Kr. 60. IbMKflntntS'Bedlmangeii: tCtonnmtmtS< Preis prSnumerand« i »ierteljiihrl. 3,30 Ml,, monatl. 1,!0 Ml. wöchentlich 28 Pfg. frei inS HauS. einzelne Kummet 5 Pfg. Sonntags. «immer mit illuftrieiter Sonntags» Beilage»Die Neue Welt">0 Pfg, Post» Abonnement:!,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post. ZeitunaS» Preisliste, Unter Kreuzbaiid für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, sSr das übrige Ausland S Marl pro Monat. PoftabonnementS nehme» an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal» Smitümeu, Schweden und die Schweis, S4. Ilchrg. «»iiit ilaiick mSir msatia«. Vevlinev VolksblÄkk. DK(nKrtlons'Gtbflbr betrag« ffit die sechSgespaUene ttatolMi» geile oder deren Raum M Pfg,, für politische und gewerkschaslliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Bnxcigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 30 Pfg,, jedes weitere wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf« stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort s Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen biS S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben«erden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SozlaldeDsknt Rtril*". Zentralorgan der roziatdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redakttons SRI. 68» Lindcnstraaec 69. nern spreche»: Amt IV, Nr. 1983. Donnerstag, den 28» Februar 1907* Expedition: SRI. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 198». Durd) Rußlands HungerdiftriHte. Rußland hungert. In dem größten Teil seiner Gouver- nements, besonders den auf landwirtschaftliche Erträge an- gewiesenen Zentralprovinzen herrscht Hungersnot. Hunger chphus und Skorbut fordern unerbittlich Tag für Tag ihre Opfer. Eine ungünstige Ernte, die inneren Wirren und die vollständige mit rohester Brutalität gepaarte Unfähigkeit der russischen Verwaltung, die zum Zweck der Aufrechterhaltung ihrer Herrschast jeden kulturellen, freiheitlichen Fort schritt unterdrückt, haben weiten Gebieten des Reiches eine neue Hungersnot beschert. Schon in normalen Zeiten hungert der russische Bauer. Der Hunger ist sozusagen sein väterliches Erbteil. Obgleich Rußland enorme Mengen von Getteide ausführt, kommt auf den Kopf der russischen Bevölkerung ein weit geringerer Getreideverbrauch als in den Kulturländern West- und Mitteleuropas. Sobald aber die Ernte unter dem Durchschnitt zurückbleibt, tritt an die Stelle des chronischen Hungers die Hunderttausende von Menschen� leben hinwegrastcnde akute Hungersnot. Unter solcher Hungersnot litt Rußland in den Jahren 1891/92 und 1897/98, und ivird es jetzt wieder heimgesucht. Aber die polittschen Zustände seit den letzten Hunger- Perioden haben sich im Zarenreich gewaltig geändert. Die Revolutton hat in dem Lande aller Reußen seitdem ihr Haupt erhoben, und das russische Volk hat bewiesen, daß es nicht nur leiden und sterben kann wie kein anderes Volk, sondern daß es auch mit unermüdlicher Ausdauer zu fechten vermag. Wird die Hungersnot die Revolutton vorwärts treiben; wird sie der Bauernschaft das Signal zum Kampf geben? In fast allen Revoluttonen hat der Hunger eine große Rolle gespielt, nicht zum wenigsten in der großen ftanzösischen Revo lutton. Der Bastillesturm des 14. Juli 1789, die ihm folgenden Aufstände der Bauern m den ostfranzösischen Provinzen, durch welche die Feudalrechte des alten Frankreichs zertrümmert wurden, wie der Zug der Pariser Frauen nach Versailles am 5. Oktober 1789 und die Volksmifstände in den Jahren 1792 und 1793 waren zum wesentlichen Teil Folgen der Hungersnot und des durch diese aufgepeitschtm notleidenden Volkes. Wird auch das russische Bauerntum sich zum Kampfe aufraffen? Schwer genug leidet es unter den jetzigen Zuständen. Die Berichte, die aus den Hungerdisttikten Rußlands kommen, sind geradezu grauenhaft. Die schwe- dische Zeitung„Dagens Nyheter" in Stockholm hat einen Korrespondenten in die russischen Hungerdistrikte entsandt. damit er die dort herrschende entsetzliche Hungersnot schildere. In einer Reihe von Briefen an seine Zeitung enthüllt nun der Korrespondent das Elend und die Leiden des Volkes. Seinen Schilderungen entnehmen wir folgende Bruchstücke: .... In meiner Kindheit hatte ich einmal Gelegenheit, ein Bild zu sehen, das mir noch lange nachher Schaudern einflößte. Es stellte eine Menge halbnackter Menschen dar, die— wie Würmer— mit krampfhast verzerrten Gliedern auf einem öden Gefilde über- und nebeneinander krochen. Unter dem Bilde stand als Erklärung des eine Wort:„Hunger".— Dieses längst der- gessene Bild tauchte in meiner Erinnerung wieder auf bei meiner Fahrt durch Rußlands Hungerdistrikte. Die Hunderte von Ein- drücken, der eine immer düsterer und schauriger als der andere, fließen allmählich zusammen zu einem Bilde, welches. an Entsetzlich keit dem Schreckensbilde, das damals meine kindliche Phantasie in Bewegung setzte, nicht nachsteht. Ich habe es stets vor mir; in jedem Dorfe, das ich besuche, prägt es sich meinem Kopfe mehr und mehr ein. Einzelne Details können wechseln, im Ganzen aber ist das Bild überall dasselbe.— Ich sehe sie vor mir in unüberschaulicher Menge: diese zitternden Geschöpfe, auf deren eingesunkenen Wangen keine andere Farbe zu entdecken ist als die der Fieberröte, diese zu- sammengesunkenen Korper mit hängenden Köpfen, diese schlaffen, skelettartigen Hände, die so gierig nach der kleinsten Gabe greifen, und— das allerschauerlichste: diese bittenden, erschreckten. glänzenden Augen, in welchen ungefähr derselbe Ausdruck zu lesen ist wie bei einem Hunde, der— blutig geprügelt— zu den Füßen seines Herrn heult. Anfänglich versuchte ich, die verschiedenen Ein- drücke auseinanderzuhalten. Aber Hütte nach Hütte. Dorf nach Dorf kam, und die eiligst niedergeschriebenen Zeilen halfen mir nicht länger, um jedes Bild für sich scharf zu prägen. Ich blättere in meinem Notizbuch. Einige zwanzig Seiten sind mit einzelnen Notizen gefüllt, ein paar Zeilen von jeder Hütte, in der die Not mir ungewöhnlich herzzerreißend vorkam. Jedes- mal, wenn ich einige Worte niederschrieb, schien es mir, als ob ich nie vorher so etwas Schauderhaftes und Entsetzliches gesehen hätte. Aber wie ein Uebermaß von Licht blendet, so wird das Gefühl von allen diesen Schreckensszenen allmählich so abgestumpft, daß ich nicht längSr etwas Merkwürdiges oder Ungewöhnliches an diesen Aufzeichnungen finde: Familie von 6 Mitgliedern; der Vater außerstande, sich zu bewegen; seine Frau krank an Skorbut, ihr Mund eine einzige Geschwulst; 2 Kinder mit eitrigem Ausschlag über den ganzen Körper. Seit Oktober ist Brot die einzige Nahrung. Witwe mit 3 Kindern. Sie liegt halbnackt in Fieber- Phantasien auf der Bank; die Kinder krabbeln auf dem Lehmboden herum, jedes mit einer harten Brotrinde in der Hand.... Ich schrieb diese Eindrücke in den ersten Dörfern nieder. Ich hörte damit auf, als ich fand, daß solche Fälle in jedem Dorfe vorkommen und für jedes Dorf typisch sind.... Ich schließe die Augen, und sie ziehen alle, alle in einer langen Reijje vorbei: Hier der Greis mit zusammengeschrumpften Gliedern, mit Händen und Gesicht, auf denen eine pergamentbraune faltige Haut scharf herausstehende Knochen deckt, mit halbgeborstenen Augen, die stumpf ins Leere stieren. In wie vielen Hütten habe ich es nicht gesehen, dieses unheimliche Gespenst. Auf dem Ofen sucht es seine blutleeren Glieder zu wärmen. In der Stube wimmelt es von Kindern und Kindeskindern. Der Alte verlangt nur eins: Sobald wie möglich sterben zu dürfen, zu sterben, nicht um eigenen Schmerzen zu entgehen— ein langes Leben hat ihn gelehrt, Leiden und Entbehrungen zu tragen—, sondern um die Seinigcn von einer unnützen Last zu befreien. Er weiß, daß das Brot, welches er ißt, für die übrigen hungernden Familienmitglieder notwendiger ist, und er murmelt schuldbewußt:„Es ist Zeit für mich, zu sterben: schon allzu lange esse ich das Brot anderer."— Hier eine Mutter, deren Kräfte schon zu Ende sind in ihrem harten Kampfe gegen die Not. Sie liegt ausgestreckt auf einer Bank in der Ecke der Stube; ihre dünnen, bleichen Lippen können sich nicht mehr schließen: der Skorbut hat schon seine Verheerungen angerichtet. Große rote Geschwülste— wie Haselnüsse— ragen hervor zwischen lockeren Zahnzacken. Das dünne Stück Tuch, das als Decke dient, hüllt nur unvollständig ihre nackten Beine, die — geschwollen und wie mit Glasur überzogen— in dunkelblauer Farbe schillern. In ihren glasigen, stierenden Augen liegt es wie eine Frage: Warum dies alles? Aber sie trägt ihr Leiden resigniert und reicht dem Kleinen, der an ihrer Seite krabbelt, ihren Busen, in dem schon lange der letzte Tropfen Milch versiegt ist. Hier die leidende Kleine mit dem wachsähnlichen Gesicht, mit triefenden roten Augen und dem scheuen, bittenden Ausdruck eines verwundeten Tieres. Die Brotrinde liegt neben ihr, zu hart für das geschwollene Zahnfleisch. Ihr Vater klagt:„Seit drei Tagen hat sie nichts gegessen; ich bitte und drohe— die Antwort bleibt immer dieselbe:„Kann nicht! Will nicht!"— Das Kind sitzt schweigsam und unbeweglich. So klein es ist, hat es schon die Kunst gelernt: zu leiden, ohne zu klagen. Hier der hungernde Bauer selbst, wie ich ihn in Hunderten von Auflagen gesehen habe. Er ist bleich und abgemagert, aber noch gesund, so weit ein ständig hungerndes Geschöpf gesund sein kann. Er hat keine Ruhe, sitzen zu bleiben, sondern er kreist, nach vorn gebeugt und schweigsam, um die Seinen herum, die krank, vielleicht sterbend im Halbdunkel der Stube liegen, während er selber in grübelnde Gedanken versunken ist. Aber ruhig und klar antwortet er auf alle Fragen. Aus jedem Worte tritt hoffnungs- lose, beherrschte Resignation hervor; er hat sich in sein Schicksal gefunden, hat nichts zu hoffen und erwartet von der Zukunft nur den Tod. Sie treten vor mich hin alle diese unheimlichen Schatten; über allen dieselbe hoffnungslose, entsetzliche Ergebenheit. Es ist die schweigsame Resignation deS hungernden Rußlands, die einen so herzzerreißenden Eindruck macht. Es wäre eine Erleichterung, wenn alle die Hungernden ihren Klagen Lust machten. Aber sie schweigen, sie hungern, sie leiden, und sie sterben, ohne daß ihr Todesröcheln außerhalb ihrer vergessenen Dörfer hörbar wird. „Um Gotteswilleir! Reisen Sie hinaus zu den hungernden Bauern? Es find nicht mehr Menschen, sondern wilde Tiere!" So hörte, ich überall in der Hauptstadt des Hungerlandes Kasan. Ich reiste, und wo ich wilde Tiere zu finden erwartete, fand ich ein Volk von Helden! Denn der Hunger hat seine Opfer nicht zu raubgierigen Hyänen gemacht. Es sind die starken, die gesunden Bauern, welche— die Vorratskammer voll von Lebensmitteln und den Schrank voll Wodka— plündern und sengen. Hier aber ergibt man sich in sein Schicksal, gehorsam und schweig- sam.... Die Mutter legt das Kind an ihren schmerzenden Busen, der hungrige Bauer teilt mit seinen hungrigen Nachbarn die letzten Reste des knappen Gnadenbrots des Staates." ww-v. Die russische Revolution. Die Eröffnung der Duma. Petersburg, 27. Februar.(W. T. B.) Mit der Er- öffnung der Reichsduma am 5. März d. I. ist der Vize- Präsident des Reichsrats Gokubcw betraut worden. Der Er- öffnung geht um 1 Uhr nachmittags ein Gottesdienst vorauf. Der Reichsrat beginnt seine Sitzungen am 5. März 5 Uhr nachmittags. Vorbereitungen. Die Kadetten beabsichtigen' zur Eröffnung der Reichsduma folgende Forderungen zu stellen: 1. In Beantwortung der Thronrede verlangt die Reichsduma die Absetzung des bureaukratischen Ministeriums, die sofortige Anerkennung der Bürgerrechte und der Grundsätze-für eine konstitutionell» demo- kratischc Monarchie. 2. Werden diese Forderungen nicht erfüllt, so soll sich die Reichsduma mit einem Manifest an das ganze Land wenden, um das Wesen, die Ursache und den Gang des entstandenen Konfliktes klarzulegen. 3. Gleichzeitig soll die Reichsduma Grund- sätze für ökonomische Reformen ausarbeiten und verkünden. Die sozialdemokratische Dumafraktion plant selbständig vorzugehen und mit eigenen Gesetzesprojekten aufzutreten, für deren Durchführung alle zu Gebote stehenden Mittel sowohl in der Reichs- duma selbst als auch außerhalb derselben angewandt werden sollen. Die.Kadetten' sollen nur im äußersten Falle unterstützt werden. Zur Präzisierung der Taltil der russischen sozialdemokratischen Partei ist eine besondere Kommission gebildet. Der„ponr-Iv-alerikr". London, 27. Februar.(W. T. B.) Der„Standard" Der- öffentlicht heute einen sieben Spalten langen Auszug aus einem geheimen Bericht, den General Smirnoff, der Kommandant von Port Arthur während der Belagerung durch die Japaner von« Februar bis Dezember 1904, an den Kaiser gerichtet hat. Dieses Dokument, das die Unterlage für die Angriffe bildete, auf Grund deren gegen die Generale Stößel und Fock sowie Oberst Reiß eine Untersuchung eingeleitet wurde, gibt einen höchst anschaulichen Be- richt über den Verlauf der Belagerung. Smirnoff erhebt darin schwer belastende Anklagen gegen Stößel, den er der Feigheit, der Unfähigkeit, der Günstlingswirtschaft und der Unentschlossenheit be- schuldigt, Eigenschaften, die dazu führten, daß die Festung übergeben worden sei, bevor ihre Hülfsquellen für die Verteidigung erschöpft waren._ poUtifcbe Qcbcrficht» Berlin, den 27. Februar 1907. Ein kleiner Tag. Schon äußerlich, an der Besetzung des Hauses zeigt es sich, wenn die„kleinen Götter" im Reichstage nationale Phrasen steigen lassen. Der„entschiedene Liberalismus", dem es an großen Führern im ReichstagcDmangelt, mußte sich damit begnügen, daß der Abgeordnete Wiemer heute als Hauptredner zum Etat sich abquälte, ein Bild von der Situation nach den Wahlen zu geben. Wie die Nattonalliberalen, so sind auch die Freisinnigen zum größten Teil nur auf fremden Krücken in den Reichstag gelangt. Das hindert diese aber nicht, in hohler Aufgeblasenheit die Pose gewichtiger Polttiker zu mimen. Wo aber der Jntellett versagt, da fällt auch nichts ab für die geisttge Befriedigung der Zuhörer. Darum war das Haus während der heutigen Redeproduttionen nur mäßig besetzt. Drollig wirkte die von Wiemer forcierte Betonung der Lebensfähigkeit und des Aufschwungs des„entschiedenen" Liberalismus, der da in unglaublicher Verblendung meint, der Reichskanzler Bülow könnte die Paarung liberalen und konservativen Geistes liberalisierend auf die Regierungs- tättgkeit wirken laffen.— Anscheinend merken diese Kleingeister gar nicht, wie sie der Reichskanzler vorgestern mit nichtssagenden Redensarten über ein Reichsvereinsgesetz usw. einseifte. In der Hoffnung, einen Happen aus der Staats- krtppe zu erschnappen, legen die„entschiedenen" Liberalen ihre Wünsche dem Reichskanzler ans Herz, und es ist keiner unter ihnen, der nicht ein gnädiges Lächeln beim Reichskanzler fände— mehr aber nicht l G a m p bestärtte die liberalen Blockfreunde in dem Paarungsbestreben und zählte eine Reihe Gesetze auf, die vom„nationalen Block" gemeinsam revidiert öder geschaffen werden könnten. Wer sofort hinterher rief Herr Gamp dem Zentrum das von letzterem gern gehörte Wort entgegen: „Unser Weg wird bald wieder zusammen ' ü h r e n l" Das erregte Vellommenheit unter den„ent- chiedenen Liberalen".— Noch beängstigender für sie war das challende Gelächter, das Liebermann v. Sonnenberg mit einen Bettachtungen über die Homogenität des nattonalcn Blocks auslöste. Seine Witzchen und Späßchen gefielen besonders dem Zenttum, das ja auf den Zerfall des Blocks wartet, weil sich dann seine, des Zcnttums Unentbehrlichkeit der Regierung noch mehr aufnötigt. Komisch wirtte Lieber- mann, als er mit pathetischem Ernst davor warnte, die Sozialdemottatte für eine endgültig besiegte Partei zu halten. So wirbelte die Verspottung der liberalen Block- freunde und die Mahnung zu festem Zusammenhalt der Block- angehörigen in den Ausführungen Liebermanns Widerspruchs- voll durcheinander. Auch der Pole Fürst Radziwill erging sich in kritischen Bemerkungen über die konservattv-liberale Paarung. Die Idee sei keine neue Erfindung Bülows, sondern nur eine Wiederaufnahme der verunglückten Ideen Miqucls, der die Sammlungspolitik unter den Bürgerlichen als Spezialität betrieb. Scharf rechnete Fürst Radziwill mit der Polenpolitik der preußischen Regierung ab. der er 100 jährige Mißachtung der nationalen Eigenschaften des polnischen Volkes vorwarf. Um so mehr Elogen machte der Redner dem Zentrum, um welches Deutsch- land von der ganzen katholischen Welt angeblich beneidet werden soll.— Morgen, Donnerstag. Fortsetzung der Etatsbcratung. Mittelstandsretter und Scharfmacher im Drciklassenparlament. Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Mittwoch zunächst in zweiter Beratung den Etat der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung. Die Beratung gab den Rednern der vcr- schiedensten Fraktionen wiederum die angesichts der 1908 be- vorstehenden Landtagswahlen doppelt erwünschte Gelegenheit, sich in Bitten um Gehaltsaufbesserung für die mittleren und unteren Bergbeamten förmlich zu überbieten. Ob diese in der laufenden Session so auffüllig zur Schau getragene Beamten- freundlichkeit praktische Erfolge haben wird, bleibt abzu- warten. Vorläufig möchten wir es auf Grund früherer Er- fahrungen bezweifeln. Die Generaldebatte zum Etat der Handels- und Gewerbe- Verwaltung, in die das Haus sodann eintrat, bildet schon seit Jahren den Tummelplatz für alle möglichen und unmöglichen Versuche zur Rettung des Handwerks wie überhaupt des Mittelstandes. So auch diesmal. Zunächst ritt der Abgeordnete Malkewitz(kons.) sein liebstes Steckenpferd? er forderte fTefttü Mikkek, Sefen WrrklMgslosigkeik schon längst nachgewiesen ist. Nebenbei verlangte er unter dem lebhaften Beifall seiner Freunde, daß die Regierung endlich„gegen den sozialdemokratischen Terrorismus" vor» gehet Die Konservativen wünschen also nichts mehr und nichts weniger als ein neues Zuchthausgesetz. Zweifel- los hat dieser Wunsch die vielen Schauermärchen gezeitigt, die in den letzten Wochen in der bürgerlichen Presse über den au- geblichen Terrortsmus der Sozialdemokratie verbreitet wurden. Erst lanciert man— genau nach dem Muster der Denkschrift zur Zuchthausvorlage seligen Angedenkens allerhand erdichtete Vorfälle in die Presse, dann fordert man unter Berufung auf dies Lügengewebe eine Verschärfung des Strafgesetzbuchs. Ein nur allzu durchsichtiges Manöver I Mit feiner Ironie antwortete Herr Trimborn(Z.), er sei auf die Paarung der Konservativen und Liberalen zur gesetzlichen Bekämpfung des sozialdemokratischen TerrorismuS neugierig. Im übrigen äußerte sich der Zentrumsredner, was die Mittelstandspolitik betrifft, in noch rückschrittlicherem Sinne als sein Kollege von der Rechten. Er gab ein großes Programm zum besten, ein Sammelsurium wie es toller kaum gedacht werden kann. Nicht nur für das Handwerk, sondern sogar für die Kaufleute fordert er den kleinen Be- sähigungsnachweisl Das Submissionswesen will er so regeln, daß die öffentlichen Arbeiten in kleinen Losen und der Reihe nach an die verschiedenen Handwerker der Ge- meinde vergeben werden, unll' er verlangt sogar, daß die Re- gierung die Kommunen in diesem Sinne unterweist-- ein Verlangen, das der Minister Dr. Delbrück mit Recht als einen schweren Eingriff in das kommunale SelbswerwaltungS- recht zurückwies. Am Donnerstag wird die Debatte fortgesetzt. Wahnvorstellungen? In KiN Lärm der sonstigen Tagesereignisse haben die Vor- gange des Pöplau-ProzesseS nicht die Beachtung gefunden, die ihnen gebührt. Bekanntlich hat der Prozeß am Sonnabend unterbrochen werden müssen, weil Pöplau. in eine so hochgradige nervöse Erregung versetzt worden ist. daß Lebensgefahr zu be- fürchten war. Schon vorher erfuhr man, daß auch der Beamte Schneider, gegen den L— v Monate lang untersucht worden ist, sich in einer Nervenheilanstalt befindet und daß der Arzt ihm nicht einmal die Zeugenvorladung geben wollte, weil davon eine Verschlimmerung seines Zustandes zu befürchten sei. Das ist bis jetzt der ganze Erfolg, den die deutsche Rechtspflege ln Sachen der Kolonialskandale erzielt hatl Ob Pöplau frei- gesprochen oder verurteilt wird, steht noch dahin. Aber seine Ge- sundheit ist offenbar vollständig aufgerieben. UeberdieS ist er disziplinarisch auS dem Reichsdienst entfernt. Mit großen Herren ist nicht gut Kirschen essen l Nun hat, laut Aussage deS GerichtSarzteS, Herr Pöplau äm Donnerstag zu diesem gesagt:„ES sei nur darauf abgesehen, ihn sPöplau) auS der Welt zu schaffen; nicht er gehöre auf die An. klagebank, sondern ganz andere Leute; der Reichskanzler müsse dahin, und nicht er. der nur Verbrechen und Vergehen zur Anzeige gebracht habe."— Sorglich fügt die„staatserhaltende" Presse hinzu: Pöplau habe, als er das sagte. 168 Pulsschläge in der Minute gehabt. Womit ausgedrückt sein soll, daß e» sich nur um ein im Fieberwahn herausgestoßenes Phantasiegebilde handele. Wer aber nicht ganz und gar an nationalem Gedächtnisschwund leidet und sich nur etnigermaßrn dessen erinnert, was im Laufe des Jahres 1S0S alle» an die Oeffentlichkeit gekommen und nie widerlegt, ja Nicht einmal bestritten worden ist. der wird sich verwundert fragen, weshalb denn gerade diese Aeußerung Pöplau» eine Wahnvorstellung sein soll. Wir erlauben uns. nur ganz kurz an folgendes zu erinnern. Am 1. August 1606 schrieb das„Berliner Tageblatt", d. h. ein freisinniges Blatt, da» nicht erst seit dem IS. Dezember, sondern schon von jeher kolonialfreundlich ist: „Es wäre nicht unmöglich, daß bei dem Fall Horn» ebenso wie eS bei den anderen Fällen geschehen ist, seitens der Kolonial- Verwaltung behauptet wird, man habe die Untersuchung dieser Fälle sofort eingeleitet, sobald man von den Anklagen gegen die betreffenden Beamten Kenntnis erhalten hatte. Nun be- finden sich aber t« unsere» Händen Aktenstücke, die das Gegen- teil beweisen können. Wir möchten an den Herrn Reichskanzler die Frage richten, warum erst jetzt das Disziplinarverfahren gegen den Gouverneur von Puttkamer und gegen den Gouverneur Horn eingeleitet wird, obgleich dieselben schweren Anklagen, die diesem Verfahren zugrunde liegen, schon in einem Schreiben des Geheimen Sekretariats-Assistenten Pöplau vom Auswärtigen Amt an den damaligen Grafen v. Bülaw unter dem 22. Rovember 1904 in aller Ausführlichkeit erhoben und substantiiert(d. h. mit einzelnen, bestimmten Tatsachen belegt) worden sind?... Nun folgt die Aufzählung einer Reihe von Fällen, aus denen Kkr nur den einen hervorheben: „Schon vor jetzt fast zwei Jahren wurde in jenem Schreiben dem Reichskanzler der Fall der„Frau von Eckardstein" unter- breitet und der Gouverneur von Puttkamer der. vorsätzlichen Urkundenfälschung beschuldigt." Und dann fragt das„Berliner Tageblatt": „Warum ist auf diese Anzeigen die ganze.Zeit über nichts oder so gut wie nichts geschehen?... Erst jetzt beginnt das Verfahren gegen Puttkamer und Horn, und über all die anderen, doch höchst befremdlichen Vorgänge scheint Gras gewachsen zu sein und noch immer höher wachsen zu sollen." Auf diese Beschuldigung, die das regierungsfreund- Ii che Blatt durch Aktenstücke zu beweisen sich erbot, hat der Reichs. kanzler in der Oeffentlichkeit überhaupt nicht geantwortet, sie also auch nicht bestritten! Nun aber: wenn e» wahr ist, daß der Reichskanzler amtlich zwei Jahre lang von den Straftaten der ihm unterstellten Kolonialbeamten unterrichtet war, ohne etwas dagegen zu unternehmen, so hat er selbstverständlich gegen das Strafgesetz verstoßen. Wir nennen nur§ 367 Absatz 2(strafbare Handlungen von Beamten infolge mangelnder Beaufsichtigung durch den Vorgesetzten). Doch könnte, je nach Befund des FalleS, auch § 267(Beistand, um den Täter der Bestrafung zu entziehen), ja vielleicht sogar 8 346(Unterlassung der Perfolgung strafbarer Handlungen) in Frage kommen. Wir unsererseits erheben selbstverständlich keine derar- tige Beschuldigung gegen den Reichskanzler, denn wir kennen ja die Aktenstücke deS„Berliner Tageblattes" nicht. Aber daß Herr Pöplau, der von der Wahrheit seiner Angaben über- zeugt ist. der Meinung Ausdruck gibt, der Reichskanzler gehöre auf die Anklagebank, ist durchaus folgerichtig und nichts weniger als eine Wahnvorstellung. Anstatt sich also mik der billigen Ausrede von der„Wahnvor- stellung" um die Sache herum zu drücken, sollte die bürgerliche Presse lieber mit fragen: wo sind die Aktenstücke de»„Berliner Tageblattes" geblieben? Damit kommen wir zu dem Kern der Sache. Die Beamten/ welche„die Dinge nicht mehr ruhig mit anzusehen vermochten und als das einzige Mittel, um endlich Wandel zu schaffen, eine Auf- klärung Außenstehender betrachteten", die„anständigen Beamten, welche die sittliche Entrüstung packte", so daß sie„ein kleineres Mrechj wählten, um größeres zu verhüten" ffo heißt cf wörtlich m m„®tffßt a«ia* cum 34. Jim; imj--- siefe Ttsma finv vom Freisinn ebensowohl wie vom Zentrum elend im Stich ge- lassen! Man griff begierig zu ihren Enthüllungen, so lange man glaubte, damit Parteigeschäfte machen zu können. Jetzt aber gebietet die„Staatsräson", sich mit der Regierung so oder so zu verständigen, und da steht man gelassen zu, wie diese Männer im Kampf für ihr Recht schwerer Nervenzerrüttung, vielleicht dem Tode verfallen!__ Sachsen nach der Wahl. Dresden, den 28. Februar. Der AahlauSfall in Sachsen beschäftigt noch immer die Partei- presse und noch mehr als diese die gegnerischen Zeitungen. Dabei übertreiben die Freunde häufig die Niederlage. Freilich, wir sind um 23 000 Stimmen zurückgegangen und von 21 Mandaten haben wir nur 8 behaupten können. Das erscheint auf den ersten Blick sehr schlimm und ist gewiß bedauerlich; aber je näher man dieses Resultat betrachtet, desto weniger schlimm erscheint eS. Die früher schon erwähnten außerordentlichen Ursachen, die uns 1003 in Sachsen einen unnatürlichen Aufschwung brachten, werden in der Regel von Freund und Feind nicht genügend in Rechnung gestellt. ES ist schon darauf hingewiesen worden, daß eine Gegenüberstellung des Wahlausfalls von 18S8 und 1S07, wobei wir daS unnatürliche Resultat von 1903 ausschalten, noch immer einen Stimmenzuwachs von 119180 ergibt; denn wir hatten 1007 413 370 und 1898 299 19O Stimmen. Stellen wir nun den Stimmenzuwachs in dm von 1898 ab zurückliegenden S bis öjahrigen Perioden fest, so ergibt sich, bah die sächsische Sozial- demokratie noch niemals einen solchm Zuwachs hatte als den in der Zeit von 1898 bis 1907. Bon 1890 bis 1898 wuchsen wir von 241 187 auf 299 190, also nur um 68 003 Stimmen; von 1834 bis 1900 von 128 142 auf 241 187. also um 112 946. Wir haben also von 1893 bis 1907 noch immer das stärkste Wachstum zu verzeichnen. Diese Bergleiche zeigen zugleich wie sehr die außerordentlichen Umstände von 1903 die natürliche EntwickelungS- linie der sächsischen Sozialdemokratie verschoben haben und wie wenig man berechtigt ist, der 23000 Stimmen wegen, die wir bei der letzten Wahl verloren, von einer vernichtenden Niederlage der säch- fischen Sozialdemokratie zu sprechen. Aber wenn daS auch aus unseren ziffernmäßigen Vergleichm nicht hervorginge, so beweist die jetzige herrliche Kampfesfreudigkeit der sächsischen Parteigenossen, daß sie sich weder geschlagen noch in ihrer inneren Kraft geschwächt fühlen. In den zwanzig Jahren, die ich in der sächsischen Sozialdemokratie tätig bin, habe ich noch nie einen solchen Eifer für ZeitungSagitation und Ausbau der Organisation beobachtet, wie nach dieser„vernichtenden Nieder- läge". Die Abonnenten unserer Presse vermehren sich täglich, die politischen Organisationen erstarken zusehends. Eine einzige Volks« Versammlung bringt uns jetzt so viel Abonnenten und Mitglieder wie ftüher 10. CS ist tatsächlich sine Lust zu leben. »»« Ein Teil der bürgerlichen Presse hat sich darüber aufgeregt, daß in Sachsen die nichtsozialdemokratischen Geschäftsleute von sozialdemokratischen Arbeitern in der Wut über die Wahlniederlage boykottiert würden. In Wirklichkeit läßt dem Ordnungs- gelichter wohl das eigene böse Gewissen keine Ruhe. Die Jämmer- lichkeit des sächsischen Bürgertums trat von jeher drastisch durch die kleinlich-gehässige Sucht zutage. Geschäftsleute, die sozialdemokrati- scher oder nur oppositioneller Gesinnung verdächtigt waren, zu boykottieren und wenn der Einfluß weit genug reichte, zu ruinieren. Seit Jahrzehnten bildeten in sächsischen Städten Militär- vereine, Schützengesellschasten, Gewerbevereine»sw. eine Koalition gegen solche Gastwirte, die es wagten, allen Parteien ihre Lokale zur Verfügung zu stellen. Ein solcher Wirt wurde von den bürger- lichen Cliquen nicht nur gemieden. eS wurden ihm auch alle Vex- gnügungm abgetrieben und schließlich auch Hypotheken gekündigt. Bürgerliche Musiker, die einen Arbeitergesangverein dirigierten. sahen sich boykottiert und gesellschaftlich geächtet. Das verwerfliche Mittel der AuShungenmg wegen abweichender politischer Gesinnung wurde im sächsischen Bürgertum von jeher als etwas Selbstverständliches angewandt, und nicht nur gegen Sozialdemokraten. So hat der Bund der Landwirte den Kaufmann und früheren konservativen Landtagsabgeordneten Huste in Bischosswerda beinahe durch einen Boykott ruiniert, bloß weil der Herr im Landtage eine Aeußerung hatte fallen lassen, die den sächsischen Bündlern nicht gefiel. Ueber solche Leute braucht man sich nicht zu wundern, wenn sie. sozialdemokratische Arbeiter hinter denselben Sträuchern suchen, hinter denen sie so lange ihre NushungerungSmaßvegeln inszeniert haben. Tatsächlich find die Behauptungen, die sächsische Sozialdemokratie boykottiere jetzt nationale Geschäftsleute, aus der Luft gegriffen. Wir wissen genau, daß das Gros der Geschäftsleute immer gegen uns gestimmt hat. Bei der diesmaligen Wahl haben sich allerdings eine Reihe Geschäftsleute bei der nationalen Agitation durch wüstes Schimpfen auf die Sozialdemokratie undRoheiten beiderWahlschlepperei hervorgetan. Als Beispiel, wie eS getrieben wurde, sei nur hervorgehoben, daß in Denken ein Geschäftsmann unseren Genossen Horn in einem öffentlichen Lokale, wo dieser sein Abendbrot aß, mehrfach einen Lump schimpfte. Wenn die Arbeiter auf diese Rüpeleien in ent- sprechender Weise quittieren und die Geschäftsläden solcher Menschen von Arbeitern gemieden werden, so ist das begreiflich. Die Leute ernten nur, was sie gesäet haben. Aber in anderer Weise kann von einem Boykott wegen nationaler Gesinnung keine Rede sein. Nicht Rachefeldzüge führt die sächsische Sozialdemokratie, sondern der positive Ausbau ihrer Organisationen und Stärkung ihrer Presse ist ihre Aufgabe. Das traurige Geschäft aber, Geschäftsleute oder andere Personen wegen der politischen Meinung zu boykottieren, überläßt sie nach wie vor ihren„nationalen" Gegnern. •» » Deutlcbes Reich. Die ollen ehrlichen Offiziösen. DaS Sprachrohr der offiziösen Lügenfabrik, die„Nordd. Allgemeine Zeitung", glaubt dem„VorlvärtS" den Vor- wurf machen zu können, seine Leser getäuscht zu haben. Wir hatten gestern neben einer anderen unwahren Behauptung, auf die wir an anderer Stelle noch zurückkommen, festgenagelt, daß Fürst Bülow mit seinem schönen Heldenvater- Pathos über die„unpatriotische und vaterlandslose Haltung" des„Vorwärts" gewettert, dem„Vorwärts" niederttächtige Verleumdung vorgeworfen hatte, weil der„Vorwärts" die Kolonialarmee in Südwestafrika als ein Mittel bezeichnet habe, England in d�r Kapkolonie in Schach zu halten. Nicht im„Vorwärts", sondern in einem bürgerlichen Unternehmerblatte habe eine solche Auslassung gestanden. DaS offiziöse Organ bezichttgt den„Vorwärts" der bewußten Unwahrheit. Es zittert nach dem Stenogramm die Auslassungen BülowS über den betteffenden Punkt. AuS dieser stenographischen Wiedergabe geht allerdings hervor, daß sich fem Angriff nicht gegen die von unö vermutete Stelle im„Vorwärts" gerichtet hat, sondern gegen eine andere Stelle. Am 30. Januar brachte der„Vorwärts* in der Tat einen Artikel seines Londoner Mtarvekkers, in dem die Reichstag»aufvsi»g mtggi der Forderung der Herabsetzungen der südwestafrikantfchen ftdfcmfaf« truppe darauf zurückgeführt wurde, daß Deutsch!«»» t» Südwestafrika deshalb sich»ine Laudm»cht schaffen wolle, um gegebenenfalls auf das britisch« Reich einen Druck ausüben zu könne«. Der Teil unseres gestrigen Leitarttkels, in dem sich die Abwehr gegen den Bülowschen Angriff befand, charakterisierte sich sowohl durch seinen Inhalt als auch technisch att redaktionell« Arbeit. DaS Stimmungsbild unseres parlamentarische» Mitarbeiter« wurde davon getrennt wiedergegeben. Unsere redaktionelle Glossierung des Rededuells Bebel- Bülow stützte sich auf den Bericht, der dem„Vorwärts" durch sein parkt- mentarisches Bureau zugegangen war. Dieser Bericht lautete: „Das nenne ich eben unpatriotisch und vaterlaudsloS, wenn man die Partei über das Vaterland stellt, wenn man dem Vaterlande ein Sedan und Jena wünscht, voraus- gesetzt, daß die Partei dabei prosperiert. Erst vor wenigen Tagen ist mir ein Artikel des„Vorwärts" vorgelesen worden, in welchem un« infinuiert wurde, daß wir nur deshalb Süd- Westafrika hielten, um von dort aus englischen Besitz in Südwestafrika zu bedrohe». Diese Insinuation des „Vorwärts" ist nicht eine niederttächtige Verleumdung, sondern heller Unsinn." Erst bor„wenigen Tagen", nämlich am 14. Februar, gab aber der„Vorwärts" au» einem Unternehmerorgan, nämlich der „Deutschen Konfektion", ein Urteil über Südweftafrika wieder, in dem es hieß: „Schon vor Jahresfrist wiesen wir darauf hin, daß dieses Land eine aussichtslose Sand wüste ist, die nie und nimmer einen Nutzen abwerfen kann. Das weiß die Regierung sehr wohl und begründet die von diesem Jammerland verschlungene Milliarde mit der Aufrechterhallung des bonnsnr du drapeau. Man kann ihr freilich auch nicht zumuten, daß fie den wahren Grund ihrer Vorliebe für diese Streusandbüchse zugibt und»er aller Welt eingesteht, daß dieselbe als Bürge für Englands Wohlverhalten und als etwaiges EinfallStor in Trans- vaal und die Kapkolonie dienen soll." Wir bezogen also auf diese erst vor„wenigen Tagen" im„Vorwärts" wiedergegebene Stelle des Unternehmer. organs die Anklagen des Fürsten Bülow gegen die Sozial- demokratie. Da die„Nordd. Allgem. Ztg." aber erklärt, daß sich BülowS patriotische Entrüstung wieder einmal nicht gegen daS genannte kapitalistische Organ, daS schon vor Jahresfrist solch„vaterlandslose" Ansichten, solch„niederttächtige Ber- lennrdungen" und solch„hellen Unsinn" geäußert hat, bezieht, sondern auf den„V o r w ä r t S". räumen wir gern ein, daß sich auch im„V o r w ä r t»" in seiner Nummer vom 30. Januar eine Auslassung befunden hat, wie wir fie oben rekapuliert haben. Es ist nur sonderbar, daß sich BülowS patriottscher Zorn stets gegen die Sozialdemokratie richtet, niemals aber gegen die bürger- liche Presse, deren A e u ß e r u n g e n erst in der sozialdemokratt- schen Presse ihren Wiederhall gesunde» haben! Die„Deutsche Tageszeitung", das Organ der agrarischen Ueber- Patrioten, konnte sich dieser Tage rühmen, von dem Fürsten Bülow als Muster eines patriotischen Organs während der Reichstagskampagne dem Reichstag vorgeführt worden zu sein. Diese vom Fürsten Bülow so rühmlichst erwähnte und tzt- lobigte„Deutsche Tageszeitung schrieb aber am 29. Dezember: „Wir haben in Südtoestafrika nicht nur die Angelegenheit des Schutzgebietes selbst im Auge zu behalten, sondern müssen fortgesetzt unsere Aufmerlsanckeit den Grcnzvcrh.jltuisse» zuwenden. Wir befinden uns dort, wie von keiner Seite bestritten werden kann, in einer sehr exponierten Stellung. Diese Stellung legt gewisse Verpflichtungen auf, deren Bern ach lüssigung sehr bedenklich, ja im hohen Grade gefährlich sein konnte. Gerade für solche Verhältnisse ist eine ausreichende, stet» bereite Truppe die beste Sicherung des Friedens.".. Man steht also, daß sich die sozialdemokrätischen Kon- statierungen der wirklichen politischen Lage auf die denkbar authentischsten bürgerliche» Quellen stützen. Die Aeußerung des „Vorwärts" vom 30. Januar basiert nur auf lleußerungen der agrarpatriotischen Presse, die einen Monat vorher veröffentlicht worden waren! Fürst Bülow täte also gut, künftighin seine Bor- würfe der„Vaterlandslosigkeit", der„Verleumdung" und dep „hellen Unsinns" an diejenigen von ihm ins Her» geschlossenen Kapitalistenblätter zu wenden, die zuerst„vaterlandslose Insinuationen" in die Welt setzten! Bei dieser Gelegenheit möchten wir übrigen? die„Nordd. Allgem. Ztg." daran erinnern, daß Fürst Bülow die vom „Vorwärts" wiederholt dokumentarisch erwiesene und ostentativ gebrandmarkte Unwahrheit, daß zur Zeit des Roschtjest. wenskischen Flibustierzuges der„Vorwärts" die Reo gierung zur Kriegserklärung gegen Rußsand aufgeputscht habe, niemals zurückgenommen hat, weder in der offiziösen „Norddeutschen Allgemeinen" noch im Reichs, tag! Die Offiziösen sollten sich also hüten, irgend jemandem Un» Wahrhaftigkeit vorzuwerfen!—_ Ein Appell an BülowS Wahrheitsliebe. Wir veröffentlichten in unserer gestrigen Nllmmer folgendes Telegramm auS Frankfurt a. M.: Frankfurt a. M., 26. Februar. Zur Bülow-Rede bitte zu veröffentlichen, daß ich bereits am Stichwahlabcnd nachts 1 Uhr der„Frankfurter Zeitung" folgende Berichtigung übergeben habe: Frankfurt a. M.. den 6. Februar 1907. An die Redaktion der„Franks. Ztg." hier. Unter Berufung auf 8 11 des Preß- gesetzes ersuche ich Sie, in die nächste Nummer Ihres Blattes an der gesetzlich vorgeschriebenen Stelle die nachstehende Be- richttgung aufzunehmen: Im I. Morgenblatte der„Franks. Ztg." vom 6. d. M. findet sich ein Artikel„Halunkenmoral", in lvelchem die schwersten Beleidigungen gegen das sozialdemokra- tische Wahlkomitee und speziell gegen meine Person enthalten sind. Es heißt dort, das von mir unterzeichnete Flugblatt mit der Nachricht von dem versuchten Stimmenkaufe für Oeser charakterisiere sich als„Fälschungsprodukt" und„Schurkerei". Ferner ist dabei von„Frechheit".„Lüge" und„Ber- leumdung" die Rede, und schließlich erbieten Sie sich,„jederzeit den Nachweis dafür zu erbringen, daß dieses Flugblatt bereits gestern abend gedruckt und zur Verteilung bereitgelegt war". Diese letztere Behauptung ist unwahr. Die fragliche Mit- tetlung ist mir erst heute morgen kurz nach 10 Uhr von dem betreffenden Wähler in Gegenwart deS Arbeitersekretärs Heiden und anderer Zeugen gemacht worden. Daraufhin habe ich das fragliche Flugblatt geschrieben und gegen 11 Uhr morgens in die Union-Druckerei in Druck gegeben; dafür sind Dutzende von Zeugen zu erbringen, u. a. auch mein Parteigenosse Max Cohen. Wegen der gegen mich ausgesprochenen Injurien be, halte ich mir gerichtliche Schritte vor. Wilhelm Dittmann. Diese Berichtigung ist im Abendblatt der„Frankfurter Zettung" vom 6. Februar abgedruckt. Am 7. Februar hqbe eine zweite Berichtigung geschickt, ist auch abgedruckt. Die Klage gegen die„Frankfurter Zeitung" ist eingeleitet. Morgen früh ist obligater Sühnetermikl, Pgrt-isekretäc Vitt mann' g»«tschkh m RfTe ftWeHtmö geh, Bn» Bvch folgendes Telegramm zu: Heute morgen lfm WA Uhr habe ich. der Partei sekre. tär Dittmann in Frankfurt a. M.. folgendes Telegramm an den Reichskanzler Fürst Bülo« abgeschickt: Herrn Reichskanzler Fürst Bülow, Berlin, Reichstag. Herr Reichskanzler! In der gestrigen Reichstagssitzung haben Sie nach dem ersten Morgenblatt der„Frankfurter Zeitung" vom 27. Februar die Behauptung aufgestellt, ein von mir für den Vertreter des sozialdemokratischen Reichstagswahlkomitees in Frank« furt a. M. unterzeichnetes Flugblatt mit der Nachricht von einem am Morgen des Stichwahltages unternommenen Versuch eines Ttimmenkaufs für den freisinnig. demo« krattschen Kandidaten Oeser sei bereits am Abend vor der Stichwahl in Druck und zur Verteilung bereitgelegt gewesen. Ich setze Sie davon in Kenntnis, daß bereits im Abendblatt der»Frankfurter Zeitung" vom selben Tage eine von mir stammende Berichtigung enthalten war. in welcher unter Zeit-, Orts» und Zeugenangabe erklärt wurde, daß diese Behauptung unwahr sei und daß ich gegen die„Frankfurter Zeitung" klagbar vorgehen werde. Nachdem Sie die mich aufs schwerste kompromittierende objektive un- wahre Behauptung der„Frankfurter Zeitung" vor dem ganzen Lande wiederholt haben, darf ich nunmehr von Ihrer Loyalität erwarten, daß Sie auch meine Berichti- gung, deren Wortlaut im heutigen„Vorwärts" veröffentlicht wird, an derselben Stelle zur Kenntnis geben werden. Wilhelm Dittmann. Sozialdemokratischer Parteisekretär in Frankfurt a. M. Wir wollen abwarten, wie sich der Reichskanzler dieser An- forderung gegenüber verhalten wird. Vielleicht kommt er bei seiner Selbstrektifizierung auch noch aus seine früheren„objektiven Un- Wahrheiten" zurück I— Konfessioneller Boykott. Während die bürgerliche Presse über den angeblichen Terro- tiSmus der Sozialdemokratie räsonniert und allerlei erfundene Meldungen über die Bohkottierung liberaler und konservativer Geschäftsleute durch deren bisherige Arbeiterkundschaft verbreitet, betreibt die Anhängerschaft dieser Presse in den Wahlkreisen, in denen sie sich in der llebermacht fühlt, nicht nur ohne jede Rücksicht- nähme die Vergewaltigung der Arbeiter, die nicht der„nationalen" Weisung folgten, sondern auch der kaholischen Geschäftsleute, die nach ihrer Meinung bei den Stichwahlen sozialdemokratische Stimmzettel«Abgegeben haben. So berichtet beispielsweise die »Germania" aus den Wahlkreisen Duisburg und Bielefeld: „Mit welcher Entrüstung hat es Sic..national»" Presse immer, besonders auch bei den letzten Reichs togswahlen verzeichnet, wenn die Sozialdemokraten mit der Verhängung oder Androhung des geschäftlichen Boykotts Gegner oder labe An- Hänger einzuschüchtern suchten. Jetzt erleben wir«S, daß von „nationaler" Seite über Katholiken und ZentrumSanyehörige von protestantischer Seite der Boykott verhängt wird. Wir haben die Boykattfälle in Duisburg und Gütersloh erwähnt. Die „Kreuzztg." nennt diese Nachricht„beschämend und erschreckend" und bezeichnet es als Pflicht der gesamten nationalen Presse, mit allem Nachdruck auf das Peuwenfliche und Verderbliche dieses Kampfmittels aufmerksam zu machen... Wir unsererseits müssen für diese Auswüchse konfessionellen Hasses den Reichskanzler Fürsten Bülow selbst verantwortlich machen. Er hat unter einem nichtigen Vorwande den Streit mit dem Zentrum vom Zaun gebrochen und das Land gegen das Zentrum aufgerufen, wielvohl er wissen mußte, daß das nichts anderes heiße, als an den Haß und die Vorurteile der Protestanten gegen die Katholiken appellieren. Generalmajor Keim hat die Erfolge gerühmt, die der Appell an den lurorprotestanticus erzielt habe, und dieser Herr Keim war der Wahlboß des Reichskanzler?." Stimmzettelfälschungen! Aus Kassel wird uns geschrieben: Soweit wir bisher zu übersehen vermögen, ist auch nicht in einem einzigen Falle der Beweis erbracht worden, daß seitens eines Sozialdemokraten un- lautere Stimmzettelmanöver gemacht worden sind. Es handelt sich also bei den im„Vorwärts" wiederholt erwähnten Stimm- zettellügen unserer Gegner um schamlose Verdächtigungen unserer Partei. Dagegen wollen wir einen skandalösen Betrugs- versuch feststellen, den die Antisemiten in Kassel gemacht haben. In Waldcck hatten in der Stichwahl die Kandidaten der Anti- scmiten und der Freisinnigen Vereinigung(Freiherr v. Richthofen und Dr. Potthoff) miteinander zu ringen. Die Entscheidung hing von dem Verhalten der Sozialdemokratie ab. Aber selbst wenn diese für Potthoff eintreten würden, stand die Entscheidung— an- gesichts der Verhältnisse in Waldeck— sozusagen auf des Messers Schneide. Da wurde uns kurz vor dem Stichwahltage die Mit- teilung gemacht, daß seitens der Antksemiten in Kassel Stimm- zcttel in Bestellung gegeben worden seien für den für die Stich- wähl ausgefallenen sozialdemokratischen Kandidaten! Die Zettel sollten dem Ztvecke dienen, sozialdemokratische Wähler auch in der Stichwahl zur Abgabe eines(ungültigen) sozialdemo- lratischen Stimmzettels zu veranlassen. Der Zweck der Uebung liegt klar auf der Hand. Wenn das schamlose Schelmenstück nicht zur Ausführung gekommen ist, so deshalb, weil wir rechtzeitig unterrichtet wurden und den freisinnigen Kandidaten sowie die sozialdemokratischen Wähler noch in letzter Minute warnen konnten. Ter Beweis für die Richtigkeit dieser Darstellung kann jeden Tag an Gerichtsstelle erbracht werden. Die sozialdemokratischen Stimm- zcttel sind von den Antisemiten in der Buchdruckerei der Geb r. Schönhoven bestellt und dort auch g e dr u ck t worden. Ab- geliefert wurden die Stimmzettel nach Ständeplatz in Kassel, dort thronten die antisemitischen Wahlgenerale. Ein„freisinniges" Blatt am Pranger. Niedliche Enthüllungen brachte ein Prozeß, der vom Genossen Arbeitersekretär Linus Scheibe in Dortmund gegen das„frei- sinnige"„Dortmunder Tageblatt" angestrengt wurde. Dies Blatt nennt sich zwar freisinnig, ist aber vom erstbesten Scharf- macherblatt nicht zu untericheiden. Das Organ des Dortmunder„Freisinns" hatte von unserem Genossen Scheibe die ehrenrührigsten Sachen behauptet, die direkt aus den Fingern gesogen waren, nichts desto weniger besaß cS die Frechheit, zu erkläre», daß eS eventuell bereit sei, seine Be- Häuptlingen vor Gericht zu belveisen. Dazu wurde ihm Gelegenheit gegeben. Schon vor einiger Zeit fand vor dem Dortmunder Schöffengericht Verhandlung statt, die mit der Verurteilung des„Redakteurs" Knoop vom„Tageblatt"- zu 250 Mark Geldstrafe endete. Der Verurteilte legte Berufung ein. Die erneute Verhandlung bor der Dortmunder Berufungs- Strafkammer gestaltete sich zu einer ungeheueren Blamage ftir das fteifinnige Blatt. Der An- geklagte erklärte plötzlich, daß er die Verantwortung für den inkriminierten Artikel ablehne, weil er gegen seinenWillen ins Blatt gekommen sei. Er habe dem Verleger Schanzer sein Bedenken vargetragen, der aber habe gesagt, die beleidigende Notiz komme ins Blatt, dem habe er, der„Redakteur", sich zu fügen. Und er habe sich dem gefügt, wohl um sein Brot nicht zu verlieren. Die Sache wurde aber noch viel interessanter, denn nun wurde Herr„Redakteur" Knoop über seine Redakteur- tätig keit befragt. Und da' erklärte er, daß er gar kein Redakteur sei, sondern in der Setzerei des Dkattes beschäftigt werde, das Blatt have er aas „Gefälligkeit" verantwortlich geaeichnei! Wirklich, eine nette Enthüllung über das bürgerliche Preßkuliwml Wobei nicht vergessen werden darf, daß gerade das„freisinnige" „Dortmunder Tageblatt" mit Borliebe die verantwort- lichen Redakteure der Arbeiterpresse als„Sitz- redakteure" beschimpft! Die Dortmunder Strafkammer ließ übrigens die Ein- Wendungen des Herrn„Redakteur»" nicht gelten, sondern erkannte auf Verwerfung der Berufung. Weil es sich um Beleidigungen handle, wie sie gravierender und niederträchtiger kaum zu denken seien, war die hohe Geldstrafe von 250 M. angemessen. Man wird noch oft Gelegenheit haben, den FreifinnShelden das Urteil gegen ihr Dortmunder Parteiorgan unter die Rase zu halten. Bom sozialdemokratischen TerrorismuS in HauS und Familie weiß die„Post" ein neues, höchst schauderhaftes Stückchen zu er- zählen. Entdeckt hat sie es mit ihrem gewohnten Scharfblick in dem letzten Flugblatt, das die Sozialdemokratie in Berlin am Sonntag zur Agitation für die politische Organisation und den „Vorwärts" verbreitete. Die„Post" schreibt dazu nach einer saftigen Schimpfeinleitung: ..... Dieses wüste Hetzblatt, das uns von verschiedenen Seiten eingesandt ist und das mit terroristischem Hochdrucke für den„Vorwärts" Reklame zu machen sucht, enthält am Schlüsse den bezeichnenden Satz:„Ein von uns beauftragter Partei- genösse wird sich erlauben, vorzusprechen, um Euch als Mitglied der politischen Organisation und als Abonnent des„Vorwärts" zu gewinnen." Das ist deutlich. Ins Sprichwörtliche übersetzt heißt das: Fritz, Vogel, oder stirb!" Nichts anderes bedeutet ja die Ankunft des„beauftragten Parteigenossen", der manche Arbeiterfamilie mit Bangen und Sorgen entgegensehen mag. Wer sich weigert, zu abonnieren und der Organisation beizutreten, der weiß ja, wie blutsauer, ihm die roten Gesellen sein Leben machen werden. Wenn es ihnen nicht gelingt, den. Unglücklichen aus der Arbeit zu drängen, so gibt es ja genug Mittel, ihm das Leben zur Hölle zu machen, indem man ihm das Arbeitszeug verdirbt oder versteckt, ihm das Frühstück besudelt und ihn sonst auf tausenderlei Art hänselt und bis aufs Blut peinigt. Angesichts dieses immer dreister werdenden, schon in die Wohnungen und die Familien der Arbeiter eindringenden Terrorismus erhebt sich die Frage: Wie lange soll bas Volk unter dieser gelderpressenden Folter seufzen? Es ist die allerhöchste Zeit, daß diesem skan- dalösen Unwesen mit aller Macht gesteuert werde." Wir haben nicht die Absicht, ernsthaft gegen dies verlogene Geschimpfe zu polemisieren. Wir drucken es lediglich ab, um unseren Lesern einen Begriff von der niederträchtigen Hetzarbeit der„Post" und ähnlicher Organe zu geben und ihnen zugleich zu zeigen, wie notwendig eifrige Arbeit für Organisation und Parteipresse ist angesichts solcher schamlosen Lügenfabrikation des Reichsverleumderverbandes und seiner Geistesverwandten.— DaS Verbrechen der Polizeiaufsicht. Die Breslauer„VolkSwacht" berichtet: Aus der Untersuchung vorgeführt, stand der d o m i z i l l o s e Zimmermann Rudolf Belau in Posen von der ersten Strafkammer. Er ist nicht weniger als zwölfmal wegen Diebstahls vorbestraft. Unter den gegen ihn verhängten Strafen befinden sich solche von drei, sechs und zehn Jahren Zuchthaus. Die Anklage legt ihm zur Last, am 2. Januar d. I. aus dem Beratungs- Zimmer des P o s e n e r Schöffengerichts einen dem Justizanwärter Streubel gehörigen Ueberzieher gestohlen zu haben. Der Angeklagte gibt die Tat unumwunden zu und als Grund seiner Handlungsweise, der«Posener Zeitung" zufolge, folgendes an: „Am 8. Dezember v. I. bin ich nach Verbüßung einer 1 �jährigen Zuchthausstrafe aus dem Zuchthause in Sonnenburg mit einem Arbeitsverdienste von 10 M. entlassen worden. Es gelang mir. auf einem Kohlenbergwerk in Senftenberg Beschäftigung zu er- halten. Schon an einem der nächsten Tage erschien auf der Arbeits- stelle ein Gendarm, um mich wegen der über mich verhängten Polizeiaufsicht zu kontrollieren. Der Beamte hat diese Tatsache zweifellos meinen Vorgesetzten gemeldet, denn' ich wurde noch am selben Tage aus der Arbeit entlassen. Mit dem Reste meines Vermögens kam ich nach Posen, wo ich Heimat» berechtigt bin. um mir hier Arbeit zu suchen. Im Winter gelang mir die» nicht. So lange ich Geld hatte, logierte ich in der„Her» berge zur Heimat", als ich keins mehr hatte, warf man mich auf die Straße. Ich irrte vier Tage und ebensoviel Nächte in den Straßen Posens umher. Drei Tage hatte ich nichts mebr gegessen. Um mich zu erwärmen, kam ich nach dem Gerichtsgebäude: die Räume für Zuhörer waren überfüllt, man ließ mich nicht hinein. Ich setzte mich auf eine Bank im Korridor, um mich auszuruhen. Da kam mir der Gedanke, wenn du wieder in? Gefängnis kommst. so bist du wieder geborgen, brauchst nicht frieren und hast wieder zu essen. Die Gelegenheit war günstig. Längere Zeit stand die Tür eines Zimmers offen, in dem ein Ueberzieher hing. Ich nahm ihn an mich und«artete ruhig ab, bis man mich ver- haftete. Das ist mein« traurige Geschichte, und nun bitte ich um ein mildes Urteil!" Der Staatsanwalt beantragt eine Zuchthausstrafe von zwei Jahren!„Das scheint doch ein bißchen viel zu sein, machen Sie es etwas billiger, daß ich wenigstens zum Frühjahr wieder in Freiheit komme, wo ich doch eher Arbeit erhalten kann", bittet der Angeklagte. Das Gericht kommt dieser Bitte insofern nach, als eS das Strafmaß auf 1 Jahr Z Monate Zuchthaus festsetzt, so daß der Angeklagte seinem Wunsche gemäß im Frühjahr 1909 seine Strafe abgesessen haben wird.—_ Keine Lerfolguag wegen Beleidigung de» preußischen Abgeordnetenhauses. Die G eschäftsordnungskommission deS Ab- geordnetenhaufeS beschäftigte sich in ihrer heutigen Sitzung zunächst mit einem Ersuchen des Amtsgerichts Trossen zur Er- teilung der Genehmigung der Fortsetzung der Straf« Verfolgung des Abgeordneten v. P a p p r i tz wegen einer Uebertrctung. Die Kommission beschloß, in dieser Sache die Akten einzufordern, um festzustellen, ob die Strafverfolgung bereits vor oder erst nach Beginn der Tagung deS Hauses eingeleitet war. So- dann verhandelte die Kommission üher die vom Plenum zurück- verwiesenen Ersuchen der Staatsanwaltschaft in Halle, Magdeburg und Erfurt um Genehmigung zur strafrechtlichen Ver- folgung der sozialdemokratischen Redakteure Molkenbuhr, Wittmaack und D o r n h e i m wegen Be- leidigung des Abgeordnetenhauses. Von freisinuiger und von Zentrumsseite wurde ein prinzipiell ablehnender Standpunkt ein- genommen. Von nationalliberaler Seite wurde erklärt, für die vorliegenden Fälle müsse ausschlaggebend sein, ob die Beleidigungen schon vor der Warnung, die mit der früher beschlossenen Ge- nehmigung zur Strafverfolgung beabfichtigt sei, erfolgt seien, so daß diese Warnung in den vorliegenden drei Fällen noch nicht hätte wirken können. Da dies tatsächlich der Fall sei, lehne auch die nationalliberale Partei die Genehmigung zur Strafverfolgung ab. Die Kommission beschloß mit allen Stimmen gegen die der Kon- servativen, die Genehmigung zur Strafverfolgung indenvorliegendendreiFällenzuversagen. Liberales gegen klerikales Strebertum. Wenn der Liberalismus diesmal mit dem Rufe„Wider das Zentrum!" in den Wahlkampf gezogen ist, so weiß man. daß es ihm sowohl an Kraft wie an Neigung mangelte, ernstlich mit der im Klcrikalismus verkörperten Reaktion abzurechnen. Das sieht man an der Bereitwilligkelk. mit der fcse Liberalen das Bündnis mit den Konservativen eingegangen sind. Das klerikale Joch ab- schütteln und sich unter das feudale Joch begeben, heißt den Teufel durch Beelzebub austreiben. Es war nichts als Futterneid, was die Liberalen gegen das von der Regierung begünstigte Zentrum aufbrachte; das klerikale Strebertum begann dem liberalen empfindliche Konkurrenz zu machen im Kampfe um Würden und Titel, und das gefiel den Liberalen nicht. Die„Kölnische Zeitung" gesteht diesen Umstand als Beweggrund der liberalen Auflehnung wider das Zentrum in ihrer Nummer vom letzten Sonnabend offen zu. indem sie sich über das klerikale Protektionswesen beklagt: „Wer die Besetzung von. Beamtenstellungen und de» Ordensregen in den letzten 4 bis 5 Jahren mit Aufmerk» samkeit und Kenntnis der persönlichen Verhältnisse verfolgt hat, könnte zu diesem Kapitel einen interessanten, zeitgeschichtlichen Beitrag liefern. Denn Zentrum war Trumpf und kein Wunder, wenn katholische Vertreter von Staatsbehörden, die früher dem Zentrumstreiben gänzlich fern gestanden hatten, in Verständnis- voller Erkenntnis der Zeitströmung in ihrer Brust gleichfalls ein zentrumsfreundliches Herz entdeckten. So bildeten sich neue Beziehungen zwischen den Trägern der staatlichen Autorität und den Leitern der Zentrumsagitation. So konnte man beobachten, wie an manchen Orten die Zentrumsführer unter der Aegide der Vertreter der Staatshoheit mit fast staatlicher Autorität auftraten. Mit Unmut schauten vaterlandsfreundliche Kreise diesem Treiben zu. Sie waren aber machtlos, bis endlich sein überspanntes Machtgefühl das Zentrum zu Fall brachte." Hier wird zugestanden, daß nicht die im KlerikaliSmuS ber« körperte Reaktion die Liberalen aufgebracht hat, sondern nur der Anspruch der ultramontanen Bourgeoisie auf Zulassung zur staat- lichen Futterkrippe, auf Mitgenuß an dem Orden- und Titelsegen. Und es entspricht gan z der anmaßenden Schäbigkeit des Libera- lismus, wenn die„Kölnische Zeitung" die Regierung auffordert. „die in den letzten Jahren vollzogene Besetzungvon Staats- stellen sowohl bei den Zentralbehörden wie in den Provinzen einer nüchternen Prüfung zu unterziehen". So weit wäre also der Liberalismus, daß er den Kampf gegen den Klerikalismus nicht anders zu führen weiß all dadurch, daß er die Regierung anfleht, ihm den ultramontanen Mitbewerber vom Halse zu halten— und zwar durch eine offenbar gegen Gesetz und Recht gehende AuSnahmebehandlung ber katholischen Be- völkerung.—_ Ein gegnerisches Zeugnis für die Sozialdemokratie. Ueber „Die Nöte der Großstadtjugend und ihr e Abhülfe" sprach dieser Tage in der Ortsgruppe der Evangelisch-sozialen Vereinigung zu Plauen Herr Paswr C lassen aus Hamburg. In sainem Bortrag wurde der Referent zum Leidwesen seiner „besseren" Zuhörer recht freiinütia. Änstatt auf die Sozialdemo- kraiie zu schimpfen, was jetzt mehr noch als früher zum„guten Ton" gehört, bemerkte er unter anderem, daß die Söhne der „besseren" Gesellschaft wenig Bildung besitzen und daß es ihnen an Idealen fehle. Eine bittere Pille gab Herr Classen feinen Zu- yörern noch mit der weiteren Aeußerung zu schlucken, daßinden vorwärts strebenden Arveiterfa Milien die beste Kraft de s Volkes st ecke; die besten Familien- vöter, die ihre Söhne gut erziehen, seien die eifrigsten Sozialdemokraten. Und so was sagt ein Pastor! Das ist in Sachsen unerhört. Da haben die Pastoren auf feiten der Leute von„Bildung und Besitz" zu stehen. In der seinem Vortrage folgenden Aussprache wurde denn auch dem Ham- burger Pastor deutlich gesagt, daß sich seine Anschauungen nicht mit denen des Plauenschen Bürgertums decken, die sich unter Groß- stadtjugend nur verlottert« Arbeiterkinder denken kann. Ein naschhafter Unteroffizier. Vor dem Kriegsgericht der 1. Division in München hatt? sich der Unteroffizier Peter R ö ß l c r der 1. Kompagnie deS 2. Infanterieregiments wegen Unterschlagung und Mihbrauchs der Dicnstgewalt zu verantworten. Der Unterofsszier hatte am LS. September eine dem Soldaten Obergrißberger gehörige und von diesem bereits quittierte Post« anweisung erhoben, sich von dem Gelde«in Portemonnaie und Taschenmesser gekauft und den Rest in--— Süßigkeiten vernascht. Außerdem hatte er den Obergrißberger wiederholt um Beträge von 1—3 M. angepumpt. Im Nationale des Angeklagt ten befindet sich der Eintrag: im Dienste sehr zuverlässig und brauchbar/sonst aber sehr naschhaft. Der naschhafte Unteroffizier wurde zu 3H Tagen Wittelarrest und Verlust der Tressen verurteilt.— Schweinepest. Einer gefährlichen, eigenartigen Krankheit sind in Stubenborn nahezu 400 Schweine zum Opfer gefallen, die, wie die „Deutsche Tageszeitung" dem amtlichen„Segeberger Kreisblatt" entnimmt, vor einigen Wochen von Friedrichsfelde bei Berlin(Mager- Viehhof) dort eingetroffen waren. Anscheinend handelt es sich um Schweinepest, die ja unter Verschiedenen Symptomen auftritt, vielleicht sind die Tiere aber auch an der Maul- und Klauenseuche zugrunde gegangen.—_ Die„Wohlanständigkeit" de» Ordnungspreffe. Auch heute haben das Kanzlerblatt. die.Norddeutsche Allgemeine Zeitung" und daS freisinnige Organ, die . Bo ssisch e Zertung". die Entgegnung des Genossen Peua auf die„furchtbare Anklage" des anhaltischen StaatSministerS v. Dallwitz nicht veröffentlicht, die„Norddeutsche»kl« gemeine Zeitung" unterschlägt ebenso wie gestern die Wiederlegung der Chemnitzer TerroriSmuS-Schauergeschichte. Das ist der Anstand dieser ehrenwerten Presse, die sich vor sozialdemokratischem„Sauheerdenton" gouvernantenhaft entsetzt I Schon vor einigen Tagen hat der„Vorwärts" die Widerlegung der TerroriSmu«->-schaucrmär aus Chemnitz durch die Chemnitzer .Volksstimme" veröffentlicht. Heute bringt die ebrliche und christliche „Kreuz-Zeitung" die verlogene Darstellung der Chemnitzer büraer- lichen Presse und unterschlägt die Widerlegung der»Volks« stimme". Kuslanck. Frankreich. - Eine französische Lex Hei»,». Auch in Frankreich gibt e» allerlei Tugendbolde, die die Sittlichkeit durch die Polizei retten wollen. Der meistgenannte unter ihnen ist der Senator Berenger. ber sich mit seinen wiederholten„Aktionen" gegen die öffentliche Unmoral eine bedeutende ReName gemacht hat uns zur stehenden Figur in den„JahreSrevuen" der Variötes und Kabaretts geworden»st. Da aber die Pariser bei ihren Keuschheitsprinzipien schwer zu packen sind, versucht er eS seit neuerer Zeit mit dem chauvinistischen Argument, indem er behauptet, alle die NuditätSpubkikattonen, die auf den Boulevards feilgeboten würden, seien deutsches Fabrikat. In der Tat ist es unleugbar, daß wenigstens im Handel mit obszönen Photographien und angeblich„künstlerischen" Aktstudien deutsche Agenten in großer Zahl tätig sind, und die Eni» rnstung über die Pariser Lasterhaftigkeit steht den deutschen Patrioten noch um so schlechter, als Deutschland selbst ein dankbare? Absatzgebiet für diese Ware ist. Immerhin leistet die französische und d»e lokale Pariser Produktion auf diesem Gebtete auch recht Bedeutendes. Am schädlichsten wirken zweifellos die Zeitungen von der Sorte deS„Matin" und des„Joumal". welche, um die Deutlichkeit im Detail wettstreitend, die Perversitäten des Nättonalisten Syveton ebenso wie die Einzelheiten des neuesten und früherer Lustmorde dem allerbreitesten Publikum vermittelt haben. Unter diesen Umstäitden erscheinen Gesetze gegen das Feilhalten unsittlicher Publikationen, wie die Regierung deren eines vor einigen Tagen der Deputiertenkammer vorgelegt hat, mehr als eine Erleichterung für polizeiliche Schikaneure, denn als wirr- sames Mittel gegen die Verbreitung von Obszönitäten. Die De- Vutierten Häven die Vorlage vemünftigerweise auch an die Kam- Mission zurückgewiesen. Der am meisten angefochtene Punkt war das der Behörde zu erteilende Recht, bei Personen, die des Besitzes unzüchtiger Schriften verdächtig seien, Haussuchungen vorzunehmen. ~ie Regierung erklärt zwar, diese Bestimmung nur auf die g e w erbsmätzige Aufbewahrung solcher Werke anwenden zu wollen, mdes sahen die Abgeordneten in dieser Zusage keine Bürgschaft für die persviilrche Freiheit und für das Hausrecht der Bürger. In der D'slussion wurde manch vernünftiges Wort gegen die moralisch- ästhetischen Auffassungen der Polizei gesagt, unter anderem darauf hingewiesen, dag ernst Flaubert nur durch persönliche Fürsprache m.'Q'£ entgangen ist, wegen seines berühmten Romans »Madame Bovary", der die„Schamhaftigkeit" der Kaiserin Eugcnie verletzt hatte, in den Kerler zu tvandern, dah ferner die bedeutendsten Romane Z o l a s dem offiziellen, auch in den Negierungsämtern herrschenden Geschmack als„unzüchtig" gegolten haben. Groge Heiterkeit erregte der Abgeordnete L a s i e s. als er erzählte, daß kürzlich ern Journalist von einem Detektiv in dem Augenblick an- gehalten worden sei, als er einem Freunde lachend eine Radierung zeigte, die nichts anderes war als die neue— Journalisten- legltimation für den Senat, die ein etwas üppiges Bild Von Jordaens reproduziert. Lasies schlug unter schallendem Gelachter vor, diese Darstellnng eines in seinen unteren Partien be- fonders ausgebildeten weiblichen Rückens durch ein Feigeiiblatt oder das Porträt des Herrn Berenger zu ersetzen. England. Die Frauenwahlrechts-Liga und das Parlament. Der rechte Flügel der Partei für Frauenwahlrecht, vertreten durch Frau Mc. Laren, fordert in einein Schreiben an den Premierminister, daß ihre Vertreterinnen vor die Schranken des Parlaments gelassen werden, um dort ihre Petition, die sie in Sachen des Fnmenitrnhl- rechts an das Parlament einreichen wollen, vor diesem selbst ver- trrten zu können. In dem Schreiben wird darauf hingewiesen, daß die Frauen als Staatsbürgerinnen und Steuerzahlerinnen in jeder Beziehung ihre Pflicht erfüllen und sie seien zu dieser ihrer Forderung berechtigt, da Vertreterinnen ihres Geschlechts im Parlament eben noch nicht vorhanden sind: im übrigen verweisen sie auf Präzedenz- falle. Der Premierminister hat diese Forderung der Frauen- �Arinne» abgelehnt.— In der Tat sind m der parlamentarischen Geschichte Englands zwei Fälle zu verzeichnen, wo Frauen vor dem Parlament erschienen sind. Im Jahre 1ö83 erschien die Witwe des wegen Hochverrat zum Tode verurteilten Edward Fitzharris vor der Barre des Parlaments und ersuchte dieses, den Fall ihres Mannes nochmals zu beraten und ihre eigene sehr traurige Lage mit in Betracht zu ziehen. Der andere Fall ereignete sich ,m Jahre 1809. wo Frau Clarke, die Haushälterin des Herzogs von Aork, bezüglich Der Anschuldigungen, die gegen den Herzog erhoben worden waren, im Kreuzverhör vernommen wurde. Finnland. Russische Polizeispitzel. Unserem Stockholmer Bruderorgan wird aus Finnland von ganz zuverlässiger Seite gemeldet, daß dort russische Polizeiagenten eingetroffen sind zu dem Zweck, provokatorisch tätig zu sein und so Veranlassung zur Verhaftung russischer Flüchtlinge zu geben! Vielleicht werden sie wieder„revolutionäre" Plünderungen und Raubanfälle veranstalten. Wenn man also in nächster Zeit aus Finnland von derartigen Ereignissen hört, so weiß man im voraus, wo die Schuldigen zu suchen sind und daß es sich um Ver- brechen handelt, die gegen die russische Revolutstm gerichtet sind. Amerika. Der Mormonensenator. Reed Smoot, als Vertreter des Staates Utah, Mitglied des Senats in Washington, ist der erste Mormone iin Senat. Seit seinem Amtsantritt— am 4. März 1903— hat sich ein Sturm von Protesten aus allen Teilen der Vereinigten Staaten erhoben, weil Smoot im Senat«geduldet" wird l Be- sonders in Fraueukreisen war die Entrüstimg groß, und zahlreiche Petitionen zirkulierten, welche Smoots Ausstoßung forderten. Er bekleidet ein hohes Amt in der Mormonenkirche, ist einer der zwölf Apostel der Kirche und verteidigte den Glaubenssatz der Vielweiberei. Deswegen eben sollte er»mcht geduldet" werden. Der Senat leitete eine Untersuchung ein darüber, ob Smoot mehr als ein Weib sein eigen nenne und ob er als' Mormone zu einem Sitz berechtigt sei. Die Untersuchung dauerte lange Zeit, und die Kom- misfion einigte sich nicht; denn Smoot hielt es mit den Republikanern, und da hatte er viele mächtige Freunde. Der Senat selbst kam nun in den letzten Tagen zu dem Beschluß, daß Smoot seines Sitzes im Senat nicht beraubt werden könne. Man hatte festgestellt, daß er o f f i z i e l nur e i n Weib befitzt. Smoots Sieg hat in Utah große Beftiedignng erregt. Die„Heiligen der letzten Tage" halten an der Vielweiberei trotz aller Gesetze fest, das heißt natürlich, soweit sie die Mittel dazu besitzen; denn die armen Mormonen haben, soweit sie ver» heiratet sind, nur ein Weib. SeilverKsebaftlicKes. Die Scharfmacher an der Arbeit. Das laufende Jahr wird uns zweifellos eine Hochflut von Aussperrungen bringen. In Berlin haben die Automobil- Droschkenbesitzer ihre Chauffeure ausgesperrt, weil diese sich in demselben Augenblicke keine Lohnreduktion gefallen lassen wollten, wo den Unternehmern durch die polizeiliche Erhöhung der Fahrtaxe ein müheloser Gewinn in den Schoß geworfen wurde. Die Tischlermeister haben unter Führung des Herrn R a h a r d t, des schon in ganz Deutschland berühmt ge- wordenen Organisators ihrer Niederlagen, die Tischler aus- gesperrt, weil diese lieber ohne Tarif arbeiten wollen, statt sich auf mehrere Jahre auf die jetzigen unzulänglichen Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verpflichten. Und die Unternehmer der Baubranche haben ebenso wie die Schneider- und Tapezier- meister erklärt, die Bestrebungen ihrer Arbeiter auf Hebung des Lebensniveaus mit Aussperrungen niederknütteln zu wollen. Selbst das Jahr 1908, in dem sowohl in Bayern, als auch in Rheinland-Westfalen die meisten Tarife ablaufen, wirft schon seine Schatten voraus. Der Syndikus des bayerischen Jndustriellen-Verbandes, Oberscharfmacher Dr. K u h l o, fordert in einem vertraulichen Rundschreiben die bayerischen Unternehmer auf, eine Streik-Entschädigungs- ges ellschaft zu gründen. An der Spitze der feinen Gründung stehen außer Dr. K u h l o dessen Schwiegerpapa Kommerzienrat A u st, der Vorsitzende der Sektion München des Bayerischen Jndustriellen-Verbandes,(Hauptinhaber der Kathreiners Malzkaffeefabriken), der Vor- sitzende des Arbeitgeber-Verbandes des Baugewerbes für München und Umgebung, Kommerzienrat Z w i e s l e r und der ehemalige Staatsanwalt Dr. G u g g e n h e i in e r, zurzeit stellvertretender Direktor der vereinigten Maschinenfabriken Augsburg und Nürnberg. Die Arbeiter werden hoffentlich dafür sorgen, daß auch in Zukunft die Bäume dieser Scharfmacher nicht in den Himmel wachsen._ Berlin und Omgegcnd. Die Aussperrung der Schneider beschlösse». Eine allgemeine Versammlung der Arbeitgeber in der Herren- Maßschneiderei nahm gestern zu der Antwort des Verbandes der Schneider und Schneiderinnen auf den Vorschlag, die Verhand lungen über einen Einheitstarif bis zum Hochsommer zu vertagen und bis dahin zu den alten Löhnen weiter zu arbeiten, Stellung. Die Antwort des Verbandes lautet wie folgt: Verband der Schneider und Schneiderinnen Filiale Berlin, 30. 16, Michaelkirchplatz 1, pari. Berlin, den 26. Februar 1907. Ew. Wohlgeboren! Im Auftrage unserer am 17. d. Mts. im Palast-Theater stattgehabten Mitglieder-Versammlung überreichen wir Ihnen in der Anlage den seitens der Berliner Herren-Maßschneider aus- gearbeiteten Lohntarif zur gefl. objektiven Prüfung und Aner- kcnnung. Begründend möchten wir uas das folgende gestatten: Bei der Ausarbeitung der Tarife war für uns maßgebend, in die verworrenen Tarifverhältnisse der Herren-Maßschneider Berlins Ordnung zu bringen. In einer ganzen Reihe gleich- artiger Geschäfte schwanken die Löhne für die gleiche Arbeit sehr wesentlich. Hier eine einheitliche Regelung durchzuführen, liegt ebensosehr im Interesse der Arbeitgeber als Arbeitnehmer. Niemals können die Lohnverhältnisse, wie sie zurzeit in unserem Berufe existieren, als gesunde anerkannt werden; ermöglicht doch dieser Zustand Konkurrenzverhältnisse, wie sin in anderen Berufen, wo Tarifverträge abgeschlossen sind, nicht vorkommen können. Wir haben bei dieser Gelegenheit gleichzeitig eine Lohn- erhöhung vorgesehen. Dieselbe inuß als durchaus berechtigt anerkannt werden, da durch Maßnahmen, welche die Arbeiter- schaft nicht zu vertreten hat— die Zollpolitik und die Grund- und Bodenspekulation—> dem Arbeiter erhöhte Ausgaben auf- gebürdet sind, die er bei seinen gegenwärtigen Löhnen zu tragen nicht imstande ist. Wir ersuchen Sie daher sehr ergcbenst, den in der Anlage folgenden Tarif prüfen zu wollen und sich zwecks gemeinsamer Aussprache am Dienstag, den 5. März, nachmittags 5 Uhr, in den„Arminhallen". Kommdantcnstr. 20, einfinden zu wollen. Sollten Sie jedoch nicht geneigt sein, mit uns aus der Basis friedlicher Verständigung einen Tarifvertrag abzuschließen, so sind wir beauftragt, für den Fall, daß in Ihrem Betriebe eine Kündigungsfrist besteht, das Arbeitsverhältnis hiermit zum 12. März zu kündigen. In der Annahme aber, daß Ihnen ebensoviel als uns an einem geregelten Lohnverhältnis der Arbeiter gelegen ist, teilen wir Ihnen noch mit, daß nach erfolgter Aussprache in oben er- wähntcr Sitzung die Einteilung der einzelnen Geschäfte in eine Tarifklasse erfolgt. Hochachtend Für den Verband der Schneider und Schneiderinnen und ver- wandten Berufsgcnossen Deutschlands(Filiale Berlin). I. A.: Fr. Kunze. Der Referent der Arbeitgeber-Versammlung, Schneidermeister Z a u d e ck, i. F. F. Heider u. Jan Jaques, bezeichnete die Forde- rungen der Arbeitnehmer als zu hoch und unannehmbar. Die zu- letzt vereinbarten Löhne seien für die heutige Zeit nicht nur aus- kömmlich, sondern sind derartig, daß die Arbeitnehmer noch auf Jahre hinaus damit auskommen könnten. Nach einer neuerdings aufgenommenen Statistik erfahre der Arbeitslohn durch die neuen Forderungen der Gehülfen Erhöhungen von 20 bis 30 Proz. nur bei wenigen Positionen, bei den meisten Positionen betrage er 40 bis 60 Proz., ja in vielen Fällen bis 100 Proz. und darüber. Er schlage deshalb vor, auf keinen Fall der Aufforderung des Ar- beitnehmer-Verbandes zu folgen, sondern einmütig am Freitag die Betriebe zu schließen. Obermeister Krause schloß sich diesen Ausführungen voll- ständig an. Er teilte noch mit, daß den Arbeitnehmern am Montag ein von den Arbeitgebern selbst ausgearbeiteter Tarif, der fünf Klassen enthalte und alle Forderungen für Spezialarbeiter weg- fallen läßt, überreicht werden würde. Auf Grund dieses Tarifcs seien sie bereit, zu verhandeln. Man habe das bisher nicht getan, weil es besser sei, erst die Arbeitnehmer einige Tage die Aus- sperrung tosten zu lassen. Ferner müssen alle Arbeitswillige den Revers unterschreiben, worin sie sich zu den bisherigen Löhnen weiter zu arbeiten verpflichten sollen. Auch sollen die Arbeits- willigen, die unfreiwillig die Arbeit einstellen müssen, seitens des Arbeitgeber-Verbandes unterstützt werden. Nach lebhafter Debatte gelang einmal ein Antrag, im Arbeit- S�eber-Verband jedem Herrcnmatzschneider die Aufnahme zu ver- agen, der nicht bis Freitag abend seine Mitgliedschaft vollzogen habe. Ferner beschloß die Versammlung einstimmig, daß vom Sonnabendabend sämtliche Gehülfen entlassen werden, und schon heute keine Arbeit mehr an- genommen wird, die nicht bis Sonnabendabend fertiggestellt werden kann. Eine überaus stark besuchte Schneiderversammlung, die eben- falls gestern abend stattfand, nahm einen vom Vorsitzenden der Organisation gegebenen Situationsbericht über den gegenwärtigen Stand der Tarisbewegung in der Herrenmaßbranche entgegen. Demnach haben die Arbeitgeber jede Verhandlung abgelehnt. Zur Annahme gelangte folgende Resolution: „Die Versammlung erklärt, daß das Vorgehen des Arbeit- geber-Verbandcs lediglich seinen Grund hat in der Aussperrungs- tust der Arbeitgeber, weil dieses Bestreuen lediglich im Interesse einzelner Arbeitgeber liegt. Für den Fall der Aussperrung sichert die Versammlung den zunächst davon betroffenen Kollegen die volle moralische Unterstützung zu und erklärt, wenn es nötig werden sollte, dem Rufe der Organisation Folge zu leisten und in die Reihen der Kämpfenden einzutreten. Mit der Kündigung, die von der Verbandsleitung für die Kol- legen, die in einem Kündigungsverhältnis stehen, ausgesprochen worden ist, erklärt sich die Versammlung einverstanden." Vertagung der Lohnbewegung der Kleber. Die Kleber hatten sich am Dienstagabend außerordentlich zahl- reich bei Feuerstein in der Alten Jakobstraße versammelt. Der große Saal samt der Galerie waren gedrängt voll. Es fehlt also keineswegs an Interesse für die geplante Lohnbewegung. Auch sind fast alle Kleber Berlins organisiert; sie brauchen sich also durch- aus nicht vor einem Lohnkampf zu fürchten. Ihre Arbeitgeber, die Klebermeister, denken nicht daran, die von 0er Tapezierer- innung beschlossene Aussperrung mitzumachen, denn sie befürchten mit gutem Grund, daß in solchem Fall die Tapctenhändler selbst allgemein Klebcrgehülfen einstellen, die selbständigen Kleber- meister damit überflüssig werden würden. Wenn gleichwohl der Branchenvertrauensmann Bruno im Namen der Bezirksleiter der Versammlung empfahl, von der geplanten Lohn- bewegung Ab st and zu nehmen und sie auf eine geeig- netere Zeit zu verschieben, so geschah das aus anderen, wohl- erwogenen Gründen. Als die Kleber im Dezember ihre Tarif- forderungcn ausstellten, waren es ungefähr 600 Bauten, die für die Kleberarbeit in Betracht kamen. Dann trat der außerordentlich strenge Winter ein und brachte Arbeitslosigkeit für die Klebxr mit sich. Außerdem aber nahm die HolzarbeiterauSsperrung einen Umfang an, dessen Einwirkung aus die Bauberuse nicht voraus- zusehen war. Bon den Einsetzern sind gegenwärtig an 200 Bauten gesperrt. Es sind zu einem großen Teil bessere Bauten, die den Klebern viel Arbeit bieten würden, wenn die Türen und Fenster eingesetzt wären. Aus diesen und anderen Ursachen herrscht unter den Klebern eine für die Jahreszeit außergewöhnliche Arbeitslosigkeit. Der Zeitpunkt scheint also für eine Lohnbewegung nicht besonders günstig zu sein. Der Redner erklärte jedoch, daß, wenn in Tapezierergeschäften, die auch Klebearbeit ausführen, die Werk- stattkollegen ausgesperrt werden, die Kleber selbstverständlich die Arbeit niederlegen. Kommt es dann zu Verhandlungen, so ist ein Vertrag nur aus Grund der im Dezember aufgestellten For- derungen abzuschließen. An den alten Tarifvertrag sind die Kleber, nachdem er am IS. Februar abgelaufen ist, nirgendwo mehr gebunden. Die alten Tariflöhn« müssen in bet tariflosen Zeil als das Mindeste gelten, was sie für ihre Arbeit zu verlangen haben. Das mag vielleicht die Unternehmer zu der Einficht ver» Helsen, daß es doch besser ist, selbst mit Erhöhungen einen neuen Tarifvertrag abzuschließen. Uebrigens machte der Redner auch daraus aufmerksain. daß der alte Vertrag in nur allzu vielen Fällen von Unternehmern durchbrochen worden ist, so daß im Laufe der zweijährigen Tarisdauer nicht weniger als 76 Firmen gesperrt werden mutzten, um dem unterschriftlich anerkannten Ver- trag Geltung zu verschaffen. Ja, noch kurz vor Ablauf des Tarifs waren 11 Sperren notwendig, um die Bezahlung der Vertrags» mätzig festgelegten Preise zu erzwingen. Trotz deS Per» träges mußten also die Kleber immer kampfbereit sein. — Die Persammlung endete nach reger Debatte mit der An» nähme folgender Resolution: „Die Versammlung der Kleber beschließt, in Erwägung deS Umstandes, daß uns durch die Holzarbeiteraussperrung gerade ein großer Teil der besseren Bauten augenblicklich verloren gehen, vor der Hand von einer Durchführung der der Tapezierer-Zwangs- innung eingereichten Forderungen Abstand zu nehmen, sie jedoch zu geeigneter Zeit mit allen der Organisation zu Gebote stehenden Mitteln durchzufechten. Vornehmste Aufgabe erscheint es den Berliner Klebern, die dem Gros der Berufskollegen angedrohte Aussperrung abzuschlagen, sowie deren ermäßigten Forderungen auf jeden Fall Geltung zu verschaffen." Achtung! Dachdeckcrhlllfsarbeiter und Bauarbeiter! Wegen Lohndiffercnzen ist die Dachdeckerfirma F. Gierth, Charlottenburg, Kantstr. 82, für organisierte Dachdeckelchülfsarbeitre gesperrt. Verband der'baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschland?. Deutsches Reich. Bei den Wahlen zum Kaufmannsgcricht in Frankfurt a. M. gelang es dem Zentralverbande der Handlungsghülfen ein Mandat zu erobern. Die Agitation der verschiedenen Kor- porationcn, die selbständig Listen aufgestellt hatten, war sehr rege. Den bürgerlichen Vereinen standen Automobile zu Schlepperdiensten zur Verfügung. Die Wahlbeteiligung mar demgemäß auch sehr stark. Es wurden für die sechs verschiedenen Gehülfenlisten 3151 Stimmen abgegeben. Dies sind zirka 2000 Stimmen mehr, wie bei der letzten Wahl. Auf die Liste des Zentralverbandes der Handlungsgehülfen entfielen 135 Stimmen— 1 Mandat. Die Münchener Gärtner, die zu den ausgebeutctsten und am schlechtest bezahlten Arbeiterkatcgorien zählen, haben den Kunst- und Handclsgärtnern einen Tarifentwurf unterbreitet. Gefordert wird in der Hauptsache llstündige Arbeitszeit in Kunst- und Handels- gärtnercien, Ivstündige Arbeitszeit für Gärtner und Hülfsarbeiter in der Landschaftsgärtnerei, Arbeitsschluß um 6 bezw. 4 Uhr an Sonnabenden vor hohen Feiertagen. Der Lohn ist bei Landschafts- gärtnern nach Stunden, in Kunst- und Handclsgärtnereien nach Wochcnlöhnen zu berechnen. Der Mindcstlohn beträgt: bei Land- schaftsgärtnern 50 Pf. pro Stunde; in Kunstgärtnereien beträgt der Mindestwochenlohn 25 M.; für gewöhnliche Ueberstunden 10 Pf. Zuschlag, für Arbeiten an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen soll der Zuschlag 33)4 Proz. betragen. Freigabe des 1. Mai. Die Unternehmer haben die bescheidenen Forderungen abgelehnt. Einer der Hauptscharfmacher, der Handelsgärtner Bethe, meinte, die Gärtnergehülfen würden durch eine kürzere Arbeitszeit nur verwöhnt, es dürfe unter keinen Umständen unter die 14stündige Arbeitszeit heruntergegangen werden.— Zunächst hat die Organisation das Einigungsamt des Gewerbegerichts an- gerufen. Zuzug von Gärtnern nach München ist fernzuhalten. Christliche Streikbrecherorganisation. Die Christlichen schicken sich an. auch bei dem bevorstehenden großen Kampfe im Baugewerbe von Nürnbcrg-Fürth die Rolle der Berräter zu übernehmen. Die Unternehmer wollen den Arbeitern unter allen Umständen einen nur die Interessen des Unternehmertums wahrenden Tarif auf- zwingen, und die Christlichen sind es, die ihnen bei diesem löb- ljchcn Beginnen hülfreiche Hand leisten. Der christliche Verband der Bauarbeiter bat es übernommen, die Streikbrecherlieferung zu organisieren. Der Bezirksleiter ist bereits daran, auswärts Mitglieder seines Verbandes anzuwerben, die, wenn es zu einer Aussperrung kommt, in Nürnberg als Arbeitswillige auftreten sollen. In Nürnberg wurde ein Bureau eingerichtet, wohin die Verführten bestellt werden, um dann mit einer Ausweislarte in das Bureau des Unternchmerverbandes geschickt zu werden, wo sie aus die verschiedenen Arbeitsstellen geschickt werden sollen. Dieser moderne Sklavenhandel hat bis jetzt noch wenig Erfolg gehabt. da die meisten christlichen Arbeiter es doch als Schmach empfinden, sich von ihren„Führern" in solcher Weise verschachern zu lassen. Husiand. Der Kampf der französischen Lehrer. Paris, 24. Februar.(Eig. Ber.) Gestern hat Elemenreau einige organisierte Lehrer„in ihrer Eigenschaft als Beamte" und als»In» dividuen" empfangen. Die Unterredung verlief ziemlich zufrieden- stellend, denn die Genossen konnten dem Minister nachweisen, daß die Gewerkschaft des Unterrichtsfaches schon unter dem Ministerium Dupuy bestanden hat und in ihrem Archiv sogar Briefe von Waldeck-Rousseau aus der Zeit seiner Ministerpräsidenlschaft besitzt. Elemeneeau wußte auch nicht, daß die Lehrergewerkschaft des Seine-Departements schon seit dem Oktober 1903 dem Gewerk- schastsverband angehört. Der Minister ersuchte schließlich die Lehrer, ihm diese Tatsachen in einem schriftlichen Memorandum zusammen» zufassen. Auf die Frage der Lehrer nach der angekündigten Vorlage über die Beamtengewerkschaften erwiderte Elemeneeau, der Gegen- stand werde den Ministerrat noch einigemal beschäftigen, denn die Materie sei sehr heikel. So ist die Situation der Lehrerorganisation noch ungewiß. Immerhin hat Clemenceau ein Verhalten gezeigt, das in lobenswertem Gegensatz zu dem B r i a n d s war.— Ein Bertrag zwischen dem Eisenbahnerverband und den Privat« bahnen in Schweden. Im Sommer vorigen Jahres knüpfte die Vereinigung der schwedischen Privatbahnunternehmer mit dem Schwedischen Eisen- bahnerverband Verhandlungen an, die den Abschluß eines Vertrages über ein Einigungs- und Schiedsgerichtsverfahren bei Streitigkeiten zum Ziele hatten. Ein solcher Vertrag ist nun zwischen den Dele- gierten der beiden Organisationen zustande gekommen. Bei allen Streitigkeiten zwischen Personal und Bahnverwaltung sollen zu- nächst die direkt beteiligten Parteien miteinander verhandeln, wobei Vertreter der Organisationen hinzugezogen werden können. Handelt es sich um eine neue Lohnregelung, so müssen stets Vertreter der Organisationen an den Verhandlungen teilnehmen. Für die Fälle. die auf diese Weise nicht ihre Erledigung finden, werden Einigungs- und Schicdsämter errichtet, nämlich drei Diftriktsämtcr, in Stockholm, Malmö und Göteborg, jind ein Eisenbahn-Schieds. gcricht als höchste Instanz, die ihren Sitz in Stockholm hat. Diese Körperschaften werden zu gleichen Teilen aus Vertretern der beiden Organisationen gewählt und wählen selbst einen un- parteiischen Mann zu ihrem Vorsitzenden. Letzte JVacbrlchten und Dcpcfcbcn, Wiederaufbau der Micharliskirche. Hamburg, 27. Februar.(W. T. B.) Die Bürgerschaft nahm in der heutigen Sitzung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten einen Antrag des Senats auf Bewilligung von 3 329 000 M. zum Wieder- aufbau der am 3. Juli vorigen Jahres durch eine Feuersbrunst zerstörten großen Michaeliskirche. verantfl. Redakteur: Kau? Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.' n. Sticke« Berlin. Druck u. Lerlag; LorwärlSÄuchtzr. u.B«rlagl«!ft�IPaulSingerLCo.,Berlin L1V. Hierzu ZBcilagenu.UnterhaltungsblaN Dr. 50. 24. Jahrgang. 1. KeilM Ks Jormärts" Kerl« KolMlitt. Donnerstag. 28. Febrvar 1907. Relcbötag. B. Sitzung. Mittwoch, den 27. Februar, mittag- 1 Uhr. Am Bundesratstisch: Graf v. Posadowsky, V. Rhein- babe n, d. Tschirschky, Freiherr v. Stengel. Dern- bürg. Zunächst wird ein schleuniger Antrag Albrecht und Genossen sSoz.) auf Einstellung eines beim Landgericht Dortmund schwebenden Strafverfahrens gegen den Abgeordneten Stücklen(Soz.) debattelos angenommen.— Dann wird die erste Lesung des Etats fortgesetzt. Abg. Dr. Wiemer(frs. Vp.): Eine Rückschau auf die Wahlen kann ich mir schenken, zumal sie bei der Behandlung der sozial- demokratischen Interpellation über die angeblichen Wahl- beeinflussungen erfolgen wird. Bebel hat gestern seine ganze agi- tatorische Kunst aufgoboten, um den durch die Niederlage gesunkenen Mut seiner Partei wieder zu beleben.(Heiterkeit bei den Sozial- demokraten.) Ich habe das nicht nötig; denn der„entschiedene Liberalismus" (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.), der zerrieben werden sollte, ist mit Verstärkung zurückgekehrt.(Beifall bei den Freisinnigen.) Wir haben den schweren Wahlkampf mit Erfolg bestanden, und auch die beiden anderen freisinnigen Gruppen haben Mandate ge- Wonnen.(Abg. Singer:„Mit Hülfe der Sozialdemokratie!" Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Der entschiedene Libera- lismus verfügt jetzt über 50 Stimmen im Hause und damit in vielen Fragen über eine ausschlaggebende Stellung.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Die Regierung muß mit unseren Stimmen rechnen. Fürst Bülow verlangte von der Mehrheit, zu der er auch meine Partei rechnet, Einigkeit in nationalen Fragen. Auch wir nehmen für uns Verständnis für nationale Fragen in Anspruch, und zwar nicht erst in neuerer Zeit. Zu positiver Mit- arbeit sind wir immer bereit, aber nach eigener Ueberzeugung und selbständiger Prüfung. Wir wollen die Forderungen des cnt- schiedenen Liberalismus zur Geltung bringen; ihnen verdanken wir unsere Wahlerfolge.(Sehr wahr! bei der Freisinnigen Volks- Partei.) Unsere Wünsche gehen auf die Sicherung der Wahlfreiheit, auf Fortführung>der Sozialgesetzgebung, auf Ausbauung des Koa- litionsrechtes, auf Reform des Börsengesetzes, auf Erfüllung der berechtigten Forderungen der Privatbeamten, dieses immer größere Bedeutung gewinnenden neuen Mittelstandes. Auch für den Mittelstand muß gesorgt werden. Herr Bebel und die Sozialdemokraten meinen freilich, der Mittelstand werde un- Widerstehlich zerrieben. Aber die Berufs- und Gewerbezählungen und die Steuerstatistik beweisen das Gegenteil. Wir verlangen für den Mittelstand eine reichsgesetzliche Reform des Submissions- Wesens. Herr Bebel hat gestern behauptet, der Blockkandidat, Rechts- anwalt Weill in Karlsruhe, sein ehemaliger Parteigenosse, sei auf den Dörfern herumgefahren und habe um die Stimmen der Zen- trumswählcr gebuhlt. Herr Rechtsanwalt Weill, mit dem wir uns sofort telephonisch in Verbindung gesetzt haben, schreibt uns, er sei niemals Sozialdemokrat gewesen, sondern habe nur als Student Sympathie mir den Opfern des Sozialistengesetzes gehabt; vor allem aber bestreitet er, auf den Dörfern herumgefahren zu sein und um die Stimmen des Zentrums gebuhlt zu haben.(Wider- spruch bei den Sozialdemokraten.) Beim Etat haben wir zu ungünstiger Beurteilung keine Ver- anlaffung. Die Finanzlage hat sich gebessert. Das Bedauern des Reichsschatzsekretärs über die Lex Trimvorn teile ich: �Die Fest- legung bestimmter Summen für die Witwen- und Waisenversiche- rung bedeutet eine für die Finanzgebarung bedenkliche Thesau- rierung(Schatzanfammlung). Daß der Reichsschatzsekretär von neuen Steuern vorlaufig abschen will, ist wohl selbstverständlich Wenn sie notwendig werden, wird die konservatw-liherale Paarung hoffentlich in liberalem Sinne fruchtbar werden, wir werden dann vor allem die Reform der Branntweinsteuer verlangen. Die Steigerung der Lebensmittelpreise führt jetzt zu der Forderung der Erhöhung der Bcamtengehalter. Hoffentlich wird die Regierung diesen Anlaß benutzen, um eine allgemeine Neuordnung Oer Bcamtengehalter durchzuführen. Eben deshalb muß es Wunder- Nehmen, wenn die Regierung gegen die Beamten schroff vorgeht, sobald aus ihren Reihen Klagen über ihre wirtschaftliche Lage laut werden. So ist den preußischen Forstbeamten das Weiterverbleiben in dem ihre Interessen vertretenden Verein und das Abonnement auf sein publizistisches Organ verboten worden; ja es ist ihnen sogar angedroht, daß die Zuwiderharchelnden in keine höhere Gehaltsstufe aufrücken Ivürden!(Hört! hört! bei den Sogialdemo- kraten.) Im übrigen.oird man an dem Etat gewiß einzelne Ab- striche machn können, und die Wünsche des Flottenvereins auf weitere Beschleunigung des Tempos unserer Flottenbauten werden glücklicherweise an den tatsächlichen Verhältnissen unserer Werften und unseres Mannscbastsstandes scheitern.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In das Lob. das dieser Verein aus dem Munde des Reichskanzlers erhalten hat, kann ich nicht mit ein- stimmen; ich finde, daß der Flottenverein seine Agitation mit mehr Eifer als Geschick geführt und der Regierung manche Verlegenheit bereitet hat. Zum Fall Eickhoff — der Kollege Eickhoff wird ja noch Gelegenheit nehmen, die An- griffe des Abgeordneten Spahn zurückzuweisen— bemerke ich, daß meine Freunde alle und jede Wahlbeeinflussung seitens der Ne- gierung mißbilligen, selbst wenn sie zu unseren eigenen Gunsten erfolgen sollte.(Lebhafte Zustimmung bei den Freisinnigen.) Bezüglich der aus dem Reichstag geäußerten Wünsche verlangen auch wir die Wirdereinbringnng deS Gesetzentwurfs über die Berufs« vereine, aber ich schließe mich Herrn Bassermann an, daß das Gesetz mit freiheitlichem Geiste erfüllt werden mutz. Dringend notwendig ist eine Reform der Krankenversicherung. Der Forderung von 100000 M. zur Förderung des deutschen Handels und Gewerbes stimmen wir zu. auch, daß sie zu Versuchen mit Baumwollkultur in den Kolonien verwendet werden sollen. Einer verständigen Kolonialpolitik werden wir stets zustimmen, doch können wir nicht alles gut heißen. was der Kolonialdirektor in seiner Wahlrede gesagt hat.- D°ß» die Thronrede eine weitere Herabsetzung der Truppen m Südwestafrika ankündigt, be- fiiedigt uns; wir hoffen, daß jetzt dort die Friedensarbeit in richtiger Weise beginn. Kulturfortschritt In den Kolonien zeigt sich auch in der Forderung von 8000 Mark in Kamerun für öffentliche Aborte für die Eingeborenen(Große Heiterkeit); hoffentlich legt man zu diesem Zwecke ihnen nicht eine neue Steuer auf. Bedauerlich ist. daß in Ostaftika eine Erweiterung der Schutztruppe gefordert wird. Der Forderung eines selbständigen Kolonialamts stimmen wir zu..,. �« Ueber unsere auswärtigen Beziehungen befriedigen und be- ruhigen uns die Ausführungen der Thronrede. Aber wir wünschen wie das Zentrum, daß auch für die Gestaltung unserer auswärtigen Beziehungen daß Parlament Einfluß gewinnt. Ich bedauere, daß letzthin ein Angriff gegen die Immunität der Mitglieder des HauseS erfolgt ist, wobei ich bedauere, daß ein Mitglied des Hauses die Rechte des HauseS preisgegeben hat.(Sehr richtig! links.) Der Reichs kanzler möge dafür sorgen, daß derartiges in Zukunft nicht vorkommen kann. Notwendig ist vor allem ein stärkerer Einfluz des Parlaments und des entschiedenen Liberalismus.(Lebhaftes Bravo! bei den Freisinnigen.)„,• Mg. Gamp(Rp.): Wenn die Reichsfinanzverwaltung keine Deckung für erhöhte Forderungen einzelner Refforts hat, muß sie die Forderungen entschieden zurückweisen. Mit etwas begehrlichen Augen hat der Reichsfchatzsekretär nach den für die Witwen und Waisen be- stimmten 4S Millionen hingeschaut; wir werden ihm dies««ms keinen Fall preisgebe«. Mit der Wirkung der neuen Steuern ist man auf dem Lande durchaus zufrieden, in den Städten mag es anders sein. Un- stimmigkeiten ergeben sich allerdings bei der Fahrkartensteuer, doch ist sie im ganzen sehr populär! Dringend zu prüfen ist, ob nicht eine Weinstcurr einzuführen ist. doch muß sie so gestaltet sein, daß die Konsumenten sie bezahlen. Ich habe es nicht verstehen können, daß der preußische Land- wirtschaftsminister die gesteigerten Produktionskosten mit den Zöllen in Zusammenhang bringen konnte. Wir verlangen eine großzügige Sozialpolitik, aber sie soll ihre Spitze nicht gegen die Arbeitgeber richten; von Schikanen gegen die Arbeitgeber, wie sie die Bäckereiverordnung enthält, muß sie frei sein; das Reichsamt des Innern sollte nicht die Befugnis zum Erlaß solcher Verordnungen haben. Zugunsten des Handwerkerstandes sollten alle Ressorts angewiesen werden, zu prüfen, welche Bedürfnisse durch Arbeit von Handwerkern befriedigt werden können, und dauernd sollen sie über die Fort- schritte der Beschäftigung von Handwerkern berichten. Wir wollen die Handwerker nicht weiter vertrösten lassen, sondern für sie Taten sehen.(Bravo I rechts.) Die Lage der Arbeiter hat sich außerordentlich verbessert. Die Fleischpreise sind so gesunken, daß bei weitere»» Sinken die Fleischproduktion gefährdet wird. Meine Partei verweigert entschieden die Ausdehnnng der Immunität: die Befreiung der Reichstagsabgeordneten vom Zeugnis- zwang wäre geradezu eine Begünstigung der Anreizung zu Ver- brechen.(Widerspruch links.) Höchstens würden wir diese Befreiung billigen, wenn es sich um Disziplinaruntersuchungen gegen Beamte handelt. Ich komme auf den Flottenverein: Unter allen Umständen ist mir und meinen Freunden die Wahl eines Zentrumsmannes lieber als die eines Sozialdemokraten; aber das Zentrum hat Sozialdemokraten unterstützt und darf sich nicht beschweren, daß andere ebenso handeln.(Zuruf des Abg. Spahn sZ.j) Sie beschweren sich ja auch nicht, Herr Spahl»? Dann sind wir ja einig I(Heiterkeit!) Ganz unverständlich ist mir die Unterstützung von Sozialdemokraten durch die Nationalliberalei».(Widerspruch bei den Nationalliberalen.) Den Wahlkainpf gegen das Zentrum haben wir nicht konfessionell geführt, unsere Wege werden auch wieder zusammenführen.< (Große Heiterkeit links.) Der Anspruch des Zentrums auf das Präsidium ist unberechtigt, die konservativen Gruppen zusammen einschließlich der Wirtschaftlichen Bereinigung zählen 110, das Zen trum nur 104, die fieisinnigen Gruppen 103 Mitglieder. Der Reichskanzler hat die Mischung konservativer und liberaler Grundsätze empfohlen. Er findet diese Mischung sehr schön in meiner, der freikonservativen Parte».(Große Heiterkeit.) Bebel sagte Herrn Bassermann gegenüber, die Herren Calwer und Bernstein könnten ruhig in seiner Partei bleiben. Nun ja, nachdein so viele»mfreiwillig h»na»ls- geflogen sind, hat er ein geringeres Bedürfnis, den Flugapparat in An- Wendung zu bringen.(Heiterkeit.) Tatsächlich merkteben jetzt der Arbeiter, daß die Zollpolitik auch i h m zugute kommt.(Lachen bei den Sozial- demokraten.) Herr Bebel empfiehlt die Einkommensteuer; aber die höheren Einkommen sind bei uns schon sehr stark besteuert, und alle Bedürfnisse können dadurch �nicht gedeckt werden. Preußen und Deutschland sind in der Welt voran.(Stürmische Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wir sind voran in der Arbeiterfürsorge und in der sozialpolitischen Gesetzgebung. Preußen und Deutschland marschieren auch in bezug auf die Schulbildung an der Spitze. (Schallende Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Nirgends ist die Rechtsprechung so gut wie in Deutschland, kein Land besitzt so gute Beamte wie Deutschland. Herr Bebel mißbilligt den Boykott gegen Kleingewerbetreibende. Wenn es ihm damit ernst ist, soll er die Frage auf die Tagesordnung seines nächsten Parteitages setzen und den Leuten erklären: Wenn ihr so etlvas tut, seid ihr nicht würdig, Sozialdemokraten zu sein!(StünmscheS Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Herr Bebel hat sich über Drangsalierungen durch die sächsische Regieruns} beklagt zur Zeit, als er noch Drechslermeister war. Ich glaube, d»e sächsische Regierung hätte besser getan, ihm so viel wie möglich Aufträge zu überweisen, dann wäre er gar nicht zum Agitieren gekommen.(Große Heiterkeit rechts.) Für die bürgerliche Gesellschaft wäre das jedenfalls besser gewesen. Herr Bebel hat sich ja trotz der Drangsalierungen eine ganz gute Position errungen, wer weiß, ob es ihm im Zukunftsstaate besser gegangen wäre; da hätte er vielleicht Drechslermeister bleiben müssen.(Erneute große Heiterkeit rechts.) Wenn wir nur einmal erfahren könnten, wie Sie sich den Zukuiiftsstaat eigentlich denken.(Große Heiterkeit bei den Sozial- demokraten.) Ihre Flugblätter sind ganz verschieden, je nachdem sie für Bauern, Handtverker us»v. bestnnmt sind.(Zuruf bei den Sozial- demokraten: Selbstverständlich!) Den Bauern sagen Sie. Sie dächten nicht daran, den Grund und Boden verstaatlichen zu wollen (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Wo steht das?j, die Fainilienbande lockern-zu wollen usw.— Ich will schließen.(Rufe bei den Sozial- demokraten: Schade! Heiterkeit.) DaS deutsche Volk ist des Fraktionskampfes müde. Lassen Sie uns gemeinsam arbeiten, damit das deutsche Volk wieder stolz sein kann auf seinen Reichstag. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Fürst Radziwill(Pole): Gegenüber den Angriffen des Herrn Reichskanzlers auf das Zentrum möchte ich bemerken: Die ganze katholische Welt beneidet Deutschland um sein Zenttum. (Bravo! im Zentrum.) Der Gedanke der konservativen und liberalen Paarung ist nicht neu; er stammt von dem früheren preußischen Finanzminifter v. Miguel. Wir versprechen ui»s von dieser Paarung nicht viel. Das Zentrum ermahnte der Herr Reichskanzler, dem Leitstern der Wahrheit zu folgen. Was aber tut die Regierung selbst meinen Landsleuten gegenüber? Sie handelt wie ein Jagd- Herr, der auf seinem Gebiete das Wild je nach Gutdünken hegt oder verfolgt. Wir werden rechtlos gemacht, wie eS in keinem anderen Kulturlande möglich wäre. Die hundertjährige Mißachtung der nattonalen Bedürfnisse deS Landes, die Ausrottung unserer Mutter- spräche hat die Erregung geschaffen, welche die Grundlage der jetzigen heuchlerischerweise von der preußischen Regierung„be- dauerten" Mißstände ist.(Unruhe rechts.) Vizepräsident Dr. Paasche: Ich muh eS rügen, daß Sie der preußischen Staatsregierung heuchlerische Motive unterschieben; ich rufe Sie deslvegen zur Ordnung.(Bravo I rechts.) Abg. Fürst Radziwill(fortfahrend): Wir sind durch Gottes Fügung Mitbürger des Deutschen Reiches geworden und koinmen unseren Pflichten nach. Unser Nationalgefühl werden wir uns aber nie nehmen lassen.( Bravo I bei den Polen.) Ich komme jetzt zu unserer Stellung zur Kolonialpolitik. Ob alle Anklagen über schlimme Vorgänge in den Kolonien berechtigt sind, weiß»ch nicht. Aber solange die Polen bei uns schlimmer behandelt werden, als eS mit den Eingeborenen in den Kolonien geschieht, werden Sie uns nicht Mangel an Nationalgefühl vorwerfen können, wenn wir abwarten, ob eine Aenderung Ihrer Politik uns gegen- über in Preußen und Deutschland eintritt, ehe wir unsere Zu- stimmung zu Ihrer überseeischen Politik geben.(Bravo I bei den Polen.) Graf Posadowsky: Ich habe in diesem hohen Hause schon viele Polendebatten ge« hört und bei ihnen darauf hingewiesen, daß die Frage eine speziell preußische ist und nicht hierher gehört. Heute brauche ich diesen Einwand nicht zu wiederholen, weil der Vorredner selbst zugestanden hat, daß die vorgebrachten Fragen nicht zur Kompetenz des Reiches gehören. Nur zwei Bemerftingei» des Vorredners kann ich nicht un- widersprochen lassen. Er sagte: diejenigen Maßregeln der preußischen Regierung, die eine Beschränkung der Parzellierungstätigkcit in den östlichen Provinzen mit gemischtsprachiger Bevölkerung darstellen, seien ungesetzlich.(Sehr richtig! bei den Polen und b.i den Sozialdemokraten.) Diese Behauptung ist_ nicht zutreffend. Die preußische Regierung ergreift ihre Maß regeln auf Grund eines legitim zustande gekommenc. preußischen Gesetzes I(Rufe bei den Polen und Sozialdemokraten. Das Gesetz ist verfassungswidrig!) Ferner sagte der Vor redner: die Regierungen dürfte»» sich nicht toundern, wenn die Pole:» innerhalb dieses hohen Hauses eine besondere nationale� Stell»»»'.. einnähmen. Ein solcher Anspruch läßt sich verfassungsmäßig mit..: begründen.(Zustimmung rechts.) Jedes Mitglied dieses_ hohe,. Hauses ist Vertreter des gesamten deutschen Volkes.(Sehr richtig i Jeder Abgeordnete darf nur Vorschläge vertteten und begründe». die sich mit den» Wohl des ganzen Volkes vertragen.(Sehr richtig Abg. Licbcrmaiu» v. Sonncnbcrg(Wirtsch. Vg.): Die A»lfgal. unserer Kolonialpolitik besteht darin, die Eingeborenen durch Zwai" zur Arbeit zu erzielen. Der Vorredner hat sich also mit Unreä darüber beklagt, daß die Polen noch schlechter behandelt werden. Die sind ja arbeitswillig! Ihren Tribut an Blut haben di. Polen mit Recht dem Reiche abgetragen; das war der Dank fii. ihre hundertjährige Erziehung und wirtschaftliche Hebung dirn Preußen. Durch die letzten Wahlen ist die Position der Regierung dein Ausland gegenüber gestärkt»vorden; alle unser. Freunde sind davon befriedigt. Die auswärtigen Monarchen habe:- uns zur Niederringung der antimonarchischen Bewegung beglückwünscht.— Die Kolonialpolitik, die die Regierung jetzt als an- geblich neu betreiben will, haben wir ihr längst enrpfohlen. Da! mit Blut gedüngte Land»nüssen wir aus jeden Fall festhalten.— In der Handelspolitik verlangen wir schleunige Beseitigung de»' Handelsprovisoriuins mit England und Amerika.(Bravo! rechts.» — Wir freuen uns, daß die Sozialpolitik fortgeführt lverden soll. das wird die christlich-nationale Arbeiterbewegung nur stärken, mit diese brauchen»vir gegen die Sozialdemokratie. Rednci spricht sich schließlich für die Einführung der allgemeinen Wahlpflicht aus. Die Beteiligung der Regierung an den Wahlen halten wir durchaus für berechtigt. Wir sollte: ihr einen F o n d s dafür z»lr Verfügung stellen.(Große Heiterkeit un Zenttmn und bei den Sozialdemokraten.) In anderen Ländern— wie Frankreich— ist daS durchaus üblich. Den» General Keim kann »nan nur verübeln, daß er das Eintreten nationaler Parteien für Sozialdemokraten nicht unter allen Umständen gemißbilligt hat. Herr Spahn und das Zentrum sind zu klug, um aus Zorn beiseite zu stehen. Die Nationalliberalen können die Vorwürfe Bebels nicht entkräften; fie können sich höchstens selbst versprechen, siS zu bessern.(Große Heiterkeit.) Wir unterstütze»» Sozialdemokratci' niemals; das verbietet uns unser nationales Gefühl. Mit den' Aufschtvung des Liberalisnius, von dem hier emphatisch gesprochen wurde in hohen Tönen— nach der notdürftig geflickten Einigung(Große Heiterkeit)— ist es nicht weit her. Ohne die Unterstützung de» Regierung lägen sie platt unterm Tisch.(Erneute große Heiterkeit> Der Kanzler fand im Topf der Sozialdemokratie das Zenttum; hätte er tiefer geforscht, so hätte er bei den Stichwahlen auch di Freisinnige Pereinignng dort gefunden.(Sehr richtig I rechte Herr Wiemer wittert Morgenftlft und sieht die Morgenröte de» Liberalismus strahlen. Aus der Rede des Reichskanzlers konnte er das nicht entnehmen: diese möchte ich vergleichen mit de»n Mädchen aus der Fremde:„Sie teilte jedem eine Gabe, rechts Früchte. links nur Blumen aus."(Schallende Heiterkeit.) Auch die Eh- der Freisinnigen Volkspartei mit dem weiblichen Freisinn wird nichi lange dauern; die Freisinnige Vereinigmrg läuft ja beständig de» Sozialdemokratie nach und sagt ttotz aller Fußtritte, die sie von de» Sozialdemottatie erhält, wie Philine in„Wilhelm Meister": „Wenn ich Dich lieb habe, was geht's Dich a» I" De» Gedanke einer konservativ-liberalen Paarung hat gewiß etwas für sich, aber das Bild ist etwas schief gewählt; man denkt dabei unwillkürlich an den Wechselbalg, der dabei herauskommt.(Große Heiterkeit.) Die Freisinnigen haben die Aufgabe, das Veraltet» hinwegzuräumen.(Sehr richttgl links.) In dieser Be ziehung haben sie ihre Aufgabe wohl getan; Positives aber haben sie nicht geleistet.-(Lebhafter Widerspruch und Zu- rufe bei den Frcisiilnigen.) Sie habe»» das Deutsche Reich geschaffen?(Große Heiterkeit rechts.) Das hat das deutsche Bolksheer getan, für das Ihre Vorgänger die Mittel nicht bewilligen wollten.(Lebhaste Zustimmung rechts.) Dic Konservativen wieder sorgen für die Erhaltung des Alten, und daraus ergibt sich die richtige Diagonale. Was nun die in Aussicht gestellten Gesetze anlangt, so halten wir eine Börsenreform nicht gerade für das dringendste. Die Börsianer fühlen sich so wohl wie die Made in» Speck— wenn man dieses Wort»in Zusainmenhang mit der Börse in den Mund nehmen darf.(Große Heiterkeit rechts.). Der Sieg, den die nattonalen Parteien errungen haben, isi gewiß erfreulich, aber wir sollten uns der Freude darüber nicht z>: sehr hingeben; wir feiern überhaupt zu viel Feste, rufen zu viel Viktoria. Die letzte Schlacht ist noch nicht geschlagen. Herr Bebel hat gelobt, die Scharte auszuwetzen und daß er tun wird, was er kann, darauf köni»ei» Sie sich verlassen; denn seine ganze LebrnS- arbeit steht auf dem Spiele. Ich hoffe, daß auch die bürgerlichen Parteien in gemeinsamer Schlachtlmie gegen die Sozialdemokratie und ihren Anhang auf dem Posten sein lverden, von Norman»» bis zu Mugdan, der am besten den Richtorschcn Haß gegen die Sozial- dcmokratie verkörpert. Wir werden um der Liebe zu unserem deutschen Volke willen, um der Treue zu Kaiser.und Reich willen unsere Pflicht in diesem Kampfe tun.(Bravo l rechts.) Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel: Meine Ausführungen über die Lex Trimborn sind bemängelt»vorden,»»nd man hat es so hingestellt, als wenn>i»»r diese Ansammlung von Mitteln für dic Wittwen- und Waisen Versicherung ein Dorn im Auge wäre. DaS ist ein Jrrtlnn. Ich habe zwar keinen Zweifel darüber gelassen, daß diese Thesauriernng für ui»s eme schwere Last bedeutet, aber ich habe auch betont, daß, nachdem bas Deutsche Reich einmal diese Ver- pflichtung übernommen habe, wir auch unter allen Uniständen durch- halten müßten. Ich habe aber die Erwartung ausgesprochen, daß der Reichstag dafür sorgen lverde,— entsprechend den Jntenttonen des Reichstages von 1002—, daß nicht die ganzen 48 Millionen durch die Matrikularbciträge der Einzelstaaten ausgebracht werden müssen, wie das bei der jetzigen Finanzlage notwendig wäre. Hierauf vertagt sich das Haus. Abg. Bebel(Soz.— persönliche Bemerkung): Auf mehrere Ausführungen des Abg. Gamp muß ich in einer persönlichen Bemerkung erwidern: Herr Gamp äußerte, ich hätte einen Vergleich zwischen der belgischen und der preußischen Schul- bildung gezogen. Das ist unrichtig. Ich habe Belgien nur in einer Beziehung zu Preußen gebracht, nämlich in bezug ailf das Vereins- und Versammlungsrecht, und habe gesagt: Wenn der deutsche Ar- beiter nach der Auffassung des Reichskanzlers der gebildetste der Welt sei, so müffe er auch daS gleiche freie Vereins- und VersammlungS« recht haben wie der belgische Arbeiter. Weiter hat Herr Gamp mir vorgeworfen, ich hätte die deutschen Beamten angegriffen. Auch das ist unrichtig;»ch habe gestern vo>» keiner Beamtenkategorie gesprochen. Drittens hat er bedauert, daß die sächsische Regierung mir in den OOiger Jahren ihre Kundschaft entzogen habe. Nicht die Regierung»st mein Kunde gewesen, sondern die sächsische Eisenbahnverwaltung. Ich füge übrigens hinzu, daß ein N i ch t e n t z i e h e n der Kundschaft auf meine Gesinnung nicht den geringsten Einfluß ausgeübt hätte. Der Abgeordnete Wiemer hat bestritten, daß der Block» kandidat Rechtsanwalt Weill in Karlsruhe im Auto auf den Dörfern herumgefahren sei, un»»n Zentruinskreise» für seine Wahl Stimmung u machen. Die Nachricht hat im„Badischen Beobachter", einem entrumSblatt. gestanden, von wo sie in sozialdemokratische CnSttft tlvergegangm ist. Ich wußte nicht, daß mittlerweile eine Berichtigung erfolgt ist. Ich will jedoch aus dieser Berichtigung nach dem»Badischen Beobachter" folgendes mitteilen: Herr Weill erllärte, daß die Fahrt den Besuch der Pfarrer nicht zum Haupt- zweck gehabt habe; er gibt aber zu, daß er auf Aw suchen eines langjährigen ZentrumZmitgliedes, welches ihm seine Stimme geben wollte, bei dem Pfarrer eine? Dorfes einen Besuch gemacht hat. Er habe demselben auseinandergesetzt, daß er nicht für einen neuen Kulturkamps und nicht für eine Trennung Von Staat und Kirche sei. Dieser Besuch war unzweifelhaft ein politischer und hatte dm Zweck, Stimmung für Weil! in Zentrums- kreisen zu machen. Auch erklärte Herr Weill, er würde, wenn er Zeit hätte, die Pfarrer anderer Dörfer aufsuchen l— Weiter hat Herr Wiemer erklärt, daß Herr Weill früher nicht Sozialdemokrat gewesen sei, sondern nur erklärt habe: er habe inden SOiger Jahren nur nehme von meinen gestrigen Ausfühnmgen auch nil�t ein Jota zurttch Dr. Friedrich Weill war in dm achtziger Jahren, sowohl als Student in Straßburg als nach seiner Rückkehr in Karlsruhe, Mitglied der sozialdemokratischm Partei, er unterstützte den„Offenburger Volks- freund", der damals aus bürgerlichen Händen in sozialdemokratische überging, mit seinen Mitteln. Auf seinen Rat hin ist auch dieser Uebergang erfolgt. Dr. Weill war sowohl meinem Freunde Dreesbach wie auch mir, der ich auf meinen Geschäftsreisen öfter in Karlsruhe war. sehr wohl bekannt, und eS war uns auch bekannt, daß er ganz all- gemein als Parteigenosse angesehen war. Er hat die Partei finanziell unterstützt und hat an dem sozialdemokratischen„Offenburger Volks- freund" mitgearbeitet.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Was will mau mehr?) Nächste Sitzung: Donnerstag t Uhr, Tagesordnung: t. Be- ratung des schleunigen Antrages aus Einstellung eines Straf- Verfahrens gegen den Wg> Stychel(Pole), 2. Fortsetzung der beutigen Beratung. Schluß 6% Uhr._ Hbgeötdnctenbaud* * 21. Sitzung. Mittwoch, den 27. Februar, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Dr. Delbrück.. Die Beratung des Etats der Berg-, Hüttsn- und Salinen- Verwaltung wird fortgesetzt. Die Abgg. Marx nassenschaften werde ich stets meine Aufmerksamkeit widmen. (Beifall.) Hierauf wird die weitere Beratung auf Donnerstag 11 Uhr vertagt. Schluß 5 Uhr._ Huö Industrie und Ftondel Zur wirtschaftliche» Lage. In unserem letzten Wochenbericht wiesen wir schon auf die un- günstige Situation auf dem Baumarkt hin. Die»Rhein.-Westf. Ztg." schreibt nun: „Es ist eine Tatsache, die man nicht länger verschweigen kann, daß die Geschäftstätigkeit und die Unternehmungslust vor allem im Baugewerbe sehr rasch im Sinken ist infolge der hohen Bank- rate. Die Berichte, die man von allen Seiten aus den Städten erhält, legen dar, daß die Neuanmeldungen von Häuserbauten erheblich im Rückgange begriffen sind. In allen modernen Kultur- ländern ist aber der Häuserbau das Entscheidende; Häuser ver- langen Steine, Ziegel, Kalk, Zement, Träger, Balken, Fenster und Türen, Tische und Stühle, Glas und Platten, kurz ungefähr alles, was überhaupt produziert wird. Stockt der Häuserbau, wie es jetzt bei uns der Fall ist, dann stockt bald das ganze Wirt- schastliche Leben." Das Blatt macht für die ungünstige Situation lediglich den hohen Diskontsatz verantwortlich. Vor kurzem wurde aber schon be richtet, daß die Händler sich teilweise etwas hoch eingedeckt haben, in der Befürchtung, event. später nicht ankommen zu können. Die hohen Preise halten nun aber die Nachfrage zurück. Die Zurück Haltung wird noch gestärtt durch das Abflauen der Eisenpreise auf den außerdeutschen Märkten. Zu alledem kommt noch, daß mit dem 1. April weitere Preissteigerungen in Kraft treten. Das sind Momente, die die Unternehmungslust mindestens ebenso stark be- einflussen wie der Bankdiskont._ Getreidrpreise in Deutschland und im Auslände. Das letzt- erschienene Vierteljahrsheft zur„Statistik des Deutschen Reiches' enthält eine Staristil der Roggen- und Weizenpreise an einer Anzahl deutscher und ftemder Börsenplätze im dritten Vierteljahr 1839—1936. Wir geben im nachstehenden die Zahlen des ersten und letzten Jahres der Periode für die wichtigsten Orte wieder.(Die angegebenen Preise verstehen sich für 1333 Kilogramm in Mark.) Roggen Weizen 1893 1906 1399 1306 Berlin... 146,2 155.6 155.1 176,9 Mannheim.. 167,3 168.S 177,6 195,9 Wien.... 125,1 114,0 164,6 144,0 Odessa... 131,1 94,1 123.7 118,2 Paris.... 111,7 181.6 159.9 188,6 Amsterdam.. 117,3 113,3 131,8 147,2 London 119,3 137,8 Chicago........... 109,6 113,6 Buenos AireS......... 83,9 123,7 Diese Zahlen zeigen mit aller wünschenswerten Deutlichkeit, daß Deutschland in bezua aus die Getreidepreise in der Tat den ersten Platz in der Welt emnimmt. ES hatte im dritten Quartal 1936 so- wohl die höchsten Roggen- alS auch(Mannheim) die höchsten Weizen- «eise. Daß eS sich mtt den Fleischpreisen genau ebenso verhält, ist n den letzten Monaten durch eine Reihe vergleichender Stattstiken zur Genüge dargetan worden. ES wird weiter gesteigert. Wie die ,K. V.-Ztg." erfährt, werden in der nächsten Sitzung des Beirats des Stahlverbandes die Preise für Träger« und Formeisen einer Erörterung unterzogen werden. Dabei ist angeregt worden, infolge der günstigen Lage oeS Marktes im Auslände, in diesem Zweige eine kleine.Preisänderung" eintreten zu lassen. PHSnix-Rorbstern. Die Generalversammlung der Phönix genehmigte den Antrag betreffend Uebernahme deS Nordstern" Die Aktionäre des Steinkohlenbergwerks Nordstern sollen für je 1230 M. ihrer Aktien nebst Dividendenscheinen für da» Jahr 1937 und folgende eine neue über 1230 M. lautende für das Geschäfts- ahr 1936/1937 zur Hälfte, von da ab voll dividendenberechtigte Aktie des Phönix und außerdem eine Barzahlung von 233 Proz. au» dem Nennbetrage ihrer Aktien erhalten Ferner wurde die Erhöhung des Aktienkapitals der Gesellschaft Phönix um 28 Mil- lionen Mark durch Ausgabe von 23 938 auf den Inhaber lautender für das Geschäftsjahr 1936/1937 zur Hälfte, von da ab voll »ividendenberechtigter Aktien, von denen 23 463 Stück über je 1203 M. und 3443 Stück über je 1330 M. lauten sollen, beschlossen. Soziales. Das Ende der Milchzentrale. AuS ist'S mit der Milchzenttale J �chon längst durfte man von ihr sagen, daß sie nicht mehr leben und doch auch noch nicht sterben konnte. Jetzt soll sie aber endlich doch zum Sterben kommen. Am Mittwoch haben die Genossenschafter in einer außerordent- lichen Generalversammlung die Auflösung der Milch zentrale beschlossen— und zwar einstimmig. Vom Vorstand wurde mitgeteilt, daß selbst nach der letzten, noch nicht durchgeftihrten Erhöhung der Geschäftsanteile auf 263 Mark die revidierte Bilanz zum 31. Januar 1937 noch eine Ueberschuldung in Höhe von 174 333 Mark aufweise. Die Liquidation würde daher nach der gesetzlichen Vorschrift ohne weiteres zum Konkurs führen, wenn nicht vorher durch erneute Erhöhung der Geschäftsanteile und Haftsummen für buchmäßige Ausgleichimg der Ueberschuldung gesorgt werde. Der Vorstand beantragte demgemäß, zunächst die Geschäftsanteile und Hastsummen(die ursprünglich 1 Mark bezw. 10 Mark betragen haben I)aufje 280 Mark zu erhöhen. Die General- Versammlung beschloß die beantragte Erhöhung der Ge- schäftsanteile und Haftsummen; gegen die Erhöhung erklärte sich eine Minderheit von nur 33 vezw. 81 Stimmen. ES wurde auch eine Kommission von drei Mitgliedern zur Revision der Geschäftsbücher eingesetzt. Der Auflösungsbeschluß soll statut- gemäß am 33. März wiederholt werden und damit zu einem end- gültigen werben. Nach durchaus unzutreffenden Behauptungen m der der Milch- zentrale nahe stehenden Preffe soll eine Gefahr deS völligen Zusammenbruches der Milchzentrale noch gar nicht vor- liegen. Die Liquidatton solle verhüten, daß infolge der bisherigen und der noch zu erwartenden Austritte von Mitgliedern aus der Milchzentrale eine Zusammenbruchsgefahr erst entstehe I ES wird sich zeigen, ob nicht sogar trotz der nochmaligen Erhöhung der Geschäfts« anteile und Haftsummen sich nicht wird vermeiden lassen, daß eS zum Konkurs kommt. Sind denn die zahlreichen Untergenossen« schaften und Kleinbauern überhaupt in der Lage, noch etwas in den unausfüllbaren Sumpf h, neinzuwerfen? Und wenn sie etwa dazu in der Lage sind, werden sie Lust dazu haben? Der Versuch der Agrarier mit der Milchzentrale mußte scheitern, weil die agrarische Leitung von vornherein al« bollig unfähig zur Wahrnehmung der Interessen der Bauern sich gezeigt hat. Viele Kleinbauern sind, wie wir eingehend dargelegt haben, durch das Treiben der Leiter der„Milch- zentrale* außerordentlich geschädigt. Außerordentlich zu bedauern ist, daß trotz de» offenbares Vorliegens des KonImSverfahrens die Staatsanwaltschaft— wie es scheint definitiv— abgelehnt hat. strafrechtlich einzuschreiten, weil der Leiter Ring verstorben und den übrigen zur Verantwortung gezogenen Personen, wiewohl sie ein vom Reichsgericht wiederholt als un- gesetzlich bezeichnetes Verfahren eingeschlagen haben, das rechts« widrige Bewußtsein nicht nachzuweisen ist. Die Angelegenheit hätte eine ö f f e n t l i ck> e Klarstellung dringend erfordert. Wäre das Gericht der Ansicht der Staatsanwaltschaft über den Mangel des Bewußtseins der Rechtswidrigkeit der Handlungen der Herren bei- getreten, so wäre gegen eine Freisprechung nichts einzuwenden ge- wesen. Im Gegenteil, dann wäre dadurch die Unfähigkeit der Herren zur Beobachtung und Einhaltung der Gesetze nicht nur durch einen Bescheid der Staatsanwaltschaft, sondern auch durch ein GericktS- urteil klargelegt. Auf die für den Mittelstand, insbesondere daS Kleinbauerntum ruinöse Wirkung dieser agrarischen Gründung be« halten wir uns vor, nochmals einzugehen. Auch die Er« h ö h u n g der Haftsumme ist eine arge Schädigung ber Bauern. Die.Milchzentrale" hat nicht nur zahlreichen wirklichen Bauem ungeheuere pekuniäre Nachteile gebracht. Sie ist auch ein Haupt« Hindernis an der Versorgung Berlins mit guter Milch und an der Gesundung der Milchproduktionsverhältnisse in der Provinz Brandenburg gewesen. Die„Milchzentrale" ist ein dauerndes Monument für agrarische, der Allgemeinheit und dem arbeitendes Bauern gleich schädliche Mißwirtschast. Sieben Personen in der Privatwohnung als Versammlung> Der sozialdemokratische Parteisekretär deS Re» gierungsbezirks Merseburg, Genosse Drescher. hatte zum 17. Juni 1936 zu einer Besprechung 15 Personen in die Wohnräume des Berginvaliden Probst in Mansfeld geladen. Sieben Personen fanden sich ein. Es wurde das Haller„Vollsblatt" aus« gelegt und eine gedruckte Abonnementseinladung. Zur Verlesung kam dann ein Auszug aus der Broschüre eines Pfarrers, der sich der Sozialdemokratie gegenüberstellt. Aus der Zeitung wurde ebenfalls vorgelesen, zu deren Abonnement auch mündlich aufgefordert worden sein soll. Das Landgericht Eisleben, vor dem als Be» rufungsinstanz sich später Drescher und Probst wegen Ueberttetung des preußischen Vereinsgesetzes zu verantworten hatten, nahm das wenigstens als festgestellt an. Ebenso erachtete es al« festgestellt, daß über die zukünftigen Wahlen gesprochen worden sei. Das Landgericht verurteilte die Angeklagten aus Grund der 88 1 und 12 des Vereinsgesctzes, weil eS sich, wenn von den 15 Ge« ladenen auch nur sieben gekommen seien, um eine Versammlung handele, die der Erörterung öffentlicher Angelegenheiten diente und die der Polizei hätte angemeldet werden müssen, waS nicht geschehen war.(Uebrigens waren Polizeibeamte eingedrungen und hatten»die Versammlung" aufgelöst.) DaS Kammergericht verwarf die von den An« «klagten eingelegteRevisionmit folgender Begründung: >aß es sich um eine„Versammlung" handelte, habe die Vor- instanz aus tatsächlichen Gründen bejaht. An die Feststellung, die ohne Rechtsirrtum erfolgte, sei der Senat gebunden. Und daß in der Versammlung öffentliche Angelegenheiten erörrert werden sollten und erörtert worden seien, wäre auch hinreichend festgestellt. Es genüge schon allein, daß über die zukünftigen Wahlen gesprochen sei. Das wären immer öffentliche Angelegenheiten. In dem bloßen Auslegen einer gedruckten Aufforderung zum ZeitungSabonnement sei allerdings keine„Erörterung" zu sehen. DaS habe daS Land« geeicht auch nicht feststellen wollen. Ohne Rechtsirrtum habe«S jedoch auch eine Erörterung öffentlicher Angelegenheiten gefunden in Sem Hinlegen in Verbindung mit dem Vorlesen auS der Zeitung unter Hervorhebung deS Politischen und in Verbindung mit der mündlichen Abonnementsaufforderung. Sind diese Ergebnisse der preußischen Rechtsprechung so zu« treffend, wie wir sie für unzutreffend erachten, so mag man den erwachsenen preußischen Staatsbürger als ein Wunder« exemplar ausstellen, der noch nicht gegen die so ausgelegten ßZ 11 und 12 des VereinSgesetzeö gefehlt hat. Gibt es konservative und nationalliberale Beamte, Richter, Lehrer oder Offiziere, Mitglieder deS Flottenvereins, des Vereins zur Bekämpfung ver Sozialdemo» kratie usw., die über die Wahlen oder irgend ein anderes politisches Thema in Privatwohnungen, am Bierttsch oder sonst„unangemeldet" nicht gesprochen oder einem solchen politischen Gespräch nicht zu« gehört haben? Nach der von dem Kammergericht für richtig erachteten Auslegung müßte gegen sie alle straftechllich auf Grund des Vereins- gesetzes vorgegangen werden. Ein Gesetz, das solche Ergebnisse zeitigt, zeigt seine Unverträglichkeit mit den heutigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Versammlungen. Sechster Wahlkreis. Die Genossen der Schönhauser vor» stadt hielten am Dienstag in den„Berolinasälen" eine Bezirks- Versammlung des Wahlvereins ab, woselbst Genosse Stückten» Altcnburg über den„Ausfall und die Lehren der letzten Reichstags- wähl" sprach. Redner führte u. a. aus, daß die Mandatseinbuße wohl allen Genossen ziemlich unerwartet gekommen sei. Nach dem meistens überaus starken Versammlungsbesuch während der ganzen Wahlkampagne zu urteilen, konnte man eher mit einer Startung als einer Schwächung der sozialdemokratischen ReichStagifraktion rechnen. Doch es habe sich gezeigt, daß es vorwiegend unsere eigenen Genossen gewesen sind, die sich an dem ständig guten Besuch der Versammlungen so rege beteiligten. Wenn nun auch manche Hoffnung getäuscht worden ist, so werde der Jubel der bürgerlichen Parteien über unsere Wahlschlappe doch bald wieder verstummen, denn die Werbekraft der sozialdemokratischen Ideen habe, wie unsere Stimmenzunahme beweist, um nichts eingebüßt. Entschieden zu verurteilen sei es, daß einige Genossen, noch ehe özusagen die Tinte der ersten Wahltelcgramme trocken war, nichts Sesseres zu tun wußten, als sich in einer wenig geschmackvollen Kritik an der Parteitaktik zu ergehen. Seiner Meinung nach habe „Dresden" absolut keinen Einfluß auf den Wahlausfall auS» geübt. Auch dem sogenannten Abstoß der Intellektuellen könne er ieine Bedeutung zumessen. An dem Vorwurf, daß die Mitläufer von 1933 nicht genügend in sozialdemokratischem Geiste erzogen eien, möge ein Körnchen Wahrheit sein, doch müss-e bedacht werden, daß die Sozialdemokratie im wesentlichen eine proletarische Partei ist, die auf d�m Boden des Klassenkampfes steht. Dieser Umstand mache den zeitweisen Abfall der Mitläufer erklärlich. Redner besprach dann eingehend die skrupellose Agitation der bürgerlichen Parteien, die mit amtlicher Unterstützung und unter Assistenz des Reichslü�enverbandeS in ihrem Haß gegen die Sozial- demokratie wohl so ziemlich alles außer Acht gelassen haben, was man als politischen Anstand bezeichnen müsse. Um der Sozial- demokratie auch jetzt noch das Wasser abzugraben, bringen die Gegner eine Reihe sozialpolitischer Anträge ein, die von der sozial- demokratischen Fraktion schon vor Jahren gestellt worden sind, damals aber von den bürgerlichen Parteien abgelehnt wurden. Dieses Manöver der Gegner charakterisiere sich von vornherein als Spiegelfechterei. Was nun die Lehren des Wahlkampfes an- belange, so müßten die Genossen künftig die ganze Wucht der Agitation auf die Hauptwahlcn legen, denn die Stichwahlen würden bei dem zu erwartenden Zusammenschluß aller bürgerlichen Par- tcien gegen die Sozialdemokratie immer aussichtsloser für uns. Vor allem aber müsse jetzt das Hauptaugenmerk auf den Ausbau der Organisationen gerichtet werden. Unsere Kraft steckt in der geschulten Masse, nicht in der Zahl der Mandate, so nützlich und angenehm diese auch sein mögen. Die Voraussetzung künftiger Siege sei einzig und allein eine gute sozialdemokratische Organi» ätion.(Lebhafter Beifall.) Von einer Diskussion nahm die Ver» ammlung Abstand. Nach einem kurzen Mahnwort des Vorsitzenden H a u S. die Worte deS Referenten zu beherzigen, wurde die Ver» 'ammlung mit einem Hoch auf die Partei geschlossen. Zentralverband ber Konditoren. Donnerstag, dm SS. Februar, abend» S'/, Uhr, im Englischen Barten, Alexanderstr. S7o: Außerordentliche Mitglied erveasainmlung.* Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Rebattion dem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, 28. Februar. Anfang 7, Uhr. Kgl. Opernhaus. Tristan und Ifolde.( Anfang 7 Uhr.) Kgl. Schauspielhaus. Wallensteins Rager. Die Piccolomini. Deutsches. Romeo und Julla. Kammerspiele. Das Friedensfeft. ( Anfang 8 Uhr.) Leffing. Mieze und Maria. Westen. Der Trompeter bon Sattingen. Lorking. Eremiten. Das Glöckchen des Anfang 8 Uhr. Schiller 0.( Wallner- Theater.) Die Räuber. Schiller Theater Charlottenburg. Der Kaiserjäger. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Die bon Hochfattet. Komische Oper. Hoffmanns Er. zählungen. Berliner. Sherlock Holmes. Zentral. Der Milliardär. Neues Schauspielhaus. Herthas Hochzeit. Kleines. Die Kralle. Neues. La Robe Rouge. Nesidenz. Haben Sie nichts zu berzollen? Lustspielbans. Husarenfieber. Deutsch Amerikanisches. Sorgenbrecher. Thalia. Eine luftige Doppelehe. Luisen. Der Hüttenbefizer. Trianon. Frau. Frl. Josette Der meine Bernhard Rose. Sherlod Holmes. Metropol. Der Teufel lacht bazu. Gebr. Herrnfeld. Ein berrüdtes Hotel. Wintergarten. Spezialitäten. Dito Reutter. Apollo. Bernhard Mörbik. Spe. zialitäten. Kasino. Ledige Leute. Spezialität. Folies Caprice. Im Café Abelles. Ein Klabriasprozeß. Paffage. Spezialitäten. Prater Theater. Philippine Welfer. Figaro. Hochzeitsnacht. Sein Jdeal. Ratastrophe. Unterm Bett. ( Anfang 8%, Uhr.) Walhalla. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Zaubenstraße 48/49. 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr: Dr. B. Donath: Wechselstrom und Drehstrom. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Anfang 8 Uhr. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater). Schiller- Theater Charlottenburg. Donnerstag, abends8Uhr: Donnerstag abends 8Uhr: Die Räuber. Schauspiel in 5 Aufzügen von Friedrich Schiller. Freitag, abends 8 Uhr: Jugend. Sonnabend, abends 8ubr: Bum erstenmal: Narrenglanz. Der Kaiserjäger. Komödie in 3 Aufz. v. Hans Brennert und Hans Ostwald. Freitag, abends 8 Uhr: Die Verschwörung des Fiesko zu Genua. Sonnabend, abends 8 Uhr: Im bunten Rock. Zirkus Busch 7, Uhr. Heute, Donnerstag, den 28. Februar 1907: 7%, Uhr. Das große Gala- Programm, sowie Rom Großes Orig.- Manege- Schaustück in 7 Bildern. Morgen Freitag, den 1. März, und folgende Tage: Große internationale Ringkampf- Sonderkonkurrenz um die Siegesprämie von 10 000 Mark. Dem Sieger ferner als Ehrenpreis ein großer Gold= Pokal. gestiftet von der Sportredaktion der Zeitschrift: ,, Das Deutsche Blatt". Ehrenprotektorat: Herr Professor Reinhold Begas. Padoubny, WeltBisher fest verpflichtet: Fritz Müller, meisterschaftsring, Süddeutschland. 1905/6 Paris und Petersburg. Cazeaux de la Bastide gen. le Terrible, Meisterringer von Bordeaux. Redjeb Pengal, Erster Zipps, Nordamerika. Kara Safi, Adrianopel. Siegfried, Deutschland. L. Vrancken Champion d. Türkei.( Gambier II) Belgien. Jess. Pedersen, Däne- Aimable de la Calmette mark, Weltmeisterringer, Paris 1903/4, Champion von Südfrankreich. Paul Albano, Schweiz. Aimable jeune, Marseille. Anglio, Martinique. Jos. Smejkal, z. Z. erst. Meisterschaftsringer von Böhmen. Esson, Champion von Schottland. Kasuma, Japan. Nollet de Collineur, Gascogne. Jaroslaw, Polen. Ferner stehen in Unterhandlung: Pugatschow Kaukasus). John Pohl- Abs, Cyganiewicz Zbysko, Weltmeisterschafts-( gen. der Riese des Meisterschaftsring. ringer von Polen. von Deutschland. Die Kämpfe werden unter strengster Kontrolle der Presse und des Schiedsgerichts ausgefochten, und wird jeder Ringer, welcher sich einer Unreellität schuldig macht, unnachsichtlich disqualifiziert. Urania. Metropol- Theater Wissenschaftliches Theater. 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr Dr. B. Donath: Wechselstrom und Drehstrom. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Anfang 8 Uhr. Sherlock Holmes Beneffa für Serrn Fritz Kiedaisch: Freitag, Sonnabend: Der Hund von Baskerville. Neues Schauspielhaus Der Hüttenbesitzer. Schauspiel in 4 Aufzügen von George Dhnet, Morgen: Der Erbe von Baskerville. Sonnabend 4 Uhr: Sneewittchen. Abends 8 Uhr: Der lange Sterl. Donnerstag, den 28. Februar 1907: Sonntag 3 Uhr: Der Erbe v. Baster Herthas Hochzeit. Anfang 8 Uhr. Freitag Gastspiel Josef Kainz: Faust. 1. Zell. Anfang 7 Uhr. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Auf allerhöchsten Befehl: La Robe rouge. Suzanne Desprès. Freitag: Rosine. Suzanne Desprès. Sonnabend: Gioconda. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Die Kralle. Freitag zum 178. Male: tdealer Gatte. Sonnabend: Die Kralle. Gin Sonntag nachm. 3 Uhr: Machtashl. Abends 8 Uhr: Die Kralle. Lortzing Theater. Bellealliancestr. 7/8. Abends 7, Uhr zum erstenmal: bille. 8 Uhr: Der Hüttenbefizer. Abends 8 Uhr: DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurterstr. 132. Abends 8 Uhr: Sherlock Holmes. Billettvorverkauf schon für 8 Tage borher ohne Vorverkaufsgebühr von 10-1 Uhr und 6-9 Uhr an der Theatertaffe. Sonnabend Benefiz für den Regiffeur Hugo Hummel: Marianne, ein Weib aus dem Volte. Opollo 10 Uhr Theater Täglich 10 Uhr Bernhard Mörbitz als Baulchen auf der Wanderschaft. Außerdem: Letztes Auftreten der Februar- Attraktionen. Sonnabend, den 2. März: Zum erstenmal: Ali ben Mocca. Folies Caprice. Linienftr. 132, an der Friedrichstr. Heute abend 8 Uhr: 10 000 Gulden Mitgift. Glänzend neuer Soloteil: Im Inspektionszimmer. Borverkauf an der Theaterkasse und bei Wertheim. Freie Volksbühne Sonntag, den 3. März cr., nachmittags 3 Uhr: Neues Schauspielhaus. Berliner Theater. Abteilung: Weh' dem, der lugt. Baumeister Soine. MÄRZ- FEST Sonnabend, den 16. März, Friedrichshain- Brauerei ( zehnjähriges Stiftungsfest seit der im März 1897 erfolgten Wiedereröffnung der Freien Volksbühne" nach der 1895 erfolgten Suspendierung durch die Generalversammlung). Künstler- Konzert ausgeführt von dem Mozartsaal- Orchester unter Leitung des Herrn Hofkapellmeisters Paul Prill. Festrede und Rezitation. Festmarken a 60 Pf. sind in allen Zahlstellen bei vorheriger Bestellung zu haben. im Rathause 22. Kunstabend Sonnabend, den 2. März, 8%, Uhr, Dr. Leopold Hirschberg über: Gluck, mit pianistischen u. gesanglichen Erläuterungen. 228/10 Der Vorstand. I. Vertr.: G. Winkler. W. Noacks Theater. ZirkusSchumann Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Große Extra- Vorstellung. Bum 1. Male: Hexen- Hans. Schauspiel in 5 Atten von H. Hersch. Anf. 8 Uhr. Entree 30 Pf. Ball. Freitag u. Sonnabend: Geschlossen. Palast- Theater. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Heute 8 Uhr. Entree 50 Pf. Der auserlesene Februarspielplan a. a.: Die 3 Harders, Könige der Luft. Grete Füllgraf, Heute Donnerstag, den 28. d. Mts.: Elite- Abend. Gala- Programm. Größtes Pracht Richard Sawades Raubtiergruppe St. Hubertus Magenweltberühmte und Schaustück. Morgen Freitag, den 1. März: Beginn der Großen Internationalen Ringkampf- Konkurrenz um den Goldenen Kranz von Berlin Der Teufel lacht dazu. Bomitenball. 10000 Mark Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Familienkarten, wochentags zum Viktor Hollaender. Dirigent Max halben Staffenpreis gültig, in Barbier, Roth. In Szene gesetzt bar. und 1. Preis 5000 Mart. 2. Breis 3000 3. Preis 1250 4. Preis 750 Bisher haben sich folgende namhafte Stinger gemeldet: Albin Kutsohke ringer von Europa 1904-1905 Pietro le Basque von Friseur. u. Bigarrengefchäften gratis. Jacob Koch, Deutschland, Perouse Direktor Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender. Giample tro. Josephi. Rauchen überall gestattet.. Sonntag, 3. März, nachm. 3 Uhr: Stadt- Theater Moabit Alt- Moabit 47/49. Auf in's Metropol. Gastspiel Bernhard Rose- Theater. Der Herr Stadtmusikus WIN BARTEN Letzte Georg Oettinger, Weifteringer von Fritz Müller Clement le Boucher. Schackmann Württemberg Paul Moldt Frankreich Sabes. Deutschland Enrico Bouchioni .Frankreich Leipzig Spanien Bayern Berlin Frankreich Italien Holland Württemberg Paul Bahn, Meifterringer bon Bremen Dirg van den Berg, Champion bon Milo Marinus van Riel Le Colosse und seine Kapelle. Heinr. Lobmayer Boltsstüd mit Gesang in 5 Aufzügen. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Billettvorverkauf bei Krüger& Oberbeck, Turm- u. Beusselstraßen- Ede, sowie im Restaurant d. Stadt- Theaters. Gebr. Herrnfeld Vorstellung Passage- Theater. ng. Theater Borbert. 8 Uhr: 11-2 Uhr 57 Kommandantenstr. 57. Die stürmisch bejubelte Novität Ein verrücktes Hotel Somödie in 3 Atten mit den Autoren A. und D. Herrnfeld in den Hauptrollen. Sonntag, den 3. März, nachmittags 3, Uhr, b. halben Staffenpreisen: Hausierer Jockell und Die letzte Ehre mit A. und D. Herrnfeld. des Heute Donnerstag, 28. februar, zum 23. Male: Februar- Programms. Mal was Anderes! Letztes Auftreten von Otto Reutter. Walhalla Varieté Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Nur noch wenige Tage: Die vorzüg lichen Bosse von Leop. Ely. Josefine Dora, Georg Kaiser, Martin Bendix, Ernst Kettner. Ferner: Die glänzenden Februar: Spezialitäten. Deutsch- Amerikanisches Theater, 8 Uhr:( Oper und Operette). Gastspiel des Theaters des Westens. ,, Cousin Bobby". Edmund Löwe a. G. Sonntag 3 Uhr, halbe Preise: Zar und Zimmermann. 15 15 Kasino- Theater Februar Spezialitäten Anfang 8 Uhr. Das Glöckchen des Eremiten. Verband der Wäsche- und Krawattenarbeiter Abonnements gültig! Freitag: Der Mikado. Lustspielhaus. Täglich abends 8 Uhr: Filiale und Arbeiterinnen Deutschlands( Berlin). Sonnabend, den 2. März 1907: Sufarenfieber. Gr.Berliner Maskenball Zentral- Theater. ( Operette.) 8 Uhr: Der Milliardär. Freitag: Die Fledermaus. Schiller- Theater N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Die von Hochsattel. Residenz- Theater. in den Gesamträumen von 2. Kellers Festsälen, Koppenstr. 29( Jnh.: A. Freyer). Um 11,58 Uhr: Demaskierung. Gr. Pause. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch kurze Zeit: Ledige Leute und das brillante Februarprogramm. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Prater- Theater Kastanien Allee 7-9. 3 Heute abend 8 Uhr: Der Veilchenfresser. Lustspiel in 4 Atten von G. v. Moser. Morgen: Die junge Garde. Buchhandlung Vorwärts Während derselben: Reigenfahren, ausgeführt von Mitgliedern des Arbeiter- Radfahrer- Bundes Solidarität“. Im Tunnel, auf den Galerien Berlin SW. 68. und in den Bandelgängen: Gr. Berliner Rummel. Die Mit bom start befetten Doppel- Drchester ausgeführt. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Schwant in 3 Atten b. M. Hennequin bei und Pierre Beber. Einlaßkarte 1, Mark. Anfang 8,35 Uhr. Ende?? wird 17856 Wir bitten, möglichst in origineller Maske zu erscheinen. Dem Fest entsprechende Kopfbedeckungen sind am Blake. Billetts find in allen Zahlstellen, bei den Komiteemitgliedern sowie sämtlichen Vertrauenspersonen und mit Blakaten belegten Handlungen zu haben. Da uns die gesamten Räume bei Freher( vormals Keller) Verfügung stehen, erwarten wir rege Beteiligung. Robert de Trivelin: Rich. Alexander. zur Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Schlafwagenkontroleur. Alle Freunde und Bekannte sind ergebenft eingeladen. Der Borstand. 8.: il. Eue. Bureau: Neue Stönigftr. 7. Lindenstraße 69. Ziele und Wege Erläuterungen der fozialdemokratifchen Gegenwartsforderungen Unter Mitarbeit bon Hugo Lindemann, Max Süßheim, Friedrich Stampfer und Klara Zetkin herausgegeben von Adolf Braun Breis 20 Bf. Borto 5 Bf. Italien Amsterdam Eduard Ritzler. Frankreich Paul Pons, Weltmeisterringer von Steiermart Frankreich von Afrika Albert Sturm Charlottenburg von Böhmen Axel Krook, Champion von Schweden Rußland Iwan Romanoff, Champion v. Rußland Frankreich Bambulos, Champion von Westindien Türkei Huismann. Amalhou, Champion Wenzel Kruba, Champion Chemjakin Limousin Karaman, Champion der Omer de Boullion, Champion b. Belgien Clement le Terrassier Dänemart Parigol. Joss Hansen. England B Belgien • Spanien • Ursusjankowsky, Champion von Bolen Victor Marchand..Frankreich Laurent de Lyon .Frankreich Weitere Meldungen stehen noch aus. Die Teilnahme an der Konkurrenz steht jedem erstklassigen Ringer von Beruf frei. Ausstellungs- Hallen AM ZOOLOGISCHEN GARTEN Populäre Konzerte unter persönlicher Leitung der Komponisten und Mitwirkung erster Solisten DONNERSTAG, 28. Februar, 8 Uhr: EINÖDSHOFER SONNTAG, den 3. März, 7 Uhr: EINÖDSHOFER SONNTAG, den 10. März, 7 Uhr: VICTOR HOLLÄNDER SONNABEND, den 23. März, 8 Uhr: VICTOR HOLLÄNDER SONNTAG, den 31. März, 7 Uhr: VICTOR HOLLÄNDER MONTAG, den 1. April, 7 Uhr: VICTOR HOLLÄNDER Parkett| Mark Balkon Parkettfanteuil. 2 Mk. Stehplata. 2 Mk. 50 Pf. . Billetts bei Bote& Bock, A. Wertheim, Leipziger Straße, und an der Abendkasse. 4011L Achtung! Achtung! Deutscher Metallarheiter- Verband. Gast- u. Schankwirte Lichtenbergs! Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Bimmer 34, Amt 4, 3353. Engel- Ufer 15. Bimmer 1-5, Amt 4, 9679 Freitag, den 1. März, nachmittags 4 Uhr, im Saale des Schwarzen Adler in Lichtenberg, Frankfurter Chaussee 5/6: Sonntag, den 3. März, vorm. von 9-1 Uhr Oeffentliche Versammlung. findet in Tages- Ordnung: 1. Wie stellen sich die Gast- und Schankwirte Lichtenbergs zu der am Drte bestehenden kommunalen Sonderbesteuerung des Gastwirtegewerbes? 2. Diskussion.- Das Erscheinen jedes Gastwirtes ist Ehrenpflicht. Der Einberufer. Ausführung des Beschlusses der GeneralVersammlung vom 24. Februar die Wahl 17925 der Angestellten unseres Bureaus in folgenden Lokalen statt: Milbrodts Gesellschaftshaus, Müllerstr. 7. Bernhard Rose- Theater, Badstr. 58. Wernaus Festsäle, Schwedterstr. 23. Boekers Festsäle, Weberstr. 17. Graumanns Festsäle, Naunynstr. 27. Wiemers Restaurant, Bülowstr. 58. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/49. Kranken- Unterstützungsbund der Schneider. Freitag, den 1. März, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer Nr. 15, Gaal 7: Versammlung. Zages Ordnung: Abrechnung vom 4. Duartnl. 2. Sassenangelegenheiten. Die Ortsverwaltung. 17835 Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Heute Donnerstag, den 28. Februar, vormittags 10 Uhr: Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Nachricht, daß mein guter Mann, unser treu sorgender Vater, der Schriftgießer Fritz Siewert infolge Schlaganfalles verstorben ist. plöglich 17445 am Um stilles Beileid bitten Die trauernde Witte MinnaSiewert nebst Kindern. Rigdorf, Münchenerstr. 45. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 28. Februar, nachmittags 43, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jerusalemer Kirchhofes, Rixdorf, Hermannstraße, aus statt. Deutscher Holzarbeiter- Verband Nachruf. Am Sonnabend, 23. Februar, verschied der Perlmutt- Arbeiter Hermann Vogt. Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. 81/12 Metzdorf in Charlottenburg, Potsdamerstr. 44. Versammlung der Ausgesperrten Verband der Tapezierer. Thiel in Rixdorf, Bergstr. 152. Fritsch in Steglitz, Florastr. 2a. Böhle in Spandau, Neumeisterstr. 5. Kaufhold in Ober- Schöneweide, Wilhelminenhofstr. 18. Tempel in Rummelsburg, Alt- Boxhagen 56. Hellwig in Köpenick, Schönerlinderstr. 5. in der Neuen Welt, Hasenheide 108/114. Heute Donnerstag, den 28. Februar, nachmittags 123 Uhr: der Schmutz in Weißensee, König- Chaussee 38. Gehlhaar in Tegel, Berlinerstr. 92. Ohne Mitgliedsbuch kann niemand wählen. Die Stimmzettel werden am Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Versammlung arbeitslosen Tischler, Drechsler, Polierer Achtung! und Maschinenarbeiter im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15. Die Ortsverwaltung. Bautischler. Achtung! Wahlleiter ist der Kollege Josef Hartmann, Engel- llfer 15 I. Sonntag, den 3. März, vormittags 10 Uhr, in den Germaniasälen", 114/1 Die Ortsverwaltung. Reichshallen- Theater. Zahn- Klinik, G. Anders Stettiner Sänger. Anfang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Reichshallen- Restaurant Bockbler- Fest. Trianon- Theater. 8 Uhr. Frankfurter Allee 153 Sprechz. 2-8, Sonnt. 9-1. Plomben, künstl.Zähne, schmerzlos. Zahnziehen. Maskenanzüge berleiht Quanter, Charlottenburg, Wallstr. 35. Hygienische Bodarfsartikel. Neuest. Katalog D. Empfehl.viel Aerzte u.Prof. grat. u. H. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. Friedrichstrasse 91/92. Chauffeeftr. 103: Versammlung der Bautischler Berlins und Umgegend. Tages Ordnung: 1. Die toeitere Stellungnahme der Bautischler zur Aussperrung. 2. Diskussion. 3. Bericht der Kommission. Die in Arbeit stehenden, wie die ausgesperrten Kollegen find * verpflichtet, an dieser Versammlung teil zu nehmen. Mitgliedsbuch legitimiert. J. A. Karl Reichel. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Charlottenburg. Die Versammlung findet umständehalber nicht am Donnerstag, den 28. Febrnar, sondern Donnerstag, den 7. März statt. 81/10 Fräulein Josette eine Frau Zentralverein der Bildhauer Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Liebesschaukel. Sanssouci Rottbufer straße 4a. Direktion Wilhelm Reimer. Sonnt., Mont., Donnerst.: Hoffmanns Nordd. Sänger. Jubelnder Beifall! Eine Berlobung zur Biedermeierzeit. Operette in 1 Att. Sonnt. Bg. 5, Wochent.8 1. Nächsten Dienstag: Theaterabend. Goltzstr. 9 Schöneberg, Goltzstr. 9 Gustav Behrens Theater früher Schöneberger Wintergarten. 密 Ex Eröffnung Sonnabend, 2. März mit einem erstklassigen Programm. Sarg- Magazin Albert Farchmin NW., Stephanstr. 56, NW. Großes Lager sämtlicher Sorten Särge zu den billigsten Preisen. Eigene Werkstätten! Verwaltung Berlin. Dienstag, 5. März, abends 8 Uhr, Engelufer 15, großer Saal: ( Filiale Berlin.) Am Montag verstarb unser Mitglied E. Freund. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, auf dem Kirchhofe der PiusGemeinde in Wilhelmsberg statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet 177/10 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Tode meines lieben Mannes sage ich allen Beteiligten, insbesondere den Genoffen und Genofsinnen des 6. Berliner Reichstags Wahlkreises, Bezirk 749, sowie dem Gesangverein Morgenrot" meinen innigsten Dant. 17816 Luise Steinkopf nebst Kindern. 1 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange meines lieben Mannes sage ich hiermit allen meinen besten Dant. 17876 Wwe. Anna Wuttig. Danksagung. Allen Teilnehmern für die zahl reiche Beteiligung und die Kranz fpenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und unjerer guten Mutter, insbesondere dem Stattlub 1906", Statflub Treff" und dem Frauenverein unseren tiefgefühlten Dant. 40512 Paul Klopsch nebst Kindern. Prinzen Holzbildhauer- Versammlung. Dr. Simmel, Aeußerst wichtige Tagesordnung, die das Erscheinen sämtlicher Kollegen notwendig macht. 3/ 5Spezialarzt für Hant- und Harnleiden. Die Kollegen in Bildhauereien haben Arbeiten aus bestreiften oder aussperrenden Betrieben 10-2, 5-7 Somtags 10-12, 2-4. unbedingt zurückzuweisen. Bei zweifelhafter Arbeit ist sofort im Bureau Meldung zu erstatten. Kollegen, welche anderweitig in Arbeit treten, dürfen dieses nur nach vorheriger Verständigung Maybachufer 31, 201 mit unterzeichneter Kommission. Die Agitationskommission. Verband der Tapezierer. H.Kinze Für bestes u. trockenes Material garantiert! Filiale Berlin. Freitag, den 1. März, abends 8 Uhr, in den Sophiensälen, Sophienstr. 17/18: Wohnung, M., Lichtenrade 20 Pf.- Tour! Quadratmeter 20 M. bertauft Eigentümer Paris, Berlin, Graunstr. 27, Ece Gleimstraße. Auch bei monatl. Raten von 40-50 M. 17865* Inventur- Verkauf Nur einmal jährlich! Mitglieder- Versammlung. teppdecken Zages Ordnung: Unsere Bewegung. Mitgliedsbuch legitimiert. Dhne dasselbe kein Zutritt. Erprobt und bewährt! 3863L Die Ortsverwaltung. Spiritus- GlühlichtLampen und Brenner. Centrale für Spiritus- Verwerthung BERLIN NW. 7, Friedrichstr. 96, gegenüber dem Central- Hotel. Illustrierte Preisliste kostenlos! 177/9 Möbelfabrik Julius Apelt, Tischlermeister, Berlin SO., Skalitzerstr. 6, am Kottbuser Tor. Wegen Umzug: Zurückgesetzte Möbel bedeutend billiger. Ab Mitte März: Vergrößerte Geschäftsräume: Adalbertstraße 6, am Kottbuser Tor. Spezialhaus Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Köpenicker Viertel. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Töpfer Paul Goerke wohnhaft Schlesischestraße 25, Stadtbezirk 107b, W.- Bez. 208, berstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 1. März, nachmittags 31,2 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 242/19 Der Vorstand. Zentral- Verband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Todes- Anzeige. Am Dienstag, den 26. d. M., verstarb der Kollege Paul Goerke ( Bezirk SO.) im Alter von 34 Jahren an der Lungenschwindsucht. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 1. März, nachmittags 32 Uhr, von der Leichen halle des Emmaus- Kirchhofes in Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 195/10 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Rummelsburg. Todes- Anzeige. Am Dienstag, den 26. Februar, verschied nach schwerem Leiden der Genoffe Hermann Panthen. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 1. März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Rummelsburger Kirchhofes aus 8/2 Um rege Beteiligung ersucht ſtatt. Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Hermann Panthen am 26. Februar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 1. März, nach mittags 3 Uhr, bon der Leichenhalle des Rummelsburger Stirchhofes, Neue Brinz bertstraße, aus ftatt. 81/14 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Verband der Sattler Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Stollege Otto Tamaschke ( Werkstatt Elias Goldschmidt) am 24. Februar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 28. Februar, nachmittags 41hr, von der Leichenhalle des Friedhofes in Buch aus ftatt. Bahlreiche Beteiligung erwartet 156/14 Die Ortsverwaltung. Deutscher Emil Lefèvre, Holzarbeiter- Verband Berlin Süd. Seit 1882 nur Oranienstr. 158 halte Unter- nirgends Filialen! Sonderangebote Similiseide 525 750 in den Farben rot, Wollatlasa, 1675 850 Bunte NormalSchlafdecken 150 250 350 Wolldecken ganz dick 300 400 Reisedecken 6.8.10 ( engl.) getigert Inventur- Extraliste gratis u. Katalog mit ca. 600 Illustrat. und franko Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Stollege, Tischler Karl Fuhrmann am 25. Februar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, den 28. Februar, nachmittags 31, Uhr, von der Leichenhalle des Auferstehungs- Stirchhofes, Beißenfee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 81/13 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein braver Mann, unser treuer, fürs forgender Bater Karl Manecke nach furzem schweren Leiden tm 56. Lebensjahr fanft entschlafen ist. Um stilles Beileid bitten die trauernde Witwe Antonie Manecke nebft Stindern Alfred und Gustav. Die Beerdigung findet am Freitag, den 1. März, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes, Rigdorf, aus statt. 17965 Berantwortlicher Redakteur: Kans Weber, Berlin. Für benferatenteil verantwv.: Th. Glade, Berlin. Drud u. Berlag: Bortväri udbruderei u. Berlaosanstalt Boul Singer& Co., Berlin SW |r. 50. 24. 2. Kilm des JoimIö" Kerlim üolMIttt Donnerstag, 28. Februar 1907. Hus der Partei. Parteiliteratur. Im Verlage van I. H. SB. Dietz Nachf. in Stuttgart ist soeben erschienen: Charles Fourier. Sein Leben und seine Theorien. Von A. Bebel. Mit einem Porträt Fouriers und einer Abbildung des Phalansteres. Dritte Auflage. Im nächsten Jahre— 1908— werden es hundert Jahre, daß Fouriers erstes Werk:„Ds. Tlieoris des Mouvements et des destinees generales"(Die Lehre von den vier Bewegungen und den allgemeinen Bestimmungen) erschien. Was Fouriers Gedankenausführungen Dauer verleiht und den Leser immer aufs neue anregt, ist die scharfe Kritik, die er an der bürgerlichen Gesellschaft und all' ihren Erscheinungen übte und die Ausblicke, die sein Scharfsinn für gar manche wichtige soziale Ein« richtung in der Zukunft der Menschheit formulierte. Frappierend ist auch seine Voraussage über den Charakter, den in verschiedenen Phasen gewisse Einrichtungen und Erscheinungen der Gesellschaft aufprägen. So wenn er in der vierten Phase der EntWickelung der Zivilisation als Angelpunkt der Periode die industrielle Feudalität bezeichnet, und als ihr Gegengewicht die Monopolwirtschast, und als Ton oder Stimmung der Periode Illusionen über Assoziationen voraussieht. Diese von ihm charakterisierten Merkmale treffen sämtlich auf die gegen- wärtige Entwickelungsperiode zu. Auch zeugt es von einem ganz besonderen Scharfsinn, daß er die ganze Periode, die er die der Zivilisation nennt, mit einem Feudalismus beginnen läßt, was zu seiner Zeit schon historisch feststand, aber auch mit einem Feudalismus, dem Jndustriefeudalismus, endigen läßt, für den zu seiner Zeit noch keine Spur vorhanden war. Was an entwickelungsfähigen Gedanken im Fourierismus ent« halten ist, hat der moderne wissenschaftliche Sozialismus in sich auf- genommen. Und da? ist nicht ivenig. Hier wird in Zukunft Leben erhalten, was bisher nur Theorie blieb. Totenliste. Am Montag starb in der Provinzial-Irren- anstatt zu Rybnik in Oberschlesien der Genosse Dr. August Winter. Zweieinhalb Jahre hat der Unglückliche, der von unheilbarer Geisteskrankheit und Rückemnarksleiden befallen war, in jener Anstalt verbracht, bis ihn jetzt der Tod er- löst hat. Einem Nachruf der B r e s l a u e r„V o l k s w a ch t", der der Verstorbene im Leben sehr nahe gestanden hat, ent- nehmen wir: „Die sozialdemokratische Partei beklagt in August Winters Heim« gang den Verlust eines ihrer edelsten, tüchtigsten und aufopferungs- vollsten Mitkämpfer. Von Jugend auf hing Winter den Ideen des Sozialismus an, dank einen: Vater, der, obwohl einfacher Bauer, doch sehr unterrichtet war und die sozialistischen Ideen gut kannte... Winter wollte Mathematiker werden, wegen der Aussichtslosigkeft dieses Berufes aber wählte er dann Philologie, besonders das Studmm der alten Sprache.... In Breslau gehörte er auch zu den eifrigsten Schülern Professor Som- barts. Er lebte mehrere Jahre als Hauslehrer auf größeren Gütern in den Provinzen Pole:: und Schlesien und benutzte seine freie Zeit mit eisernein Fleiße zu wirtschaftlichen, besonders agrarwrrtschaftl'.chen Studien. Winter hatte sich mittler- weile der sozialdemokratischen Partei in Breslau angeschlossen. Aus der Zeit seiner Hauslchrcrschaft auf einem mittel- schlesischen Gute stammen denn auch seine hochinteressanten„Briefe vom Lande" in den Jahrgängen 1895 bezw. 1896 der„Vollswacht", deren sich unsere alten Leser gewiß noch erinnern. Auch sonst war und blieb Dr. Winter ein fleißiger und hochgeschätzter, zugleich aber auch sehr uneigennütziger Mitarbeiter unseres Blattes. Damals, in der Zeit schwerster Verfolgungen der„Volkswacht", bei sehr geringer Zahl an Abonnenten, war es oft unmöglich, den Mitarbeitern nennenswerles oder überhaupt Honorar zu zahlen, ein Umstand, der den armen Hauslehrer nie gehindert hat, seine Feder in den Dienst des Parteiblattes zu stellen." Im Winter 1897 ging Winter nach Obcrschlesien, um dort der Partcipresse über die ganz eigenen, fast ganz un- bekannten Verhältnisse des Jndustriebezirks an der russischen und österreichischen Grenze zu berichten.... Die„Volkstvacht" schreibt darüber: .. Zunächst gab er eine größere Anzahl eingehender, auch h-de noch sehr lesenswerter Schilderungen der wirtschaftlichen, sozialen, politischen, geschichtlichen Verhältnisse Oberschlesiens. Dann aber ging er zur positiven Tätigkeit für unsere Sache... über, ver- suchte die armen Geknechteten zu gewinnen für den Sozialismus, für die Partei wie für die gewerkschaftliche Organisation. Seine Arbe:. wurde überraschend reich gelohnt. Während 1398 in den sämtlichen oberschlesischen Wahlkreisen etwa 5000 sozial- dcmökratische Stimmen abgegeben wurden, stieg diese Zahl ?898 nach reichlich einjähriger Tätigkeit Winters auf rund 25 000. Am 1 November 1898 übernahm Winter das oberschlcsische Arbeiter- sekretariat.... Unter Winters Führung bekam nm: dies Arbeiter- sekretariat eine für Oberschlesien gewallige EntWickelung dergestalt, .laß He Frequenz im Jahre 1901 auf mehr wie 10000 Besucher aestiegen war. Diese ptiesenleistung bewältigte Dr. Winter ganz allein und nicht nur das, er arbeitete mit gleicher Energie für die gewerkschaftliche Organisation wie für die sozialdemokratische Partei. Die ganze Größe seiner Leistungen kann nur der be- urteilen, der die unsäglich schwierigen Verhälmisse des ober- schkefischen Jndustriebezirks kennt.... Diese Arbeit muß nicht nur nach ihrem gewaltigen Umfange beurteilt werden, sondern auch nach den Uinständen, unter welchen sie geleistet wurde. Sticht nur muß unerkannt worden der eiserne Fleiß und der nimmer ermüdende Eifer, sondern auch die Aufopferung, der frühe Berzichl aus alle Lebensannehmlichkeiten, die der hochgebildete Mann auf sich nahm, indem er in Oberschlesien, fern von allen, anregenden, geistigen und geselligen Verkehr, gleich einem AuSgesioßenen lebte. Denn vor dem sisif Sozialdemokraten floh jeder Gebildete hier wie vor einem Aussätzigen. Nur die Polizei widmete ihm und seiner Tätigkeit unausgesetzte Aufmerksamkeit, die sich in immer wiederholten Ver- folgnngen ausdrückte... Um den Genossen Bruhns von der„Volkswacht" vor Zeugniszwangshaft zu schützen, hat Winter damals sich selbst als Verfasser eines die Beuthener Justiz kritisierenden Artikels bekannt; er wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Nachruf der„Volkswacht" schließt: „Zu den Schwierigkeiten, die der Tätigkeit Winters erwuchsen, zählten auch die unerquicklichen Streitigkeiten mit den polnischen Genossen, in die Winter bald geriet. Diese Streitigkeiten haben nicht wenig beigetragen zu der schnelleren Entwickelung seines Leidens. Besonders schwer getroffen aber wurde Winter durch den Wahlausfall 1903. Er hatte sicher auf ein weiteres ge- waltiges Steigen der sozialdemokratischen Stimmen im Industrie- bezirk, ja auf einen Sieg in seinem Wahlkreise Beuthen-Tarnowitz gerechnet. Und er hätte sich lischt getäuscht, lvcnn nicht ein neues Moment in das politische Leben Oberschlesiens getreten iväre: die national- polnische Bewegung, die 1903 im Entstehen begriffen, die sozialdemokratischen Stimmen zunächst zum Stillstand brachte, in dem nächsten Jahre aber die Dämme überflutend, die sozialdemokratische Bewegung unwiderstehlich 1 zurückdrängte. Für Winter, der schon schwer krank und völlig überarbeitet war, bedeutete dieser Schlag mehr wie eine vorübergehende Enttäuschung, er ließ ihn vielmehr an sich und seiner Lebensarbeit verzweifeln. Er sah seinen körperlichen und geisttgen Ruin nahen, und um dem zu entgehen, legte er nach fast siebenjähriger ungeheuerer Tätigkeit seinen Posten nieder, um in Stettin als Redakteur des dorttgen Parteiblattes einen neuen Posten in der Bewegung zu übernehmen. Aber es war schon zu spät, er brach kurz nach dem Antritt der neuen Stellung zusammen, erholte sich zwar vorübergehend wieder, fiel aber nach Ablauf eines weiteren Jahres unrettbar in die Arme schwerer, unheilbarer Geisteskrankheit, von der ihn jetzt der Tod befreite. Mit August Winter ist in Wahrheit ein Pionier unserer Sache dahingegangen, einer jener treuen, bescheidenen, aber wunderbar zähen und tapferen Männer, die unter unsäglichen Entbehrungen der Bewegung die Wege bahnen,„Rodearbeit im Urwald" leisten, wie Winter selbst treffend von der agitatorischen Arbeit in Oberschlesien sagte." Bon den Organisationen. Der Sozialdemokratische Verein für den 8. hannoverschen Wahlkreis(Stadt Hannover) hat im Jahre 1906 einen riesenhaften Auf- s ch w u n g zu verzeichnen. Bei Beginn des Jahres 1906 betrug die Mitgliederzahl 4173. Im Laufe des Jahres sind neu eingetreten: 8126, zugereist sind 155 Mitglieder. Der Abgang beträgt 1236, so daß am Jahresschluß 11 218 Mitglieder vorhanden sind. Bei der Abrechnung, die Genosse Gerisch dem Mannheimer Parteitage vor- legte, stand die Hansastadt Hamburg mit 21,8 Prozent der Organi- sierten im Verhältnis zu den abgegebenen Stimmen bei der Wahl von 1903 obenan. Gegenüber der Wahl von 1903 beträgt der Prozentsatz im 8. hannoverschen Wahlkreise dagegen rund 38 Prozent der für unsere Partei abgegebenen Stimmen. Legt man die letzten Wahlen, bei der Hannover eine Stimmenzunahme von rund 7000 zu verzeichnen hatte, zugrunde, so beträgt die Zahl der Organisierten zur Zahl der abgegebenen Stimmen immer noch 31 Prozent. In demselben Maße wie die Mitgliederzahlen haben sich auch die finanziellen Verhältnisse günstig entwickelt. Der Beitrag beträgt monatlich 30 Pf. Die Einnahmen stellen sich wie folgt: Kassenbestand.............. 1 784,63 M. Eintrittsgeld.............. 1 625,20 Mitgliederbeiträge............ 26 252,10 Auf Liste» zur Rachwahl 1906........ 2 532,65, Auf Listen und freiwillige Beiträge zur Wahl 1907 10 931,13, Sonstige Einnahmen.......... 10 902,65 Gesamteinnahmen 54 028,36 M. Davon im zweiten Halbjahr rund 33 000 M. An Ausgaben sind folgende Posten von Interesse: Reichstagswahlkosten 1907......... 7365,69 M. Prozente an den Parteworstand....... 5 256,34„ Besonderer Beitrag an den Parteivorstand... 1600,—„ An den Provinzialvorstand.......... 9 007,20, Für die Wahl in der Provinz........ 2 040,83„ Für den Preßfonds............ 5 000,—„ Agitation im Kreise(darunter Kosten für die Nach- wähl 1906)............. 4 780,77, Bildungszwecke, Verwaltungsmatcrial, Verwaltungskosten, Porto und Sonstiges....... 18 046,53„ Sum«,a 53 097,36 M., so daß das neue Geschäftsjahr mit einem Kassenbestand von 931 M. beginnt. Diese Abrechnung zeugt von großer Opferfreudigkeit der hannoverschen Genossen und kann anderen Orten zur Nachahmung empfohlen werden.) Der Anarchist Dr. Maier, der unlängst in Stuttgart durch Selbstmord geendet hat, sollte nach der„gutunterrichteten"„Freisinnigen Zeitung" in' München 1876 zum sozialdemokratischen ReichstagSabgcordneten gewählt worden fein. München war in jener Zeit durch Freiherrn v. Stauffenberg und Pfarrer Westermayer vertrete». Dr. Maier war Kameralverwalter in Münsingen auf der Alb und hatte sich in dieser Stellung der Sozialdemokratie, aller- dingS nicht öffentlich, angeschlossen. Während des Sozialistengesetzes diente er der Partei mit Mut und Aufopferung. Da er ein Eigen- brödler und etwas unklarer Kopf war, geriet er später zum Anarchismus. Seine Propaganda für diese Richtung hatte keine Erfolge aufzuweisen. Schweizerischer sozialdemokratischer Parteitag. Bei der Beratung der neuen Militärorganrsation im Nationalrat in der letzten Dezcnibersession haben die beiden Arbcitervertreter Dr. B r ü st l e i n und S ch e r r e r eine Taktik beobachtet, die mit den Parteitagsbeschlüssen nicht in Ueberein- stimm» ng steht und wobei es sich in der Hauptsache um das Militäranfgebot bei Streiks handelt. Dr. B r ü st- lein hat seine Haltung in einer Versammlung seiner Baseler Wähler zu rechtfertigen versucht und nun stellen die drei sozial- demokratischen Mitgliedschaften in Außersihl-Zürich folgenden Antrag an den Parteitag: „Die von den Genoffen Dr. Briistloin und Heinrich Scherrer anläßlich der Beratung der Militärorganisation im Nationalrat ein- genommene Stellung, sowie des ersteren Antrag wird vom Partei- tag der schweizerischen sozialdemokratischen Partei mißbilligt, weil in direktem Widerspruch stehend mit dem im Februar 1906 auf dein außerordentlichen Parteitag in Ölten gefaßten Beschlüsse. Der Parteitag bedauert, daß sich die beiden Vertreter zum Befreniden der orgänisielten Arbeiterschaft verleiten ließen, den prinzipiellen Boden zu verlassen und verlangt, daß sie fortan konsequent auf die Eorderungen unserer Partei hinweisen, ansonst sie aufgehört haben, ertreter der sozialdemokratischen Partei im Nationalrate zu sein." Das ist sehr scharf. polizciltcbes, Öericbtlicheo ufa>. Strafkonto der Presse. Wegen Beleidigung eines Lehrers wurde Genosse O u e s s e l vom �S t e t t i n e r V o l k ö b o t e n" vom Schöffengericht in Stettin zu 40 Mark Geldstrafe ver- urteilt. Es handelte sich un: die Kritik der Verprügelung eines Schulknabcn._ Hus der frauenbewegung. Erklärung. Die am Sonntag, den 24 Februar im„Vorwärts" veröffent- lichte Notiz der Genossin Baader als Vertrauensperson der sozial- demokratischen Frauen Deutschlands, die Beteiligung an der „Ersten deutschen Konferenz zur Förderung der Arbeiterinnen- interessen" betreffend, veranlaßt mich zu folgender kurzen Dar- legung:' Genossin Baader wendet sich in der Notiz scharf gegen jedwede, auch rein persönliche Beteiligung sozialdemokratischer Frauen an dieser für den 1. und 2. März von bürgerlicher Seite angekündigten Konferenz, und sie begründet diesen Standpunkt mit„den seit Jahren bestehenden und befolgten Beschlüssen, dahinlautend, daß Parteigenossinen an dergleichen bürgerlichen Veranstaltungen sich weder als Vertreterinnen der Genossinnen oder Organisationen, noch als Einzelpersonen aktiv beteiligen." Derartige seit Jahren bestehende Beschlüsse, die sich etwa auch auf die rein persönliche Anteilnahme einzelner Genossen und Ge- nossinncn an jeder beliebigen„bürgerlichen" Veranstaltung beziehen könnten, sind mir absolut nicht bekannt. Sollten sie dennoch wirklich irgendwo existieren, so sind sie jedenfalls in der Partei keines- wcgs, wie Genossin Baader meint, auch seit Jahren befolgt worden. Zum Beweise dafür brauche ich ja nur auf de» von Bürgerlichen und Sozialdemokraten zugleich beschickten Züricher Kongreß für Arbeiterschutz zu verweisen, ebenso auf den Wohnungs- kongretz, der vor einigen Jahren in Frankfurt a. M. tagte. Daß übrigens auch sehr maßgebende Parteigenossen augenscheinlich durch- aus nichts von irgendwelchen derartigen Beschlüssen wissen, erhellt zur Genüge aus der im„Vorwärts" vor einigen Tagen veröffent« lichten Erklärung unserer Reichstagsfraktion, die zwar als solche die Teilnahme an der fraglichen Konferenz ablehnt, es aber aus» drücklich ihren Mitgliedern freistellt, sich persönlich an den Ver- Handlungen und Diskussionen auch aktiv zu beteiligen, d. h. den sozialdemokratischen Standpunkt gegenüber den dort aufgerollten Fragen vor der Oeffentlichkcit zu entwickeln. Die Stellungnahme der Genossin Baader setzt sich in einen so schroffen und unerklärbaren Widerspruch mit jener Erklärung der Reichstagsfraktion, daß sie schon deshalb allein keinesfalls für alle Genossinnen als bindend betrachtet werden kann. Persönlich muß ich es jedenfalls aus den angeführten Gründen ablehnen, die Auf» fassung der Genossin Baader als für mich verpflichtend anzusehen. Aber auch rein sachlich erscheint es wichtig genug, bei dieser Ge- legenheit einmal darauf hinzuweisen, daß die grundsätzliche Zurück- Weisung jeder sozialdemokratischen Beteiligung an bürgerlichen sozialen Veranstaltungen den Anschauungen eines gewiß ziemlich erheblichen Kreises von Parteigenossinnen ganz und gar nicht ent- spricht. Zunächst kann es sich bei der Frage der Beteiligung einzelner Genossinnen gar nicht um die rein politische Stellungnahme der Veranstalter handeln; es kann sich in unserem Falle z. B. nicht darum handeln, daß— wie Genossin Baader hervorgebt,— mehrere der Leiterinnen die„liberale Frauenpartei" gegründet haben, deren Programm einer sozialpolitisch freien Stellungnahme übrigens gar nicht widerspricht. Für uns muß es vielmehr einzig in Frage kommen, ob die Veranstalter der Konferenz in ihrer Mehrheit sozial- politisch ernst zu nehmende Persönlichkeiten sind, ob ihre Stimmen in der Oeffentlichkeit Klang und Gewicht haben. Ist dem so— und gerade in diesem Falle ist unter den Leitern und Rednern des Kongresses eine ganze Reihe von Männern und Frauen, die sich durch ihre bisherige öffentliche Tätigkeit den vollen Anspruch der Schätzung auch von sozialdemokratischer Seite erworben haben— so liegt meines Erachtens ganz und gar kein bernünftiger Grund gegen eine öffentliche Diskussion von Parteigenossen mit ihnen vor. Dieser Standpunkt wie überhaupt ein praktisch weniger ab« lehnendes Verhalten in bezug aus öffentliche Diskussionen setzt sich absolut noch nicht in Widerspruch mit der unzweifelhaft richtigen Auffassung, daß alle Versuche von bürgerlicher Seite, Fragen der Arbeiterorganisation zu behandeln oder gar solche Organisationen unter bürgerlicher Führung selbst ins Leben zu rufen, der Aus- breitung des sozialistischen Gedankens in der Arbeiterschaft fast stets feindlich gegenüberstehen, daß sie— seitens der oft unter» einander sehr verschieden denkenden Veranstalter allerdings mehr oder weniger bewußt— geschaffen sind, um dem Klassenkampf des Proletariats den Boden abzugraben, und daß alle solchen Versuche in ihrer Gesamtheit von uns demzufolge als gegnerische Aktionen zu betrachten sind. Indessen, auch daraus geht noch lange nicht hervor, daß es eine richtige oder vernunftgemäße Taktik wäre. solchen Aktionen gegenüber einfach die Hände in den Schoß zu legen und in den sozialdemokratischen Organen durch ablehnende Erklärungen unsere abweichenden Anschauungen zur Geltung zu bringen. Ganz iin Gegenteil. Unsere Zeitungen und Zeitschriften werden in bürgerlicher» Kreisen nur von einem verschwindend kleinen Teil auch der sozial fortgeschrittener Denkenden gelesen; sie dringen aber auch inner- halb der Arbeiterschaft hauptsächlich nur in diejenigen Schichten, die bereits grundsätzlich für uns gewonnen sind, für die es sich also erübrigt, gegnerische Organisationsversuche oder soziale Har- moniebestrebnngen mit wuchtigen Argumentationen zu bekänipfen. Das Feld für solche Versuche und Bestrebungen ist aber nicht die aufgeklärte, sondern die indifferente, politisch bisher ganz neutrale Schicht von Arbeitern und Arbeiterinnen. Ebenso wie das Publikum für die Verbreitung bürgerlich-sozialer Harmonicideen jene an Zahl wie an wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung durchaus nicht gleichgültige Mittelklasse darstellt, die— wie man oft genug betont hat— ihrem Standesbewußtsein nach zwar zur Bourgeoisie, ihrer Klassenlage nach aber sehr viel mehr zum Proletariat gehört und deshalb absolut nicht von vornherein für den proletarischen Klassenkampfgedanken und die proletarische Auffassung der Arbeiter« frage ungewinnbar wäre.— An die gegenwärtig noch indifferenten Arbeiterinassen einerseits— und dazu gehören, wie wir alle wissen, in äußerst starkem Prozentsatz gerade die proletarischen Frauen—. an jene politisch und sozial meist noch sehr unaufgeklärten Mittel- schichten andererseits aus jedem nur denkbaren Wege mit unseren Anschauungen heranzukommen, sie in sozialistischem Sinne zu be- einflnssen, ihnen die Halbheit und Unfruchtbarkeit rein bürgerlich sozialer Bestrebungen in jedem Einzelfall deutlich vor Augen zu führen: das erscheint als eines der notwendigsten Ziele jeder weit» blickenden sozialistischen Agitation. Fraglos können wir diese Ziele um einige Schritte näher.rücken dura, möglichst scharfe Dar- legung unserer Anschauungen vor einem öffentlichen Forum, wie es uns solche Kongresse in ganz vorzüglicher Weise bieten, nicht allein durch die Sitzungen und Verbandlungen selbst, sondern durch die starke Verbreitung der Diskussionsergebnisse in der gesamten bürgerlich politischen und neutralen Presse. Genau so zweckmäßig und wertvoll die sozialdemokratische Parlamentsdebatte für die Be» einflnssung der Oeffentlichkeit, genau so. wie es kein sozialdemo- kratischer Reichstagsrcdncr für unbedingt verlorene Zeit und Mühe häll, vor sicherlich unbeeinflußbaren parlamentarischen Gegnern seine Reden zum Fenster hinaus zu halten— genau so gut spricht man auch in derartigen Kongressen nicht für die allerdings un- gewinnbaren Veranstalter und Leiter der Sache, sondern für daS engere und weitere Hörerpublikum. Dabei ist keinesfalls irgend etwas zu verlieren— von den Sozialdemokraten, die bürgerlich sozialen Veranstaltungen bei- gewohnt haben, hat sich sicher noch niemals auch nur ein einziger durch die gegnerischen Vorträge vom Sozialismus abgewandt. Sehr wohl indessen ist gerade in solchem öffentlichen Redekampf in manchem empfänglichen Kopf der erste Funke des sozialistischen Gedankens entzündet worden, und Hunderte und Taufende von denen, die überhaupt etwas lernen wollen, könnten dadurch im konkreten Fall begreifen lernen, ob und weshalb die Sozialdemo- kratie sich bürgerlichen Bestrebungen gegenüber immer„negierend" verhält. Vielleicht wären wir schon heute in mancher Hinsicht agitatorisch loeiter, vielleicht hätten wir kirchlichen und neutralen- Harmonieorgamsationen, wie speziell für die Arbeiterinnen. bewegung, z. B. den christlichen Heimarbeiterinnenvereinen, schon in ihrer ersten EntWickelung wirksamer entgegengearbeitet, wenn wir weniger die Taktik der Ablehnung und des ruhigen Zusehen» geübt und häusiger den Versuch gemacht hätten, eine starke Auf» klärungsarbeit im Sinne des Sozialismus auch überall als Gegen. aktion gegen bürgerliche Propagandaversuche zu entfalten. Sind wir doch alle überzeugt, daß die geschichtliche Notwendigkeit, die wir in dem Gedanken des Sozialismus verfechten, sich schließlich allen bürgerlichen Verinittelungs- und Harmonieversnchen gegenüber siegreich erweisen muß. Wally Zepler. Genossin Zepler bekundet mit ihren Darlegungen einen Opttmismns über die Wirksamkeit der 10 Minutenreden, die Sozialisten bei dieser Veranstaltung los werden können, den wir durchaus nicht teilen. Sie möge übrigens nur mal die sogenannten unparteiischen Blätter und die Amtsblattpresse darauf ansehen, wie diese Organe über solche Veranstaltungen berichten und das Ab- schneiden der Sozialisten kommentieren. Vollständig verfehlt ist der Hinweis auf frühere Vorgänge. Gerade die fehl« teschlagenen Versuche, durch Beteiligung an bürgerlicben stranstaltuitgen die Sozialpalilil wirksam zu befruchte» Bejtftnben imb rechtfertigen die avlehnenbe Haltung. Wa» bei solchem Zusammenarbeiten herauskommt, bartlber berichtet Genosse Leimpeters in der vorletzten Nummer der»Neuen Zeit' „Verraterei der christlichen Gewerkschaften.' Leimpeters hat als Angestellter des Bergarbeiterverbandes das Zusammenarbeiten mit den Christen praktisch jahrelang erprobt und kommt nun zu dem Resultat, bab sogar baS Zusammengehen bei wirtschaftlichen Kämpfen schädlich s« für die Arbeiterschaft. Durch die Beteiligung von Sozialisten an bürgerlichen Veranstaltungen bekommen diese erst i ,*WelAe*' eine Bedeutung, die für die Veranstalter agitatorisch wirkt. Zum Schluß sei noch eine kleine persönliche Note erlaubt: Wc find der Anficht. Genossin Zepler hätte der Bewegung viel mehr gedient, wenn fie den Raum, den sie für ihre Erlläruna benutzt hat, mit emem delehrendei, Artikel gestillt hätte. von anderer Seite wirb uns noch geschrieben: Die Vertrauensperson der sozialdemokratischen Frauen Zeutsch- lanbs und die Vertrauenspcrsonen Berlins haben bereits erklärt und erklären nochmals, daß für unsere Genossinnen von einer Beteiligung an der von bürgerlichen Fraucnorganisationen einberufenen Konferenz nicht die Rede sein kann. Wirk- liche Parteigenossen und-Genossinnen müssen sich ja schon durch den Titel dieser Konferenz abgestoßen und ab- gewiesen fühlen, denn es heißt doch die gesamte Tätigkeit so- wohl der sozialdemokratischen Partei als insbesondere der sozial» demokratischen Arbeitcrinnenorganisation für nichts erklären, wenn diese bürgerlichen Frauen sich erlauben, diese Konferenz als die »e r st e" deutsche zur Förderung der Arbeiterinneninteressen zu bezeichnen. Bereits 1900 in Mainz,:0»2 in München. 1904 in Bremen, 1900 in Mannheim hielten die sozialdemo» �* a tischen Frauen Deutschlands Konferenzen ab, die sich aus- schließlich mit den Interessen der Arbeiterinnen beschäftigten und Petitionen an den Reichstag richteten, die einzig und allein von der sozialdemokratischen Partei wirksam unterstützt wurden, indem diese die Forderungen der Arbeiterinnen als Anträge einbrachte. Die Anfang März stattfindende bürgerliche Konferenz kann also nur Leute, die nicht wissen, was auf diesem Gebiete geschehen ist oder e« nicht wissen wollen, durch ihren Titel über den unwahren Sachverhalt täuschen. ES ist auch unwahr, wie Genossin Lilh Braun in der neuesten Nummer der„Neuen Gesellschaft' behauptet, die Einberufer dieser bürgerlichen Kon- ferenz hätten sich an die sozialdemokratische Frauenorganisation wegen Beteiligung gewendet, bevor das vorbereitende Komitee dieser Konferenz gebildet worden sei. Weder das Komitee noch der Ausschuß dieser Konferenz haben sich um Mitarbeit an die sozial- demokratische Frauenorganisation gewendet, diese erhielt nur durch die Zeitung Kenntnis von der Einberufung des Kongresses. � Unrichtig ist ferndr, wenn Genossin Braun behauptet, die sozialdemokratischen Arbeiterinnenorganisationen ebensowohl wie die freien Gewerkschaften hätten sich an der Konferenz beteiligen niüssen, da ja auch„unsere Abgeordneten im Reichstag gemeinsam mit unseren Gegnern GeseheSvorlagrn beraten'. Dieser Vergleich ist durchaus unzutreffend. Im Reichstage sind die politischen Par- tcien nicht miteinander, sondern gegeneinander tätig. Jede Partei sucht ihre Interessen, ihre Anschauungen durch lleberwindung der gegnerischen zur Geltung zu bringen. Wir schließen uns vollständig den Anschauungen an, die Genosse Legten als Vorsitzender der Gcneralkommission der deutschen Gcwerk- schaften schon vor fünf Jahren zum Ausdruck brachte. r»i r s ch s e l d nimmt das Wort und findet, daß Eichhorn viel zu günstig über den Ausfall der Wahl urteil«. Die 250 000 Stimmen Zunahme fallenZnicht voll ins Gewicht, denn die Mehrheit davon sei in den unbedingt sicheren Kreisen erzielt worden, und ivir hätten sie schon 1903 haben können. Genau betrachtet. will Hirschfeld einen Rückgang an Stimmen erkennen. In Sachsen sei der Verlust nicht so leicht erklärlich, wie eS Eichhorn scheint. Wir sollten unS gestehen, daß wir selbst die Schuld trage» an unserer Niederlage. Dresden habe sehr viel Berbttterunq erzengt. Redner ist nicht mit Bernstein. Schippe! u. a. einer Meinung, aber in mancher Beziehung hätten diese Kritiker recht. Wir sollten mehr Wert auf propagan- distische Erfolge legen, das sei die Hauptsache. Man dürfe der parlamentarischen Tätigkeit nicht so geringes Gewicht beilegen. Wir werden keinen Erfolg haben, wenn es uns nicht gelingt, die Mehr- heit des Volkes für uns zu gewinnen. Benno M a a ß gibt ebenfalls der Ansicht Ausdruck, daß wohl mancher Genosse die erlittene-Niederlage verkleinern möchte, was aber nicht angebracht sei. Wir brauchen aber auch nicht zu verschweigen. daß wir diesmal großen Schwierigkeiten gegenüberstanden. Die nationale Phrase tat ihre Wirkung; eS war eme wirtschaftliche Hoch« konjunktur vorhanden und in geschlossenen Reihen standen die Gegner da und scheuten kein Mittel, uns zu bekämpfen. Genosse Maaß qp- klärte, daß wir mit unserer Stichwahlparole den Freisinnigen im ersten Wahlkampf schon die Augen hätten öffnen sollen. WaS unS not tue. sei eine bessere Schulung der Industriearbeiter und viel mehr Agitation in Landkreisen. Redner bestreitet die schädlichen Wirkungen von Dresden und meint, daß jede Partei mit Stimmungen rechnen muß. Die Partei im ganzen muffe einig sein, um eine systematische Aufklärungsarbeit leisten zu können. Billige Agitationsschriften müßten beschafft werden. Wir haben zu bedenken, daß täglich systemattsch der Irrtum verbreitet wird, dem wir unermüdlich mit der Aufklärung begegnen müffen. Eichhorn« Vorschlag von der Aenderung der Taktik rm Parlameitt sei durch- aus unhaltbar; ernste Schäden für die Partei würden daraus er- wachsen. Genosie Cohen wendet sich gegen dtese letzte Ansicht von Maaß und ftagt. ob unsere Abgeordneten etwa gegen die Ein- sührung des NeunstundentageS stimmen dürften, wenn sie dadurch verhüten können, daß der Zehnstundentag eingeführt würde. Dann legt Cohen Verwahrung ein gegen die Angriffe GehrmannS auf die Gewerkschaften. Diese und die Gewerkschastspreffe hätten in dem Wahlkampfe ihre volle Schuldigkeit getan. Gehrmann sei nicht berechtigt, aus einzelnen Beobachtungen Schlüsse zu ziehen auf dre Haltung der Gewerkschaften überhaupt. Er solle auch bedenken. welche Mühe es mache, irgendwo eine Gewerkschaft aufzubauen. Diese Ansänge seien schonend zu behandeln, wenn sie auch nicht gleich allen Erwartungen entsprechen, wie die alten Gewerkschaften, denen man keinen Vorwurf machen könne..Rexhäuserl' wurde dem Redner zugerufen, aber er antwortete, das wäre»der Einzige'. Aus GehrmannS Worten über die Parteistreitigkeiten höre er den Geist der Unduldsamkeit heraus. Wir wollen kem zweites Dresden oder Jena, wir sollten uns gegenseitig besser behandeln lernen. Die Genossen Hörndl und K r e p l i n beteiligten sich noch an der Diskussion mit kurzen Ausführungen, als ein Antrag auf Ver- tagung einlief, da bereits Mitternacht vorüber war. Der Vorsitzende machte bekannt, daß Genosse Heine noch auf der Rednerliste stgnd, und die Versammlung lehnte die Vertagung ab. Heine verbreitet sich zuerst im allgemeinen über das Wahl- resultat und zog daraus das Fazit, daß die Werbe kraft der Partei nicht so groß sei, wie die Parteigenossen aller Orten an- genommen haben. Es nützt nichts, über die»dummen Kerle' zu räionmeren. die uas nicht versieben. ES ist in gerade unsere Aufgabe, aus den dummen Kerken Nage Kerle zu machen. Wir dürfen nicht ruhig zusehen, toemi neugewonnene Anhänger uns wieder den Rücken kehren, und«S ist durchaus falsch, wenn gesagt wird: Gut, daß wir jene verloren haben, sie waren nur zum Teil mit uns. Ist es nicht allen so ge- gangen, daß sie erst zum Teil der Partei gehörten? Nach dem Wahlsiege von 1903 habe er erklärt: Unsere Aufgabe muß es jetzt sein. diese großen gewonnenen Massen festzuhalten; unsere Politik müssen wir so einrichten, daß sie an unS die- jenigen fesselt, die erst halb unS gehören. Man sagt, eS seien in diesem Wahlkampfe mehr Lügen über uns verbreitet worden als jemals vorher. Aber warum werden die Lügen geglaubt? Man kennt den Sozialismus noch zu wenig. Es fehle an tüchttgen Lehr« kräften, und dieser Mangel sei in der Parteipresse deutlich zu merken. Unsere Parteiredakteure schreiben nicht immer so, daß sie verstanden und daß die Arttkel gern gelesen werden. Vom.Vorwärts' ist Heine durchaus nicht so erbaut wie der Referent und findet gar vieles auszusetzen. An den Beschluß, eine wöchent- liche Ueberstcht der Parteipresse im Zenttalorgan zu veröffentlichen. halte sich der..Vorwärts' nicht, wenn auch gelegentlich eine nicht sehr gut geordnete Uebersicht aus einem Teil der Partei- presse gebracht würde. Die langen Polemiken_ und endlosen theoretischen Auseinandersetzungen seien nichts weniger als anziehend. Unser Zentralorgan sei technisch nicht auf der Höhe und für den Redner oftmals ungenießbar. Er wolle nicht die jetzige Redaktton damit angreifen, denn unter der früheren Redaktion wären ihm auch viele große Mängel aufgefallen. Daß Bernhard keinen Raum im .Vorwärts' gefunden habe, tadelt er scharf. Er habe Bernhards Arttkel zwar nicht gelesen, hält eS aber für ungerecht, ihn mundtot machen zu wollen. Heine beklagt den Mangel an akademisch ge- bildeten Leuten in der Partei, man könne sie nicht entbehren und sollte sich hüten, sie geflissentlich vor den Kopf zu stoßen. Redner spricht von dem Ton des.pfäffischen Hochmuts" in der Partei. Man solle nicht gleich jeden sür einen Idioten halten, der nicht derselben Meinung ist. Die Sozialdemokratie kämpft nicht nur einen Kampf der Interessen, sondern auch der Wcltschauungen, und dieser Kampf zieht viele an. Heine lobt Bernstein als eine sehr tücktige Kraft, die nicht so leicht zu ersetzen sei. die Fraktion werde ihn sehr vermissen. Er wendet sich scharf gegen Gehrmann, der Bernstein angegriffen hatte. In bezug aus Eichhorn? Borschlag einer Aenderung der Takttk in: Parlament erklärt Heine, daß man es da mit einem heiklen Problem zu tun habe und von Fall zu Fall entscheiden muffe. Die Versammlung nahm einen Antrag auf Vertagung an, da man eine neue Diskussion über Heines Rede zu eröffnen für not- wendig hielt und es mittlerweile zu spät geworden war. Der Wahlverein für den vierten Reichstagöwahlkreis hielt am Dienstag eine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Paul Hoff mann erstattete den Geschäftsbericht des Vorstandes. Für das Frankfurter Viertel wurden 6, für daS Landsberger Viertel 3, für das Stralaucr Viertel 5, für das Görlitzer Viertel 4, für das Köpenicker Viertel 3 Versammlungen abgehalten. Es ist darüber geklagt worden, daß die Viertelvcrsammlungcn nicht so gut besucht waren, wie man es erwarten sollte. Im letzten Halbjahr fanden 0 Generalversammlunaen statt. Während der ReichstagSwahl- bewegung wurden 42 AgitationSvcrsammlungen abgehalten. Der Redner warf einen Rückblick auf die Reichstagswahl, er besprach den Ausfall derselben sowie die Erörterungen, welche in der Parteipresse daran geknüpft worden sind. Der Redner kritisierte die bekannten schriftstellerischen Auslassungen von Bernstein. Calwer. Schippe! und Bernhardt und führte dann au». daß eine rege Parteiarbeit entfaltet werden müsse, um die Mängel zu beseitigen, die bei den Wahlen hervorgetreten seien. Größere Arbeiten erfordern aber größere Mittel, deshalb sei bereits die Frage der Beitragserhöhung erwogen worden, deren Annahme wohl keine Schwierigkeiten bieten werde, da bereit» manche andere Wahlkreise höhere Beiträge zahlen, als in Berlin erhoben �werden. Vor dem Zusammenschluß der beiden Vereine Ost und Südost im Jahre 1995 betrug die Mitglicdcrzahl 8050, sie ist jetzt auf 13 834 gestiegen, hat sich also um 5184 vermehrt. Im Vergleich mit den 81 000 sozialdemokratischen Stimmen, die am 25. Januar im vierten Kreise abgegeben wurden, sei die Mitgliedeezahl gering. Es müsse deshalb mit aller Kraft an der Stärkung der Orgam- sation gearbeitet werden. Im Anschluß an die am Sonntag er- folgte Flugblattverbreitung werde in den nächsten Tagen mit den Empfängern der Flugblätter persönlich Rücksprache genommen lverden, um sie als Mitglieder und als Abonnenten des.Vor» wärtS' zu gewinnen. Wenn jeder Genosse eS sich zur Pflicht mache, mehr als bisher in dieser Richtung zu wirken, dann werde der Erfolg nicht ausbleiben. Der Kassenbericht für die Zeit vom 20. Dezember 1905 bis 31. Januar 1907 zeigt eine Einnahme von 148 436,23 M.. eine Ausgabe von 147 435,67 M. Der Bestand beträgt 1000,58 M. An die Verbandskasse sind 70 250 M. abgeführt.— Der Kassierer B a r e n.t h i n gab einige Erläuterungen zum Kassenbericht sowie eine Uebersicht über die im Bureau deS Kreises erledigten Arbeiten. Der Kassierer wurde entlastet.— Der folgende Antrag wurde ein- stimmig angenommen: „Die Generalversammlung deS vierten Berliner Reichstags- Wahlkreises verurteilt auf daS entschiedenste die Schreibweise der Genossen Bernstein, Calwer, Schippe! und Bernhardt und erwartet von den genannten Genossen, daß sie ihre Artikel so halten, daß die Gegner nicht mit der eigenen Kampfeswcise unserer Schriftsteller d,e Partei bekämpfen.'' Auf Antrag der Beschwerdekommission beschloß die Versamm- lung, das Ausschlußverfahrcn zu beantragen gegen die Mitglieder Bochmann, Beck, Hein, Hund. Otto Jahn. Eine lange Debatte rief der Antrag auf Ausschluß des Genossen Noroschat hervor. Diese Angelegenheit beschäftigt schon seit längerer Zeit die Beschwerdekommission, die jetzt den Ausschlußantrag befürwortet. Die Versammlung lehnte den Antrag ab. Die Wahl des Vorstandes, welche durch Stimmzettel vollzogen wurde, hatte folgendes Ergebnis: Vorsitzende: I. Paul Hoffmann, 2. Wilhelm Mann. Kassirrer: 1. Barenthin, 2. Wilhelm Jöchcl. Schriftführer: Max Menzel, Schenk. Beisitzer: Richard Höckel- busch, Hermann Görke, Otto Klamm, Kupfer. Bader. Gries. Revisoren: A. Dietrich, B. Ziese, A. Zenner, A. Penn. W. Beyer, Voigt. Der Verein Berliner Hausdiener hielt am Donnerstag im „Deutschen Hos"(Luckauerstraße) seine erste Generalversammlung als Mitgliedschaft des Zcntralverbandcs der Handels-, Transport- und Berkehrsarbeitec ab. Der Verbandsvorsitzende Schumann leitete die Versammlung. Ter seitherig« Borsitzende de» Vereins. W a p p l e r. erstattete den Geschäftsbericht des Vorstandes. Er bemerkte, der längst als notwendig erkannte Anschluß deS Ver. eins an eine moderne Gewerkschaft sei nun eine vollendete, nicht mehr anzufechtende Tatsache. Mit allen Kräften werde der Verein nunmehr bestrebt sein, den Aufgaben einer modernen Arbeiter- organisotion gerecht zu werden. Außerhalb der Reihen der ziel- bewußten Arbeiter hatten sich jene gestellt, welche als Gegner des Anschlusses eine gelbe Organisation mit Hülfe von Unternehmern gegründet haben und ein arbeiterfeindliches Blatt in ihrem Ber- einslokal auslegen. Unbeirrt durch das Treiben jener Feinde der Arbeitersolidarität werde der Verein Berliner Hausdiener seinen Weg gehen und die Interessen seiner Mitglieder mit Nachdruck ver- treten.— Zum Kassenbericht gab d-r Kassierer Meißner einige Erläuterungen. Nach kurzer Diskussion wurde die bisherige Ver- einSleitung entlastet. Dann erfolgte die Wahl der OrtSvecwal- tung. Es wurden gewählt: 1. Bevollmächtigter Wappler. 2. Bevollmächtigter Bernhardt. 1. Kasfierer Meißner. 3, Kassierer Hede. 1. Schriftführer W e r g e n s. 2. Schriftsuhrcc Borath. Beisitzer Meier. Musold, BranSke. Revisoren Quak, Milhan. Romeis.— Tie Versammlung stimmte einem Beschluß der Vertrauensmänner zu, welcher dahin geht, daß Mitglieder de,, neuen Organisation, welche noch bis zum 1. April in den Verband übertreten, ihre im alten Verein erworbenen Bsckte beßaUcn. ohne dgß sie die Bciträoe ygMahlen brauchen Engelhardt- Pilsner Ausstoß am 5. März. Lagerbier 100,000 Hektoliter Leistungsfähigkeit: Malzbier 150,000 Hektoliter Berlin- Pankow Brauerei Ernst Engelhardt Nachf. 4020L ORIGINAL SINGER NAHMASCHIN Singer Nähmaschinen. Einfache Handhabung! 34672* Groke Haltbarkeit! Hohe Arbeitsleistung! Weltausstellung Grand Prix Weltausstellung Paris 1900: St. Louis 1904, Unentgeltlicher Unterricht, auch in moderner Kunststickerei. Elektromotore für Nähmaschinenbetrieb. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. Berlin W., Leipzigerstr. 92. Filialen in allen Stadtteilen Was ist Reise- Cheviot? Ein eleganter Anzugftoff in modernen echten Farben, reine Schafwolle, un zerreißbar, 140 cm breit, 3 meter tosten 12 Mart franto. Diretter Versand nur guter Stoffneuheiten zu Anzügen, Paletots, Sofen bet billigen Preisen. Jeber genaue Bergleich überrascht. Aus über 1000 poftorten Hegen Nach bestellungen u. Empfehlungen vor. Verlangen Sie Muster vortofrei zur Anficht. Wilhelm Boetzkes in Düren 226 bet Aachen. Cacaol Wer Wer Das Beste für den Magen Das Lieblingsgetränk aller Kinder! Das Frühstücksgetränk jeder Familie! Das Getränk für alle! Alleiniger Fabrikant: Wilhelm Pramann, Radebeul. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Soeben erschien eine billige Volksausgabe des vorzügl. Romans Der Sumpf von Upton Sinclair. Roman aus Chicagos Schlachthäusern. Der Preis beträgt nur 1.80 M. Expedition des„ Vorwärts", Berlin SW. 68, Lindenstraße 69( Laden). nur vier Wochen lang regelmäßig zum ersten Frühstück Cacaol trinkt, wird den unvergleichlichen Erfolg in seinem Wohlbefinden merken Kinder sollen Cacaol früh und nachmittags trinken, es gibt kein gesünderes und bekömmlicheres Getränk als Cacaol. magenleidend, darmkrank, appetitlos ist und zu Abmagerung neigt, trinke dreimal täglich Cacaol, ebenso wer nervös und durch geistige Arbeit usw. überanstrengt ist. Cacaol stärkt als natürliches( nicht künstliches) Kräftigungsmittel die Nerven und wirkt beruhigend. Erhältlich in Apotheken, Drogen- und Kolonialwaren- Handlungen in Paketen Pfund Mark 1.00 und Pfund 50 Pfennig. Generalvertreter für Berlin: Max Henneking, Berlin W. 50, Pragerstraße 33. Telephon: Amt Wilmersdorf No. 2768. Kleine Anzeigen Deckbett, Unterbett, Kissen mit glattrotem Inlett 10,50, Pfandleibe Andreasstraße achtunddreißig. 2244* Rotrofa- geftreiftes Dedbett, Unter Teppiche mitfarbenfehlern Fabril. bett, awei Stiffen 18,00, Andreas niederlage Broke rantiurterstraße 9, ftrage achtunddreißig. Pfandleihe. parterre. Tein Laden. Mauerhoff.+1 Bauerndeckbett, Unterbett, amei Steppdecken billigft Febril Große Stiffen 27,00. Große Laten 1,00. Frankfurterstraße 9, parterre.+1 Leibhaus Andreasstraße achtund. Gardinenhaus Großefrantjurter. fraße 9, parterre. Rein Laden. Mauerhoff. Ecrestaurant sofort zu verlaufen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt- Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Destillation. 17895 +143 2192K* Blusen, Kostümröde, Gelegenheitsfäufe, billigst Hohenstaufenstraße 64, hochparterre( Winterfeldtplat).[ 14826 Möbeltischlerei liefert gediegene Wohnungseinrichtungen äußerst billig. Bunte Küchen. Reelle Arbeit. Besichtigung meines staunend großen Lagers erbeten. Auch Ratenzahlung. Mur Keller und Hinterräume. firage 124, zwischen Dranienplag und Harnad, Tischlermeister, DresdenerStot bufer Tor 17689 Herrenfahrrad, Damenfahrrad Möbelfabrik, Dranienstraße 58. Schleunigst Salonsäulen 2,00, bei Laste, Rigdorf, Kopfstraße 35.* 25,00, Schädel, Schmidstraße 87. direkt Moritplat. In meinen fünf Taschensofa, Baneelsofa, Muschelschrank Pfandleihe! Hermannplay sechs. Milchgeschäftseinrichtungen, Etagen stehen komplette Wohnungs- 38,00, Broncetronen, Bettstellen jeden Ertragroßer Bettenverkauf, Braut- Milchtübel, Kannen, Maße, Milchfiebe. einrichtungen in jeder Preislage bom Preis. Elsafferstraße 53, of part, betten, Bermietungsbett, Bettstüde, Wiegeschalen, Buttermaschinen usm, einfachsten bis zum Elegantesten. Bortier. Bettwäsche, Möbelstüde. Spottbilliger billigst. Jordan, Michaelfirchstraße 21. Besondere Gelegenheit biete ich in Schankgeschäft, 400 art ers berlichen geweſenen, fast neuen Uhrenverlauf, Schmudsachen, Gar Möbelangebot. Im Anhalter Möbeln, die bedeutend herabgefekt forderlich, 1200 Miete, wegen Strank. dinenverkauf, Steppdecken, Garderoben, Bahnspeicher, Mödernstraße 25, An find. Besichtigung erbeten, ohne auf heit der ganzen Famille fofort überverfallener Bfänderverlauf, 17405 halter Innenbahnhof, direkt Hochdreißig. Elektrische nach überall. Kanarienhähne, Weibchen( rein bahnstation Modernbrüde, stehen vervang. Auffallend billig verkaufe ich nehmen. Erfragen Friedenstraße 36, neue Chaiselongues 20, Schlaf Pfandleibhaus Beidenweg 19. Seifert), fomie Heckeinrichtung schiedene Einrichtungen zum BerSatteltaschenfofa 45, lofa 29, Drehrolle verkauft Görliger + Schleuniger Räumungsverkauf, Winter( Einzelhecke), Gesangspinde verkauft auf. Darunter befinden sich hoch- Baneelfofa 55, bochelegante Garstraße 39, Restaurant. + 29* paletots, Winteranzüge, Bettenverlauf, frankheitshalber Grengel, Laufiger moderne Schlafzimmer, Spelfezimmer, nitur 75, Säulentrumeau 32, Inventur- Ausverkauf! Teppich17576 Herrenzimmer, auch einzelne Salon Bettstelle mit Matraße 16, Auszieh Wiederverkäufer! Kurzwaren, Gardinenverkauf, Wäscheverlauf, straße 26, 3. Aufgang. fabritmuster mit 10 Prozent Rabatt. Uhrenverkauf, Resterverkauf, TeppichBaneelfofas, Biblio Bigarrengeschäft wegen Schlag- garnituren, tisch 18. Muschelspind, Bertilo 27. Restpartien spottbillig Dragonerstr. 32. Teppichhaus, Große Frankfurterverkauf, Steppbeden, Nähmaschinen, anfall sofort sehr billig mit großer theten ,, Ankleideschränke, Nußbaum- Getaufte Möbel tönnen drei Monate Wegen Räumung großer Bohstraße 125. 2216 staunenerregende Spottpreise. Ber Stube, für zwei einzelne Leute ober: büfette, Bronzefronen, Delgemälde, toftenfrei lagern: Teilzahlung ge nung bertauft Dame sämtliche neuen Steppdecken, Fabrikmuster jept bindungen allerwärts. 11/2 eine Person passend, zu verkaufen Schreibtische 28,00, Ruhebetten mit stattet. Sein Laden, birett Fabrit. Möbel Stopeniderstraße 126 a, 1. 2,95, 3,35, 3,95, 4,85 2c. Große 17736+ prachtvoller Diwandede 22,50, wun. Auch Sonntags geöffnet. MusterMöbelsuchende lausen troh Tischler- An der Fischerbrüde 2. Frankfurterstraße 125. 22175* berschöne Säulentrumeaus 30,00, buch gratis. Streit und Aussperrung zu unerreicht Bronzegastronen!! Baszug bochelegante Salonteppiche schon 14,00 Juventur- Ausverkauf! Tüübett billigen Preisen die schönsten Einrich- lampen 9,00, Salongastronen 16,001 bis zu allergrößten Gaalteppichen, Dringend. Begen Aufgabe einer decken Stück 1,95, 2,35, 9,85, 3,25, tungen. Eigene Werkstätten. Be Gaslyren 1, 8weilochgastocher 3,00. allerliebste Simmerteppiche 8,00, großen Wohnung find sämtliche 3,75 2c.; Gardinenrefte 1 bis 6 Fenster fichtigung lohnend. M. Hirschowis, Wohlauer, Baunertheaterstraße 32. reichgestichte Uebergardinen, Spachtel Kleiderschränke, Bertikos, Bettstellen 10 Prozent Extrarabatt 1,25, 1,85, Staligerstraße 25. 29558* Kinderwagen, Kinderbettstellen, stores, Tüllgardinen, Steppdecken, mit Matragen, Federbetten, Herren 2,45 2c. 22188* Brautleute, Logieswirte faufen Sportwagen, gebrauchte, zurüdgefekte Salonbilder, Standuhren, brachtvolle schreibtisch, Teppich, Bilder, BaneelFehlerhafte Tuch- und Plüsch- Federbetten, Bettwäsche, Bettinlette,[ pottbillig. Schneider, Kurfürsten Blüschtischdecken 5,00. Berschiedene brett, Sofas, Ruhebett berkäuflich decken( Fabrikmuster) fpottbillig. Gardinen, Leibwäsche, Steppdecken, straße 172. 22478 Gelegenheiten. Uebernahme voll Brinzenstraße 94, born I. 16/14 Teppichhaus, Große Frankfurter Tischdecken, Teppiche, Banduhren Herrenfahrrad, Damenjahrrad, ständiger Warenlager, Wirtschaften, 2219 pottbillig Pfandleihe stuftrinerplat 7. einmal benutzt, 45,00. Holz, Blumen Kontursmaffen, Rachläffe zum schnellen bettstellen mit Federmatraßen 38,00, Straße 125. Betten, Stand 20 Mart, Muschel Sofabezüge( Hefte), Bolle und Gastronen, Petroleumkronen ohne ftraße 36 b. 2251 Berkauf und Versteigerung. Otto Seletderspind 28,00, Stubebett 25,00, Lideres Auktions- und Möbelspeicher. Säulenfrumeau, Plüsch, 15 Prozent Rabatt. Große Anzahlung, Woche 1,00. Louis Böttcher geschliffen 34,00, Frankfurterstraße 125. ( felbft): Borhagenerstraße 32( Bahn Rostenloser Transport. Lagerung. Sofattich 15,00, Teppich 8,00, Ber verbindung Warschauerstraße), ReiNähmaschinen! Bergüte bis 15,00 fchiedenes. Dresdenerstraße 38, born nidendorferstraße 116, Schönhauser 2208 wer Teilzahlung fauft oder nach 11, links. 16/ 15* Allee 80, Potsdamerstraße 81, Rig meist. Sämtliche Systeme. Brauser, Gardinenhaus, Refte und einzelne dors, Kaiser Friedrichstraße 247. Serrenrad umständehalber spotts Similifeidene Steppbeden 4,85 Tilsiterstraße 90. +181+ Fenster jett bedeutend billiger. Frant billig Schönhauser Allee 9, Duer Monatsanzüge und Winter( Seidenerfat). Wollatlas- Steppdeden furter Allee 107. 2222* Inventur Ausnahmepreise. 218/ 16* Achtung! Kauft nur Littauer gebäude II. paletots von 5,00, Soppen von 4,50, 6,75. Petersburgerstraße 87, PfandSteppdecken, Fabrikmuster spottojen von 1,50, Gebrodanzüge von Teppichhaus Emil Lefèbre, Dranien Schnellnäh Maschinen. Grunewald 2209straße 98 A, Ede Eisenacherstraße. billig. Bortieren( 2 Schals, 1 Lambre 12,00, Grads bon 2,50, fowie für ftraße 158. Wäsche, Gardinen, Teppiche, Ohne Anzahlung. +106 leibe. quin) 3,50, 3,95, 4,85, 6,-: c. Frant forpulente Figuren. Neue Garderobe Möbel Lagerspeicher Brunnen Bortieren, Anzüge, Schuhwaren. au staunend billigen Breifen, aus ftraße 182 ftehen zum schleunigen Sportwagen, gebrauchte, zurückgelegte Spottpreis. Kinderwagen, Kinderbettstellen, + 187* furter Allee 107. Blandleihen verfallene Sachen laut Berkauf: Schreibtisch, Nußbaumbüfett, fpottbillig. Sommer, Wienerstraße 51. man am billigsten bei Raß. Mulad Baneelsofa, Taschensoja, Muschel Pfandleihe Petersburgerstraße 37, ftraße 14. 1767b fchrant 28,-, Teppiche, Trumeau, 100 Kanarienhähne, singende und Deckbett, Unterbett, 2 Stiffen, 10,50, Restaurant Laken 95 Pf. * 131* Verfallene filberne Herrenuhren Garderobenspind, Muschelbett 25,00, prechende Bapageien. 236130* 255/2 4,00, golbene Damenuhren 6,00 Mart, Balespinb, Spiegel, Spiegelspind, Stominandantenftraße 59. Pfaubleihe Betersburgerstraße 37. Steppbecken pottbillig, Fabrit Stetten, Schmud spottbillig Bfandleihe Tifche, Kommoden, Küchenmöbel, Beberbetten, pottbidig. Michel, Band, Taschenuhren, Stetten, Ringe, Große Frantinterftraße 60. 2167s+ Gubenerftraße 3. +45 alles spottbillig. 2235 Dresdenerstraße 38. 17638* Brniden, Ohrringe. Spottbreis. 22205* Zeppiche mit Farbenfeblern. Fabritniederlage, Frankfurter Allee 107. 2223* Teppiche!( fehlerhafte) in allen Größen für die Hälfte des Wertes Im Teppichlager Brünn, Hadeicher Marti 4, Bahnhof Börse. * Inventur Räumungspreise nur tunge Selt. Extralifte gratis und franto. Teppichhaus Emil Lefèvre, Dranienstraße 158. 0 * Verschiedenes. Batentanwalt Bessel, Gitschiner 9275* ftraße 94a. Pfandfcheine touft Pfandleihe Brinzenstraße 63. 12/ 2* Kunststopferet von Frau Rofosky, Charlottenburg, Goethefirage 84, I.* Kleiderspind, Wäschespind, Schlaffofa, Kommode fauft Verwalter Bali( abenstraße 95, 16/ 8* Buchbinderei Steber, Lippehner7356* ftraße 24. Nirdorf, Bruses Festsale, Aneſe bedstraße 113, Restaurant, Garten, Vereinszimmer, Partettjaal( 600 Per jonen). Sonntags Ball. +117 Teilzahlung. Anfertigung ele ganter Herrengarderobe. Marcus, Poststraße 14. 16/ 9* Verein ehemaliger Beelizer tagt Donnerstag, den 28., abends 8, Uhr, Rosenthalerstraße 11/12. Referat: Dottor Weißbein. +45 Achtung: Damen und Herren, die gewillt sind, sich unentgeltlich einem gemischten Chor anzuschließen, Achtung! In der Luruspapier- und Belluloidwarenfabrit23/5 R. Priester& Co. Michaelkirchstraße 17 hat das Personal die Arbeit niedergelegt und ist für Presser, Presserinnen, Koloristinnen, Sprißerinnen, Buchbinder usw. gesperrt. Zuzug ist fernzuhalten! Anmeldung jeden Freitag, abends Deutscher Buchbinder- Verband. 8-9, Borndorferstraße 44, im Restaurant. Küchenmöbei Friedenstraße 97. +29 streicht Rönspies, 17935* Vermietungen. Wohnungen. Prachtwohnungen, Balkon, mit auch ohne Bad, zwei große Zimmer, sehr preiswert. Seelowerstraße 8, Arnimplat, Bahnhof SchönhauserAllee. 218/ 17* Zimmer. Möbliertes Zimmer, allein, Lorgingstraße 16, vorn I, Damaschke. Flurzimmer Fürstenstraße 17, Duergebäude I rechts. +75 Rimmer, möbliert oder leer, vermietet Palisadenstraße 64, born III rechts. +46 Schlafstellen. Schlafstelle findet Mann. Waldemarstraße 65a, Witwe Rosenthal. Freundliche Schlafstelle, separater Eingang. Krause, Prenzlauer Allee 27, 4 Treppen. +143 Saubere Schlafstelle, Herren, 10,50. Neumann, Steibelstraße 3( nahe Alexanderplat). +143 Schlafftelle zu vermieten. Lange, Nigdorf, Rosenstraße 20. +134 Möblierte Schlafstelle, Herrn. Witwe Suter, Weidenweg 5, born III. Freundliche Schlafstelle sofort zu bermieten. Negker, Charlottenburg, Schloßstraße 34, zweiter Seitenflügel III. +126 Möblierte Schlafstelle vermietet Nicksch, Dresdenerstraße 111, born rechter Aufgang I. 17846 Schlafstelle, zwei Herren, Melchiorstraße 44 born, Witwe Müller. 1788b Möblierte Schlafstelle, separat, Köhler, Köpniderstraße 22. 17776 Schlafstelle vermietet Hornschuh, Lindenstraße 73. 17786 Möblierte Schlafstelle, zwei Herren oder atvei Damen, separat, Ronsdorff, Warschauerstraße 80, born. Schlafstelle vermietet Witwe Bolz, Staliberstraße 58. +58 Freundliche Schlafstelle für Herrn bermietet Graez, Bülowstraße 52, Aufgang 4 I. +140 Möblierte Schlafftelle, Bierente, Luijenufer 18. 16/13 Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Blinder Stuhlflechter bittet um Arbeit. Stühle werden abgeholt und zurüdgeliefert. A. Gläser, Mulad Straße 27. 14685 Stellenangebote. Marmorschleifer verlangt Günther, Müllerstraße 87. 1797b Schloffergesellen, tüchtig, Rigdorf, Thomasstraße 29, Roßkopf.+134 Möbeltransport- und SpeditionsTutscher gesucht Köpeniderstraße 127. Leberstanzer, auf Portetresors geübt, verlangt Julius Schloß, Lederwarenfabrit, Stopeniderstraße 55. Plattevin verlangt Lorgingstraße 9. 50 Knabenhosen- Arbeiterinnen, Steinborn, Markusstraße 31. 16/17 100 Mamfells auf Jadetts in und außerm Hauje verlangt Haupt, Sleine Andreasstraße 16. 16/ 16* Botenfrauen finden dauernde und sehr lohnende Beschäftigung. Touren Alte Jakobstraße und Wilhelmstraße am Bellealliance- Platz. Meldungen Schüßenstraße 24/25. 16/ 3* Botenfrauen finden sofort sehr lohnende Beschäftigung Schiffbauer damm 1( Ece Friedrichstraße). 16/ 5* Botenfrauen finden sofort sehr lohnende Beschäftigung Potsdamerstraße 33( Eingang Lugomstraße). 16/ 4* Botenfrauen finden sehr lohnende Beschäftigung Charlottenburg, Stant straße 34. 16/ 6* Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen fosten 50 Pf. die Zeile. Partei- Sekretär für den Wahlkreis Dagen- Schwelm per 1. Mai gesucht. ( Gehalt 2000 M.) 287/ 7* Offerten bis zum 15. März an den Borsigenden Konr. Ludwig, Hagen i. W., Böhmerstr. 35. 6 Detacheure sofort gesucht. Gebr. Altenbergs Färberei, Weißensee. + 138* Berantwortlicher Redakteur: Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Verein der Einsetzer Berlins. Achtung! Bauarbeiter! Wegen der Aussperrung in der Berliner Holzindustrie sind folgende Bauten gesperrt: 78/5 Bauten der Firma Sawatzki: Supke, Württembergischestraße 37 Ecke Liegenburgerstraße. Landshuterstr. 18. Sprengelstr. 19, 20, 21, Beamten häuser. Bauten der Firma Jäger, Charlottenburg: Charlottenburg, Straße 26, Parz. 25. Jablonskiftr. 25. Lantwig, Sanatorium. Bau der Firma Jarotzki: Jagdschloß Glienide. Bauten der Firma Plagemann: Fürstenhof, Potsdamer Plaz. Witting, Kielerstraße. Färber, Zehlendorf Goethestraße. Bau der Firma Traxel: Schallhorn u. Röhl, Tempelhof, Germania- und Gottlieb Dunkelstraßen Ede.. Adalbertstr. 20. Bauten der Firma Iden: Wolantstraße in Pankow neben dem Posadowskyhaus, Baumeister Koppen. Elisabethkirchstraße, vis a vis der Streligerstraße. Bauten der Firma 3 Dombrowsky: Tempelhof, Germania- u. Gottlieb. Dunkelstraßen Ede, Bauherr Tausch u. Berghäuser. Banten der Firma Ziehe: Charlottenburg, Tauroggenerstr. 46. Rigdorf, Harzerstr. 3. Tegelerstr. 7. Bau der Firma Marquardt: Rigdorf, Weise und Allerstr.- Ede. Bau der Firma Emmeluth, Rigdorf: Gewerkschaftshaus der Metall arbeiter, Charitéftr. 3. Charlottenburg, Hildebrandtstr. 16. Wannsee, Friedrich Karlstraße, Bau Schwabach. Wannsee, Bismardstraße 8, Bau Benjamin. Bauten der Firma Schmidt, Frankfurter Allee: Dudenarderstr. 5, Dolve. Lichtenberg, Magdalenenstr. Fischer. Bauten der Firma Erdmann: Ministerialdirekt. Neuhaus, Dahlem, Partstraße. Mathesius, Nitolassee, an der Nehwieje. Jagdschloß Glienide. Fürstenhof, Potsdamer Plaz. Bauten der Firma Langermann: Wilmersdorf, Pariser- und Wittenbergstraßen- Ede, Bau Hesse. Charlottenburg, Bismard und Weimarstraßen- Ede, Bau Hübner. Bauten der Firma Grün& Hetwig: Städtische Anstalt in Buch. Barbarossaplab, Hochschule. Dldenburgerstraße, Klosterbau. Xantenerstraße 3-8. Hoppegarten, Heilstätte. Sybelstraße, Ede Dahlmannstraße. Bellermannstraße 92. Bauten der Firma Gebr. Faul: Mohrenstraße 44/45. Jägerstraße 63, Berlin. Potsdamerstr. 15. Neuendorf, Monumentenstr. 27. Pariserstr. 21/22, Wilmersdorf. Gebr. Fidert, Chauffeestraße, Mariendorf. Offiziertafino, General Papestraße, Schöneberg. Anstalt Beelik( Fenster), Pavillon 4b. Nadge, Holzhandlung, Rummelsburg, am Wilhelmsberg. Bauten der Firma Grunert& Seemann: Schönhauser Alee 97. Dänenstraße, Ede Schönfließerstraße. Invalidenstr. 33. Nieder- Schönhausen, Bismardstr. 32. Trestowstr. 14. Banten der Firma Pewesin: Wilmersdorf, Brandenburgischestr.12. Straße 26, Neumann. Tegeler Weg 101/102. Bauten der Firma Prill, Fürbringerstraße. Bau der Firma Spohna: Weichselstraße 56/57, Rigdorf. Bauten der Firma Schirmer: Brefer, Nikolassee, Rehwiese. Schirmer, Zehlendorf, Neuestraße. Schirmer, Grunewald, Parkstraße. Schirmer, Zehlendorf, Spandauerstraße. Bastian, Zehlendorf, Riemeisterstraße. Halensee, Wangenheimstraße. Teutonenftr. 22, am Nikolaussee. Bauten der Firma Wagenknecht: Spreda, Gürtelstraße 17. Fize, Rigdorf, Richardstraße und Bartelsdorferstraße( Ede). Grothe, Mariendorf, Dorfstraße ( Ecke). Bauten der Firma Akt.- Ges. für Bauausführung: Hardt u. Lesser, von der Heydtstraße 12. Ritterstraße 11, Fabrikgebäude. Bauten der Firma Repke, Charlottenburg: Lorenz, Sybelstraße 47. Seibt, Bismardstraße, Ede Rüder straße. Lantwig, Sanatorium. Schröder, Charlottenburg, Spielhagenstraße, Ede Wilmersdorfer. straße. Bauten der Firma Gebr. Schaar: Belder u. Plathen, Lichtenberg, Dorfstraße 9. Mix u. Genest, General Papestraße. Jahnisch, am fleinen Wannsee. Charlottenburg- Westend, Soorstraße. Villa Baum, Billenkolonie Grune wald. Bauten der Firma Schubert Mig u. Genest, General Papestraße Holland, Rirdorf, Elbestraße 37. Holland, Wilmersdorf, Holsteinische straße. Bauten der Firma Kussin: Charlottenburg, Kaiser- Allee 203. Grünfeld, Sächsischestraße 4. Bandmann, Landshuterstraße. Hochschule, Barbarossaplaz. Bauten der Firma Walter, Reinickendorf: Gemeindeschule, Reinickendorf. Sprengel- und Samoastraße Ede. Hausotter- und Residenzstraße- Ede. Bauten der Firma Karl Hammer, Gitschiner: ftraße 63: Tropfte, Wannsee, Alsenstr. 33. Hammer, Eichwalde. Hammer, Lankwig. Bau der Firma Schüler: Wilmersdorf, Landshuter- a. Ber linerstr.- Ede, Bau Bielfe. Bauten der Firma Maaß: Tegelerstr. 6, Bau Körling. Grosse, Marienfelde, Kirchstraße. Bauten der Firma Henke, Mariendorf: Mette, Mariendorf, Dorfstraße. Erdmann, Mariendorf, Chausseeffr. Tempelhof, Fensterbauten, Schön. burgstraße. Bauten der Firma Wolf: Fürstenhof, Botsdamer Plaz. Halensee, Hertastr. 18. Buch, Heilstätte. Bauten der Firma Kuhnert& Kühnet. Raft, Schöneberg, Barbarossa- Ede Landshuterstraße. Paulsen, Charlottenburg, Schlüter straße. Damenheim, Aschaffenburgerstraße. Lehmann, Tiefbaugesellschaft, Dahlmann- und Gervisiusstr.- Ede. Buchholz, Steglitz, Albrecht- und Brüderstr.- Ede. Dahlmann, Friedenau, Barziner ftraße 7. Bau der Firma Rösner: Weichselstraße 37. Bau der Firma Jost, Glogauerstraße: Lindenstraße, Erweiterungsbau der Viktoria. Bauten der Firma Dittmar, Pankow: Wollantstr. 117. Schönholzerstr. 1. Kaiser Friedrichstr. 63, Schule. Bauten der Firma Schulenburg, Charlottenburg: Frankien, Bangenheimstr.- Ede. Ueberholz, Surfürstendamm. Bauten der Firma Hegelmann: Bommel, Nirdorf, Kaiser Friedrichftraße 219-220. Schaum, Wilmersdorf, Kaiser Allee, Ede Wilhelmsaue. Schulz, Jungfernheide, Mindener straße. Böttcher, Reinickendorf, Justusstraße. Böttcher, Borhagenerstr. 17. Bauten der Firma Braun: Müller, Rigdorf, WalterJuliusstraßen- Ede. und Müller, Rigdorf, Cranoldplay, Fensterbau. Bauten der Firma Grünberg, Markgrafendamm: Springer, Schöneberg, Luther u. Freisingerstraßen- Ede. Rigdorf, Herrfurihplag 8. Bauten der Firma Stellmacik Wilmersdorf, Düsseldorferstraße, an der Bayrischen Straße. Charlottenburg, Neue Kantstraße, Ecke Dernburgstraße. Bantow, Spandauerstraße, Ede Kreuzstraße. Bauten der Firma Altstädt, Lippehnerstr. 23: See u. Malplaquetstraßen- Ede. Hufelandstr. 8. Bauten der Firma Oehlschlägel: Laue, Charlottenburg, Uhlandstraße, Ede Steinplay. Höpfer u. Schwarzkopf, Schmargendorf, Ruhlaftr. 20/21. Bauten der Firma Ede Röder& Comp.: Schmalz, Malmöerstraße, Straße 2b. Tauroggenerstr. 2. Bauten der Firma C. Prächtel, Laufizerjir. 10: Dahlem, Botanischer Garten. Charité- Krankenhaus. Birchow- Krankenhaus, Seestraße. Padhof, Alt- Moabit. Bauten der Firma Thal, Lehrterftr. 44: Fichtenberg, Stegliz, Friedrichstr. 6. Müllerstr. 52. Bauten der Firma Heinemann: Sophie Charlottenstraße, Ede Knobelsdorfstraße. Brehm, Gleimstraße. Strüger, Dernburgstraße. Lange, Rigdorf, Boddinstraße. Lange, Steglib, Forststraße. Rigdorf, Lahnstraße. Banten der Firma Metz, Urban: straße: Tempelhof, Eylauerstraße. Steglig, Stubenrauchstraße. Baniow, Mendelstr. 18. Tegel, Spandauer, Ede Bergstraße. Bau der Firma Herrgesell& Hübner, Wilhelmshavener. ftraße: Charlottenburg, Berner Siemensstr. Mommsenstr. 27. Dalldorferstr. 24. Bauten der Weißenseer Holzbearbeitungsfabrik G. m. b. H.: Schöneberg, Lohse, Wilmersdorf Friedenau, Ringbahnstr. 245. Buffe u. Jensow, Münchenerstr. 16. Knoblauch, Brih, Jahnstr. 82. Löwe, Sidingenftr. 54. Stronenstr. 33. Bandmann, Heilbronnerstr. 22. Weißensee, Frificestr. 3. Bauten der Firma Pätz, Reichenbergerstr. 114: Fischer u. Colberg, Rirdorf, Bergu. Walterstraßen- Ede. Förster, Rirdorf, Treptower- und Harzerstraßen- Ede. Weise, NW., Elberfelderstr. 4/5. Bauten der Firma Osten, Rigdorf: Magnus, Schönhauser Allee 134a, Bau der Firma Bauschke: Charlottenburg, Schillerstr. 11. Bauten der Firma Noack,| Banten der Firma Geißler, Hennigsdorferstraße: Giller, Nord- Ufer, zwischen Lynar straße und Ringbahn. Reinidendorferstr. 49. Bauten der Firma L. Lassen: Demme, Urbanstr. 94. Schmädice, Elberfelder- und Dort munderstraßen- Ecfe. Blankenfeld, Müllerstr. 152. Lassen u. Brefinsky, Borhagen. Bau der Firma Pohl& Sohn: Schossow, Charlottenburg, Sybell ftraße 7-8. Bau der Firma Näthe, Stettinerstraße 27: Eide u. Schwarz, Schwedenstr. 5. Bill u. Jakob, Rigdorf, Donaustr. 114. Bau der Firma Schneider, Griebenowstraße: Bellermannstr. 84. Adalbertstr. 9. Bauten der Firma Roloff: Mohrenhof, Friedrich-, Ede Mohren. straße. Schivelbeinerstr. 7. Winsstr. 17. Bau der Firma Hoffmann, Wollinerstr. 27a: Gleimstr. 46/47. Firma Knöfel, Lichterfelde, Manteuffelstr.7: Stegliz, Herderstr. 7. Bau der Firma Schwarze, Nixdorf, Nogatstr. 25: Rigdorf, Emferstr. 32-34. Bau der Firma Wagenknecht, Petersburgerstraße: Friedrichsberg, Pfarrstr. 4. Bau der Firma Heidenberg, Prinzenallee 20: Thiele, Wilmersdorf, Nassauische straße 5. Bau der Firma Scharwis: Stödel, Friedenau, Cranachstraße. Bau der Firma Holstein: Schule, Lichtenberg, Scharnweberstraße 22. Bau der Firma Muder, Schönhausen: Bankow, Schmidstr. 6. Bau der Firma Reuter, Steinmetstr. 24: Haumann, Münchener, Ede Rosenheimerstraße. Bau der Firma Rachfall, Ka: stanien- Allee 10: Schönhauser Allee, Ecke Bornholmer. straße. Leibnizftr. 46. Bau der Firma Weise, Moabit: Charlottenburg, Kaiser Friedrichstr.1. Werkstatt und Bauten der Firma Altendorf, Charlottenburg. Bau der Firma Seeger, Nieder Schönhausen, Bis: marcstr. 38: Tresckowstr. 67. Bau der Firma Mitsch, Bars nimftr. 22: Christburgerstr. 41. Bau der Firma Schrammer in Rigdorf. Hedentann, Inn- u. Donaustraßen Ede. Bau der Firma Krause in Nixdorf: Rudolf u. Zemple, Mariendorf, Feldstr. 65. Bauten der Firma Gustran, Niydorf: Stier, Ober- Schöneweide, Edisonstraße 40. Bauten der Firma Gebr. Ruge, Cadinerstraße: Ruwald, Romintenerstr., a. d. Kirche. Mühlhaase, Treptow, Stiefholzstr.. Ede Bouchéstraße. Goteniusstr. 5. Bech, Huttenstraße. Bau der Firma Harms: Bettenfoferstr. 28. Bauten der Firma Herrmann, Treppengeländerbranche. Stalitzerstraße: Ausbau in Tegel, Veitstr. 16. Gasanstalt, Prenzlauer Allee, Direktionsgebäude und Gußröhrenlager. Bauten der Firma Strotthoff: Herold, Charlottenburg, Giesebrechtstraße 17. Reinickendorferstr. 95. Gutzeit, Ufer und Martin Opik straßen- Ede. Achtung! Bauarbeiter! Die Bauten der Firma Vereinigte Bautischler aus Rieg bei Treuenbrießen; Bau Albrecht, Barbarossastraße( Schöneberg), Bau Völker, Jablonskistraße 12/13. Sentinger, Hochstraße, 80/5 Prehn, Lisztstraße, 99 Bornholmerstraße, Prenzlauer Allee, Ecke Chodowieckistraße, find für Tischler und Einsetzer gesperrt. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Achtung! Der Gauvorstand. Achtung! Brauereiarbeiter! Bei etwaiger Nichtinnehaltung des abgeschlossenen Henrizi, Charlottenburg, Suarez- Tarifvertrages seitens der Brauereigenossenschaft des Verbandes der Gaft- und Schankwirte für Berlin straße 13. Banten der Firma Waiz: Maak, iepenburger- und Pfalz- und Umgegend, Friedrichshagen, Abteilung Stralan, burgerstraßen- Ede. Bau Launusstr. 29, Friedenau. Bauten der Firma Sperling& Kapelke: Briz, Werder u. Rungiusstr. Ede. Sybelstr. 56 und 57. Neue Wilhelmftr. 10. Bauten der Firma Glatzer, Blürstraße 35: Zehlendorf, Adalbertstr. 28. Waldemarstr. 41.. machen wir unsere Mitglieder darauf aufmerksam, erst die Ortsverwaltung in Kenntnis zu sehen, che weitere Schritte unternommen werden. Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter Zweigverein Berlin, Sektion II. Banten der Firma Schmidt& Co., Schönhauser Allee: Wilmersdorf, Kaiser- Allee u. Sieglindeſtr.- Ecke. Schöneberg, Bragerstr. 15. Brull u. Schmidt, Charlottenburg, Deruburgstraße. Duaß, Charlottenburg, straße 56/57. SybelBrode, Charlottenburg, Dahlmann ftraße. Frik, Charlottenburg, Niebuhrstr. 77. Herbst, Schöneberg, Bambergerstr. Beiser, Schöneberg, Münchenerstr. 14. Boffe, Pariserstr. 38. Bau der Firma Hundt, Grimmstraße: Steller, Jägerstr. 63. Maaß, Lizenburgerstraße, Ede Pfalzburgerstraße. Bettscher, Kurfürstendamm 144. Hausherr, Stegliz, Hubertusstraße, Ede Schloßstraße. Steglit, Ahornstr. 12, Ausbau. Kutter, Zehlendorf, Scharfeftr. 4. Scheuren, Zehlendorf, Milinowsti straße. Haase, Zehlendorf, Riemeisterstraße. Bastian u. Kabelis, Zehlendorf, Niemeisterstraße. Bostbau, Niederschönhausen, Tres Towstraße 67. Bauten der Firma Pusch, Pfarrstraße 35: Buggenhagen, Lichtenberg, Pfarr straße 5. Burr, Simon Dachstraße. Karlshorst, Prinz Dstarstraße. Urbanstr. 3. Rummelsburg, Wilhelmstr. 3/4. Höfelt u. Seifert, Karlshorst. Wolf, Nieder- Schöneweide. Schwindt, Charlottenburg, Ger binusstr. 3. Grothe, Mariendorf, Dorfstr.- Ede. Bauten ber Firma F. Peschel Bertram, Schöneberg, Martin Luther & Söhne: straße 27. Seiler, Schöneberg, Eylauerstr. 3. Baugesellschaft Warthe", Rigdorf, Hermannstr. 32. Bau der Firma Stahl, Kur: fürstenstraße 37: Ueberholz, Kurfürstendamm 170. Dieffenbachstraße: Groterjahn, Schönhauser- Allee 129. Hesse, Pariserstraße. Supte, Schlüterstraße, Ede Lieben burgerstraße. Neuendorf, Monumentenstr. 27. Menge, Wilmersdorf, Schwäbischestraße. Burgall u. Martin, Faldenstein straße 49. Rottbuserdamm 87. Friedenau, Stuvenrauchstr. 1% Billenkolonie Nikolassee, Sudeten straße, Körner, Desgl., Sudetenstraße, Rotowsky. Edert u. Denneberg, Bödiderstr. 8. Beiser, Schöneberg, Münchenerstr.14. Bauten der Firma Törmer& Scharlan: Gr. Frankfurterstr. 126. Schmidt, Pasteurstr. 35. Nixdorf, Weichselstr. 48/49. Burnau, Charlottenburg, Mommsen straße 42/43. Lehmann, Charlottenburg, Momm senstraße 44. Wilmersdorf, Kaiser- Allee 202. Bauten der Firma G. Bruns, Boppstraße: Wisbyerftr. 71/72, Geite. Schonenschestr. 3-4, Geite. Weißenfee, Frisidestr. 3. Grünau, Jägerstr. 16, Paek. Lantwig, Surfürsten- und Frobenstraßen- Ede, Köhler. Bauten der Firma Völker, Tempelhof. Gräz, Bornholmerstraße, Ede Schönhauser Allee. Hübner, Charlottenburg, Bismard, Ecke Weimarerstraße. Villa Werner, Klein Glienice bel Potsdam. Paulsen, Schlüterstr. 33/34. Lehmann, Dahlmannstraße, Ede Garvinusstraße. Bauten der Firma Lindgren, Rigdorf: Kazmann, Brückenstr. 2. Wükler, Rirdorf, Bergstr. 112. Wipperstr. 25. Müller, Walter und Jus liusstraßen- Ede. Lowe, Gewehrfabcit, Wittenau. Altes Kriminalgericht, Moabit. Bauten der Firma Marzahn, Bergmannstraße: Lorenz Repke, Sybelstr. 47. Karl Schmidt, Helmstädterstr. 2. " Brinzessinnenstr. 18. Wilhelmstr. 45/46. Gewerkschaftshaus d. Metallarbeiter, 17 Charitéstraße 3. Fröhlich u. Ludwig, Grolmanftr., Ede Bismardstraße. Bauten der Firma Jensen & Wodrich: Samoaftr. 2, 3, 20, Bau Müller. Prinz Regentenftr. 116, Bau Last. Bauten der Firma Grieser, Steglitz, Heesestraße: Lamprecht, Stegliz, Schönebergerftraße 10-11. Sinnig, Bankow, Schulzestraße. Swoboda, Stegliz, Grunewaldstr.28. Willardt, Stegliz, Bimmermannstr.12 Krüger, Lichterfelde, Chauffeestraße Ede Stegligerstraße. Bauten der Firma Heinrich, Steglth, Plantagenstr. 19: Sinnig, Steglitz, Martinstr. 5. Sinnig, Steglib, Albrechtstr. 107. Suchland, Steglis, Südendestraße. Willardt, Stegliz, Zimmermann. straße 12/13. Klitscher u. Altring, Friedenau, Wilhelmstr. 213. Bau der Firma Meinhardt. Dennewigstraße: Schönebergerstr. 27. Bau der Firma Vogt, Köpenickerstr. 54: Charlottenburg, Kaiser Friedrich, Ecke Scharnstraße. Bauten der Firma Uferstr. 5. Engel, Saalmann, Schwedenstraße. Maaß, Dortmunderstraße. Lehmann, Voigtstraße. Bauten der Firma Finkendei, Groß- Lichterfelde. Bernice, Stegliz, Berlinideftr. 5. Hausherr, Groß- Lichterfelde, Ringstraße, Ece Dührerstraße. Bau der Firma Brandenburg, Wilhelmstr. 124: Bonifaciusgemeinde, Yorfstr. 87/88. Schilling, Köpeniderstr. 27. Löffler, Krefelderstr. 8a u. 9. Henrizi, Charlottenburg, Suarezftraße 13. Bauten der Firma Vogt& Söhne, Stendalerstr. 6: Echtermayer, Driesenerstraße, Ede Stolpischestraße. Bau- und Sparverein Westend. Bommel, Rigdorf, Kaiser Friedrich. straße 219/220. Hartmann, Cornely, Stubenrauchstraße. Friedenau, Thiele, Wilmersdorf, Nassauische. straße. Herms, Pankow, Schmidtstraße. Bauten der Firma Lütjen& Bruns, Greifswalderstraße: Balentus, Charlottenstr. 7. Hubracht, Dahlmann Ede Sybelstraße. Köppen, Pankow, Bollankstr. 97. Wegen Streit und Differenzen find gesperrt: Für Vergolder: J. C. Pfaff, Beughofstraße. Für Kammacher und Zelluloid- Arbeiter: Firma Grünberg, Beißensee, Langhansit. 58. Für Bodenleger: Lug, Neue Kant- und Dernburgstraßen- Ede. Bau Kottbuserdamm 84. Bau Kottbuserdamm 9. Zuzug ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Hans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil berantp.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vortvärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. r. 50. 24. z. KnlW 1(9 Jontirts" Klllim MM Aoaverstas, 28. Febra« 1907. Partei- Angelegenheiten. Wildau. Heute abend findet der Zahlabend für den Bezirk Wildau statt. Die Genossen werden ersucht, zahlreich und pünktlich Pl erscheinen._ Der Vorstand. berliner IVackrickten. Unnatürliche Mütter. Mit deni üblichen Aufwand moralischer Entrüstung, die cht sowohl ansteht wie der Kokotte das Gebetbuch, berichtete die bürgerliche Presse in den letzten Wochen wiederholt über „unnatürliche Mütter". Unverheiratete Mütter haben ihre ßinder ausgesetzt oder kurz nach der Entbindung um gebracht! Das sind erschreckende Erscheinungen!— Forscht man nun den Ursachen nach? Fragt man: Ivie ist es mög lich, daß das stärkste, das mächtigste Gefühl, die Mutterliebe, gedämpft, erstickt wird? Unsinn! Man entrüstet sich über die entmenschten Mütter, über Leichtsinn und Fehltritte der— Mädchen. Fehltritte der Männer gibt es ja nicht, auch keine unnatürlichen Väter! Das Mädchen allein kann zivar nicht„fallen", aber sie trägt allein die Folgen. Darum Fluch über sie, sie treffe die volle Entrüstung der hehren Priester der Moral und Sitte. Daß sehr oft die Söhne aus vornehmem Hause arme Mädchen mit allen Schlichen der Verführung, der Herbeiführung günstiger Gelegenheiten zu Fall bringen, das ficht die sittlich Entrüsteten nicht weiter an. Erbärmliche Löhne, Entbehrungen, der Aus- schlusi von den Kulturgenüssen, find meist die erfolgreichen Helferinnen bei den Gelegenheiten. Melden sich dann die folgen der schwachen Stunden, dann drückt sich der stärkere eil, überläßt das betrogene Mädchen seiner Oual und Pein. Und die Kindesmörderei beginnt! Die Schuld dafür trifft in erster Linie den unnatürlichen Vater, der in den-schwachen Stunden des Weibes Stunden der Siege feiert, sich als Held fühlt, sich nach genossenen Freuden aber abwendet und neue Abwechselung sucht— und in feinster Gesellschaft mit solchen Heldentaten Neid und Miß- gunst erweckt! Furchtbar enthüllt sich vor dem geistigen Auge des be- trogenen Mädchens die Zukunft. Von den Eltern gescholten, ver- stoßen, von der Dienstherrschast aus dem Hause gejagt, aus der Arbeit entlassen, das ist es, was ihr winkt: Ueberall verschlossene Türen! Wohin mit der Qual! mit den folternden, den Geist ver. wirrenden Gedanken. Manches Opfer einer schwachen Stunde wagt den Sprung ins Wasser. Dann ist es vorbei mit aller Not und Pein. Zwei Menschenleben hat der unnatürliche Vater auf dem Gewissen. Aber da er nicht die Folgen trägt, trifft ihn nicht die moralische Entrüstung der honetten Gesellschaft. Andere Mädchen, die sich Mutter fiihlen, suchen ihren Zustand durch Einschnüren des Körpers den Augen der Angehörigen zu entziehen, so lange es geht. Die gewagtesten Mittel und Experimente werden angewandt, um keimendes Leben zu ver- Nichten. Mutter und Kind nehmen dabei oft dauernden Schaden an der Gesundheit. Wem fällt es ein, den unnatür- lichen Vater wegen verschuldeter Körperverletzung und Ge- fundheitsschädigung verantwortlich zu machen? Nur über die„Gefallene" ergießt sich die Schale moralischen Zornes. Hat das Mädchen alle Schrecken der Schwangerschaft über- standen, ist es Mutter geworden, dann erst recht wird ihr die Welt zur Hölle. Ist die Geburt heimlich erfolgt, dann genügt eine Minute der Angst, die bis zur Sinnlosigkeit gesteigert die Tat geschehen läßt. Angst, fürchterliche Angst läßt die physischen Schmerzen, die die legitime Mutter 8 bis 14 Tage ans Bett feffeln, bei der Fräulein Mutter gar nicht zur Geltung kommen, die schwere Stunde unterbricht vielleicht nur für Minuten die aufteibende schwere Berufsarbeit.— Wie furchtbar muß der Leidenskelch solcher unglücklichen Geschöpfe sein. Angst und Not erzeugt die unnatürliche Mutter. Erfolgte die Geburt in einer Anstalt, dann ist der Leiden Ende ebensowenig gekommen. Wohin soll die unverheiratete Mutter mit dem Kinde? Ein eigenes Heim kann sie sich nicht schaffen. Dazu reicht der Verdienst nicht. Das Kind bei ftemden Leuten unterbringen? Auch das kostet mehr als eine Arbetterin gewöhnlich erschivingen kann. Und als Dienst- mädchen sind ihr erst recht alle Türen verschlossen. Wer wird denn ein Fräulein Mutter ins Haus nehmen? Pfui! Ein Jüngling Vater, das ist etwas anderes.„Famoser Kerl", schmunzelt das Familienhaupt, wenn die Affäre nicht zu teuer wird. Und auch die sittenstrenge Mama empfindet etwas Stolz über den scharmanten Sohn. Aber das Haus muß rein bleiben. Mag die Gefallene sehen, wie sie fertig wird. Und das Ende? Die Mutter wird eine Dirne, um das eigne und das Leben des Lkindes zu erhalten. Oder, läßt nicht Sinn verwirrende Angst und Hülflosigkeit sie zur Mörderin werden, eines Tages liegt ihr Kind vor fremden Türen— sie hat es ausgesetzt, weil die sozialen Verhältnisse es ihr verwehren, dem Kinde Mutter und Erzieherin zu sein. Die sozialen Verhältnisse lassen dem Fräulein Mutter die Wahl: in Schande und Not zu leben, Dirne zu werden, ihr Kind auszusetzen oder zu morden. Die Gesellschaft, macht die unnatürliche Mutter. aber sie entrüstet sich nicht über ihre Sünden, sondern über die Opfer ihrer Sünden.-- Heuchelei." Erst laßt ihr die Armen schuldig werden, dann überlaßt ihr sie der Pein!_ Berichtigung. In Nr. 49 vom Mittwoch ist in dem Artikel „Der Stadthaushaltsetat für das Jahr 1997" durch Auslassung einer Zeile eine Entstellung des Sinnes ent- standen. Die ersten Sätze des letzten Abschnittes lauten richtig folgendermaßen: „Bei der Prüfung des Entwurfs und der schließlichen Fest- setzung des Etats geht die freisinnige Mehrheit der Stadt- verordnetenversamnilung von Gesichtspunkten aus, die denen der sozialdemokratischen Fraktion völlig entgegengesetzt sind. Wir Sozialdemokraten fragen zuerst, welche Ausgaben erforderlich sind, um die notwendigen Aufgaben der Kommune zu erfüllen. Die freisinnige Mehrheit kehrt das Verhältnis um. Sie fragt, welche Aufgaben der Kommune als notwendig anerkannt werden dürfen, damit der zulässige Ausgabebetrag langt." Dir neuen Eiscnbahn-Fahrkartca, wie sie vom 1. Mai d. I. zur Ausgabe gelangen, werden einige bemerkenswerte Abweichungen von den jetzt im Gebrauch befindlichen Kotten zeigen. In die Augen fällt zunächst der breitere Raum am oberen Ende, über der Bezeichnung „für alle Züge usw."; dieser Raum ist auf der linken Seite zur Auf- nähme des Tagesstempels, der bei der Lösung der Fahrkarte auf- gedrückt wird, bestimmt, während auf der rechten Seite Platz für einen zweiten Stempelausdruck gelassen ist, der durch die Abkürzung„Rückf." den Fahrausweis zur Rückfahrkarte macht. Daß diese lediglich zur Bequemlichkeit der Reisenden, die einen Weg zum Schalter sparen wollen, verausgabt wird und nur zwei Tage Gültigkeit hat, haben wir bereits mitgeteilt. Infolge dieser reichlicheren Raum- Zuteilung für den oberen Abschnitt müssen die Routenvorschriften, die sich sonst unter dem Namen der Bestimmungsstation befinden, sofern sie mehrere Zeilen in Anspruch nehmen, auf die Rückseite der Fahrkatte gesetzt werden. Eine weitere Abweichung zeigt sich unter der links unten befindlichen Bezeichnung der Wagenklasse; hier findet man eine arabische Ziffer, entsprechend den l14) verschiedenen Zonen, die dem Gepäcktaris zur Grundlage dienen. Eine Fahrkarte Berlin— Köln 1289 Kilometer) wird also die Zahl„11" tragen, d. h. elfte Gepäckzone für die Entfernung von 591 bis 999 Kilometer. Bei der Abfertigung des Reisegepäcks braucht der Beamte in der Tattstabelle nur nach der Gewichtsstufe Feuer entstand in der Nacht vom 25. zum 20. Februar in einer Isolierzelle der Edelschen Anstalt. Nachts 1 Uhr«vurde ein lautes Rufen bemerkt und bald wurde festgestellt, datz in der Isolierzelle eines Patienten Brand entstanden war. Die Hülfe■ kam noch zur rechten Zeit, sonst wäre der Patient erstickt oder gar verbrannt. In der Zelle befindet sich ein Ofen; der Patient mutz wohl den Stroh- sack in Brand gesteckt haben. Das Feuer wurde alsdann bald gelöscht. Rixdorf. Ein schwerer Betriebsunfall ereignete sich am Dienstagmorgen in der Fabrik für Eisenkouftruktionen von Steffen u. Nölle am Mariendorfer Weg. Der Arbeiter Karl Schulz, ein junger Mann von etwa 20 Jahren, geriet in das Räderwerk einer elektrisch be- triebenen Bohrmaschine, wodurch ihm der eine Oberarm zerfleischt wurde. Der Verletzte wurde nach dem Britzer Kreiskrankenhaus gebracht; ob und wieweit er wieder den. beschädigten Arm wird gebrauchen können, ist noch nicht festzustellen. Wie uns mitgeteilt wird, dürfte auch dieser Unfall wieder auf die Autzerachtlassung der Unfallverhütungsvorschriften einerseits und zum anderen auf die in den industriellen Großbetrieben immer mehr um sich greifende Treiberei zurückzuführen sein. Ter Verunglückte mußte die Bohrmaschine etwas weiter rücken; als er zu diesem Zwecke dieselbe durch Ausschaltung des elektrischen Stromes zum Still- stand bringen wollte, wurde ihm vom Meister bedeutet, daß er nicht erst lange ausschalten solle. Sch. kam dieser Weisung nach und glitt beim Weiterrücken der Maschine in das Räderwerk. Das wäre noch verhindert worden, wenn nicht die den Arm erfassenden Zahnrüder jeder Schutzvorrichtung entbehrt hätten. Erst nach dem Unglück wurde das Versäumte nachgeholt. Dieser Fall zeigt wieder, wie Arbeitskraft und Gesundheit des Arbeiters auf dem Spiele stehen. Die Unfallverhütungsvorschriften stehen nur zu oft auf dem Papier und werden nicht beachtet. Zu wünschen wäre, datz solche Betriebe öfter einmal auf ihre Beschaffenheit untersucht würden. Friedenau. In der letzten Wahlvereinsversammlung sprach Genosse Kurt Heinig über„Das Ergebnis der Reichstagswahl". In ausführlicher Weise legte Redner die Ursachen des Wahlausfalls dar. Er betonte, datz wir durch den Verlust der Mandate gar keine Ursache haben, den Kopf hängen zu lassen. Der Stimmenzuwachs zeige erneut die Werbekraft deS Sozialismus. Vor allem gelte es jetzt, mit aller Kraft für den Ausbau der politischen solvie gelverlschaftlichen Organi- salionen zu arbeiten, sowie für die weiteste Verbreitung der Partei- resie zu sorgen.— In der Diskussion wurde von den Genossen arauf hingewiesen, datz die Flugblätter für die Landarbeiter zu schwer verstandlich seien; für die Landagitation müssen allgemein verständliche Scbristen verlvendet werden. Hierauf gab Genosse Düring den Kassenbericht vom letzten Quartal.— Aufgenommen wurden 14 neue Mitglieder, ebenso viel mußten zurückgestellt werden, da die Betreffenden in der Versammlung mcht erschienen waren. Marienfelde. Was will die Sozialdemokratie und wa» haben wir vom neuen Reichstag zu erwarten? lautete das Thema, über das der Genosse S t r a s f e r- Rixdorf an Stelle des durch Krankheit verhinderten Genossen Zubeil in der ersten Mitgliederversammlung des neu ge- gründeten Wahlvereins für Marienfelde und Umgegend referierte. Der Saal von Berger. Dorfstr. 30, war überfüllt. Der Vortrag fand groben Beifall. An der Diskussion beteiligten sich die Genossen Berger, Keuerstock, Greulich und die Mariendorfer Genossen Komnick und Lehmann I im Sinne des Referenten. Genosse Greulich forderte die Anlvesenden zum Austritt aus der Landeskirche auf; eS müsse das die Antwort sein auf die Schlepperdienste, die der hiesige Pfarrer am Wahltage den Gegnern geleistet hat. Auch wurde auf die Be- achtung der Lokalliste hingewiesen und bekannt gegeben, datz die beiden Gastlvirte Stasseld und König die Unterschrift des Reverses verweigert haben. Neuaufgenommeu wurden sechs Genossen, so datz der Verein aus 79 Mitgliedern besteht. Der Vorstand setzt sich zu- sammen aus folgeirden Genossen: Erster Vorsitzender Auguit Hampel, zweiter Borsitzender F. Greulich; August Trebu«, Kassierer; Karl Schliebncr, Schriftführer; Wilhelm Jäuicke, Lichtenrade, Beisitzer. Lichtenberg. i Di« Listenwahl der Delegierten zur Krcis-Generalversammlung hat folgendes Resultat ergeben. ES sind 326 Listen abgegeben, da- von ungültig 03, verbleiben 232 gültige Stimmen. Es erhielten die meisten Stimmen; Linke. Elias. Lenz. Liebennann. Spieckermann. Köhlert. Kupfer, BackhuS, Niehuus, Scholz, Röseler. Wilh. Schulz. Herne, Hennig. Härnicke, Wilh. Sckinke, Preutz, Prellwitz, Welk, Guszahn und Protz. Für die Verbands-Generalversammlung scheidet Genosse Protz aus und tritt an seine Stelle Paul Brühl. Als Ersatzleute zur KreiS-Generalversammlung gelten Jaffke und Stahl. Johannisthal. Aus der Gcmeindevcrttetnug. Der persönliche Zwist, der bereits seit Jahren zwischen den Vertretern der zweiten Klasse und dem Gemeindevorsteher besteht, kam auch in der letzten Gemeinde- Vertretung wieder schroff zum Ausdruck. Eine Anfrage des Herrn von Trütschler, warum der von der Gemeindevertretung gefatzte Beschluh, Anstellung eines besoldeten Gemeindevorstehers, nicht aus der Tagesordnung stehe, beantwortete der Gemeindevorsteher dahin, datz die Behandlung dieser Sache bereits vor einigen Monaten ab- gelehnt fei, ihm aber auch die Aufstellung der Tagesordnung nach seinem Ermessen zustehe. Eine Anzahl in voriger Sitzung bei Ab- Wesenheit des Gemeindevorstehers gestellter Fragen, wie die Nicht- einziehung von Grund» und Gebäudesteuern deS Forstfiskus, von Biersteuern bei einigen Gastivirten, von Anliegerbeiträgen in der Kaiser Wilhelmsttatze und andere die trübe Finanzlage betreffende Fragen beantwortete der Gemeindevorsteher mit ausgesuchter Schärfe dahin, datz die einziehbaren Anliegerbeiträge der Kaiser Wilhelmstrabe eingezogen seien, der Forstftskus so- weit wie möglich jetzt zur Steuer herangezogen sei; die Nicht» besteuerung einiger Bierwirte sei aus Unkenntnis übersehen. Im übrigen sei eS unmöglich, mit dem ihm zur Verfügung gestellten Beamtenapparat die Geschäfte so zu erledigen, wie dies seitens der Gemeindevertretung gewünscht werde. Bemerkt sei hierzu, datz dieses Frage» und Antwortspiel schon oft Gegenstand der VerHand« lungen war. Es ist ergötzlich, wie jetzt von dm beidm streitenden Parteien die drei sozialdemokratischen Vertreter umworben werden, da eS von diesen abhängt, ob das Zünglein der Wage sich nach rechts oder links neigt. Die in voriger Sitzung beschlossene Erhebung einer Anleihe von 20 000 M. wurde durch nochmalige Ab- stiinmung auf 80 000 M. erhöht. Bei dieser Gelegenheit protestierten unsere Parteigenossen gegen die Illumination am 27. Januar; es würden dabei Gelder verwandt, womit der grötzte Teil der Orts- einwohner nicht»inverstanden ist. Ueber den semerm Verbleib der Lorgärten in der Friedrichswatze wurde deren Beseitigung mit allen gegen zwei Stimmen beschlossen. Niedcr-Schöneweide. In der Generalversammlung des Wahlverein« gab Genosse Bengl'ch einen kurzen Rückblick über die Reichsjagswahl am Orte. Die Zahl der abgegebenen sozialdemokraiischen Stimmen, meinte Redner, habe gezeigt, datz nur«in Bruchteil der innerlich zur Sozialdemokratie Gehörenden Mitglieder de» Wahlvereins sei. Diese für die Organisation zu gewinnen, müsse eine der nächsten Aufgaben der Parteigenossen sein. Nach dem Vorstandsbericht haben im letzten Geictiäftsjahre stattgefunden 12 Aereinsversammlungen, 6 Beneral- Versammlungen, 7 Volksversammlungen, 22 Porstandssttzungen, 4 Handzettel- und 8 Flugblattverbreitungen. Mitglieder waren am Anfang des JahreS 83, am Schlutz 60 vorhanden. Die Zahl der „VorwärtS'-Abonneuten stieg von 72 auf 112. Die Borstandswahlen hatten folgendes Resultat: Beugsch erster, Gräbnitz zweiter Bor- sitzender; Stein Kassierer; Bonakowsky Schriftführer: Hofmann Beisitzer. Als Revisoren fungieren: Matern, Brede und Ramsperger. Mitglieder der Lokalkommission sind: Hofmann, Matern und Wolf. Bibliothekar: Perkuhn. Als Delegierte zur KreiS-Generalversammlung wurden die Ge- Nossen Wolf, Hofmann und Bengsch gewählt. Ferner wurde an- geregt, den Ort in drei Bezirke zu teilen, um die Agitation besser entfalten zu können. Die Angelegenheit wurde dem Vorstande überwiesen, um in der nächsten Versammlung die Einteilung der Bezirke bekannt zu geben. Ober- Schöneweide. Ein erfreuliches Wachstum der Parteiorganisation haben die Ober-Schöneweider Genossen im letzten Jahre zu verzeichnen. Danach hat sich die Mttgliederzahl des Wahlvereins um 262 innerhalb eines Jahres vermehrt. Sie betrug am Schlutz des Jahres 1906 285 und stieg bis zum Schlutz des Jahres 1900 auf 537. Sicher ein schöner Lohn für die intensive Tättgkeit der Genossen. Stattgefunden haben 13 Vereins- und 11 Volksversammlungen. Die Einnahmen bettugen 0147,44 M. und die Ausgaben 6790,96 M. Die Bibliotbek enthält 374 Bände, dieselbe wurde von 106 Lesern 1024 mal benutzt. Die Zahl der„VorwärtS'-Abonnenten ist vom Januar 1906 bis Januar 1907 von 788 auf 930 gestiegen. Die Neuwahl des vor- slandes ergab folgendes Resultat: Borsitzender: Muth; Kassierer: Burgschat; Schriftsührer: Herlitz; Beisitzer: HeujeS, Pfeifer, Roden» busch; Revisoren: Meinholz. Kaufhold. Jakobsen; Spediteur: Grunow; SpeditionSkonimission: Gallasch. Burgschat, Herlitz; Bibliothekar: Butze; Loialkommisfion: Töpfer, Sielow, Gallasch; Bczirksführer: I. Bezirk Krone, II. Berger, III. Förster, IV. Roden- busch, V. Peintke, Vi Pomp, VH. Zobel. Als Delegierte zur Kreis« Generalversammlung wurden Muth, Grunow, Maurenbrecher, Jakobsen, Kaufhold. Berger, Zobel und als Stellvertreter Roden- busch und Hösselbarth gewählt. Nenenhagen(Ostbahn). Dem in der letzten Generalversammlung deS Wahlvereins er» statteten Vorstandsbericht ist folgendes zu entnehmen: Die Mitglieder- zahl ist im Laufe des GeschäflsiahreS von 93 auf 159 gestiegen. ES fanden statt 8 öffentliche und 12 Mitgliederversammlungen. Die Einnahme des letzten Quartals betrug 209.90 M., die Ausgabe 103,44 M., mithin bleibt etn Bestand von 41.40 M. In den Vor- stand wurden folgende Genossen gewählt: Höselbart 1. Vorsitzender, Hübscher 2. Vorsitzender, A. Lehmann Kassierer, Kösling Schrift- fiihrer, Schlosser und Göller als Beisitzer, Böhm, Fiddicke und Wankoum als Revisoren. � ScharfHgetadelt wurde das Berhalten verschiedener Genossen. die es immer noch fertig bringen, in ge- sperrten Lokalen zu verkehren; ernstere Schritte werden gegen diese Ge- nassen auch von gewerkschaftlicher Seite eingeleitet. Tegel. Für' die Entwlckelung des Schulwesens der Gemeinde Tegel liegen jetzt interessante statistische Daten in einer amtlichen Auf- stelluug vor. Sie betreffen die Jahre 1901—1900. vordem war die Entwickelimg Tegel» nicht sprunghaft schnell, sondern in stettgen Bahnen geblieben. Die Einwohnerzahl wuchs nur in dem gleichen Matze, wie industrielle Anlagen nach Tegel verlegt wurden. 1807 hatte der Ort nur 418 Einwohner, nachdem dann EgellS seine Maschinen« fabrit nach Tegel verlegt hatte, stieg 1876 die Zahl auf 1163, 1360 auf 1252, 1885 auf 1552, 1890 aus 2055, dann, nachdem die Berliner Wasser- werke in Tegel in vollem Betrieb waren. 1890 auf 8067. eine Zahl die auch durch den begonnenen Bau deS Borsigwerkes stieg, das dann 1900 die Einwohner Tegels auf 7023 brachte. 1901, zu Beginn der amtlichen Auffüllung war die Zahl dann schon auf 7487 ge- stiegen, um im nächsten Jahre auf 8091 zu steigen. Damals gab es m Tegel« SchulhauS 15 Lehrkräfte für 10 Klassen mit 748 Schul- lindern. Für diese wurden 182913 M. ausgegeben. Der Stand der Schule besserte sich mit dem Wachstum der Gemeinde, bis er 1900 82 Lehrkräfte für 31 Klassen mit 1511 Schülern und 409000 M. Kosten umfatzte. Neben der Volksschule bestand 1901 nur noch die Kleinlinderschule. Sie hatte nur einen Raum, eine Lehrkraft und 38 Schulkinder. 1900 waren diese Zahlen auf zwei Räume, zwei Lehrkräfte und 71 Schulkinder gestiegen. Die Kosten betrugen 1901 1291 M., 1900 1350 M. Es kamen dann 1903 die Realschule und die höhere Mädchenschule hinzu. Die erste begann mit vier Lehrkräften in sunt Klassen bei 58 Schülern und 15 942 M. Kosten und stieg bis 1906 auf neun Lehrkräfte in acht Klassen bei 180 Schülern und 43 300 M. Kosten. Die zweite begann 1903 mit zwei Lehrkräften für zwei Klassen mit 35 Schülerinnen und 3309 M. Kosten und hatte 1900 fünf Lehr- kräfte für fünf Klassen und 11 000 M. Kosten. Endlich trat 1904 die Fortbildungsschule in« Leben, die mit vier Lehrkräften in drei Klassen und 65 Schülern bei 1972 M. Kosten begann und 1900 schon 11 Lehrkräfte in 11 Klassen und 160 Schüler bei 4900 M. Kosten verzeichnete. So umfatzl denn Tegels Schulapparat bei 14832 Ein- wohnem im Jahre 1900 in allen Schulen zusammen 69 Lehrkräfte, 58 Klassen und 2033 Schulkinder. Die Wertzuwachsfteue»»»» Steuerausschuß beschlösse«. In der gestern abend tagenden Sitzung deS Tegeler StcuerausschusseS stand die Vorlage zur Einführung der Wertzuwachssteuer zur Be- ratung. Die einzelnen Bestimmungen wurden durchgesprochen und an der Hand von Möglichkeiten.Berechnungen über die Wirkung der künftigen Steuer angestellt. Das Ergebnis dieser Beratung war, datz der Entwurf mit allen gegen eine Stimme angenommen wurde. Die nächste Gemeindevertretersitzung wird fich bereit« mit der Steuervorlage beschäftigen. Es ist nicht dqran zu zweifeln, datz die Gemeindevertreter sich dem Beschlüsse deS Steuerausschusses an» schltetzen. Reinickendorf-West. Verdoppelt hat fich nach dem Berichte des Vorstandes, der in der ouherordentlichhn Generalversammlung gegeben wurde, der Wahl- verein im letzten Jahre. Die Mitgliederzahl bettägt gegenwärtig 300. Auch der.vorwärts' hat über 100 neue Abonnenten gewonnen. Nach Berufen gegliedert sind polittsch organisiert 118 Arbeiter. 17 Dreher. 23 Maurer. 6 Zigarrenmacher, 18 Schmiede. 24 Schlosser, 10 Gastwirte, 7 Bäcker. 3 Töpfer und verschiedene Berufe 50. In den Vorstand gewählt wurden: die Genossen Dannenberger als erster und Fellwich als zweiter Vorsitzender. Bold als Schriftführer. Bunzlow.Theil und Hammer als Revisoren und Hanick, Kuschminder, Schalk. Dolatha und Schmidt als Bezirksführer. Als Kreisdelegierte wurden Bold, Dannenberger und Hentschel gewählt. Die übrigen Tagesordnungs- punkte wurden wegen der vorgerückten Zeit vertagt. Der Vorsitzende ermahnte zum Schlutz noch zu intensiver Wetterarbeit für die Organi- satton und Presse. Nieder» Schönhause«. Bor 100 Jahren lautete das Thema, über das Genosse Schütte in der letzten Wahlvereinsversammlung referierte. Als Delegierte zur Generalversammlung des Kreiswahlvereins wurden die Genossen Pätzold-, Atsch und Schelle aewählt. Unter Kommunalangelegenheiten berichtete Genosse Hellrich in aus- führlicher Wesse über den Vertragsabschluß unserer Gemeinde mit der Grotzen Berliner Straßenbahn. Hieraus teilte Genosse Otto mit, datz der Vorstand beabsichtige, eine Bibliothek zu gründen, die Parteigenossen werden deshalb gebeten, überschüssige Bücher dem Vorsitzenden zu übermitteln. Unter Verschiedenes machte der Vor- sitzeudo Genosse Pätzold bekannt, daß von jetzt ab die Mitglied«- bcilräge nur in den Zahlabendm cnsgegeiigenommen werde», zu- gleich machte er auf die am Sonntag, den 3. März, stattfindende Flugblattverbrettung aufmerksam und ersuchte um zahlreiche Be- teiligung. Bezirk Waidmanusluft. Dir Gemeinde Waidmannslust-Lülars will zum 2. Quartal dieses Jahres das Gemeindebureau von Lübars nach Waidmannslust ver- legen. Zu Bureauräumen soll die nördliche Hälfte de» Souterrains vom Schulhause umgebaut werden. Der alle Gemeindevorsteher legt sein Amt wegen Ueberlastung nieder: es soll an seiner Stelle ei» besoldeter Vorsteher aus den Reihen der Verwaltungsbeamten angestellt werden. Für die Anstellung eines Juristen erklärten sich nur einige Stimmen. Da« Anfangsgehalt soll 3600 M. betragen. steigend von drei zu drei Jahren um 400 M. bis zum Höchstgehalt Den 4800 M. Für einen später anzustellenden Sekretär stnd 1800 bis 3000 M. in Anschlag gebracht. Der Gemeindediener soll mit 1000 M. angestellt werden, steigend bis zu ISOO M. Der jetzige Gemeinde- dicner bezieht vom 1. April ab 1300 M. Für Gemeindesachen soll in Lübars eine Meldestelle errichtet werden und nachmittags geöffnet sein. Außer den zwei neuen Lehrern sollte bereits zum 1. April ein Schularzt angestellt werden, was jedoch durch die Verzögerung der Behörden bezüglich der Genehmigung der Dienstordnung für den Schularzt wahrscheinlich erst später geschehen kann. Geficbts- Deining. Das Boll in Waffen. Eine Beleidigung der Offiziere und Unteroffiziere soll sich Gc- nosse Puttlitz als verantwortlicher Redakteur des Organs der lokalisti scheu Gewerkschaften «Die Einigkeit" schuldig gemacht haben. In Nr. 40 vom 6. Oktober 1900 brachte die„Einigkeit" einen Artikel„Das Volk in Waffen". Der Artikel behandelt die Kulturfeindlichkeit des Militarismus und enthält einige Wendungen, in denen die Staatsanwaltschaft eine Beleidigung der Offiziere und Unter- offiziere der deutschen Armee erblickt.— Die Anklage wurde gestern vor der 3. Strafkammer am Landgericht I verhandelt. Die Nummer 40 der„Einigkeit" ist zwar vom Angeklagten Puttlitz verantwortlich gezeichnet, jedoch gibt er an, daß er verhindert war. die Redaktionsgeschäfte für die betreffende Nummer zu versehen. Er sei während der Woche, welche dem Erscheinen der Nummer vorherging, in Mannheim auf dem sozialdemokratischen Partei- tage gewesen und auch noch bis zum Mittwoch der folgenden Woche durch unvorhergesehene Umstände in Mannheim festgehalten worden und erst am Donnerstagabend, wo die Nummer bereits fertig gedruckt und zum Teil schon versandt war. nach Berlin zurück- gekehrt. Er habe den betreffenden Artikel erst kennen gelernt, als das Blatt in die Hände der Leser gelangt war. Puttlitz gibt weiter an, er habe mit dem Genossen Kater, dem Verleger der „Einigkeit", die Verabredung getroffen, bereits am Mittwoch nach Berlin zurückzukehren, um seine Redaktionstätigkeit für die Nr. 40 ausführen zu können. Kater, der zu jener Zeit krank war, habe auch nicht erfahren, daß Puttlitz nicht rechtzeitig zurückgekehrt war. So sei es gekommen, daß er für die betreffende Nummer als Verantwortlicher aufgeführt wurde, ohne daß er vom Inhalt derselben Kenntnis nehmen konnte.— Ein in Mannheim kom- missarisch vernommener Zeuge bestätigt, daß Puttlitz zur fraglichen Zeit in Mannheim war.— Ueber die Art, wie das Blatt hergestellt, die Artikel in Druck gegeben und ihre Veröffcnt- lichung angeordnet wird, wurden als Zeugen die Drucker Maurer und Dimmick, der Expedient Kleinlein und der Verleger Kater vernommen. Diese Vcr- nehmungen dienten der Feststellung, ob Puttlitz die betreffende Nummer redigiert habe oder nicht. Auch nach dem Verfasser des Artikels wurde bei dieser Gelegenheit geforscht. Doch wußte keiner der Zeugen, denselben anzugeben. Kater bestätigte, daß Puttlitz an der Redaktion der Nr. 40 nicht beteiligt war. Die vorher- gehende Nummer habe er, Kater, verantwortlich gezeichnet, weil Puttlitz zu jener Zeit in Mannheim war. Er, Kater, würde auch die Nr. 40 haben zeichnen müssen, wenn er gewußt hätte, daß Puttlitz nicht in der Lage war. es zu tun. Da aber Puttlitz ver- sprachen hatte, am Mittwoch zurückzukehren, und er, Kater, von dessen Ausbleiben keine Kenntnis erhielt, so sei die Tätigkeit eines Verantwortlichen Redakteurs an der betreffenden Nummer von niemand ausgeübt worden. Staatsanwalt Lindow meinte, es sei doch möglich, daß der Angeklagte von Mannheim aus das Blatt redigiert habe. Jeden- falls sei nicht festgestellt, daß er an der Herstellung der Nr. 40 nicht beteiligt gewesen sei. Da der Artikel schwere Beleidigungen der Offiziere und Unteroffiziere enthalte, so beantrage er eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten.— Der Ver- teidiger. RechtSanwalt Dr. Heinemann, ließ hierauf durch nochmalige» Befragen des Zeugen Kater feststellen, daß eine Redaktionstätigkeit des Angeklagten von Mannheim aus. ins- besondere die Kenntnisnahme von dem fraglichen Artikel aus- geschlossen ist. In seinem Plaidoyer führte der Verteidiger aus. daß nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme die Täterschaft des Angeklagten ausgeschlossen sei. Auch ein fahrlässiges Verschulden könne ihm nicht zur Last gelegt werden. Der Angeklagte sei, wie glaubhaft nachgewiesen, an der Herstellung der Nr. 40 der„Einig- keit" in keiner Weise beteiligt gewesen. Der Verteidiger bean- tragte die Frei fv rech ung des Angeklagten. Falls aber der Gerichtshof Fahrlässigkeit annehmen sollte, würde eine Geldstrafe ausreichend fein. DaS Urteil» welches Landgerichtsdirektor Busch verkündete, ging dahin: Der Inhalt des Artikels„DaS Volk in Waffen" sei objektiv beleidigend, die Beleidigungen bezögen sich auf die preußischen Offiziere und Unteroffiziere. Die elfteren würden mit Raufbolden und Massenmördern auf eine Stufe gestellt und die Unteroffiziere würden als brutal bezeichnet. Wenn man auch vermuten könne, daß der Angeklagte der Täter sei, so sei doch kein Beweis für diese Annahme erbracht. Es komme also eventuell nur§ 21 des Preßgcsetzes in Frage. Eine grobe Fahr- lässigkeit im Sinne des ß 21 des Preßgesetzes halte daS Gericht für vorliegend. Da der Angeklagte, entgegen der Ab- machung, zur festgesetzten Zeit nicht zurückkehrte und da er wußte, daß Kater, welcher sonst seine Funktion zu übernehmen hatte, krank war, hätte er für eme andere Vertretung sorgen müssen. Für das Strafmaß komme in Betracht einerseits, daß die Beleidigung eine schwere sei, andererseits, daß der Angeklagte noch nicht bestraft sei. Der Angeklagte ist deshalb zu einer Geldstrafe van SOO M. verurteilt und auf Unbrauchbarmachung der PIgtten und Formen der Nr. 40 der„Einigkeit" erkannt.# Bedrohung feiner früheren Geliebten mit einem Revolver führte den Metallarbeiter Kilian vor das hiesige Schöffen- gericht. Auf einer Landpartie hatte er die geschiedene Frau B. kennen und lieben gelernt, wobei er ganz vergaß, daß er bereits verheiratet war. Schlimm aber, rächte, sich seine Vergeßlichkeit. als er einen Liebesbrief der Frau B. in seiner Rocktasche stecken ließ, wo ihn seine Ehefrau fand. Sie stattete ihrer Konkurrentin einen Besuch ab, was zur Folge hatte, daß diese dem vergeßlichen Ehemann den Laufpaß gab. Dies geschah bei dem letzten Rendezvous. Der Angeklagte wollte sich aber an der Haustür der Geliebten nicht schnöde abspeisen lassen. Ex holte einen Revolver hervor und erklärte, daß er sie eher totschießen, als von ihr lassen würde. Da sie schnell die Tür zuschlug, so blieb es bei der bloßen Bedrohung. In der Verhandlung machte Rechtsanwalt B r o h für den Angeklagten geltend, daß dieser ja doch tatsächlich nicht ge- schössen habe, sondern nur in besoirders dramatischer Weise seine Liebe habe beteuern wollen. Der Verteidiger plädierte deshalb auf eine geringfügige Geldstrafe.— Das Gericht erkannte auf 20 M. Geldstrafe._ Der polnische Schulstreik vor dem Reichsgericht. DaS Reichsgericht hatte aus Anlaß zweier Revisionen sich mit der von mehreren Landgerichten auffällig leicht behandelten Frage zu beschäftigen, ob denn die Regierungsverordnungen rechtsgültig sind, die den Anlaß zu etwa 1000 Strafprozessen inPosen gegeben haben, weil Eltern. Redakteure, Redner. Geistliche zum.Ungehorsam' gegen diese Verordnungen aufgefordert haben sollen, und ferner, ob denn in der Tat eine Aufforderung zum Ungehorsam gegen diese Verordnungen, die sich an Lehrer oder Geistliche wenden, in einer an Eltern oder Kinder gerichteten Aufforderung liegen kann. Soweit wir die land- gerichtliche Judikatur der Provinz Posen auf diesem Gebiete habm verfolgen können, gehen die meisten Gerichte mit der Begründung um die Frage der Rechtmäßigkeit der Verordnung herum, daß die Prüfung der Rechtmäßigkeit soweit unzulässig sei, als die Verordnungen auf disziplinarem Gebiet liegen. DaS Reichsgericht gelangte in den am Dienstag vor ihm verhandelten beiden Prozessen zu einer Vertagung. Ueber die Verhandlungen geht uns folgender Bericht zu: Wegen Aufreizung zum Ungehorsam gegen rechtsgültige Ver- ordnungen ist am 10. November v. I. vom Landgerichte Posen der Redakteur einer polnischen Wochenschrift, Vinzent S z p o t a n s k i, zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Die Tat ist in einem Artikel gefunden, in welchem die Eltern aufgefordert werden, den Wider st and der Kinder gegen die Er- teil ung des Religionsunterrichts zuunterstützen durch Beaufsichtigen und Bestärken der Kinder. Eine Verordnung der Regierung vom Oktober 1873 schreibt vor, daß die Schüler der mittleren und oberen Klassen der katholischen Schulen(z. B. in den ehemals polnischen Gebieten) den Rc- ligionsunterricht in deutscher Sprache erhalten sollen, wenn sie imstande seien, dem Unterricht in dieser Sprache zu folgen. Seit 1901, führt daS landgerichtliche Urteil ans, ist diese Verordnung nach und nach an einigen Schulen durchgeführt worden, nachdem der Schulinspektor die Besähigung der Schüler in jedem einzelnen Falle sestgestellt hatte. Dein Geistlichen ist weder der Religionsunterricht ausschließlich zugesprochen, noch ist der Einfluß der Regierung in dieser Hinsicht beschränkt worden. Am wenigsten ist die Regierung(so heißt es in dem Urteil) gehindert, Anordnungen über Ort, Zeit und Sprache deS Religionsunterrichts zu treffen. Die Sprache ist nicht die Religion. Die Unterweisung in der Muttersprache bildet keinen Glaubens- grundfatz nach dem Tridentinum. Der Angeklagte kannte die Ver- ordnung. Seine Behauptung, er habe geglaubt, sie verstoße gegen die Verfassung, wurde als unglaubwürdig zurückgewiesen.— Die Revision des Angeklagten wurde durch Rechtsanwalt Dr. v. Mieczkowski vertreten. DaS Urteil führe, so bemerkte er. vier Erlasse oder Verfügungen an, gegen die der Angeklagte zum Un- f chorsam aufgefordert haben solle. Aber gegen drei der- elben sei Ungeborsam gar nicht möglich, nur gegen die eine(oben angeführte). In den drei anderen Verfügungen würden die Behörden nur angewiesen, daß der Religionsunterricht auch in deutscher Sprache verordnet werden kann. Die R e- gierung sei für diese Erlasse nicht zuständig gewesen laut Instruktion von 1817 und 182S. Nur das Provinzialschulkollegium sei zuständig, die Sprache vor- zuschreiben. Der Ministerialerlaß von 1873 könne nur dann Gesetzeskraft für sich in Anspruch nehmen, wenn die Genehmigung des Königs dazu publiziert sei. Das sei aber nicht der Fall. Der König habe damals nur mündlich seine Genehmigung erteilt. Den Religionsgesellschaften stehe die Leitung des Religionsunterrichts in den Schulen ga laut Artikel 24 der Verfassung. Der Ministerialerlaß von 1873 lasse den Unterricht in deutscher Sprache nur für die Oberstufe zu. Die Oberpräsidialverfügung von 1873 tiberschreite diese Verfügung, da sie noch die Mittelstufe hinzunehme. Daher sei die Oberpräsidialverfügung ungültig. Die Anordnungen der Verordnungen richteten sich gar nicht an die Eltern; diese könnten daher gar nicht zum Ungehorsam gegen die Anordnungen auf- f o r d e r t w e r d e n. ES handle sich überhaupt nicht um öffentliche Anordnungen, sondern um geheime Anordnungen an die Kreis- schulinspekroren.— Der Reichsanwalt führte dagegen nur folgendes aus: Dem Urteil ist m allen Punkten beizutreten. Nach keiner Richtung hin sind irgendwelche Bedenken gegen das Urteil zu erheben. Vom Landgerichte Posen ist am 10. November v. I. der Redakteur der„Praca", Aegidius S w i t a l a, wegen gleichen Vergehens zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Der Sachver- halt und die Revisionsbeschwerden waren dieselben wie im vorigen Falle.« DaS Reichsgericht beschloß, in beiden Fällen die Eni- scheid ung zu vertagen und sie erst am 12. März zu verkünden. Vernrifcbtce. Die betrogene Opcrngesellschaft. Ueber ein tragisches Schicksal der deutschen Operngesellschaft wird aus London berichtet.„Daily Mail", dem die in London auf ihre letzte Wochengage wartenden achtzehn deutschen Choristen, als sie am Sonnabend nicht bezahlt lvurden, ihre Not und ihre Sorge klagten, daß, wenn sie am Dienstag nicht abreisen könnten, auch ihr Billett verfallen würde, hat fie über ihre Londoner Schulden für Wohnung und Kost be- ruhigt und für deren Berichtigung Bürgschaft geleistet, so daß die Choristen wenigstens heimkehren können. Verantwortlich für den Krach wollen weder Van Dyk sein, der erklärt, er sei einfach als Sänger und Leiter der Vorstellungen beim Opernsyndikat engagiert gewesen, noch Frank Rendle, der als Geschästsleiter bezeichnet wurde, und der nicht für einen Pfennig verantwortlich sein will. Man fragt sich, wer ist der verantwortliche Leiter? DaS Opernsyndikat ist mit einem Kapital von 200 000 M. zu 2000 Mark- Aktien unter dem Namen„Deutsches Winter- opernshndikat' registriert. Nur Engländer sind die Aktien« inhaber, einzelne sind Kreditoren mit starken Beträgen, wie 20 000 und 10 000 M. Die Frage bleibt offen, wer hat die auf vier Wochen engagiert gewesenen Sänger, nachdem bereits ein erhebliches Defizit vorhanden war, auf weitere zwei Wochen verpflichtet?„Daily Mail" stellt dem hochherzigen Entschluß der Comsdie Fran?aise, eine Wohl- tätigkeitSvorstellung für die Hinterbliebenen der ertrunkenen Choristen zu geben, einen Aufruf zur Mildtätigkeit für die lebenden, so schwer geschädigten Mitglieder der Oper gegenüber. ISO Kinder verbrannt. vollständig niedergebrannt ist eine protestantische Schule in Montreal. Wie von dort berichtet wird, befanden sich in der- selben ISO Kinder, die f a st sämtlich umgekommen sein dürften. Ergreifende Szenen spielten sich bei dem Brande ab. Unter den zur Rettung ihrer Kinder herbeigeeilten Müttern entspann, sich ein leb- haster Kampf, da jede zuerst zur Brandstätte dringen wollte. Rur mit Gewalt gelang es der Feuerwehr, sie zurückzuweisen. Noch eine Strandung. Gerüchtweise verlautet, daß daS französische Schiff„Hongkong" bei Heinan auf Grund gelaufen und völlig verloren sei. Weitere Strandungen. Die Rettungsstation Borkum der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: Am 27. Februar von der hier gestrandeten deutschen Bark„Vidonia", Kapitän Voß. mit Stückgut von Hamburg nach Guayaquil bestimmt, sieben Personen durch das Rettungsboot Otto Haß der Südstation gerettet. Die Genickstarre. In Glasgow greift nach Londoner Meldung die Genickstarre weiter um sich. Bisher sind 248 Personen erkrankt und 142 gestorben; in Belfast erkranlten 116 Personen und starben 02. Großfeuer brach in der letzten Nacht in der bekannten Geraer Ueltzensckien Wollweberei aus, durch das die Weberei und die Bor» bereiiungsräume zerstört wurden. Der Schaden wird auf etwa 100 000' M. geschätzt. Als Ursache deS Brandes wird Selbst- entzündung angenommen. Ein Waisenhaus von Räubern überfalle»! Während der Nacht zum 15. Februar ist das deutsche Waisenhaus, welches 200 Kilo- meter südlich von Tabris(Persten) sich befindet, von Räubern über- fallen worden. Der Direktor deS Waisenhauses wurds schwer ver- letzt,«in Lehrer getötet._ Eingegangene Druchfchrlftcn. „Süddeutscher Pofttllon" Nr. 5 kennzeichnet in seinen» Titelbild die neue liberale Acut in auffallender Trefflichkeit und Schärfe. Ja eß ist eine Lust zu leben, kann der liberale Streber mitrufen. Das einfache farbige Miltelbild zeigt das Volk In ganzer Glorie: Wenn's nicht besser wird, geh ich nach Preußen und werde Halchimann. Das Schlußbild schildert Bülows Diplomatenkunst.— Vom Texle heben wir da» Leilgrdicht Domxi paasati hervor. Die tuutStn.Schlager" find verwertet- Die reitende Germania (Geb)— Sozialdemokratischer TerrorIZmuS.— Kuriert lGed.)— Retter deS Mittelftaudes.— Eine heitere Illustration bringt Sl. Ficbiger: Ascher- Mittwoch.— Wie die adeligen Hos- und Landwanzen entstanden.— Lied vom Schnupstobak.— Sieg der Sittlichleil. Moderne Folter.— Niederlage, von L. R.— Der„Süddeutsche Postillon" klärt mit besonderem Ge- schick die Windbeuteleien und Jrresührung der Vollsseiude aus. Ein Bild von hohem Interesse gibt die mit gewohnter Pünktlichkeit sosort nach den letzten Wahlen erschienene Freytags Reich slagswahl» karte des Deutschen Reichs 1907(Preis 60 Ps., mit Postzu- sendung 70 Ps., Verlag G. Freytag u. Berndt, Wien VIl/, und Leipzig). In übersichtlichster Form gibt sie die Zusammensetzung des neue»» Reichs- tags durch eine Karte Deutschlands, aus der jeder Wahlkreis durch seine Farbe die Parteizizgehörigleii des Gewählten zeigt, dessen Name überdies dem Bezirke ausgedruckt ist. Als besonders intcreffant sei von dein Inhalte der Karte noch die.Bergleichende Größe der Fraktionen des Reichstages seit 1877-, die.Anzahl der abgegebenen>vlimmell-, die„Wahlbeteiligung-, Daten über Zölle, Heeres- und Marine-Ausgabcn, den Handel des Reichs und der Kolonien usw. usw. erwähnt. Die Karte ist gegen Einsendung von 70 Ps.(auch in Briesmarken) sranko durch alle Buchhai»diungen wie auch durch den Verlag G. Freytag u. Berndt, Wien Vllj. zu erhalten. Lriekkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde finde» F r i c d r i ch st r. 16, Ausgana 4, eine Treppe(Haudelsstälie Bcllcalliance, Turchgaug auch Linden st». 161), wocheutäglich tum 7'/, vis ÜHi Uhr abends statt. Geiiffnct 7 Uhr. Sonnabends begi»»« die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Zlnsrage ist»in Buchstabe»nd eine Zahl als Rlerkzeichc» beiznfngcn. Briefliche Ilutwor» wird nicht erteilt. lSiligc Fragen trage man»n der Sprechstunde vor. A. V. 18. 1. Der Antrag ist an das Amtsgericht zu richten. 2. Ja. 3. Das ist Nlöglich.— N. G. 30. Wiederholen Sie Ihre Anfrage unter Ergänzung nach der Richtung hin, ob es sich um eine Wohnlingsiniete oder ob es sich mn einen Arbeitsvertrag handelt und eventuell welche Stellung Sie einnehmen(Gewerbegehülse, Werkiireister, HaudlungSgehülfe?)— M. 120. 1. Der Austritt aus der Versicherung stände Ihnen nicht zu. Davon, daß die betreffende Gesellschaft in KoukurS gegangen ist, ist uns nichts bekannt. 2. Klagen Sie aus Aushebung des Mietsvertrages und aus Schadenersatz. Zweckinäßig ist es, der Klage ein Attest eines Arztes bei- zufügen, welches die Gesundheiisgesährlichkeil bekundet, und mit der Klage einen Antrag aus Erlaß einer einstweiligen Verfügung zu verbinden,— D. 500. 1. und 2. Uns nicht belannt, 3, Ja, der Kreis,— N. N. Wenn über die Mietszeit nichts vereinbart ist»md monatliche Mietszahlung verabredet wurde, so könne» beide Teile bis zur Mitte deS Monats zum folgenden Ersten kündigen. War für Ihre ursprüngliche Wohnung feine bestimmte Frist vereinbart, so würde dieselbe auch sür die neue Wohnung gellen. — O. Ztz. 22. Wenden Sie sich an den Gewerbeinspeklor.— 100 Zl. Z. 1. und 2. Ja.— G. 1000. 1. Die Frau kann mit Ersosg intcrvenierel». 2. Fa.— St.»0. 1. Ja. 2. Leider nein.— Trebbii». Der Magistrat kgnn den Lohn wegen der sür die lctzlen drei Monate rück- ständigen Sicuern pfänden lassen. Nichten Sie ein Gesuch an den Magistrat um Niederschlagimg oder Ratenzahlung.— E. F. Wenden Sie sich direkt an den Magistrat.— E K. 100. 1. Ja. 2. In der Regel nein.— B. 20. Der Nina muß zurückgegeben werden. Die weitere Klage würde keine Aussicht aus Erfolg haben.— Bolle. Der Lohn ist sür die Feiertage zu zahlen, wenn ein Wochenlohn und nicht etwa ein nach stunden berechneter Lohn, der wöchentlich gezahlt wird, vereinbart ist.— Hau» 13. Das Eigentum Ihrer Frau hastet nicht sür Ihre Schulden. Zweckmäßig ist es aber, vor ver Heirat einen Vertrag zu schließen, in dem Sie aus- brücklich das genau bezeichnete Eigentum Ihrer Frau anerkennen und aus das Verwallungs- und Nießbrauchsrecht verzichten. Der Vertrag ist gerichtlich oder notariell zu schließen.— E. Rein. — A. A. 500. Eine neue Klag» erscheint aussichtslos. Vor cinem Ein- zichungsinstiiul oder dergleichen können wir lediglich warnen.— Litauen. Wenn ans Vorzeigung des Buches, die Auszahlung nicht erfolgt, so wenden Sie sich an die Sparkassendeputation und eventnell beschwerdeführend an den Magistrat. 2. Eine Einigung ist nicht erfolgt. Unentgeltlicher Unter- richt wird unseres Wissens nirgends erteilt.— R. E. 105. In der Eich- ordnung vom 27. Dezember»884 findet sich eine solche Vorschrift nicht. Vielleicht ist aber gegen§17 Abs. 2 der Eichordnimg verstoßen Danach soll die Begrenztmg des Ranmgehalls durch einen äußerlich aus dem Halse angebrachten unveränderliche» Strich erfolgen, welcher mindestens die t äffte des Haffes umfaßt oder durch zwei einander gegenüberliegende triche, deren jeder sich mindestens aus den sechste» Teil des Umsanges er« streckt. Nach§ 15 dürsci» die Fehler i» mehr oder»ninder bei den An- gaben von 0,9 bis 0,5 Liter 2,5 Kubikzentimeter nicht übersteigen.--- 1000. Eine verbüßte Strafe gilt keineswegs als verjährt. Die Verjährung findet mir bei nicht verbüßten Strafen statt.— T. B. 50. Sie können eine Ein« gäbe an dm Magistrat(stmerdeputatlon) zwecks Niederschlagung richten. Berliner Marktpreise. Alt» dem amtlichen Bericht der städtischen Marlthalleu-Direklion.(Grobhaudel.) Rindfleisch In 68-73 pr. 100 Pid., tta 63-67, nia 56-61, IVa 48-54, dän. Bullen 60-65, boll. 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 110-125, Ta 82-90, IIa 72-80, ITTa 32-08, Holland. 52— 58, dän. 60— 68. Hainmclfleisch la 67—76, IIa 50— 65.«chweinc- sleilch 50-58. Rehwild, m. Abschußatt,, p, Psd. 0,60-1,12, Rothirsch la 0,52—0,58. Rotwild la 0,66. Damhirsch 0,45-0,70, Wildschweine 0.00, Frisch- linge 0,00. Kallinchen per Stück 0,60—0,85. Wildenten per Stück 0,09. Hühner, alte per stück 1,30—2,75, do, IIa 0,80—1,25, do, jringe per stück 0,00. Tauben per Stück 0,63, junge kleine 0,00, itatienische l.iO. Eliten per Stück 2.25—3,50, ditck Hamburger junge ver Slück 0,00. Gänse, Hamburger per Psllnd 1,20, Eis- 0,48—0,58. Hechte per 100 Psund 83—88, groß 0,00, mittel OJDO. Zander 0,00. do. mittel 0,00, do. klein 0,00. Schlei«, unsortiert 86— 101, do. groß 0,00, do. klein IIa 0.00, Aale, groß 0,00, mittel 104—111, klein und niittel 0,00. Plötze», klein 0,00, do. groß 0,00, do. 40—47. Karpsen, Laus., unsort. 60, do. Galiz. 60er 61, do. franz. bOer 58. Bleie 0,00. Aland 0,00. Bunte Fische 0,00. Barse, matt 53—55, do. 56-64. Karauschen 0,00. Blei- fische 0,00. Wels 0.00. Quappen 0,00. Aineritantscher Lachs 1» neuer per 100 Psd. 110—130, d». IIa neuer 20—100, do. lila neuer 75. Seelachs 25—30. Sprotten, Kieler, Wall 1,00, Danziger, Kiste 0.00. Flundern, Kieler. Stiege la 3—4. do. mittel der Kiste 2—3. Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 1,50—2. Bückling«, per Wall Kieler 3,50—5,00, stratsuilder 0,00. Aale, groß per Psd. 1,10—1,30. mittelgroß 0,80—1,00, klein 0,50—0,60. Heringe per Schock 5—2. Schellsische Kiste 5—6, d». 'I, Kiste 3,00. Kabtiau, p. 100 Psd. 30-35. Heilbutt 0,00. Sardellen. lv02er per Anlcr 25, 1904cr 23, l20Ser 90, 1206« 75— 80. Schottische Bollberinge 1905 0,00, larzza 44—45, kull. 88—40, med- 36— 42, deutsche 37— 44. Heringe, neue Matjes, per To. 60—120. Sardinen, russ.. Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schocksaß 11, Nein« 5—6, Riesen- 14. Eier, Land», per Schock 4,20— 5,60. Butter per 100 Psd. la 114-116. tta 110-114, lila 107, abiallcndi 25-100. Saure Gurken schock 4,10—4,50, Psefferamke» 4,00—4,60. Kartoffein per 100 Psd. 0,00, magmun bonvun 2,50—2,75, Dabcrsche 2,50—2,75, Rosen 0,00, weiße 2,26—2,50, Salatkartoffeln 6,00—7,00. Spinat per 100 Psund 25—30. Karotten per 100 Psund 10—12. Sellerie, hiesige, per Schock 4,00—8,00, do. pommersche 2,00—12,00. Zwiebeln große, per 100 Pfd. 4,00-4.50, da. Neine 3,00-3,50. do. hiesige(Verl-) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockband 1,50—2,00. Kohlrabi per Schock 0,00. Reittg, bayr., per Schock 2.40—4,80. Mohrrüben per 100 Psund 8,50—4.50. Teltower Rüben per 100 Psd. 8—10. Weiße Rüben, große 0,00, kleine 0,00. Rote Rüben 2,50—3,00. Btuuienkohl ital. per Korb 2,50—2,75. Kohlrüben per Schock 2—2,50. Wirsingkohl ver 100 Psd. 3,25-6.00. Rotkohl per 100 Psd. 3.25-6.00. Weißkohl 100 Psd. 2,25-3,50. Rosenkohl per 100 Psd. 25-35. Grünkohl per 100 Psd. 5.00-7.00. Rhabarber. 100 Bd. 7,00-12,00. Birnen, per 100 Psd. hiesige 0,00, böhu». 10—20, ital. 30—35. Aepsel, per 100 Psd., hiesige 6—25, Grapmstetner 0,00. Tiroler in Fässern 0,00, Kiste 32-60, Amertk. 22-33, Zitrone». Messina, 300 Stück 8.00-2,00, 360 Stück 7,00-9,00, 200 Stück 9-13. Apseffinen, Jaffa, per Kiste 0,00, Mnreia 200 er Kiste 7-10, do. 300 er 9-10, Valencia 420 er Kiste 15-24.00, do. 714er 13-23,50, Messina, 16» er, 11,50-12.5». 200er 10,00-12,00, do. 300er 10-12, Blut- 100er 7,50-2, do. 150 er 7,50-9,50, do. 80 er 2-10. Jlal. in Körben per 100 Psd. 0,00. Mandarinen, Rift» 0,75—2,00, do. In Körben per 100 Psd. 23-32. Witterungsüderstcht vom S7. Februar lvv7. inorgens» Ny». Wetter-Prognose für Donuerötag. den L8. Februar 1907. Zunächst etwas kälter,»ettweis« heiter bei mäßigen westlichen Winden; später neue Erwärmung, Trübung und geringe Niederschläge. Berliuer Weiterbursa» Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Die besten und von wirklichen Kennern am meisten geschätzten türkischen Cigaretten, welche in Aroma, Gehalt, Milde und reinem Geschmack von Cigaretten zum doppelten Preise nicht erreicht werden, sind JOSETTI VERA CIGARETTEN Eine vollkommene Mischung der edelsten Eigenschaften feinster türkischer Tabake. Mild, gehaltvoll, aro, matisch und stets gleichbleibend Joselli 10 ST. EUR 30 PFENNIG. Partei- Speditionen: Zentrum I: Friz 8inte, Mauerftr. 89. Zentrum II: Albert Hahnisch, Auguststr. 50, Eingang Joachimstraße. 2. Wahlkreis, Süden und Südwesten: Hermann Werner, Mittenwalderstr. 30. 2. Wahlkreis, Besten: Gustav Schmidt, Bülowftr. 52, Hof. 3. Wahlkreis: St. Friz, Prinzenstr. 31, Hof rechts part. 4. Wahlkreis, Diten: Robert Wengels, Rüdersdorferstr. 8, am Küftrinerplaz. Wilhelm Mann, Petersburgerplaz 4( Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Laufizerplat 14/15 ( Laden). 5. Wahlkreis: Leo 8 ucht, Steibelstr. 42( Laben). 6. Wahlkreis( Moabit und Hansaviertel): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding: Start Weiße, Wiesenstraße 41/42. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Hermann Raschte, Aderstr. 36, Eingang Anflamerstraße. Gesundbrunnen: F. Trapp, Rügenerstr. 24, vorn part. links. Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Lychenerstr. 123. Alt- Glienicke: Reinhold Schulz, Rudowerstr. 83. Charlottenburg: Gustav Scharnberg, Sesenheimerstraße 1, Ede Goethestraße, born I. Soeben erschienen: ག་ Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Die letzten 4 Wochen Total- Ausverkauf nur 43 Kommandantenstr.43 und 10Hauptstr. Schöneberg Hauptstr.10 Ausnahme- Preise 9 Rosenthalerstr. 9, Auguststraße 80 Chausseestr. 80 137 Gr. Frankfurterstr. 137 In den Geschäften Kommsndantenstr. 43, welches am 1. April aufgelöst wird, und Schöneberg, Hauptstr. 10, kommen auch große Posten Waren mit zum Verkauf, welche aus unseren anderen Filialen stammen. 5 Geschäfte Blitz oder 5 Geschäfte Das Wunder Berlins! Zur Sommer- Saison empfehlen wir unserer geehrten Kundschaft, vor Deckung ihres Bedarfs unsere Friesigen Läger zu besichtigen. Dieselben sind auf das beste sortiert. Durch Einkauf von zirka 20000 Anzüge 10000 Paletots Die soziale Revolution 10000 Hosen bon Karl Kautsky. Zweite durchgesehene Auflage. Preis 1,50 R. Billige Ausgabe Preis 70 Bf. Militarismus und Antimilitarismus unter besonderer Berücksichtigung der internationalen Jugendbewegung bon Dr. Karl Liebknecht. Preis 1 Mart. Expedition des„ Vorwärts", Berlin SW. 68, Lindenstraße 69, Laden. Buggenhagen Wilmersdorf- Halensee: Georg Feese, Berlinerstr. 46, Laden. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg: Seitel, Kronprinzenstraße 50, I. Dtto Rummelsburg, Boxhagen: A. Rosenkranz, At- Borhagen 56. Grünan: Otto Schröder, Wilhelmstr. 21. 0 Rixdorf: M. Heinrich, Neckarstraße 2, im Laden. Schmargendorf: Gustav Saminsty, Cunostraße 2. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Tempelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. Ober- Schöneweide: Julius Gru no w, Edisonstr. 10, I. Nieder- Schöneweide: Bonatowsty, Haffelwerderstr. 1 d. Johannisthal: Franz Hünold, Bismardstr. 7. Adlershof: Erich Steuer, Roonstr. 8, I. Königs- Wusterhausen: Friedrich Baumann, Ludenwalder straße 4b. Köpenick: Friedrich Boid, Grünstr. 4. Friedenau- Steglitz- Südende:. Bernsee, Schloßstr. 115, Gartenhaus I, in Steglik. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. Schellhase, Ahornftr. 15a. Mariendorf: Baul Miller, Bergstr. 35, Hof I. Baumschulenweg: Stod, Ernststr. 2, II. Treptow: Rob. Gramenz, Kiefholzstraße 412, Laden. Neu- Weißensee: Sturt Fuhrmann, Sedanstr. 105, parterre. Reinickendorf Ost, Wilhelmsruh und Schönholz: P. Gursch, Provinzstraße 108, II. Tegel, Borsigwalde, Wittenau Moritz- Platz. Täglich: k Urfidele Stimmung. r Doppel- Konzert. m Schuhplattler. m e Umzug des Zirkusdirektors a. d. J. 1840. Die kluge Pauline. losseum Colo Dresdenerstraße 97. Täglich: Großer Neuerscheinungen. Charles Fourier. Sein Leben und seine Theorien bon August Bebel. Mit einem Porträt Fouriers und einer Abbildung des Phalanstères. Dritte Auflage. Preis 2 M., geb. 2,50 M. Der Schutz der Deutschen in Frankreid 1870-1871. Briefwechsel des außerordentlichen Ge fandten u. bevollmächtigten Ministers der Vereinigten Staaten in Frankreich E. B. Washburne in Paris vom 17. Juli 1870 bis zum 29. Juni 1871. Ausgewählt, übersezt und mit einer Einleitung versehen bon Adolf Hepner. Breis brosch. 2,40 M., geb. 3 M. Waldmannslust, Bockbier- Jubel. Bockbier- Jubel. Lohnarbeit und Kapital Hermsdorf und Reinickendorf- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschstraße 10. Musik! Gesang! Humor! Pankow- Niederschönhausen: G. Freiwaldt, Mühlenstr. 73. Allerlei Ueberraschungen. Bernau: Heinrich Brose, Hohesteinstr. 74, part. Elchwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankels Ablage: Otto Pritzkow, Münzstr. 16, Alfons Gräb, Eichwalde, Kronprinzenftr. 82, I. Teltow: Wilhelm e Bler, Hohersteinweg 7. Nowawes: Wilhelm Iappe, Friedrichstraße 1. Spandau: öppen, Jagomftr. 9. Außerdem ist sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen Berte bort zu haben. Auch werden Inserate für den Vorwärts" entgegengenommen. Bitte ausschneiden. Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien. Auf Wunsch Vorführung In Vereinen jederzeit. Verbindung mit größter Filmsbon Karl Marx. Neu herausgegeben bon Karl Kautsky. Preis 25 Pf. Arbeiter Programm über den besonderen Zusammenhang bergegenwärtigen Geschichtsperiode mit der Idee des Arbeiterstandes von Ferdinand Lassalle. Mit Borbemerkungen herausgegeben Don Ed. Bernstein. Preis 30 Pf. Fabrik Frankreichs, daher täglich Expedition des„, Vorwärts" neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. BERLIN SW. 68, Lindenstraße 69, Laden. sind wir in der Lage, zu jedem annehmbaren Preise verkaufen zu können. Preise Blitz Prese Herren- Anzug, haltbar, gemustert, Stck. Herren- Anzug, gemustert u. schwarz, Stck. 6.75 M. 8.50 M. Herren- Anzug, blau, gestreift, eleg., Stck. 10.25 M. Herren- Anzug, alle Muster, prima Stck. 13.50 M. Herren- Anzug, das Neueste Herren- Anzug, Gehrock, Satin.. . ". Stck. 16.50 M. Stck. 19.00 M. Knaben- Anzüge Knaben- Hosen . a•• • Stck. von 1.85 M. an . Stck. von Stck. von 52 Pf. an 1.85 M. an Herren- Hosen, Herkules Burschen- Anzüge.. Stek. von 4.50 M. an Arbeiter- Bekleidung spottbillig. Herren- Paletot, gemustert.... Stok. Herren- Paletot, gemustert, m. Sattel, Stok. Herren- Paletot, Kammgarn, gemust., Stck. Herren- Paletot, m. Atlas, schwarz Cheviot 13.50 M. Herren- Paletot, das Neueste... 7.25 M. 8.25 M. 12.50 M. Stck. Stck. 15.75 M. Herren- Paletot, auf Seide, elegant, Stck. 17.50 M. Nur kein Neid, wer kann, kann. Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin, Für den Anferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin, Drud u. Berlag: Vorwärt Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW.