Nr. 45. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis bränumerando: Bierteljährl. 8,30., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illuftrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Post. Abonnement: 10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Breisliste. Under Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Crideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Geträgt für die sechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 60 Pig., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 fg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Bort 20 Big., jebes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ip bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Zur Charakteriſtik der ,, anitändigen" Preffe. Freitag, den 22. Februar 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. 9r. 1984. und falls diese solchen Inspirationen folgen, sich ihnen gegen bevölkerung, so wird das Blatt konservativ und antisemitisch. über erkenntlich zeigen: Ich finde," meinte er, darin, wenn Manchmal geben auch dieselben Unternehmer, um dem Geschmack es in den Grenzen einer ehrlichen und ordentlichen Leistung desOrtspublikums entgegenzukommen, unter verschiedenen Firmen und Gegenleistung stattfindet, auch nichts Bedenkliches. Blätter verschiedener Tendenz heraus; oder man wechselt, wenn der Auch die schriftstellerische Tätigkeit in ihren verschiedenen politische Geschmack des Publikums sich ändert, die Tendenz Stadien, von der Tagesliteratur bis zur Monatsschrift usw. und läßt, wie z. B. erst jüngst in Gotha, das freisinnige Die Presse ist in dem Entwickelungsstadium, auf beansprucht ein Honorar." Blatt nationalliberal oder konservativ werden. Sind die be welchem sie angelangt ist, der gefährlichste, der wahre Aber die Aufrechterhaltung dieser Beziehungen zur Presse schäftigten Redakteure nach bürgerlichen Begriffen, anFeind des Volkes, ein um so gefährlicherer, als er ber- ist nicht nur von der Diskontogesellschaft gepflegt worden ständig", so vollziehen sie mit dem Tendenzwechsel tappt auftritt. Ihre Lügenhaftigkeit, ihre Verkommenheit, wenngleich diese in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts des Blattes zugleich einen Wechsel ihrer Ueberihre Unfittlichkeit werden von nichts anderem überboten, besonders Beträchtliches auf diesem Gebiete leistetesie ist zeugung und begeistern sich, falls sie bisher für den als vielleicht von ihrer Unwissenheit... Täglich Lügen, allgemeiner Geschäftsgebrauch geworden. So erzählte z. B. freisinnigen Bürgerstolz fochten, fortan für die nationale Lügen in reinen, puren Tatsachen, Tatsachen erfunden, Herr Dr. Müller, Handelsredakteur der Kreuz- Zeitung", Profitpolitik eines Bassermann oder die Scharfmacherei des Tatsachen in ihr Gegenteil entstellt das waren die vor der Börsenenquetekommission folgende Erfahrung: Herrn von Zedlib. Haben aber die Redakteure das Wesen Waffen, mit denen man uns bekämpfte! Und was der der höheren bürgerlichen Anständigkeit noch nicht genügend Schamlosigkeit die Krone aufsetzte, war, daß man sich in begriffen, wie jüngst Herr Walter vom" Gothaischen den allermeisten Fällen weigerte, auch nur eine Be Tageblatt", und weigern sie sich, vom Januar ab das richtigung zu bringen. Es waren die seltensten AusnahmeGegenteil von dem zu behaupten, was sie bis zum 31. Defälle, in denen hin und wieder einmal ein liberales Blatt zember als ihre Ueberzeugung vertreten haben, so werden sie fich dazu entschloß. entlassen. Auswahl ist vorhanden. Mit diesen Worten charakterisierte Lassalle in seiner befannten Rede über„ Die Feste, die Presse und der Frankfurter Abgeordnetentag", die er im September 1863 vor den Versammlungen des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins zu Barmen, Solingen und Düsseldorf hielt, den damaligen Entwickelungsstand der kapitalistischen Presse in Deutschland - damals vor mehr als 40 Jahren, als der deutsche Kapitalismus und das kapitalistische Zeitungswesen noch in den Kinderschuhen steckten. Seitdem hat die kapitalistische Presse Riesenfortschritte gemacht und noch mehr als ihre Ausdehnung stieg ihre Storruption. Sie hat seitdem die Gründerperiode nach dem deutsch- französischen Kriege erlebt; sie hat ihre Fälle Lindau und Hammerstein gehabt, und die Zahl der ihr nachgewiesenen Bestechungen hat sich bis zu den Enthüllungen des Pommernbankprozesses dermaßen vermehrt, daß eine Darstellung aller dieser Fälle einen stattlichen Lexikonband füllen würde. Allein die Spezialgeschichte einzelner Handelsredaktionen liefert ein recht ansehnliches Material zu dem Kapital Finanz und Presse". Hat doch z. B. allein die Bossische Zeitung" ihre beachtenswerten Fälle Ebeling, Schweizer, Dung und Morik Meyer. " Ich bin vor etwa drei Jahren an die Börse gekommen als Vertreter des„ Reichsboten". Sehr bald bekam ich ein eingeschriebenes Kuvert gefchickt mit einigen hundert Mark und der Visitenkarte des Bankiers. Darauf stand:„ Anbei Ihre Be teiligung an der und der Emission". Ich schickte Geld und Visitenkarte sofort zurück. Ich erkundigte mich unter Kollegen, wessen Fürsorge ich es zu verdanken hatte, daß der Bankier meine Vielfach, besonders in großen Städten, erscheint es den Adresse erfahren habe; da fagte mir einer:" Das konnte der Zeitungsunternehmern vorteilhafter, in ihrem Blatt überdumme Mensch auch wissen, daß sie das Geld so nicht haupt keine bestimmte politische Tendenz zu verfolgen. Vielannehmen würden. Es konnte ja jemand dabei sein, während leicht ist die politische Presse schon allzu reichlich vertreten Sie das Kuvert öffneten. So muß es nicht gemacht werden." und hat um sich ein Stammpublikum gesammelt, in das sich Ich will ihm sagen, daß er Ihnen ein Konto eröffnen und Ihnen schwer eindringen läßt, während andererseits ein großes, mitteilen soll, daß er Ihnen so und so viel Aktien zugeteilt hat. nichtpolitisches Geschäftspublikum vorhanden ist, das die Ich sagte:„ Bitte, lassen Sie das, der Fall ist erledigt." Zeitungen lediglich als Reklame- und Unterhaltungsmittel Diese Auskunft flärte mich darüber auf, unter welchen Vor- betrachtet und nicht eine politische Kost vorgesezt haben will, fichtsmaßregeln die sogenannten Breßbeteiligungen an den Mann die an sein Denkvermögen irgend welche Anforderungen stellt. gebracht zu werden pflegen. Um nicht als Denunziant zu ern solchem Fall erscheint es vorteilhafter, sogenannte unscheinen, sah ich im Einverständnis mit meinem Chefredakteur von parteiische Lokal- oder Generalanzeiger herauszugeben. Sie einer Veröffentlichung des bestimmten Falles ab. Das war mun finden, wie die Erfahrung lehrt, bei geschickter Mache großen fein großer Banfier. Später tam aber faum eine größere Emission Absatz. Allerdings politisch unparteiisch sind diese Blätter bor, ohne daß der eine oder der andere von meinen Kollegen zu nicht und fönnen sie nicht sein, denn dann müßten fie vollmir gekommen wäre und mir gesagt hätte; a ben Sie ständig auf alle politischen Nachrichten verzichten. Schon in Saben schon die Beteiligung an der und der Emission? der Auswahl dieser Nachrichten, d. h. in dem, was sie bringen In diesen Tagen gibt die und die Bant ihre und was sie fortlassen, schon in der Form, in der sie ihre Halbjahresgratifitationen an die Preise aus, Notizen veröffentlichen, steckt eine Tendenz. Tatsächlich be - Sie stehen doch auch auf der Liste?" steht die Parteilosigkeit" dieser Blätter nur darin, daß sie ,, Nein, ich vermeide es sogar so viel wie möglich, den Herren nicht konsequent eine bestimmte Politik verfolgen, sondern bekannt zu werden." nur ganz allgemein eine gewisse politische Richtung einhalten. „ Es ist doch gar nichts dabei, es tun ja fast alle, Aber eine politische Richtung haben sie alle; der Scherlsche und es handelt sich jährlich um viele Tausende Berliner 2otal- Anzeiger" 3. B. eine gemäßigtbon Mart; tommen Sie her, ich stelle Sie bor." fonservativ- regierungsfreundliche Richtung, die MorgenDurch solche und andere Mitteilungen von Börsenredakteuren, po st" eine sogenannte freisinnige Richtung, und zwar je für die ich stets auch von anderer Seite glaubwürdige Bestätigung nachdem es für die geschäftlichen Interessen des Blattes vorfand, bin ich allmählich in das ganze System der Bestechungen teilhafter erscheint, das eine Mal mit einem starten mitteleingeweiht worden und finde hierin eines der wirksamsten Mittel ständlerischen, das andere Mal mit einem gewissen arbeiterder Großfinanz, ihre einzelnen Operationen mit Erfolg durch freundlichen Einschlag. zuführen und sich im allgemeinen ein glänzendes Renommee zu " " " 1 Zwar die Diskontogesellschaft existierte schon zu Lassalles Zeit, schon seit 1851. Sie hatte auch 1856 schon ihre Umwandlung von einer einfachen Kreditgesellschaft in eine wirtliche Bank zur Finanzierung industrieller Unternehmungen vollzogen, und David Hansemann hatte bereits 1857 bas Berg- und Hüttenwert Henrichshütte" angekauft; doch die große Periode der Diskontobant als Spekulationsbank und damit ihre enge Verbindung mit der kapitalistischen Presse datieren erst seit den Gründerjahren, die dem deutschfranzösischen Kriege folgten. Um für die Papiere ihrer berschiedenen Industrie- und Eisenbahnunternehmungen den gewünschten Absatz im Publikum zu finden, suchte die Diskontogesellschaft gute Verbindungen mit der Presse, und bei der Zugänglichkeit der liberalen Blätter gelang ihr dieses Bemühen vorzüglich. Zwar fiel der größte Teil des Publikums bei den von der Diskontogesellschaft emittierten Papieren hinein, aber die Diskontogesellschaft erzielte ansehnliche Profite und für die Blätter, die sich zu Empfehlungen der schönen Spekulationsunternehmungen bereit finden ließen, fielen gute Bei der portugiesischen Tabakmonopolanleihe bewilligte das manierlich zeigt. Es muß ferner darauf halten, daß Happen ab. Die Beziehungen zwischen Bank und Presse Konsortium der hiesigen Emissionsstelle 100 000 m. zur baren Ver- ihm die großen hochbezahlten Anzeigen der Banken und Aktiengesellschaften für seinen Inseratenteil nicht verloren erwiesen sich also wertvoll für beide Teile, daß sie nicht nur teilung an die Berliner Presse( nicht etwa zu Inseraten)..." gehen, und es muß außerdem darauf achten, daß es bei Nonfortgesetzt, sondern noch weiter ausgebaut wurden, und Herr Allerdings behauptet heute allgemein die anständige" flikten zwischen dem Unternehmertum und der Arbeiterschaft, Generalfonful Russel als Geschäftsinhaber der Diskonto- Presse, die vielen Bestechungen hätten aufgehört. Man braucht 3. B. bei Streifs, nicht seine fapitalistische Leserschaft vor den gesellschaft 1892 vor der Börsenenquetekommission erklärte: nur an die bekannte Entlassung der Dresdener Handels- Kopf stößt. Daher vollzieht sich, seit Lassalle seine oben" Im allgemeinen müssen wir mit der Tatsache rechnen: das redakteure, an das im Pommernbankprozeß zum Vorschein ge- erwähnte Rede hielt, in der Zeitungswelt eine für unsere Breßgewerbe ist an erster Stelle heute ein Gewerbe, ein fauf- fommene Spezial- Ausgabenbuch der Direttoren Romeid und heutige Wirtschaftsordnung höchst charakteristische Umwälmännisches Unternehmen für den Unternehmer der Presse. Der Schulz mit seinen Notizen über die an Redakteure und Mit- zung. Die Prinzipblätter verschwinden Eigentümer der Zeitung will aus der Zeitung einen Ueberschuß arbeiter von Börsenblättern von Börsenblättern gezahlten Vergütungen gezahlten Vergütungen zu immer mehr und an ihre Stelle treten poli. erzielen; er wird demzufolge regelmäßig darauf angewiesen sein, erinnern, um den Wert dieser Behauptung zu fennzeichnen. tische und unpolitische Geschäftsblätter. sich umfangreiche, namentlich gut bezahlte Inserate zu beschaffen. Auch der in voriger Woche verhandelte Prozeß des Das Bestreben, diese Inserate zu bekommen, ist ein berechtigtes und Reichsglöckners Gehlsen hat, wenn er sich auch auf Vorgänge Wie einerseits die Zeitungsunternehmer sich das Wohlwollen Und neben dieser zeigt sich eine andere Erscheinung. geht ausnahmslos wohl durch die ganze Presse; durch diejenige bezieht, die schon um 8-9 Jahre zurückliegen, aufs neue der Finanz- und der großen Geschäftswelt zu erhalten suchen, Presse, die sich häufig der Börse am feindlichsten zeigt, ganz in bewiesen, wie freigebig Kreditinstitute unter getvissen Be- so trachten andererseits Finanz- und Großindustrie dahin, sich dem gleichen Grade. Es ist oft gar nicht zu sagen, to elchen dingungen sein können. einen bestimmenden Einfluß auf die Presse zu sichern, um Bestürmungen durch Agenten wir regelmäßig Eine Hauptursache der Korruption liegt darin, daß die diese zu zwingen, nicht nur die allgemeinen fapitalistischen zur Zeit vor öffentlichen Emissionen irgend geitungsmache zu einem tapitalistischen Interessen zu vertreten, sondern außerdem die besondere Gewelcher Art ausgesezt werden, und ich kann wiederum Geschäftsbetrieb geworden ist. Schon in seiner schäftspolitik der betreffenden Finanz- und Unternehmernur sagen, daß in sehr vielen Fällen, wenn man der betreffenden Rheinischen Zeitung schrieb Marr: Die erste Frei- gruppen und zugleich mit Hochdruck jene Partei zu bekämpfen, Zeitung das Juferat nicht gibt, dann am folgenden Tage heit der Presse besteht darin, kein Gewerbe die sich der Ausnutzung der staatlichen Institutionen zum Vorein ungünstiger Artikel über die betreffende zu sein." Tatsächlich aber hat, wie auch Generalkonsul teil der kapitalistischen Gruppen am energischsten widersetzt: Emission in der Beitung steht, oder, falls die Russel in seiner obigen Aussage erklärt, die kapitalistische der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Zu diesem Zwed Zeitung nach der Richtung hin vielleicht etwas vorsichtig ist, Entwickelung dahin geführt, daß die Presse heute ein werden entweder bestehende Blätter von den Interessenten sonst ein mißliebiger Artikel. Das gilt nicht für alle aufmännisches Unternehmen ist ein Unter durch Massenabonnements, Zuwendung von Anzeigen, Druck Beitungen, aber es ist naturgemäß, daß, wer mit seinen Unter- nehmen, das nach kaufmännischen Grundsätzen betrieben wird. aufträgen und bare Zuschüsse zu födern gesucht, oder aber nehmungen auf die Deffentlichkeit angewiesen ist, es unliebfam be- Wie der eine Unternehmer zum Zweck der Erzielung eines die betreffenden Herren erwerben sich durch Geldeinlagen und merkt, wenn sein Unternehmen gerade in demjenigen Zeitpunkt, möglichst hohen Profits eine Kattun- oder Seifenfabrit er- Ankauf von Geschäftsanteilen einen derartigen Einfluß auf wo es emittiert wird, derartigen nicht sofort in dem Moment richtet und Kattun oder Seife herstellen läßt, so gründet der diese Blätter, daß diese völlig ihrer Weisung folgen. Auf widerlegbaren Kritiken ausgesetzt ist; und daß hiernach durch die andere, wenn es profitabler erscheint, eine Zeitung und macht in diese Art sind nach und nach gar manche der sogenannten anPresse geradezu ein gewisser Druck auf die Emissionsinstitute öffentlicher Meinung. Entscheidend dafür ist der Geschäftsgewinn; ständigen Blätter in die Hände finanzieller und induſtrieller geübt wird, ihnen die Inserate in einem weiteren Umfange zu- Tendenz und Ueberzeugung sind Nebensache. Ist in der Stonfortien gelangt, darunter vor allem die scharfmacherischen zuwenden, als es die Emissionsinstitute fast vielleicht tun würden. Gegend, wo die Zeitung gegründet wird, eine liberale fauf Berliner Neuesten Nachrichten" und die„ Po st", Unter der Bedingung, daß die Beziehung der Banten zur fräftige Geschäftsbourgoiste vorhanden, so wird das Blatt in der früher bekanntlich Freiherr v. Stumm als unumPresse sich auf die auständigen" Blätter beschränkt, nationalliberal oder freisinnig, je nachdent, was am vorteil- schränkter Gebieter regierte und nach seinem Tode der hoch. fand Herr Russel denn auch durchaus nichts Bedenkliches" haftesten erscheint. Hat hingegen die Gegend einen aus feudal- industrielle Herzog von Ratibor, Fürst von Vleß. Fürst barin, wenn die Banken die Handelsredaktionen inspirieren, gedehnten kleinen Mittelstand und eine wohlhabende Bauerubon Stolberg Wernigerode uim. Ob aber diese Presse parteipolitisch geeicht ist, oder ob verschaffen. Ein Redakteur, der regelmäßig Gratifikationen fie fich selbst als" unparteiisch" bezeichnet, in jedem Fall bevon jährlich mehreren Tausend Mark von jeder großen Bant darf sie, um ihren Zweck der Profitmacherei zu erfüllen, der oder doch den meisten bezieht, kann von diesen Instituten Gunst der sogenannten tapitalfräftigen Streise. Selbst wenn und Firmen immer nur mit der Devotion eines Angestellten ein Blatt dieser Art auf jede direkte Unterstügung verzichtet, schreiben, und da weitans die Mehrzahl aller von einem wohl bedarf es doch, um sein geschäftstreibendes Publikum zu be habenden Publikum gelesenen Zeitungen unter diesem Banne steht, friedigen, mancher Information, die es nur aus diesen Kreisen so find die Banten, welche das Börsengeschäft beherrschen, jeder so find die Banken, welche das Börsengeschäft beherrschen, jeder selbst zu beziehen vermag und nur erhält, wenn es fich wirksamen Kritik entzogen. " " - Sieben 8er Verkreiung 5er ßolitiWn Interessen ihrer Besitzer haben diese Blätter vornehmlich die Ausgabe, die Sozialdemokratie zu bekämpfen oder vielmehr zu ver- l e u m d e n, denn zu der geistigen Bekämpfung fehlen trotz der verhältnismäßig hohen Honorare die nötigen geistigen Kräfte. Bei der„Post" ist diese Verleumdung sogar zur Hauptsache geworden. Und dabei findet dieses„anständige" Blatt nicht nur die Unkerstützung der Korrespondenz des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie und der Mar Lorenzschen„Antisozialdemokratischen Korrespondenz", sondern auch einiger anderer Berliner Korrespondenzen, wie z. B..der „Information". Aus dieser Quelle stammen die meisten Verleumdungen und Fälschungen, die während des letzten Wahlkampfes gegen die Sozialdemokratie in das Land hinausgeschrien worden sind. Nach welcher Methode dabei gearbeitet wurde, soll ein ZMitex Artikel zeigen._ politische(leberlicht. verlin. den 2l. Februar 1907. Das Dreiklafsenparlament als Sittlichkeitskonzil. Die beweglichen Klagen, die der Abg. v. Schuck- Mann(k.) am Mittwoch über die zunehmende Unsittlichkeit in Berlin angestimmt hatte, gaben dem Abgeordnetenhanse am Tonnerstag zu einer großen Debatte über die Sittlichkeit im altgemeinen und die Prostitution im besonderen Anlaß. Für die Herren von der Recksten und vom Zentrum gilt es als unumstößliche Tatsache, daß die Großstädte— in erster Linie natürlich die Neichshauptstadt— völlig versumpft sind, und sie halten es für ihre Pflicht, durch Polizeimaßnahmen und Gebot auf diesem Gebiete Wandel zu schaffen. Die Herren, die nie ernsthafte Sozialpolitik getrieben, die sich nie die Mühe gegeben haben, den Ursachen der Prostitntion auf den Grund zu gehen, glauben, daß ein polizeiliches Macht- wort genügt, um einen so gewaltigen, an dem Markte des Volkes zehrenden Krebsschaden aus der Welt zu schaffen. Sie wettern gegen die Vergnügungssucht, sie enchfehlen die Herab- setzung der Polizeistunde, aber sie vergessen ganz, daß das „Laster", wenn Man es gewaltsam zu unterdrücken versuchte. von jeher h e t m l i 6) sich weiter verbreitete und weit gefähr- lichere Formen annahm als vordem. Gegenüber den vermoderten Anschmiungen der Frommen im Laude wirkte die Erwiderung des Ministers des Innern fast herzerfrischend. Wir stimmen mit dem, was er gesagt hat, in den meisten Punkten zwar keineswegs überein, aber wir müssen offen anerkennen, daß feine Anschauungen hoch über denen der patentierten Sittlichkeitsfanatiker und Tugend- Heuchler stehen. Herr von Bethmann-Hottweg sucht den An- sorderungen des praktischen Lebens Rechnung zu tragen, und deshalb erklärt er sich entschieden gegen den Vorschlag, in Verlin a t l g e m e i n eine frühere Polizeistunde eintreten zu lassen. Er will nur die übermäßige Verlängerung des Nacht- lebens energisch bekämpft wissen— durch welche Mittel, das verschwieg er. Andererseits aber ist er offen genug, einzu- gestehen, daß die Polizei auf diesem Gebiete nicht alles machen rann. Was insbesondere die Prostitution betrifft, so gab der Minister die Unzulänglichkeit unserer Gesetzgebung zu und befürwortete eine Reform des Strafgesetzbuchs, dessen bekannter Kuppeleiparagtaph wohl so ziemlich das tollste ist, sich denken läßt. Persönlich Neigt der Minister der Am wa sich jlch zu, daß wir uns in Deutschland einem System nähern mü sen, wie es zUrztzit in Dänemark eingeführt ist, jenem Sy tem, welches bott der Reglementierung absieht, aber die gefährlichsten Auswüchse der Prostitntion beseitigt. Auf Nähere Einzelheiten ließ sich Herr v. Bethmann-Hollweg leider Nickt ein. Ebenso berührte weder er noch ein anderer Tis- kussionSredner die Ursachen der Prostitution! nur die G e- sindeordnung wurde als eine der Ursachen kurz gestreift. Es ist bekannt, daß Dienstmädchen einen tttiverhältnismäßig hohen Prozentsatz zur Armee der Prostltnierten stellen, und als einer oer Gründe hierfür wird mit Recht die Gesinde- ordnung ins Feld geführt. Daß trotzdem nicht ihre Be- seitignng verlangt wurde, beweist, wie wenig das Dreiklassen» Parlament ernst ha st Wandel zu schaffen geneigt ist. Will man wirklch Besserung schaffen, dann beseitige Man die Ursachen der Prostitution, dann sorge man vor allem für eine berÜnftigS WohnungSgesötzgebung, die dem SchlasstelleNitNwesen ein Ende macht, brtttn treibe man eine detnünftige Sozialpolitik, dann gewähre Man allen Arbeitern — männlichen und weiblichen— das volle, uneingeschränkte Koalttionsrecht, damit nicht alljährlich Taufende und Aber- taufende von Frauen gezwungen werden, sich zu prostituieren, um nicht Hungers zu sterben: dann höre man endlich mit dem Fleisch- Und Brotwuchet auf, dann beseitige man alle Aus- wüchse der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. So leicht, wie die Mehrheit des Innkerparlaments es sich vorstellt, ist der Kampf gegen die Prostitution denn doch nicht. Charakteristisch ist es übrigens, daß in demselben Augen- blick, wo man verlangt, daß die überhand nehmende Per- gnügungssucht eingeschränkt werden soll, der konservative Abg. H a m m e r sich nicht entblödete, eine Verschärfung des Vereinsrechts zu verlangen und gegen die„sozialdemo- kratischen Jugendorganisationen" zu Felde zu ziehen. Gerade da aber wird die Jugend zu e r n st e u Tingen erzogen Und dadurch von schädlichen Vergnügungen—• Besuch von Tingeltangels. Animierkneipen Ii. dekgl.— abgehalten. Es scheint doch, als ob den Herren trotz aller schönen Redensarten eine sittenlose Jugend immer noch viel lieber ist, als eine von sozialdemokratischen Ideen erfüllte.— Die weitere Etntsberatung wurde durch die Besprechung von Anträgen auf Gehaltserhöhungen für einzelne Beamten- katcgorien, insbesondere für Schutzleute, ausgeübt. Am Freitag soll zunächst die Beratung des Etats des Ministeriums des Innern beendet werden. Daun folgt die Besprechung der Interpellation über das Grubenunglück von Rehen und die Beratung des Bergetats. Die wirtschaftliche Bedeutung unserer Kolonien. Eine dem Reichstag zugegangene Denkschrift über die Entwickelung der deutschen Schutzgebtete in Afrika und der Südsee gibt für das Jahr 1903 folgende Ziffern des Handelsverkehrs an: Der Außenhandel der Schutzgebiete betrug 1905 99 208 517 M. Gegen daS Jahr 1904 eine Steigerung um 27 915 303 M. Die Denkschrift selbst führt allerdings aus, daß diese Steigerung des Handels teils auf den südwestafrikanischrn Krieg» teils auf die Eisen- blthnbanten zurückzuführen ist. Von der Zunahme des Han- dels entfiel auf Sudwestafrika allein eine Zunahme der Ein- fuhr von 13,3 Millionen Mark. Wir haben schon seinerzeit nachgewiesen, daß diese Einfuhrsteigerung in einer Einfuhr vön Alkohol oder von Materialien bestanden bat. feig zum Vau her Eisenbahn notwendig war. Diese Mehreinfuhr stellt also in Wirklichkeit nur einen kleinen Teil der Suvnnen dar, die vom Reiche für unsere Truppen und die staatlichen Eisenbahnbanten verausgabt wurden! Die Zunahme der Ein- und Ausfuhr für Deutsch-Ostafrika betrug nur 4,3 Millionen, für Kamerun 5,4 Millionen Mark: in den übrigen Kolonien ist die Zunahme des Handöls vollends eine unmerkliche. An oem Gesamthandel der Schutzgebiete in Höhe von 99 208 000 M. war Teutschland 1905 nur mit 63184000 Mark beteiligt. Gegenüber dem Jahre 1903 ergibt sich aller- dings eine Steigerung der deutschen Beteiligung am Handel um 12.6 Proz. Aber wenn man bedenkt, daß die Steigerung der Gesamteinfuhr nur auf die deutsche Kriegsführung und die vom Reich ausgeführten Eisenbahnbanten zurückzuführen ist, so ergibt sich, daß von einer größeren Anteilnahme des deutschen Handels an den eigentlichen Handelsbeziehungen der Kolonien keine Rede sein kann. Des weiteren wird tn der Denkschrift Mitgeteilt, daß das i» den Schutzgebieten in Afrika und der Südsee angelegte deutsche Kapita! 146 876 405 M. betrage, von denen 128 937 008 M. auf eingezahltes Gesellschastskapital und 17 933 400 M. auf Anleihen entfallen. Für eine zwanzig- jährige Kolonisierungstätigkeit ist das immerhin ein äußerst bescheidenes Ergebnis, namentlich, wenn man sich vergegen- wärtigt, daß das im Arfsland angelegte deutsche Kapital sich nach der amtlichen Schätzung auf ungefähr 25 000 Millionen Mark beläuft. Nur der 166. Teil des von deutschen Kapita- listen im Ansland angelegten Kavitals hat also nach 20 Jahren kolonialpolitischer Tätigkeit und nach einer Aus- gäbe von 1500 Millionen für unsere Kolonien in diesen Kolonien Anlagemöglichkeit gefunden!— Bündnispolitik oder Klassenscheidnng. Genosse Dr. August Müller, Redakteur der Magdeburger „Volksstimme", hat in der„Neuen Gesellschaft'«inen längeren Artikel „Kritisches und Antikritisches zu den Reichstags« Wahlen" veröffentlicht. Wir würden auf die Ausführungen deS Genossen Müller, da sie neue Gesichtspunkte nicht euihalten, nicht eingegangen sein, wenn nicht die bürgerliche Presse Aus- ziige aus dem Artikel brächte. Wir halten es deshalb für unsere Pflicht, unsere Leser wenigstens über die Kernpunkte der Ausführungen des Genossen Müller zu unterrichten. Genosse Müller schreibt: „Es wäre indessen falsch, die unerfreulichen Erscheinungen in der Parteigesllnchte der letzten Jahr« als des Nebels Grund zu betrachten. Es sind nur Symptome, die Wurzel des Nebels steckt tiefer. Es ist das Mißverhältnis zwischen den An- sorderungen, die die praktische Tagespolitik an eine Partei mit drei Millionen Anhängern stellt und unserem tatsächlichen Einfluß, aus dem alle die Konflikte entstanden sind, deren Austrag oft in so wenig kameradschaftlicher Weise erfolgt«. Den Weg, der uns aus dieser Konsusion herausführt, haben wir»och nicht gefunden, wir müssen ihn aber suchen, das Lebensinteresse der Partei fordert eS, daß wir ihn finden.... Wir haben jetzt wieber das traurige Bild erlebt, daß rund 80 Wahlkreise der feudalen Reaktion ausgeliefert wurden, weil den liberalen Wählern der junkerliche Vertreter vormärzlicher Ideal« näher steht wie der Vertreter der Arbeiterklasie. Haben die Freisinnigen in Elbing den Herrn v. Oldenburg aber deshalb gewählt, weil sie im Grunde genommen ebenso reaktionär sind wie er oder sind sie wirklich liberale Leute, für die aber trotzdem der Junker das„kleinere Uebel" ist? Ist das erste« richtig. dann gehen wir trüben Zeiten entgegen, dann Ist und bleibt die Arbeiterschaft auf lange Zeit hinaus zur voll- kommen«« Einflußlosigkeit verurteilt, weil sie ans sich allein angewiesen niir von der Gnade der hochmögenden Herren abhängt! sind die Liberalen aber Nicht teaktionnt, dann müssen wir uns fragen! Was ist zu tun, damit diejenigen Schichten des Bürgertums, deren politischer Weg sine ganze Weile neben dem unseligen herläuft so lange mit uns zusaiinnenmarschicrcn, als ihr eigenes Interesse es erfordert? Man sage nickt, es sei Nicht die Aufgabe der Sozialdemokratie, sich die Köpfe der Liberalen zu zerbrechen. Hier handelt es sich darum, was wir dazu bettragen können, daß der deutsche Liberalismus sich auf sich selbst besinnt, denn daS ist das Problem unserer Zeit! der Sozial- demokrati« biindnisfähtge und bündniswürdige bürgerliche Parteien zu schassen. Gelingt es, dann könnten wir bald ein schäneS Stück vorwärts kommen, gelingt es nicht, nuii daiiii müssen wir UNS eben Mit dem Gedanken vertraut mache», daß die Sozialdemokratie ganz allein auf sich angewiesen ist. Dann stehen dtei Millionen gegen acht Millionen Wähler. Wenn das auch nicht entmutigend zu wirken braucht: angenehmer und für die deutsch« Arbeiterschaft erfolgversprechender wäre es immerhin, wenn zu den drei Millionen, die sie aufbracht«, noch drei Millionen im bürgerlichen Lager zu rechnen wären, die sich zu tatkräftiger politischer und sozialer Reform arbeit mit der Ärbettetschaft Verbündeten." Genosse Müller hat hier ein Problem aufgeworfen, das selbst Herr Theodor Barth durch die politische Entwickelung einst- weilen für erledigt hält. Selbstverständlich wäre es zu be- grüßen, wenn ein entschiedener Liberalismus eine Strecke WegeS mit der Sozialdemokratie zusammen marschieren würbe. Aber der Liberalismus hat selbst alle Brücken nach links abgebrochen. So lange Genosse Müller nicht mit konkreten Borschlägen herausrückt, wie der Liberalismus wieder zur„Selbstbesinnung" gebracht werden kaum liegt für uns keinerlei Anlaß vor, unS mit seinen W ü nTy e n näher zu beschäftigen. Uebrigens begegnet sich auch Genosse Bernstein in dieser Frage durchaus mit unseren Ansichten. In einer Zuschrift an die „ B o l k S« g« i t u n g", in der er sich gegen dort gegen ihn er- hobene Angriffe verwahrt, schreibt er: „Speziell hinsichtlich der Frage, die Herrn Dr. Sohn am erwartet eintretender„Kladderadatsch" eine ganz neue Situation schafft, oder tS gelingt, ein Verhältnis zwischen bürgerlicher Demokratie und Soziitldemolrattr zustand« zu bringen. Auf das erster« zu spekulieren hat keinen Zweck. DaS Zweite ist durch die Vorgänge bei den soeben stattgehabten Reichstags- wählen, wo die bei uns die bürgerliche Demokratie vertretenden Parteien fast ausnahmslos den Anschluß nach rechtS gesucht und den reaktionärsten der Reaktionäre den Steigbügel gehalten haben, bis auf weiteres außerhalb des Gebiets der praktischen Poltttk gerückt worden. Bis auf weiteres, da« heißt unter anderem, bis inner- alb der freiftnnigen Partei selbst gründlicher landet eingetreten sein wird. Ob und inwieweit die Sozialdemokratie an sich zu ändern hat, ist eine Frage, die ich es mir zum Grundsatz gemacht habe, nur in sozialdemokratischen Publikationen zu erörtern. Bloß so viel sei daher bemerkt, daß Aenderungen am Wesen ver Partei alS politische Vertretung der«rvetterklass, und der ans der Maffenlage der Srveiter sich ergebenden Grundsätze und Forderungen nicht zu erwarten sind und selbst von weit- blickenden bürgerlichen Demokraten nicht erwartet werden dürfen. Den» es ist die Achilles-Ferse der bürgerlichen Demokratie unserer Tage, der tiefere Grund aller ihrer Halbheiten und Verrätereien, daß sie aufgehört hat und als bürgerliche Partei auf- hören mußte, ein stärkeres Klasseninteresse zu vertreten. Die Klassenparteien des Bürgertums sind heute, welchen Namen sie auch tragen, konservativ. Der Demokratie, dem vorwärts drängenden Radikalismus jene Festigkeit und Geschloffen- heit zu verleihen, die aus dem Bewußtsein eines Klassenkampfes sich ergibt, wie ihn in seinen heroischen Tagen der bürgerliche Liberalismus kämpfte, ist heute lediglich der Partei der Arbeiter- k l a s s e möglich, weil alle Interessen der Arbeiter als Klaffe an den politischen, wirtschaftlichen und alkgemein kulturellen Fortschritt gebunden sind, sämtliche anderenKtassen aber heute in dereinen oder anderen der hierhergehörenden Fragen ihre Vorbehalte zu machen haben. Die Eigenart der Sozialdemokratie zu verstehen und sie nicht als„unvermeidliches Uebel", sondern als notwendige Tugend anzuerkennen und danach zu handeln, das muß die bürgerliche Demokratie lernen, wenn ein Verhältnis zwischen ihr Und der Sozialdemokratie möglich sein soll. Sie muß es vor allem begreifen, es als einen Vorteil für ihre besten Ideale schätzen lernen, daß bis Sozialdemokratie nicht, ohne sich selbst aufzugeben, davon ablassen kamt, Partei des Frieden» und des freien Verkehrs zivischen den Kulturvölkern zu sein und alle nationalistischen Bestrebungen kapitalistischer Parteien unter diesem Gesichtpuiikte zu beurteilen und zu behanoeln." Genosse Bernstein bemerkt schließlich, daß er freilich zugeben niüsse, daß er in bszug auf eine Blindnißmöglichkeit zwischen Sozial- demokratie und Freisinn von„ZU optimistischen Auffassungen zurückgekommen" sei. Wir unsererseits haben solchem Optimismus niemals gehuldigt, wohl aber mit unserer Prognose der immer schärfer werdenden Kloffenscheldung recht behalten! Vermutlich wird auch Genosse Müller noch von seinem Optimis- mus gründlich geheilt werden.-- ".• Deutfcbeo Reich. Freisinnige Fraktionsgeuicinschaft. In einer gemelnschaftlickien Sitzung der drei freisinnigen Fraktionen lFreisinnige Volkspartei, Freisinnige Vereinigung uno Süddeutsche Volkspartei) wurde eine Fraktionsgemcinschaft dieser drei Gruppen beschlossen, bei der aber die Selbständigkeit der einzelnen drei Fraktionen erhalten bleibt. Diese Fraktionsgemeinschaft soll namentlich in Betracht kommen bei Stellung von Initiativanträgen, bei der Ver- tretung in den Kommissionen, bei sonstigen parlamentarischen Aklionen. Für diese Gemeinschaft wurde ein Ausschuß gewählt, der sich aus zwei Mitgliedern der Freisinnigen Bolksparlei, einem Mitglieds der Frei- finnigen Bereinigung und einem Mitglied« der Süddeutschen Volks» Partei zusammensetzt. Vorsitzender dieses Ausschusses ist ein Vertreter der Freifiniiigen Volkspartei, der stellvertretende Vorsitzende wird ans der Freisinnigen Bereinigung oder der Süddeutschen Volks- Partei genommen. Im übrigen wurde die wettere Durchführung der Frankfurter Beschlüsse befürwortet. Von dem parlamentarischen Zusammenarbeiten der drei frei» sinnigen Parteien wird«S abhängen, ob die Fraktionsgemeinschaft sich schließlich zu einer Verschnielzimg der Parteien verdichtet. So» fern nicht persönliche Eitelkeit in Frage kommt, dürste diese Verschmelzung nur eine Frage der Zeit sein.— Lcutwci» gegen die Versklavung der südwestafrikanischc» Eingeborenen. General Leutwein sendet an Lic. Muwm über die Frnye bet Behandlung der Eingeborenen auf eine Anfrage� die jüngste Kritik seines Vorgehens betreffend, folgende Zeilen: „Wer sich über das, wnS ich in der Tat in bezug auf Ein- ocborencnbc Handlung anstrebe, Aufschluß verschaffen will, der möge so freundlich sein und einen Blick in mein Buch„11 Jahre Gouver- neur", namentlich Seite 541, tun. Aber nicht nur dort, sondem mich in dem kritisierten Aussah selbst„S-üdioejtafrika und der neue Reichstag", im dritten Heft der Halbmonatsschrift„Mirz" habe ich klar zum Ausdruck gebracht. daß ich, nacktem wir da drüben 11— ISOOll Soldaten stationiert haben, keineswegs die Fortsetzung einet Politik empfehle, die»vir. bei einer Mach-l von o— 700 Sokdaten haben einhalten müssen. Ich wamc nur davor, daß wir der jetzt möglichen politischen Entrechtung der Eingeborenen auch die persönlich« hinzufüge» und habe zu dieser Warnung, gestützt auf mein« Erfahrung in Süiuvestafrika meine guten Gründe. Wenn Sie selbst von Vorstehende in irgend welchen Gebrauch Machen wollen, so stelle ich dies ergebeujt aNheiM. Mit nochmaligem Danke habe ich die Ehre zu sein Euer Hocheyrlvurden aufrichtig ergebener Leutwein, Generalmajor a. D. Wir fürchten, die koloniale AuSbeutungSwut wird über di« schüchternen Bedenken deS ehemaligen südivesbafcikanischen Gouverneurs triumphieren I_ DcrnburgS Bilanzverschleierung. Die„Freis. Ztg." schreibt: Nach der Regierungsvorlage soll das Darlehen vom 1. Aprck 1911 ab mit 3>/z Proz, jährlich verzinst und vom I. April 1912 ab nach einem"vom Reichskanzler aufzustellenden TilgunaSplan mit"/5 Proz. jährlich getilgt werden.„Die zur Verzinsung erforderliche» Beträge' sind alljährlich in den Etat de? südwest« afrikanischen Schutzgebietes aufzunehmen und zur Verfallzeit au» den bereitesten Mitteln au das Reich abzuführen." Diese Be» stimmung klingt sehr schön, aber sie hat gar nichts zu bedeuten, so lange das südwest afrikanische Schutzgebiet noch Zuschüsse vom Reich erhält. In diesem Falle ist die Einstellung der Zinsen eine rein rechnungs- mäßige Prozedur uud bedeutet nur, daß der ReichSfisknS die Zinsen» summe aus seiner rechten iN die linke Hosentasche steckt. Wahr» scheinlich aber nimmt die Kolonialverwaltmig an, daß Südwestafrika spätestens vom 1. Aprit löll ab auf eigenen Füßen stehen wird, so daß es die Zinsen auch wirklich aus den eigenen Einnahme» bezahlen kann. Wir gestatten uns, etwas weniger optimistisch zu sein, wollen uns jedoch freuen, wenn es sich nach vier Jahren wirklich herausstellen sollte, daß wir Schwarzsehet ge» weien sind, Daß Südwestnfrika auch in vier Jahren bei einer militaristischen Ausgabe von jährlich 50 Millionen„auf eigenen Füßen' stehen sollte, ist allerdings eine Annahme, die selbst der»Freis. Ztg." zu aberwitzig erscheinen muß I—_ Wahlprotest. Wir erhallen folgendes Privattelegramm: Köln, 21. Februar. Gegen TrtmvorNs Wahl Protest einzulegen, beschloffen der sozialdemokratische Verein und das Wahlkomitee in Köln. Der Protest wird gestützt auf die Wahlbecinflussung, die der Oberbürgermeister durch seinen Plalatanschlag bei der Stichwahl ver- übt hat. Unser Kandidat für Köln-Stadt. Genösse H o f r i ch t e r, erhielt bei der Hauptwahl 15 561, Trimborn 17 859 Stimmen; für die NationaNiberalett wurde» 11844 Stimmen abgegeben. Bei der Stichwahl wurde Trimborn mit 22 Sil gegen 13781 sozialdemo- kratische Stimmen gewählt.—__ Nach dem Blutbad die Hungersnot! lieber unsere o st afrikanisch« koloniale.KulturardcU' de» richtet die bürgerliche Presse: »Im ostafrikn nischen Schutzgebiet sind infolge des Nufstandes reKt mißliche Verhältnisse für die Eingeborenen eingetreten. Nach Privalbriefen, aus denen die»Kölnische Volkszeitung- Mitteilungen macht, ist in einigen Distrikten eine förmliche Hungersnot ausgebrochen. So heißt es in Be- richten aus dem Bezirk Ugoni- Den ganzen Tag hört man das Wort: Nina(öiiitoet). Von Mntengo haben die Leute zwar Mais herübergebracht, auch Nach Peramihö. Aber was ist das ftir so viele I Die Leute könnte man dem Hundert nach zur Arbeit haben, nur damit sie etwaS Nahrung als Lohn erhaltem Man Merkt aber bei der Arbeit, daß die Leute wirklich großen Hunger haben und entkräftet sind� Viele Leute werden krank, besonders die alten Leute und die kleinen Kinder. Viele leben nur mihr von Gras itnd Wurzeln wie das Vieh. Ein großer Teil der Leute ist fort in die Wildnis, um sich dort Gras und Kräuter zu suchen. Die Arbeiter wünschen ihren Lohn ausdrücklich teilweise in Mais. Aus dem Bezirk M a h e n g e wird berichtet: Im Umkreise von weit über fünf Stunden ist kein Reis mehr aufzutreiben. Auf der Militärstation WSHenge kostet ein gestrichenes Pischi Reis (drei Liters l.öv Rupie(2 M.s Früher etii aufgehäuftes Pischi t0 bis IS Heller. Mais dürfte an einigen Orten bald zur Reife kommen, so daß dort wenigstens für einige Zeit dem ärgsten Hunger gewehrt ist. In L i g a u g a haben die Leute schon etwas geerntet. Die Löwen bilden dort gegenwärtig eine schreckliche Plage Täglich fallen ihnen Mepscheit zum Opfer. Auch zwei Schulkinder wurden angefallen. Das eine kam davon, das andere ivnrde zrr- rissen. Ein Lehrer setzte Mit noch drei anderen mit Gewehren ans gerüsteten Männern den Tieren»ach und erlegte«inrS. Im Mahengebezirke herrscht schrecklicher Hunger. Die Leute haben seit zwei Monaten keine andere Nahrung mehr, als was ste im Walde findcil können: Gras, Wurzeln, Baumrinde, Käfer und Ameisen. Auf sechs bis acht Tagereisen inr Umkreise ist rein Nichts mehr aufzukaufen.' Was die Kleinkalibrigen verschont haben, holt also jetzt die durch den Krieg erzeugte Hungersnot hinweg I Koloniale Kultur- Verbreitung!— Tie Spandauer Wnffendiebftähsc. Seit einem Jahre beschäfligeu sich die deutschen Behörden mit den umfangreichen Waffen- rnid PichiiitUrnsdiebstähle», deren Em deckung seinerzeit Aufsehen erregte. Sowohl durch Zivil- als auch durch Militärgerichte sind in dieser Affäre eine ganze Reihe von Verurteilungen erfolgt. Nicht weniger alS drei Wochen hindurch hatte sich das Poseuer Landgericht mit den verzweigten Diebstahlsaffäte» in öffentlicher Verhandlung zu beschäftigen. Einen Abschluß sollen die Affären vor dem Kriegsgericht der königl. Kommandantur in Spandau ffiide», g e u g o b e r l e u t u a n t Walter Poppe fgeboren tSSt) aus Berlin, der zuletzt im Artillericdepot in Spöndau tätig war, hatte sich gestern vor dem Kriegsgericht zu verantivorten. Soweit die Spandauer Fälle in Be trachr kommen, gilt der Angeklagte geradezu als die führende Hand. Er arbeitete mit den K o l o n N e n s ü h r e r n Grosser, Güntzel, Donath und Neuberr zusamnicn. Die vier Erwähnten waren in der königl. Werkstätte in Spandau beschäftigt und haben bereits durch das Landgericht in Posen ihr Urteil empfange». Außer Donath, der zu einem Jahre und nenn Monaten Gefängnis verurteilt wurde, wurden die Angeklagten freigesprochen, da ihnen strafbare Handlungen nicht nachgewiesen werden konnten. Auch der Händler Loll, der Hauptabnehmer des Poppe, wurde freigesprochen. Ledtglich durch den Umstand, daß P. über seine Verhältniffe lebte und in große Geldverlegenheiten geriet, lieh er sich dazu verleiten, sich in die Waffenhändel einzuladen. Die Verhandlungen wurden schließlich vertagt._ Deutsche Berufs- und BctrirhszShliing. In dem laufenden Jahre soll eine neue Berufs- und Betriebs ziihlung stattfinden. In dem darüber dem Reichstage vorgelegten Gesetzentwurf heißt es: Im Jahre lv07 wird für den Umfang des Reichs eine Be rufS- und Betriebszählnni? und in Verbindung damit eine Zählung der Personen, für die zu der reichsgcsetzlichen Invalidenversicherung Beiträge entrichtet werden, derjenigen Personen, welche auf Grund der Reichsgesetze Unfall- oder Invalidenrente beziehen und der Witwen und Waisen vorgenommen... Die vorzulegenden Fragen dürfen sich, abgesehen von dem Personen- und FaiNiltenstanbe, nur aiif dir Bernfsverhältnissc, und zwar bei Waisen unter achtzehn Jnhren und Witwen auch auf diejenige« des Verstorvenen Vaters beziehungsweise Ehemanns, und auf die sonstige regelmäßige ErwerbStätigkeit sowie auf die teichSaesetzliche Invaliden- und Unfallversicherung beziehen, JebeS Eindringen m die Vermögens- und Einkommensverhältnifie ist auSgeschloffen. Wer die auf Grund dieses Gesetzes nn ibn gerichteten Fragen wissentlich wahrheitSwibrlg beantwortet oder diejenigen Angaben zu machen verweigert, welche ihm nach diesem Gesetz und, den zttt Ausführung desselben erlasfeiten und bekannt ge- machten Vorschriften sj) 4) obliegen, wird mit Geldstrafe bis zu M M. bestraft.—__ Ein Bild aus dt« christlichen Staate, In Köln wurde dieser Tage ein Mann in hülflosem Zustande auf offener Straße gesunden, Fuhrleute nahmen ihn auf ihren Wagen. Ehe jedoch Hülfe herbeigeschafft werden konnte, starb der Mann. Wie es in dem Kölner Polizeibericht heißt, ist der arme Mensch einige Tage vorher als ungcheilt aus einem Kölner Hospital entlassen worden. Man hat den Mann also einfach' seinem Schicksal über- lassen.—_ Herr Georg Bernhard hat seine von unS abgelehnte„Erklärung" nunmehr in der Donncrstags-Avcndausgabe der Mosseschen„Volks- Zeitung' veröffentlicht. Er schickt ihr eine Einleitung voraus, die folgendermaßen lautet: „Der„Vorwärts", das Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei, wird augenblicklich von einer Clique beherrscht, die die Schainlosigkeit besitzt, Parteigenossen, die sie in gröbster Weise insultiert hat, die Möglichkeit zu rauben, sich durch eine Gegen- crklärung im„BorwärtS" vor der sozialdemokratischen Wählerschaft zu verteldigen. Ich bin deshalb zu meinem lebhaften Bedaüern ge» nötigt, diejenigen nicht sozialdemokratischen Blätter, die auch von Arbeitern und Angestellten gelesen werden, zu bitten, mir die Möglichkeit zur Rechtfertigung zu geben." Aus der sogenannten Erklärung, die in Wirklichkeit ein Sammel- furtum von Beschimpfungen und Verdächtigungen gegen den„Vor- IvärlS". von Lügen, Unwahrheiten und Entstellungen ist, vermerken wir nur, daß Herr Bernhard ausdrücklich sagt, Herr Dr. Martin Cohn habe die Unterredung, die er mit Bernhard hatte» tn dem Mosseblatt„völlig korrekt" wiedergegeben. Alle Folgerungen. die wir aus der Veröffentlichung des Herrn Dr. Cohn gezogen haben, bestehen also zu Recht, Wenn ein Parteigenosse sich durch den„Vorwärts" ungerecht behandelt glaubt, so wendet er sich an die Parteiinswnzen, Herr Bernhard läuft znr gegnerischen Presse. Vor kurzem noch wußte er den Weg zu den Parteiinstanzen zu finden: seitdem sie aber seine Beschwerden über die„Vorwärts"-Redaktion abgewiesen_ haben, rechnet er sie offenbar auch zu der den„Vorwärts' beherrschenden »Clique'. Wir verbenken's ihm nicht, denn wenn nian nicht Sozial- demokrat ist, wie soll man dann die Disziplin des Sozialdemokraten haben!-- Huelaiid. Oesterreich. Die Ausschreibung der Reichsratswahlen ist nttffmehr er- folgt. Durch Kundniachung des Ministers des Innern ist als Hauptwahltag der 14. Mai, als Stichwahltag der 23. Mai festgesetzt. Nur für Galizien und Dalmatien sind andere Wahl- tage(14. Mai bis 7. Funi) bestimmt. Unsere ofterreichischen Genossen stecken tief in der Wahl- arbeit, Mögen ihnen recht diel Erfolge beschieben sein. Schweiz. Dir NnwesenhcitSgelber der Abgeordneten Wurden durch Be- schlnß des Berner Bundesrats am Mittwoch mit bg gegen 53 Stimmen von 7 auf 10 Frank pro Tag erhöht.— Frankreich. Das einige Ministerium. Paris, 20. Februar.(Eig. Ber.) Di« so spannungsvoll erwartete gestrige Kammersitzung hat geendet, wie diese angesagten Schicksalstage in der Regel endigen: mit einer solennen Lebenserklärung. Clemenceau hat nicht das Panier freidenkerischer UncNtwegtheit ergriffen und seinem Kultus- minister an den Kopf geschlagen, vielmehr saß er geduckt auf seinem Ministörplatz und nahm mit christlicher Geduld den Hohn hin, den Briand ihm überreichlich versetzte.„Eine S ü h n e s i tz u n g..." so schreibt heute S e m b a t in der„Humanitö".„Briand hat Clemenceau den bitteren Trank der Reue Tropfen um Tropfen schlürfen lassen. Mitten in seiner Stegrcifrede ließ er einige Wendungen vom Stapel, die sichtlich vorbereitet und mit Liebe ausgefeilt waren. Die Rache ist ein Gericht, das kalt genossen werden will...." Aber Clemenceau applaudierte Btiands Redet Denn die Minister waten„einig".— Einig, wie mir ein Usurpator mit dem gestürzten Herrscher sein kann, der abgedankt hat und ins Kloster geht. Wer hätte Clemenceau zugemutet, daß er sich für die Mönchsgelübde reif finden würde-— Briand hat gestern nicht ein Jota von seinem kirchenpolitischen Programm aufgegeben: Die Kirchen für die Katholiken— heißt es. Nicht auch für schismatische Gemeinden und Freidenkervereine oder für Konzerte und Theatervorstellungen. Die Kirchen für die Katholiken, mit oder ohne Kontrakt. Die Bürgermeister haben die Freiheit, einen Mietvertrag auf 18 Jahre— oder auch weniger— mit den Pfarrern zu schließen, ja— ihn auch ganz zu verweigern. Aber dann können die Pfarrer die Kirche auf Grund des Gesetzes von lötl? für ihre gottesbtcnstlichen„Versammlungen" beanspruchen, und die Bürgermeister haben in diesem Falle nicht einmal das Recht, Erhaltungs- und Rcparaturkosten zu fordern.— Diesen seinen Standpunkt hat Brtnnd In einer überaus klugen und formell glanzvollen Rede vatgelegt, und die Radikalsozialisten zogen sich in ziemlich schlechter Ordnung zurück. Sie hatten nicht den Mut, die Verantwortung für die Verewigung des ktrchen- politischen Konflikts und das Stocken der sozialpolitischen Gesetz gebung, die Briand seinen Gegnern zugeschoben hatte, auf sich zu nehmen.— Briand hat gestern also für seine Politik den Sieg errungen. Hat er aber da? Ministerium gesund geredet? DaS ist zu be. zweifeln, auch wenn Clemenceau keinen Rückfall in unchristliche Ehrbegier und Nachsucht bekommen sollte. Clemenceau lebte ja nur von der allgemein verbreiteten Meinung, daß er unver- m e i d l i ch und gefährlich sei. Gestern aber hat es sich ge. zeigt, daß er überflüssig, ja scholl überwunden ist!— Italien. Die Bluttat von Ftrmo beschäftigte dieser Tag« die Kammer, Auf die Interpellation des Abgeordneten Badalonl antwortete der Untcrstaatssekretär Facta! Die Untersuchung sei im Gange, NNd es werde strenge Bestrafung der Schuldigen eintreten, der Leutnant sei seines Postens enthoben: glitckltcherweise sei Hoffnung vor. handen, die Verwundeten alle wieder hergestellt zu sehen.— Das Ist alle? recht schön und gut, macht aber die Greuel nicht ungeschehen und bietet keinerlei Gewähr dafür, daß sich ähnlich Dinge nicht wiederholen.— England. DU koloniale Konferenz. London, 19, Februar, sEig, Ber.) Mitte April'werden die Premierminister und sonstigen Vertreter der selbständigen Kokonlen zur 5, kolonialen Konferenz zusammentreten. Die Reichsregterimg ist mit den Vorbereitungen beschäftigt, und sie versandte vor Iveatgen Tagen an die Kolonien eine Note, welche die vorläufige Tages- ordnnng enthält. Die Tagesordnung beruht zum größten Teile an' Anregungen aus kolonialen Kreisen, jedoch wird es den Konferenz. teilnehinern gestattet sein, mich Gegenstände zu berühren, die tn der Tagesordnniig nicht vorgesehen sind. Die Beratungen werden etwa drei Wochen tn Anspruch nehmen, DU wichtigsten Punkte der Tagesordnung sind: Die Errichtung elneß ständigen Reichs- r a t S, der sich aus den Vertretern der selbständigen Kolonien und deS NeichSkolonialministerS zusammensetzen soll; die Gründung eines RetchSNachrichtenburean«; der Plan eines Reichs- Vorzugstarif», Dann eine Reihe kkelner Maßregeln, die Post- und Schisssverkehr, Bürgerrecht, Gcrichtssachen, Patentangelegenheiten, Münze, Maß und Gewichte betreffen.— »ntrag Graf b. Hompesch. Dr. SchSdler, Dr. Spahn, Gröber: Der Reichstag wolle beschließen! dre verbündeten Regierungen UN, alsbaldige Vorlegung von Gesetz- entwürfen zu ersuchen, welche bezwecken! 1. die Sicherung und den weiteren«uSban de« Koalrtions- rechts der Arbeiter lß 1ö2 G,-O.)! 2, eine ans freiheitlicher Grundlage aufgebaute Regelung der privatrochtliche» und öffentlich-rechtlichen Verhältnisse der Be- rufsverein« aller Alt! 3. die Errichtung von Arbeits kammern zum„freien und friedlichen Ausdruck der Wünsche und Beschwerden de» Arbeiter":„,. 4, die Sicherung n»V weitere Ausgestaltung der Tarif- gemeinschaften zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. kommunales. Die Adresse an den König wurde in ber Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag nach siebentägiger Debatte vom Unterhause an- genommen. Afrika. Di« Wahlen. AohanueSbnrg, 21. Februar. Räch den bisherigen Wahl ergebnissen sind gewählt 18 Fortschrittler, 6 Nationalisten, 16„Volkisten", 1 Unabhängiger und 3 Arböiterparteiler. Zum Tode verurteilt wurden am Mittwoch, wie ein Telegramm ans Kimberleh vom 20, d. M. meldet, der Trastsvaalbur F«rreira und seine Genossen, die Anfang November vorigen JahreS in den Nordwesten der Kapkolonie eingedrungen waren, Polizeistationen überfallen und einen Aufstand inS Werk zu setzen versucht hatten Potgieter und Retif wurden zur Begnadigung empfohlen. parkmentarilckes. Die Interpellation der sozialdemokratische» Fraktion über dü von Preußen geplante Einführung von Schiffahrtsabgaben au natürlichen Wasserstraßen lautet: Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß in Widerspruch mit Artikel 54 der Reichsvcrfassiing und unter Verletzung internationaler Abmachungen die Einführung von SchiffahrtSabgaben auf deutschen natürlichen Wasserstraßen durch den Bundesstaat Preußen geplant ist? Was gedenkt ber Reichskanzler zum Schutz der Reichsverfassung und der durch Preußens Plan gefährdeten wichtigen wirtschaftlichen Interessen zu tun?_ Anträge an den Reichstag. Antrag G a M p: Der Reichstag wolle beschließen! den Herrn Reichskanzler zu ersuchen: 1. Die Bcrrinsachung der ReichSvrrsicherungsgesetzr sKraNken- Versicherungsgesetz, Unsallversicherungsgesetz. Invaliden-»Md Altersversicherungsgesey) mit möglichster Beschleunigung zur Durch- � � g. �Die Zeitgrenze, von welcher ab die Altersrente gewährt wird, von 70 aus 65 Jahre herabzusetzen und zur Deckung der dadurch erforderlich werdenden Mehrbetrage in erster Reihe die durch die Vereinfachung der ReichsversscherUNgSgesetze zu er- zielenden Ersparnisse an Verwaltungskosten zu verwenden. g, Die obligatorische Kranken-, Unfall-, Alters- und Invaliden- Versicherung auf die Kleingewerbttrribeu den sowie die Privatbeamten mit geringem Einkommen unter Wesentlicher Beteiligung de« Reicht» an den Kosten dieser Versicherung auszudehnen. Stcidtverordncten-VcrsaMMluitg. 6. Sitzung vom Donnerstag, den LI. FebtUAtt, nachmittags 5 Uhr. Tie Verhandlungen werden vom Vorsteher Dr. Langet« Hans nach%6 Uhr eröffnet.„« r � Ersatzwahlen an Stelle des verstorbenen Stadtv. Per» haben noch stattzufinden in den Ausschuß für Unbesoldete und in das Kuratorium der Stadtbibliothek und der Volksbibliotheken und Lese- hallen. Gewählt wUtdeit die Stadtvv. Feuerstein und Ladewig, beide der Neuen Linken angehörig. Auf Vorschlag des Stadtv. Cassel(A. L.) wird die Bericht- erstättung über die Vorlage betreffend die anderweitige Festsetzung der B e s o l d u» g s v e r h ä l t N i f s e des LehrpersonalS an den G e m e i N d e s ch N l e n vokweggenommon. Referent ist der Stadtv. R-seN-w(N. L.): Di« letzte Vorläge des Magistrats ist vom Ausschusse ebensowenig angenommen worden wie die früheren; es hat sich aber bei der Beratung auf allen Seiten das Bestreben gezeigt, endlich einmal Mit dieser leidigen Angelegenheit zu einem positiven Abschluß zu kommen, und es ist schließlich einstimmig der Beschluß gefaßt worden, der Versammlung vorzuschlagen, das Grundgehalt nach dem Wunsche des Magistrats auf 1450 M. zu normieren Und 10 Alterszulagen beizubehalten, diese abev auf 200, 200, 300, 200, 250, 200, 200, 300, 200, 200 M. zu bemessen. Stadtv. Cassel: Wir werden dem Ausschußborschlage beitreten. da nur auf diesem Wöge eine Einigung möglich erscheint und an- erkannt werden muß, daß auch der Magistrat Entgegenkommen gezeigt hat. Es ist eine sehr erhcöliche Verbesserung der Gehälter der VolkSschuIlehrer erreicht worden; die Lehrer erhalten binnen zwei Jahren Zulagen von 350, 250 oder mindestens 200 M. pro Jahr. Stadtv. Tinger:(Soz.)! Wir stimmen dem Ausschnhantroge zU, bedauern aber ebenfalls, daß nicht mehr hat erreicht werden können und eine gewisse Verkürzung der Alterszulagen hat ein- treten müssen. Aber auch wir freuen Uns, daß dieser langwierige Streit mit dem Magistrat jetzt anscheinend endgültig aus der Welt geschafft werden soll. Wir erwarten, daß die Nachzahlung der Ge- hälter vom t. April 1000 ab erfolgen wird. Stadtv. Kreitling(N. L.): Damit die Sache endlich erledigt wird, stimine» auch wir für den Ansschuhantrag; wir hoffen, daß auch eine Zeit kommen wird, wo die älteren Lehrer wieder besser bedacht werben können. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.): Wir freiten uns. daß durch die Nachgiebigkeit deS Magistrats die Angelegenheit jetzt endlich ab» geschlossen werden wirb. Oberbürgermeister KIrschnee: Ich kann namens de« Magistrat» die Zustimmung zu den AuSschpßanträgen erklären. Daß die Nachzahlung vom 1. April 1900 gerechnet werdell wird, ergibt sich auS der Vorlage. Darauf gelangen die Ausschußanträge ütttsttmmig zur Annahme. Stadtv. Liebenow(A. L.) berichtet über die Vorlagen be- treffend die Einstellung erhöhter und neuer Zu- Wendungen an gemeinnützige Vereine, Anstalten usw. in den Etat für 190?. Die Magistratsvorschläge sind vom Ausschuß fast durchweg gutgeheißen worden. Nur bezüglich der Zuschüsse für den„Verein zur Forderung der k l e i n k t n d e t- B e w a h r- a n st ä l t e n" und für den„Zentralvcrein für Arbeits- Nachweis" soll c» bei der bisherigen Höhe der Zuwendungen (3000 bezw. 40 000 M.) verbleiben, während der Magistrat 5000 und 45 000 M. beantragt hatte. Aus der BersamiNlUng tvird dt« Bewilligung ber höheren Summen beantragt; Stadtv. Rosenotv will den Zuschuß füt den Zentralverein sogar auf 50 000 M. erhöhen. Stadtv. Dr. Zadek(Soj.)! WeNn gegen die FiNanzgebaruna deS„Vereins zur Förderung ber Kleinktnder-BcwahraiistalteN Bebenken erhoben worden sind, weil«t Kapitalien als Reserven thesauriert, so kann man daS alles gelten lassen, braucht aber doch nicht den Antrag abzulehnen, dl« städtische Beihlltf« von 3000 auf 5000 M. zu erhöhen. Leider ist das Versammlungsmitglled, welches in dem Vorstand des Vereins fitzt, nicht tm Ausschuß er- schienen, um Aufklärungen zu geben. Wir haben e« hier aber mit etneni Verein zu tun, welcher in getnelnitlltzigster Weise über zwet Menschenalter hindurch dle Kinder, welche tagsüber von ihren Müttern ohne Anfftcht gelassen werden müssen, beherbergt und ver« pflegt. Der Verein ist an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit angelangt. Mehrere Unterkunfteräume bedürfen der EtNeUerung und die Mittel zut Verpflegung der Kleinen reichen nicht mehr hin, so daß in letzterem Punkte geradezu wahrhaft jämmerliche Zustände herrschen. In einer Anstatt stand einmal nichts alS ein Eimer Linsenfupe als Verpflegung für diese kleinen und kleinsten Kinder für den ganzen Tag zur Verfügung. Um hier eine Ver- wahrlosung zu verhüten, sollte dt« Erhöhung der Subvention be- willigt werben. Ich tdentlftztere mich gewiß nicht mit diesem Verein, dessen Vorstand auS Pastoren Und Adeligen besteht Und der gewiß auch sehr In Patriotismus macht, aber er hat sich jahrzehnte- lang um die Versorgung von Kinder» bemüht, welche sonst ganz verwahrlosen würden. Stadtrat Nomstaul Es handelt sich hier uM einen eminent sozialpolitischen Gesichtspunkt. Von Unklarheit der Finanzgebarung kann nicht mehr geredet werden; die Klarstellung ist erfolgt, das neue Ergebnis hat nur nicht befriedigt, weil tminet noch eine besondere Reserve für die Häuserverwaltung vorhanden ist. Den Verein zwinge», auch diese Reserven für den gemeinnützigen Zweck zu verwenden, das können wir nicht. Seit 70 Jahren ist der Verein tätig; gegenwärtig versorgt er 2309 Kinder, wofür er 43 000 M. braucht. Ziehen wir unsere Hand zurück, so wlrd nicht der Verein, sondern so werden vi« Kinder gestraft. Stadtv. Gericke(Fr Fr.) tritt für die Erhöhung der Sub- vention ein. Der Verein habe zwei eigene Häuser und eS sei ganz richtig, daß er eigens Grundstücksverwaltung treibe. MiotS- raunte für die Zwecke der Kleinkinder-Bewahranstalten seien sehr "wer zu erlangen. Anmeldungen von Kindern lägen bis zu 000 0or.(Hört I hürtl) Stadtv. Wallach iL. L.)- Wir haben die Erhöhung schon im vorigen Jahre abgelehnt, und eS hat sich seitdem Nichts geändert. Wenn die Kost schlecht ist, wäre daS doch gerade ein Grund für die Ablehnung der Unterstützung. Wenn der Verein die Erträge aus seinen Grundstücken ansammelt, um eventuell Hypotheken« ausfälle zu decken, statt diese Gelder auch dem Vereinszweck zu» zuführeü, so können wir nicht für höhere Subvention sein. Siadtv. Rvsenow tritt für die Erhöhung ein. stadtv. Zadel: Ich habe nur gesagt, daß bei einer meiner Visiten ich die erwähnte schlechte Beköstigung koUstatieren konnte. Uebriaens hat die Stadt überall da, wo sie Subventionen hingibt, auch das Recht und die Pflicht der Kontrolle über deren Ver- wendung. Die höhere Summe von 5000 M. wird mit großer Mehr, heit bewilligt. _ Der Referent führt aus. dah die Erhöhung der Sub- Vention für den»Zentralverein für Arbeitsnachweis" von diesem ursprünglich auf 20 000 M. beziffert war. wovon 10 000 M. für die Verlegung des Dienstbotennachweises von der Gormannstraße M eine geeignetere Gegend. 5000 zur Errichtung von Facharbcits- nachweisen für gelernte Arbeiter und 5000 zur Deckung eines Defizits von 1600 M. sowie zur Erhöhung von Beamtcngehältern dienen sollen. Der Magistrat habe nur die letzten 5000 M. zu bewilligen beantragt. Der Ausschuß habe auch diesen Antrag mit großer Mehrheit abgelehnt, weil das Bedürfnis bestritten wurde; eventuell könne man ja die Bestimmungen über die Beitrag- erhebung abändern. Von den Stadtvv. Singer u. Gen.(Soz.) wird der Antrag angebracht, den Magistrat zu ersuchen, die llebernahme des Nachweises auf die Stadt in die Wege zu leiten. Stadtv. Rosenow bringt eine Resolution ein, wonach die Versammlung me Bewilligung der gesamten vom Verein ge- forderten Betrage empfiehlt. Stadtv. Glocke(Soz.): Der„Zentralverein" verdient in aller- eine städtische Unterstützung. Wir werden für die höhere Summe nach dem Magistratsantrage und jedenfalls auch für den Antrag Rosenow stimmen. Welche Aufgaben auf diesem rj: e noc� sind, lehrt ein Blick auf die Stätten, an welchen nachmittags ein Arbeitsmarkt herausgegeben wird, wo sich n*~clI'e äu Hunderten drängen und dann nach Arbeit rennen. Dw Ausgabe von 20 Pf., welche im„Zentralverein" gezahlt werden muß, ist für eine große Zahl der Arbeitslosen auch noch zu viel. „ Mi geradezu unverständlich, von welchen Erwägungen die Ausschußmehrheit ausgegangen ist, um die Erhöhung der Sub- ventwn für überflüssig zu erklären. Es hat sich sogar schon ein preußischer Minister mit Vorschlägen zur Reform der Arbeits- vermittelung befaßt! Außerdem sind von zahlreichen K o m- m u n e n ähnliche Maßnahmen getroffen worden. Da i st es doch unerhört, daß unser Ausschutz eine solche ablehnende Stellung eingenommen hat. Bei jeder Neuemstellung einer Maschine werden doch abermals Arbeitskräfte arbeitslos; auch diese Erscheinung drängt mit Macht dazu, die Ar- beitsnachweise zu organisieren. Die private und kommunale Tätigkeit auf diesem Gebiete ist namentlich in Süddeutschland auch von den Staatsbehörden unterstützt worden. Der in Berlin errich- tete Arbeitsnachweis hat sich ebenfalls bewährt und der Verein sich mit der Gründung ein Verdienst erworben. Die Kämpfe um den Besitz des Nachweises sind in Jndustriecentrcn wie Berlin nur zu sehr erklärlich. Derjenige Faktor der Organisation, der den Nach- weis im Besitz hat, kann ja auch einen Druck auf die Gestaltung des Arbeitsmarktes, der Lohn- und Arbeitsbedingungen ausüben. Der Verband der Metallindustriellen läßt mit dem größten Terror ismus den von ihm errichteten Arbeitsnachweis wirken, indem er auch auf die G e- sinnung der Arbeiter Einfluß zu gewinnen sucht, ein Terra- rismus, gegen den der angebliche sozialdemokratische Terrorismus der Arbeiterorganisationen ein Kinderspiel ist.(Rufe: Na! Na!) Der große Bierkrieg von 1894 endete doch mit dem Zugeständnis eines paritätischen Nachweises an die Brauer. Ich verweise ferner auf den Kampf in der Holzindustrie; eine Verwunderung über meine Ausführungen ist also gar nicht angebracht. Die paritätischen Nachweise haben zum Besten beider Teile gewirkt. Die Jnnungs- nachweise werden einseitig im Interesse der Arbeitgeber gehand- habt, so bei den Bäckern, Schlächtern, ganz abgesehen vom Gast- Wirtsgewerbe. Unbedingt muß eine Stadtverwaltung wie die Bcr- liner hier eingreifen. Das Richtige wäre eine kommunale, zentra- lisierte Arbeitsvcrmittelungsstelle; wir beantragen daher, den Magistrat zu ersuchen, den Nachweis von Stadtwegen zu organisieren, wie derartige kommunale Einrichtungen in Süd- dcutschland, aber auch in Preußen und Sachsen bereits bestehen. Ein solcher Antrag würde nur nachholen, was Berlin bisher auf diesem Gebiete versäumt hat. Dem städtischen Arbeits- Nachweis würde sich notwendig eine umfassende Statistik an- gliedern. In der Wahlbewegung hat man immer gehört, die Sozialdemokratie sei unfruchtbar, die liberalen Parteien allein seien zu positiver Arbeit fähig. Ist das wahr, so müssen Sie heute unseren Antrag annehmen!(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Rosenow: Wir können vom Terrorismus der Ar- beiterverbände ein anderes Lied singen. Dieser Terrorismus ist unerträglich geworden.(Beifall bei der Mehrheit; Lachen bei den Sozialdemokraten.) Redner tritt dann für seinen Antrag ein, den Magistratsantrag anzunehmen und sodann den Magistrat in einer Resolution zu ersuchen, auch die weiter geforderten 15 000 M. zu bewilligen, wobei er hauptsächlich auf die Dienstbotenmisere und die verwerflichen Praktiken der Vermietungstontore eingeht. Außerdem spricht er sich lebhaft gegen die Verstadtlichung des Arbeitsnachweises aus, die zu kostspielig und der Privatindustrie nachteilig wäre. Stadtv. Dr. Ritter(Fr Fr.) ist auch nicht für die Berstadt- lichung, aber für die Bewilligung der 5000 M. nach der Vorlage. Allerdings hätte er die Erörterung der ganzen Frage in einem Ausschuß gern gesehen. Stadtv. Dr. Nathan(soz.-fortschr.) tritt dem Kollegen Rosenow bei; auch er kann in der Uebernahme des Nachweises auf die Stadt keinen Vorteil erblicken, da der Nachweis vorzüglich funktioniere. Stadtrat Namslau: Der Magistrat wünscht auch die Ueber- nähme nicht; die Konsquenz davon ist, daß er dafür sorgen will und muß, daß die Existenz des jetzt gut verwalteten Vereins sicher. gestellt wird. In diesem Sinne empfiehlt er die Bewilligung von 5000 M. Damit schließt die Erörterung. Die Mehrheit nimmt den Magistratsantrag und die Resolution Rosenow an; der Antrag Singer wird abgelehnt. Auf Antrag des Stadtv. Singer wird jetzt die Vorlage be- treffend den Bau der beiden nördlichen städtischen Straßenbahnlinien sowie die nachträgliche Bewilligung von 10 000 M. für die Kosten weiterer Vorarbeiten beraten. Ueber den Inhalt dieser Vorlage haben wir seinerzeit ausführlich berichtet. Von der Alten Linken ist Ausschußberatung beantragt. Stadtv. Singer: Wie ich höre, ist ein Antrag auf Ausschuß- beratung gestellt. Ich würde bitten, die Vorlage ohne Ausschuß- beratung anzunehmen. Die Vorlage ist eingehend in der Vcr- kehrsdeputation beraten worden; es handelt sich jetzt darum, daß endlich einmal die Stadt anfängt, eigene Straßenbahnen zu bauen. Ich trage der Geschäftslage Rechnung und verzichte auf lange Aus- führungen, aber ganz kurz muß doch noch darauf hingewiesen werden, daß die Vorwürfe, die vielfach in der Ocffentlichkeit. bei Behörden und im Abgeordnetenhause der Stadt Berlin gemacht werden, daß die Stadt zu saumselig sei mit der Anlage neuer Verkehrsmittel, durchaus unberechtigt sind. Man braucht nur die Vorlage zu lesen und zu beachten, daß d i e A n t- Worten der Aufsichtsbehörden monate- und jähre- lang haben auf sich warten lassen. Jener Vorwurf trifft also lediglich die Aufsichtsbehörden. Ein charakteristisches Schlaglicht wird durch die Vorlage auf die Art geworfen, in der die Aufsichtsbehörde mit der Stadt verhandelt. Das Polizei- Präsidium verlangt an einer Stelle die Mitbenutzung einer städti- schen Strecke, um sie an Unternehmer zu verleihen, die ihm als passend für solche Unternehmungen erscheinen, also an die Kon- zession Bedingungen zu knüpfen, welche ihm ganz außerhalb seiner staatlichen Zuständigkeit die Verfügung über städtisches Eigentum überlassen an Privatunternehmer zur Mitbenutzung. Das muß hervorgehoben werden; dieses eine Beispiel beweist, mit welchen Schwierigkeiten Berlin bei seinen Verkehrsanlagen zu kämpfen hat. Nachdem die Dinge soweit gediehen sind, daß die Frage der Süd. linien noch von einem schiedsgerichtlichen Ausspruch abhängig ist. wobei wir ein Schiedsgericht anrufen müssen wegen des Umstandcs, daß die„Große" der Meinung ist, daß sie die Verpflichtung der Mit- benutzung von 400 Meter nicht zu erfüllen braucht, weil die geplanten Linien den ihrigen angeblich Konkurrenz machen, außerdem Schaden- Verantw. Redakteur: Kons Webtt�Beitin. JnfetatentcU ociantm.: ersah von 50000 und 12 000 M. pro Jahr beansprucht. Es macht einen eigentümlichen Eindruck, wenn uns der Polizeipräsident so ost auffordert, die Verkehrsangelegcnheiten in gütlichem Einvernehmen mit der„Großen" zu regeln. Ich wünsche, er hätte mit diesem Kontrahenten zu tun! Die Nordlinien müssen wir, durch das Vor- gehen der„Großen" gezwungen, in dieser Tragweite verändern. Nach fast allgemeiner Meinung ist die neue Trace vorteilhafter, Iveil sie uns mit dem Viehhof in direkte Verbindung bringt. Alles in allem wird Ausschutzbcratung überflüssig sein.(Beifall.) Stadtv. Stapf(A. L.): Wir wollten der Vorlage keine Schwierigkeiten machen, sondern hielten für nötig, in einem Aus- schuß nochmals das Verhältnis zur„Großen" zu erörtern, sowie das Novum, welches in dem erwähnten Verlangen des Polizei» Präsidenten liegt. Auf den Wunsch aller übrigen Fraktionen ziehen wir aber diesen Antrag zurück., Stadtv. Rosenow: Ich freue mich über diesen Entschluß. Im Abgeordnetenhause habe ich heute das Ministerium ersucht, die Verhandlungen mit der Stadt zu beschleunigen und nicht ferner die Verhältnisse immer unter dem Gesichtspunkt der Rücksicht auf die „Große", eine Privatgesellschaft, zu betrachten. Für zwei Linien haben wir die Genehmigung; verlieren wir keine Zeit!(Beifall.) Nachdem noch Stadtv. K y l l ni a n n(Fr. Fr.) sofortiger Er- ledigung zugestimmt hat, wird die Vorlage ein st immig ange- n o m m e n. Den vom Magistrat vorgeschlagenen Ankauf eines Schulgrund- stücks in der G e n t e r Straße(das Terrain von ca. 4895 Quadrat- meiern gehört der Bodcnaktiengcsellschast Berlin-Nord und der Quadratmeter soll 88 M. kosten» ist von dem eingesetzten Ausschusse als zu teuer und unvorteilhaft einstimmig abgelehnt worden. Ohne Debatte tritt das Haus nach dem Referat des Stadtv. Wallach diesem Beschlüsse bei. Aus den Anträgen K y l l m a n n(Fr. Fr.) auf Beschaffung von 2 Automobilen für Zwecke der städtischen Verwaltung und A r o n s(Soz.) betr. die Anschaffung von Fahrkarten auf den «traßenbahnen für die Mitglieder der beiden städtischen Behörden sind folgende Ausschußanträge hervorgegangen: 1. Die Versammlung ersucht den Magistrat um eine Vorlage behufs versuchsweiser Beschaffung von 1 oder 2 Automobilen zur Verfügung des Magistrats. 2. Gleichzeitig wird der Magistrat ersucht, im nächsten Etat Mittel bereit zu stellen, um für die Mitglieder der Versammlung und des Magistrats Fahrkarten auf den Straßenbahnen anschaffen zu können. Ueber die beiden Punkte wird gesondert diskutiert. Der erste Antrag wird nach dem Referate des Stadtv. K y l l m a n n mit der vom Stadtv. Bamberg(A. L.) beantragten Modifikation angenommen, daß die Worte„oder 2" gestrichen werden. Die Versammlung wendet sich dann zum Ausschutzantrag über den Antrag AronS. Stadtv. Kyllmann referiert, daß der Antrag seit 2 Jahren bereits zweimal abgelehnt sei, daß man aber diesmal im Ausschuß Rücksicht genommen habe auf die Wünsche einer großen Anzahl von Herren der Versammlung, da man ja auch bisher schon bare Auslage für Fahrten usw. liquidieren konnte. Stadtv. Haberland(A. L.): Ein großer Teil meiner Freunde wird den Antrag ablehnen. Wenn es auch selbstverständlich ist, daß jeder Stadtverordnete seine baren Auslagen liquidieren kann, so halten wir es für ebenso selbstverständlich, daß kein Stadtverord- ncter darüber hinaus einen Vorteil in seiner Ämtseigenschaft haben soll.(Oho!) Das würde aber geschehen, wenn man die Karte jeden Tag benutzen könnte, nicht bloß an den Tagen und zu den Zwecken, die mit der Stadtvcrordnetentätigkeit zusammen- hängen. Ich bitte, den Antrag abzulehnen. «tadtv. Borgmann(Soz.): Herr Haberland wird zugeben müssen, daß es außerordentlich peinlich ist, die einzelnen Auslagen hier zu liquidieren, wodurch außerdem noch eine große Menge von Schreibarbeit entsteht. Gerade unter den Freunden des Herrn Haberland sind viele Herren so gestellt, daß sie nicht zu liquidieren brauchen— oder sie sind selbst im Besitze eines Auto- mobils(Heiterkeit), aber Herr Haberland muß doch auch an den großen Kreis derer denken, denen die Kosten nicht zugemutet werden können. Ich bitte, den Ausschußantrag anzunehmen, da die For- derung eine Forderung der Gerechtigkeit ist, die die Stadt auch nicht versagen wird. Stadtv. Bamberg(A. L.): Zu meinem Bedauern bin ich mit meinem Freunde Haberland nicht einverstanden. Nicht alle Leute können in das große Portemonnaie greifen. Wir können nicht neben unserer angestrengten Tätigkeit als Stadtverordnete auch noch pekuniäre Opfer bringen. Die Reichstagsmitglieder haben ebenfalls freie Fahrt, auch dann, wenn der Reichstag vertagt ist. Ich bitte, den Ausschußantrag anzunehmen. Stadtv. Jacobi(A. L.) ist der Meinung, daß der Antrag wie vorliegend nicht angenommen werden könne. Von den eventuell erforderlichen 42 000 M. würde doch nur der vierte Teil aus- genutzt werden; so dürfe die Stadt das Geld nicht fortwerfen. Stadtv. Haberland: Die Kollegen haben mir mein Automobil vorgeworfen(Oho! und Heiterkeit) Ich stehe auf dem Standpunkt, daß jeder seine Auslagen liquidieren kann; über die angeregte Be- schränkung des Abonnements auf 2 Linien läßt sich reden. Stadtv. Ladewig(N. L.) stellt den Antrag, der Magistrat möge mit der Straßenbahngesellschaft wegen eventueller Verbilligungen verhandeln. Stadtv. Rosenow spricht sich kurz für den Ausschußantrag aus. Stadtv. Singer: Der Eindruck des Antrages Ladewig, der Ver- Handlungen mit der Großen Berliner Straßenbahngesellschaft vor« schlägt, kann nur dadurch paralysiert werden, daß die Versammlung den Antrag einstimmig ablehnt(Allgemeine Zustimmung).— Niemand von uns ist es eingefallen, Herrn Haberland sein Automobil vorzuwerfen, das wäre auch bei der Gastfreundschaft, die Herr Haberland mit seinem Automobil übt, ein Unrecht. Aber wollen Sie dadurch, daß eine große Anzahl der Herren nicht in der Lage ist, auf die Auslagen verzichten zu/ können, Stadtverordnete l. und II. Klasse schaffen?(Unruhe.) Es wird gesagt, daß die dafür aus- geworfenen Mittel nicht ausgenutzt würden», aber andererseits kann ich mir sehr gut denken, daß viele Kollegen durch den Besitz einer solchen Fahrkarte viel öfter zu Fahrten in Ausübung ihrer Tätigkeit als Stadtverordneter sich veranlaßt fühlen könnten. Ich bitte, den Ausschußantrag anzunehmen. Stadtv. Ladewig bleibt dabei, daß man der„Großen" mit den Abonnements lediglich ein Geschenk mache. Es liege ihm ganz fern, die Versammlung zu animieren, bei der„Großen" zu petitionieren; wohl könne man aber auf einen minderen Preis dringen. Stadtv. Cassel bittet den Kollegen Ladewig, den Antrag zurück- zuziehen, da er Mißverständnissen ausgesetzt sein könne. Den Aus- schußantrag bekämpft Redner besonders mit dem Argument, daß die Analogie mit den Reichstagsfreikarten nicht zutreffe. Stadtver- ordnete erster und zweiter Klasse durch den Hinweis auf die Be- rechtigung zur Liquidierung schaffen zu wollen, liege ihm ganz fern. Man dürfe nicht mehr Geld ausgeben, als notwendig sei, namentlich nicht aus bloßer Courtoisie.( Die Versammlung wird allmählich so unruhig, daß die Redner sich nur noch schwer verständlich machen können.) Stadtv. Wallach plaidiert für den Ausschußantrag mit Aus- führungen, die Stadtv. Cassel sofort wieder für seinen Standpunkt zu verwerten sucht. In namentlicher Abstimmung wird der Ausschußantrag mit 76 gegen 24 Stimmen angenommen. Es ist inzwischen 9 Uhr geworden. Eine längere Geschäfts- ordnungsdebatte entspinnt sich, ob vertagt oder ob fortgearbeitet werden soll. Die Versammlung fährt in der Beratung der Tages- ordnung fort; es wird noch eine Reihe von Gegenständen minderer Bedeutung erledigt. Die Vorlagen betreffend die Abänderung der Straßenanlage behufs Verlängerung der Putlitzstraße über den Bahnhof Moabit bis zur Straße 30 Abt. VIII sowie zur Festsetzung einer Fluchtlinie vor der Einmündung d-r ab-n- ändernden Verlängerung in die Straße 00, sowie vetreffend oie Kl. miätJSiüia."iDwrf u.ÄiixIflfl; gkuumf BitM.». XtoiPfiiangai Erbauung einer Ueberfükirung der verlängerten Putlitzstraße über den Bahnhof Moabit und einer im Zuge der Föhrer st ratze über den Spandauer Schiff- fahrtskanal führenden Straßenbrücke werden nach Ablehnung eines Antrages Hintze(Soz.) auf Ausschußberatung nach kurzer Debatte unverändert genehmigt. Die P et i t i o n der Aufseher der Straßen- r e i n i g u n g um Gehaltsaufbesserung, Festsetzung eines Kleider- geldbetrmgcs und Einrichtung eines periodisch wiederkehrenden dienstfreien Tages wird bezüglich des letzten Punktes dem Magistrat zur Berücksichtigung überwiesen; im übrigen geht das Haus zur Tagesordnung über. Gegen ViiO Uhr muß die Sitzung abgebrochen werden, da Beschlußunfähigkeit eingetreten ist. Soziales. Dienstbotenlos. Was sich ein Dienstmädchen alles gefallen lassen muß. zeigte eine Verhandlung vor dem Schöffengericht in Frankfurt a. M. An- geklagt war die Hebamme nnd Schutzmanns-Ehefrau E l i s a b e t h R e n k e l. Es wird ihr zur Last gelegt, ein Dienst- mädchen gegen seinen Willen körperlich untersucht, wörtlich und tätlich beleidigt zu haben. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der Anklage liegt folgendes zu Grunde: Das betreffende Dienstmädchen fühlte sich am Sonntag, den 23. Oktober 1906, nicht wohl und teilte ihrer Herrschast auf einem Zettel nnt, daß es den Sonntag über in seiner Mansarde bleiben würde. An demselben Abend wurde nun das Mädchen von der Hebamme Reukel, die von der Herrschaft herbeigeholt wurde, einer gewaltsamen Untersuchung unterzogen. Das Mädchen setzte sich heftig zur Wehr, die Hebamme überwältigte sie jedoch und betastete es iii der rücksichtslosnsten Weise. Als Kerzenhalter fungierte bei dieser empörenden Handlung ein S ch u tz m a n n. der zur Hülfe herbeigeholt worden war. Er habe aber— so sagt er— bei der Untersuchung sein Gesicht abgewandt. Die Hebamme stellte aus Grund der Untersuchung fest, das Mädchen habe heimlich geboren und das Kind bei Seite geschafft. Auf ihre Veranlassung wurde nun das Mädchen nach der Entbindungsanstalt gebracht. Hier wurde aber festgestellt, daß das Mädchen niemals geboren hatte und auch nicht in anderen Umständen war. Der Chefarzt der Entbindungs- anstalt sprach seine schärfste Mißbilligung über diese Art der Unter- snchung eines unbescholtenen Mädchens aus. Das Gericht nahm tätliche und wörtliche Beleidigung und Nötigung an. Es verurteilte die Hebamme wegen der de mMädchenzugefügteKränkungz udergeringen G e l d st r a f e von 50 M.. und wegen Uebertretung der Hebammen- ordnung zu 20 M. Geldstrafe. Der Amtsanwalt hatte ernen Monat Gefängnis beantragt. Letzte JVaebnehten und Depefchcn, Zum Untergang des Dampfers„Berlin".« Hoek van Holland, 21. Februar.(W. T. B.) Um 4 Uhr ging das Rettungsboot von neuem in See, es war aber alles vergebens. Bisher sind ungefähr 30 Leichen geborgen. Rekognoszirt sind die Leichen von A. Krüger aus dem Haag, von Lamotte, Anderson und Patricks nebst Sohn, alle aus Hamburg, sowie die Leichen von fünf Mann der Besatzung. Am Ufer sind tausende von Zuschauern. Die Lage des Schiffes ist noch unverändert. Der Minister für Ackerbau, Industrie und Handel sandte gleich bei der ersten Nachricht von der Katastrophe der„Berlin" den Schiffahrtsinspektor nach Hoek van Holland, um sich über die Größe des Unglücks auf dem Laufenden zu halten. Hoek van Holland, 21. Februar.(II. T. B.) Der Kapitän Parkeson aus Belfast, welcher allein von den an Bord der gestran- deten„Berlin" befindlich gewesenen Personen gerettet wurde, war auf der Reise nach Amsterdam, um dort ein Schiff für seine Reeder zu übernehmen. Er erzählte, die Nacht sei schrecklich gewesen, in seiner eigenen Laufbahn als Seemann habe er wenig ähnliche er- lebt. Er hätte sich deshalb vollständig bekleidet beständig auf dem Oberdeck aufgehalten. Das Leuchtfeuer war. wie Parkeson erzählt, schon in der Nähe gewesen, und die Passagiere, von denen sich die meisten wegen des Sturmes nicht zur Ruhe begeben hatten, schöpften schon wieder Hoffnung, da erfolgte die Katastrophe. Es wurde ein furchtbarer Stoß verspürt und plötzlich saß das Schiff unbeweglich fest. Parkeson stürzte auf Deck, um seine Hülfe anzubieten, da er Seemann ist; aber in dem Augenblick sah er den Kapitän und den Steuermann im Wasser verschwinden. Was dann geschah, weiß Parkeson nicht genau. Als er wieder zum Bewußtsein kam, fand er sich im Meere, von Holzstücken umgeben. Er ergriff einige von ihnen, und es gelang ihm auch, sich über Wasser zu halten. Als er ein Rettungsboot sah, rief er um Hülfe. Dann wurde er nach dem Bahnhof geschafft und von dort nach dem Hotel. Parkeson muß un- gefähr eine Stunde in dem tobenden und eisigen Wasser gewesen sein. Tief ergriffen erzählt er noch Einzelheiten darüber, wie er etwa 100 Menschen auf dem Vorderteil des Oberdecks stehen sah, ehe er von den Wogen fortgerissen wurde. Weitere Schiffskatastrophen. Cuxhaven, 21. Februar.(W. T. B.) Heute vormittag sank der Bremerhavener Schlepper„Neufahrwasser" infolge Zusammen- stoßes mit dem Kreuzer„Medusa". Es sind ertrunken der Kapitän, der erste und der zweite Maschinist, der Steuermann und ein Heizer. Vier Mann der Besatzung wurden von dem Schlepper „Terschelling" schwerverletzt nach Cuxhaven gebracht. Ein Mann der Besatzung wurde von der„Medusa" gerettet. Bergmannslos. Prag, 21. Februar.(W. T. B.) Wie die Abendblätter aus Brüx berichten, wurden auf dem Johannschachte der Gewerkschaft der„Brucher Kohlenwerke" vier Bergleute beim Niederbrechen eines Abbanplanes durch herabstürzende Kohlen verschüttet. Es wurde sofort an die Bergungsarbeiten geschritten; erst nach längerer Zeit gelang es, zu den Verschütteten vorzudringen. Ei» Bergmann wurde tot aufgefunden, die anderen drei Bergleute sind so schwer verletzt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Reaktionäre Anschläge. Tie„Russ. Korrespondenz" erhält folgendes Telegramm: Petersburg, 21. Februar. Aus zuverlässiger Quelle erfahre ich, daß in einer Beratung in Zarskoje Selo beschlossen worden ist, die Tuma bei den ersten Anzeichen revolutionärer Gesinnung auseinanderzujagen, eine Acndc- ruug des Wahlgesetzes vorzunehmen und sich zunächst auf den Reichsrat zu stützen._ Hungerstreik. Lemberg, 21. Februar.(B. H.) Die verhafteten ruthenischen Studenten, die sich seit mehr als drei Wochen im hiesigen Straf- gericht befinden, haben heute mit dem angedrohten Hungerstreik be- gönnen, um gegen die lange Untersuchungshaft zu protestieren. New Dork.(B. H.) Auf dem Mississippi stieß der Kreuzer „Cleber" mit einem amerikanischen Dampfer zusammen, welcher so- fort sank. Acht Man» der Besatzung sind ertrunken. Berlin L W. Hierzu 3 Beilagen u, Unterhaltungsblatt Ir.15. 24. Jahrgang. 1. Idligt i>e» Jotmärts" Sttlintr UcksdiM Frettag, 22. Februar M7. Kbgeorclnetenkaus. tv. Sitzung vom D onner s ta g, den 21. Februar, vormittags 11 Uhr. Am Mmstertische: v. Bethmann-Hollweg. Die zweite Beratung des Etats des Ministeriums des Innern wird fortgesetzt beim Kapitel Polizeiverwaltung in Berlin und Umgebung. Minister v. Bethmann-Hollweg: Von vielen Rednern ist gestern eine Reform der Gesindeordnung gefordert worden. Rein formal genommen, könnte man die Reformbedürftigkeit insofern wohl zu- geben, als diejenige Gesindeordnung, welche für das größte Gebiet gilt, ein Jahrhundert alt ist. Die Lebensverhältnisse haben sich seitdem geändert, und es ist nicht zu verwundern, wenn manche Bestimmungen mit den heutigen Auffassungen nicht übereinstimmen. Auf die Er- holungsbedürftigkeit wird von den Herrschaften meist zu wenig Rücksicht genouuuen. Ich erinnere auch an die Hängeböden, die lvir in den älteren Berliner Häusern haben. Sind das aus- reichende Wohnungen? Es kommt hinzu, daß wir uns gewöhnt haben, bei Ansehung unserer Bergnügungen auf unser Gesinde nicht genügend Rücksicht zu nehmen.(Sehr wahr I) Auf der anderen Seite sehen wir eine Scheu des Gesindes vor dem Dienst, so daß es dem Bauer oft unmöglich ist, ländliches Gesinde zu bekommen. Alles das ist von dem Charakter der Gesindeordnung absolut unabhängig. Eine allgemeine, einheitliche Kodifikation des Gesinderechts für die verschiedenen Teile der Monarchie ist bei den ganz verschiedenen Verhältnissen ein außerordentlich schwieriges Werk, selbst wenn man, wie Abg. Münsterberg einpfählen hat, eine grundsätzliche Scheidung von Stadt und Land vornimmt. Sie werden mir daher nicht etwa Faulheit vorwerfen, wenn ich Bedenken trage, Ihnen eine Zusage zu erteilen. Der Abg. v. Schuckmann hat ernste und bewegliche Klagen über das Berliner Nachtleben vorgebracht. Ich meine, er hat sich dabei vieler Uebertreibungen schuldig gemacht.(Sehr wahr!) In einer Beziehung gebe ich ihm aber durchaus recht: Es herrscht die Tendenz, die Nacht iinmer mehr zum Tage zu machen in keiner anderen Großstadt so sehr wie in Berlin. Das Rezept des Abg. b. Schuckmann scheint mir aber eine Pferdekur zu sein. Wenn er eine frühe Polizeistunde für Berlin fordert, so übersieht er doch wohl, daß die internationalen Verkehrsverhältnisse und der Verkehr mit den Vororten dies gar nicht zulassen. Ich habe den Polizeipräsidenten schon zu Beginn meiner Amts- tätigkeit ausgefordert, jeder Verlängerung der Polizeistunde mit Energie entgegenzutreten. Auf die Polizei kommt aber nicht alles an. Auch in England und Amerika haben sich die Polizeivorschristen nach den Lebensgewohnheiten gerichtet und nicht umgekehrt. So wird es auch bei uns sein müssen. Die Mäßigkeits- bewegung, die nicht in Enthaltsamkeit auszuarten braucht, kann viel Gutes bringen. Man muß dem Bildungshunger Rechnung geben. Hier Pflege und Vermehrung des Sports kann gar nicht genug ge- schehen. Das ist eine sehr wichtige Aufgabe unserer Kommunen, die ich nachdrücklichst unterstütze. Die Prostitutionsfrage ist ein heikles Thema, nicht nur wegen der Materie, sondern auch wegen der Heuchelei, die hier vorkommt. Das System unseres Strafgesetzbuches ist ein unlogisches und verworrenes. Die Polizei kann jetzt gar nicht anders als eine gewisse Reglementierung einführen. Wenn lvir also zu einer Besserung kommen wollen, muß das Strafgesetzbuch ge ändert werden! Vielleicht können wir zu einem System kommen, wie es Dänemark hat l Dort ist die Reglementierung beseitigt, aber scharfe Strafbestimmungen, namentlich in hygienischer Beziehung, sind eingeführt.— Die Animierkneipen würde auch ich gern mit einem Federstrich beseitigen. Nach der Gewerbe Ordnung ist es aber nicht zulässig, die Konzession davon abhängig zu machen, daß keine weibliche Bedienung zugelassen wird.— Bor allen Dingen gilt es, die körperlichen und sittlichen Kräfte zu heben. Die Anschauungen des Volkes müssen mehr und mehr geläutert werden. Ich hoffe, daß es dann mehr und mehr— vielleicht mit immer wiederkehrenden Rückschlägen— gelingt, die Auswüchse einer Nawrkraft zu beseitigen, der wir vom letzten Ende alle das Dasein, die Lust am Leben, Kraft und Arbeitsfteudigkeit verdanken.(Lebhafter Beifall.) Abg. vroemel(fts. Va.) klagt über mangelnde Sicherheit des Berkner Tiergartens. Es zeige sich, daß die Sorge für die Stawen größer sei als die für die Menschen. Redner begründet sodann ausführlich einen Antrag, das Gehalt der Schutzmannswachtmeister auf 1700 bis 2400 M., das Höchstgehalt der Schutzmänner von 1900 auf 2100 M. zu erhöhen. Minister v. Bethmann-Hollweg bittet, diesen Antrag der Kom- Mission zur Beratung aller Beamtengehälter zu überweisen. Abg. Dr. Dittrich(Z.): Es gebe andere, edlere Quellen für Arbeitsfreudigkeit als die vom Minister gepriesene Naturkraft. Die Bemerkung des Ministers fei eine Verletzung für diejenigen, die durch die Verhältnisse oder fteie Entschließung an der Betätigung dieser Naturkraft gehindert seien.(Beifall im Zentrum.) Minister v. Bethmann-Hollweg: Ich kann nicht begreifen, wie man meine Worte so auffassen konnte, wie der Vorredner es getan hat. Ich habe doch nicht von Sinnlichkeit, sondern von Lebenskraft gesprochen. Abg. v. Schuckmann(k.) stellt gegenüber den gestrigen Aus- führungen des Abg. Kreitling fest, daß er in seiner Rede ausdrücklich anerkannt habe, daß viele Berliner Familien ein sittlich einwand- fteies Leben führten. Abg. Münsterberg(fts. Vg.) bedauert die Erklärung des Ministers, daß er eine Kodifikation der Gesindeordnung nicht schaffen könne. Was Baden, Württemberg und Sachsen könnten, müsse Preußen auch können. Abg. Roscnow(fts. Vp.) konstatiert, daß der Abg. v. Schuckmann durch seine heutige Bemerkung feine gestrige Beleidigung der Ber- liner nur noch unterstrichen habe; denn, wenn er sage, daß es auch viele Familien gebe, die gut lebten, so werfe er doch den übrigen vor, daß sie unsittlich lebten. Redner bespricht sodann das Verhältnis der Stadt Berlin zur Großen Berliner Straßenbahn- Gesellschaft: Auf die Genehmigung von Straßenbahnlinien durch den Polizeipräsidenten hätte die Stadt oft zwei Jahre warten müssen! Der Polizeipräsident habe das Interesse der Gesellschaft stets in den Vordergrund gerückt.(Beifall links.) Minister v. Bethmann-Hollweg stellt dem Vorredner anheim, eine Beschwerde über Berliner Verkehrsverhältnisse beim Etat des Ministers der öffentlichen Arbeiten vorzubringen. Abg. Heifig(3-) spricht sich für eine Reform der gänzlich ver- altetcn Gesindeordnung, insbesondere für die Aufhebung der Koalitionsvcrbote auS und wünscht eine Verschärfung der Nahrungs- Mittelkontrolle. Abg. Vroemel(Ks. Vg.) weist noch einmal auf die Notwendigkeit größerer Kontrolle des Automobilverkehrs hin. Abg. Kreitling hält gegenüber dem Abg. v. Schuckmann seine gestrigen Ausführungen vollständig aufrecht. Der Antrag Broemcl wird der Budgetkommission überwiesen. Es folgt das Kapitel„Polizeiverwallung in den Provinzen". Abg. Eckert(k.) begründet einen Antrag auf Gleichstellung der Beamten der Polizeiverwaltungen in den Provinzen mit denjenigen der Polizeiverwaltung in Berlin und Umgegend. Abg. Funck(frs. Vp.) tritt insbesondere für eine Besserstellung der Polizeikommissare in Frankfurt a. M. und ihre Gleichstellung mit den Berliner Polizeileutnants ein. Abg. Hammer(k.) macht daraus aufmerksam, daß die Bestimmung des Vereinsgesetzes, wonach Schüler und Lehrlinge politischen Ver- einen nicht angehören dürfen, durch das Bestehen der sozialdemo- bcWien Lebrlinos- und Jugendvereine verletzt werde. In Breslau habe der Oberpräsident erklärt, daß jugendliche Arbeiter, welche die Fortbildungsschule besuchen müßten, also bis zum 18. Lebensjahre, als Schüler im Sinne des Vereinsgesetzes anzusehen seien. Ein solches Vorgehen empfehle sich auch für Berlin. Abg. v. Wenken(k.) tritt für erhöhten Tierschutz ein. Der Antrag geht an die Budgetkommission. Beim Kapitel:„Polizeidistriktskommissare m der Provinz Posen" wünscht Abg. Kindler(fts. Vp.) Erhöhung des Fonds für Bureau- und Pferdevergütungen für diese Kommisiare. Die Abgg. Lusensky(natl.) und Biereck(frk.) schließen sich dem Vorredner an. Hierauf vertagt das HauS die Weitcrberatung auf Freitag 11 Uhr. (Außerdem: Interpellation des Zentrums und der Freisinnigen wegen des Unglücks aus der Rcedrngrube im Saarrevier.) Schluß 4 Uhr. Die russische Revolution. Die Wahlen. Petersburg, 20. Februar.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Von den bis 10 Uhr abends in ö6 Gouvernements und 15 Städten mit eigener Vertretung gewählten Dumamitgliedern sind 36 Monarchisten und 27 Gemäßigte, darunter 17 Oktobristen. 163 gehören der Linken an, unter ihnen befinden sich 47 Kadetten, 31 Sozialdemokraten und 43 Nationalisten. Odessa, 20. Februar.(W. T. B.) Zum Abgeordneten für die Reichsduma wurde der Kadidat der Kadettenpartei Pergament, ein Israelit, mit 54 Stimmen gegen den Sozialdemokraten Maliatowitsch gewählt, der 33 Stimmen erhielt. Petersburg, 21. Februar.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Nach den bis 4 Uhr nachmittags eingelaufenen Telegrammen sind 355 Abgeordnete gewählt, darunter 62 von der Monarchistenpartei. 28 Gemäßigte, 221 von der Linken und 44 Nationalisten. Unter den Mitgliedern der Rechten sind 27 Monarchisten und 13 Oktobristen, unter denen der Linken 59 Kadetten, 27 Angehörige der Arbeiterpartei, 33 Sozialdemokraten und 7 Sozialrevolutionäre.(Die Gesamtzahl der Abgeordneten für die Reichsduma beträgt 524.) Petersburg. Ueber die Wahl in Petersburg geht uns folgende? Privattelegramm zu: Petersburg, den 21. Februar. Die Kadetten- erlangten Stimmenmehrheit, jedoch kann der Linkenblock einen starken Erfolg registrieren._ Vorschrifteu über die Einrichtung und den Ketrieb der zur Anfertigung von Zigarren bestimmte» Anlagen. Im gestrigen„ReichS-Anzeiger" wird die nachstehende Bekannt- machung des Bundesrats vom 17. Februar 1907, betreffend die Einrichtung und den Betrieb der zur Anfertigung von Zigarren be- stimmten Anlagen veröffentlicht, die mit dem 1. Mai dieses Jahres in Kraft tritt: Bekanntmachung, betreffend die Einrichtung und den Betrieb ber zur Anfertigung von Zigarren bestimmte« Anlagen. Vom 17. Februar 1907. Auf Grund des§ 120e der Gewerbeordnung hat der Bundesrat folgende Vorschriften, betreffend die Einrichtung und den Betrieb der zur Anfertigung von Zigarren bestimmten Anlagen erlassen: § 1. Die nachstehenden Vorschriften finden Anwendung auf alle Fabriken und sonstigen gewerblichen Anlagen, in welchen zur Her stellung von Zigarren erforderliche Verrichtungen vorgenommen oder Zigarren sortiert werden, sofern in den Anlagen nicht ausschließlich zur Familie des Arbeit- gebers gehörige Personen beschäftigt werden. § 2. Die Arbeits-, Lager, oder Trockenräume dürfen nicht als Wohn-, Koch- oder Vorratsräume benutzt werden. Die Zugänge von den Arbeits-, Lager- oder Trockenräumen zu be- nachbarten Wohn-, Schlaf-, Koch- oder Vorratsräumen sowie die Zugänge von den Arbeitsräumcn zu benachbarten Lager- oder Trockcnräumen müssen mit selbstschließcnden dichten Türen ver- sehen sein, welche während der Arbeitszeit geschlossen sein müssen. § 3. Räume, in welchen das Abkippen von Tabak, das Wickeln, Rollen oder Sortieren von Zi- g a r r e n vorgenommen wird, müssen den folgenden Anforderungen entsprechen: 1. Sie dürfen mit ihrem Fußboden höchstens einen halben Meter unter dem ihn umgebenden Erdboden liegen und müssen, wenn sie unmittelbar unter dem Dache liegen, verputzt oder ver- schalt sein; 2. sie müssen mindestens drei Meter hoch sein; 3. sie müssen mit festen und dichten Fußböden versehen sein; 4. sie müssen mit unmittelbar ins Freie führenden Fenstern versehen sein, welche nach Zahl und Große genügen, um für alle Arbeitsstellen Luft und Licht in ausreichendem Maße zu gewähren. Die Fenster müssen so eingerichtet sein, daß sie wenigstens für die Hälfte ihres Flächenraums geöffnet werden können; 5. in den Räumen müssen auf jede beschäftigte Person min- bestens zehn Kubikmeter Luftraum entfallen. 8 4. Im übrigen gelten für die im 8 3 bezeichneten Räume fofgende Vorschriften: 1. In den Räumen darf Tabak nicht ander? als in angefeuchtetem Zustande gemischt und nicht getrocknet werden. Tabak oder Halbfabrikate dürfen nur in der durchschnittlich für eine Tagcsarbeit erforderlichen Menge gelagert werden. Auch dürsen daselbst nicht mehr Zigarren vorhanden' sein, als durchschnittlich an einem Tage angefertigt loerden. In Anlagen, in welchen nicht mehr als fünf Arbeiter beschäftigt tverden, ist eS gestattet, in den Räumen Tabak und Halbfabrikate in der durchschnittlich für eine Wochenarbeit erforderlichen Menge und soviel Zigarren, als durchschnittlich in einer Woche angefertigt werden, aufzubewahren, soforn die Aufbewahrung in dicht geschlossenen Behälwissen erfolgt. 2. Die Räume müssen täglich mindestens dreimal eine halbe Stunde lang, und zwar jedenfalls morgens vor Beginn der Arbeit, während der Mittagspause und nach Beendigung der Arbeitszeit, durch vollständiges Oeffnen der Fenster und der nicht in Wohn-, Schlaf-, Koch- oder VorratSräume führenden Türen gelüftet werden. Während dieser Zeit darf den Arbeitern der Aufenthalt in den Räumen nicht gestattet werden. cha 8. Die Räume und deren Einrichtukigcn. insbesondere auch Wände, Decken. Gesimse, Regale sind mindestens zweimal im Jahre gründlich zu reinigen. Von den Fußböden und Arbeitstischen ist täglich mindestens einmal durch Abwaschen oder feuchtes Abreiben der Staub zu entfernen. 4. In den Räumen sind mit Wasser gefüllte und täglich zu reinigende Spucknchffe, und zwar mindestens einer für je fünf Per- sonen, aufzustellen.' i-irwltm 5. In den Räumen oder in deren unmittelbarer Nähe sind füt die Zahl der darin beschäftigten Arbeiter ausreichende Wascheinrich' tungen mit Handtüchern und Seife anzubringen. 8 ö. Kleidungs st ücke, welche während der Arbeitszeit abgelegt werden, sind außerhalb der Arbeits-, Lager- oder Trockenräume auf- zubewahren. Innerhalb dieser Räume ist die Aufbewahrung nur dann gestattet, wenn sie in ausschließlich dazu bestimmten verschließ« baren Schränken erfolgt. Die letzteren müssen während der Arbeits- zeit geschlossen sein. � 6- In Anlagen, in welchen 10 oder mehrArbertsr beschäftigt werden, müssen für Arbeiter und Arbeiterinnen getrennte Aborte mit besonderen Eingängen und. sofern vor Beginn und nach Beendigung der Arbeit ein Wechseln der Kleider stattfindet, getrennte AuS- und Anlleideräume vorhanden sein. 8?. Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter dürfen nur dann beschäftigt werden, wenn sie im unmittelbaren Arbeits- Verhältnisse zum BetriebSunternchmer stehen. DaS Annehmen und Ablohnen dieser Personen durch andere Arbeiter oder für deren Rechnung ist nicht gestattet. Diese Vorschrift findet auf Arbeiter, die zu einander in dem Verhältnisse von Ehegatten oder Geschwistern stehen oder mit einander in gerader Linie verwandt oder verschwägert sind, keine Anwendung. § 8. Die höheren Verwaltungsbehörden sind befugt, auf Antrag Ausnahmen von den Vorschriften des 8 3 Ziffer 2, Ziffer 4 Satz 2, Ziffer 5 und des 8 4 Ziffer 2 zuzulassen, wenn die Arbeitsräume mit einer wirksamen Einrichtung zur Herbeiführung eines aus- reichenden Lustwechsels versehen sind. Im Falle der Bewilligung von Ausnahmen von der Vorschrift des§ 3 Ziffer 5 müssen jedoch für jede beschäftigte Person mindestens sieben Kubikmeter Luftraum verbleiben. Die höheren Verwaltungsbehörden können ferner auf Antrag Ausnahmen von der Vorschrift des 8 3 Ziffer 2 für solche Räume zulassen, in denen auf die darin beschäftigten Personen ein größerer als der im§ 3 Ziffer 5 bezeichnete Luftraum entfällt. Auch können für die Arbeitsräume in Shedbauten sowie für solche Räume, welche mit einer besonders großen Fensterfläche ausgestattet sind, Ausnahmen von der Vorschrift des§ 3 Ziffer 4 Satz 2 nachgelassen werden. Die höheren Verwaltungsbehörden sind befugt, für Anlagen, in denen nicht mehr als fünf Arbeiter beschäftigt werden, in Ab» weichung von den Vorschriften des 8 2 und des§ 4 Ziffer 1 Abs. 1 auf Antrag zu gestatten, daß das Trocknen des Tabaks in der Küche oder im Arbeitsraum vorgenommen wird, sofern durch geeignete Einrichtungen ausreichende Fürsorge gegen hiervon drohende Ge- sundheitsschädigungen getroffen ist. 8 S. Unberührt bleibt die Befugnis der zuständigen Behörden, im Wege der Verfügung für einzelne Anlagen(8 120ck der Gewerbe- ordnung) oder durch allgemeine Anordnung für alle Anlagen ihres Bezirks(8 120e Abs. 2 a. a. O.): 1. Die Anbringung besonderer Einrichtungen zur Herbei, führung eines ausreichenden Luftwechsels in den Arbeitsräumen vorzuschreiben; 2. die für die Instandhaltung und Reinhaltung der Decken und Wände erforderlichen Bestimmungen zu treffen; 3. Anordnungen über die Einrichtung der Arbeitstische und -sitze zu erlassen; 4. Maßnahmen zur Vermeidung von Staubbelästigung bei der Verwendung von Maschinen anzuordnen. �. Z Der Arbeitgeber hat für die Arbeiter verbindliche Bestimmungen über folgende Gegenstände zu erlassen: 1. Die Arbeiter dürfen nicht auf den Fußboden ausspucken. 2. Die Arbeiter dürfen Zigarren nicht mit dem Munde be« arbeiten und die Zigarrenmcster nicht mit Speichel befeuchten. In den zu erlassenden Vorschriften ist vorzusehen, daß Ar- beiter, welche trotz wiederholter Warnung den vorstehend bezeich- neten Bestimmungen zuwiderhandeln, vor Ablauf der Vertrags- mäßigen Zeit und ohne Aufkündigung entlassen werden können. Ist für den Betrieb eine Arbeitsordnung erlassen(§ 134» der Gewerbeordnung), so sind die vorstehend bezeichneten Bestimmungen in die Arbeitsordnung aufzunehmen. 8 11. In den Arbeitsräumen, in denen das Abrippen von Tabak, daK Wickeln, Rollen oder Sortieren von Zigarren vorgenommen wird, mutz an der Eingangstür ein von der Polizeibehörde unterzeichneter Aushang befestigt sein, aus welchem ersichtlich sind: 1. die Länge, Breite und Höhe des ArbcitsraumSj 2. der Inhalt des Luftraums in Kubikmeter; 3. die Zahl der Personen, welche demnach in dem Arbeits« räume beschäftigt werden dürfen; 4. die von der höheren Verwaltungsbehörde gemäß§ 8 für den Arbeitsraum etwa zugelassenen Ausnahmen. In jedem Arbeitsraume muß ferner eine Abschrift oder ein Abdruck dieser Vorschriften sowie der gemäß 8 1l> vom Arbeit- geber erlassenen Bestimmung an einer in die Augen fallenden Stelle aushängen. 8 12. Die vorstehenden Bestimmungen treten am 1. Mai 1907 in Kraft und an die Stelle der durch die Bekanntmachungen des Reichskanzlers vom 8. Juli 1393(Reichsgcsctzbl. S. 218) und vom 9. April 1905(Reichsgesetzbl. S. 236) verkündeten Vorschriften über die Einrichtung und den Betrieb der zur Anfertigung von Zigarren bestimmten Anlagen. Jedoch bewendet es für die beim Erlasse dieser Bestimmungen bereits im Betriebe stehenden Anlagen hinsichtlich der Größe des jedem Arbeiter zu gewährenden Luftraums bis zum 1. Januar 1913 bei den Vorschriften des 8 b der Bekanntmachuna vom 8. Juli 1893. Berlin, den 17. Februar 1907. Der Stellvertreter deS Reichskanzlers. Graf von Pofadowsky. Ein bayrisches Staats- nnd Bankpanama. AuS Würzburg schreibt man uns: Warum soll das gute Bayern nicht ebenso seine KorruptionS« affäre haben, wie Preußen seine Pommernbanksache mit dem Kirchenbauerkonto und wie das Reich seine TippelSkirch. und Pod- bielski-Affäre? Die Dinge in den blauweißen Grenzpfählen knüpfen auch an eine Hypothekenbank an, und zwar an eine der acht bayerischen, diejenige von Würzburg. Diese wurde 1895 vom Bank. hause Ansbacher(Frankfurt a. M.) gegründet. Der allgemeine Kampf zwischen modernen Großbanken und kleinen Emissionshäusern spielt auch hier mit. Der Riesenbetrieb der Berliner Diskontogesellschaft hat seit 1905 bei der Bayerischen Bodenkreditanstalt in Würzburg den Platz eingenommen, den früher die kleinere Gründcrfirma hatte. Wo einstmals Herr AnSbacher saß, sitzen jetzt der Frankfurter Stadtverordnete und Kommerzien- rat Herr Ladenburg bezw. dessen Bruder als Freunde der DiS- kontogesellschaft. Das Großkapital hat die Leute mit einfachen Millionen verdrängt. Die„Frankfurter Zeitung" hat früher be. hauptet, die verdrängte Gründerfirma habe das günstige Pfand, briefgeschäft unreell ausgenutzt und bei Kapitalvermehrungen. Emissionen und Vertrctuna an der Frankfurter Börse unverhält- nismäßige Pzxteilr beansprucht und bezogen. Unser Genosse Halle« brachte nach der Darstellung der„Frankfurter Zeitung", die er da» Wals für richtig halten mugte, diese Dinge in der Sitzung des baye- rifchen Abgeordnetenhauses vom 17. Dezember 1003 zur Sprache und bemängelte die Staatsaufsicht. Schon damals fiel es auf, wie skrupellos die„Frankfurter Zeitung" in ihrem Abendblatte vom IS. Dezember 1003 den Inhalt der Verbandlungen ins Gegenteil fälschte. Jetzt behauptet der hinausgedrängte Gründer, daß die Bankdirektoren die Großbank aus Berlin holten, Weil ihnen Ansbacher nicht genug persönliche Vorteile zukommen lieh, und das, hinter der„Frankfurter Zeitung"— diese Bank» direktoren und ihre AufsichtSräte steckten. In der Tat haben diese Herren, lauter„liberale" Würzburger Ordnungsgrötzen selbstver» ständlich, lebhaft mit der„Frankfurter Zeitung" verkehrt, und in der Tat hat der Vertrauensmann der Berliner Diskontogesellschaft, Herr Kommerzienrat Ladenburg, den Gründer mit einem Pres?. skandale in der„Frankfurter Zeitung" bedroht, wenn er nicht weiche; notabene derselbe Kommerzienrat Ladenburg, der kurze Zeit vorher als Frankfurter Handelsrichter im Prozesse zwischen Gründer und Bank fungiert hatte! In der Tat verstummte die früher so bissige Kritik der„frankfurter Zeitung" genau von dem- selben Augenblicke an. in welchem die grosse und mächtige Dis- konwbank das Emissionshaus für die Würzburger Bank wurde, ohne dass sich an den Geschäften derselben irgend etwas änderte. Und wie so sich Gründer und Bankdirektoren in Differenzen ge. rieten, hat ersterer, waS die„Frankfurter Zeitung" geflissentlich unterdrückte, schon auf der Generalversammlung von IVOS wie folgt geschildert: Geschichte eineS AnstellungS-BertrageS. Auf der Tagesordnung der Aufsichtsratssitzung der B. B. A. in Würzburg vom 11. Februar ISOS hieß der Punkt 2„Verschiedenes". Unter diesem Titel„Verschiedenes" brachte der Vorsitzende den An- trag der Direktoren auf Verlängerung ihrer Verträge zur Sprache, sonst nichts. Die Direktoren, von denen der eine noch zwei Jahre lang, der andere noch vier Jahre lang Vertrag hatte, wünschten Verlängerung ihrer bisherigen Verträge auf 10 Jahre.... Später wurde der Antrag der Direktion auf Verlängerung ihrer Verträge als angenommen erklärt.... Das Protokoll über diese Sitzung wurde nicht sogleich aufgenommen, sondern— wie bei diesem Institute üblich— bis zur nächsten Sitzung angefertigt und, ohne eS zu verlesen, in derselben den Herren Aufsichtsratsmitgliedern zur Unterschrift vorgelegt. Im späteren Prozesse wurde bemängelt: I. daß die Verlängerung in statutenwidriger Weise stattgefunden hat, weil dieser Gegenstand nicht vorschriftSmässig auf der TageS- ordnung angegeben war, 2. dass eine Gesetzwidrigkeit darin zu suchen sei, dass man eine lOjährigc Bindung der Gesellschaft den An- gestellten gegenüber vorgenommen hat, obwohl nach dem Gesetz der Angestellte selbst nicht über d Jahre hinaus verpflichtet werden kann, 3. dass es überhaupt tadelnswert sei, dass die Direktoren durch den Versuch der Ueberleitung der Bankverbindung von der Grün- dungsfirma weg in fremde Hände, zwar die Bank in eine KrisiS versetzten, gleichzeitig aber ihre eigene Position für alle Fälle auf lange �ahre in Sicherheit brachten.... ES erschien Ende Oktober eine Einladung für den 4. November zu einer Aufsichtsratssitzung mit der Tagesordnung: VcrtragSverlängerung mit Herrn Direktor Sauer. Ansbacher protestierte sofort dagegen unter Hinweis auf § 16 der Statuten, ja er erklärte sogar in seinen weiteren Ausführungen, dass er jetzt in dieser Verlängerung eine direkt auf Schädigung der Gesellschaft abzielende Handlung erblicken würde. Dessenungeachtet wurde in der Sitzung vom 4. November die Vertragsverlängerung beschlossen mit der Aenderung, dass für seine Tantiemen ein Maximalbetrag von 40 000 Mark stipuliert werde und einer weiteren Aenderung dahingehend, dass die Ver- längerung sogar elf Jahre umfassen soll. Unter weiteren un- bekannten Punkten der Veränderung war der wesentlichste der, dass die ganze Tantiemenberechnung der Direktoren durch eine geschickte, unauffällige Beifügung des§ 10 der Statuten die ganzen Zinsen aus dem Aktienkapital zu 4 Proz. tantiemenpflichtig gemacht wurden, wa« für die Direktoren eine plötzliche Erhöhung ihrer Be- züge gegen den bisherigen Stand um zirka L6 000 bis 80 000 Mark bedeutete.... Der§ 10, nach welchem nunmehr die Tantiemen. berechnung stattfinden soll, ist entsprechend dem Wortlaute des neuen Gesetzes mit 1. Januar 1900 in die Statuten aufgenommen worden; aber es fiel den Direktoren nicht ein, ihre Tantiemen- berechnung danach vorzunehmen. Weil das Aktienkapital und die Dividende nur klein, die Gewinne jedoch und die Rücklagen sehr gross waren, haben sie an dem für sie weitaus vorteilhafteren Modus des Vertrage» festgehalten. Jetzt aber, wo das Aktien- kapital gewachsen und die Gewinne relativ spärlicher, also die Rücklagen höchst unbedeutend geworden sind, ziehen sie den neuen Modus der Tantiemenberechnung vor, warten für diese Ver- änderung nicht einmal Ablauf ihrer bisherigen Verträge ab und machen nicht nur den Gewinn, sondern das Kapital der Gesellschaft tributpflichtig, und so würden sie nach dem neuen Modus pro 1004 statt 46 000 Mark 74 000 Mark und pro 10OS statt 48000 Mark ebenfalls zirka 74 000 Mark erhalten. Nette Dinge aus den Geheimnissen einer bayerischen Hhpo- thekenkreditbankl Aber zu ihrer Vollständigkeit gehört noch, dass der Intimus dieser tantiemenwütigen Direktoren der Würzburger Rechtsanwalt und„liberale" Kandidat bei der letzten Reichstags- wähl Meissner ist und dass sich ihm die Direktoren dadurch dank- bar erweisen, dass ihm auf Kosten der Hypothekenschuldner der Bank natürlich, die ohne rechtsanwaltliche„Behandlung" selbst. verständlich viel billiger davonkommen würden, oen Verkehr mit jenen übertrugen, der bisher direkt durch die Bank gepflegt wurde. So steht die Würzburger Führerschaft de»„freiheitlich denkenden Bürgertums" auSk Sicher ist, dass die Verhandlungen der soeben stattgefundenen Generalversammlung und die gelegentlich derselben von un» ein» gezogenen Informationen jetzt unseren bayerischen Genossen im Landtage geradezu unschätzbares Material bieten zur Beurteilung der Staatsaufsicht, die Genosse Haller schon damals fo scharf be- mangelte. ES steht nämlich urkundlich fest, dass der bayerische Staatskommissar in Würzburg, der die Bank beaufsichtigen sollte, munter und fidel mit den Aktien derselben, die er sich zu Vorzugspreisen zu verschaffen wuht«, spekulierte. Von diesem Ehrenmanne, einem sicheren königlichen OberregierungSrat Trümmer, der schon 1000 für 6000 Mark Aktien zu einem besonders billigen Preise von den Direktoren der Bank erhielt, konnten folgende Briefe im Wortlaute bekannt gegeben «erden: Würzburg, S. August 1002. Hochgeehrter Herr LnSbacher! Der tägliche Verkehr mit den Herren Direktoren und Aufsichts- räten unserer Bank lässt den Wunsch, als Aktionär derselben etwas kräftiger beteiligt zu sein als bisher, immer lebhafter hervortreten, um nicht gegen diese .en Herren zu tief abzustehen. Freilich weiss ich, wie ich in den Belitz von mehr Aktien kommen könnte, aber die Finanzierung fällt mir zu schwer. Ich bitte Sie daher, hochgeehrter Herr AnSbacher, ob Sie nicht die Güte haben möchten, den Erwerb mir zu erleichtern. Ich würde selbstverständlich Diskretion bewahren und würde Ihnen in jeder möglichen Weise dankbar sein. In Verehrung ergebenster Trümmer, kgl. Reg.-Rat. Würzburg, 2S. Januar 1904. Hochgeehrter Herr Ansbacher I «ach anruhendem Verzeichnis habe ich per 1. Febr. 1004 in Sa. 16 000 M. für 20 neue Aktien der B. Bod.-Kred.-Anstalt inkl. für 6 Aktien der B. B.-K.-A., welche für mich bei Ihnen deponiert sind, einzuzahlen. Ich bitte Sie recht dringend, die Zahlung für mich gütigst zu leisten und mich für den Betrag zu belasten. Zur Sicherheit bitte ich die bereits deponierten 10 alten Aktien zu be- halten und ausserdem die 6 neuen Aktien zu deponieren. Die alte Schuld(Minus-Saldo v. 31. Dezember 1003 mit 1124,80 M.) tilge ich durch Ueberlassung der 10 Dividenden-Coupons(pro 1903) des Depots und ausserdem durch 6 Divid.-Coup. do., welche ich beilege. Zur Verzinsung der neuen Schuld bin ich selbstverständlich gerne bereit, wobei ich den jeweiligen Zinsfuss Ihrem gütigen Ermessen anheimgebe.- Im Versagungsfalle würde ich 16 000 M. Pfälz. Bank- Aktien verkaufen müssen und dadurch einen sehr empfindlichen Schaden leiden. Die neue Schuld mit 16 000 M. würde ich tilgen durch Ueberlassung der 60 Dividenden-Coupons unserer Bank mit jährlich 4800 M., so dass mit März 1007 die Tilgung perfekt wäre. wenn nicht schon früher durch weniger verlustreichen Berkauf der Pfälz. Bank-Aktien. Für den bisherigen gütigen Beistand ganz ergebenft dankend, zeichne ich in Wiederholung meiner dringenden Bitte in ausgezeichneter Hochachtung und Verehrung Karl Trümmer, kgl. Reg.-Rat. R 8. Im Einvernehmen mit den H. Direktoren: der Name Furtner wurde mit dessen Einverständnis mithereingenommen, um dem Staatskommissär bei einer allenfallsigen Revision eine Ver legenheit zu ersparen. Wenn es möglich wäre, würde ich bitten. in der Korrespondenz mit der Bank meinen Namen unerwähnt zu lassen. Gesehen Ach. Würzburg, 7. November 1004. Hochgeehrter Herr Ansbacher! Durch einen günstigen Umstand bin ich unverhofft in die Lage versetzt, meine gesamte Schuld bei Ihnen per 10. d. M. zu be- reinigen. Ich bitte mir umgehend die Schuldberechnung per 10. dS. in Haupt- und Nebensache gütigst mitzuteilen. In Verehrung dankbar ergebener Trümmer, Reg.-Rat. Walch reizende Geständnisse eines Staatöaufsichtsbcamten ent- halten diese schönen Schreiben I Der Herr K. RegierunaSmt will „ctwaSs kräftiger" als mit„nur" 6000 Vtark„beteiligt" fein, nur, um nicht gegen die„glücklichen" Direktoren„zu tief abzustehen". Die pflichtgemässe Unabhängigkeit gegen iiber der Bank empfindet diese Perle von einem staatlichen AuffichtSkommissar alS— Erniedri- gung, und erst wenn er tüchtig mitspekuliert, fühlt er sich„gleich- wertig"! Dass«r alle Chancen auszunutzen gelernt hat, auch die- jenigen, welche ihm seine Stellung verleiht, zeigt der zweite Brief von 1904 mit dem famosen Zahlungsarrangement für sein« Beteili- gung bis— 19071 Als,.Jurtner" ist der �Schlauberger in den Rechnungen der Bank geführt, wie der Direktor Ach in einer Nach- schrift ausdrücklich bestätigt, damit dem„Staatskommissar bei einer allen falschen Revision eine Verlegenheit erspart wird"— dabei ist der Staatskommissar der Boiefsch reiben, Herr K. Oberregierungsrat Trümmer, selberl Und schlau cst der brave Beamte! Als er im He übst 1004 merkt, dass das von den Direktoren vertraulich abge- schlossene Abkommen mit der Diskontogesellschaft so gut wie fertig war, dass infolgedessen der Gründer Ansbacher in Konflikte mit der Bank zu kommen drohte und eventuell ungemütlich werden könnte, bereinigt� der Herr Staatskommissar schnell seine„gesinnte Schuld" bei diesem, und durch die„Gunst" ganz„unverhoffter" Umstände kann er das! Aber damit nicht genug! Nach einer auf der gestrigen General- Versammlung verbreiteten Darstellung gab es ausserdem noch ein förmliches Konto ic bei der Würzburger Hypothekenbant. Diese Darstellung lautet: Al» im Oktober 1809 die bahr. Staatöreyierung den Staats- kommissar für die Bank ernannt«, wurde der Bank dafür eine Staatsyebühr von 1200 M. pro anno, die an das Taxamt zu ent- richten fei, auferlegt. Das war eine Staatsabgabe wi« jede andere auch. Mann hat man je gehört, dass ein Steuerträger an den ihm vom Staate auserlegten Lasten nicH genug hat? Nun, das Un- glaubliche geschieht. JDi« Herren Direktoren fanden diese Staats- abgab« zu niedrig. Sie fanden eine Erhöhung dieser Last, eine Zu- läge an den StaatSkommissär um 1800 M. pro anno für angemessen. So glatt von Hand zu Hand erschien da» untunlich. Ei wurde daher mit Beginn des JahreS 1000 aus dem Spesenkonto der Bank ein Betraa von 1800 M. pro anno entnommen und dafür wurden Pfairdbrieft in ein separates Depot gelegt; später wurden diese Be- träge aus ein Reservekonto für Staatsaufsicht gestellt. In einer AufsichtSratSsitzung Ende 1006 respektive Anfangs 1006 sah fich die Direktion bemüssigt, für diesen Vorgang folgende Erklärung abzugeben. Sie habe sich Ende 1800 mit einem Schreiben an das königliche Ministerium gewandt und darin angefragt, ob sie dem StaatSkommissär ausser den 1200 M. für seine Aussicht weitere 1800 M. für seine ihm zugewiesene Funktion als Xmihaivbcc geben dürfe?.... Der Herr Minister e«lärte in der LandtagÄsitzung vom 17, Dezember 1903 wörtlich:„Für Wahrnehmung der sovmalen Geschäfte des Treuhänders sind gleichfalls von der Regierung Treuhändlerstellvertveter aufgestellt." Ueberdies werden auch die Herren Treubändlerftellvertreter bezaUt. Die Aus. rede der Herren Direktoren rst also recht schlecht gewählt. Auf. diesen Brief an da» Ministerium also sei immer und immer keine Antwort eingelaufen und so habe man in Erwartung dieser Antwort fortgesetzt und Jahr für Jahr dies« 1800 M. pro anno auf die Seite gelegt. Wer denkt da nicht an die Brief«, die ihn nicht erreichten? Wer die Pünktlichkeit kennt, mit welcher bei uns in den Ministerien, die Enläufe erledigt werden, der muss es auf- fallend finden, dass eine Eingabe sieben Jahre lang unbeantwortet blieb. Man hat also jahrelang ein falsches Gewinn- und Verlust- konto, eine falsche Bilanz aufgemacht. Wa» hat nun aber der Herr Staatskommissar selbst zur SÄ- gesagt? Er hat wohl von der ganzen Sache nichts gewußt? weder«uS den Büchern, noch aus der Kassa. noch auS dm Pfandbriefbeftänden?... Oderh hat er die Geschichte gekannt und geduldet? Warum hat er st« geduldet, warum hat er nicht aus Darstellung gedrungen? Kannte er seinen Minister nicht soweit, dass dieser nicht der Mann ist, der Eingaben sieben Jahre lang unbeantwortet lässt? Da» ist alle» so ziffernmähig klar und tatsächlich lückenlos dar- gestellt, dass e» der Wirklichkeit bi» in» kleinste zu entsprechen scheint. Auch wurden von der Gegenseite gar keine Versuche ge- macht, eine ernstliche Widerlegung zu liefern. ES bleibt also beim bayerischen Konto KI Dieses bayerische Staats- und Ordnungspanama wird ja wohl nun sofort zu den nötigen Schritten in der Verwaltung und in der Oeffentlichkeit führen und in Presse und Kammer gebührend be- leuchtet werden, namentlich von unseren Abgeordneten. Nicht ohne ein gewisses politisches Interesse bleibt aber schliesslich nach der eben getätigten ReichStagSwahl und der grohspurigm Rolle, welche die„Frankfurter Zeitung" in ihr zu spielen versuchte, auch die Art, wie dieses börsenkundige Blatt bei der Affäre abschneidet. Viel« leicht hat die„Frankfurter Zeitung" deshalb nichts von dem verbürgt wird, dass eine» Würzburger _________________. von 1906 zuverlässig mitgeteilt wurde. Aber eS ist die alte Geschichte bei der„Frank- furter Zeitung": sie sieht, in geschäftlichen, wie in politischen Dingen, immer nur den Splitter im Auge anderer, niemals den Balken im eigenm. Da» Ergebnis ist die Korruption, von der wir ja nur ein kleines Stückchen aufdecken konnten und die mitten in den von der„Frankfurter Zeitung" angeblich fo sorgfältig be- hüteten Gefilden blüht und gedeiht wie nur irgendwo. Aus der parte!« Vom Fortschritt der Presse. De» Nutzen der HauS- a g i t a t i o n erwies sich in Elberfeld und Bannen am vergangenen Sonntag. ES siiid auf einen Schlag in Elberfeld über 600 und in Barmen annähernd 800 neue Abonnenten gewonnen werden. Bon den OrP-ntfati«»«». Die Zahl der politisch organisierten Parteigenosse» ifc--! i» tz« Gtodt Brandenburg a. H. in den beiden letzten Monaten von 2000 auf 2ö00 gestiegen. Brandenburg hat zirka öl 000 iiftftwohner, darunter etwa 4000 Soldaten. Der Prozentsatz der Organ isfttten ist also ein sehr erfreulicher. In der Generalversammlung des sozialdemokratischen Vereins z» Lüneburg wurde berichtet, dass die Mtglieder- zahl im Berichtsjahre von 211 auf 332 gestiegen ist. Die Einnahme betrug 1128,25, die Ausgabe 1027,82 M. Personalien. In der„Märkischen Volks stimme" zu fo r st lesen wir: Genosse Dr. Adolf Braun, seit sechs Jahre» Heftedakteur der„Fränkischen Tagespost" in Nürn» berg, hat von den österreichischen Parteigenossen einen Ruf an die„Wiener Arbeiterzeitung", das Zentralorgan der österreichischen Sozialdemokraten, erhalten. Bestimmte Gründe haben ihn veranlasst, dem Rufe Folge zu leisten. Er tritt seine neue Stellung am 15. März an. Als zukünftigen Leiter der �.Fränkischen Tagespost" haben die Nürnberger Parteigenossen den ftüheren Chef- redalteur des„Vorwärts", den Genossen Kurt EiSner, gewählt, der in den nächsten Tagen von Berlin nach Nürnberg übersiedelt. Ein Vorkämpfer der Arbeiterbewegung Ungarns ist gestorben. Von den Männern, die an der Wiege der ungarländischen Arbeiter- bewegung gestanden, ist der Wackersten einer, Karl F a r k a s zu Grabe getragen worden. Als Gründer der ungarischen Sektion der Jnter- nationale war KarlFarkas im Vereine mit Anton Jhrlinger, Siegmund Politzer und Viktor Mlföldi, der erste Organisator der ungarländischen Ardoterpartei, an deren Spitze er fast anderthalb Jahrzehnte lang stand. Er hatte viele Verfolgungen zu erdulden und anlässlich des l871er Hochverratsprozesses sass er elf Monate lang hinter den Mauern des Waitzener Staatsgefängnisses. Karl Farkas entstammte einer verarmten Gentrysamilie, sein Adelspräoikat, das er als Sozialist sozusagen verheimlichte, lautet:„de Kisv�rda". Im Jahre 1847 wurde er als Sohn eines StuhlrichterS in Rcsicza geboren und erlernte das Schlosserhandwerk. Als junger Arbeiter wurde er mit den sozialistischen Lehren bekannt, deren eifriger Vertünder er wurde. Die Leitung der ungarischen sozialdemokratischen Partei hat die diesjährigen Parteitage für die Osterfeiertage nach B u d a p e st einberufen. Die amerikanischen Genossen haben jüngst ihren Parteivor» st an d(National Executive Committee) und den Parteisekretär (National Secretary) ernannt. Gewählt wurden(geordnet nach der Höhe der Strmmenzahlen): Ben H a n f o r d, Victor L. B e r g e r, A. M. Simons. Morris H i l l q u i t. Joseph M. Patterson. Ernest Untermann und John M. Work. Als Parteisekretär: I. Mahlon BarneS. Die Amtsdauer beträgt ein Jahr. Der Sitz des Parteivor- standes ist gegenwärtig in Chicago. Sozialistische Wahlsiege in Kanada. In den Landtag der Provinz British Columbia sind drei Soziali st en gewählt worden. Die Partei hatte zusammen 20 Kandidaten aufgestellt; im letzten Provinzial-Landtag war sie durch zwei Abgeordnete vertreten. poltteUtches, Gcnchtllcliee uCw. Der BreSlaurr Polizeipräsident kann auch in kleinen Dingen gross sein. Hatten da unsere Genossen am 17. Februar für Mittwoch, den 20. Februar, eine Versammlung geplant. Infolge eines Schreib- fehlers stand nun aber in der Anmeldung, die nach dem 17. im Poltzeibureau ankam,„Mittwoch, den 17. Februar". Da der 17. bereits verstrichen, war ohne weiteres klar, dass Mittwoch gemeint und das Datum irrtümlich war. Dem Polizeipräsidenten war das auch tatsächlich klar und er entsandte richtig Mittwoch abend zwei überwachende Beamte in die Versammlung. Nun aber kommt da« Bezeichnende— und da« passt so recht in den Rahmen der Breslauer Polizei- und Justizverhältnisse hinein— wenige Stunden vor der Versammlung teilte der Präsident dem Einberufer mit. dass die Versamm- lung nicht stattfinden dürfe, weil aus der Anmeldung der Termin des Stattfindens nicht klar zu ersehen seil! Das sagte derselbe Präsident, der bereits angeordnet, dass Mittwoch zwei Beamte die Versammlung überwachen sollten! Ein Alt über- wälttgender Grösse! Aber eS kommt noch besser: Die Mitteilung von dem Nicht- stattfinden der Versammlung erhielt der Einberufer erst 2l/2 Tage nach der erfolgten Anmeldung, wenige Stunden vor der geplanten Zeit, obwohl das Gesetz vorschreibt, dass die Bescheinigung über die erfolgte Anmeldung sofort" auszuhändigen ist. Erreicht hat also der die Sozialdemokratie bekämpfende Herr lediglich, dass 300 Parteigenossen umsonst zur Versamm- lung gepilgert sind und dass— nach gehöriger Brand- markung dieser präsidialen Korrektheit— die nächste Versammlung anstatt von 300 von 1000 und mehr Personen besucht wird. Die Entlassung deS Genossen WabrrSky vom„Hamburger Echo" aus dem Gefängnis ist nicht deshalb erfolgt, weil die Sttaf- kammer IV deS Hamburger Landgerichts die Wiederaufnahme be« schlössen hat, wie wir in der Mittwochnummer meldeten. So- weit ist die Sache unseres Genossen bisher noch nicht gediehen. Das Gericht hat vielmehr lediglich die Z u l ä s s i g i e i t des Antrages auf Wiederausirahme des Verfahrens ausgesprochen. Ob die Wieder- aufnahm« stattfindet, das hängt von der richterlichen Beurteilung der Aussagen der Zeugen ab. die Genosse Waberskh in feinem Antrage benannt hat und deren Vernehmung angeordnet ist. Ettafkonto der Presse. Zu 600 Mark Geldstrafe wurde von der Sttafkammer zu Königsberg der Genosse Marckwald von der. Königs b. BolkSzeitung" verurteilt, weil durch eine Notiz, die die Behandlung eines Soldaten durch einen Gefteiten rügte und daran eine Kritik der Behandlung beim Militär überhaupt knüpfte, die Offiziere und Unteroffiziere des 8. Ostpreutzrschen Infanterieregiments Nr. 46 beleidigt sein sollen. Geiverkfcbaftlickey. Berlin und Qmgegenck. Der Kampf in der Holzindustrie. Am DonnerStagvormittag fand wieder eine Versammlung der Ausgesperrten in der„Neuen Welt' statt. S tusche gab den Situationsbericht. Er sagte. eS sei wenig Neues zu melden. Der Höhepunkt der Aussperrung sei erreicht, jetzt heiße eS. abwarten bis die Unternehmer zu Verhandlungen bereit sind. Daß der Kampf monatelang dauern wird, darauf fei der Holzarbeiter-Verband von Anfang an gefaßt gewesen und er werde den Kampf auch aushalten, möge er so lange dauern wie nur denkbar. Ob die Arbeitgeber noch lange aushalten werden, daS fei eine andere Frage. In der .Fachzeitung" fei ja versucht worden, durch falsche Darstellung des Falles Weiss den Anschein zu erwecken, alS ob der Holzarbeiter- Verband den Arbeitgebern nachlaufe um sie zur Wiederemstellung der Ausgesperrten zu bewegen. Daran denke jedoch kein Mitglied deS Verbandes. Die Aroeitgeber haben den Kamps angefangen, nun werde doch der angegriffene Holzarbeiterverband nicht zu den Unternehmern laufen und um Frieden bitten. Die Arbeiter würden vielmehr warten, bis die Unternehmer kommen, um Verhandlungen einzuleiten.— In allen Gegenden Deutschlands suche der Schutz- verband Stimmung zu seinen Gunsten zu machen. So werde in bürgerlichen Blättern in den verschiedensten Orten die unwahre Be- hauptung verbreitet, die Arbeiter seien eS, welche den Kampf in Berlin angefangen hätten. Durch solche Ausstreuungen suchen die Scharfmacher das Publikum für sich einzunehmen und auch die Arbeitgeber, welche sich nicht für den Kampf begeistern können, aus ihre Seite zu ziehen. Hier und da tragen sich Arbeitgeber mit der Hoffnung, die Berliner Aussperrung habe den Holzarbeiter-Verband so in die Klemme gebracht, dass er sich allen Forderungen der Arbeit- geber fügen müsse. So habe der Redner kürzlich mit den Drechsler- meistern in Bernau e' habt. Die Herren waren> Verbesserungen, sondern Vertrag solle am 1. Dezember oder 1. Januar 1010 enden. Den Unternehmern wurde aber nmd heraus erklärt, dass sich der Holz- arbeittr-Verband nicht darauf einlasse, das Ende des Vertrages auf die ungünstigste Zeit zu verlegen. Wenn die Unternehmer an dieser Forderung festhielten, werde der Holzarbeiter-Verband über- hnupt keinen Vertrag abschliehen. Die Herren sollten nur glauben, daß die Berliner Aussperrung den Holzarbeiter-Verband gefügig mache. Die Verhandlungen in Bernau seien denn auch ab- gebrochen worden. Ebenso sei es bei einer Verhandlung in Span« bau gewesen.— Einen besonderen Druck glaubten die Scharfmacher dadurch auf die Tischlermeister auszuüben, daß die Holzhändler er- klärten, denen, die sich an der Aussperrung nicht beteiligen, kein Lliaterial zu liefern. Dieser Trick sei ein Schlag inS Wasser. Wer Geld hat, der bekomme Holz, soviel er brauche, und auf dem Bureau des Holzarbeiter-VerbandeS seien Adressen von Lieferanten zu erfahren, die jederzeit bereit sind, Holz in jeder gewünschten Menge zu liefern.— Der Redner teilte das Ergebnis einer genauen Feststellung der Zahl der in Berlin Ausgesperrten und Streikenden mit. Die Feststellung betrifft nicht nur die Verbands� Mitglieder, sondern alle am Stampfe beteiligten Arbeiter. Es wurden ausgesperrt in der ersten Woche 49gg Arbeiter. In der zweiten Woche kamen hinzu 1806, es gingen(durch Abreise, ander weitige Arbeit und Rücknahme der Ausiperrungj ö72 ab. In der dritten Woche kamen 037 hinzu, 431 gingen ab. In der vierten Woche kamen 476 hinzu, 371 gingen ab, in der fünften Woche(der vorigen) kamen 198 hinzu, 269 gingen ab. Die wirkliche Zahl aller Ausgesperrten und Streikenden betrug am Schluß der fünf Wochen 4999, 6233, 6739, 6844. 6773. In Rixdorf sind 340, in Weitzensee 310, in Schöneberg 5 Ausgesperrte zu verzeichnen. Nach dem Referenten gaben die Vertreter der eben genannten drei Vororte kurze Berichte ihrer Zahlstellen. In Rixdorf kommen nur Bautischler in Frage. Soweit es den Unternehmern gelingt, trotz der Aussperrung Arbeiten anfertigen zu lassen, wird dafür gesorgt, daß diese Arbeiten nicht eingesetzt werden.— In Weißensee handelt es sich nur um Möbeltischlereien. Etwa die Hälfte der Weißenseer Zahlstellenmitglieder sind von der Aussperrung betroffen, trotzdem konnten sie aus den eigenen Mitteln der Zahlstelle Weißensee unter stützt werden. Der Vertreter von Weißensee teilte ein Beispiel mit. welches in geradezu klassischer Weise den Terrorismus beleuchtet, mit dem die Scharfmacher vom Schutzverband kleine finanziell schwache Arbeitgeber zur Teilnahme an der Aussperrung zwingen. Da ist eine Tischlerei, welche einer Witwe gehört, die sieben Kinder zu versorgen hat. Die Frau hat den dringenden Wunsch und die ehrliche Absicht, mit den Arbeitern Frieden zu machen. Nun haben es die Scharf- macher dahin gebracht, daß der Frau die Holzlieferun abgeschnitten worden ist. Da sie nur auf Kred kaufen kann, ist es ihr natürlich nicht möglich, sich einem anderen Holzlieferanten zuzuwenden und es bleibt ihr nichts anderes übrig, als dem Druck der Scharfmacher nachzugeben. Das ist ein Fall, der nach der herrschenden Rechtsprechung aus Z 153 der Gewerbeordnung mit Gefängnis, und zweifellos sehr hart, be- straft würde, wenn es Arbeiter wären, die einen anderen durch solche Mttel zur Teilnahme an einem Lohnkampf zwingen würden. Die Reden sowie die in der Versammlung zum Ausdruck kommende Stimmung ließ erkennen, daß es in den Reihen der Holzarbeiter kein Wanken und Weichen gibt, daß sie, von froher Zuversicht beseelt, aushalten werden im Kampf, bis ihnen ein an- nehmbarer Friede geboten wird. Tapezierer! Die Firma Markiewicz am Ende ihres Lateins. Nachdem über 30 größere und kleinere Firmen der Tapezierbranche es ab gelehnt haben, sich zum Notnagel für die Firma Markiewicz ge> brauchen zu lassen, die wegen Verweigerung der Streikarbeit aus ständigen Gehülfen fast durgängig bereits wieder eingestellt sind. hat sie sich an die Polstermaterialienhandlung Danzigcr, Junker- straße, gewandt, damit diese kleinere Meister besorge. Doch scheint auch dieses erfolglos geblieben zu sein. Denn sie hat jetzt durch den bisherigen Meister Gesche und die Werkführer Mendt und Kurz eine„Produktions-Genossenschaft" gründen lassen, um die Arbeiten der Firma herzustellen. 6 Gehülfen haben sich leider als„Genoffem schaftler" einsaugen lassen. Einzahlen sollen die bisherigen Arbeit nehmer Rolle, Stiebert, Andrä, Winkler, Kuring und Weidler als Anteil je 500 M., da jedoch fast alle trotz ihrer jahrelangen Tätig keit bei Markiewicz es zu einem solchen Vermögen nicht bringen konnten, hapert es damit bedenklich und soll die Einlage dadurch aufgebracht werden, daß die«Genossenschaftler" Akkord arbeiten und pro Woche 33-M. Abschlag erhalten. Dem Meister Gesche aber. der mit 3000 M...von seinem Kapital" einspringt, garantiert die „Genossenschaft" seinen bisherigen jährlichen Verdienst von 4000 M Damit hat die Firma anerkannt, daß die Haltung der Berliner Tapezierer es ihr unmöglich gemacht hat. ihren Bedarf außer dem Hause zu decken und gilt es jetzt auch die„Genossenschaft" schön unter sich zu lassen. Räume sind in dem Hause Beffelstraße 21 gemietet, die Werkstatt zu meiden, ist Ehrensache jedes Kollegen. _ Die Ortsverwaltung. Est» Eingriff der Gewcrbcdeputation und des Oberpräfidenteo in den Tarifvertrag der Glaser. Um das gedeihliche Verhältnis zwischen Meistern und Gesellen km Glasergewerbe zu fördern, hatte die Berliner Gewerbedcputation der Glasennnung anheimgegeben, die Bestimmung de» Statut» des paritätischen Arbeitsnachweises, daß organisierte Arbeitgeber wie Arbeiinehmer bei der Arbeitsvermtttelung in erster Linie berücksichtigt werden sollen, zu beseitigen. Das Einigungsamt des Gewerbe- gerichtS entschied jedoch am 6. November vorigen Jahre», daß beide Parteien ttotz jener Mtteilung der Gewerbedeputation auch jenen Punkt deS Tarifvertrages unbedingt zu befolgen haben. Die Innung aber fügte sich diesem Spruch des Einigungsamtes nicht, sondern wandte sich in einem langen Schreiben an den Oberpräsidenten zu Potsdam, damit er sie von jener Bestimmung des Arbeitsnachweis ftatntS befteie, die ihre eigenen Vertreter seinerzeit gutgeheißen hatten. Sie stellte ihren Vertretern in diesem Schreiben folgendes Armutszeugnis auS: „Der Borstand der unterzeichneten Innung sah sehr bald ein, daß er beim Abschluß des Vertrages sich von den in solchen Dingen sehr erfahrenen Gehülfenvertretern ge wisser maßen hatte überrumpeln lassen, indem er die eigentliche Absicht dieser Bestimmung nach ihrem unschein- baren Wortlaut nicht erkannt hatte." Es ist schon von den Vertretern der Gehülfm vor dem Einigungs- amt am 6. Novbr. hervorgehoben worden, daß jene Bestimmung in gemeinsamer Sitzung der Vertreter beider Parteien gründlich durch- beraten worden war. also von einer Ueberrumpelung nicht die Rede sein kann. Wie von einem preußischen Regierungsbeamten kaum anders zu erwarten war, fiel die Entscheidung des Oberpräsidenten ganz im Sinne der Gewerbedeputation aus. Da» machte sich die Innung flugs zunutze. Eigenmächtig, ohne die Vertreter der Gehülfen- organifation zu Rate zu ziehen, beschloß die JnnungSversammlung. das Arbeitsnachweisstatut demgemäß abzuändern, und ließ am 5. Februar im Arbeitsnachweislokal ein Plakat anschlagen, das die Ankündigung enthielt, daß Organisierte und Unorganisierte bei der ArbeitSvermittelnng gleich behandelt werden sollten, und außer- dem eine Verlegung der Nachweisstunden ankündigte, die ebenso eigenmächtig durchgeführt wurde. Selbstverständlich faßten die Gehülfenvertreter dieses Vorgehen als einen Tarifbruch auf und wandten sich abermals an das EinigungSamt des Gewerbe- gerichtS, das gestern mit den Vertreten, der Parteien zu einer Sitzung zusammentrat. ES wäre wünschenswert gewesen, wenn der Oberpräsident und die Gewerbedeputation dieser Sitzung beigewohnt hätten. Da hätten sie einen Eindruck empfangen können von dem schönen„gedeihlichen Verhältnis" zwischen Meistern und Gesellen, das sie durch ihren Eingriff in den Tarifvertrag geschaffen haben. Die Vertreter der Parteien standen einander so schroff gegenüber, daß der Vorsitzende Dr. Prerauer Mühe hatte, allzu scharfe Auseinandersetzungen zu verhüten. Eine Einigung schien von vorn- herein ausgeschlossen, und ein Schiedsspruch kam nach den stunden- langen Verbandlungen und Beratungen ebenfalls nicht zustande. Die Entscheidung wurde vorläufig ausgesetzt. Eine Sitzung des EinigungsamteS und des Kuratoriums des ArbcilönachweiseS wird sich m den nächsten Tagen von neuem mit der Angelegenheit be- fassen. nicht? Die bevorstehende Lohnbewegung im Berliner Baugwerbe be- 'schäftigte am Mittwoch eine außerordentliche Generalversammlung der„Freien Vereinigung der Zimmerer". Diese Versammlung sollte bereits am Sonntag stattsinden; sie mutzte, jedoch vertagt werden, weil der Andrang von Mitgliedern ein derartig starker war, daß der kleine Nebensaal der„Jndustrie-Festsäle" die Zahl der erschienenen Besucher nicht zu fassen vermochte. Juppenlatz wieS in seinem einleitenden Referat besonders auf den diesmaligen Ernst der Situation hin. Allem Anscheine nach seien die Unter- nehmer gewillt, es zum Frühjahr zu einem Kampf kommen zu lassen resp. eine Aussperrung großen Stils vorzunehmen. Jeder müsse sich vor Augen halten, daß d,e Unternehmer im Baugewerbe gegenwärtig über eine vorzügliche Organisation verfügen, wie man sie in früheren Jahren dort nicht kannte. Daher sei auch zu er- warten, daß den Forderungen der Zimmerer und Maurer auf Be- willigung der achtstündigen Arbeitszeit nebst einem Stundenlohn von 85 Pf. von dem koalierten Unternehmertum schon aus p r i n- z i p i e l l e n Gründen der schärfste Widerstand entgegengesetzt werde. Komme es zum Kampf, so werde derselbe einen Umfang annehmen, wie ihn Berlin nie zuvor gesehen hat. Daher erwachse jetzt auch der Freien Vereinigung der Zimmerer die Aufgabe, ihre Rüstung nach Möglichkeit zu vervollkommnen, um allen Even» tualitäten entgegensehen zu können. Man wisse ja noch nicht, was der Arbeitgeberbund für das Baugewerbe in seiner General- Versammlung, die am 18. und 10. Februar in Köln abgehalten worden ist, für Beschlüsse gefaßt hat; jedoch müsse mit Allem gerechnet werden. Erst am 27. Februar findet eine erneute Sitzung der Achtzehnerkommission statt, über deren Ergebnis sich auch nicht das allergeringste voraussagen lasse. Unter eingehender Würdigung der Gesamtsituation hat sich der Vorstand daher veranlaßt gesehen. zur Stärkung deS Kampffonds der Versammlung folgenden Antrag zu unterbreiten: In Erwägung, daß die den Arbeitgebern gestellten Forde- rungen, besonders die der Arbeitszeitverkürzung, auf heftigen Widerstand stoßen wird und aller Wahrscheinlichkeit nach zu einer Aussperrung resp. Streik führen kann und dieser dann ent- brennende Kampf im Baugewerbe Groß-Berlins Dimensionen annehmen wird, wie nie einer zuvor, der dementsprechend auch ausreichende Mittel erfordert. In Anbetracht dessen, daß unsere Organisation in diesem Kampfe auf sich allein und ihre eigene Kraft angewiesen ist, beschließt die heutige außerordentliche Generalversammlung folgendes: „Jedes Mitglied, welches Anspruch auf Streik- oder Matz- regelungS-Unterstützung erheben will, darf nicht länger wie sechs Wochen im Rückstände sein(Z 12, Abs. 1 des Statuts) und hat bis zum 31. März d. I.(13. Woche) 6 Extramarken ä 50 Pf. zu kleben. Rückstände bis zu 6 Wochen werden von der Unterstützung in Abzug gebracht. Wer durch Arbeitslosig« keit oder Krankheit verhindert ist, bis zum festgesetzten Termin die Marken zu kleben, mutz dieses dann nachholen, wenn er in Arbeit steht." Nach längerer Diskussion wurde vorstehender Antrag mit großer Mehrheit angenommen.— Der Vorsitzende befürwortete so- dann den Ausschluß eines Zimmerers wegen Denunziation von Holzarbeiter-Streitposten bei der Polizei. Ohne Debatte stimmte die Versammlung dem Ausschluß zu. Mit der Mahnung, die aus- gesperrten Holzarbeiter moralisch in jeder Beziehung zu unter- stützen, wurde die Versammlung geschlossen. Zu den neuen Lohnforderungen der in der Hen.Maßschneiderei lrschäftigten Gehülfen nahm am Mittwochabend in KühnS Festfälen, Niederwallftr. 20, eine Versammlung deS Verbandes der Berliner Gewerbetreibenden der Herren-Maß« schneideret Stellung. Einmütig bezeichnete man die geforderten Lohnerhöhungen als zu hoch und unannehmbar. Sie würden zum Ruin der mittleren und kleineren Existenzen führen und nur der Konfektion zugute kommen. Mit der Einfühnmg eines einheitlichen Tarifs für Berlin war. man einverstanden. Man hielt nur die jetzige Zeit, wo gerade die Hochsaison, für durchaus ungeeignet, in Verhandlungen über diese Frage einzutreten, die eine völlige Umwälzung des Gewerbes hervorriefen. Mit solchen Verhältnissen hätte kein Meister gerechnet. Man beschloß daher, dem Vorstande des Verbandes der Schneider mitzuteilen, daß man wohl einem Einheitstarif sympathisch gegenüberstehe, man jetzt aber, während der Hochsaison, unmöglich verhandeln könne und schlage deshalb vor. die Verhandlungen bis zum Hochsommer zu verschieben und inzwischen zu den alten Tarifen weiter zu arbeiten. Ms lebten Termin zur Beantwortung setzte man Dienstag, den 26. o. M. fest mit der Maßnahme, daß andernfalls von diesem Tage ab alle Betriebe stillgelegt werden. Daß der Schneiderverband auf das mehr als naive Angebot, feine Lohnbewegung in die stille Zeit zu verlegen, nicht eingehen kann, ist selbstverständlich. Kommt es zu der angedrohten Aus sperrung, so werden die Herren sich wundern, was der Verband für Pattonen im Rohre hat. Tarifumgehungen der Arbeitgeber in der technischen Hart- gummibranche wurden in der letzten Versammlung der Hartgummi- arbeiter zur Sprache gebracht. Anfangs Januar war es nach längerem Streik in dieser Branche zu einem Tarifabschluh zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern gekommen, der unter anderem auch folgenden Passu» enthält, daß schwachen Arbeitern ein Lohn nach gegenseitiger Vereinbarung gezahlt werden könne; die Be. stimmung, wer als schwacher Arbeiter anzusehen sei, blieb dem Arbeitgeber überlassen. Jetzt versuchen es mehrere Arbeitgeber, eine möglichst große Zahl von Arbeitern als„schwach" hinzustellen, um so am Lohn zu sparen. Ebensalls sind entgegen den getroffenen Vereinbarungen Maßregelungen vorgekommen, indem alte Ar- beiter nicht wieder eingestellt wurden. Die Versammlung kritisierte ein derartig vertragswidriges Verhalten der betreffenden Arbeit- geber mit aller Entschiedenheit und beschloß'in einer Resolution, unter allen Umständen die volle Durchführung der tariflichen Ab- machungen zu verlangen. In allen Fällen, wo die Arbeitgeber sich eines Tarifbruches schuldig machen, sollen die Arbeiter sofort eine entsprechende Meldung an die Organisationsleitung gelangen lassen. damit die nötigen Gegenmaßnahmen getroffen werden können. Achtung, Brauereiarbeiter! Infolge Differenzen mit der Direktion und Betriebsleitung des Norddeutschen Brauhauses in Grünau wegen Nichtanerkennung des Tarifvertrages und fortgesetzter ungerecht« fertigter Entlasfung organisierter Brauereiarbeiter haben sämtliche organisierten Brauereiarbeiter einmütig die Arbeit niedergelegt. Zuzug nach Grünau bei Berlin ist fernzuhalten. Das Norddeutsche Brauhaus in Grünau(früher rauerei Siemens) ist für organisierte Brauerei- arbeiter gesperrt. Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. Zweigverein Berlin I und II. Deutfcbes Reich. Der Streik der Fleischergesellen in Effenberg in Thüringen, der bereits feit dem 10. Januar andauert, ist nun noch dadurch der- schärft worden, daß die Wurstfabrikanten auf diejenigen Fleischer- meister, welche noch organisterie Gesellen beschäftigten, einen erfolg- reichen Druck ausübten, ihre Gesellen wegen ihrer Zugehörigkeit zur Organisation vor die Wahl zu stellen, entweder aus derselben aus- zutreten oder ihre Entlassung entgegen zu nehmen. Die Gesellen erklärten, keinesfalls aus der Organisation aus- zutreten, worauf ihre Entlassung erfolgte. Eine etwa tausend- köpfige Volksversammlung am 16. Februar, in der der Verbands- vorfitzende Haupt-Berlin über:„Der Stand deS Streiks und die ungeheure Wirkung des Boykotts" referierte, sprach ihre vollste Entrüstung aus über das brutale Verhalten der Wurstfabrikanten und der Fleischerinnung, die sich mit den ersteren solidarisch erklärt hat. Selbst der Reichsverband zur Berleumdung der Sozialdemokratie mischt sich in den Stteik und versucht, den Kampf als„Folge der Niederlage der Sozialdemokratie bei den Reichstagswahlen" hinzustellen. Die organisierte Arbeiterschaft Effenbergs bezieht ihren Fleisch- und Wurst von der Arbeiterschaft Effenberg» ausgesprochene Bohrott MC �Thüringer Fleisch- und Wurstwaren" hat eine ungeheure Wirkung auch auswärts. So finden sich jetzt täglich Agenten und Reisende der Eisenberger Wurstfabrikanten im Bureau des Zenttalverbandes der Fleischergesellen in Berlin ein, um dort Erkundigungen über den Streik bezw. die Ursachen desselben einzuziehen und Silagen über den Ausfall ihres Verdienstes vorzubringen. Die Wurstfabrikanten müssen einen großen Teil Bestellungen zurückweisen, weil sie nicht lieferungsfähig sind. Trotzdem hält ihr Herrendünkel sie zurück, du geringen Forderungen der streikenden Gesellen zu bewilligen. Kräftigung der„gelben" Gewerkschaften. Auf eine großartige Idee kam die Maschinenfabrik Augsburg, die Mutter der„Gelben" in Deutschland. Die Direktion gibt an die„Gelben" des Betriebes Lebensinittel zum Selbstkostenpreis ab, und zwar Reis, Gerste, Gries, Erbsen und Linsen. Die Direktion geht offenbar von dem Gedanken aus, daß die„Gelben" nach einem halben Jahre der Mast nnt kräftereichen Hülsenfrüchten körperlich soweit zugenommen haben werden, daß sie einen gelegentlichen Lohnabzug, der in väterlicher Weise begründet wird, ganz gut er tragen können. Husland. Aussperrungsepidemie in Rußland. In der letzten Zeit hat in Rußland eine wahre Aussperrungsepidemie begonnen. Die Unter- nehmer beeilen sich unter dem Schutze der Reaktion, den Arbeitern alles wegzunehmen, was sie in den letzten zwei Jahren erkämpft haben. Und da die Arbeiter noch nicht genügend organisiert sind und keine bedeutenden Geldmittel besitzen, so werden die Aus- sperrungen zum System erhoben. So wurden in Warschau die Arbeiter der Kuvert-, Strumpf« und einiger anderer Fabriken ausgesperrt und ist zum zweitenmale in den Schneiderwerkstätten die Aussperrung verhängt.— In S h i t o m i r(Gouv. Wolynien) dauern die Aussperrungen in den Schneiderwerkstätten fort.— In M o s y r wurden in der Streichholz- fabrik„Blitz" etwa 800 Arbeiter ausgesperrt, in Wilna— 2000 Bürstenmacher.— In Dünaburg waren die Arbeiter der Handschuh« fabriken ausgesperrt. In Lodz werden die Aussperrungen sogar auf Wcrkstattmeister und Kontorangestellte ausgedehnt.— In Petersburg drohen die Buchdruckereibesitzer mit der Aus- sperrung und die Moskauer Buchdruckereibesitzer gehen mit ähn- lichen Absichten um. zu ivelchem Zwecke sie sich mit den Peters- bürgern in Verbindung gesetzt haben.— Versammlungen. Eine Mitgliederversammlung der Bereinigung der Maler, die am Freitag in Dräsels Festfälen stattfand, befaßte sich mit der Vornahme der Stichwahlen zur Generalversammlung in Leipzig. Nach den Feststellungen setzen sich die Delegierten des ersten Bezirks wie folgt zusammen: Jakobeit, Mietz.Flemming.Haase, Hoefs, Ehrhardt. Klotz. G. Müller. B. Stein. Hansen, Elsner, Wagner und H e n d r i s ch k e. Letzt- genannte fünf gingen aus dem ötesultat der Stichwahl hervor. Der weitere Punkt der Tagesordnung galt der Statutenberatung, wovon in der Hauptsache die Annahme folgender Anträge zu registrieren ist: Dem Titel„Vereinigung der Maler, Lackierer, Ansireicher usw." soll in Zukunft in Parenthese„Zentralverband" beigefügt werden, um, wie ausgeführt wurde, von den fast ausnahmslos ebenfalls sich „Vereinigung" nennenden Lokalorganisationen besser unterschieden zu werde». Von einem gänzlichen Fallenlassen des historisch ge- wordeneu Titels wurde Abstand genommen. Bezüglich des Beitritts ivird«in gusatz akzeptiert, welcher nur denjenigen als aufnähme- fähig erachtet, welcher das Gewerbe nicht selbständig betreibt und im Zusammenhange hiermit den von der Mitglied- schast ausschließt, welcher länger als zwei Jahre das Gewerbe selbständig betreibt. Auf Anfrage aus der Mitte der Ver- sammlung wurde konstatiert, daß unter vorerwähnten Abänderungen die sogenannten„Spezialisten" nicht fallen, sondern der Antrag lediglich den Erfahrungen des letzten Streiks entsprungen sei. Ein Antrag der Ortsverwaltung:„Bei dem Uebevtritt aus anderen Organisationen wird der Teil der Beiträge in Anrechnung gebracht, die seiner Zeit für die Hauptkasse abgeführt wurde", findet nicht die Zustimmung der Versammlung. Um jedoch dem allseitig anerkannten Bedürfiiis bezüglich der Fluktuation im Berufswechsel Rechnung zu tragen, einigt man sich dahin, die Zahl der wirklich geleisteten Beiträge beim Uebertritt an- g»rechnen. Die Befteiung von der Einttittsgebühr erleidet urch diese Maßnahme keinerlei Beschränkung. Betont wurde seitens der Ortsverwaltung, daß dieses Entgegen- kommen auch für den Uebertritt der Mitglieder der Lokalverbande Platz greifen soll. In den Vordergrund der Debatte ttitt nunmehr die Beittagsleistung. Der Zweckmäßigkeit halber wird die Leistung der Hauptlasse bei StteikS ebenfalls unter diesem Punkt mit zur Beratung gestellt. Nach längerer Diskussion verdichtet sich die Meinung der Versammelten zur Annahme der seitens der Orts- Verwaltung vorgeschlagenen Anträge, welche wie folgt wiederzugeben find: Der Beitrag für männliche Mitglieder darf m den 35 Sommertoochen, vom 1. März bis 31. Oktober, nicht unter 45 Pfemiig, in den 17 Wintcrlvochen, vom 1. November bis Ende Februar, nicht unter 15 Pfennig betragen. Von den Sommerbciträgen werden 40 Pf. und von den Winterbeiträgen 10 Pf. an die Hauptkasse abgeführt. Der Beitrag für weibliche Mitglieder beträgt pro Woche 20 Pf., wovon 10 Pf. an die Hauptkasie ab- zuführen sind. Einzelmitglieder, welche an Orten arbeiten, wo sich keine Verwaltungsstelle der Vereinigung befindet oder im Auslände Befindliche haben den Beitrag von 50 und 15 resp. 20 Pf. voll an die Hauptkasie einzusenden. Stteikunterstützung: DieUnterstützimg männlicher Mitglieder beträgt: von der 1. bis zur 13. Woche der Mitgliedschaft für Verheiratete 1,50 M. pro Tag. pro Woche 9 M.. für Ledige 1 M. pro Tag, pro Woche 6 M. Von der 14. bis zur 52. Woche der Mit- gliedfchast für Verheiratete 2 M. pro Tag, pro Woche 12 M,. für Ledige 1,50 M. pro Tag, pro Woche 9 M., über ein Jahr der Mitgliedschaft für Verheiratete 2,50 M. pro Tag, pro Woche 15 M., für Ledige 2 M. pro Tag, pro Woche 12 Mark. — Eine Anregung, bei Streiks oder Aussperrungen die Beiträge nicht zu erheben, wird den Delegierten zur Erwägung an- heim gegeben.— Eine Härte im Statut, welche denjenigen trifft, welcher länger als 13 Wochen krank ist und infolge der beitrags- freien Marken in der Karenzzeit zurückgestellt wird, lvird dahingehend geändert, daß die beitragssreien Marken nur auf Antrag geklebt werden. Zu erwähnen ist noch der Antrag, der die Neuwahl des ersten Vorsitzenden und Kassierers als leitende Beamte der Filiale für die Zukunft ausschaltet. Unter Hinweis auf die im Laufe der nächsten Woche stattfindenden Bezirksversammlungen mit der TageS- ordnung Wahl der Bezirksführer ttitt Schluß ein. Berichtigung. Wohl nur der Druckfehlerteufel läßt mich in dem Versammlungsbericht ans dem vierten Kreise in Nr. 44 des„Vor- wärtS" sagen, es müßten in Zukunft in der Parteipresse mehr Organisationsartikel gebracht iverden. In Wirklichkeit habe ich ausgeführt, es müßten mehr Originalartikel in der Presse gebracht werden._ Otto G e i t h n e r. ranksurterstr. 6: Vortrag von Herrn Adolf Stern:„Materie öder Geist." Herren und Damen als Gäste sehr willkommen. Lese, nnd Dtstuitertlub„Hasenclever". Heute abend 8'/, Uhr bei Korff, Elisabethkirstt. 13- Sitzung. Lriefkakten der Gxpedition. bedarf nur noch von NichtinnungS-Fleischermeistern. Patienten in Beelitz, Buch usw. Dlejcniaen unserer Abonneilten, die noch während de» ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der lleberweisung von Freiexemplaren sosort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummer» des neuen . Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Der> Monat neu eingesandt werden. Verband der Tapezierer. Filiale Berlin. Sonntag, den 24. Februar 1907, vormittags 10 Uhr präzise, in den SophienSälen, Sophienstraße 17/18( früher Handwerkerverein): Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: Der Aussperrungs- Beschluß der Unternehmer. Referent: Kollege Otto Wels. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. 177/ 7* Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Zimmer 34, Amt IV, 3353. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Burean: Engel- Ufer 15. Zimmer 1-5. Amt IV, 0679. Sonntag, 24. Februar, vorm. 10 Uhr: General- Versammlunng in der ,, Neuen Welt", Hasenheide 108-114. Zages Ordnung: 1. Neu- und Ergänzungswahlen für Angestellte im Bureau. 2. Weiterberatung der Anträge zum Verbandstag. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 113/13 Bahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Freitag, 22. Februar, abends 84 Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29: Zentrums- Vertrauensmännerversammlung = Jede Werkstatt muß vertreten sein.= Verband der haugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschl. Zweigverein Berlin und Umgegend. Sonntag, den 24. Februar, vormittags 10 Uhr, im Etablissement Buggenhagen, Morigplatz: General- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Sassenbericht vom 4. Duartal 1906. 2. Jahresbericht vom Jahre 1906. 3. Wahlen der Beschwerdefommission, Schlichtungskommission und der Revisoren. 4. Verbandsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert, ohnedem keinen Zutritt. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen aller Mitglieder notwendig. Der Zweigvereins- Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. 32/ 13* Allg. Kranken- u. Sterbekaffe H. Greifenhagen Nachf. Brunnen- Strasse 17-18 Veteranen- Strasse 1-2. Vorzugspreise für Lebensmittel Pökelkamm. Cassler Rippespeer Neu aufgenommen: Als Specialität: Freitag Sonnabend Pfund 78 Pf. = Pfund 80 Pf. Wiener Dampfwurst. 80 Pf Würsten Pid. 75 Pl. Sächsische Rotwurst Pommersche Leberwurst ganzen Wursten. Pl. 55 Pl. Pid. 55 Pt. Pommersche Land- Mettwurst in ganzen Prima Schinkenspeck.. Pid. 98 Pl. In Pfd. Pa. Räucher- Lachs in Portionsstücken 80 Pf. Haushalt- Marmelade in 5 Pfd.- Eimern 1.15 M. Kunst- Honig in 5 Pfd.- Eimern.. Eimer Jeden Abend von 6 Uhr an: Ein Posten Ein Posten Prager Schinken Eimer Eimer 1.45 M. in Brottelg gebacken Pfd. 50PL Tafel- Aepfel Blumenkohl Pfund 18 Pf. Kopf 15 P Pf. Zucker 2 Pfd. 35 Pf. Allerfeinste Tafelbutter Pfd. 1.20 der Metallarbeiter. Zentralverband d. Brauereiarbeiter ( Eingeschr. Hülfskaffe Nr. 29, Hamburg.) Filiale Berlin 3. Branche der Maschinenarbeiter. Sonntag, den 24. Februar, vor. Sonnabend, den 23. Februar 1907, in Kellers Festfälen, Stoppenstr. 29: Gr. Wiener Masken- Ball. Drei Musikkapellen. Anfang 8%, Uhr. 80/15 Großartige Ueberraschungen. Billett 50 Pf. Billetts sind bei Pankow, Gubenerstr. 12, und bei Lorenz, Stoppenstr. 28 zu haben. Das Komitee. Montag, den 25. Februar, abends 8%, Uhr, im Englischen Garten, Meranderstr. 27c: Branchen- Versammlung aller auf Küchenmöbel beschäftigten Tischler und Maler. Die Kollegen von Weißensee und Nigdorf sind hierzu eingeladen. Der Branchenleiter. mittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15, Saal 7: Zweigverein Berlin. Infolge Differenzen wegen Nichtanerkennung des Tarifes und fortgesetter Entlassung organisierter Soeben ist erschienen: Die Lage der arbeitenden Klasse in Rußland. Eine historische Darstellung an der suchungen und der Berichte der Mitglieder- Versammlung. Arbeiter, haben im Norddeutschen Brauhaus and amtlicher und privater Unterin Grünau sämtliche Mitglieder unseres Ver: Fabrikinspektoren von 1861 bis in die bandes die Arbeit niedergelegt. Zages Ordnung: 1. Staffenbericht. 2. Die bevorstehende Generalversammlung und die Anträge des Vorstandes. 3. Aufstellung der Standidaten. 4. Berschiedenes. Bahlreiches Erscheinen erwartet 113/12 Die Ortsverwaltung. ..Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeiter. Radfahrer- Bundes " Solidarität". Vereinstour. Laut Beschluß der Funktionär fitung geht der Katerbummel nach Baumschulentweg, Adermann. Start 2 Uhr Schlesische Brüde. Bet schlechtem Wetter mit der Bahn. Achtung! Herren- Maßschneider! Achtung! cute rette bens 9 Hbr: Sonntag, den 24. februar, mittags 12 Uhr, im Feen- Palast, Burgstr. 24: Mittwoch, den 27. februar 1907, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15: Oeffentl. Verfammlungen. Zages Drdnung: Bente Breitag, Uhr: Fahrwartsitzung Klosterstraße 101 bei Bosse. Bünktliches Erscheinen ist erwünscht. Sonntag, den 24. Februar, nachmittags 2 Uhr: Sisung der Agitationskommiffion Klosterstraße 101 bei Bosse. 99 Voran II" Produktiv- u. Einkaufsgenossenschaft des„ Berliner Arbeiter- RadfahrerVereins". Heute Freitag, 22. Februar, abends 9 Uhr, Die Situation in der Herren- General- Versammlung. Maßbranche. Referenten: Kollegen Ritter und Kunze. Bahlreichen Besuch erwartet 162/6 Der Einberufer. Tages- Ordnung: 1. Bericht des Borstandes. 2. Be richt des Geschäftsführers. 3. Anträge des Vorstandes. 4. Geschäftliches. 5. Neuwahl des Vorstandes. Mitgliedsbuch legitimiert. 11/10 Der Vorstand. 41/6 Zuzug nach Grünau ist fernzuhalten. Das Norddeutsche Brauhaus in Grünau( Kontor Berlin, Köpenicker-:: straße 129), ist für organisierte Brauereiarbeiter gesperrt. Ortsverwaltung Berlin I. Fernsprecher- Amt VII. 13 837. Ortsverwaltung Berlin II. Fernsprecher- Amt VII. 1080. 3981L Kenner rauchen Zenith= Zigaretten Backware heutige Zeit. Von K. A. Pashitnow. Autorisierte Uebersetzung von:: M. Nachimson. Band 40 der Internationalen Bibliothek Preis broschiert 2,50 M., gebunden 3 M. Ferner empfehlen wir: Sechzehn Jahre in Sibirien. :: Erinnerungen eines russischen:: Revolutionärs bon Leo Deutsch. Mit 7 Porträts und 6 Juustrationen. Preis broschiert 3 M., gebunden 3,50 M. Expedition des„ Vorwärts" BERLIN SW. 68 Lindenstr. 69, Laden. Neu eröffnet! Erste Tegeler RoßSchlächterei Schlieperstraße 80, am Bahnhof. Für gute Ware ist bestens gesorgt! 39782* Hermann Hinz. Achtung, Maurer! Unterricht im bautechnischen Zeichnen, Beranschlagen, Lohnberechnen usw. Ausbildung zum Bolier! Raterteilung für Bauluſtige! 15885 Maurermeister Karras Oldenburgerstr. 24 I ( am Bahnhof Butligstraße). Das größte Brot! stuck 10 Pf. Dr. Simmel, 6 nur allein in: Krautstr. 19, Wrangelstr. 135, Albrechts Bäckereien: Lausitzerstr. 2, Falckensteinstr. 32, Prinzen. Str. 41, 3/5 Spezialarzt für Hant- und Harnleiden. 10-2, 5-7 Sonntags 10-12, 2-4. Zentrale: Boxhagenerstr. 13. Pücklerhalle 222/223, Andreashalle 16/18. Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Enseratenteil berantto.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Bortvärk Dr. 45. 24. Jahrgang 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Freitag, 22. februar 1907. Eine furchtbare Schiffskatastrophe Partei- Angelegenheiten. hat sich durch den in ganz Mitteleuropa wütenden Sturm in der vorgestrigen Nacht an der holländischen Küste ereignet. Der zwischen der Gesangberein Melodia" im Restaurant Deutsches Zur Lokalliste! Am Sonnabend, den 23. Februar, veranstaltet Harwich und Hoek van Holland verkehrende Passagierdampfer aus", Schmargendorf, ein Vergnügen. Wir weisen darauf hin, Berlin" ist bei der Einfahrt in den Hafen von Hoek gescheitert daß das genannte Lokal der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht und mit Passagieren und Besatzung untergegangen. Nach den bis- und find deshalb alle dortigen Veranstaltungen seitens der Parteiherigen Meldungen haben 141 Personen, darunter 91 Passagiere in genossen streng zu meiden. Die Lokalfommission. den Fluten den Tod gefunden. Ueber die Katastrophe liegen folgende Meldungen vor: Rotterdam, 21. Februar. Der Dampfer„ Berlin" der Linie Harwich- Hoek van Holland, der aus London tam und heute morgen in Nieuwe Waterweg einfahren wollte, ist infolge des Sturmes an der Nordmole gescheitert. Der Dampfer ist in zwei Teile gebrochen und ein Teil gesunken. Die Passagiere und die Besatzung befinden sich auf dem Hinterteil des Schiffes, das noch aus dem Wasser hervorragt. Ein Rettungsboot versucht sie zu retten. Ein weiteres Telegramm aus London meldet: Alle an Bord bes bei Hoek van Holland gestrandeten Dampfers„ Berlin" befindlichen 141 Personen, darunter 91 Passagiere sind ertrunten, 25 Leichen geborgen. Rotterdam, 21. Februar( 1 Uhr 56 Minuten). Bis Mittag waren bon den bei der Strandung des Dampfers Berlin" Berunglückten 25 Leichen geborgen, ferner wurde ein Geretteter an Land gebracht. Dem Handelsblad" zufolge machten die an die Unglücksstelle geeilten Rettungsboote die größten Anstrengungen, um die an Bord des Berlin" befindlichen Personen zu retten, fonnten sich aber wegen heftigen Sturmes und wilder See dem Schiffe nicht nähern, Die Zahl der Berunglückten ist noch größer. Weißensee. Am Sonntag, den 24. Februar, früh 8 Uhr, findet von allen Abteilungslokalen aus eine Flugblattverbreitung statt. Die nächste Generalversammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, den 26. februar, abends 8 Uhr, im„ Prälaten", Lebberstr. 122 statt. Bahlreiche Beteiligung an beiden Beranstaltungen erwartet Der Vorstand. die alten Kämpen erscheinen mit den schneeweißen Haaren und der großen Vergangenheit. Das gleiche Bild in einem der größten Schriftstellerklubs im Westen der Stadt, auch dort wird recht brab.gearbeitet". Und auch Sort werden die Nächte zu Tagen gemacht. Union- und der Automobilklub, von den unzähligen, bedeutungsRein sportlichen Interessen dienen zwei Klubs in Berlin, der losen Fecht-, Turn-, Ruder-, Schwimmklubs natürlich abgesehen. Es liegt in der ganzen Entwickelung unserer Zeit, daß man heute mehr von dem jungen Automobilklub, der das früher Bleichröbersche Palais am Leipziger Plak bewohnt, hört und spricht, als von dem Unionklub, der einst in Berlin die erste Stelle unter allen Klubs einnahm, nicht zuletzt als Spielklub, der ja auch heute noch eine große Bedeutung hat durch die Veranstaltung der Pferderennen in Hoppegarten. Dem größeren Publikum bekannt, weil in ihren Räumen viel fach die Festlichkeiten der Berliner Gesellschaft gefeiert werden, sind Scher tendorf. Am Sonnabend, den 23. Februar, abends 8 Uhr, zwei Vereinigungen, die Theerbuschsche Ressource in der Oranienfindet die Generalversammlung des Wahlvereins bei Pätsch statt. burgerstraße und die Gesellschaft der Freunde in der PotsdamerAuf der Tagesordnung steht: Bericht des Vorstandes und Neuwahl straße. Die erste vertritt das gute, erbeingesessene christliche Bürgerdesselben. Die Genossen werden ersucht, zu dieser Versammlung tum Berlins, die großen Grundstücksbesizer, Bierbrauer und Bahlreich und pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Schnapsbrennereibefizer im Norden, die zweite das gute erbeingesessene jüdische Bürgertum Berlins, die alten, vornehmen KaufKönigs- Wusterhausen. Den Parteigenossen zur Kenntnis, daß Leute im Westen." am Sonntag, den 24. Februar, morgens 7 Uhr, von dem bekannten Genossen zur Pflicht gemacht, fich vollzählig und pünktlich an derLokale aus eine Flugblattverbreitung stattfindet. Das Publikum, das sich in diesen Spielflubs zusammenfindet. Es wird den hat natürlich mit dem arbeitenden Berlin nichts gemein, felben zu beteiligen. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Die Milchzentrale, die seinerzeit von dem vor kurzem verstorbenen Landesökonomierat Ning ins Leben gerufen wurde, hat ihren Gründer nicht lange überlebt, die Auflösung war nicht mehr aufDie Situation der zuhalten und ist nunmehr beschlossene Sache. jezigen Genossenschafter ist eine recht bedenkliche, da ein sehr großes Defizit der Zentrale gedeckt werden muß. Von großer Wichtigkeit wird es sein, ob die reichen Genossenschafter, die vor einiger Zeit ausschieden, noch haftpflichtig sind, da sonst biele kleine Gutsbefizer und Bauern böse bluten müssen. Die Ablehnung der Wertzuwachssteuervorlage durch den von der Stadtverordnetenversammlung eingesetzten Ausschuß läßt auf das Ein späteres Telegramm aus Rotterdam meldet: Von den endgültige Schicksal dieser Vorlage noch keinen sicheren Schluß zu. Agenten der Linie Harwich- Hoek van Holland wird mitgeteilt, daß Jm Ausschusse erfolgte die Ablehnung der Vorlage mit acht gegen Berlin" 120 Passagiere und eine Besatzung von 60 Mann, im vier Stimmen, drei Mitglieder des Ausschusses fehlten, die, wären fie der Monarchie Preußen, sondern anscheinend auch in der LandesMangel an Lehrern herrscht nicht nur in den ostelbischen Provinzen ganzen also 180 Personen an Bord hatte; die Namen der Verunglüdten anwesend gewesen, für die Vorlage gestimmt hätten. Demnach wäre hauptstadt Berlin. Zwar steht in Berlin für jede Schulklasse eine haben noch nicht festgestellt werden können. Die 25 Leichen, die, bei voller Befehung des Ausschusses die Ablehnung mit acht gegen eigene Lehrperson zur Verfügung, und auch Hülfskräfte werden für wie bereits gemeldet, geborgen find, wurden heute vormittag fieben Stimmen abgelehnt worden. Das endgültige Schicksal der etwa notwendige Bertretung bereitgehalten. Es scheint aber, daß 11 Uhr an Land gespült. Zwei Personen sind gerettet, eine davon Vorlage liegt nunmehr im Plenum der Stadtverordnetenversammlung die Zahl dieser Hülfskräfte bei weitem nicht ausreicht, den Bedarf ist der zweite Steuermann, ein Engländer, der bewußtlos in ein und steht auf des Messers Schneide. Hotel in Hoek van Holland gebracht worden ist. Um 11 Uhr vormittags wurden an Bord des Brads nur noch einige Personen bemerkt, es ist also sehr zweifelhaft, ob außer den bereits gemeldeten zwei noch weitere Personen gerettet sind. Berliner Spielklubs. Aber es an Vertretern zu decken, der besonders in der kälteren Jahreszeit recht groß ist. Man weiß ja, daß Lehrer und Lehrerinnen sehr zu Erkrankungen der Atmungsorgane neigen. Im Winter ist die Dem„ B. 2." wird über das Unglück noch folgendes gemeldet: Spielflubs, deren es eine ganze Anzahl gibt. Es dürfte deshalb eine wird. Die neue Falschspieleraffäre, über die wir gestern berichteten, Bahl der erkrankten und fehlenden Lehrpersonen manchmal so belenkt wieder einmal die Aufmerksamkeit auf die in Berlin bestehenden deutend, daß der Unterrichtsbetrieb dadurch sehr fühlbar beeinträchtigt Als der Dampfer„ Berlin" der Great Eastern Railway Company, Schilderung über das Milieu dieser Spielflubs nicht uninteressant dann nicht zu denken, An einen rechten Erfolg des Unterrichtes ist selbst menn aus den anderen Mitgliedern welcher gestern nacht aus Harwich abgefahren war, sich heute früh sein, die wir den von Hans Ostwald herausgegebenen„ Großstadt- des Lehrerkollegiums oder aus den besonderen Hülfskräften eine aus. im ersten Morgrauen der holländischen Küste und der kochenden dokumenten" entnehmen: Brandung der Bai von Hoek van Holland näherte, wehte ein orfanartiger reichende Zahl von Vertretern beschafft werden kann. „ Der beste von ihnen ist der Klub von 1880 ziemlich auf tommt vor, daß einzelne Klassen überhaupt keinen Vertreter kriegen. nordwestlicher Sturm. Das Schiff wurde von den sturmbewegten Wellen einer Stufe mit dem Turfflub, der hauptsächlich die Börse zweiten Da werden dann die Kinder in fleinen Gruppen auf zwei, drei, vier auf die nördliche Mole an der Maasmündung geworfen, wo es so- Grades, Schriftsteller, Journalisten, Theaterleute, Rechtsanwälte fort entzwei brach, voll Wasser strömte und unterging. Die gesamte und Aerzte, die üblichen Grafen und Barone, auch echte Prinzen andere Klasse verteilt und werden dort als unerwünschte Gäste mit zu Besatzung und alle Passagiere sind ertrunken. Rettungsdampfer fächlich in den Nachmittagsstunden und zwar vorzugsweise Ecarté Fall für die umquartierten Stinder noch weniger von einem zu feinen Mitgliedern zählt. Im Klub von 80 wird wieder Haupt- durchgeschleppt. Es läßt sich von vornherein denfen, daß in diesem konnten in der rafenden Meeresbrandung keine Hülfe leisten. Die und Piquet gespielt Wellen müssen allen an Bord Befindlichen sofort Tod und Ver- in diesem Klub und wenn man vom Glück und vom Ende eines Kinder der betreffenden Klassen aus solchem Zuwachs nicht Gewinn, eine Zeitlang gab es die größten Partien Unterrichtserfolg die Rede sein kann und daß auch für die anderen derben gebracht haben. Von den Passagieren wurden manche in Spielers hörte, dann wurde er nur zu oft in Verbindung mit ihm ihren Kabinen überrascht. Hohe Wellen verhinderten die Rettungs- genannt. Dort oben, Unter den Linden, sind auch die großen Gemannschaft, fich an die Unglüdsstelle zu begeben, um nach etwaigen winner Berlins zu finden und mit neidischer Bewunderung zeigt Ueberlebenden zu suchen. Vielleicht werden noch einige ans Land man sich die Herren, die immer und immer gewinnen, die sich in gespült werden; es besteht jedoch die größte Wahrscheinlichkeit, daß gemacht haben, die mit einem bescheidenen Monatswechsel von einwenigen Jahren am Kartentisch in faurer Arbeit ein Vermögen die Wellen sich als Grab über allen schlossen. Das Schiff„ Berlin" hundertundfünfzig Mark ihren Einzug in Berlin hielten und heute faßte 1775 Tonnen brutto und war im Jahre 1894 erbaut. Die Dampfer der Great Eastern- Linien werden mehr von Fremden, besonders Engländern und Deutschen usw., als von Holländern benutzt, weil lettere ihre nationale Linie Vlissingen- Queenborough beborzugen. Dem Reuterschen Bureau in Amsterdam wird aus Hoek van Holland gemeldet: Das Hinterteil des gestrandeten Dampfers " Berlin" fist unterrückbar fest. An Bord befinden sich noch einige Personen, die man bei Eintritt der Ebbe retten zu können hofft. Nur eine Person ist lebend an Land gebracht worden, und zwar Kapitän Partison aus Belfast, nicht wie vorher gemeldet, der zweite Steuermann. Der Gerettete ist in Hoek van Holland im Hotel untergebracht worden. Die 25 geborgenen Leichen sind in Hoek van Holland im Bahnhof niedergelegt. Rotterdam, 21. Februar. Die deutsche Operngesellschaft, die sich an Bord des gestrandeten Dampfers" Berlin" befand, bestand aus 35 Personen, die sich nach Dortmund begeben wollten. Alle find umgefommen, nur ein Mitglied der Gesellschaft, namens Denninger, kam bei der Abfahrt des Dampfers zu spät und machte daher die Reise über Antwerpen. Denninger traf heute früh hier ein, wo er sich den übrigen Mitgliedern der Gesellschaft wieder anschließen wollte. Berunglückte deutsche Passagiere. sondern höchstens Störung zu erwarten ist. Eine Probe des Drunter und Drüber, das für berwaiste Klassen sich aus dem Mangel an Vertretern ergeben kann, soll hier mitgeteilt schule( Demminerstraße) besucht, hat sich bei uns über die tolle werden. Ein Vater, dessen Kind die 142. Mädchen Gemeindes wirtschaft beschwert, die er dort beobachtet hat. Der Lehrer der nur in eigenen Equipagen und Automobilen fahren, Rennpferde Klasse Vo erkrankte Anfang Dezember, fehlte dann lange Zeit und besiben und in größtem Stile leben. Bis auch sie wieder das Geschick ist schließlich im Februar gestorben. Von Anfang Dezember bis Anereilt, wenn sie nicht so flug sind aufzuhören. Bureau. vielleicht, daß die Konfektion um den Hausvogteiplah einen größeren holt gewechselt. Die Vertretung des fehlenden Lehrers durch andere In den jüngeren Klubs ist die Zusammensetzung die gleiche, fang Februar hat die unterrichtliche Versorgung dieser Klasse wieder Prozentsatz zu den Spielern stellt als in den alten Klubs. Einen Personen des Lehrerkollegiums fonnte natürlich nicht lange durchSpäteren Meldungen zufolge ist der Dampfer Berlin" mit der integrierenden Bestandteil in allen diesen Gesellschaften bilden die geführt werden. Zeitweise wurde die Klasse von einer jungen gesamten Bost total verloren. Das Schiff ist außerhalb des Hafens, Juristen, vornehmlich Rechtsanwälte, die von der Ressource ange- Lehrerin versorgt, die als ständige Vertreterin hinkam. Gelegentlich aber in Sichtweite von Land auf eine Sandbank aufgelaufen. Der fangen bis herab zu den kleinen Pintscherklubs in der Potsdamer- übernahm auch der offenbar selber schon überbürdete Rektor die Seegang zur Beit des Auflaufens war derart, daß jede Hülfeleistung ber Psychologie des Spielers vertraut ist, leicht erflärlich, denn Vertretimg. straße unermüdlich an den Spieltischen sizen. Für jeden, der mit Er unterrichtete zuweilen im abgekürzten Verfahren, ausgeschlossen war. gerade die geistig besonders angestrengten Anwälte suchen und um möglichst in einer Stunde so viel zu schaffen, wie bei regel Nach amtlicher Feststellung befinden sich unter den berunglückten brauchen nach des Tages aufreibender Arbeit die Ablenkung im mäßigem Unterricht in zwei oder drei Stunden geschafft werden soll. Baffagieren der königliche Kurier Artur Herbert und 19 Chor- Spiel. Daß sich dann mancher zu weit hinreißen ließ und zu Manchmal schickte er auch nur ein älteres Mädchen der ersten Klasse mitglieder einer deutschen Operngesellschaft, die kürzlich im Convent Grunde ging durch die Karten, ist ein trauriges Geschickt, und es in diese fünfte Klasse hinein, damit die Kinder wenigstens eine Garden- Theater in London Vorstellungen gegeben hat. wäre ganz verfehlt, daraus etwa schließen zu wollen, daß die Rechts- Stunde hindurch beaufsichtigt und notdürftig beschäftigt wurden. anwälte die wildesten Spieler sind. Man hört nur von dem Niederbruch eines Anwalts deshalb mehr sprechen, weil durch seinen Fall Später tam wieder mal eine andere junge Lehrerin zu ständiger weitere Schichten der Bevölkerung berührt werden, weil er sich natur- Bertretung, aber auch sie blieb eines Tages wieder aus, anscheinend gemäß nicht in einem kleinen Kreise abspielen kann. Zuweilen deshalb, weil sie selber frank geworden war. Mehrfach sah der waren es die begabtesten, die sich ruiniert haben und die jetzt, fern Rektor sich genötigt, die Kinder auf andere Klassen zu verteilen. von Berlin, ein bedauernswertes Dasein führen, man nennt sich Das war aber nicht so ganz leicht, weil in der 142. Schule andere, die die Einkünfte ihrer enormen Brarie vollständig am Spieltisch lassen, es gibt auch einige, die vom Gericht in den Klub,( wie die neueste Frequenzübersicht zeigt) die meisten der dann ins Bureau und schnell wieder in den Klub gehen. Nur an Klassen, die für diese Kinder in Betracht kommen konnten, ohnedies Sonntagen machen sie eine Ausnahme, da gehen sie gar nicht ins schon stark besetzt sind. Manche Kinder fanden da überhaupt keinen regelrechten Sitzplatz; das Podium, auf dem das Katheder steht, Eine Kategorie ist unter den Spielern ziemlich vollständig ver- mußte ihnen als Bank dienen. Auf die Beteiligung dieser Kinder schwunden: die Offiziere. Gin Umstand, der zweifelsohne auf das am Unterricht scheint nicht immer viel Wert gelegt worden zu sein. energische, unnachsichtige Einschreiten des Kaisers zurückzuführen ist. Der Vater hat aus den Angaben seines Kindes den Eindruck gea Damit soll nicht gesagt sein, daß das Spiel in der Armee vollständig wonnen, daß die Kinder manchmal ganz untätig dasigen ausgestorben ist, in den kleinen Garnisonen an der östlichen Grenze, wo die Füchse sich„ Gute Nacht" wünschen und die Karten den letzten mußten und dann Allotria trieben. Er klagt, daß gerade jetzt vor Busammenhang mit der Kulturwelt bilden, nach den Liebesmählern, der Versetzung solche Zustände so lange geduldet worden sind, und wenn die höheren Chargen vom Hauptmann aufwärts sich entfernt er wirft die Frage auf, ob denn nicht die Schulverwaltung die Pflicht haben, wird wohl noch genügend gespielt. Daß sich aber jemals hat, für rechtzeitige und ausreichende Vertretung zu sorgen. wieder ein Generalmajor oder ein Oberst mit ganz jungen Offizieren Die Schulverwaltung und zum Teil auch die Lehrerschaft ist der an den Kartentisch sehen werden zu gemeinsamem Tun wie in Ansicht, daß es den meisten Eltern an Interesse für diese Dinge Hannover anno Wechselreitschulprozeß, ist ausgeschlossen. In den Berliner Klubs sind die Offiziere jedensel in der ver- fehle, und daß sie das am Ende auch gar nichts angehe. Wir sind schtvindenden Minorität. Sie könnten ja auch gar nicht mittun bei anderer Meinung. Wir wissen, daß viele Eltern den Unterrichtsden enormen Summen, um die es sich zumeist handelt. So fommt betrieb sehr aufmerksam zu beobachten pflegen, so weit von ihnen es, daß die Offiziere mehr unter sich spielen, sie werden dann auch aus eine Beobachtung überhaupt möglich ist, und daß sie sich manche nie so leicht öffentlichen Standalen ausgefeßt sein, wie es früher Sorge darum machen, ob nicht den Kindern schwerer Schaden aus nur allzu oft geschehen. Pferderennen haben, dem fleinen Hoppegartener-, dem Groß- und In den Klubs freilich, die ihre großen Tage nur nach den Mängeln des Unterrichtsbetriebes erwächst. Wenn Schulverwaltung Lehrerschaft mehr Verständnis für die Arbeiter Borsteller- und dem Heiligendammerklub, in denen oft genug mehr bevölkerung hätten und der Elternschaft mehr Entgegenkommen bemit Berlaub! bon den Eltern Berliner als„ Eingeborene" erscheinen, werden die Offiziere natur- wiesen, dann könnten sie gemäß stärker vertreten sein. noch manches dazulernen. Für den Mangel, um den es sich im vor Es ist eine alte Tatsache, daß in Schauspielerkreisen von jeher Nach Pariser Meldung sind zur Sülfeleistung bei dem an der die Spielleidenschaft und nicht nur für das Spielen auf der Bühne liegenden Falle handelt, kann natürlich nur die Schulverwaltung Gewiß, es ist manchmal ganz unwestafrifanischen Stüfte auf Grund geratenen Kreuzer Jean -tiefe Wurzeln geschlagen hat. So lag benn nichts näher, als berantwortlich gemacht werden. Bart" aus Dafar mehrere Schiffe abgegangen, ebenso aus Langer daß in der Reichshauptstadt flugs ein Klub für Schauspieler ges möglich, rasch für Vertretung zu sorgen. Aber Zustände, wie sie in der Kreuzer Forbin". Außerdem werden der Kreuzer Gloire" gründet wurde. Selbstverständlich nur idealen Zweden bestimmt, der 142. Schule geherrscht zu haben scheinen, find denn doch zu arg. und der Transportdampfer" Drôme" Frankreich zu gleichem Zweck um einen Mittelpunkt für die zerstreuten Kärrner vom Thespis- Sie arften nicht vorkommen, und sie würden auch nicht vorkommen, berlassen. farren zu schaffen. So stand schwarz auf weiß gedrudt und wer, we die Zahl der Hülfskräfte weniger knapp be Auf Scharhörnsand fizt ein großer Dampfes feft, zu deffen stolz auf den Besit, die Statuten nach Hause trug und dort las, der messen würde als bisher. Affistenz Schlepper abgegangen sind. glaubte an die Wahrheit der gefündeten Worte, mußte daran Die 5. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts, die am 1. April Nach einem Telegramm des großen Kreuzers Noon" ist der glauben. Hamburger Dampfer Matrele am 20. 6. Mts. Kurz nach Wer aber die Probe auf das Erempel machen wollte und in den dieses Jahres ihre Tätigkeit aufnehmen soll, ist bereits eingerichtet 8 Uhr abends auf 54 Grad 8 Minuten Nordbreite und Klub Unter den Linden hinaufging, der sah dort die Poker- worden. Die neue Kammer ist nicht wie die anderen im dritten 8 Grad 19,5 Minuten Oftlänge auf 21 Meter Waffer gefunken. Die tische, die Baccaratspieler, Tarod und Slabrias wegen der vielen Stock des Hauses gimmerstr. 90 untergebracht, sondern im ersten Besatzung des Dampfers wurde bis auf einen Maschinisten durch Desterreicher, furz alles, ions auf diesem Gebiete vorhanden. Bis Stockiverk in Räumen, die bisher vom Märkischen Museum einRoon" gerettet. Der Kreuzer Roon" befindet sich zurzeit im auch dieser Klub fein intimes Standälchen hatte und das Bacspielen genommen wurden. Zum Wartezimmer ist das bisherige AmtsWerbande der Aufklärungsschiffe auf einer Uebungsreise in der verboten wurde aber sonst blieb alles beim alten und es wird zimmer des Geh. Regierungsrats Dr. Friedel umgewandelt worden. Nordsee. weiter gespielt, auteilen fogar um necht erhebliche Summen, wenn Durch die Neueinrichtung der Kammer ist auch eine neue Verteilung " London, 21. Februar. Nach der Passagierliste des gestrandeten Dampfers Berlin" befanden sich folgende Deutsche oder vermutlich aus Deutschland stammende Personen an Bord: Fräulein Herz, Herr Laninger, Herr R. Frankenberg, Herr Salford- Manchester, Herr Augustus Hirsch, Herr und Frau Serabski- Liverpool, Herr Themans, Herr Hochländer, Herr Helfenstein und Herr Raismann. meldet: Weitere Schiffsunfälle werden aus verschiedenen Städten geBrüffel. Infolge des überans heftigen Orkans scheiterte das Fischerboot Maria bei Dünkirchen. Der Führer und zwei Leute ertranfen. " " 1 - der Beisitzer auf die einzelnen Kammern notwendig geworden- Es kommen jetzt auf jede Kammer 20 Beisitzer. Diese Vermehrung der Beisitzerzahl der einzelnen Kammern hat zur Erwägung der Frage geführt, ob nicht künftig für das Berliner Kaufmannsgericht mehr als 100 Beisitzer gewählt werden sollen. Bei der nächsten Wahl, die im März 1308 stattfindet, wird jedenfalls eine solche Ver- mehrung schon verfügt sein._ Was der Stadt Berlin die königliche Polizeiverwaltung kostet. Nach dem Gesetz vom 20. April 1892 über die Kosten königlicher Polizeiverwaltungen in Stadtgemeinden, hat Berlin zu den Kosten der hiesigen königlichen Polizei einen jährlichen Beitrag von 2'/z M. für den Kopf der durch die letzte Volkszählung ernnttelten Zivilbevölkerung zu zahlen. Gemäß Z 6 des Gesetzes tritt jedoch mit Rücksicht auf die der Stadt übertragenen Zweige der örtlichen Polizeiverwaltung eine der Minderausgabe des Staates entsprechende Ermäßigung dieses Beitragssatzes ein. Die Höhe des ermäßigten Satzes wird von dem Oberprasidenten festgesetzt, gegen dessen Fest- setzungsbeschluß innerhalb zwei Wochen die Klage beim Ober- Verwaltungsgericht eingereicht werden kann. Der Stadtgemeinde ist die örtliche Polizeiverwaltung über den Straßenbau und die Grnndstttcksentwässernng. die Schnlpolizei und seit IttOS auch über die Äcundstiicksbewässerung. übertragen worden. Die dem Fiskus aus der Uebertragung der Straßenbau- und der Grundstücks- entwässernngspolizei an die Stadt erwachsene Minderausgabe hat der Oberpräsident auf Grnnd der Entscheidungen des Ober- Verwaltungsgerichts auf 126 250 M. anerkannt. Aus der Ueber- nähme der Schulpolizei ist mit Rücksicht auf eine Entscheidung des Ober-Verwaltungsgerichts eine Ermäßigung des städtischen Beitrages nicht zu begründen. Der Beitrag der Stadt ist deshalb auf 4 882 380 M. nach der Seclenzahl von 2017 760 am t. De- zeniber 1905 abzüglich 156 250 M. berechnet worden. In Schöneberg, und Rixdorf ist die örtliche Straßenbanpolizei- Verwaltung den Gemeinden übertragen. Der gesetzliche Normalbeitrag von 1'/, M. war für 1906 in Schöneberg auf 1,42 M. und in Nixdorf auf 1,41 M. pro Kopf der Bevölkerung herabgesetzt worden. Gegen diese Festsetzung haben beide Gemeinden Klage erhoben. In Charlottenburg ist bisher nur die Wahrnehmung der ortspolizeilichen Befugnisse hinsichtlich der Fleisch- und Trichinen- schau dem Oberbürgermeister von der Landcspolizeibehörde übertragen. Eine Ermäßigung des Beitrages hat nicht stattgefunden. Vom 1. April 1907 ab ist dagegen die Üebertragunjl der örtlichen Straßenbau-, der Be- und Entwässerungspolizei an die Stadt Char- lottenburg geplant. Es ist ein ganz unhaltbarer Zustand, daß die Stadt Berlin erhebliche Polizeikosten zu zahlen har, ohne auch nur das geringste zu sagen zu haben. Es ist unter allen Umständen die Uebertragung sämtlicher Zweige der Polizeigewalt an die Stadt zu verlangen, eine Forderung, die von der sozialdemokratischen Fraktion der Stadt- verordnetenversammlung wiederholt erhoben, aber immer wieder abgelehnt worden ist.__ Die städtische Schuldeputatio» gibt bekannt, daß die Aufnahme in die städtische Taubstummenschule anfangs April und Oktober statt- findet. Eltern oder Vormünder taubstummer schulfähiger Kinder haben Anmeldungen zum bevorstehenden Sommerseniester bis zum 1. April d. I. bei dem Direktor Gützmann, Markusstr. 49, an- zubruigen- „Bcrolina" ist der Name de« in der Flottwellstraße domizilierten SpielklubS, in dem sich«e von uns ge meldete Falschspieleraffäre zugetragen hat. Die Amerikaner, die hier ihr Schäfchen geschoren und bereits den Berliner Staub von ihre» Pantoffeln geschüttelt haben, heißen Sulka und Hertz. Die großen Gewinste der Herren rekrutierten sich übrigens gleicherweise wie aus dem Bac auch aus dem Poker, da« die arg- losen Teilnehmer Tau sende kostet«. Wer sich an einen Tisch setzte, an dem die zwei Herren Platz genommen hatten, war und hatte erbarmungslos verloren. Das Einschmuggeln der falschen Karten, die mit einer eigens dazu konstruierten amerikanischen Waschine gezeichnet waren, soll nach den neuesten Ermittelungen übrigens derartig vor sich gegangen sein, daß die Herren einfach alle in einer Kassette be- findlichen Spiele vor dem Beginn der Partie mit den von Hanse mitgebrachten vertauschten, so daß auch an anderen Tischen mit den gezeichneten Karten gespielt wurde. Auf diese Art kann«S vorgekommen sein, daß an einem Abend in dem ganzen Klub, selbst- verständlich unwissentlich, überhaupt nur mit niarkierten Karten ge« spielt worden ist. Jetzt hat sich die Kriminalpolizei der Falschspielerangelegenheit im Klub„Berolma" angenommen. Gestern erschienen Beamte unter Leitung des Kriniiiialkomniissars v- Manteiiffel in den Klubräumen in der Flottwellstraße und beschlagnahmten die vom Vorstande bisher verwahrten gezeichneten Karten. Die Zinken sind in einer' derart geschickten Weise angebracht, daß das Raffinement selbst bei den in dieser Beziehung ziemlich verwöhnten Herren von der Kriminal- Polizei Bewunderung hervorrief. Es steht zu erwarten, daß in den nächsten Tagen hinler Hertz und Sulka Steckbriefe erlassen werden. HerrHertz wud es dann vielleicht bereuen, daß er sich vie deutsche Staats- angehörigkeit mit vieler Mühe wiederbeschafft hat; ihn wird der Arm der Gerechtigkeit schon erlangen, Herrn Sulla, der amerlkantscher Staatsbürger ist, zu faste», dürste schwieriger sein. Die Unter« suchung soll sich nicht nur auf die Persönlichkeiten der beiden ge- nannten Falschspieler erstrecken, und so dürfte die nächste Zeit noch mannigfache Ueberraschnngen bringen. Die Mustcrimstalt zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit soll nach einer Bestimmung der Kaiserin den Name».Kaiserin Auguste Viktoria-Hau« zur Bekänipfung der Säuglinas- sterbltchleit im Deutschen Reiche" erhalten. Mit den Baute» soll baldigst begonnen werde». Bei einem verhängnisvollen Unglücksfall hat gestern der 40 Jahre alte Arbeiter August Bachmann den Tod gefunden. B. war vor einigen Tage» von Liegnitz nach Berlin gelominen und wollte hier Arbeit suchen. Als er gestern an dem Hause Fennstr. 56 vorüber- ging, wurde er Plötzlich pou einen, Ohnmachtsanfall heimgesucht und räch zusammen. Unglücklicherweise stürzt? er in den Kellerschacht und zog sich an der linken Halssette so schwere Verletzungen zu, daß er noch auf dem Transport nach den, Birchow- Krankenhause starb. Ueber den Rauvmordanfall auf der Chaussee Fürstenwalde— Markgrafpieske, bei welchem ein Schlosser Dietrich überfallen und beraubt worden fein sollte, ist es auställigerweise sehr still geworden, In den Kreisen derjenigen, die die Verhältnisse de« Dietrich genauer kennen, steht man der ganzen Geschichte sehr mißtrauisch gegenüber. Tödlicher Unfall auf einem Bau. Mittwoch vormittag war der 44 Jahre alte Bauarbeiter Gustav Supke mit noch zwei Arbeitern auf einer gimmerbrück« am dritten Stockwerk deZ Vordergebäude« des Neubaues Tegelerstr. 21 mit dem Aufwinden von Netzriegeln beschäftigt. Als ein Stapel Netzriegel hochgewunden war und S. den Sperrkegel löste, verlor er dqs Gleichgewicht und stürzte auf den Hof hinab. Hierbei erlitt er so schwere innere Verletzungen und Verletzungen am Kopfe, daß er sogleich nach dem Rudolf Virchow- Krankenhause geschafft werden mußte. Dort starb er kurze Zeit danach, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Die Leiche einer Unbekaiutten ist gestern aus dem HUlnboldt- Hafen gelandet worden. Die Tote, die erst wenige Tage im Master gelegen hat, dürfte etwa 36 Jahre alt gewesen sein. Sie war mit braunem Rock, schwarzer Bluse, weißem Halstuch, blauweiß punk- tierter Schürze, grauer Pelerine und Lederpantoffeln bekleidet. Ihre Leiche wurde zur Rekognoszierung in das Schauhaus eingeliefert. Infolge Ucberlastung brach am Dienstagnachmittag eine Seiten- wand des Materialsckmppens der Deutschen Waffen- und MunitionS- fabriken ein. Es ist dies ein aus Latten zufamniengefügter Schuppen, der sich längs der Dampfhammerschmiede hinzieht und in dem mehrere hundert Zentner Material aufoewührt werden. Am Dienstag, kurz nach 2 Uhr, stürzte nun der Schuppen an der einen Seite mit lautem Krach zusammen. Als ein Wunder ist es zu betrachten. daß niemand verletzt wurde. Eine Anzahl Arbeiter waren gerade mit AufräumungSarbeiten beschäftigt; auch zwei Schreiber. welche gerade die Stelle passierten, sind mit dem Schrecken davon» gekonmien. Wären dieselben nur eine Minute früher dort vorbei- gegangen, wären, dieselben unter den Trümmern begraben worden. Auffällig ist, daß keiner der Ingenieure, Obermeister oder Meister den Schaden vorher bemerkt und versucht hat, denselben rechtzeitig zu beseitigen. Straßensperrungen. Die Parochialstraße zwischen Kloster- und Jüdenstraße wird behufs Legung einer Gaszuleitung vom 21. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt.— Unter Bezugnahme auf Z 49 Abs. 1 der Straßenordnung vom 31. Dezember 1899 wird bekannt gemacht, daß die Einfahrt in die Burgstraße von der Königsttahe aus in der Richtung nach dem Mühlendamm verboten ist. Im Prater-Theater wird am heuttgen Freitag die Erstaufführung des v. Moserschen Lustspiels„Der Veilchenfresser" stattfinden. Feuerwehrdericht. In der letzten Nacht kam um 12 Uhr in der Linienstr. 13 Feuer aus, das auf seinen Herd— ein Zimmer— beschränkt werden konnte. Kurz vorher war in einer Küche in der Stargarderstr. 22 ein Brand entstanden. Ein zweiter Küchen- brand rief den 8. Zug nach der Namiynstr. 39. Nachts im, 2 Uhr stürzte infolge der Glätte in der Naunynstr. 45s. ein Pferd. Die Wehr versuchte das Tier aufzurichten. Es konnre fich aber nicht fortbewegen, weshalb es von dex Abdeckerei abgeholt werden mußte. Gestern früh brannte in der Köpenickerstr. 128 Kolo- phonium u. a. und in der Strelitzerstr. 10 Holz. Säcke usw. auf dem Boden. Betten, Sofa, Schrank, Balken, Schaldecken standen in der Mirbachstr. 59 in Flammen. Im Laden in der Dresdenerstr. 135 brannten Kartons mit Inhalt. Ferner hatte die Wehr am Südufer zu tun. wo vor dem Grundstück der Neuchatel Asphalt Companic ein Kabel der Feuerwehr durch- schlagen worden war und ein Feuermelder der Linie 4 außer Be- trieb gestellt werden mußte. Um eine Ueberschwemmung zu be- seitigen, mußte Zellestr. 15 Wasser ausgepumpt werden. Außer- den, liefen noch Feuermeldnngen aus der Fehrbellinerstr. 99 und von anderen Stellen ein. Vorort- INaclmcKten. Zehlendorf. Am letzten Dienstag hielt bei zahlreicher Beteiligung der sozial- demokratische Wahlverein seine Generalversammlung ab. Wie aus dem Vorstaiidsberickte hervorging, macht der Wahlverein gute Fort- schritte. Der Mitgliederstand beirng am 1. Oktober 1905 117, am 31. Dezember 1906 232. Im Anschluß an den Vorstandsbericht ver- breitete sich der Vorsitzende Genosse S ch e l e r mit kurzen Worten über die verflossenen Reichstagswahlen und die Ursachen, welche unseren Maiivatsverlust herbeiführten. Trotz dieses MaiidatSver- lustes, so führte Redner aus, hätten wir keine Ursache mutlos zu sein und dem Gerede unserer Gegner, die Sozialdemokratie habe ihren Höhepunkt überschritte», irgend welche Bedeutung beizun, essen. Dieser Wahlkampf habe gezeigt, daß es nur zwei sich gegeiiübersteheiidePartcien gibt, auf der einen Seite die Klasse der Besitzenden mit den hundert- tnnsendeii uiianfgeklärter Bolksmassen und auf der anderen das sozialistische Proletariat. Unsere Aufgabe müsse es sein, die Jndiffe- renten für die Ideen des Sozialismus zu gewinnen. Hierauf gibt Genosse Hecking den Kassenbericht des verflossenen Jahres. Der Bibliothelar Genosse Weber forderte, nachdem er den Bericht von der Freqnpnz der Bibliothek gegeben, die Mitglieder auf, die Bibliothek häufiger in Anspruch zu nehmen als bisher. ES folgten die Vorslandswahle», welche folgendes Ergebnis hatten: Erster Vorsitzeuder: Ed. Scheler, zweiter Vorsitzender: Ulm. Kassierer: Otto Steinborn, Schtiftführer: Wilh. Blasiert, Beisitzer: Otto Jäkel, Lokalkommission: Angl Wirlh und Otto Jockel; Bibliothekar: Rudolf Weber; Revisoren: Karl Schulz und Fritz Runge; Bezirkssührer für den 1. Bezirk; Hermann Schulz; 2. Bezirk: Hermann Böhm; 3. Bezirk: Rudolf.Weber; 4. Bezirk: Gustav Molsi.— Der Vorsitzende machte aus die Flugblattverbrettung am Sonntag, den 24. Februar, owie aus die am Freitag, den 15. Februar in Steglitz ins Leben gerufene ArbeiterbildungSichule aufmerksam, gleichzeitig dazu auf- fordernd, dieselbe möglichst zahlreich zu besuche». Trcptow-Baumschulenweg. Rätselhaft« KlndeSnatureu lautete da« Thema, welches Herr Lehrer Oelenburg auf einem am Dienstag von der I. Gemeinde- chule veranstalteten Elternabend behandelte. Auf Grund eigener Beobachtungen an Kindern zeigte Redner an mehreren Beispielen, daß der Lehrer oftmals rat- und hülflos dastehe. Solche Kinder- naturen seien nicht normal und müßten in Klassen für Minderbegabte untergebracht oder aber auf Kosten der Gemeinde Privat- stunden für dieselben eingerichtet werden. Solche Kinder bilden. wenn sie gemeinsam mir begabteren Kindern unterrichtet werden, ein Hemntin» für dieselben. Herr Rektor Mansie teilte noch mit, daß, um die Beziehungen zwischen Schule und Hau« zu festigen. in nächster Zeit jeder Lehrer einmal im Monat von 8 bis v Uhr abends Sprechstunde in der Schule abgehalten wird. Die Beteiligung an den Schulbrausebäder», welche für die oberen und mittleren Klassen geöffnet sind, sei nur gering. Mst der Ein- richtung de? stebenstufiaen Systems stehe die Schule auf der Höhe. es fehle nur noch die Michaelis- Einschulung, welche aber auch in nicht zu ferner Zeit erfolgen werde. Zum Schluß ersuchte Redner die Anwesenden, die Lehrer in ihrem schweren Berufe zu unter- stützen. Die Einwohnerzahl Treptow- BoumschulenwegS betrug am 31. Januar 1907 13 221 Seelen. Davon entfallen auf den Bezirk I innerhalb der Ringbahn 4866. Bezirk II von der Ringbahn b,S an den Ortsteil Baumschulenweg 909. Bezirk III OrtSteil Baumschulen- weg 7446. Hierzu kommen noch 668 Mann Militär. Nummelsburg. Di« vorgestrige Gemeindevertretersitzung vollzog vorerst die Wahl eines unbesoldeten Gemeindeschöffen. Wie wir bereits ausführlich in Nr. 38 vom 14. d. M. ausführten, hatte der bisherige Gemeinde- schösse und stellvertretende Amtsvorsteher Lange dieses Amt mit der Motivierung niedergelegt, daß die Unzuträglichkeiten im Gemeinde- vorstand resp. mit dem Gemeindevorsteher selbst, einen Zustand geschaffen hätten, der ein gedeihliches Zusammenarbeiten ausichlieht. Soll es doch vorgekommen sein, daß in einer Sitzung, in welcher Schöffe Lange eine Frage an den Gemeindevorsteher gerichtet hatte, derselbe sich umdrehte und ihn stehen ließ. Bei der Wahl erhielt nun der bisherige Schöffe Lange 15 Stimmen, auf Direktor Frey, den Kandidaten de? Herrn Bürgermeisters, entfielen nur zehn Stimmen; somit ist Lange wiedergewählt. Unter den gegebenen Verhältnissen bedeutet die Wiederwahl Langes gleichzeittg ein Miß« trauensvotum der Gemeindevertretung gegen den Gemeindevorsteher. Dieses fällt noch besonders dadurch inS Gewicht, weil der Bürger- meiftsr in einer vertraulichen Besprechung, welche unter Ausschluß unserer Vertreter stattfand, erklärt haben soll, daß Herr Lange auf keinen Fall wiedergewählt werden darf, da er mit demselben nicht mehr zusammenarbeiten könne. In dieser vertraulichen Sitzung wurde dann auf Borschlag des Gemeindevorstehers eine Deputation zu dem früheren Gemeindevertreter Direktor Frey mit dem Auftrage entsandt, diesem da« fteigewordene Amt eine« Gemeinbeschöffen an« zutragen. Herr Frey hatte die Ehre auch zu würdigen gewußt und versprochen, das Amt anzunehmen— und nun dieser Reinfall l Wird der Gemeindevorsteher nun die Konsequenz, die er schon einmal in der Angelegenheit des Baumeister Hutzly ziehen wollte, jetzt ziehen?— Punkt 1 der Tagesordnung betraf die Subdentton des hiesigen Krankenhauses. Nach dem vorgelegten Projekt ist ein Erweiterungsbau für 50 neue Betten in Aussicht genommen. Hierzu soll die Gemeinde eine unkündbare und«nverzinsvche Hypothek von 120 000 M. und einen Zuschuß z» den Betriebskosten von jährlich 6—7000 M. auf die Dauer von 10 Jahren gewähren. Die Sud- vention wird unter folgenden Bedingungen einstimmig beschlossen: 1, Das Krankenhaus muß in derselben Art wie Gemeindekranken- Häuser Kranken jeder Art und Konfession geöffnet sein, die Ver- pflegungssätze dürfen die jeweiligen von den Berliner städtischen Krankenhäusern erhobenen Sätze nicht übersteigen. 2. Der polüischen Gemeinde Rummelsburg wird ein Drittel der Stimmen im Arbeitsausschuß und eine weitere Stimme im Kuratorium gewährt. 3. Der Bauplan für das neue Krankenhaus ist der Gemeindevertretung zur Begutachtung vorzulegen. 4. Die Gemeinde Rummelsburg erhält das Recht, das neue Krankenhaus nach Ablauf von 10 Jahren zu erwerben. Eine Verpflichtung zur Uebernahme des Krankenhauses besteht dagegen nicht. Zur Einleitung einer Reorganisatton des Feuerlöschwesens wird eine Kommisston von sieben Vertretern gewählt. Ferner wird de- schloffen, den Kaufpreis für die an den Kanalisationszweckverband Lichtenberg- Nummelsburg verkauften Grundstücke unserer jetzigen Kanalisationskläranlagen im Betrage von 273084 M. dahin zu teilen. daß 31 072 M. zum Erwerbe neuer Ländereien bestimmt werden und daß 191 912 M. von unserer 550 000 M. betragenden Anleihe- schuld dieser Verwaltung gekürzt wird. Ober« Schöneweide. Biel« an die hiesige Parteispedition gelangte Beschwerden wegen unpünktlicher Lieferung des„Vorwärts" haben ihren Grund darin, daß diese Abonnenten den„Vorwärts" bei einem auswärtigen Privat- spediteur abonniert haben, wo eine späte Zustellung stattfindet. Die hiesige Parteispedition, Edisonstr. 10 I, besorgt die Zustellung bis spätestens V;7 Uhr früh, und wird ersucht, das Abonnement dort zu bewirken. Die Parteispedition. Teltow. Der Ausfall der Reichstagswahl im Kreise Teltow scheint die Teltower Ortsgewaltigen nicht wenig verschnupft zu haben, denn jetzt nach vier Wochen seit der Hauptwahl erhielten mehrere Genossen Strafmandat« zugeschickt, weil sie wegen Plakattragens am Tage der Wahl gegen H 9 und 41 des Preßgesetzes vom 12. Mai 1851 verstoßen haben sollen. Am Morgen des 25. Januar prangte an vielen HanSecken die Aufforderung zur Wahl des Genossen Zubeil. Kaum graute der Tag. als auch schon städtische Nachtwächter damit beschäftigt waren, die Aufrufe mittels Kratze zu entfernen. Selbst der Torweg unseres Parteilokals fand keine Gnade, auch die hier angeklebten Plakate mußten der Kratze des Hüters der Ordnung weichen. Bei dieser Arbeit wurde der Beamte durch einen unserer Genossen zur Rede gestellt, wer ihm diesen Auftrag erteilt hätte. Hierauf antwortete er. von„oben". Unsere Parteigenossen antworteten darauf mit Plakatträgern. Solche Un- Verschämtheit mußte natürlich gerochen werden. Gegen das Straf- mandat wird selbstverständlich richterliche Entscheidung beanttagt, denn was unsere Genossen in Teltow haben die Bürgerlichen allent- halben getan. Der Wirt unseres Verkehrslokals bekam sogar ein Strafmandat in Höhe von 5 M,, weil im Schaufenster seines Lokals ein Wahlausruf für Zubeil ausgehängt war. Buckow. Ein nächtlicher Raubanfall ist an dem Arbeiter Anton Noack aus Buckow verübt worden. N. befand sich auf dem Wege von Buckow nach Britz, als ans der Chaussee plötzlich zwei Männer ans- tauchten und fragten, wie spät es sei. Kaum hatte er die Taschenuhr gezogen, so fielen die beiden über ihn her und schlugen ihn nieder. Sie brachte» ihrem Opfer tiefe Sliche in den Kopf und in den Armen bei und räubten ihm dann die Taschenuhr sowie das Porte- monnaie, das»och den größten Teil des Wochenlohnes enthielt. Passanten, welche später die Verfolgung der Täter aufnahmen, kamen leider nicht zum Ziel. Potsdam. Am Freitagabend findet im Lokal Ladenthin die Mitglieder- Versammlung der Arbeiter-Bildungsschnle von Potsdam und Um- gegend statt. Der Kursus beginnt voransstchllich Freitag, den 2. März. Aus dem Lehrplan sei hervorgehoben: Die wirtschaftlich- rechtlichen Fragen der Sozialgesetzgebung: 1. Kranken-, Unfall-, Invaliden-, Arbeit-Slosen-Versicherung. 2. BenifsvereinSaesetzgebung. 3. Arbeiterschutz. Bei diesen so wichtigen Vorträgen ist es Pflicht jedes Arbeiters, sich an dem Kursus zu beteiligen; derselbe erstreckt sich auf 10 Abende und kostet 1 M. Vortragender ist wieder Herr Dr. G o l d s ch m i d t.— Am Freitag, den 22. Februar. Aufnahme neuer Mitglieder. Im Waschkeflel verbrüht. Sin bei einer Herrschaft in der Jäger« alle« beschäftigtes 16 jähriges Dienstmädchen N. setzte sich gestern während der Mittagszeit auf den Rand eine« Waschkessels, rutschte aus und stürzte in das siedende Wasser, wobei cS schwere Verbrühungen am Arm und am Oberkörper erlitt. DaS Mädchen wurde zu weiterer Behandlung in das städtische Krankenhaus übergeführt. ßcricbts- Zeitung« Kriminalkommissar Rucks vor Gericht. Der insbesondere durch den Prozeß„Zur blanken Hölle" be» kannt gewordene Kriminalkommissar Rucks wurde gestern auS der Untersuchungshaft der ersten Strafkammer des Landgerichts II vorgeführt, um sich auf bje Anklage des Betruges in drei Fällen und der Unterschlagung in einem Falle zu verantworten. Der An» geklagte befindet sich seit dem 20. Dezember v. I. in Untersuchung«» hast. Er war früher in Berlin Polizeioffizier und ist seit dem Jahre 1899 als Kriminalkommissar in Schöneberg tätig. Er ist Mitglied des uniformierten Kriegervereins„Berolina" und be» kleidet daselbst den Rang eines Offiziers. Seine Uniform ist der» jenigen eines Offiziers der Artillerie nicht unähnlich. Zurzeit schwebt noch ein auf Grund seiner erheblichen Schulden gegen ihn eröffnetes Disziplinarverfahren. Gegen das Urteil, durch welches er als Polizeisekretär nach Berlin versetzt worden ist, hat er Be- rufung eingelegt. Wie er gestern ausführlich darlegte, ist er nicht aus Leichtsinn, sondern infolge widriger Umstände in Schulden geraten. Zunächst kam er in eine mißliche Lage, da er ans Grund ungünstiger Disposition nach seiner Versetzung nach Schöneberg eine ganze Zeitlang seine Berliner Wohnung neben feiner Schöne- berger Wohnung noch beibehalten mußte. Dann seien häusliches Unglück und die Verstrickung in Wucherhände dazu gekommen.— Die Anklage beschuldigt nun den Angeklagten, daß er bei einer finanziellen Transaktion, wo er, um einen älteren Wechsel ein» lösen zu können, von einem Herrn Schäfer 3000 M. auf zwei Akzepte erhalten hatte, den Geldgeber in dem Glauben ver» setzt habe, er sei Offizier. Herr Rucks war nämlich bei der durch einen Dritten vermittelten Verhandlung mit Herrn Schäfer in der Leutnantsuniform des Kriegcrvereins erschienen, da er von einer Sitzung deSsepden kam. Der Zeuge Schäfer behauptet, daß er Herrn Rucks das Geld nicht gegeben haben würde, wenn er ihn nicht für einen Offizier gehalten und wenn er gewußt haben würde, daß es sich um den Kriminalkommissar Rucks handelt. Die Beweisaufnahme ergab aber, daß der An- geklagte Herrn Schäfer als„Kriminalkommissar Rucks" vorgestellt worden war und daß Seh. das Geld erst gegeben hatte, nachdem noch zwei Namen auf die beiden Wechsel gesetzt worden waren. Er hat sein Geld teils durch den Angeklagten selbst, teil« durch einen Giranten zurückerhalten. Ein zweiter Fall betraf die Nichtbezahlung einer Hotelrechnung in Stettin im Betrage von 96,75 M. Angeklagter war unter falschem Namen nach Stettin gefahren. Durch Zeugen wurde der Nachweis erbracht, daß der Angeklagte nach Stettin genügende Geldsummen mitgenommen hatte, um seine Rechnung zu bezahlen und daß kurz nach der Abreise der Familie die Frau Rucks auch an das Hotel geschrieben und aufgefordert hatte, die Rechnung an ihre Mutter zu senden, die sie dann auch beglichen hat.— Die 'beiden letzten Fälle!>er Anklage mutzte» vertagt werden, weil Scußcn fehlten. Der Angeklagte soll am 12. Oktober IVOS sein Mobiliar an einen Geldgeber für 3500 M. verkaust haben, obwohl ein Teil davon schon vorher an einen anderen verkauft worden sei. Ferner soll er eine Schreibmaschine verkauft haben, die angeblich auf Abzahlungsuertrag von ihm entnommen sein soll.— Auch in diesen beiden Fällen, die später verhandelt werden sollen, bestritt der Angeklagte jedwede Schuld.— Der Staatsanwalt beantragte im Falle Schäfer selbst die Freisprechung, glaubte aber doch, daß sich der Angeklagte in der Hotel-Affäre einer Zechprellerei schuldig gemacht habe und beantragte deshalb gegen ihn sechs Wochen Gefängnis. � Das Gericht kam in beiden verhandelten Fällen zu einer Freisprechung, da es für erwiesen gelten müsse, daß in beiden Fällen eine betrügerische Absicht auf feiten dos Angeklagten nicht vorlag. Die beiden übrigen Fälle wurden vertagt. Der Haftbefehl wurde aufgehoben und der Angeklagte aus dex Untersuchungshaft entlassen. Zum DarlehnSvermittelmtgsschwindel. Eine 23jährige Darlehnsvermittlerin stand gestern in der Person der unverehelichten Gertrud U u s ch k e vor der achten Strafkammer des Landgerichts I. Die als Kindergärtnerin ausgebildete An- geklagte beireibi seit ihrem 2t. Lebensjahre selbständig das Gewerbe einer Darlehnsvermittlerin. Sie bot in Zeitungen durch Annoncen die Vermtttelung von Darlehen an, sicherte den Geldsuchenden, die sich an sie wandten, auch das- Darlehn zu und ließ sich einen Bor- schuß zahlen für ihre Bemühungen. Das Darlchn selbst machte sie davon abhängig, daß die einzuholende Auskunft die persönlichen An- gaben der Darlehnssuchcr bestätigen würde; das Geld würde entweder von den angeblich hinter ihr stehenden Geldmännern gegeben, oder den Darlehnssuchern eine abschlägige Antwort zuteil werden. Das Schöffengericht hat nun auf Grund einer sehr umfangreichen Beweisaufnahme bezüglich acht einzelner Fälle für festgestellt er- achtet, daß die Angeklagte überhaupt keine Geldleute-Hinter sich hatte, sondern es nur darauf anlegte, von den Darlehnssuchern die Promsion zu erlangen. um ihnen dann, gestützt auf eine wenig günstige Auskunst, eine ablehnende Antwort zu erteilen. Mit Rücksicht auf die Gemeingefährlichkeit emes solchen Treibens und in der Annahme, daß die zur Anklage stehenden acht Fälle jedenfalls nicht die einzigen seien, erkannte das Schöffengericht auf ein Jahr G e f ä n g n i s.— Die Angeklagte legte Berufung ein und ließ vor der Strafkammer den Beweis führen, daß sie in zahlreichen Fällen tatsächlich Darlehen vermittelt. daß sie Geldgeber hinter sich hatte und das ihr gezahlte Geld gar nickt eine.Provision- darstellte, sondern einen Beitrag zu den Un- kosten. Daö Berufungsgericht erachtete nur zwei Betrugs- fälle klar erwiesen und verurteilte die Angeklagte zu z w e i M o- naten Gefängnis unter Anrechnung von e»nem Monat Unter- suchungshast._ Ein russischer Agent vor Gericht. Eine turbulente Cafähausszene bildete den Gegen- stand eines Strafprozesses, der gestern vor der ersten Stroflammer des Landgerichts II zur Verhandlung kam. Wegen Körperverletzung mittels gefährlicher Werkzeuge war der Rittmeister Alexander v. Sandjanoff angeklagt.— Der 40 jährige Angeklagte, welcher in TifliS geboren ist, ist russischer Staatsangehöriger und war als Ein- käufer und Agent der russischen Regierung in Deutschland tätig. In dem Caft„Imperiale- in der Potsdamerstraße war Herr von S. längere Zeit Stammgast und wurde hier mit dem Kaufmann Karl Nalhansky näher bekannt. Eines Abends fand sich an einem Tische in der Nähe des Büfetts eine kleine Gesellschaft zusammen, die in ausgelassenster, fröhlichster Stimmung war. Bald knallten die Sekt- pstopfen auf Veranlassung deS russischen Rittmeisters. Als die Batterie der Sektflaschen einen bald beängstigenden Um- fang angenommen hatte. kam eS anläßlich der Unterschrift einer Ansichtskarte zu einer kleinen Meinungsverschiedenheit. Der Angeklagte, der als sehr leicht erregbar und aufbrausend bekannt war, titulierte eine am Tische sitzende Dame ohne jede Veranlassung mit den schönen Worten:.Sie schmutziges, dr... iges Weib l" An dem Sturm der Entrüstuna, der sich über dies« Beleidigung erhob, beteiligte sich auch der Kaufmann NathanSky, der dem An- geklagten Vorwürfe wegen seiner Aeußerung machte. Es kam zu einer erneuten Auseinandersetzung, nach welcher N. aufstand und sich am Nebentische niederliey. Plötzlich ergriff der An- aeschuldigte eine vor ihm stehendeSektflasche und schleuderte sie mit großer Gewalt nachNathanSlh. Ehe dieser dem gefährlichen Wurfgeschoß ausweichen konnte, ertönte auch schon ein Schrei nnd NathanSky siel bewußtlos und blut überströmt zu Boden. Die schwere Flasche hatte ihn in die Schläfen gegend getroffen und eine schwere Verletzung hervorgerufen, an der R. über fünf Wochen krank daniederlag.— In der ersten Ver- Handlung vor dem Schöffengericht wurde v. Sandjanoff zu der milden Strafe von 50 Mark verurteilt. Hiergegen legte der Verletzte Berufung ein. die nunmehr die Straf- kammer beschäftigte. Vor Gericht wurde seitens des Nebenklägers ausgeführt, daß der Angeklagte in anderen Lokalen ähnliche Exzesse verübt habe, zum Beispiel im Restaurant Riche, wo er mit Sektgläsern ein Bombardement eröffnet habe. Am Tage der damaligen Verurteilung habe der Angeklagte frohlockend über die geringe Ber- urteilung seinen Freunden ein Souper für fünfhundert Mark gegeben. Bei dieser Sachlage erscheine eine erhebliche Straf- erhLhung für angebracht, auch erscheine cS für gerechtfertigt, dem Nebenkläger eine Buße in Höhe von 1 Mark für die ihm ent- standenen Arztgebühren zuzubilligen. Das Gericht erkannte an, daß die ersterkannte Strafe mit Rücksicht aus den groben Exzeß und die schweren Folgen, die dieser zur Folge gehabt habe, zu niedrig sei. Das Urteil lautete deshalb auf 100 M. Geldstrafe, außerdem wurde dem Nebenkläger N. eine Buße von 100 M. zu- gesprochen. Mit dieser gleichfalls milden Strafe gegenüber der mut- willigen und rohen Tat des russischen Agenten vergleiche man die gegen Arbeiter erkannten Strafen, die wegen Handlungen aus- geiprochen sind, welche zum Zweck der Verbesserung ber Lebenslage des Arbeiters vorgenommen waren. Die vestohlene Sprecwälderin. Ein an Raub grenzender Diebstahl auf einem Postanit, der seinerzeit großes Aufsehen erregte, beschäfttgte gestern das Schöffew gericht Berlin-Schöncberg. Augeklagt war der Tapezierer Richard Mündt. Am Nachmittage des 31. Januar d. I. wurde die bei dem Geh. Reg.-Rat Dr. Türk angestellte Spreewaldamme Anna Hanschke beauftragt, den Betrag von 150 M. auf dem Postamt in der Laudgrafeustraße einzuzahlen. Die Spreewälderin begab sich, das aus einem Hundert- und einem Fünfzigmarkschein bestehende Geld offen in der Hand haltend, auf das Postamt und wartete dort geduldig, bis sie an die Reihe kam. Sie sah nickt, daß hinter ihr ein Mann stand, dessen Aiifiuerksamkcitiiurausdle beidcnÄassciischeineoerichtetwar. Als die Amme mit den beiden Scheinen ein wenig liebäugelte, er- schien plötzlich hinter ihrem Kopse eine Hand und im nächsten Augen- blick waren die beiden Scheine verschwunden. Die biedere Spree- wälderin wußte vor Schreck anfänglich gar nicht, um was eS sich handelte. Dann aber war sie wie der Wind hinter dem frechen Dieb her. Auf der Straße ereignete sich nun zur allgemeinen Belustigung des Publikums, welches nicht den Hergang der Sache kannte, ein kleiner Wcttlcius zlvischen dem Dieb und der Spreewälderin. Sie packte schließlich den Dieb. Er ivurde zur nächsten Polizei- wache gebracht, während die Spreewälderin mit den beiden wieder- erlanglen Scheinen zur Post ging.— Bor Gericht kam der An- geschuldtgte mit der sonderbaren Ausrede, er wisse nicht, wie er zu der Tat gekommen sei. Wie er annehme, könne nur das infolge seiner Influenza, au der er damals gelitten habe, aufgetretene Fieber daran schuld sein. Der Staatsanwalt beantragte acht Tage Gefängnis. Das Schöffengericht ging jedoch erheblich über diesen Antrag hinaus, da e« sich um einen an Raub grenzenden und ziemlich frechen Ueberfall handele. Das Urteil lautete dem- zufolge auf einen Wonat Gefängnis. i BereinSgefetz zur Rettung vor polnischer Gefahr. Die Posener Strafkammer verhandelte gestern gegen 14 Mit- glieder des Hauptvorstandes des polnischen Vereins„Straz", und zwar den Vorsitzenden des Vereins von Koscielski, den Reichstags- und Landtagsabgeordneten Prälaten Stychel, Reichstags- und Land- tagsabgeordneten v. Dziembowski, Reichstagsabgeordneten v. Miel- zynski, Landtagsabgeordneten Mizerski, den Fürsten Zdislaus Ezartorhki. Stadtrat Cegielski, Dr. Gautkowski, Dr. Kubacki- Pieschen, Dr. Karaszewicz-Tuchcl, Rechtsanwalt Seyda-Kattowitz, Karl Rose, Ingenieur in Friedenau bei Berlin, Apotheker Sigis- mund Grochowski und Konditoreibesitzer Pfitzner-Posen wegen Uebertretung des Veretnsgesetzes. Die An- geklagten wurden bis auf die Mitglieder des Reichstages und Land- tages, gegen welche das Verfahren einstweilen eingestellt worden ist, zu je 30 Mark Geldstrafe wegen Nichterfüllung der für politische Vereine vorgeschriebenen Anmeldungen verurteilt. Im Urteil wurde, wie das Wolffsche Telegr.-Bureau meldet, der„Straz" für einen politischen Berein erklärt, der staatsfeindlichen Tendenzen huldige. Vor dem Gesetz sind ja wohl nach der Verfassung alle Preußen gleich. Es ist also unerheblich, ob das Gericht die Tendenzen deS Vereins für staatsfeindliche hält. Ist der„Straz" ein„politischer Verein", so ist es der„Reichsverband zur Bekämpfung der Sozial- demokratie", der„Hakatistenverein" usw. zweifellos auch. Haben diese Vereine die vorgeschriebene Meldepflicht in jedem Falle er- füllt, ihre Sitzungen angemeldet usw.? Wenn nicht, warum ist nicht auch gegen sie ein hochnotpeinliches Gerichtsverfahren ein- geleitet? Verweigerung der Eiusichtilahme in die Kommunalwählerliste führt nicht immer zur Ungültigkeit der Wahl. Eine Klage auf Ungültigkeitserklärung der Stadtverordnetenwahlen der ersten und zweiten Abteilung, die in Ahlen am 8. November 1905 stattgefunden haben, war vom Bezirksausschuß Münster abgewiesen worden. Die Kläger legten Berufung ein und machten unter anderem geltend. bei der Offenlegung der Wählerliste in der dafür gesetzlich vorgeschriebenen Zeit sei nicht richtig verfahren worden. Man habe die Einsichtnahme beschränkt. In der Beziehung ivurde durch die Beweisaufnahme festgestellt, daß die Liste einem Bürger, der sie einsehen wollte, vorgelegt wurde, daß ihm aber der Stadtsekretär erklärte. Notizeudürftennichtentnommen werden. Der zweite Senat des preußischen Oberverwaltungsgerichts wies die Berufung zurück und führte aus: Feststehe, daß die Ein- ficht der Liste gestattet sei. Es frage sich nun. ob die Erklärung des Sekretärs. Notizen dürsten nicht entnommen werden, eine so schlinime Unregelmäßigkeit sei. daß sie dje Zwecke des Auslege- Verfahrens vereitele und somit die Wahlen ungültig mache. Das Oberverwaltungsgericht gehe allerdings davon aus, daß die Ent- nähme von Notizen aus der Wählerliste nicht unzulässig fei, aber nur soweit, als nicht andere in ihren Interessen dadurch ver- letzt würden, z. B. durch zu lange Dauer. Als u n u m g ä n g- lich notwendig sehe das Gericht indessen die Gestattuiig der Entnahme von Notizen aus der Wählerliste nicht an. Also könne es die Verweigerung der Eutuahme von Rolizen hier nicht als eine so große Unregelmäßigkeit ansehen, daß sie die strittigen Wahlen ungültig mache. Die Gültigkeit sei daher anzuerkennen. Aus dein weiteren Verlauf der Sitzung sei nach der Be- schluß.erwähnt, der den endlichen Beginn des Baues der städtischen Straßenbahnen betrifft. Genosse Singer wies hier den oft gehörten Borwurf zurück, daß die Stadtverwaltung für die Verzögerung der Bauausführung verantwortlich zu machen sei. Dieser Vorwurf sei lediglich der Aufsichtsbehörde zu machen, die der Gemeinde immer wieder neue Schwierigkeiten bereite. kommunales. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Den Stadtverordneten lag für ihre gestrige Sitzung eine sehr lange und inhaltreiche Tagesordnung vor. Die Aus- schußberichterstattung über die Neuregelung der Lehrergehälter wurde vorweggenommen. Im Aus- schuß ist eine Einigung mit dem Magistrat erzielt morden, und die Versammlung hat gestern den Vorschlägen des Ausschusses zugestimmt. Die Redner der einzelnen Fraktionen äußerten ihre Befriedigung darüber, daß der Streit um die Lehrergehälter endlich geschlichtet ist. Genosse Singer meinte, man könne dem Kompromiß, das da ge- schlössen worden ist, mit einem heiteren und einem nassen Auge zustimmen. Oberbürgermeister K i r s ch n e r gab ganz kurz die Erklärung ab, auch der Magistrat stimme zu. Er sagte das in so kühlem Tone, daß man fast annehmen möchte, den Herrn Oberbürgermeister schmerze selbst das wenige an Entgegenkommen, daß er sich schließlich doch noch hat abringen lassen. Die Ausschußberichterstattung über die Z u w e n- düngen an Vereine führte zweimal zu bemerkens- werten Debatten. Der Zuschuß, den der Magistrat dem«Ver- ein zur Beförderung der Kleinkinderbewahr- a n st a l t e n" bewilligen will, war im Ausschuß gekürzt wor- den. Am Plenum beantragte die sozialdemokratische Fraktion, den Höheren Zuschuß zu gewähren—• unbeschadet des grundsätzlichen Standpunktes, daß solche Anstalten am besten von der Gemeinde einzurichten und zu betreiben sind. Genosse Z a d e k begründete den Antrag. jEr schilderte die unzu- längliche Verpflegung, die gegenwärtig in den Kleinkinder- bewahranstalten geboten werden kann, und gelangte zu dem Schluß, daß der Verein ohne höheren Zuschuß aar nicht weiter bestehen könne. Der Antrag wurde schueßlich angenommen. Weniger Erfolg hatten unsere Genossen mit einem Antrag, der den„Zentral verein für Arbeitsnachweis" betraf. Die Erhöhung des diesem Verein zu gewährenden Zuschusses, die vom Magistrat empfohlen wird, war gleichfalls vom Ausschuß verworfen worden. Die sozialdemokratische Fraktion beantragte, die Versammlung solle den Magistrat ersuchen, die Uebernahme des Arbeitsnach- weises in städtische Verwaltung herbeizuführen. Genosse Glocke zeigte die Notwendigkeit dieser Maßregel, die nicht mal etwas Neues und Unerhörtes wäre. Er er- innerte daran, daß in zahlreichen anderen Städten, nament- lich in Süddeutfchland, seit langem kommunale Arbeitsnach- weise bestehen. Berlin solle also nur nachholen, was es so lange versäumt hat. Ein wirklich leistungsfähiger Arbeits- Nachweis, wie er im Interesse der Arbeiterbevölkcrung ge- fordert werden muß, könne auf die Dauer nicht von einem Verein als privates Unternehmen betrieben werden. Glocke erwähnte in seinen interessanten Ausführungen auch die Kämpfe, die zwischen den Organisationen der Arbeit- nehmer und der Arbeitgeber um die Arbeitsnach- weise geführt worden sind, und sprach von dem Te r r o r i s- mus der Arbeitgeber, der in diesen Kämpfen zutage getreten ist. Das wurmte natürlich Herrn N o s e n o w, den Schützer der Arbeitgeber. Er erwiderte, der Terrorismns der Arbeitnehmerverbände sei noch viel größer, sei geradezu unerträglich geworden und die Mehrheit stimmte ihm eifrig zu. Von einer Uebernahme des Arbeits- Nachweises in städtische Verwaltung wollte Herr Rösenow natürlich nichts hören. Außer der sozialdemokratischen Fraktion trat überhaupt niemand für diese Forderung ein. auch nicht die„sozial-fortschrittlichen" Männer— und der Antrag wurde dann mit erdrückender Mehrheit abgelehnt. Angenommen wurden dagegen die Anträge Rosenow, dem Verein die vom Magistrat empfohlene höhere Unterstützung zu gewähren und ihm auch den Ausbau seines Dienstboten- nachweise� zu ermöglichen. Hus der frauenbewegung. Versammlungen— Veranstaltungen. Teltow-Beeskow-Storkow-Chnrlottcnburg. Sonntag, den 24. Februar, nachmittags 4 Uhr: KreiLversaminlnng in Britz, im Lokale „Buschkrng", Rndowersttaße, Wirt Hübner. Vortrag.— Reichs- tags-Äbgeordneter Fritz Zubeil:„Die Frau im politischen Kampfe". Bericht der Vertrauensperson. Neuwahl der Ver- trauensperson für Britz und der KicisvertrauenSperson. Berein für die Interessen der Hausangestellten. Unterhaltungsabend: Sonntag, den 24. Februar, bei Münch, Steglitzerstr. 35. Anfang 6 Uhr. Gäste willkommen. Berlin. Montag, den 25. Februar, im Neuen Klubhause, Komman- dantenftraße 72:„Die Philosophie der Euttvickelung"(Friedrich Nietzsche). Referent: Kurt Eisner. Moabit. Dienstag, den 26. Februar, abends 8 Uhr, in Peters „Moabiter Gesellschaftshaus", Wiclefstr. 24: Volksversammlung. Bortrag, W. Düwell:„Frauenbewegung und politische Eist- Wickelung"._ Vermilektes. Hochwasser und Sturmschäden. Der Wasserstand des Rheines hat nach Kölner Meldung eine Höhe von 2,98 Meter erreicht. Aus St. Johann wird berichtet, daß die Schiffahrt wegen Hoch- Wassers eingestellt ist: die Saar ist so schnell gestiegen, wie seit 15 Jahren nicht. Das Wasser steigt noch weiter. Auch die Mosel ist, wie eine Trierer Meldung besagt, im Laufe des gestrigen Tages bedeutend gestiegen und steigt weiter. Sie hat die Höhe der Leinpfade beinahe erreicht. Aus einigen Ställen des Vorortes St. Barbara wurde wegen Hochwassergefahr das Vieh entfernt. Der Fährbetrieb mußte eingestellt werden. Wie aus Paris gedrahtet wird, sind infolge furchtbaren Sturmes die telephonischen Verbindungen zwischen Paris und London unterbrochen._ Ein dreifacher Raubmord, der im April vorigen JahreS in dem märkischen Dorfe W i e b e l s h o f bei Züllichau verübt worden ist. hat jetzt endlich seine Aufklärung gefunden. Wie vor einiger Zeit mitgeteilt worden ist, wurde der Arbeiter Johann Kosicki in Bomst unter dem dringenden Verdacht verhaftet, vor anderthalb Jahren den Knecht Andries aus dem Schloßvorwerk bei Bomst ermordet zu haben. Der Knecht war damals verschwunden, ohne daß man über seinen Verbleib etwas ermitteln konnte. Vor drei Wochen bemerkte eine Schwester des Andries. daß Kosicki Kleidungsstücke des Vermißten trug, nnd der daraufhin verhaftete Arbeiter gestand dann auch ein. den Knecht ermordet zu haben. Die Staatsanwaltschaft stellte nun fest, daß der Mörder sich im Frühjahr 1903 in der Gegend von Züllichau aufgehalten hatte. Dem Kosicki wurde auf den Kopf zu- gesagt, daß er damals das Greisersche Ehepaar und deren Tochter in Wiebelshof ermordet hätte, und K. legte dann auch nach anfäna- lichem Leugnen ein Geständnis ab. durch welches seine Täterschaft erwiesen wurde. Der vierfache Mörder, der sich zurzeit im Unter- suchungsgefängnis in Meseritz befindet, war damals als Anshülfs- arbciter bei G- beschäftigt gewesen. Primanerlicbe. Mit dem 19jährigen Primaner Husung unter- hielt die um 25 Jahr« ältere Apotheker- Ehefrau Heppich in Zerbst ein Liebesverhältnis. Die Folge war ein Kind, dessen Leiche der Ehemann der Frau geraume Zeit später im Keller vorfand- Die Frau ist beschuldigt, daS Kind getötet, der Primaner ihr Bei- hülfe geleistet zu haben. Der Primaner bestreitet jede Schuld. Die Äpolhekersfran behauptet, das Kind sei tot zur Welt gekommen. Die medizinischen Sachverständigen bekunden über- einstimmend, daß das Kind zweifellos mehrere Stunden gelebt habe. Die Geschworenen des Schwurgerichts Dessau sprachen Frau Heppich der versuchten Abtreibung und fahrlässigen Kiiidestötuiig unter Zubilligung mildernder Zustände schuldig, Husung wurde der Begünstigung schuldig erachtet. DaS Urteil lautete für Frau Heppich auf ein Jahr sieben Monate. für Husung auf einen Monat Gefängnis. Ein Kind als Mörder. Ein Mord wurde an dem sechsjährigen Söhnchen des Landwirts Vollmers in Westfeld bei Berleburg verübt. Ein zu Besuch weilender vierzehnjähriger Knabe namens Hoffmann hat den Jungen, nachdem er versucht, ihn zu ertränken, geschlagen nnd ihm dann mit einem Messer so schwere Verletzungen beigebracht, daß das Kind starb._______ Berliner Marktpreise. SIuS Sem nmtliiheii Berich« der stsdillchen Msrkthallcii-Dircllio».(Großhandel) Niudfleisch 1« 68—73 pr. 100 Pfd., IIb üä— 67, nia 56-61, IVa 48—64, dän. Bullen 60-86, Holl. 0,00. Kalbsleisch, Doppelländer 110-125, la 80-88, IIa 70-78, Ula 58-66, Holland. 52—58, dän. 60—68. Hammelfleisch la 67—76, IIa 60—65. Schwetue- sleisch 50—58. Rehwild, plombiert, per Psd. 0,55—70, Rothirsch 0,45—0,57, Rotwild la 0.00 Damhirsch 0,45—0,65, du. Kälber 0,00, Wildschweine 0,25 bis 0,50, Frischlinge 0,40—0,64. Hasen, plombiert, per stück 3,00—3,35, do. II 0,00. Tuten per Stück 1,50—2,70, dito Hamburger junge per Slück 2,50—3,75. Gänse. Hamburger per Pfund 1,10—1,20, EIS- 0,50—0,03. Hechte per 100 Psund 88-106, groß 80, tiein 0,00. Zander 0,00, klein 0,00. Schleie, unsortiert 123, klein 134-141. Bleie 0,00. «ale, groß 0,00, mittel 06-103, klein und mittel 0,00. Plötzen matt 0,00, groß 52—62, klein 46. Karpscn, 70— 00er 53—57, do. unsortiert 61—67. Bunte Fische 72, Barse, matt 0,00, do. 70—75, Karauschen 0,00. WelS 0,00, Quappen 0,00. Blcisssche 0,00. Amerikanischer Lach» la neuer per 100 Psd. 110—180, do. IIa neuer 90—100, do. lila neuer 75. Seelachs 25—30. Sprotten, Kieler, Wall 1,00—1,35, Danzigcr, Kiste 1,20. Flundern, Kieler, Sttege la 3—4, do mittel ver Kiste 2—3, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 1,50—8. Bücklinge, per Wall Kieler 3,50—5,00, Stralsiinder 0,00, Aale, groß per Psd. 1,10—1,30, mittelgroß 0,80—1,00, klein 0,50—0,60. Heringe per schock 5—9. Schellstiche Stifte 6—6, do. .Kiste 3,00. Kablinn. p. 100 Psb. 25-30. Heilbutt 0,00. Sardellen. lOOSec per Anker 95, 1904er 93. 1905er 90. 1906er 75-80. Wittern, igsüberstcht vom 81. Februar 1007. morgeos« Uy». Swwemde. Hamburg Berlin Frants.a.M. München Wien Wetter- Prognoir für Freitag, den 88. Februar 1907. Ein ivenig kälter, zeitweise ausllarend, vorwiegend ttübe mit geringm Niederschlägen und abnehmenden nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wastersiand am 21. Februar. Elbe bei Anlstg— Meter, bei Dresden— 0,85 ckv.— Elbe bei Magdeburg 1,67 Meter, et»srei.— Elbe bei Straußsurt— ,— Meter.— Oder bei Rattbor 1,76 Meier. Oder bei Breslau Oberpegel— 1,02 Meter.— Retßemündung 8,28 Meter. Öder hei Lrieg 2,88 Meter.— Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publitum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, 22. Februar. Anfang 7 Uhr. Rgl. Opernhaus. Siegfried.( Anfang 7 Uhr.) Kgl. Schauspielhaus. Uriel Acosta. Deutsches. Der Kaufmann von Benedig. Leffing. Hedda Gabler. Westen. Der Schwerenöter von Anno Zobat. Lorking. Die lustigen Weiber von Windsor. Komische Oper. Tosca. Anfang 8 Uhr. Schiller 0.( Wallner Theater.) Minna von Barnhelm. Schiller Theater Charlottenburg. Im bunten Rod. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Der Familien tag. Berliner. Der Hund von Basker bille. Neues Schauspielhaus. Herthas Hochzeit. Zentral. Der Milliardar. Kleines. Ein idealer Gatte. Neues. Meißner Porzellan. Residenz. Haben Sie nichts zu verzollen? Lustspielhaus. Husarenfieber. Deutsch Amerikanisches. Sorgenbrecher. Thalia. Eine lustige Doppelehe. Luisen. Undine. Der Bernhard Nose. Sherlock Holmes. Trianon. Frt. Josette meine Frau. Urania. Schiller- Theater. Wissenschaftliches Theater. Schiller- Theater O.( allner- Theater). 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr: KonstruktionsIngenieur A. Keßner: Die Eisengießerei. Lustspielhaus. Täglich abends 8 Uhr: Husarenfieber. Zentral- Theater. ( Operette.) Täglich 8 Uhr: Der Milliardär. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Geisha. DERNHARD ROSE THEATED ( Gr. Frankfurterftr. 132. Täglich 8 Uhr: Sherlock Holmes. Morgen Sonnabend, nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung bei Kleinen Preisen: Die sieben Raben. Freitag, abends 8 Uhr: Minna von Barnhelm. Luftspiel in 5 Aufzügen v. Gotthold Ephraim Leffing. Sonnabend, abends 8 Uhr: Jugend. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Maria Stuart. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Kaiserjäger. N. Schiller- Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Uhr: Im bunten Rock. Luftspiel in 3 Aufzügen von Franz b. Schönthan u. Freiherrn v. Schlicht. Sonnabend, abends 8 Uhr: Im bunten Rock. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Wallensteins Tod. Sonntag, abends 8 Uhr: Im bunten Rock. Schiller- Theater Zirkus Schumann Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Der Familientag. Zirkus Busch. Anfang 7 Uhr. Jiu- Jitsu in Angriff und Verteidigung demonstriert von Hrn. E. Vary, Jiu- Jitsu- Meister, Paris, und H. Hansen, Schwergewichtsringer, Dänemart. Manello Marnių- Truppe, Afrobaten. The Novellos Europa. 2c. Metropol- Theater Srl. Marguerite, Streiferin, ze Abends 8 Uhr: Der Teufel lacht dazu. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender. Giampietro. Josephi. Rauchen überall gestattet.. Sonntag, 24. Febr., nachm. 3 Uhr: Metropol. Der Teufel lacht bazu. Auf in's Metropol. Gebr. Herrnfeld. Ein verrüdtes Hotel. Wintergarten. Saharet. Spezia litäten. Apollo. Bernhard Mörbiz. Spe. zialitäten. Rafino. Ledige Leute. Spezialität. Folies Caprice. Im Café Abelles. Ein Klabriasprozeß. Paffage. Spezialitäten. Prater Theater. Kabale und Liebe. Figaro. Hochzeitsnacht. Sein Jdeal. Katastrophe. Unterm Bett.( Anfang 8 Uhr.) Walhalla. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr: Konstruktionsingenieur A. Reßner: Die Eisengießerei. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Anfang 8 Uhr. Der Hund von Baskerville. Sonnabend, Sonntag: Der Hund von Baskerville. Neues Schauspielhaus Freitag, den 22. Februar 1907: a pollo Theater Nur noch bis Ende Februar: Bernhard Mörbitz als Baulchen auf der Wanderschaft. Außerdem: Die hervorragenden Spezialitäten Attraktionen. Die schöne Vestalin. Operette von Viktor Holländer. Sonntag nachm. 3, Uhr( fleine Preise!): Gr. Doppel- Vorstellung. WINDY TSARTEN Neues Programm Herthas Hochzeit. Otto Reutter. Morgen: Herthas Hochzeit. Anfang 8 Uhr. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Meißner Porzellan. Sonnabend auf allerhöchsten Befehl: Gastspiel Suzanne Desprès: Phèdre. Sonntag: Maison de Poupée( Nora). Kleines Theater. Abends 8 Uhr zum 171. Male: Ein idealer Gatte. Sonnabend zum 1. Male: Die Kralle. Schauspiel in 4 Atten bon Henri Bernstein. Deutsch v. Th. Wolff. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtashl Abends 8 Uhr: Die Kralle. Lortzing- Theater. Bellealliancestr. 7/8. Freitag, den 22. Februar, 7, Uhr: Die lustigen Weiber v. Windsor. Abonnements gültig! Sonnabend nachmittag 3 Uhr: Märchenvorstellung: Gänseliesel. 7 Uhr: Der Waffenschmied. Residenz- Theater. Direttion Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Schwant in 3 ften b. M. Hennequin und Pierre Beber. Robert de Trivelin: Rich. Alerander. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Prinzgemahl. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Operngaftspiel des Theaters des 28eftens: Undine. Anfang 8 Uhr. Gebr. HerrnfeldBobert. nig. Theater 11-2 Uhr 8 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57. Die stürmisch bejubelte Herrnfeldiade Ein verrücktes Hotel mit dem Vorspiel: ,, Hayfisch geht zur Jagd" Somödie in 3 Aften mit den Autoren in den Hauptrollen. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, den 24. Februar, nachmittags 3, Uhr, b. halben Kassenpreisen: Endlich allein. Fall Blumentopf. ValhallaWa Variete- Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Heute abend 8 Uhr: = Anna Müller- Lincke Gesangs Soubrette v. Metropol Theater in Berlin. Leonhard Haskel, der allbeliebte Bolts- Komiter. Max Franklin Truppe, 15 neue luftige Februar- Spezialitäten. Brunnen- Theater Gesundbrunnen. Um 9 Uhr: ROM. Sonntag: 2 gr. brill. Borstellg. Trianon- Theater. Anfang 8 Uhr. Fräulein Josette- meine Frau. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Liebesschautel. Uhr: Heute abend 7 Borwiegend humor. Programm und nur noch einige Tage Mr. Richard Sawades einzig dastehende, wunderbar dressierte gemischte Raubtier- Gruppe. Die neu engag. Spezialitäten und fämtliche Clowns und Auguste. Um 9 Uhr: Allabendl. stürm. Beifall: St. Hubertus. Deutsch- Amerikanisches Theater. Abds.8 Uhr! Letzte Aufführungen! Der Sorgenbrecher. Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Preise: Ueber'n großen Teich. Ab 1. März 1907 jeden Abend: Gesamtgastspiel des Theaters des WESTENS. OPER und OPERETTE. Passage- Theater. Heute Freitag, den 22. Februar, zum 17. Male: Mal was Anderes! Boffe von Leop. Ely. Josefine Dora, Georg Kaiser, Martin Bendix, Ernst Kettner. Ferner: Die glänzenden Februar Spezialitäten. Folies Caprice Linienstr. 132, an der Friedrichstr. Montag, 25. Februar: Premiere Sanssoucitur 10 000 Gulden Mitgift. straße 4a. Direktion Wilhelm Reimer. Sonnt., Mont., Donnerst.: Glänzend neuer Soloteil: Im Inspektionszimmer. Hoffmanns Nordd. Sänger. Heute: Im Café Abelles ( Stets neues Programm.) Sonnt. Bg. 5, Wochent. 8 U. Sonntag u. Montag: Gr. Elite- Soiree v. Hoffmanns Norddeutschen Sängern. Dienstags: Theaterabend. Volks- Kabarett der Brettldiva Margarete Walkotte. Neue Welt, Hasenheide. Montag, den 25. Februar, abends 8 Uhr. Entree 50 PL Abendkasse 60 Pf. Vorverkauf bei Herrn Horsch, Engel- Ufer 15, Neue Welt, Hasenheide, bei Herrn Conrad, Rixdorf, Hermannstr. 50, bei Herrn Erbe, Hasenheide 9. Mitwirkende: Frl. Mylius, Konzertsängerin, Herr Max Theater, Georg Wolff vom Thalia- Theater, Emil Walkotte, Plüddemann, Violinvirtuos, Herr Artur Laube vom LessingMargarete Walkotte. 8964L* Berliner Arbeiter- Radfahrer- Verein. Mitglied des ArbeiterRadfahrerb. ,, Solidarität". Sonnabend, den 23. Februar 1907: Gr. Wiener Maskenball In den Gesamträumen der ,, Neuen Welt", Hasenheide 108-114 ( größtes Lokal Berlins). und Ein Klabriasprozeß. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf zur Premiere an der Theaterkaffe und bei Wertheim. Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berliner Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 19. d. M. verstarb unser Mitglied, der Schneider Robert Wuttig Swinemünderstr. 47. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freitag, nachmittags 3 Uhr, vom aus Trauerhause nach dem Friedenskirchhof in Nordend statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 247/12 Der Vorstand. Sozialdemokrat. Wahlverein Schöneberg. Bezirk 2. Am 19. Februar verstarb nach furzen, schweren Leiden im Alter bon 43 Jahren unser langs jähriges, tätiges Mitglied, der Gastwirt Otto Schilling. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 24. d. M., nach mittags 3 Uhr, von der Halle des Schöneberger Friedhofes, Marstraße aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 15/8 Der Vorstand. Palast- Theater. Verein Berliner Hausdiener. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Der auserlesene Februarspielplan Heute 8 Uhr. Entree 50 Pf. a. Die 3 Harders, Könige der Luft. Grete Füllgraf, jüngste Berwandlungstünstlerin. Vom Witwenball. Schwant. Familienkarten, wochentags zum halben Kassenpreis gültig, in Barbier, Friseurs u. Bigarrengeschäften gratis. Kasino- Theater Lothringerstr. 37., Zäglich 8 Uhr. Nur noch furze Zeit: Ledige Leute und das brillante Februarprogramm. Kunst- u. Reigenfahren. Humoristisches Wettfahren auf untersetzten Rädern. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Auftreten der Tiroler Gesellschaft ,, Zillerthal", Vorführung des Schuhplattlers, Auftreten des Berliner Ulk- Trio. Kinematograph- Vorstellung bei halben Kassenpreisen, hochaktuelle Vorführungen. Anfang 9 Uhr. Einen amüsanten und unterhaltungsreichen Abend versprechend, ladet freundlichst ein Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Eintritt 50 Pf Anfang Wochentags 11/ 5* 8, Sonntags 7 Uhr. Das Festkomitee. NB. Mitglieder erhalten Billetts in den Abteilungsversammlungen sowie in der Genossenschaft, Oderbergerstr. 30. Waldkater", Jungfernheide. 40012 Sonnabend, 28. Februar: Bockbier- Jubel und Trabel. Großartige Ueberraschungen, u. a.„ Alt- Berlin". May Fallnich. Ball. Es ladet freundlichst ein Rothenburger Versicherungs- Anstalt a. G. in Görlitz. Gegründet im Jahre 1856. Größte deutsche Anstalt für Sterbegeld- Versicherung. Billige Beiträge. Sehr vorteilhafte Bedingungen. 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Abends 8 Uhr: Der Veilchenfreffer. Luftspiel in 4 Alten von Moser. Morgen: Geschlossen. Goltzstr. 9 Schöneberg, Goltzstr. 9 Mitgliedschaft I bes Zentralverbandes der Handels, Transport-, Berkehrsarbeiter u. Arbeiterinnen Deutschlands. Nachruf. Am 14. d. M. verstarb unser Mitglied, Kollege 68/6 Willi Gemkow. Die Beerdigung erfolgte am 21. Februar auf dem Kirchhofe in Rudow. Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. Danksagung. $ termit fage ich allen Genoffen, Freunden, Verwandten und Bekannten für die herzliche Teilnahme bei der Mannes meinen herzlichsten Dant Witwe Minna Lück nebft Tochter, 16185 Beuffelstraße 71. Beerdigung meines unvergeßlichen Danksagung. Für die liebevollen Beweise auf richtiger Zeilnahme und die schönen Strangpenben bei der Beerdigung meines lieben Mannes Wilhelm Stiegler fage ich allen Berwandten, Freunden, Bekannten, den ehemaligen Kollegen der Firma Blumenthal, der Stranten faffe, dem Zentralverband, dem Wahlberein Nirdorf und dem Milchhändler berein meinen innigsten Dant. Witwe Ida Stiegler 40022 geb. Gondeck. Dampfschwitzbäder in jeder Küche anzubringen, zusammenlegbar, Babeloften 10 Preis 7,50 M. P. Berger, Kl. Frankfurterstr. 7. für Deutschlands Spezialgeschaft grösstes Bettfedern Erste Bettfedernfab. m. elekt. Betriebe Gustav Behrens Theater Gustav Lustig früher Schöneberger Wintergarten. 密 密 密 EXT Eröffnung Sonnabend, 2. März mit einem erstklassigen Programm. BERLIN S. Prinzenstr. 46 B bersendet geg. Nachnahme garantiert neue und gut entſtäubte, gut füllende Bettfedern p. pfb. m. 0.55-1.00-1.25; prima Halbdaunen M. 1.75; Gänses rupffedern M. 2.00; prima weiße Gänsehalbdaunen m. 2.50-8.00-3.50 echt chines. 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Rela Pertoints choruderei a Periapontalt Raut Singer Goa S Co., EDSEL Nr. 45. 24. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Freitag, 22. februar 1907. Siebenter Verbandstag der Steinseher, Pflasterer und bieten würden, der Sozialdemokratie das Mandat zu entreißen, Er betonte unter anderem, daß sich die Kollegen durch Anhänglich. Berufsgenossen Deutschlands. Leipzig, den 20. Februar. sondern damit gerechnet, daß die Freisinnigen dismal alles auf Verteilung der Baufen). Redner gab entsprechende Belehrungen. um so mehr als die Kandidatur Cassel bedeutend zugkräftiger feit an alte Gewohnheiten nicht verleiten lassen sollten, Sonderwar, wie die frühere Kandidatur des verstorbenen Schulrats abmachungen über Beginn und Ende der Arbeitszeit zu treffen. 3wid. So ist das Wahlkomitee auch gleich emfig an die Arbeit Insbesondere den in den Sudhäusern beschäftigten Kollegen sei gegangen. Es wurden im Kreise 16 öffentliche Wählerversamma dringend nahezulegen, sich an dem tariflichen 7 Uhr- Beginn( als Dritter Verhandlungstag. lungen abgehalten und 8 allgemeine Flugblätter in zirka 400 000 frühesten Beginn) zu halten und nicht, wie früher, um 6 Uhr anzuDen Bericht des Kassierers gibt Scholz- Berlin. 1 Gremplaren verbreitet; dazu kam noch die Verteilung von rund fangen. Wenn sie dann auch erst um 7 Uhr abends Schluß hätten, Der Mitgliederstand am Schluß 1905 betrug 5037. Die Fluktuation 100 000 Handzetteln. Außerordentlich gut hat auch der Schlepper- ftatt um 6, so müßten sie das auf sich nehmen. Was die festgesetzten war eine so große, daß wir eigentlich 11 735 Mitglieder haben dienst funktioniert. Im Bureau sind allein 137 000 Adressen zu Pausen betreffe, so seien diese so zu verstehen, daß die Arbeiter wäh müßten; tatsächlich haben wir aber nur 9577 Mitglieder. Die diesem Zwed geschrieben worden. An der Schlepparbeit beteiligten sich rend der Zeit keinerlei Verantwortung zu tragen haben. Als schon Gesamteinnahmen betrugen im Jahre 1904 182 478 M., im etwa 2500 Genossen, von denen sich aus dem vierten und sechsten vorhandene günstigere Bedingungen, die nach§ 14 des Tarifs den Jahre 1906 153 628 M. Die Mindereinnahme ist nur scheinbar, Wahlkreis- Ost allein 1560 Mann in dankenswerter Bereitwilligkeit Arbeitnehmern, die sie hätten, verblieben, wären auch die da in der Einnahme von 1904 ein Darlehen von 50 000 M. zur Verfügung gestellt hatten. Dem gut organisierten Schleppdienst sogenannten Bostenzulagen anzusehen, im Gegensatz zur Auslegung enthalten ist, das fast abgezahlt ist. Die Gesamtausgaben betrugen und der freudig geleisteten Wahlhülfe der Genossen vom vierten einiger Brauereien. Die Differenzen in der Auslegung dieses und 182 078 M. im Jahre 1904 und 124 440 M. im Jahre 1906. Sämts Kreise dürfte denn auch ein wesentlicher Teil unseres Wahl- anderer Tarifpunkte werden vor dem Einigungsamt zur Ent. liche Ausgaben für die Unterstützungszweige bewegen sich in auf- erfolges zuzuschreiben sein. Es ist diesmal an Wahlarbeit trok scheidung kommen. Auch der durch den neuen Tarif eingeführte steigender Linie; eine Mahnung für den Verbandstag, auch mehr der kurzen Beit genau soviel geleistet worden, wie in der langen Urlaub ist schon zum Streitgegenstand geworden. Der infolge Mittel zu schaffen. Diskussion über diesen Punkt wurde nicht beliebt. Wahlkampagne des Jahres 1903. Redner ist der Meinung, da B, des strengen Winters flaue Geschäftsgang habe einzelnen BetriebsIm Berichte des Redakteurs führte senoll aus: wenn auswärts auch überall so gearbeitet leitern den Gedanken eingegeben, bei dem jezt herrschenden Die Uebersicht über die internationale Bewegung und das worden wäre, dann die Mandatsschlappe wohl nicht einen schönen" Wetter ihren Leuten Urlaub" anzubieten. So in der Wirtschaftsleben sei weiter ausgebaut worden. Das Fachorgan derartigen Umfang hätte annehmen können. Nichts sei un Löwenbrauerei Hohen- Schönhausen. Das sei absolut unzulässig. erscheint seit 1905 achtſeitig, was dem kleinen Verbande eine angebrachter, wie sich von vornherein in zu großer Sicherheit zu Es werde sofort an zuständiger Stelle Beschwerde geführt werden. relativ hohe Ausgabe verursacht. Da man in der Diskussion dem wiegen, die Enttäuschung folge dann in der Regel nach. Uebrigens Die ringfreien Brauereien hätten, bis auf Grünau, den Tarif Redakteur vorwirft, er treibe Reghäuserei" im Verbandsorgan, sei es auch ein großer Irrtum, den Schleppdienst als etwas un- anerkannt. In Grünau fänden diese Woche Verhandlungen statt. erklärt Knoll, daß er bei seiner„ Rerhäuserei", das heißt bei seiner moralisches" zu betrachten. Je besser gerade auf diesem Gebiete Es entspann sich eine eingehende Diskussion. Als wichtig in der Stellungnahme als Gewerkschaftler zu den Differenzen mit der alles organisiert sei, desto eher könne dann auch auf einen Erfolg Urlaubsfrage bezeichnete es ein Redner, daß es den Kollegen frühPartei stehen bleiben müsse. Die Debatte läuft aus in stundens gerechnet werden, zum mindesten brauche man sich dann bei einem zeitig, vielleicht einige Wochen vorher, mitgeteilt werde, wenn sie langen Disputen persönlicher Natur zwischen Knoll und Schent- etwaigen Mißerfolge teine Selbstvorwürfe zu machen. Was den Urlaub antreten sollen. In Hohen- Schönhausen sei einem KolBerlin. speziell den fünften Berliner Reichstagswahlkreis anbelange, so legen, der seit 11 Jahren da ist, eine Viertelstunde vor wohl angenommen werden, daß derselbe jetzt zum Feierabend gesagt worden, er brauchte erst dann und dann dauernd sicheren Besitzstande der Partei gehöre. wiederkommen, er hätte jett Urlaub.( Allgemeines HohnWas die Gegner aufbieten konnten, um uns durch ihre teils gelächter.) Hodap wandte sich energisch gegen die Angriffe, dumme und läppische, teils aber auch äußerst raffinierte Schwindel- die seitens der Brauereihandwerker und ihrer Vertreter in ihren agitation den Kreis abzujagen, das ist geschehen. Eine Steigerung Versammlungen gegen die Sektion der Brauer und deren Leitung in dieser Hinsicht sei wohl kaum noch möglich. Redner gab sodann gerichtet worden sind. Nach einigen Darlegungen zu der Sache becine vergleichende Uebersicht des Wahlresultates aus den Distrikten zeichnete er jene Angriffe als durchaus ungerechtfertigt. Andere Ein Antrag, der sich gegen ein der einzelnen Wahlvereins- Abteilungen von 1903 und 1907 und ermahnte im Anschluß hieran dringend zum größtmöglichsten Eintreten für Aufrechterhaltung der bestehenden Bostenzulagen Ausbau der politischen Organisation. wandte, wurde abgelehnt. * Zweite internationale Konferenz der im Straßenban beschäftigten Arbeiter. fönne -Der Kassenbericht für das vierte Quartal weist für die Zentralfaffe auf eine Einnahme und Ausgabe von 4984,10 M. In diefer Ausgabe sind enthalten die 3313,55 M., welche an die Haupttasse abgeführt wurden. Der Mitgliederbestand wuchs im vierten Quartal von 825 auf 865. Die Lokaltasse nahm ein 2087,69 M. und gab aus 1630,40 m. Die Mehreinnahme von 457,75 M. ergibt zufammen mit dem Bestand vom dritten Quartal einen Bestand von 8431,25 M. Der Ortsverwaltung wurde Decharge erteilt. wurde beschlossen, dem Vorsitzenden als angestellten Beamten der Settion das Wochengeld von 40 auf 45 M. zu erhöhen( ab 1. Januar 1907) und ihm 14 Tage Urlaub zu gewähren. Leipzig, den 19. Februar. Den Bericht des internationalen Sekretärs gab A. Knoll Berlin. Er fonstatierte, daß die angeschlossenen Bruderorganifationen Italien, Redner schlossen sich dem an. Desterreich, Ungarn, Schweiz, Schweden, Dänemart, Belgien Vertreter entsandt. Leider fonnte er als Sekretär seine Tätigkeit nicht so entfalten, als er es selber wünschte. Trotzdem hat die Korrespondenz einen bedeutenden Umfang gehabt. Besonders mit Amerika, das noch nicht angeschlossen ist, habe er Verbindung gesucht. Leider habe er drüben die Antwort erhalten: Sie verbäten sich jede Korrespondenz. Es würde aber nur besser werden, und zwar durch den Vertrag, der kürzlich von der American Federation of Labor den deutschen Gewerkschaften angeboten wurde. Bisher habe die Berufsorganisation in New York ein Eintrittsgeld von 50 Dollar erhoben. Es sei auch sehr wahrscheinlich, daß es gelingt, die französischen Genossen für uns zu gewinnen. Den ungarischen Kollegen sei mit 200 M. unter die Arme gegriffen worden, damit sie die Kinderkrankheiten der jungen Drganisation beffer überwinden. Das sei gelungen. Das Sekretariat habe mitgewirkt, daß die Seftionen in Basel, St. Gallen und 8ürich sich dem schweizerischen Verband der Steinarbeiter anschlossen. Seitdem habe fich die Zahl der Organisierten dort von 60 auf 120 erhöht, bei insgesamt 300 Pflasterern. Die belgische Organisation, eine der jüngsten, habe im Gegensatz zu der allgemeinen Stimmung in Belgien schon bei 800 Mitgliedern einen Beamten angestellt mit der Wirkung, daß besonders die wallonischen Genossen sich bald und gut organisierten. Wie musterhaft ihre Disziplin sei, zeigte, daß, wer sich wegen Beitragsresten ausschließen läßt, beim Wiedereintritt 20 Frant bezahlen müsse. Nur die Blamländer feien schwer oder faum für uns zu gewinnen. Auch in Italien schreite die Organisation Dury- Belgien: Wir hoffen gar bald 1400 Mitglieder zu haben. Beim Wiedereintritt müssen sogar 40 Fr. bezahlt werden. Wer nach 3 Monaten mit den Beiträgen im Rüdftande ist, muß 1 Fr. Strafe zahlen. borwärts. Borghesco- Turin teilt mit, daß die Settion in Turin selbständig die städtischen Pflasterungsarbeiten vom Rat der Stadt übernommen habe. Wiese Deutschland: Die Belgier, die als Wanderarbeiter besonders viel nach Rheinland- Westfalen kommen, find tüchtige Arbeiter und werden den Deutschen oft vorgezogen. Aber sie ber schlechtern uns die Arbeitsverhältnisse, weil fie länger als wir Dury- Belgien: Sobald ein Mitglied seiner Organisation in Deutschland Tarifbruch begeht, wird es ausgeschlossen. Laib Ungarn: Es sei eine internationale Flugschrift aus zuarbeiten. Besonders den Christlichen müsse auf den Leib gerüdt arbeiten. werden. Hierauf wurde der Entwurf eines Regulativs für das internationale Sekretariat, der 10 Paragraphen umfaßt, angenommen. Genosse Knoll- Berlin wurde einstimmig wieder zum internationalen Sekretär gewählt und ihm der Dank für seine bisherige Tätigkeit ausgedrückt. Damit waren die Arbeiten der internationalen Konferenz beendet. Sie schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung. Verfammlungen. Fünfter Wahlkreis. Der sozialdemokratische Wahlverein hielt am Dienstag im„ Alten Schüßenhause" eine gut besuchte Mit gliederversammlung ab. Zur Aufnahme hatten sich 324 neue Mitglieder gemeldet, die größtenteils während der Wahlbewegung gewonnen waren. Die namentliche Verlesung dieser langen Liste bon Parteirekruten durch den Kassierer Kirste wurde von der Versammlung mit dem Ausdruck heiterer Befriedigung aufgenommen. Einsprüche gegen die Aufnahme erfolgten nicht. Hierauf gab Ge Schließlich besprach man unter anderen Verbandsangelegen heiten auch gewisse Differenzen im Betriebe der Brauerei Grünau. Die Differenzen hatten auch die endgültigen Verhandlungen über den neuen Tarif mit dieser Brauerei verzögert. Bei diesen Verhandlungen wird eine befriedigende Erledigung der Differenzen versucht werden. Bezüglich des Gesamtwahlausfalles wolle er sich einer eingehenden Kritik enthalten. Er fönne im wesentlichen das unterstreichen, was Kautsky darüber in der Neuen Zeit" veröffentlicht hat. Wenn je, so habe sich bei den diesjährigen Wahlen der alte Sab bewahrheitet, daß der Arbeiterschaft gegenüber alle bürgerlichen Schichten nur eine reaktionäre Masse sind. Deshalb sei es jetzt auch am richtigsten, das zu tun, was der Parteivorstand in seinem Aufruf nach der Wahl empfohlen hat. Trotz der Schlammflut von Berleumdungen, die von allen Gegnern über uns ausgegossen wurde, hat die Partei einen Stimmenzuwachs von einer Viertelmillion erzielt. Daraus ergebe sich, daß die Anhänger der Sozialdemokratie eine festgefügte Mauer bilden, dagegen die bürgerlichen Wählermassen nur mit Flugsand zu vergleichen sind, der bei nächstbester Gelegenheit wieder aus einandergewirbelt wird. Wenn gegenwärtig im bürgerlichen Lager auch über den sozialdemokratischen Mandatsverlust eitel Freude herrscht, so wisse doch jeder Genosse, daß unser Macht nicht in der Zahl der Mandate liegt, sondern in der Revolutionierung der Freie Vereinigung der Maurer. In der Generalversammlung, Köpfe. Hierin mit allen Kräften weiterzuarbeiten, das sei jetzt die am Sonntag in der Brauerei Königstadt abgehalten wurde, erdie vornehmste Aufgabe der Partei. Deshalb erübrige es fich auch, eine zu weit gehende Kritik an den schrullenhaften Extra- stattete Mette den Vorstandsbericht für das Jahr 1906. Unter baganzen der Genoffen Calwer und Bernstein zu üben. anderem sagte er, wenn auch im vergangenen Jahre keine allgeWir haben eben besseres zu tun, als die kostbare Zeit mit uns die auch zu Bausperren führten. Auf 52 Bauten wurde die Armeine Lohnerhöhung stattfand, so gab es doch zahlreiche Differenzen, fruchtbaren Auseinandersetzungen zu vergeuden. Auch der" Bor- beit gänzlich eingestellt und die Sperre verhängt. 9 von diesen wärts" berfahre vollständig forreft, indem er jene Auslassungen ebenso kurz wie fachlich abgetan hat. Für die Parteigenossen könne Sperren dauerten nur einige Stunden, 43 dauerten länger und eres jetzt nur heißen: Vermehrte Ausbreitung und Befestigung in forderten Zahlung von Unterstüßung. 18 Sperren brachten vollen Erfolg, 7 teilweisen Erfolg, 27 gingen verloren, davon 8, weil die den Ideen des Sozialismus.( Beifall.) Bauten durch Affordmaurer besetzt wurden. Die Solidarität beim Suhnfleisch wünschte hierauf eine kritische Besprechung Glaserstreik wurde auf 21 Bauten betätigt. Von 88 Bauten wurherbeizuführen, weil seiner Ansicht nach der Wahlvereinsvorstand den Maßregelungen gemeldet, von denen in 24 Fällen die Entden Maßregelungen gemeldet, von denen in 24 Fällen die Entbei der Kandidatenaufstellung zu selbständig gehandelt habe. Eine lassung infolge von Verhandlungen rückgängig gemacht wurde. Debatte hierüber wurde jedoch gegen wenige Stimmen ab- Die Badofenmaurer führten einen Streit mit dem Erfolg, daß gelehnt, da die übergroße Mehrheit die durch die Wahl- ihnen ein Stundenlohn von 85 Pf. und die 8½stündige Arbeitszeit fituation gebotenen Maßnahmen des Vorstandes vollkommen augebilligt wurde und vom 1. April 1907 an der Achtstundentag billigte. führungen des Genossen Wels an und ermahnte noch besonders 26 Bersammlungen abgehalten. Liepmann schloß sich im großen und ganzen den Aus- eingeführt und ein Stundenlohn von 90 Pf. gezahlt wird. führungen des Genossen Wels an und ermahnte noch besonders Erledigung der Vereinsgeschäfte wurden 34 Vorstandssitungen und au einem noch festeren Zusammenschluß zwischen Bartei und Ge- daß 822 Mitglieder insgesamt 3620 Wochen arbeitslos waren. Das werkschaften wie auch der Gewerkschaften unter sich selbst. find 633 Wochen Arbeitslosigkeit mehr als im Jahre 1905. Dasselbe Verhältnis ergibt sich auch aus der Krankenstatistik. Im Laufe des Jahres gehörten dem Verein 2731 Mitglieder an. Schluß des Jahres war ein Mitgliederbestand von 2421 vorhanden. Aus dem Kaffenbericht, den der Kassierer Imhoff erstattete, geht folgendes hervor: Einschließlich des alten Bestandes von 8ippel beschwerte sich darüber, daß das angekündigte 72 430,11 Mt. betrug die Jahreseinnahme 117 409,51 Mk., die AusExtrablatt des„ Vorwärts" am Tage nach der Wahl nicht gabe 34 963,52 m., der Bestand am Jahresschluß 82 445,99 Mr. den Abonnenten zugegangen ist. 8ucht ist ebenfalls der Meinung, Bei Bausperren und Maßregelungen wurden 7986 Mt. Unterdie Geschäftsleitung des Vorwärts" sei bei dieser Gelegenheit stüßung gezahlt. Der Streit der Badofenmaurer fostete 294,20 Mt., nicht auf dem Plane gewesen. Was bei der Maifeier möglich sei, an andere Gewerkschaften wurden 1700 Mt. Streitunterstützung müsse zur Wahlzeit erst recht möglich sein. Es genüge nicht, wenn solch Extrablatt nur an den Straßenecken verteilt werde, die Nach einer kurzen Diskussion über die Geschäftsberichte ers Abonnenten jedoch unberücksichtigt bleiben und das Blatt erst einen folgten die Neuwahlen zum Vorstande. Sie hatten folgendes ErBosttag später bekommen. WeIs entschuldigt das Vorkommnis gebnis: 1. Vorsitzender Beglin, 2. Vorsitzender Seller, mit der Schwierigkeit der Zustellung, da die Zeitungsträgerinnen 1. Rasierer Imhoff, 2. Raffierer Niezner. 1. Schriftführer nicht überall des Nachmittags zum Austragen des Extrablattes Iing, 2. Schriftführer Bardeleben, Revisor Riebte. au bekommen waren. Allerdings war auch er der Meinung, daß In den Ausschuß wurden gewählt: Heine, Gezorte, Pichdies dann vorher hätte bekannt gemacht werden müssen, damit low, adstein, Preschte. sich die Vorwärts"-Abonnenten danach richten konnten. Zum Schluß forderte 3ucht noch zu reger Beteiligung an der am Sonntag stattfindenden Flugblattverbreitung auf. els regte noch an, eine Statistit aufzustellen, aus der die Wahlbeteiligung der einzelnen Berufe im Kreise ersichtlich ist. Auf Antrag Huhn wurde sodann beschlossen, in einer der nächsten Versammlungen sich noch etwas ausführlicher mit den Wahllehren zu befaffen. " " gezahlt. Bur Die Arbeitslosenstatistik ergab, Eingegangene Druckschriften. Am R. Kobatsch. Internationale Wirtschaftsvolitit. 12 M. Berlag Manziche. u. t. Sofbuchhandlung, Wien. Der Zentralverband Deutscher Brauereiarbeiter, Sektion I ( Brauer) des Berliner Zweigvereins, hatte am Sonntag im Gewert schaftshaus eine gutbesuchte Versammlung. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde in würdiger Weise das Andenken des verstorWels einen umfassenden Bericht über die Tätigkeit benen Verbandsvorsitzenden Bauer geehrt. Man verhandelte dann des Wahlkomitees während der verflossenen Reichstags über die Frage, wie fich die Durchführung des im Januar endwahl. Redner ist von dem Ausfall der Wahl im fünften Kreise gültig erneuerten und veränderten Tarifvertrages gestaltet. Wie um so mehr befriedigt, als der Wahlvereinsvorstand sich von die vom Vorsitzenden Hoda p gegebene Uebersicht ergab, sind bei der vornherein darüber klar war, daß es außerordentlicher Kraft- Anwendung des neuen Tarifs verschiedene Bestimmungen nicht anftres zungen bedurfte, um den Kreis für uns zu halten. In überall so ausgelegt worden, wie es nach Auffassung des Vorstandes richtiger Würdigung der gegenseitigen Parteiverhältnisse hatten und der Kommission richtig ist. So zum Beispiel hinsichtlich der die Genossen den Gegner denn auch durchaus nicht unterschätzt, Arbeitszeit( Bruttoarbeitszeit, Nettoarbeitszeit, Beginn und Ende, Th. Kerische, Erlangen. Teures Fleisch 1907" Friede auf der ganzen Welt! B. Mar. 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Raiser Friedrichstr. 63, Schule. Banten der Firma Hegelmann: Bommel, Rigdorf, Kaiser Friedrich ftraße 219-220. Schaum, Wilmersdorf, Kaiser Allee, Ede Wilhelmsaue. Schulz, Jungfernheide, Mindeners Straße. Böttcher, Reinickendorf, Justusstraße. Böttcher, Borhagenerftr. 17. Bauten der Firma Braun: Müller, Rigdorf, Walter Juliusstraßen- Ede. und Müller, Rigdorf, Cranoldplay, Fenster. baut. Banten der Firma Grünberg, Markgrafendamm: Springer, Schöneberg, Luther. u. Freifingerstraßen- Ede. Rigdorf, Herrfurihplay 8. Banten der Firma Stellmacik Wilmersdorf, Düsseldorferstraße, an der Bayrischen Straße. Charlottenburg, Neue Kantstraße, Ede Dernburgstraße. Bantow, Spandauerstraße, Streusftraße. Ede burg, Charlottenburg: Frantsen, Wangenheimstr.- Ede. Ueberholz, Kurfürstendamm. Bauten der Firma Altstädt, Lippehnerstr. 23: Sees u. Malplaquetstraßen- Ede. Hufelandstr. 8. Bauten der Firma Oehlschlägel: Laue, Charlottenburg, Uhlandstraße, Ede Steinplatz. der Firma Seeger, Nieder Schönhausen, Bis marckstr. 38: Tresdomstr. 67. Ban der Firma Mitsch, Bar uimstr. 22: Christburgerstr. 41. Bau der Firma Krause in Nixdorf: Rudolf u. Lempfe, Mariendorf, Feldstr. 65. Höpfer u. Schwarzkopf, Schmargen- Treppengeländerbranche. dorf, Ruhlaftr. 20/21. Bauten der Firma Röder& Comp.: Schmalz, Malmöerstraße, Straße 2b. Zauroggenerstr. 2. Bauten der Firma Ede C. Prächtel, Lanfigernr. 10: Dahlem, Botanischer Garten. Charité- Krankenhaus. Birchow- Krankenhaus, Seestraße. Packhof, Alt- Moabit. Bauten der Firma Thal, Lehrterstr. 44: Fichtenberg, Stegliz, Friedrichstr. 6. Müllerstr. 52. Bauten derFirma Heinemann: Sophie Charlottenstraße, Ede Knobelsdorfstraße. Brehm, Gleimstraße. Krüger, Dernburgstraße. Lange, Rigdorf, Boddinstraße. Lange, Steglitz, Forststraße. Rigdorf, Lahnstraße. Bau der Firma Herrgesell& Hübner, Wilhelmshavener. straße: 9 Charlottenburg, Werner Siemensstr. Mommsenstr. 27. Bauten der Weißenseer Holzbearbeitungsfabrik G. m. b. H.: Lohse, Wilmersdorf Friedenau, Ringbahnstr. 245. Busse u. Jensow, Münchenerstr. 16. Knoblauch, Brit, Jahnstr. 82. Löwe, Sidingenstr. 54. Stronenstr. 33. Schöneberg, Bandmann, Heilbronnerstr. 22. Weißensee, Frisidestr. 3. Bauten der Firma Metz, Urban: straße: Tempelhof, Eylauerstraße. Steglit, Stubenrauchstraße. Bankow, Mendelstr. 18. Tegel, Spandauer, Ede Bergstraße. Bauten der Firma Pätz, Reichenbergerite. 114: Fischer u. Colberg, Nigdorf, Bergu. Walterstraßen- Ecke. Förster, Rigdorf, Treptower- und Harzerstraßen- Ede. Weise, NW., Elberfelderstr. 4/5. Bau der Firma Bauschke: Charlottenburg, Schillerstr. 11. Banten der Firma Herrmann, Staligerstraße: Ausbau in Tegel, Beitstr. 16. Gasanstalt, Prenzlauer Allee, und GußDirektionsgebäude röhrenlager. Bauten der Firma Strotthoff: Herold, Charlottenburg, Giesebrecht ftraße 17. Reinickendorferstr. 95. Gutzeit, Ufer und Martin Dpit straßen- Ede. Bauten der Firma Noack, Hennigsdorferstraße: Giller, Nord- Ufer, zwischen Lynar straße und Ringbahn. Reinickendorferstr. 49. Bauten der Firma L. Lassen: Demme, Urbanstr. 94. Schmädide, Elberfelder und Dort mumderstraßen- Ede. Blankenfeld, Müllerstr. 152.. Lassen u. Brefinsky, Borhagen. Bau der Firma Pohl& Sohn: Schossow, Charlottenburg, Sybell straße 7-8. Bau der Firma Näthe, Stettinerstrake 27: Eide u. Schwarz, Schwedenstr. 5. Bill u. Jakob, Rigdorf, Donaustr. 114. Bau der Firma Schneider, Griebenowstraße: Bellermannstr. 84. Adalbertstr. 9. Banten der Firma Roloff: Mohrenhof, Friedrich-, Ecke MohrenStraße. Schivelbeinerstr. 7. Winsstr. 17. Bau der Firma Hoffmann, Wollinerstr. 27a: Gleimftr. 46/47. Firma Knöfel, Lichterfelde, Manteuffelstr.7: Steglitz, Herderstr. 7. Bau der Firma Krüger, Reichenbergerstr. 64: Briz, Germania- Promenade. Bau der Firma Schwarze, Rigdorf, Nogatstr. 25: Nixdorf, Emferstr. 32-34. Bau der Firma Wagenknecht, Petersburgerstraße: Friedrichsberg, Pfarrstr. 4. Bauten der Firma Heidenberg, Prinzenallee 20: Thiele, Wilmersdorf, Nassauische straße 5. Bau der Firma Scharwis: Stöckel, Friedenau, Cranachstraße. Bau der Firma Holstein: Schule, Lichtenberg, Scharnweberftraße 22. Banten der Firma Schmidt& Co., Schönhauser Allee: Wilmersdorf, Kanjer- Allee u. Sieglindestr.- Ede. Schöneberg, Bragerstr. 15. Bau der Firma Hundt, Grimmstraße: Faul, Jägerstr. 63. Kurfürstendamm 144, Bau Beitscher. Bauten der Firma Pusch, Pfarrstraße 35: Buggenhagen, Lichtenberg, Pfarrstraße 5. Burr, Simon Dachstraße. Karlshorst, Prinz Oskarstraße. Urbanstr. 3. Rummelsburg, Wilhelmstr. 3/4. Höfelt u. Seifert, Karlshorst. Wolf, Nieder- Schöneweide. Schwindt, Charlottenburg, Ger. vinusstr. 3. Bauten der Firma P. Peschel & Söhne: Rigdorf, Hermannstr. 32, Baugesellschaft Barte". Bau Friedrich in Tempelhoferstraße. Schöneberg, Bauten der Firma Geißler, Dieffenbachstraße: Groterjahn, Schönhauser- Allee 129. Hesse, Pariserstraße. Supte, Schlüterstraße, Ede Liezen. burgerstraße. Neuendorf, Monumentenstr. 27. Menge, Wilmersdorf, Schwäbischestraße. Burgall u. Martin, Faldensteins straße 49. Kottbuserdamm 87. Friedenau, Stubenrauchstr. 12. Billenkolonie Nikolassee, Sudeten ftraße, Körner. Desgl., Sudetenstraße, Rotowsky. Eckert u. Denneberg, Bödiderstr. 8. Bauten der Firma Törmer& Scharlau: Gr. Frankfurterstr. 126. Schmidt, Pasteurstr. 35. Rigdorf, Weichselstr. 48/49. Burnau, Charlottenburg, Mommsenstraße 42/43. Lehmann, Charlottenburg, Momm fenstraße 44. Wilmersdorf, Kaiser- Allee 202. Bauten der Firma G. Bruns, Boppstraße: Wisbyerstr. 71/72, Geife. Schonenschestr. 4, Geife. Weißensee, Frifideftr. 3. Grünau, Jägerstr. 16, Baez. Lantwig, Kurfürsten- und Froben straßen- Ede, Köhler. Bauten der Firma Völker, Tempelhof. Gräz, Bornholmerstraße, Ede Schönhaufer Allee. Hübner, Charlottenburg, Bismard, Ecke Weimarerstraße. Billa Werner, Klein Glienide bei Potsdam. Paulsen, Schlüterstr. 33/34. Lehmann, Dahlmannstraße, Ede Garvinusstraße. Bau der Firma Stahl, Kurfürstenstraße 37: Ueberholz, Kurfürstendamm 170. Bauten der Firma Lindgren, Rirdorf: Kazmann, Brückenstr. 2. Bühler, Rigdorf, Bergstr. 112. Wipperstr. 25. Müller, " " Walter und Ju liusstraßen- Ede. Löwe, Gewehrfabrik, Wittenau. Altes Kriminalgericht, Moabit. Bauten der Firma Marzahn, Bergmannstraße: " Lorenz Reple, Sybelstr. 47. Karl Schmidt, Helmstädterstr. 2. Brinzessinnenstr. 18. Wilhelmstr. 45/46. Gewerkschaftshaus d. Metallarbeiter, Charitéstraße 3. Fröhlich u. Ludwig, Grolmanstr., Ede Bismardstraße. Bauten der Firma Jensen & Wodrich: Samoaſtr. 2, 3, 20, Bau Müller. Prinz Regentenstr. 116, Bau Last. Bauten der Firma Griesur, Steglitz: Steglitz, Schönebergerstr. 10-11, Bau Lamprecht. Steglitz, Zimmermannstr. 12, Bau Willardt. Stegliz, Berlinideftr. 5. Bankow, Schulzestraße, Bau Sinnig. Bau der Firma Meinhardt, Dennewitzstraße: Schönebergerstr. 27. Bau der Firma Vogt, Köpenickerstr. 54: Charlottenburg, Saifer Friedrich. Ede Scharnstraße. Wegen Streik und Differenzen find gesperrt: Bau der Firma Muder, Schön. Für Vergolder: hausen: Bankow, Schmidstr. 6. 3. C. Pfaff, Beughofstraße. Bau der Firma Renter, Stein. Sür Kammacher und metstr. 24: Haumann, Münchener, Ede Rosenheimerstraße. Zelluloid- Arbeiter: Firma Grünberg, Bau der Firma Rachfall, Ra: Weißensee, Langhansstr. 58. ftanten Allee 10: Schönhauser Allee, Ede Bornholmer. Für Bodenleger: ſtraße. Leibnizstr. 46. Bau der Firma Weise, Moabit: Charlottenburg, Raiser Friedrichstr.1. Werkstatt und Bauten der Firma Altendorf, Charlottenburg. Lug, Neue Kant- und Dernburgstraßen- Ede. Bau Kottbuserdamm 84. Bau Kottbuserdamm 9. Buzug ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.