Nr. 28. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Preis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 M., monati. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Belt" 10 Bfg. Boft. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost- Beitungs. Preisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Danematt, Holland, Italien, Luxemburg. Bortugal, Rumänien, Schweben und die Schweiz. Eridelat täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrg. Die Infertions Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Rolonel. geile oder beren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", bas erfte( fett. gedruckte) Wort 20 Big., jebes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Bort 10 Bfg., jebes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für groet Borte, Inserate für die nächste Summer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ift bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernfbrecher: Amt IV. Mr. 1983. Parteigenoffen! Die Hauptwahlen sind vorüber. Wir haben eine Anzahl Mandate, in manchen Streisen auch Stimmen verloren. Dagegen ist in vielen- auch in den der Partei entgangenen Wahlkreisen ein bedeutender Stimmenzuwachs zu verzeichnen. Eine Würdigung der Ursachen dieses Ausganges behalten wir uns vor. Für heute gilt es Stellung zu nehmen zu den vielen Stichwahlen, bei denen wir beteiligt sind. Parteigenossen! Vor allem handelt es sich darum, bei für uns aussichtsbollen Stichwahlen alles aufzubieten, um durch Heranziehung unserer Reserven und durch Aufwendung stärkster Agitation den Sieg zu erringen. Alle Kräfte müssen aufgeboten werden, nm in diesen Kreisen die eroberten Site im Reichstage zu vermehren! Bei Stichwahlen zwischen gegnerischen Parteien empfehlen wir, nach folgenden Grundsäßen zu verfahren: Sonnabend, den 2. Februar 1907. ist, die arbeiterfeindliche Haltung mit Erfolg in eine arbeiterfreundliche umzulügen! Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. sekretärs v. Bötticher gegen die Hafenarbeiter hervorrief, worin es wörtlich hieß: Die Arbeiterfeindlichkeit der nationalen" Parteien tritt Wenn es je eine Arbeitseinstellung gegeben hat, die nach daher ins hellste Licht, wenn wir die drei letzten großen objektiver Beurteilung der Verhältnisse unbegründet war, so ist es Massenstreits betrachten, die wir im verflossenen Jahrzehnt in der Streik, ben die Stauer( Buruf: Schauer!) jest in Hamburg inszeniert haben..." Deutschland zu verzeichnen hatten. Es sind der Hamburger Hafenarbeiterftreit 1896/97, der Crimmitschauer Weberstreik Dies provozierende Wort vom Regierungstische entfesselte von 1903/04 und der Streit der Ruhrberglente von 1904/05. eine leidenschaftliche Debatte zwischen Regierungsvertretern Allen diesen Streits ist gemeinsam, daß sie den Arbeitern, und Sozialdemokratie. Herr v. Bötticher sprach nochmals, die stets zum Verhandeln bereit waren, durch ein progiges, ebenso Liebknecht, außer ihm von unserer Seite noch auf seinen Geldsack pochendes Unternehmertum, das sich den nahm niemand mehr zu der Sache das Wort, sie billigten Auer und Moltenbuhr von den Nationalliberalen begründeten Forderungen der Arbeiter borniert und selbstherrlich entgegenftemmte, förmlich aufgezwungen wurden. Der schweigend die Nede v. Böttichers. Hamburger Hafenarbeiterstreit und besonders der Crimmitschauer Dagegen hielt Stumm, der Oberscharfmacher, eine Rede, Beberstreit sind zudem Beispiele einer geradezu ins in der es hieß: gigantische gesteigerten Parteinahme der Behörden wider die Arbeiter für die Unternehmer. Und wenn dies Moment beim letzten großen Bergarbeiterstreik weniger hervorsticht, so ist das zweifellos darauf zurückzuführen, daß die Regierung einesteils wegen der Hibernia"- Affäre mit den Kohlenbaronen etwas gespannt war und weil die Gemeingefährlichkeit des Kohlensyndikats erst eben durch das worden war. Die Zechenherren erfreuen sich deshalb sehr Bechenlegen der Deffentlichkeit recht deutlich demonstriert geringer Sympathien sowohl bei der Regierung wie bei den Krautjunkern und in manchen industriellen Für die anderen Parteien empfehlen wir folgende Stellung- Streifen, die ihren Stumpanen vom Bergbau die fetten nahme unserer Genossen: Gewinne nicht gönnten und murrend die hochVoraussetzung für die Unterstüßung einer dieser Parteien geschraubten Kohlenpreise zahlten. Daß dennoch bei den Stichwahlen muß die Verpflichtung des Kandidaten das Herz der Regierung und der Krautjunker ganz sein, daß er auf feiten der Kohlenbarone, ganz wider die Bergarbeiter war, das ließ die Rede des Reichskanzlers, womit er auf die sozialdemokratische, vom Genossen Hue begründete Interpellation über den Streit antwortete, mit aller Schärfe erkennen. Ohne ein scharfes Wort gegen die hochmütigen Bechengewaltigen zu finden, proklamierte er, wie der Vorwärts" damals schrieb, schneidig die preußische Staatsgeivalt der Polizisten und Gendarmen gegenüber etwaigen Ruhestörungen". Er sagte wörtlich: Unter feinen Umständen dürfen Konservative, Reichspartei, Bund der Landwirte, Antisemiten und Nationalliberale eine fozialdemokratische Stimme bei den Stichwahlen erhalten. 1. gegen jede Verschlechterung des allgemeinen gleichen geheimen und direkten Wahlrechts stimmen wird; 2. daß er jeden Versuch das Koalitionsrecht einzuschränken unbedingt zurückweisen wird; 3. daß er sich gegen jedes wie immer geartete Ausnahmegefek erklären wird. Daß das englische Kapital dabei im Spiele ist, glaube ich nicht, jedenfalls weiß ich es nicht. Daß aber die englischen Arbeitervereine die Hamburger und sonstigen kontinentalen Hafenarbeiter aufzuwiegeln versucht haben, ist unzweifelhaft. Die Hamburger Arbeiter sind in erheblicher Weise von fozialdemokratischen Agitatoren unterstügt worden; und wenn Herr Liebknecht bestritten hat, daß die Sozialdemokraten in diesen Streit überhaupt eingetreten seien, so hat er sich damit widersprochen. Er sagte: wir billigen jeden Streit; er hat von den Hamburger Arbeitern als seinen Genossen gesprochen. Die Sozialdemokraten sind für diesen Streit, twie für jeden anderen Streit berantwortlich. Herr Liebknecht sagte, daß der Lohn von 24 Mart unzureichend sei; das ist sonderbar, wenn man bedenkt, daß das durchschnittliche Eintommen eines jeden Familienhauptes in Deutschland, gleich gültig ob arm oder reich, noch nicht 4,20 Mark beträgt. Die englischen Gewerbevereine haben sich zu Zeiten entwidelt, wo die Arbeitgeber noch gar nicht daran dachten, sich zu assoziieren, und erst der Terrorismus der Gewerkvereine hat die Arbeitgeber gezwungen, zusammenzustehen im Interesse der Selbstverteidigung. Interessant ist aber das Zugeständnis, daß es sich in Hamburg gar nicht um eine wirtschaftliche, sondern um eine Machtfrage handelt. Das habe ich ja hier seit 20 Jahren immer behauptet, gegen den Willen der Sozialdemokraten, daß es sich hier nicht um ethische Fragen, sondern um eine reine Machtfrage handelt. ( Abg. Liebknecht: Ich habe es nicht gefagt!) S Außer ihm sprachen in der Debatte noch der Konservative Schwerin Löwik und Eugen Richter, die aber mit Ich will aber keinen Zweifel darüber lassen, daß die teinem Wort an die brennende Frage der Zeit, an dem preußische Staatsregierung die vollen Machtmittel des Staates Hafenarbeiterstreit rührten. Der Sprecher der Freieinsehen wird, wenn der im Ruhrgebiete entfesselte Lohn- finnigen Volts partei tat es aus Prinzip kampf in Exzesse ausarten sollte." nicht. Seine Partei hatte ja schon bei den ReichstagsNachdem diese Erklärungen abgegeben sind, empfehlen wir den Kreiswahlkomitees die Entscheidung, ob ein solcher Gegner bei der Stichwahl sozialdemokratische Unterstützung finden soll, unter der Würdigung der Persönlichkeit des Gegners zu treffen. Unter keinen Umständen aber darf einem Kandidaten eine sozialdemokratische Stimme zufallen, der die Dazu kams freilich nicht infolge der musterhaften berhandlungen über den großen Konfektionsarbeiterstreit, der aufgestellten Bedingungen nicht akzeptiert. Haltung der Bergarbeiter, daß zu Ehren des Kapitals selbst den Nationalliberalen und der Regierung Worte Parteigenoffen! Das Interesse der Partei erfordert bei Aber daß der Reichskanzler im gegebenen Falle willfährige gegen die ablehnende Haltung der Konfektionäre abgepreßt Parteigenoffen! Das Interesse der Partei erfordert bei der Säbel haute und die Flinte schoß, wie noch 1889. bes Bedauerns über das Elend der Konfettionsarbeiter und der gegenwärtigen Wahlsituation die strikte Innehaltung dieser Werkzeuge gefunden hätte, bewies die Tatsache, daß, als nach hatte, in völligem Stillschweigen verharrt und Eugen Richter Stichwahlparole. Unternehmer begünstigende der Beendigung des Streits durch die Siebenerkommission hat diese die sich eine lebhafte Opposition in der Bergarbeiterschaft regte, altung der Freisinnigen Volksparket in sofort Versammlungsverbote erfolgten, daß also die Behörden seinem ABC- Buch später damit erklärt, daß diese Nichtbereit waren, den Bergarbeitern jede Möglichkeit zur Be- beteiligung einen zufälligen Grund" gehabt, indem der dazu sprechung ihrer Angelegenheiten zu nehmen, ihnen so auf bestimmte Redner anderweitig parlamentarisch verhindert war. einem Umwege d as Roalitionsrecht, das Streiter fügte aber hinzu: recht zu nehmen. Borwärts zum energischen Kampf und Sieg in den Kreisen, in denen wir uns noch einmal mit den Gegnern zu messen haben. Mit Anspannung aller Kräfte wird es gelingen, noch in vielen Kreisen die Gegner niederzuringen. Berlin, 27. Januar 1907. Der Parteivorstand. Die Prüfsteine bürgerlicher ,, Arbeiterfreundlichkeit". Und die Berggesegnobelle, bas Wert des preußischen Dreitlassenparlaments, dieses Gesek, das nur enthält, was die Zechenherren annehmbar fanden, dieses Danaergeschenk für die Bergleute, diese Verhöhnung der Bergleute spricht Bände darüber, wo das Herz der Regierung und der Behörden bei diesem großen Lohntampfe war! Alles das sind Umstände, die unter Berücksichtigung des Aber auch wenn die Freifinnige Boltspartei Gelegenheit gehabt hätte, sich an diesen Verhandlungen zu beteiligen, würde fie nicht wie andere Parteien, eine bestimmte Stellung genommen haben zu dem während jener Zeit in Berlin und anderen Drten ausgebrochenen Streit in der Konfektionsindustrie Die Freifinnige Boltspartei nimmt grundsätzlich zu schwebende Streits feine Stellung, es sei denn, daß während eines Strei eine ungerechtfertigte Anwendung von gefeßlichen Bestimmung oder eine sonstige unzulässige Einmischung der Behörden Pla greift." Ein dem Unternehmertum gewiß sehr an Es gibt keine bürgerliche Partet, die nicht besonders weiteren Moments, daß teiner dieser Streits einen ausin Mahlzeiten- von Arbeiterfreundlichkeit" tröffe rein wirtschaftliche Rämpfe waren, jeden Arbeiter traten der Hamburger Hafenarbeiterstreit in die Debatte ge von Arbeiterfreundlichkeit" tröffe. gesprochenen Parteicharakter trug, daß ste samt und fonders genehmer Standpunkt! Als am 13. Dezember abermals von den Sozialdemo Wenn sie die Arbeiterschuhforderungen bekämpfen, wenn fie freund zur entschiedensten Parteinahme für die kämpfenden traten der Hamburger Hafenarbeiterstreit in die Debatte ge den Achtstundenanträgen der Sozialdemokratie entgegentreten, Arbeiter hätten veranlassen müffen. zogen wurde und der Herr v. Bötticher wieder auf Grund haben Stonservative, Nationalliberale und Freifinn noch alle- Arbeiter hätten veranlassen müssen. mal beteuert, daß sie das um der Arbeiter willen tun und nur verhalten, getreu ihrem Charakter als Arbeiterfeinde. Genau entgegengesetzt haben sich die„ nationalen" Parteien unzutreffender Lohnliften das Unberechtigte des Streits dar zulegen versuchte, da war es der Nationalliberale Jebsen, der aus reiner Arbeiterfreundlichkeit dagegen sind, daß dem Arbeiter die freie Verfügung über seine Person, die Möglichkeit 2. Dezember 1896 bei der Etatsberatung im Reichstage zur übrigen Parteien schwiegen, als weißer Rabe unter seinen Der Hamburger Hafenarbeiterstreit tam am fich auf seine und der Schiffsreeder Seite stellte. Sonst wurde noch die obligate Scharfmacherrede Stumms gehalten, die genommen werde, sich durch ausgedehnte Ueberarbeit zum Besprechung. Bevor noch ein sozialdemokratischer Redner zum Klassengenossen sprach Barth von der Fretsinnigen VerStapitalisten emporzuarbeiten. Es ist die albernste Falsch Bort gekommen war, schnitt der nationalliberale einigung; er sprach zwar auch nicht für die Arbeiter und münzerei, die bei denkenden Arbeitern natürlich niemals Sturs einigung; er sprach zwar auch nicht für die Arbeiter und hat; aber naive Gemüter, die sich zur Selbständigkeit des Sprecher Prof. Paasche die Sache mit folgenden weisen wandte sich gegen die Forderungen der Sozialdemokratie, aber Dentens noch nicht aufgeschwungen haben, mag solche fede Rebensarten an: Das Bebauerliche dabei ist nicht, daß der Streit absolut er suchte doch eine bermittelnde Haltung einzunehmen und Verdrehung des Tatbestandes manchmal irre führen. Indes warnte die Reeder vor Scharfmacherei. notwendig gewesen sei durch die schlechte Behandlung der Arbeiter gibt es ein Gebiet, auf dem solche Verdrehung des Tat- darüber kann ich noch nicht urteilen( lebhafte Zwischenrufe bei Was die nationalen" Parteien taten, das tat natürlich bestandes schwieriger ist, gibt es Ereignisse, wo die beliebte ben Sozialdemokraten), sondern daß es englische Agitatoren sind auch die nationale" Presse. Die herrschenden Klassen mobiliBemäntelung der arbeiterfeindlichen Gesinnung fast un-( Erneute Zwischenrnfe bei den Sozialdemokraten), die den Streit sierten, wie Lassalle einst sagte, die europäische Großmacht" möglich wird. beranlaßten zum Schaden für unsere nationale Arbeit, um den der Lüge für sich. As der Riesenstreit nach vielwochenlangem Niemals offenbart sich schärfer die Stellung der bürgerHandel und Wandel Deutschlands zu beschränken." Kampfe erfolglos abgebrochen werden mußte, weil trop der Der nationalliberale Redner suchte also den Streit durch glänzenden Opferwilligkeit der Arbeiterklasse lichen Parteien zur Arbeiterschaft, denn in der Zeit großer die fast Massenstreiks. Wenn ein solch großes Ringen zwischen Kapital das blöde Märchen zu diskreditieren, daß die Hamburger allein die ganze riesige Unterstützungssumme aufgebracht und Arbeit anhebt, dann werfen auch sonst auf den Schein Hafenarbeiter lediglich infolge der Heßereien englischer Agt hat die große Streifunterstützungssumme für längere Zeit Agider Arbeiterfreundlichkeit Wert legende Parteien und Partei- tatoren streitten. Den Vorwandsstrohhalm für diese dumme nicht aufgebracht werden konnte, wie hat damals die„ natioblätter die Maske ab und zeigen ihr wahres Gesicht. Behauptung lieferte ihm die Tatsache, daß der Vertreter der nale" Presse gejubelt über die angebliche Niederlage der Ganz natürlich, da jetzt die sonst so billigen Worte englischen Hafenarbeiter Tom Man zur Unterstützung der Sozialdemokratie die den Streit so wenig gemacht für die Arbeiter die Streifenden stärken und den Hamburger herbeigeeilt war, auf Grund seiner Anschauung hatte, wie alle anderen über den Stoß ins Herz der Unternehmern bares Geld toften. In solchen Zeiten von der internationalen Lage des Arbeitsmarktes den Streit Sozialdemokratie!" sieht aber auch der rückständigste Arbeiter, wo seine Feinde, gutgeheißen hatte und darauf von der den Unternehmern allezeit wo seine Freunde stehen nun, da der Lohnkampf die dienstbereiten Hamburger Regierung schleunigst ausgewiesen Gegensätze zwischen Unternehmer und Arbeiter aufdect in worden war, eine Maßnahme, die Herr Paasche natürlich ihrer ganzen Schroffheit, fällt die Möglichkeit der Täuschung, ganz besonders freudig begrüßte. fällt die Möglichkeit, die allenfalls bei Arbeiterschutzmaßregeln, Am 4. Dezember sprach dann Genosse Liebknecht für deren Wirkung nicht so leicht zu beurteilen ist, noch vorhanden dic Streifenden, was eine scharfe Erklärung des StaatsDie freisinnige Presse blieb dabei nicht dahinten, sondern hegte mit am eifrigsten besonders tat sich die Vossische Zeitung" mit ebenso dummen wie hämischen Artikeln hervor! " Noch schlimmer war die Haltung der nationalen Parteien beim Crimmitschauer Weberstreit, weit schlimmer, weN die Mahnahmen der Behörden gegen die Streikenden, Bei der Wahl im Jahre 1903 erlangte die Sozial� bei 3 010771 Stimmen im ersten Wahl die die„Nationalen" in diesem Falle billigten, viel krasser inaren, als beim Hamburger Streik, weil ihre Haltung ein Angriff auf gebundene, geknechtete, des Ver- sammlungsrechtes durch die sächsische Obrigkeit b e- raubte Arbeiter war, ein Angriff auf bedrückte, schlecht entlohnte, überlang ausgebeutete Textilarbeiter, die vov nchmlich eine geringe Abkürzung ihrer gesundheitsschädlich langen Arbeitszeit von 10 Stunden forderten. Das Drama von Crimmitschau ist noch in frischer Ev innerung. Die sächsischen Behörden nahmen den schwer ringen- den Webern unter lächerlichen Vorwänden— die Haltung der Streikenden war über alles Lob erhaben, der beste Beweis !>afür ist die geringe Anzahl und die Geringfügigkeit der .iber angebliche Streiksünder wegen Arbeitswilligen- beleidigung usw. verhängten Strafen— das Versammlungs- recht, schlössen durch einen extra gebildeten Gendarmengürtel die Streikenden hermetisch von den Arbeitswilligen ob, ver- boten ihnen selbst gemeinsame Weihnachtsfeiern u. a. m. Am 10. Dezember brandmarkte Bebel im Reichstage das Verhalten der sächsischen Behörden wider die Crimmitschauer Arbeiter. Die bürgerlichen Parteien antworteten mit Schweigen. Von all den Rednern der Parteien, die in dieser großen Etatsdebatte, in der der Reichskanzler ein paar seiner bekannten„witzigen" Sozialistentöter- Reden hielt. das Wort ergriffen. sagten der frei- sinnige Volksparteiler Eugen Richter, der Stationalliberale Sattler, der christlich-soziale Stöckcr, der Demokrat Blumenthal, der Anti- semit Liebermann v. Sonnenberg nichts über Crimmitschau. Sie ignorierten die flammenden An- klagen der Sozialdemokratie, auf die allein der sächsische Bundesratsbevollmächtigte Fischer einging. Nur der Frei- konservative v. Kardorff und der Konservative Limburg-Stirum fanden Worte gegen die geknebelten Arbeiter und für Sachsens Regierung. Die anderen schwiegen— schwiegen sehr beredt I Das änderte sich aber, als im Januar die Debatte über Crimmitschau wieder aufgenommen wurde, da war es der nationalliberale Abgeordnete Lehmann- Jena, derselbe, der jetzt wieder in diesem Wahlkreise mit unserem Genossen Leutert in der Stichwahl steht, der also das Vertrauen der National- liberalen noch heute hat, der den sächsischen Behörden und den Crimmitschauer Textilbaronen beisprang. Es kamen in seiner Rede die folgenden schönen Stellen vor: „... Heute befinden sich besonders auch bei uns in Thüringen die Unternehmer in einer unwürdigen Abhängigkeit von den Ar- beitern. Es war... kein Kanipf zwischen Arbeitern und Unter- nehmern, sondern eine Machtfrage.... Die Sozialdemokratie be- zeichnet sich immer als die Vertreterin der ärmsten Arbeiter, die zwei Millionen aber, die sie für Crimmitschau aufgebracht hat, sind doch ein recht gutes Zeichen für die Steuerkraft der Arbeiter, die dem Herrn Reichsschatzsekretär sehr angenehm sein wird..... Es ist der Sozialdemokratie ja gar nicht um den Zehnstundentag zu tun. hat sie diesen erreicht, so wird sie sicher den Achtstundentag fordern. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Dann den Sechs- stundentag(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), und wenn sie diesen hat, die Beteiligung der Arbeiter an der Leitung der Fabriken.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Sie wollen eben die Arbeiter nicht zufrieden werden lassen, sonst würden Sie ja den Ast absägen, auf dem Sie sitzen...." Im besonderen hat dann Herr Lehmann noch die Mah- nahmen der Behörden, das generelle Verbot aller Ver- sammlungen für die ganze Strcikperiode, die Belegung der Stadt mit einer ganzen Schar Gendarmen, die hermetische Polizeiliche Absonderung der Arbeitswilligen von den Streikenden ausdrücklich gebilligt, ja direkt gelobt! Ihm sekundierte sein nationalliberaler Fraktionsgenosse. der den Arbeitern nur zu wohlbekannte Herr Bcumer, den die Nationalliberalen des sicheren Durchfalls wegen, die diesem erklärten Arbeiterfeinde im Arbeiterwahlkreis Duisburg-Ober- hausen beschieden gewesen wäre, jetzt nicht wieder aufzustellen tvagten— der das blöde Wort von der„Machtprobe der Sozialdemokratie" wiederholte. gegen den Zehnstundentag wütete und die Ueberstunden pries. In dieselbe Kerbe hieb der Antisemit Gräfe- Bautzen, der die Gendarmenwirtschaft der sächsischen Regierung geradezu„eine rettende Tat" nannte. Andere bürgerliche Abgeordnete sekundierten diesen Verteidigern der Arbeiterentrechtung. Bemerkenswert ist, dah der frei- sinnige Volksparteiler Dr. M u g d a n in der De- batte eine lange Rede gegen die Selbstverwaltung der Krankenkassen hielt, Crimmitschau aber mit keinem Worte streifte! So haben die„nationalen" Parteien an den kämpfenden Crimmitschauer Webern gehandelt! Wie sie an den Bergarbeitern gehandelt haben, das ist ich in frischer Erinnerung. Der Nationalliberale - e u m c r hielt die Rede, die er als Vertreter der Zechen- »erren halten muhte, ein freisinniger Volks .larteiler und Stöcker fanden diesmal Worte für die Arbeiter, weil die öffentliche Meinung den Kohlenbaronen durchaus abgeneigt war herausgekommen ist schließlich für die Bergarbeiter die schändliche Berggesetznovelle, diese Spottgeburt des preußischen Dreiklassenhauses! So hat sich die„Arbeiterfreundlichkeit" der„nationalen" Parteien an den Prüfsteinen der großen Massenstreiks stets als eitel Talmi erwiesen! Der Arbeiler, der einen„nationalen" Stimmzettel abgibt, stimmt für seine Feinde! im Mandate. Die gleiche Stimmenzahl hätte dem Proporzsystem 126 Mandate gesichert. wir unsere Stimmcnzahl um 245199 erhöht, Ein blutiger Hohn auf Druckfehlerderichtigung. In unserem gestrigen Leitartikel muß es heißen: „Nun könnte das Reichslügenpack sagen: Wenn auch 384 000 Besitzende wirklich zwanzigmal soviel Vermögen besitzen wie die vielen Millionen Proletarier" usw.(statt:„zweihundertmal soviel Ver- mögen" usw.). Die Leser dürften den Druckfehler freilich selbst berichtigt haben, ergab sich doch die richtige Lesart aus den vorher angeführten Zahlen, in denen 2962 Millionen proletarischer Sparkassen- einlagen dem Vermögen der 384000 preußischer Z ensiten in Höhe von 58 786 Millionen gegenübergestellt wurden. 3SSSS70 Stimmen! 245199 Stimmen Zuwachs! Die„vernichtende Niederlage" der Sozialdemokratie weist sich im Lichte der Stimmencrgebnisse als ein ganz respektabler Erfolg aus. Das Wahlresultat vom 25. Januar ist im Grunde eine nachdrückliche Demonstration gegen unsere Wahlkreis- geometrie. Mehr Stimmen, weniger Mandate! Das ist das Resultat, und daraus machen die Gegner eine „vernichtende Niederlage der Sozialdemokratie" und einen Sieg des Liberalismus. Tatsächlich hat der Stumpfsinn der „Partei der Nicht Wähler" allerdings dazu beigetragen, den Sieg der Wahlkreisgeowetrie zu vergrößern. demokratie gange 56 uns nach Jetzt haben aber 26 Mandate weniger erobert das„gleiche Wahlrecht"! Nur das Zentrum hat einen noch größeren Stimmen- zuwachs zu verzeichnen wie die Sozialdemokratie; es gewann rund 466 666 Stimmen. Daß es so kommen würde, hat der „Vorwärts" ja vorausgesagt. Alle anderen Parteien, die jetzt in blödem Siegestaumel sich über den Rückgang der Sozial- demokratie freuen, haben einen geringeren Zuwachs als die „vernichtete" Sozialdemokratie. Im Nachfolgenden geben wir die Zahlen der letzten Wahl in Gegenüberstellung zu den Resultaten der Hauptwahl vom 16. Juni 1903. Für die Sozialdemokratie wurden im Deutschen Reich Stimmen abgegeben: 1903.... 3010771 1907.... 3 255 970 Zunahme: . 245 199--- 8,14 Prozent. Nach Staaten geordnet ergeben sich folgende Zahlen: Württemberg.... Baden...... Hessen...... Mecklenburg-Schwerin. Strelitz, Sachsen-Weimar... Braunschweig.... Oldenburg..... Sachsen-Meiningen.. Sachsen-Altenburg.. Sachsen-Coburg... Anhalt...... Schwarzb.-Rudolstadt. „ Sondershausen Waldeck...... Reuß(Aeltere Linie). ,.(Jüngere Linie). Schnumburg-Lippe.. Fürstentum Lippe.. Lübeck...... Bremen...... Elsaß-Lothringen Stimmenrückgang haben wir nur in Sachsen, den beiden Mecklenburg und in verschiedenen kleinen Thüringischen Staaten. Ganz erhebliche Zunahme erzielten wir in den vorwiegend industriellen Bezirken mit Ausnahme von Schlesien. Unser Anteil an der Gesamtstimmenzahl ist prozentual durch die stärkere Beteiligung etwas zurückgegangen. Wir machen nach den vorliegenden Angaben folgende Aufstellung: Abgegebene Davon für die gültige Sozialdemokratie Stimmen überhaupt 1903... 9 495 587 3 010 771 1907... 11067 435 3 255 970 Nach der erlangten Stimmenzahl fielen m Prozenten 31,70 29,42 uns bei einem Proporzsystem 117 Mandate zu. Die Erörterung über die Ursachen des Stimmenrückganges stellen wir vorläufig noch zurück. Das aber kann schon gesagt werden: das Wahlresultat enthält nichts Entmutigendes für die Sozialdemokratie. Das diesmalige Ergebnis ist ein Spiegel der tatsächlichen Stärke der Partei. Die Mitläufer sind verschwunden. Dick Enttäuschung der Wahlhoffnungen der Partei wird nur die Sozialdemokratie stärken, sofern sie die richtigen Lehre» aus dem diesmaligen Wahlausfall zu ziehen versteht! Zu den Stichwahlen. Genosse Wilhelm Bios ersucht uns um Veröffentlichung folgen- der Zuschrift: Als ein alter Parteigenosse, der seit nun bald vier Jahrzehnten tn den Wahlschlachten der Sozialdemokratie mitgekämpft hat, bitte ich die Redaktion des„Vorwärts", mir Gelegenheit zu geben, ein Wort an gewisse Parteikreise zu richten. Ich brauche dieselben nicht näher zu bezeichnen; die es angeht, wissen es schon. Der Parteivorstand hat in seinem Aufruf zu den Stichwahlen die Weisung gegeben, es solle kein sozialdemokratischer Wähler für einen nationalliberalen Kandidaten stimmen. Der Parteivorstand hat damit die Interessen der Partei und des gesamten Volkes vor- trefflich gewahrt. Für ältere Parteigenossen, welche die Traditionen der Partei aufrecht zu erhalten gewohnt sind, hätte es dieser Weisung nicht bedurft. Zu diesen Traditionen gehört es, einem Nationalliberalcn unter keinen Umständen eine Stimme zu geben. Aber die Weisung des Parteivorstandes war erforderlich, da in neuerer Zeit viele Parteigenossen wiederholt von der Tradition ab- gewichen sind. Wenn man sich durch liberales Phrasengeklingel vielleicht hat bestimmen lassen, das Zentrum für das„größere", den National- liberalisnms für das„kleinere" Uebel zu halten, so ist das sehr bedauerlich. Den Nationalliberalen verdankten wir wesentlich das Soziali st engesetz. Wenn die Urheber dieses Gesetzes be- haupten, daß sie gegenüber dem Zentrum die„geistige Frei- h e i t" vertreten, so ist das einfach lächerlich. Nach dem Falle des Sozialistengesetzes hat die nationalliberalc Partei sich alsbald wieder bemüht, ein Ausnahmegesetz zustande zu bringen. Die Ermordung des französischen Präsidenten Carnot, mit der die französische und die deutsche Sozialdemokratie nicht das geringste zu tun hatten, wurde von den Nationallibcralen zu einem Feldzng gegen den Umsturz in Deutschland benutzt. Daß die damit provozierte Umsturzvorlage nicht zum Gesetz wurde, war nicht das Verdienst der nationalliberalen Partei. Die nationalliberale Partei ist von dem grimmigsten Hasse gegen die Sozialdemokratie erfüllt und wird— namentlich jetzt— jedem Ausnahmegesetz mit Hurra zustimmen. Auf die Ver- sprechungen einzelner Mitglieder dieser Partei ist nichts zu geben. Das Zentrum ist eine durch und durch reaktionäre Partei; wir sind durch eine Welt von demselben getrennt. Aber das Zentrum ist bis jetzt immer noch auf dem Boden des gemeinen Rechts stehen geblieben und hat uns nicht mit Ausnahmegesetzen verfolgt. Diese einfache Gegenüberstellung der Tatsachen möge genüge». Nun hat sich in verschiedenen Kreisen, wo Nationalliberale und Entscheidung hat, unter den Parteigenossen die Neigung kund- gegeben, entweder für den Nationalliberalen zu stimmen oder durch Wahlenthaltung demselben zum Siege zu verhelfen. Die älteren Parteigenossen, die seinerzeit unter dem Jubel der Nationallibcralen mit dem von dieser Partei hauptsächlich ge- schaffenen Sozialistengesetz verfolgt, indenKerkergeworfen, ausgewiesen und existenzlos gemacht worden sind— diese Parteigenossen müssen jede sozialdemokratische Stimme, die auf einen Nationalliberalen fällt, als eine persönliche Kränkung und Mißachtung empfinden. Die gleiche Empfindung wird bei ihnen vorherrschend sein, wenn die Parteigenossen durch Wahlenthaltung einem der sich nationalliberal nennenden Reaktionäre zum Siege verhelfen. Ich darf überzeugt sein, daß ich Tausenden und Abertausenden alter treuer Parteigenossen aus der Seele spreche. Cannstatt, 31. Januar 1907. Wilhelm Bloß. Aahlnachrkhten. Bon den Reichstagswahlen in Bayer» liegen jetzt die sämtlichen amtlichen Resultate vor, so daß man Gewinn und Verlust übersehen kann. In ganz Bayern wurden am 25. Januar 1 142 602 Stimmen abgegeben. Davon fielen auf das Zentrum 509 588, auf den Block 245 468, auf die Sozialdemokratie 236 871, aus den Bauernbund 73 519, auf den Bund der Landwirte 28 913, auf die Konservativen 26 687, freisinnige und demokratische Sonderkandidaturen 4390, Mittelstand 9098, zersplittert sind 1245 Stimmen. Die Stimmen der Sozialdemokratie haben sich gegen die Wahl von 1903 um 24166 vermehrt. Der Zuwachs ver- teilt sich auf die einzelnen Regierungsbezirke wie folgt: Ober- bayern 2528, Niederbayern 2258, Rheinpfalz 3357, Oberpfalz 2051, Oberfranken 1139, Mittelfranken 8964, Unterfranken 2097, Schwaben 1722. In 8 von den 43 bayerischen Wahlkreisen hat die Sozialdemokratie gegen 1903 einen Stimmenrückgang erlitten. Der Verlust beträgt zusammen 2299, im einzelnen: In München I 1455, Deggendorf 66, Homburg 33, Forchheim-Kulmbach 253, Kronach 22, Eichstätt 115, Rothenburg 191, Schweinfurt 164. In der Oberpfalz und in Schwaben war in keinem einzigen Wahlkreise ein Stimmen- rückgang zu verzeichnen. In folgenden Wahlkreisen erhob sich der Zuwachs der sozialdemokratischen Stimmen über 1000: Nürnberg 0241, Fürth 2511, RegenSburg 1122, Hof 1107, Rosenheim 1073, Weilheim 1052. In der Reihenfolge der Gesamtstimmenzahlen der einzelnen Parteien rangiert die Sozialdemokratie an dritter Stelle. Sie hat nicht ganz die Hälfte der auf das Zentrum gefallenen Stimmen und bleibt nur um 8600 Stimmen hinter dem Block zurück, der die frei- sinnigen, nationalliberalen, demokratischen, nattonalsozialen Stimmen erhielt und dem teilweise auch bllndlerische, konservative, sogar Zentrumsstimmen zufielen. Könnte man diese dem Block eigentlich nicht zuzuzählenden Stimmen in Abzug bringen, so würde die Svzialdemo- kratie jedenfalls an die zweite Stelle rücken. Bei 48 Abgeordneten, die Bayern zu wählen hat. kommen auf jeden Abgeordneten im Durch- schnitt etwas über 23 800 Stimmen. Würde die Verteilung der Mandate prozentual erfolgen, so würden dem Zentrum 21 bis 22, dem Block 10 bis 11, der Sozialdemokratie 9 bis 10, den übrigen Parteien zusammen 5 bis 6 Abgeordnete zukommen. Ueber den Durchschnitt erhebt sich von den Gewählten nur einer: der in Nürn- berg mit 35 000 Stimmen gewählte Sozialdemokrat Dr. JSüdekui». In München muß Vollmar mit 40 000 Stimmen in die Stichwahl! Wenn Ivir auch in Bayern einen größeren Fortschritt erwartet hatten, so besteht doch in Anbetracht der Verhältnisse kein Grund ;un» Klagen. Die nahezu 237 000 Stimmen, die auf uns fielen. änd rein sozialdemokratische Stimmen. Die„nationale" Hetze hat auch bei uns die Mitläufer davongescheucht, auch sind uns viele Stimmen dadurch entgangen, daß das städttsche und ländliche Klein- bürgerttlm, von dem ein großer Teil früher mit uns stimmte, sich jetzt scharf von uns abgesondert hat und zu den bürgerlichen Parteien übergegangen ist oder besondere Parteigruppen gebildet hat. Die Stimineninehrheit, die wir zu verzeichnen haben, ist eine wirkliche sozialdemokrattsche Errungenschast. „Freisinnige" Stichwahlparole. Für Eilenburg-Bitterfeld beschlossen die„Freisinnigen" Wahl- hülfe für den freikonservativen Bauermeister gegen den Sozialisten Raute.— Nationalsoziale Stichwahlparole. Wir erhalten folgende Privatdepesche: Jena, den 1. Februar. Die Nationalsozialen des 3. Sachsen-Weimarischen Wahlkreises (jetzt im„Liberalen Verein" organisiert), die im Jahre 1903 in der Stichwahl für den nationalliberalen Gutspächter Lehmann gegen die Sozialdemokratie den Ausschlag gaben, stellen es für die bevorstehende Stichwahl ihren Anhängern frei, wiederum Lehmann oder aber unseren Genossen Leutert zu wählen. Nationalsozial!— Ein eingegangener„Arbeiterfteund". Der Kommerzienrat M a n z in Bamberg, der als Kandidat des Blocks mit unserem Genossen Segitz im Fürther Wahlkreise in Stich- wähl steht, hat sich während der Wahlagitatton häufig mit seiner Arbeiterfreundlichkeit gebrüstet, um die Stimmen der Arbeiter einzufangen. Man konnte ihm leicht die Scharfinacherci. die er oft genug als Vorsitzender des Verbandes der deutschen Schuh- und Schäftefabrikanten ausgeübt hat, nachweisen, auch wurde ihm vorgehalten, daß er im Gemeindekollegium zu Bam- berg. dem er angehört, die Bitten der städtischen Arbeiter heftig bekämpft und geäußert habe, man müsse mit eisernem Besen auskehren, wie es in Breslau ge- chehen sei. Herr Manz fühlte sich dadurch so schwer gekränkt, daß er es in der letzten Sitzung des Gemeindekollegiums für notwendig hielt, alles als Wahlmanöver zu erklären. Er sei kein Arbeiter- feind, habe keinen Januskopf und habe die erwähnte Aeußerung nie- mals getan. Da erhob sich der Gemeindebevollmächtigte Schneyer, ein christlicher Arbeiter, und erklärte, Herr Manz habe die Aeußerung tatsächlich gebraucht, und zwar in einer Kommissionssitzung, nur der Hinweis auf Breslau sei nicht gefallen. Tableau! Der Arbeiter- reund blieb stumm wie ein Fisch und überließ es einem seiner Mit- charfmacher, ihn durch Ausreden herausbeißen zu wollen. Unsere sächsischen Verluste nach den amtlichen Ergebnissen. Auf Grund einer Zusammenstellung nach den amtlichen Wahl- ergebnissen ergibt sich, daß die sächsische Sozialdemokratie anr 25. Januar 418 457 Stimmen erreichte. Das sind 23 367 Stimmen weniger als 1903, wo wir eine Stimmenziffer von 441 764 zu ver- zeichnen hatten. Die von der Ordnungspresse verbreitete Meldung, wonach wir 43 000 Stimmen Verlust haben sollen, beruht auf un- glaublich groben Rechenfehlern. AnS dem Wahlkreise Landsberg-Soldi» wird uns berichtet: Unsere Hoffnungen sind, das ist nicht zu leugnen, nicht erfüllt worden. Der Konservative ist im ersten Wahlgange mit 13 828 Stimmen gegen 6477 sozialdemokratische und 6176 liberale gewählt. Allerdings nicht auf Grund des geheimen Wahlrechts I Das Ge- heimnis der Wahl ist schamlos verletzt worden. Die Furcht vor Verlust der Existenz hat daher viele Wähler zur Ab- zabe konservativer Sttmmzettcl veranlaßt, obgleich solche Wahl hrer Gesinnung durchaus nicht entspricht. Bei der vorigen Wahl haben wir eS im zweiten Wahlgang erlebt, daß unsere Stimmen in vielen Orten zurückgingen, weil den Wählern auf den Kopf zugesagt wurde, wie sie ini ersten Gang gestimmt hätten. Diese Aufpasserei war bei dieser Wahl noch viel schlimmer. Einem unserer Kontrolleure "t in einem Orte, wo wir bei der vorigen Wahl 40 Summen, jetzt Zentrum zur Stichwahl stehen und wo die Sozialdemokratie die jäher nur acht erhielten, nach Wahlschluß von den Wählern treuherzü, PP gefagt worden: Wenn wir das gewußt bätten, gestalten. Daher die forgfame Scheidung zwischen den aus So sieht der Liberalismus, der entschieden- liberale vie ber hätten wir wieder fozialdemokratisch gewählt." ber herrschenden Klasse entnommenen Vorgesezten und den halbentschieden- liberale, soweit er überhaupt die neugeschaffene Unser Kontrolleur hatte nämlich die Urne vor dem Deffnen untergebenen". Ein Volksheer, in dem jede Stellung dem Situation zu begreifen vermag, ein welfes Blatt nach dem anderen der Kouverts umgestülpt. In einem anderen ahlokal ist es unserem Kontrolleur gelungen, die Kontroll iste, dazu Befähigten ohne Rücksicht auf seinen und der Seinen vom Baum seiner großen Hoffnungen fallen; und das luftigſte die von einem Untergebenen des Wahlvorstehers geführt wurde, sich Geldsack oder Herkunft zugänglich ist, würde unter unendlich an dieser lächerlichen Komödie der Irrungen ist, daß das Zentrum anzueignen. Die Liste weist deutlich nach, wie jeder gegeringeren Opfern des einzelnen schlagfertig gegen alle Feinde als Zuschauer beide Akteure, den hoffnungsseligen Liberalismus wählt hat. Da die Wähler dergleichen Praktiken vom vorigen des Vaterlandes, des Volkes fein. Ein Volksheer wie den überschlauen Kanzler, in gleichem Maße verspottet. So Mal noch im Gedächtnis hatten, so ist es flar, daß nur die Un- fämpft unbesieglich für die Interessen des Volkes, der schreibt die„ Köln. Voltszig.": erschrockensten sozialdemokratisch wählten, und das waren von den 110 Gesamtheit, des Vaterlandes. Ein Heer, das in eingeschriebenen Wählern vier! Das Aufeinanderschichten der Kuverts seiner Masse aus Söldnern oder aus Untergebenen ist die abgefeimteste kontrolle, wie sie raffinierter gar nicht ausgedacht besteht, die auch im Interesse der besitzenden Klasse gegebenen werden kann. Wie der Herr Wahlkommissar darüber denkt, mußte Befehlen ihrer Vorgesezten zu gehorchen haben, kann diesen fich Genosse Kayser ungeniert sagen lassen, da ihm auf seine mündLiche Mitteilung, daß er im Besize solcher Kontrollisten sei, der land- Interessen nicht dienen, muß Mißhandlungen der ratamtliche Bescheid zu teil wurde, die Aneignung der Liste sei Dieb- untergebenen, Unterdrückung des Menschstahl. S. mußte auf dem Landratsamt auch noch unfreiwilligerweise lichen im Menschen zur Folge haben! hören, wie am Telephon darüber gesprochen wurde, wie die kon servativen Wahlschulden gedeckt würden. Natürlich soll damit nicht gesagt sein, daß der Landrat in den Kampf der Parteien getreten sei. Das Telephon besorgte ein Untergebener der Herren. Die Kriegsinvaliden und die Kriegervereinler. Da ist nun der feine Unterschied bemerkenswert, den die „ Nordd. Allg. 8tg." zwischen dem Zentrum und den Konservatiben und Liberalen macht. Bei diesen appelliert sie an das nationale, beim Zentrum an das religiöse Gewissen. Es war dem Kanzlerblatte doch anscheinend etwas genierlich, das Zentrum von gestern auf heute aus den antinationalen" Parteien aus- und unter die nationalen" Parteien einzurangieren. Wir aber sagen dem offiziösen Blatte in der ruhigen Sicherheit unseres nationalen Gewissens, daß es, nachdem es von unserem nationalen" Gewissen so lange nichts hat bemerken wollen und auch heute anscheinend noch nichts be= merken will, auch unser religiöses Gewissen ge= fälligst ungeschoren lassen möge. Was wir zu tun haben, braucht kein Offiziosus, wie beschaffen auch immer sein Gewissen sein möge, uns zu sagen." Es ist verständlich und erklärlich, wenn ehemalige Soldaten ihre Erinnerungen an ihre frühere Dienstzeit untereinander in geselligem Beisammensein austauschen wollen. Ein anderes Gesicht bekommt die Sache, wenn von Offizieren außer oder in Diensten versucht wird, unter dem Deckmantel des Kriegervereins politische Zwecke zu verfolgen, insbesondere den, die Kriegervereinskameraden von der Verfolgung ihrer wahren Interessen durch Klimbim und Kinkerlitzchen und Dressur gegen freiheitliche Regungen den Interessen der be- Ein Freifinniger als Regierungskandidat! sitzenden Klasse dienstbar zu machen! Ein ergößliches Licht auf die freisinnige Wahlagitation Leider haben sich am 25. Jaunar auch viele Strieger- wirft folgende Auseinandersetzung zwischen dem konservativen Zu den Petitionen, die am regelmäßigsten beim Reichsvereinler durch die hurrapatriotische Phrase und die Ber- reisblatt" in Landeshut und dem ebenda beheimateten tage eingehen, gehören die der Militärinvaliden. So war es leumdungen der Sozialdemokratie dazu verleiten lassen, gerade freisinnigen Stadtblatt". 3. B. auch im Jahre 1895. Zehntausende von Invaliden gegen diejenige Partei zu stimmen, die, vie wir oben nachbaten unter Hinweis auf ihre traurige Lage um Erhöhung wiesen, im Ernstfalle einzig von allen Parteien für die ihrer Pensionen. Doch was antwortete die Regierung? In Kriegsinvaliden eingetreten ist! der Petitionskommission erklärte der Geheime OberHier hat die Sozialdemokratie wahrhaft positive Arbeit regierungsrat Plath, daß an eine allgemeine leisten wollen, die bürgerlichen Parteien, Junker und Freisiun Erhöhung der Pensionen nicht gedacht werden könne. Durch haben jedoch diese positive Arbeit der Sozialdemokratie das Gesetz vom Mai 1893 seien den Invaliden Zugeständnisse vereitelt! in weitem Maße gemacht worden. Zu weiteren Zulagen fehle das Geld. Und was war im Jahre 1893 für die Aufbesserung wählt bei den Stichwahlen so, wie es Euch die Vernunft, Darum, Ihr Kriegsinvaliden und ehemalige Soldaten, der Pensionen getan worden? Die Kriegszulage war von Euer Interesse und die wahre nationale Ehre gebieten! monatlich 6 auf 9 Mart, also pro Tag um knapp 10 Pfennig erhöht worden! Aber neben den eigentlichen Invaliden waren Taufende bon ehemaligen Soldaten vorhanden, die zwar unverlegt aus den Feldzügen zurückgekehrt, aber infolge der erlittenen Strapazen vorzeitig siech und erwerbsunfähig geworden waren. Diese Armen hatten seit Jahren um Gewährung eines Ehrensoldes gebeten. Es mögen von Teilnehmern am Striege 1870/71 heute noch etwa 700 000 bis 800 000 Mann leben. Im Jahre 1895 konnte über diese Bitten nicht gut mehr hinweggegangen werden und die Regierung beantragte daher, den völlig erwerbsunfähig gewordenen Teilnehmern an Feldzügen einen Ehrensold von jährlich 120 M. zu gewähren. Die sozialdemokratischen Abgeordneten beantragten dagegen, den Sold auf 360 M. zu erhöhen, mit der Begründung, daß für einen völlig erwerbsunfähigen Menschen 1 M. pro Tag das mindeste sei, was er zum Leben haben müsse. Nach hitzigen Debatten wurden die sozialdemokratischen Anträge von allen übrigen Parteien des Reichstages niedergestimmt und die Vorschläge der Regierung angenommen. Gegen den maßvollen Vorschlag der Sozialdemokraten wurde unter anderem angeführt: vom Staatssekretär Graf v. Posadowsky: 19 Hier in Berlin mag man mit 120 M. nicht leben können, wenn man vollkommen arbeitsunfähig ist. Wenn Sie sich aber an die Verhältnisse der kleinen Städte und des platten Landes erinnern wollen, so kann man dort mit ungemein niedrigen Beiträgen auskommen. Die Empfäuger der Altersversiche rungsrente müssen ja auch davon leben. Es sind Verwandte, bei denen sie sich in Pension geben, verheiratete Kinder usw. Man kann in fleinen Städten aber auch anderwärts fehr billig unterkommen, so daß ich doch glaube, daß ebenso wie die Empfänger von Alters- und Invalidenrenten davon leben müssen, sich auch eine Möglichkeit für die vollkommen arbeitsunfähigen Kriegsteilnehmer bieten wird, für ihre Beihülfe bei Verwandten unterzukommen oder doch wenigstens auf dem Lande ein, wenn auch sehr bescheidenes, sehr dürftiges, doch von der öffentlichen Wohltätigkeit unabhängiges Leben zu führen.( Sigung des Reichstags vom 15. Mai 1895. S. 2264). Durch die Belastung infolge der Zölle, Grenzsperren allein wird der Haushalt einer Familie, die aus fünf Stöpfen besteht, jährlich mit mindestens 120 m. belastet. Aber mit 120 M. sollen vollkommen erwerbsunfähige Vaterlandsverteidiger ausfommen können! Namens des Zentrums wollte Abg. Ba che m einen Rechtsanspruch auf hinreichende Unterstützung für die, die am Kriege teilgenommen haben, nicht anerkennen. Der fonservative Abgeordnete v. Leipziger wendete sich gegen die Erhöhung von 120 auf 360 M. und führte dabei aus( Stenographischer Bericht Seite 2268): Politische Uebersicht. Berlin, den 1. Februar 1907. Bülows Stichwahlparole. Die„ Nordd. Allg. 3tg." fährt fort, den Parteien des nationalen" Blods dringend zu empfehlen, einmütig bei den Stichwahlen gegen die Sozialdemokratie zu stimmen und das Zentrum zu schonen, in jedem Falle aber den Zentrumskandidaten dem fozialdemokratischen Kandidaten vorzuziehen. " Jm einzelnen Falle," schreibt sie, mag es ja freilich Ueberwindung kosten, daraus die richtigen Konsequenzen für die Praris zu ziehen, namentlich dort, wo vor der Hauptwahl die Parteigegenfäße zwischen einzelnen bürgerlichen Barteien scharf hervorgetreten sind. Dertlicher Verhältnisse wegen mag in manchen Wahlkreisen auf die durchgreifende Wirksamkeit einer allgemeinen Wahlparole nicht zu rechnen sein. Die Tatsache jedoch, daß die Gegensäße zwischen zwei bürgerlichen Parteien in feinem Falle so start sein können, als die jeder dieser Parteien. zur Sozialdemokratie, sollte bei den lokalen Entscheidungen niemals aus dem Auge verloren werden. In dem Kreisblatt hieß es: " Landeshut, den 30. Januar 1907. ,, Der eigentliche Regierungskandidat." Der freisinnige Bewerber um das Reichstagsmandat des Wahlkreises Landeshut- Jauer- Bolfenhain, Herr Dr. Otto Hermes, hat sich, wie bekannt, bei der diesmaligen Wahlkampagne wieder holt als Regierungskandidat" bezeichnet und die SachTage so dargestellt, als sei der Regierung ein Sieg des Hern Dr. Hermes über den ihm als Kandidaten gegenübergestellten Freikonservativen Landgerichtsrat Lissel in jeder Weise lieb und ertvünscht. Er hat sich nach dem Versammlungsbericht des hiesigen freisinnigen Organs demgemäß auch zu der Aeußerung berstiegen: Wer im Sinne der Regierung stimmen wolle, der müsse(!?) ihn wählen". Um dies alles den Wählern noch plausibler zu machen, wurde das Märchen kolportiert, der Reichskanzler selbst habe in einem Gespräch mit Herrn Dr. Hermes den Wunsch ausgesprochen, daß er( Hermes) wiedergewählt werde. Der erste Teil der Hermesschen Auslegung, daß die Regierung lieber die Wahl eines Freifinnigen als eines Konservativen wünsche, ist inzwischen durch eine offizielle Auslassung der Regierung als falsch dargetan worden. Aber weiter: Heute sind wir in der Lage, auch den angeblichen Wunsch des Reichskanzlers von der Wiederwahl des Dr. Hermes in das Reich der Fabel zu ver weisen. Freiherr v. Richthofen Mertschütz, Kreis Jauer, der zurzeit in Berlin weilt, hat an den Verleger des Jauerschen Tageblattes", Karl Dettmann folgendes Telegramm gelangen Laffen: Fürst Bülow hat, wie hier authentisch ermittelt, mit Dr. Hermes über deffen Reichstagskandidatur gar nicht gesprochen, ihm daher auch nicht gesagt, daß er die Wahl von Hermes wünsche, oder sich wundere, daß Konservative erst für Jauer- Bolfenhain- Landeshut besonderen Kandidaten aufgestellt hätten. Sie können von dieser Mitteilung öffentlich Gebrauch machen. Dies Telegramm, dessen beglaubigte Abschrift uns vorliegt, be leuchtet grell die Art und Weise, wie der Freifinn kämpft, und die Mittel, deren er sich im Wahlkampf bedient hat. Um den loyalen Bürger, vor allem den Landmann, zur Stimmabgabe für sich zu gewinnen, wird ihm vorgetäuscht, Fürst Bülow und die Regierung selbst trete für Herrn Dr. Hermes ein, und die Stimmabgabe für Dr. Hermes sei eine Betätigung loyaler Gesinnung für die Regierung. So wäre es z. B. schwer verständlich, wie ein Zentrumswähler es vor seinem religiösen Gewissen, ein fonfervativer oder liberaler Wähler es vor seinem nationalen Bewußtsein verantworten wollte, die Niederlage der Sozialdemokratie bei den Hauptwahlen durch Begünstigung der Sozialdemokratie bei den Stichwahlen abzuschwächen. Weder kann das Zentrum hoffen, seinen früheren Einfluß im Parlament durch Unterstübung der Sozialdemokratie wieder zu gewinnen, noch würden die Liberalen Vertrauen in die eigene Kraft beweisen, wenn sie sich nach dem Beispiel des„ Berliner Tageblattes" bei Dies Gewebe der Täuschung ist jählings zerihrer Entschließung von der Befürchtung leiten ließen, ein mit rissen. Die vom Freisinn düpierten Wähler aber werden die ihrer Hülfe errungener vollständiger Sieg über die Cozial- Antwort nicht schuldig bleiben, indem sie am Tage der Stichwahl demokratie könnte zur Förderung reaktionärer Pläne dienen." Mann für Mann zur Wahl gehen und zum Siege verhelfen Herrn Die Liberalen sind über diese Taktik des Regierungsblattes Landgerichtsrat Liffel in Licgnik. höchst verschnupft. Sie merken, daß die Regierung sie nur zu ihrem gwed benutzt zu dem 3wed, fich zwei gefügige Mehrheiten, eine konservativ- liberale und eine tonservativ- kleritale, zu verschaffen, und daß die Ausschaltung des Zentrums von der Gruppe der sogen. ,, antinationalen" und„ baterlands= feindlichen" Parteien lediglich der Ansicht entspringt, im neuen Reichstag wieder mit dem Zentrum anzubändeln und mit seiner Sülfe die agrarpolitischen Pläne durchzusetzen, für welche die fonservativ- liberale Mehrheit nicht zu haben sein dürfte. Selbst die National- 3tg.", die bisher mit Bülow durch dick und dünn der nationalen Ethik marschiert ist, wird stubig. Sie schreibt in ihrem heutigen Morgenblatt: " " Die„ Norddeutsche" hat sich das ja ganz hübsch eingeteilt, indem sie beim Zentrum an das religiöse Gewissen", beim Bürgertum an das„ nationale Bewußtsein" appelliert. Ein solches Spiel mit Worten aber kann kaum den peinlichen Eindrud berwischen, den es bei liberalen Wählern hervorrufen muß, daß die Regierung zwischen Haupt- und Stichwahl der Wahlparole andere Hälfte gegen das Zentrum" einfach zu estamotieren versucht. Das muß um so mehr befremden, als die Köln. Volkszeitung" ihre Anhänger ganz unverhohlen vor der Wahl von Nationalliberalen warnt." „ Der Herr Staatssekretär des Reichsschazamtes hat sehr überzeugend ausgeführt, daß Herr Kollege Singer die Verhältnisse der Stadt vor Augen hat. Wie steht's denn bei der Alters- und Invaliditätsversicherung? Glauben Sie mir, daß die Leute, die auf dem Lande eine Rente von 106, 120 M. Haben, von den meisten Leuten gern ins Haus genommen werden. Ein alter Mann, der dies bare Einkommen hat, ißt sich noch mit Leitartikel über die Metaphysik des religiösen Gewissens" am Tische des Wirtes fatt, und wir haben das bare Geld jeden Monat in der Tasche, sagt der kleine Mann, und ist damit sehr zufrieden." Die Konservativen, die Ultramontanen und die Regierung fetzten freilich das Einkommen des Reichstanzlers auf 100 000 m. fest. Wäre der Konservative mit einem eigenen Einkommen von nur 120 m. jährlich sehr zufrieden? Der preußische Landwirtschaftsminister hielt sein Einkommen bon zirka 50 000 M. für so unzureichend, daß seine Frau bei der Firma Tippel noch ein paarmal hunderttausend Mark jährlich hinzuberdienen mußte! Man ersieht auch aus dieser Erinnerung, wie tief die sich ,, staatserhaltend" nennenden Parteien die wirklich Darbenden, die wirklich Erwerbstätigen mißachten. Den Kriegervereinlern, die für solchen Ordnungsbrei ihre Stimme abgeben, wird freilich das Verhalten der Junker und Junkergenossen im Parlament sorgfältig verschleiert. Wer sein Wohl und das Wohl seiner Familie im Auge hat, wer für sein Vaterland wahrhaft national eintreten will, darf nicht für den Hurrapatriotismus, sondern muß für die Sozialdemokratie stimmen! Ein Kriegervereinsmitglied ist kein Bürger zweiter Klasse. Zu Bürgern zweiter Klasse werden aber die Mitglieder der Kriegervereine, wenn sie sich durch patriotischen Phrasenschwall und große- Versprechungen verleiten lassen, ihre eigenen Interessen, die ihrer Familie und der Gesamtheit der Staatsbürger, also die wahren Intereffen des Vaterlandes, durch Bekämpfung der sozialdemokratischen Bestrebungen zu verraten. Das Heer wollen die bürgerlichen Parteien zu einem Machtmittel zur Unterdrückung der Rechte des Volkes Und in ihrem Abendblatt leistet sie sich sogar einen besonderen und des„ nationalen Bewußtseins", in dem sie trübselig, wie einst Jeremias an den Wassern Babylons, über den Verlust ihrer schönen Hoffnungen und Illusionen klagt: Von der Regierung des Fürsten Bülow haben besonnene Politiker nie verlangt und nie erwartet, sie folle die Sozialdemokratie gegenüber dem Zentrum für das kleinere Uebel" erklären; nur unflare Träumer und gemeingefährliche Phantasten konnten unter den gegebenen Verhältnissen etwas dergleichen fordern. Was aber der nationale Liberalismus erwarten und fordern mußte, das war eine wohlwollende Neutralität der Regierungsorgane. Denn das kann keine offiziöse Dialektik verschleiern: es ist ein Schlag gegen den Liberalismus, den die Regierung erst zum Kampfe gegen das unzuverlässige Zentrum aufgerufen, der ihr Heeresfolge geleistet hat; wenn sie das Zentrum über Nacht wieder unter die zuverlässigen Parteien ein= reiht, denen man die Zukunft des Reiches unbedenklich anvertrauen könne. " Was ist denn geschehen, um einen so radikalen Umfall der Regierung zu rechtfertigen? Woraus schöpft die Regierung das neue Vertrauen zur regierenden Partei" von ehegestern? Etwa daraus, daß das Zentrum in Nord und Süd Wahlenthaltung zugunsten des Stärkeren, der Sozialdemokratie, ankündigt, wo es nicht offen für sie eintritt? Oder daraus, daß sein Berliner Parteiorgan, die Germania", fast täglich die Rache für Sadowa" predigt, und den Kanzler erst heute wieder ganz unberblümt auffordert, er möge aus seinem Mißerfolge gegenüber dem Zentrum als Staatsmann gefälligst die Konsequenzen ziehen"? Gewiß, die Sozialdemokratie ist antinational, ist gegen Kolonien und Flotte; bei ihr weiß man aber doch wenigstens, woran manist. Beim Zentrum aber weiß mans nie und wird es in Zukunft weniger wissen ais je." " Daraufhin erschien in dem Stadtblatt" folgende Erklärung. Gegenüber den Bemerkungen, die sich das Jauersche tonfervative Tageblatt in Nr. 27, 1907 über den eigentlichen Regierungstandidaten" Dr. Hermes erlaubt, stellen, wir hiermit folgende Tatsachen feft: 1. Der Reichskanzler Fürst Bülow sprach am 13. Dezember 1906, mmittelbar nachdem er die Reichstagsauflösung erklärt hatte, gegenüber dem Schriftführer Dr. Otto Hermes, als Dieser sich von ihm verabschiedete, die Hoffnung aus, ihn im neuen Reichstage wieder an seiner Stelle zu fehen. " 2. Dr. Otto Hermes hielt Ende Dezember 1906 in Berlin in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Dorotheenstädtischen Bezirksvereins einen öffentlichen Vortrag über die politische Lage, der in der Vossischen Zeitung" auszugsweise wiedergegeben wurde. Der Reichskanzler las diesen Bericht und ließ Dr. Hermes zu einer Besprechung zu sich bitten. Diese Besprechung fand am 2. Januar im Retchskanzlerpalais unter bier Augen statt. Sie behandelte die allgemeine politische Situation. Der Reichskanzler sprach dabei seine volle Befriedigung über die von Dr. Hermes in jener Verfammlung fundgegebene politische Erklärung aus, äußerte seine Ansicht dahin, daß der bisherige Besitzstand der nationalgefinnten Parteien wenn irgend möglich überall zu wahren sei und daß eine konservative Kandidatur gegen Dr. Hermes der politischen Gesamtlage nicht entspräche. 3. Herr Dr. Hermes erwähnte gegenüber dem Reichskanzler die in Malitsch, Neppersdorf, Triebelwig und Prausniß( im Kreise Jauer) vorgekommenen Saalverweigerungen, von denen Fürst Bülow versprach, den Vorfällen seine Aufmerksamkeit zu zuwenden; und der Chef der Reichskanzlei, Herr von Löbell, fandte Dr. Hermes eine Mitteilung in den Wahlkreis, in der er bestätigte, daß er im Auftrage des Reichskanzlers den Minister des Innern auf die Zu stände im hiesigen Wahlkreise aufmerksam gemacht habe. Das Schreiben des Herrn von Löbell hat uns in der Urschrift vorgelegen. Auf Grund dieser Vorgänge hat sich Herr Dr. Hermes im Wahlkampfe verschiedentlich als Regierungskandidat, b. h. als ein unter den gegenwärtigen Verhältnissen der Regierung angenehmer kandidat bezeichnet. Sonst hat Dr. Hermes nirgends und niemals über diese Verhältnisse gesprochen. Wir fordern nunmehr die hochgeschätzte genau informierte Seite" des Jauerschen Tageblatts" auf, in dem von ihr gegen Dr. Hermes erhobenen Vorwurf der Täuschung der Wählerschaft den Beweis der Wahrheit anzutreten und, wie es das deutsche Rechtsbewußtsein verlangt, die Maste der Anonymität fallen zu lassen. Jauer, den 30. Januar 1907. Der freisinnige Wahlausschuß. Kunde. Buresch. Kuring. Krause. Ein freisinniger Volksparteiler betrieb also Stimmenfang, indem er sich als„ Regierungskandidat" proklamieren ließ! Eine nette Sorte Freisinn"! Deutfchea Reich« Kein Kuhhandel! Die Stichwahlparole des ParteivorftandeS betonte mit vollem Recht, daß bei den Stichwahlen unter keinen Umständen einem Konservativen. Reichsparteiler. Landwirtschaftsbündler. Antisemiten oder Nationalliberalen auch nur eine sozialdemokratische Stimme zufallen dürfe. Voraussetzung für die Unterstützung eines Kandidaten der anderen Parteien sei die. daß er sich verpflichte. drei Bedingungen einzugehen, nämlich die Zusicherung zu geben. gegen jede Wersch lechterung des Wahlrechts, gegen jede Verschlechterung des Koalitionsrechts und gegen jedes wie immer geartete Ausnahmegesetz stimmen zu wollen. Erfreulicherweise ist diese Parole nirgends auf Widerstand ge stoßen, ausgenommen in Köln, wo unsere Genossen ein lokales Wahlbündnis mit den Nationalliberalen suchten, und in Llnsbach-Schwabach, wo man in gewisse Unterhandlungen mit dem Bauernbündler eingetreten ist. Den ersten Fall haben wir bereits gestern besprochen. In Ansbach-Schwabach will die Partei nach der»Fr änkisch en Tagespost" bei der Stichwahl zwischen dem freisinnigen Volks- parteiler O u i d d e und dem Bauernbündler Wahlenthaltung üben, nachdem der Bauernbiindler erklärt hat, keiner Aenderung des Reichstagswahlrechtes seine Zustimmung geben zu wollen. Wir halten uns— gemäß der Stichwahlparole des Partei- Vorstandes, jede Stichwahlentscheidung„unter Würdigung der Persönlichkeit" des betreffenden Kandidaten zu treffen— nicht für befugt, unseren Genossen in Ansbach-Schwabach Vorschriften darüber zu machen, unter allen Umständen für Ouidde zu stimmen, so sehr wir im allgemeinen betonen möchten, daß bei den Stich- wählen das Gefühl den klaren Erwägungen des politischen Ber- stnndes zu weichen hat. Wenn unsere Genossen in Ansbach-Schwabach auf Grund ihrer genaueren Kenntnis der politischen Persönlichkeit Quiddes, die zu beurteilen wir nicht in der Lage sind., eine Stimm- enthaltung für geboten erachten, so mögen sie nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Wir bedauern jedoch, daß die dortigen Parteigenossen mit dem bauernbündlerischen Gegner Quidde» über- Haupt in Unterhandlungen eingetreten sind, ganz abgesehen davon, daß die Erklärungen des Bauernbündlers sich nur auf eine von den drei unerläßlichen Boraussetzungen beziehen! Sollte vollends, wie gemeldet worden ist, die Stimmenthaltung der Genossen in Ansbach-Schwabach eine Art Gegenleistung für die bauernbündlerische Stimmenthaltung in Fürth. Erlangen darstellen, so wäre ein solch unnatürliches Wahlkompromiß im höchsten Grade zu bedauern. Wenn die Sozial demokratie ohne konservative Hülfe nicht zu siegen vermag, sollte fie den Mut besitzen, in Ehren zu unterliegen Z Freisinnige Brrlumpung. Im 6. schleswig-holsteinischen Wahlkreis findet Stichwahl statt zwischen dem Genoffen v. E l m und dem freisinnigen Volks- parteiler Carstens. Um nun den Sieg über den sozial� demokratischen Konkurrenten davonzuttagen, ergänzt der Freisinn das Arsenal des landläufigen Hottentottenblock-Schwindels dadurch, daß er gegen den Genossen v. Elm als einen Befürworter des Genossen� schastswesens die kleinen Geschäftsleute mobil zu machen sucht! Inder„Schleswig-Holfteinischen Volkszeitung' lesen wir über diese neue erlesene Blüte freifinniger WaHlagttation: Die unehrliche BgitationSarbeit der Parteigänger des frei- sinnigen Kandidaten Carstens tritt drastisch zutage in einem Flugblatt, in dem die kleinen Geschäftsleute auf- gefordert werden, Herrn Carstens zu wählen, um gegen die„sozial- demokratischen Warcnvrrkaufsstellen" zu protestieren! Man denke: der Bater deS deutschen Genossenschaft»» und Konsumvereinswefens war der„Freisinnige" Schulze Delitzsch. An der Spitze der bürgerlichen GenoffenschastS- und Konsumvereinsbewegung steht der fteifinnige Abgeordnete Dr. Crüger. Der„Freisinn" wußte und weiß auch heute dem Bürgertum und den Arbeitern gegenüber der Bedrückung durch den Kapitalismus keinen anderen Rat zu geben als den, sich selbst zu htlfeu, und zwar durch Genossenschaften und Konsumvereine. An der Schaffung der rechtlichen Grundlage für die Genossen- schasts- und Konsumvereinsbewegung ist der„Freisinn" wesentlich beteiligt. Und nun kommt dieser selbe Freisinn her und will die kleinen Geschäftsleute gegen die Sozialdemokratte mobil machen unter dem Vorgeben, es handle sich dabei um ein Borgehe» gegen die„Waren- verknafsstrllen", also gegen die Genossenschaften und Konsumvereine! Der„Freisinn" ist offenbar noch viel tiefer als auf das Niveau des berüchtigten Re i ch S v e r b an d e» gesunken. Er be- schmutzt sei» eigenes Nest, versucht sein eigenes Tun und Treiben den Wählern zu verekeln, indem er es„sozialdemokrattsch" stempelt! Erst schafft er ein Recht der Selbsthülfe für dte Be- völkerung und dann verdächtigt er den Gebrauch dieses Rechtes als grmeinschädlich. Charakterlosigkeit, Gesinnungslosigkeit, Unehrlichkeit— euer Name ist„Freisinn"!-_ Die sozialdemokratische Partei ei» Berti«? Im Gasthause zmn schwarzen Bäten in Fischbach(Bayern) fand am 22. Juli v. I. eine Versammlung statt, die von dem Schlosser Friedrich S e ß l e r in Nürnberg in der«Fränkischen Tagespost" als „öffentliche Volksversammlung" einberufen war. Genosse Dr. S ü ß» heim- Siiirnberg sprach über die deutsche Reichspolittk. Am Schlüsse der Versammlung forderte der Borfitzende Seßler zum Beitritt zum sozial- demokratischen Verein Rürnberg-Altdorf und zum Abonnement auf die„Fränkische Tagespost" auf. Da der Versammlung eine Frau vom Anfang bis zum Ende beiwohnte, erhielt Genosse Seßler einen Strafbefehl, da er sich angeblich gegen Art. lö.l des bayerischen Vereinsgesetzes verfehlt habe. Seßler erhob hiergegen Einspruch und erzielte am Schöffengericht«ltdorf seine Freisprechung. weil eS sich nach den Feststellungen deS Schöffengerichts nicht um die Versammlung eines politischen BeremS handelte. Auf die Berufung des Amtsanwalts hin hob das Landgericht Nürnberg dieses Urteil auf und verurteilte Seßler zu einer Geldsttafe von 3 Mark. Die Berufungsinstanz schloß daraus. daß der Einberufer Seßler Bezirksvertrauensmann der sozialdemokrattschen Partei ist, daß der Versammlung eine Anzahl Nürnberger Genossen anwohnte, daß Rechtsanwalt Dr. Süßheim, bekannt als sozialdemokrattscher Redner, referierte, daß im Parteiorgan ein Bericht erschien(I)— daß es aus allen diesen Gründen um sich seine Versammlung der sozialdemokratischen Partei, eines politischen Vereins, ä»ndelte. Gegen dieses Urteil legte der Verteidiger Seßler», Rechtsanwalt Dr. Süßheim Rev i(ion ein. Das oberste Landesgericht hob das Urteil des Landgericht» Nürnberg auf und wies die Sache an das Landgericht Nürnberg zur noch- maligen Verhandlung zurück, da die Feststellungen nicht ausreichen für die Annahme, daß die Versammlung von und für die sozialdemokratische Partei einberufen wurde und dieser Partei die Eigenschaft eines Vereins im Sinne des bayerischen Vereins- gesetzeS zukommt._ Der geprellte Freisinn. Der„Liberalismus" findet für die Belohnung, welche er von der Regierung für die Dienste beansprucht, die er der Reaktion am 25. Januar geleistet hat, und die er ihr, wie die Stichwahl- mogeleien der freisinnigen Wahlkomitees beweisen, auch weiter bei den Stichwahlen zu leisten gedenkt, bei den konservativen Parteien recht wenig Verständnis. Tie„Kreuz-Ztg." spottet „... Der wieder sehr lebendig gewordene Liberalismus hofft darauf,„daß die Regierung bereit ist, dem kräftigen Aufschwünge der liberalen Parteien auch in ihrer Politik Rechnung zu tragen". Die „National-Zeitung" plaudert in dieser Hoffnung mit rührender Offenherzigkeit ihre Zukunftsträume aus und schreibt:„Der Mehrung des Reiches durch kolonialen Besitz muß seine innere Erstarkung durch die Ausbildung der sozialpolitischen Gesetzgebung und die Befreiung der Schule von dem Zwange der Kirche entsprechen". Vermutlich glaubt das national liberale Blatt, die„konservativ-liberale Mehrheit" des Reichs tages werde sich in dieser Beziehung unter das wohlwollende Kommando der Linken stellen." Und noch schärfer verhöhnt die„Köln. VolkSztg." in einer Korrespondenz aus Berlin die vom Freisinn begehrte Bezahlung für geleistete Wahlhülfe: „Nischt ze handeln?" Diese Worte konnte man früher auf Schritt und Tritt von den sogenannten„Anreißern" hören, wenn man über den alten Mühlendamm ging. Man wird an diese Biedermänner sofort erinnert, wenn man die Anmaßung der Liberalen sehen mutz, die ungestüm ein Riesenhonorar für die der Regierung geleistete Wahlhülfe fordern. Sie tun dabei so, als hätten sie alle übrigen Parteien in den Sand gestreckt, und verlangen zum Lohn nach Maßgabe des amerikanischen Grund- satzes:„Dem Sieger die Beute" eine Beteiligung an der Re- gierung."_ Auf den Arbeiterfang will sich jetzt der Nürnberger Freisinn begeben. Obwohl der Block von der Sozialdemokratie mit 35 000 gegen 20 000 Stimmen aus dem Felde geschlagen wurde, hat man die Hoffnung noch nicht aufgegeben, die Arbeiter zu einem großen Teile für den Ordnungs- brei ködern zu können. Der Freisinn behauptet, daß unter den 35 000 sozialistischen Wählern sich viele befinden, die nur durch den sozialdemokratischen„Terrorismus" gezwungen worden seien. noch einmal rot zu stimmen. Aus diesem Joch will sie jetzt der Freisinn erlösen. Für dieses sehr lohnende Geschäft hat er— die Hirsche als ausführende Organe ausersehen. Sie sollen unter den Arbeitern der verschiedenen Betriebe eine Agitation entfalten und für den Freisinn den Zutreiber machen. Für ihren Schlepperdienst sollen die braven Hirsche auch belohnt werden: man will ihnen in der Stadtverwaltung und in der Armenpflege eine Vertretung einräumen, d. h. zwei oder drei Angehörige dieser Organisation, die in Nürnberg im Verhältnis zu den freien Gewerkschaften eine überaus klägliche Rolle spielt, sollen sich dazu hergeben, für die Scharfmacherklique im Nürnberger Rathause als Renommierarbeiter zu dienen. Man will sie als Sturmbock gegen die übergroße Mehrheit der Nürnberger Arbeiterschaft benützen, die man auch fürderhin von der Teilnahme an der Gemeindeverwaltung auszu- schließen beabsichtigt. Es besteht jedoch begründete Aussicht, daß diese schöne Rechnung ein großes Loch bekommt, und daß die „sozialdemokratische Hochflut", vor der man sich in solcher Weise schützen möchte, bei den nächsten Gemeindewahlen die ganze Gesell schast hinwegschwemmen wird._ Vaterländische Rechtspflege. Der Weber Josef Rau in Augsburg verdiente trotz elf Stunden langer schwerer Arbeit pro Tag nur 1,50 M, pro Woche also S M.l Daß diese paar Pfennige nicht einmal zur Ernährung des abgerackerten Körpers ausreichen, wissen die Verherrlicher unseres teueren Vater- landes genau. Wenn die Sozialdemokratie ober eine Justiz als Klassenjustiz bezeichnet, die diesen armen Proletarier wegen Ent- Wendung von em paar alten Kleidungsstücken zu der hohen Strafe von 4>/z Monaten Gefängnis verurteilte, dann schreien diese ge- sättigten Patrioten: Nieder mit der Sozialdemokratie!— Stimmenfang. Die Regierung setzt ihr Bemühen, durch allerlei Versprechungen Wähler für den„nationalen" Block einzufangen, mit der bekannten Geschicklichkeit fori. Auf eine von der„Offenbacher Zeitung" an den Reichskanzler Fürsten v. Bülow gerichtete Anfrage, ob von der Regierung mit Hülfe des neuen Reichstages eine Rückwärtsrevifion der sozialpolitischen Gesetzgebung geplant sei, ist der„Offenbacher Zeitung" nachstehende Depesche zugegangen „Die deutsche Sozialpolitik wird in den seitherigen bewährten Bahnen nachdrücklich fortgeführt werden. Die Behauptung, daß die Berufsvereinsvorlage unmittelbar oder mittelbar zu einer Be schränkung der nicht rechtsfähigen Berufsvereine dienen sollte, ist unzutreffend. Insbesondere wird nicht beabstchttgt. die Mitglieder der nicht rechtsfähigen Berufsvereine irgendwie von der Berwal- tung der sozialpolitischen Einrichtungen auszuschließen. gez. Reichskanzler Fürst Bülow. Ostmarkenfouds. In der heurigen Nachmittagsfitzung der Budgetkommisfion deS preußischen Abgeordnetenhauses wurde der Dispositionsfonds der Oberprästdenten zur Förderung und Befestigung deS Deutschtum« in den Provinzen Posen, Ost- und Westpreußen, im Regierungsbezirk Oppeln und in den nördlichen Teilen der Provinz Schleswig-Holstein in Höhe von 2*� Millionen Mark gegen die Stimmen des Zentrums. der Freisinnigen und der Polen angenommen, ebenso der sogenannte O st m a r k e n f o n d S. der um 100 000 M. erhöht worden ist. Zum Ostmarkenfonds gab der Finanzminister die Er- klärung ab, daß dieser lediglich verwendet werde, um deutsche Be- amte in den gemischtsprachigen Provinzen zu erhalten und an sämt- liche mittleren Kanzlei- und Unterbeamten zur Austeilung gelange. 'ofern sie ihre„nationalen" Pflichten erfüllen. !ur 23 Beamte erhielten zurzeit diese Zulage nicht und davon wieder nur drei wegen Nichterfüllung der.nationalen" Pflichten. Die„nationale" Gesinnung ist danach in den Ostmarken für die preußischen Beamten eine recht rentable.— Milttärjustiz. Ein gewöhnlicher Soldat wurde dieser Tage wegen einer im guten Glauben gemachten falschen Anschuldigung eine» Unter- offizterS vom Kriegsgericht in Augsburg zu vier Wochen strengen Arrest verurteilt.— Nach ihm nahm ein Unteroffizier auf der Anklagebank, der Soldaten geprügelt hatte. Gegen den Unteroffizier erkannte das gleiche Gericht wegen fünf militärischer Vergehen und eines Verbrechens der Mßhandlung Untergebener auf zehn Tage mittleren Arrestl— Die nächste Berufs- und BetriebSzählnug. In der heutigen Sitzung des Bundesrats fand der mündliche Bericht des 4. und 7. Ausschusses über den Entwurf eines Gesetzes betreffend die Vornahme einer Berufs- und Betriebszählung im Jahre 1907 Zustimmung. Kuslanck. Schweiz. Der Marokkovetter. Dem schweizerischen Bundesrat ist es gelungen, einen passenden Mann für die Stelle eines Generalinspektors der marokkanischen Polizei zu finden.(Der Posten wird mit 25 000 Frank im Jahre bezahlt, und außerdem fallen noch einige Nebeneinnahmen ab.) Ei» ehrlicher Minister. Teheran,'t. Februar.(B. H.) Der Konflikt zwischen der Regierung und der Nationalversammlung ist beigelegt, nachdem die Regierung sich der Forderung der Nationalversammlung unterworfen hat. Sämtliche Mmister mit Ausnahme des belgischen Ministers Raus wohnten der gestrigen Parlamentssitzung bei. Ein voll- ständiges Einvernehmen ist jedoch noch nickt erzielt worden, da das Parlament die Forderung erhebt, daß der Großvezier die Minister der Nationalversammlung vorstellen müsse. Mehrere Minister gaben die Erklärung ab, daß sie bereit seien. die Verantwortung für ihren Posten zu übernehmen; nur der Finauzminister erklärte, er sei nur ein Buchhalter, aber keineswegs ein Finanzminister. Man glaubt, daß die Regierung auch in dieser Beziehung nachgeben wird. Die Abgeordneten sind von dem Wunsche beseelt, das Reformwerk mit großer Energie in Angriff zu ___ wip«»'. x'/ff■-■. v-»/, � ff...,--i Lerantw. Redakteur: Haus Weber, Berlin, �nieralcnttii'oecani»� rtzlGlocke, Berlin, vruck u. Verlag: Vorwärts Buchbr.u.«trlag»«,lt«ll Paul SingerLeCo., Berlin LW. Hierzu 2 Beilagen«.Unterhaltungsblatt Unter den vielen Kandidaten ist die Wahl auf den Artillerie- obersten Armin Müller, Jnstrukwr der Artillerie, gefallen; der Gc- nannte ist, wie die„Baseler Nachrichten" zu melden wissen, ein Vetter des Bundespräsidenten._ Absinth-Berbot. Am Donnerstag ist der Bundeskanzlei in Bern ein Initiativ- antrag eingereicht worden,»ach dem die Fabrikation, die Einfuhr und der Ausschank von Absinth in der ganzen Schweiz verboten werden soll. Der Antrag trägt 1K8 341 Unterschriften statt der er- forderlichen 50 000! Die Bundesversammlung muß den Antrag binnen Jahres- frist behandeln und nachher dem Volke zur Annahme oder Ver- werfung vorlegen. Frankreich. Vom Zwischenfall Clemenceau- Briand, der sich am Witt- woch in der Kammer abspielte, wird ergänzend bezw. berichtigend noch folgendes gemeldet: Als Clemenceau in seiner Erwiderung auf Jaures' Rede sagte: „Wir befinden uns in vollständiger Verwirrung und Verfahren- heit," erhob sich Briand, verließ den Sitzungssaal und erklärte in den Wandelgängen der Kammer, daß ihm nach diesen Worten des Ministerpräsidenten nichts anderes übrig bleibe, als zurückzutreten. Mehrere Mitglieder des Kabinetts bemühten sich, Briand von seinem Vorhaben abzubringen. Clemenceau. der von der Aeußerung Briands unterrichtet worden war, erklärte auf der Tribüne der Kammer, daß er niemals die leiseste Absicht gehabt habe, dem Minister Briand etwas Unangenehmes zu sagen. Der Beistand Briands sei für das unternommene Werk durchaus unerläßlich. Wenn ihm in der Hitze seiner Stcgreifrede ein Wort entschlüpft sei. das Briand verletzen konnte, so drücke er ihm öffentlich sein leb- haftestes Bedauern aus und werde dies auch privatim im Namen der ganzen republikanischen Mehrheit tun.(Lebhafter Beifall.) Clemenceau verließ hierauf den Saal und kehrte nach einigen Augenblicken mit Briand zurück. Die französischen Blätter beschäftigen sich eingehend mit dem Zwischenfall. Die meisten erblicken in ihm ein Anzeichen dafür, daß die Einigkeit des Kabinetts etwas erschüttert sei. Jaures er- klärt in der„Humanite": das Ministerium habe jedenfalls einen Riß erlitten, der vielleicht vernarben, vielleicht aber auch sich erweitern werde. Das Kabinett werde seine Aktionskraft erst dann wieder finden, wenn es seine Reformpolitik mit aller Entschieden- heit durchführe und insbesondere die Erklärung der Bischöfe mit dem endgültigen Gesetz beantworte. Amerika. Die Einführung einer progressiven Einkommensteuer wird durch einen soeben eingebrachten Gesetzentwurf für den Staat New Dork beabsichtigt. Danach sollen alle Jahreseinkommen unter 2000 M. steuerfrei bleiben, Einkommen von 2000—40 000 M. sollen 1 Proz., von 40000—200 000 M. 2 Proz.. von 200 000—400000 M. 10 Proz., von 400000—800000 M. 15 Proz., und alle Einkommen über 800000 M sollen 20 Proz. Steuer zahlen. Die Sozialdemokratie hat längst nachgewiesen, daß bei ähn- licher Staffelung alle modernen Kulturländer ohne indirette Steuern und dergleichen die Volksinteressen besser verirrten könnten, als es unter dem Regime der allgemeinen Schuldenwirtschast heutzutage der Fall ist. Die Besitzenden haben sich stets gegen die Ein- führung auch nur halbwegs gerechter Einkommensteuern mit Händen und Füßen gesträubt. Wir werden in Amerika dasselbe alle Schauspiel erleben.—_ Gewcrkfchaftlicbee. (Siehe auch 1. Beilage)'. Die Haltung der Autodrsschkenbesitzrr gegenüber dem Friedensvorschlag der Fahrer ist eine durchaus ablehnende. In ihrer Versammlung gestern abend im„Heidel- berger" kamen sie überein. die Schreiben der Fahrer überhaupt nicht zu beantworten! Sie behaupten, daß sie bereits 50 Wagen fahren lassen und bald in der Lage sein werden, auch die übrigen Wagen einzustellen. Sie erwarten eine baldige Niederlage der Fahrer._ Eingegangene DruchFchriften. Zur Trennung der Kirchen vom Staat. Von Prosessor P. Sabatier. 1,50 M.— Dte hochheilige Vorhaut Ehrifti. Von A. B. Müller. 2,50 M. Verlag: ß. A. Schwetschke u. Sohn, Berlin W. 35. Praktische Fragen des modernen Thristentums. Fünf Borträge Broschiert 1,80 M. Verlag: Quelle u. Meyer, Leipzig. Letzte JVachnchten und Depefcben, Die Stichwahl in Bremen. Bremen, 1. Februar.(W. T. B.) In der heutigen Reichstags. stichwahl wurde Hormann(Frf. Vp.) mit 29 404 Stimmen gewählt, Schmalfeldt(Soz.) erhielt 27 690 Stimmen. In der Hauptwahl erhielt unser Genosse Schmalfeldt 27 362 Stimmen, der Kandidat der Freisinnigen Vereinigung 28006 Stimmen, der Kandidat de« Bundes der Landwirte 1142 Stimmen, zersplittert 13 Stimmen, so daß in der Stichwahl noch 566 Wähler mehr ihre Stimme abgaben als am Tage der Hauptwahl. Der Termin der ReichsratSwahle«. Wien, 1. Februar.(W. T. B.) Die„Neue Freie Presse" meldet, daß für die allgemeinen Reichsratswahlen der 15. Mai al« Wahltag und für den Zusammentritt deS neuen ReichSratcs der 12. Juni festgesetzt sei. Schiffskatastrophe. London, 1. Februar. Nach einer Lloyddepesche aus Weymouth hat der heute auf der Reede von Portland eingetroffene Dampfer Bitschin", von Hamburg nach Havanna und Mexiko be- stimmt, gemeldet, daß er gestern abend um 7 Uhr 15 Seemeilen südöstlich von Beachy Head mit einem französischen Fischerfahrzeug aus Boulogne kollidiert habe, wobei das französische Fahrzeug ge- suuken und sieben Mann umgekommen seien. Ein Geretteter ist hier gelandet; der Dampfer hat seine Reise fortgesetzt. Russische Preßfreiheit. Moskau, l. Februar.(B. H.) Die beiden OpPositionSblSttrr„Wjek" und„Rowi" mußten Stadthauptmanns ihr Erscheinen einstellen. hiesigen großen auf Befehl des Nr. 28. 24. Jahrgang. . KnlM des.FmMs" Kerlim NslKsdlR Sonnabend, 2. Februar 1907. Nochmals der Hottentotten ichwindel. Statt auf unsere Ausführungen in der Donnerstagsnummer des »Vorwärts� irgendwie sachlich einzugehen, statt auf die von uns festgestellten Widersprüche und sonderbaren Lücken der Deimlingschen Darstellung über den Verlauf der Friedensverhandlungen nur mit einer Silbe einzugehen, begnügt sich das peinlich in die Enge gettiebene offiziöse Blatt damit, über angeblich»unwahre wie gehässige Angriffe des.Vorwärts" zu Heulmeiern und dann einen Brief der katholischen Mission in HeiragabieS abzudrucken. Damit glaubt die»Nordd. Allg. Ztg." ihren Hottentotten- schwinde! hinlänglich verteidigt zu haben! Dieser Msfionsbrief liefert nun aber gerade den Beweis, wie berechtigt unsere Kritik war. wie nnrrhürt der Reichstag von der Regierimg getäuscht worden ist l Wir geben hiermit den in einem etwas wunderlichen Kauder- välsch geschriebenen Brief wieder: Katholische Mission Unserer lieben Frau vom guten Rate. H e i r a g a b i e s, den 28. Dezember IVOiZ. Herr Major Sieberg. Verehrter Herr Majori Leider treffen unsere Neujahrswünsche etwa? spät ein; wir werden aber nicht zu spät sein, dieselben Gott für Ihr Wohl- ergehen darzubringen. Also, glückseliges, neues Jahr.— Hoffentlich hat sich Ihre Gesundheit unter dem Einfluß der heimatlichen Luft und besonders durch das Wiedersehen mit treuen Herzen wieder hergestellt! Ihre uns von Lüderitzbucht geschickte Karte hat uns viel Freude gemacht. Besten Dank dafür. Ohne lange Einleitung wollen wir Ihnen sagen, daß der Weihnachtsengel uns allen frohe Botschaft, d. h. die Botschaft des Friedens gebracht hat. Ja, nachdem Herr Pater M a l i n o w s k i wochenlang vergebens in den Kharecsbergen gesucht hatte, führte die göttlich« Vorsehung den Kapitän der Bondels in die Nähe von HeiragabieS und ermöglichte so die V e r- bindungen mit ihm. Schwer zu bewegen war der Kapitän, selbst nach H. zu kommen, endlich ging er doch darauf ein, er wohnt in dem kl. Häuschen, das in den Bäumen steht, wenn Herr Major sich des Platzes noch erinnert. Herr Pater Malinowski tat nun alles, um den Kapitän und die Bondels zu bewegen, vom Kriege abzu- stehen. Das Mißtrauen der Bondels war eine wahre chinesische Mauer, die zu erstürmen, die ganze Rede» und Uebcrzeugungs- kunft aufgeboten werden mußte, seitens des Herrn Paters. Vor allem mußte jede Uebereilung vermieden werden. Dann wollte der Kapitän nicht Frieden machen, ohne den Unterkapitän Josef Christian. Darin hat er dann sehr gut getan. Der hochw. Herr Pater Malinowski machte sich nun wieder auf den Weg, um Josef zu suchen, aber Josef ließ sich nicht finden. Von HeiragabieS ging's über Kalkfontein, Haib, Uhabis, RamanSdrift. Dann am Fluß entlang nach W i t t r i ch in u n d, wo er Morris und Johannes Links fand, die sich sehr erfreut zeigten über die Nachricht. Herr Pater hatte sich mit Proviant für L Tage verschen, nun gab er denselben an Johannes Links, damit er sich tbeeile, den Josef zu bringen. Da wartete er vergebens 4 Tage, nur von schwarzem Kaffee lebend, so daß der Hunger ihn zwang, nach R.'drift zurückzukehren. Unterdessen aber hatte die Kap-Polizci den Josef verhaftet, so daß derselbe nur eine mündliche Zustimmung zum Frieden schicken konnte, die schriftliche kam noch vor Frieden s'abschluß. Nur auf höhere Anweisung gönnte sich der Herr Pater einen Tag Ruhe in HeiragabieS, fuhr dann nach UkamaS, um mit Herrn Oberstleutnant v. Estorff zu unterhandeln, kam zurück und fuhr am 21. mit Kapitän und Großleuten zu den ent- scheidenden Verhandlungen. Schon am 21. kam ein Helio mit „veo Gratias", am 22. abends ein anderes„Friede gesichert" und am 23. abends kam die Friedensdeputation selbst zurück mit Herrn Hauptmann v. Hagen. Nach einem kurzen Worte des Herrn Paters ließ der Kapitän sein Leute mit Gewehr und Munition antreten und einer nach dem andern trat dann durch die vordere Türe in unser Zimmer und legte das Gewehr, 83 an der Zahl, auf unseren Tisch, an dem Sie auch einmal gespeist haben. Das war ein feierlicher unvergeßlicher Moment!— 1t) Uhr abends fuhr Herr Hauptmann v. Hagen ab und kam in den ersten Morgenstunden des Geburtstages des Herrn Oberst- leutnants nach Ukamas. Ein schönes Geburtstagsgeschenk, nicht wahr?— Der Brief läßt bis auf die letzte Woche der Verhandlungen alle Daten vermissen. Wir müssen ihn also mit der Deimlingschen Darstellung vergleichen, um die Daten hinzufügen zu können. Nach Deimling traf Kapitän Johanne« Christian, nachdem er bereits Anfang Oktober durch einen Boten um Frieden gebeten, am 24. Oktober in HeiragabieS ein, wo dann der FriedenSunterhändter Pater Malinowski die mündlichen Unterhandlungen begann. Johannes Christian erklärte nun, daß er den Frieden nur dann abschließen werde, wenn auch sein Bruder Josef Christian und Morris einwilligten. Um diese zu suchen, begab sich nun Pater Malinowski— nach Deimling am 15. November abermals auf die Reise. In Wittrichmund traf er Morris und einen anderen Führer der Bondelzwarts, Johannes Links, die sich über die Friedensunler- Handlungen„sehr erfreut zeigten". Josef Christian konnte er des- halb nicht antreffen, weil er inzwischen durch die Kappolizei verhaftet worden war! Immerhin war es dem Verhafteten möglich, dem Pater Malinowski die mündliche Zustimmung zum Frieden zu schicken; die schriftliche traf erst später, imnierhin noch vor dem formalen Friedensabschluß, ein. Nach Deimling aber war die Verbindung auch mit Josef Christians am S. Dezember her- e st e l l t I Und trotz alledem erfuhr am 13. Dezember der Reichstag nicht nur kein Wort von all den Friedensverhandlungen. sondern die Regierung ließ der Volksvertretung noch obendrein durch den Oberst O u a d e an diesem Tage erzählen, daß gerade jetzt nicht etwa nur die bisherigen 3t)t>, sondern sogar 5— üvv Hottentotten im Felde ständen! Und da wagt daS offiziöse Organ noch immer den alten Hotten- tottenschwindel aufrechtzuerhalten, die Regierung habe die deutsche Vollsvertretung am 13. Dezember nicht getäuscht! Freilich, zu einer Zeit, wo Kolouialsekretäre die tollhäuSlerischsten Aünchhausiaden erzählen, um die„Phantasie" des Philisters wohlig anzuregen, wo vom Hottentottenblock gelogen wird, daß sich die Balken biegen, kommt eS auf eine Lüge«ehr nicht an l Die rnsfische Revoltttion. Zur Wahlbeweguug. ES ist momentan äußerst schwierig, ein genaues Bild der Wahl- vewegung zu geben. Wir meldeten des öfteren, daß die Organe der Regierung sich gegenseitig überbieten, die Resultate der Vorwahlen falsch darzustellen. Erschwerend wirkt auch der komplizierte viel- stufige Wahlmodns, die Verschiedenartigkeit der Wahltcrmine sogar in den engeren Kreisen einer und derselben Provinz und endlich die begreifliche Zurückhaltung der Bauern, die Parteiangehörigkcit ihrer Kandidaten offen zu nennen. Die Vertrauensmännerwahlen in den Fabriken haben, wie zu erwarten war, die äußerste Linke zum Siege geführt: Peters- bürg, Moskau, Lodz, Wilnn, Charkow, Kiew, Kostroma, Samara, Nischni-Nowgorod, Ekaterinoslaw, Simferopol, Woroncsch, Romny, Elez— uberall siegten Sozialdemokraten und ihnen nahe- stehende Linke mit erdrückender Majorität. Ziemlich unerwartet kommen die außerordentlichen Erfolge bei den Kleingrundbeiitzern; war doch anzunehmen, daß die Senatserläuterungen eine reaktionäre, mindestens eine gemäßigte Majorität in vielen Orten zustande bringen würden. Ein a b ich li eß e n d e s Urteil über die Wahlen wäre allerdings noch verfrüht; hinzuweisen aber ist doch auf Fälle wie in Kostroma, wo die Äleingruudbesitzer ausschließlich Progrefsisten wählten, während sie im vorige n Jahre Konservative schickten. Bemerkenswert ist auch die Niederlage des Erdeputierten Jljin, eines überzeugten Monarchisten. auf den Wolostwahlcn im Gou- vernement Moskau und dergleichen mehr. Die Wahlabkoinmenftage in Petersburg. Trotzdem die Wahlen in Petersburg bereits vor der Tür stehen, ist die Frage der Wahlabkommen noch immer nicht gelöst; sie wird im Gegenteil immer verwickelter. Die K.-D. haben zwar ihren ent- schieden ablehnenden Standpunkt aufgegeben, aber sie wollen von den sechs Mandaten Petersburgs ganze vier für sich behalten und je eins der Arbeiterkurie und allen linken Parteien zusammen, das heißt der Sozialdemokratie, den Sozielrevolutionären, den Trudowiki und den Volkssozialisten abtretend ohne damit zu rechnen, daß es in der Praxis unmöglich ist, in einer Person so wider- streitende Standpunkte wie den proletarischen Klassenstandpunkt der Sozialdemokratie und den Agrarsozialismus der Sozialrevolutionäre nebst dem verschwommenen' ResormsozialiSmus der Volkssozialisten zu vereinigen. Gegen weitergehende Vorschläge, so z. B. den, der Arbeiterkurie und den beiden sozialistischen Hauptrichtungen je ein Mandat zu überlassen, sträuben sich die K.-D. aufS heftigste. Weshalb? Das verrät ganz deutlich die„Rjetsch", die nicht müde wird, zu be- haupten, die linken Parteien hätten die Auflösung der ersten Duma verschuldet und würden auch in der zweiten nicht anders als schädlich wirken. Erklärlich ist eS daher, daß die K.-D. bestrebt sind, die verhaßte Linke auf ein Minimum zu reduzieren, und daß sie nicht daran denken, wenigstens durch eine entsprechende Ver- teilung der Mandate die durch das elende Wahlgesetz und die niederträchtigen Scnatscrläuterungen bewirkte Entrechtung der Arbeiter zu kompensieren. Die„Rjetsch" erklärt offen, die K.-D. wollten die ihnen günstige Situation„voll und ganz ausnützen"! Dieser Haltung der K.-D. steht leider keine einheitliche, ge schlosscne Taktik der Sozialdemokratie gegenüber, vielmehr treten innerhalb der Petersburger Organifatton deutlich zwei entgegengesetzte Strömungen zutage, die auf der vor kurzem abgehaltenen Konferenz scharf aufeinander geprallt sind. Die Mehrheit der Konferenz, mit dem Petersburger Komitee an der Spitze, nahm eine sich der Auf- fassung der„Majorität" anschließende Resolution an, die jegliches Wahlabkommen mit den K.-D. unbedingt verwirft, ebenso auch mit den Volkssozialisten„angesichts ihrer unklaren Stellung zu den Grundfragen der Taktik außer der Duma." Nur mit den Sozial- revolutionären und den Trudowiki dürfen Wahlabkommen getroffen werden, jedoch unter der Bedingung, daß sie sich von jeglicher Ge- meinschaft mit den K.-D. und den Volkssozialisten lossagen. Die Minderheit der Konferenz aber, welche Wahlabkommen mit den K.-D. für zulässig und im gegebenen Falle sogar für rat- s a m hielt, hat den Beschluß der Konferenz als„nicht bindend" erklärt, und sie beabsichtigt nun, aus eigene Faust Verhandlungen über die Aufstellung gemeinsamer Kandidaten anzuknüpfen! Welcher der beiden Anschauungen man auch recht geben mag, jedenfalls ist diese neueste Spaltung eine im höchsten Grade be- klagenswette Erscheinung sowohl vom Standpuntte der Partei- disziplin als auch vom höheren Jnteressenstandpunkte der sozial- demokratischen Arbeiterbewegung in Petersburg überhaupt; diese Zersplitterung der Kräfte, dieser offene Kampf zweier entgegen« gesetzter Taktiken, dieser Mangel an einmütigem, geschlossenem Vor- gehen gerade in einem so bedeutungsvollen Augenblick, wie eS die jetzigeii Dnmawahlcn sind, müssen schädigend und hemmend auf die EntWickelung der Petersburger Arbeiterbewegung einwirken. Daß die Chancen der Sozialdemokratie bei den Wahlen in Petersburg durch diesen offenen Zwist ungünstig beeinflußt werden, ist ohne weiteres klar; aber auch daS gesamte Wahlergebnis kann durch die Zersplitterung der progressiven Stimmen auf zwei konkurrierende Listen Schaden erleiden, da die Reaktion in Petersburg— dank den Senats-. Erläuterungen" und anderen Wahlkuuststücken— diesmal in einer ganzen Anzahl von Bezirken mehr Aussichten hat, als dies bei den ersten Wahlen der Fall war. Die Hungersnot. Im russischen Ministerium deS Innern laufen von den Gouver- neuren derjenigen Distrikte, wo Hungersnot herrscht, zahlreiche nn- günstige Meldungen ein, wobei fast übereinstimmend konstatiert wird. daß die Sterblichkeit unter den Bauern in erschreckender Weise zunimmt.— Begnadigt. Petersburg, 1. Februar.(W. T. B.) Der Kaiser hat den früheren Militärgouverneur des Transbaikalgebiets, Generalleutnant Cholschtschewnikow. der vom Militärgericht in Tschita wegen seiner Beziehungen zu den Revolutionären während deS Generalstreiks im Jahre 1S0Z zu Festungshaft verurteilt war, begnadigt.— Die Leichen noch nicht geborgen. Reden, 1. Februar, mittags. Laut Mitteilung der Berg- inspektion sind die Leichen der neun noch Verschütteten bisher nicht geborgen. Von den neun im Neunkirchener Lazarett befindlichen Verletzten sind fünf entlassen worden, die anderen sind außer Gefahr. � � Hlllfsaktionen. Berlin. 1. Februar. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte für die Opfer von Reden 10000 Mark. Die kronprinzliche Familie spendete eintausend Mark. Breslau, 31. Januar. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte 5000 Mark für die Hinterbliebenen der durch die Kata- strophe auf der Grube Reden Betroffenen. Dresden, 31. Januar. Für die Hinterbliebenen der Ver- unglückten der Grube Reden im Saargebict bewilligte daS Stadt- verordneten-Kolleaium in seiner heutigen Sitzung 3000 Marl. Der Rat hatte nur 2000 Mark beantragt. Hus der partei* Di« schwedische sozialdemokratische Presse Finnland». Die Organisation der schwedisch sprechenden Arbeiter Finnland» begann sich erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts zu entwickeln. Ebenso ihre Presse. Man hatte mit außerordentlich großen Schwierig- leiten zu kämpfen. Das einzige sozialdemokratische Organ in schwe- bischer Sprache,„Arbetaren" in HelsingforS, brachte es bis zu An- fang des Jahres 190b auf kaum mehr als 600 Abonnenten. Dami kam der große Aufschwung. Ende des JahreS 1906 war die Abon- nentenzahl auf über 2SOO grstiegen. Seit Neujahr erscheint„Arbe- taren" statt cimnal dreimal wöchentlich. Gleichzeitig wurde eine sozialdemokratische Monatsschrift gegründet, die unter dem Titel „Fotttribunen" ebenfalls in HelsingforS erscheint. In beiden Or- ganen wird großer Wert auf die prinzipielle Aufklärung gelegt. Die Monatsschrift hat unter anderem mit der Wiedergabe der Artikel Kautskyd über die Triebkräfte und Aussichten der russischen Revo- lution aus der„Neuen Zeit" begonnen, während„Arbetaren" eine Artikelserie deS dänischen Genossen Dr. Gustav Bang,»Der MarxiS- muS" betitelt, abdruckt, die übrigens schon in vielen sozialdemo- kratischen Blättem Skandinaviens erschienen ist. Soziales. Zur Beschäftigung von Lehrlingen in Fabriken. I Als der Gelverberat Knoll während der Mittagspause die Zink- aießerei von Kummer kontrollierte, fand er dort den Ibjährigen Lehrling N. am Schmelzkessel beschäftigt. Kummer selber war nicht anwesend. Gegen ihn wurde ein Strafverfahren wegen Uebertretung folgender Bestiinnrung des§ 136 der Gewerbeordnung eingeleitet: „Während der Pausen darf den jugendlichen Arbeitern eine Beschäftigung in dem Fabrikbetriebe überhaupt nicht und der Aufenthalt in den Arbeitsräumen nur dann gestattet werden, wenn in demjenigen Teil des Betriebes, in welchem jugend- liche Arbeiter beschäftigt sind, für die Zeit der Pausen völlig ein- gestellt werden oder ivenn der Aufenthalt im Freien nicht tunlich und andere geeignete Aufenthaltsräume ohne unverhältnismäßige Schwierigkeiten nicht beschafft werden können." Das Landgericht BerlinI sprach de n An geklagten frei und führte aus: ES sei al» festgestellt anzusehen, daß Angeklagter, der zur fraglichen Zeit auf dem BormundschaftSgericht zu tun hatte, dem Lehrling vorher verboten habe, sich während der Pause im Fabriksrauin aufzuhalten. Wenn der Lehrling. es dennoch tat und sich sogar beschäftigte, so habe sich Angeklagter nicht strafbar gemacht. Wenn er auch wegen der geringen Größe deS Betriebes keinen Werkmeister habe, fo hätte er doch keinen besonderen Vertreter für die Zeit seiner Abwesenheit bestellen und mit der Sorge für die Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen be- trauen brauchen. Er hätte erwarten können, daß seinem ernstlichen Willen entsprochen werde, wenn er auf kurze Zeit den Rücken wende. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hob das Kammergericht das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Die Begründung ging dahin: Das Landgericht habe die Pflichten verkannt, welche den Gewerbe- treibenden bezüglich der Arbeiterschutzbestimmungen obliegen. Konnte Angeklagter eme Zeitlang den Betrieb nicht überwachen und hatte er keine andere Aussichtsperson(Werkmeister) dort, so hätte er eben für jene Zeit einen besonderen Aufseher bestellen müssen, der darüber wachte, daß der Lehrling sich nicht während der Pause im Betriebe beschäftigte._ Bevölkerungszuwachs in europäischen Staaten. Einem Berichte deS französtichen Arbeitsministerium» zufolge vermehrte sich die Bevölkerung in den wichtigsten europäischen Staaten während der letzten 35 Jahre in folgendem Maßstabe: Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle auf je 10 000 Einwohner. Oester- Eng- Nieder- reich 67 82 79 Schlagwetter. In der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses, die gestern den Etat der Berg-, Hütten- und Saline»Verwaltung beriet. gab der Minister eingehende Auskunft über das Grubenunglück im Suarrevier und die Ergebnisse der bisherigen Untersuchung. ES werde kaum möglich sein, die Ursachen deS Unglücks vollständig klarzulegen. In tat- sächlicher Beziehung sei nur festgestellt, daß einer der Wetter- männer, der drei Stunden vor der Schicht einfahren sollte, eine Stunde später eingefahren sei und die Meldung erstattet habe, daß alles in Ordnung sei. Es sei nicht aus- geschloffen, daß eine ungenügende Untersuchung und eine Falschmeldung in diesem Falle erfolgt sei. WaS die Bildung des Schlagwetters anlange, so seien die Wetterschachte vollständig in Ordnung gewesen. Es werde aber angenommen, daß sich in höher gelegenen, noch nicht erschloffenen Teilen Schlagwetter gebildet haben, die durch eigenen Druck in die Flötze hineingettieben find. Zur Linderung der Not habe der Kaiser aus seinem Dispositionsfonds den Bettag von 20 000 M. angewiesen, der für die erste Zeit vollständig den Bedürfnissen genüge. Die Festsetzung der Renten werde mit möglichster Beschleunigung bewirkt werden. Der Minister teilte schließlich noch mit, daß unter anderem auch von französischer Seite in Erwiderung der bei dem Bergunglück in CournöreS geleisteten Dienste Mittel zur Linderung der Not zur Verfügung gestellt worden sind. Die Darstellung des Minister» bestätigt zum Teil schon unsere gestrige Darstellung. Es scheint so, als ob der ganze Betrieb von der ZuVerläßlichkeit eines einzelnen Wettermannes abhängig war. Ist das ein Musterbetrieb? Die Angelegenheit wird jedenfalls noch Veranlassung zu Erörterungen im Reichstag geben. Perioden 1871—1875 1876-1880 1881—1385 1886— 1890 1891—1895 1896—1900 1901—1905 Demnach Deutsch' land 107 131 113 121 130 147 148 wird Frankreich 5 29 25 11 1 3 19 95 116 125 land 134 145 141 126 117 116 122 Deutschland in bezug lande 106 135 134 131 133 150 155 auf Schwe- den 124 120 119 124 108 108 108 Nor- wegen 127 151 140 138 135 146 144 die Bevölkerung?- und von Nor- zunähme mir noch von den Niederlanden übertroffen wegen beinahe erreicht. Weit hinter allen Ländern zurück steht Frankreich. Bereits im Durchschnitt der Jahre 1841—1870 betrug die Bevölkerungszunahme in Frankreich nur 31 auf je 10 000 Ein- wohner, während sie in Deutschland in diesem Zeitraum sich bereits auf 95 belief._ WaS Militärmusiker verdienen. Ueberaus bezeichnende Einblicke in die die Einnahmen der ZivilberufSmusiker schwer schädigende Militärmusikcrlonkurrenz gewährte eine StrafgcrichtSverhandlung, die sich am Mittwoch vor der vierten Strafkammer deS hiesigen Landgerichts II abspielte. Angeklagt war der frühere Hoboist der Kapelle des Kaiser Franz-Garde-Grenadier-RegimentS Adolf Küchlet. Der 86 jährige Angeklagte sollte durch eine an den Oberst von O u a st gerichtete Beschwerde den Stabs- hoboisten Adolf Beck er wissentlich falsch beschuldigt Soven. Angeklagter trat 1893 beim 11. Infanterie- legiment ein, kam im Februar 1895 zum Kaiser Frauz-Garde- Grenadier-Reaiment und wurde im Jahre 1902 zum Chorführer er- nannt. Als solcher war er stellvertretender Dirigent. Der Stabs- hobist Becker fungierte als Regimentskapellmeister. Am 31. August 1906 schied der Angeklagte aus dem Militärstande aus und ist jetzt Militäranwärter. Vor seinem Austritt sprach er wiederholt den Wunsch aus, man möge ihm Einsicht in das sogenannte Spielbuch gestatten, da er noch Ansprüche an den Kapellmeister aus früheren Konzerten zu haben glaubte, in denen er diesen vertreten hatte. Dies wurde ihm jedoch verweigert. Der Angeklagte wendete sich nun beschwerdeführend an den Regimentskommandeur. In der Beschwerde machte er von verschiedenen Unregelmäßigkeiten Mitteilung, die sich Becker habe zuschulden kommen lassen. Für die Milttärmusiker besteht ein besonderer Miadesttarif, nach welchem der Dirigent unter einem Spielhonorar von 25 M. für sich selbst und pro Mann 4 Marl nicht spielen darf. Eine weitere Vorschrift schreibt vor, daß gewisse Prozente von diesem Spielhonorar für Benutzung der Instrumente und Noten an die Regimentskasse abgeführt iverdcn müssen. In jenem Briefe behauptete der Angeklagte, der Kapellmeister habe in inehreren Fällen, wie zum Beispiel in der Happoldtschen Brauerei, bei Schramm in Wilmersdorf und bei Kroll weit geringere Beträge angegeben und den Rest, ohne diesen zugunsten' der' Regimentskasse zu pro- zentuieren, f ii r sich behalten. In d i e s e r B e h a u p t u n g erblickte die Anklagebehvrde eine wissentlich falsche Anschuldig llng. Angeklagter trat in der Verhandlung den Beweis der Wahrheit für seine Behauptungen an, wiewohl an sich der Anklagebehörde die Beweispflicht für die Behauptungen der Anklage obliegt. In der Verhandlung wurde der Nachweis geführt, daß der Stabs- h o b o i st von der Happoldtschen Brauerei für die Sommerkonzerte ein Spielhouorar von 40 M. erhalten, aber nur de» Mindestsatz von 25 M. prozcntwcise verteilt hatte. Die restierendeu 16 Mark wurden ihn, von der Brauerei stets ins Haus ge- schickt, ohne daß die vorgeschriebenen Prozente abgezogen wurden. Der Stabs hoboi st Becker erklärte vor Gericht als Zeuge, daß diese überschießende Summe nur ein„ExtraHonorar" gewesen sei, welches ihm von den Konzertuntcrnehmern für besondere tkeistungen betoilligt worden sei. Er habe dies erst für sich behalten, nachdem ihm von dem Hauptmann v. Arnim auf seine Anfrage er- klärt worden sei, er könne dieses Extrahonorar ohne die vor- geschriebenen Abzüge behalten. Das Generalkommando befaßte sich jedoch bald darauf mit dieser Angelegenheit näher und gab Befehl, daß auch ein Extrahonorar zugunsten der Regimentskasse prozentweise verteilt werden müsse. Der Angeklagte fühlte sich außerdem noch dadurch beschwert, daß er häufig nach dem Konzert die Ball- musik dirigieren mußte, ohne den vorgeschriebenen Anteil an dem Dirigentenhonorar zu erhalten. Auf seine Beschwerde habe ihm der Kapellmeister geantwortet, er müsse dies schon, wie seine Vorgänger, als persona Arntissima tun, was so viel heißen solle wie, er müsse dieses Amt gratis ausüben und auf den ihm zustehenden Anteil verzichten.— Dir Beweisaufnahme ergab außerdem, daß der Kapell- meistcr Becker ein monatliches Einkommen von weit über 1000 M. hatte. Der Staatsanwalt ließ die Anklage fallen, da der W a h r h e i t S« beweis als gelungen angesehen werden müsse, nur habe der Angeklagte nicht sehr einwandsfrei gehandelt, wenn er in dieser Weise Mißstände aufzudecken gedachte. Das Gericht er- kannte, da nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme eine wissentlich falsche Anschuldigung mcht vorliegt, auf Freisprechung des Angeklagten. Wäre der in der Verhandlung klargelegte Tatbestand zuvor er- miitelt worden— und das war wohl nicht unniöglich—, so wäre der außerordentlich interessante Einblick in die Werkstätte der militärischen Musikerkonkurrenz leider der Oeffentlichkcit vorenthalten worden. Vergeblich petitionieren seit Jahrzehnten die sozial schwer bedrückten Zivilberiifsmnsiker um ein Verbot der Veranstaltung ent- geltlicher Viilitärmusikkonzerte._ Kanu die Aeußerung des Ehefs:„Sehen Sie sich nach einer anderen Stellung um!" vom Angestellten als sofortige Entlassung angesehen werden? Mit der Entscheidung dieser Streitfrage hatte sich am Mittwoch die zweite Kammer des Kaufmannsgerichtes zu befassen. Der Verkäufer Siegbert Sch. wurde von dem Produktenhändler Heinrich Krause mit vierwöchentlicher Kündigung engagiert. Am 1. Noveniber trat Sch. die Stellung an, und am 22. desselben MonatS sagte der Prinzipal zu ihm:„Wir passen doch nicht zu- sammen, sehen Sie sich nach einer anderen Stellung u m I" An» nächsten Tage erkrankte der Kläger Sch. Am 26. November ging seine Ehefrau zu dem Beklagten, um das Fern- bleiben ihres Mannes vom Geschäfte zu entschuldigen. Der Chef er- widerte darauf der Frau:„Sagen Sie Ihrem Mann, wenn er nicht kommen kann, so kann ich ihn überhaupt nicht gebrauchen." Als der Kläger eine Woche später, nach seiner Genesung, wieder ins Geschäft gehen wollte, wurde er barsch hinausgewiesen. In der gestrigen Verband- lung behauptete der Beklagte, der Kläger sei von ihm gar nicht sofort entlassen worden. Es habe ihm ganz fern gelegen, mit der Auf- forderung, sich um Stellung umzusehen, die sofortige Ent- lassung auszusprechen. An die Krankheit des Klägers glaube er im übrigen nicht, da sein Hausarzt den Sch. it i ü> t im Bett, sondern nur auf der Chaiselongue angetroffen habe. Der Kläger sei mithin von allein und ohne Grund fortgeblieben. Das Kaufmannsgericht verurteilte den Beklagten zur Zahlung von 211 M. und indem es auf Grund der Aeußerung des Beklagten zur Ehefrau des Klägers im Zusammenhange mit der vorher zum Kläger selbst gemachten Aufforderung:„Sehen Sie sich um eine andere Stelle um!" annahm, daß es der Wille des Beklagten war. das Dienstverhältnis sofort aufzulösen. Klus Induftrie und Ftandd* Montantrust Phönix-Nordstern. Durch die bereits gemeldete Kombination Phönix-Nordstern wird ein gemischtes Unternehmen geschaffen, das seine Vorläufer ziemlich weit überflügelt. Wenigstens soweit die ausschlaggebenden Halb- zeug- und Walzartikel in Betracht kommen. Der Trust Gelscniirchen- Schalke-Rote Erde verfügt über eine größere Kohlenproduktion, die Vereinigung Phönix-Hörde-Nordstern ist aber das größte geschlossene Unternehmen, das in der Produktion von Rohmaterial und Halbzeug in bisher weitgehendstem Maße sich selbst aus den eigenen Betrieben genügt. Bisher hatte Krupp die größte Beteiligung in den Pro« duften A und Thyssen stand an erster Stelle mit den Produkten B. Nunmehr ergibt sich folgende Konstellation: Beteiligung beim Kohlenshndikat Stahlverband Kohlen Koks Briketts Produkte in Tonnen A. B. Phönix- Hörde- Nordstern.. 3190 000 642«40 71 820 626 929 660 107 Krupp.... 700000—— 414822 416188 Thyssen.... 1860000 4 300 12000 360997 629411 Mit der neuen Kombinatton wird die Konzentrationsbewegung nicht abgeschlossen sein. Jedenfalls dürfte eine Bereinigung zwischen Bochumer Verein, Westfälische Stahlwerke in Bochum und Rheinische Stahlwerke in Ruhrort, wozu noch eins der großen reinen Zechen- unternehmen treten wird, bald folgen. Schiffahrtssubfidie» und ihre Folgen. Der soeben erschienene Jahresbericht von Lloyds Register ent- hält über die Entwickelung der bis vor kurzem subventionierten französischen Handelsflotte interessante Angaben, aus denen hervor» geht, daß eine mit Substdien arbeitende Schiffahrtspolitti die Handelsschiffahrt eines Landes wohl künstlich großzüchten kann, daß sie ihr aber niemals die für eine gesunde Weiterentwickelung nötigen dauernden Grundlagen zu geben vermag. Der Bericht stellt fest, daß in Frankreich im letzten Jahre der Gesamtraumgehalt der vom Stapel gelassenen Schiffe 36 000 Registertonnen betragen hat. Den Ergebnissen des Jahres 1906 gegenüber macht sich ein Rückgang um 38 000 Registertonnen geltend. Die letztjährige Bautonnage der französischen Werften ist die geringste seil 1896. Unter dem Einfluß der Schifsahrtssubsidien hat Frankreich in den drei Jahren von 1809 bis 1902 fast 200 große Segelschiffe mit je einem Durchschnitts- raumgehalt von 2000 Tonnen zu Wasser gebracht. Seitdem die SchiffahrtSsubsidien aufhörten, ist auf den französischen Schiffbau- Plätzen kein einziges größeres Segelschiff mehr vom Stapel gelaufen. Ausschaltung des Zwischenhandels. Ein Brüsseler Blatt meldet, dasi der Platz Antwerpen eine Lieferung von Mindens 500000 Sack Kaffee, die bis zu einer Million Sack erhöht werden kann, in Kommission erhalten werde. Der Kaffee dürfe nur an die an dem Platze selbst ansässigen Geschäftshäuser, nicht aber an Detailgeschäfte verkauft werden, auch dürfe der Verkauf nicht vor dem nächsten Dezember erfolgen. Das neue System werde die Ausschaltung des ganzen Zwischenhandels zur Folge haben. Der Platz Antwerpen und die andere belgische Geschäftswelt sei mit 48 Millionen an dem betteffenden Syndikat beteiligt. Der Deputtcrte Lorand werde morgen den Finanzminister interpellieren wegen der von einer Bank dem Konsortium gewährten Vorschüsse, da er in dem Konsortium einen Trust zum Zwecke wucherischen Aufkaufs erblicke. Getverkfcbaftlickey. Berlin und Qmgegend. Der Kampf in der Holzindustrie. Eine am Donnerstag abgehaltene Branchenversammlung der im Holzarbeiterverbande organisierten Stellmacher beschäftigte sich mit der Aussperrung in der Holzindustrie. Die Stellmacher selbst sind größtenteils nicht von der Aussperrung betroffen, da ja die Wagen- fabrikanten es abgelehnt haben, in diesem Falle den holzindustriellen Scharfmachern Folge zu leisten.— Nachdem die Versammlung den Bericht über die Aussperrung entgegengenommen hatte, nahm sie einstimmig eine Resolutton an. Dieselbe erklärt den ausgesperrten Holzarbeitern die größte Sympathie, bezeichnet die Aussperrung als eine Maßnahme der Unternehmer, die nicht zu rechtfertigen ist und erklärt ferner, daß die Stellmacher treu und fest zum Holz- arbeiterverbande halten, um auch den Unternehmern ihres Berufes ein deutliches Zeichen von der Macht der Organisation zu geben. » Nach den gestrigen Meldungen beim Holzarbeiterverband, die sich auf die Entlassungen am Mittwoch und Donnerstag erstrecken, hat sich die Zahl der Ausgesperrten um 160 vermehrt. Der größte Teil davon entfällt auf 21 Betriebe von Treppengeländerfabrikanten, die bekanntlich erst jetzt mit der Aussperrung begonnen haben, weil sie bisher an den bestandenen Vertrag gebunden waren. »* « Wenn man den öffentlichen Kundgebungen Glauben schenken wollte, welche die Unternehmer in ihrer Presse und in ihren Ver- sanimlungen von sich geben, dann müßte man annehmen, daß die bisherige Beteiligung an der Aussperrung eine im Sinne der Unter- nehmer geradezu glänzende ist. Wir haben jedoch, ebenso wie die Leitung des Holzarbeiterverbandes, schon an vielen Beispielen nach- weisen können, daß eS mit der Einheillichkeit des Vorgehens der Unternehmer und der Befolgung ihrer Beschlüsse häufig recht bedenklich aussieht. Jetzt ist es kein Geringerer als Herr Obermeister Rahardt selbst, der unsere Anga b en und unsere Auffassung bestätigt. Unter dem Datum des 30. Januar hat Herr Rahardt ein ver- trauliches Zirkular an eine Anzahl von Tischlermeistern versandt, welches für die Kennzeichnung der Situation sehr wertvoll ist. Zu« nächst schneidet Herr Rahardt ein wenig auf. Er sagt, mehr als 10 000 Arbeiter seien bis zum gegenwärtigen Augenblick— also bis zum 30. Januar— ausgesperrt.vellealltance, Durchgang auch l I«, Aufgang 4. � Ltndenftr. 1«1). wochentäglich Don?-/, Dt« t»>/, Uhr abends" statt,««öffnet? Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um« Uhr. Jeder Anfrage tft«in Buchstabe und-ine Zahl als Merkzeichen beiznstigen. Brieslfche Antwort lzZillae Nkraaeu traac man ut der Sbrcchstund« l bor. wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man' in der Sprcchstun! H. N. Pommerenzdorf. 1. Ja. 2. Der Wechsel in den Abteilungen ist nicht erforderlich.— C.». Seit dem Ablaus deS 31. Dezember ver« gangcnen Jahres ist die Forderung verjährt.— Buchstratze 3. O.«. Sie könnten auf Beseitigung der Mißstände und aus Schadenersatz llagen. Ein weiteres Recht steht Ihnen nicht zu.— B. 70. Wenden Sie sich an Ihren Anwalt oder erscheinen Sie selbst zum Termin und beantragen Sie sofortige Verhandlung. Eine Beschwerde ivärc nutzlos.— S. G. 44. Eme bestimmte Summe, die Söhne beizusteuern haben, ist im Gesetz nicht aus- geworsen. Ob und wieviel beizutragen ist, richtet sich nach den einzelnen Verhältnissen. Das Gesuch um Almosen ist an den Armenkommission-. Vorsteher des Bezirks mündlich zu richten.— Ella. Nein.— H. S. 147. 1. Nein. 2. Machen Sie den Versuch. 3. Ja. 4. Die Aussicht ersSemt gering. Rixdorf 100 A. G. Die Äerschretbuna wäre nutzlos, well sie ansechb bar und ungültig ist. Ob Sie mit Erfolg Einwendung erheben können, ist ohne Einsicht in die Klage und ohne mündliche Rücksprache unmöglich. Die juristische Sprechstunde steht den Abonnenten srci.—- W. 3B. 35. 1. Adreßkalender. 2. Wenden Sie sich an das Patentamt, dort wird Ihnen auch mündlich Auskunst erteilt.- H. H. N. 100. Wahrscheinlich wird der Radfahrer zu dem Schadenersatz verurteilt werden.— M. 16. I. Ja. 2. Der Sold ist nicht psändbar. 3. Ja. Psändcn Sie bei dem Betreffenden.— 11 K. Die Sachen hasten sür die Mietsschulden. Vertrage. wie Sie sie beabsichtigen, sind nutzlos, weil sie ungültig sind.— W. Sch. 73. Nein: wenden Sie sich an Ihre Gewcrkschast.— A. B. 30. Dienst- mädchen sind nicht krankenversicherungspslichiig. Die Herrschast hat aber 6 Wochen lang sür Kur- und Verpflegung zu(sorgen.—- Un- wissend 170. 1. Etwa 20 Mark monatlich. 2. Nein. 3. Ja. — K. L. 30. 1. Ja. aber der Portier mutz daS Versprechen beweisen. 2. Nein. 3. Beides ist möglich. 4. Der Hauswirt. S. Das Amtsgericht in Frankfurt a. M. und daS Amtsgericht Berlin. N- D. Z. S. 1. Das Gehalt abzüglich des Krankengeldes, ist zu zahlen. wenn das Gericht annimmt, daß die Krankheit eine nur verhältnismäßig unerhebliche Zeit gedauert habe.(§ 616 B.®. B.) 2. Das Gewerbe- gericht ist zuständig.— Eamberg 72. Der Reichstag kann beliebig ost aufgelöst werden.— M. H. 85. Als angemessen werden etwa insgesamt 30 Marl monatlich vom Gericht erachtet werden. Sie haben einen Anspruch aus Rückgabe nur soweit, als die zurück- verlangten Geschenke zur Zeit der Rückforderung im Besitz der betreffenden noch sind.— K. 47. 1. Der Name wird aus Antrag geändert. 2. 50 M. — Anna 63. Leider steht der Herrschast dies AbzugSrccht zu.— E. W. 9. Stadtverordneter Hintze, Pankstr. 3tb.— H. F. Köpenick. Da nach Ihrer Schilderung eine Fahrlässigkett des Wirtes nicht vorliegt, so trifft ihn auch keine Ersatzpflicht.— S. S. 102. 10 bis 7.— E. R. 30. 1. Ja. 2. Eine Einigung über Alimente bedarf der Zustimmung des Vor- mundeS und der Genehmigung deS VormundschastSgcrichtes. 3. Die Aus- ficht ist vorhanden aber gering.— R. G. 13. Die Anmeldepflicht liegt vor.— G. C. W. 14. Sie können bei Gericht Festsetzung der Kosten bcanttagen, den dann ergehenden Beschluß mit einer Vollstrcckiings- llausel versehen lassen und dann Psändung vornehmen.— W. 1000. Ja. Berliner Marktpreise. AuS dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Dtrektton.(Großhandel.) Rindfleisch la 69—74 pr. 100 Pfd., IIa 63- 68. ITTa 67—62, IVa 49—55, dän. Bullen 60—65, Holl. 0,00. Kalbfleilch, Doppelländer 110-125, la 82-90, IIa 72-80, Ma 54-68, Holl. 0,00, dän. 60—68. Hammelfleisch la 66—74, IIa„50—64. Schweinefleisch 54—62. Rehwild, Plomb. per Psd. 0,70, la 0,00, Rotwild la 0,40-0.50, IIa 0,30-0,35, do. Kälber 0,30-0,45. Damwlld 0,40—0,55, do. Kälber 0,40—0,75. Wildschweine 0,30—0,50. Frischlinge 0,40-0,70. Hasen per Stück 2.60-3.10. do. klein und IIa 0,00. Kallinchen per Stück 0,80-1,10. Wildenten per Stück 0,00. Hühner, alte per Stück 1,60— 4,25, do. IIa 0,00, do. junge per Stück 0,00. Tauben per Stück 0,65, junge lleine 0,00, italienische 1,00. Enten per Stück 1,60—2.90. Hamburger junge per Stück 3,50 bis 3,75. Gänse. Odcrbr., per Psd. 0.50-0,60. vo. Hamburger pr. Psd. 0,90 bis 1,05, Eis- 0,50—0,62. Hechte per 100 Pjd. 83—93, groß 0,00. Zander. groß 0,00, matt 0,00. Schleie, groß 0,00, uns ort. 91. Bleie 30—40. Aale, groß 0,00, mittel 0,00, klein und mittel 92-90. Plötzen, klein 47—49, groß, matt 0,00. Karpsen. 30— 35er 0,00, do. 100er 53—56. Bunte Fische 51. Boise, malt 55-69, do. 80-84. Karauschen 0,00. Weis 53—54. Quappen 0,00. Bleisische 13—19. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Psd. 110-130, do. IIa neuer 90—100, do. lila peuer 75. Seelachs 20. Sprotten, Kieler, Wall 0,75—1,25, Danziger, Wall 0,50-0,60. Jliindern, Kieler, Stiege la 3-4, do. mittel ver Kiste 2-3, Hamb. Stieg« 4—5, halbe Kiste 1,50—2. Bücklinge, per Wall Kieler 3,50—5,00, Strallimder 6,00. Slale, groß per Psd. 1,10—1,30. mittelgroß 0,80—1,00, klein 0,50—0.60. Heringe per Schock 4—5. Schellfische Kiste 3— 4,00, do. >/, Kiste 2,00. Kabliau. p. 100 Psd. 20. Heilbutt 0,00. Sardellen. 1902« per Anker 93, 1904er 93, 1905« 90, 1906« 73—75. schottische Bollherwge 1905 0,00, large 40-44, füll. 36-38, med. 35—42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS. per'I, To. 60—120. Sardinen, ruff., Faß t,50— 1,60. Bratheringe. Büchse(4 Liter) 1,60-1,75. Neunaugen. Schocksaß 11, kleine 5-6, Riesen- 14. Eier, Land-, per Schock 4,75—5,80. Butler per 100 Psd. la 114— 120, IIa 110-115. lila 108-112, abjallende 90-100. Saure Gurken Schock 3,50— 4,00, Pseffergurken 3,50— 4,00. Kartoffeln per 100 Psd. 0,00, magnum bonum 2,10—2,25, Dabersche 2,10—2,25, Rosen 0,00, weiße 1,75-2,00, Salatkartoffeln 5,00-6,00. Spinat per 100 Pfund 15-20. Karotten per 100 Psund 10-12. Sellerie, hiesige, per Schock 2.00-5,00. do. pommerschc 5.00-6,00. Zwiebeln große, per 100 Psd. 2,50-4,00. do. lleine 2,25—3,00. do. hiesige(Perl.) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 2,00. Kohlrabi per Schock 0,00. Rettig, bahr., per Schock 2,40-4.80. Mohrrüben per 100 Psund 3,00—3.50. Teltower Rüben per 100 Psd. 7—10. Weiße Rüben, große 2—2,50.«eine 6-8. Rote Rüben 2,00—2.50. Blumenkohl ital. p. Kops 0,00. Kohlrüben per Schock 2-2,50. Wirsingkohl ver Schock 3,00-6,00. Rotkohl per Schock 3,00—8,00. Weißkohl 100 Psd. 2,00—3,00. Rosenkohl p. 100 Pfd. 20—25. Grünkohl per 100 Psd. 21-5. Schnittlauch 12 Töpfe 2—4,50, Birnen, per 100 Psd. hiesige 0,00, böhm. 8—20, ital. 35—38. Aepsel, per 100 Pfd., hiesige 6—24, Gravenfteiner 0,00. Tiroler in Fäffern 0,00, Kiste 32-60, Amen! 11—30. Zittonen, Meffina, 300 Stück 7,00-10,00, 360 Stuck 7,00-9,00, 200 Stück 9-13. Slpselsincn, Jaffa, per Kiste 0,00, Murcia 200er Kiste 7—10, do. 300er 8—11, Valencia 420« Kiste 12-18,00, do. 714« 17-22, Mefsina, Blut- 100« 7—11, do. 150 er 7,50-12, do. 80« 9,50-11. Mandarinen, Kiste 0,65-1.40, do. w Körben per 100 Psd. 17-24._ Witternngdüderficht vom 1. Februar 1007, morgens 8 Uhr. 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Februar, vorm. 10 Uhr: Morgensprache filt Reinickendorf und Umgegend im Saale von Muster, Berlinerftr. 29. 111/20 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Partei- Speditionen: Zentrum I: Friz 8inte, Mauerstr. 89. Zentrum II: Albert§ a b'n if. Auguftifte. 50, Eingang Joachimstraße. 2. Wahlkreis, üben und Südwesten: Hermann 28 erner, Mittenwalderftr. 30. 2. Wahlkreis, est en: Gustav Schmidt, Bülowftr. 52, Hof. 3. Wahlkreis: St. Frit, Prinzenstr. 31, Hof rechts part. 4. Wahlkreis, Diten: Robert engels, Rüdersdorferstr. 3, am Küftrinerplaz. Wilhelm Mann, Petersburgerplay 4( Baden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Laufiperplaz 14/15 ( Laden). 5. Wahlkreis: Leo 8ut, Reibelstr. 42( Laden). Montag, den 4. Februar, abends 8%, Uhr, im Märkischen Sof", 6. Wahlkreis( Moabit und Hansaviertel): Karl Anders, Admiralstraße 180: Versammlung Salzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding: Start Weiße, Wiesenstraße 41/42. 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Die Kläger befinden sich ja in einer ziemlich sicherem Position, denn es ist natürlich leicht, durch einen Berliner AnwaA bei einem Berliner Gericht Klage gegen den»Vorwärts" zu ex- heben. Nicht so einfach ist die Erbringung des Wahrheitsbewei.ses für Vorgänge, die sich zur Zeit wilden Kampfgewühls in Rußland abgespielt haben. Begreiflicherweise ist die Berufung auf A>->gen- zeugen jener Schrcckentaten livländischer Junker nicht in allen Fällen unbedenklich. Muß man doch damit rechnen, daß sich Leute durch Bekundung der Wahrheit den russischen Henkersknechten ausliefern könnten. Gelingt es aber nicht, die Wahrheit der behauptetem Tat- fachen bis in die kleinsten Einzelheiten zu beweisen, so ist«ine Per- urteilu.ig des Angeklagten wegen Beleidigung nicht vöKig ausgeschlossen und der klagende Junker kann sich dann auf eiu Gerichtsurteil berufen, welches ihn anscheinend rechtfertigt, mög�n auch die über ihn behaupteten Tatsachen an sich durchaus wahr. sein. Die Leser werden sich erinnern, daß unser verantwortlicher Redakteur, Genosse Weber, bereits zweimal vor Gericht stand, weil ihn ein livländischer Baron v. Sivers verklagt hat, und daß diese Klage, deren Verhandlung vertagt worden ißc. noch schwebt. Gestern sollte wieder ein Prozeß ähnlicher Art ge�en Weber ver. handelt werden. Diesmal war ein Baron A�-el v. Kolken in Mosikatz in Livland der Kläger. Am 17. Februar v. I. Ratten wir in einer Schilderung des SchreckenSregime, zts in den Ostsee- Provinzen unter anderem gesagt, der Polizeio/fizier Jvanof und der Gutsbesitzer Baron Nolken seien völlig betrunken gewesen, als sie den Soldaten den Befehl gaben, auf das friedliche Volk zu schießen, der Baron habe auch befohlen, seine Viehställe anzuzünden, um das als Brandstiftung der Revolutionäre zu stempeln.— Diese Angabe soll nach der Behauptung des Klägcws nicht wahr sein. Nach Eröffnung der gestrigen Verhandlung vor dem Schöffen- gericht erbot sich Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht als Ver- leidiger des Angeklagten, den Beweis der Wahrheit zu führen. Er beantragte zu diesem Zweck die Vernehmung zweier Zeugen, von denen der eine in Helsingfors, der andere, in Mosikatz(Livland) lebt. Diese sollen als Augenzeugen bekunden» daß das, was der»Vor- wärts" über die Handlungsweise des Barons Nolken sagte, der Wahrheit entspricht.— Der Vertrete? des Klägers, Rechtsanwalt Dr. Etzel, bemangelte diesen Bew-sisantrag. Er meinte, man wisse ja nicht, ob diese Zeugen wirLlich existieren und, wenn sie existieren, so frage er: Wie komme«in Techniker aus Helsingfors nach dem Gute Mosikatz. Das könne doch nur ein Revolutionär sein, der die Leute in Mosikatz aufgewiegelt habe. Die Glaub» Ivürdigkeit eines solchen Zeugen sei zu bezweifeln. Rechtsanwalt Liebknecht entgegnete auf diese verwunder- lichen Ausführungen: Unter leidlich geordneten Zuständen, wie sie vor der Konterrevolution in Livland herrschten, könne ein Techniker doch wohl aus anderen Gründen als der revolutionären Propaganda wegen nach Livland gekommen sein. Und wenn der Zeuge ein Revolutionär wäre, so sei er doch deswegen nicht weniger glaub- würdig, wie die Junker, die ewe Konterrevolution mit so viel Greueltaten gegen das Volk geführt haben, daß sich selbst die russische Regierung genötigt sah, dem Treiben der Junker Einhalt zu gebieten. Auch der vorfitzende Richter machte zunächst einige Ein- wände gegen den Beweisantrag des Rechtsanwalts Liebknecht. Der Richter wünschte eine genawe Angabe der Wohnung der Zeugen sowie des für ihre Vernehmung zuständigen Gerichts, da man von dem hiesigen Gericht nicht verlangen könne, daß es die Zeugen in einer Privatklage ermittelt. Diesem Einwand begegnete der An- walt mit der Bemerkung: Wenn das Gericht Privatklagen an- nimmt, die sich auf Vorgänge im Auslande stützen, dann müsse doch den: Angeklagten gestattet sein. Zeugen im Auslande zu benennen. Welche Stelle für deren Vernehmung zuständig ist, das werde das Gericht mit Hülfe des Auswärtigen Amts ermitteln können. Die Verteidigung könne doch nun einmal nicht über Vorgänge im Aus- lande Zeugen benennen, die in Rixdorf wohnen. Das Gericht mußte schließlich dem Antrage des Verteidigers stattgeben und beschloß, die kommissarische Vernehmung der an- gegebenen Zeugen zu veranlassen. Die Verhandlung wurde infolge- dessen vertagt._ Partei- Angelegenheiten. Erster Wahlkreis. Am Sonntag, den 3. Februar, findet Flugblattverbreitung statt. Die Genossen des ersten Kreises sowie die HSlfSkrSfte aus dem sechsten Kreise werden ersucht, vollzählig und zeitig an den bekannten Stellen sich einzufinden. Der Vorstand. Anläßlich der zu Sonntag von den Freisinnigen nach dem Feenpalast einberufenen Versammlung werden die Partei- genossen ersucht, dieser Versammlung fern- zubleiben. Redefteiheit ist nicht gewährleistet und sich nur die Anpöbelungen unserer Partei anzuhören, dazu sollte die Zeit der Genossen zu schade sein. Ober-Barni«. Die Genossen, die am Hauptwahltage in Ober» Barnim geholfen haben, und am Stichwahltage. Dienstag, den 6. d. Mts., wieder helfen wollen, kommen Sonnabendabend 9 Uhr bei Tempel, RummelSburg, Bahnhosstraße, zusammen. Charlottenbnrg. Am Dienstag, den S. Februar, abends 8 Uhr. findet im Volkshaus, Rosinenstr. 3, eine Volksversammlung statt. Die Tagesordnung lautet:„Was lehren uns die letzten Reichstags- wählen?" Außerdem wird in dieser Versammlung das Resultat der Stichwahlen verkündet. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Einberufer. Reinickendorf. Alle Parteigenossen, besonders die arbeitslosen Vau- und die ausgesperrten Holzarbeiter, die sich an den Arbeiten am Tage der Stichwahlen, am Dienstag, den b. Februar, beteiligen wollen, treffen sich heute abend 8 Uhr bei T e m p e l in Rummels- burg-Alt-Boxhagen._ Berliner JVaebriebten. Die Stichwahl im erste» Kreise ist auf Dienstag, den ö. Februar, festgesetzt. Die Hoffnung der Freisinnigen, daß ihnen in der Stichwahl die Stimmen der Christlich- sozialen und Konservativen, die nicht schon im ersten Wahlgange für Kaempf stimmen wollten, zufallen werden, wird erfüllt, denn eS wird gemeldet, daß diese, soweit sie im ersten Wahlgange für Damaschke stimmten, entschlossen sind, in der Stichwahl für Kaempf einzutretm. Der Neubau des Operuhauses in Berlin beschäftigte am Donnerstag die Budgetkommission des preußischen Abgeordneten- Hauses. Der Finanznnnister machte auf eine Anfrage, wie es mit einem Neubau des Berliner Opernhauses stände, die Mitteilung, daß die Absicht bestehe, den allgemeinen Wunsch der Oeffentlichkeit auf Erhaltung des alten historischen Opernhauses zu berücksichtigen. Tagegen fei ein Entwurf erörtert worden, ein neues Opernhaus auf dem Terrain des Krollfchen Etablissements zu errichten. Dieser Vorschlag habe aber noch keine greifbare Gestalt angenommen. Aus der Rommission wurde angeregt, bei der Projektierung dieses Neu- bau es die freie Konkurrenz der Künstler durch Preisausschreiben hereinzuziehen und nicht gewisse Künstler von vornherein einseitig zu bevorzugen. Eine längere Debatte hatte zuvor die Vergütung hervor- gerufen, die an die Krone für bauliche Herstellungen und In- standsetzungen des königlichen Opernhauses und des alten Magazin- gebäudes in Berlin etatisiert sind, und die seinerzeit im Ab- geordnetenhause zu lebhaften Angriffen geführt hatte. Es wurde bemängelt, daß diese Ausgabe ohne Genehmigung des Landtags gemacht worden ist, während doch erst im Vorjahre beim Umbau des Schauspielhauses derartige Etatsverletzungen ge- rügt worden sind. Der Finanzminister wies den Vorwurf einer Verletzung des EtatSrechtcs zurück. Die Sache liege so, daß das Hausministerium diese Arbeiten ohne Genehmigung und Vorwissen des Finanzministeriums habe ausführen lassen und erst nachträglich die Erstattung der durch die Arbeiten bewirkten Erhöhung des Substanzwertes der Gebäude beantragt habe. Es stehe mithin keine Bewilligung dieser baulichen Ver- änderungen, sondern eine Erstattung von dem Hausministerium liquidierter Ersatzbeträge in Frage, zu der die Zustimmung des Abgeordnetenhauses gefordert werde. Diese Zustimmung wurde mit Mehrheit erteilt. Am Virchow-Krankenhanse sind die Abteilungen für GeburtS- hülfe und die gynäkologische Abteilung Ende Januar eröffnet worden, So sorgt der Berliner Freisinn für die Volksschule! Unter der Ueberschrift„Ungenügende Schulräume" bringt die „Freisinnige Zeitung" die Nachricht, daß die von der städtischen Schulverwaltung gemieteten Räume in den Wohnhäusern Pank st ratze 3o und Schering st raße 9, die bisher von zwei Gemeindeschulen benutzt worden sind, in absehbarer Zeit aufgegeben werden sollen. Diese Mitteilung, der wir auch in anderen Blättern begegnet sind, ist richtig. Sie findet sich in einer Vorlage des Magistrats, durch die die Stadt« verordneten ersucht werden, ihre Zustimmung dazu zu geben, daß ein an der Pank- und Wiesenstratze gelegenes städtisches Grundstück zur Erbauung eines eigenen Gemeindeschulhauses verwendet werde. Das neue Schulhaus soll dann die Klaffen der beiden Mietsschulen aufnehmen. Die.Freifinnige Zeitung' gibt leider nicht an, warum die bisher benutzten Räume plötzlich„ungenügend" sein sollten. In einigen anderen Blättern enthält aber die betreffende Notiz noch die Angabe, daß die Räume jetzt als weder in baulicher noch in gesund- Zeitlicher Beziehung den Anforderungen ent- p rechend angesehen werden; und eS wird hinzugefügt, daß das Provinzialschulkollegium den Wunsch ausgesprochen habe, der Benutzung dieser Wohnhäuser zu Schulzweckcn möchte ein Ende gemacht werden. Auch das ist im wesentlichen richtig. Die näheren Angaben hierüber finden sich gleichfalls in der Magistratsvorlage und zwar in folgendem Wortlaut:„Seit längerer Zeit sind auf oen Grundstücken Pankstratze So und Scheringstraße 9 Mietsschulen untergebracht(75. und 260. Gemeindeschule). Diese Mietsräume entsprechen in baulicher wie in gesundheitlicher Beziehung nicht mehr vollständig den Anforderungen, die jetzt an ein Schulgebäude gestellt werden, besonders im Hause Scheringstr. 9 haben sich im Laufe der Zeit solche Unzuträglichkeiten herausgestellt, daß das königliche Provinzialschulkollegium den Wunsch aus- gesprochen hat,„eS möchte nach Ablauf des Mietsvertrages eine Erneuerung des letzteren nicht vorgenommen werden". Man sieht, daß der Magisttat selber für beide MietSschulen die Unzulänglichkeit zugeben muß, und daß er mindestens für Scherina« straße 9 sich auf eine Mahnung des ProvinzialschulkollegiumS beruft. Indes, die„Freisinnige Zeitung" hat die Vorsicht geübt, die ganze Selbstkritik des Magistrats bis aus die letzte Silbe weg- zustreichen. aus der.Geschichte' der beiden Angaben zu machen, die nicht Scheringstraße 9 dient seit Im„Vorwärts' wurde damals sofort festgestellt, daß gerade dieses Haus sehr wenig geeignet war. eine Schule aufzunehmen. Pankstr. 3o tvurde unseres Wissens zuerst im Jahre 1864 als Schulhaus in Benutzung genommen. Auch für diese Mietskaserne wurde im„Vorwärts" schon in der ersten Hälfte der 90er Jahre festgestellt, wie wenig sie sich zu einem Schulhaus eignet. Doch die Sparsamkeit, die der Berliner Stadtfreifinn immer dann für nöttg hält, wenn eS sich um Aschenbrödel Volksschule handelt. gestattete nicht, solche„Schulhäuser" schleunigst wieder aufzugeben und durch ein eigenes Schulhaus zu ersetzen. Auf die Unzulänglichkeit de« HauseS in der Scheringstraße mußte der Magistrat sich erst durch das Provinzialschulkollegium ausinorksam machen lassen. Und diese Leute, die durch ihre Lässigkeit der Aufsichtsbehörde immer und immer tvieder Gelegenheit schaffen, sich in die Regelung der Berliner Schulzustände korrigierend hineinzudrängen behaupten in edler Dreistigkeit, s i e seien die„Hüter der kommunalen Selb st- Verwaltung!" Kann ein Blinder an der Reichstagswahl teilnehmen? In Berlin wurde diese Frage stets bejaht; auch am letzten Reichstags- Wahltage ließen sich mehrfach erblindete Wähler zur Urne geleiten und gaben vor dem Wahlvorstande die Erklärung ab, daß ihnen zu Hause schon der Zettel des Kandidaten, dem sie ihre Stimme geben wollten, ausgesucht und mitgegeben worden sei. Sie erhielten darauf das Wahlkuvert, wurden in den abgeschlossenen Wahlraum geführt und wählten wie alle anderen. Im Vorort Johannis- t h a l dagegen wurde ein erblindeter Wähler, der von seinem Sohne geführt, an die Urne herantrat, um seinen Stimmzettel abzugeben, auf den Einspruch eines Mitgliedes des Wahlvorstandes, nicht zur Wahl zugelassen, mit der Begründung, man könne nicht wissen, ob nicht einem Blinden böswillig ein anderer Stimmzettel unterschoben würde, als der auf den Kandidaten, den er zu wählen beabsichtigt. Der Einwand der Mitglieder des Wahlvorstandes steht mit dem Wahlreglement nicht im Einklang. Im Z 15 Absatz 2 heißt eS vielmehr: Wähler, welche durch körperliche Gebrechen verhindert sind, ihren Stimmzettel eigenhändig in den Umschlag zu legen und dem Wahlvorsteher zu übergeben, dürfen sich zu diesem Zwecke der Bei- hülfe einer Vertrauensperson bedienen. Der Grunewald im Schnee. Wieder lagert die weiße Last über dem Walde. Schwer drückt sie auf den Kronen und mancher der braunen Stämme hat sich weit gegen den tief beschneiten Boden gesenkt. Wie Schneetessel er- scheinen die Seen von den Anhöhen und die Schlittschuhläufer haben einstweilen den Kampf mit den Massen aufgeben müssen, die ihnen die gefährlichen, dünner beeisten Stellen in tückischer Weise ver- bergen. In die starre Eintönigkeit des Winterwaldes ist ein neuer Zug gekommen: die zahlreichen, weißen Kreuze an den braunen Stämmen verstärken den friedhofartigen Eindruck in hohem Matze. Alle nach derselben(östlichen Seite) gerichtet, drängen sie sich dem Wanderer durch ihre Massenhaftigkeit stellenweise in beängstigender Weise ouf. Denn daß diese Kreuze keine lebenverheihenden Zeichen sind, empfindet jeder augenblicklich. In den Zeitungen las man Abschwächungsversuche. ES sollte sich um Bäume handeln, die vor den Raupen der gefährlichen Nonne geschützt und mit einem Klebe- ring versehen werden sollten. Allein wir sehen wirtlich einen Leichenhof vor unS. Die gezeichneten Bäume sind sämtlich dem Tode versallen. Nicht die Nonnenraupe, sondern ein Pilz hat sie verwüstet; nicht einmal einer der giftigen Arten, sondern der unter dem Namen Hallimasch oder Honigpilz bekannte braune, süßlich riechende und vielfach als Nahrungsmittel eingesammelte Hutpilz (■Agsricus rnclleos). Bekanntlich sind diese Hutpilze nur die Wir sind in der Lage, .Schulhäuser" noch einige in der Vorlage stehen. Oktober 1900 als SchulbauS. Fruchtkörper des eigentlichen Pilzes, der in Form von verworrenen, meist weißlichen Pilzfäden die Walderde durchzieht. Der Hallimasch ist ein Parasit, der cs vornehmlich auf Nadelhölzer abgesehen hat. Gelingt cs seinen Pilzfädcn, auf junge Kiefernwurzeln zu stoße» und eine geschwächte Stelle zu treffen, die ihm das Eindringen er« möglicht, so ist der Baum verloren. Die Pilzfäden schließen sich zu braunen Strängen zusammen, durchkriechen zwischen Rinde und Solz die Wurzeln und den Stamm und töten ihn langsam aber sicher ab. Der Fachmann erkennt die Krankheit, den„Erdkrebs", mit sicherem Auge an äußeren Zeichen. Auf den großen Wurzeln und am Stamme bricht unter der Wirkung der Pilzwucherungen hier und da die Rinde beulenförmig und rissig auf. Wir können das bei einiger Aufmerksamkeit bei allen gezeichneten Bäumen fest- stellen. Sie müssen gefällt werden, teil» weil sie nicht zu retten sind, teils weil sie durch längeres Stehenlassen nur noch mehr ent- wertet würden. Denn zuletzt fällt von dem toten Stamm die Rinde ab und der bleiche entrindete Stamm, den wir in weniger gepflegten Wäldern oft bemerken können, wird morsch und unbrauchbar. Durch das Fällen der Stämme wird auch dem betreffenden Pilze in den meisten Fällen cm Ziel gesetzt. Er hat die schwächeren Exemplare befallen. Die stärkeren pflegen unversehrt übrig zu bleiben und an diesen wird zuletzt die Angriffskraft de? Pilzes er» lahmen. Wäre dem anders, so würden wir längst keine Wälder mehr haben._ Berlin im Schnee. Nicht ganz so trostlos als am Donnerstag sah es gestern mit dem Verkehrswesen in Berlin und in den Vororten aus. Die ver- gangene Nacht diente dazu, die Sttaßen wenigstens einigermaßen wieder in Stand zu setzen und die Straßenbahngleise so weit als möglich von den festgetretenen Schneemaffen zu befreien. Mit dem Schneeflug wurde tüchtig gearbeitet und auch die Schneeschipper machten Nachtschicht. Die Pflüge und Salzstreuwagen der Großen Berliner Sttaßenbahn blieben ununterbrochen in Tätigkeit. Der Straßenbahnverkehr war gestern auch nur ein teilweiser. Die Große Berliner Straßenbahn hatte ihr Hauptaugenmerk am Donnerstag darauf gerichtet, die Verbindungen zwischen den Bor- orten und der Stadt Berlin wieder herzustellen. Dagegen stieß die Wiederaufnahme des Jnnenverkehrs aus erhebliche Schwierigkeiten. Der Omnibilsbetrieb wurde zwar am gestrigen Morgen aufgenommen, jedoch konnte er auch hier nicht im vollen Umfange durchgeführt werden. Die Wagen kamen, obwohl sie mit Vorspannpferden ver- sehen waren, nur langsam vorwärts, blieben mehrfach stecken und konnten nur mit Hülfe der Passagiere, die auSsttcgen und schieben halfen, wieder flott gemacht werden. Der Hochbahn- und Stadtbahn- betrieb wurde dagegen gestern früh wieder in normaler Weise auf« genommen und vollzog sich ohne Stockungen. Der Verkehr der Lastfuhrlverke und Droschken stockte auch gestern noch fast vollständig. Vielfach konnte man beobachten, wie auf offener Straße den Pferden, die sich vergeblich bemühten, die schweren Lasten von der Stelle zu bewegen, Stollen an die Hufe gelegt wurden. Auf den Gleisen lagen überall Lastfuhrwerke fest und erneute Störungen wurden dadurch hervorgerufen. Leider haben sich auch am gestrigen Nachmittag und Abend zahlreiche Unglücksfälle zugetragen. In der Potsdamer- und Leipzigerstratze hatte sich auf den Biirgerstcigen infolge des Streuens von Salz eine schlüpfrige Masse gebildet, auf der mehrere Passanten ausglitten und sich erhebliche Verletzungen zuzogen. Auf den RettungS-, SanitätS- wachen und Unfallstattonen wurden mehr als 40 Personen ein- geliefert, die teils durch Niederstürzen aus den Straßen, teils auch durch Schneebälle Verletzungen davongetragen hatten. Im Schnee versunken sind auch gestern mehrere Kinder. So wurden in der Kirchsttatze in Friedenau die Anwohner plötzlich durch gellende Hülferufe und jämmerliches Klagen aufgeschreckt. Das 4jährige Söhnchen des Bäckermeisters Weigel hatte sich allein auf die Straße hinausgewagt und war in den ttcfen Schnee hinein- geraten und bis über die Ohren darin versunken. Durch hinzu- eilende Bäckergesellen wurde der Knabe befreit. Ein Rattenkönig von Prozessen gegen HauS- b e s i tz e r wird die Folge des letzten außergewöhnlichen Schnee- falles sein. Im Zentrum der Stadt werden die meisten Treppen noch auSschließlick durch Oberlicht erhellt. Die dicke Schneedecke, die auf den Oberlichtfenstern lagerte, verwehrte dem Tageslicht den Durchgang, die Treppen waren in Dunkel gehüllt, die Hausbesitzer unterließen es aber vielfach, durch künstliche Be- leuchtung Abhülfe zu schaffen, weil sie sich auf den Standpunkt stellten, daß hier eine„höhere elementare Gewalt" vorliege, für deren Folgen sie nicht haftbar gemacht werden könnten. Jetzt liegen nun eine Reihe von Meldungen über Unfälle vor, die auf die Dunkelheit der durch den Schnee schlüpfrig gewordenen Treppenaufgänge zurückzuführen sind. Die Verunglückten wollen in vielen Fällen den Hausnnrt für dm erlittenen Schaden haftbar machen, und das Gericht wird nun zu entscheiden haben, ob starker Schneefall von der Beleuchtungspflicht entbindet. Eine Reihe schwerer Unglücksfälle sind leider auch am gestrigen Nachmittag vorgekommen. Vor dem Hause Eichen- dorffstraße 17 glitt die Ehefrau Margarete Feuerstein aus der Chauffeestr. 103 aus und zog sich einen rechten Oberschenkelbruch zu. Sie fand im Lazarus-KrankenhauS Aufnahme.— In der Jnvalidenstraße kam die 23 jährige Ella Stoack, TreSckowstr. 5 wohn- Haft, so unglücklich auf dem Bürgersteig zu Fall, daß sie einen Arm- bruch erlitt.— Sehr schwere Verletzungen zog sich auch der Handels- mann Martin Karowski, Tieckstr. 17, bei einem Sturz auf dem Stratzendamm zu.— Allgemeines Mitleid erregte in der Kolonie- straße das Schicksal einer Greisin. Die 73 jährige Luise Bauer, Prinzen-Allee 89 wohnhaft, rutschte auf dem glatten Schnee aus und erlitt komplizierte Brüche an beiden Oberschenkeln. Frau B. wurde ins Lazarus-Krankenhaus eingeliefert.— An der Kreuzung der Berg- und Ringbahnstraße trug der Hausdiener Karl Döring aus der Walterstr. 55 bei einem unglücklichen Sturz einen schweren Unterschenlelbruch davon. Wird e» helfen? Aus Anlaß der Betriebsstörung auf der Nnterleitungsstrecke Potsdamer Platz Ecke Königgrätzerstraße bis Dorotheenstraße bezw. bis Moltkebrücke Iverden folgende Ab- lenkungen bezw. Linienveränderungen durchgeführt: 1. Linie 6 und 9 nehmen ihren Weg von Alt-Moabit über Friedrich Karl-Ufer, Karlsplatz, Louisenstratze, Dorotheenstraße, Opernplatz, Haus- voigteiplatz, Jerusalemerstraße.— Einsatzlinien verkehren zwischen Leipziger Platz und Schlesischen Bahnhof bezw. Wilhelmshavener- straße und Dorotheenstraße. 2. Linie 7 und 15 Verkehren zwischen Rixdorf und Potsdamer Platz, Ecke Köthenerstratze bezw. Dorotheen- straße und Alt-Moabit. 3. Linie 13 verkehrt wie Linie 6 und 9. 4. Linie 14 verkehrt zwischen Marheineckeplatz und Potsdamer Platz. Ecke Köthenerstraße bezw. zwischen Moabit und Dorotheenstraße. 5. Linie 52 und 56 werden durch die Leipziger-, Kanonier-, Französischestraße, Opernplatz, Bahnhof Börse, abgelenkt. 6. Linie 51 und 57 laufen über Leipziger-, Kanonier-, Französischestraße, Opernplatz, Weidendammerbrücke, Friedrichstraße, Jnvalidenstraße. — Einsatzlinien verkehren zwischen Dorotheenstraße und Pankow. 7. Ring 1 verkehrt einerseits bis zur Kronprinzenbrücke, anderer- seitS bis zur Köthenerstratze.— Die Strecke von der Kronprinzen- brücke bi» zum Potsdamer Platz fällt aus. 8. Linie dl, O, T, der Berlin-Eharlottenburger Straßenbahn können nur bis zur Sieges- Allee geführt werden.— Die Strecke von der Sieges-Allee bis zum Kupfergraben fällt aus. Die größte Kalamität wird durch die Unterbrechung de? Ring- bahnverkehrS heraufbeschworen. Die Große Berliner verfolgt natürlich damit ganz offensichtlich nur den Zweck, nunmehr auch endlich den schon lange sehnlichst erhofften OberleitungSbetrieb vor dem Brandenburger Tor zu erhalten. Dazu ist jedes Mittel recht! " Der Hauptmann von Köpenid erhielt auch im Wahllokal Nollendorfhof eine Stimme mit folgender Widmung: werden. Wen soll man wohl wählen in heutiger Zeit Bei dieser verfluchten Uneinigteit? Den Bubeil, den Neufert oder konservativ? Nee, dann geht die Karre ganz sicher schief. Ich geb' meine Stimme dem größten Genie, Dessen Größe triumphierte über Bureaukratie, Diesem einen nur, mit dem forschen Blid, Ich wähle den Hauptmann von Röpenid!!! Der Dampferverkehr auf dem Tegeler See wird in diefem Jahre eine bessere Regelung erfahren, nachdem die beiden konfurrierenden Gesellschaften sich vereinigt haben und der gesamte Betrieb in eine Verwaltung übergegangen ist. Die zwischen Tegel und Spandau verkehrenden Dampfer werden nunmehr modernisiert und für die verschiedenen Linien feste Fahrpläne ausgearbeitet Im Dienste tödlich verunglückt. Der Fahrstuhlführer Karl Salzmann auf den Elektrizitätswerten am Schiffbauerdamm hatte dort den Förderstuhl zu bedienen, mit dem Kohlen aus dem Keller nach dem Erdgeschoß emporgebracht werden. Vorgestern nach mittag geriet er so unglücklich in das Getriebe und der Verunglückte erlitt so schwere Berlegungen, daß er bereits auf dem Wege zur Charité starb. Salzmann stand in den dreißiger Jahren und hinterläßt seine Frau mit vier fleinen Kindern. Ein Gespann im Werte von 3500 Mark ist gestern von der Straße weggestohlen worden. Vor dem Grundstück Zionskirch straße 27 hatte ein Plattenwagen der Firma Höhnel, mit einem Fuchs und einem Rappen bespannt, gehalten. Während sich der Kutscher für einen Augenblick von seinem Gefährt entfernt hatte, wurde das Gespann gestohlen. Die beiden Pferde repräsentieren einen Wert von 3500 Mart. -> 9. Jns Genoffenfchaftsregister eingetragen ist unterm 26. Januar 1 ms andh nicht befriedigend. Beschämend wirke, daß immer noch ein intensive Inanspruchnahme an der Bahlarbeit zu erklären ist. Im die Genossenschaft Freier Bund", Einkaufs- und Produttiv fo beträchtlicher Teil bon Arbeitern bei der Wahl teil- allgemeinen bot ja die Tagesordnung bis auf einen Bunkt auch nicht genossenschaft freier Gaft- und Schankwirte Berlins und Um- nahmslos beiseite gestanden hätte. Redner tam zu dem Schluß: allzu Bedeutendes. Hervorzuheben wäre, daß eine gemischte gegend( Genossenschaft mit beschränkter Haftung). Der Zweck der wollten wir verhindern, daß in Zukunft uns ähnliche unangenehme Stommission eingesetzt wurde zur Vorberatung über die VerGenossenschaft ist die gemeinsame Beschaffung und Herstellung von Ueberraschungen bereitet werden, so haben wir mit Anstrengung mehrung der Erekutivpolizei. Der Polizeiinspektor hielt die Gegenständen, welche für den Gewerbebetrieb der Gastwirte gebraucht aller Kräfte daran zu gehen, noch mehr als bisher die Jbeen des Bahl der Polizeisergeanten nicht mehr für ausreichend, er werden, und Abgabe derselben an die Mitglieder. Der Geschäfts- Sozialismus zu verbreiten, noch mehr als bisher für die Ausbildung will 29 Beamte mehr haben. Bei dieser Gelegenheit wurde auch anteil, deren ein Gemoffe bis zu drei erwerben kann, beträgt 300 M. unserer Anhänger Sorge zu tragen. Naftlos müssen wir uns rüsten, von dem Stadtverordneten Justizrat Dr. Baumert wieder die VerDer Vorwärts" und das Berbandsorgan, der Freie Gastwirt" um der immer enger werdenden Koalition aller bürgerlichen Parteien staatlichung der Polizei angeregt. Mit dieser Verstaatlichung hat sich find als Publikationsorgane für die Genossenschaft bestimmt worden. Herr werden zu können. die Stadtverordnetenversammlung nicht recht befreunden fönnen, aber Vorsitzende des Vorstandes und des Aufsichtsrates find die Genossen Die Diskussion gestaltete sich sehr lebhaft. Flamme betont die bei der innigen Verbrüderung, welche die Konservativen und LibeF. Matthes, Petersburgerstr. 3, und P. Litfin, Memelerstr. 67. dringende Notwendigkeit, für größtmöglichste Verbreitung unserer ralen eingegangen sind, um den Tischlermeister Pauli- Potsdam in Breffe Sorge zu tragen; scharf wandte er sich gegen Reghäuser. Es sei in der Stichwahl durchzubringen, werden sich die feindlichen Brüder im hohem Maße bedauerlich, daß dieser Mann seine leitende Stellung Stadtparlament auch noch über diesen Verstaatlichungspunkt im Buchdruckerverband dazu mißbrauche, die Partei zu bekämpfen, einigen. Den wichtigsten Beratungsgegenstand Beratungsgegenstand bot jeden ohne deshalb ernstlich zur Rechenschaft gezogen zu werden.-falls der zur Beratung ftehende Entfestigungs Vertrag Schent fritisiert einen Artikel Calwers, der sich mit der Wirtschafts- zwischen dem Reichsmilitärfistus und der Stadtgemeinde. politit befaßt. Derartige Auslassungen trügen dazu bei, der Partei Fast drei Jahre lang hat man diesen Vertrag in der Entfestigungsin der Agitation Schwierigkeiten zu bereiten. Mehrere Redner, so deputation verhandelt und beraten und endlich ist etwas zustande Herrmann, Steuermann und Baganz, wenden sich gegen die Parole des gekommen, wo, wie gewöhnlich, die Stadt dem Fiskus ganz hübsch Parteivorstandes. Dieselbe scheine darauf zugeschnitten zu sein, in den entgegengekommen ist. Genoffe Pied machte den Vorschlag, diesen Stichwahlen noch eine möglichst hohe Bahl von Mandaten zu er- Vertrag zufammen mit der in geheimer Sigung entstehenden langen. Es sei infonsequent, jezt für Unterstützung derjenigen bürger- Vorlage betreffend Ausbau der Döberizer Heerstraße 81 lichen Kandidaten aufzufordern, welche vor der Hauptwahl auf das beraten, da ja der Fiskus von der Stadt den Ausbau der Heerallerentschiedenste bekämpft wurden. Nicht die Erringung von Man- ftraße auch verlangt, so ist er vielleicht geneigt, sich hierbei daten sei der Hauptwert, sondern Stimmenzunahme, die durch Agitation der Stadt etwas entgegenkommender zu zeigen, wenn er sieht, in ausgesprochen sozialistischem Sinne erzielt werde. In der Be daß die Stadtverordneten in der Entfestigungsfrage auch nicht so ziehung werde nicht immer das Nötige getan. Obst gab das amt find. Aber unsere bürgerlichen Stadtpäter ließen sich auf diesen liche Resultat aus unserem Kreise bekannt, aus dem hervorgehe, daß Vorschlag gar nicht ein, sie fließen jezt reinweg über in loyaler auch dieser Kreis auf das intensivste bearbeitet werden müsse, um Gesinnung gegenüber der Regierung. Beschlossen wurde jedoch, den unseren Befißstand zu halten. Redner ist der Ueberzeugung, daß die er- Vertrag in zwei Lesungen zu beraten. Ueber den Vertrag referiert Aus dem Verlittene Schlappe Nutzen bringen werde; es müsse für systematische Durch der konservative Stadtverordnete Baurat Bender. bildung unserer Anhängerschaft Sorge getragen werden. Der innere trage sei hervorgehoben, daß im ganzen 207 691,34 Quadratmeter Parteihader müsse aufhören, auch die Gewerkschaften müßten noch baureifes Gelände für 2 863 965,76 m. von der Stadt gekauft werden mehr für die geistige Schulung ihrer Mitglieder tun. Fischer müssen. Die Preise schwanken zwischen 58,33 M. und 6,33 M. wendet sich nachdrüdlich gegen Steuermann und verteidigt entschieden pro Quadratmeter. Von der Kaufſumme werden abgesezt: für Zubie Stichwahlparole des Parteivorstandes.- Küter nahm sodann schüttung der Walgräben und Aufhöhung der Straßenzüge 135 000 r., das Schlußwort; er verteidigt ebenfalls die Stichwahlparole, die für Entwässerung der im militärfiskalischen Besitz verbleibenden aus taktischen Gründen unerläßlich sei. Er schloß die Versammlung Bauflächen 1 182 000 m., für Pflasterung der Straßenzüge mit Reitmit der Aufforderung, fortan Mann für Mann im Dienste der Partei weg( den der Fiskus verlangt) 1280 000 m., für den Bahnanschluß die volle Schuldigkeit zu tun. Vor Eintritt in die Tagesordnung der Artillerie- Wagenhäuser 112 000 m., zufammen 2 709 000 M. Dem ehrte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Mitgliedes Fiskus verbleibt somit noch ein Guthaben von 97 638,99 m., und Seß in üblicher Weise. die Stadt bezahlt außerdem noch die vorstehend benannten Arbeiten. Jedenfalls macht der Fiskus nach dem gangen Vertrage ein sehr gutes Geschäft. Bis auf eine präzisere Fassung eines Paragraphen, Der Gemeindediener im Wahlkampf. Hierüber wird uns ben der Magistrat bis zur zweiten Lesung über acht Tage vorfolgendes mitgeteilt: Nicht genug, daß der patriotische Schwindel Auf der Treptow- Sternwarte werden jezt bis zum Wieder des Reichsverbandes die Faulen und Lässigen diesmal an die Wahl- nehmen soll, stimmte die Versammlung im Prinzip schon dem erscheinen des Mondes mit dem großen Fernrohr interessante Nebel- urne brachte, nein, auch Amtsbiener haben sich für die„ nationale" Bertrage zu und der Stadtverordnete Malermeister Rupke legte eine welten und der Jupiter gezeigt. Am Sonntag, den 3. Februar, Sache hergeben müssen. So hat der Gemeindediener von Buckow, große Lanze für denselben ein. Die Herren werden von der Entfestigung Sen allergrößten Vorteil haben; hoffentlich vergißt man nachm. 5 Uhr, spricht Dir. Archenhold über:" Das Aufsuchen der der zugleich Nächtwächter, Totengräber, Steuererheber und Schul nicht, fie auch ganz gehörig zur Steuer heranzuziehen und ihnen Sternbilder mit praktischen lebungen", um 7 ühr über:" Stern- diener ist, vor der Wahl jedem Wähler im Kuvert mit der Firma noch eine besondere Wertzuwachssteuer aufzulegen. haufen und Nebelwelten"; am Montag, abends 9 Uhr, über: Gemeindevorsteher Budow bei Berlin" ins Haus gebracht, worin Gesinnung noch weiter ins rechte Licht zu setzen, bewilligte die Merkur und Venus."- Alle drei Vorträge sind mit zahlreichen drei verschiedene Flugblätter zur Verleumdung der Sozialdemokratie Mehrheit der Versammlung noch 100 M. an den Verein„ Seemannsund mehrere Stimmzettel für Boddin enthalten waren. Auch am Erholungsheim". Lichtbildern ausgestattet. Wahltage wurde unseren Genossen, die sich im Wahllokal aufhielten, Feuerwehrbericht. Wegen eines Küchenbrandes wurde der verboten, sich zu setzen, trotzdem genügend Stühle vorhanden waren. 16. Zug in der letzten Nacht nach der Soldinerstr. 36 gerufen. Stiften, Einige Bauern konnten sich jedoch gemächlich niederlassen. Bedenkt man Tische u. a. brannten dort. Der 15. Zug batte gleichzeitig einen noch, wie unseren Genoffen von den Saalbefizern die Säle zum Abhalten größeren Brand in der Rostockerstr. 3 zu löschen. Dort stand ein von Versammlungen verweigert wurden, so nimmt es kein wunder, Stallgebäude in Brand. Kühe und Pferde tonnten in Sicherheit daß in diesem Drte unsere Stimmen um eine zurückgegangen sind, gebracht werden. Schließlich gelang es durch energisches Wassergeben die der Gegner aber um 25 zugenommen haben. Bei zunehmender Kälte hält der Schneefall, wie aus Karlsruhe berichtet wird, im Schwarzwalde an. Auf den Höhen liegen un die Flammen auf das Stallgebäude zu beschränken. Vor dem Hause Sicher eine recht eindrudsvolle und zuverlässige Art, den Ge- geheure Schneemassen. Der Bahnverkehr ist sehr erschwert. Unter Kremmenerstr. 14 brannte eine Benzin- Autodroschke infolge einer meindediener für die bürgerliche Wahlagitation zu benutzen. Hat Sen Verkehrsstörungen haben besonders die Höllentolbahn und die Benzinerplosion. Der 3. Zug mußte fräftig Waffer geben, um die der Gemeindevorsteher dem Amtsdiener den Auftrag gegeben, diese Schwarzwaldbahn auf der Strede St. Georgen- Sommeran zu Flammen zu löschen. Durch die Explosion einer Petroleumlampe Arbeit zu verrichten und das anzunehmen hat man alle Ursache, leiden. Das Bergtal war für einige Tage völlig vom Verkehr abfam in der Posenerstr. 89 Feuer aus. In der Alten Jakobstr. 32 sonst tönnte er ja nicht in den Besitz der amtlichen Kuverts gelangen geschnitten. Vor dem llebergang des Bahnhofes Sommeran bei dem beschäftigte ein Stellerbrand den 17. Löschzug. Ferner mußten noch so ist das ein Berfahren, gegen das entschieden protestiert werden großen Tunnel entgleiste gestern früh ein Güterzug, wobei ein drei Brände in der Bergmannstr. 30, Butbuferstr. 11 und BotsWagen aus dem Gleise gehoben wurde, Menschen aber nicht zu damerstr. 138b gelöscht werden. Decken, Gardinen, Strohsäde u. a. Stralau Rummelsburg. schaden famen. waren dort in Brand geraten. Die Frühzüge vom 30. Januar blieben auf allen Das Opfer eines Ueberfalls wurde am Montag in der sechsten Streden fast durchweg im Schnee stecken und mußten freigeschaufelt Abendstunde am Bahnhof Stralau- Rummelsburg der Dedenmaler F. werden. Die Postverbindungen sind zum größten Teil unter Derselbe hat, wie uns mitgeteilt wird, im vorigen Sommer bei brochen. In Karlsruhe und Umgebung herrschte heute nacht leb dem Malermeister Bließ, Berlin, Goßlerstr. 34 gearbeitet und aus haftes Schneetreiben. diefer Zeit noch eine größere Summe Lohn zu erhalten. Trotzdem ihn F. wiederholt gemahnt haben soll, hat er nichts erhalten. Am Vorort- Nachrichten. aber Buckow. 17 Arbeit tommend, den er " Vermischtes. Um ihre loyale Der Schwarzwald vom Verkehr abgeschnitten. Bon Lawinen begraben. In Breslat schneit es seit gestern 1/1 Uhr nachts unaufhörlich. Der Straßenbahnverkehr kann nur unter großen Schwierigkeiten aufrechterhalten werden. Schneefälle im Ausland. Aus allen Teilen des Reiches, den Zum Wahlkampf in Potsdam- Ofthavelland. Bor gut besuchter Versammlung sprach am Mittwoch in Pots- Wahltage traf F. mit B. zusammen und machte bei dieser Gelegen- Gestern gingen in der Nähe von Mittelbach im Kleinen Walsertal, dam Genosse M. Maurenbrecher. Redner verwies am Eingang heit einem Freunde von seinem Bech Mitteilung. Das schien Bliez wie der Allgäuer Zeitung" gemeldet wird, zwei Lawinen nieder, feines Referats auf den Stimmenzuwachs, welchen die Sozial- verdrossen zu haben, weshalb er F. zurief: werde durch die zwei Häuser, in denen sich 15 Personen befanden, und demokratie trotz der Mandatverluste zu verzeichnen habe. Die Ursache ihm das schon anstreichen. Als F. am Montagabend, bon 8 Stallungen mit 30 Stüd Bieb begraben wurden. dieser Mandatverluste sei in der regen Wahlbeteiligung der bis- der des Ausgang Bahnhofes Bis heute mittag find 8 Personen als Leichen und awei herigen Nichtwähler zu suchen. Die große Maffe, welche dem paffierte, traf er mit B. zuſammen, der ihm den Weg versperrte. andere schwer berlegt geborgen worden. öffentlichen Leben bisher fern gestanden, vielleicht nie glaubte, er wolle ihm den Lohn bezahlen; er wunderte sich jedoch mals eine Versammlung besucht oder ein Flugblatt ge- nicht wenig, als er von B. einige Schläge mit der Faust und dem Lesen habe, fei gleich einer Heerde Schafe hinter Stocke erhielt und außerdem mit Schimpfworten bedacht wurde. der Regierung hergelaufen. Unsere Pflicht fei es Passanten nahmen sich des schmächtigen F. an und befreiten ihn jetzt, diese Masse aufzuklären und politisch reif zu machen. Was von B., der nun machen mußte, daß er sich entfernte, wenn er nicht jedoch die Stichwahlen anlange, so tomme es hierbei im wesentlichsten von dem empörten Publikum eine Lektion erhalten wollte. F., der auf das Verhalten des Freisinns an. Bei diesen Stichwahlen werde einen Arzt aufsuchen mußte, hat Strafantrag gegen Bliek gestellt. es sich zeigen, ob der Freifinn es mit seinem Programm, welches wir sind von diesem Vorfall in Kenntnis gefeßt worden, damit ähn- In Innsbrud dauert der gestern nacht eingetretene Schneefall fort. sich in vielen Punkten mit dem der Sozialdemokratie deckt, ernst liche Gläubiger ihre Lehre daraus ziehen. meint, oder ob er entgegen seinem Prinzip nach rechts schwenkt und die Realtion stärkt. Für die Sozialdemokratie aber gibt es nur eins, und das ist der Kampf gegen die Reaktion, und darum ist es selbstverständ- Ueber: Was lehrt uns der 25. Januar" referierte in der letzten lich, daß da, wo in der Stichwahl ein Liberaler in Betracht tommt, Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genosse Stöber. Redner von dem sicher ist, daß er hauptsächlich gegen eine Verschlechterung besprach eingehend die Verhältnisse der diesmaligen Reichstagsdes Koalitions- und Reichstagswahlrechts eintritt, dieser von unserer wahl und stellte Vergleiche zwischen dieser und den Wahlen von Seite nach Möglichkeit unterstützt wird. Nachdem Genoſſe Maurenbrecher dann nochmals die Versammelten zur regen Agitation von Mund zu Mund ermahnte, schloß er unter stürmischem Beifall seinen interessanten Vortrag. Schöneberg. Pankow. 1887 an. Damals wie bei den jezigen Wahlen sei es der Regierung und den bürgerlichen Parteien gelungen, die indifferenten Bolts maffen durch patriotische Phrasen ins Schlepptau zu nehmen. Am Schlusse seines Referats bemerkte Redner, daß der prinzipiellen Aufklärung und Förderung der Jugendorganisation mehr wie bisher Augenmerk geschenkt werden müsse. Reinickendorf. Bintschgau ausgenommen, werden ungeheure Schneefälle gemeldet. Im Klostertal, durch welches eine Strede der Arlbergbahn führt, herrscht große Lawinengefahr, auf der Bahnstrecke Pfronten- Reutte ist der Verkehr seit zwei Tagen eingestellt worden, da die Züge im Schnee stecken blieben. In Innerpaffeier ist ein Bauer, in Gaschurn find zwei Bauern, in Elboegen zwei Straßenarbeiter und in Deutsch- Matrei ein Schulfnabe von Lawinen verschüttet, jedoch alle ausgegraben worden. Bei Matrei hat eine Lawine die Gleise der Brennerbahn verschüttet, auf der Jlgenwand wurden Jungwälder durch eine Lawine zerstört. Wie aus Grenoble( Südfrankreich) berichtet wird, hat die Schneeschicht dort eine Höhe von 60 Zentimeter erreicht, was feit 1870 nicht mehr der Fall gewesen ist. Auf dem flachen Lande erreichte der Schnee eine Höhe von zwei Meter. Alle Züge aus dem Alpengebiete treffen mit großen Verspätungen ein oder bleiben ganz aus. Zwischen verschiedenen Stationen berkehren Züge mit zwei Lokomotiven, einem Gepäckwagen und nur einem Passagierwagen. Seit gestern sind mehrere Ortschaften gänzlich vom Verkehr abgeschnitten. Eine Anzahl Personen ist erfroren. Beim Rodeln verunglückt. Im sogenannten Veilchental rannte, wie aus Koburg von gestern abend gemeldet wird, ein mit fünf Berfonen befester Schlitten gegen einen Baum und wurde zertrümmert. Drei Insassen des Schlittens erlitten schwere Verlegungen, einer von ihnen lebensgefährliche. Der Wahlverein hielt seine Mitgliederversammlung Dienstag im Dbstschen Lokale ab, in welcher Genosse Stüter über„ Die Kampfesweise des Mischmasch" sprach. Er begann seinen Vortrag Ein Elendsbild. Vor den Augen seiner Frau vergiftete sich der mit einer kurzen Besprechung des Wahlausfalles. Der Ausgang des 57jährige Arbeiter Eduard Oliva, der erst vor kurzem mit seiner aus mit beispielloser Heftigkeit geführten Wahlkampfes, der uns leider Frau und fünf Kindern bestehenden Familie hier zugezogen ist und einen entschiedenen Mißerfolg gebracht habe, müsse uns zu ernſteſter in der Amendestr. 104 wohnte. D. tam nach Berlin in der ErPrüfung der Frage veranlassen, auf welche Umstände unsere wartung, hier schnell Arbeitsgelegenheit zu finden, wurde jedoch Niederlage zurückzuführen sei. Besondere Beachtung verdiene bitter enttäuscht. Von Tag zu Tag hoffte er, irgend eine Arbeit zu namentlich Sachsen, das mit einem so schmerzlichen, mit Verluft erhalten, doch wo D. auch anfragte, wurde er abgewiesen, und so einer ganzen Anzahl von Mandaten verknüpften Stimmenrüdgang geriet die Familie bald in die bitterste Notlage. Auch vorgestern abschließt. Man müsse sich bei Beurteilung des Wahlresultates in hatte der Arbeiter sich wieder vergeblich um Beschäftigung Sachsen vor Augen halten, daß dessen Entwickelung eine unnatürliche, bemüht, und als er gegen Abend mißgestimmt nach Hause kam, Die Genidstarre in Glasgow. Der Ausbruch der Genicstarre sprunghafte gewesen sei. Ramentlich 1903 habe dort ein gewaltiges entstand zwischen ihm und seiner Frau ein kurzer Wortstreit. Emporschnellen unserer Stimmenzahl gezeitigt, welches seine Erklärung während desselben zog Oliva plöglich eine mit Lyfol gefüllte Flasche hat jetzt einen epidemischen Charakter angenommen. Von 103 Fällen nur in der ungeheueren damaligen Unzufriedenheit des ganzen Volkes aus der Tasche und trant sie bis auf den letzten Rest aus. Er brach im Januar sind 47 tödlich verlaufen; rechnet man dazu die vom findet, hervorgerufen durch die Annahme des Bolltarifes und durch sofort besinnungslos zusammen. Der hinzugerufene Arzt Dr. Berliner heutigen Tage gemeldeten Fälle, dann übersteigt die Zahl fünfzig. die Verschlechterung des Landtagswahlrechtes usw. Die Wahlen von versuchte vergeblich, den Unglüdlichen durch auspumpen des Magens 50 Prozent der Fälle haben Kinder unter fünf Jahren, 30 Prozent 1908 in Sachsen feien eben Protestwahlen gewesen, die uns einen am Leben zu erhalten. Die Hinterbliebenen befinden sich in einer Kinder unter zehn Jahren betroffen. ganz bedeutenden Zuftrom von Mitläufern brachten. Diese Mitläufer verzweifelten Zuge. feien uns diesmal in nicht fleiner Zahl wieder verloren gegangen. Ihr gut Teil dazu beigetragen habe die beispiellose, unanständige Hohen- Neuendorf. Bis und verlogene Agitation der bürgerlichen Parteien sowie des Spurlos verschwunden ist seit einiger Zeit der Lehrer Wagner. B. hatte frankheitshalber einen längeren Urlaub erhalten und traf „ Reichslügenverbandes". Beiter sei offenbar, daß der mit ungeheuerem Tamtam inszenierte vor etlichen Tagen in dem Vororte wieder ein, um seinen Dienst zu Hurrapatriotische Solonialrummel vermocht habe, einen bedeutenden tun. Am Tage, nach dem er sein Vierteljahrsgehalt abgehoben hatte, Teil der Partei der Nichtwähler für seine Sache einzufangen. fam er aber nicht zur Schule. Regierungsrat Dr. RumorowskiRedner besprach dann kurz die Stichwahlparole des Parteivorstandes, Botsdam, welcher zufällig zur Revision der Hohen- Neuendorfer die er durchaus billige. Er behandelte dann eingehend das Wahl Schule bort eintraf, ordnete eine strenge Untersuchung an. ergebnis in unserem Kreise, wobei er namentlich die drolligen Bor- gestern tonnte aber feine Spur des verschollenen Lehrers gefunden gänge gloffierte, die sich vor der Wahl hinter den Kulissen abspielten werden. Den Freunden und Bekannten des W. ist sein Verschwinden und die schließlich doch noch mühsam zustande gekommene fonfer- unerklärlich. bative Kandidatur Boddin zum Ziel hatten. Das Ergebnis in unserem Streise zeige, daß wir alle Kraft aufzubieten hätten, um Spandau. fünftighin dem Ansturm der bürgerlichen Parteien erfolgreich Trop Zu der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag hatten sich bieten zu können. Was unseren Drt anbelange, sei das Resultat für 29 bon 42 Stadtverordneten eingefunden, was wohl durch die Allen Kollegen, Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß meine 38492 liebe Frau Adolfine Malze geb. Dahms, am 31. Januar verstorben ist. Die Beerdigung findet morgen Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von der Reichenhalle des ThomasKirchhofes in Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Der trauernde Gatte Herm. Malze, Töpfer. Allen Verwandten und Freunden die traurige Mitteilung, daß meine liebe Frau 38482 Albertine Prost geb. Müller, nach langem schweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag. nachmittags 2 Uhr, von der Halle des Emmaus- Kirchhofes, Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Um stilles Beileid bittet Karl Prost, Manteuffelstr. 119. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, den 2. Februar. Anfang 7 Uhr. Kgl. Opernhaus. Salome. Kgl. Schauspielhaus. Die Jours nalisten. Deutsches. Romeo und Julia. Westen. Cousin Bobby. Rachm. 3 Uhr: Der Wildschük. Lorning. Der Mikado. Leffing. Die Jungfern von Bischofsberg. Anfang 8 Uhr. Berliner. Der Hund von Basterbille. Schiller 0.( allner- Theater.) Die Räuber. Urania. Wissenschaftliches Theater. 4 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr: Dr. B. Donath: Die Lichtstrahlen.( I. Teil.) Lustspielhaus. Täglich abends 8 Uhr: Husarenfieber. Zentral- Theater. ( Operette.) 8 Uhr: Künstlerblut. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Schiller- Theater Charlottenburg. Nachmittags 4 Uhr: Kindervorstellung Jugend. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Der Familientag. Komische Oper. Tosca. Neues Schauspielhaus. Herthas Hochzeit. Kleines. Eine triviale Komödie. Neues. Die Condottieri. Residenz. Florette und Patapon. Lustspielhaus. Husarenfieber. Zentral. Künstlerblut. Nachmittags 3, Uhr: Schneewittchen. Deutsch Amerikanisches. S Sorgenbrecher. Thalia. Eine luftige Doppelehe. Nachmittags 3 Uhr: Bring. Der Luisen. Der Raub der Sabinerinnen. Nachm. 4 Uhr: Klein Däumling. Bernhard Rose. Schule des Lebens. Nachmittags 4 Uhr: Aschenbrödel. Trianon. Frl. Josette Frau. meine Klein Däumling. Abends 8 Uhr: Der Raub der Sabinerinnen. Sonntag 3 Uhr: Tell. Kleine Preise. 8 Uhr: Der Königsleutnant. Montag: Sherlock Holmes. Schiller- Theater N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Der Familientag. Morgen: Die Teufelskirche. DERNHARD ROSE THEATED Große Frankfurterstr. 132. Nachm. 4 Uhr Kindervorst. bei fleinen Preisen: Aschenbrödel. Abends 8 Uhr: Metropol. Der Teufel lacht dazu. Die Schule des Lebens. Gebr. Herrnfeld. Ein verrüdies Hotel. Wintergarten. Sabaret. Spezia litäten. Apollo. Die schöne Beftalin. Spe. zialitäten. Kasino. Ledige Leute. Spezialität. Folies Caprice. Im Café Abelles. Ein Klabriasprozeß. Soiere bei Lowh. Paffage. Berlin paß auf! Spe zialitäten. Morgen nachm. 3 Uhr b. ermäßigt. Genie und Breifen: Kean ober: Leidenschaft. bends 8 Uhr: Die Schule des Lebens. Refidenz- Theater. Direttion Richard Merander. Heute und folgende Tage Anfang 8 Uhr. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater) Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Räuber. Schauspiel in 5 Aufzügen von Friedrich Schiller. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Maria Stuart. Sonntag, abends 8 Ubr: Flachsmann als Erzieher. Montag, abends 8 Uhr: Der Kaiserjäger. C Schiller- Theater Charlottenburg, Bismardstraße, Ede der Grolmanstr. Sonnabend, abends 8 Uhr: Jugend. Liebesbrama in 3 Auszügen von May Halbe. Sonntag, nach m. 3 Ubr: Der Pfarrer v. Kirchfeld. Sonntag, abends 8 Uhr: Jugend. M Montag, abends 8 Uhr: Fiesko. astans Panopticum Friedrichstraße 165 Größte Sehenswürdigkeit Berlins. Von abends 6, Uhr ab: Familien- Bier- Kabarett. Reichhaltiges und originelles künstlerisches Programm. Zirkus Busch. Zirkus Schumann Heute abend 72 Uhr. Neu! Neu! Nen! The Novellos Judien in Europa. Zum 1. Male: Manello- Marnitz Akrobatentroupe. Außerdem Herrn Ernst Schumanns Neudressuren usw. Um 10 Uhr: ROM. Gr. Drigin.- Manege- Ausstatt.< Bantomime in 7 Bildern. Sonntag: 2 Vorstellungen. WINTELT CARTEN SAHARET. Heute abend präzise 7, Uhr: XVII. Grande Soirée High- Life. Galaprogramm und das größte Bracht- Manegeschauftüd St. Hubertus. 1. Dem Mitgliede des Zentralverbandes der Zimmerer und Kassierer der Bentral- Krantentasse Albert Flügge 38472 zu feinem Geburtstage ein dreimal donnerndes Hoch!!! Einige Kameraden des Bezirks 12. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Maschinenarbeiter 4 Gustav Boldt am 28. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. Februar, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Zentralfriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 79/9 Die Ortsverwaltung. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für 3/5 Hant- und Harnleiden. 10-2, 5-7 Sonntags 10-12, 2-4. Sozialdemokrat. Wahlverein t.d.4. Berl. Reichstagswahlkreis Görlitzer Viertel. Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Genosse Friedrich Räbiger, wohnhaft Liegnigerstr. 17, Stadtbezirk 113a, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. Februar, nachmittags 2, Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus ftatt. T 242/9 Der Vorftand. Verband der Sattler Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 31. Januar nach langem schweren Leiden unser langjähriges Mitglied Franz Kettelhön ( Werkstatt H. Goldmann) Dr. Schünemann verstorben ift. 35112* Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. 1. Aft: In der Waldschänke Bum Bayerischen Strug". 2. Aft: Die Jagdgesellschaft bei Herrn von Huber. 3. Aft: Das Schützenfest. 1. Breisfegeln. 2. Schinkenspringen. 3. Gürtel ringkampf. 4. Adlerschießen. 5. Schuhblatterin. 6. Unterbrechung des Festes durch großen Schneeorfan. 4. Aft: In den Alpen. 1. Stein: bockjagd auf echte Steinböcke. 2. Kampf zwischen Förstern und Wilderern. 4. Parforcejagd über die Riesenkastaden. 5. Aft: Ans läßlich der Schonzeit großes Waldfest. Feenhafte Schlußapotheose mit Sonntagnachm. 3 Uhr halbe Preise: , Ueber'n großen Teich." ganz neuen Effekten. Vorher sämtliche Spezialitäten und Der Motor im Globus. Sonntag: 2 Galavorstellungen. Otto Reutter 0000000000 Folies Caprice Riogocu- Familie, japan. Truppe. Rudinoff, Universalkünstler. Seelöwen, vorgef. v. Matros. Walter. Abbie Mitchel, kreolische Sängerin. 4 Sisters Leamy, gymn. Produktion. Leonard Gautier in der Szene„ Ein Spielwarenladen". Figaro. Eine gute Bartie. Die Slaue. Florette und Patapon. Morton und Elliot, Instrumentalisten Chicagoer Landwirt. Unterm Bett. ( Anfang 8, Uhr.) Prater Theater. Beschlossen. Walhalla. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Irania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Rachmittags 4 Uhr:: Frühlingstage an der Riviera. Schwant in 3 Atten v. M. Hennequin und Pierre Beber. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Stellvertreter. Cpollo Hörsaal 8 Uhr: Dr. B. Donath: 10 Uhr! Die Lichtstrahlen.( I. Teil.) Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Ferdinand Bonns Theater Heute: 10 Uhr! Bernhard Mörbitz. Außerdem: Berliner Theater. Debüts ber neuen Spezialitäten. Abends 8 Uhr: Der Hund von Baskerville. Sonntag: Der Hund von Baskerville. Uhr Die schöneVestalin. Operette von Viktor Holländer. Sonntag, den 3. Februar, nachm. 3 Uhr: Doppelvorstellung. Kleine Preise! Metropol- Theater Abends 8 Uhr: Theater des Westens Der Teufel lacht dazu. Station Zoolog. Garten, Kantstr. 12. Durchschlagender Dperetten Erfolg! Allabendlich 7½ Uhr: Gastspiel Fritz Berner Coulin Bobby. Neues Schauspielhaus Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary, Wolff. Wolff. Bender. Giampietro. Josephi. Sonnabend, den 2. Februar 1907: Rauchen überall gestattet.. Herthas Hochzeit. Morgen Sonntag, den 3. Februar, Morgen: Herthas Hochzeit. Anfang 8 Uhr Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Die Condottieri. Morgen und folgende Tage: Die Condottieri. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Eine triviale Komödie für seriöse Leute.( Bunbury.) Sonntag: Eine triviale Komödie für seriöse Leute.( Bunbury.) Komische Oper. 8 Uhr: Abends Tosca. Sonntag nachm. 3 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Abends 8 Uhr: Tosca. Montag: Hoffmanns Erzählungen. Lortzing Theater Bellealliancestr. 7/8. Rachmittag 3 Uhr Erstaufführung: Die Montresore. Wozu der Lärm? Abends 7, Uhr: Der Mikado. Abonnements gültig. Sonntag nagm. 3 Uhr: Martha. Abends 7 Uhr: Der Mikado. nachmittags 3 Uhr: und Papiermanipulatoren. Auf dem Balle, Tanzszene, ausgef. von der Tiller- Truppe, London. Der Biograph. Ende 11 Uhr Gebr. HerrnfeldAnfg. 8 Uhr. Theater Ginlaz 7 Uhr Kommandantenstr. 57. Neuer großer durchschlagender Lach- Erfolg! Bach. Erfolg! Ein verrücktes Hotel mit dem Vorspiel: ,, Hayfisch geht zur Jagd" Stomödie in 3 Atten von Anton und Donat Herrnfeld nachmittags 3, Uhr b. halben Kaffenpreisen. Borbert. 11-2 Uhr( Theaterkaffe) Sonntag, den 3. Februar, Endlich allein. Fall Blumentopf. Linienstr. 132 Ecke Friedrichstraße. Dir. Felix Berg. Gastspiel des Budapester Lieblings Jacques Aalbach. Im Café Abelles. Ein Klabriasprozeß. Soiree bei Löwy. Anfang 8 Uhr. Vorverk. 10-2 a. d. Theaterk. u. b. Wertheim. Passage- Theater. Wiederauftreten von GEORG KAISER. Lette Borstellungen von Berlin paß' auf! Die glänzenden Februar: Spezialitäten. Dienstag, den 5. Februar, zum 1. Male: Mal was Anderes! Boffe von Leop. Elh. Josefine Dora, Georg Kaiser, Martin Bendix, Ernst Kettner. Deutsch- Amerikanisches THEATER, Köpenickerstr. 67/68. Heute und jeden Abend 8 Uhr: Gastsp. Ad. Philipp. Der große Lacherfolg: Der Sorgenbrecher. 99 WalhallaVarieté- Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Heute abend 8 Uhr: Das gänzlich neue großartige Februar- Programm. 15 Spezialitäten, jede einzelne eine Sensation. 2 urkomische Pantomimen 2 1. zu Wasser 2. zu Lande. Leonhard Haskel der allbeliebte Bolts- Komiter. Anna Müller- Lincke Soubrette v. Metropol- Th. i.Berlin. Aryama der fabelhafte Seilfünstler, usw. Für Theaterbesucher freier Eintritt zu den Bockbierfesten im Tunnel: Elnödshöfer- Kapelle. Farinelli- Ensemble. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. Februar, nach mittags 3 Uhr, von der Leichen halle des Auferstehungs Friedhofes, Weißenfee, Lichtenberger straße, aus statt. 9 Bahlreiche Beteiligung erwartet 156/11 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband ( Zahlstelle Rigdorf). Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Kollege Stürmer am 29. Januar verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabendnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Neuen Rir dorfer Kirchhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. 79/7 Am Dienstag, den 29. d. M., verstarb der unser Kollege, Bodenmacher Karl Stürmer. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend nachmittags 3 Uhr von der Halle des Neuen Rigdorfer Kirchhofs, Mariendorfer Weg, +109 Kasino- Theater aus ftatt. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Ledige Leute. Komödie in 3 Atten v. Feliz Dörmann. Borher das vollständig neue erftflaffige bunte Februarprogramm. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Die Kollegen der Pianofabrik ,, Merkur. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Bartettbodenleger Brunnen- Theater Georg Zeinert, Gesundbrunnen. Badstraße 58. Direktion: Bernhard Rose. Sonntag, den 3. Februar 1907, nachm. 3 Uhr, bolkstümliche Preise: am 30. Januar berstorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 3. Februar, nach mittags 3 Uhr, von der Leichenballe bes Friedenstirchhofes am Palast- Theater. Sherlock Holmes leben habetes in Detektivkomödie in 4 Atten. Abends 7 Uhr: Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Sodom and Gomorrha. Täglich abends 8 Uhr: Sonntags ab 4 Uhr W. Noacks Theater. Große Münchener Direttion: Rob. Dill. Brunnenftr. 16. Wegen Privat Feftlichkeit geschlossen. Sonntag: Bockbierfeste. Karl Kamberger mit feinen drei Stapellen: Original Auf in's Metropol. Der Vampyr Schlierseer". Schuhplattler, Sänger Schwant in 5 Aften. Anfang 7 Uhr. Entree 30 Pf. straße 4a. Nach der Vorstellung: Familienball. Sanssouci StottbuferDirettion Wilhelm Reimer. Sonnt., Montg., Donnerst.: Große Elite Soireen bon Hoffmanns Hordd. Sänger Stets neues Programm. Sonnt. Bg. 5, Wochent. 8 U. Morgen Sonntag: Große Elite Soiree v. Hoffmanns Norddeutschen Sängern. Seden Dienstags: Theaterabend. losseum Coloss Dresdenerstraße 97. Spezialitäten- Theater. Im Konzertsaal: Großer Bockbier- Jubel. All- Deutschland im Bock." Nationale Dekoration! Ueberraschungen aller Art. und Sängerinnen. Liederbücher zum Mitsingen gratis. Großartige eigene Deloration. Entree an Wochentagen 30 Pfennige. Prater- Theater Staftanien Allee 7-9. Heute geschlossen. Morgen Sonntag nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. Abends 7, Uhr: Philippine Welser. Gegründet 1883 Verein Berliner Hausdiener. Gegründet 1883 Mitgliedschaft I des Zentralverbandes der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Bureau: Alte Leipzigerstr. 1a. Telephon: Amt| Nr. 4981. Sonnabend, 2. Februar 1907, i. d. Gesamträumen der Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 16-23: 67/16 H >>>> Großes Alpenfest.ee Die Ballmusik wird von der startbefesten Driginal Bagr. Kapelle unter Leitung des Herrn Schorsch Ehrengruber aus München ausgeführt, 8illertaler, Jodler und Schuhplattlergesellschaft. Alpenrutschbahn, Alpenglühen, Original- Bayrische Bedienung. Die geehrten Festteilnehmer werden ersucht, ein dem Fest entsprechendes Softüm anzulegen. Es ist besonders Sommertoilette zu empfehlen. Entree 50 Pf. Anfang 9 Uhr. Billetts für Mitglieder oder deren Angehörige find zu haben im Bureau, Alte Leipzigerstraße 1. Telephon: Amt I, 2632 und 4981, bei den Beitragstassierern und in den Zahlstellen. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung I. Schwant in 4 Aften v. F. v. Schönthan. Nieder- Schönhausen- Nordend aus 79/8 statt. Die Ortsverwaltung. Reichshallen- Theater. Arbeiter- Raucher- Bund Stettiner Sänger. Anfang Bochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Relchshallen- Restaurant Bockbier- Fest. Trianon- Theater. Anfang 8 Uhr. Fräulein Josette- meine Frau. Sonntag nadm.: Wo ist der Papa? und Die Schloßkellerei. Neue Welt Hasenheide 108-114. Münchener Bockbierfest Muckels neueste Schlager. D'Hollertauer. 30 echte bayerische Madl. Neu für Berlin: Elite Tiroler Meistersånger Koschat- Lieberfänger, 4 Damen, 5 Herren. Lina vom Heede Jodlertönigin.[ 38082* Anfang täglich 7 Uhr. Entree 30 Pf. Dienstag, den 5. Februar: Prämiierung der größten und der kleinsten Dame. Berlins und Umgegend. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied Albert Baresel aus Slub Grüne Rose" am 29. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. Februar, nach mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der Samariter- Gemeinde in Wilhelmsberg aus statt. 2/5 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unsere herzensliebe Tochter und Schwester Elisabeth Kotz am Donnerstag, den 31. Januar nach langem schweren Leiden im 19. Lebensjahre sanft entschlafen ift. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des alten Ban fower Friedshofes in der Spandauerstraße, Ede Kreuzstraße, aus statt. Die tieftrauernden Eltern und Geschwister Familie Kotz, Pankow. Allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen des Zentralverbandes der Steinarbeiter Berlin I, für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben, unvergeßlichen Mannes, unseres guten Baters 12545 Karl Thiemann sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dant. Die trauernde Witwe Ida Thiemann nebst Kindern. Blitz Blitz Unerreicht an Wohlgeschmack Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Kaufe bei ,, Blitz" Herren- Konfektion. Ausverkauf. Knaben- Konfektion. 43, Kommandantenstr. 43, nur Hauptstr. 10, Schöneberg, Hauptstr. 10. 8/12 jetzt 245 M. RF Extra billiger Sonderverkauf. I Herren- Hose„ Herkules" Knaben- Anzüge u. Paletots, jetzt 260 M. 187, Gr. Frankfurterstr. 137. Herren- Anzüge, Kavalier... jetzt 1250 M. Herren- Paletots, Kavalier. jetzt 1050 M. Blitz 0 80, Chausseestr. 80. 9, Rosenthalerstr. 9. 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Achtung!| Bauten der Firma Klavierarbeiter! Ueber die Pianofabrit Bell& Co., Andreasstr. 32 und Grüner Weg 79, die unter der Firma Neugebauer Nachf. Arbeitswillige sucht, ist nach 14 wöchigem Streit die Sperre dauernd verhängt. 141/ 16* Zuzug ftreng fernhalten. Vereinigung der Musikinstrumentenarbeiter. Achtung, Töpfer! Die gesperrte Firma A. M. Berndt& Co. in Wilmersdorf, Hildegardstraße 15, führt jekt folgende Bauten aus: Charlottenburg. Dernburgstr. 47 und Suarezftr. 3; bieselben sind strengstens zu meiden, sämtliche Bauhandwerker werden er 212/3 sucht dieses zu beachten. Die Verbandsleitung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Achtung! Bauarbeiter! Begen der Aussperrung in der Berliner Holzindustrie sind folgende Bauten gesperrt: 78/5 Supke. Firma Sawatzki. Württembergischestraße 36 und 37, Ede Ließenburgerstraße. Landshuterstr. 18. Bauten der Firma Jäger, Charlottenburg. Charlottenburg, Straße 26, Pars. 25. Bauten der Firma Jarotzki. Jagdschloß Glienide. Bauten der Firma Plagemann. Fürstenhof", Potsdamer Plak. Witting, Stielerstraße. Bauten der Firma Traxel. Tempelhof, Germania- u. Gottlieb. Dunkelstraßen Ede, Bauherr Schallhorn u. Röhl. Banten der Firma Iden. Bolantstraße in Bantom neben dem Bosabowskyhaus, Baumeister Köppen. Elisabethstraße, bis a bis der Strelizerstraße. Banten der Firma Dombrowsky. Tempelhof, Germania. u. Gottlieb Dunkelstraßen Ede, Bauherr Tausch u. Berghäuser. Banten der Firma Marquardt. Rigdorf, Beise und Allerstr.- Ede. Bauten der Firma Pewesin. Bilmersdorf, Brandenburgischestr.12. Straße 26, Bau Neu mann. Tegeler Weg 101/102.. Bauten der Firma Ziehe. Grün& Hetwig: Städtische Anstalt in Buch. Barbarossaplab, Hochschule. Oldenburgerstraße, selosterbau. Xantenerstraße 3-8. Hoppegarten, Heilstätte. Bellermannstraße. Sybelstraße, Ede Dahlmannstraße. Bauten der Firma Gebr. Faul Mohrenstraße 44/45. Jägerstraße 63, Berlin. Potsdamerstr. 15. Neuendorf, Monumentenftr. 27. Bariserstr. 21/22, Wilmersdorf. Gebr. Fidert, Chausseestraße, Mariendorf. Offizierkafino, General Papestraße, Schöneberg. Anstalt Beelitz( Fenster), Pavillon 4b. Nadge, Holzbandlung, Rummels burg, am Wilhelmsberg. Bauten der Firma Grunert& Seemann: Schönhauser Allee 97. Dänenstraße, Ede Schönfließerftraße. Invalidenstr. 38. Nieder- Schönhausen, Bismardftr. 32. Trestonftr. 14. Henrizi, Charlottenburg, Suarezftrage 13. Raft, Schöneberg, Barbarossa- Ede Landshuterstraße. Bauzen, Charlottenburg, Schlüterstraße. Schmidt, Halensee, Ringbahn- und Joachimstraße. Friedrich- und Halberstäbterftr.- Ede. Aschaffenburgerstraße, Damenheim. Bauten der Firma Wain: Maaß, Liegenburger und Pfalzburgerstraßen- Ede. Bau Taunusstr. 29, Friedenau. Bauten der Firma Sperling& Kapelke: Bris, Werber u. Rungtusftr. Ede. Sybelftr. 56. Bauten der Firma Wagenknecht: Spreda, Gürtelstraße 17. Fize, Nigdorf, Richardstraße und Bartelsdorferstraße( Ede). Grothe, Martendorf, Dorfkrake ( Ede). Bauten der Firma Schirmer: Wangenheimstraße, Ede Lynarstraße, Halensee. Schirmer, Bartstraße, Grunewald. Schirmer, Spandauerstraße, Behlen. δοχή. Bastian, Riemeisterstraße, Behlendorf. Schirmer, Neueftraße, Behlendorf. Breler, Nitolassee, Rehwiese. Bauten der Firma Akt.- Ges. für Banausführung: Hardt u. Lesser, von der Hehbtftraße 12. Ritterstraße 11, Fabrikgebäude. Bauten der Firma Repke, Charlottenburg: Lorenz, Sybelstraße 47. Seibt, Bismardstraße, Ede Räder. ftraße. Gablowsky, Straße 29. Lantwig, Sanatorium. Schröder, Charlottenburg, Spielhagenstraße, Ede Bilmersdorferftraße. Charlottenburg, Tauroggenerftr. 46. Bauten der Firma Rigdorf, Harzerstr. 3. Bauten der Firma Emmeluth, Rigdorf. Gewerkschaftshaus der Metall arbeiter, Charitéstraße. Banten der Firma Schmidt, Frankfurter Allee. Dudenarderstr. 5, Bau Dowe. Lichtenberg, Magdalenenst. 42, Bau Fischer. Ban der Firma Grüne, Schöneberg. Westend, Königin Elifabethstr. 50. Stottbuser Damm 86. Charlottenburg, Niebuhrstr. 77, Bau Frig. Bauten der Firma Spohn: Belchfelstraße 56/57, Rigdorf. Banten der Firma Erdmann: Ministerialdirekt. Neuhaus, Dahlem, Partstraße. Mathesius, Nikolassee, an der Nehwiefe. Jagdschloß Glienide. Bauten der Firma Heinrich Mittag: Ziehmann, Kurfürstendamm, gegen über der Dahlmannstraße; Peitscher, Kurfürstendamm 144; Erfaßtommission, Haidestraßen- Ede; Hochschule, Charlottenburg; Stegliz, Kaiser Wilhelmstr. 13; Hauptstr. 13; Wilmersdorf, Helmstedterstr. 2; Schmidt, Prager Plaz; Kirthe, Beussels, Ede Biclefstraße; Elektrische Berke, Mogstraße; Nauen, Krantenhaus; Wilmersdorf, Schloßbau. Körting, Tegelerstr. 6. Grosse, Marienfelde, Kirchstraße. Timm, Rigdorf, Bergstr. 50. Brode, Dahlmannstr. 26. Gebr. Schaar: Lichtenberg, Dorfstraße 9, 8elder u. Plathen. General Bapeſtraße, Mir u. Geneft. Soorstraße, Charlottenburg- Westend. Am fleinen Wannsee, Bau Jahnisch. Bismarckstr. 42. Bauten der Firma Schubert: General Bapestraße, Mig u. Genest. Holland, Rigdorf, Elbestraße 37. Holland, Wilmersdorf, Holsteinische straße. Bauten der Firma Kussin: Charlottenburg, Kaiser- Allee 203. Grünfeld, Sächsischestraße 4. Bandmann, Landsputerstraße. Bauten der Firma Walter, Reinickendorf: Gemeindeschule, Reinickendorf. Sprengel- und Samoaſtraße, Ede. Hausotter- und Residenzstraße, Ede. Bauten der Firma Rösner: Weichselstraße 36. Bauten der Firma Karl Hammer, Gitschiner Straße 63: Wannsee, Alsenstr. 33, Bau Tropffe. In Eichwalde Bau Herm. Hammer, Lantwik. Bauten der Firma Glatzer, Blücherstraße 35: In Zehlendorf. Bauten der Firma Langermann: Bariser- und Wittenbergstraßen- Ede, Bau Heffe. Bismard und Weimarstraßen- Ede, Bau Hübner. Gesperrt für Korbmacher: Werkstatt Leithoff, Teltowerstraße. Gesperrt für Vergolder: 3. C. Pfaff, Beughofstraße. gediegener technischer Leiter gesucht. Offerten mitgeugnisabschriften undebaltsansprüchen zu richten an A. Loebel & Co., Bukarest( Rumänien.) Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Enseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.