Nr. 38. Abonnements- Bedingungen: abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 I., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Lugemburg. Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebrudte) Bort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jebes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Donnerstag, den 14. Februar 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernivrecher: Amt IV. Nr. 1984. Die Lehren der Reichstagswahl.en über das Wesen, die Forderungen und die Tätigkeit in ihren eigenen Breßorganen und Organiſationen. Es ift III.( Schluß.) Noch Hunderttausende selbst industrieller Arbeiter ge- politischen Bewegung beitragen: durch Mehrung des Abonnentenhören bürgerlichen Parteien an, den Nationalliberalen, dem standes der Parteipresse und der Mitglieder der politischen Drgaund vor allen Dingen dem Zentrum. Diese Massen nisationen, aber auch durch fruchtbarste politische Aufklärung der Sozialdemokratie erfolgreicher aufgeklärt werden, als das eine grundverkehrte Auffassung, daß sich die Einwendungen bisher der Fall war. Die Verbreitung der sozialdemokrati- gegen eine Neutralisierung der Gewerkschaften jemals gegen In verschiedenen neu vorliegenden Preßstimmen wird schen Presse, die Stärkung der sozialdemokratischen Drgani- eine besonnene gewerkschaftliche Taftit gerichtet hätten, die weiterhin das Mitläufer Problem behandelt. So fationen und eine systematischere, häufigere und massenhaftere notwendig ist zur Gewinnung indifferenter Arbeiterkreise. weiterhin das Mitläufer- Problem behandelt. So Verbreitung von sozialdemokratischen Aufklärungsschriften sind Ebensowenig richteten sich diese Einwendungen dagegen, daß führt Genosse Göhre in der Neuen Geſellſchaft" führt Genosse Göhre in der„ Neuen Gesellschaft" aus, daß die Partei bisher allzusehr die Mitläufer, die nicht die wichtigsten Mittel, die Indifferenten oder uns gar noch die Gewerkschaften ihrem Charakter gemäß alle Sträfte für die aus, daß die Partei bisher allzusehr die Mitläufer, die nicht feindlich gesinnten Proletarierschichten für uns zu gewinnen. spezifischen Gewerkschaftszwecke aufwendeten. Die geäußerten aus den spezifischen Kreisen der Industrie- und Landarbeiter Die Genossen Adolf Hoffmann und Wurm haben in Bedenken richteten sich nur gegen eine Hyperneutralität, wie stammten, als quantité negligeable behandelt habe. Und dieser Beziehung in der„ Neuen Zeit" sehr dankens- und sie von einzelnen Gewerkschaftsführern empfohlen und geübt doch bedürfe die Partei aller nichtbesitzenden Schichten, beherzigenswerte Anregungen gegeben. Einer ihrer Vor- wurde. Und wie schädlich eine solche Hyperneutralität tatsächum die Mehrheit des Volkes zu gewinnen. Mitläufer werde schläge geht auch dahin, mehr noch als bisher and lich der unteilbaren Arbeiterbewegung ist, bewies ja gerade in die Partei stets haben, auch unter den eigentlichen Arbeiter- arbeiter blätter zu schaffen. Diese Blätter müßten diesen lezten Wochen erst die Haltung der Redaktion des schichten selbst. Es sei eine Utopie, zu wähnen, daß auch nur mindestens monatlich erscheinen, populär und fachfundig ge- Organs des Deutschen Buchdruckerverbandes. Von einer solchen alle Industriearbeiter in die politischen Organisationen ge- fchrieben sein und die Tätigkeit der Sozialdemokratie dem Neutralität war erfreulicherweise in der letzten Zeit bei der bracht werden könnten. All diese Mitläufer dürften deshalb ländlichen Proletariat in fesselnder und überzeugender Weise ungeheuren Mehrzahl der Gewerkschaften keine Rede. Während nicht geringschäßig behandelt werden. Schließlich müsse die vor Augen führen. Ein besonderes Gewicht wäre ferner des Wahlkampfes erklärten sich die Gewerkschaften offen für Partei auch dazu gelangen, mehr positive Arbeit darauf zu legen, mindestens Ansätze zu Organisationen auch die Partei. Aufs innigste zu wünschen ist nur, daß dies Verauch für die nicht rein poletarischen Schichten der nicht der auf dem platten Lande zu schaffen, durch die auf die isolierte hältnis auch für die Zukunft fortbestehen bleibt! tapitalistischen Klasse Angehörigen zu leisten. und politisch rückständige Landarbeiterschaft überhaupt ein In vielen Wahlbetrachtungen tehrt der Zadel über die Ein ähnlicher Gedankengang findet sich auch in der größerer Einfluß ausgeübt werden kann. früheren Parteidiskussionen wieder. Wir wollen Sächs. Arbeiterzeitung". Die Verherrlichung einer Eine gewaltige Unterstüßung des sozialistischen Klassen- nicht auf Vergangenes eingehen und die Schiefheit mancher neuen Menschheitszukunft, heißt es da, genüge nicht; die kampfes bermögen der Partei auch die Gewerkschaften zu ge- dabei geäußerten Ansichten erweisen. Eine Partei, wie Sozialdemokratie müsse die Keime der Zukunft auch im währen. Mit allem Nachdruck hat auf dieses Moment der die sozialdemokratische, kann und muß Meinungsverschieden. rauhen Boden der Gegenwart pflanzen. Eine kleine politische Genosse Timm hingewiesen. Die Sozialdemokratie, so heiten tolerieren, so lange sie nicht den Bestand der Partei Sefte fönne sich auf die Anziehungskraft ihrer Ideale ver- führte er aus, sei für die aufstrebenden Gewerkschaften gefährden und ihrer Agitation fortwährend Knüppel zwischen laffen, eine große Partei hingegen müsse ihre Ideale in die der Schutzwall ihrer freien Entwickelung. Jede Schwächung die Beine werfen. Leider sind aber nicht alle Parteidiskussionen Wirklichkeit überführen, ihre Fruchtbarkeit von Tag zu der Sozialdemokratie bedeute eine eminente Gefahr ein Zeichen der urwüchsigen Kraft und geistigen Frische der ArbeiterTag augenscheinlich beweisen. für den planmäßigen Fortschritt der gewerkschaftlichen bewegung. Manches, was in diesen letzten Tagen Bernstein, nament " " Unseres Dafürhaltens ist die sozialdemokratische Partei Organisationen. Die Gewerkschaftsbewegung brauche zu ihrer lich aber Calwer und Schippel geschrieben, war höchst bedenklich niemals in den Fehler verfallen, die Mitläufer mit Gering- vollen fulturellen Wirksamkeit mehr Bewegungsfreiheit. Diese und, statt der Partei neue Lebensfäfte zuzuführen, nur ge schäßigkeit zu behandeln. Es ist stets nur mit dem durchaus Bewegungsfreiheit könne sie aber erfolgreich nur vereint mit eignet, als reichsverbändlerisches Material zur Bekämpfung gebotenen Nachdruck erklärt worden, daß die wirkliche einer einflußreichen politischen Vertretung erringen. Und diese der Sozialdemokratie verwendet zu werden. Eine größere Stärke der Partei in dem eigentlichen Prole- Vertretung befäßen die Gewerkschaften in der deutschen Reserve wäre den betreffenden Genoijen tariat ruhe, daß die sozialdemokratische Politik eine prole- Sozialdemokratie. Die gewerkschaftlich organisierten bringend zu empfehlen. Zum mindesten aber ist es tarische Klassenkampfpolitik sein müsse und daß alles auf- Arbeiter müßten die Bannerträger in dem Wahl- in solchen Fällen notwendig, daß die öffentlichen Organe ber zubieten sei, möglichst breite Schichten der Gesamtpartei mit tampf sein. Schon aus Selbstzweck für den Bestand und Partei fachlich in aller Schärfe erklären, daß solche Aeußerungen der Ideenwelt und den Prinzipien dieses Klassen- den Ausbau ihrer Bewegung. nichts als die Privatmeinungen ihrer Verfasser sind. Nur dadurch tampfes vertraut zu machen. Nur eine politisch geschulte Auch das ,, Korrespondenz blatt" der General- fann verhütet werden, daß solche Auslaffungen unter den und aufgeklärte Anhängerschaft der Partei verbürge den un- tommission der Gewerkschaften Deutsch Massen Verwirrung anrichten. Möchten doch manche überaufhaltsamen fiegreichen Fortschritt des Sozialismus. Eine lands würdigt ganz im Sinne Timms die Bedeutung einer eifrige Kritiker ihre Zeit nüßlicher verwenden, indem sie die Auffassung, die gerade durch den Ausfall der diesjährigen starken sozialdemokratischen Partei für die gewerffchaftlich Gegner bekämpften und selbst ihr Teil dazu beitrügen, die Wahl die glänzendste Bestätigung erfahren hat! organisierte und noch zu organisierende Arbeiterschaft. Es von ihnen geforderte praktische und positive Arbeit, selbstSelbstverständlich muß die Partei auch bemüht gelte die politischen Organisationen der Partei noch ganz verständlich im Einklang mit unserer prinzipiellen Grundsein, ihren Anhängerkreis über den Rahmen des eigentlichen anders auszubauen als bisher. Sei doch die Organisation auffassung, unserem Klassenkampfstandpunkt, zu leisten! Lohnproletariats hinaus zu erweitern. Selbstverständlich der Sozialdemokratie hinter ihren Gegnern zurückgeblieben. Sehr beachtenswerte Gesichtspuntte macht auch das muß die Sozialdemokratie auch die politischen und sozialen Den bürgerlichen Parteien stehe der amtliche Wahlapparat Hamburger Echo" geltend. Es betont, daß die Interessen derjenigen nichtbesibenden Schichten, die dem Lohn- mit seiner ganzen mechanischen Kraft gegenüber. Hinzu Sozialdemokratte neben der mit allem Eifer zu betreibenden proletariat nicht angehören, mit aller Energie vertreten, so- tomme die überaus bewegliche Propagandaorganisation des Gegenwartsarbeit auf die Hervorhebung des sozialistischen weit sie sich dadurch nicht mit ihrem Klassenkampfprogramm Reichsverbandes. Die Sozialdemokratie habe nur in größeren Zukunftsideals mehr als bisher bedacht sein müsse. in Widerspruch sezt. Und es darf denn doch behauptet Städten eine einigermaßen ausreichende Organisation besessen, hinreißende Begeisterung und Faszinierung der Massen lasse werden, daß die Sozialdemokratie auch bisher schon die aber vielfach den Ausfall, der durch den Zug aufs Land sich niemals durch bloße Kleinarbeit erzeugen, sondern bei allen Fragen der Gesetzgebung für die Interessen aller entstanden war, nicht auszugleichen vermochte. Auf dem einzig durch die großzügige Entwickelung jener sozialistischen Nichtbesitzenden nachdrücklichst eingetreten ist! Konzessionen Lande lasse die Drganisation noch alles zu wünschen Stulturwelt, wie sie die Sozialdemokratie erbauen wolle. an die Klasseninteressen der Bauern und Handwerker, die übrig. Wo starke Parteiorganisationen bestanden hätten, habe Es erscheint uns bemerkenswert, daß diese nämliche nicht auf dem Wege der allgemeinen Kulturentwidelung sich die Partei trok des verzweifelten Sträfteaufgebotes der Auffassung gerade während des Wahlkampfes auch von wurde An der unzureichenden Organisation Streisen vertreten liegen, die im Gegenteil mit den Interessen des Prole- Gegner bewährt. die durch ihren täglichen tariats, dieses Trägers des gesellschaftlichen Kulturfortschritts liege also ein Teil der Schuld, daß im letzten Wahlkampf so Verkehr Anspruch auf eine genaueste Kenntnis der Psyche des and proletariates Anspruch erheben konnten. in sozialistischem Sinne, kollidieren, konnte freilich die Sozial- mancher alte Befitstand verloren gegangen sei. in der Tat: Aber das Drgan der Generalfommission fordert nicht nur Und demokratie der Vergangenheit ebensowenig machen, wie ihr Wenn von so manchem Kritifer das in aller Zukunft möglich sein wird! In den Fragen der auf zur Schaffung stärkerer politischer Organisationen, sondern immer wieder auf die Notwendigkeit verwiesen wird, der Bollpolitik und der Mittelstandsrettereiz. B. es versichert die Partei auch seiner weitgehend st en Sozialdemokratie den Stempel einer Kulturpartei aufzubrüden, kann die Sozialdemokratie von ihrem bisherigen Standpunkt und energischsten Unterstützung bei der so wüßten wir nicht, wie dies Ziel besser erreicht werden niemals abgehen. Wer ihr das zumutet, verlangt von ihr Schaffung solcher Organisationen. Wie Gewert- tönnte, als durch die stete Entwickelung jenes grandiosen nichts anderes, als daß sie sich mit allen proletarischen schaften und Sozialdemokratie gemeinsam und mit gleicher Kulturgedankens, der Kern und Eudziel alles fozialdemokratischen Klassenkampfauffassungen in Widerspruch jetzt. Im Begeisterung in den Kampf gezogen seien, so müsse auch nun Wirkens bildet! übrigen aber ist die Sozialdemokratie stets gegen die tapitalistische Ausbeutung und für die Hebung der Lage aller Nichtbesitzenden eingetreten. So durch ihren Kampf um die Herabsetzung der Militär- und Koloniallasten, um die Reform der Steuerpolitik, um die Verbesserung der Lage der Kleinen Beamten, um die Erringung gleicher politischer Rechte für die nichtbesitzende Klasse usw. Vielleicht kann dieser Kampf in Zukunft noch energischer geführt werden. Die Voraussetzung dafür ist aber, daß eben praktisch ge. arbeitet wird. Schöne Worte, bloße Forderungen tun es nicht! gemeinsam weiter gearbeitet werden: Die russische Revolution. Die Wahlfälschung. Die ,, Sie( die Arbeiterbewegung) muß von unten herauf beginnen, durch einträchtiges Miteinanderarbeiten an der Bervollkommnung der gewerkschaftlichen wie der politischen Organisation, durch gegenseitige Unterstügung in allen Aufgaben und durch Ausschaltung alles inneren Zwistes, der die Aktionskraft einer oder beider Es kann nicht wundernehmen, wenn vielerorts in Rußland Gruppen schwächt und den Gegnern Angriffswaffen bietet.... Die Reaktionäre zu Wahlmännern gewähberden; es ist aber wunderGewerkschaften werden nach Kräften das Ihre bar, daß dies nicht häufiger geschieht. Das System, das die tun, diese Organisations- und Aufklärungsarbeit Behörden anwenden, um einen five fie günstigen Ausgang der zu fördern und die der Arbeiterbewegung noch fernstehenden Wahlen herbeizuführen, kann mit vollem Recht eine tonse. quente Wahlfälschung genannt werden: Die Wählerlisten Millionen von Industrie- und Landproletariern für den werden falsch zusammengesetzt, die schwarzhundertleute werden Daß die Sozialdemokratie auf dem Gebiete der Emanzipationskampf des arbeitenden Boltes zu gewinnen auf alle Fälle zu den Wählern zugerechnet, selbst wenn sie durchund zu tlaffenbewußten treuen, berläglichen aus tein Recht dazu haben; es werden Tote in Massen in sozialen Gesezgebung bisher das menschenmögliche geleistet hat, gibt ja auch der Genosse Süd ekum zu. Er Klassentämpfern zu erziehen. Soll diese Arbeit von die Wählerlisten eingetragen usw. usw. Andererseits erklärt geradezu, daß sich die Sozialdemokratie mit ihren Erfolg gekrönt sein, so muß sie das volle Verständnis und die werden folche Wähler, die als unzuverlässig" gelten, in großer sozialpolitischen Leistungen doch wahrhaftig sehen lassen bolle Hingabe aller Parteifreise finden. Dann wird der 25. Januar Bahl einfach aus den Listen gestrichen. Als die Listen öffentlich fönne! Daß diese Tätigkeit der Sozialdemokratie selbst in aus einem Tage der Niederlage zu einem Tage der Wiedergeburt ausgelegt wurden, erwies sich, daß sie vom Fehlern wimmelten; es ist aber nicht so leicht, zum Teil dire unmöglich gemacht, nachbreiten Proletariermassen nicht hinreichend ge= Die Leitung der auf dem Boden der modernen Arbeiter- träglich die Eintragung zu erwarten. Bei der Eintragung in die Wählerlisten und in einigen Kurien würdigt worden ist, daß viele Tausende von Arbeitern trotz alledem für bürgerliche Kandidaten stimmten, führt bewegung stehenden Gewerkschaften erklärt also mit erfreu- auch bei der Ausübung des Wahlrechts verden von jedem Wähler wie sie die besondere polizeiliche Beglaubigungen belangt; sehr häufig weigert Südekum sehr richtig auf die bisherige Unmöglichkeit zurück, lichster Deutlichkeit, daß die Gewerkschaften an diese belogenen Massen genügend heranzukommen. Und wir Unterstützung der Partei bei der gewerkschaftlichen Organi- sich die Polizei, den als unzuverlässig geltenden Wählern solche glauben, daß da in der Tat die nächste Zukunftsaufgabe der fation der Arbeiter als eine selbstverständliche Pflicht in An- Beglaubigungen zu verabfolgen. Wer auf seinem Rechte besteht, Partei liegt. Selbstverständlich muß auch für die Nichtbesitzenden spruch nehmen auch umgekehrt der Parteibewegung und wird mit Schimpfreden und Drohungen empfangen, bisweilen verhaftet, sogar mißhandelt. In vielen Fällen„ berbollständigte" die außerhalb der eigentlichen Arbeiterschaft alles getan werden, Parteiorganisation jede mögliche Förderung zuteil werden örtliche Bolizei die berüchtigten Erläuterungen" des Senats und was irgend geleistet werden tann: aber vor allen Dingen lassen müssen. Diese Waffenbrüderschaft zwischen Partei und des Ministers des Innern durch weitere mitürliche Beschränkungen muß sich unsere Tätigkeit auf die Gewinnuna der proletari- Gewerkschaften verheißt die glänzendsten Erfolge. Können doch des Wahlrechts. In Kiew 8. B. sprach sie den unverheirateten schen Schichten konzentrieren! gerade die Gewerkschaften unendlich viel aur Kräftigung der Wohnungsmietern das Wahlrecht ab, weil sie angeblich keinen werden." " häuslichen Herd" innehaben!- Oder aber sie erfann willkürlich zwischen den Vertretern Berlins und der Regierung über die Jan. In Bezug auf die Kinderarbeit im Bergbau wurde | Altersgrenzen und dergleichen mehr. Selbstverständlich mußte jeder Redner als Korrelat des Kinderschutzes die Einführung des obligatorischen Unterrichts als unabweisbare Notwendigkeit anführen. Schickt die Kinder in die Schulestatt ins Bergwerf hinunter!" so tönte es rechts und links. Nach dieser Abstimmung müßte logischerweise die Kammer auch eine Majorität für die das Haus bald beschäftigende Schulreform haben. Die Wahlformulare werden den Wählern durch die Polizei Frage, ob der Grunewald als Volkspark erhalten bleiben oder gegenüber der bisherigen Bestimmung, die die Kinderarbeit bis Die Wahlformulare werden den Wählern durch die Polizei obgeholzt werden solle. Die Regierung gab die beruhigende zum zwölften Jahre verbietet, das vierzehnte Jahr als Grenze zugestellt; dabei begeht sie" Irrtümer", die aber immer zuungunsten Erklärung ab, daß sie nicht an die Abholzung des Waldes( auf Grund des Amendements des Genossen Denis) feſtgeſetzt. der Unzuverlässigen" und zugunsten der Zuverlässigen" ausfallen. In der Wahlinstruktion" verfügte Stolypin, daß die den Wählern denke, sondern bereit sei, ihn der Stadt Berlin zu verkaufen! Der Antrag wurde bemerkenswerterweise fast einstimmig mit zu verabfolgenden Wahlformulare auf der Rückseite mit dem Ob die Berliner Kommunalverwaltung nunmehr mit der 119 Stimmen gegen 6 Enthaltungen angenommen. Das Kapitel Stempel der Lokalbehörde versehen werden müssen; nun sind an Forstverwaltung wegen des Ankaufs in Verbindung treten über die Kinderausbeutung im Bergbetriebe war freilich herzvielen Orten die Wähler überzeugt, daß die von den legali- wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls steht das eine fest, daß bewegend und schmerzlich genug, und es ist hohe Zeit, daß sich sierten" Parteien( d. H. den reaktionären) an die Wähler ver- Berlin weit weniger für die Anlagen von Volksparks getan Belgien von dieser Schmach befreit. Wie Genosse Denis mitteilten Wahlformulare, die mit den Namen der reaktionären Kandidaten bereits ausgefüllt sein werden, auf eine besondere hat als irgend eine andere größere Gemeinde. Andererseits teilte, gibt es derzeit in belgischen Gruben noch 1200 bis 1500 Weise gestempelt werden! Also wird bei der Ausübung des Wahl- ist aber auch der Regierung der Vorwurf nicht zu ersparen, Kinder von 12 bis 14 Jahren. Und wie fürchterlich war attes die Wahlkommission kontrollieren fönnen, ob der von jedem daß sie die fiskalischen Gesichtspunkte höher stellt als die der des sozialistischen Bergarbeitervertreters Marville Anklagerede, Wähler abgegebene Zettel( deffen Rückseite der Wahlfommission Volksgesundheitspflege. die das Leben der armen schwachen Jungen in der giftgesättigten fichtbar sein wird) von den reaktionären Parteien stammt oder Von allen Seiten des Hauses wurden Wünsche auf Er- Grube, in den steten Gefahren der Schlagwetter beschrieb! Von nicht!! Diese Ueberzeugung ist an einigen Orten so stark, daß höhung der Gehälter der Forstbeamten vorgebracht. Die Re- allen Seiten gab es Zustimmungen, nur der Minister wandte als viele abhängige Personen den Wahlen fernbleiben oder wider ihre gierung kam dabei recht schlecht fort; denn sogar die Kon- unbeirrter Verteidiger industrieller Interessen ein, daß für das Lehrpolitische Ueberzeugung für die Monarchisten stimmen werden. fervativen tadeln es, daß seit zehn Jahren feine allgemeine lingswesen und die Erneuerung der Bergarbeitergenerationen GeBisweilen gibt die Polizei den Wählern den direkten Befehl, für die reaktionären Kandidaten zu stimmen." Wir werden schon Gehaltsaufbesserung erfolgt ist. Von nationalliberaler Seite fahren entstehen könnten, und er empfahl eine geringe Verkürzung fontrollieren", fügt sie hinzu, für wen gestimmt wird". Im wurde der Antrag auf Einſegung einer Kommission zur der Beschäftigungszeit für Kinder... Zum Glück bewies das Haus Widerspruch mit dem Gesetz ist die Polizei häufig bei den Wahien Regelung der Beamtengehälter eingebracht. Ueber das mehr sozialpolitischen Verstand als dieser sogenannte„ Arbeitszugegen. Bisweilen werden den Wählenden ihre eigenen Wahl- Schicksal dieses Antrages wird am Donnerstag entschieden minister". zettel mit Gewalt entrissen und Bettel mit den reaktionären Namen werden. aufgezwungen. Bisweilen steht die Polizei um das Wahllokal her um und läßt die„ unzuverlässigen" Wähler einfach nicht hinein. In der Kleingrundbefizerfurie wurde systematisch danach_ge= strebt, daß die Wähler in möglichst kleiner Zahl erscheinen. Entweder wurde der Tag der Wahlen gar nicht bekannt gemacht oder nur in einem von niemand gelesenen Amtsblatte. Oder aber es wurde der Bekanntmachung hinzugefügt:„ Erscheinen nicht erforderlich!"- Es wurden absichtlich solche Tage für die Wahlen bestimmt, welche für die Kleingrundbesitzer unbequem liegen: In mohammedanischen Gegenden wurden z. B. Fasttage bestimmt, an welchen den Mohammedanern die Fahrt zur Wahl kirchlich verNeue Keim- und Bülow- Enthüllungen. boten ist. Für die Wahlversammlungen der Kleingrundbesitzer wurden Orte bestimmt, an denen die Bevölkerung zuverlässiger" Die Zentrumspresse gibt nach den Publikationen des, Bahr. ist, damit diese bequem erscheinen konnte, während die Un- Kurier" neue Dokumente der Wahrheitsliebe des Herrn Keim zuverlässigen" eine weite Reise zurückzulegen haben. Die Wahl- und unserer Offiziösen zum besten. bersammlungen wurden statt an vielen nur an sehr wenigen Bekanntlich hatte die, Nordd. Allg. 3tg." offiziös erklärt, An den nächsten dringenden Aufgaben, die der Kammer harren, Buntten jedes Kreises abgehalten, damit die meisten Wähler bei daß der Reichskanzler und die Reichskanzlei mit den vom wird sich's erweisen, ob der moderne Hauch, der durch die Kammer der Winterzeit und den schlechten Wegen gar nicht erscheinen Vorfißenden des Flottenvereins, Generalmajor Keim, vertriebenen gezogen ist, auch anhält. Denn wie beschämend Belgien noch zurück fönnen. Die Folge war, daß nur wenige Prozent der Kleingrundbesitzer überhaupt gewählt haben. In Nowgorod z. B. sind von Flugblättern, für die die Reichskanzlei Herrn Keim ihr angebotene ist, das zeigen gerade die paar bescheidenen Reformen, die hier wie 2900 Wählern der Kleingrundbesizerkurie nur 13 erschienen, welche Privatmittel zur Verfügung stellte, nichts zu tun gehabt habe. Es ein Triumph hoher Einsicht und sozialpolischen Geistes empfunden von dem Boten des Adelsmarschalls zusammengebracht wurden!! handelte sich dabei um die Lug- und Schmutzschriften, Die Lügen werden. Dadurch haben die Behörden erreicht, daß in der vereinten Grund- des Herrn Erzberger" und Die koloniale 2ügenbefizerkurie, in der die Zahl der Vertreter der Kleingrundbesitzer fabrik( Erzberger, Stadthagen u. Co.)." Nunmehr Savon abhängt, wieviel Kleingrundbesitzer auf der ersten Stufe veröffentlicht der Bayerische Kurier" folgenden Brief des Generalder Wahlen erschienen, der Großgrundbesis die erdrückende majors Keim an den Preßdezernenten der KolonialMehrheit hat und so alle in die allgemeine Gouvernementswahlabteilung: versammlung zu entfendenden Wahlmänner der Gutsbesizerkuric bon den Großgrundbefizern bestimmt werden. Dieses Manöver hat eine starke Vertretung der Monarchisten auf den Gouvernementswahlversammlungen zur Folge, und hier und da wird es infolgedeffen dazu kommen, daß ein ganzes Gouvernement lauter Reaktionäre in die Duma entsendet. In der Bauernkurie wurde der schamloseste Druck ausgeübt: Vor den Wahlen wurden freiheitlich gesinnte Bauern massenhaft verhaftet oder verschickt, in den Wolostversammlungen, in denen die Woloftvertreter gewählt wurden, waren Lokalbehörden, Urjädniks, bisweilen auch Semsti Natschalnits zugegen, an einigen Orten wurde die Wahl der reaktionären Kandidaten mit Gewalt oder durch Betrug durchgedrückt, und nur dem energischen oppofitionellen Geiste der Bauern ist es zu verdanken, daß dies nicht viel häufiger geschehen ist. Nachher erfolgten massenhaft Verhaftungen von gewählten Woloftvertretern: Detachements von Straschnits überfielen ganze Dörfer, um die Woloftvertreter zu fangen; fie prügelten die Einwohner mit Nagaikas durch, wenn sie Die Gesuchten, die sich verborgen hielten, nicht herausfanden. Auch in den Städten wurden Unzuverlässige" vor den Wahlen pielfach verhaftet oder gar berschict"; in Wjatka siegten bie anarchisten deshalb, weil die freiheitlich gefinnte Bevölkerung Sie maßlosen Ausweisungen und Verschickungen dezimiert ware oppofitionellen Wahlmännerlisten müssen an den meisten Ortel chengehalten werden; die gesamte Wahltätigkeit der Opposition ng auf tonspirativem Wege vor sich gehen. Und wenn die Opposition doch siegt, so werden die Wahlen aus nichtigem Gründen von den Kommissionen häufig für„ ungültig" ertlari Gegen diese Ungültigkeitserklärungen werden zwar Klagen eingereicht; es werden aber unterdessen die Gouvernementswahlen stattgefunden haben, und der 3 wed ist jedenfalls erreicht. Wenn bei all diefen Umständen, diesen systematischen Wahlfälschungen, die Opposition doch noch in starter Zahl in die Duma eintritt, so wird dies beweisen, wie sehr alle Schichten, außer den Privilegierten, nach einer neuen Ordnung der Dinge lechzen. Die Drangfale eines Wählers. Die„ Ruff. Korresp." schreibt unter obigem Titel: " In der Zeitung" Wladimirez" ist der Brief eines Wählers der Stadt Wjasnili veröffentlicht worden. In diesem Briefe erzählt der betreffende von den Drangfalen, die er zu erleben hatte: Er ist ein Hausbesitzer der Stadt Wjasniti, lebt aber nicht in der Stadt und hat deshalb die persönliche Einladung" von der Polizei nicht betommen. Er tommt nun in die Stadt, um an den. Wahlen teilzunehmen, und geht in das Rathaus, um die persönliche Der Sekretär der Stadtverwaltung Einladung" zu erhalten. forderte von ihm einen Identitätsnachweis", obgleich er den Herrn persönlich fennt. Jener zeigte seinen Paß, das genügte aber Sonst ist aus der Debatte nur noch die Aufforderung des Abg. v. Arnim( f.) an die Regierung hervorzuheben: keinen frei organisierten Bauarbeiter oder Maurer mehr mit Holzfällen in den Forsten zu beschäftigen! Folgt die Regierung diesem scharfmacherischen Rufe, dann werden wohl in Zukunft Herr v. Arnim und seine Standesgenossen selbst Holz fällen müssen. Jedenfalls wäre das eine nüßlichere Tätigkeit als die, welche die meisten. Junker heute ausüben. " Angenommen wurde mit dem Amendement Denis noch das vollständige Verbot der Frauenarbeit in den Kohlengruben, das bisher nur für die minderjährigen Frauen Geltung hatte. Die betreffenden Geseze treten drei Jahre nach ihrer Bekanntgabe in Kraft. Abgelehnt wurden u. a. zwei Amendements des Genossen Pepin, die sich auf die Anstellung unabhängiger, von den Arbeitern zu wählenden Inspektoren wie auf die Anstellung eigener Inspektoren für Grubenhygiene beziehen. Deutsches Reich. Agrarische Forderungen an den neuen Reichstag. Die Herren Agrarier beginnen bereits, durch den Wahlausfall und die agrarisch- reaktionäre Zusammensetzung des Reichstages auf" Ich bin gestern bei Fürst Bülow und heute bei Herrn gestachelt, allerlei schöne Forderungen an die Regierung zu stellen. v. Loebell gewesen, die meinen Besuch gewünscht hatten. Wir sind konform, was die Agitation betrifft, ebenso, daß die Zunächst soll die Regierung die Gerstenzollordnung ändern und die Antwort auf Herrn Erzberger heißen muß: Die Lügen aus dem Auslande eingeführte Gerste als Malzgerste verzollen, des Herrn Erzberger". Jeder andere Titel ist unwirksam und zweitens soll, wie die im Zirkus Busch angenommene Resolution möchte ich ganz ergebenst darauf aufmerksam machen, daß die verlangt, mit den Vereinigten Staaten von Amerika kein HandelsSchrift: Die Lügen des Herrn Erzberger" möglichst bald er vertrag abgeschlossen werden, der den Amerikanern irgend scheinen muß. Ich bitte, mir vor der Drucklegung einen Bürsteu- welche anderen Vergünstigungen gewährt, als diejenigen, die abzug zu übermitteln, da ich vielleicht noch hie und da einen schon bisher den Vertragsstaaten eingeräumt worden sind, und Schlager auffezen kann." brittens foll, unt der sogenannten„ Leutenot" zu steuern, die Freizügigkeit der Arbeiter beschränkt werden. Die Deutsche fie die vom Landwirtschaftsminister empfohlene Ansiedelung von Tageszeitung", das Hauptblatt der Landbündler, schreibt, nachdem Arbeitern auf dem Lande für unzureichend erklärt hat: Man sieht: entweder sagt Herr Keim oder das offiziöse Sprach rohr des Reichskanzlers die unwahrheit! Wie die von der Reichskanzlei moralisch und finanziell unterstützte Wahlflugbattfabrik in ihren Schmutzschriften gegen das Zentrum wütete, erhellt aus dem Flugblatt„ Die koloniale Lügenfabrik". Darin wurden die Ultramontanen als Ausgehaltene des Auslands" bezeichnet, weil dem Zentrum aus England Geldmittel zur Führung des Wahlkampfes zugegangen waren. Daß die Nationalliberalen beispielsweise in Rußland um Geld geschnorrt hatten, verschwieg natürlich Herr Keim! In der Tat: die Ausgehaltenen der Reichskanzlei hatten alle Ursache, sich über das vaterlandslose Zentrum zu entrüften! Briefe: 17 Aber selbst wenn diese Voraussetzungen sich erfüllen sollten, würde eine Beseitigung oder wesentliche Abschwächung der Leutenot aus den oft entwickelten und genugsam bekannten Gründen nicht zu erreichen sein. Je mehr man die Frage durchdenkt, um so fester wird die Ueberzeugung, daß wir um eine Beschneidung der Auswüchse der Freizügigkeit nicht herumkommen. Der Grundsaß der Freizügigkeit soll und darf nicht aufgegeben werden. Aber es müssen ge.oisse Nebenwirkungen verhütet werden, die die Wohltat zur Plage machen. Auch wir wollen heute bei dieser Gelegenheit nicht das wiederholen, was wir früher dargelegt haben. Wir möchten nur den Landwirtschaftsminister dringend bitten, seine ganze Aufmerksamkeit dieser Frage und der eminenten Gefahr der Verödung des platten Landes zuzuwenden. Tut er das, so find wir überzeugt, daß er mit uns zu der Anschauung kommen wird: Hier genügen * leine Mittel, so gut fie gemeint sind und so segensreich fie auch sein mögen, schlechterdings nicht; hier müssen große, durchgreifende Mittel angewandt werden, die einen dauernden Erfolg versprechen." Die Jesuitentaktik des famosen Herrn Keim kennzeichnen folgende Generalmajor Keim am 16. Ja-| Generalmajor Keim am 4. Januar 1907 an den Katholiken nuar 1907 an den Protestanten Professor Dr. v. Savigny in Lic. Weber in M.- Gladbach, bittet Münster: diesen nach Rücksprache mit dem „ Ich hoffe, daß durch Ihre licht- Fürsten Bülow und Herrn v. Loebell volle Darstellung weiten Streifen dringend, daß die Mitglieder der unserer katholischen Mitbürger evangelischen Arbeitervereine als endlich die Augen geöffnet werden evangelische Männer und, gute über die Gefahren, welche dem Patrioten in dem Wahlkampfe Erfolg der freisinnigen Wahltaktik. Katholizismus als solchen ihre Schuldigkeit tun. I ch drohen, wenn sein berufener brauche Ihnen wohl nicht Vertreter, auch weiterhin das weiter auseinanderzu Zentrum in seiner jetzigen Gestalt seßen, daß der Kampf ließ bleiben sollte." gegen das Zentrum auch einen solchen gegen den Ultramontanismus, dem Todfeind unserer evan gelischen Konfession, beDeutet." In der Tat: ein Biedermann, dieser Intimus und Wahlhandnicht, und der Sekretär forderte ein Zeugnis von der Polizei, daß langer des deutschen Reichskanzlers! er wirklich Eigentümer des Passes ist. Um aber diefes Zeugnis zu bekommen, muß man ein 8eugnis der Stadtverwaltung vorVon der amtlichen Wahlmache für den Protettor der zeigen, daß man in die Wählerlisten eingetragen ist. Das legtere Streitbrecher, den General Liebert, zeugt das folgende: Zeugnis bekam der Wähler endlich. Der Polizeichef weigerte fich General v. Liebert flagt am 11. Januar 1907 dem Generalmajor aber, ihm das Polizeizeugnis zu geben, unter dem Vorwande, daß Keim, daß er in seinem Wahlkreise mit Mißtrauen der Wähler unter administrativer Bolizeiaufsicht stehe. Bergebens empfangen werde". General Keim antwortete ihm unterm suchte der betreffende zu beweisen, daß das Gesetz die unter 15. Januar 1907: Polizeiaufsicht stehenden von der Zeilnahme an den Wahlen nicht ausschließt. Solcher Beispiele gibt es tausende und abertausende. Die städtischen Wahlmänner. " Es ist von hier aus alles geschehen, auch von seiten der Reichskanzlei, um Ihnen die unbequeme Ronkurrenz( damit sind die bürgerlichen Gegenkandidaten gemeint) vom Halfe zu schaffen." Eine wahrhaft stinkende Korruption! Petersburg, 12. Februar.( 28. 2. B.) In verschiedenen Städten, bie eigene Vertreter in die entfenden, haben die Wahlmännerwahlen stattgefunden. Jebe Stadt wählt 80 Wahlmänner. In Astrachan befinden sich unteren Gewählten 46 Kadetten und 21 Sozialdemokraten, in enterinoslato 21 Sozialdemokraten, 14 Ka- in Beratung genommen und einige davon mit einem für die Arbeiter detten, 12 Mitglieder ders arbeitsgruppe und 28 Linksstehende ohne bestimmte Parteizugehörigkeit, in Tula 40 Oktobristen und Monarchisten, sowie 40 Kadetten und Mitglieder der Partei der friedlichen Erneuerung, in Jaroslavl 75 Kadetten. Reformen für die belgischen Bergarbeiter. Brüssel, 10. Februar.( Eig. Ber.) Die Kammer jat die Arbeiterreformen betreffenden Amendements günstigen und erfreulichen Erfolge erledigt. Der Arbeitsminister Francotte hat es ja an Bemühungen, die Industrie vor zu weitgehenden und zu unvermittelten" Reformen, zu fchüßen", nicht fehlen lassen, und selbstverständlich hat es ihm an Hülfe im Hause nicht gemangelt. " 11 Die Herren Agrarier fühlen sich wieder obenauf- ein schöner Dernburg als Wanderredner. er fich am Montag folgendermaßen aus: Herr Dernburg hält weiter Kolonialreden. In Darmstadt " Zwei Dinge gingen aus der Geschichte dieses Feldzuges Herbor. Zunächst der Stolz, den die ganze Nation über die Verteidiger unserer Fahne im fernen Weltteil empfinde und die Ueberzeugung, daß das Material der deutschen Armee noch wie vor 36 Jahren ein erstklassiges sei. Zweitens hätten wir den Vorzug, daß nun 22 000 junge Männer in Afrika gewesen feien und die Redensart von der Wertlosigkeit der afrikanischen Sandwüste" keinen Boden mehr habe. Es gäbe doch wohl nicht mehr viele deutsche Dörfer, die nicht einen ihrer Söhne dorthin gesandt hätten. Vergleichend könne man die frühere Redensart von der heiligen römischen Reichs- Streusandbüchse, in der jezt fünf Millionen Brandenburger lebten, heranziehen, wenn sich auch Südwestafrifa nicht gleich der Mart Branden burg zu entwickeln vermöge. Die Aufgabe der Kolonisation sei eine Arbeit des Friedens und der Kultur. Frevelhaft und töricht erschiene der Ausspruch, deutschen Truppen feien als Ausbeuter und Aussauger hinausgezogen. Dort warteten die gleichen Kulturaufgaben wie hier und auch dort werde der Arbeiter nicht mehr als hier ausgenügt werden. Alle jene Schlagworte seien gegen das Interesse Deutschlands geprägt; die in unserer Nation vorhandenen großen Kulturkräfte dort nunmehr zur Betätigung zu bringen, fei unsere Aufgabe. Hätte man früher borgesorgt, wären rechtzeitig die erforderlichen Mittel zur Nutzung des Landes vorhanden gewesen, so wären nie die so kostspieligen Ausgaben erwachsen. Es ergebe sich die Lehre, wie gefähr= lich die Kolonisation mit unzureichenden Mitteln sei." " die Herr Dernburg ist noch immer Optimist. Die 22 000 Soldaten, die in Südwest waren, follen 22 000 stolonialenthusiasten geworden sein. Hat denn nicht Herr Isenbiel im Einverständnis mit der Kolonialabteilung die Anklage gegen den Vorwärts" fallen lassen, Wahlverfarnmlungen in der Kirche. Das der Regierung entrissene und gegen den kapitalistischen weil er befürchtete, daß dieser Breßprozeß die Wahrheit jenes Briefes Da die Wahlagitation der monarchistischen Parteien durch die Widerstand durchgesetzte Stück Bergarbeiterschutz ist ein anerkennens ergeben könnte, daß mancher Südwestafrikaner aus dieser teuren Stolonie Beteiligung der Redner oppofitioneller Parteien an den von den werter Schritt nach vorwärts, dem einen weiteren folgen zu lassen als Sozialdemokrat zurückfomme?! Monarchisten veranstalteten Wahlversammlungen in hohem Maße die Regierung sich mit faurer Miene verpflichten mußte. Der es sei frevelhaft und töricht, zu behaupten, die deutschen Truppen Ferner ist es ein findischer Lufthieb, wenn Herr Dernburg sagte, beeinträchtigt wird, so ist auf Betreiben des geistlichen Professors Minister widersetzte sich nämlich dem Amendement Selleputte, feien als„ Ausbeuter und Aussauger" nach Südwest gegangen. Gortschatow von der zustimdigen russischen Behörde gestattet worden, das die Bensionen für die alten Bergarbeiter auf alle Bergbaffins Solchen Blödsinn zu behaupten, ist niemals einem Sterblichen eingeheime Wahlversammlungen in den Stirchen zu veranstalten! Politiche Ueberlicht. ju Berlin, den 13. Februar 1907. gorftetat. jqmp m Das Abgeordnetenhaus beriet am Mittwoch den Forst efat. Sierbei fama zunächst zu einer Auseinandersetzung 91( 03 ausdehnte. Sie werden vorläufig nur den Bergarbeitern der gefallen! Campine zugute kommen, doch versprach der Minister in aller Beachtenswert ist die Warmung Dernburgs, mit unzulänga Form, noch in dieser Session der Kammer einen separaten lichen Mitteln" zu folonifieren. Der deutsche Steuerzahler Gefeßentwurf, basierend auf denselben Bedingungen, für die Arbeiter wird ja bald mit Schreden erfahren, was Herr Dernburg für zulängliche" Mittel hält!" der übrigen Sohlengebiete vorzulegen. Nach dem neuen Gesetz haben nun die Bergarbeiter der Die Blamage des Flottenvereins. Provinz Limburg und Antwerpen das Anrecht auf eine Die freifinnig volksparteiliche Breslauer Zeitung" Pension von 360 Fr. jährlich und zwar vom 55. Lebensjahre wettert furchtbar über die, Blamage des Flottenvereins". Fürst -G " 51 17901 do Bülow habe alle Veranlassung, vom Floftenverein möglichst wett abzurücken." Eine Kennzeichnung der Breslauer Justiz. Breslau, 18. Februar. " P Nach Aussage des Vaters waren die Schläge so stark, daß er dem Knaben Kamillenumschläge aufs Ohr machen mußte. Der Und der freisinnig- volksparteiliche Herr Eickhoff?! Hat diefer ( Privatdepesche.) Schulfnabe Richard Schlund ist vom Lehrer Reichenbach mit dem Herr sich nicht jede amtliche Protektion und Wahlmache, die ihm Der Genosse Radloff von der Wolfswacht" lehnte Ausziehen das Bein nicht heben konnte. Paul Greif, ein schwächStock so in die Kniekehle geschlagen worden, daß er abends bein Herr Keim verfchaffen konnte, mit glühendem Dante gefallen lassen?! Heute in einem Beleidigungsprozeß die bekannte Janstelicher Junge, ist vom Lehrer Weißenborn so geschlagen worden, Wäre es nicht an der Zeit, daß der Freifinn auch von Herrn Eickhoff Straffammer( die u. a. das Bluturteil gegen Genoffen Löbe daß er, wie er erzählt, vor Schmerz nicht schlafen konnte. Walter ,, möglichst weit abrückte"?! fällte. Red. d.„ Vorw.") wegen Befangenheit ab, weil Spöhrer, ein kleiner Knirps, der sich in der Verhandlung als sehr man vor dieser Kammer nie sein Recht finde. Der schwach begabt erweist, ist vom Lehrer Kleinsteuber mehrmals gekommen zu sollen. Die Erzbischöfe von München und Bambera teidiger auf jede Teilnahme an der Verhandlung verzichteten. Der ist vom Lehrte Kleinsteuber ebenfalls geschlagen worden, weil er Im baherischen Zentrum scheint es zu einem kuriosen Zwist blehnungsantrag wurde abgelehnt, worauf Angeklagter und Ver- fchlagen worden, weil er nicht lefen konnte. Der Vater bekundet, sein Der Krafeel im bayerischen Zentrum. " " Aufsehen. haben bekanntlich vor der Reichstagsstichwahl an ihre Diözesanen eine Warnung vor der Abgabe sozialdemokratischer Stimmzettel Ein Unternehmerorgan über Südwestafrika. erlassen. Daraufhin hat die Zentrums- Parlaments- Korrespondenz" angedeutet, der Münchener Erzbischof hätte diese Parole nicht aus Die Deutsche Konfettion" fällt folgendes Urteil eigenem Antriebe ausgegeben, sondern wäre einem aus Hoffreisen über unsere herrliche füdwestafrikanische Kolonite, das neue auf ihn ausgeübten Druck gefolgt. Jekt veröffentlicht nun der Deutschland", das uns bereits eine halbe Milliarde geErzbischof von Bamberg, Dr. von Albert, in der Augsb. Postztg." fostet hat: eine Erklärung, in der diese Mitteilung als unrichtig bezeichnet wird. Er behauptet: ,, Demgegenüber erkläre ich, daß ich sofort, nachdem ich die Stichwahlparole gelesen hatte, mich mit dem Herrn Erzbischof von München, der in seinen Diözesanen durch diese Parole ebenso betroffen war wie ich, ins Benehmen sette, und ich glaube den sichersten Anhaltspunkt dafür zu befizen, daß meine Stellungnahme auch die seine in ausschlaggebender Weise bestimmte. Man lasse also den greisen Erzbischof von München, der alles schweigend duldet, und den, wenn nicht sein hohes Amt, so doch wenigstens sein ehrwürdiges Alter schon vor all diesen Berunglimpfungen schüßen sollte, aus dem Spiel, und halte sich cinfach und allein an mich. Jm Vertrauen auf Gott und unser gutes Recht nehme ich die ganze Verantwortung Dieses unseres gemeinsamen Schrittes mich, als jenen von uns beiden, der die jüngeren Schultern befitt." auf Diese Erklärung ist recht nüßlich. Der preußische Gesandte am bayerischen Hofe, der Prinz Ludwig und verschiedene andere Personen, die als eigentliche Urheber der erzbischöflichen Briefe genannt wurden, haben also mit diesen nichts zu tun. Um so deutlicher aber stellt der Brief des Herrn von Albert fest, daß eine ungesehliche Wahlbeeinflussung durch die beiden Erzbischöfe in ihrer Eigenschaft als bayerische Staatsbeamte stattgefunden hat. Damit ist das Material für eine Anfechtung der Wahl im ersten Münchener Wahl freise und in Erlangen- Fürth gegeben. Der Reichstag wird sich also mit dem Wahlbeeinflussungsverfahren der beiden frommen Seelenhirten noch zu beschäftigen haben. " nicht lesen konnte. Von der Mutter war der Lehrer gebeten worden, den kränklichen Jungen zu schonen. Kleinsteuber aber hat gemeint, wenn der Junge feine Hiebe bekomme, käme er nicht Nach Aussage des Vaters hat der Junge nachts vorwärts. aufgeschrien und von der Schule phantasiert. Der fleine Seyfert, ein schwachsinniges Kind, weigerte sich, in die Schule zu gehen, aus Furcht vor neuen Schlägen. Trok aller dieser Zeugenaussagen hielt der Amtsanwalt " Im übrigen gibt auch Dernburg, freilich in vorsichtigster Böhm die Antlage aufrecht. Er bedauerte, daß die Sache vor Form, zu, daß Südwestafrika ein minder begünstigtes Gericht zum Austrag gekommen sei. Das Gericht hielt den Land ist. Ein Eden wird dieses Land nie werden." Wenn ein Wahrheitsbeweis für nicht erbracht(!) und erkannte, Geschäftsreisender einen in seiner Preisliste verzeichneten Artikel dem Antrage des Amtsanwalts gemäß, auf 60 Mark Geldfeinen Kunden mit ähnlichen Worten anbietet, so bedeutet das: strafe. Wenn die Züchtigungen der Lehrer Beermann, Groß, " Ich muß den Artikel nun einmal führen und dir anbieten, lasse Steichenbach, Weißenborn und Kleinsteuber sich nach Meinung des aber lieber die Hände davon weg, es ist nichts damit anzufangen." Schuldirektors Barth im Rahmen der Schulordnung" hielten, Solches ist wohl auch der Sinn der Dernburgschen Worte. Schon dann möchten wir wissen, wo nach Meinung des Herrn Barth die bor Jahresfrist wiesen wir darauf hin, daß dieses Lano eine ans- Prügelpädagogik anfängt, und wo sie aufhört. Die Emfichtslose Sandwüste ist, die nie und nimmer einen Nußen ab- pörung aller Kinderfreunde über das nackte Tatsachenmaterial, das twerfen fann. Das weiß die Regierung fehr wohl und begründet in der Verhandlung eidlich vorgebracht wurde, kann durch das die von diesem Jammerland verschlungene Milliarde mit der Auf- ergangene Urteil in feiner Weise gemildert werden. rechterhaltung des honneur du drapeau. Man kann ihr freilich " Der Druckfehlerteufel hat unsere gestrige Notiz Reichsauch nicht zumuten, daß sie den wahren Grund ihrer Vorliebe für diese Streusandfolonie zugibt und vor aller Welt eingesteht, ber bands- Schwindet" durch zwei sinnstörende Fehler ent daß dieselbe als Bürge für Englands wohlverhalten stellt. In Groß- Lichterfelde gibt es nicht 84, sondern und als etwaiges Einfallstor in Transvaal und 34 selbständige Tischler, und im Wahlkreise Potsdam- Ostdie Kapkolonie dienen soll. Für den Handel ist sie aber havelland haben unsere Genossen nicht den bekannten Artikel wertlos; ausbeutungswürdige Mineralschäße bestehen einstweilen eines unbekannten Schivedlers, sondern den des bekannten Führers mur in der Phantafie einiger Kolonialschwärmer, und an Bieh der Freifinnigen Vereinigung Schrader durch ein Flugblatt zur wird sie wohl kaum je soviel produzieren fönnen, als sie selbst ver- Kenntnis der liberalen Wähler gebracht. braucht." Ausland. Die Trauben find fauer. Ottavio v. 8edlis hat seinen Wählern von Mühlhausenangensalza erklärt, daß er auf Verlangen wieder zu kandizweckmäßiger wäre, einen Kandidaten aufzustellen, der weniger dieren bereit fei, daß er aber empfehle, zu erwägen, ob es nicht scharf von rot und schwarz bekämpft würde." Voraussichtlich, so meldet die" Post", werden die Vertrauensmänner der konservativen Parteien in dem Wahlkreise diefem Ratschlage folgen. Der Oberscharfmacher Zedliz hat also eingesehen, daß er trob Die freifinnigen Handlanger der Reaktion. aller Verleugnung seiner Ueberzeugung vor der Stichwahl Unsere vorgestrige Liste der Wahlkreise, die der Freifinn in der ließ das konservative Wahlkomitee in riesengroßen Inseraten verStichwahl der Reaktion ausgeliefert hat, um die Wahl der Sozial- künden, daß Herr v. Redliß das Reichstagswahlrecht nicht antasten wolle feine Aussicht darauf hat, das Mandat von Mühlhausendemokraten zu verhindern, bedarf noch einer Ergänzung. Zwei Wahlkreise sind dem Freifinn noch aufs Konto zu schreiben: Langensalza zu erhalten! Hoffentlich mißlingt aber auch die Meißen Großenhain und Elberfeld Barmen. Die Spekulation, die Wählerstimmen für einen Gesinnungsgenossen des Wahlresultate lauteten dort: Herrn Oberscharfmachers einzufangen, der sich nur dadurch von ihm Es erhielten Stimmen: unterscheidet, daß er seinen Haß gegen die Volksrechte noch nicht so Stichwahl offen und so oft Ausdruck gegeben hat. Meißen- Großenhain. Gaebel( Antis.) Hauptwahl Nitschke( Soz.) 0 0 14921 14174 17231 6976 Fri. Vg. 3427 St. 6599 3. 126 29469 Elberfeld- Barmen. Molkenbuhr( S03.). Linz( Antis.) 28256 Freif. u. Natl. 13214 33615 14157 3. 6079 3. 34 In Elberfeld- Barmen marschierte der Liberalismus allerdings unter der Fahne des Nationalliberalismus, da der Kandidat Nationalliberaler war. Indes ist wohlbekannt, daß die überwiegende Mehrheit seiner Heerschar von den Freifinnigen gestellt wurde, an deren Spize dort der in Bingen durchgefallene wurib t- Elberfeld wilt. Die Flugblätter, die bei der Stichwahl zur Wahl des Antisemiten aufforderten, sind denn auch ausdrücklich von der Freisinnigen Boltspartei mit unterzeichnet. Die Liste der in den Stichwahlen vom Freifinn der Reaktion ausgelieferten Mandate erhöht sich demnach auf 32, die unter liste der von ihnen speziell den Antisemiten zugeschanzten Mandate auf 6! Dazu kommen dann noch die Wahlkreise, wo der Freifinn gleich im ersten Wahlgang für die Reaktion eintrat, wie Gotha und Breslau- ft. Die Einkommensteuerverhältnisse in den Kleinstaaten Ehrgefühl. Ungarn. Gegen Polonyi. Budapest, 13. Februar.( W. T. B.) Die Polizei hat den Dieb entwendet sind. Der Abgeordnete Lengyel, der diese Akten in den stahl wichtiger Aften entdeckt, die aus dem Handelsministerium wänden gehabt hat, hat sie photographieren lassen, um sie unter Umständen in dem„ Berleumdungsprozeß", den Polonyi gegen ihn angestrengt hat, zu verwenden. Lengyel bestreitet, daß er den Attendiebstahl angestiftet oder durch ihre Erwerbung eine strafbare Handlung verübt habe. Ein Unterbeamter vom Handelsministerium ist verhaftet worden. Schweiz. Genf, 12. Februar.( W. T. B.) Die Polizeidirektion erhielt heute abend vom Bundesrat eine telegraphische Weisung, die drei verhafteten Georgier, deren Auslieferung an Rußland vom Bundesgericht verweigert wurde, unverzüglich freizulassen, was fofort geschah. Dieselben gedenken sich dauernd in Genf niederzulassen. Italien. Wie das Geld der Armen verwaltet wird. Das Kolonialpolitische Aktionskomitee scheint doch ein stärkeres Rom, 7. Februar.( Eig. Ber.) Ehrgefühl zu besitzen, als man nach seinen agitatorischen Leistungen Das Kapital der italienischen Wohltätigkeitsanstalten( opere pie) annehmen durfte. Es lehnt die Verantwortung ab für die vom beläuft sich auf mehr als zwei Milliarden, welche Summe im Laufe der hiesigen Verlag Dr. Wedekind u. Co., Gef. m. beschr. Haftung, Jahrhunderte den Armen hinterlassen worden ist. Mit folchen herausgegebenen beiden verlogenen Broschüren„ Die toloniale Kapitalien follte fich immerhin einiges für die Notleidenden tun Warum ist der Reichstag am laffen, auf alle Fälle mehr, als heute in Italien geschieht. Aber die ügenfabrik" und 13. Dezember aufgelöst?" Wie die„ Boff. 3tg." berichtet, hohen Administrationskosten von den häufigen Unterschleifen ganz erhielt sie vom Kolonialpolitischen Aktionsfomitee folgende Zuſchrift: " Bon demjenigen Verlage, dem die Versendung zweier von übrig bleibt, die von Gesetzes wegen Nuznießer jener gewaltigen zu schweigen sorgen dafür, daß nicht allzu viel für diejenigen Verwalter ist folgender " " stolonialversammlung bom 3. Januar d. 3. über die Reden Wohltätigkeitsinstitute im Intereſſe ihrer Stenographischer Bericht der Summen sein sollen. Charakteristisch für die Nüglichfeit" der und England. von Dernburg, Schinoller, Delbrück usw. und Kolonialpolitischer gestern im Parlament zur Sprache gekommener Fall: In Maratea Führer an die deutsche Lehrerschaft während der Wahl- eristiert ein kleines Wohltätigkeitsinstitut, das jährlich 2000 Lire eit übertragen worden war, sind diesen Broschüren ohne unfer Einnahmen hat. Die Anstalt funktionierte nicht nach Wunsch, und iffen und gegen unseren willen zwei Flugblätter der Präfekt löfte die Verwaltung auf und ernannte einen Reparteipolitischen Inhalts:" Die koloniale 2ügenfabrit" gierungskommissar mit gierungskommissar mit 2600 Lire Jahresgehalt!! Bloß um Warum ist der Reichstag am 13. Dezember feinen Verwalter zu besolden, muß also das Institut nun sein aufgelöst?" beigefügt worden. barauf, vor der Deffentlichkeit festzustellen, daß die Verbindung Wir legen besonderen Wert Stapital verzehren! beider Sendungen unbefugt geschehen ist. Unsere lediglich der Aufflärung gewidmete Tätigkeit hält sich grundsätzlich und ausnahmslos Thronrede folgt und für gewöhnlich zwei bis drei Tage dauert, Die Adresdebatte, die in beiden englischen Kammern der wurde am Dienstag im Unterhaus durch Balfour eröffnet. Er befpöttelte die Reihe der in der Thronrede erwähnten MaßUnterſtügung der beiden freisinnigen Fraktionen des Abgeordneten wärtigen Tagung auch nur im Unterhause erledigt werden würden. Die freisinnigen Abgeordneten Ernst und Cassel haben mit nahmen als Verzeichnis der Bestrebungen der Regierung" und zweifelt daran, ob viele der Maßnahmen während der gegen= hauses beim Kultusetat den Antrag eingebracht: atie Die fönigliche Staatsregierung zu ersuchen, die Lehr irgend eine Umgestaltung der zweiten Kammer gelegentliche in Lehr- Bezüglich der Oberhaus- Frage sagte er: der Gedante, bas nur pläne der Volksschule mit den höheren Lehranstalten in Weinungsverschiedenheiten mit der Ersten Kammer verhindern organische Verbindung zu bringen und die bei den staatlichen würde, sei töricht. Alles, was man tun könne, sei: dafür Sorge zu he, höheren Lehranstalten noch bestehenden Vorschulen allmählich tragen, daß auf die Dauer das Volk darüber entscheide, unter aufzuheben. werden grell beleuchtet durch eine Interpellation, die die sozial- bon jeder Einwirkung parteipolitischer Art fern." demokratische Fraktion des reußischen Landtages eingebracht hat. Sie fordert das Ministerium auf, dem Landtage baldigst einen Revisionsentwurf des Gesetzes betreffend die Erhebung der Einkommensteuer vorzulegen. In der Begründung der Interpellation führte Genosse Betterlein u. a. aus: Boltsschullehrpläne. Wie in den Volksschulen geprügelt wird. was für Gefeßen es leben will.. wie in Schon vor 3 Jahren haben die sozialdemokratischen Abgeordneten eine Aenderung des Einkommensteuergesetzes beantragt, aber noch immer ist nichts geschehen, um die Härten und Ungerechtigkeiten desselben zu beseitigen. In erster Linie müßte das Gesetz dahin geändert werden, daß die unteren Steuerstufen entlastet und die oberen stärker herangezogen werden. In Premierminister Sir Henry Campbell Bannerman einer ganzen Anzahl Nachbarstaaten seien die Lasten zugunsten Gotha, 10. Februar.( Gig. Ber.) bemerkte in seiner Grwiderung: der wichtigste Teil der Thronrede der ärmeren Bevölkerung gerechter verteilt. Aber auch in bezug Empörende Schulzustände sind durch einen Prozeß sei die Stelle, die sich auf die Streitigkeiten zwischen beiden Häusern auf die Berechnung des Einkommens der Ehefrauen aus Ar- aufgedeckt worden, den Genosse Joos vom„ Gothaer Bolts des Parlaments beziehe. Er erkenne vollkommen die ernste Natur beitsverdienst bei über 600 M. feien erleichternde Uebergangs: blatt" vor dem hiesigen Schöffengericht durchzufechten hatte. der Aufgabe an, welcher sich zu widmen das Haus, wenn die Zeit bestimmungen dringend nötig. Eine krasse Ungerechtigkeit sei Am 16. Juni v. J. erschien im Boltsblatt" ein Artikel aus dazu gefominen, von der Regierung aufgefordert werden solle. es ferner, daß hier wohnende aber auswärts beschäftigte Arbeiter Waltershausen, daß in der Volksschule viel geprügelt Berdruffes gedente die Regierung diese große Frage in Angriff zu Nicht mit den Gefühlen verletzter Eitelkeit, der Gereiztheit oder des zu der vollen Höhe ihres Einkommens herangezogen würden, werde und daß dieses gerade schwach begabte Kinder treffe. trotzdem sie erhebliche Unkosten durch Fahrgeld, Logis usw. Schuldirektor Barth strengte darauf gegen den Ge- nehmen. Die Frage der Beziehung zwischen den beiden Häusern hätten." noffen Joos die Klage an, da die Lehrerschaft von Walters ist dadurch im vollen Umfange aufgeworfen worden, daß in der Nachdem der reußische Staatsminister von hinüber die hausen durch den Inhalt des Artikels beleidigt set. Der Herr lebten Tagung 3ivei große Maßnahmen, die das Volk verlangt Nachdem er sodann Beschwerden über das Einschätzungsverfahren und bei Reklamationen feiner Schule. Er gab zu, daß in der Schule förperlich, gezüchtigt auf den Gegensatz in der Haltung des Oberhauses, je nachdem Direktor wußte als Beuge nichts von einer Mißhandlung in hatte, au nichte gemacht worden sind. anerkannt hatte," hoffte" er, in der übernächsten Session werde, und daß dies auch weiter geschehen solle, aber selbst die Konservativen oder die Liberalen an der Macht seien, hindem Landtage einen neuen Gefeßentwurf vorlegen zu können. verständlich nur im Rahmen der Schulordnung. Im gewiesen hatte, fuhr der Premierminister fort: Die Regierung In der Diskussion führte Genosse Vetterlein einige Beispiele übrigen ersuchte er, von der Vernehmung der Kinder abzusehen, schneidet eine ungeheuer wichtige Frage an, aber sie ist sich des der Steuerveranlagung an, die allgemein bekannt zu werden ver- worauf das Gericht indes nicht eingehen konnte. Ernstes der Lage bewußt. Die wesentliche und eigentliche Natur dienen. Bei einem Einkommen von 1000 M. müssen in Reuß i. 2. Die weiteren Beugenaussagen ergaben, daß Schuldirektor der Berfassung ist, daß sie eine Repräsentatibberfassung 14,40 M., in Meiningen 13 M., in Gotha 12 M., in Altenburg Barth über die Zustände in seiner Schule sehr schlecht informiert ist. Die Voltsvertretung in Großbritannien ist nicht war. Der Knabe Willy Hellmund, ein schwächlicher Junge von einigen anderen Ländern ungefähr wenig mehr als ein Sicher10,50 M., in Sachsen nur 8 M. Einkommensteuer gezahlt werden, 11 Jahren, gab an, mehrere Male vom Lehrer geschlagen zu sein, heitsventil der Verfassung. Die repräsentative Kammer und das bei 50 000 M. aber in Reuß nur 1740 M., in Altenburg 1920 M., weil er nicht lesen konnte. Er hat Striemen gehabt, die ein paar Repräsentativsystem find die Grundlage der britischen Konin Gotha 1972 M., in Meiningen 2000 M. Wenn man unten Wochen sichtbar waren. Lehrer Beermann gab zu, den Knaben stitution. Ich bin nicht sicher, ob ich nicht lieber eine Verfassung entlaste und oben stärker zugreife, könnten auch die Mittel beschafft ein zweites Mal geschlagen zu haben, weil er nach Erhalt der haben möchte, in der die Volksvertretung in hohem Grade un werden, um den Gemeinden größere Zuschüsse zu Schulbauten zu ersten Schläge zu seinen Mitschülern gesagt hatte: Das sage ich mittelbar unter der Kntrolle des Herrschers selbst steht, als eine geben. meinem Vater. Der Knabe Paul Christ ist vom Lehrer Groß ge- Verfassung, in der sie in gleichem Grade unter der Kontrolle einer Die bürgerlichen Abgeordneten wußten dazu nichts Wesentliches schlagen worden, weil er ein Recheneɣempel nicht lösen konnte. anderen Kammer steht. Ich bin nicht sicher, ob die Frage, wenn Die Striemen waren zwei Wochen lang sichtbar. Die acht der Kampf darüber weiter vorgeschritten sein wird, nicht leichter zu zu sagen. Die Interpellation wurde für erledigt erklärt. jährige Ella Kuhn, ein sehr zartes und schwächliches Kind, lösen sein wird, als es jetzt den Anschein hat. Aber auf jeden Fall hat vom Lehrer Groß solche Hiebe bekommen, daß sie muß die Frage geregelt werden.( Lauter Beifall.) Die gegen nach ihrer Aussage acht Tage lang nicht schlafen konnte. wärtige Lage ist schimpflich, gefährlich und entsittlichend. Wir Die deutsche Regierung hält noch immer geheim, welches Ab- Der Vater Kuhn bekundete, daß beide Arme des Kindes bli müssen eine solche Neuordnung der Beziehung der beiden Häuser kommen sie mit den amerikanischen Handelsdelegierten bezüglich der blau geschlagen waren; bei einer anderen Gelegenheit fei erreichen, die uns in den Stand setzt, die Wünsche des Volkes vertraglichen Regelung der deutsch- amerikanischen Handelsbeziehungen es vom Lehrer Groß so geschlagen worden, daß die 3ahne in angemessener Harmonie zur Ausführung zu bringen." Mit getroffen hat. Vielleicht erfährt man jetzt auf dem Umwege über bluteten. Das Kind sei schwächlich und nervös und könne nicht Bezug auf die irische Frage sagte der Bemierminister sodann: Washington näheres. Jm amerikanischen Repräsentantenhause brachte gut sprechen. Der empörte Vater nannte die Behandlung der Sollen wir leugnen, daß das irische Volt ein Recht darauf hat, nämlich heute Ransdall eine Resolution ein, in welcher Präsident Kinder vor Gericht eine Schweinerei", worauf er zur seine eigenen heimischen Angelegenheiten zu verwalten, so lange Roosevelt ersucht wird, dem Hause mitzuteilen, welche Abmachungen Ordnung gerufen wurde. Auch andere Zeugen gaben ihrer Em- diese nicht mit den Angelegenheiten Englands in Widerstreit ge= zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland bezüglich des pörung über die Behandlung der Kinder einen so impulsiven Aus- raten und so lange nichts geschieht, was die Oberhoheit des ParlaZolltarifs getroffen oder welche die Staatseinnahmen der Vereinigten brud, daß der Vorsitzende sie ersuchte, sich zu mäßigen. ments und infolge davon die Festigkeit des Zusammenhangs der Staaten oder ihre Handelsbeziehungen zu Deutschland betreffenden Der vierzehnjährige Arthur Völker hat vom Lehrer Groß drei Länder verletzt? Es bedeutet gar keinen Unterschied für die Vorschläge beiderseits gemacht worden seien. Ohrfeigen bekommen, weil er ein Papier, in dem sich Festigkeit des Reichs, wenn die Jren haben, was jede Kolonie Menschentot befand, nicht vom Schulhofe tragen wollte. I mit Selbstverwaltung befizt." Deutsch- amerikanischer Handelsvertrag? " ver 0= t Im weiteren Verlaufe bsr Wrekdevatte erklärte John Red- Mond(Ire): Lediglich die Gewährung eines Parlaments mit einer diesem verantwortlichen Exekutive würde Irland auch nur verhältnismäßigen Frieden und Gedeihen bringen. *** Das Oberhaus nahm nach kurzer Debatte die Adresse an. Km Laufe der Verhandlungen führte Lord Lansdowne aus: «Wenn die Regierung ihren Angriff gegen das Haus der Lords auf die Halhmg desselben während der letzten Tagung zu gründen beabsichtigt, so sind wir vollkommen bereit, der Regierung wegen dieses Angriffs innerhalb und außerhalb des Hauses entgegen- zutreten."— Schwede». Die schwedische Regierung und der„Vorwärts". Obwohl die schwedische Regierung die von Rußland ver- langte Auslieferung Tscherniaks schließlich ablehnte, machten die vielen Begleiterscheinungen, die lange Haft, die Tscherniak ausstehen mußte, der Umstand, daß man ihm zuerst jede Ver- bindung mit seinen Verwandten unmöglich zu machen suchte, daß man Briefe von ihm nicht beförderte, weder ihm noch seinem Advokaten Einsicht in das Polizeiprotokoll gestattete, eine gründliche Kritik notwendig. Darum war es durchaus geboten, daß die Interpellation Brantings nach- träglich, am Sonnabend, in der Zweiten Kammer doch noch zur Verhandlung kam. Sie lautete: „Sieht es der Justizmimster als vereinbar mit der schwedischen und der allgemeinen Rechisanschauung an, daß, roefin die Auslieferung eines ausländischen Untertanen verlangt wird, die juristische Prüfung in solcher Weise geschieht, daß dem eines Verbrechens Angeklagten verweigert wird, das vorliegende Anklagematerial einzusehen und darauf zu entgegnen?" Der Justizminister suchte in einer langen Rede die Kritik, die in dieser Interpellation liegt, zu widerlegen. Zu Hülfe kam ihm der Minister des Aeußeren. Dann sprach Branting. Er geißelte das ganze Verhalten der Polizei in dieser An- gelegenheit, schilderte die russische„Justiz", der man Tscherniak ausliefern wollte, und zeigte, wie federleicht es für die rufst- schen Henkersknechte gewogen hätte, falls sie die Bedingung akzeptierten, daß Tscherniak nur vor ein ordentliches Gericht gestellt und nur für das Verbrechen bestrast werden sollte, dessentwegen man seine Auslieferung verlangt hatte. Brantings Rede wurde mit Bravorufen aufgenommen. In seiner Kritik der kriminellen Voruntersuchung stimmte ihm auch der frühere Staatsminister S t a a f f bei, der diese Art der Untersuchung für so veraltet erklärte, daß man sich ihrer schämen müsse! Im Laufe der Debatte nahm der Minister des Aeußeren nochmals das Wort und suchte einen Trumpf damit aus- zuspielen, daß er erklärte, der„Vorwärts" habe das Verhalten der schwedischen Regierung als„musterhaft" befunden! — Branting sagte darauf, er habe die betreffende Notiz noch nicht gelesen, vermute aber, daß das Lob des„Vorwärts" sich lediglich auf den guten Abschluß der Angelegenheit be- ziehe und sicherlich mit einer deutlichen Adresse an die deutsche Negierung versehen sei. Daß Genosse Branting damit das Rechte getroffen hat, wissen die Leser des„Vorwärts". Selbstverständlich miß- billigen wir das Vorgehen der Stockholmer Polizei, das lange Zögern der schwedischen Regierung, die erst einen Sturm der Entrüstung der zivilisierten Welt über sich ergehen ließ, ehe sie den rechten Weg fand, ebenso entschieden wie Genosse Branting. Leider aber ist das Recht der Ausländer, besonders das der Russen, in Deutschland so schlecht gewahrt, daß wir einstweilen so bescheiden sind, zu wünschen, die deutsche Re- gierung möchte wenigstens s o viel internationale gute Sitte an den Tag legen, wie es zuguterletzt die konservative schwedische Regierung im Falle Tscherniaks getan hat.— Amerika. Keine KuliS k Washington, 13, Februar. Präsident Roosevelt hat den Vor- sitzenden der EinwanderungSausiSiüsie des Senats und deS Repräsentantenhauses sowie den Führern der republikanischen Partei des Kongresses vorgeschlagen, in das neue Einwanderungsgesetz eine Bestimmung aufzunehmen, die japanische Kulis von der Einwanderung in die Veremigten Staaten ausschließt.— Washington, 18. Februar.(Meldung der„Associated Preß'.s Staatssekretär Root bereitet ein Amendement zur Einwandermigsbill vor. nach welchem die Einwanderung von Asiaten nach den Philippine» und den Sandwichinseln verboten wird. Bisher wurden dort japanische Arbeiter nur für ein einmalige« Verweilen zugelassen. Von zuständiger Stelle wird«rllärt, der japanische Botschafter habe C sich mit dem Amendement einverstanden erklärt, das nur bis zum k Abschluß eines neuen Vertrages mit Japan in Kraft bleiben solle. GewcrkfchaftUche*. Die Notwendigkeit der Einheitsorganisation tritt nie mehr hervor, als in dem Augenblicke, wo kleine selbst gut organisierte Gruppen der Arbeiterschaft in einen Kampf mit dem übermächtigen Kapital hineingedrängt werden. Am 1. Februar brachte die„Zeitschrift für Graveure und Ziseleure" unter dem Titel„Ein kleines Jubiläum" eine Uebersicht über die Tätigkeit, die der Verband der Graveure und Ziseleure im Verlaufe eines Jahrzehntes entfaltet hat. Während im Jahre 1897 nur ein Bruchteil der organtsations- fähigen Angehörigen des Berufes organisiert war. sind es heute deren' 70—75, in einigen Städten 80, 90 und 98 Proz. Die Zahl der dem Verbände Angehörigen beträgt 3700, mit der dem Metallarbeiterverbande Angeschlossenen mag die Ziffer der Organisierten 4000 betragen. So günstig das prozentuale Verhältnis der Organisierten die Kampffähigkeit der Organisation beeinflußt, so ungünstig stellt sich ihre Position doch dem übermächtigen Kapital gegenüber, wenn sie bei ihrem Umfange von noch nicht 4000 Mitgliedern größere Kämpfe von längerer Dauer führen soll. In Leipzig standen im vergangenen Jahre zirka 200 Graveure im Streik. Sie zu unterstützen wäre für einen der modernen Riesenindustrieverbände ein Kinderspiel gewesen. Für den vorzüglich organisierten aber doch wenig umfangreichen Verband oer Graveure bedeutete dieser Kamps eine Belastungsprobe, die ihn an den Rand seiner Leistungsfähigkeit brachte. Und so kann denn die„Zeitschrift für Graveure" schreiben:„Der Gedanke der Verbindung mit größeren Truppenmächten nimmt auch in unseren Reihen immer mehr feste Gestalt an." Die Aufforderung zu einer Diskussion der Idee, eine Ver- schmelzung mit dem Metallarbeiter-Verbande her- beizuführen, hat sofort zustimmende Kundgebungen geweckt. und es ist wohl zu hoffen, daß der diesjährige Verbandstag der Graveure eine Mehrheit für den Anschluß findet. Die Vor- teile eines solchen Zusammenschlusses für die Graveure liegen so klar auf der Hand, daß eine Erörterung derselben fast überflüssig erscheint. Der Verband der Graveure erscheint Perantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verant«.: beim Anschluß an den Metalkarbeiterverband fast völlig als der empfangende Teil. Dennoch liegt es sicher im Interesse der Arbeiterbewegung, wenn trotzdem der stärkere Metall- arbesterverband jede denkbare Rücksicht auf die Psyche derer nimmt, die hier der Idee der Einheitlichkeit in der Arbester- bewegung das Opfer der Selbständigkeit bringen. Folgt der Metallarbeiterverband dem schönen Beispiel, das die Transport- arbeiter bei der Aufnahme der Droschkenkutscher Berlins und der Hausdiener gaben, dann wird die Einigung sich so voll- ziehen können, daß alle Teste gern den notwendig ge- wordenen Schritt tun, daß niemand ihn später bereut. Verlln und Umgegend, Der Kampf i« der Holzindustrie. Die Treppengeländerarbeiier beschäftigten sich am Dienstag in einer Branchenversammlung mit der Aussperrung. Die Arbeitgeber dieser Branche haben sich von Anfang an mit den übrigen Unter- nehmern der Holzindustrie solidarisch erklärt, jedoch erst am 1. Februar mit der Aussperrung begonnen, weil erst an diesem Tage der für die Tieppeiigeländerbraiiche gültige Vertrag abgelaufen war.— In der Versammlung erstattete P a t t l o ch den Siliiations- bericht. Unter anderem teilte er mit. daß sich von de» 42 Betrieben der Branche, die insgesamt etwa L5v Arbeiter beschäftigen, L4 Betriebe an der Aussperrung beteiligt haben. Aus diesen Betrieben find 241 Arbeiter ausgesperrt und 50 haben als Antwort auf die Aussperrung die Arbeit niedergelegt. Es sind demnach reichlich die Hälfle der Treppengeländerarbeiter durch die Aussperrung betroffen. Die Arbeiter loerden nun ihr Augenmerk darauf richten, daß in den Betrieben, wo noch gearbeitet wird, keine Arbeit für die von der Aussperrung beteiligten Unternehmer angefertigt wird. Ebenso wird mit Hülfe der Bauarbeiter dafür gesorgt, daß ani Bauten Treppengeländer für aus- sperrende Unternehmer nicht aufgestellt werden. Die Ausführnngen des Referenten gingen zum Schluß dahin, daß die Arbeiter der Treppen- geländerbranche gemeinsam mit den übrigen Holzarbeitern dahin wirken werden, daß die Aussperrung nicht den Erfolg hat. den die Unternehmer wünschen, sondern daß deren Angriff auf die Organi- sation ganz entschieden zurückgewiesen werde. » Die Zahl der ausgesperrten Holzarbeiter hat sich am Montag um 46, am Dienstag um 27 vermehrt. Eine tarifliche Festlegung der BerufsverhLltnisse in der Warenhausphotographie beschäftigte eine Versammlung von photographischen Angestellten d-ieser Betriebe, welche am Dienstag stattfand. Der Verbands- vorsitznde H ä n l e i n referierte. In der ersten Zeit nach dem Aufkommen der Warenhausphotographie wurden in den Waren- Häusern gute Gehälter gezahlt bei nicht zu großer Anstrengung. Nach und nach verschlechterten sich die Verhältnisse. Die Bezahlung ging zurück und die Intensität der Arbeit fvurfce immens hinaufgeschraubt, indem iL a. Mindestleistungen verlangt wurden. Selbst- stverändlich litt barunter die Qualität der Leistung. Zur Steigerung der Intensität benutzten manche der Unternehmer auch das Prämien- system. Die durchgeführte Arbeitsteilung ermöglichte es, für bestimmte Arbeiten mehr, als sonst, Damen heranzuziehen. Ist da- gegen auch prinzipiell nichts einzuwenden, so verlangten leider die meisten Kolleginnen nicht für gleiche Leistung gleichen Lohn mit dem Manne. Allerdings spielt bei vielm— Tüchtigkeit bei anderen ist ohne weiteres zuzugeben— der Mangel einer ordnungsmäßigen Ausbildung eine mitbestimmende Rolle. An unfertiger Ausbildung weiblicher Mitarbeiter leistet nicht zu wenig der unter hohem Protektorat stehende Letteverein, der sich herbei- läßt, Tomen in kürzerer Zeit auszubilden, als allgemein üblich und erforderlich ist. Das darf nicht vergessen werden bei einer Besprechung der Verhältnisse und der Frage ihrer Besserung. Jeden- falls steht fest, daß auch in der Warenhausphotographie bislang noch der weibliche Arbeiter den männlichen unterbietet zum Schaden der Gesamtheit. Immer mehr muß die Parole zur Geltung kommen: Für gleiche Leistung gleicher Lohn!— Was die Bezahlung betreffe, >0 sei es nicht etwa ein hoher Lohn, wenn Operateure da und dort 200 oder 250 M. monatlich erhalten. Denn nach ihrem V e r t r a ge m ü ß t e n sie im Eylinder und schwarzen Gehrock ein- und ausgehen und nobel gekleidet gehen im täglichen Umgange mit dem Publikum. Die Durchschnittsentlohnung betrage in den Waren- Häusern 127 M. Das System der Sparsamkeit, das vielfach Platz greife, habe verschiedentlich sogar die Arbeitsräume mit umsaßt. Es war so schlimm, daß auf Enthüllungen darüber die Polizei eingriff.— Der Redner sprach die Hoffnung aus, daß die Ver- schlecbterung der Zustände in den Warenhäusern die Kollegen und Kolleginnen endlich zur Vernunft bring« und sie ihrer Organisation zuführe. Die Agitation müsse energischer betrieben werden. Um- somehr, als der antisemitische Leiter des Berliner EhefvereinS, Herr Tiezenthaler sich nickst geniere, mit den semitischen Inhabern der Warenhauser inVerbindulw zu treten und dem Gehülfenverbande und seinen Bestrebungen zu schaden. Es bestehe die Pflicht, etwas zu tun. Son heute müsse eine Kommission gewählt werden, die darauf himvirkc, daß in den Warenhäusern durchgedrückt werde, was die Fachphotographen noch verweigerten, eine tarifliche Regelung, Verhandlungen wären anzuknüpfen und wenn sie abgelehnt würden. wäre die allgemeine Arbeiterschaft, mit der man in der Gewert- schaftskommission verbunden sei, eventuell zur Geiltendmachung ihres Einflusses aufzurufen. Gelinge so die Durchdrückung von Tarifverträgen in den Warenhäusern, so werde das zurückwirken auf die Gestaltung der Dinge in anderen Betrieben. Es werde auch nicht davor zurückgeschreckt werden, aus dem einen oder dem anderen Unternehmen Arbeitskräfte herauszuziehen.— Die Ausführungen des Redners fanden lebhaften Beifall. Nach kurzer Debatte wählte die Versammlung eine provisorische Lohn- kom Mission, bestehend auss den Heriren Dobb�ertin, H ä n l e i n und R i t s che r, der das Recht zugestanden wurde, sich durch Angestellte der einzelnen Warenhäuser zu ergänzen. Die Kommission erhielt den Auftrag, im Sinne des Referats auf eine Besserung der Verhältnisse hinzuwirken und Verschlechterungen vorzubeugen._ Achtung, Tapezierer! Die Bauten der Tapetenfirma Achilles, W i e s e n st r. 61 und Rummelsburg. Lenbachstr. 4 (Meister Adam) sind für Kleber gesperrt, ebenso Bau Stolpischestr. 23(Meister Peters). Die Verbandsleitung. HusUmkU Gin Unternehmersohn in Fougeres als Arbeitermörder. Paris, 11. Februar.(Eig. Ber.) Ein unsagbar infames Verbrechen ist gestern abend in Fougeres begangen worden. Die Schuharbciter, die die sieg- reiche Beendigung ihres AuSstandS feierten, marschierten in einem geordneten Zuge, etliche tausend Mann stark, mit entfalteter roter Fahne durch die Stadt, als plötzlich auf dem Theaterplatz mehrere Revolvers chüsse aus dem Dunkel auf sie ab- gefeuert wurden. Ein Arbeiter namens M o r i c e brach, ins Herz getroffen, tot zusammen, ein zweiter namens Muse bekam einen Schuß in den Arm und mußte ins Hospital gebracht werden. Es gelang der Polizei, den Mörder zu verhaften. Es ist ein ZZjährigerUnternehmersohn, ein gewisser B o ch e l i e r. dessen Vater im Vorort EotteretS eine kleine Fabrik von Werk-- zcugen für Schuhwaren besitzt. Ein persönliches Motiv für die Tat liegt nicht v o r; der Bursche hat seine schurkische Tat einzig aus Haß gegen die sozialistischen Ar» b e i t e r begangen. Er bekannte sich auch mit empörendem Cynismus zu ihr. Als ihn der Kommissar angesichts der Leiche fragte, ob er denn auch gewußt habe, was er tue, antwortete er höhnisch:„Natürlich, ich habe doch 3 Kugeln ab- gefeuert!" Bochelier verkehrte viel in Wirtshäusern mit Führern der Gelbem_ IH.Glickc. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.Verlcigsanstälö Der Ermordete hinterläßt eine Frau und 3 unversorgte Kinder. Die Aufregung in der Stadt ist ungeheuer. Die Lodzer Riesenaussperrung. Warschau, 11. Februar.(Eig. Ber.) Der Kampf in Lodz nimmt kein Ende. Mit einer ungewöhn- lichen Solidarität kämpfen die drcitzigtausend ausgesperrten Ar- beiter, obwohl schon nicht die Angst vor Hunger und Kälte, sondern nackter Hunger die hunderttausendköpfige Menge plagt. Die Arbeiterschaft Polens tut ihr möglichstes. Alle Arbeiter Lodz' sammeln für die hungrigen Brüder; in allen größeren Orten bilden die sozialistischen Organisationen und Gewerkschaften Unter- stützungskomitees. Tausende Rubel fließen durch die Hände des Aussperrungskomitces, in dem die Vertreter der Sozialdemokratie, der sozialdemokratischen Gewerkschaften, der P. P. S. und neutralen Gewerkschaften sitzen. Die Arbeitermasse Polens befindet sich jetzt nicht im besten finanziellen Zustande, die Sammlungen in Ruß- land(Petersburg und Moskau) wurden erst jetzt von den dortigen Gewcrkschaftsorganisationen eingeleitet. Was für ein Elend in der Masse herrscht, kann man sich vorstellen. Trotzdem siebt man bis jetzt kein Wanken. Die National- demokraten veranstalteten eine Versammlung, in der 2000 ihrer Anhänger versammelt waren. Ihre Proklamationen schoben der Arbeiterschaft den Gedanken unter, sich den Kapitalisten zu Füßen zu werfen. Sie drohten mit dem Hunger und schrieben, daß es leichter sein wird, die 98 ohne jede Schuld von den Fabrikanten hinausgeworfenen Arbeiter zu erhalten, als Hunderttausende» Brot zu geben. Aber auch die nationaldemokratischen Arbeiter gaben ihren Führern nicht nach. Die Versammlung, die eine Delegation zu den Fabrikanten nach Berlin sandte, erklärte, daß sie keinesfalls die 98 Genossen den kapitalistischen Selbstherren opfern wird. Jetzt bekommen wir die Nachricht, daß die in Charlottenburg wohnenden Leiter des Syndikats der Arbeiterdeputation brüsk antworteten, daß sie keinen Schritt von ihrem Standpunkt weichen. Der Kampf dauert also weiter. Die hungernde Masse kann nur auf die Hülfe der Arbeiterschaft rechnen. Zwar entrüsten sich jetzt die Blätter der polnischen progressiven Zeitungen über die Stellung der„Herrn im eigenen Hause", die von Charlottenburg aus hunderttausend Menschen zum Hungertode verurteilen, zwar rufen sie zu Sammlungen, aber wir sind gewiß, daß von dieser Seite nicht viel Hülfe kommt. Die„Gesellschaft" steht auf der Seite der jüdisch-deutschen Aussauger, die Aussperrung ist in ihren Augen ein Kampf mit der„revolutionären Anarchie". Die Preßkanaillen der polnischen Bourgeoisie lachen noch die hungernden Arbeiter aus und fragen sie:„Ihr seid hungrig? Wie steht es denn mit der internationalen Solidarität? Bekommt ihr Hülfe von den deutschen, französischen Genossen?" Eingegangene Druckfdmttei». Die Frauenfrage vom Standpunkte der Natur, der Geschichte und ber Offenbarung beantwortet von P. Augustin Rösler 0. SS. B. Freiburg, Herderlchc Verlagsbuchhandlung. 8 M.; geb. in Leinwand 9,40 M. Süddeutsche Monatshefte. Verlag: Süddeutsche Monatshefte G. m. b. H.. München. Februarhest. Jährlich 15 M. Juristisch-psychiatrische Grenzfragen. V.Band. Hestk. Bereinigung für gerichtliche Psychologie und Psychiatrie i. Großherz. Hessen. Bericht in der 4. Hauptversammlung. Preis 1,29 M. Verlag: C. Marhold, Halle a. S. Letzte JSaebnehten und Depefebm Staatsgefährlicher Schnupftabak. Mannheim, 13. Februar.(Privatdepesche des„Vor- wärts". Genosse Appel als Verantwortlicher der Faschings- zeitung„Schnupftabak" wurde auf Grund eines Straf- kammerbeschlusses, veranlaßt durch die Beschwerde der Staats- anwaltschaft, erneut verhaftet.(Wie wir bereits mitteilten, hatte das Gericht die Verhaftung des Genossen Appel auf- gehoben; der„Schnupftabak" scheint aber von ganz hervor- ragender Qualität gewesen zu sein, so daß man sich schleunigst des Herstellers wieder versicherte. R. d. ,.V.".) Freiwillig der Polizei gestellt. Hamburg, 13. Februar.(W. T. B.) In Flensburg hat sich heute der Knecht Holst der vierte Beteiligte an dem Ueberfall und der Ermordung des Tatenberger Gemeindevorstehers Jansen am 7. August v. I.. der Polizeibehörde selbst gestellt. Deutschlands Busenfreund al» Hehler. Leipzig, 13. Februar.(W. T. B.) Landesverratsprozeß. Der Angeklagte Michael Roman Prinz wurde wegen versuchten Verrats von militärischen Geheimnissen an die russische Regierung in zwei Fällen zu 3 Jahren 6 Monaten Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Im Sturm gesunken. Brest, 13. Februar.(B. H.) Ein heftiger Südweststurnr Unna an der französischen Küste. Die gesamte Schiffahrt ist bedroht. Aus Honfleur werden zwei Schliffsunfälle gemeldet. Beide Fahr- zeuge sind gesunken, von der Bemannung vier Leute ertrunkene Andere Schiffe schweben in Gefahr. Wahlrechtsverbesserung in Rumänien. Bukarest, 13. Februar.(W. T. B.) Die Kammer beschloß eine Abänderung des Wahlgesetzes, nach der eine größere Wahlfreiheit zngcstandrn wird. Ein hartnäckiger Flottenschwärmer. London. 13. Februar.(W. T. B.) Der zum Kommandanten der Kanalflotte ernannte Admiral Beresford hat erklärt, er ver- zichte auf das Kommando, wenn die Stärke der Flotte auf 14 Linienschiffe, 4 geschützte und 3 ungeschützte Kreuzer, wie be- absichtigt, festgesetzt werde. Er werde nur die Verteidigung der heimischen Gewässer übernehmen mit einer Flotte, die ihren An- sorderungen genüge und die in Friedenszeiten unter seinem Befehl ausgebildet sei. Eine neue Frauendemonstration. London, 13. Februar.(W. T. B.) Heute hielten hier eine Anzahl Frauen, die für das Frauenstimmrecht eintreten, eine Zu- sammenkunst ab. Im Anschluß an diese zogrn etwa 800 Frauen zu dem Unterhause und versuchten, sich dort gewaltsam Eintritt zu verschaffen. Es kam zu einem Handgemenge zwischen den Frauen und der Polizei, die genötigt waren, scharf vorzugehen. Berittene Polizei ritt in die Frauen hinein und trieb sie in die Westminsterabtei. Es gelang auch schließlich, die Frauen au?- einanderzutrciben. 25 bis 30 von ihnen wurden verhaftet, unter ihnen auch Frau Despard. eine Schwester des Generals French. Eisenbahnunglück. Madrid, 13. Februar.(B. H.) Bei Sagunt gerieten zwei Güterwagen auf abschüssigem Niveau ins Rollen und stießen mit einem entgegenkommenden Kohlenzuge zusammen. Der Zusammen- prall war so heftig, daß der Kohlenzug entgleiste und zwei auf ihn: befindliche Arbeiter getötet wurden. Mehrere andere wurden schwer verletzt. »„Berlin LW. Hierzu ZBeilagenu-Unterhaltungöblatt Nr. 38. 24. L Mm Ks Jorniitts" Kerlim llolfotilstt. Donnerstag. 14. Febmar 1907. Hbgeordnctenbaud. 9. Sitzung. Mittwoch, den 13. Februar, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Arnim-Criewen. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die zweite Beratung des Etats der Forstverwaltung. Zu den Einnahmen liegt eine Petition des Berliner deutsch-konservativen Wahlvereins gegen die Veräußerung und Vernichtung von Wäldern bei Berlin vor. Tie Budgetkommission beantragt U e b e r- Weisung als Material. Abg. Fischbcck sfrs. Vp.): Es sind mancherlei Vorwürfe gegen die Stadt Berlin erhoben, daß sie für die Erhaltung der Wälder nicht genug tue. das ist durchaus unberechtigt. Schon am 29. Oktober 1892 hat die Stadt sich bereit erklärt, den Grüne- Wald zu kaufen. Dies Anerbieten ist am 24. November 1892 ab gelehnt.(Hört! hört l links.) Damals hat man versichert, daß der Staat nicht daran denke, den Grunewald zu bebauen. lHört l hört! links.) Herr v. Podbielski hat den Ankauf noch abgelehnt mit der Begründung, daß er befürchte, daß Berlin den Grunewald zu Spekulationszwecken verwende. Und jetzt verwendet der Staat ihn selbst dazu!!(Hört I hört I links.) Die Stadl Berlin hat darauf erklärt, daß sie den Gruneivald im wesentlichen in seinem Bestände erhalten wolle. Auf dieses neue Anerbieten hat der Staat bis heute noch nicht geantwortet.(Hört! hört! links.) Wir haben den Treptower Park, den Plänter Wald erhalten, wir haben Buch angelegt und 180 Morgen Land neu augelegt. Berücksichtigen Sie weiter, daß Berlin nicht mehr tun kann, weil eS an jeglicher Organisation der Vorortgemeindeu fehlt. (Sehr richtig! links.) Der Oberlandforstmeister hat erklärt, daß der Staat der Stadt viel mehr gegeben habe als umgekehrt, Sollen wir einmal eine ähnliche Rechnung auf- machen? Den wertvollsten Teil des Tiergartens hat die Stadt Berlin dem Großen Kurfürsten geschenkt; darin liegt das Riesen� terrain, auf dem sich jetzt Moabit und der Lehrter Bahnhof befindet. Gegenüber den beunruhigenden Nachrichten wäre es dankenswert, wenn die Regierung hier eine beruhigende Erklärung abzugeben in der Lage wäre. Oberlandforstmeister Wesener: Ich bedauere, von meinen Vor würfen gegen die Stadt Berlin nichts zurücknehmen zu können. El ist doch sehr auffallend, daß die Stadt Berlin in 14 Jahren nicht aus ihren Wunsch, den Grunewald zu kaufen, zurückgekommen ist, (Sehr richtig l rechts) trotzdem Charlottenburg mit einem nach ahmenswerten Beispiel vorangegangen ist. indem es einen großen Teil der Jungfernheide erwarb. Alle anderen Großstädte haben mehr für ipren Wald getan. Ich nenne nur London, Wien Essen, Düsseldorf, Kiel usw. Der Vorwurf, daß die Regierung die Forsten um Berlin herum verwüsten will, ist unberechtigt. Es denkt niemand daran, den Grunewald niederzuhauen oder zu bebauen. Die Forstverwaltung muß sich aber das Recht vorbehalten, einzelne Teile des Grunewalds wie auch anderer in der Nähe großer Städte gelegener Forsten zu oerkaufen. Für 1 Hektar Forst bei Berlin könne» wir 2000 bis 3000 Hektar im Osten kaufe».(Hört! hört! rechts.) Abg. v. Pappcnhrim(f.): Man darf dem Staate nicht einseitig zumuten, die Lasten für die Erhaltung großstädtischer Wälder zu tragen. Da müssen die Kommunen Seldsthülfe üben.(Bravo! rechts I) Abg. Dr. Miiller-Berlin")(frs. BP.): Die Frage der Erhaltung des Grunewalds darf nicht als eine Geldfrage, sondern sie muß als eine der Gesundheit des Volkes angesehen werden. Obwohl das Kaiserwort von 1902 noch besteht, daß der Grunewald ein Volkspark iverden solle, will man jetzt der Stadt Berlin den hygienisch un- bedingt notwendigen Grunewald nicht mehr lassen. Die Regierung scheint den Grunewald nur zu taxieren nach dem Text des Liedes: „Im Grunewald, im Grunewald ist Holzauktion I"(Heiterkeit.) Wir wollen keine Bevorzugung der Großstädter, wir wollen nur. daß auch sie ein Gefühl bekommen für das Wehen und Walten der Natur (Lebhafter Beifall links.) Oberlandforstmeister Wesener: Ich wiederhole, daß kein Mensch daran denkt, den Grunewald niederzureißen oder zu verkaufen. Aber die Landesforstverwaltung hat noch gewaltige Kulturaufgabcn im Osten und Westen des Landes zu erfüllen und kann deshalb nicht unter allen Umständen die Wälder in der Nähe der Groß städte bis auf den letzten Quadratmeter erhalten.(Beifall rechts.) Abg. Hammer(kons.) polemisiert gegen die Stadtverwaltung von Berlin, die sich in der Eingemeindungsfrage so engherzig be- nommen habe, erklärt sich jedoch für die Erhaltung des Grüne- Wäldes. Allerdings müsse Berlin dafür bluten. Abg. Dr. Müller-Berlin: Der Vorredner hat der gemeinsamen Sache Berlins und der Vororte keinen guten Dienst geleistet. Er hätte sich statt gegen Berlin gegen die R c g i e-r u n g wenden sollen. Abg. v. Pappcnheim(kons): Der Abg. Dr. Müller hat einen Kampf gegen Windmühlen geführt; denn von der Rechten hat sich niemand für die AbHolzung des Grunewalds ausgesprochen. Abg. Dr. Friedberg(natl.): Wenn die Regierung erklären würde, daß nur einzelne Parzellen vom Grunewald abgegeben werden sollen, die aber nicht mit Mietskasernen bebaut werden dürfen, sondern nur mit Villen, so würde das weitgehende Beruhigung im Lande hervorrufen. Oberlandforstmeister Wesener: Ich kann nur wiederholen, daß eS sich lediglich darum handelt, kleine Teile des Grunewalds zu verkaufen. WaS aus ihnen wird, kann ich natürlich nicht sagen. Abg. Fischbeck(frs. Vp.) gibt nochmals der Hoffnung Ausdruck, daß der Grunewald der Stadt Berlin als Volkspark erhalten bleiben möge.. Damit schließt die Debatte. Die Petition wird der Regierung als Material überwiesen, und die Einnahmen werden b e- willigt.— Bei den Ausgaben(Kapitel„Besoldungen") regen Abgeordnete aller Parteien eine erheblichere Besserstellung der Förster und Oberförster an, als sie im gegenwärtigen Etat vor- gesehen ist. Abg. v. Hrybebrand u. d. Lasa(kons.) sucht die in der Frage der Erhöhung der Beamtengehälter bisher so zurückhaltende Stellungnahme der Konservativen damit zu rechtfertigen, daß die konservative Partei als große ausschlaggebende Partei nur soviel versprechen könne, als sie auch zu erfüllen imstande sei. Abg. Gyßling(frs. Vp.): Die Regierung habe es soweit kommen lassen, daß die Beamten schon in einer Art von GeWerk. schaften ihre Wünsche vertreten müßten. Das fei höchst bedauerlich! Seine Fraktion werde daher energisch auf eine rasche durchgehende Aufbesserung der Gehälter der mittleren und unteren Beamten dringen.(Lebhafter Beifall links.) Oberlandforstmeister Wesener erklärt, daß es schwer sein werde, die Gehälter der W a l d w ä r t e r zu erhöhen! Die Dienst- ländereien brächten den Beamten im allgemeinen gute Erträge.— Abg. v. Arnim(fk.) beklagt sich darüber, daß die Forstver- waltung übermäßig hohe Löhne zahle und daß man dem Hamburger Verband angehörige sizial- demokratische Bauarbeiter sogar als Vorarbeiter angestellt habe. Ter Staat müsse sich zum Prinzip machen, keinen sozialdemo- kratischrn Arbeiter zu beschäftigen.(Beifall rechts.) *) Früher Dr. Müller-Saga» genannt. Abg. Losinski(Pole) beschwert sich über die Entlassung von Waldarbeitern, deren Kinder sich am Schulstreik beteiligt hätten: Der-Rest des Etats wird debattelos bewilligt. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr.(Antrag Bachmann(natl.) betr. Einsetzung einer Kommission zur Prüfung der Beamten- gehälter. Gestütsetat und Domänenetat.) Schluß 4% Uhr. Die Vedeutnng des Waytausfalls fiir die Sozialdemokratie. „Ein Kind des Zufalls" hat Genosse F. Mehring den Artikel überschrieben, den er in Nr. 19 der„Neuen Zeit" veröffentlicht. Einleitend zeigt er, daß das Zitat ans Kleists„Prinz von Homburg", das der Kaiser in seiner zum Schloßsenster hinaus gehaltenen Rede der Stichwahlnacht gebrauchte, einem Dialog ent- nommen ist, worin der Oberst Kottwitz einen Sieg verteidigt, den der Kiirfiirst Friedrich Wilhelm als ein„Kind des Zufalls" verwirst. Der Kaiser habe die Auffassung des Obersten, daß man sich nicht darum zu kümmern brauche, w i e der Sieg erfochten wurde,„die Regel, die ihn schlägt, da« ist die höchste." akzeptiert und damit den Sieg der Reaktion in der Wahl- schlacht unzweideutig als ein„Kind'des Zufalls" charakterisiert. Diese Kennzeichnung sei für die Arbeiterbewegung sehr schmeichel- Haft— die Gegner„verzichten auf einen Sieg aus eigener Kraft, und was ihnen nun noch bleibt, ist der Zufull, der ihnen diesen oder jenen Augenblickserfolg zu sichern vermag, auf Kosten ihrer dauernden Interessen." Das wird dann an den Freisinnigen näher gezeigt, die, soweit ihnen noch ein Rest politischer Besinnung geblieben, ein Grauen beim Blick auf daS ankomme, was sie„ersiegt" haben, die erkennen müssen, daß sie durch den„Sieg" über die Sozialdemokratie tat- sächlich nichts anderes als einen Sieg der polilischen und sozialen Reaktion erreicht haben. Der Artikel fährt darauf fort: „Aber die Sozialdemokratie hat wenigstens gehörig eins abbekommen! Das ist der Trost dieser Acrmsten, der aus dem Komischen ins Alberne umschlägt, wenn sie rein ins Blaue hinein behaupten, das klassenbewußte Proletariat werde aus dieser„derben Dusche" nun wohl Bescheidenheit und Vernunft lernen Und sich keinen„brutalen Uebermut" gegen den biederen Freisinn mehr erlauben. Was sie unter„brutalem Uebermut" verstehen, ist ein- fach die prinzipielle Klarheit der Arbeiterpolitik, von der sie sich einbilden, daß sie nunmehr der phrasenhaften Knochenerweichung des freisinnigen Wischiwasches verfallen werde. Er ist schwer zu begreifen, aber er ist dennoch eine Tatsache: dieser Glaube in Israel! Hätte er mehr hinter sich, als die Einbildungen politisch nicht mehr zurechnungsfähiger Toren, so hätte die Sozialdemo- kratie allerdings nicht nur eine zufällige Schlappe, sondern eine zerschmetternde Niederlage erlitten. Wir brauchen unseren Lesern nicht zu sagen, daß davon keine Rede ist und keine Rede sein kann. Gewiß wird die deutsche Sozialdemokratie„Lehren" aus diesem Wahlkampfe ziehen, wie aus allem, was sie erlebt, aber sie stellt sich niemals unter die Herrschaft des Zufalls, sondern sie steht immer unter dem Gesetz der historischen EntWickelung, und so wenig sie sich durch den Erfolg von 1903 von dem Wege abdrängen ließ, der ihr durch ihre historische Erkenntnis vorgeschrieben wird, so wenig wird sie sich durch die Schlappe von 1907 in ihren Mitteln und ihren Zielen beirren lassen. Den Mantel, den ihr schmeichelnder Sonnenschein nicht abzulocken verstand, den wird ihr ein rauher Wind noch viel weniger entreißen. Sehr viel richtiger als die freisinnigen Schwätzer urteilt das Organ der Brotwucherer: die Mandatsverluste der Sozialdemokratie würden die revolutionäre Stoßkraft der Sozialdemokratie nur vcr- stärken. Darin ist wenigstens die ganz richtige Schlußfolgerung enthalten, daß die Vorliebe der Arbeiterklasse für die„friedliche" und„gesetzmäßige" EntWickelung sicherlich nicht gesteigert wird, wenn ein unglaubliches Durcheinander der bürgerlichen Parteien selbst das allgemeine Wahlrecht so verfälschen kann, daß eine Partei von 316 Millionen Wahlstimmen nur durch eine bescheidene Irak- tion von 43 Mitgliedern im Reichstag vertreten wird. Hält man die deutschen Arbeiter denn für Leute, die, sobald sie geprügelt werden, in blinder Wut, gleichviel wohin die Schläge fallen, nur um so gehorsamer kuschen? Das mag die Sache der freisinnigen Worthelden sein, aber die deutsche Arbeiterklasse sollte doch durch ihre vierzigjährige Geschichte vor einem so schimpflichen Verdacht gesichert sein. Sie schläft nicht einmal auf ihren Lorbeeren ein. geschweige denn, daß jeder Mißerfolg ihren revolutionären Trotz mehr stärken als schwächen muß. Wären die Gegner der Arbeiterklasse nicht ganz auf den Zu- fall gestellt, so wie es der Kaiser selbst treffend angedeutet hat blickten sie noch einige Spannen über den dürftigen Augenblicks- «rfolg hinaus, so würden sie auf alles andere eher bedacht sein, als den Arbeitern den bürgerlichen Parlamentarismus zu verekeln. Es ist immer noch die denkbar günstigste Situation für die Herr- schcndcn Klassen, wenn das Proletariat seine Kraft vorzugsweise auf dem Gebiet des bürgerlichen Parlamentarismus konzentriert. Die deutsche Sozialdemokratie hat dieser Versuchung stets wider- standen; ihr Wahlerfolg von 1903 trieb sie nur an, ihre politischen und wirtschaftlichen Organisationen um so stärker auszubauen, den geistigen Einfluß ihrer Presse nur um so mehr zu erweitern. Daran hätte auch der größte Wahlerfolg am 25. Januar nichts geändert. Aber eS ist klar, daß die Mandatsverluste, die ihr dieser Wahlkampf gebracht hat, ihre revolutionäre Tendenz nicht inildern, sondern nur stärken kann, immer vorausgesetzt, was ja selbstverständlich ist, daß deutsche Arbeiter keine feigen Hunde sind, die sich durch einen Regen blind wütender Prügel, der sich über sie ergießt, windelweich stimmen lassen. Ließe sich das Interesse der Partei überhaupt vom Interesse der Nation trennen, so hätten wir stärkeren Anlaß, die sozial- demokratischen Mandatsvcrluste zu begrüßen alö zu beklagen. Da- durch, daß drei Dutzend bisher sozialdemokratischer Mandate zum größeren Teile in die Hände von Urreaktionären und zum kleineren Teile in die Hände von Liberalen übergegangen sind, die sich wie Wetterfahnen im Winde bewegen, ist jeder gemeingefährlichen Absicht der Reaktion freie Bahn geschaffen worden; darunter wird die Nation schwer zu leiden haben und mit ihr auch die Arbeiter. klaffe. Aber vom agitatorisch-politischen Standpunkt, unter dem die herrschenden Klassen die Sozialdemokratie allein zu betrachten gewohnt sind, hat die Partei in diesem Wahlkampf eher einen Ge- winn als einen Verlust zu verzeichnen; vierzig Mann im Reichstag tun ihr reichlich dieselben Dienste wie achtzig, ganz ungerechnet die bittere und blutige Aufreizung der Volksmassen dadurch, daß sie trotz ihrer überwältigenden Stimmenzahl so kümmerlich im Reichstag vertreten sind. Die Massen werden in dem Ausfallen der Wahlen vom 2S. Januar und 5. Februar niemals eine historisch- logische Tatsache, sondern immer nur ein Kind des Zufalls sehen, nur daß dieser Zufall für den Kaiser die„höchste Regel", für sie nur ein Anlaß ist, sich um so kräftiger auf ihre unwandelbaren Prinzipien zu besinnen und sich um so fester da zu verschanzen, wo keine Macht der Welt sie vertreiben kann, auf dem Gebiet des modernen Produktionsprozesses, dessen unentbehrliche Träger sie sind. Hier ist ihre uneinnehmbare Burg, gefeit gegen jedes Kind des Zufalls, das den herrschenden Klassen zu kurzlebigem Triumphe von der Bank fallen mag." Huq der parteu Parteiliteratur. Im Verlage von I. H. W. Dietz Nachfolger ist soeben erschienen: Pashitnow» K. A.: Die Lage der arbeitenden Klasse in Rußland. Eine historische Darstellung an der Hand amtlicher und privater Untersuchungen und der Berichte der Fabrikinspeltoren von 18Sl bis in die heutige Zeit. Autorisierte Uebersetzung von M. Nachimson. Mit einem Anhang von M. Nachimson. Band 40 der Internationalen Bibliothek. Preis broschiert 2.S0 M., gebunden 3 M. In einigen Monaten soll diesem Werk, das fast ausschließlich die Lage der Industrie- und Bergarbeiter in Rußland schildert, folgen: Maßlow, Peter: Die bäuerliche Wirtschaft und die ländlichen Arbeiter in Rußland. Die Arbeit besteht aus einem theoretischen und praktischen Teil und hat in Rußland in kurzer Zeit drei Auflagen erlebt. Der Verlag veröffentlicht zuerst den wichtigen zweiten praktischen Teil und behält sich vor, den ersten Teil in späterer Zeit heraus- zugeben. In etwa drei Wochen erscheint in dritter Auflage: Bebel, A., Charles Fourier: Sein Leben und seine Theorien. Preis broschiert 2 M., gebunden 2,50. Unter der Presse befindet sich die durchgesehene und der« mehrte Auflage von Knutsch, K., Thomas More und seine Utopie. Mit einer historischen Einleitung. Kautsch, K., Die Vorläufer des neueren Sozialismus. Von Plato bis zu den Wiedertäufern. Erster Abschnitt: Der platonische und der urchristliche Kommunismus. Zweiter Abschnitt: Die Lohnarbeiter im Mittelalter und im Zeitalter der Reformation. Dritter Abschnitt: Der Kommunismus im Mittelalter und im Zeit- alter der Reformation. Eduard Bernstein, Die Grundbedingungen des Wirtschafts» lcvcns. Wirtschaftswesen und Wirtschastswerden II. Ein Vortrag. gehalten vor Berliner Arbeitern. Preis 50 Pf. AgitationSausgabe 20 Pf. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin LW. 68. Inhalt: Was bedeutet Wirtschaft?— Natur und Wirtschast.— Die körperlichen Erfordernisse des WirtschaftenS.— Arbeit und Werkzeug.— Die Elemente der Arbeit.— Der menschliche Körper als Arbeitsmaschine.— Organisation und Teilung der Arbeit.— Die geographische Arbeitsteilung. Die soziale Arbeitsteilung nach Geschlecht, Alter und Klasse.-» Die Technik und die Wirtschaft.— Das Recht und die Wirtschaft.— Die Antriebe zur Wirtschaft in Gegenwart und Zukunft. Die Broschüre lehnt sich an den Vortrag:„Die verschiedenen Formen dcS Wirtschaftslebens" an. ist aber in sich abgeschlossen. Sozialdemokratische Philosophie. Eine Artikelserie von Josef D i e tz g e n. Mit einem Vorwort von Eugen Dietzgen. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin. Preis 76 Pf., Agitations- ausgäbe 30 Pf. Von Josef Dietzgen. dem Philosophen der Sozialdemokratie. bringt der Verlag eine neue, billige Ausgabe seiner mit Rccht gern gelesenen und studierten Schriften. Im Vorwort zu dieser Ausgabe sagt der Herausgeber: Dietzgen weist nach, daß sowohl die spekulative Philosophie als auch die Religion Phantastereien des sich selbst verkennenden mensch- lichcn Dcnkvennögens sind,„die zwar historisch bedingt waren, aber heute ebenso notwendig überlebt und durch die induktiv kontrollier- bare Erkenntinslehre ersetzt sind. „Weil die orthodoxen, freisinnigen und freireligiösen Gelehrten und Pfaffen imnier noch fortfahren,— teils bewußt, teils un- bewußt— die spekulative Philosophie und die Religion dem Volke im Herrschaftsinteresse der Bourgeoisie erhalten zu wollen, möge das Proletariat diese naiv-lüstigen VerschleierungS- und VerdummungS- mittel schonungslos bloßstellen mit Hülfe der folgerichtig monistischen Denkmethode und Weltanschauung, welche Josef Dietzgen so wcsent- lich auch in den vorliegenden Aufsätzen über Sozialismus und Philosophie gefördert hat." „Blut und Eisen." Ueber Militarismus, Krieg und Kriegertum und dessen verderblichen Einfluß auf das Kulturleben der Völker in alter und»euer Zeit belehrt das von der Buchhandlung Vorwärts unter obigem Titel herausgegebene Werk, in dessen Vorwort der Verfasser sagt: ... Aus all dem können wir lernen, daß die Sozialdemokratie auf dem richtigen Wege ist, wenn sie den Militarismus, nicht nur insoweit er eine der Arbeiterklasse feindliche Macht, sondern auch in- sofern er ein W e h r p r i n z i g ist, bekämpft und eine volkstümliche, demokratische Wehrverfassung fordert. Die Sozialdemokratie will das stehende Heer durch eine Bolksmiliz ersetzen. Ein auf dcmo« kratischer Grundlage stehendes Volksheer schützt die Nation vor dem Kriege, denn für die frivolen, weltpolitiscken Abenteuer der kapitalistischen Profitsucht ist eS ein höchst untaugliches Instrument. Es schützt aber auch die Nation besser als der Militarismus im Kriege, wenn es ein Kampf um die Existenz und Selbständigkeit des Volkes ist. In jeder Woche erscheint eine reich illustrierte Lieferung zum Preise von 20 Pf._ Ludwig Woltminm t Ob unsere Partei ihn jetzt durch den allzu frühen Tod— er ist im Mittelländischen Meer verunglückt— verloren hat, können wir nicht sagen, denn wir wissen nicht, ob er sich in den letzten Jahren noch selbst zu ihr rechnete; seinem Denken und Fühlen nach, soweit schriftstellerische Erzeugnisse darüber ein Urteil zulassen, ge- hörte er indes sicherlich schon mehrere Jahre nicht mehr zu uns. In jungen Jahren, als Student, kam er voll ehrlicher Begeisterung zur Partei, nach Abschluß seiner akademischen Studien arbeitete er in ihr mit ebenso ehrlichem Eifer wie ehrlicher Ueberzeuaung für den Revisionismus, für den er auch auf dem Parteitage tu Hannover eine Lanze brach. Dann zog er die Konsequenzen seiner Ueber- zeugung, und in den letzten Jahren hörten nur noch persönliche parteigenössische Freunde von ihm, für die Partei selbst war er schon verloren. Dafür hatte die bürgerliche Wissenschaft und Publizistik in ihm einen eifrigen und fleißigen, in seiner Art überaus kcimtnis- reichen Mitarbeiter gewonnen. Woltmann war von der Philosophie und Naturwissenschaft zum Sozialismus gekommen, und wenngleich er später auch eingehende ökonomische Studien trieb, blieb sein Denken immer in der spekulativen Methode, sein Urteil immer in ethischen Weltmaßstäben befangen. Dazu kam für ihn als Fehler, was sonst ein unersetzlicher Vorteil ist, ein Vicllvissen fast auf allen Gebieten wisicuschaftlicher DiSzipliner; ein Vielwisser ohne Verbindung, eine Vielheit ohne klare Einheiten, ein Denken ohne wissenschaftlich und politisch uor- wendige trenneitde Einseitigkeit. Seine Objektivität führte zur Objektlosigkeit. zur Auflösung aller historischen und ökonomischen Kategorien, zur Verwirrung festester Begriffe. Halte er zuerst den historischen Materialismus mit Hülse von Ethik und Naturwissenschaft totschlagen wollen, so löste er später Ethik und Naturwissenschaft nicht nur, sondern die ganze MeuschheitSaeschichte in Fragen der Nassen auf und in ihnen wieder blieb schließlich als Fundament nur noch die germanische Nasse, die allen Forflchritt. alle Vergangenheit und Gegenwart erklären sollte. Als er hier angelangt war, gründete er mit einigen bürgerliche» Ideologen die„Politisch- anthropologische Revue", die trotz ihrer anerkennenswerten Material- sammlungen ein wahres Musterbeispiel ungewollter Wirrnis und Ver- worrenheit wurde. Wenn Woltnrann so auch sachlich und faktisch nicht mehr �ur Partei gerechnet werden konnte, blieb er doch bei allen, die ihn persönlich als Mensch und Parteigenossen kannten, in freundlichem Andenken, in einem freundlichen Andenken, das man immer einem ehrlichen und charaktervollen Menschen bewahren wird, wenn er sich auch sachlich noch so weit später von einem trennt. In diesem Sinne wird sein Andenken auch bei allen, die ihn zannten, über seinen Tod hinaus in Ehren wachgehalten werden! Das Reglement für die autonomen Zirkel. Rom, 10. Februar. Das Exekutivkomitee des Parteivorstandes hat das Reglement für die Verschmelzung oder Föderation der autonomen Zirkel mit der offiziellen Parteisektion, wie sie der Parteivorstand in einer Plenarsitzung beschlossen hatte, beendigt und veröffentlicht es im heutigen„Avanti". Ueber die Verschmelzung der Dissidenten mit der offiziellen Sektion wird festgesetzt, daß eine provisorische Kommission gebildet werde aus drei Mitgliedern der dissidenten Sektion sdie die offizielle Sektion bezeichnet) und aus ebensovielcn der offiziellen Sektion sdie die Dissidenten wählen). Diese Kommission löst dann beide Sektionen auf und entscheidet über die Aufnahme der Mitglieder in die neue geeinigte Sektion. Beschlüsse müssen mit Zweidrittel- Mehrheit gefaßt werden. Wenn die Kommission nicht e i n st i m m i g die Aufnahme eines Mitgliedes ablehnt, kann eine Ablehnung nur wegen dokumentierter politischer oder moralischer Un- Würdigkeit erfolgen. Alle Fragen, für die nicht Zwei- drittelmehrheit erzielt tvird. tverden zunächst in geniein- samer Sitzung mit einem Vertreter des Parteivorstandes ver- handelt; ist keine Einigung möglich, so entscheidet das Exekutiv- komitee des Parteivorstandes ohne Appell. Nach Eintragung der Mitglieder und der Festsetzung eines Entwurfs des inneren Statuts beruft die Kommission die Generalversammlung, die in üblicher Weise ihr Statut berät und die Parteiämter besetzt. Für den ztveiten Fall der Föderation der beiden Sektionen wird in der bereits beschriebenen Weise eine Kommission aus sechs Mitgliedern gebildet, die die Mitgliederlisten beider Sektionen einer Durchsicht unterzieht und über die Aufnahmegesuche früherer Mit- glieder entscheidet, die sich während des Zwistes von der Partei zurückgezogen haben. Diese Kommission arbeitet einen Statutenentwurf der födera- tiven Organisation aus, der folgende Bestimmung enthalten muß: a) Jedes Mitglied kann nur einer Sektion angehören und diese ent- scheidet über seine Annahme, b) Die Sektionen müssen einem pernianenten Föderationskomitee ihre Mitgliederliste vorlegen. c) Die Sektionen sind in ihrer Verwaltung selbständig, müssen aber einen im Verhältnis zu ihrer Mitgliederzahl stehenden Beitrag an die Föderationskasse abführen. d( Die Sektionen sind im Föoerativausschuß im Verhältnis zu ihrer Mitgliederzahl ver- treten, o) Die Exekutivfunktionen der Föderation werden einem vom Ausschuß zu wählenden Komitee übertragen, k) Jeder Konflikt zwischen den Sektionen oder in der Kommission wird einem Schieds- richterkomitee überwiesen, dessen Beisitzer von den interessierten Parteien gewählt werden und selbst ihren Vorsitzenden bezeichnen. Die provisorische Kommission entscheidet, welche Beschlüsse für beide Sektionen verbindlich sind. Auf alle Fälle sind aber die Beschlüsse über die Wahltaktik und über die Kandidaten, die durch Urabstiiimiuug gefaßt werden,� für beide verbindlich. Nach Erledigung ihrer Auf- gäbe beruft die provisorische Kommission die Sektionen zur Wahl des Föderativausschusses. Ein Jahr nach Anwendung dieser Be- stimmungen kann der Parteivorstand einen Versuch zur Verschmelzung beider Sektionen machen. Wenn die Parteigenosse» eines Ortes, für die der Parteivorstand die Verschmelzung oder die Föderation verfügt, diese Bestimmungen nicht annehmen oder ihre Durchführung sich als unmöglich erweist, so können beide Organisationen des Ortes aufgelöst und die neue Sektion direkt vom Exekutivkomitee oder Vorstand organisiert werden. Die Bestimmungen über die Förderation der beiden Sektionen fordern in mehreren Punkten die Kritik heraus. Zunächst erscheinen sie über Gebühr bureaukratisch und kompliziert. Auch sind die Funktionen der vorläufigen Kommission nicht klar genug von denen der definitiven Organe abgegrenzt, die uns— als Föderations- ausschuß, Föderationskomitee, Schiedsrichtcrkommission— allzu zahlreich erscheinen. Freilich wird die Föderativorganisation überhaupt nur für Mailand Anwendung finden, dessen eigentümlichen und un- erquicklichen Parteiverhältnissen dies ganze Reglement sich anzu- passen sucht._ Der Fall Pöplau. Es rast der See und will sein Opfer haben I Auf die öffent- liche Besprechung der Kolonialskandale war prompt die eifrige Suche der Entrüsteten nach den schuldigen Personen gefolgt '— nach Beamten, die etwa Enthüllerdicnste geleistet hatten und nun zur Verantwortung gezogen werden sollten. Einer von denen, auf die das Gewitter niederging, stand am Mittwoch vor G e- richt: Herr Oskar Pöplau, früher Geheimer Sekretariats- assistent bei der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes. Er wird beschuldigt, sich gegen den 8 353a des Strafgesetzbuchs, den sogenannten Arnim-Paragraphen, vergangen zu haben. Pöplau soll die Amtsverschwiegenheit verletzt haben dadurch, daß er ihm amtlich anvertraute oder zugängliche Schriftstücke anderen Personen widerrechtlich mitgeteilt habe und zwar l. aus den ihn selber betreffenden Akten ein Reichsgutachtcn des Geheimen Legätionsrats von Frantzius, 2. aus den Personalakten des Hauptmanns Kannenberg ein Schreiben des Ober- kommandos der Schutztruppen, eine Antwort vom Militärkabinett des Kaisers und einen Erlaß über die Gewährung einer Pension an Kannenberg, 3. einen Bericht über Beschwerden gegen den Landeshauptmann Brandeis. Die Verhandlung, für die mehrere Tage in Aussicht genommen sind, findet statt vor der dritten Strafkammer des Landgerichts l. Ten Vorsitz führt Landgerichts- direktor Langner. die Anklage wird vertreten vom Staatsanwalt Lindow, den Angeklagten verteidigt Rechtsanwalt Bertram. Als Zeugen sind unter anderem eine große Zahl von Beamten der Kolonialabteilung geladen, von Sekretären, Gcheimsekretärcn, Sofräten und Geheimen Hofräten, deren Aufmarsch im Gcrichts- saal trotz ihrer Massenhaftigkeit nicht sehr imponierend wirkte. Auch der Abgeordnete Erzberger ist unter den Zeugen. Das Verhör des Angeklagten nahm den ganzen ersten Ver- bairdlungstag in Anspruch und konnte vorläufig nur zu einem kleinen Teil erledigt werden. Die Vorgeschichte des Falles Pöplau führt zurück auf einen Kampf ums Recht, den P. seit 1899 mit großer Zähigkeit geführt hat. Mit derselben Zähigkeit wahrt er sich jetzt gegen die Anklage. P. wurde von 1891 an bei der preußischen Stcuerverwaltung beschäftigt, wurde dann 1895 an das Auswärtige Amt zur kommissarischen Tätigkeit überwiesen und 1398 endgültig dorthin übernommen. Als dort im Jahre 1899 eine Neuregelung der Besoldungsvcrhält nisse der Beamten stattfand, fühlte P. sich benachteiligt und forderte, daß die ihm bei seiner Uebernahme gemachten Zusicherungen erfüllt würden. Auf seine Eingabe an das Auswärtige Amt wurdx zunächst nicht geantwortet, und schließlich kam nach wiederholter Mahnung ein ablehnender Bescheid. P. klagte nun gegen den Reichsfiskus. wurde aber in allen Instanzen mit seinem Anspruch abgewiesen, weil der Rechtsweg überhaupt unzulässig sei. Für einen preußisch- deutschen Beamten ist solche Hartnäckigkeit allerdings etwas Un- gewöhnliches. Es ist daher' nicht zu verwundern, daß die Anklage- schrlft bei der Besprechung dieser Vorkommnisse und auch im Hin- blick aus die wicderbolte disziplinarische Bestrafung Pöplaus wegen „Achtungsverletzung" gegenüber seinen Vorgesetzten ihm Disziplin- Widrigkeit, rücksichtsloses Vorgehen und unbelehrbare Rechthaberei An jepxm.Prozeß berief P,s Prozcßvertreter Rechts- anwalt Grünschild sich auf ein Rechtsgutachten des Justi- tiars beim Auswärtigen Amt, Legationsrat von Frantzius, das dem P. günstig war. Durch die Mitteilung dieses Gutachtens an scinen'Prozeßvertreter soll P. die Amtsverschwiegenheit verletzt haben, und gegen sie richtet sich die Anklage in ihrem ersten Teil. P. ist dafür bereits im Disziplinarverfahren mit Dienstentlassung bestraft worden. Ter Angeklagte bestreitet, daß er als Beamter Kenntnis von dem Gutachten erhalten habe. Eine Abschrift davon sei ähm a n o n h m zugegangen. Da dieses geheime Gutachten in einem wichtigen Punkt von den Anschauungen abwich, die sein Prozeß- gegner in der Klagebeantwortung vortrug, so habe er geglaubt, davon Gebrauch machen zu sollen. Durch Vernehmung des Ge- Heimen expedierenden Sekretärs Schneider will er beweisen, daß ihm tatsächlich ein anonymer Brief mit diesem Gutachten zu- gegangen sei. Schneider ist geladen, war aber am Mittwoch aus- geblieben, da er sich in einer Nervenheilanstalt befindet. P. bestand auf kommissarischer Vernehmung dieses Zeugen; sie wurde be- schloffen und soll am Donnerstag stattfinden. Inzwischen suchte das weitere Verhör des Angeklagten Aufklärung darüber zu schaffen, ob es ihm überhaupt möglich war, an seine Personalakten heranzukommen. P. erklärte, bei der Aushändigung solcher Akten sei allerdings früher etwas lax ver- fahren worden, weil in der Registratur die Beamten überbürdet waren. Seit 1899 sei das aber anders geworden, nachdem man die Zahl der Beamten vermehrt hatte. Die Akten mußten nun stets schriftlich requiriert werden. Die meisten Beamten durften die Registratur überhaupt nicht betreten, auch er selber nicht. Seine eigenen Personalakten zu requirieren sei selbstverständlich unmöglich gewesen. Die Anklage nimmt an, daß er sich das Gut- achten direkt aus seinen Personalakten abgeschrieben habe. Es wurde ihm vorgehalten, daß er sich einmal eine Verfügung eines Referenten abgeschrieben habe. P. erwiderte, es sei doch ganz selbstverständlich, daß man als Beamter sich mal Notizen mache. In diesem Zusammenhange wurde ihm auch die Frage vorgelegt, ob es wahr sei, daß er von einem verstorbenen Hofrat Backhaus ,.M aterial geerbt" habe. P. bejahte das. Sein Freund Backhaus habe ein ziemlich bewegtes Leben hinter sich gehabt, er habe unter Bismarck im Auswärtigen Amt manches kennen gelernt und sich Aufzeichnungen darüber gemacht, die er ihm. dem Angeklagten, hinterlassen habe. Es wurde nicht recht klar, was diese „Erbschaftsgeschichte" mit der dem P. zur Last gelegten Straftat zu tun haben soll. Erörtert wurde auch die Frage, ob diese Straftat bereits verjährt sei. Ter Rechtsanwalt Grünschild, der im Jahre 1991 in jener Klagesachc das Gutachten angeführt hatte, war als Zeuge geladen. Da er zunächst nicht erschienen war und sein Hinweis auf eine notwendige Reise■ als nicht ausreichende Entschuldigung angesehen wurde, so wurde eine Strafe von 199 M. gegen ihn fest- gesetzt. Er fand sich dann im Laufe des Nachmittag- noch ein, doch konnte er keine bestimmte Aussage darüber machen, wann P. ihm das Gutachten zuerst mitgeteilt hatte. P. behauptete, das sei schon im Frühjahr 1991 geschehen; sein Prozeßvcrtreter hat aber, wie die Akten ergeben, erst im Herbst 1991 davon Gebrauch gemacht. P. hatte diesen Zeugen bereitwilligst von seiner Schsveigepflicht entbunden. Er erklärte übrigens, er selber wolle gar nicht den Einwand der Verjährung erheben. Das Vorverfahren wurde im Juni 1996 eröffnet; die Verjährungsfrist beträgt fünf Jahre. Hiernach wurde übergegangen zur Erörterung des Materials, das der Abgeordnete Erzberger benutzt hat. Dabei handelt es sich zunächst um die Angelegenheit des Hauptmanns a. D. Ka n n e n- b e r g, dessen Straftaten im Reichstag zur Sprache gebracht worden find. Pöplau soll an Erzberger Mitteilung gemacht haben von einem Schreiben des Oberkommando- der Schutztruppc, durch das beim Militärkabinett angefragt wurde, ob über Kannenbergs Bestrafung dem Reichstage Auskunft gegeben werden dürfe, ferner von der Antwort des Militärkabmetts, da- seine Zustimmung gab, endlich auch von einer Verfügung des Reichskanzlers(i. V. Stübel), daß nach einer Kabinettsordre an Kannenbergs Pensionsansprüchen durch seine Bestrafung nichts geändert werden solle. P., der diese Angelegenheit dienstlich zu �bearbeiten hatte, bestreitet, die Schreiben des Oberkommandos der Schutztruppen bezw. des Militärkabinetts dem Abgeordneten Erzberger mitgeteilt zu haben. Nur die Ver- fügung des Reichskanzlers habe er ihm gegeben. Eine von P. an- gefertigte Abschrift dieser vom 24. Januar 1991 datierten Verfügung ist in den Papieren gefunden worden, die Erzberger dem Unter- s uchu ng s r i chte r ausgeliefert hat. P. behauptet, eine Abschrist sei ihm selber anonym zugegangen, nachdem bereits das Pensionicrungsverfahren gegen ihn, Pöplau, eingeleitet worden sei. Die Beschuldigung, schon früher selber eine Abschrift davon ge- nommen zu haben, weist er mit dem Bemerken zurück, da seien gang andere und viel interessantere Sachen gewesen, die er sich hätte abschreiben können, wenn er getrollt hätte. Zum Abschreiben habe er übrigens gar keine Zeit gehabt, seine Arbeit sei„meistens Galopparbeit" gewesen. Der Angeklagte, der an Neuralgie leidet, erklärte hierauf, eS sei ihm nicht möglich, der Verhandlung weiter zu folgen. Schon vorher hatte aus demselben Grunde die Verhandlung durch eine Pause unterbrochen werden müssen. Er war damit einverstanden, daß wenigstens noch Abgeordneter Erzberger vernommen werde. Herr Erzberger verweigerte aber seine Aussage unter Berufung auf Artikel 39 der Verfassung, der ihn davor schütze, wegen einer im Reichstage getanenen Aeußerung gerichtlich belangt zu werden. Ter Staatsanwalt Lindow wies darauf hin, daß Erz- berger in der Boruntersuchung keine Bedenken gehabt und seine Aussago gemacht habe. Artikel 39 be reckst ige keinen Abgeordneten zur Zeügnisverweigerung, eventuell dürfe sogar Haft über den sein Zeugnis verweigernden Abgeordneten verhängt werden. Nur da- gegen sichere ihn Artikel 39, daß er selber für jene Aeutzernngen zur Verantwortung gezogen werde. Herr Erzberger erwiderte, im Jahre 1886 habe Staatssekretär v. Bötticher diesen Standpunkt im Reichstage vertreten, doch sei von einer Autorität wie Windthorst ihm widersprochen worden. Eine Uebercinstimmung sei damals nicht erzielt worden, weil der Reichstag geschlossen wurde. Der Sinn des Artikels 39 könne nur der sein, daß ein Abgeordneter über all das, was er im Reichstage vorbringt, ü-b et Haupt in keine Untersuchunggezogenwerden dürfe. Herr Erzberger fügte hinzu, er wolle und dürfe nicht auf ein Recht verzichten, das nicht ihm selber, sondern der ganzen Voltsvertretung gehöre. Zu dem Hinweis auf seine in der Voruntersuchung gemachte Aus- sage erklärte er, einmal in seinem Leben habe er den Worten eines Untersuchungsrichters zu viel Glauben geschenkt, inzwischen habe er sich aber darüber ünterrichtet, daß jener Untersuchungsrichter kein-Recht hatte, seine Aussage zu fordern. Staatsanwalt Lindow erwiderte, nach dem zur Zeit geltenden Recht sei die Aussage zu fordern, doch bcharrte Herr Erzberger bei seiner Weigerung. Der Angeklagte erklärte, ihm selber liege nichts an dieser Zeügnisverweigerung. Tas> Gericht kam zu dem Beschluß, daß der Zeuge nach Artikel 39 nicht berechtigt sei, seine Aussage zu verweigern. Die Verhandlung wurde hierauf' abgebrochen. Am Donnerstag wird nun zunächst in der Heilanstalt bei Ebers- waldc der Zeuge Schneider kommissarisch vernommen werden, und am Freitag um lb19 Uhr soll dann die Vcthandlung�fortgesetzt werden. Die Vernehmung des Abg. Erzberger soll am vsonnabeiid stattfinden, falls er jetzt aussagen will. Ob er es jetzt will, darüber hat er sich noch nicht geäußert. Ter Vorsitzende lud ihn mit der üblichen Verwarnung, die für den Fall des Ausbleibens die Vor- fiihrung in Aussicht stellt. Mus Induftric und fjandch Die Große Berliner Straßenbahn. In ihrem vorläufigen Geschästsbcricht äußert die Verwaltung sich nochmals über die Ursachen der verschiedenen Verkehrsstörungen. Natürlich in demselben Sinne, wie das schon durch Zuschriften an die Presse vor 14 Tagen geschehen ist. Wir haben das Notwendige dazu gesagt; unser Urteil wird durch die wiederholte Darlegung nicht tangiert. Sodann wird mitgeteilt, daß die Genehmigung der Projekte betreffend Untertunnelung der Leipziger- und Polsdamer- straße sowie der Straße Unter den Linden in naher Aussicht stehe. Auf den Bahnlinien der Gesellschaft wurden im Berichtsjahre 364 199 999 Personen gegen 359 599 999 im Vorjahre befördert, somit im Jahre 1996 mehr 13 609 990 Personen— 3,88 Proz.; die Einnahme aus der Personenbeförderung betrug 34 632 951,41 M. gegen 33 260 537,76 M. im Jahre 1995, so daß 1 371 513,65 M. — 4,13 Proz. mehr eingenommen worden sind. Die Betriebs- leistungen stellten sich auf 82 873 635 Wagenkilometer gegen 80 959 428— 2,38 Proz. höher. Die Bruttoeinnahme für das Wagenkilometer hat sich auf 42 Pf. gegenüber 41 Pf. im Vorjahre erhöht. Die Gesamteinnahme einschließlich der auf Betriebsrechnung verbuchten Nebenerträge beläuft sich auf 35174 338,57 M. gegen 34 289 163,95 M. und die Gesamtausgabe auf 18 968 847,87 M. gegen 13 748116,79 M. im Jahre 1905. Der Prozentsatz der Aus- gaben gegenüber den Bettiebseinnahmen beträgt 53,93 Proz. gegen 54,68 Proz. im Vorjahre. Die Ausgaben für Gehälter und Löhne an die Verwaltungsbeamten und Betriebs- bediensteten sind infolge der im Dezember 1995 bewilligten all- gemeinen Gehalts- und Lohnerhöhung und Verkürzung der Schaffner- diensizeit sowie infolge der sonstigen Personalvermehrungen um 483 958,73 M. bis zum Bettage von 8 906 998,35 M. angewachsen; hierzu treten an weiteren Aufwendungen für Löhne und Gehälter noch die folgenden Beträge, die bei anderen Titeln und Konten ver- rechnet sind: 1 512 429,45 M. Löhne vom Konto Unterhaltung und Ausbesserung der Wagen einschließlich Erneuerungsfondskonto II, 96 47 1 ,45 M. vom Konto Bureau-, Hof- und Bahnrcinigung, 545 179,142*. vom Konto Unterhaltung des Bahnkörpers einschließlich Erneuerung-- fondskonto und 494 797.59 M. von verschiedenen Konten, so daß sich für Gehälter und Löhne eine Gesamtausgabe von 11554 876,98M. ergibt. Im Berichtsjahre befanden sich einschließlich der Bauarbeiter 8649 Personen im Dienste; die Diensteinkommen für 467 bei der West- lichen und Südlichen Berliner Vorortbahn gegen Erstattung der Ge- hälter beschäftigte Personen sind bei den Gesamtausgaben für Löhne und Gehälter nicht verrechnet worden. Alach der Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustrechnung ergibt sich für das Geschäftsjahr 1996 einschließlich des Vortrages aus dem Vorjahre ein Reingewinn von 9 992 124,96 M.. welcher gestattet, nach angemessenen Abschreibungen der Generalversammlung die Festsetzung einer Dividende von 8 Proz. auf das Aktienlapital von 190982409 M. in Vorschlag zu bringen. Für das Geschäftsjahr stellten sich die Obligationentilgungsquoten auf 1 224 890 M. gegen 1 182 090 M., die Obligationcnzinsen auf 252 663 M. gegen 295 282,59 M., die Hypothekenzinsen aus 68 941,75 M. gegen 79 709,89 M. im Vorjahre. Dem Bahnkörper- amortisationsfönds ist der Betrag von 299999 M. lote im Vorjahre überwiesen worden. Nach den Angaben der Gesellschaft stellt sich für 8382 Angestellte da- Jahresdurchschnittseinkommen auf 1378 M. Wohlgemerkt, da- Durchschnittseinkommen ergibt sich durch Zusammenlegen der höchsten Gebälter mit den Fahrer- und Bahnarbeitereinkommen._ Dafür dürfen die Angestellten auch daS stolze Bewußtsein in sich tragen, daß auf jeden von ihnen ein Reingewinn von 1299 M. entfällt, wovon sie natürlich nichts belommen. Der größere Teil der Angestellten bleibt mit seinem Einkommen sicher erheblich hinter 1299 M. zurück. Dafür gibt e- aber Wohlfahrt-- einrichtungen. Der Bericht sagt darüber folgendes: „Mit den Zlu-gaben für Gehälter und Löhne sind auch die Aus- gaben für die Wohlfahrt-einrichtungen gestiegen: hierunter fallen die Beittäge zur Straßenbahnberufsgenossenschaft mit 116 548,18 M., zur Jnvaliditäts- und Altersversicherung mit 65926,49 M.. zur BetriebSttankenkasse mir 117959,81 M., der Zuschuß zur Ruheqehaltskasse mit 390 124,01 M. und zur Hinter- bliebenenkaffe mit 17 592,97 M.. zum Rechtsschutz des Vereins der Angestellten 7258,45 M. solvie außerordentliche Unterstützungen in Höhe von 32 861,62 M. Insgesamt betrugen die Ausgaben für Wohlfahrtseinrichtungen 657 371,53 M." Die Gesellschaft rechnet die Beittäge zu den sozialen Ein- richtungeii wie jede freiwillige Zuwendung zu den WohlsahrtS- einrichtungen. Die von der Bruttoeinnahme an die Stadtgemeinde Berlin und andere Gemeinden vertragsinäßig zu enttichtende Abgabe beziffert sich im Berichtsjahre auf 2 478 969,19 M. gegen 2494 204,76 M. im Vorjahre; der vertragsmäßige Anteil der Stadtgemeinde Berlin am Reingewinn bettägt 639 922,69 M. gegen 377 789,12 M. im Jahre 1995._ Rentabilität des Großgcwcrbcs im Jahre 1906. Mißt man den Durchschnitt der Rentabilität des Großgewerbes an den Dividenden der Aktiengesellschaften, soweit deren Werte an der Berliner Börse gehandelt werden, so ergibt sich auf Grund der bisherigen Festsetzungen resp. Schätzungen für 469 Gesellschaften mit einem Aktienkapital von rund 2.8 Milliarden Mark einer Dividenden- summe von 291,98 Millionen Mark. Die durchschnittliche Dividende betrug also 19,53 Proz. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet diese Ziffer eine Steigerung von 1.94, während im vorhergehenden Jahre die entsprechende Ziffer um 1,48 gestiegen war. Die Bewegung der Dividendenziffcr seit 1895 ergibt nachstehende Uebersicht: Eine ganz exzeptionelle Steigerung weist unter den verschiedenen Gewerbegruppen die chemische Industrie innerhalb der letzten Jahre auf; nicht deshalb, weil die Durchschnittsdividcnde von 1995 aus 1996 um 1,74 gestiegen ist, also bedeutend stärker als der Gesamt- durchschnitt, sondern weit sie von 11,17 Proz. im Jahre 1993 auf 17,94 Proz. im Jahre 1906 hinaufgegangen ist. Dabei war die Rentabilität im Jahre 1993 durchaus nicht besonders niedrig. sondern immer noch die höchste seit 1999. Vergleicht man nur mit dem Jahre 1995, so steht die chemische Industrie, soweit es sich um die Steigerung gegenüber 1995 handelt, erst hinter der Zement- und Ziegelindustrie, deren Betriebe überaus günstig ab- schlössen. Die Verzinsung des Aktienkapitals geht hier um nicht weniger als 2,44 Proz. über die vorjährige hinaus: es wurden im Durchschnitt 11,95 Proz. Dividende verteilt gegen 8,61 Proz. im Jahre 1995 und 6,67 Proz. im Jahre 1994. An dritter Stelle folgt die Montanindustrie, Bergbau, Hütten und Salinen, in denen das Gewinnergebnls sich im Vergleich zum Vorjahre ebenfalls sehr günstig gestaltete. Die Rentabilirätsziffer ging von 19.18 Proz. auf 11,89 Proz. hinauf. Die Eisen-, Metall- und Maschinenindustrie. die doch im Mittelpunkt des letztjährigen Aufschwunges stand, bleibt mit der Steigerung der Rentabilität hinter den genannten Gewerbe- gruppen zurück; die Metallindustrie verteille 9,98 Proz., die Eiseiibahnbedarfs- und Maschinenbaugesellschaften verteilten 1,99 mehr Dividende als 1995. Gestiegen ist die Rentabilität ferner noch in der Porzellan-, Glas- und Steingutindusttle, im Textil» gewerbe und bei den Elektnzitäts- und Gasgesellschaften. Im Gegensatz zu diesen Gewerben steht nun die Nahrungsmittelindustrie. die Ballgesellschaften und die Papier- und Gummiindustrie. In allen drei Gcwerbegruppen ist die Re nt am l> l a t-z> sser zurückgegangen. am stärksten in der Zuckerindustrie, die 1996 nur 7,04 Proz. Dividende zur Verteilung brachle gegen 8,72 Proz. im �ahre 1995. „Vorwärts", Produktivgenosscnschaft der Bäckcreiarbeitrr in Hamburg. Die Gesellschaft unterbreitet ihren Jahresbericht, aus dem wir folgendes hervorheben. Der Umsatz stieg von 749203 M- im Jahre 1S0S aus 928 188 M. im letzten Geschäftsjahre. Der Umsatz an Weißbrot stieg von 192 495 M. auf 232 172 M., I selben Erfahrungen gemacht. In einer veröffentlichten Erklärung möge fich daher jeder Genoffe angelegen sein laffent ,, unserem der Barverkauf von 283 866 m. auf 358 959 M. Das geschäftliche über das Frauenstimmrecht, welche von allen Richtern des Ober- Parteiorgan auch bei denjenigen Genossen Eingang zu verschaffen, Ergebnis des Berichtsjahres steht indessen im Zeichen der durch die gerichts und verschiedenen anderen Männern, die in Idaho öffent- wo noch immer die farblose Klatschpresse gelesen wird.( Bravo!) erfolgte Bollerhöhung bewirkten Teuerung. Für die meisten bei uns liche Aemter bekleiden, unterschrieben wurde, heißt es unter Voigt fragte an, wie es zugehe, daß erst kürzlich wieder eine verarbeiteten Rohmaterialien wurde der Zoll erhöht; so für anderem: Keine der bösen Folgen, welche uns vorausgefagt Annonce des Allgemeinen deutschen Metallarbeiterverbandes", Weizen von 3,50 m. auf 6 M., für Roggen von 3,50 m. wurden, hat sich eingestellt. Im Gegenteil; das Frauenstimmrecht unterzeichnet mit die Rohrleger und Helfer", im Vorwärts" auf 5 M., Butter von 16 M. auf 20 M., Rosinen von 8 M. auf 12 M. erfreut sich feit seiner Einführung einer immer wachsenden Aufnahme gefunden habe, da doch laut Beschluß der Preßkommission für 100 Stilogramm. Außer der durch die Zollerhöhung bewirkten Popularität. Wenn heute die Frage des Frauenstimmrechts noch diesem Verband das Parteiorgan gesperrt sei. Bittorf stellte Preiserhöhung fand noch eine weitere Preissteigerung statt. Es einmal zur Abstimmung vorläge, so würde dasselbe fast einstimmig dem Redner anheim, eine diesbezügliche schriftliche Anfrage an den kostete das von uns meistens verarbeitete gute Weizenmehl in den angenommen." Als weiteren Beweis ihrer Entgegnung führt Frau Obmann der Preßkommission zu richten. Wahrscheinlich liege ein vorhergegangenen Jahren 21 M. durchschnittlich. Im vorigen Jahre Blackwell noch die Berichte aus Neu- Seeland an. Dort ist bei den Versehen vor. Der Sperrbeschluß bestände nach wie vor zu Recht. war der Preis durchschnittlich 23,50 M. Roggenmehl in den vorher Wahlen, welche alle drei Jahre stattfinden, die Stimmenzahl der Ueber die Tätigkeit der Agitationskommission berichteten gegangenen Jahren durchschnittlich 19,50 M.; im vergangenen Jahre Frauen stets gewachsen. Im Jahre 1893 gaben die Frauen 90 290 Dobrohlaw und Schulz in längeren Ausführungen. Sie 22,50 M. Das find Preiserhöhungen von 10 bis 15 Broz. Die Stimmen ab; nach drei bezw. sechs Jahren wurden von den Frauen gingen besonders auf die Verhältnisse der ihnen überwiesenen LandHoffnung auf Herabgehen der Preise infolge der in Qualität wie 108 783 bezw. 119 550 Stimmen aufgebracht und im Jahre 1902 freise Osthavelland, Ruppin- Templin sowie der Ost- und WeftQuantiät guten Ernte erwies sich gleichfalls als trügerisch. war ihre Stimmenzahl bis auf 138 368 gestiegen. Die besten Qualitäten unseres Roggens prignitz ein, und waren in der Lage, eine Fülle von Einzelheiten werden ausgeführt. über den unerhörten Wahldruck mitzuteilen, den sowohl die beDer Zoll wird bekanntlich bei Wiederausführung von Getreide hördlichen Organe wie auch unsere übrigen Gegner während dec aus dem Zollgebiete vom Staate zurückgezahlt; ganz gleich, Wahlkampagne gegen uns in Anwendung gebracht haben. Trotzob das Getreide aus dem Ausland eingeführt oder in Deutsch dem werde sich die Agitationskommission nicht beirren lassen. Ihre Yand gewachsen ist. Diese Rückvergütung des Zolles wirkt wie Aufgabe sei es, auch in den ländlichen Distrikten Aufklärung zu Ausfuhrprämie. Die beste Qualität unseres Roggens geht in diesem verbreiten und die Organisation zu festigen. Die gute Aufnahme Jahre ins Ausland. Schlechte Qualitäten werden dafür wieder eindes in 295 000 Exemplaren verteilten Märkischen Landboten" und geführt; es hält sich aus diesem Grunde ein enorm hoher Preis für die steigende Vecbreitung der Fadel" verbürgen uns einen, wenn das Brotgetreide. Gegenüber dieser wesentlichen Preissteigerung auch langsamen, so doch sicheren Fortschritt.( Beifall.) der Rohmaterialien haben wir die Preise für unser Brot nur um 8 bis 10 Proz. erhöht. 22 Broz.( 1906). Der Unterstügungstaffe des Verbandes Deutscher Konjumvereine traten wir, nachdem das gesamte beitrittsberechtigte Personal seine Zustimmung gegeben hatte, mit dem 1. Juli bei. Es ist dadurch auch für die Angestellten im Falle der dauernden Arbeitsunfähigkeit und des Alters wenigstens einigermaßen gesorgt. Aus der Frauenbewegung. Versammlungen Veranstaltungen. Spandau. Dienstag, den 19. Februar, 8%, Uhr, bei Böhle, Neumeisterstr. 5: Vortrag. Herr Grögerchen. Bibel und Religion." " Versammlungen. Nunmehr gab Brunner den Bericht von der SchiedsSechster Wahlkreis. Der sozialdemokratische Wahlberein hielt fommission. Er bezeichnete diesen Teil der Berichterstattung als Der Bruttogewinn fant deshalb auch von 24,5 Proz.( 1905) auf am Dienstag im„ Moabiter Gesellschaftshaus" feine ordentliche den unangenehmsten und undankbarsten. Waren doch in dem letzten Generalversammlung ab. Den Bericht des Vorstandes Halbjahr nicht weniger wie 43 Schieds- und Ausschlußanträge zu Die Arbeits- und Lohnbedingungen erfuhren insofern eine Ab- gab Freythaler. Er würdigte in einem kurzen Resumee die erledigen. Sehr zu wünschen sei, daß man sich bei der Stellung änderung, daß die Wochenlöhne um 2 M. erhöht wurden. Es er- Tätigkeit der Organisation während des letzten Halbjahres. Ab- solcher Anträge nicht so oft von rein persönlichen Motiven leiten hielten ab 1. Mai 1906 11 Bäder 32 M., alle übrigen 30 M. pro gehalten wurden 23 Vorstandssitzungen, 8 Konferenzen, 7 General- laffe, sondern mehr wie bisher das allgemeine Parteiintereffe im Woche. Nur bei Neueinstellungen werden das erste Vierteljahr versammlungen, 13 Wahlvereinsversammlungen, 7 Landtags- und Auge behalte. Von der Schiedskommission wurden sieben Anträge 28,50 M. bezahlt. Mit den Kutschern wurde infolge Beschlusses 47 Reichstagswählerversammlungen sowie eine Anzahl der be- als unstichhaltig zurückgewiesen, vier Anträge wurden durch ihre des Stettiner Genossenschaftstages ein Tarif abgeschlossen, der kannten Sonntagsversammlungen. Nach den Ergebnissen der Vermittelung von den Antragstellern zurüdgezogen. In fünf jährlich Steigerung von 1 M. pro Woche vorsieht. Es wurde aus statistischen Aufnahme des Extrazahlabends vont 23. Oftober be- Fällen mußten Rügen ausgesprochen werden, und in 26 Fällen diesem Grunde von einer allgemeinen Erhöhung der Löhne der teiligten sich an den damaligen Feststellungen aus dem Wahlverein kam die Kommission zur Befürwortung des Ausschlusses. In der Kutscher abgesehen. Die Expedienten erhalten 32 M. Verkäuferinnen des sechsten Streises 13.920 Mitglieder. Von allen acht Wahlkreisen Hauptsache handelte es sich dabei um Ausschlüsse von Barbier16 und 19 M. pro Woche. Scheuerfran 3,25 M. pro Tag. Groß- Berlins waren insgesamt 53 080 erschienen. Was den Ver- meistern, die sich geweigert hatten, die Forderungen der Gelauf der diesjährigen Reichstagswahlen anbelange, so sei hülfen anzuerkennen. Entschieden wurde über 20 derartige Fälle. das Resultat für Berlin ja ein befriedigendes. Im sechsten Kreise Die Kommission wie auch der Vorstand stellten sich auf den Standwäre eine Zunahme von rund 20 000 Stimmen zu verzeichnen, und punkt, daß, wenn man auch die prekäre Lage vieler selbständiger dieses Ergebnis berechtige zu den besten Hoffnungen hinsichtlich der Barbiere sehr wohl zu würdigen wisse, so seien doch die sicher noch Festigung der sozialdemokratischen Ideen in den Herzen der Ar- schlechter gestellten Gehülfen nicht dazu da, infolge ihrer sprichbeitermassen des Industriegebietes vom Berliner Norden. Hat doch örtlich miserablen Entlohnung den Meistern zu einer besseren Ein Schwarzscher ist es sicher nicht, der dem Korrespondenten unsere Partei im Kreise 51,17 Proz. von den Stimmen der Wahl Fristenz zu verhelfen. Ein Sozialdemokrat am allerwenigften des B.-C." folgendes Konjunkturbild für Desterreich zeichnete: berechtigten und 71,9 Proz. der überhaupt abgegebenen Stimmen dürfe durch Ausnutzung schlecht bezahlter Arbeitskräfte eine Ver" Es liegt auch nicht das geringste Anzeichen dafür vor, daß der auf sich vereinigt. Die Freude über das Wahlergebnis in Berlin befferung der eigenen Lage erzwingen. Gegen seinen Ausschluß große Aufschwung, den Induſtrie und Handel genommen haben, so sei nun allerdings start herabgemindert worden durch den Wahl- protestierte in der Versammlung der Barbier Neumann, Graunbald ein Ende finden könnte. Ich habe den Eindruck gewonnen, daß ausfall im Reich. Doch bei näherer Betrachtung der Dinge sei straße 14. Er verwies auf seine langjährige Parteizugehörigkeit unsere Industrie sich auf sehr gesunder Basis fortentwickelt. Wenn teine Ursache vorhanden, große Trübsal zu blasen. Wenn die und suchte seine Ablehnung der Gehülfenforderungen mit der auch eine starke Anspannung des Bankkredits erfolgt, so hält er sich Sozialdemokratie trok der beispiellos niederträchtigen Gegen- rechnungsmäßigen Darlegung feines eigenen geringen Verdienstes doch noch immer in solchen Grenzen, daß man absolut nicht von agitation der gesamten bürgerlichen Parteien und des enormen be- zu rechtfertigen. Die Versammlung ließ diese Gründe gelten und irgend einer frankhaften Erscheinung sprechen kann. Den weitaus hördlichen Wahldrucks einen Stimmenzuwachs von fast einer lehnte mit Mehrheit den von der Kommission und dem Vorstand größten Kreditbedarf, den weitaus größten Umfaz verzeichnet die Viertelmillion Stimmen erzielte, so liefere dieses Ergebnis bei befürworteten Ausschlußantrag gegen Neumann ab. Textilindustrie, und das spricht beredt dafür, daß die Konsum richtiger Würdigung den unumstößlichen Beweis von der unZu einer ausgedehnten Debatte führte darauf der Ausschlußkraft der weitesten Kreise der Bevölkerung sich erhöht, ein verwüstlichen Werbetraft des Sozialismus unter dem Proletariat. antrag gegen Wiesenthal. Die Schiedskommission hatte den Umstand, zu dem auch die guten Ernten beigetragen haben mögen. Jetzt lasse sich mit gutem Gewissen sagen, diese 34 Millionen Ausschlußz Wiesenthals befürwortet, weil sie zu der UeberWenn nun auch dreiviertel bis eine Million Spindeln neu aufgestellt Stimmen seien von Wählern abgegeben, die sich auch wirklich zur zeugung gekommen war, daß W. an der Gründung des neuen Allwerden, so sehe ich doch darin nicht die geringste Gefahr. Uebrigens iozialdemokratischen Partei bekennen und gewillt sind, auch gemeinen deutschen Metallarbeiterverbandes" als treibende Person ist es interessant, darauf hinzuweisen, daß in England, dessen fernerhin unter allen Umständen zur Partei zu beteiligt war und damit abfichtlich eine zersplitterung in der Spindeln ja weltbekannt sind, größere Aufträge nur mit einer Liefer- halten. Teshalb könne der Verlust der bisherigen Mitläufer auch Metallarbeiterorganisation, herbeigeführt hat. In der Handlung frist von acht Monaten bis zu einem Jahre angenommen werden. im so leichter verschmerzt werden. Ebenso lasse sich der Verlust von wie auch in den Motiven dazu erblickte die Kommission eine VerAuch in der Eiſenindustrie herrschen durchaus gesunde Verhältnisse. Mandaten ertragen, wenn er auch nicht gerade angenehm sei. Ein fehlung, die mit den Anschauungen der Partei nicht zu vereinbaren Erfreulicherweise ist auch und es liegen mir hierzu sehr wertvolle Stimmenverlust wäre jedoch ungleich schmerzlicher gewesen. sei. Der Wahlvereinsvorstand hatte jedoch den Spruch der SchiedsZiffern voran der Börse nicht die Spur einer Ueberspekulation Sanz besonders erfreulich sei die rege Anteilnahme der Ge- kommission nicht akzeptiert, weil u. a. die als Zeugen verwahrzunehmen. Es ist somit mehr als verfrüht, an das Abreißen verkschaften an dem Wahlkampf. Hier hatten die Gewerkschaften nommenen Rohrleger erklärten, die Neugründung würde auch der Konjunktur zu denken. Wenn einmal eine Abdämpfung eintreten zeigt, daß sie sich mit der Partei eins fühlen. Ihr Versprechen, ohne Wiesenthal erfolgt sein. Deshalb hielt der Vorstand eine wird, wird die gegenwärtige Konjunktur mit feiner Krise enden." das fie in Mannheim gegeben, haben sie durchaus ge- tüge für ausreichend. Nach langer, teils ziemlich heftiger gegenhalten. Deshalb könne jeder Genosse auch das Vertrauen hegen, feitiger Aussprache, an der sich die verschiedensten Redner für und daß Partei und Gewerkschaften ihren gemeinsamen Kampf gegen wider beteiligten, stellte sich die Versammlung in ihrer großen den Kapitalismus und gegen die politische Unterdrückung auch ehrheit auf den Standpunkt der Schiedskommission und be. fernerhin in brüderlicher Eintracht führen werden. Diese Tat- fchloß, den Ausschluß Wiesenthals beim Partei. Zu der Ankündigung der ersten deutschen Konferenz zur fache möge nun ein Anfporn sein, bei einem etwaigen zukünftigen borstand zu beantragen. Förderung der Arbeiterinneninteressen schreibt die" Gleichheit": Da es mittlerweile 42 Uhr geworden war, so wurde auf den Meinungsaustausch gegenseitig stets die strengste Sach= Das Ziel dieser Veranstaltung liegt auf der Hand, mag es lichkeit walten zu lassen und alles persönlich Verlegende von noch ausstehenden Bericht der Lokalkommission verzichtet. Genosse den einzelnen Beteiligten klar zum Bewußtsein gekommen sein" ornherein in den Diskussionen auszuschalten. Redner teilte so- Ernst schloß die Versammlung mit einem Hoch auf die Partei. oder nicht. Es soll ein bürgerliches Gegengewicht gegen die Werbe- auf unbestimmte Zeit verschobenen preußischen Partei verbandes hielt am 12. Februar bei Dräsel in der Neuen Friedrichann mit, daß die Abhaltung des wegen der Reichstagsauflösung Verband der Tapezierer. Die Filiale Berlin des Tapeziererarbeit der freien Gewerkschaften unter den Arbeiterinnen geschaffen tages am tommenden Weihnachten geplant sei. Diesbezügliche Straße ihre Quartalsversammlung ab. Sie war so zahlreich besucht, werden. Es fällt auf den ersten Blick auf, daß an den Vorarbeiten Vorschläge werden den Provinalorganisationen in nächster Zeit daß der große Saal kaunt ausreichte. Den Bericht des Vor zur Konferenz außer etlichen wenigen bürgerlichen Reformern, die von der Parteileitung unterbreitet werden. Er schloß mit dem st and es gab der Bevollmächtigte Wels. Er bemerkte einleitend, sich in ihrer Weise ehrlich und ernsthaft mit dem Arbeiterinnen- Ippell an die Anwesenden, sich jekt mehr denn je der Aufgabe be- daß erst jezt über das lebte Quartal 1906 berichtet werde, weil man problem befaßt haben, alle möglichen und unmöglichen Organi- wußt zu werden, daß der Ausbau der politischen Organisation als mit Rücksicht auf die Reichstagswahlen die weniger dringlichen fationen beteiligt gewesen sind auch solche, deren Beschäftigung ein Haupterfordernis der nächsten Zukunft zu betrachten sei, denn gewerkschaftlichen Angelegenheiten bisher zurüdgestellt habe. mit der Arbeiterinnenfrage nicht über den vulgärsten, unfrucht nur durch festgegliederte Organisationen können die Gesamt- Redner erwähnt sodann die Werkstattsstreits und Differenzen, die baren Dilettantismus hinausgekommen ist nur die Organi- interessen der Arbeiterschaft nachdrücklich gewahrt werden.( Leb- im brflossenen Quartal vortamen und mit Hülfe der Achtzehnerfationen nicht, welche sich seit langen Jahren redlich und unter hafter Beifall.) großen Opfern die Förderung der Arbeiterinneninteressen antommission beigelegt wurden, ferner die Streifs, die gegenwärtig Den Kassenbericht vom 1. Juli bis 30. November 1906 gab geführt werden und von denen der bei der bekannten Firma gelegen sein laffen: die zentralisierten freien Gewerkschaften. Die Fahrow. Demnach belief fich die Einnahme auf 58 154,36. Markiewicz besondere Aufmerksamkeit verdient. Dieser Streif Interessen der Arbeiterinnen, soweit sie nicht auf politischem Ge- nd die Ausgabe auf 55 527,82., so daß ein Bestand von 2626,54 richtet sich gegen das Affordsystem, das die Firma allgemein einbiete liegen, haben seither ihre tonfequenteste und fraftvollste Ver- Mart verblieb. An das Verbandsbureau von Groß- Berlin wurden zuführen versuchte. tretung in den freien Gewerkschaften gefunden. Diese sind insofern abgeführt 39 000 M. Durch Verhandlungen war es bereits am Die Jahreseinnahme beziffert sich auf 10. Januar zur einer Einigung gefommen, als aber am nächsten neutral, daß fie ohne Rücksicht auf das politische und religiöse Be- 117 784,67 W., der eine Ausgabe von 115 158,13 m. gegenübersteht; Tage die Gehülfen wieder in die Werkstatt tamen, lag auf ihren tenntnis jedem offen stehen, der an der materiellen und kulturellen davon entfallen als Leistung an das Verbandsbureau 74 700. Bläßen ein Utas, der, entgegen den soeben getroffenen Abmachungen, Hebung der Arbeiter und Arbeiterinnen mitwirken will. Wer der Dem Wahlverein gehörten am 1. Dezember 13 500 zahlende Mit- besagte, daß von jetzt ab nur noch in Afford gearbeitet werden Ansicht ist, daß innerhalb der Gewerkschaften und von ihrer Seite glieder an. Verstorben sind im Laufe des Jahres 55 Mitglieder follte, und daneben lag ein Tarif mit so niedrigen Affordsägen, aus mehr als bis jetzt für die Arbeiterinneninteressen getan werden( zu deren Ehren sich die Versammlung von den Plätzen erhob), 58 wie sie vor 25-30 Jahren in den erbärmlichsten Schundbuden müßte, der hat somit alle Möglichkeit, in diesen Organisationen sind ausgeschieden resp. ausgeschlossen. Im gangen waren 7654 gezahlt wurden. Selbstverständlich wurde unter diesen Umständen feiner Ueberzeugung entsprechend arbeiten zu können. Aber frei- Neuaufnahmen zu verzeichnen, freilich mußte davon ein erheb- Die Arbeit nicht aufgenommen. Auf Wunsch der Firma tamen lich: die Arbeit der Gewerkschaften erfolgt auf dem Boden der licher Teil wegen restierender Beiträge wieder gestrichen werden. anderen Tages Vertreter der Jnnung und der Achtzehnerkommission, grundsätzlichen Auffassung vom Klassenkampf. Das alles hat Ge- Redner ermahnte dringend, fortab jeden Schlendrian auf diesem um den Streit beizulegen. Sie wurden aber von dem jungen Herrn nosse Legien, der Vorsitzende der Generalfommission, auf dem Stutt- Gebiet zu vermeiden. Wer die Grundsätze unserer Partei begriffen Markiewicz so schmählich empfangen und abgewiesen, daß die garter Gewerkschaftstongreß mit aller Deutlichkeit gerade bei der habe und wisse, weshalb er dem Wahlberein beigetreten sei, der Arbeitgebervertreter, die ja nicht wie Vertreter streifender Arbeiter Behandlung der Arbeiterinnenorganisation ausgesprochen. Aber habe auch die Ehrenpflicht, seine Mitgliedschaft ständig zu erhalten. an eine solche Behandlung gewöhnt sind, aufs höchste entrüstet waren. das ist es gerade, was den bürgerlichen Reformlern und Frauen-( Beifall.) Dann beschäftigte sich die Innungsversammlung mit der Angelegenrechtlerinnen nicht in den Kram paßt. Nicht um die Mitarbeit im Der zweite Kassierer, Bach gänger, berichtete sodann, daß heit und sie beschloß, daß kein Jnnungsmitglied Arbeiten für Dienste der Arbeiterinneninteressen ist es ihnen allein und im er eine Einnahme von 15 112,76 M. und eine Ausgabe von 629,19 Markiewicz übernehmen soll und daß, wo dies dennoch geschieht und lekten Grunde zu tun, sondern um die Führung von Arbeiterinnen- Mark gehabt habe. die Gehülfen deswegen die Arbeit einstellen, ein solcher Streit nicht massen. Das aber zu dem zwecke, diese mittels etwelcher bürger- Es erfolgten hierauf die Vorstandswahlen. Gewählt wurden wie sonst erst der Genehmigung der Achtzehnertommission bedarf. licher Reformen von dem Granitfelsen des Klassenkampfes auf den als: 1. Vorsitzender Freythaler, 2. Vorsitzender Brunner, Die Firma hat sich an mehr als 30 Tapezierermeister gewandt, uin Flugsand des sozialen Friedens" hinüberzugängeln. Wir be- 1. Schriftführer Dolz, 2. Schriftführer Rieb, 1. Kassierer ihre Arbeit unterzubringen, aber nur ein paar Kleintrauter haben streiten damit gar nicht, daß es manchen der Damen und Herren Fahrow, 2. Kassierer Hönisch; als Beifizer Ernst. Mars sich bereit gefunden, dem Beschluß der Innung zu troßen. Nur chrlich darum zu tun ist, die Lage der Arbeiterinnen zu verbessern, und Krause, als Revisoren Beder, Seise und Joseph, einer von ihnen, der Tapezierermeister Fiedler in der Schmiddas aber doch nur insoweit, als es sich mit dem kapitalistischen in die Schiedskommission Schneider, Trippel, Wuthe- straße, beschäftigt Gehülfen. Seine zwei Arbeitswilligen, die er sich Profit und vor allem mit dem Bestand der kapitalistischen Ordnung now, Eisele, Brüdner, Hürtgen und nie; zu Ab- von der Herberge zur Heimat geholt hat, müssen, wenn sie um verträgt. Und deshalb bleiben fogar die ehrlichen Bemühungen teilungsführern resp.-Kassierern: 1. Abt. Ha a se und Dietrich, Mitternacht mit ihrer Arbeit fertig sind, im Keller Unterkunft suchen, in dieser Richtung zur Schwächlichkeit und Halbheit verurteilt. 2. Abt. Garn und Neumann, 3. Abt. Klaust und Müller, wo sie auf Werg schlafen und ihr Lager mit einem biffigen Stöber Der schillernde Falter der bürgerlichen Sozialreform tommt von 4. Abt. Baumann und Bombikki, 5. Abt. Matschte und teilen, der bellend und zähnefletschend jeden Angriff auf die Dummder Nadel der bürgerlichen Klasseninteressen nicht los. Den Gewerk- Lautant, 6. Abt. Dahms und Heyse, 7. Abt. Vieth und heit seiner Schutzbefohlenen unmöglich macht. Die Firma Marschaften gegenüber halten es ihre Träger und Trägerinnen zuletzt Achilles, 8. bt. Richter und Fröhlich, 9. Abt. Seeger fiewicz suchte der Meisterschaft weiß zu machen, daß sie ihre eigenen mit dem Spruch des berüchtigten Berliner Polizeipräsidenten: Die und Melzer, 10. Abt. Sauerweier und Fritsch, 11. Abt. Werkstätten überhaupt aufgeben und ihre Arbeiten in Zukunft nur janze Richtung pagt uns nich!" Es ist bezeichnend, daß das fönig- Trapp und Soffmann. In die Preßtommiffion wurde noch außer dem Sause anfertigen lassen wolle, mußte aber gleichlich preußische Ministerium für Volfsschulverpfaffung Räumlich wiedergewählt Bittorf, in die Lokalkommission Senschel, wohl zugestehen, daß dies nur vorläufig zutreffe, und bei ihrem teiten für die Konferenz zur Verfügung gestellt hat. Den Berliner in die Agitationsfommission Dobrohlaw und in den Aktions- Neubau in der Friedrichstraße wird denn auch auf die Einrichtung Arbeiterinnen wurden seinerzeit die Schulaulen für Versamm ausschuß G. Ernst. großer Tapeziererwerkstätten Rüdicht genommen. Die Gehülfen lungen verweigert, die ihren ersten Organisationsbestrebungen Bittorf Bericht. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen sprach tiewicz ausgeführt werden. Ein anderer Streif, der noch fortUeber die Tätigkeit der Preßfommission erstattete alsdann sollen überall streng darauf achten, daß keine Arbeiten für Mara dienen sollten. Wenn zwei dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe. er sich besonders anerkennend über die prinzipielle Haltung der dauert, ist der bei dem Tapetenhändler Achille 3, der den Klebera Werden die Frauen das Stimmrecht benügen? Diese Frage jezigen Borivärts"-Redaktion aus. Sie habe durch ihre sachlichen tarif mißachtet und die Kleberarbeiten selbst zu Schundpreisen wird von vielen Steptikern und Gegnern des Frauenstimmrechts Artitel nicht nur wesentlich zur Beseitigung des Sonflittes zwischen übernimmt. Auch er sucht sich mit Zwischenmeistern zu helfen, und immer und immer wieder aufgeworfen. Frau Alice Stone Partei und Gewerkschaften beigetragen, auch bei der jezigen Reichs- als einer, der sich hierbei besonders willfährig zeigt, wurde der Blackwell, eine amerikanische Frauenrechtlerin und Journalistin, tagswahl habe sie durch die schlagfertige fritische Berpflückung der Schriftführer des Klebemeistervereins, Herr Adam, genannt. Auch beantwortet obige Frage mit einigen unwiderlegbaren Tatsachen gegnerischen Argumente sowie durch zahlreiche Artikel informatischer bei diesem Streit ist streng darauf zu achten, daß keine Streifarbeit und Zahlen. Frau Blackwell stellt fest, daß im Staate Wyoming, Natur schäßbares Material zur Führung des Wahlkampfes ge- ausgeführt wird. Der Redner berichtete ferner von den Verhandivo Frauen seit 38 Jahren das volle Stimmrecht bejizen, 90 Proz. liefert. Es sei wohl mit Bestimmtheit zu erwarten, daß auch die lungen mit den Arbeitgebern über den Abschlußneuer Tarif derselben sich an den Wahlen beteiligen. In Kolorado, wo Frauen notwendige Diskussion über den Ausfall der Wahl von ihr durch- berträge für beide Branchen des Gewerbes. Die Innungs seit 14 Jahren stimmberechtigt sind, machen zwischen 70 und 80 Broz. aus fachlich geführt werden wird. Die Abonnentenzahl des Bor- versammlung am 1. Februar hat die Lohnforderungen der Gehülfen von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Im Staate Idaho wurden die wärts" ist jetzt erfreulicherweise auf über 130 000 geftiegen; es abgelehnt und dagegen die Verlängerung der alten Verträge auf " Der weitere 2 Jahre vorgeschlagen. Die Jnnung hat nicht wie üblich der Reise befinden. Wegen vorgerüdter Zeit mußte die Beratung| Arbeiten in 41 Gigungen. Die Lohnbewegung erforderte eine ihre Vertreter in der Achtzehnerkommission, sondern ihren Vorstand der übrigen Anträge bis zur nächsten Generalversammlung, die Menge Arbeit. Sie hat einen teilweisen Erfolg gezeitigt. mit der Leitung der Verhandlungen betraut. Die Verhandlungen über 14 Tage stattfinden soll, vertagt werden. Es erfolgte sodann 850 Arbeitgeber, welche zirka 660 Gehülfen und 150 Lehrlinge beselbst konnten zu keinem Ergebnis führen, da man erklärte, nicht die Aufstellung der Delegiertenkandidaten zum Verbandstag. Von schäftigten, bewilligten. Der Boykott, welchen der Aktionsausschus ermächtigt zu sein, irgendwelche Zugeständnisse zu machen; jedoch Berlin find 38 Delegierte zu entfenden, 150 Mitglieder wurden und die Gewerkschaftskommission ausgesprochen, hat zu dem Erfolg wurde beschlossen, daß die Vertreter beider Parteien ihre Mandat- dazu in Vorschlag gebracht; die Wahl erfolgt später in den einzelnen mit beigetragen. Die Gehülfen erhielten eine Kontrollfarte. Aus geber um das Recht, über die Tarifvorschläge selbst zu verhandeln, Bezirken. Laut Beschluß sind die zu wählenden Delegierten ver- der Partei mußten 17 Arbeitgeber ausgeschloffen werden, da sie ersuchen sollten. Eine Vertrauensmännersihung der Gehülfen hat pflichtet worden, sämtlich in den Bezirksversammlungen vom Ver- nicht bewilligten. In Rigdorf wurde zweimal in die Lohnbewegung darauf auch bereits beschlossen, der Quartalsversammlung zu bandstag Bericht zu erstatten. Durch diese Maßnahme soll beztvedt eingetreten infolge des Beschlusses der Zwangsinnung, jeden Meister empfehlen, diesem Wunsche der Vertreter beider Parteien zu ent- werden, daß nur solche Mitglieder die Wahl annehmen, die sich zur in eine Strafe von 20 M. zu nehmen, welcher ein Blafat resp. eine sprechen. Die Versammlung erklärte sich denn auch damit ein Ausübung eines Delegiertenmandats auch wirklich qualifizieren. Kontrollkarte aushängt. Infolge der Wahlen zum Reichstag mußte berstanden. Der Kassenbericht vom 4. Quartal 1906 schloß die Lohnbewegung vorzeitig abgebrochen werden. Die Fluktuation in der Abrechnung mit der Hauptkasse mit der Bilanzsumme von Der Zentralverband der Maurer hatte am Montag abend eine ist eine sehr große. 600 Gehülfen ließen sich aufnehmen und eben10 757,40 m. ab. Für Arbeitslosenunterstüßung wurden 2874,50 M., Mitgliederversammlung nach Kellers Saal in der Koppenstraße soviel traten wieder aus resp. mußten gestrichen werden. Liegt dies für Krankenunterstüßung 348,25 M. und für Streiks und Maß einberufen. Genosse Düwell hielt einen Vortrag über den auch teilweise daran, daß ältere über 25 Jahre alte Gehülfen selten regelungen 243 M. ausgegeben. Der Bestand der Filialtasse ist Kulturwert gewerkschaftlicher Arbeit". Er gab zuerst einen Stellung erhalten und andere Arbeit ergreifen müssen, demnach für im Laufe des Quartals um mehr als 1900 m. gestiegen. Am kurzen geschichtlichen Rückblick über die Entwickelung des Koalitions- den Verband verloren sind, so muß doch eine kräftige Agitation und Quartalsschluß zählte die Filiale 1839 Mitglieder, unter ihnen 75 rechtes. Erst mit der Gewerbeordnung von 1869 war den Ac- Aufklärung unter den Gehülfen einsetzen, um die im Beruf tätigen weibliche. Die Neuwahl der Ortsverwaltung hatte folgendes beitern die Möglichkeit geboten, durch gewerkschaftliche Organi- zu halten. Im Beruf herrscht infolge der Lehrlingszüchterei eine Ergebnis: 1. Bevollmächtigter Wels, 2. Bönide, 1. Staffierer fation ihre Arbeitskraft teurer zu verkaufen. Bis dahin galt der lleberfüllung, der Zuzug von außerhalb ist start, infolgedessen sind Robib, 2. Bruno, 1. Schriftführer Schöne, 2. Ludwig, Manchesterstandpunkt, die Lehre vom freien Spiel der Kräfte", bis 40 Proz. der Gehülfen arbeitslos. Der Mitgliederbestand beBeisiger Strasser und Grosser. Als Revisoren wurden allgemein; auch der Arbeiter ließ sich damit blenden und erst in trägt 682. Liere gab den Kassen- und Arbeitsnachweisbericht. Die 3wid, Fend und 2ud gewählt, als Bibliothekar ir ste. der Gewerkschaft lernte er die Täuschung, die in dieser Parole Einnahmen betrugen 11 523,47 M., die Ausgaben 10 397,43 M., die steďte, erkennen. Sein Bewußtsein als ein Bestimmungsfaktor im Einnahmen und Ausgaben der Haupttasse 6136,85 M. Bestand Produktionsprozeß wurde geweckt und seine Menschenwürde dadurch blieb 1136,04 M. Die Frequenz des Arbeitsnachweises war folgehoben. Die Organisation atmete demokratischen Geist und übte gende: Angemeldet waren 7225 Stellungen. Besetzt wurden 728 eine große erzieherische Wirkung auf den Arbeiter aus. Er feste Stellungen und 6497 Aushülfen. Außerhalb Berlins wurden gewann eine größere fachliche Ausbildung und lernte den Fort- 62 Stellungen besetzt. Die Neuwahlen hatten folgendes Ergebnis: schritten der Wissenschaft Aufmerksamkeit widmen. Und praktisch Ad. Schmidt 1. Vorsitzender, E. Bolljahn 1. Schriftführer, bot ihm die Gewerkschaft viel durch höhere Löhne, kürzere Arbeits- Biere Arbeitsnachweisvorsteher und Funktionär, Kassierer zeit und sanitäre Verbesserungen. Die ganze Lage des Arbeiters 3. Langner, Revisoren Wermie und Kranz, 2. Schriftwurde gehoben und damit wirkliche Kulturarbeit vollbracht. In führer Bolz, Agitationskommission Gröber, Will, Leuschder Gewerkschaft wird die Aufmerksamkeit des Arbeiters auf die ner und Grönke, Bibliothekar Schrolle. In die Arbeitskommune gerichtet, zunächst als Arbeitgeberin und weiterhin als nachweiskommission werden Schmidt, will, Krenzler und Ausführungsorgan sozialer Einrichtungen. Die öffentliche Ge- Klitschmüller gewählt. Um 23 Uhr morgens wurde die fundheitspflege wird wichtig für den Arbeiter; er beteiligt sich an Versammlung geschlossen. den Gemeindewahlen, wird aufmerksam auf die Sozialpolitik des Staates, fein Interessenkreis wird größer. Er lernt begreifen, Verband deutscher Barbiere, Friseure und Perückenmachers daß die Sozialgesetzgebung nur durch Druck von unten zustande Gehülfen. Berlin. Heute abend 10 Uhr im Lokale Schillingstraße 36: kommt und es ist leicht erklärlich, wenn er sich in seinem be- Bersammlung. rechtigten Klasseninteresse der Sozialdemokratie zuwendet.- Der Verband der Friseurgehülfen Deutschlands. Zahlstelle LichtenVortrag fand lebhaften Beifall. Eine Diskussion wurde nicht berg- Berlin O. Heute abend 9 Uhr, bei Gädide, Frankfurter Allee 181: beliebt. Bahlstelle Charlottenburg. Heute, Donnerstag, Die Versammlung nahm die Delegiertenwahlen zum Mitgliederversammlung. 9. Verbandstage und die Wahl eines Schriftführers für die Zahl- den 14. d. M., 9 Uhr abends, bei Mertens, Krummestr, 43: Mitgliederstelle Berlin bor. Der bisherige Schriftführer Kinzel wurde bersammlung. wiedergewählt. Der Metallarbeiterverband( Verwaltungsstelle Berlin) hielt am Sonntag in der" Neuen Welt" eine Generalversammlung ab, um zu dem diesjährigen Verbandstag, der zu Pfingsten in München stattfindet, Stellung zu nehmen. Gingehend wurde über verschiedene dazu vorliegende Anträge debattiert. Zur Annahme gelangte ein Antrag, der befagt, die Metallarbeiter- Beitung" möge zukünftig für die breite Maffe leichter verständliche Artikel bringen. Die Schreibweise passe sich zu sehr den Wünschen und Bedürfnissen einer kleinen Zahl der besser vorgebildeten Mitglieder an, trage aber den Erfordernissen der großen Masse nach leicht faßlichem Lesestoff nicht genügend Rechnung. Ein anderer Antrag berlangt die Aufnahme einer statutarischen Bestimmung dahingehend, daß es Verwaltungsstellen mit über 3000 Mitgliedern freistehen solle, für die örtlichen Generalversammlungen das Delegierten system einzuführen. Hierbei wurde besonders auf Berlin verwiesen, wo die beschlußfassenden Versammlungen schon seit langem nicht mehr als Spiegelbild der Wünsche und Meinungen der Mitgliedschaft betrachtet werden könnten. Infolge der Unmöglichkeit, genügend große Lokalitäten zu beschaffen, die der starken Mitgliederzahl auch nur annähernd Plaz gewähren, sei es dahin gekommen, daß hier drei-, vier- oder höchstens fünftausend Versammlungsteilnehmer bindende Beschlüsse für 60 000 Mitglieder fassen. Dieser ungesunde Zustand müsse endlich beseitigt werden. Zugestimmt wurde ferner einem Antrag, der die Teilnahme der beiden Berliner Bevollmächtigten an den Beiratsfibungen in Stuttgart fordert. Ein weiterer Antrag betraf die Abänderung der Unterstüßungsfäße für Mitglieder, die sich auf Der Verband der Friseurgehülfen hielt seine Generalversamm lung im Rosenthaler Hof" ab. Der Vorsitzende Schmidt gab den Jahresbericht. Abgehalten wurden 27 Mitglieder-, 3 öffentliche und 28 Agitationsversammlungen. Der Vorstand erledigte seine Eingegangene Druckfchriften. " Neue Gesellschaft", Sozialistische Wochenschrift. Heft 20. Herausgeber: Dr. Heinrich Braun und Lily Braun. Verlag: Berlin- Schöneberg. Preis für das Einzelheft 10 Bf., pro Monat 40 Pf., pro Bierteljahr 1,20 M. Zentral- Verband der Töpfer Deutschl Arbeiter Bildungsschule Berlin Filiale Berlin. Freitag, den 15. Februar, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, großer Saal: General- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Diskussion über den Bericht des Vorstandes. 2. Neuwahl des gesamten Vorstandes. 3. Verschiedenes. Bitgliedsbuch legitimiert. Bahlreichen Besuch erwartet 295/8 Achtung! St. Felix Brasil per Pfd. 1,-, 1,10, 1,20 bis 2,50. Havana- Grus per Pfd. 1, u. 1,25. Hamburger Rohtabak- Haus Filiale: Berlin N., Brunnenstr. 190. Vertreter: W. Timpe. Kronleuchter für Gas u. Petroleum fauft man am besten und billigsten in der Fabrik von Siegel& Co., Prinzenstraße 33. 500 Kronen bon 10-300 m. 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Januar 1907, abends 7 Uhr, bei Wendt, Industrie- Festfäle, Beuthstr. 20: Tapezierer- Näherinnen- Versammlung. 1. Die Näherin im tariflichen Arbeitsverhältnis, Referent Stoll. Otto Wels. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß sich der Ausschuß gebildet und zum Vorsitzenden Herrn Wilhelm Möller, Linienstr. 88 Seitenft. 4 It., gewählt hat. An denselben find sämtliche Beschwerden gegen den Borstand 2. Diskussion. zu richten. 38/2 Der Vorstand. J. A.: Heinrich Metzke, Bureau Steinftr. 38 I. Eigene Werkstätten! H.Kunze Berlin Für bestes u. trockenes Material garantiert! Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz 177/4 NB. Die Gehülfen aller Werkstätten haben die Näherinnen auf diese Bersammlung aufmerksam zu machen und für starten Besuch Sorge zu tragen. Möbelfabrik Julius Apelt, Tischlermeister, Berlin SO., Skalitzerstr. 6, am Kottbuser Tor. Eine Partie große Divan decken Mk. 4,35( 6,75 auf beiden Seiten benutzbar Buntpersische doppelseitige Divandecken Wert Mk. 7,50-8,75( 12-15 Mk.) 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Keilize des Jarniirts" Kerlmer gdlislilitt.-«--<>»»»-« Straßenbahnen in eigener Regie zu bauen, hat bekanntlich die Stadt Berlin beschlossen. Daß dieser Beschluß«nur der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe" zustande kam, soll heute nicht weiter in Betracht kommen; er wurde gesaßt und es ist seit der grundsätzlichen Beschlußfassung am 18. Oktober 1900 eifrig an der Ausführung gearbeitet worden. So mancher, der von dem Bau städtischer Straßenbahnen gelesen und gehört hat. ist schon unmutig geworden darüber, daß noch ..gar nichts zu sehen" sei und es sind deshalb schon viele Vorwürfe über den Schneckengang des Baues städtischer Straßenbahnen laut geworden. Unserer Meinung nach aber mit Unrecht! Wir sind gewiß die letzten, die einem schwerfälligen, schleppenden Geschäfts- gang ganz speziell im Verkehrswesen das Wort reden: in diesem Falle ist die Stadt an der Verzögerung der Ausführung der Ver» kchrsprojekte unschuldig. Mehr noch! Auf keinem Gebiete der stadtischen Verwaltung ist mit einem solchen Eifer bisher gearbeitet worden, als gerade auf dem des Verkehrswesens. Wenn bisher so wenig Positives herausgekommen ist, so lag dies nicht an den städtischen Behörden, sondern an den staatlichen Organen. Der Weg, den die städtischen Straßenbahnprojekte von ihrer Beschluß- fassung bis zu ihrer endgültigen Genehmigung durch den Kaiser am 24. Oktober 1906 zurückgelegt haben, ist in der Tot ein wahrer Leidensweg und er ist auch heute trotz kaiserlicher Genehmigung noch nicht zu Ende. Welche Schwierigkeiten der Stadt bereitet werden, läßt eine Vorlage des Magistrats erkennen, die den Bau der beiden nördlichen städtischen Straßenbahnlinien betrifft und die in der heutigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung zur Beratung vorliegt. Die Begründung dieser Vorlage ist ein wahres LeidenSdokument und für die Oeffentlichkeit von so großem In- teresse, daß wir uns entschlossen haben, den Inhalt wiederzugeben. Der Magistrat sagt darin: „Durch Beschluß vom 12. Januar 190S— Protokoll 11— hat die Stadtverordnetenversammlung die Herstellung der in der Vor- läge vom 26. Mai 1904(Drucksache 470) bezeichneten fünf Straßen- bahnlinien sowie die Bereitstellung der hierfür erforderlichen Mittel au« dem Vorschußkonto der Hauptkasse der städtischen Werke ge- nehmigt. Wir haben demgemäß das Projekt mit Antrag vom 9. Januar 1905 dem Herrn Polizeipräsidenten zur Erteilung der kleinbahn- gesetzlichen Genehmigung überreicht unter Hinweis darauf, daß daS vorliegende Projekt den im Jahre 1902 seitens der Genehmigung?- behörde dem damals eingereichten Projekt gegenüber geäußerten Wünschen entspräche, und daß wegen der Mitbenutzung der GleiS- anlagen in der Petersburgerstraße mit der Großen Berliner Straßenbahn verhandelt werden würde. Verschiedene bei Prüfung unseres Entwurfs hervorgetretene Be- denken und Beanstandungen gelangten in einer im März desselben Jahre« stattfindenen kommissarischen Beratung zwischen Vertretern deS Herrn Polizeipräsidenten und des Magistrats zur Besprechung. Zur Behebung der Bedenken, welche bezüglich der nach der Groß- görschenstraße projektierten Linie bestanden, erfolgte eine Ab- änderung des Entwurfs hinsichtlich der Führung über die Augusta- brücke durch Ausarbeitung einer Variante, welche eine Abänderung der Vorgartenfluchtlinien vor den Häusern Königin Augustastr. 3 und 4 und«ine Straßenverbreiterung in Aussicht nahm und hier- durch eine günstigere Führung der Gleise ermöglichte. Dieses Projekt wurde der Genehmigungsbehörde am b. April 1905 über- sandt. Durch ein Schreiben vom 25. Mai 1905 wurden un» seitens des Herrn Polizeipräsidenten gegen ver- schicdene Einzelheiten unseres Projekts weitere Bedenken mitgeteilt und wir um Abänderung ersucht. Es wurde ferner an Stelle der Kreuzung der Augustabrücke der Neubau einer Brücke im Zuge der Köthenerstraße und der Benutzung dieser Brücke für die Groß- görschenstraßenlinie angeregt und die Genehmigung von eigenen Gleisanlagen in der Petersburgerstraße abgelehnt, dagegen an- heimgestellt, eventuell unter Vermittelung des Herrn Polizeipräsi- denken /wegen Mitbenutzung der Gleise der Großen Berliner Straßenbahn in der Petersburgcrstroßc mit dieser zu verhandeln. Unter Rücksendung der Projektzeichnungen nach erfolgter Ab- änderung gemäß den Wünschen der Genehmigungsbehörden baten wir im Schreiben vom 28. Juli desselben Jahres in bezug auf die beiden angeführten Punkte unseren Anträgen stattzugeben, indem wir folgendes ausführten: „Der Neubau einer Brücke im Zuge der Köthenerstraße biete der dort obwaltenden Höhenvcrhält nisse wegen ungewöhnliche Schwierigkeiten, so daß wir zurzeit nicht in der Lage seien, der Angelegenheit näher zu treten. Da wir indessen die bei den darüber gesiihrten Verhandlungen für die Ueberführung der Gleise über die Augustabrücke gestellten Bedingungen in dem als Variante bezeichneten Entwurfsplane erfüllt hätten, bäten wir, mit dieser Lösung sich einverstanden zu erklären. Ferner hätten die mit der Direktion der Großen Berliner Straßenbahn über die Mitbenutzung der Gleise in der Petersburgerstraße statt- gehabten Verhandlungen zu einem Ergebnis nicht geführt. Da, wie wir annehmen, die Verhandlungen eine wesentliche Erleich- terung erfahren würden, sobald der Stadtgemeinde der Einbau der Gleise auf der westlichen Straßenseite genehmigt sei. so bäten wir auch in bezug auf diesen Punkt um Zustimmung." Aber auch der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten, dem nnser Projekt seitens deS Herrn Polizeipräsidenten zur Herbei- führung der allerhöchsten Genehmigung unterbreitet war, wünschte zunächst noch Aufklärung über die vorerwähnten vom Polizei- Präsidium bereits beanstandeten beiden Punkte— Uebcrsuhrung der Straßenbahn über den Landwehrkanal und Mitbenutzung der Gleise in der PeterSburgerstrahe—. Diesem Wunsche, welcher uns vom Herrn Polizeipräsidenten durch Schreiben vom 6. No- veinber übermittelt worden, sind wir nachgekommen und haben in dem Schreiben vom 7. Dezember desselben Jahres die Gründe, die unsere ablehnende Haltung gegen die angeregten Aenderungen unseres Projekts veranlahten. unter ausführlicher Darstellung der Schivierigkeitcn, die sich den ge- wünschten Aenderungen entgegenstellten, angegeben. Hierauf teilte unS der Herr Polizeipräsident mit(Schreiben vom 13. März), daß der Herr Minister die'Ein. holung der allerhöchsten Genehmigung bezüglich der Großgörschen- straßelinie in der beaösichtiaien Führung über die Augustabrücke — ablehne, auch wegen der Mitbenutzung der Gleise in der Peters- burgerstraße erneute Verhandlung mit der Straßenbahn empfehle. Im Interesse einer rascheren Förderung des größten Teils unseres Projekts hielten wir es sür zweckmäßig, unseren Antrag auf Genehmigung dahin abzuändern, daß wir aus die Genehmigung der Großgörschenstraßelinie vorläufig verzichteten und für die Nordlinien unter vorläufigem Fortfall der zwischen der Land»- berger Allee und dem Baltenplatz liegenden Strecke als Endhalte- Punkt die Landsberger Allee wählten. Die« teilten wir der Genehmigungsbchörde durch Schreiben vom 11. April 1996 mit. Ende August 1906 erhielten wir aus dem Polizeipräsidium die Nachricht, daß auch die letzte frühes: niemals beanstandete Endhaltestelle in der Ärausenstraßc im Mini- stcrium der öffentlichen Arbeiten deshalb Bedenken errege, weil sie der Einrichtung eines Schlcifenbetriebcs für die Große Berliner Straßenbahn hinderlich werden könnte.'Der Anregung, auch diese Endhaltestelle noch aufzugeben, gaben wir in dem in Anlage bei- gefügten Schreiben vom 29. August 1906 keine Folge. Im November 1906 ging uns endlich, wie wir voranSgreifend schon hier erwähnen wollen, die Mitteilung zu, daß die 4 städti- scheu Linien die allerhöchste Genehmigung gefunden hätten. In der Zwischenzeit hatten wir unsere Bemühungen, die be. züglich der PeterSburgerstraße und bezüglich der Augustabrück« ent- ftandenen Schwierigkeiten zu beheben, fortgesetzt. ES wurden mit der Großen Berliner Straßenbahn neue Ver- Handlungen auf der Grundlage, die das mitgeteilt? Schreiben deS Herrn Polizeipräsidenten vom 13. März 1906 bot, angeknüpft und ein Abkommen auf der Grundlage anzubahnen versucht, daß die Straßenbahn gegen Erteilung unserer Zustim- mung zu den von ihr gewünschten neuen Verbindungen und Er- gänzuiigsstücken und Einräumung eines dem verlangten Mit- benutzungsrecht entsprechenden Rechts auf Mitbenutzung ver städti- schen Südlinien in der Wilhelm� bezw. Markgrafcnstraße uns das Mitbenutzungsrecht für alle von den projektierten städtischen Nord- bezw. Südlinien in AnspruSs genommenen Gleisstrecken der Großen Berliner und der Berlin-Charlottenburger Straßenbahn einräumen solle. Auch das lehnten die Vertreter ver Straßenbahn ab, indem sie eine vertragliche Verpflichtung zur Einräumung eines Mitbenutzungsrechtes auf Strecken auch von weniger als 400 Meter bezüglich der Südlimen überhaupt bestritten. Sie er- klärten sich aber bereit, die Mitbenutzung in der PeterSburgerstraße gegen Erteilung der Zustimmung zu den oben erwähnten neuen Verbindungsstrecken usw. und Zahlung einer Vergütung deS ihr angeblich durch die Mitbenutzung entstehenden Schadens, den sie auf eine jährliche Summe von etwa 12 000 M. beziffern, einzu- räumen. Für die Mitbenutzung sämtlicher durch unsere jetzt vor- liegenden Linien in Aussicht genommenen Strecken ihres Bahn- nctzes aber beanspruchten sie eine Entschädigung wegen deS cht dadurch angeblich verursachten EinnahmeauSfallS in Höhe von jährlich 50 000 M. Da diese Forderungen der Straßenbahn eine weitere Ver- Handlung als aussichtslos erscheinen ließen, haben wir die Frage der Mitbenutzung durch die Südlinien in Gcmäßheit des Z 39 des Vertrages zur Entscheidung einem Schiedsgericht unterbreitet. welches bereits zusammengetreten ist, eine Entscheidung voraus- sichtlich aber erst nach einem inzwischen eingeleiteten Schriftwechsel fällen wird. Den Streit um die Mitbenutzung in der PeterSburgerstraße aber wollen wir endgültig dadurch erledigen, daß wir die beiden nördlichen Linien, wie der beigefügte Plan zeigt, durch die Lands- berger Allee unter Mitbenutzung der Linie der Kontinentalen Ge° sellschaft und durch die Ebertystraße nach dem Viehhof und damit zum Anschluß an die Flachbahnlinie der Hochbahngescllschaft führen. Der Nachteil der dadurch entsteht, daß die verkehrsreichere und den kürzeren Weg zum Baltenplatz führende PeterSburgerstraße ausgeschaltet wird, lann zum größten Teil dadurch als ausgeglichen gelten, daß wir mit den beiden Linien den städtischen Viehhof direkt berühren. Auch die andere die Durchführung des städtischen Projekts bisher hindernde Schwierigkeit, die zur vorläufigen Zurückziehung der Großgörschenstraßelinie uns veranlaßte, dürfte beseitigt werden können. Bei der Beratung des Projekts eines über kurz oder lang notwendigen Umbaues der Augustabrücke würde weiderum, wie schon vor Jahren die Notwendigkeit erkannt, zur Besserung der Verkehrsverhältnisse am Schönebcrger User von dem Potsdamer Güterbahnhof eine neue Brücke im Zuge der Köthenerstraße her- zustellen, auch ohne Rücksicht auf die Möglichkeit einer neuen Stratzenbahnverbindung. Bei einer nochmaligen eingehenden Prü. fung gelang es auch, für diese wegen der ungünstigen Höhen- Verhältnisse und der Nachbarschaft der Hochbahn sehr schwierige Lage eine annehmbare Lösung zu finden Das neue Brücken- Projekt, für welches wir demnächst die Zustimmung der Bersamm- lung nachsuchen werden, ist dem Herrn Polizeipräsidenten zur generellen Genehmigung eingereicht worden. Wir haben auf dieser neuen Grundlage auch den Entwurf der Großgörschenstratzelinie unter Führung über diese neue Brücke wieder aufgenommen und ebenfalls dem Polizeipräsidium am 9. November 1906 mit dem Antrage auf Erteilung der staatsbehördlichen Genehmigung über- mittelt. Eine Entschließung ist hierauf noch nicht erfolgt. Inzwischen ist aber, wie bereits oben erwähnt, durch Kabinetts- order vom 24. Oktober 1906 für die vier Straßenbahnlinien, ab- gesehen von der Großgörschenftraßelinie. die allerhöchste Genehmi- gung erteilt worden. Bei einer Besprechung im Polizeipräsidium über die Formalien der Genehmigungsurkunde ergab sich aber für die Südlimen un- erwartcterwcise wiederum eine neue Schwierigkeit insofern, als nach Verlangen des Polizeipräsidiums für tue ganze von der städtischen Linie beanspruchte Strecke der Markgrafenstraße ein Mitbenutzungsrecht zur Verfügung der genehmigenden Behörde eingeräumt werden soll. Da eine sofortige Beseitigung dieser neuen Schwierigkeit zu. nächst nicht zu erreichen war, die Konzessionierung der Südlinien. welche allein dadurch behindert wird, aber auch noch wegen des schwebenden Schiedsgerichtsverfahrens ohnehin nicht so dringlich erschien, wie die der Nordlinien, beantragten wir, um eine weitere Verzögerung der Nordlinien zu verhindern, uns zunächst wenig- stens die Erlaubnis zum Baubeginn für diese Nordlinien zu er, teilen., Diesem Verlcmgen hat auch der Herr Polizeipräsident ent- sprachen und es ist uns am 21. Januar d. I. im Einverständnis mit der königlichen Eiscnbahndircktton die Mitteilung zugegangen. daß die sofortige Bauausführung gestattet wird, so daß nunmehr dem Bau dieser beiden Linien Hindernisse nicht mehr im Wege steljen. Die formelle GenehmiaungSurkunde wird bezüglich dieser Linien unter den üblichen Bedingungen erteilt werden. In Uebereinstimmung mit der VerlehrSdeputation halten wir eS hiernach für dringend wünschenswert, nunmehr auch mit der Bauausführung dieser beiden Linien unverzüglich vorzugehen. Wenn wir auch mit Bestimmtheit darauf rechnen, daß sich die bezüglich der Südlinien noch bestehenden Schwierigkeiten in günstiger Weise erledigen werden, so kann immerhin darüber noch einige Zeit vergehen. Die Verkehrsverhältnisse aber in den durch die beiden nördlichen Linien berührten Stadtgegendcn lassen, wie aus den zahlreichen uns zugehenden Petitionen und Denkschriften der Bewohner jener Stadtteile sowie der betreffenden Grundbesitzer und Bezirksvereine mit Sicherheit hervorgeht, bei der in den letzten Jahren stetig fortschreitenden Bebauung und der demgemäß ein- getretenen Zunahme der Bevölkerung die baldige Schaffung dieser Linien al» dringend notwendig erscheinen. Für den baldigen Bau dieser beiden Linien spricht ferner auch der Umstand, daß mit ihrer Herstellung auch ihre Ausdehnung und Erweiterung nach mehreren Richtungen ermöglicht wirb. Vom Viehhof aus ist eine Weiter- führung der städtischen Straßenbahn über den Baltenplatz unter Mitbenutzung der im Zug« der Warschauerstrahe nach der War- schauer Brücke führenden Gleise der Flachbahnlinie Warschauer Brücke-Zentralviehhof ausführbar. Die Möglichkeit dieser Weiter- führung durch Mitbenutzung fremder Gleise ist dadurch gesichert. daß vertraglich und das Recht der Mitbenutzung für eine Länge von 1000 Meter zusteht, ferner aber auch von der Eigentümerin der Bahn, der Gesellschaft sür elektrische Hoch- und Untergrund- bahnen, gelegentlich der Verhandlungen wegen Fortführung der Untergrundbahn vom Potsdamer Platz aus ins Stadtinnerc die Zusicherung der Einräumung deS Mitbenutzungsrechtes auf der gedachten Strecke über das vertragliche Maß hinaus unter der Bedingung gemacht ist. daß außer der üblichen Zählung der an- teiligen Kosten der Verzinsung und Tilgung des Anlagekapitals. sowie der anteiligen Unterhaltungskosten wir die Verpflichtung übernehmen zur Einführung der auf dieser Strecke in Gebrauch befindliche» Umsteigefahrschein« für die Hochbahn und zur Ab- geltung des durch unsere Midcnutzuna entstehenden Schadens unter Berücksichfiguns der bisherigen VerkehrSsteigerung der Flach. bahn übernehmen. Von der Warschauer Brücke auS würde sich dann«ine bequeme und erwünschte Verlängerung über die Oberdaumbrücke nach dem Görlitzer Bahnhof ermöglichen lassen, tvährend auf der Strecke zwischen Baltenplatz und Warschauer Brücke«ine Abzweigung der Bahn durch die Boxhagenerstraße oder eine Parallelstraße nach Rummelsburg ausgeführt werden kann. Am anderen Ende der einen städtischen Linie, am Weddingplatz, aber ist die Weiter- führung nach dem Rudolf Birchow-Krankenhaus ins Auge gefaßt und es sollen die Vorarbeiten unverzüglich betrieben werden. Der im Fähre 1904 mit unserer Vorlage 470 vom 26. Mai 1904 überreichte Kostenanschlag für die beiden Nordlinien erfährt durch die inzwischen eingetretenen Preissteigerungen nach dein beigefügten Anschlage eine Veränderung dahin, daß etwa 300 000 Mark mehr erfordert werden müssen. Die Umleitung durch die Ebertystraße bedingt Mehraufwendungen nur in Höhe von 60 000 Mark. Die Kosten der beiden nördlichen Linien, einschließlich der Depots, werden sich also anschlagsmäßig auf rund' 2 000 000 Mark stellen. Da durch die lange Zeit der Vorarbeiten, durch die im Vor- stehenden geschilderten vielfachen Abänderungen der Entwürfe so- wie durch die Aufstellung der neuen in Aussicht genommenen Pro- jekte der zur Bestreitung dieser Kosten von der Stadtverordnete- Versammlung durch Beschluß vom 3. Januar 1901(Protokoll 37)' bewilligte Vorschuß von 50 000 M. verbraucht worden ist. haben wir vorbehaltlich der Genehmigung der Stadtverordnetenversamm- lung einen weiteren Vorschuß von 10 000 M. für diese Zwecke angewiesen." Diese Darlegungen des Magistrats, denen der Schriftwechsel zwischen Verkehrsdcputation und Polizeipräsidium beigegeben ist, zeigen aufs deutlichste, welche enormen Schwierigkeiten der Stadt bei AriSfuhrung ihrer Vcrkehrsprojekte auf ihrem eigenen Grund und Boden gemacht werden; lie zeigen aber auch, welch ungeheure Mühe und Arbeit aufgewanot wurden, um ihnen zu begegnen. Wir wollen hoffen, daß es bald gelingen möge, auch die weiteren Schwierigkeiten zu überwinden. DaS ist sicher der Wunsch der ge- samten Berliner Bürgerschaft mit Ausschluß einer Handvoll Jnter- essenten._ Berliner l�admcbten. Uebcr die gemeinsame Erziehung der Geschlechter hat sich der neue Stadtschulrat in der letzten Sitzung der Stadt- verordnetenversammlung sehr sympathisch ausgesprochen. Einem Mitarbeiter des„Berliner Tageblatt" gegenüber hat sich Herr Dr. Fischer noch wie folgt geäußert: „Ich habe bereits in der Stadtverordnetenversammlung er- klärt, daß ich nur meine persönliche Meinung über die gemein- same Erziehung der Geschlechter ausgesprochen habe, da über diese Frage weder in der Schuldeputation noch im Magistrat verhandelt worden ist. Ich habe aber trotzdem es für an- gebracht gehalten, mich bei auter Gelegenheit darüber zu äußern, da ich mich vorher mit den leitenden Männern sowohl im Provinzialkollegium als auch im KultuSmini st e- rium über die Angelegenheit ins Benehmen ?esetzt hatte. Ich kann erklären, daß ich an diesen Stellen einesweaS auf eine ablehnende Haltung gestoßen bin. Im Gegenteil: ich fand durchaus Synipathie für den Plan, so daß, wie ich glaube, mit einem Widerstand der vorgesetzten Be- Hörden nicht gerechnet zu werden braucht, falls die Einführung der Koedukation in die Berliner Gemeindeschulen beschlossen werden sollte. Das kann aber nicht sofort geschehen. Wir müssen erst ab- warten, bis der achtklassige Schulplan in einer vollen Generation durchgeführt worden ist. Dieser Zeitpunkt dürfte am 1. Oktober 1910 oder spätestens 1911 eintreten. Wir haben eigentlich schon jetzt in Berlin hier und da gemeinsamen Unterricht für Knaben und Mädchen. ES ist dabei entweder aus der Not eine Tugend gemacht, wie bei den Nebenklassen, oder er ist durch besondere Verhältnisse bedingt, wie bei dem gemeinsamen Unterricht, der in den katholischen Gemeindeschulcn in bestimmten Fächern er- teilt wird. Sogar in den Oberstufen haben wir in Berlin eine Art von Koedukation, zum Beispiel in den oberen Klassen der 16. Gemcindeschule in der Mohrenstraße. Das alles kann aber nicht als gemeinsame Erziehung der beiden Geschlechter im Sinne der Koedukation gelten. Diese haben wir erst dann, wenn wir uns für die gemeinsame Erziehung prinzipiell ent- schließen. ES bedarf kaum eines Beweises dafür, daß die gemeinsame Erziehung auch bei uns praktisch durchführbar ist. Die Be- denken, die von verschiedenen Seiten gegen die Koedukation in moralischer Hinsicht erhoben worden sind, teile ich nicht. Ich stehe hierin auf demselben Standpunkt, den Dr. Karl Grund- scheid von der Margarethenschule in Berlin in seiner Ab- Handlung über die Koedukation vertritt. Ich bin für die gemein- same Erziehung der Geschlechter wegen der Sache selbst, dann aber auch, weil sie uns ermöglicht, das jetzt eingeführte acht- klassige Schulsystem beizubehalten. Wir bekommen dann einen gemeinsamen breiten Unterbau in vier Klassen, in denen die Knaben und Mädchen vollständig gleichen Unterricht genießen. Erst von da ab soll eine Trennung insofern eintreten, als die- jenigen Stunden, in denen die Mädchen Handarbeitsunterricht empfangen, für die Knaben zu Handfertigkeitsstunden benutzt werden, die wir jetzt noch nicht einfiihren können. Das sind einige der gewichtigen Gründe, die für den gemein- samcn Unterricht der Geschlechter sprechen. Was anderswo durchführbar ist, kann in Berlin nicht unmöglich fein. Wenn auch die städtischen Behörden, wie ich glaube, denr zustimmen. so dürfte die Einführung der Koedukation in den Berliner Gc- mcindeschulcn zu dem erwähnten Zeitpunkt gesichert sein." Die Reformen, die der neue Leiter deS Berliner VoltSschul- wesenS hier anstrebt, sind zu begrüßen und cS ist nur wünfchenS- wert, daß sein Reformeifcr von Dauer ist. Die Gewrrbedeputativn gibt bekannt: Mit dem Ablauf dieses Vierteljahres werden zahlreiche Lehrlinge in Berlin ihre Lehrzeit beendet haben. AuS diesem Anlaß weisen wir darauf hin, daß den AuSlcrncndcu Gelegenheit gegeben ist, sich nach Ablauf ihrer Lehrzeit der Gesellenprüfung zu unterziehen. Es ist dringend zu raten, daß von dieser Gelegenheit jeder Lehrling Gebrauch macht, um nicht infolge der Unterlassung im späteren Leben empfindliche Nachteile zu erleiden. Denn wer die Gesellenprüfung nicht bestanden hat. ist von der Teilnahme an den Geschäften der Zwangsinnung, soweit die Regelung deS Lehrlingswesens in Frage kommt, ausgeschlossen(§ 100r Absatz 2 der Gewerbeordnung); er kann nicht als Gcsellenbeisitzer in den GesellenprüfungSausschuß gewählt werden(Z 131a der Gewerbeordnung); er erwirbt ferner nicht die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen(§ 129 Abs. 1 der Gewerbeordnung) und ist schließlich nicht zur Ablegung der Meisterprüfung berechtigt, die er bestanden babcn muß, wenn er den Meistertitel in Verbindung mit der Bezeichnung feines Hand- Werks führen will. Gleichzeitig machen wir die Lchrherren darauf aufmerksam, daß sie gemäß§ 131c Abs. 1 der Gewerbeordnung verpflichtet sind. ihre Lehrlinge anzuhalten, sich nach Ablauf der Lehrzeit der Ge- sellcnprüfung zu unterziehen. ES genügt hiernach nicht, Weng der Lehrherr den Lehrling nur auf die Möglichkeit zur Ablegung der Prüfung hinweist, er hat vielmehr durch seine Autorität und durch Belehrung über die Folgen für daS Fortkommen darauf hinzu- wirken, daß der Lehrling der Prüfung sich unterzieht. Unterlaß: der Lehrherr die Erfüllung dieser Pflicht, dann wird er mit einer Geldstrafe bis zu 150 M. und im UnvcrmögenSfalle mit Haft bis zu vier Wochen bestrast. Macht er sich dieser Pflichtverletzung wiederholt schuldig, dann kann ihm außer der gerichtlichen Be- strafung noch die Befugnis zum Halten und zur Anleitung von Lehrlingen ganz oder auf Zeit entzogen werden. Nähere Auskunft über die Erfordernisse für die Anmeldung zur Prüfung usw. erteilt die hiesige Handwerkskamm-r. Neue Friedrichstraßc 471« i Die Milchwirtschaft der Jrrenanstalt Herzberge ergab 86 791 2.| Philippftraße einbiegenbe Raftwagen fuhr unmittelbar vor einem Botsdamer Handelskammer Beschlossen, unter Zeitung der HandelsEinnahmen und 28 122 M. Ausgaben, mithin 8669 M. Reineinnahmen, herannahenden Straßenbahnzug der Linie 57 auf das Gleis. Trop fammer eine faufmännische Pflichtfortbildungsschule zu errichten; die noch bedeutender gewesen wären, wenn nicht 42 Stück Kühe Anwendung der Gefahrbremse gelang es dem Wagenführer nicht unsere Vertreter hatten dagegen beantragt, die zu gründende kaufwegen geringen Milchertrages hätten verkauft werden müssen und mehr, den Zug bei der kurzen Entfernung zum Stehen zu bringen, männische Fortbildungsschule der bestehenden gewerblichen Fortan jeder Kuh 75 M. eingebüßt worden wären, bei einem Bestande und so fuhr der Motorwaggon auf den Rolltvagen auf. Durch den bildungsschule anzugliedern. " Auch bon 50 Kühen. Die Schweinemästung brachte einen Rein- Anprall wurde der Kutscher des letzteren, Fris Bradtke, vom Ferner wird die Errichtung einer Lesehalle bei der hiesigen gewinn von 2712 M. bei einem Bestande von 50 Schweinen. Die Bock geschleudert, während die Pferde stürzten. B. erlitt eine Boltsbibliothek beschlossen. Dieselbe wird vom 1. April ab im neuen Besamteinnahmen betrugen 5482 M. und die Ausgaben 2720. erhebliche Kopfverlegung und mußte nach der Charité gebracht Feuerwehrdepot an der Marktstraße untergebracht werden. ( 970 m. Löhne, 100 m. tierärztliche Behandlung und 1650 M. werden. Von den Pferden brach das eine den rechten Hinterfuß, wird dem Erlaß einer Polizeiverordnung betreffend den UnterFutter usw.) Die Geflügelzucht ergab nur 498 M. Reineinnahmen. es wurde der Abdeckerei überwiesen. Ein schwerer suchungsawang des Fleisches von Schlachtvieh bei Hausschlachtungen Die Einnahmen aus der Schweinemästung aus der städtischen Straßenbahnunfall hat sich gestern Nachmittag in der zugestimmt. Ein neuer Bebauungsplan wird für das Gelände Anstalt Wuhlgarten beliefen sich auf 12 366 M. und die Ausgaben Müllerstraße zugetragen. Der 45jährige Rentenempfänger Auguft zwischen Neue Prinz Mbertstraße und Fischerstraße genehmigt. auf 5887 M. darunter 1359 M. Verlust durch Ausbruch der Seuche. Gellefuhn, Riesenstr. 10 wohnhaft, war im Begriff gewesen, mit Bur schnelleren Fortschaffung der Schneemassen wird auf Antrag 64 Schweine mußten sofort geschlachtet werden. Die Reineinnahme einem Sad Kofs auf dem Rücken den Fahrdamm vor dem Grund- unserer Genossen die Summe von 3000 m. bewilligt. verringerte sich dadurch auf 6379 M. stück Müllerstr. 184 zu überschreiten. Nur wenige Meter vor dem In nicht öffentlicher Sigung wird der Erhöhung der Alters heransausenden Straßenbahnwagen 1919 der Linie 28 versuchte er zulagen der Volksschullehrer von 225 M. auf 250 M. zugestimmt. Nach einer Statiftit der Großen Berliner" in dem eben er die Gleise zu treuzen, wurde jedoch erfaßt, unter die Plattform Ferner wird ein Projekt vorgelegt, welches eine Umgestaltung der schienenen Geschäftsbericht wurden im Betriebe 1748 Personen leicht, gerissen und überfahren. Dem Verunglückten wurden mehrere jegigen freiwilligen Feuerwehr in eine Berufswehr in Neben155 Personen schwer verletzt und 25 Personen getötet. Von den Rippen gebrochen, ein Ohr abgerissen und wettere schwere Ver- beschäftigung unter Beibehaltung der jezigen freiwilligen Feuerwehrinsgesamt zu Unfall gekommenen 1928 Personen ist bei 22 getöteten, legungen zugefügt. Troß der lebensgefährlichen Verlegungen ließ leute herbeiführen soll. 131 schwer verlegten und 1139 leicht verletzten eigenes Ver- fich G. nicht dazu bewegen, das Krankenhaus in Anspruch zu fchulden, bei 2 getöteten, 17 schwer verlegten, 512 leicht verlegten nehmen Bersonen fremdes Verschulden, bei 1 getöteten, 3 schwer verletzten und 77 leicht verlegten Personen Strankheit oder Zufall festgestellt worden, während in den übrigen 24 Fällen die Ursache ungewiß blieb.. Die im Laufe des Jahres 1906 ausgezahlten Haftpflichtabfindungen und Rentenbeträge haben zusammen eine Ausgabe von 369 000 M. Insgesamt hat die Große Berliner" im letzten Jahre 364 100 000 Personen befördert gegen 350 000 000 im Jahre 1905. Der größte Personenverkehr und die höchste Tageseinnahme entfielen auf Sonntag, den 17. Juni mit 1188 773 auf Fahrscheine beförderten Personen und 119 069 M.; der niedrigste auf Freitag, den 20. Juli mit 716 756 auf Fahrscheine beförderten Personen und 71 734 M. verursacht. Bororte gegen Berlin. In Aussicht ist genommen, daß alle brauchbaren Männer, welche als Straßenreiniger von der Gemeinde beschäftigt werden, gleichzeitig als Feuerwehrleute zu fungieren haben. Rixdorf. Seiner Flottensammlungen wegen unter den Schülern der ihm unterstellten Schule ist seinerzeit der Direktor der vierten städtischen Realschule, Tenger, öffentlich gerügt worden; derselbe Herr, auf Verschwunden ist seit dem 1. Februar der 28 Jahre alte Lederdessen Veranlassung der Sohn des Genoffen Hoffmann dieser Tage arbeiter Ernst Raschte aus der Jägerstr. 54. N. wohnte bei seinen von der Schule verwiesen wurde. Grund dieser Verweisung soll das Fernbleiben des Jungen von der Kaisergeburtstagsfeier der Schule Eltern und war Heimarbeiter. Am Tage seines Verschwindens ging neue Arbeit zu holen. Unterwegs traf gegeben haben, die als ein Teil des Schulunterrichts angesehen wird. er morgens fort, um Run fann aber eine Verweisung nur dann erfolgen, wenn die vor- er den Händler G. aus der Pannierstraße und suchte mit Nachts erschien dann G. handenen Strafmittel erschöpft sind. Es sind solche aber über- diefem mehrere Gastwirtschaften auf. auf dem 34. Polizeirevier und gab dort den Hut und das haupt noch nicht zur Anwendung gekommen. Lieferbuch des Raichle ab. Er gab an, R. fei betrunken gewesen und habe sich infolgedessen nicht in die elterliche Wohnung zurüd gewagt. As die beiden das Maybach- Ufer passierten, habe sich R. plöglich losgerissen und sei in den Landwehrkanal gesprungen. Vergeblich habe G. versucht, seinen Freund zu retten. Die Eltern des Bermißten glauben jedoch nicht, daß sich ihr Sohn selbst das Leben Bermißten glauben jedoch nicht, daß sich ihr Sohn selbst das Leben genommen hat. Auf welche Weise N. den Tod gefunden, konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Charlottenburg. Sehr richtig bemerkt denn auch die„ Voltszeitung zu der Tat des übereifrigen Direktors: " Ein derartig rigoroses Vorgehen kennzeichnet wiederum mit aller Deutlichkeit das reaktionäre und engherzige System Studt. Das Eine Protestversammlung gegen die Berliner beschämendste in diesem Falle ist aber die Tatsache, daß sich die Sache an Stadtverwaltung hielten die Grundbefizer von Friedrich seiner Berliner städtischen Lehranstalt ereignet hat und daß die Verwaltung hagen, Fichtenau, Ertner und den umliegenden Ortschaften der Stadt Berlin nicht in der Lage ist, sich gegen einen solchen Eingriff Das einzige Recht, das ab. In diesen Ortschaften hat sich seit mehr als einem halben Jahre des Provinzialschulkollegiums zu wehren. eine förmliche Waffertalamität infolge Sentung des Wasserspiegels der Stadt Berlin bei dieser sowie den übrigen städtischen höheren geltend gemacht, welche den Berliner Tiefbrunnenanlagen zu- Lehranstalten zusteht, besteht darin, das Geld aufzubringen, das die geschrieben wird. In Fichtenau allein haben 45 Brunnen tiefer- Unterhaltung dieser Anstalten erfordert. Uebrigens ist es auffallend, gelegt werden müffen. Der Vorschlag, gegen die Stadt Berlin daß sich der Direktor dieser Anstalt an das Provinzialschulkollegium einen Prozeß anzustrengen, wurde als aussichtslos abgelehnt, um besondere Verhaltungsmaßregeln gewandt hat." δα nach den bestehenden Gesezen die durch Entziehung Feuerwehrbericht. In der letzten Nacht wurde die Feuerwehr des Wassers Geschädigten feine Ansprüche auf Entschädi- nach der Pfuelstr. 5 gerufen, too auf einem Neubau Feuer ausgung haben. Verschiedentlich wurde borgeschlagen, eine gekommen war. Gestern früh brannten in der Krautstr. 50 Kisten gütliche Einigung mit der Stadtgemeinde Berlin in die Wege zu und anderes in einer Bonbonfabrik und in der Milaftr. 3 die Dachleiten und, als glücklichste Lösung der Frage, den Anschluß der betr. konstruktion u. a. Unter den Linden 2 mußte ein Ladenbrand geOrtschaften an das Berliner Wasserwert herbeizuführen. Berlin löscht werden. Regale u. a. brannten dort. Der 20. Bug hatte in dürfte, wie mitgeteilt wurde, faum geneigt sein, bei den immer der Brüderstr. 43 zu tun, wo Papier usw. in Bureauräumen steigenden Ansprüchen, die an die Leistung seiner Wasserwerke gestellt brannte. Weiter hatte die Wehr in der Alvenslebenstr. 17, Elbingers, werden, weitere Ortschaften der Umgebung mit Wasser zu verforgen. Ede Brausbergerstraße, Alte Jakobftr. 139/148, Friedrichstr. 25/26 Eine Verpflichtung dazu läge auch nicht vor, höchstens fönne es ber- und anderen Stellen zu tun. anlaßt werden, die versiegten Brunnen, wie es bereits mit denen D des Forstfiskus geschehen sei, auf seine Kosten tiefer zu legen. Nach Arbeiter Samariterkolonne. Der Mitgliederversammlung wegen stundenlanger Debatte wurde beschlossen, den Schaden und dessen fällt die Uebungsstunde der 4. Abteilung heute abend aus. Ursache durch Sachverständige feststellen zu lassen, das gesamte Material den Aufsichtsbehörden zu unterbreiten und sie zu ersuchen, die Interessen der benachteiligten Ortschaften gegenüber der Stadt Berlin in Schutz zu nehmen. Im Rathause fand am Dienstag eine Sigung des Aufsichtsrats der Berliner elektrischen Straßenbahnen" statt, in der nach Ers Vorort- Nachrichten. Friedenau, Schöneberg, Steglitz, Wilmersdorf, Zehlendorf! Berein Freier Kindergarten. Heute abend 81% Uhr findet im Voltshause", Rosinenstr. 3, ein Elternabend statt. Schriftsteller S. Kaßenstein wird einen Vortrag über„ Kinderschutz" halten. Danach freie Aussprache. Gäste sind willkommen. Adlershof. BeIn der letzten Gemeindevertretung wurde der Voranschlag für das Etatsjahr 1907 beraten. Bor Eintritt in die Beratung lagen einige Vorlagen, welche auf die Gestaltung des Voranschlages von Einfluß waren zur Beschlußfassung. Beschlossen wurde, die Marktkontrolle einem Tierarzt zu übertragen, welcher verpflichtet wird, mindestens wöchentlich einmal den Wochenmarkt zu kontrollieren. Die Erhöhung des Grundgehalts der Rektoren, Lehrer und Lehrerinnen, sowie die Erhöhung der Bezüge der Beamten führte zu ausgedehnter Debatte, in welcher von unseren Genossen in längeren Ausführungen die Notwendigkeit der Erhöhungen mit dem Hinweis auf die Lebensmittelteuerung befürwortet wurde. mängelt wurde von unseren Genossen, daß in dem vorgelegten Befoldungsplan der Beamten, die Gehälter der höheren Beamten und die der Gemeindewächter und Schuldiener in feinem richtigen Verhältnis stehen, sondern die der letzteren zu niedrig seien. Außerdem wurde die Weberanstrengung der Schuldiener einer abfälligen Kritik unterzogen. Für die Gemeindearbeiter hatte die EtatsBe- kommission überhaupt keine Erhöhung in Aussicht genommen; lebigung einiger geschäftlicher Mitteilungen, berichtet wurde, daß Arbeiter und Arbeiterinnen! Nach eingehender Be- unsere Genossen erklärten deshalb, nur dann für die Erhöhung der die städtischen Straßenbahnen bie einzigen geratung mit dem Vorstande der Arbeiter Bildungsschule Beamtengehälter stimmen zu können, wenn gleichzeitig ein Beschluß wesen sind, welche am 31. Januar d. J. trop des an- Berlin und den Parteigenossen vorgenannter Orte wurde be- auf Erhöhung der Wochenlöhne der Arbeiter herbeigeführt würde. haltenden Schneesturmes den Betrieb aufrechtfchloffen, in Stegliz, Ahornstr. 15, bei Shellha se eine Dadurch wurde die Mehrheit gezwungen, das Anfangsgehalt der erhalten haben. Auf der Linie Bankow- Mittelstraße war es Filiale der Schule zu errichten. Die Gröffnung des Unterrichts soll Schuldiener und Gemeindewächter statt auf 1000 Wt. auf 1200 Mt. möglich, die Motorwagen auf beiden Gleisen verkehren zu laffen und am morgigen Freitag, abends 9 Uhr, erfolgen. auf der Strede Treptow- Behrenstraße tonnte ein Bendelbetrieb In Aussicht genommen ist vorerst ein Unterrichtsturfus in zwischen Behrenstraße- Görliger Bahnhof und zwischen diesem und Treptow den Verkehr vermitteln. Dies war nur möglich, daß unter Geschichte. Dr. M. Maurenbrecher wird in zehn Borträgen Weglassung der Beiwagen ständig gefahren wurde. Es verdient Die große französische Revolution" behandeln. " das unisomehr Anerkennung, als die Große Berliner Straßenbahn Wir ersuchen nun alle diejenigen, welche gewillt find, ihr Wissen am 31. Januar den gesamten Verkehr einstellte und auch noch in den zu bereichern, an diesem Kursus teilzunehmen und Mitglied der folgenden Tagen auf den meisten Linien ruhen ließ, wodurch eine Arbeiter Bildungsschule zu werden. Alles Nähere ist zu Berkehrsnot ohne gleichen entstand, Handel und Wandel todte und erfragen bei den Genoffen Robert Zumpe, Steglis, Forststr. 18 II, alle Welt, besonders aber die Abonnenten und Fahrgäste der und wahrendorf, Stegliz, Schloßstr. 117, Restaurant. " Großen" empfindlich geschädigt wurden. werden. Der Vorstand. Die Vergrößerung des Viktoriapartes. Die städtische Bartdeputation hat, wie mitgeteilt, beschlossen, mit dem Reichsmilitär- Rummelsburg. fistus über die Bachtung des Aufmarschgeländes zur Vergrößerung des Biktoriaparkes in Berbindung zu treten. Wie berichtet wird, fcheinen teine großen Aussichten zur Realisierung des Planes vor handen zu sein. Der Magistrat ist zwar noch nicht an das Ministerium herangetreten, doch soll man hier nach wie vor entschlossen sein, in den Verhandlungen mit der Stadt das militärische Interesse in den Vordergrund zu rücken. Nach dem Reichseigentum gefetz vom 25. Mai 1878 fann ein Grundstück solange nicht nicht veräußert oder verpachtet werden, als es noch für militärische Zwede gebraucht wird. Das aber ist nach Ansicht der maßgebenden Stelle im Kriegsministerium hier noch der Fall., Es scheint danach, daß die Verhandlungen zwischen Magistrat und Militärfistus taum Aussicht auf Erfolg haben werden. Das wäre bedauerlich; denn notwendiger als für gelegentliche militärische Zwede wird das Aufmarschgelände" unseres Erachtens zur Er holung der im Kreuzbergbiertel wohnenden Bürger gebraucht. Durch eine Ohrfeige getötet. Einen verhängnisvollen Ausgang nahm ein Streit, der gestern zwischen dem 32 Jahre alten Biertutscher Gustav flug aus der Dunderstr. 76 und seinem Mit fahrer, dem 27jährigen Hermann Schönfeldt aus der Schliemannstraße 12 entstand. Pflug fährt seit fünf Jahren einen Flaschenbierwagen der Schultheißbrauerei. Gestern machte er feinem Mit fahrer, als sie sich auf der Fahrt in Nieder- Schönhausen befanden, Vorwürfe über zu langfames Arbeiten. Schönfeld gab schließlich dem Stutscher eine sehr heftige Ohrfeige. Fünf Minuten später brach Pflug in einem Laden, in den er einen Staften getragen hatte, tot zusammen. Der Erschlagene war verheiratet und hinterläßt awei fleine Kinder. Schönfeldt ist verhaftet worden Eine traurige Aufklärung hat jetzt das Verschwinden des 27 Jahre alten Hausdieners Wilhelm Gemlow, Pappelallee 23, gefunden. G. hat seinem Leben gewaltsam ein Ende bereitet. Seine Leiche ist gestern in dem Walde zwischen Nieder- Schöneweide und Johannisthat aufgefunden worden. Die linke Brustseite des Selbstmörders war von einer Kugel durchbohrt. Neben dem Toten lag der Revolver. Was den Lebensmüden zu seinem Schritt veranlaßt hat, konnte bisher nicht festgestellt werden. festzusetzen und den Gemeindearbeitern einen Wochenlohn von 24 t. und den Vorarbeitern 30 Mt. zu gewähren. Das Grundgehalt der Lehrer wurde auf 1400 Mr. festgefeßt und den Gemeindebeamten das Anfangsgehalt, sowie der Wohnungsgeldzuschuß um je 100 Mt. erhöht. Die Anstellung eines zweiten Wächters wurde ebenfalls beschlossen. Der Etat, welcher in diesem Jahre in ordentliche Verwaltung, Kanalisations- und außerordentliche Verwaltung eingeteilt ist, schließt in Ginnahmen und Ausgaben mit 701 600 M. ab. Der Zuschlag zur Staatseinkommensteuer und so weiter beträgt 150 Proz. und werden 97 000 m. vereinnahmit Außerdem sollen erhoben werden 341 Proz. der vom Staate veranlagten Grund- und Gebäudefteuer und 4 Proz. bom gemeinen Werte der Grundstücke, welche mit 88 000 t., 250 Proz. Gewerbesteuer der Klasse 1 und 2 und 175 Proz. der Klasse 3 und 4, Die letzte Gemeindevertretersizung, die erste im neuen Jahre, mußte diesmal ohne die sonst übliche Ansprache des Bürgermeisters welche mit 23 925 Mt. veranschlagt sind. An indirekten Steuern in die Tagesordnung eintreten. gelangen zur Erhebung: Hundesteuer 1800 Mt., Lustbarkeitssteuer Vorerst verlas der Gemeinde- 1600 Mt., Biersteuer 5500 Mt. und Umsatzsteuer bei Veräußerung vorsteher ein Schreiben des bisherigen Gemeindefchöffen Lange, in von Grundstücken 20 000 Mt. Durch die Festsetzung des Steuerzuwelchem derselbe mitteilt, daß er seine sämtlichen Ehrenämter niederschlages von 150 Proz. zur Staatseinkommensteuer ist anscheinend eine legt; als Grund gibt Herr Lenze an, daß die Unzuträglichkeiten im Erhöhung der Steuern für 1907 herbeigeführt. In Wirklichkeit tritt Gemeindevorstand einen solchen hohen Grad erreicht hätten, daß ein aber gegenüber den 140 Proz. des Vorjahres eine Verringerung des gemeinsames Zusammenarbeiten ausgeschlossen sei. Herr Lange war der älteste und befähigste von sämtlichen bürgerlichen Vertretern, Gemeindevorsteher und Beigeordnete mit ein begriffen. Die Gespanntheit zwischen dem Gemeindevorsteher und dem Schöffen Lange datiert bereits seit der Zeit, wo Rummelsburg durch Herrn Assessor Köhler einen Beigeordneten beschert erhalten hat. Die verschiedenen Vorgänge in den Gemeindevertretersizungen im Laufe des letzten Jahres weisen darauf hin, daß man Herrn Lange, welcher zugleich stellvertretender Amtsvorsteher war, absichtlich von internen Gemeindeangelegenheiten fernhielt. Den Grund, daß Lange sich unbeliebt gemacht hat, gab die letzte Gemeindevertretersizung im alten Jahre. Steuerfazes ein, da die bisher besonders erhobene Kreissteuer von 33% Bros. aus den allgemeinen Einnahmen gezahlt wird. Bei der bisherigen Form der Verteilung des Steuerbedarfs würden also nur 116% Broz. statt 140 Proz. des Vorjahres zur Erhebung gelangen. Unter Geschäftlichem teilte der Gemeindevorsteher noch mit, daß der Einspruch des Fabritbesizers Luter gegen die Festlegung der auflucht der Kaiser Friedrichstraße vom Bezirksausschuß zurückgewiesen wurde. Grünau. und In eine gefahrvolle Situation gerieten am Montag abend awischen 1/10 und 10 Uhr der Schlächtermeister 2. aus Adlershof mit In dieser Sigung hat Herr Lange das Bestreben des Gemeinde noch zwei Personen, als sie mit dem Schlitten an die Fähre geborstehers durch Benennung von Schulen und Stiftungen nach langten. Durch die unzulängliche Beleuchtung des Dörfchens verNamen von Angehörigen der königlichen Familie sich nach Oben fehlten sie die Wilhelmstraße herunterkommend, die Köpeniderstraße beliebt zu machen, mit Schärfe bekämpft und hat dadurch den An- und gerieten in der letzten Querstraße vor die Dahme. Ohne zu trag bes Gemeindevorstehers, dem hiesigen Realgymnasium den wissen wo sie sich befanden, gelangten fie plöglich auf zur Fähre. Der Schlitten tippte um, Ramen: Kaiserin Auguste Viktoria- Realgymnafium" zu geben zu bie Rampe Fall gebracht. zum Glüc sämtliche Infassen stürzten auf das Eis, das Bir hatten seinerzeit bereits unserer Meinung dahin Ausdruck noch vorn am Rande die Last trug. Sie waren nicht wenig gegeben, daß Herr Lange wohl faum ungestraft diese mutige Sprache erstaunt, als sie merkten, daß sie sich nur 1½ Meter von dem geführt haben wird. Ats Troft für die erlittene Unbill ersucht der offenen Wasser der Fahrrinne befanden und nur durch einen GlücksBürgermeister an Herrn Lange ein Dankschreiben richten zu dürfen!!! umstand wobei fie fich allerdings immer noch geschundene GeZu Punkt 1 der Tagesordnung wird die Pflasterung der fichter geholt- dem Tode durch Ertrinken entronnen waren. BeStraße A, welche am neuen Gymnasium von der Sadowa- bis zur rechtigt machten sie denn auch ihrer Empörung über die NachHirschfelderstraße führt, beschlossen. Ebenso wird die Neupflasterung der läffigkeit der Behörde luft, die die Fähre des Nachts nicht durch eine Portlandstraße genehmigt. Gleichfalls werden die Mittel zur Neu- Schutzmaßregel absperren läßt. Wie uns mitgeteilt wird, sind erst pflasterung des Weidenwege sowie der Prinz Albertstraße von der vor einem Jahre Personen durch diese Bummelei ums Leben geGleisschleife bis zur Neuen Prinz Albertstraße bewilligt. Die Er fommen. Man fagt zwar immer: Wenn das Kind in den Brunnen werbung des Dreiecks zwischen Prinz Albertstraße, Weideniveg und gefallen ist, wird derfelbe zugedeckt" das scheint hier aber noch Portlandstraße vom Berliner Magistrat steht bevor. Dasselbe soll nicht einmal der Fall zu sein. wie der Borhagener Plaz zu einem Schmud- und Marktplatz hergerichtet werden. Bernau. " In ungewöhnlich großer Zahl überwintern in diesem Jahre die Stare in Berlin, von denen man besonders in der Gegend des Lustgartens und des Kastanienwäldchens größere Scharen beob. Genehmigt wird der Ankauf von 11 Pferden zur Feuerwehr- und Die Stadtverordnetenverfammlung bewilligte dem Krankenwärter achten tann. Täglich zweimal, morgens und nachmittags, verfammeln Reinigungszwecken. Die Abänderung des Pflichtfortbildungsschulstatuts Sellner eine Teuerungszulage von 150. für die Zeit vom sich diese Bögel in der Straße An der Stechbahn, wo sich hunderte sowie die Errichtung einer kaufmännischen Fortbildungsschule erzeugt 1. April bis 31. Dezember 1906. Beschlossen wurde ferner die Ervon Staren in den Bäumen niederlassen, die zum Teil in starken eine längere rege Diskussion. Die hiesige Pflichtfortbildungsschule, bauung eines Restaurationsgebäudes am Liepnisfee mit 19 gegen Flügen auch aus dem Tiergarten tommen. Die Vögel werden welche fich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt hat, scheint in 2 Stimmen. Die Vorlage, den Bau eines neuen Schulhauses benämlich zu diefen Zeiten in dem Garten des Kronprinzenpalais bem Gemeindevorstand feine rechten Freunde zu haben; bereits zum treffend, fand einstimmige Annahme; es wurde der Magistrat ersucht, gefüttert und finden sich zu den Fütterungszeiten in Scharen von bier- bis fünfhundert Stüd ein. Zu den Wintergästen, die an der zweitenmal kommt derfelbe mit einer Wenderung zum Ortsstatut der Versammlung schleunigft fpezielle Vorlagen zu biefen beiden gebedten Tafel im Schloßgarten teilnehmen, gehören auch eine bahin, das die Schulpflicht für die am Orte wohnenden aber nicht Bauten zugehen zu lassen. Alsdann wurde noch der Bau eines gebedten Tafel im Schloßgarten teilnehmen, gehören auch eine beschäftigten jungen Leute aufhebt. Nach diesem geänderten Ortsstatut stanals von der Beperniderstraße durch den Angergang nach der Anzahl Finken, die in diesem Jahre zum ersten Male in Kaftanien- würde die Schule dann höchstens nur noch ein Drittel der Banke in einer Länge von 113 Meter genehmigt. wäldchen überwintern. jezigen Schülerzahl aufweisen. Nachdem unsere Genossen in einNieder- Schönhausen. Straßenbahnunfälle. Gin heftiger zusammen stoß gehender Weise auf die Wirkungen diefes so geänderten Drtsstatuts In der Testen Gemeindevertreterfisung ist an Stelle des zurüdeines Straßenbahnzuges mit einem Rollwagen fand Dienstagnach- im bildungsfeindlichen Sinne hingewiesen hatten, wurde dasselbe mittag gegen 5 1hr in der Louisenstraße statt. Der aus der gegen wenige Stimmen abgelehnt. Dagegen wird auf Antrag der getretenen Schöffen Herrn Zimmermeister Otto Rüdert der «pothelenkefitzer Herr Görger zum Schöffen gewählt worden. Der Punkt: Abkommen mit der Großen Berliner Straßenbahn, be- treffend Ausdehnung des Stratzenbahnnetzes wurde vertagt, da in- zwischen in dieser Sache mehrere Aenderungen vorgenommen worden sind. Mit den Arbeiten zur Verbreiterung und Asphalticrung der Kaiser Wilhelmstraße soll begonnen werden, sobald die Witterung eS zuläßt. Leider werden dadurch eine Anzahl der alten schönen Bäume dieser Straße beseitigt. Tegel. Die� Schulgemeinbevertretung beschloß in ihrer vorgestrigen ersten Sitzung im Jahre 1907 zunächst eine Anleihe von 280 009 Mark zu erheoen, die, für den Schulflügelbau bestimmt, mit 4 Proz. Zinsen und 1 Proz. Amortisation angeboten ist. Weiter soll ein zweiter Rektor für die Volksschule zum 1. Oktober 1907 angestellt und sechs neue Lehrerstellen, drei zu Ostern und drei zu Michaelis geschaffen� werden. Wenn nötig, kann der Schulvorstand noch eine siebente Stelle schaffen. Das Gehalt richtet sich nach dem gültig bestehenden Besoldungsplan. Eine der Lehrersiellen soll dem neuen Rektor übertragen werden. Di« Gemeindevertreterfitzung, die sich unmittelbar daran schloß, war seit langer Zeit zum ersten Male von sämtlichen Gemeindevertretern besucht. Der Termin im Germania-Prozeß vor dem Reichsgericht ist auf den 22. Juni d. I. festgesetzt.� Hierauf beschloß die Gemeindevertretung, die Stadt Berlin auf Grund des bestehenden Vertrages nun um Herstellung der Zusahrtstraße von drc Hafenanlage zur Spandauerstratze zu ersuchen. Der Antrag unserer Genoffen Lichtenberg und Rodcike vom 7. Januar, auch für Tegel die Wertzuwachssteuer einzuführen, hat sich dadurch er- ledigt, daß die Borarbeiten für den Steuerentwurf auf Grund früherer Beschlüsse bereits so weit gediehen sind, daß die nächste Steuerkommissionssitzung sich mit der Frage beschäftigen wird. Der Steuerentwurf wird voraussichtlich der übernächsten Gemeinde- Vertretersitzung vorgelegt werden. Bei der Stimmung unter den Gemeindevertretern ist seine Annahme sicher. Zur Verpachtung der Gemcindegrundstücke wurde der Gemeindevorstand bevoll- mächtigt. Tie Landwirte Tegels hatten keine Gebote eingereicht. Ter Vorschlag, das Land in einzelnen Parzellen für geringes Geld an Arbeiter als Laubenkolonie zu vergeben, soll erwogen werden. Dem Gemeindevorsteher wurde Generalvollmacht zur Vertretung der Gemeinde in Auflassungs-, Verwaltungsstreit- und Zivilprozetz- fachen erteilt. Der Antrag der Spandauer Dampfschiffabrts- gesellschaft auf Ueberlassung der Holtzschen Dampferanlagestelle und des Billettschalters zeitigte deshalb eine lange Debatte, weil ein am Sontag eingegangener eiliger Antrag der.,Stern"-GeseU- schast die Ueberlassung einer Dampserbrücke im Zuge der Seegasse forderte. Zu diesem letzten Antrag wurde erklärt, daß noch sehr lebhaft im Gedächtnis aller die Art und Weise nachklinge, wie die „Stern"-Gesellschaft 1004 die Gemeinde abgefunden habe, als sie statt fünf neuer Dampfer zwei und statt 1000 Vi. Anlagegebühr nur 10 M. anbot. Rur die Gemeindevertreter Borsig und Schumacher waren für Verhandeln mit der Gesellschaft. Genosse Rodeike forderte, daß bei der Bertragschlietzung festgelegt werde, daß die bestandenen Preis- und Fahrverhältniffc bestehen bleiben. Wenn die„Stern"-Gesellschaft täine, würde sie die Leute von Hole ein- stellen und die alte Konkurrenz wäre wieder da. Herr Borsig wünschte eine Gewinnbeteiligung der Gemeinde, worauf ihm Ge- noffe Lichtenberg erwiderte, es wäre besser, die Dampfcrlinien würden überhaupt von der Gemeinde betrieben. Beschlossen wurde. auch die dritte Brücke und den freien Schalter der Spandauxr Gesellschaft zu überlassen, jedoch unter der Bedingung, daß ein Vertrag zustande käme med Borschläge wegen der Gewinnbeteili. gung gemacht würden. Im übrigen soll mit der„StertT-Gesell- schast weiter verhandelt werden; die Ueberlassung einer der drei Brücken wurde aber strikte abgelehnt. Die Beschwerden über das Gaswerk Tegel sind eingehend untersucht worden und sestgestellt, daß das Gaswerk bemüht ist, allen Wünschep gerecht zu werden, daß aber die ungeheure Zahl der Anschlüsse(1906 45 Proz. mehr) die Leistungsfähigkeit bis zur äußersten Grenze gebracht hätte. Diesem sei jetzt nach vollendetem Anbau so weit abgeholfen. Die Gemeindevertretung nahm davon Kenntnis,'beschloß aber doch, in Zukunft regelmäßige Prüfungen des Gases durch einen Sach- verständigen vornehmen zu lassen. Die für die Wasserwerkerlveite- rung vorliegenden Bauslizzen wurden für die Ausführung ge- nehmigt. Ueber eine Stunde wurde dann hin und her debattiert über den vorgeschlagenen Erweiterungsbau des Berwaltungs- gebäudes, Beitstr. 2— 3, und zwar vor allem um den Sttl. Ter Bau soll einmal den äußersten Flügel des künftigen etwa in acht Jahren notwendigen Rathauses bilden. Tie Versammlung war bereit, alles zu genehmigen und die Kosten in Höhe von 132 000 Marl zu bewilligen, nur wollte sie den Stil bestimmen. So wurde denn beschlossen, die Sache zu vertagen und vorerst weitere Skizzen für Fassaden und einen Situationsplan einzufordern. Es wurde noch beschlossen, für den Tegeler Pfarrhausbau in der geforderten .?>öhe(Sö Proz.) den Beitrag zu leisten, ohne aber eine Ver- »flichtung anzuerkennen. Gleichzeitig aber wurde vorgeschlagen. das Pfarrhaus für zwei Geistliche zu erbauen. Unsere Genossen Lichtenberg und Rodeike stimmten dagegen. Hierauf schloß die Sitzung nach fast fünfstündiger Dauer um VtiO Uhr. Schönwalde(Bezirk Pankow). Ein erfreuliches Fortschreiten der Organisation ist, wie aus dem Bericht des Genossen S ch e f f l e r in der am Sonntag stattgehabten Wahlvereinsversammlung hervorging, auch in Schönwalde zu ver- zeichnen. Der im März vorigen Jahres aus 18 Mitgliedern be- stehende Wahlvcrein ist bereits auf 78 Mitglieder angewachsen. Es mutz dies für die dortigen Genossen ein Anlaß sein, mit noch inten- siverer Kraft weiterzuarbeiten. Mt der Leitung der Organisatton wurden die Genossen Grützer, ManS, Knost und Krupp bettaut. In der Diskussion über die Reichstagswahl brachten einige Redner zur Sprache, daß Ackerbürger am Tage der Wahl mit ihren Arbeitern gekommen sind und stteng darauf geachtet haben, daß die- selben keinen anderen als den von ihnen überreichten Stimmzettel annahmen. Zum Schluß meldeten sich noch drei Genossen zur Reu- aufnahm« in den Wahlverein. 6cncht9-Zeitung. Zum Kampf gegen da? Polentum. Der Regen, mit dem die polnisch- deutsch« preußische Justiz Priester. Redaktcure. Eltern mit Verurteilungen aus Anlaß des Schulstreiks überschüttet, läßt nicht nach. Bislang sind aus Anlaß oeS SchulsttcUs bereits über 800 Verurteilungen ausgesprochen. Gestern hatte sich vor der Posener Strafkammer der Redakteur des „Postep", Johann Trocha, in fünf Anklagefällen zu ver- antworten. Die Straskammer verurteilte ihn wegen eines Falles, in dem sie Bergehen gegen§§ 110(Aufforderung zum Ungehorsam) und ISO Stt.-G.-B.(Anrerzung zu Gewalttätigkeiten) erblickte, zu drei Monaten Gefängnis und 1 80 M. Geld- strafe, ferner wegen Verletzung deS§ 110 St.-G-B. in einem zweiten Fall zu sechs Wochen Gefängnis, im dritten Falle zu SSV. im vierten Falle zu 200 M. Geldstrafe. Die Anwendung der Sttafjustiz als GermanifationSmittel kann selbstverständlich den von ihr erstrebten Zweck nicht erreichen, muß aber die Wirkung verschärfter Erbitterung der polnisch sprecheirden Deutschen und einer Vernichtung de« Restes von Ansehen preußisch- deutscher Justiz zur Folge haben. Die Saat. die hier die Germanisattonspolitik säet, wird, vielleicht langsam aber sicher, zur Erschütterung deS Aberglaubens von der BehördenneuttaNtat. zum Nachdenken über den Zusammenhang der politischen und wirtschaftlichen Machtmittel und damit zum Sozialismus für alle die führen. die die nationale Ehre nicht in der Betätigung der Wirtschaft- lichen Unterdrückung und politischen Enttcchtung der Massen durch den Klüngel Wohlhabender und ihrer Handlanger, sondern in der Betätigung des Saycs erblicken: MeS durch das Volk für das Volk. Geglückter Kindesraub. Das völlige Versagen der Machtmittel deS fächfichen Staates gegen von reichen Leuten verübten Kindesraub illustrierte folgender am Dienstag vor dem Reichsgericht verhandelter Strafprozeß. Wegen Kindesraubes ist am 26. April v. I. vom Land» gericht Leipzig der Kutscher Albert Harnisch zu drei Mo- natenGefängniS verurteilt worden. Die übrigen Mitangeklagten kommen jetzt nicht mehr in Bettacht. Die Voruntersuchung richtete sich auch gegen den Verfasser deS sogenannten NawrheilbuchS Platen. Der Wert dieses Buches ist, wenn es einen solchen überhaupt besitzt, sehr geringfügig. Platen ist aber dadurch, daß er durch Reisende im Großbettieb da» Werk zu sehr hohen Preisen auf Abschlagszahlungen verschleißen ließ, ein sehr wohlhabender Mann geworden. DaS Verfahren wegen Kindesraubes gegen ihn ist vorläufig eingestellt. weil er sich im Auslande befindet. Platen hat seine Frau verlassen und ist bemüht gewesen, ihr die Kinder abspenstig zu machen. Schon früher war der Frau Platen ihre Tochter Luise im Rosental aus der Hand gerissen worden, wahrscheinlich auf Veranlassung des Vaters Platen. Als Frau Platen am 11. Februar 1905 vormittags'/->9 Uhr in Begleitung ihrer 1896 geborenen Tochter und ihres Sohnes Alfred durch das Rosental nach der 2. Bürgerschule gehen wollte, kam ihr eine Droschke ent- gegen. Ein Memn sprang heraus, hob das Mädchen in den Wagen und sprang selbst hinein. Der Kutscher fuhr rasch nach Gohlis davon. Drei Männer, die aus dem Gebüsch traten, hinderten Frau Platen an der Verfolgung der Droschke. Der Kutscher war der Angeklagte Harnisch. Dieser gab an. der Angeklagte Lenk habe die Droschke zu einer Fahrt nach Eilenbnrg gemietet und gesagt, er wolle sein Kind miMehmen, das von seiner Frau, von der er gettennt lebe, schlecht behandelt werde; er habe seine Braut bei sich. Um den Krawall, den seine Frau machen werde, solle er sich nicht kümmern. Nach dem Raube sei er nach Eilenburg gefahren, nnd hier seien die Personen ausgestiegen und hätten die Fahrt be- zahlt. Das geraubte Kind ist vor der Ehe geboren, aber von Platen anerkannt, also ehelich. Die Verfügung über die Kinder stand der Mutter zu, weil Platen 1904 auf An- trag seiner Frau wegen Verschwendung entmündigt worden war. Frau Platen hatte den Aufenthalt der Kinder zu bestimmen. Erst 1906 ist die Entmündigung PlatenS aufgehoben worden. Frau Platen wußte lange Zeit nicht, wo ihr Kind fich befand, nnd hat es trotz Klage bei in Amtsgericht Leipzig nicht wiedererlangt. DaS Gericht hat fest- gestellt, daß Harnisch volle Klarheit darüber hatte, um was eS sich handelte, und daß er durch Einschlagen aus die Pferde zum Gelingen deS Raubes das Seine beigetragen hat. In der Revision machte Harnisch geltend, daß normalerweise der Vater den Aufenthaltsort de§ Kindes zu bestimmen habe. Er, der Angeklagte, habe nicht annehme» können, daß eS anders war. Von Eltern kö»ne seiner Ansicht nach Kindcrraub überhaupt nicht begangen werden.— DaS Reichsgericht erkannte auf Verwerfung der Revision. Danach ist— ob unter der zutreffenden Annahme, es habe den wahren Sachverhalt gekannt, bleibe dahingestellt— ein Werkzeug des KindesräuberS bestraft, der Entführer selbst hat es durch seinen Reichtum zuwege gebracht, dem sächsischen Staat mit dein geraubten Kinde zu entfliehen und die Versuche vereitelt, ihn oder das Kind nach Deutschland zurückzubringen. Wäre dasselbe Ergebnis möglich gewesen, wenn die sächsische Polizei sich nur mit Strafsachen, nicht z. B. mit Vereins- und WaHlsachen zu beschäftigen hätte?_ Ternrifcbtes» Großfener brach nach der„Franks. Ztg." vorgestern in dem Güterschuppen auf dem Oslbahnhof in Frankfurt a. M. aus. Die an den Platz angrenzenden Häuserreihen waren stark bedroht. Die Flammen schlugen hoch auf. es entwickelte sich eine große Hitze. Ehe die Hausbewohner die Fenster schließen konnten, waren leptere teil- weise durch die Glut zerstört. Die Feuerwehr fand große Arbeit und hatte mehrere Stunden mit der Brandlöschung zu tun. Wie das Feuer entstanden, konnte noch nicht festgestellt werden, der Schaden ist ziemlich bedeutend. Die Kosten deS Wiederaufbaues. Nach dem Bericht der Kom- Mission deS Hamburger Senats und der Bürgerschaft für den Wieder- anfbau der großen St. Michaelskirche schließt der Kostenanschlag für die Wiederherstellung der durch den Brand vom 3. Juli 1906 zer- störten Kirche mit einem Gcsamtbettage von 3 529 000 M. ab. Reue Verkehrsstörungen durch Schnee. Wie die„Schlcsische Zeitung" meldet, herrschte gestern im Ricsengebirge starker Südost- stürm, der große Verwehungen und Verkehrsstörungen hiervorrief. Auf der Knnnmhübler Bahn blieb ein Personenzug im Schnee stecken. Nach einer Meldung der Eisenbahndirektion Breslau hat die Zillertalbahn LandeShut— Albendorf wegen Schneeverwehungen den gesamten Verkehr eingestellt._ Der Untergang des„Larchmont". Nach New Zorker-Meldung wurden von den Passagiere»» des „Larchmont". der vorgestern unweit Block Island mit dem Schoner „Enowleton" zusammenstieß, nur elf gerettet. Das Schiff befand sich nach New Jork unterwegs und die Passagiere lagen im tiefsten Schlafe, als die Kollision erfolgte. Der Stoß war so gewaltig, daß die Passagiere aus den Kojen geworfen wurden. DaL Wasser drang sofort durch die an Backbord befindliche 15 Fuß breite Oeffnung in den Maschinenraum ein, wodurch daS Schiff sofort in Dampf eingehüllt wurde und 20 Fuß ttef auf Grund sank. Der Kapitän erklärt, er habe zuerst die RettungS- boote für die Paffagiere herabgelassen und dann erst für die Mann- schaften. ES herrschte heftiger Sturm und das Thermo ineter stand unter Null. Fünfzig Leichen wurden bisher geborgen. Davon waren sieben auf den Rettungsbooten festgeftoren. JwZgeßimt sind etwa 170 Personen umgekommen. Die Ueberlebenden erklären, daß die Mannschaft nur an die eigene Rettung gedacht habe. Der Kapitän sagt auS, daß der Schoner dirett gegen sein Schiff geschleudert sei, trotzdem alle Lichter brannten und die Nacht sternenklar war. Eine Entschuldigung für ihn ist daS nicht, da nach dem internationalen Sttaßenrecht zur See der Dampfer einem Segler den Weg ftei- zugeben hat. Wie weiter aus New Jork gemeldet wird, tteffen noch immer Fahrzeuge mit Leichen von dem gestrandeten Darnpfer in Block Island ein._ Ein weiterer Schiffszusammrnstoß wird von Fiume gemeldet: Der Lloyddampfer„Helios" stieß bei Jsola mit einem aus Venedig kommenden griechischen Segler zusammen, der letztere sank, von der Bemannung konnten nur drei gerettet werden. Weitere Opfer deS MrereS. DaS Blatt„Rjetsch"(Petersburg) meldet: Vor Einigen Tagen wurden bei einem starken Sturm im Finnischen Meerbusen bei Friedrichsham 160 esthnische und sinnische Fischer aufs Meer hinauSgetrieben. Bisher sind 7 davon als Leichen anS Land geschwemmt worden; man befürchtet, daß auch die übrigen Fischer um- gekommen find. Ein Elsenbahnuufall. In Sagonne sind nach Pariser Mel- dung infolge Entgleisung eines ZugeS zur Beförderung von Berg- werksarbeiiern sechs Personen getötet und vierzehn ver- letzt worden. De« Feuerttde glücklich entgangen. Zu der von uns in gestriger Rununer gebrachten Notiz:»Ein Massengrab", wird uns gemeldet: Die als tot gemeldeten 40 Bergleute wurden nach Löschung deS Brandes der Kohlengrube„Petromarieff" unverletzt in einem Teile des Bergwerks gefunden, wohin die verdorbene Lust nicht dringen konnte. \ Bnefhaftcn der Redaktion. Sie juristische Sprechstunde findet Fried richstr. 1«, Ausgangs, eine Treppe(HandelSstättc Belleallianee, Durchgang auch Lindenstr. tili), wochentäglich von 7'» bis!», Uhr abends statt.(«eoffnei 7 II In. Sonnabends beginnt die«prechstnude nni i> Uhr. Jeder Aufrage ist ein Buchstabe nnd eine Kahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man»n der Sprechstunde vor. C. T. 36. Wenden Sie sich an die Charitö.— P. M. 3ä. Auf Erfordern muß nachgewiesen werden, wenn Zweifel bestehen, daß die Braut Deutsche ist.— P. H. 7. Eine Klage beim Gewerbegericht hätte Aussicht aus Erfolg.— F. W. 43. Ja, machen Sie den Versuch.— L. M. 30. So weit ersichtlich könnten Sie, nicht aber Ihre Ehefrau, aus Herstellung des ehelichen Lebens klagen. Wenn nach Abiaus eines Jahres nach Rechts- lrast eines Urteils die Ehcgemeinschast nicht hergestellt wird, können Sie aus Ehescheidung Nagen.— Oktober. Wenn Sie im September Nachricht vom Verzug der Steuerbehörde gegeben haben, würde eine Reklamation Aussicht aus Erfolg haben.— Z. 4. Der Offenbarungseid steht emcr ferneren Zwangsvollstreckung keineswegs entgegen.— M.<2>. und Pfeiffer. Der Bettcffende soll sich an den Vorstand seiner Oraani- sation wenden.— L. F. 43. Ihr Schwager ist im Recht.— O. Nein. — A. 136. Die Kostenrechnung müssen Sie bezahlen. Ihre Annahme, daß sich die Höhe der Kosten nach der Zahl der Termine richtet, ist irrig. — R. 700. Die Kinder der Mutter, gleichviel ob sie ehelich oder unehelich sind, erben zu gleichen Teilen. Können Sie sich nicht in Güte einigen, so mögen Sie sich an das Gericht wenden. Dadurch entstehen aber erhebliche Kosten.— Meto 167. Der Verttag gilt weiter.— F. X. 39. Gc- sängnissttase ist möglich, aber auch Freisprechung. Es ist Ihnen zu raten. einen Verteidiger zu bestellen.— A. Z. 99. Wenden Sie sich an eine» praktischen Arzt.— A. P. 30. 1. und 2. Ja.§ 1568 Bürgerlichen Gesetzbuchs. 3. Ja. 4 Das ist möglich.— Rudolf 600. Wenden Sie sich direkt an die Amcrikalinie.— A. R. 45. Zu beliebiger Höhe: Sie können mehrere Sparkassenbücher haben.— G. 13. 24 M. monatlich.— H. L. 87. Die Reklamation hätte schon erfolgen müssen. Reichen Sie sie nachträglich der Ersatziommission schriftlich ein.— G. 18. 1. Ja. 2. Ja. 3. Dazu find leider bestimmte Gründe nicht erforderlich. 4. Leider nein M. T. 33. Eine Klage auf Schadenersatz nnd Rückzahlung wäre nicht ohne Aussicht aus Erfolg. Wie lange ein Prozeß sich hinziehen wird, ist nicht im voraus zu zahle».— Anna 33. Ja.— R. 3. 777. Dem von Ihrer Frau in die Ehe gebrachten außerehelichen Kind, dessen Vater Sie nicht sind, können Sie unter Zustimmung des Vormundes und der Ehe- frau durch Protokoll beim Standesbeamten oder durch eine notariell oder gerichtlich zu beglaubigende Erklärung, die dem Standesbeamten zu über- reichen ist, ihren Namen erteilen. Ein Beispiel für solche Erklärung finden Sie Seite 221 Nr. 12 des dem„Arbetterrecht" beigefügten Führers. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken auS. — M. 43. Der Frau steht dieses Recht zu.— W. R. 60. 1. Ihren Schwiegervater beerbt Ihr Halbschwagcr nicht. Die Enkelin war Erbin ihrer Großmutter. Ob ein aroßmütterlicher Nachlaß vorhanden ist, ergibt Ihr Schreiben nicht. Der Nachlaß würde aus den Halbschwngcr übergehen, wenn das Kind nach dem Tode feiner Großmutter gestorben ist. 2. Ja, die Erben könnten gerichtliche Erbteilung oder Subhastation zwecks Teilung beim Gericht beantragen.— W. F. 11. Wenn Ihre Tochter die bcttcffcndcn Gegenstände zerschlagen hat, so ist sie auch zum Ersatz verpflichtet.— •6. Sch. 1881. 1. Nein. 2. Offcnbachcr Frauentasse, Prinzen- straße 66 bei Hinz. 3. Nein.— H. M. 100. Wenn in letzter Instanz angenommen wird, daß die Erlverbsunsähigteit beseitigt sei, ja. — A. 3. 400. Die Lcihanstalt hat Ihnen die Sachen zurückzugeben, eventuell haben Sie zu klagen. In erster Linie ist eS ratsam, sich an die StaatSanwaltschasl zu wenden.— K. 3. 31. Aus jeden Unsinn eine» Attikel zu bringen, ist unmöglich. Die erache selbst ist vor länger als einen, halben Jahre im„Vorwärts" aussührllch behandelt.— I. M. 666. Tie Sasse ist nicht zur Zahlung und Unterstützung, sondern zur Zurückzahlung der imüinlich erhobenen Beträge verpflichtet.—®. T. 35. 1. Das hängt vom Ermessen des Richters ab, wahrscheinlich nichts. 2. Ja.— K. H. 100. 1. Leider ja. 2. Ja. auf die Dauer von sechs Wochen, aber nicht über den Ablaus der Dienstzeit hinaus. 3. Eine solche Anstalt ist uns leider nicht bekannt. — 3 N. Leider nciir— 21. 3. 7. EL kann Bcleidiguna, aber auch Not- zuchtsversuch angenommen werden: je nach der tatsächlichen Feststellung kann aus Geld- oder aus Gefängnis- oder aus Juchthausslrasc erkamit werden.— M. 31. Uns nicht bekannt. Wenden Sie sich an das Land- wirtschastsminislcriuni.— Rümmer 70. Jntendantursetretäre beziehen ein Gehalt von IllöV bis 4350 M. Wegen des wetteren wenden Sie sich mit einer Anfrage direkt an eine Intendantur.—<5. M. 137. Da« Reisczeugnis der Oberrealschnle berechttgt, abgesehen vom Studium, zum Eintritt in den höheren Post- und Tclegraphendienst und in die Offizier- lausbahn.— Alter Abonnent 100. Verlangen Sie ein Verzeichnis aus der Buchhandlung Vorwärts, in dem Sie das Gewünichte finden werden. Berliner Marktpreis«. AuS dem anisliche» Bericht der ftädlischcn Markihallen-Diretlion.(Großhandel.) Rindfleisch I» 63—74 pr. 190 Psd., Ita 63- 68, ITla 57-62, IVa 49-55, dän. Bullen 60-65, Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppelländcr 110—125, la 82—90, Ha 72—80, lila 54-68, Holl. 58—62, dän. 60—68. Hammelfleisch la 67—76, IIa 50—65. Schweinefleisch 54—62. Rehwild, Plomb. per Psd. 0.70, 1» 0,00, Rotwild la 0,40—0,45, IIa 0,30—0,38, do. Kälber 0,30—0,45. Damwild 0,40—0,55, do. Kälber 0,40—0,60. Wildschweine 0,40—0,45. Frischlinge 0,50. Hasen, plomb. per Stück 3,30—3,40, do. II 1,25—1,50. Kaninchen per Stück 0,60—1,00. Wildenten per Stück 0,00. Hübner. alte per Stück 1,30—2,10, do. IIa 1,00—1,25, do. junge per stück 0,80—1,30. Tauben per Stück 0,40—0,80, junge kleine 0,00, italienische 1,00. Ente» per Stück 2,00—2,25. Hamburger junge per Stück 3,70. Gänse, Hamburger per Pfund 1,05—1,20, Eis- 0,48—0,63. Hecht« per 100 Psund 80—94, groß O.OO, Nüttel 0,00. Zander 122—137, klein 0,00. Schleie, unsortiert 0,00, groß 81. Bleie matt 44—57. Aale, groß 0,00, Nüttel 0,00, klein und mittel 0,00. Plötzen 43—51, groß 52—53,»Natt 36. Karpsen. 50— 70er 0,00, do. 35— 40er 0,09. Bunte Filche 59, Barse,»natt 56—57, do. 73—75. Karauschen 0,00. Wels 0.00. Quappen 0,00. BIcisische 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila neuer 75. Seelachs 25—80. Sprotten, Kieler, Wall 0,75—1,25, Danziger, Wall 0,00—0,00. Flunder», Kieler, Stiege la 3—4, do. mittel per Kiste 2—3, Hamb. Stiege 4—5, kalbe Kiste 1,50—2. Bücklwge, per Wall Kieler 3,50—5,00, Sttalsunder 0,00. Aale, groß per Psd. 1,10—1,30, mittelgroß 0,80—1,00, ticin 0,50—0,60. Heringe per Schock 5—0. Schellstsche Kiste 5—6, do. Kiste 3,00. Kabliau, p. 100 Psd. 25—30. Heilbutt 0,00, Sardellen, 1902 er per Anker 93, 1904cr 93, 1905cr 90, 1906cr 73—75. Schottische Vollhcring« l305 0,00, largo 40—14, fuU. 30—38, med. 35—42, deutsche 37—41. Heringe, neue MatjeS, per 3/, To. 60—120. Sardinen, ruff.. Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schocksaß 11, kleine 5—6, Riesen- 14. Eier, Land-, per Schock 5,60—5,80. Butter per 100 Pfd. U 114-120, IIa 110-115, Hla 108-112. abfallende 90-100. Saure Gurten Schock 3,50— 4,00, Pseffergurken 3,50—4,00. Kartoffel» per 100 Psd. 0,00, raaenum bonum 2,25—2,50, Dabcrsche 2,25— 2,50, Rosen 0,00, weiße 2,00—2,25, Salatkartofseln 5,00—6,00. Spinat per 100 Psund 25— 10. Karotte» per 100 Psund 10—12. Sellerie, hiesige, per Schock 3,00—7,00, do. pommcrsche 7,00—8,00. Zwiebeln große, per 100 Psd. 3.00— 4,00. do. Keine 3,00--3,50. do. hiesige(Perl-) 0,00. Eharlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 1—2. Kohlrabi per Schock 0,00. Rettig, bahr., per Schock 2,40—4,80. Mohrrüben per 100 Psund 4,00—7,00. Teltower Rüben per 100 Psd. 7—10. Weiße Rüben, große 2 bis 2,50, Nein« 6— 8. Rote Rüben 2,00—2,50. Blumenkohl iial. p. Kops 0,16— 0,45. Kohlrüben per Schock 2—2,50. Wirsingkohl ver schock 3,00. Rotkohl per Schock 3,00. Weißkohl 100 Psd. 2,75-3,00. Rosenkohl per 100 Psd. 25—35. Grünkohl per 100 Psd. 6-7. Schnittlauch 12 Topse 2.00-3,00. Birnen, per 100 Psd. hiesige 0,00, böhm. 8—20, ital. 35—38. Aepsel, per 100 Pfd., hiesige 6—23, Gravensteincr 0,00. Tiroler in Fässern 0,00, Kiste 32— 60, Amerii. 17—30. Zitronen. Messina, 300 Stück 7,00—9,00, 360 Stück 7,00—9,00, 200 Stück 9—13. Apfelsinen, Jaffa, per Kiste 0,00, Mureia 200 er Kiste 7—10, do, 300 er 8—10, Valencia 420 er Kiste 14—20,00, do. 714er 16—21, Messina, 16ter, 11,60—12,00. do. 200er 10. do. 300cr 10— U, Blut- 100er 7-9, do. 150 er 7,50-9,50, do. 80 er 9,00-10. Ital. in Körben per 100 Psd. 10—15. Mandarinen, Kiste 0,75—2,00, do. in Körben per 100 Psd. 25-30. Witternngsüdeestidt vom IS. Februar 1907, morgens 8 ttv», SteNenen Iwwemde Hamburg Berlin S.a-TO. en Bten 1759 Ii I s BeUn 754 SO 749000 752 WSW Ichalb bd. 4 bedeckt 4 wolkig Ovedetfi 2 halb bd. Zvedeckt »K «:» h M K —8 — 4 — 5 0 —5 —9 Stationen £§ II 1 A f S 3 Bf Haparanda! 759$ Petersburg 772 SSO Scillp 758 NNW überdec» Pari» 753 NND 745NNW «euer chSchnee Iwolkenl 9 WS bS. -4I> gw Hä! —-IS a 2 3 «etter-Vrognose für Donnerstag, den 14. Februar 190?. Zunächst etwas wärmer, vorwiegend trübe mtt geringen Niederschläge» und ziemlich frischen südöstlichen Binden; später langsam austlarend und wieder etwas kälter. Berliner Wetterbureau. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, 14. februar. Anfang 7%, Uhr. Kgl. Opernhaus. Der Postillon von Lonjumeau. Die Puppenfee. Kgl. Schauspielhaus. Wallensteins Zod. Deutsches. Benedig. Urania. Schiller- Theater. Wissenschaftliches Theater. 8um 1.Male: Im bunten Rock. 8 Uhr: Die Fenergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr: Dr. B. Donath: Elektromagnetismus. Residenz- Theater. Direttion Richard Merander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Kaufmann von Haben Sie nichts zu verzollen? Leffing. Rosenmontag. Westen. Cousin Bobby. Lorning. Der Waffenschmied. Anfang 8 Uhr. Schiller 0. ( Wallner Theater.) 3m Bunten Rod. Schiller Theater Charlottenburg. Minna von Barnhelm. Schiller N.( Friedrich Wilhelm städtisches Theater). Der Familientag. Romische Oper. Zosca. Berliner. Sherlod Holmes. Neues Schauspielhaus. Herthas Hochzeit. Kleines. Ein idealer Gatte. Nenes. Meißner Porzellan. Residenz. Haben Sie nichts zu berzollen? Lustspielhaus. Hufarenfieber. Bentral. Künstlerblut. Dentfch Amerikanisches. Sorgenbrecher. Thalia. Eine luftige Doppelehe. Luisen. Herr Botter aus Teras. Der Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater)| Schiller- Theater Charlottenburg. Donnerstag, abends8u6r: Donnerstag abends 8Uhr: Minna von Barnhelm. Luftspiel in 3 Aufzügen von Franz Luftspiel in 5 Aufzügen v. Gotthold v. Schönthan u. Freiherrn v. Schlicht. Freitag, abends 8 Uhr: Im bunten Rock. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Kaiserjäger. N. Ephraim Leffing. Freitag, abends 8 Uhr: Jugend. Sonnabend, abends 8 Uhr: Fiesko. Cacaol Das Beste für den Mayen Schiller- Theater Zirkus Schumann Das Lieblingsgetränk aller Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Der Familientag. Schwant in 3 Aften v. M. Hennequin Zirkus Busch. und Pierre Beber. Robert de Trivelin: Nich. Alegander. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Schlafwagen- Kontrolleur. DERNHARD ROSE THEATED ( Sr. Frantjurteritr. 132. Anf. 8 Uhr. Zum 1. Male: Sherlock Holmes. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinders vorstellung: Der Rattenfänger von Hameln. Metropol- Theater Abends 8 Uhr: Anfang 7, Uhr. Um 8, Uhr: Fortsehung der Engi. Box- Kämpfe. Als drittes Baar( Schwergewicht) Noschack, Lewis, Berlin, gegen Amerika. Manello Marnitz- Truppe Akrobaten. The Novellos ( Indien in Europa). Herr Foottit, Schulreiter, usw. Um 9 Uhr: ROM. Voranzeige! Demnächst: Große internationale Ringkampf- Sonder- Konkurrenz. Heute abend präzise 7%, Uhr: Elite- Abend. Gala- Programm und nur furzes Gastspiel. Die größte u. fchönste aller existierenden Gruppen Mr. Richard Sawades einzig dastehende, wunderbar dreffierte Raubtier- Gruppe, gemischte bestehend aus Königstigern, Löwen, Eisbären, Kragenbären usw., alles wirkliche Pracht- Exemplare. Ferner die großartigen Februar Spezialitäten. Um 9 Uhr zum 56. Male: Das größte und sehenswerteste Manegenschaustüd St. Hubertus. W. Noacks Theater. Der Teufel lacht dazu Stadt- Theater Moabit W. Noacks Theater. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Alt- Moabit 47/49. PG Gastspiel Bernhard Rofe. Sherlod Holmes. Viktor Hollaender. Dirigent Max Bernhard Rose- Theater. Trianon. Frl. Josette meine Frau. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Herrnfeld. Ein verrücktes Hotel. Wintergarten. Sabaret. Spezia litäten. Apollo. Die schöne Beftalin. Spe gialitäten. Rafino. Ledige Leute. Spezialität, Folies Caprice. Im Café Abelles. Ein Klabriasprozeß. Lotte Sebu. Paffage. Mal was anderes. Spe gialitäten. Prater Theater. Erlenhof. Die Elfe vom Figaro. Hochzeitsnacht. Sein Jdeal. Ratastrophe. Unterm Bett. Chi cagoer Landwirt.( Anf. 8%, Uhr.) Walhalla. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Hrania. Taubenstraße 18/49. Abends 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr: Dr. B. Donath: Elettromagnetismus. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Anfang 8 Uhr. Sherlock Holmes Freitag: Sherlod Holmes. Sonnab.: Der Hund von Baskerville. Roth. von In Szene gesetzt Direktor Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender. Giampietro. Josephi. Rauchen überall gestattet.. Sonntag, 17. Februar, nchm. 3 Uhr: Auf in's Metropol. Opollo Theater 10 Uhr! Täglich: 10 Uhr! Nach 12jähr. Zenfurverbot freigegeben: Ausgewiesen. Drama in 4 Aften von C. Böttcher. Anf. 8 Uhr. Billettvorverkauf bei Krüger& OberStaffeneröffnung 7 Uhr. beck, Surm- u. Beuſſelſtraßen- Ede, ſowie im Reſtaurant d. Stadt- heaters. Passage- Theater. Heute Donnerstag, 14. Februar, zum 10. Male: Bernhard Mörbitz, Mal was Anderes! Charakter- Komifer. Außerdem: Die Attraktionen des großen Spezialität.- Programms. Borher: Die schöne Veftalin. Operette von Viktor Holländer. WINGCARTEN 65 Saharet letzte Woche. Theater des Westens Otto Reutter Station Zoolog. Garten, Kantstr. 12. Durchschlagender Operetten Erfolg! Allabendlich 72 Uhr: Gastspiel Fritz Berner Coufin Bobby. Neues Schauspielhaus Donnerstag, den 14. Februar 1907: Herthas Hochzeit. Morgen: Weh' dem, der lügt. Anfang 8 Uhr Neues Theater. Anfang 8 Uhr. und das Bosse von Leop. Ely. Josefine Dora, Georg Kaiser, Martin Bendix, Ernst Kettner. Ferner: Die glänzenden Februar- Spezialitäten. ValhallaWa Varieté- Theater Direftion: Rob. Dill. Britmenftr. 16, Große Extra- Benefiz- Vorstellung für den ersten Liebhaber A. Stünkel: Im Haufe der Sünde. Sittengemälde in 4 Aften. Anf. 8 Uhr. Entree 30 Pf. Ball. Freitag: Eine Familie. Prater- Theater Staftanien Allee 7-9. Abends 8 Uhr: Kinder! Das Frühstücksgetränk jeder Familie! Das Getränk für Alle! Wer nur 4 Wochen lang regelmäßig zum ersten Frühstück Cacaol trinkt, wird den unvergleichlichen Erfolg in seinem Kinder Wohlbefinden merken. sollen Cacaol früh und nachmittags trinken, es gibt kein gesünderes und bekömmlicheres Getränk als Cacaol. Wer appetitlos ist und zu Abmagenleidend, darmkrank, magerung neigt, trinke dreimal täglich Cacaol, ebenso wer nervös nnd durch geistige Arbeit etc. überanstrengt ist. Cacaol stärkt als natürliches( nicht künstliches) 3934L* Kräftigungsmittel die Nerven und wirkt beruhigend. Alleiniger Fabrikant: Wilh. Pramann, RadebeulDresden. Man verlange aufklärende Proärztliche spekte, Broschüren, Gutachten und 1 Probepaket für M. 1.- oder M. 0,50 bei: Haupt- Niederlage: Otto Kretzschmar, Rosenthalerstr.6/ 7 Alleiniger Fabrikant: Wilh. Pramann, Radebeul Dresden. Generalvertreter: Max Henneking, Die Else vom Erlenhof. 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Borverlauf 10-2 Uhr an der Theaterkaffe und bei Wertheim. Kasino- Theater Lothringerstr. 37. Zäglich 8 Uhr. Meißner Porzellan verrücktes Hotel Ledige Lente. Morgen und folgende Tage: Meißner Porzellan. Kleines Theater. Anfang 8 Uhr. Ein idealer Gatte. Freitag: Eine triviale Komödie für feriöse Leute.( Bunbury.) Sonnabend zum 166. Male: Ein idealer Gatte. mit dem Borspiel: ,, Hayfisch geht zur Jagd" Komödie in 3 Aften von Anton u. Donat Herrnfeld Borvert. 11-2 Uhr( Theaterkasse) Sonntag, den 17. Februar. nachmittags 3, Uhr b. halben Kassenpreisen: Endlich allein. Fall Blumentopf. Lortzing- Theater Deutsch- Amerikanisches Theater. Bellealliancestr. 7/8. Donnerstag, Uhr: Jeden Abend 8 Uhr: Der große Lacherfolg! Der Waffenschmied. Der Sorgenbrecher. Abonnements gültig! Morgen: Der Mikado. Lustspielhaus. Zäglich abends 8 Uhr: Husarenfieber. Zentral- Theater. ( Operette.) Anfang 8 Uhr. Künstlerblut. Freitag( halbe Preise): Rastelbinder. Luisen- Theater Reichenbergerfir. 84. Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Preise: Ueber'n großen Teich. Palast- Theater. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Sonnabend, 16. februar, abends 8 Uhr: der Stomödie in 3 aften v. Felig Dörmann. Borber das vollständig neue erftflaffige bunte Februarprogramm. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Dolosseum Colo Dresdenerstraße 97. Täglich: Großer Hafenheibe 108-114. Täglich: Münchener Bockbierfest. Muckl's neueste Schlager Elite Tiroler Meistersinger. Lina vom Heede Jodlerkönigin Originellster Bock= jubel Berlins. Anf. tägl. 7 Uhr. Entree 30 Pl. Gustav Behrens Theater, Berlin O., Frankfurter Allee 85. Das einzig daftehende Bockbier- Jubel. Elite Februar- Programm. Musik! Gefang! Humor! Wiederbeginn C SpezialitätenHerr Potter aus Texas. Vorstellungen Anfang 8 Uhr. Freitag: Benefiz für Herrn Hüner. Baskerville. mit einem 24 Nummern. Allerlei leberraschungen. Anfang 7, Uhr. Sonntags 4%, Uhr. Freie Volksbühne Sonntag, den 17. Febrnar cr., nachmittags 8 Uhr: Neues Schauspielhaus. 6./7. Abteilung: Berliner Theater. 17./18. Abteilung: Weh' dem, der lügt. Die Häuser des Herrn Sartorius. Mozartkonzert im Mozartsaal Sonnabend, den 16. Februar, abends 8%, Uhr. Anfang der Billettverlosung 7 Uhr. im Rathause 22. Kunstabend Sonnabend, den 2. März, 8%, Uhr, Dr. Leopold Hirschberg über: Gluck, mit pianistischen u. gesanglichen Erläuterungen. 228/8 Der Vorstand. I. Vertr.: G. Winkler. 0000 Wilh. Krahé, SO., Wrangelstr. 81. Otto Borchardt, O., Mühlenstr. 1. Otto Werk, SO., Lübbenerstr. 1. Herm. Timm, SO., Manteuffelstr. 106. C. E. Fink, N., Pankstr. 3 c. Franz Klawe& Co., N., Weinbergsweg 8. NW., Waldstr. 11. Rudolf Fink, NW., Turmstr. 10. Berthold Krüger, NW., Turmstr. 74. F. Wiesner, NW., Lessingstr. 8. Otto Odebrecht, N., Prinzen- Allee 38, Gustav Bahn, N., Müllerstr. 165. Paul Krahé, NO, Palisadenstr. 88. A. Klose, NO., Strausbergerstr. 29. W. Dilling, NO., Rykestr. 8. Alex Bischoff, NO., Friedrichsbergerstr. 2. Otto Pritzkow. Münzstr. 16, Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Sozialdemokratisch. Wahlverein für den 2. Berliner Reichstagswahlkreis. Berichtigung. Die Beerdigung unseres Mitgliedes Richard Keller findet heute Donnerstag nachmittags 4%, Uhr, von der Leichenhalle des neuen JakobiKirchhofes, Hermannstraße, aus ftatt. 238/13 Um zahlreiche Beteiligung erDer Vorstand. sucht Verein der Droschkenführer Berlins und Umgegend Mitgliedschaft IV d. Zentralverbandes der Handels-, Transport-, Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Todes- Anzeige. Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Heinrich Weigt im Alter von 54 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 15. d. M., nachmittags 3, Ugr, vom Charité- Kirchhof, Seeffraße, aus statt. 286/18 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Todes- Anzeige. Nach plötzlichem unerwartetem Tab( Betriebsunfall) verschied am 9. b. M. mein guter Mann, Bater, Bruder, Schwager und Dnkel, der Schloffer Heinrich v. Tryller im 46. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Freitag, ben 15. b. M., nachmittags 3 Uhr, vom Schauhauſe, Hannoversche 14535 straße, aus ftatt. Danksagung. Für die vielen Beweise der Teil nahme sowie die zahlreichen Stranz Spenden bei der Beerdigung meines geliebten Mannes, des Steinfegers Hermann Schubert fagen wir allen, besonders seinen Kollegen fotoie den Genoffen des 564. Bezirks unseren innigsten Dant. Witwe Marie Schubert und Sohn. Danksagung. Für die liebevollen Beweise aufrichtiger Teilnahme und die schönen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben, unvergeßlichen Mannes, meines lieben Baters Otto Lehmann fagen wir den Kollegen und Kolleginnen der Firma Lorenz und den Berbands- und Vereinsfollegen 1445b unseren wärmsten Dant. Klara Lehmann und Sohn, Brizerstraße 42. Danksagung. Für die liebevollen Beweise aufrichtigster Teilnahme und die vielen Kranzipenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes 14475 Hermann Küster lage ich allen Berwandten, Freunden, Kollegen und Genossen meinen innigften Dank. Witwe Küster geb. Hoffmann. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, 3/5 Spezinlarzt für Hant. and Harnleiden. 10-2.5-7 Sonntage 10-12, 2-4 Bahnärztliche Klinik Belleallianceftr. 106 Theater lebender Bahnziehen unentgelt!. Photographien. Bei fünftlich. Zähnen, spez. Kronen u. Auf Wunsch Vorführung Brüden- Blomben zc, werden nur die in Vereinen jederzeit. Auslagen berechnet. 39262* Verbindung mit größter Films- Geöffnet 9-6, Sonntags 9-12 Uhr. Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. Wie ein Pfarrer Sozialdemokrat wurde. Von Paul Göhre. Preis 10 Pf. Buchhandlung Vorwärts Berlin SW., Lindenstr. 69. Maskenanzüge verleiht Quanter, Charlottenburg, Wallstr. 35. ORIGINAL SINGER Zahn- Klinik, G. Anders Frankfurter Allee 153 Sprechz. 2-8, Sonnt. 9-1. 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KcilU des Joniitf Kttlmr WksbIM Dollnerstag, 14. Februar 1907. Serickts- Leitung. Ei» gerichtliches Rachspiel zum Streik in den SiemenSwerlen. Anläßlich des letzten Streiks in den Berliner Werken der Firmen Giemen s— H alske und Siemen s— S chuckert machte die dort gegründete.gelbe Gewerkschaft" viel von sich reden. Mit allen Mitteln der Ueberredung und des wirtschaftlichen Druckes wurden die Arbeiter und Arbeiterinnen der Werke durch die Meister und sonstige Beauftragte der Direktion veranlaßt, sich der sogenannten .5lrankenunterstützungskasse" der Firma anzuschließen und da- durch Mitglied der.Organisation der Unorganisierten" zu werden. Vorbedingung zur Aufnahme in den gelben Verein war die unter- schriftliche Erklärung, daß das Mitglied.keiner Organisvtion an- gehören dürfe, die auch in außerhalb der Firma stehenden Betrieben beschäftigte Arbeiter umfaßt, auch keine diese Organisationen in irgend einer Form unterstützt." sln erster Linie sollte damit erreicht werden, daß sich diese Arbeiter nicht mit den Streikenden solidarisch erklärten oder gar selbst an dem Streik beteiligten. Da es den Meistern usw. gelungen war, jener gelben Vereinigung einen nicht unerheblichen Teil der Arbeiter zuzuführen, so gab der Metallarbeiterverband im Oktober v. I. ein Flugblatt heraus, betttelt:«Ein Mahnwort an die Arbeiter und Arbeite- rinnen der Siemens-Schuckert-Werke." Durch den Inhalt derselben fühlte sich nun besonders der Vorsitzende der„Ärankenunterstützungs- lasse" alias„gelben Gewerkschaft', der Mechaniker Richard Mucks zu Wilhelmsruh bei Spandau. Uhland- straße ll, schwer beleidigt. Er stellte Strafanttag und. die Staalsanwaltschaft leitete ein Verfahren ein. Hierbei ergab sich jedoch, daß der erste Bevollmächtigte des Metallarbeiterverbandes, Adolf Cohen, besten Name als„Verantwortlicher" unter dem Flugblatt stand, weder der Verfasser des Flugblattes war, noch an dem Zustandekommen desselben Anteil genommen hatte. Die Staatsanwalischaft setzte daher den mitunterzeichneten Buchdruckereibesitzer C. Faniszewski in Anklage- zustand. Ihm wurde zur Last gelegt, aus Fahrlässigkeit durch das in seiner Druckerei hergestellte und zur Veroreitung gelangte Flug- blatt die Mitglieder der„Krankenunterstützungstaste" und Haupt. sächlich deren genannten Borsitzenden beleidigt, ferner„diese durch Ehrverletzung zu bestimmer. versucht haben, an Verabredungen und Vereinigungen zum Behufe der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen teilzunehmen und ihnen Folge zu leisten." (VerAehen gegen das Preßzesetz, gegen§ 185 deS Strafgesetzbuchs und gegen � 153 der Gewerbeordnung.) In der mündlichen Verhandlung, die gestern vor der siebenten Strafkammer des Landgerichts l stattfand, wurde zunächst der be- leidigte Mechaniker Mucks, Vorsitzender der„Gelben" vernommen. Der Zeuge wandte sich ritt einem großen Aufgebot sittlicher Ent- rüstung dagegen, daß i» dem Flugblatt mit Bezug auf„seinen" Berein als von einer Streikbrechervereinigung gesprochen war. Als Streikbrecher könne man doch nur jemand bezeichnen, der einer Organisation angehöre und dann den Streik nicht mitmache. Seine Leute seien jedoch gar nicht»rgamsiert; sie bildeten ja im Gegenteil eine Vereinigung der Unorganisierten, wollten also auch mit Streiks schon an sich nichts zu tun qaben und müßten demzufolge auch den Aus- druck Streikbrecher als eine Beleidigung empfinden. Der zweite Zeuxe, Faktor Königs in der Druckerei des Angeklagten, bekundite, daß Janiszewski die zum Druck gegebenen Sachen meistens gor nicht zu sehen bekomme. Dies ginge alles durch seine Hand. Der Metallarbeiterverband bestelle allwöchentlich eine riesige Zahl v»n Drucksachen, und es sei seit 13 Jahren noch nie eine Beanstandung erfolgt. Wie Cohens Name auf das Flug- blatt gekommen sei, könne er mit Bestimmtheit nicht sagen. Es sei möglich, daß er chn einfach hinaufgesetzt habe, denn wenn bei den vom Metallarbeiter-Verband aufgegebenen Drucksachen kein Ver- antwortlicher bmannt sei, so setze er regelmäßig Cohens Namen darauf, weil er wisse, daß Cohen der erste Bevollmächtigte des Ver- bandeS ist. Der Staatsanwalt plädierte für n a ch d r ü ck l i ch e B e- straf un g. Ks sei unwahrscheinlich, daß der Angeklagte als über- zeugter Sozialdemokrat von diesem Flugblatt lerne Kenntnis genommen habe. Hier sei jemand als Verantwortlicher genannt worden,' der an der Herstellung des Flugblatts nicht beteiligt war. Offenbar sei es daraus angelegt gewesen, die Person des Verfassers zu verschleiern. Aber selbst wenn der Angeklagte nur fahrlässig ge- handelt habe, sei er strafbar, denn es bestände für ihn die Ver- pflichtung, sich darum zu kümmern, wen er als rechtlich Verantwort- lichen für eine derartige Druckschrift benennen müsse. Da er dies aber unterlassen habe, so hafte er jetzt für den Inhalt des Flug- blattes.. Es beantragte der Staatsanwalt eine Gefängnis- strafe von drei Monaten. Rechtsanwalt Dr. H e i n e m a n n als Verteidiger deS An- geklagten wandte demgegenüber ein. daß von einer Verschleierung gar keine Rede sein könne, denn der Zeuge Königs habe mit der Benennung eines Verantwortlichen etwas ganz überflüssiges ge- tan. Es handle sich hier um eine nicht periodisch erscheinende Drückschrift, und da sei nach§ 7 des Preßgesetzes die Angabe und Zeichnung eines Verantwortlichen überhaupt nicht erforderlich. Im übrigen komme es aber lediglich dar- auf an, ob Janiszewski Grund zu der Annahme haben mußte, daß die ihm vom Metallarbeiterverband zur Herstellung übermittelten Druckarbeiten etwa einen strafbaren Inhalt haben könnten. Der Nachweis, daß er zu einer solchen Annahme keine Ur- fache hatte, sei aber schon dadurch erbracht, daß bisher noch nie etwas vom Metallarbeiter-Verbande in Druck Gegebenes beanstandet worden ist. Wenn man aber trotzdem den Angeklagten haftbar machen wolle, so komme doch in Betracht, daß die Druckschrift gar nicht strafbar sei. weil sie in der Notwehr verfaßt wurde. E s könne der Beweis dafür angetreten werden, daß von Meistern und sonstigen Beauftragten aus den Siemenswerken, zu denen auch der Zeuge Mucks gehöre, im Einverständnis mit der Direk- tion rn geradezu erpresserischer Art auf die Ar- beiter und Arbeiterinnen der Firma eingewirkt worden ist. um sie zum Austritt aus ihrer bis herigen Organisation zu veranlassen und zum Eintritt in den sogenannten gelben Verein zu bewegen. Den Widerstrebenden sei sogar angedroht worden, sie könnten leicht ihre Arbeit bei der Firma verlieren, wenn sie sich nicht in die bewußte Krankcnunterstützungskasse aufnehmen ließen. In dieser Beziehung schweben eine Reihe von Strafanzeigen gegen Meister der Firma. worüber sich das Gericht eventuell durch Adhibierung der Akten in- formieren könne. Wo m solcher Weise von Angestellten der Firma und von Leitern der gelben Gewerkschaft gearbeitet worden sei, da müsse auch eine entsprechende Abwehr als in Wahrnehmung berechtigter Interessen liegend angesehen werden.. Ohne auf den letzten Eventualantrag des Verteidigers näher einzugehen, schloß sich das Gericht dessen sonstigen Aus- führungen an und erkannte nach kurzer Beratung auf Frei- s p r e ch u n g._ Wiederaufnahmeverfahren im Prozeß Gchlsen. Gestern begann ein Wiederaufnahmeverfahren in den: Prozeß deS wegen vermeintlicher Erpressung zu 18 Monaten Gefängnis verurteilten Schriftstellers Gehlsen vor der 2. Strafkammer des Landgerichts II. Es sind 25 Zeugen geladen u. a. der frühere Bank- direkter Romeick, der ftühere Rechtsanwalt Hartwig und Professor Moritz Meyer. Es handelt sich um Vorgänge aus den Jahren 1833 bis 18g«. In jenen Jahren richtete G. in der von ihm herausgegebenen„Charlottenb. Stadtlaterne" heftige Angriffe gegen den Charlottenburger Kreditverein und die Jmmobilienverkehrsbank so wie gegen verschiedene andere Finanzinstitute und Mitglieder der ttauts tlnanes. Diese Preßangriffe hatten seinerzeit eine Anklage wegen Beleidigung, versuchten Betruges und bor allen Dingen wegen Erpressung zur Folge. Wegen der ersteren Delikte wurde Gehlsen freigesprochen, dagegen wurde er am 22. Dezember 1809 wegen Erpressung in zwei Fällen zu 1'/, Jahren Gefängnis und dreijährigem Ehrverlust verurteilt. Gehlsen hat diese Strafe verbüßt. Bald nachdem das Reichsgericht seine Revision verworfen halte, begann Gehlsen mit großem Eifer das Wiederaufnahmeverfahren zu betreiben, welches schließlich nach jahrelangem Kampfe von Erfolg begleitet war, da das Kammergericht die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Voriustanz zurückverwies.— In der gestrigen Verhandlung gibt der Angeklagte bei seiner Vernehmung an, im Jahre 1841 in Tönning(Schleswig) geboren zu sein. Er ist mehrfach ivegen Beleidigung durch die Presse mir Geldstrafen belegt, u. a. aber auch wegen Bismarckbelcidigung und Be- leidigung des Stadtgerichtsrats Reich im Jahre 1877 zu 4 Jahren und 5 Monaten Gefängnis in oontumaoiam verurteilt. Gehlsen war seinerzeit nach London geflüchtet und hat diese Strafe nicht verbüßt. Bei seiner Vernehmung über die Sache selbst gibt Gehlsen an, er habe im Jahre 1897 in Charlottenburg das„Charlottenburger Wochenblatt" und die„Charlottenburger Stadl- laterne" begründet. In den Spalten dieser beiden Zeitschristen habe er von Anfang an den Kampf gegen die Hypothekenbanken und die in der Charlottenburger Stadtverwaltung eingerissene Korruption geführt. Die Idee der Gründung dieser Blätter sei von dem Wein- Händler Felke ausgegangen. Die ersten Mittel in Höhe von 1299 M. wären von verschiedenen Freunden des F. aufgebracht worden, die das Wochenblatt in erster Linie zu Wahlagitations- zwecken zu benutzen gedachten. Außer 399 M. bar zu Anfang habe F. ihm noch verschiedene kleinere Summen zum Teil darlehnsweise gegeben. Im August 1898 habe er(Gehlsen) das erste Mal einen Artikel veröffentlicht, der sich gegen den Charlotten- burger Kreditverein richtete. Das Material hierzu sei ihm im Theater des Westens von verschiedenen Charlottenburger Bekannte» niitgeteilt worden. So habe man ihm erzählt, der Kreditverein„mache", um eine Ünterbilanz zu verdecken, schon lange in faulen Wechseln, die schon den Bettag von 2 799 999 Mark erreicht haben sollten. Der Angeklagte gibt hierzu an, daß er lediglich um eine Warnung an die Charlottenburger Kleinkapitalisten vor dem Kreditverein zu richten, diesen Angriff gegen den Kreditverein vom Stapel gelassen.— ES wird hierauf jener Artikel vom 13. August 1398 verlesen.— Die Anklage behauptet, daß Gehlsen diesen Artikel nur veröffentlicht habe, um von dem Kredit- verein eine größere Summe zu erlangen. ES wird weiter be- h a u p t e t. daß der Angeklagte die ferneren Artikel vor ihrer Veröffentlichung im Bürstenabzuge den Direktoren und Aufsichtsratsmitgliedern des Kreditvereins zugesandt und diese dadurch so mürbe gemacht habe, daß sie sich ihre Ruhe durch Zahlung einer größeren Geldsumme erkausten.— Der Angeklagte er- klärt hierzu, daß ihm jede Erlangung von Geld seitens des Kredit- Vereins völlig ferngelegen habe. Kurz bevor der zweite Artikel er- schien, sei der inzwischen verstorbene Stadttat Stegemann bei ihm geivesen, der Mitglied des Aussichtsrats des Vereins gewesen war, und habe ihn gebeten, den Artikel zu unterdrücken gegen Erstattung der Unkosten. Er(Gehlsen) habe hierin einen Bestechungsversuch erblickt und den Artikel erscheinen lassen. Zwei Tage später sei der Buchhändler Michow bei ihm gewesen und habe ihm die zur Verfügung gestellt. Er habe vorgebildeten Herrn, den Buch- früheren Mitangeklagten GehlsenS, worden war— mit der Durchsicht der Bücher betraut. Das Gutachten deS Krause habe ihn jedoch nicht davon überzeugen können, daß es mit dem Kreditverein nicht tat- sächlich faul stehe. Er habe darauf einen neuen Artikel veröffentlicht, worauf der Syndikus deL Vereins, der Rechtsanwalt H e r t w i g, Führer der Antisemiten, bei ihm erschienen sei und ihn überredet habe, eine Erklärung zugunsten des Vereins zu veröffentlichen. Irgend welche Bezahlung habe er(Gehlsen) nicht dafür erhalten, auch bestreite er ganz energisch die Behauptung der Anklage, er habe vor Erscheinen der Artikel dem Kreditverein Bürstenabzüge indirekt zustellen lassen. Ueber den Ausgang der Verhandlungen, der vor Freitag nicht zu erwarten ist, werden wir berichten. Bücher des Kreditvereins dann einen kaufmännisch Halter Krause— den der seinerzeit fteigesprochen Schadenersatzanspruch gegen eine Universitätsklinik. Gegen die königliche Universitätsklinik zu Breslau leitet ein gewisser L. aus einem Unfall Schadenersatzansprüche her. Kläger wurde mit 29 Jahren zwecks einer Gehirnoperation gegen Erstattung der Kosten in die Älinik aufgenommen und fiel am Tage nach der Operation aus dem Bett. Infolgedessen tratenLähmungserscheinungen in der linken Seite auf, welche ihn erwerbsunfähig machten. In der nun gegen die Klinik geltend gemachten Schadenersatzklage fordert er von dem preußischen Fiskus als Unterhalter der Klinik Schadloshaltung für die ihm durch den besagten Unfall entstandenen Nachteile. Er macht besonders geltend, daß zu wenig Wärterpersonal vorhanden gewesen sei und auch den Anstaltsleiter wie die Wärter ein Verschulden treffe, weil sie nicht nach der schweren O eration Fürsorge getroffen hatten, daß das Bett umstellt oder verwahrt wurde. Das Landgericht Breslau nimmt an, daß allerdings ein privatrechtlicher Bertrag zwischen Kläger und der Klinik vorgelegen habe, wie auch der Fall des Klägers durch ein Verschulden der Anstalt entstanden sei. Es kommt jedoch zur Abweisung der Klage, da nach einem Sachverständigengutachten die nach der Operation eingetretenen Lähmungserscheinungen nicht auf den Sturz, sondern auf die Operation selbst zurückgeführt werden müßten. Auf die Berufung des Klägers verneint das Ober- landesgericht Breslau ein Verschulden der Angestellten, da die drei Wärter des Saales, in dem Kläger lag, nicht jeden Augenblick bei seinem Bette sein konnten. Aber auch ein Ver- schulden der Anstalt liegt nach dem Urteil des Oberlandesgerichts nicht vor, da Wärterpersonal in genügender Anzahl vorhanden ge- wesen sei. Die gegen das oberlandesgerichtliche Urteil eingelegte Revision hatte mit dem Einwände Erfolg, daß die Wärter insofern ein Verschuldet, treffe, als sie das Herausfallen des Kranken aus dem Bett verschwiegen hatten, was insofern kausal mit dem Leiden geworden sein kann, da der Chefarzt der Anstalt später in einem Schreiben bekundete, daß er, wenn er von dem Fall de« Klägers erfahren hätte, sofort den Verband ab-» genommen, die Wunde besichttgt und einen Uebelstand entfernt haben würde. Wegen Nichtbeachtung dieses Beweisantrages wurde das Urteil des Oberlandesgerichts Breslau vom dritten Zivilsenat des Reichsgerichts aufgehoben und die Sache zur weiteren Verhandlung und Entscheidung an das OberlandoSgericht Breslau zurückverwiesen. 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