, da die Stimmen von einer Anzahl Orten des Landbczirkes noch fehlen. Bisher haben der Sozialdemokrat... 35 299 Stimmen der Block...... 29 599 der Mittelständler... 4 190„ der Zcntrumsmann... 3 300 Wir haben eine Ttimmenzunahmc von zirka 6400 zu ver- zeichnen und die sämtlichen Gegner um zirka 7099 Stimmen über- flügelt. Die Liberalen und Demokraten haben um 2790 Stimmen zugenommen; der Mittelständler ist zum erstenmal auf dem Plan erschienen, in seinen Stimmen sind auch die der konservativen Wähler mit enthalten, die etwa 1500 betragen werden. Er hat Fiasko gemacht. Ueberrascht hat die geringe Stimmenzunahme des Zentrums, die sich auf rund 600 Stimmen beläuft, obwohl sich fast der ganze Zuzug nach Nürnberg au» der schwarzen Oberpfalz rekrutiert. Dieses Resultat beweist, daß die oberpfälzischen Ar- beiter, wenn sie nach Nürnberg kommen, sich bald der Sozial- demolratie zuwenden. Der Wahlausfall in Ostpreußen Aus Königsberg wird unS geschrieben: Trotz einer Stimmenzunahme von 2979 gegen die Hauptwahl 1903 haben wir das Mandat für die Stadt Königsberg, das 16 Jahre lang in sozialdemokratischem Besitz war, an die vereinigten bürgerlichen Gegner verloren. In den übrigen 16 Wahlkreisen der Provinz haben wir einen Verlust von insgesamt 14 590 sozial- demokratischen Stimmen gegen 1993 zu verzeichnen. In Anbetracht der äußerst schwierigen Verhältnisse, unter denen wir hier plötzlich in die Wahlagitation eintreten mußten, hatten wir unsere Hoff- nungen nicht sehr hoch gespannt. Wir wußten wohl, daß wir um die Erhaltung des Mandats in der Stadt Königsberg schwer zu kämpfen haben würden. Aber den schweren Verlust in der ganzen Provinz hatte doch keiner erwartet. Freilich, wie konnte man auch annehmen, daß die bisherigen Kampfmittel, Lüge, Ver- leumdung, Bedrohung, Bestechung und Nutzbarmachung der niedrigsten Instinkte unaufgeklärter Wählermassen mit ungeheurer Gewalt in solch hohem Matze gesteigert werden könnten. Unsere Parteigenossen in Stadt und Land haben bei der Wahlagitation voll und ganz ihre Pflicht erfüllt. Ja, einzelne haben fast Uebermenschliches in der verhältnismäßig kurzen Zeit geleistet. Aber wir waren unseren mächtigen Gegnern gegenüber von vornherein im Nachteil. Unsere jungen Organisationen in den ländlichen Wahlkreisen der Provinz sind noch nicht derartig ausgebaut, gefestigt und selbständig, um in solch kurzer Zeit in dieser ungünstigen Jahreszeit den diesmal ganz besonders hoch- gespannten Anforderungen der Wahlarbeit zu genügen. Die Parteigenossen aus Königsberg konnten wenig für das Land tun, denn alle Kräfte wurden für die Wahlarbeit in der Stadt selbst gebraucht. Selbst die Kandidaten der bisher aussichtsvollsten länd- lichen Wahlkreise konnten persönlich in ihren Wahlkreisen fast gar nicht agitieren, weil sie von ihrem Wohnort Königsberg aus die ganze Wahlagitation auch der meisten anderen Wahlkreise der Provinz zu betreiben hatten und ihnen außerdem keine Ver- sammlungslokale zur Verfügung standen. Ganz andere Organisa- tionen und Hülfskräfte stehen auf dem Lande aber unseren Gegnern zur Verfügung. Der konservative behördliche Apparat ist aktions- fähig zu jeder Jahreszeit. Soviel Schlamm und pestartiger Unrat ist in so kurzer Zeit wohl noch niemals über die Sozialdemokratie ausgeschüttet worden, wie bei dieser Wahl in Ostpreußen. So glaubten die Landarbeiter die Sozialdemokraten seien schuld an den teueren Lebensmittelpreisen. Diejenigen kleinen Landleute, die in letzter Zeit niedrigere Preise für ihre Schweine und Ferkel erhielten, schoben diesen Preisrückgang gleichfalls den Sozialdemo- kraten in die Schuhe. Arbeiter und kleine Besitzer, die beider vorigen Wahl sozialdemokratisch gewählt hatten, wählten jetzt kon- servativ oder gar nicht, weil sie ja doch noch immer Not, Elend und Unrecht erleiden müßten. Und der letzte Rest von Besonnenheit und Ueberlegung wurde den Landarbeitern noch kurz bor der Wahl und am Wahltage selbst durch Verabreichung von Branntwein, Bier und Zigarren geraubt, welche Dinge, verbunden mit der so selten freundlichen Anrede des Arbeitgebers:„Kinderl" eine große Wirkung auf viele in Kucchlseligleit aufgewachsene Landarbeiter ausüben. Es gibt Landarbeiter, die das ganze Jahr hindurch vom Gutsherrn beschimpft und geprügelt und benachleiligt worden sind, die bei den Sozialdemokraten Rat und Hülfe suchten. Durch einige freundliche Worte kurz vor der Wahl und Va Liter Branntwein am Wahltage selbst aber sind sie bewogen worden, ihren konservativen Peiniger zu wählen, nm dann nach der Wahl wieder die obligaten Fußtritte untertänigst in Empfang zu nehmen. Diese große Masse an blindem Gehorsam gewöhnter Landarbeiter, Bauern und Eigenläten aufzuklären, ist, obgleich von ihnen eine Menge bei den vorigen Wahlen sozialdemokratisch gewählt hatten, der Sozialdemokratie noch nicht gelungen. An sie konnten wir noch nicht herankommen. Das sind die Heerscharen der konservativen Junker in Ost- und Westpreußen. Allerdings vergeblich ist die Aufklärungsarbeit der Sozialdemo- kratie in den letzten Jahren durchaus nicht gewesen. Viele tausend Landarbeiter und kleine Besitzer bilden einen festen Stamm unserer Anhänger. Diese unbequemen sozialdemokratische» Stimmen am Wahltage zu beseitigen oder unschädlich zu machen, betrachten die konservativen Wahlmacher als eine ihrer Hauptaufgaben am Wahltag. Wieder sind auch diesmal in den verschiedensten ländlichen Wahllokalen dieWahlkuverts sorgfältig aufeinander geschichtet und eine Nebenliste der Wähler ist geführt worden. Ossene Pappschachteln dienten als Wahlurne. Wähler, die bei der Stimmenzählung dabei sein wollten, wurden aus dem Lokale geworfen usw. Hunderte von Wählern, die erfuhren, daß dieselben Wahlmogeleien wie bei früheren Wahlen in Aus- ficht standen, gingen überhaupt nicht zur Wahl, iveil sie glaubten, uns dadurch zu nützen. Von einigen großen Gütern erfuhren wir, daß die als sozialdemokratische Wähler bekannten Leute am Wahl- tag außerhalb ihres Wahlbezirks Arbeit angewiesen erhielten, so daß sie nicht rechtzeitig bis zum Schluß der Wahlzeit zurückkehren konnten. Diese und noch viele ähnliche Umstände haben mitgewirkt, nm den bedauerlichen Stimmenverlust in den ländlichen Wahl- kreisen der Provinz herbeizuführen. Einen erfreulichen, stellen- weise erheblichen Stimmenzuwachs haben wir in den Provinz- städten zu verzeichnen, in denen sich der Sitz der neuen Organisationen befindet. Das erfüllt uns mit Freude und Genug- tuung. Es wird uns ein Ansporn zu weiterer agitatorischer Tätig- keit und zur weiteren Verbreitung von Aufklärung auch unter der rückständigsten Arbeitennasse sein. Steht doch hinter uns jetzt schon ein bedeutender festgefügter, sturmerprobter Stamm von sozial- demokratischen Wählern des Landproletariats. AuS Baden schreibt man uns: Die badischen Parteigenossen sind mit dem Wahl- resultat des 25. Januar zufrieden. Der Mannheimer Sieg gewinnt noch an Bedeutung, wenn man erwägt, daß er diesmal schon im ersten Treffen und ohne die Hülfe bürgerlicher Demo- kratenstimmen errungen worden ist. Dasselbe gilt für die Resul- täte in Pforzheim und Karlsruhe, wo früher immerhin etwas bürgerliches Element gegen den Nationalliberalismus mit- stimmte. Ueberall verstärkten sich unsere Stimmenzahlcn, ins- besondere in Freiburg, dann in Heidelberg. Rastatt. Konstanz. Es sind über 29999 Stimmen mehr auf unsere Kandidaten gefallen, als bei der 1993 er Wahl. Die Entscheidung der Stichwahlen in Pforzheim und Karlsruhe wird davon abhängen, wie die zahl- reiche Arbeiterschaft, die am 25. Januar noch im bürgerlichen Lager Heeresfolge leistete, sich auf ihr proletarisches Interesse be- sinnt. Der liberale Block ist sehr unfreundlich vom Wahlglück behandelt worden; er läßt schon einen seiner drei auf der Strecke, steht für die beiden anderen in einer sehr schwierigen Position zum Zentrum und kann die Aussichten in Freiburg und Donau- eschingen nur dann als hoffnungsvolle bezeichnen, wenn die Sozialdemokratie ihm diese beiden Eisen aus dem Feuer holt, während in Karlsruhe und Pforzheim der Block die Sozialdemo- kratie ihrer beiden Mandate beraubt. Bei dieser Sachlage kann man sich denken, welche Entscheidung das Generalwahlkomitee unse- rer Partei treffen wird, das am Dienstagnachmittag in Karlsruhe zustffilmentritt. In der Residenz hat sich die Wählerschaft so trefflich gehalten, daß die Sozialdemokratie als Partei an die erste Stelle mit über 19 999 Stimmen gerückt ist. Der„Volks- freund" wird bald 14 999 Auflage haben. Wir haben in Baden keinen Grund, den Waffengang des 25. Januar zu beklagen. Am Februar wird ebenso tapfer gefochten werden. Originell ist der Erfolg der Gastrolle des„Freisinn s", der in seiner Stammburg Lörrach eine Sonderkandidatur aufstellte und mit 1999 Stimmen aus dem ganzen, einst beherrschten 4. Kreise sein politisches Testament machte. Er ruhe in Frieden! Das Zentrum wird seine Macht ungekürzt behaupten; eS hat den Bündlcrn den liberalen Müller ins Haus geschlachtet. Schlagenäe Netter! Schlagende Wetter! Dieser unheimliche Feind des Berg- manns hat wiederum reiche Ernte gehalten. Wie uns ein Privattclcgramm aus Reden bei Neuukirchen' meldet, sind heute— Montag früh— auf Zeche Reden 200—300 Berg- arbeiter infolge schlagender Wetter verunglückt. 200—300 Prolctarierexistenzen sind vernichtet! Mit einem Schlage! Bis Mittag waren nach der uns zugegangenen Nachricht 20 Tote geborgen. Wie viele von den unten iu der Grube Eingeschlossenen das Tageslicht wieder erblicken, darüber läßt sich noch nichts sagen. Vielleicht niemand! Die Summe von Not und Elend, von Jammer und Trübsal, die das Nu- glück im Gefolge hat, kann man sich nicht ausmalen, nicht in der ganzen Größe vorstellen. Gewiß, die materiellen Verluste lassen sich berechnen, aber die nackten, kalten, brutalen Zahlen sagen nicht, welch grenzen- loses Weh sich hinter ihnen verbirgt; für wie viele Proletarier- kinder der Tod des Vaters Unterernährung. Siechtum. Ver- elendung, Tod. physische und moralische Schäden bedeutet, das kann man nicht erfassen. Und auf die Lippen drängt sich die Frage: Mußte das sein? War es ein unabwendbares Geschick, das so furchtbar hauste? Lange, lange hat man den schlagenden Wettern ziemlich ohnmächtig gegenüber gestanden. Aber der menschliche Geist ergründete aller Geschehnisse Ursachen. Und mit der fortschreitenden naturwissenschaftlichen Erkenntnis und technischen EntWickelung fand er auch Mittel und Wege, die Ursachen unwirksam zu machen. Pest, Cholera und andere Seuchen sind keine Gottesurteile mehr, denen der Mensch macht- und ratlos gegenübersteht. Und auch der gefürchteteu Schlagwetterexplosionen Bedingungen und Möglichkeiten sind längst ergründet. Man kennt längst die Mittel,'den Vorbedingungen mit fast absoluter Sicherheit vorzubeugen. Aber die Sicherung der Gesundheit und des Lebens der Bergprolctaricr kostet Geld. Es sind Vorrichtungen und Anlagen erforderlich. die die Gewinnrate des Kapitals etwas beschneiden. Das ist das Hindernis, die Bergknappen vor den Gefahren zu schützen! Und oft läßt die rücksichtslose Jagd nach Produktion die erforderliche Vorsicht außer Beachtung. Noch erlauben wir uns kein abschließendes Urteil, aber das kann doch schon gesagt werden: wenn nicht eine Reihe unglücklicher Zufälle, die kaum zu be- rechnen waren, vorliegen, dann hat der Kapitalismus auch diese Massenvernichtung aus dem Ge- wissen. In der Geschichte des Bergbaues ist aber bisher noch kein Fall zu verzeichnen, bei dem der Kapitalismus sich freisprechen konnte von Schuld. Der unermüdlichen Agitation, den heftigen Anklagen der Arbeitcrvertreter gegen die Untätigkeit der Gesetzgebung auf diesem Gebiete ist es zu danken, daß in den letzten Jahren manche Maßnahmen getroffen worden sind, die die Gefahren der Schlagwetterexplosionen einschränken. Und im allgemeinen kann man auch eine Abnahme der Opfer der Wetterexplosioncn konstatieren. Es wurden in Preußen infolge von Explosionen getötet auf je 1000 beschäftigte Personen: Durchschnitt 1881-1891.... 0.517 1391—1990.... 0,245 1991.... 0,144 1902.... 0.922 , 1603.... 0,033 1994.... 0.024 1905.... 0,029 Damit ist bewiesen, daß die Verhinderung der Menschen vernichtenden Katastrophen durchaus möglich ist. Aber mit dem Größerwerden der einzelnen Betriebe wächst die Gefahr. daß ein einziges Unglück, die Unterlassung der erforderlichen vorbeugenden Maßnahmen, mit einem Schlage Hunderte von Menschenleben vernichtet. Und riesengroß ist die Schuld der herrschenden Gesellschaft, daß sie trotz der dräuenden Gefahren noch längst nicht alles getan hat, der Massenvernichtung wirksam zu steuern. Noch ist in Erinnerung das entsetzliche Unglück auf Zeche„Borussia". Für kurze Zeit wurde das öffentliche Gewissen aufgepeitscht, als die unglaubliche Nachlässigkeit auf jener Grube bekannt wurde, als sich herausstellte, daß aus Sparsamkeitsrücksichten die fürchterliche Katastrophe herauf- beschworen worden war! Nun bringt das Riesenunglück auf Zeche„Reden" die Sünden des Kapitalismus auf dem Gebiete des Bergarbeiter- schutzcs wieder in Erinnerung. Wird man nun endlich den berechtigten Forderungen der Arbeiter Gehör schenken? Oder wird man sich wieder, wie bisher, damit begnügen, sentimentale Redensarten zu verzapfen und die zarte Empfindsamkeit des Kapitals nicht durch energische Maß- nahmen erschrecken? In den Kreisen derjenigen, die bisher einem gründlichen Bergarbeiterschutz den schärfsten Widerstand entgegensetzten, bei den Konservativen und Nationalliberalen. herrscht in diesen Tagen großer Jubel über den Sieg, den man mit Hülfe zahlreicher verblendeter Arbeiter über die Arbesterpartei errungen hat. Eine Anzahl der Vertreter der Arbesterschast hat man aus der gesetzgebenden Körperschaft hinausgedrängt. Wird das den Uebcr- mut der Kapitalisten nicht steigern, werden sie nicht noch mehr wie bisher die Forderungen der Arbester mißachten? Das ist leider zu befürchten! Und bringen die Stichwahlen jener Ge- sellschaft noch weitere Erfolge, dann wird man erst recht die Arbeiter mit schönen Redensarten abspeisen oder aber gar ihre Forderungen mit Pestschenhieben beantworten! Wie'jämmerlich es mit dem Arbeiterschutz im allgemeinen, mit dem Bcrgarbeiterschutz im besonderen bestellt ist. das- illustrieren folgende Zahlen. Die Zahl der entschädigungspflichtigen Unfälle im preußi- schen Bergbau betrug überhaupt versich. �Personen 1886 1893 1898 1903 1905 2265 4464 6323 9049 10,066 6,59 10,60 12,77 14,60 15,55 Zu Tausenden und Und Wie Fortgesetzt steigt daS Blutmecr! Abertuusenden wächst die Zahl der Krüppel und Toten. wiederum steht das Proletariat an einem Massengrab. vieler bedarf es noch, um endlich die herrschende Gesellschaft aufzurütteln? Die Unglücksfälle werden es nicht tun. des BolkeS Wille muß das besorgen! ♦• • Nach den späteren Mitteilungen stellt sich heraus, daß das Unglück noch größer ist. als zuerst angenommen lvurdc. Es wird telegraphiert: St. Johann, 28. Januar. DaS Schlagwettemnglück in der Grube.Reden" ereignete sich heute morgen 7'/, Uhr in der füuften Ticfbmisohle. Durch die Gewalt der Explosion wurde die Strecke verschüttet und es sind etwa 250 Bergleute eingeschlossen, über deren Schicksal noch nichts bekannt ist In der nicht der- schütteten Strecke wurden etwa 10 gräsilich verstümmelte Leichen und viele schiver und leicht Verletzte geborgen. Die Nettungsmannschaftcn entfalten eine fieberhafte Tätigkeit, es ist ihnen aber noch nicht ge- lungcn, an die Verschütteten zu gelangen. St. Johan», 28. Januar. Die Meldungen über die Zahl der Dernnglückten lauten noch unbestimmt. Nach Mitteilung der Berg- werlSdireltion St. Johann sind rund 100 Tote geborgen. Nach einer anderen Meldung eines Augenzeugen sind 125 Tote geborgen und»och miiidestciis 300 verschüttet. Esse», 28. Januar. Wie die Zentralstelle des christlichen Berg- arbeitervcrbandes mitteilt, sind bis jetzt auf der Grube Reden 1S1 Tote und 17 Schwerverletzte geborgen. Reden, 28. Januar.'(W. T. B.) Bon den zutage geförderten Leichen konnten nur 24 erkannt werden. Die Rettungsabteilungen der übrigen Saargruben sowie der Grube..Frankenhausen" muhten gegen 3 Uhr ihre eifrige» Arbeiten einstellen, da neue Explosionen tbesürchtet wurden. Die Grube brennt noch. Reden, 28. Januar.(W. T. B.) Von den 250 in die Grube eingefahrenen Bergleuten konnten 50 gerettet werden. Die noch in der Grube befindlichen Arbeiter gelten für verloren. Der durch die Explosion hervorgerufene Brand bedroht die RettungSmann- fchaften und zwingt sie zum Rückzüge. 22 Leichtverletzte wurden ins Neukirchcner Hüttenlazarett gebracht. Saarbrücken, 28. Januar. Das Grubenunglück im königlichen Saarbergwerk„Reden" ist. was den Verlust an Menschenleben betrifft, das größte, welches sich blshcr in den« hiesigen Revier ereignete. Die Unglücksstättc ist 2000 Meter in nordwestlicher Rich- hing vom Förderschacht entfernt. Die Strecke ist teilweise durch Pferdeleichen gesperrt, dadurch werden die Rettungsarbeiten nn- gemein erschwert. Von den 600 Mann, welche zur Frühschicht abfuhren, konnten sich drei Abteilungen in Stärke von etwa 400 Mann durch den Gegenortschacht bei Bildstock retten. Die übrigen 150 Mann befinden sich gröhtenteils im zusammengebrochenen Schacht und gelten als unrettbar verloren. Die Rettungsmann- schasten der umliegenden Gruben arbeiten unter Leitung des Vor- sitzenden der königlichen Bergdircktion, Geheimrat Krümmel, mit größter Bravour, können aber der giftigen Nachschwaden wegen nur sehr langsam vordringen. Auf der offenen Strecke wurden bis zur Stunde 25 schrecklich verstümmelte und verbrannte Leichen gefunden. Werkbeamte versicherten dein Korrespondenten der „Franks. Ztg." heute mittag am Schacht, dah die Rettungsarbeiten mindestens eine Woche bcanspruchen würden. Die Grube wird von einer»ach Tausenden zählenden Menschenmenge umlagert. Herz- zerreißende Szenen spiele» sich ab. wenn eine neue Hioböpost vom Schlicht herübergetragcn' wird. Ltcviii, 28. Januar. Von den 812 Bergleuten, die heute früh in den Sckiacht herabgestiegen waren, kommen immer mehr zu Tage, eZ fehlen jedoch noch mehr als 50, die. wie eS hciht, bei den der- schiedeuen RettiingSarbeiten in der Tiefe beschäfligl sind. Zahlreiche Direktoren der in der Nähe befindlichen Gruben sind zur Stelle. Man bemerkt auch eine Gruppe NettungSiiiannschaften aus Courriöres, die mit ihrer besondere» Ausrüstung angekommen sind. Eine zweite Explosion. die die Nettungsarbeiten zeitweilig unmöglich machte, fand heute abend in der von der Katastrophe heimgesuchten Grube statt. Es wird über das neue Unglück berichtet: St. Johann, 23. Januar. Bis um 5 Uhr förderten die Rettung? Mannschaften, welche von sämtlichen königlichen Saargruben herbei- gerufen waren. 77 Leichen zu Tage, dann brach Feuer in der Grube auS. Alle Rettungsmamischaften wurden zurück beordert, und eben waren die letzten oben glücklich angekommen, als eine neue heftige Detonation gehört wurde. Eine neue Explosion hatte stattgefunden, durch die aber niemand verletzt wurde. Die fünfte Tiefsohle gilt als verloren. Zurzeit bc- ratschlagen die oberen Grubenbeamten über weitere Maß- nahmen, des Feuers Herr zu werden. Die geborgenen Leichen sind nur zum tleinste» Teile zu erkennen; sie liegen in den Verlesehünsern. Man wird morgen die Angehörigen zulassen. Die Rcttnngs-- mauiischaften wurden ebenfalls entlassen mit der Weisung, sich morgen zum Wiederkommen bereit zu halten. Jus Industrie und Randd. Schutz der nationalen Arbeit. Der Verband sächsischer Jndu« strieller hat eine Umfrage über die Auswanderung von Industrie» inwlge der iienen Handelsverträge veranstaltet. Unter den Antworten befinden sich folgende: AuS der Seifenindustrie wird berichtet:„Wer nicht über genügendes Kapital verfügt, um»N Rußland und Oesterreich Filialfabriken einrichten zu können, der muh auf jedes Geschäft mit diesen Ländern in Zukunft verzichten." Ein Urteil auS der hochentwickelten sächsischen Papierfabritatio» lautet:„Die Ausfuhr nach den Vertragsstaaten wird schwierig. wenn nicht unmöglich werden. Unter diesen Umständen bleibt wohl weiter nichts übrig, als im Ausland Filialen zu gründen." Ein Fabrikant, der Luxuspapiere herstellt, sagt:„Ich habe, da ich zwei Drittel meiner Erzeugung exportiere, mich bereit« mit dem Gedanken vertraut gemacht, mit meiner Fabrikation nach der Schweiz oder nach Frankreich zu übersiedeln." Eine Fabrik für geprägte Papierwaren, die nach Oesterreich-Ungarn nicht mehr exportieren kann, hat dort„eine größere Fabrik angekauft." um in ihr die nach jenen Ländern bestimmten Waren herzustellen. Eine Fabrik für geprägte Papierwaren, Gravieranstalt und Akzidcnzdrnck-rei teilt mit:..Durch die hohen EingangSzölle wird mir mein Absatzgebiet in Oesterreich verloren gehen und ich stehe bereits in Unterhandlung in Oesterreich, die Fabrikation der bisher hier angefertigten Artikel nach dort zu verlegen und die von mir geplanten Vergrößerungen meiner Fabrik zu unterlassen." DaS Geschiift blüht. Der Betriebsüberschuh der Harvener Berabau-Aktiengksellschast betrug in, 4. Ouartal 1006<74 Arbeits- tage) 4 146 000'M. gegen 8 720000 M.(73 Arbeitstage) im vierten Ouartal 1005. Durch Störungen de? Betriebes infolge ungenügender und »nregelinähiger Wageligeslellmig sowie Arbeitermangels blieb die Kohleiisördcrüiig des sonst stärksten Vierteljahres gegen das Sommer- Vierteljahr zurück. Im letzten Ouartal wurde pro Arbeitstag gegenüber der gleichen Zeit 1005 ein Mehrüberschiih von 5067 Mark oder für das ganze Ouartal ein Mehr von 426 000 M. erzielt, obwohl Betriebsstörungeil die Förderung bchinderteit. Erhöhter Gewinn. Das Steinkohlenbergwerk Graf Bismarck brachte im letzten Vierteljahr 1006 einen Uebcrschuh von I 427 043 Mark heraus, gegen das dritte Ouartal 417 257 M. oder 41,4 Proz. mehr. Gutes Geschäft. Eine Dividende von 14 Prozent gegen 13 Pro- zent für 1005 sollen die Aktionäre der Oppelner Portland-Zement- sabriken für das letzte Geschäftsjahr erhalten.— Aon 0 auf l! Pro- zent gebt die Dividende der Öberschlestschen Portlandwerle zu Groß- Strehlitz hinauf.— Die Maschinenfabrik Wegelin u. Hübner, M.-Ges. in Halle, schlägt für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von 10 Proz. vor, 3 Proz. im Vorjahre.— Di« Schlesische Jmmobiliengesellschaft, Aktiengesellschaft in Breslau, hat einen Reingewinn von 346 000 M. erzielt, woraus 8 Prozent Dividende verteilt werden sollen. Der Reinüberschiih der Gothaer FeiierversicheruiigSbank beträgt für das letzte Jahr 16 300 000 Mark, 15 348 000 Mark für 1005.— Die Schiimischower Portlandzementwerke bringen Bei erhöhter Ab- schreibimg 11 Prozent Dividende heraus Die elektrische Kraft in Italien. DaS italienische General- iuspektorat für Industrie und Handel hat die Statistik der am 1. Januar 1004 in der Halbinsel gebrauchten elektrischen Energie veröffentlicht. In Industrie, Landwirtschaft und Verkehr waren im ganzen 3 Millionen Dyiiamo-Pferdekräfte in Gebrauch, ausgenoiilmcn der an Bord der Schiffe der Kriegsmarine entwickelten Energie und der aus den Wasserläufen entnommenen, die keiner Staatssteucr unterliegen. Aus die Landwirtschast entfallen 165 000 Pferdekräfte. auf die Industrie 080 000, auf die Transporte zu Lande und aus den Binnenseen 1 405 000, auf die Transporte zur See und den Seehandcl 345 000 und schließlich auf die Arsenale des Kriegs« und Marineininisteriums 15 000 Pferdekrüfte. GewerfcrcbaftUcbefK Berlin und Umgegend. Achtung, Mitglieder des Mrtallarbciterverbandes i Die Frage karten für die Feststellung der Zahl der«VorwärtS"-Leser sowie der Mitglieder der Wahlvereine sind jetzt an die Vertrauensleute verschickt worden. Die Karten muffen innerhalb einer Woche zurück sein. Sollten VertrauenSlciite keine Karten erhalten haben, so ersuchen wir, dieselben im Bureau. Engel-Ufer 15, zu fordern. In kleineren Betrieben, die vielleicht keinen Vertrauensmann haben, kann ein anderer Kollege die Ausfüllung der Fragekarten übernehmen. Wo die Vertrauens- leute lässig sein sollte», bitten wir die Mitglieder, den Vertrauens mann zu mahnen. Es dürfen nur diejenigen als politisch organisiert oder als„VorwärtS"-Leser eingetragen werden, die dem Vertrauens mann das Mitgliedsbuch eines Wahlvereins bezw.die letzte„Vorwärts" Quittung gezeigt haben. Die OrtSverwaltung. Der Kampf in der Holzindustrie. Wie durch die Kontrolle des Holzarbeiterverbandes festgestellt wurde, hat sich die Zahl der Ausgesperrten am Freitag und Sonn- abend der vorigen Woche um 104 und 804 vermehrt. Darunter sind jedoch viele, die lediglich wegen Mangel an Arbeit entlassen worden sind. Wie die„Holzarbeiter-Zeitung" mitteilt, ist es dem Einfluh des Herrn R a h a r d t gelungen, die Unternehmer in Leipzig, Dresden und Görlitz zur Kündigung der mit dem Holzarbeiter- verband abgeschlossenen Verträge zu bewegen. In den genannten Orten läuft das Vertragsverhältnis am 1. April ab. Die Kündigung ist im Hinblick auf die Berliner Aussperrung erfolgt. Die Unter- nehmer in Düsseldorf drängen dagegen, ebenfalls unter ausdrück- lichem Hinweis auf die Berliner Aussperrung auf den Abschluß eines Vertrages hin. Der Arbcitgeberschntzvcrband hat also wohl einen großen allgemeinen Kampf gegen den Holzarbeiterverband in ganz Deutschland vor. Die Situation in Berlin beurteilt die„Holzarbeiter-Zeitung" im wesentlichen so wie wir. Sie schreibt in ihrer neuesten Nummer. daß, wenn die Beschluise der Unternehmer strilte ausgeführt worden wären, die Aussperrung einen weit größeren Umfang angenommen haben müßte. Viele Unternehmer sähen ein. daß ihre Fugrer eine ungerechte Sache vortreten und deshalb werde den Beichlüssen nur widerwillig Folge geleistet. Viele Arbeitgeber hätten das auch den Ausgesperrten zu vershhen gegeben und sich wegen der Entlassungen gewissermaßen entschuldigt, indem sie sagten, sie seien ja gezwungen, sich an die Beschlüsse zu halten, sie selbst aber wären gegen die Aussperrung, Nur vereinzelte Firmen, nämüch solche, die erst neue Mitglieder der Arbeitgeberorganisation sind, sperrten bis zum 14. Januar alle Arbeiter aus. Die übrigen Unternehmer entliegen nur die Arbeiter, die sie entbehren konnten. Es wurden dort trotz des Beschlusses der Arbeitgeber neue Akkorde vergeben, ja sogar nach dem 12. Januar wurde noch zugeschnitten und die Lohnarbeiter im Betriebe behalten. Selbst Vorstandsmitgr.eoer und Wortführer der Meister hätten es nicht anders gemacht. Die„Holzarbeiter- Zeitung" führt zehn Firmen an, bei denen Lohnarbeiter, die keine Kündigung hatten und Akkordarbeiter, die bei Befolgung der Meisterbeschlusse hätten entlassen werden müssen, weiter beschäftigt wurden. In allen diesen Betrieben sei die Mehrzahl der Arbeiter weiter beschäftigt worden. Es handelte sich un, die Fertigstellung bestellter Arbeiten, und in allen derartigen Fälle» hat der Holz- arbeitecverband dafür gesorgt, dah die von diesen Firmen niast ausgesperrten Arbeiter die Arbeit niederlegte». So wurde die FeiClmstellung eiliger Arbeiten verhindert. Die„Holzarbeiter-Zeitung" meint, in dieser Woche werde sich der Kampf noch bedeutend verschärfen. In zahlreichen Betrieben werde die Aussperrung weitere Fortschritte machen. An eine Bei- legung des Kampfes sei nickt zu denken. Jetzt müsse der Verband zeigen, daß er imstande ist, den Angriff der Unternehmer ah» zuwehren, selbst wenn der Opfermut seiner Mitglieder auf eine harte Probe gestellt wird. Erklärung! Der„Berliner Lokal-Anzeiger" bringt in seiner Nummer 80 einen Bericht der Versammlung der Bäckerinnung lGermauia) zu Berlin, der auch in anderen Zeitungen Aufnahme gefunden hat. Nach diesem Bericht hat der Altmeister Müller gesagt!„Jetzt haben nun die Gesellen erklärt, daß sie nicht weiter her» handeln wollen und die Arbeiten der gemein» amen Kommission vonMeisttrnundGtsellenai;« erledigt ansehen." Diese Darstellmig des Herrn Müller entspricht nicht den Tat» ächen und ist nur darauf berechnet, in der Bevölkerung den An- schein zu erwecken, als wollten die Gesellen den Kamps herauf- beschwören. Demgegenüber erklärt der unterzeichnete Bäckerverband, dah die Gesellenvertreter nach wie vor gern bereit tnd. auf der Grundlage des Vertrages weiter zu verhandeln, baß sie es aber ablehnen müssen, in d i e A u S- legungen des Vertrage» durch die JnnungS Vertreter einzuwilligen. Nach wie vor sind die Gesellenvertreter bereit, die schwebenden Differerenzen einem un- parteiischen Schiedsgericht, wie es die Gesetzgebung im SimgungS- amie de» Berliner GewerbegerichteS vorgesehen hat. zu unterbreiteil. Ein diesbezüglicher Vorschlag ist im Austrage einer öffentlichen Gesellenvcrsaminlung auch den J»ilU»g«vertretern durch den Bäcker» verband gemacht, von den Innungen aber mit dem Hinweis ab- gelehnt ivordeil, daß die Jnnungeil nur das JmiungSschiedSgericht anerkennen können, und daß andererseits die Jnmingen den Bäckerverband weder als die gesetzliche, noch als die alleinige Vertretung der Bäckergesellen von Berlin an» rlennenkönnen. Darau» geht Wohl wohl zur Genüge hervor, daß nicht die i e s e l l e n die Verhandlungen abgebrochen haben, sondern baß die JnnungSvertreter selbst nicht mehr mit den vertreten, deS Verbandes verhandeln wollen. Die Gesellenvertreter, ein- chlicßlich der beteiligten Gesellenausschüsse, stehen nach wie vor auf dem Standpunkt, daß das Einigmigsamt des Berliner GewerbegerichteS in dieser Sache einen völlig unparteiischen Schiedsspruch zu allen hat und sind jederzeit bereit, demselben die schwebenden Differenzen zu unterbreiten. DaS JnnungSschiedSgericht aber können die Gesellen seiner ganzen Zusammensetzung und Verfaffung nach nicht als unparteiisch anerkennen. Die OrtSverwaltung Berlin des deutsche» Bäckerverbandes. Im Auftrage: Franz Schneider. Zur Aussperrung der Automobilfvhrer. Am Montagvormittag versammelten sich die ausgesperrten Automobilsührer vollzählig im Gcwcrkschaftshause. F. Rettig referierte über die Lage und gab dem Gefühl der Befriedigung, das alle beseelt, Ausdruck, indem er mit Stolz darauf hinwies, daß am Schluß der vierten Woche noch alle Ausgesperrten einmütig zu- saminenstehen. Um aber von neuem den guten Willen zum Frieden zu beweisen, hat die Kommission einen neuen Tarifvertrag aus- gearbeitet, den Rcttig der Versammlung vorlegte. Die Haupt- punkte des Vertrages bestehen darin, daß die Führer mit 20 Proz. der Gesamteinnahme und 1,50 Mk. Tagclohn zufrieden sein wollen; bezüglich des Wagenwaschens wird vorgeschlagen, daß bei weniger als 10 Mk. Einilahiile der Niiternchmer das Woschgeld trägt und von der zehnten Mark an der Fahrer 50 Pf. für das Wagenwaschen bezahlt; ferner soll der Arbeitsnachweis der Fahrerorganisation anerkannt werden. Dieser Vertrag soll den einzelnen Unter- nehmern zur Annahme unterbreitet werden, denn man hat Grund zu der Annahme, daß verschiedene gern darauf eingehen werden. Die Vertrauciismänncr erklärten sich mit einer Majorität für diese Vorschläge, aber in der Versammlung wurde manche Opposition erhoben; viele Fahrer waren entschlossen, festzuhalten an den alten Bedingungen. Eine geheime Abstimmung ergab 172 Stimmen für den neuen Vorschlag, 151 dagegen und verschiedene ungültige Stimmen. Die Abstimmung zeigt, daß der Kampfcsmut noch rege ist. obgleich die Unternehmer erst letzten Freitag wieder beschlossen hatten, keine Verhandlungen mit der Organisation zu führen und die ckkuSspcrrung fortzusetzen. Ein anderer Beschluß der Unter. nchmer, eine Fahrschule unter behördlicher Aufsicht zu errichten, wurde in der Versammlung besprochen. Die Organisation ist auch für eine ordentliche Fahrschule, wünscht aber bei der Leitung einer solchen Schule eine Vertretung oder fordert die Einrichtung der Schule durch die Stadt Berlin aus Gründen der Verkehrssicherheit. Am Sonnabend wurde auch der Betrieb Maxim(elektrisch betriebene Wagen), wo etwa 20 Fahrer arbeiten, eingestellt, angeb- lich, weil er sich nicht mehr rentiere. Die Führer glauben aber. daß die Besitzer hier einem Druck der Unternehmer-Organisation nachgegeben haben. Der neue Vorschlag, den die Arbeiter nach deni Versammlungsbeschluß machen, bedeutet immer noch eine Re- duttion des Lohnes um 17(4 Proz., während 33 Prozent von den Unternehmern beabsichtigt waren. Somit beweisen die Aus- gesperrten ein Entgegenkommen, das von den Unternehmern ge- loürdigt werden sollte.— Wie bekannt gemacht wurde, wird die Organisation den Ausgesperrten für den 1. Februar einen Miets- zuschutz bewilligen._ Achtung! Kutscher und Arbeiter! Die Arbeiter von der Firma Stemmer u. Co., Scharnhorst. slraße 34/35, befinden sich wegen Maßregelung ihrer Lohn- tommission seit Honnabend mittag im Ausstande. In Betracht kommen 10 Kollegen. Außer drei angeworbenen Arbeitswilligen und den bei der Firma beschäftigten Kutschern, die alle Streik- brecherarbeit leisten, konnte die Firma weitere Arbeitswillige nicht bekommen. Der Kampf steht für die Streikenden ziemlich gut. Alle Arbeitsuchenden werden ersucht, die Firma bis auf weiteres strengstens zu meiden. Zentralverband der Handels, und Transportarbeiter, Ortsverwaltung Berlin II. Achtung, Bauarbeiter! Wegen TarifbrucheS ist die Firma Müller, Rochowstr. 14, für Tapezierer(Kleber) gesperrt. Der Bau befindet sich Steinplatz Nr. 4, Unternchmer Lau. Wir ersuchen die Bauarbeiter, eventuell arbeitende Kleber auf ihre Pflicht aufmerksam zu machen. Die Achtzehner-Kommission. Ocutkches Reich. Der Fleischerstreik in Eisenberg dauert fort. Die Gesellen baben das Gewerbegericht als Einigungsamt angerufen. Die Wurstfabrikanten verlangten jedoch bedingungslose Wiederaufnahme der Arbeit. Die Einstellung der Gesellen soll außerdem nur dann erfolgen, wenn sich dieselben einzeln melden und aus der Or- ganisation austreten. Außerdem soll unter den sich Meldenden eine Auslese stattfinden. Dieses Ansinnen lehnten die Gesellen ab. Das Gewerkschaftskartell in Eisenberg hat über die in Betracht kommenden Wurstfabrikanten den Boykott verhängt. Jusland. Wie mn» streikende finnische Landarbeiter behandelt. Auf dem Gute Laukko, nicht weit von Tammerfors, sind dieser Tage 103 streikende Hintersassen auS ihren Wohnungen vertrieben worden, Mit Weib und Kind hinaus in den strengen finnländischen Winter. Nicht weniger als 3g Schutzleute und Gendarmen waren aufgeboten. um dieses Werk zu vollbringen. Die Fenster und Türen wurden entfernt, die Oese» niedergerissen, um es den Streikenden unmög-' lich zu machen, in ihre Hütten zurückzukehren. Der Gutsherr, ein Baron mit dem langen Namen Standertskjöld-Nordenstam, war natürlich in seinem„Recht", denn das Gesetz bestimmt, dah Hinter- asscn. die trotz Vorwarnung ihre Arbeit beim Gutsherrn vernach- lässigen, das Wohnungsrecht einbüßen. Die Arbeiterschaft von Tammerfors hat in einer von Tausenden besuchten Demonstrations- Versammlung gegen die unmenschlich herzlose Gewalttat protestiert und rukt das ganze Proletariat Finnlands auf, wirksame Maß- regeln dagegen zu ergreifen. eingegangene Vruckfekrlften« Flugschriften de« Deutschen Monistenbunde». Hest«. Monismus und Christeiilum, von H. Schmidt. Preis 60 Ps. Verlag! W. Breitenbach. Brackwede I. ffi, Zeitschrift für gagdrecht. Jagdschutz und Iagdwlrtschast, von tzl. abner Monatlich zweimal. Vierteljährlich 2,50 M. Verlag: C. Seyinann, verlin W, 8. Da» Jdealwahlsystem. Bon E. Cuntz. Preis 50 Pf. Selbstverlag, Wiesloch in Baden. De« deutsche Metallarbeiterverband im Jahre 1605. Jahr- und Handbuch sär ÄerbandSmitglieder. Herausgegeben vom Vorstand des oeulschen MetallarbetterverbandeS in StuIIgmt. 300 Seiten. Selbstverlag in Stuttgart. Rcrlom» Universum. Hest 17. Preis 30 Pf. Verlag: Reclam in Leipzig. Letzte JVachricbtcn und Dcpelcben. Pulverexplosio«. Karlsruhe, 28. Januar. In Rammerweiher bei Offenbach er- eignete sich gestern laut badischer Presse eine Pulverexplosio», bei der fünf Personen schwere Verletzungen davontrugen.' Schweres Eisenbahnunglück. Brüssel, 28. Januar.(B. H.) Nach einer Depesche aus Boma fand zwischen Motadi und Leopoldsville(Kongo) ein Eisenbahn- Unglück statt. Z9 Eingeborene wurden getötet, viele verwundet. Die Macht der Trusts. Washington, 23. Januar.(W. T. B) Der Bericht der Kommission für den zwischenstaatlichen Handel über die Beziehungen der Eisenbahngesellschasten zu den Oelproduzenten tadelt scharf da« Verfahren der Standard Oil Company, ihre Konkurrenten zu unterdrücken und erklärt, da? ganze Eisenbahnsystem habe Vorzugstarife für die Standard Oil Eonipagiiy. Es könne daher für die Regierung die Notwendigkeit eintreten, Tarifbestimmimgcn festzusetzen._ Lerantw. Nedalteur: Hau» Weber. Berlin. Jnseratentc!! oe'rantwd U. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: VorwattSBuchdr.u.PerlagsanfMPaulSingerSrCo., Berlin LVV. HierzuLBeilagknu.Unterhalttingsblai« Hr. 21. 24. Jahrgang. 1. Ktiloge Ks Joraiärts" ßtrlintt JulWliiB. Dienstag. 29. Januar 1907. Stichwahlen! In der �VrtUbCNOnV� sind wir an �ech� Stichwahlen beteiligt: i. in Potsdam Osthavelland Sozialdemokratischer Kandidat: Df. 2. w WejU/avelland Sozialdemokratischer Kandidat: HOlUlMd). OMS« 3. in Ober-Karnim Sozialdemokratischer Kandidat: 15 Ii«R R'T?! 4 in Zanch-Kelzig-Jttterbog Kuckeuwalde Sozialdemokratischer Kandidat: 1� 1* fl 1 UaEU d 5 in Frankfurt Kebus Sozialdemokratischer Kandidat: Dl�« 6 in Kottkus-Spremverg Sozialdemokratischer Kandidat: Dr. Die russische Revolution. Die Wahlen. Lei dem bielstufigen Wahlsystem in Rußland sind die Wahl- termine für die einzelnen Orte ganz verschieden. Allmählich treffen auch aus den entfernteren Orten die Meldungen über das Wahlergebnis ein. Die»ersten Schwalben" bringen der Stolypin« schen Regierung wenig erfreuliches. So wird aus Aschabad in Transkaspien gemeldet, daß von den 3000 dortigen Wählern sich 1791. d. h. über 50 Proz., zur Wahlmänncrwahl eingestellt hatten. Der Block der oppositionellen Elemente hat einen glänzenden Sieg davongetragen: Sämtliche 22 von ihm aufgestellte Kandidaten wurden gewählt. Für die einzelnen Kandidaten der Linksparteien wurden zwischen 1428 und 1605 Stimmen abgegeben. Die Rechts- Parteien haben im ganzen 205— 266 Stimmen bekommen, trotzdem die Schwarzhundertleute ihre Aufrufe in kolossalen Mengen verbreitet hatten. Besonders rege war die Agitation der schwarzen Bande unter den Persern, denen die Polizei überdies ihre Aus- Weisung in Aussicht gestellt hatte, wenn sie nicht für die Kandi- datcn der Rechten stimmen würden!— Petersburg, 26. Januar.(W. T. B.) Nach den bisherigen Ergebnissen der gestern und heute stattgehabten Vertrauens- männerwahlen von Arbeitern und Kleingrundbcsitzcrn in 23 Gou- vcrnements sind 1331 Vertrauensmänner gewählt, von denen 600 der Rechten, 458 den Gemäßigten, 35 den Kadetten und 238 den Sozialisten angehören. Von 682 von den LAeingrundbesitzern gewählten Vertrauensmännern gehören 362 dem geistlichen Stande an. Im Bezirk Llawjansk(Gouvernement Charkow) sind von 32 gewählten Vertrauensmännern 27 deutsche Kolonisten, die sämtlich der gemäßigten Richtung angehören. Petersburg, 27. Januar.(SB. T. B.) Die Fortsetzung der Wahlen der Arbeiterkurie der Stadt Petersburg ergab folgendes Resultat: Gewählt sind 138 Vertrauensmänner, darunter 77 linke Parteilose, 1 rechter Parteiloser, 4 gemäßigte Parteilose, 1 Oktobrist, 3 Kadetten, 34 Sozialdemokraten. 11 Sozialrevolutionäre. In Moskau haben die Wahlen der Arbeitcrkurie in 28 Eta- blissements von 43 folgendes Ergebnis gehabt: Gewählt sind 9 Monarchisten, 97 rechte Parteilose, 3 Sozialrevolutionäre, 52 Sozialdemokraten, 25 Kadetten und 6 Oktobristcn. Die Mörder Herzensteins. Petersburg. 26. Januar.(Eig. Bcr.) Wie Ihr Korrespondent erfährt, ist gestern nur der eine Mörder Hcrzensteins, Sergci Alexandrow, verhaftet worden. Die beiden anderen Laritschein und Popolcw. sind verschwunden! Sie bättcn gar manches erzählen können, da sie ja im„Volksvcrband" eine führende Rolle spielten und über seine Unternehmungen gut unterrichtet lvarcn. Auch die übrigen Angeklagten, der Gouvernemcntssckretär Juskewitsch-Kraskowski. ferner Polownew, Gudkin, Belajew, Truchatschcff findet die Polizei nicht, trotzdem sie sich die ganze Zeit in Petersburg aufhielten, von hier aus eifrig die Agitation betrieben, die Provinz bereisten, mit Gouverneuren konferierten und der Polizei gut bekannt waren. Die Ergebnisse der Bor- Untersuchung der finnischen Behörden waren dem Justiz- minister schon vor einiger Zeit eingehändigt worden, und doch hat man die Schuldigen entschlüpfen lassen. Das tvar ja auch zu er- warten. Zer Prozeß ist bis zum 21. Februar vertagt.— Die sozialdemokratische Presse über den Wahlansfall. Hamburger Echo: Die Gegner'versuchen selbstverständlich ein Jubelgeheul über diese»erste Niederlage" der Sozialdemokratie, die sie den politisch Blinden aufschwätzen möchten als.hocherfreulichen Beweis dafür. daß in den breiten Schichten des deutschen Volkes, welche sich bisher in Unzufriedenheit und Verblendung vielfach der Sozialdemokratie zugewandt hatten, der nationale Sinn doch nicht er- loschen, sondern durch die Ereignisse und Wahrnehmungen der letzten Zeit in erfreulichster Weise wachgerüttelt und neu belebt worden ist". � � So werden die Leser der gegnerischen Presse auch noch nach der Wahl getäuscht. Die Freude, wenn sie überhaupt echt und nicht bloß erheuchelt ist, wird nicht lange dauern. Man hat die Sozial- demokratie um ihren Dreimillionensiea von 1903 aufs bitterste be- neidet Aber die Freude werden die Gegner wohl auch diesmal nichterleben. daß die dreiMillionen verschwinden. ES ist vielmehr alle Aussicht, daß fich unsere Stimmenzahl in ganz Deutschland weit über die drei Millionen hinaus- gehoben hat......,*.. Die vorliegenden Zahlenresultate find ja noch schwankend, zum Teil sind sie noch nicht vollständig und werden ergänzt werden müssen. Aber in vielen Wahlkreisen, auch in solchen, die uns der- loren gegangen sind, haben wir erheblichen Zuwachs gehabt. Hamburg brachte zirka 13000 sozialdemokratische Stimmen mehr auf. Berlin über 32 000, Bremen zirka 2000, Hannover 7000, Nürnberg 6000, Mannheim fast 5000, Köln 2500. Frankfurt a. M. 8800, Erlangen-Fürth 2500. Und von den verlorenen Wahlkreisen Magdeburg 3500 mehr, Breslau- West 2200, Breslau- Ost 1700, Halle 1100. Zu den weniger erfreulichen Ausnahmen gehören einige sächsische Kreise, darunter leider auch Leipzig-Land. Das sind nur wenige herausgegriffene Beispiele; eine an- nähernd vollständige Uebersicht wird sich erst in einiger Zeit gewinnen lassen. Die Beispiele genügen, um zu der Hoffnung zu berechtigen, daß das Endresultat sein wird kein Abgang, sondern neuer Zu- ström zu der Zahl unserer Anhänger. Darum jubeln die Gegner zu früh, wenn sie von einer Bc- siegung der Sozialdemokratie reden. Nicht besiegt, nur ü b e r st i m m t sind wir, überstimmt von dem Abhub der Millionenwählerschaft, der nicht aus Ueber- z e u g u n g wählt, sondern zuschlägt, auf wen man ihn gerade hetzt, wenn es überhaupt gelingt, ihn aus dem Schlaf zu wecken. Mit dieser Truppe können Bülow und seine Gefolgschaft wahrlich keinen Staat machen, trotz des erfochtenen.Sieges", der sich, je genauer man ihn betrachtet, immer mehr herausstellen wird als »Sieg" der Dummen und Faulen 1" Leipziger Bolkszcitung: Trotz alledem können wir aber nur wiederholen, daß nicht der geringste Grund vorliegt, die Triumphgesänge des OrdnungSbreis mit s ozialdemokratis chen Klageliedern zu begleiten. WaS für bürger- liche Parteien eine schwere Niederlage sein mag, daS ist für uns nur eine historische Erfahrung. Unser Ziel ist unwandelbar wie der Polarstern: Die Befreiung der Arberterklaffe aus den Fesseln der Lohnsklaverei, aber zu diesem Ziele führen viele Wege, und so»nbcweglich unser Prinzip ist, so beweglich ist unsere Taktik. DaS allgemeine Stimmrecht ist für uns nicht das, sondern nur ein Werkzeug, um unseren Sieg vorzubereiten, und wenn es uns nach den großen Förderungen, die wir ihm verdanken, auch einmal diel Mucken zeigt, die jedes Recht innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft aus sich eiitwickelt, so wollen wir ihm für die heilsame Lehre sehr dankbar fein. Sicherlich ist sie bitter für die un- zähligen Genossen, die in den letzten Wochen rüit der Erschöpfung ihrer letzten Kraft gearbeitet haben, ohne Anspruch auf Dank und Lohn, allein getrieben von der uneigennützigen Begeisterung für unsere große Sache, und die sich nunmehr m so vielen Wahlkreisen hart enttäuscht sehen. Allein ihre Anstrengungen werden deshalb nicht ohne Frucht bleiben: eine so eindringliche Er- innerung daran, daß es für die Arbeiterklasse auch noch andere wirksame und selbst wirksamere Gebiete des Kampfes gibt, als es das Gebiet des bürgerlichen Parlamentarismus ist, kam schwerlich ganz zur unrechten Zeit. Die Partei hat nach den blendenden Erfolgen des 16. Juni keinen Augenblick vergessen, wie wichtig der Ausbau ihrer Organisation und ihrer Presse ist. aber sie war noch nicht damit fertig, als die Firma Bülow-Dernburg das politische Abenteuer versuchte, das ihr ja anscheinend geglückt ist. ES ist nunmehr unsere Aufgabe, unsere Kräfte um so fester zu organisieren und unsere Prinzipien um so rücksichtsloser zu vertreten. Die„Mitläufer" und »NichtWähler" mit schmeichelnder Rede zu überzeugen, wie tief sie in den Sumpf getappt sind, hätte nicht den geringsten Sinn; deren Er- ziehung zur Vernunft kann getrost denen überlassen bleiben, in deren Hände sie sich in ihres Sinnes Torheit befohlen haben. Sächsische Arbeiterzeitung(Dresden): Die Sozialdemokratie geht mit reiner Hand, mit gutem Gewissen aus dieser furchtbar schweren Wahlschlacht. Unsere Parteigenossen haben herrlich ihren Mann gestanden. Unsere Partei hat unter schwierigsten Verhältnissen kein Tüttelchen ihrer Ueberzeugung zer- bröckeln lassen; sie hat gegen eine Welt von Feinden, gegen die ganze Regierungögewalt. gegen die ganze Kapitalistenmacht tapfer gestanden.... Unsere Parter hat nichts zurückzimehmen, WaS sie in diesem Wahlkampfe gesagt und getan. Sie hat schwere Verluste er- litten, aber sie hat in höchsten Ehren gestritten. Unser Schild ist rein, unsere Ehre ist rein. Wir stehen aufrecht, stolzen Hauptes. Die Sozialdemokratie bleibt aber— trotz des wahrhaft wahn- witzigen Kampfes, in dem man sie auseinanderzujagen gedachte— die weitaus größte und stärkste Partei Deutschlands. Und wir dürfen sagen, daß die Millionen, dir unter den Berhältniffrn dieser Wahl unerschütterlich zu uns standen, unser sind mit Leib und Seele. Unsere Massen sind ein festes Steinwerk, ebenso fest, wie umgekehrt die Scdaren, die die Gegner herbeipeitschten, nichts bedeuten als losen Flugsand, den der nächste Wind wieder in alle Richtungen vertreibt. .. Unsere ReichStagSfraktion verliert zahlreiche tüchtige Kräfte, aber sie wird durch die Tüchtigkeit ihrer Arbeit das loettzumachen bestrebt sein, was sie an Zahl der Sitze verloren. Die kleinere Fraktion hat hinter sich den gewaltigen Rückhalt der große», der größten Partei. Nur das Elend der WahlkreiSeinteilung ist es. das unseren parlamentarischen Verlust so erheblich er- scheinen läßt. WaS den WahlauSfall im ganzen Reiche kennzeichnet, das trifft im besonderen auf Sachsen zu. Hier war unsere Partei im Jahre 1903 geradezu übernatürlich emporgeschossen---- Die Wahlen von 1903 standen in Sachsen nicht nurunter dem Zeichen deS Zolltarifs, sondern mehr noch unter dem Zeichen des Debacles am sächsischen Hofe, der sächsischen Finaiizverwirrung. der verzweifelten Steuerzuschläge usw. Zahlreiche Wähler, die nicht wirkliche Sozialdemokraten sind, gaben in jener Situation den sozialdemokratischen Kandidaten die Stimme. Diese zum Teil mehr aus schnellem Verdruß als aus gründlicher Ueber- zeugung sozialdemokratisch wählenden Leute konnten aber allerdings durch die jetzige Hnrramache deS Chauvinismus besonders leicht er- schlittert und abgejagt werden. So ist es gekommen.... Gleich- wohl bleiben wir die starke, kampsestüchtige, mächtig vorwärts strebende sächsische Sozialdemokratie! Der 25. Januar hat die Erwartungen nicht gehalten, die die Sozialdemokratie in ihn gesetzt hat. Er ist in gewissem Maße zu einer Neuauflage deS 21. Februar 1887 geworden, jenes Wahltages, da Bismarck in der Faschingshatz den reaktionären Kartellreichstag von den durch die Franzosenfurcht erschreckten Wählern er- preßte. Damals ist das Werk der Reaktion noch weit besser gelungen als jetzt. Damals verlor die Sozial- demokratie in Sachsen sämtliche Mandate. Jetzt sicherten wir im ersten Wahlgang 8 Wahlkreise und stehen in 8 Kreisen in Stichwahlen, von denen mindestens mehrere aussichtsvoll sind. Auf 1387 aber folgte 18901 Die Wähler, die sich durch den Appell an die nationale Angst blenden ließen, erlebten die schwersten Eni- täuschungen, und der Schlag gegen die Sozialdemokratie von 1887 fiihrte drei Jahre später zum größten Triumph unserer Partei. Nicht nur die Lehren jener früheren Zeit, ebenso die unerschütterliche Ueberzeugung von der Wahrheit unserer Bestrebungen und der Zukunftskrast unserer Ideale lassen uns getrosten Geistes und tapferen Sinnes unseren Kampf fortsetzen. Bolköftimmr(Chemnitz): „... Der deutsche Michel hat sich durch den theatralischen Appell an die„nationale Ehre" richtig für das Kolonial- und Weltmachtsspekulantentum einfangen lassen. Er wird die Dummheit schwer büßen müssen. Neue Militär-, neue Marine-, neue Steuer- vorlagen werden ihm beschert werden. Dann wird er auf der Bier- bank schimpfen und wettern, aber er Hat'S nicht besser gewollt. Natürlich hat unsere Partei keinerlei Ursache, ob deS zeitweilig unbefriedigenden Ausfalls der Wahlen den Kopf hängen zu lassen. Die Scharten, die wir erlitten haben, werden wieder ausgewetzt werden, wie sie immer ausgewetzt worden sind. Die Macht uiiserer Partei ist tiefer gegründet als auf die Zu- fälligkeiten eines Wahlausgangs." B-lksblatt(Halle): Die Gegner mögen uns nach HerzenSlust höhnen. Wir verdenken es ihnen nicht. Sie beachten nicht die Stimmenzahl, sondern die Zahl der erlangten Mandate. Und bei der schlotternden Angst, mit der sie den Ausfall der Wahl erwartet haben, ist es ihnen Balsam, das äußere Zeichen deS Wahlerfolges als dessen Wesen zu nehmen. Mögen sie also ihren Spott über die„unter- legene" Partei ausgießen; das soll uns wenig bekümmern. ES ist verlockend, auf die alles Matz vo« Gemeinheit über- steigende Kampfesweise der unter Leitung de« BerleumderverbandcS arbeitenden Gegner einzugehen. Wir tun das nicht. Wir konstatiercii nur. daß Millionen deutscher Wähler noch auf einer so erbärmlichen politischen Bildungsstufe stehen, daß sie sich durch die Sudeleien des Verlcumderverbandes und seiner überaus tätigen Agenten nicht an- geekelt gefühlt haben, sondern auf die rohesten und handgreiflichsten Schwindeleien hineinfielen. So sicher aber, ivie auf ein 1887 ein 1890 folgte, wird auch die Wahl von 1907 einen Nachfolger haben, der den RegiermmZ- Parteien und der Regierung nicht behagt. Die Flotten- und Militär- vorlagen, die der gestern gewählte Reichstag der Regierung apporticren wird, kosten Geld. Und hat auch die gestrige Wahl ge- zeigt, daß breite Wählermassen für die wirkliche nationale Ehre kein Empfinden besitzen, so sind sie doch um so empfindlicher an ihrem Geldbeutel____ ... Die Enttäuschung ist bitter; sie kann aber auch heilsam sein. Sie wird der Arbeiterklasse mit greller Deutlichkeit zeigen, daß sie ganz allein auf sich selbst gestellt ist. Eine Ernüchterung nach dieser Richtung hin ist nicht überflüssig; sie führt zur Klärung. Enttäuscht sind die Arbeiter. nicht entmutigt. Durch doppelten Eifer werden sie die Schlappe wettzumachen wissen. Mögen die Wankenden und Schwankenden abfallen. Die drei Millionen, die gestern sozialdemokratisch gewählt haben, werden nur noch grimmiger eine Wirtschafts- und Rechtsordnung hassen lernen, die eS ermöglichte, daß mit Hülfe der Partei der„dummen Kerle" ein volksverderbliches System gestützt werden konnte. Niemand verzagt! Den Blick geradeaus gerichtet, wird das klassenbewußte Dreimillionenheer nach wie vor den festen FelS im brandenden Meere bilden. Komme, was da kommen mag." Bolksstlmme(Magdeburg): ES war nicht vorauszusehen, ob der Appell an die NichtWähler gelingen würde. Nachdem er aber gelungen ist, ist es nicht im ge« Ängsten überraschend, dah diese Leute, die sich halb schlaftrunken in das Politische Leben taumeln, von dem lärmenden und sensationellen Unsinn sich zunächst blenden lieben. Unter diesem Gesichtspunkt hat sich Fürst Bülow ein Verdienst um die Zukunft der deutschen Sozialdemokratie erworben, indem er Hnnderttauseude von bisher völlig gleichgültigen und auch der Sozialdemokratie unzugänglichen Wählern in die politische Arena hetzte. Diese Mitläufer des Kaffern- Kartells sind für die Zukunft Rekruten für unsere Agitation. Wenn ffe einmal erst überhaupt ivählen, so werden sie sicher nicht das zlveite Mal auf jeden Theatcrconp hineinfallen und die junge nationale Schutztruppe des Fürsten Bülow wird— einmal politisch interessiert— künstig den gleichen Weg gehen, den alle jene Massen gegangen sind, die erst konservativ, naiionalliberal und frei- sinnig wählten, und die wir dann diesen Feinden ihrer eigenem Interessen in steter Aufklärung abrangen. Die Verbreiterung des politischen Bassins hat den Spiegel der Sozialdemokratie g e s e n k t, aber das ist natur- gemäß nur eine vorübergehende Erscheinung. Das schrille nationale Wecken von heute wird übers Jahr ein gut revolutionäres Er- wachen zur Folge haben. Und diese sichere Hoffnung läßt uns die augenblicklichen Mandatsverluste weniger empfindlich erscheinen. Es handelt sich um eine ähnliche Erscheinung, wie sie bei der epsten Einführung des allgemeinen, geheimen, gleichen und direkten Wahl- rechts sich zeigen kann, daß die unaufgeklärten Wähler zunächst in reaktionären! Sinne wirken. Fürst Bülows Schachzug hat uns für den Augenblick eine Anzahl von Mandaten gekostet, aber zugleich die Bedingungen neuer Erfolge geschaffen. Volksstimme(Frankfurt a. M,): Das Tröstliche für uns ist, daß wir wissen, in der deutschen Arbeiterklasse steckt bereits ein solcher Schatz von unbesiegbarem Klassenbewußtsein und trotziger Widerstandskraft, daß sie auch diesen Schlag in sehr kurzer Zeit überwinden wird. Die politische Geschickte auch Deutschlands wird nicht auf die Dauer von abenteuernden Speku- lanten gemacht, die heute von der Freisinndemokratie bis zu den Junkerparteien für den Augenblick triumphieren, die wir aber noch darüber belehren werden, daß wir auch und erst recht aus Niederlagen zu lernen verstehen. Der Arbeitsernst, der in der deutschen Proletarier- klasse steckt, bürgt uns dafür, daß sie, mehr als je auf sich allein gestellt, die Scharte von heute schon morgen sehr gründlich wieder auswetzen wird. Eine Episode in der Gelchichte der Zuspitzung der Klassengegensätze, nichts mehr werden diese Wahlen für uns sein. Und getrosten Mutes gehen wir zunächst in die Stichwahlen, um nunmehr auf sie alle sonst frei gewordenen Kräfte zu konzentrieren, sowie an die weitere geschichtliche Pflicht, in Prenßen-Deutschland diejenige politische und soziale Arbeit zu verrichten, die das deutsche Bürgertum bei diesen Wahlen endgültig zu vollbringen ans- gegeben hat.« Volksfrcunb(Karlsruhe): In Baden hat die Wahl keine besonderen Ueberraschungen gebracht. Die Sozialdemokratie hat etwa 2 4 0 0 0 Stimmen Zunahme zu verzeichnen. Das ist für die badischen Verhältnisse, wo der Agitation in einzelnen Kreisen fast unüberwindliche Schwierigkeiten im Wege stehen, ein prächtiger Erfolg. Mannheim haben wir im ersten Anlauf glänzend ge- Wonnen und in Pforzheim und Karlsruhe stehen wir wieder in aussichtsreichen Stichwahlen. Sehr gut haben sich die Karlsruher Genossen gehalten. Unser Stimmenzuwachs im 10. Wahlkreis rekrutiert sich nur aus Karlsruhe und einigen vor dessen Toren gelegenen Orten. Sehr tapfer haben sich unsere Ge- Nossen im 1., 3. und 4. Wahlkreis gehalten..... Alles in allem hat in Baden eigentlich nur die Sozial- dcmokratie Anlaß, mit Stolz auf� diesen Wahlkampf zurückzublicken. Sie hat eine bedeutende Stimmenzunahme, an der alle Kreise partizipieren.« Schwäbische Tagwacht(Stuttgart). Trotz der bedauerlichen Verluste der Mandate wird die Hoffnung derjenigen vernichtet lverden, die glaubten, die Sozialdemokratie in ihrein Fortschritt zn hemmen. Sie werden finden, daß sich die Zahl der Anhänger der Partei, trotz des alle Kräfte zusammenfassenden Angriffs der vereinigten Gegner nicht vermindert, sondern vermehrt hat. und die Freude an ihren Siegen wird dadurch nicht wenig ge- trübt sein, daß sie die Hoffnung endgüliig zu Grabe tragen müssen, als ob es gelänge, die Partei im Volke zu schwächen. Das Ergebnis in Württemberg entspricht dem vom ganzen Deutschen Reiche. Einer zum Teil sehr starken Stimmen- zunähme steht der Verlust von drei Mandaten gegenüber. Der kleine Gewinn, den wir bei früheren Wahlen aus dem getrennten Vorgehen der liberalen Parteien gezogen haben, ist uns nach der Begründung des Hottentottcnbunds verloren gegangen. Das ist im Grunde genonimen kein Unglück, denn was wir jetzt trotz Bilderbogenagitation, trotz der intensivsten behördlichen Wahl- beeinflussungen, trotz Auspannung aller Kräfte in den einfluß- reichsten Kreisen des Landes an Wählern um unsere Fahne geschart haben, sind treue Kämpfer für unsere Sache. Es sind ihrer nicht weniger als rund 110 000, während wir bei der letzten Wahl im Lande Württemberg noch nicht ganz 100 000 Wähler zählten.... Das macht einen Gewinn von mehr als 10000 StimiiKN ans, den die rücksichtsloseste und schofelste KainpfeS- ort unserer Gegner nicht zu verhindern vermochte....« Fränkische Tagespost(Nürnberg): „... Wir haben einen nicht nur uns, sicherlich auch die Gegner überraschenden Verlust an Mandaten zu verzeichnen. Wir müssen damit rechnen, daß unsere Fraktion nicht mehr als rund 50 Vertreter zählen dürfte. Aber bloß unsere parlamentarische Stärke vermindert sich, an Anhang im Volke haben wir sicherlich nicht verloren. Die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen hat zugenommen, die Gegner haben in unsere festgefügten Reihen keinen Keil treiben können, sie haben nichts von unserer Anhängerschaft abzubröckeln vermocht. Wir haben eine Niederlage in der langen Reihe unserer Siege zu verzeichnen und doch können wir unser Haupt höher tragen als mancher Sieger vom 25. Januar. Wir haben uns nicht der Waffen zu schämen, mit denen wir gefochtcn haben, wir haben allein, ohne jede Unterstützung, den Wahlfeldzug durchgeführt, wir sind deshalb frei von beschämenden Waffenbrüderschaften, zu denen der Liberalismus herabgesunken ist. Wir haben offen und ohne Maskerade den Wahlkampf geführt, getreu unserem Programme. treu der Geschichte unserer Partei. Der Libe- ralismus aber hat sich gesonnt in der Regiernngssomie, hat mit Agrariern, Zollwucherern, feudalen Feinden der Voltsrechte Schulter an Schulter gekämpft. Wir gehen etwas geschwächt, aber rein und ohne Vorlours aus einem der gehässigsten Wahlknmpse hervor. Wir werden sofort die Arbeit der Aufklärung der Massen wieder mit frischer Kraft aufnehmen. um eine Wiederholung dieses Wahl- ergebnisses für alle Zukunft unmöglich zu machen. Vor allein tut freilich eine Besprechung und öffentliche Erörterung des Resullats unter Parieigenossen not. Dazu wird sich die Gelegenheit gleich nach den Stichwahlen geben. Erheblich günstiger als das Wahlergebnis im Reiche ist das Re- sultat des Wnhlkampses' in Bayern. Hier haben wir keinen Mandats- Verlust zn verzeichnen.. Sehr bemerkensivert ist der starke Stimmenzuwachs in fast allen bayerischen Wahlkreisen, vor allem in überwiegend ländliche» Wahlkreisen, nicht zuletzt in der Oberpfalz. Diese Erfolge sind um so bemerkenswerter, als auch in Bayern mit den schmutzigsten Mitteln gearbeitet wurde, als auch hier von Büiidlern wie auch von Nationalliberalcn und nicht zuletzt von den Freisinnigen die volksverdimuneudste Agitation betrieben wurde... Nürnberg hat den Ruf, eine Hochburg der Sozialdemokratie zu seül. glänzend bewährt. Die Nürnberger Genossen können stolz darauf sein, daß das Resultat ihres Wahlkampfes eines der glänzendsten für die deutsche Sozialdemokratie ist.... Wir haben unsere Position in ganz Bayern glänzend verteidigt. Wir haben auch Fortschritte gemacht, keine Partei in Bayern kann mit größerer Befriedigung auf den Wahlkampf zurückblicken, wie wir.« Tie Parteipresse des Auslandes. Arbeiterzeitung(Wien): ... Die Einbuße ist größer, als sie erwartet wurde, aber sie unvermeidlich war, daß sie selbst die titanische Arbeit, die von den deutschen Genossen in dem einen Wahlmonat vollbracht wurde. nicht aufzuhalten vermögest wird, darüber war sich unsere Partei nicht im unklaren und damit rechnete sie. Aus vielen Gründen mußte sie damit rechnen. Vor allem deshalb, weil der Erfolg vor vier Jahren über das Maß der normalen EntWickelung ging, nicht bloß der Ausdruck der sozialdemokratischen Kraft, sondern auch eine Wirkung der bürgerlichen Schwäche war. Man ist so gewohnt, die deutsche Sozialdemokratie rastlos wachsen zu sehen, man hat ihren unwiderstehlichen Fortschritt so oft bewundert, daß man nachgerade das richtige Gefühl dafür verloren hat. was es bedeutet, daß eine Partei inmitten eines Riesenreiches ganz allein auf sich angewiesen ist und dem Ansturm aller Parteien zu widerstehen hat... ... Denn innerlich und in ihrem wahren Leben hat die deutsche Sozialdemokratie auch diesmal keine Niederlage zu verzeichnen, viel- mehr hat gerade diese unter so einzigartigen Umständen sich voll- ziehende Wahl ihre wahre Größe glänzender denn je offenbart. Bürgerlichen Parteien mögen die Mandate das Wichtig st e sein? für die Sozialdemokratie ist allein bedeutsam und entscheidend die Tiefe ihrer Bewegung, die Triebkraft ihres Lebens, die Zahl ihrer überzeugten Anhänger. Und hierin ist nicht nur nicht der geringste Abbruch zu ver- zeichnen, sondern es ist gewiß, daß den drei Millionen sozial- demokratischer Stimmen, die vor fünf Jahren gezählt wurden, in dieser Wahl neue und sehr beträchtliche Massen angefügt worden sind... In allen Mittelpunkten der Industrie aber sind die sozialdemokratischen Stimmen gewachsen, haben sie sich, wie insbesondere in Berlin, gewaltig vermehrt. Aber dieses stetige Wachtum der Sozialdemokratie wird in den Abstimmungs- Ziffern nicht erschöpft: denn diesmal ist alles flüchtig ge- worden, was ohne innere Ueberzeugung, ohne Einklang mit den letzten Zielen einst zu der siegreichen Partei gestoßen ist; dies- mal sind jene„Mitläufer«, mit denen die Gegner lange krebsen gingen und über ihre Niederlagen sich trösteten, so gründlich weg- gelaufen, daß das, was an Stimmen für die sozialdemokratischen Kandidaten abgegeben ward, nur Stimmen von wetterfesten, über- zeugten Sozialdemokraten, wahrhaftigen Genossen im Lebenskamp ist, daß die sozialdemokratischen Stimmen das bewußte und unverbrüchliche Bekenntnis zu der Partei darstellen, deren Daseinsaufgabe die Umgestaltung der kapitalistischen Gesellschaft ist. Die Mobilisierung des Bürgertums hat sie an vielen Punkten um den Erfolg gebracht, aber an Gehalt und Kraft, an Znkmlftshoffnungen hat die Partei, deren Stolz es ist, die Partei der Arbeiter zu sein, nicht das geringste eingebüßt. ... Aber was bedeutet der Mißerfolg einer Wahl gegenüber dem Siegeslauf der deutschen Sozialdemokratie? Sie hat der Welt so oft gezeigt, wie man siegt, und so wird sie nun zeigen, wie man Niederlagen wettmacht." Züricher Bollsrecht. „Die Partei hat der Stimmenzahl nach ihre Stellung behauptet. Die gewalsigen Anstrengungen, die die Bürgerlichen mit Hülfe der Regierungsmänner machten, haben den Spießer durch Angst und Hurrapatriotismus in Aufregung gebracht. Die günstige Geschäfts- lonjunkmr mag das ihre dazu beigetragen haben, daß die früher verärgerten Kleinbürger, deren Reichsverdrossenheit so groß war, optimistisch wurden und sich zu einem Gegenschlag gegen die Sozial- demokratie aufrafften. Die Schlagworte Bülows und Dernburgs haben ihre Wirkung getan und die bürgerlichen Reserven an die Urnen getrieben.« BaSler Vorwärts: Man wird also den Sieg auf bürgerlicher Seite, in den regierungsfreundlichen Parteien beanspruchen wollen. Nun hat aber die Sozialdemokratie dem Mandatsbesitz stets den zweiten Platz an- gewiesen, die Hauptsache war immer die Stimmenzahl und ist es auch diesmal. Wenn die Wahlen vom Jahre 1303 der Sozial- demokratie bereits fünfzig Mandate weniger brachten, als sie nach ihren drei Millionen zu beanspruchen hatte, so haben die Wahlen vom Freitag dieses Unrecht auf die doppelte Höhe gebracht... Doch hat die Sozialdemokratie als st ärkstcPartei eine»prächtigen Zuwachs erfahren. Ist es der deutschen Regierung in erster Linie wichtig, einen gefügigen Reichstag zu bekommen, so kann sie zufrieden sein, ist sie aber der Sorge für ihre Zukunft zugänglich, so muß sie mit Bestürzung der weiteren Entwickclung entgegensehen. Die Sozialdemokratie wäre geschlagen, wenn sie einen Rückgang oder auch nur einen Stillstand ihrer Stimmen aufweisen müßte. So aber steht sie als derjenige Teil da, welcher überlegen triumphiert, während die anderen gedankenlos sich der Beute freuen. Die deutsche Sozialdemokratie marschiert un- aufhaltsam dem entscheidenden Siege entgegen.« l'Humanits(Paris): Genosse Jean I a u r ö S schreibt: „....... Das Ergebnis bringt der deutschen Sozialdcmo- kratie, die auf einen neuen Sieg hoffte, sowie dem internationalen Sozialismus eine Enttäuschung. Das Ergebnis überrascht fast die ganze Welt und nicht zum mindesten die deutsche Regierung, die — das ist sicher festgestellt— darauf gefaßt war, daß die Sozial- demokratie etwa zehn Sitze gewinnen würde. Woher der augenblickliche Rückschlag? Darüber läßt sich etwas Gewisses erst sagen, wenn alle Ziffern— sowohl die der ab- gegebenen Stimmen wie die der Mandate— bekannt sein werden. ....... Ter große Erfolg des Jahres 1903 bot kein sicheres Bild von der Stärke der deutschen Sozialdemokratie. Unmittelbar vor jener Schlacht waren die industriellen Kreise töegen des Zoll- tarijs mit den Agrariern scharf aneinandergeraten. Ein Teil der Bourgeoisie und der freihändlcrischen Äleinbürgerschaft' hatte für die Sozialdemokraten gestimmt. Dazu kam in Sachsen die antimonarchische Strömung, die sich bemerkbar machte im Anschluß an die Flucht der Kronprinzessin, die— wie es hieß— von ihrem Gemahl mißhandelt worden war. Die sächsischen Sozial- demokraten eroberten 22 von überhaupt 23 Mandaten I Es ivar ein außergewöhnlicher, ein Zufallssieg. In ganz Deutschland rief die Außerordenllichkeit jener Sieges der Sozialisten fast unmittelbar darauf die Reaktion hervor. Die Mitläufer schieden sich ab und alle Gegner vereinigten sich wider die Sozialdemokratie. Vielleicht auch, daß die M a s s e. die ja aus die Effekte zu schauen pflegt, ohne immer den Gründen und Ursachen nach- zugehen, vielleicht auch, daß sie enttäuscht war, als sie sah, daß die 80 sozialdemokratischen Abgeordneten, die Vertreter von drei Millionen Wählern— auf die Politik Deutschlands keinen merklichen Einfluß auszuüben vermochten.... Und noch eins kommt hinzu: Die bürgerlichen Parteien haben sich an den Wahlen stärker beteiligt als je. Aus welchem Grunde? Weil die Erregung des politischen Lebens größer war als je.... So traten alle politischen Streitkräfte Deutschlaudö in den Kampf ein, und die Sozialdemokratie, die' sonst oft durch die.Mitläufer« verstärkt worden war, blieb dieses Mal auf ihre eigenen Kräfte angewiesen... Sozialisten und Zentrum hatten gemeinsam die Kolonial- forderung abgelehnt. Gemeinsam wurden sie durch das Auf- lösungsdekret betroffen. Der Schlachtruf:„Weder rot noch schwarz!« wurde gegen sie gemeinsam geschleudert! Und mehr als ein deutscher Wähler mag sich gesagt haben, daß eine Stimmabgabe für die Sozialdemokratie leine genügende Demonstration gegen das Zentrum darstelle!,,. Mer der Kanzler, der am Freitagabend eine triumphierende Ansprache an die Voltsmenge hielt, hat keinen Grund, sich zu freuen. Er gebt einer ganz außerordentlich verwickelten Situation entgegen, einer Situation, die durch den scheinbaren Mißerfolg der Sozial- dcmokratie nur noch verwickelter wird....« Soziales. Neiimihrladeitschluß für Bahnhofsbuchhändler? Der Bahnhofsbuchhändler Stille zu Berlin war vom 2. Polizei- revier darauf aufmerksam gemacht worden, daß sein Handels- stand auf dem Bahnhof Friedrichstraße, welcher außerhalb der Sperre sich befinde, um 9 Uhr zu schließen sei, weil er dem allgemeinen sogenannten„Neunuhrladenschluß« unterfalle. Eine Beschwerde Stilles beim Polizeipräsidenten wurde abschlägig beschieden und der Oberpräsidcnt wies eine iveitere Beschwerde ebenfalls ab.— Die nunmehr von Stille beim Ober- Verwaltungsgericht angestrengte Klage wurde schon aus dem formellen Grunde abgewiesen, daß sie unzulässig sei: Jene Eröffnung des Reviervorstandes habe kein bestimmtes Verbot oder Gebot enthalten, sondern nur den Charakter einer Belehrung über das objektive Recht gehabt. Sie habe dartun sollen, wie sich St. zu verhalten habe, wenn er Strafverfügnngcn vermeinden wolle. In demselben Fahrtvasser hätten sich nach Form und Inhalt die Bescheide des Polizeipräsidenten und Oberpräsidenten bewegt. Fehle es hiernach an einer polizeilichen Verftiguiig im Sinne des§ 127 des Landes- Verwaltungsgesetzes, so sei' das Vcrwaltungsstreitverfahreu nicht gegeben. Die polizeiliche Ansicht über die Anwendbarkeit der Neunuhr- ladenschluß-Vorschrift auf die außerhalb der PerronS befindlichen Verkaufsabteilungen entspricht dem Gesetz. ÖcrkhtQ- Zeitung. § 153 der Gewerbeordnung. Wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbeordnung war der Schlosser St. angeklagt. Der Sachverhalt ist folgender: Beim Schlossermeister Sorge hatten die Gesellen Lohndifferenzen halber die Arbeit niedergelegt. Der Angeklagte sagte nun als Streikposten zu einem arbeisiuckenden Kollegen:„Kollege, hier wird gestreikt. Du darfst hier nicht arbeiten, denn Du wirst uns doch nicht in den Rücken fallen wolle n.« In diesem Ausspruch erblickte die Anklagebehörde das bewußte„Ge- Werbevergehen«. Das Schöffengericht lehnte die Er- öffnnng des Hauptverfahrens ab, weil es im Gegen- satz zur Staatsanwaltschaft irgend eine strafbare Handlung des An- geklagten nicht festzustellen vermochte. Aus die Beschwerde der Staatsanwaltschaft hin ordnete aber die achte Ferien- strafkam mer des Landgerichts I die Eröffnung des Hauptverfabrens an. Dieser Beschlutz wurde in folgender Weise begründet: Der Angeklagte sei hinreichend verdächtig, jenen Arbeitsuchenden durch Drohung bestimnit zu haben, an einer Ver- abredung zum Behufe der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeits- bedingungen teilzunehmen, indem er ihn abhalten wollte, Arbeil anzunehmen. Denn dadurch, daß er zu ihm sagte:„Du darf st hier nicht arbeiten« habe er ihm„in Ansfichl gestellt, daß er nach Beendigung des Streiks aus allen Werkstätten verdrängt werden würde, wenn er Arbeit annähme." Dieser Er- öffnungsbeschluß und die darin enthaltene willkürliche Annahme einer solchen„Drohung" war unterzeichnet von den bekannten Richten! Leuschner, CaSper und Schramm. In der min infolge dieses Beschlusses anberaumten Schöffengerichtsverhand- l u n g wurde der Angeklagte, dem Rechtsanwalt Dr. Heinemann als Verteidiger zur Seite stand, kostenlos freigesprochen. Das Gericht war der Ueberzeugung, daß jene Aeußerung lediglich als eine einwandfreie Mitteilung an den Arbeitsuchenden zu betrachten sei, die einem streikenden Arbeiter ohne weiteres ge- stattet ist. Von einer direkten oder indirekten Inaussichtstellung eines Uebels oder einer Drohung könne gar keine Rede sein. Gegen dieses selbstverständliche Urteil legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Erst vor einigen Tagen erhielt der Angeklagte die Mitteilung, daß der Staatsanwalt die Berufung zurück- gezogen habe. Der Eröffnungsbeschlutz steht der gegen das Gesetz klar verstoßenden Anregung des bekannten Puttkanierschen Streik- erlasscs vom Mai 1880 nahe, der gar auch gegen das Mittel der Ueberredung zum Streik Polizei und Gericht in Bewegung ge- wiffcn wollte._ Oeffcntliche Angelegenheiten im Sinne des§ 1 des Vcreinsgesetzes. Im Verlaufe von Differenzen zwischen den Arbeitern und der Betriebsleitung einer großen Textilfabrik zu Neusalz a. O., die durch die Entlassung von 15 organisierten Arbeitern heraufbeschworen worden waren, fand eine von etwa 1200 Personen besuchte Ver- 'ammlung statt. Vorwiegend ivaren es Arbeiter und Arbeiterinnen der Fabrik. Es sollen aber auch Arbeiter der Neusalzer Eisenhütte dort gewesen sein. Man erörterte die Frage. was gegenüber den Maßnahmen der Fabrikleitung zn tun ici. Angemeldet war die Versammlung nicht. Genosie Hortig als Leiter wurde deshalb wegen Uebertretung der ZK i und 12 des Vcreinsgesetzes von der Strafkammer zu Glogau zu einer Geldstrafe verurteilt. Begründend wurde ausgeführt: Es handle sich hier um eine anmeldepflichtige Versammlung zur Er- örterung öffentlicher Angelegenheiten.> Die Besprechung der Eni- lassung der organisierten Arbeiter sei hier verbunden gewesen mit der Erörterung der Frage, unter welchen Umständen Arbeiter über- Haupt durch das Mittel des Streiks auf die Entlassung von Kollegen reagieren sollten. Das sei eine öffentliche Angelegenheit.— Das K a in m e r g e r i ch t wies die hiergegen eingelegte Revision mit der Begründung zurück, das Urteil des Landgerichts sei ohne Rechts- irrtum ergangen._ Woermann-Liine gegen„Simplicissimus". In Nr. 39 des„Simplicissimus« ist ein Bild enthalten, das eine Szene im Hamburger Hafen veranschaulicht. Eine Frau sitzt mit ihrem Kinde auf einer Kist> und blickt auf die im Hafen liegenden Schiffe, und unter dem Bilde stehen die Worte:„Wir können Vattern nicht begraben. Woermann gibt die Leiche nicht heraus, bis das Lagergeld bezahlt ist!" Die„W.-L." verlangte von der„Simpli- cissimnS«-Redaktion Widerruf und Abbitte, was unter Hinweis auf die Erklärung Dernburgs im Reichstage betreffs Lösung des Ver- trags mit Woerinann abgelehnt wurde. Die„W.-L." hat nun gegen den Zeichner Gullbranson und die Redaktion dcS genannten Witz-, blattcs eine Beleidigungsklage beim Hamburger Schöffengericht ein- gereicht._ Die Schulden einer Landgerichtsrätin. Ein Prozeß gegen die Landgerichtsrätin Elisabeth Auguste B ö h ni e aus Chemnitz und deren 19 Jahre alte Tochter Martha Emilie Aug uste Böhme, der vor der zweiten Strafkammer des Dresdener LandgenchlS am Sonnabend und gestern verhandelte wurde, einrollte interessante soziale Bilder. Die Angeklagte Elisabeth Böhme ist die Witwe des im Fahre 1898 in Chemnitz verstorbenen LandgerichtsratS Böhme. Beim Tode des letzteren, der drei unerwachsene Kinder hinterließ, stellte es sich heraus, daß der Nachlaß gleich Null war. Dagegen hatte die hinter- bliebene Witwe noch ihr eingebrachtes Vermögen inHöhe von 45 000 M. Ihre Pension betrug nur jährlich 900 M., die zum Lebensunterhalt der drei Personen nicht ausreichten. Es wurde infolgedessen das ein- gebrachte Vermögen der Landgerichtsrätin, die sich in ihrem Witwen- lande keinerlei Beschränkmigeu auferlegte, angebrochen und bis auf das letzte verzehrt. Als der Sohn der Landgerichtsrätin im Jahre 1902 starb, verbesserten sich die Verhältnisse der Angellagten noch einmal. Sie erbte 3000 M., aber auch diese waren bald ver- ausgabt. Die beiden noch lebenden Kinder kamen durch den Tod t!ne8 OnkelS später zu Vermögen. Sie erbten jedes IS 000 M., die Mutter dagegen nichts. Die finanziellen Verhältniffe der An- geklagten verschlimmerten sich von Jahr zu Jahr. 1899 war der letzte Rest des Vermögens verbraucht. Die An- geklagte verlieb nunmehr Chemnitz und siedelte nach Dresden über, richtere sich hier auf Kosten der Lieferanten eine elegante Wohnung auf der Nordstrafie ein und lebte auf denkbar gröhtem Fuße. Der einzige Sohn der von fast alle» Mitteln Entblößten trat 1903 in die sächsische Armee als Leutnant ein. Der Aufwand den die Angeklagte trieb, ist zum Teil hierauf zurück- zuführen. Die Angeklagte war stolz auf ihr wohlassorriertcS Wein- kager, keinen Weg machte sie mit ihrer Tochter, ohne den Taxameter zu benutzen. Die feinsten Delikatessen, der Saison entsprechend, fehlten nie aus� dem Tische der Angeklagten. Personen aus den ersten Gesellschaftskreifen, Juristen, Offiziere, hervorragende Künstler waren häufige Gäste der Rätin. Im Jahre 1904 brach das Karten- Haus zusammen. Die Lieferanten drängten auf Zahlung und als diese nicht erfolgte, kam es zu Pfändungen, die meisten- teils erfolglos verliefen. Um aber weiter leben zu können, bewog sie andere Lieferanten, die sie noch nicht kannten. zu_ weiteren Lieferungen in Höhe von 1654 M., wobei sie in drei Fällen von ihrer Mitangeklagten Tochter unterstützt worden sein soll. Den Lieferanten machte sie über ihre Vermögenslage un- wahre Angaben. Fluchtartig verließ die Angeklagte mit ihrer Tochter am 23. Dezember 1905 Dresden und siedelten nach Zehren bei Meißen, später noch Göhrisch über, nachdem das letzte Möbelstück gepfändet worden war. Aus Grund der Beweisaufnahme erkannte das Gericht gegen die angeklagte Landgerichtsrätin auf sechs, gegen ihreTochteraufeinenMonatGefängnis. » Polnische Justiz. Die Gnesener Strafkammer verhandelte kürzlich über einen durch den polnischen Schulstreik hervorgerufenen Prozeß. Probst Piotrowicz wurde auf Grund der 110 und 130a wegen Aufforderung zum Ungehorsam, be- gangen durch eine Predigt in der Michaeliskirche und durch in der Sakristei erfolgte Verteilung von auf den Schulstreik bezüglichen Zetteln, zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Außer- dem wurden verurteilt Drechsler Wierbinski und Töpfer Bysiekewicz zu je 100 Mar! und zwei Frauen zu je 5 0 Mark Geldstrafe. Die Posen« r Strafkammer verurteilte gestern den Redak- teur Kopicki des„Przyjadel Ludu" wegen Aufforderung zum Schul- streik zu zwei Wochen Gefängnis. Dieselbe Strafkammer erkannte gegen den Redakteur der Wochenschrift„Praca", Switala, auf Antrag des preußischen LrriegsministerS v. Einem wegen Beleidigung der Gesamtheit der preußischen Armee auf zwei Monate Gefängnis. Ter Staatsanwalt hatte einen Monat beantragt. Dem Äricgsminister wurde das Recht der Veröffentlichung in den Zeitungen zuge- sprachen._ Ein Rencontre zwischen Studenten und Schutzleuten beschäftigte gestern die zweite Strafkammer des Landgerichts II in einer Strafsache wegen Wider st ands gegen die Staatsgewalt und Hausfriedens- bruchs, die sich gegen den Studenten Schulz richtete.— In der Nacht zum 4. März v. I. saß Schulz mit einem Referendar H. und mehreren anderen Studenten in dem Cafe„Fürst" in der Potsdamerstratze. Gegen 5 Uhr morgens entstand zwischen diesen Herren und anderen Gästen eine Auseinandersetzung, die der Geschäftsführer dadurch zu verhindern suchte, daß er einen Schutz- mann ersuchte, die Kampfhähne beider Parteien zu entfernen und ihre Personalien festzustellen. Auf dem Wege zur Wache soll sich, wie von den Beteiligten behauptet wird, der Schutzmann schon verschiedener Beleidigungen schuldig gemacht haben. Der An- geschuldigte war, obwohl er mit der Sache gar nichts zu tun hatte, mitgegangen, um eventuell als Zeuge dienen zu können. Man habe ihn— so behauptet er— aber nicht in die Nevierwache hineingelassen. Als er darauf drang, den Reviervorstand sprechen zu wollen, habe man ihn einfach wegen groben Unfugs ebenfalls fistiert. Wie die beteiligten Beamten des 77. Polizeireviers vor Gericht zugaben, wären allerdings folgende Aeutzerungen gegen die Sistierten, zu denen sich mittlerweile auch der Referendar H. gesellt hatte, gefallen:„Sie wollen anständige Menschen sein? Sie sollten sich schämen!" Als die Sistierten eine etwas anständigere Behandlung verlangten, wurde ihnen von einem Beamten gedroht: „Reden Sie nicht solche» Quatsch und Stuß; wenn Sie nicht das Maul halten, werden Sie in eine Einzelzelle gesperrt." Als der Angeklagte gegenüber einem Schutzmanne sich beschwerte, er würde. behandelt wie ein„Louis", bekam er zur Antwort:„Zwanzig Ludewigs sind mir lieber als Sie!" Schließlich wurden die Fest- genommenen aufgefordert, die Wache zu verlassen. Diese glaubten sich jedoch berechtigt, nun ihrerseits die Namen derjenigen Beamten verlangen zu können, von denen sie in grober Weise beleidigt worden waren. Sie blieben trotz wiederholter Aufforderung zum Verlassen der Wache an Ort und Stelle und verlangten erst die Namen der Beamten zu wissen. Schließlich wurden sie gewaltsam aus der Wache hinausbefördert.— Gegen Schulz wurde das jetzige Verfahren anhängig gemacht. Das Schöffengericht erkannte an, daß sich der �Angeklagte nur deshalb vergangen hatte, weil er sich durch die Beamten in seiner Ehre schwer verletzt fühlte. Immerhin hätte er auf die Aufforderung gehen und sein Recht am n ä ch st c n Tage bei dem Reviervorstand geltend machen müssen. Mit Rücksicht darauf erkannte das Schöffengericht nur auf eine Geldstrafe von 2 0 Mark. Die Strafkammer kam auf die Berufung des Schulz zu derselben Entscheidung und bestätigte das erste Urteil. Ob dieselben Studenten später so wählen werden, daß das System fortbestehen bleibt, über das sie sich nicht mit Unrecht beschweren? Revoltierende polnische FortbildungSschüler. Sieben FortbildungSschüler aus Lissa(WesolowSki und Genossen) sollten sich gegen den§ 150 Ziffer 4 der Gewerbeordnung ver- gangen haben, indem sie die Schulordnung übertreten hätten. Eni- gegen ausdrücklicher Anordnung hatten sie in Aufsätzen die darin ge- brauchten Vornamen polnischen Ursprungs in polnischer Schreib- weise wiedergegeben, statt in deutscher. Das wurde als ein ungebührliches Verhalten angesehen. Das Landgericht sprach sie indessen frei und das Kammergericht billigte das Ur- teil mit folgender Begründung: Die Schulvorschriften seien wegen formeller Ungültigkeit nicht anwendbar. Nach§ 120 Absatz 8 der Gewerbeordnung müßten Vorschriften, welche der Sicherung der Ordnung in der Fortbildungsschule dienten und ein gebührliches Verhalten der Schüler sichern wollten, in statutarischer Form erlassen werden. Für die statutarischen Vorschriften verlange aber 8 142 der Gewerbeordnung die Publikation. Die Schulordnungsvorschriften seien hier aber nicht veröffentlicht worden. Sie wären darum nicht rechtsverbindlich und die Angeklagten feien aus diesem Grunde mit Recht freigesprochen worden._ Um Bersagung mildernder Umstände bat gestern zu allgemeinem Staunen die unverehelichte Johanne Marie F l o r k o w s k a, die sich vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I gestern wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu verantworten hatte. Die Angeklagte hat ein sehr langes Register von Vorstrafen, in welchem auch Zuchthausstrafen wiederholt vor- kommen und verbüßt zurzeit in KottbuS eine einjährige Gefängnis. strafe. Sie macht immer denselben Schwindel: sie entnimmt unter falschem Namen aus Möbelgeschäften Mobiliar auf Abzahlung und macht es dann auf dem schnellsten Wege zu Gelbe. Da die Mietsverträge von ihr mit einem falschen Namen unterzeichnet werden, so liegt jedesmal eine Urkundenfälschung vor. Auch in den jetzt zur Verhandlung stehenden Fällen ist sie in gleicher Weise vorgegangen. Da sie geständig war, beantragte-der Staats- ßhSC ttÖkU«seugenveruchmuna MgMuÜi Im 1% Jahren Gefängnis. Nun bat die Angeklagte Himmel- hoch, ihr doch die mildernden Umstände zu versagen und auf Zuchthaus zu erkennen, damit sie bloß aus Kottbus wegkomme. Sie motivierte dies damit, daß sie in Kottbus bei der grimmigen Kälte auf baumwollenen Strümpfen umherlaufen müsse, während sie im Zuchthaus wollene Strümpfe erhalte, daß das Essen im Zuchthaus besser sei und sie dort auch Gelegenheit zu besserein Ueberverdienst finde wie in Kottbus.— Das Gericht glaubte aber, ihr ihre Bitte nicht erfüllen zu können. Mit Rücksicht darauf, daß die Möbelhändler der Angeklagten ihre Schwindeleien sehr leicht gemacht und ohne ernste Recherchen ihr die Möbel geliefert haben, billigte der Gerichtshof der Angeklagten mildernde Um- stände zu und verurteilte sie unter Aufhebung der einjährigen Gc- fängnisstrafe, die sie schon verbüßt, zu einer Gesamtstrafe von Jahren Gefängnis. Die Bitte der Angeklagten ist für unsere Strafvollzugsverhält- nisse bezeichnend. Eue der Frauenbewegung. Die Dienstmädchenorganisation in Holland entwickelt sich zwar langsam, gewinnt aber immer mehr Einfluß und Anerkennung. Auf dem dritten Jahreskongretz des Allgemeinen Niederländischen Dienstbotenverbandes, der am 20. Januar in Rotterdam stattfand, erklärte die Verbandsvorsitzende Fräulein A u w e r d a in ihrer Eröffnungsrede, daß in weiten Kreisen die Ansichten über die Organisation jetzt andere seien als früher, und daß man die Dienstboten nun nicht mehr für zu ungebildet erachte, um eine Organisation zu verwalten, ein Programm aufzustellen und durch- zufuhren. Personen, die früher das Organisieren der Dienstboten als ein lächerliches Unterfangen ansahen, seien durch die Wirk- samleit des Verbandes anderer Meinung geworden und unterstützen nun die organisierten Dienstboten.— Der Verband besteht jetzt aus 6 Ortsabtcilungen, die in Amsterdam, Rotterdam, Haag, Leiden, Middelburg und Helder ihren Sitz haben. Er gibt unter dem Titel„Ons Streven"(„Unser Streben") ein Flugblatt heraus, das monatlich erscheint.— Der Kongreß befaßte sich zuerst mit der Beratung eines neuen Vcrbandsstatuts. Als Zweck des Ver- bandes wird darin die Förderung der materiellen und moralischen Interessen der Mitglieder bezeichnet, als Mittel, neben der gcwcrk- schaftlichcn Tätigkeit, neben der Errichtung und Verwaltung von Arbeitsnachweisen, sowie der Förderung der allgemeinen und fach- lichen Bildungsbestrcbungen, auch die Einwirkung ans die Gesetz- gcbung zum Schutze der arbeitenden Standes und besonders der Dienstboten.— Im weiteren Verlauf des Kongresses wurde die Forderung»ach mehr freier Zeit für die Dienstboten, nach einer vernünftigen Beschränkung ihrer Arbeitszeit besonders scharf be- tont und dem Vorstand der Auftrag erteilt, hierfür mit aller Kraft zu wirken. Auch nahm der Kongreß eine Resolution an, in der die gesetzgebende» Körperschaften aufgefordert werden, die Wohnungsinspektion auf die Küchen, die anderen Arbeitsräumc sowie auf die Schlafräume der Dienstboten auszudehnen, weil in dieser Hinsicht oft Zustände herrschen, welche die Gesundheit schwer gefährden. Zum Wahlfonds gingen in unserer Expedition Lindenstr. 69 folgende Beiträge ein: M. Sch. 5,—. Von drei Roten d. 20. Revierinspektion d. städt. Gaswerke 6,50. Ein Bankbeamter 20.—. Plätterei Wilhclmstr. 4,—. Bnchdruckerei Beruh. Paul. 6. Rate 7.20. Personal d. Buchdrnckerei H. S. Herrmann, 5. Rate 111,30. Rochmann, Dasiford 4,—. Ein minderjähr. Mitgl., z. Z. Heilst. B.(Nixdorf) 1,—. Skat- u. Lotterieklub„Eichborn",' Reinickendorf-West 4,—. lieber den See gefahren, Weißkollm 3,—. Sozialistenklub„Vorwärts", Kristiania 20.—. Rotalionshnlfsarb. d. Verl.„Morgenpost" 23,70. Taubstumme 1,—. Bon ei»em Berliner in Italien(Caiania) 4,—. C. D. Guhran 3,—. Arcarius 2,—. Berger, Collani u. Co. 6,—. Zentralverb. d. Maurer, Zweigv. Schönwalde(Mark) 20,—. K. K. Berlin 20,05. Nadson 10,—. Durch Weber, ersparte Uhrreparaturen 20,05. E. A. 3,—. Von den Pfeifenbriidern im Rauchklub„Immergrün" 3,50. Putzerkolonne Franke, Bau Häubner, Charlottenburg, Bismarckstraße 9,—. Fr., Barbarossastraße 3,—. Mikonitfabrik, A. E-G., Schlegelstraße, durch Scharf 33,40. Zum Gedenktage v. H. K. Veltheim 3,—. Rauchklub „Vergißmeinnicht" durch Herrmann 10,—. Verband der Zimmerer Deutschlands, Zahlstelle Trebbin 20,—. Kernmacher der Firma Hugo Härtung 10,—. Lottericklub„Bellevue", Wiclefstr. 11 3,—, Personal der Buchdruckerei Sittenfeld, 4. Rate 107,80. Summa 506,55 M. Bereits quittiert 18 374,81 M. Summa 18 881,36 M. Weitere Beiträge werden in unserer Expedition entgegen- genommen. Verlammlungen. Der Zentralverband der Zimmerer(Zahlstelle Berlin) hielt am Sonntag im Gewerkschaftshause seine regelmäßige Delegierten- Versammlung ab. Es erfolgte die Vorlage und Besprechung des Geschäftsberichts für da« Jahr 1906. Demnach ist die Mitgliederzahl von 4563 auf 4646 gestiegen. Die Gesamteinnahmen beliefen sich auf 156 011,14 M. und die Ausgaben auf 142 472,75 M. In der Lokalkasse verblieb ein Bestand von 114 173,75 M. Be- zirkSversammlungen wurden 324 ahgehalten. Durch den Arbeits- Nachweis erhielten 1364 BerbandSmitglieder Beschäftigung nachgewiesen. Die Zahl der Differenzfälle, die durch den Vorstand geregelt wurden, betrug 230. Sie betrafen zur Hauptsache die Nichunnehaltung der vertragsmäßigen Arbeitszeit, Verstöße betreffs der Ueberstunden- und Sonntagöarbeit, Maßregelungen, Lohndifferenzen, unwürdige Be- Handlung und Beschwerden wegen unvorschriftsmäßiger Baubuden und Aborte. Trotz der verhältnismäßig guten Baukonjunktur war die zeitweilige Arbeitslosigkeit im Gewerbe doch eine größere wie im Borjahre. Bei der Erläuterung des Berichts ermahnte der Vor- sitzende Witt in Anbetracht der bevorstehenden Lohnbewegung be- sonders zum Zusammenhalt der Kräfte, um allen Eventualitäten ruhig entgegensehen zu können. Nach reger Aussprache wurde die Tätigkeit des Vorstandes gutgeheißen. Die sodann vorgenommenen Vorstandswahlen hatten folgendes Ergebnis: 1. Vorfitzender Witt, 2. Vorfitzender Licht, 1. Kassierer W e l l s o w, 2. Kassierer Fritz Schulze, 1. Schriftführer Heinrich« ch u l tz, 2. Schriftführer K u b e, Revisoren G o l z e. Klein und S i e g m a n n, Kontrolleure M u ch a und D ö r i ch t. Der zweite Vorsitzende fungiert von jetzt ab ebenfalls als besoldeter Beamter. Wegen vorgerückter Zeit wurden die übrigen Punkte der Tagesordnung vertagt. Die Dachdecker nahmen in ihrer letzten Mitgliederversammlung zunächst-den Kassenbericht vom letzten Quartal 1906 entgegen Derselbe ergab eine Einnahme von 8984,12 M., eine Ausgabe von 6271,08 M.. mithin einen Bestand von 2713.04 M. Der Berliner Streikfond hatte inkl. des Bestandes vom 1. Januar 1906— 17 091,85 M.— eine Einnahme von 22 324,30 M., der eine Ausgabe von 1959.75 M. gegenüberstand. DaS Gcsamtvermögen betrug dem- nach am 1. Januar 1907: 20 364,55 M. Von den Ausgaben entfielen auf Streik- und Gemahregelten-Unterstützung 1887,30 M. Vom Vorstandsbericht wurde Abstand genommen, da ein gedruckter Geschäftsbericht für 1906 herausgegeben wird; es wurde deshalb sofort zur Vorstandswahl geschritten. Dieselbe ergab die Wahl von Görnitz als ersten, Rosenbaum als zweiten Vorsitzenden, Hennig als ersten, Stolzenhain als zweiten Kassierer, H. M e h r l e i n als Schriftführer, D r e w s und T e u b e r t als Beisitzer. Zu Rebisoren wurden Friebek, O. Mehrlein und S t a n i tz gewählt. Hierauf erfolgte die Wahl der Kandidaten für die Veisitzer zum Jnnungsschiedsgcricht. Sie fiel auf W. Schmidt und Althaus; als Stellvertreter wurden gewählt: Kühn und Krllws. Eine längere Dqbattf xjxj L1N Antrag herbar, j-j der borigen Versammlung gefaßten Beschluß bezüglich der ein- m a l i g e n Arbeitsausgabe auf dem Arbeitsnachweis wieder auf- zuHeben. Der Antrag wurde damit begründet, daß Arbeitgeber, welche auf Verlangen des Abends keine Arbeitskräfte für den nächsten Morgen vermittelt bekommen, sich an den paritätischen Nachweis in der Gormannstratze gewandt hätten. Dadurch seien die arbeitslosen Vcrbandsmitglieder benachteiligt worden. Der Antrag wurde angenommen, so daß jetzt wieder eine zweimalige Arbcitsausgabe stattfindet. Veschlossen wurde ferner, die Zahl- stelle von O. Petri, Zwinglistraßc, zu verlegen, da dort des öfteren Arbeit vermittelt worden ist unter Umgehung des Nachweises. Zum Schluß wies Görnitz auf den Zusammenschluß der Dach- deckermeister im Arbeitgeberverband hin und ermahnte die Kollegen, für den Ausbau und die Stärkung der Organisation rege zu agitieren, um bei einem eventuellen schweren Lohnkampfe im Früh- jähr gerüstet zu sein. Vermischtes. Feuer an Bord. An Bord des Reichspostdampfers„Sehdlitz", aus Ostafien heimkommend, brach, wie aus Bremen gemeldet wird, am Freitagvormittag zwischen Fenang und Kolombo im Vorderschiffe Feuer aus. Da dasselbe weitere Ausdehnung anzunehmen schien, wurden die Passagiere und die Post von dem englischen Kreuzer „Diadem" auf 5,56 Grad Nord und 86,34 Oft übernommen und in Colombo gelandet. Der Dampfer„Scydlitz", welcher von dem Kreuzer„Diadem" begleitet wurde, ist inzwischen in Point de Galle, etwa 60 Seemeilen südlich von Colombo, eingetroffen. Zur Assistenz des Dampfers ist der mit schweren Pumpen versehene Dampfer„Samson" von Colombo nach Point de Galle abgegangen, so daß man hoffen darf, des Feuers schnell Herr zu werden. Passa- giere und Post werden mit dem Nordeutschen Lloyddampfer „Barbarossa", der auf der Heimreise von Australien am Sonnabend in Colombo eingetroffen ist, weiterbcfördert.— Die Londoner Admiralität hat gestern nachmittag ein Telegramm vom englischen Kreuzer„Diadem" aus Colombo erhalten, das besagt,„Diadem" sei dem brennenden Dampfer„Seydlitz" vom Norddeutschen Lloyd unter 5,56 Grad nördlicher Breite und 86,34 Grad östlicher Länge begegnet.„Diadem" nahm 105 Passagiere sowie die Postsachen des „Seydlitz" an Bord und begleitete letzteren bis Point de Galle auf Ceylon. Der vordere Teil des Schiffes ist ausgebrannt. Sämtliche Passagiere und die Postsachen sind gerettet. Dammbruch. Die„Oder-Zeitung" meldet: Bei Schicdlo ist durch Hochwasser der Damm auf eine Strecke von 100 Meter durch- krochen. Das Wasser ergoß sich in das Dorf Schicdlo. Vcrkehrseiustcllung. Die Eiscnbahndirektion Breslau meldet: Der Frachtverkehr auf den Nordbahnstrccken(einschließlich Prcrau— Krakau), ferner auf den Strecken Trzebinia— Szezakowa— Mhssowitz und Szczakowa— Granica ist bis auf weiteres eingestellt, ausgenommen lebende Tiere, frisches Fleisch und sonstige Lebensmittel, Tabak, Kohlen, Briketts und Brennholz. Heftiger Sturm herrscht, wie aus Paris gemeldet wird, in der Provinz. In Avignon und Perpignan hat der Sturm viele Häuser abgedeckt. Der Schaden ist bedeutend. Erdbeben in Schweden. Gestern früh 6 llhr ivurde im West- teile der Provinz Jemtland ein ziemlich heftiges Erdbeben verspürt, das dreiviertel Minuten dauerte. Beim Eislonf ertrunken. In Lccds(England) sind beim Eislauf zwei Schüler ertrunken. In Hendon stürzten 10 Personen beim. Eislauf ins Wasser; acht konnten gerettet werden, zwei er- tranken. Schlagende Wetter fanden nach einer Meldung aus L c n s in Grube 2 der Zeche von Lievin statt; mehrere Bergleute sollen gc- tötet sein. Einzelheiten fehlen noch. Hundert Personen ertrunken. Aus Hongkong wird gc- meldet: Bei einem außerordentlich heftigen Regensturm sind über 50 Chinesenboote vollgeschlagen und gesunken; der ganze Hafen ist mit Bootstrümmern bedeckt. Mau schätzt die Zahl der lim- gekommenen auf über hundert; Europäer werden nicht vermißt. Singegangene Druck lelmften. Plutns..Heft 4. Kritische Wochenschrift für Volkswirtschaft und Finanz- lvefcn(Herausgeber: Georg Bernhard.) Abonnements einschließlich der PlutnS-Älcrklafcl vierteljährlich per Post und Buchhandel 3,50 M., direkt vom Verlag 4 M. Verlag: Berlfn-Charlottenburg, Goeiheflr. 09. Der Ärbeitönachniets,(Oesterreich). Herausgeber Dr. E. Mischlcr und Dr. N. v. Fürcr. Jährlich 5-0 Hefte. Preis pro Heft 1.20 Krone». Verlag: O. Goilmann, Troppnu. März. Halbmonatsschrift für beuffche Kultur. 2. Heft(Januar). Herausgeber: L. Thoma, H. Hesse, 31. Langen und K. 3lram. Quart. 6 M., Einzelheft 1,20. Verlag: Ä. Langen, München. Berliner Marktpretsc. Slus dem arnllichen Bericht der städlifchcn Martlballcn-Direklion.(Großhandel.) Rindfleisch Irr 09—74 pr. 100 Pfd., IIa 03 08, llla 57-02, IVa 49-55, dän. Bullen 60-63, Holl. 0,00. Kalbfleilch, Doppelländer 110—125, la 82—90, IIa 72—80, lila 54—68, Holl. 50—58, dän. 60—08. Hammelfleisch la 66—74, IIa 50—04. Schweinefleifch 54—62. Rehwild, plomb. per Pfd. 0,00— 0,00, la 0,00—0,00. Rotwild la 0,45-0,50, IIa 0,00-0,00, do. Kälber 0,60-0,70. Damwild 0,45—0,55, du. Kälber 0,60-0,70. Wildschweine 0,00-0,00. Frischlinge 0,00—0,00. Hafen per stück 2,50—3,00, do. klein und IIa 0,00—0,00. Kaninchen per Stück 0,80—1,07. Wildeiiteu per Stück 0,00. Hühner, alte per Stück 1.00—2,30, do. IIa 1,30—1,50, do. junge per Stück 1,20—1,75. Tauben per Stück 0,00—0,97, junge lleine 0,00—0,00. italienische 1.00. Enten per Stück 1.80— 2,85. Hamburger junge per Stück 3,30 bis 3,50. Gänse, Oderbr., per Pfd. 0,50-0,00, do. Hamburger pr. Pfd. 0,00 bi-Z 1,15, Eis- 0,70—0,60. Hechte per 100 Pfd. 75—80, groß 0,00. Zander, groß 0,00, matt 0,00. Sckieie, groß 0,00, unfort. 0,00. Bleie, groß 0,00. Aale, groß 0,00, mittel 0,00, klein und mittel 0,00. Plöhen, lidtr 0,00, groß 0,00, do. 0,00. Karpfen. 30-35ev 0,00, do. 80-100« 63-68; Bunte Fische 0,00. Barse, matt 0,00, do. 0,00. Karaufchcn 0,00. Wels 0,00. Quappen 0,00. Blcififche 0,00. Amcrikanijchcr Lachs la „euer per 100 Pfd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila nencr 75. Seelachs 20—25. Sprotten, Kieler, Wall 0,75—1.25, Danziger, Wall 0,50— 0,60. Flundern, Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel ver Kiste 2-3. Hamb. Stiege 4-5, halbe Kiste 1,50—2. Bücklinge, per.Wall Kiel« 8,50—5,00, Stralsund« 6,00. 3lale, groß per Pfd. 1,10—1.30, mittelgroß 0,80—1,00, flciii 0,50—0,60. Heringe per Schock 4—5. Schellfische Kifie 3-»-4,00, do. '/. Stifte 2,00. Kabliau, p. 100 Pfd. 20—25. Heilbutt 0,00. Sardellen. 1902« per Anker 93, 1904« 93, 1905« 90, 1906« 73—75. echotlifche Pvllheringe 1905 0,00, largo 40—44, füll. 36—38, med. 35—42, deuljche 87—44. Heringe, neue Matjes, per'/, To. 60—120. Sardinen, russ.. Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen. Schockfaß 11, kleine 5—6, Riefen- 14. Eier, Land-, per Schock 4,75—5,25. Butt« per 100 Pfd. la 114— 120, IIa 110—115, lila 108—112, abfallende 90—100. Sanve Gmfcn Schock 3,50—4,00, Pfeffergurken 3,50—4,00. Kartoffeln per 100 Pfd. 0,00, magnum Konrun 2,10—2,25, Daberfchc 2,10— 2,25, Rosen 0,00, weiße 1,75—2,00,«-alatkarloffel» 5,00—0,00. Spinat per 100 Pfund 15-18. Karotten per 100 Pfund 10-12. Sellerie, diesige, per Schock 2,00—5,00, do. pommerfche 5,00—0,00. Zwiebeln gdoße, per 100 Pfd. 2,50—4,00. do. lleine 2,50—3,00. do. hiesige(Perl-) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 2,00. Kohlrabi per Schock 0,00. Rettig, bahr., per Schock 2,40—4,80. Mohrrüben per 100 Pfund 3,00—3.50. Teltow« Rübe» per 100 Pfd. 7—10. Weiße Rüben, große 2—2,50, tldnciO— 8. Rote Rüben 2,00— 2,50. Blumenkohl ital. p.Kopf 0,18— 0,:Mj Kohwüben per Schock 2—2,50. Wirsingkohl ver Schock 3,00— 6,00. DiorfonI per Schock 3,00-8,00. Weißkohl 100 Pfd. 2,00-2.50. Rosenkohl p. 100 Pfd.. 20—25. Grünkohl per 100 Pfd. 3—5. Schnittlauch 12 Töpfe 4—4,50. Birnen, per 100 Pfd. hiesige 0,00, Böhm. 8—20, ital. 0,00. Aepfel, per 100 Pfd., hiesige 5—22, Gravenstein« 0,00. Tiroler in Fässern 0,00, Kiste 32—60, Amerik. 11—30. Zitronen, Mefsina, 300 Stück 8,00—10,00, 300 Stück 8,00—9,00, 200 Stück 9—13. Ilpfelfincn, Jaffa, per Stifte 0,00, Murcia 200« Kiste 7—10, do. 300« 8—11, Valencia 420« Kiste 13—18,00, do. 714er 13—20, Meffiua, Blut- 100« 10, do. 150er 10,50, do. 80er V/jO, PMahavinm, Me 0�1,40, do in Wrdm M.>00 Psd. Är-llö. �Hd�aften der Redafttioit. Di« jurisiischc Tprcchstiinde findet Fried richstr. Iß, eppe(&ani eine Tr.5p-(Handelös.iit.e B.ll-ttllia»-.."T..rchg°.,g auch«indenstr.»«l)! wocheutäglich von?>/, bis»'/i Ulir abends statt. Geöffnet? Uhr. Eonnabeuds beginnt die Sprechstunde NM. tWnUucr. Theater.) Die Räuber. Schiller-Theatcr Cftarlottcuburg. Minna von Barnhelm. Schiller lV.(Friedrich städtisches Theater). milientag. Komische Oper. Tosca. Neues SchanspiclhauS. Hochzeit. Kleines. Eine triviale Komödie. Neues. Die Condottieri. Residenz. Florelte und Patapon. 8» st lp i e I h a u s. Husarenfieder. Zentral. Künstlerblut. Deutsch> Amerikanisches. Der Sorgenbrecher. Thalia. Eine tustige Doppelehe. 8llls«N. Wilhelm Tell. Bernhard Rose. Kcan. Trtanou. Frl. Joselte— meine Frau. ?.'teiro>>ol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Herrnfeld. Ein verrücktes Hotel. Wintergarten. Saharet. Spezia- litäten. Apollo. Die schöne Vcstalin. Epe- zialitäten. Kasino. Lcdige Leute. Spezialität. FoliesCaprice. Das Modell. Se- renissimus August XX VI. Passage. Berlin paß' aus I Spe> zialiiätcii. Figaro. Eine gute Partie. Die Klaue. Chicagocr Landwirt. Unterin Bett. (Ansang 8-/, Uhr.) Prater-Theater. Wilhelm Tell. Walhalla. Spezialitäten. Karl Haverlaiib. Spezialitüten. ReichShallen. Stettiner Sänger. ttranin. Taiibriiitrafse 48/40. Abends 8 Uhr: Die Feucrgewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr: Dr. B. Donath: Mechanik und Wellcnlehre. 8 Uhr: Dr. Thesing: Theorien der Vererbung. Ster»»varte. Jvvalideiistr. 57/62. Uresnisi Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: Die Feuerpalten der Erde. Hörsaal 8 ühr: Dr. B. Donath: Mechanik und Wellenlehre. 8 Uhr Dr. Thesing; Theorien der Vererbung._ Ferdinand Uonns Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Sbcrlock fjolmes Mittwoch: Der Hund von BaSkcrville. Miel lies Westens Station Zoolog. Garten, Kantstr. 12. Durchschlagender Operetten- Ersolg i WM- Allabendlich VI, Uhr: Gastspiel Fritz Werner Coulm ßobby» Neues Sciiauspieihaus Dienstag, de» 29. Januar 1907: Herthas Hochzeit. Mittwoch: Herthas Hochzeit. Anfang 8 Uhr Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Bie Condottieri. Morgen und folgende Tage: Die Condottieri. Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr. Früalelti Josette- raeioe Frau. Sonntag nachm.: Wo ist d«r Papa? und Die Schlofikellerei Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Eine triviale Komödie für seriöse Leute.(Bnnbnry.) Mittwoch: Eine triviale Komödie sür seriöse Leute.(Bnnburh.) Komische Oper. 8 Uhr: TOSCa. Mittwoch: Carmen. Donnerstag: ToSca. Freitag: HoffmannS Erzählungen. Sonnabend: Tosca. üntomg-Tbestei'' Bellealliancestr. 7/8. Abends 8 Uhr: l>er Mikado. Abonnements güllig. Mittwoch zuni 25. Male: Zar und Zimmermann. Hch III er-Tlieater. Schiller-Theater 0.(Walliier-Thealer) Dienstag, abends 3 Uhr: VI« Biinber. Mittwoch, abend? 8 Uhr: vor Knliscr.jiisci?. Donnerstag abends 8Uhr: Oer» Kalserjögei�_ Schiller-Theater Charlotfenburg, Bismarckstraße, Ecke der Grolmanstr. Dienstag, abends 8 Uhr: stllnni» von Barnhclm. Mittwoch, abends 8 Uhr: jagend. Donnerstag, adendS8Uhr: Flesko. Konzert-Direktion ra"7 o««F.«a 1 Am Nollendorf- Jules Sachs. iTlUiiariSÖ Außerdem:» Die glänzenden neuen Spezialitäten für Januar. Prater-Theater Kastanien- Allee 7—9. WendS 8 Uhr: Wilkvlm Tell. Schausp. in 5 Akten von Fr. v. Schiller. Morgen: Des M der Sabinerinnen. Miels Merlei-Mr. »Schönhauser Allee 148. Castspiei Bernliaril Rose-Theater. S'ohnm uud Gomorrha. Schwank in 4 Akten v. I. v. Schönlhan. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. DM- BiNcttvorverkanf:"Mg Krüger& Oberbeck, Kastanienallee 1. Kond. Handwerker, achönh. Allee 153. Kasino-Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Ledige Leute. Komödie in 3 Akten v. Felix Dörmnnn. Vorher das bunte Januarprogramm. Bella, Schwank in 1 Akt v.M. Krämer. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Sanssouei, SSÄ Direktion Wilhelm Reimer. Heute: Dheater-Abeud. Zum ersten Male: Sensat.-Schausp. in 5 Akten n. d. Französischen. Jeden Sonntag, Montag u. Donnerst.: Hordd. Sänger. Sonnt.Beg.5,z ReicIisiiallen-TbealeF. Ansang Wochentag» S.SonntagS 7 Uhr. Reichshallan-Restauranl Bockbier-Fest. e olossenm DreSdencrstraße 97. Spezialitäten■ Theater. Im Konzertsaal: Großer Bockblei'-Zubel. „All-Deutschland im Bock." Nasionale Dekoration! Ueberraschungen aller Art. - ZI«i»1t.pI»t..— Täglich: Konzort der Ober- bahcm. Gust. Gottschalk Kapelle und Dachauer Bauern» Musikant. Neullt Der Posaunenengel mit seinen Wundcrdrcssnren. loek- Fest lier- Gustav Behrens Tüeater, Berlin O., Frankfurter Allee 85. Daö einzig dastehrndc Elite-Januar-Programm. Ä4 Nummern. Anfang V), Uhr. Sonntags 4'f. Uhr Otto Prilzkow, Mllnzstr. 16, tfeK-AusstellQngs- Biograph-tst. l.°uis> Theater lebender Photographien. Aul Wunsch Vorführung in Vereinen jederzeit. Vorbindung mit größter Films- Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. ♦ Den ganzen Tag Vorstellung. ♦ Arbeiter! Parteigenossen! Abonniert selbst und werbet neue Abonnenten sür die im Parteiverlage erscheineittie illustrierte Romanzeitnng „Zu freien Stunden" Jede Woche 1 Heft. Preis pr. Heft 10 Pf. Zu beziehen durch alle Buchhand. lungen und Kolporienre sowie durch die Post. verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Vür de« Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Muchdruckerei u. Bertagsanstalt Paul Singer Sc Co., Berlin SW, Nr. 24. 24. Jahrgang. 2. Sdlnjt des.lotiüirts" Kcrlim DslksdlM Dienstag, 29. Jannar 1997. Partei- Hngelcgenbeiten* Lweiter Wahlkreis. Die Bezirksfiihrer und alle Parteigenossen, lvelche gewillt sind, zu der stattfindenden Stichwahl in der Provinz tätig zu sein(nur Wahlberechtigte), werden ersucht, am Mittwoch, den 30. Januar, abends 8% Uhr, in die Versammlung bei Habels Aergmannstr. S/7, zu erscheinen. Ter Vorstand. Schmargendorf. Am Dienstag, den 29. Januar, abends 8% Uhr, findet im Restaurant„Sanssouci", Ruhlaerstr. 20/21, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tages- ordnung steht: 1. Bericht des Vorstandes, des Kassierers und der Revisoren. 2. Neuwahl des gesamten Vorstandes sowie der Funktionäre. 3. Diskussion. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. S. Verschiedenes.— Die Wichtigkeit der Tagesordnung macht das Erscheinen sämtlicher Genossen erforderlich. Der Vorstand. Erkner. Die Genossen werden dringend ersucht, zu dem am 30. Januar 1907 stattfindenden Zahlabend zu erscheinen. Laut Beschlutz unserer Generalversammlung ist das Lokal Klucke, Flakenstrahe, für die Genossen, welche nördlich der Bahn, und das Lokal Degebrsdt für die, welche südlich der Bahn wohnen, be- stimmt. Gleichzeitig sei darauf aufmerksam gemacht, datz die Wahl- sammcllisten in der Zeit vom 30. Januar bis 3. Februar 1907 in der Wohnung des Vorstandes eingezogen werden. Pankow. Heute, Dienstagabend 8V2 Uhr. findet im„Gesell- schaftshause", Kreuzstr. 3/4, die Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Räber über:„WaL lehrt uns der 2S. Januar?" Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Das Sammeln auf den Sammellisten für die Reichstagswahlen ist fortzusetzen. Die Listen werden nach Beendigung der Stichwahlen eingezogen. Der Vorstand. Borsigwalbe-Wittenau. Die W ä h l e r l i st e zu der im Früh. jähr stattfindenden Gemeindewahl liegt in Borsigwalde im Lokal von Reuter zur Einsichtnahme für jedermann aus. In Wittenau liegt die Liste im Gemeindebureau während der Dienststundcn bis zum 30. Januar auS. Es ist Pflicht jedes Wahlberechtigten, sich zu überzeugen, ob er darin verzeichnet steht, sonst geht er seines Wahlrechtes verlustig. Der Vorstand des WahlvereinS. Tegel. Die Zyklusvorträge in Nationalökonomie von Julian Borchardt beginnen Mittwoch, den 30. Januar, abends 8% Uhr. Um zahlreiches Erscheinen der Genossen ersucht Der Vorstand. Spandau. Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, abends 8 Uhr, finden drei Volksversammlungen statt. Am Dienstag bei Kumke, Schönwaldcrstr. 80. referiert AdolfHoffmann- Berkin. Am Mittwoch bei Borchardt, Seeburgstr. 26, spricht Schriftsteller Ledebour-Berlin. Am Donnerstag bei Schwabe. Seegcfclder- stratze S4/5S. referiert Frau Luise Z i e tz- Hamburg. Partei« genossen, sorgt für guten Besuch. ßerliner JVacbnchtm Der mißverstandene„Befreiungsschrei des BllrgertumS". Ueber die Schneidigkeit, mit der die Berliner Polizei in der Wahlnacht vorging, als sie die Demonstration siegestrunkener Hurrapatrioten zu unterdrücken sich bemühte, kann die bürgerliche Presse sich immer noch nicht beruhigen. Als ein„Mitzgriff" erscheint das Verhalten der Polizei den bürgerlichen Blättern nur deshalb, ivcil der polizeiliche Uebereifer sich jetzt gegen„Patrioten" richtete. Wären es die„v a t e r l a n d s l 0 s e n Gesellen" ge wcscn, die etwa versucht hätten, durch eine Stratzendemonstration ihrer Stimmung Ausdruck zu geben, so hätte die gesamte bürgerliche Presse von der„Post" bis zur„Volkszeitung" sicherlich kein Wort des Tadels darüber gehabt, datz die Polizei sofort kräftig zugrisf. W i r machen in der Beurteilung polizeUicher Schneidigkeit keinen Unterschied, ob sie gegen Sozialdemokraten oder gegen Hurrapatrioten aufschäumt. Datz die Polizeifaust diesmal, wie in der bürgerlichen Presse zu lesen ist, den Hurrapatrioten in den Nacken gefahren sein soll, das tadeln wir ebenso, wie wenn ein Streikposten sie zu fühlen gekriegt hätte. Es kann auch durch alle offiziösen und offiziellen Erklärungen der„Norddeutschen All- gemeinen Zeitung" und des Berliner Polizeipräsidenten selber das nicht weggercdet werden, datz die Polizei hier wieder mal gegen Leute vorgegangen ist, die keinen Menschen g e st L r t hätten. Gestört hätten sie nicht mal uns Sozialdemokraten, die wir übrigens gar kein Verlangen danach haben, durch die Polizei gegen Hurraschreier geschützt zu werden. Aber das wollen wir hier konstatieren: das Bürgertum hat von der Polizei in der Wahl. nacht das geerntet, was es zu anderen Zeiten gegen die Arbeiterklasse gesät hat. Wer zu allen Uebergrl,fen, die die Polizei gegen Arbeiter sich erlaubt, stille schweigt oder gar Beifall spendet, der darf sich nicht wundern, wenn daLMachtbewutzt- sein der Polizei auch mal ihm selber unbequem wird. Nebenbei bemerkt: Diese Einsicht dürfte schon in der Wahl» nacht manchem der Mitschrcier gekommen sein. Ein Augen, und Ohrenzeugc berichtet uns über die Stotzseufzer eines Demon- stranten, der sich von der Polizeifaust unsanft aus allen Bc- geisterungShimmeln gestürzt fühlte.„Ich glaube," so sagte dieser Demonstrant zu einem seiner Leidensgefährten,„wir haben heute doch nicht richtig gewählt". Wie die Demonstration zustande kam und wer an ihr beteiligt war. darüber finden wir in der Presse ein paar sehr interessante Mitteilungen. Der eigentliche Urheber ist Herr August Scherl gewesen. Vor seiner Zeitungsfabrik in der Zimmerstratze lietz er die Wahlergebnisse durch grotze Transparente bekannt geben, und es gelang ihm, hierdurch eine große Menschen- menge anzulocken. Gegen die Wahlsiege der Sozialdemokratie in Grotz-Bcrlin protestierte diese Menge mitPfeifcn und Johlen; unsere Wahlniederlagen in den Provinzen wurden von ihr mit Triumph- geheul begrüßt. Schließlich zogen Hunderte von hier nach dem RcichSkanzlerpalaiS, andere Hundert« wollten nach dem Königs- schloß marschieren— und die Sache nahm dann die Wendung, die wir bereits in unserer SonntagSnummcr geschildert haben. Der „Lokal-Anzeiger" selber äußert sich über die Einzelheiten all dieser Vorgänge mit einer gewissen Zurückhaltung, die auffallen mutz. DaS Blatt pflegt doch sonst alles auszuschlachten, was als Reklame für Scherl wirken kann. Mit desto größerem Eifer betreiben dies- mal die Scherlfchen Tintenkulis das Geschäft, nach einer anderen Richtung hin Reklame zu machen. Von dem nächtlichen Treiben vor Herrn Scherls Zeitungsfabrik wird in der Sonntagsnummer des „Lokal-Anzeiger" keck behauptet, datz in diesem Rummel„sich die Freude des grötzten Teiles der Berliner Bevölke» rung über den bisherigen Ausgang der Wahlen geäutzert" habe. Die Scherlmänner scheinen zur' Berliner Bevölkerung nur die- jenigen zu zählen, die in der Wahlnacht vor das Haus des„Lokal- Anzeiger" gelaufen sind. Daß am Wahltage die Mehrheit gllcr Wahlberechtigten Berlins in geheimer Wahl sich für d i e � Sozialdemokratie ausgesprochen hat, das stört die Scherlmänner nicht. Eine genauere und sehr anschauliche Schilderung der Freuden- ausbrüche dieser„Patrioten" findet sich in der„Freisinnigen Zeitung". Da wird in erzählender Form berichtet:„Fritz Schulze steckte die beiden Zeigefinger in den Mund und im nächsten „Momang" gellte ein Pfiff, ohrenzerreitzend und vielfaches Echo weckend. Der Pfiff galt den Worten, die der Scheinwerfer auf die große weiße Leinwand dort oben projizierte: Kreis Niederbarnim. Stadthagen gewählt." In dieser Art ungefähr ist die ganze Schilderung gehalten. Wir lesen da z. B.:„NingS um ihn folgte ein zorniger Chor seinem Beispiel und hundert Mänler spitzten sich"... ES kommen dann auS der Provinz Nachrichten sozial- demokratischer Niederlagen und„tausendfacher Jubel erdröhnt". „Bald ging Fritz Schulze die Puste aus und sein Gebrüll wurde immer unqualifizierbarer." Weiter unten wird das alles ein „Befreiungsschrei des Bürgertums" genannt. Und schließlich wird der Demonstrationszug(die Redaktion der„Frei- sinnigen Zeitung" liegt in der Zimmerstraße auf dem Wege von Scherl zu Bülow) folgendermaßen geschildert:„Von der Stratze herauf klingt Gesang: Die Wacht am Rhein! Aus tausend Kehlen tönt es; es ist die liberale Jugend, die zum RcichSkanzlerpalaiS zieht, um trotz des Uebereifers der Polizei, die überall dort heute ihren Schneid betätigt, wo sie höchst überflüssig ist, ihrer Freude an dem Facit des TageS Ausdruck zu verleihen." Datz eS die liberale Jugend war, die erst in der Zimmerstratze bei Scherl gegen die Sozialdemokratie pfiff und johlte und dann in der Wilhelm- stratze und an der Schlotzbrücke vor dem Reichskanzler, und dem Kronprinzen Hurra schrie, das müssen wir dem Blatt glauben; denn die„Freisinnige Zeitung" kann's wissen. Dieser„Befreiungs- schrei des Bürgertums", den die blind dazwischenfahrende Polizei so falsch verirand, ist ein ungemein lehrreicher Beitrag zur Psychologie des neudeutschen Liberalismus. Nachklänge zur Berliner ReichStagSwahl. Der Sieg der Sozialdemokratie im zweiten Kreise soll nur dadurch möglich geworden sein, daß„sämtliche" konser- vative Stimmen für ungültig erklärt werden mußten, weil die Konservativen versehentlich auf ihren Stimmzetteln den Namen ihres Kandidaten falsch angegeben(Reinhard statt Reinhardt) und auch keine Wohnung genannt hatten. So lesen wir im „Berliner Tageblatt", und es wird da behauptet, unser Genosse Fischer wäre sonst einer Stichwahl nicht entgangen. In derselben Nummer des„Berliner Tageblatt" wird aber an anderer Stelle gemeldet, Reinhardt habe 4689 Stimmen erhalten. Da können also wohl nicht„sämtliche" konservative Stimmen für ungültig erklärt worden sein. Das Eine ist allerdings richtig, daß Neinhardts Zettel nicht erkennen ließen, welcher der vielen„Arbeiter Wilhelm Reinhard" in ganz Deutschland(denn auch der Wohnort war nicht genannt) gemeint sein könne. Bei Fest- stellung der Wahlergebnisse ist sofort Ungültigkeitserklärung gefordert worden, doch wissen wir im Augenblick nicht, für wie viele Fälle der Einspruch berücksichtigt worden ist. Die„Voss. Ztg." teilt mit, im zweiten Kreis seien 736 Stimmen für ungültig erklärt worden. Will man diese sämtlich gelten lassen, so hat Fischer immer noch die Mehrheit. Der Sieg, den die Genossen des zweiten Kreises durch emsige Agitation— und mit der von den Genossen anderer Kreise geieisteten treuen Hülfe— errungen haben, wird durch das Mosseblatt nicht weggeredet werden können. » Bon einem lleberfall auf einen Flugblatwerbreitcr unserer Partei in Britz hatten wir dieser Tage berichtet. AuS Aulatz dieses Falles sei in Erinnerung gebracht, datz bei der Flugblattverbreitung ein Haus nicht von unten nach oben belegt werden soll, sondern daß inan zunächst bis zur ober st en Etage hinaufgeht und dann die Flugblätter im Hinab st eigen abgibt. Wenn diese einfache, übrigens traditionelle Vorsichtsmaßregel beobachtet wird, sind zwar Mißhandlungen nicht ausgeschlossen, aber Fälle wie der erwähnte find unmöglich. » Am Wahltage im Dienste deS Freisinns. Unter der Ueberschrift „SozialdemokratischeKampfeSweise" erzählt die„Frei- sinnige Zeitung", am Wahltage seien von Sozialdemokraten Personen überfallen worden, die im zweiten Wahlkreis Plakate mit dem Namen des Freisinnskandidaten Reick« durch die Straßen trugen. Die Plakate feien ihnen weggenommen und zerrissen worden, auch fei ein Plakatträger schwer mißhandelt worden. Uns ist von solchen Vorkommnissen nichts bekannt. Wohl aber hat man uns mitgeteilt, unter den Plakatträgem des Freisinns und auch ihren Zettel- Verteilern habe sich mancher befunden, der schon bis zum Mittag der Flasche so fleißig zugesprochen hatte, daß ihm das Stehen schwer wurde und er sich seines Plakates bezw. seiner Zettel je eher je lieber zu entledigen suchte. Es kennzeichnet den Liberalis- mnS und die„Begeisterung" seiner Anhänger, daß er für diese Arbeit sich Hülfskräfte mieten mußte, wo und wie sie sich ihm boten. Wir würden uns nicht wundem, wenn die„Freis. Ztg." und das ganze bürgerliche Zeitungsgeschwister noch mehr Nachrichten von„Ueberfällen" auf Plakatträger oder Zettelvertciler brächte. Mit gefälschten Unterschriften hat der Wahlausschuß der Mittel- standSvereinigung und der Konservativer�' im 3. Wahlkreise ge- arbeitet. Der Wahlausschuß halte für den Rechtsanwalt Bredereck ein Flugblatt erlassen, das zahlreiche Unterschristen von kleineren Geschäftsleuten enthielt. In einem Falle, der uns nachträglich mit- geteilt wird, war der Name eines Kaufmannes L. unter das Flug- blatt gesetzt worden, ohne daß der betreffende auch nur die geringste Kenntnis hatte. Weder hatte man das Einverständnis des Kauf- inanns zur Unterzeichnung seines NamenS eingeholt, noch gab man ihm Kenntnis von der Herausgabe eines mit seinem Namen unter- zeichneten Flugblattes. Erst fremde Personen machten den Mann aus das Flugblatt aufmerksam. In seiner Antwort auf die Be- schwerde des betreffenden Kaufmanns an Herrn Bredereck be stätigt dieser, daß der Name„zu Unrecht unter das Flug» blatt gesetzt worden sei', nur trage er keine Schuld. DaS endgültige Ergebnis der Wahl im erste« Berliner ReichStagSwahlkreise ist gestern festgestellt. Danach erhielten: Stadtältestcr I. Kaempf(frs. Vp.) 6067 St., Postassistent Stockmann(k.) 972 St.. Privatdozent Dr. Arons(Soz.) 5042 St.. Schriftsteller Ad. Damaschke(Bodenres.) 780 St.. Redakteur M. Erzberger(Z.) 271 St., Abg. Leon Czarlinski (Pole) 41 St., zersplittert war nur 1 St. Die Stichwahl ist bekanntlich auf den 3. Februar fest- gesetzt._ Der gestrige starke Schneefall und der Verkehr. Zu einer fast völligen Störung deS gesamten Verkehrs in Berlin führte der Schneefall, der gestem morgen gegen 3 Uhr einsetzte und von einer Ergiebigkeit war, wie er seit Jahrzehnten in hiesiger Gegend nicht mehr beobachtet worden ist. Unter der Ein- Wirkung der gewaltigen Schneenmffen stockte fast der gesamte öffentliche Verkehr. Die Straßenbahnen kamen nur mühsam vor- wärts und blieben vielfach in den Schneewehen stecken. Zeitweise war nach einzelnen Richtungen der gesamte Berkehr unterbrochen. Zwei und drei Straßenbahnziige mußten zusammengekoppelt werden, und der- mochten doch nur unter großen Schwierigleiten die gewaltigen Hindernisse zu überwinden. Im Tiergarten und in Pankow blieben mehrere Wagen im Schnee stecken, so daß der Verkehr teils abgelenkt, teils völlig eingestellt werden mußte. Die Verbindung zwischen Charloltenburg und Berlin Ivar so gut wie unterbrochen. Zwar waren Salzwagen auf die Strecke geschickt worden, doch blieben auch diese im Schnee stecken und mußten durch nachfolgende Motorwagen weitergeschoben werden. Die Wirkung des Salzes blieb aber völlig aus, denn wenige Minuten später waren die Gleise ivieder völlig unter dem Schnee verschwunden. Hierzu kam der gewaltige Strom- verbrauch, da die Kraftwagen nur unter Anwendung des höchsten Kontaltes vorwärts zu kommen vermochten. Die Zentrale Ivar infolgedessen derartig überanstrengt, daß die Automaten fortgesetzt aussprangen und alle Augenblicke Stromstörungen herbeigeführt wurden. Aehnlich hatte der Stadtbahnbetrieb unter dem Unwetter zu leiden, da sich die Schneemassen vielfach vor den Lokomotiven fest- setzten und hierdurch die Fahrgeschwindigkeit der Züge herabgemindert wurde. Wiederholentlich mußten die TrainS angehalten werden, damit die Maschinen von den sie umhüllenden Schneemassen besteit werden konnten. Nicht besser erging es dem Automobilverkehr. Auch bei diesen war der Kraftverbrauch ein so enormer, daß die Füllungen nicht ausreichten, Defekte an den Gefährten eintraten und diese m den Straßen liegen blieben. Roll- und Lastwagen blieben in großer Zahl im Schnee stecken, obwohl sie zum größten Teil mit vier Pferden bespannt waren. Zahlreiche Wagen blieben auf den Straßen stehen, weil die Pferde ausgespannt wurden, um anderen Fuhrwerken vorwärts zu helfen. Noch schlimmer gestalteten sich die Verhältnisse auf den nach Berlin führenden Landstraßen, wo die Schneewehen stellenweise über einen halben Meter hoch lagen. Die nach der Reichshauptstadt fahrenden Milch- und Gemüsewagen blieben infolge dessen unterwegs liegen und mußten buchstäblich aus dem Schnee herauSgefchaufelt werden.• Ueber die Verkehrsstörungen am gestrigen Morgen wird uns von der Verwaltung der Großen Berliner Straßenbahn mit- geteilt: Der überaus starke Schneefall, welcher kurz vor 7 Uhr morgens plötzlich einsetzte, brachte eine längere Hemmung des Berliner Ver- kehrS mit sich. Besonders hatte auch die Grotze Berliner Straßenbahn darunter zu leiden. Abgesehen davon, daß die unterwegs befindlichen Wagen die Schneemassen kaum überwinden konnten, die unvermittelt die Gleise bedeckten, wurden die Motorwagen, welche Salz auf die Schienen streuen sollten, an der Fortbewegung gehindert. Haupt- sächlich aber wurde die Lage dadurch verschärft, daß sich das übrige Fuhrwerk auf die Schienen der Straßenbahn flüchtete und dort liegen blieb. Nur wenige einsichtsvolle Fuhrleute hatten Vorspamr vorgesehen. Auch die Autoomnibusse suchten mit ihren breiten Rädern die Schienen aus, quetschten den Schnee in die Rillen und drückten das bereits gestreute Salz fort. So stockte bald alles. Die Verwaltung der Großen Berliner Straßenbahn bot eilig 2200 Mann auf, die teils dem eigenen Personal entnommen waren, teils mit Motor- wagen auS dem Asyl, den Wärmehallen und Arbeitsnachweisen ge- holt wurden, um die Bahn frei zu maiben. Die von 50 Salzstreu- wagen gestreute Salzmenge betrug 1000 Zenwer; nach und nach kam der Verkehr wieder in Fluß. Zwischen 11 und 12 llhr vor- mittags wurde der Fahrplan wieder annähernd eingehalten. Doch mußten die Anhängewagen weggelassen werden, weil sonst die Kraft- quellen versagt hätten. Als vor einigen Jahren anläßlich eines starken Schneefalls die gleiche Kalamität eintrat, wurde die Schuld dem der„Großen" so verhaßten Aklumulatorenbetrieb zugeschoben und dadurch die Ge- nehmigung zu der billigeren Oberleitung erreicht. Heute hat die „Große" nun die Oberleitung und es tritt dieselbe Kalamität ein. Der 27. Januar ist wie in den Borjahren verlaufen. Er brachte die üblichen Absperrungen, die der„Lokal-Anzeiger" wie immer zu den Festveranstaltungen rechnet, neue Ordensverleihungen, Illumination und zahlreiche Festessen. Wie wir in der hurra- patriotischen Presse lesen, soll in diesem Jahre die Illumination schwächer als sonst gewesen sein, dafür haben die Festesien in un- geschwächter Zahl stattgefunden. Das ist schließlich auch die Haupt- lache. Natürlich haben auch die Festessen einen„patriotischen Bei- geschmack", wie ein im Monopol- Hotel veranstaltetes Kaiser Ge- burtstagSeflen beweist. DaS bloß 8 M. kostende Menu war wie folgt zusammengesetzt: Holsteiner Austern, Indische Schwalbennester-Suppe— Rheinische Kraftbrühe Schwarzwaldforellen vom Wolfsbrunnen, blau mit stischer Butter und neuen Kartoffeln Ochsenrücken— Yorkshirerücken garniert auf kaiserI.Art St. Hubertus-Pastcte nach Kronprinz Friedrich Wilhelm Timbai von Lammmilchcr mit grünem Spargel nach Krön- Prinzessin Cäcilie Virginia- Wachtel gefüllt, im Topf gebraten— Metzer Poularde mit gerösteten Bananen— Salat Prinz Eitel Friedrich Artischocken mit holländischer Tunke Frische Edelpilze auf Berliner Art DerKönig in Preußen voran, Preußen in Deutsch- land voran. Deutschland in der Welt voran. „Deutsche Kaiferkrone" Stapellauf der„SchleSwig-Holstein" bei Schaurti Eisbombe«jach Kaiserin Auguste Victoria Käsestangcn Früchte. Das mag nicht leicht gewesen sein, alle diese Gerichte an einem Abend zu vertilgen. Im Schweiße ihres Angesichts mögen die Teilnehmer gegessen haben»für Kaiser und Reich". Arbeiterrisiko. In der Jahnstraße 20, Lampenfabrik von Opitz, ist Somitag nachmittag 4 Uhr der Maschinist Scheibener, wohnhaft 30., Grü- naucrstr. 6, tödlich verunglückt. Derselbe hinterläßt Frau und zwei unmündige Kinder. Sch., der noch nicht einmal vier Wochen im Betriebe tätig ist, war mit Reparaturen am Motor beschäftigt. Beim Inbetriebsetzen desselben ist der Unglückliche mit dem Arm in einen Riemen gekommen, wurde gegen die Decke geschleudert und schlug dann mit dem Kopf aus das eiserne Fundament auf und zwar so unglücklich, datz die Gchirnmasse austrat und Sch. sofort tot war. Anläßlich dieses Unglücks drängt sich die Frage auf: Wie ist es möglich, daß ein Arbeiter Sonntag nachmittag 4 Uhr auf solche Weise umS Leben kommen kann? Hierzu wird uns berichtet: Durch Beftagen von Leuten, welche durchaus betriebskundig, wurde folgendes festgestellt: Der Borgänger deS Verunglückten ist am Silvesterabend ent« lassen worden, weil er die Ueberslunden bezahlt verlangte. ES war ihm für die Ueberstundcn eine WeihnachtSgrattfikatton versprochen worden, die auch in Höhe von ganzen 25 Mark ausgezahlt wurde, obwohl der Arbeiter allein in der Zeit von September bis Weihnachten für 125 Mark Ueb erstunden geleistet hatte. Außer der Sonntagsarbeit im Betriebe hatte aber der Arbeiter auch noch Arbeit auf einer dem Inhaber der Firma, einem Millionär Steck, gehörigen Vergnügungsjacht zu leisten. Die Betriebsanlage<30 HL.-Gasmotor mit SauggaSgeneratoren und Lichtbatterien) befindet sich im Keller. Der Raun, soll so beengt ein, daß nur zu verwundern, daß nicht schon mehr Unglücksfälle >ort vorgelommeu sind. Schutzvorrichtungen sollen gar nicht oder in 'ehr ungenügender Weise vorhanden sein. Die Gewerbeinspektion wird sich jetzt den Betrieb etwas näher ansehen müssen. Aufgelöst wurde am Sonntag abend eine vom Wahlvercin des 4,, Kreises nach dem Litfinschen Lokal einberufene Versammlung. Die Grunde der Auflösung konnte oder wollte der uberwachende Beamte nicht angeben. Die Versammlung war zu S Uhr anberaumt. Als der Einberufer dieselbe kurz vor 7 Uhr eröffnete und gleich darauf auf eine halbe Stunde vertagte, wurde der Beamte ungeduldig; er glaubte dem Einberufer die Instruktionen erteilen zu können, er müsse erst in die Tagesordnung ein- getreten sei», bevor er die Versammlung vertagen könne. Befragt, wo eine solche Bestimmung des Vereins- und VersammlungS- rechts stehe, antwortete der Beamte, das habe er nicht notwendig'zu sagen. Die Versammlung war bereits 5 Minuten vertagt, als sich der überwachende Beamte dazu entschloß, dieselbe aufzulösen. Im nächsten Augenblick erschien auch schon der Revierleutnant im Saal, der sich aber gleich wieder entfernte. Einige Genossen be- schwelten sich bei demselben, wurden aber nicht gerade höflich von ihm angefahren. Er drohte sogar, den Saal räumen zu lassen. An die Versammlung sollte sich ein Tanzvergniigen anschließen. Der Einberufer erklärte, daß der Tanz beginnen könne. Nach Z 6 und Z 1 Absatz 2 des Vereinsgesetzes vom 11. März 1850 ist eine Versammlung aufzulösen, bezüglich deren die Be- scheinignng der erfolgten Anzeige nicht vorgelegt werden kann. Die Bescheinigung hat Ort und Zeit der Bersanmilung anzugeben. Be- ginnt die Versammlung nicht spätestens eine Stunde nach der in der Anzeige angegebenen Zeit, so ist die später beginnende Versammlung als vorschriftsmäßig angezeigt nicht anzusehen. Die Ver- sammlung begann vor Ablauf der angegebenen Zeit. Mithin war die Auflösung dem Gesetz widersprechend. Dies werden hoffentlich im Beschwerdewege, eventuell im Wege des Verwaltungsstreitverfahrens, unsere Genossen der Ueberwachungs- instanz gegenüber behördlich aussprechen lassen. Die Versammlung hatte begonnen, nachdem der Einberufer sie eröffnet hatte. Das Oberverwaltungsgericht oder das Kammergericht ist in einigen Fällen sogar so weit gegangen anzunehmen, der Beginn der Versammlung datiere schon von einer früheren Zeit her, wenn zu dieser die Ver« sammlung �entgegen der polizeilichen Anmeldung) einberufen und dem Ruf gefolgt war. In Ausübung ihres Berufs tödlich verunglückt ist vorgestern abend gegen ll'/a Uhr die Frau des Privatwächters John, Höchste- straße 23, welche im genannten Hause seit zirka 20 Jahren die Hausreinigung inne hat. Frau John, eine sehr fleißige, saubere Frau, war im Seitenflügel mit Treppenscheuern beschäftigt, als die Bewohner ein lautes Gepolter hörten. Hinzueilende Nachbarn fanden die Frau John schwer verletzt und wimmernd auf der Treppe liegen. Ein eiligst herbeigerufener Arzt konstatierte einen Schädel- bruch und ordnete die sofortige Ueberfiihrung in das Krankenhaus am Friedrichshain an, wo die Frau John in der Nacht, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, verstorben ist. Herr John war zur Zeit des Unglücks als Privatwächter in einem Warenhause im Dienste. Neuerungen' bei der Straßenbahn. Die Straßenbahngesell- schast führt die Linie 27, die in Rixdorf und 28, die in West- reinickendorf beginnt, vom 1. Februar an bis zur Knesebeckstraße in Rixdorf. Dafür wird die Linie 55 Danziger Straße— Opernplatz— Rixdorf, die über den Blücherplatz verkehrt, durch die Her- mann- und Chausseestraße bis zum Rathaus in Britz verlängert. Die Spree-Havel-DamPfschiffahrtS-Gesellschaft„Stern" hat im Jahre 1900 insgesamt rund 1 710 500 Personen befördert. Die Zunahme gegen das Vorjahr 1905 beträgt nicht weniger als 175 122 Personen. Die Zunahme ist also eine sehr beträchtliche. Die Betriebseinnahmen beliefen sich 1906 auf 584 736 M. 65 Pf. Die Zahl der Fahrzeuge der Stcrngesellschaft beträgt zur Zeit 50. Da- von sind 44 Schraubcndampfer und 6 Motorboote. In der Hauptverkehrszeit beschäftigt die Gesellschaft etwa 300 Personen in ihrem Betriebe. Der internationale Fernsprechverkehr hat soeben wieder eine Ausdehnung erfahren, indem der Fernsprechverkehr zwischen Berlin und den niederländischen Orten Grave und Limmen eröffnet worden ist. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von 3 Minuten beträgt im Verkehr mit beiden Orten je 2 Mark. Mit einem Verbrechen, das noch der Aufllärung bedarf, be- fchäftigt sich seit der vergangenen Nacht die Kriminalpolizei. In der zweiten Stunde drangen aus dem Hause Schwedterstr. 245 laute Hlllferufe. Sie waren von der Wohnung der Witwe Hübner ausgegangen. Dort hatte der 27 jährige Sohn der H. den 36 jährigen Schlafburschen Hermann Ritter im Schlafe überfallen und durch Messerstiche schwer verletzt. Die Polizei nimmt an, daß eS sich um einen beabsichtigten Naubmordversuch handelt. R. wurde in bedenklichem Zustande in das Lazarus-Krankenhaus eingeliefert. Auch der Urheber der Tat fand in dem erwähnten Kranken- Hause Aufnahme. Er war von dem Schlafburschen schließlich überwältigt worden und hatte im Gesicht durch Faust- schlüge erhebliche Wunden erhalten. Die Berletzuiigen, die H. feinem Opfer zugefügt, sind sehr ernster Natur. Einen tiefen Stich hat er dem R. in die Brust zwischen die Rippen, einen anderen in die Stirn und einen dritten in den Hals versetzt. H. gilt in der Nachbarschaft als ein gewalttätiger Mensch und hat der Polizei schon recht viel zu schaffen gemacht. Ob er es in der vergangenen Nacht auf eine Beraubung des R. abgesehen hatte, bedarf noch der Auf- klärung. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß ein Racheakt vorliegt. Kürzlich hatte R. einen Brief erhalten, den H. eigenmächtig öffnete. Als dies R. erfuhr, drohte er dem H. mit einer Anzeige. Um sich hierfür zu rächen, hat dann H. vielleicht den Ueberfall ausgeführt. Unfug des Kartenlegens. Ein blutiges Drama, das auf den Unfug des Kartenlegens zurückzuführen ist, rief gestern in der Bergstraße ungewöhnliches Aufsehen hervor. In der dritten Etage des Sauses Bcrgstr. 68 wohnte der Kellner R. mit seiner 36jährigcn Ehefrau. Frau R., die etwas nervös veranlagt war, ließ sich vor einiger Zeit dazu überreden, sich bti einer Kartenlegerin in Rixdorf die„Zukunft" deuten zu lassen. Von nun an fuhr sie häufiger nach Rixdorf und bald wurde der Ehemann, der nicht ahnte, wo seine Frau sich aufhielt, gewahr, daß die letztere an starker Nervosität litt. Die Wahrsagekunst sollte aber für Frau R. noch weit traurigere Folgen haben. Die Unglückliche geriet schließ. lieh in einen Zustand, der sie in den Wahn brachte, alles sei„behext". Viele Möbel, Kleidungsstücke usw. verbrannte sie, da sie„behext" waren. Ost schlief sie auf dem Boden, da sie das Schlafzimmer „behext" glaubte. Auch die Angehörigen ihres Mannes waren „behext" und sie durften sich nicht in der Wohnung sehen lassen. Das Geld war bei Frau N. in ganz besonderem Maße„behext". Große Summen, die sich der Ehemann mühevoll verdient hatte, ließ sie in den Feuerherd wandern. Nach den Angaben des R. hat die Frau auf einen Schlag 700 M. verbrannt. Der krankhafte Zustand nahm bei der Aermsten in der letzten Zeit eine derartige Form an, daß die Nackbarsleute in Furcht und Unruhe schwebten. Gestern vormittag verfiel Frau R. plötzlich in einen Zustand der Raserei und sie versuchte, die Möbel zu zertrümmern, woran»e jedoch von ihrem Manne gehindert wurde. Nun schwang sie sich auf das Fensterbrett, um sich auf die Straße hinabzustürzen. R. sprang aber hinzu und wollte die Wahnsinnige zurückreißen, doch diese setzte sich verzweifelt zur Wehr und nun entstand ein unheimliches Ringen zwischen den beiden Eheleuten. Schließlich erhielt R. einen Stoß, daß er zurücktaumelte und jetzt stürzte sich die Frau aus dem Fenster hinaus. Mit zerschmetterten Gliedern blieb sie auf dem Bürgersteig liegen. Entsetzt eilte der Mann auf die Straße hinab, aber er sollte seine Frau nur noch als Leiche wiedersehen. Ter aufregende Kampf am Fensterbrett war von Nachbarsleuten bcob- achtet worden und dadurch das Gerücht entstgnden, R. habe seine Frau aus dem Fenster hinausgeworfen. keineswegs den Tatsachen. Dies entspricht jedoch Zwei Kinder wurden gestern von Straßenpassanten bei einem Brande in der Gleditschstr. 44- gerettet. Dort war in einer Erd- geschoßwohnung Feuer ausgekommen. Tische, Betten und Kleider usw. brannten schon, als die Gefahr bemerkt wurde. Die Passanten schlugen die Fenster ein und holten noch vor Ankunft der Wehr die beiden kleinen Kinder heraus. An der Ecke der Bornholmer- und Schönfließerstratze stand eine Kantine aus einem Neubau in Flammen. Außerdem entstanden noch Brände in der Brücken- Allee 22, ErasmuSstr. 2, Cbausseestr. 2, Sickingenstr. 1 und anderen Orten. Eine wagehalsige Flucht ist am Sonnabendabend dem 17jährigen Fürsorgezögling Karl Bargalski gelungen. B. sollte nach einer hiesigen Erziehungsanstalt transportiert werden.' Kurz vor der Station Grunewald riß er sich plötzlich von seinem Trans- porteur los, ösfneie schnell die Coupeetür und sprang während der Fahrt aus dem Zuge heraus. Als dieser dann zum Stehen gebracht wurde, war der Flüchtling bereits verschwunden. Eine Verfolgung durch mehrere Gendarmen war vergeblich. Zeugen gesucht. Am Montag, den 21. Januar, abends zwischen 9 und 10 Uhr. ist ein Arbeiter aus der Fahrt von Tegel nach Berlin in der Müllerstraße, nahe dem Paul Gerhardt-Stist, infolge eines Schwindelanfalles von der Straßenbahn abgestürzt. Etwaige Zeugen, die den- Vorgang milbeigewohnt und den Arbeiter nach dem Paul Gerhardt-Stift gebracht haben, wo er bald nach der Einlicferung verstarb, möchten sich betreffs Aufklärung des Falles bei der Witwe Krabiell, Swinemünderstr. 83, Ou. II r., melden. Drei Tage hindurch tot in ihrer Wohnung gehangen hat die 56 Jahre alte Emma G. aus der Urbanstr. 28. Fräulein G. hatte sich am vergangenen Freitag aus Lebensüberdruß erhängt. Die Nachbarslcutc wunderten sich darüber, daß sie sich nicht mehr sehen ließ und benachrichtigten gestern die Polizei. Die Beamten mußten sich mit Gewalt Zutritt zu der Wohnung verschaffen. Die G. fanden sie am Türpfosten erhängt vor. Die Lebensmüde war bereits seit drei Tagen tot. Im Gebrüder Herrnfeld-Thcater gelangte am Sonnabend eine dreiaktige Komödie:„Das verrückte Hotel" zum ersten Male zur Aufführung. Wir sagen zum ersten Male, wenn man den Titel in Betracht zieht. Inhaltlich deckt sie sich im wesentlichen mit dem tollen Schwank:„Hayfisch geht zur Jagd", der unzählige Male an der früheren Wirkungsstätte der Gebrüder Herrnfeld— am Alexanderplatz— in Szene ging. Es genügt deshalb zu sagen, daß diese Fortsetzung des alten Stückes einen Schluß brachte, der alle auf- gerollten Konflikte ungelöst ließ und sich jeder fragte: Was nun? Daß über die echt Herrnfeldsckien Schlager unglaublich gelacht und viel geklatscht wurde, ist selbstverständlich. Dem Bernhard Rose-Theatcr brachte die erstmalige Aufführung von„Kean oder Genie und Leidenschaft" einen ansehn- lichen Erfolg. Die Buchausstcllung HanS Grifcbach im Lichthof des Kunst gewerbe-Mrifeums bleibt bis Sonntag, den 3. Februar, geöffnet und ist Dienstags bis Sonnabends auch abends von v>/„ Uhr dem Publikum zugänglich. In den Ausstellungssälen" des'Erd- geschosies ist neuerdings eine Kollektion Longines-Taschenuhren aus >er PräzisionSuhrenfabrik von Francillon u. Co. in St. Jmier aus- gestellt, außerdem wird vom 5. Februar ab durch Fräulein Handtkens ein neu konstruierter Webstuhl für Knüpftechnik und Gobelinwirkerei vorgeführt, der eine schnellere und leichtere Handhabung der alten Technik ermöglicht. Im Zoologischen Garten hat ein Giraffenbabh das Licht der Welt erblickt. Die Mutter benimmt sich ihrem Säugling gegen- über weit liebevoller, als dies kürzlich bei der Elefantenmutter der Fall war. Sie säugt ihr Junges und man hofft, daß eine künstliche Ernährung diesmal gänzlich fortfallen wird. Vorläufig ist es dem Publikum noch nicht gestattet, das Mutterglück im Giraffenzwinger in Augenschein zu nehmen. Orgelkonzert. Mittwoch, den 30. Januar, abends?>/, Uhr, veranstaltet der königl. Musikdirektor Bernhard Jrrgang in der St. Marien-Kirche ein Bach-Konzert unter Mitwirkung von Frau Charlotte Kimpel(Sopran), Frl. Julia Michaels lAlt), Herrn Rob. Maitlandt(Baryton) und Herrn Hans Gernot(Baß); u. a. Kreuzstab-Kantate.— Der Eintritt ist fror! Fcuerwehrbericht. Wegen einer heftigen Gasexplosion, bei der zum Glück niemand verletzt wurde, wurde der 17. Löschzug am Sonntag, vorjmtttgs um 11 Uhr nach der Ritterstraße 22 gerufen. Das Kellergewölbs des Quergebäudes war in großer Ausdehnung zerstört. Fensterscheiben, Türen, das �Glasdach im Ouergebäude in allen Stockwerken teilweise eingedrückt. Der entstandene Brand konnte mit einer Schlauchleitung gelöscht werden, die Verwüstungen potten der Beschreibung. Mauersteine, Glassplitter u. a. bedeckten den Hof, zwei Wagen waren umgeworfen, in den Rälimen Schränke, Tische, Bilder, Regale usw. beschädigt, die Wände zeigten Risse, kurz überall im Bereich der Explosion ein Bild der Zerstörung. Brand« meister Sandberg ließ die HauptgaSleihmg absperren und auf räunien. Die Enlstehung der Gasexplosion wird auf Frost zurück- geführt. Wie neulich ist das Wasser im Gasmesser gefroren und der Messer beschädigt worden, so daß Gas ausströmen konnte, das sich dann eiltziindete. Aehnliche Unfälle, die aber nur geringen Schaden verursachten, alarmierten die Feuerwehr nach der Bischofstraße 19/20, Schumann- traße 15, Levetzowstraße 25, Romintenerstraße 19, Leipzigerstr. 40, Schillstraße 2, Lindenstraße 33 und anderen Stellen. In all diesen fällen waren Rohrbrüche die Ursache der Alarmierungen. Weihnachts- äuine brannten gestern in der Landsberger Allee 126, Löwestr. 23 und anderen Orten. Der erste Zug hatte längere Zeit in der Weydingerstr. 8 zu tun, wo Stroh und Papier usw. in Brand ge- raten waren. Ferner mußten Brände in der Adalbertstr. 13, Kremmenerstr. 7, Bernauerstr. 42 usw. gelöscht werden. Dachgeschosse brannten in der Französisckienstr. 33, Ehlauerstr. 13 und Friedrich- straße. Aus anderen Anlässen rückte die Feuerwehr nach der Pots- damerstr. 60a, Winsstr. 14, Müllerstr. 127 und andere Stellen aus. Wegen des großen Schneefalles fährt die Feuerwehr jetzt vier- fpännig._ Vorort- JVacfmcbtcn* Die Wahl im Kreise Teltow und Nieder-Barnim hat den Gegnern abermals gezeigt, daß diese beiden Kreise eiserner Bestand der Sozialdemokratie sind. Was auch hier an persönlicher Verunglimpfung unserer Kandidaten, an demagogischer Kampfeslveise und fanatischem Haß gegen di« Sozialdemokratie geleistet worden ist, stellt alles bisher Dagewesene weit in den Schatten. Nicht geniig. daß der Reichsverband mit seinen auf Bauernfang berechneten Flug- schriften eine wahre Hetze betrieb, nein auch sämtliche Amtsblätter der beiden Kreise waren täglich mit persönlichen Jnvektiven gegen unsere Kandidaten insbesondere und gegen die Sozialdemokratie im allgemeinen gefüllt. Einer solchen Flut schimpflichen Kampfes Wider- stand geleistet zu haben, ist ein guter Beweis dasiir, daß der Ge- danke des Sozialismus fester denn je in diesen Kreisen sitzt. Nicht zum mindesten ist dies zuzuschreiben der in den letzten Jahren erstarkten Organisationen, die den Lügen und Berleumdnitgeil der Gegner erfolgreich Widerstand ieisteten. Denn nur dort, wo die Orgauisation noch schwach, die sozialistische Presse noch wenig verbreitet ist, war eS den Gegnern noch möglich. Terrain zu gewinnen. Daß die bürgerliche Presse den Sieg der Sozial- demokratie wieder auf die„Partei der NichtWähler" zurückführt. versteht sich von selbst, charakterisiert aber zur Genüge, wie traurig es um ihre Sache bestellt ist. Sie können nur siegelt, wenn eS ihnen gelingt, die Tausende der leider noch unaufgeklärten Masscil zur Wahlurne zu schleppen. (Wir bringen nun aus den größten Orten der beiden Kreise die Stimmenzahl, die auf unsere Kandidaten entfiel. So wurden ab- gegeben in Charlottcnburg.. Rixdorf.... Schöncberg... Köpenick.... Gr.-Lichtcrfelde.. Wilmersdorf.. Selbst in den ländlichen Kreisen gelang es den Gegnern nicht, die gewünschten Erfolge zu erzielen. So vereinigte un'er Genosse Zubeil im Kreise BeeSkow-Storkow, trotz der wüsten Agitation des Reichsverbandes, auf sich 3037 Stimmen, der Koiiservative 5896 und der Freisinnige 690 Stimnien. Ebenso entschieden wie mrTeltower Kreise hat die Sozialdemokratie im Niederbarnimer Kreise die gesinnimgslose Niedertracht des „Ordimngsklüngels" beantwortet. Die schamlosen persönlichen Ver» dächtigungen gegen unseren Genossen Stadthagen sind heim- gezahlt worden durch ein glänzendes Vertrauensvotum seiner Wähler. Mit einer Majorität von 2 3 663 Stimmen ist der bürgerliche Misch- masch aus� dem Felde geschlagen worden. In Lichtenberg erhielt Genosse Stadt Hägen 8309 und der bürgerliche Kandidat Ziethen 3304«stimmen, in Rummclsburg St. 6327 und Z. 2143, in Friedrichsfelde St. 1742 und Z. 1477, in Friedrichshagen St. 1682, Z. 1052 und in Wcißensce St. 5423 und Z. 1743 Stimmen. Dieses Resultat dürste unseren Gegnern gezeigt haben, daß es einen Kamps gegen Windmühlen bedeutet, wenn sie diesen Wahlkreis noch einmal zu erobern wähnen. Die Sturmkolonnen der Sozialdemokratie haben in unseren Nnchbarkreiscn genau wie in Berlin der schimpf- lichen Flut bürgerlicher Jnvektiven getrotzt. Jetzt gilt es, au den weiteren Ausbau der Organisation, an der Verbreitung der sozia- listischen Presse tätig zu sein. Vorwärts zu neu em Kampf und neuen Siegen!___ Lankwitz. Die durch Kohlendunst erstickten Lehrlinge des Schlosser- Meisters Rinow wurden am Sonntag beerdigt; einer in Berlin und einer in Lankwitz. Bei der Beerdigung des letzteren war auch die Lankwitzer Arbeiterschaft mit Kränzen erschienen. Die Widmung lautete:„Den Opfern der Ausbeutung! Gewidmet von der Arbeiterschaft Lankwitz'." Vom Lichterfelder Wahlverein war ebenfalls eine Delegation mit Kranz erschienen. Kaum war der Akt am Grabe beendet, als die Kränze mit den roten Schleifen von der Frau des Totengräbers in die Gruft geworfen wurden. Auf Vorhaltungen unserer Genoffen erwiderte die Frau, daß sie den vorgesetzten Behörden Rechnung zu tragen habe. Es machte sich allgemeiner Unmut über diesen Vorgang bemerkbar. Der eben- falls erschienene Schlossermeister Rinow mit Familie machte seinem Aerger über die Widmung mit den Worten Luft:„Die Rotte!" Bereits in einer vor einigen Tagen stattgehabten Wählerversamm- lung hatte ein Genosse auf dieses bedauerliche Vorkommnis, durch das zwei blühende Menschenleben verloren gingen, hingewiesen und betont, daß der Bodenraum, in dem die jungen Leute schliefen, nicht heizbar war. Das sind Zustände, wie sie nur bei Kleimneistern anzutreffen sind. Mit dieser Angelegenheit wird sich wahrscheinlich noch die Staatsanwaltschaft zu beschäftigen haben. Die am Freitag stattgefundene Gemeindevertretung hatte zwei wichstge Angelegenheiten zu erledigen. Zunächst war es die Frage der Kanalisaston, die zur Beschlußfassung vorlag. Nach dem Referat, das Gemeindebaurat Görke hierüber erstattete, beträgt der Kosten- Punkt einer Rieselanlage inkl. 30 Kilometer Rohranlage und Pump- station 2 800 000 M., die Kosten einer Kläranlage würden sich auf 1 200 000 M. belaufen. Die Kosten würden auf die bebauten und unbebauten Grundstücke verteilt. Die einmaligen Ausgaben bei Riesel- feld betragen 50,40 M. und beiKläranlage 26.80M. pro laufenden Meter. Die hierzu in Betracht gezogenen 900 Morgen Land sollen für 80 000 Menschen ausreichen. Für den Fall, daß diese Einwohnerzahl erreicht wird, meint der Referent, werden Absatzbecken angelegt, die die Leistungsfähigkeit der Felder auf das Doppelte erhöhen könne» Der Gemeindevertreter Unger trat in der Diskussion für ein Kläranlage ein. Ihn leitete namentlich die finanzielle Ersparnis, die bei einer Kläranlage die Gemeinde machen könne. Die hohen Kosten, die die Rieselanlage den kleinen Hausbesitzern verursachen. zwingen jene, meint Redner, zum schleunigen Verkauf. Der Ge- meindevorsteher erwiderte hierauf, daß eine Kläranlage für Lank- Witz garnichl genehmigt werde. Es könne nur erwünscht sein, wenn die Gemeindevertreter einmüstg für die Rieselfeldanlage eintreten würden. Nach längerer Debatte wurde gegen eine Stimme die Ein- führung der Kanalisation mit Rieselfeldanlage beschloffen. Das Projekt des Schulhausneubaues wurde, nachdem der Gemeindebaurat einige Erläuterungen zu dem Projekt gegeben, angenornmen. Nowawes- Neuendorf. Die Wahlen zur 1. und 2. Klaffe der neu zu bildenden Ge- meindcvertretung in Nowawes sind nun ebenfalls unter außer- ordentlich starker Beteiligung der Wähler vollzogen worden. Gc- wählt wurden die vom vereinigten bürgerlichen Wahlausschuß auf- gestellten Kandidaten; dieselben waren je zur Hälfte aus Nowawes und Neuendorf entnommen, und zwar für die 1. Abteilung 6 Neuendorfer und 2 Nowawcser, für die 2. Abteilung 6 Nowawescr und 2 Neuendorfer ausgesucht. Gegen diese Liste war vom Neuen- dorfcr Hausbesitzerverein und vom Verein Nordost eine starke Gegenagitation entfaltet worden, die gerade nicht in der ver- ständigsten Weise geführt wurde und den Zweck hatte, den Neuen- dorfern ein Uebergewicht über die Nowaweser zu verschaffen. Er- folg hatte das Vorgehen der genannten beiden Vereine nicht, denn die vom bürgerlichen Wahlausschuß aufgestellten Kandidaten er- hielten 261 bis 314 Stimmen, während auf die aufgestellten Gegen- kandidaten, Polizeisekretär Krinzner. Gastwirt Pfauder, Fleisch- beschauer Hach, Eisenbahnsekrctär Lachmann, 53 vis 61 Stimmen entfielen. Von 507 Wählern hatten 318 ihr Wahlrecht ausgeübt. In der 1. Abteilung machten von 50 Wählern 36 von ihrem Stimm- recht Gebrauch. Gewählt wurden Zimmermcister Meier, Fabrik- dircktor Röhren, Fabrikbesitzer Ruß, Zicgcleibesitzcr Vobach, Eisen- bahnsekretär Bictke, Baucrngutsbcsitzcr Säbcrcr, Fabrikbesitzer Nathan, Hofschlächtermeister Langer mit 26 bis 36 Stimmen. Eine plötzliche Agitation gegen Langer hatte den Erfolg, daß für Fabrik- besitzer Levi 10 und für Fabrikbesitzer Döring 3 Stimmen abgegeben ivurden. Der Ausfall der Wahlen hat auf manchen Seiten in Neuendorf arg verschnupft, da dadurch wahrscheinlich unsere Gc- nassen in der 3. Abteilung vielfach in der Lage sein werden, das Zünglein in der Wage zu bilden. Diesem Aerger machten einige Herren gelegentlich der Wahl zur 2. Abteilung in dem Rc- staurationsraume des Wahllokals Luft; insbesondere war es der bei der Wahl zur 3. Abteilung durchgefallene Gärtnereibesitzcr Schimmel. Besonders laute Vorwürfe machte er dem Amts- Vorsteher, weil er die Wahl zur 3. Abteilung hatte in einem Lokal vornehmen lassen, in welchem der sozialdemokratische Wahlvercin seine Mitgliederversammlungen abhält. Einige anwesende Gc- nassen beschimpfte er in der unflätigsten Weise, und nur der Gut- mütigkeit derselben hatte er es zu danken, daß er nicht eine gc- hörige Lektion dafür erhalten hat. Ein Disput zwischen dem Ncuendorfcr Schöffen Bauunternehmer Franke und dem Tischler- meister Schmager-Nowawes endete damit, daß die beiden Ordnung?- Helden zuerst durch ein paar kräftige Ohrfeigen ihren Meinungen den nötigen„Knalleffekt" gaben, nachher aber nach einem bekannten Sprüchwort sich wieder versöhnten, so daß auch der Humor zu seinem Rechte kam. Jedenfalls haben uns diese Wahlen wieder gezeigt, welche tiefe Kluft zwischen den bürgerlichen und sozial- demokratischen Wählern herrscht. Dort ein widerlicher Kamps um persönliche Jntereffeu und Vorteile, hier das zielbewußte Eintreten für die Prinzipien des Fortschritts und des Allgemeinwohls. Dieser Umstand ist es auch, welcher der Sozialdemokratie trotz ihrer numerischen Schwäche in den Gemeindevertretungen ein so starkes moralisches Uebergewicht über die herrschenden Klassen gibt. Allen Bekannten die traurige Nachricht, datz am 25. Januar unser Vater, Schwieger- und Grobvater & Anton Laudel nach langem Leiden verschieden ist. Ute trauernden Hinterbliebenen. Max Laudel, Paul Laudel und Familien. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 2S. Januar, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Thomas-Zdirchhofes aus statt. lleulsever Holzsrbeiter-Veiitöml Den Mitgliedern zur Nachricht. daß der Kollege. Tischler Anton Laudel am 25. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. Januar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Thomas-Kirch- hoses aus statt., Um rege Beteiligung ersucht 78/18 Hie Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Wildeltn Woitzick am 26. d. Mts. an Fußverledung (Unsall) gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 23. Januar, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Luisen-Kirchhojcs in Rixdorf, Hermannstraße aus statt._ 111/14 Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter rrieDrieli Ssedert am 26. d. Mts. an Lungenschwind- sucht gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 31. Januar. nachm. 3 Uhr, von der Leichen- halle des Lazarus-ÄirchhoseS in Wilhelmsberg aus statt. Rege Beteiligung erwartet Oie Ortsverwaltung Zentral-Verband der Steinarbeiter. Berlin I. Am 26. d. Mts. verstarb unser Kollege kar! Thiemann im Zill er von 48 Jahren an der Berusslrankheit. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittlvoch. de» 33. d. Mts., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Schönebcrger Friedhofes, Marstraße, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 172/3 Der Borstand. Zentralverbaiiil der Glaser. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Bilocrglascr, Kollege Richard Lange nach kurzem Krankenlager der- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 23. d. MtS., nach- mittags 3'/, Uhr, aus dem Kirch- hos der St. Simeons- Gemeinde (Britz, Tcmpelhoscr Weg) statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 73/1 Oie Ortsverwaltung. Dr. Schlinemann Spezial-Arzt für 351112» Haut- und Harnleiden, Cranell krankheiten. Friedrichslr. 203, Ecke Schiitzenstr. 10-S. 5-7. Sonnt. 10-1« Uhr. Verband der Schneider und Schneiderinnen. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern geben wir hiermit bekannt, daß der Kollege kpfeiln. Janz am 26. d. Mts. im Alter Von 57 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken: 162/2 Oie Ortsverwaltung. ttr Für die Vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die überaus zahl- reichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meines unvergeßlichen lieben Mannes und unseres guten Vaters, des Maurers Hanl Krabicll, sagen wir allen unseren herzlichsten Dank, besonders dem Gesangverein der Putzer und den Genossen aus seinem Bezirk. 1136b Oie trauernde Witwe nebst Kindern. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Genossen des vierten Wahlkreises, dem Holzarbciterverband, dem Bund der Lottertevcrcinc, dem Lotterievcrein„Pechvogel" und dem Männcrguartctt„Sangessreuude" für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes meinen herzlichsten Dank. 1137b Cmllle<«rahl nebst Kindern. Kran;- uudKInmkilbiudtrti von Robert Meyer, nur Mmannen-Stroßk 2. Bruch-Pollmann empfichllsei» Lager inBruobbandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Liescr. s. 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Verschiedenes._____ 78/17 Konsumverein laJegel«. Ilmgeg. (Eingetragene Genoflenschaft mit beschränkter Hastpflicht.) Am Donnerstag, den 7. Februar, abends 8 Uhr, im Restaurant Trapp, Tegel, Bahnhofstr. 1: Ordentliche Generalversammlung. Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Festsetzung der Entschädigung für Vorstand und AufsichtSrat. 3. Ergänzungswahl deS AufsichtS rateS. 4. Vereinsangelegenheiten. 105/4_ Der Torstand. Maschinisten und Heizer siimtlichkr Kranereien Kerlins und Umgegend. Mittwoch, den 3«. Januar, vormittags 8 Uhr und abends 8 Uhr, in den»Rittersälen», Ritterstr. 75, 2. Hos, fe eine Versammlung sämtlicher Maschinisten und Heizer der Brauereien Berlins und Umgegend. TageS-Ordnung: Stellungnahme zu den Darifforderungen. 138/5 vor Elnberufer: H. Schwittau Achimg! Rixdorf. Zentral-Krankenkasse der Maurer und Stukkateure Deutschlands >„Ginndatein znr Einigkeit1 Mittwoch, 30. d.M., abends 8 Uhr, bei Thiel, B-rgstr. 151/152: TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom IV. Quartal 1306. 2. Jahresbericht der Ortsverwaltung. 3. Neuwahl der OrtSvcrwaltung. 4. Verschiedenes in Kassenangelegenheiten. aap Mitgliedsbuch legilimtert."MU Um pünktlichen und zahlreichen Besuch bittet Die örtliche Berwaltung. I. A.: /Ubert Grodetzki. Deutscher Metallarbeiter-Terband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Zimmer 34, Amt 4, 3353. Engel-Ufer 15. Zimmer 1—5, Amt 4, 3673. Seit Montag, den 21. Januar, werden Bibliothekbücher nicht mehr ausgegeben wegen Umzuges. Die Mitglieder, welche noch im Besitz von Bibliothewüchern sind, werden ersucht, dieselben so schnell wie möglich ab- zuliesern._ 111/13_ Ple Ortwverwaltnng. Z12 Jahre Garantie! Sprechstunde 9-7.|VWöctientl. Teilzahlung. 2 Mark. Achtung! Achtung! euctidruck-HiilfsaMer und-Arbeiterinnen! Bei der Firma Haanoastola<& Vogler, jetzt Beyer& Böhme, find zwischen Hülsspersonal und Geschästsleitung Differenzen ausgebrochen, die zum Ausstand geführt haben. Vor Annahme von Kondition bei dieser Firma wird gewarnt.' 36/2 Die Druckerei Haasenstein u. Vogler, jetzt Beyer u. Böhme, ist für das Buchdruckhülfspersonal gesperrt. I. A.: Sophie Teske. Ang. Moritz. Bekanntmachung! Wir schließen vom 1. Februar d. J. ab wieder Anlagen an unser Kabelnetz an und stellen anheim, uns für die rückständigen Projekte die erforderlichen technischen Unterlagen baldigst einzureichen. Mit dem genannten Tage werden alle Beschränkungen in der Stromlieferung aufgehoben, Berliner Elektricitäls-Werke. Weltkrankheit! i. Arterienverkalkung des Herzens und des Gehirns. Ursachen, Verhütung und Behandlung mit besonderer Berücksichtigung der Lähmungen und des Schlagflusses. Von Dr. Honcamp. (Preis 0,50 M.) 2. Müssen Sie lesen das neueste Werkchen von Dr. Walser; Die Selbstvergittung die Grundursache aller Krankheiten. Gründliche Heilung resp. Verhütung derselben durch eine erprobte Blutentgiftungskur. Blutentsäurung und Blutentgasung.(Preis 0,80 M.) 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Wegen der Aussperrung in der Berliner Holzindustrie find folgende Bauten gesperrt- 78/3 Uuphe. Württembergischestraße 36 und 37, Ecke Lietzenburgerstraß«. Bauten der Firma Heinrich Hittag: Brode, Dahlmannllr. 26; Siebmann, Kursücslendamm, gegenüber der Dahlmannstraße; Peitscher, Kurfürstendamm 144: Ersatzkommission, Haidcstraßen-Eckej Hochschule, Charlottenburg: Steglitz, Kaiser WIlh-lmstr. 13; Hauptstr. 13: Wilmersdorf, Helmstedterftr. 2; . Schmidt. PragerPlatz) Klrthe, Beussel-, Ecke Wiclesstt-aße- Elektrische Werke, Motzstraße; Nauen, Krankenhaus: Wilmersdorf, Schloßbau. Körttng, Tegclcrstr, 6. Grosse, Martenselde, Kirchstraße. Timm, Rixdors, Bergstr. 30. Bauten der Firma <*rtia«St Hctwlg: Städtische Anstalt in Buch. Oldenburger- und Klosterstraßenecke. Baibarossaplod, Hochschule. Sybclstraßc, Ecke Stallnmnnstraßc. Bauten der Firma«ehr. l'aal: Charlotteiiburg, Sybclstr. 56-57. Britz. Werder- und RunginSstraßen- Ecke. Rixdorf. Weichselstr. 56-37. Mohrenstraße am Gendarmenmarkl. Mariendors, Ehausseestraße(Gebr. Fickert). Potsdamerstr. 13. Pariserstr. 21/22. Renendors, Monumentenstr. 26. Beelitz(Anstalt, Fensterbauj. Bauten der Firma Crimert&. Seemann: Schönhauser Allee 97. Dänenstraße, Ecke Schönfließerftraßc. Jnvalidcnilr, 33. Nieder-Schönhauscn, Bismarckstr. 32. TreSlowslr. 14. Henrizi, Ehailottenburg, Suarez- ' straße 13. Rast, Schöneberg, Barbarossa-Ecke Landshnlcrstraßc, Pautzen, Charlottenburg, Schlüter- straße. Schmidt, Halensee, Ringbahn�. und Joachimslraße. Friedrich- und Halberstädterstru Aschaffenburgerstraße, Damen h Bauten der Firma tzVal*! Moaß, Llctzcnburger- und burgerstraßen-Eckc, Bielemann, Taunusstr. 30. Baute» der Firma Sperling «Sc Kapelke. Gesperrt für Korbmacher: Werkstatt Leitboff, Tettowerstraße. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für de» Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Smger'& Co., Berlin SW.