Nr. 49. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pranumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Post Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schwei Ericciat tigil außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrg. Ble Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins and Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf. stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Big., jedes weitere Wort 5 Pfg. Borte fiber 15 Buchstaben zählen für amei Borte, Inserate für die nächste Rummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Bebel- Bülow. Mittwoch, den 27. Februar 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. gegangen, so hätte das Zentrum eine vernichtende Nieder- ihres Elends, ihrer Ausbeutung und Unterdrückung aus den lage erlitten. Und nun spreizt sich derselbe Mann, der zuerst wissenschaftlichen Grundlehren der Partei zu erklären und die Parole gegen das schwararotearte II ausgegeben ihnen den Ausweg aus dem Labyrinth des bürgerlichen hat, damit, daß zwar nicht die Schwarzen, aber die Noten Elends in der Ersegung der kapitalistischen Produktion durch Die Intellektuellen mögen bei der Zektüre der geschlagen worden seien. Wobei obendrein die Roten mur eine sozialistische vorzuzeichnen. geschlagen werden konnten infolge jener skandalösen, allen Erdrückend und beschämend war das reiche heutigen Reichstagsverhandlungen einen Hochgenuß empfin- Verfassungsgrundsäken hohnsprechenden Wahlkreisgeometrie, Material, das Bebel zur Rechtfertigung der Partei gegen den. Die Debatte bot ihnen einen Maßstab für die die der Sozialdemokratie bei einer dreifach größeren die verleumderischen Behauptungen des Reichslügenverbandes Intelligenz und die Sachlichkeit der Argu- Stimmenzahl weniger Mandate verschafft hat, als den drei sowie gegen die gestrigen unwahren Behauptungen des Reichsmentation, mit denen das Bürgertum die Sozial freisinnigen Parteien zusammengenommen! fanzlers ins Treffen führte. Mit äßendem Spott übergoß er demokratie niederringen zu können glaubt. Bebel und Was Bülow gegen die Sozialdemokratie vorbrachte, stand den Regierungsblock, dessen dessen Kitt und Zusammenhalt Bülow maßen ihre Klingen. Niemals aber haben die Fechter- fast noch unter dem geistigen Niveau eines reichsverbändlerischen die im Herbst zu erwartenden neuen Steuerforderungen funststückchen eines bürgerlichen Wortführers triſter versagt, Durchschnittswanderredners. Der Reichskanzler verschmähte taum überdauern werde. Durchsichtig zeigte er durch finanals die Wischen und Mäßchen, mit denen Bülow die wuchtigen sogar nicht, mit allerhand unwahren Behauptungen gegen die zielle Bergliederung des Etats, daß jetzt schon ein Defizit Hiebe Bebels zu parieren suchte. Bebel holte in seiner Etats- Sozialdemokratie zu operieren. So ist beispielsweise der An- bon 100 Millionen neue Steuern erforderlich rede weit aus. Er geißelte die jammervolle Heuchelei der griff gegen die Frankfurter Parteigenossen längst widerlegt mache, wozu noch neue Flotten- und Kolonialforderungen bürgerlichen Parteien und die fadenscheinigen Redekünfte des worden. So behauptete Fürst Bülow mit eiserner Stirn, der treten. Dann werde das Zentrum Stellung nehmen müssen Repräsentanten der Regierung. Er brachte eine Ueberfülle Borwärts" habe die starke militärische Besetzung Südwest zu§ 6 des Flottengesetzes, wie auch die Linksliberalen bon Beweismaterial vor, unter dem das Hohnlachen der afrikas als ein Mittel bezeichnet, England in der zu der Forderung diretter Steuern. Der zunehmende Gegner allmählich verstummte. Er wies die klägliche Hohlheit Saptolonie in Schach zu halten. Nicht im Vor- Reichtum der besigenden Klassen zwinge zur Einführung des Theaterpathos nach, mit dem Bülow, der lang wärts", sondern in einem bürgerlichen Unternehmerblatte, der direkter Steuern und zur Entlastung der jährige ntimus des 3entrums, gegen das Konfettion", hat eine derartige Auslassung gestanden, die der schwa chen Schultern", die sozialdemokratische Fraktion Bentrum zu donnern die Stirn gehabt hatte. Er über- Vorwärts" lediglich nachgedruckt hat. Die reichs werde in diesen Fragen, wie bisher, positiv für direkte Steuern Schüttete die Nationalliberalen mit beißendem Spott wegen verbändlerischen Söldlinge, die der Reichskanzler inzwischen in eintreten. Köstlicher Humor quoll aus der Gegenüberstellung ihres Beifalljubels, den sie dem Fürsten Bülow gespendet seinen Dienst genommen zu haben scheint, haben ihn also frech der Tätigkeit Dernburgs als Bankdirektor und als Kolonialhatten. Er nagelte die Heuchelei der Entrüstung der belogen. direktor. Die Robinsonaden des Kolonialdirektors liberalen Wahlschacherer fest, die jetzt dem 3 e nUnsere Intellektuellen, die sich diesmal durch die Dernburgi- erregten unter der Kritik Bebels schallende Heiterfeit. trum aus der Praris einen Vorwurf machen, die der National aden und Kulturkampfpautereien des Hottentottenblocks haben liberalismus nicht nur bei früheren Wahlen ständig geübt, betören lassen, mögen die Reden Bebels und Bülows nach sondern auch bei der letzten Wahl- freilich vergebens prüfen. Wenn sie nicht über eine derartige Vertretung des bersucht hat. Er widerlegte das Ignorantenmärchen von gebildeten Bürgertums aus Scham rot werden, so der Unfruchtbarkeit der angeblich negierenden Politik der mögen sie auch fernerhin den Herren Bülow und Dernburg Sozialdemokratie. Er verbreitete sich über die sozialpolitische ihre Dienste leihen! und allgemein kulturelle Arbeit der Sozialdemokratie auf " " Gegenüber diesen wohlbegründeten Anklagen Bebels und seinen Abweisungen der gestrigen Angriffe des Reichskanzlers wirkte es deprimierend auf den Regierungsblock, daß Fürst Bülow erklärte, er habe die heutigen Ausführungen Bebels durch seine gestrige Rede im Voraus widerlegt. Bankrott! erschallte auf der äußersten Linken ein Ruf und wirklich wußte Bülow außer einigen Kleinigkeiten heute nicht mehr zu sagen Nur bestritt er heute, daß aus Staats" P " Grund unanfechtbaren, dokumentarischen Materials. Er Ueber die Debatte wird uns noch geschrieben: entrollte in wuchtigen Zügen ein Bild der sozialdemokratischen Eine Redeschlacht zwischen Bebel und Bülow, dem als gestern. Kulturbestrebungen. Er geißelte die schmachvolle Reichstanzler, füllte den zweiten Tag der Etatsdebatte fast mitteln auch nur ein roter Heller zu Wahlzwecken hergegeben Rolle, die derselbe Bülow dem deutschen Proletariat völlig aus. Elektrisierend wirkte es auf das Haus, als Bebel worden sei. Breit, sehr breit erging er sich aber in selbstzumutet, der die deutschen Arbeiter als die intelligentesten heute als erster Redner zum Worte tam und ohne Umschweife gefälligen Aeußerungen über die Niederlage der Arbeiter der Welt" gefeiert hatte. Er brandmarkte die bem Reichstanzler ob seiner gestrigen Rede hart auf den Leib Sozialdemokratie", der er mit seiner Wahlstrategie Klassenjustiz. Er stellte dem Märchen von dem Terrorismus rüdte. der sozialistischen Arbeiter die Tatsachen der unerhörten fünftig alle Mandate in den Großstädten und IndustrieDiese ganze Methode Bülows geißelte Bebel weiblich bezirken abzunehmen gedenkt. Knechtung und Knebelung des Proletariats durch die Unter- und stellte sie auf das gleiche Niveau mit der Tätigkeit nehmer entgegen. Er wies auf die mühevolle praktische Arbeit des Reichsverbandes, dessen Absicht auf die Entreißung Reichslügenverbandes und der ihm dienenden Presse zitierte Aus dem Sammelsurium unwahrer Nachrichten des hin, die sozialdemokratische Kommissionsmitglieder allen sozialdemokratischer Mandate gerichtet war, aber die Macht der Reichskanzler einige Schauermärchen, um den Terro bürgerlichen Parteien zuvor zum Wohle der Arbeiterklasse und Geschlossenheit der sozialdemokratischen Wählerschaft nicht rismus der Sozialdemokratie" zu beweisen; auch be= geleistet haben. Er proklamierte mit Feuerzungen das Recht erschüttern konnte. Welcher Unsinn sei es, zu sagen, rief er sich auf Schippelsche Ansichten über den Ausder nichtbefizenden Selaffe, sich fünftighin ihren Platz an der die Sozialdemokratie stehe im Bündnis mit dem Zentrum, fall Sonne der materiellen und geistigen Kultur zu erobern. der Wahl und bezeichnete nacheinander den welcher Unsinn, der Sozialdemokratie eine zerschmetternde Dresdener Parteitag, die Und was wußte Fürst Bülow, des Reiches Kanzler, Niederlage anzudichten und doch zugestehen zu müssen, daß die Vaterlandslosigkeit" und sonst noch allerlei als die ,, arrogante Großsprecherei", all diesen Anklagen, all diesen zerschmetternden Feststellungen die sozialdemokratische Gefahr" nicht überwunden, sondern Ursachen der wohlverdienten" Niederlage der Partei. Seine gegenüber ins Feld zu führen? Nichts als die armseligsten nur gebannt werden könne, wenn das Bürgertum zusammen- Klage über den brutalen Ton sozialdemokratischer Aeußerungen iraden, nichts als die jämmerlichsten Wischen und Mäßchen, halte, wie überhaupt die Bülowsche Politik im Zidzadkurse in der Presse illustrierte er vortrefflich durch Worte, die keine nichts als die kläglichsten reichsverbändlerischen Lese- und Lügefrüchtchen, die jeder 15 Mark- Diätar des Reichslügen- widersinniger Zufallsstimmung sich bewege. parlamentarische Zensur vertragen. berbandes sich nachgerade an den Schuhfohlen abgelaufen hat. des Reichskanzlers über die gestohlenen Briefe" des führungen des Leiters der offiziellen deutschen Politit ist seine AufTrefflich charakterisierte Bebel die moralische Entrüftung Indessen, das Charakteristischste an den heutigen AusAuf die Anklagen und Forderungen Bebels ging Bülow mit feinem Wort ein. Selbst über Flottenvereins und über die Stellung des Zentrums, das fassung über das Wesen der sozialdemokratischen die Feſtnagelung seiner schmählichen Mauserung, die sich bei durch die Unterstützung sozialdemokratischer Standidaten sich Partei, sowie über die Klassenbewegung in der bürgerihm seit der Verurteilung der 12 000 Mark- Affäre bis zu unter wütendem Gebelfer der Junter rüdte Bebel die hält der Reichskanzler die Sozialdemokratie für eine" demoeiner unmoralischen Handlung schuldig gemacht haben soll. lichen Gesellschaft. Mit den Agitatoren des Reichsverbandes der standalösen offiziösen Wahlmache vollzogen hat, verlor Stiebereien in den 50er Jahren des vorigen Jahr- fratische Partei mit autokratischer Spize"; mit Fürst Bülow kein Wort. Derselbe Mann, den den 12 000 Mart- Bettel Posadowskys seinerzeit als unfair verleugnet Partei beranlaßten Briefdiebstähle hunderts, die von der„ Kreuz- Zeitungs" diesen Agitatoren gemeinsam spricht er die Unwahrheit aus, hatte, nahm keinerlei Veranlassung, feine schmachvollen Handbeim die Sozialdemokratie errege den Klassenkampf und betreibe langerdienste für den Flottenverein und seine Lugfabrikate damaligen Prinzen von Preußen in helles Licht. Die die Klassenverhekung. Darum erregt es auch sein tiefes Beauch nur zu verteidigen. Im Gegenteil, Fürst Bülow" Bayrischen Sturier" moralisch Entrüsteten zeichnet sich auf dem Dresdener Parteitag wie ein politische Heuchelei der über die Enthüllungen des dauern, daß der, Revisionismus" in der Partei brüstete sich noch damit, daß diesmal die Regierung im harf ab an der Tatsache, daß die den Regierungen zur Ver Taschenmesser zusammengeklappt" fei, denn Interesse der Panzerplattenpatrioten, der Kühnemänner und der Börsengründer ihre fügung gestellten Geheimfonds zur Spionage, zur Ermittelung von ihm ihm hatte dieser große, weitsichtige Politiker Schuldigkeit" getan habe. Der Mann, der sich ehedem auf von Geheimnissen und zur unrechtmäßigen Beschaffung von eine Umformung der Partei zu einer quasi feine politische Integrität nicht wenig zugute getan, be- Dotumenten über die Handlungen befreundeter oder be- bürgerlichen Reformpartei erhofft. Nun geisterte nicht nur die Rechte, sondern auch den Freifinn nachbarter Regierungen benutzt werden. Die ganze aus diese Hoffnung zu Schanden geworden ist, behandelt durch die Erklärung zu enthusiastischem Applaus, daß die Ne- wärtige Politit, die dergleichen Machener die Revisionisten" berächtlich und gierung fünftig niemals wieder die Rolle der„ Schlafmüte" fchaften entriert, bezeichnete Bebel als ein unjittliches tut sie selbst mit einer Handgeberde Handwert, wie er auch die Heuchelei des Hottentotten a b. Nun erhofft der Reichskanzler nur noch vom Und welche Argumente führte der oberste Reichs. blocks zum Schweigen brachte mit dem Zuruf, daß die Moral- geeinten Bürgertum, daß es die Klassengegensätze, deren beamte für seine Begünstigung der schamlosesten offiziellen fere von heute morgen mit gesch makten Händen Verschärfung er leugnet, überwinden und die Kluft zwischen Wahlmache ins Feld? Er erklärte, so lange die Sozialdemo- gestohlene Briefe annehmen würden, in Reich und Arm überbrüden werde. Der selige fratie die Monarchie bekämpfe, habe jeder Minister die benen Sozialdemokraten tompromittiert Schulze- Deligsch und May Hirsch werden sich vor Entzücken Pflicht, sie mit allen Mitteln auch den Stipendien des rüd. würden. im Grabe umdrehen, daß der deutsche Reichskanzler bei der sichtslosesten Scharfmachertums zu bekämpfen. Wir haben All diese Schläge Bebels wurden aber übertroffen durch Theorie dieser großen Sozialpolitiker angekommen ist. seinerzeit nachgewiesen, daß es nach den Auffassungen selbst seine von tiefer Ueberzeugung getragenen Darlegungen über Da ist es allerdings kein Wunder, wenn der Reichsder bürgerlichen Staatsrechtstheoretiker keine plumpere Be- das Wesen und die Ziele der Sozialdemokratie, die wie ein tangler am Schlusse seiner heutigen Rede die Hoffnung leidigung der Monarchie geben kann, als die, ihre Interessen Alp auf der Bourgeoisie der ganzen Welt laste, weshalb auch aussprach, wenn die bürgerlichen Parteien die Kluft zwischen deshalb mit denen des herrschenden Klüngels zu verschweißen, die Verringerung der sozialdemokratischen deutschen Reichstags Reich und Arm überbrückt haben würden, werde die weil nicht das Interesse der Nation, sondern das rein persön- mandate den Jubel der internationalen Bourgeoisie hervor bürgerliche Gesellschaft auf die durch solch weisheitsvolle liche und materielle Interesse der Dynastie für die Stellungnahme rief. Aber die deutsche Sozialdemokratie bleibt was sie war, Politik vernichtete Sozialdemokratie zurückblicken, wie auf des Monarchen entscheidend sei. Fürst Bülow, der erste Reichs- ihr Vorrüden ist auch trok der Präfetten- einen wüsten Traum oder wie die Chinesen auf eine böse beamte, bekannte sich heute unverblümt zu dieser den Mon- waht" unbestreitbar. Munter, wie Bebel durch sein Strankheit. archismus her abseßenden Auffassung. Die Nation Auftreten selbst bekundete, wird sie den altgewohnten Stampf hat es jegt durch den Mund des obersten Reichsbeamten er- weiter führen und die Scharte bald ausweken. fahren, daß nicht ihre Wohlfahrt, ihre Rechte, ihre Frei- Das Streben der Partei, mit Hülfe der Gesetzgebung die heiten, ihre Intereffen das oberste Gebot der ersten Staats- Bustände in der bürgerlichen Gesellschaft zu verbessern, wie diener find, sondern das Interesse einer einzigen Familie! das Bebel aus den Annalen der sozialdemokratischen SozialAber Fürst Bülow hat auch ganz bergeffen, daß von ihm politik an zahlreichen Beispielen nachwies und damit die unwahre selbst seinerzeit der Kampf nicht nur gegen die rote Dem o- Behauptung Bülows und der Thronrede, die Sozialdemokratie tratie, sondern auch gegen die schwarzen Mon- wirte nur negierend, glänzend widerlegte, dieses Streben archisten geführt worden ist. Wäre es nach seinem Plane hindert die Partei nicht, den arbeitenden Klassen die Ursachen Telegramm: spielen werde! " 17 " Von solch erleuchteten Geistern wird Deutschland regiert! Die russische Revolution. Vor dem Zusammentritt der Duma. Die Russische Korrespondenz" erhielt das nachstehende „Petersburg. 25. Februar. Die hiesige zugespitzte Lage und Sie Befürchtungen besonnener Politiker charakterisiert ein Artikel Professor Maxim Kowalewskys, der großes Aufsehen erregt. Kowalewsky... führt aus:„Kaum geivählte Deputierte bekommen vom Ver- bände des russischen Volkes Drohbriefe mit Hinweisen auf das Schicksal Herzensteins I Damit nicht genug. In der„Nusskoje Snamja" publizierte der Priester Jlliodor unbeanstandet einen Artikel, in dem er offen zu Pogromen aufruft, sie heiligt und den Mördern Dispens verspricht II Genera! Kaulbars aber, der schon während der Oktoberpogrome mir den Mörderbanden synipathisierte, erklärte jetzt, er könne gegen die Odessaer Ausschreitungen nichts tun. Da gerade in diesem Falle Pogrome hervorgerufen werden würden?„In einer Woche werden wir"', sagt Kowalewsky,«von der Uribüne unseres-Parlaments. die Verteidigung modernster, fortschrittlichster europäi- scher Theorien hören. Unterdessen werden wir aber auf den Straßen überfallen, in den Gefängnissen gefoltert. Leben wir in einer Tatarengefangenschaft und kann wirklich die Regierung, für die keine Unantastbarkeit der Person, der Wohnung, der Korrespondenz existiert, uns nicht schützen, sobald die Angreifer Mitglieder des Verbandes' der russischen Leute sind? Die Zukunft ist bei diesen Zuständen nicht nur für das Ausland, sondern auch für uns Russen ein Rätsel." «* Hoffentlich gelingt es dem russischen Volle nun«endlich, das russische„Rätsel" zu„lösen". Wahlresultate. Petersburg. 25. Februar. tMeldung der Petersburger Telegraphenagentur.) Nach den bis 11 Uhr abends festgestellten Ergeb- nissen sind 402 Abgeordnete zur Duma gewählt, darunter 8g den monarchistischen Parteien angehörend<31 Monarchisten und 53 Mit- glieder der Rechten), 43 Gemäßigte sdarunter 29 Ottobristen); 285 gehören der Linken an(darunter 29 Progressisten, 74 Kadetten, 30 Mitglieder der Arbeiterpartei, 90 Mitglieder der übrigen Parteien der Linken, sonst wie gestern). Nationalisten und Mitglieder un- bekannter Parteistellung wie gestern. Agraruuruhen in Sibirien. In der letzten Zeit bringe» die Zeitungen fortgesetzt Meldungen über ernste Agraruuruhen in Sibirien, die zeitweilig zu regulären Gefechten zwischen Bauern und Militär führen. Im„Telegraph" finden wir folgende Schilderung: „Alis den Kabinettsländereien, welche die Bauernlandstücke im ganzen Altai-Gebiet in einem dichten Ring umgeben, wurden feit der Auflösung der Duma die Waldungen von den Bauern un- aufhörlich stark abgeholzt, was zumal mit Beginn des Winters einen wahren Massencharakter annahm, insbesondere in dem Dorfe S a w j a l o w o(Wolost Pautowo). Die Be- Hörden versuchten es erst mit Ermahnungen, dann gingen sie zu Drohungen über, aber nichts wollte fruchten. — Die Bauern behaupten konsequent, daß das Kabinett und seine Agenten, die Beamten des Altai- Bergbezirls, auf die Kabinettsländereien und-Wälder nicht das geringste Recht haben, sondern daß der wahre Herr derselben das ganze russische Volk in der Person seiner Dumavertreter sei. Im letzten Monat hatten sich die Gegensätze aufs schärfste zugespitzt. Nachdem eine sehr nachdrückliche Strafandrohung wieder einmal resultatlos ge- blieben war, wurde eine Strafexpedition, bestehend aus zwei Konipagnien unter Anführung des Kapitäns K. aus BySk, nach Sawjalowo abgesandt. Die Bauern hatten sich bewaffnet mid empfingen die ungebetenen Gäste so trefflich, daß diese schleunigst den Rückzug antreten mutzten. Die Strafexpedition wäre verloren gewesen, wenn nicht der Forstbeamte Totemninow sie auf ent- legenen Waldwegen in Sicherheit gebracht hätte. Kapitän K. und 2 Sttashniks wurden schwer, 25 Strashniks leicht verwundet.— Etwa 9 Dörfer der Wolost Ust- Tarysch haben sich mit den Sawjalowcr Bauern vereinigt und holzen dieKäbinettswälder ab. Starte Militärabteilungen mit Maschinengewehren sind gegen die ungehorsamen Bauern abgesandt." **# In der Stadt B a r n a u l fand am 3. Februar ein Zusammen- stoß zwischen dem Militär und einer Volksmenge statt, welche gegen die �Verhaftung des beliebten VolkSredncrs Lehrer S i m a n i n pro- testiert hatte. Das Militär ging in der rohesten Weise gegen die wehrlose Menge vor. Die Antwort war ein allgemeiner AnS- stand.... Alle Arbeite» sind eingestellt, die Läden geschlossen.... Sind das vielleicht Anzeichen nahenden Sturmes?—— pollrtlche Ckberftcht Berlin, den 26. Februar 1907. Der Bergetat. W» Dienstag fand im preußischen Abgeordnetenhause die sogenannte Generaldebatte zum Etat der Berg-, Hütten- und.salinenverwaltung statt..Eigentlich war das Interesse � an der Debatte schon erschöpft, bevor sie überhaupt eröffnet � wurde: die Besprechung des Unglücks auf der Grube Reden vom letzten Sonnabend und die erste Beratung der Berg- Novelle vom Montag hatten den Herren Abgeordneten genug Gelegenheit gegeben, sich über alle einschlägigen Fragen zu äußern. Daher kam es, daß die Diskussion sich bald in Einzelheiten verlor und jeden großen Gesichtspunkt ver- missen ließ. Hervorgehoben zu werden verdient nur die Anschauung' der Regierung über die L o h n f r a g e. Es ist bekannt, daß die Löhne der Bergarbeiter auf den staatlichen Bergwerken in Saarbrücken und besorchers in Ober- und Niederschlesien ge- ringer sind als auf den Privaten Bergwerken in Westfalen und daß die Arbeiter an den steigenden Erträgnissen der Verwaltung so gut wie gar keinen Anteil haben. Wir wiesen das erst vor kurzem an der Hand der amtlichen Denkschrift im einzelnen nach. Selbst die natiosialliberalen Vertreter einseitiger kapitalistischer Interessen fanden, daß die Löhne — namentlich mit Rücksicht auf die Teuerungsverhältnisse— zu gering sind, was sie jedoch nicht Hinderte, sich mit der Lohn- Politik der Bergverwaltung einverstanden zu erklären! Und tvorin besteht diese Lohnpolitik? Die Verwaltung hält, wie Minister Dr. Delbrück erklärte, vor allem auf die Stabili. tät der Löhne und darauf, daß Schwankungen möglichst ver- mieden werden. Deshalb achtet sie streng darauf, daß die Löhne in Zeiten einer guten Konjunktur nur ganz allmählich steigen und daß sie bei sinkender Konjunktur nicht fallen. Das erstere glauben wir ihm gern, mit der letzten Behaup- tung jedoch stehen die Tatsachen nicht im Einklang; denn in Wirklichkeit ist der Verdienst der Bergarbeiter in schlechten Jahren ganz erheblich gesunken. Die Lohnpolitik, wie sie der Bergfiskus betreibt, war vielleicht zur Zeit der patriarchalischen Zustände am Platze. ist es aber nicht mehr in unserem Zeitalter. Die Bergarbeiter verzichten gern auf die Bevormundung durch den Vater Staat. Am Mittwoch wird die Etatsbcratung fortgesetzt. Koburg-Gotha einst und jetzt. Gotha, 24. Februar. Die vorgestern begonnenen Debatten des gemein schaft- lichen Landtags der Herzogtümer Koburg und Gotha stehen im LeMo der heftigen Ängyffe, Wiche die sechs fozmldeMtklltijchea Abgeordneten unker Führung unseres Genossen Bock gegen das ausgesprochen antisozialistische Ministerium Richter zu unternehmen genötigt sind. Mit dem agrarischen Herrn Kuno von Wangenheim, dem früheren militärischen Begleiter, jetzigem Hausmarschall des jungen Herzogs Karl Eduard, ist auch Geheimrat Richter aus Preußen hierher nach Gotha gesandt, um an die liberalen Traditionen unseres Herzogtums und insbesondere an die. polttische Hinter- lassenschaft der Aera Hohenlohc-Hentig die bessernde Hand zu legen. Da Herr Richter sich als einer der gelehrigsten Schüler der Bethmann-Hollwegschen Schule erwiesen hat, so war er für. die ihm hier zugedachte Aufgabe durchaus der geeignete Mann. Er unterscheidet sich von seinem Vorgänger Hentig, der vor dem Gesetz keinem Unterschied zwischen sozialdemokratischen und nichtsozialdcmokratischcn Staatsbürgern kannte und unter dessen Regierung Genosse Bock unangefochten als Mitglied des Ver- waltungsgerichtshofs fungierte, durch die bekannte politische Eng- Herzigkeit, die ihm die Bestätigung von Sozialdemokraten als Gemeindebeamten verbietet. Genosse Bock unter- zog im Landtag die gesamte Amtstätigkeit des Ministers Richter einer umfassenden Kritik und warf ihm vor. daß mit seiner Person der preußisch-reaktionäre Geist in unser Land seinen Einzug gehalten habe. Das preußische Re- gierungsshstem kennzeichne sich durch Unduldsamkeit, Unfreiheit, Verketzerung Andersdenkender und Andersgläubiger. In Sachen der Nichtbestätigungen arbeite Herr Richter nach dem Schema „X ist Sozialdemokrat, kann also nicht bestätigt werden." Genosse Bock war in der Lage, ein hektographiertes Exemplar des bezüglichen Schemas vorzuzeigen. Auch für die agitatorischen Maß- losigkeiten der in Gotha erscheinenden Regierungszeitung, die die Verschärfung der Klassengegensätze in unserem Herzogtum ge- flissentlich auf die Spitze treibt und streikende Bauarbeiter als „herumlungernde Tagediebe" bezeichnete, schob Genosse Bock dem Staatsminister die moralische Verantwortung zu, des- gleichen für die Hetze, die in Waltershausen gegen den jungliberalcn Bürgermeister Hartmann von Bourgeoisie und Beamtenschaft betrieben werde, weil er sich nicht zu ihrem Agenten im Kampf gegen die Sozialdemokratie hergebe. Staatsminister Richter fühlte sich durch den Vorwurf, ein preußischer Reaktionär zu sein, angeblich nicht getroffen. Er spielte sich auf den empfindlichen Staatsmann hinaus und machte dem Genossen Bock den heiteren Vorwurf, daß er durch seinen Angriff auf Preußen die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Bundesstaaten störe. Er verschanzte sich in der Frage der Nichtbestätigungen hinter dem Verwaltungsgerichts- hos, obwohl dieser eigenartig zusammengesetzte Gerichtshof— drei von den sieben Mitgliedern sind dem Minister dienstlich unter- geordnet— sich schwerlich jemals in Widerspruch zu den politischen Grundsätzen des leitenden Staatsministcrs setzen wird. Im übrigen half sich der Minister, indem er die Argumente Bocks „kümmerlich" und dessen Ausführungen„olle Kamellen" nannte. Ucberhaupt liebt es der Staatsminister, den Sozialdemokraten gegenüber den Ton selbstbewußter Ueberlegenheit und brüsker Ironie anzuschlagen. Seine Verwahrung gegen den Vorwurf preußischer. Reaktion stieß der Herr Staatsministcr in eigener Person wieder um, indem er am Schlüsse der Generaldebatte des Etats die Mitteilung machte, daß gegen unser hiesiges„V o l k s b l a t t" der Grobe Unfugparagraph zur Anwendung gelangen solle, weil es zum Boykott nichtsozialdemokratischer Geschäftsleute auf- gefordert habe. Das ist der Gipfel dessen, was wir bisher unter dem Ministerium Richter an preußischer Regierungskunst erlebt haben. Das Lied:„Was man nicht definieren kann, sieht man als groben Unfug an!" war bis zur Stunde in koburg-gothaischen Landen nicht gehört. Das Vertrauen in unsere Justiz ist unter der Aera Richter bereits vielfach erschüttert worden. Im Gegensatz zu früheren Zeiten kam die Aufgabe der Justiz, ein Instrument zur Niederhaltung der politischen Opposition zu sein, in einer Reihe von befremdenden Urteilen zum Ausdruck. Der Streikbrecherparagraph 153 der Gewerbeordnung kam zur rigorosen Anwendung, ein regierungsfreundlicher Redakteur wurde wegen Beleidigung der sozialdemokratischen Gemeindebehörden in Walters- Hausen zu 60 M. Geldstrafe verurteilt, der Redakteur Walter des bis zur Kandidatur Hohenlohe demokratisch redigierten„Gotha- ischen Tageblatts" erhielt wegen Beleidigung der Gothaer Stadt- Verwaltung einen Monat Gefängnis— ein Urteil, das sogar dem Reichsgericht unfäßbar erschien und aufgehoben wurde—, Genosse Joos, Redakteur des..Volksblatts", erhielt 200 M. Geldstrafe, weil er in dem bekannten Prozeß der Waltershauser Pädagogen ein Titelchen des Wahrheitsbeweises schuldig blieb usf. Die Debatte über diese volksfeindliche Politik setzte auch am gestrigen Tage wieder ein, als das Gehalt des Staats- Ministers<12 000 M.) zur Bewilligung stand. Genosse Denner, unterstützt von den Genossen Wolf, Joos, Bock. Seehofer sprach gegen die Bewilligung des Gehalts. Staatsminister Richter sang in langer Rede wiederum das Lied von dem revolutionären Charakter der Sozialdemokratie. Die Gegensätze spitzen sich zu, auch in Gotha!-- #» • Deutfehes Reich. Die Taktik des Flottenvcreins. Der Generalmajor Keim veröffentlicht abermals einen ful- minanten Artikel im„Tag", in dem er seinen Kampf gegen das „schwarz-rote Kartell" verteidigt. Der jetzt vom Zentrum deWttnzierte angegriffene Flottenverein sei dem„demagogischen Teile des Zentrums" ohnehin schon lange verhaßt gewesen. Eine Satzungsverletzung habe der Flottenverein nicht begangen, sonst hätten auch die Kricgervereine, die Gewerkschaften, die zahllosen katholischen Vereine nicht in den Wahl- kämpf eintreten dürfen. Im Flottcnverein dürfe die Richtung der „Nuraufklärer" nicht siegen, sonst gehe er einer unrühmlichen Zukunft entgegen, sonst nehme man ihm seme„Seele". Fehlt diese Seele, die selbst die Nationalliberalen zu feurigerem Flotten- enthusiasmus aufpeitschte, so werde er bald zu einem Anhängsel des Reichsmarineamts werden und schließlich der„öden Vereinsmeierei" verfallen. Während so Jlolten-Keim noch auf stolzen Rossen sitzt, liest ihm bereits die„Kreuz-Zeitung" die Leviten. Sie, schreibt: „Das alles ließe sich hören, wenn die Vertreter des Flotten- Vereins sich auf die Bekämpfung der Sozialdemokratie beschränkt und nicht das Z e n t r u m als eine noch größere Gefahr bezeichnet, den kuror proteztsnticu» gegen diese Partei zu Hülfe gerufen hätten. Abc» so wenig man verständigerweise in die Post-, Eisenbahn-, Krieger� und Kolonialvereine den k o n- fessionalen Hader hineinzutragen versucht, so wenig sollte man auch im Flottenverein dieses im schlimmsten Sinne a n t i» national wirkende Gift verbreiten. Herr Viktor Schweinburg beleidigt jene nationalen Vereine ohne jeden Anlaß. wenn er ihnen vorwirft, sie ließen sich durch Sozialdemokraten und Juden von der Erfüllung ihrer nationalen Pflicht abschrecken. Da sehr viele ihrer Mitglieder der Z c n t r u m s p a r t e i an- gehören, andere den liberalen und konservativen Parteien, so ver- bietet sich ihnen eine. Agitation von Vereinswegen gegen eine von diesen Parteien von selbst, und Gott bewahre sie vor dem Eindringen irgend eine? kon» teilip vellev iuxor, bcsiuier ecptestavtlcus sowohl wie des kuror cstllollcus! Daß sie bei den Wahlen geschlossen gegen die Sozia ldemokratie vorgehen, wird Herr Viktor Schweinburg nicht bezweifeln können. Jede andere Agitations- tätigkeit aber dürften und sollten sie nur als Mitglieder politischer Parteien ausüben und es ist Sache der organisierten Parteien. nicht des Flottenvereins, sie dafür zu gewinnen." Die Konservativen möchten also nicht, daß es der Flotten- verein mit dem Zentrum verdirbt. Weitschauender als Herr Keim sehen sie bereits die Zeit kommen, wo das Zentrum gemeinsam mit den Marinefexen eine einzige reaktionäre Masse bildet, deren Ehrgeiz nur noch darin besteht, d i e So zi a l- demokratie„niederzureiten"!— Auch ein Wahlprotest. Die Konservativen des Wahlkreises Teltow- B c e s k o w haben Protest gegen die Wahl des Genossen Z u b e i l eingelegt. Begründet wird'der Protest nach dem„Teltower KreiZ» b l a t t" mit der Tatsache,„daß in einem Teil der Unschläge, welche die Regierung in Potsdam für die Stimmzettel geliefert hat, Stimmzettel vorhanden waren, Welche von der letzten Reichstags- Wahl zu stammen scheinen, da sie die Namen Hammer, v. Winter- feldt und meistens Zubeil trugen." Das Blatt schreibt dazu weiter: „Das unglaubliche Vorkommnis wurde in Rixdorf ent- deckt und dort in vier Wahlbureaus festgestellt. Auch in Britz sind Umschläge mit Stimmzetteln angetroffen. Die Wahlburcaus haben nun wohl festgestellt, wieviele Sttmmzettel doppelt vor- Händen, also ungültig waren; es konnte aber nicht festgestellt werden, wieviele Wähler sich durch den schon vorhandenen Stimm- zettel davon abhalten ließen, von ihrem Wahlrecht überhaupt Gebrauch zu machen. Manche haben sicherlich gedacht, der vor- handene Zettel wäre für den Regierungskandidaten. Außerdem aber oerbreitete sich die Nachricht durch Rixdorf und auch durch Charlottcnburg, Schöneberg und Steglitz, wohin sie durch Vermittelung des Oberbürgermeisteramtes Rixdorf ge- kommen tvar, um festzustellen, ob dort auch die gleichen Unrcgel- Mäßigkeiten vorgekommen wären. Das hat sicherlich viele Wähler von der Ausübung ihrer Wahlpflicht abgehalten, da all- gemein geglaubt wurde, die Wahl sei auf jeden Fall ungültig. Es hat daraufhin sogar der Schlepperdienst stellenweise versagt. Der Fall ist ganz neu, und es ist nicht abzusehen, wie die Wahlprüfungskommission sich dazu stellen wird. Jedenfalls ist die Aussicht, daß die Wahl ungültig erklärt wird, größer, als bei sonstigen Wahlprotesten. Auch die Nationalliberale Partei hat, wie wir hören, aus gleiche� Grunde Wahl Protest erhoben. Für unsere politischen Parteien ist der Protest jedenfalls ein Mahnruf, die Lehren der letzten Wahl zu beherzigen und die vorhandenen Fehler der Organisation zu beseitigen, damit eine Neuwahl sie besser gerüstet findet." „DaS unglaubliche Vorkommnis" ist allerdings schlimm genug und stellt den für die Vorbereitung der WohlgesMfte verantwort- lichen Behörden ein sehr schlechtes Zeugnis aus. Daß die Unregel- niäßigkeiten aber so groß gewesen wären, daß sie die Majorität des Genoffen Zubeil umstoßen könnten, ist lediglich ein frommer Wunsch der Unterlegenen. Sollte indes die Wahlprüfungskommission sich etwa auf den Standpunkt stellen, daß wegen solcher Nachlässigkeit der BeHorden der Wahlakt ohne weiteres ungültig werde, so würde auch die Wahl verschiedener bürgerlichen Kandidaten für ungültig erklärt werden müssen, de»n solche unglaublichen Vorkommnisse sind nicht bloß in Teltow-Beeskow und nicht bloß in Kreisen vorge- kommen, in denen Sozialdemokraten gewählt wurden. Im übrigen werden die Genossen von Teltow-Beeskow aus der Veröffentlichung des Kreisblattes sehen, wie die Gegner eifrig an der Verbesserung ihrer Orgamsatton arbeiten. Es wird für sie des Anstoßes nicht mehr bedürfen, um die Arbeit für die Partei mit allem Eifer aufzunehmen._ Auf„Würde" haltende Stadtvüter. . In der niederrheinischcn Industriestadt Duisburg, wo der protzigste Kapitalismus das Szepter führt, gilt für die Wahlen zum Stadtverordnetenkollegium die Bestimmung, daß nur diejenigen Zensiten wahlberechtigt sind, die mindestens die unterste Stufe der Staatseinkommensteuer zahlen, also zu einem steuerpflichtigen Ein- kommen von mindestens 900 M. veranlagt sind. Infolge dieser Bestimmung sind viele Arbeiter von der Teilnahme an den Stadt- verordnetenwahlen ausgeschlossen. Um diese Ungerechtigkeit zu beseitigen, hatten unsere Duisburger Genoffen im Herbst 1905 an das dortige Stadtverordnetenkollegium den Antrag gestellt, den bisherigen Wahlzensus von 6 M. auf 4 M. herabzusetzen, so daß auch diejenigen Arbeiter wählen können, die ein Einkommen von 660 bis 900 M. versteuern oder zu dem fingierten Normalsteuer- satze von 4 M. veranlagt sind. Zur Begründung ihres Antrages hatten unsere Duisburger Genossen auf die Rheinische Städte- ordnung verwiesen, die Ungerechtigkeit des Ausschlusses weiter Arbeitcrkreise von dem Wahlrecht bemängelt und nebenbei mit bemerlt, daß in 2 Nachbargemeinden, Dümpten und Alstaden. das beantragte Wahlrecht ebenfalls bestehe. Der Antrag fand am 19. Dezember 1905 im Duisburger Stadtparlamente zunächst in- sofern seine Erledigung, als das gesamte Kollegium sich auf den Standpunkt stellte:„Der Antrag sei gesetzlich unzu- lässig!!" Diese von geradezu frappanter Unkenntnis der elementarsten Grundlagen des Wahlrechts Zeugnis ablegende Ab- Weisung wurde dann noch weiter damit zu stützen versucht, daß der damalige Beigeordnete Lehwald(jetzt Bürgermeister von Rheidt) erklärte:„Es sei nicht richtig— wie eine An- srage bei den Kommunalverwaltungen in Dümpten und Alstaden ergeben habe—, daß dort nach dem 4 M.- Zensus gewählt werde!— Auch der durch seine unfreiwillig-komische ReichstagSkandidatur in weiteren Kreisen bekanyt« gewordene Renommierarbeiter Jung stimmte natürlich pflichtgemäß mit den Vertretern des Geldsacks gegen die Ausdehnung des Wahlrechts. Weil nun aber unsere Genossen bestimmt wußten, daß in Dümpten und Alstaden trotz der Erklärung deZ Beigeordneten Lehwald nach dem 4 M.-ZensuS gewählt wird— inzwischen ist dies ja auch in der rheinischen Metropole Köln beschlossen—, so ließen sie durch unsere Vertreter in den Kommunalverwaltungen Dümpten und Alstaden nochmals dienstlich anfragen, wie es dort mit dem Kommunalwahlrecht bestellt sei, worauf in der bestimmtesten Form amtlich versichert wurde, daß unsere Genoffen richtig berichtet hätten und daß von Duisburg leine Anfragen an die Gemeindeverwaltungen eingelaufen seien! Nunmehr richteten unsere Duisburger Genossen eine zweite Eingabe an die Stadtverwaltung, in welcher der Antrag auf Herabsetzung des Wahlzensus wiederholt und betont wurde, daß trotz der Erklärung deS Beigeordneten Lehwald in den beiden benannten Kommunen der 4 M.-Zensus bestehe, daß die entgegengesetzte Behauptung„haltlos" sei und„irre- führend" wirken müsse. So lächerlich es auch scheinen mag, diese beiden Ausdrücke mußten nun als Prellbock dienen, den Antrag auf Erweiterung des Wahlrechts zum zweiten Male abzulehnen. Nachdem der wiederholte Antrag längere Zeit im Schöße der Stadtverwaltung geruht, tauchte er plötzlich vor einigen Tagen in der Tagesordnung des Stadtparlaments auf. Unverbesserliche Optimisten glaubte» schon, der Ausfall der Rcichstagswahl wirke auf die Stadtverwaltung ein in dem Sinne, daß man suchen werde, feurige Kohlen auf die Häupter der„Nörgler" zu sammeln. Nur zu bald sollten jedoch die Hofsnungen vernichtet werden. Das SellLg halte es»avter leiser Würde", sich mit dem sozialdemokratischen Antrage nochmals zu befassen(!)— so erklärte unter lauten Bravorufen Oberbürgermeister Leh-r. weil— die Form des Antrages„unpassend" und„un- sachlich" sei!! Läßt sich eine nichtssagendere Ausrede denken? Und doch ge- tlügte sie, um das ganze Stadtverordnetcnkolleg in eine Art Ver- güdaßfl zu versetzen!—_ Die Mordgeschichte, die der Staatsminister von Dallwitz im Anhaltischen Landtage den Sozialdemokraten in die Schuhe zu schieben suchte, fordert zu einem Vergleich heraus mit folgendem Bericht des freisinnigen„Ber- liner Beobachter", den wir gerade zur rechten Zeit in unserem Saal« felder Bruderblatt ausgegraben finden. In dem Bericht, der nicht gleich dem anhaltischen Minister leere Vermutungen, sondern Tatsachen erzählt, heißt es: „Der Spott versagt und ein Gefühl des Schreckens, des Grauens von den entsittlichenden Wirkungen jenes Geistes, der heute in gewissen Teilen der Studentenschaft sein Wesen treibt, und zugleich schwere Sorge um die Zukunft über- kommt den ernsten Vaterlandsfreund, wenn der Vaterlandsfreund hat sehen müssen, bis zu welcher Bestialität der st u- pide Antisemitismus, der unter dem Banner eines Grafen Pückler seine Fahrten macht, unreife Burschen zu treiben vermochte. Ein Vorkommnis an der Berliner Universität vor einigen Jahren in einer Vorlesung des Professors der Rechts- Wissenschaft Kohler liefert ganze Bände zur Naturgeschichte des deutschen Geistes in unseren Tagen der„Dekadence". Als Kohler den von den ausgezeichneten Fachmännern Wilmowski und Le v y herausgegebenen Kommemar' zum Reichszivilprozeß empfahl, da gaben bekanntlich die jungen Rechtsbeflissenen bei dem Anhören des Namens Levy ihrem Mißfallen durch allgemeines Scharren Ausdruck. Und als Professor Kohler dann hervorhob, daß dieser Justizrat Levy vor nicht langer Zeit er- mordet worden sei, gaben die idealistischen Musensöhne, Deutschlands Zukunftsstolz und Zukunftshoffnung, durch o h r e n- betäubendes Trampeln ihren lebhaften Beifall für Mord und Mörder zu erkennen. Nicht wie zu Fausts Zeiten beim Taufelstrunk in Auerbachs Keller, sondern am hellichten Tage, inmitten des Lehrens und Lernens, offenbart sich in diesen Studenten die Bestialität. Diese Burfchen, welche frenetisch jubeln, weil ein hervorragender Rechtsgelehrter, der nach ihrer Ansicht durch den Namen Levy bemakelt ist. feigen Mördern zum Opfer gefallen ist— das sind dieselben Elemente, welch stolz darauf waren, sich an keiner Ehrung VirchowS, des berühmten Professors der Berliner Universität, beteiligt zu haben, da derselbe der Hofgunst entbehrte. Das sind dieselben Leute, die dereinst berufen sind, im Gerichtssaale das Verbrechen zu brandmarken und zu ahnden, und die voraussichtlich alsdann überfließen werden von brünstigen Bekenntnissen für Religion, Sitte und Ordnung." Die Zeugmszwangsfolter in Halle. Ueber die Verhandlung des Preßprozesses gegen den Genossen Thiele vom„Volksblatt für Halle" am Montag vor dem Schöffengericht zu Halle, die, wie wir bereits telegraphisch meldeten, zur Verhängung der Zcugniszwangshast über den Ge- Nossen Däumig führte, wird uns noch aus Halle geschrieben: Die Zeugen Redakteur Fröhlich, Metteur Kochansky und Berichterstatter E b e l i n g, die nichts Bestimmtes darüber sagen konnten, wer der Verfasser des inkriminierten Artikels ist. wur- den vereidigt. Redakteur Däumig, der gegenwärtig 3 Monate Gefängnis verbüßt und am kommenden Freitag entasten werden mutz, sagte aus, daß er bei dem inkriminierten Artikel eventuell als Mittäter in Frage kommest könne und sich auch verpflichtet fühle, das Redaktionsgeheimnis zu wahren. Er wurde dann wegen Eides- Verweigerung mit 100 Mark bestraft und bis zum nächsten Termin in Zwangshaft genommen. Mehr als eigentümlich erschien das Verhalten des klagenden Rechtsanwalts Suchsland, der auch gegen den beklagten Genossen Redakteur Thiele einen Zivilprozetz wegen des Artikels auf Schadenersatz angestrengt hat. Der Herr sägte nämlich vor Gericht, daß der Verteidiger Thieles, Rechtsanwalt Herzfeld ihm privatim gesagt habe, daß Thiele in dem Zivilprozeß einen ihm zugeschobenen Eid nicht leisten würde. Rechtsanwalt Herzfeld fand es selbstverständlich nicht schön, daß sein Herr Kollege von Privatgesprächen vor Gericht Gebrauch mache. Er sei dadurch gezwungen, mitzuteilen, daß sein Kollege Suchsland ihm ebenfalls privatim gesagt habe, er habe den Zivilprozetz gegen Thiele nur angestrengt, um Material für den Beleidigungsprozeß zubekommen. Die Verhandlung wurde schließlich wieder vertagt.— Die Politik der verzweifelten Mittel gegen die Polen soll, wie wir schon kürzlich meldeten, durch ein Enteignungsgesetz gegen die polnischen Grundbesitzer fortgesetzt werden. Selbst den nationalliberalen Hakatiften scheint es vor dieser beispiellosen Rechts- vergewalttgmig leise zu graulen. Die„National- Zeitung" bringt heute ein halbes Dementi der von einigen Blättern gebrachten Meldung, daß sich die Nationalliberaleu für eine solche Vorlage erklärt hätten. Allerdings habe sich die nationalliberale Fraktion mit der Sache befaßt, aber Beschlüsse seien wohl noch nicht gefaßt, die Polen- Politik biete überhaupt eine solche Fülle von Schwierigkeiten, daß es wünschenswert wäre, wenn die Regierung ihre Vorlage erst ein- brächte, wenn sie sich versichert habe, haß sie für ihre Pläne im Abgeordnetenhause eine Mehrheit finde.— Die Natioualliberalen scheinen nach diesen gewundenen Ausführungen zu urteilen, all- mählich Angst zu kriegen vor den Konsequenzen der Polenverfolgungen, ohne doch den Mut zu haben, dem von ihnen selbst großgezogenen Polenfrcssertum entgegenzutreten. Nach polnischen Blättern wurde der Abgeordnete Prälat Dr. v. Jazdzew-ki beim Kultusminister wegen Entlassungen von Gymnasiqsten, deren die Volksschule besuchende Ge- schwister am Schnlstrcik teilnehmen, v o r st e l l i g. Minister Studt soll erklärt haben, daß er die vom Schulkollegium angeordnete Maß- regel e r st dann zurückziehen könne, wenn der Schul- streik aufhöre. Etwas anderes war von Herrn Studt nicht zu erwarlen. Daß seine Maßregel nicht mit politisch dumm, sondern auch ungesetzlich ist, erkennt der Herr nimmermehr.— Eine BcrfassunzSreform soll in Mecklenburg von der Ne- gierung ernstlich in Vorbereitung genommen sein. Natürlich eine mecklenburgische— ein Teil der Landtagsavgeordneten soll danach künftig von den Großherzögen, ein anderer von den Junkern sder Ritterschaft) ernannt werden, der Rest würde dem gemeinen Volk zum Wählen überlassen werden. Trotz dieser echt obottitischen Rückständigkeit der sogenannten Reform soll aber die Regierung noch zu befürchten haben, daß die treuen Junker sich sperren, ihr Vorrecht aufzugeben als„Landstand� geboren zu werden. Indes ist die mecklenburgische Regierung entschlossen, den Junkertrotz eventuell durch Hülfe des Bundesrates zu brechen. Wäre der Mühe wert!— Die„wohlanständige" Ordnungspreffe. Auch heute haben„Nordd. Allgem. Zeitung' und „Vossische Zeitung" die Entgegnung des Genossen Peus auf die„furchtbare Anklage" des anhaltischen StaatSministcrs v. Dallwitz nicht gebracht! Ebensowenig hat die„Nordd. Allgem. Zeitung" von der Widerlegung der von ihr verbreiteten Terrorismuslüge aus Ehcmmtz durch die Ehemnitzer„Volksstimme" Notiz genommen! Dagegen bringt sie heute eine neue Gruselgeschichte in der von ihr besonders eingerichteten Rubrik„Vom sozialdemokratischen Terra- riSmuS". Wir registrieren diese moralische Verlumpung der„woyi- anständigen" Ordnungspresse lediglich.— Ein gerüffelter Fabrikinspektor. In der badischcn Fabrikinspektion sind unheilbare Zerwürfnisse eingetreten. Die Schuld liegt an dem Leiter der Fabrikinspcktoren Dr. B i t t m a n n. Der frühere Fabrikinspektor Wörishoffer, der die badische Fabrikinspektion zu außerordentlichem Ansehen ge- bracht hat, verstand es, sich ein vortrefflich geschultes Personal her- anzuziehen und ließ seinen Mitarbeitern, soweit möglich, volle Selbständigkeit. Als aber Wörishoffer kurz vor seinem Tode vom Amte zurücktrat, nahm man nicht etwa den Nachfolger aus den Mitarbeitern Wörishoffers, man griff nach Preußen und wählte den ehemaligen Fabrikdirektor Dr. Bittmann. Es war nicht zu ver- wundern, daß sich die selbständigen Kräfte nicht unter den kleinen bureaukratischcn Geist Bittmanns beugen wollten. So verließ zu- nächst Dr. Fuchs die Fabrikinspektion und die Fnspektorin Frl. Dr. v. Richthofen heiratete. Mit der jetzigen Fabrikinspektorin Frl.�Dr. Baum ist nun aber der Konflikt ausgebrochen. Frl. Baum ist eine selbständige und durchaus tüchtige Kraft, sie hat ftch sehr rasch eingearbeitet und man konnte von ihr Mit Recht noch viel erwarten. Das patzte' Herrn Bittmann nicht und so wollte er die Selbständig- keit der Jnspektorin im Schraubstock bureaukratischer Maßnahmen brechen. Das führte zum Bruch; Frl. Baum ist aus der'Fabrik- inspektion ausgeschieden, dem Dr. Bittmann aber sprach das Mi- nistcrium des Innern mündlich und schriftlich seine M i ß- b i l l i g u n g über sein Verhalten aus.— Natürlich ist damit gar nichts getan, es wird weiter so gewirtschaftet werden. Dernburg wird seine Afrikareise Mitte Mai, nach Schluß der Reichstagssession antreten. Er will vier Monate fortbleiben und nur Ostaftika besuchen.— Sachsen gegen die Schiffahrtsabgabcn. Der sächsische Finanz- minister Dr. Rüger hat einer Abordnung des sächsischen Schiffer- Vereins gegenüber erklärt, daß Sachsen im Bundesrate gegen die Einführung der Schiffahrtsabgaben stimmen werde.— Im Wahlkreise Mülhausen-Laugensalza hat das Zentrum, das ursprünglich die konservative Kandidatur unterstützen wollte, jetzt seinen Anhängern die Abstimmung freigegeben.— Wahlprotestr sind weiter von der Sozialdemokratie eingelegt worden gegen die Wahl des Antisemiten Graes in Weimar- Apolda, des Antisemtten Schock jn Eisenach-Dermbach und des Wildliberalen Enders in Sonneberg-Saalfeld.— Zwei„Anständige". Der Konkurrenzkampf unter den für den nattonalen Idealismus fechtenden„anständigen" Blättern treibt seltsame Blüten. Die „Staatsbürgerzeitung" hat, wie wir berichteten, mit dem Deutschen Verlag einen Druckvertrag abgeschlossen. Diesen Anlaß benutzte die ehrsame„Post", sich mit einem Zirkular an die Abonnenten der «Staatsbürgerzeitung" zu wenden und sie zum Abonnement auf die „Post" aufzufordern. Darauf antwortet in ihrer heutigen Morgen- ausgäbe die„Staatsbürgerzeitung" mit folgender Notiz: In eigener Sache. Die Zeitung„Die Post" versendet ein Zirkular mit ber Er- klärung, daß die„Staatsbiirgerzeitung" in einen anderen hiesigem Verlag übergehe und mit einem unpolitischen Blatte verschmolzen werde, und fordert im Anschluß hieran die konservativen Vereine und Kreise auf,„Die Post" zu abonnieren, da die„Staatsbürger- zeitung"„ihren bisherigen anttsemittschen und konservattven Charakter vollständig verlieren wird". Wir erklären dem gegenüber, daß die Behauptungen der Zeitung„Die Post" in allen Teilen unwahr sind und be- halten uns weitere Schritte gegen genanntes Blatt vor. Verlag der„Staatsbiirgerzeitung". Das Reich G. m. b. H. Der Streit zwischen den beiden scharfmacherischen, gleichmäßig an Abonnentenschwindsucht leidenden Blättern ist höchst amüsant.— ftUBUltd* Schweiz. Die Protestbewegung der Arbeiterschaft des Kantons Bern gegen das reaktionäre Antistreikgesetz hat an den zwei letzten Sonn- tagen durch 26 öffentliche imposante Protestversammlungen ihren Höhepunkt erreicht. In der vom Pärteivorstand vorgeschlagenen einheitlichen Protestresolution wird entschieden Stellung genommen gegen den Versuch, den Erfolg von Streiks durch eine Gelegenheits- und Gewaltgesehgebung zu verunmöglichen und die Lebenshaltung der Arbeiter durch Polizeimaßregeln herabzudrücken. In der Reso- lution heißt es:..... Die Versammlung erklärt die Bestimmungen des Gesetzentwurfs für unklar und als geeignet, das Publikum der Willkür der Polizei auszuliefern und die persönliche Freiheit auch unbeteiligter Personen aufs schwerste zu gefährden. Die An- wesenden erklären es als des Staates unwürdig, charakterlos? Sub- jekte, die ihre Mitarbeiter verraten, in speziellen behördlichen Schutz zu nehmen. Die Arbeiter sind überzeugt, daß das Streikgesetz die Arbeitseinstellungen keineswegs aufzuhalten vermöchte, wohl aber geeignet wäre, die Kämpfe zu vergiften, die Verhetzung von Arbei- tern, Polizei und Bürgertum und den Klassenhaß zu schüren und zu verschärfen. Die Versammlung verlangt vom Großen Rat, daß er die verfassungsmäßigen Rechte der Arbeiter achte und die Unum- gänglichkeit und die kulturelle Berechtigung der Streiks anerkenne. Sie bezeichnet die unselbständige Kopierung ausländischer reaktio- närer Knebelgesetze und der Zürcherischen Ausnahmeerlasse als eine Schmach für den Kanton Bern und eine Entehrung des Schweizer- namens." Frankreich. Vatikanischer Roßhandcl. Paris, 24. Februar.(Eig. Ber.) Die Kirchenpolitik ist ekne Rutschbahn: Wieder einmal scheint der Abschluß des Friedens zwischen der Republik und der Kirche, der scheinbar vor der Tür stand, erheblich gefährdet. Die Regierung hat das Angebot des Erzbischofs von Paris als unannehmbar zurückgewiesen. Schuld an der neuerlichen Stockung trägt die Kirche, die angesichts der Nachgiebigkeit Briands ihre Ansprüche überspannt. In der Verhandlung zwischen dem Pariser Erzbischof und dem Seinepräfekten über die Kirchenmiete war man überein- gekommen, den Pfarrern die unentgeltliche Benutzung der Kirchen- gebäude und ihrer Mobiliare zur Ausübung des katholischen GotteS- dienstes gegen die Uebernahme'der Erhaltungskosten zu überlassen. Eine Klausel, nach welcher der Vertrag erlöschen sollte, sobald das Gebäude seiner Bestimmung entzogen werden würde, gab der Kirche hinlängliche Bürgschaft gegen schismatische Unternehmungen. Aber der Erzbischof stellte weitere Forderungen: Vor allem sollte das Nutzungsrecht des Pfarrers im Falle seines Todes oder seiner Ver- sctzung oder Absetzung durch den Erzbischof an den von diesem ernannten Nachfolger übergehen, unter der Bedingung der Nam- haftmachung des neuen Titulars in einer neuen Deklaration an den Präfekten und seiner schriftlichen Verpflichtung, die Lasten des Vertrages auf sich zu nehmen! Weiter sollte der Seinepräfekt ausdrücklich auf jede Einflußnahme auf die Pfarrverwaltung ver- zichtcn und nur die Instandhaltung des Gebäudes überwachen.— Schließlich sollte der Pfarrer für die Erfüllung der Vertrags- pflichten nicht mit seinem persönlichen Vermögen haften! Diese Bedingungen waren schon vor Briands Rede gestellt. Der Präfekt hat sie n i ch t beantwortet. Nun aber wird die Differenz noch verschärft durch die Erklärung Briands, daß die Republik in den Verträgen weder Ausländer noch ehemalige Kongrcganisten als Pfarrer zulassen werde, was der Vatikan als einen Eingriff in seine kirchliche Autorität ansieht. Auch will die Kirche von den. Pfarrern die Verpflichtung für die laufenden Reparaturen nur vom Tage der Uebergabe der Kirchengcbäude übernommen wissen, so daß die Pfarrer sie in gutem Zustande. yötigenfqUS also mch vorheriger ReloustruktiW. erhglten müßten! Es ist klar, daß unter diesen Bedingungen die Gemeinden kein Interesse daran haben, den Vertrag abzuschließen. Anderer- seits hat die Kirche, wenn sie die Kirchengebäude lediglich auf Grund des Gesetzes von 1907 in Anspruch nimmt, nur die recht- liche Stellung eines tatsächlichen Inhabers und kein Recht, den Besuchern der Gotteshäuser Abgaben abzuverlangen. Sie kann sich auch nicht wehren, wenn die Gemeinden die Kirchengebäude bis zur Unbenutzbarkeit verfallen lassen. Für die Regierung aber gilt besonders die Aufnahme der Formel über den Uebergang der Nutzungsrechte an den vom Bischof ernannten Nachfolger des Pfarrers als unannehmbar, weil darin eine unverhüllte An- erkennung der katholischen Hierarchie läge, die im Trennungsgesetz immerhin an die Konstituierung der Kultusassoziationen geknüpft war. Die Verträge können, sosern sie den Geist dieses Gesetzes nicht verletzen sollen, nur individuell sein, und dem un- beschränkten Recht des Bischofs, einen anderen Pfarrer zu ernennen. kann nicht die Pflicht der Gemeinde entgegengestellt werden, diesen ohne Rücksicht auf seine Person und auf die Bürgschaften, die sie für die Erfüllung der Vertragspflichten bietet, als Rechtsnachfolger seines Vorgängers anzuerkennen. Allerdings muß billigerweise auch gesagt werden, daß sich die Aufnahme einer auf den Aus- schluß der fremden Staatsbürger und Exkongreganisten bezüglichen Bestimmung in den Vertrag mit dem Prinzip des TrennungS- gesetzes ebensowenig vereinbaren läßt. Die Regierung könnte viel- leicht den Gemeinden auf administrativem Wege— wenn nicht durch ein Gesetz— verbieten, solche Personen zuzulassen, aber gerade das Prinzip der Individualisierung der Verträge und der, wenn auch nicht vollkommen durchführbaren, so doch so weit als möglich zu verwirklichenden Ignorierung der Einheit des kirch- lichen Organismus spricht gegen eine solche Formel. Zu guterletzt wird es wohl trotz alledem doch zu einer Einigung kommen, wenn die Kirche begriffen haben wird, daß die Nach- giebigkeit der Regierung eine feste Grenze hat. Denn die größeren Nachteile im Falle der Nichteinigung sind unzweifel- hast auf ihrer Seite. Freilich hat sie ihre besten Chancen schon preisgegeben, als sie das Trennungsgesetz selbst trotzig zurückwies. Italien. Pius der Starke. Wie aus Rom berichtet wird, empfing der Papst am Montag drei französische Bischöfe und teilte ihnen amtlich mit, daß die Ver- Handlungen mit der ftanzösischen Regierung abgebrochen seien und keine Hoffnung mehr aus Erzirlung eines Einvernehmens vorhanden sei. Der Papst fügte einige Weisungen hinzu, welche folgendermaßen lauten: Der französische Episkopat möge den otatus quo aufrecht- erhalten, die Priester mögen nach wie vor in den Kirchen bleiben, welche Entscheidungen auch immer die französische Regierung treffen möge.—_ Die Eisenbahn-Misere. Maitand, 26. Februar.(B. H.) Die Fabrikbesitzer in der ganzen Provinz Novara beschlossen, ab 11. März den Betrieb auf ihren Fabriken einzustellen als Protest gegen die haltlosen Zustände und den dauernden Kohlenmangel auf der Eisenbahn. Spanien. Der Fall Acevedo. Wir meldeten vor einiger Zeit, daß unser spanischer Genosse Acevedo wegen„Majestätsbeleidigung" zu 8 Jahren Gefängnis ver- urteilt wurde. Das höchste Gericht(Obertribunal) hat die bar- barische Strafe nunmehr bestätigt! Die spanische Arbeiterschaft leitete sofort eine energische Protestaktion gegen das schändliche Klassenurteil ein. Acevedo hätte der„Segnungen" des vor einigen Wochen in Kraft getretenen Amnestie-Gesetzes teilhaftig werden können. In- dessen wäre er gezwungen gewesen, die„Gnade" des Königs anzu- rufen. Daran ist aber bei einem Mann wie Acevedo nicht zu denken; er geht lieber 8 Jahre ins Gefängnis, ehe er den Monarchen um Gnade anwinselt. Die republikanischen, ja sogar die monarchischen Blätter— „Heraldo de Madrid",„El Jmparcial" u. a. m.— rühmen das Verhalten Acevedos und legen der Regierung nahe, ihn freizulassen. Schweden. Gegen den Wahlrechtsentwurf der Regierung. Letzten Donnerstag hatte die Arbeiterkommune in Stockholm in vier großen Lokalen Massenversammlungen veranstaltet, um die Meinung der Arbeiterschaft über die von der Regierung vor- geschlagene Wahlrechtsreform zum Ausdruck zu bringen. Die Lokale waren alle überfüllt, und tausende konnten keinen Einlaß mehr finden. Die Versammlungen nahmen einstimmig eine Resolution an, in welcher der Regierungsentwurf als durchaus unannehmbar sowohl für die Arbeiterschaft Schwedens wie für alle, die eine ehrliche Lösung der Wahlrechtsfrage wollen, er- klärt wird. Die Arbeiterschaft wird aufgefordert, sich für den Fall, daß alle anderen Mittel fehlschlagen sollten, zum Massen- streik zu rüsten, um ein wirklich allgemeines Wahlrecht zu erringen. Auch in anderen Städten Schwedens haben sich bereits Massen- Versammlungen mit der Wahlrechtsfrage befaßt, und zwar überall mit dem gleichen Ergebnis.— Afrika. Die Ergebnisse der Wahlen in Transvaal. Wie vorauszusehen war, erhielt„Het Volk"(die Buren- Partei) die Mehrheit: Von den 69 Abgeordneten, aus denen die legislative Kammer besteht, sind 37„Het Volk".Mitglieder, 21 Progresfisten, 6 Nationalisten, 3 Arbeiter, 2 Parteilose. Die Buren haben also eine feste Mehrheit erhalten und sind von den übrigen parlamentarischen Parteien unabhängig. Die englische Regierung zog die verfassungsmäßigen Kon» sequenzen und forderte Botha auf, ein Ministerium zu bilden- Der Burenführer hatte keine Schwierigkeiten, sich seiner Auf- gäbe zu entledigen. Als Führer seiner Partei wurde Botha Premierminister und Minister für die Angelegenheiten der Eingeborenen; Rechtsanwalt Smuts wurde zum Kolonial- minister ernannt: Mr. Hull Finanzminister ideVilliers Justizminister: Mr. I. Rissak Vergwerksminister. Sir Richard Salomon, der tüchtigste Kopf Transvaals, wurde nicht gewählt; er unterlag seinem progresststischen Gegenkandidaten Sir Percy Fitzpatrick. Die Verfassung und die Wahlergebnisse und ihre Folgen sind eine große politische»Lehre für alle, die politisch denkm können. Unter preußisch-deutscher Herrschaft hätten die Buren derartige Freiheiten nie erhalten.— 6cwcrkrcbaftUchc9, BerUn und Omgegtnd. Der Kampf in der Holzindustrie. Wiederholt wiesen wir aus eine Lüge hin, welche die von Unternehmerseite inspirierte„Voss. Ztg." am 5. Februar in die Welt gesetzt hatte, nämlich die, der Holzarbeiterverband habe den gegenwärtigen Kampf gewollt, obgleich die Arbeitgeber von Anfang an eine Lohnerhöhung von 5 Proz. und mehr in Aussicht gestellt hätten. Die„Voss. Ztg." als„anständiges Blatt" hat das natürlich längst widerrufen. Schade, daß wir— vermutlich infolge„unaufmerksamer Lektüre"— diesen Widerruf nie zu Gesicht bekommen haben. Die„Fachzeitung" der Tischlermeister usw., die zwei Wochen lang über diesen Punkt beharrlich schwieg, bricht jetzt endlich da» Schweigen; aber es ist nur eine sehr faule Ausrede, mit der sie sich qyS der für sie allerdings sehr unangenehmen Situativ» Zu ziehen sucht. Die oreiste»eyauptung, ven Arbeitern sei eine Lohnerhöhung von S Proz. und mehr in Aussicht gestellt, will die »Fachzeitung" durch die Tatsache beweisen, dah das Cinigungsamt am 2g. Dezember v. I. den Parteien den Vorschlag machte, den Vertrag auf drei Jahre zu verlängern, ihn im ersten Jahre un- verändert zu lassen, im zweiten Jahre die Abschlagszahlung von 24 auf 25,60 M. und im dritten Jahre auf 27 M. zu erhöhen.— Um zu beweisen, dag diese Ausrede völlig haltlos ist, müssen wir wieder die schon so oft von uns und vom Holzarbeiterverband an- geführten Tatsachen sprechen lassen. Es ist das um so mehr not- wendig, als in der bürgerlichen Presse immer von neuem die Be- hauptung verbreitet wird, der H o l z a rb e i t e r v e r b a n d sei es, der den Kampf verschuldet, ja trotz alles Entgegenkommens der Unternehmer den Kampf absichtlich herbeigeführt habe. Diese Bc- hauptung ist eine Lüge. Wahr ist dagegen folgendes: Der Holzarbeiterverband hatte den bis zum 15. Januar 1907 laufenden Vertrag am 15. Oktober gekündigt, sich aber zum Ab- schluss eines neuen Vertrages bereit erklärt, falls den Arbeitern cimge Verbesserungen zugestanden würden. In der Hauptsache wurde gefordert eine Erhöhung des Akkordabschlages von 24 auf 27 M. und eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 52 auf 50 Stunden. Von Mitte Oktober bis kurz vor Weihnachten verhandelten die Vertreter der Parteien unter dem Vorsitz des Gewerberichters, Magistratsrat v. Schulz über die Erneuerung des Vertrages. Die Verhandlungen hatten nicht das geringste Er- gebnis, denn die Unternehmer lehnten alle For- derungen der Arbeiter ab. Sie zeigten keine Spur von Entgegenkommen, und die Frage der Arbeiter, was man ihnen denn zugestehen wolle, beantwortete Obermeister Rahardt im Einverständnis mit den Vertretern der Arbeitgeber so:„Wir verhandeln nicht, um Ihnen etwas zu bewilligen, sondern um Sie zu überzeugen, dass wir nichts bewilligen können."— Infolge dieser entschiedenen Ablehnung der Arbeitgeber verliefen die Verhandlungen resultatlos. Aber dieser Ausgang der Ver- Handlungen hätte den Holzarbeiterverband nicht veranlaßt, seine Forderungen nunmehr durch das Mittel des Streiks durchzusetzen. Es wäre vielmehr ruhig weiter gearbeitet worden, nur mit dem Unterschiede, daß kein Vertrag mehr bestand. Das paßte aber den Arbeitgebern nicht, sie verlangten den Abschluß eines Vertrages ohne Verbesserung und stellten die Parole auf: Ohne Ver- trag keine Arbeit.— Während die Verhandlungen zwischen den beiderseitigen Parteien Koch schwebten und die Arbeiter auch nicht entfernt an die Führung eines Kampfes dachten, hatte man auf feiten der Unternehmer schon alle Vorbereitungen für die Aus- sperrung getroffen, deren Beginn auf den 12. Januar, also noch vor Ablauf des Vertrages, angesetzt war. In diesem Vorgehen der Unternehmer erblickten die Arbeiter einen Tarifbruch, sie riefen deshalb die Entscheidung des Einigungsamtes an. Am 29. De- zember sollte, nachdem schon eine Sitzung des Einigungsamtes vorausgegangen war, die Entscheidung verkündet werden. Es waren hier nur zwei oder drei Vertreter jeder Partei erschienen. Bei- sitzer des Einigungsamtes benutzten diese Gelegenheit, um eine» Verständigungsversuch in der Tariffrage zu machen und schließlich kam es zu dein oben angeführten Vorschlage, den das Einigungs- amt machte. Dieser Vorschlag ist nicht von den Arbeitgebern aus- gegangen, er kam sogar gegen das Erwarten der Parteien. Die damals anwesenden Vertreter der Arbeitgeber haben nicht einmal eine Erklärung zu diesem Vorschlage abgegeben, jedenfalls waren sie auch nicht dazu ermächtigt. Ebensowenig konnten sich unter diesen Umständen die Vertreter der Arbeiter dazu erklären. Weitere Verhandlungen fanden nicht mehr statt, sind auch wohl von den Unternehmern nicht gewünscht worden, denn sie hatten ja den Kampf längst vorbereitet und begannen ihn denn auch zur festgesetzten Zeit. Das sind feststehende Tatsachen, die unwiderleglich beweisen. daß es eine lügenhafte Verdrehung ist, wenn in Unternehmer- organen fort und fort behauptet wird, der Holzarbeiterverband habe den Kampf verursacht und die friedfertigen Arbeitgeber seien in den Kampf getrieben worden. Insbesondere erhellt aus den angeführten Tatsachen auch, daß es eine Lüge ist, wenn die„Voss. Ztg." behauptete, die Arbeitgeber hätten von Anfang an eine Lohnerhöhung von 6 Proz. und mehr in Aussicht gestellt. Wenn sich die„Fachzeitung" nun, um den Vorwurf lügenhafter Dar- stellung zu entkräften, an den Vorschlag des E i n i g u n g s a m t e s klammert, so kann sie damit ihren Zweck nicht erreichen. Dieser Vorschlag wurde ja erst zu einer Zeit gemacht, als die Vertrags- Verhandlungen infolge des völlig ablehnenden Verhaltens der Ar- beitgeber bereits gescheitert waren. Der Vorschlag ging nicht von den Arbeitgebern aus, er ist auch nicht von ihnen angenommen tvorden. Es steht fest, daß die Arbeitgeber den Ar- beitern in keinem Stadium der Verhandlungen irgend welche Zugeständnisse gemacht haben. Wenn nun, im Widerspruch mit den feststehenden Tatsachen. in Unternehmerorganen fortgesetzt das Gegenteil der Wahrheit behauptet wird, wenn man der Oeffentlichkeit immer und immer tviedcr vorlügt, die Arbeiter hätten den gegenwärtigen Kampf in der Holzindustrie heraufbeschworen, so läßt das darauf schließen, daß die Führer der Unternehmer kein gutes Gewissen haben. Ist die Sache der Unternehmer so gerecht, wie sie es hinzustellen suchen, dann brauchen sie doch nicht mit Unwahrheiten zu operieren. Es scheint in der Tat, daß die aussperrenden Arbeitgeber nur noch dadurch zusammengehalten werden können, daß man die so oft widerlegten Lügen, die bestimmt sind, den Holzarbeiterverband ins Unrecht zu setzen, immer wieder von neuem auftischt. Helfen wird es allerdings nicht._ Lohnbewegung der Bäcker. Am Dienstag tagte in Kellers Saal eine sehr stark besuchte Lffentliche Versammlung von Bäckergesellen Berlins und der Vor- orte. Das einleitende Referat hielt H e tz s ch o l d. Eingehend be- sprach er die Vorgänge, welche mit Recht den Unwillen der Arbeit- nehmer im Bäckergewerbe gegen das Treiben der Innungen er- regt haben. Schon beim Abschluß des gegenwärtig bestehenden Tarifvertrages seien die Führer der Innungen von der Absicht be- seelt gewesen, die ihnen unbequemen Bestimmungen des Vertrages, wo irgend möglich, nicht innezuhalten. Habe doch der Obermeister Schmidt auf einem Jnnungsvcrbandstag erklärt, die Meister hätten nur deshalb den Tarif abgeschlossen, weil sie zu jener Zeit noch nicht wußten, ob die Organisation der Arbeitgeber stark genug sei, um ihren Willen den Gesellen gegenüber durchzusetzen. Was man hiernach erwarten konnte, das sei eingetreten. Die Innungen hätten den Tarif nicht gehalten. Besonders die Bestimmung, daß den Gesellen nur auf Wunsch, das heißt auf ihren Wunsch, Kost und Logis gegeben werden darf, sei durch die Arbeitsnachweise der Innungen gar nicht beachtet worden. Die Meister hätten sich auf den Standpunkt gestellt, daß i h r Wunsch für die Gewährung von Kost und Logis matzgebend sei. Demzufolge hätten dann auch nur die Hälfte der Bäckereien in der Kost- und Logisfrage den Vertrag befolgt. Unter denen, welche fortgesetzt gegen den Vertrag ver- stießen, befänden sich alle Jnnungsgrößen. Weiter erinnerte der Redner an den Konflikt wegen des Arbeitsnachweises. Dem Ver- trage zufolge soll ein paritätischer Arbeitsnachweis eingerichtet werden. Die Meister wollen jedoch von wirklicher Parität nichts wissen, sondern einen Arbeitsnachweis haben, der in den Händen der Innungen bleibt, so daß alle die zahlreichen, oft beklagten Miß. stände, welche den jetzigen Jnnungsnachweisen anhaften, für immer fortbestehen würden. Die Frage des Arbeitsnachweises sei für die Arbeitnehmer von so großer Wichtigkeit, daß sie sich dem Willen der Innungen auf keinen Fall beugen können. Die Vertreter der Gesellen wollten diese Streitfrage der unparteiischen Entscheidung des Einigungsamtcs des Berliner Gewerbegerichtes unterbreiten. Auch das lehnten die Innungen ab. Nur das von ihnen abhängige Jnnungs-Schiedsgencht wollen sie mit der Entscheidung betrauen. Diese Instanz, die nicht unparteiisch sein könne, könnten die Ar- beiter nicht anerkennen. Angesichts dieser Sachlage bleibe leider nichts anderes übrig, als mit dem heutigen Tage in eine Lohn- bewegung einzutreten, um den Tarif, der durch die Meister ge- brachen worden sei, in allen Punkten zur Anerkennung zu bringen. Gern hätten die Arbeiter diesen Kampf vermieden, aber leider sei das nicht möglich. Durch das tarifbrüchige Verhalten der Innungen sei den Arbeitern der Kampf aufgezwungen worden, er werde nun mit aller Kraft geführt werden. Es gelte in der Hauptsache, einen unabhängigen Arbeitsnachweis zu erhalten, das Kost- und Logis- Wesen zu beseitigen und den Bäckergesellen einen freien Tag für jede Woche zu erringen.— Die speziellen Forderungen dieses Lohn- lampfes würden durch die Vertrauensmänner in Verbindung mit dem Vorstande aufgestellt und dann einer Versammlung, die über drei Wochen stattfinden soll, zur endgültigen Beschlutzfassung vor- gelegt werden.— Zu den Mitteln, die in diesem Kampfe an- gewandt werden sollen, gehöre auch die Errichtung eigener Bäcke- reien in Arbeitervierteln. Ein Fonds für diesen Zweck sei bereits vorhanden. Jetzt gelte es, alle Vorbereitungen zu treffen, damit der den Arbeitern aufgezwungene Kampf mit einem Siege der Berliner Bäcker ende.— Die Ausführungen des Referenten fanden lebhaften Beifall und allgemeine Zustimmung in der Diskussion. — Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die heutige Versammlung nimmt Kenntnis von der äußerst sonderbaren Jnnungs-Kundgcbung, indem sie erklären, daß sie das Gewerbeaericht als Einioungsamt ab- lehnen. Demgegenüber erklären die Versammelten, datz sie vor wie nach bereit sind, die bestehenden Differenzen einem un- parteiischen Schiedsgericht zu unterbreiten, niemals aber dem I n n u n g s- Schiedsgericht, das mit seinen von den Innungen abhängigen Vorsitzenden überhaupt nicht unparteiisch sein kann. Angesichts dieser Sachlage beschließt die Versamm- lung: Im Hinblick auf die ununterbrochene Kette der zuerst ver- steckten, dann offenen Tarisbrüche der Berliner Bäcker-Jnnungen, bleibt der Gefcllenschaft nichts weiter übrig, als mit dem heutigen Tage in die Lohnbewegung ernzurreten. Sieben Monate lang haben die Gesellcnvertreter in der Schlichtungskommission unter den eifrigsten Bemühungen und Bc- weisen größter Geduld die Innungen zur Einhaltung und Durch- führung des Tarifes nach seinem klaren Wortlaut zu bewegen ver sucht. Die Innungen blieben, ihrer Vergangenheit getreu, hart- näckig. Sie wollten nichts bewilligen, sie wollten den Kampf!! Auch die Gesellen-Ausschüsse haben in ihrer Konferenz vom 16. Dezember 1906 einmütig den Tarifbruch in der schärfsten Weise verurteilt. So stehen die Innungen mit den von ihnen gegründeten und ausgehalteneu gelben Vereinchen allein, und vor der Ocffcnt lichkeit als Tarifbrecher gebrandmarkt. Die unabhängige Ge sellenschast ist es ihrer Ehre und ihrem Ansehen schuldig, diesem neuen Jnnungs-Wortbruch gegenüber in den Lohnkampf ein- zutreten. Sie weiß sich frei vom Schuld an einem frivol von den Jnnungsführern heraufbeschworenen Kampfe, den alle Gesellen so gern vermieden hätten, und überläßt getrost der Oeffentlichkeit und allen Gerechtdenkenden das Urteil über die Handlungsweise der Innungen."_ Terrorismus der Unternehmer. In der Vereinigung der Autodroschkenbesitzer find die Großen in Wut entflammt über den Wankelmut der Kleinen. Die Ver- ständigung der Fahrer mit der Firma Lennert u. Barkowsky und der beabsichtigte Abfall anderer Firmen war die Ursache, daß zum Montagabend eiligst eine Versammlung einberufen wurde. Am liebsten hätte man dafür gestimmt, daß die Abtrünnigen bei lebendigem Leibe langsam gebraten werden und die�Vcrdächtigen bei Wasser und Brot einzusperren seien, aber nach Lage der Dinge mußte man sich mit Drohungen und Geldstrafen begnügen, die auf Sichtwechsel eingetrieben werden sollen. Nach dem Ab stimmungsmodus im Unternehmerverein haben 4 Direktoren größerer Gesellschaften soviel zu sagen wie etwa 20 Besitzer kleiner Betriebe, und somit geht alles nach dem Willen der Großen. Zu spät erkennen die Kleinen, daß der Verein für sie nur eine Falle ist, in der sie gefangen wurden. Allerdings machen jetzt viele der kleinen Bescher Anstrengungen, sich wieder zu befreien und den meistens ungültigen— weil nicht gesetzlich einklag- baren— Verpflichtungen zu entgehen. Die nächste Zeit wird lehren, wie weit die EinschüchtcrungSvcrsuche der großen Unternehmer Erfolg gehabt haben. • Diese Taktik der großen Unternehmer, die auf bedingungslose Unterwerfung der Fahrer abzielt, hat unter den letzteren eine große Erbitterung hervorgerufen. Wer etwa noch an eine Harmonie der Interessen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer glaubte, den muß die höhnische Zurückweisung aller Friedens- bcstrcbungen der Fahrer eines Besseren belehren. Wiederholt schon haben die Fahrer nachgegeben, so auch bei den letzten Verhandlungen wieder in bezug auf das Waschgcld für den Wagen, aber ihre Hoffnung, damit eine breitere Basis für den Frieden geschaffen zu haben, wird durch neue feindliche Maßnahmen der großen Unter- nehmer gestört. Wie uns versichert wird, wäre die Mehrzahl der kleinen Firmen und auch eine Anzahl größerer bereit, sich mit ihren Fahrern wieder zu verständigen, die Lohnreduktion zurückzuziehen und sich mit dem Gewinn zu begnügen, den ihnen die Erhöhung der Taxe bringt. Sie fühlen sich jedoch durch die ausgestellten Sichtwcchsel gezwungen, dem Terrorismus der paar Scharfmacher in der Unternehmer-Organisation nachzugeben. Ihnen allen ist nicht bekannt, daß sie zur Teilnahme an der Aussperrung, auch durch Wechsel, in keiner Weise gezwungen werden können. Der § 152 der Gewerbe-Ordnung sagt in seinem zweiten Teile aus- drücklich: „Jedem Teilnehmer steht der Rücktritt von solchen Vereini- gungen und Verabredungen frei, und es findet aus letzterem weder Klage noch Einrede statt." Wer also den Scharfmachern seineu Rücktritt erklärt und seinen Wechsel zurückverlangt, ist aller Verpflichtungen gegen den Unternehmer-Verband lcdig. Kein Vertrag kann ihn zum Bleiben in der Organisation oder zur Zahlung einer Konventionalstrafe zwingen. Abmachungen, die den Absatz 2 des ß 152 zuwiderlaufen, sind ungültig und ihre Einhaltung kann auch durch Klage nicht er- zwungen werden. Die ausgestellten Wechsel sind Makulatur. Achtung, Kleber, Bauarbeiter! Die Firma Müller, Rochowstraße, ist wegen Lohn» differenzen für Kleber gesperrt. In Betracht kommen folgende Bauten: Wilmersdorf, Mainzerstr. 23; Tempelhof. Borussia- straße 7—9; Westend, Häsclerstr. 1— 4 und 10; Charlottcnburg. Steinplatz 4, Ecke Uhlandstraße. Die Verbandsleitung der Tapezierer. Deutfehes Reich. Im Bremer Braugewerbe ist wieder Frieden. Am letzten Sonnabend hatte es noch den Anschein, als ob im Bremer Brau- gewerüe ein erbitterter Kampf ausgefochtcn werden sollte. Die Bremer„Brauer-Sozirtät" hatte am Sonnabend morgen bereits 100 Bierfahrer und solche Arbeiter aufs Straßenpflaster gesetzt. die sich entweder weigerten, einen Revers zu unterzeichnen, nach dem sie auf die Verbandsgugchörigkeit verzichteten, oder das Ansinnen der Unternehmer zurückwiesen, den Platz der gemaßrcgclten Bier- fahrer einzunehmen. Den Anlaß zu diesem Konflikt gab eine in der„Bremer Bürgerzeitung" veröffentlichte und an die orggni- sierte Arbeiterschaft gerichtete Aufforderung, die Bierfahrer auf ihre Vevbandszugchörigkcit zu kontrollieren, ein Verfahren, das in anderen Städten bisher keinerlei Aufsehen erregt hat. Die Bremer Brauherren erfaßten diese Gelegenheit, um ihren Macht- kitzel an dem verhaßten Brauereiarbeätcrverband zu kühlen. Wäre die Arbektcrschaft mit derselben Rücksichtslosigkeit gegen die Unter- nehmer vorgegangen, in diesem Augenblick wäre der schärfste Kampf im Bremer Braugewerbe entbrannt. Daß der Kampf nicht tobt, ist nur uuf die Besonnenheit und das hohe Maß VergntwortliMeits- gefühl der Berbandsleitung zurückzuführen, die im letzten Augen- blick noch den Versuch machte, eine Verständigung zu erzielen. So ist es denn gelungen, auf der Basis eine Einigung zu schaffen, „daß in Zukunft! in der Zeitung darauf hingewiesen werden kann. daß sämtliche Mitglieder des Braucrciarbeiterverbandes mit roten Kontrollkarten versehen sind." Tie Unternehmer gaben ihrer- seits die Erklärung ab,„daß die Reverse zurückgezogen und die erfolgten Unterschriften als ungültig erklärt weichen. Alle Ent- lassencn treten auf ihren bisher innegehabten Posten. Wegen des Beitritts oder der Zugehörigkeit zum Braucrciarbciterverband werden den Arbeitern seitens der Bremer„Brauer-Sozietät" keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Maßregelungen finden beider- seits nicht statt. Die Wiederausnahme der Arbeit erfolgt am Montag, den 25. Februar. Eine zahlreich besuchte Versammlung der Bremer Brauereiarbeitcr, die am Sonntagmorgen in der „Neustädter Tonhalle" tagte, gab diesem Einigungsvorschlag ihre Zustimmung. luslanck. Der Schiffbauerftreik in A u ß i g a. d. Elbe ist siegreich be» endet. Die Werftdirektoren haben die verlangten Lohnerhöhungen bewilligt._ Die Arbeiterbörse den Lehrern verschlossen. Paris, 22. Februar.(Eig. Ber.— Wegen Raummangels verspätet.) Die Regierung hat es also auf den Konflikt ankommen lassen. Als gestern eine sechsgliedrige Delegation der Lehrergewerkschaft, begleitet vom Abgeordneten Ge- nossen B l a n c, nach Empfang der von der Verwaltungskommission ausgestellten Mitgliedskarten, die ihr von dieser angewiesenen Bureauräume übernehmen wollte, wurde ihr der Schlüssel ver- weigert und der vom Seinepräfckten ernannte Hausverwalter er- klärte, er habe den Auftrag, die Lehrer nicht zuzulassen. Die Vertreter der Lehrergewerkschasten beschlossen hierauf einen Protest, worin sie darauf hinweisen, daß tatsächlich schon eine große Zahl von öffentlichen Angestellten, wie Gemeindcarbeiter, Post- und Telegraphenbedienstcte, Marinearbeiter usw. und auch schon eine „Gewerkschaft der Mitglieder des Lehrberufs", die Lehrer und Lehrerinnen umfaßt, im Gebäude ihren Sitz haben. Die zurück- gewiesenen Lehrer appellieren an alle Gewerkschaften der Arbeits- börse, sich diesem Protest anzuschließen. Der Vorstand des GeWerk- schaftsverbandes des Seine-Departements hat den um ihr Recht kämpfenden Lehrern seine Sympathien ausgesprochen und ihnen seine Bureaus zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig fordert er sie auf, der Arbeitskonföderation beizutreten. Heute vormittag sprach eine Delegation, bestehend aus dem Sekretär der Arbeitsbörse und einer Vertreterin der Gewerkschaft der freien Lehrer beim Minister des Innern vor, um gegen die Maßregel des Präfekten zu protestieren. Clemenceau antwortete ziemlich ausweichend. Einerseits berief er sich auf das Gesetz von 1884, das sich auf die Lehrer nicht ausdehnen lasse, andererseits erkannte er an, daß manche Beamtenkategorien eine über den Buchstaben des Gesetzes hinausgehende Toleranz genossen hätten. Die den Lehrern von Lyon angedrohte Verfolgung sei bis zur bc- vorstehenden Vorlage eines Gewerkschaftsgesetzes für die Staats- beamten vertagt worden. Die Zulassung der Lehrer in die Arbeits- börse scheine ihm jedoch unmöglich, da diese lediglich für Lohn- a r b e i t e r. nicht für Beamte bestimmt sei. Diese Antwort konnte natürlich die Lehrer nicht befriedigen. Sie sind entschlossen, ihr Koalitionsrecht durchzusetzen. Daß sie dabei die Unterstützung der sozialistischen Abgeordneten finden Werden, ist selbstverständlich.— Eine Illustration zur heutigen Bülow-Rede. Wir erhalten aus Frankfurt a. M. folgende Privatdepesche: Frankfurt a. M.. 26. Februar. Zur Bülow-Rede bitte zu ber» öffentlichen, daß ich bereits am Stichwahlabend nachts 1 Uhr ber „Frankfurter Zeitung" folgende Berichtigung übergeben habe: Frankfurt a. M.. den 6. Februar 1907. An die Redaktion der„Franks. Ztg." hier. Unter Berufung auf§ 11 des Preß- gesetzes ersuche ich Sie, in die nächste Nummer Ihres Blattes an der gesetzlich vorgeschriebene Stelle die nachstehende Bc- richtigung aufzunehmen: Im 1. Morgenblatte der»Franks. Ztg." vom 6. d. M. findet sich ein Artikel„Halunkenmoral", in welchem die schwersten Beleidigungen gegen das sozialdemokra- tische Wahlkomitee und speziell gegen meine Person enthalten sind. Es heißt dort, das von mir unterzeichnete Flugblatt mit der Nachricht von dem versuchten Stimmenkaufe für Oeser charakterisiere sich als„Fälschungsprodukt" und„Schurkerei". Ferner ist dabei von„Frechheit",„Lüge" und„Verleumdung" die Rede, und schließlich erbieten Sie sich,„jederzeit den Nach- weis dafür zu erbringen, daß dieses Flugblatt bereits gestern abend gedruckt und zur Verteilung bereitgelegt war". Diese letztere Behauptung ist unwahr. Die fragliche Mitteilung ist mir erst heute morgen kurz nach 10 Uhr von dem betreffenden Wähler in Gegenwart des ArbeiterfekretärS Heiden und anderer Zeugen gemacht worden. Daraufhin habe ich das fragliche Flugblatt geschrieben und gegen 11 Uhr morgens in die Union- druckerei in Druck gegeben; dafür sind Dutzende von Zeugen zu erbringen, u. a. auch mein Parteigenosse Max Cohen. Wegen der gegen mich ausgesprochenen Injurien behalte ich mir gericht» liche Schritte vor. Wilhelm Dittmann. Diese Berichtigung ist im Abendblatt der„Frankfurter Zci- tung" vom 6. Februar abgedruckt. Am 7. Februar habe eine zweite Berichtigung geschickt, ist auch abgedruckt. Die Klage gegen die „Frankfurter Zeitung" ist einaeleitet. Morgen früh ist obligater Sühnetermin.» Parteisekretär Dittmann. Eingegangene Druchfchnftai. Wie erlernt man fremde Sprachen? Winke für den Selbstunter- richt von W. Heims. Selbstverlag in Leipzig.— Jahrbuch der Wohnungsrcsorm 1005106 von O. Meißgeier. Preis 1 R. Verlag Vondenhoeck und Ruprecht in Göttingen. Unser praktischer Mutterschut, von Maria Lischnewska. Schriften deS Bundes für Mutterschutz Nr. III. Preis 30 Pf. Selbstverlag des Bundes, Berlin W., Rosberitzerstr. 8. Letzte ffaebnebten und Depefebm Eisenbahnunglück. Budapest, 26. Februar. In der Nähe der Station Csap karam» bolierte ein Personenzug mit einem Lastzuge.' Bier Personen wurden getötet, zahlreiche verwundet. Kesselexplofionen. Toulvn, 26. Februar. An Bord des Torpedobootes Kabhle, das Uebungen bei den Hyeriachan-Jnseln vornahm, fand eine Kesselexplosion statt, durch die 9 Mann gefährlich verletzt wurden. London, 26. Februar.(W. T. B.) Lloyds Institut meldet aus Korfu: Gestern abend ereignete sich auf dem Kriegsschiffe Dragon ein Dampfkesselunfall. Zwei Heizer wurden getötet und vier ge« fährlich verbrüht._ In den Flammen umgekommen. London, 26. Februar.(B. H.) Bei einer Feuersbrv. st, welche in der letzten Nacht in Bristol ausbrach, sind 6 Kinder einer Arbeiterfamilie in den Flammen umgekommen. Vater. Mutter und eine 18jährige Tochter konnten rechtzeitig gerettet werden. Durch Einsturz getötet. Constantine, 26. Februar.(B. H.) In Perigotville sind«ine Anzahl Gebäude infolge der auf ihnen lagernden Schnremassen eingestürzt. Trotz den sofort angestellten Rettungsversuchen gelang es nicht, die zehn verschütteten Personen zu retten, dieselben konnten _______________________ Ji„._________ rw________|______________________________„ W erst später als Leichen geborgen werden. rravlw. matUut: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil MralfeZ I�«i«ckr.Berlim Druck u. Verlag: vorwart«»uchdr. u.«erlaalanIwPaul S inget&Eo., Berlin SW, Hierzu 3 Btilage» u. UnteiHaltlMllSblgft 8t. 49. 24. Jahrgang. 1. KciliP des Jjtrairto" Inliittt loMlott. Witt, Ich. 27. mm 1907. Reichstag. �Sitzung. Dienstag» den 26. Februar» l Uhr. Am Bundesratstische: Graf Posadowsky» Freiherr iS.RHeinbaben, Dernburg. Es ist eine Interpellation Albrecht u. Gen.(Soz.) ein- gegangen bezüglich der Wahlagitation des Flottenvereins, des Rcichspostamtes, der Reichskanzlei usw. Sie wird auf die Tages- ordnung einer der nächsten Sitzungen gesetzt werden. Präsident Graf Stolberg: Wie mir gestern nach der Sitzung mitgeteilt ist, haben einige Mitglieder des Hauses in der gestrigen Sitzung ihren Beifall nicht nur durch Bravorufen, sondern Hände- klatschen kundgegeben.(Schallende Heiterkeit.) Bei dem sehr starken Bravorufen in dem vollbesetzten Hause war das von hier aus nicht zu hören(Erneute graste Heiterkeit), und ich will des halb heute daran erinnern, datz das Händeklatschen hier im Hause nicht zulässig ist.(Rufe: Tribüne!) Bei dieser Gelegenheit will ich auch daran erinnern, dast nach§ 63 der Geschäftsordnung von den Tribünen aus Beifalls- und Mistfallsbezeugungen durchaus nicht zulässig sind. Das Haus tritt in die Tagesordnung(Fortsetzung der Etatsberatung) ein. Abg. Bebel(Soz.): Bevor ich auf das eigentliche Thema eingehe, bin ich genötigt, auf die Auseinandersetzungen zurückzugreifen, die gestern der Reichskanzler und der Abg. Bassermann gegen meine Partei und gegen das Zentrum hier zum Ausdruck gebracht haben. Nach ihren Aeustcrungcn erscheint es als das grötzte politische Ver» brechen, das denkbar ist, wenn ein Mann einer bürgerlichen Partei einem Sozialdemokraten seine Stimme gibt.(Lebhaftes Sehr richtig! rechts.) In ganz besonderem Mäste erscheint es als ein Verbrechen des Zentrums, dast es in einer Reihe von Wahlkreisen durch die Unterstützung der Sozialdemokraten gesiegt habe. Es ist daran zu erinnern, dast in der stärksten Hitze des Sozialisten- gesetzes im Jahre 1884» als es sich in Frankfurt a. M. um eine Stichwahl eines Mitgliedes der sozialdemokratischen Partei, Sabor, und dem bürgerlichen Demokraten Sonncmann handelte, und als von Frankfurt aus beim Fürsten Bismarck angefragt wurde, wem die Konservativen und Nationalliberalen ihre Stimme geben sollten, dast damals nach Frankfurt das Telegramm gesandt wurde: Fürst wünscht Sabor. Fürst Bülow würde das dem Fürsten Bismarck nicht nach machen. Bei allem Hast und aller Feindschaft, dle Fürst Bismarck gegen die Sozialdemokratie gehegt hat, war er doch so objektiv, dast er die Stellung, welche die Sozialdemokratie hier im Reichstage eingenommen hat, stets anerkannt hat.(Lebhafter Wider- spruch und Lärm rechts und bei den Nationallibercklen.) Ich werde Ä e w e k s e dafür erbringen. Ganz anders ist die Stellung des heutigen Reichskanzlers. Wenn er auf die Sozialdemokratie zu sprechen kommt, dann wird er im höchsten Grade nervös und gerät er in eine solche Aufregung, dast es ihm unmöglich ist, auch nur einen objektiven Gedanken auszusprechen, und er tut gerade so, als ob die Sozialdemokratie aus persönlicher Feindschaft gegen ihn handelt. Wir haben nichts dagegen, dast er das denkt, aber von einem Staatsmann verlange ich, dast er doch den Schein der Ob- jektivität zu wahren sucht und so tut, als ob er über den Parteien steht. Das tut Fürst Bülow nicht. Im Wahlkampf ist er als Partcimann aufgetreten in ein�r Weise, wie es in Deutschland ein Staatsmann noch nicht getan hat. Wir toerden darüber noch bei anderer Gelegenheit sprechen. Sie haben gehört, dast eine Interpellation eingebracht ist, bei welcher die offiziellen Wahlbeeinflussungen, die vom Reichskanzler bis zum letzten Polizeidiener verübt wurden, besprochen werden sollen. Wir wünschen, daß der Wahlkampf hier im Reichstage in voller Breite, in seinem vollen Umfange erörtert wird.(Lärm rechts und bei den Nationalliberalen. Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ganz besonders hat sich gestern auch der Abg. Bassermann über das Zentrum ent- rüstet. Wenn ich einen Nationalliberalen höre, der sittlich ent- rüstet ist, kommt mir immer ein Lächeln.(Groste Heiterkeit.) Die Bassermänner als rote Wähler. Weiß denn Herr Bassermann nicht, dast im Jahre 1905 für die badischen Landtagswahlen zwischen der badischen Leitung seiner Partei und der Sozialdemokratie ein Abkommen getroffen worden ist, um sich gegenseitig zu unterstützen?(Hört! hört! im Zentrum.) Die Nationalliberalen wollten meine Parteigenossen gegen sämtliche andere Parteien unterstützen. Ich bin der Ansicht, dast diese Tatsache Herrn Abg. Bassermann absolut nicht unbekannt sein kann; ob er damit einverstanden war, weiß ich nicht.(Ahal bei den Nationalliberalen.) Dazu kommt, daß damals die R e- serveoffiziere, hohe Staatsbeamte, Lehrer, Pfarrer, Kriegervereinler ohne Ausnahme für die sozialdemokratische Partei stimmten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten und im Zentrum.) Und jetzt haben Sie einen wahren Horror dagegen, dast bürgerliche Wähler einen Sozialdemokraten wählen. Meine Partei hat ihrerseits bei den badischen LandtagSwahlen die nationalliberalen Kandidaten in einer ganzen Reihe von Wahlkreisen gewählt, und dadurch ist verhindert worden, daß das Zentrum die Majorität im Landtage behielt. Denken Sle doch an die letzte Wahl, die wir jetzt gehabt haben. Ich'kann den Nachweis liefern, daß ein nationalliberaler Führer zu meinem Parteigenossen, dem Leiter der sozialdemokratischen Partei in Freiburg, Engler, ge- kommen ist und ihm angeboten hat, wenn er es fertig bringe, daß die sozialdemokratische Partei sich in Freiburg i. Br. bei der Stich- wähl zwischen Nationalliberalen und Zentrum der Stimme ent- halte, dann würde er bereit sein, dahin zu wirken, daß die Nntionalliberalen in Mainz und Köln für die Sozialdemokraten stimme».(Hört! hört! Stürmische Heiterkeit.) Auch mein Parteigenosse Ulrich in Offenbach ist in diesem Wahlkreise ge- beten worden, für den nationallibcralen Kandidaten einzutreten gegen den antisemitischen.(Hört! hört!) Die Nationalliberalen in HildeSheim haben die politische Un- moral soiveit getrieben, datz sie. als unsere Partei dort erklärte, bei den Stichwahlen sich der Stimme enthalten zu wollen, durch gefälschte Aufrufe km Namen der sozialdemokratischen Partei die Wähler der Sozialdemokratie aufgefordert haben, für den natinal- liberalen Kandidaten zu stimmen. Es wird mir weiter gesagt, ich Meist nicht, mit welchem Recht, dast Herr Bassermann, als er zwischen Haupt- und StichevaHl in Osnabrück war, den Versuch gemacht habe, meine Parteigenossen zu bewegen, nicht für den Zentrumskandidaten, sondern für den Naiiqnalliberalen Wamhoff zu stimmen.(Widerspruch bei den Nationalliberalen.) Ob das nun wahr ist oder nicht(Große Heiterkeit bei den Nationallibc- ralen), jedenfalls hat auch im Jahre 1964, als auch die Sozialdemo- kratie in der Stichwahl den Ausschlag gab, das nationalliberale Organ, die„Osnabrücker Zeitung", geschrieben: „Welchen Wert die Sozialdemokratie als Partei der unab- hängigen, unerschrockenen Kritik besitzt, darüber ist sich niemand im Zweifel. Was speziell ihre Anregungen auf sozialpolitischem Gebiet betrifft, so müßte derjenige blind sein, der nicht bemerkte, dast sie befruchtend nach mehr wie einer Seite hin gewirkt haben. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch auf anderen Ge- bieten sind wir in der glücklichen Lage, den Bestrebungen der Sozialdemokratie nicht entgegentreten zu müssen/(Hört! hört! bei den Sczialdemokratcn.) Wer Gelegenheit hat, im Reistag zuzusehen, wie die Sozial- demokraten sich um die Unterstützung ihrer Antrage bei den Libe- ralen, und diese umgekehrt bei den Soz ia ld emo k rat c n bemühen, wird bemerken, wie höflich und zuvorkommend die Unterhändler beider Parteien miteinander berkehren(Heiterkeit bei den Nationalliberalen), der weist auch, wie oft sozialdemo- kratische und liberale Ab ge ordnete bei der Ab- stimmung für ein und di eselbe Sache eintreten." (Hört! hört! bei den Sozi al demok raten.) Das beweist denn doch, wie die Herren anders denken, sobald sie sozialdemokratische Stimmen bekommen können. Ein National- liberaler mag keinen Sozialdemokraten leiden, aber seine Stimme nimmt er immer gern.(Groste Heiterkeit.) Sind doch in dieser Wahl meine Parteigenossen an einzelnen Orten sogar veranlaßt worden, für die konservativen Vertreter einzutreten. (Lebhafter Widerspruch rechts. Rufe:Wo?) Z. B. in Jericho I. (Andauernde Unruhe rechts. Abgeordneter Pauli-Potsdam: Bleiben Sie doch bei der Wahrheit!) Ein Agitator für den Flottenverein, Amtsgerichts rät Stern, hat ja auch die Anschauung ver- treten, dast es sich bei der engeren Wahl darum handele, selbst zu der Sozialdemokratie zu gehen, damit das Zentrum unter allen Umständen unter den Tisch gebracht werde.(Zuruf rechts: Das ist kein konservativer Stern! Heiterkeit.) Dieser Herr schreibt:„Nach den furchtbaren Schlägen, die die Sozialdemokratie bekommen, wird sie wohl zu Verhandlungen bereit sein." So schreibt ein einflust- reiches Mitglied des Flottenvereins, und Herr Generalmajor Keim weist das nicht zurück. Solange Stichwahlen im Deutschen Reiche bestehen, wird es notwendigerweise vorkommen, dast Parteien, die sonst auf dem entgegengesetzten Standpunkt stehen, unter Umständen gezwungen werden, gemcrnsame Sache gegen den Gegner zu machen. > Zuruf rechts: Na also!) Der Reichskanzler ist gestern im höchsten Grade entrüstet gewesen über die Haltung des Zentrums bei den engeren Wahlen.(Sehr richtig! rechts.) Zentrum und Sozial- demokraten, Polen und Welfcn waren doch aber die Gegner des Reichskanzlers am 13. Dezember; gegen sie hat er seinen so- genannten Silvesterbrief veröffentlicht. Dadurch kamen die vier Parteien wider Willen in die gleiche Schlachtordnung. Das Zentrum wird zugeben, dast wir uns im Hauptwahlkampf nichts geschenkt haben, wir sind los- gegangen, wie nur zwei Todfeinde aufeinander losgehen können, aber sobald die engeren Wahlen herankamen, war es ganz natnr- gemäß, dast jetzt die Parieteir. gegen die sich der ganze Wahlkampf richtete, zu retten suchen, was zu retten war. Es war also ganz naturgemäß, daß das Zentrum seine eigene Position im Reichstag dadurch nach Möglichkeit zu stärken suchte, dast es eine Oppositions- Partei, wie die'Sozialdemokratie, unterstützte, wie es auch natur- gemäß war, dast wir bereit ivaren, einen Teil der Zentrumskandi- daten zu unterstützen. Dabei haben wir nicht das allergeringste miteinander gemein. Das Zentrum steht Ihnen(nach rechts) tausendmal naher, wie unS.(Sehr richtig bei den Sozialdemo- kraten.) Ich verstehe daher nicht die mastlosen Angriffe, die der Herr Reichskanzler gestern gegen das Zentrum richtete, gegen eine Partei, mit der er in der ganzen Dauer seiner Kanzlerschaft aufs freundschaftlichste Hand in Hand gegangen ist, der er die ganzen Erfolge seiner Politik zu verdanken hat. Das Zentrum hat drei Flotteiworlagen bewilligt, zwei MNitärvorlagen, hat den Zolltarif durchgebracht, die Handelsverträge gutgeheißen, alle möglichen neuen Steucrborlagen, mehrere hundert Millionen Steuern bc- willigt. Es konnte mit Recht sagen: Ich Hab' für Dich soviel getan, dast mir zu tun bald nichts mehr übrig bleibt.(Heiterkeit.) Daher ist mir die gestrige Haltung des Reichskanzlers ganz un- begreiflich. Seine Anklagen gegen diese Partei sind einfach absurd. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben nichts mit den Zielen des Zentrums gemein. Wir sind in sozialpolitischen Dingen häufig gezwungen gewesen, seine Anträge zu unterstützen, um nur etwas zu retten, ober mehr als einmal ist auch die äußerste Linke sowie die äußerste Rechte allein gegangen. Wenn ein Parlament, wie der deutsche Reichstag, aus einer großen Anzahl von Parteien zusammengesetzt ist, dann versteht es sich ganz von. selbst, datz je! nach den Vorlagen, die zur Beratung stehen, Kompromisse geschlossen werden. Wir haben im Deutschen Reiche solange-es einen Deutschen Reichstag gibt, mit einem derartigen Zustande zu rechnen gehabt. Herr Abgeordneter Basser- nwrnn hat gestern davon gesprochen, daß die bayrischen Bischöfe die Katholiken in Bayern aufgefordert haben, gegen die sozialdenio- kratischen Kandidaten zu stimmen; zu meiner Genugtuung haben sich die bayrischen ZentrumSleute von den Bischöfen nicht ein- schüchtern lassen. Woher rührte überhaupt die Entrüstung der bayrischen Bischöfe? Sie haben vor drei Jahren in Bayern doch auch nichts dagegen einzuwenden gehabt, dast Katholiken für unsere Kandidaten stimmten! In Bayern haben damals mein« Partei- genossen mit dem Zentrum gemeinsame Sache gemacht und die Liberalen im Landtage dezimiert. Tos Kompromiß ist damals zustande gekommen zu dem Zwecke, da? Landtagswahlrecht zu reformieren.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten und im Zentrum.) Bei dem nächsten bgyrischen Wahlkampfe gibt es weder mit den Liberalen noch mit dem Zentrum ein Zusammengehen. Meine Parteifreunde gehen ganz selbständig vor, weil sie selbständig vorgehen können ans Grund des neuen Wahlrechtes. (Leblmfte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Nein, meine Herren, diese ganze Entrüstung ist für Kenner unserer Verhältnisse ohne weiteres als gemacht zu erkennen. So- gar in der Frage, die den Reichstag zur Auflösung brachte, haben wir im Grunde nicht m i t dem Zentrum, sondern gegen das Zentrum gestimmt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wie haben im Reichstage genau nach derselben Taktik verfahren, wie in der Budgetkommission, während das Zentrum einen der Re- gierung entgegenkommenderen Antrag vertrat. Herr Abg. Bassermann glaubte, gegen meine Partei einen Artikel aus den„Sozialistischen Monatsheften" hier vorbringen zu können. (Zurufe: Es ist das dritte Heft des März.) Herr Abg. Bassermann hat es aber ganz unterlassen, auch auf denjenigen Teil des Artikels hinzuweisen, in dem mein Parteigenosse Calwer seine abweichende Stellung von der im Deutschen Reiche be» triebenen Kolonialpolitik klipp und klar darlegtz. Die Aus- gaben für die Kolonien müssen aus dem Kapitaleinkommen gedeckt werden, heißt es in eben diesem Artikel Calwers. Das ist derselbe Standpunkt, den wir haben. Wenn die deutsche Kaufmannschaft das tun will,— sie wird das wohl tun, solange der frühere Direktor der Darmstädter Bank Kolonialdirektor ist(Stürmische Heiterkeit), dann kann es uns ja recht sein. Der Märchenerzähler Dernburg. Es heißt in einem Sprichwort: Wem Gott ein Amt gibt, gibt er auch Verstand. Dem Kolonialdirektor Dernburg hat Gott nicht nur Verstand gegeben, sondern auch die nötige Kolonial- Phantasie. Ich erinnere an die bekannte Geschichte von der ver- lorenen Dattelkiste, aus der nach Jahren ein ganzer Palmcnhain gewachsen ist.(Große Heiterkeit.) Man sollte mit solchen Phantasien doch eigentlich nicht vor ernsthafte Leute treten. Es waren damals lauter ernsthafte, schwerreiche sachverständige Herren, denen Herr Dernburg diese Geschichte erzählt hat. Wer solche Sachen macht, hat keinen Anspruch mehr darauf, ernstgenommen zu werden.(Widerspruch rechts und bei den Liberalen, schallende Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Ich komme nun wieder auf die„Sozialistischen Monatshefte" mit dem von Herrn Basfermann zitierten Artikel Calwers. Alles, was Herr Bassermann vorgelesen hat, wird widerlegt durch die weiteren Ausführungen CalwerS, von denen ich eben gesprochen habe, die Herr Basscrmann aber nicht vorgelesen hat. Wenn Bernstein und Calwcr einen Ihrer Kolonial- und Weltpolitik, wie Sie meinen, so freundlich gegenüberstehenden Standpunkt einnehmen, warum haben Sie denn alles aufgeboten, diese Parteigenossen aus dem Reichs tage hinauszuwählen?(Große Heiterkeit.)� Es hätte Ihnen doch nichts angenehmeres passieren können, als dast Calwer und Bernstein im Reichstage geblieben wären.(Heiterkeit.) Ja, meine Herren, wenn diese Parteigenossen Sprengpulver für die Partei sein könnten, dann war es im höchsten Grade un- klug von Ihnen, daß Sie nicht Ihrerseits diese Männer in den Reichstag wählten, um uns zu ärgern.(Große Heiterkeit. Zurufe.) Natürlich, um uns zu ärgern! Denn warum halten Sie uns ihre Ansichten vor, Sie bilden sich doch ein, dast wir uns darüber ärgern. Ich denke, wenn jemand solche Artikel schreiben kann, ganz un- gehindert und das seit Jahren, daß dann am allerwenigsten Grund vorliegt, über den Mangel an Toleranz in der Sozialdemokratie zu sprechen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Bernstein und Calwer sind übrigens wirtschaftspolitisch die schärfsten Gegner, die innerhalb unserer Partei existieren. Wir können das aber ruhig vertragen, das hindert uns gar nicht.(Rufe rechts: Na! Na!) Nein, das schadet uns gar nichts, dafür sind Sie selbst ja Zeugen. So gibt es in diesem Hause doch keinen stärkeren Gegensatz, als die Nationalliberalen und das Zentrum. Wem hat denn das Zentrum den Kulturkampf zu danken, als gerade Ihne».(Lebhaftes Sehr richtig! im Zentrum und bei den Sozial- demokraten.) Es gibt heute noch unter Ihnen eine ganze Anzahl Leute, die sofort wieder bereit wären, in einen Kulturkampf ein- zutreten.(Lebhaftes Sehr richtig!) Diese Leute müssen mit aller Gewalt von der Parteileitung bei der Kandare gehalten werden. Wie haben nicht die Herren schiedlich friedlich die ganzen Jahre miteinander gehandelt! Wenn man Herrn Spahn und Herrn Vassermaun sah, so waren sie wie ein Herz und eine Seele.(Heiter- keit.) Wenn ich diese gegenseitigen Liebenswürdigkeiten bemerkte, so wurde mir immer ganz schwummrig zumute.(Stürmische Heiterkeit.) Denn ich dachte mir, das Ende vom Liede wird sein, daß unsere Haut geteilt wird.(Erneute Heiterkeit.) Und das war auch der Plan. Man wollte bei den nächsten Hauptwahlen unsere Haut teilen. Der Abg. Gröber nickt mir zu, man wollte eben den Bären gründlich erlegen, und deswegen haben Sie sich über die Auflösung gefreut, weil der Wahlkampf im Jahre 1967 für Sie noch ein wenig günstiger war.(Widerspruch rechts und bei den Nationalliberalen.) Um uns in der Weise, wie es ge- schehen ist, Mandate abzudrücken, haben Sie Mandatsschacher miteinander getrieben. Freilich zeigt sich alles in allem dock wieder, daß Ihre Liebe und Freundschaft(zu Zentrum und Nationalliberalen) nur die Liebe und Freundschaft von Katze und Hund war. Innerlich war man noch der alte Feind, und die Feind- schaft ist im Wahlkampfe ja auch zum Ausdruck gekommen. Aber doch nicht so sehr, daß man nicht auch Versuche zur Annäherung ge- macht hat. So ist mir bekannt, datz inKarlsruhe der Vlockkandidat, unser ehemaliger Parteigenosse Rechtsanwalt Weill, mn dem Amtmann von Ort zu Ort in den katholischen Dörfern herum- gefahren ist und die katholischen Pfarrer aufgesucht hat, um zu erreichen, daß die Katholiken für ihn stimmten. Man sieht eben, wenn es sich darum handelt, ein Mandat zu erhaschen, genieren sich die Nationalliberalen vor gar nichts.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Karlchen Mießnickpolitlker. Und wenn man dem Zentrum Hintertreppcnpolitik vorwirft. haben denn die Nationallibcralen nicht auch Hintertreppenpolitik getrieben? Der Abgeordnete Bassermann schüttelt den Kopf. Nun, er denke an jene Zeiten, von denen uns Fürst Hohenlohe in seinen Denkwürdigkeiten erzählt, in welchen die Nationallibcralen für ihre Dienste Ministersessel als Belohnung verlangten, worauf Fürst Bismarck freilich nur meinte: Ach, die Karlchen Mießnick- Politiker!(Lebhafte Heiterkeit.) Wie die Konservativen Hintertreppenpolitik treiben, dafür hat ja Herr v. Kröcher mi Wahlkampfe so prächtige Beispiele beigebracht.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ucbcr den Diebstahl von Briefen hat man sich gestern so stark entrüstet. Das machte insbesondere der Reichs- kanzler in einer so unnachahmlichen Weise— ich kann das gar nicht nachmachen.(Lebhafte Heiterkeit.) Nun, ich erinnere daran, dast die konservative„Krruzzeitungs"partei die Zuchthäusler Lindenberg und Genossen angestiftet hatte, dem künftigen Kaiser von Deutschland Briefe zu stehlen.(Hört! hört! links.) Haben Sic auch keine Kenntnis davon, dast Bismarck von Petersburg aus, wo er Gesandter war, an seine Verwandten schrieb, er wolle dies und das einem Briefe nicht anvertrauen, denn das Briefgeheimnis sei keineswegs sicher.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es ist ja auch eine allbekannte Tatsache, daß keine Regierung der Welt ihre Staatsgeheimnisse der Post anvertraut, sondern ihre eigenen Kuriere absendet. Sie haben im vorigen Jahre die geheimen Fonds von 566 666 M. auf 1 Million erhöht, doch nicht, damit Unsere Regierung fremden Regierungen damit Komplimente macht, sondern damit sie in die Lage kommt, zu spionieren und Staats- »eheimniss« herauszubekommen mit Hülfe von Leuten, die für Geld das Gefängnis und Zuchthaus riskieren.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Diplomatie ist das un- sittlichste Handwerk, und am allerunsittlichsten ist die auswärtige Politik. Ich mustte darüber lachen, als Fürst Bülow sich gar so sittlich entrüstete. Sie würden Briefe benutzen, und wenn Sie zehnmal gestohlen wären.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ihre Entrüstung ist nur politische Heuchelei, von der Fürst Bismarck erklärte, dast sie selbstverständlich und notwendig sei.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Weiter hat der Abg. Äasscrmann erklärt, das Ausland habe sich über den Ausfall der deutschen Reichstagswahl nicht gefreut. Ich habe einen anderen Eindruck gehabt. Der internationale Geist, der not- wendigerweise die Bourgeoisie aller Länder beherrscht, ist zum Aus- druck gekommen, als sie über die Niederlage der deutschen Sozial- demokratie gejubelt hat. Die deutsche Sozialdemokratie lastet wie ein Alpdruck auf der Bourgeoisie auch aller anderen Länder. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Neben dem Kaiser von Rußland und dem Kaiser von Oesterreich hat ja auch der König von England, dem man ja wahrhaftig nicht Freundschaft für Deutschland nachsagen kann, seine Freude zum Ausdruck ge- bracht. Die Interessen der Krone und des Kapitals sind eben international wie andererseits auch die Interessen der Arbeiter. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. Bassermann hat weiter von dem nationalen Zorn des Volkes gesprochen, der gegenüber der Sozialdemokratie zum Ausdruck gekommen ist. Wenn es einen Redner irgend einer Partei hier im Hause gibt, der in bezug auf Wahlniederlagen bescheiden im Angriff sein müßte, dann ist es der Redner der nationalliberalen Partei.(Lebhaftes Sehr richtig! und groste Heiterkeit im Zentrum und bei den Sozial- demokraten. Rufe bei den Nationalliberalen: Wir kommen immer vorwärts!) Nun, im Jahre 1874 hatten Sie 152 Abgeordnete, im Jahre 1884 nur 51, 1887 stieg Ihre Zahl auf 96, 1860 sank sie wieder auf 41, also auf weniger als die Hälfte.(Rufe bei den Nationalliberalen: Seitdem aber geht es vorwärts!) Nun, 1893 erhielten Sie 45, 1898 50, 1903 52 Mandate und 1907» nachdem Sie die konservative Partei und die Agrarier für sich eingespannt haben und nachdem Ihr Liberalismus vollständig zum Teufel ge» gangen ist(lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten), haben Sie im ganzen 56 Mandate erhalten. Und der Führer derselben Partei mutzte in ganz Deutschland herumwandern, bis er seine Stätte fand, wo er sein Haupt zur Ruhe niederlegen konnte.(Sehr richtig! im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Das ist eine so blamable Tatsache, wie sie blamabler-nicht gedacht werden kann. (Zuruf bei den Nationalliberalen: Wenn es wahr ist!) Wenn Sie das nicht wissen, müssen Sie ja ein politisches Kind sein.(Scbr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Betrachten wir unS nun die «Niederlage der Sozialdemokratie" einmal etwas näher. Wir hatten 1303 3 010000 Stimmen und 81 Mandate, und 100? haben wir 3 260 000 Stimmen und nur 43 Mandate. Das ist zwar bedauerlich für eine Partei, wenn sie Mandate verliert. Aber wir sind trotzdem jetzt so munter wie noch nie.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten. Rufe rechts: Na, nal) Was uns diesmal mit allen Mitteln abgejagt worden ist, das holen wir das nächste Mal wieder.(Beifall bei den Sozial. demokraten. Rufe rechts: Abwarten!) Tie Tatsache steht fest, daß von den 13 Millionen Wählern Deutschlands jeder vierte Mann ein Sozialdemokrat ist.(Lachen rechts.) Wenn Ihnen das Ver. gnügen macht, uns kann es recht sein. Wenn ein gerechtes Wahl. system bestünde, dann hätten wir 117 Mandate und mit dem Jen- trum zusammen die Mehrheit im Reichstag. Man sagt, wir seien„niedergeritten" worden. Man habe unserer Partei ein Halt geboten. Darauf antworte ich: Man hat uns weder niedergeritten, uns ist kein Halt geboten! Wir sind noch der stärksten bürgerlichen Partei, dem Zentrum, um 1 Million Stimmen voraus.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Und die deutsche Sozialdemo. kratie hat nahezu 400 000 Stimmen mehr, wie der ganze Libero- lismus, die Nationallibcralcn eingegriffen. Was ist nun in Wirk- lichkeit das Resultat der Wahlen, wenn man sich die Wahlziffern ansieht? Die Opposition hat nahezu 1 Million Stimmen mehr als der gesamte Hottcntottcnblock..(Lachen rechts und bei den Nationalliberalen, Beifall bei den Sozialdemokraten.) Und für meine Partei kann ich sagen: Wir sind mehr als bisher, alle bis zum Letzten entschlossen, unsere ganze Kraft für den Kampf daran zu setzen.(Zurufe rechts: Nur zu!) Wollen Sie den Kampf bald haben, dann nehmen Sie unseren Antrag an, die fünfjährigen Legislaturperioden wieder in dreijährige umzuwandeln.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) 1887 haben Nationalliberale und Konservative gegen Zentrum und Sozialdemokratie die Legislaturperioden verlängert und zwar, weil sie die allgemeinen Wahlen fürchteten.(Lachen rechts.) Der diesmalige Wahlkampf war ein offizieller Wahlkampf(Lachen rechts), wie ihn Deutsch. land noch nicht gesehen hat. Das Reichskanzleramt, das Reichs- kolonialamt, das Oberkommando der Schutztruppcn, alles bis zum letzten Nachtwächter und Polißeidiener beteiligte sich offiziell am Wahltampf und zwar gegen die Sozialdemokratie.(Leohafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Ter Reichskanzler mag ein- mal seine Rede nachlesen, die er am 24. November 1000 aus Anlast der damaligen 12 000 M.-Affärc gehalten hat. Diese Rede ist der moralische Totschlag des Blllow von 1907. Er mag die Rede nachlesen und ein Gefühl der Beschämung be- kommen über den Wandel, den er in den sieben Jahren durch- gemacht hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn das alles wahr ist, was der„Bayerische Kurier" behauptet hat, dann muh die Hälfte des jetzigen Reichstags wegen ungesetzlicher Wahl- beeinflussnngen nach Hause geschickt werden.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Lärm und Unterbrechung rechts und bei den Liberalen.) Wenn in der Thronrede gesagt ist, meine Partei verneine alles bestehende Gute und Lebenskräftige, so ist es eine objektive Unwahrheit. Wir bekämpfen nur das Schlechte und Verderbliche. (Lachen rechts.) Aber derjenige, der in Deutschland das Schlechte und nicht Lebensfähige aufrecht erhält, das ist der Reichs- k a n z l e r, der Ministerpräsident von Preusten. Noch heute besteht das Dreiklasscnwahlrccht im preustischen Landtag, noch heute besteht ein veraltetes Vereins- und Versammlungsrecht, das allen modernen Ideen Hohn spricht.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Der Studtsche Bremserlaß ist ein Faustschlag ins Gesicht der modernen Kultur.(Stürmische Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) So etwas ist in einem modernen Staate bisher noch niemals dagewesen; aber Fürst Bülow hat den Erlast bis auf den heutigen Tag aufrecht erhalten. Fürst Bülow hat bei Eröffnung des Herrenhauses eine schöne Rede gehalten, in der er sagte: Deutschland in der Welt voran!(Heiterkeit bei den Sozialdemo. kraten.) Auch eine Behauptung, die jeder Wahrheit Hohn spricht. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten. Unruhe rechts.) Das offizielle Preusten mit dem Ministerpräsidenten Fürsten Bülow an der Spitze ist die Inkarnation alles kulturellen Stillstandes! (Stürmische Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Grotze Un» ruhe rechts.) „Schandflecke der deutschen Knltur." Im Jahre 1006 hat ein französisches Blatt, der„Courrier Europeen", eine Enquete veranstaltet bei einer grasten Anzahl be» kannter europäischer Männer über ihr Urteil bezüglich Deutschlands. Darauf hat u. a. geantwortet der Professor Lombroso. der sich etwa dahin ausdrückte, dast Absolutismus, Antisemitismus, Marinismus und Militarismus Schandflecke in dem Charakterbilde des so hochstehenden deutschen Volkes seien, und daher könne ein weiteres Wachsen deS deutschen Einflusses im Interesse des mensch- lichen Fortschritts nicht gewünscht werden. Ein ähnliches Urteil wird gefällt von dem Vizepräsidenten der Royal Society. Und ein Ihnen(zu der Rechten gewandt) sehr nahe- stehender Mann, ein O e st e r r e i ch e r, stellt Betrachtungen darüber an, was sich für eine Reform des Verfassungslebens in Oesterreich ermöglichen liehe. Er warnt eindringlich davor, sich hierbei Deutschland zum Borbild zu nehmen; das deutsche Muster in der Gegenwart sei das schlechteste, das es geben könne. Redner zitiert dann weiter einen Artikel deS Professor Harnack im „März". Harnack kommt darin auch auf den«Hauptmann von Köpenick(Stürmische Heiterkeit) zu sprechen und äustert sich hierbei dahin, dast zu dem. was der Verbrecher in der preustischen Hauptmanns uniform fertig gebracht habe, in«ustland schon eine Oberst uniform gehöre.(Groste Heiterkeit.) Die kulturellen Berdienste der Sozialdemokratie. Unsere Tätigkeit besteht darin, dast wir die bestehende Gesell» schaft untergraben und was neues besseres an ihre Stelle setzen wollen. Abcr'üben Sie(nach rechts) nicht eine solche untergrabende Tätigkeit ebenfalls aus mit Ihren Anträgen, die darauf gerichtet sind, die bestehende Gesetzgebung zugunsten des Mittelstandes oder der Bauern usw. zu ändern. In diesem Sinne ist es vom ersten Augenblick, wo die Sozialdemokratie im Reichstage tätig gewesen ist, unsere Aufgabe gewesen, das Abgestorbene zu beseitigen und LeoenSfähiges an dessen Stelle zu setzen. In den ganzen 40 Jahren. in denen die Sozialdemokratie im Reichstage vertreten war, ist von ihr nie ein Antrag eingebracht worden, von'dem man be- haupten könne, er richte sich g e g e n das Bestehen der Staats, und Gesellschaftsordnung, sondern alle unsere Anträge sind darauf ge. richtet gewesen, die bestehende Ordnung zu verbessern.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Marx betont in der Vorrede zur ersten Ausgabe seines berühmten Werkes das„Kapital",, dast es darauf ankomme, die ökonomischen Beweg ungS- g e f e tz e der modernen Gesellschaft zu e n t h ü l l e n und die Ge- burtswebcn einer neuen Gesellschaftsordnung abzukürzen. Die Furcbt vor dieser reformierenden, organisierenden Kulturarbeit der Sozialdemokratie ist eS gewesen, die zu den Wahlrechts. Verschlechterungen in Sachsen. Lübeck usw. geführt hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Sozialismus ist in Wahr. heit der Sauerteig in der bürgerlichen Gesellschaft geworden.(Zu» ruf bei den Sozialdemokraten: Bcrggesetznovelle!) Ja, die Berg. gesetznovelle beweist eS auch. Es war ein Glück für die Herren, dast sie vor dem preustischen Landtag gemacht wurde, wo es keine Sozialdemokraten gibt. Vor 30, 40 Jahren stand die ganze deutsche Wissenschast noch auf dem manchesterlichen Standpunkt. und erst das Auftreten Lassalles hat neuen Gedanken zum Durch. bruch verholfen. Woher kommt denn der Name: Kathedersozialisten? Als zum Anfang der siebziger Jahre jene Zusammenkunft der Herren Schmoller. Wagner. Brentano usw. stattfand, da waren es die Herren Bamberger und Eugen Richter, die alten Manchester. männer, die die neue Richtung mit diesem Namen belegten, die da erklärte: soweit hat die Sozialdemokratie recht, bisher hat sich der Staat nicht um die Arbeiter gekümmert, da? mutz anders werden. ijseit jenes Tagen hat sich eine völlige Umwandlung in der gesamten deutschen Wissenschaft in bezug auf die Stellung des Staates und der Gesellschaft zu den arbeitenden Klassen vollzogen. Sozialdemokratie und soziale Gesetzgebung. Wenn weiter in der Thronrede gesagt wird, die grundlegenden Gesetze der Arbeiterversicherung seien gegen den Widerstand der Sozialdemokratie zustande gekommen, so ist auch das eine historische Unwahrheit.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Wir haben leinen Widerstand geleistet, sondern wir haben im Gegenteil diese Gesetze nach Kräften verbessern wollen. Als 1881 das erste Unfallverficherungs-Gesetz vorgelegt wurde, wurde von einem Gegner der Vorlage hervorgehoben, dast das Gesetz auf dem Boden des Sozialismus stehe. Fürst Bismarck gab selbst zu. dast damit in die Gesetzgebung ein sozialistisches Element eingeführt sei. Herr Bamberger erklärte damals:„Herr Bebel hat im Jahre 1878 bei Gelegenheit eines Antrages auf Reform der Unfallversicherungen eine Rede gehalten, in der er genau die Grundsätze des fetzigen Gesetzentwurfes dargelegt hat. Dir Oekonomie des Gesetzes ist nach den damaligen Ausführungen deS Herrn Bebel gestaltet, und ich weist wirklich nicht, warum Herr Bebel nicht vortragender Rat in der volkswirtschaftlichen Abteilung des Reichs-Justizamtes ist."(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) So urteilte damals Herr Bamberger über den Einflust der Sozialdemokratie auf die Sozialpolitik.des Reiches. Wir haben bereits 1868/69 zahlreiche Anträge zum Wahlgesetz, zur Freizügigkeit, zur Gewerbeordnung eingebracht. Der Reichs- kanzler erklärte mit Emphase, wir hätten gegen daS Krankenversicherungs-Gesetz, gegen das Invaliden- und AltersversicherungS- Gesetz gestimmt. Widerstand gegen diese Gesetze hat aber in erster Linie die deutschfreifinnige Partei geleistet.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie hat gegen alle drei Gesetze gestimmt» weil sie mit ihren Grundgedanken nicht einverstanden war. Bei uns war es umgekehrt, wir waren damit ein- verstanden, aber die Forderungen gingen uns nicht weit genug. Die anderen Parteien können heute auf sozialpolitischem Gebiete auch nicht einen einzigen Antrag einbringen, der nicht von der Sozialdemokratie vorweggenommen ist. Noch in diesen Tagen habe ich mir angesichts der grasten Menge von Initiativanträgen gesagt: Jetzt kommen die Herren nach 2ö, 20 und 10 Jahren und beantragen dasselbe, was sie damals, als es von uns beantragt war, für undurchführbar bezeichnet haben. Fürst Bülow hätte sich, wenn er ein objektives Urteil in die Thronrede hineinbringen wollte, mit den Geheimrätcn im Rcichsamt des Innern in Verbindung setzen müssen. Ich fordere die Herren vom Bundesrat auf, zu sagen, ob cS nicht wahr ist, daß bei der Beratung all dieser Gesetze in den Kommissionen dir sozialdemokratischen Abgeordneten die fleißigsten und sachkundigsten gewesen sind.(Lachen rechts.) Jawohl, die fleistigsten und sachkundigsten! Wir haben alles mögliche aufgeboten, um die Gesetze möglichst brauchbckr zu machen. Im Jahre 1886/87 hat der Reichstag auf Antrag des Sozialdcmo- kraten Harm-Elbcrfcld einen Gesetzentwurf angenommen, welcher die Unterstützung der Familien von Reservisten und Landwehr- leuten verlangt. In den Motiven zur Scemannsordnung ist auS- drücklich auf einen Antrag Schwartz Bezug genommen, durch den die Novelle angeregt wird. Das war nicht ein Schwarz aus dem Zentrum, sondern der Schwartz aus der Sozialdemokratie. (Heiterkeit. Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Von 1903 hat mein Parteigenosse Molkenbuhr, der leider nicht mehr im Reichstage ist, gegenüber dem Herrn Reichskanzler eine ganze Liste von sozialdemokratischen Anträgen aufgeführt, die alle als Grundlage zu Gesetzen gedient haben. Bon dem ersten Arbeiterschutzgesetzentwurf, den wir im Jahre 1884 vorgelegt haben, der ein Reichsarbeitsamt. Arbeitskammern, Einigungsämter usw. verlangte, von dem zehren Sie ja noch heute. Ein ganzer Teil Ihrer Anträge beruht auf diesem Entwurf. Wir haben ihn 1893, 1898 und 1903 wieder eingebracht, ohne dast er jemals ihre Zustimmung gefunden hat, und jetzt nehmen Sie ihn stückweise auseinander und drängeln ihn als Initiativanträge ein. Schon 1898 hat Herr Naumann in seiner«Hilfe" erklärt, der neue Reichstag könne gar nichts besseres tun, als diesem Gesetzentwurf seine Zustimmung zu geben. DaS ist die sogenannte negierende Tätigkeit der Sozialdemokratie! Weist etwa der Herr Reichs- kanzler nicht, dast die Sozialdemokratie für die Handelsverträge mit Oe st erreich, Rumänien, der Schweiz, Belgien und Rustland gestimmt hat?(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Weih er nicht, dast, wenn damals nicht die Stimmen der Sozialdemokraten für den russischen Handelsvertrag abgegeben worden wären, dieser Handelsvertrag abgelehnt worden wäre? (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten. Hört! hört!) Ist daS eine negierende Tätigkeit?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Weitere positive Arbeit. Wir haben im borigen Frühjahre hier einen Antrag eingebracht, der bezwecken sollte, den Frieden in Südwestafrika wiederherzustellen. Die groste Mehrheit des Reichstags hat damals dafür gestimmt. Wenn dem Antrage Rechnung getragen worden wäre, so bin ich überzeugt, dast der Ausstand in Südwestafrika längst beendet wäre. Wir haben dem Gesetzentwurfe betreffend die Pensionen im Landhecre und in der Marine unsere Zustimmung gegeben. Wir haben ausnahmsweise sogar einem Steuergesetzentwurf zugestimmt, der Erbschaftssteuer, weil sie der Anfang einer direkten Reichseinkommensteuer war. So habe» wir nach allen Richtungen hin positive Arbeit geleistet, und eine Schuld an negativem Verhalten trifft nur die Mehrhert des Reichstags. Wir haben eben über die Kulturentwickelung und die Aufgaben des Staates ganz andere und höhere Anschauungen als Sie.(Lebhaftes Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Für die Tätigkeit der Sozial- demokratie will ich eine groste Reihe von Zeugnissen beibringen. Ich berufe mich zunächst auf daS Urteil des Fürsten Bismarck, der 1884, als zwischen der Zentrumspartei und uns ein Streit ensstanden war, wer der moralische Urheber der Arbeitergesetzgebung wäre, sagte: Wenn es keine Sozialdemokraten gäbe und keine Furcht vor der Sozialdemokratie, so würden auch die geringen Fortschritte, die wir in der sozialen Gesetzgebung gemacht haben, nicht existieren. Nun, meine Herren. einen urteilsfähigeren Mann in dieser Frage als Fürst Bismarck gibt eS nicht!(Hört I hört I bei den Nationalliberalen.) Auch die kaiserlichen Erlasse von 1890 beginnen mit der einleitenden Erklärung: Nachdem die Arbeiter der Welt auf ihren internationalen Kongressen die und die Forderungen aufgestellt haben, sehe ich mich genötigt... Hier wird also die Tätigkeit der internatlonalen Sozialdemokratie als die Ursache zum»Vorgehen in der sozialen Gesetzgebung direkt an- erkannt. Von weiteren Ausführungen von Gegnern erwähne ich die des Professors Forel in Genf, man solle sich immer vor Augen halten, welche gewaltigen Kräfte das deutsche Proletariat aufwendet, um seinen Anteil an der Wahrheit und Schönheit der Welt zu erringen. DieSache der Kultur in allen ihren Formen,»n allen ihren Bestrebungen, sei die Sache des Staates.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Auch Professor Schmoller. ein sehr entschiedener Gegner der Partei, sagt, so sehr er den Sozialdemo- kraten innerlich feindlich gegenüberstehe, so müsse er doch ihre Tätigkeit anerkennen und habe vor den sozialdemokratischen Führern große persönliche Hochachtung. Auch ein dem Zentrum an- gehöriger Professor sagt, er betrachte die Sozialdemokratie schon lange nach dein, lvas sie leiste, und sie leiste etwas, indem sie hinter den anderen Parteien her sei und sie zur sozialen Gesetzgebung antreibe. Er leugne auch nicht, dast sie in dieser Richtung energisch auf das Zentrum eingewirkt habe. Weiter führe ich auch einen deutschen Mann an, den badischen Mini st er Frei- Herrn v. Schenkel, der 1904 im badischen Landtage auSftlhrte, die sozialdemokratische Partei vertrete eine durchaus berechtigte Be- wegung und er möchte ihre Vertreter im Hause nicht missen. Die Partei und namentlich eine Anzahl ihrer hervorragenden Führer hätte zum groben Teile Reformen auf sozialem Gebiete erzielt. Die Partei erfülle die wichtige Anfgabe, die unteren Schichten des Volkes nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in kultureller Hinsicht zu heben. Weiter führe ich ein Attest politischer Gegner, der sächsischen Leder- sabrikanten an. welches im Fahre 1902 an unseren Parteigenossen Wurm gerichtet war und worin sie ihm für seine Tätigkeit tm Reichs» tage bei den Beratungen des Zolltarifs ausdrücklich gedankt haben. Aehnliche Zeugnisse haben wir aus den intelligentesten Kreisen Deutschlands. Ich erwähne hier noch das Urteil eineS Nationalliberalen, daS in der Münchener.Freistatt" im Jahre 1903 erschienen ist. Er spricht davon, dast die unverbrauchten Kräfte der Leute in der Werkstätte dem Vaterlande zu Nutz und Frommen gedeihen werden, und fährt dann wörtlich fort:„Wir sehen nur die Bitter- keit und den Haß und nicht das Groste und Gewaltige, das in ihnen schlummert, und doch muß ich sagen, wir haben aus dem Hohnlachen der erbittertsten sozialdemokratischen Abgeordneten mehr deutsche Kraft und deutschen Mut herausgehört als auS alle« Rcdeo der sämtlichen Redner der Orduungsparteien. Aehnlich urteilt der Professor Kindermann in Heidelberg. So sprachen eben Leute, welche objektiv über die Sozial- demokratie urteilen, während der Reichskanzler uns als unverständige Toren hinstellt. Professor G u t s l e i s ch in Gießen, der als Abgeordneter Seite an Seite mit uns gekämpft hat, der genau ge« sehen und gehört hat. was wir gesogt und getan haben, führte am 29. November 1906 in der hessischen Kammer aus. die bürgerliche Gesellschaft leide wohl schwer unter den An- griffen der Sozialdemokratie, aber sie dürfe doch darüber nicht vergessen, was sie ihr verdanke. Vor allem sei die soziale Gesetzgebung in erster Linie der fortgesetzten Tätigkeit der Sozial- demokratie zu danken; die ganze Krankenversicherung, die Unfall- versichenmg, die Invalidenversicherung, die unter dem leb- hasten Widerstande eines großen Teiles der bürgerlichen Gesellschaft zustande gekommen sei. Gewiß haben auch die Sozialdemokraten gegen einen größeren Teil der Gesetze ge- stimmt; aber es ist etwas anderes, ob man bei der Schluß- abstimmung gegen ein Gesetz stimmt, weil man nicht so viel erreicht hat, als man will, oder ob man von vornherein gegen das Gesetz ist. Das sind die Urteile von Männern, die mit uns gearbeitet haben, und die von größerem Werte sind als das Urteil des Kanzlers, der nur beweist, daß ihm die ganze sozialdemokratische Gesetz- gebung eine tsiru incognita(unbekanntes Land) ist.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten. Lärm bei den Nationalliberalm und den Konservativen.) Vizepräsident Dr. Paasche: Sie dürfen dem Herrn Reichs- kanzler nicht vorwerfen, daß er einen wichtigm Teil der Gesetz- gebung nicht kennt.(Schallende Heiterkeit.) Abg. Bebel(fortfahrend): Die soziale Gesetzgebung ist ihm völlig unbekannt, sonst wäre der Passus in der Thronrede über die sozialdemokratische Partei ganz unverständlich.(Lebhafter Beifall bei dm Sozial- demokraten.) Und welches Urteil hat Professor Delbrück in den „Preußischen Jahrbüchern" nach dem Kampfe gegen die Lex Heinz« über die Sozialdemokratie gefällt? Er nennt es eine Niederlage für den deutschen Liberalismus, daß er diesen Sieg nicht aus eigener Kraft habe erringen können, sondern, daß er nur der Entschlossenheit und taktischen Geschicklichkeit der sozialdemokratische» Fraktion zu verdauten gewesen wäre.«Kunst, Wissenschaft und Bildung", so schließt Professor Delbrück,„haben sich in Deutschland unter die Fittiche der Sozialdemokratie geflüchtet". Dieses Urteil aus dem Munde eines Gegners ist mir tausendmal wertvoller alS MS Urteil deS Reichskanzlers über uns.(Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Gelächter rechts.) Ich wmde mich nun zu den kurzen Andeutungen der Thronrede über die auswärtige Politik. In ihr werden die Beziehungen zu den nicht mit uns verbündeten Staaten gute und korrekte genannt. DaS klingt ja ein wenig besser als in der vorigen Thronrede, wo diese Beziehungen nur als korrekt bezeichnet wurden. Im November 1906 fällte Herr Bassermann hier im Reichstage über unsere auswärtige Politik ein geradezu ver- nichtendeS Urteil, das sich vollkommen mit dem deckt, was wir seit Jahren gesagt haben. Ick darf hoffentlick annehmen, daß Herr Bassermann seit dem 13. November des vorigen Jahre» bis heute sein Urteil noch nicht geändert hat.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten. Rufe: Na! na I) Und im Oktober des bongen Jahres war die Unzufriedenheit so groß, dast die «National- Zeitung", wenn die Dinge so weiter gingen, diesem System keinen Pfennig mehr bewilligen wollte. Also daö radikalste, was man sich nur denken kann. Im Sommer des vorigen Jahres sagte Herr Paasche auf dem nationalliberalen Parteitag in Schleswig- Holstein— ich wundere mich, dast diese? nationallrberale Gemüt sich zu solchen Aeusterungen aufschwang (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.)— man solle sich nickt täuschen, trotz aller heißen Bemühungen, ja gerade vielleicht deshalb, befände sich Deutschland in glänzender Isolierung. Er kritisierte sehr scharf die Zustände im MiUtärwesen und in der Kolonialpolitik und sprach von Cliquenherrschaft und Bevorzugung. Ich fteue mich auftichtig, wenn die Herren von der nationalliberalcn Partei so sprechen. Es ist immer wohlwend, Unterstützung gerade von der Seile zu erhalten, von der man es am allerwenigsten erwartet hat.(Groste Heiterkeit.) Hoffentlich ist Herr Paasche auch heute noch dieser Meinung, denn an der auswärtigen Stellung Deutschlands hat sich seitdem nicht» ge- ändert, hat auch da«»eurste Geschenk an England, die Statue des Oraniers, nichts gebessert. Auch die Stellung Italiens ist die- selbe geblieben. Sehr charakteristisch war die Begelsterung, womit die Acußerung Locroys in Rom aufgenommen wurde: kein Franzose würde die Dienste vergessen, die Italien seinem Lande in Algcciras geleistet hat. Obwohl Italien noch offiziell im Dreibunde ist, nähern es seine natürlichen Interessen England und Frankreich immer mehr. So ist denn die allgemeine Situation in Europa: Es wird weiter gerüstet, trotz aller Friedenskonferenzen. In diesem Frühjahr soll ja im Haag wieder«ine Friedenskonferenz zusammentreten. Haben diese Konserenzen aber irgendivelche Bedeutung? Vor sieben oder acht Jahren wurde im Haag einstimmig eine Resolution an- genommen, ivorin die Vertreter aller Regierungen sich verpflichteten. alle« aufzubieten, um den mastlosen Rüstungen und Lasten ein Ende zu machen. Nun, seitdem sind neue Militär- und Marine. vorlagen von allen Parlamenten bewilligt wordeü. Jahr fürJahr finden parlamentarische Friedenskongresse statt. Die Herren gehen hin, halten schöne Reden und nachher tritt keiner von diesen Parlamentariern gegen neue Militärvorlagen im eigenen Lande auf. Unser dies- jähriger Militäretat sieht ja nur verhältnismäßig kleine Reu- organisationen vor. Trotzdem können neue Steuer» gar nicht aus- Meiden.(Sehr richtig I bei den Sozialdenrokraten.) Daö Reich kommt eben gar nicht aus. Der Herr Schatzselretär hat zwar keine neuen Steuern angekündigt. Aber der eigentliche Grund ist nur der: man will nach außen den Eindruck verhüten, daß der mit so großem patriotischen Tamtam gewühlte Reichstag seine Tätigkeit damit aufnimmt, dast er neue Steuer» bewilligt. Aber, meine Herren, was dieser Session erspart bleibt, muß in der nächsten sicher kommen. Und sollte sogar die Krisi« ausbrechen, und damit die Erträge der indirekten Steuern au» den VerbrauchSgegenständen erheblich zurückgehen, dann werden erst recht neue Steuern notwendig sein. Bei der veränderten Stellung, die das Zentrum im Reichstage einnimmt, wird cS vielleicht mehr als bisher über die Jnnehaltung des z 6 des Flotten- gesetzes wachen, wonach neue Steuern nicht auf die notwendigen Bedarfsartikel der großen Masse gelegt werden dürfen. Wenn das Zentrum fest bleibt in setner Opposition auch in Steuerfragen, dann werden wir ja das Vergnügen haben, im neuen nationalen Reichstage eine Mehrheit für direkte Reichssteuern zusammenzubrtommen, eine Mehrheit für die direkte Einkommen-, Bermögens- und Erbschaftssteuer. Das steht ja auch auf dem Programm der Freisinnigen.(Ruf bei den National- liberalen: Wir sind auch dafür!) Bravo! sage ich dann. (Große Heiterkeit.) Ueber einen reuigen Sünder ist ja immer die größte Freude im Himmel.(Erneute stürmische Heiterkeit.) Wir sind ja gar nicht solche Menschenfresser.(Groste Heiterkeit.) Wenn Sie mit vernünftigen Reformen kommen, werden Sie immer unsere Zustimmung finden. Leider geben Sie uns nur so außerordentlich wenig Gelegenheit dazu.(Sehr gut l und Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) In seinen Agitationövorträgen hat der neue Kolonialdirektor. um die Last der Kolonien schmackhaft zu machen, darauf hingewiesen, daß das deutsche Nationalvermögen um 30 000 Millionen in den letzten zwanzig Jahren gestiegen sei. Das ist richtig, und vielleicht bleibt diese Statistik noch hinter der Wirklichkeit zurück. Die be- fitzenden Klassen Deutschlands haben in den letzten zwanzig Jahren gewaltige Reichtümer aufgehäuft. Deutschlands Reichtum kann fich dem Reichtum Englands jetzt an die Seite stellen. England aber bringt bei 42 Millionen Einwohnern aus der Einkommen-, Vermögen- und Erbschaftssteuer — und erst die Einkommen von 3300 M. an werden besteuert— jährlich die Summe von 1160 Millionen Mark auf. Da kann Deutschland neben den 400 Millionen direkter Steuern. die die Einzelstaaten erheben, doch gut 000 Millionen für das Reich aus- bringen. Wie die Vermögen gestiegen sind, das zeigt Essen, wo im Jahre 1896 331 Millionen, jctzl aber 628 Millionen Mark Vermögen versteuert find.(Rufe: Krupp!) Kxupp mag 100 Millionen mehr Vermögen erworben haben, aber er ist es nicht allein, das zeigt schon die Tatsache, daß die Zahl der Zensiten in Essen beträchtlich gewachsen ist. Jedenfalls steht soviel fest, daß wir heute schon mindestens 100 Millionen Mark neuer Steuern mehr brauchen. Die Anforderungen steigen beständig. Aus den Aktenstücken, die der.Bayerische Kurier" veröffentlicht hat, wissen wir ja, mit welchem Eifer die Agitation für die neue Flotrenvorlage betrieben wird. Generalmajor Kein, hofft, daß Herr v. Tirpitz jetzt endlich keine Angst mehr vor dem Zentrum haben, sondern endlich eine vernünftige Flottenvorlage einbringen wird.(Große Heiterkeit bei den Soz.j Auch der Reichskanzler scheint ja Angst vor dem Zentrum gehabt zu haben. Ich freue mich nach- träglich aus diesen Akten zu ersehen, wie ungeheuerlich nützlich das Zentrum gewirkt hat.(Große Heiterkeit im Zentrum.) Auch gegen Herrn Bassermann war Herr Keim mißtrauisch. Er hofft aber, daß die Nationalliberalen auch schließlich für eine kräftige Flottenvorlage eintreten würden. Herr Keim ist nach eigenem Geständnis im Reichs- kanzleramt ein- und ausgegangen und hat den Flottenverein ganz in den Dienst der Wahlagitation gestellt. Dieser angeblich un- politische Verein hat also eine sehr ausgedehnte politische Tätigkeit entfaltet. Zu dem Fürsten Salm hat der Kaiser ja auch aus dem Hosball gesagt: Die Wahl ist ja vorzüglich ausgefallen, ich freue m.ch, daß Ihr Flottciwcrcin seine Sache so vortrefflich gemacht hat.(Hört, hört I bei den Sozialdemokraten.) Und der Ober- Präsident der Rheinprovinz Herr v. Schorlemer-Alst hat gewisser- maßen offiziell im Flottenverein als Ziel verkündet, die deutsche Flotte müsse den Flotten anderer Länder— also wohl auch der englischen Flotte— ebenbürtig zur Seite treten. Auf dem Alldeutschen Verbandstag hat Graf Reventlow er- klärt: Was nicht im Ä?pf ist. muß in die Beine. Je schwächer unsere auswärtige Politik ist, desto stärker muß unsere Rüstung in Heer und Marine sein. Ein anderer Redner meinte: uns fehlt eine starke Diplomatie, also brauchen wir ein starkes Heer und eine starke Flotte. Und wer war dieser Redner. der ein so ungünstiges Urteil über die diplomatischen Fähigkeiten des Reichskanzlers fällte? Es war der Empfänger des Silvester- briefes, der General v. Liebert.(Große anhaltende Heiterkeit.) Was Herr Dernburg auf seinen Agitationsreisen alles er- zählt hat. geht über die Hutschnur. Als Banldirektor war er ein vernünfliger ruhiger Mann, für Kolonien hatte er garnichts übrig, vielleicht hat er überhaupt garnicht gewußt, daß Deutschland Kolonien besitzt.(Stürmische Heiterkeit.) Als Kolonialdirektor aber begann er, geradezu PhantaSmagorien über die Kolonien zu vcr- breiten. Dann scheint er sich aber wieder besonnen zu haben. Vorher hatte er die weitgehendsten Hoffnungen über die Aussichten der Kolonien gemacht, in Frankfurt aber sprach er im tiefen Moll- ton: Geduld, Geduld!(Hcilerkeit.) Nun. wir werden uns freuen. wenn Sie dem deutschen Michel recht wenig Opfer für die Kolonien zumuten. In der Thronrede wird weiter gesagt, die Sozialpolitik solle wie bisher fortgeführt werden. Nun, wie die Sache steht, habe ich bereits dargelegt. Wir werden die Vorlagen, wenn sie kommen, sachlich prüfen, wenn sie den Arbeitern akzeptabel erscheinen, annehmen, sonst aber wie früher leider ablehnen müssen! Aber es ist doch sehr charakteristisch, daß in demselben Augenblick, wo die Thronrede die Fortführung der Sozialpolitik ankündigt, ein Teil der konservativen Presse ein großes Geschrei darüber erhebt, daß man im Automobiltempo Sozialpolitik betreibe. Als wenn schon je das Deutsche Reich Sozialreform im Automobil- tempo gekannt hätte I Nun wir sehen mit großem Ver- gnügen den sozialpolitischen Verhandlungen des Reichstags eist- gegen. Glauben Sie ja nicht, daß wir irgendwie emstlich betrübt sind, daß die Dinge so gekommen sind.(Lachen rechts.) Jetzt können Sie ja Ihre Mittelstandspolitik treiben, wie Sie wollen. Sie haben es ja freilich in all den Jahren schon gekonnt, und doch geht es dem Mittelstande nach Ihrem eigenen Geständnis schlechter wie je. Sie werden mit all Ihren Gesetzen nicht erreiche», daß dem Mittelstande geholfen wird, auch nicht wenn Herr Pauli-Potsdam ins Reichsamt des Jimern bemsen wird.(Heiterkeit.) Der Mittelstand kann gegen den Großkapitalismus nicht aufkommen(Zuruf rechts: den Sie unierstützen I) Nein, Sie unterstützen ihn.(Zuruf rechts: Börsensteuer!) Fragen Sie nur die Börsenleutc. ob nicht auch die Folg« derBörsenaesetz- gebung gewesen ist, daß drei Viertel der Bankiers aufgehört haben, existenzfähig zu sein.— Der heute herrschende Geist der Sozial- rcform, der auch 1907 kein anderer werden wird, ist charakterisiert durch den Gesetzentwurf über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine, der einstimmig verurteilt worden ist von der gesamten deutschen Arbeiterklasse ohne Rücksicht auf die Parteistellung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die intelligentesten Arbeiter dir rechtlosesten Heloten! Ich erinnere den Reichskanzler an den Teil-seines Silvester- briefes, in dem er sagt, der deutsche Arbeiter sei der intelligenteste der Welt. Wenn das Ihre Ueberzeugung ist, ist es Ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, diesen intelligentesten Arbeiter so zu be- handeln wie der mniderlutelligentestc in den anderen Ländern be- handelt wird. Wir verlangen für diesen Arbeiter das allgemeine, gleiche, geheime Wahlrecht vom 20. Lebensjahre an. wir ver- langen für ihn dasselbe Maß von Recht und Freiheit, das er in den anderen Länder» der Welt, in der Schweiz, in Belgien.» in Englaitd genießt. Der Phrasen sind genug gewechselt, wir wollen endlich Taten sehen!(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wir wollen uns nicht mit lauter schönen Bersprechungen hinhalten lassen. Der Kanzler hat uns gestern erzählt, an was alles er denkt, er denkt an das, er denkt an das, er denkt an das, aber Taten wollen wir sehen, und wir wollen hoffen, daß die Taten dem Zustand entsprechen, in welchem seiner Meinung nach der deutsche Arbeiter sich befindet.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wir verlangen eine Sicherung des Koalltions- rechtes gegen polizeiliche Schikanen, wir verlangen die gleiche Behandlung des Arbeiters mit dem Unternehmer, beide sollen mit gleichem Maße, geinessen werden. Wir verlangen, daß der Arbeiter, der von seinem staatsbürgerlichen Rechte Gebrauch macht und streikt. Schutz gegen die ArbeuSwilligen findet, die ihn in den letzten Jahren mit Mord und Totschlag bedroht haben. (Lauter Lärm und Widerspruch rechts und bei den Nationalliberalen.) Das ist in Köln, in Nürnberg, in Berlin geschehen. Streikende Ar- beiter sind getötet worden, ohne daß eine entsprechende Sühne eingetreten ist.(Lärm und Widerspruch bei den Konservativen und Nationalliberalen; lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Sie haben Polizei, Staatsanwälte und Ge- cichtshöfe. ohne daß eingegriffen wird; nur wenn ein streikender Arbeiter sich das geringste zuschulden kommen läßt, dann treffen ihn die allerschärssten Strafen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir verlangen, daß die Klassenjustiz beseitigt wird, wir wollen nicht, daß auf der einen Seite die äußerste Streune, auf der anderen die äußerste Milde Platz greift.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich Hab« im vorigen Jahre hwr einen Fall schwerer Urkunden- f ä l s ch u n g zur Sprache gebracht, die der Kriminal- kommissar Höhne begangen hat. Bis heute ist hierauf noch nicht das geringste erfolgt. In Breslau ist dem Arbeiter Biewald die Hand abgehackt. Der schuldige Polizist ist bis heute noch nicht entdeckt, obwohl in Breslau mit Fingern auf ihn gezeigt wird.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Ueberall sehen wir ungleiche Behandlung, und dagegen protestieren wir auf das stärkste.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Wir verlangen ferner ein Berggesetz, das einen Bergarbeiterschutz bringt. Diesen Arbeitern, die den schwersten Kamps führen, mutz endlich ein Schutz zu teil werden. Wir ver- langen für sie eine Organisatton, welche die Arbeiterinteressen nach allen Richtungen hin in voller Freiheit und Unabhängigkeit wahren kann. Weiter verlangen wir gleiche politische Rechte ohne Unterschied des Geschlechts und ohne Ansehen der Person. Wir verlangen freie Betätigung der politischen und religiösen Ueberzeugung und schwere Strafe für den, der jemanden wegen seiner politischen und religiösen Ueberzeugung maßregelt. Wir verlangen die freie Betättgung der Ueberzeugung auch für den Beamte n.(Zuruf rechts: Auch für den kleinen Geschäftsmann!) Im Namen meiner Partei erkläre ich, daß wir es auf das allerentschiedenste mißbilligen, wenn Leute wegen ihrer politischen Gesinnung boykottiert werden.(Zurufe und Lärm rechts und bei den Nationalliberalen.) Wenn ein solcher Boykott von Seiten meiner Parteigenossen ausgeht, so mißbillige ich das ebenfalls.(Lärm rechts.) Wie aber verfahren Sie? Sie verlangen, daß kein sozialdemokratischer Arbeiter von einer Kommune beschäftigt wird, daß kein sozialdemokratischer Gewerbetreibender von einer Gemeinde irgend ein Stück Arbeit bekommt. Kein Gewerbetreibender, welcher der Sozialdemokratie angehört, erhält vom Bund der Landwirte und seinen Mitgliedern ein Stück Arbeit. In Gera haben Sie einen öffentlichen Aufruf erlassen, in dem Sie verlangen, daß jeder Gewerbe- treibende boykottiert wird, der in sozialdemokratischen Blättern annonciert. In Sachsen wurde ein Parteigenosse von mir, der Gemeindeältester werden sollte, gezwungen, aus dem Konsumverein auszutreten, sonst würde er nicht bestätigt werden. Auch ich war ein kleiner Gewerbetreibender und weiß, was für Maßregeln gegen sozialdemokratische Gewerbetreibende in Sachsen Ende der sechziger Jahre verhängt wurden. Als ich zum erstenmal als Sozialdemokrat auftrat, bat mir die sächsische Eiscubahnvcrwaltuiig sofort ihre Lieferungen entzogen Wenn es darauf ankommt, ab- zurbägen, auf welcher Seite am meisten mit dem Boykott gesündigt wird, so wiegt Ihre Schale zchutauscnduial schwerer.(Leb- hasteS Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten, Widerspruch rechts und bei den Nationalliberalen.) Wir wollen die höchste Hebung der geistigen und politischen Bildung, auf diesem Gebiet geht keine Partei so weit wie wir. Wir wollen ein Staatswesen, das ans der Höhe der Kultur steht(Lärm rechts und bei den Nationalliberalen), wir wollen, daß Deutschland in der ganzen Welt geachtet da steht. (Lärni und Widerspruch rechts.) Der preußische Junker ist die reaktionärste Klasse der Welt.(Lebh. Beifall bei de» Soz.. Lärm rechts.) So lange in Deutschland ein Junkertum existiert, so lange das Junkertum in Deutschland einen maßgebenden Faktor bildet, ist an einen ernsthasleu Fortschritt überhaupt nicht zu denken.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokratie.) Aber trotzdem muß cS vorwärts gehen, vorwärts auf allen Gebieten, trotz allcdeui, u»ser die Zukuuft!(Stürmischer Beifall bei den Sozialdemokraten. Zischen rechts, das von erneutem stürmischen Beifall bei den Sozial- demokraten übertönt wird.) Reichskanzler Fürst Biilow: Mit Bezug auf eine Anfrage, die der Abg. Bebel im Laufe seiner Ausführungen über irgend welche Wahlbeciuflussungen durch die Regierung während des Wahlkampfes angekündigt hat, will ich schon jetzt aufs entschiedenste und unzweideutigste erklären, daß während der Wahlbewegung aus amtlichen Fonds für Wahl- zwecke nicht ein roter Heller ausgegeben worden ist.(Bravo! rechts.) Im übrigen weiß jedes Mitglied- dieses hohen Hauses, daß ebenso wie zum Kriegführen auch zu einer Wahlcampagne Geld ge- hört. Ich habe mich deshalb für die Bildung eines Komitees inter- cssicrt, welches für die Miuderheitsparteien vom 13. Dezember Geld gesammelt hat.(Hörtl hört! b. d. Soz. u. i. Zentrum.) Das zu tun, ist mein gutes Recht, und von diesem meinem guten Rechte habe ich Gebrauch gemacht.(Sehr gut! rechts und bei den Nationalliberalen und Freisinnigen� Die gesammelten Gelder sind übrigens nicht durch mich, sondern durch VertranenSniänner der Parteien verteilt worden.. Ich habe Wünsche einzelnrr Geldgeber eutgegengenommen und im einzelnen Falle haben auch Anregungen, die mir zugegangen waren und von mir an die VerteilungSstelle übermittelt wurden, Berücksichtigung gefunde». Im übrigen gehe ich auf di« Ausführungen des Abg. Bebel über die Wahlbeeinflussungen beute nicht ein, da ich sie gestern schon im voraus widerlegt habe.(Heiterkeit.) Höchstens kann ich seine AuSführunaen dankbar quittieren als Beweis dafür, daß die Regierung bei diesen Wahlen nicht geschlafen hat. sondern auf ihrem Posten war und ihre Schuf digleit tat. (Lebhafter Beifall rechts und bei den Nationalliberalen und Frei- sinnigen.) Nun, meine Herren, hat der Abg. Bebel auch gemeint, daß die Sozialdemolratie eine vorzugsweise, wenn nicht lediglich rcforma- torische Tätigkeit entfalte. Er hat den Vorwurf weit abgewiesen, als ob die Sozialdemokratie destruktiv sei. Das hat mich ge« wundert, da im Laufe derselben Rede der Herr Abg. Bebel uns in Aussicht gestellt hatte, daß er heute nur Dinge sagen werde, die er absolut beweisen könne.(Stürmische Heiterkeit. Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. Bebel hat jedenfalls schon vergessen, daß er noch vor wenigen Jahren auf dem sozialdemokratischen Parteitage in Dresden, wo er frei von der Leber sprach, sich den Todfeind der bestehenden Ge- sellschaftsordnung nannte und nicht eher ruhen und rasten wollte, als bis er diese wirtschaftliche Ordnung zerstört und vernichtet hätte.(Hörtl hört! rechts und bei den Liberalen, Lachen bei den Sozialdemokraten.)— Der Abg. Bebel huldigte dann dem Andenken des verewigten Fürsten Bismarck, indem e» sagte, Fürst Bismarck habe der Sozialdemokratie immer objektiv gegenüber gestanden. Ich konstatiere zunächst, daß diese Huldigung des Abg. Bebel für meinen großen Amtsvorgänger etwas spät konimt.(Große Heiterkeit rechts »nd bei den Liberalen.) Wenn aber der Abg. Bebel mir vorgeworfen hat, ich nähme Partei gegen die Sozialdemokratie, so erwidere ich daraus, daß so lange die Sozialdemokratie die Monarchie bekämpft. welche die Grundlage unserer Verfassung ist, jeder Minister, der seine Schuldigkeit tut, Partei nehmen muß gegen die Sozialdemokratie. (Lebhafte Zustimmung rechts und bei den Nationalliberalen.) Das hat der Fürst Bismarck getan und das wird jeder seiner Nach- 'olger tun. Nun. meine Herren, hat der Herr Abg. Bebel weiter gemeint, lovald die Rede ans die Sozialdemokratie käme, oder sobald ich sie vor mir sähe, würde ich nervös. Ach du lieber Himmel(große Heiterkeit), ich nehme die sozialdemokratische Gefahr ernst, ich nehme sie sehr ernst, aber nervös»nacht sie mich gar nicht. Nun hat der Abg. Bebel nach meinem Gefühl in etwas kurzen und verlegenen Wendungen sich beschäftigt mit der schweren Wahlnieder- läge,' ivelche die Sozialdemokratie erlitten hat. Er hat sich bemüht, diese Niederlage abzuschwächen, er hat sich bemüht, die Niederlage zu beschönigen, die unter seiner Führung die sozialdemokratische Armee erlitten hat. Geschlagene Feldherren pflegen sich ja verschiedenartig zu benehmen. (Heiterkeit.) Entweder sie hüllen sich in Schweigen und das ist wohl das würdigste.(Erneute Heiterkeit.) Oder aber sie bringen sich selbst um wie der alte Cato.(Große Heiterkeit.) Oder aber die Nieder- läge erhöht noch ihre Redseligkeit. Ich glaube nicht, daß diese in einem gewissen Sinne gereizte Redseligkeit in diesem Fall einen allzu großen Eindruck machen wird über die Partei des Herrn Bebel hinaus oder vielmehr über die nächste persönliche Anhänger- chast deS Abg. Bebel hinaus.(Sehr gut! rechts und bei den Liberalen.— Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die Nieder- läge, die die Sozialdemolratie bei diesen Wahlen erlitten hat und mit der ich mich noch eingehender beschäftigen werde wie der Abg. Bebel(Heiterkeit), war wohlverdient.(Zustimmung rechts.) Sie war die Strafe für vorhergegangene Großsprechereien.(Heiterleit.) In f amburg hatte Abg. Bebel gesagt, bei diesen Wahlen sollten die iberalen zerrieben werden. Mir scheint, der Liberalis- mus befindet sich noch ganz wohl.(Sehr richtig I b. d. Nationallib. und Freisinnigen.) In einer Entrevue mit dem Vertreter eines ausländischen Blattes, eines jener deutschfeindlichen Blätter, die bei sich zu Hause die Sozialdemokratie wie die Pest hassen, sie bei uns aber hätscheln und streicheln(Lachen bei den Sozialdemokraten), — in einer Entrevue mit dem Vertreter eines solchen Blattes, der „Daily Mail", erging sich Abg. Singer in kühnen ZukunftShoff« nungen.(Heiterkeit.) Alle offiziellen und offiziösen Organe der Sozialdemokratie sprachen von einem großen Erfolge. Aber Hochmut kommt vor den Fall I(Sehr gut I rechts, bei den Natt, und den Freis.) Die Bravorufe, mit denen Sie(zu den Sozialdemokraten) mich begrüßten, als ich hier die Auflösung des Reichstages ver» kündete, das Händeklatschen, der donnernde Applaus lvaren ver- früht. Diesmal kam es anders herum.(Heiterkeit.) Die Niederlage war auch wohl verdient, weil sie die Strafe war für eine engherzige Dogmatil,(Unterbrechungen bei den Sozialdemo- kraten; laute Ltufe rechts: Ruhe l Zuruse bei den Sozialdemokraten: Seien Sie doch ruhig!) für einen kleinlichen, fanatischen Geist, der gegen alle anders Denkenden wütete, und der trotz allem Gerede von der Kulturhöhe an der Schwelle des 20. Jahrhunderts(Lachen rechts.) eine Gesinnungsschnüffelei betrieb, eine g eistige Knechtung vorbereitete, wie sie die Welt kann» im Mittelalter gesehen hat.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Das glauben Sie ja selbst nicht, was Sie da reden!) Selbst der Parteigenosse Jaurös mußte sich gegen den intoleranten Dogmatismus der deutschen Sozialdemokratie wenden, und Herr von Wollmar nannte den Abg. Bebel den neuen Oliver Cromwell, ein sozialdemokratisches Blatt verglich den Abg. Bebel mit Julius Cäsar.(Stürmische Heiterkeit.) Soll ich Sie an da§ Gericht in Dresden erinnern, an die Art und Weise, wie die sechs armen Redakteure des„Vorwärts" an die Lust gesetzt worden sind?(Lachen bei den Sozialdemokraten. Sehr gut! rechts und bei den Liberalen.) Eine demokratische Partei— und der Abg. Bebel hat eben betont, daß die sozialdemokratische Partei vor allem eine demokratische Partei sei— mit autokratischer Spitze und Führung. Das ist eine Qontraäiotto in näieoto.(Sehr richtig I bei der Mehrheit.) Die Niederlage der Sozialdemokratie war aber auch wohl verdient, weil sie die Strafe war für die politische Kampfeswcise, wie sie so brutal die Welt noch»ic gesehen hat. (Stürmischer Beifall bei der Mehrheit, Unruhe bei den Sozial- demokraten.) Ich habe in der Kundgebung des sozialdemokratischen Parteivorstandcs in der sogenannten Trostepistel(Heiterkeit.) gelesen, kmiftighin würde der Ton der Sozialdemolratie ein feinerer werden. Ich will es abwarten. Jedenfalls bisher war es einfach fürchterlich. Ich bin viel herum« gekommen im Auslande, ich entsinne mich aber mcht, irgendwo der- artige Rüpeleien erlebt zu haben, wie sie, namentlich seit dem Dresdener Parteikongresse, die sozial- demokratische Presse in unserem früher anständigen, vornehmen, von idealistischem Schwünge getragenen öffent- lichen Leben einzubürgern sucht.(Lachen bei den Sozial- demokraten. Sehr richtig I rechts.) Das ist eine logische EntWickelung; Aus dem Hasse geboren, mußte die sozial- demokratische Presse beim Sauherden ton anlangen.(Sehr richtig I rechts.) Aber nicht nur die Monarchie und die Armee, nein, das Vaterland, die Nation, alles, was der großen Mehrheit des Volkes heilig und teuer ist, hat sie mit Wut und Ingrimm verfolgt. Dieser Tonart ist die Sozial- demokratie auch in diesem Wahlkampfe treu ge- blieben.(Sehr richtig I rechts.) Ich kann es ohne Uebertreibung sagen: Wie ein Jndianerstamm auf dem Kriegspfade(Große Heiterkeit rechts, Unruhe bei den Sozialdemokraten) ist sie in diesen Wahlkampf gezogen Md hat Unglaubliches geleistet,(Lebhafte Zu- rufe bei den Sozialdemokraten: Reichsverband I) nicht nur Hinsicht- lich der Herunterziehung nationaler Empfindungen und Gefühle, sondern auch in der Beschimpfung der Gegner. Aber auch in anderer Beziehung hat bei diesem Wahlkampfe die Sozialdemokratie sich selbst übertroffen. Da Herr Bebel eine ganze Reihe von Zeitungsausschnitten vorgelesen hat. möchte ich einen ganz kurzen Ausschnitt verlesen aus einem bürgerlich- demokratischen Blatte, der„Frankfurter Zeitung". Sie schrieb am 6. Februar:„Die hiesige Sozialdemokratie hat im Wahlkampf von den verwerflichsten Mitteln der F ä l s ch u n g und Verleumdung auSgiebigenGebrauch gemacht. Ihren Fälscherkimftstücken setzt sie am heutigen Stichwahltage die Krone auf. Heute vornrittag verbreitet sie ein Flugblatt unter der Stichmarke „Stimmenkauf", wonach vor den, Wahllokale des ersten Wahl- bezirkS einem Tapezierer zehn Mark geboten worden seien, wenn er für Oeser stimmte. Diese freche Lüge wird in das rechte Licht ge- rückt dadurch, daß dieses Flugblatt bereits gestern abend gedruckt war.(Hört! hört! rechts; Unruhe und wiederholte Rufe: Unwahr! bei den Sozialdemokraten.) Die„Frankfurter Zeitung" schreibt, sie sei auf Grund zuverlässigster Informationen in der Lage, den Nachweis für ihre Behauptung zu erbringen. (Erneute Zurufe! Unwahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich bitte Sie, mich nicht fortwährend zu unterbrechen, ich habe Sie auch nicht unterbrochen, Herr Bebel. Das Flugblatt charakterisiert sich dadurch als eine Schurkerei. Unterzeichnet ist das Fälscher« Produkt:„Das sozialdemokratische Wahlkomitee. I. A.: Wilhelm Dittmer." Die Nieoerlage der Sozialdemokratie war aber weiter die gerechte Strafe für den so rücksichtslos geführten Klassenkampf. für die Gehässigkeit ihrer Taktik, ihrer Verhetzung, sie war Wohl verdient wegen der terroristischen Art und Weise der Sozialdemo- kratie, ihrer Einschüchterungs- und Unterdrückuugspolitik, wegen ihrer despotischen, terroristischen Allüren. Gegenüber dem, was uns eben Herr Bebel erzählt hat über Exzesse von Arbeitswilligen Streikenden gegenüber, will ich doch er- innern an die Exzesse, die von sozialdemokratischer Seite bei und nach den Wahlen so vielfach verübt worden sind. Ich erinnere nur an die tief bedauerlichen Vorgänge in Bremen. Anhalt, Magdeburg. Diese Exzesse waren getrieben von demselben terroristischen Geist. Ich hoffe, daß die Anhänger der bestehenden Ordnung der Dinge, die„OrdnungSIümmel", wie sie die sozial- demokratische Preise geschmackvoll genannt hat(Heiterkeit rechts), solchen Exzessen fest und mutig die Stirne bieten werden.(Bravo! rechts.) Ich erwarte, daß die Behörden ihre Schuldigkeit tm» werden (Lebhaftes Bravo rechts), und daß sie die öffentliche Ordnung und die Freiheit der Bürger gegenüber dem sozialdemokratischen Terrorismus mit Energie schützen werden.(Erneutes lebhaftes Bravo rechts.) Die Niederlage der Sozialdemokratie war weiter wohlverdient, weil sie die Strafe war'für die von ihr betriebene L e r- neinungS- und Nörgelpolitik. Nun hat sich Herr AC'g. Bebel jetzt bemüht, hinzuweisen auf eine Reihe von Fällen, aus denen das Gegenteil hervorgehen soll. Er beruft sich aber doch im wesentlichen nur auf Anregungen, die von der Sozial- demokratie ausgegangen find. Ja, meine Herren, weshalb diese Anregungen? Sie waren doch im wesentlichen dadurch charakterisiert, daß die Sozialdemokratie Forderungen aufstellte, die in diesem Um« °rnge niemand befriedigen kann, daß sie Wünsche erweckte, ie völlig zu befriedigen niemand gegeben ist. Sehr wahr I rechts.) Wenn aber die verbündeten Regierungen aus solchen phantastischen oder perfiden Forderungen einen vernünftigen, gesunden, realisierbaren Kern ausschnitten, so hat die Sozialdemokratie fast immer dagegen gestimmt. (Sehr richtig I rechts.) Die Sozialdemokratie war ja von Anfang mehr ans die Kritik, aus das Negative als auf das Positive angelegt. Ich erinnere mich, einmal gesagt zu haben; Kritik la, positive Leistungen Vb.(Heiterkeit.) Aber dieser kritische Zug halte sich namentlich bei den Führern der Sozialdemokratie gerade in den letzten Jahren immer mehr herausgebildet und vor- stärkt. Namentlich seil dem Dresdener Parteitag, seit dem Jung- brunnen des Herrn Bebel.(Heiterleit rechts.) Seitdem damals erfolgten Untertauchen des Revisionismus durch Herrn Bebel trat da« deutlich zutage. Gelviß, es hat eine Zeit gegeben, da Ponnten Hoffnungen, ernsthafte Hofnungen auf den Revisionismus will ihnen als Vertreter des Boltes den Dank der Nation ausbrüden. Wahlgeheimnisses usw.), Ausdehnung der Krankenver gesetzt werden. Ich selbst bin vielleicht von solchen( Beifall rechts und bei den Nationalliberalen.) Leider hat der sicherung auf Land- und forstwirtschaftliche Arbeiter, Hoffnungen nicht ganz frei gewefen. Aber da tam Reichskanzler sich über unsere Handelspolitischen Beziehungen zum auf Dienstboten, auf Familienangehörige usw., Einſegung von der Tag von Dresden, der große Kotau des Revisionismus, da Auslande nicht ausgelaffen. Einigungskommissionen zur Schlichtung von Streitigteiten flappte der Revisionismus zusammen wie ein Taschenmesser, da war Bon allen großen Parteien des Hauses hoffen wir, daß fie bei zwischen Raisenärzten und Krankenkassen, die es aus mit dem Revisionismus. den nationalen Aufgaben des Reiches mitarbeiten.( Bravo! rechts.) Berhältnisse der Privatbeamten. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sigung Mittwoch 1 Uhr. Die deutsche Sozialdemokratie hat mutwilligerweise Streits hervorgerufen, sie hat mit der Idee des Massenstreiks, mit der Idee der Revolution ein frivoles, ruchloses Spiel getrieben, sie ist immer fanatischer, terroristischer, immer fulturwidriger geworden. So lange Sie sich in dieser Beziehung nicht wandeln, ist kein Baktieren, teine Berständigung mit Ihnen möglich. Und, meine Herren, die Niederlage der Sozialdemokratie ist wohlverdient aus einem Grund, den einer der guten Köpfe der Sozialdemokratie, Herr Schippel, in einem Artikel hervorgehoben hat, der mir vor einigen Tagen vorgelegt worden ist. In diesem Artikel wird die Wahlniederlage namentlich zurückgeführt auf, wie fich Herr Schippel ausdrückt, die unwahrhaftigkeit in der Agitation der Sozialdemokratie. Die Sozialdemo fratie habe erklärt, der Zolltarif würde niemals zustande kommener ist zustande gekommen, fie habe erklärt, auf der Basis dieses Bolltarifes ließen sich keine Handelsverträge abschließen, wir haben fie abgeschlossen, unser Wohlstand steigt, unsere Industrie blüht. Herr Schippel meint, daß viele Wähler ein solches Geftunter all mählich satt geworden seien. " Tagesordnung: 1. Beratung eines schleunigen Antrages Albrecht und Genossen( Soz.) auf Einstellung eines gegen den Abg. Stücklen schwebenden Strafverfahrens. 2. Fortsetzung der Etatsberatung. Schluß 5 Uhr. Abgeordnetenbaus. 20. Sizung. Dienstag, den 26. Februar, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Dr. Delbrüd. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Etats der Berg, Hütten- und Salinenverwaltung. Abg. Macco( natl.) bespricht unter Bezugnahme auf die gestrige Rede des Oberberghauptmanns die Preispolitik des Bergfistus. o der Fistus allein sei, nehme er stets die höchsten Preise. ( Beifall.) Minister Dr. Delbrück: Was die Aufstellung des Etats anbetrifft, so läßt es sich bei dem bisherigen Rechnungsmodus nicht bermeiden, daß die ersten Neuanlagen auf die ordentlichen Ausgaben Der Abgeordnete Macco hat nach den Ursachen gerechnet werden. der minderen Erträge in den Staatsbetrieben geforscht. Es ist richtig, daß zum Teil der Umstand davan schuld ist, daß die Privatindustrie uns unsere tüchtigsten Beamten wegengagiert. Aber wir fönnen den Gehältern der Privatindustrie nicht folgen; der Staatsbeamte hat viele Annehmlichkeiten und Vorrechte, die nicht mit Geld bezahlt werden können. Wen das nicht hält, den können wir mit Geld nicht halten. übrigens schon in diesem Etat eingesetzt worden. Bescheidene Gehaltserhöhungen sind Außerdem haben sie auch noch eine Interpellation be treffend die Schiffahrts abgaben eingebracht. Die Freikonservativen brachten Anträge ein über die Einführung einer Wehrsteuer, über eine Abänderung des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes, be sonders bezüglich der Ausverkäufe, über Beseitigung der Be günstigung der Warenhäuser und Konsumvereine, über gefeßliche Regelung des Submissionswesens, über Hand. werterschutz und den sogenannten fleinen Befähigungsnachweis, endlich über Erhöhung der Gehälter der Reichsbeamten oder eine vorläufige Gewährung einer entsprechenden Bulage. Das Zentrum hat außer den bereits gemeldeten noch zwet Anträge eingebracht, von denen der eine eine ft affelförmige Umsatzsteuer für Mühlen, der andere eine Revision des Reichsbeamtengefeß es, Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses und außerordentliche Gehaltszulagen für mittlere und Unterbeamte, die weniger als 3000 Mart Gehalt beziehen, berlangt. Hus Induftrie und Handel. Es flaut anscheinend ab. Auch auf dem belgischen Eisenmarkt macht sich eine etwas weniger zuversichtliche Stimmung geltend. Vorläufig muß noch die Ungewißheit über die Verlängerung des Stahlverbandes als Ursache herhalten. Der Köln. 8tg." wird aus Brüssel u. a. geschrieben: Und die Niederlage der Sozialdemokratie war endlich wohlverdient toegen der unpatriotischen haltung, in die sich die deutsche Sozialdemokratie leider, leider mehr und mehr verrannt hat. Nur die deutsche Sozialdemokratie stellt die internationalen Ideale über die nationalen, nur der deutschen Sozialdemokratie fehlt bedauerlicher weise noch immer jeder Sinn für nationale Bedürfnisse und Forderungen. ( Sehr richtig!) Die Sozialdemokratie aller anderen Länder steht mit verschwindenden Ausnahmen in großen nationalen Fragen zu ihrem Volte. Wann hat je ein namhafter ausländischer Sozialdemokrat erklärt, daß das Vaterland nur dann von der Sozialdemo„ Die Lage des belgischen Eisenmarktes ist im Laufe der letzten tratie berteidigt werden könne, wenn das Parteiprinzip das zulaffe. vier Wochen im großen und ganzen günstig geblieben, wenngleich Glauben Sie, daß Jaurès, Millerand, Turati je so etwas sagen würden? fich zu Anfang des Monats einige Schwankungen in der bisher recht Die Bergarbeiterlöhne müssen in den einzelnen Bezirken vertrauensvollen Stimmung gezeigt haben. Der fortgesette PreisrückNie und nimmermehr! Aber das war der Sinn mancher Ausführungen, verschieden sein je nach der Leistung, den ganzen Lebensverhältnissen gang auf dem englischen Roheisenmarkt, dessen Festigkeit man allgemein die wir hier von dem Herrn Abg. Bebel in früheren Jahren gehört und der Lohnpolitik der Unternehmer. Wenn wir, wie geschehen, wesentlich höher eingeschätzt hatte, und ungünstige Nachrichten haben. Das nenne ich eben unpatriotisch und bateri Saarrebier Lohnschwankungen möglichst vermeiden wollen, über die Aussichten für die Verlängerung des deutschen Stahlwerkslandslos, wenn man die Partei über das Vaterland stellt, wenn dürfen wir die Löhne nicht allzusehr in die Höhe treiben. man dem Vaterlande ein Sedan und Jena wünscht, Oberberghauptman v. Welsen verbreitet sich über die Aus. verbandes riefen eine gewiffe Unsicherheit auf dem Markt hervor, Oberberghauptmann v. Velsen verbreitet sich über die Aus- und eine Anzahl vorsichtiger Firmen zeigte bei Tätigung weiterer borausgesetzt, daß die Partei dabei prosperiert. Erst vor bildung der Bergreferendare. wenigen Tagen ist mir ein Artikel des Vorwärts" borAbg. Bruft( 3.) wünscht, daß der Fiskus auf seinen westfälischen Abschlüsse bei den heute in den Kauf zu nehmenden langen Liefergelegt worden, in welchem uns insinuirt wurde, daß wir nur Feldern neue Schachtanlagen schaffe. Die Preispolitik des Fiskus fristen Zurückhaltung. Die Verhandlungen zur Verlängerung des deshalb Südwestafrika hielten, um von dort aus englischen gegenüber den Händlern und Großindustriellen billige er; er be- Stahlwerksverbandes werden hier mit größtem Interesse verfolgt, Besitz in Südwestafrita zu. bedrohen. Diese Infinuation bauere aber, daß den Einkaufsgenossenschaften der Arbeiter und und man rechnet hier größtenteils bestimmt auf die Erneuerung. des Vorwärts" ist nicht eine nieberträchtige Landwirte die Kohlen nicht billiger abgelassen seien. Erfreulich sei, Im Falle eines ungünstigen Ausganges glaubt man mit einem Verleumdung( Unruhe bei den Sozialdemokraten), sondern daß eine Erhöhung der Löhne von der Regierung beabsichtigt werde. größeren Rüdgang der Notierungen für die meisten Erzeugnisse heller Unsinn. Niemals haben solche Absichten bestanden, nie- Er beflage dagegen, daß der Handelsminister eine so scharfe rechnen zu müssen, sowie auf große Verlufte bei allen Parteien, denn mals werden fie bestehen. Daß aber derartige Abfichten uns an Stellung gegen den christlichen Gewertverein der Bergarbeiter ge- ein gewiffer Prozentsatz von Käufern dürfte für den Rest der Liefegelogen werden, daß man dadurch gegen uns im Aus nommen habe. Man solle sich doch nicht an einzelnen Aeußerungen rungen feine Ausführungsaufträge erteilen." lande Mißtrauen zu erweden sucht und uns dadurch das aus dem Munde von Arbeitern stoßen. Nötig sei eine Gehalts- Concordia, Bergbaugesellschaft. Der Aufsichtsrat hat beschlossen, Ausland auf den Hals zu hetzen sucht, das nenne ich ver erhöhung für die mittleren und niederen Beamten, namentlich nach rund 1 Million Mark Abschreibungen eine Dividende von werflich.( Bravo! rechts.) Auf solche Manöver, auf solche die Schichtmeister und Faktoren. Die Bureaugehülfen müßten 22 Proz. gegen 12 Proz. im Vorjahre in Vorschlag zu bringen. Quertreibereien ist es auch zurückzuführen, daß im Auslande staatlich angestellt werden. hier und da der Sieg der nationalen Parole bei den Wahlen als Abg. Dr. Crüger- Hagen( frs. Vp.): Der staatliche Betrieb der eine Bedrohung des Friedens aufgefaßt worden ist, während doch in Bernsteinwerfe hat im ganzen ein günstiges Ergebnis gehabt. Es Wirklichkeit die berechtigten Hoffnungen auf Erhaltung des Friedens hat sich eine Steigerung der Rentabilität um 92,83 Proz. ergeben. und guter Beziehungen zu allen anderen Mächten dadurch gekräftigt jetzt geht der Bergsteinbergbau aber wieder zurüd. Wie soll sich und befestigt werden.( Bravo! rechts.) Ich sehe sie zu- nun die Produktion in Zukunft gestalten? Wie sind die Absatz mit nächst dem Herrn Bassermann darin, flar verhältnisse jett? daß zutage getreten ist, daß die Sozialdemokratie nicht, das gewisse Bonzen der sozialdemokratischen Lehre behaupteten, mit Naturnotwendigkeit steige, daß sie, was man auch dagegen unternehmen möge, mit elementarer Gewalt alles überschwemmen müsse. Nein, nein und dreimal nein!( Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wenn die bürgerliche Gesellschaft sich auf sich selbst besinnt, wenn sie ihre Reihen schließt und die zum Schutze der Freiheit und der Kultur nötigen Dämme und Deiche aufführt, dann müssen die trüben Gewäffer der Sozialdemokratie weichen, fie gehen " der dann tamen Und wenn Ilfe, Bergbau Aftiengesellschaft. Nach dem Geschäftsberichte wurden im letzten Jahre 33 577 628 hektoliter( im Vorjahre 30 232 804 Hektoliter) Braunkohlen gefördert und 775 258 Tonnen Die Ziegeleien lieferten ( 693 510 Tonnen) Briketts hergestellt. 7 173 220( 6 877 010) Steine aller Art; verkauft wurden 7 368 525 ( 6 669 750) Steine. Der Abschluß ergab nach 1496 981 m. ( 1 217 644 M.) Abschreibungen einschließlich 164 598 m.( 153 902 M.) Bortrag einen Reingewinn von 2032 851 M.( 1 777 604 m.). Er foll wie folgt verwandt werden: Rücklage 300 000 m.( wie im Vorjahre), Unterstützungsbestand 250 000 M.( 150 000 M.), Gewinns anteile 231 555 M.( 203 006 M.), 18 Proz.( 16 Proz.) Dividende 1 080 000 m.( 960 000 M.) und Vortrag 171 296 m. Jm Bericht werden natürlich auch die gestiegenen Löhne herbor gehoben. Wie die obigen Zahlen ausweisen, ist der Reingewinn trop erhöhter Abschreibung von 58,8 M. auf 60,5 m. pro 1000 Hektoliter gestiegen. Hibernia. Am Montag wurde vor der Kammer für Handelss fachen in Bochum über den Protest des Fistus gegen die General versammlungsbeschlüsse vom 4. Dezember 1906 verhandelt. In jener Versammlung war beschlossen, 10 Millionen Mark 41/ prozentiger Borzugsaktien auszugeben. Ferner war die Verwaltung ermächtigt worden, Offerten von Personen und Instituten abzulehnen, von denen anzunehmen war, daß sie den neuen Aktienbesiz benuzen würden, um den Fortbestand der Gesellschaft zu gefährden. Dadurch wurde dem Fiskus das Bezugsrecht auf die neuen Titres borenthalten. Der Vertreter der Regierung gab Protest gegen die Befchlüsse zu Protokoll und wurde die Klage auf ungültigkeitserklärung eingeleitet. Das Gericht hat die Klage abgewiesen. Der Fiskus hat bisher in der ganzen Affäre anderes nichts wie Bech geerntet. Briefkaften der Redaktion. wie Abg. Krause- Waldenburg( ft.) regt an, eine Vorlage zu machen, nach der es zulässig fein soll, in Preußen Verzichte auf Ersah von Bergschäden ins Grundbuch einzutragen Abg. Peltasohn( frs. Wg.) tritt für bergbauliche Erschließung der Provinz Posen ein. Minister Dr. Delbrück: Dem Abgeordneten Brust erwidere ich, daß wir den Genossenschaften schon Großhandelspreise gewähren. die Löhne hat nicht nur der Staat erhöht, sondern auch die Privat industrie. Dies haben die Arbeiterausschüsse bermittelt, bie sich bewährt haben. zurück nicht nur in den ländlichen Distrikten, sondern auch in den Abg. Dr. v. Wohna( ft.): Für die Ausdehnung der Industrie großen Städten. Ich hoffe, daß bei den nächsten Wahlen Karlsruhe im Often ist vor allem nötig die Förderung der Kenntnis der Stuttgart, Mainz und Nürnberg das erreichen werden, was Leipzig, Bodenschätze. Staat und Privatindustrie sollten gemeinsam auf die Frankfurt( Buruf: Breslau!), Breslau( Zuruf: Elberfeld), Elberfeld Erschließung dieser Bodenschätze bedacht sein, das würde segens( Heiterkeit bei den Sozialdemokraten) Burufe: Königsberg! Erneute Heiterkeit bei den Sozialdemokraten], Königsberg, dank dem reiche Folgen in der Richtung der inneren Kolonisation haben. ( Beifall.) Bürgersinn, dank der Tapferkeit und Einigkeit der Bürger erreicht Abg. Korfanty( Pole) führt Klage über die Konkurrenz des haben. Ich hoffe, daß Lübeck und Hamburg dem ruhmvollen Beispiel Konsumvereins in Zabrze gegenüber den Kaufleuten. Bedauerlich von Bremen folgen werden.( Lebhaftes Bravo! beim Kartell. sei die niedrige Einschätzung der Leistungen der oberschlesischen Lachen bei den Sozialdemokraten.) es überall Deren Leistungen seien die helle wird, dann wird ja hoffentlich Berlin nicht allein Bergarbeiter durch den Minister. gleichen wie in anderen Bezirken, ihr Lohn sei aber geringer. im Dunkel bleiben.( Große Heiterfeit. Bravo! beim Kartell.) Rebner wendet sich gegen Verträge, die die Bergverwaltung mit Gewiß, nichts würde falscher sein, als wenn wir uns der Kohlenfirma Casar Wollheim in Breslau geschlossen hat. Durch der Illusion hingeben wollten, als wäre die sozial- biese Verträge werde die Firma anderen Händlern gegenüber demokratische Gefahr dauernd und ganz über außerordentlich bevorzugt und heimse sehr bedeutende Gewinne ein. wunden.( Sehr richtig! rechts.) Das wäre eine verhängnisvolle Er habe darüber auch im Reichstage gesprochen, und es sei eine Illusion. Diese Gefahr ist nur suspendiert, nur gebannt, so lange untersuchung vom Staatsanwalt gegen ihn eingeleitet worden. das Bürgertum einig ist und so lange es auf dem Posten Mit dem Staatsanwalt werde er sich noch im Reichstage auseinbleibt.( Sehr richtig! rechts.) Wir dürfen es nicht machen anderseßen. Die juristische Sprechstunde findet Friedrichstr. 16, Aufgang 4, wie die alten Deutschen, die, wenn sie gesiegt hatten, Abg. Hilbe( natl.): In der Norddeutschen Allgemeinen 8tg." eine Treppe( Handelsftätte Bellealliance, Durchgang auch Lindenstr. 101), wochentäglich von 7 bis 9½ 1hr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. nachher auf dem Bärenfell und bor dem Methorn alles ist denjenigen Arbeitgebern, die nicht mit der Siebenerkommission Sonnabends beginnt die Sprechstunde nm 6 Uhr. Jeder Anfrage ift ein bergaßen; und die Feinde, überfielen sie haben verhandeln wollen, ein Vorwurf gemacht worden. Nachher Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort besiegten sie schließlich doch. Wir müssen wach bleiben. Ich hoffe ist ja allerdings ein entgegengesetter Artikel veröffentlicht worden, wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. O. B. 1887. Im Kanal( vom Süduser unweit der Torfbänte. vor allem, daß die bürgerlichen Parteien weiter ausbilden und aus aber es zeigt sich doch da die Zweiseelentheorie: der HandelsH. K. 4. Seit 1887. S. Th. 76. Stlagen, bauen werden die Organisationen für den Wahlkampf, die sie sich minister und der Staatssekretär des Reichsamts des Innern find M. M. 34. Nein. jetzt endlich geschaffen haben.( Bravo! rechts.) eben verschiedene Leute. Durch derartige Artikel wird das gute Sie unter Beifügung eines ärztlichen Attestes auf Aufhebung des Vertrages und auf Schadenersay. O.. 16. Leider ja.. Ludwigshafen. Berlin Und was ich noch ganz besonders betonen will, das ist, daß Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern nicht ge- zählte am 1. Dezember 1905 2 040 222 Einwohner. Die Bororte sind nicht dieser Kampf nicht dem deutschen Arbeiter galt, sondern er fördert. Meine Herrenhausrede gegen die christlichen Gewerk- mitgezählt. Die Vororte haben rund 1 Million Einwohner. P. W. 85. galt politischen, der revolutionären Sozialdemokratie. fchaften ist vielfach inißverstanden worden. Trotzdem freue ich mich. Die Aussicht auf Erfolg einer Klage ist in Ihrem Fall eine zweifelhafte. ( Sehr richtig! rechts.) werden die berbündeten Re- fie gehalten zu haben, da sie dazu beigetragen hat, das Verhältnis D. E. 00. Vor der zweiten Heirat muß eine gerichtliche Auseinander gierungen, das werden die bürgerlichen Parteien, das wird dieses zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu verbessern. Dem fegung mit den minderjährigen Kindern stattfinden. Auch die großjährigen Hohe Haus dem deutschen Arbeiter beweisen durch die Fort.Abgeordneten Dr. Crüger muß ich zugeben, daß die Produktion Kinder können Nachlaßregulierung hinter dem Nachlaß ihrer Mutter beim führung jener Sozialpolitit, in der Deutschland des Bernsteins nachgelassen hat. Wir haben jedoch rechnungsmäßig Amtsgericht beantragen. Soweit ersichtlich, befinden Sie sich mit der Anbis heute noch allen anderen Ländern voraus- noch so viel Bernstein, daß wir 83 Jahre die Produktion in der nahme im Irrtum, daß das Grundstück nicht dem Bater allein gehöre. J. A. 47. Wird die Mutter für schuldig erklärt, so geht geht. Die deutsche Sozialdemokratie teilt die ganze moderne Ge- bisherigen Weise aufrecht erhalten können. Ueber die Unter- die elterliche Gewalt im vollen Umfange auf den Vater über. Der Mutter fellschaft ein in zwei große Lager: das Lager der Bourgeoisie und nehmungen in Mogilno( Provinz Bosen) habe ich mich in der bleibt nur das Recht, mit ihren Kindern zu verkehren. das Lager des Proletariats, zwischen denen eine unüberbrückbare Kommission tatsächlich günstiger ausgesprochen, als es nach dem Vater für schuldig erflärt, so geht die Fürsorge für die Person Die Befugnisse der Vertretung des Stluft bestehe, zwischen denen ein unversöhnlicher Klassenkampf un- Berichte den Anschein hat. Wir hoffen, dort noch zu einem guten des Kindes auf die Mutter über. Rindes, sowie die Vermögensverwaltung und der elterlichen Nugnießung bermeidlich sein soll.( Buruf bei den Sozialdemokraten: Sie Biele au fommen.( Beifall.) ja auch! Rufe rechts: rechts: Nein 1) Ich behaupte zunächst, Minister Dr. Delbrück: Daß der Abg. Korfanth Verträge des verbleibt dem Bater. Sind beide Ehegatten für schuldig die Gegensäge zwischen Fistus mit der Firma Cäsar Wollheim besaß, war mir schon ge- erklärt, so steht die Sorge für einen Sohn unter fechs Jahren oder für reich und arm, zwischen Gebildeten und Ungebildeten fich immer meldet, bevor er etwas davon zur Sprache gebracht hatte. Ich eine Tochter der Mutter, für einen Sohn der über sechs Jahre alt ist, dem Bater zu. Das Vormundschaftsgericht tann aus besonderen Gründen im verstärkten, irrig ist. Ich behaupte, daß die Dottrin von habe deshalb schon vorher den Staatsanwalt veranlaßt, nachzu- Interesse des Kindes eine abweichende Anordnung treffen. Dem Vater der unüberbrückbarkeit diefer Gegenfäße, von der fpüren, aus welchem Geheimspind sie entwendet sind. bleibt das Recht der Vermögensverwaltung, der Ruznießung und der VerUnversöhnlichkeit zwischen Arbeitern und Kapital, von der Unber- Oberberghauptmann v. Belsen: Cäsar Wollheim ist nur als tretung des Kindes. D. B. 72. Wer selbständig wird, erhält von meidlichkeit und Unversöhnlichkeit des Klassenkampfes durch die tat Kommissionär für den Fiskus aufgetreten und hat dabei 40 Pf. den Bersicherungsgeldern nichts zurüd, fann sich aber weiter versichern. 11. 2. 25. Die Kündigung ist gefeßlich zulässig. Schüße, Charl. fächliche Entwickelung der Dinge widerlegt Die pro Tonne verdient. Das ist gewiß ein bescheidener Gewinn. Es 2. In jeder Buchhandlung, auch in der mittlere Schicht, die sich zwischen den beiden Polen tommt hinzu, daß er auch die Sicherheit stellen mußte, die der 1. Die Adresse Reichstag genügt. Vorwärts Buchhandlung erhältlich. 2. V. 75. 1. Spätestens am 14. hat und gebildet fie wie in materieller Staat verlangt. Im übrigen sind mit ihm nur 3 Verträge ge- 2. und 3. Ja. in geistiger G. R. 100. 1. und 2. Nur Vereine, welche eine EinBeziehung einander nähert, ist in der Zunahme begriffen. schlossen, bei denen er ein sehr schlechtes Geschäft gemacht hat. wirtung auf öffentliche Angelegenheiten bezweden, haben nach§ 2 des Die Einnahmen werden bewilligt. preußischen Vereinsgefeges die Anmeldepflicht. W. F. 27. Das Reichss Ich glaube, daß, wenn auch erst nach langen schweren Kämpfen, der ftrafgesetzbuch können Sie in jeder öffentlichen Bibliothek einsehen. Tag fommen wird, ja er wird kommen, wo Kopf und Hand einträchtig zusammengehen und wo wir auf die sozialdemokratische Bes B. 400. 1. Leider nein. 2. Sie könnten lediglich auf Aufhebung des Mietsvertrages und auf Schadenersatz flagen. G. 5. 10. Ja, er müßte wegung zurückblicken werden, wie ein Genefender zurückblidt auf aber beim Bezirkskommando einkommen. G. G. 84. 1. u. 2, Wenden eine schwere Krankheit, oder wie der Erwachende zurückblickt auf Sie sich an den Handels- und Transportarbeiter- Verband, Engel- Ufer 15. einen wüsten Traum.( Stürmisches Bravo! rechts, bei den National 3. Das ist möglich. A. R. 99. Eine Klage hätte keine Aus liberalen und Freisinnigen.) ficht auf Erfolg, weil Ihnen ein Rüdforderungsrecht nicht zusteht. G. 2. 73. Sie befinden sich im Irrtum, tönnen aber Niederschlagung der Steuer bei der Steuerdeputation, Magistrat, beantragen. 2. K. 100. Abg. Frhr. v. Richthofen( f.).( Anfangs bei der großen Unruhe Die brei in einer Fraktion vereinigten linksliberalen Parteien Der Herr hat für sechs Wochen Arzt und Apotheke zu bezahlen. Er ist auf der Tribüne nicht verständlich.) So lange die Sozialdemokratie an ihren Grundprinzipien festhält, muß sie von allen bürgerlichen des Reichtages wollen Anträge einbringen betreffend die medlen leider zum Abzug, aber nur von dem auf die Krankheitszeit entfallenden A. W. 97. Ja, es sei denn, daß Sie beweisen fönnen, Parteien ohne Ausnahme bekämpft werden. Wahlbündnisse anderer burgische Verfassungsreform( gemeinsam mit den Lohn berechtigt. Parteien mit der Sozialdemokratie werden in meiner Heimat Schlesien Nationalliberalen), die Strafprozeßordnung, das Koali- daß innerhalb der fritischen Zeit auch ein anderer dasselbe getan hat. N. 86. 1. Ein Gesuch um Zurüdstellung tann gestellt werden. Nach überhaupt nicht verstanden.( Beifall rechts.) Die Fortführung der tionsrecht, Beteranenbeihülfen, Beamtengehälter, bem Ergebnis der letzten Untersuchung ist eine lushebung möglich. Sozialpolitik wollen auch wir, doch soll sie auch dem Mittel- das Vereins- und Bersammlungsrecht, Arbeiter- 2. Wenden Sie sich an den Berein selbst, Sik zu Jena. 3. Letztes Mittel Reichstagswahlrecht( Wahlurnen, A. D. 100. Pflichtteil ist die Hälfte der gesetzlichen Portion. ftande zugute kommen. Die Thronrede hat den Dank des Kaisers ausschüsse, das an die tapferen Kämpfer in Südafrika zum Ausdruck gebracht; ich Menderung der Wahlkreiseinteilung, Bestimmungen zum Schuße des Imüßten die Verhältnisse, um die es fich handelt, ausführlicher darlegen. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Anferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärt Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. daß die Annahme, Das об als wird. Das Haus vertagt sich. Nächste Sibung Mittwoch 11 Uhr. ( Etat der Berg, Hütten- und Salinenverwaltung, Etat der Handels- und Gewerbeverwaltung.) Schluß 4 Uhr. Parlamentarisches. 10 Wird der St Si. 49. 24. 2. KtW des Jotmittf Kerlim üolUhtl Mittwoch. 27. Februar 1907. Noch ein Skandallüsterner. Schöne Seelen finden sich. Im selben Augenblick, wo Georg Bernhard in bürgerlichen Blättern die Redaktion des„Vorwärts" mit duftigen Liebenswürdigkeiten zu bombardieren beginnt und sich aus seiner solange schmerzhaft ertragenen politischen Beiläufigkeit zum Retter der Partei emporreckt, der mit kühner Hand die Idole des sozialisttschen Klassenkampfes in Trümmer schlägt und dem erlöfungsbedürftigen Proletariate neue besiere Wege weist— just in demselben Augenblick erscheint auch Heinrich Braun voll heißen Tatendranges auf der Bühne. Aber Heinrich Braun weiß den Wert der Arbeitsteilung zu würdigen. Während Georg Bernhard in zyklopischem Ungestüm gleich aufs Ganze geht, die ganze Parteitradition unistürzen, die Sozialdemokratie zur Bewilligung des Budgets, des M i l i t ä r e t a t s und zur gläubigen Anerkennung des sozialen Königtums bekehren will, ist Heinrich Braun so bescheiden, zunächst erst ein- mal die„ V o rw ärts"- Re d a kti o n hinwegfegen zu wollen. Dazu scheint ihm gerade jetzt wieder einmal der rechte Zeitpunkt gekommen. Am Vorabend des Mannheimer Parteitages brachte sein Blatt, die„Neue Gesellschaft", den berüchtigten Stampfer-Artilel; jetzt, wenige Tage vor dem Zusammentritt der sozialdemokratischen Preß- konferenz, setzt Heinrich Braun den Sturmbock mit eigener Hand in Schwung durch einen niedlichen Artikel, der den Titel trägt „Der Vorwärts". Die freundliche Tendenz dieses Artikels verrät schon dessen Einleitung: „Der„Vorwärts", aus kleinen Verhältnissen entstanden und in seinen Anfängen mit einer Fülle von Schwierigkeiten kämpfend, war lange Zeit hindurch nicht imstande, den Erfordernissen eines Stoßen und umfassenden Blattes ersten Ranges, wie er es sein ollte, zu genügen. Die Frage der dazu nötigen finanziellen Mittel kommt aber seit einer Reihe von Jahren nicht mehr in Betracht, u'.'.d nichts stünde im Wege, ihn so auszugestalten, daß er als das Organ der größten Partei auch die beste und angesehenste Zeitung Deutschlands würde. Dies zu verlangen, obwohl es ein natür- licher und selbstverständlicher Wunsch ist, erscheint heute as ' phantastische Forderung, weil zu ihr die tatsächliche Beschaffenheit des„Vorwärts" in einem gar zu traurigen Gegensatz steht. Während der„Vorwärts", wie ein Leuchtturn, Richtung und Wege weisend, den geistigen Mittelpunkt der Partei darstellen, und, Einsicht, Schwung und Begeisterung in die Masse des Volkes tragend, überquellen sollte von dem Ideenreichtum des Sozia- lismus; während er gegenüber der Korruption eines großen Teils der bürgerlichen Presse von den verantwortungsvollen Pflichten des publizistischen Amtes und den sittliche» Idealen des Sozialismus erfüllt sein müßte, wird er von Tag zu Tag niehr ein Widerspiel von alledem. Statt daß die hervorragendsten Politiker ihn leiten, die besten Federn ihn schreiben, befindet sich in seinem Redaktions- stab nicht ein einziger Politiker von Ansehen und auch nicht ein einziger Schrift st eller von Bedeutung. Erregen schon diese Tatsachen mit ihren unvermeidlichen Konsequenzen ernstliche Bedenken, so erwachsen sie zu einer Gefahr für das Ansehen der Partei, wenn die intellektuelle Unzulänglichkeitsich paartmit moralisch nicht zu rechtfertigenden Leistungen. Gerade die letzten Tage boten zu der Fülle früherer Beispiele eine Anzahl neuer, an denen man im Interesse der Partei nicht stumm vorbeigehen darf. Wir halten es für unsere Pflicht zu sprechen, trotz der Gefahr des ebenso abgeschmacktten wie stereotypen Vorwurfes, daß wir mit der Erörterung dieser fatalen Tatsachen den Anfang machen. Aber die Ueberzeugung, daß alle Verständigen in der Partei, auch alle der- ständigen Genossen Berlins in der Krittk mit uns übereinstimmen werden, läßt uns ungerechten Angriffen mit Gleich- mut entgegensehen." Und nun packt Heinrich Braun eine„Anzahl" neuer„fataler Tatsachen" aus. Zunächst erhebt er fulminante Anklage gegen den„Vorwärts", weil er in einer Notiz über eine Sitzung der sozialdemokratischen Fraktion in seiner Nummer vom 20. Februar zwar die Tatsache mit- teilte, daß die Fraktion beschlossen hatte, eine Einladung zu der ersten deutschen Konferenz zur Förderung der Arbeiterinteressen nicht anzunehmen, dabei aber nicht erwähnte, daß der Besuch dieser Konferenz von der Fraktion den einzelnen Abgeordneten freigestellt wurde. Die Unterlassung dieser Mitteilung und die Verquickung der referierenden Angaben über eine Fraktionssitzung mit einer scharfen Polemik gegen die Herren Mumm, Pfarrer Beyer und andere christlich-soziale Gimpelfänger wird zu einer Todsünde gestempelt: „Kann man über eine objektiv zu berichtende Tatsache perfider und unredlicher referieren? Der positive Inhalt des Fraktionsbeschluffes wird unterschlagen, der negative allein mitgeteilt und damit eine Kritik der Beteiligung an der Konferenz verbunden, die nicht nur die Teilnahme als einen Verrat der Arbeiterinterejsen darstellt, sondern, da die Mitteilung den Eindruck eines offiziellen, von der Fraktion autorisierten Berichts Imacht, auch den Anschein erweckt, als werde die Ansicht der Fraktion ausgesprochen. Man kann sich vorstellen, wie sie das unqualifizierbare Verhalten des Bericht- erstatters in ihrer nächsten Sitzung aebrandmarkt haben mag. Charakteristisch ist es für den„Vorwärts", daß er in der Be- richtigung, die er in der Nummer vom 21. Februar bringen mußte, seine die Majorität der Fraktion resp. diejenigen ihrer Mitglieder, die die Arbeiterinnenkonferenz besuchen werden, diskredi- tierenden Aeußerungen nicht zurücknahm." In der Tat, welches Verbrechen! Wenn ein Parteigenosse wie Calw er während des Wahlkampfes Arttkel veröffent- licht, die den Kampf der Partei gegen den Lebensmittelwucher als übertrieben hinstellen und von der agrarischen Presse natürlich sofort höhnend gegen die im Wahlkampf stehende Partei ausgeschlachtet werden, so rührt das eine so empfindsame Seele wie Heinrich Braun nicht im geringsten. Und wenn sofort nach der Wahl Genossen wie Schippel. Calwer usw. mit herbster Kritik, mit beißendem Spott über die Partei herfallen, wenn sie die Stellungnahme der Partei zur Zollpolitik, zur Kolonialpolitik, zur Welt- Politik usw. unter dem Hohngelächter und Beifallsklatschen des ganzen bürgerlichen Klüngels in Gnind und Boden weitem, so erregt das auf der Denkerstim Heinrich Brauns nicht einmal das leiseste Stirnrunzeln. Aber wenn sich der„Vorwärts" gestattet, redaktionell— und der redaktionelle Charakter der betreffenden Bemerkung»war für jeden aufmerksamen Leser klar— vor einer verhängnisvollen Unterstützung einer gewerkschaftsfeindlichen Veranstaltung zu warnen, so verwandelt sich der unerschütterlich über den Wolken Thronende mit einem Male in einen jupiter touaus, der die Donnerkeile seines furchtbaren Strafgerichts auf die arme „Vorwärts'-Redaktion hemiedersausen läßt! Doch weiter: Georg Bernhard läßt mit seiner Einwilligung ein Interview in einen, bürgerlichen Blatte veröffentlichen, dessen unerhörter Inhalt allein ihn für jeden Anhänger unseres Parteiprogramms ohne weiteres außerhalb der Partei stellt. Der„Vorwärts" konstatiert die Tatsache. iBernhard schickt dem„Vorwärts" unter dem Vorwande einer �Berichtigung eine lindische Schimpfepistel. Der„Vorwärts" lehnt die Aufnahme dieser Berichtigung ab, trotz der Drohung BemhardS, sie im Falle der Ablehnung oder unvollständigen Wiedergabe in einem gegnerischen Blatte zu veröffentlichen. Bernhard führt darauf seine Drohung aus. Und was hat Heinrich Braun zu diesem in der ganzen Parteigeschichte beispiellosen Vor- gang zu sagen? Man höre: „Wenn die Majorität der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion in dieser Weise moralisch mißhandelt wird, ist es kein Wunder, daß es einem einzelnen Genossen, wie Georg Bernhard, noch schlechter ergeht. Der„Vorwärts" unter- drückt nicht nur den Bericht über eine von tausend Parteigenossen besuchte Versammlung, in der Bernhard referierte, er verweigert ihm auch, nachdem er ihn wegen seiner Aeußerungen in einem Interview mit Herrn Dr. Martin Cohn insultiert hatte, ohne den Lesern den Wortlaut des Interviews mitzuteilen und ein selbständiges Urteil zu ermöglichen, die Auf- nähme einer Berichtigung. Dieses Verfahren ist ein skandalöses und moralisch verwerfliches, und es würde daran nichts geändert, auch wenn Bernhard noch so arg sich verfehlt hätte." Heinrich Braun ist ferner enttüftet darüber, daß einer der „Vorwärts"-Redakteure, Genosse Ströbel. es gewagt hat, von den Genossen zu fordern, daß sie endlich einmal Mittel und Wege fänden, den„unverantwortlichen Presseäußerungen in den der Partei unverantwortlichen Sensationsblättern"„energisch zu steuern". Hein- rich Braun liest aus diesen Worten die Aufforderung heraus, daß gegen Mitarbeiter der„Neuen Gesellschaft" und der„Sozialistischen Monatshefte" mit dem Ausschluß aus der Partei vorgegangen werde. Das ist natürlich nur ein Ausfluß seines bösen Gewissens. Wie recht aber Genosse Ströbel mit seinem Appell an die Genossen hatte, beweist nunmehr Heinrich Braun durch seinen neuesten Artikel. Heinrich Braun schließt: „Welcher Geist in der Redaktton des Zentralorgans herrscht, zeigt übrigens auch eine Rede des Redakteurs Ströbel, der in einer Versammlung des 4. Berliner Wahlkreises, über die der „Vorwärts" am 21. Februar berichtet, nach Art des Herrn von Thaddcn-Triglaff: Preßfreiheit, aber mit dem Galgen da- neben! forderte. Der brave Genosse verlangte, daß gegen Mitarbeiter der„Neuen Gesellschaft" und der„Sozialisttschen Monatshefte" mit dem Ausschluß aus der Partei vorgegangen werden Diese Methode des„geistigen Kampfes" wäre bloß komisch, wenn sie den Genossen Ströbel allein charatterisierte. Aber sie ist bezeichnend für das geistige und moralische Niveau des„Vorwärts", der kein Wort der Einwendung gegen sie nötig findet. Nach alledem muß die Frage aufgeworfen werden, ob die Parteiinstanzen, insbesondere der Vorstand, eS noch länger mit ihrer Verantwortlichkeit glauben vereinigen zu können, den Zustand, in dem das Zentralorgan seit geraumer Zeit sich befindet, zum Schaden der Partei und zur Untergrabung ihres Ansehens fortdauern zu lassen. Der Vorstand hat lange genug zugesehen und sich überzeugt, daß nicht die Neuheit der Aufgabe und die Schwierigkeiten des Anfangs die Schuld tragen, daß die gegenwärtige Redaktion versagt. Die üble Situation würde nicht beseitigt, wenn, was angesichts der für die Gesamtpartei kompromittierenden Leistungen der Redaktion öfter gefordert worden ist, der„Vorwärts" aus einem Zentralorgan in ein Be r l i n e r Lokal- b l a t t verwandelt würde. Das bedeutete einen nichts- sagenden, lediglich formellen Unterschied. ES gibt nur den einen Weg, den heillosen Zu st and zu bessern, daß der Vorstand im Verein mit der Preßkommission sich entschließt, das Zentralorgan zu einem Blatt umzugestalten, das die Sozialdemokratie würdig repräsentiert und in dessen Redaktion und Mitarbeiterkreis die besten politischen Köpfe der Partei und ihre hervorragend st en Schriftsteller sich vereinigen. Soll der bereits angerichtete Schaden nicht gefährliche Demensionen gewinnen, darf nicht länger gezögert werden. Die vornehm st e Aufgabe der bevor st ehendenRedak- teurkonferenz wäre' es, diese Umwandlung! des „Vorwärts" mit entscheidendem Nachdruck zu fordern." Die Genossen werden es verstehen, wenn wir auf jede weitere Verwahrung gegen derartige Liebenswürdigkeiten verzichten. Heinrich Braun, der Held von Dresden und Mannheim, erhofft von der Redakteurkonferenz, was ihm die Parteitage so schnöde versagt haben. Mag er nach seinen früheren Triumphen einen neuen feiern. Als im September 1899 inmitten der Bernstein-Debatte die Genossin Luxemburg der damaligen„Vorwärts"-Redaktion in einer heftigen Polemik vorwarf, daß das Zenttalorgan„in die Hände einer anonymen Gesellschaft ohne Talent, Meinung und Vergangen- heit" geraten sei, sprang Liebknecht für die Angegriffenen in die Bresche. Genossin Luxemburg nahm übrigens auch nach einigen Tagen ihre persönlichen Kränkungen mit dem Ausdruck des Be- dauerns zurück. Als im Dezember 1994 die„Leipziger Volks« zeitung" dem'„Vorwärts" vorwarf, das Blatt, das das„starke, prinzipienfeste Rückgrat der Partei" bilden müsse,„schwanke in prinzipiellen Fragen haltlos hin und her, mache dagegen in blöden Sensationen", wandte fich die Redaktton an Parteivorstand und Pretzkommission, die gegen diese Angriffe„energische Verwahrung" einlegten. Diese Angriffe entsprangen der Hitze des Gefechtes; Heinrich Braun dagegen handelt mit kühlster Ueberlegung. Trotzdem denkt die Redaktton nicht daran, die Aufsichtsinstanzen des „Vorwärts" in dieser Angelegenheit irgendwie zu bemühen. Damals waren die Kritiker des„Vorwärts" ja e r n st zu nehmende politische Persönlichkeiten, deren Tadel, ob berechtigt oder unberechtigt, doch schmerzlich empfunden werden mußte. Anders mit Heinrich Braun. Wenn wir seinen Artikel gleichwohl so ausführlich wiedergaben, so nur, um den Parteigenossen wieder einmal zu zeigen, wo die S.kandallüsternheit zu suchen ist! Rm der Partei. Eine bayerische Parteikonferenz tagte am Sonntag in M ü n ch e n. Der Landesvorstand, die Landtagsfraktion, die Gauvorstände und Vertreter der Parteiorgane waren auf Grund des§ 19 Abs. 2 des bayerischen Organisationsstatuts anwesend. Folgende Beschlüsse wurden gefaßt: � Die Konferenz„weist die Parteigenossen emeut auf die in Schweinfurt in vezug auf die Landtagswahlen gefaßte Reso- lution hin. Diese Resolution hat folgenden Wortlaut: „Das nach langen Kämpfen errungene Wahlrecht ermöglicht es der Sozialdemokratie in Bayern endlich, die Stimmen ihrer Anhänger genau zu zählen. Daraus ergibt sich von selbst die Notwendigkeit folgender Taktik: Die sozialdemokrattsche Partei Bayerns tritt mit voller Selbständigkeit, ohne jede Fühlung oder Verbindung mit anderen Parteien, in den Wahlkampf ein. Der Schweinstlrter Parteitag erklärt es für selbstverständlich, daß diese Taktik von den Parteigenossen allerwärts unbedingt eingehalten wird und daß jedem Verstoß dagegen mit allen der Partei z-r Verfügung stehenden Mitteln entgegen getreten werden mnß. Dw neue Wahlsituatton erfordert nicht nur die größte Anspannung aller unserer Kräfte, sondern auch die möglichst frühzeitige und gründliche Vorarbeit. Der Schweinfurter Parteitag fordert daher die Organisationen und Parteigenossen Bayerns auf, unverzüglich in die organisatorischen Vorarbeiten für die Wahlen einzutreten." Die Konferenz hält es für außerordentlich wichtig, das neue Landtagswahlgesetz zu erproben. Sie betont auch erneut, daß sie in der Möglichkeit der prinzipiellen Agitation die Hauptbedeutung de? allgemeinen Wahlrechts für die Sozialdemokratie erkennt. U Die Konferenz weist darauf hin, daß der bevorstehende Landtagswahlkampf an das Geschick und die persönliche LeistungS- sähigkeii der Kandidaten unserer Partei die höchsten Anforderungen stellen wird. Außerdem ist zu berücksichttgen, daß die sozialdemokrattsche Fraktion in dem neuen auf sechs Jahre zu wählenden Landtag m iveit höherem Maße noch als bisher auf allen Anforderungen ge- wachsene Arbeitskräfte angewiesen ist. Die Parteigenossen namentlich der für uns aussichtsreichen Wahlkreise werden demgemäß ersucht, bei der definitiven Aufstellung unserer Kandidaten diese wichtigen Gesichtspunkte nachdrücklich zu be- rücksichtigen oder, wo die Nominierung nicht unter diesen Gesichts- punkten erfolgt ist, dementsprechende Aenderungen eintreten zu lassen. Der erste Beschluß wurde mit 39 gegen 6, der zweite Beschluß einstimmig gefaßt._ Vom Fortschritt der Presse. Die„Münchener Post" meldet: „Als Ergebnis der Generalversammlung deS Sozialdemo- krattschen Vereins im vorigen Frühjahre und eingehender Beratungen der zuständigen Instanzen: Engerer Ausschuß, Preßkommission und Firmenträger ist der einstinnnig gefaßte Beschluß anzusehen, die Buchdruckerei und Verlagsanstalt G. Birk u. Co. in aller Kürze in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umzuwandeln. Für die steigende Auflage der„Münchener Post" wie den Um- fang des. Druckereigeschäftes hat sich der vor noch nicht ö Jahren neu eingerichtete Betrieb als gänzlich unzureichend erwiesen. Eine Erweiterung in den gemieteten Räumen ist aus dem Grunde nicht ausführbar, weil damit der voraussichtlichen und angestrebten Weiter- entwickelung des Parteiblattes nicht genügt werden kann. Daher ist inmitten der Mtstadt, Altheimercck 19, ein geeignetes Grund stück käuflich erworben worden, auf dem ein allen Anforderungen entprechendeLBetriebS- gebäud e errichtet w er d en soll." Hausagitation am letzten Sonntag hat der„Branden- burger Zeitung" 434 neue Abonnenten gebracht. Die Gesamt- zahl ist damit auf 12 994 gestiegen. Am selben Tage erlangte die„Freie Presse" in Elber- feld und Barmen durch H a u s a gi t a ti o n rund 1159 neue Abonnenten. Ihr Abonnentenzuwachs beträgt seit der Reichstags- auflösung rund 5999, davon entfallen rund 4999 auf die Zeit nach der Stichwahl. Trotzdem der Verbreitungsbezirk der„Freien Presse" wesentlich eingeengt wurde durch Abtrennung des Kreises Remscheid und des Wahlkreises Altena-Jserlohn— in letzterem Kreise erscheint die„Volksstimme", ein Kopfblatt der„Freien Presse"— beträgt jetzt der Abonnentenstand der„Freien Presse" 29259! Das ,. Offen bacher Abendblatt" zählt jetzt über 19999 Abonnenten! Auf die Zahl der Wähler berechnet. die am 26. Januar 1997 im Verbreitungsbezirk dieses Parteiorgans einen sozialdemokratischen Stimmzettel abgegeben haben, macht das ungefähr 65 Prozent aus. In der Stadt Offenbach sind 79 Prozent der sozialdemokratischen Wähler zu gleicher Zeit Abonnenten ihres Parteiorgans, in den Landorten ist das Verhältnis nicht so günstig.... Die 79 Prozent der Stadt Offenbach, können vielen Parteiorten zum Muster und zur Aneiferung dienen. 16 99 neue Leser hat der Wahlkampf der„Märkischen Volks st imme" zu Forst gebracht, so daß die Abonnentenzahl jetzt 11799 beträgt._ Totelckiste. In Bamberg starb einer von der alten Garde, der Maurer Andreas F ö r t s ch, der schon in den siebziger Jahren unter sehr schwierigen Verhältnissen bemüht war, dem Sozialismus in der schwarzen Bischofstadt am Main Eingang zu verschaffen. Während des Schandgesetzes hat er trotz aller Verfolgungen und Schikanen die Fahne der Arbeiterbewegung hoch gehalten. Die amerikanischen Genossen verlieren wieder einen ihrer treuen Kämpfer, einen von der alten Garde. Otto Ungewiß erlag, wie die„New A orker Volks-Zeitung" mitteilt, in New Häven einem Herzschlage. Ungewiß ist im Jahre 1869 in der Provinz Sachsen geboren und erlernte das Zigarrenmachen. 1898 war er bereits in Berlin und schloß sich hier dem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein an; von da ab hat er der sozialistischen Bewegung bis an sein Ende gedient. Das Sozialistengesetz trieb ihn über den Ozean. Er kam im Jahre 1884 nach New Aork, wo er sich sofort der sozialistischen Arbeiterpartei anschloß. Das Jahr 1892 brachte ihn nach New Häven. Hier fand er die Bewegung noch sehr schwach; seiner rührigen Tätigkeit gelang es, im Jahre 1898 die Stimmenzahl der Partei auf 1199 zu bringen. Aus Baden schreibt man uns: In Offenburg starb der Genosse Adolf L i t t e r st. Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion des Stadtverordneten- Kollegiums, im Alter von 68 Jahren an einer Lungenentzündung. L. war seit 29 Jahren ein stilles, aber tätiges Mitglied unserer Parteiorganisation; er gehörte seit 1889 der gewerkschaftlichen Organisation der Tabakarbeiter an. deren Lokalvereinigung er gründete und als Vorsitzender bez. Kassierer verwalten half. Zur vorläufigen Tagesordnung des kommenden Parteitages der russischen Sozialdemokratie, die wir berettS veröffentlichten, wird uns von russischer Seite geschrieben: Zweifellos sind es die Punkte 2: Die nächsten politischen Auf- gaben. 3: Di« Duma und 8: Die Dumafraktion, die die größte Aufmerksamkeit des Parteitages auf sich lenken werden. Die mnere Organisation der sozialdemokratischen Dumafraktion, ihre Kompetenz, ihr Verhalten zu den anderen sozialistischen und revolutionären Fraktionen— daS sind alles Fragen, die eine sorgfältige Be- Handlung erheischen. Auch mit der Tätigkeit der Fraktion in der Duma, mit der Ausnutzung der Duma als revolutionäre Tribüne oder zur„organischen Arbeit", mit der Herstellung einer engen Fühlung zwischen der Dumasraktion und den Volksmassen außerhalb der Duma, folglich mit der Organisierung dieser Massen, dem Kampf außerhalb der Duma, der Stellung der Sozialdcuio- kratie zur Forderung eines verantlvortlicher Ministeriums— mit alledem wird der Parteitag sich eingehend zu beschäftigen haben. Kurz, es gilt die Taktik der Sozialdemokratte in dieseur wichtigen Abschnitt der rusfischen Revolution festzusetzen, sich über die Mittel und Wege klar zu werden, mit denen das Proletariat in der neuen Situatton, die aus seiner Teilnahme an den Wahlen entspringt, den alten Kampf für die Freiheit bis zum endlichen Siege fort- führen muß._ Urabstimmung über einen WahlrechtSstrcik und ein außerordentlicher Parteitag in Schweden. Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei Schwedens hat am Sonnabend zwei Zirkulare an die Arbeiterlommunen versandt, die " Da die kleinen Büttnerim Anschluß an das Manifest vom 1. November 1906 von den Maß-| bestoweniger den Redakteur, der aus diesem Grunde die Berichtigung| Artikel zugrunde, in dem eine scharfe Kritik folgenden Vorgangs regeln handeln, die bei der gegenwärtigen Lage der Wahlrechtsfrage aufzunehmen sich weigerte. Es gibt dem Redakteur also in der enthalten war. Ein Arbeiter, der den Büttnerstreit mitgemacht notwendig werden können. Die Arbeiterkommunen werden auf Sache recht und berurteilt ihn trogdem. Gegen das merkwürdige hatte und einigemale in Versammlungen aufgetreten war, konnte gefordert, eine allgemeine Abstimmung ihrer Mitglieder vorzunehmen Urteil, das überdies den§ 19 Abs. 2 des Preßgefeßes ganz außer lange teine Arbeit mehr finden, bis ihn endlich ein leiner Büttner über die Frage, ob sie, um den Regierungsvorschlag zur Wahlrechts- Betracht gelassen hat, ist aus prinzipiellen Gründen Berufung ein- meister einstellte. Aber schon nach wenigen Tagen teilte ihm der ceform zu Fall zu bringen und für die Durchführung einer Ver- gelegt worden. Meister mit, er müsse ihn zu seinem Bedauern entlassen; er sei fassungsrevision im Sinne des Vorschlages der sozialdemokratischen Straffonto der Breffe. 300 Mart Geldstrafe erhielt Ge- fehr zufrieden mit ihm gewesen, aber die Bereinigung der BüttnerFraktion zu wirken, den politischen Massenstreit an der Brauereibefizer verlangt werde. Das Ergebnis dieser Urabstimmung soll nicht wenden wollen. Das Ergebnis diefer Urabstimmung soll nicht noffe Eberle von der Elberfelder Freien Breffe" von meister bestehe auf der Entlassung, weil dies von der Vereinigung veröffentlicht, sondern dem geschäftsführenden Ausschuß des Partei- der Strafkammer Elberfeld als Berufungsinstanz wegen Beleidigung meister Kulmbachs sämtlich von den Brauereien abhängig sind, veröffentlicht, sondern dem geschäftsführenden Ausschuß des Partei eines bürgerlichen Zeitungsverlegers. Das Schöffengericht hatte als mußte der Meister des betreffenden Arbeiters dem Machtgebot Bis zum selben Datum sollen die Arbeiterkommunen ihre Dele- erſte Instanz auf 20 Mart Geldstrafe erkannt. Es handelte sich, nachkommen, wenn er nicht riskieren wollte, daß er ebenfalls brotwie die Freie Presse" mitteilt, um eine Bolemit, die sie im ver los wurde. Obwohl nachgewiesen wurde, daß der Arbeiter nur gierten zu einem außerordentlichen Parteitongreß gewählt haben. Dieser Parteifongres soll in Stockholm stattfinden. gangenen Sommer mit der" Berg.- Märk. 3tg." führte und die sich auf Verlangen der Meistervereinigung entlassen wurde und ein um die Lohn- und Arbeitsbedingungen in den Konsumbereinen drehte. Meister als Beuge erklärte, daß die Vereinigung der BrauereiDer Zeitpunkt soll noch festgesetzt werden. Das Ergebnis der Urabstimmung soll dem Kongres als Material zur Beurteilung der Im Berlauf dieser Polemik hatte sie dem Verleger vorgeworfen, daß befizer der treibende Steil gewesen sei, erachtete das Gericht den Frage dienen, ob ein Massenstreit zur Erringung des all- er neben der Fälschung auch noch eine niederträchtige Unterschlagung Wahrheitsbeweis„ ganz und gar nicht erbracht". Es motivierte die begangen habe, indem er wichtige Tatsachen, die gegen Artikel der gemeinen gleichen Wahlrechts geboten ist und zweckmäßig erscheint. Berg. Märt. 8tg." ins Feld geführt wurden, unterschlagen bezw. Bestreben des Angeklagten, dem es nur darum zu tun sei, die - Höhe der Strafe auch damit, daß diese bei dem Polizeiliches, Gerichtliches ufw. gefälscht habe. Die Straffammer teilte diese Auffassung nicht, im minderbemittelte Klasse gegen die besser fituierten Arbeitgeber auf Gegensatz zum Schöffengericht. In der Verhandlung bemerkte der Vertreter des Klägers, Herr Bacmeister werde beshalb so schwer anzuheben", am Plaze sei. Das Landgericht Bayreuth als BerufungsUrteil auf und erkannte lediglich wegen formeller Beleidigung Begriffen, weil er fich große Berdienste um die Be- instanz kam zu einer etwas anderen Auffassung: es hob das Der lämpfung der Sozialdemokratie erworben habe" curch das Wort„ Rapitalsprozen" auf 50 M. Geldstrafe. Wahrheitsbeweis für die behaupteten Vorgänge, die der Präsident selbst als etwas sonderbar" bezeichnete, gilt also als erbracht. Den flagenden Brauereibesitzern wurde die Hälfte der Kosten aufgebürdet. Wie wird sich die nationale" Bresse zu diesem gerichtlich festgestellten Unternehmerterrorismus äußern? Unter Anwendung. Das Schöffengericht Kulmbach verurteilte vor kurzem den ber gegen Arbeiter zur Geltung gebrachten Auslegung des Genossen Paul Schlegel als verantwortlichen Redakteur der Erpressungsbegriffs müßten nunmehr die Leiter der schwarzer Fränkischen Volkstribüne" zu 8 Tagen Gefängnis wegen Feme unter Antlage gestellt werden. Beleidigung der Kulmbacher Brauereibarone. Der Klage lag ein Ein mehr als merkwürdiges Urteil fällte das Schöffengericht in Altenburg. Wegen Nicht aufnahme einer Berichtigung, die ihm der Redakteur Emil Kunz von der antisemitischen Altenburger Landeszeitung" übersandt hatte, war gegen den Genossen Ditreiter von der Altenburger Boltszeitung" An flage erhoben worden. Die Ablehnung war erfolgt, weil in die Berichtigung ein Saz berflochten war, der mit der Sache nichts zu tun hatte. Die Verhandlung am 25. Februar endete mit der Ver urteilung Difreiters zu einer Geldstrafe von 10 M. und nachträg licher Aufnahme der Berichtigung, jedoch und das ist nun das Merkwürdige an dem Urteil unter Weglassung des von dem Angetlagten beanstandeten Sazes. Man bedenke, das Gericht hält den beanstandeten Satz für unberechtigt, berurteilt aber nichtsFür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, 26. Februar. Anjang 7 Uhr. Kgl. Opernhaus. Mignon. Kgl. Schauspielhaus. Die Quizons. Deutsches. Ein traum. Kammerspiele. ( Anfang 8 Uhr.) SommernachtsLeffing. Rosmersholm. Urania. Wissenschaftliches Theater. 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr Dr. M. v. Unruh: Die Edelmetalle. Lortzing- Theater Bellealliancestr. 7/8. Abends 7, Uhr: Gefpeniter. Die lustigen Weiber v. Windsor. Westen. Der Poftillion von Lonjumeau. Abonnements gültig! Donnerstag zum erstenmal: Das Glöckchen des Eremiten. Nachmittags 3 Uhr: Die Zauber Lustspielhaus. flöte. Lorning. Die lustigen Beiber bon Windsor. Anfang 8 Uhr. Täglich abends 8 Uhr: Husarenfieber. Schiller 0.( Ballner- Theater.) Zentral- Theater. Im bunten Rod. Schiller- Theater Charlottenburg. Der Kaiserjäger. Schiller N.( Friedrich Wilhelms städtisches Theater). Adieu Therese. Sein Alibi. Komische Oper. Carmen. Berliner. Der Hund von Basker ville. Zentral. Nanon. ( Operette.) 8 Uhr halbe Preise: Nanon. Donnerstag: Der Milliardär. Schiller- Theater N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Adieu, Therese. Hierauf: Sein Alibi. Menes Schauspielhaus. Torquato Residenz- Theater. Tasso. Kleines. Ein idealer Gatte. Neues. L'Ainée. Direktion Richard Allerander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Residenz. Haben Sie nichts zu Haben Sie nichts zu verzollen? berzollen? Lustspielhaus. Husarenfieber. Deutsch Amerikanisches. % Sorgenbrecher. Thalia. Eine lustige Doppelehe. Luifen. Die Fledermaus. Trianon. Fri. Josette Der meine Frau. Bernhard Rose. Sherlod Holmes. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Herrnfeld. Ein verrüdtes Hotel. Wintergarten. Dtto Reutter. Spezialitäten. Apollo. Bernhard Mörbiz. Spe zialitäten. Rafino. Ledige Leute. Spezialität. Folies Caprice. Im Café Abelles. Ein Slabriasprozeß. Vaffage. Spezialitäten. Prater Theater. Philippine Welfer. Figaro. Hochzeitsnacht. Sein Jdeal. Katastrophe. Unterm Bett. ( Anfang 8, Uhr.) Walhalla. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr: Dr. M. v. Unruh: Die Edelmetalle. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Anfang 8 Uhr. Der Hund von Baskerville. Donnerstag: Sherlock Holmes. Freitag: Der Hund von Bas: terville. Neues Schauspielhaus Mittwoch, den 27. Februar 1907: Gastspiel Josef Kainz: Torquato Tasso. Uhr. Donnerstag: Herthas Hochzeit.. Neues Theater. Gaftspiel Suzanne Desprès: L'Ainée. Anfang 8 Uhr. Donnerstag: Rosine. Gastsp. Suzanne -Desprès. Freitag: La Robe Rouge, Gastspiel Suzanne Desprès. Kleines Theater. Abends 8 Uhr zum 172. Male: Ein idealer Gatte. Donnerstag: Die Kralle. Freitag zum 178. Male: ibeater Gatte. Sonnabend: Die Kralle. Ein Schwank in 3 Aften v. M. Hennequin und Pierre Beber. Robert de Trivelin: Rich. Alerander. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Schlafwagenkontrolleur. Luisen- Theater Neichenbergerstr. 34. Gastspiel des Theaters des Westens: Die Fledermaus. Morgen: Der Hüttenbesitzer. DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurterstr. 182. Abends 8 Uhr: Sherlock Holmes. Detektivkomödie in 4 Aften nach der Romanserie Cannon Doyle. Morgen: Sherlock Holmes. Sonnabend nachm.: Rotkäppchen. Abends Metropol- Theater Der Teufel lacht dazu. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von " Soziales. Unternehmerterrorismus vor Gericht. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Im bunten Rock. Lustspiel in 3 Aufzügen von Franz b. Schönthan u. Freiherrn v. Schlicht. Donnerstag, abends8Uhr: Die Räuber. Freitag, abends 8 Uhr: Jugend. Schiller- Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Kaiserjäger. Komödie in 3 Aufz. v. Hans Brennert und Hans Ostwald. Donnerstag abends 8 Uhr: Der Kaiserjäger. Freitag, abends 8 Uhr: Die Verschwörung des Fiesko zu Genua. bekannten Polologlow- Zigaretten sind in Geschmack und Qualität unerreicht! Das Stück 3 bis 10 Pfennige Ueberall käuflich! Fabrik„ Epirus", Dresden 3621L Zirkus Busch Deutscher Metallarbeiter- Verband. 7 Uhr. Heute, Mittwoch, den 27. Februar 1907: 7, Uhr. Das große Gala- Programm, sowie Rom Großes Orig.- Manege- Schaustück in 7 Bildern. Voranzeige! Freitag, den 1. März 1907 und folgende Tage: Große internationale Ringkampf- Sonderkonkurrenz um die Siegesprämie von 10 000 Mark. Dem Sieger ferner als Ehrenpreis ein großer Gold- Pokal gestiftet von der Sportredaktion der Zeitschrift: ,, Das Deutsche Blatt". Ehrenprotektorat: Herr Professor Reinhold Begas. Bisher fest verpflichtet: Padoubny, Weltmeisterschaftsring., 1905/6 Paris und Fritz Müller, Paul Albano, Schweiz. Süddeutschland. Aimable jeune, Marseille. Zipps, Nordamerika. Kara Safi, Adrianopel. Siegfried, Deutschland. L. Vrancken Petersburg. Cazeaux de la Bastide gen. le Terrible, Meisterringer von Bordeaux. Redjeb Pengal, Erster Champion d. Türkei.( GambierII) Belgien. Jess. Pedersen, Däne- Aimable de la Calmettte mark, Weltmeister- Champion von ringer, Paris 1903/4, Südfrankreich. Anglio, Martinique. Jos. Smejkal, z. Z. erst. Meisterschaftsringer von Böhmen. Esson, Champion von Schottland. Rasuma, Japan. Nollet de Collineur, Gascogne. Jaroslaw, Polen. Ferner stehen in Unterhandlung: Cyganiewicz Zbysko, Pugatschow John Pohl- Abs, Weltmeisterschafts-( gen. der Riese des Meisterschaftsring. Kaukasus). ringer von Polen. von Deutschland. Die Kämpfe werden unter strengster Kontrolle der Presse und des Schiedsgerichts ausgefochten, und wird jeder Ringer, welcher sich einer Unreellität schuldig macht, unnachsichtlich disqualifiziert. WINET CARTEN Vorletzte Vorstellung des Februar- Programms. Viktor Hollaender. Dirigent Max Vorletztes Auftreten Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. von Massary. Wolff. Bender. Otto Reutter. Giampietro. Josephi. Rauchen überall gestattet.. Sonntag, 3. März, nachm. 3 Uhr: Auf in's Metropol. PalastPalast- Theater. Pollo Theater Letzte Woche! Letzte Woche! Bernhard Mörbitz als Baulchen auf der Wanderschaft. Außerdem die Attraktionen des großen Spezialitäten Programms. Sonntag nachm. 8, Uhr( fleine Preise!): Doppel- Borstellung mit neuem Programm. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. DHI. Brunnenſtr. Bum legten Male: Eine Familie ober: Die feindlichen Brüber. 16. Lebensb. in 4 Att. v. Ch. Birch- Bieiffer. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Donnerstag: Extra Vorstellung. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Heute 8 Uhr. Entree 50 Bf. Der auserlesene Februarspielplan u.a.: Die 3 Harders, Röntge der Luft. Grete Füllgraf, füngfte Berwandlungskünstlerin. Vom Witwenball. 16 Schwant. Familienkarten, wochentags zum Friseurs u. Bigarrengeschäften gratis. balben Staffenpreis gültig, in Barbier, Trianon- Theater. Anfang 8 Uhr. Fräulein Josette- meine Frau. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Liebesschautel. Zirkus Schumann Heute Mittwoch, präzise 7%, Uhr: Grande Soirée équestre. Elite Programm und nur noch einige Tage: Mr. Richard Sawades einzig dastehende, wunderbar dreffierte gemischte Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Bimmer 34, Amt 4, 3353. Engel- Ufer 15. Bimmer 1-5, Amt 4, 9679. Donnerstag, den 28. Februar 1907, abends 8 Uhr: Bezirks- Versammlung für Rummelsburg und Umgegend im Lokal von Gustav Tempel, Alt- Borhagen 56. Tages- Drdnung: 1. Vortrag. 2. Distuffion. 3. Berbandsangelegenheiten. Bahlreichen Besuch erwartet 118/20 Die Ortsverwaltung. Gefunde Kinder sind der Stolz der Mutter. Der Grund zur Gesundheit wird schon im frühen Alter gelegt, wenn man die Kinder mit Kufetes Kindermehl und Kuhmilch ernährt, welches die Nährkraft der berdünnten Milch erhöht, sie durch eine feinflockige Gerinnung im Magen des Kindes leichter verbaulich macht und durch Beschränkung der abnormen Darms gärungen einen Schutz gegen Erkrankungen des MagenDarmkanals verleiht, ferner die Muskelfleisch- und Knochen- Bildung in günstigster Weise beeinflußt, so daß das Körpergewicht in normaler Weise zunimmt. Mit Kufetes Kindermehl ernährte Kinder find ruhig, leiden nicht an Blähungen, haben gesunden Schlaf, guten Appetit, geregelte Verdauung und gedeihen in jeder Weise vorzüglich. Gebr. Herrnfeldnig. Theater Borbert. 8 Uhr. 11-2 Uhr 57 Kommandantenstr. 57. Die stürmisch bejubelte Novität Ein Raubtier- Gruppe verrücktes Hotel Außerdem: neu engagierten Spezialitäten. Um 9 Uhr: Noch nie dageweser Erfolg: St. Hubertus. Etablissement Neue Welt Hasenheide 108/114. Gastspiel Bernhard Rose- Theater. Der Herr Stadtmufikus und seine Kapelle. Boltsstüd mit Gesang in 5 Aufzügen. Sasseneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Billettborberlauf von 10-1 Uhr an der Kaffe des Etabliffements. Walhalla Varieté- Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Nur noch wenige Tage: 15 Die vorzüg lichen Februar Spezialitäten Anfang 8 Uhr. 15 Komödie in 3 Atten mit den Autoren A. und D. Herrnfeld in den Hauptrollen. Sonntag, den 3. März, nachmittags 8, Uhr, b. halben Staffenpreisen: Hausierer Jockell und Die letzte Ehre mit A. und D. Herrnfeld. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Anfang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Reichshallen- Restaurant Bockbier- Fest. Sanssouci Stottbufer straße 4a. Direktion Wilhelm Reimer. Sonnt., Mont., Donnerst.: Hoffmanns Nordd. Sänger. Morgen Donnerstag: Folies Caprice. Linienstr. 132, an der Friedrichstr. Heute abend 8 Uhr: 10 000 Gulden Mitgift. Glänzend neuer Soloteil: Im Inspektionszimmer. Borverkauf an der Theaterkaffe und bei Wertheim. Deutsch- Amerikanisches Theater, 8 Uhr:( Oper und Operette). Gastspiel des Theaters des Westens. ,, Cousin Bobby". Edmund Löwe a. G. Sonntag 3 Uhr, halbe Preise: Zar und Zimmermann. Prater- Theater Kaftanien Allee 7-9. S Heute abend 8 Uhr: Philippine Welser. Schauspiel in 4 Aften von Rebwiz. Morgen: Der Veilchenfresser. Kasino- Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch kurze Zeit: Ledige Leute und das brillante Februarprogramm. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Colosseum Dresdenerstraße 97. Täglich: Großer Gr. Elite Soiree. Bockbier- Jubel. ( Durchweg neues Progr.) Humor! Sonnt. Bg. 5, Wochent. 8 1. Musik! Gesang! Jeb.Dienst.: Theaterabend Allerlei Ueberraschungen. Sozialdemokratischer Wahlverein Achtung! Holzarbeiter! Sozialdemokrat. Wahlverein für den 2. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, den 5. März, abends 8½ Uhr: Donnerstag, den 28. Februar, vormittags 10 Uhr: General- Versammlung Versammlung der Ausgesperrten im Hofjäger- Palast, Hasenheide Nr. 52/53. Tages Ordnung: 1. Bericht des Borstandes und Diskussion. 2. Bericht der Kommissionen und Diskussion. 8. Neuwahl des Gesamtvorstandes und der Kommissionsmitglieder. 4. Anträge. Bom Borstand find folgende Anträge gestellt: 1. gegen den Genossen Klempner Robert Schulz, 2. " " Lithograph Paul Möhring das Ausschlußverfahren auf Grund der§§ 2 und 27 der Organisation der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands einzuleiten. 238/14 Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. in der Neuen Welt, Hasenheide 108/114. Donnerstag, den 28. Februar, nachmittags 3 Uhr: Versammlung f.d.4. Berl. Reichstagswahlkreis ( Landsberger Biertel.) Bezirk 179a. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Uhrmacher Gotthard Miltz gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 27. Februar, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Andreas- Kirchhofes in Wilhelmsder arbeitslosen Tischler, Drechsler, Polierer bergaus statt. und Maschinenarbeiter im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15. Achtung! Brauereiarbeiter! Atung Die Differenzen der unterzeichneten Organisationen mit dem in 48/1 Norddeutschen Brauhaus Grünau find zur allseitigen Zufriedenheit der Beteiligten beigelegt. Die Sperre über das Norddeutsche Brauhaus ist aufgehoben. Die Streifenden haben Dienstag früh die Arbeit wieder aufgenommen. Die dem Direktor des Norddeutschen Brauhauses, Herrn Heinemann, in den Mund gelegten Aeußerungen betr. den Jubel über den Ausfall der Reichstagswahlen", beröffentlicht in der Freitagsnummer des Borwärts" unter„ Gewerkschaftliches", sind auf ein Mißverständnis zurückzuführen und werden hiermit zurückgenommen.( Siehe„ Gewerkschaftliches" in Nummer 48 des Vorwärts"). Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. Ortsverwaltungen Berlin I und II. Verband der Maschinisten und Heizer Deutschlands. Stukkateure! Montag, den 4. März 1907, abends 8% Uhr in den Musiker Sälen, Kaiser Wilhelmstr. 18m: = Außerordentliche Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Zweck und Nutzen einer Verschmelzung mit dem Maurerverbande. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 178/8 Bahlreiche Teilnahme der Verbandskollegen an dieser wichtigen Verhandlung unter Hinzuziehung von Nichtmitgliedern und Gästen erwartet Die Ortsverwaltung Berlin des Zentralverbandes der Stuffateure. Zentral- Verband der baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands.o Zweigverein Berlin und Umgegend. Die Ortsverwaltung. Um rege Beteiligung ersucht 242/18 Der Vorftand. Goltzstr. 9 Schöneberg, Goltzstr. 9 Männergesangverein ,, Brennahor" Gustav Behrens Theater früher Schöneberger Wintergarten. 密 AM 53 密 Eröffnung Sonnabend, 2. März mit einem erstklassigen Programm. Buggenhagen Dr 0 C Moritz- Platz. Täglich: k Urtidele Stimmung. r ■ Doppel- Konzert. m Schuhplattler. Umzug m des Zirkus direktors a. d. J. 1840. Die kluge Pauline. Passage- Theater. Heute Mittwoch, 27. Februar, zum 22. Male: Mal was Anderes! Bosse von Leop. Elh. Josefine Dora, Georg Kaiser, Martin Bendix, Ernst Kettner. Ferner: Die glänzenden Februar Spezialitäten. ebraring Otto Pritzkow, Münzstr. 16. Bezirk Westen- Schöneberg. Donnerstag, den 28. Februar, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Obst, Meiningerstraße 8( großer Saal): Oeffentliche Bauarbeiter- Versammlung. T Zages Drdnung: 1. Unsere bevorstehende. Lohnbewegung. Referent: Genosse Obst. 2. Diskussion. 32/16 Recht zahlreichen Besuch erwartet Der Zweigvereinsvorstand. J. A.: W. Kribow. Vereinigung der Maler, Lackierer, Anstreicher etc. Melchiorstraße 28. Filiale Berlin. Fernspr. Amt 4. Nr. 4787. Mittwoch, 27. Februar, abends 8 Uhr, in den Musiker- Sälen, Kaiser Wilhelmstr. 18m: 107/3 Mitglieder- Versammlung. Zages Dronung: 1. Statutenberatung. 2. Bereinsangelegenheiten. Die Ortsverwaltung. Verein Berliner Hausdiener. Gegründet 1883. Gegründet 1883. Mitgliedschaft I des Zentralverbandes der Handels-, Transport, Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Arbeitsnachweis: Alte Leipzigerstr. 1, Eingang Raules Hof. Fernsprecher: Amt I Nr. 2632. Bureau und Kaffe: Alte Leipzigerstr. 1a. Fernsprecher: Amt I Nr. 4981. Sonntags geschlossen. Arbeiter! Parteigenossen! Die organisierten Eintaffierer und Sassenboten ersuchen die Arbeiterschaft Deutschlands, bei Abschlüffen von Geschäften und Versicherungen aller Art sowie bei Bahlungen fich von den mit brauner Legitimations. tarte versehenen Abzahlungs, Nähmaschinen- und Versicherungstassierern bedienen zu lassen. Die Karte muß jebes Quartal abgestempelt fein. 17485 Ganz besonders bitten wir auf die Sonntagstaffierer zu achten. Ber nicht im Befihe der braunen Legitimationstarte ist, gehört unferer Organisation nicht an. Informiert Eure Frauen! Die Agitationskommiffion der Einkaffierer und Kaffenboten. J. A.: Friedr. Luckow, Berlin, Fehrbellinerstraße 3. Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien. Auf Wunsch Vorführung in Vereinen jederzeit. Verbindung mit größter FilmsFabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. Den Mitgliedern hiermit die traurige Nachricht, daß unser lieber Sangesbruder und zweiter Borsigender Hermann Wicht am am 25. Februar verstorben ist. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 28. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes in Schöneberg, Hauptstraße 46, aus statt. 17715 Der Vorstand. Walter Gommert, Borsigender, Romintenerstr. 23. Statt jeder besonderen Mitteilung. Hierdurch teile ich mit, daß mein lieber Mann, unser einziger Sohn und Bruder, Genosse Dr. August Winter von seinen langen Leiden erlöft worden ist. Die Beerdigung findet am 28. b. Mts., 9, Uhr vormittags in Rybnik D./S. ftatt. Berlin, Schönhauser Allee 32, 26. Februar 1907. 17655 Für die Angehörigen: Martha Winter, geb. Harttlem. Todes- Anzeige. Am Sonntag, den 24. Februar, starb nach kurzem schweren Leiden meine liebe Frau Selma Schulz geb. Szillmer. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 27. Februar, nach mittags 23, Uhr, von der Leichen halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Dies zeigt tief betrübt an Reinhold Schulz 17725 nebst Tochter. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die überaus reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters, sagen wir allen daran Beteiligten unseren herzlichsten Dank. Wwe. Antonie Tieke nebst Kindern. 17635 Eröffnung der Frühjahrs- und Sommer- Saison 1907. Westmanns Engroshaus Hauptgeschäft W., an den Mohrenstr. 37a, Kolonnaden. Filiale: O., Große Frankfurterstr. 115, an der Andreasstraße. Damenkonfektion. Einzelverkauf= an Private! Spezialität: Schicke Konfektion. 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Rabatt. 3 Freunden und Bekannten hier. durch die traurige Nachricht, daß mein guter Mann, unser treuforgender Bater, der Schriftgießer Fritz Siewert infolge Schlaganfalles plöglich verstorben ist. Um stilles Beileid bitten Die trauernde Witwe Minna Siewert nebst Kindern. Rirdorf, Reuterstr. 45. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 28. Februar, nach mittags 434 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jerusalemer Kirchhofes, Rirdorf, Hermannstraße, aus statt. 17445 Typographia. Durch das so plötzliche und un erwartete Hinscheiden unseres braven Sangesbruders und ehemaligen Vorsitzenden des Vereins, Kollegen Fritz Siewert hat der Verein einen herben Berluft erlitten. Sein stets reges Intereffe für die Bestrebungen des Vereins fichern ihm ein bleibendes Andenten bei den Mit gliedern. Die Mitglieder werden gebeten, möglichst vollzählig unserem ver storbenen Kameraden das letzte Geleit zu geben.( Beerdigung fiehe vorstehend.) Der Vorstand. Am 23. d.. verschied nach furzem, schwerem Krankenlager unser lieber Gatte, Vater, Schwiegerbater und Großvater, der Maschinenarbeiter am Wilhelm Domke. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 28. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Treptower GemeindeFriedhofes, Neue Krug Allee, aus statt. 17596 Die trauernden Hinterbliebenen: Witwe Auguste Domke. Max Domke. Frida Domke geb. Issem. Willy Domke. Sozialdemokratisch. Wahlverein Tempelhof. Den Parteigenossen die traurige Nachricht, daß unser altes Mitglied, Schriftfeter Gustav Weiß durch Unglüdsfall verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 27. Februar, nachmittags 4 Uhr, auf dem Gemeindekirchhof Tempelhof, Brizer Chauffee statt. Rege Beteiligung erwünscht 17665 Der Vorstand. Zentral- Verband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Todes- Anzeige. Am 25. Februar verstarb der Kollege Hermann Wolff im Alter von 35 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 27. Februar, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Aderstr. 133 aus nach dem Elisabeth- Kirchhof, Prinzen- Allee, statt. 195/9 Der Vorstand. Allen Freunden, Verwandten und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Bater, Schwiegervater und Großvater Heinrich Landeck im Alter von 70 Jahren am 25. b. Mts. verstorben ist. 40362 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 28. Februar, nachmittags 4 Uhr, vom Trauer hause Huttenstr. 11 aus statt. Hedwig Rowe geb. Landeck. Paul Rowe und Kinder. Danksagung. Für die überaus zahlreiche Beteiligung und Seranzspenden bei der Beerdigung meines lieben unvergeßlichen Mannes, des Gastwirtes Otto Schilling sage ich allen, insbesondere Herrn Stadtverordneten E. Db ft für die troftreichen Worte am Grabe, sowie den Gesangvereinen Froh Hoffnung" und Rote Nelle I", ferner den Mitgliedern des Wahlvereins sowie sämtlichen Mitgliedern der Getvert schaften, welche meinent Manne die legte Ehre erwiesen, meinen herz lichsten Dant. 40372 Wwe. Elisabeth Schilling. Danksagung. Sage allen für die zahlreiche Be teiligung bei der Beerdigung meiner lieben Frau und für die Unterstügung, die derselben während ihrer Strankheit und mir bis zulegt zuteil geworden ist, meinen aufrichtigen Dant. 4040 M. Boddin nebst Kindern, Rahnsdorfer Magle. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Donnerstag, den 28. Februar 1907, abends 82 Uhr, im " Rosenthaler Hof", Rosenthalerstr. 11/12: Branchenversammlung der Stellmacher. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Robert Schmidt über:„ Was müssen wir vom Unfallversicherungsgesetz wiffen"? 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Kommission. Branche der Maschinenarbeiter. Mittwoch, 27. Februar, abends 8, Uhr, in den„ Andreasfälen", 81/8 Andreasstr. 21: Branchen- Versammlung. Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. Spitzen OOO Besätze O Stickereien O Weißwaren 00 Die Branchenkommission. Knöpfe 0000 Gürtel 0 Partei- Speditionen: Zentrum I: Friz 3inte, Mauerstr. 89. Zentrum II: Albert a hnisch, Auguststr. 50, Eingang Joachimstraße. 2. Wahlkreis, Süden und Südwesten: Hermann Werner, Mittenwalderstr. 30. 2. Wahlkreis, Westen: Gustav Schmidt, Bülowstr. 52, Hof. 3. Wahlkreis: St. Frik, Prinzenstr. 31, Hof rechts part. 4. Wahlkreis, D.ften: Robert Wengels, Rüdersdorferstr. 3, am Küstrinerplaz. Wilhelm Mann, Petersburgerplak 4( Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Laufikerplatz 14/15 ( Laden). 5. Wahlkreis: 2eo 3 ucht, Steibelstr. 42( Laden). 6. Wahlkreis( Moabit und Hansaviertel): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding: Karl Weiße, Wiesenstraße 41/42. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Hermann Raschke, Aderstr. 36, Eingang Anflamerstraße. Gesundbrunnen: F. Trapp, Rügenerstr. 24, vorn part. links. Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Lychenerstr. 123. Alt- Glienicke: Reinhold Schulz, Rudowerstr. 83. Charlottenburg: Gustav Scharnberg, Sesenheimerstraße 1, Ede Goethestraße, born I. Wilmersdorf- Halensee: Georg Feese, Berlinerstr. 46, Laden. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg: Seifel, Stronprinzenstraße 50, I. Otto Rummelsburg, Boxhagen: A. Rosenkranz, Alt- Borhagen 56. Grünau: Otto Schröder, Wilhelmstr. 21. Rixdorf: M. Heinrich, Neckarstraße 2, im Laden. Schmargendorf: Gustav Saminsky, Cunostraße 2. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Tempelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. Ober- Schöneweide: Julius Gru no w, Edisonstr. 10, I. Nieder- Schöneweide: Bonatowsky, Hasselwerderstr. 1d. Johannisthal: Franz Hünold, Bismarcftr. 7. Adlershof: Erich Steuer, Noonstr. 8, I. Königs- Wusterhausen: Friedrich Baumann, Ludenwalderftraße 4b. Köpenick: Friedrich Woid, Grünstr. 4. Friedenau- Steglitz- Südende: . Bernsee, Schloßstr. 115, Gartenhaus I, in Steglik. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. Schellhase, Ahornstr. 15 a. Mariendorf: Baul Müller, Bergstr. 35, Hof I. Baumschulenweg: Stod, Ernststr. 2, II. Treptow: Rob. Gramenz, Kiefholzstraße 412, Laden. Neu- Weißensee: Rurt Fuhrmann, Sedanstr. 105, parterre. Reinickendorf Ost, Wilhelmsruh P. Gursch, Provinzstraße 108, II. und Tegel, Borsigwalde Wittenau, Schönholz: Waidmannslust, Hermsdorf und Reinickendorf- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Schubartstraße 43. Pankow- Niederschönhausen: G. Freiwaldt, Mühlenstr. 73. Bernau: Heinrich Brose, Hohesteinstr. 74, part. Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankels Ablage: Alfons Gräb, Eichwalde, Kronprinzenstr. 82, I. Teltow: Wilhelm Steiler, Hohersteinweg 7. Nowawes: Wilhelm Jappe, Friedrichstraße 1. Spandau: Köppen, Jagowftr. 9. Außerdem ist sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen Werke dort zu haben. Auch werden Inserate für den. ,, Vorwärts" entgegengenommen. D Bitte ausschneiden. Unsere erprobten und bewährten Spiritus Glühlicht Brenner nebst Ersatz- u. Zubehör- Teilen zu unseren Listenpreisen erhältlich bei 3864L* W. S. 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Da umstände- halber die Flugblattverbreitung am Sonntag nicht vorgenomnien werden konnte, werden sämtliche Funktionäre und Wahlvereins- Mitglieder aufgefordert, heute, Mittwochabend, so zeitig wie möglich sich in den Lokalen Franke, Eichbornstr. 18, und Otto, Berlinerstraße, einzufinden, um die Flugblätter in Empfang zu nehmen. F�nmer wird aus die am 5. März abends 8 Uhr im Lokale Muster, Berliner- straße 2S, stattfindende Fortsetzung der Generalversammlung hin gewiesen. Jedes Mitglied ist verpflichtet zu erscheinen. Der Vorstand. Tegel. Genossen! Heute, Mittwoch, abends 8>/z Uhr, beim Ge nofien Götze, Schloßstr. 7/8, Kursus in Nationalökonomie. Um zahl reiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Berliner JVacbricbten. Der Stadthaushaltetat für das Jahr 1907 ist im Entivurf vom Magistrat fertiggestellt worden und wird jetzt den Stadtverordneten mit dem Ersuchen um Zustimmung vorgelegt. Tie Stadtverordnetenversammlung wird am Donnerstag an die Prüfung dieses Entwurfs herangehen und nach einer Generaldebatte ihn zunächst dem.Etatausschuß überweisen. Der neue Stadthaushaltetat überrascht dadurch, daß er in Einnahme und Ausgabe mit einer g e- r i n g e r e n Summe als der vorhergehende abschließt. Der gesamte Einnahme- und Ausgabebetrag stellt.sich für 1907 auf rund 147% Millionen Mark, das sind 6 Millionen weniger als im Etat für 1906. Hierzu kommen allerdings noch die besonderen Etats der städtischen Werke, die diesmal abschließen in Einnahme und Ausgabe mit 123 Millionen Mark, 17 Millionen mehr als im vorhergehenden Jahre. Stadthaushaltetat und Werketats ergeben für 1907 zusammen 270% Millionen Mark, 11 Millionen mehr als für 1906. In dieser Summe stecken indes auch die sehr erheblichen Be- träge, die nur durchlaufende Posten sind. In den Stadthaushaltetat sind für die Verwaltungen, die einen Zuschuß erfordern, diesmal 106% Millionen an Zuschüssen eingestellt worden, 7% Millionen mehr als im Vorjahre. Die Bauverwaltung, die diesmal 19% Millionen Zuschuß erfordert, ist an dem gesamten Zuschußplus mit mehr als 4% Millionen beteiligt. In den 106% Millionen sind übrigens auch 3 Millionen, die für Werke zugeschossen werden müssen, für Kanalisation und Hafen. Die Verwal- tungen, die einen Ueberschuß abwerfen, müssen diesmal Ueberschiisse im Betrage von 106% Millionen herauswirt- schaften, aus denen die oben erwähnten Zuschüsse gedeckt wer- den sollen. Die Kämmerei mit knapp% Million Ueberschuß und die Gaswerke, Wasserwerke, Vieh- und Schlachthof, Markthallen mit zusammen 9% Millionen Ueberschuß spielen keine sehr erhebliche Rolle. Mehr fällt diesmal das Kapitel „Verschiedene Einnahmen(Abgaben, Dotationen, Renten usw.)" ins Gewicht: aber auch hier werden knapp 21 Mill. erwartet, woran übrigens der aus dem Stadthaushaltetat für !190ö zu verrechnende Ueberschuß allein mit ziemlichr1% Mil. lionen beteiligt ist. Haupteinnahmequelle müssen in Berlin leider die Steuern sein, weil die Geschäfts- klugheit des Stadtfreisinns dafür gesorgt hat, daß rentable Unternehmungen, wie Straßenbahnen und Elektrizitäts- werke, privaten Erwerbsgesellschaften reserviert wurden. Aus den Steuern muß der gesamte übrige Betrag, der noch für Zuschüsse erforderlich ist. herausgeholt werden. Das sind diesmal 75% Millionen Mark, rund 4 Millionen mehr als im Vorjahre. Erwartet wird aus Steuern eine Bruttoein- nähme von 77% Millionen, die sich durch Ausgaben der Steuerverwaltung im Betrage von 1% Millionen auf, wie oben angegeben, 75% Millionen vermindern. An dieser Bruttoeinnahme sind hauptsächlich beteiligt: die Einkommen- steuer mit 34% Millionen. 2 Millionen mehr als im Vor- jähre, die Grundsteuer mit 23% Millionen, 1 Million mehr, die Gewerbesteuer mit 11% Millionen, etwa 1 Million mehr, die Umsatzsteuer mit 5 Millionen, ziemlich wie im Vorjahr. Dazu kommen mit kleineren Beträgen die Hundesteuer, die Betriebssteuer usw. Die Sätze bleiben, wie bisher, für die Einkommensteuer 100 Proz., für Grund, und Gewerbe st euer 150 Proz. Mehr ist nicht nötig, weil vom Magistrat bei der Aufstellung des Etatentwurfs wieder durch«vorsichtige" Bemessung der Ausgaben dafür gesorgt worden ist, daß„alles klappt". Bei der Prüfung des Entwurfs und der schließlichen Festsetzung des Etats gcht die freisinnige Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung von Gesichtspunkten aus, die denen der sozialdemokratischen Fraktion völlig entgegengesetzt sind, um die notwendigen Aufgaben der Kommune zu erfüllen. Die freisinnige Mehrheit kehrt das Verhältnis um. Sie fragt, welche Aufgaben der Kommune als notwendig anerkannt werden dürfen, damit der zulässige Ausgabebetraq langt.„Zulässig" erscheint aber dem Stadt- freisinn nur der Ausgabebetrag, bei dem es möglich bleibt, die Einkommensteuer, die Grundsteuer usw. nach den bis- herigen Sätzen zu erheben. Da der Entwurf auch des neuen Etats diese Bedingung erfüllt, so leistet auch er wieder alles, was die freisinnigen Geldsacksvertreter von ihm verlangen. Nachdem sie es so lange versäumt haben, der Stadtgemeuide neue Einnahmequellen zu erschließen, dürfen sie es natürlich nicht wagen, die Bürgerschaft noch mehr mit Steuern zu belasten und z. B. mal über die 100 Proz. Ein- kommensteuer hinauszugehen. Sie wissen, daß das nötig wäre, aber auch das wissen sie. daß sie als die Schuldigen dann den Unmut der Bürgerschaft zu fürchten hätten. Darum lassen sie lieber alles beim alten, d. h. bei der lieben, alten Gewohnheit, in der Erfüllung kommunaler Kulturaufgaben „sich nach der Decke zu strecken" und für Schulwesen. Gesund- heitswesen, Armenwesen usw. immer nur so viel als not- wendig anzuerkennen, daß„die Decke langt", I, de» städtischen Säugling-Zfürs-rgestellea Nr. IV, Luisen- ttser 50, und Nr. V, Pankstr. 7, beginnen an, Freitag, den 1. März. 6 Uhr abends, wieder unentgeltliche Kurse der Säuglingspflege für Frauen und Mädchen. Die Dauer des Kurses beträgt bei wöchent- lich zwei Stunden drei Wochen. Vorherige mündliche oder schrift- liche Annieldung von 1— 4 m den Jnflituten erbeten. Grunewald und Magistrat. Uöbcr die Stellung, die der Ma- gistrat hinsichtlich der Erhaltung der die Rcichshauptftadt um- gebenden Wald- und Heideländercien, insbesondere auch des Grunewaldes einzunehmen beabsichtigt, soll sich Herr Bürger- meister Dr. Reicke folgendermaßen ausgelassen haben: Die Erhaltung bezw. der Erwerb der, Berlin umgebenden Wälder ist für uns nicht nur, um der Bevölkerung auch weiterhin ausgiebige ErholungSnröglichkeiten zu schaffen, sondern auch vor allem deshalb notwendig, um eine Einkreisung und Isolierung der Stadt durch Privatbesitz usw. zu verhüten. Cr sei der Ucberzeugung, daß die Schaffung einics die Reichshauptstadt vollständig umgebenden Wald- und Wiesengürtels mit allen Kräften angestrebt werden müsse. Ausführbar sei ein solcher Plan naturlich nur mit Hülfe der in Betracht kommenden Nachbargemcinden Berlins; und deshalb habe der Magistrat die Absicht, sich mit diesen Gemeinden zu einem großen Zweckverband zusammenzuschließen. Der �-orstfiskuS— das könne wohl als sicher gelten— werde diese Pläne entsprechend fördern. So sei z. B. zu hoffen, daß der FiskuZ den Grunewald der Stadt verpachten werde. Außer den Terrains, die jetzt schon im Besitze der Stadt Berlin bezw. des Fiskus und den erwähnten Gemeinden seien, würde der Verband noch größere Komplexe von Privatländereien hinzu er- werben müssen, um den Gürtel um Berlin zu schließen. An die Bildung des Verbandes werde erst zu Beginn des Sommers herangetreten werden können, da örtliche Besichtigungen unmn- gänglich notwendig seien. Hinsichtljch des projektierten Grüne- waldseekanalS äußerte sich Herr Bürgermeister Dr. Reicke dahin, daß die Befürchtungen, die sich an dieses Projekt knüpften, im großen und ganzen wohl grundlos seien. Bei der Größe des Grunewalds käme es kaum in Frage, wenn an den Ufern des Kanals wirklich einige Villen gebaut würden. Selbstverständlich dürften die Bauterrains nicht tiefer in den Wald einschneiden. Die Auffassung des Herrn Bürgermeisters über das„Wohl- wollen des Fiskus" können wir nicht teilen; sie scheint uns eine sebr naive zu sein. Neues Frcmdenpostamt in Berlin. Ein prächtiges Fremden- Postamt wird heute Mittwoch früh in Berlin eröffnet. Das Postamt Berlin N1V. 7 wird in der Nacht vom 26. zum 27. Februar aus dem Hause Dorotheenstraße 22 in das reichseigene Dienstgebäude Dorotheenstraße 23/24 verlegt werden. Im Mittelpunkt des Fremdenverkehrs der Reichshauptstadt gelegen wird es wohl von jedem Fremden einmal gelegentlich aufgesucht werden. In seiner farbenfrohen ruhigen Architektur dient der Neubau zur besonderen Zierde jener Gegend eines veralteten und unechten Schmucks. Die ganzen Baulichkeiten gruppieren sich um zwei Höfe Der vordere derselben, rings umbaut, dient in seiner ganzen Ausdehnung zu einer geräumigen Schalterhalle mit reichlichem Oberlicht. Dem Bedürfnis eines lebhaften Kleinverkehrs entsprechend, sind drei Seiten der Halle mit Schaltern besetzt. Nicht weniger als 18 stehen dem Publikum zur Verfügung. In der Mitte bildet der Stand einer Markenverkäuferin mit 12 Schreibplätzen eine würdige Zierde des Raumes. Der Aufbau ist in modernen Formen ausgeführt. Jeder Platz ist vom andern durch eine Scheidewand getrennt. Die Inschriften über die Bestimmung der einzelnen Schalter sind nicht mehr aus Papier, sondern aus Milchglas mit schwarzen Buchstaben hergestellt. Die ganze Ausstattung zeigt überhaupt modernen Ge- schmack. Ein besonderer Eingang dient zur Auflieferung der Pakete. An die geräumige Packkammer schließt sich hinten der zweite Hof an. Eine Ausfahrt ermöglicht den Verkehr der Post- wagen ohne Behinderung des Publikums. Um den Schaltcrhof ist die Abfertigung, Rohrpost, Diensträume für die Aufsicht usw. ange- ordnet. Zwei Treppen hoch befinden sich ausgedehnte Dicnsträume für das sortier- und Briefträgergeschäft, meist von zwei Seiten reichlich mit Licht versehen. Die oberen Stockwerke sind zu Dienst- Wohnungen ausgebaut. Die Fassade zeigt im allgemeinen die Formen der deutschen Renaissance. Die Gliederung ist in der Hauptsache durch Tore, Risalite und Giebel bewirkt, nur wenig durch gelegentlichen Schmuck mit Hilfe von Putten, Emblemen usw. Eine besondere Freude wird den Freunden der heutigen Architektur das ungewöhnlich steile Ziegeldach bereiten. Im Berliner Lehrerverein sprach am letzten Freitag der be- kannte Strafrechtslehrer, Herr Professor Fr. von Liszt, über die strafrechtliche Verfolgung Jugendlicher, wie er erklärte, nicht, um etwas besonders Ndues vorzutragen, sondern um die Notwendigkeit des Zusammengehens von Kriminalisten und Pädagogen in dieser Frage zu dokumentieren. Leider sei bei den gesetzgebenden Körperschaften das erforderliche Verständnis für diese Angelegenheit nicht vorhanden. Das beweisen die Protokolle der Kommission, welche sich im Reichsjustizamt mit Vorschlägen zur Reform des Strafprozesses befaßt. Nur hier und da sei auch diese Materie behandelt und Vorschläge gemacht worden, die Ver- besserungen in der Minderheit, in der Mehrzahl aber Ver- schlcchterungen bedeuteten. Als Grundforderung, die er als recht bescheiden bezeichnete, stellte der Herr Vortragende die Heraufsctzung der Strafmündigkeit vom vollendeten 12. auf das vollendete 14. Lebensjahr fest.„Schulkinder gehören nicht vor den Strafrichter; Schulkinder gehören nicht ins Gefängnis!"„Das Hineinzerren" von Kindern in den Straf- Prozeß und in das Gefängnis schließe Gefahren in sich nicht nur für den Delinquenten selbst, sondern auch für seine Mitschüler, in deren Mitte er nach verbüßter Strafe wieder zurückkehrt. In mehreren Kantonen der Schweiz seinen moderne Gesichtspunkte bereits in die Praxis übergeführt worden. Man hat dort das Schulstrafrecht ausgebaut, das u. a. die Verhängung unter Aufsicht von Lehrern zu verbüßender Körperstrafen in sich schließt. Das Moment der zur Erkenntnis der Strafbarkeit erforderlichen Ein- ficht, das den Jugendlichen schützen soll, sei zu einer rein äußerlichen Formel geworden und müsse aus dem Gesetze ausgeschieden werden. Diese„Einsicht" des Jugendlichen könne schon aus Zeitmangel nicht festgestellt werden. In der gegenwärtigen Praxis des Straf. Prozesses seien Jugendliche und Erwachsene einander im ganzen und großen gleichgestellt. Zu geradezu Unhaltbarem führe es, daß der Jugendliche als selbständiges Prozeßobjekt bezw.-subjekt auf- trete, während im Zivilprozeß, d. h. wo es sich um Geldstrafen oder geringe Gefängnisstrafen handelt, sein gesetzlicher Vertreter in Aktion treten muß. Im Strafverfahren dagegen, wo auf Ge- fängniSstrafen bis zu 15 Jahren erkannt werden, erfolgen alle Zustellungen an den 13 jährigen Jungen, dem es von Rechts wegen anheimgegeben ist, zu seinen Gunsten in das Verfahren einzu- greifen: Anträge auf Einstellung der Voruntersuchung oder Be- Weisanträge zu stellen, sonstige Rechtsmittel anzuwenden, auf sie zu verzichten, gesetzliche Fristen innezuhalten usw. Eine Gefahr für Jugendliche bildet auch die Untersuchungshaft, die in Wegfall kommen müsse. Herr Professor von LiSzt fordert, daß bezüglich der Jugend- lichen der Charakter des Verfahrens als Strafverfahren in den Hintergrund treten müsse, da in den meisten Fällen eine Ver- urteilung nicht erfolgen dürfe. Während jetzt der Beschluß auf Eröffnung deS Hauptverfahrens auf Grund der Akten erfolgt, müßten Vorverfahren und Eröffnungsbeschluß Sache des Vor- mundschastsrichterS sein. Dieser habe in Gemeinschaft von Bei. sitzern(Pädagogen, Mediziner) unter Berücksichtigung der individuellen, insbesondere gesundheitlichen, häuslichen Verhält- nifle, Guchachtcn der Schule usw. darüber zu entscheiden, ob eine Verwarnung, das Schulstrafrccht oder Fürsorgeerziehung Platz zu greifen habe. Geistig Minderwertige oder Kranke seien beson- deren Anstalten zu überweisen. Rur wenn nichts mehr zu bessern oder zu verderben ist, könne die Eröffnung des Hauptverfahrens erfolgen, das vor dem ordentlichen Richter unter Anwendung aller Kautelen des modernen Strafprozesses geführt werden müsse. Auch bezüglich des Strafvollzuges sei mit der bisherigen Praxis zu brechen. Ueberall müsse dem der modernen Pädagogik entstammenden Gedanken der Anpassung und Ausscheidung Geltung verschafft werden. Die in Amerika bestehenden sogenannten Kinder- gerichtshöfe hält der Herr Vortragende für unsere Verhältnisse nickt für empfehlenswert. Im Anschluß an den sehr beifällig aufgenommenen Vortrag wurde in der Debatte die Befürchtung laut, der Ausbau des Schul» strafrechts sei geeignet, die Reibungsflächen zwischen Schule und Haus noch zu vergrößern; ferner wurde die Führung eines Schüler- Personalbogens empfohlen, der Eintragungen des Schularztes und der Lehrer über geistige EntWickelung, gesundheitliche, häusliche Verhältnisse usw. enthalten müsse. Professor von Liszt bezeichnet einen solchen Personalbogen als höchst zweckmäßig und schon unter den gegenwärtigen Verhältnissen segensreich. Die städtischen Behörden der Reichshauptstadt sind anscheinend anderer Meinung. Schon vor 4 Jahren hat der Lchrerverein wegen Einführung dieses Personalbogens petitioniert und Formularent- würfe beigefügt; die Antwort steht leider noch aus. Nachträgliche Bemühungen, das Schicksal der Petition, sowie den Verbleib des Materials zu erforschen, sollen rcsultatlos verlaufen sein. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, den 28. Februar 1907, nachmittags 6 Uhr. Antrag von Mitgliedern der Versammlung betreffend schnellere Beseitigung der Schueemassen bei größeren Schneefällen.— Vorlagen betreffend: den Ankauf des Grundstücks Melchiorstr. 20, zum Zwecke der Er- Weiterung der Werkstatt der städtischen Wasserwerke,— die Enteignung eines Teiles deS Jnselspeichergrundstücks,— den freihändigen Erlverb des Grundstücks Gartenstr. 92,— die Errichtung von Baulichkeiten auf den städtischen Rieselgütern,— die in den Etat für 1907 aufzunehmenden neuen oder abgeänderten Gehalts- skalen,— die AuSivahl der Neu- und UmPflasterungen für das Rechnungsjahr 1907,— die Verlängerung eines Rohr- ftrangeS durch das Gelände im Nordosten de? Weichbildes zur Verbesserung der Wasserversorgung der nördlichen Hoch- stadt,— die Vermehrung der etatsmäßigen Stellen im Etats- jähr 1907,— und die Festsetzung der Etats: des städtischen Vieh- Marktes, des städtischen Schlachthofes, sowie der städtischen Fleisch- beschau auf dem Schlachthofe sür das Etatsjahr 1907.— Berichterstattung über die Vorlagen betreffend die Verwendung eines Teiles des städtischen Geländes an der Pank- und Wiesenstraße für Ge- meindeschulzwecke— und die bei dem Untersuchungsamte der Stadt Berlin für Nahrungsmittel, Gcnußmittel und Gebrauchsgegenstände zunächst einzuricktenden Stellen.— Vorlagen betreffend die Fest- setzung des S t a d th a uö h a lts eta ts für das Etats- jähr 1907,— die Bewilligung von 10 000 Mark Unter- stützung für die auf der Grube Reden-Saarbrücken verunglückten Bergarbeiter und deren Witwen und Waisen,— die Errichtung eines Vierfamilienhauses bei der Anstalt für Epilepttsche, Wuhlgarten,— die Neuwahl eines Stadtsyndici,— die Uebeweisung zweier Grund- stücke an die Verwaltuug der städtischen Straßenreinigung zur Er- richtung von Fahrzeugdepots,— den Umbau von 278 Sprengwagen der Straßenreinigung,— den Abschluß eines Vertrages zwischen der Stadtgemeinde Berlin und der Gemeinde Blankenburg über die Gasversorgung dieser Gemeinde durch die städtischen Gaswerke und die Einbeziehung der Blankenburger Gemarkung in das städtische Gasrohrnetz,— die Festsetzung der Etats: der städtischen Gas- anstalten und der öffentlichen Petroleumbcleuchttmg, der Wasserwerke. der Markthallen, der Kanalisattonswerke und Rieselfelder sowie für die Verwaltung des zur Anlegung eines Nordwesthafcns angekauften Geländes für das Etatsjahr 1907. Dem Zuge der Zeit. Laut Beschluß der Badcanstaltsbesitzer von Berlin und den Vororten sollen die Preise für medizinische Bäder vom 1. März 1907 an erhöht werden. Eine Versammlung von Wäscherei- und Plättcreibesitzern in Dräscls Festsälen beschloß gleichfalls eine neue Preisregelung für das Waschen. Eine Explosion auf dem Hofe des Bürgerlichen Brauhauses in der Neuen Königstraße gab gestern Veranlassung zu überttiebenen Gerüchten. Der Böttcher T. war dortselbst mit dem Auspichen eines Fasses beschäftigt, wobei sich die in dem Gebinde angesammelten Gase entzündeten und explodierten. Eine gewaltige Stichflamme loderte enipor und brachte dem T. leichte Verletzungen bei. Durch den starken Lustdruck wurden fast die sämtlichen Fenster der Brauereigebäude und des vor denselben belegenen Wobnhauses zer- trümmert, weiterer Schaden jedoch nicht herbeigeführt. T. wurde nach der Unfallstation in der Keibelstraße gebracht und erhielt dort einen Notverband. Ein„edler" Menschenfreund. In Nr. 19 der Wochenschrist „Fürs Haus" vom 10. Februar 1907 war ein Inserat erschienen, wonach ein vermögender Herr junge Leute zu einer Osterfericn- Reise nach Italien kostenfrei mitnehmen wollte. Meldungen waren zu richten unter„ Rom" postlagernd Berlin W. 10. Die hierauf sich zahlreich Meldenden erhielten einen Brief, unterzeichnet Max Berndt, in welchem gesagt wurde, daß doch ein Zuschuß von 20 Mk. bis Rom und von 30 Mk. bis Neapel geleistet werden müsse und daß dieses Geld in einem gewöhnlichen Briefe nach Dorotheenstraße 6 geschickt werden sollte. Daselbst befindet sich aber das Orientalische Seminar und jeder, der dort hinkommt, kann die dort ausliegcndcn eingegangenen Briefe mustern und eventuell mit sich nehmen. Der angebliche Max Berndt wurde gestern in der Person eines jungen Studierenden der Rechte ermittelt und nach erfolgter Vernehmung seinem Vater übergeben. Graf Pückler verhaftet. Graf Pückler aus Klein-Tschirne wurdx gestern nachmittag in einem hiesigen Hotel, in dem er wohnte, durch einen Kriminalbeamten verhaftet und nach dem Gefängnis in Tegel transportiert. Das Urteil der Berliner Strafkammer. durch das Graf Pückler bor mehreren Monaten zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war, ist in der vorigen Woche rechts- kräftig geworden. Da der Graf sich nicht selbst zum Strafantritt gemeldet hatte, erfolgte seine Verhaftung und zwangsweise Ueber- führung in das Gefängnis. Eifersucht ist daö Motiv, das einem blutigen Drama zugrunde liegt, das sich am Montag in der Rügenerstraße 3 abspielte. Der Aroeiter B. fiel über seinen bei ihm wohnenden Bruder her und richtete ihn in der schlimmsten Weise zu. Ohnmächtig brach der Gemißhandelte zusammen und mußte nach Anlegung von Not- verbänden auf der Unfallstation in der Badstraße nach einem Kranken- hauS gebracht werden. Zeugen gesucht. Am Sonntag, den 22. Dezember, Nachmittag zwischen 3— 4 Uhr, fiel ein älterer Mann aus dem Stadtbahnzugc auf dem Schlesischen Bahnhof. Zeugen, welche den Vorfall gesehen haben, werden höflichst gebeten, ihre Adresse abzugeben Stral- sunderstraße 26 bei Blonski. Feuerwehrbrricht. In der letzten Nacht um 2 Uhr kam in der Putlitzstt. 17 in einer Gastwirtschaft Feuer auS. Als der 15. Zug dort ankam, stand die Ladeneinrichtung in Flammen. Um diese zu löschen, mußte die Feuerwehr kräftig Wasser gebe». Durch Umfallen einer Petroleumlampe entstand in einer Wohnung am Arkonaplatz 1 Feuer, das auf seinen Herd beschränkt werden konnte. Ferner hatte der 7„Zug in der Warschauerstr. 70 zu tun, wo die Dachvcrschalung. Späne in einem Exhaustor und anderes brannten. Durch längeres Wassergeben gelang es, den Brand an weiterer Ausdehnung zu ver- hindern. In der DreSdenerstr. 46 hatte der 5. Zug zu tun. Dort brannten Schmieröl, Staub und ein Wellenlager, und in der Fichte- straße 30 Stroh usw. Ein kleiner Wohnungsbrand rief die Wehr nach der C�orinerstr. 89. Nach der Grenzstr. 18 wurde die Feuer- wehr zweimal unbefugterweise alarmiert, weil dort ein Pferd in eine Brube gestürzt war. Außerdem liefen noch Feuermeldungen aus der Schivelbeinerstr. 3 und von anderen Stellen ein. Arbeiter-Tamariter-Kolonne. Morgen Donnerstag, abends V Uhr, 4. Abteilung für Lichtenberg und Umgegend bei Pieken- Hagen, Scharnweberstratze KV. Vortrag: Gefahrdrohende Krank- hettSzustände. Vortragender Herr Dr. Hirfchfeldt. Daran an- schließend praktische Uebungen. ES wird erwartet, daß alle Mit- glieder erscheinen. Gäste willkommen. Neue Mitglieder können jederzeit eintreten.— Heute Abend Monatssitzung der dienst- tuenden Abteilung._ Vorort- JVachncbten» Gchöneberg. I» der Schöneberger Stadtverordnetenversammlung wurden am Montag die Berkehrsdebatten fortgesetzt und weitere Klagen über die traurigen Verhältnisse vorgebracht. Von sozial- demokratischer Seite wurde darauf hingewiesen, daß viele Reden und Klagen der Großen Berliner Straßenbahnge�aschaft gegenüber jetzt gar keinen Zweck habe; wenn man eine Verbesserung wolle, so müsse die Stadt selbst die Hand ans Werk legen, wie dies schon seit Jahren von den sozialdemokratischen Stadtverordneten verlangt worden ist. Der Oberbürgermeister erklärte bei dieser Gelegenheit, daß in wenigen Tagen die Vorarbeiten zur Errichtung der städtischen Untergrundbahn beendet seien und der Stadt- verordnetenversammlung eine diesbezügliche Vorlage zugehen werde. Auch betreffs Errichtung von Automobilomnibus-Linien stehe der Magistrat in Unterhandlung mit Privatgesellschaften und anderen Gemeinden. Ebenso habe sich der Magistrat damit be- schäftigt, eigene Automobilomnibusse anzuschaffen und neue Linien einzurichten. Angenommen wurden sodann einstimmig zwei Anträge. In dem ersten wird der Magistrat aufgefordert, energisch auf die Abstellung der in der vorliegenden Petition geschilderten Mistände hinzuwirken. Der zweite, von den Liberalen gestellte Antrag, richtet das Ersuchen an den Magistrat, an den zuständigen Stellen aus eine Verbesserung der gesamten Verkehrsverhältnisse hinzuwirken; für den Fall, daß den berechtigten Forderungen der Stadt nicht»n vollem Umfange Rechnung getragen wud, wird der Magistrat aufgefordert, der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage für die Errichtung von Verkehrsbetrieben in städtischer Regie auszuarbeiten. Bei der Petition der Schöneberger Oberlehrer um Anrechnung ihres Militärjahres auf das Besoldungsdienstalter be- nutzte der Stadtv. Hepner die Gelegenheit, um den Mißmut der Hausbesitzer gegen die Gehälter der städtischen Beamten zum Ausdruck zu bringen. Er erklärte, daß jeder Groschen, der in dieser Beziehung bewillig werde, eine neue Belastung für die Hausbesitzer bedeute. Der Versammlung rechnete Redner vor, daß die Haus- bcsitzer eS seien, die fast die gesamten Steuern aufzubringen haben. Werde mit den Bewilligungen noch fortgefahren, so bringe man das Fundament der Stadt, das die Hausbesitzer bildeten, zum Er- schüttern. Die Stadtvv. Rheinbacher und Dr. B o ß b e r g (Lib.) traten diesen Ausführungen entgegen. Der Hausbesitzer zahlt zwar die Steuern, aber er bringt sie nicht auf. Das Ein- kommen der Hausbesitzer stelle sich doch nicht als ein Gewinn aus einer geleisteten Arbeit dar, sondern komme doch einer Rente gleich. Stadtv. Obst(Soz.) bewundert den Mut. mit dem der Stadtv. Hepner sich gegen die Gehälter der städtischen Beamten wendet. Gerade die Hausbesitzer, die jetzt über eine zu große Belastung klagen, haben in der Stadtverordnetenversammlung verhindert, der Stadt neue Einnahmequellen zu verschaffen. ES wäre Pflicht dieser Herren gewesen, nach Mitteln und Wegen zur Erschließung neuer Einnahmequellen zu suchen.— Die Petitton der Oberlehrer selbst wird gegen wenige Stimmen angenommen, weil einem Teil der Oberlehrer bereits das Militärjahr in dem Dienstalter an- gerechnet ist. Ueber eine Petition des Lehrervereins um Abstandnahme von der Errichtung einer Mädchenmittelschule in Schöneberg wird zur Tagesordnung übergegangen, da zurzeit ein Bedürfnis für Errichtung einer derartigen Sctzule nicht vorliegt Ebenfalls zur Tagesordnung ubergegangen wurde über eine weitere Petition des Lehrervereins, wonach die Aufhebung der Bestimmung verlangt wird, die das Wohnen der Lehrer außerhalb SchönebergS von einer besonderen Genehmi- gung abhängig macht. ES ist damit den Wünschen der HauS- besitzer Rechnung getragen, die am liebsten noch weiter gingen und keinem Beamten daS Wohnen außerhalb Schönebergs gestatten würden. Ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, worin der Magistrat ersucht wird, Mittel in den Etat einzustellen, um den städtifchen Körperschaften Freikarten auf allen den Linien der Straßenbahn zu gewähren, die die Gemarkung Schöneberg befahren, wird nach kurzer Begründung einem Ausschuß von 7 Mitgliedern überwiesen. Das Ortsstatut betr. Errichtung einer städtischen Freibank wird gemäß den Abänderungsanträgen des Ausschusses an- genommen. Zu Beginn der Sitzung erfolgte noch die Einführung de« neu- gewählten Stadtverordneten Dr. Jakoby. Die weiteren Be- ratungen des Etats mußten wegen der vorgerückten Zeit bis zur nächsten Sitzung vertagt werden. Heute abend findet im Obstschen Lokale, Meiningerstr. 8, eine Zusammenkunft zwecks Gründung eine» Arbeiter-TurnvereinS für Schöneberg statt. Turnersreunde aus Arbeiterkretsen werden er. fucht, zu erfchcinen. Eharlottenburg. Frei« Volksbühne, Charlottenburg. Die Generalver- fammlung findet heute abend 3 Uhr im Volkshause statt. Die Tagesordnung ist durch Inserat und durch die Vereinsschrift bereits bekannt gegeben. Wegen der zu erwartenden regen Diskussion ist kein Vortrag angesetzt. Pünktliches Erscheinen aller Mit- glieder ist noiwendtg. Ein Schlnfstellenschwindler treibt seit einiger Zeit am hiesigen Orte sein Wesen und brandschatzt kleine Leute, die aufs Vermieten angrwiefen sind. Er nennt sich Karl Teschner auS Jnsterburg und will Eifenbahnassistent sein. Zunächst sucht er sich Vertrauen zu er- werben, indem er die ersten Tage proinvt bezahlt, aber nur, um dieses Vertrauen dann in der schmählichsten Weise zu mißbrauchen. AuS seiner letzten Wohnung verschwand er. nachdem er erst seine Wirtin, dann seine Schlastollegen anborgte und dann in einem un- bewachten Augenblick einen schwarzen Anzug und 10 M. auS dem Koffer seines Kollegen mitgehen hieß. Rixdorf. Ihren Wochenlohn in Höhe von 10,98 M. verloren hat am Mon- tag eine Arbeiterfrau in der Bergstraße; da» Geld war in Papier ein- gewickelt. Der Finder wird gebeten, es gegen Belohnung in Rix- dorf, Bendastr. 21 bei Schanz abzugeben. �friedrichshagen. Der GemeindehauShaltSetat für das Rechnungsjahr 1907 balanziert. in Einnahme und Ausgabe mit 834 380 M.(im Vorjahr 528 600 M.) Die Positionen der Sinnahmen setzen sich zu- sammen: auS den Vorjahren 16300 M., gewerbliche Unternehmungen 61870 M.. Kanalisation 62200 M., Kurpark- Verwaltung 2221 M.. Baupolizeiverwalwng 1800 M.. auS Kapitalien 220 M.. aus Grundstücken 3290 M., Straßen und Wege 106 M., Feuerlöschwesen 240 M., Gemeinde-, Amts- und Standesamtsverwaltung 8263 M. Volksschulverwaltung 9340 M., höhere Schulen 32838,01 M., Gesundhe.. �Polizei 4328 M., Armen« Verwaltung 872 M., indirekte Steuern 89 400 M., direkie Steuern 304270 M.. wsgemein 92,99 M. Die Pofittonen der Ausgaben bestehen in: aus Vorjahren 1000 M., gewerbliche Unternehmungen 40 452 M., Kanalisation 62 200 M., Kurparkverwaltung und Ver- schönerung des Ortes 8113 M., Baupolizeiverwaltung 4468,90 M., Verzinsung und Tilgung der Gemeindeschulden 17 970,18 M.. Grundstücke 3800 M., Straßen und Wege sowie Straßenbeleuchtung 39 148,98 M.. Feuerlöschwesen 1910 M.. Gemeinde-, Amts- und Standesamtsverwaltung 77 976,76 M., Volksschulverwaltung 124 911,07 M., höhere Schulen 72100 M., Gesundheitspolizer 13 768 M., Armenverwaltung 27 219,80 M., indirekte Steuern 88 M., direkte Steuern 41 800 M., insgemein 2768,38 M. Erkner. Der Automobilomnibusverkehr bricht sich immer weiter Bahn. In nächster Zeit wird auch Erkner eine Autoomnibuslinie befitzen. Der Verkehr wird auf der Strecke Erkner— Neu-Zittau— Gosen ein- gerichtet werden. Später wird noch eine Anschlußlmie über Müggel- heim nach Köpenick hergestellt. Reinickendorf. Ein rätselhafter Todesfall beschäftigt zurzeit die hiesige Kriminal- Polizei. Am Donnerstag voriger Woche wurde der 36jährige Ar- beiter Kalweit in der Residenzstraße in sinnlos betrunkenem Zu- stände aufgefunden und nach dem Grundstück Nr. 101 gebracht, wo er auf ein Strohlager gebettet wurde. Da der Mann nach nahezu zwölf Stunden die Besinnung nicht wieder erlangt hatte, wurde von Bewohnern des Hausers der Sanitätsrat Dr. Berliner hinzugerufen, der die Ueberführuug des Kalweit nach einem Kraukenhause an« ordnete. Der Arbeiter verstarb jedoch schon auf dem Transport dorlhin und seine Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Wie die Obduktion ergeben hat, ist Kalweit an schweren inneren Ver- letzungeu gestorben, die ihm vermutlich gewalttätig beigebracht worden sind. Ob er überfahren, gemißhandelt worden ist, oder sich die schweren Verletzungen durch ernen Fall zugezogen hat, konnte noch nicht festgestellt werden. Pankow. Beim Rangieren schwer verunglückt ist in der gestrigen Nacht der 21jährige Bahnarbeiter Waringnowitsch aus der Florastr. 62. W. war auf dem hiesigen Güterbahnhof beim Rangieren von Eisenbahn- Waggons tätig gewesen und wurde dabei von einem Güterwagen er- faßt und niedergerissen. Die Räder gingen ihm über den rechten Arm hinweg und trennten ihn vollständig vom Rumpf. Nieder-Schönhausen. In der letzten Gemeindevertretung machte der Gemeindevorsteher die Mitteilung, daß das Leitungswasser vom Regierunasrat Proskauer untersucht und als einwandfrei erklärt wurde. Punkt 1 der Tages- ordnung betraf den Vertragsabschluß mit der Großen Berlmer Straßenbahn. Der Vertrag war schon einmal in einer Sitzung beraten, damals hatten aber einige Gemeindevertreter erhebliche Be- denken gegen denselben. Die damals beschlossene verstärkte Kom« Mission hat nun eine Reihe von Abänderungen vorgeschlagen. Da« nach sollte eine Straßenbahnlinie durch die Kopenhagenerstraße ge- führt beziehungsweise abgezweigt werden, wenn der Verkehr ein stärkerer cst; sonst aber sollte die am Bahnhof Schönholz endigende Straßenbahnlinie durch die Germanenstraße dahin führen. Dies hat die Slratzenbahngesellschast abgelehnt. Auch die geplante Linie durch die Blankenburgerstraße und die zu regulierende Straße 19 nach der Schloß- Allee wurde abgelehnt, so daß die Straßenbahn nur bis Straße 19 führt. Die Verlängerung der am Schönholzer Bahnhof endigenden Linie sollte in acht Jahren durch die Bismarckstraße nach hier durchgeführt werden, jetzt ist die Frist aus fünf Jahre herabgesetzt worden. Der Betrieb der Straßenbahnlinie nach der Blankenburgerstraße soll nach Feststellung des Fahrplan« erfolgen und wird die Genehmigung zum Ausbau der Linie gleich nach Abschluß des Vertrages nachgesucht werden. Die Wünsche aus Einstellung von Einsatzwagen sind nicht erfüllt worden. Für dieses minimale Entgegenkommen will die Straßenbahngefellschaft die Konzession auf die Dauer von 90 Jahren. Nach längerer Debatte wurde der Vertrag mit großer Majorität angenommen. Die Nieder- Schönhausener Gemeindevertretung ist somit die erste, die einer 90jähligen Konzession ihre Zustimmung gegeben hat. Unsere Gemeinde ist auf Menschenalter hinaus der Großen Berliner Straßenbahngefellschaft preisgegeben. Berichts-Zeitimcfs Die„geheimnisvollen Milchuntersuchnngen", die vor zwei Jahren so großes Aufsehen erregten, weil die„G e- ellschaft zur Bekämpfung der SäuglingSsterb» i ch k e i t" mit ihnen in Verbindung gebracht wurde, sind in der Beleidigungsklage Engel-Bongert nun doch nicht vollständig aufgeklärt worden. Im Milchkrieg hatten die Milch- Händler gegen diese Gesellschaft das ungünstige Ergebnis jener Untersuchungen veröffentlicht, weil sie vermuteten, daß die Gesell- schaft mit ihrer damaligen Warnung vor der aus Danemark im- portiertcn Milch den„märkischen Milchbauern' zu Hülfe kommen wollte. Sie wollten ihrerseits zeigen, daß auch in den Molkereien, die von der Gesellschaft empfohlen wurden, nicht alle? so stimmte, wie der Uneingeweihte eS annahm, und daß die Gesellschaft in der Erfüllung ihrer selbstgestellten Aufgabe, der Bevölkerung bei der Beschaffung einwandfreier Milch mit Rat zur Seite zu stehen, wenig gewissenhaft verfahren sei. Zwischen den beiden Schrift- führern, Herrn Dr. Engel und Herrn Obertierarzt Bongert, ent» stand dann ein Streit darüber, wa» für Untersuchungen da über- Haupt gemeint sein könnten, von wem sie vorgenommen sein könnten und wer darum gewußt habe. ES handelte sich, wie bald herauskam, um Untersuchungen, die die Meierei Bolle durch den damals auch in ihren Diensten stehenden Herrn Bongert hatte vornehmen lassen, um Untersuchungen von Milch, die auS den Kuhställen hiesiger Molkereien entnommen war. Die Meierei Bolle liebt eS nämlich, auch die Milch ihrer werten Konkurrenz zu kon- trollieren und die Ergebnisse fein säuberlich zu buchen. AUS allen Angaben, die von zuständiger Seite an die Ocffentlichkeit ge- langten, schien zweifellos bervorzugehen, daß die betreffenden Kuh- ställe zu denen gehörten, die von der Gesellschaft kontrolliert und empfohlen wurden. Engel hatte ansang? öffentlich erklärt, er wifsenichtS von jenen UntersuchungSergebnissen. Als aber von dem im Vorstand der Gesellschaft sitzenden Prof. Ostertag, der in- zwischen über Bongerts Untersuchungen durch diesen selber auf- geklärt worden war, Engel den Sachverhalt erfahren hatte, ließ Engel sich dazu herbei, öffentlich zu erklären, eS st i m m e a l l e s und die Untersuchungen seien ihm b e k i n n t. In der Preßfehde, die Engel und Bongert auS diesem Anlaß gegen einander führten, sagten sie einer dem anderen einige Un- liebenSwürdigkeiten, wie sie bei solcher Gelegenheit wohl mal auS der Feder eines allzu forschen Draufgängers entschlüpfen. Bongert klagte dann gegen Engel, und Engel erhob gegen Bongert Wioer» klage. Vor dem Schöffengericht wurden beide frei- gesprochen, weil eS als erwiesen angesehen wurde, daß beide die objektiv allerdings beleidigenden Aeußerungen in Wahr- nehmung berechtigter Interessen getan hätten und ihnen dieAbsichtzu beleidigengefehlt habe. Jeder legte gegen die Freisprechung des Gegners Berufung ein und so hatte die 3. Strafkammer de» Landgerichts l noch einmal über die Sache zu verhandeln. Wir wollen vorwegnehmen, daß die B e r u f u n g s- instanz sich den Ausführungen de? Vorderrichters angeschlossen und mit derselben Begründung daS erstinstanzliche Urteil be- stätigt hat. An der Mitteilung dieses Ausganges könnten wir uns genügen lassen, wenn die Beleidigungsklage Engel-Bongert nicht mehr wäre als ein Krakeel zweier Hitzköpfe. Sie beansprucht aber ein gewisses Interesse schon durch die besonderen Umstände, quS denen sie hervorgegangen ist. Im übrigen hat die Verhandlung vor der Berufungsinstanz das überraschende Ergebnis gebracht, daß zwar jene geheimnisvollen Untersuchungen tatsächlich im Auf- trage der Meierei Bolle durch ihren Herrn Bongert ausgeführt worden waren, daß aber die damals untersuchte Milch nicht auS Molkereien herrührte, die von der Gesellschaft empfohlen wurden. Die Untersuchungen wurden nämlich zu einer Zeit aus- geführt, wo die Gesellschaft noch gar nicht bestand. Wie es möglich war, daß Herrn Bongert das nicht sofort einfiel, er- scheint nach dieser Gerichtsverhandlung noch rätselhafter als die andere Tatsache, daß Herr Engel unter seinem Namen veröffent- lichen ließ, er kenne die Untersuchungsergebnisse. Engel ist in diese zweideutige Stellung hineingeraten dank der Willig» keit.mit der er in seinen zur Veröffentlichung bestimmten Erklärungen sich von Prof. Ostertag allerlei hineinkorrigieren ließ. Die Gerichtsverhandlung hat in manchem Punkt die erwartete Auf- klärung nicht gebracht, aber das Eine ist durch sie allerdings auf- geklärt worden, daß Engel das Opfer eines Irrtums geworden ist, in den er nicht durch seine Schuld verstrickt worden war._ Der Kampf, den er um seine Ehre als Mann und als Gelehrter führen mutzte, erklärt hinreichend die Hartnäckigkeit, mit der er � jeden Einigungsversnch, zu dem sein Gegner jederzeit bereit war, immer wieder zurückwies. Schwer begreiflich ist, wie schon gesagt, die Gedächtnisschwäche des Herrn Bongert. Aber auch die Rolle ist nicht ganz klar, die Herr Prof. Ostertag, der vor Gericht als Zeuge auftreten muhte und erst nach seiner Aussage vereidigt wurde, in dieser Affäre gespielt hat. Unaufgeklärt bleibt ferner, wer die Ergebnisse der von Bongert für Bolle ausgeführten Untersuchungen den Milchhändlern in die Hände gespielt und wer die Umdaticrung vorgenommen hat. Daß der ganze Skandal überhaupt möglich war. beweist uns, welche wunderlichen Zustände in der„Gesellschaft zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit' geherrscht haben müssen. Hebt eigenhändiges Erschießen den Versicherungsvertrag stets auf? Der Sohn eines Bäckermeisters T. zu Berlin war bei einer Prämie von jährlich 27 M. mit der„Viktoria" zu Berlin am 3. Februar 1904 eine Lebensversicherung über 10 000 M. eingegangen. Bereits drei Monate später bracht- sich T. infolge unvorsichtigen Hantierens mit einem Revolver einen Schutz ins Herz bei. Er hatte seinen Freund gebeten, ihm seinen sechs- schüssigen Revolver zu leihen, da er sich des Abends, wenn er sein Verhältnis nach Hause bringe, vor den Strolchen fürchte. Dieser gab ihm den Revolver, nachdem er ihn nach seiner Aussage vorher mindestens sechsmal abgeknipst hatte. Auch T. hatte den Revolver dann mehreremale abgeknipst, bis plötzlich ein Schuß krachte und die Kugel dem T. in horizontaler Richtung durch den Körper ging. DaS Landgericht Berlin verneinte den Selbstmord, erkannte aber auf Abweisung der Klage, weil T. den Revolver gleich zuerst in unmittelbarer Nähe seines Körpers auf sich gerichtet hatte. Auf die Berufung der klagenden Erben des T. erkannte das Kammer- gericht zu Berlin abändernd auf Auszahlung der Versichern»««- summe. DaS Kammergericht stellt betreffend deS unvorsichtigen Hantierens mit dem Revolver fest, daß es möglich war, diese Schuß- waffe abzudrücken, trotzdem sie noch geladen war, da bei dem drehenden Patronenlager der Schutz erst dann fiel, wenn die be» treffende Patrone entzündet wurde. Durch diese Konstruktion der Waffe sei eS aber auch möglich gewesen, einige Patronen für beliebige Zeit abzudrehen. Die Patrone selbst sei nach dem Laden nicht zu sehen gewesen. T., der mit der Konstruktion des Revolvers aber nicht vertraut war und diesen zum erstenmale von seinem als Soldat geschulten Freunde in die Hand bekam mit der Be- merkuny, daß der Revolver nicht geladen sei, habe somit nicht grob- fahrlässig gehandelt, wenn er den Revolver, nachdem er ihn noch einigemal- abgedrückt hatte, auch gegen sich richtete, aber keine Obacht darauf gab, daß die Mündung des Revolvers von seinem Körper abgewandt war. Er konnte mit Gewißheit darauf rechnen, daß der Revolver nicht geladen war, nachdem ihm sein Freund dies versichert und den Revolver sechsmal abgedrückt hatte. Wenn sich trotzdem ein Irrtum ergab, so habe das an der Konstruktion des Zentralrevolvers gelegen. Von dieser Konstruktion aber wußte der Sachunkundige T. nun nichts. Es sei deshalb die die Versicherung ausschließende grob« Fahrlässigkeit des T. zu derneinen. Anders wäre der Fall zu beurteilen, wenn T. selbst oder sein Freund unter T.'S Beisein die Patrone in den Revolver gelegt haben würde. In dieser Beziehung habe jedoch nichts festgestellt werden können. Die gegen dieses Urteil eingelegte Revision wurde vom 7. Zivil- senat deS Reichsgerichts zurückgewiesen. Raffiniert« Zuhälterei beschäftigte gestern in einer längeren Sitzung die 8. Strafkammer de» Landgerichts l. Aus der Untersuchungshaft wurde der 26jährige „Arbeiter' Karl Pähl vorgeführt, der sich wegen schwerer Kuppelei. Bedrohung und Körperverletzung ver- antworten mußte. Der Angeklagte zählt zu jenen modernen Sklavenhaltern, die in der schändlichsten Weise auS dem niedrigsten Laster noch eine gute Einnahmequelle zu machen verstehen. Vor drei Jahren heiratete der Angeklagte eine einfache Fabrik» arbeiterin, mit der er anfänglich auch ganz glücklich lebte. Bald aber arbeitete der Angeklagte überhaupt nicht mehr, sondern überließ eS seiner grau, für alles aufzukommen. Als ihr dtcS durch ehrliche und anständige Arbeit nicht mehr gelang, zwang der Angeschuldigte sie mit Gewalt, auf dt« Straße zu gehen und hier sich einen neuen Erwerb zu schaffen. Er selbst beobachtete dann vom Fenster seiner Wohnung aus die nächtlichen Spaziergänge seiner Ehefrau. Schließlich wurden Nachbarn auf dieses schändliche Treiben aufmerksam und machten der Kriminal. Polizei Mitteilung. Nachdem Pähl verhaftet worden war, stellte es sich heraus, daß er auch noch versucht hatte, eine 17jährige Arbeiterin unter Drohungen und Schlägen dem Laster in die Arme zu treiben.---Vor Gericht stellte der Angeklagte jede Schuld in Abrede und versuchte aar sich als den betrogenen Che» mann hinzustellen. Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf das empörende und von niedriger und aemetner Gesinnung zeugende Tun de» Angeklagten auf eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 6 Monaten und 3 Jahren Ehrverlust. «Haarerzeugungsmittel." Einen originellen Schwindel mit einem„unfehlbaren" Haar- erzeugungSmittel hat der Barbiergehülfe Friedrich Lies in Szene gesetzt, welcher sich gestern vor der 1. Strafkammer des Landgerichts II wegen wiederholten Betruges und Urkundenfälschung verantworten muhte. Der bereits vorbestrafte Angeklagte, welcher auS dem Untersuchungsgefängnis vorgeführt wurde, erhielt im August v. I. durch den Zentralstellennachweis für Barbiere und Friseure eine Stellung als Barbiergehülfe bei dem Barbier Hamann in Clausdorf im Kreise Teltow.'Der junge Mann erwies sich in seinem Fache sehr tüchtig. Insbesondere huldigte er, wie alle „Verschönerungsräte", dem Schillerschen Ausspruche:„Wenn gute Reden sie begleiten, dann fließt die Arbeit munter fort", und während er seine Kunden wirklich einseifte, verstand er e», diese noch in anderer Weise„einzuseifen". Mit großer Beredsamkeit brachte er da» Unterhaltungsthema während seiner Arbeit auch auf den Haarausfall und schließlich machte er die Entdeckung, daß jener Kunde, den er gerade„bearbeitete", tatsächlich auch schon alle Anzeichen eine? beginnenden Haarschwundes zeige. Er schwatzte dem Betreffenden ein angeblich„unfehlbar wirksames Haar- erzeugungSmittel deS berühmten Dr. TbomaS in Berlin" für den Preis von 3 M. pro Flasche auf. Mehrere der Clausdorfer Bürger kießen sich in einer Anwandlung von„Glatzenfurcht" auch verleiten und kauften einige Flaschen des„HaarerzeugungSmittelS". Da natürlich jede Wirkung, außer einem unangenehmen Brennen auf der Kopfhaut, ausblieb, so erkannten die biederen ClauSdorfer endlich, dajj sie von dem Angeklagten gründlich eingeseift worden waren. DaS Universalmittel wurde dem Gerichtschemiker Dr. I e s e r i ch übersandt. Dieser bekundete vor Gericht als Sach- verständiger, daß das Mittel nur aus Wasser mit einem ganz ge- ringen Zusatz von SpirituS und Seife bestand und der Wert pro Flasche etwa 20 Pf. betrug.— Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von 6 M o n a te n. da es sich doch um einen ziemlich raffinierten Schwindel handele. Die Strafkammer erkannte aus 4 Monate Gefängnis Mangelnder Schutz der persönlichen Freiheit. Am Dienstag spielte sich vor dem Dresdener Schöffengericht Vermischtes. 11,15. Enten per Stad 1,75-2,30, dito Hamburger junge per Stüd 3,25. Gänse, Hamburger per Pfund 1,20, Gis 0,48-0,58. Hechte per 100 Bfund 85-95, groß 0,00, mittel 92-95. Bander 0,00. eine Diebstahlsaffäre ab, die wegen des Verfahrens der Polizei Die Strandung der Imperatrig". Ueber die Art der Ver- do. mittel 0,00, bo. Klein 0,00. Schleie, unsortiert 100, do. groß 0,00, bo. gegenüber der Verdächtigten das öffentliche Interesse gegen den unglückung der 40 Opfer bei der Strandung des Lloyddampfers flein IIa 0,00. Aale, groß 0,00, mittel 0,00, flein und mittel 0,00. tatsächlichen Mangel des Schuzes der persönlichen Freiheit wach- Imperatrir" wird angenommen, daß die Verunglückten in dem Blögen, flein 0,00, bo. groß 0,00, bo. 47-58. Starpfen, unfort. 55-60, do. zurufen geeignet ist. Ein Frl. Sally Händel aus Treuen i. V., Dunkel der Nacht, durch die Nähe des Landes verleitet, sich eigen- 40-50er 59-63, bo. 70-90er 58-61. Bleie 58. Aland 0,00. Bunte Fische 0,00. Barse, matt 0,00, bo. 72-85. Kavauschen 0,00. Bleis die sich in Dresden ohne Beschäftigung besuchsweise aufhält, mächtig zu retten versuchten und dabei den Tod in den Wellen fische 0,00. Wels 0,00. Duappen 0,00. Amerikanischer Lachs Ia fonfultierte Mitte Dezember einen Zahnarzt. Sie blieb während fanden. neuer per 100 ẞfb. 110-130, do. IIa neuer 90-100, do. IIIa neuer 75. einer Viertelstunde allein im Vorzimmer, während sich im Kon- Nach Caneaer Blättern erklärten die Ueberlebenden der Seelachs 25-30. Sprotten, Kieler, Wall 1,00, Danziger, Kifte fultationszimmer des Arztes die Regierungsassessor- Ehefrau Imperatrig", daß der Dampfer während des fürchterlichen 0,00. Flundern, Kieler, Stiege Ia 3-4, bo. mittel ver Stifte 2-3, Hamb. b. Brescius befand. Diese hatte auf einem Tische ein Hand- Sturmes plöblich einen derartigen Stoß erhielt, daß die Passagiere Stiege 4-6, halbe Stifte 1,50-2. Büdlinge, per Wall Nieler 3,50-5,00, täschchen, das u. a. auch ihr Portemonnaie enthielt, liegen lassen. Das Gleichgewicht verloren. Gleichzeitig wurde ein dumpfes Stralsunder 0,00. Aale, groß per Bid. 1,10-1,30, mittelgroß 0,80-1,00, Schellfische Kiste 5-6, bo. Als Frau v. Brescius den Arzt verlassen hatte, besorgte sie in Strachen und das brausende Eindringen des Wassers in den flein 0,50-0,60. Beringe per Schod 5-9. einem Geschäfte einen Einkauf und nachdem sie ein zweites Dampfer gehört. Infolge des Versagens des elektrischen Lichts/ Stifte 3,00. Stabliau, p. 100 Pfd. 30-35. Heilbutt 0,00. Sardellen, 1902er per Anfer 95, 1904er 93, 1905er 90, 1906er 75-80. Schottische Bollheringe Geschäft aufgesucht hatte, bemerkte fie im Portemonnaie einen wurde die Verwirrung noch erhöht. Unter jammervollem Geschrei 1905 0,00, large 44-45, full. 38-40, med. 35-42, deutsche 37-44. Verlust von 40 M. in Gold. Beim ersten Einkauf konnte sie den eilten alle nach dem Vorderteil des Schiffes. Finsternis und Sturm Hevinge, neue Matjes, per o. 60-120. Sardinen, ruff., Faß felben noch nicht entdecken, da sie in Silber bezahlt hatte. Das Gold benahmen aber jede Aussicht, das Band erreichen zu können. Trok 1,50-1,60. Bratheringe, Büchse( 4 Liter) 1,50-1,75. Neunaugen, steckte in einem separaten Fache. Zu Hause überzeugte sich Frau der Bemühungen des Kommandanten und der Offiziere, fie abzu- Schodjak 11, fleine 5-6, Riefen- 14. Gier, Land-, per Schock 5,50-5,60. Butter b. Brescius noch einmal, daß ihr die Summe wirklich abhanden halten, bestieg eine Anzahl von Leuten ein Boot, das aber sofort per 100 Bfd. Ia 114-116, IIa 110-114, IIIa 107, abjallende 95-100. gefommen sei und kehrte, da der Diebstahl nach ihrer Ansicht von den Wellen verschlungen wurde. Die Ueberlebenden rühmten Saure Gurken Schod 4,10-4,50, Pfeffergurten 4,00-4,50. Startoffeln nur im Vorzimmer des Arztes vorgekommen sein konnte, nochmals einstimmig die Haltung des Kommandanten und der Offiziere, die per 100 Bid. 0,00, magnum bonum 2,50-2,75, Daberiche 2,50-2,75, Rosen 0,00, weiße 2.25-2,50, Salatkartoffeln 6,00-7,00. Spinat dahin zurück. Hier erfuhr fie die Adresse von Fr. Händel und keinen Augenblick die Geistesgegenwart verloren., per 100 Pfund 25-30. Karotten per 100 Pfund 10-12. erstattete Anzeige. Am anderen Morgen wurde das Fräulein zur Polizei geholt. Dort sollen nach ihrer Behauptung eigentümliche Zum Untergang der Berlin. Wie aus Hoek van Holland be- Sellerie, hiesige, per Schod 4,00-8,00, do. pommersche 9,00-10,00. Bmplebein Dinge vor sich gegangen sein. Man habe sie wie eine Prostituierte richtet wird, find bis jetzt 70 Leichen geborgen, von denen eine große, per 100 Bid. 4,00-4,50, bo. fleine 3,00-3,50. bo. biefige( Berl) behandelt, ihren Personalangaben keineswegs Glauben geschenkt, große Anzahl noch nicht identifiziert werden konnte. Ein aus 0,00. Charlotten 0,00. Beterfilie, grün, Schodbund 1,50-2,00. Stohlrabi 3,50-4,50. Teltower Rüben per 100 Bfd. 8-10. Weiße Rüben, große behauptet, sie gehe auf Strich" und schließlich mit einer Warschau in Hoef eingetroffener Russe ist auf der Suche nach der Schod 0,00. Rettig, bahr., per Schock 2,40-4,80. Mobrriben per 100 Pfund Blumenkohl Rote Rüben 2,50-3,00. Prostituierten in einer Belle untergebracht. Ihren Unschulds- seinem Bruder und seiner Schwägerin, die auf der Hochzeitsreise 0,00, fleine 0,00. 2,50-2,75. Kohlrüben per Schock 2-2,50. Wirsingfohl beteuerungen habe man, da ihr Portemonnaie noch 39,90 m. ent- begriffen, mit dem Dampfer" Berlin" nach dem Kontinent zurüd- Korb 100 Pfd. 3,25-6,00. Rotkohl per 100 Pfd. 3,25-6,00. hielt, feinen Glauben geschenkt, sondern ihr direkt gefagt, sie habe fehrten. Der Russe befindet sich in so aufgeregtem Zustande, daß ver Weißkohl 100 fb. 2,25-3,50. Rosenkohl per 100 Bfb. 25-35. ben Diebstahl verübt und sei von einer Frau vom gegenüberliegenden man für seinen Geisteszustand fürchtet. Grünkohl per 100 3fb. 5,00-7,00. Rhabarber. 100 Bb. 7,00-12,00. Fenster beobachtet worden. Wenn sie nicht gestehe, tomme sie auf Birnen, per 100 Bid. hiesige 0,00, böhm. 10-20, ital. 30-35. Repfel, per ein Vierteljahr in Untersuchungshaft. Unter dem Druck der Ver100 Bfb., biefige 7-30, Gravensteiner 0,00. Tiroler in Fäffern 0,00, stifte hältnisse gestand das Fräulein den Diebstahl ein, nur um aus der 32-60, Amerit. 20-32. Zitronen, Messina, 300 Stüd 8,00-9,00, 360 Stüd Murcia Haft entlassen zu werden. Gin Kriminalgendarm brachte sie 7,00-9,00, 200 Stud 9-13. Apfelsinen, Jaffa, per Stifte 0,00, darauf nach Hause. Während der Gerichtsverhandlung hielt die 200 er Stifte 8-10, bo. 300 er 9-10, Valencia 420 er Stifte 15-24,00, do. 714 er 18-23,50, Messina, 160 er, 11,50-12, So. 200er 10,00-12,00, bo. 300er Angeklagte ihre Behauptungen betreffs der polizeilichen Behandlung 10-12, Blut 100er 7,50-9, bo. 150 er 7,50-9,50, bo. 80 er 9-10. Ital. aufrecht. Zwei als Zeugen geladene Kriminalgendarmen( Ehrlich in Körben per 100 Bfd. 0,00. Mandarinen, Stifte 0,75-2,00, bo. in und Eysner) stellten alles in Abrede; auf Borhalt des Verteidigers Störben per 100 pfb. 31-32. gab E. aber zu, daß der Ausdruck auf den Strich gehen" wohl gefallen wäre, aber nicht von seiner Seite. Betreffs der Androhung der Untersuchungshaft habe er nur gemeint, daß man sie bis zur Serbeischaffung der Belastungszeugen in Saft behalten wolle. Die Angeklagte habe sich übrigens in einem Zustande hochgradiger Erregung befunden. Der Onkel der Angeklagten gab an, daß das Mädchen einige Tage vor der Verhaftung 100 m. von ihrer Mutter erhalten und einige Einkäufe besorgt habe. Er selbst hat 3 Tage vor dem angeblichen Diebstahl noch 60 M. bei ihr gesehen. Das Gericht sprach die Angeklagte frei. Das Geld könne ebenso gut der Frau v. B. auf andere Weise abhanden gekommen und das Geständnis der Angeklagten aus Angst erfolgt sein. Es sei auch unerklärlich, im Falle die Angeklagte Diebstahl begangen habe, wo in den paar Tagen die ziemlich große Summe Geld hingekommen sei, die ste nachweislich in Besitz hatte. Dringend erforderlich ist eine Reform insbesondere des Ermittelungsverfahrens und der auf Schuß gegen Eingriffe in die persönliche Freiheit abzielenden Vorschriften. Gine Million gestohlen. Aus Nizza wird gemeldet: Der Diamantenmakler Schiff schrieb in den Räumen eines hiesigen Finanzinstituts eine Depesche; seine Tasche, welche Diamanten im Werte von einer Million enthielt, hatte er neben sich auf den Boden gestellt. Als er die Depesche beendet hatte, war die Tasche verschwunden. Von dem Dieb fehlt jede Spur. Unter Trümmern begraben. In der Ortschaft Farges wurde nach einer Meldung aus Bourges, durch Zusammenfturz eines Haufes die aus fünf Köpfen bestehende Familie Rousseau getötet. Auf freien Fuß gesetzt. Der französische Industrielle Japh, welcher von der Mülhauser Straffammer wegen fahrläffiger Tötung feines Chauffeurs anläßlich einer Automobilfahrt zu drei Monaten Gefängnis verurteilt und sofort verhaftet worden war, wurde gegen eine Raution von 50 000 mt. auf freien Fuß gefeßt. Die Kaution brachten elfässische Freunde des Verurteilten auf. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen- Direktion.( Großhandel.) Rindfleisd Ia 68-73 pr. 100 Bfb., IIa 62-67, IIIa 56-61, IVa 48-54, dan. Bullen 60-65, Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 110-125, Ta 82-90, IIa 72-80, IIIa 52-68, holländ. 52-58, dan. 60-68. Hammelfleisch Ia 67-76, IIa 50-65. Schweine fleisch 50-58. Rehwild, m. Abschußatt., p. Bfd. 0,00, Rothirsch Ia 0,00, Rotwild Ia 0,00. Dambirsch 0,40-0,60, Bildschweine 0,40-0,60, Frischlinge 0,50-0,65. Staninchen per Stüd 0,60-0,85. Bildenten per Stüd 1,50. Hübner, alte per Stüd 1,30-2,75, bo. IIa 0,80-1,25, 60. junge per Stüd 0,90-1,40. Tauben per Stid 0,00, junge fleine 0,00, italienische ital. per Witterungsübersicht vom 26. Februar 1907, morgens 8 liht. Stationen Barometer. stand mm 768 23 Qui richtung Windstärke Beller Stoinembe. 764 WSW 4 Dunst Hamburg 767 WSW 4 Nebel Berlin Franti.a.M. 772 23 Münden Bien Temp. n. G. 5ºF.= 4° N. Stationen Barometer. fland mm Bind richtung Windstarle Weller 8 Schnee 1 Haparanda 725 23523 2 bedeckt 2 Betersburg 754 SW 0 Scilly Oberbeen 8 bebedt 1 bedeckt 774 S 773 NN 2 moltig -4 Baris 1wolfen! -2 772 DND Temp. n. 6. 1 bedeckt 766 28 773ND 2 halb bb. 4 2 bedeckt 4 Wetter- Prognose für Mittwoch, den 27. Februar 1907. Etwas warmer, vorherrschend wolkig mit Niederschlägen und lebhaften weftlichen Winden. Berliner Betterbureau. Enormer Preisherabsetzung und Umgestaltung wegen bleiben die Verkaufsräume am 40382 27. und 28. Februar geschlossen. Teppich- Haus B. Hurwitz, Rotes Schloß Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. 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Jung, Weimarerstraße 32.)+126 Blinder Stuhlflechter bittet um Arbeit. Stühle werden abgeholt und zurückgeliefert. A. Gläser, Mulad ftraße 27. 14685 Stellenangebote. Neliefgraveure, tüchtige, für Weißprägung sofort gesucht. Streibich, Haad u. Co., Ritterstraße 75. 17075 Lehrling für Graveurhandwerk gesucht. Streibich, Haad u. Co., Ritters ftraße 75. 17086* Bügler verlangt Bod, Reichen bergerstraße 54, III. +28 Kräftiger Arbeiter, 19, sucht Stellung. Baumann, Müllerstraße 163. Geübte Abzieher und Hobler für Bintplatten sucht H. Lohmann, Nirdorf, Mainzerstraße 24. 17746 Lehrling verlangt gegen Kostgeld Silberwarenfabrik von Weichhardt, 17505* Ritterstraße 73. Schlofferlehrling verlangt Rippe, Steinmezstraße 24. 1769b Verkäuferinnen, tüchtig und gewandt, für die Abteilungen Kurzwaren und Damentonfektion zum fofortigen Antritt gesucht. Meldungen mittags 1-2 oder abends 8-9 Uhr. A. Jandorf u. Co., Belle- Alliance 22825 straße 1/2. Zeitungsfrauen fofort verlangt. Nier, Chauffeestraße 98a. 1760b Zeitungsfrauen mit Hülfe, höchster Achtung! Bauarbeiter! Wegen der Aussperrung in der Berliner Holzindustrie sind folgende Bauten gesperrt: 78/5 Bauten der Firma Sawatzki: Supte, Württembergischestraße 37 Ede Liebenburgerstraße. Landshuterstr. 18. Sprengelstr. 19, 20, 21, Beamtenhäuser. Bauten der Firma Jäger, Charlottenburg: Charlottenburg, Straße 26, Parz. 25. Jablonskiftr. 25. Lantwig, Sanatorium. Bau der Firma Jarotzki: Jagdschloß Glienice. Banten derFirma Plagemann: Fürstenhof, Potsdamer Plaz. Witting, Stielerstraße. Färber, Zehlendorf Goethestraße. Bau der Firma Traxel: Schallhorn u. Röhl, Tempelhof, Germania- und Gottlieb Dunkelstraßen- Ede. Adalbertstr. 20. Bauten der Firma Iden: Wolantstraße in Pankow neben S dem Posadowskyhaus, Baumeister Köppen. Elisabethkirchstraße, vis a vis der Strelizerstraße. Bauten der Firma Dombrowsky: Tempelhof, Germania- u. Gottlieb Dunkelstraßen Ede, Bauherr Tausch u. Berghäuser. Bauten der Firma Ziehe: Charlottenburg, Tauroggenerstr. 46. Rigdorf, Harzerstr. 3. Tegelerstr. 7. Bau der Firma Marquardt: Rigdorf, Weise und Allerstr.- Ede. Bau der Firma Emmeluth, Rigdorf: Metall Gewerkschaftshaus der arbeiter, Charitéſtr. 3. Charlottenburg, Hildebrandtstr. 16. Wannsee, Friedrich Karlstraße, Bau Schwabach. Wannsee, Bismardstraße 8, Bau Benjamin. Bauten der Firma Schmidt, Frankfurter Allee: Dudenarderstr. 5, Dowe. Lichtenberg, Magdalenenstr. 42, Fischer. Bauten der Firma Erdmann: Ministerialdirekt. Neuhaus, Dahlem, Partstraße. Mathesius, Nikolassee, an der Neh wiese. Jagdschloß Glienide. Fürstenhof, Potsdamer Plak. Bauten der Firma Langermann: Wilmersdorf, Pariser- und Wittenund bergstraßen- Ede, Bau Heffe. Charlottenburg, Bismard Weimarstraßen- Ede, Bau Hübner. Banten der Firma Grün& Hetwig: Städtische Anstalt in Buch. Barbarossaplab, Hochschule. Oldenburgerstraße, Klosterbau. Xantenerstraße 3-8. Hoppegarten, Heilstätte. Sybelstraße, Ede Dahlmannstraße. Bellermannstraße 92. Lohn, verlangt sofort für Dranien- Bauten der Firma Gebr. Faul: burger- und Rosenthalertor Berliner Hausfrau", Lindenstraße 26. 17685 Krawatten, Binden- Arbeiterinnen berlangen Michelsohn- Comp., Alte 17545 Jakobstraße 106. Vergolderin verlangt Mar Leon hard, Schlefifchestraße 31. +28 Blufen- Stepperin und Lehrmädchen verlangt Will, Müllerstraße 134. Botenfrauen finden dauernde und fehr lohnende Beschäftigung. Touren Alte Jakobstraße und Wilhelmstraße am Bellealliance- Plaz. Meldungen 16/ 3* Schüßenstraße 24/25. Botenfrauen finden sofort sehr lohnende Beschäftigung Schiffbauer bamm 1( Ede Friedrichstraße). 16/ 5* Botenfrauen finden sofort sehr lohnende Beschäftigung PotsdamerStraße 33( Eingang Lüßowstraße). 16/ 4* Botenfrauen finden sehr lohnende Beschäftigung Charlottenburg, KantStraße 34. 16/ 6* Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten 50 Pf. die Zeile. Für Pan- Zigaretten mit u. ohne Gold, flach, Arbeiter verlangt. Flotte 6 M., sehr flotte 9 M. Tages berdienst. 16535 Mohrenstraße 44/45. Jägerstraße 63, Berlin. Potsdamerstr. 15. Neuendorf, Monumentenstr. 27. Bariserstr. 21/22, Wilmersdorf. Gebr. Fidert, Chauffeestraße, Mariendorf. Offiziertafino, General Papestraße, Schöneberg. Anstalt Beelitz( Fenster), Pavillon 4b. Nadge, Holzbandlung, Rummelsburg, am Wilhelmsberg. Bauten der Firma Grunert& Seemann: Schönhauser Allee 97. Dänenstraße, Ede Schönfließerstraße. Invalidenstr. 33. Nieder- Schönhausen, Bismardstr. 32. Bau der Firma Spohna: Weichselstraße 56/57, Rirdorf. Bauten der Firma Schirmer: Breker, Nikolassee, Rehwiese. Schirmer, Zehlendorf, Neuestraße. Schirmer, Grunewald, Parkstraße. Schirmer, Zehlendorf, Spandauerstraße. Bastian, Zehlendorf, Riemeisterstraße. Halensee, Wangenheimstraße. Teutonenstr. 22, am Nikolaussee. Bauten der Firma Wagenknecht: Spreda, Gürtelstraße 17. Fize, Rixdorf, Richardstraße und Bartelsdorferstraße( Ede). Grothe, Mariendorf, Dorfstraße ( Ecke). Bauten der Firma Akt.- Ges. für Bauausführung: Hardt u. Lesser, von der Heydtstraße 12. Ritterstraße 11, Fabrikgebäude. Bauten der Firma Repke, Charlottenburg: Lorenz, Sybelstraße 47. Seibt, Bismardstraße, Ede Rüderstraße. Lantwik, Sanatorium. Schröder, Charlottenburg, Spielhagenstraße, Ede Wilmersdorferstraße. Bauten der Firma Gebr. Schaar: Belder u. Plathen, Lichtenberg, Dorfstraße 9. Mix u. Genest, General Papestraße. Jahnisch, am fleinen Wannsee. Charlottenburg- Westend, Soorstraße. Bauten der Firma Altstädt, 1 Ban der Firma Rachfall, Ra Lippehnerstr. 23: Sees u. Malplaquetstraßen- Ede. Hufelandstr. 8. Bauten der Firma Oehlschlägel: Laue, Charlottenburg, Uhlandstraße, Ede Steinplay. Höpfer u. Schwarzkopf, Schmargendorf, Nuhlaftr. 20/21. Bauten der Firma Röder& Comp.: Schmalz, Malmöerstraße, Ede Straße 2b. Tauroggenerstr. 2. Bauten der Firma C. Prächtel, Lausitzerhr. 10: Dahlem, Botanischer Garten. Charité- Krankenhaus. Virchow- Krankenhaus, Seestraße. Packhof, Alt- Moabit. Bauten der Firma Thal, Lehrterstr. 44: Fichtenberg, Stegliz, Friedrichstr. 6. Müllerstr. 52. Bauten derFirma Heinemann: Sophie Charlottenstraße, Ede Knobelsdorfstraße. Brehm, Gleimstraße. Krüger, Dernburgstraße. Lange, Rigdorf, Boddinstraße. Lange, Steglit, Forststraße. Rigdorf, Lahnstraße. Bauten der Firma Metz, Urban: straße: Tempelhof, Eylauerstraße. Steglitz, Stubenrauchstraße. Bankow, Mendelstr. 18. Tegel, Spandauer, Ede Bergstraße. ftanien- Allee 10: Schönhauser Allee, Ede Bornholmer ftraße. Leibnizstr. 46. Bau der Firma Weise, Moabit: Charlottenburg, Kaiser Friedrichstr.1. Werkstatt und Bauten der Firma Altendorf, Charlottenburg. Bau der Firma Seeger, Nieder Schönhausen, Bis mardstr. 38: Tresdomstr. 67. Bau der Firma Mitsch, Bar nimftr. 22: Christburgerstr. 41. Bau der Firma Schrammer in Rigdorf. Hedemann, Inn a. DonaustraßenEde. Bau der Firma Krause in Rigdorf: Rudolf u. Lempte, Mariendorf, Feldstr. 65. Bauten der Firma Gustrau, Rigdorf: Stier, Ober- Schöneweide, Edisonstraße 40. Bauten der Firma Gebr. Ruge, Cadinerstraße: Ruwald, Romintenerstr., a. d. Kirche. Mühlhaase, Treptow, Kiefholzstr. Ede Bouchéstraße. Coteniusstr. 5. Bech, Huttenstraße. Bau der Firma Harms: Bettenfoferstr. 28. Billa Baum, Billenfolonie Grune Bau der Firma Herrgesell& Treppengeländerbranche. wald. Bauten der Firma Schubert Mix u. Genest, General Papestraße. Holland, Rirdorf, Elbestraße 37. Holland, Wilmersdorf, Holsteinisches straße. Bauten der Firma Kussin: Charlottenburg, Kaiser- Allee 203. Grünfeld, Sächsischestraße 4. Bandmann, Landshuterstraße. Hochschule, Barbarossaplaz. Bauten der Firma Walter, Reinickendorf: Gemeindeschule, Reinidendorf. Sprengel und Samoastraße Ede. Hausotter- und Residenzstraße- Ede. Banten der Firma Karl Hammer, Gitschiner ftraße 63: Tropfle, Wannsee, Alsenstr. 33. Hammer, Eichwalde. Hammer, Lantwiz. Bauten der Firma Glatzer, Blücherstraße 35: Behlendorf, Adalbertstr. 28. Waldemarstr. 41. Bau der Firma Schüler: Wilmersdorf, Landshuters u. Bers linerstr.- Ecke, Bau Bielte. Bauten der Firma Maaß: Tegelerstr. 6, Bau Körling. Groffe, Marienfelde, Kirchstraße. Bauten der Firma Henke, Mariendorf: Mette, Mariendorf, Dorfstraße. Erdmann, Mariendorf, Chauffeeſtr. Tempelhof, Fensterbauten, Schön burgstraße. Bauten der Firma Wolf: Fürstenhof, Potsdamer Plaz. Halensee, Hertaftr. 18. Buch, Heilstätte. Bauten der Firma Kuhnert& Kühnet Raft, Schöneberg, Barbarossa- Ede Landshuterstraße. Baulsen, Charlottenburg, Schlüter. ftraße. Damenheim, Aschaffenburgerstraße. Lehmann, Tiefbaugesellschaft, Dahlmann- und Gerbisiusstr.- Ede. Buchholz, Steglitz, Albrecht und Brüderstr.- Ede. Bau der Firma Rösner: Weichselstraße 37. Bau der Firma Jost, Glogauerstraße: Hübner, Wilhelmshavener. straße: Charlottenburg, Werner Siemensstr. Mommsenstr. 27. Bauten der Weißenseer Holzbearbeitungsfabrik G. m. Schöneberg, b. H.: Lohse, Wilmersdorf Friedenau, Ringbahnstr. 245. Busse u. Jenson, Münchenerstr. 16. Knoblauch, Briz, Jahnstr. 82. Lowe, Sidingenstr. 54. Stronenstr. 33. Bandmann, Heilbronnerstr. 22. Weißensee, Frisidestr. 3. Bauten der Firma Pätz, Reichenbergerstr. 114: Fischer u. Colberg, Rigdorf, Berg u. Walterstraßen- Ede. Förster, Rigdorf, Treptower- und Harzerstraßen- Ede. Weise, NW., Elberfelderstr. 4/5. Bauten der Firma Osten, Rigdorf: Magnus, Schönhauser Allee 134a, Bau der Firma Bauschke: Charlottenburg, Schillerstr. 11. Bauten der Firma Herrmann, Staligerstraße: Ausbau in Tegel, Beitstr. 16. Gasanstalt, Prenzlauer Allee, Direktionsgebäude und Guß röhrenlager. Bauten der Firma Strotthoff: Herold, Charlottenburg, Giesebrecht. ftraße 17. Reinickendorferstr. 95. Gutzeit, Ufer und Martin Opiz. Straßen- Ede. Bauten der Firma Noack, Hennigsdorferstraße: Giller, Nord- Ufer, zwischen Lynar straße und Ringbahn. Reinidendorferstr. 49. Bauten der Firma L. Lassen: Demme, Urbanstr. 94. Schmädide, Elberfelder und Dort munderstraßen- Ede. Blankenfeld, Müllerstr. 152. Lassen u. Brefinsky, Borhagen. Bau der Firma Pohl& Sohn: Bauten der Firma Schmidt& Co., Schönhauser Allee: Wilmersdorf, Kaiser- Allee u. Sieg lindeſtr.- Ede. Schöneberg, Bragerstr. 15. Brull u. Schmidt, Charlottenburg, Dernburgstraße. Duaß, Charlottenburg, Sybelftraße 56/57. Brode, Charlottenburg, Dahlmanns straße. Friz, Charlottenburg, Niebuhrstr. 77. Herbst, Schöneberg, Bambergerstr. Beiser, Schöneberg, Münchenerstr. 14. Boffe, Pariserstr. 38. Bau der Firma Hundt, Grimmstraße: Keller, Jägerstr. 63. Maaß Lizenburgerstraße, Ede Pfalzburgerstraße. Beitscher, Kurfürstendamm 144. Hausherr, Steglit, Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Stegliz, Ahornstr. 12, Ausbau. Kutter, Zehlendorf, Scharfeftr. 4. Scheuren, Zehlendorf, Milinowskiftraße. Haase, Zehlendorf, Riemeisterstraße. Bastian u. Kabelik, Zehlendors, Riemeisterstraße. Postbau, Niederschönhausen, Tres fotftraße 67. Bauten der Firma Pasch, Pfarrstraße 35: Buggenhagen, Lichtenberg, Pfarr. ftraße 5. Burr, Simon Dachstraße. Karlshorst, Prinz Dstarstraße. Urbanstr. 3. Rummelsburg, Wilhelmstr. 3/4. Höfelt u. Seifert, Karlshorst. Wolf, Nieder- Schöneweide. Schwindt, Charlottenburg, Ger binusstr. 3. Grothe, Mariendorf, Dorfstr.- Ede. Banten der Firma F. Peschel & Söhne: Bertram, Schöneberg, Martin Luther straße 27. Seiler, Schöneberg, Eylauerstr. 3. Baugesellschaft Barthe", Rigdorf, Hermannstr. 32. Schoffow, Charlottenburg, Sybell- Bauten der Firma Geißler, straße 7-8. Bau der Firma Näthe, Stettinerstraße 27: Eide u. Schwarz, Schwedenstr. 5. Bill u. Jakob, Rigdorf, Donaustr. 114. Lindenstraße, Erweiterungsbau der Bau der Firma Schneider, Biltoria. Bauten der Firma Dittmar, Pankow: Wollantstr. 117. Schönholzerstr. 1. Kaiser Friedrichstr. 63, Schule. Bauten der Firma Hegelmann: Griebenowstraße: Bellermannstr. 84. Adalbertstr. 9. Bauten der Firma Roloff: Mohrenhof, Friedrich-, Ede Mohren. Straße. Schivelbeinerstr. 7. Winsstr. 17. Bommel, Nixdorf, Kaiser Friedrich- Bau straße 219-220. Schaum, Wilmersdorf, Kaiser Allee, Ede Wilhelmsaue. Schulz, Jungfernheide, Mindenerftraße. Böttcher, Reinidendorf, Justusstraße. Böttcher, Borhagenerftr. 17. Bauten der Firma Braun: Walter Müller, Nirdorf, Juliusstraßen- Ede. und Müller, Rigdorf, Cranoldplay, Fensterbau. Bauten der Firma Grünberg, Markgrafendamm: Springer, Schöneberg, Luther. u. Freifingerstraßen- Ede. Rigdorf, Herrfurthplak 8. Bauten der Firma Stellmacik Wilmersdorf, Düsseldorferstraße, an der Bayrischen Straße. Charlottenburg, Neue Kantstraße, Ede Dernburgstraße. Bankow, Spandauerstraße, Ede Kreuzstraße. Erestowftr. 14. Bauten der Firma Schulenburg, Charlottenburg: Frantsen, Wangenheimstr.- Ede. Bauten der Firma Pewesin: Wilmersdorf, Brandenburgischestr.12. Straße 26, Reumann. Tegeler Weg 101/102. Bauten der Firma Prill, Fürbringerstraße. Ueberholz, Kurfürstendamm. der Firma Hoffmann, Wollinerstr. 27a: Gleimstr. 46/47. Firma Knöfel, Lichterfelde, Manteuffelstr.7: Steglit, Herberstr. 7. Bau der Firma Schwarze, Rigdorf, Nogatstr. 25: Rigdorf, Emserstr. 32-34. Bau der Firma Wagenknecht, Petersburgerstraße: Friedrichsberg, Pfarrstr. 4. Bau der Firma Heidenberg, Prinzenallee 20: Thiele, Wilmersdorf, Naffauische straße 5. Bau der Firma Scharwis: Stödel, Friedenau, Cranachstraße. Bau der Firma Holstein: Schule, Lichtenberg, Scharnweber. ftraße 22. Bau der Firma Muder, Schön. hausen: Bankow, Schmidstr. 6. Bau der Firma Reuter, Steins menstr. 24: Haumann, Münchener, Ede Rosen heimerstraße. Achtung! Bauarbeiter! Henrizi, Charlottenburg, Suarez. Die Bauten der Firma Vereinigte Bautischler aus Riez bei Treuenbriezen: ftraße 13. Bauten der Firma Waiz: Maaß, Liebenburger- und Pfalzburgerstraßen- Ede. Bau Zaunusstr. 29, Friedenau. Banten der Firma Sperling& Kapelke: Briz, Werder u. Nungiusstr.- Ede. Sybelstr. 56 und 57. ,, Péra", Friedrichstr. 105a. Neue Wilhelmftr. 10. 80/5 Ban Albrecht, Barbarossastraße( Schöneberg), Bau Völker, Jablonskistraße 12/13. Sentinger, Hochstraße, Prehn, Lisztstraße, 99 Bornholmerstraße, Prenzlauer Allee, Ecke Chodowieckistraße, find für Tischler und Einseter gesperrt. Deutscher Holzarbeiter Verband. n Der Gauvorstand. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Enseratenteil verantwo.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Vorwärts Dieffenbachstraße: Groterjahn, Schönhauser Allee 129. Heffe, Pariserstraße. Supfe, Schlüterstraße, Ede Liezen. burgerstraße. Neuendorf, Monumentenstr. 27. Menge, Wilmersdorf, Schwäbische ftraße. Burgall u. Martin, Faldensteinstraße 49. Rottbuserdamm 87. Friedenau, Stubenrauchstr. 12. Billenkolonie Nikolassee, Sudeten ftraße, Körner. Desgl., Sudetenstraße, Rołowsky. Edert u. Denneberg, Bodiderstr. 8. Peiser, Schöneberg, Münchenerstr.14. Bauten der Firma Törmer& Scharlau; Gr. Frankfurterstr. 126. Schmidt, Bafteurftr. 35. Rigdorf, Weichselftr. 48/49. Burnau, Charlottenburg, Mommsen ftraße 42/43. Lehmann, Charlottenburg, Mommfenstraße 44. Bilmersdorf, Kaiser- Allee 202. Bauten der Firma G. Bruns, Boppstraße: Misbherstr. 71/72, Geite. Schonenscheftr. 3-4, Geile. Weißensee, Frifideftr. 3. Grünau, Jägerstr. 16, Paek. Banten der Firma Marzahn, Bergmannstraße: Lorenz Repke, Sybelstr. 47. Karl Schmidt, Helmstädterstr. 2 Brinzessinnenstr. 18. Wilhelmstr. 45/46. Gewerkschaftshaus d. Metallarbeiter, Charitéstraße 3. Fröhlich u. Ludwig, Grolmanstr., Ede Bismarckstraße. Bauten der Firma Jensen & Wodrich: Samoaſtr. 2, 3, 20, Bau Müller. Prinz Regentenstr. 116, Bau Laft. Bauten der Firma Grieser, Steglik, Heesestraße: Lamprecht, Steglit, Schöneberger straße 10-11. Sinnig, Bankow, Schulzestraße. Swoboda, Stes, Grunewaldstr. 28, Willardt, Steglit, Zimmermannstr.12 Krüger, Lichterfelde, Chausseestraße Ede Stegligerstraße. Bauten der Firma Heinrich, Steglit, Plantagenstr. 19: Sinnig, Steglitz, Martinstr. 5. Sinnig, Steglik. Albrechtstr. 107. Suchland, Steglit, Südendestraße. Willardt, Steglig, ZimmermannStraße 12/13. Klitscher u. Altring, Friedenau, Wilhelmstr. 2/3. Bau der Firma Meinhardt, Dennewitzstraße: Schönebergerstr. 27. Bau der Firma Vogt, Köpenickerstr. 54: Charlottenburg, Kaiser Friedrich. Ede Scharnstraße. Bauten der Firma Engel, Uferstr. 5. Saalmann, Schwedenstraße. Maaß, Dortmunderstraße. Lehmann, Boigtstraße. Bauten der Firma Finkendei, Groß- Lichterfelde. Bernide, Steglitz, Berlinidestr. 5. Hausherr, Groß- Lichterfelde, Ringstraße, Ede Dührerstraße. Bau der Firma Brandenburg, Wilhelmstr. 124: Bonifaciusgemeinde, Yorkstr. 87/88. Schilling, Köpenickerstr. 27. Löffler, Krefelderstr. 8a u. 9. Henrizi, Charlottenburg, Suarezftraße 13. Bauten der Firma Vogt& Söhne, Stendalerstr. 6: Echtermayer, Driesenerstraße, Ede Stolpischestraße. Bau- und Sparverein Westend. Bommel, Rigdorf, Kaiser Friedrich ftraße 219/220. Hartmann, Cornely, Stubenrauchstraße. Friedenau, Thiele, Wilmersdorf, Nassauische straße. Herms, Pankow, Schmidtstraße. Bauten der Firma Lütjen& Bruns, Greifswalderstrake: Balentus, Charlottenstr. 7. Hubracht, Dahlmann Ede Sybel ftraße. Köppen, Pankow, Bollantstr. 97. Wegen Streit und Differenzen find gesperrt: Für Vergolder: J. C. Pfaff, Zeughofstraße. Für Kammacher und Zelluloid- Arbeiter: Beißensee, Langhansstr. 58. Firma Grünberg, gar Bodenleger: Für Lug, Neue Kant- und Dernburg ftraßen- Ede. Bau Kottbuserdamm 84. Bau Kottbuserdamm 9. Buzug ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Annahme- Stellen für„ Kleine Anzeigen". Zentrum: Fri Zinke, Mauerstr. 89. A. Hahnisch, Auguftstr. 50. Westen: G. Schmidt, Bülowftr. 52 Osten: 23. Mann, Petersburgerplat 4. R. Wengels, Rüdersdorferstr. 8. Gustav Vogel, Stoppenstr. 83. Nordosten: 2. Zucht, Keibelstr. 42. J. Neul, Barnimstr., 42. Norden: H. Raschke, Aderstr. 36. F. Trapp, Rügenerstr. 24. Karl Mars, Lychenerstr. 123. Karl Weiße, Wiesenstr. 41/42. 2. Dechand, Ruheplasstr. 24. H. Vogel, Lorkingftr. 37. A. Tiek, Invalidenstr. 124. Nordwesten: Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. W. Schrolle, Gozłowskyftr. 29. Südwesten: Süden: 5. Werner, Mittenwalderstr. 30. Lantwig, Kurfürsten- und Froben. Schröder, Hagelbergerstr. 27. Straßen Ede, Köhler. Bauten der Firma Völker, Tempelhof. Graz, Bornholmerstraße, Ede Schön. hauser Allee. Hübner, Charlottenburg, Bismard, Ede Weimarerstraße. St. Frih, Prinzenstr. 31. F. Gutschmidt, Rottbuser Damm 8. Südosten: Paul Böhm, Laufiger Platz 14/18. P. Horich, Engel- Ufer 15. Charlottenburg: Villa Werner, Klein Glienide bel G. Scharnberg, Sesenheimerstr. 1 Potsdam. Paulsen, Schlüterstr. 33/34. Lehmann, Dahlmannstraße, Ede Garvinusstraße. Bau der Firma Stahl, Kur fürftenstraße 37: Ueberholz, Kurfürstendamm 170. Bauten der Firma Lindgren, Rigdorf: Razmann, Brüdenstr. 2. Wüzler, Rigdorf, Bergstr. 112. Bipperstr. 25. Müller, liusstraßen- Ede. Friedrichsberg: D. Seifel, Kronprinzenftr. 50. Rixdorf: M. Heinrich, Nedarstr. 7. Conrad, Hermannstr. 50. Rummelsburg: A. Rosenkranz, Alt- Borhagen 56. Schöneberg: Wilh.Bäumler, Martin Lutherstr.51. Weißensee: K. Fuhrmann, Sedanstr. 105. Walter- und Ju- Jul. Schillert, König- Chaussee 39a. Lowe, Gewehrfabrik, Bittenau. Altes Kriminalgericht, Moabit. Reinickendorf: P. Gursch, Provinzstr. 108. Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW.