Zlr. 48. BIwnncmcntS'Bcdingungen: ÄSonnenientä• Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mk,. mona», 1,10 Ml, «vSchentlich 28 Psg, frei ins HauS. Einzelne Nummer B Psg. Sonntags- tiummet mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Reue Welt' 10 Psg, Post- «onnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post, ZciiungZ- Pretslislc, Unter Nrcuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daS übrige AuSIanI» 3 Marl pro Monat. Postabonnements nchoien an: Belgien, Dänemarl. Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, 'lien, Schweden und die Schwei». * * Was man von einer Beratung des Etats In erster Linie verlangt: eine durchsichtige, aufhellende Darstellung der Finanz- und Geschäftslage des Reiches, das ward den Zuhörern heute nicht zuteil; denn das vom Staatssekretär des Reichsschatzamtes, Frhrn. v. Stengel, vorgetragene Expose über den Etatwarnicht nur des trockenen Tones wegen zur Information über die Finanzlage ungeeignet, es entbehrte völlig eines finanzpolitischen Zuges und jener faßlichen Darstellung, die einen Gesamtüberblick zu bieten vermag. Indes, es liegt Methode darin, die Finanz- läge einmal grau in grau, das andre Mal mit glühenden Farben zu malen, je nach den innerpolitischen Notwendig- leiten der wechselreichen Regierungstaktik.— So schwächte der Schatzsekretär heute die vor zwei Monaten erfolgte offiziöse Ankündigung eines Defizits von zirka 55 Millionen durch die Mitteilung ab, daß die Erträge aus den neuen Steuern so „erfreulich" gestiegen seien, daß sie nur noch etwa 25 Millionen hinter den erwarteten Einnahmen zurückbliebeu. Aber seine Ausführungen über die Matrikularbeiträge ließen deutlich erkennen, daß das Defizit im Reichshaushalt größer ist; denn von den 62 Millionen Matrikularbeiträgen sollen den Einzelstaaten 38 Millionen gestundet werden! Der Schatzsekretär erhofft von der noch anhaltenden günstigen Wirt- schaftlichen Konjunktur ein weiteres Steigen der Einnahmen des Reiches, und er gab darum die Versicherung ab, daß er in diesem Jahre noch keine neuen Steuern fordern werde. Diese Erklärung ist aber wertlos, denn im Herbst dieses Jahres. resp. in der zweiten Session werden mit neuen Flotten- forderungen auch ueue Steuerforderungcn erscheinen. Auch der Etatsredner des Zentrums, Abg. Spahn, ließ eine instruktive Darlegung der Finanzlage des Reiches, eine übersichtliche Erläuterung des Etats völlig vermissen. Es kam dem Zentrumsredner offensichtlich nur darauf an. eine agitatorisch wirkende Rede für die Zcntrumswähler zu halten. Herr Spahn ist kein packender Redner; seine einförmige, fast temperamentlose Rhetorik ist mehr auf die Defensive gestimmt, und es machte einen deprimierenden Eindruck, den Redner der stärksten Partei des Reichstages eine Reihe von Jnsiiativanträgen titelinäßig ablesen zu hören, um nur den Lesern der Rede außerhalb des Parlaments zu zeigen, daß das Zentrum eine Reihe von sozialpolitischen Anträgen ge- stellt hat, um angeblich die wirtschaftliche Lage der Werk- tästgen Klassen zu heben. Mehr Interesse erweckte Herr Spahn, als er auf die Vorgänge bei den letzten Wahlen einging, der Regierung eine Schwenkung in der inneren Politik zum Vorwurf machte und ihr Eingreifen in die Wahlen aus den im„Bahr. Kurier" veröffentlichten Aktenstücken und zwischen dem Flotteitverein und derReichskanzlei gewechselten Briefen nachwies und krittsierte. Dieser Teil seiner Rede gab der heutigen Sitzung das Gepräge eines parteipolittschen Kanipfes. Mit Geschick lentte Spahn den Kampf auf das konfessionelle Gebiet hinüber, auf dem das Zentrum der ungeteilten Sym- pathie und festen Geleitschast seiner Wähler sicher ist. In beweglichen Tönen sprach er über die Hetze, die, an- geregt von der Regierung, von den„Kulturkämpfern" gegen das Zentrum inszeniert worden sei, er ließ die gravierendsten Briefe aus der Reichskanzlei Revue passieren, monierte die Unterstützung des Flottenvereins durch die Reichs- kanzlet und meinte, es sei die Ansicht ausgesprochen worden. daß außer den zugesagten 80000 M. Unterstützung noch weitere Mittel aus Dispositionsfonds zu gleichem Zwecke entnommen seien l! Hierüber forderte er Aufschluß vom Kanzler, der sich aber darüber ausschwieg. Recht beweglich buhlte Spahn im übrigen um die An- erkennung des Reichskanzlers, weil das Zentrum im letzten Jahrzehnt der Regierung alle großen Forderungen bewilligt habe. Der Reichskanzler erteilte ihm nachträglich auch diese Anerkennung, um dann allerdings desto schärfer die Ablehnung der lumpigen neun Millionen, die als Anlaß zur Auflösung diente, zu betonen. Ueberhaupt verlief das Rededuell zwischen dem Reichs- kanzler und dem Zentrumsredner äußerlich nicht gerade zu- gunsten des Zentrums, obgleich der Reichskanzler nichts sagte. was er nicht schon in seinem famosen Silvesterbrief an den Generalissimus des Reichslügenvcrbandcs ausgedrückt hätte. Mit dem an ihm bekannten Pathos pries Fürst Bülolv es als dcnGipfel seiner hohen Regierungsweisheit:'immer die Einigung aller bürgerlichen Parteien zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie betrieben zu haben. Daß dieser seiner Staatskunst bis heute kein Erfolg geblüht hat, scheint er nicht als ein Fiasko seiner Regierungstätigkeit aufzufassen. Er könnte sich aber damit trösten. daß ein Schlauerer als er, der geriebene preußische Finanzminister Miguel mit seiner Sammlungspolittk bereits ein Fiasko rlitt. Ist also die Samnilungspolitik Bülows nicht neu, so doch das direkte, offene Eingreifen der Regierung bei Wahlen zugunsten dieser Sammlungspolitik. Auf den Vorwurf der Wahl- bceinflufsung antwortete nämlich der Reichskanzler mit der brüsken Erklärung, daß die Regierung künftig noch offen- kundiger in den Wahlkampf eingreifen werde k Diese Erklärung erschließt eine liebliche Perspektive auf„Präfekten- Wahlen", und der Reichskanzler schien seine heutige Rede zum Schluß sogar schon auf künftige Wahlen anzulegen. Er seifte die Liberalen mit einigen Redensarten über ein zu schaffendes Reichs-Vereins- und Versammlungsgesetz ein, operierte in forziertcm Tone mit der„Fortfiihrung einer der- ständigen Sozialpolitik", bezeichnete es als eine dreiste Unwahrheit, daß die Regierung mit der Auflösung des Reichstags verfassungswidrige Absichten verfolgt, daß sie überhaupt je solche gehabt habe, bestritt das Auftreten des persönlichen Regiments und gefiel sich in der Freude darüber, daß die Sozialdemokratie nur einige 40 Mandate besitzt, so sehr, daß er dem Zentrum harte Vorwürfe über seine Haltung bei den Stichwahlen machte, da die Sozialdemokratie sonst höchstens 2—3 Dutzend Mandate be- säße! Die sozialdemokratischen Stimmen zählt, wie es scheint, der Reichskanzler nicht.-- Er war ganz Wahlstratege, der für eine Mehrheit von Konservativen und Nationalliberalcn schwärmt, wie einst Bismarck das berüchtigte Kartell bei den Wahlen 1837 protegierte. In der Tat eröffnet die Staatskunst Bülows keinen politischen Ausblick, der neue Bahnen erkennen ließe; es ist alles aus dem Arsenal des„eisernen" Kanzlers erborgt bis auf die direkte Wahlbeeinfluffung durch Briese und Reden der regierenden Personen. So sieht die„neue Aera" aus, die Bülow seiner Regierungskunst zuschreibt. Zu bemerken ist noch, daß der Kanzler harte Worte gegen das Zentrum schleuderte, ihm Mangel an Besonnenheit und Selbstbeherrschung vorwarf, vor allem aber es als ein moralisches Unrecht bezeichnete, daß das Zentrum sich mit der Sozialdemokratie„liierte" I Er schien ganz vergessen zu haben, daß die Regierung sich die Unterstützung der Sozial- demokratie bei verschiedenen Gelegenheiten gefallen ließ, ohne moralische Bedenken empfunden zu haben. Vor dem Reichskanzler hatte übrigens noch der ge- schniegelte Bassermann frisch-fröhlich eine Attacke a la Sancho Pansa gegen Zentrum und Sozialdemokratie unter- nommen. Als ob die Nationalliberaleu noch— wie vor 30 Jahren— eine große selbständige Partei seien, so blies er sein Trara mitten ins parlamentarische Getriebe hinein. Der Flottenverein ist nach ihm ein vortrefflicher Verein: der Ausfall der Wahl hat— so sagt Bassermann— der Regierung und ihren Trabanten recht gegeben. Am besten ge- fiel sich Bassermann in der Nachahmung Bülows als Zitaten- verleser. Die in der sozialdemokratischen Partei völlig ver- einzelt dastehenden Aeußerungen Calwers und Bernsteins trat er mit kindlichem Behagen breit und meinte, sie machten künstig Keimsche Wahlflugblätter entbehrlich!! Der arme Schlucker! Wo stände er, wenn er nicht auf konservativen und freisinnigen Krücken in den Reichstag gelangt wäre? Es erübrigt sich, die schttmlstigen Tiraden dieses Redehelden: daß das Bürgertum sich„endlich aufgerafft" habe, und daß der Glaube an den unaufhaltsamen Aufstieg der Sozialdemokratie erschüttert sei. auf ihren Unwert zurück- zuführen. Die Angriffe Bassermanns auf das Zentrum erregten hei diesem erbitterte Zwischenrufe, wie überhaupt die Situa- tion zwischen Zentrum und Regierung sowie zwischen ersterem und den liberalen Parteien durch die heutigen Debatten schärfer zugespitzt worden ist. Auffällig ruhig zeigte sich die Rechte, deren erster Redner noch nicht zum Worte kam. Die weiteren Debatten werden die Situation-noch mehr klären. So viel ging aus der heutigen Stellungnahme des Reichs- kanzlers allerdings schon hervor, daß die Regierung— sicher auf höhere Weisung— gern ohne das Zentrum regieren — möchte. Lange dürfte diese„Aera" nicht vorhalten. Abgeordnetenhaus. Im Abgeordnetenhause stand am Montag auf der Tagesordnung zunächst der Bericht der Geschäftsordnungs- kommisfion betr. die Ermächtigung der strafrechtlichen Ver- folgung unserer Genossen Arthur Molkenbuhr, Ernst Witt- maack und Robert Dornheim vom„Volksblatt" in Halle, der „Magdeburger Volksstimme" und der Erfurter«Tribüne" wegen BeleidigungdesAbgeordnetenhauses! Die Beleidigung soll in einem„Der Triumph der Wahlrechts- feinde" überschriebenen Artikel liegen. Der neuesten Praxis des Hauses entsprechend beantragte die Geschäfts- ordnungskommisfion die Erteilung der Ermächtigung. Wider Erwarten wurde der Antrag nicht angenommen, die An- gelegenheit vielmehr zur nochmaligen Prüfung an die Kom- Mission überwiesen. Die Anregung hierzu ging von den Nationalliberalen aus. die im vorigen Jahre bei einem ahn- lichen Anlaß die Ermächtigung zur Verfolgung erteilt hatten. In ihrem Namen erklärte Abg. Schiffer, daß sie zwar nach wie vor auf dem Standpunkt ständen, daß man das hohe Haus nicht ungestraft beleidigen dürfe, daß es sich aber hier um Artikel handele, die schon vor dem letzten Beschluß auf Genehmigung der Erteilung eines Strafverfahrens ver- öffentlicht sind und daß man zunächst einmal die W i r k u n g jenes Beschlusses prüfen müsse! Das verspricht für die Kom- Mission eine recht interessante und belehrende Arbeit zu wer- den: denn die Herren haben so Gelegenheit, aus der sozial- demokratischen Presse zu lernen, vorausgesetzt, daß sie Ke- lehrungen zugänglich sind._ Das Haus beriet dann rn erster Lesung die Novelle zum Berggesetz, die im wesentlichen dem Staate allein da« Recht zur Auffuchung und Gewinnung der Steinkohle. des Steinsalzes, der Kali-. Magnesia- und Borsalze und der Solquellen geben will. Es tvar vorauszusehen, daß sich be- sonders die Vertreter des Großkapitals gegen diesen per- meintlichen Eingriff in ihr Recht: zum Schaden der Allgemein- heit die der Gesamtheit gehörenden Naturschätze ausbeuten zu können, mit Händen>lnd Füßen wehren würden. Der Handelsminister Dr. Delbrück hatte große Mühe, die er- regten Gemüter zu beruhigen. Es gelang ihm das Haupt- sächlich dadurch, daß er ein kräftiges Loblied auf das Groß- kapital sang und auch die Syndikate verherrlichte.— Die Debatte endete mit der Ueberweisung der Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Am Dienstag wird-die unterbrochene Etatsberatung fortgesetzt und zwar kommt der Etat der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung zur Beratung. Wilhelm II. über die Wahlen. Das neue Reichstagspräsidium ist am Sonntag Mittag vom Kaiser empfangen worden. Die Audienz währte 114' Stunde, lieber Aeußerungen des Kaisers berichtet ein Blatt: Aus den Worten des Kaisers klang immer aufs neue die freudige Genugtuung durch, daß durch die jüngsten Reichs- tagswahlcn dem nationalen Gedanken der Sieg beschieden gewesen sei. Auch die Wirkung dieses Sieges gegenüber dem Ausland betonte der Monarch. Das Ausland müsse den Aus- fall der letzten Wahlen nach der Stimmung bewerten, die in nationalen Dingen die Mehrheit des deutschen Volkes be- herrsche, und eine solche Wahrnehmung könne nicht anders als eine rückwirkende Kraft ausüben auf die Stellung der anderen Mächte Deutschland gegenüber. Dabei nahm der Kaiser Gelegen- heit. über das allgemeine Wahlrecht zu sprechen, und er gelangte zu dem Schluß,„daß dies so vielfach angefeindete Wahlrecht sich durchaus bewährt habe". Mit besonderer Lebhaftigkeit beschäftigte sich der Monarch mit dem Ausfall der Wahlen im Königreich Sachsen. Er sprach über sie in dem Sinne des Telegramms, die er und König Friedrich August voller Genugtuung über das endgültige sächsische Wahlergebnis mit einander ausgetauscht hatten. Aber gleich nach der Hauptwahl, �o erzählte der Kaiser, habe er mit dem König, als dieser am 27. Januar nach Berlin gekommen war, über die Wahlen in Sachsen sich ausgesprochen, und da sei es ihm interessant gewesen, zu bemerken, wie gut sich der König über die Persönlichkeit der Abgeordneten beziehungsweise der Kandidaten unterrichtet gezeigt habe. Eines sei jedenfalls fest- gestellt und festzuhalten als das lehrreiche Ergebnis der letzten Wahlen, und dieses eine sei die Tatsache, daß der Anprall der Sozialdemokratie zerschelle, sobald die bürgerlichen Parteien sich zusammenschließen.— Bezüglich des Zentrums ließ der Kaiser durchblicken, daß ihm die Ver- schiddenheit zwischen der regierungsfreundlichen Haltung des Epistopats und der der Zentrumspartei nicht entgangen sei. Auf diese Verschiedenheit stützte der Monarch die Hoffnung auf eine künftige ersprießliche Politik des Zentrums. Die IveltpolitischeLage berührte der Kaiser ebenfalls. Er zeichnete in großen Umrissen die Konstellation der Mächte, wie sie nach den Ereignissen im fernen Osten und durch diese sich ergeben habe. Das Fazit seiner Betrachtungen zog er in einem für die Erhaltung des Friedens höchst günstigen Sinne. Auch die EntWickelung unserer Kolonien wurde von ihm erörtert. Auch an Bemerkungen persönlicher Art ließ es der Kaiser nicht fehlen. Den Präsidenten Grafen Udo Stolberg-Wernigerode begrüßte der Monarch als alten Bekannten. Dem ersten Vize- Präsidenten, Professor Paasche, gegenüber brachte er das Gespräch auf dessen Sohn, den Oberleutnant z. S. Paasche. Er beglück- wünschte den Vater zur Verlobung seines Sohnes und zeigte sich genau über den Vortrag unterrichtet, den in Wort und Bild der junge Offizier in der Kolonialgesellschaft kürzlich ge- halten hat. Ten zweiten Vizepräsidenten. Stadtältesten Kämpf, hatte der Kaiser mit den Worten begrüßt, daß er sich freue. den Vertreter des ersten Berliner Rcichstagswahlkreises, in welchem er selbst ja wohne, willkommen heißen zu können. Er sei aber auch überzeugt, daß die wahlberechtigten Mit- belvohner des Schloßbezirks ihre Schuldigkeit getan haben, um ihm, Herrn Kämpf, zum Siege zu verhelfen. Das, was über die Aeußerungen des Kaisers zu den Wir- kungen der Wahlen auf das Ausland gesagt wird, erscheint einigermaßen dunkel. Fürst Bülow und Herr v. T i r p i tz sind ja bekanntlich bemüht gewesen, ausländischen Interviewern gegenüber zu betonen, daß der Nationalismus, wie ihn der Ausfall der Wahlen gezeigt habe, keineswegs Chauvinismus sei, daß im Gegenteil Deutschland auch nicht im entferntesten daran denke, anderen Nationen gegenüber in irgend einer Beziehung aggressiv aufzutreten. Darüber, daß das deutsche Volk einer ausländischen Offensive gegenüber g e- schlössen dastehen würde, herrschte auch vor den Wahlen im Ausland nicht der geringste Zweifel. Hat doch selbst pie Sozialdemokratie oft genug erklärt, daß auch sie bei einem Augriffskrieg ihre Schuldigkeit tun werde. Auch ist uns niemals bekannt geworden, daß das Ausland Deutschland gegenüber es jemals an dem Respekt habe fehlen lassen, den eine starke Nation zu verlangen hat. Die Worte des Kaisers sind also schwer zu deuten. Sie könnten höchstens die Wirkung haben, die Erklärungen abzuschwächen, die Fürst Bülow und der Staatssekretär des Reichsmarineamts, Herr v. Tirpitz, erst vor wenigen Tagen abgegeben haben! Eigentümlich nimmt sich auch das Wort des Kaisers aus, daß das allgemeine Wahlrecht, das so vielfach angefeindete, sich diesmal„durchaus bewährt" habe. Das allgemeine Wahl- recht dient doch dem Zwecke, dem Willen des Volkes Aus- druck zu geben. Wie auch immer das Endergebnis einer Wahl' ausfallen möge, für einen prinzipiellen Anhänger des all- gemeinen Wahlrechts muß es sich jedesmal„bewährt" haben. Eine Beurteilung des allgemeinen Wahlrechts, die sich mit ihm nur dann befreundet, wenn sein Votum so ausfällt, wie es dem betreffenden Beurteiler gefällt, kann als prinzipielle Billigung des allgemeinen Wahlrechts nicht aufgefaßt werden! Seltsam nimmt es sich daher auS, wenn das freisinnige„Berl. Tageblatt" schreibt: „Das wiederholte Bekenntnis des Kaisers zum bestehenden Reichstagswahlrecht kann im Lande nur einen günstigen Ein- druck machen. Man weiß nur zu qut, daß die heimlichen und offenen Gegner der allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahl gerade mit der Behauptung arbeiten, daß sie die Stellung des Kaisers aus die Dauer untergraben müsse. Für den Kenner der Scharfmacher-Clique bestand allerdings längst kein Zweifel darüber, daß diese Besorgnis nur ein Vorwand zur Verhüllung eigensüchtiger Klasseninteressen war. Aber man wußte nicht recht, ob angesichts des beständigen Anwachsens der Sozial- demokratie solche Argumente auf den Kaiser ohne Eindruck blieben. Jetzt ist die Lage geklärt." Also der Freisinn hält erst jetzt nach den Erklärungen Wilhelms I!. die Gefährdung des allgemeinen Wahlrechts für aus- geschlossen. Trotzdem schanzte der Freisinn bei der letzten Wahl durch seine Unterstütznng der Reaktion<3 Mandate zu! Wäre also das Wahlresultat ein andere» gewesen, hätte die Sozialdemo. kratie einige hunderttausend Stimmen mehr gewonnen und wäre dadurch die Besorgnis des Kaisers gesteigert worden, so hätte der Freisinn mit dazu beigetragen, das Reichstagswahlrecht in der schlimmsten Weise zu gefährden! Ueber den Optimismus des Kaisers, daß der Anprall der Sozialdemokratie zerschelle, sobald die bürgerlichen Parteien sich zusammenschließen, wollen wir lieber Taten reden lassen. Die im Zeichen der Sozialistenvernichtung geeinte Reaktion wird ja in wenigen Jahren eine neue Probe auf das Exzempel machen können. Interessant und für den Freisinn nicht gerade erbaulich mögen die Aeußerungen des Kaisers über das Zentrum geklungen haben. Der Kaiser erwartet von dem Zentrum auch künstig»eine ersprießliche Politik". Er denkt also gar nicht daran. das Zentrum vor den Kopf zu stoßen und den Freisinn dauernd in die bisherige Rolle des Zentrums einrücken zu lassenk .' 9 Deutfcbcö Reich* Georg Bernhard als Reformator und Lerleumder. Herr Georg Bernhard hat in sich den Beruf zum Messias und Reformator der Sozialdemokratie entdeckt. Die. fortschreitende Verkirchlichung� der sozialdemokratischen Bewegung hätte. meint er. die Partei soeben erst eine„empfindliche Niederlage" erleiden lassen: eine Niederlage, die den Anlaß zu einem neuen Auffticg bieten, die aber ebenso daS„Ende einer glorreichen Bewegung" bedeuten könne. In Dresden habe er (Bernhard) noch geglaubt, der Partei durch Nachgiebigkeit zu nützen. Jetzt sei eS aber mit seiner Geduld vorbei. Und da ein großer Teil der Parteipresse, vor allem der„VorwärtZ", sich in den Händen einer„bestimmten Clique" befände, welche die„Demokratie als Deckmantel für die Befriedigung auto- kratischer Gelüste" benutze, so wende er sich an die liberale Presse. Welches sind nun die reformatorischen Mittel, die Bernhard angewendet wisien will, um das„Ende" der sozialdemokratischen Be- wegung zu verhüten und der Partei zu neuem Aufftieg zu ver- helfen? Er sagt darüber wörtlich in der„Welt am Montag": „Die Sozialdemokratie ist vor die Frage gestellt, ob sie endlich politischen Einfluß erobern, oder sich dauernd mit dem Schicksal einer nörgelnden Sekte begnügen will. Die letzten Wahlen haben ganz deutlich gezeigt, daß auf eine politisch ausschlag- gebende Stellung aus eigener Kraft die Sozialdemokratie auj Jahre hinaus nicht rechnen kann. Es gilt nunmehr, Bundesgenossen zu suchen. Der einzige Bundesgenosse der Arbeiter kann der bürgerliche Liberalismus sein. Bedauer- licherweise sangen nun gerade jetzt diejenigen Parteigenossen, die bisher etwas vom Liberalismus erhofften, an, die Flinte ins Korn zu Wersen. Und zwar weisen sie daraus hin, daß um des Mandatschachers willen die Liberalen bei den letzten Wahlen sich auch mit den schwärzesten Reaktionären verbündet haben. Das ist nicht zu leugnen. Aber man sollte doch in unseren Reihen zweierlei nicht vergessen. Erstens haben wir durch unsere oft maß- losen Angriffe und dnrch die widerliche Art, in der einzelne Personen bei uns gekämpft haben. das liberale Bürgertum gewaltsam von uns fortgestoßen. Und zweitens haben wir es in vielen Wahlkreisen auch gar nicht anders gemacht als die Liberalen. Es ist hüben und drüben gesündigt worden. Aber ich muß sagen, daß ich diese Sünde auf beiden Seiten aar nicht so schlimm werte. Auch ich wäre in manchen Fällen dafür zu haben gewesen, für das Zentrum, ja sogar für Konservative zu stimmen, um wenigstens den Liberalen einmal vor Augen zu führen, daß die Arbeiterschaft, wenn sie ihre Stimme gibt, auch Gegen- leistungen verlangt. Der Erfolg, den ich von solcher Haltung erwartete, ist jetzt da. Der Freisinn hat eingesehen, daß er Bundesgenossen braucht, und die Sozialdemokratie ist zu derselben Einsicht gekommen. Jetzt ist eS an der Zeit, die Politik der gegenseitigen Berärgerung fallen zu lassen. Jetzt müssen Sozialdemokratie und Liberalismus sich erinnern, daß, so sehr sie sich auch in der Grundauffassung vieler Dinge unterscheiden, ihnen beiden doch gemeinsam der Wunsch nach politischer Befreiung und kultureller Hebung ist. Die parlamentarische Regierung und die Befreiung der Volksschule sind jetzt diejenigen Ausgaben, die im Vordergrunde stehen und für die Liberalismus und Sozialdemokratie Schuller an SchuWr zu kämpfen haben. Um dieses Ziel zu erreichen, werden auf beiden Seiten taktische Konzessionen gemacht werden müssen. Die Sozial- demokratie hat, um auch parlamentarisch bündnisfähig zu sei», ihre negative Haltung in den Budgctabstimmungen, der Liberalismus seine Engherzigkeit in der Sozialpolitik und seineu Doktrinarismus in der Wirtschaftspolitik aufzugeben. Neben dem Bestreben, ein taktisches Zusammengehen beider Parteien zu ermöglichen, muß aber der Versuch einhergehen, das Bürgertum über die sozialistische Bewegung aufzuklären. Wir müssen diejenigen Männer innerhalb des Liberalismus rechtfertigen, die ein ehrliches Zusammengehen mit uns seit Jahren erstreben und deren Streben dadurch erschwert wird, daß bei ihren Partei- anhängern die über die Sozialdemokratie verbreitetm Lügen uur allzu leicht Anllang finden. Den Boden für die Aufnahmefähigkeit dieser Lügen haben wir selbst bereitet. Und zwar dadurch, daß wir uns allmählich daran gewöhnt haben. Phrasen. Schlag Worte zu prägen, die ebenso unsozialiftisch wie unmarxistisch sind. Die Wahl 1907 bedeutet ein Jena dieser Phrasen. Sie müssen hinaus aus unserer Parteiagitation. Sie können hinaus, denn sie nützen uns nicht einen Pfifferling, schaden unS aber außerordentlich." Eine Kritik dieser Weisheit lohnt sich nicht der Mühe; denn s» weit überhaupt von einer Niederlage der Partei bei den letzten Reichstagswahlen gesprochen werden kann, trägt die Schuld an dieser etwas ganz anderes, als die„negative Haltung" der Partei in den Budgctabstimmungen, die„m a ß l o s e n A n g r i f s e" auf die Liberalen, die„Phrasen" und„Schlagwörter", nämlich die übertriebene Rücksicht, mit der nach Dresden die Partei noch Leute vom Schlage des Herrn Bernhard inihrenReihengeduldethat— Leute, die, wie die obigen Zitate aus der„Welt am Mo n t a g" aufs neue beweisen, von den Lehren der Sozialdemokratie nicht das geringste verstehen und die sich der Partei nur angeschlossen haben, um die Arbeiter- masscn als Sockel für ihre eitle Persönlichkeit zu benutzen und e in'e politische Rolle spicken zu können. Diese Per- soncn nicht, ohne Rücksicht auf das Gezeter der Gegner, aus- geschlossen und dadurch diese der Freude beraubt zu haben. die mündlichen und schriftlichen Aeußerungen dieser Leute immer wieder gegen die Sozialdemokratie ausspielen zu können, darin liegt der schwer st e Fehler, den die Partei in den letzten Jahren begangen hat. Selbstverständlich begnügt sich ein Mensch von der Qualität eines Bernhard nicht mit der Mcssiasrolle. Er spielt zugleich den Verleumder, indem er behauptet, daß der„Vorwärts" Parteigenossen von der Mitarbeit ausgeschlossen und ferner den Bericht über die von Bernhard in Charlottenburg abgehaltene Versammlung nicht abgedruckt hätte, damit die Parteigenossen nicht erführen, daß er (Bernhard)„mit Beifall gegen den„Vorwärts" referiert" hätte. Beides ist erlvgen. Weder war in dem Bericht etwas davon er- wähnt, was Bernhard gegen den„Vorwärts" gesagt hatte, noch daß diese Ausführungen Beifall gefunden hätten. Den Beweis werden wir dadurch liefern, daß wir in nächster Sitzung den Originalbericht dem Parteivorstand und der Preßkommission vorlegen werden.~- Die gegenwärtige Reichstagsscssion wird, wie nach der„ K r e u z- Z e i t u n g" als ziemlich sicher an- genommen werden darf, nur von„sehr kurzer Dauer sein". Sie werde, wenn nicht schon vor Pfingsten, so doch bald nach dem Feste geschlossen werden. Die Bolksvertrewug werde damit rechnen müssen, daß ihr zur Bewältigung ihrer Aufgaben nicht mehr als etwa zehn Wochen zur Berfügung ständen, nämlich vier Wochen vor und sechs Wochen nach den Oster- respektive Pfingstferien. ES entspreche durchaus der Sachlage, wenn die Tagung eines Parlamentes, das unmittelbar nach einem schweren Wahlkampfe einberufen worden sei, nur eme mäßige AuS- dehnung zugesagt werde. An die Durchberawng der zahlreichen Initiativanträge, deren schon jetzt einige SO vorlägen, sei deshalb gar nicht zu denken. Die Antragsteller müssen sich auch von vornherein klar machen, daß die Zahl der SchwerinStage- an denen die Initiativanträge beraten werden könnten. nur eine kleine sein würde. Es sei auf kaum mehr als höchstens Vs Dutzend von SchwerinStagen zu rechnen. Man würde sich deshalb damit bescheiden müssen, daß außer den Etats- »orlaaen nur noch kleinere Gesetze einaebracht werden könnten, so daß die Beratung derjenkgen Entwürfe, die Bereits dem aufgelösten Reichstag vorgelegen hätten. Bis zur nächsten Herbsttagung verschoben werden. Die Regierung will also einstweilen nur den Etat unter Dach vnd Fach bringen. Die Anträge der Fraktionen werden auf den Herbst verschoben werden, ebenso d i e A n t r S g e, die bis dahin die Legierung einzubringen für opportun halten wird. Sozialdemokratie und Sozialpolitik. Von Bismarck stammt das Wort: Ohne Sozialdemo- kratie keine Sozialpolitik. Graf Posadowsky gab der Sozialdemokratie das Prädikat: Arbeiterpartei! Ein ministerielles Bekenntnis lautet: Alle Gesetze werden geprüft in ihrer Wirkung aus die Sozialdemo. kratie. Diese Zeugnisse haben nicht verhindert, daß unter Leitung des Reichsverbandes zur Verleumdung der Sozialdemo- kratie die ganze Ordnungspresse, einschließlich der offiziösen„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung", fortgesetzt die Lüge verbreitet, die Sozialdemokratie sei antisozial und arbeiterfeindlich. Ohne es zu wollen, führt nun die—„Arbeitgeber-Zeitung" den Schwindlern in die Parade. Sie bekämpft die Sozialpolitik als eine verderbliche Konzession an das wirtschaftliche Ideal der Sozial demokratie. Das Blatt läßt sich in seiner Nummer vom 24. Februar 1907 also vernehmen: »In seiner Antwort aas das Glückwunschschreiben des .Zentralverbandes deutscher Industrieller" hat Fürst Bülow ausdrücklich festgestellt, daß die Lasten der staatlichen Sozial reform in überwiegendem Maße von der deutschen Industrie getragen werden. Es ist wohl kaum anzunehmen, daß er und seine Mitarbeiter sich über die Folgen in Unklarheit befinden, welche die etwaige Ueberlastung der eigentlichen Träger der Sozialreform für die Gesamtheit der Nation nach sich ziehen müßte. Zum anderen aber würde es auch einen bösen Verstoß gegen die Logik bedeuten, wenn man regierungsseitig seine ganzen Hoffnungen auf die Mitwirksamkeit einer Politik setzen wollte, die zum letzten Ende dem wirtschaftlichen Ideal einer Partei nachzukommen sucht, welche man gerade im Hinblick auf ihre wirtschaftspoliti- scheu Bestrebungen bis aufs Messeu be- kämpft."-_. Die Fleischnot und das badische Ministerium. Die badischen Städte haben eine Eingabe an das Ministerium gerichtet, damit Maßregeln zur Linderung der Fleisch teuerung ergriffen werden. Das Ministerium hat nun auf die Eingabe folgendes geantwortet: Die Regierung hat den badischen Bevollmächtigten zum Bundesrat angewiesen, behufs Abhülfe gegen die «ingetretene Fleischteuerung für eine beschränkte Oeff- nung der Grenze und zwar insbesondere für die Zulassung lebenden Schlachtviehes aus Holland und Dänemark einzutreten. Für die gleiche Maßnahme auch Frankreich gegenüber konnten wir uns wegen der erheblichen Ausbreitung der Maul» und Klauenseuche in diesem Lande, die auch gegen- wartig noch andauert, und auf welche mit großer Wahrscheinliche keit auch der Ausbruch der Seuche im Oberelsaß und sodann im Großherzogtum zurückzuführen ist. nicht aussprechen. Im übrigen möchten wir auf die Erklärung des Reichskanzlers bei den Verhandlungen über die Interpellation über die Fleisch teuerung im Reichstage verweisen und beifügen, daß, nachdem die preußische Regierung als zuständige Behörde des an Holland und Dänemark angrenzenden Bundesstaates die Zulassung lebenden Schlachtviehes dieser Herkünfte wegen seuchenpolizeilicher Bedenken abgelehnt hat, wir zu unserem Bedauern nicht in der Lage sind, weitere Schritte in der gedachten Richtung zu übernehmen. Baden wäre also bereit gewesen, Vieh tmS Holland und Dänemark zuzulassen, aber Preußen wollte nicht und dem gegenüber kann Baden nichts machen. Und in Preußen triumphieren die Agrarier, die auf die Klagen über die Fleischteuernng hohnlachend mit einem Hinweis auf die hunderttausende Wähler antworten, die trotz der agrarischen Lebensinittelverteuerung dem nationalen Block Heeres- folge leisteten._ Forcierter Zeugniözwang. Aus Hallo a. S. wird uns vom 28. Februar geschrieben: In dem heutigen Termin im Preßprozeß gegen den Genossen Redakteur Thiele vom.Volksblatt" zu Halle sind vom Schöffengericht die Redakteure Genossen Molkenbuhr, Däumig und Fröhlich, der Berichterstatter Ebelin g und der frühere Metteur Kochanskh als Zeugen geladen. Wenn das so weiter geht, könnte man schließlich auch noch den Kehrjungen, die Austräger und die 27 000 Abonnenten des„Volksblatt" als Zeugen laden. Auch sie könnten ja wissen, wer den Artikel geschrieben hat, durch den sich Rechtsanwalt Suchsland beleidigt fühlt. Bekanntlich ist der Artikel nicht von Thiele, sondern von Molkenbuhr verantwortlich ge- zeichnet worden. Molkenbuhr übernahm auch die Verantwortung: er wurde ober wegen Zeugnisverweigerung bereits mit 75 und 150 M. Geldstrafe belegt. Rechtsanwalt Suchsland vermutet in Thiele den Verfasser dcS Artikels. Eine spätere Meldung sagt: Im Prozeß des Genossen Thiele wurde Genosse Däumig vom Schöffengericht nnt 100 Mark Geldstrafe belegt und in Zlvaugshaft genommen. Die Zeugniszwangfolter findet stets aufs neue Anwendung? Ob die.lonservativ-liberale" Paarung ihn endlich beseitigen wird? Warten wir's ab I—____ Eine neue Terrorismuslüge hat dab Regierungsblatt, die„N o r h d. A l l g. Z t g.Vbrüh- warm der„linksliberalen"„Chemnitzer Allge- meinen Z c i t u n g" entnommen. Ein grausiger Fall «sozialistischen Terrors" gegen„einen unorganisierten Werkmeister, der sich nicht zur Sozialdemokratie belehren lassen wollte", wird geschildert. Die gruseligsten Stellen lauten: „Am 7. d.' M., als der Werkmeister gegen 1�2 Uhr in den den Jabriksälen erschien, pfiff plötzlich einer der sozialistischen Führer. Sofort kamen 50—80 Mann an das Kabinett des Werk- meisters, der völlig umzingelt wurde. Alsbald flogen Gußstücke gegen das Kabinett.„Schlagt ihn tot, den Lump" und ähnliche Worte fielen in Menge. Einer der Hauptbeteiligten drang dann in das Kabinett ein und drohte dem Werk- meister mit Totschlagen.... Am 8. Februar soll dann ein erneuter Angriff erfolgt lein. Darüber heißt es unter anderem: „Die ganze Menge der Angreifer drängte nun ihr Opfer gegen einen mit Eisenteilen beladenen Wagen, der im Hofe stand. Wiederum fielen Faustschläge ohne Zahl. Dabei ließen cS jedoch die Unmenschen nicht bewenden. Sie begannen Gußstücke gegen ihn zu schleudern. Eisen st ücke im Gewichte biszu40Kilogramm. denen der Bedrängte.nur mit Mühe entging.. sderrohenGesellensuchtenihndurch das Fenster des Magazins zu stoßen.... Am Kops und an der Seite wurde der Mißhandelte schwer ver- letzt, und daß die geschleuderten 15 bis 25 Pfund schweren Eisenstücke das Opfer der Terroristen nicht zeitlebens zum Krüppel machten, ist jedenfalls den Unholden nicht zu danken." So der sensationelle Bericht. Wie verhält sich die Sache in Wirklichkeit? Unserem Chemnitzer Parteiblatt, der »Volks stimme", wurde am Sonnabend von MLänKiger Stelle über den betreffenden Fall geschrieben.' ..... Der fragliche Artikel strotzt so sehr von Uebertceibungen und Entstellungen, daß man sich nur wundern mutz, wie ein Blatt seinen Lesern derartige Schauergeschichten auftischen kann. Denn schon die Stelle, daß dem Werkmeister Eisenstückc bis zu 40 Kilo Schwere nachgeworfen worden seien, gehört in den Bereich der Lächerlichkeit. Jeder denkende Mensch weiß, daß das ein Ding der Unmöglichkeit ist. Auch ist es unwahr, daß von den organi- sierten Arbeitern oder„Genossen", wie es in dem Artikel heißt, versucht worden sei, den Werkmeister Müller für sich zu gewinnen. Dieser war vielmehr den Arbeitern schon aus seinen früheren Stellungen her genügend bekannt-, so daß die Arbeiter von vorn- herein nicht viel Angenehmes von ihm erwarteten. Er hat denn auch in der Tat die Arbeiter nicht behandelt, wie sichs gehört und ihnen in verschiedenen Fällen Abzüge gemacht, nur um dadurch seine eigene Position zu befestigen. Lohnreduzierungen bis zu 75 Proz. wurden durch ihn vorgenommen. Auch als Bauunternehmer ist dieser Meister Müller schon einige Jahre tätig gewesen und hat vor einiger Zeit Beweise seiner Schlagfertigkeit dadurch geliefert, daß er in einem Restaurant einen Arbeiter derart mit einem Spazierstocke bearbeitete, daß dieser einige Tage trank war. Der Täter wurde vom hiesigen Schöffengericht zu 75 M. Geldstrafe verurteilt.... Der Anlaß, daß einige Arbeiter sich doch einmal nicht mehr beherrschen konnten und sich zu Tätlichkeiten hinreißen ließen, wurde dadurch gegeben, daß der Meister Müller einen Bohrer matzregelte.... Zu begreifen, wenn auch nicht zu entschuldigen, ist es daher, daß sich einige Arbeiter zu Tätlichkeiten hinreißen ließen, die dann auch entlassen wurden. In einer kurz nach diesem Vorfall ab- gehaltenen Betriebsversammlung wurde die Handlungsweise dieser Arbeiter von dem anloesenden Organisationsleiter scharf verurteilt.... Schließlich sei noch mitgeteilt, daß die wegen des Vorfalles in der Maschinenfabrik Kappel entlassenen 4 Arbeiter weder für die Gewerkschaften noch für die sozialdemokratische Partei irgendwie tätig waren. Die Behauptung der„Allgemeinen Zeitung", daß es bekannte„Vorkämpfer" für die Sozialdemokratie seien, ist also völlig unwahr." Aus dieser Feststellung geht zur Genüge hervor, welche infame Lüge es ist. in diesem Falle von sozialdemokratischem Terrorismus zu reden. Aber das geniert natürlich die„vor- nehme"„Nordd. Allg. Ztg.", das Blatt des Kanzlers, nicht. Oder wird sie so ehrlich sein, die Darstellung der „Volksstimme" nun auch ihren Lesern zu unterbreiten?— Die Entgegnung des Genossen Peus im Anhaltischen L a n d t a g e auf die(von der„Nordd. Allg. Ztg." wieder- gegebene) M o r d g c s ch i ch t o, die der Staatsminister Dallwitz dort vortrug, hat das vornehme Kanzlerblatt, das ich bei jeder Gelegenheit über den schlechten Ton der Sozial- demokratie entrüstet, natürlich nicht gebracht, obgleich es diese Entgegnung aus der Sonntagsnummer des„Vorwärts" hätte entnehmen können. Ebensowenig hat es die„Vossische Zeitung" getan, die am Freitag„bedauerte", daß ihr nicht mitgeteilt sei. was Peus „auf diese furchtbare Anklage" erwidert habe. Verleumde die Sozialdemokratie frech, berichtige niemals! Nach dieser Maxime des Reichs- Verleumderverbandes wird jetzt die bürgerliche Presse redigiert, voran die„vornehme"„Vossin" und die noch„vornehmere" „Nordd. Allg. Ztg."._ Bülow und die reichslöndischc Verfassung. Der elsaß- lothringische Landesausschuß ist primär gesetzgebender Faktor neben Kaiser und Bundesrat, silbsidiär ist auch der Reichstag ein Faktor in der Gesetzgebung des Landes. Beschlüsse des Landes- ausschusses müssen zur definitiven Beschlußfassung dem Bundesrat überwiesen werden. Dies ist bei einem vorjährigen Beschluß des LandesallsschusseS. den Reichseisenbahnfiskus in Elsaß-Lothringen zu»- Gewerbesteuer heranzuziehen, nicht geschehen. Der Beschluß wurde vom Reichskanzler w selbstherrlicher Art mit eine«' Kritik >er elsaß-lothringischen Regierung zurückgesandt. Um diesem ver assungswidrigen Gebahren einen Riegel vorzuschieben, ist dem Landesausschuß von der liberalen Fraktion folgender Antrag zu- gegangen: Der Landesausschuß wolle beschließen: die R e g» e r u n g zu ersuchen; dafür zu sorgen, daß die vom Landesausschuß be- schlossenen Gesetzentwürfe dem Bundesrat zur verfassungs- mäßigen Beschlußfassung vorgelegt werden. Das Zentrum empfiehlt sich. „ Die Stunde des Zentrum? wird schon wieder kommen"— schrieb die„Kölnische Volkszeitung" am Freitag und am Tage darauf erklärte das Blatt genauer, wie eS sich ms Verfahren denkt, das zu einer Wiederannäherung an die Regierung uhren soll. Lange Zeit, so heißt eS, könne die„nationale Herrlich- keit" nicht dauern: „Wenn zu Weihnachten dieses JahreS die neue Flotten- Vorlage kommt, wird man schon bedenklicher werden, ganz sicher aber wird der Freisinn sich zu drücken suchen, wenn es dann die Deckung der bewilligten Ausgaben durch neue Steuern gilt. ES wird sich hart machen, daß die Parteien des RegierungSblockeS sich auf ein neues Steuer- Programm einigen, weil die Freisinnigen in erster Linie die Abschaffung der Branntweinliebesgabe erstreben, während die Konservativen verlangen, daß die Börse noch mehr bluten soll. Unter Umständen kann die Blockherrlichkeit ja auch schon viel früher zu Ende g«hcn. aber keinesfalls dauert sie länger, als bis zu dem nächsten größeren Steuergesetz. Dann wird Fürst Bülow— falls er inzwischen nicht vom Lucanus heimgesucht ist — sich anders orientieren müssen." Wir zweifeln auch nicht daran, daß Regierung und Zentrum sich schon bald wiederfinden werden, es müßte denn der Freisinn die Neigung haben, zur Erhaltung der konservativ-liberalen Majorität der Regierung in Flotten- und Steuerftagen ebenso zu Willen zu sein, wie eS das Zentrum war und wie es gern wieder sein möchte.—_ Auch eine Gründung. Die Erfolge deS Kolonialgründers Dernburg lassen die noch unentdeckten Gründergenies nicht mehr schlafen. So hat sich, wie wir der„Berliner Voltszeitung" entnehmen, eine anonyme Vereinigung deutscher Sozialisten gebildet, die den Sozialismus aus den Fesseln der Sozialdemokraten befreien und an Stelle des unduld- samen Klassenkampfes mit seinem„Herauspressen von Partei- beitragen" und seiner Terroristerung der Massen einen geläuterten Sozialismus schaffen will. Diese Gründung geht wunderbarerweise von Lübeck au«. Ihre Initiatoren sind selbstverständlich den Lübecker Genossen genau so unbekannt, wie den Genossen irgend eines anderen deutschen OrteS. ES handelt sich nur um den beispiellos blöden Versuch, in der momentanen Situation im Trüben zu fischen. Daß irgend ein bisher in der Parteibewegung tätiger Genosse hinter diesen anonymen Hanswursten steht, ist vollständig a u S- geschlossen. Die„Lolkszeitung" hätte wirklich nicht nötig gehabt, nachdem sie den Prospekt dieser Gründung in einem Seit- artikel ausführlich wiedergegeben, noch scheinheilig hinzuzufügen, daß die Gründung der„Anonymität der Gründer wegen lein Vertrauen" finden würde.— Ein Polenprozetz. Posen. 24. Februar. Die Zustände, die in der„Deutschen Ostmark" der preußisch. hakatistischc Religionskrieg gegen polnische Schulkinder geschaffen hat, werden grell durch einen Prozeß beleuchtet, der am Freitag ppr dem Landgericht in Posen verhandelt wurde, und in dem, wie immer, der Redakteur einer Zeitung der Angeklagte war. In der Nummer 36 des„Kurher Poznanski" vom 31. Oktober v. I. war ein Artikel enthalten, in dem verschiedene Vorkommnisse bei einer Revision der Volksschule in Labischin geschildert wurden. Nach dieser Schilderung hat dort am 19. Oktober v. I. der Krcisschulinspektor Kempff bei einer Revision einen Lehrer in sein Amt eingeführt. Bei seinem Eintritt in die Oberklasse der Schule grüßten die Kinder nicht, wie früher, deutsch, sondern in polnischer Sprache. Der Kreis- schulinspektor habe hierauf sechs der widerspenstigen Knaben über die Bank ziehen und sie mit je fünf Schlägen bestrafen lassen. Dabei habe er zu dem Hauptlehrer geäußert:„So etwas dürfenSie sichgarnichtbicten lassen. Jeder, d«er Ihnen die Antwort verweigert, erhält fünf Streiche." In einer anderen Klasse derselben Schule soll der Kreisschulinspektor den Lehrer ermahnt haben, die Kinder zu erziehen„inderZucht und ErmahnungzumHerrn". Bei dieser Gelegenheit habe dann der Kreisschulinspektor die Aeußerung getan:„Hauen Sie die Kinder, bis das Blut spritz t!" Infolge dieser Reden und der Züchtigungen hatte sich eine große Menschenmenge vor der Schule angesammelt, die eine immer drohendere Haltung annahm. so daß der Kreisschulinspektor sich genötigt sah, zu seinem per» sönlichen Schutze zwei Gendarmen heranholen zu l a s s e n, in deren Begleitung er das Schulgebäude verließ und sich nach dem Bahnhos begab. Durch diesen Artikel hatte sich der Kreisschulinspektor Kempff beleidigt gefühlt und gegen den verantwortlichen Redakteur genannter Zeitung, Kasimir Ziolkowski, Strafantrag gestellt. In der Ver- Handlung am Freitag, zu der außer drei Lehrern der betreffenden Schule und den beiden Gendarmen auch eine größere Anzahl Schul- linder in Begleitung ihrer Eltern erschienen waren, erbot sich der Angeklagte, den Wahrheitsbeweis für seine Behauptungen anzutreten. Der Kreisschulinspektor Kempfs, der als erster Zeuge vernommen wurde, bekundete u. a.: Als er in das Schulzimmer trat, fei es ihm aufgefallen, daß die Kinder in ostentativer Weise statt des deutschen Grußes ein unverständliches Murmeln hören ließen. Er habe darauf einige Prüfungen in dem Unterrichtsgegen- stand, der gerade anstand, vorgenommen; als ihm einige Knaben die Antwort verweigerten, habeersiemitjefünfSchlägen bestrafen lassen. Diese Strafe sei an etwa sechs Knaben vollstreckt worden. Er habe allerdings dem Hauptlehrer gesagt:„So etwas dürfen Sie sich nicht gefallen lässen"; daß er aber die Aeußerung getan haben könne:„Hauen Sie die Kinder, bis das Blut spritzt!" sei ganz unmöglich; das Wort „hauen" sei ihm gar nicht geläufig. Auch die drei als Zeugen ver- nommenen Lehrer sagten aus. daß sie diese Aeußerung nicht gehört hätten. Dagegen bekundeten die geladenen Schulkinder,.etwa 12 an der Zahl, das genaue Gegenteil. Die Kinder, Knaben wie Mädchen, die sich sämklich in dem Alter von 13 bis 14 Jahren befinden, sagen übereinstimmend aus,' daß sie von der ersten Klasse nach der dritten gewiesen wurden, wo sie bei der Einführung des neuen Lehrers singen mußten. Hier hätten sie genau gehört, wie bei der Ansprache, die der Kreisschulinspektor an die Lehrer hielt, die Worte gefallen seien:„Hauen Sie die Kinder, bis das Blut spritzt!" Die Kinder blieben auch bei ihrer Aussage, nachdem sie wiederholt vom Vor- sitzenden ermahnt wurden, nur die vylle Wahrheit, sonst lieber nichts auszusagen, und trotzdem sie den Lehrern gegenübergestellt wurden. Der Zeuge Urbanowski sagt aus, daß bereits eines seiner inder durch Mißhandlungen in der Schule zum rüppel geschlagen worden sei. Er habe sich deshalb, als er von den neuen Züchtigungen in der Schule hörte, nach dem Schulhause begeben und den Lehrer zur Rede stellen wollen, doch habe er hier weder den Lehrer noch den Hauptlehrer sprechen können. Auch der Zeuge Dukiewicz sagt in ähnlicher Weise aus.— Der Verteidiger, Reichstagsabgeordneter v. Chrzanowski, be- antragt hierauf, sämtliche Schulkinder der 1. und 3. Klasse der Schule in Labischin zu vernehmen; der Staatsanwalt schließt sich dem Antrage an, will aber noch die beiden Lehrer Müller und Rümmler, die bei der Einführung zugegen waren, als Zeugen geladen wissen. Beide Anträge werden jedoch vom Verteidiger sowohl wie vom Staatsanwalt zurückgezogen.— In seinem Plaidoyer sagt der Staatsanwalt, daß seiner Ansicht nach die Kinder von irgend einer Seite beeinflußt sein müßten. Es sei auch nicht anzunehmen, daß der Kreisschulinspektor die angeführte Aeußerung getan haben könne. Dochgebeerzu.daßsichdie Beweisaufnahme durch die Aussage der Schul- kinder zugunsten des Angeklagten gestaltet habe. Er beantragte eine Geldstrafe von 50 M.— Der Verteidiger führte aus: die Beweisaufnahme hat zweifellos die Richtigkeit der be- haupteten Tatsachen ergeben. Die Bestimmtheit, mit der sämtliche Kinder ihre Aussagen trotz der eindringlichsten Ermahnungen gemacht hätten, beweise, daß die erwähnte Aeußerung des Kreis- schulinspektors gefallen sei. Außerdem sei den Kindern ein größerer Glaube zuzumessen, da es ihnen gleich sei, wie der Prozeß ausgehe, während doch der Kreisschulinspektor Kempff an der Sache interessiert sei. da er, wenn ihm nachgewiesen würde, daß er zur Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes und somit zu einer ungesetz- lichen Handlung aufgefordert habe, sich strafbar machen würde.— DaS Gericht hielt dagegen den Wahrheitsbeweis für völlig mißlungen und erkannte auf die beantragte Geld st rase von 50 Mark; außerdem wurde dem Kreisschulinspektor die Publikationsbefugnis des Urteils im„Kurher PoznanKki" sowie in den drei deutschen Zeitungen Posens zugesprochen.— GemrKfcKaftttcKey. verlin und Umgegend* Eine schändliche Verdächtigung des Holzarbeiter-BerbandeS leistet sich„Die Fachzeitung der Tischlermeister und Holz» industriellen", Zentralblatt des Arbcitgeber-Schutzverbandes für das deutsche Holzgewerbe. Unter der Ueberschrift„Rache" schreibt das genannte Blatt in seiner Nummer vom 24. Februar: Bei einer hiesigen Firma lief ein Berliner Stadtpostbries ein. der„An die Tischler" der betreffenden Firma adressiert war. Der Betriebsinhaber gab den Brief selbstverständlich an die wenigen(Nichtorganisierten) Arbeiter ab. die in seiner Werk- statt arbeiten. VSn diesen wurde ihm das Schriftstück zugäng-' lich gemacht. Es hat(mit Ausmerzung einiger orthographischer Unebenheiten) folgenden Wortlaut:' Berlin. Kollegen! Durch die Aussperrung suchen uns die Arbeitgeber materiell zu schädigen. Daß wir uns mit der Zeit dafür rächen müssen, ist selbstverständlich, denn in jedem einzelnen wurzelt sich Rache. Wir müssen Böses mit Bösem ver» gleichen. Daher hat jeder die Pflicht, der bei einem Meister arbeitet, der ausgesperrt hat und später dort anfängt, ihn dort zu schädigen, wo es irgend geht. Zum Beispiel die Arbeit so teuer machen, wie nur möglich, das Material schädigen so viel wie möglich, ein größeres Quantum Leim. eine Handvoll Salz oder Faßseife ist besonders gut. da dann der Leim wie die Arbeit verdorben ist. Jeder Kollege hat es so zu machen, daß ein zweiter eS nicht sieht, auch darf darüber nicht debattiert werben. Bei einem Meister, der nicht ausgesperrt hat. darf eS auf keinen Fall gemachk werden. Diese Aufforderung wird monatlich in jeder Werkstatt gedruckt wiederholt. Diese Aufforderung muß von Hand zu Hand gehen, ohne ein Wort darüber zu sprechen. Also so soll eS gemacht werden. Ist diese Ausgeburt einer unendlich niedrigen Gesinnung das Vorhaben eines einzelnen? Kann und will sich der Holzarheiter-Verband darauf berufen? Wir sind gespannt darauf. Der Schlußpassus, die ganze Form der Anordnung, die Versicherung, daß diese Aufforderung zur Niederträchtigkeit monatlich gedruckt in jeder Werkstatt, wo aus. gesperrt war, wiederholt werden soll, lassen neuerdings leider auf etwas ganz anderes schließen. Danach zu urteilen, scheint eS sich tatsächlich um eine generelle Verfügung von irgend einer Zentralstelle, welche diesen„Rachefeldzug" schon jetzt organisiert, zu handeln. Diese gemeine Verdächtigung des Holzarbeiter-Verbandes, welche die„Fachzeitung" verbreitet, ist genau nach derselben der- werflichen Methode angefertigt, mit welcher der Rcichsverband zur Verleumdung der Sozialdemokratie arbeitet.—„Bei einer hiesigen Firma lief ein Stadtpostbrief ein" usw. Wer nun feststellen will, ob der angebliche Stadtpostbrief wirklich bei einer hiesigen Firma eingelaufen und nicht in der Redaktionsstube der„Fachzeitung" fabriziert ist, der kann bei den mehr als 700 hiesigen Firmen, die ausgesperrt haben, nachfragen. Darüber dürften einige Wochen vergehen. Inzwischen läuft das verleumderische Machwerk durch Hunderte arbeiterfeindlicher Blätter, Tausende. Zehntausende von Lesern entrüsten sich über die bodenlose Verworfenheit der Leiter des Holzarbeiterverbandes und der Verleumder hat seine Absicht erreicht.— Warum nennt denn die„Fachzeitung" die Firma nicht, bei welcher der Brief eingelaufen sein soll. Führt sie doch un- mittelbar hinter dem bezeichneten Machwerk einen sogenannten Drohbrief— der übrigens nur alberne Schimpfereien enthält— mit genauer Angabe der Adresse an und ohne die„orthographischen Unebenheiten", von denen dieser dumme Quatsch wimmelt, auS- zumerzen.— Aber nehmen wir einmal an, der Rachebrief wäre wirklich bei einer hiesigen Firma eingelaufen, so liegt mehr als alles andere doch die Wahrscheinlichkeit nahe, daß ihn jemand ver- fertigt und abgeschickt hat, der den Unternehmerorganen Stoff zur Verleumdung der Arbeiterorganisation liefern will. Durch diesen Brief soll nicht den Unternehmern, sondern dem Holzarbeiter- Verbände„der Leim versalzen und die Arbeit verdorben" werden. Die ausgesperrten Holzarbeiter haben für die Verbindung mit ihren Kollegen andere Wege, als die Ucbersendung eines Briefes mit der Adresse„An die Tischler" der Firma so und so. Man sieht auch an diesem Falle, daß gewissen Feinden der Arbeiterbewegung kein Mittel zu dumm und zu schlecht ist. wenn es nur geeignet scheint, die Organisationen der Arbeiter zu vcr- dächtigen und zu verleumden. Wenn man die vorsichtig gewundenen Bemerkungen, welche die..Fachzeitung" an den angeblichen Rache- brief knüpft, in klares Deutsch überträgt, dann sagen sie nichts anderes als: Hinter diesem teuflischen Plan steckt die Leitung des Holzarbeiter-Verbandes. Verantwortlich für die„Fachzeitung" zeichnet ihr Chef- redakteur Dr. Ludwig Müffelmann. Wir wissen nicht, ob der Dr. Ludwig Müffelmann selber nach der Methode des Reichs- Verbandes zur Verleumdung der Sozialdemokratie arbeitet, oder ob ihm ein Söldling des Lügenverbandes Helferdienste leistet. Wie dem auch sei, der Dr. Ludwig Müffelmann ist für den Inhalt der .Fachzeitung" zwar pressgesetzlich verantwortlich. Moralisch vcr- antwortlich sind jedoch die Herren, welche an der Spitze der zahl- reichen Arbeitgeber-Vereinigungen stehen, deren Organ die„Fach- zeitung" ist. In erster Linie gilt das für die Herren C. R a h a r d t. Louis Brh. Chr. Witsch, A. Plothen, A. Pohl, welche als Mitredakteure der„Fachzeitung" angegeben sind. Diese Herren kennen die Leiter des Holzarbeiterverbandcs seit Jahren per- sönlich; sie wissen, dass der Holzarbeitcr-Verband einer so niederträchtigen Handlungsweise, wie sie ihm in der„Fachzeitung" nachgesagt wird, nicht fähig ist. Wir haben die genannten Herren trotz der sachlichen Gegensätze, die uns von ihnen trennen, für persönlich ehrenhaft gehalten. Wir würden gezwungen sein, diese Meinung zu ändern, tvenn die Herren jene niedrige Verdächtigung, die unter der Verantwortlichkeit' des Dr. Ludwig Müffelmann verübt worden ist, mit ihren Namen decken wollen. Zur Tarifbewegung der Herrenmaßschneider. Annähernd 4000 Herrcnmahschneider füllten am Sonntag den Riesensaal des Feenpalastes mit seinen umfangreichen Galerien. Ueber die Situation in der Herrenmatzbranche sprach Adolf Ritter. Unter Verwertung amtlichen Materials legte er dar. dass seit 1000, wo die Herrenmatzschneider das letzte Mal eine, übrigens auch nur beschränkte Regelung ihrer Lohn- und Arbeits- bedingungen erzielten, eine solche Steigerung der Lebensmittel- preise und Wohnungsmieten erfolgt sei, dass schon dadurch die jetzige Tarifbcwegung gerechtfertigt werde.— Es komme jetzt nicht darauf an, allein mit den 153 Mitgliedern der Arbeitgeberorga- nisation einen annehmbaren Tarif abzuschlietzen, sondern auch mit den anderen Unternehmern der Herrcnmatzbranche. Man werde dementsprechend, wie die nächsten Tage oder Wochen ergeben würden, verschieden operieren müssen.— Wenn bei dem jetzigen Versuch der Durchführung eines einheitlichen Tarifs dieser oder jener einzelne Kollege nicht so auf seine Kosten komme, wie er geglaubt habe, so müsse er sich damit abfinden, indem er das Prinzip höher stelle, als sein Einzclintcresse. Redner ging auf den Tarifentwurf näher ein und benutzte bei dem Punkt:„Ausschluss der Kündigungfrist" die Gelegenheit, die Versammelten davor zu w a r n e n. sich zur Zeit von ihren Arbeitgebern auf eine 14 tägige Kündigungsfrist oder gar auf einen(immer bedenklichen) längeren Vertrag verpflichten zu lassen. Das könnte sehr unangenehme zivil- rechtliche Folgen für sie haben, namentlich für die, welche im eignen Heim mit Hülfe arbeiteten. Die Frage des Werkver- trags(nicht bloss des einfachen Arbeitsvertrags) spiele hier mit. An wen solche Zumutungen heranträten, der sollte sich nicht bc- gnügen mit der„Rechtsauskunft" irgend eines guten Bekannten, sondern er möge sich Belehrung holen im Arbeitersekrctariat im Gcwerkschaftshaus, Engelufer 15, oder im Bureau Michaelkirch- platz 1.— Es habe nun jetzt den Anschein, als wäre es möglich, dass nächsten Sonntag den Saal des Palasttheaters nicht die a r- bettende Kollegenschaft der Herrenmassbranche füllen solle, sondern eine Versammlung der Ausgesperrten. Dem Schneiderverband sei die Antwort des„Verbandes der Berliner Gewerbetreibenden der Herrenmassschneiderei" zugegangen, worin gemäss den Beschlüssen dieses Verbandes vom Mittwoch mitgeteilt werde, dass für seine Mitglieder der übersandte Tarif u n a n- nehm bar sei. Es heisse dann weiter in dem Schreiben:„Wir sind bereit, in unser Tarifwesen Ordnung zu bringen, und be- dauern, dass Sie nicht schon im November vorigen Jahres an uns herangetreten sind(Unruhe, Lachen); wir wären dann schon früher mit der Regelung fertig gewesen. Wir erklären uns bereit, diese Arbeit im Hochsommer dieses Jahres vorzunehmen(allgemeines Hohngelächter), und ersuchen wir Sie. die Mitglieder Ihrer Orga- nisation zu verpflichten, bis zum Hochsommer zum alten Tarif weiter zu arbeiten.(Allgemeine Heiterkeit.) Bis zum 26. Februar sehen wir einer Antwort entgegen und wir erklären schon jetzt, dass wir, wenn sie nicht zustimmend ausfällt» oder ganz ausbleibt, wir unsere Betriebe an diesem Tage schliessen werden." Man müsse doch, führte Ritter hierzu aus, die Schneider für sehr naiv halten, wenn man annähme, sie würden im November oder im Hochsommer in Tarifverhandlungen eintreten. Er habe aber auch nicht den ge- ringsten Zweifel, dass es sich dabei tatsächlich nur um eine Ausflucht handele. Man könne ruhig sagen, dass die Ursache dieselbe Kampfes- freudigkeit sei, die man in den letzten Wochen bei den Berliner Arbeitgeberkreisen der verschiedensten Berufe sehe: die Gewerk- schaften will man niederreiten, wie der neueste Ausdruck laute. Uebrigens seien ja die Schneider nicht allein der empfangende Teil bei Bildung einer Tarifgemeinschaft. Wenn diese den Unter- nehmern am Herzen liege, so hätten ja sie im November an den Schneiderverband herantreten können. Dass sie nun herkämen und sich in die Toga der Unschuld hüllten, sei angesichts des gegen- wältigen Moments schon mehr als eine edle Dreistigkeit zu be- trachten. Er meine, dass man darüber zur Tagesordnung übergehe und die Dinge ihren Gang gehen lasse.(Vielfaches Bravo I und Sehr richtig!) Komme der Moment, dann werde auch der letzte bisher unorganisierte Kollege wissen, wo er hingehöre. Mit Seelenruhe könne man dem Kampf entgegensehen. Damit wolle er nicht sagen, dass man den Kampf heraufbeschwören wolle. Es werde dem Arbeitgcberverband eine Antwort zuteil werden, die es ihm möglich mache, mit den Schneidern zu verhandeln. In- ' Stuotw. Redakteur: fiand Weber. Bertis. Inseratenteil cenofeT dessen heisse es für die Kollegenschaft in den nächsten Tagen: Augen offen und die Ruhe bewahrt! Niemand lasse sich festlegen oder darauf ein, vorgezogen zu werden, in der Bude zu bleiben, wenn der Kollege die Entlassung erhalte. Seien wir in den nächsten Tagen und Wochen ein einig Volk von Brüdern, die mutig dem Kampf entgegensehen!(Stürmischer langanhaltender Beifall.) Zur Diskussion meldete sich niemand. Nach Entgegennahme einiger Ver- Haltungsmassregeln ging die imposante Versammlung ausein- ander.—_ Die ausgesperrten Automohilführer erklärten sich in einer Versammlung� am Montagnachmittag in den„Arminhallcn" mit dem: Vertrage, den ihre Kommission bei Lennert und Barkowsky abgeschlossen hatte, einverstanden. Eine kleine Minorität, die gegen alle Zugeständnisse war, stimmte dagegen. F. Rettig verlas und erläuterte den neuen Vertrag, wobei er bemerkte, dass der Aus- hang vom 1. Januar auch bereits von feiten der Unterrehmer Aenderungen erfahren habe. Ueber folgende wchentliche Äende- rungen wurde nach hartnäckigem Streit, wie Rcttig berichtet, eine Einigung erzielt: Im Z 2 fällt das Wort„uickedingt" in dem Absatz, der davon handelt, dass der Fahrer den ihm gegebenen An- Weisungen Folge zu leisten habe. Die Fahrer Ivollen sich den Kasernenton nicht gefallen lassen und wollen vermeiden, dass daraus Missverständnisse abgeleitet werden können. Der K 5 ist n i ch t nach den Wünschen der Fahrer ausgefallen, die bei einer Tageseinnahme unter 10 M. das Wagemoaschen nicht bezahlen wollten. Es bleibt'beim alten. Die Fahrer bezahlen das Waschgeld. Der§ 7 fällt, soweit die Kaution in Betracht kommt, aber der Fahrer soll für den gemachten Schaden ersatzpflichtig fein. Dagegen erhob sich in der Versammlung viel Opposition. Man machte geltend, dass die Unternehmer verpflichtet seien, sicher der- schlietzbare Schränke und Kästen anzuschaffen, wenn sie den Fahrer für jeden Verlust haftbar machen wollen. Becker beschwichtigte die Bedenken aus alter Erfahrung im Droschkenführerverein und erklärte, dass die Schuld der Fahrer jedesmal erwiesen 'werden mutz, ehe man sie haftbar machen kann. Der 8 8'bestimmt den Lohn. Der Fahrer erhält 20 Prgz. von der Bruttoeinnahme und 1,50 Mark Schichtgeld. Vom Arbeitsnachweis ist keine Rede, da dieser für die kleineren Besitzer nicht von Belang, dagegen von Wichtigkeit für die Grossen ist. Mit Befriedigung wurde konstatiert, dass sich bereits eine ganze Reihe von Firmen beim Verband gemeldet hat und Frieden machen will. Nur die grossen Gesellschaften verlassen sich noch aus ihre Kapitalmacht und sonderbarerweise auch auf die Fahrschule. In bezug auf die Fahrschule wurde erzählt, dass der Polizeihauptmann Bogel von der Verkehrspolizei dieser Schule neulich einen Besuch abgestattet und erklärt habe, die Unternehmer würden am klügsten handeln, wenn sie ihre alten, geübten Fahrer schleunigst wieder anstellen. EiiTFahrer Lesko stellte sich der Versammlung vor und erklärte, er habe einmal StreWruch verübt und möchte sich wieder aufnehmen lassen. Die Versammelten liessen aber keinen Zweifel darüber, dass sie einen Streilbrochcr nicht in ihren Reihen wünschen und verwiesen ihn auf den Instanzenweg. Zum Montag abend hatten die Unternehmer eine„eilig" ein- berufene Versammlung im Hotel„Alexandria" einberufen und versuchten, die wankenden Reihen zusammenzuhalten, aber sie hatten zu oft schon versichert, dass die Sache„in den nächsten Tagen" zu ihren Gunsten enden würde; sie finden immer weniger Gläubige in dest eigenen Reihen� Die„Arbeitgeber-Zeitung" zieht aus einer ganz richtigen Be- obachtung falsche Schlüsse. Sie behauptet, dass die Ausbildung neuer Fahrer Fortschritte mache und immer wieder neue Fahrzeuge zu den von den Unternehmern rednzirtcn Löhnen in Betrieb gestellt würden. Wörtlich sagt das Scharfmacherorgan: „Wenn dieses auch von feiten der Organisation der Aus- gesperrten bestritten wird, so genügt ein Blick aus das Nachtleben auf dem Potsdamerplatz oder in der Friedricksitrasse, um darzutun, dass die Zahl der wieder unterwegs befindlichen Kraftdroschken gegen den vorigen Monat ganz erheblich gestiegen i st und täglich oder vielmehr nächtlich wächst." Die Beobachtung, dass die Zahl der Kraftdroschken täglich steigt, ist richtig. Täglich einigen sich nämlich mehik Unternehmer mit ihren alten Fahrern, die dann von der Organisation eine A rbe itsberechtigungska rte als Ausweis für das Publikum erhalten, dem natürlich im allgemeinen die eigenen Knochen zu lieb sind, um sie schnell angelernten Arbeitswilligen anzuvertrauen. Dass es sich bei den fahrenden Droschkenführern nicht um solche handelt, mag der Beobachter der„Arbeitgeber- Zeitung" aus der Tatsache ersehen, dass man die so charakteristisch klingende Huppe der grösstcn Scharfmacherfirma— der Bedag- Gestllschaft— im Berliner Strasscnleben nicht mehr hört, weil ihr Direktor mit seinem Wagen natürlich auch nur an einer Stelle sein kann, und dass die Maximdroschken mit einem Schlage von der Bildfläche verschwanden, als auch diese Firma bei ihre» Fahrern zur Lohnreduktion überging.__ Die Tarifbewegung der Tapezierer. Die Mitgliederversamnilung der Filiale Berlin des Tapezierer- Verbandes am Sonntag in den.Sophiensälen" hat sich m,t dem Vorgehen einverstanden erklärt, das bereits am Freitagabend die Zustimmung der Vertrauensmänner gefunden hatte. Der grosse Saal samt den Galerien waren gedrängt voll. Das Referat hielt der Filialvorsitzende O t t o W e l s. Am Sonnabendabend hatte in den „Arminhallen" eine öffentliche Tageziererversammlung stattgefunden. die von den lokalorganifierten Tapezierern einberufen war. Sie hatte sich dafür erklärt, den Aussperrungsbeschkuh mit einen, General- streik zu beantworten. Wels führte aus, dass die Anwendung dieses Kampstnittels bei der jetzt herrschenden Siwatton nicht zu empfehlen sei. Die Arbeitsgelegenheit im Beruf lässt vorläufig noch viel zu wünschen übrig.Die Polsterbranche hatunter der Holzarbeiteraussperrung zu leiden. und die Klebebranche unter den Bausperren der Einsetzer wie in- folge des strengen Winters. Dabei ist zu bedenken, dass ungefähr 1400 Arbeitgeber und 400 Lehrlinge im Berufe vorhanden sind, die während eines Generalstreiks einen Teil der Arbeit bewältigen können. Aus diesen und anderen Gründen empfahl der Redner die von den Vertrauensmännern gutgeheihene Taktik. Die ur- sprünglich aufgestellten Forderungen sollten als VerhandlungS- grundlage dienen, wie das auch noch in der vorigen Mitglieder- Versammlung hervorgehoben wurde. Nachdem nun aber die Innung es brüsk ablehnte, weiter zu verhandeln, werden den Arbeitgebern die im.Vorwärts' vom Sonntag bereits mitgeteilten Minimal- forderungen vorgelegt.— An das Referat schloss sich eine lebhafte Debatte. Ein Redner sprach sich iu längeren Ausführungen für den Generalstreik und die Aufrechterhaltung der alten Forderunge» auS, hatte damit jedoch keinen Erfolg. Mit allen gegen einige wenige Stimmen beschloh die Bersaminlung in, Sinne des Referats. Am Ausgang des Saales wurden die gedruckten Vertragsformulare verteilt, die den einzelnen Arbeitgebern am Dienstag vorgelegt werden sollen.- Achtung, Tapezierer! Die Markiewiczsche Polstereigenoffenschaft sucht durch Inserate Lehrlinge und Gehülfen. Der Betrieb ist für Tapezierer gesperrt._ Die Verbandsleitung. Ei» Einigungsvorschlag zum paritätischen Arbeitsnachweis des Glasergewcrbes. Das Kuratorium dieses Arbeitsnachweises beschäftigte sich gestern wiederum mit dem Arbeitsnachweisstatut und der den Ar- beitgebern so ungerecht erscheinenden Bestimmung in Punkt 9, dass organisierte Arbeitnehmer wie Arbeitgeber bei den Stellender- Mittelungen in erster Linie berücksichtigt weiften sollen. Es zeigte sich auch hier wieder, daß immer noch sonderbare Ansichten über die Bedeutung des Wortes„Parität" unter den Arbeitgebern herrschen oder doch hier und da vorhanden sein müssen. Hatte doch einer der Herren Jnnungsvertreter, wie er selbst ausführte, in Büchern ge forscht und bei rechtskundigen Leuten angefragt, und war er doch zu keinem andern Resultat gekommen, als dass jenes Wort zuerst von Religionsgemeinschaften gebraucht worden sei, dass es Gleich- berechtigung bedeute und dass demnach die unorganisierten Glaser- gesellen auf dem Nachweis den organisierten gleichberechtigt sein mühten! Der Gedanke, dass das Wort„Parität", wenn man Religionsgemeinschaften gebraucht, sich eben nur auf diese religiösen Organisationen, und nicht auf ausserhalb stehende Leute bezieht, und dass es in ganz derselben Weise in Tarifverträgen der Arbeiter und Arbeitgeber angewandt wird, schien dem Herrn nicht ge- kommen zu sein. In der eigentlichen Streitfrage war es infolge des Eingriffes der Gewerbedeputation in den Tarifvertrag und der Entscheidung des Obcrpräsidenten natürlich sehr schwierig, eine Einigung zu- stände zu bringen. Es kam jedoch nach vierstündiger Verhandlung zu folgenden Einigungsvorschlägen: Infolge der Entscheidung des Oberpräsidenten tritt die Innung, soweit der Punkt 9 in Frage kommt, aus dem Tarifver- trage aus. Vollständig gilt der Vertrag also nur noch für den Arbcitgeberverband des Glasergcwerbes, dessen Mitglieder einzeln Vertragsformulare unterzeichnen müssen, was auch für etwa neu eintretende Mitglieder gilt. Den Lohnvertrag hat die Innung bedingungslos aufrecht zu erhalten. Der paritätische Arbeits- Nachweis wird nach der Gormannstratze verlegt. Sollte die In- nung einen eigenen Nachweis errichten, so ist jedes Gesuch nach Arbeitskräften, das dort von Mitgliedern des Arbeitgeberver- bandes einläuft, dem paritätischen Nachweis zu überweisen. Das Einigungsamt wird am 5. März zwecks einer dement- sprechenden Abänderung des Vertrages zusammentreten. Bis zu diesem Tage sollen die Mitgliederversammlungen der Orga- nisationen über die Vorschläge beschlossen haben. Achtung! Kleber und Bauhandwerkcr! Der Unternehmer Paul N e u m a n n, Schöneberg, Ebersstr. 36, Bau Schöneberg. Hauptstr. 77/78— ist für die bei uns organisierten Kleber gesperrt, da die Akkordpreise bei dieser Firma 15 bis 30 Proz. unter den Tarifpreisen betragen, und bitten wir die Bauhandwerker, die dort arbeitenden Kleber auf ihre Pflicht aufmerksam zu machen. Das Streikbureau der Freien Vereinigung der Tapezierer befindet sich Schützenstr. 18/19,'Restaurant Damm, und ist bei vorkommenden Differenzen auf den Bauten oder in den Werkstätten, die sich noch vor dem 1. März ereignen sollten, in der Zeit von 6—>/mmen sind, wenn es auch Noch nicht gelungen ist. das gestörte Gleichgewicht zwisck«» den Ausgaben und den Einnahmen völlig herzustellen. Wir hoffen auf die patriotische Unterstüvung des Reichstages. Aly. Dr. Spahn(C.): Ich, möchte den Etat etwas anders ansehen als der Reichsschatzsehretär, indem ich die einzelnen Positionen, die unter den Titel �durchlaufende Posten" fallen, nicht in Betracht ziehe; dadurch treten einzelne Posten stärker hervor. ES verbleibt dann eine Einnahme von 1487 Millionen gegenüber einer Ausgabe von rund 1666, genauer 1649% Millionen, worin die Verzinsung der Neichsschuld von 3866 Millionen mit 27 666 666 Mark steckt. Diese Differenz von 62% Millionen soll durch Matrikularbeiträge gedeckt werden, wozu noch eine Anleihe von 68% Millionn Mark kommt. Dadurch würde die Verzinsung der Reichsschuld auf eine jährliche Last im 136 Millionen Mark anwachse». (Lassen wir nun die 48 Millionen Mark für die Witwen» und Waisenversorgung fort— eS tut mir leid, daß der Staatssekretär bemängelt, daß ein dahingehender Beschluß beim Zolltarif gefaßt wurde(Lebhaftes Bravo! im Zentrum)— lassen wir ferner weg die 60 Millionen Mark für die Invalidenversicherung, so bleibt nur noch ein geringer Betrag, der für andere Zwecke verwendet wird als für die Zwecke der Machtstellung des Reiches nach außen. Ich betone das ausdrücklich, weil der Reichskanzler darauf hingewiesen hat, daß vom Reichstage die für das Ansehen und die Machtstellung deö Reiches notwendigen Mittel nicht bewilligt worden sind. Für diese Zwecke waren 1686 Millionen Marl bewilligt, wozu noch 166 Millionen Mark für die Kolonien kamen. Auch von 176 Millionen Mark neuer Steuern waren 86 Millionen Mark für diese Zwecke bestimmt und 96 Millionen Mark waren für die steigenden Bedürft nisse des Reiches. Bezüglich der Beamten ist es sehr leicht gesagt, daß wir ihnen jetzt nicht mehr geben können, aber für die unteren und mittleren Beamten ist es sehr schwer, mit ihrem Gehalt auszukommen. (Sehr richtig! im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Auch für diejenigen Arbeiterkategovien, welche direkt für das Reich tätig sind, muß durch Erhöhung ihrer Löhne gesorgt werden.(Bravo! im Zentrum.) Wegen der Höhe der Matrikularbeiträge hegt die Regierung den Wunsch nach einer neuen Steuer, und der Reichsschatzsekretär beruft sich darauf, daß in der Budgetkommisston des borigen Reichs- tages anerkannt sei, daß die damals bewilligten Steuern nicht ausreichen. Das hat aber für den neuen NeichStag keine Geltung. (Sehr richtig! im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Wir sind bei der Prüfung der Bedürfmsftage vollkommen frei und un- abhangig.(Beifall im Zentrum.) Hervorheben möchte ich ausdrücklich, daß der Fehlbetrag von 62% Millionen Mark vornehmlich durch das Anwachsen der ordentlichen Ausgaben, nicht der außerordentlichen, bedingt ist: auch das müssen wir uns bei der Beurteilung des Etats gegenwärtig halten. Wären uns die neuen Einnahmequellen nicht erschlossen, so ständen wir jetzt vor einem Defizit von 216 Millionen Mark. Der Herr Reichsschatzsekretär hat— wie der preußische Finanzministcr— angenommen, daß der wirtschaftliche Aufschwung noch anhalten wird; aus diesen Standpunkt wird sich der Reichstag auch stellen können. Diese Hochkonjunktur ist die Folge der ge- stiegenen Kaufkraft des Inlandes, sie ist nicht nun durch den ge- steigerten Export herbeigeführt. Das beweist die Richtigkeit unserer in dem neuen Zolltarif befolgten Politik.(Lebhafte Zustimmung rechts und im Zentrum.) Jedenfalls werden wir die Ausgaben mit großer Vorsicht aufzustellen haben. Die Anleihe beträgt nicht nur 266 Millionen, wie der Herr Reichsschatzseiretär sagte, sondern, wenn wir den Nochtragsetat und die Eiscnbahnvorlage für Süd- westasrika hinzunehmen, 316 Millionen. Mit Freuden haben wir die Versicherung der Thronrede der- noinmcn, daß wir mit einigen Staaten herzliche, mit anderen gute und korrekte Beziehungen pflegen und daß die soziale Gesetzgebung in dem erhabenen Geiste Kaiser Wilhelms I. fortgesiihrt werden solle Wir erwarten, daß dir Vorlage über die Rechtsfähigkeit der BcrufSvereine wieder vorgelegt werden wird! Wichtiger fast noch erscheint uns die Forderung der Einführung von Arbcitskammern zum freien und friedlichen Ausdruck der Wünsche und Beschwerden der Arbeiter. Weiter verlangen wir Erweiterung des Koalitionsrechtes und weitere Ausgestaltung der Tarifgemeinschaften. Redner gibt des weiteren eine Übersicht über die von seiner Partei eingebrachten Anträge auf sozialpolitischem Gebiete. Auch den Toleranzantrag werocn wir wieder einbringen. Er will keine Bevorzugung der katholischen Kirche, sondern die Freiheit des veligiösen Bekenntnisses für jedermann.(Bravo! rat Zentrum.) Weiter verlangen wir eine Deklaration der Verfassung nach der Richtung hin, daß Abgeordnete nicht gezwungen werden können, ihr Zeugnis über Dinge abzulegen, die sie als Abgeordnete kennen- gelernt haben. Was die innere Politik anlangt, so läßt das Wort des Herrn Reichskanzlers von der Paarung des konservativen Geistes mit dem liberalen(Lachen) daraus schließen, daß in der inneren Politik eine Schwenkung vor- genommen werden soll. Wenn wir die Dhronrede lesen, so finden lvir denn auch, daß eigentlich als einzige Vorlage die Verwirk- lichung eines Antrages in Aussicht gestellt ist, den der verstorbene Kollege Munckcl vor langen Jahren schon im Reichstag eingebracht hat in bezug auf die Beschränkung der Majestätsbeleidigung. Wir haben nichts dagegen, daß dieser Gesetzentwurf kommt. Wenn Herr Dr. Miiller-Meiniiigen gesagt haben soll, daß nach Ablauf des Ouinlsuennats der Freisinn für Heer und Flotte stimmen würde. so ist za auch dagegen nichts zu sagen.(Heiterkeit im Zentrum.) Der Herr Reichskanzler Hab erklärt, die verbündeten Regierungen wollten keinen Kampf gegen die katholische Religion, sondern volle Gleichberechtigung und volle Gewissensfreiheit. Das Wort des Herrn Reichskanzlers in Ehren, aber ist es denn Tatsache, daß die Katholiken volle Gleichbercchttgung genießen? Sind etwa in Preußen unsere Ordensschwestern den Diakonissinnen gleichgestellt, und ist nicht in Sachsen die katholische Kirche tn ihrer freien Bewegung noch äußerst beschränkt?(Schr wahr! im Zeitrum.) Ganz entschieden muß ich die Behauptung deS Reichskanzlers zurückweis en. daß wir die Religion als Mittel für politische Zwecke benutzen.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Der Wahlkampf hat gezeigt, daß unsere Macht über unsere Wähler eine sichere ist, allerdings haben wir auch gar keinen Anlaß, im Wahlkampf mit unseren Besorgnissen kür Deutschlands Zukunft zurückzuhalten. Der Reichskanzler hat oen nationalen Sinn der Nationalliberalen gerülstnt. Freilich hat er auch ähnliche Bemerkungen über die kon- servative Partei gemacht, dock» habe ich keinen Anlaß, auf diese ein- zugehen.(Aha! und Heiterkeit.) Aber wie will der Reichskanzler uns einen Vorwurf machen, die wir bei allen großen Gesetzen ohne Rücksicht auf Partciinteressen(Rai na! links und latttes Gelächterl, nur mit Rücksicht auf das Reich und den Wohlstand des Volkes mit- gewirkt haben?(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Der Wahlkampf hat sich direkt zum Kampf gegen eine Religionsgescllschast erweitert. General v. Liebcrt erhielt am 15. Januar einen Brief vom General Keim, in welchem eS heißt:„Es ist von hier aus alles geschehen, auch von feiten der Reichskanzlei(Hütt! hört!), um Ihnen unbequeme Konkurrenz vom Halse zu schaffen."— Auch an den Abgeordneten Eickhoff sind Mitteilungen gelangt, daß nach Rücksprache mit Wtlhelmstrafie 77 (Hört! hört!) ihm die Unterstützung der Regierung im Wahlkreise Remscheid-Lennep gesichert sei.(Hört! hört! Zuruf rechts: Woher stammt ihre Kenntnis davon?) Aus der Zeitung. Wäre der Abg. Richter noch an dieser Stelle, so würde er auf Grund diese? dem Ab». Eickhoff mitgeteilten Schreibens verhindert haben, das? Herr Eickhoff seinen Plab hier einnimmt.(Sehr richtig! im Z. und b. d. Soz.) In einem der Schreiben des Generals von Keim an Herrn Landrichter Stern heißt es:„Vergessen Sie nicht, dem Abg. Bassermann einzuschärfen, daß Kolonialpolitik ohne Flottcnpolitik Unsinn ist", und weiter heißt es. daß die Nationalliberalen sich bisher recht unpatriotifch benommen hatten und daß Herr v. Tirpitz aus Angst vor dem Zentrum nicht den Mut habe� eine vernünftige Flottenvorlage einzubringen. Der Schluß des Briefes lautet:„Ich traue zwar Herrn Abg. Baffermann nicht ganz..."(Gr. Heiterkeit. in welcher die folgenden Worte verloren gehen.) Weiter ist dem Flottcnvercin aus der Reichskanzlei für seine Wählagitation ein Betrag von 3066« Mark zur Verfügung gestellt worden. AuS der„Nordd. Allgem. Ztg." haben wir erfahren, daß der Reichskanzler in der Lage war, dem Fürsten Salm eine Beihilfe im Wahlkampfe in Aussicht zu stellen, freilich aus nicht amtlichen Geldern. Als seiner Zeit einem hohen Ncichsbeamten seitens des Verbandes der Industriellen 12 666 Mk. zur Verfügung gestellt wurden, hat man sich im Reichstage darüber sehr aufgeregt, weil man sich sagte, daß das Reichsamt sich dadurch in Abhängigkeit von Privaten begebe. Auch der leitende Staats- mann, der Reichskanzler, hat diese Auffassung geteilt und erklärt, er habe hiervon keine Kenntnis gehabt und könne die Annahme des Geldes nicht billigen. Der Reichstag hat jetzt das höchste Interesse daran» daß der Reichskanzler Aufilärung darüber gibt, woher diese 30 606 Mark im Wahlkampfe stammen.(Sehr richtig! im Zentrum und bei dm Sozialdemokraten� In den Briefen des Generals Keim wird auch mitgeteill, daß der Hauptmann Saltzcr vom Generalstab der Schutz- truppe sagte, er habe sich nur auf ausdrücklichen Wunsch des Ober- kommandos dem Flottenverrin zur Verfügung gestellt.(Lebhaftes Hört! hört! im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Fürst Bismarck hat ja auch einmal nach Frankfurt a. M. depeschiert, um die Wahl des Sozialdemokraten Sabor gegenüber Sonnemann zu fördern. Aber das Vorgehen des Fürsten Bülow übersteigt doch alles! Es erinnert an die Pratiken Napoleons III.(Lachen b. d. National.) zur Beeinflussung des gleichen Wahlrechts.(Sehr wahr! im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Nach dem Fürsten Bülow ist der Reichstag aufgelöst worden, weil die Arroganz des Zentrums, das seine Machtstellung mißbrauchte, das nationale Empfinden empört habe. Der Herr Reichskanzler hätte doch daran denken sollen, daß er seine bedeutendsten Erfolge gerade der Zen- trumspartei verdankt.(Lebh. Beifall im Zentrum, andauernde Unruhe rechts.) Als der Reichskanzler so über das Zentrum ur- teilte/wußte er bereits, daß der Aufstand in Südwestaftika so gut wie beendet war. Wir hatten für Südwestasrika rund 466 Millionen bereits bewilligt.(Zurufe bei den Sozialdemokraten: Leider!) Auch im Dezember haben wir keine Truppen für Süd- Westafrika versagt.(Sehr richtig! im Zentrum.) Als wir noch mitten im Kriege standen, hat der Reichstag ein halbes Jahr vor der Auflösung mit Zustimmung des Reichskanzlers eine Forderung von 92 Millionen Mark für die Bekämpfung des Aufstandes auf 66 Millionen herabgesetzt.(Hört! hört! im Zentrum.) Ich denke, er nimmt, nachdem er uns so vor dem Auslande herabgesetzt hat, nun Gelegenheit, unsere Ehre öffentlich herzustellen und er erkennt an, daß wir alles, was für den Aufstand notwendig war, bewilligt haben. Auch der Vorwurf trifft uns nicht, daß wir durch nicht rechtzeitige Bewilligung des Bahnbaucs den Krieg in Südwestaftika verteuert hätten. Aber sein Kolonialdirektor hat im vorigen Früh- jähr selber erklärt, daß die Verzögerung der Bewilligung des Bahn- baues vom Mai bis November nennenswerte Nachteile nicht ge- bracht hätte.(Hört! hört! im Zentrum.) In der Frage der Ent- schädigung der Farmer hatten wir uns noch nicht deftnitiv ent- schieden. Wir wollten sie bis zur Beendigung des Krieges offen lassen. Bestimmend war dabei auch die Erwägung, daß sich untei den Farmern einige befinden sollten, die durch den Krieg Millionäre geworden waren.(Hört! hört! im Zentrum.) Der neue Reichstag hat unS, der stärksten Partei des Hauses, den Anspruch auf das Präsidium versagt. Wir stehen grundsätzlich auf dem Standpunkte, daß der Präsident aus der stärksten Fraktion des Hauses zu entnehmen ist. Auch bei der Wahl des Präsidenten von Levetzow hat Windthorst ihm persönlich gesagt, er solle sich betrachten als ein vom Zentrum mit aufgestellter Präsident. Wir haben also Herrn v. Levetzow ge- wissermaßen als unseren Präsidenten aufgestellt.(Lachen rechts.) Der Präsident soll unabhängig fein vom Parteigetriebe. Seine Unabhängigkeit und seine Stellung wird aber herabgedrückt, wenn eine künstlich zusammengesetzte Mehrheit ihn wählt.(Große Un- ruhe rechts.) Wir werden diese Tatsache ruhig hinnehmen. Können wir doch feststellen: Der ruhende Punkt in der Erscheinungen Flucht ist der Zentrumsturm.(Lebhaftes Bravo! im Zentrum.) Uns hat der Wahlkampf nicht geschwächt. In gleicher Stärke sind wir zu- rückgekehrt. Man wird also auf die Dauer ein« Politik über unsere Köpfe hinweg nicht führen können.(Sehr richtig! im Zen- trum.) Im Rahmen unseres alten Programms werden wir zu den Regierungsvorlagen Stellung nehmen. Wir sind nach wie vor davon überzeugt, daß die Zukunft des Deutschen Reiches nur ge- sichert ist auf dem Fundament eines christlichen Staates und eines christlichen Lebens. Wir werden auch künftig mit allen zusammen» wirken, welche mit uns gemeinsam im Geiste einer christlichen Weltanschauung an der Zukunft unseres Volkes arbeiten.(Starker andauernder Beifall im Zentrum, Zischen rechts, bei den Natl. und Freisinnigen.) Abg. Bassermann(natl.): Man wird als das Resultat der letzten Wahl ohne weiteres feststellen können, daß das Ziel der Auslosung erreicht ist: die Mehrheit des 13. Dezember hat sich in eine Minderheit verwandelt. Der Wahlkampf hat entschieden gegen die Sozialdemokratie; sie hat drei Dutzend Mandate eingebüßt. Ich gebe zu, daß auch uns dieses Ergebnis überraschend gekommen ist. Gegenüber der anderen der Majoritätsparteien vom 13. Dezember war für die nationalen Parteien von vornherein nur in zirka 6 Wahlkreisen Aussicht, zu siegen. Das Zentrum hat im Wahlkamps gut ab. geschnitten: emen Teil seiner Erfolge verdankt es allerdings dem Zusammengehen mit der Sozialdemokratie.(Sehr richtig! rechts und bei den Nationalliberalen. Gelächter beim Zentrum.) Nach dem Wahlergebnis steht nunmehr fest, daß für nationale Fragen heute eine Mehrheit aus Konfervativen und Liberalen verschiedener Schattierung besteht, so daß tn diesen Fragen die Regierung nicht mehr auf die Abstimmungen des Zentrums angewiesen ist.(Bravo! rechts und bei den Nationalliberalen.) Wir werden also in Zukunft nichts mehr hören von der Nebenregierung, von der Aufrichtung eines kaudinischen Jochs, Hintertreppcnpolitik usw.(Bravo! bei den Nationalliberalen und Freisinnigen.) Die Zentrumsfraktton selbst kann ja nicht dafür verantwortlich gemacht werden, was der einzelne Abgeordnete getan hat, und nicht nur in konservativen und liberalen Zeitungen, sondern auch im„Vorwärts" ist der Fall Roeren in einer ganzen Reihe von Artikeln sehr eingehend und in einer für Herrn Roeren nicht sehr günstigen Weise behandelt worden. Der Neugestaltung der Dinge im Reichstage mußte auch durch die Wahl eines neuen Präsidenten Rechnung getragen werden. der nicht mehr der Fraktion angehörte, die bisher das Präsidium inne hatte. Die eingehende Behandlung der Kolonialfragcn will ich einem späteren Redner meiner Fraktion vorbehalten. Wir bleiben dabei bestehen, daß die Veranlassung der Reichstagsauflösung vom 13. Dezember nur in der Nichtbewilligung genügender Mittel lag. Wenn die Regierung sich in einem früheren Falle mit einer solchen Streichung einverstanden erklärt hat, so können sich die Herren vom Zentrum doch jetzt nicht darauf berufen. Die schwere KrisiS in unseren Kolonien ist jetzt überwunden, und wir werden dem- nächst auch mit der Rückberufunq weiterer Truppen zu rechnen haben. Die Errichtung eines selbständigen Kolonialamtcs, die Be- willigung deS Babnbaues KeetmanShop-Kubub und des Nachtrags- etnts für Südwestafrika halten wir für dringend notwendig. Das bißchen Agitation des FlottenvcreinS (Stürmisches Gelächter.)... Angesichts der mächtigen Agitation, die das Zentrum in der katholischen Geistlichkeit hat, sind die Flottenvereinsagitatoren die reinsten Waisenknaben.(Bravo! rechts und bei den Nationalliberalen. Erneutes Gelächter im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Aus den Bemerkungen, die General Keim auch über meine Person machte, ging für uns nur das eine hervor, daß wir unabhängig von der Kritik des Flotten» Vereins die Vorlagen der verbündeten Regierungen geprüft haben. Der Flottenverein ist ein ganz vortrefflicher Berein. (Lachen bei den Sozialdemokraten und im Zentrum.) Eine ganze Reihe von Zentrumsherrcn waren Mitglieder des Vereins. Der Flottcnvercin hat sich um die Aufklärung Unseres Volkes im Wahllarnpfe sehr verdient gemacht; ob im einzelne» der General ffleltft da8 FMMVeveinIMAkÄMM uberschritten Hak. darüber lbird es in den Gemeralbersammlungen der Abteilungen des Flotten- Vereins nicht an Kritik fehlen. Das Schlimmste an der Sache ist, dajj alle diese Briefe, die im„Bayerischen Kurier" erschienen sind, zweifellos gestohven worden sind; die als Täter in Frage kom- nvenden beiden Personen befinden sich zurzeit in Sicherheit im Auslande. Wenn von der Presse solche Briefe, die durch rein kriminelle Handlungen in ihren Besitz gekommen sind, veröffentlicht werden, so holt- ich das für meine Person für eine Gemeinheit. (Stürmtscher Beifall rechts und bei den Nationalliberalen. Wider- spruch im Zentrum.) Wenn ein nationalliberales Blatt die Korrespondenz des Herrn Müller-Fulda veröffentlichen würde, so würden Sie(zum Zentrum) das auch als eine Gemeinheit be- zeichnen. Dem Kolonialdirektor find wir für die Aufklärungen, die er persönlich im Wahlkampfe gegeben hat, großen Dank schuldig. Gerade die Herren auf der Linken müssen daS doch auch anerkennen, wenn die leitenden Staatsmänner im Wahlkampfe ihr Programm entwickeln. Die WahlflngblStter des FlottenvrreinS und des Ge- uerals Keim werden wir z«r Bekämpfung der Sozialdemokratie »rieht gebrauchen, wir werden dazu die Artikel der Herren Ealwer und Bernstein in der letzten Rümmer der„Sozialistischen Monat«- hefte" benutze«, we/che dnrchaus das ausführen, was wir hier oft nnsgefithrt. Calwec und Bernstein waren offizielle Kandidaten der sozialdemokratischen Partei. Ealwer führt aus, daß kein Land eine so starke Bevölkerungsvermehrung habe wie Deutschland: da könne die Sozialdemokratie doch nicht verlangen, daß die deutschen Kapitalisten zu Hanfe bleiben.(Bebel ruft:„Sie sollen es auch zahlen! Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Bernstein sagt mit Bezug ans die Kolonialpolitik: das Deutsche Reich müsse für einen solchen Kulturzweck jährlich einige Millionen übrig haben. Das ist ganz unser Standpunkt. Bezüglich des Toleranzantrages bemerke ich Herrn Spahn, daß auch wir wünschen, daß der Staat sich nicht in die inneren An- gekegenheite« der Kirche einmischt- Auch die Katholiken sollen nach eigener Ueberzeugung leben und sterben. Das erreichen Sie, wenn Sie aus den Tolenanzantrag verzichten, mindesten« auf den zweiten Teil, der in die Hoheitsrechte des Staates eingreift. (Widerspruch im Zentrrmr.) Herr Spahn hat auch uns Mangel an nationaler Gesinnung und Unterstützung der Sozialdemokratie vorgeworfen. Wir haben das nirgends getan.(Zurus Bebels: In B a d e n wurde versucht, Verhandümgen anzuknüpfen I") Rein, die badische Parteileitung hat mir gegenüber das bestritten. Aber das Zentrum hat shsieniaiisch die sozialdemokratischen Kandidaten gegen die unseligen unterstiitzt. In der Pfalz hatten wir sogar«inen katholischen Kandidaten aus- gestellt.(Abg. E h r h a r t(Soz.) ruft: Es war ja ein gentrums- mann!") Rein, Herr Buhl war nie Zentrumsmann uiio das Zentrum hat für ihn nicht gestimmt. Der Waykausfall hat den Einfluß der Sozialdemokratie zurück- gedrängt. Daraus«rgibt sich die Aufgabe, die Sozialpolitik und die Mitt-lstandspolitik wieder stärker hervortreten zu lassen. Es ist«in Verdienst deS Fürsten Bülow, keine Polizelgesetze, Umsturzvorlage und dergleichen eingebracht zu haben. Als Resultat dieser Politik haben wir jetzt die'Zurückdrängung der Sozialdemokratie.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Diese Eniwickelung soll man nicht durch Polizeigesetze unterbrechen, sondern fördern durch Gesetze, die ge- traaen sind von der weit ausschauenden Politik d«S Grafen Posadowskh; doch dürfen sie nicht verqiiickt sein mit den engherzigen Anschauungen im preuKifcheN Millisterilim, wodurch ein Wechselbalg wie der Gesetzentwurf über die Detufsvereins entstand. Wirflhabeii das Gesetz über Arbeitskammertt wieder eingebracht. Doch darf die Gesetzgebung nicht einseitig den Zndnstriearbeiter fördern, sondern muß auch den Mittelstand schützen.(Sehr richtig l rechts und bei den Nationalliberalen.) Ich wende mich zu den Reformen auf politischem Gebiete. Man behauptet, wir wollten das Wahlrecht antasten. Dem gegenüber verweisen wir aus das Progracnm der nationallideralen Partei, welches das ReichslagSwahlrecht enthält. Wer sich diesem Programm entgegen stellt, stellt sich außerhalb des Rahmens der Partei. Not- wendig ist aber ein stärkerer Schutz de« Afahlgcheimntsses. Auch ist ein freiheitliches Vereins- und Verflimmlnngsrecht notwendig. Redner kommt sodann auf die Notwendigkeit einer Reform des Strafrechts zu sprechen und stellt es dem Staatssekretär des Reichs- justizamts anheim, im Laufe dieser Beratungen über den Stand der über diesen Gegenstand gepflogenen Vorberatungen Auskunft zu et- teilen? eventuell stellt er die Wiedereinbriiigung seiner Fllterpellatiou über diesen Gegenstand in Allssicht.— Die uUgÜnslige Kritik, die ein Teil der ausländischen Presse über einzelne Ausführungen der Thronrede gebracht hat, ist mit folgenden Tatsachen zu erklären: Die Erwartungen der Presse, daß die letzten Wahlen einen großen Sieg der Sozialdemokratie bringen würden, sind im Auslande niit größter Aufmerksamkeit aufgenommen worden. Auch wenn sozial- ! mokratische Blätter das Ausland darauf hinweisen, daß wir z. B. die Truppen in Südwestastika nur deshalb zurückhalten, um sie eventuell gegen die Engländer zu verwenden, so muß da« doch, wenn man auch sagen mttß, daß die Truppen dazu kaum genügen Würden, im Auslande Mißtrauen gegen Deutschland erwecken. DaS Gefamtresultat der Wahlen ist dahin zusammenzufassen, baß die kolonialen Interessen durch diese Wahlen in einer Art und Weise gefördert wurden, wie das bisher nicht im entferntesten möglich gewesen ist. Der Kolonialdirektor wird den Boden für eine intensive Kölonialpolitik nach der Richtung bereitet"den, daß Handel und Jndusttie für die Ausschließung der Kolonie:, in ganz anderer Weise herangezogen werden. Das zweite. was bei diesen Wahlen ztt beachten ist, ist der Umstand, daß diesinal der NattoNalgefinnte Arbeiter zum ersten Male mit großer Energie itt der politischen Arena erschienen ist und keine Partei wird sich diesem Element entziehen iönNett, jede wird genötigt sein, dem vor einigen Jahren vom Kaiser ausgesprochenen Wunsch, daß Arbeiter ins Parlament entsandt werden, Rechnung zu tragen, auch die nationatliberale Pattei(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Wo? wo?) Daß es uns möglich war, im letzten Wahlkampfe so gute Resultate zu erzielen, ist auf das Erwachen des Bürgertums zurückzuführen. Die Tatsache, daß die Sozialdemokraten einen Stimmenzuwachs von mehr als sv0 00l) Stimmen erfahren haben, muß rms zeigen, daß das Bürgertum in seinem Patriotismus nicht erlahmen darf. Jedenfalls ist der Glaube an das unaufhaltsame Aufsteigen der Sozialdemokratie dahin.(Widerspruch bei den Sozial» HnwlrateN. Sehr richtig I rechts und bei den Nationalliberalen.) Reichskanzler Fürst Bülow: Meine Stellung zur Zentrnmspartel ist von verschiedenen Seiten zur Sprache gebracht worden. Ich mgche kein Hehl daraus, daß ich lange und ehrlich bestrebt gewesen bin. die Zentrumspartei für die großen Aufgaben unserer nationalen Politik zu gewinnen. Ich hatte reine andere Möglichkeit, fruchtbare innere Politik zu machen. Freilich, mit der Mehrheit aus Zentrum und Sozialdemokratie konnte ich keine Politik machen.(Sehr gut l rechts und bei den National- liberalen.) Auch mit anderen Parteien bildete das Zentrum eine Mehrheit. Ich bin bestrebt gewesen,' mit dieser Mehrheit die inneren Aufgaben des Reiches zu lösen. Auf die Weise habe ich den Ausbau der Flotte, den Zolltarif, die Handelsverträge, die Zucker- konvention, die Neichssinanzresorm ermöglicht. Wer ein Zusammen- ' gehen mit jeder Partei hat eine bestimmte Grenze. Ich gehe mit jeder Partei, welche die Linien achtet, ohne welche da? deutsche Volk nicht leben und atmen kann. An diesem Punkte aber hört bei mir die Gemütlichkeit auf. Die Macht einer Partei wird zu einer Geißel und einer Plage, wenn sie mißbraucht wird. DaS Zentrum hat seine ausschlaggebende Stellung nicht mit dem Maß von Besonnenheit und Selbstbeherrschung benutzt, die die Vorbedingung dauernden Einflusses ist.(Sehr nchtig I rechts, bei den Nationalliberalen und bei den Freisinnigen.) Ich habe die Fehler in der Kolonial- Verwaltung nicht vertuscht! ich habe alle wirklich vorhandenen Miß- stände untersucht und unnachsichtlich geahndet.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Ich hatte im Dezember die Auf- fasstma, daß mein Appell an den Reichstag um Mitwirkung an diesem Werke einer verständnisvollen Auffassung begegnete. Der Zusammenstoß Avischen dem Kolonialdirektor und dem Abgeordneten Roeren kam mir um fo überraschender, als«mf meine Veranlassung und in meinem Beisein der Kolonialdirektor zwei hervorragenden ZentrnmSführern den ganzen Sachorrhalt dargelegt hat.(Hört, hört I bei den Sozialdemokraten.) Ich war nach dieser Aussprache über- zeugt, daß das Zentrum die Fortführung«wer gesunden Kolonial- Politik nicht hindern würde. Da kamen denn.die unbegründeten und maßlosen Angriffe des Herrn Roeren auf den Kolonialdirektor. Ich erschien sofort hier im Haufe und erklärte mich für solidansch mit dem Kolonialdirekwr. Für diese selbstverständliche und pflichtgemäße Haltung wollte mich daS Zentrum durch Ablehnung einer wichtigen Forderung strafen. Herr Spahn brachte hier mein Wort von der Paarung des liberalen nnd konservativen Geistes zur Sprache. Dieser Paarung verdanken wir die fruchtbarsten Epochen unserer Gesetzgebung. Wer eine Paarung habe ich nicht für möglich gehalten, daS ist die Paarung Roeren-Singer.(Sehr richtig I rechts, bei den National- liberalen und den Freifinnigen.) Dringender, als ich am 13. De- zember warnte, kann man doch nicht warnen. Hätte das Zentrum eine Verständigung gewollt, so brauchte es nur für den Antrag Ablaß zu stimmen, der das Budgetrecht des Reichstages wahrte und dem Wunsche nach Svarsamkett Rechnung trug.(Sehr richtig l rechts und bei den Freisinnigen.) Statt dessen wollt« das Zentrum gemeinsam mit der Sozialdemokratie die Regierung ducken. Das hat die Re« gierung sich nicht gefallen lassen und wird fie sich nicht gefallen lassen.(Lebhaftes Bravo I recht», bei den Rationalliberalen und bei den Freisinnigen). Herr Spahn sprach von der Verletzung der Ehre der Zentrumspartei. Sollte die Regierung etwa die Erlaubnis des Zentrums zur Reichstagsauflösung einholen? (Große Heiterkeit.) In den Zeitungen und Wahlaufrufen war viel vom persönlichen Regiment die Rede. Damit schreckt man nur politische Kinder, deren Zahl allerdings bedenklich groß ist.(Heiterkeit.) Die Reichstags- auflösung war die durchaus konstitutionelle Ausübung eines verfassungsmäßigen Rechtes.(Sehr wahr l rechts.) Eine Bedrohung der Reichsverfassung durch das persönliche Regiment liegt durchaus außerhalb des Reiches der Wahrscheinlichkeit und selbst der Möglich- keil. Wirklich bedroht ist die Retchsverfassung durch die Partei aus der äußersten Linken, die ihre letzten Ziele nur durch ciucn Verfassungsbruch erreichen kann, und an die Seite dieser Partei hat sich das Zentrum gestellt I Die Krone blieb streng innerhalb ihrer Befugnisse. Der Reichstag hat das Recht, Vorlagen der verbündeten Regierungen abzulehnen. Die verbündeten Regierungen haben daS Recht, den Reichötag aufzulösen. Ich stehe streng auf dem Boden der Verfassung? ich habe das Wahlgeheimnis durch ein besonderes Gesetz geschützt, ich habe Diäten eingeführt, ich babe das Budgelrecht des Reichstags nicht verletzt, sondern behütet. Nicht um Despotismus, EäsarismuS, Absolutismus, Feudalismus handelt es sich, sondern darum, daß das Zentrum im Bunde mit der Sozialdemokratie die verbündeten Regierungen in die Enge treiben wollte. Der Abg. Spahn hat von der Aufwühlung religiöser Leiden- schaften geiprocheu. Die Regierung, an deren Spitze ich stehe, sollte über den Vorwurf religionsseindlicher und namentlich antikatholischer Politik und Gefiliiiung erhaben sein.(Sehr richtig I rechts.) Wenn wirklich, wie der Abg, Spahn behauptet, die Kluft zwischen beiden Konfesfioiieu durch diesen Wahlkampf erweitert worden ist, so wäre da? darauf zurückzuführen, daß ebne jeden Anlaß die Parole von der Gefahr eines neuen Kulturlampses in di« Wählermassen hineingeworfen worden ist.(Sehr richtig! rechts und bei den Nationalliberalen.) Die Identifizierung der Zentrums- fraktion mit der katholischen Religion kann ich nicht akzeptieren. Der Kampf drehte sich nicht um das Zentrum als konsesfiouelle Partei, sondern richtete sich gegen den Mißbrauch, den daS Zentrum, gelehnt auf die Sozialdemokratie, mit seiner ausschlaggebenden Skeluug getrieben hat. Die Abstlnirnuiig vom 18. Dezeinber hatte leider gezeigt, daß auch eine der katholischen Kirche höchst wohlwollende Regierung nicht vor feindlichen Angriffen seitens des gettttums sicher ist. Der Abg. Spahn hat sich ausgeschwiegen über einen Punkt, den der Abg. Bassermann besprochen hat, nämlich über das Bcrhältnis. das in diesem Wahllampf« zwischen dem Zentrum und der Sozial- demokratie obgewaltet hat. ES ist mir nicht eingefallen, Zentrum und Sozialdemokratie, wie mir im Abgeordnetenhause votgeworfen wurde, in einen Topf zu werfen. Wohl aber fand ich plötzlich, daß die Zentrumspartei im Topfe der Sozialdemokratie steckte.(Große Heiterkeit. Zurufs im Zentrum.) Wer den anderen zu sich hingezogen hat, weiß ich nicht, aber jedenfalls sah ich mich unvermutet einer Koalition gegenüber, zu der ich Stellung nehmen muhte, Ich hatte seit langem hingearbeitet auf eine Koalition aller bürgerlichen Parteien gegenüber der Sozialdemokratie, wie fie noch heute das Ideal aller guten Patrioten ist. Es ist die Schuld des Zentrums, daß eine solche Einigung nicht zustande kam. Daß fich das Zentrum an die Seite der Zoztaldemolratle stellte, war nicht nur ein grober poltttscher gehler.«« war aUih ein moralisches Unrecht.(Sehr wahr l rechts und bei den Nationaltberalen.) Es war ein moralisches Unrecht, zusammenzugehen mit einer Partei, die alles in den Staub zieht, was den Shrtften heilig ist.(Lachen be» den Sozialdemokraten.) ES war ein schweres moralische» Unrecht, zusammenzugehen mtt einer Partei, die tn diesem Hause für die Pariser Kommune eingetreten ist, (Lacken bei den Sozialdemokraten.) für die Konimune, die de« Erz- vischof Darboy von Paris und unschuldige Dominikanstpriefter füsiliert hat. Für diese Partei haben Zentrumsabgeordnete die Stichwahlpacole abgegeben,(Zuruf bei den Sozialdemokraten! „Machen Sie fich doch nickt lächerlichl") dieser Partei hat das Zentrum IL Wahlkreise zugeschanzt. Ich habe nie den mindesten Zweifel darüber gelassen, daß ich jede direkte oder tndirekke Unter- slNtzung der Sozialdemokratie aus» höchste mißbillig«. Die bürg«' lichen Parteien sollten zuviel Würde und selbsiachtimg besitzen,»m mit der Sozialdemokratie zusammenzugehen, die alle bürgerlichen Parteien mit demselben Hasse verfolgt.(Unruhe bei den Sozial- demokraten, Beifall rechts und bei den Liberalen.) Ich spreche den Bischöfen metnrn Dank aus, daß fie nicht kleinlichen FraktionSIntiressen und gehässigen Ran- künen, fondern lediglich der Wahrheit folgen. lErnsuter lebhafter Beifall rechts und bei den Liberalen, große Unruhe im Zentrum.) Bon dem Rechte der Regierung, aufklärend z« wirke», werde ich Sei künftigen Wählen noch größeren Gebrauch machen. Di« Unterstützung des Flottcnvcreins zurückzuweisen, sah ich keine Bekanlässung. WaS die Briefe angeht, die dem Generalmajor Keim gestohlen worden sind, diese dem Flottenverein in der schimpflichsten Weise gestohlenen Briefe, so erkläre ich, daß«s begreiflich ist, wenn auch die Mitglieder des FlottenvereinS fich an dem verflossenen Wahlkampf beteiligt haben, indem eS sich um nationale Aufgaben handelte. In wieweit der Flottenverein als solcher in Agitation treten darf und welchen Spielraum er seinen Mitgliedern für ihre politische Tätigkeit einräumen will, das zu beurteilen ist lediglich seine Sache. Ich bin nicht der Flottenverein.(Heiterkeit.) Wenn aber ein hervorragendes Mitglied des Flottenvereins zu mir kommt, so nehme ich eine solche Unterstützung dankbar an. Es wäre einfach lächerlich, wenn ein leitender Staatsmann, der die Auflösung eines Parlaments für not- wendig gehalten hat, wenn die Entscheidung herannaht, in die Rolle einer Pagode verfallen würde.(Sehr richtig I rechts und bot den Liberalen.) Unberechtigte Eingriffe in den Wahllampf billige ich nicht; aber Generalmajor Keiin hat in selbstloser und aufopfernder Weise sich in den Dienst einer guten Sache gestellt.(Lebhafter Beifall bei den Konservattven und Nationalliberalen.) Ich habe niemals«inen Gegner in persönlich gehässiger Weise angegriffen, doch anderswo (zu den Sozialdemokraten gewendet) wird der Kampf anders ge- führt. Ich habe hier ganze Berge von Schriftstücken. Wahl- aufrufe usw., in denen nach dieser Richtung diel gesündigt wird. (Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Man hat die Frage anfgeworfen, wer bei diesem Wahl- kämpf der Steger gewesen ist. Nun, Nutzen hat von ihm gehabt daS deutsche Volk, in welchem die Regierung über eine gewaltige Mehrheit verfügt. Man sagt, diese Mehrheit geht in ihren Anschauungen auseinander. Nun, das ist der Fall auch innerhalb der Zentrumspariei.(Stürmische Unterbrechungen und Rufe: Nein! nein! im Zentrum.) Sie werden nur durch daS einigende Band der Konfession zusammengehalten. Die neue Mehrheit hat sich in einer nationalen Frage zusammen- gefunden. Von dieser Basis aus mutz sich zeigen. daß sie positive Arbeit leisten kann. Dadurch kann sie sich dauernden Einfluß und das Vertrauen des Volkes sichern. (Bravo l) Ich habe hier einmal gesagt, ich hätte kein Vorurteil. Da? heißt nicht, ich könnte heute konservativ, morgen liberal regieren, heute meine gegenwärtige Wirtschaftspolitik, morgen eine liberale Handelspolitik vertreten. Nein, in dem Schutze aller nationalen Arbeit, dem vollen Schutze für die Landwirtschast(Lebhaftes Bravo I rechts) und die Industrie(Heiterkeit b. d. Soz.) werde ich mich nicht beirren lassen, zumal sich diese Politik wirtschaftlich und polittsch durchaus bewährt hat. Das schließt aber nicht aus, daß ich auf anderen Gebieten Wünschen der bürgerlichen Linken entgegenkomme, wie fie z. B. Herr Bassermann eben geäußert hat. Ich denke dabei an eine Reform deS Bercius- und Versammlungsrechts. (Bravo! links), an eine Rcsorm des Strafrechts und der Strafprozeß- »rdnung, an eine Aufbesserung der Beamtcnbezüge. Durch die hoch- herzige Initiative des Kaisers wird es zu einer Beschränkung der Majestätsbeleidigungsprozesse kommen. Ich hoffe, daß Rechte und Linke sich dahin verständigen werden, daß unsere Börse zur Er- füllung ihrer wichtigen Ausgaben in der Konkurrenz mit den aus- ländischen Börsen besser in den Stand gesetzt wird.(Bravo I links.) Auch eine gesunde, kräftige, vorurteilslose, vernünftige Sozialpolitik wird fortgeführt werden.(Bravo 1) Hier soll nicht Rückschritt, nicht Sttllstand, sondern Fortschritt unsere Losung sein.(Bravo!) Und nicht nur den Arbeitern, sondern auch dem ebenso schwer bedrängten Mittelstande soll sich diese Sozialpolitik in verständigen Grenzen widmen.(Bravo rechts!) Aus diesen kurzen Andeutungen geht hervor, daß sehr wohl eine fruchtbare, zielbewußte Politik mit der neuen Mehrheit zu treiben ist. Diese Politik wird um so fruchtbarer sein, je mehr sie getragen ist von dem Vertrauen der Mehrheitsparteien unter eiiiander und zur Regierung. Möge dies Vertrauen sich immer mehr befestigen und wachsen zum Wohle deS deutschen Volkes und zum Besten der ihm gestellten großen Ausgaben.(Lebhaftes Bravo l rechts, bei den Nationalliberalen und Freisinnigen, Händeklatschen auf den Tribünen.) Das Haus vertagt die Weiterberatung auf Dienstag 1 Uhr. Schluß 6 Uhr._________ Mgeorclnetenkaus. 19. Sitzung vom Montag, den 25. Februar, vormittags 11 Uhr. Am Ministertische: Dt. D e l b r>1 ck. Auf der TaaeSordnung steht zunächst der Bericht der Geschäfts- ordnungSkomniission über die Ermächtigung zur ftraftichtlichcn Ver- solgung der sozialdemokratischen Redakteure Molkenbuhr, Wittmaak und Dornheim. Die Kommission beantragt, die Genehmigung zu erteilen. Abg. Schiffer(Natt.) beantragt, die Angelegenheit zur Beratung in die Kommission zurückzuweisen, da die Artikel, welche den Gegen- stand der Verhandlung bildeten, vor dem borjährigen Beschluß auf Strafverfolgung geschrieben seien. Es müsse eigentlich doch erst ge« prüft werden, wie dieser Beschluß gewirkt habe. Der Bericht wird einstimmig an die Kommission zurückverwiesen. ES folgt die erste Beratung der Novelle zum Berggesetz. Die Borlage will das Recht zur Aufsuchung und Gcwinmmg der Steinkohle, de» Steinsalzes(Kalt, Magnesia- und Borsalze) sowie der Solquellen dem Staate vorbehalten, Im übrigen aber die Berg- bauftethett bestehen lasten.» Mintster Dr. Delbrück: DaS Berggesetz von 1805 hat mit seiner Bcrgbaufteiheit seinen Zweck im wescnt- lichen erreicht. Die private Tätigkeit hat sich stark betätigt. In den letzten Jahren ist da« auf dem Gebiete der Kohlen- und Kaliproduktion aber anders geworden. Im Ruhrrcvier, wo der Staat gar nicht beteiligt ist, bat sich ein Monopol gebildet. Da- durch ist nun dauernde Shndizlerung des Kohlenvcrbrauchs ent- standen. Diese Konzentrierung ist erfolgt zum Schaden der Verbraucher. Aehnltch liegt es auf dem Kalimarkt. Deshalb haben wir die Lex Gamp geschaffen, die dem Staate Zeit geben sollte, eine Novelle wie die vorliegende auszuarbeiten. Nun liegt«s tu der Natur der Sache, daß der staatliche Bergbau nicht so beweglich ist wie der private. Man mußte sich deshalb sagen, daß, wenn man dem Staat wenigstens die Möglichkeit des Regiebetriebes geben wollte, mau auf der anderen Seite die Möglichtett der Befriedigung des Bedürfnisses durch die Privat- industtie nicht ausschließen dürfte. Somit kommt der Staat nur in die Lage, vorwärts zu treiben oder zurückzuhalten, je nachdem es erforderlich ist. Der Entwurf hat noch manche Bedenken, die wir aber tn der Kommission zu zerstreuen hoffen. Abg. Stackmann Gttste haben Zutritt.. 240/13 Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Boziatdemetfratischer Wählverein für den 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Dienstag, den 26. Februar, abends SVa Uhr: Generals Versammluns: Revisoren. 4. bei Keller(Inhaber Freyer), Koppenstr. 29. Tages-Ordnung: , Kassen- und Revisionsbericht. 2. Mslusfion. 3. Neuwahl deS Gesamtvorstandes und der nträge aus Ausschluß aus der Organisation. 5. Verschiedenes. 242/17 Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Der Borstand. Sozialdemokrattseher Wahlverein für den 6. Berliner Keiehstagswahlkreis. Dienstag, den 26. Februar, abends S'/a Uhr, in den Berolina-Sälen, Schönhauser Allee 88: is! 130 em breite bunte Pflocket" piflsche vornehmer haltbarster Möbelstoff Buntpersisebe BlumenDiuster Inventur- r 85 pr. Meter Dw�z-a50 Extrapreis Del Abnahme c7S n U/n ganzer Stücke üM. P. lull. Proben franko. Teppich-Spezialhaus Emil Lefevre Berlin Süd. Seit 1882 nur Oranienstr. 158. Versammlung;. Tages-Ordnung: 247/14' 1. Vortrag des Reichstags abgeordneten Genossen Stücklcn über:»Rückblicke and Aasblicke". 2. Diskussion. Gäste— auch Damen— haben Zutritt. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vorstand. 6. Kreis Genossinnen! Genossen! Moabit. Dienstag» den 26. Februar, abends 8 Uhr, im Moabiter Gesellschaftshans, Wiclefstr. 24 und Enwenerstr. 41: Kolbs vor Sammlung. TageS-Ordnung: 1. Franonbenreenng nnd politische Entwickelans. Reserent: Genosse Redakteur Wilhelm Düwell. L. Diskussion. 1/4» Zahlreichen Besuch erwartet Die Vertrau ensperson. Kleber! Dienstag, den 26. lebruai, abends 8 Ahr, bei Feuerstein, Alte Jabobstr. 73 (oberer Saal): Versammlung. Tagesordnung: Stellungnahme der Kleber zum Aussperrungsbeschluß der Unternehmer. 2. Diskussion. Pflicht eines jeden Klebers ist es» zu erscheine». X A. B. Koch X Kohlen-Groß-Handluug Berlin 0. 34, Brombergerstr. 15. Preise für nur la Marken ab Platz von IV Ztr. an:[3873Ü- Prima la Halbsteine(bekannte Marken).. pr. Zw. 85 Ps. Is Diamant(110 bis 120 Stck.).... vv Ps. . I.JNe n AN»... 95 Ps. |, laAnthrazitCadb. 8,Z0M. Koks, Steinkohle» usw. zu den billigslen Tagespreisen. Anliejerung frei Keller je nach Quantum pr. Ztr. 10—15 Ps. mehr.— Bei Original- Waggons und gröberen Abschlüssen verlangen Sie meine Spczial-Oflerte. 177/8» Die Verbandsleltnng/. Achtung! Achtung! Zentral-Verband der Maurer Deutschlands. Zweigvereitt Serlin. Mittwoch, den 27. Februar 1907, abends 8 Vi Uhr: Hußerordentl. Leneral Versammlung bei Freyer(früher Keller), Koppeustratze 89. TageS-Ordnung: t Vortrag deS Genossen«rütsl« über:„Die Taktik der Unternehmer bei wirtschaftlichen Kämpfen». 2. Diskussion über die vorgeschlagenen Kandidaten des Zweigvereinsvorstandes. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht jedes Kollegen, zu erscheinen. 136/13»_ Der Zweigvereinsvorstand. I. St.: Bekanntmachung E. THOns, der OrtSkrankenkasse der Dach- decker zu Berlin. Die Genehmigung der IV. Ab- Snderung des Statuts,§ 39, tritt mit 22. Januar d. J.> dem Tage der Genehmigung in Krast. Exemplare werden an die Mitglieder verteilt. Der Vorstand. 1743b A. Salzmann, Vorsitzender. ROOOer Kiegehühner, iialiener Rasse, jetzt schon fleißig eler. legend, beliebiger Farben, garantiert lebende Ankunst, sranlo pr. Nach- nähme: 12 St. mit Hahn 25 M., 6 st. mit Hahn 15 M.. Natur. Kuh. milch-Bulter pr. 10 Psd.-Kiste franko 7 M. Kaphan, Buczacz 168 pr. ''8er' Ozieditz(Schlesien). 1/9 Soeben erschien Die Möbel»Pabrik von A. Schulz, 5 Reichenbefgerstr.! t WohniingS-Eiurichtungen von 840—19 090 M. anerkannt gediegener SluSsühvung in jeder Holz- und iowie auch Polsterwaren eigener Fabrikation zu eine billige Vo!k8au8gabe des vorziigl. Romans Slltnpt von Upton Sinclair. Roman aus Chicagos Schlachthäusern. Der Preis beträgt nur 1.80 M. Expedition des„Vorwärts", Berlin SW. 68, Lindenstraße 69(Laden). — Redakteur- Sans Bebet. Berlin, ffflz bta Uuitrateuteil veruntw.: XI. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorvM» vuchdruckerei v. sp"lcv?an'talt Va-d Si 7er& �o.. 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Eine historische Darstellung an der Hand amtlicher und privater Untersuchungen und der Berichte der Fabrikinspektoren von 1861 bis in die heutige Zeit. Von K. A. Pashitnow. :: Autorisierte Uebersetzung von 8 M. Nachimson. Band 49 der Internationalen Bibliothek Preis broschiert 2,50M., gebunden3M. Ferner empsehlen wir: Aechzehn Jahre in Sibirien. :: Erinnerungen eines russischen" Revolutionärs von Leo Deutsch. Mit 7 Porträts und 6 Illustrationen. Preis broschiert 3M., gcbunden3,50M. {/xpeckition des„Vorwärts" BERLIN SW. 68 Ltndenstr. 69. Iiaden. Fleisch!!! Täglicher Frühvcrkans von 7—9 Uhr, Stückenfleisch Psd. 29 Pf., Fr. Schwallen 30 Ps., Eisbeine 45 Ps., Rückensett bei süns Pfund 69 Pi., Sülze 59 Ps., vorzügliche Blut- und Leberwurst bei süns Pfund Abnahme pro Psd. 59 Ps. in stets frischer tadelloser Ware. Metzerstr. 7° Nr. 48. 24. Jahrgang. 2. KeilU des Jorairte" K»lim WslilÄ Ein Hungerstreik in Oesterreich« Aus Wien wird uns vom 22. Februar geschrieben: Der Hungerstreik ist nun nach Oesterreich verpflanzt: Seit Donnerstag früh weisen die im Lemberger Gefängnis inhaftierten ruthenischen Studenten die Kost zurück und hungern! Durch den Vcrzweiflungsentschluß soll gegen die Untersuchungshaft, die widerrechtlich über sie verhängt ist, in nachdrücklichster Weise pro- testiert werden— nachdem die gewöhnlichen strafprozessuellen Be- schwerden versagt haben. Die ruthenischen Studenten werden verfolgt wegen Ausschrei- lungen, die sie an der Lemberger Universität begangen haben. Im letzten Grunde handelt es sich um eine jener nationalen Zwistig leiten, an denen das österreichische Leben so reich und deren Schau platz nicht zum wenigsten die Universitäten sind. Obwohl in Galizien die Ruthenen(Kleinrussen) fast die Hälfte der Bevölte- rung bilden, sind beide Hochschulen des Landes'Lemberg und Krakau) polnisch. Natürlich verlangen die Ruthenen die Errichtung einer eigenen Universität, aber daneben und vorläufig fordern sie, dast mit ihnen auf der Lemberger Universität in ihrer Sprache ge- sprachen wird. Gerade diese Forderung stöstt nun bei den Polen, welche die Universitäten als polnischen Besitz betrachten und deren rein polnischen Charakter mit Nachdruck betonen, auf den ichroffsten Widerstand, und so gibt es bei der Immatrikulation, bei welcher das Gelöbnis auch den Ruthenen in polnischer Sprache ab- genommen wird, schon seit Jahren immer Streit und Skandal. Dieses Jahr nahm der Konflikt ganz besonders heftige Formen an: Die rulhenischen Studenten, welche die Ablegung des Gelöbnisses in polnischer Sprache verweigert hatten, wurden zu einer Nachtrag- lichen Immatrikulation geladen, und sie beschlossen nun. diese mit physischer Gewalt zu vereiteln. Das wäre in anderen Staaten viel- leicht ein ungeheuerliches Beginnen; in Oesterreich aber, wo solche „Obstruktionen" auf Universitäten, in Landtagen, im Reichsrat schon unzählige Male vorgekommen sind, war es eigentlich nur die Nachahmung, bewährter Skandale. Die ruthenischen Studenten draiigcn also am 23. Januar in die Universität ein, trieben die Professoren und Beamten gewaltsam heraus demolierten die ganze Einrichtung und verwundeten den Universitätssckretär. Es war ein hätzlicher Erzetz— man kann ihn nicht entschuldigen, nicht rechtfertigen. Begreifen kann man ihn allerdings als den ungezügelten Ausbruch der nationalen Entrüstung, welche das pol' Nische Regiment beim ganzen Ruthenenvolke erzeugt hat. Die Studenten wurden damals zur Polizei gebracht und nach Feststellung ihrer Personalien cntlasien. Nach einer Woche— am 1. Februar— wurde plötzlich über alle Beschuldigten die Untersuchungshast verhängt. Es ist sonst in Oesterreich nicht üblich, nationale Ausschreitungen von Studenten besonders ernst>zu nehmen; so wurde seinerzeit die Untersuchung wider die italie- Nischen Studenten, die auf den Straßen Innsbrucks Revolver- schietzereien verübt hatten, einfach niedergeschlagen. Die Ver- hasrung der Ruthenen sollte also vornehmlich die Uebermacht und die Unantastbarkeit des Polentums demonstrieren; sie wurden be- zeichnendevweise erst angeordnet, nachdem die polnischen Univerfiiäts- Professoren den Statthalter, Grafen Potocki, darauf„aufmerksam gemacht hatten", daß ihre körperliche Sicherheit von den ruthenischen Studenten bedroht werde— was geradezu eine gehässige Denun- ziation war; denn die Ruthenen hatten nicht gegen die polnischen Professoren, sondern gegen das polnische Gelöbnis gewütet, und es bestand nicht die geringste Besorgnis, daß sie den Exzeß, der ihnen ja keine besonderen Ehren eingetragen hatte, wiederholen könnten. Die Verhaftungen wurden in den ersten Morgenstunden und in ungewöhnlich rüder Weise vollzogen: Um S Uhr früh ward das rnthenische Akademikerheim von einer ganzen Armee— 50 Polizeisoldaten, 50 Polizeiagenten, 10 berittenen Polizisten und sechs Polizeikommisswnären— umzingelt. Die jungen Leute wurden aus den Betten geholt und in Arrest gebracht Das Haus selbst wurde einer fünfstitndigen Untersuchung unterworfen und alles Geschriebene beschlagnahmt. Nicht viel anders ging es im ruthe- nischen Seminar und in den Privatwohnungen der Studenten sowie in ihrem Vercinslokal zu. Ans die Studenten, die von Lemberg abgereist waren, wurden Gendarmen losgeschickt. Im ganzen lautete der Haftbefehl aus mehr als hundert Beschuldigte. Tatsächlich wurden etwa 80 Studenten in die Arreste eingeliefert. Nach der österreichischen Strafprozeßordnung kann die Unter- suchungshaft über einen Beschuldigten verhängt werden, wenn er der Flucht verdächtig ist(Fluchtgcfahr) oder wenn gegründete Be- sorgnis vorhanden ist, daß er„auf eine die Ermittelung der Wahrheit hindernde Art" auf Zeugen oder Mitbcschuldigte ein- wirken könnte.(Kollusionsgefahr.) Wie steht es nun um diese Gründe? Es ist an sich ganz unwahrscheinlich, daß die von Fana- tismus und Ehrsucht erfüllten jungen Leute geflohen wären, zumal da sie mit der Flucht ibre ganze Zukunft auf das Spiel setzen. Und wohin sollten sie, die nur russisch sprechen, denn fliehen? Rußland ist gerade kein Asyl für politische Flüchtlinge.— Auch mit der Verabredungsgefahr ist es, nachdem die Exzedenten eine Woche nach der Tat auf freiem Futze geblieben waren, recht windig bestellt, insbesondere weil die Belastungs- zeugen— natürlich durchaus Polen— ihrem Einflüsse völlig unerreichbar sind. Deshalb hatte schon die Massenverhaftung das unliebsamste Aufseben erregt, das sich noch steigerte, als die Unter- suchung so gemächlich geführt wurde, daß sich der Gedanke an eine absichtliche Verschleppung geradezu aufdrängte. Nachdem drei Wochen verstrichen waren und das Ende der Untersuchung noch immer nicht abzusehen war. entschlossen sich die ruthenischen Studenten, die sich hier nicht mit Unrecht als die Vorkämpfer der nationalen Rechte ihres Volles fühlen, zu der aufregenden Demonstration des Hungerstreiks. Sie sandten an das Gericht eine Eingabe, in der sie forderten, daß die Untersuchung bis zum 20. Februar vollendet werde— man soll ihnen diesen Endtermin früher zugesagt haben—» widrigenfalls sie von dem Tage an jede Nahrung zurückweisen würden. Es kann zugegeben werden, daß sich das Gericht durch diese ungewöhnliche Drohung in eine schwierige Situation versetzt fand, für welche die Para- graphen des Strafprozesses keine Auslunft geben, aber die be- scheidenste Ueberlegung hätte geboten, nun die„Untersuchung" loenigstens sofort abzuschließen. Besteht doch die ganze„Untere suchung" einfach darin, die Identität der Verhafteten mit den Ver- übern der Exzesse festzustellen, was durch die bloße Konfrontation der Beschuldigten mit den Zeugen unschwer zu erreichen gewesen wäre, aber erst am Donnerstag, also nach dem Ausbruch deS Hungerstreiks erfolgte. Nun wurden die EntHaftungen Partie. weise angeordnet: Erst gab man zu, daß 16 Studenten über- Haupt unschuldig sind. Dann wollte man die EntHaftung von weiteren 41 Studenten konzedieren, und schließlich sah man— am Sonnabend— ein, daß man die Oeffentlichkeit nur noch mehr er- bitterte, und nun wurde die EntHaftung sämtlicher Studenten mit Ausnahme von fünf„Rädelsführern" beschlossen, deren direkte Be- teiligung an den Exzessen angeblich erwiesen ist. Gerade durch das schrittweise Nachgeben aber, wobei jede Verfügung durch die nach- folgende als ungesetzlich dargetan lvurde, hat sich die galizische Justiz natürlich erst recht kompromittiert. Seit Mittwoch abend, wo sie die letzte Mahlzeit eingenommen hatten, hungerten die ruthenischen Studenten. Sie lieferten aber einen weiteren Beweis ihrer Solidarität, der ihnen überall Sympathien werben muß: Sie weigerten sich, die Freiheit anzu- nehmen, bevor nicht alle enthaftet werden! Sie wollen das Gc- fängnis nur gemeinsam verlassen und ihre Führer nicht im Stich lassen.'Von den zuerst Enthafteten konnten drei mit List entfernt werden: Man spiegelte ihnen vor, daß alle anderen schon entlassen seien und vor dem Tore warteten; daraus entfernten sie sich und wurden, als sie zurückkehren wollten, einfach nicht mehr eingelassen! Die übrigen 13 setzte man am Sonnabend gewalt- s a m in Freiheit: In Gruppen zu vier wurden die entkleideten Studenten aus den Zellen in die Gefangenhausdirektion geschleppt, wo sie sich anziehen mußten und von wo sie unter Assistenz von Justizsoldaten und Gefangenhauswärtern zum Tore des Land- «erichts gebracht wurden; nachdem man sie gewaltsam in Arrest f Bracht, mußte man sie nun gewaltsam«der Freiheit wiedergeben". benso hartnäckig weigern sich die 64 Studenten, deren Haft durch den letzten Gerichtsbeschluß aufgehoben ist. von der Freiheit Ge- brauch zu machen. Sie haben an das Gericht ein gemeinsames Gesuch gerichtet, in welchem sie erstens bitten, daß weitere Ver- Haftungen unterbleiben, zweitens, daß auch die letzten fünf Studenten, eventuell gegen Erlegung einer besonderen Kaution, auf freien Fuß gesetzt werden, und drittens, daß sich das Ober- landesgericht verpflichte, die zwei Studenten, die russische Unter- tauen sind, nach ihrer eventuellen Verurteilung nicht an die russische Grenze zu überweisen. Die ruthenischen Kreise sind bereit, für die zwei Russen eine beliebig hohe Kaution— und wären es selbst hunderttausend Kronen— zu stellen. Hoffentlich wird das Oberlandesgericht, das am Sonntag über die„Eingabe" beraten soll, auch die EntHaftung der letzten fünf bewilligen. Sonst würde ja die EntHaftung der übrigen auch zwangsweise vollführt werden. Es ist aber die höchste Zeit, daß dem schrecklichen Schauspiel dieses Hungerstreiks, der nun geradezu an Selbstmord und Mord grenzt, ein Ende gemacht wird. Die meisten Studenten sind gesundheitlich sehr herunter- gekommen: Eingefallene Wangen, auffallende Blässe, Fieber, be- schleunigter Puls, schwächere Herztätigkeit sind die hauptsäch- lichsten Symptome. Schon heute vormittag sollten acht Studenten, die vom Gesängnisarzt für krank erklärt wurden, ins Spital ge- bracht werden; sie setzten jedoch der Ueberführung so heftigen Widerstand entgegen, daß man sie in ihren Zellen ließ. Abends sind bei weiteren zwei Studenten schwere Krankheitserscheinungen aufgetreten. Man befürchtet, daß die Schwächeren vielleicht schon morgen vom Hungertyphus ergriffen werden könnten. Bis morgen 9 Uhr früh, dem Zeitpunkt der gewaltsamen„Delogierung", würden es 85 Stunden sein, daß diese Studenten in des Wortes schrecklichster Bedeutung hungern! In der Verhaftung der ruthenischen Studenten, die als ein so ernsthaftes Drama endigt, spiegelt sich das ganze Verhältnis zwischen Polen und Ruthenen im Lande Galizien wider. Schon deshalb kann das Ereig.ns dem übrigen Oesterreich nicht gleich- gültig sein, weil es geeignet ist, die österreichische Justiz, von der anerkannt werden muß, daß es ihr im allgemeinen an Einsicht und Menschlichkeit nicht gebricht, vor dem Auslande aufs böseste zu kompromittieren. Der Lembcrger Justizprozetz zeigt vor Europa die Polen, deren geschichtliche Rolle die der Bedrückten scheint, als Bedrücker: als gehässige Chauvinisten, die dem unentwickelten Brudervolk die bescheidensten Rechte versagen. Die tapferen Studenten haben aller Augen auf die Bedrückungen gelenkt, welche gegen das rnthenische Bauernvolk von der polnischen Scklachta ver- übt werden, und ihre Entschlossenheit wird.Kräfte auslösen, die der polnischen Oberherrschast sehr gefährlich werden können. Jene Kerkermeister, deren Brutalität den jungen Leuten den ver- zweifelten Entschluß zum Hungerstreik aufdrängte, haben dem Polentum wahrlich keinen guten Dienst geleistet. »» Lemberg, 24. Februar.(W. T. B.) Das Oberlandesgericht hat heute beschlossen, die fünf ruthenischen Studenten, deren Frei- lassung gestern nicht bewilligt wurde, gegen Sichcrheitsstellung eben- falls freizulassen. Die Bürgschaftssumme von zusammen 30 000 Kronen ich heute nachmittag erledigt worden und danach die Frei- lassung aller Verhafteten erfolgt.— Nach amtlicher Mitteilung sind bei den Verhafteten keine Erkrankungen vorgekommen; bei einigen wurden leichte Störungen im Puls und Temperatur festgestellt.— Sjebeuter Nerbandstag der Steinsetzer, Pflasterer und Kernfsgtnossen Deutschlands. FünfterVerhandlungstag. Leipzig, 22. Februar. Das Referat über den Stand der Tariffrage hatte Wagner- Berlin übernommen. Solange die Organisationen noch klein waren, konnte nur selten oder gar nicht von Tarifverträgen die Rede sein. Wurden in der guten Zeit Vorteile von den Arbeitern erreicht, dann gingen diese in einer schlechten Konjunktur sofort verloren. So war die ständige Unsicherheit der normale Zustand im Gewerbe. Niit dem Erstarken der Organisation aber wuchsen die Tarifverträge an. Wohl wurde gegen Tarifverträge einstmals gesagt, daß sie den Kampfescharakter der Arbeiterorganisationen verwischen und zersetzen, dagegen den Arbeitern nicht die erhofften Vorteile brächten. Das hat sich als durchaus unbegründet erwiesen. Die Zahl der Tarifverträge und der Organisationen, die sie ein- führten, ist gewachsen, der Kampfescharakter der Gewerkschaften aber ist geblieben. Im Laufe der Zeit hat es sich ferner gezeigt, daß die Unternehmer, sobald es ihnen in den Kram paßt, ihnen unbequeme Tarife brechen. Nur eine starke Organisation ist im- stände, dies zu verhindern und die Errungenschaften der Tarif- Verträge zu erhalten. Früher spielten die Unternehmer den einen gegen den anderen Arbeiter aus. Durch diese Konkurrenz wurde die Leistungsfähigkeit des einzelnen Arbeiters bis aufs höchste an- gespannt. Von einer Regelung des Lohnes und der Arbeitszeiten konnte also damals keine Rede sein. Heute aber, oder wenn die Tarife abgeschlossen, steht nicht mehr der einzelne Arbeiter dem Unternehmer bei der Festsetzung des Lohnes und der Arbeitszeiten gegenüber. Die Organisation regelt den Preis der Arbeitskraft. Auch bei uns ist die Einführung der Tarifverträge anfangs langsam vorwärts gegangen. Im Jahre 1903 hatten wir erst in 29 Bezirken Tarifverträge, im Jahre 1904 schon in 42, dagegen im Jahre 1906 in 153 Orten für 7877 Mitglieder oder 82 Proz. der organisierten Kollegen. Nach der Zahl unserer Berufsgenossen in Deutschland gerechnet, haben wir für 56,2 Proz. Tarifverträge. Auch der Gedanke eines Tarifes durch das ganze Reich beschäftigt uns. Allerdings muß zugestanden werden, daß viele unserer Tarife keineswegs unserem Ideal entsprechen. Ein Tarifvertrag ist wie ein Kauf- oder Handelsgeschäft. Da müssen Leute den Tarif ab- schließen, die mit den Dingen genau vertraut sind. Hier hat sich unser Ganleitersystem besonders bewährt, da sie anders als unsere damit unerfahrenen Kollegen bei den Tarifverträgen mitwirkten. Im allgemeinen, besonders nach den Erfahrungen der letzten drei Jahre, haben wir keinen Grund, uns für langfristige Verträge zu begeistern. Nur dann sind sie zu empfehlen, wenn man vor einer schlechten Konjunktur steht, um recht lange das Errungene auch in oer schlechten Zeit zu erhalten. Uns muß daran liegen, den Tarif- gedanken immer mehr auszubauen, um zu erreichen, daß alle unsere Berufskollegen unter tariflichen Arbeitsbedingungen arbeiten. Bis- her ist der Reichstarif an dem Widerstände der Unternehmer, be- sonders an dem Bunde der Berliner Steinsetzerinnungcn, gescheitert. Nur der Verband der Steinsetzerinnungcn von Rheinland-Westfalen hat uns mitgeteilt, daß er zum Abschluß eines Tarifes auf Grund unserer Tarife einverstanden ist. Das bestimmt uns, an dem Ge- danken eines Reichstarifes festzuhalten. Redner beantragt eine Resolution, die besagt, daß, um den Reichstarif auch gegen den Willen der Unternehmer zu erreichen, einheitliche lokale oder Bezirkstarife abzuschließen sind. Wiese-Düsseldorf: Auch Behörden stehen dem Gedanken der korporativen Arbeitsverträge sympathisch gegenüber. Die bayerische Regierung hat ihre Gewcrbe-Aufsichtsbeamten angewiesen, an der Schaffung und Aufrcchtcrhaltung solcher Verträge mitzuwirken. Aehnlich sprach sich 1906 Graf Posadowöky im Reichstage aus. Auch Wir als Verband haben durchaus nichts dagegen, wenn wir unsere Forderungen ohne wirtschaftliche Kämpfe, durch Perträge durch- setzen können. Leider müssen wir konstatieren, daß das Reichsgericht die rechtliche Sicherstellnng der Tarifverträge verneint. Wir halten die Tarife, die Unternehmer nicht. Im Rheinland hätten wir sicher in einigen Orten den Stundenlohn um 10 Pf. erhöhen können, denn die Konjunktur war gut. Trotzdem hielten wir die Tarife. In meinem Gau schließen die Unternehmer mit den Ausländern Sonderverträge ab. Redner hält es für einen Vorteil, wenn die 14tägige Kündigungsfrist aus den Tarisen herauskommt. Werden Tarife auf eine mehrjährige Dauer abgeschlossen, dann muß in ihnen eine staffelweise Lohnzulage festgelegt werden. Die Stein- setzer haben allen Grund, der Arbeitszeitverkürzung mehr als bishe, ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Schenk-Berlin führt eine große Zahl Beispiele an, die be. weisen, daß die Berliner Unternehmer fortgesetzt Tarifbrüche selbst in der guten Konjunktur begehen; dabei sind selbst Leute, die in den Tarifkommissionen saßen. Ganz energisch haben wir uns gegen die sogenannten Leistungsklauseln zu wenden. Die Lehrlingsftage beansprucht unsere ganze Aufmerksamkeit. Wie diese Frage von den Behörden beurteilt wird, zeigt folgendes: Wir beschwerten uns bei der Handwerkskammer in Berlin über einen Tempelhofer Meister, der bei 4 Gehülfen 37 Lehrlinge beschäftigte, da erhielten wir die charakteristische Antwort, daß die handwerksmäßige Ausbildung der 37 Lehrlinge gewährleistet sei und kein Anlaß zum Einschreiten bestände. Auch hier wieder zeigt es sich, daß wir zur Selbsthülfe greifen müssen. Pitschke begründet einen Antrag, wonach der Verbandstag sich mit der Aufstellung eines Normallesstungstarifes befassen solle. Die Verschiedenheit der Arbeitsleistungen ziehe eine Schmutz- tonkurrenz groß und senke die Arbeitslöhne. Eine Resolution Wagner wird angenommen, die besagt: An dem Gedanken des Reichstarifes wird festgehalten, auch gegen den Widerstand der Unternehmer. Um diesen Tarif auf anderem Wege zu erreichen, ist darauf zu achten, daß die Lokal- und Bezirks- tarife weiter ausgebaut und einheitlich gestaltet sein müssen. Ferner wird folgende Resolution der Gaukonferenz Rheinland. Westfalens angenommen: Resolution betreffs der bei Tarifabschlüssen sestzulegenden Arbeitsleistung: Die Gaukonferenz der Pflasterer und Berufsgenossen von Rheinland-Westfalen erklärt: Jeder Arbeiter soll stets dessen eingedenk sein, daß er mit der einzigen Ware, die er besitzt, nämlich der Arbeitskraft, Haus- hälterisch und vernünftig umzugehen hat! Dieses in unserem Gewerbe um so mehr, als die Ausführung von Pflasterarbeit es mit sich bringt, einmal durch die damit verbundene Körperhaltung, zum anderen durch den Einfluß der wechselnden Temperatur, und Witterungsverhältnisse, daß die Körperkraft und der gesamte Organismus frühzeitig sehr stark angegriffen werden. Die Konferenz macht es deshalb allen organisierten Kollegen zur Pflicht, gerade bei der Arbeitsleistung den älteren und schwächeren Kollegen gegenüber die vollste Solidarität walten zu lassen und dahin zu wirken, daß die tägliche Arbeitsleistung vor allem auf ein den örtlichen Verhältnissen entsprechendes ver- nünftiges Matz(Pensum) gebracht wird. Auch der Antrag Köln: Bei Abschluß voN Tarifverträgen ist darauf zu sehen, daß diese Verträge nicht auf eine allzu lange Dauer bemessen werden, da die wirtschaftlichen Verhältnisse fort- währenden Schwankungen unterliegen, fand Annahme. Ueber den Bericht vom Gewerkschaftskongreß und Wahl der Delegierten referiert W i e s e- Düssetdorf: Da der Mannheimer Parteitag die Differenzen, die auf dem Kölner Gc- werkschaftskongrcß entstanden sind, endgültig erledigt hat, wollen auch wir uns damit zufrieden geben. Auch den Beschlüssen des Kölner Kongresses, betreffend die Aufbringung der Streikmittel durch die einzelnen Gewerkschaften, können und werden wir zu- stimmen. In der Maifeiersrage stehen wir nach wie vor auf dem Standpunkt der Resolution des Parteitages. Zu Delegierten zum nächsten Gewerkschaftskongreß wurden Knoll, Franke und Nillert gewählt. Ueber die Stellungnahme zum internationalen Arbeiterkongreß in Stuttgart berichtet A. Knoll- Berlin. Die deutsche Arbeiterschaft hat die Ehrenpflicht, auf diesem Kongreß recht zahlreich vertreten zu sein. Auf unsere Organisation würde nach den Abmachungen ein Delegierter entfallen. Die Mai- feierfrage wird diesen Kongreß besonders beschäftigen, damit endlich die Maifeierdemonstration einheitlich international durchgeführt wird. Das Arb�itsberechtigungs- und Kontroll« kartenshstcm wird vom Referenten A. Knoll behandelt: Wir dürfen keine Laxheit eintreten lassen in der Aufrechterhaltung der bestehenden Lohn- und Arbeitsbedingungen. Die Wanderarbeiter unseres Berufes glauben, wenn sie in der Fremde sind, jede Stunde ausnützen zu müssen, um so viel als möglich in unerhört langen Arbeitszeiten zu verdienen. Damit rennen sie unsere Arbeits- bcdingungcn nieder. Daher ist es nötig, daß sich jeder zureisende Kollege dem Verbandsvorstand am Arbeitsorte meldet. Aber Pein- lichst müssen wir alles vermeiden, was den Kollegen die Meldepflicht als eine Schikane erscheinen läßt. Nach kurzer Diskussion wird eine entsprechende Resolution Knolls angenommen. Hierauf gibt Knoll den Bericht über die internationale Kon- ferenz der im Straßenbau beschäftigten Arbeiter, über die wir bereits berichtet haben. L e i p z i g. 23. Februar. Sechster und letzter Bcrhandlungstag. Die Statutenberatnng ergab folgende Aenderungcn: Nunmehr können auch die Pflastersteinhauer dem Verbände bei- treten. Vom 1. März 1907 an werden 42 gegen 40 Wochen bisher Beiträge erhoben. Die Filialen können auch für die Wintcrmonate Beiträge erheben, die den Lokalkassen unverkürzt zufließen. Die Arbeitslosenmarken werden nach der ersten Arbeitsloscnwoche ge- klebt. Die Höchstzahl dieser Marken darf nur 20 pro Jahr betragen. Mitglieder, welche länger als 20 Wochen erwerbsunfähig sind und den Anspruch auf Zuerkcnnung der Ehrenmitgliedschaft noch nicht erworben haben, sind für die 20 Wochen überschreitende Dauer der Erwerbsunfähigkeit von jeder Beitragspflicht befteit, haben also auch keine Arbeitslosenmarkcn zu kleben. In der bcitragsfreien Zeit ruhen die sämtlichen Rechte solcher Mitglieder. Nach Wieder- erlangung ihrer Arbeitsfähigkeit können dieselben unter Anrechnung der früher erworbenen Rechte dem Verbände ohne weiteres wieder beitreten. Die Ausschlußfrist von 10 Wochen wird durch die bei- tragsfteien Wochen im Winter nicht unterbrochen. Erreicht wird damit, daß bis zum 15. Dezember jeden Jahres alle Beiträge bezahlt werden müssen. Die§8 7 bis 8a werden vereinigt und erhalten folgenden Wort- laut: Unterstützungen gewährt der Verband: 1. in gewerblichen und solchen Rechtsstreitigkeiten, welche die sozialpolitische Gesetzgebung betreffen; 2. in Fällen, Ivo ein Mjtglied infolge seines Eintretens für die Interessen des Verbandes des Rechtsschutzes bedarf; 3. in besonderen Notfällen; 4. in Fällen von Maßregelung; 5. bei Krank- heitsfällen der Mitglieder; 6. bei Todesfällen der Mitglieder und deren Ehefrauen; 7. auf der Reise. Wiedereintrctende erhalten nicht schon nach 10 Wochen, sondern erst nach einem halben Jahre Karrenzzeit die Reiscunterstützung. Der Zentralvorstand besteht nicht mehr aus 12 sondern aus 9 Mitgliedern. Ein dritter Beamter für den Zentralvorstand wird angestellt. Mitglieder des Zentral- Vorstandes und des Ausschuffes dürfen kein anderes Amt bekleiden. Neugeschaffen wird ein Verbandsbeirat, der aus dem Jens tralvorstand, VerbandSausschuß und den sonstigen angestellten Beamten gebildet wird und bei wichtigen Angelegenheiten zu- sammentritt. In Zukunft wählen nicht mehr 50, sondern 75— 100 Mitglieder einen Delegierten, damit die zu hohen Kosten für den Verbandstag vermindert werden. Nicht nur die Beamten des Zentralvorstandes, sondern alle Verbandsbeamten wählt von jetzt an der VerbandStag. DieStreikunterstützungenwerden c r h ö h t bis zum Höchstbetragc von 20 M. pro Woche. Von Fall zu Fall kann der Vorstand entscheiden, daß dem unverheirateten Mit. gliede. sobald es der einzige Ernährer seiner Familie ist, die Streik- Unterstützung in derselben Höhe wie dem Verheirateten ausgezahlt wird. ' Die Sterbeunterstützung, die bisher 60—100 M. be- trug, wird für Mitglieder und ihre Ehefrauen einheitlich auf 100 M. festgesetzt. K rankenunter st ützung im Wrnter wird schon nach zweijähriger Mitgliedschaft ikg4 Wochen Bcitragsleistung) ge- währt, und zwar in folgender Höhe: Nach 42 Wochen Mitgliedschaft auf 12 Tage; nach 126 Wochen Mitgliedschaft auf 24 Tage; nach 294 Wochen Mitgliedschaft auf 36 Tage; nach 420 Wochen Mitgliedschaft auf 78 Tage. Ueber die Frage, ob und wo neue Gauleiter angestellt werden sollen, entsteht eine lange Debatte, in der die verschiedenen l�ele- gierten lebhaft für die von ihnen vertretenen Gaue eintreten. Der Verbandstag entscheidet dahin: Die Gaue, die bisher besoldete Gauleiter hatten, behalten sie. Für den Osten Deutschlands und die Provinz Brandenburg wird je ein Gauleiter neu angestellt. Der' Antrag, einen Gauleiter für Sachsen und Schlesien anzustellen, wird dahin erledigt, daß der Zentral- vorstand die Anstellung vorzunehmen hat, wenn sich nach einem Jahre herausgestellt haben wird, daß die finanzielle Möglichkeit dazu vorhanden ist. Der Verbandstag bewilligt den Verbandsbeamtep einen Er- holungsurlaub von 14 Tagen pro Jahr. Der Sitz des Zentral- Vorstandes bleibt in B e r l i n, der des Ausschusses wird von Hamburg nach L e i p z i g verlegt. Wiese- Düsseldorf teilt mit, daß in einzelnen Städten Rheinland-Westfalens Strafgefangene im Straßenbau beschäftigt worden wären. Bei der D o r t m u n d e r Staatsanwalt- schaft habe er sich unter anderem dagegen beschwert, aber keine Antwort bekommen. Der nächste Verbandstag wird in K ö l n stattfinden. K n o l l- Berlin wird als Zentralvorsitzender und Redakteur gewählt und gebeten, sobald als möglich seinen Posten bei der Generalkommission aufzugeben, was Knoll versuchen will. Wagner- Berlin wird als 2. Vorsitzender und F ra n k e- Leipzig als provisorische Hülfskraft und künftigen Gauleiter für Sachsen und Schlesien gewählt. Ferner werden als Gauleiter angestellt: Wiese für Rhein- land-Westfalen, Pitschke für Süd- und Mittel- deutschland, Göhre für die thüringisch-sächsischen Staaten, Schenke für Brandenburg, Schütt für Nordwest-Deutschland und Schwan dke für Ost- und We st Preußen. Damit ist die reichhaltige Tagesordnung erschöpft. Mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung wurde der Verbands- tag geschlossen._ Huö Induftrle und ftandel* Die armen Grubenbesitzer. Die Unternehmerorgane sind nie müde geworden, zu behaupten. die fortgesetzt steigenden Löhne drängten zu den vorgenommenen Preisaufschlägen. Ja auch die für das laufende Jahr beschlossenen Preiserhöhungen sollen durch die vorjährige Lohnentwickelung ge- rechtfertigt sein. Wir haben demgegenüber schon mehrfach darauf hingewiesen, daß die erhöhten Einkommen der Bergarbeiter vor- wiegend auf gestiegene Leistungen zurückzuführen sind. Die Geschäfts- berichte der einzelnen Unternehmen weisen die Behauptungen von 'den enorm gestiegenen Selbstkosten ins Reich der Fabel. Der Essener Bergwerksverein z. B. erzielte im vorigen Jahre einen Reingewinn von 2 129 285 M. gegen 1 315 894 M. im Borjahre. Dabei sind die Abschreibungen von 533 325 M. auf 1 010 229 M. in die Höhe ge- gangen. Aus dem Reingewinn wird auf Stammaktien eine Dividende von 20 Proz., auf BorzugSaUien 25 Proz. ausgeschüttet. Die vorjährige Dividende betrug 12 resp. 17 Proz. Diese« glänzende Resultat wurde erzielt trotz der vielbejammerten Selbstkosten steigerungen. Diese sehen nämlich so aus: Die Erzeugungskosten pro Tonne Kohlen stiegen nach Ausweis deS Geschäftsberichtes um 17l/z Pf.; dagegen belief sich die im Frühjahr 1906 in Kraft ge tretene Preiserhöhung auf 25—100 Pf. Die Einnahmen pro Tonne Förderung gingen sogar um 1,50 M. hinauf. Da die armen Gruben befitzer mit solchen Resultaten noch nicht zufrieden find, wurden für das laufende Jahr wiederum Preisaufschläge besessen. Die hohen Löhne sind natürlich auch dafür verantwortlich. Eisenhüttenwerk Thale. Das Unternehmen erbrachte im vorigen Jahre einen Rohgewinn von 2 450 000 M. gegen 1748 000 M. im Vorjahre. Der Reingewinn stellt sich auf 745 000 M. gegen 452 000 M. im Jahre 1905. Demgemäß erhöht sich die Dividende von 5 auf 9 Proz. Norddeutscher Lloyd. Seit acht Tagen wird die Presse gefüttert mit Berichten über glänzende Feierlichkeiten aus Anlaß des 25jShrigen Bestehens der Gesellschaft. Wir meinen, der.Lloyd" hätte den Gedenktag würdiger begangen, wenn er die Riesensummen, die für Festlichkeiten ausgegeben worden sind, dazu benutzt hätte, die Löhne der Arbeiter aufzubessern. Weiterer Rückgang der Eisenpreise. Wie die.Kölnische Volks- Zeitung" meldet, ist wiederum ein Rückgang der Preise für eng- lisches Gießerei-Eisen um 2 Mark auf 74 Mark pro Tonne frei Ruhrorter Hafen eingetteten. Auch Luxemburger Eisen wird im Kampfgebiet schon billiger angeboten. Ans der Großindustrie. Die.Rh.-Westf. Ztg." bemerkt in einem längeren Artikel, die Schwierigkeiten in den Verhandlungen über die Verlängerung der Verbände sei in erster Linie in der Verminderung der Geschäftstätigkeit zu suchen. Ein- und Verkauf beginnen darunter zu leiden und die seit kurzem beobachtete Zurückhaltung auf dem Markt habe in den ungelösten Verbandsfragen ihren Hauptgrund. Seine Betrachtungen faßt das Blatt dahin zusammen: Komme der Stahlwerksverband nicht zustande, dann werde auch kaum einer der anderen Eisenverbände wieder seine Auferstehung feiern. Lohnfteigerungen im englischen Bergbau. Bei einem Vergleich der gegenwärttgen Löhne mit dem Stande früherer Jahre ergibt sich im un Vergleich �-mm Jahre Northumberland..... 1879 Cnmberland....... 1879 Federated DistrictS.... 1888 South Stoffs a. East Warcest. 1888 Forest of Dean 1888 Somerset........ 1879 Durham s......- 1879 Die außerordentlich große Zahl von Arbeitern, auf die sich die jeweiligen Lohnveränderungen in England gewöhnlich erstrecken, kommt daher, daß die englische Bergarbeiterschaft weit besser organisiert ist als z.B. die deutsche. Der hohe Grad vonSoU- darität. der in der englischen Bergarbeiterschaft vorhanden ist. äußert sich darin, daß der bei weitem überwiegenden Zahl der Streik» du Weigerung Organisierter zugrunde liegt, mtt Nichtorganisierten zusammen zu arbeiten und fast innner. wenn diese Fordening den Anlaß des Streiks bildet, der Erfolg ber den Arbeitern ist. So sind erst im Jaimar wieder zwe, größere Bergarbeiter- streiks dadurch beigelegt worden, daß die Nichtorganisierten deS fraglichen Bergwerks dem Gewerkverein beitraten. Weit seltener alS Organisationsfragen bildeten Lohnftagen im letzten Jahre den Anlaß zu Streiks; ein größerer Kampf sollte>m November ve- eine Lohnstelgerung von Prozent 25 82'/, 45 45 85 35 31'/« gönnen werden, weil die Arbeiter von der Aufhebung des Kohlen- auSfuhrzolls. der den Zechenbefitzern erhebliche Gewinne brachte, ebenfalls Nutzen haben wollten und dieser ihnen erst versagt worden war. Schließlich bewilligten die Bergwerksbesitzer aber doch eine Reihe Lohnforderungen und so wurde ein Streik vermieden. Ein Fiasko der russischen Regierung. Wie bekannt, hat die russische Regierung nach dem völligen Fehlschlagen ihrer Anleihe- versuche in Frankreich unter Ueberttetung der Grundgesetze eine innere Anleihe von 70 Millionen Rubel durch Allerh. Ukas vom 6. Februar angeordnet. Indes, diese Anleihe hat auf dem russischen Geldmarkt keinen Absatz gefunden und die ersten 30 Millionen Rubel wurden von den staatlichen Sparkassen gedeckt. Wie jetzt die „Birschewija Wedomosti" mitteilen, hat die Verwaltung der staat- lichen Sparkassen den Wunsch geäußert, für 40 Millionen Rente a konto der durch den Ukas vom 6. Februar 1907 genehmigten 70 Millionen-Anleihe anzuwerben." Da die Verwaltung der staat- lichen Sparlassen sich in den Händen derselben Regierung befindet, so ist es klar, daß dieser.Wunsch" nichts anderes ist als eine dreiste Täuschung der öffentlichen Meinung. Die Regierung �lann weder auf dem ausländischen, noch dem inneren Geldmartt ihre Werte unterbringen und in ihrer Bedrängnis steht sie nicht an, die Volks- ersparnisse, die in den Sparkassen liegen, anzugreifen. Die innere Anleihe vom 6. Februar 1907 hat bereits ein starkes Fallen der Anleihewerte zur Folge gehabt und das Kunststück mit den Spar- lassen wird zu einem bedeutenden Abfluß der Gelder aus denselben führen._ Hus der frauenbewec(unc|. Genossinnen Berlins! Der Erklärung der Genossin Baader betreffend Beteiligung an der sogenannten Ersten deutschen Konferenz zur Förderung der Arbeiterinneninteressen schließen sich die Unterzeichneten vollständig an. Die Bertrauenspersonen Berlins. Christliche und bürgerliche Sozialpolitik. Die in Betracht kommenden Veranstaltungen dienen nicht der Förderung energischer Sozialpolittk. Bewußt wird darauf hingewirkt. die bestehende Gesellschaftsordnung als eine göttliche, unabänderliche zu rechtfertigen. Damit auch die als Ausfluß jener wirkenden Aus- beutungs- und Unterdrückungssysteme. Dadurch, daß man die Arbeiterklasse mit den bestehenden Verhältnissen auszusöhnen sucht, wird nicht nur die kapitalistische Herrschaft gestärkt, es wird auch die Stoßkraft der roformerischen Bewegung abgeschwächt. Es kann nicht unsere Aufgabe sein. eine Bewegung zu stärken, die bei allen Forderungen darauf bedacht ist, Privilegien der Herr- schrnden Gesellschaft nicht zu verletzen. Nicht sozialpolitischer Eifer, sondern Haß gegen die Sozialdemokratie ist in erster Linie die treibende Kraft bei allen solchen Veranstaltungen. Die Riicksicht auf die Klaffenprivilegien besttmmt für die bürgerlichen Sozialpolttiker die Grenze des Erreichbaren bei sozialpolitischen Forderungen. Mit dem Hinweise auf das Erreichbare und auf die Göttlichkeit der bestehenden Gesellschaftsordnung unterstellt man jeden schein- baren Vorteil, selbst wenn er mehr den Interessen des Kapitals als denen der Arbeiterschaft dient, als großen Gewinn. Die ganze christliche sozialpolitische Argumentation läuft darauf hinaus, die Arbeiterschaft in Gegnerschaft zu bringen zu den Bestrebungen, welche aus der kapttaliftischen Herrschast hinausführen sollen. In welcher Weise sich die in solchem Bann ge- haltene Arbeiterschaft mißhandeln läßt, dafür ist die parlamentarische Geschichte des Zentrums reich an Belegen. Die Spuren sollten schrecken. Es sei nur an die Behandlung der Novelle zum Berggesetz erinnert, die aus Anlaß des Bergarbeiterstreiks dem Schöße der Re- gierung entsproß. Das Zentrum erklärte seierlichst, das. was die Regierungsvorlage enthalte, sei das Mindestmaß. von dem man kein Jota sich rauben lassen werde. Und weiter drohte das Zentrum: Wird der Entwurf verhandelt, werden wir den Entwurf zu einem Reichsberggesetz vorlegen.— Das waren christliche Worte I Und die Taten? In den Kommissionen war die Novelle so gründlich umgearbeitet worden, daß sie mit Recht den Namen: Arbeitertrutz l verdient. Selbst die christlichen Gewerkschafts- organe mußten bekennen: die Novelle bietet den Arbeitern.Steine statt Brot! Trotzdem war sie den Konservattven vor der letzten Korrektur noch nicht reaktionär genug. Damit die Trutz- Novelle nicht abgelehnt werde, schlössen die Zentrümler mit den Konservativen ein Kompromiß. Auf dieser Grund- läge erhiell die Novelle ihre endgütige Fassung. Das Zentrum hatte seine feierliche Erklärung längst vergessen, eS be fürchtete, daß eventuell die Frage eines Sieichsberggesetzes akut werden könne. Deshalb schloß man mit den Konservativen das Kompromiß und erklärte nachher unschuldsvoll: mehr war nicht zu erreichen I Man machte aus der Sünde eine Tugend. Und welch blamables teugnis haben sich nicht schon die bürgerlichen Frauen ausgestellt. rotz aller ihrer Liebesbeteuerungen sind sie verraten, zurückgestoßen, mißhandelt, getreten worden von den bürgerlichen Parteien. Trotzdem winseln sie hinterher um gnädige Aufnahme, sie gründen sogar eine liberale Partei, in der ausgesprochenen Absicht, die Frauenbewegung in den Dienst derjenigen Parteien zu stellen, die sich als ihre schärfsten Gegner bekannt haben. DaS materielle oder ideelle Interesse an der bestehenden Gesellschaftsordnung ist so groß, daß man unbedenklich alle anderen Erwägungen in den Hinler- grund treten läßt. Die bürgerliche Sozialpolitik macht Halt vor den Klasieninteressen und-Priviligien, ja sie fühlt sich als deren Hüterin und Beschützerin. Da durch jene Bestrebungen die Energie der Arbeiterschaft gelähmt wird, dem VorwSrtsdrängpn Fesseln an- ulegt werden, können wir ihnen irgend welchen Nutzen nicht zu- prechen._ Deutscher Verband für Fraurnstimmrecht. Der Verband versendet eine Mitteilung an die Presie, in der er sagt: „Angesichts der außerordentlichen Anteilnahme, welche die jüngsten politischen Ereignisse in Frauenkreisen gefunden haben. und der regen Mitarbeit bei den ReichStagswahlen, welche Mit- glieder des deutschen Verbandes für Frauenstimmrecht in allen Teilen des Reiches. geleistet haben, wird der Verband demnächst eine große öffentliche Versammlung veranstalten." Daß die bürgerlichen Damen auch noch stolz sind auf die der Reaktion geleisteten Dienste, das sollte man füglich nicht erwarten. Daß die Damen aber etwa eingesehen haben sollten, daß von den bürger- lichen Parteien eine energische Förderung des Frauenstimmrechts nicht zu erwarten ist, dagegen spricht die Gründung der liberalen Frauenpartei mit dem sozial-nationallibtralen Programm. Für daS Frauenstimmrecht in New Uork wird gegenwärtig eine eiftige Agitation entfaltet. Dem StaalSparlament liegt ein Antrag vor, der verlangt, daß in der Berfasiung des Staates New ßjork da« Wort.männlich' bei der Qualifikation der Wähler geslrichen werden solle. Gelangt ein solcher Antrag bei den Gesetzgebem zur Annahme, dann wird er den Bürgern unterbreitet, die sich mit dieser Abänderung der Staatsverfassung erst einverstanden erklären müssen, ehe da» Frauenstimmrecht eingeführt werden kann. Die schwerste Arbeit der Agitatton würde also dann beginnen, wenn die Legislatur in Albany, der Staatshauptstadt, sich prinzipiell zugunsten der Frauen erklärt hat. In manchem anderen Staat der Union haben die Frauen schlechte Ersahrungen bei Bolls- abstirnmungen gemacht, wenn sie auch im Parlament einen Sieg er- rungen hatten. Nur in vier Staaten haben die Frauen die gleichen polittschen Rechte mit den Männern, nämlich in Colorado. Utah. Iowa und Wyoming. In Kansas haben die grauen seit 1887 das volle Gemeindewahlrecht. In vielen Staaten haben die Frauen bei der Wahl der Schulbehörden das akttve und passive Wahlrecht. In einigen Staaten hat man den Frauen ein Mitbestimmungsrecht ein- geräumt, wenn eö sich um große Anleihen oder Geldbewilligungen für außergewöhnliche Zwecke handelt.— In neuester Zeit hat die Bewegung unter den Frauen in England auf die Frauenwelt in 6er Vereinigten Staaten eingewirkt und hier und da neue Energie ge- weckt. Agitatorinnen sind von London nack New Dork gekommen und haben die Frauen aufgemuntert. Forderungen zu erheben. Versammlungen— Veranstaltungen. Treptow-Baumschulenweg. Dienstag, den 26. Februar, b'/g Uhr, bei Mohlau, Kiefholzstr. 35. Vortrag, Herr Julian Borchardt: „Moderne Erziehungsfragen". Köpenick. Mittwoch, den 27. Februar er., abends 8 Uhr, bei Moll. Vorttag.„Rkutter- und Säuglingspflege". Frau Störmer. Verein für die Interessen der Hausangestellten. Donnerstag, den 28. Februar. 8'/, Uhr, bei M. Mürich, Steglitzerstt. 35. Bor- trag. Herr Störmer:„Die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisatton."_ eingegangene Dnichfcbriften. Von der„Neuen Zeit«(Stuttgart. Paul Singer) ist soeben das 21. Hest des 25. Jahrganges erschienen. Das Heft hat folgenden Inhalt: Der neue Reichstag.— Die Arbeiterpolitik der letzten Jahre in Rußland. Von Paul Dange-Moskau.(Fortsetzung.)— Planmäßige Aufklärung der Ueber- und Mtläuser. Von Hermann Linde(Königsberg).— Das Gruben» uiiglück aus Zeche„Reden". Von Joh. Leimpeters.— Lehren aus dem Wahlkamps. Von Heinrich Busold.— Thüringens Heimarbeiterelend. Bon Paul Sauerbreh(Großbreitenbach),— Bericht deS Internationalen Sozia- llstifchen Bureaus für die Monate Dezember 1906 und Januar 1997.— Bericht der Finnischen Sozialdemokmlifchen Partei an das Internationale Sozialistische Bureau über ihre Tätigkeit von Juli bis September 1906. Von Irjo Shrola.— Literarische Rundschau: L. Wodon. Kur guolausa eiTeuis de Methode dans l'ätnde de l'homme prirnitif. Note critiques. Von St. Kautsky.— L. Frei, Kettenträger. Roman. Von Franz Diederich.— Der Mensch und die Erde. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentttch einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Ps. Probenmnmcru stehen jederzeit zur Versügung. Witterungsüberstcht vom 25. Februar 1907, morgens 8 llhr. StaNonen Swwemde. Hamburg Berlin Frantf.a.M. 762 ZW München 1765 SS Wien|764D3JO c 5 I I «f ' «euer 761 NNW 763 NNW 761 WNW »K e» f« ß? — 0 SlfltUoen c 5 e? charanda 1 755 JW Diersburg 755 NW illh Werdeen Part» 772 NNW 765 W 769 W 2 heiter 4 bedeckt 1 bedeckt 4 bedeckt 7 Schnee 4 haw bd. Wetter-Prognoie für Dienstag, de» 26. Februar 1907. -Zlnsänglich noch zeitweise heiteres, später meist trübes Wetter mäßigen wesllichen Winden und im allgemeinen wenig veränderter Tem peratur; geringe Niederschläge. Berliner W e t t e r b u r- a u. Vetter 2 bedeckt 1 bedeckt 3 wolkig I«ollig 2bede>olzwarenhandwng, Rolle, gut gehend, vertäusllch. Alvens- lebenstraffe 26, Ecke Potsdamerstraffe. Piantno. hohes, ILO.—(Garantie� schein). Turmstraffe L I. 16/7 Ktnderwagen, Kindirbctlstellcn, Sportwagen, gebrauchte, zurückgesetzte spottbillig. Schneider, Kursürsten- straffe 172. 2247K' Möbelangebot. Im Anhalter Bahuspeicher, Möckentstraffe 25, An- Halter Jnnenbahnhof. direkt Hoch- bahnstotton Möckernbrücke, stehen ver- schieden« Einrichtungen zum Der- kauf. 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Die dem Direktor des Norddeutschen Brauhauses, Herrn Heinemann, in den Mund gelegten Aeußerungen betr. den.Jubel über den Ausfall der RcichStngZwahlcn", veröffentlicht in der Freitagsnummer des.Vom" unter„Gewcrkschasttichcs", sind aus ein Mißverständnis zurückzuführen und werden hiermit zilrürkgenommen. (Siehe.Gewerlschastiiches" der heuti- gen Nummer des„Vorwärts"). Zentralverband deutscher Brauerei- arbeiter. OrtSverwaltungcn Berlin 1 und II. Verband der Maschinisten und Heizer Deutschlands. Achtung!. Achtung! AH-«iill Mm! Wegen Lohndifferenzeii der Schiff» und Bootsbauer von Berlin und Umgegend ist Zuzug fernzuhalten. Arbeiiersteundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. 287/6 Der Borftand. I. A.: Uax tanke. Deutscher Metallarbeiter-Verbaod , Verwaltungsstelle Berlin ■ Engel-Ufer 15. Achtim, Rohrleger u. Keifer Serlms. Wegen nicht Jnnehaltens des Tarifs bei der Firma Volt»!& W 1 1 1 n c r ist der Bau Unter den Linden und Pariser Plnh- Ecke sosiperrt. Wir ersuche» die Bauhaud/verler davon Kenntnis zu nehmen. 113/19 Die Ortsverwaltuug. Dentzctier Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Verein der Einsetzer Berlins. Wegen der Aussperrung in der Berliner Holzindustrie sind solgende Bauten gesperrt: 78/5 Bauten der Firma Snivatulri: «suple, Württcmbergischestraße 37 Ecke Lietzenburgerstraße. Lands- huterstr. 18. Sprengelstr. 19, 20, 21, Beamten- Häuser. Bauten der Firma Sttxvr, Eharlotteuburg: Charlotienburg, Straße 26, Parz.25. Lablonskistr. 25. Lankwitz, Sanatorium. Bau der Firma«tarotsht: Jagdschloß Glienicke. Bauten derFirma Plagemaim: Fürstenhss, Potsdamer Platz. Willing, Kielerstraße. Färber, Zehlendors Goethestraste. Bau der Firma Di»»»«!: Schallhorn u. Röhl, Tempelhos, Germania, und Gottlieb Dunlel- straßen- Ecke. Adalbertsw. 20. Bauten der Firma Icten: Wodanlstraße in Pankow neben dem PosadowSlhhaus, Baumeister Köppen. Elisabethlirchstraße, viS»a«viS der Strelitzerstraße. Baute» der Firma Domlirosvsh�: Tempelhöf, Germania- u. Gottlieb- Duiilcljtraßen- Ecke, Bauherr Tausch u. Berghäuser. Bauten der Firma Xiehe: Charlotlenburg, Tauroggenerstr. 46. Rixdors, Harzerstr. 3. Tegelerstr. 7. Bau der Firma Ufoi-qnai'dt: Rixdors, Weise- und Allerstr.-Ecke. Bau der Firma Emmvlath, Rixdorf: Gewerkschastshaus der Metall» arbeiter, Charitöstr. 3. Charlotienburg, Hildebrandtstr. 16. Wannsec, Friedrich Karlstraße, Bau Schwabach. Wannsee, BiSmarckstraße 8, Bau Benjamin. Bauten der Firma«chmldt, Frankfurter Allee: Oudenarderstr. 5, Dowe. Lichtenberg, Magdalenenstr. 42, Fischer. Bauten der Firma Erdmann: Ministerialdirelt. NeuhauS, Dahlem, Parkstraße. Matbesius, Nikolassee, an der Reh- wiese. Jagdschloß Glienicke. Fürstenhof, Potsdamer Platz. Bauten der Firma I-angermann: Wilmersdorf, Pariser- und Witten- bergsiraßen-Ecke, Bau Hesse. Charlottenburg, Bismarck- und Weimarsttaßen-Ecke, Bau Hübner. Bauten der Firma «riin* Iletwig: Städtische Anstalt in Buch. Barbarossaplatz, Hochschule. Oldenburgerswaße, Klosterbau. Tantenerslraße 3—8. Hoppcgarten, Hellstätte. Sybelswaße, Ecke Dahlmamistraße. Bellermannstraße 92. Bauten der Firma«vdr.k'anl: Mohrenstraße 44/45. Jägerstraße 63, Berlin. Potsdamerstr. 15. Neuendorff, Monumentenstr. 27. Pariserstr. 2l/22, Wilmersdorf. Gebr. Fickert, Chausseestraße, Marlen- dors. Osfizierlasino, General Papestraste, Schöncberg. Anstalt Beelitz(Fenster), Pavillon 4b. Nadge, Holzbandlung. Rummels- bürg, am Wilhelmsberg. Bau der Firma«polma: Wcichselstraße 56/57, Rixdors. Bauten der Firma «V Seemann: Schönhauser Allee 97. Dänciistraßc, EckeSchönfließerstraße. Jnvalidenslr. 33. Nieder-Schönhausen, Bismarckstr. 32. „ Treslowstr. 14. Bauten der Firma Een-enln Wilmersdorf, Brandenburglschestr.lT Straße 26, Neumann. Tegeler Weg 101/102. Bauten der Firma Ertll, Fürbringerskraste. Henrizi, Charlotlenburg, Suarez- straße 13. Bauten der Firma tVal»: Moaß, Lietzcnburger- und Pfalz burgerftraßen-Ecke� Bau Taunusslr. 29,«Friedenau. Bauten der Firma Sperling& Kapelke: Britz, Werder- u. Rungiusstr.-Ecke. Sybelstr. 56 und 57. Neue Wilhclmstr. 10. Bauten der Firma Seklrmei?: Bretcr, Nikolassee. Rehwicse. Schirmer, Zehlendors. Neuestraße. Schirmer, Grunewald, Parkstraße. Schiriner, Zehlendors, Spandaucrs straße. Bastian. Zehlendors, Riemeistcr- straße. Halensee, Wangenheimstraße. Tcutoncnsw. 22. am NikolauSsee. Baute» der Firma HG'agenkneekit: Spreda, Gurtelstraße 17. Fitze, Nixdorf, Richardstraße und Bartelsdorserstraße(Ecke). Grothe, Mariendors, Dorsstraße (Ecke). Bauten der Firma.Akt..Ses für Bunamtf Mlu-nne: Hardt u. Lesser, von der Heydt- straße 12. Ritterslraße 11, Fabrikgebäude. Bauten der Firma Keph«, Eharlotteuburg: Lorenz, Sybelstraße 47. Scibt, Bismarckstraße, Ecke Rück«- straße. Lankwitz, Sanatorium. Schröder, Charlotienburg, Spiel- hagcnstraße. Ecke WilmerSdorser- straße. Baute» der Firma Kel»!-. Schaar: Zclder u. Plathen, Lichtenberg, Dorsstraße 9. Mix u. Genest, General Papestraßc. Jahnisch, am lleinen Wannsee. Eharloltenburg-Westend.Soorswaße. Villa Baum, Villenkolonie Grüne- wald. Bauten der Firma Sehnhei't: Mix u. Genest, General Papestraße. Solland, Rixdors, Elbestratze 37. olland, Wilmersdorf, Holsteinische» straße. Bauten der Firma KnMtn: Charlotienburg, Kaiser-Allee 203. Grünscld, Sächfischestraße 4. Bandmann, Landshuterstraße. Hochschule, Barbarossaplatz. Bauten der Firma HVattar, Reinickendorf: Gemeindcschule. /Reinickendorf. Sprengel- und Samoastraße-Ecke. Hausotter- und Residenzstraße-Ecke. Bauten der Firma Karl Kamm«?, Gitschiner- straffe VZ: Tropske, Wannfee, Alsenstr. 33. §ammer, Eichwalde. ammer, Lanlwttz. Bauten der Firma Klatsvi', Blncherstraffe SS: Zehlendors. Adawertftr. 28. . Waldemarsw. 41. Bau der Firma Sehttler: Wilmersdorf. Landshuler- u. Ber« linerstr.-Ecke, Bau Bielke. Bauten der Firma Kaav: Tegelerstr. 6, Bau Körting. Grosse, Marienseide, Kirchstraße. Bauten der Firma Kenke, Mariendorf: Mette, Martendorf, Dorsstraße. Erdmann, Mariendors, Chauffeestr. Tcmpclhos, Fensterbauten, Schön- burgswaße. Bauten der Firma Wölk: Fürstenhos, Potsdamer Platz. Halensee, Hertasw. 18. Buch, Heilstätte. Bauten der Firma Knhneet A Rtihne: Rast, Schöneberg, Barbarossa-Ecke Landshuterstraße. Paulsen, Charlottenburg, Schlüter- straße. Damenheim, Aschaffenburgcrstraße. Lehmann, Tiefbaugetellschast, Dahl» mann- und GervisiuSstr.-Ecke. Buchholz, Steglitz, Albrecht- und Brüderstr.-Ecke. Bau der Firma Kvsoeri Weichselstratze 37. Bau der Firma Jost, Glogauerstraffe: Lwden straße, Erweiterungsbau der Viktoria. Bauten der Firma IHttinar, Pankow: Wollankstr. 117. Schönholzerstr. 1. Kaiser Friedrichstr. 63, Schule. Bauten derFirma Hexelmann: Bommel, Rixdorf, Kaiser Friedrich- straße 219- 220. Schaum, Wilmersdorf, Kaiser Allee, Ecke Wilhelmsaue. Schulz, Jungsernheide, Mindener- straße. Böttcher, Reinickendorf, Justusstraße. Böttcher, Boxhagcnerstr. 17. Baute» der Firma»rann: Müller, Rixdors. Walter- und Juliussttaßen-Ecke. Müller, Rixdors, Cranoldplatz, Fenster- bau. Bauten der Firma«riinhers, Markgrafrudawm: Springer, Schöneberg, Luther- U. Frcisingerstraßen-Ecke. Rixdors, Herrsurchplatz 8. Bauten der Firma Stellmaeßk Wilmersdorf, Düsscldorserstraße, aq der Bayrischen Straße/ Charlottcnburg, Neue Kantstraße, Ecke Dcrnburgstraße. Pankow, spandaucrstraße. Ecke Krcuzsttaße. Bauten der Firma Sehalea- bürg, Eharlotteuburg: Frankscn, Wangcnheimstr.-Ecke. Ucberholz, Kurjürstendamm. Bauten der Firma-Kltstitdt, Lippehnerstr. Sit: See- u. Rtalplaquetstraßen-Ecke. Hufclandstr. 8. Bauten der Firma Nehlsehltigel: Laue. Charlotlenburg, Uhlandstraße, Ecke Steinplatz. Höpser u. Schwarzkopf, Schmargen- dors, Ruhlastr. 20/21. Bauten der Firma »«des? A Comp.: Schmalz. Malmäerstraße, Ecke Straße 2b. Tauroggenerstr. 2. Bauten der Firma v. I'rttehtel. Lausttzerstr. tv: Dahlem, Botanischer Garte». Charits-Krankcnhaus. Birchoto-Krankenhaus, Seestraße. Packhos. Alt-Moabit. Baute» der Firma Thal, Lehrterstr. 44 �ichtenberg.�Steglitz, Friedrichstr. 6. Bauten derFirma Ileincmaiin: Sophie Charlottenstraße, Ecke Knobelsdorsstraße. Brehm, Gleimstraße. Krüger, Dernburgstraße. Lange, Rixdors, Boddinstraße. Lange, Steglitz, Forstjtraße. Rixdors, Lahnstraße. Baute« der Firma IKets, Urban- straffe: Tempelhos. Eylauerstraße. Steglitz. Swbcnrauchstraße. Pankow, Mendelstr. 18. Tegel, spandauer-, Ecke Bergstraße. Bau der Firma Kei-egesell A Hühner, Wilhrlmöhavener- ftraffe: Charloltenburz, Werner SiemenSstr. Mommsenstr. 27. Bauten derHVeiüenseei'HQKM- hearheiennesfahrlk t». in. b. Lohse, Wilmersdorf« Friedenau, Ringbahnstr. 245. Busse u. Jensow, Schöneberg, Müncheiierstr. 16. Knoblauch. Britz. Jahnstr. 82. Löwe, Sickingenslr. 54. Kronenstr. 33. Bandmann. Heiwronnersw. 22. Weißensee, Frisickestr. 3. Bauten der Firma I»i»t�, Reichenbergerstr. 114: Fischer u. Colberg, Rixdors, Berg- u. Walterstrahen-Eckc. Förster, Rixdors. Treptower- und Harzorstraßen-Ecke. Weise, NAV., Elberfelderstr. 4/5. Achtung! Sauarbeiter! Die Bauten der Firma Bereinigte Bautischler aus Rietz bei Treuenbrietzen: Ha» Albrecht, BarbapossastraBe(Schöncberg), Bau Völker, JablonshlstraBe 19/18.' Sentinger, HochstraBe, Prehn, l-isztstrafie, „ Bornholmeratrafie, Prenzlauer Allee, Ecke CbodowlecklstraBc, stud für Tischler und Einseffer gesperrt. 80/5 Neutscher HoPrbeiter-Ntrband. Der CiaaTorstand. Baute» der Firma Osteo, Rixdorf: Magnus, Schönhauser Allee 134», Bau der Firma Bausehke: Charlottenburg, Schillersw. 11. Baute» der Firma Berrnuiiui, Skaliüerstraffe: Ausbau in Tegel, Beitstr. 16. Gasanstalt, Prenzlauer Allee, Direktionsgebäude und Guß- rohrcnlager. Bauten derFirma Strotthoir: Herold. Charlottenburg, Giesebrecht- ftraße 17. Reinickendorserstr. 95. Gutzeit, Ufer- und Martin Opitz- ftraßen-Ecke. Bauten der Firma Noaeh, Hennigsdorferstraffc: Gillcr, Nord-Ufer, zwischen Lynar» straße und Ringbahn. Reinickendorserstr. 49. Bantr» der Firma 1-. Lassen: Demme. Urbanstr. 94. Schmädicke. Ewerfelder- und Dort- munderswaßen-Ecke. Blanlenfeld. Müllerstr. 152. Lassen u. Bresinskh, Boxhagen. Bau derFirma Pohl A Sohn: Schvssow, Charlotlenburg, Sybell- ftraße 7—8. Bau der Firma Xüthe, Stcttinerstraffe 27: Eicke u. Schwarz, Schwedenstr. 5. Zill u. Jakob, Rixdorf, Donaustr 114. Bau der Firma Schneider, Griebeuowstraffe: Bellermannstr. 84. Adalbertstr. 9. Bauten der Firma Rolott: MoHrenHos, Friedrich-, Ecke Mohren- straße. Schivelbeinerstr. 7. Winsstr. 17. Bau der Firma Bofftnaiin, Wolliuerstr. 5ä7a: Gleimstr. 46/47. Firma Knöfel. Lichterfelde, Manteuffelstr.7: Steglitz�Herderftr. 7. Bau der Firma Schn-arzc, Rixdorf, Nogatstr. ÄS Rixdorf. Emserstr. 32—34. Bau der Firma Wagenknecht Peters bürgerst raffe Friedrichsberg, Psaristr. 4. Bau der Firma Keldenherg. Prinzeuallee SV: Thiele. Wilmersdorf, Nassauische swaße 5. Bau der Firma Seharwts: Stöckel, Friedenau, Cranachstraßr Bau der Firma Holstein: Schule, Lichtenberg, Scharnweber- straße 22. Bau der Firma lünder, Schön hausen: Pankow, Schmidstr. 6. Bau der Firma Bentcr, Stein meffstr. Ä4: Haumann, Münchener-, Ecke Rosen Heimerstraße. Bau der Firma Rachfall, Kastanien-Allee 10: Schönhauser Allee, Ecke Bornholmer- straße. Leibnizstr. 46. Bau der Firma Welse, Moabit Charlotlenburg, Kaiser Friedrichstr.1. Werkstatt und Bauten der Firma Altendort, Eharlotteuburg. Bau der Ftrma Seeger, Nieder-Schönhausen. Bis- marckstr. 38: Tresckowstr. 67. Bau der Ftrma Bltseh, Bar» Ntmstr. LS: Christburgerstr. 41. Bau der Firma Sehrammer in Rixdorf. Hedemann, Inn- u. Donaustraßen Ecke. Bau der Firma Krause i» Rixdorf- Rudolf u. Lempke, Mariendorf, Feldstr. 65. Bauten der Firma Kustrau, Rixdorf- Stier, Ober-Schöneweide, Edison- straße 40. Bauten der FirinaKehr. Buge, Cadiuerstraffe: Ruwald, Romintenerstr., a d. Kirche. Mühlhaase, Treptow, Kiesholzstr.' Ecke Bouchsstraße. Coieniusfir. 3. Schliemannsw. 5. Zech, Huttenstraße. Bau der Firma Harms: Pettenkoserstr. 28. TreMligtliinderbrnnche. Bauten der Firma Sohniidt A Co., Schönhauser Allee: Wilmersdors. Kaiser-Allee u. Sieg- lindestr.-Ecke. Schöneberg, Pragerstr. 15. Brüll u. Schmidt, Charlotienburg, Dernburgstraße. Ouaß, Cbarlottenburg, Shbel- straße 56/57. Brode. Cparlottenbnrg, Dahlmann- straße. Fritz. Charlotienburg, Niebuhrstr. 77. Herbst. Schöneberg, Bambergerstr. Peiscr, Schoneberg, Müncheiierstr. 14. Bosse, Pariserstr. 38. Bau der Firina Hundt, Grimmstraffe: Keller. Jägerftr. 63. Maaß, Litzeuburgerstraße, Ecke Psalzburgersiraße. Beitscher. Kurjürstendamm 144. Hausherr, Sieglitz, Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Steglitz, Ahornstr. 12, Ausbau. Kutter, Zehleiidorf, Scharsestr. 4. Schemen. Zehlendors, Milinowsli- straße. Haase, Zehlendors, Rtemeistersttaße. Bastian u. Kabelitz, Zehlendors, Riemeisterstraße. Poflbau, Niederschönhausen, Tres- kowsttaße 67. Bauten der Firma Pnsch, Pfarrftrafte 35: Buggenhagen, Lichtenberg, Psarr- straße 5. Burr, Simon Dach siratze. > Karlshorst, Prinz OSkarstraße. Urbanstr. 3. Rummelsburg, Wilhelmstr. 3/4. Höselt u. Seifert, Karlshorst. Wols, Nieder-Schöneweide. Schwindt, Charlotlenburg, Ger- vinusstr. 3. Grothe, Mariendors, Dorsstr.-Ecke. Baute» derFirma P. Peschel & Söhne: Bertram.Schöneberg, Martin Lutherstraße 27. Setter, Schönebem, Ehlauerstr. 3. Baugesellschast„Warlhe", Rixdors, Hermannstr. 32. Bauten der Firma«elBIer, Dieffenbachstraffe: Grolerjahn, Schönhauser-Allee 129. Sesse, Pariserstraße. upte, Schlüterstraße, Ecke Lietzen- burgerstratze. Neuendors. Monumentenstr. 27. Menge, Wilmersdors, Schwäbische- straße. Wurgall u. Martin, Falckenfteiu- slraße 49. Kottbuserdamm 87. Friedenau, Slubenrauchstr. 12. Billenlolonie Nikolassee, Sudeten- straße, Körner. Desgl., Sudetenstraße, Rolowsky. Eckert u. Denneberg, Bödickerstr. 3. Peiser, Schöneberg, Münchenerstr.14. Bauten der Firma Dörmer A Scharlan: Gr. Franisurterstr. 126. Schmidt, Pasteurstr. 35. Rixdorf, Weichfetstr. 48/49. Burnau, Charlotlenburg, Mommsen- swaße 42/43. Lehmann. Charlotienburg, Momm- senstraße 44. Wilmersdorf, Kaiser-Allee 202. Bauten der Firma V. Braus, Boppstrafte: Wisbyerstt. 71/72, Geile. Schonenschestr. 3—4, Geike. Weißensee, Frisickestr. 3. Grünau, Jägerftr. 16, Paetz. Lankwitz, Kursürsten- und Froben« straßen-Ecke, Köhler. Bauten der Firina Völker, Tempelhof. Grötz, Bornholmcrstraße.Ecke Schön- Häuser Allee. Hübuer, Charlottcnburg, Bismarck-, Ecke Weimarcrstraße. Villa Werner, Klein Glienicke bei Potsdam. Paulsen, Schlüterstr. 33/34. Lehmann, Dahlmannstraße, Ecke Garvinussttaße. Bau der Firma Stahl, Kur- fürstenftrafte 37: Ueberholz, Kurjürstendamm 170. Bauten der Firma Lladgrea, Rixdorf: Katzmann, Brückenstr. 2. Wützler, Rixdors, Bergstr. 112. Wipperstr. 25. Müller.. Walter, und Ju- liusstraßen-Ecke. Löwe, Gewehrsabrik, Wittenau. Altes Krimmalgericht, Moabit. Bauten der Firma Barzaha, Bergmannstraffe: Lorenz Repke, Sybelstr. 47. Karl Schmidt, Helmstädterftr. 2. , P ri n z es sinnenstr. 13. Wilhelmstr. 45/46. GewerlschastShaus d. Metallarbetter, Charitsstrnße 3. Fröhlich u. Ludwig. Grolmanstr., Ecke BiSmarckstraße. Bauten der Firma Jensea A Wodrich: Samoastr. 2, 3, 20, Bau Müller. Prinz Regentenstr. 116, Bau Last. Bauten der Firma«rleser, Steglitz. Heesestraffe: Lamprecht, Steglitz, Schöneberg«- straße 10-11. Sinnig, Pankow, Schulzestraßc. Swoboda. Steglitz, Grunewaldstr.28. Willardt,Steglitz.Zimmermannftr.l2 Krüger, Lichterselde. Chausseestraße Ecke Stegiitzerstraße. Bauten der Firma Heinrich, Steglitz, Plautagenstr. 19: Sinnig, Steglitz, Martinstr. 5. Sinnig, Steglitz, Awrechistr. 107. Suchland, Steglitz, Südendeftraße. Willardt, Steglitz, Zimmermann» straße 12/13. Klisichcr u. Altring, Friedenau, Wilhelmstr. 2/3. Bau der Firma Belahardt, Dennewitzftraffe: Schönebergerstr. 27. Bau der Firma Vogt, Köpenickerstr. 51: Charlotlenburg, Kaiser Friedrich- Ecke �-charnstraße. Bauten der Firma Engel, Uferstr. S. Saalmann, Schwedterstraße. Maaß, Dortmunderstraße. Lehmann, Voigtstraßc. Bauten der Ftrma Pinkendel, Groff-Lichterfelde. ernicke, Steglitz. Berlinickestr. 5. ausHerr, Groß-Lichterselde, Rwg- straße, Ecke Dührerstraße. Bau der Firma Brandenburg, Wilhelms«, m: BonifaciuSaemeindc, Horkitr. 87/88. Schilling. Köpenickerstr. 27. Löffler, Kreselderstr. 8a u. 9. Henrizi, Eharlotteuburg, Suarez» straße 13. Wegen Streik und Dissereuze« sind gesperrt: Für Vergolder: I. C. Psaff, Zeughossttaßc. Mr Kammacher und Zelluloid-Arbeiter: Firma Crttnhei-g, Weißensce, LangHanSstr. 58. Für Bodenleger: Lux, Neue Kant- und Dernbura» ftraßen-Ecke. Bau Kottbuierdamm 84. Bau Kotlbuserdamm 9. Zuzug ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltuug. Verantwortllch-r Redalteur: Hans Weber. Berlin. Für de« Lnseratent-i! verantw.:?!/. Glocke. Bcrllii. Druck u. Verlag: Borli-ärtF Buchdrucker:! u. Verlagsanstalt Paul S'nger& Co.. Berfin SW. Ii. 48. 24. Jahrgang. 3. ßfilm des Jntnifitb" Kcrlim pIMIntt. Dienstag. 26. Febrnar 1907. Partei- Hngelegcnbciten. Dritter Wahlkreis. Den Genossen zur Nachricht, daß heute, abends 8 Uhr, im„City-Hotel", Dresdenerstraße 52/53. eine Ver- sammlung des Wahlvereins stattfindet, in welcher der Reichstags- abgeordnete Eichhorn-Pforzheim über„Die Lehren der Reichstags- Wahl" sprechen wird. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Schöneberg. Heute Dienstag, den 26. d. M., abends 8 Uhr findet die Generalversammlung des Wahlvereins bei E. Obst, Meiningerstraße 8, statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes, des Kassierers und der Funktionäre sowie Neuwahl derselben. Wahl der Delegierten zur Kreis-Generalversammlung, Vereins- angelegenhciten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert Der Vorstand. Wilmersdorf. Heute Dienstag abend 7 Uhr findet eine Flug- blattverbreitung statt. Die Genossen werden dringend ersucht, sich zahlreich in ihren Bczirkslokalen einzufinden. Niemand darf sich von dieser wichtigen Arbeit ausschließen. Der Vorstand. Lankwitz. Heute abend 8 Uhr im Restaurant Netger, Calan- drellistraße 27/29, Sitzung des Wahlvereins Lankwitz. Referent Genosse Mermuth:„Die alte und die neue Internationale." Weißensee. Heute Dienstag abend 8� Uhr findet im „Prälaten". Lehderstraße 122, die Generalversammlung des Wahl. Vereins statt. Da außer der wichtigen Tagesordnung die Reu. Wahlen des Vorstandes stattfinden, ist pünktliches und zahlreiches Erscheinen erforderlich. Der Vorstand. Reinickendorf-Ost. Heute abend 8 Uhr findet bei Sab au. Residenzstraße 124(Ecke Amendestraße) die General- v e r( a m ni l u n g des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Funktionäre. 4. Neuwahl der Delegierten zur Kreis-Generalversammlung und Generalversammlung von Groß- Berlin. 5. Verschiedenes. Pflicht jedes Mitgliedes ist es, zu er- scheinen! Der Eintritt ist nur gegen Vorzeigung des Mitglieds- buches gestattet. Um pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Pankow. Heute abend 8lh Uhr findet im Gcsellschaftshause. Kreutzstr. 3— 4, eine außerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht aus dem Krciswahl- derein. 2. Stellungnahme zur Kreisgeneralversammlung und Er ledigung von Anträgen zu derselben. 3. Bericht der Gemeinde- Vertreter. 4. Vereinsangelcgenheiten und Verschiedenes. Zutritt nur gegen Vorzeigen des Mitgliedsbuches. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung erwartet zahlreichen Besuch Der Vorstand. berliner IVacbnchten. Wie man Fürsorgezöglinge behandeln soll. Im preußischen Abgeordnetenhause kam es am Freitag, wie schon von uns berichtet wurde, zu einer Debatte über die bisherigen Mißerfolge des Fürsorgecrzichungsgesetzcs. Die Beschwerden, die aus diesem Anlaß ein Redner des Zentrums gegen unsere B e r- liner Gemeindeverwaltung vorbrachte, wurden zurück- gewiesen von dem freisinnigen Abgeordneten Fischbeck, der ja neben- bei auch Stadtrat von Berlin ist. Mit Recht bekämpfte Herr Fisch- deck die Forderung, daß in der Fürsorgeerziehung das konfessionelle Moment noch stärker betont werden solle. Betont wird es schon jetzt überall— und auch in der Berliner Fürsorgeerziehung— so stark, daß ein Mehr kaum noch möglich ist. Bedauerlich ist. daß im Abgeordnetenhaus nicht auch die Prügelpädagogik, die leider noch vielen als ein Allheil- mittel für Fürsorgczöglinge gilt, in den Kreis der Erörterung ge- zogen wurde. Wir wären wirtlich neugierig zu wissen, was derselbe Herr Fischbeck gesagt hätte, wenn da jemand auf die Zustände hin- gewiesen hätte, die in den Erziehungshäusern der Stadt Berlin, speziell in dem Erziehungshaus für Verwahrloste männlichen Ge- schlechts, herrschen. Wenn einer verlangt hätte, daß noch viel mehr gehauen werde, dann hätte Herr Fischbeck antworten können: Es wird auch bei uns in der Berliner Fürsorgeerziehung schon so feste gehauen, da uns„zu tun fast nichts mehr übrig bleibt". Was aber hätte er zur Verteidigung Berlins sagen sollen, wenn einer diese „Erziehungsmethode" bemängelt hätte? Die Notwendigkeit, die Berliner kommunale Prügelpädagogik zu verteidigen, mußte dem Herrn Stadtrat allerdings schon deshalb erspart bleiben, weil im preußischen Abgeordnetenhaus niemand sitzt, der ernsthast für Erziehung ohne Prügel eintreten möchte. Ein vernichtendes Urteil über die Prügelpädagogik, die in Anstalten der Stadt Berlin als zulässig und richtig an- gesehen wird, ist kürzlich an einer anderen Stelle gefällt worden. Will man wissen, wo? In einem der amtlichen Jahresberichte, die über die einzelnen Zweige der Berliner Gemeindeverwaltung von den betreffenden Verwaltungsdeputationen erstattet und vom Magistrat veröffentlicht werden. Freilich ist es nicht die für die Fürsorgeerziehung verantwortliche Waisenverwaltung selber, die sich etwa zu dem rückhaltlosen Eingeständnis bequemt hätte, daß die bisher von ihr gepriesene Methode, die Fürsorgezöglinge mit Prügeln zu„bessern", jetzt von ihr als das Allerverkehrteste er- kannt wird, was man gegen Fürsorgezöglinge tun kann. ES ist nur die Direktion der Epileptikeranstalt„Wuhlgarten", die genug Einsicht besitzt, den Unwert der Gewaltanwendung zu erkennen. Sie äußert sich in dem neuesten Jahresbericht der Irren- Pflegedeputation zu der Tatsache, daß die Zahl der Fürsorge- zöglinge, die als epileptisch krank erkannt werden und wegen physischer Störung oder sonch krankhafter Eigenart an die Anstalt „Wuhlgarten" überwiesen wurden, von Jahr zu Jahr zu- genommen hat. Hierbei hat. so wird in dem Bericht ausgeführt, sich heraus- gestellt, daß für die Eigenart der seelisch abnormen Für- sorgezöglinge. welche eine weitgehende Individualisierung erforderte, die Einrichtungen dieser Anstalt besonders geeignet sind. Auf der einen Seite konnten die geisteskranken und gemein- gefährlichen jungen Leute sicher verwahrt und doch einer seelischen Beruhigung entgegengeführt werden. Auf der anderen Seite konnten diejenigen Zöglinge, die wegen leichterer und mehr vor- übergehender Formen geistiger Störung dorthin kamen, bald in den Landhäusern der Anstalt verpflegt werden und mittels der reich- haltigcn Beschäftigungseinrichtungen ein Handwerk erlernen, ja sogar nach Ablauf eines Jahres entlassen oder unter ärztlicher Auf- ficht in Pflege gegeben werden.„Bei den meisten dieser Kranken", sagt der Bericht,„kamen eigentliche Krampf- oder Schwindelanfälle,. die sich bei ihnen unter den Schädlichkeiten und den seelischen Er- regungen des freien Lebens und des Zwanges vielfach aufgetreten waren, in der Anstalt nicht mehr zur Beobachtung, ein äußeres Zeichen der eingetretenen Beruhigung." Wir wiederholen: in diesen Ausführungen liegt ein vernichten- de? Urteil über d'» G e w a l t p ä d a g o g i k der Erziehungshäuser unserer Stadtgemeinde. Wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln, daß auch gegen diejenigen Fürsorgczöglinge, die schließlich als seelisch abnorm, epileptisch krank usw. erkannt und nach„Wühl- garten" gebracht wurden, vor der endlichen Feststellung ihres krank- haften Zustandes genau so verfahren worden ist, wie es in den Er- ziehungshäusern der Stadt Berlin als zulässig gilt— d. h. daß auch auf sie losgehauen worden ist, wenn sie widerspänstig wurden. Die Waisenverwaltung— deren Vorsitzender, nebenbei bemerkt, nicht etwa Stadtrat Fischbeck, sondern Stadtrat v. Friedberg ist— hat ja in der letzten Zeit in ihren Erziehungshäusern dem Arzt et- was mehr Einfluß als bisher verstattet. Vielleicht über- legt sie es sich einmal, ob es nicht zweckmäßig wäre gegenüber ihren Fürsorgezöglingen grundsätzlich auf die Gewalt- Pädagogik zu verzichten. Das wäre die einzig richtige Nutzanwendung, die sie aus den oben wiedergegebenen Darlegungen der Direktion von„Wuhlgarten" ziehen kann. Aus der Erlcuchtungsdeputation. In der gestrigen Sitzung der Deputation für die städtischen Gaswerke wurde beschlossen, die Kottbuserstraße mit der Kottbuserbrücke mit hängendem Gasglühlicht zu beleuchten. Die öffentliche Beleuchtung in der Exerzierstratze und der Torfftraße zwischen Föhrerstraße und dem Nordufer am Rudolf Virchow-Krankenhause soll verstärkt bezw. neueingerichtet werden. Mit der gewohnten Präzision ging am Sonntag durch die Ge- nossen Groß-Berlins eine Massenverbreitung eines Flugblattes vor sich, das auf Werbung von Mitgliedern für die politische Organisation und auf Gewinnung von Abonnenten auf das Blatt der Berliner Arbeiterschaft,' den„Vorwärts", gerichtet ist. Der Grunewald im Stacheldraht. Verschiedentlich hat der Forst- fiskus dem Berliner einen gewissen Vandalismus gegenüber dem Walde zum Vorwurf gemacht. Abgesehen von den genugsam er- örterten Umherstreuen des Stullenpapiers, soll der Berliner an keiner schönen Blume, keinem schön gefärbten Blatt, keinem mit Blüten besteckten Zweig vorübergehen können, ohne durch Abreißen dieses Stückchen Natur zu vernichten. Wenn auch diese Klage leider nicht ganz grundlos ist, so geht es doch wohl zu weit, wenn der er- holungsuchende Berliner im Grunewald nun auf ein paar Kies- wege beschränkt werden soll, während der eigentliche Wald durch ein dichtes Netz von Stach ekdraht- zäunen, mit deren Errichtung der Forst fiskus schon in nächster Zeit beginnen will, unzugäng- l i ch g e m a ch t w e r d e n s o l l. Es ist doch Wohl anzunehmen, daß gerade die jetzigen Erörterungen über die Erhaltung des Waldes und weitere wiederholte, eindringliche Hinweise das Publikum von einer solchen Verwüstung in Zukunft abhalten werden; denn auch das Publikum läßt sich erziehen, wenn es nur in verständiger Weise geschieht. Die stäbtische höhere Webeschule, Markusstraße 49, beginnt die Unterrichtskurse für das Sommersemester für die Schüler der Abend- und Sonntagsschule am Sonntag, den 14. April d. I., vormittags 9 Uhr. Es sind Kurse eingerichtet für Weber, Wirker, Stricker, Posamentiere, Kurbelstickcr und-Stickerinnen, Muster- zcichner und-Zeichnerinnen, Zuschneider und-Zuschneiderinnen, Schneider und Schneiderinnen, sowie für Färber und Kaufleute. Außer der Abend- und Sonntagsschule besteht an der Anstalt auch eine Tagesschule für die genannten Berufe, für welche folgende Untcrrichtskurse eingerichtet sind: 1. Kaufmännischer Kursus; 2. Mustcrzeichnenkursus(eine Klasse für Weberei und eine Klasse für Stickerei und Posamcn- tiererei); 3. Konfcktionskursus, bestehend aus einer Abteilung zur Herstellung von Wäsche und einer Abteilung zur Herstellung von srauenkleidung. Diese Abteilung teilt sich in eine Klasse für Kow ektionszeichnen und eine Klasse für Zuschneiden usw.; 4. Posamem ier- und Besatzkonfcktionskursus; 5. Hand- und Maschinenstickerei- kursus(bestehend aus einer Klasse zur Ausbildung von Geschäftspersonal und einer Klasse zur Ausbildung von Arbeitspcrsonals); 6. Wirkerei- und Strickereikursus; 7. Färbereikursus. Der Unterricht an der Tagesschule beginnt bereits am Mon tag, den 8. April, vormittags 8 Uhr. Anmeldungen von Schülern für die Tagesschule wie auch für die Abend- und Sonntagsschule nimmt Herr Direktor G. Weber im Schulhause, Markusstraße 49, entgegen. Die freie Jugendorganisation und ihre Feinde. Die allseitige Bekämpfung der proletarischen Jugendbewegung hat nicht vermocht, der EntWickelung derselben Einhalt zu gebieten. Wie energisch die organisierten Jugendlichen ihre Rechte zu verteidigen wissen, zeigte der Verlauf der am letzten Sonntag in den„Arminhallen" tagenden Generalversammlung. In dieser wurde die neueste Art der Bekämpfung durch den konservativen Abgeordneten Hammer, der bekanntlich kürzlich im Abgeord- netcnhause gegen die freie Jugendorganisation zu Felde zog, einer Kritik unterzogen. Die etwa 800 Versammelten nahmen unter türmischem Beifall folgende Resolution einstimmig an: „Die am 24. Februar d. I. in den„Arminhallen" tagende, zahlreich besuchte Generalversammlung des Vereins der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Umgegend protestiert ganz energisch gegen die Verdächtigungen des konser- vativcn Abgeordneten Hammer im preußischen Abgeordneten- hause gegen die freien Jugendorganisationen, insbesondere gegen den Berliner Verein. Den unwahren Behauptungen des Herrn Hammer gegenüber erklärt die Versammlung, daß die freie Jugendorganisation den Bestrebungen keiner politischen Partei, auch nicht der Sozialdemokratie, Vorschub leistet, sondern, frei und unabhängig von zeder politischen Partei, allein die geistigen und wirtschaftlichen Interessen der arbeitenden Jugend zu wahren bestrebt ist. Es dürfte aber dem Herrn Hammer nicht unbekannt ein, daß es in Berlin konservative und jungliberale Jugcndvcreine gibt, die den ausgesprochenen Zweck Verfölgen, die betreffenden zolitischen Parteien zu unterstützen. Die Versammlung verurteilt )ie einseitige, von Sachkenntnis wenig getrübte Stellungnahnie gegen die Organisationen der Arbeiterjugend und erklärt, un- geachtet derartiger Anpöbelungen, die Organisationen zu stärken und innerhalb der gesetzlichen Bestimmungen zum Wohle der arbeitenden Jugend zu wirken." Wie richtig die in der obigen Resolution ausgesprochene Be- hauptung ist,-daß es gerade die konservative Partei ist, die die Jugendorganisation in den Dienst der p o l i t i s ch e n Partei stellen will, dürste unwiderleglich aus nachstehendem Bericht hervorgehen, den wir m der„Staatsbürgerzeitung" vom Freitag fanden. Dort heißt es: „Die Jugendgruppe des konservativen Bürgervereins Moabit, welche seit ihrem Bestehen unter dem Vorsitze des Rechtsanwalts Ulrich steht, bezweckt die noch nicht wahlfähige Jugend in Liebe zum Vaterlande, zum christlichen Bekenntnis und zum Hohen- zollernhause politisch zu erziehen. Sie will damit ein Gegen- gewicht, insbesondere gegen die Sozialdemokratie bieten, die sich der Jugend bekanntlich schon von dem Augenblick an zu be- mächtigen sucht, wo diese aus der Schule in das Leben hinüber- tritt. Der gute Zweck, welchen die Jugendgruppe somit verfolgt, muß hiernach in allen gut christlich und moralisch gesinnten Familien Anklang finden. Ihr Bestehen ist aber bisher noch in vielen Kreisen unserer Gesinnungsfreunde in der Reichs- Hauptstadt nicht bekannt gewesen. Es wird deshalb an dieser Stelle öffentlich auf die Jugcndgruppe aufmerksam gemacht und es werden insbesondere die Väter noch nicht wahlfähiger Söhne gebeten, ebenso die jungen Leute aber auch selbst, den Arbeiten der Jugenogruppe ihr freundliches Interesse durch Besuch ihrer Veranstaltungen und Beitritt zu beweisen. Tie Jugendgruppe tagt alle Mittwoch im Restaurant Kadow, Wils- nackerstraße 36; Einzelvorträge aus dem Kreise der Mitglieder und von dritter Seite wechseln mit politischen Diskussions- abenden ab. Einmal im Monat findet geselliges Beisammen- sein mit den Familien der Mitglieder statt. Mit Erreichung des wahlfähigen Alters treten die Mitglieder nach den Satzungen ohne weiteres in den konservativen Hauptverein über." Und dieselben Leute, die sich zur Aufgabe machen, die Jugend der konservativen Partei zuzuführen, wettern in der gröbsten Weise gegen die freien Jugendorganisationen, die in der Erziehung der Jugend zur Muckerei und Stöckerei allerdings keinen Nutzen erblicken können. Aber was schert das Herrn Hamnier! Er mußte doch wieder einmal etwas von sich hören lassen, und da er nichts weiter wußte, nahm er sich die Jugendorganisation aufs Korn. Die Angegriffenen sind ihm aber die Antwort nicht schuldig geblieben und wir sind gespannt, wie sich der Herr aus der fatalen Situation heraushelfen wird.__ Reinemachefrauen auf Bauten haben gewiß keine bencidens- werte Arbeit zu verrichten; sie treten in Aktion, wenn der Maurer oder der Maler einen Bau verlassen hat und müssen dann mit Schrubber und Besen schwer arbeiten, um die Wohnungen von dem starken Schmutz zu reinigen. Leider entspricht in sehr vielen Fällen aber die Entlohnung in keiner Weise der schweren Tätigkeit. Uns werden Fälle berichtet, in welchen pro Tag 2,10 M. gezahlt werden, wobei zu berücksichtigen ist, daß noch 30 bis 40 Pf. Fahr- gcld abgehen, so daß für den Tag nur 1,70 M. übrig bleiben. Gestern schilderten uns zwei Arbeii-rfrauen, wie es ihnen bei einem in Wilmersdorf wohnenden Malermeister Schmidt ergangen ist. Der Mann suchte Reinigungsfrauen, worauf sich die beiden nach Wilmersdorf bemühten. Dort wurde ihnen gesagt, daß sie Nachricht erhielten, ob sie anfangen könnten. Kaum zu Hause angekommen, erhielten die Frauen von dem Malermeister eine Karte, sich am qndercn Tage früh �7 Uhr mit Handwerkszeug. Buch und Karte zum Antritt der Arbeit einzufinden. Früh gegen l46 Uhr machten sich die beiden Frauen auf den Weg; da sie aber schlechte Bahnverbindung hatten, gelangten sie glücklich um �8 Uhr in der Nachodstraße an. Das erste war eine Rüge ob des Zuspät- kommens, dann wurden sie nach ihrer Arbeitsstelle nach der Münstersche- und Westfälische Straße geschickt, und wieder mußten 10 Pf. Fahrgeld geopfert werden. Dort angekonimen, niußten die beiden in Erfahrung bringen, daß Fahrgeld nicht vergütet werde und in der Tat von den 2,10 Mk. Tagcslohn nach Abzug der Fahr- gelber nur 1,70 Mk. übrig blieben. Die Frauen zogen es schließlich vor, unter solchen Umständen lieber nicht erst anzufangen» so not- wendig sie Geld brauchten. Und so fuhren sie wieder heim, um eine Erfahrung reicher. Einen Tag unterwegs, Geld verfahren und infolge des schlechten Wetters naß bis auf die Haut. Sie konnten Betrachtungen an- stellen, wie heute auch die Frauen als ein williges Ausbeutungs« objekt betrachtet werden. Richtiger wäre es aber, wenn den Frauen bei Antritt der Arbeit ausdrücklich gesagt würde, ob ihnen das Fahrgeld vergütet würde. Zur Entlastung der Borortzüge Spandau— Strausberg und der bisher bis Kaulsdorf verlängerten Stadtbahnzüge, werden vom 31. März d. I. ab an Sonn- und Festtagen auf der Strecke Berlin, Schlesischer Bahnhof(Wriezener Bahnsteig)— Hoppegarten über Lichtenberg, Friedrichs selbe, Friedrichsfelde- Ost, Biesdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf dreizehn»icue Zugpaare gefahren werden. Dieselben gehen ab: Berlin, Schlesischer Bahnhof(Wriezener Bahnsteig) 7.0S, 8.05, 9.14, 10.06, 12,05 vormittags, 1.06, 2.05, 3.01, 4.05, 6.09, 8.09, 8.40 und 9.40 nachmittags; ab Hoppegarten 8.03, 9.12, 10.39, 11.03 vormittags, 12.51, 2.02, 3.04, 5.12, 7.13, 7.37, 9.02, 10.05 nnd 10.33 nachmittags. Störung ans der Hochbahn. Gestern früh kurz nach 7 Uhr trat auf der Oststrecke der Hochbahn zwischen den Haltestellen SchlesischeS Tor und Stralauer Tor infolge Auflaufens eines Wagens auf eine Zwangsschiene eine Betriebsstörung ein. Die Züge vom Westen konnten daher zunächst nur bis Kottbnser Tor verkehren; von 3liiO Uhr ab wurde der Verkehr bis Schlesisches Tor durchgeführt. Nach Beseitigung des Schadens erfolgte die Wiederaufnahme des vollen Betriebes mittags 1'/« Uhr. Polizeilich festgenommen wurde am Sonnabend der 31 Jahre alte Redakteur der„Deutschen Beamtenzeitung" Dr. phil. Adols Henle vor der Redaktion seines Blattes, weil er wegen eines Ver- gehens vom November vorigen JahreS her eine achttägige Freiheit-- strafe zu verbüßen hat. Dazu stellte er sich nicht und entzog sich der Ergreifung, indem er sich als unbekannt verzogen abmelden ließ und nicht aufzufinden war. Auf dem Tempelhofer Felde— ertrunken. Der„Tempelhofer See", ein flacher Tümpel, der sich vor etwa acht Tagen infolge der Schneeschmelze bei der einsamen Pappel auf dem Tempelhofer Felde bildete, hat ein Opfer gefordert. Der Setzer Gustav Weiß aus Tempelhof besuchte in der Nacht zum vorletzten Sonntag einen Turnerball in Berlin in der Maske eines Schutzmanns. In der Nacht versäumte er die letzte Elektrische und wanderte nun heim über das Feld. In der Nähe der Pappel muß er dann vom Pfade abgeschwenkt sein. Er geriet in den See, ging unter und ertrank. Erst jetzt, nachdem sich das Gewässer verlaufen hatte, kamen die Stiefelabsätze des Ertrunkenen zum Vorschein. Ein Hund machte durch Gebell seinen Herrn auf den Fund aufmerksam und so wurde das geheimnisvolle Verschwinden des Setzers aufgeklärt. Ueber den Bodclschwingschen Sammler, dessen gemeingefährliches Treiben wir in unserer Sonntagnummer schilderten, geht uns noch eine weitere Nachricht zu, nach der er noch andere Frauen attackierte, und zwar aus demselben Hause in der Müllerstraße, in welchem sich das schon am Sonntag mitgeteilte Vorkommnis abspielte. Auch in diesem Falle hat sich der freche Patron nach Oeffnen der Wohnung sofort in dieselbe gedrängt und sich gleich in die Küche begeben. Als die allein in der Wohnung anwesende übrigens kranke Frau es ablehnte, etwas für die Arbeiterkolonien zu opfern, wollte sich der unverschämte Bursche als Spender betätigen. Er wollte drei Mark opfern, wenn— die Frau ihm zu Willen sei. Es wurde ihm aber die richtige Antwort, die drei Marl lieber dem Verein, für den er sammele, zu schenken und nicht Leute mit seinen Betteleien zu be» lästigen. Als der aufdringliche Kerl merkte, daß er an die falsche Adresse gekommen war und die Frau mit dem Besenstiel drohte, entfernte er sich. Es wird die höchste Zeit, daß diesem gemeingefährlichen Treiben ein Ende gemacht wird, die beste Hülfe dürste wohl Selbsthülfe sein. Unter tragischen Begleitumständen hat gestern der Kaufmann Ernst Stobbe aus der Dolzigerstr. 37 Selbstmord verübt. Morgens in der achten Stunde hatte sich St. von seinen Angehörigen entfernt und die letzteren vermuteten nichts anderes, als daß er wie gewöhn- lich sein Geschäft in der Weberstr. 42 aufsuche. Wenige Stunden später erhielt jedoch die Ehefrau einen eingeschriebenen Brief und als sie ihn öffnete, mußte sie eine niederschmetternde Mitteilung lesen. Der Mann schrieb ihr, daß er in dem Augenblick, in dem sie den Brief lese, nicht mehr unter den Lebenden weile; man brauche nicht nach ihm zu suchen, denn er habe Selbstmord verübt. ES wurde nun die Polizei benachrichtigt und diese fand St. auf dem HauSboden erhängt vor. Alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. In hintcrlassenen Briefen gibt der Lebensmüde an, er habe wegen großer Nahrungssorgen Selbstmord verübt. St. hinter- läßt eine kranke Fxau und fünf kleine Kinde»- Bin Einbruch wurde am Sonnkag, den 24. Februar im Hause Königstrahe 43/44, in dem Goldwarengeschäft von D. Lewin der- übt. Die Diebe drangen durch den Keller in den Laden und nahmen in aller Ruhe eine sorgfältige Auswahl vor. Der Schaden beträgt ngch vorläufiger Schätzung zirka 80 000 bis 100 000 Mark. Einbrecher statteten am Sonntag in den Nachmittagstunden der Wohnung der Bureauvorsteherin Frau G., Neuenburgerstr. 23, einen Besuch ab und erbeuteten Schmuckgegenstände, Löffel usw. im Werte von zirka 1S0 M. Bon da aus gingen die Diebe weiter nach der Slexandrinenstrahe, wo sie bei einer Witwe gleichfalls einbrachen, aber nur ö M. erbeuteten. Die Kästen der gestohlenen Löffel hatten die Diebe in der Alexandrinenstraße auf dem Hofe weggeworfen und sind dieselben leer gestern der Frau G. durch die Polizei wieder zugestellt worden. Durch Leuchtgas zu töten versuchte sich am Sonnabendnachmittag die Heilbronnerstr. 30 wohnhafte Witwe Blumenthal. Einem schnell herbeigerufenen Arzte sowie den Samaritern der Feuerwehr gelang eS nicht mehr, die Lebensmüde am Leben zu erhalten. In der Nacht vom Sonntag zum Montag ist sie den Wirkungen des Giftes er- legen. Ein folgenschwerer Zufammeustoh im Straßeubahuvetriebe, wobei drei Personen verletzt wurden, hat sich am Sonnabendabend an der Ecke der Kaiser Wilhelm- und Nosenstrahe zugetragen. Ein Rollwagen �uhr an der erwähnten Stelle mit solcher Gewalt gegen einen Anhänger der Strahenbahnlinie Nr. 47, dah der Hinterperron vollständig fortgerissen wurde. Die Fahrgäste, die auf der Plattform standen, wurden sämtlich auf den Fahrdamm geschleudert. Drei derselben zogen sich bei dem Sturz Verletzungen zu. Der HülfSarbeiter Emil Büro. Kopenhagenerstr. 42 wohnhaft, erlitt schwere Quetschwunden, der Kaufmann Sorgenfrei, ebenfalls aus der Kopenhagenerstrahe, klagte über starke Schmerzen im Rücken, und der Händler Leitreiter trug gleichfalls erhebliche Quetsch- wunden davon. Die Leichen zweier Selbstmörder sind gestern aus dem Land- Wehrkanal gelandet worden. An der Kleinen Stralauerstrahe wurde ein toter Mann aus dem Wasser gezogen, der bereits lange dort gelegen. Der linke Fuh war von der Leiche abgetrennt. Vermut- lich ist er durch eine Schiffsschraube vom Körper getrennt worden. Der Selbstmörder hetht jedenfalls Arend, denn dieser Name war in der Wäsche eingezeichnet. Das Taschentuch enthielt das Monogramm v. A.— Eine zweite männliche Leiche wurde an der Waisenbrücke geborgen. Sie war nur mit Hose und Stiefeln bekleidet. Papiere, die zur Rekognoszierung führen könnten, wurden bei dem Toten nicht vorgefunden. Rache und Eifersucht waren die Triebfedern zu einem blutigen Drama, das sich in der Wiesenstr. 30 abgesvjelt hat. Dort versuchte der 25 jährige Arbeiter Mattheö den 28 jährigen Brauereiarbeiter Richard Kasper aus der Grünthalerstr. 6 zu töten. In fast hoff- nungslofem Zustande wurde K. in die Charitä eingeliefert. Der Täter wurde noch am selben Abend verhaftet. Doppelselbstmord im Walde. In der Forst bei Buch wurden am Sonnabendabend zwei Personen, ein junge? Mädchen und ein Mann, leblos aufgefunden. Es handelt sich um das 17 jährige Ge- fchäftSfräulein Elise Wicht und den 40 jährigen Kaufmann Tamaschke, die in Berlin wohnten und in einem FabcikationSgeschäft seit Jahren angestellt waren. Sie hatten Lysol getrunken. Die so- fort angestellten Wiederbelebungsversuche waren bei dem Mann ohne Erfolg. Das Mädchen erlangte jedoch nach längeren Be- mühungen das Bcwuhtfein wieder und wurde in bedenklichem Zu- stände nach der Irrenanstalt in Buch geschafft. Welche Umstände beide zu der Tat veranlasst haben, ist noch nicht ermittelt. Ein dreister Straßenraub ist Sonntag nachmittag in der neuen Schönhauserstrahe verübt worden. Ein 10 jähriger Bursche trat an einen Herrn heran und bat diesen um Auskunft, wie spät es sei. Als der Herr seine Uhr hervorzog, um die Frage zu beant- Worten, erfahte der Räuber das Wertstück, rih es von der Kette los und ergriff die Flucht. Er kam jedoch mit seiner Beute nicht weit. An der Ecke der Alten Schönhauserstrahe gelang es dem dort Posten stehenden Schutzmann, den Flüchtigen festzuhalten, der nach der Polizeiwache in der Grohen Hamburgcrstrahe gebracht wurde. Der jugendliche Räuber, der obdachlose Arbeitsbursche B., ist schon mehr- fach, darunter auch wegen Leichenfledderei, vorbestraft. Eine allgemeine Ausstellung in Werder a. H.(Berliner Vorortverkehr) wird zurzeit der Baumblüte 1907(vom 20. April bis 21. Mai) veranstaltet. Dieselbe wird umfassen: Obstbau und Obstverwertung mit ihren Hülfsmitteln, Garten- und Ackerbau, NahrungS- und Genuh- mittel, Gewerbe, Handwerk, Volkswohlfahrt und Volksbelustigung. „Menschenleben in Gefahr!" Dieser Ruf alarmierte Sonntag nachmittag um Uhr die Feuerwehr. In der Spreestrahe, eine der ältesten Gassen von Kölln, war in dem uralten zweistöckigen Hause 14 und 15, das von zahlreichen Parteien bewohnt wird und im Laufe der Jahre so verbaut ist, dah ein Fremder sich am hellen Tage kaum darin zurechtfindet, aus noch nicht ermittelter Ursache im 1. Stock Feuer ausgekommen. Es brannte das Stübchen einer Frau Schmidt, die beim Ausbruch des Brandes ausgegangen war. Statt sofort die Feuerwehr zu benachrichtigen, ging ein HauS- bewohner erst nach einem Polizeirevier, das vermutlich die Feuer. Meldung nicht sofort weitergegeben hat. Als die Wehr an der Brandstelle erschien, hatte man bereits die Tür zu der brennenden Wohnung eingeschlagen, wodurch dem Qualm ungehinderter Abzug in das Haus gewährt wurde. Die Situation war daher für sämt- liche Hausbewohner eine sehr kritische. Der Rauch füllte die sehr niedrigen Räume und Treppen vollständig. Ein Teil der Mieter flüchtete über die Dächer der Hinterhäuser. Andere, besonders alte Frauen, blieben in ihren Stübchen. Brandinspektor Rohnstock lieh sofort Mannschaften über die verqualmten Treppen, über einen Hakenleitergang und über eine große mechanische Leiter vorgehen. Aus dem 2. Stock wurde aus der Wohnung des Musikers Schlegel dessen Frau und beide Kinder, die vierjährige Ekse und der drei- jährige Alfred Schlegel, gerettet. Das Befinden dieser 3 Personen war gestern abend, den Umständen angemessen, befriedigend. Die übrigen Hausbewohner wurden von der Feuerwehr in ihren Wohnungen belassen, nachdem man die Türen geschlossen und für frische Luft gesorgt hatte. Der Wohnungsbrand konnte durch kräftiges Wassergeoen mit 2 Schlauchleitungen auf das 1. Stockwerk beschränkt werden. Während die Wehr schon die Personen gerettet hatte, wurde überflüssigerweise noch„Mittelfeuer" ge- meldet, worauf Branddirektor Reichel mit einem halben Dutzend Lpsckjzügen ausrückte, die dann aber sofort wieder abrücken konnten. Der entstandene Schaden ist nicht erheblich. Bei der Feststellung desselben wurde der Wunsch geäussert, dah nunmehr diese alte lebensgefährliche„Bude" verschwinden mächte. Am Sonntag mittag wurde der 12. Zug nach der AuSstellungS- hall« im Zoologischen Garten gerufen. Dort war durch Offen- stehenlassen eines Hahnes an einer Kochmaschine eine Erploston entstanden. Am Planufer 30 hatte die Feuerwehr mit der Löschung eines Brande? zu tun, der in einem Automobilschuppen entstanden war. Bei Ankunft der Wehr brannten Schaldecken, Bretterwände und darüber im 1. Stock die Küche mit dem Zwischengebälk. Der 11. Zug hatte längere Zeit zu tun, um die Gefahr zu beseitigen. Vor dem Hause griedrichstrahe 171 brannte eine Automobildroschke und in der Gollnowstrahe 13 eine Tischlerei. Zeugen gesucht. Di« beiden Rohrleger, die am Sonnabend, dm 1«. Februar, in der Yarbarossastr- 14 die Gosse aufgetaut habm und ein Dienstmädchen au» der Wohnung ihrer Herrschast besteiten, werden gebeten, ihre Adresse abzugeben Reu« Köntgstr. 90 bei R. Richter. Unkosten werden gem vergütet. Gesperrt. Die von den Grundstücken Amalienstr. 4 biS S und 13 bis 16 sowie Füsilierstr. 5 bis 11 und 13 bis 16 liegenden Ströhen- teile werden wegen Häuserabbruchs vom 86. d. MtS. ab bis auf wettere« für Fußgänger. Fuhrwerl« und Reiter gesperrt. Gleich, Srttg wird, die bereits erfolgte Sperrung eineS TstlS dtk KoblgNtk« »he auf den Fuhgängerverkehr ausaedebnt. Orgelkonzert. Mittwoch, den 27. Februar, abends 7%' Uhr bis 8% Uhr, veranstaltet der königliche Musikdirektor Beruh. Irr- gang in der St. Marien-Kirche ein Passionskonzert unter Mitwirkung von Fräulein Lili Menar(Sopran), Herrn A. N. Harzen-Müller(Bah) und Herrn Heinz Beyer(Cello). Orgel. kompositionen von Bach, Wolfrum und P. Gerhardt. Der Eintritt ist frei! Feuerwehrbericht. Am Montag wurde an der Ecke der Bülow- und Potsdamerstrahe ein Mann von einem elektrischen Straßenbahnwagen überfahren. Die deshalb alarmierte Feuerwehr konnte bald wieder abrücken. Fast gleichzeitig erfolgten zwei Alarme nach der Neuen Königstrahe 18 wegen der Explosion eines Bierfasses. In dem jetzt abgebrochenen Hause Füsilierstr. 10(Scheunenviertel) brannten Balken, Schaldecken, Futzböden und Betten. Der erste Zug muhte längere Zeit löschen, um die Gefahr einer weiteren Aus- dehnung des Brandes zu verhüten. Vor dem Hause Schillinastr. 28 brannte Gas aus einer umgefahrenen Gaslaterne und in der Oranienstr. 25 Kleider, Körbe tt. a. Ferner liefen noch Feuer- Meldungen aus der Manteuffelstr. 75, Vozhagenerstr. 25 und anderen Stellen ein. Vorort- JSachncbtem Charlottenlmrg. Verkürzung der Ardeltszeit für städtische Arbeiter? Am 1. Februar 1905 hatte die Stadtverordnetenversammlung nach lang- wlerigen Vorberatungett einen Antrag der sozialdemokratischen Fraktion auf Einführung eines MaximalarbeitStageS von zehn Stunden für die stadtischen Arbeiter in namentlicher Abstimniung mit allen Stimmen gegen die der Sozialdemokraten und des frei- sinnigen Stadlverordneten Dr. Penztg abgelehnt. Um aber ivenigstenS den Anschein zu erwecken, als ob etwas geschieht, hatte die Versammlung gleichzeitig den Magistrat ersucht, Erhebungen darüber anzustellen, weichen Betrag die Löhne für täglich zehn- stündige Arbeitszeit im Tage- resp. Wochen- und MonatSlohn in den städtischen Betrieben erreichen. In Erledigung diese» Beschlusses hat nun der Magistrat durch sämtliche BerwaltuugSdcputatlonen, die Arbeiter beschäftigen, Er- Hebungen anstellen lassen, welchen Betrag die Löhne für täglich durchschnittlich zehnstündige Arbeitszeit in den gesamten städtische» Betrieben erreichen. Das Ergebnis ist folgende«. Es wurden gezahlt: im MonatSlohn..... 583 542 M. im Wochenlohn..... 8l 250. im Tagelohn...... 47 625, , im Stundenlohn.,._. 838 624„____ Zusammen... 1 551 041 M. Löhne. Da nach Ansicht des Magistrats eine gleichmähig Ivstündige Arbeitszeit bei der Verschiedenartigkeit der Betriebe nicht durchweg innegehalten werden kann, sind in der Zusammenstellung die Löhne der Arbeiter, die O1/� 10 Stunden und darüber bis 12 Stunden arbeiten, aufgenommen. Die Löhne der nur 9�/o Stunden Arbeitenden einerseits unv der IG/z»nd 11 Stunden Arbeitenden andererseits stehen sich annähernd gleich, so daß für diese Arbeiter bei der Be- rechüung der Mehrausgaben bei neunstündiger Arbeitszeit ebenfalls eine durchschnittliche Arbeitszeit von.10 Stunden angenommen werden kann. Dagegen sind abweichend zu behandeln die Arbeiter mit 11'/, und 12stündiger Arbeitszeit, an die 15 750 M. Löhne gezahlt werden. Diese Summe muh also besonder? zur Berechnung gezogen werden. Nicht mit aufgenommen sind in die Berechnung die Löhne der Feuerwehr, da hier eine völlig abweichende Arbeitseinteilimg besteht. Einige Arbeitergruppen, deren Arbeitszeit nur etwa g'/z Stunden beträgt, sind ebenfalls nicht mit berücksichtigt. Es sind die? die Außenarbeiter der Tiefbauverwaltung, die mit ihrer AlbeitSzeit von der Jahreszeit abhängig sind. Wird nun bei der Verkürzung der Arbeitszeit auf neun Stunden bei den Arbeitern mit durchschnittlich zehnstündiger Arbeitszeit eine Mehrausgabe von bei denen mit 11'/,« bis 12standiger Arbeits- zeit eine Mehrausgabe von'/« der Löhne angenommen, so ergibt sich folgende Berechnung: 1 551 041 M.— 15 750 M.-=- 1 535 291 M.: 10--- 153 529,10 M. 15 750,: 4-- 3 937,50. zusammen 157 466,60 M. Hiervon gehen ab Vio von 82 400 M. Löhnen für die Feuerleute und Ab- schlacker der Gasanstalten, bei denen durch Verkürzung der Schichten keine Mehrkosten entstehen, mit..... 8 240,00„ bleiben Mehrlosten 149 226,60 M. Die Mehrkosten bei einer allgemeinen Herabsetzung der Arbeits- zeit auf neun Stunden würden also nur etwa 150000 M. und unter Berücksichtigung der voraussichtlichen Vermehrung der Arbeiter höchstens 160 000 M. betragen. Daß die Stadt Charlottenburg sich diese im Verhältnis zu ihrem Etat geringe Mehrausgabe leisten kann, bedarf keines Beweises. In Wirklichkeit dürfte ja die Mehr- ausgäbe noch geringer sein, da der Magistrat bei seiner Berechnung den einen wichtigen Faktor ganz außer acht gelassen hat. daß in der zehnten beziehungsweise eisten oder zwölften Arbeitsstunde weit weniger Arbeit geleistet wird als in den ersten Stunden. Alle privaten Unternehmer, die sich zn einer Verkürzung der Arbeitszeit entschlossen haben, haben damit gute Erfahrungen gemacht. Jedenfalls ist durch die Erhebungen des Magistrats der Beweis für dte Durchführbarkeit des sozialdemokratischen Antrages erbracht. Von dem guten Willen der städtischen Körperschaften wird es abhängen. ob sie endlich einen Schritt vorwärts auf dem Wege praktischer kommunaler Sozialpolitik tun wollen. Ein Pofijünger. Die sogenannte freisinnige Charlottenburger „Neue Zeit" tobt gegen die Sozialdemokratie aus Leibeskräften. Schon vor den Reichstagswahlen erblickte das Blatt eine Ehre darin, seine Leser mit Stoff aus der Kloake des LügenverbandeS zu füttern. Seit dieser Zeit dürfte fast kein Tag vergehen, an welchem nicht irgend ein Pamphlet gegen die Sozialdemokratie veröffentlicht wird. In seiner Sonnabendnummer Venützt es den Fall Bernhard. um die Redaktion des„Vorwärts" in echter„Post"manier an» zupöbeln. Auf eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Blatt ist nicht zu rechnen, da ihm das Lügen und Verleumden zur zweiten Natur geworden zu sein scheint. Es genügt, wenn wir unseren Lesern hin und wieder einmal eine kleine Verleumdungs- und Schimpfnotiz mitteilen. Nachdem es inhaltlich von der Bernhard- scheu Erllämng In der.Volks-Zeitung" Mitteilung gemacht, fährt es fort: „Was hier über das Preßgesindel des sozialdemokratischen �Vorwärts" ausgeführt wird, ist nicht neu; die Sol�schrciber und Sitzredakteure der Herren Singer und Genossen haben sich viel- mehr oft genug noch ganz andere Dinge sagen lassen müssen. Immerhin ist eS interessant, dah auch ein sozialdemokratischer Führer jetzt offen erklärt, das Recht der steten Meinungsäuherung werde vom Organ des sozialdemokratischen Parteworstandes nicht anerkannt." Das ist eines der Blätter, die sich oft nicht genug über den Ton in der sozialdemokratischen Presse entrüsten. Nicht« geht doch über Freisinnsmoral. Wie es scheint, haben die Dienst« für den Reichs- liigenverband bei den Schmierhelden des Blattes jedes Empfinden für Anstand und Moral vernichtet. Schöneberg. Sine neue Fraktion hat sich in der Schöneberger Stadt- verordnetenversammlung unter dem Namen»Freie Fraktion" ge- bildet. Sie verfolgt den Zweck,„zu dem Uebergewicht der„lln- abhängigen Fraktion"(Haußbesitzerstastion), die einen unheilvollen Einfluß ausübt und nicht im Interesse der Gesamtdevölkerung Schöneberg« handelt, ein Gegengewicht zu bilden". Zurzeit ge- hören dieser neuen Fraktion 18 Mitglieder an Die Herren haben aber«ingesehen, daß sie allein doch zu schwach sind, den Kamps gegen die»Unabhängige Fraktion" auszunehmen, weshalb sie sich mit der auI sieben Mitgliedern bestehenden Gruppe der Liberalen ins Einvernehmen setzten, um bei entscheidenden Abstimmungen im Stadiparlament und bei den Kommunalwahlen zusammen zu gehen. — Ohne sozialdemokratische Hülfe werden aber selbst beide Gruppen nichts gegen die„Unabhängige Fraktion" ausrichten können. Ja eS wird sehr häufig so kommen, dah die Herren gemeinsam mit der „Unabhängigen Fraktion" die Anträge der Sozialdemostaten zu Fall bringen werden. Lebhafte Klagen führen die Hausbesitzer über den Haushalts- plan der Stadt Schöneberg. In einer Versammlung des Haus- und Grundbesitzervereins haben sie ihrem Herzen Luft gemacht und er- klärt, daß die Steuerlast für sie jetzt eine unerttägliche geworden sei. Sie ziehen vor allem zu Felde gegen die vor einigen Monaten vor- genommene Gehalts- und Lohnaufbesserung der städtischen Beamten und Arbeiter. Die Durchführung dieser Erhöhungen sei ihrer Meinung nach nur möglich geweien, weil eine große Anzahl von Hausbesitzern in der Stadtverordnetenversammlung seinerzeit nicht ainvesend waren. Es ist außerordentlich wertvoll, daß dies einmal offen ausgesprochen wird. Sonst reden die Herren immer, daß man eS nur ihnen zu verdanken habe, wenn die Gehaltserhöhungen zur Annahme gekommen sind. Auch die Auswendungen für die Gemeindeschillen müssen herhalten. Auf diesem Gebiete fordern sie eine möalicbst geringe Arbeiterbevölkerung, damit für steuerlräftige Mieter Platz gemacht werde, die in der Lage seien, ihre Kinder statt in die kostenlose Gemeindeschule in die höheren Schulen zu schicken. Die Herren bergessen aber dabei, dah der einzelne Schüler der höheren Schulen ihnen teurer zu stehen kommt, als der Gemeiiidkschiiler. Um dieser angeblichen Ueber- lastuiig der Hau»« und Grundbesitzer Einhalt zu gebieten, forderte man die Bersammlungsbesucher auf, getreu wie im Reiche die Partei der NichtWähler an die Urne gebracht sei, in Schöneberg dte große Menge derjenigen Hausbesitzer aufzurühren, die noch schlafen. Dieser Massenaufrüttelung der Hausbesitzer werden unsere Parteigenoffen getrost entgegensehen. Bei den in: kommenden Herbst vorzunehmenden StadtverorViietenersatzwahlen wird es sich ja zeigen, wer die Mehr- heit der Schöneberger Einwohnerschaft hinter sich hat. Britz. Was lehren uns die Reichstagswahle»? lautete das Thema, das Genosse Schröder-in der Generalversammlung des Wahlvereins behandelte. In großen Zügen ließ der Redner noch einmal die Art iics Kampfes unierer Gegner Revue passieren und folgerte daraus, dah die Lügen und Verleumdungen, mit denen sie gegen die Sozial- demokratie gearbeitet, bei den indifferenten Massen Anklang gefunden haben. Aber auch in unserer Partei sei nicht immer in der glück- lichsten Weise gekämpft worden, soweit das Austragen von Meiimngs- Verschiedenheiten in Betracht komme. Hier manches zu vermeiden, müsse ein Gebot der Pflicht für jeden einzelnen sein. Mehr auf die Verbreitung der sozialistischen Ideen als auf das Austragen von Zwistigkeiten müsse das Denken eines jeden gerichtet sein. Bor allem aber sei es notwendig, die Idee des politischen Maffenstteiks nicht aus dem Auge zu verlieren. An der sehr regen Diskussion be« teiligten sich dte Genossen Händel, Hcmmeritz, Baumgarten. Soldner, Ernst, Krause, Jonas, Vogt und Beutmann meist in zustimmendem Sinne. Es wurde außerdem das Gebaren der Gegner am Ort kritisiert. Besonders verurteilt wurde, daß der Gemeindevorstand nicht auch Sonntags, wie dies allenthalben ge» schehen sei, die Wählerlisten habe auslegen lassen. Die Neuwahl des Gesamtvorstandes ergab folgendes Resultat: Genoffe Beutmann als erster, Richter zweiter Vorsitzender! Kassierer Dumke, Schrift- sichrer Pipke, Beisitzer Soldner! Revisoren: Vogt, Händel und Helling; Bibliothekkommission: Weimann, Jonas und Werner; Lokalkommission: Landmann. Jonas und Helling. Als Bezirks- führer wurden ernannt: I. Bezirk Bläsing, II. Friedrich, III. Heine IV. Lemke, V. Vogt, für Buckow als VI. Genosse Hadameck. Vom Thema darf nicht gesprochen«erden. Diese Aeußerung eines eine Versammlung überwachenden Polizei« beamten in Sachsen kam uns in Erinnerung, als wir nachstehenden Bericht über das Benehmen eines Gendarmen erhielten, der eine am Sonntag in Britz stattgehabte öffentliche Frauenversammlung zu überwachen hatte. In derselben gab die Krers-Vertrauensperson Genossin Thiel-Tempelhof den Jahresbericht. Unter anderem erwähnte sie, daß ihr und noch zwei Frauen die Ausführung des Auftrages der Britzer Frauen, am Grabe des verstorbenen Genossen Weniger einen Kranz niederzulegen, einen Sttafbefehl von je 30 M. eingebracht habe. Bei dieser Mitteilung erhob sich der über- wachende Beamte und forderte von der Genossin Thiel, hierüber nicht weiter zu reden, das gehöre nicht zur Sache. Genosse Böske legte sofort Verwahrung gegen das Vorgehen des Beamten ein, er handele ungesetzlich: der Beamte habe das Recht, die Ver- sammlungSanmeldung zu konttollieren, die Versammlung zu über- wachen, und wenn Ungesetzlichkeiten vorkämen, die Versammlung auf» zulösen, aber nicht hineinzureden und die Versammlung dadurch zu stören! der Beamte habe nicht zu entscheiden, waS zur Sache gehört. Diese Belehrung unseres Genossen Böske sollte ein neuer Grund sein, die Bersammlung auszulösen Die Vorsitzende kam aber dem zuvor und vertagte die Versammlung aus 10 Minuten. Nach Wiedereröffnung derselben kritisierte Genosse Böske das ungesetzliche Eingreifen des Beamten. Er habe zwar Frau Thiel und Genossen zu den Strafbefehlen verholfen, darüber soll aber erst das Gericht entscheiden. Deshalb sei ihm das Erwähnen wohl nicht recht angenehm, übrigens sei es nicht das erstemal, daß derselbe Beamte in Versammlungen sich selbst das Wort nimmt, zwischen redet. Bravo rufen verbietet usw. Da auch in Britz das preußische BereinSgesetz maßgebend sei. so hätte sich auch ein Britzer Beamter daran zu halten. Diese Erläuterung hatte gefruchtet. Die imposante Per- sammlung verlief sodann ohne weiteren Zwischenfall. Königs-Wusterhausen. In eine entsetzliche Lage geriet gestern nachmittag der Chausiee- aufsehr Ulrich, der auf einer Dienstfahrt begriffen, mit seinem Zwei« rade die Berliner Chaussee bei Neue Mühle entlang sichr. Be» der Glätte stürzte er mit dem Rade und fiel so unglücklich, daß er sich nicht zu erheben vermochte und besinnungslos liegen blieb. Als U. nach einiger Zeit zum Bewußtsein kam. rief er uni Hülfe, doch ver- halten seine Rufe auf der an Wintersonntagen fast menschenleeren Chaussee ungehört. So blieb der Unglückliche, der einen Beinbruch und anscheinend auch innere Verletzungen erlitten hatte, über zwei Stunden Hülflos auf dem kalten Chausseepflaster liegen, bis er endlich von zwei Berliner Radfahrern, die von Könias-Wusterhausen kamen, aufgefunden wurde. Während der eine bei dem schon fast Erstarrten blieb, fuhr der zweite nach Neue Mühle, um von dort Hülfe zu holen. Ulrich wurde mittels Wagens nach dem Kranken« hause in KönigS-Wusterhausen gebracht. Zehdenick. Große Aufregung rief am Sonntagnachmittag ein Unfall bei der Beerdigung der verstorbenen Witwe Werderrnann unter den Teilnehmern am Grabe hervor. Kaum hatten die sechs Träger mit dem schweren Sarg die beiden Laufbohlen an denLängSiecten der Grube betteten, als das eine der morschen Bretter brach. Der Sarg fiel in die Grube, drei der Leichenträger unter stcb begrabend. Nachdem der Sarg wieder au» der Grube herausgehoben war, konnten die drei in die Grube Gestürzten aus ihrer unheimlichen Lage besteit werden und die Verstorbene endlich, nachdem man neue Bohlen be» schafft nnd der Sarg auf Verlang«, der Angehörigen der Verstorbenen noch einmal geöffnet worden war. gut letzten Ruh» gebracht werden. Die drei Verunglückten hatten zum Glück nur leichte Verletzungen erhalten Weistensee. Nach dem Bericht de» Oieweebe- und KaufmqnnSgericht» wurden heim Gewerbegericht 337 Klagen erhoben, 10 Klagen wurden bom Vorjahr als unerledigt übernommen. Dte Zahl der Kläger belief sich auf 353: hiervon entfallen auf männliche Klager einschließlich Lehrlinge 335, auf Frauen und Mädchen 18. Von den Klage» find erhoben tvSrden bon Arbeikern gegen Arbeitgeber 332, von Arbeitgebern gegen Arbeiter 15. Der Wert des Streitgegenstandes betrug bis 20 M. bei 15g Klagen, von 20 bis 50 M. bei 33 Klagen, von 50 bis 100 M. bei 55 Klagen, von mehr als 100 M. bei 27 Klagen. Bei 13 Klagen war ein Wert nicht festgestellt. Von den Rechtsstreiten sind erledigt durch Zurücknahme 81. durch Ver. gleich 84, durch Anerkenntnis 30, durch rechtskräftiges Versäumnis. urteil gegen Kläger 14. gegen Beklagte 39. durch Endurteil 59. Von den Endurteilen fielen aus zugunsten der Arbeitgeber 34 und zugunsten der Arbeiter 23, während in 2 Sachen teilweise Ver- urteilung stattfand. Als Einigungsamt trat das Gewerbegericht nicht in Tätigkeit. Beim Kaufmannsgericht wurden 18 Klagen erhoben, die in 26 Terminen ohne Zuziehung und in 8 Terminen mit Zuziehung der Beisitzer erledigt wurden. Es ergingen 10 Be- Weisbeschlüsse und wurden 11 Zeugen vernommen. Sämtliche Klagen waren erhoben von Handlungsgehülfen gegen Kaufleute. Alle Klagen betrafen Gehalts- und EntschädigungSforderungen. Erledigt wurden durch Vergleich 13, durch Zurücknahme 1, durch Versäumnisurteil 1. durch Endurteil 3 Klagen. Die geringste Klagcsumme war S M., die höchste 471,20 M. Als Einigungs- amt trat das Kaufmannögericht nicht in Tätigkeit, Gutachten sind ebenfalls nicht zur Abgabe gelangt. Ein Antrag, welcher die Aenderung deS§ 63 H. G.-B. bezweckt, ist zur Abgabe an die gesetzgebenden Körperschaften gelangt. Ferner wurde ein Antrag an den Gemeindevorstand gestellt, welcher die Einführung der Sonntagsruhe und des Achtuhr-LadenschlusseS im hiesig'en Handels- gewerbe bezweckt. Köpenick. In der Generalversammlung deS Wahlvereins erstattete Gc- nosse Woik den Geschäftsbericht. ES fanden im Berichtsjahr 15 Mitgliederversammlungen, 6 Volksversammlungen sowie 22 Vor- standSsitzungen statt. Schiedsgerichte mutzten in zwei Fällen in Kraft treten. Die Mitgliederzahl, welche am Jahresanfang 614, betrug, stieg auf 9 7 6. Wegen restierender Beiträge wurden Vi Mitglieder gestrichen. Gewerkschaftlich organisiert sind von diesen 976 Genossen 620. Ueber die im Frühjahr und im Herbst aufgenommene Statistik, betreffend Zeitunglesen usw., sowie die Beteiligung der Mitglieder an der Reichstagswahl, desgleichen Stadtverorvnetenwahl wird in einer der nächsten Versammlungen eingehend berichtet werden, da es nicht möglich war, diese fertig zu stellen. In dem Agitationsbezirk deS Vereins— Nauen— ist ebenfalls ein Wahlverein gegründet worden. An der Maifeier beteiligten sich 6000 Parteiangehörige. Den Kaffenbericht erstattete Genosse Heinze, diesem ist zu entnehmen, datz die Einnahme im Ge- schästsjahr 4512,02 M. und die Ausgabe 4509,74 M. betrug. Den Bericht der Parteispedition gab Genosse Woik, wonach 1016„Vor- wärtS'-Abonnenten vorhanden waren. Die Diskussion war eine sehr eingehende und wurde namentlich die Mandatsniederlegung des Genoffen Helling als Stadtverordneter einer Erörterung unter- zogen. DeS weiteren wurde es gerügt, datz die Angelegenheit be- treffend Ausschlusses derjenigen Mitglieder, welche bei dem vor- jährigen Kampfe bei der Weltfirma Spindler als Streikbrecher fungierten, noch nicht zum Abschluß gebracht ist. Eine Aussprache über den Ausfall der letzten Reichstagswahl soll in einer besonderen Versammlung erfolgen. Die Neuwahl der Funktionäre hatte folgendes Ergebnis: 1. bezw. 2. Vorsitzender die Genossen Woik und Lefövre, Schriftführer Nickel, 1. bezw. 2. Kassierer Heinze und Otto L i e g e n e r, Beisitzer Hermann Damm. Als Revisoren wurden die Genossen Klotz, Werner.und Dittmann bestimmt. Als Parteispediteur be- stimmte die Versammlung wieder den Genossen Woik, während als ZsitungSkommissionSmitglieder die Genoffen Wilh. Krüger, G. Müller und T a u ch e r t gewählt wurden. Die Lokal- kommisston besteht aus den Genossen Herm. Lehmann. Weber und Block. Ein Antrag, letztere Kommission zu verstärken, konnte nicht zur Verhandlung gelangen, da bereits die Wahl der Kom- Mission vollzogen war. Als Delegierte zur nächsten KreiS-General- Versammlung wurden die Genoffen Dittmann und Jahnke bestimmt. Die Zahl der neuaufgenommenen Mitglieder beträgt 23. Genosse H i l l i g e s bringt einen Ausspruch des bürgerlichen Stadtverordneten Schubert in der letzten Sitzung der Stadt- verordneten-Versammlung zur Sprache, wonach derselbe die Ver- rufung Köpenicks seit 1890 auf das Konto der Arbeiterschaft setzt. und wundert sich, datz von der sozialdemokratischen Fraktion kein Protest in dieser Sitzung erhoben ist. Die Genossen Herbst und Tauchert, als Mitglieder der Fraktion, erklärten, datz hier ein Irrtum des Genossen H i l l i g e s vorliege. Ein Antrag der Genossen Jahnke und Schüler, der eine intensive Agitation gegen die bürgerliche Lokalpresse fordert, wurde zurückgestellt. Gericbts- Leitung. Wie Prostituierte ausgebeutet werden. In dm Geschäftsbetrieb eines„Bankiers der Demimonde" ge- stattete eine Verhandlung, die gestern von der dritten Strafkammer deS Landgerichts I stattfand, verschiedene interessante Einblicke. Wegen Betruges, Unterschlagung und schwerer Urkundenfälschung in 22 Fällen war der Händler Sally JameS Robby Emil ChorinSky angellagt. Der in New Uork geborene Angeklagte hat vor nicht allzulanger Zeit unter Prostituierten, die die Friedrichstratze frequentieren, eine gewisse Rolle gespielt. Im Anschluß hieran wurde er wiederholt wegen Kuppelei und Körper. Verletzung bestrast, zuletzt mit 2Ä Jahren Gefäng» n i S. Insgesamt hat C. zirka sechs Jahre wegen dieser Delikte im Gefängnis zugebracht. Nach Verbützung der letzten Strafe be- schloß der Angeklagte in Gemeinschaft mit einem Händler Streich- han, der sich ebenfalls über zwei Jahre wegen ähnlicher Delikte im Gefängnis befunden hatte, die Ausbeutung der bedauernswerten Geschöpfe durch Geldverleihgeschäfte zu betreiben. Seine Kund- schaft bestand lediglich aus Damen der Dcmimonde, denen infolge eines schlechten Geschäftsganges daS Geld knapp geworden war. Der Angeklagte wurde von Streichhan sofort als Kassierer enga- giert. Ueber seine Tätigkeit bei S. machte der Angeklagte folgende Angaben. Streichhan habe nur Geld an„Damen" verliehen, die e« dann ratenweis zurückzahlten. Um den hohen Zinssatz zu verdecken, waren die Geschäfte in Form eines Leihvertrages abgewickelt worden. Für ein Darlehn von 40 M. fei zum Beispiel in dem Vertrage als angebliches Objekt des Geschäfts em Kostüm zum Preise von 80 M. aufgeführt worden. Der Jahresumsatz habe mindestens 3 0 0 0 0 M. betragen, er selbst habe pro Tag 50 bis 60 M. von Damen einzukassieren gehabt. Für eine neue Kundin erhielt der Angeklagte, der zugleich als Agent tätig war, eine gewisse Provifion. Nach der Anklage hat ChorinSky nun 22 dieser Verträge angefertigt und die Unter- schriften gefälscht, um auf diese Weise in-.den Besitz deS Geldes und zugleich der Provision zu kommen. Streichhan will hier- durch um über 1300 M. geschädigt worden sein. Autzerdem be- tätigte sich der Angeklagte auf einem anderen Gebiete in sehr erfolg. reicher Weis«. Er entnahm bei zahlreichen Pfandleihern goldene Schmucksachen. Uhren und Brillanten unter der Angabe, er könne diese mit gutem Profit an die Damen, bei denen er zu kassieren hatte, weiterverkaufen. Es wurden ihm von verschiedenen Pfandleihern und Juwelenhändlern auch Schmucksachen von erheb» lichem Werte kommissionsweise ausgehändigt, die er sofort weiter- verkaufte und den Erlös hieraus in die eigene Tasche steckte. JnS- gesamt erbeutete der Angeklagte durch diesen Geschäftsbetrieb über 5000 M.; ein Pfandlcihcr Levy ist allein um Schmucksachen im Werte von 2100 M. betrogen worden. Vor Gericht war der An» geklagte nur teilweise geständig. Der Staats. a n w a l t hielt ihn jedoch im Sinne der Anklage für uberführt und beantragte mit Rücksicht auf die vielen Vorstrafen eine Zucht. hauLstrafe von L-ih Jahren. Die Strafkammer er. kannte auf 1 Jahr 6 Monate G-fängniS. unter Anrechnung von 3 Monaten der Untersuchungshaft. Ob gegen ihn und Streich. han auch wegen Wuchers Anklage erhoben werden wud. lieh die Verhandlung nicht erkenneu. «reyt Gärtner« das Betreten des Kirchhofes frei? Zu dem in unserer Sonntagsimmmer unter dieser Ueverschrift enthaltenen Gerichtsbericht teilt uns Herr Jankowky mit, datz er lediglich wegen Hausfriedensbruchs angeklagt und wie wir mit- teilten, von dieser Anklage steigesprochen ist. Wegen Beleidigung war nur Bruno Ahlisch, nicht Jankowskh, angeklagt und zu 10 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Streit über die Berechtigung, den Kirchhof zu betreten, entstand anläßlich der Dekoration des Grabes eines Leutnants. Die Dekoration hatte die Ehefrau des Ver- storbenen angeordnet._ Objektives Verfahren wegen MajestätSveleidigung. Nach Z 42 des Strafgesetzbuchs ist es zulässig, in den Fällen, in denen der Inhalt einer Schrift usw. strafbar ist, tu denen aber die Verfolgung oder die Verurteilung einer bestimmten Person nicht ausführbar ist, auf Einziehung der Schrift usw. ohne Ver- urteilung eines Täters zu erkennen. Solches Perfahren nennt man „objektives Verfahren". Um ein solches handelte es sich in einem gestern unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vor der ersten Straf- kammer des Landgerichts I verhandelten Verfahren wegen Majestätsbeleidigung. Die Staatsaktion richtete sich gegen eine von John Gayer in New Uork herausgegebene Broschüre„Der preutzische Hochadel, ein Bettrag zur Gerechtigkeitsliebe desselben". In emigen zur Verlesung gebrachten Stellen wurde das Vergehen der Majestätsbeleidtgung erblickt. Das Gericht erkannte auf Einziehung der Broschüre in allen vorfindlichen Exemplaren. Vermischtes. Zum Untergang der„Berlin". Einem Telegramm aus Hock van Holland zufolge sind von dem Wrack der„Berlin" noch 15 Leichen geborgen worden, darunter die eines KindeS. Die Leichen der Personen, die zur Besatzung gehört haben, werden heute nach England übergeführt werden, die der übrigen Personen sollen am Montag oder Dienstag bestattet werden. Behufs späterer Rekognoszierung werden dieselben vorher Photo- graphiert. Unter den rekognoszierten Leichen befinden sich die des Kindes Weinberg, sowie der Herren A. Rank und Dr. Ernst S ch i ck h o l d und vermutlich die der Frau Bertram. Nach einer Meldung aus Harwich vom gestrigen Tage ist der Dampser„Vienna" gestern morgen mit 15 wetteren Leichen des Dampfers„Berlin" dort angekommen. Die Zahl der nach Harwich gebrachten Leichen erhöht sich nunmehr auf 36. Hock van Holland, 25. Februar. Unter den geborgenen Leichen wurde heute eine als die der Opernsängerin Hermine Lehmann aus Stettin rekognosziert. DaS neue Schiffsunglück. In unserer SonntagSnummer teilten wir bereits mit, daß der Dampfer„J m p e r a t r i x" vom österreichischen Lloyd in der Nähe von Kreta gestrandet ist. Das Schiff hatte 120 Mann Besatzung und 20 Passagiere an Bord. Neuen Meldungen zufolge beträgt die Zahl der ertrunkenen Personen vierzig. Das Schiff selbst soll verloren sein. Ein Telegramm aus Sudabai(Kreta) vom 24. d. M.. meldet folgendes: Ein russisches Torpedoboot, das gestern abend mit dem russischen Stationär nach der Strandungsstelle des öfter- reichischen Dampfers„Jmperatrix" ausgefahren und heute zurück- gekommen ist, berichtet: Das Hinterteil des„Jmpera- trix" ist unter Wasser, das Vorderschiff ragt aus dem Meere herbor. Augenblicklich sind der französische Kreuzer„Faucon", der russische Kreuzer„Chiwinetz" und das italienische Schulschiff„Curtatone" bei gutem Wetter am Werke, um Hülfe zu leisten. Es sind bereits eine Anzahl Per- sonen gerettet; sie sind jedoch in einer Verfassung, datz sie Einzelheiten nicht berichten können. Man befürchtet, datz das Un- glück, da es in der Nacht eintrat, viele Opfer gefordert hat. Der Vertreter des Oesterreichischen Lloyd in Canea, der an der Hülfsaktion deS Dampfers„Castore" teilgenommen hat, berichtet: Der Kapitän des„Jmperatrix" ist mit allen Offizieren und allen Chargen mit Ausnahme des dritten Maschinisten, sowie mit allen Passagieren und einem grotzen Teile der Mannschaft in Canea ein- getroffen. Von dem Personal sind 39 Personen, darunter acht arabische Heizer, ertrunken. Das Schiff selbst gilt als unrettbar verloren: die Ladung ist bis auf einen kleinen Teil vernichtet. Die Geretteten sollen mit dem„Castore" weiter befördert werden. Canea, 24. Februar. Das italienische, französische und russische Kriegsschiff sowie der österreichische Llohddampfer„Castore" trafen mit 104 Uebcrlebenden des Dampfers„Jmperatrix" hier ein. Die Passagiere sind sämtlich gerettet. Die Gesamtzahl der ertrunkenen Personen beträgt vierzig. Trieft, 25. Februar. Wie aus Canea berichtet wird, ist die Stimmung der geretteten Passagiere deS gescheiterten Dampfers „Jmperatrix" sehr ruhig. Die Offiziere wie auch die Mannschaft haben Kaltblütigkeit bewiesen und ihr Hauptaugenmerk auf die Rettung der Passagiere gerichtet. Die unmittelbare Ursache der Katastrophe ist noch unbekannt; man nimmt an. datz die„Jmpera- trix" bei Nacht und Nebel durch Sturm vom Kurse abgedrängt und auf das Riff geschleudert worden sei. Gerettet. Die gerettete, aus 22 Personen bestehende Mann- schaft deS englischen Dampfers„Coralie", welcher, wie gemeldet, in der Nordsee untergegangen ist, traf in der letzten Nacht in Hamburg ein und wurde in einem Hotel untergebracht. Bis auf den Boots- mann, welcher bei den Rettungsarbeiten einen Beinbruch erlitt, sind alle gesund; sie werden in den nächsten Tagen nach Vernehmung durch den englischen Generalkonsul nach Hull zurückbefördert werden. Der Dampfer„Coralie" gehörte der Firma W. H. Cockerline u. Co. in Hull. Der Rhein fällt. Der Wasserstand des Rheins betrug wie aus Köln berichtet wird, gestern 4,66 Meter. Er ist feit Sonnabend um 44 Zentimeter gefallen. Genickstarre. In Glasgow mehren sich die Fälle von Genick- starre fortwährend. Seit Sonnabend find zwölf Todesfälle und zwölf Erkrankungen vorgekommen. Eisenbahnzufammenstoß. Im Dorf Petersburg in Böhmen fand am Sonntagnachmittag ein Zusammenstoß eines Personenzuges mit einem auf der Station stehenden Güterzuge statt, wobei 3 Personen schwer und etwa 20 Personen, unter ihnen drei Bahn- und drei Postbedienste, leicht verletzt worden sind. Schwere Berhccrungcn ruft, wie ein Telegramm aus Manila berichtet, ein heftiger Zyklon auf den Südinseln hervor. Zwei- hundert Personen sollen umgekommen sein, während tausend obdachlos sind. Durch Schneesturz fortgerissen wordm ist nach einer Meldung aus Opstrvn am Nordfjord das Gehöft Tunold. Dabei sind acht Menschen umgekommen. Ein Schneesturz traf auch das GeHost f olebäk in Givanger. In dem Hause befanden sich zehn Personen. rauen und Kinder, und eS besteht wenig Hoffnung, datz sie gerettet werden können. Lohnende Diebstähle. In einem großen Hotel in Cannes wurden S eftern der Gattin eines Londoner Bankiers Juwelen im Werte von 00 000 Frank gestohlen. Bon den Dieben fehlt jede Spur. Im Chicagoer Unterschotzamt der Bereinigten Staaten sind während der letzten Woche 200 000 Dollar geraubt worden. Bon den Dieben fehlt jede Spur. ßnefftaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Friedrich stf. I« Stnfürtmr 4, eine Treppe(Handelsstätte Bellealliancc, Durchgang auch Lindenstr. 101>, w-ch-iitäglich van?>/» bis»>/, Uhr abends statt. G-öfine» 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstmidc um 0 Uhr. Jeder Zlnsragc ist ein Buchstabe»»d ein« Zahl als Merkzeichen beiznsiigcn. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage mau in der Sprechstunde vor. Wilhelmstraße. Widerspruch wäre zwecklos, wenn die dortig« Bau- Polizeiverordnung die Eutsernung vorschreibt.— W. B. 15. Sie können mir auf Erfüllung der Vereinbarung und aus Schadenersatz klagen; ei» Recht, einseitig den Bertrag zu lösen, steht Ihnen nicht zu.— O. Vetter. Aus DoMierstag.— R. D. 107. 1. Sie sollten einen Antrag aus Unsall» rente an die Holzberujsgenossenschaft baldigst richten. 2. Erkennen Sie schriftlich an, was Ihrer Frau gehört, und nehmen Sie das Testament zurück. Dann bleibt Ihrer Frau ihr Eigentum und sie erbt ein Viertel. 3. Die Wahlkreiseinteilung ist die alte.— P. A. K. 105. Nein. Klagen Sie beim Gewerbegericht aus Zahlung Ihrer Forderung gegen Herausgabe der Röcke.— Mener 1875. 1. Nein. 2. Ja, wenn das Jahresgehalt 2000 M. nicht übersteigt. 3. Die polizeiliche Erlaubnis war erforderlich. 4. Nein. — P. G. Kurzebrock. Die Steuer ist von Ihnen für die Zeit vom 1. Oktober ISöü ab zu cutrichten. Sie müssen eventuell reklamieren. — T. 23. In den meisten Gemeinden von 1500 M. an.— W. P. 15. Die austcreheliche Tochter erbt ebenso wie die eheliche, hinter ihrer Mutter. — H. D. 6. Uns nicht bekannt.— 8k.(?. 65. Wir müssen eS ablehnen, über Ralsamkeit oder Nichtsamkeit des Beitritts zu einem Verein zu urteilen. — K. L. Cuvrhslrake. Ein solches Monopol existiert nicht, legen Sie genauer dar, was Sie wissen wollen.— A. N. 5. Eine KInge würde Aussicht aus Erfolg haben. Dieselbe ist an den Magistrat(Gewerbedeputation) zu richten.— L. G. 7 Soweit aus Ihrer Darlegung ersichtlich ist, ist Ihre Tätigkeit Nicht die eines selbständigen Werksührers, sondern die eine« Vorarbeiter», Ihnen stände also nur die vierzchntägige Kündigungsfrist zu, 2. DaS Gewerbegcricht ist für die Klagen der Gihülscn völlig zuständig. 3, Die Werlineisterllnge würde in Ihrem Fall das Amts- gerlcht angehen, weil das Gehalt 3000 M. übersteigt.— M. Z. 1. Nein. — L. 37. Das Testament kann geändert werden. In welcher Weise die Summe z« zahlen ist, richtet sich nach dem Inhalt des TeslainentS. An Grund zur Siegelung und dergleichen liegt nicht vor.— A. T. 1. Wenn weder Ausklagung»och Anerkennung erfolgt ist, ja.— A. S. 43. Kaiser Wllhelmflr. 46.— A. R. 3V. Solche gibt es nicht, besuchen Sie die juristische Sprechstund«.— F. SP. 2(£. Die Firma müßte erst klagen, auch Sie lönnlen aus Bornahme der Zieparatur klagen.— C. H. 88. Ja. — 500. Weitere Schritte wären völlig erfolglos.— A. K. 88. Nein, Sie können nur aus Beseitigung des Mßfkandcs klagen bezw. den Miß- stand selbst beseitigen und die Kosten einklagen.— K. M. 00. Nein. — Testament 12. 1, Wenn die Form gewährt ist ja. 2. und 3. Die Kosten richten sich nach der Höhe de? Objekts.— Bk. L. Nixdorf. Leider nein. — K. W. 25. t. Das ist möglich, Sle müßten sich an die Schuldeputation wenden. 2. Herbst 1207. 3. Ja. Der Plan der FortbilsiungSschule wird auch von uns von Zeit zu Zeit verössentlicht.— Staiinlol. Wenden Sie sich an eine Schotoladenhandlung.— G. Ich. 100. Ohne Einsicht in den Vertrag sind Ihre Fragen nicht zu beantworten.— 1000 K. M. 1. Ja, Voraussetzung Ist 6 monatliche Milglicdschalt. 2. 200. Das Weiterklcben ist ratsamer.— Mathilde 31. Wenn Sie beweisen können, daß die be- trcsienden Summen nur als Darlehen gegeben sind, so gehören die Forde- rangen zum Nachlaß. Ihnen würde die Hülste zusallen, wegen Erb- reguiierung müßten Sic sich an das Amtsgericht wenden.— H. W. 4. Die VecjähruiigSjrist beträgt 30 Jahre. Ein Anspruch aus Rückerstattung besteht aber nach zutreffender Ansicht nicht. Eventuell hasten die Erben. — H. 4. Beides ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, richtet sich also nach dem Inhalt deS Vertrages.— Fetttng. PH.— Tausend. Ja. —«. 100. Ihr Kind gilt nicht als Dissident, Sie müßten sür dasselbe austreten, Steuer müssen Sie aber bis Ausgang dieses Jahres für sich zahlen.— B. 230. Wenn der Richter annimmt, daß das Mädchen fahr- lässig gehandelt hat, so steht leider der Herrschast das Recht aus Aufrechnung gegen den Lohn zu.— W. Bienz. l. Ohne Einsicht in das Statut nicht zu beantworten. 2. Ja.— tt. 8. 12. 1. Ja. 2. Nein. 3. DaS Mädchen iann die Forderung sofort verlangen.— M. S. 17. 1. Nach zutressenver Ansicht ja. 2. Klage beim Gewerbegericht.— Georg SO. Der Gläubiger könnte klagen.— L. 71. 1. Bis Ende dieses Jahres. 2. Ja, Sie müssen dem Sohn aber den Pstichtteii lassen. 3. Der Pfllchlteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Teils. 4. und 5. Anleitung und Beispiele sür Testamente finden Sie aus den letzten Seiten de» dem„Arbeiterrecht" beigefügten „Führers". DaS Buch liegt w den ösientlichen Bibliotheken aus.— — R. A. 4. Ihren Anspruch müßten Sie innerhalb elneS Jahres durch einen Rechtsanwalt beim Landgericht geltend machen. Der Anspruch hat aber wenig Ausficht aus Erfolg.— G. A. 157. Der Vormund ist hierzu berechtigt.— Oi. F. 12. 1. Nein. 2. Stellen Sie einen schriftlichen Antrag oder begeben Sie sich aus das Polizeirevier. 3. Eventuell wäre Beschwerde einzulegen. 4. v. Rochow.— E. I. 34. Senden Sie das Betreffende zunächst ein.— Arbeitersekrctariat 56. Nach zutreffender aber be- strittener Ansicht steht dem Arbeiter voller Schadenersatzanspruch zu.— Karl G. R. B. 142. Wenden Sie sich an einen Münzenhändlcr: etwa eine Mark.— 31. 100. Ja.— T. G. 82. Mit einer Klage aus Aus- Hebung eines Vertrages würden Sie schwerlich durchdringen. Verlangen Sie die Beseitigung des Mißstandes, drohen Sie an, daß Sie eventuell aus Kosten des Wirtes den Mißstand selbst beseitigen würden, führen Sie Ihre Drohung aus und klagen Sie die Kosten ein. Haderer 66. Ja, aber der Zoll ist höher als die ganze Ware. Wenden Sie sich eventuell an die Steuerdireltion um die nähere Auskunsi. — D. G. IUI. Wenn Sie nicht vereinbaren, daß der Vertrag weiter- lausen soll, so ist er mit dem 1. April crloslben,— E.<9. 73. Gerichtlicher Einspruch wäre in Ihrem Falle ohne jede Aussicht auj Erfolg. Anders würde es stehen, wenn Sie etwa von den Geschäftsleuten beaujtragt waren. — Hanncheu 1. 1. Das Testament hat Giltigkeit. 2. Ja.— Sch. 32. Sie müßten von neuem einen Sühirctcrmin beantragen und von neuem laden.— 31. 8t. 33. Ja.— 31. 107. Zum Schadensersatz wäre der Betreffende nur dann vorpstlchtet, wenn nach Ansicht des Richters ihn ein Verschulden trifft.- M. P. 500. Nein.— L. Z.»4. t. Ja. 2. Man kann beide Ausdrücke gebrauchen.— F. H. D. 48. Ohne Einsicht in die Police nnmöglich zu beantworten. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bertchl der städtsschcr. Marklhallen-Direktion.(Großhandel.) Nindflelsch Ja 68—73 pr. 100 Pjd., Ha 62-67, nja 56-61, IVa 48-54, dän. Bullen 60-65, Holl. 0,00. Kalbfleffch, Doppclländer 110-125, la 82-90, Ha 72-80, lila 52-68. holländ. 52—58, dän. 60—63, Hammelstcijch la 67—76, Jla 50—65. Schweine» fleisch 50-58. Rebwild. m. Abschußatt., p. Pfd. 0.60-:.l5, Rothirsch la 0,53, Rotwild la 0,00. Damhirsch 0,10—0,57, do. Kälber 0,00, Wildschweine 0,45, Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,50—0,85. Wildenten per Stück 0,00. Hühner, alte per Stück 1,30—2,60, do, IIa 0,30—1,25, do. junge per stück 1,60—1,00. Tauben per Stück 0,60—0.92, junge kleine 0,00, italienische 1,05. Enten per Stück 2,00—2,50, dito Hamburger junge per Stück 3,25—4.60. Gänse, Hamburger per Psund 0,95—1,20, Eis- 0,50—0,55. Hechte per 100 Psund 86—91, groß 0,00, klein 0,00. Zander 91, do, mittel 0,00, do. klein 0,00. Schleie, unsortiert 0,00, do. groß 0,00, do, klein IIa 0,00. Aale, groß 0,00, mittel 0,00, klein und mittel 0,00. Plötzen, klein 0,00, do. groß 0,00, do, 0,00. Karpsen. 20er 0,00, do. 40— 50er 60—61, do, 10er 0,00. Bleie 0,00. Aland 0,00. Bunte Fische 0,00. Barfe, matt 0,00, do. 0.00. Karausche» 71-86. Blei. fische 0,00. Wels 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer LachS la neuer per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila neuer 75. Seelachs 25—30. Sprotten, Kieler, Wall 1,00, Danziger, Kiste 1,20. Flundern, Kieler, Stiege la 3—4, do, mittel ver Kiste 2—3, Hamb. Stiege 1-6, halbe Klste 1,50-2. Bücklinge, per Wall Kieler 3,50-5,00, Stralsund« 0,00. Aale, groß per Psd, 1,10—1,80. mittelgroß 0.80—1,00, klein 0,50-0,60. Heringe per Schock 5-9. Schellfische Kiste 5-6, do. >i, Kiste 3,00. Kabliau. p. 100 Psd. 25—30. Heilbutt 0,00. Sardellen, 1902« per Anker 05, 1901« 93, 1905er 90, 1906« 75—80. Schottische Vollberinge 1905 0,00, large 44-15, fulj. 38-40, med. 85-12, deutsche 37—14. Heringe, neue MatjeS. per'/, To. 60—120. Sardinen, vusf., Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse(1 Liter) 1,60—1,75. Neunaugen, Schockjaß 11, kleines— 6, Riesen- 11. Eier, Land-, per Schock 5.50. Butter per 100 Pjd. la 114—116, IIa 110—114. lila 107. absallende 95-100. Saure Gurken Schock 4,10—4,50, Psestergurken 4,00—1.50. Kartossein per 100 Pjd. 0,00, magnum bonuin 2,50—2,75, Daberfche 2,50— 2,75, Rosen 0,00, weiße 2,25—2,50, salatlarloffeln 6,00—7,00. Spinat per 100 Psund 25—30. Karotten per 100 Pfund 10—12. Sellerie, hiesige, per Schock 4,00-8,00, do. pommersche 9,00—10.00, Zwiebeln große, per 100 Psd. 4,00—4,50, do. kleine 3,25—4,00, do. hiesige(Perl-) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 1,50—2,00. Kohlrabi per Schock 0,00, Rettig, bayr., per Schock 2,40—4.80. Mohrrüben per 100 Psund 3,50—4,50. Teltower Rüden per 100 Psd. 8—10. Weiße Rüben, große 0,00. kleine 0,00. Rote Rüben 2,50—3,00. Blumenkohl ilal. per Korb 2,50—2,75. Kohlrüben per Schock 2—2,50. Wirfingtohl ver 100 Pjd. 3,25-6,00. Rotkohl per 100 Psd. 3,25-6,00. Weißkohl 100 Psd. 2,25-8,50. Rosenkohl per 100 Psd. 25-35. Grünkohl per 100 Psd. 5,00-7,00. Rhabarber. 100 Bd. 7,00-13,00. Birnen, per 100 Psd. hiesige 0,00, böhm. 10—20, ital. 30—35. Aepsel, per 100 Psd.. hiesige 7—30, Gravensteiner 0,00. Tiroler in Fässern 0.06. Klste 32—60. Amerit. 20-32. Zitronen, Mesfina, 300 Stück 7,00-9,00, 360 Stück 7,00-9,00, 200 Stück 9—13. Apselsinm, Jaffa, per Kiste 0,00, Murcia 200« Kiste 8-10, do. 300« 9— 1Y. Valencia 420 er Kiste 15—24,00, do. 714« 18—28, Mesfina, 16i er. 11,50-12,00, do. 200er 10,00-12,50, do. 300er 10—12, Blut. 100er 7,50-9. do. 150 er 7,50-0,50. do. 80« 9-10. Ital. in Körben per 100 Pfd. 0,00. Mandarüien, Kiste 0,75—3,00, ho. in Körben per 400 Vsd 30— iii Nur de» Juhatt der Jnjerate übernimmt die Neduktio» dem Publikum geuciliiber keinerlei Beruiitmortung. HKeater. Dienstag. 25. Februar. Ansang 7-/- Uhr. «gl. Operuhaus. Das war ich.— Der Postillion von Lonjumeau. Kgl. Schauspielhans. Torquato Tasso. Deutsches. Romeo und Julia. K a ni m e r s p i e l e. Frühlings Erwachen.(Ansang 8 Uhr.) Lessing. Mieze und Maria. Westen. Die Zaubcrslöte. Lorying. Martha. slnsang 8 Uhr. Tchillcr«». sWallner-Theater.) Minna von Ba'mhelm. Tchiller-Xhcater Charlottenburg. Im bunten Rock. Schiller Si.(Friedrich Wilhelm- städtitlbes Theater). Die von Hochsattcl. Komische Oper. Pariser Leven. Berliner. Der Hund von Basker- ville. Zentral. Der Milliardär. Neues Schauspielhaus. Torquato Tasso. Kleines. Ein idealer Gatte. Neues. Lo Dstonr. Residenz. Haben Sie nichts zu verzollen? Lu st ip i e l d a us. Hnsarenfieber. Deutsch- Amerikanisches. Der Sorgenbrecher. Thalia. Eine lusttge Doppelehe. Luise». Der Erbe von Baskerville. Trianon. Frl. Josette— meine Frau. Bernhard Rose. Shcrlock Holmes. Metropol. Der Teusel lacht dazu. Gebr. Herrnfeld. Ein verrücktes Hotel. Wintergarten. Saharet. Spezia- litäten. Apollo. Bernhard Mörbitz. Spe> zialitäten. Kastuo. Ledige Leute. Spezialität. Folies Caprice. Im Casä Abelles. Ein Klabriasprozeh. Passage. Spezialitäten. Pratcr-Theater. Die Else vom Erlenhos. Figaro. Hochzeitsnacht. Sein Ideal. Katastrophe. Unterm Bett. (Ansang S'l, Uhr.) Walhalla. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Rctchshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstrahe IK/ri». 6 Uhr: Dr. B. Donath: Mechanik und Wellenlehre. 8 Uhr: Die Feuergewaltcn der Erde. 8 Uhr: Dr. Thesing: Weitere Be- weise sür die Abstammungslehre. Eternwarte. Invalide, istr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Ansang 8 Uhr. Oer Hund von Baskerville. Mittwoch: Der Hund von Ba& kervtlle. Donnerstag: Sherlock Holmes. Neues Schauspielhaus Dienstag, den 26. Februar 1907: Gastspiel Joset Kainz: Torquato Tasso. Ansang 8 Uhr. Mittwoch(Gastspiel): Torquato Tasso. Neues Theater. Gastspiel Suzanne Oespräs: lue l>etonr. Anfang 8 Uhr. Mittwoch: L'AinSe. Gastsp. Suzanne Desprös. Donnerstag: Rosine. Gastsp. Suzanne Desprös._ Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Die Kralle. Mittwoch zum 172. Male: Ein idealer Gatte. Donnerstag: Die Kralle. Freitag zum 173. Male: Ein idealer Gatte. l-ortiing-Ikester. Bellealliaiicostr. 7/8. Abends VI, Uhr: Martlia. Abonnements güllig l Mittwoch: Dir lustigen Weiber von Windlor. ß.uslspösiksus. Täglich abends 8 Uhr: Hnsareufieber. Zentral-Theater. (Operette.) 8 Uhr: vor BllMardKr. Mittwoch kleine Preise: Nanon. Letzte Woche t Letzte Woche k Bernkard Mörbitz als Paulchen aus der Wanderschaft. Außerdem die Attraktionen des großen Spezialitäten-Programms. Sonntag nachm. 3'/, llhr(kleine Preiset): Doppel-Vorstellung mit neuem Programm Urania. Wissenschaftliches Theater. 8 Uhr: Die Feoergewalten der Erde. 6 Uhr Dr. B. Donath: Mechanik und Wellenlehre. 8 Uhr Dr. Thesing: Weitere Beweise für die Abstammungs lehre. Kkjliicilz-Ucuttt. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage 3 Uhr: Hoben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akten v. M. Hennequin und Pierre Peber. Robert de Trivelin: Rich. Alexander. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Schlafwagenkontrolleur._ Luisen-Theater Reichcnbergerstr. 34. Der 6rbc von ßaekcrvülc. Ansang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. ERMPKOttTItEA! Gr. Franksnrterstr. 132. Abends 8 Uhr: JHJ Sherlock Holmes Billettvorverkaus ohne Borverkauss. ebühr täglich von 10—1 Uhr an der 'heaterkasse und bei Wertheim. Morgen: Sherlock Holmes geh Th. Nur noch 2 Vorstellungen des Februar- Programms. Otto Rentter. Metropol-Theater Abends 8 Uhr: III Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. ülassary. WollT. Bender. Glanipletro. Joscphi. Rauchen überall gestattet.. Sonntag, 3. März, nachm. 3 Uhr: Auf in's Metropol. Gebr. Hermfelil- Anfg. Till nn Inn Porvcrk. 8 Uhr.»tlCiUcr 11-21% 37 Kommandautenstr. 57. Die stürmisch bejubelte Novität Komödie in 3 Akten mit den Autoren A. und D. Herrnseld in den Hauptrollen. Sonntag, den 3. März, nachmittags 3'/, Uhr. b. halben Kassenpreiscn: LTausierer«JockeH und Die letzte Ehre mit A. und D. Herrnseld. 8«lRlllSI'»Vl»S»tSr. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: ninna v. Barnbelm. Lustspiel in 5 Auszügen v. Gotthold Ephraim Lessing. Mittwoch. abends8Uhr: In» bunten Bock. Donner Stag,abendS3Uhr: Die ItünboF. Sebiller-Tlieater N. Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Der Famllientsg. Schiller-Theater Charlottenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: Im bunten Rock. Lustspiel in 3 Aufzügen von Franz v. Schönthan u. Freiherrn v. Schlicht. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Bulser�Swer. Donnerstag abend S 8Uhr: Der Rnlser�äser. Zirkus Busch.| Ansang VL Uhr. Manello-Marnttz-TrnPPe, Sllrobaten. VM- Ibe Movello»"ME Indien in Europa. Außerdem: Herr Foottit, Schul- reiter, Herr Ernst Schumann, I Neudrefluren. Zieten-Quadrillc. Die urkomischen Clowns Gebr. Fratellinis als Cow Boy. I Um 9',. Uhr: ROM. Gr. Orig. Ausstatt.-Pantomime| in 7 BUdern. Besonders hervorzuheben: Diel Todessahrtüber diezerspr. Brücke. Passage-Theater. Heute Dienstag, 26. Februar, zum 21. Male: Mal was Anderes! Posse von Leop. EIy. iosefine Dopa, Georg Kaiser, Martin Bendi», Ernst Kettner. Ferner: Die glänzenden Februar- Spezialitäten. Kasino-Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch kurze Zeit: Kedige Leute und das brillante Februarprogramm. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Palast. Thealer. Burgslr. 24, 2 Min. v. Bahnhof BBrse. Heute 8 Uhr. Entree 50 Pf. Der auserlesene Fetarspielplan u. o.: Die 3 Härders, Könige der Lust. (trete RUIxrak, jüngste Verwandlungskünstlerin. Vom Witwenball. Schwank. Familienkarten, wochentags zum halben Kassenpreis gülttg. in Barbier-, Friseur- u. Zigarrengeschästen gratis. Prater-Theater Kastanien- Allee 7—9. Heute abend 8 Uhr: Die Else vom Erlenhof. Volksstück in 5 Akten von G. Staack. Morgen: PKUippiue Welser. Zirkus Schumann Heute Dienstag, präzise 7'/. Uhr: Lxtrs Gala-Vsrstellung zugunsten des Zentralkomitees Deutscher Vereine vom Roten Kreuz behufs Bewilligung freier Brunnen- und Badekuren für IW dieTeilnehmer an den Feldzügen 1864, 1866, 1870171. Zu dieser Vorstellung sind die aller- höchsten und höchsten Herrschasten eingeladen und haben Bis jetzt zu- gesagt: Seine Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Leopold von Preußen, Ihre Königliche Hoheit die Frau Prinzesston Leopold von Preußen. Elite Gala-Programm, sämlliche Spezialitäten. Mr. llicdsrd Sawades weltberühmte Raubtier-Gruppe. Dir. Albert Schumanns hervor- ragendsten Schul- und Freiheits- dressnren und das gröstte Pracht- Manegenschaustiick 8t. Hubertus mit sämtlichen Einlagen. Dtto Pritzkow. Mlinzstr. 16, ffelt-iussteliungs- fiiograph-ist. Loms) Theater lebender Photographien. Auf Wunsch Vorführung _ w in Vereinen jederzeit. Verbindung mit größter Films- Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. ♦ Den ganzen Tag Vorstellung. ♦ Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr. Fräulein Josette- meine Frau. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Liebcsschaukel. ecikctr. 9 schöneherg, Boitzstr. 9 Gustav Behrens Theater — früher SchSneberter Wintergarten.— & «$> O» O> eneBnung Sonnabend, 2. März — mit einem erstklassigen Programm.— Deutsch- Amerikanisches Theaters J.Abend 8 Uhr bis Donnerst, inkl.: Der Sorngcnbrecher. Freitag, den 1. Marz, u. folg. Tage; Gastspiel des Theaters des Westens. „Cousin Bobby". Edm. Löwe a. Gr. Sonntag 3 Uhr, halbe Preise; Zar und Ziiiimei-inann. ff. Noacks Theater. Direktion:(lob. Dill. Brnniienstr. 16. Carmen. Schausp. m. d. bekannt. Operncinlagen. Micaela: Rosa Gordon-Gerle a. G. Don Josö: Felix Gtuth a. G. Ansang 8 Uhr. Entree 80 Pf. Mittwoch z letztenmal: lline Pamiiie Banzzouei strebet Direttion Wilheim Reimer. )tute Dienstag(Loewe- insemblc) zum 1. Male: Rvtl�OrulR. Volksschauspiel in 4 Akten von Mosenthal. Sonnt., Mont., Donnerst.: flollDianns Nordd. Sänger. Sonnt. Bg. 5, Wochent.8 U. Ausstellungs-Hallen AM ZOOLOGISCHEN GARTEN Populäre Konzerte unter persönlicher Leitung der kom- ponisten und Mitwirkung erster Solisten DIENSTAG, den 26. Februar, 8 Uhr: EINÖDSHOFER DONNERSTAG, 28. Februar, 8 Uhr: EINÖDSHOFER SONNTAG, den 3. März, 7 Uhr: EINÖDSHOFER SONNTAG, den 10. März, 7 Uhr: VICTOR HOLLÄNDER SONNABEND, den 23. März, 8 Uhr; VICTOR HOLLÄNDER SONNTAG, den 31. März, 7 Uhr: VICTOR HOLLÄNDER MONTAG, den 1. April, 7 Uhr: VICTOR HOLLÄNDER Parkett J Mark Parkcttfauteuil. 2 Mk. Balkon.... 2 Mk. Stehplatz...&0 Ff. Billetts bei Bote& Bock, A. Wertheitn, Leipziger Straße, und an der Abendkasse. 40HL* Folies Caprice. Linicnstr. 132, an der Friedrich str. Heute abend 8 Uhr: Iv ooo Gulden Mitgist. Glänzend neuer Solateil: Im InMpektionsximmer. Vorverkauf an der Theaterkasse und bei Wertheim. c otosseum Dresdenerstraße 97. Täglich: Großer Bockbier«fubel. Musik:— Gesang:— Humor! Allerlei Uederraschungen. Buggenhagen i üloritz-PIatz. C Täglich: Jjr* k örlldele StinunoBg. vq r 3 n» u Doppel-Konzert. � m Schuhplattler. L m d. Umzug e des Zirkus direkfors a. d. J. 1840. Dheater. Der Herr Stadtmuftkus und seine Kapelle. Volksstück mit Gesang in 5 Aufzügen. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. NW" Billettvorverkauf: Kond. Handwerker, Schönh. Allee 153. Krüger& Oberbeck, Kastanienallee 1. Reicbshallen-Thealer. Milier Säuger. Ansang Wochentags 8,SonntagS 7 Uhr. Reichshallea- Restaurant Bockbier-Fest. gut 3788L* Dr. Crato'8 Backpulver mit Prämlenbons. Für 50 davon eine Dose(f. Bielefelder Knusperchen gratis und franko von Stratmann& Meyer, Bielefeld. Generalvertreter für Berlin: Alfred Hlrscta, W. 30, Augsburgerstr. 1. Telephon Amt VI, No. 57377 ®er Dänische Kapitän-Kautabak ist vom Patentamt gesetzlich geschützt, eS ist daher strafbar, andere Tabake unter dem Name» „Ba|)Ittt»-Kiuitl»b»Ii" zu verabfolgen. Man achte genau aus den in jedem Stück befindlichen Zettel mit der Ansschrist: 39082* Dänischer Kapitän-Kantabab(gcs. gesch. 75658). Gen.-Bertr.: C. Hücker, Berlin O., Grüner Weg 1 12. Amt 7,3861. ZU haben in den meisten Ziganengeschästen. Legehühner echte Raffe, fleißige Eierleger, garanL leb. Ankunft franko überall: 13 St. m. Hahn M. 23,50, 6 St.m.HahnM. 14,50. 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