Nr. 27. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Preis pränumerande: Bierteljährl. 8,30 Mt., monatl. 1,10 R., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Big. Bost. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crideint täglich außer Montags. für Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 50 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jebes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte, Inserate für die nächste Nummer müffen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: Sozialdemokrat Berila". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernfbrecher: Amt IV. Nr. 1983. Freitag, den 1. Februar 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Aus der Lügenfabrik des Hottentottenblocks. „ Bürger- Arbeiter- Bauern Deutsche." So lautet die Ueberschrift eines Flugblattes, das bom Hottentottenblock in alle Wahlkreise versendet ist, in denen ein Sozialdemokrat in Stichwahl steht. Das Flugblatt hat verantwortlich für Verlag und Druck Paul Röhler, Berlin SW. 11, gezeichnet. Hergestellt ist es in der Offizin, dessen Inhaber jüngst mit dem roten Adlerorden zweiter Klasse dekoriert ist, in der Scherlschen ( Lotal- Anzeiger") Druckerei. Staat 1905" beruft. Da dieses Jahrbuch nur 252 Seiten enthält, muß jener Vergleich einstweilen auf sich beruhen bleiben." Das ist eine unerhört dreiste Lüge! Die Angaben befinden sich in dem genannten Jahrbuch genau auf der angegebenen Seite! So beispiellos frech flunkert der Hottentottenblock! Nun könnte das Reichslügenpad sagen: Wenn auch 384 000 Besitzende wirklich 200 mal soviel Vermögen besigen wie die vielen Millionen Proletarier: das Proletariat hat doch immerhin auch ein paar Milliarden, sparen" können. Also muß es doch dem Proletariat ganz gut gehen. Wie gut" es der Masse des Volkes geht, beweist die amtliche preußische Einkommensteuerstatistit. Danach befizen zirka 60 vom Hundert ein Einkommen von weniger als Das ganze Flugblatt ist nichts als eine Sammlung der 900 W. jährlich und etwa 13% Proz. weniger als 1500 m. perfideften hundertmal widerlegten Verdächtigungen und Ver- jährliches Einkommen! Dagegen besaßen die 88 000 Reichsten leumdungen der Sozialdemokratie und einiger ihrer Anhänger. ein Jahresdurchschnittseinkommen von 30 000 M.! Es ist unter all den dreisten Lügen des Flugblattes keine 2859 Reiche befaßen pro Kopf ein Jahreseinkommen von einzige, die nicht bereits vom Vorwärts" und der übrigen 250 000.! Siebenundfünfzig sogar ein JahresParteipresse wiederholt als unverschämtester Schwindel ge- einkommen von mehr als einer Million Mark! brandmarkt worden wäre. Das ficht die Kulis des Hotten- Warum tischt das Reichslügengesindel dem Volke in seinen tottenblocks und ihre Auftraggeber nicht im geringsten an. Flugblättern nicht alle diese Tatsachen auf?! Sie berbreiten ihre Lügen von neuem. Da bleibt, so widerwärtig einem vernünftigen Menschen solche Arbeit immer sein mag, nichts übrig, als die Lügen zum elftenmal als bewußte, schamlose Unwahrheit zu brandmarten. Beginnen wir, der Reihe nach, mit dem Sparkassenschwindel. Da heißt es in dem Lugblatt: In dem Lugblatt des Hottentottenblocks heißt es dann weiter über Sozialdemokraten als Arbeitgeber: " Wehe aber, wenn einmal ein Sozialdemokrat Arbeitgeber wird! Wie hat der Vorwärts" seine Arbeiter bea handelt? Biel schlechter als die meisten bürgerlichen Betriebe! Und der Vorsitzende der Preßkommission der Parteidruckereien, ein Mitglied des Maurerverbandes, meinte, man fönne den Buchdruckern die Löhne nicht erhöhen, sonst würden die Druckschriften für die Maurer zu teuer, worauf die Buchdruder meinten, da könne man ja auch sagen, man müsse den Maurern einmal auf den Kopf spucken", damit durch ihre höheren Löhne die Mieten nicht zu teuer würden. Derselbe Vorsitzende meinte, er könne nicht verstehen, daß in Parteigeschäften die alten und unbrauchbar werdenden Leute auch noch Bulage verlangen." Was die Sozialdemokraten der gegenwärtigen Staatsordnung vorwerfen, ist meistens Wahlschwindel. So zum Beispiel, wenn sie behaupten, von dem zunehmenden Reichtum Deutschlands hätten nur die Kapitalisten etwas gehabt. Seit dem Jahre 1875 ist die Zahl der Sparkassenbücher um 400 Broz. gewachsen, die Summe der Einlagen gar um 1000 Broz. Und wer benutzt die Sparkassen: Der Kleine Mann. Und nicht der Kapitalist." Auch das sind bewußte Lügen! Die Buchdrucker werden Beginnen wir diesen Rattenkönig plumpesten Wahl- gleich allen anderen Arbeiterkategorien in sozialdemokratischen schwindels von hinten zu entwirren. Also nur der„ Ileine Betrieben nicht nur tarifmäßig bezahlt, sondern sie sind auch Mann". der Arbeiter, foll die Sparkassen zu Einlagen be- im übrigen was Arbeitszeit( die 8ständige Arbeitszeit ist nugen! bereits vielfach eingeführt!), Ferien und dergleichen anlangtNun erklärte aber fein Geringerer als der preußische beffer gestellt, als in den bürgerlichen Zeitungsbetrieben! Finanzminister v. Rheinbaben am 20. März 1906 im preußischen Das hat denn auch erhäuser unumwunden zuAbgeordnetenhause: gegeben! " Produktionsmittel zu setzen. Für die Kleinbetriebe liefe also die Expropriation der Produktionsmittel darauf hinaus, daß man fie ihren bisherigen Besitzern nähme, um sie ihnen wieder zugeben, ein sinnloses Vorgehen. Der Uebergang zur sozialistischen Gesellschaft bedingt demnach keineswegs die Expropriation der Kleinhandwerker und Kleinbauern. Dieser Uebergang wird ihnen nicht nur nichts nehmen, er dürfte ihnen vielmehr gewisse Vorteile bringen. Denn da die sozialistische Gesellschaft die Tendenz nach Ersezung der Warenproduktion durch Produktion für den birekten Verbrauch mit fich bringt, wie wir gesehen, muß fie auch das Bestreben haben, alle Leistungen an die Gesellschaft, die Steuern oder die etwaigen Zinsen der in gesellschaftliches Eigentum übergegangenen Hypotheken, soweit diese nicht ganz aufgehoben werden, Geldleistungen in Leistungen auf Naturalien Getreide, Wein, Vieh usw. zu verwandeln. Das bedeutet aber für die Bauern eine ungeheure Erleichte rung. Sie streben dieselbe heute fchon vielfach an. Aber sie ist unmöglich unter der Herrschaft der Warenproduktion. Nur die sozialistische Gesellschaft kann fie bringen und damit eine Hauptursache des Ruins der bäuerlichen Wirtschaft beseitigen. aus Die Kapitalisten sind es, welche tatsächlich Bauern und Handwerfer expropriieren, wie wir gesehen. Die sozialistische Gesellschaft macht dieser Expropriation ein Ende.. Heute bedeutet die Verwandlung des Bauern oder Handwerkers aus dem Arbeiter eines Kleinbetriebes seine Verwandlung aus einem Besitzenden in einen Proletarier. In einer sozialistischen Gesellschaft wird dagegen der Bauer oder Handwerker, der zur Arbeit in einem genossenschaftlichen Großbetrieb übergeht, zum Teilhaber an allen Vorteilen des Großbetriebes; feine Stellung verbessert sich bedeutend; sein Uebergang bom Kleinbetrieb zum Großbetrieb ist nicht mehr zu vergleichen der Verwandlung eines Befißenden in einen Proletarier, sondern eher der eines wenig Besitzenden in einen viel Besitzenden." Den albernen Schwindel, die Sozialdemokratie habe sich dadurch, daß sie gegen eine Reihe sozialpolitischer Gesetze stimmte, als Feindin der Arbeiterklasse und der ebung des Proletariates erwiesen, werden wir noch in einem besonderen Artikel behandeln. Für heute möge die Aufdeckung jenes fanstdicken, in breitester Deffentlichkeit längst widerlegten Schwindels den Beschluß machen, die Sozialdemokratie habe gegen die Bekämpfung des Wuchers gestimmt. In dem Flugblatt heißt es, die Sozialdemokratie habe im Jahre 1890 gegen das erste Gesetz zur Bekämpfung des Wuchers, 1894 gegen das verschärfte Gesetz zur Bekämpfung des Wuchers gestimmt. Die Spartaffen haben sich vielfach von der Basis Eine freche Lüge ist es insbesondere, wenn von einem entfernt, die sie nach dem Sparkassenreglement haben. Sie Vorsitzenden der Preßtommission der Trotz der bekannten attenmäßig feststehenden Tatsache, daß waren gedacht als lokale Rezipienten für die Spargelder des Parteibrudereien" gesprochen wird. Es gibt überhaupt die Sozialdemokratie für beide Wuchergeseze gestimmt hat, Kleinen Mannes und sollten auch das Anleihebedürfnis für ihren feine Breßkommission für die Parteibruckereien insgesamt. berlohnt es sich, zur Kennzeichnung des lügnerischen KlopfLokalbezirk befriedigen. Viele Sparkassen haben aber aus entfernter liegenden Bezirken Spargelder an sich gezogen und find Jedes einzelne Blatt untersteht einer solchen besonderen Breß- fechtertums des unter nationaler Flagge segelnden Hottentottenauch mit der Ausleihung des Geldes weit über die Grenze ihres fommission. Und wenn selbst einmal ein Preßkommissions- blattes, das ja in Wahrheit für neue SteuerBezirks hinausgegangen, um höhere Gewinne zu erzielen. Die mitglied solch törichte Aeußerungen machen sollte, so ist Lasten und gegen die Interessen des Voltes, Spareinlagen von über 3000 M. haben in letzter Zeit um niemals und in keinem einzigen Falle nach solch bürgerlichen ins besondere gegen das Wahlrecht und 9,9 Proz. zugenommen, diejenigen über 10 000 m. jogar um Auffassungen verfahren worden! Roalitionsrecht marschiert, den Sachverhalt aus11 Broz., während die kleinen Einlagen in derselben Zeit nur um Ein Arbeiter glaubt denn auch solch blöden Schwindel führlich darzulegen. 3-4 Broz. gestiegen sind." von vornherein nicht; aber dem urteilslosen Spießbürgertum Doch brauchen wir uns nicht einmal gegenüber den Lügen glaubt man solch freche Lügen ungeniert borsehen zu können! des Hottentottenblocks auf die Autorität des preußischen Die folgenden Stellen des Lugblattes suchen durch die Finanzministers zu berufen. Die nadten Zahlen beweisen am breistesten, von uns in den letzten Wochen wiederholt dokumen besten, wer am stärksten an den Sparkasseneinlagen be- tarisch widerlegten Lügen und allerhand gefälschte Zitate teiligt ist! Bauern und Handwerker Wie war nun die Stellung der Sozialdemokratie zum ersten Wuchergesetze? wie das Lügenflugblatt vielleicht infolge eines Schreib- oder Das erste Wuchergesek ist im Jahre 1880( nicht 1890, Druckfehlers behauptet) im Reichstage behandelt. Zu diesem durchaus unzulänglichen Wuchergesetz nahm von sozialdemofratischer Seite nur der Abgeordnete Kayser das Wort. Er führte in der Sigung des Reichstages vom 20. April 1880 aus ( S. 835 Sten. Ber.): " Meine Herren, ich nehme nur deshalb das Wort, weil in einem Teil der gegnerischen Bresse zur Beit unserer WehrTosigkeit ( bekanntlich waren damals die sozialdemokratischen Beitungen durch das Sozialistengesetz unterdrückt) uns Vorwürfe gemacht worden, daß wir gar nicht unsere Stellung zu dieser Frage farlegen und uns gar nicht dieser Sache an zunehmen scheinen." Ende des Jahres 1904 befand sich( bergl. die amtliche ..Zeitschrift des Königlich Preußischen Statistischen Landesamtes" 1906, IV S. 247 ff.) in sämtlichen preußischen gegen die Sozialdemokratie aufzuheben. Da wird den Sparkassen eine Einlage von 7762 Millionen Mark. Bauern erzählt, die Sozialdemokratie wolle ihnen Huf und Davon entfielen, sofern man alle Spareinlagen bis zu Habe rauben, da wird den Handwertern und kleinen 600 M. und die Hälfte aller Spareinlagen von 600-3000 9. Geschäftsleuten aufgebunden, die Sozialdemokratie verals proletarische Spareinlagen rechnet, auf die nicht- nichte den Mittelstand! besitzende Klasse 2962 Millionen Einlagen, auf die besitzende Als ob nicht die Junker den Bauern das Land genommen Klaffe 4800 Millionen Einlagen! hätten, als ob nicht der Mittelstand von den Bannerträgern Auf jede der 8 300 000 proletarischen Spareinlagen entfiel des Hottentottenblocks, den Großkapitalisten der Industrie also im Durchschnitt die Summe von 356 Mark! und des Handels zerrieben werde! Aber die 4800 Millionen Sparkasseneinlagen der nicht- Db die Sozialdemokratie in Wirklichkeit der proletarischen Befizer von Spartassenbüchern stellen nur Feind des bäuerlichen und bürgerlichen Mittelstandes ist, mag einen winzigen Teil des Vermögens der besitzenden Klasse dar. folgendes wörtliche Zitat aus einem Buche Karl Kauts-( S. Es befaßen nämlich allein 384 000 preußische Zenfiten tys, des anerkannten Theoretikers der Partei, beweisen. Es mit einem Jahreseinkommen von mehr als 3000 Weart( vergl. findet sich in seiner Schrift: Das Erfurter Prodas amtliche Statistische Jahrbuch für den preußischen Staat gramm"( Verlag von J. H. W. Diez 1892) auf Seite 150 1905, S. 287) ein Vermögen von 58 786 Millionen Mart. und 151: Jeder dieser Besigenden besaß also im Durchschnitt ein Vermögen von 153 000 Mart! Im Vorbeigehen zwei. Worte über einen anderen nationalen" Schwindel. Die nationalliberale, Magdeb. 3tg." bemerkte am 25. Januar zu dieser bereits früher im Vorwärts" erfolgten Feststellung: " 。 Der Vorwärts" vergleicht des weiteren Dieses Milliarden Vermögen der arbeitenden Klasse mit dem angeblichen Bermögen der 384 000 preußischen genfiten, indem er fich auf S. 287 des„ Statistischen Jahrbuches für den preußischen „ Es ist der Großbetrieb, der die sozialistische Gesellschaft notwendig macht. Die genossenschaftliche Produktion erfordert auch das genossenschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln. Aber so wie das Privateigentum an den Produktionsmitteln in Widerspruch steht zu der genossenschaftlichen Arbeit im Großbetrieb, so ist das genoffenschaftliche oder gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln im Widerspruch zum Kleinbetrieb. Dieser erfordert, wie wir gesehen, das Privateigentum an den Produktionsmitteln. Die Aufhebung desselben für die Kleinbetriebe wäre um so zwedloser, da ja die Tendenz des Sozialis mus dahin geht, die Arbeiter in den Befiz der nötigen Zum Schluß führte der Abgeordnete Kayfer dann aus 837 Sten.- Ber. Sp. 1): Wenn ich zum Schluß fomme, so gelange ich zu dem Resultat, daß, so sehr ich überzeugt bin, daß in der heutigen Gesellschaft die Tätigkeit, die Notlage des Nebenmenschen auszubeuten, sonst ringsum bestehen bleibt, ich doch trotz aller meiner Bedenken mich mit der Vorlage befreunde. Jch wiederhole, ich habe große Bedenken gegen die Rechtsprechung, weil der Richter das richtige Verständnis für das was Wucher ist, nicht hat. ber trop aller Bedenken erkläre ich, daß ich hier, wo mir die roheste und abscheulichste Form der Ausbeutung entgegentritt, zur Beseitigung dieser Form beitragen will. Ich halte das Gesetz für ein solches, das den Aermeren vor dem Reichen so viel als möglich schützen soll und welches eine Rücksichtnahme zu sein scheint auf die öffentliche Meinung, die wir in den vergangenen Jahren durch unsere Agitation, indem wir ja fortwährend auf das Unrecht der Ausbeutung des notleidenden Menschen aufmerksam machten, hervor. gerufen haben. Ich werde also für das Geses stimmen." Dementsprechend stimmte Kahser und stimmten samt- l i ch e sozialdemokratischen Abgeordnete, die bei der Ab- stimmung zugegen waren. für das Wuchergesetz vom Jahre 1880. Wie steht es mit der WuchergesetznovellevomJahre 1894? Diese Novelle datiert vom 19. Juni 1893, nicht 1894 wie das Lügcnflugblatt schreibt, und im Jahre 1894 ist ebenso- wenig wie im Jahre 1899 ein Wuchergesetz beraten oder be- schlössen oder erlassen! Die Stellung der sozialdemokratischen Fraktion zur Wuchergesetznovelle von 1893 kennzeichneten im Plenum des Reichstags Frohme(Stenographische Berichte S. 635, 1842), Kunert(Stenographische Berichte S. 2059) und Stadthagen i Stenographische Berichte S. 1842, 1846, 1941, 1943, 2()53, 2065, 2069), in der Kommission Frohme und Stadthagen. Sie erkälten. daß das Gesetz zur Bekämpfung des Wuchers und der Ausbeutung in jeder Form durchaus nicht genüge und nicht genügen könne, die heutige Gesellschafts- ordnung sei nicht im stände, den Wucher zu beseitigen, da sie auf der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen auf- gebaut sei. Wenn aber auch der Wucher erst aufhören könne in dem Augenblick, wo die Ausbeutung durch Vergesellschaftung der Arbeitsmittel in sozialdemokratischem Sinne unmöglich werde, so könne doch auch innerhalb der heutigen Ge- sells ch a fts o r dnun g viel mehr zur Beseitigung des verderblichen, verwerflichen und der- ächtlichen Wuchers geschehen, als der Gesetz- entwurf vorschlage. Es sei möglich und erforderlich, auch den nicht gewohnheits- und gewerbsmäßigen Wucher, auch den Arbeitsvertragswucher, wie er sich in der Ausbeutung des Arbeiters durch besonders niedrige Löhne, durch Koalitionsbeschränkungen usw. zeige, ferner den Miets-, den Agenten-, und Vermittler-, den Grund- und Boden-, den Pfandleih-, den Zoll- und Steuerwucher zu treffen und durch Richter, die aus dem Volk genommen und durch dasselbe gewählt seien, den gegen die arbeitende Klasse gerichteten Wucher zu treffen. Die sozialdemokratischen Abgeordneten stellten nach dieser Richtung hin in der Kommission und im Plenum Anträge. Wiewohl die meisten derselben abgelehnt wurden, stimmten die Sozialdemokraten, Mann für Mann, geschlossen für das Gesetz, das wenigstens den Anfang dazu machte, den Wucher als etwas Unmoralisches zu kenn- zeichnen. Ueber die Stellung der Sozialdemokraten zu dieser Wuchergesetznovelle äußerte sich recht charakteristisch der da- malige Vorsitzende der Wuchergesetzkommission, nachmaliger Präsident des Reichstages, Freiherr v. Buol-Beren- b e r g(S. 1851 der sten. Bcr.) auf eine Aeußerung des Herrn Bos, Mitgliedes derfreisinnigenPartei, die gegen das Gesetz eintrat: „Der Herr Vorredner hat neu vorgebracht, daß wir uns zu hüten hätten, Gesetze zu machen, die eine Verstärkung des sozial! st ischen Gedankens seien und daß uns schon der Umstand stutzig machen mühte, daß die Sozialdemo- kraten sich für diesen Gesetzentwurf so sehr ins Zeug werfen. Ich muh gestehen, das schreckt mich nicht ab. Ich prüfe und entscheide objektiv...: indem wir den berechtigten Kern der Sozialdemokratie aus der Welt zu schaffen suchen und ihre Forderungen, soweit sie berechtigt sind, befriedigen, stützen und fördern wir nicht, sondern bekämpfen wir den sozialistischen Gedanken am wirksamsten. Wenn der Herr Vorredner aber daran noch die Bemerkung geknüpft hat, man mühte noch einen Schritt weiter gehen und dem Antrag Stadt- Hägen beisümmen, dah der Wucher durch Volks- gerichte abgeurteilt werde, so erkläre ich jetzt schon. dah ich auch ohne diese Bemerkung auf diesen Punkt zu kommen gedachte, und zwar zustimmend. Ich hätte gar nichts dagegen, sondern im Gegenteil, ich würde es sogar für zweckmäßig halten." Von den Abstimmungen waren 2 in zweiter Lesung namentlich, nämlich die Absttmmung über den Haupt- Paragraphen des Gesetzes§ 302s und über Artikel 4. Die Abstimmung über K 302s befindet sich Seite 1907 der stcno- graphischen Berichte über die Sitzung vom 18. April 1893. Sämtliche sozialdemokratische Abgeordneten stimmten mit ja. In der Abstimmung über Artikel 4 stimmten die Sozialdemokraten(mit den Nationalliberalen und den Freikonservativcn Gamp und von Stumm) gegen Artikel 4, weil dessen Fassung unannehmbar war. Das sahen die Antrag- steller selbst ein, darauf wurde zwischen zweiter und dritter Lesung eine andere Fassung für Artikel 4 in einer fteien, von allen Parteien besuchten Kommission vereinbart. Diese Fassung war von Stadthagen vorgeschlagen. Sie wurde von den Ab- geordneten v, Buol(Z.), Büsing(natl.), Giese(k.), Hahn(k.), Rintelen(Z.) und Singer(Soz.) als Antrag auf Nr. 191 der amtlichen Drucksachen eingebracht. Für diese zum Gesetz erhobene Fassung stimmten natürlich auch die Sozial- demokrateu. Ebenso stimmten sie bei der Schlußabstimmung für das gesamte Wuchergesetz von 1893. Wann ist die vom Hottentottenstugblatt wieder aufgewärmte Lüge über die Abstimmung der Sozialdemokraten zu den Wucher- gesetzen ins Leben gerufen? Im Jahre 1897 erschien sie in Nr. 74 der vom P a st o r Hülle redigierten Flugblattfabrik und in dem„Politischen Handbuch für nationallibcrale Wähler" S. 538 und 551 unseres Wissens das erste Mal. Sofort nagelte der„Vorwärts" die Lügen fest. Die Blätter der verschiedensten Parteirichtungen, auch die„Nationalzeitung", gaben darauf im Herbst 1897 zu, daß die Sozialdemokratie stets gegen Wucher aufgetreten und für die beiden Wuchergesetze eingetreten ist. Nur der evangelische Pastor Engel vom„Reichsboten" verharrte in seinem Kampf mit der Wahrheit. Der„Vorwärts" hängte diese„Unverfrorenheit zu lügen und zum Lügen aufzufordern" am 17. Oktober 1897 niedriger und führte die in Betracht kommenden Seiten der stenographischen Berichte an. Nun- mehr gab auch der Pastor Engel sein Beharren in der Un- Wahrheit auf. Der Hülle-Schwindel kam auch im Reichstage zur Sprache, Dort erklärte der Staatssekretär Graf v. Posadowskq am 13. Dezember 1897(Seite 175. Spalte B, Zeile 19 bis 14 von unten): Nachdem ich eine Anzahl Zitate aus den Hülleschen Schriften in den Zeitungen gelesen habe, habe ich mir allerdings gesagt. dah einzelne Behauptungen darin sind, die ich für tatsächlich unrichtig halte, wie z. B. die Behauptung, die Sozialdemo- kratie habe den Wucher begünstigt. Das ist eine Behaup- tung, die absolut nicht aufrecht zu erhalten ist. Dann verstummte unseres Wissens die jetzt unter der Verantwortlichkeit des Herrn„Köhler" wieder aufgebrachte Mär über eine ablehnende Haltung der Sozialdemokraten zum Wuchergesetz. Sie tauchte 1903 in einigen Lügenflugblättern wieder auf. Der Sekretär des Abgeordneten Freiherr Hehl zu Herrnsheim verleitete diesen, am 26. Januar 1904(S. 520 0! der sten. Ber.) folgenden Blöd- sinn zu verzapfen: Die Sozialdemokratie hat im Jahre 1894 sogar gegen das Wuchergesetz gestimmt. Das, meine Herren, ist mir das aller- auffälligste. Das versteht auch der sozialdemokratische Arbeiter nicht, warum die Sozialdemokratie gegen das Wuchergesetz ge- stimmt hat." Man sieht, auch von Hehls Sekretär schöpfte aus derselben Quelle, wie der Verantwortliche für den Köhlerglauben: auch er veränderte das Datum der Wuchergesetzes von 1893 in ein erlassenes vom Jahre 1894. Ihm wurde unbarmherzig im Reichstage am 13. Februar 1904(Stenographischer Bericht Seite 945—930) und am 15. Febniar(Stenographischer Bericht Seite 975 und 976) „an der Hand der Akten dargelegt, daß seine Behauptungen Wort für Wort, von Anfang bis zu Ende, das absolute. aktenmäßig nachweisbare Gegenteil der Wahrheit" waren. Die Zeitungen aller Richtungen mußten das damals zugeben. Und heute ruft Herr Köhler zur nationalen Ehre des Hottentottenblocks die alten Lügen von neuem ins Leben. Ein englisches Sprichtwort sagt: wenn er an einer Lüge ersticken könnte, so müßte er jetzt erstickt fein. Der „nationale",„patriotische" Ordnungsbrei lebt von Lügen, darum ist er an den Hunderten von ihm in die Welt gesetzten noch nicht erstickt! Und mit solchem Lügnerpack must sich die Sozial- demokratie immer von neuem herumschlagen! HiKh.fflitläusei'. Wir halten die Zeit vor den Stichwahlen nicht für ge- eignet, lange Betrachtungen über die Schlappe der Sozial- demokratie bei den Wahlen des 23. Januar anzustellen und den Ursachen des Mandatsverlustes nachzuspüren. Zu der- artigen Auseinandersetzungen wird sich nach den Stichwahlen. wenn sich das Gcsamtresultat des Wahlkampss in allen Einzel- heften überblicken läßt, genügend Gelegenheit bieten. Vor- läufig gilt es, alle Kräfte einzusetzen, um noch aus den Stich- Wahlen so viel Politischen Gewinn für unsere Partei heraus- holen, als sich irgend herausholen läßt. Später, wenn der Wahlkampf vorüber ist, mag die Selbstkritik folgen. Wenn wir trotzdem aus dem in der Nummer 55 des „Berl. Tageblatt" enthaltenen Arttkel„Die Niederlage der Sozialdemokratie" einen Auszug veröffentlichen, so geschieht es nicht, weil wir die darin enthaltenen Ausführungen unterschreiben, sondern weil diese Ausführungen charakteristisch sind für die Ideologie bestimmter Kreise der Intellektuellen, die 1903, wenn auch lange nicht in dem Maße, wie der Artikelschreiber annimmt, als„Mitläufer" für unsere Partei gestimmt und sich bei der am 25. Januar vollzogenen Wahl dem sogenannten entschiedenen Liberalismus an- geschlossen haben— weil also der Artikel, der, wie das„Berl. Tagebl." versichert, aus süddeutschen Universitätskreisen stammt, einen interessanten Beitrag zur Psychologie der„Mitläufer- schaft" liefert. In dem Artikel heißt es: Die Wurzel für das Verständnis der sozialistischen Nieder- läge ist im Schicksal des sogenannten„Revisionismus" zu suchen.... Seit der Jahrhundertwende etwa erobert sich die Sozial- demokratie zunehmend die Sympathien der gebildeten Jugend. Nicht daß diese den Glauben an das kommunistische Endziel je ernstlich geteilt hätte: aber sie sah ja Kräfte in der Partei tätig, » denen selber dieses Endziel nichts mehr bedeutete, und sie sah im Auftreten der Wollmar, Heine, Schippel, David selbst Regungen nationalen Geistes, militaristischer, marinistischer. kolonialer Ketzereien, wenn auch vorläufig sehr schüchtern, sich hervorwagen. Kein Zweifel: In der Sozialdemokratie erwuchs die Partei der Freiheit, der Geistigkeit, der Individualitäten, der- Ideen und last not least der Begeisterung; dcr'LiberaliSmus schrumpfte mehr und mehr ein.... 1903 kandidierten alle Persönlichkeiten des Revisionismus aussichtsvoll: die Sprache, die die Revisionisten führten, war deutlicher und kräftiger geworden; je stärker die Sozialdemokratie aus dieser Wahlschlacht hervorging, desto stärker wurde ihr rechter Flügel, desto sicherer muhte sie Gewaltspolitik beweiben. Sie allein konnte das blendende Programm Naumanns„Demo- kratie und Kaisertum" verwirklichen. So rechnete man oder viel- mehr so fühlte man. Und so stimmte man... Es kommt einem heute ganz unglaublich vor, wer und was 1903 alles sozialdemokratisch gestimmt hat: Hochschulprofessoren und Studenten, Aerzte und Künstler, selbst Kaufleute und Beamte, Beamte bis in hohe Stellungen hinein— wer es nicht tat im positiven Glauben an die revisionistische Sozialdemokratie, der tat es ans Verzweiflung am Liberalismus jeder Nuance. Und gab nicht der Revisionismus prompt die Antwort auf das Verwauens- votum, das ihm dargebracht war? Im ersten Heft der„Sozia- listischen Monatshefte", das nach den Wahlen erschien, schlug B e r n st e i n die Beteiligung der Partei am Reichstags- Präsidium samt der Erfüllung der dabei unvermeidlichen „höfischen" Pflichten vor. Die„königlich bayrische sozialdemo- kratie" war auf dem Marsche zu einer kaiserlich deutschen auszu- wachsen. Der Dreimillionen sieg der Sozialdcmo- kratie war ein politischer Sieg ihrer Rc- �visionisten. Darüber sind sich gerade die Radikalen von vornherein klar gewesen, und sie hatten den Erfolg nur mit ge- mischten Gefühlen bejubelt. Bernsteins Vorschlag gab ihnen den lvillkommenen Anlaß, mit dem RevisioniSnmS abzurechnen, ehe die gefährlich gemähigte Reichstagsfraktion sich konstituierte— denn dann wäre eS wahrscheinlich sehr viel schwerer gewesen. Es kam Dresden... Dresden ist das Grab des Revisionismus geworden; faktisch und vor allen Dingen moralisch. Wir wissen ja aus der Darstellung Maximilian Hördens, daß die Revisionisten auch ihrerseits einen entscheidenden Schlag gegen den Radikalismus vorbereiteten: der sollte Mehring treffen. Wir wissen, ivie fein sie den FeldzugSplan ausgedacht, und wie töricht sie ihn ausgeführt haben. Nicht bloß töricht, sondern widerwärtig; unter Wegwerfung aller„kawusss", die man gerade von diesen geistig hochgebildeten Männern als selbst- verständlich erwartet hätte. Wir wissen, dah schliehlich gerade die eigentlichen Revisionisten für die Resolutton stimmten, die ihrem Wirken das Ende setzte. Die Ernüchterung unter der intellektuellen Jugend war vollständig. Der Revisionismus war abgetan; er ist abgetan geblieben. Er hat keinen ernsthaften Versuch gemacht, sich praktisch zu rehabilitieren; nicht einmal als die Angelegenheit der„Vorwärts"-Redakteure dazu einen Anlatz bot. Vermutlich hätte eS ihm auch nichts genützt. Einen Schlag wie Dresden und das, was darauf folgte, verwinden polittsch führende Persönlichkeiten nur in Jahrzehnten und am ehesten, wenn sie für eine Zeitlang von der politischen Bühne abtreten. Dah die Vollmar, Heine, David usw. mit den Radikalen, von denen sie in der rüdesten Weise beschimpft und gedemüttgt worden waren, weiter zu wursteln sich bereit fanden, hat sie um den Rest politischer Ernsthafttgkeit gebracht. Sie zählen nicht mehr. Darüber hat die jetzige Wahl quittiert. Wer die Wirkung beobachtet hat, die die Lektüre der Dresdener Ver- Handlungen ausübte, der hat gewußt, dah seit dem Dres- dener Parteitag es keine Wahl mehr für die Sozialdemo- kratte ohne erhebliche Verluste geben koimte. Schon die einzelnen Nachwahlen haben das bestätigt. Der Stimmen- Verlust war sicher. Den Mandatsverlust hat die nationale und antiklerikale Wahlparole zuwege gebracht, die die Libe- ralen und stellenweise überhaupt die nicht klerikalen bürgerlichen Parteien einte und die grohe Partei der Nichtwähler wieder ein- mal aus der Indifferenz aufrüttelte. Die Niederlage an sich, nur eben nicht in dieser Schwere, wäre auch ohne Auf- lösung, wäre im Jahre 1908 über die Sozialdemokratie gekommen. Unmöglich konnte der Radikalismus die Geister zurückrufen, die einst der aufstrebende Revisionismus um seine Fahne gesammelt und die der zu Kreuze kriechende Revisionismus ent- täuscht und verscheucht hatte. Wir sehen es ja. gerade in den revisionistischen Wahlkreisen haben sich die„Mitläufer" besonders vollständig empfohlen.... Die Gebildeten, und voran die gebildete Jugend, werden nicht mehr die Reihen der Sozialdemokraten verstärken helfen. Sie haben sich, wie es scheint einmüttg, dem Liberalismus zu- gewandt, der damit nach langem Elend heute die zukunftsreichste polittsche Gruppe in Deutschland geworden ist.... Eine Krittk dieser Auffassung liegt nicht in unserer Absicht. Die polittsche Bildung des Verfassers und der von ihm ge- kennzeichneten bisherigen„gebildeten" Mitläuferschast erhellt zur Genüge daraus, daß, wie er selbst erzählt, diese Kreise zuerst„in ihrer Mehrzahl" der sozialkonscrvattven Bewegung ihre Synrpathien geschenkt, dann unter Naumann sich für„Kaisertum und Demokratie" begeistert, einige Jahre darauf für den Revisionismus und die Freiheit der Persön- lichkeit geschwärmt und jetzt bei dem Freisinn angelangt sind. weil er nach ihrer Meinung„die zukunftsreichste politische Gruppe in Deutschland" geworden sei. Nebenbei bemerkt noch eine ziemlich bescheidene Wandlung. Wir kennen aus eigener Erfahrung Leute dieses Schlages, die noch 1903 die Sozialdemokratte in andere„Kulturbahnen" lenken wollten und inzwischen dazu gelangt sind, au konservativen Blättern mitzuarbeiten. Ob darin ein Gewinn oder Verlust steckt, daß die Mitläufer dieser Gattung sich von uns zurückgezogen haben, überlaffen wir dem Utteil der Parteigenossen. Mit unseren: Hamburger Bruderblatt, dem „Echo", sagen wir: „Die Zeit der„Mtläuser" ist für uns vorbei; vorbei auch die Zeit des lässigen SichgehenlasseuL bei den Bürgerlichen, der gegenseitigen Schadenfreude der Fraktionen und Fraktiönchen über die Besiegung des Rivalen durch die Sozialdemokratie. Wir haben damit zu rechnen, dah die Sozialdemokratte auch in der Sttchwahl nur mit ihrer natürlichen Macht, mit der Arbeiterklasse zu rechnen hat. Diese Macht aber muh voll ausgenutzt, das Reservoir muß ausgeschöpft werden."_______ politifcbe Qebcrficbt Berlin, den 31. Januar 1907. Wahlresultat- Telegramme. Die Wahlkomitees der Stichwahlkreise werden gebeten, am Abend des Sttchivahltages spätestens um 11 Uhr das Resultat zu telegraphieren an die Adresse: Dringend. Sozialdemokrat. Berlin. Ist das Resultat noch nicht vollständig, so ist„Teil- resultat" zu bemerken und im Laufe des folgenden Tages ein zweites Telegramm mit dem ganzen Resultat zu senden._ Das Antigewerkschaftsgesetz kehrt wieder! Wie die„Nationalliberale Korrespondenz" mit- teilt, wird den neuen Reichstag nach feinem Zusammentritt außer dem Etat und der kolonialen Vorlage auch wiederum der famose Gesetzentwurf über die Rechtsfähigkeit der Berufsvercine beschäftigen. Das nach russischem Muster zusammengestöppelte neue A n t i- ge werkschaftsgesetz soll also schleunigst wieder aus der Ber- senkung hervorgeholl werden. Ein Gesetz, das von den Vertretern der Gewerkschaften als Gesetz zur Erdrosselung der fteien Berufs- vereine bezeichnet worden ist! Die„National-Zeitung" hat ja bereits vor Wochen die parlamentarische Wiedergeburt dieses GewerkschastsknebelgesetzeS angekündigt. Sie hatte sogar die weitere Mitteilung daran geknüpft. dah dies Gesetz die Grundlage bilden sollte für die Schaffung von Arbeiterkammern. Nachdem also durch dieses Gesetz die freie Gewerk- schaften geknebelt und erdrosselt worden sind, will man endlich Arbeiterkammern schaffen, in denen alle Gewerkschaften, die sich dem Gewerkschaftserdrosselungsgesetz nicht gefügt haben, völlig«nvcr- treten sind! Diese Mitteilung der„Rational- Zeitung" ist trotz unserer wiederholten Aufforderung an die„Nordd. Allgem. Ztg.". diese Ankündigungen des nattonalliberalen Organs zu dementieren, von offiziöser Seite vollständig unwidersprochen ge- blieben! Arbeiter I Bei der Sttchwahl handelt eS sich nicht allein darum. das elementarste politische Recht deS Volkes zu verteidigen, das Reichstagswahlrecht, sondern auch darum, die gewerkschaftliche Arbeiterorganisation vor Vergewaltigung und Entrechtung zu schützen'— Nationalliberale Ueberzeugungstreuc. Zu jenen Blättern, die vor dem 25. Januar am rabiatesten in Poesie und Prosa gegen die„Römlinge' und das«kaudinische Joch des Zentrums" gewütet haben, gehört das Blatt der rheinisch-wcst- fälischen Kohlen- und Eisenmagnaten, die„Rhein.-Westf. Ztg." So- bald der Wahltag vorüber war, und eS sich zeigte, dah die National- liberalen in verschiedenen Wahlkreisen deS westfälischen Industrie- revierS mit sozialdemokratischen Kandidaten in die Stichwahl kommen. z. B. in Dorunund. Bochum, Duisburg, änderte entsprechend dem nationalliberalen Tingeltangelprinzip„Stets wechselndes Pro- ßtamm mit den neuesten Schlagern' das ehrsame Zechenblatt die Richtung seiner innersten Ueberzeugung und begann, das Zentrum schmachtend anzugirren. Ungefähr vier Tage hat dieser Wechsel seiner tiefsten vaterländischen Gefühle angehalten; doch seit gestern gilt ihm wieder das Zentrum als die dem deutschen Vaterland— Profit und Vaterland sind seinem Hirn identisch— drohende schwarze Gefahr. Diesen erneuten Umschlag seiner Gefühle und Ueber- zeugungen hat die von der Zentrumsleitung ausgegebene Stichwahl- Parole bewirkt. Wutentbrannt schreibt das„nationale' Blatt: „Die durch die Hauptwahlen geschaffene Parteikvnstellation und �ine Reihe praktischer Erwägungen legen ein Kompromiß zwischen Zentrum und Nationalen, wenigstens stir den Westen, nahe. Das Zentrum aber scheute eine offene Erklärung. Anstatt der klaren Frage die klare Antwort zu geben, zieht die Partei- erklärung Dinge in die Diskussion, die mit dem, was heute ver- handelt wird, in gar keinem Zusammenhang stehen, die den Wähler in seiner Stimmung nur verwirren können. Den funda- mentalen Unterschied zwischen der nationalen und der sozialdemo- kratischen Weltanschauung kennt jeder Zentrumswähler; auf dieser Grundlage hätte sich eine Wahlparole motivieren lassen.... Zweierlei hat man im Auge. Zunächst spekuliert man auf die Sezessionsgelüste der Freisinnigen und spricht ihnen eine Speisenfolge vor, die ganz nach ihrem Gusto ist und sie zum Verlassen der nationalen Tafel bewegen soll. Das Manöver ist so unverhüllt, daß die Freisinnigen unbedingt stutzig werden und sich in elfter Stunde noch der Wahrheit stes Combrayer Bischofsspruches entsinnen sollten, daß Einigkeit die Kunst der gepriesenen Freiheit ist. Unverkennbar zielt es aber über die Freisinnigen hinaus nach den Sozialdemokraten. Wenn man von dem Ideal der vervoll- ständigten sozialen Reform absieht, hebt das Zentrum in seiner Stichwahlparole die Programmpunkte hervor, in denen es fich mit der Sozialdemokratie verwandt fühlt. Die Erklärung ver- meidet es zwar nngstlick>, die Sozialdemokraten zu unterstützen; die Melodie dieser Erklärung ist aber nur auf diesen Ton ab- gestimmt. Aus diesem Geiste heraus ist des Zentrums Stichwahlparole geboren. Und wenn es nach diesen Herren ginge, die die Welt nur durch ihre dreimal geschwärzte Fraktionsbrille betrachten, so dürften die Sozialdemokraten sich ins Fäustchen lachen. Aber hinter dem Berge wohnen auch Leute. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Bleibt diese Parole noch fünf Tage im Jnduftriebezirke bestehen, so verbürgen wir uns, daß Köln, Essen und Düsseldorf zum letzten Male einen Zentrumsmann nach dem Berliner Königsplatz gesandt haben. Es wird abzuwarten sein. ob die lokalen Wahlansschüsse bereitwillig das Stücklein blasen, das ihnen von Köln aus eingesandt wird.' Es geht doch nichts über nationalliberale Ueberzeugungstreue.— Deutfcbes Reich. Die sozialdemokratische Stichwahlparole. Die' vom Vorstand der sozialdemokratischen Partei aus- gegebene Stichwahlparole hat fast in der gesamten Partei- presse Billigung gefunden. Nur ein Parteiblatt hält die Losung: „keine Stimme einem Nationallibcralen'fur verfehlt: die„Rhein. Ztg.". Sie schreibt: „Diese Anweisung an die Wähler berücksichtigt nach unserer Ansicht zu wenig die Verhältniffe in den westlichen Wahlkreisen, sie schert über- dies alle liberalen Kandidaten unzulässig über einen Kamm. Gewiß steht der Nationalliberalismns auf Gnind seiner parlamentarischen Tätigkeit in dein üblen Geruch einer reaktionären, großkapitalistischen Partei, doch darf nicht übersehen werden, daß sich ihm in der jungliberalen Bewegung ein Flügel angegliedert hat. der jenen alten liberalen Geist zu pflegen vorgibt, der einstmals über der politischen Bewegung des deutschen Bürgertums geschwebt hat. Und diese Bewegung, die man nicht zu überschätzen braucht, aber ebensowenig übersehen darf, hätte die Stichwahl- parole unseres Vorstandes namentlich dort beachten müssen, wo als zweiter Gegner der Sozialdemokratte das Zentrum in Betracht kommt, das trotz seiner Opposittonskomödie vom 13. Dezember regierungsfteundlicher als der Jungliberalismus und reaktionär bis auf die Knochen ist.' Das Motiv ist klar ersichtlich: in Köln steht unser Kandidat mit einem Zentrumskandidaten in der Stichwahl und den Ausschlag gibt der Nationalliberalismus. Diesen möchte unser Kölner Partciblatt gerne zur Wahlhülfe heranziehen. Aber der Vorstand einer großen, über ganz Deutsch- land verbreiteten Partei kann sich nicht aus solche lokalen Sondcrwünsche einlassen; er kann auch nicht, nur damit viel- leicht das eine oder andere Mandat in der Stichwahl gewonnen würde, Wahltechtcmechteleien begünstigen, die reaktionären, den Arbciterintercssen mit größter Feindseligkeit gegenüberstehenden Parteien zu Wahlsiegen verhelfen. Die Stichwahlparvle des Vorstandes unserer Partei ist nach sorgfältiger Prüfung der durch die Wahlen geschaffenen politischen Lage und der sich aus dieser für die Arbeiterinteressen ergebenden Fragen ge- troffen worden unter Berücksichtigung unseres prinzipiellen Standpunktes; sie kann nicht je nach irgend welchen ört- lichen Wünschen umgestaltet oder verändert werden. Ein Missionar über de» südwestafrikanischen Krieg. Der bekannte protestantische Missionar A. Sch owalter äußert sich über die südwe st afrikanischenZu stände in der„Gartenlaube" folgendermaßen: «In unserem südwestafrikanischen Schutzgebiet oder, wie eS bald heißen wird, unserer südwestafrikanischen Kolonie ist immer noch Krieg. Wenigstens berichten die Zeitungen so. Der Reisende i m L a n d, der B e w o h n e r des Landes, ja auch der größte Teil der dort stattonierten Truppen sieht aber davon nichts; nur der Truppeirlieferant merkt es an den Preisen, die er löst, und der Soldat an den e n d l o s e n T r a n S p o r t e n, die er geleitet...- Ueber die Vorteile des Krieges sagt Schowalter: „Dem Krieg haben es die Geschäftsleute in Südwest zu danken— und die Leiter öffentlicher Arbeiten nicht minder— daß es an Arbeitern nicht fehlt. Denn der größte Teil dieser Arbeiter sind Kriegsgefangene, die von dem Gouvernement nach Bedarf abgegeben werden. Und während in Kapstadt ein Schwarzer 80 bis 100 M.. tni Innern des Landes 60 bis 80 M. nebst freier Station im Monat erhält zahlt man in Südwest 10 bis 15 M. und aus dem Lande selbst 9 M. im Monat. Auch für freie Arbeiter, als da sind Berg- und Klippkaffern und OvamboS; die Konkurren, druckt auf sie.' Daß es einem großen Teue der Soldaten, deren furchtbare Notlage die Presse des Hottentotten-Blocks nicht trübselig genug schildern konnte, gegenwärtig gar nicht mehr so entsetzlich geht, beweisen folgende Ausführungen des Missionars: «Offiziere und Mannschaften sieht man hier fast nur mit Stöcken in der Hand, kaum, daß einmal erner umgeschnallt hat. Und doch sind hier in der Stadt noch Europaer genug, daß es fich mit der Rüstung zu paradieren lohnte; � die Sachen in Ordnung zu halten, ist auch hier noch am ehesten mogllch. Woraus sich ergibt, daß man im Lande drinnen noch weniger „militärisch" auftritt." Ueber die Trothasche Ausrottungsstrategie läßt sich der geistliche Landeskenner also vernehmen: „Unter den alten Kolonisten Südwests gibt eS wenige, die nicht mit der Möglichkeit einer baldigen Wiederholung des Auf- standes rechnen; ich glaube nicht, daß die HereroS in absehbarer Zeit wieder an eine Erhebung denken können, und bin gewiß, daß die Gefahr, die ganz Südafrika in dem unausbleiblichen Eni- scheidungskampf zwischen Schwarz und Weiß droht, für Süd- West in weitere Ferne gerückt ist, als irgendwo sonst. Denn der letzte Krieg hat dem Hererovolk nt ehr als ein Viertel seines Bestandes geraubt. Nach den Kämpfen am Waterberg sind die Aufständischen nach der Sandwüste, der Omaheke, ausgewichen, und hier bleichen die Ge- beine von zwölf- bis fünfzehntausend verhungerten und ver- dursteten Menschen. Fünftausend mögen in den Gefechten ge- blieben sein. Tausende sind weiterhin in den Konzentrattonslagern gestorben oder beim Eisenbahnbau. Man erschrickt unwillkürlich, wenn man die Zahlen hört, und denkt an die berüchtigten Konzentrationslager aus dem Burenkrieg... Die ehrliche Wahrheit sieht also ganz anders aus, als die Legenden der ehemaligen Südwestasrikaner, die sich jetzt dem Hottentottenblock als eine Art HagenbecktruPPe zur Ver- fügung gestellt haben!—_ Freie deutsche Schwindelpreffe. Die„Freisinnige Zeitung" hatte in einer ihrer letzten Nummern die Behauptungen aufgestellt, daß die Sozialdemokratie im zweitenBerliner Wahlkreis 1709 Stimmen verloren habe. Diese an sich belanglose, für das Schwindelsystem der„Frei- sinnigen Zeitung' aber t y p i s cl� Fälschung nagelten wir sofort fest, indem wir nachwiesen, daß Aach dem amtlichen Resultat im zweiten Berliner Wahlkreise die Sozialdemokratie nicht 1700 Stimmen verloren, sondern 300 Stimmen gewonnen habe. Die „Freisinnige Zeitung" gibt heute das amtliche Wahlergebnis wieder und knüpft daran die Bemerkung, daß nunmehr sich„das sozial- demokratische Zentralorgan beruhigen' werde. In derselben Nummer aber befindet sich eine Notiz, in der behauptet wird, daß die Sozialdemokratte auch in Schleswig-Holstein sehr schlecht abgeschnitten habe. Selbst in den beiden eroberten Wahlkreisen Altona und Kiel stehe es um die Sozialdemokratie recht bedenklich. In Alwna habe sie einen Rückgang von 4000 Stimmen und in Kiel nur einen kleinen Fortschritt von 770 Stimmen aufzuweisen gehabt! Diese Behauptungen sind e ch t f r e i s i n n i g e r S ch w i n d e l. Im Kreise Altona-Stormarn l?at die Sozialdemokratie nach dem amtlichen Wahlergebnis nicht 4000 Stimmen verloren, sondern 1908 Stimmen gewonnen! Und im Wahlkreise Kiel hat die Sozial- dcmokratie nicht 770 Stimmen, sondern 2172 Stimmen mehr er- halten, als im Jahre 1903! An sich sind diese Feststellungen ja belanglos. Daß aber die „Freisinnige Zeitung' in läppischer Weise in d e r s e l b e n Nummer den einen Schwindel widerruft, um zur gleichen Zeit neigen dreisten Schwindel in die Welt zu setzen, ist überaus bezeichnend für die derzeitige Redaktion des freisinnig-volkspartcilichen Zentral- organs. Prinzipiell stand ja allerdings die„Freisinnige Zeitung" auch zu Eugen Richters Zeiten nicht höher als heute. Zu dieser prinzipiellen Verlotterung ist indes seit Eugen Richters Tod ailch noch eine intellektuelle Unfähigkeit hinzugekommen, die ihres gleichen sucht. Ein siebenjähriger ABC-Schütze vermag besser zu rechnen, als die Redaktion der„Freisinnigen Zeitung"! Eine Abweisung. Die Nationalliberalen. die noch vor acht Tagen in schwülstigen Kulturkampfpoesien schwelgten, betteln und flehen jetzt in den de- mutigsten Tönen um die Gunst des Zentrums bei den Stichivahlcn. allen voran der in Wiesbaden erscheinende«Rhein. Kurier", denn in seinem Wahlkreis kommt der nationallibcrale Kandidat. Herr Bartling, mit dem Genossen Lehmann in die Stichwähl, und den Ausschlag gibt bei dieser das Zentrum mit 8919 und der Freisinn mit 7635 Stimmen. Auf dieses Gewinsel antwortet spöttisch die „Köln. Voltsztg.": »Wie ist das alles so hübsch gesagt: vergeben, vergessen, sich versöhnen! Wir wollen nun nicht annehmen, daß denc..Rhein. Kurier" das alles nicht ernst gemeint sei. und daß es sich dem Blatte nur darum handele, für Herrn Bartling in Wiesbaden Stimmung zu machen. Der„Rheinische Kurier" gehört nämlich zu den Blättern, welche sich zuweilen durch eine gerechtere Haltung gegenüber dem Zentrum vor anderen nationalliberalen Organen auszeichnen. Darum eine kurze Antwort auf seine Auslassung. Wenn selbst ein Paktieren der Zentrumsvartci mit den Nationalliberalen nach allem, was vorgegangen ist, insbesondere nach der ganzen Geschichte der Reichstagsauflösung vom 13. De- zembcr v. I. und nach den maßlosen Beschimpfungen der Zentrumspartei durch nationalliberale Blätter und Redner moralisch möglich wäre— was nicht der Fall ist—, glaubt dann der„Rheinische Kurier" ehrlich, daß ein Paktieren der Zentrums- Partei mit den Nationalliberalen für die Zentrumspartei von praktischer Bedeutung sein könnte? In der gestern in Köln abgehaltenen Konferenz, deren Ergebnis an der Spitze der Rubrik„Wahlbewegung" mitgeteilt ist, war man allgemein der Ansicht, daß diese Frage zu verneinen sei, zu ver- neinen im Hinblick auf frühere Erfahrungen, wo trotz der bestimmtesten von dem nationalliberalen Parteivorstande förmlich und feierlich abgegebenen Erklärungen die Mehrheit der eigenen Parteigenossen der ausgegebenen Parole nicht folgte, im Hinblick besonders auf die gegenwärtige wähl- politische Situation, in welcher die nationalliberalen Führer, selbst wenn sie überall wollten, nirgends in der Lage sein würden, die Mehrheit der eigenen Parteigenossen zur Unter- stützung der Kandidaten der Zcntrumspartei auch gegenüber den Sozialdemokraten zu bewegen, so daß man den Nationalliberalis- mus selbst unter dem ausschließlich wahltaktischen Gesichtspunkt als bündnisfähig nicht erachten könne." Polizeiliche Haftftrafcn gegen Militürpersonen. Nach dem Gesetz vom 23. April 1883 kann die Polizei gegen Milltärperionen in Preußen wegen llebertrehingen zwar Geldstrafen nicht aber Haftstrafen festsetzen. Diese Haftstrafen werden auf Grund der Strafgerichtsordnung vom 3. April 1845 durcb die Militärgerichte festgesetzt. Da diese Strafgerickitsordnung durch§ 2 der ReichS- MilitärftrafgerichtSordnung abgeändert ist, so will ein dem Herren- hause vorgelegter Gesetzentwurf der Polizei evenwell den bürger- lichen Gerichten die Haftfcstsetzung bei Zuwiderhandlung gegen Finanz-, Polizei-, Jagd- und Fischereigesetze der Polizei, beziehent- lich den bürgerlichen Gerichten ausdrücklich übertragen.— Preußische Polenpolitik. In der heutigen Sitzung der Straf- kammer zu Gnesen wurde der Dekan Maximilian Mrugas in Bomst wegen Vergehens gegen§ 130a des Strafgesetzbuches(Gefährdung des öffentlichen Friedens), begangen in einer Predigt in der Kirche von Potulitz, unter Annahme mildernder Umstände zu drei Wochen Festungshaft verurteilt. Ferner wurde der Pfarrvcrlveser Leon Formanowicz in Modliszewko wegen desselben Vergehens und wegen Verteilung von Schulstreikzctteln zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt. Hudtand« Ungarn. Justizminister Polonyi hat endlich sein Amt niedergelegt. Im Abgeordnetenhause legte er am Donnerstag vor Eintritt in die Tagesordnung die Gründe semer Demission dar. Seiner Ansicht nach solle ein Minister nicht einen Prozeß wegen Ver- lenmdung anstrengen, solange er das Vertrauen der Majorität besitze. Da diese Anschauung nicht von allen Teilen der Koalition gebilligt sei. habe er den Prozeß eingeleitet. Damit jedoch während des Verfahrens die Würde seines AmteS keine Einbuße erleide. habe er demisfionicrt. Er halte unentwegt fest an den Prinzipien der Unabhängigkeitspartei.(Lebhafter Beifall.) Der Justizminister verließ hierauf unter den Beifallskundgebungen seiner Anhänger den Saal. Der Abgeordnete Hoitsy(Unabhängigkeits- Partei) widmete den Verdiensten Polouyis die wärmste Anerkennung und verlas hierauf die gestrige Resolutton der Unabhängigkeits- Partei, die das Bedauern über den Rücktritt Polonyis ausdrückt.(!) Frankreich. Ein vorläufig beigelegter Zwischenfall. In der Deputiertenkammer gab es gestern so etlvas wie eine Ministerkrise. Das Haus setzte die Weiterberatung der Vorlage bc- treffend die Versammlungsfreiheit fort und nahm einen Zufatzarttkel an, nach dem die B ü r g e r m e i st e r angewiesen werden, den Veranstaltern von Versammlungen ein Lokal zur Verfügung zu stellen, falls ein solches vorhanden ist. Ein Antrag Meunier, das Inkrafttreten des Gesetzes zu vertagen, wird vom Minister B r i a n d bekämpft, der die Radikalen auffordert, sich klar und deutlich auszu- sprechen, statt sich heiinlicher Machenschaften zu bedienen und die Regierung zu stürzen. Jaurös erklärte, er werde gegen den Antrag Meunier stimmen. Dann nahm Ministerpräsident C l e m e n c e a u das Wort zu einer witzigen Rede, in die er witzige Bemerkungen gegen Briand ein- flocht. Ein Privattelegramm des„Verl. Tagebl." schildert den Vor- gang wie folgt: Er nennt ihn. einen Optimisten, sagt, der Kultusminister habe nach seinen eigenen Worten zwar alles vorausgesehen, nur nicht das, was eingetreten sei.„Wollen Sie", fährt Clemencean fort,„daß ich Ihnen meine Anficht über das Dokument der Bischöfe sage?(Die unten im Artikel„Die Bedingungen Roms" charakterisierte Kundgebung. D. Red.) Es ist nichts als ein schlechter Zeitungsartikel. Wenn man darin die Absicht erblickt, eine Verhandlung mit der Regierung ein- zuleiten, so erlläre ich: Die Regierung verhandelt nicht. Dies unverschämte Ultimatum stößt die Regierung mit dem Fuße zurück. Man sagt, daß der Grundsatz der Kirche sei: Alles oder nichts! Wenn sie uns diese Frage stellt, antivorten wir: Nichts!" Bei diesen Worten steht Briand, der eine Zeitlang ruhig zu- gehört hat, plötzlich auf und verläßt den �Saal. Der Marine- minister folgt ihm. Eine Anzahl Abgeordneter stürzt den beiden eilig nach. Nachdem Clemenceau geschloffen hat, kennzeichnet I a u r 5 s die Situation. Er fragt, ob Clemenceau genau überlegt habe, was er getan, als er von Briand in dieser Weise sprach. Dieser Vor- gang sei bisher noch nicht erhört gewesen, und die Kammer habe das Recht, es zu erfahren, wie sich das erklären lasse. In großer Erregung steigt Clemenceau, während auf ver- schiedenen Bänken mit den Deckeln geklappt wird, auf die Tribüne. „Wenn mein Kollege von mir beleidigt ist," sagt Clemenceau, „so spreche ich ihm hier mein Bedauern ans. Seine Mitwirkung ist mir unentbehrlich. Partei und Land schulden ihm tiefe Dankbarkeit für seine unvergleichlichen Dienste. Herr Jaurös sagte, der Herr Minister habe die Absicht, sein Anit niederzulegen. Das dürfe nicht geschehen. Herr Ja u res spricht meine Empfindungen aus. Ich hoffe, daß es den Vorstellungen der revublikanischen Majorität gelingen wird, Briand auf diesen Platz zurückzuführen." Auf die Rufe:„Wo ist Briand?" verläßt Clemenceau den Saal und kehrt nach einigen Minuten mit Briand zurück, der leichenblaß und erhobenen Hauptes neben ihm wieder auf der Ministerbank Platz nimmt.(Donnernder Beifall auf allen Bänken.) Die Vorlage über die Anmeldung von Versammlungen wird sodann im ganzen mit 650 gegen 5 Stimmen angenommen und die Sitzung vertagt._ Die„Bedingungen" Roms. Paris, 29. Januar.(Eig. Bcr.) Die französischen Bischöfe haben gestern eine von der Kurie vorher gebilligte Erklärung beschlossen, in der sie— nach allerlei heftigen Beschimpfungen der„Kirchenräuber"— schließlich die Möglichkeit einer Unterwerfung unter das Kultusgesctz vom 2. Januar d. I.— nach einer wichtigen Abänderung allerdings— zugeben. Sie verlangen nämlich die Ausarbeitung eines form- lichen Kontrakts, der den Pfarrern außer der Sicherung der im Gesetze bedingungsweise ausgesprochenen unentgeltlichen Ucberlassung der Kirche und ihrer Einrichtung Garantien für die ungestörte Ausübung des Gottesdienstes und die Aufrechterhaltung der hierarchischen Prinzipien gibt. Sie legen sogar ein F o r- m u l a r eines solchen Vertrages vor, dessen Hauptbestimmungen sind: Eine Gültigkeitsdauer von 18 Jahren, den Ucbcrgang der Rechte des geistlichen Kontrahenten an seinen vom Bischof ernannten Nachfolger, das Erlöschen des Vertrages, sobald der Bischof den Pfarrer seines Amtes entsetzt, der Verzicht des Bürgermeisters(für sich und seine Nachfolger) auf die Verwaltung der Pfarre und die Bedingungen der Benutzung des Kirchengcbäudes Einfluß zu üben, endlich ausschließliche Polizcigclvalt des Geistlichen in der Kircbe außer im Falle von Ruhestörung. Dieses vom Papst gebilligte Angebot der Kirche ist in dieser Gestalt zweifellos für die Republik unannehmbar, um so mehr, als die Bischöfe seine Annahme durch alle Bürgermeister und Prnfckten Frankreichs als unumgängliche Bedingung auf- stellen. Das Angebot ist auch praktisch unausführbar, weil die 30 000 Bürgermeister sicherlich nicht in ihrer Gesamtheit für die Unterzeichnung eines solchen Vertrages zu haben sein werden, der sie auf ihre Rechte verzichten beißt, im Falle der Vcnvcigerung der Deklaration auf Grund des Versammlungsgesetzes die Kirche nicht unentgeltlich zu überlassen. Vor allem aber stellt die For- derung eines solidarischen Abschlusses des Vertrages offen- kundig den Versuch dar, das Konkordat unter einer anderen Form zu erneuern. Die Kirche soll wohl nickt in der Person des Papstes, aber in der Gesamtheit d c r P f a r r e r in ein Ver- tragsverhältnis mit der weltlichen Macht treten. Sogar der„Temps" erklärt die Bedingungen des Klerus für unmöglich, meint aber, die Kirche werde sich wohl damit zufrieden- stellen, die unentgeltliche Benutzung der Kirchen gesichert zu er- halten. Dazu aber wäre eine Abänderung des Gesetzes vom 2. Januar nötig, und es ist wohl ausgeschlossen, daß die radikale Linke der Regierung ein weiteres Nachgeben gestatten wird. Immerhin scheint sich in dem Angebot die Erkenntnis der Kirche auszusprechen, daß ihre bisherige, auf die Erringung der gläubigen Massen abzielende Politik arg mißglückt ist und daß ein weiterer Widerstand nur ihr selbst zum Schaden gereichen könnte.— Die„gesctzestrrue" Kirche. Paris, 31. Januar. Der Erzbischof von Bordeaux erklärt, keine Schritte unternehmen zu wollen, uni die Erlaubnis zur Abhaltung von Gottesdiensten in der K a t h e d r a l e erhalten zu können. Paris, 31. Januar. In Brest weigern sich die Priester, ihre Wohnungen zu verlassen und die Behörden lehnen die Verantwortung ab. sie niit Gewalt aus denselben zu entfernen. Sie haben sich da- her wegen neuer Justruktionen nach Paris gewandt. Paris, 31. Januar. Für nächsten Sonntag sind vor der Kirche in der Rue Lcaendre, wo zum ersten Male eine öffentliche Messe der schiSmalischen Kultusgenossenschaften gelesen werden soll, umfassende polizeiliche Maßnahmen vorgesehen, da von vattkantreuer Seite Kundgebungen geplant sind. England. London, 31. Januar. Bei der Wahl zum Unterhause in Nordost-Derbyshire wurde Harvay(liberale Arbeiterpartei) mit 6644 Stimmen gewählt..Court(Unionist) erhielt 5915 Stimmen. Das Mandat dieses Kreises ist somit der libc» ralen Arbeiterpartei erhalten geblieben. Rusiland. Die Räumung der Mandschurei. Aus Petersburg meldet die Petersburger Telegraphen-Agentur vom 31. Januar: Die Räu- mung der Mandschure» beginnt heute mit der Abfertiauna des LS. Moskauer Infanterieregiments. kommunales. Stadtverordneten-BersamWluag. 3, Sitzung vom Donnerstag, den 31. Januar. Nachmittag 5 Utzr. Die Sitzung wird vom Vorsteher-Stellvertreter M i ch e l e t «m Uhr eröffnet. Der Borsteher Dr. LangerhanS ist noch nicht ganz wiederhergestellt, hofft aber schon in nächster Zeit wieder seines Amtes walten zu können. � Die von der Versammlung zu unbesoldeten Stadt- raten gewählten bisherigen Stadtvv. R a st und Buchow, die die Bestätigung der Regierung gefunden haben, werden durch den Oberbürgermeister K i r s ch n e r vereidigt und in ihr neues Amt durch eine längere Ansprache eingeführt. Auch Vorsteher-Stcll- Vertreter M i ch e I e t begrüßt die beiden neuen Magistratsmit- gheder namens der Versammlung. Der Versanimlung haben deren vier Fraktionen, sowie die sozml-fortschrittliche Gruppe folgenden dringlichen Antrag unterbreitet:„Die Stadtverordnetenversammlung bewilligt zwecks Unterstützung der durch die W e t t e r e x p l o s i o n e n auf der Grube Reden bei Saarbrücken verunglückten Berg- arbeiter und der Witwen und Waisen der Getöteten aus städtischen Mitteln einen Betrag von 10 000 M. Die Versamm- lung ersucht den Magistrat, diesem Beschluß beizutreten." Der Vorsteher-Stellvertreter Michelet gibt bei der Mit- teilung vom Eingange dieses Antrages der tiefen Sympathie der Berliner Bürgerschaft für die Opfer der Katastrophe Ausdruck und spricht insbesondere auch denen seinen Dank aus, die aus diesem Anlaß jenseits der Grenzen ihre Teilnahme für die von der Explosion Betroffenen und ihre Sympathie für die deutsche Nation bekundet haben. Stadtv. Cassel beantragt die Verhandlung des Antrages vor der Tagesordnung; die Versammlung ist damit einverstanden. Stadtv. Cassel: Der Vorsteher-Stellvertreter hat schon der all- gemeinen Trauer Ausdruck gegeben über das entsetzliche Unglück, welches die Bergleute der Redengrube betroffen hat. Es handelt sich um eine fiskalische Grube, es wird also in erster Linie Aufgabe des Staates sein, das Elend der Witwen und Waisen nach der materiellen Seite hin zu lindern; es wird aber auch eine Aufgabe der freien Licbestätigkeit sein, für die erste Not einen kleinen Beitrag zu gewähren und dadurch anregend und anspornend auf weitere Kreise einzuwirken. Der ein st immige Antrag der Ve r s a m m l u n g soll aber auch ein Zeichen dafür sein, daß, wie scharf auch sonst vielleicht in der Versammlung sich Gegensätze geltend machen mögen, wir alle eines Sinnes sind, wenn es sich um die Linderung unverdienten Elends und unverdienter Not handelt. (Allseitiger Beifall.) Stadtv. Singer(Soz.): Ich möchte die Diskussion nicht ver- längern, sonst würde ich mich den Ausführungen des Vorredners durchaus anschließen können. Ich schlage vor/ da es sich um eine Geldbewilligung handelt, die zunächst von einem Ausschutz zu prüfen ist, einen Ausschuß von 5 Personen sofort vom Vorstande ernennen und ihn noch im Laufe der Sitzung Bericht erstatten zu lassen. Die Versammlung stimmt dem zu; der Ausschuß wird aus den Mitgliedern Cassel, Singer, Mommsen, Kreitling und Deutsch zu- sammengesctzt. Nach wenigen Minuten beantragt Stadtv. Cassel namens dieses Ausschusses die Annahme des Antrages. Ohne Debatte wird einstimmig die Bewilligung der 10 000 Mark ausgesprochen. Darauf tritt die Versammlung in die Tagesordnung ein Stadtv. Dr. Paul(N. L.) berichtet über die Ausschußverhand lungcn zur Vorlage betr. die bei dem Untersuchungsamti der Stadt Berlin für Nahrungsmittel, Genutzmittel und Gebrauchsgegenstände zunächst einzurichtenden Stellen. Der Ausschuß hat fast mit Einstimmigkeit und unter Zu stimmung des Magistratsvcrtrctcrs die Vorlage dahin erweitert, daß 1. die Bezeichnung der Anstalt lauten soll„G e s u n d h e i t s- a m t der Sadt Berlin", daß 2. für den Untersuchungsbctrieb und für die Leitung des Amtes a) ein Hhgieniker als Direktor mit einem Anfangsgehalt von 10— 12 000 M., b) drei Abtei lungsvorsteher für je eine chemische, physikalische und bab teriologische Abteilung(Anfangsgehalt 6000 M.), c) die erfordev liche Anzahl von Assistenten(Anfangsgehalt 3000 M.) ein- gestellt werden. Außerdem soll der Magistrat ersucht werden, im Einvernehmen mit dem alsbald zu wählenden Direktor die Wahl der drei Abtcilungsvorsteher noch vor Eröffnung des Amtes vor- zunehmen und die Bildung einer Deputation für das Gesund heitsamt möglichst bald zu veranlassen. Vom Stadtv. Modler(A. L.) wird beantragt, daS Gehalt des Direktors auf 12 000 M. festzusetzen. Stadtrat Strahmann stellt richtig, daß er nicht etwa vor behaltloS allen Anregungen des Ausschusses zugestimmt habe Stadtv. Hcrzberg(Fr. Fr.) hält die Wahl des Namens„Ge- sundheitsamt" für nicht glücklich. So lange die Stadt die Wohl- fahrtspolizei und die Gesundheitspolizei nicht in Hände» habe, würde dem Gesundheitsamt der Inhalt fehlen und das Institut unter falscher Flagge segeln. Man solle bei dem„Untecfuchungsamt bleiben. Die Ausschußvorschläge unter 2 akzeptiere seine Fraktion, bitte aber um Ablehnung des Vorschlags gub 1. Stadtv. Modlcr(A. L.): Die Bedenken des Vorredners sind im Ausschuß gründlich erwogen worden und dort hat man sich gegen einige wenige Stimmen für das„Gesundheitsamt" entschieden, welcher Name allein die Gesamtheit der dem Institut zuzuweisenden Aufgaben erschöpft. Das Gehalt des Direktors wollen wir auf an fänglich 12 000 M. festsetzen; die Anfügung einer Skala kann vor behalten bleiben. Stadtv. Friebcmann(soz.-fortschr.) tritt für die unveränderte Annahme der AuSschußvorschläge ein. Stadtv. Sachs(A. L.) bemängelt, daß der Ausschuß dem Magistrat vorschreiben wolle, durchaus einen Hygieniker zum Direktor zu machen. Stadtv. Dr. Zadel(Soz.): Die heutige Verhandlung schüttet viel Wasser in den Wein der Verhandlungen vom 6. Dezember, und nicht zum wenigsten tut dies gerade Herr Herzberg, der da- mals zu den Begeistertsten gehörte. Alle die Herren haben heute so etwas wie einen Zurückzieher gemacht; es soll auch heute nichts als das städtische Untersuchungsamt herauskommen, nicht das Weltinstitut, von dem damals gerade Herr Baurat Herzberg sprach. Herr Herzberg wollte damals etwas anderes, er will heute etwas anderes; von der Schulluftuntersuchung, auf die Herr Herzbcrg damals so eindringlich hinwies, hat er heute nichts erwähnt. Die Frage der ständigen Wafseruntersuchung ist eine Frage von der allerwichtigsten Bedeutung; schon vor Jahren habe ich in dieser Versammlung aus Anlaß des Auftretens von Typhus- fällen darauf hingewiesen. Wir dürfen doch das Amt in dem Kreise seiner Aufgaben und in seiner Erweiterungsfähigkeit nicht beschränken; wir wollen doch nicht bloß ein simples chemisches Laboratorium schaffen, wie sie längst in Berlin zahlreich existieren. Stadtv. Professor Landau(A. L.): Der Ausschuß hat sich nicht angemaßt, dem Magistrat hinsichtlich der Exekutive irgendwie Vor- schriften machen zu wollen; auch nicht durch die Wahl des Namens, der gerade daS richtige von der städtischen Verwaltung zu er- strebende Ziel bezeichnet. Redner legt dar. daß die ganze Ent- Wickelung des städtischen Sanitätswesens dahin drängt, ein solches Amt als Zentralstation zu schaffen. Den Antrag Modler bittet er gleichfalls anzunehmen. Oberbürgermeister Kirschner: Nach dem Gange der Diskussion scheinen mir die Meinungen doch noch sehr auseinanderzugehen und ich glaube auch nicht, daß der Magistrat mit dem Ausschuß- antrage etwas anfangen kann. Speziell über die Kompetenz des verlangten„Gesundheitsamtes" besteht noch gar keine Klarheit. Wir leben auch gar nicht in so verrotteten Verhältnissen, wie es nach der Darstellung der Freunde eines solchen Gesundheitsamtes scheinen möchte. Was uns fehlt, was eine Notwendigkeit ist, das ist ein Institut für Nahrungömitteluntersuchungcn. Von dieser Forderung ist auch ausgegangen worden; wir haben das Haus gebaut und jetzt soll plötzlich etwas ganz anderes in dieses Haus hinein, als beabsichtigt war. Auch unser NahrungSmittelinstitut SZerantw. Redakteur: Hanl Weber, Berlin. Inseratenteil BtrantA; tbird auf der Höhe der Wissenschaft zu stehen haben, aber cS kann keine autoritative Verwaltungsinstanz fein. Ein allgemeines Gesundheitsamt würde nicht vom Staate anerkannt bezw. mit Be- rechtigungen ausgestattet werden. Um zweckmäßig zu verwalten, brauchen wir nicht immer neue Deputationen, sondern wir sollten die alten zusammenlegen. Stadtv. Ritter(Fr. Fr.) beantragt, die ganze Angelegenheit an den Ausschuß zurückzuverweisen. Stadtv. Grsnewaldt(A. L.) hält auch dafür, daß der Name „Gesundheitsamt" zu Mißverständnissen führen kann, und schließt sich dem Antrag Ritter an. Stadtv. Landau: Neben dem Nahrungsmittelamt brauchen wir notwendig eine Stelle für allgemeine hygienische Untersuchungen. Wir warten auf die letztere schon sehr lange, wie wir auf die erstcre gewartet haben, bis die Polizei der Stadt Berlin damit zuvorgekommen ist. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.): Nach den Erklärungen des Ober- bürgermeisters ist nochmalige Ausschußberatung gar nicht zu ver- meiden. Die Vorlage wird mit den inzwischen gestellten Amendements an den Ausschutz zurückverwiesen. Die Vorlage wegen Bewilligung von 160 000 M. für Vorarbeiten zur Erweiterung der städtischen Wasserwerke ist nach erschöpfender Erörterung der erhobenen Anstände vom niedergesetzten Sonderausschuß schließlich einstimmig zur Annahme empfohlen worden. Stadtv. Dr. Wehl(Soz.): Nachdem im Ausschuß die Frage wirtschaftlich, hydrologisch, technologisch geprüft worden ist, freue ich mich erklären zu können, daß die früher geäußerten Bedenken hinfällig sind und daß die Wasserversorgung Berlins für absehbare Zeit in Ordnung ist. Wir werden also heute die Vorlage an- nehmen. Die Versammlung genehmigt darauf die Vorlage ohne weitere Diskussion. Zur Diskussion gelangt nunmehr die neueste Magistratsvorlage zur Gemeinde schullehrer- Besoldungsordnung, welche den langwierigen Streit zwischen Magistrat und Ver- sammlung endlich aus der Welt schaffen soll. Ter Magistrat kommt hinsichtlich der Ordnung der Alterszulagcn soweit entgegen, daß die erste Stufe(nach 7-jähriger Dienstzeit) nicht, wie er zuletzt verlangt hatte, auf 1ö0 M. ermäßigt, sondern auf 2ö0 M. normiert werden soll, dann sollen die weiteren acht Stufen mit je drei- jährigem Zwischenraum auf 300, 200, 300, 200, 2ö0, 2ö0, 250, 250 Mark bemessen werden. Das Endgehalt des Lehrers stellt sich damit auf 1450-b2250-i-750 M. Wohnungsgcld— 4450 M. Bei den Rektoren soll das Grundgehalt 2350 M., die Mietsentschädigung 900 M. betragen, bei den Lehrerinnen Grundgehalt 1100 M., Alterszulagcn nach 3, 6, 9, 12, 15, 13, 21 und 24 Jahren: 100, 100, 100, 200, 200, 200, 200, 200 M.. Mietöentschädigung 500 M, Fa ch- lehrerinnen: Grundgehalt 1000, Mietsentschädigung 400, Alterszulagen nach 7mal 3 Jahren sechsmal je 100, zuletzt 120 M. Die neue Ordnung nach dem neuesten Magistratsvorschlag bringt 2044 von 3012 Lehrern Gehaltszulagen zwischen 50 und 300 M. Von zwei Seiten wird Ausschußberatung beantragt. Stadtv. Singer(Soz.): Ich beantrage, den Ausschutz sofort zu ernennen, da jedenfalls der ganzen Versammlung daran gelegen sein wird, die Beschlußfassung möglichst zu beschleunigen. Nach unserer Meinung wäre Ausschußberatung nicht nötig gewesen. Wir können jetzt nur wünschen, daß im Ausschuß die Borlage eine möglichst unfreundliche Aufnahme findet, w i r sind wenigstens vor ihr aufs allerpeinlichste berührt worden. Wir haben wiederholt zu erkennen gegeben, daß eine Verände- rung der Altersskala nicht mehr unseren Wünschen entspricht. Materiell ist ja der Unterschied zwischen dem letzten Stadt- verordnetenbeschlutz und der jetzigen Vorlage nicht von großer Be- deutung gegenüber unseren Etatsverhältnisscn, aber selbst wenn das ver Fall wäre, darf ich wiederholen, daß die Ver- sammlung bei allem Respekt vor den Rechten des Magistrats doch die geeignetere Beurteilerin ist, weil sie bessere Fühlung mit den Verhältnissen hat, die hier in Frage stehen, Tic Stadtverordnetenversammlung, die mit den Vertretern der Schulkommissionen in vielfacher Berührung steht, auch direkt in der Schulverwaltung zu tun hat, dringt tiefer in die Dinge ein, als der Magistrat, und ihr sich immer wieder- holendes Votum muß also doch solche Bedeutung haben, daß es dem Magistrat an seiner Würde nicht geschadet hätte, wenn er sich endlich den Wünschen der Versammlung fügte Dies zur formalen Seite. Sachlich ist die Borlage die schlechte st e von allen, die wir auf diesem Gebiete bekommen haben. Die Lehrerschaft soll nicht nur in der Höhe der Zulagen differenziert werden; es sollen jetzt auch etwa 1000 Lehrer überhaupt keine Zu- lagen erhalten. Für den Magistrat ist dabei immer bloß die Gesamtsumme der Aufwendungen für den einzelnen Lehrer maß- gebend. Das erinnert mich an die Bercchnungsmethode gewisser Statistiker, welche eine Steigerung des Vermögens jedes einzelnen Deutschen herausrechnen, weil in den Händen der Kapi- talistcn die Vermögen immer stärker anwachsen. (Heiterkeit.) Daß diejenigen, die nichts bekommen sollen, die Selbstlosigkeit, welche man ihnen von Magistrats wegen zumutet. nicht besitzen, kann ihnen niemand verdenken. Zu seinem Resultat konnte der Magistrat überhaupt nur dadurch kommen, daß er jetzt statt der 10 Zulagenstufen bloß 9 vorschlägt. Der Versammlung kann aber damit nicht gedient sein, denn wir haben die Not- wendigkeit der Erhaltung der Berliner Altersftala immer in den Bordergrund gestellt. Der Versuch, hier eine Verschiebung zu machen, scheint mir daher kein sehr glücklicher. Bisher betrugen die Zulagen 2400 M., jetzt werden sie auf 2250 M. reduziert! Diese Differenz von 150 M. soll ausgeglichen werden durch die Erhöhung des Anfangsgehaltes auf 1450 Mk. Eine solche Ver- schiebung kann man doch nicht mit dem neuerlichen Hochschwung magistratSoffjziöser Begeisterung als eine Verbesserung hinaus- schreien! Das neueste Gebräu aus dem Magistratslaboratorium hat uns jedenfalls sehr enttäuscht, sofern darin eine Regelung gefunden werden sollte, die uns befriedigte. Die Erhöhung um 100 M. erhalten nun nicht einmal aste Lehrer. 294 Lehrer werden 50, etwa 300 Lehrer werden 300 M., dazwischen etwa je 500 Lehrer Aufbesserungen von 100, 200 und 250 M. erhalten; aber 968 Lehrer erhalten gar nichts! Nichts wäre falscher als die Auf- fassung, daß die Lehrer überhaupt nichts zu sehen bekommen würden, wenn diese Vorlage abgelehnt wird. Der Magistrat wird hier den Wünschen der Bürgerschaft folgen müssen, er wird gar nicht imstande sein, auf seiner Ablehnung zu verharren. Wegen einer verhältnismäßig geringen Summe kann sich der Magistrat nicht auf einen Standpunkt stellen, der ver- zweifelte Aehnlichkeit mit Eigensinn hat. Die Lehrerschaft selbst will ja auch lieber auf dieses Angebot des Magistrats verzichten, als die Regelung preisgeben, wie sie die Versammlung als die richtige hingestellt hat. Ich schließe mit dem nochmaligen, allerlebhaftesten Bedauern darüber, daß auf dem Gebiete der Jugenderziehung ein fiskalischer Standpunkt betreffs der Ausgaben vom Magistrat eingenommen wird, der sich längst unmöglich gemacht haben sollte. Die Vororte bessern unaufhörlich ihre Lehrergehälter auf. In den letzten Jahren haben wir be- züglich der Qualifikation der neuen Lehrer, die wir anstellen wolle», unsere Ansprüche erheblich zurückschrauben müssen.(Hört? hört!) Den weitaus größeren Teil unserer neuen Lehrkräfte bekommen wir von außerhalb; Berliner junge Leute ergreifen recht wenig diese Karriere. Charakteristisch ist es doch, daß wir eine gewisse Besorgnis zu hegen anfangen müssen, daß das Lchrermaterial bei der Anstellung zu wünschen läßt. Hoffen wir, daß der Magistrat sich endlich geneigt finden wird, unserem Beschluß beizutreten. Ich würde kein Bedenken sehen, die dafür notwendige Summe von uns in den Etat einzusetzen und dem Magistrat zu überlassen, sich cvent. mit uns deswegen in einen Streit zu ver- wickeln. Die Handelei, in die er sich schließlich eingelassen hat, wo es sich jetzt dielleicht bloß noch um 100 000 M. handelt, ist kein Einsatz gegenüber dem M:llionenetat der Stadt. Durch Nach- giebigkeit des Magistrats sollte diese leidige Streitfrage jetzt ein für allemal begraben werden.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Oberbürgermeister Kirschuer: Auch diejenigen Lehrer, die April 1906 keine Erhöhungen erfuhren, erhalten solche im Laufe des Jahres 1906, alle übrigen im Laufe von 1907; es sind also tatsächlich auch die erwähnten 968 nur teilweise von den Erhöhungen ausgeschlossen. Bei der neuen Skala, die wir vorschlagen, hat jeder Lehrer auf die Dauerc seinen Vorteil. Wenn ich immer hören muß:„die Bürger- schaft stimmt einmütig dieser Forderung zu"— ja, wir im Magi- strat sind doch auch noch Bürger und wir stimmen nicht zu. Auch ausdenKreisenderkleinerenBür gerschaft könnten wir Herrn Singer namhafte Zeugen dafür anführen, daß das jetzt Gebotene»ausreichend ist; viele von ihnen wären mit den Be- trägen, we.vn sie ihnen zukämen, recht zufrieden.(Heiterkeit.) Der Magistrat hat der Versammlung fortdauernd Entgegenkommen gezeigt, auch in der neuesten Vorlage. Eine weitere Er» höhung des Lehrerdien st einkommens im ganzen erscheint uns nicht angemessen; nur in der Skala können wir entgegenkommen. Wie ich glaube, wird der Magistrat an diesem Standpunkt festhalten. Käme es zu einer dauernden Differenz zwischen Magistrat und Versammlung, so sehe ich in der Städtcordnung keinen Anhalt dafür, daß hier etwa die Aufsichts- instanz eine Entscheidung gegen uns treffen könnte. Die Lehrer haben erst vor einem Jahre 100 M. Aufbesserung erhalten; jetzt eine neue von 150 M- Es ist eine unerhörte Zumutung an den Magistrat, daß er auch das letzte noch zugestehen soll, weil es die Lehrerschaft fordert I Gefällt Ihnen die frühere Skala besser, so kann ja auf sie zurückgegangen werden; aber eine Erhöhung in materieller Hinsicht im ganzen kann ich nicht in Aussicht stellen. Stadtv. Cassel(A. L.): Daß wir jetzt auch minderwertige Lehrkräfte anstellen müssen, ist unrichtig, auch fehlt es nicht an geniigendeu Meldungen. Berlin hat nicht etwa jemals elende Gehälter gezahlt und die Vorzüge unserer Altersftala find allgemein anerkannt. Die neue Borlage hat uns mehrfach in Erstaunen gesetzt; sie unterscheidet sich nicht zum Borteil von ihren Vorgäiigerinnen. Der Magistrat hat einfach mit unserer bewährten Altersskala aufgeräumt, es ist ihm aber damit nur gelungen, neue Härten zu schaffen, indem er die höheren Zulagen in den mittleren und späteren Dienstjahren reduziert. DaS richtigste ist und bleibt die Regelung mit dem Grundgehalt von 1350 M. und der Beibehaltung unserer Skala; das hätte auch die Lehrerschaft zufriedengestellt. Bon letzterer haben wir uns unsere Stellung niemals diktieren lassen. Bei der eingetretenen Teuerung aller Lebensbedürfnisse muß eine Auf- besierung erfolgen. Die ganze Differenz beträgt jetzt bloß noch 87000 M. Unter der kleineren Bürgerschaft gibt es auch viele, denen die Gehälter der Beamten viel zu hoch erscheinen. (Heiterkeit und Zustimmung.) Stadtv. R-senrw(N. L.): Von dieser grundsturzenden Vor- läge weiß nach meinen Informationen die Schuldeputatio» gar nichts! Die hätte dock wohl gefragt werden müssen. Die Schaffung von neun Stufen flir Berlin statt der bis- herigen zehn würde sogar eine Aenderung des Lehrerbesoldungs- gesetzeS involvieren. Mit dem Kalkulatorstist hätte man mcht gegen uns vorgehen sollen; die Borlage sieht wie ein Höhn auf die Stadtverordnetenversammlung aus. Ich nehme aber an, daß der Oberbürgermeister sein letztes Wort noch nicht gesprochen hat. Stadtv. Mommsen steht der neuen Vorlage auch borwiegend kritisch gegenüber, hofft aber, daß der Ausschuß in einer Frage, in der bereits drei Magiswatsvorlagen und drei Bersamnilungsbeschlüffe vorhanden find, endlich zu einer Einigung komme. Damit schließt die erste Beratung. Die Vorlage geht an eineii Ausschuß, der sofort ernannt wird nno dem auch die Stadtvv. Aron s, Borgmann. Bruns und Singer angehören. Schluß 9 Uhr._ Letzte JVadmebten und Depefcbcn Neues Urteil im Schulstreik. Gnesen, 31. Januar.(W. T. B.) In einer weiteren Sitzung der Strafkammer wurde Propst Adalbert A n d e r ß in Skarboszewo wegen Vergehens gegen§ 130a des Strafgesetzbuchs(Gefährdung des öffentlichen Friedens), begangen in einer in seiner Kirche ge- haltenen Predigt, zu emem Mona« Festungshaft verurteilt. Der Schneefall im Reiche. München, 31. Januar.(W. T. B.) Der Durchgangsverkehr auf der Bahnlinie über Lindau kann ebenso wie gestern auch heute nur unter großen Schwierigkeiten auftecht erhalten werden, da die Strecke Oberstaufen— Roethenbach durch ungeheure Schnremasseo verweht ist. Die von der Schweiz über Lindau kommenden Schnellzüge, die heute früh um 7 Uhr und mittags um 12 Uhr in München fällig waren, lagen mittags in Rocthcnbnch und Hergatz noch fest. Der mittags l'/z Uhr fahrplanmäßig abgegangene Schnellzug nach Lindau und der Schweiz wird rrber Buchloe- Meminingen durch Württemberg nach Hergatz und Linda,! geführt. Karlsruhe, 31. Januar.(W. T. B.) Ans dem badischen Oberlande kommen Meldungen über ungewöhnlich starke Schneefälle, besonders aus dem Schwarzwald. Die Züge erleiden zum Teil erhebliche Ver- fpatungcn, einzelne bleiben im Schnee stecken. Zwischen Titisee und Hinterzarten entgleiste infolge des heftigen Schneewehens die Loko- motive eines Zuges. Auf Neueck bei Furtwangen hat der Schnee eine Tiefe von 2% Meter erreicht. Der Postverkehr stockt ebenfalls. Bergmannslos. Girgenti, 31. Januar.(W. T. B.) In einem Salzbergwerk in der Nähe der Gemeinde Lianciani erfolgte in der Nacht ein plötzlicher Einsturz, durch den drei Bergleute verschüttet wurden. Beamte und Karabinieris eilten herbei und schritten sofort zu dem schwierigen Rettungswerk. Ein Bergmann wurde als Leiche ge- borgen, ein zweiter war so schwer verletzt, daß er heute gestorben ist» der dritte ist noch nicht geborgen. Der Gouverneur von sich in offenem Aufruhr Hungernde Bauern. Petersburg, 31. Jpnuar.(B. H.) Saratow meldet, daß notleidende Bauern befinden und die Getreidespeicher plündern. Dumawahlen. Petersburg, 31. Januar.(W. T. B.) Nach den bis zum 30. Januar eingegangenen telegraphischen Berichten über die Dumawahlen ersten Grades ist das Ergebnis folgendes: In den Kommunen sind 7835 Wahlmänner gewählt, darunter 2292 Mon- archisten und diesen nahestehende und 4024 gemäßigte. Unter den übrigen befinden sich 99 Kadetten. Unter 3301 Wahlmännern der Kleingutsbesitzer sind 1516 Priester. Attentat. Warschau, 31. Januar.(W. T. B.) Der Referent der Gr- heimpolizci, Viktor Gruen, wurde heute bei einer Ausfahrt von Terroristen getötet und sein Kutfchcr verwundet. Tie Täter entkamen._ Der Henker an der Arbait. Odessa, 31. Januar.(B. H.) Fünf vom Feldgericht verurteilte Revolutionäre wurden heute nacht hingerichtet. Ein gelungener Coup. Odessa, 31. Januar.(W. T. B.) Heute mittag drangen 20 be- waffnete Männer in eine Druckerei ein, banden sämtliche Arbeiter, bemächtigten sich der Typen und druckten mehrere tausend Exemplare eines Aufrufs an die Seeleute. Tann luden sie diese auf einen Fiaker und fuhren eilends fort�_______ h. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstaft Paul SingcrLrCo.. Berlin Hierj"' Z Beilagen«. Unterhaltun-»blätt Nr. 27. 24. Jahrgang. 1 Icilap bfa.Kmiirls- Knlim Itltolilirtt krettag, 1. Febraar 1907. SchIaWetter. SuS dem Katastrophengebiet von Neunkirchen schreibt man uns: Amtliche und nichtamtliche Bergfachleute haben selbstgefällig dutzendmal versichert, ein deutsches Courriöres sei unmöglich. Nun plötzlich ist in jenem vielgepriesenen saarabischen Musterbetrieb eine furchtbare Schlagwetterexplosion mit einem Grubenbrande im Ge- folge eingetreten, die selbst die Borussiakatastrophe an Grötze und Schrecken weit überragt. Einhundertfünf undfünfzig brave Knappen und Familienernährer haben bei der Katastrophe ihr Leben eingebüßt und ein halbes Hundert Schwerverletzte füllen die Knappschaftslazarette zu Neunkirchen und Sulzbach. Von den Verletzten werden nur wenige mit dem Leben davon- kommen. Ob mit diesen Zahlen die Opfer der Katastrophe erschöpft sind, läßt sich jetzt noch nicht sagen. Die Explosion erfolgte am Montag früh nach 7 Uhr. Von der eingefahrenen Frühschicht, die 600 Mann betrug, konnten sich etwa 400 Mann durch einen Gegenschacht bei Bildstock retten, der vor kurzem erst zu Rettungszwecken mit der Grube Reden verbunden wurde. Der Rest ist mit geringen Ausnahmen dem Würger Tod verfallen. Die Belegschaft fuhr etwa eine halbe Stnnde vor der Explosion an. Die Geretteten waren noch nicht am Betriebsart an- gelangt und konnten noch entfliehen. Erfolgte die Explosion zehn Minuten später, so hätte sie Ml) Opfer verschlungen. Furchtbar! Die Ursache der Explosion ist noch nicht enthüllt. Der amtliche Apparat und die Hurraprrsse schweigen! Hat man etwa? zu fürchten? Das steht fest: Die giftigen bezw. explosiven Gase sind nicht durch einen Schutz in Brand gesetzt worden, weil zu Beginn der Schicht eben nie geschossen wird. WaS mag die Ursache sein? Waren Vorfahrer da, die die Wetter untersuchten? Das scheint bei- nahe unmöglich. Eine Ouantiät Gase, die mit solcher Vehemenz explodiert, kann von den Vorfahrern unmöglich unbeachtet bleiben. Zwar meldet die Ordnungspresse, daß die Vorfahrer wie immer zwei Stunden vor Beginn der Schicht die Grube befahren und alles in Ordnung befunden hätten. Das kann aber schon deshalb un- möglich zutreffen, weil die Verunglückten mit der Arbeit noch gar nicht begonnen hatten. Nach der Explosion fand man die Leute mit der Kaffeeflasche um den HalS tot auf den Werkzeugkisten sitzend. Wie bei den Bergleuten üblich, sitzen sie vor Beginn der Arbeit in der Regel noch einige Minuten im sogenannten Bergamt, und hier scheint sie auch die Katastrophe überrascht zu haben. Von den Beamten ist keiner verunglückt, ein Beweis, daß sie noch nicht an ihrer Stelle waren. Ueblich ist auf den fiskalischen „Musterbetrieben", daß die Beamten erst zwei bis drei Stunden später anfahren. Wir mit unserem beschränkten Untertanenverstand halten es für eine Pflicht— und in Privatgruben wird es auch so gehalten— daß die Beamten vor der Belegschaft anfahren. Wäre es in den saarabischen Musterbetrieben ebenso, dann hätten die Be- amten unmöglich dulden können, daß die Bergleute in die furchtbare Gefahr ahnungslos hinein liefen. Diejenigen, die Aufschluß über die Schuldigen geben könnten, sind auf ewig verstummt; und man muß befürchten, daß jetzt Ursachen konstruiert werden, die keinen Schuldigen erkennen lassen. Drei Tage lang feierte man den Sieg der„nationalen Ehre* und bejubelte das„Geburtstagsgeschenk* und drunten in der Grube sammelten sich während dessen die giftigen Gase, bereitete der Tod seine furchtbare Ernte vor!—— Nichtsahnend, marschierten 000 königliche Schatzgräber inS Verderben, während oben das letzte Hipp-Hipp-Hurra I der nationalen Heißsporne ausklang. Ein furcht« barer Kontrast! Eine schrille, markerschütternde Dissonanz in das nationale Tohuwabohu I Der Leiter der betreffenden Inspektion, Bergrat Liesenhoff, ist augenblicklich krank, weil er sich bei der KaisergeburtStagsfeierei ein Bein gebrochen haben soll. Der Umfang der Katastrophe läßt sich noch nicht feststellen, weil die Betriebsleitung anscheinend nicht weiß, wieviel Leute angefahren sind, oder weil man sich fürchtet, die ganze Grötze des Unglücks aufzurollen. Die Strecken liegen größtenteils zu Bruch, so daß es erst einer riesigen AufräumungSarbeit bedarf, ehe zu den Ver« unglückten vorgedrungen werden kann. Die nicht zu Bruch ge. gangenen Strecken stehen im Feuer, so daß selbst der amtliche Bericht mitteilt, daß die Grube unter Wasser gesetzt werden müsse. Die Rettungsmannschaften müssen trotz der besten Apparate immer wieder zurückweichen. Soweit der Tatbestand, der erst die richtige Beleuchtung er- fährt, wenn man an die Geschichte SaarabienS und der preußischen Berggesetzgebung erinnert. AuS dem Krämcr-Prozeß ist bekannt, daß ein Grubeninspektor ein GruvenauSschußmitglied, das es wagte inS Zechenbuch einige Mißstände einzutragen, anschrie: „Solche Eintragungen lassen Sie nur sein, wir brauchen niemand, der uns Vorschläge macht oder Kritik übt.* Ein anderer Bergbeamtcr bezeichnete eine Eintragung von Miß- ständen in» Zechenbuch als— Frechheit. Bei der sozialdemokratischen Interpellation gelegentlich der Borussia-Katastrophe wurde auf die Hinweise Hue», daß auch in Deutschland ein CourriöreS möglich sei, vom RcgierungSiische und in den fiskalischen Organen mit großer Entrüstung eine derartige Möglichkeit für den deutschen Bergbau ge- leugnet. Die sozialdemokratische Forderung nach einem RcichS-Berg- gcsctze und der Anstellung von Arbeitern als Grubenkontrolleuren wurde von den nationalen Parteien mit Entschiedenheit bekämpft und die Bergarbeiter speiste man ab mit einen: Bergarbcitertrutz- gesetz, daS ihre Lage noch verschlechterte. Einundeinehalbe Milliarde wirft man in die Sandwüsten Afrikas, für die armen Gruben- proleten sind keine 100 000 M. übrig zur Sicherung ihres Lebens. So wahrt man in Deutschland Me nationale Ehre. Etwa» weniger Hurrastimmung und etwas mehr Bergarbeiter- schütz hätte Hunderte Bergleute vor dem Tode bewahrt und Taufende Witwen und Waisen den Ernährer erhalten. Die nationale Ehre fand in Reden ihr— EourriöreS. *•* Weiter schreibt man unS: Allmählich wird es möglich, einen klaren Ucberblick über die Tragweite der Redener Grubenkatastrophe zu gewinnen. Glücklicher- weise erfüllen sich die schlimmsten Befürchtungen nicht. Die Gesamt- zahl der Opfer wird mit 180 erschöpft sein, so daß diese Katastrophe diejenige von Camphausen sSaarrevier) im Jahre 1880. die 184 Menschenleben vernichtete und bisher die größte Deutschlands war. nicht ganz erreichen wird. Die Unglücksarube Reden bildet mit dieser Katastrophe zum zweitenmal ein Massengrab für brave königlich preußische Schatzgräber; 1864 ereignete sich hier eine Schlagwetter. explosion, die 34' BergmannSleben erforderte, zu deren Andenken sich ungefähr 500 Meter vom Unglttcksschacht ein Denkmal erhebt, auf dem die Namen der auf dem Schlachtfelde der Arbeit Gefallenen verzeichnet sind.„. In Denkmälern und schönen Worten erschöpft sich ,m Saar- rebier der Dank des fiskalischen Grubenkapital» für seine Opfer. Bis Mittwoch früh waren 143 Tote und 29 Schwerverletzte geborgen, während sich nach»ngabe der Grubendirektion noch zirka sechs weitere Tote im Schacht befinden sollen. Die Bergleute selbst befürchten jedoch, daß die Zahl der noch Vermißten beträchtlich höher ist. Zunächst wußte niemand, wieviel Mann von der auswärts wohnenden Belegschaft am Montag früh eiwgefahren waren. Das ist bezeichnend für die.mustergültige* Ordnung, die auf den Saar- gruben herrscht. Ein Verlesen vor der Schicht kann kaum statt- gefunden haben, da selbst die Abteilungssteiger über die Zahl der Eingefahrenen im unklaren waren. Eine nette Wirtschaft auf „Musteranstalten". Endlich rücken auch die saarabisch erzogenen Bergleute mit der Sprache heraus. Wie un§ gut unterrichtete Bergleute mitteilen, fand die Explosion in der Abteilung des Steigers Klein, hauptsächlich im Flötz sieben statt, da» seit Wochen nie wetterfrei ge- Wesen sein soll. DieieS Flötz hat eine Mächtigkeit von 2 Meter reiner Fettkohlen und bildet gegenwärtig den ergiebigsten Aus« beutungsort der Grube. Mit welcher fieberhaften Hast hier ge- schuftet wurde, dafür spricht die Tatsache, daß eine Kamerad- schaft von sieben Man» m einem Monat 1040 Wagen Kohle gefördert hat. Das ergibt pro Mann und Monat zirka 74 Tonnen. Die Durchschnittsleistung des Saarbergmannes beträgt pro Monat nur 10 T o n n e n. An einigen Tag«: des Monats war bei der frag- lichen Kameradschaft ein achter Mann beschäftigt, was das Gesamt ergebnis nicht wesentlich verschiebt. Die Temperatur an der Arbeitsstelle betrug durchschnittlich 35 Grad Celsius. Trotz dem wurde neun Stunden pro Schicht geschuftet! Die Bergpolizei-Ordnung schreibt vor. daß bei Temperaturen über 23 Grad nur sechs Stunden gearbeitet werden darf. Wahrlich die Redeugrube ist ein Musterbetrieb. Weiter erzählen die sehr vorsichtigen Bergleute, die das Schweigen unter der saarabischen Fuchtel gründlich gelernt haben, daß die Wetterführung im Revier des Steigers Klein durchaus zu wünschen übrig ließ. In einem Bremsberg, der mit 16 Streben(Arbeitsorten) belegt war, soll der Ueberhau (Durchbruch zur Lufrstrecke) nach der Nicht st recke mehrere Wochen zu Bruch gelegen haben, so daß ein durch- ziehender Wetter ström unterbunden war. Die saarabische Hurrapresse behauptet ganz ungeniert, die Vor- fahrer(Wetlerkontrolleure) seien regelmäßig zwei Stunden vor der Belegschaft eingefahren, auch am Unglückstage, und sie hätten die Wetter gut befunden. Was davon zu halte» ist, beweist die Tat« fache, daß die beiden Vorfahrer noch vermißt werden und sich sicher bei den noch nicht geborgenen Toten befinden. Von der Explosion ist nur die Steigerabteilung des Steigers Klein betroffen und sind die Knappen dieser Abteilung sämtlich getötet und furchtbar verbrannt. Die Explosion war derart intensiv, daß das ganze Revier dieser Abteilung vollständig zerstört ist. In der da- hinter liegenden Abteilung des Steigers Groß, aus der die Leichen jetzt erst geborgen wurden, hat die Explosion nicht tödlich und zerstörend gewirkt, was aus dem Umstände zu schließen ist, daß die jLeichsn unverletzt und vielfach in knieender und betender Stellung aufgefunden wurden. Zweifellos erlitten diese Knappen erst den Erstickungstod durch Nach- schwaden. Für diese Abteilung gab es keinen anderen Ausweg als zurück durch die zerstörte Ab- teilung Klein nach dem Einfahrtsschacht Reden. DaS ist mn Umstand, der nach unserer Meinung nicht mit den bergpolizeilichcn Borschriften in Einklang zu bringen ist. Das Unglück erhebt furchtbare Anklage gegen das saarabische System und die kapitalistische AuS- b e u t u n g.' •.' Noch Lebende in der Grube? Ein Telegramm aus Reden meldet: Acht Mann sollen in der Grube noch leben; sie machten sich durch Klopfen in der Richtung nach dem Heinitz-Schacht wahrnehmbar. Von dort sind zwei Fahrsteiger mit Rettungsmannschaften zur näheren Feststellung eingefahren. Außerdem sollen noch neun Leichen in der Grube liegen. An ihrer Bergung wird gearbeitet. Man hofft sie im Laufe des Tages zu finden. Der erste Staatsanwalt in Saarbrücken, Figge, leitet seit gestern die Untersuchung und vernimmt die Bergleute über die Ursache der Katastrophe. Am Vormittag ist eine Kommission in den Schacht eingefahren, bestehend ans dem Geheimen Oberbergrat Meißner lBerlin), Geheimen Bergrat Klose und Bcrgmeister Einer. Die Kommission untersucht an Ort und Stelle die Ursache und Wirkung der Explosion, um den Grund der Katastrophe festzustellen. Metz, 31. Januar. Die Berginspektion der Reden-Grube zu Neunkirchen erllart die Gerüchte, wonach die Möglichkeit bestehe, daß noch acht verschüttete Bergleute am Leben seien, für gänzlich un- begründet. Von den im KnappschastSlazarett Neunkirchen ein- gelieferten Bergleuten sind alle bis auf zehn entlassen worden; von diesen ist beute früh einer gestorben; die anderen sollen bald ent- lassen werden. »■* Die Leichenfeier. lieber die Leichenfeier am Mittwoch wird berichtet: RingS an den Wänden der Verlesehalle waren 110 Särge aufgestellt. Jeder Sarg trug ein Blechschild mit dem Namen des Toten. 15000 Menschen sammelten sich auf dem fteien Raum vor der Leichenhalle in den verschiedenen Höfen und auf der Straße an. Nachdem die Klänge eines Chorals verklungen waren, hielt Prinz Friedrich Leopold eine Ansprache. Sodann folgte eine An- spräche des Handelsminifters Delbrück, in der wie in der vorauf- gehenden viel die Rede war von den reichen Mitteln, die zur Linderung der Not zur Verfügung gestellt werden würden. Es folgten noch Ansprachen der Geistlichen, dann zum Schluß noch der Vortrag eineS Chorals. Die Menge blieb nach der Feier noch am Platze und besichtigte die Särge. Die 110 Toten, die man agnosziert hatte, wurden in ihren HcimatSdörfern beigesetzt, während die nichterkannten Leichen noch ausgestellt bleiben. Hue der Partei. Noch ein AufteizungSurteil vor dem Reichsgericht. Wegen Vergehens gegen die öffentliche Orb- n u n g ist am 30. Mai v. I. vom Landgericht Breslau der Genosse Franz Klllhs von der BreSlauer„BolkSwacht* zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er hat ein 1. Mai- Gedicht von Leon Holly:„In Glanz und Gluten steigt der Tag empor* veröffentlicht. In diesem, der„Bremer Bürgerzeitung' entnommenen und nur mit einer kleineu Acnde- rung eines GedantenstricheS— versehenen Gedichte hat das Gericht den Tatbestand der Aufreizung zu Gewalttätig« leiten erblickt. Genosse Klühs hat umsonst eingewendet, eS sei in den Aufforderungen deS Gedichte» selbstverständlich nur der friedliche Zusammenschluß der Arbeiter gemeint. DaS kann nach Ansicht deS Gericht» nicht auS dem Gedicht herausgelesen werden! „Die Wendungen lassen sich', so heißt eS im Urteil weiter,„auch harmlos auslegen; betrachtet man aber— wie eö die Leser tun t�j � nur den Wortlaut und Sinn de» Gedichte», so ergibt sich Aufreizung zur Gewalt."— Die R e v i s i o n des Genossen Klühs rügte Verkennung des§ 130. Der Reichsanwalt hielt aber den strafbaren Tatbestand für„annähernd festgestellt"! Der Angeklagte hätte prüfen müssen, ob die Leser das Gedicht so auffassen würden, wie er eS angeblich wollte. Das Reichsgericht erkannte auf Verwerfung der Revision. Damit ist wieder ein Klassenjustizurteil bestätigt, das von der deutschen Arbeiterklasse mit Kopfschütteln und Ingrimm auf- genommen wurde. Denn jeder klassenbewußte deutsche Arbeiter weiß, was die gelehrten Richter aus der Bourgeoisie nicht wissen, daß Genosse Klühs nimmermehr am 1. Mai 1306 zu Gewalttätig- leiten aufteizen wollte und daß kein halbwegs sozialistisch denkender Leser der BreSlauer»Volköwacht" eine andere Absicht in daS Gedicht hineingelesen hat!_ Deutsche Justiz. Zu dem Prozeß deS Genosse» Thiele in H a l l e a. G., worüber wir bereits telegraphisch berichtet haben, wird uns noch mitgeteilt: Den ganzen Pfarrerstand deS Konsistoriums Magdeburg sollte Genosse Ad. Thiele beleidigt haben. Er hat im Herbst 1305 für den Regierungsbezirk Merseburg einen VolkSkalender heraus- gegeben, in dem er unter der Spitzmarke:„Der tugendsame Pfarrer und der sündige Sozialdemokrat" ein kleines Erlebnis eines sozial- dcmolratischen Dorfbewohners mit einem Pfarrer erzählte. Der Name deS Pfarrers und der des OrteS waren nicht genannt worden. Thiele wies zunächst darauf hin, daß die Sache durch seine frühere Immunität als Abgeordneter ver- jährt und daß das Konsistorium der Provinz Sachsen zum Straf- antrag nicht legitimiert sei. Der Pfarrer, dessen Namen er vor- läufig nicht nenne, könne ja im Königreich Sachsen oder in einem anderen Bundesstaate wohnen, denn es heiße ausdrücklich in dem Artikel:„In einem Dorfe, eine ganze Anzahl Meilen von Halle entfernt usw." Der Staatsanwalt kam zu der Ansicht, so etwa?, wie in dem Artikel geschildert worden sei. passiere einem Pfarrer nicht, auch nicht ein solcher Fall komme vor. Der ganze geistliche Stand sei durch den Slrtikel beleidigt worden und es sei gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von acht Monaten zu beantragen. Das Gericht hielt eS ebenfalls für auS- geschlossen, daß ein Pfarrer sich in Freudenhäusern umhertreibe und erkannte auf fünf Monate Gefängnis.— Das ist das erste Urteil gegen einen Sozialdemokraten nach den Hottentottenwahlen. Ein« Enthüllung bürgerlicher Lügen wider die Sozialdemokratie. Mit der Beleidigungsklage der sozialdemokratischen Gemeinderatsmitglieder Emmel und Pfeffer zu Mül- hausen i. E. gegen die„S t r a ß b u r g e r Po st" und die „Mül ha user Burgerzeitung" beschäftigte sich am Mon- tag die Strafkammer zu Mülhausen i. E. als BerufungS- instanz. Die„Straßburger Post" hatte im Sommer vorigen Jahres der sozialdemokratischen Gemeinderats» fraktion zu Mülhausen i. E. den Vorwurf gemacht, sie hätte auf dem Gemeindehaus„Vettern- und GünstlingS- Wirtschaft" getrieben. Außerdem benutzte die„Strahburger Post" die einfache Tatsache, daß Genosse Pfeffer vor Fahren einmal einige Tage hindurch die Stellung eines Portiers am Apollo- Theater versah und dabei die Kleidung eines französischen Turkos trug, dazu, den Genossen Pfeffer in der rohesten Weise zu be« leidigen. Die Mehrheit der sozialdemokratischen Gemeinderat«« fraktion strengte gegen die„Straßburger Post" und gegen die „Mülhauser Bürgerzeituna" sowie gegen den„Expreß", die die Anschuldigungen durch Abdruck weiter verbreitet hatten, Klage an. Im Urteil deS Schöffengerichts wurde seinerzeit aus- drücklich festgestellt, daß der Vorwurf der GünstlingS- und Vetternwirtschaft, der gegen die sozialdemokratische Gemeinde- ratSftaktion erhoben wurde, im Falle des Genossen Öliger, der bei der Einstellung in den städtischen Dienst begünstigt worden sein 'ollte, im Falle des Genossen Goldschagg, dem städtische Druck- ächen zugeschustert worden sein sollen, im Falle der Genossen- chaftSb ackeret, die bei Brotlieferungen für die Spital- und Armcnverwaltung bevorzugt worden sein sollte, u. dergl. mehr in keiner Weise berechtigt war. Die drei genannten Blätter wurden bestraft. Nur in der Tatsache, daß Genosse Emmel wegen ihm zu Ohren gekommener Klagen über die Behandlung dcS Publikums durch den GewerbegerichtSsekretär Köhler in einer Gemeinderatssitzung das vorgeschlagene Gehalt deS Herrn Köhler als Kaufmannsgerichtssekretär bekämpft hat und in einer späteren Sitzung wieder dafür eingetreten war, nachdem ihm Herr Köhler inzwischen über sein Verhalten Aufklärung gegeben hatte, hielt daS Schöffengericht den Wahrheitsbeweis einer Begünstigung für erbracht, weshalb Genosse Emmel Berufung gegen dieses Urteil einlegte. Genosse Pfeffer, dessen Einzelklage wegen Be- leidigung seiner Person vom Schöffengericht seinerzeit abgewiesen wurde, erhob ebenfalls Berufung gegen das Urteil in feinem Falle. In der Verhandlung vor der Strafkammer wurden nun, nach- dem der Rechtsbeistand des Genossen Pfeffer, Herr Dr. Dreyfus, wiederum erklärt hatte, eS komme seinem Klienten keineswegs auf eine hohe Strafe an, die„S t r a ß b u r g e r Post" und die„Mülhauser B ü r g e r z e i t u n g" wegen Beleidigung des Genossen Pfeffer zu einer Geldstrafe von je 3 Mark verurteilt. In der Verhandlung machte der Vertreter der beiden beklagten Blätter, Herr Rechtsanwalt Wirth, den Versuch, durch Herbeiziehung einer harmlosen Angelegenheit, die mit der Sache gar nichts zu tun hatte, dem Genossen Pfeffer eine unehrliche Handlungsweise nachzuweisen. Al» Kronzeugen in dieser An- gelegenfteit marschierten die Herren Meßbecher und Nußbaumrr auf.(Diese mutzten bor längerer Zeit auS der Partei ausgeschlossen werden!) Die beiden Zeugen sagten auS: Sic hätten„gehör t"(I). daß sich Genosse Pfeffer in der Zeit, als er die Stelle eines Portiers in: Apollo versah, von einem Unter» stiitzungSverein Krankenunterstützung auszahlen ließ, und Herr Wcßbccher wollte speziell„gehört haben, daß Genosse Pfeffer deshalb der betreffenden Kasse einen Revers unterschrieben habe, worin er sich selbst de» Betrugs für schuldig erkannt«.(I) Durch den Vorsitzenden und den Kassierer der betreffenden UnterstützungSkasse, die ebenfalls als Zeugen erschienen waren, wurde festgestellt, daß Genosse Pfeffer während der Zeit, als er die Portierstelle versah, überhaupt keine Unterstützung bezogen hat. Der ganze Vorfall reduziert sich darauf, daß Genosse Pfeffer in einer anderen Zeit, als er einmal tatsächlich krank war und aus der Kasse die vorgeschriebene Unterstützung bezog, von einer Frau beim Holzzerkleinern und beim Velosahren einmal gesehen worden sein soll. Die Berufung deS. Genossen Emmel im Falle Köhler wurde auS formalen Gründen— weil wegen desselben Artikels schon einmal Verurteilung erfolgt ist— abgewiesen. In der Urteilsbegründung wird aber ausdrücklich her- vorgehoben, daß Genosse Emmel im Falle Kößler sich voll- ständig korrekt benommen habe und daß auch in dem Falle gegen ihn der Borwurf der GünstlingSwirtschaft in keiner Weise erhoben werden könne. Damit ist endgültig gerichtlich erwiesen, daß die Vorwürfe der «Strahburger Post" gegen die sozialdemokratische Gemeindefraktion. daß sie auf dem Gemeindehause Vettern- und GünstlingSwirtschaft getrieben habe, vollständig auS der Luft gegriffen sind. Die russische Revolution. RegierungS-Wahlmache. Stolypin hat von Bülow gelernt. Er sucht nach Vülows Muster Wähler zu fangen durch Wahlkundgebungen, die allerlei Schönes, aber möglichst wenig Greifbares, Be- stimmtes versprechen und es an den obligaten Drohungen gegen den Umsturz nicht fehlen lassen. Es wird gemeldet: Petersburg, 30. Januar. Der Präsident des'Ministerrats sandte an die Generalgouverneure, Gouverneure, Präfekten und an den kaiserlichen Statthalter des Kaukasus ein telegraphisches Rundschreiben, in dem darauf hingewiesen wird, dast seit Beginn der Wahlen gewisse politische Parteien die Propaganda für ihre Ideen mit Hülfe der Presse übertreiben, indem sie bemüht seien, die Handlungen und Absichten der Regierung falsch zu interpretieren, um den Erfolg der oppositionellen Kandidaten zu sichern. Der Präsident des Ministerrats stellt mit Bezug hierauf fest, daß die Vertreter der Regierungs- gewalt sich nicht in den Kampf der Parteien mischen und die Wahlen nicht beeinflussen dürfenvir jetzt wiederum in die Stichwahl gedrängt und im 1. Wahlkreis jHagenow-Greves mühlen), wie im 3. Wahlkreisv(Alte Linke»uld Neue Linke) die Berechtigung der Lchrerforderungen anerkannte»». Das klang anders als die wüsten Hetzreden, mit denen fie in der Wahlagitation gegen die Sozialdemokratie gekämpft| straße wohnhaften Zigeuner erschien nachmittags ein junger Mann In Aussicht genommen ist vorerst ein Unterrichtsturfus haben, weil diese nur Unfrieden zwischen Arbeitgebern und und bot Wagen und Pferd zum Verkauf an. Das Fuhrwerk ge- in Geschichte. Dr. M. Maurenbrecher wird in 10 VorArbeitern stifte, indem sie den Arbeitern weisma che, hörte dem Möbelfabrikanten Albrecht aus der Albrechtstr. 4 und war trägen„ Die große französische Revolution" be daß sie mehr Lohn haben müßten. Die Lehrer Da der junge Mann für Pferd und Wagen nur 130 M. berlangte, gestern vormittag vor dem Hause Rostockerstr. 34 gestohlen worden. handeln. werden ihre Gehaltsaufbesserung, da sie den Freisinn zum tam dem Zigeuner die Sache verdächtig vor und er schickte heimlich Wir ersuchen nun alle diejenigen, welche gewillt sind, ihr Gönner haben, schließlich doch noch nach Wunsch bewilligt einen Landsmann, der zufällig bei ihm war, zur Polizei. Den Ver- Wissen zu bereichern, an diesem Kursus teilzunehmen und friegen. Herr Kirschner ist vorläufig noch entschlossen, hart zu fäufer hielt er währenddes dadurch auf, daß er scheinbar auf den Mitglied der Arbeiter- Bildungsschule zu werden. bleiben; aber in dem Ausschuß, dem die Vorlage über- Handel einging. Beim Erscheinen der Polizeibeamten versuchte Alles Nähere ist zu erfragen bei den Genossen Robert Zumpe, wiesen wurde, wird er sich vielleicht eines anderen besinnen. sich der Fremde zu„ drücken", doch dies gelang ihm nicht. Er wurde Steglitz, Forststr. 18, II, und Wahrendorf, Stegliz, SchloßUm möglichste Beschleunigung der Angelegenheit zu erzielen, festgenommen und als dec wohnungslose ehemalige Schlächter Willi straße 117, Restaurant. beantragte Singer, daß die Mitglieder des Ausschusses noch Bajekom festgestellt. B. ist einer jener Burschen, die als Spezialität in der gestrigen Sigung durch den Vorstand ernannt wurden. erwähnte Gespann hatte er gestohlen. Der Verhaftete wurde in unbeaufsichtigte Fuhrwerke von der Straße wegstehlen. Auch das Rigdorf. So wird der Ausschuß schon Anfang nächster Woche an seine das fönigl. Polizeipräsidium eingeliefert. Arbeit gehen können. " Der Vorstand. Die Zahlstelle Rigdorf des deutschen Holzarbeiterverbandes hielt am Dienstag bormittags 10 Uhr eine von 400 Ausgesperrten und Selbstmord eines Studenten. In der Wohnung seiner Wirtin Arbeitslosen besuchte Versammlung ab. Der Bevollmächtigte streifte Wie die Sozialdemokratie die Wahlstatistit, mißbraucht", dafür hat sich gestern morgen der 24 jährige Student Martin M., Chaussee- nochmals die Ursache der Aussperrung und ging dann näher auf fei so behauptet die Freisinnige Zeitung" das ein straße 116, erschossen. Angeblich hatte M. mit einem jungen Mädchen den Stand und die Ausdehnung derselben ein. Danach sind nahezu bezeichnendes Beispiel, daß im Vorwärts" der Anteil der Sozial- ein Liebesverhältnis unterhalten, das sich in der letzten Zeit recht die Hälfte aller Holzarbeiter Nixdorfs von der Aussperrung betroffen. demokratie an der Gesamtzahl der Wahlberechtigten als ein Maß- unglücklich gestaltete. Gestern morgen. hörte die Wirtin im Zimmer In der Diskussion sprachen sich alle dafür aus, daß die Kontrolle stab ihres Fortschreitens in Groß- Berlin benutzt worden ist. Bei des Studenten plöglich mehrere Schüsse fallen und als sie hinzueilte, der Bauten aufs schärfste vorgenommen werden muß, die Versamm der Wahl komme es doch allein auf die Stimmenzahl an; im ersten fand sie M. leblos im Bett liegend auf. Er hatte sich mehrere lung verlangte deshalb von den Einsetzern das nötige EntgegenStreise sei zwar, wie im„ Vorwärts" vorgerechnet wurde, noch eine Kugeln in die Brust gejagt und starb bald an den Folgen der Schuß- kommen. Auch wird den ledigen Kollegen dringend ans Herz gelegt, Zunahme der sozialdemokratischen Wähler von 30,36 Prozent aller verlegungen. Seine letzten Worte waren:" Ich bin unglücklich!" die Abreise zu beschleunigen. Wahlberechtigten des Kreises auf 30,95 Proz. eingetreten, aber ab- Das„ Prater- Theater" wird am heutigen Freitag das RedwißDen Mitgliedern der Zahlstelle noch zur Nachricht, daß vom sche Schauspiel Philippine Belfer" zur Erstaufführung Montag, den 4. Februar, ab sämtliche Geschäfte in dem neuen bringen. Die erste Wiederholung wird dann am nächsten Sonntag Bureau, Jägerstr. 66, parterre erledigt werden. abend stattfinden. " wiederholt. Ober- Schöneweide. war Die Ortsverwaltung. folut ſei die Stimmenzahl um mehrere Hundert" gesunken.( Genau: um 273 Stimmen.) Selbstverständlich wissen auch wir, daß troß allen Fortschrittes wir da unterliegen können, wo ein bisher schwacher Gegner mit Hülfe von Wählern anderer Parteien oder von sonst indifferent gebliebenen Richtwählern" noch stärkere Fortschritte als Im wissenschaftlichen Theater der Urania finden am Sonnabend Groß- Lichterfelde. wir machen darf. Wir finden es aber höchst merkwürdig, daß die und Sonntag je eine Nachmittagsvorstellung zu fleinen Breisen statt In der öffentlichen Versammlung am 25. Januar ist behauptet Freifinnige Zeitung", wie auch die gesamte übrige Preffe des Freisinns und zwar am Sonnabend nachmittags 4 Uhr und am Sonntag worden, daß der Schuhmacher Aug. Werering, Molttes fich jetzt mit einem Male gar nicht mehr für den Anteil der bereits um 2 Uhr. Zur Darstellung gelangt an beiden Tagen der straße 28, nicht gewählt habe. Sozialdemokratie an der Gesamtzahl der Wahl- mit zahlreichen farbigen Bildern und Wandelpanoramen aus- Diese Behauptung ist eine irrtümliche. Der Genannte hat, berechtigten interessiert. Früher wurde, wenn in einem Wahl gestattete Vortrag Frühlingstage an der Riviera". Abends wird laut Nachweis durch die Listenführer, seiner Wahlpflicht genügt. freis die Mehrheit der abgegebenen Stimmen fich für die Sozial- der Vortrag" Die Feuergewalten der Erde" bis auf weiteres Der Vorstand des Wahlvereins. demokratie erklärte, uns regelmäßig entgegengehalten: Seht doch nach, wieviel von der großen Schar aller Wahlberechtigten ihr erst Feuerwehrbericht. Gestern wurde der 475. Alarm in diesem Einen qualvollen Tod in der Ausübung seines Be auf Eurer Seite habt!" Heute aber soll das plöglich nicht mehr Monat bei der Berliner Feuerwehr verzeichnet, was seit Jahren gelten; heute soll es fogar, Mißbrauch" sein, wenn wir jetzt, nicht vorgekommen ist. In der letzten Nacht tam in der Voltastr. 34 rufes erlitt der 27jährige Fabritarbeiter Otto Knorr. Knorr wie auch schon bei früheren Wahlen, diesen Maßstab anlegen. Feuer aus. Dort brannten im Erdgeschoß Schanttische, Schal auf dem Kabelwerk Oberspree mit dem Ziehen von Die Freifinnige Zeitung" möchte jetzt auch die Aufmerksam decken, Fußböden u. a. Vor dem Hause Belle Alliancestr. 91 stand Meffingstangen beschäftigt, als plöglich eine der Stangen brach und keit ablenfen von dem Schwindel, zu dessen Verbreitung sie ein Automobil in Flammen und in der Korsörerstr. 20 wurden sich dem Unglücklichen tief in den Leib hineinbohrte. Man wollte fich hergegeben hatte. Da war dreist behauptet worden, daß Möbel, Betten, der Fußboden u. a. ein Raub der Flammen. Gleich bereits auf dem Transport dorthin wurde er durch den Tod von im zweiten Kreis unser Genosse Fischer diesmal rund zeitig brannten in der Artillerieſtr. 13 Schaldecken u. a. Der 1700 Stimmen weniger als vor vier Jahren erhalten habe. Nachdem 3. Zug hatte in der Belforterstr. 15 zu tun, wo Petroleum, Betten wir nachgewiesen haben, daß schon aus den ersten Nachrichten über usw. in Brand geraten waren. Im Bernhard Rose- Theater, früher die abgegebenen Stimmenzahlen( ebenso wie später aus der amt- Karl Weiß- Theater, Große Frankfurterstraße, entstand gestern abend lichen Feststellung des Wahlergebnisses) die Sinnlosigkeit dieses Feuer. Es brannten dort im Wirtschaftsteller Brennmaterialien Schwazes hervorging, entschuldigt sich nun die Freis. 3tg." mit der u. a. Abends wurde die Wehr nach der Mirbachstr. 69 gerufen, wo mangelhaften Berichterstattung", auf der ihre Statistit eine Frau von einem Balkon herabzuspringen versucht hatte, was fich aufgebaut habe.. Dabei war die Freis. 8tg.", wie ihr aber noch verhindert werden konnte. In der Königstr. 66 mußte eigenes Extrablatt bewies, bereits am Wahlabend so gut wie ein Kellerbrand gelöscht werden. Papier und Lumpen brannten jedes andere Blatt in Berlin darüber unterrichtet, daß Fischer dort. Ferner hatte die Wehr in der Wrangelstr. 106, Friedennoch annähernd 300 Stimmen mehr als vor vier Jahren erhalten straße 9, Brunnenstr. 192, Annenstr. 12, Alt- Moabit 54, Adalberthatte. Sie erzählt jegt, sie habe erst die amtliche Feststellung ab- straße und anderen Stellen zu tun. warten wollen. Aber das hat sie nicht gehindert, drei Tage nach der Wahl und noch vor amtlicher Feststellung des Ergebnisses eine Darstellung zu bringen, in der dem verhaßten, trotz aller Freisinns fniffe siegreich gebliebenen Sozialdemokraten einstweilen soviel Stimmen wegforrigiert waren, daß wenigstens ein Stimmenrüdgang herausfam. Da Vorort- Nachrichten. Zur Stichwahl in Potsdam- Ofthavelland. seinen qualvollen Schmerzen erlöst. Weißenfee. Ein bedauerlicher Borfall ereignete sich am Mittwoch abend vor nabe vor dem Schaufenster, um sich die darin ausgelegten Waren dem Hause Streustr. 123. Dort stand ein etwa 10 Jahre alter anzusehen. Infolge der Glätte rutschte derselbe aus und fiel mit dem Unterleib auf die vor dem Schaufenster angebrachten, dolchartig geformten Eisenspigen, so daß dieselben ihm in den Unterleib drangen. Der verlegte Knabe wurde vorläufig in die elterliche Wohnung gebracht. Diese Art des Schaufensterschutzes bedeutet nicht nur eine Gefahr für Kinder, sondern auch für Frauen, die sich nur allzu oft die Kleider an den eisernen Spigen zerreißen. Sollte es feine andere Schutzvorrichtung geben, als eine folche, wodurch Menschenleben gefährdet werden? Der Knabe hat sicherlich keine böse Absicht gehabt, wenn er sich die Waren angesehen hat. Hoffentlich mahnen diese Zeilen die Eltern, ihre Kinder zur Vorsicht anzuhalten, und die Hauswirte diese gefährlichen gefährlichen Schaufenster- Schutzvorrichtungen schnellstens durch bessere zu ersezen. Pankow. Ein erfolgreicher Streit der Schneeschipper. Die städtische Vom Schrecken erholt hat sich das„ Spandauer Tageblatt", das Straßenreinigungsverwaltung hat sich unter dem Druck der Ver- tonfervative Bauli- Drgan, nachdem die Freifinnigen den Beschluß hältnisse nun doch veranlaßt gesehen, den Lohn der Schneeschipper gefaßt haben, für Bauli einzutreten. Das Wahlergebnis des zu erhöhen. Den legten Anlaß dazu bot ein Streit, den drei 25. Januar schien das Blatt auf einige Tage gelähmt zu haben, 6 Stimmen den Anlauf des Kidisch v. Hornichen Bartes für Die letzte Gemeindevertretersizung beschloß mit 20 gegen Abteilungen dieser Schneeschipper Unter den Linden, am mun aber hat es wieder frischen Mut. Ueber den Beschluß der 1450 000 m., und zwar sollen bereits im Etat 1907 40 000 9. für Kreuzberg und am Belleallianceplaz inszeniert hatten. Liberalen schreibt das Blatt: die jetzt vorhandenen etwa 2000 Hülfsarbeiter nicht ausreichten den Ankauf eingestellt werden, obgleich erst 1909 das Gelände Jedenfalls wird dieser von wahrer Vaterlandsliebe und eigener bezahlt werden braucht, allerdings gegen Verzinsung vom Tage der und ein weiterer Abgang die Kalamität noch vergrößert Selbstverleugnung zeugende Beschluß der liberalen Vertrauens- Auflaffung. Durch den Ankauf wird der Steuerzuschlag, welcher von hatte, begab sich der Direktor der Städtischen Straßenreinigung männer im ganzen Wahlkreise von allen nationalgesinnten 110 Broz. auf 100 Broz. herabgesetzt werden sollte, auf seiner nachmittags zum Oberbürgermeister und dieser verfügte, daß der Wählern mit großer Freude aufgenommen und nun der alten Höhe verbleiben. Das für die technischen Lehrerinnen an der Lohn, der bisher 2,80 M. betrug, auf 3 M. erhöht werde und daß Kampf gegen die Sozialdemokratie mit vereinten Kräften höheren Mädchenschule festgesette Grundgehalt von 1100 m. die Auszahlung ferner nicht mehr, wie bisher alle fünf Tage, durchgeführt werden. Das Siegesgeschrei, welches die wurde auf 1150 sondern täglich erfolgen soll. In Schöneberg werden schon immer Mart festgelegt. Nachdem verschiedene Sozialdemokratie schon seit Wochen hier in unserem Kreise in Etatsüberschreitungen genehmigt wurden, darunter 300 M. für die 3 M. gezahlt, in Charlottenburg fogar 3,60 M.- Diese Aufbesserung allen Versammlungen und in ihren Flugblättern angeſtimmt hat, fogenannte„ Polizeischule", wurde mitgeteilt, daß das Drisstatut bewog die Schneeschipper, die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Vers wird bald verstummen und am Abend des 5. Februar ein Kazen über die Anstellung eines zweiten befoldeten Schöffen sowie auch waltung der städtischen Straßenreinigung hat ferner aus den Asylen jammer folgen, der vorläufig wieder fünf Jahre anhalten dürfte. über Reiseuntostenentschädigung von der Aufsichtsbehörde genehmigt für Obdachlose Leute zum Schneeschippen herangezogen. Etwa Jezt heißt es„ Alle Mann geschlossen am 5. Februar zur Wahl- sei. Für die Verlegung von Wasserleitungsrohren soll, wie dies 100 Mann wurden per Kremser zur Arbeitsstelle und wieder zurückurne, zur Bekämpfung der verräterischen Umsturzpartei und seine auch bis vor einigen Jahren der Fall gewesen, wiederum ein Beitrag befördert. Trotz aller dieser Anstrengungen dürfte es geraume Zeit Stimme für den einzigen Kandidaten der nationalen Parteien von den angrenzenden Besitzern erhoben werden. dauern, bis die Schneeberge aus den Straßen entfernt find; Berlin Die Beiträge Herrn August Pauli abzugeben." würde die schönste Ueberschwemmung erleben, wenn Taus sollen für das laufende Meter Grundstücksfront 10 M. betragen, bei Wenn die liberalen Wähler noch etwas politische Ehre befäßen, Edgrundstücken wird nur die längste der beiden Fronten berechnet. wetter einträte. Das Berliner Polizeipräsidium hat auf so müßte eine solche Lobhudelei nachgerade eine Beleidigung für sie sein. Nieder- Schönhausen. Ansuchen der städtischen Verwaltung diesmal ausnahms fo weise gestattet, daß die Schneewagen in die Spree Das konservative Blatt hätte aber auch, selbst wenn der Arbeiter und die Kanäle entleert werden können. Auf diese Weise geht der feind Pauli auf Freisinnstrüden wieder in den Reichstag Betrieb erheblich schneller von statten, als früher, wo je der Wagen täme, nicht Ursache, zu frohlocken. Das Wahlergebnis der Haupterst bis an die Felder der Peripherie fahren mußte. Die Wagen wahl hat bewiesen, daß der größte Teil der Wähler zu dem biszur Beförderung der Schneemassen sind Tag und Nacht im Gange. herigen Vertreter des Kreises kein Zutrauen mehr hat. Und wir Ihre Zahl ist gestern nachmittag von 1500 auf 2000 erhöht worden. zweifeln nicht daran, daß es einen nicht unerheblichen Teil freiBermehrung der Verkaufsartikel in den Berliner Markthallen. finniger Wähler geben wird, die sich zur Abgabe ihrer Stimme für Dem Bund, der Markthallenstandinhaber ist jetzt vom Bezirks- eine Stüge der Reaktion auf allen Gebieten des wirt- Zu der hohen Strafe von einem Monat Gefängnis wurde am ausschuß ein Bescheid auf die schon im vorigen Jahre abgesandte fchaftlichen und politischen Lebens nicht entschließen Mittwoch vom Spandauer Schöffengericht der Eisendreher Friedrich Eingabe zugegangen, in der eine Vermehrung der in den MarktNameuka aus Charlottenburg ivegen Beleidigung des Polizeihallen zulässigen Verkaufsartikel gefordert wurde, um so die Hallen Wenn wir diesen Gedanken aussprechen, so wollen wir selbst Beit der Aussperrung auf dem Nonnendamm, als Stameuta mit noch fergeanten Röstner verurteilt. Er war am 12. November v. J. zur gewissermaßen zu kommunalen Lebensmittel- Warenhäusern um zugestalten. Der Bezirksausschuß verweist in seiner Antwort die verständlich nicht sagen, daß die sozialdemokratischen Wähler des zwei Kollegen die Siemensstraße am Nonnendamm entlang gehen Standinhaber mit ihrem Gesuch an die Markthallendeputation, die 25. Januar fich in Siegesgedanken wiegen können. Nein, soll unser wollte. Sie wurden von dem Polizeisergeanten mit der Frage angehalten, gemeinsam mit dem Polizeipräsidium für eine derartige Abände- Kandidat Dr. Karl Liebknecht am 5. Februar über die fonservativ- wo sie denn hin wollten. Kameuta hörte gar nicht darauf hin, rung zuständig sei. Die Erweiterung des Marktverkehrs auf neue liberale Koalition siegen, so muß jeder die verzweifelten An- sondern ging ruhig weiter und als der Polizeisergeant ihm nachfam Waren hinge von dem Nachweis ab, daß der Markthandel damit strengungen machen, muß auch der letzte Mann belehrt werden, und nochmals fragte, wo er hin wolle, soll er gesagt haben:„ Ach, der Ortsgewohnheit entspräche. Für die Händler kommen vor allem fleinere Kolonialwaren sowie polierte Holzartikel in Betracht, deren was es für ihn bedeutet, wenn der Arbeiterfeind Pauli quatschen Sie nicht!" Und für diese Aeußerung wird ein bisher unbescholtener Mann zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Der Verkauf bisher zwar schon stillschweigend in den Hallen geduldet wieder Vertreter des Kreises wird. Mit fieberhafter Tätigkeit Borsigende des Schöffengerichts begründete das Urteil damit, die wird, aber doch jederzeit verboten werden könnte. Um dieser Rechts- heißt es jetzt zu arbeiten, um die Scharte des 25. Januar aus- Beamten hätten während des Streits(?) einen schweren Stand geunsicherheit ein Ende zu machen, sollen die Standinhaber die aus- zuwegen. Verlasse sich deshalb keiner auf den anderen; jeder habt und müßten rachdrücklich geschützt werden. Der Vorsitzende drückliche Genehmigung für diesen Handel nachsuchen, unter Hin- ftelle seinen Mann, von Mund zu Mund muß agitiert übersieht, daß es nicht ein Streit, sondern eine Aussperrung war. weis darauf, daß der Verkauf solcher Artikel durch die bisherige werden für den alleinigen Arbeiterkandidaten und stillschweigende Duldung ortsgewöhnlich geworden sei. Durch eine wahrer der Volksfreiheit, für den Kandidaten der Umfrage in den einzelnen Hallen will man eine genaue Aufstellung Sozialdemokratie: der Artikel gewinnen, für die die Ausdehnung des Marktverkehrs gewünscht wird. fönnen. Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht- Berlin. Berliner Adreßbuch. Der erste Nachtrag zum diesjährigen AdreßAmtliches Wahlrefultat des Kreises Niederbarnim. buch gelangt von heute ab zur Ausgabe. Derselbe enthält alle feit dem Erscheinen der Hauptausgabe angemeldeten Geschäftseröffnungen, Endlich ist auch das genaue Wahlergebnis des NiederWohnungsverlegungen, Zuzüge von außerhalb usw. und bildet somit barnimer Streifes ermittelt worden. Danach haben erhalten: eine wesentliche Ergänzung und Bereicherung des Hauptbuches. Der Stadthagen( Soz.) 57 679 Stimmen, 8iethen( f.) Nachtrag wird in der Haupterpetition des Berliner Lokal- An- 34 455, Erzberger( 8.) 1530, b. zarlinski( Bole) geigers", SW. 68, 8immerstraße 37-41, und in deffen sämtlichen 349, Gurlitt( freis.) 50, zersplittert 177 und ungültig Filialerpeditionen an die Besitzer der Hauptausgabe 1907 unentgelt- waren 347 Stimmen. Demnach erhielten sämtliche bürgerliche lich berabfolgt. Der zweite Nachtrag, welcher die weiteren Ber Randidaten( inkl. der Zersplitterten) 87 061 Stimmen. Unser änderungen, Umzüge usw. berücksichtigen wird, erscheint Anfang Mai. Genosse Stadthagen fiegte. somit mit 20618 Stimmen Schon wieder ein Raub im Postschalterraum. In erschreckender absoluter Majorität. Die sozialdemokratische Stimmenzahl Weise häufen sich jetzt die Fälle, in denen junge Burschen Geldraub- beträgt 52,14 Proz. der Gesamtwahlberechtigten. versuche in Postschalterräumen ausführen. Gestern abend in der achten Stunde riß ein etwa 22jähriger Mensch einem Mädchen, das Geld in dem Bostamt 62 in der Landgrafenstraße aufgeben wollte, 150 M. in Papier aus den Händen und ergriff die Flucht. Auf das Geschrei der Bestohlenen hin verfolgten Straßenpassanten den Dieb und machten ihn dingfest. Das Geld hatte er noch. Es wurde dem Mädchen gleich wieder zurückgegeben. Er selbst wanderte ins Polizei präsidium. Mit Hülfe von Zigeunern ist gestern ein langgesuchter Wagenund Pferdedieb verhaftet worden. Bei einem in der Freienwalders In der letzten Wahlvereinsversammlung, am 29. Januar im vertauscht worden. Der Parteigenoffe, der ihn versehentlich mit Restaurant Wilhelmshof", ist ein Hut( schwarzer Seidenplüschhut) Eichenstr. 70, abzugeben. genommen, wird gebeten, ihn beim Genossen Hermann Pätzold, Spandau. Ein Opfer des Frostes ist der Arbeiter Fritsche geworden. Er war bei den Bahnbauten in Dallgow beschäftigt gewesen und hatte sich am Sonnabend auf den Heimweg begeben; bei seinen Angehörigen war er jedoch nicht eingetroffen. Er blieb seitdem spurlos verschwunden. Gestern morgen ist er von einem Briefträger als Leiche in der Staatener Bauernheide aufgefunden worden; er lag tief im Schnee und hat nach ärztlicher Feststellung infolge der letzten Kälte seinen Tod gefunden. Der Wochenlohn wurde noch bei ihm vorgefunden. Soziales. Die konservative Milchzentrale" pleite. abgeordneten Ring ins Leben gerufene Milchzentrale ein nach Wiederholt haben wir dargelegt, daß die durch den konservativen millionen betragendes Defizit aufweist und daß fie unendlich biele fleine Bauern schwer geschädigt hat und daß eine strafgerichtliche Untersuchung dringend am Blaze fet. Friedenau, Schöneberg, Steglitz, Wilmersdorf, Zehlendorf. Es hieß dann, die Staatsanwaltschaft habe die Sache in die Hand Arbeiter und Arbeiterinnen! Nach eingehender genommen. Vor kurzem ist bekanntlich Ring gestorben. Gegen ihn Beratung mit dem Vorstand der Arbeiter- Bildungs- ift eine weitere Strafverfolgung unmöglich. Wie böse in der Milchschule Berlin und den Parteigenossen vorgenannter Orte zentrale gewirtschaftet ist, zeigte eine am Dienstag abgehaltene Ver sammlung. wurde beschlossen in Stegliz, Ahornstr. 15, bei Schell- Zur Beratung einer etwaigen Hülfsaktion für die hase eine Filiale der Schule zu errichten. Die Eröffnung Milchzentrale hatte der Rittergutsbefizer Neuhaus- Selchow des Unterrichts soll am Freitag, den 15. Februard. die größeren ringfreien Gutsbefizer und Gutspächter der Mark a bends 9 Uhr, erfolgen. Brandenburg nach dem Klub der Landwirte geladen. Der Einladung waren, wie die„Voss. Ztg.' berichtet, 2S Interessenten gefolgt. Den übrigen Teil der quS 37 Herren bestehenden Versammlung bildeten Genossenschafter der Milchzentrale und die Geschäftsführer Krause und Markgraf. Ritterguts- besitzer N e u h a u s gab eine allgemeine Schilderung der finanziellen Lage der Milchzentrale und erteilte dann dem Vorstandsmitgliede Hauptmann Graden st ein das Wort. Herr Gravenstein begann seine Mitteilungen mit der Erklärung, dag die L a g e der Mtlchzentrale eine verzweifelte sei. Bei einer Nach- Prüfung der bereits zweimal, zum Teil sogar dreimal berichtigten Bilanzen habe sich herausgestellt, daß unrichtige Bilanzen vorliegen. Es sei daher notwendig ge� worden, die revidierten Bilanzen nochmals„zurückzurevidieren" Diese Aufgabe habe man der Treuhand-Bereinigung Akttengesellschaft überwogen. Nach der Beendigung ihrer Arbeit könne erst die wirkliche Lage der Milchzentrale kundgegeben werden. In jedem Falle müsse die Milchzenrrale schon vor dem 1. April in Liquidation treten, wenn ihr die märkischen Landwirte nicht beisprängen. Ueber diese Hülfe soll in einer neuen, auf den 12. Februar einzuberufenden Versammlung im Klub der Landwirte endgültig Beschluß gefaßt werden. Herr Graden- stein schlug vor. sofort einen geschästsführenden Vorstand der ringfreien Milchproduzenten zu bilden. Keiner der Anwesenden fand sich jedoch bereit, der Auf forderung Folge zu leisten. Seitens der ringfreien Produzenten wurde ausgesprochen, daß sie der Milchzentrale nur dann helfen würden, wenn diese ihnen eine dauernde Erhöhung des Milchpreises von 13Vq Pf. auf 15 Pf. frei Bahnhof Berlin garantiere. Herr Gravenstein erklärte, es fei unmöglich, den Milchpreis schon jetzt wieder zu erhöhen. Die ringfreien Produzenten möchten sich zu einer freiwilligen Steuer von'/z Pf. für den Tag und das Liter zugunsten der Milchzentrale ver- pflichten. Schließlich begnügte man sich mit der Bildung eines AgitattonS-Ausschusses, der die Einladungen zu der neuen Versamw lung am 12. Februar erlassen soll. Irgendwelche Neigung, die finanziellen Schwierigkeiten der Milchzenttale durch Geldopfer zu be> seitigen, gab sich bei den ringfreien Milchproduzenten nicht kund. Welches Ergebnis die strafrechtliche Untersuchung gefördert hat, ja nicht einmal, ob eine solche noch schwebe, ergab die Versamm� lung nicht._ Bon der ZentrumS-„Nebenresierung". In welcher Weise hinter der Bühne Einflüsse einzelner Ab- geordneten auf Entscheidungen sich bemerkbar machen, zeigt nach- stehender Briefwechsel. Zur Erläuterung sind vorausgeschickt: In der Kölner Ortskrankenkaffe fanden 1900 statutarisch 5 Tage lang die Vertreterwahlen in einem Wahlgang statt. Der Wahlvorftand eröffnete die Urnen täglich. Auf Beschwerde eines, übrigens nicht- sozialdemokratischen, Mitgliedes erklärte der Regierungspräsident die Wahlen für ungültig. Darauf bat der Vorsitzende durch folgen- den Brief, dessen Schlutzpassus charakteristisch ist, an den Reichstags- abgeordneten T r i m b>ir n: Köln, den 22. Februar 1301. An den Reichstagsabgeordneten Herrn Justizrat Trimborn, Hochwohlgcboren, Berlin. Ew. Hochwohlgcboren wollen gütigst entschuldigen, wenn wir in Nachstehendem in einer für unsere Kasse außerordentlich wichtigen Angelegenheit Sie hiermit bitten, Ihren Einfluß beim Herrn Minister für Handel und Gewerbe zugunsten unserer Sache geltend machen zu Wollen. Wie aus den Anlagen ersichtlich, hat die Kasse vom 15. bis 19. Oktober 1999 die Wahl von Vertretern zur Generalversamm lung vorgenommen für die kaufmännifche Abteilung, 15 999 Mit glieder zählend. Zu wählen waren 159 Vertreter. Die Wahl fand im Fränkischen Hof statt und zwar an 5 aufeinanderfolgen- den Tagen. Sie können sich nun diese Agitation der Sozialdemokratie unter den 15 999 Wählern denken. Der ganze Parteiappevat war in Bewegung gesetzt. Es regnete förmlich Flugblätter, worin die zeitige Verwaltung schlecht gemacht wurde, dennoch siegten die vereinigten Christlichsozialen und Nichtsozialdemokraten mit einer Mehrheit von 599 Stimmen. Nun kam, wie zu erwarten war, Protest gegen die Wahl, welcher, wie die Anlage besagt, vom Oberbürgermeisteramt abgewiesen wurde. Auf die Berufung an die Regierung findet diese nun darin, daß das Resultat eines jeden Tages festgestellt wurde, einen Verstoß gegen die Geheimhaltung der Wahl— Vorschriften sind in dieser Beziehung aber nicht gegeben, sind also auch nicht verletzt worden; auch waren es keine Parteigründe, die den Wahlvorstand zu seinem Handeln bestimmten, sondern die Sorge für die Aufbewahrung der Urnen mit den Zetteln und damit über Nacht kein Mißbrauch getrieben würde. Auch jetzt hat. wie Sie ersehen, für den Fall einer Neu- wähl weder der Oberbürgermeister noch der Herr Regierungs- Präsident uns Anleitung gegeben, wie dann eigentlich verfahren werden soll. Wir geben Ihnen Abschrift der Eingabe an den Herrn Minister mit der Bitte, mit diesem hochgeneigte st Rücksprache nehmen zu wollen behufs Zurücknahme der Regierungsverfügung. Der Sozialdemokratie würde bei einer Neuwahl zweifellos der Sieg werden. Für diese handelt es sich, wie Ihnen wohl be- kannt, weniger um die Kaffeninteressen, als wie um die Herr- fchaft über 15 999 Kassenmitglieder, die bei politischen und Ge- werbegerichtswahlen ihren Zwecken dienstbar gemacht werden. Einer baldgefl. Mitteilung gern entgegensehend, zeichne Hochachtungsvoll Der Vorsitzende. gez. Gersten. Bald darauf hob diesem Bittgesuch entsprechend der Minister den Beschluß des Regierungspräsidenten auf und erklärte die Wahlen für gültig. Aus welchen Einfluß der ultramontane Kassenvorsitzende diesen Bescheid zurückführt, zeigt nachfolgendes Dankschreiben an den Reichstagsabgeordneten Herrn Rechtsanwalt Trimborn, hoch wohlgeboren, vom 14. Mai 1991: Am gestrigen Tage empfingen wir eine Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten, wonach auf Anordnung des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe die Verfügung des ersteren, wonach die vom 15. bis 19. Oktober 1999 getätigte Vertreterwahl als ungültig erklärt wurde, aufgehoben und die Wahl für gültig erklärt worden ist. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir annehmen, daß dieses erfreuliche Resultat Ihren Bemühungen zu verdanken ist. Wir gestatten uns Ihnen hiermit unseren verbindlichsten Dank für diese Bemühungen auszusprechen. Hack>ack>tend Der Vorsitzende. gez. H. Gersten. Dieser Zentrumsvorstand bewiiugre dann dem Rendanten ein Gehalt von 19 999 M., ein Gehalt, desien Höhe der Minister im Reichstag nicht mit Unrecht für einen groben Unfug erklärte. Der kleine Liebesdienst konnte erwiesen werden. Der„schwarze Kurier' zwischen Reichsamt des Innern und Trimborn sorgt für Bereiterklärung dieses Abgeordneten zu reaktionären sogenannten Sozialreformen._______ Hus Induftnc und Handel* Geschäftslage der ElektrizitätSindustrie. Die hohe Gunst, die der Geschäftsgang im ElektrizitätSgewerbe wahrend des Jahres 1995 auswies, hat im Jahre 1996 in gleicher Intensität angehalten, ja sie hat teilweise sogar noch zugenommen. Auf die Geschäftsergebnisse im Elektrizitätsgewerbe wirkte der Umstand ein, daß gegenüber den stark gestiegenen Rohmaterialpreisen auch die Fabrikatpreise in die Höhe gesetzt werden konnten. Bei einer Anzahl größerer Elektrizitätsgesellschaften, die zusammen ein Aktienkapital von 453,54 Millionen Mark repräsentieren, belief sich die Dividende im letztvergangenen Jahre auf 8,19 Prozent, während 1995 bei den gleichen Gesellschaften im Durchschnitt 7,49 Prozent zur Vetteilung gekommen waren. Nimmt der Ausbau deS industriellen und landwirtschaftlichen Produkttonsapparates auch im laufenden Jahre kräftig weiter zu und in Zusammenhang damit die Gunst der Konjunftur im Eisengewerbe, so dürfte auch die Rückwirkung auf das ElektrizitätSgewerbe nicht ausbleiben, jedenfalls aber steht die Fortdauer der Hochkonjunktur in beiden Gewerben in innigem Zusammenbang. Ein aufnahmefähiges Absatzgebiet für elekttotechnische Erzeugnisse ist gegenwärtig Rhein- land-Westfalen und zwar insbesondere die großindustriellen Zentren. Die Bemühungen, das Industriegebiet mit elekttischer Anttiebskraft zu versorgen, haben in letzter Zeit sehr zugenommen, wodurch natur- gemäß auch der Absatz elettrotechnischer Erzeugnisie gesttegen ist. Der Plan, die Versorgung der Montanindustrie mit elektrischem Sttom durch private Unternehmungen auszuführen, die in engen Be- Ziehungen zur rheinisch-westfälischen Großindustrie stehen, ist aber vorläufig an dem Widerstand der Kommunen gescheitert, die die Lieferung der elektrischen Kraft selbst in die Hand genommen haben. Der Besitzer des rheinisch-westfälischen Elektrizitätswerks hat den kommunalen Interessenten in Hagen, Dortmund. Bochum und Um- gegend das Anerbieten gemacht, daß er feine Pläne für das östliche Westfalen aufgeben werde, wenn sie die bereits vorhandenen An- lagen des rheinisch-westfälischen Elektrizitätswerks, die zusammen auf rund 25 Millionen Mark zu bewerten find, übernehmen würden. Dieser Vorschlag hat die Zustimmung der beteiligten Kreise ge- funden._ Der Umfang der Berliner Pelzindustrie. Der Jahresumsatz der Berliner Pelzindustrie bettägt zirka 30 bis 35 Millionen Mark, während die Engrosfabrikation an anderen Plätzen des Deutschen Reichs, wie Hamburg, Breslau usw. etwa 6 bis 8 Millionen be- tragen mag. Von Berlin aus wird nicht nur das gesamte Deutsche Reich versorgt, sondern es findet auch, wie die„Neue Pelzwaren-Ztg.' schreibt, ein lebhafter Export nach England, der Schweiz, Holland, Skandinavien, Italien, Spanien, Südamerika usw. von hier aus statt. Die frühere nicht unbeträchtliche Ausfuhr nach Kanada hat aber infolge des Zollkrieges fast aufgehört. Während die Berliner Mäntelinduftrie 1879 in die Reihe der Großindustriellen trat und sogleich einen großen Aufschwung nahm, ging es mit der Pelzwarenindustrie langsamer. Zwar wurde das Engrosgeschäft in größerem Matzstabe schon 1878 betrieben, aber noch in 1888 dürfte der gesamte Jahresumsatz der Berliner Fabri- kanten die Summe von 5 bis 6 Millionen Mark nicht überschritten haben. Erst Mitte der neunziger Jahre trat der große Umschwung ein, und schon seit etwa fünf bis sechs Jahren steht die Branche auf der Höhe, doch ist noch eine wesentliche größere EntWickelung zu er- warten. Im ganzen dürften in der Berliner Pelzwarenindustrie etwa 4999 Menschen beschäftigt sein. Das Rohmaterial liefern Nordamerika, Südamerika, Sibirien, Australien, China und Japan, und in nicht geringem Umfange auch Earova. Selbst Afrika ist Lieferant, wenn auch nicht fehr bedeutend. „Phönix"-„Hoerde"-„Nordstern". Ein neuer Montanriese ist in Bildung begriffen. Die Ver- waltungcn der A.-G. Steinkohlenbergwerk„Nordstern" und der mit dem Hoerder Verein zusammengeschlossenen„Phönix" A.-G. für Bergbau- und Hüttenbetrieb haben, vorbehaltlich der Genehmi- gung der Generalversammlungen, die Vereinigung beider Unter- nehmungen auf folgender Grundlage beschlossen: Das Steinkohlenbergwerk„Nordstern" geht mit seinen Ertrag- nissen vom 1. Januar 1997 ab mit allen Aktiven und Passiven auf den„Phönix" über. Es soll für je 1299 M.„Nordstern'-Aktien ein gleicher Betrag in„Phönix'-Aktien mit Dividendenberechtigung vom 1. Januar 1997 ab und ein Barbetrag von 299 Proz. gleich 2499 M. gewährt werden. Die mit 22 Proz. in Aussicht genommene „Nordstern"-Dividende für 1996 verbleibt den„Nordstern"- Aktionären. Der„Phönix" erhöht zur Durchführung dieser Trans- aktion sein jetzt 72 Millionen Mark betragendes Aktienkapital um 28 Millionen Mark, von denen 29 Millionen Mark zum Umtausch der„Nordstern"-Aktien bestimmt sind, während weitere 8 Millionen Mark den alten„Phönix"-Aktionären im Verhältnis von 1: 9 zum Kurse von 175 Proz. mit Dividendenbcrechtigung vom 1. Januar 1997 ab angeboten werden sollen. Weiter werden 29 Millionen Mark 4% proz.„Phönix"-Obligationen emittiert; der Restbetrag des erforderlichen Geldbedarfs wird aus den bereiten Geldmitteln der beiden Gefellschaften gedeckt. Maßgebend für den Zusammenschluß war in erster Linie der Umstand, daß der„Phönix" jetzt schon einen, nicht durch seine eigene Förderung gedeckten Kohlenbedarf von ungefähr 1 Million Tonnen jährlich hat, während andererseits„Nordstern" mit seinen gegen- wärtige» Anlagen in der Lage ist, diese Förderung noch neben seiner bisherigen Beteiligung im Kohlenshndikat zu leisten. Nachdem der Phönix" mit dem Hoerder Verein vereinigt ist und seine Quote im Stahlwerksverbande die größte aller am Stahlwerksverbande beteiligten Werke ist, erschien es der Verwaltung geboten, auch in der Kohlenfrage sich unabhängig vom Markte zu machen, und es mußte ihm daran liegen, eines der anerkannt besten Steinkohlen- bergwerle Westfalens sich anzugliedern. Der gesamte Kohlen- reichtum der dem„Nordstern" gehörigen Grubenfelder wird auf über eine Milliarde Tonnen geschätzt. Die Geschäftsergebnisse des„Phönix" in den ersten fünf Monaten des laufenden Geschäftsjahres(der ersten Epoche nach der Vereinigung mit Hoerde) übertreffen, wie die Verwaltung mitteilt. diejenigen des gierchen Zeitraums des Vorjahres sehr erheblich. Bankfrisionen. Wie die„Kölnische Zeitung' erfähtt, hat der Barmer Bankverein mit dem Bankhause Albert Siemon u. Co. in Köln ein Abkommen getroffen, nach welchem das Geschäft des letzteren auf ihn übergeht. Der Barmer Bankverein wird dann eine Zweigniederlassung in Köln errichten. Eine Kapitalserhöhung wird aus diesem Anlaß nicht stattfinden.— Zwischen der Eisenacher Kreditbank in Eisenach und der Magde- burger Privatbank in Magedeburg ist ein Fusionsvettrag geschlossen worden, wonach die Eisenacher Kreditbank auf die Magdeburger Privatbank mit Wirkung vom 1. Januar 1997 als Ganzes unter Ausschluß der Liquidation übergehen soll. Die Magdeburger Privatbank wird die Kapitalserhöhung um 1599 999 M. folvie die Genehmigung dieses Vertrages in der in aller Kürze einzuberufenden ordentlichen Generalversammlung beantragen. Die Magdeburger Privatbank errichtet zum Zwecke der Fortführung der Geschäfte der Eisenacher Kreditbank eine Filiale unter der bisherigen Leitung in Eifenach._ VcrmifcbUs. Risiko der Arbeit. Das RegenSburger„Morgenvlatt" meldet aus Maxhütte: Gestern nachmittag barst das Gewölbe eines Puddelofens, wobei drei Arbeiter verunglückten. Einer ist bereits gestorben. Der ElSgang auf der Elve bei Hamburg wurde in der letzten Nacht durch das von der Oberelbe kommende zusammengeschobene Treibeis verstärkt, so daß die kleineren Dampfer groß- Mühe hatten, durchzukommen. Wenn das Treibeis von der Oberelbe, das sich auf der Strecke zwischen Krauel, Geesthacht und Lauenburg bis zum Grunde der Elbe zusammengeschoben und die Deiche ;u bedrohen begonnen hatte, in großen Mafien hierher gelangt, o werden die Schwierigkeiten im hiesigen Hafen einen großen Um- äng annehmen. Auf der Unterelbe blieb infolge des schweren Eis- gange? der große Hamburger Seeschlepper„Gladiator", der die englische Viermasterbark„Duchalburn" nach Hamburg schleppte, im Eise stecken, das nachfolgende Schiff rannte ihn darauf an, ritz ihm beide Masten weg und beschädigte die Kommandobrücke und das Heck. Später gelang es dem„Gladiator" wieder freizukommen und die Fahrt nach Hamburg fortzusetzen. Die verschStteten Bergleute von CharleSton(West-Virginia). Von den m der„Stuatt-Kohlengrube" verunglückten Bergleuten sind vier als Leichen heraufbefördert worden. Der Betriebsleiter glaubt, daß die 69 bis 99 Bergleute, die sich zur Zeit der Explosion in der Grube befanden, sämtlich tot sind. DaS zerstörte Kingston wird wieder aufgebaut. Einer Meldung aus Kingston zufolge nahm eine gestern abgehaltene Versammlung von Geschäftsleuten einstimmig den Vorschlag des Erzbischofs betr. den Wiederaufbau der Stadt an. Eine zweite Versammlung von Grotzkaufleuten, Expotteuren usw. nahm einen ähnlichen Antrag an. Der Wiederaufbau der Stadt ist damit gesichert. Schneefall im Auslande. In Locne sind, wie aus Genf ge- meldet wird, derartige Mengen Schnee gefallen, daß der Eisenbahn- verlehr mit Bern völlig unterbrochen ist. Auch aus zahlreichen Gegenden Frankreichs wird starker Schnee- fall gemeldet, besonders aus dem Departement Doubs und im Jura- gebiet. Der Bahnverkehr ist verhindert. Heftige Erdstöße wurden, wie aus Sydney gemeldet wird, gestern in der Nähe von Lithgow wahrgenommen. Einzelheiten fehlen noch. Briefkaften der Redaktion. F. W. 100. Ein Schadenersatzprozeß würde leider wenig Zlussicht aus Ersolg haben.— B. 37. Wir müssen grundsätzlich ablehnen, Firmen zu empsehlen.— Pasewalkerstr. 4. DaS Wahlrecht bleibt Ihnen, aber die Frage ist sehr strellig.— H. E. 27. 1. Rem, wenden Sie sich an Ihre Gewerlschast oder an Genossen Simanowski, Engel-User 15. 2. Etwa 9000. 3. Ueber 2000.— H. K. 77. Es kommt auf den Inhalt der Police an. Der Wortlaut ist entscheidend.— N. 7« Ein Höchstmaß gibt es dabei nicht, cS können mehrere 100 Mark Kosten entstehen.— A.«. 1877. Nein.— Max 100. 1. Zum 1. des Quartals. 2. Ja. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Berich! der städtischen Markthallen-Direktion.(Großhandel.) Rindfleisch la 69—74 pr. 100 Pfd., tta 63-68, IHa 57—62, IVa 49—55, dän. Bullen 60—65, Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 110—125, la 82—90, IIa 72—80, ITIa 54—68, Holl. 0,00, dän. 60—68. Hammelfleisch la 66—74, IIa 50—64. Schweiiiefleisch 54—62. Rehwild, plomb. per Pfd. 0,00, la 0,00, Rotwlld la 0,40—0,60, IIa 0,30-0,33, do. Kälber 0,40—0,50. Damwild 0,40—0,53, do. Kälber 0,60—0,75. Wildschweine 0,40—0,50. Frischlinge 0,40—0,58. Hasen per Stück 2,50—3,00, do. klein und IIa 0,00. Kaninchen per stück 0,80—1,20. Wildenten per Stück 0,00. Hühner, alte per Stück 1,60—2,60, do. Ha 0,00, do. junge per Stück 0,00. Tauben per Stück 0,75—1,02, junge kleine 0,00, italienische 1,00. Enten per Stück 1,70—2,85. Hamburger junge per Stück 3,30 bis 3,75. Gänse, Oderbr., per Psd. 0,55—0,60, do. Hamburger pr. Psd. 0,90 bis 1,05, Eis- 0,53—0,62. Hechte per 100 Psd. 80—93, groß 63. Zander, groß 0,00, matt 0,00. Schleie, groß 0,00, unsott. 0,00. Bleie 42—47. Aale, groß 0,00, mittel 0,00, klein und mittel 92—100. Plötzen, klein 38—40, groß, matt 44. Karpfen, 30— 35cr 0.09, do. 80— lOOcc 55—59. Bunte Fische 60—62. Barse, matt 0,00, do. 0,00. Karauschen 0,00. Wels 0,00. Quappen 55. Bleifische 0,00. Amerikanischer Lachs Tu neuer per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. Ula neuer 75. Seelachs 20. Sprotten, Kieler, Wall 0,75—1,25, Danziger, Wall 0,50—0,60. Flundern, Kieler, Stiege la 3—4, do. mittel ver Kiste 2—3, Hamb. Stiege 4—5, halbe Kiste 1,50—2. Bücklinge, per Wall Kieler 3,50—5,00, Sttalsunder 6,00. Aale, groß per Psd. 1,10—1,30, mittelgroß 0,80—1,00, klein 0,50—0,60. Heringe per Schock 4—5. Schellfische Kiste 3—4,00, do. Kiste 2,00. Kablia». p. 100 Pfd. 20. Heilbutt 0,00. Sardellen. t902cr per Anker 93, 1904er 93, 1905er 90. 1906er 73—75. Schottische Bollhcringc 1905 0,00, lar�v 40-44, knll. 36—38, msck. 35-42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, per To. 60—120. Sardinen, rufl.. Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schocksaß 11, kleine 5— 6, Riesen- 14. Eier, Land-, per Schock 4,75—5,25. Butter per 100 Psd. la 114-120, IIa 110-115, lila 103-112, abfallende 90-100. Saure Gurken Schock 3,50—4,00, Psefsergurken 3,50—4,00. Kartoffeln per 100 Psd. 0,00, magnum bonum 2,10—2,25, Daberschc 2,10—2,25, Rosen 0,00, weiße 1,75—2,00, Salatkartoffeln 5,00—6,00. Spinat per 100 Pfund 15—18. Karotten per 100 Pfund 10—12. Sellerie, hiesige, per Schock 2,00—5,00, do. pommcrsche 5,00—6,00. Zwiebeln große, per 100 Psd. 2,50— 4,00. do. kleine 2,50—3,00. do. hiesige(Perl.) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 2,00. Kohlrabi per Schock 0,00. Rettig, bahr., per Schock 2,40—4,80. Mohrrüben per lOOPsund 3,00—3,50. Teltower Rüben per 100 Psd. 7—10. Weiße Rüben, große 2—2,50, kleine 6—8. Rote Rüben 2,00—2,50. Blumenkohl ital. p. Kops 0,00. Kohlrüben per Schock 2—2,50. Wirsingkool per Schock 3,00—6,00. Rotkohl per Schock 3,00-8,00. Weißkohl 100 Psd. 2,00-2,50. Rosenkohl p. 100 Psd. 20—25. Grünkohl per 100 Psd. 2—5. Schnittlauch 12 Töpse 4—4,50, Birnen, per 100 Psd. hiesige 0,00, böhm. 8-20, ital. 35-38. Aepsel, per 100 Psd., hiesige 5—22, Gravensteiner 0,00. Tiroler in Fässern 0,00, Kiste 32-60, Amerik. 11-30. Zitronen. Messina, 300 Stück 8,00-10,00, 360 Stück 7,50-9,00, 200 Stück 9-13. Apselsinen. Jaffa, per Kiste 0,00. Murcia 200er Kiste 7—10. do. 300er 8—11, Valencia 420er Kiste 12—18,00, do. 714er 18—20, Mesfina, Blut» 100er 7—11, do. 150er 7,50—12, do. 80 er 9,50—11. Mandarinen, Kiste 0,65—1,40, do. in Körben per 100 Psd. 20-25.__ Witter»»gk>tiperflcht vom 31. Januar 1907, morgens«»yr. SlaHntn Swtnemde Hamburg Berlin Franks.a.M München Wien Lß 5° 2= »= I I I 752 NNO 755 WNW 751 NW 753 N 753 NW 751 WNW aettn INebel 4 bedeckt 2 Schnee 3 bedeckt 4Schliee 2 bedeckt »K c 5» a II =» H& —2 — 1 —2 — 1 —2 — 0 StaNomn ie c a iE Havaranda 1 758 NO Petersburg 757 S Scilly ■,'16 erbten PattS 768 NRW 767 NW 761NW acttn 2 halb bd. Iwolkenl 5 bedeckt 4haw bd. 4 wolkig a« e% sl' I» H& — 19 —6 7 0 1 Wetter-Prognose für Freitag, den 1. Februar 1907. Etwas kälter, zeitweise heiter, aber noch Veranderlich mit gettngen Schneefällen und mäßigen nördlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r e a u. Wasserstand am 31. Januar. Elbe bei Nusstg— ,— Meter, bei Dresden— 1,10 dp.— Elbe bei Magdeburg+ 1,49 Meter, Eisgang.— Elbe bei Straußsnrl— ,— Meter.— Oder bei Ratibor-j- 1,69 Meter. Oder bei Breslau Uiitcrpegel+ 0,04 Meter.— Neißemündung+ 2,91 Meter. Oder bei Brieg-f 3,40 Meter.— Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Paul Pames am 23. d. M. vormittags 5'/, Uhr verstorben ist. 111719 Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwnltung. Zentral-Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Waoenbaner. ------- Ortsverwalfung Berlin 15.----- Am 28. d. M. verstarb nach langem, schwerem Leiden unser Mitglied, der Arbetter Konfad Spehr. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frei- tag nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des neuen Kirch- Hofes in Lankwitz aus stalt. 25372 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Allen Freunden, Bekannten und Kollegen für die Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben VaterS meinen herzlichsten Dank. 3810L Panl K-andel. Erste Bettfedomfab. m. elekt. Betriebe Gustav Lustig BERLIN S. Prinzenstr. 46 Berftnbrt geg. Nachnahme garantiert neue und gut entstäubte, gut lullende Bettscdern p. Psd. M. 0.»5-I.00-l.S5! primaHalbdannenM. 1.75; Eänfo- rupfsedern M. L.00; pr!iiia weiße Gänsehalbdauueu M. e.zo.z.aa-3.50 echt chines. Monopoldaune» s M. 2.85, echt russisch. Matador-Gänscdauneu M. L.50 Von den Daunen genügen 3—i Psd. zum groß. Lderbctt.— Gänsefederu i, Rechen) M.0.eo per Psund; Gänse- schlachtfedern, wie sie von derEan» fallen, mit allen Daunen M. 1.50. Proben und Preisliste gratis. Nm> tausch oder Rücisendnng gestattet. Verpackung kostcnsrei. Sehtsähriacr Umsatz über 2000 Zentner Bettfeder», von keinem: zweiten Betten- u. Bett- sederngefchäst erreicht. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 1. Februar. Anfang 7 Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr: Dr. P. Schwahn: Gletscher und Eiszeit. Kal. Opernhaus, Figaros Dogzeit. Komische Oper. Schauspielhaus. Wallensteins Tod. Deutsches. Das Wintermärchen. Westen. Cousin Bobby. Lorking. Manha. Leffing. Der Biberpelz. Anfang 8 Uhr. Berliner. Der Hund von Baskerbille. Schiller 0. Abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Sonnabend: Tosca. Sonntag nachm. 3 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Abends 8 Uhr: Tosca. Montag: Hoffmanns Erzählungen. ( Ballner- Theater.) Lortzing- Theater Der Raiserjäger. Schiller Theater Charlottenburg. Mathias Gollinger. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Die von Hochlattel. Komische Oper. Hoffmanns Er zählungen. Neues Schauspielhaus. Weh dem ber lügt. Kleines. Ein idealer Gatte. Neues. Die Condottieri. Residenz. Florette und Patapon. Lustspielhaus. Husarenfieber. Zentral. Künstlerblut. Deutsch- Amerikanisches. Sorgenbrecher. Thalia. Eine luftige Doppelehe. Der Luisen. Der Königsleutnant. Bernhard Rose. Kean. Trianon. Frl. Josette meine T Frau. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Herrnfeld. Ein verrüdies Hotel. Wintergarten. Saharet. Spezia litäten.. Apollo. Die schöne Bestalin. Spe zialitäten. Kasino. Ledige Leute. Spezialität. Folies Caprice. Zm Café Abelles. Ein Slabriasprozeß. Soirre bei Rotoy. Passage. Berlin paß' auf! Ope gialitäten. Figaro. Eine gute Partie. Die Klaue. Chicagoer Landwirt. Unterm Bett. ( Anfang 8 Uhr.) Prater Theater. Die Hauben lerche. Walhalla. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Irania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr: Dr. P. Schwahn: Gletscher und Eiszeit. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Der Hund von Baskerville. Sonnabend, Sonntag: Der Hund von Baskerville. Theater des Westens Station Zoolog. Garten, Kantstr. 12. Durchschlagender Operetten Erfolg! Allabendlich 72 Uhr: Gastspiel Frizz Werner P Coufin Bobby. Neues Schauspielhaus Freitag, den 1. Februar 1907: Weh dem der lügt. Morgen: Herthas Hochzeit. Anfang 8 Uhr Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Die Condottieri. Morgen und folgende Lage: Die Condottieri. Kleines Theater. Anfang 8 Uhr. Ein idealer Gatte. Sonnabend, Sonntag: Eine triviale Komödie für seriöse Lente.( Bunbury.) Bellealliancestr. 7/8. Abends 7 Uhr: Martha. Abonnements gültig. Sonnabend nachmittag 3 Uhr Erst aufführung: Die Montresore. Wozu der Lärm? Abends 7%, Uhr: Der Mikado. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater) Freitag, abends 8 Uhr: Der Kaiserjäger. Komödie in 3 Aufz. v Hans Brennert und Hans Ostwald. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Räuber. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Maria Stuart. Sonntag, abends 8 Uhr: Flachsmann als Erzieher. Cipollo 10 Uhr! Theater Heute: 10 Uhr! Schiller- Theater Charlottenburg, Bismardstraße, Ede der Grolmanstr. Freitag, abends 8 Uhr: Mathias Gollinger. Luftspiel in 4 Aufzügen bon Dstar Blumenthal und Mag Bernstein. Sonnabend, abends 8 Uhr. Jugend. Sonntag, nach m. 3 br: Der Pfarrer v. Kirchfeld. Sonntag, abends 8 Uhr: Jugend. Schiller- Theater N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Die von Hochsattel. Bernhard Mörbitz. DERNHARD ROSE THEATED Außerdem: Debüts der neuen Spezialitäten. 8 Die schöneVestalin. Operette von Viktor Holländer. Broße Frankfurterstr. 132. Kean ober: Genie und Leidenschaft. Anfang 8 Uhr. Morgen nachmittag 4 Uhr KinderZirkus Schumann Zirkus Busch. Heute abend präzise 7 Uhr: Vorwiegend humoristisches Pro: gramm und eine wirklich fenfa tionelle Novität: Der Motor im Globus. Miß Irene und Mr. Wizard Stone. Die berühmte Neiterfamilie Cardinale. Ferner Die neu engagierten Spe. zialitäten sowie sämtliche Clowns und Auguste m. ihren neuesten urtomischen Entrees. Zum Schluß zum 43. Male: Das größte Pracht- Manegeschaustüd Heute abend 72 Uhr. Die in letter Beit von dem Leichtgewicht- Champion imBogen Herrn Joe Edwards London Berlin in Sportfreifen und in der Presse ( siehe„ Berl. Morgenpost" bom 13. Januar, Berl. Lokal- Anz." bom 15. Januar, B. 8. am Mittag" vom 18. Jan. ,,, Berl. Morgenpoft" vom 19. Januar, B.3. am Mittag" vom 22. Jan., Berl. Tageblatt" vom 22. Jan. usw. usw.) lebhaft verteidigte Ansicht, daß die Kunst des viel genannten Jiu Jitsu gegenüber dem Faustkampf nicht zur Geltung tommen tönne, hat zu einer St. Hubertus. Herausforderung Sonntag: 2 Galavorstellungen. Trianon- Theater. Anfang 8 Uhr. Sonntag, den 8. Februar, nachm. vorstellung bei fl. Breiten: Aichen: Fräulein Josette- meine Frau. 3 Uhr: Doppelvorstellung. Kleine brödel. Abends: Die Schule des Breife! Lebens. Sonntag nachm.: Wo ist der Papa? und Die Schloßkellerei. Warenhaus Hermann Tietz Leipzigerstrasse Alexanderplatz Februar 4 Montag Beginn der Weissen Woche Lustspielhaus. Residenz- Theater. Täglich abends 8 Uhr:. Husarenfieber. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage Anfang 8 Uhr. Prater- Theater Kastanien- Allee 7-9. Zum ersten Male: W. Noacks Theater. Kasino- Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Faust. Philippine Welfer. Die Gretchentragödie v. J. B. v. Goethe. Zentral- Theater. Florette und Patapon. Sauspiel in 4 Atten von Redwig. ( Operette.) Uhr: Künstlerblut. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Abends 8 Uhr: Der Raub der Sabinerinnen. Samant in 4 Aften von P. und F. v. Schönthan. Sonnabend 4 Uhr: Selein Däumling. 8 Uhr: Der Raub d. Sabinerinnen. Sonntag 8 Uhr: Tell. 8 Uhr: Der Stönigsleutnant. Contag Sherlock Holmes. Schwant in 3 Aften b. M. Hennequin und Pierre Veber. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Stellvertreter. Brunnen- Theater Befundbrunnen. Badstraße 58. Direktion: Bernhard Rose. Sodom and Gomorrha. Morgen: Geschlossen. Gustay Behrens Theater, Berlin O., Frankfurter Allee 85, Das einzig daftehende Schwant in 4 Atten v. F. v. Schönthan. Elite Februar- Programm. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Billettvorverkauf von 10-2 Uhr an der Theaterfaffe. = 24 Nummern. Anfang 7, Uhr. Sonntags 44, Uhr Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bf. Ehren und Vorzugskarten gültig. Mittwoch, den 6. Februar: Großes Münchener Bockbier- Fest. Ledige Leute. Stomödie in 3 Alten v. Felig Dörmann. Borber das vollständig neue erftflaffige bunte Februarprogramm. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Reichshallen- Theater. Otto Pritzkow, Münzstr. 16, Stettiner Sänger. Anjang Bochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Reichshallen- Restaurant Bockbier- Fest. Berontwortlicher Debatteur: Cans 2Beber, Berlin. Für den Inseratenteil berantiv.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien. des genannten Herrn durch den Anhänger und Lehrer des Jiu Jitsu Systems, Schüler der namhaften japanischen Lehrer Taku und Jukio Tani 0 Monfieur Edmond Vary, Paris geführt, welche heute Freitag, den 1. Februar, abends, im Birkus Busch öffentlich zum Ausfrag gebracht werden wird. Entgegen den Ausführungen des Herrn Edwards erklärt Herr Barh die Ueberlegenheit des Jiu Jitsu bei dieser Stampfdemon stration dadurch erweisen zu wollen, daß er Herrn Edwards innerhalb 4 Stunden kampfunfähig macht. Auswüchse Sportlichen Fanatismus, welche zu schweren Verlegungen führen, sind durch strenge Be stimmungen ausgeschlossen. Die Herren Bertreter der an gefehensten Sportblätter haben fich erboten, als Mitglieder des Schiedsrichter Kollegiums zu fungieren. Das Nähere befagen bie Programme. des -W Ferner Debut der Akro baten Familie ManelloMarnitz und das große Gala- Programm, sowie " ROM" Gr. Origin. Ausst.- Pantomime in 7 Bildern. Metropol- Theater Abends 8 Uhr: Der Teufel lacht dazu. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender. Giampietro. Josephi. Rauchen überall gestattet.. Sonntag, den 8. Februar 1907, nachmittags 8 Uhr: Auf in's Metropol. Gebr. Herrnfeldnig. Theater inlaß 8 Uhr. 7 Uhr Kommandantenstr. 57. Neuer großer durchschlagender Lach- Erfolg! Ein verrücktes Hotel mit dem Borspiel: ,, Hayfisch geht zur Jagd" Komödie in 3 Aften von Anton und Donat Herrnfeld nachmittags 3%, Uhr b. halben Kassenpreisen. Borbert. 11-2 Uhr( Theaterkaffe) Sonntag, den 3. Februar, Endlich allein. Fall Blumentopf. WINTERORTEN 65 SAHARET. Otto Reutter Riogocu- Familie, Japan. Truppe. Rudinoff, Universalkünstler. Seelöwen, vorgef. v. Matros. Walter. Abbie Mitchel, Kreolische Sängerin. 4 Sisters Leamy, Gymn. Produktion. Leonard Gautier, in der Szene„ Ein Spielwarenladen". Morton und Elliot, Instrumentalisten und Papiermanipulatoren. Auf dem Balle, Tanzszene, ausgef. von der Tiller- Truppe, London. Der Biograph. Ende 11 Uhr Colosseum Dresdenerstraße 97. Spezialitäten- Theater. Jm Konzertsaal: Großer Bockbier- Tubel. Auf Wunsch Vorführung in Vereinen jederzeit. Verbindung mit größter FilmsFabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung.+ Ueberraschungen eller Urt. Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin& W All- Deutschland im Bod." Nationale Dekoration! Nr. 27. 24. Jahrgang. Verächtlichmachung von " zu verantworten. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt Staatseinrichtungen. Gerichts- Zeitung. Schadenerfaspflichtige Selbsthülfe. Freitag, 1. februar 1907. ob die 75 Pfg. nur geschenkweise gegeben seien, ohne Erwartung aus einem Verpflichtungsverhältnis, oder ob sie ein beabsichtigtes, gewolltes und erwartetes Entgelt gewesen seien. Im letteren Falle müßten Angeklagte von der Beschuldigung der Hebertretung des preußischen Breßgesezes freigesprochen werden. Pietätsbezeugung bestraft. Wegen Teilnahme an einem nicht genehmigten außerordentDer Genieftreich des Hauptmanns von Köpenid, der seinerzeit Als der Tischler 2. in Berlin an dem Restaurant des in den Blättern aller Parteien von den verschiedensten Richtungen Destillateurs G. in der Goethestraße vorüberging, wurde ihm aus beleuchtet wurde, gab auch der anarchistischen Zeitschrift„ Der von dem neunjährigen Sohn des G. ein Gummiball an den Kopf freie Arbeiter" Anlaß zu einer scharfen Kritik des Militarismus, geschleudert, mit dem der Junge gespielt hatte. 2. nahm den Ball lichen Leichenbegängnis war Hedsträdter in zweiter Instanz vom die sich auch an die Besprechung des Köpenider Falles anlehnte. an sich, um dann auf der Polizei den Inhaber feststellen zu lassen. Landgericht Bochum zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Zwei Artikel in der Antimilitarismus" betitelten Beilage der Auf die Rufe des Knaben tam G. aus der Wirtschaft und drang Das Vereinsgeset stellt bekanntlich außergewöhnliche LeichenZeitschrift Der freie Arbeiter" waren diesem Thema gewidmet. nebst seinen ihm nachfolgenden Gästen gewaltsam auf den 2. ein, begängnisse den öffentlichen Aufzügen gleich, welche einer polizeiIn beiden Artikeln glaubte die Staatsanwaltschaft einen Verstoß um diesem den Ball wieder zu entreißen. Hierbei wurde dem L., lichen Erlaubnis bedürfen. Die Außergewöhnlichkeit des in Betracht gegen den§ 131 des Strafgesetzbuches zu finden. Dieser Bara- der den Ball in der Tasche hielt, das Handgelenk verrenkt und einige kommenden Leichenbegängnisses sah das Landgericht darin, daß im graph bedroht denjenigen mit Strafe, welcher erdichtete oder ent- Finger berdreht, sowie auch der Rod beschädigt. Nachdem G. und Buge ein Kranz mit roter Schleife getragen wurde, und zwar stellte Tatsachen, wissend, daß sie erdichtet oder entstellt sind, öffent. feine Selfershelfer strafrichterlich wegen gemeinsamer Körper- bon H. Dadurch sei es zu einer politischen Demonstration geworden. lich behauptet oder verbreitet, um dadurch Staatseinrichtungen oder berlegung berurteilt worden sind, machte 2. gegen dieselben Angeklagter legte St ebision ein und berief sich unter anderem Anordnungen der Obrigkeit verächtlich zu machen. Der ber- Schadenersazansprüche geltend, indem er für die Zeit der darauf, daß er der Schwager des Bestatteten sei und antwortliche Redakteur des genannten Blattes, Rudolf Oestreich, Arbeitsbeeinträchtigung durch die Verrenkung eine monatliche Rente als naher Verwandter doch hätte mitgehen müssen. Das Kammerhatte sich gestern vor der neunten Straffammer am Landgericht Ibon 30 m. verlangt. Und zwar gründen sich seine Ansprüche auf gericht erklärte das jedoch für rechtlich unerheblich und verwarf Die beiden Artikel wurden verlesen. Der§ 823 Absah 1 des Bürgerlichen Gesetzbuche unter der Voraussetzung die Revision. Dem Landgericht falle ein Rechtsirrtum nicht nicht in den Irrgängen einer staatserhaltenden Juristerei bewanderte ber§§ 127 der Strafprozeordnung und 229 des Bürgerlichen Gesetz zur Last. Fällt dem Landgericht in der Tat tein Rechtsirrtum" zur Last? Zuhörer mußte fich erstaunt fragen, was denn eigentlich strafbares buchs. Der lebtgenannte Paragraph bestimmt, daß derjenige, der in den Artikeln enthalten sei. Wohl werden scharfe, auch schmähende zum Zwecke der Selbsthülfe eine Sache wegnimmt, oder den Wider- Ob die Pietätsbezeugung durch weiße, schwarze, rote, blaue oder Ausbrüde in bezug auf den Militarismus, auf die maglofe Ueber- stand des Verpflichteten gegen eine Handlung, die dieser zu bulben gelbe Schleifen oder Blumen stattfindet, ändert den üblichen treibung der Disziplin, auf den Kadavergehorsam usw. gebraucht, hat, beseitigt, nicht widerrechtlich handelt. Und§ 127 der Charakter eines Leichenbegängnisses und die Sitte, dem Vertreibung der Disziplin, auf den Kadavergehorsam usw. gebraucht, Strafprozeßordnung erlaubt jedermann, einen auf frischer Tat er- storbenen durch Stranz und Schleife Pietät zu bezeugen, nicht aber Tatsachen und noch dazu erdichtete und entstellte, vermag aber Tatsachen und noch dazu erdichtete und entſtellte, vermag tappten Täter ohne richterlichen Haftbefehl festzunehmen, wenn nicht im geringsten. Die Annahme eines außergewöhnlichen" Zeichenein Laienverstand in keinem der Artikel zu entdecken. Was sie an Tatsachen enthielten, das waren die allgemein bekannten des polizeiliche Sülfe zur Stelle ift. Infolgedessen erkannten auch in begängnisses ist ein weit über einen Tatirrtum hinausgehender Köpenider Geniestreiches und diese sind, wie alle Welt weiß, weder diesem Rechtsstreit Landgericht und Kammergericht Berlin zu Rechtsirrtum. Hätte das Land- und Kammergericht recht, so müßte erdichtet noch entstellt, sondern vor Gericht festgestellt. gunsten des Klägers, da dieser berechtigt war, entweder ja auch polizeiliche Genehmigung für ein Leichenbegängnis nachgeErst aus der Anklagerede bes Staatsanwaltschafts- die Persönlichkeit des Jungen selbst feststellen zu lassen, oder doch sich ucht werden, an dem abweichend von den meisten Leichenbegängnissen rats Lindow erfuhr man, was die Anklagebehörde als erdichtete deffen Ball zwecks solcher Feststellung auf der nächsten Polizeiwache eine Privatfutsche oder eine Hoffutsche mitfährt oder in dem ein und entstellte Tatsachen ansieht. Eine Kritit des Militarismus, und entstellte Tatsachen ansieht. Eine Kritit des Militarismus, anzueignen. Denn es war nicht abzusehen, ob dem Kläger durch Mensch mit außergewöhnlicher Störpergröße teilnimmt usw. Derselbst eine Verächtlichmachung des Heeres genügt nicht, um den eine Verlegung durch den Ball ein Anspruch gegen den Bater des artige Urteile bezeugen, so fleine Objekte sie betreffen, den unaufTatbestand des§ 131 zu erfüllen. Das mußte ja der Staatsanwalt Anaben zustand. Da Kläger also nicht widerrechtlich handelte, so haltsamen geistigen Niedergang unserer Rechtsprechung. zugeben. Aber, so plädierte er weiter, in den Artikeln ist gesagt, Bürgerlichen Gesetzbuchs schuldig, wenn sie dem Kläger den Ball Böhmische Streik- und Landfriedensbrecher vor dem Leipziger machten sich die Beklagten der Verlegung des§ 823 Absatz 1 des der Militarismus erziehe die Soldaten zu willenlosen Automaten mit Gewalt zu entziehen suchten und dabei seinen Körper berdes Mordes und des Raubes, gefliffentlich werde in den jungen lezten. Sie haben für diese Verlegung deshalb Schadenersatz zu Männern der Mensch getötet und nur das Tier bleibe übrig. Das seien, so sagte der Staatsanwalt, erdichtete und entstellte Tatsachen. Der Kampf des Angeklagten richte sich gegen den Mili- vision wurde vom sechsten Zivilsenat des Reichsgerichts Die gegen dieses Urteil von den Beklagten eingelegte te tarismus, gegen das deutsche Heer, also gegen eine Staatsein- ision richtung. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe zurüdgewiesen. von sechs Monaten. Der Streich des leisten. Schwurgericht. Bei dem Steinbruchbesitzer Preiffer in Beucha streiften im November v. J. die Steinbruchsarbeiter. Statt seinen alten Leuten Desterreich und engagierte dort ein Biertelhundert böhmischer„ Ardie geringen Lohnforderungen zu bewilligen, fuhr Breiffer nach beiter", meistens Burschen unter 20 Jahren und aus allen möglichen Berufen und Handwerken. Am 3. November bekamen die Böhmen Anspruch eines Werkmeisters aus einem Unfall beim Umbau. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Halpert, zerihren ersten Lohn, Grund genug, um sogleich den Köhlerschen Gastpflüdte Bunft für Punkt die Argumente des Staatsanwalts. Die der Bauarbeiten von größter Bedeutung. Ihnen liegt es ob, alle Schnaps zu vertilgen. Bei dieser Gelegenheit hielt der ebenfalls Für Bauherrn und Bauleiter ist die Bewachung und Leitung hof in Beucha aufzusuchen und die nötigen Quantitäten Bier und politische Anschauung des Angeklagten unterliege nicht der Beur- Anordnungen so zu treffen, daß der Bau ohne Gefährdung und mit in dem betreffenden Lokal anwesende, start angetrunkene Steinteilung des Gerichts. Der Staatsanwalt habe dem Angeklagten Sicherheit ausgeführt wird. Bei Verlegung irgend welcher bau- met Probst den Tschechen vor, daß sie nach Deutschland ge den Rat gegeben, wenn er sich schäme, ein Deutscher zu sein, polizeilichen Vorschriften machen sie sich strafbar, während zivil kommen seien, um Streitbrecherdienste zu leisten. Als nach einem dann solle er doch auswandern. Damit sei der Staatsanwalt richterliche Schadenersazansprüche gegen sie schon geltend gemacht Wortwechsel bald darauf Probst die Gaststube verließ, folgten ihm über seine Berufssphäre hinausgegangen und auf das politische werden können, wenn die betreffenden Leiter irgend eine im Ver- die Tschechen auf den Ruf" Böhm", den einer von ihnen ausGebiet abgeschweift. Sein Rat widerspreche auch dem Gesez und techrsinteresse erforderlich gewesene Sorgfalt fahrlässigerweise außer gestoßen hatte. Es entspann sich dann in dem Hausflur eine wüſte der Verfassung, wonach jeder Staatsbürger das Recht habe, Staats- acht gelassen haben und durch diese Auerachtlassung von zweck Prügelei, so daß der Wirt keinen seiner Gäste mehr hinauslassen einrichtungen zu kritisieren und auf deren Aenderung hinzuwirken. mäßigen Anordnungen ein Malheur entstanden ist. Der im nach wollte. Trotzdem machten sich der Fleischer Engert und der SteinDas Vaterland gehöre nicht nur den politischen Gegnern des An- stehenden kurz wiedergegebene Rechtsstreit zeigt eine solche Haftbar. mez Senf auf den Weg nach der väterlichen Wohnung Engerts, geklagten, sondern uns allen. Nach der Anschauung des Ange- machung. In einem im Umbau begriffenen Hause hatte der wurden aber von den Ausländern verfolgt und mißhandelt. Nach flagten sei der Militarismus ein Uebel, das er bekämpfe. Auch Gipsermeister N. zu Kirchheim u. 2. die Decke eines Mansarden- turzer Zeit eilten die tschechischen Radaubrüder nach dem Gasthof Beute, welche auf dem Boden des heutigen Staates stehen, be- aimmers herzustellen, wodurch die Vereinigung zweier Räume von zurück und benutzten zirka 25 Stühle zum Werfen auf die friedlich kämpfen den Militarismus, so beispielsweise die Friedensliga. verschiedener Höhe bezweckt wurde. Um die unteren Flächen der am Stammtisch jizenden Gäste, die ihr Heil in der Flucht suchen Wenn etwa ein Mitglied der Friedensliga den Militarismus in Balfen in eine Ebene zu bringen, wurden an den höher liegenden mußten. Eine Gaslampe und eine Petroleumlampe gingen bei der ähnlicher Weise bekämpft hätte wie der Angeklagte, würde dann Balken Bretter in der Stärke von 2-2% Zentimeter mit Draht- Werferei in Trümmer, der Karuffelbefizer Berger trug eine Ver der Staatsanwalt auch ein fo ungewöhnlich hohes Strafmaß be stiften befestigt: aufgerippt. Auf das geebnete Gebält wurden die legung an der Stirn davon, hervorgerufen durch einen Schlag mit antragt haben? Gewiß nicht. Er wolle also die politische Batten, die mit Gipsauffstrich versehen werden sollten, genagelt: dem Bierglase, den ihm einer der Burschen versette. Nachdem der Anschauung des Angeklagten treffen. Hauptmanns von Köpenick habe den Politikern Stoff zu Betrach meisters N. vorgenommen worden. Sodann strichen die Maurer gedrängt hatte, begannen diese von der Straße mit Steinen zu aufgetäfert. Diese Arbeit ist von vier Arbeitern des Gipfer- Wirt die wie Vandalen hausenden Tschechen aus dem Lokal hinaustungen über den Militarismus gegeben. Auch der Angeklagte auf der oberen Seite des Gebälte eine leichte Betonschicht über die werfen und zerschlugen dabei 13 Fensterscheiben. Wie die Unholde habe diesen Fall benutzt, um die ungeheure Ueberspannung der Auftäferung und schütteten auf diese eine Schladenauffüllung. Als gewirtschaftet haben, beweist der Umstand, daß insgesamt 15 Stühle, Disziplin, des unbedingten Gehorsams gegen die Uniform zu zeigen, die Schladen eine Höhe von 8-10 Zentimeter erreicht hatten, brach 10 Biergläfer und 4 Streichholzbüchsen zerbrochen waren und beer habe den Köpenicker Fall als typisch für das System des Mili- die Dede herunter und beschädigte den Wert- ziffert der Wirt seinen Schaden auf zirka 80 M. Die Tschechen tarismus angesehen und dies System verurteilt. Ob fein Urteil meister Niefer au Kirchheim. Nach den Feststellungen schlugen insbesondere auf den Fleischer Engert los, verfolgten ihn in der Sache selbst zutreffend sei oder nicht, das sei hier nicht ist der Unfall dadurch entstanden, daß die Arbeiter des Gipfer- fogar bis nach seiner Wohnung und bombardierten dann noch das zu unterfuchen, es frage sich nur, ob der Angeklagte gegen§ 131 meisters bei der Aufrippung zu schwache Drahtstifte in zu geringer Engertsche Grundstück mit Steinen, verstoßen habe. Diese Frage müsse verneint werden, denn der Zahl und in ungeeigneter Anordnung verwendet haben. Angeklagte habe nur ein subjektives Urteil über den Militarismus Infolge dieser Gewalttätigkeiten standen nicht weniger als abgegeben und das fei nicht strafbar. Tatsachen enthalten die wegen fahrlässiger Körperverlegung wurde eingestellt. Dahin am Dienstagvormittag vor dem Leipziger Schwurgericht. Das Das gegen den Gipsermeister angestellte Strafverfahren 14 Tschechen, des Landfriedensbruchs angeflagt, Artikel nicht, außer denen über den Köpenicker Fall, die als gerichts- gegen aber berurteilte notorisch gelten können. Wenn der Angeklagte auch beztvedt haben Stuttgart unter Bestätigung des landgericht. Monate Gefängnis, Stonad und Simonowsky erhielten je das Oberlandesgericht Urteil lautete gegen Plaweb und Kukla auf je ein Jahr zwei sollte, den Militarismus verächtlich zu machen, so habe er noch lichen Urteils den Gipsermeister R. zum Schaden- ein Jahr Gefängnis, Profes, Mannert und Salan wurden feine Staatseinrichtung verächtlich gemacht, denn der Militarismus erfaß des Verunglückten N. Es macht das Oberlandes mit je zehn Monaten Gefängnis bestraft. Der Angeklagte Hawlice sei keine Einrichtung des deutschen Staatswesens, er sei in allen gericht den Beklagten für den Schaden des Klägers aus§ 823 bes erhielt acht Monate, Saufer fieben Monate, Adolf Karas sechs Staaten anzutreffen. Nur die besonderen Formen, welche der Bürgerlichen Gesetzbuchs haftbar, weil er seine Arbeiter, denen er Monate und Hajsky vier Monate Gefängnis. Militarismus in Deutschland habe, also das Heer, die Wehr feinerlei nähere Anweisungen erteilt hatte, ohne jede Aufsicht ge- wurden freigesprochen. Jedem der Berurteilten wurden zwei Viereckh und Josek pflicht usw. feien Staatseinrichtungen, ebenso wie nicht die Ehe laffen und die Deckenverschalung nach der Fertigstellung nicht be- Monate der erlittenen Untersuchungshaft an der anerkannten Strafe und das Eigentum, sondern die Gesetze, welche Ehe und Eigentum sichtigt und auf ordnungsmäßige Ausführung geprüft habe. regeln, Staatseinrichtungen seien. Nach alledem fehlen die Vorin Abrechnung gebracht. aussetzungen des§ 131. Der Verteidiger beantragte deshalb Frei- gericht eingelegte Revision wurde von dieſem als unDie gegen das oberlandesgerichtliche Urteil beim Reich 3. sprechung. führt hierzu aus, daß die Feststellungen des Vorderrichters rechtsbegründet zu rüdgewiesen. Der erkennende sechste Zivilsenat irrtumsfrei seien. Es handele sich hier um eine verantwortungsbolle Bauarbeit, deren unsachgemäße Ausführung den Absturz der Dede und unheilvolle Folgen für die Insassen des Bimmers hätte Der Berteidiger entgegnete: Der Staatsanwalt aussichtliche Belastung der Decke zu erkunden, weil sich danach die nach sich ziehen können. Es sei deshalb geboten gewesen, die vor gehöre und rechne sich doch auch zu dem Teil des Volkes. welches Stärke der Befestigung der Decke zu richten hatte. Eine solche mit gesundem Sinn begabt ist, somit mache sich also der Staats- Arbeit hätte der Beklagte bei Anwendung der erforderlichen Sorg anwalt die Auffassung zu eigen, daß derjenige, welcher mit den falt seinen Arbeitern nicht ohne jede Aufsicht und Stontrolle über deutschen Zuständen nicht zufrieden sei, das Land zu verlassen habe. laffen dürfen. Auch wären die Mängel der Befestigung nachträg Das Gericht machte sich, wie aus der Urteilsbegründung durch lich leicht zu entdeden und unschwer zu beseitigen gewesen, wenn den Landgerichte Direktor Rosenberg hervorging, im der Beklagte seiner Stontrollpflicht gehörig nachgekommen wäre. wesentlichen die Auffassung des Staatsanwalts zu eigen, daß in Um die Stärke der Stifte zu prüfen Jm Bericht über den Tarifabschluß wurde der Versammlung den Artikeln nicht nur eine subjektive Stundgebung vorliege, sondern nicht mehr zu erkennen war, hätte der Beklagte eine Latte los zeichnet werde. Hodapp wandte sich alsdann gegen die Ausfühdie, wie die Revision meint, bekannt gegeben, daß derselbe Montag, den 21. Januar, unterTatsachen in bezug auf den Militarismus angeführt seien, nämlich, lösen oder die Arbeiter darüber befragen können, wenn die Stärke rungen in den Versammlungen des Brauereifahrpersonals und der die Soldaten würden zu willenlosen Werkzeugen, zu Automaten der Drahtstifte sich nicht aus den Nagelköpfen schließen ließ. Aus Brauereihandwerker. Dort wurde der Sektion I der Vorwurf gedes Mordes und Raubes erzogen, das menschliche Gefühl werde allen diesen Gründen erkennt dann das Reichsgericht ebenfalls auf macht, die Erringung des Neunstundentages für die Brauereihandin ihnen ertötet. Es sei kein Zweifel, daß der Angeklagte nicht Verurteilung des Beklagten. nur den Militarismus im allgemeinen, sondern das deutsche Heer, werker dadurch erschwert zu haben, daß die Vertreter der Sektion I also eine deutsche Staatseinrichtung treffen wollte. Darauf lasse der 9stündigen Arbeitszeit am Tage für Nachtschicht ist im eine Stelle des Artikels schließen, worin gesagt werde, das deutsche neuen Tarif der Neunstundentag vorgesehen zustimmten. Daß Volk dürfe solche Zustände nicht ertragen, der Anarchismus werde Durch nicht genehmigte öffentliche Verteilung von Zetteln, die die organisierten Brauer mit der 9½stündigen Arbeitszeit bei Tagdas deutsche Volk zum Antimilitarismus erziehen. Der Sinn der 8ur Meidung des boykottierten Lokals Annahof zu Neu- Salzbrunn schicht zufrieden seien, muß als müßiges Gerede bezeichnet werden. Artikel sei der, die Militärverwaltung gehe systematisch darauf aus, aufforderten, sollten die Genossen Schmidt und Weinhold die SS 10 Der beste Beweis dafür sei die Stimmung, die in den letzten Veralles menschliche Gefühl in den Soldaten zu töten, sowohl ihre und 41 des preußischen Preßgefeßes übertreten haben. Die Straf- fammlungen der Sektion I gegen die 9½stündige Arbeitszeit Intelligenz, wie ihr moralisches Empfinden, in der Abficht, die Baragraphen und außerdem noch wegen Berrichtung einer öffent- gegeben, den Neunstundentag auch für die Tagschicht durchzu fammer zu Waldenburg verurteilte sie auch auf Grund dieser herrschte. Die Tariffommission habe sich alle erdenkliche Mühe Armee zu einem Werkzeug der herrschenden Klassen zu machen. Es würden also Tatsachen behauptet, die der Wirklichkeit nicht lich bemerkbaren Arbeit am Sonntag auf Grund der schlesischen brücken, es ist ihr dies aber nicht gelungen. Nach ernster, reiflicher entsprechen. Vom Soldaten werde zwar Gehorsam verlangt, aber erfcommungsverordnung. Das Kammergericht hob das Urteil Ueberlegung ist die Kommission zu dem Entschlusse gelangt, den nicht so weit, daß dadurch alles menschliche und moralische Gefühl wegen rechtsirriger Auslegung des preußischen Brezgesetzes auf Mitgliedern die Annahme des Tarifes mit der 9½stündigen Arund verwies die Sache nochmal an die Straffammer, indem es beitszeit am Tage zu empfehlen. Hierbei wurde nicht an letter getötet werde. Im Gegenteil, die Soldaten würden sogar scharf ausführte: Nach§ 10 des genannten Gesezes in der durch§ 30 Stelle der augenblicklichen politischen Lage gedacht. Die Vertreter angehalten, den Geboten der Sittlichkeit und Religion zu folgen. Abfah 2 des Reichs- Preßgefeßes erhaltenen Fassung wäre die polizei- der Sektion I vertraten den Standpunkt, daß, wenn selbst alle Aus diesen Gründen hat das Gericht den Angeklagten zu einer liche Erlaubnis für ein unentgeltliches Verteilen von Auf- Vorbedingungen zu einem Kampfe der Brauereiarbeiter für die Gefängnisstrafe von sechs Wochen verurteilt. Stritit iſt abfolut erforderlich für das Gedeihen und die Fort- entgeltliches. Nun stelle die Straftammer fest, daß jeder vom wegen seiner störenden Wirkung auf das Parteileben in der Zeit rufen, Bekanntmachungen und Plakaten erforderlich, nicht für ein Organisation günstig wären, ein Stampf im Brauereigewerbe entwickelung von Staatseinrichtungen. Erachtet man das, was Auftraggeber 75 Pfg. erhalten habe. Sie meine aber, daß ein des Reichstagswahlkampfes nach größter Möglichkeit zu unter. der Stritiker als Wirkungen des Systems hinstellt, als Behauptung unentgeltliche Verteilen vorläge, weil ein entgeltliches eine bleiben habe. Diese und keine anderen Gründe haben auch die von Tatsachen, dann ist jede Kritik unterbunden, damit aber auch Zahlung durch das Bublifum voraussehen würde. Das sei falsch. Versammlung der Sektion I dazu bewogen, dem Tarif in feiner ie Abstellung handgreiflicher Uebelstände, die das Gemeinwohl Die Bestimmung sei vielmehr so auszulegen, daß das Verteilen jezigen Fassung zuzustimmen. Im Bericht der Versammlung des fchädigen, außerordentlich erschwert. entgeltlich sei, wenn der Auftraggeber ein Entgelt gewähre. Die Brauereifahrpersonals wurde der Sektion I gar Verlegung des Straffammer fpreche ferner immer von den 75 Pfg. als von Prinzips der Solidarität zum Vorwurf gemacht und zwar des einem Trinkgeld. Das sei fein bestimmter Rechtsbegriff. Das wegen, weil die Sektion I bereits angeblich den Tarif auf 8 Jahre Landgericht müsse deshalb in der neuen Verhandlung nachprüfen, abgeschlossen habe. Was die Verlängerung der Tarifdauer um Der Staatsanwalt replizierte, er habe dem Angeklagten nicht den Rat erteilt, auszuwandern, wenn ihm die Zustände in Deutschland nicht gefallen, sondern er habe gemeint, diefen Rat würde der gesunde Shun des Voltes den unzufriedenen Elementen geben. Zum Plakatparagraphen. Verfammlungen. arbeiter, Sektion J( Brauer). In der sehr stark besuchten GeneralGeneralversammlung des Verbandes deutscher Brauereiversammlung gab zunächst der Vorsitzende den Vorstandsbericht. die folgende Versammlung nochmals eingehender damit beschäftigen. Derselbe soll demnächst in Broschürenform erscheinen und wird sich Im Berichtsjahre fanden 11 Borstands- und Vertrauensmännerbersammlungen und 11 Monatsversammlungen statt, außerdem eine tambinierte Sigung mit dem Vorstand und der Lohntommission der Sektion II unter Beisein des Hauptvorsitzenden BauerHannover. Die Brauereiarbeiter alle der zuständigen Organisation, dem Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter, zuzuführen, soll unsere Agitation in Zukunft sein. Die Wahl der neuen Ortsverwaltung wird auf Verlangen der Versammlung en bloc vorgenommen und nach den Vorschlägen der Vertrauensmännerfißung werden gewählt als 1. Vorsitzender Ludwig Hod app; 2. Vorsitzender Wilhelm Richter; 1. Kassierer Friz Schwedler; 2. Kassierer Eugen Junghans; 1. Schrift führer Mar Großfuß; 2. Schriftführer Ernst Sawodny. Als Revisoren werden Tröger, Heyder und Thaler gewählt. Zur Unterstüßung und Entlastung des Vorstandes wird wie bisher eine Agitationskommission gewählt und besteht diefelbe aus od app, Tröger, Heyder, Tiedt und Werth. " Jahr anbetreffe, so feien die Gründe, die die Gettion T gulmit dem Schwedischen Schneiderberband. Der Kongreß protestierte dieser Anregung bewogen haben, so stichhaltige, daß sich fämtliche dagegen, daß dieser Verband unter anderem auch Mäntelnäherinnen Briefkaften der Redaktion. vertragschließende Organisationen dem Antrage der Sektion I, aufnimmt, und sprach sich dafür aus, daß es dem Frauen- R. W. 29. Nach der herrschenden Ansicht ja. 2. D. 47. 1. Nein. den Ablauf der Vertragsfrist auf den 31. März 1910 zu verlegen, Fachverband überlaffen bleiben müsse, mindestens die 2. Das hängt von der Höhe des Streitobjekts ab. St. 56. Um Hebzugestimmt haben. Die Verwaltung der Sektion I habe es absicht- Näherinnen, die nicht in der Herrenschneiderei tätig sind, zu amme zu werden, müßten Sie einen Antrag an das Polizeipräsidium lich vermieden, während der Tarifverhandlungen auf die unerhörten organisieren. Ferner stellte der Kongreß Grundsäße für stellen, dann werden Sie beim Polizeiphyfitus förperlich untersucht und Beschuldigungen, wie sie in beiden Berichten zutage traten, im den Abschluß korporativer Arbeitsverträge auf. Bei Lohnbewegungen einem leichten Examen( Rechnen, Schreiben, Lesen, Sehen u. dergl.) unters ,, Vorwärts" zu antworten, um nicht dem Unternehmertum das soll Abschaffung der Attordarbeit verlangt, wo jedoch das Zeitlohn worfen. Alsdann werden Sie in die Liste derjenigen eingetragen, die Hebgern gesehene Schauspiel des Bruderzwvists inmitten der Tarif- system nicht durchführbar erscheint, der im Tarifvertrage festgesetzte ammen werden wollen. Der Reihenfolge nach werden die Reflektanten im verhandlungen vor Augen zu führen. An diesen mißlichen Ver- Minimallohn gesichert werden. Für Ueberzeitarbeit soll in den Hebammenprüfung und die Ernennung zur Hebamme. Da die Gesuche Kursus der Charité, der 6 Monate dauert, berufen, dann folgt die hältnissen ist einzig und allein die Zersplitterung der Berufs- ersten zwei Stunden 50 Proz., danach sowie für Sonntagsarbeit außerordentlich zahlreich sind und zur Hebamme nicht mehr ernannt werden kollegen in verschiedenen Organisationen schuld. 100 Proz. Zuschlag gefordert werden. Die regelmäßige Arbeitszeit soll fann, mer älter als 30 Jahre ist, so wäre eine Bewerbung zwecklos, wenn neun Stunden nicht übersteigen. Sonnabends soll die Arbeit um Sie jest älter als 27 Jahre sind. Josef, Lichterfelderstraße. Im 2 Uhr beendet sein und der 1. Mai soll als Feiertag gelten. Außer- Falle eines Bankrotts würde Ihre Kaution mit zur Waffe gehören, da Sie dem sprach sich der Kongreß für die Unterstüßung des Genossen- dieselbe als Geschäftseinlage bezeichneten. Verlangen Sie, daß die Kaution schaftswesens aus sowie dafür, daß sich die Verbandsabteilungen bei einer Bant hinterlegt wird, geht die Firma darauf nicht ein, unterlassen der G. F. 57. Ja. E. V. 50. 1. Der Wirt tann sozialdemokratischen Partei, den Arbeiter- Sie einen Bertrag. fommunen" anschließen sollen. gegen beide flagen. 2. Die Frau soll Auferlegung der Kosten beantragen. armenverband mag lagen. J. G. 1. Ja. 2. Durch 1 erledigt. 3. Das Krankenhaus oder der Drts. E. F. 1891. 1. und 2. Nein. 3. Ja. R. 23. Wollen Sie eilige Auskunft, so besuchen Sie die juristische Sprechstunde. D. 9. Soweit der Sachverhalt aus Ihrem Schreiben ersichtlich, gilt die alte Miete weiter und sind Sie berechtigt zu ziehen, temiz Sie am 1. April 1906 eingezogen sind. Sachsen 11. Wenden Sie sich direkt an Genossen Lipinski. D. R. 5458. Auf Ihren an die Gemeindeentbunden.- 100. K. 2. Sie müssen einen Gerichtsvollzieher, in dessen behörde zu stellenden Antrag werden Sie von der weiteren Klebepflicht Bezirk der Betreffende wohnt, mit der Pfändung beauftragen.- U. 2. R. Nein. F. M. 33. Haben Sie Schulden, so würde der Vertrag angreifbar fein. Haben Sie solche nicht, fo genügt ein schrift licher Vertrag, zwedmäßiger ist ein bei dem Notar zu schließender. G. 2. 100. 1. Jm Sühnetermin in Ehesachen kann der Beklagte fortbleiben. 2. Soweit es sich um Alimente handelt ja. 3. Ja. Es können Berlin. Montag, 4. Februar, 812 Uhr, im Neuen Klubhaus, Kom- aber Vorschußkosten für den gegnerischen Anwalt verlangt werden. mandantenstr. 72. Vortrag. Frau Wally Bepler. 10. Februar würde und wie in der Zukunft etwa die Partei sich verhalten werde, wird E. R. 102. Da gibt es teine Frist. Restaurant Adam. Was sein Stiftungsfest. Billetts sind zu haben im Verein und bei Frl. in der Zukunft entschieden. Garten 110. Wenn Vorschriften des VerBaader, Lindenstr. 3, lezter Hof part., Frau Klotzsch, Koppen- trages nicht entgegenstehen nein. Er hat bereits eine Streitende Spieler. Nein. straße 81, Frl. Petereit, Naunynstr. 5, Frau Jordan, Lübecker- V. 27. Sie können auf Rüdgabe der Sachen lagen, find aber zur Zahlung straße 43, Frau Kulicke, Prinzenstr. 102, Frau Matschke, Wol- der Alimente verpflichtet. An den Sachen kann die betreffende ein Rüdbehaltungsrecht geltend machen. P. M. 15. 1. Benn Sie berechtigten gasterstr. 8, Frau Steinkopf, Schwedterstr. 34. Grund zur Entfernung gehabt hat ja. 2. Ja. 3. Ja. 5. E. 27. Uns nicht bekannt. P. F. 1. Zum Beispiel Büchmann. Aehnliche Werte fönnen Ihnen in der Buchhandlung genannt werden. Aus der Frauenbewegung. Die gewerkschaftliche Zentralorganisation der schwedischen Arbeiterinnen, der Frauen- Fachverband", hat am 25. und 26. Januar im Voltshause zu Stockholm seinen ersten Kongreß abgehalten. Der Verband, der im Oktober 1902 gegründet wurde, zählt jezt 822 Mitglieder in 18 Drts- oder Branchenabteilungen. Reihe langwieriger und schwerer Kämpfe glücklich bestanden, namentlich mit großen Konfektionsfirmen sowie mit Wäschereis und Blättereiunternehmern. Der Teil größte der dem Verband angehörenden Fachbereine besteht aus aus Konfektionsarbeiterinnen und Näherinnen. Dies führte zu Grenzstreitigkeiten Teures Fleisch billige Seefische!! Bester Fleischersatz, schmackhaft u. durch hohen Nährgehalt sich auszeichnend! Große Fänge in lebendfrischer Ware sind soeben eingetroffen! Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pig. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Teppiche mitfarbensehlern Fabril. niederlage Große Frankfurterftraße 9, parterre. Tein Laden. Mauerhoff.+1 Steppdecken billight Febril Große +1 Frankfurterstraße 9, parterre. 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Für dieses Amt wurde Fräulein Signe Svensson gewählt. Versammlungen Veranstaltungen. Deutsche Dampffischerei- Gesellschaft Nordsee" ( Größte Hochseefischerei- Gesellschaft Deutschlands.) Filiale: Berlin C. 2, Bahnhof Börse, Bogen 8-10. Zentral- Fernsprecher: Amt Ill No. 8804. Seefisch- Kochbücher gratis. Verkaufs- Niederlagen: Wir empfehlen besonders: pr. Pfund im Anschnitt: Kabeljau 23. 25 ohne Kopf, im ganzen Großer Potsdamerstraße 112a Prinzenstr. 30 Madaistr. 22 Landsbergerstr. 52-53 Schellfisch bei der Lützowstraße. Tel.- Amt VI 7190. am Moritzplatz. im Schlesischen Bahnhof. der Kurzen Straße gegenüber. am Stuttgarter Platz. Wilmersdorferstraße 111, Tel. Charlottenburg 6718. Kleine Anzeigen Nähmaschinen, Käufer dieser Woche ohne Anzahlung, Woche 1,00, erhalten Gratiszugabe Delgemälde, Handmalerei." Stopeniderstraße 60/61, Große Prenzlauer Frankfurterstraße 43, straße 59/60. + 89* Ohne Anzahlung, Woche 1,00, Nähmaschinen sämtlicher Systeme, gebraucht 10,00. Boftfarte genügt. 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Bauten der Firma Spohn: Weichselstraße 56/57, Rigdorf. Banten der Firma Erdmann: Ministerialdirekt. Neuhaus, Dahlem, Parkstraße. Mathesius, Nikolassee, an der Neh wiese. Jagdschloß Glienice. Bauten der Firma Heinrich Mittag: Ziehmann, Kurfürstendamm, gegen über der Dahlmannstraße; Peitscher, Kurfürstendamm 144; Ersatzkommission, Holzarbeiter- Verband. Grafommiffion, Daideftraßen- Ede; Zahlstelle Berlin. Achtung! Bauarbeiter! Wegen der Aussperrung in der Berliner Holzindustrie sind folgende Bauten gesperrt: 78/5 Supke. Firma Sawatzki. Württembergischestraße 36 und 37, Ede Liegenburgerstraße. Landshuterstr. 18. Bauten der Firma Jäger, Charlottenburg. Charlottenburg, Straße 26, Parz. 25. Bauten der Firma Jarotzki. Jagdschloß Glienice. Bauten der Firma Plagemann. Fürstenhof", Botsdamer Platz. Witting, Kielerstraße. Bauten der Firma Traxel. Tempelhof, Germania- u. Gottlieb. Bauherr Dunkelstraßen Ede, Schallhorn u. Röhl. Bauten der Firma Iden. Bobanfstraße in Pantom neben dem Posadowskyhaus, Baumeister Köppen. Elifabethstraße, bis a vis der Strelißerftraße. Bauten der Firma Dombrowsky. Tempelhof, Germania- u. Gottlieb. Dunkelstraßen- Ede, Bauherr Tausch u. Berghäuser. Bauten der Firma Marquardt. Rigdorf, Weise und Allerstr.- Ede. Banten der Firma Pewesin. Wilmersdorf, Brandenburgischestr.12. Straße 26, Bau Neu" mann. Tegeler Weg 101/102. Hochschule, Charlottenburg; Stegliz, Kaiser Wilhelmstr. 13; Hauptstr. 13; Wilmersdorf, Helmstedterstr. 2; Schmidt, Pragerplaz; Kirthe, Beuffel, Ede Wiclefftrage; Elektrische Berke, Moßstraße; Nauen, Krankenhaus; Wilmersdorf, Schloßbau. Korting, Tegelerstr. 6. Groffe, Marienfelde, Kirchstraße. Timm, Rigdorf, Bergstr. 50. Brode, Dahlmannstr. 26. Bauten der Firma Grün& Hetwig: Städtische Anstalt in Buch. Barbarossaplay, Hochschule. Dldenburgerstraße, Klosterbau. Xantenerstraße 3-8. Hoppegarten, Heilstätte. Bellermannstraße. Sybelstraße, Ede Dahlmannstraße. Bauten der Firma Gebr. Faul: Mohrenstraße 44/45. Jägerstraße 63, Berlin. Potsdamerstr. 15. Neuendorf, Monumentenstr. 27. Pariserstr. 21/22, Wilmersdorf. Gebr. Fidert, Chauffeestraße, Mariendorf. Offiziertafino, General Papestraße, Schöneberg. Anstalt Beelitz( Fenster), Pavillon 4b. Nadge, Holzhandlung, Rummels. burg, am Wilhelmsberg. Bauten der Firma Grunert& Seemann: Schönhauser Allee 97. Danenstraße, Ede Schönfließerstraße. Invalidenstr. 33. Nieder- Schönhausen, Bismarcftr. 32. Treskowstr. 14. Henrizi, Charlottenburg, Suarezftraße 13. Raft, Schöneberg, Barbarossa- Ede Landshuterstraße. Bauzen, Charlottenburg, Schlüterftraße. Schmidt, Halenfee, Ringbahn- und Joachimstraße. Friedrich- und Halberstadterstr.- Ede. Aschaffenburgerstraße, Damenheim. Bauten der Firma Waiz: Maaß, Liebenburger und Pfalzburgerstraßen- Ede. Bau Zaunusstr. 29, Friedenau. Banten der Firma Sperling& Kapelke: Briz, Werder u. Rungiusstr.- Ede. Sybelstr. 56. Bauten der Firma Wagenknecht: Spreda, Gürtelstraße 17. Fize, Rigdorf, Richardstraße und Bartelsdorferstraße( Ede). Grothe, Mariendorf, Dorfstraße ( Ede). Bauten der Firma Schirmer: Wangenheimstraße, Ede Lynarstraße, Halensee. Schirmer, Parkstraße, Grunewald. Schirmer, Spandauerstraße, Behlen. dorf. Bastian, Riemeisterstraße, Behlen. dorf. Schirmer, Neueftraße, Behlendorf. Breker, Nikolassee, Rehwiese. Bauten der Firma Akt.- Ges. für Bauausführung: Hardt u. Leffer, von der Hehdt. straße 12. Ritterstraße 11, Fabrikgebäude. Bauten der Firma Repke, Charlottenburg: Lorenz, Sybelstraße 47. Seibt, Bismardstraße, Ede Rüderstraße. Gablowsky, Straße 29. Lankwitz, Sanatorium. Schröder, Charlottenburg, Spielhagenstraße, Ede Wilmersdorferstraße. Bauten der Firma Gebr. Schaar: Lichtenberg, Dorfstraße 9, 8elder u. Plathen. General Papeſtraße, Mig u. Genest. Soorstraße, Charlottenburg- Westend. Am Kleinen Wannsee, Bau Jahnisch. Bismarckstr. 42. Bauten der Firma Schubert: General Papeſtraße, Mig u. Genest. Holland, Rirdorf, Elbestraße 37. Holland, Wilmersdorf, Holsteinischestraße. Bauten der Firma Kussin: Charlottenburg, Kaiser- Allee 203. Grünfeld, Sächsischestraße 4. Bandmann, Landshuterstraße. Bauten der Firma Walter, Reinickendorf: Gemeindeschule, Reinidendorf. Sprengel und Samoaftraße, Ede. Hausotter- und Residenzstraße, Ede. Gesperrt für Korbmacher: Werkstatt Leithoff, Teltowerstraße. Gesperrt für Vergolder: J. C. Pfaff, Zeughofstraße. thalerstraße 10. Habe teine Filialen. I Bassertorstraße 52 IV lints. 12245* Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Snferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW,