U». Sl. HboanflMntS'Btdlnimieii: Ad onn ftnen W. Attif pränumerando: SiftteljSdtl 330 KI, mono«. 1,10 KI., wdchenllich 28 Pfz. frei In» Hau». Einzelne Slummpi 6 Pf» Sonnta»»- mimmn mit illniirl erler Sonntage» Beilage.Die Reue SB?»" 10 Pfg� Polt« «donnemenl: 1,10 Katf pro Kanal. Eingetragen in die Voli.zeitungS. Breielille. Unter Nreuzband für Deutfchland und veflerretch. Ungarn 2 Karl, für da» übrige Ausland 8 Karl pro Kanal Postabonnemenl» nehmen tut! Belgien. ISnemarl, Holland. Italien Luxemburg. Bortugal, AumSnten. Schweden und die Schwei». S4o ZichrI. IMtW wStr Buua. Verlwev Volksblnkk. Olc tnltrfloM'fidfl�r »«trügt für ktt i»ch»,rfpaUene Molenei. »etle»dir deren Raum SO Pf»,(fit »oliNIch« und»ewerlfchaftliche Vereine- und Ber|ommIungs. Anzeigen 30 Pf», „Aletne»nreigin", da» erste(fett- gedruaie) Wart 30 PI»,(«de» weitere Karl 1» Vi». Vtellengeiuch» und Schlaf« stellen-Antetgen da» erste»ort 10 Big, jede» weiter»»ort» Pf»,»borte über I» Buchstabe» zählen für zwei«orte. Inserate für dt« nächst» Aummer müssen dt» A Uhr Nachmittage in der Expedtstan abgegeben werden. Di« Expedittan ist fii» 7 Uhr abend« gedssnet. Telegramm-«Idr esset uSo,i,ie«»t»p»i ui*f. Zcntratorgan der roziatdemokratifd�en Partei Deutrchtandd. Redahtiom 8CQ. 68, Ltndcnstraeec 69. aeentpreelieet filmt IV.?tr. IttwZ m Expedition» 8 Cd. 68» Lindcnetraeec 69. Aeentprechrrt filmt IV. fite. 1984. „Geduld und viele Millionen." Das neue Regierungsprogramm. Da8 Zentrum feierte in der gestrigen Reichstagssitzung Triumphe, wie seit Jahren nicht. Es fühlt sich ossenbar trotz Bülows Extratour mit deni gemeierten Liberalismus noch ebensosehr als ausschlaggebende Partei, wie zur Zeit der Honigmonde seiner Liaison mit Herrn Bernhard Bülow. Mag sich der Reichskanzler seit Ternburgs Eintritt in die Re- gierung noch so sehr als starker Mann fühlen: das Zentrum weiß ganz genau, daß politische Realitäten noch viel, viel stärker sind, als Fürst Bülow und seine Auftraggeber. Es weiß, daß der neue konservativ-freisinnige Regierungsblock aus dem denkbar widerstandsunfähigsten Material besteht und bei den leisesten Erschütterungen bald ganz bedenkliche Risse und Sprünge aufweisen wird, während Zentrum und Konservative eine natürliche Anziehungskraft aufeinander ausüben. Hat doch gestern bereits Herr G a m p erklärt, daß die Wege des Zentrums und der Rechten bald wieder zusammenlaufen würden! Einstweilen freilich wird das Zentrum eine gewisse Karenzzeit durchmachen müssen. Aber das kann ihm als Partei nur nützen. Das Zentrum, das als Oppositionspartei entstand und erstarkte, kann jetzt wieder einmal skrupellos alle Register der Demagogie ziehen. Es kann der Regierung und den Parteien die unangenehmsten Dinge sagen, die scheinbar schonungsloseste Kritik üben, ohne sich doch ernstlich der Gefahr auszusetzen, als„Vater- landSloS" mit der Sozialdemokratie zusammengeworfen zu werden. Denn es wird ja wie bisher genau so gut alle Heeres-, Marine- und Kolonialforderungen bewilligen, wie der regierungsfromm gewordene Freisinn. In Fragen der i n n e r e n„nationale n". S. h. der Z o l l p o l t t t k. aber wird es ihm nicht schwer fallen, dem Freisinn sogar den Rang abzulaufen. Als un« abhängige Partei kann eS ferner in sozialpolitischen Forderungen noch erheblich weiter gehen, als ihm das früher mit Rücksicht auf seine Verbündeten, die Regierung und die Rechte, möglich war. So kann es getrost der Zeit harren, wo der Freisinn abgewirtschaftet hat und wohl oder übel wieder zur Opposition zurückkehren muß. Einen Vorgeschmack der Zentrumstaktik bot yestern die mehr als zweistündige Rede Gröbers, die em wahres Muster listiger Zentrumsdemagogie war. Herr Gröber hütete sich, die Rechte irgendwie zu brüskieren, dagegen schlachtete er mit wahrhaft diabolischem Behagen die bürgerliche Linke ab. Die— von der Rechten und der Regierung freilich unzweideutig desavouierte— Kultur- kampfpaukerel schlug er den Bassermännern und dem Frei- sinn um die Ohren, daS eS nur so klatschte. Nicht minder gab er die namenlose Heuchelei der liberalen Mandatschacherer nnaüSlöschlichem Gelächter preis. Mit beißendem Spott geißelte er die liberale Illusion einer künftigen„liberal en" Politik. So nichtssagend und verschwommen das von Bülow entwickelte„neue Regierungsprogramm" gewesen sei: ein Bild für Götter fei eS gewesen, zu sehen, wie sowohl die äußerste Rechte wie die äußerste Linke sich nach ihren Wünschen den Bülowschen Kautschuk zurechtgeknetet hätten. Die tollsten Widersprüche der Auslegung hätten sich dabei herausgestellt. Von dieser babylonischen Sprachver- wirrung könne Man nur sagen: Lei LSIemer, G»mp und Liebermiim, Da ftlnfit de» Streit schon wirdrr an! Köstlich war GtöbevS Verspottung des Herrn P a y e r» dessen gestHge Rede allerdings ein Nonplusultra politischer Naivität gewesen war. Der wackere Demokrat hatte die Re- aierung der weitgehendsten kolonialen Unter- stützung auch durch die sieben Schwaben der Bolkspartei versichert. Famos war die Begründung dieser Schwenkung. Die„gebildete Jugend" sei diesmal in Scharen dem Freisinn zugeströmt. Diese hoffnungsvolle liberale Jugend fordere nun zwar eine entschieden liberale Politik im I n n e r n, aber sie sckflvärme zugleich für eine nationale Politik nach außen, die von der Psennigfuchserei der älteren Demokraten- generation nichts wissen wolle. Dieser Stimmung müsse Rechnutig getragen werden. Freilich dürfe die Regierung nicht hoffen, sich die weltpolitische Unter- stützung des„entschiedenen" Freisinns auf die Tauer ohne Konzessionen sichern zu können. Sie müsse nun auch liberal regieren. Sie müsse der Sozialdemokratie durch weitgehende sozialpolitische Zugeständnisse ihre An» Hänger entziehen. Der liberale Reichskanzler könne aber als preußischer Ministerpräsident keine reaktionäre Politik treiben. Auch das Dreiklassen. Parlament müsse das Reichstagswahlrecht er- halten usw. Diese naiven Kannegießereien des Sprechers der sieben Schwaben nahm Gröber besonders zum Stichblatt stachelichen Humors. Je kleiner eine Partei sei, desto anspruchsvoller ge- bürde sie sich. Allerdings babe sich ja seit der Kolonialspritz. tour des VolkSparteilers Stortz bei den wackeren Demokraten ein katastrophenartiger Umschwung in der Beurteilung der Kolonialpolitik vollzogen. Habe doch gerade Herr Payer noch im Jahre 1906 die Kolonien an den Meistbietenden losschlagest wollen. Gar zu komisch aber sei es, wenn Payer als Preis seiner Gesinnungsmauserung nicht nur eine„liberale" Regierung im Reich, sondern auch eine D e m o k r a t i- sierungPreußens verlange. Die Unterstützung seiner konservativen Blockbrüder dabei könne ihm ja auch gar nicht fehlen I Sehr respektlos sprang Herr Gröber auch mit dem leider nicht anwesenden Reichskanzler um. Der- selbe Kanzler, der noch in den letzten Tagen die nationalen Verdienste des Zentrums um die Schutzzollpolitik, die Marine- und Kolonialpolitik rückhaltlos herausgestrichen habe, stigmatisierte das Zentrum wegen einer„Lappalie", wegen eines beiläufigen Abstrichs von wenigen Millionen an einer Nachtragsfordernng als„u n p a t r i o t i s ch". Ge- nau so unpatriotisch seien mehr als einmal die Frei- sinnigen, die Nationalliberalen, ja selbst die Konservativen gewesen. Und sei denn gerade F ü r st Bülow zum Urteil darüber berufen, was antipatriotisch sei und was nicht? Diese Behandlung sei um so rätselhafter, als das Zentrum in der Kolonialdebatte nicht„vaterlandsloser" war, als die Herren Müller- Meiningen und Ablaß. Der Kanzler konnte mit leichter Mühe mit dem Zentrum eine Verständigung erzielen. Statt dessen warf er ihm brüsk den Fehdehandschuh hin. Sei es drum. Das Zentrum fühle sich stärker, einiger denn je. Man möge sich auch nicht einbilden, durch Htätschelung der sogenannten Nationalkatholiken einen Keil m das Zentrum treiben zu können. Für dies Geschäft soll man sich lieber nicht in Un- kosten stürzen! Gegen Gröber polemisierten kurz Herr Dernburg und Graf Posadowsky. Beide behaupteten, bei der Reichstagsauflösung habe es sich um die Pflicht der Re- gierung gehandelt, die„nationale Ehre" zu wahren. Namentlich der Eindruck der Ablehnung der Negierungs- forderung auf das Ausland habe das Prestige des Reiches gefährden müssen. Die Begründung dieser seltsamen Be- auptung schenkte sich Graf Posadowßky. In Wirklichkeit handelte es sich denn auch nur um die JnaugurieruNg einer neuen kostspieligen kolonialpolihischen Aera. bei der man selbst bei dem kolonialfreundlichen Zentrum auf Widerstand zu stoßen befürchtete, weshalb man nun auch mit Hülfe Dernbnrgs den Freisinn vor den Kolonialkarren spannte. Neben diesem Motiv wirkten zweifellos auch aller- Hand Zufälligkeiten: Das persönliche Re- giment, Dernburgs Draufgängereien, die man nachher nicht desavouieren konnte, und ahnliches mehr. Posadowsky orakelte schließlich noch einiges über Blltowß sogenanntes Programm, auf das Bülow selbst noch zurück- kommen werde. Dieses Programm werde auch durch- geführt werden, ob nun speziell durch die gegenwärtige Mehrheit» mtisse man der Zukunft ubrrlasirn. Die Durch- führung deS Programms erfordere natürlich viel Zeit. Zu seiner Realisierung gehörten„Geduld und viele Millionen". Eine rosige Perspektive, die denn doch auch beim Freisinn einige Unruhe hervorrief. t � t Bemerkenswert war, daß GroberS Rede bei der Rechten nirgends �aus Widerspruch stieß. während Payers Naivitäten auf der Rechten wiederholt jenes brutale, bölzern wiehernde.Hohngelächter entfesselten, das in dieser die Gehörnerven beleidigenden Nuance nur den Edelsten der Nation zu Gebote steht. Die russische Revolution. DaS Wahlbild. PeterSbure, 27. Februar.(Meldung der Petersburger Tele- graphenagenwr.) Bis heute abend find im ganzen 472 Abgeord- nete zur Duma gewählt, darunter Lv2 Anfloborig« der Linken (76 Kaivtten. 49 S,zi«ldem»kraten, 12 Sozialrevolutionäre. 93 Mitglieder der übrigen Parteien der Linken, sonst wie gestern), 47 Nationalisten! sonst wie gestern gemeldet. Die Bertra»e«»«Snner de« Zaren. Die.Ausfische Korrespondenz' erhält da« nachstehende Tele- grmnrn: „Petersburg, 27. Februar. Die Lage hier wird für sehr ernst betrachtet im Hinblick aus den Einfluß, den der verband russischer Männer ans den Zaren ausübt. Der verband verlangt dringender und. wie eS scheint, mit Erfolg, daß der Prozeß Herzenstein den finnischen Gerichten abgenommen und msfiichen Gerichten übertragen wird I UeberdieS wird das Einschreiten ausländischer Konsuln in Odefla benutzt, um den garen in nationalistischem Sinne zu be- einflussen. In einem Brtilel der.Rußkoje Snamja' wird gesagt: man solle nicht vergessen, daß Generalgouverneur Kaulbar» nur dem Kaiser, aber nicht jüdischen und englischen Konsuln verantwortlich sei. vor denen JswolSty. der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, zittert I Die.Rußkoje Snamja" veröffentlicht überdies täglich Depeschen, die an dm Kaiser gerichtet wurdm mit der Forderung, er solle Selbstherrscher bleiben. DaS Blatt ist auch in der Lage, mitzuteilm. daß auf vorstellungm de« verbände« vier Personen, die wegen Anteilnahme an Pogromen zu Zwangsarbeit verurteilt waren, begnadigt worden find.— Unter diesen Umständen rechnet man in hiefigen politischen Kreisen mit der Möglichkeit, daß trotz deS Volksverdikte« bei den Wahlen die Regierungspolltik vollkommen unter den Einfluß de« verbände» de» rusfischen Volte» gelangt, so daß eine erspießliche Tätigkeit der Duma auSgeschloflm erschiene." Aus dem Lettenlande. Man schreibt uns auS Riga: Noch nirgends in der Welt haben ParlamentSwahlm unter ähnlichen Verhältnissen stattgefunden wie jetzt in Rußland. DaS ganze Land stellt seit einem Jahre ein großes Heerlager dar. Die Militärdiktatoren haben nach ministeriellen vertraulichen Weisungen ihre unumschränkte Gewalt in erster Linie dazu benutzt, um die Arbeiterbewegung mit den gräßlichsten Mitteln zu vernichten. Daß ihnen dies nicht gelungen ist. das beweisen am besten die schon bisher bekannten Wcchlresultate. gefaßt in den Ostseeprovinzen. Während niin anderwärts im Reiche Nikolaus' des Blutigen die Feldgerichte allmählich ihre Tätigkeit wieder einstellen, fangen in den baltischen Provinzen— speziell im Lettlande— die Monsterprozesse jetzt erst anl Dem Prozesse zu Talsm folgte der Prozeß zu Windau, dann der gegen die Landgemeinden Jrmlau, Neuenbürg, Strutteln und andere. Ueberall lautete die Anklage: Wiegen Aneignung der Staats- gemalt und Auflehnung gegen dieselbe! Diese Prozesse allein endeten mit dem Todesurteil gegen 39 Personen. Soeben hat das Kriegsfeldgericht zu Riga die Verhandlungen gegen 79 Teilnehmer am bewaffneten Aufstand von Tuckum(im Dezember 1995) be- endet. Die„Voruntersuchung", d. h. die Folterung der An- geklagten hatte 13 Monate in Anspruch genommen. Da« am ig. Februar gefällte Urteil übertraf an Grausamkeit alle bis- herigen. Nach all den ausgestandenen Qualen wurden noch 17 Personen zum Tode durch den Strang und 44 Personen zu schwerer Zwangsarbeit bis zu 1b Jahren verurteilt I Auf der Straß« und im Gerichtssaal spielten sich bei Verlesung des Urteils- sprucheS herzzerreißende Szenen ab. Viele hatten gehofft, die Verhandlungen würden sich bis zur Einberufung der Duma hin- ziehen und dann würde bielleicht eine partielle Begnadigung ein- treten. Diese Hoffnungen wurden schon vor mehreren Tagen zer- stört, und zwar durch die deutschen Junkerblätter, die seit Monaten über das langweilige Gerichtsverfahren geschrieben hatten und die schnei le Verurteilung der„Verbrecher" forderten. Ihr Herzenswunsch ist setzt erfüllt: Minderjährige Knoden, die iveiter nichts verbrochen haben, als baß sie einigen Volksmeetings beigewohnt hatten, sind zum Tode verurteilt worden. Baron von Recke und Rahden, welche nach ChornuschenkoS Abzug in Neu- Tuckum allein über 99 Menschen hinmovbeten, figurierten als Zeugen in KreischefSuniform I Selbst die 12 Freigesprochenen tourben nicht aus der Haft entlassen; sie sollen au» den Ostsee- Provinzen verschickt werden I Durch diesen Prozeß allein sind 73 Familien an den Bettelstab gebracht. Seit dem 29. Februar wird ein neuer Monsterprozeß in Mitau gegen 39 Personen aus dem Flecken Alt-Auz verhandelt, und im Monat März sollen die Teilnehmer am Aufstande in Süd- Livland(199 an Zahl) dem Kriegsgericht übergeben werden. Im Anblick der Galgen, der Massengräber— ei hat sich rings um daS ZentralgefängniS ein Kirchhof gebildet— mußten die Arbeiter an die Wahlurnen! Während de« Vorwahlenagitation wurden noch die besten Arbeiter verhastet, und nur dank der musterhaften Organisation und der unermüdlichen Tätigkeit des sozialdemokratischen Komitees hat man es so weit gebracht, daß die Wahl eineS Sozialdemokraten in Riga fast al» nicht ausgeschlossen gilt. Noch im letzten Augenblick haben die lettischen Progressisten das Versprechen abgegeben, für die logtaldemokratische Kandidaten- liste zu stimmen. Darüber ein fürchterliches Geheul im Lager der lettischen Kadetten— diese siegten im vorigen Jahre— und der deutschen Oktdbermänncr. Die deutschen Swdtväter Rigas simten nach, wie sie noch in der letzten Stunde den Sieg dcö sozialdemokratischen Block« vereiteln könnten. Ganz Lettland er- wartet mit Spannung den 29. Februar. «* Die Wahlmännerwahlen am Montag haben ein den Sozia- listen günstiges Resultat ergeben, sodaß Riga wahrscheinlich einen Sozialbemortttten In bie Reichsduma entsenden wird. Eine Konferenz. Da» Bureau Herold meldet: Wien, 28. Februar. Der Moskauer Korrespondent der „N. Fr. Pr." telegraphiert: Wie ich au» bestinformierter Quelle erfahre» tritt heute an einem Ort, welcher geheim gehalten wird, eine sozialbemokratische Delegiertenkonferenz zusammen, um üb.r die künftige Taktik der Partei in der Reichsduma Beschluß zu fassen. Der Konferenz wohnen Vertreter des Block» der Kadetten, der volkspartei und der Arbeitsgruppe bei. Die orthodoxe Sozial- demokratie ist für eine revolutionäre Taktik in der Reichs- duma. Sit betrachtete diese nicht als eine normal funktionierende gesetzgeberische Körperschaft, sondern al» Mittel zur Organisation einer neuen Erbitterung der Bevölkerung und befürwortet die Her- beiführung eines Konfliktes mit der Regierung, damit bei einer Auflösung der Duma das Volk revolutioniere. Die Anhänger der rTevtsionistischen Strömung in der Sozialdemokratie verur- teilen dagegen ebenso wie die Kadetten jede» unparlamentarisch-! vorgehen seitens der Volksvertretung. Jedenfalls«st die Existenz der neuen Duma infolge der Umsturztendenzen der radikalen Linke« äußerst gefährdet. Diese Mitteilung hat eine sehr verdächtig tendenziöse Färbung. Wir werden noch hören, ob die Konferenz überhaupt ftattgc- funden und ob fie wirklich die vom ,B. H." übermittelte Zusammen- setzung gehabt hat._________ politifcbc Gcbcrficbt. verltn. den 28. Februar 1907. Die Sozialpolitik der Scharfmacher. DaS preußische Abgeordnetenhaus hat am D o n n e r s- tag die Generaldebatte zum Etat der Handels- und Ge- Werbeverwaltung beendet. Wiederum trugen die Redner aller Parteien ihre Pläne zur Rettung des Mittelstandes vor, ohne Gegenüber den in der Presse verbreiteten Mitteilungen, daß die Regierung in allernächster Zeit ein Enteignungsgesetz für die Oftprovinzen einbringen wolle, muß festgestellt werden, daß der Entwurf eines solchen Gesezes noch nicht festgestellt ist und daß fomit Angaben über seinen Inhalt noch voreilig erscheinen. Day die Frage der Zwangsenteigning Gegenstand amtlicher Beratungen ist, ist eine betannte Tatsache. Ein endgiltig festgestellter Entwurf liegt aber noch nicht vor. Saß jedoch neue Gedanken zutage traten. Von der äußersten dem dies Geständnis gemacht sein soll, davon nichts mehr greifen. Der Kölnischen Beifung" wird aus Berlin von Rechten bis zur äußersten Rinken ist man sich darüber einig, weiß, daß zwei andere Zeugen, die nicht amtlich mit dem Verhör zu heute telegraphiert: daß dem Mittelstand geholfen werden muß; nur das richtige tun hatten, sich dagegen der Worte genau erinnern wollen. Das Zeugnis Rezept hat man noch nicht gefunden, und selbst die„ Konfer- des Wirts Heinze gibt den Schlüffel für diesen rätselhaften Umstand vativ- liberale Paarung" ist nicht imstande, ein Allheilmittel zeigt uns die Entstehung der Legende, die dann strupellos in die Welt anzugeben. Einführung des Befähigungsnachweises, stärkere Der Täter ein Eäufer wie sein Opfer! Vielleicht ein Heranziehung der Warenhäuser zur Steuer, Besteuerung der Epileptiker, der im Dämmerzustand handelte. Wir könnens nicht Konsumbereine und ähnliche reaktionäre Vorschläge wechselten entscheiden. Jedenfalls ein durch chronischen Alkoholgenuß zum anit vernünftigen Ideen wie Einführung des obligatorischen geistig Minderwertigen Herabgefunkener. Ein Kleinlicher Anlaß Fortbildungsschulunterrichts, Einrichtung von Meisterkursen verseht ihn in wilde, besinnungslose Wut, läßt ihn wüten wie eine und dergleichen ab. Bestie. Und diesen Menschen hat man der Sozialdemokratie anhängen wollen! Ob unsere Feinde nach diesem Prozeß ihre Darstellung noch aufrecht erhalten werden? Möglich ist alles! Man lese des Staatsanwalts Plaidoyer. . Deutsches Reich. 9 Die Gewissenhaftigkeit der Bülow- Informatoren. Während die Nordd. Allg. 3tg." den Trumpf gegen uns ausspielen zu können glaubte, daß wir Bülow zu unrecht falschen Zitierens be schuldigten, findet sie sich mit den skandalös tendenziösen Infor mationen und demgemäß unrichtigen Behauptungen des Reichstanglers selbst ungemein leicht ab. So gleitet sie über unsere Feststellungen über den Fall Dittmann mit der Ausrede hinweg, nicht aber auch die in der nächsten Nummer desselben Blattes Zur preußischen Polenverdrängungspolitik. beröffentlichte Richtigstellung Dittmanns bekannt gewesen Die preußische Regierung hat dem Dreiklassenparlament fei. Wir können natürlich nicht von Bülow verlangen, daß er jebe ihre Dentschrift über die sogen.„ Beförderung deutscher An- Nummer der" Franks. 3tg." genau durchstudiert, wohl aber muß der siedelungen" in den Provinzen Westpreußen und Posen für laffen können. Diese Informationen sind aber bodenlos leicht. Reichskanzler sich auf seine Informationen unbedingt verdas Jahr 1906 zugehen lassen. Durch Gesetz vom 26. April 1886 wurde bekanntlich der preußischen Staatsregierung ein fertig und lückenhaft! Die Offiziöfen sollten also erſt ſelbſt Fonds von 100 Millionen Mark zur„ Stärkung des deutschen einmal vor der eigenen Tür fegen, bevor sie anderen Leuten Moral Elements" in den genannten beiden Provinzen zur Ver- 3u predigen wagen! fügung gestellt: ein Betrag, der nachher, da trotzdem die polnische Bevölkerung sich rascher als die deutsche vermehrte, auf 350 Millionen Mark erhöht wurde. Darüber, was die preußische Ansiedelungskommission mit diesem Gelde gegen die polnischen„ Kaninchen" ausgerichtet hat, weiß die Dentschrift Folgendes u berichten: problemoldaß dem Reichskanaler nur die Anschuldigung der„ Franks. 3tg.". Die ganze übrige Debatte bezog sich auf Fragen, die eigentlich Sache der Reichsgesetzgebung sind. Vor allem wurden von den Scharfmachern energischere Maßregeln gegen den angeblichen sozialdemokratischen Terrorismus gefordert. Daß die Sozialdemokraten und die freien Gewerk- Indes, das kann uns gleichgültig sein. In den Augen aller fchaften einen unglaublichen Terrorismus verüben diese urteilsfähigen Leute, die nicht durch Fanatismus unheilbar ber unbewiesene Behauptung wird als feststehende Tatsache an- blendet sind, ist die Lüge vom sozialdemokratischen Mord zu Kleingenommen, und es herrschte hierüber zwischen rechts und links Möhlau rettungslos gerichtet. völlige Uebereinstimmung. Die Meinungsverschiedenheit besteht nur darin, daß die Rechte neue Sondergejeze verlangt, während die Linke mit den jezigen Gesetzen auskommen zu fönnen glaubt und nur deren schärfere Anwendung verlangt! Der Vertreter der Regierung, Herr Delbrück, äußerte sich ganz im Sinne der Scharfmacher, nur daß er sich, als verantwortlicher Minister, etwas vorsichtiger ausdrückte und die Frage, ob der Bundesrat eine neue Gesetzesvorlage einbringen werde, offen ließ. Jedenfalls dürfen angesichts des fortgesetzten Drängens der Scharfmacher und angesichts der Nede des preußischen Handelsministers die Arbeiter sich nicht der Zuversicht hingeben, als ob dem neuen Reichstage feine Vorlagen zur Schmälerung des Stoalitionsrechtes unterbreitet werden könnten. Im Gegenteil es besteht große Gefahr, daß man die Rechte der Arbeiter noch weiter zu schmälern versucht. Es ist ja nicht das erste Mal, daß die Stimmung des preußischen Landtags der Arbeiterklasse als Gradmesser für die Absichten der Reichsregierung dient. -Daß ein Haus und eine Regierung, die von solchem Geist erfüllt sind, teine Zeit und keine Neigung zum Ausbau der Sozialpolitik haben, liegt auf der Hand. Zwar teilte der Minister mit, daß ein Gesetzentwurf zur Regelung der Heimarbeit in Vorbereitung sei, aber wann er eingebracht wird, das wissen die Götter! Auch das Wohnungsgesetz ist bekanntlich seit Jahren in Vorbereitung", und jetzt hört man, daß es wieder völlig um= gearbeitet wird! Voraussichtlich dürfte dem Heimarbeiterschutzgesetz das gleiche Schicksal blühen. Gebrandmarkte Verleumdung. " Gerichtstag ist in Dessau gehalten worden- Gerichtstag über eine schmähliche Verleumdung, die die Sozialdemokratie beflecken follte! Schmählicher und vollständiger ist wohl selten eine Lüge über die Sozialdemokratie zusammengebrochen als jene, die in der Verhandlung über den Arbeiter Gallbiersch vor den Schranken des Schwurgerichts zu Dessau zusammenbrach, schlimmer sind selten Berleumder und leichtfertige Verbreiter einer Verleumdung gebrandmarkt worden, als es heute im Saale des Landgerichts zu Dessau geschehen ist! Und mit ihnen gebrandmarkt und moralisch zusammengebrochen ist das System der Lüge und Verleumdung wider die Sozialdemokratie, δας unsere ,, nationalen" Parteien zum Stange einer politischen Institution erhoben haben, das ihre letzte verzweifelte Wehr gegen die Partei des Proletariats darstellt, in dessen Bannkreis auch die beamteten Vertreter der Herrschenden gezogen werden und aus dem die infame Lüge bom politischen Mord an dem braven fönigstreuen Arbeiter Danisch in Klein- Möhlau, verübt und verschuldet von Sozialdemokraten, nur ein winziger Ausschnitt ist! Im Jahre 1906 find 368 Güter mit zusammen 102 464 Heftar Flächeninhalt( 1905: 325 mit 115 053 Heftar) angeboten worden. Ebenso wie das der kleineren Güter ist auch das Angebot bäuerlicher Grundstücke( unter 100 Hektar) im Jahre 1906, selbst gegenüber dem starken Angebot des Vorjahres, in besorgniserregender Weise weiter gestiegen. Insgesamt hat der Ansiedelungskommission im Jahre 1906 ein Landangebot von 130 259 hektar oder rund 23 Quadratmeilen neu vorgelegen, gegen 136 230 beftar 1905, 216 675 Seftar 1904, 245 813 Heftar 1908. Angekauft wurden 1906: 21 Rittergüter, 50 teils größere, einen selbständigen Gutsbezirk bildende, teile fleinere Landgüter und 96 Bauernwirtschaften, und zwar sämtlich im freien Grundstücksverkehr, außerdem sind 2 Staatsdomänen gegen Entschädigung übernommen worden. Angekauft sind im ganzen 29 670 ettar für 42 214 000 art( 17 886 Heftar im Regierungsbezirk Bromberg, 5836 Heftar Marienwerder, 5350 Hektar Posen, 598 Heftar Danzig). Von den andarunter 2 Rittergüter getauften Bejizungen sind 7 Güter und 39 Bauernwirtschaften( 3030 Hektar insgesamt) in polnischer Hand gewesen, der dafür gezahlte Staufpreis beträgt 5 037 000 Mark. ist. Die Pest in Deutsch- Ostafrika. Es bestätigt sich, daß in Deutsch- Ostafrika die Best ausgebrochen Das amtliche Deutsche Kolonialblatt" schreibt: „ Daß in Muansa zwei Todesfälle an Best vorgekommen sind, wird nunmehr amtlich bestätigt. Auch ist nach einem am legten Dienstag hier eingetroffenen Bericht des Gouverneurs schon am 4. Febr. d. J. an Bord eines englischen Dampfers ein Pesttodesfall in Muansa vorgekommen. Die erforderlichen Vorsichtsmaßregeln sind von den lokalen Behörden getroffen worden. Es dürfte sich bei diesen Besterkrankungen nicht um eine Neueinschleppung, sondern um ein Wiederauffladern des alten zentralafrikanischen Bestherdes handeln. Bu irgend einer Beunruhigung ist kein Anlaß vorhanden. Wie es gelungen ist, die früheren von diesem Seuchenherde ausgegangenen fleinen Epidemien zu befchränken, so dürfte auch dieser Ausbruch eine weite Ausbreitung nicht gewinnen." nicht gewinnen." Die zweite hessische Kammer, die gestern zusammengetreten ist, begann heute die Beratung des Steuerbudgets für 1907. Finanz minister Dr. Gnauth erklärte, daß das Budget zum ersten Male feit 6 Jahren nicht mit einem Defizit abschließe, und daß noch Mittel zur Verfügung ständen, dringende Bedürfnisse, welche Mehrausgaben erforderten, zu erfüllen. Staatsminister Ewald erklärte auf eine Anfrage beber hessischen Regierung zu dieser Frage sich züglich der Schiffahrtsabgaben, daß die Stellung nicht geändert habe. Welche Stellung die Regierung eventl. Am Schlusse des Jahres 1906 betrug der Landerverb der zur wirtschaftlichen Seite der Frage einnehmen werde, könne heute Kommission insgesamt 325 993 Heftar, hiervon waren in deutscher noch nicht gesagt werden. Man müßte dazu erst wissen, was an Hand gewesen 221 150 hektar, in polnischer Hand 104 840 Settar. Stelle des Artikels 54 der Reichsverfassung etwa gesezt werden Der Durchschnittspreis im Jahre 1906 belief sich für das Hektar jolle. bei Gütern auf 1383 Mart, bei Grundstücken auf 1451 Mart, bei Weiter erklärte der Staatsminister bezüglich der Reform gesamtem Ankaufe auf 1184 Mark. Diese Zahlen lassen des Landtagswahlrechtes, daß er mit der Mehrheit der eine zum Teil sprunghafte Steigerung der ersten Kammer wiederholt verhandelt habe. Er müsse jedoch zu von der Ansiedelungskommission angelegten feinem Bedauern sagen, daß er mit seinen Vorschlägen fein besonGrunderwerbspreise erkennen, die bei dem Wett- deres Entgegenkommen gefunden habe. Man scheine in der ersten bewerb des nationalen Gegners naturgemäß an Stammer nicht geneigt, den Beschlüssen der zweiten Kammer zu dauern wird. Troß der hohen Preise konnte folgen, so daß eine Aenderung der Vorlage nötig erschienen sei. nicht verhindert werden, daß deutsche Güter Redner hofft im Laufe des Frühjahrs, vielleicht schon in den zu noch höheren Preisen in polnische Hände nächsten Wochen, dem Hause einen Vorschlag zugehen lassen zu übergingen. Wir halten die ganze, seit Jahrzehnten von der Ne- tönnen, auf Grund dessen sich eine Verständigung ermöglichen laffen gierung betriebene Bolenpolitik für verfehlt; aber selbst wenn man sich auf den Standpunkt der Regierung stellt, bedeuten In der Aera der Einschränkung der Majestätsbeleidigungsparadiese Zahlen einen unleugbaren Mißerfolg ihrer Be- graphen! Aus dem Wahlkreis Bochum wird uns geschrieben: strebungen. Im ganzen hat die Ansiedelungskommission seit bochum und weitmar blieben beim Kaiserhoch mehrere TeilIn nationalliberalen Wählerversammlungen in Alten. 1886 325 993 Seftar Land angekauft; von dieser Fläche waren nehmer figen. Gegen sie ist die Untersuchung wegen Majestätsaber vorher nur 104 840 Hektar in polnischem Besitz; über beleidigung eingeleitet worden. werde. mit Liebesgaben. Trotz aller Gerichtet, rettungslos zerschmettert ist die infame Beschuldigung tvider unsere Partei! Wenn der anhaltische Staatsminister v. Dallwiz die Loge im Schwurgerichtssaal, die nach dem Prozeßbericht für ihn reserviert war, benutzt hat, so wird er den Saal mit dem niederschmetternden Bewußtsein verlassen müssen, daß die furcht bare Anklage", die er gegen die Sozialdemokratie vor dem Land- zwei Drittel des angekauften Bodens waren in deutschen Die notwendigste Einschränkung, die der Majestätsbeleidigungstage des ihm anvertrauten Staates, vor der Deffentlichkeit erhoben Händen. Aber selbst diese 104 840 Hektar find feineswegs paragraph bedürfte, wäre die Einschränkung der Auslegung, die hat, schwer auf ihn selbst zurückgefallen ist! Daß gentnerschwer auf der polnischen Bevölkerung abgenommen. Die polnischen das Bersagen einer Ehrbezeugung, die Kundgebung republikanischer ihm die Anlage lastet, eine in ihrer Schwere faum zu überbietende Grundbesizer, die der Ansiedelungskommission ihre Güter Gesinnung als Beleidigung der Majestät ausgiebt. Beschuldigung gegen eine große Partei, gegen die größte Partei Deutsch verkauften, haben das Geld, das sie dafür erhielten, größtenlands erhoben zu haben, deren völlige Grundlosigkeit jegt offen zu teils dafür verwandt, sich in anderen Gegenden wieder antage liegt. Und jene Schuld wiegt umso schwerer, als der Minister zufaufen, so daß, wenn man die Gesamtverteilung des fchen Provinziallandtage wieder auf Kosten der Allgemeinheit einen Die agrarische Beutelschneiderei hatte am Dienstag im hannover. wußte, daß schon die nächsten Tage die gerichtliche Klarstellung des Bodens betrachtet, sich in beiden Provinzen nur wenig ge- Erfolg zu verzeichnen, und zwar besteht dieser in der SubFalles bringen würden! ändert hat. Und um dieses Resultat zu erreichen, hat die ventionierung Herr v. Dallwitz wird sich über diese Tatsache nicht täuschen Ansiedelungskommission nicht weniger als der Pferdeberwertungs- Genossen fönnen trotz der verzweifelten Versuche des Ersten Staatsanwalts, 337 Millionen Mark aus Staatsmitteln vermöbelt, schaft zu gründen, von den landwirtschaftlichen Vereinen diskutiert ichaft. Vor einigen Jahren ist der Plan, diese Genossendie Bloßstellung seines Vorgesetzten nach Möglichkeit noch zu ver- denn nach der Angabe der Denkschrift haben die Gesamtaus- worden, und man beschloß mit Zustimmung der Landwirtschaftstuschen. Trotz der Versuche des öffentlichen Antlägers, in gaben( 1886 bis Ende 1906) 444 Millionen, die Gesamtein- fammer, die Genossenschaft dann ins Leben treten zu laffen, seinem Plaidoyer wenigstens etwas bon den Trümmern nahmen für den gleichen Zeitraum 107 Millionen betragen, wenn 750 Anteile gezeichnet worden sind. der Anklage wider die Sozialdemokratie zu retten. Zu die reinen Ausgaben mithin 337 Millionen Mart Agitation ist es nur gelungen, 550 Anteile unterzubringen laut schreien die Feststellungen der Beweisaufnahme! Der Bericht, Die Denkschrift gibt diesen Mizerfolg selbstverständlich und schon drohte die ganze Geschichte zufammen zu fallen. den wir an anderer Stelle des Blattes geben, spricht scharf und nicht zu. Sie beruft sich darauf, daß auf der Ansiedelungs- Auch die Landwirtschaftsfanimer hielt sich zurüd. Sie hatte für die unzweideutig das Schuldig über die Väter der Verleumdung und fläche die Kopfzahl der deutschen Bevölkerung beträchtlich zudie, die ohne gründliche Prüfung des Sachverhalts die ihnen zu genommen hat. Im Sommer 1907, meint sie, dürfte das Genossenschaft nur 3000 Mart übrig als einmalige Zahlung. In getragene Beschuldigung weiter verbreiteten, weil sie ihnen als erste Hunderttausend Ansiedler in den Provinzen angesezt" dieser Lage trat die Genossenschaft an die hannoversche Provinzialheran verwaltung Waffe gegen die verhaßte Arbeiterpartei brauchbar erschien. dem Antrage, ihr ein Darlehen sein. Am Schluß des Rechnungsjahres betrug die gesamte Klar liegt der Sachverhalt vor uns. Zwei Unglückliche, Opfer deutsche Bevölkerung in den Ansiedelungsdörfern und auf den günstigen Bedingungen, denn sonst würde der Bund der Landbon 50 000 Mart zu gewähren. Natürlich unter besonders eines fluchwürdigen Systems politischer und geistiger Knechtung, das Ansiedelungsgütern 96 900 Seelen, machte also 2,67 Pro3. wirte das Geschäft selbst erledigen. Die Provinzialverwaltung be in Oberschlesien das bedauernswerte polnische Proletariat in der Gesamteinwohnerzahl der beiden AnElend und Unwissenheit niederhält, sind die handelnden Personen.fiedelungsprovinzen aus. Aber ein Teil diefer antragte denn auch beim Provinziallandtage, dem Antrage ſtattzuDer Angeklagte und sein Opfer find typisch für die entsetzlichen Früchte Bevölkerung lebte schon bisher auf dieser Fläche. Int eigent- 2 Broz. Zinsen und 1 Proz. Amortisation! Während der ersten drei Im geben und der agrarischen Genossenschaft 50 000 M. zu leihen gegen dieses entfezlichen Systems. Jm beständigen Fuselrausch leben sie dahin- lichen Sinne angesiedelt worden sind nur 11 957 Ansiedler- Bros. Zinsen und 1 Proz. Amortisation! Während der ersten drei Schnaps und Raufereien, bei denen das Messer häufig feine verhängnisvolle und 458 Arbeiterfamilien mit insgesamt 81 000 Köpfen. Jahre find weder Zins. noch Amortisationsbeträge zu zahlen! Rolle spielt, find ihre Vergnügungen. Der Erstochene, ein ehemaliger Und auch diese Ansiedler kommen noch lange nicht Die Provinzialverwaltung muß das Geld selbst anleihen und Schuhmann wie mag der Mensch für die öffentliche Sicherheit alle als zugewanderte in Betracht. Von den dafür hohe Zinsen bezahlen. gewirkt haben! von dem man nicht erfährt, weshalb er den Rod 11 957 Ansiedlerfamilien lebten nämlich schon vorher des Sicherheitswächters auszog oder aus ziehen mußte, ist ein im 2926 Familien in Westpreußen und Poiſen; Alkoholrausch, unleidliches Individuum", ein Strafeeler und Händelsucher, sie haben also den deutschen Bevölkerungsstand der beiden der beständig mit seiner ehemaligen Beamtenqualität progt, fich bei all Provinzen nicht vermehrt, sondern sind nur von einem Ort seiner alkoholischen Verkommenheit noch als Borgesetzter gewöhnlicher zum anderen gezogen. Arbeiter fühlt und, um diese seine höhere Qualität gehörig ins Betrachtet man diese Tatsachen und berücksichtigt dabei Licht zu setzen, einen Nadaupatriotismus zur Schau trägt, der nicht, die verausgabte Summe von 337 Millionen Mark sowie die bon tieferer Gesinnung an sich hat. Er ist gewöhnt, vom Wirt feines Verschärfung der nationalen Gegensäße, dann ergibt sich als Stammlolals hinausgeworfen zu werden, wenn er den Gästen durch Resultat der bisherigen Ansiedelungspolitik ein vollständiges feinen lauten Unfug und durch Gewalttätigkeiten lästig wird und wenn Fiasko. es ihm paßt, wenn es sein Bedürfnis, zu renommieren, erfordert, sich Doch einen Erfolg hat diese Politik tatsächlich aufzuals Opfer seiner patriotischen Gesinnung zu geberden. So ist die weisen, allerdings einen Erfolg, der nicht dem Wolfe nüht, Legende der patriotischen Märthrerschaft dieses Säufers entstanden. sondern lediglich dem Grundbesitz auf Kosten der Volksmasse, Seine verlogene Erzählung, daß er am Abend des Wahltages jie hat eine sprunghafte Steigerung" der Bodenpreise wegen patriotischer Kundgebungen verprügelt und aus dem Wirts- bewirkt. Begreiflich, daß die Herren Agrarier mit der haus geworfen worden sei, hat den Boden für die Berleumdung Tätigkeit der Ansiedelungskommission höchst zufrieden sind. bereitet; als der Ortsschulze von der Ermordung des Danisch Troß alles Renommierens mit ihren großen Erfolgen hört, da ist seine erste Frage:„ Das war doch nur scheint denn auch die Regierung einzusehen, daß sie auf dem wegen der Wahl?" Und die aufgeregten Männer um bisherigen Wege nicht weiter fommt. Anstatt aber ihre verden Täter hören aus dieser Frage das Eingeständnis des fehlte Ansiedelungspolitik aufzugeben, gedenkt sie schärfere Mörders heraus. Es ist bezeichnend, daß der Ortsschulze, Mittel anzuwenden und zur 3wangsenteignung zu -O Einkommensteuer. Aber was schert das die notleidenden Agrarier! Sie nahmen die Vorlage an und verhalfen damit ihren Klaſſengenossen zu einem schönen Vermögensvorteil und zwar auf Boltskosten, denn die Einnahmen der Provinzialverwaltung werden aufgebracht durch Umlagen in Höhe von 13% Proz. der Die braunschweigische Thronfolgefrage. In der heutigen Plenarjibung des Bundesrats wurde auf Antrag des Referenten, des königlich sächsischen Bundesratsbevollmächtigten Grafen Vit thum v. Edstaedt, folgender Beschluß gefaßt: Der Bundesrat beschließt: 1. die Ueberzeugung der verbündeten Regierungen dahin auszusprechen, daß, folange Geine Königliche Hoheit der Herzog von Cumberland oder ein Mitglied Seines Hauses sich in einem dem reichsverfassungsmäßig gewährleisteten Frieden unter Bundesgliedern widerstreitenden Verhältnisse zu dem Bundes staate Preußen befindei und Ansprüche auf Gebietsteile dieses Bundesstaates erhebt, auch die Regierung eines anderen Mitgliedes des Herzoglichen Hauses Braunschweig- Lüneburg in Braunschweig mit den Grundprinzipien der Bündnisverträge und der Reichsverfassung nicht vereinbar sei, selbst wenn dieses Mitglied gleichzeitig mit dem Verzicht der übrigen Mitglieder des Hauses auf Braunschweig feinerseits für sich und seine Desaeus Ehren- Reparatur. Senz allen Ansprüchen auf das frühere König- 1 reich Hannover entjagt, daß demnach durch die dem Budapest, 28. Februar. Zwischen dem Vizepräsidenten des Bundesrat vorgelegten Erklärungen Seiner Königlichen Hoheit Abgeordnetenhauses Rakovszky und dem Soziologen Horvath fand des Herzogs von Cumberland in den Schreiben an Seine Majestät ein Säbelduell statt, wobei der letztere mehrere leichtere Berlegungen den Deutschen Kaiser, König von Preußen vom 2. Oktober 1906 und an das Herzoglich Braunsdaveigg- Lüneburgische Staatsministerium vom 15. Dezember 1906 eine entscheidende Aenderung in der dem Beschlusse des Bundesrats vom 2. Juli 1885 § 422 der Protokolle zugrunde liegenden Sach- und Rechtslage nicht eingetreten fei; Kommerzienräten fehlt, sei es, " erhielt. Frankreich. In der Sackgasse. Paris, 26. Februar.( Eig. Ber.) bei manchen Kirchen recht hoch die leichten Herzens eine Juvasion planen. Unmöglich ist zwar eine derartige Landung nicht; in Striegen wie in Revolutionen, wo die Energien bis zum äußersten angespannt sind, wird gar manches möglich, was man in Friedenszeiten und unter alltäglichen Bethältnissen für unmöglich hielt. Aber die Landung ist jedenfalls mit solchen Gefahren verbunden, daß mit ihr nur wie mit einer Ausnahme gerechnet wird. Ganz anders würde sich die Lage gestalten, wenn ein Tunnel vorhanden wäre. England wäre aus ciner Insel in eine Halbinsel verwandelt, und seine militärischen Auf der Kirchenpolitischen Börse ist wieder eine gründliche Baisse Aufgaben würden denjenigen der festländisch- europäischen Staaten 2. die Braunschweigische Landesregierung hiervon in Gr- eingetreten. Und diesmal sieht die Situation wirklich ziemlich ernst ähnlich werden. Der Plan eines Unterseetunnels bedeutet also Tedigung ihres Antrages( Nr. 8 der Bundesratsdrucksachen) zu aus; denn es handelt sich nicht nur um Ehren- und Prinzipien für England eine ganze Revolution in seiner militärischen verständigen. Mit Ausnahme von Braunschweig, das sich der Stimmabgabe fragen, um die man mit einer vermittelnden, mehrdeutigen Berteidigung! Er greift in seine staatliche Gristenz unvergleichlich enthielt, wurde der Beschluß einstimmig gefaßt. Die Braun- Formel herumkommen kann, sondern vor allem um den Geldbeutel. tiefer ein als in die Frankreichs. faveiger werden sich also mit einem nichthannoverschen Landes- Der Staat verlangt nämlich, daß die Geistlichen, die die Kirchen 1888 mehrmals auf und fand seinen Ausdruck in parlamentarischen Der Plan ist nicht neu. Er tauchte in den Jahren 1875 bis vater" begnügen müssen. unentgeltlich bekommen, dafür alle Erhaltungs- und Reparaturkosten Gesetzesvorlagen. Er wurde von fachmännischen Kommissionen Hamburger Patrioten. auf sich nehmen und persönlich für sie haften. Die Kirche aber diskutiert, aber schließlich abgelehnt. Im Jahre 1888 stimmten Als am 3. Juli 1906 die um die Mitte des 18. Jahrhunderts will darauf nicht eingehen, und zwar weder auf die persönliche 165 Abgeordnete für, 307 gegen den Plan. Die Kommissionsdurch den Perleberger Baumeister Sonnin erbaute Große Michaelis- Haftung, die angeblich ihrer Würde" widerstreitet, noch auf die verhandlungen sind in mehreren Blaubüchern begraben, aus denen Kirche", die zu den schönsten Monumentalbauten der Elbrepublik Bestzeitung der großen", für die architektonischen Rekonstruktions- hervorgeht, daß es ausschließlich militärische Erwägungen Man kann diesen Standpunkt waren, die zur Ablehnung des Planes führten. Sowohl die zählte, durch Feuer zerstört wurde, erschienen sofort in der Ham- arbeiten erforderlichen Kosten. dez Kirche verstehen; denn es äußert sich darin Admirale wie die Generale waren in ihrer großen Mehrheit burger Bourgeoispresse pompöse Aufrufe zur Sammlung eines Fonds zum Wiederaufbau des alten Wahrzeichens der Vaterstadt Ham- sehr begründete Voraussicht, daß es fünftig mit den Finanzen gegen den Unterseetunnel. Der damalige Chef des Flottenamtes, Sir Cooper Seh, meinte, England könnte gegen eine feind burg". Gei es, daß es in Hamburg an routinierten Kirchenbaufonds- ber Stirche sehr schlecht beſtellt sein wird. Die Reparaturarbeiten liche Truppenlandung nie gesichert sein, aber solange das Meer sammlern à la Freiherr v. Mirbach imd an freigebigen jüdischen stellen sich auch abgesehen von zufälligen Ereignissen wie Blitz der einzige Zugang sei, würde der Feind eine Truppenlandung bei nicht riskieren. Sei aber ein Tunnel zwischen Calais und Dover daß die grobmaterialistisch schlägen und dergleichen gefinnte Hamburger Bourgeoisie nicht für Stirchenbauten ein- Notre Dame in Paris auf etwa 80 000 Frant jährlich, und da das vorhanden, dann würden wenige Stunden genügen, um 100 000 genommen ist, weil dabei kein Rebbach winkt, genug, es famen durch Kircheneigentum eingezogen ist, müßten diese aus den laufenden Mann nach Dover zu werfen; es würde deshalb nötig werden, Sollte aber gar noch persönliche Dover start zu befestigen und eine Armee zu schaffen, die in jeder " freiwillige" Sammlungen nicht einmal 300 000 m. zusammen. Db- Einnahmen bestritten werden. wohl in Hamburg Staat und Kirche getrennt sind, es mithin feine Haftung hinzutreten, so fürchtet der Klerus, daß die Zahl derjenigen, Beziehung den festländischen Truppen gewachsen wäre. „ Staatskirche" gibt, fanden die gute Beziehungen zum Parlamente die als Geistliche Kirchen zur Miete werden übernehmen wollen, sehr Ansichten schlossen sich die Generale Wolseley, Woods und der unterhaltenden kirchlichen Elemente heraus, daß der„ große Michel", gering und daß die Bischöfe bald außerstande sein werden, die Herzog von Cambridge an. Lekterer erklärte:" Uns droht zwar feine Gefahr von Frankreich, aber Calais kann von einer wie die Kirche im Volksmunde genannt wurde, eine Kirche des deutschen Armee besetzt werden, um den Zugang zum Tunnel Daß der Staat nicht auch noch auf die so geringe Sicherheit, zu erhalten. Dann kann es für uns nur eine Rettung geben: Staates sei, der aus patriotischen Gründen mit seinen Mitteln ein- die die persönliche Haftung der Geistlichen bildet, verzichten und den die allgemeine Wehrpflicht einzuführen und eine den deutschen zugreifen habe zur Wiederherstellung des stolzen Werkes alt- Gemeinden überdies die Tragung der Kosten der großen Reparatur- Militärträften entsprechende Armee zu schaffen." hamburgischer Baukunft". Bald war die übergroße Mehrheit des arbeiten auferlegen kann, versteht sich von selbst. Das ist nicht Diese in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts illuftren Privilegiertenparlaments für diese Idee entflammt. Zunächst nur aus prinzipiellen, sondern auch aus politischen Gründen niedergelegten Ansichten werden noch heute fast allgemein geteilt. wurden mit Staatsmitteln der abgebrannten Kirchengemeinde unmöglich. Der Widerstand gegen die Trennung war auch in den Nur in der liberalen Partei gibt es mehrere Abgeordnete, bie vom Katholizismus beherrschten Gegenden so gering, weil sich die ,, Michel" sich freier repräsentiere. Nun hat ein aus Senats- und Bauern die finanziellen Vorteile der Reform für die Gemeinde- handel und den internationalen Frieden stärken zu können. Der Barlamentsmitgliedern bestehender Ausschuß dem Plenum eine Vor- finanzen an den Fingern abzählen konnten. Man kann diese Vorteile Times" Ausdruck, indem er sagt: allgemeinen Ansicht gibt wohl der militärische Mitarbeiter der Lage unterbreitet, welche die Kleinigkeit von 3 113 000 M. fordert nicht nachträglich aufheben. Da aber die Kirchen den Katholiken zum Aufbau der Kirche im alten Stile. Die Angelegenheit gelangte durch den Mietsvertrag förmlich übergeben wären, würde die lleberam Mittwochabend im Parlament zur Verhandlung. Mit guten Gründen nahme der großen Reparaturen durch die Gemeinde auch eine zog namens unserer Fraktion Genosse Stolten gegen die Vorlage kommunale Subvention an die Kirche bedeuten, also den Hauptzu Felde und ironisierte die Freigebigkeit der frommen Leute in Hamburg, unter denen sich auch viele befänden, die jeder allein 100 000 M. zeichnen könnten. Höchstens könnte man der Kirchengemeinde das zum Bau benötigte Geld zu 3½½ Proz. zur Verfügung stellen, wie man z. B. der Amerika- Linie Hafenbauten gegen eine entsprechende Vergütung zur Disposition gestellt habe. 3113 Die Befürworter der Vorlage appellierten aus naheliegenden Gründen nicht an den frommen, sondern an den patriotischen Sinn des Hauses, und sie hatten den Erfolg, daß die Vorlage mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen wurde. Auch die entschieden" Liberalen, von denen sich niemand zum Wort meldete, stimmten für die Millionenvorlage zu kirchlichen Zweden. Konservative Wahlmache. As Genosse Bebel in seiner Etatrede auf den Wahlschacher zu sprechen tam und ausführte, daß sogar von tonservativer Seite in manchen Orten um die Stimmen der Sozialdemokratie gebuhlt worden sei, widersprach die rechte Seite des Hauses. Wie tatsächlich die konservativen Wahlleiter im Wahlkampf gemogelt haben, zeigt folgender Vorfall: Von der sozialdemokratischen Streisleitung war im Streise Ost- Prignitz" den sozialdemokratischen Wählern zur Stich wahl Stimmenthaltung angeraten worden. Am Sonntag, den 3. Februar, erschien in dem„ General- Anzeiger für die Brignit" folgende Annonce: Genossen! Achtung! Maurer, Zimmerleute und Arbeiter! Lade Euch zu heute abend 8 Uhr zu einer Besprechung über die Stichwahl ein, cs sind drei Genossen aus Prizwalt hier, bitte um zahlreiches Erscheinen in Schröders Gasthof. Friz Lange, Khriz. Wilh. Bethge, Zimmerpolier, Pritwalt. Auguft Riemann, Bimmerpolier, Brigwalt. Martin Winkell, Britwalt. Letztere drei sollten Genossen" aus Britwalt sein. Die Leute haben jedoch keine blasse Ahnung vom Sozialismus und stehen uns überhaupt vollständig fern. Es ist nun von den vier ehrenwerten Herren unter falscher Flagge Propaganda für den freitonservativen Kandi baten, jezigen Abgeordneten Löscher getrieben worden. Wie unsere Parteigenossen bestimmt behaupten, sind die Herren von dem Wahlkomitee der freikonservativen Partei gedungen worden. Man hat hier also nicht nur die Tattit des Reichslügenverbandes nachgeahmt, sondern diefelbe noch durch Vorspiegelung falscher Tatsachen weiter entwidelt, Nicht nur Wahlschacher, fondern Wahlbetrug ist getrieben worden Zentrumsängste. Pfarren zu besetzen. grundfaz des Trennungsgesetzes verlegen. Kommt es nun zu keiner Einigung, und nach der Sprache der Klerikalen müßte man es glauben, wenn man nicht den alten Händlerkniff, die Preisforderung möglichst hoch zu stellen, zu oft von ihnen angewendet geschen hätte- so bleibt der Kirche nur die tat sächliche Benutzung der Kirchengebäude ohne Vertrag übrig. Aber dann hängt es vom Gutdünken der Gemeinden ab, die Reparaturarbeiten verrichten oder die Kirchen verfallen zu lassen, und es ist wahrscheinlich, daß unter solchen Verhältnissen der öffentliche Gottesdienst an vielen Orten bald unmöglich werden wird. Daß den Schaden davon die Kirche selbst haben würde, ist nicht zu bezweifeln. Aber sie mag den Eigensinn und die Kurzsichtigkeit ihrer Politiker anklagen, nicht die Republik, die ihr in den Kultusassoziationen die bollkommene Freiheit des Gottesdienstes und der Bestreitung ihrer finanziellen Bedürfnisse dargeboten hat. * Diesen Unsere militärische Wiedergeburt hat faum begonnen, und abgesehen von der kleinen regulären Armce haben wir feine Militärkräfte, die wir kontinentalen Truppen entgegenwerfen fönnten. Die Besetzung Dovers und des englischen Zuganges zum Tunnel durch leberrumpelung, Belagerung oder Abtretung würde einen Feind, der Calais hält, in den Stand sehen, uns mit Truppenmassen zu überschwemmen; sie würde ihm eine Verbindungslinie geben, gegen die unsere Flotte nichts ausrichten könnte. Der Bau des Kanaltunnels würde deshalb unsere gange strategische Lage und unser Problem der nationalen Verteidigung gründlich umwälzen. Ebenso darf nicht übersehen werden, daß es zwischen der belgischen Grenze und Calais teine ernsten Hindernisse gibt, die eine gegen Frankreich marschierende fcindliche Armee aufhalten könnten. Die Besetzung des französischen Zuganges zum Tunnel ist eine Möglichkeit, mit der gerechnet werden muß." Die Debatte über die zweite Lesung des Initiativantrages wird sich höchst wahrscheinlich mit den hier entworfenen Beweisführungen beschäftigen. Es ist wohl möglich, daß das Unterhaus der zweiten Lesung zustimmen und den Antrag in die Kommissionsberatung senden wird. Allein auf eine Annahme ist nicht zu rechnen. Unsere Zeit ist viel zu tonfliftsschwanger, um derartige internationale Baupläne in Europa schon jetzt zur Verwirklichung gelangen zu lassen. Entstaatlichung der Kirche? Brüssel, 28. Februar. Der batikanische Storrespondent der Indep. Belge" versichert, daß die Unnachgiebigkeit des Papstes in ber französischen Trennungsfrage auf Witwirkung der Jesuiten zurückzuführen sei, welche bei der Einführung des Privatfultus in Frankreich für ihre Gesellschaft Vorteile erwarten. Der Papst soll eine Freude darüber ausgedrückt haben, daß die Verhandlungen ab- 90 Stimmen eine Resolution an, welche die Entstaatlichung der gebrochen worden seien! London, 27. Februar. Das Unterhaus nahm mit 198 gegen englischen Kirche und die Einbeziehung der geistlichen Pfründen be fürwortet. Der Chefsekretär für Frland, A. Birrel, sprach sich zwar wiederholt zugunsten der Resolution aus, erklärte aber, die Regierung werde keinerlei Verantwortung für dieselbe übernehmen, da sie ohnehin schon alle Hände voll zu tun habe. Kommunales. Stadtverordneten- Versammlung. Der Senat beschneidet die Versammlungsfreiheit. Paris, 26. Februar.( Eig. Ber.) Heute verhandelte der Senat von neuem über die Gesetzesnovelle, die er unlängst an die Kommission zurückgewiesen hatte. Die Senatsmehrheit hatte die Bestimmung anstößig gefunden, daß Versammlungen fünftig zu jeder Zeit" unangemeldet stattfinden könnten. Heute wurde diese Bestimmung auf Antrag der Kommission vom Senat endgültig gestrichen! Ebenso der Artikel 3 des Gesetzes, der die Bürgermeister verpflichtete, Räum- 7. Sigung vom Donnerstag, den 28. Februar 1907, lichkeiten für Versammlungen zur Verfügung zu stellen.. Herr Glémenceau war mit allem einverstanden und erklärte nur, den Artikel 3, der nur als ein Wunsch gedacht" sci, durch ein ministerielles Rundschreiben ersehen zu wollen. unlängst desabouiert worden war, hatte sich der Sizung fern gehalten! Die Sozialisten werden diesen Schwindel natürlich nicht ohne weiteres durchgehen lassen, England. Der englisch- französische Kanaltunnel. nachmittags 5 Uhr. Die heutige Sibung wird vom Vorsteherstellvertreter Michelet gegen 5% Uhr mit der Mitteilung eröffnet, daß der aus Briand, der Stadtv. Heilmann Altersrücksichten sein Mandat niedergelegt hat. Dem Ausgeschiedenen, der 79 Jahre alt ist, widmet der Vorsteherstellvertreter Worte lebhafter Anerkennung für sein verdienstliches fommunales Wirken. Zur ersten Lesung steht der Entwurf betr. Feststellung des Stadthaushaltsetats für 1907. Der Entwurf schließt bekanntlich in Einnahme und Ausgabe mit 147 Millionen ab, 6 Millionen weniger als im Vorjahre. London, 26. Februar.( Eig. Ber.) Kämmerer Dr. Steiniger: Es ist uns gelungen, den Etat diesmal In den letzten Wochen der verflossenen Tagung wurde im britischen Unterhause ein Initiativantrag eingebracht: dem Bau zwei Wochen früher an Sie zu bringen. Ob das allen Ansprüchen cines Tunnels unter dem Aermelkanal zwischen Calais und Dover genügt, weiß ich nicht; ich wünschte, er tönnte noch 14 Tage früher In Küllstedt auf dem Obereichsfelde( Wahlkreis Mühlhausen zuzustimmen. Der Antrag wird wahrscheinlich in den nächsten vorgelegt werden. Der Bruttoetat mit dem Etat der städtischen Werte umfaßt 270 Millionen, mehr als der des Königreichs Württem Langensalza) hat dieser Tage eine Zentrumsversammlung staitgefunden zwed's Stellungnahme für die am 1. März stattfindende Tagen zur zweiten Lesung gelangen, und es werden große An- berg. Im einzelnen sind die Ergebnisse der Aufstellung nicht gleich Nachwahl, zu der das Zentrum keinen eigenen Kandidaten aufstellen strengungen gemacht, den Bau des Unterſectunnels durchzubringen. befriedigend. An Lohnverbesserungen sind 460 000 M. vorgesehen, will. Der Vorsitzende der Versammlung erteilte zuerst das Wort Gine englisch- französische Gesellschaft will den Bau unternehmen, und zwar haben wir unten aufgebessert. Es ist im übrigen dem Kandidaten der Konservativen, dann dem Freisinnigen Genosse dessen Stoften auf etwa 16 Millionen Pfund Sterling( 320 Millionen nicht gelungen, alle Verwaltungen über einen Stamm zu scheren. Grunwald, der sozialdemokratische Kandidat, erhielt das Wort nicht. Länder sind an dem Plane interessiert und bemühen sich, durch auch auf die Bedürfnisse der einzelnen Etats zurüdgewirtt. Ans Mart) veranschlagt werden. Bedeutende Finanzhäuſer beider Die Erhöhung des Niveaus der allgemeinen Preislage hat natürlich Nach dem Bericht der„ Germania" erfolgte nach der Rede des Freisinnsmannes lebhafter Beifall, und weil ihm von Zentrumsfeite Zeitungsartikel und Vorträge die öffentliche Meinung zu gewinnen. Den 100 Bros. Ginkommensteuer haben wir schließlich festgehalten, Ihr Erfolg ist indes vorläufig nur ein partieller. In Frankreich weil wir in der Zeit eines 11% Millionenüberschusses, in einer nicht entgegengetreten wurde, sieht sich das Blatt zu folgendem hat der Plan zwar allgemeinen Beifall gefunden, aber in England Beit, wo manche Vororte sich heruntergearbeitet haben, unmöglich Angstruf veranlaßt: Noch ein paar folcher Zentrumswählerversammlungen- und stößt er auf faum überwindliche Schwierigkeiten. Die Gründe über 100 Broz. hinausgehen konnten. Von dem lleberschuß habe ich unsere Zentrumsleute sind politisch demoralisiert und dieser gegensätzlichen Stellungnahme sind nicht schwer zu entdecken: Teider nichts für einen Ausgleichsfonds oder für die Erhöhung Für Frankreich hat der Plan eine ausschließlich kom= des Grundstücscriverbungsfonds retten können; er mußte ganz reif für den Freifinn und für noch weiter nach links." Demnach scheint das Zentrumsblatt die Beständigkeit der ultra- merzielle Bedeutung. Ein Tunnel unter dem ermelkanal in den Etat cingestellt und es mußte eine Menge von Neuforde würde ohne Zweifel den englisch- französischen Personen- und rungen abermals oder gekürzt zurückgestellt werden. Auf die montanen Wähler nicht allzu hoch einzuschätzen, und man versteht Warenverkehr fördern und die Freundschaft zwischen den beiden Einzeletats eingebend, beleuchtet der Stämmerer zunächst die uns danach auch die Besorgnis des Zentrums, die gegnerische Agitation, Rändern stärken. Die Furcht vor der Seekrankheit, die den Ber- verhältnismäßig rasch gestiegenen Ausgabeetats der Schul vernamentlich die. Sozialdemokratie, aus aus seinen Gefilden fernsonenverkehr zwischen England und Frankreich beschrärft, würde waltung. Die Schule beanspruche allein 73 Broz. der gesamten zuhalten. ganz wegfallen. Die Reise zwischen London und Paris würde etwa Ginkommensteuer. 14 Gemeindeschulen seien im Bau begriffen; 6 Stunden dauern und der Tunnel deshalb Ausflüge hinüber und die Gemeindeschülerzahl sei 227 000. Die Arm en verwaltung herüber ermöglichen. Paris würde vom Fremdenverkehr noch mehr bedürfe eines Zuschusses von 14,4 Millionen; die Steigerung sei gewinnen als bis jetzt. Es ist ferner sicher, daß viele Engländer, Die Krankenhaus. jezige Hochtonjunktur zurückzuführen. die nach Indien und sonst nach dem Orient reisen, die Bahn bis gegen das Vorjahr nur unwesentlich und dieser Umstand auf die Marseille benußen würden; ebenso würden sie bei ihrer Heim verwaltung verfüge jezt über 5100 Betten. Die Klagen über UnzuBudapest, 28. Februar.( B. 5.) Das Auftreten der ungarischen reise den Hafen von Marseille zur letzten Seeftation machen. länglichkeit der Bettenzahl würden jetzt wohl sehr zuſammenAgrarier wird immer aggressiver. Ihrem Einfluß ist auch die Vor- Vielleicht würde auch der mitteleuropäisch- englische Personenverkehr schrumpfen. Der Kostenpreis pro Tag und Bett schwanke, die Verbereitung mehrerer reaktionärer Gesezentwürfe durch die Regierung den Tunnel benüßen. Die Franzosen würden demnach von einem zinsung des Grundeigentums eingerechnet, zwischen 3,86 und 5,19 Mart, welchen Säßen die für auswärtige Kranke bestehenden Säße zuzuschreiben. Gegenüber dem Vorhalten der Agrarier, die auch Unterfectunnel Calais- Dover große Vorteile ziehen. Dagegen hat der Plan für England nicht nur eine fom- nicht entfernt entsprächen. Bei den Frrenanstalten seien gestern gegen den sozialistischen Abgeordneten Mezoefi auftraten, erklärte der Präsident des Abgeordnetenhauses Justh, daß in der merzielle, sondern auch eine militärische Bedeutung. Ja, Aufbesserungen des Gehalts verschiedener Beamtentlassen erfolgt; Unabhängigkeitspartei der reaktionäre Standpunkt, daß man, um die militärische Bedeutung des Planes wird hier zur ausschlag eine allgemeine Aufbesserung sei leider nicht möglich gewesen. das Einkommen der Gutsbesitzer zu vermehren, die Arbeiter unter- gebenden Erwägung gemacht: England ist ein Inselstaat. Seine Der Parketat weise eine starke Erhöhung auf, wesentlich infolge inilitärische Verteidigung geht bon maritimen Gesichtspunkten aus. der gesteigerten Löhne. Die B a uverwaltung jei mit 25 Millionen brücken wolle, nie Geltung erlangen dürfe, er werde gegen diese Die Engländer können unter den jest obwaltenden Umständen ohne gegen 36% im Vorjahre dotiert. Das Märkische Museum werde ( Seiterfeit.) Ein besonderer Bestrebungen und gegen alle Feinde der Preßfreiheit den Kampf allgemeine Militärpflicht auskommen, da sie, von der See um- in diesem Jahre fertig werden. bis aufs Meffer führen. Die Anhänger Jufths in der Unabhängige geben, eine feindliche Truppenlandung nicht so leicht zu befürchten Etat für das Nahrungsmittelamt lasse sich noch nicht vorlegen. haben. Sie rechnen auf die Flotte, und solange diese tüchtig und Unter den Einnahmen figurieren die städtischen Werte mit Teitspartei sind derzeit in der Minorität. triegsbereit ist und das Meer beherrscht, wird keine feindliche Macht 16% Millionen weniger als 1906. Die Häfen, die Kanalisation Ausland. Ungarn. Die Agrarier. erforderten höhere Zuschüsse; die Schmerzenskinder aber seien die Markthallen und seht auch der Vieh» und Schlachthof. Kür die Markthallen könnten doch unmöglich aus den Mitteln der Steuer» zahler, also auch der kleinen Geschäftsleute, die in-den Markthallen ihr« Konkurreitten sehen, Zuschüsse geleistet werden. Die Ueber- schüss« der Viehhofsvcrwaltung verminderten sich unausgesetzt; bei beiden Verwaltungen sei ein« sehr starke Steigerung der Gehälter gu konstatieren. Mit der Rentabilität beider könne man keinen Staat machen; auch das Ergebnis der Gaswerke sei noch nicht be- frieidigend. Die Rente der B. E. W. steige auf 4, die der St rasten» bahn auf über 3 Millionen.llte auch der Kämmerer Heilung der Schäden suchen. Wir sind ja glücklich soweit, jetzt die UntertunnelungSprojekt« der „Gros».n" im kommunalpolitischen Interesse bekämpfen zu müssen. Die Eunrichtung beweglicher Steuern fehlt uns ganz; die Ein- kommen- und Grundsteuer sind ans!00 und 150 Proz. eingerostet. Dennoch bin ich auch für die Festhaltung der 100 Proz.; auf die GlimpfKchkeit der Regierung darf sich Berlin nicht verlassen. Neue Steuern bewilligt die Versammlung nicht,, eben wegen der Ueber- schüsse. düe dornet zu einer ständigen Einrichtung werden, ohne welche der Etat nicht mehr zu balancieren ist. Wir müssen also schließlich doch zu neuen Einnahmequellen kommen, wenn wir nicht in schlechten Zeiten die 100 Pro», überschreiten wollen. In guten Zeiten hätte man Steuern aus Vorrat bewilligen sollen, um dafür Grund- unp Einkommensteuer herabzusetzen. Unter diesem Gesichts- punkte möchte vielleicht selbst eine Wertzuwachssteuer den Haus- desitzerverei.qen noch schmackhaft zu machen sein!(Beifall!) Stadv. Mommsen(Fr.' Fr.) warnt auch vor zu großem Optimismus gegenüber dem Etat. Immerhin sei der Etat doch geeignet, dem konservativen Herrn, der dieser Tag« im Abgeord- netenhause von der„Sauwirtschaft" in Berlin gesprochen, ein Licht aufzustecken. u»d man sollte ihm ein Exemplar zuschicken. Gegen die bedenklichen Schwankungen in den Steuereinnahmen emisse Schutz gesucht wi'rden, evenil. durch Verwendung von Ueberschüsse» als ÄusgleichSfohids. Bedenklich hoch sei der Prozentsatz der Ver- waltungslasten Berlins; hier müsse reformiert werden, eS müsse mit weniger Zeitaufwand und weniger Personal verwaltet werden. Die Verwaltung ßei jetzt viel zu schwerfällig. AuS den Abgaben tt.Gi-ckt.Bkriin. ä'mi».Verlag: VoroartsBuchdr. v. Verlag»an st«L ziehe Berlin jetzt es. 0 Million««. Ob Berti» mehr daraus zöge. wenn eS die B. T. 25. und die.Große" in eigener Regie hatte? Unter 300 Millionen würden die beiden Unternehmungen doch nicht zu erwerben sein. Die Verpachtung der Gaswerke habe er im vorigen Jahre nicht vorgeschlagen, die Zeit dazu werde aber kommen (Heiterkeit). Die Schulverwaltung biete ein wenig erfreuliches Bild, indem nur eine einzige neue erste Rate eingestellt sei und auch keine einzige Schule fertig werde. Also wieder Mietsschulen! Da ist etwas falsch in der Verwaltung! Auch im Badewosen ist nicht alles in Ordnung. Die großen Prachtbadeanstalten kosten schweres Geld und Zuschüsse, während die kleinen bescheidenen sich renteeren und der Bevölkerung mehr nützen. Schließlech spricht sich der Redner auch dafür aus, daß Berlin daS seinige tue, um eventl. den Grunewald zu pachten, doch habe hier dir Mitwirkung der Bororte gleichmäßig einzutreten. Berlin dürfe man nicht das ganze Risiko zumuten.(Beifall.) Nach M-lO Uhr erhält das Wort Stadtv. Rosenow(N. L.). Hauptsächlich ergeht er sich in Pro« testen gegen die Zumutung, die Stadt Privatgesellschaften auszu- liefern, und lobt die Resultate der städtischen BetriebÄerwalwngen, Weiter empscehkt er u. a. eine gründliche Reform des Martthallen- Wesens. Tem Stadtverordneten Borgmann gegenüber verweest er daraerf, daß er mit feinen Anträgen betreffend den Akkumulatorenbetrieb seinerzeit nicht du rä gedrungen est; auch sei er an der Durch- brcchnng des 10 Pf.-Tarifs unsckuldig. Tamil schließt die erste Beratung. Der Entwurf des StedthausijnltetatS für 1907 nebst den Etats der städtischen Werke wird einem besonderen EtatSauSschuß übevwiesen, der vom Vorstande sofort ernannt wird und dem auch Sie sozialdemokratischen Stadtvevordneien Dr. AronS, Borg- mann und S a s s e n b a ch angehören. Zur Erweiterung der W e r k st a t t der stäbtischen Wasserwerke soll das Grundstück Melchiorstr. 20 für 426 000 M. an- geKruft werden. Die Borlage wird nach längerer Debatte angenommen. SewerKscdaftlicKes. Aussperrung der Tapezierer und Kleber. Eine gestern abend stattgehabt« Versammlung der Tapezierer- Zwangsinnung nahm einstimmig folgende von den Vorstands» sämt- licher Organisationen des Berufes, und zwar der Zwangsinnung, der Bezirksveretne für Berlin und Umgegend, des Verein»„Kette", der Vereinigung„Innendekoration" und de? Berein» der Kleber. meister für Berlin und Umgegend— vorgeschlagene Resolution an: Am 1. März werden in sämtlichen Betrieben deS Tavrzierer« berufes in Berkin und den Vororten diejenigen Gehillsen aus- gesperrt, welche im Verband oder Fachverein organisiert stnd. Alle GeHülsen, die nickt die schriftliche Erklärung abgeben, weder Verbands- noch Fachvereinsmitglieder zu sein, noch sich an den Forderungen des Verbandes und deS Fachvereins zu beteilige», werden an diesem Tage entlassen. Jeder Arbeitgeber ist verpfkichtet, diese Resolution der JitnungS- Versammlung vom 28. Februar so lange aufrechtzuerhalten, bis ein anderer Beschlutz der Innung vorliegt oder lhS ein Arbeitsvertrag mit der Innung vereinbart ist. Kein Arbeitgeber darf Einzelabmachungen wessen, sondern hat sich den Beschlüssen der Innung unterzuordnen. Ferner wurde beschlossen, daß sich jeder Arbeitgeber verpflichtet, an diesem Beschluß unbedingt solange festzuhalten, bis«in anderer Beschluß der Innung vorliegt oder bis ein neuer Arbeitsvertrag mit der Innung vereinbart ist. Auch darf kein Arbeltgeber mit den Arbeitnehmern für seinen Betrieb einzelne Abmachungen treffen, sondern alle müssen sich den Beschlüssen und Anordnung«« der Innung unterordnen. Der Referent. Tapezierermeister Redeltheirner, schilderte den Kampf als eine Machtprobe, der den Meistern durch die über- triebenen Forderungen aufgezwungen worden fei. Der Beschluß der Kleber, ihre Lohnbewegung einzustellen, wurde für ei» Schein- manöver erklärt. Sobald die Situation für die Kleber wieder günstiger würde, würden auch sie ihr« Forderungen wieder erheben. Deshalb mfihttn sie auch ausgesperrt werden. Man folge hierbei nur dem Beispiel der Holzindustriellen, welche sich zu ungünstigeren Zeiten nicht einzeln von den Arbeitnehmern bedrängen lassen wollten. Dagegen, daß die Tapetenhändler etwa die Ausführung der Klebermeisterarbeiten fertig stellen sollten, habe man die er- forderlichen Schritte schon unternommen. »» » Die Leitung de» Verbandes der Tapezierer ersncht dl« Kallegeu, in allen Beirieben, in denen bis heute, Freitagabeud, die Forde- rungen der Gehttlfen nicht bewilligt find, in den Ausstand z» treten. E« ist Pflicht«ine» jeden Kallegen, diesem Beschlüsse Rechnung zu tragen. Kein Man« darf in den Betrieben bleiben» die dt« Ge- Währung der Forderungen»erweigern. Letzte Nachrichten und Depefchen« Gabor t Frankfurt a. SR., 28. Februar.(Privattelegramm.) Hier starb heute im Alter von 65 Jahren der frühere sozialdemo» kratische Reichstagsabgeordnete Adolf S a b p r. (Sabor vertrat den Wahlkreis Frankfurt a. M. in den Legislaturperioden 1884/1887 und 1887/1890. Er war ursprüngilch Lehrer. Seit Jahren hatte er sich von der Arbeiterbewegung zurückgezogen.)_ Da? beleidigte Kammergericht. KSnigSberg l. Pr., 28. Februar.(W. X. B.) Die Straf- kammer verurteilte heute den Redakteur der sozialdemokratische» „KSnigSbergrr BolkSzeittmg", HanS Marckwald. wegen Beleidigung deS Kammergerichtes zu Berlin zu einer Geldstrafe von 500 Mark eventuell zu 100 Tagen Gefängnis. Die Beleidigung wurde erblickt in einem„Kammerjustiz des Kammergerichtb" überfchriebenen Artikel der„KönigSberger volkszritung", der sich mit dem am 5. Oktober 1906 vom Kammergericht im Prozeh Gädke gefällten Urteil befaßt._ Schreckenstat eines Jrrfinnignn. Allcnstein, 28. Februar.(W. T. B.) Wie die„Allensteinci Zeitung" meldet, wurde heute nachmittag«in Soldat der t. Kom- pagnie des 150. Jnfanterie-Rcgiments plötzlich iresinnia. Er schloß sich in seine Stube ein und feuerte, nackdem dieselbe aufgebrochen war, auf alle Eintretenden. Ein Unteroffizier wurde tödlich ver- mundet, ein anderer Soldat erhirl« einen Schuß in dru Obcrfchenlel. Der Irrsinnige erschoß sich dann selbst. Ein Messer ohne Heft. Part«, 28. Februar(25. T. 23.) Der Ministerrat faßte heute über die Greendzüge eine« Entwurfes eine» Beamtengesetze« Beschluß; der Entwurf räumt ihnen das Koalitionsrrchl ein zur Lrrteidigiing ihrer Interessen, verbietet ihnen aber in aller Farm drn Streik. Der Ministerrat wird am Dienstag den vom dem Justizminister Guyot Dessaigne, dem Kultusminister Briand, dem Minister für öffentliche Aeveiten Barthou und dem Finanzminister Caillaux auf- gestellten Eictwurf prüfen._ Hafenarbeiterstreir. Trieft, 28. Februar.(W. T. B.) Aus Anlaß einer unter den Kohlenladern entstandenen Lohnbewegung hat die Genossenschaft der Facchini die ZZerlade- und Löscharbeitcn heute nachmittag ecngcstellt, so daß nun im Frcihafengebicte jede Tätigkeit rvht. Letul Einger&Eo., Berlin SW. Hierzu 3 Beilage» a. UnterhaltungSblatt Nr. 51 24. Aahrgallg. 1. Deilagt des Jotrairts" letlinet WMM. Mag. 1.»Srj 1907. Reichstag. S, Litzung vom Donnerstag, den 28. Februar 1007, � nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStisch: Dernburg, v. Tschirschty. Der erste Punkt der Tagesordnung Ist der schleunige Antrag VrandyS: Der Reichskanzler versprach eine Re« form der Börsensteuer; hierbei wird er wohl auf den Widerstand der Konservativen stoßen. Weiter hat er Ersparnisse durch Verein« fachungcil in der Arme« in Aussicht gestellt; das haben wir stets gefordert. DaS kouservativ-liberalc Kartell oder, wie man eS mit einem intimeren Ausdruck benennt, die konservativ-Uberale Paarung wird kaum Bestand haben; sie ist zustande gekommen, ohne daß die dabei Interessierten dabei tälig waren oder überhaupt pur eine Atmung davon gehabt haben.(Heiterkeit.) Von dieser Einigung möchte ich wie Moltke vom ewigen Frieden sagen:.Es ist ein Traum und nicht einmal ein schöner."(Heiterkett.) Der Reichs» Liniler hat einen Wechsel auf die liberale Rtchtung ausgestellt, den er einlösen muß. Viele Mitläufer der sozioldeniokratilchen Partei geben, dort nur ihrer Unzufriebenheit Ausdruck, erkonnteu aber, daß sie damit Bestrebungen stärken, die sie nicht fördern wollen; zu dieser Erkenntnis haben die letzten sozialdemokratischen Parteitage auch wesentlich beigetragen. Aber eine Enttäuschung darf die Bevölkerung,' die sich von der Sozialdemokratie abgewandt hat, nicht erfahren. Im gegenwärtigen Augenblick liegt für eine solche Ein- tänschung auch kein Anzeichen vor. Mit den Erklärungen der letzren Tage, sich auf die Liberalen zu stütze», hat der Kanzler die Brücken hinter sich abgebrochen, wenn unser liberales Programm auch be- deutend weiter geht als da? des Kanzlers. Aber eS ist sehr be- dauerlich, daß er die Notwendigkeit eines liberalen Programms nicht schon vor Jahren erkannt hat.(Sehr richtig! bei den Frei- sinnigen.) Bei der Durchführung seines liberalen Programms wird er noch manche bittere Erfahrungen wachen. Wir werden unser Programm und lulsere Bestrebungen nicht einpacken, um der Rechten zu dienen, wir sind selbstlose Politiker (Große Heiterkeit), aber s o selbstlos find wir doch nicht. Wie vor- trefflich wir den Wahlkampf geführt haben, mit wie verwerflichen Mitteln unsere Gegner, dafür könnte ick Ihnen überzeugende Beispiele anführen.(Große Heiterkeit.) DaS Charakteristische des Wahlkampfe» war das Zuströmen'üngerer Wähler und Agitatoren au den liberalen Parteien. In größeren Verhältniffrn aufgewachsen, sind diese Elemente mehr bereit als wir älteren, für die Kolonial- Politik einzutreten. Diese Strömung mag zunächst der Regierung angenehm sein; aber kritiklos sind diese Elemente nicht. Vom be- schränkten Untertanenverstand wollen diese modernen Elemente nichts wHen. In der Verwaltung der Kolonien wollen sie nicht den Eirr fiuß des Assessors und Leutnants, sondern den des Kaufmanns. lSehr richtig! bei den Freisinnigen.) Wir wollen in der inneren Verwaltung in der Heimat eine demokratische Env Wickelung, wobei die Sozialdemolratie sehr wohl positiv mitarbeiten kann. Der Kanzler wird also viel weiter gehen müssen. Ernsthaft muß man die internationale Frieden» bcwegung unterstützen, bei der e» sich auch um sehr praktische Fragen handelt, z. B. die deS schwimmenden Eigentums. Aber auch im Innern wird der Herr Reichskanzler noch einiges in AuSfickt nehmen müssen. Er wird sich daran erinnern müssen, daß er auch Mnislerpräsident in Preußen ist und wird die Nichtübereinstim mung zwischen der Reichspolitik und der preußischen inneren Politik, die eine der Hauptursachen der Reichsverdrossenheit ist(Sehr richtig! links) vermindern müssen. Eine Aenderiiug deS Wahlrechts Ii Prensien ist die erste VorauSsetznna einer liberalen Aera.(Lebhafte Zustimmung links.) ES ist tief beschämend, wie Preußen in dieser Hinsicht gegenüber den kleinsten Staaten zurückgeblieben ist. Es ist auch unverständlich, wie der Herr Reichskanzler, wenn er fortschrittliche Politik treiben will, als preußischer Ministerpräsident neben dem Minister v. Studt sitzen kann, dessen Politik doch daS Gegenstück eines ae- stmden und vernünftigen Fortschritt» ist.(Lebhaftes Sehr richtig! links.) Wir glauben ja nicht, daß nun auf einmal ein wirklich demo kratiicher Zug durch die Reichsregieruug gehen wird.(Große Heiter keit rechts.) Aber wir hoffen, daß der Herr Reichskanzler die Zeit verstehen und demgemäß handeln wird. ES kann im Deutschen Reiche so nicht länger weitergehen; eS muß ander» werden, und die Aendernng kann selbstverständlich nur eintreten nach links.(Leb haster Betfall links.) Abg. Gröber(Z.)t Der Herr Reichskanzler, den ich zu meinem Bedauern nicht an keinem Platz« sehe, hat Mitteilung gemacht von einer vertraulichen Besprechung, die vor der letzten Sitzung des aufgelösten Reichstage» zwischen ihm, dem Kolonialoirektor, Kollegen Spahn und mir statt gefunden hat. Bei dieser Besprechung erwähnte der Herr Koloniab direktor nebenbei, daß eine Vereinbarung mit den Misfionen in Togo getroffen sei. Die« veranlaßt« den Kollegen Spahn, da ihm die Vor- gänge in Togo nicht genau bekannt waren, zu der Frag«, ob ihm zu leiner Information Einsicht in die Akten gewährt werden könne. Der Herr Reichskanzler gestattete dies und derHerrKolonialdirektor händigte einig« Tage später dem Kollegen Spahn statt der Asten, wahr- scheinlich um ihm die Information zu erleichtern, einen AktenauSzug ein. In diesem AktenauSzug war aber leider gerade über diesen Punst nickt Aufschluß gegeben. Als nun Kollege Spahn in der FrastionSsstzung bei der Beratung des Kolonialetat» diese» Ueber- einkommenS Erwähnung tat, wurde ihm die Abschrift des ganzen Protokolls entgegengehalten, wonach da» ursprüngliche Ueberem- kommen in den kritischen Punkten durch ein spätere« Uebereinkommen aufgehoben war.(Hört! hört! im Zentrum.) Der Herr Reich» kanzler wird nunmehr verstehen, weshalb unser« Bemühungen tn der Fraktion den von ihm gewünschten Erfolg in diesem Punste nicht haben konnten.(Sehr gut! im Zentrum.) Auf diesen Punst be schränken sich aber allein die Beschwerden de» Herrn Reichskanzler» uns gegenüber. Im übrigen hat er selbst die Haltung zweier Redner au» unserer Frastion in den. damaligen Debatten anerkannt. Was die Etsenbahnvorlage anlangt, so muß er zugeben, daß die ZentrumSfrattion lediglich aus sachlichen Erwägungen zu ihr Stellung genommen hat. DerHerrKolonialdirektorselbst hat zugegeben, dyß die Begründung der Bahn Knbub— KeetmanShoop durch in i l i- t a r i s ch e Gründe nicht gerechtfertigt war, daher haben wir sie seinerzeit abgelehnt— und er hat neue wirtschaftliche Gründe dafür angeführt.(Sehr richtig! im Zentrum.) Diese neuen Gcnnde haben uns veranlaßt, die Bahn zu bewilligen am Mittag desselben Tage«, an welchem der Reichstag abends aufgelöst wurde.(Hört! hört! im Zentrum.) Wir sitkd auch gar nicht mit den Sozialdemo- traten gemeinsam vorgegangen: denn diese haben bekanntlich in der Budgetrommssfion gegen unseren Antrag gestimmt. Dieser Antrag forderte nur Vorberttrang für die Verminderung der Truppen in Südwestafrika, bedeutete also keinen Eingriff in die Kommando- gewalt. Im Plenum kam er nur deshalb nicht zur Abstimmung, weil der Herr Reichskanzler es mit der Auflösung zu eilig hatte, daß er die Abstimmimg gar nicht mehr abgewartet hat. (Heiterkeit im Zentrum) Es ist nicht wahr, daß unser Antrag irgend einen Termin für die Zurückschickung der Truppen enthielt.(Lebhaftes Sehr richtig! im Zentrum.)— Herr Gamp sagte, in unserer Fraktion seien die älteren und besonneneren Elemente überstimmt worden. Wäre er bei UNS zugegen gewesen(Zuruf:.Er kommt noch zum Zentrum! Gvoße Heiterkeit), so würde er wissen, daß dies erlogen ist, (Lärm rechts.) Der Beschluß ist in unserer Fraktion einstimmig gefaßt worden. Der Reichskanzler hat die Rede deS Abg. Roeren über die Be Handlung der Eingeborenen als persönlichen Angriff gegen den Kokonialdirektor und gegen sich aufgefaßt.(Der Chef der Reichs kanzlei, v. Lssbell, bat unmittelbar neben dem Redner Stellung ae nommen uitb unterbricht ihn durch wiederholte leise Zwischenrufe.) Ich verbitte mir dwse Ätönmg. Vizepräsident Punsche: Die Zwischenrufe waren so leise, daß ich sie nicht verstehen konnte. Abg. Gröber: Wenn der Präsident mich nicht schützt, so bin ich Manns genug, mich selber zu schlitzen.(Lebhaftes Bravo im Zentrum und bei den Sogiawemokraten.) Vizeprmidettt Pansche": Der Präsident hat die Pflicht, den Redner gegen Zwislyenrufe zu schützen. Sie können ihm doch keinen Vor- wurs daraus machen, wenn er sie nicht hört. Abg. Gröber(fortfahrend): Eine PuiuKe Aussprache zwischen dem Reichskanzler und denjenigen Mitgstrdern des Zentrums, weUjen er bis dahin sein Vertrauen geschenkt hatte, würde jedes Mißtrauen beseitigt haben. Der Reichskanzler beklagt sich, dag der ig. Roeren gegen den Kolonialdirektor vorgegangen ist. Die erste che RoerenS behandelte Vorgänge in Togo, die nicht während der Amtszeit de» KolonialdirektorS vorgekommen waren. Dagegen war die erste Enlgegming des Kolonia�direktorS persönlich und in verletzender üoriii gehalten. Unzutreffend ist die Ansicht, daß der Zwischenfall lttoeren-Deriiburg einen EmflW auf unsere Entschließung gehabt hat. Dieser Zwischenfall ereignete sich am 3. Dezember, aber schon vorher halft» unsere offiziellen Redner, Schädler und Erzberger, die schnellere Hcrabsetznna der Trichpenzahl verlangt. Daß Abgeordnete de« Zentrums und der liberalen Parteien mit verschiedenem Maß gemessen werden, zeigt auch die Rede de« Abg. Müller-Meiningen über die Kolonialskandale. Bon ihm wurden die schwersten Vorwürfe gegen dje Kolonialverwaltung und gegen den Reichskanzler erhoben, ohne daß der Reichskanzler ein Wort des Tadels aussprach. Müller- Meiningen sagte, man munkele in den Kolonien, daß Unteroffiziere als Untersuchungsrichter sungieren.und vieles andere und sagte: beim Etat werden wir über diese©cgcustirnhe sMchen.— Sia, wir wollen das abwarten. l Heiterkeit und Zehr richttgl im Zentrum, Unruhe bei den FrcKniigag Gegen den Kairzler echoO er den Porwurf, er habe seü Jahien gewußt, welche Wirtschast in den Kolonien bestehe, und nichts dagegen getan.(Sehr richtig I im Zentrum.) Und darauf sagte weder der Kanzler noch der Kolonialdirektor ein Wort. Vergleichen Sie das damit, wie man über Herrn Roeren hergefallen ist.(Zu- stniimung im Zentrum. Große Unruhe beün Kartell.) Unser Antrag soll einen Eingriff in die Kommanoogewalt bedeuten, der Antrag Ablaß dagegen nicht. Beide Anträge unterscheiden sich nur darin, daß der Antrag Ablaß die Vorbereitungen verlangt zu einer erheblichen Herabminberung der Truppen, der ZenttumSantrag dagegen zur Berminderurg auf 2SV0 Mann. Im Prinzip sind beide Anträge identisih. Der Kolonialdirektor schien daS auch zu fühlen; denn er sagte, die Regierung interprettere den Antrag Ablaß so, daß er einen Eingriff in die Kommando« gewalt nicht bedeuten solle. Es kommt also auf die subjekttve Meinung der Regierung an, und beim bösen Zentrum wittert fi« böse Absicht.(Sehr gut! im Zentrum.) Wir haben gegen den Antrag Ablaß gestimmt, weil er nach unserer Meinung alle» in das freie Ermessen der Verwaltung gestellt hätte.(Beifall iw Zentrum.) Der Reichskanzler hat die Ausführung de» Abg. Spahn, er Hab« die Ehre de» Zentrums verletzt, mit dem wohlfeilen Hohn beantwortet, ob er das Zentrum um Erlaubnis zur Auflösung hätte fragen sollen. Wir haben da» verfassungsmäßige Recht der verbündeten Re« gierungen nie bestritten.- Die Verletzung unserer Ehre erblicke« wir darin, daß man aus einer Ablehnung von 8— 9 Millionen bei einem Milliardenetat eine angeblich hochwichtige nationale Frag« macht, sowie darin, daß man deswegen dem Zentrum Mangel an nattonaler Gesinnung gemacht hat.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Noch im Frühjahr hatte der Reichstag mitten im Feldzug IS Millionen Mark abgelehnt, ohne daß irgend eine Aufregung er« folgte. Im Herbst aber soll der Abstrich von S Millionen ein staatS« gefäMicheS Ereignis, ein Eingriff in die Kommandogewalt seinl— Der Abg. Basiermann meinte, den Abstrich von IS Millionen habe di« RementNg ja angenommen, und damit sei festgestellt, daß der Reichstag genügend bewilligt habe. Danach hätte die Regierung damals zu viel gefordert. Abstriche sind danach davon abhängig zu machen, ob die Regierung sie genehmigt oder nicht.(Sehr gut! im Zentrum und bei den Sozialdemokaten.) Wir halten eine solche subattern« Auffassung für unwürdig eine« freirn Parlaments.(Lebhafter Beifall beim Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Bei einer solchen Auffassung sollte man lieber di« ReickStagSbude schließen und dem hohen Bundesrat die Festsetzung der Mittel überlassen, der ja nicht den»beschränkten Untertanenverstand" hat.(Lebhafter, wiederholter Beifall im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Der Vorwurf de? Mangels an nationaler Gesinnung ist doppelt stänkend für die Zentrumspartei, welche nach dem Zeugnis de» Reichskanzlers und auch des Herrn Bassermann sich große Verdienst« beim Zustaiidekommen de» Bürgerlichen Gesetzbuchs, beim Klotten« gesetz, bei der Reichsfinanzreform, bei der wirtschaftlichen Gesetz- gebung erworben bat.(Rufe bei den Sozialdemokaten t Leiderl) Die ältesten Mitglieoer deS Hause» erinnern sich noch an di« Wahlen von 1887. Damals war jeder ein ReichSseind, der sich nicht davon überzeugen konnte, daß man di« FriedenSpräsenzstärk« absolut auf 7 Jahre festlegen müsse. Später kamen die verbündeten Regierungen selbst und sagten:»Ach was! v Jahr« tun e» ebenso gutl" In der Sprache de» Wablkampfeö von 188? waren die verbündeten Re« gierungen also später»Reichsfeinde".(Sehr gut! im Zentrum.) Und wie war es bei der Militärvorlage von 18SS? Die Regierung verlangte ein« Vermehrung der Friedenspräsenz um 341X10 Mann. Die Rationalltberalen waren so.antinational", nur»in« Ver- mehrung auf 49 000 Mann bewilligen zu wollen.(Groß« Heiterkeit und Sehr gutl im Zentrum.) Noch»antinationaler" waren die Freifinnigen, die nur m» zu LS 000 Mann gehen wollten.(Erneute Heiterkeit im Zentrum.) fjur Annahme gelangte schließlich ein Antrag d«S Zentrum», füg ogar die Konservativen stimmten. Wie waren doch die Parteien damals nationall(Große Heiterkeit.) Oder wie haben sich doch die Parteien damals so wenig geniert, ganz andere Gummen an Forderungen der Regierung- abzustreichen.(Sehr gut! im Zentrum.) Heute soll das nun.anttnattonal" sein! Wer soll denn eigentlich darüber enlsdunden, was eine nationale Frage ist? Etwa der Herr Reichskanzler allein, oder etwa Herr Basier- mann oder Herr Arendt?(Große Heiterkeit.) DaS muß jede Partei, jeder Abgeordnete nach seinem Gewissen entscheiden! (Sehr gut! ini Zentrum.) In der zu häufigen Verwendung de» nattonalen RcauterS liegt ein» ernste politiiche Gefahr. Wen» man bei jeder Ltttmigkeit, bei lumpigen paar Millionen gleich von der nationalen ISesumvng spricht, da verliert schließlich der nationale Gesichtspunkt jede Bedeutung.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum) dürfte man nicht im geringsten Punkte mehr Opposition machen. sehr wahr I im Zentrum und bei den Sozialdemokaten.) lpposition haben doch auch die Konservativen bei der analvorlage gemacht, und dies« vorlag« war doch un- endlich viel wichtiger als ein Teil von einem NachkagSetat.(Sehr gutl im Zentrum.) Und wie ist man im Wahlkamps gegen un» lwigegangen I Hat man es doch gewagt, uns vorzuwerfen, wir seien Feinde von Kaiser und Reich. Da» ist eine bodenlos« Verleumdung, die wir mit Entrüstung zurückweisen.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Ich habe eS nicht begreisen können, al» ich in der Zeitung«in Schreiben de» Zentralvorstandes der nationalliberalen Partei la», — eS war ein Bettelbrief für die Wahlen, gerichtet nach Amerila— in dem von dem Kampfe gegen da» Zentrum und die Sozial« demokatie als den ftluen und offenen Feinden von Kaiser und Reich die Rede war.(Lebhaftes Hört! hortl und Pfui I- Rufe im Zentrum) Da» unterschreibt Herr Basser« mann, der hier im Reichstag die großen verdienst« de» Zentrums um die Gesetzgebung deS Reiche» anerkannt hat I(Sehr gut l im Zentrum.) Wenn das von der Zentralleitung der national« liberalen Partei auS geschieht, da darf man sich nicht wundern, wa» alles in Versammlunge» und Zeitungen vorgekommen ist. wie 'tyließlich die Bevölkerung zur Siedehitze, zu Haß und Wut gegen das böse Zentrum aufgestachelt worden ist.(Sehr wahr Zentrum.) Noch ein Wort über die Stellungnah. ■t der Regierung im Wahlkampf t Der Herr Reichskanzler meinte, er habe das Volk über die wahren Absichten der Negierung aufstären wollen. Er hat hingewiesen auf ein ähnltcheS Vorgehen der Regierung tn einigen parla- m e n t a r M ch regierten Ländern. hat aber dabei vergessen, daß wir kein parlamentarisch regiertes Land sind.(Lebhaftes Sehr richtta! im Zentrum und bei den Sozialdemokaten.) Dg» ist eine Kleinigkeit, das macht bei dem Herrn Reichskanzler aus.(Heiterkett.) In parlamentarisch regierten -rn. da treten die Mnister vor di« Wähler und lassen die ler über sich entscheiden, da» ist etivaS ganz anderes.(Sehr l im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Ich glaube „en3, der Herr Reichskanzler hat noch lange nicht genug Klarheit .ber seine Absichten gegeben, auch jetzt im hohen Hause noch nicht. iSehr wahr! im Zentrum.) Wenn die Herren von der Rechten mit dem Eingreisen der Regierung bei den Wahlen«in« verstanden sind, so ist da« sehr erklärlich; sie sind so sehr daran ge- wöhnt, daß sie e» sich gar nicht anders denken können.(Sehr gutl im Zentrum.) Wenn e« wirklich dahin kommen sollte, daß die Regierung Geld von Privaten saminest und durch irgend ein« Mittelsperson einzelnen Parteien zur Verfügung stellt, so würde da« jeder amtlichen Wahlbeeinflussung Tür und Tor öffnen.(Leb« haste Zustimmung im Zentrum, bei den Freis. und Soz.) UebrigenS bitte ich um Aufklärung darüber, ob die Nachricht richtig ist, wonach in der WMzeit einige Warinesoldaten und K auflisten au» dem Msrin-eamt beim Flottcnverrin beschäftigt gewesen find. (Hört! Der Herr Reichskanzler hat sich darüber aufgehalten, daß man vom persönlichen Regiment spreche; davon sei keine Rede—»in der letzten Zeit", wie er vorsichtig hinzufügte.(Heiterkeit.) Dieser Begriff ist ja sehr unbestimmt.(Zuruf bei den Sozialdemokaten: ,24 Stunden!') VieWiHt noch toc-irfget.(Heiterleit.) UebrhgenS hc� nicht das ZenKmn, fonvern ganz andere Männer haben sich w d» letzten Zeit über » da» p«MNch« Regime», sehr scharf ausgesprochen. So hat ein ReichstagZabgeordneter am 14. November tSOS eine längere Rede mit vielen Spitzen gegen das persönliche Regiment gehalten, eine Rede, die mit den Worten schloß: „DaS Resultat ist Minderung des Respekts; die Furcht vor Deutsch- land, die früher bestanden hat, ist verschwunden.� Wie„un- patriotisch wie„antinational" hat sich dieser Redner ausgedrückt, der vor dem Auslande so heftige Angriffe mit deutlichster Spitze gegen den Träger der Krone richtete. sSehr gut I im Zentrum.) Und dieser Redner war der Abg. Baffermann!(Stürmische Heiterkeit im Zentrum.) Und das beste ist, daß er seine Interpellation mit dem Herrn Reichskanzler vorher verabredet hatte l(Hört! hört I und erneute große Heiterkeit im Zentrum.) Der Herr Reichskanzler hat sich weiter gegen die Darlegungen des Herrn Spahn gewandt, daß durch den Wahlkampf die religiösen Leidenschaften aufgewühlt werden. Der Herr Reichskanzler ist ein sehr gewandter Debatter. Wenn ihm unbequeme Fragen komnien, geht er darum herum und behandelt Dinge, die gar nicht behauptet worden find, um die Redner dann„gründlichst zu widerlegen". (Broße Heiterkeit im Zentrum.) Niemand hat behauptet, daß die Regierung kulturkämpferische Absichten gehabt habe. Wohl aber waren solche vorhanden in den Reihen der liberalen Parteien.(Oho I links. Lebh. Sehr richtig I im Zentrum.) Nun. wenn Sie(nach links) eS nicht glauben, so werde ich Ihnen die Aeußerungen vorlesen: Herr Bapermann hat eS gleich zu Anfang des Wahlkampfes begrüßt, daß der Wahlkamps unter der Parole„Los von Rom" geführt werden könne, das gäbe gute Ausfichten.(Redner verliest eine Reihe von Preßäußerungen, die zum Kampf gegen den Ultramontanismus auf- fordern. Die Verlesung wird zum Teil mit lebhaftem Sehr richtig I bei den Freifinnigen aufgenommen.) Die Herren(nach links) rufen „Sehr richtig" und bestreiten noch, daß man im Wahlkamps kultur- kämpferisch vorgegangen ist.(Sehr gut! im Zentrum.) Ein liberales Blatt hat es sogar als eine nattonale Schmach bezeichnet, daß der Reichstag solange einen ultramontanen Präsidenten gehabt habe. (Pfuirufe im Zentrum.) Vizepräsident Dr. Paasche: DaS Pfuirufen ist nicht Sitte im Reichstage. Abg. Gröber(fortfahrend): Dem gegenüber konstatiere ich nur, daß am 20. Februar der jetzige Präsident die hohe Begabung und persönliche Liebenswürdigkeit seines Herrn Amtsvorgängers hervor- gehoben hat. Das ist die beste Kritik einer so gehässigen Kampfes- weise.(Sehr gut! im Zentrum.)— In einem Kreise hat man cm besonderes Flugblatt darüber ausgegeben, daß die Frau des evangelischen Kandidaten von Riepenhansen zum Katholizismus übergetreten sei.(Hört! hört! im Zentrum.) Der Reichskanzler sagte, er habe das Zentrum im Topfe der Sozialdemokratie gefunden. Nun, da hat er die Freisinnigen häufiger finden können, aber das darf der Herr Reichskanzler nicht besprechen; denn das sind ja die neuen Freunde des Herrn Reichskanzlers.(Heiterkeit im Zentrum.) So lange das jetzige Wahlgesetz mit seinem Stichwahlsystcm die Wähler zwingt, zwischen zwei Gegnern zu wählen, macht man eS den Bürgern allerdings sehr schwer, in der Stichwahl Stellung zu nehmen. Jedenfalls nimmt es sich, so lange dies Wahlsystem gesetzlich besteht, doch sehr sonderbar aus, wenn vom RegierungS- rische aus die Konsequenzen dieses Systems einzelnen Parteien zum Vorwurf gemacht werden.(Sehr richtig! im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Haben doch die„Berliner Neuesten Nach- richten", ein offiziöses Organ, selbst betont, in der Sttchwahl komme es nicht auf politische Grundsätze, sondern aus die Taktik an! Ich erinnere daran, daß der bekannte Konservative Rupprecht v. Ransern seinerzeit öffentlich zur Wahl von Sozialdemokraten aufgefordert hat. (Hört I hört I im Zentrum.) Wenn man sich moralisch so furchtbar darüber entrüstet, daß Zentrumswähler auch in der Sttchwahl für Sozialdemokraten ihre Stimme abgegeben haben, so will ich doch an ein Wort von anderer Stelle erinnern:„Wie man siegt, ist gleichgültig, wenn nur gesiegt wird."(Sehr gut! im Zentrum und bei den Sozial- demokraten.) Unser Programm ist dein der Sozialdemokratie entgegengesetzt. Aber daraus folgt nicht, daß ein Zentrums- Wähler in der Stichwahl nie für einen Sozialdemokraten sttmmen kann. Der Wahlkainpf ist geführt worden, um eine Mehrheit des Kanzlers für einen Systemwechsel zu erreichen und deshalb ist er mit besonderer Leidenschaftlichkeit geführt worden. Daß wir unter solchen Umständen in der Sttchwahl für die Liberalen ein- treten sollten, konnte niemand im Ernst von uns verlangen. Deshalb einen Borwurf gegen uns zu erheben, dazu ist weder der Kanzler berechtigt, der die Lage geschaffen hat, noch die Parteien, welche Wahlbündnisse mit der Partei abgeschloffen haben oder doch abzuschließen versucht haben.(Sehr gut! im Zentrum.) Uebrigens ist es auch ein gutes Stück polittscher Heuchelei, wenn man daraus dem Zentrum einen Vorwurf macht.(Große Unruhe, geradezu Lärm beim Kartell.) Präsident Gras Stolberg: Ich habe in diesem Augenblick den Borsitz übernommen und habe die Worte des Redners so aufgefaßt, als ob er dem Reichskanzler den Vorwurf polittscher Heuchelei ge- macht habe. Ist das richtig?(Große Heiterkeit,� die sich schon be- merkbar machte, als der Präsident zum Reden ansetzte.) Abg. Gröber: Ich habe den allgemeinen Satz ausgesprochen, daß es ein Akt politischer Heuchelei ist. wenn man auS einem Wahl- bündnis mit der Sozialdemokratte dem Zentrum allein einen Vor- wurf macht. Den Kanzler habe ich nicht genannt. Präsident Gras Stolberg: Dann habe ich natürlich keinen Grund einzuschreiten.(Heiterkeit.) Abg. Gröber zählt unter großer Heiterkeit des Zentrums und der Sozialdemokratie eine Reihe von Wahlkreisen auf, in denen bürger- liche Parteien die Sozialdemokraten unterstützt haben. Beim Wahl- kämpf von 1903 hat ein liberaler Pfarrer in Württemberg den Wählern empfohlen:„Wählt lieber den Teufel als den Zentrumsmann."(Große Heiterkeit.) Der Zentrumskandidat, um den es sich handelte, war i ch. (Erneute stürmische Heiterkeit.) Im Jahre 1881 hat die„Köln. Ztg." geschrieben, daß bei dem Wachstum der Sozialdemokraten auch eine entsprechende Zahl von Mandaten für sie erwünscht sei, bei den Stichwahlen dürfe mau sie keineswegs als Feind unter allen Um- ständen bezeichnen. Der Rechtsanwalt Btannheim hat es als Pflicht der Selbsterhaltung hingestellt, in der Stichwahl für einen Sozialdemokraten zu stimmen. Und wie war es bei den badischen Landtagswahlen?(Große Unruhe b. d. Nationallib.). Ich habe hier das offizielle Handbuch der vereinigten Liberalen zu den Wahlen der bayerischen Landstände. Wenn Sie(zu den Liberalen) später einmal ein Wahlbündnis mit der Sozialdemokratie abschließen »vollen, so finden Sie hier den Entwurf dazu. Es heißt hier:„An- Hänger der liberale!» Partei sollen beim zweiten Wahlgang für den Sozialdemokraten stinimen. nachdem sichergestellt ist, daß in einer Zahl anderer Bezirke die Sozialdemokratie ihre Sttmme den Kandidaten des liberalen Blocks gibt." Nach erfolgtem Sieg freut sich das„Freiburger Tageblatt", daß die Fahne der Freiheit— das ist die der s o z i a l d e m o- k r a t i s ch e n Freiheit(Große Heiterkeit im Zentrum)_— wieder über Freiburg weht.„Hierfür", heißt eS,„an die Kriegerverrinc unseren Dank mit deutschem Gruß. Das liberale Wahlkomitee." (Stürmische Heiterkeit im Zentrum und bei den«ozialdemolraten.) Auch bei diesen Wahlen hat es nicht an Versuchen der Liberalen gefehlt, mit den Sozialdemokraten ein Wahlbündnis zu schließen. Der nattonale«Mannheimer Generalanzeiger" teilt nut, daß bei den Verhandlungen natürlich vorgesehen war, der Sozial- demokratie Kompensationen zu geben. Doch scheiterten die Verband- lungen an derVerständnislosigkeit derSozialdeinolratie für dieVerfuche, das Zentrum in Baden zu schwächen.(Große Heiterkeit.) Die Wirkung des WahlkainpseS ist eine Mehrheit für die Regierung im Reichstag, nicht aber im Volk! Die Blockparteien haben eine Million Stimmen weniger erhalten als die Minderheitsparteien. (sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler be- tonte, daß die Niederlage der Sozialdemokratie durch die Kraft des Bürgertum� erreicht sei. Sehr merkwürdig ist das angesichts der Tatsache, daß der Kanzler zu diesem Zweck hat Geld sammeln müssen.(Sehr richttg! bei den Sozialdemokraten.) Er scheint der Kraft des Bürger- tums auch fiir die Zukunft nicht zu vertrauen, sonst hätte er wohl kaum in Aussicht gestellt, daß er in Zukunft noch mehr an Wahl- Umtrieben leisten würde.(Sehr richtig! im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Was ist nun sein neues Programm? Er hat eine verständige Fortführung der Sozialpolittk versprochen, Schutz der Bergarbeiter, Schutz, Schutz, Schutz l ES wimmelte nur so von Schutz. Schutz der Börse! AIS er das sprach, waren die Konservattven sehr ruhig. DaS Börsengesetz möchte ich sehen, das Liberale und Konservattve befriedigen wird. Wie die soziale Politik des Blocks auf dem Gebiete des Handwerkerschutzes aussehen wird, ist mir auch sehr intereffant. Bezeichnend für den Aufschwung des Liberalismus ist die Auffassung deS� Herrn Dr. Barth, der die„Natton" eingehen läßt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Mehrheit für die bisherige Wirtschaftspolitik ist gestärkt worden. Merken Sie sich das, meine Herren Liberalen!(Lebhafte Zustimmung im Zen- trum. Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Das Zentrum und die Rechte zählt 247, die liberale Linke einschließlich der Sozilll- demokraten nur 141 Sttmmen.(Abg. Bebel: Leider!) Ich kann Ihren Schmerz begreifen, Herr Bebel, aber wie die Liberalen auf eine lirerale Wirtschaftspolittk rechnen können,—(Zuruf bei den Liberalen: Tun wir ja gar nicht!) Na, das ist sehr gescheit von Ihnen.(Stürmische Heiterkeit.) Herr Wiemer hat eine Vermögens- steuer in Aussicht gestellt für eine Reform der Branntweinsteuer, Sie haben wohl darüber noch keine Vereinbarungen gettoffen? (Rufe rechts:„Nein, nein!") Es scheint also doch an der Morgen- gäbe für die konservattv-liberale Paarung zu fehlen.(Große Heiterkeit im Zentrum.) Das umfangreiche Programm des Kanzlers war nur ein Programm von Worten: Schutz der Landwirtschaft I Sehr schön I Schutz des Handwerks I Ein einheitliches Vereinsgesetz I Ganz famos! Ersparnisse in der Armee! Willkommen! Reform des Strafrechts I Ausgezeichnet! Nur ftagt sich, wie alles dies aussehen wird. (Sehr richttg!) Uebrigens hat das Zenttum all dies schon seit Jahren gefordert, und seine Erfüllung wird uns nicht ärgern. Das Zauberwort der konservattv- liberalen Paarung ist von einem konservativen Blatt als Empfehlung der Grundsatzlosigkeit bezeichnet und als Aufforderung zu polittschem Selbst- mord. Die Sozialdemokratte wird durch den Liberalismus nicht überwunden werden, sie ist ja aus ihm hervorgegangen(Hefttger Widerspruch bei den Liberalen) und seine konsequente Fortbildung. Sie fordert die Omnipotenz(Allmacht) des Staates auf Wirtschaft- lichem Gebiete wie dieser auf politischem; ihr Materialismus kann nicht durch den des Liberalismus überwunden werden.(Lebhaftes Bravo! im Zentrum.) Heute hat Herr Schräder bemerkt:„Wir sind bereit, alles zu bewilligen, was notwendig ist." Ja, gerade so machen wir es auch!(Große Heiterkeit im Zentrum.) Wir be- willigen auch alles, was notwendig ist, und behalten uns nur vor, abzulehnen, was uns nicht notwendig erscheint.(Heiterkeit.) Wenn man die einzelnen Redner in dieser Debatte mit dem Gedanken an die konservattv-liberale Paarung anhörte, mußte man sich sagen: „Bei Wiemer, Gamp und Liebermann, Da fängt der Streit ganz munter an." (Große Heiterkeit.) Uns warf man vor, daß wir ein kaudinisches Joch für die Re- gierung aufgerichtet hätten, die anderen Parteien haben aber in diesen Debatten eine ganze Reihe von kaudinischen Jochen errichtet. (Heiterkeit im Zentrum.) Wie ist d,e Lage der ZentrumSftaktion heute? Nach den bis- herigen Verhandlungen gar nicht ungünstig. Wir stehen äußer« lich und innerlich gestärkt da. Der Reichskanzler steht mit seinen Angriffen gegen uns m dieser Debatte allein. Er scheint aus eine gewisse Uneinigkeit unter den Katholiken zu spekulieren. Diese Spekulation ist verfehlt!(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Leider hat aber der Wahlkampf die Kluft zwischen den Konfessionen erweitert. Und alles wegen einer Lappalie von ein paar Millionen. Die Verantwortung trägt vor der Geschichte der Herr Reichskanzler. Wir werden nicht aufhören, unser altes Ziel zu verfolgen zum Wohle deS geliebten Vaterlandes.(Stürmischer Beifall im Zentrum.) Kolonialdirektor Dernburg: Ich behalte mir ein Eingehen auf die einzelnen, koloniale An- gelegenheiten betteffenden Bemerkungen des Herrn Vorredners auf eine spätere Gelegenheit vor. Ich möchte zunächst nur eine Be« merkung des Herrn Vorredners nicht unerwidert, in die Welt gehen lassen, nämlich seine Schilderung dessen, was fich seinerzeit beim Herrn Reichskanzler zugetragen hat. Da es fich um eine verttauliche Besprechung gehandelt hat. will ich nicht ins Detail gehen, sondern nur feststellen, daß die Akten, die ich Herrn Spahn eingereicht habe, diejenigen gewesen find, die er von mir erbeten hat. Wenn er andere erbeten hätte, hätte er sie zweifellos auch von mir erhalten. Weiter ist behauptet worden, daß Hauptmann v. Palzer ge« nötigt worden sei, gegen seinen Willen für die Kolonien zu agitteren. Demgegenüber stelle ich fest, daß am 20. September 190ö. also lange vor dem Wahllamps, der Deutsche Flottenverein das Oberkoinmando der Schutztruppe ersucht hat, ihm Offiziere mit- zuteilen, die in der Lage wären, über den damals noch im Gange befindlichen Hottentottenkrieg Vorttäge zu halten. Es wurden ihm am 11. Oktober Oberstleutnant Ouade und Hauptmann v. Salzer ge- nannt. Hauptmann v. Salzer ist dann gebeten worden, einen Vor- trag zu halten. Es ist ihm ein Lokal angewiesen worden, welches ihm nicht gefiel. Er hat gesagt:„Ich habe nur auf Wunsch des Ober- kommandoS mich bereit erklärt, eine Rede zu halten; dies Lokal paßt mir nicht." Infolgedessen ist die Rede gar nicht gehalten worden. Es ist schwer, eine Wahlbeeinflussung aus einer Rede zu konstruieren, die nicht gehalten ist.(Große Heiterkeit rechts.) Daß solche Vorttäge gehalten werden, ist sehr richttg. Die Nation soll erfahren, was in den Kolonien passiert.(Bravo! rechts.) Ueber die Frage der Zurückziehung ber Truppen ist in der Bichgetkommission sehr breit verhandelt worden. Das Zentrum ver- langte, daß vom 1. April ab 2500 Mann zurückgezogen würden und mehr wollte das Zentrum am 1. April ja auch nicht bewilligen. (Stürmischer Wider)pruch im Zentrum.) Die Verantwortlichen Leiter erklärten jedoch einen Abstrich für unmöglich. Der Anttag Ablaß aber verlangte nur die t u n l i ch st e Verminderung der Truppcnzähl. Damit war alles in das Ermessen der Kommandogewalt gestellt. Nach dem Zentrumsanttag aber wollte die Mehrheit die Ober- kommandogewalt an sich nehmen.(Stürmische langanhaltende Unter- brechung im Zentrum.) Die Regierung konnte sich das nicht gefallen lassen.(Bravo! bravo! rechts und bei den Liberalen.) Staatssekretär Graf Posadowsky: Der Reichskanzler ist heute und morgen verhindert, hier zu erscheinen. Ich bin aber fest überzeugt, daß er die erste Gelegenheit ergreifen wird, um die heftigen Angriffe des Abg. Gröber zu beantworten. Einige Punkte will ich schon heute herausgreifen vorbehaltlich der späteren Ausführungen des Reichskanzlers. Herr Gröber hat es so dargestellt, als wenn die Auflösung nur fliegen des Dispositivs des Zentrums erfolgt sei, das fich nur unwesentlich vom Antrag Ablaß unterschieden habe. Mein Vorredner hat aber zutteffend nachgewiesen, daß es sich nicht bloß um das Dispositiv, sondern um den Abstrich einer bestimmten Summe gehandelt hat. Herr Gröber hat gefragt:„Wie konnte der Reichskanzler nur einer Partei gegenüber, die sich unzweifelhaft hohe Verdienste erworben hat, wegen der Ab- lehnung von ein paar Millionen den Kampf eröffnen und den Reichstag auslösen?" Ich will dem Reichskanzler nicht vorgreisen. Ich glaube aber, solche Dinge entwickeln sich psychologisch tiefer, und die Ablehnung war nur die letzte Ursache für die Auslösung.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Herr Gräber erinnerte an die Ablehnung der Kanalvorlage, die nicht zu einer Auflösung geführt«habe. Die Kanalvorlage war eine wirtschaftliche Borlage,(Lebhafte Zustimmung rechts) allerdings von hoher politischer Bedeutung.— Was eine nat'o�le?raa- ist. das. läßt fich nicht nach vorhergehenden Ereigniffen beurteilen. Es wird fich immer darum handeln, welche Schwerttaft man einem Beschluß für die Stellung und das Ansehen Deutschlands beimißt. Nicht die Ouantttäts- ftage nach einigen Millionen entscheidet, sondern die allgemeine politische Lage. Der Reichskanzler war der Auffassung, daß gerade die Ab- lehnung dieser Forderung bei der allgemeinen polittschen Lage für das Ansehen Deutschlands sehr bedenklich sei. Gewiß entscheidet nicht der Reichslanzler, sondern der Bundesrat über die Auflösung. Aber wenn ein Staatsmann an leitender Stelle dem Bundesrat und dem Kaiser vorschlägt, den Reichstag aufzulösen, so setzt er seine ganze polittsche Stellung und sein Amt aufs Spiel. Wenn nicht schwer- wiegende Gründe gegen die Auflösung sprechen, wird der Bundesrat in solchen Fällen immer seine Zustimmung geben. So weit wird er immer der Einsicht eines Staatsmannes folgen, der sein polittscheS Renommee dabei aufs Spiel setzt.(Sehr richttg I rechts.) Herr Gröber fragte, wie der Reichskanzler sein Programm durch- führen wollte. Da müssen Sie wirklich einige Geduld haben.(Heiter- keit bei den Sozialdemakraten.) In einigen Monaten läßt sich das nicht machen.(Aha! im Zentrum.) Dazu ist ein Zeittaum längerer politischer Entwickelung und vieler Sessionen notwendig. Uebrigens braucht der Reichstag ja längere Zeit als die Regierung, um Borlagen zu erledigen. Im übrigen kann ich mit Beftiedigung kon- statieren, daß eigentlich von keiner Seite das Programm des Reichs- kanzlers als unzutteffend bezeichnet wurde. Eigentlich haben ihn» alle Parteien zugestimmt. Herr Gröber zweifelt nur daran, ob der Reichskanzler mit den Parteien, auf die er sich stützt, das Programm durchführen wird. Darüber kann nur die Zukunft entscheiden: Hoffentlich wird es dem Geschick des leitenden Staatsmanns gelingen, in absehbarer Zeit auch fem Programm zu verwirklichen.(Bravo! rechts und bei den Liberalen.) Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Freitag 1 Uhr. Eingelaufen ist eine Interpellation Baffermann über den Stand der Borarbeiten der Sttafprozeßreform. Schluß 6'/« Uhr._- Huö Itiduftrie und ftendel Vom russischen Holzhandel. Einem Bericht des kaiserlichen Konsulats in Kowno über den russischen Holzhandel entnehmen wir folgendes: Im Nordwestgebiet Rußlands seien die Voraus- setzungen für einen ersprießlichen Holzhandel an sich gegeben, da einerseits ein ununterbrochenes starkes lokales Bedürfnis nach Heizmaterial und nach Material für die Holzbcarbcitungsfabriken bestehe und da andererseits die Ausfuhr von Holz nach Deutschland einen immer bedeutenderen Umfang annehme. Wenn trotzdem die Lage des Holzmarktes gegenwärtig nicht als günstig bezeichnet werden könne, so müsse die Schuld daran den Händlern selbst und deren Personal beigemessen werden. Holzbearbcitungsfabriken gibt es in Wilna 11, in Kowno b, in Grodno 3, in Slonim 2, in Ngwo-Wileisk 2 und in Wileis! 1. Außerdem findet sich noch eine Anzahl von kleineren Fabriken an den kleinen Nebenflüssen des Njemen und der Wilja. Es sind aber statistische Daten sowohl über die in den Holzbearbeitungefabriken des Nordwestgebietes bearbeiteten Holzmengen, als auch über die zur Heizung verwendeten Mengen nicht vorhanden. Im Vergleich mit dem Fabrik- und Heizmaterial nimmt einen weitaus größeren Teil im Holzhandel das ausgeführte Holz ein, und zwar sowohl unbearbeitete Rundhölzer als auch gehobelte Bretter. Nach Mit- teilung des Berichterstatters ist auch bezüglich dieser Hölzer eine genaue Feststellung der ausgeführten Quantitäten nicht möglich. Jedoch kann man aus der Registrierung derjenigen Flöße, welche bei Schmalleningken auf dem Njemen über die Grenze geftihrt werden, einen Schluß auf die Gesamtmenge ziehen. Im Jahre 1996 passierten dort 5154 Flösse, und zwar 3534 große und 1529 kleine mit einer Ladung von 2 838 677 Stück rundem Bauholz und langem Papierholz. Ueber die gehobelten Bretter fehlen die Daten. Außerdem sind' in Schmalleningken im Jahre 1908: 1374 Barken mit 434 394 Kubikmeter Inhalt gefahren, teils Material für Zelluloidfabriken, teils Heizmaterial enthaltend» darunter 1194 Barken mit Papierholz— 376 950 Kubikmeter, und 186 Barken mit Heizmaterial= 57 444 Kubikmeter. Hierbei sei noch bemerkt, daß im Jahre 1903 au» dem Gouverne- ment Kowno für 1 419 000 Rubel, aus dem Gouvernement Grodno für 2 426147 Rubel Hölzer nach Deutschland ausgeführt wurden. Als Hauptmängel des gegenwärtigen Holzhandels werden be. zeichnet die mangelhafte Waldwirtschaft, Steigerung der Löhne. ungenügende Fachkenntnis der russischen Holzhändler und der schlechte Zustand der Flußläufe.... Die meisten Holzhändler haben auch keine Erfahrungen in den Bedürfnissen und Bedingungen der ausländischen Märkte und suchen nur durch ausgiebiges Abholzen ihrer Bestände einen mög- lichst schnellen Gewinn herauszuschlagen. Infolgedessen werden die ausländischen Märkte oft mit minderwertigem Holz überfüllt, welches selten guten Absatz findet und dabei den Preitz der besseren Sorten drückt. Auch das minderwertige Holz könnte nach Meinung des Berichterstatters einen guten Gewinn abwerfen, wenn ihm bei der Bearbeitung bereits eine besondere Bestimmung gegeben würde. zum Beispiel: als Sleeper, Mauerlatlen, Bolzen. Schwellen, Darb- ballen, Schwedki(für Schweden bestimmte Schwellen) und Konki (Bestandteile für Kleinbahnen). Es fehlt jedoch an planmäßiger Bearbeitung der Hölzer, an den nötigen technischen Kenntnissen und an einer umsichtigen Ausnutzung der Anforderung der Märkte. Die Wasserstraßen befinden sich in einem schlechten Zustand. Nur im Frühjähr, während des Hochwassers, und im Herbst kann die Beförderung ungehindert erfolgen. Die Hauptwasserstraßen sind der Njemen mit den Nebenflüssen Wilja, Niewiaza und Dubigga, sowie der Dnjepr— Bug-Kanal mit dem Muchawiec und dem westlichen Bug, welcher in die Weichsel mündet. Die Fori- bewcgung der Flöße wird durch Sandbänke und Steine gestört. Auf dem Njemen. welcher am wasserreichsten ist, hat das Fahrwasser an den flachen Stellen im Sommer nur 2Zh Fuß Tiefe. Zu allen diesen Nachteilen kommt noch hinzu, daß sich die Un- kosten des Holztranspckrtes zu Wasser fortgesetzt steigern. Im all- gemeinen gilt zwar überall der �Transport zu Wasser für billiger als mit der Eisenbahn. ES wird jedoch, wenigstens für gewisse Holzarten, in Zukunft der Transport mit der Eisenbahn nicht teurer sein als per Floß, wenn die Spesen des Wassertransportes weiter in die Höhe gehen. Der Berichterstatter berechnet, daß z. V. PapierhÄz, wenn sowohl eine Eisenbahnstaiion als auch ein Fluß- lauf in der Stahe des Abgangsortes sind, schneller, bequemer und beinahe ebenso billig mit der Eisenbahn nach Memel und Königs- berg befördert wird als auf dem Wasser. Bei den jetzigen äußerst ungünstigen Bedingungen kostet der Transport eines Kubikmeters auf dem Wasser 60 Kopeken, dabei riskiert man unter Umständen Ueberwinterung unterwegs und da- durch Verletzung der Lieferungsfrist. Beim Transport per Bahn wird die Lieferung viel schneller realisiert und dadurch bei der kürzeren Verzinsung des Anlagekapitals ein Vorteil gewonnen. Die Holzhändler vermeiden ferner dabei alle unangenehmen Zu- 'älle des Wassertransportes, so daß schließlich bei Berechnung aller Vor- und Nachteile, der Eisenbahntransport nicht teurer ist als die Flößerei. Vermifcbtes. Lcichenrefte eines Ermordeten. Nach dem seit drei Jahren vec- chwundcnen Kaufmann Hendschel wurden seit vorgestern Nach- zrabnngen auf einem früheren Zirkusplatz in München veranstaltet, )a sich der Verdacht ergeben hatte, daß der seit einigen Tagen ver-- hastete ehemalige Zirkusbesitzer Niederhofer an dem Verschwinden Hendschels beteiligt sei. Gestern nachmittag wurden tatsächlich bei diesen Ausgrabungen Reste der Leiche Hendschels gefunden. 3 Einheitspreise für besonders vorteilhafte Artikel aus allen Abteilungen. 1.90 90 dimsing 2.90 tim Weisswaaren Volant Gardinen u. Decken Eleg. Batist- Serviteur aus Valen- Bekurbelte Filztuchdecken ciennes- Einsätzen und plissirtem 2 Shawl Gardinen, weiss oder crême Engl Tüll- Stores, weiss oder crême Bettdecken, engl. Tüll Unterrock- Volants aus Moiré, Za- Waffel- Bettdecken Elegante Spachtel- Passen neila od. 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März 1907, mittags 12 Uhr, im Feen- Palaft", Burgstraße 24: Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: Stellungnahme zu dem Aussperrungsbeschluß der Arbeitgeber. 162/9 Referent: Kollege Kunze. Mitgliedsbuch legitimiert. Mitglieber, welche mit ihren Beiträgen mehr als 18 Wochen im Rückstande sind, haben keinen Zutritt. Die Ortsverwaltung. Verband der Tapezierer. Filiale Berlin. Freitag, den 1. März, abends 8 Uhr, in den Sophiensälen, Sophienstr. 17/18: Mitglieder- Versammlung. Zages Drdnung: Unsere Bewegung. I Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Bimmer 34, Amt 4, 3353: Engel- Ufer 15. Bimmer 1-5, Amt 4, 9679 Sonntag, den 3. März, vorm. von 9-1 Uhr findet in 177/9 Die Ortsverwaltung. Allgem. Deutscher Gärtnerverein ( Ortsverwaltung Groß- Berlin.) Heute, Freitag, den 1. März, abends 1,9 Uhr, in Miethes Feftfälen, Schöneberg, Hauptstr. 5-6: Oettentliché Branchen- Versammlung für die Landschafts- Gärtnerei. Tagesordnung: Ausführung des Beschlusses der General- 1 Versammlung vom 24. Februar die Wahl der Angestellten unseres Bureaus in folgenden Lokalen statt: Milbrodts Gesellschaftshaus, Mollerstr. 7. Bernhard Rose- Theater, Badstr. 58. Wernaus Festsäle, Schwedterstr. 23. Boekers Festsäle, Weberstr. 17. Graumanns Festsäle, Naunynstr. 27. Wiemers Restaurant, Bülowstr. 58. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/49. Metzdorf in Charlottenburg, Potsdamerstr. 44. Thiel in Rixdorf, Bergstr. 152. Fritsch in Steglitz, Florastr. 2a. Böhle in Spandau, Neumeisterstr. 5. Kaufhold in Ober- Schöneweide, Wilhelminenhofstr. 18. Tempel in Rummelsburg, Alt- Boxhagen 56. Hellwig in Köpenick, Schönerlinderstr. 5. Schmutz in Weißensee, König- Chaussee 38. Gehlhaar in Tegel, Berlinerstr. 92. Ohne Mitgliedsbuch kann niemand wählen. Die Stimmzettel werden am Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Wahlleiter ist der Kollege Josef Hartmann, Engel- llfer 15 I. as haben die Arbeitgeber auf unsere Forderungen geant wortet? 2. Freie Aussprache. Alle Kollegen, Gärtnergehülfen, Gartenarbeiter sowie Gartenfrauen find dringend gebeten, pünktlich zu erscheinen. 287/8 Die Lohnkommiffion. Vereinszimmer mit elettr. Piano nahe Bahnhof Jannowizbrüde, 50 Personen, Diens tag, Donnerstag und Freitag frei. Restaur. A. Schyia, Michaelfirchstr. 24. Neueste Frühjahrs- Moden. FrühjahrsAnzüge Unübertroffene, vollendete Auswahl in aparten. reichhaltigsten Sortimenten. Viele Tausende Exemplare anseriesenster Geschmacksrichtungen. Nur eigene Fabrikate. 50.- 45.- 40.- 36.83.- 30.- 27.24.- 21.- 18.15. FrühjahrsPaletots Vielseitigste Ausmusterungen vornehmster Moden und Fassons. Schönste Farbenstellungen. Viele Tausende Exemplare auserlesenster Geschmacksrichtungen. Nur eigene Fabrikate. 50.- 45.- 40.- 36.33.- 30.- 27.24.- 21.- 18.Vornehme Mass- Anfertigung. € 15. Baer Sohn Spezialhaus grössten Massstabes Chausseestrasse 24/25 ⚫ 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20 Der Haupt- Katalog wird kos enlos und po ofrei zugesandt. Verband der Sattler Deutscher Holzarbeiter- Verband. Ortsverwaltung Berlin. Zahlstelle Berlin. Die nächsten Branchen- Versammlungen Sente Freitag, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: finden an nachfolgenden Tagen statt: Geschirrbranche: Mittwoch, den 6. März. Treibriemenbranche: Montag, den 4. März. Taschens, Koffers und Galanteriebranche: Donnerstag, den 7. März. Militärbranche: Sonnabend, den 2. März. Linoleumleger und Teppichnäher: Donnerstag, ben 7. März. Wagenbranche: Donnerstag, den 7. März. Eisenmöbel Branche: Donnerstag, den 7. März. Sektion Charlottenburg: Montag, den 4. März. Bahlreichen Besuch dieser Branchenversammlungen erwartet Die Ortsverwaltung. NB. Billetts zur Urania find noch im Bureau zu haben. 156/15 Deutscher Holzarbeiter- Verband. Bahlstelle Rirdorf. Sonntag, den 3. März, vormittags 10 Uhr: Sonntag, den 3. März, vormittags 10 Uhr, bei Thiel: Branchen- Versammlung der Eisen-, Metall- und Revolverdreher im Vereinshaus Berliner Musiker, Kaiser Wilhelmstr. 18m. Tages- Ordnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. Verschiebenes. Diele Bersammlung findet durch Beschluß der Branchenoersammlung vom 17. februar 1907 ftatt. Alle Kollegen find verpflichtet, zu erscheinen. 114/2 Sonntag, den 3. März, vormittags 10 Uhr: 81/17 General- Verfammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht über die Aussperrung. 2. Anträge der Ortsverwaltung. 8. Berbandsangelegenheiten. Die Ortsverwaltung. Achtung, Steinsetzer! I. Allgemeine Versammlung filiale Groß Berlin L. der Rohrleger und Helfer Berlius und Umgegend in Meiers Festsälen"( früher Frante), Sebastianstr. 39. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Genoffen Dr. C. Rosenberg über: Die Geschichte oes Sozialistengeleges. 2. Distusfion. 3. Neuwahl der Schlichtungstommiffion. 4. Berbandsangelegenheiten. Anläßlich des wichtigen Vortrages erwarten wir recht zahl. reichen Besuch. Unterbezirk Often. Sonntag, den 3. März, vormittags 10 Uhr: Versammlung im Gewerkschaftshause, Saal 8, Engel- Ufer 15. Zages Drdnung: 1. Berichterstattung vom Berbandstage. 2. Wahl der Delegierten zur Gaufonferenz. 3. Einteilung der Unterbezirksverwaltung. Mitgliedsbuch legitimiert. J. A.: Der Vorstand. 174/ 3* Sonntag, den 3. März, vormittags 10 Uhr: Zentralverband der Dachdecker Allgemeine Versammlung der Bauanschläger Berlins und Umgegend Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, den 3. März, vormittags 10 Uhr, bein Feind, Weinstraße 11: im Gewerkschaftshause( Saal D). Engel- Ufer 15. Versammlung. Tages Drdnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchenangelegen jeiten. 4. Berschiedenes. Sitzung der Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstellen: Gr.- Lichterfelde und Steglitz. Freitag, den 1. März, abends 6, Uhr, im Birkenwäldchen: Außerordentliche Mitglieder- Verfammlung. Die Mitglieder der Bahlstellen sowie hier beschäftigten Kollegen werden ersucht zu erscheinen. [ 81/15] Die Ortsverwaltungen. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Sonntag, den 3. März, vormittags 10%, Uhr, in den Arminhallen Kommandantenstraße 20: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag des Arbeiters ekretärs Ad. Ritter über: Die Rechts: fähigkeit der Berufsvereine. 2. Wahl des Zweigvereinsvorstandes und der Settionsrevisoren. 3. Verbandsangelegenheiten. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet 133/11 Die örtliche Verwaltung. 3. 2.: H. Neumann. Bäckerei- Genossenschaft Berlin Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpftlicht. Zentralstelle: Glogauerstr. 28. Sonntag, den 16. März, nachmittags 2 Uhr, im Lotale von Krone Liegniterstr. 18: General- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Aufsichtsrates. 3. Neuwahlen zum Borstand. 4. Ergänzungswahl zum Aufsichtsrat. 5. Aenderungen der 88 1, 6, 8, 10 unseres Statuts. 6. Geschäftliche Angelegenheiten und Ver schiedenes. Der Vorstand. Franz Neintsch, Joh. Hummel. Tischler- Verein.(.. 89.) 18125 Sonnabend, den 2. März, abends 8, Uhr, Melchiorfir. 15: Versammlung. Vortrag des Schriftstellers Herrn J. Borchardt: miturz und Revolution". Ausgabe der Billetts zum Maskenball am 9. März im Lokal„ Sanssouci". 198/6 Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Zur Beachtung! Die Krantentafsenangelegenheiten werden nur bei D. D. C. Hintz, Waldemarstr. 65a III, erledigt. Das größte Brot! 6 Stück 10 Pt. nur allein in: Tages- Ordnung: Bericht über die Verhandlungen mit Albrechts Bäckereien: Lausitzerstr. 2, Falckensteinstr. 32, 54/4 Krautstr. 19, Wrangelstr. 135, ber Meisterschaft. Bahlreichen Besuch erwartet Bahlreiches Erscheinen erwartet Zentrale: Boxhagenerstr. 13. Pücklerhalle 222/223, Andreashalle 16/18. Berantwortlicher Redakteur: Sans Weber, Berlin. Für den Saferatenteil verantw.: Zb. Glode, Berlin. Drud u. Verlaa: Vorwärts Buchdruderei u. Verlaasanstalt Vaul Singer& Co., Berlin SW. Die Ortsverwaltung. Der Vorstand. Nr. 51. 24 Jahrgang. 2. ßrilnp dkg Jotmirlf Kerlim PUlitt jtritog, 1. Mir, m. Abgeordnetenhaus. Sitzung vom Donnerstag, den 2S. Februar, vormittags 11 Uhr. Slm Mnistertische: Dr. Delbrück. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Etats der Handels- und Gewerbeverwaltung. Hierzu liegt der Antrag Bach- mann(natl.) vor, der ständige Zuschüsse für die Handwerkskammern fordert. Abg. Dr. Schröder-Eastel(natl.): Der Reichskanzler hat im Reichslage eine Novelle zum Reichsbörsenaesetz angekündigt. Die An- künd'.gung hat bei uns graste Befriedigung hervorgerufen. In der Frage deS Befähigungsnachweises stehen wir noch immer auf dem Standpunkte, den wir im Reichslage vertreten haben. Wir halten den kleinen Befähigungsnachweis für durchführbar, nicht aber den allgemeinen. Gegen die Zuzichnng der Arbeiter zur Baukontrollr erklären wir uns, weil das ganze Bauhandwerk diese Forderung ab- gelehnt hat. Die Begriffe„Fabrik" und„Handwerk" müssen durch Gesetz genau definiert werden. Auf sozialpolitischem Gebiete be- fürwortet Redner Heimarbeiterschutz und Wohnungsreform. Abg. Frhr. v. Zedlitz ssk.): Bor allem müssen wir durch die Gesetzgebung dafür iorgen, dast dem Unfug ein Ende gemacht wird. dast die Krankenkassen von der Sozialdemokratie ausgenutzt werden. um sichere Pfründen für ein Heer von sozialdemokratischen Agitatoren zu schaffen.— Wir freuen uns. dast durch den Ausfall der Wahlen die Nebenregierung des Zentrums auch in der. Sozialpolitik zurück- gedrängt ist. Die Zenwums-Sozialpolitik war nicht von sachlichen, fondern von Wahlrücksichten geleitet.(Lebhafter Widerspruch im Zentrum. Ruf: Machen Sie es denn anders? Heiterkeit.) Dadurch, dast das Zentrum auf sozialpolitischem Gebiete den Gegensatz zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern— auS seiner Feindschaft gegen die rheinischen Grostindustriellen heraus— geschürt hat, hat es direkt die Geschäfte der Sozialdemokratie besorgt. Es wäre das allerverkehrteste, lvollte man die Sozialpolitik nur auf die Wünsche der A r b e i t e r zu- schneiden. Nur durch eine jahrelange ruhige Aufklärung der Arbeiter können diese von dem Terrorismus der Sozialdemokratie befreit werden. Ans ein Ausnahmegesetz zum Schutze der Arbeitswilligen, wie eS Herr Malkewitz wünschte, ist in absehbarer Zeit nicht zu rechnen; es genügt in dieser Beziehung der§ 153 der Gewerbeordnung und der ErpreffungSParagraph, dte mit aller schärfe angewandt werden müssen. Wenn freilich Herr Trimborn mit dem„Vorwärts" behauptet, daß unsere Gerichte zugunsten der Arbeitgeber und zuungunsten der Arbeitnehmer ihre Urteile fällten, so erweist er sich damit nur als Schrittmacher der Sozial- demokratie.(Unruhe im Zentrum.) Die Mittelstandspolitik ist mindestens ebenso aktuell wie die Sozialpolitik. Was die allgemeine Politik betrifft, so must der Druck auf- hören, den das Zentrum bisher ausgeübt bat.(Unruhe im Zentrum.) Dieser Uebermut deS Zentrums darf sich mcht wieder zeigen.(Graste Unruhe im Zentrum.) Ein klassisches Beispiel dieses UebermuteS ist ein Antrag Trimborn, der im Reichstag eingebracht ist. Dieser An- trag will diejenigen Bestimmungen, die wir in der Berggesetznovelle von 1305 in einem mühsamen Kompromist mit dem Zentrum selbst eliminiert haben, durch Reichsgesetz einfügen, obwohl das Fallen- lassen dieser Zentrumsforderungen damals die Bedingung für das Kompronnst war. Dieses Vorgehen zeigt, dast wir Ursache haben, dafür zu sorgen, dast daS Zentrum nicht wieder eine ausschlaggebende Stellung bekommt.(Unruhe im Zentrum.) Das zu erreichen, ist nur möglich, wenn man auch manche Wünsche der Linken erfüllt.(Lärm im Zentrum. Glocke des Präsidenten.) Präsident v. KrScher: Ich hoffe. Herr Abgeordneter, Sie werden jetzt zur Sache kommen.(Heiterkeit.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(fortfahrend): Unsere Handels- und Ge- Werbepolitik must aber fortgeführt werden. Darin dürfen wir uns nicht beirren lassen. Abg. v. Savigny(Ztr., zur Geschäftsordnung): Ich bitte den Präsidenten, dem Redner unserer Fraktion, wenn er zum Wort kommt, zu gestatten, dast er ebenso von der Sache abschweift.(Bravo I im Zentrum.) Präsident». KrScher: DaS wird ganz darauf ankommen, was der Redner sagt.(Schallende Heiterkeit.) Abg. Dr. Gerschel(frs. Vp.): Ich will dem Vorredner nicht auf daS Gebiet der hohen Politik folgen, ich meine aber, man soll jetzt die Sozialpolitik als Selbstzweck betreiben, nicht der Sozialdcmo- kratie wegen. Eine solche Kulturarbeit werden wir gern unterstützen. Zum Schutz der Arbeitswilligen reichen die Bestimmungen des Straf- gesetzbucheS und des Z 153 der Gewerbeordnung aus. Bei der Ab- grenzung der Begriffe„Fabrik" und„Handwerk" verschiebt der Minister meines Erachtens die Frage. indem er nur über die Beiträge spricht. Die Beiträge find Nebensache. Die Fabriken wehren sich in erster Linie gegen die Zugehörigkeit zur Innung, gegen die �nnungsschiedSgerichte und die Beaufsichtigung der Betriebe durch die Innungen. Bon der Einführung der Detaillistenkammern, wie sie Herr Trimborn empfahl, verspreche ich mir nichts. Vor allen Dingen komme man dem Handel nicht mit Prüfungskommiksionen. Die Kaufleute werden auf Zeugnisse von solchen Kommissionen nichts geben. Redner sucht an einer grasten Reihe Beispiele nachzuweisen, dast die Industrie nach dem Jnkraft- treten deS Zolltarifs in das Ausland ausgewandert sei. Abg. Münsterberg(fts. Vg.>: Ich möchte anregen, bei den Submissionen auch die Heimarbeit zu beteiligen, die sich zu diesem Zwecke in Genossenschaften zusammenschliesten müstte. Das Hand- werk kann man am besten fördern, wenn man ihm die Verwendung von Gas- und Elektrizität erleichtert. Ferner must man das Fach- schulwesen fördern. Bei dieser Gelegenheit empfehle ich auch, mit dem System der fakultativen Fortbildungsschule zu brechen. Was die Kaufmannschaft betrifft, so meine' ich, dast es gut ist, Fach- auSschüsse der Gehülfen an die Handelskammer» anzugliedern. In den Krankenkassenverwaltungen kann der Sozialdemokratie am besten ent- gegengetreten werden, wenn wir die Proportionalwahl einführen. Die Einrichtung der Detaillistenkammern ist eine Anregung, die typisch ist. Deshalb must man sie auf daS allercutschiedenste bekämpfen. Ich würde eS für ein Unglück halten, wenn wir auf diesem Wege noch einen Schritt weiter gingen.(Beifall links.) Eingegangen ist ein Antrag des Abg. Trimborn(Z.), der die Errichtung von Detaillistenkammern fordert sowie die Vornahme einer Enquete darüber, ob es zweckmästig sei, die Ausbildung kauf- männischer Lehrlinge von einem Befähigungsnachweis für die Ausbildenden abhängig zu machen. Bejahenden Falls soll der Bundesrat ersucht werden, eine entsprechende Vorlage zu machen. Minister Dr. Delbrück: Ueber die Heimarbeit ist von mir in Gemeinschaft mit dem Reichsamt des Innern ein Gesetzentwurf ausgearbeitet, der zurzeit den übrigen Bundesstaaten vorliegt. Bis zur Vorlegung deö Gesetzes dürfte aber noch einige Zeit der- gehen. Es ist nach einem WohnungSgesetz gefragt. Ich bitte Sie dringend, diese Frage vorsichtig zu behandeln. Die Wohnungsnot wird oft ganz plötzlich zum Wohnungsüberflust. Deshalb soll man sich hüten, den Kommunen zu hohe Lasten auszulegen. Die Frage der Einrichtung von Detaillistenkammern halte ich mindestens noch nicht für spruchreif. Wollen Sie denn einen Tetaillisten wie Wertheim mit einem kleinen Posamentier in einem Vorort in eine Detaillistenkammer zusammenbringen? � Mit dem Abg. Münsterberg bin ich für die Errichtung obligatorischer Fortbildungs- sehulen. Ich halt- aber den Zeitpunkt für eine gesetzliche Regelung noch nicht für gekommen? Darüber, ob eine Vo/lage zum Schutze der Arbeitswilligen zweckmäßig ist. kann ich nur meine persönlichen Ansichten zum Ausdruck bringen; die Absichten der verbündeten Regierungen sind mir nicht bekannt. Ich mekne, daß die Br stimmungen der§§ 162, 163 der Gewerbeordnung zu ganz be> denklichen Mißständen führen. Diese Bestimmungen haben tat- sächlich eine vollständige Beschränkung der persönlichen Freiheit herbeigeführt!(Sehr wahr rechts.) Ob die verbündeten Öte gierungen geneigt sein werden, eine neue Vorlage zum Schutze der Arbeitswilligen zu machen, nachdem die frühere mit großer Mehr heit abgelehnt ist, weiß ich nicht. Zu einer gesunden Sozialpolitik gehört die Ausbildung des Schulwesens. Nach meinem Wunsche sollen sich an die Fortbildungsschule, die unmittelbar für die Auf gaben deS gewerblichen Lebens erziehen und von utopischen politischen Schwärmereien ablenken soll, die mancherlei Arten von Handwerker- und Fachschulen anschließen, die eine Vervollkommnung im Handwerk erstreben.(Beifall.) Abg. Hammer(k.) polemisiert gegen eine Broschüre deS Finanzrates Dr. Hufenberg über die Kreditgenossenschaften der Handwerker. Abg. Trimborn(Z.): In meinen Anträgen bin ich sehr vor» sichtig gewesen, wie sich das ja gehört!(Heiterkeit.) Ich habe nur Erhebungen verlangt; diese wollen doch wohl auch die Herren von der Linken nicht ablehnen, denn sonst würden sie ja einen Mangel an Belehrungsfähigkeit von vornherein zugeben.(Heiter keit.) Im Reichstage lautet die Blockmelodi« ganz anders als hier beim Frhrn. v. Zedlitz; dort heißt eS: Fortführung der Soziall Politik. Wir sind eine selbstbewußte Partei, selbstbewußt, weil wir unsere Wurzeln tief im Volke haben; wir werden uns durch die falschen Darstellungen des Frhrn. v. Zedlitz nicht erschüttern lassen. (Beifall im Zentrum.) Abg. Oeser(Hosp. d. frs. Vp.): Die Fragen der hohen Politik können nicht gelöst werden durch Reden. Ich meine, daß bei dem Zusammenwirken von Konservativen und Liberalen sehr viele Gegensätze zusammenstoßen. Es wird ein großes Geschick des leitenden Staatsmannes dazu gehören, um daS von ihm aufgestellte Programm zu verwirklichen. Dem Antrage Trimborn gegenüber müssen wir uns sehr vorsichtig verhalten. Gerade weil der Antrag so vorsichtig gefaßt ist, müssen wir ängstlich sein, denn der erste Schritt verpflichtet. Betonen müssen wir, daß auf sozialem Gc- biete gar nicht genutz geschehen kann. Wir alle sind interessiert daran, daß ein tüchhger Handwerkerstand vorhanden ist. Leider sind die Summen, die der Etat für die positive Gewerbeförderung enthält, nicht sehr bedeutend. Die Debatte wird geschlossen. Der Antrag Bachmann wird der Budgetkommission überwiesen und die Weiterberatung auf Freitag ftl Uhr vertagt. Schluß 6V4 Uhr. Die Terrorismus- Mordgeschichte des Staatsministers v. Dallwitz vor Gericht. Dessau, 23. Februar. (Telephonischer Bericht.) Vor dem hiesigen Schwurgericht begann heute früh unter ganz gewaltigem Andränge des Publikums der Prozeß wegen der Blut- tat, die den Feinden der Sozialdemokratie die Grundlage für eine der blutigsten Lügen von sozialdemokratischem TerroriSmuS gegeben hat. Der Mord ist bereits, wie unsere Leser wissen, von dem anhaltischen StaatSminister von Dallwitz im anhaltischen Land- tage als „Frucht sozialdemokratischer Verhetzung" hingestellt worden; auch im Reichstage hat Reichskanzler Fürst Äülow in seine Erwiderung auf die Bebelsche EtatSrede diesen Fall mit unter denjenigen Erscheinungen aufgeführt, von denen er die Erwartung aussprach, daß die deutschen Behörden mit der größten Strenge gegen sie vorgehen werden. Es handelt sich um eine Ausschreitung am 28. Januar d. I. in dem Dorfe Klein- Möhlau, bei der der Schlosser Paul Danisch von einem seiner Arbeitskollegen, dem Arbeiter Alois G a l l b i e r s ch, erstochen wurde. Nach der Darstellung des anhaltischen StaatSministerS von Dallwitz soll der Erstochene für den freisinnigen Abgeordneten Schräder gestimmt haben und deshalb am 28. Januar zunächst von den sozialdemokratischen Arbeitsgenossen aufs gröblichste miß- handelt worden sein. Der Arbeiter Galbiersch soll dann den Danisch solange mit dem Messer bearbeitet haben, bis er verschied. Der Körper des Danisch soll von 22 Messerstichen durchbohrt gewesen sein. Die Anklage nimmt an, daß der Angeklagte Galbiersch den Schlosser Paul Danisch, seinen Arbeitskollegen, aus Rachsucht er- stochen hat und zwar nach einem schon vorher gefaßten vorbereiteten Plan. Deshalb ist die Anklage wegen Mordes erhoben. Die Beweisaufnahme soll nun ergeben, ob in der Tat, wie der anhal- tische Staatsminister und mit ihm der Reichskanzler Fürst Bülow angenommen hoiben, die Tat aus politischem Fanatismus verübt worden ist, oder ob andere Gründe zu der bedauerlichen Aus- schreitung geführt haben.— Den Vorsitz im Gerichtshof führt Landgerichtsdircktor L ü d e r i tz, die Anklage vertritt Erster Staats- anwalt B u e r k n c r, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Dr. Ascher- Dessau. Der Andrang des Publikums war ein so enormer, daß der Zuhörerraum schon lange vor Beginn der Sitzung wegen Ueberfüllung polizeilich gesperrt werde muhte. In den Seitenwgen hat ein elegantes Publikum, unter denen man auch viele Damen der ersten Gesellschaftskreise bemerkt, Platz genommen. Eine der Logen ist für den Prinzen A r i b e r t von Anhalt und den herzoglichen Staatsminister von Dallwitz reserviert» die ihr Erscheinen zu der Verhandlung angekündigt haben. Der Angeklagte Gallbiersch ist von kleiner unscheinbarer Gestalt, mit wenig interessantem Gesichtsausdruck. Er zeigt sich äußerst gleichmütig. Seine Aus- sagen macht er mit weinerlicher Stimme. Er spricht mit einem stark polnischen Akzent. Er ist 1876 in Altendorf bei Ratibor geboren, hat die Dorfschule besucht und verschiedene Berufe aus- geübt. So war er Zigarrenarbeiter, Fleischer und arbeitete später bei Gutsbesitzern. Er ist vom Landgericht Kattowitz wegen Dieb- stahls mit einem Monat und später noch einmal mit 14 Tagen Gefängnis bestraft worden, dann weiter wegen Körperver- l e tz u n g im Jahre 1903 mit drei Monaten und ein anderes Mal mit drei Wochen und im Jahre 1906 wegen Diebstahls mit 4 Monaten Gefängnis. Er ist 1906 mit 31 Arbeitern, unter denen sich auch Danisch befand, von Kattowitz nach Klein-Möhlau angeworben worden. Vors.: Waren Sie mit Danisch bekannt?— Angekl.: Ja. ich kannte ihn. Er war vor langen Jahren einmal Polizeisergeant gewesen. Aber ich kam erst in Klein-Möhlau näher mit ihm in Berührung. Wir wohnten zusammen bei einer Frau Lorenz.— Vors.: Erzählen Sie nun die Vorgänge am 27. und 28. Januar. — Angekl.: Ich war mit mehreren Männern und Frauen zu- sammen bei der Frau Lorenz und wir tranken Schnaps. Als ich berauscht war, schlief ich ein. Als ich wieder aufwachte, sagte mir mein Kollege der Arbeiter Kunitz, daß der Danisch mich durchgeprügelt habe. Ich hatte davon nichts gemerkt, sah aber, daß meine Jacke zerrissen war. Ich wunderte mit darüber, daß gerade Danisch mich verprügelt haben sollte, weil wir bis dahin immer gute Freunde gewesen waren.— Vors.: Sie sollen gesagt haben, daS würden Sie dem Danisch schon anstreichen.— Angekl.: Das ist richtig.— Vors.: Sonst haben Sie nichts gesagt?— Angekl.: Nein.— Vor s.: Was geschah nun weiter?— An g e- klagter: Am nächsten Morgen wollte ich Danisch aufsuchen. Er war aber schon fort, als ich zu ihm kam. Ich ließ mir von der Frau Lorenz eine Mark geben und ging weg. Dann habe ich einige Schnäpse getrunken, erst einen halben, dann noch einen halbe» Liter, dann mit Kunitz zusammen einen halben Liter und schließlich noch einen halben Liter. Dann bin ich zu der Frau Lorenz zurückgegangen und setzte mich in die Küche. Plötzlich sagte Frau Lorenz: da kommt Danisch. Da bin ich aufgesprungen und habe auf ihn eingestochen bis er umfiel und dann habe ich noch einige Male auf ihn eingestochen. — Vors.: Sie sollen vorher gesagt haben: Danisch muß eine Leiche werden, er mutz unter meinen Händen hin, der ist ein Kind des Todes!— Angekl: Daran erinnere ich mich nicht. — Vors.: Wir werden von Zeugen hören, daß Sie sogar das Messer vorher sorgsam geschliffen haben!— Angekl.: Ich schleife mein Messer sehr häufig.— Vors.: Warum haben Sie denn nun den Danisch erstochen?— Angekl.: DaS weis) ich selbst nicht. Wir waren dach sonst immer gute Freunde gewesen, noch am Tage vorher.— Vors.: Sie sollen die Tat gut vorbereitet haben. Sie sollen sogar an Ihr eigenes Herz gefühlt haben, um den Stoß richtig führen zu lernen. Sie sollen» nachdem Sie bereits auf Danisch eingestochen hatten, ihn umarmt haben, und noch mehrere Stiche mit einem zweiten Messer geführt haben. AIS Danisch umfiel, sollen Sie ihn wieder aufgehoben und gefragt haben, ob er noch lebe. Und dann haben Sie weiter gestochen. Im ganzen haben Sie 29 Stiche ausgeführt.(Entsetzensrufe im Zuschauer- räume.)— Angekl.: Wie oft ich gestochen habe, weiß ich nicht.— Vors.: Sie sollen auch zu einer Frau gesagt haben, sie sei ebenso schlecht, denn sie habe den Danisch verborgen— Angekl.: Das weiß ich nicht mehr.— Vors.: Zum Ortsschulzen Wagner haben Sie gesagt. Sie hätten ihn niedergestochen» weil er falsch gewählt hat.— Angekl.: Ich habe mit der Wahl nicht» zu tun gehabt und nie mit Danisch über die Wahl gesprochen.— Vors.: Sie haben das aber dem Ortsschulzen gesimt.— Anaekl.: Ich weiß nur, daß Danisch am Abend nach der Wahl ein« Schlägerei gehabt hat. Ich weiß überhaupt nicht, wie ich zu der Tat gekommen bin. Ich wollte den Danisch ja nur durchhauen.— Vors.: Man haut doch aber niemanden mit einem Messer durch!— Hierauf wird das Urteil in dem Prozeh wegen Körperverletzung verlesen« das für die Beurteilung dieser Tat von Bedeutung tst. ES wird Hierauf in die Zeugenvernehmung eingetreten. Arbeiter Kuniscb, ein älterer Arbeiter, der mit dem Ermordeten zusammen wohnte und zusammen arbeitete, bekundet, daß der Angeklagt« am Tage vor der Tat fürchterlich viel getrunken habe. Gallbiersch habe überhaupt SchnapS literweise getrunken, bis er besinnungslos hinfiel. Am näcbsten Vormittag sei der An- geklagte besoffen gewesen,„aber er stand doch wenigstens noch". Der Zeuge weiß nichts davon, daß zwischen dein Angeklagten und dem Ermordeten ein Zwist bestano. Von der Wahl sei nie die Rede gewesen. Außer dem Amtsvorsteher wisse niemand etwas davon. Der Ermordete habe patriotisch gewählt, wie er sagte, weil er Unteroffizier gewesen sei. Zeuge habe cmch gewählt, wisse aber nicht wen. Er habe den Zettsl, der ihm in die Hono gesteckt wurde, gar nicht angesehen.(Heiterkeit.)_ Arbeiter Menzel wohnte auch mit Danisch und Gallbiersch zusammen. Die beiden hatten sich am Sonntag beim Schnaps- trinken auf polnisch gestritten. Danisch habe den Angeklagten an die Kehle gepackt und zu Boden geworfen. Danisch sei, wenn er besoffen war. ein unausstehliches Individuum gewesen, während Gallbiersch solange trank, bis er besinnungslos wurde und ein- schlief.— Vors.: Wissen Sie, daß Danisch und Gallbiersch sich wegen der Wahl gestritten haben?— Zeuge: Rein. Sic waren immer gute Freunde und tranken sogar aus einer Flasche.— StaatSanw.: Wissen Sie etwas davon, daß Danisch am Tage der Wahl verhauen wurde?— Zeuge: Davon habe ich nichts gehört. Frau Lorenz, bei der Danisch und Gallbiersch wohnten, bekundet, eS sei nachts ein fürchterlicher Lärm auf der Stube ge- wesen, so daß alle nicht schlafen konnten. Der Angeklagte sei später mit einem Brotmesser heruntergekommen und sagte: Der Danisch sei ein Kind des Todes! Zeugin riß ihm das Messer weg, er rief aber: Ich kriege ihn doch noch! Danisch ging am nächsten Morgen zur Arbeit, der Angeklagte wollte ihm nachlaufen, die Zeugin hielt ihn aber zurück und schloß die Zimmertür ab.— Bor f.: Rieten Sie ihn nicht von der Tat ab?— Zeugin: Sich immerfort, ich sagte: DaS ist doch gegen das Gesetz, das darf man doch nicht Machen. Er blieb aber den ganzen Tag bei mir sitzen, um den Danisch abzu- lauern, dann schlief er auf dem Stuhl ein. Als Danisch mittags nach Hause kam, sagte ich ihm. daß der Gallbiersch ihn erstechen wolle. Dänisch wollte ihm darauf einen Fußtritt geben, ich schob ihn aber zurück und schloß zu. Abends machte sich Danisch fertig zur Nachtschicht; der Angeklagt« ging ihm nach, und gleich daraus hörte ich großen Lärm. Als ich heraussah, saHichdenDanisch a m Boden liegen, der Angeklagte kniete auf ihm und rief: Lebst Du noch?— Vors.:War der Angeklagte betrunken?— Zeugin: Sie waren beide nicht nüchtern.— Vors.: War er so betrunken, daß er der Sinne nicht mächtig war?— Zeugin: New, er wußte, was er tat. Wenn er betrunken war, lag er so da, daß er sich nicht rühren konnte.— Vors.: Also er ließ sich von seinem Vorhaben nicht abbringen; wissen Sie weshalb?— Zeugin: Nein, sie lvarcn immer gute Freunde.— Vors.: War es etwa wegen der Reichs- tagswayl?— Zeugin: Das müßten Sie dann auf polnisch gc- sprochen haben, ich weiß aber nichts davon.— Staats au«.: Der Angeklagte hat nachmittags geschlafen, da war er doch nüchtern geworden.— Zeugin: Na, ein bißchen rauschig war er ja noch. (Heiterkeit.)— Auf die Frage des Sachverständigen gibt Zeugin an, daß der Angeklagte nach starkem Altoholgenuß manchmal Krampfanfälle hatte.— Die kleine Tochter der Zeugin, Frieda Lorenz, sagt aus, daß der Angeklagte an einer Ofenkachel das Messer geichliffen habe. Als Zeugin ihn fragte, weshalb? sagte er(Zeugin bricht in Weinen auS): Ich will es Dir sagen, komme nur nickst nahe, sonst mache ich Dich Zeit Deines Lebens un- glücklich! Zeuge Arbeiter Lorenz, bei dem Danisch und Gallbiersch wohnten, bekundet, daß er gesehen habe, wie Danisch den sozial- demokratischen Stimmzettel in den Ofen steckte. Er glaube aber nicht, daß der Angeklagte diesen Vorgang gesehen, oder davon gewußt habe. ES sei ihm auch nichts von Streitigkeiten wegen der Wahlen zwischen diesen beiden bekannt geworden. Vors.: Danisch soll aber am Wahltage geschlagen worden sein.— Zeuge: Davon hörte ich auch, selbst weiß ich aber nichts davon.— Frau H i l l c r bestätigt, daß der Slngeklagtc vorher immer schon gesprochen habe, er wolle den Danisch tot machen. Auf die Ermahnung der Frau Lorenz sagte er immer, das sei ihm egal, was mit ihm geschehe. Die Hauptsache sei, daß Danisch tot wäre. Zeugin kam abends über den Hof und begegnete dem Danisch, che er noch grüßte. Gleich darauf sah sie, loie der Angeklagte aus Danisch zustürzte und aus ihn einstach, gerade in die Gegend des Herzens, ohne daß er ein Wort sprach. Der Gestochene faßte ihn um den Hals und schrie erschreckt:„Alois. Du stichst mich ja!" Der Angeklagte gab darauf dem Danisch noch einen Stich in den Hals. Dann sah Zeugin, wie Danisch hinfiel und der andere auf ihm kniete und mit dem Messer losstach. Sie lief ins Haus und verriegelte die Haustür. Der Angeklagte wollte folgen, rüttelte an dem Schloß und rief:„Wenn ich hineinkomme, steche ich alle nieder!"— Zeuge Slrbeitcr H i l l e r weiß nur, daß der Slngeklagte mit dem Er- stochencn hin und wieder einen kleinen Zwist hatte, aber nicht ernstlicher Slrt. Danisch sagte öfter:„Ich bin Pölizcisergeant und Du bist bloß Gemeiner!" Sonst waren beide aber Freunde.— Vors.: Wissen Sie etwas von einem Streit bei der Reichstags- wähl?— Zeuge: Davon habe ich keine Ahnung.— Schmiede- meister R h e i n st e i n bekundet über die Festnahme de» Sln-. geklagten nach der Tat. Der Angeklagte kam ganz gckasseu mit den Händen in den Hosentaschen an und nannte einen anderen als den Messerstecher.'»Ich habe ihm nur eins in die Fresse gc- Magen', sagte 8t wurde bann gm* Ortsschulzen gebracht. Dieser fragte, warum er den Danisch tot gestochen habe? Darauf sagte der Acgeklagte: „Er hat falsch gewählt!" (Bewegung). Zeuge bekundet weiter, daß der Angeklagte ein ganz freches Benehmen an den Tag gelegt hat. Als er ihn an die Leiche führte, tat er so, als ob er ganz unbeteiligt wäre. Er rief: „Ach, lieber Paul, wer hat Dir das getan?" Als sich so viele Leute angesammelt hatten, sagte der Angeklagte:„Es könntF mir jeder 2 Pfennige geben, dann hätte ich schönen Schnaps."(Lachen im Publikum.) Der Vorsitzende rügt dies., Hierauf tritt die Mittagspause ein. In der Nachmittagssitzung bekundet Gastwirt Reize, daß er auch hörte, wie der Angeklagte auf die Frage des Ortsschulzen, weshalb er den Mann erstochen habe, sagte: Er hat ja falsch ge» wählt. Am Wahlabend sei Danisch zu ihm gekommen— er war ziemlich angetrunken— und erzählte, daß er vorher aus dem Lokal von Heinze hinausgewiesen worden sei, weil er patriotische Lieder gesungen, und ein Hoch auf Kaiser und Reich ausgebracht habe; auch habe man ihn ver- Vrügelt.— Mehrere Zeugen bekunden dasselbe. Zeuge Ortsschulze Wagner besinnt sich nicht IN e h r, ob der Angeklagte zu ihm gesagt habe, er habe die Tat be- gangen, weil der andere falsch gewählt habe. Von einem Streit zwischen den beiden könne er auch nichts sagen.— Vors.: Dann können Sie also auch über die patriotische Haltung des Danisch und über die Gründe für die Tat nichts angeben?— Zeuge: Nein, weiter nichts. Aber am Wahlabend erschien Danisch bei mir, der etwas angetrunken schien und stellte sich als pensionierter Schutzmann vor. Er sagte, ich möchte doch in das Lokal von Heinze mit- kommen; er habe dort den Kaiser hoch leben lasten und patriotische Lieder gesungen und sei darauf verprügelt worden. Ich möchte die Namen feststellen. Ich erwiderte, daß ich Heinze als sehr an- ständigen Mann kenne, der, wenn er sich an ihn wende, schon das Weitere veranlasten würde. Gendarm Bennert war an dem Tage selbst krank und weih persönlich nichts. Er hörte nur, daß die beiden schon morgens früh betrunken waren. Zeuge hat auch die Vermutung(l), daß die Politik bei dieser Sache mithinein gespielt habe(!) Denn der Logiswirt der beiden Lorenz, habe den Danisch in eine sozialdemokratische Versamm- l ung geschleppt, trotzdem er wußte, daß dieser patriotisch gesinnt sei. Offenbar habe er ihn be. kehren wollen. Die Frau des Borzeugen erklärt, am 28. Januar, dem Mord- kage, sei Danisch nachmittags in ihrer Wohnung gewesen, und fragte nach ihrem Mann, der krank im Bette lag. Er sagte, er habe Streit mit einem Arbeitskollegen gehabt, und dieser habe gedroht, ihn zu erstechen. Da er gehört habe, daß der Arbeitskollege wegen Körperverletzung bestraft sei, möchte er den Wachtmeister bitten, mal dort hinzukommen und nachzufragen. Er möchte aber nicht, daß der Mann direkt angezeigt werde, weil es sein Landsmann sei. Die Zeugin machte ihm deshalb Vorhaltung, wozu denn der Gendarm hinkommen sollte, wenn es sich nicht um eine Anzeige handele. Zeuge Gastwirt Heinze bekundet, Danisch und der An- geklagte verkehrten oft bei ihm, beide waren starke Trinker. Er hatte sehr oft Veranlassung, sie hinauszuweisen. Danisch war leb- hafter, toährend der Angeklagte, wenn er betrunken war, einfach unter den Tisch fiel. Am 25. Januar, dem Wahltage, sei Danisch von ihm wieder hinausgeworfen worden. Als Zeuge vom Wahlakt nach Hause kam, hörte er schon großen Lärm, er merkte, daß Danisch da war. Beim Eintreten sagte er deshalb zu diesem: Du hast ja wieder die große Fresse? Er wollte ihn hinausbringen, aber die Gäste sagten: Laß doch, er macht ja nichts. Er begann dann Ring- kämpfe zu inszenieren und mit den Gästen Kraftübungen zu machen. Dabei verursachte er so viel Lärm, daß er ihn schließlich hinausbrachte.— Vors.: Daß soll geschehen sein, weil Danisch patriotische Lieder sang, und den Kaiser hoch leben ließe.— Zeuge: Davon habe ich nichts gehört. Ich bin doch nicht der Mann, der je- manden hinausbringt, wenn er meinen Kaiser hochleben läßt.— Vors.: Sie vielleicht nicht, aber die anderen Gäste könnten es vielleicht veranlaßt haben, loeil sie sich ärgerten.— Zeuge: Dann hätte ich eher die anderen hinausgeworfen, das können Sie mir glauben. Den Danisch habe ich übrigens mindestens 50 mal hinausgeworfen. Am Tage vor dem Ereignis kam er nachts um Ys'! Uhr zu mir noch Schnaps hole» und sagte: Jetzt habe ich den Fleischer(damit meinte er den Angeklagten) mal tüchtig verhauen. Ein anwesender Arbeiter, der das hörte, sagte: Dann mutzt Du auch mal verhauen werden! Darauf erwiderte Danisch: Im Namen dcS Gesetzes verhafte ich Sie, ich bin pensionierter Schutzmann. Ich warf ihn darauf hinaus. Eine Viertelstunde später kamcr mit dem Nachtwächter, und behaup- tcte, verhauen worden zu sein. Am nächsten Nachmittag kam er zu mir und sagte, er habe einen Gendarmen zur Hülfe holen wollen, aber keinen bekommen. Er trank dann noch einige Schnäpse, kaum hatte er mich darauf verlassen, als ich zur Hülfe gerufen wurde, weil man den Danisch erstochen hätte. Zeuge glaubt, daß der Ortsschulze zu dem Angeklagten, als er ihm vorgeführt wurde, gesagt habe:„Das ist doch nur wegen der Wahl gewesen!" und daß der Angeklagte dies bestritten habe. Zeuge glaubt nicht, daß dir Beußerung gefallen fei:„Der hat ja falsch gewählt!" Ein Obersteiger, unter dem der Ermordete arbeitete, bekundet. daß Danisch nachmittags zu ihm kam und sagte, er müsse auf- hören und könne heute nicht arbeiten, da er Kaisers Geburtstag gefeiert habe. Er forderte 3 M. Vorschutz. Zeuge stellt dem Toten das Zeugnis aus, daß er stets anständig gewesen sei und seinen Dienst gut versehen habe.— Vors.: H a t er sich vielleicht wegen seiner patriotischen Haltung den Haß der Arbeitskollegen zugezogen?— Zeuge: Das weiß ich nicht, ich habe mich mit den Leuten nicht so abgegeben.— Zeugin Frau Richter beobachtete am 25. Januar abends vor dem Lokal von Heinze eine Schlägerei zwischen Dänisch und mehreren anderen. Als sie hinzukam, fragte sie den ihr bekannten Arbeiter Mattey, wer den Danisch geschlagen habe. Mattey sagte: Ich habe nicht geschlagen. Danisch lag auf der Erde, ich half ihn auf und nachher beschuldigte er mich noch, daß ich ihm Geld ge- nommen habe. Bon Politik hat Zeugin bei dieser Angelegenheit nicht? sprechen hören.— Arbeiter F r i ck e verweigert die Aussage darüber, ob er einer von denen gewesen sei, die den Danisch in dem Lokal von Heinze geschlagen hätten. Gegen ihn und gegen den Arbeiter Mattey schwebt ein Verfahren wegen Körperverletzung in dieser Sache. Im übrigen bestreitet Zeuge, daß Danisch am 25. Januar w eg e n patriotischer Reden hinausgewiesen wurde. Danisch habe sich unanständig betragen und sich mit allen möglichen Leuten herumgerungen.— Zeuge Lorenz gibt zu, den Danisch mit in eine sozial- demokratische Versammlung genommen zu haben. Er habe aber nicht gehört, daß Danisch sich mit dem Angeklagten über Politik gestritten habe, obwohl er Wiste, daß beide verschiedene Ansichten hatten.— Der Zeuge Leopold Kosig und dessen Ehefrau aus Kattowitz, bei denen der Angeklagte lVi Jahr in Logis und Kost war. bekunden, daß der Angeklagte sehr viel getrunken habe. Wenn er stark trank, hatte er oft Krämpfe, in einer Nacht vier- mal. In der Zeit, wo er bei ihnen wohnte, habe er mindestens zwanzigmal Krämpfe gehabt. Es folgen die Gutachten. Sanitätsrat Dr. Worner bekundet, daß nach seiner Beobachtung Galbiersch über den geistigen Durchschnitt polnischer Arbeiter hinausrage.— Dr. med. Kunz e-Kattowitz gibt an, daß der Angeklagte in den Jahren 1904— l£)06 zweimal im dortigen Krankenhaus wegen Epilepsie behandelt wurde. Das letzte Mal mußte er entlasten werden, weil er sich am Abend Schnaps holte, sich betrank und dann raste. Der Sachverständige kann aber nicht angeben, ob wirklich in der Zeit epileptische Anfälle vorkamen, da das Krankenjournal darüber keine Auskunft gebe. Er könne überbaupt kein Gutachten über den Geisteszustand abgeben, da er Chirurg sei. Nervenarzt Dr. Fei'litzsch-Deffau gibt an: Zurzeit liege eine geistige Störung beim Angeklagten nicht vor. Was seinen Zustand zur Zeit der Tat anbetreffe, so muß zugegeben werden, daß bei Epilepsie Zustände vorkommen können, sogenannte Dämmerzustände, die die freie Willensbestimmung ganz oder teilweise aufheben. Er könne nicht mit absoluter Sicherheit behaupten, daß Epilepsie vorliege. Es könne sich auch bei den Krampf- anfallen um Reizzustände infolge von Alkoholismus gehandelt haben. Die von den Zeugen geschilderten Anfälle entsprechen ja ziemlich dem Bilde der Epilepsie, aber es handele sich um die Beobachtung von Laien, da sei immerhin ein Irrtum möglich. Ein Dämmerzustand würde aber der Umgebung aufgefallen sein. Die von den Zeugen bekundeten Vorgänge fallen durchaus-nicht sämtlich in den Rahmen des Dämmerzustandes. Denn es auffällig, daß der Angeklagte sich verschiedener Umstände erinnert, anderer Umstände aber, die ihm ungünstig sind, sich nicht erinnert. Alles dies laste ihn schwer dazu kommen, einen Dämmerzustand zur Zeit der Tat anzunehmen. Auch die Alkoholwirkung möchte er relativ recht gering anschlagen. Der Angeklagte habe am Nachmittag höchstens Iii Liter Schnaps getrunken, in Anbetracht dessen aber, was er vertrage, könne dies nicht als übermäßig großes Quantum gelten. Es sei also kein genügender Grund vorhanden, einen epileptischen Dämmerzustand anzunehmen. Verteidiger A sch« r hält den Sachverständigen entgegen, was Professor Westphal sage, daß namentlich Laien die Kranken in diesem Zustande häufig nicht auffallen. Dies stehe wohl im Wider- spruch mit dem Gutachten.— Sachverständiger: Die Handlung de? Angeklagten mache in hohem Grade den Eindruck von bewußten Handlungen. Auf eine weitere Frage des Ver- teidigers äußert sich der Sachverständige dahin, daß auch die Zu- rechnungsfähigkeit des Angeklagten infolge der Alkoholwirkung nicht wesentlich gemindert sein könne.— Medizinalrat Dr. Werner bekundet, daß auch ihm nichts aufgefallen sei, was für den Dämmerzustand spreche. Eher das Gegenteil. ES kommen viel zu viel bewußte Handlungen in der ganzen Sache vor. Der Angeklagte habe vom frühen Morgen an so zielbewußt seinen Plan verfolgt, daß von einem Dämmerzustand keine Rede sein könne. Es tritt eine kurze Pause ein.— Nach der Pause ergreift Erster Staatsanwalt Buerkuer daS Wort zu seinem Plaidoyer: Er verweist auf die Schwere des Verbrechens und ersucht die Geschworenen, sich zur Beurteilung von Vorsatz und Ueberlegung bei der Tat den gesamten Tat- bestand zu vergegenwärtigen. Der Angeklagte ist ein Mensch, der im Verhältnis zu seiner Umgebung als intelligent zu bezeichnen ist. Im allgemeinen mag es ja zwischen Dänisch und Gallöiersch er- träglich zugegangen sein; aber was zwischen den beiden wirklich vorgekommen ist, läßt sich schwer beurteilen, da sie in solchen Fällen polnisch sprachen. Der Angeklagte wurde öffentlich als Messerheld und ZüchthauSbruder hingestellt. Er ist aber nicht über seine Kreise hinaus gewalttätig. Die heutige Verhandlung hat nicht völlige Klarheit über die Motive sickchaffen, aber man ist ja da auf Schlüsse angewiesen. Der Angeklagte selbst bestreitet ja sogar den Vorsatz der Tötung. Es steht fest, daß am Tage der Wahl Danisch Schläge bekam; man kann aber nicht genau sagen, aus welchen Gründen. Der Wirt Heinze sagt, er wisse es nicht, daß Danisch von den Zeugen wegen seiner patriotischen Gesinnung hinausgeworfen wurde. Die Zeugen selbst kommen als Mittäter in Betracht; von ihnen erhalten wir keinen Aufschluß. Der Er- movdete kann nicht auftreten, er sagte, er habe patriotische Lieber gesungen und wurde dafür hinausgeworfen. Dazu kommt der Ausspruch des Angeklagten hinzu: Er habe es getan, weil Danisch schleck, t gewählt hat. Es kommt noch ein Liedlein hinzu, das der Angeklagte nach der Verhaftung gesungen hat. Hier im Kreise war der Wahlkampf besonders heftig. Im Mittelpunkt desselben stand der Führer der Liberalen, Rechtsanwalt Cohn. Ist es da Zufall, daß der Angeklagte bei der Verhaftung das Lied vom„kleinen Cohn" anstimmte?(Heiterkeit.) Der Ermordete machte auch kein Hehl aus seiner patriotischen Gesinnung. Wenn Sie nun be- rücksichtigen, daß die kleine Rempelei, die zwischen den beiden am Tage vorher stattfand, keinen Grund für solche blutige Tat ab- gibt, so bleibt der Schluß sehr berechtigt, daß der Angeklagte einen tiefen Haß im Herzen hatte, den er mit den Worten ausdrückte:„Der Mann hat falsch gewählt." Ueber die Motive haben Sie nicht zu entscheiden; es genügt, daß Sie den Vorsatz und die Ueberlegung bezahen. Der Angeklagte selbst will von der kleinen Rempelei gar nichts gewußt haben. Da liegt doch der Schluß nahe, daß aus diesem Vorgang allein der Angeklagte nicht zu dem Entschlüsse, zu töten, kam. Er ging mit der fertigen Idee hinunter und brachte ja auch zu Frau Lorenz das Messer mit. Aus der Aeußerung zu Frau Lorenz geht hervor, daß er den vollen Tötungsvorsatz hatte. Der Staatsanwalt geht dann auf die Einzelheiten ein und sagt zum Schlüsse: Es kann kein Zweifel sein, daß der Angeklagte die Tat mit Borsatz und Ueberlegung ausführte. Es ist möglich, daß er nachher blind zustieß, aber die beiden ersten tödlichen Stiche in Herz und Hals wurden mit kaltem Blute vollführt. Deshalb müssen Sie die Schuldfrage in vollem Umfange bejahen. Verteidiger Ascher, der in später Slbendstunde das Wort nimmt, führt aus: Die Tat rief um so größere Entrüstung hervor, als es hieß, daß der politische Kampf derartige Folgen zeitige. Die heutige Verhandlung ergab aber ein ganz anderes Bild. Die Tat sei ja entsetzlich, aber als Richter müsse man mit kühler Ruhe urteilen. Der Verteidiger verweist auf den enormen Alkoholgenuß des Angeklagten und seine Krampfanfälle. Er habe unter dem Ein- fluß des Alkohols gehandelt und fei als Epileptiker minderwertiger Natur. Die Geschworenen bejahten die Schuldftage auf Mord. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zum Tode. Eue der Partei» Parteiliteratur. Im Kommissionsverlag von I. H. W. Dietz Nachf. in Stuttgart ist soeben erschienen: Der Schutz der Deutschen in Frankreich 1870 und 1871. Briefwechsel des außerordentlichen Gesandten der Ver- einigten Staaten fiir Frankreich E. B. Washburne in Paris vom 17. Juli 1870 bis zum 29. Juni 1871. Aus den diplomatischen Akten der Regierung der Vereinigten Staaten. Ausgewählt, übersetzt und mit einer Einleitung versehen von Adolf Hepner. Preis broschiert 2,40 M., gebunden 3 M. Der den älteren Parteimitgliedern aus dem Leipziger Hoch- Verratsprozeß bekannte Genosse Adolf Hepner. der später noch Amerika auswanderte und in St. Louis eine zweite Heimat fand, unternahm die Herausgabe des oben angezeigten Briefwechsels, um seinerseits„ein Scherflein beizutragen zur Förderung eines herzlichen Einvernehmens zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten und zur Erhaltimg dcS allgemeinen Völkerfriedens". Die Norddeutsche Bundesregierung hatte bekanntlich während deS deutsch-französischen Krieges die in Frankreich lebenden deutschen Bundesangehörigen unter den Schutz der Vertretung der Vereinigten Staaten gestellt. Durch die Belagerung von Paris erwuchsen dem amerikanischen Gesandten außerordentlich schwierige Aufgaben, die sehr anschaulich in dem vorstehenden Briefwechsel mit den franzö- fischen und deutschen Behörden geschildert werden. Washburne hat unbekümmert um die ihm drohenden persönlichen Gefahren und Unannehmlichkeiten zwölf Monat« hindurch tapfer setnes Amtes£(< waltet, so daß alle Beteiligten ihm großen Dank schulden. Da eS sich im wesentlichen um den Schutz der in Paris zurückgebliebenen deutschen Arbeiter handelt, so dürften recht weite Kreise für Hepner� anregendes und lesenswertes Buch Interesse fassen. Vom Fortschritt der Presse. Aus Elberfeld wird uns zur Ergänzung unserer kürzlichen Notiz über den Abonnentenzuwachs des dortigen Parteiblattes ge- schrieben: Für die. Fr e i e P r e s s e" unternahmen die Genossen am Sonntag wiederum eine Hausagitation. Erfolg: 1350 Abon- nenten. Sert dem Beginn der Wahlbewegung hat die„Freie Presse" rund 6000 Abonnenten gewonnen, davon annähernd 5000 nach der Stichwahl. Die Parteigenossen in Frankfurt a.M. entfalteten in den letzten Wochen eine intensive H a u s a g i t a t i o n für die.Volksstimme". Der Erfolg blieb nichr aus: 2700 Abonnenten wurden gewonnen. Die Auflage der.Volksstimme" stieg auf 32 900. Das ist die Ant- wort der Frankfurter Arbeiterschaft auf den Ausfall der Reichstags- wähl. Die.Fränkische Volkstribüne', ein Kopfblatt der Nürn!...ger„Fränkischen Tagespost", das in mebreren fränkischen Wahlkreisen vertreten ist, hat während des Wahlkampfes an 1000 Abonnenten gewonnen, so daß die Gesamtauflage 5400 Stück aus- macht. Der Hauptzuwachs an neuen Lesern stammt auS dem Wahlkreise Bayreuth. Kein anderes Blatt dieses Wahlkreises hat eine gleich hohe Auflage wie die„Bolkstribüne" aufzuweisen. Von den Organisationen. Für den Sozialdemokrati- schen Verein Elberfeld-Barmen wurden an den beiden letzten Sonntagen durch Hausagitation annähemd 300 Mitglieder gewonnen. Zum Fall Bernhard hat sich ein Teil der Parteipresse geäußert: — Die„Leipz. Volkszeitung" schrieb:„Damit hat Herr Bernhard sich selber außerhalb der Partei gestellt und der Partei bleibt nur noch übrig das auszusprechen, was ist. nämlich, daß Herr Bernhard nicht mehr Mitglied der Sozialdemokratie ist... Herr Bernhard... scheint zu glauben, die Parleiinstanzen existieren bloß für die„Proleten", ein so seiner Herr, wie er ist, braucht sich nicht an sie zu halten... Herr Bernhard hat es seit Jahren, wie es scheint, darauf abgelegt, aus der Partei ausgeschlossen zu werden. Er glaubt wahrscheinlich, das Interesse der Berliner Bourgeoisie würde dann für seine erhebliche Persönlichkeit noch größer werden; denn etwas anderes als Reklame- bedürfnis treibt diesen Mann nicht. Man erfülle also seinen Wunsch und beiden Seiten wird geholfen sein." Das„Sächsische Volksblatt" zu Zwickau:„Bern- hard, der seit 1903, wo er auf dem Parteitage die bekannte Radau- macherrolle spielte, nicht wieder in das alte Verhältnis zu unserer Partei getreten ist, wird nunmehr wohl selbst einsehen, daß für ihn kein Platz mehr in der Partei ist. Er wird austreren müssen, will er es auf einen Ausschluß nicht erst ankommen lassen." Das„Norddeutsche Volksbatt" zu Bant-Wil- helmshaven, am Schluß eines Slrtikels, der die Bernhardscheu Aeußerungen in der„Welt am Montag" und die Anmerkungen des „Vorwärts" dazu wiedergiebt:... Wir sind sicher, daß ein schlichter Arbeiter, der als Parteigenosse seine Beschwerden über sein Partei- blatt in der bürgerlichen Presse vorbringen und in-der bürgerlichen Presse unsere Partei derart angreifen würde, wie es Bernhard in der„Welt am Montag" tut und in der Berliner„Volszeitung" getan hat, von seinen Parteigenossen keine drei Tage geduldet würde und mit Recht... WaS aber sollte der Herr Literat Bernhard vor einem Arbeiter voraus haben. Zweierlei Genossen gibt es nicht und eine solche Einrichtung werden wir uns auch niemals in die Or- ganisation hineinrevidieren lassen..." Die„Arbeiterzeitung" zu Dortmund:„Wir erklären hiermit: wenn ein Arbeiter nur den hundensten Teil dessen gegen die Partei verübt hätte, was hier Bernhard verübt, so würde er ohne jedes Federlesen mit Schimpf und Schande aus der Partei ge- jagt werden! Soll bei unS etwa zweierlei Recht gelten? Was Bern- hard tut, ist keine bloße Parteischädigung mehr, sondern direkter Parteiverrat! Wir wollen und wir müssen diesem Treiben nun endlich einmal einen Riegel vorschieben I So geht es nicht weiter I Bernhard ist es wirklich nicht wert, daß wir seinetwegen in diesem Augenblick wieder in einen Parteiskandal hineingeraten. Darum: hinaus init diesem Menschen aus der Partei— lieber heute als morgen I" Die„Norddeutsche Volks st imme" zu Bremer« Häven hat sich die Aeußerung der.Leipz. Volkszeitung" zu eigen gemacht. Die.Bremer Bürgerzeitung" druckt die oben wieder- gegebenen Zeilen des Dortmunder Parteiblattes ab und setzt hinzu: „Wir wiederholen, daß wir der„Arbeiter-Ztg." durchaus zustimmen. Ein energisches Vorgehen gegen einen derartigen Parteischädling wird das Gute haben, daß andere recht deutlich merken, was die Glockr geschlagen hat. Der Rastatter Denkmalsfonds. Man schreibt unS aus Baden: Da die Zeit der Märzfeiern naht und unsere Genossen dabei wieder der Freiheitskämpfer aus der Mitte des vorigen Jahr- Hunderts gedenken, mögen sie daran erinnert werden, daß in Rastatt ein Denkmal für die dort begrabenen Opfer des Standrechts sich erhebt. Die Mittel zur Unterhaltung dieser historischen Grabstätte werden aus einem Fonds bestritten, der von einem aus Sozial- demokraten und bürgerlichen Demokraten zusammengesetzten Ausschuß verwaltet wird. Eine Personalveränderung" ist dabei in letzter Zeit eingetreten: an Stelle des ver- storbenen Dreesbach ist Genosse Wilh. B l o S kooptiert worden. Die Mittel dieses Fonds, den Herr Franz Peter in Achern ver- waltet, bestehen in einem Bankguthaben an die dortige Sparkasse in der Höhe von 984,l3 M., verzinslich zu S'/., Proz. Von einem Teil dieser Zinsen sind im vorigen Jahre Forderungen von 17,75 M. für gärtnerische Arbeit und Kranzspende beglichen worden. Wenn die Parteigenossen Veranlassung finden, diesem noch recht bescheidenen Fonds' etwas zuzuwenden, genügt die oben bezeichnete Adresse der Verwaltung in Achern(Baden). Die bürgerliche Demokratie im Bülowkurs unserer Tage hat für die Erinnerung an die Freischärler doch nichts übrig. Johann Kaskc wird gebeten, seine Adresse an seinen Stiefvater Ferdinand Holzeudorf, 1437 Washington Avenue, Alleghany, U. St. America, aufzugeben. Dir Sozialdemokratische Partei Ungarns hält am 31. März, 1. und 2. April(während den Ofterfeiertage) ihren 14. Partei- kongreß mit folgender provisorischer Tagesordnung ab: 1. Bericht der Parteileitung.; 2. Bericht der Ksutrolllommission; 3. Der Kampf für das allgemeine Wahlrecht; 4. Die Sozialpolitik der Regierung: aj Das Streikgesetz, b) Das Kranken- und Unfallversickierungsgesetz; 5. Parteiagilation und Parteipresje; 6. Gemeiudepolilik; 7. Der internationale Kongreß im Jahre 1907. 8. Wahl der Parteileittmg; 9. Anträge. Die belgische Arbeiterpartei zählt jetzt 124 519 einzelne Mit« Glieder. Es sind das 7000 mehr als im Vorjahre. Im laufenden iahre hofft die Partei noch größere Fortschritte zu macyen. poUteUicbcs» Ocricbtlicbea iilrc. Sirafkontv der Presse. Zu den letzten Verurteilungen zu Elberfeld wird uns noch geschrieben: Ein scharfer Wind weht zurzeit wieder an der E l b e r- selber Strafkammer. Nachdem am 21. d. M. die Genossen Deisel von der„Bergischen Arbeiterstimme" und Grütz von der „Rcmschcider Arbeiterzeitung" zu zwei Monaten drei Wochen bczw. zu einem Monat Gefängnis wegen Beleidigung eines Rektors und eines Amtsrichters verurteilt worden, erhielt am 23. d. M. Genosse' Eb erle von der.Freien Presse" 800 M. Geldstrafe wegen Beleidigung des Herausgebers und Re- dakteurS der Bergisch-Marl. Zeitung" Bacmeister zudiktiert. DaS letzte Urteil ist besonders bemerkenswert. Bacmeister druckt in setner Zeitung mit Vorliebe die Reichsverbandslügen über die Sozialdemokratie ab, wofür ihm dann einmal von der »Freien Presse" die gebührende Züchtigung zuteil wurde. B. strengte Privatbeleidigungsklage an, doch in der ersten Verhandlung am Schöffengericht war der moralisch Verurteilte der Bacmeister; Eberls erhielt wegen for- »neller Beleidigung 20 M. Geldstrafe. Die Strafkammer erhöhte aber die Strafe auf 300 M. Die Begründung des Urteils ist sehr bezeichnend. In der Bekämpfung der Sozialdemo- kratie habe Bacmeister sich besonders hervor- Se t a n. Wenn das Berufungsgericht trotzdem nicht der jetzt blichen Praxis gefolgt sei, die bei Privatbeleidigunzs- vrozeffen in erster Instanz auf Geldstrafe lautenden Urteile in Gefängnisstrafe umzuwandeln, so nur auS de m Grunde, weil es sich um eine Prestfehde handele. Ferner stellte das Gericht den merkwürdigen Grundsatz auf, B. habe durchaus nichts Unrechtes getan, wenn er aus Artikeln einige Sätze, die ihm besonder« zweckmäßig erschienen, veröffentlichte. Ihn der Unter- schlagung zu bezichtigen, weil er nicht den fraglichen Abschnitt des Artikels ganz gebracht, sei eine»schwere Beleidigung" und deshalb die hohe Geldstrafe._ parlamcntarlfcbcös Die sozialdemekratische Fraktion hat im Reichstage einen Gesetz- entwurf betreffend den Sckniy der Arbeiter des Baugewerbes, sowie einen Gesetzentwurf betreffend die Haus- und Heimarbeiter und die Hausgewerbetreibenden und einen Abänderungseiuwurf zu den §Z 105 und 133 der Gewerbeordnung und 74, 75, 7V des Handels gesetzbuches eingebracht.— Andere Anträge der Fraktion erstreben Neueinteilung der Wahlkreise unter Einfilhrung des Proportional- Wahlsystems, des Frauenwahlrechts und der dreijährigen Legislatur Perioden, ferner Regelung der Verbältnisse der Privatbeamten. Die Freisinnigen haben Anträge eingereicht, die bezwecken: Regelung des Strafvollzugs, Beseitigung des Zeugniszwangcs gegen die Presse und andere Verbesserungen für die Iustizreform anzu- regen; Neuregelung der Bezüge der Reichsangestellten; Regelung des Submissionsverfahrens; Wahlrechtsschutz; Erhöhung der Beihülfen an Kriegsteilnehmer; Miiiistervcrantwortlichkeitsgesetz; Vereinheit- lichung des Wechsclrechts; Einführung von Arbeitskammern für die in der Industrie und in Bergwerken beschäftigten Arbeiter; Aenderung de? Krankenversicherungsgesetzes(Beseitigung der»gegen- wältigen Zersplitterung" usw.); Einfügungen in die Strafprozeß- Ordnung§§ 62 und III(zum Zweck verbesserten Schutzes der Ab geordnetenimmunität); Schaffung eines Reichs- Vereins« und Versammlungsrechts; Verstärkung des Schutzes des Koalitions rechts.-- Ein Antrag Hieber beschäftigt sich mit WohnungSreform, ein Arttrag Hitze mit der Hausindustrie(Heimarbeit), ein Antrag v. Bothmer mit der Volksvertretung in den Bundesstaaten, ein Antrag Beck mit dem unlauteren Wettbewerb, ein Anttag Schönaich-Carolath mit dem Automobilverkehr und ein Autrag O r r o l a mit den Beihülsen für Kriegsteilnehmer. Soziales. Wsrmmß vor Anlockungen«ach Südamerika. Ostpreußisch» Landarbeiter zur Auswanderung nach Südamerika gefacht werden dieser j£age in Königsberger bürgerlichen Zeitungen Von einem Dr. Rose, der in einem Hotel täglich ewe Anzahl sich bei ihm meldender Familien anwirbt, trotzdem er in den Inseraten nur 1 bi» 2 tüchtige Maurer oder Landarbeiter- familien bei freier Reise, hohem Lohn und Deputat zur sofortigen Abreise nach Südamerika (Montevideo) sucht. Bon den zahlreichen Familien, die sich jetzt in der arbeitslosen Zeit durch die vielversprechenden Inserate ver- leiten ließen, mit dem Herrn Dr. Rose in Verbindung zn treten. sind denn doch verschiedene zurückgeschreckt, nachdem sie den ihnen eingehändigten Konttaft durchstudiert haben. Und in der Tat, ver- kaust und verraten, der Rot und der Sklaverei überliefert ist der jenige fichar, der aus diesen Berttag hin die Reise nach Amerika antritt. In diesem Konttakt wird der Direktor der Crange Modelo Saijago ben Montevideo als Arbeitgeber bezeichnet. Der sich bei ihm vermietende Maurer oder Landarbeiter verpflichtet fich, am 1. April 1907 mit seiner Familie in den Dienst der Cranja Modelo zu tteten und alle ihm erteilten Aufträge gewissenhaft auszuführen. Die Frau verpflichtet sich, täglich morgens und abends zu melken, und falls sie verhindert ist, eine geeignete Person als Ersatz zu stellen. Dafür erhält fie monatlich 3 M. Der Arbeitnehmer verpflichtet sich außerdem noch einen Schar- werker zu stellen. In bezug auf Arbeitszeit und Arbeitsordnung bleibt der Arbeit- nehmer vollständig im unklaren und das ist bezeichnend. Denn diese Festsetzungen, heißt es im Konttakt, werden erst an Ort und Stelle von der Cranja Modelo erlasien. Aber Sttafen wegen Dienst- vergehen find bereits im Konttakt für jeden Fall. Verspätung, Ver- fäumnis und dergleichen mit einer Mark vorgesehen. Lohn und Deputat ist, nach amerikanischen Verhält- Nissen gerechnet, äußerst gering. Der schwerwiegendste Passus dieses Vertrages aber, der geeignet ist, den hinübergelocklen Arbeitnehmer in der neuen Welt auch an die schlechteste, unerttäglichste Arbeitsstelle wie einen gekauften Sklaven festzuhalten, ist folgender: „Dieser Vertrag wird auf drei Jahre abgeschlossen. Die Arbeitnehmer erhalten die Uebersahrtskosten mit Zwischendeck von Hamburg oder Bremen nach Montevideo vergütet, sind aber verpflichtet, falls sie den Kontrakt nicht aushalten, dieselben zurückzuzahlen. Als Sicherheit darf der Arbeitgeber 20 Proz. des Lohnes bis zur Höhe der Reisekosten»in- behalten und die sämtlichen Sachen des Arbeit- nehmers mit Beschlag belegen." Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß Dr. Rose nicht nur in Ostpreußen, sondern auch in anderen Landesteilen auftauchen wird, um Handiverker und Landarbeiterfamilien für südamerikanische Aus- beuter anzuwerben. Es sei daher vor ihm gewarnt. Nicht im Interesse der ostelbischen Junker, die sich durch bessere Behandlung ihrer Arbeiter selbst vor Leutenot schützen können, sondern weil wir wissen, welches Los die ländlichen Auswanderer drüben erwartet, die sich auf solch einen Kontrakt festlegen. Für oen Charakter der kapitalistischen Zeitungen ist es übrigens bezeichnend, daß sie im redaktionellen Teil sich fortgesetzt über die Abwanderung der Landarbeiter nach dem Westen entrüsten, ja sogar die Beschränkung der Freizügigkeit empfehlen. In ihrem Inseraten- teil aber findet man täglich Annoncen, in denen Arbeiterfamilien und Dienstmädchen aus ihrer Heimat, in der es ihnen ja nach diesen Blättern durchaus gut gehen soll, fortgelockt werden. seinerzeit mit ben Neuforderungen der Arbeitnehmer im Dach- deckergewerbe Groß-Berlins. Die„Christlichen" hatten, wie gewöhnlich, bereits eine geringere Lohnforderung, nämlich 85 Pf. Minimalstundenlohn neben der achtstündigen Arbeits- zeit ausgestellt, während die Zentralorganisierten 90 Pf. forderten. Die Kommission des nettgegründeten Arbeitgeber- Verbandes wies nun eine Mitgliederzahl von 15 Personen auf, während die beiden anderen nur je 5 Mitglieder zählten. Gegen diese ungleiche Vertretung protestierten die Mitglieder des Zentralverbandes und verlangten eine gleich große Mit- gliederzahl von 15 Personen stellen zu können; ein Ver langen, dem jedoch von Unternehmerseite nicht entsprochen wurde. Als nun die zentralorganisierten Arbeitnehmer Vor schlüge der Meister zur Herbeiführung einer neuen Vereiu barung zu hören wünschten, lehnten diese solches ab mit dem Verlangen, die Gesellen möchten zuerst solche machen. Diese erklärten darauf, daß auch sie dann keine Veranlassung hätten. aus ihrer Reserve herauszutreten und verließen auf Verl anlassung der Meister das Verhand-lungslokal.— Nachdem nun bereits früher eine Verbandsversammlung der Arbeit geber alle Forderungen als nicht annehmbar abgelehnt hatte. sind die Verhandlungen vorläufig als vollständig gescheitert zu betrachten. Doch nun begannen die Verhandlungen mit den „Christliche n", und diese ließen sich bald bereit finden einem neuen Vorschlage der Unternehmer zuzustimmen, der folgendes besagt: „Erreichen die Maurer und Zimmerer eine Erhöhung des Minimalstundenlohnes und eine Verkürzung der Arbeitszeit, so werden diese günstigen Bedingungen auch den christlich organi. sierten Dachdeckergesellen eingeräumt." Vorbehaltlich der Zustimmung der beiderseitigen Generalversammlungen sollen diese Vereinbarungen nach Ab lauf des bestehenden Vertrages in Kraft treten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die„Christlichen" dem ersten Schritt zum Verrat weitere folgen lassen und nach dem wenig rühmlichen Vorbilde an anderen Orten den Streikbrecherzuzug nach Berlin organisieren, falls die freien Gewerkschaftler nicht gut willig zu den von den Unternehmern diktierten, von den „Christen" akzeptierten Bedingungen arbeiten wollen. Se�erkscbaMLcbes. Ein„christlicher" Verrat in Berlin. Tie„Christlichen" sind auch in Berlin wieder an der Arbeit, ihren Kollegen in den Rücken zu fallen. Hier sind cs die Dachdeckergesellen, die Sonderverträge zum Nachteil der Zentralorganisierten mit den Unternehmern ab- Zuschließen im Begriff stehen. Eine gemeinsame Sitzung der drei Kommissionen— des Zentralverbandes, des christlichen Verbandes»nd des Ardeitgebervertzan�s— beschäftigte sich Berlin und Clmgtgend. Der Kampf in der Holzindustrie. In der Versammlung der Ausgesperrten, welche gestern vor mittag in der„Neuen Welt" abgehalten wurde, erstattete S t u s ch den Situationsbericht. Er sagte unter anderem: Am Sonnabend. den 10. Februar, betrug die Zahl der Ausgesperrten und Streikenden 6773. Im Laufe der vorigen Woche sind SO Arbeiter ausgesperrt und 30 haben die Arbeit niedergelegt. 273 sind abgereist oder in Arbeit getreten. Am Sonnabend, den 23. Februar, waren demnach 6628 Ausgesperrte und Streikende vorhanden, das sind 145 weniger wie am 16. Februar.— Der Redner teilte verschiedene Einzelfälle mit, welche zeigen, daß die aussperrenden Arbeitgeber eifrig br müht find. Arbeitswillige zu bekommen, die nicht dem Holzarbeiter verband angehören, daß aber derartige Bemühungen keinen Erfolg haben. Der Hirsch-Dunckersche Geweickverein betreibt den Streik bruch systematisch, und zwar in solcher Weise, daß eS selbst den Mit gliedern des Gewerkvereins zu bunt wird. So sind kürzlich zwei Gewerkvereinler durch ihre Organisation nach einem Betriebe zur Arbeit geschickt, wo die Arbeiter ausgesperrt sind. Die beiden Mit- glieder weigerten sich, dort in Arbeit zu treten. Da wurde ihnen von der Leitung der Organisation gedroht, daß sie k e i n e U n t e r stützung erhalten, wenn sie die Streikbrecher arbeit nicht annehmen. Die Drohung hatte in diesem Falle keinen Erfolg, denn die beiden Gewerkvereinler nahmen die Arbeit nicht an und traten zum Holzarbeiterverband über. Für die Treppengeländerarbeiten auf Bauten ist eine vollständige Streikbrecherkolonne von den Hirsch-Duncker schen gebildet worden. DaS Treiben dieser Leute soll jedoch dadurch vereitelt werden, daß die Bauhandwerker aller Berufe veranlaßt werden, die Arbeit niederzulegen, wenn die Streik brecherkolonne auf dem Bau erscheint.— In Bernau und Spandau wird es am 1. März auch zur Aussperrung kommen. Die Vertragsverhandlungen in beiden Orten hatten sich zerschlagen, besonders deshalb, weil die Unternehmer den Ab lauf des Vertrages auf den 1. Dezember oder den 1. Februar fest setzen wollten, also auf eine Zeit, wo die Konjunktur im Gewerbe am ungünstigsten ist. Es soll nach Angabe der Unternehmer die Absicht bestehen, alle Verträge im ganzen Reiche so abzuschließen, daß sie zu demselben Zeitpunkt enden. In Bernau und Spandau ist der Holzarbeiterverband auf dieses Ansinnen nicht eingegangen und nun wird dort, wie gesagt, die Aussperrung beginnen. Au' die Haltung der Ausgesperrten in Berlin kann das natürlich keinen Einfluß ausüben. Auch die Unternehmer in Steglitz, Wilmersdorf und anderen Vororten haben ein Schreiben an den Holzarbeiter» Verband gerichtet, worin sie mit der Aussperrung drohen, falls der Verband nicht die Posten einziehe, die in Steglitz ausgestellt sein sollen, um zu beobachten, wo Berliner Streikarbeit gemacht wird. Da der Verband von Streikposten in Steglitz nichts weiß, so ist abzuwarten, was auS dieser Angelegenheit wird.— Sein allgemeines Urteil über die Lage faßte der Redner dahin zu sammen: Wenn die Unternehmer die jetzt beginnende günstige Konjunktur vorübergehen lasten, ohne den Kampf zu beenden, dann könne derselbe noch bis in den Mai hinein dauern. Damit müßten die Ausgesperrten rechnen. ES sei aber nicht daran zu denken, daß selbst bei einer solchen Ausdehnung des Kampfes der Holzarbeiter-Verband besiegt werden könne. Ueber den Ursprung des Rachebriefes, den die letzte Nummer der„Fachzeitting" ihren Lesern vorlegte, und der auch von uns erwähnt worden ist, machten S t u s ch e und Maaß Mitteilungen. Danach ist das betreffende Schriftstück in den Händen de» Tischlermeisters Jarotzki, Oranienstraße. zuerst gesehen worden.— Nach der Behauptung der„Fachzeitung" soll der Brief durch die Post„An die Tischler" der betreffenden Firma gelangt und von diesen dem Arbeitgeber übergeben worden sein Herr Jarotzki, ein Mitglied der Schlichtungskommission, hat den Brief seinem Werkführer— offen— gezeigt, dieser hat das Machwerk dem einzigen Arbeitsloilligen, der in der Werkstatt beschäftigt ist, vorgelegt und von da ist es in die Hände des Herrn Jarotzki zurückgelangt. Der Vorgang mit dem angeblichen Rachebriefc hat sich hiernach anders abgespielt, wie die„Fach- zeitung" angibt, aber es handelt sich um dasselbe Machwerk, welches Die„Fachzeitung" benutzt hat. um den Holzarbeiter-Verband ver- leumdcrisch zu verdächtigen. Für die arbeitslosen Holzarbeiter fand äm Tomierstagnachmitttrg eine besondere Versammln,�, im GeWerk- schaftshause statt. S t u s ch e erstattete Bericht über die Situation der Aussperrung und wandte fich cm die Arbeitslosen mit dem Er- suchen, daß sie den Ausgesperrten insofern zur Seite stehen, als sie dieselben im Streikpostenstehen unterstützen. Weiter teilte der Redner mit. daß die in Arbeit stehenden Kollegen bereit sind, außer den beicklosscnen Erirabeit ragen noch freiwillige Beiträge für die Untcritützung der Ausgesperrten zn zahlen. Aus eigenem Antriebe seien die arbeitenden Kollegen des Bezirks Südwest aus den Ge- danken gekommen, dies Opfer im Jntereste der Ausgesperrten zu bringen und nunmehr einen wöchentlichen Beitrag von 3 Mark während der Dauer deS Kampfes zu entrichten. Der Verbands- vorstand werde auch eine Extrasteuer für gar� Deutschland aus- schreiben, um dadurch den Kampf in Berlin zu uuterstützcn. Die Hoffnung der Unternehmer, daß der Verband sich aus Mangel an Gold untcnpcrfen müsse, werde aus keinen Fall verwirklicht werden._ Zur Aussperrung der Hrrrenmaßschneidrr. Wie aus der gestrigen Nu> iiiner deS„Vorwärts" zu ersehen, haben die Arbeitgeber in einer öffentlichen Versammlung den dort anwesenden Geschäftsinhabern nicht das Antwortschreiben des Schneiderverbandes, sondern ein Zirkular, welches an sämtliche Berliner Arbeitgeber gerichtet war. bekannt gegeben. Form und Inhalt deutet aber daraus hin, daß dieses Anschreiben nicht die Antwort auf das Anschreiben der Arbeitgeber sein konnte. Auch die Tatsache, daß dieses Schreiben gedruckt vorlag, müßte doch auf- fallen. Ein an den Vorstand einer Organisation gerichtetes Schreiben läßt man doÄ nicht drucken. Um nun den Mitgliedern der Arbeitgeberorganisation das Schreiben des Verbandes zur Kenntnis zu bringen, lassen wir dasselbe hier folgen: Verband der Schneider und Schneiderinnen und verwandten Berufsgenossen Berlin, 26. 2. 07. Deutschlands (Filiale Berlin) Engel-Ufer 21, pari. Telephon: Amt IV. Nr. 9897. Verband Berliner Gewerbetreibend« in der Herren-Matzschneideret Hier C. Niederwallstt. 21. Antwortlich Ihres Geehrten vom 21. d. Mts. bringen wir Ihnen zur Kenntnis, daß wir auf Ihren Vorschlag bezüglich der Tarifregulierung im Hochsommer nicht eingehen. Ihr Bedauern darüber, daß Verhandlungen nicht schon im November vorigen Jahres stattgefunden haben, beruht aber doch nicht aus einem Verschulden unsererseits. Wenn Sie diese Arbeit gerne im November gemacht hätten, war ja nur nötig, daß Sie uns davon in Kenntnis setzten. In dieser Angelegenheit hätten Sie uns im November ebenso gut bereit gefunden, wie wir auch jetzt bereit sind, mit Ihnen über die künstige Gestaltung der Dinge zu verhandeln. Hochachtend Für den Verband der Schneider und Schneiderinnen. I. A.: Fr. Kunze. - Ob man absichtlich Verwirrung in die Reihen der Arbeitgeber bringen will, oder ob dies der Arbeitgeberverbandsleitung so gelingt, vermögen wir im Augenblick nicht festzustellen. Die Arbeitgeber haben eine Vergleichstabelle ausgearbeitet, die Dernburgschen In- venturen sehr ähnlich sieht. Einzelne Posittonen, die früher zugestandenermaßen zu niedrig bezahlt wurden, sind als Karnickel aufgeführt, um so dem staunenden Zeit- tenossen die Unverschämtheit der Schneider zu demonsttieren. )aß man bei der Tabelle der Arbeitgeber auf die Berschiedenarttgleit der Tarisverhältnisie keine Rücksicht genommen hat, versteht sich am Rande. Würde man das getan haben, wäre aber auch mit der ganzen Aufmachung nichts anzufangen. Die ganze Handlungsweise der Arbeit- geber muter an wie die Geschichte mit dem Wolf und dem Lamm, das dem Wolf, der oben am Bache ttank, das Wasier ttübte. Auf die von den Arbeitgebern am Mittwochabend erfolgte Be- schlußfasiung, die Aussperrung am Sonnabend v o r z u- nehmen, antworteten gestern in einer Reihe namhafter Firmen die Arbeiter mit dem Streik. Die Tatsache, daß die Arbeiter den Unternehmern noch die nötigste Arbelt fertig machen sollten, bevor die Ans- sperrung vorgenommen werden sollte, wirtte so empörend, daß die Arbeit niedergelegt wurde, ohne daß man einen Beschluß der Orgainsatton abwartete. Die Arbeitsniederlegung erfolgte indes nnr bei Mitgliedern des Arbeitgeberverbandes. Bis zur Stunde haben ungefähr 8— 900 Arbeiter die Betriebe verlassen. DaS Zenttalstreikbureau befindet sich in den Armin- hallen. Dort wird auch den Mitgliedern jede Auskunst erteilt. Die ausgesperrten Automobilführcr haben wieder einen Erfolg zu verzeichnen. Die Firma„Globus" hat ihren Frieden mit der Organisation der Fahrer gemacht unter den Bedingungen, wie sie in der Versammlung vom letzten Montag angenommen wurden. Diese Firma hat 6 Wagen in ihrem Betrieb und beschäftigt 13 Fahrer.— Weitere Unterhandlungen werden gepflogen und man erwartet die Zustimmung weiterer Firmen. Die Ausgesperrten sind einig in dem Bestreben, fest anszuhalten und nicht weiter nachzugeben. Zum 1. März ist wieder ein M i e t s. zuschuß vom Verband bewilligt worden. Bei den Untexnchmcrn wird dagegen die Unzufriedenheit mit der ganzen Situation immer größer. Einige haben einen guten Ausweg gefunden, um sich schadlos zu halten. Sie lasten nämlich einen Teil ihrer Wagen unter„falscher Flagge", d. h. bei einer anderenFirma fahren und zwar unter den alten Bedingungen; sie zahlen den Fahrern 25 Proz., wie früher üblich, und machen dabei sehr gute Geschäfte. So helfen sie sich, aus Furcht, daß ihr Rücktritt vom Verein ihnen materiellen Schaden bringen könnte. DachdeckerhülfSarbeiter und Bauarbeiter. Die Sperre über die Dachdeckerfirma K. G i e r t h, Charlottenburg, Kantstr. 82, ist auf- gehoben. Die bestehenden Differenzen sind durch Verhandlung bei- gelegt. Verband der baugewerblichen Hülföarbeiter. Achtung, Tapezierer! Nachdem die letzte Verbandsversamm- lung die Forderungen reduziert, die Sektionsversammlung der Kleber des Verbandes die Forderungen vollständig hat fallen lassen, verpflichten wir die unserer Organisation angeschlossenen Kollegen, auf allen Bauten und in allen Werkstätten die von Verbandsseite hochgehaltenen Forderungen: die öOstündige Arbeitszeit und den 70.Pfennig-Stundenlohn als Mindestlohn zu verlangen. Auf die Anerkennung dieser Forderungen durch Unterschrift des Unter- nehmers dagegen verpflichten wir unsere Mitglieder nicht. Wenn in den Polstcrwerkstättcn aus diesem Anlaß Differenzen und Ar- beitsniederlcgnngcn stattfinden sollten, haben die in diesen Ac- trieben arbeitenden Kleber vor Eintritt in den Solidaritätsstreik erst der Organisation Mitteilung zu machen. Achtung, Kleber und Bauhandckoerkevl Der Unternehmer Paul Neumann, Schöncberg, Ebersstr. 36— Bau Schöneberg. Hanptstr 87/88—. ist für Kleber nach wie bor gesperrt. Die dort arbeitenden Kleber arbeiten unter den Tarifpreisen, und ersuchen wir die Banhandwerkcr, dieselben auf ihre Pflicht auf- merksam zu inachen. Der Vorstand der Freien Vereinigung der Tapezierer. Bureau: Schützenstr. 13/19. Tel. I 8090. Deutfcbe» Reich. In den Ofenfabriken Meißens stehen ernste Differenzen bevor. Die Arbeiter baben ihren Tarif gekündigt und fordern 3 0 Pf. M i n d e st st u n d e n l o h n und für Brenner ein» Maximalarbeitözeit von 12 Stunden pro Tag. Diese mehr als bescheidenen Forderungen sind von den Unternehmern rundweg abgelehnt worden. Bemerkt muß uow werden, daß die Unternehmer eine Preiskouvention gegründet und vom 1. Januar 1907 an eine loesentliche Erhöhung der Preise für ihre Fabrikate durchgesetzt haben. Dabei haben aber die Unter- lehmer schon bisher bis zu 16 Proz. Dividende für das letzte Gc- schastsjahr bezahlt. Daß sie trotz dieser für sie günstigen Umstände ablehnen, den Arbeitern die bescheidenen Forderungen zu bewilligen, ist angesichts der höchst ungesunden Arbeit in diesen Betrieben doppelt verwerflich.— Zuzug nach Meißen ist streng f«,izuhaltc.i. £liislanä. Stteikdrechcrsuche in Italien. „ Rom, 26. Februar.(Eig. Ber.) s s veröffentlicht einen Aufruf deö Sekretärs der Gewerkschaft der italienischen Seemannschaften, in denen er die Seeleute Italiens auffordert, sich nicht für Deutschland anwerben zu lasten, da sie dadurch den deutschen Kollegen in den fallen wurdeu. Die deutschen Reeder suchten in Italien Personal, um sich für eme bevorstehende Lohnbewegung zu rüsten. War den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion bem Vublitum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. greitag, 1. Mara Anfang 7%, Uhr. Rgl. Opernhaus. Salome.( Anfang 8 Uhr.) Egl. Schauspielhaus. Ballensteins Zod. Deutsches. Das Bintermärchen. Rammerspiele. Frühlings Erwachen.( Anfang 8 Uhr.) Leffing. Hedda Gabler. Westen. Die lustige Bitwe. Lorking. Der Mikado. Urania. Wissenschaftliches Theater. 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr KonstruktionsIngenieur A. Keßner: Schmiedeeisen und Stahl. Schiller- Theater N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Der Familientag. mas Residenz- Theater. Anfang 8 Uhr. Schiller 0.( Ballner- Theater.) Jugend. Schiller Theater Charlottenburg. Fiesto. Schiller N.( Friedrich Wilhelm städtisches Theater). Der Familientag. Romische Oper. Tosla. Berliner. Der Hund von Baster bille. Bentral. Die Fledermaus. Nenes Schauspielhaus. I. Teil.( Anfang 7 Uhr.) Kleines. Ein idealer Gatte. Nenes. Nofine. Faust. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Schwant in 3 Aften v. M. Hennequin und Pierre Beber. Robert de Tribelin: Rich. Merander. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Schlafwagenkontrollenr. DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurterstr. 132. Abends 8 Uhr: Sherlod Holmes. Morgen nachmittag 4 Uhr: Not: täppchen. Abends 8 Uhr: Groke Benefizvorstellung für den ReSchiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Ballner- Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Jugend. Liebesbrama in 3 Aufzügen bon Mag Halbe. Sonnabend, abends 8 Uhr: Bum erstenmal: Narrenglanz. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Maria Stuart. Sonntag, abends 8 Uhr: Narrenglanz. Schiller- Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Ubr: Die Verschwörung des Fiesko zu Genua. Ein republikanisches Trauerspiel in 5 Aufzügen von Friedrich Schiller. Sonnabend, abends 8 Ubr: Im bunten Rock. Sonntag, nad m. 3 Ubr: Der Pfarrer v. Kirchfeld. Sonntag, abends 8 Uhr: Weh' dem der lügt. ZirkusSchumann den Heute Freitag, den 1. März: Beginn der Großen Internationalen ingkampf- Konkurrenz Folies Caprice. Linienftr. 132, an der Friedrichftr. Heute abend 8 Uhr: 10 000 Gulden Mitgift. Glänzend neuer Soloteil: Im Inspektionszimmer. Borverkauf an der Theaterkaffe und bei Wertheim. Brunnen- Theater Gesundbrunnen. Badstraße 58. Direftion: Bernhard Rose. Der Herr Stadtmusikus und seine Kapelle. Boltsstüd init Gesang in 5 Aufzügen. Staffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Billett vorverkauf von 10-2 Uhr an der Theaterkaffe. Kasino- Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Anfang Bochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Reichshallen- Restaurant Bockbier- Fest. Deutsch- Amerikanisches Theater, 8 Uhr:( Oper and Operette). Gastspiel des Theaters des Westens ,, Cousin Bobby". Edmund Löwe a. G. Sonntag 3 Uhr, halbe Preise: Zar und Zimmermann. Das neue Mary- Programm. Buggenhagen Goldenen Kranz von Berlin- Ledige Leute. 10000 Mark Donnerstag 6. erstenmal: Nick Carter. 1. Preis 5000 Mart. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. 2. Preis 3000 D in bar. 3. Breis 1250 Bisher haben sich folgende namhafte Ringer gemeldet: Deutschland,| Perouse Residenz Haben Sie nichts zu giffeur Hugo Hummel: Marianne, Jacob Koch, Beltmeisterschafts- Albin Kutschke berzollen? Luftpielhaus. Husarenfieber. ein Weib aus dem Volke. 4. Preis 750 ringer von Europa 1904-1905 Pietro le Basque von Fritz MüllerDeng, Amerikautiches. Couſin Metropol- Theater Goors Oettinger, Weitertemberg Paul Moldt Thalia. Eine lustige Doppelebe. Luifen. Der Erbe von Basterville. Trianon. Frl Josette meine Frau. Bernhard Rose. Sherlod Holmes. Wetropol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Gerrnfeld. Ein verrüdies Hotel. Wintergarten. Dito Steutter. Spezialitäten. Apollo. Bernhard Mörbtz. Spe zialitäten. Rafino. Ledige Leute. Spezialität. Folies Caprice. Im Café Abelles. Ein Klabriasprozeß. Paffage. Spezialitäten. Prater Theater. Preciosa. Figaro. Paul Scheerbart- Abend. ( Anfang 8%, Uhr.) Walhalla. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Zaubenstraße 48/49. 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erbe. Abends 8 Uhr: Der Teufel lacht dazu. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von 19 Clement le Boucher. Frankreich Sabes. Schackmann Deutschland Enrico Bouchioni Milo 9 . .Frankreich Leipzig Spanien Prater- Theater Kaftanten Allee 7-9. Heute abend 8 Uhr: Preciosa. Morgen: Bayern Schauspiel m. Gef. in 4 Att. v. Wolff. Berlin .Frankreich Italien Geschlossen. oan Trianon- Theater. Paul Bahn, Meisterringer von Bremen Dirk van den Berg, Champion bon Stallen Amsterdam Eduard Ritzler. Bürttemberg Frankreich Paul Pons, eltmeisterringer bon Steiermart Frankreich Marinus van Riel Le Colosse Heinr. Lobmayer Viktor Hollaender. Dirigent Max Amalhou, Champion Roth. In Szene gesetzt von Wenzel Kouba, Champion Direktor Richard Schultz. Chemjakin Massary. Wolff. Bender. Limousin. Giampietro. Josephi. Rauchen überall gestattet.. Sonntag, 3. März, nachm. 3 Uhr: Auf in's Metropol. Laurent de Lyon a 9,30 pollo Theater Die 9,30 Hörsaal& Uhr: Konstrutions. 3 goldenen Jungfrauen. Ingenieur A. Keßner: Schmiede eifen und Stahl. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Ferdinand Bonns 10 Uhr! 10 Uhr! Bernhard Mörbitz als Blumenlili, Biccolo u. als billiger August. Außerdem: Berliner Theater. Debuts der neuen Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Der Hund von Baskerville. Sonnabend, Sonntag, Montag: Der Hund von Baskerville. Neues Schauspielhaus Freitag, den 1. März 1907: Gaftspiel Josef Kainz: Faust. I. Teil. Anfang 7 Uhr. Sonnabend Gaftip. Josef Kainz: Faust. 1. Tell. Anfang 7 Uht. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Gaftspiel Suzanne Desprès: Rosine. Sonnabend leptes Gaftfp. Suzanne Desprès: Gioconda. Sonntag: Meißner Porzellan. Kleines Theater. Abends 8 Uhr zum 173. Male: Ein idealer Gatte. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtash!. Abends 8 Uhr: Die Stralle. Montag: Eine triviale Stomödie für feriöse Leute.( Bunbury.) Lortzing Theater Bellealliancestr. 7/8. Abends 7, Uhr: Der Mikado. Abonnements gültig! Sonnabend nachm. 3, Uhr: Gänseliesel. Abends 7%, Uhr: Die lustigen Weiber von Windsor. Gebr. Herrnfeld8 Uhr. Theater Bordert. 57 Kommandantenstr. 57. Die stürmisch bejubelte Novität Ein verrücktes Hotel Komödie in 3 aften mit den Autoren A. und D. Herrnfeld in den Hauptrollen. Sonntag, ben 3. März, nachmittags 3, Uhr, b. halben Stassenpreisen: Hausierer Jockell und Die letzte Ehre mit A. und D. Herrnfeld. WINT BARTEN Charlotte Wiehe. Paul Conchas, der, Armeeherkules". Die 4 Athletas, Kraftproduktionen. Die Obersteirer, Gesangs- Ensemble. Salerno, Jongleur. ,, Die Hand", Pantomime in 1 Akt. Stelling und Revell, Komische Reckturner. Luise Angerer, Opernsängerin. Barber Ritchie, KomischeRadfahrer. Lustspielhaus. Mis Orfords dressierte Elefanten. Zäglich abends 8 Uhr: Husarenfieber. Zentral- Theater. Operette.) 8 Uhr: Die Fledermaus. Sonnabenb: Der Rastelbinder. Luisen- Theater Reichenbergerftr. 34. Anfang 8 Uhr. Der Erbe von Baskerville. ( Der Hund von Baskerville.) Sonnabend 4 Uhr Kindervorstellung, fleine Preise: Sneewittchen und die fieben Zwerge. Abends 8 Uhr: Der lange Stert. Auf dem Balle, Ballettszene ausgeführt von der Tiller- Truppe, London. Der Biograph. Goltzstr. 9 Schöneberg, Goltzstr. 9 Gustav Behrens Theater früher Schöneberger Wintergarten. 密 53 密 Sonntag 3 Uhr: Der Erbe v. Basler Eröffnung Sonnabend, 2. März ville. 8 Uhr: Der Hüttenbefizer. Montag: Die schöne Ungarin. mit einem erstklassigen Programm. . Anfang 8 Uhr. Charlottenburg Fräulein Josette- meine Frau. bon frila Albert Sturm von Böhmen Axel Krook, Champion von Schweden Rußland Iwan Romanoff, Champion v. Rußland Frankreich Bambulos, Champion von Westindien Karaman, Champion der Türkei Huismann. England Omer de Boullion, Champion v. Belgien Clement le Terrassier Belgien Dänemark Parigol. Joss Hansen. Ursusjankowsky, Champion von Bolen Victor Marchand Frankreich Spanien .Frankreich Weitere Meldungen stehen noch aus. Die Teilnahme an der Konkurrenz steht jedem erstklassigen Ringer von Beruf frei. Die Stämpfe stehen unter der Aufsicht und Leitung eines un parteiischen Schiedsgerichts, welches aus angesehenen Sportsleuten und Mitgliedern der Bresse zusammengestellt ist und ausreichende Gewähr für Sportliche reelle Stämpfe bietet. Um 9 Uhr: Größtes PrachtFamilie Magnani. Gerner: Borher: Gala- Programm unb nette Debüts. U. a. sum erftenmal: Richard Sawades Raubtiergruppe St. Hubertus weltberühmte und Zirkus Busch. Heute Freitag, den 1. März 1907 Anfang der Magen Schaustück. Gr. Internationalen Ringkampf- Sonder- Konkurrenz Prämien 10 000 M. Ferner dem Sieger als Ehrenpreis: OP Ringer Bronze Statue modelliert und gestiftet von Profeffor Reinhold Begas und der große Gold- Pokal, gestiftet bon der Sportredaktion ber Tageszeitung Das Deutsche Blatt". Chrenprotektorat: Profeffor Reinhold Bejas. Schlebsgericht: G. Kalitzki, Meisterringer und Lehrer der I. Atademie für Ringlampf, Berlin; von Guretzki, Storrespondent der Juftr. Athlet. Sport- 8tg."; Dbmann Alfred Kube fowie die Herren Ehrenschiedsrichter der Presse. Es ringen: Padoubny( Rußland) gegen Albane( franz. Schweiz). Vrancken( Belgien) Cazeau de la Bastide ( Frankreich) Pengal( Türkei). Jaroslaw( Polen). Ferner: Debut der Perez- Truppe" u. d. gr. Gala- Programm fotote Rom", srokes Original- Manege- Schauftück W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenftr. 16. Heute: Geschlossen. Sonnabend megen Privatfeftlichkeit: Keine Vorstellung. Sonntag und Montag: Hexen- Hans. Dienstag: Carmen. Passage- Theater. Jeben Abend: Mal was Anderes! Burleste Boffe von Leop. Elh. In den Hauptrollen: Josefine Dora, Georg Kaiser, Martin Bendix, Ernst Kettner. Außerdem: Die großartigen 10 März- Spezialitäten. Palast- Theater. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Heute 8 Uhr: Vollständig neuer Spielplan. 12 Attraktionen 12 Entree 50 Pf. Familienkarten, mochentags zum halben Staffenpreis gültig, in Barbier, in 7 Bildern. ValhallaWa Variete Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Heute zum 1. Male: Das neue März- Programm. 5 Geschwister Péréz Gymnastiker auf 3 freistehenden Leitern. 2 vorzügliche Soubretten. 2 ausgezeichnete Humoristen. 15 großartige Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Otto Pritzkow, Münzstr. 16, Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien. in Vereinen jederzeit. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Liebesfchaufel. Softbufer Moritz- Platz. Täglich: k. Urfidele. Stimmung. Doppel- Konzert. m Schuhplattler. e Umzug des Zirkusdirektors a. d. J. 1840. Colosseum Dresdenerstraße 97. Täglich: Großer Bockbier- Jubel. Sanssouci e Mufit!- Gefang! Sumer: ftraße 4a. Direktion Wilhelm Reimer. Sonnt., Mont., Donnerst.: Hoffmanns Nordd. Sänger. Heute Freitag: Gr. Elite- Soiree. ( Durchweg neues Progr.) Sonni. Bg. 5, Wochent. 8 U. Jed. Dienst. Theaterabend. Neu eröffnet! Allerlei Ueberraschungen. Grosse Betten 12 Mk. ( Oberbett, Unterbett, 2 Riffen mit doppeltgereinigten neuen Bett febern, beffere Betten 15, 19, 26 L.; 1½ fchl. 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Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: germann Raschke, Aderstr. 36, Eingang Anflamerstraße. Gesundbrunnen:. Trapp, Rügenerftr. 24, vorn part. Hals. Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Lhchenerstr. 123. Alt- Glienicke: Reinhold Schulz, Rubowerstr. 88. Seitel, Stronprinzenstraße 50, I. Charlottenburg: Guftab Sharnberg, Sesenheimerstraße 1, Ede Goethestraße, born I. Wilmersdorf- Halensee: Georg Feefe, Berlinerftr. 46, Baden. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg: Dtto Rummelsburg, Boxhagen:. Rofentran& Alt- Boghagen 56 Grünau: Otto Schröder, Wilhelmstr. 21. Rixdorf: M. Heinrich, Redarstraße 2, im Laben. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Ober- Schöneweide: Julius Grunowo, Edisonftr. 10, L Nieder- Schöneweide: Bonatowsty, Saffeltverberstr. 1d Johannisthal: Franz günold, Bismardstr. 7. Schmargendorf: Guftab Ramins! y, Cunoftraße 2. Tempelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. Adlershof: Grid Steuer, Roonſtr. 8, I Königs- Wusterhausen: Friedrich Baumann, Sudenwalder. ftraße 4b. Köpenick: Friedrich Boid, Grünftr. 4. Friedenau- Steglitz- Südende:. Bernfee, Schloßftr. 115, Gartenhaus I, in Steglig. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. Shellhase, hornstr. 15a. Mariendorf: Baul Müller, Bergstr. 35, Hof L Baumschulenweg: Stod, Ernststr. 2, II. Treptow: Rob. G ramena, Stiefholzstraße 412, Laden. Neu- Weißensee: Sturt Fuhrmann, Sedanftr. 105, parterre. Reinickendorf Ost, Wilhelmsruh und Schönholz: P. Gurich, Brovinzstraße 108, II. Tegel, Borsigwalde, Wittenan Waldmannslust, Hermsdorf und Reinickendorf- West: Paul Rienaft, Borfigwalde, Räuschstraße 10. Pankow- Niederschönhausen: G. Freiwaldt, Mühlenſtr. 73. Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankels Ablage: Bernau: Heimich Brose, Hohesteinstr. 74, part. Alfons Graz, Eichwalde, Kronprinzenstr. 82, I. Teltow: Wilhelm Stegler, obersteinweg 7. Nowawes: Wilhelm Jappe, Friedrichstraße 1. Spandau:& öppen, Jagomftr. 9. Außerdem ist fämtliche Parteiliteratur fotole alle wissenschaftlichen Auf Wunsch Vorführung Berte bort zu haben. Auch werden Inserate für Verbindung mit größter Films- den Vorwärts" entgegengenommen. Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. Bitte ausschneiden. Begründet 1873. Spezial- Hut- Engroslager. Neueste Moden der Saisor In Filzhüten, Jagdhüten, Zylinderhüten u. Chapeau claques. Einzelverkauf zu außergewöhnlich billigen und streng festen Preisen! drittes Haus vom Sonntags Neue Königstraße 48, I Treppe, Alexanderplatz. Friseur. u. Bigarrengeschäften gratis. geöffnet! Berantwortlicher Rebatteur: Sans Webe. Berlin. Für der feratenteil verantw.: Zb. Glode. Berlin. Drud u. Verlag: Bormärts udbruderei u. Berlagsanstalt Baul Ginger& Co. Werlin SW Nr. 51. 24. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Partei- Angelegenheiten. 1. Wahlkreis. Sonntag, den 8. März, abends 6 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20: Versammlung mit Frauen; hieran anschließend geselliges Beiſammensein mit Lanz. Um zahl reiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Alt Glienice. Am Sonnabend, den 2. März, abends 8 Uhr, hält der Wahlverein seine Mitgliederversammlung bei Saß ab. Auf der Tagesordnung steht: Ergänzungswahl des Vorstandes. Vortrag über Kommunalpoliti!. Referent: Genosse Grunow. Diskussion. Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindevertretung. Delegierten zur Kreis Generalversammlung und Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist es Pflicht jedes Genossen, pünktlich zu erscheinen. Die neu aufgenommenen Mitglieder werden besonders aufgefordert, in dieser Versammlung zu erscheinen. Nieder- Schönhausen. Am Sonntagmorgen 8 Uhr findet eine Flugblattverbreitung statt. Die Parteigenossen treffen sich in den Lokalen, in denen die Zahlabende abgehalten werden. Waidmannsluft und Umgegend. Die Mitgliederversammlung des Bahlvereins findet am Sonntag, den 8. März, nachmittags 4 Uhr, im Lokale der Witwe Bergemann, Stolpe( Dorf), statt. Tages ordnung: 1. Was lehren uns die Reichstagswahlen? Referent: Stadtverordneter Bagels( Rigdorf). 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Das Erscheinen eines jeden Genoffen ist Pflicht. Gleichzeitig machen wir bekannt, daß die Reichstagswählerliften bis Sonntag bestimmt abgerechnet werden müssen. Der Borstand. Berliner Nachrichten. " Freitag, 1. März 1907. R. werden bon ihnen nicht nur wohlhabende Patienten, die tüchtig dem Steuramt tomme, die Bigarrettenbestände zu revidieren habe zahlen fönnen, sondern auch minderbemittelte Leute, für die nur die und läßt sich die vorhandenen Vorräte zeigen. Er sucht dann der Krankenkasse die Kosten trägt. Diese Stassenpatienten werden Gastwirtin flarzumachen, daß die Waren ungenügend versteuert dann aber auch entsprechend schlechter verpflegt; denn selbstverständlich seien und, wenn er ein Protokoll aufnehme, eine beträchtliche Strafe haben die privaten Heilanstalten nichts zu verschenken. In der werden, daß die Frau zugestehe, es liege ein aus untenntnis bes gezahlt werden müsse. Dieser fönnte jedoch dadurch entgangen Regel fühlen fühlen sich sich die Kassenpatienten in solchen Anstalten Gesezes entstandener Irrtum vor und sie werde die Zahlung ber sehr wenig behaglich. Sie find gewöhnt an das, was die öffent Differena sofort vornehmen. Der Schwindler läßt sich dann einen lichen Krankenhäuser ihnen bieten können. Gewiß, auch das läßt Betrag von 3-5 M aushändigen und entfernt sich mit der Zunoch manches zu wünschen übrig. Aber da den öffentlichen Stranten- ficherung, daß die Angelegenheit nunmehr geordnet sei. Weigert häusern erhebliche Zuschüsse zur Verfügung stehen, so sind die Kassen sich die Frau, ohne Wissen ihres Mannes Zahlung zu leisten, so patienten hier immer noch sehr viel besser aufgehoben als in privaten sucht sie der Gauner dadurch umzustimmen, daß er droht, fofort Wahl der Anstalten, die sich selber erhalten müssen und womöglich noch einen ein Protokoll aufnehmen zu wollen. baren Gewinn abwerfen sollen. Oft wird von Kaffen- Ein großer Schuhwarendiebstahl, bei dem den Tätern für mitgliedern, die in einer privaten Heilanstalt als Patienten zweiter Nacht zum gestrigen Donnerstag in der Schuhwarenhandlung von 2500 M. Herren- und Damenstiefel in die Hände fielen, ist in der oder dritter Klaffe Aufnahme finden, dieser Unterschied zwischen Wurzel in der Kommandantenstr. 19 veriibt worden. Die Einbrecher privaten und öffentlichen Anstalten übersehen. Sie gehen in die sprengten die Ladentür und während einer der Burschen auf der private Anstalt hinein mit der Vorstellung, in ein Musterkranten- Straße Schmiere" stand, räumten die anderen unter den Lagerhaus" zu kommen, und find hinterher sehr erstaunt, daß fie etwas beständen tüchtig auf. Sie padten nicht weniger als 176 Paar ganz anderes vorfinden. Herrenstiefel, 61 Baar Damenstiefel und 10 Baar Kinderschuhe ein Vor einiger Zeit veröffentlichten wir Beschwerden aus einer und schleppten fie unbehelligt davon. folchen Anstalt, die von ihren Befizern und Leitern als„ Kranken- Selbstmord eines Treibriemenfabrikanten. Gestern vormittag haus" bezeichnet wird: wir meinen das sogenannte„ Dftfrankenhaus" hat sich der 35 Jahre alte Treibriemenfabrikant Starl Stnoll aus in der Tilsiterstraße. Bei einem Besuch, den wir dort machten, der Chauffeeftr. 23 in feiner Fabrik das Leben genommen. haben wir uns davon überzeugt, wie weit auch diese Anstalt von schnitt sich gestern morgen zum Erstaunen seiner Arbeiter einen dem Muster entfernt ist, das den an öffentliche Krankenhäuser ge- Als eine halbe Stunde später einer der Leute das Zimmer betrat, langen Lederriemen und entfernte sich damit in fein Arbeitszimmer. wöhnten Batienten vorschwebt. Aber es gibt Anstalten, in denen fand er A. an einem Hafen erhängt auf. Der Lebensmüde hatte fich es noch schlimmer zugeht. Dieser Tage gelangte an uns eine Be- mit dem Riemen, den er sich vorher selbst zurechtgeschnitten, erhängt. schwerde aus der Klinit Humboldthaus", die auf Seine Leiche wurde in das Schauhaus gebracht. Familenverhältnisse dem Grundstüde Dranienburgerstraße 67 untergebracht ist. sollen die Ursache zur Tat sein. Wir haben durch persönlichen Besuch dieser Klinik und Bon einem Lastfuhrwert überfahren und lebensgefährlich ver. durch Befragung von Patienten uns darüber informiert, letzt wurde gestern die Ehefrau Schiemfe, Rheinsbergerstr. 21 wohnFür die jüngsten Schulkinder ist oft gefordert worden, daß der was an den Beschwerden Wahres. ift. Daß über die Be- haft. In der Nähe des Wohnhauses war sie im Begriff gewesen, Unterricht nicht so früh am Tage beginnen foll, töftigung geklagt wird wie das z. B. in Berlin üblich ist. Auch der„ Vorwärts" hat diese allen Heilanstalten hören. nun, das tann man schließlich in den Fahrdamm zu überschreiten und hatte nicht das Herannahen Es ist uns aber von verschiedenen des schweren Fuhrwerts gingen so unglüdlich über die Bedauernseines Lastwagens bemerkt. Sie wurde umgerissen und die Räder Frage eine Reihe von Jahren hindurch oft genug erörtert, aber Patienten auch gefagt worden, daß in der Klinik Humboldthaus" werte hinweg, daß sie in äußerst bedenklichem Zustande in das Damals wurde uns erwidert, es gehe nicht anders". Jetzt wird eine Wanzenplage herrscht, die dort schon manchem Unglüd- Strantenhaus am Urban eingeliefert werden mußte. von der bürgerlichen Bresse gemeldet, die Schuldeputation habe be schlossen, in den Gemeindeschulen wenigstens für die achten Klassen lichen den Schlaf der Nächte geraubt hat. Wohlgemerkt: wir den Beginn des Unterrichtes um eine Stunde hinauszuschieben, so sprechen nur von Patienten dritter Klaffe. Den zahlungsfähigeren„ In Freien Stunden", die im Verlag der Buchhandlung Vorwärts Unterhaltungsliteratur. Von der i! llustrierten Wochenschrift daß hier fortan im Sommer erst um 8 Uhr und im Winter erst um Batienten zweiter oder gar erster Klaffe werden die nächtlichen in wöchentlichen heften für 10 Pf. erscheint, liegt nunmehr auch 9 Uhr angefangen werden dürfe. Die Nachricht ist leider un Wanzenjagden vermutlich erspart geblieben sein. Für Patienten der zweite Band des Jahrgangs 1906 gebunden vor. Aus dem zutreffend. Wir wünschten, daß fie wahr wäre; aber bisher erster und zweiter Klaffe dürften auch bessere Klosett- Inhalt sei erwähnt:" Der Deserteur", Roman von Rob. Buchanan; hat die Schuldeputation leinen solchen Beschluß gefaßt. berhältnisse bestehen als für die Patienten dritter Klaffe. In Bei Welten", Roman von Madame Bigot;" Der tote Zimmerneuesten Bericht über die Tätigkeit der Schulärzte und es wird uns versichert, daß fie von etwa 50 männlichen und daneben noch für unterhaltende und belehrende Notizen. Künſtle= Vorläufig handelt es sich nur um eine Anregung, die in dem dem Teil der Klinil, ben wir fahen, befinden sich nur zwei Klosetts, mann", von Fr. Gerstäder; Waldspinne" von Ruppius und" Der Weihnachtsabend" von Ch. Dickens. Ein kleines Feuilleton sorgt gegeben wird. Durch Untersuchungen, die von Schulärzten vor weiblichen Patienten benutzt werden. Die Zahl wird vielleicht doch rische und geschmackvolle Illustrationen des Malers J. Damberger genommen wurden, ist nachgewiesen worden, daß die Dauer des Schlafes bei den meisten Kindern unserer Ge- zu hoch gegriffen sein; wir selber haben sie den Patienten gegenüber München machen den Band zu Geschenkzweden sehr geeignet. meindeschulen biel zu gering ift. Schularzt Dr. Bernhard angezweifelt. Recht geben mußten wir aber denen, die es berdroß, Der Band fostet in Leinen gebunden 3,50 M., in Halbfvanshat durch Befragung von 6551 Schultindern aller Altersklassen zu daß diese Klosetts, wie sie zu wiffen glauben, auch von ge- Einband 4 M. ermitteln gesucht, wie weit die wirkliche Schlafdauer hinter der not fchlechtstranten Batienten mitbenutzt werden. Bedenklich Wir empfehlen den Band jedem Liebhaber gut ausgewählter wendigen zurückbleibt. Er hat da herausgerechnet, daß schon bei scheint uns auch die starte Belegung, bie wir in einem Raum Unterhaltungsliteratur, besonders sollte jede Bibliothek die Bände den Kindern des 6.- 7. Lebensjahres die Schlafbauer im Durchfahen. Ein sogenanntes Berliner Zimmer, das etwa 7 Meter lang, anschaffen. schnitt um 40 Minuten zu gering ist. Bei den Kindern des 6 Meter breit und 8 Meter hoch ist und ein Fenster hat, enthielt in Berlin auch durch die Parteispeditionen, sowie direkt vom Verlag, Bu beziehen durch jebe Buchhandlung und jeden Kolporteur, 7.- 8. Lebensjahres beträgt das Manko im Durchschnitt schon vier Betten und zwei als Betten dienende Chaiselongues. Die Luft Buchhandlung Vorwärts, Berlin. mehr als eine Stunde und bei den Kindern des 18. bis 14. Lebensjahres stellt es sich schließlich auf faft 1 Stunden. in diesem Raum war auch danach. Der Bericht über die Tätigkeit der Schulärzte im Jahre Freie Volksbühne. Am kommenden Sonnabend, 2. März, hält Als wir die Beschwerde über das„ Dftkrankenhaus" veröffent- Herr Dr. Leopold Hirschberg am 22. Kunstabend im Berliner Rat1905/06 teilt das Ergebnis dieser Untersuchungen mit und lichten, fügten wir hinzu, die Vorstände von Krantenhaus, abends 8% Uhr, einen Vortrag mit pianistisch- gesanglichen Inüpft daran die Bemerkung, daß für die jüngeren Kinder ein Unter- taffen follten sich diese Anstalt einmal näher ansehen. Für die Erläuterungen über Christoph Willibald Glud( dem Schöpfer des richtsbeginn im Sommer um 7 Uhr und im Winter um 8 Uhr als„ Alinit Humboldthaus" möchten wir denselben Vorschlag machen, deutschen Musikdramas); u. a.: über die italienische Oper. zu früh angesehen werden müsse. Auch über die Ursachen des wenn uns nicht einfiele, was uns damals auf unsere an die Kranken-" Semiramis"," I re paftore", ferner Orpheus und Eurydice". Schlafmangels äußert sich der Bericht. Sie liegen, so führt er aus, taffenborstände gerichtete Mahnung von jener Seite erwidert wurde. Ginlaßkarten in den bekannten Zahlstellen. ,, einerseits in den sozialen Verhältnissen( Wohnungs Die Krankenkassenvorstände fümmern sich tatsächlich mehr um die " Alceste"," Iphigenie in Aulis", Armida", Iphigenie auf Tauris". verhältnisse, spätes Nachhausekommen der Eltern von der Arbeit usw.), andererseits in der Teibigen Gewohnheit, die Kinder privaten Heilanstalten, als mancher Kaffenpatient weiß und glauben ohne Grund bis in die späte Nacht aufbleiben zu lassen oder will. Der Fehler ist nur der, daß die Patienten, wenn mal fie gar zu Vergnügungen mitzunehmen, welche sich oft bis zum ein Vorstandsmitglied eine solche Anstalt besucht, plöglich mit Morgen ausdehnen". Es heißt dann weiter: Bei dem nun ein- ihren Aussagen zurüdhalten. Da ist es dann natürlich mal in den Verhältnissen der Großstadt, im besonderen in dem ein schwierig Ding, verborgene Mißstände festzustellen und sie an zu Wohnungselend, begründeten und wohl schwer zu beseitigenden ständiger Stelle zur Sprache zu bringen. späten Schlafengehen ist der Schulbeginn im Sommer um 7 Uhr und im Winter um 8 Uhr als zu früh, besonders für die jüngeren Brüdenreichtum in Berlin. In Berlin gibt es mehr Brüden Im wissenschaftlichen Theater der Urania gibt der Vortrag: Stinder, anzusehen." Sinzugefügt wird, daß vielfach die Mütter als in irgend einer anderen Stadt der Welt. Benedig hat wohl Die Feuergewalten der Erde", welcher allabendlich im Institut zur nicht zeitig genug aufstehen, um die Kinder zu besorgen", aber auch der Zahl nach einige Brüden mehr als Berlin, befißt aber be Darstellung gelangt, nicht nur die Seize der Bullangebiete durch das wird hervorgehoben, daß fie oftmals noch nicht zurüid find, deutend weniger monumentale Brüden wie die Reichshauptstadt. Dioramen, Wandelbilder und szenische Einrichtungen in pacender wenn fte am frühen Morgen tätig find( Beitung und Badwaren Bon den vielen Brüden sind mehrere, wie z. B. die Millionenbrüde, Wirklichkeit wieder, auch alle Schrecken, die das unterirdische Feuer austragen)". Eine Folge davon sei, daß 10 bis 20 Proz. der die Oberbaumbrücke, die Eisenbahnbrüde über den Kreuzungspunti bei seinem gewaltsamen Hervorbrechen verursacht und all die Stinder, ohne warmes Frühstüc genossen zu haben, in die Schule der Ader-, Garten- und Liefenstraße, die Kaiser Wilhelm, die wunderbaren Neugestaltungen, die seine Macht erzwingt, ist hier zu fommen". Es sei„ bezeichnend, daß die höchsten Zahlen stets am Molttes und andere Brücken Sehenswürdigkeiten. Nur wenige, wie einem verständlichen Gesamtbilde zuſammengefaßt. Unklar bleibt, ob diese Angabe auf ältere Brücken zum Aufziehen, deren Tage bereits gezählt find nach dem Rathause gerufen. Montag ermittelt würden". die Schloß-, Schleufen, Eiserne, Augusta- und Königinbrüde find Feuerwehrbericht. Gestern früh um 7 Uhr wurde der 20. Bug den Mangel an Frühstück oder oder auf den Mangel an Schlaf fich bezieht. Man darf aber aus ihr schließen, daß der Ver- und die bald verschwinden werden. fasser des Berichtes, der in der Schuldeputation sigende Professor Folgen der Schneefälle. Ueber Senfungen des Asphalts in Hartmann, kein Freund allzu langer Ausdehnung des Berliner Straßen wurde in der letzten Versammlung des FachSonntagsbergnügens ist. Nun wollen auch wir gewiß nicht vereins der Droschtenbesiker lebhaft lage geführt. Solche Senden Unfug beschönigen, Kinder bis in die Nacht hinein in Ber- fungen feien bei dem Tauwetter, das den Schneefällen folgte, biel gnügungslokalen umherzuschleppen. Aber wenn sechs- bis neun- fach vorgekommen und hätten bewirkt, daß die Straßenbahngleise jährige Kinder nach Ansicht der Aerzte noch elf Stunden Schlaf erheblich über das Straßenpflaster hinausragen. Die Droschten brauchen und dennoch im Sommer bereits um 7 Uhr früh in der blieben infolge dieses Umstandes oft beim Ein- und Ausbiegen in Schule fizen sollen, dann müßten gewissenhafte Eltern sie spätestens den Schienen hängen und viele Zusammenstöße seien nur auf diesen um 18 Uhr abends ins Bett steden wohlgemerkt: im Sommer! Mißstand zurückzuführen. Es wurde beschlossen, bei der PolizeiDas ist denn doch ein Unding. Soll das fogar am Sonntag durch behörde eine Besserung der Verhältnisse zu verlangen. geführt werden, so kommen die Kinder um einen Teil ihrer Sonntagserholung und noch mehr die Eltern, denen sie am Ende mindestens Straßenbahnwagen fand gestern abend gegen 6 Uhr in der LandsEin heftiger Zusammenstoß eines Omnibusses mit einem ebenso nötig ist. Da bleibt nur übrig, daß die Schule bergerstraße an der Vevengung am Georgenkirchplatz statt. Der mal ein bißchen auf die Familie Rüdsicht nimmt. Omnibus Nr. 1175 fuhr in gleicher Richtung mit einem Straßen. Herrn Professor Hartmann ist vielleicht nicht bekannt, daß fogar bahnzug der Linie 65 neben dem Motorwagen und geriet so dicht schon aus Lehrerkreisen der vernünftige Vorschlag gekommen ist, in an den letteren, daß er von dem Straßenbahnwagen erfaßt und höheren wie in niederen Schulen für Schüler jeden Alters am Mon- zur Seite geschleudert wurde. Der Omnibus wurde zwischen den tag den Unterricht um eine Stunde später beginnen zu lassen, Straßenbahnwagen und die Bordschwelle geklemmt. Die zu dieser damit der Sonntag von den Kindern wie von den Eltern boll Beit den Bürgersteig passierende Frau Schreiber, Katharinenftr. 10 ausgenugt werden kann. wohnhaft, wurde durch den Personentvagen niedergestoßen und erlitt In der letzten gut befuchten Sigung der Charlottenburger Wir hoffen, daß die Schuldeputation tatsächlich zu dem eine starte Quetschung des linken Fußes. Die Verletzte wurde nach Gewerkschaftstommiffion erstattete der Obmann Genosse Flemming Entschluß kommen wird, den eine allzuschnelle Berichterstattung der Unfallstation gebracht. Infolge des Zusammenstoßes wurden den Jahresbericht über die Tätigkeit der Kommission im verflossenen borweggenommen hat, und mindestens für die jüngsten mehrere Fensterscheiben der beiden Wagen des Straßenbahnzuges Jahre. Danach hat dieselbe 11 Sigungen abgehalten. Der KomKinder einen späteren Beginn des täglichen zertrümmert, an dem Omnibus die Seitenwand eingedrückt, der mission sind im Laufe des Berichtsjahres die Gewerkschaften der Unterrichtes einführen wird. Umfragen, die in anderen Berron zerbrochen und die Achsen beschädigt. Fleischer, Gemeindearbeiter und Bäcker beigetreten, so daß derselben Städten vorgenommen worden sind, haben längst ergeben, daß das Agitation wurde die Gewerkschaft der Fleischer neu gegründet, gegenwärtig 27 Gewerkschaften angehören. Durch vorgenommene dieselbe verspricht eine günstige Entwickelung. Die Bestrebungen des Unternehmens: die freien Fortbildungskurse für Arbeiter" und die bes Vereins Freier Kindergarten" wurden in gebührender Weise unterſtügt. Der Ausgang der Gewerbegerichtswahlen wurde als günstig bezeichnet; bas Resultat der vorgenommenen Sammlungen zur Ünterstügung der ausgesperrten Lithographen und Steindrucker sowie der Buchbinder Deutschlands habe hingegen zu berechtigten Klagen Ber anlaffung gegeben. Im übrigen verwies Genoffe Flemming auf den gedruckten Jahresbericht, der alles eingehend schildert und in Bälde den einzelnen Gewerkschaften zugestellt wird. Hierauf be richtete der Bibliothefar Nicolaus über die Jnanspruchnahme der gemeinsamen Gewerkschaftsbibliothet. 8war habe sich die Leferzahl derfelben gegenüber dem Vorjahre fast verdoppelt, immerhin bleibe aber auch hier noch viel zu wünschen übrig. Den Bericht der Kommiffion für die Beseitigung des Kost- und Logiszwanges beim Arbeitgeber gibt Genosse Gebert. Derfelbe berichtet, daß die Kommiffion verhältnismäßig wenig tun konnte, da dieselbe von den in Betracht kommenden Gewerkschaften nur gering unterftügt worden ist. wird es nicht anders sein. den Wünschen der Mehrzahl der Eltern entspricht. Auch in Berlin Ein neuer Unfall wird aus der im Bau begriffenen Kolonial ausstellung in Friedenau vom Dienstag gemeldet. An diesem Tage Aus der privilegierten Wählerklasse. In einer zu gestern fürzte der Zimmerer Fechner ab und erlitt schwere äußere und Aus der privilegierten Wählerklasse. In einer zu gestern innere Verlegungen. Es wird die höchste Zeit, daß die Aufsichtsabend nach dem Mönchschen Saale, Teltowerstraße, einberufenen freisinnigen Wählerversammlung wurde Handelsrichter Imberg organe diesen Bau etwas näher ins Auge fassen und daß Vorsorge als Kandidat an Stelle des verstorbenen Stadtverordneten Arnold getroffen wird, daß nicht noch Dugende von Arbeitern ihr Leben Beris aufgestellt. Serr Berls war Vertreter der 2. Wähler- laffen müffen. tlaffe. Der Betrieb auf der Unterleitungsftrede Moabit- Branden Der Falkplay wird in diesem Jahre auf Kosten der Stadt her burger Tor ist, nachdem die Reparaturarbeiten an der beschädigten gestellt und reguliert. Umfangreiche Arbeiten sind dort zur Be- Weiche beendet sind, gestern morgen um 7 Uhr wieder aufgenommen seitigung der jetzigen Zustände in Aussicht genommen worden. Kein Musterkrankenhaus"! Berlin hat neben seinen öffent Ein falscher Steuerbeamter treibt gegenwärtig in Berlin und lichen Strankenhäusern noch eine große Anzahl privater Heil- Umgegend sein Unwesen. Der etwa 30 Jahre alte Schwindler, anstalten, die teils von Vereinigungen, teils von Einzelpersonen der die grüne Müge der Zollbeamten trägt und sich dadurch als anstalten, die teils von Vereinigungen, teils von Einzelpersonen Steuerbeamter legitimiert, jucht hauptsächlich in den frühen Nach unterhalten werden. Die meisten dieser privaten Heilanstalten mittagsstunden fleinere Gastwirtschaften auf, deren Inhaber zu nennen sich schlechtiveg Silinit"," Sanatorium" oder ähnlich, einige dieser Zeit gewöhnlich schlafen und die Besorgung des Geschäfte den aber werden kühn sogar als Krankenhaus" bezeichnet. Aufgenommen Frauen überlassen. Der Gauner erklärt den Frauen, daß er von worden. Ringtampftonfurrenz begonnen. Auch im Zirkus Schumann hat gestern eine große internationale Der vom fönigl. Institut für Meereskunde, Georgenstr. 34-36, für heute angesetzte Vortrag des Herrn Dr. 8oepfl- Berlin über Der Verkehr nach der südamerikanischen Westtifte und feine Wege" findet wegen Behinderung des Vortragenden nicht statt. Dort war ein schwerer mit Kohlen beladener elektrischer Motortvagen der Berliner Elektrizitätswerke, der nach dem Berliner Elektrizitätsverk in der Rathausftraße fahren wollte, auf den Bürgersteig geraten, wobei der Arbeiter Oskar Bär aus der Hochstr. 29 zwischen den Wagen und bas Gitter des Rathauses gequetscht worden war. Bär hatte außer Quetschungen einen Bruch des rechten Beines davongetragen. Der Schwerverletzte wurde deshalb sofort nach der Charité gefahren und dort verbunden. Gestern früh um 5 Uhr brannte in der Bornholmerstr. 84 ein Neubau. Der erste Bug hatte in der Gollnowftr 45 einen Ladenbrand zu löschen, der beträchtlichen Schaden verursacht hat. Ferner Beschäftigte ein Schaldeckenbrand den 5. Zug in der Melchiorstr. 84. abend und heute früh Pferde aufrichten, die ein Verkehrshindernis Vor dem Hause Oranienstr. 90/91 mußte die Feuerwehr gestern bildeten. Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. Mach urzer Distuffion über die gegebenen Berichte wurde die Mitschs v. Horn, über bas affertert, das Krankenhaus und den zufammenlegbare Jagdgewehre, sogenannte Bilberer Rugen, Wahl des Ausschusses vollzogen. In denselben wurden gewählt die neuen Elat und wies die Vorwürfe zurück, die den Genoffen in der und Munition vorgefunden wurden. Außerdem war die EheGenossen Ahrens, Buchdruder; Flemming, Maler; Scheible, Gemeindevertretung deswegen gemacht worden sind, weil sie den frau des F. gerade damit beschäftigt, Rebfleisch zuzubereiten Zimmerer; Schillmann, Sattler und Wilde, Puzer. Als Db- Antrag auf Verleihung des Bürgerrechts für den neuen Gegen Fiedler wurde eine Anflage wegen Jagdvergehens er mann der Getvertschaftskommission wurde hierauf Genosse Gemeindevorsteher ind Schöffen gestellt haben. Genosse hoben, die schon einmal die Straffammer beschäftigte. Der An Flemming gewählt. Das Amt der Revisoren wurde den Ge- Glüler hielt die Kritik im letzteren Punkte aufrecht und betonte, geflagte wurde damals zu fünf Monaten Gefängnis vernossen Mitsching, Töpfer und Schüße, Handels- und Transport- daß derartige Anträge von fozialdemokratischer Seite besser urteilt. Auf seine Revision wurde die Sache vom Kammergericht arbeiter, übertragen. Bis zu der Erledigung der Frage einer ge- unterbleiben, da uns gegenüber in ähnlichen Fällen nicht mit gleichem zur nochmaligen Verhandlung an die Vorinstanz zurückverwiesen. meinsamen Verwaltung der Partei- und Gewerkschaftsbibliothek mit Maße gemeffen werde. Mit Entrüstung wurde die Tatsache ber- In der erneuten Beweis aufnahme wurde wiederum die dem Vorstande des Wahlvereins wurden die Genossen Bohla, Gast- merkt, daß der Gärtner, der seit 37 Jahren auf dem Grundstück Schuld des Angeklagten trop feines Leugnens festgestellt. Die Strafwirtsgehülfe, und Bollentin, Handels- und Transportarbeiter, pro Killischs von Horn beschäftigt ist, von der reichen Herrschaft einfach fammer nahm jedoch nicht gewerbsmäßiges Wildern an, sondern ervisorisch als Bibliothekare gewählt. Genosse Flemming gab noch entlassen wurde, und die Gemeinde zugestehen mußte, daß er einſt tannte nur wegen einfachen Jagdbergehens und Uebertretung der einen gedrängten Bericht über die letzte Sizung des Boltshaus weilen noch seine Wohnung im Park behalten darf. Der Vorsitzende Jagdscheinverordnung auf sechs Wochen Gefängnis und ausschusses, dem sich eine längere Debatte anschloß.- Ilm das ermahnte zum Schluß zu reger Agitation für die Organisation und 20 Mart Geldstrafe. Bestreben des Zentralverbandes der Handlungsgehülfen zur die sozialistische Presse. Eriämpfung des Achtuhr- Ladenschlusses im Handelsgewerbe und Nowawes Neuendorf. Tierhalterhaftpflicht und Zwangsversicherung. speziell in den Warenhäusern zu unterstützen, ersuchte Genosse Bei den am Dienstag und Mittwoch stattgehabten Ergänzungs- Es hatte die Fuhrwertsberufsgenossenschaft zu Eichner, unter den Mitgliedern der einzelnen Gewerkschaften darauf wahlen zur II. und I. Klasse für die am 1. April ins Leben tretende Dresden gegen den Landwirt P. zu München Regreßklage auf Hinzuwirken, daß die Frauen die Einkäufe stets vor 8 Uhr besorgen erweiterte Gemeinde Nowawes wurden in der II. Abteilung gewählt: Schadenersag aus§ 833 B. G.-B. erhoben. Dieser Klage liegt möchten. Zum Schluß wurde noch bei einer Besprechung des hiesigen Rechtsanwalt Altena, Eisendreher Dartsch( Mitglied des Hirsch folgender Sachverhalt zu Grunde: Bei der Pferdemusterung im städtischen Arbeitsnachweises beschlossen, den Arbeitnehmermitgliedern Dunderschen Gewerkvereins), Schornsteinfegermeister Peters, städtischen Schlacht und Viehhof zu München wurde im Kuratorium für den städtischen Arbeitsnachweis nach wie vor Privatier Brillwig mit 140-149 Stimmen; außerdem wurden noch von dem Pferde des Beklagten P. der Dienstknecht eines anderen das Reichsarbeits- Blatt" auf Kosten der Gewerkschaftskommiffion 10 Stimmen für Staufmann Blank abgegeben. Für die I. Abteilung Tierhalters so heftig an die Brust geschlagen, daß er sofort niederfant zuzustellen. wurden gewählt: Fabritdirektor Döring mit 17, Fabrikbefizer Klinder und an den Folgen des Schlages verstarb. Die genannte Berufss den Schaden zu zwei Drittelu mit 22 Stimmen; außerdem wurden 7 Stimmen für Gasanstalts- genoffenschaft mußte nun gegen den Tierhalter, direktor Schröder abgegeben. Troß dieser Nachwahlen ist die neue ersetzen und flagte FuhrwertsberufsGemeindevertretung noch nicht vollständig, indem durch den plöglichen welcher ebenfalls in der Tod des Schöffen Hönow eine Neuwahl für diesen stattzufinden bat; genoffenschaft bersichertist, auf Schadloshaltung. Diesem da auch der neuzuwählende Schöffe wahrscheinlich aus der Vertretung Begehren widersprach der Beklagte aber mit der Begründung, daß betreffende Stallknecht fahrlässig gehandelt habe und entnommen wird, so hat dann für diesen wieder eine Ergänzungs der ihn eigenes Verschulden treffe, da er das ihm entgegenkommende wahl stattzufinden. Pferd, das von dem Knecht des Beklagten geführt wurde, hätte sehen Potsdam. müssen. Dieser Einwand wurde von den Gerichten verneint, weil der Kopf und Hals des von dem Berunglückten geführten Pferdes diesem selbst den Ausblick verbeďte. diesem selbst den Ausblid verdeďte. Die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung vom Mittwoch wurde mit der Mitteilung eröffnet, daß der Bezirksausschuß die Klage der Frau Cauer gegen die Stadt wegen Nichteintragung in die Wählerliste abgewiesen habe. Nach Erledigung einiger fleinerer Vorlagen brachte der Kämmerer Stadtrat Scholz in der üblichen Weise den Stadthaushaltsetat ein. Redner hob die günstige Konjunktur hervor, die eine Vermehrung der Einnahmen sowohl aus den Steuern als aus den gewerblichen Betrieben zur Folge gehabt habe. Die Einkommen. Die Bildungspflicht des modernen Arbeiters lautet das Thema fteuer habe allein über 300 000 m. mehr, die Umsagsteuer eines Vortrages, der in einer zu heute abend vom Gewerkschaftskartell 300 000 bis 400 000 m. mehr eingebracht, als veranschlagt einberufenen Versammlung auf der Tagesordnung steht. Der Kursus fet. Der Ueberschuß des Vorjahres belaufe sich auf der Arbeiterbildungsschule beginnt am Freitag, den 8. März, und 1037 000.; hoch er sich in diesem Jahre stellen umfaßt die Hauptfragen der Kranken-, Unfall- und Invaliden werde, lasse sich zur Zeit noch nicht übersehen. Für das Jahr 1907 versicherung. Gerade die Behandlung dieser Fragen ist für die fei auf allen Gebieten ein weiterer erfreulicher Fortschritt zu verarbeiterschaft von außerordentlicher wichtigkeit. Der Kursus erstreckt zeichnen, doch seien damit auch erhöhte Ausgaben verbunden. Die sich auf zehn Abende und kostet eine Mark für jeden Teilnehmer. Steuerzuschläge könnten vorläufig noch so bleiben, wie bisher, wenn Die Arbeiterschaft wird ersucht, zu beiden Veranstaltungen zahlreich gleich der Status gegen die Vorjahre wesentlich angespannter sei. Es lasse sich aber jetzt schon sagen, daß in absehbarer Zeit die Schuldenverwaltung größere Anforderungen an den Stadtfäckel stellen werde. Gehe dann auch noch die wirtschaftliche Konjunktur zurück, so werde die Finanzlage nicht mehr so günstig wie bisher fein. Nach kurzer Debatte ging der Etat an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern. -Weiter gelangte ein Antrag Schwarz auf Ausbau einer bestehenden Realschule zu einer Oberrealschule zur Annahme.- Der Zuschlag zu der neuen Anleihe in Höhe von 19,12 Millionen zum Surse von 100,39 wurde dem unter Leitung der Dresdner Bank stehenden Konsortium erteilt. Die Mitteilung des Magistrats betr. die infolge der Einführung der neunstündigen Arbeitszeit entstehenden Mehrkosten wurde entgegen dem Antrag der Sozialdemokratie auf Ausschußberatung berlagt, bis die dazu gehörigen Lohntabellen durch Druck vervielfältigt und den Mitgliedern der Versammlung zugestellt sind. Weißensee. zu erscheinen. Kommunales. fannt. Infolgedessen hatten das Landgericht und OberLandesgericht München auf Verurteilung des Beklagten ervision wurde vom Anwalt des Betlagten ausgeführt, daß diese In der gegen das oberlandesgerichtliche Urteil eingelegten ReEntscheidung weder dem Rechtsempfinden, noch den volks- und landwirtschaftlichen Interessen entspreche, da hier der kleine Tierhalter mit ungewöhnlich hohen Verpflichtungen zu rechnen habe. Die Ents scheidung sei aber aus dem Gesichtspunkte schon rechtsirrtümlich, wvo weil der Tierhalter in diesem Falle, er die Zwangs versicherungsbeiträge zahle und dann trotzdem noch in Anspruch genommen würde, doppelt zahlen müsse. Das Erempel darauf er andere Beurteilung könne nur dann in Betracht kommen, wenn der gebe, daß z. B. der Beklagte nicht hätte zahlen brauchen, wenn sein eigener Stallfnecht von dem Pferde geschlagen worden wäre. Eine betreffende Tiereigentümer einer Zwangsversicherung nicht angehört. Der vierte Zivilsenat des Reichsgerichts maß den Angriffen der Revision feinen Erfolg bei und erkannte auf Zurüdweifung der Revision. Bersuchte Nötigung? Die erste Lesung des neuen Stadthaushaltsetats. mit dem vom Magistrat vorgelegten Entwurf des Stadthaus Die Stadtverordnetenversammlung hatte sich gestern haltsetats für 1907 in erster Lesung beschäftigt und ihn dann dem Etatausschuß überwiesen. Die Debatte war so gründlich, daß schon nach dem dritten Redner die Bänke sich leerten und alle übrigen vor einer längst beschlußunfähig gewordenen Die doppelte Belastung des Beklagten ist nur eine scheinbare. Der Versammlung sprachen. Kämmerer Steiniger führte als Vertreter des Magistrats den Etat ein mit einer Rede, die Beklagte hat als Mitglied der Fuhrwerksberufsgenossenschaft Beiträge nichts weiter als eine trockene Aufzählung von Einzelheiten nicht wegen aller von der Berufsgenossenschaft zu tragenden Fälle, sondern nur wegen derjenigen Fälle zu tragen, die in seinem Betriebe bot. Seiner Weisheit letzter Schluß war der, daß Berlins fich ereignen. Der Fall liegt nicht unbilliger, als wenn etwa der Finanzkraft zwar groß genug sei, um noch ein Mehr in der verunglückte Stalltnecht durch eine strafbare Handlung des Beklagten Aus der Gemeindevertretung. Zum befoldeten Schöffen wurde Erfüllung sozialpolitischer Aufgaben zu gestatten, daß aber einen Betriebsunfall erlitten hätte. Der Fall liegt insofern günstiger mit 20 Stimmen der Ratsassessor Dr. Klamroth aus Dresden ge- in der Belastung der Steuerzahler Maß gehalten für den Beklagten, als es in seiner Macht lag, sich gegen die aus der wählt. Alsdann wurde ein Entwurf zur Regulierung der werden müsse, damit nicht die reichen Leute aus Berlin Tierhaltung(§ 883 B. G.-B.) etwa ergebenden Unfälle zu berBürgersteige auf der Königchauffee bis zur Elsaßstraße bezw. Anton- hinausgescheucht werden. Nach dem Magistratsvertreter kam sichern. Eine solche Versicherung ist mit wenigen Mark Kosten plak genehmigt. Die beiderseitigen Fußwege erhalten eine Breite sogleich die Opposition zum Wort, die sozialdemokratische möglich. Lediglich infolge der Unterlassung dieser Bersicherung muß er der Berufsgenossenschaft 2/3 des Schadens und der Familie des von 5-5,5 Meter. Der zwischen den geplanten Fußwegen und den Fraktion, deren Redner unser Genosse Borgmann war. burch den Unfall Getöteten/ des Schadens ersetzen, den sein Pferd vorhandenen Bordschwellen liegende Streifen soll als Nasen- Borgmann zeigte, daß die bisherige Finanzpolitik des angerichtet hatte. oder Schmuckstreifen ausgestaltet werden. Die Vertretung beschloß, den an der Gemeindeschule angestellten unverheirateten Lehrern Magistrats, dem die Hausbesipermajorität der und Lehrerinnen vom 1. April ab die Mietsentschädigung von Stadtverordnetenversammlung thren Willen diftiert, allerWegen versuchter Nötigung und Beleidigung ist am 4. September 320 auf 350 M. zu erhöhen. Gleichfalls beschlossen wurde die dings dazu nötigt, in der Erfüllung der sozialpolitischen AufErrichtung einer faufmännischen Fortbildungsschule zum 1. April gaben der Kommune Maß zu halten". Und in einer ein- vorigen Jahres vom Landgericht Dresden der Zimmermann 1907. Das Drtsstatut, die Schulordnung und die Bestimmungen gehenden Kritik der einzelnen Zweige unserer Kommunal Dstar Thieme in Großrügeln zu drei Wochen Gefängnis. für die Schüler wurden einer eingehenden Kritik unterzogen, jedoch verwaltung wies er nach, wie sehr der Magistrat in leber- berurteilt worden. Er ist Mitglied des Zimmererverbandes. Im nach der Vorlage angenommen. Die Mittel zur Ausstattung eines einstimmung mit dieser Mehrheit der Stadtverordneten bis- Bezirk des Amtsgerichts Riesa waren die Mitglieder des Verbandes aus der Arbeit entlassen worden, darunter auch der Angeklagte. Dienstziers für den neugewählten besoldeten Schöffen, sowie her tatsächlich Maß gehalten" hat. Des Kämmerers Be- Ein gewisser A. in M. war jedoch in Arbeit geblieben, da er dem cines Norzimmers wurden bewilligt, ferner für die Ausstattung hauptung, daß die Lohn erhöhungen, die in den neuen Verbande nicht mehr angehörte. Der Angeklagte reiste nun nach M. und Etat eingestellt sind, sehr erheblich seien, wurde von dem sozial- forderte den A. auf, herauszukommen. Als der sich weigerte, rief der Dr. Bape streift. Die Etatsberatungen in der Kommission demokratischen Redner berichtigt durch den Hinweis darauf, Angeklagte ihm zu, wenn er nicht herauskomme, werde er auf dem nahmen bisher einen so günstigen Fortgang, daß allgemein die Ansicht vorherrschte, in fürzester Zeit den Etat im Plenum durch daß das so stattlich erscheinende Mehr von 460 000 M. fich auf beimwege von Leuten geschlagen werden. A. nahm nach Ansicht Auf Borgmann des Gerichts die Drohung ernst, ließ sich aber nicht einschüchtern. beraten zu können. Diese Rechnung ist jedoch ohne Herrn Dr. Pape rund 15 000 Gemeindearbeiter verteilt. gemacht. Die Etatskommission ist augenblicklich zum Nichtstun ver- folgte Herr Cassel, der Redner der„ Alten Linken", der Die vom Angeklagten gegen feine Verurteilung wegen bersuchter dammt, weil Herr Dr. Pape- streift. Als Dezernent der Steuer- magistratstreuesten Fraktion. Herr Cassel regte sich nicht nötigung eingelegte Revision wurde am Dienstag vom Reichsverwaltung hat er die Steuereinschätzung der Grundierte zu ber- wenig darüber auf, daß Genosse Borgmann dem Stadt- gerichte verworfen. Die Bejahung der Schuldfrage und das Ausmaß der Strafe anlassen, da auf Grund dieser Einschätzung der Etat bilanziert freisinn vorgehalten hatte, wieviel bisher in Berlin versäumt drängen die Frage auf: warum sind bei dieser Art der Konstruktion werden muß; jedoch wird die hierzu erwählte Kommission nicht worden sei. Er zeterte über die Schlechtigkeit der Sozial- des Begriffs bersuchter Nötigung" solche Unternehmer nicht zusammenberufen. Die ausgestellten Streitposten erklären, daß Herr demokraten, die dem braven Freisinn die Anerkennung angeflagt, die den Austritt aus einem Verein unter Androhung der Dr. Pape seine höchstens einstündige Anwesenheit in den Bureaus versagen, wiewohl er doch seit langem aufs eifrigste bemüht Entlassung verlangten. Vor dem Gesetz sollen doch wohl alle stritte einhält, so daß die Gemeinde ihre Freude hat über den pflicht strikte einhält, so daß die Gemeinde ihre Freude hat über den pflicht- fei, zu bessern, was besserungsbedürftig sei. Die folgenden Preußen gleich sein. Redner fanden, wie schon gesagt, nur noch wenig Aufmerksam. feit bei dem rasch zusammenschmelzenden Häuflein ihrer ZuIn der Generalversammlung des Wahlvereins erstattete der Bor- hörer. Das Hauptstück der Generaldebatte über den neuen figende Genosse Röber den Bericht über die Kreisvorstandssitzung. Etat war ja vorüber: die Kritik, die von der sozialdemokraDaraus ist hervorzuheben, daß Pankow auf grund der abgerechneten tischen Minderheit an ihm geübt wird, und der Lobeshymus, Mitgliedsbeiträge zehn Delegierte zu den Generalversammlungen des Kreises und Verbandes entienden kann. Als Vorsitzender des Streis- mit dem die freisinnige Mehrheit ihre Verdienste" durch ihren wahlvereins ist Genosse Freiwaldt, als Mitglied der Preẞkommission Cassel in die Welt hinaustrompeten läßt. zweier Name des Gutshauses in Birkholz. treuen Beamten. Pankow. " Gerichts- Zeitung. Jagbleidenschaft Hus der frauenbewegung. Versammlungen Veranstaltungen. Berlin. Montag, den 4. März, 8 Uhr abends, Kommandantenstr. 72: Vortrag. Die Philosophie der Entwickelung".( Friedr. Nietzsche.) Referent: Kurt Eisner. Gäste willkommen. Verein für die Jntereffen der Hausangestellten. Sonntag, den 3. März, bei M. Mürich. Stegligerstraße 35: Bortrag. Herr Otto Roth. Die Entstehung der Erde und die Ursachen der Bulkanausbrüche". Schöneberg. Montag, den 4. März cr., 8 1hr im Lokal von Obst, Meiningerstr. 8: Boltsversammlung. Vortrag. Dr. Karl Liebknecht. Die letzten Reichstagswahlen und die Frauen". Jahresbericht der Vertrauensperson und Neuwahl derselben. Bris. Sonntag, den 8. März, Besuch der Wohlfahrts- Ausstellung. Treffpunkt 1 Uhr Bahnhof Rigdorf. Fahrt bis Tiergarten. Reinickendorf- Ost. Montag, den 4. März, 7 Uhr, bei Gründer, Hoppestraße 24: Handzettelverbreitung. Jedes Mitglied muß er scheinen. Borsigwalde- Tegel. Am 2. März Stiftungsfest in Trapps Festfälen, Tegel. Am 6. März in Tegel bei Schmidt Generalversammlung. Vermischtes. Genosse Kubig vorgeschlagen. Genosse Röber nahm Veranlassung, auf die Kandidatenfrage einzugehen. Er berlangte Erklärungen der Genossen Freiwaldt und Kubig darüber, wie sie sich zu Beschlüssen der Drganisation stellen. Hierüber entstand eine lebhafte Disfuffion, an der sich eine ganze Anzahl Genossen beteiligten und die sich hauptsächlich darauf erstreckte, inwieweit die Delegierten mit un hat den Anschläger Karl Fiedler aus Weißensee wiederholt schon gebundenem Mandat entfandt werden. Genosse Bollmann und der vor den Strafrichter geführt. Wegen gewerbsmäßigen JagdBorsitzende beantragten, nachstehenden Beschluß zu fassen: Lehnen bergebens und Jagens ohne Jagdschein mußte sich F. gestern Delegiertenkandidaten ab, Anträge ihrer Organisation zu ver- wiederum vor der ersten Straffammer des Landgerichts III bertreten, so haben sie dies fofort in der Versammlung, antworten. Der Angellagte war früher Förster, wurde aber aus in der ein solcher Antrag angenommen wird, zu erklären." dieser Stellung wegen verschiedener Unregelmäßigkeiten entlassen. Ec Genoffe Rubig erinnerte daran, daß er in der Versammlung im wendete sich einem anderen Berufe zu, konnte jedoch den Hang zum Walde Oftober v. Js. lediglich von der Möglichkeit gesprochen habe, einen und der Jagd niemals unterdrüden. Die Folge war, daß er wiederAntrag nicht vertreten zu können, der mit seiner Ueberzeugung nicht holt wegen Wilderns bestraft wurde. Zulegt wurde der Angeklagte vereinbar sei. Er hätte den in Nede stehenden Antrag( von Ober- im Jahre 1905 tegen Jagdvergehens mit 200 Mark Geldstrafe beSchönetveide zum Parteitag, betr. Massenstreit) nicht als Delegierter straft. Im Frühjahr v. 3. entdeckte der im Jagdrevier Helenenau zu vertreten gehabt. Freiwaldt wiederholte, daß sein Mandat zum bei Börnice zuständige Privatförster Schuster verschiedene vers Barteitag ungebunden gewesen sei und er in Mannheim sich ebenso dächtige Spuren, die auf das Treiben eines Wilddiebes hindeuteten. wie in der Kreisgeneralversammlung geäußert habe. Obwohl von An verschiedenen Stellen. inmitten der dichtesten Schonung fand S. Der Märchen- Schriftsteller und Kulturhistoriker Theodor anerkannt ausnahmslos wurde, sämtlichen Rednern daß auf seinem Patrouillengange wiederholt den frischen Aufbruch" es selbstverständlich sei, Beschlüsse der Drganisationen zu( Eingeweide) eines Nehes. Am Morgen des 21. Mai v. J. unter Bernaleten, geboren 1812 in Wolfmarsen( Westfalen), ein respektieren, wurde der Bollmann Röber Antrag bon nahm der Förster in Begleitung des Gendarmen Poselt einen Bürsch- Freund Jalob Grimms und Ihlands, ist vorgestern in Graz geder Versammlung angenommen. Angenommen wurde ferner gang durch sein Revier. In der Nähe des Vorwerks Helenenau fanden storben. folgender Antrag: Die Kreisgeneralversammlung möge befchließen, beide den noch schweißwarmen Aufbruch eines Rehes. Ein Zyklon. Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, ist dem einen Schriftführer in den Vorstand zu wählen. Derfelbe hat in fchloffen hieraus, daß der Wilddieb noch nicht weit entfernt sein Minister des Innern ein Telegramm aus Rafaela( Santa Fe) zueinem anzuschaffenden Protokollbuch über die Verhandlungen der tonnte, und verfolgten mit vieler Mühe die hinterlassene Fußspur. Generalversammlung und des erweiterten Borstandes Protokoll zu In der dichtesten Schonung bemerkten sie den Angeklagten, der sich gegangen, in dem es heißt, daß ein Zyklon das Krankenhaus, die Kirche, die Schule der barmherzigen Schwestern und die Mehrzahl führen. Zu Anfang einer jeden Generalversammlung bezw. Bor- in dem Gestrüpp zu verbergen suchte. Die Flinte im Anschlage ging der Häuser zerstört, habe. Die Zahl der Opfer ist unbekannt. Ttandssitung ist das Protokoll der vorhergegangenen zu verlefen. der Förster auf ihn zu, da er in dem Angeklagten einen berüchtigten Wieder eine Strandung. Der Dampfer Patonh", welcher in Jin Mitteilungsblatt" find tie von anderen Streifen furze Aus- Wildbieb erkannte. Fiedler wurde festgenommen, obwohl er erklärte, züge aus dem Protokoll zu veröffentlichen." Ginem weiteren Antrag mur, fpazieren gegangen" zu sein. Eine Durchsuchung förderte einen Liverpool eingetroffen ist, berichtet: Am 17. Februar feien in der auf Streichung des letzten Sazes des§ 8 des Organisations Mudiad zu Tage, den Fiedler auf dem Rücken unter die Joppe Nähe der großen Canarischen Inseln Notschüsse bernommen worden, statuts des Streifes wurde nicht stattgegeben, da für alle Fälle geknöpft hatte. Trogdem sich an diesem noch Rehhaare und frischer worauf er seinen Kurs änderte und den aufgelaufenen Kreuzer ber§ 27 des Organisationsstatuts der Partei maßgebend ist. Schweiß befanden, erklärte der Angeklagte, er habe den Rucksack nur Jean Darth" angetroffen habe. Dieser lehnte die angebotene Hülfe Für den Genossen Scheffler, der umgezogen ist, wurde Genosse zum Kienäpfel fammeln benugen wollen. Nach einer telegraphischen ab und ersuchte nur den Kapitän, sich nach den Canarischen Jufeln Sonntag zur Generalversammlung delegiert. In vorgerückter Nachricht an das Amt Weißenfee wurde von dem Oberwachtmeister zu begeben, um von dort aus über die Situation des Schiffes nach Stunde berichtete Genoffe Freiwaldt über die legten Verhandlungen Dormann und dem Gendarm Reichardt in der Wohnung des An- Baris zu fabeln. Auch das Angebot, die Mannschaft on Bord zu in der Gemeindevertretung, namentlich über den Ankauf des Partes geschuldigten eine Haussuchung voraenommen. bei welcher awei Inehmen, wurde mit Dank abgelehnt. " " Sie 1,10. per 100 fund 25-30. Karotten per 100 fund 10-12. Witterungsübersicht vom 28. Februar 1907, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer stand mm Wind. cichtung Windstarle Better Temp. n. 6. 5°.== 4° R. Stationen Barometer. fland mm Wind. richtung Windstärke Better Temp. n. G. Berliner Marktprette. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen per unter 95, 1904er 93, 1905er 90, 1906 er 75-80. Schottische Boltheringe 18-12, Blut 100er 7-9, bo. 150 er 7,50-9,50, be. 80er 7-10. Stal Marktballen- Direktion.( Großhandel.) Rindfleisch Ia 68-73 pr. 100 fb., 1905 0,00, large 44-45, full. 38-40, med. 35-42, deutsche 37-44 in Storben per 100 Bfb. 0,00. Mandarinen, Rifte 0,75-2,00, do. in Ila 62-67, IIIa 56-61, IVa 48-54, dan. Bullen 60-65, holl. 0,00. Seringe, neue Matjes, per To. 60-120. Sardinen, ruff., Fay Körben per 100 Bib. 30-32, Kalbfleisch, Doppelländer 110-125, Ta 82-90, IIa 72-80, a 52-68, 1,50-1,60. Bratheringe, Büchse( 4 Liter) 1,50-1,75. Reunaugen, holländ. 52-58, dän. 60-68. Hammelfleisch Ia 66-75, IIa 48-64. Schweine Schodfaß 11, fleine 5-6, Riefen- 14. Gier, Lands, per Schod 5,25-5,50. Butter fleisch 49-57. Rehwild, m. Abschußatt., p. Bid. 0,00, Rothirsch Ia 0,52-0,58. per 100 fb. Ia 114-116, IIa 110-114, IIIa 107, abfallende 95-100. Rotwild plomb. 0,52-0,55. Dambirsch 0,45-0,65, Wildschweine 0,44-0,48, Saure Gurfen Schod 4,10-4,50, Pfeffergurten 4,00-4,50. Kartoffeln Frischlinge 0,55-0,65, Staninchen per Stud 0,60-0,85. Bildenten per Stud per 100 fb. 0,00, magnum bonum 2,50-2,75, Daberfche 2,50-2,75, 2,50. Hübner, alte per Stüd 1,40-3,50, bo. IIa 1,00-1,30, bo. junge per Rosen 0,00, weiße 2,25-2,50, Salattartoffeln 6,00-7,00. Spinat Stüd 1,20-1,60. Tauben per Stüd 0,45-0,91, junge fleine 0,00, italienische Enten per Stüd 1,10-2,75, dito Hamburger junge per Stud Sellerie, hiesige, per Shod 4,00-8,00, do. pommersche 9,00-12,00. Zwiebeln 0,00. Gänse, Hamburger per Pfund 1,10-1,20, Gis 0,48-0,55. große, per 100 Bfd. 4,00-4,50, do. fleine 3,00-3,50. do. hiesige( Berl) Hechte per 100 Bfund 75-90, groß 75, mittel 0,00. Bander 0,00. 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schodbund 1,50-2,00. Kohlrabi do. mittel 0,00, do. flein 0,00. Schleie, unsortiert 0,00, bo. groß 0,00, do. per Schod 0,00. Rettig, bayr., per Schod 2,40-4,80. Mobrrüben per 100 Pfund Swinembe. 769 N Klein IIa 0,00. Bale, groß 0,00, mittel 99-105, flein und mittel 0,00 3,50-4,50. Teltower Rüben per 100 Bid. 8-10. Weiße Rüben, große Damburg 772 8 Blögen, llein 0,00, do. groß 0,00, bo. 40-43. Starpfen, 55-60, do. Galiz. 0,00, fleine 0,00. Rote Rüben 2,50-3,00. Blumenkohl ital. ber Berlin 770 N 60er 60-62, do. franz. 60-90er 57-60. Bleie 45-52. Alland 0,00. Bunte Storb 2,30-2,50. Kohlrüben per Schod 2-2,50. Wirsingfohl Frants.a.M. 774 523 fifche 0,00. Bels 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs Ia Weißtohl 100 Bfd. 2,00-3,50. Rosenkohl per 100 Pfd. 25-35. Wien neuer per 100 Bfd. 110-130, do. IIa neuer 90-100, do. IIIa neuer 75. Grünkohl per 100 fb. 5,00-7,00. Rhabarber. 100 26. 7,00-12,00. Seelachs 25-30. Sprotten, Kieler, Ball 1,00, Danziger, Rifte Birnen, per 100 Bfd. hiesige 0,00, böhm. 10-20, ital. 30-35. Alepfel, per 0,00. Flundern, Stieler, Stiege la 3-4, do. mittel ver Stifte 2-3, Hamb. 100 Bfd., biefige 6-25, Gravensteiner 0,00. Tiroler in Fässern 0,00, Stifte Stiege 4-6, halbe Stifte 1,50-2. Büdlinge, per Ball Stieler 3,50-5,00, 30-60, Amerif. 22-33. Bitronen, Meffina, 300 Stild 8,00-9,00, 360 Stüd Stralsunder, 0,00. Aale, groß per Bfd. 1,10-1.30, mittelgroß 0,80-1,00, 7,50-9,00, 200 Stüd 9-13. Apfelsinen, Jaffa, per ifte 0,00, Murcia Hein 0,50-0,60. Heringe per Schod 5-9. Schellfische Kifte 5-6, do 200 er Stifte 7-10, bo. 300 er 8-10, Valencia 420 er Stifte 13-24,00, Stifte 3,00. Stablian, p. 100 Pfd. 30-35. Heilbutt 0,00. Sardellen, 1902er do. 714 er 17-23,50, Meffina, 16ter, 9-13,00, do. 200er 8,50-12,00, bo. 300er Fische 51-67. Barse, matt 0,00, do. 66-70. Starauschen 0,00. Blei per 100 Pfd. 3,00-6,00. Rotkohl per 100 Pfd. 3,00-6,00. munden Vereinigung der Maler, Lackierer, Auftreicher usw. Filiale Berlin. Sektion der Lackierer. Allen Kollegen die traurige Nachricht, daß unser altbewährtes, treues Mitglied, der Lackierer Alfred Graff am Mittwoch, den 27. Februar, nach längerem Leiden sanft entschlafen ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 3. März, nachmittags 3, Uhr, pünktlich von der Leichenhalle des St. PaulusKirchhofes in der Seestraße ( vis- a- vis der Lehrbrauerei) aus ftatt. Die Kollegen werden ersucht, fich recht zahlreich zu beteiligen. 124/00 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Polierer Wilhelm Butsche am 24. Februar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet 3. am Durch das so plötzliche und unerwartete Hinscheiden unseres braven Bruders Wilhelm Kohlmetz haben wir einen herben Berluft erlitten. Sein stets reges Intereffe für die Bestrebungen des Vereins Parteigenossen! 105/15 Bundesgenossen! Zu Beginn der Saison empfehlen wir unfere, in Arbeitertreifen febr beliebten, mit dem Original- Hülsengetriebe D. R.-P. 100 596 ausgestatteten Solide Preise. Nur Qualitat. Fahrräder. Weltgehendste Garantie. ſichern ihm ein bleibendes an Hochfeine Ausführung. denken bei den Mitgliedern. Vereinigung der ,, Blauen Brüder", Beelitz. 1801b Heute abend um 11, Uhr wurde meine liebe Frau, unsere liebe, herzensgute Mutter Minna Heider geb. Grothe im 49. Lebensjahre plöglich aus dem Leben gerufen. Dies zeigen tieftrauernd an Berlin, den 27. Februar 1907. Julius Heider nebst Kindern, Restaurateur, Manteuffelstr. 29. Die Beerdigung findet Sonntag, den 3. März, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes in Brig aus statt. 18065 am mittags 2, Uhr, von der Reichen Allg. Kranken- u. Sterbekaffe halle des Golgatha- Kirchhofes 81/18 aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Todes- Anzeige. Am Mittwoch, den 27. Februar, starb nach längerem Leiden unsere ltebe Mutter 18105 Wilhelmine Ebeling geb. Zählo. Die Beerdigung findet Somm tag, den 3. März, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Müllerftraße 29 aus nach dem neuen Nazarethkirchhofe statt. Dies zeigen tiefbetrübt an Otto Ebeling and Frau, der Metallarbeiter. ( Eingeschr. Hülfskaffe Nr. 29, Hamburg.) Filiale Berlin 6. Sonnabend, den 2. März, abds. 8 Uhr, bei Wiesenthal, Aderstr. 123: Mitglieder Versammlung. • Tages- Ordnung: 1. Die Anträge des Hauptvorstandes zur Generalversammlung. 2. Aufstellung der Kandidaten. 3. Wahl der vier Beifizer zum Wahl. fomitee der 10. Abteilung. Bahlreiches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. 18026 Heute Freitag bei Oranien Augustin, age 103: Frische Wurst. Teures Fleisch Großes Lager in Laternen und Zubehörteilen. Eigene Reparaturwerkstelle. Voran II Produktiv- u. Einkaufsgenossenschaft des B. A.-R.-B. ( Arbeiter- Radfahrer- Bund ,, Solidarität".) H. Zimmermann Berlin SO. Gold- und Silberwaren- Fabrik, Juwelier Oranienstr. 206 Uhren- Großhandlung. Eigene Werkstatt für Neuarbeit u. Reparatur. Streng reell.- Billigste Preise. 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Abt. nachmittags 122 Uhr nach der Arbeiterwohlfahrts Ausstellung, bei schlechtem Better per Bahn. Start: Elysium. D 6. Abt. nachmittags 1, Uhr nach Waidmannsluft, Schweizerhaus. Start: Oderbergerstr. 30. Heute: Abteilungsfitung. 7. Abt. nachmittags 1%, Uhr. Wohin, Frankreid 1870-1871. Briefwechsel des außerordentlichen Ge fandten it. bevollmächtigten Ministers der Vereinigten Staaten in Frankreich E. B. Washburne in Paris vom 17. Juli 1870 bis zum 29. Juni 1871. Ausgewählt, überfekt und mit eine Einleitung versehen bon Adolf Hepner. Preis brosch. 2,40 m., geb. 3 M. wird am Start, Kösliner Hof, bekannt Lohnarbeit und Kapital. gegeben. 11/12 Montag, 4. März, abends 9 Uhr: 0000008 Vorstands- Sigung Prinzen Dr. Simmel, Str. 41, 3/ 5Spezialarzt für Hant- und Harnleiden. bei Lorenz, Markgrafenstr. 83. Preislagen. 10-2,5-7 Sonntags 10-12, 2-4. Hypnotismus Duadratmeter 20 M. bertauft Gigen- ftimmt zum Erfolge führt. Gefellbon Karl Marx. Neu herausgegeben bon Karl Kautsky. Preis 25 Pf. 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Friz, Charlottenburg, Niebuhrstr. 77. Herbst; Schöneberg, Bambergerstr. Beiser, Schöneberg, Münchenerstr. 14. Boffe, Pariserstr. 38. Bau der Firma Hundt, Grimmstraße: Keller, Jägerstr. 63. Maaß, Lizenburgerstraße, Ede Pfalzburgerstraße. Beitscher, Kurfürstendamm 144. Hausherr, Stegliz, Hubertusftraße, Ede Schloßstraße. Stegliz, Ahornstr. 12, Ausbau. Rutter, Zehlendorf, Scharfeftr. 4. Scheuren, Zehlendorf, Milinowski. straße. Haase, Zehlendorf, Niemeisterstraße. Baftian u. Kabelis, Zehlendorf, Riemeisterstraße. Postbau, Niederschönhausen, Tres. tomftraße 67. Bauten der Firma Pusch, Pfarrstraße 35: Buggenhagen, Lichtenberg, Pfarr. ftraße 5. Burr, Simon Dachstraße. Karlshorst, Prinz Dstarstraße. Urbanstr. 3. Rummelsburg, Wilhelmstr. 8/4. Höselt u. Seifert, Karlshorft. Wolf, Nieder- Schöneweide. Schwindt, Charlottenburg, Ger. vinusstr. 3. Grothe, Mariendorf, Dorfstr.- Ede. Bauten der Firma F. Peschel & Söhne: Bertram, Schöneberg, Martin Luther ftraße 27. Uferstr. 5. Saalmann, Schwedenstraße. Maaß, Dortmunderstraße. Lehmann, Voigtstraße. Bauten der Firma Finkendet, Groß- Lichterfelde. Bernice, Steglig, Berlinideftr. 5. Hausherr, Groß- Lichterfelde, Ring straße, Ede Dührerstraße. Bau der Firma Brandenburg, Wilhelmstr. 124: Bonifaciusgemeinde, Dorfstr. 87/88. Schilling, Köpeniderstr. 27. Löffler, Krefelderstr. 8a u. 9. Henrizi, Charlottenburg, Suarezftraße 13. Bauten der Firma Vogt& Söhne, Stendalerstr. 6: Echtermayer, Driesenerstraße, Gde Stolpischestraße. Bau- und Sparverein Bestend. Bommel, Nirdorf, Kaiser Friedrichftraße 219/220. Hartmann, Cornely, Stubenrauchstraße. Friedenau, Thiele, Wilmersdorf, Raffauischeftraße. Herms, Pankow, Schmidtstraße. Bauten der Firma Lütjen& Bruns, Greifswalderstrake: Balentus, Charlottenstr. 7. Hubracht, Dahlmann. Ede Sybel straße. Noppen, Pankow, Bollantstr. 97. Bauten der Firma Fröbe, Hollmannstraße. Chudowidiftraße. Lichtenberg, Doffeftr. 4. Wegen Streit und Differensen find gesperrt: Für Vergolder: 3. C. Pfaff, Beughofftraße. Für Kammacher und Zelluloid- Arbeiter: Firma Grünberg, Seiler, Schöneberg, Eylauerstr. 3. Weißensee, Langhansitr. 58. Baugesellschaft Warthe", Rigdorf, Hermannstr. 32. Bau der Firma Stahl, Kur fürstenstraße 37: Ueberholz, Kurfürstendamm 170. Bauten der Firma Geißler, Dieffenbachstraße: Groterjahn, Schönhauser- Allee 129. Heffe, Pariserstraße. Supfe, Schlüterstraße, Ede Llegen burgerstraße. Neuendorf, Monumentenstr. 27. Menge, ftraße. Wilmersdorf, Schwäbische Burgall u. Martin, Faldenftein straße 49, Rottbuserdamm 87. Friedenau, Stubenrauchstr. 12. Villenkolonie Nikolassee, Sudeten ftraße, Körner. Desgl., Sudetenstraße, Notowsky. Edert u. Denneberg, Bödiderstr. 8. Beiser, Schöneberg, Münchenerstr.14. Bauten der Firma Törmer& Scharlau: Gr. Frankfurterstr. 126. Schmidt, Pasteurftr. 35. Rigdorf, Weichselstr. 48/49. Burnau, Charlottenburg, Mommsen straße 42/43. Lehmann, Charlottenburg, Momm. fenstraße 44. Wilmersdorf, Saifer- Allee 202. Bauten der Firma G. Bruns, Boppstraße: Wisbyerstr. 71/72, Geife. Schonenschestr. 3-4, Geife. Weißensee, Frisidestr. 3. Grünau, Jägerstr. 16, Baez. Lankwik, Surfürsten- und Frobenstraßen- Ede, Köhler. Bauten der Firma Völker, Tempelhof. Gräß, Bornholmerstraße, Ede Schön hauser Allee Hübner, Charlottenburg, Bismard-, Ede Weimarerstraße. Billa Werner, Alein Glientde bei Potsdam. Paulsen, Schlüterstr. 33/34. Lehmann, Dahlmannstraße, Ede Garvinusstraße. Bauten der Firma Lindgren, Rigdorf: Katzmann, Brüdenstr. 2. Bühler, Nigdorf, Bergstr. 112. Wipperstr. 25. Walter und Zu Mater, liusstraßen- Ede. Löwe, Gewehrfabcit, Wittenau. Altes Kriminalgericht, Moabit. Bauten der Firma Jensen & Wodrich: Für Bodenleger: Lug, Neue Kant- und Dernburg ftraßen- Ede. Bau Kottbuserdamm 84. Bau Kottbuserdamm 9. Buzug ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Annahme- Stellen für Kleine Anzeigen". Zentrum: Frik Zinke, Mauerstr. 89. A. Hahnisch, Auguststr. 50. Westen: G. Schmidt, Bülowstr. 52 Osten: W. Mann, Petersburgerplatz 4. M. Wengels, Rüdersdorferstr. 3, Gustav Bogel, Stoppenftr. 83. Nordosten: 2. Zucht, Keibelstr. 42. J. Neul, Barnimftr. 42. Norden: H. Naschke, Aderstr. 36. . Trapp, Rügenerstr. 24. Karl Mars, Lychenerstr. 123. Karl Weiße, Wiesenstr. 41/42. 2. Dechaud, Ruheplatstr. 24. H. Vogel, Lorgingstr. 37. A. Ties, Invalidenstr. 124. Nordwesten: Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. W. Schrolle, Gozłowskyftr. 29. Südwesten: 5. Werner, Mittenwalderstr. 30. . Schröder, Hagelbergerstr. 27. Süden: St. Frik, Prinzenstr. 31. F. Gutschmidt, Kottbuser Damm 8. Südosten: Paul Böhm, Laufiger Blak 14/15. P. Horich, Engel- Ufer 15. Charlottenburg: Friedrichsberg: D. Seifel, Stronprinzenstr. 50. Rixdorf: G. Scharnberg, Sejenheimerstr. 1 M. Seinrich, Nedarstr. 7. Conrad, Hermannstr. 50. Rummelsburg: A. Rosenkranz, Alt- Boghagen 56. Schöneberg: Wilh.Bäumler, Martin Lutherstr. 51. Weißensee: K. Fuhrmann, Sedanstr. 105. Jul. Schillert, Stönig- Chauffee 89a. Reinickendorf: P. Gurich, Provinzstr. 108. Samoaftr. 2, 3, 20, Bau Müller. Prinz Regentenstr. 116, Bau Last. Buchdruderei u. Berlaasanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW