Nr. 52. Abonnements- Bedingungen: · Abonnements Preis pränumerando: Bierteljahrl. 3,30 I., monatl. 1,10 R., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummier 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt" 10 Bfg. Boft. bonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crideint täglich außer Montags. 1521 67 Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrg. Die Inlertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ..Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf. stellen Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte, Inserate für die nächste Summer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Abreffe: ,, Sozialdemokrat Berlin. Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Das Verdikt von Dessau. Sonnabend, den 2. März 1907. " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsvreder: Amt IV. Nr. 1984. Herrn v. Dallwig, den Lesern der Vossin", der Nord d. sie sehen möchten, und so wuchern aus solchem Grunde die Allg. 3tg." und der übrigen Ordnungspresse blieb es so Giftpflanzen auf, die Anwürfe gegen die Arbeiterpartei, mit unbenommen, sich unter dem Täter einen waschechten deren Zucht die eifrige Dessauer Staatsanwaltschaft dem AnSozialdemokraten vorzustellen, einen Durchschnittsmenschen, halter Staatsminister einen so sehr schlechten Dienst geEs ist ein Verdikt über ein System, das am Donnerstag der nicht besonders zu Gewalttätigkeiten neigt, der leistet hat. zu Dessau im Schwurgerichtssaale gefällt worden ist. Nicht lediglich durch die„ Hezarbeit" der sozialdemokratischen Presse Wir bestreiten, wie die Leser hieraus ersehen, den Herren der Präsident des Gerichts hat es verkündet, aber festgelegt zu seiner Tat aufgereizt worden sei. Hätten sie erfahren, daß den guten Glauben" nicht daß sie diesen guten Glauben" ist es worden in den Tatsachen, die die Verhandlung festgestellt der Täter ein notorischer Säufer, einer der durch die Schuld aber hatten und womöglich noch haben, das ist für das hat. Das Verdikt über das System der Verleumdung der der Herrschenden in Unwissenheit und Unkultur stecken- herrschende System viel blamabler, viel vernichtender noch. Sozialdemokratie, über eine elende Praris, die nie in üppigerer gebliebener Proletarier aus jenen Gebieten war, wo die als es das Gegenteil wäre. " " " Fülle prangte, als in den Tagen des verflossenen Wahl- Messerstechereien Tagesereignisse sind, daß er wegen Diebstahls Bei der bürgerlichen Presse tommt zu all dem die be kampfes und die seitdem mit verstärkten Kräften weiter und wegen Körperverlegung bis in die jüngste Zeit vorbestraft wußte Fälschung und die vorsätzliche Unterschlagung hinzu. geübt wird. Nachdem es in den Kolonialwahlen gelungen ist, den war, dann hätte ihnen oder wenigstens den Denkenden Heute prangt in allen Berliner Ordnungsblättern der GerichtsSozialdemokraten Mandate abzujagen, sind unsere Feinde, entzückt unter ihnen- ja die Erkenntnis kommen müssen, daß für bericht unter dem schönen Titel: Ein blutiges Nachvon dem unerwarteten Erfolg ihrer Lügenpraxis, eifriger denn je im die Tat eines solchen Menschen, der wahrscheinlich in seinem spiel zur Reichstagswahl", obgleich der Bericht Verleumden der Arbeiterbewegung. Sie meinen, wie der ganzen Leben noch kein politisches Blatt gelesen hat, die So- mit messerscharfer Deutlichkeit beweist, daß der Mord mit der Oberst Kottwitz in Kleists Prinz von Homburg an jener Stelle, zialdemokratie unmöglich verantwortlich gemacht werden könne. Wahl nichts zu tun hat. Am gestrigen Abend brachte die die der Kaiser in seiner Stichwahlrede zitierte: Die Kunst und von diesem Verschweigen in der Ministerrede führen ehrenwerte Post" einen Artikel Ein sozialdemojett lernten wir, ihn zu besiegen- und find Fäden hinüber zum Plaidoyer des Staatsanwalts in der tratischer Mord", obgleich in derselben Nummer schon boll Lust, sie ferner noch zu üben." Db ein mit Dessauer Gerichtsverhandlung. Wir wissen nicht, Wir wissen nicht, ob der Anfang des Gerichtsberichts erschien, aus dem ein solchen Mitteln erfochtener Sieg dauernde Erfolge verbürgt, Herr Erster Staatsanwalt Brückner das Konzept für sind entnehmen mußte, daß die Anklage wider die Sozialdas kümmert diese furzsichtigen Augenblickspolitiker nicht. Und die Rede des Herrn v. Dallwitz geliefert hat oder demokratie zusammenzubrechen drohe. Und die höchſt ehrenwenn sie's selbst einfähen, sie müssen ja froh sein, über jede ob es ein anderes Mitglied der Dessauer Staatsanwalt- werte Tante Voß" bringt in ihrer heutigen Morgennummer noch so kurze Galgenfrist, die sie sich erkaufen oder erlisten schaft war, das den Minister so vollständig" informierte. noch einen Bericht über die Verhandlung zu Dessau, können. Und so denken sie mit dem Obersten Kottwiß des Jedenfalls hat aber der Erste Staatsanwalt, wie wir sondern bloß ein kurzes telegraphiertes Notizchen, das das Kleistschen Dramas, der dem Kurfürsten auf seine Worte: schon gestern gesagt, das eifrigste Bestreben gehabt, trotz des Urteil meldete. Das tut das Blatt, das bedauerte, daß ihm „ Den Sieg nicht mag ich, der ein Kind des Zufalls mir von zerschmetternden Ergebnisses der Beweisaufnahme von den die Entgegnung des Abg. Peus auf die furchtbare Anklage" der Bank fällt", erwidert: Trümmern der Anklage wider die Sozialdemokratie zu retten, nicht zuging! ,, Was fümmert dich, ich bitte dich, die Regel, " Nach der der Feind sich schlägt; wenn er nur nieder Vor dir mit allen seinen Fahnen sinft? " " " " was nicht zu retten war. Zu diesem guten Zwecke brachte Unsagbarer Etel steigt im Halse auf bei der Beobachtung er es fertig, von dem mehrmals vorbestraften Raufbold Gall- folcher Wohlanständigkeit", die sich hoch über den sozialbiersch zu sagen, daß er nicht über seine Streise hinaus demokratischen Sauheerdenton" erhaben fühlt. Das sind Die Regel, die ihn schlägt, die ist die höchste." gewalttätig" sei, das heißt also, daß der Mord sich nicht aus unsere Gegner, das sind ihre Waffen! Und so sind sie voll Lust, die Kunst des Verleumdens der Natur des Angeklagten heraus ohne weiteres erkläre, Wie jämmerlich muß es um eine Sache bestellt sein, ferner noch zu üben ,, die Regel, die ihn schlägt, die ist sondern daß es ganz besonderer Umstände bedurft hätte, um die mit solchen Mitteln verteidigt wird! die höchfte" ihn zum Mörder zu machen! Der Angeklagte wurde lichter Und die Lüge vom sozialdemokratischen Mord zu kleinMit Gier hat sich deshalb die bürgerliche Presse wenige dargestellt, um etwas Schwarz für die Sozialdemokratie übrig Möhlau ist nur ein Tropfen aus einem schier unabsehbaren Blätter ausgenommen auf die Schauergeschichte vom zu behalten. Herr Brückner ist der Ansicht, daß die Verhandlung Meer von Lügen, das sich nimmer erschöpfen und leeren sozialdemokratischen Mord in klein Möhla u feine volle Klarheit über die Motive gebracht habe was will. Mag es. Mag es immer aufs neue seine schmukigen gestürzt, die der anhaltische Staatsminister v. Dallwig, den ihn aber nicht hindert, sofort eingehend seine Schlüsse" über Wellen gegen den Felsen der Arbeiterbewegung schleudern, es Feststellungen" eines eifrigen Staatsanwalts boreilig ber die Motive borzutragen. Und er schließt, es sei doch wird ihn nicht zerbröckeln noch überfluten. Schließlich erkennt trauend, im Landtage des Herzogtums Anhalt als Waffe wenigstens Wahrscheinlichkeit vorhanden für die Meinung, daß auch der politisch Harmloseste den Schwindel, wenn allzugegen die Sozialdemokratie benutzt hatte. Ein freisinniges der Täter aus politischen Motiven gehandelt hat. Seine häufige Wiederholung ihn erst einmal stußig gemacht hat. Es Blatt, die Bossische Zeitung", war bezeichnender- Stüßen sind der dem Ortsvorsteher, der Person, die ist der Wahlspruch verzweifelter Spieler, das Wort: Die weise das erste Berliner Blatf, das diese Rede des Herrn beim Verhör des Täters naturgemäß die gespannteste Aufmert- Regel, die ihn schlägt, die ist die höchste," b. Dallwik brühwarm seinen Lesern vorsetzte und das sich famkeit aufbieten mußte, nicht erinnerliche angebliche Aus verzweifelter Spieler, die auch der eben gelungene glückliche ebenso wie seine ehrenwerte Nachtreterin, die Nordd. Allg. spruch des Gallbiersch„ Er hat ja falsch gewählt" und das Fischzug auf die Dauer nicht vor dem Bankrott bewahrt. 3tg.", das Blatt des Kanzlers, beharrlich geweigert Ried auf den kleinen Cohn", das der festgenommene Mörder hat, die Entgegnung und Widerlegung des Genossen Peus bei seiner Verhaftung anstimmte und das auf den im Mittelseinen Lesern vorzulegen, obgleich es selbst bei der Wiedergabe punkte des Dessauer Wahlkampfes stehenden linksliberalen der Ministerrede heuchlerisch bedauert hatte, daß ihm die Er- Landtagsabgeordneten Cohn hinweisen soll. Ein Lied, das der widerung des Abg. Peus auf diese furchtbare Anklage" Gallbiersch wohl hundertmal während des Wahlkampfes hat nicht mitgeteilt worden sei! hören können. Weshalb ers aber gerade bei seiner Verhaftung Jezt, wo die freche Kurzbeinige Lüge von der Wahrheit anstimmte? Es wäre gerade so gescheit, zu fragen, weshalb eingeholt und schmählich erwürgt worden ist, wo die Ver- der Täter bei seiner Verhaftung und Vernehmung andere unhandlung Licht verbreitet hat über Tat und Täter, über sinnige Aeußerungen tat, wie die:" Es fönne mir jeder( der Opfer und Begleitumstände, jekt ist es Zeit, sich die Ver- Umstehenden) zwei Pfennige geben, dann hätte ich schönen ein Arbeiter, gewählt. öffentlichung der Vossischen Zeitung" und der Nordd. Allg. Schnaps." Zeitung" noch einmal in ihrer ganzen Pracht zu vergegen- Wer weiß, wie sich in dem armen Kopf dieses Die Arbeiterfreise in Petersburg gehen mit dem Gewärtigen. Sie lautete: unglücklichen Opfers des Altohols, der Unterdrückung und Sanken um, am Tage der Eröffnung der Duma einen einNach staatsanwaltschaftlichen Ermittelungen ist in Klein- Ausbeutung die Vorstellungen wirr durcheinanderdrängen, zu- tägigen Streit zu veranstalten, um den Sieg der Opposition möhlau, wie der Minister v. Dallwig im Landtage bekannt gab, mal in dem Zustand, in dem sich der Täter damals befand. bei den Wahlen feierlich zu begehen und die Gemeinschaft ein junger, tüchtiger Arbeiter, der den Abg. Schrader gewählt hatte, Aus solchen nichtssagenden Aeußerungen eines solchen Men zwischen der Arbeiterbevölkerung Petersburgs und der Reichs. weil er es verschmäht hat, seine nationale Gesinnung zu verheim- schen bei solcher Gelegenheit der Sozialdemokratie einen Strick duma zum Ausdruck zu bringen! Auf der Wiborgschen Seite lichen, noch am Wahltage von sozialdemokratischen Arbeitsgenossen meuchlings mit dem Messer überfallen und so lange mit Messer- zu drehen, dazu gehört allerdings eine besondere Vorurteils- in Petersburg fand eine Reihe von Versammlungen statt, in ftichen bearbeitet worden, bis er verschied. Mit 22 Messerstichen freiheit, über die die öffentliche Meinung, soweit sie nicht von welchen sich die Teilnehmer für den eintägigen Streit auswar der Störper des unglüdlichen Mannes durchbohrt. Weiter wildem Sozialistenhaß geblendet ist, nur ein Urteil haben sprachen. fagte der Minister: Es ist in der Tat weit gediehen in Anhalt, wird. Die Offiziere. " Die russische Revolution. Petersburg in der Duma. Petersburg, 1. März.( Meldung der Petersburger Tele. graphenagentur.) In Petersburg find 6 Abgeordnete für die Duma gewählt worden. Unter ihnen befinden sich 5 Kadetten: der frühere Minister für Aderbau, Suttler, Strube, Seffen, der Priester Betroff und Fedorow. Ferner wurde noch ein Mitglied der Arbeitspartet, Demonstrationsstreik. Schandliſte an: Moskau: Rebinder, Kommandeur des Astrachanschen Regiments, Vorsitzender. Nichter: Oberstleutnant Nitolsty, Kapitän Bost nitow, Stabstapitän Nogowikow. vertreter: Oberstleutnant Iwanow, Rapitän Stanajtes." Die Studenten. wenn ein deutscher Mann, ein deutscher Arbeiter, weil er feine Der Staatsanwalt hat aber noch einen Grund für seine Die Regierung hat dafür gesorgt, daß die Namen der Offiziere, Gesinnung frei und offen vertritt, weil er einen nationalen, noch Schlüffe" wider die Sozialdemokratie. Wenn der politische die in den Feldkriegsgerichten als Richter fungieren, nicht an die dazu linksliberalen Kandidaten wählte, feine Gesinnungstreue und Haß nicht angenommen wird, so fehlt der zureichende Grund Deffentlichkeit dringen! Nun wird aber der Schleier des GeGewissenhaftigkeit mit dem Tode büßen muß. Der elende Mörder wird der gerechten Strafe ja nicht entgehen; es bleibt aber doch für die Tat! Die kleine Rempelei ist ihm nicht hinreichender heimnisses ein wenig gelüftet. In Nr. 2 des„ Wojenny Sojas" immer nur eine unbefriedigende Sühne, wenn zwar die Schwere Grund. Man faßt sich an den Kopf, wenn man das lieft!(„ Der Militärverband"), Organs des Nördlichen Organisations. des Gesetzes die betörten Werkzeuge trifft, die geiftigen Urheber Bei einem zweifellos geistig minderwertigen, wenn auch fomitees des Offiziersverbandes, finden wir folgende Zeilen: solcher bestialischen Verbrechen aber frei ausgehen. ... Herr nach dem Urteil der Sachverständigen- wozu allerlei zu sagen„ Die ganze ruffische Armee hat ein Interesse daran, daß das Peus, die Saat des Sasses, die zu solchen Eaten führt, wäre, was wir aber hier nicht tun wollen, nicht direkt Dunkel weiche und daß die Namen der Offiziere, die an den Felddie wird der Jugend eingeimpft durch gewissenlose Boltsverführer, unzurechnungsfähigen Menschen, bei einem notorischen Säufer, friegsgerichten teilgenommen haben oder teilnehmen, bekannt ge die den Kampf gegen Staat und Gesellschaft erwerbsmäßig be- der unter der Wirkung des Alkohols seinen Vorsak faßt und macht werden. Ans schwarze Brett mit diesen treiben. Die moralische Verantwortung für diese Tat fällt dem der bei Begehung der Tat mindestens noch ein wenig rauschig" Namen! Wir fangen heute mit der Veröffentlichung dieser jenigen Teil der sozialdemokratischen Presse zur Last, deren Schreibweiſe zu derartigen Verbrechen geradezu anreizt. Aber auch die sozial- war, berlangt der Herr Erste Staatsanwalt einen zu bemokratische Parteileitung wird sich dem Borwurf nicht entziehen reichenden Grund für die Tat! Es erübrigt sich, dazu noch können, daß sie das gemeingefährliche Treiben ihrer Organe nicht mehr zu sagen! Wem diese Verhandlung die Tat und ihre Motive nicht nur geduldet, sondern auch gebilligt und teilweise gefördert hat." Dagegen halte man nun die Ergebnisse der Verhandlung! erhellt hat, wem sie nicht zeigt, daß es unerhört ist, die Der notorische Säufer und Raufbold Danisch, der fünfzigmal Sozialdemokratie mit ihr auch nur in indirekte Verbindung zu aus einer und derselben Wirtschaft Hinausgeworfene, der bringen, dem ist nicht zu helfen, den zu belehren müssen ehemalige Schuhmann, der in der Trunkenheit sich als Patriot wir aufgeben. Die Haltung des Staatsanwalts, die Rede des und Autorität aufspielte, friedliche Leute belästigte und fälsch- Ministers zeigen uns lediglich, mit welcher Befangenheit die lich beschuldigte, er marschiert zur höheren Ehre des beamteten Hüter der Ordnung der Partei der Arbeiter gegenPatriotismus als ein junger tüchtiger Arbeiter" boll überstehen. Da die Herrschenden uns im sachlichen Kampf Gesinnungstreue und Gewissenhaftigkeit auf, der es ver- zu überwinden nicht zu hoffen wagen, so find sie allmählich in schmäht hat, seine nationale Gesinnung zu verheimlichen" und einen Zustand der Gereiztheit und der Erbitterung gegen die id pot der deshalb von sozialdemokratischen Mörderfäusten den Sozialdemokratie geraten, der sie dahin bringt, in den verbitteren Tod erleiden mußte, als ein weißes Unschulds haßten Gegnern Unmenschen, schwarze Bösewichte zu sehen, Iamm, das kein Wässerlein getrübt hat. denen alles zuzutrauen ist. Aus dieser Stimmung herans Doch das ist nur die eine Seite des Aufbaus der fallen sie auf jede Beschuldigung gegen die Sozialdemokratie Schauergeschichte. Man beachte wohl, daß jede An- hinein, werden sie, wie die Dessauer Staatsanwaltschaft, leicht gabe über die Perfon des Täters fehlt. Den Hörern des gläubige Selbstbetrogene, die nur noch das sehen, was Kiew, 28. Februar. Die hiesige Universität ist heute geschlossen worden, weil die Studenten gestern troß eines entgegenstehenden Beschlusses des Professorenrats eine Versammluna abgehalten hatten. Politische Uebersicht. Berlin, den 1. März 1907. Wahlnachklänge. Die Aufregung über die unter noch nie dagewefenem offiziellen Druck vollzogenen Reichstagswahlen zittert in allen Reden zum Etat nach. Kein Redner des„ nationalen Blocks" vermag es, die Anklagen Bebels und Gröbers gegen die Wahl keemfrussungen bor Regierung unb bot b'urch sie begünstigten Parteien zu entkräften, obgleich bie Rebner in bieser Richtung ein krampfhaftes Bemühen an den Tag legen. Weber F ü r st Hatzfeldt noch der Lanbrat a. D. Winkler von den Konservativen vermochten bie Ntonotonie ihrer Reben mit Beweisen zu spicken, burch welche bie amtliche Beeinflussung ber Wahlen ober die lügenhafte Wahlagitation ber Block- Parteien entlastet werben könnte. Bon ganz besonberer Bs- deutungslosigkeit war bie schwache Abwehr des Fürsten Hab- felbt gegen ben Vorwurf absolutistischer Bestrebungen unb Neigungen in Richtung auf ben Staatsstreich, wie es benn auch von bemagogischer Wahltreispolitik zeugte, baß ber mit freisinniger Hülfe gewählte Fürst bie'„Ermannung unb ben Auffchwung des deutschen Bürgertums" pries, um sich auch künftig bie freisinnige Wählhülfe zu sichern. Noch tiefer als die Reben dieser Konservativen stand je- doch die Leistung des Nationalliberalen S e m l e r, der unter spöttischen Zurufen und ironischer Heiterkeit wie ein wild- gewordener Spießer mit geradezu unglaublichen Plattheiten und Widersprüchen die Zeit totschlug. Er hatte sich vor- genommen, seinen Fraktionsführer B a s s c r m a n n heraus- zuhauen! Ist dies nun bei der jämmerlichen Windfahnen- Politik Bassermanns überhaupt unmöglich, so kann Basscrmann seinem Verteidiger Semler mit ganz besonderer Berechtigung das Wort zurufen:„Gott beschütze mich vor meinen Freunden!"— Semler bestritt z. B. die nachgerade weltbekannte Tatsache, daß Bassermann seine bekannte Interpellation über die auswärtige Politik in der letzten Session des aufgelösten Reichstages mit dem Reichskanzler verabredet habe! Für diese beweislose, noch dazu tölpelhaft vorgetragene Behauptung fand er nur Gelächter. ebenso lohnte ihn schallende Heiterkeit, als er die Mandats- schnorrerei Bassermanns mit der Behauptung zu bemänteln suchte: es seien Bassermann ein Dutzend sichere Wahlkreise anaeboten worden? Danach scheint Basfermann die Partei- widrige Neigung zu haben, partout nur mit fremder Hülfe ein Mandat zu erhaschen; denn seine Wahl verdankt er be- kanntlich den Konservativen und den Freisinnigen. Bezeich- nend für die Drehscheibenpolitiker war übrigens noch die Danksagung Semlers an die Regierung für deren Wahl- beihülfe. Genosse Singer hielt nunmehr dem Herrn v. B ü I o w und seinem Troß ein Spiegelbild der amtlichen Wahl- bceinflussung vor, das den reichskanzlerischen„Dirigenten der Wahlen" als Nachahmer der französischen Präfektenwahlen dekolletierte. Angesichts der Uebertreibung der sozialdemo- kratischen Mandatsverringerung führte Singer die Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen sowie das Wachstum unse- rer Organisationen und der Abonnentenzahl unserer Presse an. Für die niederträchtige, verlogene und gemeine Agitation des„Reichs-Verleumdungsverbandes" brachte er eine Masse unwiderlegliches Bcweismaterial bei. Unter anderem fertigte er die vom Reichskanzler nachgesprochene Unwahrheit ab: in Anhalt habe ein sozialdeniokratischer Wähler einen anderen ermordet, weil dieser freisinnig ge- wählt hätte. Die Gerichtsverhandlung in Dessau hat die Bodenlosigkeit dieser Unwahrheit erwiesen. Auch die Frank- furter Affäre und deren unwahre Darstellung blieb dem so miserabel informierten Kanzler nicht geschenkt. Die Pastorale Belehrung der Sozialdemokratie seitens des Herrn v. Äülow lehnte Singer ironisch ab, und er verbat sich die Moral- predigten über guten Ton von feiten derjenigen, die selber gegen den guten Ton aufs gröblichste verstoßen. Die vom Reichskanzler wiedergekäute Behauptung, daß der Dresdener Parteitag die„Niederlage" der Sozialdemo- kratie herbeigeführt habe, stellte Singer in die richtige Be- leuchwng, indem er sagte, der Reichskanzler müsse sich doch eigentlich freuen über den Dresdener Parteitag, falls dieser wirklich der Sozialdemokratie geschadet haben sollte! Daß im übrigen all das Geschwätz durch den Mannheimer Parteitag entkräftet ist, der eine großartige Bekundung der Ueber- einstimmung der überwältigenden Mehrheit der Partei be- deutet, gegen die das Auftreten einzelner Genossen wie Schippel, Calwer, Bernstein usw. gar nichts zu bedeuten habe, verabsäumte Singer auch nicht zu betonen. Nach kräftiger Abstrafung des Freisinns für feine reaktionären Wahldienste und nach einer durch Beweise erhärteten Schilderung der Boykottierung und Vergewaltigung der Arbeiter durch die kapitalistischen Ausbeuter legte Singer ein die national- liberale Wahlmoral charakterisierendes Stichwahlflugblatt für Paaschc vor, in welchem der Gegner, der General v. Gröben, gerade das zum Vorwurf gemacht ist, was Paasche selber begangen hat, nämlich die Unterstützung der Lebensmittel- Verteuerung durch den Zollwucher! Graf Posadowsky nahm nach Singer das Wort und bestritt, daß der Zollwucher die deutschen Arbeiter schwer belaste: die englischen Arbeiter seien durch Zölle schwerer belastet als die deutschen Arbeiter! Dieser Sauptvertreter des Wucherzolltarifes unterließ es aber wohlweislich zu sagen, daß die deutschen Arbeiter über die reichsfinanziellen Er- trägnisse des Tarifs h i n a u s die im Inland erzeugten, durch die Zollwirkung verteuerten Produkte auch verbrauchen und dafür höhere Preise zahlen müssen, die ihnen weit, weit mehr abdringen, als die Zahlen des Staatssekretärs glauben machen wollen. Nach einer mißglückten Selbstverteidigung des frei- sinnigen Regierungskandidaten Eickhoff, der nichts; aber auch gar nichts von einer amtlichen Beeinflussung zugunsten seiner Wahl verspürt haben will und zum Beweise dessen einen Briefwechsel zwischen ihm und dem Flotten-Keim verlas, und sich bitter über Angriffe des„Vorwärts" beschwerte, ritt noch der Generalissimus des Reichslügenverbandes, der Abgeordnete V. L i e b e r t, sein Rößlcin in die Arena. Er setzte die ver- logene Wahlagitation des von ihm geleiteten Verbandes durch die Wiedergabe erfundener und bereits während der Wahl- bewegung eingehend widerlegter Behauptungen fort. Auch die Lüge wiederholte er, Genosse Schöpflin habe die deutsche Reichsflagge beschimpft, obgleich ihm von sozialdemokratischer Seite mehrfach zugerufen wurde, die Behauptung sei erlogen und öffentlich widerlegt!— Es wird mit dieser die öffentliche Moral vergiftenden Tätigkeit des Reichsverbandes noch ab- zurechnen sein._ Abgeordnetenhaus. Im Abgeordnetenhause bewegte sich am Freitag die Be- ratung des Etats der Handels- und Gewerbeverwaltung in gewohnter Langweiligkeit. Die wichtige Frage der G e- werbeaufsicht wurde nur ganz oberflächlich gestreift. Der Standpunkt der Regierung ist ein durchaus ablehnender gegenüber allen Reformvorschlägenl An die Hinzuziehung von Arbeitern ist nicht zu denken, von der Anstellung von Aerztpn und Hygienikern jpiö man Mts. wissen,, und bezüg- lich der weiblichen Assistenten läßt man es bei dem bereits vor Jahren gemachten Versuch bewenden! In ganz Preußen sind vier weibliche Fabtikinspektoren als Assistentin- nen angestellt. Und. da wagt man es, von einem Fortschritt der Sozialreform zu reden! Ein großer Teil der Sitzung wurde durch die Erörte- rungen icher das Fortbildungsschulwesen ausgefüllt. Es zeigte sich, daß die zuerst nur von den Sozial- demokraten propagierte Forderung auf Einführung des obligatorische» Fortbildungsschuluntcrrichts und um Verlegung des Unterrichts in die Abendstunden jetzt sogar im Ministerium Anerkennung finden! Trotzdem wird man sich natürlich auch in Zukunft nicht scheuen, die Sozialdemokratie. als eine Partei hinzustellen, die„niemals positive A u r e g u n g e n g e g e b e n" hat.— Sonnabend: Fortsetzung der Etatsberatung. Scharfmacher-Terrorismus. Der Verlust des RiesenindustrickreiseS Duisburg- Mülheim, der Kreis, in dem ein S t i n n e s und Thyssen und ähnliche Größen residieren, scheint.das Scharfmachertum in eine geradezu maßlose Wut versetzt zu haben. Daß M a ß r e g e- lungen unserer Genossen, soweit dieselben durch die Macht des Protzentums erreichbar, eintreten würden, war vorauszusehen; aber daß diese Maßregelungen sich auch gegen die katholischen Arbeiter, die unseren Genossen Hengsbach in der Stichwahl ge- wählt haben, mit solcher Schärfe richten würden, wie das jetzt der Fall ist, das hat man doch nicht erwartet. Bisher galt das Junker- tum als das brutalste, aber auch ehrlichste Feind der Arbeiter- bewegung. Es scheint jedoch, als ob ihm das rheinisch-westfälische Schlotjunkertum die Palme der Brutalität streitig machen will. Da» Organ der Kapitalprotzen, die„Rhein- und Ruhrzeitung", fordert heute nicht mehr und nicht weniger— als den Boykott der gesamten Geschäftsleute, die im Verdacht stehen, in der Stichwahl für Hengsbach gestimmt zu haben, sowie die Massenmaßregelung der Arbeiter. Weil nun aber das Kaffernkartell im Duisburger Wahlkreise ebenfalls von den„besseren" Katholiken einen an- sehnlichen Zuwachs erhalten hat. so soll der Geschäftswelt gegenüber Vorsicht geübt werden. Die„Rhein- und Ruhrzeitung" schreibt: „... Man würde durch einen Boykott der katholischen Ge- schäftswelt zum großen Teile sich die Leute entfremden, die in der Stunde der Rot mit den nationalen Parteien Schulter an Schulter kämpften. In Privatkreise» muß man also sehr sorg- fältige Musterung halten, ehe mau die schwarzen Böcke tu die Wüste stößt. Lieber ein solches schwarzes Schaf ungestraft laufen lassen, als Tausenden unserer gut nationalgcsinnten katholischen Mitbürger Grund gu geben, über politische Ungerechtigkeit zu klage n."— Andere Töne schlägt das Scharfmachcrorgan gegen die Arbeiter an. Das charakteristischste sind folgende Sätze: „Wesentlich wichtiger als die Gesinnungs- schnüffelet in den Kreisen der katholischen Geschäftswelt usw. scheint es uns, die Aufmerksamkeit der Industrie auf einen Punkt zu lenken, der bisher leider viel zu wenig Beachtung fand, der die nationale Niederlage zum guten Teil mit verschuldet hat. Tic Annahme der Arbeiter liegt auf diesen Werken zum Teil in Händen, die keineswegs irgendwelche nationalen Interessen im Auge haben, sondern ganz einseitig andere politische Wünsche berücksichtigen. Für einen evaiigeli- scheu Arbeiter hält es auf manchen Werken, nanientlich in Zeiten wirtschaftlicher Ruhe, ganz außerordentlich schwer, lohnende Arbeit zu bekommen. Die schwärzt» und roten Agitatoren, die auf den Werken unter den Augen der Meister und Betriebs- beamten ganz offen rücksichtslose Propaganda treiben, sollte man scharf ins Auge fassen und ihnen bei gelegener Zeit die Möglichkeit raube», ihre destruktive politische Tätigkeit innerhalb der Fabrik- mauern auszuüben. Ein scharfes Borgehen in dieser Beziehung ist die Forderung des TageS." Es ist natürlich Blödsinn, wenn man es so hinzustellen sucht, als ob die„roten und schwarzen Agitatoren" in den Industrie- werken eine Koalitionsfreiheit genossen hätten. Von dem Re- giment der Zechenparvenus kann nur der sich ein richtiges Bild machen, der selbst in den Werken gearbeitet hat. Soll das noch schlimmer werden? Eine Steigerung gibt es kaum. Aber dankbar können wir dem Scharfmacherorgan sein für seine Offenheit. Die liberale Presse hat in den letzten Wochen viele von ihr selbst- fabrizierte oder ihr von Korrespondenzbureaus gelieferte verlogene Nachrichten über sozialdemokratischen TerroriSmus veröffentlicht; gegen den Terrorismus ihrer Anhängerschaft energisch Stellung zu nehmen, fällt ihr jedoch nicht ein. DaS höchste, was sie fich leistet, sind einige kleine konfessionelle Bedenken. Gegen die Terrori- sieruna der sozialdemokratischen Arbeiterschaft haben die„an- ständiges" Blätter nichts einzuwenden. Soweit reicht die„An- ständigkeit" nicht.—_____ Die Regierung als Wahlagentin. In einer Versammlung deS nationalliberalcn Vereins in Köln besprach dessen Vorsitzender. Professor Moldenhaucr. in einem Vortrage über den neuen Reichstag eingehend die bekannten Kompromißverhandlungen, die zwischen Haupt- und Stichwahl in Rheinland-We st falen zwischen dem Zentrum und den Nationalliberalen gepflogen worden sind. Wie sich aus dem Vortrage ergab, hätten die National- liberalen gerne einen Kuhhandel mit den bis zur Hauptwahl wild bekämpften Klerikalen gemacht; das Zentrum hat aber den Nationalliberalen zu geringe Zugeständnisse gemacht und, wie Herr Moldenhauer sagte, absichtlich unerfüllbare Bedingungen gestellt. um das Kompromiß unmöglich zu machen. Man hatte die national- liberal-freisinnige Wahlkommission ermächtigt, mit dem Zentrum Verhandlungen zu pflegen, wenn es solche beantrage. Aber das Zentrum kam nicht. Wohl aber, so berichtete Professor Moldenhauer weiter, begann die Regierung Ver- Handlungen und lud zu diesen mehrere Herren der national- liberalen Partei zu D o n n e r S t a g. den 3l. Januar, ein. Die Verhandlungen schloffen an dem betreffenden Donnerstagabend damit, daß die Vertreter der Regierung sich er- boten, die von der liberalen Partei gemachten Vorschläge dem Zentrum zur Annahme mitzuteilen. Am Freitag, den 1. Februar, wurden die Erörterungen fort- gesetzt, ohne daß von dem Zentrum schriftliche Vorschläge vorlagen; außerdem war das Entgegenkommen des Zentrums so gering, daß nur wenig Aussicht auf das Zustandekommen eines Kompromisses bestand. Am Sonnabend, den 2. Februar, wurde Professor Moldenhauer morgens 9 Uhr noch esnmal zu einer'Besprechung gebeten, in der ihm nun, wie er berichtet,„durch die Regierung ein Schreiben des Zentrums zur An- nähme und Unterschrift übergeben wurde", wonach die Zentrums-, die nationalliberale und die freisinnige Partei sich verpflichteten, gegenseitig für einander gegen den Sozialdemokraten in folgenden neun Kreise» einzutreten: Alte�ia-Jserlohn. Bielefeld- Wiedenbrück(Exzellenz v. Möller), Bochum-Gelsen- kirchen, Köln-Stadt(Trimborn), DuiSburg-Mül- heim, Düsseldorf, Elberseld-Barmen, Esse» (Giesberts). Lennep-Mettmann(Eickhofft. Da» ftMR* promiß sollte aber für das Zentrum nur dann als bindend gelten. wenn es noch am selben Tage durch eine allgemeine Wählcrversammlung der.vereinigten liberalen Parteien in Köln genehmigt werde. Die letztere Bedingung war nach Ansicht der Liberalen absichtlich hineingebracht, weil sie unerfüllbar war, um so mehr, als der betreffende Tag ein lokaler Feiertag und weil an dem Abend wegen der Karnevalssaison in ganz Köln kein Saal zu haben war. Ferner fehlten in der Aufstellung die für die Nationalliberalcn sehr wichtigen Wahlkreise: Wetzlar- Altenkirchcn. Dortmund, Hagen. Herford-Halle und die Kreise in Hessen und Nassau. Es standen den drei Zentrumswahlkreiscn Köln, Düsseldorf und Essen für die National- liberalen nur Duisburg-Mülhcim als Gegenleistung in dem Ber- trag. An diesen Umständen ganz allein— nicht etwa an der Charakterstärke der Liberalen— ist der Kompromiß gescheitert. Herr Moldenhauer klagte, das Zentrum habe die Kölner Liberalen mit seinen Bedingungen nur höhnen wosscn und absicht- lich die Verhandlungen vereitelt.% Die Darlegungen des Herrn Moldenhauer sind höchst charakteristisch für die von der Regierung betriebene Wahlmache— besonders, wenn man sie mit den Enthüllungen des„Bayer. Kuriers" vergleicht. Es zeigt sich, daß die Regierung nicht nur für die Verbreitung von schamlosen, verlogenen Flugblättern Geld hergegeben hat— angeblich aus unbekannten privaten Fonds, sondern daß auch ihre Beamten direkt als Wahlmakler fungiert haben. Diese Tatsache beweist aufs neue, wie lächerlich es ist, wenn die Regierung behauptet, sie stände als unparteiische Instanz über den Parteien. In Wirklichkeit ist sie nichts als ein Ausschuß der herrschenden Klassen zur Wahrnehmung der Interessen ihrer Klienten. Die Mär vom„sozialen Königtum" ist eine der albernsten Legenden des letzten Jahrhunderts.— 7400 Mann für Südwestafrika. In der Denkschrift für Südwestafrika wird nunmehr mit- geteilt, daß die Truppenzahl bis zum Schluß des Rechnung s- jahreS 1906, also bis zum 1. April, auf 7496 Mann herab- gesetzt werden solle. Diese Zahl sei für die„nächste Uebergangs- zeit" nötig, übrigens sei mit Rücksicht auf das erforderliche Her- ausziehen der Heimatstransporte ein weiteres Heruntergehen unter diese Zahlengrenzc bis zum 1. April überhaupt nicht möglich. „Nach der fortschreitenden Besiedrlung, der damit zusammen- hängenden friedlichen Anpassung der Eingebe- r e n e n und ihrer Gewöhnung an Arbeit, vor allem aber nach der weiteren Erschließung des Landes durch Eisen- bahnen wird sich das Maß der Zurückziehung der Truppen regeln müssen." Die Truppenstärke von 7490 Mann wird ferner deshalb für notwendig erklärt, weil zur Bewachung von rund 16 999 Gefangenen ein nicht unbeträchtlicher Teil der Truppen benötigt werde. Außer- dem lebten von den.15 999 freien Eingeborenen außer den Bersebären die Bastards vo» Rehoboth. und Otjirnbingue, die Bergdamara in Otombahe und die Betschuancn um Aminuis zum Teil noch bewaffnet und beritten auf eigenem Besitz. Den zwischen ihnen angesiedelten Farmern müsse militärischer Schutz gewährt werden. Wir haben schon früher hervorgehoben, daß es sich nur um wenige Taufende waffenfähiger Eingeborenen handelt, die auch von einer viel geringeren Truppe genügend in Schach gehalten werden könnten, zumal man doch auch die 2999 bis 3909 bewaffneten Ansiedler. Händler, Beamten usw. berücksichtige« müsse. Aber man will nun einmal seine Kolonialarmce in Südwestafrika be- halten. Nach ein paar Jahren, nach Vollendung der Eisen- bahnen usw. wird man um weitere Vorwände zur Bei- bchaltung der Kolonialarmee nicht, verlegen sein. Hervorgehoben verdient außerdem zu werden, daß erst Mitte Februar noch die«N o r d d. A l l g c m. Z t g." erklärte, daß die Schutztruppe bis zum Sommer ckus 6999 Mann vermindert werden könne. Um wie viel Mann dann noch eine weitere Reduzierung der Schutztruppe eintreten könne, hänge von dem militärischen Oberkommando des Schutzgebiets, sowie davon ab, wie der Reichstag sich zu der Frage stellen werde. Jetzt, 14 Tage später, erklären die militärischen Sachverständigen der Denkschrift, daß für die. nächste Uebergangszeit nicht 6999, sondern 7499 Mann notwendig seien? So bewegen sich die offiziösen Auslassungen in fort» währenden Widersprüchen!»-- *•* Deutfcbes Reich. Offiziöse BerdunkelungSversuche. Bekanntlich hatte die sozialdemokratische Presse gegen die Re» gierung den Vorwurf erhoben, daß der Reichstag am 13. Dezember, d. h. am Tage seiner Auflösung, von dem RegierungSvertretcr Qu ade über die wirkliche Situation in Südwcstafrika ge» täuscht, namentlich aber über die— nach dem späteren offi- ziöscn Geständnis bereits seit Anfang Oktober schwebenden .Friedensunterhandlungen völlig in Unwissenheit er» halten worden sei. Oberstleutnant Ouade, der Vertreter der Re- gierung, hatte ja bekanntlich noch am 13. Dezember im Reichstag behauptet, daß, während früher schon einmal die Zahl der im Felde stehenden Hcreros auf weniger als 399 herabgegangen ge» Wesen sei, sie gerade jetzt wieder ans 599 bis 699 geschätzt werde! Die„Nordd. Allgem. Ztg." hatte sich dieser Kritik gegenüber darauf berufen, daß der endgültige Friedensschluß mit den Bondelzwarts erst am 28. Dezember zustande gekommen sei. Sie hatte dabei freilich zugegeben, daß sie von den schwebenden Fricdensunterhandlungen bereits früher Kenntnis er. halten habe. Ja am 16. Dezember stellte sie sogar die kühne Be- hauptung auf. daß auch dem Reichstag von diesen Friedensunter- Handlungen Kenntnis gegeben worden sei— eine Behauptung, die durch die obige Acußerung deS Oberstleutnants Ouade als grobe Unwahrheit charakterisiert wird. Am 39. Januar hatte dann die„Nordd. Allgem. Ztg." zur Widerlegung der sozialdemokratischen Angriffe eine länger« Darstellung deS Oberst Deimling über den Verlauf der Verhandlungen veröffentlicht. Diese Darstellung sollte beweisen, daß selbst die südwestafrikanischcn Kam- mandierenden noch am 13. Dezember darüber hätten im Un- gewissen sein müssen, ob eS überhaupt zum Friedensschluß komme. Die betreffenden Auslassungen Deimlings über diesen springenden Punkt lauteten nach der„Nordd. Allgem. Ztg.": „Am 27. und 28. Oktober meldete jedoch Oberstleutnant von Estorff.der Kapitän(Johannes Christians) erkläre, über die Waffenabgabe nicht entscheiden zu können, ohne das Einverständnis Christians und anderer Groß- leute, deren baldiges Eintreffen erwartet werde. Durch das Sammeln de? Stammes wurde nun aber der Beginn der Ber- Handlungen bis zum 21. Dezember verzögert. Die Ende Oktober erfolgte Ausscndung von Bote», die die Großleute aufsuchen sollten, blieben erfolglos. Auch dem Pater Mali- nowski, der daraushin am IS. November abgeschickt wurde, gelang es bis zum Ü. Dezember nicht, die Ver- oillduvg mit Joseph Christians und Wyrxis zu gx« Jtnnncft. Er Steldeke, b'ofe sie auf englischem Gebieke nicht er« reichbar seien." Wir bemerkten dazu, daß es nach dem Bericht des Oberst Deimling bis zum S. Dezember nicht möglich gewesen sei. mit Joseph Christian und Morris in Verbindung zu treten. Seit dem 9. Dezember müsse danach diese Verbindung h e r g c st c l l t ge- Wesen sein. Gerade über diese wichtigste Periode zwischen dem S. und 13. Dezember aber gäbe der Bericht Deimlings nicht die geringste Auskunft i Außerdem stellten wir noch fest, daß nach Herrn Deimlings Darstellung bereits Mitte November die Zahl der in Heira- chabis versammelten Bondelzwards 128 Männer betragen habe. Doch ein Beweis dafür, daß die Bondelzwards von den ernst- haftesten Friedensabsichten beseelt gewesen seien. Statt nun die Lücken des Deimlingschen Berichts zu er- gänzen, begnügte sich die„Nordd. Allgem. Ztg." damit, einen Bericht der katholischen Mission von Heirachabis vom 28. Dezember zu veröffentlichen, den sie vermutlich als eine Widerlegung unserer Ausführungen ansah. In Wirklichkeit lieferte aber der Missions- brief gerade den Beweis, wie berechtigt unsere Kritik gewesen war. Der Missionsbrief gab nämlich von der vom Pater Mali- nowski am 15. November angetretenen Reise zur Aufsindung der Morris und Joseph Christian wörtlich folgende Dar- stellung: „Der hochwürdige Pater Malinowski machte sich nun wieder auf den Weg, um Joseph zu suchen, aber Joseph ließ sich nicht finden. Von Heirachabis gings über Kalkfontain, Haid, Uhabis, Ramansdrift. Dann am Fluß entlang nach Wittrich- mund, wo er Morris und Johannes Links fand, die sich sehr er- freut zeigten über die Nachricht(der Friedensverhandlungen). Herr Pater hatte sich mit Proviant für drei Tage ver- sehen. Nun gab er denselben an Johannes Links, da- mit er sich beeile, den Joseph zu bringen. Da wartete er ver- gebens 4 Tage, nur von schwarzem Kaffee lebend, so daß Hunger ihn zwang, nach Ramansdrift zurückzukehren. Unterdessen aber hatten sie Joseph verhaftet, fo daß derselbe nur eine mündliche Zustimmung zum Frieden schicken konnte, die schriftliche kam noch vor Friedcnsabschluß. Nur auf höhere Anweisung gönnte sich der Herr Pater einen Tag Ruhe in Heirachabis, fuhr dann nach Ukamas, um mit Herrn Oberstleutnant Estorfs zu unterhandeln, kam zurück und fuhr am 21. mit Kapitän und Grotzlcuten zu den entscheidenden Verhandlungen." Man sieht, dieser Brief der katholischen Mission ergänzt und berichtigt in sehr interessanter Weise den Bericht des Herrn Deimling, wie er umgekehrt auch durch Deimlings Bericht ergänzt wird. Wir sehen aus dem Brief der katholischen Mission, daß Pater Malinowski Morris Zustimmung zu dem Frieden bereits wenige Tage nach seiner Abreise erhielt. Länger ließ die mündliche Zustimmung des in- zwifchen verhafteten Joseph Christian auf sich warten. Da aber auch noch eine schriftliche Zustimmung des Letzteren noch vor dem Fricdensabschluß eintraf, kann Deimlings Angabe, daß es bis zum 9. Dezember noch nicht gelungen sei, mit Joseph Christian und Morris in Verbindung zu treten, nur so ausgelegt werden, daß diese Verbindung durch die Vermittrlung des Paters Malinowski doch wohl unmittelbar nach dem 9. Dezember her- gestellt war! Die„Nordd. Allgem. Ztg." ist auf diese unsere Feststellungen nicht mehr zurückgekommen, wohl aber ist nunmehr dem Reichstag eine Denkschrift über den Verlauf der Verhandlungen iu Süd- Westafrika zugegangen, die im wesentlichen über diesen springenden Punkt die oben zitierte Darlegung Deimlings wiedergibt; auf- fallcndcrweise jedoch sind an dem Originaltext einige bemerkens- werte Korrekturen vorgenommen worden. Wir stellen zum Ver- gleiche den Wortlaut der Deimlingschen Erklärung, die am 30. Januar in der„Nordd. Allgem. Ztg." wiedergegeben war, hiermit dem Wortlaut der Denkschrift gegenüber. .Nordd. A l Ig.' Ztg." vom 3 0. Juni: Am 27. und 28. Oktober meldete jedoch Oberstleutnant V. Estorfs, der Kapitän erkläre, über die Waffenabgabe nicht entscheiden zu können, ohne das Einver- ständnis Josef Christians und anderer Großleute. deren baldiges Eintreffen erwartet werde. Durch das Sammeln des Stammes wurde nun aber der Beginn der Verhand- lungen bis zum AI. De- zember verzögert. Die Ende Oktober erfolgte. Aussendung von Botei� die die Grotzleute auf- suchen sollten, blieben erfolglos. Auch dem Pater Malinowski, der daraufhin am lö. November abgeschickt wurde, gelang es bis zum 9. Dezember nicht, die Ver- bindung mit Josef Ehristian und Morris zu gewinnen. Er meldete, daß sie auf eng- iebiete nicht er» . Denkschrift": Am 27.' und 28. Oktober meldete jedoch Oberstleutnant v. Estorff, der Kapitän erkläre, über die Wafsenabgabe nicht entscheiden zu können ohne das Einverständnis Josef Christians und an- derer Grvßleute, deren baldiges Eintreffen erwartet werde. Durch das Sammeln des Stammes wurde der Beginn der Verhandlungen bis zum 2 1. D e« zember verzögert. Die Ende Oktober erfolgte Aus- sendung von Boten, die die Groß» leute aufsuchen sollten, war er- f o l g l 0 s geblieben. Auch dem Pater Malinowski. der zu demselben Zwecke abgeschickt wurde, gelang eS nicht, die Verbindung mitJofefChristian und Morris zu gewinnen. Er meldete am 9. Dezember, daß sie auf englischem Gebiet nicht erreichbar seien. l i s ch e m reichbar seien. Man sieht, das Datum der Abreise des P a t e r s Mali- nowski ist seltsamerweise völlig fortgeblieben. Ebenso ist der Text des letzten Satzes geändert worden. Nimmt man noch hinzu, daß sich w e d e r der Urtext, n o ch der k o r- rigiertc Text des letzten Satzes des Berichtes Deimlings mit dem Brief der katholischen Mission in Einklang bringen lflsit, so erweist sich die ganze offiziöse Korrektur nur als ein neues untaugliches Mittel, die Wahrheit noch mehr zu verdunkeln, als sie ohnehin schon durch die offiziösen Erklärungen verdunkelt worden war!— Der scherzhafte Gras PosadowSky. Herr PosadowSky nahm heute im Reichstage Veranlassung, den „Vorwärts" zu„berichtigen". Dieser habe ihm die Worte in den Mund gelegt, die Durchführung des Bülowschen Programms werde „Geduld und viele Millionen" erfordern. Nach dem parlamentarischen Bericht des„Vorwärts" habe er jedoch erklärt, dazu sei„ein Zeitraum längerer politischer EntWickelung und vieler Sessionen" notwendig. Wir wollen Herrn PosadowSky ver- raten, daß der Verfaffer deS Artikels ans der Journalistentribüne anwesend war und die Worte des Staatsselretärs so verstanden hatte, wie sie von ihm wiedergegeben waren. Da Herr PosadowSky gestern mit ziemlich dünner Stimme sprach, ist natürlich ein Ler- hören bei der angenehmen Akustik des HauscS nicht ausgeschloffen. Uebrigens wollen wir feststellen, daß PosadowSky auch nach dem Parlamenlsbericht deS„Vorwärts" wenigstens von der ,G e d u l d" gesprochen hat. Und daß das weltpolitische Programm der beiden Bernharde auch„viele Millionen" kosten wird, hat ja Herr Dernburg in seiner Frankfurter Rede selbst erklärt. Warten wir also erst einmal ab, ob die vielen Millionen, die die Realisic- rung deS neuen Regierungsprogramms kosten wird, nicht gefordert werden, bevor„viele Sessionen" verstrichen sind, und ob sie nicht die Geduld selbst unserer neugebackenen freisinnigen Weltpolitiker bald genug auf eine harte Probe ste�e.i I— Die Hamburger Bürgerschaft nach den Neuwahlen. Mit den am Donnerstag erfolgten halbschichtigen Neuwahlen in der Privilegiertengruppe der Notabeln, die sich aus jetzigen und gewesenen Mitgliedern der Gerichte, VcrwaKungsbehörden. Abge- ordneten zum Landesparlament usw. zusammensetzt, ist die illustre Hamburger„Volksvertretung" von allen Wahlkörpern- zur Hälfte ncugcwählt. Das neue Wahlgesetz, bestimmt zu dem Zweck, die Sozialdemokratie niederzuhalten, hat bei den Wahlrechtsräuber- fraktionen wie Sprengpulver gewirkt, denn sie haben unter Hinzu- rechnung der wegen der Wahlentrechtung abgezweigten Liberalen, die sich als„Vereinigte Liberale" zu einer eigenen Fraktion zu- sammengetan haben, nicht weniger als 30 Mandate eingebüßt. Die Vereinigten Liberalen sind im neuen Parlament 23, die Sozial demokraten 19 Köpfe stark; crstere haben bei den Privilegiertem und Klassenwahlen, die am 1. bczw. 15. und 28. Februar stattfanden, 9, letztere 5 Mandate erobert. Außerdem sitzen im Parlament zwei ,sraktionslose Gegner der Wahlentrechtung, so daß das Parlament sich aus 44 Gegnern und 116 Befürwortern der Vollsentrechtung zu- sammensetzt. Zur Illustration des abgestuften„Wahlrechts" sei noch kurz bemerkt, daß an: Donnerstag durchschnittlich je 38 Notable einen Abgeordneten wählten, während äm 1. Februar von je etwa 1000 Wählern der zweiten Klasse ebenfalls ein Abgeordneter gewählt wurde; ein Grundcigentümervertreter wird von etwa 200 Wählern ernannt._ Rach-„Miirz"liches von Jauris. Paris, 28. Februar.(Eig. Ber.) Jauros widmet in der„Hnmanite" dem Rededuell zwischen Bülow und Bebel einen Artikel, der dieselbe optimistische Auffassung der von ihm in der Halbmonatsschrift„März" veröffentlichten Be- trachtungen zeigt, an einem bedeutenden Punkt aber von den dort geäußerten Anschauungen merklich abweicht. Nachdem Jaurös die Großsprechereien BülowS zurückgewiesen hat, die die Sozialdemo- kratie wie eine der Vernichhing geweihte Partei abtun, erklärt er, daß gerade jetzt der deutsche Sozialismus in der neuen Verfassung des Landes und der Geister neue Mittel der EntWickelung finde: „In diesem Augenblick ist er vor allem beschäftigt, dem Kanzler Schlag um Schlag. Wunde um Wunde heimzuzahlen und er ist in diesem Ansturm mit dem Zentrum verbündet, dem die Regierung den Fehdehandschuh hingeworfen hat. Aber wenn die vom Kampffieber Erhitzten erst das Schlachtfeld in seiner ganzen Ausdehnung werden überblicken können, wird sich bald das wahre Problem darstellen: Wie kann Deutschland jene polisische Freiheit bekommen, die die notwendige Bedingung der wirksamen Aktion der Parteien ist? Der Kanzler mag nur immerzu seinen Triumph feiern. Ihn erwarten furchtbare Schwierigkeiten. Das in die Opposition zurückgeworfene, in Zorn gebrachte Zentrum kann sich nicht lange als Oppositionspartei erhalten, wenn eS nicht demokratische Allüren annimmt Was werden dann die Liberalen machen?— Werden sie weniger liberal als das Zentrum sein? Aber wenn sie nicht Selbstmord üben wollen, wie können sie eine Mehrheit mit den Konservativen bilden? So ist trotz des schein- baren rückschrittlichen Wahlresultats ein Zug nach links unauL- weichlich. Der deutsche Sozialismus wird sich fragen müssen, mit welchen Mtteln, durch welche Politik er am besten zu diesem not- wendigen und nahen Vorinarsch der Demokratie und des Lihera- lismus beitragen soll?" Man sieht, daß hier Jauros eigentlich von der noch im„März" ausgesprochenen Hoffnung abgekommen ist, daß der deutsche Liberalismus aus eigener Ueberzeugungsftaft zu einer demokratischen Polisik gelangen werde. Es find nun die demokratischen Allüren des Zentrums, die ihn zum Wettbewerb zwingen sollen. WaS aber ist das für ein Liberalismus, der sich erst unter der Peitsche der Konkurrenz regt? Wird dieser bürger- «che Demolrasismus, auf den Deutschland verwiesen wird, etwas anderes sein als—„Allüren"? Die Keim-Briefe des„Bayer. Kurier". Eimge liberale Blätter machten in den letzten Tagen allerlei Andeutungen der Entwender der vom„Bayer. Kurier veröffent- lichten, die Wahlmache der Regierung bloßstellenden Briefe gehöre dem Jesuitenorden an und habe sich hinter belgische Klostcrmauern geflüchtet. Däs„Berk. Tageblatt" tvciß darüber jetzt folgendes zu melden: „Der Dieb der Briefe des Generals Keim heißt Janke und wurde vor vier Jahren als Bureaubeamtcr beim Flottenverein angestellt. Er war, als er dieses Amt übernahm, noch Protestant, trat aber seither zum Katholizismus über und scheint sich dem Jesuitenorden angeschlossen zu haben. Janke versckwand in dem Augenblick, wo der„Bayerische Kurier" seine„Enthüllungen" be- gann. Man forschte nach und entdeckte, daß er einen Teil der Briefschaften aus einem eisernen Schranke entwendet, dessen Schlüssel er besaß, und daß er auch einige andere Briefe, die sich nicht in jenem Schranke befunden hatten, auf noch unaufgeklärte Weise gestohlen. Auch das Verschwinden von Wertsachen wurde konstatiert. Die Untersuchung hat ergeben, daß Janke wiederholt des Abends, nach Schluß der Bureauzeit, in den Räumen des glottenvereins zurückgeblieben ist. Und an dem Morgen� an dem wegen des großen Schneegestöbers die Angestellten it\ fast allen Berliner Bureaus zu spät kamen, war Janke, als einziger Beamter, schon um 9 Uhr bei seiner Arbeit. Man nimmt an, daß er an jenem Morgen, begünstigt von dem Schneesturm und der Einsamkeit, seinen Raub verübt habe." Die Geschichte klingt recht seltsam. Ein nationalliberaler Wahlprotest gegen die Wahl des Genossen Lehmann iu Wiesbaden soll nach einer Wiesbadener Meldung er- gehen. Die Nationalliberalen sind danach froher Hoffnung, den verhaßten Roten zu Fall bringen zu können. Abwarten! Die Straßburger Liberalen wollen Wahlprotest erheben gegen die Wahl des Genossen B ö h l e. Wie die Straß- burger„Freie Presse" hört, soll als Anfechwngsgrund geltend gemacht werden, daß Leute gestimmt haben, die das wahlfähige Alter noch nicht erreicht hatten und daß für bereits versiorbene Wähler abgestimmt worden sein soll.— Das sind ähnliche Protest- gründe, wie die vom Reichsverleumdungsverband in Hannover gegen die Wahl des Genossen Brey gesammelten. Unser Hannoversches Parteiblatt bemerkt dazu bereits sehr treffend, daß unsere Gegner Ungelmäßigkeiten und Mogeleien zum Wahlprotest benutzen, für die sie selbst direkt oder indirekt verantwortlich sind I— Die Machenschaften bei ber Bayerischen Bodenkreditanstalt. Der Staatskommissar bei der Bayerischen Bodenkrebitanstalt in Würzburg. Oberregierungsrat Trümmer, wurde auf grund der Enthüllungen in der Generalversammlung der genannten Anstalt seines Amtes enthoben. Das Disziplinarverfahren wird eingeleitet werden.—_____ Landtagswahl in Oder- und Niederbarnim. Die Ersatzwahl zum preußischen Landtag im Wahlkreis Ober- u n d N i e d e r b a r n i m für den ausgeschiedenen Professor Inner sollte nach Blättermeldungen im Monat März erfolgen. Die Meldung war unrichtig. Als Tag der Wahlmännerwahl ist Mittwoch der 3. April bestimmt. Die Abgeordnetenwahl soll am 17. April erfolgen. Die Wahlmänner werden nicht mehr ihre Aufgabe in der Beruauer Kirche zu erledigen haben, sondern versammeln sich in den Orten Eberswalde. Reinickendorf. Panlow. Niimmelsburg und Lichten- berg. Zum Wahlkommissar ist der Landrat des Kreises Oberbarnim v. Oppen, zu Wahlleitern sind die Bürgermeister bezw. Gemeinde- Vorsteher der Wahlorte ernannt.— i Kein öffentliches Interesse. Im Wahlkreis Saarbrücken tauchte nach der Reichstag?- Wahl das Gerücht auf, Genosse Lei in peters habe Von den Nationallibcralcn eine sehr hohe Geldsumme erhalten, wofür er im sozialdemokratischen Wahlkömitee den Beschlutz:..Stimmenthaltung' bei der Stichwahl für die sozialdemokratischen' Wähler" durchgedrückt habe. Schließlich gelang es Leimpeters, einen der Verbreiter des Gerüchts zu fassen, einen Grubensteiger Bingert, der Arbeitern gegenüber geäußert hatte:„Euer Führer Leim- Peters hat von den Nationalliberalen in Saarbrücken 10000 M. erhalten, damit er Stimmenthaltung befohlen hat. Von Herrn Jaunez hat er 9000 M. und von unserer Grubendirektion bat' er 3000 M.' dekvmmen, damit in der Stichwahl die Roten Jaunez wählen sollten!" Leimpeters stellte daraufhin bei der Staatsanwaltschaft Saargemünd Strafantrag. Der Staats- anwalt gab dem Antrag.statt und leitete die Untersuchung ein. Herr Bingert gab vor dem Amtsrichter in Dörbach öffentlich die Erklärung ab, daß er nicht die allergeringste Unter- läge für seine Behauptung habe und die Beleidi» gungmit demAusdruck des Bedauerns zurück» nehme. Darauf zog"Leimpetcrs seinen Strafantrag zurück, da ihm nichts an einer Bestrafung des Herrn Bingert gelegen sei. Der erste Staatsanwalt von Saarbrücken ist in derselben Sache anderer Meinung. Auch hier gelang es, einen der Verleumder zu fassen. Leimpcters stellte mit der: Begründung wie im ersten Fall Strafantrag, erhielt jedoch unterm 25. Februar die Nachricht, daß er, der erste Staatsanwalt,„mangels eines öffentlichen Int er esses eine öffentliche Klage" ablehne. Ein Afrikakrieger. Zehn Jahre Gefängnis für einen Afrikakriegcr! Der Reiter in der Schutztruppc für Deutsch-Südwestafrika, Gefreiter Karl August K ü h n c l aus Reichenbach i. Schl., jetzt als Reservist dem Landwehrbezirk Schweidnitz unterstellt, stand vor dem Bres- lauer Kriegsgericht der elften Division unter Vorsitz des Majors von Frankenberg angeklagt der Gehorsamsverweigerung, Beleidigung und tätlichen Angriffs gegen einen Vorgesetzten im Kriege. K. dient seit 1904 in Afrika und hat Gefechte mitge- macht. Am 27. September 1905 war K. betrunken vom schnellen Genutz eines halben Liters Rum(jeder Krieger belommt pro Woche % Liter Rum geliefert) und mehreren Flaschen Bier. Unter- ofsizier Josef Pittlich, jetzt verwundet nach Neustadt O.-S. ent- lassen, befahl dem Reiter, zum Proviantempfang zu kommen; der Asrikakrieger antwortete:„Hast mir gar nichts zu sagen, empfang Du allein Proviant, bist mir viel zu dumm. Schuft, Lump, Posencr Louis, Hund, Hammel, hau Dir eins in die Fresse!" und schlug den Unteroffizier ins Gesicht und auf die Brust. In Afrika hat bereits ein Feldgericht getagt, das aber wegen Zeugenvernehmungen die Sache vertagte. Der Anklagevertreter. Kriegsgerichtsrat Esche, beantragte 10 Jahr und einen Monat Ge- fängnis. Derartige Fälle dürfen im Kriege nicht vorkommen. Er ist aber für Anrechnung der Untersuchungshast und stellt dem Gericht die Einreichung eines Gnadengesuchs anheim. Nachdem der Verteidiger noch wegen sinnloser Trunkenheit auf Freisprechung vom tätlichen Angriff plaidiert, erkannte das Gericht auf zehn Jahr und einen Tag Gefängnis, rechnete aber sechs Monate und einen Tag Untersuchungshaft an. Eine angebliche Schuytruppen-Belcidigung. Wie der„Franks. Ztg."«us Darmstadt gemeldet wird, ist aus Grund des in einer Darmstädtcr Zeitung erschienenen Versamm- lungsberichts über die am 1. Februar stattgefundene sozialdemo- kratische Versammlung gegen den Referenten Genoffen Dr. Frank vom Staatsanwalt Strafantrag gestellt worden. Er soll sich über die Truppen 4n Deutsch-Südwestafrika abfällig ausgelassen haben. Folgende Berichtigung ging uns zu: Hcrlheim, 26. Februar 1907. Ich ersuche Sie. auf Grund des§ 11 des Preßgesetzes um Aufnahme folgender tatsächlichen Berichtigung zu Ihrer Notiz: „Eine interessante Streikgeschichte" als„Beitrag zum Kapitel Tcrrorismus" in Nr. 43 vom 20. Februar. Der Ort, um den es sich handelt,' ist Unterspiesheim, eine Filiale meiner Pfarrei Herlheim(Wahlkreis Kitzingen, nicht Schwcinfurt): 1. Es ist unwahr, daß auf der Kanzel oder bei den Bauern- flauen Agitation für die Wahl getrieben wurde. 2. Es ist unwahr und eine gräßliche Verdrehung der Tatsachen, wenn behauptet wird, daß der Pfarrer über den Ausfall der Wahl aufgebracht war und auf Vergeltung sann, und deswegen keine fremden Geistlichen zum Feste kamen. Denn man höre und staune: Das Scbastiansfest in Untcrspiesheim, um das es sich Händelt, wurde am 20. Januar gefeiert, die Wahl fand aber statt am 25. Januar. Wie kann man am 20. schon»ver» gelten", was erst am 25. geschieht? Die Feier deS Sebastiansfestcs hatte mit der Wahl und' mit der politischen Gesinnung deS Bürgermeisters wichst das geri-ngste zu tun. Es wurde ja auch im vorigen Jahre mit fremden Herren ge- feiert, obwohl die Gesinnung des Bürgermeisters im vorigen Jahre die gleiche war wie heute. 3. Der tatsächliche Hergang ist dieser: Ob zum Sebastiansfeste in Unterspiesheim fremde Geistliche kommen oder nicht, ist Sache des freien Ucbcrcinkommens zwischen Gemeindeverwaltung, Psarr- amt und etwa einzuladenden Nachbargeistlichen. ES besteht keinerlei Verpflichtung oder Stiftung, das Fest mit fremden Herren zu feiern. Die Kosten dafür, wenn solche eingeladen werden, bezahlt die Gemeindekasie; eben deswegen muß auch alljährlich einige Zeit vor dem Feste der Bürgermeister sich mit Pfarrer oder Kaplan inS Benehmen setzen, ob überhaupt fremde Herren kommen sollen oder nicht. So hat es der jetzige Bürgermeister auch voriges Jahr ?ctan. In diesem Jahr kam der Bürgermeister nicht. Deshalb amen auch keine freniden Herren und das Fest wurde durch den Ortsaeistlichen allein gefeiert. Von„Streik der Pfarrer", von..Terrorismus der Geistlichen", 'von„Vergeltung" usw. kann also keine Rede sein. Ich erwarte, daß Sie der Wahrheit und Gerechtigkeit die Ehre geben und vorsiehcndcs in Ihrem Blatte veröffentlichen. Das katholische Pfarramt. C. Büttner, Pfarrer. Wir haben unseren.Gewährsmann ersucht, sich zu der Sache zu äußern. Husland. Frankreich. Der heilige Bater intrigiert! Am Donnerstag fand in Paris in der österreichisch-ungarischen Botschaft die Uebergabe des in 26 Kisten untergebrachten Archivs sowie des Geldschrankes der ehemaligen päpstlichen Nuntiatur an den Advokaten Boyer de Bouillane, den Vertreter des Msgr. Montagnini, und an den Grafen Olivier de Beauregard, Ber- trauensmann des Heiligen Stuhles, statt. Dazu berichtet Wolffs Telegraphen-Bureau: Paris, 1. März. In radikalen Kreisen wird versichert, daß sich unter den beim Monsignore Montagnini beschlagnahmten Papieren mehrere Schriftstücke befinden, welche zeigen, daß der päpstliche Stuhl sich fast unaufhörlich i» feindseliger Weise in die öffentlichen Beziehungen Frankreichs einzumischen versucht hat!! Insbesondere besitze man unwiderlegliche Beweise dafür, daß der Vatikan dringend Schritte beim König von Spanien unter- nommen habe, um dessen Pariser Reise im Mai 1905 zu verhindern! Ein früherer Beamter des Ministeriums des Acutzcrn, welcher beim Monsignore Montagnini beschlagnahmten Papieren zufolge ver- dächtige Beziehungen zum päpstlichen Stuhl unterhalten hat. wird sich, wie der„Wativ" berichtet, vox dW«uls den DiZÄktLW de» Minifteriums des Aeußern bestehenden Disziplinarrat zu bere antworten haben. Die sozial- radikalen Abendblätter berichten, daß die Veröffentlichung eines Teiles der beim Monsignore Montagnini beschlagnahmten Papiere im Vatikan die lebhafteste Erregung hervorgerufen habe. Angeblich sei man insbesondere über Monsignore Montagnini verstimmt, weil er diese Schriftstücke nicht rechtzeitig vernichtet habe!! * * Parlamentarifches. Geschäftslage des Reichstages. Hätte die Gesellschaft auch nur eine Kleinigkeit nachgegeben, fie hätte jeht nicht einen so großen Ausfall am Ueberschuß zu„ er. Teiden" gehabt. Ehe allerdings die Kohlenmagnaten ihren Ar beitern etwas bewilligen, kann lieber die Welt zugrunde gehen! Tarifbewegung der Holzarbeiter in Leipzig. verabredet, daß nach Beendigung der ersten Beratung des Etats Der Seniorentonbent hat unter dem Vorsiz des Präsidenten bermutlich am nächsten Dienstag die Nachtragsetats für 1906( Afritabahn und nachträgliche Kosten für Truppenverpflegung usw.) Leipzig fündigte am 10. Januar den Holzarbeitern den am 1. SepDer Unternehmerverband der Hozindustriellen im Bezirk zur Beratung gelangen. Nach einer römischen Korrespondenz derselben Blätter hätte Diese Etats werden ohne Kommissionsberatung im Plenum er- tember 1904 abgeschlossenen Tarifvertrag für den 31. März d. J. In einer von über 2000 Personen besuchten Versammlung der Papst Schritte getan, dieser Veröffentlichung Einhalt zu tun.- ledigt werden. Nach diesen Etats werden die neun Interpellationen nahmen nun die Holzarbeiter nach einem Referat des BevollmächWird Brus, um die Veröffentlichung zu hindern, jetzt doch der Reihe nach zur Beratung gelangen. Das eine Gefestigten Genossen W. Geride eine Resolution an, in der sie zum wegen der Betriebszählung soll zwischen durch zur ersten gegenwärtigen Umständen die Absicht der Unternehmer erblicken, Ausdruck brachten, daß sie in der Kündigung des Tarifs unter den bielleicht noch zu Kreuze triechen? Beratung gelangen. die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Leipziger Holzarbeiter zu Ferner wurde beschlossen, die Sonnabendsizungen um 11 Uhr und die Montagsigungen um 2 Uhr be- verschlechtern, daß sie aber willens seien, Verschlechterungen mit ginnen zu lassen und nach der Osterpause alle zwei tose Zeit wäre. Die Versammlung beschloß in geheimer Aballer Energie abzuwehren, und wenn die Folge davon eine tarif Wochen den Sonnabend und Montag fizungsfrei zu lassen.. Spanien. Pfaffenknechtschaft. Madrid, 1. März.( W. T. B.)„ Gaceta de Madrid" Seröffentlicht heute einen Erlaß des Königs, durch den die Verfügung vom 27. August 1906 über die Eheschließung aufgehoben wird! Durch diese Verfügung war die Ziviltrauung auch dann für zulässig erklärt worden, wenn keine Erklärungen betreffend die Religion seitens der Eheschließenden abgegeben wurden. Dieser Erlaß hatte heftigen Widerspruch seitens der Bischöfe hervorgerufen, die erklärten, sie müßten eine unter solchen Umständen geschlossene Ehe als Konkubinat anfehen. Dem Manne der zum Katholizismus übergetretenen Ena von Battenberg steht es sehr gut an, sich von den Pfaffen als willenloses Werkzeug zum Schutze der„ Alleinseligmachenden" gebrauchen zu lassen! England. Heer und Flotte. Der Bureaudirektor hat auf die bislang zu seiner Verfügung stimmung die Erhöhung der Wochenbeiträge von 75 Pf. auf 1 M. für Abgeordnete usw. gestellten 60 Tribünenbildette verzichtet. Sie vom 1. März ab bis auf weiteres. Die Stimmung unter den Tribüne bestimmten Karten bleiben selbstverständlich nach wie werden den Fraktionen überwiesen. Die für die allgemeine Holzarbeitern ist vorzüglich. vor der Benuzung durch das Bublifum vorbehalten. Wer den Verhandlungen beiwohnen will, muß sich daher einige Tage zuvor an das Bureau( Portal 5) wenden oder an den Abgeordneten, dem die Fraktion die Abgabe der Tribünenbilletts übertragen hat( das ist bei unserer Fraktion der Genosse Kaden). Gewerkschaftliches. Wieder ein christlicher" Arbeiterverrat! Ausland. Im Hafen von Triest ist eine umfangreiche Streitbewegung ausgebrochen. Aus Anlaß einer unter den Kohlenladern entstandenen Lohnbewegung hat die Genossenschaft der Facchini die Verlade- und Löscharbeiten eingestellt, sodaß nun im Freihafengebiet jede Tätigkeit ruht. Die in den Streit getretenen Hafenarbeiter und Holzverlader beschlossen in einer abends abgehaltenen Versammlung, daß, falls nicht aus dem Freihafen alle Privatunternehmer mit Ausnahme der Kontraktfunden entfernt würden, die Arbeit nicht wieder aufgenommen werden solle. Seit einigen Wochen stehen die Gärtner in Düsseldorf in Die Tarifbewegung der norwegischen Buchdrucker. einer Lohnbewegung, die vollen Erfolg verspricht, da der größte Die norwegischen Buchdrucker hatten ihre bisher geltenden Teil der in Betracht kommenden Arbeitnehmer organisiert ist. Die Tarifverträge gekündigt, und sie kündigten auch rechtzeitig ihre nahme, nach welchem die Effettivſtärke der regulären Armee nach zusammengetan und eine Kommission gewählt, die das weitere ver- für die beiden größten Städte bereits eine Einigung erzielt worden. nehmbare neue Verträge nicht zustande kamen. Nun ist jedoch Im Unterhaus gelangte am Donnerstag ein Beschluß zur An- Sandelsgärtner hatten sich daraufhin gleichfalls zu einem Verein Stellungen, um sofort in den Streit treten zu können, falls anbem Vorschlag der Regierung auf 160 000 Mann festgesetzt wird. anlassen sollte. In der letzten Versammlung erklärte nun einer In Bergen wurde eine Erhöhung des Minimallohnes von 24 Der Marineetat für das Jahr 1907 fieht eine Herab- der führenden Arbeitgeber, daß es doch gar nicht nötig sei, diese auf 26 Kronen durchgeführt, und in gleichem Maße wurden die feßung der Mannschaftsstärke um 1000 Mann und eine Verminde- Forderungen zu bewilligen, da Herr Bannier Essen, der Ge- Akkordsäße erhöht. Der neue Tarif ist dort bereits von den Organi rung der Ausgaben um 1427 091 Pfund Sterling vor. Die Vor- schäftsführer des christlich- nationalen deutschen Gärtnerverbandes, fationen beider Parteien endgültig anerkannt. In Kristianio anschläge für Flottenbauten belaufen sich auf 8 100 000 Pfund ihm versichert hätte, 100 Arbeitswillige im Falle eines Ausstandes haben sich die Vertreter der Parteien über einen neuen TarifSterling gegen 9235 000 Pfund im Vorjahr. Vorgesehen ist der nach Düsseldorf zu schicken. Als Gegenleistung soll dann höchst- vertrag geeinigt, der die Minimalwochenlöhne um 1 und 2 Kronen Bau von zwei oder, wenn die Seemächte auf der Haager Konferenz wahrscheinlich ein minderwertiger Tarif mit den„ Christlichen" und in gleichem Maße die Akkordfäße erhöht. Eine alte Streitnicht zu einer Verständigung gelangen follten, von drei verbesserten frage, die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Seherinnen, die in und noch etwas größeren Schiffen der Dreadnought- Klasse, ferner abgeschlossen werden. Diese Handlungsweise kann man erst Kristiania ziemlich zahlreich sind, wurde ebenfalls entschieden. Die ein schneller ungeschütter Kreuzer, fünf Hochseetorpedoboots- verstehen, wenn man hört, daß in Düsseldorf kein Sezerinnen sollen vom 1. Januar 1908 ab nach fünfjähriger Lehrzerstörer, zwölf Torpedoboote und zwölf Unterseeboote! Des glied der Christlichen sich befindet und daß Herr Bannier rechtzeitig zeit und Ablegung einer Gesellenprüfung den selben Lohn weiteren ist vorgesehen eine beträchtliche Vermehrung der Stamm von der Lohnbewegung unterrichtet war. Herr Bannier müßte wie die männlichen Sezer erhalten. Ueber die Lohn- und besatzungen der in der ersten Gefechtslinie stehenden Schiffe und schon alle seine Mitglieder nebst Führern aus Rheinland- Westfalen Arbeitsbedingungen der Maschinenseßer soll noch nachträglich in die vollständige Bemannung der aus sechs Linienschiffen und sechs nach Düsseldorf verkaufen, um das schwarze Hundert" boll zu einem von den Organisationen beider Parteien zu wählenden Panzerfreuzern bestehenden Geschwader, welche ständig in den machen. Diese Helden werden aber erleben, daß ihr Verhalten Komitee verhandelt werden. Eine Behrlingsstala ist anerkannt. heimischen Gewässern bleiben. Zwölf Schiffe, 48 Torpedobootszer- an dem gefunden Sinne der Gärtner abprallt, sie werden die Erstörer mit voller Befagung, drei fleine Kreuzer und die erfordertenntnis der großen Masse der Gärtner fördern, daß sie nur in Die Aussperrung in Lodz. lichen Hülfsschiffe werden in der Themsemündung stationiert werden und zur sofortigen Verwendung bereit sein. Außerdem den„ Algemeinen deutschen Gärtnerberein" gehören. werden zur Heimatsflotte gehören vier Linienschiffe und acht Kreuzer erster Klasse in Portsmouth, sowie drei Linienschiffe, acht Kreuzer erster Klasse und ein fleiner Kreuzer in Devonport. Schweden. Für das Berbot des Verkaufs und der Herstellung spirituöser Getränke erklärte sich die Zweite Rammer mit 89 gegen 86 Stimmen, während die Erste Kammer über den Antrag ohne formelle Abstimmung hinwegging. Die Meinungen unserer Parteigenossen in der Zweiten Slammer waren verschieden: Genosse Branting hielt das Bers botsrecht der Kommunen für besser, wogegen Genosse Bern hard Eriksson für ein Reichsberbot war, das sich freilich dem Antrag gemäß nicht auf den Verkauf und die Herstellung von Spirituosen zu medizinischen, technischen und wissen schaftlichen Zweden erstreden soll. Dänemark. Berlin und Umgegend. MitAchtung! Kleber, Bauarbeiter! Wegen Differenzen ist der Bau Pariserstr. 18, Ede Sächsischestraße, Unternehmer Schmarbed, gesperrt. Der Unternehmer Rowald hat seine Polsterer ausgesperrt und ist infolgedessen sein Bau Kurfürstenstraße 58 gesperrt. Die Sperre über die Firma Müller, Rochowstraße, bleibt bestehen. Die Bauten find Wilmersdorf, Mainzerstr. 23, Tempelhof, Borussiaftr. 7-9, Westend, Haefelerstr. 1-4 und 10, Charlottenburg, Steinplatz 4, Ede Uhlandstraße. " Mit der Aussperrung der Automobilbroschkenführer beschäftigte sich eine Versammlung der Vertrauensmänner aller Droschten führer Berlins, die am Donnerstagabend in den Arminhallen" stattfand. Becker legte in längeren Ausführungen die gegenwärtige Situation dar und forderte die Vertrauensmänner auf, dafür zu sorgen, daß den Ausgesperrten möglichst viel Unterstübung zuteil werde. Viele Autoführer haben sich bekanntlich dem Pferdebroschtenbetrieb wieder zugewandt und es wird erwartet, daß sie ein follegiales Entgegenkommen finden. Die kleinen Reibereien, die zwischen Chauffeuren und Droschkenkutschern gewöhnlich bestehen, müssen gegenüber der Haltung der Unternehmer vollständig berschwinden. Haben die Unternehmer mit ihrer Aussperrung den gewünschten Erfolg, so könnten sehr leicht auch für die Droschkenlebhafte Zustimmung. Nachdrücklich betont wurde von allen Seiten, futscher nachteilige Folgen daraus erwachsen. Beckers Rede fand daß die Organisation unter den Droschkentutschern viel besser ausgebaut werden müsse. Verschiedene Vorschläge zu einer energischen Agitation wurden gemacht und den Vertrauensmännern ans Herz gelegt, ihre volle Schuldigkeit zu tun, damit die Ausübung der solidarischen Pflicht, wie jetzt bei der Aussperrung der Kollegen vom Automobil, eine Selbstverständlichkeit werde. Deutsches Reich. Der Abgeordnete Parczenski ist nach Berlin gereist, um bei dem Lodzer Fabrikantenverband, der dort seinen Siz hat, nach der Richtung zu bermitteln, daß die Arbeiteraussperrung in Lodz noch bor Eröffnung der Duma aufgehoben werde. Eingegangene Druckschriften. Plutus. Heft 9. Kritische Wochenschrift für Vollswirtschaft und Finanz wesen( Herausgeber: Georg Bernhard.) Abonnements einschließlich der Plutus- Wierttafel vierteljährlich per Post und Buchhandel 3,50 m., birett vom Berlag 4 M. Verlag: Berlin- Charlottenburg, Goethestraße 69. Die Mittelstädte Altpreußens in ihrer Bevölkerungsentwidelung 1858 und 1900 von Dr. B. Feld. 2,80 M. Die autonome Fabrik von S. Epstein. 2 M. Zur Frage der Berufsvormundschaft erstattet vom ständigen Ausschuß. 2,40 M. Berlag D. B. Böhmert, Dresden, Glacisstraße. Dinge, die noch nicht gesagt sind, ausgesprochen von El Reccar. Preis 80 Pf. Olympia- Verlag Brüssel und Leipzig. bogen für Mütter, Pflegerinnen und Hebammen von Dr. Mar Ebert, Die Grundsätze einer vernünftigen Sänglingsernährung. MerkKinderarzt in Wilmersdorf- Berlin. -Germania- daheim von K. Böttcher. Preis 1,60 M. Berlag M. Ziegler, Leipzig. Die erften deutschen Sozialistenkongreffe. Urkunden aus der Jugendzeit der deutschen Sozialdemokratie.( 1865-1875.) Herausgegeben von der Frankfurter Boltsstimme". Breis 50 Pf.- Berlag Boltsstimme", Maier u. Co., Frankfurt a. M. Charlottenburger Statistik Heft 20. Stand und Bewegung der frankheiten. Herausgegeben vom Statistischen Amt der Stadt. Kommissions. Bevölkerung in den Jahren 1904 und 1905 und die gemeldeten Infektionsverlag E. Ulrich u. Co., Charlottenburg. Der gewerbliche Rechtsschut in Deutschland. Von B. Tollsdorf. ( Aus Natur und Geisteswelt". Sammlung wissenschaftlich- gemeinverständ licher Darstellungen aus allen Gebieten des Bissens. 138. Bändchen. Berlag von B. G. Leubner in Leipzig. Geh. 1 M., geb. 1,25 M. Letzte Nachrichten und Depelchen. Dem Volfe muß die Religion erhalten werden In mehreren dänischen Provinzstädten haben die Sozialdemofraten nach den Siegen bei den Stadtratswahlen von 1906 eine durchgreifende Reform des Schulwesens durchgefekt. In Esbjerg fonnte mit dieser Reform schon vor einigen Jahren begonnen werden, und hier kam man um so besser vorwärts, als die Sozialdemokratie neben sämtlichen Mandaten der allgemeinen Wählerklasse im Jahre 1905 auch noch zwei Mandate der Höchst, besteuerten erhielt und die übrigen Mandate dieser Klasse den Radikalen zufielen. Das sozialdemokratische Schulprogramm ist in dieser Stadt zu einem guten Teil verwirklicht. Der Halbtags unterricht wurde beseitigt, eine kommunale Mittelschule wurde gegründet, alles Schulmaterial, alle Lehrbücher werden den Kindern unentgeltlich geliefert, ebenso Turnkleidung und Turnschuhe. Die Schulspeisung aus öffentlichen Mitteln ist ebenfalls durchgeführt, Der Konflikt im Hamburger Hafen spikt sich immer mehr zu. und der Lehrplan wurde durch neue nükliche Fächer bereichert, so Seitens der Hamburg- Amerika- Linie und der Schiffsmakler- und Nachwahl in Mühlhausen- Langenfalza. durch Unterricht in der englischen Sprache, der in der Nordsee- Reederfirma Eugène Cellier ist den Schauerleuten, die auf den Mühlhausen( Thüringen), 1. März.( W. T. B.) Bei der hafenstadt mit ihrem starken Schiffsverkehr nach England und Schiffen dieser beiden Reedereien beschäftigt waren, gestern der Amerita von besonders großem Werte ist. Die Schulinspektion Bescheid zugegangen, daß nachts gearbeitet werden müßte. Die heutigen Reichstagsnachwahl in Wahlkreise Mühlhausenwurde demokratisiert, und selbstverständlich versäumte man auch Schauerleute lehnten das mit dem Bemerken ab, daß sie nur bis Langensalza- Weißensee wurde nach den bisherigen Feststellungen nicht, die Gehälter der Lehrer und Lehrerinnen zu verbessern. 10 Uhr arbeiten würden. Darauf wurde gestern abend, wie in der Arnstadt( konservativ und Bund der Landwirte) mit 11 909 Im verflossenen Sommer hat die Gemeindevertretung nun be- legten Zeit üblich, bereits um 6 Uhr Feierabend geboten. Gine Stimmen gewählt. Merten( freisinnige Volkspartei) erhielt schlossen, den Religionsunterricht, den gänzlich aus dem Unter Entscheidung in den zwischen dem Hafenbetriebsverein und den 5989, Grunwald( Sozialdemokrat) 5611 Stimmen; zersplittert richtsplan zu beseitigen gesetzlicher Hindernisse wegen nicht Schauerleuten schwebenden Diferenzen dürften aber die nächsten waren 26 Stimmen. möglich ist, auf wöchentlich eine Stunde einzuschränken; ferner: Tage bringen. Die Reeder haben die Kommission der Schaueran Stelle des üblichen mechanischen Auswendiglernens nach dem leute aufgefordert, sich bis zum Sonnabend in der Frage der NachtKatechismus den freien mündlichen Unterricht des Lehrers ein- und Sonntagsarbeit zu entscheiden. Die Reeder verlangen, daß zuführen. Die gleiche Reform wurde auch in der Stadt Middelfart wenn die Abfertigung der Schiffe es erfordert, nachts und Sonnauf Fünen beschlossen, jedoch begnügte man sich hier mit einer Ver- tags gearbeitet wird. Sollten die Schauerleute dies ablehnen, so minderung der Religionsstunden von 3 auf 2 Stunden wöchentlich. will der Hafenbetriebsverein bereits am Montag nächster Die Schuldirektion hat jedoch ihre Zustimmung verweigert. Die Woche andere Maßregeln treffen. Voraussichtlich werden die Entscheidung war Sache der Regierung und sie gab auch auf diesem Schauerleute am Sonnabend die Frage noch einmal in einer VerGebiete ihre liberalen Grundsäße" preis: Der Kultusminister sammlung beraten. Sörensen verfügte für beide Städte, daß Luthers Katechismus und ein autorisiertes Lehrbuch auch in Zukunft gebraucht werden Wirkungen des mitteldeutschen Bergarbeiterstreiks. Berhütete Schiffskatastrophe. sollen; ebenso wandte er sich gegen die Verminderung der Religions- Zu den Werken, die sich im mitteldeutschen Streif der Braun- Antwerpen, 1. März.( B. H.) Auf der Schelde herrschte stunden. fohlengräber am bockbeinigsten stellten, gehörten die 3e chau nachts und heute morgen dichter Nebel. Durch denselben wäre beiDer Kampf gegen das mechanische Vollstopfen der Schultinder Kriebischer Kohlenwerte. Die Verwaltung dieser Ge- nahe eine Katastrophe ähnlich derjenigen des Dampfers Berlin" mit Religion wird in Dänemark schon seit Mitte des vorigen Jahr- sellschaft war es, welche, entgegen ihrem Versprechen, die Neun- herbeigeführt worden. Der Holländische Dampfer Queen hunderts geführt, und nicht nur von freigesinnten, sondern auch stundenschicht einzuführen, einen großen Transport Polen fommen Wilhelmine" der Linie Vlissingen- Queensborough, einer Ston bon ernsthaft religiösen Reuten. Eine Verminderung des ließ, die aber abgefangen wurden. Nach dem Streit fträubte turrenzlinie der Linie Harwich- Hoek van Holland stieß mit dem Religionsunterrichts von 3 auf 2 Stunden wurde schon im Jahre fich die Verwaltung aufs äußerste, menschenwürdige Zustände in Dampfer Wardin" zusammen und begann sofort zu sinken. 1901 in der Stadt Slagelse durchgeführt und von der damals ihren Betrieben zu schaffen. Wie diese ihre Arbeiterfeindschaft Glücklicherweise war der Schleppdampfer Tharmes" in der Nähe Tonservativen Regierung gebilligt. Das war furz vor dem gewirkt hat, lehrt am besten der jetzt beröffentlichte Geschäftsbericht und leistete sofort Hülfe. Die 83 Passagiere und die Postsäcke gepriesenen Systemwechsel", dessen Früchte dem dänischen Bolte pro 1906. Es heißt da: fonnten noch rechtzeitig von dem Schleppdampfer an Bord ge= so manche Enttäuschung gebracht haben. nommen werden. Afrika. Kabinett Botha. London, 1. März.( B. H.) Wie versichert wird, wird die englische Regierung Lord Selborne die Weisung erteilen, die Zusammensetzung des Transvaaler Senats durch Streichung einiger Progressistensie zu ändern. Diese Size würden dann den Buren oder Nationalisten zufallen, wodurch eine größere Harmonie zwischen Kabinett und Senat herbeigeführt und der Bildung eines Kabinetts Botha nichts mehr im Wege stehen würde. Das Geschäftsjahr 1906 hatte unter einem 12wöchentlichen Streit sehr zu leiden. Auch nach Beendigung des Streits mach sich immer noch eine gewisse Unruhe unter den Arbeitern bemerkbar und vor allem bis in den Winter hinein ein außerordentlicher Mangel an Arbeitskräften. Der Bruttogewinn pro 1906 beträgt 465 437 M.; nach Abschreibungen von 250 123 M. ( 272 017) verbleibt ein Nettogewinn von 213 314 M.( 341 069). Es soll borgeschlagen werden, eine Dividende von 5 Broz.( 8) zur Ausschüttung zu bringen und den Neft von 14 876 M. ( 14 876) auf neue Rechnung borzutragen." Berschollener Dampfer. Hamburg, 1. März. Der am 19. Februar von Schottland nach Sauber Gebr., der seit 10 Tagen überfällig ist, ist bisher nicht einHamburg abgegangene Dampfer„ Elisabeth" der hiesigen Reederei getroffen. Da auch keinerlei Rachricht über ihn eingetroffen ist, nimmt die Reederei an, daß der Dampfer mit seiner aus 20 Mann bestehenden Befagung untergegangen ist. Zimmererstreik. " " Berviers, 1. März.( B. H.) Die hiesigen Zimmerer sind in den Ausstand getreten; fie verlangen eine Lohnerhöhung sowie verfchiedene Berbesserungen in den Arbeitsbedingungen. Die Arbeit geber sind bereit, eine Lohnerhöhung von 5 Proz. zu gewähren, erflären jedoch, weitere Zugeständnisse nicht machen zu können. Durch den Streit ist die gesamte Bautätigkeit in der Stadt lahmgelegt. ,, Es wär so schön gewesen!" Die Arbeiterverhältnisse haben sich, wie die Verwaltung weiter mitteilt, inzwischen wesentlich gebessert, was bereits im Januar- Petersburg, 1. März. Der Petersburger Telegraphenagentur ausweis zum Ausdruck gelangt. Im Januar sei der Ueberschuß wird aus Bizitar gemeldet: Auf faiserlichen Befehl haben heute recht zufriedenstellend gewesen. die russischen Truppen Zizikar, das seit 1900 besest war, geräumt. Berantw. Rebatteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil berani. C.Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Bucher. u. Berlagdangall Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 4 Beilagen u Unterhaltungsblatt Nr. 52. 24. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt 7. Sigung vom Freitag, den 1. März, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Graf v. Pojadowsky, Frhr. 6. Stengel, Dernburg, v. Tschirschky, Löbell, Nieberding. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Etatberatung. Bundesratsbevollmächtigter Konteradmiral Capelle: Der Abg. Gröber hat gestern gefragt, ob wirklich Ordonnanzen und Kanzleidiener des Marineamts vom Flottenverein mit der Wahlagitation beschäftigt worden sind. Es handelt sich um eine in der freien Zeit freiwillig gegen Bezahlung ausgeübte Tätigkeit, von der wir erst durch die Presse erfahren haben. Als der Staatssekretär Kenntnis von dieser Tätigkeit erhielt, hat er sie verboten. Abg. Fürst Hanfeldt( Rp.): Bei der Auflösung des Reichstags handelte es sich keineswegs um eine Lappalie, wie Herr Gröber meinte.( Sehr richtig! rechts.) Herr Payer wollte, daß in allen Bundesstaaten das Reichstagswahlrecht eingeführt würde; das könnte nur durch einen Staatsstreich geschehen. Ich sehe hier keine andere Mehrheit als diejenige, welche sich bei der Präsidentenwahl zusammengefunden hat; deshalb bedauere ich die Angriffe, die Herr Gamp gegen die nationalliberale Partei gerichtet hat, der ich zu ihrem 40jährigen Geburtstage, den sie gestern gefeiert hat, nach träglich gratuliere.( Beifall rechts und Heiterkeit.) will ich denn auch nicht versäumen, Sonnabend, 2. März 1907. Terrorismus der Sozialdemokratie bon Präfektenwahlen trugen.( Sehr wahr! bei den Sozialdemo- wird.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler fraten.) Er hat sich als gelehriger Schüler Napoleons des Kleinen hatte alle Ursache, seinen Herrn Stellvertreter zu bitten, im Reichs= hewährt, indem er Wahlen inszenierte in der Weise, wie unter tage diese Erklärung abzugeben. Das hat ihm aber nicht in den napoleonischer Herrschaft die Plebisaitwahlen zustande gebracht Kram gepaßt, er watete zu tief im Wahlsumpfe.( Buruf des Abge. wurden. Der gesamte Regierungs- und Verwaltungsapparat war ordneten Bebel:„ Er hat eben die bekannte Rhinozeroshaut in den Dienst der früheren Minderheitsparteien gestellt, alles, was Große Heiterkeit. Schr gut! bei den Sozialdemokraten.) Weiter hat der Herr Reichsfangler als Ursache der Wahlnieder. irgendwie Rang und Amt hatte, mußte den vom Reichskanzler erteilten Anweisungen nachkommen. Der Reichskanzler hat ja selbst lage der Sozialdemokratie den angeblichen zugegeben, daß solche Anweisungen erteilt worden sind, und, ber Reichstag wird die Vorlegung dieser Anweisungen verlangen müssen, um zu sehen, was denn eigentlich angeordnet worden ist. hervorgehoben. Er hat dabei auch auf den Vorfall in Anhalt Bezug ( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bei dieser Gelegenheit Sozialdemokratie erwiesen: dieser Fall muß dem Herrn Reichsgenommen. Hier hat sich nun wieder einmal das Schweineglück der tanzler beweisen, wie unvorsichtig es ist, über eine noch nicht ents eine Berleumdung gegen den verstorbenen Abgeordneten Liebknecht schiedene Sache ein vorschnelles Urteil zu fällen. Bisher sind wir zurüdzutveisen. Wir sind es dem Andenken unseres verehrten gewöhnt, vom Bundesratstische aus, wenn schwebende Prozesse hier Freundes schuldig, hier festzustellen, daß auch sein Name in diesem erörtert wurden, die Mahnung zu hören, daß man darüber nicht Wahlkampfe in unerhörter Weise beschmukt worden ist, um so sprechen dürfe. Wenn die Herren sich doch bemühen wollten, ihren mehr, als die Verleumdung und Niedertracht gegen einen Ver- eigenen Lehren selber nachzukommen.( Sehr wahr! bei den Sozialstorbenen ausgeübt worden sind und als der Kanzler sie unter demokraten. Durch gerichtliche Feststellung haben sich die Vorgänge stützt hat. In zahlreichen Flugblättern des Reichsverleumder- in Anhalt, soweit sie einen Vorwurf für die Sozialdemokratie beverbandes( Große Unruhe rechts und bei den Nationalliberalen. deuten sollten, als auf Phantasien beruhend herausgestellt, denen Lebhaftes sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) ist behauptet jede tatsächliche Unterlage fehlt.( Sehr richtig! bei den Sozialworden, daß Liebknecht 1872. im„ Voltsstaat" die Soldaten als demokraten. Durch gerichtliche Feststellung haben sich die Vorgänge zweibeinige Tiere in Uniform" beschimpft habe. Der Artikel auch der anhaltische Minister v. Dallwit hat in diesem Falle vorstammt aus dem Jahre 1873.( Redner verliest den Artikel, in schnell geurteilt. Er hat im anhaltischen Landtage ausgeführt, daß welchem ausgeführt wird, daß im Militärstaat, welcher Menschen der grausige Mord zurückzuführen sei auf die Schuld der Sozial überhaupt nicht fenne, das zweibeinige Tier ohne Uniform demokratie, die die Jugend zu solchen Greueltaten erziehe! Es ist In Breslau ist der Wahlkampf von sozialdemokrati meniger gelte, als das zweibeinige Tier mit Uniform, in welchem ihm ja im anhaltischen Landtage darauf gebührend geantwortet scher Seite gehässig geführt worden, wir dagegen haben ihn ferner Mißstände bei der Choleraepidemie in der Kaserne eines worden. Ich muß sagen: Wenn ein deutscher Mann sich herausfachlich geführt; wir haben gegen die Personen der Herren Garderegiments zur Sprache gebracht werden und zum Schluß nimmt, die stärkste politische Partei im Lande derartig zu schmähen Bernstein und Tubauer nichts, wir haben den Kampf nur gegen erklärt wird, daß man verlangen fönne, daß für das enorme und zu beschimpfen, so sind das Zustände, die eines Kulturstaates das sozialistische Prinzip geführt. Was dort das ganze Bürger- Geld, welches die Armee kostet, für die Soldaten wenigstens ge- abfolut unwürdig sind.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) tum gegen die Sozialdemokraten zusammengeschweißt hat, ist der sunde Kasernen gebaut werden.) Wer noch eine Spur von Ehr- Die Minister, die die ersten sein sollten, um die Gesetze zu Terrorismus der Sozialdemokraten gewesen. Dort hat sich an dem gefühl im Leibe hat, der muß zugeben, daß die Behauptung in wahren, sollten doch nicht, nur um der Sozialdemokratie eins an Kampfe gegen die Sozialdemokraten auch das Zentrum beteiligt, jenen Flugblättern erlogen war( Sehr richtig! bei den Sozial- zuhängen, die Rolle von Leuten annehmen, denen jede Moral, jebe ( Lebhafte Zus dort ist das Ideal des Zusammenschlusses des Bürgertums erfüllt. Demokraten.), der muß es verneinen, daß es gestattet sein fann, Sitte, jeder Anstand vollkommen fern liegt. ( Beifall rechts.) in einem Wahlkampfe zu behaupten, Liebknecht habe die Soldaten Stimmung bei den Sozialdemokraten.) Wie liegt denn die Sache Abg. Dr. Semler( natl.): Ich wollte ursprünglich etwas über als zweibeinige Tiere" beschimpft. In dieser Weise aber ist eigentlich? Die Berichte der Presse enden mit der Mitteilung, daß die Rede des Abg. Bebel sprechen, habe aber dann meine Zettel überhaupt von Ihrer Seite der Wahlkampf gegen uns mit der betreffende Mann zum Tode verurteilt worden ist. Wenn man zerrissen. Herrn Dr. Wiemer werde ich später antworten. Ich niederträchtigen Lügen und Verleumdungen geführt worden.( Leb- sich vergegenwärtigt, daß der Mörder, der sich allem Anschein nach werde mich nur mit den Angriffen des Abg. Gröber gegen meine hafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Das Hauptmotiv im Dämmerzustand befunden hat, sodaß er für seine Tat faum Fraktion beschäftigen, aus denen das gekränkte Machtgefühl des des Reichstanzlers in feinen Ausführungen über die Niederlage verantwortlich zu machen ist, so kann man wirklich nicht davon Zentrums in unsagbar derben Ausdrücken sprach.( Bravo! bei den der Sozialdemokratie war, daß die Sozialdemokratie die Monarchie reden, daß hier ein politischer Mord vorliegt. Durch die Zeugen Nationalliberalen; Lachen im Zentrum.) Die Geschichte des bekänfpft, welche die Grundlage des Reiches sei. In der Reichs- aussage ist erwiesen worden, daß weder der Mörder noch der Er13. Dezember lehrt, daß die Reichstagsauflösung berechtigt war. verfassung steht kein Wort davon, daß das Deutsche Reich eine mordete mit irgend einer politischen Partei das geringste zu tun Die Behauptung des Abg. Gröber, daß der Bahnbau auf den Gang monarchische Grundlage habe.( Unruhe rechts.) Weisen Sie mir hatten. In der Verhandlung ist ferner auch erwiesen worden, daß des Feldzuges feinen Einfluß hatte, ist durch den wahren Sach- doch das in der deutschen Reichsverfassung nach. Die Reichs politische Momente für die Tat night in Frage kommen fönnen. verhalt widerlegt. Ueber die Notwendigkeit der Zurückziehung von verfassung würde einer Umänderung der monarchischen Staats- Wenn man trotzdem die Schuld für solche Verbrechen der SozialTruppen konnten nur die verbündeten Regierungen auf Grund formen der einzelnen Staaten in Republiten nicht im Wege stehen. Demokratie in die Schuhe schiebt, dann fehlt mir die parlamendes Gutachtens der militärischen Sachverständigen entscheiden, nicht Wir haben bei allen Gelegenheiten unsere republikanische Auf- tarische Bezeichnung für ein solches Vorgehen.( Sehr gut! bei den das Zentrum.( Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Hier fassung zum Ausdruck gebracht, wir werden uns das immer Sozialdemokraten.) Wie schlecht muß es doch um diese verbündeten handelte es sich um einen Abstrich von einer Summe, die für unsere gestatten und aus unserer Auffassung kein Geheimnis machen. Parteien stehen, wie tief muß Truppen unerläßlich und unerseßlich war.( Lebhafte Zustimmung( Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wie der das Niveau dieses Mehrheitsblocks. bei den Nationalliberalen und rechts.) Abg. Gröber hat gestern Reichskanzler dazu kommt, gerade dies als die Ursache der Nieder- sein, wenn es gestattet sein kann, unwidersprochen derartige Verseinen Spott mit dem Worte national" getrieben, wobei er von lage anzusehen, ist um so verwunderlicher, als wir dieselbe Auf- teumdungen auszusprechen.( Sehr richtig! bei den Sozialden Sozialdemokraten unterstützt wurde. Gegenüber dem Hin- fassung auch früher bei allen Wahlen bekannt haben, bei welchen demokraten.) Aus der Verhandlung hat sich aber weiter ergeben, weise des Abg. Gröber auf die Stimmenzahl der Gegner der gegen wir Stimmenzuwachs und Mandatzuwachs hatten! wärtigen Kolonialpolitik möchte ich bemerken, daß nicht die MehrWeiter hat der Reichsfangler gemeint, die Auffassung Bebels daß durch das verleumderische Treiben der gegnerischen Parteien zahl der Wähler entscheidend ist, sondern die Zusammensetzung des über den Wahlausgang werde nur von seinen nächsten persönlichen gegen uns, dadurch, daß man den Leuten einredete, alles Schlechte Reichstags. Der Abg. Gröber beklagte sich über die schlechte Be- Anhängern und seiner Umgebung geteilt. Herr Kanzler, idy fann gehe von der Sozialdemokratie aus, kurz, daß die Lehren des ReichsHandlung des Zentrums; wir können sie nur berechtigt finden. Ihnen sagen, daß die Auffassung Bebels über die Ursache des Aus- verbandes gegen die Sozialdemokratie es gewesen sind, die die Das Zentrum hat in seiner Tonart die Sozialdemokraten noch über- gangs dieses Wahlkampfes von der Partei geteilt, von der Partei Leute in dem Glauben versetzt haben, fie müßten aussagen, der troffen.( Burufe im Zentrum: Beweise!) Ein Beweis ist, daß bestätigt wird.( Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Mörder habe seine Tat ausgeübt, weil der Ermordete nicht richtig ich es Ihnen sage!( Stürmisches Gelächter im Zentrum.) Das Eine Ausnahme könnten höchstens diejenigen Kreise machen, die es gewählt habe! Wenn von Vorwürfen die Rede sein kann, dann Zentrum benutzt die Sozialdemokratie, wenn es gilt, den fich zur Aufgabe machen, dem Reichskanzler Stoff zu Angriffen gegen fallen die Vorwürfe auf die Parteien zurück, die den letzten Wahlschlimmeren Feind, den Liberalismus, zu bekämpfen. Das unsere Partei zu liefern. Das ist aber eine so verschwindende kampf in einer solchen Weise gegen die Sozialdemokratie geführt Zentrum hat gegen entsprechenden Profit den Sozialdemokraten Minderheit in unserer Partei, daß es gegenüber der ungeheueren haben.( Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Das ein Dußend Wahlkreise ausgeliefert; uns tann man einen solchen Majorität auf sie nicht ankommt.( Sehr richtig! bei den So- Verhalten des Reichskanzlers auf diesem Gebiete erinnert mich Vorwurf nicht machen. Wir dürfen vom Reichskanzler die Ein- zialdemokraten.) Die ungeheuere Majorität teilt den Standpunkt, start an die Zeit, in der man Hoedel und Nobiling der Sozialdemo lösung seines Versprechens wegen seines neuen Programms er. daß die von der Fraktion befolgte Tattit den Beschlüssen der Partei fratie an die Rodschöße hängte.( Sehr richtig! bei den Sozialwarten; aber es muß daran erinnert werden, daß auch an die tage entsprochen und den Interessen der Partei gedient hat.( Leb- demokraten.) Und dabei gehörte Hoedel der christlich- sozialen Mehrheitsparteien des jetzigen Reichstages große Erwartungen ge- hafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Deswegen ist der Partei des Herrn Stöder und Nobiling der nationalliberalen knüpft werden, daß nämlich die Mehrheit der Regierung gegen- Bersuch, zwischen der Partei und meinem Freunde Bebel einen Unter- Partei an.( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler hat auch von dem Terrorismus der Sozialüber in großen, nationalen Fragen nicht versagen wird. Wir ver- schied zu machen, verfehlt. Der Dresdener Parteitag hat es bem trauen darauf, daß die nationale Mehrheit im Volte zunimmt und Kanzler nun einmal angetan. Er sollte sich lieber um seine demokratie während der Wahl gesprochen. Es wird bei Behandlung daß bei dem Bündnisse zwischen Zentrum und Sozialdemokratie eigenen Angelegenheiten fümmern.( Sehr gut! bei den Sozial- unserer Interpellation noch Gelegenheit sein, darauf zurüddemokraten.) Wir können die von ihm im pastoralen Tone erteilten zukommen. Aber ( Lauter Widerspruch im Zentrum), die Sozialdemokratie die Beche Behren nicht annehmen, wir wissen allein, was uns nottut, und bedürfen zur Erledigung unserer Angelegenheiten feiner Assistenz wie von der Gegenseite gekämpft worden ist, will ich Ihnen doch Abg. Singer( Soz.): des Kanglers, teines Lobes oder Tadels.( Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Bei dieser Gelegenheit will ich auch erklären, daß wir uns den Ton, in welchem der Kanzler mit uns hier zu berfehren beliebt, auf das entschiedenste verbitten müssen.( Unruhe rechts, Beifall bei den Sozialdemokraten.). Er scheint sich zur Aufgabe gemacht zu haben, bezahlt. Die Ausführungen des Herrn Vorredners, speziell über das Bündnis von Zentrum und Sozialdemokratie", haben auf mich den Eindruck gemacht, daß Herr Semler sich in einer Stimmung befindet, aus der man schließen muß, daß ihm seine Tropenreise nicht gut bekommen ist.( Große Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten und im Zentrum.) ein kleines Beispiel, geben: Im Wahlkreise Offenbach- Dieburg, in dem mein Barteigenosse Ulrich gewählt worden ist, wurde von liberaler Seite ein Flugblatt verbreitet, in dem es hieß, die sozialdemokratischen Wähler des Kreiſes, 20 000 an der Bahl, hätten in drei Wochen 80 000 M. zusammenbringen müssen, um sie dem Arbeitergroschenmillionär Ulrich zu Füßen zu legen!( Stürmisches Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Das mache 4 M. pro Kopf der sozialdemokratischen Wähler und diese unbestrittene Wahrheit" beweise, daß die sozialdemokratischen Führer die größten Feinde der Arbeiterklasse und daß sie Ausbeuter seien!( Erneutes Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Man braucht das nur zu lesen, um zu erkennen, daß alles schamlos erlogen ist. Da die Massen nicht in der Lage sind, die Wahrheit im einzelnen zu erkennen, täuscht man ihnen vor, daß die Sozialdemokratie nicht die Zwecke der Partei Diese Tendenz war es, die so vergiftend auf den Wahlkampf ge= wirkt hat, und wenn dann einmal einem Sozialdemokraten die Geduld ausgeht, wenn hier und da einmal in der Abwehr ein Wort geschrieben wird, das besser nicht geschrieben wäre, dann schreit die gesamte Ordnungspresse Zeter und Mordio über den schlechten Zon der Sozialdemokratie.( Sehr wahr! bei den Sozialdemo fraten.) Leute, die auf Grund einer solchen Agitation in den Reichstag gewählt werden, sollten sich schämen und es sich sehr überlegen, ein solches Mandat anzunehmen.( Lärm rechts. Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler hat uns weiter unsere nur negierende Politik" seine absolute Unkenntnis der Verhältnisse der Partei Der Herr Reichskanzler hat fieben Gründe angeführt, aus burch seine Reden zu zeigen, die keine Gründe enthalten, sondern benen unsere Niederlage eine wohlverdiente sei. Nun, eine allgemeine Betrachtungen, ähnlich den Behauptungen, wie sie im Niederlage haben wir nur in bezug auf unsere Mandate er Wahlkampf ohne jede tatsächliche Unterlage gebraucht worden sind. Titten. Das ist gewiß bedauerlich, und für den Reichskanzler und wenn übrigens der Dresdener Parteitag dem Herrn Reichskanzler für die bürgerlichen Parteien, die vom Augenblid leben und so gefallen hat, weil er der Partei geschadet habe, so sollte er sich am Aeußeren fleben, sind die Mandate natürlich all le&. doch darüber freuen. Ich kann ihm versichern: wir werden fortFür uns ist im übrigen die Tatsache, daß wir um eine Viertel- fahren, ohne Scheu diejenigen Erörterungen zu pflegen, die wir im million Stimmen zugenommen haben, sehr befriedigend.( Sehr Interesse der Partei für notwendig erachten, wobei es uns gleich im Parlament verfolgt, sondern daß ihre Führer nichts weiter seien richtig! bei den Sozialdemokraten.) Sie ist ein Beweis dafür, gültig sein wird, ob sie dem Reichskanzler und den gegnerischen als Leute, die den Arbeitern das Geld aus der Tasche ziehen. daß unsere Grundsätze dauernd immer tiefer Wurzel im Volte Parteien gefallen, in der leberzeugung, daß durch die Aussprache schlagen( Sehr wahrt bei den Sozialdemokraten.) und Früchte die innere Festigkeit unserer Partei nicht geschädigt wird.( Lebhafte hervorbringen werden, die den augenblicklichen Mandatsverlust Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Warum reden Sie denn reichlich ausgleichen. Abgesehen von der Zunahme unserer nur immer bom Dresdener und nicht vom Mannheimer Stimmen haben unsere Organisationen so an Mitgliedern zugenom- Parteitag, der Ihnen bewiesen hat, daß der Dresdener Parteitag men und ist die Abonnnentenzahl unserer Bresse während des den Zusammenschluß aller Zweige der Arbeiterbewegung vorbereitet Wahlkampfes so gestiegen, daß uns das zu den allerschönsten Hoff- hat!( Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) nungen berechtigt.( Lachen rechts.) Sie werden das bei den Der Reichskanzler hat hier auch eine Nachricht aus der„ Frant nächsten Wahlen spüren.( Erneutes Lachen rechts.) Daß die furter Zeitung" berlesen und mit Wärme vertreten, wonach ein Folgen für Sie nicht zu lange ausbleiben werden, dafür sorgen Flugblatt, in welchem der demokratischen Partei Stimmenkauf Sie schon durch Ihr reaktionäres Vorgehen zu allererst.( Bravo! am Stichwahltage vorgeworfen wird, von der sozialdemokratischen bei den Sozialdemokraten.) So sehr wir also selbstverständlich Partei schon am Tage vor der Stichwahl gedruckt worden sei. Die im Intereffe unseres Einflusses auf die parlamentarische Ge-" Frankfurter Beitung" hat aber fofort eine Berichtigung Wir haben allerdings gegen einzelne staltung der Dinge den Mandatsverlust bedauern, so wenig haben bringen müssen und gebracht, in der diese Behauptung widerlegt zum Vorwurf gemacht. wir irgend einen Grund, uns zerschmettert zu zeigen oder, um die und festgestellt wird, daß das Flugblatt erst am Stichwahltage um blumige Redeweise des Kaisers zu gebrauchen, uns als nieder- 11 Uhr geschrieben und danach gedrukt wurde. Ich will diese Be- Arbeiterschußgefeße gestimmt, aber nur, weil sie uns nicht weit richtigung vorlesen, damit sie in das Reichstagsprotokoll Aufnahme genug gingen. Jedem Gesez, das eine Verbesserung brachte, und wenn sie auch noch so gering war, haben wir zugestimmt. Uebrigens geritten zu fühlen.( Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) muß doch einmal festgestellt werden, in welcher Gesellschaft wir Der Reichskanzler hat erklärt, daß aus Reichsfonds feine findet und der Nachweis darin steht, Wahlgelder gezahlt seien, daß ihm aber Mittel zur Verfügung ge uns bei unseren Abstimmungen gegen die sozialen Gefeße befunden stellt worden sind, die er durch Mittelspersonen den verschiedenen haben. Auch in einem freifinnigen Wahlflugblatt, das zur Wahl Parteien der früheren Minderheit übergeben hat. Er hat in des Lehrers Enders auffordert, wird behauptet, die Sozialdemo fratie habe noch keine positive Arbeit geleistet, sie habe die Fürs Aussicht gestellt, dies fünftig noch in ausgiebigerer Weise zu tun. Diese Zusicherung eröffnet einen Ausblid, über den jeder, der Wer sich an so hervorragender Stelle befindet und es für not- sorge für die arbeitenden Klassen, mit der sie sich brüste, dadurch überhaupt ein freies Wahlrecht wünscht, aufs äußerste erschroden wendig hält, öffentlich die größte politische Partei in der Weise bewiesen, daß sie gegen alle Arbeiterschußgefeße gestimmt habe! sein muß.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es wird zu brandmarken, hat die verfluchte Pflicht und Schuldigkeit, wenn Herr Enders hat jedenfalls angenommen, daß seine Wähler feine damit das Recht der Regierung proklamiert, die Wahlen zu diri- dasjenige, was er vorbringt, jich als falsch herausstellt, und der Ahnung davon haben, daß seine eigenen Parteigenossen sich dabei gieren und solche Wahlen herbeizuführen, wie sie dem augenblid. Reichstanzler hat sofort ein berichtigendes Telegramm von unserem in der Gesellschaft der Sozialdemokratie befunden haben.( Hört! lichen Bedürfnis der Regierung entsprechen.( Sehr wahr! bei Parteisekretär Dittmann in Frankfurt a. M. erhalten, dies dem hört! b. d. Soz.) Gegen das Krankenversicherungsgesetz haben den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler hat auf die Praris in Reichstage mitzuteilen.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Anfang der 80 er Jahre auch die Mitglieder der Fortschrittspartei anderen Ländern, wie England und Frankreich, hingewiesen. Davon entbindet ihn auch nicht die Tatsache, daß er, nachdem er- also die heute bereinigte liberale Dreieinigkeit( Heiterkeit b. d. Diese Länder aber werden parlamentarisch regiert.( Sehr wahr das Telegramm von unserem Parteigenossen Dittmann bekommen Goz.) und die Sezessionisten mit Ausnahme einiger Herren gestimmt. bei den Sozialdemokraten.) Dort sind die Minister die Diener hatte, an sein Blatt, die Nordd. Allg. Ztg.", die Mitteilung von( Hört! hört! b. d. Soz.) Die Abstimmung über das Unfallverder Mehrheit der gefeßgebenden Körperschaften, während bei uns diesem Telegramm hat gelangen lassen. Zum Glück sind wir noch sicherungsgesetz im Jahre 1884 war feine namentliche. Auch gegen die Minister nach einem bekannten Kaiserwort die Handlanger nicht someit, daß jeder Mensch in Deutschland verpflichtet ist, die diese Vorlage stimmte die Fortschrittspartei, für die der Abg. der Krone sind.( Sehr gut! bei den Sozialdemokraten. Der Nordd. Allg. Ztg." zu lesen.( Seiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Richter die entsprechende Erklärung abgegeben hat.( Hört! hört! Reichstanzler hat durch diese seine Ausführungen den besten Be- Worauf es ankommt, ist, daß an der Stelle, wo die Verleumdung b. d. Soz.) Danu 1889 gegen die Invalidenversicherung stimmten teis geliefert, daß die lehten Wahlen in der Tat den Chapalter ausgesprogen worden ist, fie auch zurüdgenommen neben den Sozialdemokraten die Deutsch- reifinnigen mit Ause " mit welcher Flüchtigkeit der Kanzler informiert wird. ( Redner verliest die im Vorwärts" vom 27 Februar- Hauptblatt, G. 4- und vom 28. Februar Hauptblatt, S. 2/3 veröffentlichte Erklärung Dittmanns.) Ntchme eine? Abgeordneten(Hört! hört! b. d. Soz.), ein Teil des Zentrums und ein Teil der Nationalliberalen.(Hört! hört! b. d. Soz.) Und noch eine sehr interessante Episode möchte ich den Herren von der freisinnigen Partei in Erinnerung rufen: Als im Jahre 1897 das Zentruni Aufhebung des Neichszuschusses zur Versicherung beantragte und eine Einschränkung der Ver- sicherungspflicht haben wollte, da erklärte der Herr Abg. Eugen Richter, daß er für diesen Antrag stimme, weil es der erste Schritt gnt Beseitigung der Arbeiterversicherung sei.(Lebh. Hört! hört! b. d. Soz.) Ich denke, danach werden die Herren mit ihren Vor- würfen, daß wir gegen die sozialen Gesetze gestimmt haben, für die Folge etwas vorsichtiger sein.(Sehr gut! b. d. Soz., Widerspruch o. d. Freist Zuruf b. d. Soz.:»Nun, dann lügen Sie nur ruhig weiter!" Sehr gut! b. d. Soz.) In bezug auf die phantasievollen Pläne des neuen Herrn Kolonialbirektors ist schon in der Debatte mehrfach auf seine frühere Tätigkeit als Banwirektor eingegangen worden. Ich bin überzeugt: wenn der He�r Bankdirektor Dernburo eine Aktiengesellschast gegründet und tu. Grund ähnlicher phantasievoller Prospelte die Zulassung dieser Atticn bei der Börse beantragt hätte � daß dann keine deutsche Börse die Zulassung dieser Aktien genehmigt hätte.(Hciterkei und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr Dernburg besitzt ja einen Phantasieflug, um den man ihn wirklich beneiden kann. Ich will von der Dattelkifte gar nicht reden.(Heiterkeit.) Seine Bilanzen allein zeugen von einer beneidenswerten Phantasie.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Er erinnert inich an einen Mann, der seinen Reichtum in folgender Weise fest» stellt: Er nimmt ein großes, sehr sandiges Stück Land, engagiert viele Arbeiter, um den Sand von einer Stelle nach der anderen zu schaffen, berechnet die Arbeitslöhne, kapitalisiert sie und sagt bann, das ist der Wert meines Grundstückes.(Große Heiterkeit.) Der Reichskanzler wirft uns unpatriotischc Haltung vor und beruft sich dabei auf unseren französischen Genossen Jaures. Nun, die letzten Tage haben wohl den Beweis erbracht, wie man diese Bezugnahme bewerten muß. Jaures hat sich in einem Artikel gegen die Rede gewendet und erklärt: er sei das schon gewöhnt;, in Frankreich mache man das umgekehrt: Dort wird seinen Genossen der deutsche Sozialist Bebel als Muster des Patriotismus vor- gehalten.(Heiterkeit. Hört? hört! bei den Sozialdemokraten.) So ist eS immer: Das Ausland beruft sich auf die natinalistische Gesinnung unserer deutschen Parteigenossen, und die deut- sehen Herren Staatsmänner auf die der französischen. Ich muß es aber geradezu als unerhört bezeichnen, wenn der Reichs- kanzler— um mich eines Ausdruckes des Abgeordneten Semler zu 'bedienen— sich herausnimmt, zu behaupten, daß die deutschen Sozialisten dem Deutschen Reiche ein zweites Jena wünschen, vor- ausgesetzt, daß die Partei dabei prosperiert! Der Reichskanzler glaubt wobl, wie eS Herr Semlcr vorhin getan hat. daß eine Bc- hauptulw dadurch bewiesen wird, daß er sie aufstellt?(Heiterkeit.) Ich muß aber sagen, daß diese Behauptung der Wahrheit so sehr widerspricht, daß wir von ihm verlangen müssen, den Beweis dafür zu erbringen. Er möge uns das beweisen aus irgend einer Rede in diesem Hause, aus irgend«inem Beschluß aus einem unserer Parteitage. Ich kann diese Behauptung nicht anders charaktcri- sieren, als indem ich sie mit einem Worte des Reichskanzlers als phant-isievollr, perfide Nörgelei an den Bestrebungen der Sozial- demotratie bezeichne.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Weiter hat der Reichskanzler seine Entrüstung über die an- gcbliche Behauptung, des„Vorwärts" ausgesprochen, daß die Kolonie Süidwestafrika nur gehalten werde, um auf England einen Druck auszuüben. Demgegenüber stelle ich fest, daß es der Ab- geordnete Lattmann, also ein Mitglied der Schutztruppe des Reichskanzlers, gewesen ist, der vor einem Jahre in diesem Hause die Behauptung zuerst ausgesprochen hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sehr seltsam ist eS ja, daß die Herren von der Linken sich so große Rosinen über den Erfolg ihrer Politik in den Kopf zu setzen scheinen. Die Herren Wremer und Paher haben ja allerdings etwas Wasser in den Wein der Einigung gegossen, aber es läßt sich doch nicht leugnen, daß die Herren bereits erhebliche Vorschüsse auf diese zu erwartenden Sprößlinge der konservativ-liberalen Paarung zu leisten bereit waren.(Widerspruch links.) Aus der Rede des Abg. Payer besonders klang es heraus, als ob die Freisinnigen so manches, was sie früher mit großer Energie erbeten haben, jetzt mehr in den Hintergrund stellen wollen.(Widerspruch links.) Die Kolonialfreundlichkeit soll wohl als Morgengabe der Freisinnigen gelten, ebenso wie das Börsengesetz als Morgengabe der Konser- vativen.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Debatte hat sich gestern und hcure über diese seltsame, konser- vativ-liberale Mischung genügend verbreitet. Der Liberalismus möchte an die Stelle des Zentrums treten, und vielleicht erleben wir es noch, daß statt Herrn Spahn Herr Müller-Meinungen, geschmückt mit dem Zylinderhut, ins Reichskanzlerpalais geht, um von dort frohe Botschaft heimzubringen.(Heiterkeit.) Eingeführt hat sich der Freisinn ganz außerordentlich: Er hat als Morgengabe 82 Wahl- kreise mitgebracht, um welche er die rechte Seite des Hauses gestärkt hat.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Vielleicht war das aber notwendig, um überhaupt die Unterschrist für den Ehepakt zu erlangen. Es gibt aber manche Mitgift, die als moralisch nicht betrachtet werden rann, und als solche erscheinen mir die in die konservattv-liberale Ehe eingebrachten Mandate.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Das eigentlich Bemerkenswerte beim Liberalismus scheint mir zu sein, daß er— ebenso wie die Nationalliberalen— in den letzten Tagen hier dem Reichskanzler Hymnen gesungen hat für das, ivas der Kanzler in so vorsichtiger Weise alö sein„Programm" mit- geteilt hat. Allerdings ist schon von dem Staatssekretär des Innern gesagt worden, daß der Reichstag sich für die Durchführung dieses Programms auf viele Millionen und— was mir noch bedeutsamer erscheint— auf viele Sessionen gefaßt machen müsse. Aber für die Kolonialpolitik haben die Herren sich verpflichtet, und da ist es doch nicht unbedeutend, wenn auch aus den Reihen des Blocks an der zukünftigen Einigkeit so starke Zlveifel geäußert sind wie von Herrn Gamp. Wenn Herr Gamp es für notwendig erachtet, daß die Reichspolitik getragen wird von der Auffassung, die in Preußen herrscht, dann werden die Herren an ihrer Kolonial- und Finanz- Politik wohl leine Freude erleben. Eine Ehe soll ja wenigstens e t n i g e Z e i t l a n g Einig« keit zeigen, und da ist von Bedeutung die Aeußeruug des Herrn Gamp bezüglich einer Frage, die jetzt auch den Reichstag beschäftigt, die Frage der Immunität. Er sagte: Ihm und seinen Freunden würbe es in keiner Weise ein- fallen,' die Immunität zu erweitern l Die Abgeordneten hätten kein Recht, zu verschweigen, was ihnen in ihrer Eigenschaft als Abgeordnete mitgeteilt wäre; bekämen sie dieses Recht,' so würde damit die Gefahr zur Verleitung von Verbrechen ent- stehen l Ich kann nur bedauern, daß er die Abgeordneten so niedrig einschätzt.(Sehr richtig! links.) Doch will ich jetzt auf diese Frage nicht eingehen, da ja bestimmte Anträge bereits vorliegen. Doch kann ich. wenn ich den Gegenstand verlasse, eine Bemerkung nicht unterdrücken: Ich bedauere daS Verhalten des Abg. Erzberger. Er hat der Wahrung der Immunität der Ab» geordneten einen recht schlechten Dienst geleistet.(Lebhaste Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten. Abg. Erzberger ruft:»Im Gegenteil I") Was Herr Gamp vom Zusammenfinden mit dem Zentrum sagte, bestätigt meine Vermutung, daß die konservativen Neigungen rechts und im Zentrum die Herren schon wieder zusammen- führen werden. Wir wollen da» ruhig abwarten.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Versöhnungspolitik, die Herr Gamp weiter angestimmt hat, läuft in die Hoffnung aus, daß der Freisinn sich zum Schutzzoll bekehren solle. Das war der Preis, den Herr Gamp aussetzte, um dem Freisinn eine Stätte in der neuen Familie zu gewähren. Man soll ja allerdings in der Politik die Parteien niemals nach der vox prima(dem ersten Wort) beurteilen, sondern das weitere Verhalten abwarten. Beim Freisinn zeigt das ja auch das Verhaften de» Herrn Eickhoff.(Große Heiter- lüt bei den Sozialdemokraten. Unruh« bei den Freisinnigen.) Und die Freisinnigen haben ja schon eine Wandlungsfähigkeit bewiesen, fast wie die nationalliberale Partei, die dafür allerdings daS größte Verständnis hat.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Herr Gamp hat dann die deutschen Verhältnisse geschildert und sie weit über die des Auslandes gestellt. Seine Aufführungen im einzelnen zu widerlegen, werden sich noch Gelegenheiten finden. Feststellen will ich aber doch: Wenn er hier behauptet hat, unsere Schulen seien die besten der Welt, so kennt er die Schulen m anderen Ländern nicht. Aber ebenso wenig kennt er dann unsere Schulen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Kaiser hat einmal erklärt, die Schweineställe in Cadinen seien besser als die Arbeiterwohnungen. Nun, die Schweineställe auf den Gütern Ost- elbiens sind viel besser als die Lehrerwohnumigen und die Schul- räume auf dem Lande.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.)— Weiter rühmt Herr Gamp unsere Rechtsprechung. Hat Herr Gamp die hunderte von Fällen von Klassenjustiz ver- gcssen, die wir im Reichstage so oft besprochen haben? Hat er ver- gessen, daß Urteile gefällt sind, in denen Sozialdemolraien US Leute bezeichnet werde». die minderen Rechtes sind als andere? H... er die Bluturtcile gegen Streitende ver- gessen, weiß er nicht, daß hier jeder Prozeß, in welchem ein Arbeiter vor Gericht steht und bestrast wird, damit endet, daß der Arbeiter, namentlich wenn er Sozialdemokrat ist. viel höher bestraft wird als ein Angehöriger der bürgerlichen Gesellschaft? Wie kann er demgegenüber leugnen wollen, daß unsere Rechtspflege zu dem größten Mißtrauen und zu der größten Unzusriedenheit Veranlassung gibt?(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Unruhe rechts.) Ist Herrn Gamp die Polizeiwirtschast in Preußen vollständig unbekannt? Weiß er nicht, wie hier der Schutz- mannssäbel regiert und wie hier Ucbergriffe der Polizei durch die vorgesetzte Behörde repariert werden müssen? Wenn behauptet wird, daß die direkten Steuern in Preußen niedriger seien als in anderen Ländern, so muß man doch darauf verweisen, welche Verteueruiigsmomeute in Deutschland hinzu- kommen: Weder der französische noch der englische Arbeiter hat soviel an den Staat zu zahlen wie der deutsche und zwar vor allem an den nimmersattcn Agrarier.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten, Unruhe rechts. Rufe:»An die Sozial- demokratie zahlt erl") Einen besonders wichtigen Punkt in den Vorwürfen des Herrn Gamp bildet der Boykott Zunächst muß doch festgestellt werden, daß sehr viele, wenn nicht die meisten Streiks Abwehrstreiks sind, die den Arbeitern von den Unternehmern aufgezloungen werden. Bei dem Gerechtigkeitsgefühl, das Herr Gamp doch woht hat, nimmt es mich lvunder,! daß er soviel von Streiks und gar nicht von'Aus- sperrungen gesprochen hat, durch lvclche� die Streiks erst ver- anlaßt sind.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Unsere Stellung zum Boykott hat mein Freund Bebel schon gekennzeichnet. Wir haben uns stets bemüht, wo solche Kämpfe ausgebrochen sind, ausgleichend einzugreifen. Andererseits muß doch betont werden, daß die Unternehmer den Arbeitern bei der wirtschaftlichen Bewegung meistens erst den Anlaß zum Ausstände geben. Herr Gamp hat nach einer neuen Znchthausvorlage förmlich geschrieen und immer vom TerroriömuS der Arbeiter, der nicht arbeitenden Streikenden gegen die Arbeitswilligen gesprochen. Vielleicht ist eS nicht uninter- essant, ein Beispiel dazu anzuführen, wie in Unternehmerkreisen die Frage des Schutzes der Arbeitswilligen aufgefaßt wird. Ich will hier eine Photographie auf den Tisch des Hauses niederlegen, die gelegentlich einer Aussperrung im Jahre 1904 in Köln aufgenommen worden ist. Herr Köhl, der Inhaber der aussperrenden Baufirma, hat die Photographie anfertigen lassen. und Sie sehen da eine Reihe dieser braven Arbeitswilligen, wie sie den Revolver in der Hand halten, mit welchem sie ausgerüstet sind, lim die Streikenden zu terrorisieren! I Vielleicht kommen Sie dadurch doch zu einer anderen Auffassung über das, was seitens der Unternehmer zum Schutz der sogenannten Arbeitswilligen verlangt wird. Mir scheint, die Behauptung, daß die Richtarbeitenden die Arbeitenden terrorisieren wollen, muß umgekehrt werden. Die Unternehmer wollen die Arbeitswilligen nicht nur benutzen, um die Arbeit der Streikenden zu verrichten, sondern sie wollen sie auch benutzen, um die Streikenden in terroristischer Weise um ihr gutes Recht zu bringen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeiter sind nach Herrn Gamp immer diejenigen, die den Boykott verhängen, die Arbeitswilligen beschimpfen und andere schöne Dinge mehr, während die Unternehmer die reinen Unschuldsengel sind, die kein Wässerchen trüben können. Dem gegenüber möchte ich doch auf die zahlreichen Fälle verweisen, in denen Unternehmer die Hungerpeitsche geschwungen haben gegen Arbeiter, nur weil sie zu ihrer Organisatton hielten. Wie oft wird den Ardeitern die Wahl gestellt, entweder aus der Organisation auszuscheiden oder die Arbeit niederzulegen l Was sagen zu einem solchen Vor- gehen die Angehörigen der bürgerlichen Parteien?(Lärm rechts und bei den Liberalen, in dem die nächsten Worte des Redner? ver- loren gehen.) Vizepräsident Kaempf: Ich bitte um Ruhe; ich kann den Redner nicht verstehen.(Zuruf des Abg. Arendt: Ich verstehe schon lange nickts mehr I(Heiterkeit.) Abg. Singer(sortfahrend): DaS liegt nicht an mir, sondern an Ihrer Unfähigkeit, derartige Dinge überhaupt zu verstehen.(Große Heiterkeit.) Der Reichskanzler hat sich dagegen zu verteidigen gesucht, daß er für die Minderheitöparteien vom 13. Dezember Geldunterftützuiigen vermittelt hat. Ich bin der Meinung, daß der Reichstag 'es mit aller Entschiedenheit zurückweisen mutz, wenn die Regierung sich dazu hergibt, für den Wahlkampf gewisser Parteien Geld zu vermitteln. Die Mirnster waren einmal sehr entrüstet, als wir sie den„grschäftsfiihrenden Ausschuß der Großindustrie" nannten. Wenn die Ansichten des Reichskanzlers maßgebend wären, dann wären die Minister zu Handlangern der Großindustrie, zu Briefträgrrn, die das gesammelte Geld an die Adressaten weiter befördern, geworden. (Heiterkeit und lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich begreife nicht, wie die Minister sich zu einer solchen Rolle herbei- lassen können. Wenn wirklich nach dem Vorschlage des Herrn Lieber- mann der Regierung für Wahlzwecke ein Fonds zur Verfügung ge- stellt werden sollte, so sollte er nur gleich den Namen KorruptionSfondS bekommen.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) DaS Vorgehen der Negierung, an die Parteien zu Wahlzwecken Gelder zu verteilen, bedeutet nichts anderes als eine Umgehung deS durch Gesetz verbotenen Kaufs von Wahlstimmen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokaten.) Wenn Herr Liebermann erklärt hat. das Ver» halten seiner Parteigenossen bei den Wahlen sei das einer Avant- garde gewesen, so hat es aus mich vielmehr den Eindruck von Marodeuren gemacht.(Lebhaste Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Noch einen Keinen Beitrag zu der Moral, mit der der Wahl« kämpf geführt worden ist: Mir liegt ein Flugblatt von einem nationalliberalen Komitee vor. welches zur Wahl des Herrn Professor Paaschs auffordert und an die Arbeiterschaft gerichtet ist. In diesem Flugblatt wird der Kandidat des Bundes der Landwirte bekämpft, und es wird gesagt:„Niemand wird behaupten wollen, daß die politischen' Bestrebungen des Bundes der Landwirte industrie« und arbeiterfreundliche sind. Der Kandidat des Bundes der Landwirte muß für Erhöhung der Getreidezölle, also für den Vrotwucher, er muß für Erhöhung der Viehpresie. also für den Fleischwucher. stimmen 1 1(Lebhaftes Hört! hört I und große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Welche« Niveau müssen die Nationalliberalen ihren Wählern zutrauen, daß sie es wagen, ein solches Flugblatt zu verbreiten, Ivo doch jeder weiß, oaß Herr Profestor Paasche für all die Dinge gestimmt hat, die hier als industrie- und arbeiterfeindlich hmg-stellt find.(Sehr gut! bei dm Sozialdemokraten) Diekonservativ-liberale Mehrheit des Reichstages wird ebensowenig wie die bisherige klerikal-konservativ-nasionalliberale Mehrheit eine wirklich freiheitliche Entwickelung— politisch und wirtschaftlich in Deutschland zeitigen; dazu reicht die Macht und der Einfluß des Wiemer-Payerschen Liberalismus nicht aus. Neue Lasten und Steuern für die breiten Volksmassen wird die konservativ- liberale Paarung erzeugen. Das zu verhindern wird der sogenannte ent- schiedene Liberalismus nicht imstande sein.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.). Unsere Aufgabe hier im Hanse bleibt auch den veränderten Verhältnissen gegenüber die alte: Kampf gegen alles, was kultur-, Volks- und arbeiterfeindlich ist. Für alles, was ernstlich»»ld durch- greifend zur Hebung und Verbesserung der wirtschaftlichen und polt- tischen Lage der Arbeiterklasse sowie aller wirtschaftlich Schwachen im Reiche dient und die freiheitliche Entwickelung auf allen Gebieten des Volkslebens fördert, werden wir nach wie vor eintreten. Wir werden es tun im Dienste der uns durch unsere Grundsätze und unser Programm gestellten Aufgabe: An Stelle der herrschenden bürgerlich-kapitalistischen die sozialistische Gesellschaft 0a schaffen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Graf Posndowsky: Mir ist heute morgen ein Artikel des„Vorwärts" vorgelegt worden, der die Ueberschrift trägt:„Geduld und viele Millionen." Nach diesem Artikel soll ich erklärt haben, daß zur Durchführung des Programms des Herrn Reichskanzlers„Geduld und viele Millionen" notwendig seien. Ich habe das Wort„Millionen" nicht in den Mund genommen, dafür berufe ich mich ebeiifalls auf den .Vorwärts", der in seinem Parlamentsbericht mich durchaus richtig sagen läßt: Zur Durchführung des Programms des Herrn Reichskanzlers„ist ein Zeitraum längerer politischer Entwickelung und vieler Sessionen" erforderlich.(Heiterkeit rechts.) Ich hoffe. die Sessionen werden immer noch billiger sein als die vielen Millionen, von denen der Leitartikel spricht. Nun eine ganz kurze sachliche Bemerkung: Herr Singer hat er- klärt, durch den Zolltarif würden die besitzlosen Klassen ausgeraubt zum Besten der Agrarier. Man stellt ja, wenn man die Zollbelastung Deutschlands beurteilt. Deutschland immer dem Freihandelsland Eng- land gegenüber. Es wäre mir außerordentlich interessant, zu er« fahren, wer eigentlich das Märchen aufgebracht hat, daß England ein Freihandelsland ist. Ich erlaube mir, den urkundlichen Gegen« beweis aus den Verhandlungen des englischen Unterhauses bei der Adreßdebatte vom 19. Februar dieses Jahres zu erbringen. Damals sagte einer der Hauptredner:„Wir sind nicht ein Schutzzollland, aber der Betrag, der per Kopf an Zöllen in England gezahlt wird, ist höher als in irgend einem anderen Lande. Hier wird per Kopf 12 Schilling 2 Pence gezahlt, in den Vereinigten Staaten 11 Schilling 8 Pence"in Deutschland nur 3 Schilling 2 Pence." (Hört! hört! rechls.) Ich habe daraufhin eine genaue Berechnung aufstellen lassen und habe festgestellt, daß zurzeit der Verbrauch pro Kopf in Großbritannien mil 15,80 M. durch Zölle belastet ist, in Amerika mit 14,95 M., in Deutschland mit 10,49 M.(Hört l hört! rechts.) Auch ist die Zollbelastung in Deutschland wesentlich ge- ringer gewachsen als in Großbritannien.(Hört! hört l rechts.) In England haben die Zölle den Charakter von Finauzzöllen. erhoben auf Tee, Zucker, Wein, Tabak, Kakao, Kaffee und_ getrocknete Früchte. Die meisten dieser Gegenstände gehören aber in England unzweifelhaft zu den notwendigen Lebensmitteln, und es ist für die Unbemittelten vollkommen gleichgültig, ob die Belastnug für notwendige Lebensmittel in der Form von Schutzzollen oder von Finanzzölken erfolgt. Die Hauptsache ist, daß die Preise der- selben durch die Zölle erhöht werden. Es ist also eine Tat- fache, daß in Deutschland die Belastung der unbemittelten Klassen wesentlich geringer ist als in dem so häufig gepriesenen Freihandelslande England.(Widerspruch links.) DaS sind Zahlen, die Sie nicht bestreilen können.(Oho 1 links.) Dazu kommt, daß in Deutschland sich die Zollbelastung auf eine große Reihe von Verbrauchs- artikeln verteilt, die gar nicht Gegenstand deS Verbrauchs der unbemittelten VolkSklassen und die nicht Finanzzölle, sondern Schutzzölle sind.(Bravo! rechts.) Abg. Winkler(k.): Jeder politisch denkende Mensch in Deuisch- land muß die Angelegenheiten einer Partei, deren Wortführer sich heute zur republilanischen Staatssorm bekannt hat. als seine eigenen Angelegenheiten betrachten; die Parteitage der Sozialdemokraten sind also keine inneren Angelegenheiten dieser Partei. Von einer Einigung zwischen der preußischen Regierimg und den Polen, wie sie der Abg. Schräder haben will, kann keine Rede sein; eS handelt sich hier um den preußischen Staat und seine Untertanen, und wer sich unseren Gesetzen nicht fügen will, muß eben die Schwere unserer Gesetze fühlen.(Unruhe links, lebhafter Beifall rechts.) Die sozialdemokratische Gefahr»st trotz deS Wahlausfalles nicht behoben, sondern inir suspendiert. Der Kampf gegen diese Partei muß weitergeführt werden, und der neue Reichstag muß nach dieser Richtung etwaS schaffen! Die Regierung sollte auch noch ein- mal den Versuch machen, einen gesetzgeberischen Schutz der Arbeitswilligen herbeiziiführen.(Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Auch die Kanal- Vorlage ist ja wieder eingebracht worden. Dieser Schutz ist viel wichtiger als die Frage, ob die Kohlen im rheinisck-weftfälischen Jndustrierevier auf dem Wasserwege oder mit der Bahn befördert werden sollen.(Lachen links.) DaS Boll, das so gute Wahlen ge- macht, will, daß die Situation ausgenützt wird.(Zustimmung rechts.) Der Ausfall der Wahlen hol auch gezeigt, daß das Volk keine Aenderung ui, serer Wirtschaftspolitik haben will.(Bravo! rechts.) Abg. Eickhoff(fts. Vp.): Der.Bayrische Kurier" hat zwei an mich gerichtete Briefe de« Generals Keim veröffentlicht, wegen deren ich von sozialdemo- kratischeii Zeitungen, insbesondere vom»Vorwärts", aufs heftigste angegriffen worden bin. Den Zorn der sozialistischen Presse kann ich verstehen, denn ich habe einen als Hochburg gepriesenen Kreis der Sozialdemokratie entrissen. Aber ich will doch einmal auf die Behauptung eingehen, ich hätte in der schamlosesten Weise um die Gunst der Konservativen, in diesem Falle des Herrn Keim und der Regierung, gebuhlt. Ich habe lediglich einige Anfragen des Herrn Keim, den ich früher einmal persönlich kennen gelernt habe, in Höf- sicher Weise beantwortet. Herr Keim hat als Mitglied des Flotten- Vereins, nicht für den Flottenverein an mich geschrieben.(Lebhafte Heiterkeit bei den Sozialdemokraten und im Zentrum.) Die Regiermig habe ich niemals um eine Unterstützung angegangen, auch sind amt- liche Gelder für meine Wahl nicht verwendet worden, auch nicht Gelder aus dem Fonds, der dem Reichskanzler zur Verfügung gestellt war. Ich bedauere, daß auch Herr Spahn sich zwar nicht die Tonart, aber �die Logik der Sozialdemokratie zu eigen gemacht und den Schatten Eugen Richters gegen inich ve- schworen hat. Niemand würde sich mehr freuen, als gerade Eugen Richter, daß es mir gelungen ist, zur Niederlage der Sozialdemo- kratie beizutragen, die zur Stärkung deS Liberalismus dienen wird und muh. Der Wahlkampf hat gezeigt, daß das Bürgertum auch heute noch stark genug ist. wenn eS einig ist. In diesem Zeichen werden wir auch in Zukunft Stege erringen.(Beifall bei de» Frei« finnigen.) Abg. Hilpert(Bb.): Wenn der Reichstag nicht sehr wesentliche Reformen beschließt, kann die nationale Stimmung wieder sehr leicht einen Rückschlag erleiden. Durch den Rückgang der Sozialdemokratte dürfte der Fortgang der sozialpolitischen Arbeiten nicht leiden. Doch darf die Industrie allein nicht Herrichen, auch Handwerk und Land« Wirtschaft dürfen nicht vernachlässigt werden.(Bravo! bei der Wirtschaftlichen Bereinigung.) Abg. v. Liedert(Rp.): Ich muß die wenig liebenswürdige Bezeichnung, welche die Herren Bebel und Singer gegen den Reichsvertand gerichtet haben. zurückweisen. Der Verband hat sich infolge des traurigen Aus- falles der Wahlen von 1903 gebildet als eine Bewegung, die aus dem Volke heraus gegen die Sozialdemokratie entstanden ist. (Lachen bei den Sozialdemokaten.) Er hat eine große Organisatton geschaffen und die Wahlen vorbereitet, wobei er durchaus unabhängig von der Regierung ist.(Grofje Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Der Silvesterbrief deS Reichskanzlers war das erste Lebenszeichen der Regierung. Im Kampf der Sozialdemokratie gegen uns herrschte früher ein anständiger Ton; in den letzten Jahren hat er sich in einen Sauheerdenton verwandelt. tZuftimmung beim Kartell.) Im.Volksblatt für das Muldental" wird von unseren Agitatoren als von skrupellosen Zeilenreistern und durchgefallenen Abiturienten gesprochen. Was waren denn die sozial- demokratischen Abgeordneten und Redakteure früher? Herr Schöpflin, mein Gegenkandidat, hat sich gerühmt, er sei Hirtenknabe gewesen. Das ist eine sehr sinnige Be- schäftigung; ob sie aber als Vorbereitung zum Volksvertreter und Chefredakteur dienen kann, ist doch fraglich.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Erfurter„Tribüne" schreibt von unseren Agitatoren: Die Kettenhunde des Reichsverbandes verdienen die Hundepeitsche. Herr Bebel hat sich über die nicht vom Reichs- verbände erfundene(Abg. Bebel: Aber weiter verbreitete I) Sektgeschichte entrüstet. Run, Herr Schöpflin hat im Wahlkampfe Unsere heilige nationale schwarz-weitz-role Flagge belchiiupsl. indem er fie als„Schmutzlappen des Hotteiitorienblocks" bezeichnete. (Abg. Geyer(Soz.s:„Erlogen und widerlegt!") Gegen solche Sachen fehlt leider ein Paragraph im Strafgesetz. I» England oder Amerika würde man einen solchen Mann der Ly»chj»sliz überliefern. (Zustimmung rechts. Ruf bei den Sozialdemokraten:„Abschlachten!" Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Jetzt haben wir iünf Jahre der Arbeit vor uns und zwei graste Bundesgenossen: der erste ist der Erfolg, der zweite der bittere Hast und der Ingrimm, der sich der besseren Kreise des deutschen Volkes, besonders des Mittelstandes, gegen die Sozialdemokratie bemächtigt hat. Aber auch die Arbeiter bröckeln bereits von ihr ab.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Der 25. Januar war nicht nur ein Tag des Voltsgerichts, sondern ein Gottesgericht. „Am dritten Tage des Weltgerichts, Da kam vom Himmel ein Engel des Lichts Und stiest den Drachen vom güldenen Stuhl Mit Donnerkrachen hinab zum Pfuhl." (Die pathetisch vorgetragene Deklamation wird von den Sozial- demokraten mit stürmischer Heiterkeit, von der Kartellmehrheit mit Bravorufen aufgenommen.) Dsr Redner fährt emphatisch fort: In fünf Jahren wird fich der Ritter Georg, das deutsche Volk, noch ein- mal erheben und der Sozialdemokratie den Rest' geben!'(Lachen bei den Sozialdemokraten und Rufe: Abwarten!) Für heute rufe ich Ihnen ein vas victis!(Wehe den Besiegten!> zu.(Lebhafter Bei- fall rechts. Groste Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Das Haus vertagt die weitere Debatte. Persönlich bemerkt Abg. Spahn(Z.): Nach den Angaben de? Abg. Eickhoff war es ihm bekannt, dost für seine Wahl amtliche Unterstützung verwendet wurde. Die Ehre des Reichstags erheischt. daß ein Mitglied, welches durch amtliche Unterstützung gewählt ist, vor völliger Aufklärung der Sache sich der Ausübung des Mandats enthält. Abg. Eickhoff: Diese Logik des Abg. Spahn steht in Wider- spruch zur Verfaffung. Nächste Sitzung Sonnabend 11 Uhr. Tagesordnung: Fort- setzung der heutigen Beratung. Schluß 6'/z Uhr. Mgeoränetendaus. 23. Sitzung. Freitag, den 1. März, vormittags 11 Uhr. Am Ministcrtisch Dr. Delbrück. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Beratung des Etats der Handels- und Gewerbcverwaltung. Abg. Graf Spee(Z.) begründet einen Antrag, nach dem bei der Prüfung der Vorlagen zu gewerblichen Anlagen, sofern land- wirtschaftliche Interessen durch die Genehmigung berührt werden. landwirtschaftliche Sachverständige zugezogen werden sollen. Abg. Fischbcck(frs. Vp.) bekämpft den Antrag, der mit§ 16 der Gewerbeordnung nicht zu vereinbaren sei. Abg. Borster(fk.) hält den Antrag für nicht unbedenklich. Abg. Dr. v. Bittinger(natl.) erklärt den Antrag für über- ftüsstj�g � Pappenheim(kons.) bestreitet, daß der Antrag einseitig landwirtschaftliche Interessen verfolge. Minister Dr. Delbrück: In der Form, wie der Antrag Spee vorliegt, ist er nicht geeignet, die bestehenden Verhältnisse erheblich oder überhaupt zugunsten der Landwirtschaft zu verbessern. Der Antrag Spee wird angenommen, der Antrag auf Kom- missionsberatung abgelehnt! Es folgt das Kapitel„Handels- und Gewerbcverwaltung" I(Bcsoldungen). Abg. Münsterberg(frs. Vg.) tritt für Besserstellung der Lotsen ein mit Rückficht auf ihren besonders schweren und verant- wörtlichen Dienst. Die Lotsen sind schlechter gestellt als die Polizei- Wachtmeister und Stromaufseherl Ein Anfangsgehalt von 1266 Mark ist für diese Beamten absolut unzureichend. Abg. Dr. Pieper(Z.) bespricht die Tätigkeit der Gewerbe- inspektoren und befürwortet Vermehrung der Zahl der Gewerbe- assistenten und-Assistentinnen, Ausdehnung der Gewerbeaufstcht auf kleinere Betriebe, Einrichtung eines ständigen Dezernats für Gewerbeinfspeltion im Handelsministerium und Zuziehung von Aerzten. Abg. Goldschmidt(frs. Vp.) erklärt, daß er sachlich mit dem Borredner durchaus übereinstimme. Die Beteiligung der Hygie- niker habe er zuerst gefordert. Die Fabriktontrolle sei jetzt keine genügende, weil die Zahl der Inspektoren mit der wachsenden Zahl der Betriebe nicht Schritt gehalten habe. Vor allen Dingen sei eS jetzt nötig, Arbeiter als Assisteiite» den wissenschaftlich gebil- beten Inspektoren zur Seite zu stellen. Auch hier gelte eS, die bürgerliche Gleichberechtigung der Arbeiter durchzuführen. Minister Dr. Delbrück: Ich bin dem Vorredner für feine Anregungen dankbar, mache ihn aber darauf aufmerksam, daß ich seine Anfragen schon im vergangenen Jahre beantwortet habe. Mein Standpunkt hat sich seitdem nicht geändert. Der Zuziehuirg der Hygieniier und Arbeiter stehe ich nach wie vor ablehnend gegenüber. Abg. Kindler ,igeu über je 16 M. lautend sandte. Die vier Sozis sollen durch ihr Auftreten in Wissel„groben II n f n g" verübt haben. Sie verlangten. natürlich gerichtliche Entscheidiuig. Das Gericht konnte auch in dem Auftreten der Angeklagten nichts Strafbares erblicken und s p r a ch s i e f r e i. Die Kosten wurden der Staatskasse auferlegt. Es ist bezeichnend für unsere Zustände, daß die Strafmandate überhaupt ergehen konnten. Freigesprochen wurde vom Schöffengericht zu Brandenburg Genosse Meyer von der. Brandenburger Zeitung" von der Anklage, einen Fabrikanten in Luckenwalde beleidigt zu haben._______ Eingegangene Vruckfcdriften. Der Agitator. Ernste und hellere Episoden aus dem Leben unserer Agitatoren, gesammelt und erzählt von Ferdinand Hanusch. Preis 46 Heller. Verlag der»Schlefischen Boltsprcffe" Jagerndorf(Arbeit erheim), Wir bügeln alle bei uns gekauften Sachen gratis. Wir zahlen unseren Schneidern tarifmäßige Löhne. Geschäfts- Eröffnung. Am 2. März 4 Uhr nachm. eröffnen wir in Charlottenburg, Wilmersdorferstr. 12,& cke Schulstr., ein Spezialhaus eleg. Herren- u. Knaben- Bekleidung. Anfertigung feiner Herren- Moden nach Maß unter Leitung erster Meister. Spezial- Abteilung: Bekleidung für sämtl. Berufe. 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Im allgemeinen dürfen sprach Dienstag Genosse Düwell in einer von der Vertrauenss die Dividendenarbeiter mit dem letzten Jahre gut zufrieden sein. person der proletarischen Frauen einberufenen Volksversamm Jedenfalls noch besser werden diejenigen Gesellschaften abschneiden, Lung im Moabiter Gesellschaftshaus. Nach einer Einleitung über deren Geschäftsjahr mit dem 30. Juni schließt, weil sie für das ganze den ursächlichen Zusammenhang zwischen der ökonomischen und der Vorwärts"-Artikel Das Schredensregiment Jahr mit erhöhten Preisen abrechnen. in den Ostseeprovinzen", der in Nr. 40 vom 17. Februar sozialen und politischen Entwickelung und über die durch den Fort 1906 veröffentlicht worden war, ist einer Anzahl von Adligen schritt der Technik und Dekonomie geschaffene Möglichkeit, den alles. Estlands ein Anlaß gewesen, nicht nur sich beleidigt zu anstalt hat nach der kompromittierenden Enthüllung über das schilderte Redner die Stellung der Frauen in der heutigen Geſellſchaft. Bankpanama. Die Verwaltung der Bayerischen Bodenkredit beherrschenden Kapitalismus abzulösen durch den Sozialismus, fühlen, sondern auch ihren Kredit für geschädigt zu halten. In jenem Artitel war gesagt worden:" In Estland haben sonderbare Verhältnis zwischen ihr und dem Staatskommissar ver- Unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse der proletarischen die meisten von den Junkern ihre Gutsgebäude, besonders die alten, sucht, der Sache einen ganz harmlosen Anstrich zu geben. Daß Frauen legte er dar, wie große Scharen von Frauen dem wirtschaftanzünden lassen, um von der Versicherungsgesellschaft viel größere das Verhältnis durchaus nicht sauber war, geht schon aus folgender lichen Organismus, der Warenproduktion und Verteilung, schon eins Summen zu bekommen, als die Gebäude wert wären." Wohl- Meldung hervor: gefügt seien. Schon deshalb rechtfertige sich die Forderung nach gemerkt: die meisten von den Junkern, nicht alle! Wer seine Der Staatskommiffar bei der Bayerischen Bodenkreditanstalt in dem politischen Wahlrecht, der Einflußnahme auf die Gesetzgebung, flapprig gewordenen Gutsgebäude nicht hatte anzünden lassen, der Würzburg, Oberregierungsrat Trümmer, wurde auf Grund der die den Frauen vorenthalten werden, obwohl die Politik ihr Interesse brauchte sich selbstverständlich nicht zu diesen„ meisten" zu zählen. Enthüllungen in der Generalversammlung der genannten Anstalt als Produzentin, zum Teil als selbständige Ernährerin ihrer AnDenn es war flar, daß er nicht gemeint sein konnte. Trotzdem feines Amtes enthoben. Das Disziplinarverfahren wird eingeleitet gehörigen und auch als Trägerin direkter und indirekter Steuern haben 24 Junker aus Estland, die ausdrücklich erklären, daß sie werden. start beeinträchtige. Aber nicht nur die erwerbstätigen Frauen würden ihre Gutsgebäude nicht haben anzünden lassen, den Einfall gehabt, Damit ist natürlich die Sache nicht erledigt. Unsere Genossen von der Politik berührt. Stehe zum Beispiel die Frau am Kochtopf, sich zusammenzutun und gegen den Vorwärts"-Re- werden die Affäre im Landtag zur Sprache bringen. Man wird so stehe die Politik bei ihr. Man denke an die Folgen der deutschen datteur, Genossen Weber, zu tlagen. Was fordern dann ja erfahren, in wie weit die Regierung mitschuldig ist an dem Handels- und Zollpolitik. In vielerlei Gestalt wvie Redner näher darlegte fie? Nicht mehr und nicht weniger, als daß Weber erstens wegen Standal. tomme so die Politik zur Frau, aber die Frau dürfe Beleidigung dieser 24 Ueberempfindlichen bestraft und zweitens Nadelsyndikat. In Iserlohn ist ein Radelsyndikat gegründet nicht zur Politik. Tief eingewurzelt sei die Auffassung von der wegen Kreditſchädigung eine Buze an sie zu zahlen verurteilt werde. worden. Eine Preiserhöhung für die in Betracht kommenden Artikel Minderwertigkeit der Frau. Auch bei uns müsse da noch reformiert Die Buße haben sie bescheiden, wie sie sind nur auf 6000 M. wird nun wohl nicht lange auf sich warten lassen. werden. Verschwinden müsse die weit verbreitete Annahme, daß da, pro Kopf bemessen, das macht zusammen die Kleinig= feit von 144 000 M. Preiserhöhung. Wie aus Oberschlesien berichtet wird, läßt der wo die Frau nicht verdiene, der Mann der Ernährer sei. Die Die Idee war nicht übel, und in Rußland wäre der Plan wahr- Fistus ab 1. Juli eine Preiserhöhung für Stofstohlen um 60 Bf. pro Hauswirtschaft sei gleichwertig der Arbeit in der Fabril, da sie gleich Siefer gesellschaftlich notwendige Arbeit sei. Die genannten Frauen scheinlich auch geglüdt. In Preußen- Deutschland aber find trop Tonne eintreten. ernährten sich selbst durch die Arbeit im Haushalt und durch allem Eifer, mit dem unsere Regierenden in vielen Stücken dem Stahlverband und Stahltrust. Im Verein der Industriellen die Kindererziehung. Auch als Geschlechtswesen werde die Frau russischen Nachbar nachzueifern sich bemühen die Richter noch ein zu Köln hielt in der letzten Versammlung Professor Dr. Wiedenfeld unterdrückt. Charakteristisch sei, daß man in der bürgerlichen Preſſe bißchen zurüd. Und so tam es, daß die drei Männer des bon der Kölner Handelshochschule einen Vortrag über Stahlwerks- wohl von gefallenen Mädchen, niemals aber von gefallenen Schöffengerichts, vor dem unser Genosse Weber am Freitag verband und Stahltrust. Die Köln. 8tg." berichtet über das stand, zu der ganzen Affäre ein Gesicht machten, wie wenn diese Referat: Das Urbild der amerikanischen Trusts sei die Rockefellersche Jünglingen leſe. Das erste sei nichts als elende Heuchelei, entSelbsteinschäßung der Beleidigten" und" Geschädigten" ihnen denn Standard Oil Co., die mit absoluter Strupellosigkeit durch billigen die Heuchelei, die die Frauen zum schwachen Geschlecht" stempele sprungen dem trasfesten Männeregoismus. Redner geißelte weiter doch über die Hutschnur ginge". Natürlich waren die 24 Mann Auflauf der Wettbewerbswerke 1882 zustande gebracht worden sei. und die von den himmlischen Rosen" singe, die sie ins irdische nicht in eigener Person erschienen. Sie wurden allesamt vertreten Der Stahltrust dagegen sei ein Kind der Not; er ſei 1901 gebildet Leben flechten sollen. Gerade die, die solches in der Kneipe brüllten, durch den Rechtsanwalt b. Breh, während unserem Genossen worden, weil sonst Carnegie die ganze Eiſenindustrie in Unordnung nehmen die Frauen in die Fabrit, stellten sie vor den glühenden Weber Rechtsanwalt Dr. Karl Liebinecht zur Seite stand. gebracht und ihre Kartelle gesprengt hätte. Er umfaßt nicht die Der Vorsigende hob die Tatsache hervor, daß der einzige gesamte Stahlproduktion nimmt aber in allen Pools die führende fen, ließen sie Steine schleppen. Und dann erst die, welche das Baron, dessen Name in jenem Abschnitt bes Stellung ein. Beide Unternehmungen bedeuten die Bildung von Christentum fortwährend im Munde führten! Gehe man nach Vorwärts" Artitels angegeben ist, nicht geklagt Einheitswerken, deren ganzer Betrieb in den Grundzügen von Oberschlesien, wo die katholischen Grafen die Industrie und den habe. Der gegnerische Anwalt erwiderte frant, der Mann einer Spike her eingerichtet und geleitet wird. Der deutsche Stahl- Bergbau beherrschten. Fast 10 der Belegschaften bestehe dort aus eriſtiere überhaupt nicht. Für die 24, die er vertrat, machte er werksverband von 1904 stelle eine organische Fortentwickelung der Frauen, weil sie billiger arbeiteten. Redner ging dann auf die geltend, daß nach einer Entscheidung des Reichsgerichts auch älteren Gisenkartelle dar; er bestimme zivar die Produktionshöhe bürgerliche Frauenbewegung und deren Ziele ein. Wenn sie auch durch eine Kollektivbezeichnung ein einzelner und die Verkaufspreise für die Mitglieder, laffe aber ihre betrieb mit der proletarischen Frauenbewegung gemeinsam habe die Erfich beleidigt fühlen könne. Jeder estnische Adlige dürfe liche Selbständigkeit unberührt. Weder hüben noch drüben seien strebung des Frauenstimmrechts, so wolle sie es doch nicht, wie die sich zu den meisten" zählen und sei mithin zur Klage legitimiert. Trust und Kartell in der Lage, ihre Preise nach Willtür zu steigern; proletarische Bewegung, als Mittel zur Abschaffung der StlaffenOb der Beklagte jeden einzelnen persönlich genannt habe oder über- fie stünden vielmehr, trotz aller Monopoltendenzen, den Gefahren herrschaft, sondern als Mittel, der bürgerlichen Frau neben dem haupt fenne, sei gleichgültig. Siergegen wurde vom Rechtsanwalt der Konkurrenzmöglichkeit gegenüber und müßten vor allem stets bürgerlichen Manne einen Plaz zu erobern, um Anteil zu haben an Liebknecht eingewendet, das Reichsgericht habe Kollektivbezeich entscheidende Rücksicht darauf nehmen, daß bei Massengütern, die der bürgerlichen Klassenherrschaft. Bei Erlangung des Frauenwahlnungen, wie z. B. die Geistlichen"," die Offiziere" usw., im Sinne nicht Lebensmittel sind, der Preis den Umfang des Konsums be- rechts, die über kurz oder lang erfolgen müsse, bestehe die Gefahr, gehabt, nicht aber Bezeichnungen, wie die Mehrzahl der Geist- stimmt. Deshalb müßten sie auf eine Minderung der Produktions- daß der sozialistischen Befreiungsbewegung, ihrer Machterweiterung lichen" usw. fosten nach wie vor bedacht bleiben; der Stahltrust erreiche dies ein Hindernis vorübergehend erwachse dadurch, daß die bürgerunmittelbar durch seine Betriebsorganisation, der Stahlverband liche Frauenbewegung einen Einfluß ausübe auf viele inmittelbar durch den Anreiz, den die ruhig gehaltenen Preise auf differente Frauen zugunsten bürgerlicher Parteien. Man ere Fortentppidelung der Großunternehmen ausüben. Eben deshalb innere sich, daß die bürgerliche Frauenbewegung sehr hervortrete, fei aber auch bei uns die Herausbildung der Einzeltrusts( Krupp, daß sie große Mittel habe zu Veranstaltungen, daß die bürgerlichen Thyssen, Phönix) eine wirtschaftliche Notwendigkeit; um so er- Frauen mehr Zeit und im allgemeinen eine bessere Schulbildung freulicher sei es, daß wir es darin schon mit einer Vielheit zu tun hätten. Die bürgerliche Frauenbewegung trete in den verschiedensten haben und daß darüber hinaus die Form der Aktiengesellschaft die Organisationen auf und mache sich auch sonst nach außen sehr beimmer zunehmende Möglichkeit biete, breitere Streise der Bevölkes merkbar. Er meine, es müsse unsere Aufgabe sein, dafür zu sorgen, rung an den Gewinnergebnissen zu beteiligen. Daß der Stahl- daß die bürgerliche Frauenbewegung nicht die proletarische überverband die Preise ruhig gehalten habe, ist eine eigene Ansicht, die wiege. Leicht möglich wäre es, daß aus politischen Erwägungen mit den Tatsachen doch nicht in Einklang steht. heraus die bürgerlichen Parteien in nicht allzu ferner Zeit den Frauen das Stimmrecht gäben. So sei eine brennende Frage die der Vertiefung und Ausbreitung der proletarischen Frauenbewegung. Aus politischer Klugheit müßten die Männer dafür eintreten mit aller Energie. Damit handelten sie auch In der jüngst abgehaltenen Generalversammlung des Vereins am besten im Sinne unserer großen Meister. Auf zum gemeinsamen für die Intereffen der Hausangestellten wurde eine wichtige Kampf der Männer und Frauen des Proletariats zur Niederringung Wenderung des Statuts vorgenommen. Bisher konnten auch Herr- der kapitalistischen Herrschaft.( Lebhafter Beifall.) Genossin schaften dem Verein als Mitglieder beitreten. Von diesem Rechte Leipert sprach im Sinne des Referats einige anfeuernde Worte. machten bürgerliche Frauen Gebrauch und gefielen sich in der Rolle Genoffin Martha Tiek spricht ihre Freude über das ihrer als wohlwollende Leiterinnen und Gönnerinnen des Vereins. Daß Meinung nach sehr bedeutungsvolle Wort des Referenten aus, daß Das Gericht famt nach kurzer Beratung zu dem Urteil: Der darunter die Interessen der Dienenden leiden mußten, war klar. die Männer aus politischer Klugheit für die Vertiefung und AusAngeklagte Weber wird von der Antlage der Be: Seit einiger Zeit schon hatte sich im Verein eine innere Umwandlung breitung der proletarischen Frauenbewegung eintreten müßten. Teibigung freigesprochen, der Anspruch auf Buße bollzogen, die, jest auch äußerlich ihren Ausdrud fand in dem Be- Einer anderen Ausführung Düwells hielt sie entgegen, daß fei abgewiesen. Zwar könne durch eine Kollektiv- fchluß der Generalversammlung, daß nur solche Personen als Mit- die bürgerliche Frauenbewegung zwar in die Breite, fönnen, die in die Tiefe gegangen sei. Der Referent in häuslichen aber bezeichnung eine Einzelperson beleidigt werden, hieß es in der Be- glieder aufgenommen werden gründung; im vorliegenden Fall sei dem Ausdrud„ die meisten" Diensten gegen Lohn beschäftigt find". Diese notwendige wortete darauf in seinem Schlußwort, daß er ja auch nur eine durchschnittliche Bedeutung" beizulegen. Es sei tlar, Scheidung mußte vorgenommen werden, damit der Verein nur gesagt habe, daß die bürgerliche Frauenbewegung sich„ breit daß dieser Ausdruck gerade deshalb gewählt worden sei, weil seinem Namen auch Ehre machen kann. Die Interessen mache", daß sie nach außen recht in die Erscheinung trete. nicht alle gemeint waren und nicht alle getroffen werden der Dienstboten sind den Interessen der Herrschaften ent- Dadurch aber gerade wirke fie suggestiv auf die Masse der Indiffesollten. Die Kollektion der 24 Adligen aus Estland wird hiernach gegengesett; beide vertragen sich nicht miteinander und können renten. ihren Appetit auf die 144 000 M. sich bergehen lassen müssen. Selbst nicht eine Harmonie pflegen, deren Kosten nur die eine Seite, natür- Nachdem die Vorsitzende Genossin Wulf an die Frauen appelliert verständlich müssen die unterlegenen Kläger auch noch die Gerichts- lich die wirtschaftlich schwächere zu tragen hätte. Verbände von Ar- hatte, für die Bewegung zu wirken und auch durch Zahlung freiwilliger toften tragen. beitnehmern, in denen die Arbeitgeber das große Wort führen, können Beiträge Mitglied der Partei zu werden, schloß die Versammlung ihren Zwed nicht erfüllen. mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie. Im übrigen erbot sich der Sachwalter unseres Redakteurs Weber, durch Zeugen den Beweis zu führen, daß tatsächlich in Estland Fälle, wie die behaupteten, vorgekommen seien. In russischen Zeitungen sei über solche Fälle berichtet worden, und man habe nicht gehört, daß die Meldung beanstandet worden sei. Die Idee der 24 Kläger, auch noch eine Buße zu fordern, sei sogar in Rußland selber von der den Sozialdemokraten wahrlich nicht günstig gesinnten" Düna- Zeitung" verspottet worden. Rechts anwalt v. Breh berief sich darauf, daß nach dem Kommentar Ohlhausens auch die Kollektivbezeichnung„ Mehrheit" jeder zu dieser Mehrheit gehörenden Person das Recht gebe, sich mitbeleidigt zu fühlen und zu flagen. Rechtsanwalt Liebknecht entgegnete, gerade dieses Beispiel beweise die Haltlosigkeit des Rechtsstandpunktes des Gegners. Da sei die Rede z. B. von der konservativen Mehrheit einer Versammlung", und das sei eben ein ganz be stimmter, scharf umgrenzter reis von Personen. Der Vorsitzende warf die scherzende Frage auf, ob die Aeuße rung die meisten der Berliner Richter sind grob" etwa ihn selber legitimieren würde, sich beleidigt zu fühlen. Nebenbei bemerkt: die Frage war von pitantem Reiz, weil zufällig er selber zu jenen Richtern gehört, die die überflüssigen Höflichkeitsphrasen nicht lieben. Soziales. In welcher Weise Gewerbeschußvorschriften herausinterpretiert werden. Aus der Frauenbewegung. Zur Dienstbotenbewegung. Verfammlungen. nicht ant Als eine der wichtigsten zurzeit vorliegenden Aufgaben betrachtet der Verein die Propagierung für den schon öfter besprochenen freien Arbeitsvertrag. Dieser Vertrag wird als das beste Mittel empfohlen, um damit der Gesindeordnung entgegenzuwirken. Der erste Entwurf begegnet hier und da einer abfälligen Kritik, Der Allgemeine Deutsche Gärtnerverein hielt seine General Die Polizeibehörde in Hamburg ist vor einiger Zeit gegen teils aus einer beschränkten Auffassung des ganzen Vertrages sowie versammlung in den Musiker- Festsälen" ab. Der Jahresbericht Ladeninhaber vorgegangen, die Schneiderinnen, Näherinnen, Buß aus mangelndem Verständnis für die Notwendigkeit vieler besonderen weist in allen Bunkten einen Aufschwung auf. Die Mitgliederzahl macherinnen usw., die in der Woche in den Arbeitsstuben tätig Bestimmungen, teils aus dem eingewurzelten Vorurteil heraus, daß ist von 988 auf 1104 männliche und 38 weibliche, d. h. um 116, dafind, an Sonntagen in den für das Handelsgewerbe zulässigen fünf man den Dienstboten nicht zu viel Rechte einräumen dürfe. Nach gegen der Markenverkauf von 32 750 auf 43 487, oder um 10 737 Verkaufsstunden mitllmänderungen ankleidungsstücken usw. beschäftigen. wiederholten Beratungen hat sich der Verein veranlaßt gesehen, alle Marten, gestiegen. Neuaufnahmen find mit 1201 männlichen und Die Behörde erblickt hierin ein Vergehen gegen den§ 105 der gerecht erscheinenden Wünsche zu berücksichtigen und einige fleine 50 weiblichen angegeben; woraus die ungeheure Fluktuation der Gewerbeordnung, betreffend die Sonntagsruhe für gewerbliche Wenderungen vorzunehmen. Der vielumstrittene§ 8 des Vertrages Berufsausübenden am deutlichsten ersichtlich ist, einerseits, andererArbeiter. Gegen ein solches Strafmandat erhob der eine Laden- ist zum besseren Verständnis folgendermaßen erläutert worden: seits die Mühen, um die Organisation auf der Höhe fowie kampfe inhaber Einspruch, der bis vor das Oberlandesgericht ge= trieben wurde und mit Freisprechung endete. Begründend wurde ausgeführt: Die Beschäftigung von Schneiderinnen usw. mit Umänderungsarbeiten während der gefeßlich erlaubten fünf Stunden an Sonntagen de nur eine Ergänzung der Verkaufstätigkeit und fönne nur als eine Beschäftigung im Handelsgewerbe angesehen werden. Daß Schneidern" eine Ergänzung der Verkaufstätigkeit" ist, ist eine wunderbare Entdecdung des Hamburger Oberlandesgerichts, die nur den einen Fehler hat, daß sie weder mit der Absicht des Gesezes noch mit den Begriffen gewerblicher oder kaufmännischer Tätigkeit übereinstimmt. Die Hamburger Logik führt schließlich dazu, jede gewerbliche Beschäftigung als Vorbereitung oder Erzeugung der Verkaufstätigkeit anzusprechen. Solche unrichtigen gerichtlichen Interpretationen zeigen aufs neue, wie notwendig eine Ergänzung der Sonntagsruhebestimmungen ist. Aus Industrie und Handel. Gestiegene Löhne. Daß die„ Löhne“ der Papierinhaber teilweise recht ansehnlich gestiegen find, zeigen folgende Dividendenerklärungen: 1905 1906 Prozent 11% Joh. Girner u. Co., A.-G. in Debt. 16 Hallesche Maschinenfabrik 32 34 Hirlenberger Patronenfabrik 15 15 Adler- Fahrradwerke 20 25 Steinzeugwarenfabrik Friedrichsfelde 14 16 Spiegelmanufaktur Gelsenkirchen. 14 16. Bremer Linoleumwerke 14 19 Es ist Wille beider Parteien, daß das Vertragsverhältnis mög- fräftig zu erhalten. Gingeteilt ist die Ortsverwaltung, Berlin in lichst lange andauere. Damit aber die gegen Hausangestellte be- 24 Bezirke und ist für Agitation in 421 Bezirksversammlungen, stehenden ausnahmerechtlichen Vorschriften nicht zur Anwendung 11 öffentlichen und 4 Branchenversammlungen nach Sträften Sorge gelangen tönnen, wird dasselbe Kündigungsrecht der Haus getragen worden, was auch die Verteilung von 21 000 Flugblättern angestellten eingeräumt, wie es tatsächlich der Herrschaft heute beweist. Außer an die in Handels, Landschafts- und Privatschon zusteht. Die Hausangestellte soll das Recht haben, gegen auch an die auf Friedhöfen, in städtischen wie kommunalen Betrieben gärtnereien beschäftigten Arbeitnehmer wandte sich die Agitation einen von vornherein festgelegten Schadenersatzbetrag, den Vertrag tätigen Gärtner und find die Bemühungen nicht ganz ohne Erfolg jederzeit zu lösen. Deshalb bestimmen beide Parteien: 8. Der Hausangestellten steht außerdem das Recht frei, jeder- geblieben. Ganz besondere Aufmerksamkeit ist den Blumengeschäfts= zeit den Dienst zu verlassen. Doch ist sie verpflichtet, einen angestellten und den in der Kranzbinderei Beschäftigten gewidmet Schadenersatz von.... M.( nicht über die Hälfte des monat- worden. Für erstere ist in Gemeinschaft mit der Hauptleitung eine Regelung der Arbeits- und Verkaufszeiten an Sonn- und Feier lichen Lohnes) zu zahlen, falls kein Grund vorliegt, der sie nach tagen in den Blumengeschäften mit allem Nachdruck betrieben Abjat 10 berechtigt, den Vertrag ohne Einhaltung einer Kündigungs- worden, desgleichen eine lebhafte Propaganda für den Achtuhriaden frist aufzuheben. schluß. In der Branche Handelsgärtnerei ist im Frühjahr eine Manche Frauen find auch Gegnerin des Vertrages aus dem Lohnbewegung mit nahezu vollem Erfolg durchgeführt worden, die Grunde, weil ihr Mädchen es so gut" habe, daß jeder Vertrag eine Erhöhung des Wochenlohnes bon 1,50 bis 2 m. brachte. Die überflüssig fei. Sie sehen nicht ein, daß sie umsomehr Ursache hätten, den Vertrag zu unterzeichnen, um durch ihre Anerkennung desselben ein gutes Beispiel zu geben. Häufig ist in solchen Fällen aber die Wahrheit, daß die Mädchen es nicht so gut haben, wie der Vertrag es ihnen sichern will. Es ist zu wünschen, daß der Verein mit seinem Streben recht viel Erfolg habe und es gelingen möge, durch den freien Arbeitsbertrag für die Hausangestellten die Gefindeordnung auszuschalten. Lohnbewegung in der Branche Landschaftsgärtnerei wurde plöblich abgebrochen, da einerseits die Arbeitgeber teilweise Bugeständnisse gemacht hatten und andererseits die Organisation ihre ganze Straft für die Lohnbewegung in der Handelsgärtnerei entfalten mußte. Der Stellennachweis wurde durchschnittlich monatlich von 93 Stellung. suchenden in Anspruch genommen. Gemeldet wurden durchschnittlich 68 Stellen monatlich, dabon 47 für die gewerbliche und 21 für die private Gärtnerei. 85 Bros. der gemeldeten Stellen wurden besetzt. Der Rechtsschutz betraf 56 Fälle mit 67 Kollegen, wovon 17 wegen Demonstration für das Frauenwahlrecht. Rom, 26. Februar. Beugnis, 31 mit 42 Kollegen wegen Zeugnis und Lohnforderungen, Nach der gestrigen Parlamentsdebatte über das Frauenstimmrecht 8 wegen Lohnentschädigung vorgetragen und ausgefochten worden veranstalteten zahlreiche Frauen vor dem Parlamentsgebäude eine sind. Die Bibliothek enthält 230 Werke, wovon% auf, fachwissen. große Demonstration. In einer anschließenden Versammlung wurde schaftliche und% auf soziale Literatur entfällt. Die Finanzbefchloffen, in der Agitation bis zur Erreichung des Zieles nicht gebarung zeigte gegenüber dem Vorjahr ein bedeutend ertveitertes nachzugeben. Bild. Die Einnahmen( Bestand am 31. Dezember 1905 1740.34 M.) Nachdent die Berichterstattung erledigt war, vollzog die Ver sammlung folgende Wahlen. Beschwerdekommission: Müller, Weißberg, Kronberg, Beier, Paris. Schlichtungs kommission: Seriebow, Gräber, Dräger, Noad, Rennthaler, Schilling, Seim. Revisoren: Weiland, Wohlgemut, Röder. Rednerlistenführer: Hein. Zentralverband der Maurer. Am Mittwoch fand in Kellers influsive Bestand befrugen 24 007,23 M., die Ausgaben 22 051,40 stabiert werden. Die Geftion der Töpferträger hat zu Anfang des Mart, als Bestand verbleiben 1955,83 M. Gingenommen ist für Jahres mit den Unternehmern einen Vertrag abgeschlossen, der Aufnahmen 630,10 M., Beiträge 16 043,17 W., für Stalender und den Forderungen entspricht, welche die Arbeiter gestellt hatten. Abzeichen 397,60 m., diverse lokale Einnahmen 5196,02 M. Aus- Die Brunnenmacher und deren Hülfsarbeiter führten im März und gaben: An die Hauptgeschäftsstelle abgeführt 12 268,70 W., Haus April eine Lohnbewegung durch, die mit dem Abschluß eines Tarifes halt 1835,00 M., Lohnbewegung 2604,60 m., diverse Ausgaben endete, welcher den Beteiligten Lohnaufbesserungen brachte. ( Agitation, Flugblätter, Drudsachen usw.) 5343,10 M. Bu Lasten Die Dachdecker- Hülfsarbeiter hatten ebenfalls eine Lohnbewegung. der Hauptkasse wurden für Reifeunterstützung 130,25 M., für Arbeits- Nach kurzem Streit erkannten die größten Firmen die Forderungen Festfalen eine außerordentliche Generalversammlung des Zweiglofenunterstüßung 2110,00 M. ausgegeben. Der bisherige Borstand der Arbeiter an, die kleineren ließen es danach nicht erst zum wurde wiedergewählt und setzt sich zusammen aus R. Bäders, Streit tommen. Das folidarische Verhalten der Dachbecker frug vereins Berlin statt, in der Genosse trä big einen Vortrag über 1. Vorsitzender; B. Beuschte, 2. Borsitzender; Kwasnid. wesentlich zu dem Erfolge der Hülfsarbeiter bei. Auch die Bad Die Tattit der Unternehmer bei wirtschaftlichen Kämpfen" hielt. P. Schriftführer; Heuer, Beifizer und Kamrowsti, Staffierer, ofenbau- Hülfsarbeiter haben in Gemeinschaft mit den Badofen. Der Redner schilderte ausführlich und fesselnd, wie seit der gesetzder gleichzeitig das Amt des Ortsbeamten befleidet. Als Vertreter maurern einen günstigen Tarifvertrag erlangt. Die Grenz- lichen Festlegung des Koalitionsrechtes durch die Gewerbeordnung zur Berliner Gewerkschaftskommiffion ist Samrosti, als streitigkeiten mit berufsverwandten Organisationen waren nicht das Unternehmertum unablässig bestrebt war, seinen politischen Stellvertreter Bäders, als Revisoren Kridde, F. Schmidt mehr so erheblich wie in früheren Jahren. Nur mit der Gips- Einfluß und feine wirtschaftliche Macht zur Unterdrückung jeder und Klait gewählt worden. Angenommen wurde ein Antrag, und Bementbranche des Maureverbandes bestehen in dieser Sin- selbständigen Bewegung und Organisation der Arbeiterschaft ausder die Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Gärtner sicht noch Differenzen. Die Settion der Gips- und Bementarbeiter zunuben, welche Rolle hierbei die Unternehmerorganisationen, bereins auf den Monat Juli oder August verlegt wissen will. Be habe, entgegen den getroffenen Abmachungen, die ihr angehörenden namentlich der Industriellenverband und der Verband der bauschlossen ist, die Generalversammlung im Monat November statt Sülfsarbeiter dem Verbande der baugewerbilchen Sülfsarbeiter gewerblichen Unternehmer, dabei gespielt haben, wie die Regierung finden zu lassen. Ferner ein Antrag, der 100 W, zur Anschaffung nicht zugewiesen. Mit dieser Angelegenheit werde sich der Verbands- ihnen fast immer Entgegenkommen zeigte, und wie gerade jest jozialer Werte für die Bibliothet vorsieht. Eine eingehende Aus tag zu beschäftigen haben. Mit anderen Verbänden haben sich vor- wieder, nach dem für die Arbeiterklasse ungünstigen Ausfall der sprache wurde noch über die Agitation sowie über Fragen, welche kommende Grengstreitigkeiten leicht regeln laffen. Bei einer Reichstagswahlen, das Unternehmertum unverschämter als je auf der Entwickelung der Organisation dienen können, geführt, worauf im Frühjahr vorgenommenen Baukontrolle wurden auf 1471 Bauten den Plan tritt, um die Arbeiterorganisationen niederzuschlagen Schluß der Versammlung eintrat. 11 866 Sülfsarbeiter gezählt und zwar 1222 Muldenträger, 809 und mit diftatorischer Gewalt den absoluten Herrn im Hause" Verband der baugewerblichen Hülfsarbeiter. Der Zweigverein Fahrstuhlarbeiter, 9209 Lohnarbeiter, 534 Buberträger, 92 Töpfer- fpielen zu können. Der Vortrag schloß mit der Aufforderung an Berlin hielt am Sonntag eine Generalversammulung in Buggen träger. Von den 11 866 Sülfsarbeitern gehörten dem Bentral die Anwesenden, noch mehr als je zuvor alles aufzubieten, um dem Buggenträger, Hagens Saal ab. Nachdem der Kassierer Böttcher die Abrechnung verbande an 7606, dem Lokalverein 892, dem chriftlichen Verband 99, Unternehmertum einmütig und geschloffen in der Organisation entbom 4, Quartal v. 3. gegeben hatte, erstattete der Vorsitzende der Zementbranche 99, dem Fabritarbeiterverband 77, dem gegentreten zu können, und allen fleinlichen Streit in den eigenen Kriebow den Geschäftsbericht für das Jahr 1906. Die Mit Handels- und Transportarbeiterverband 158, dem Metallarbeiter Reihen zu vermeiden. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. gliederzahl des Beigvereins ist von 7405 auf 11 423 gestiegen. berband 22, unorganisiert waren 2295. Bur Erledigung von Dann wurde über die bevorstehenden Wahlen zum ZweigvereinsDie Zunahme beträgt 4018. Die im Frühjahr von mancher Seite Streitfällen auf Bauten wurde der Vorstand in 1531 Fällen an borstand beraten und über die vorgeschlagenen Kandidaten dis. ausgesprochene Befürchtung, der Abschluß eines Tarifvertrages gerufen. Rechtsschutz wurde in 41 Fällen erteilt. Aus dem tutiert. Die Versammlung wählte ein Zentralwahllomitee. In werde einen Verlust von Mitgliedern zur Folge haben, ist also Stassenbericht, den der Kassierer Böttcher erstattete, ist folgendes den Bezirken sollen Unterfomitees gewählt werden, um dem Zendurch Tatsachen widerlegt. Andererseits fann gesagt werden, daß zu bemerken: Die Jahreseinnahme betrug 362 438,39 M., bie Australwahlfomitee die Arbeit zu erleichtern. Die Wahlen selbst werden der Tarifvertrag günstige Wirkungen auch auf die Festigkeit der gabe 280 917,30 M., der Bestand 81 521,09 M. Für Streiks und in den Bezirken durch Stimmzettel vollzogen. Organisation gehabt hat. Wie im gesamten Ziveigverein, so kann Maßregelungen sind 20 832 M., für sonstige Unterstützungen in den Bezirken durch Stimmzettel vollzogen. cuch in den einzelnen Sektionen ein erfreulicher Fortschritt ton- 5840 M. ausgegeben. Für den Inhalt der Jujerate übernimmt die Redaktion dem Vublikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, 2. März. Anfang 7%, Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater. 4 Uhr: Sizilien. 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Hörsaal 8 Uhr: Dr. B. Donath: Die Strahlen jenseits des Lichtspektrums. Kgl. Opernhaus. Das war ich Neues Theater. Cavalleria rusticana. Die Puppenfee. Agl. Schauspielhaus. Die Belt, in der man fich langweilt. Deutsches. Nomeo und Julia. Rammerspiele. Frühlings Erwachen.( Anfang 8 Uhr.) Leffing. Mieze und Maria. Weften. Die lustige Witwe. Nachmittags 3 ühr: Der Trou babour. Lorving. Die lustigen Beiber von Windsor. Rachmittags 3, Uhr: Gänseliesel. Anjang 8 Uhr. Schiller 0. Narrenglanz. Schiller Theater Charlottenburg. Im bunten Nod. Schiller N.( Friedrich Bilbelm ( Wallner- Theater.) Anfang 8 Uhr. Lettes Gastspiel Suzanne Desprès: Gioconda. Sonntag: Meißner Porzellan. Montag: Wohltätigkeitsvorstellung für die Berunglückten in Reden: Meißner Porzellan. Kleines Theater. Anfang 8 Uhr. Die Kralle. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtashl Abends 8 Uhr: Die Kralle. Montag: Eine triviale Komödie für feriöse Leute.( Bunbury.) Dienstag, Mittwoch: Die Kralle. Städtisches beater). Gratebung Lortzing- Theater zum Don Juan. Romische Oper. Hoffmanns Erzählungen. Berliner. Der Hund von Baster. bilfe. Zentral. Der Rastelbinder. Neues Schauspielhaus. I. Tell.( Anfang 7 Uhr.) Kleines. Die Stralle. Nenes. Gioconda. Bellealliancestr. 7/8. Sonnabend, 2. März, nachm. 3, Uhr: Märchenvorstellung: Gänseliefel. Abends 7 Uhr: Sauft. Die lustigen Weiber v. Windsor, Resibens. Haben Sie nichts zu berzollen? Luftspielhaus. Qusarenfieber. Deutsch Amerikanisches. Cousin Bobby. Thalia. Eine luftige Doppelehe. Luifen. Der lange Sterl Nachmittags 4 Uhr: Schneewittchen. Trianon. Frl. Josette meine Frau. Bernhard Rose. Marianne, ein Weib aus dem Bolle. Nachmittags 4 Uhr: Rotkäppchen. Metrovol. Der Teufel lacht dazu, Gebr. Herrnfeld. Ein verrüdfes Hotel. Wintergarten. 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März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen halle des Georgenkirchhofes, Landsberger Allee, statt. 18216 Das Komitee. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Sektion Putzer. Am Mittwoch, den 27. Februar, verstarb unser Mitglied Hermann Baganz. ant Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 2. März, nachmittags 3 Uhr, auf dem Luisen Kirchhof in Charlottenburg statt. Um rege Beteiligung ersucht Die örtliche Verwaltung. 133/12 J. A.: H. Neumann. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Stodarbeiter Max Holke Werkstatt Schülke am 27. Februar an der Proletarier. frankheit verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 4. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 82/1 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Zentral- Verband der Steinarbeiter. Berlin I. Nachruf. Am 22. Februar verstarb unser Stollege August Gönnert im Alter von 45 Jahren an der Berufskrankheit. Ehre seinem Andenken! 172/6 Die Ortsverwaltung. Für die überaus herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Tochter, unserer guten Schwester Therese Ditte sprechen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem gesamten Bersonal der Firma Rudolf Moffe unseren herzlichsten Dank aus. Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die vielen Stranzspenden bei der Be erdigung unseres Sohnes Gustav Weiß fagen wir allen Verwandten und Bekannten unseren tiefgefühltesten Dant, insbesondere dem Gesangberein " Sangeslust"( Tempelhof), dem Wahlberein( Tempelhof) sowie dem Gefangverein„ Echo"( Berlin) und allen Mitarbeitern der verschiedenen Abteilungen vom„ Berliner Tageblatt" 1828b vielen Dank. Merseburg, den 1. März 1907. Die trauernden Eltern. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und reichen Strangspenden bei der Beerdi gung meiner lieben Frau und guten Mutter sagen allen ihren herzlichsten Dant. 40765 Reinhold Schulz und Tochter. Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berliner Wahlkreises. Todes: Anzeige. Am 27. v. M. verstarb unser Mitglied, der Ladierer Alfred Graff, Hochstraße 37. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 3. März, nachm. 3, Uhr, von der Halle des neuen PaulsKirchhofes in der Seestraße statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Wilh.Kohlmetz am 26. Februar, abends 8, Uhr, im Sanatorium Beeliz ge storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des alten Jerusalemer Kirchhofes in der Bergmannstraße aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. 114/5 Die Ortsverwaltung. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schloffer Max Schulze gestorben ist. 114/6 Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. Zentral- Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Filiale Rixdorf. = Todes Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied Wilhelm Kohlmetz am 26. Februar in der Heilstätte Beeliz verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. März, nachmittags 3 Uhr, bon der Leichen halle des alten Jerusalemer Kirch hofes, Bergmannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 253/5 Die Ortsverwaltung. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips und Zementbranche. Nachruf. Unferen Stollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Gustav Supke am 20. Februar 1907 durch Unfal plöglich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 137/1 Der Sektionsvorstand. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Am 27. Februar verstarb plöklich infolge Blutvergiftung unser langjähriges Mitglied, der Schnittfräser Franz Reimann. Ehre seinem Andenken! Beerdigung: Sonntag, den 3. März, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Stranken hauses Friedrichshain nach Wilhelmsberg. Um rege Beteiligung ersucht 169/7 Die Ortsverwaltung. Treffpunkt des Gesangvereins um 2 Uhr am Landsberger Blag. Sie beim Einkauf von Gardinen- Fabriken Bettfedern Betten gibt ab Gardinen, Stores, Zugvorhänge, Tüllbett- und Zierdecken in bekannter Gediegenheit an Wiederverkäufer, Anstalten, Hotels sowie an Private im Einzelverkauf und verbürgt natürlich eminent billige Preise, 3910L* und billigen Preise in L. Beutlers 4 großen Spezialgeschäften Oranienstr. 8, nahe Hochbahn. Ackerstr. 28, Ecke Invalidenstraße. Neanderstr. 29. Reinickendorferstr. 115, Bahnhof Wedding. Große Betten, Oberbett, Unterbett u. 2 Kissen 12, 15, 20, 25, 30 M. Daunenbetten 36 bis 75 M. die überall deutlich verzeichnet sind. Umgehung jeder unnötigen Verteuerung der Waren. Wegen Anwendung Besonders preiswert„ Daunendeckbett"! der elektr. Bleiche Garantie für größte Haltbarkeit. Besichtigung empfohlen. 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März, vormittags 10 Uhr, im Englischen Garten", Alexanderstraße 27c: " Mitglieder- Verfammlung. Zages Drdnung: 1. Endgültige Beschlußfaffung über Annahme bezw. Ablehnung des Tarifs. 2. Verschiedenes. 8/3 172/7 4. Streis- Generalversammlung, Anträge und Wahl der Delegierten hierzu. 5. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Bimmer 34, Amt 4, 3353. Engel- Ufer 15. Hauptbureau: Bimmer 1-5, Amt 4, 9679 Sonntag, den 3. März, vorm. von 9-1 Uhr findet in Mitgliedsbuch legitimiert! Pflicht jedes organisierten Kollegen ist es, zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Verein der föderierten Anarchisten. Oeffentliche Volksversammlung Sonntag, den 3. März 1907, nachmittags 1 Uhr, im ,, Moabiter Gesellschaftshause", Wiclefstraße 24. Tages- Ordnung: 1. Ist es im Sinne des Sozialismus praktisch, sich an den Wahlen und an der Gesetzgebung zu beteiligen? 2. Freie Diskussion. 18265 Zahlreicher Besuch wird erwartet. Der Einberufer. der Metallarbeiter. ( Eingeschr. Hülfskaffe Nr. 29, Hamburg.) Filiale Berlin 2. Sonntag, den 3. März 1907, Hof, Admiralstr. Dormittags 10%, br, im Märkischen Mitglieder- Versammlung. Zages Ordnung: Jeder Arbeiter, jeder Handwerker follte zur Arbeit die Lederhose Herkules fragen. Allein- Berkauf. Sehr starkes Leder in 1. Staffenbericht. 2. Die Anträge praktischen grauen u. braunen Streifen, des Vorstandes und Aufstellung der auch einfarbig. Am Bund aus einem Kandidaten zur Generalversammlung. Stüd gearbeitet. Sehr feste Kapp3. Anträge der Mitglieder, auch zur nähte. Haltbarste Pilot- Taschen. Frauensterbelasse. Es iſt Bflicht der Mitglieder, zahl- Stege Studes 4 M. 50 reich zu erscheinen; desgleichen find Die Herkules- Hose die Mitglieder der Frauensterbekasse Manchester- Hofen 10,50, 5 M. 75 hiermit eingeladen. 114/3 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Spezial- Möbel- Halle Ausführung des Beschlusses der General- Achtung! Zahlstelle Berlin. Bautischler. Achtung! Versammlung vom 24. Februar die Wahl Sonntag, den 3. März, vormittags 10 Uhr, in den„ Germaniasälen", der Angestellten unseres Bureaus in folgenden Lokalen statt: Milbrodts Gesellschaftshaus, Müllerstr. 7. Bernhard Rose- Theater, Badstr. 58. Wernaus Festsäle, Schwedterstr. 23. Boekers Festsäle, Weberstr. 17. Graumanns Festsäle, Naunynstr. 27. Wiemers Restaurant, Bülowstr. 58. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/49. Metzdorf in Charlottenburg, Potsdamerstr. 44. Thiel in Rixdorf, Bergstr. 152. Fritsch in Steglitz, Florastr. 2a. Böhle in Spandau, Neumeisterstr. 5. xi Kaufhold in Ober- Schöneweide, Wilhelminenhofstr. 18. Tempel in Rummelsburg, Alt- Boxhagen 56. Hellwig in Köpenick, Schönerlinderstr. 5. Schmutz in Weißensee, König- Chaussee 38. Gehlhaar in Tegel, Berlinerstr. 92. Ohne Mitgliedsbuch kann niemand wählen. Die Stimmzettel werben am Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Wahlleiter ist der Rollege Josef Hartmann, Engel- Ufer 15 I. Der Beginn der Wahl ist diesmal eine Stunde. früher angefeht, damit die Kollegen, die zur Versammlung gehen, Gelegen. heit haben, vorher zur Wahl zu gehen. 114/4 Die Ortsverwaltung. Vereinigung der Musikinstrumenten- Arbeiter Berlins und Umgegend. Montag, den 4. März, abends 6 Uhr, bei Graumann, Naunynftr. 27: Werkstatt- Delegierten- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Das Bildungswesen in der deutschen Arbeiterbewegung." Referent: Sollege C. Haffner. 141/3 2. Diskussion. 3. Die Ausgabe neuer Mitgliederbücher. 4. Drganisations- und Werkstattangelegenheiten. Kollegen! Es ist Ehrenpflicht der Delegierten, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. In den Betrieben, wo ein Delegierter nicht vorhanden, muß unbedingt ein Kollege freiwillig die Bertretung übernehmen und in der Bersammlung anwesend sein! Der Vorstand. Barbier- u. Friseur- Genossenschaft„ Voran 99 ( Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht). Sonntag, den 10. März 1907, nachmittags 6 Uhr: 66 General- Versammlung im„ Rosenthaler Hof", Rosenthalerstraße 11-12. Tages- Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Aufsichtsrates. 2. Kaffenbericht. 3. Borlegung und Genehmigung der Bilanz. 4. Beschlußfassung über Gewinnverteilung. 5. Erfahwahlen des Vorstandes und Aufsichtsrates. 6. Anträge. 7. Genossenschaftliches. 105/16 Das Erscheinen eines jeden Genoffen ist Pflicht. Die Bilanz liegt für die Mitglieder bei dem Genossen Langner, Pantstraße 32d zur Einsicht aus. Der Vorstand. Paul Liere. Otto Wermke. Julius Langner. Achtung, Steinsetzer! Filiale Groß- Berlin I. Unterbezirk Often. Sonntag, den 3. März, vormittags 10 Uhr: Versammlung im Gewerkschaftshause, Saal 8, Engel- llfer 15. Tages- Ordnung: 1. Berigterstattung vom Berbandstage. 2. Wahl der Delegierten zur Gaufonferenz. 3. Einteilung der Unterbezirksverwaltung. 174/ 3* Mitgliedsbuch legitimiert. J. U.: Der Vorstand. 1. Chauffeeftr. 103: Versammlung der Bautischler Berlins und Umgegend. Lages Ordnung: Die weitere Stellungnahme der Bautischler zur Aussperrung. Harry Goldschmidt . Gefütt. Manchest.- Jadett 19,-, 10.50 Echtblaues Monteur- Jadett 1 M. 90 Echtblaue Monteur- Hose 1 M. 50 Echtblaues Monteur- Jadett, • prima Köper- Gewebe... 2 M. 50 Echtblaue Monteur- Hose, 0 prima Köper- Gewebe 2 M. 10 Maler- Kittel 3,-, 2,50, 29. 25 Mechaniker- Kittel( braun) 3,-, 2 M. 50 Weiße Lederhosen 4,50, 3. Reffelreiniger Anzüge, blau, 5 M. 50 Weiße Jadetts für Friseure, Kellner Konditoren, Köche usw. Die Preise gelten für uormale Größen. 59 Moritzplatz 59 Baer Sohn Ecke Stallschreiberstraße. Nicht zu vergleichen mit Abzahlungs- Geschäften, welche Garderobe usw. führen. Extra- Abteilung verliehen gewesener Möbel. Wöchentliche oder monatliche 2. Diskussion. 3. Bericht der Kommission. Die in Arbeit stehenden, wie die ausgesperrten Kollegen find verpflichtet, an dieser Versammlung teil zu nehmen. Mitgliedsbuch legitimiert. Teilzahlung gestattet! 82/2 Eigene große Betriebswerkstätten. J. A.: Karl Reiche. Zeugen gesucht um Beweis unserer Leistungsfähigkeit zu bringen, sind überflüssig Ich empfehle Serie IV: Getragene Herren- Paletots.....5, 6 bis 10 Mark Getragene Heiren- Anzüge Getragene Hosen. 6, 7 bis 9 Mark 1.50 bis 3.50 Mark Von feinsten Herrschaften, Reisenden nor kurze Zeit gebraucht, für jede Figur. J. Wand. Hauptgeschäft: Chausseestr. 80a. Bitte genau auf die Nr. 80a zu achten! 2. Geschäft: Prinzen- Strasse 17. 8. Geschäft: Gr. Frankfurterstr. 116. En gros. Export. En detail. Chauffeestr.24a/ 25.Brückenstr.11. Gr. Frankfurterstr. 20. Haupt- Katalog gratis und franko. Bei Bestellung von Hosen ist die Bundweite und die Schrittlänge, bei Jacketts und Kitteln die Brustweite anzugeben. 39542* Nachdruck verboten! Deutscher Holzarbeiter- Verband Zahistelle Berlin. Branche der Möbelpolierer. Sonnabend, den 9. März 1907, im Gewerkschaftshause, Engel- llfer 15( großer Saal): 81/ 20* Großes Frühlings- feft Reigenfahren der III. Abteilung bes Berliner Arbeiter- Radfahrer- Vereins, Mitglied des A.- R.- B. ,, Solidarität“. Nach dem Reigenfahren: Große Verlosung und amüsante Ueberraschung. Anfang 8%, Uhr. Billetts 50 Pf. Tanz frei. Um zahlreichen Besuch bittet Das Komitee. NB. Es wird gebeten, in Frühlingstoilette zu erscheinen. Eigene große Betriebswerkstätten. Jeder Herr welcher Wert darauf legt, zum Frühjahr einen eleganten Anzug oder Paletot fertig oder nach Maß zu tragen, versäume nicht, seinen Bedarf zu decken bei der Firma Leske& Lehrer 78 Kottbuser Damm 78 Wir bringen eine unerreichte Auswahl in insegnungs- Anzügen Unerreicht groß ist unser Lager in Stoffen zur Anfertigung feiner Herren- Moden nach Maß. Sämtliche Sachen werden in eigenen der Neuzeit entsprechend eingerichteten Betriebswerkstätten unter Leitung erster Meister angefertigt. Unsere Abteilung ,, Anfertigung nach Maß" ist einzig dastehend. Wir richten an unsere Kunden die ergebenste Bitte, die Bestellung rechtzeitig zu übergeben, damit wir in die Lage gesetzt werden, die bei uns bestellten Maßsachen auf das sorgfältigste verarbeiten zu können und in jeder Weise zufrieden zu stellen. W உ ten 20 Unsere Grundsätze: ir verarbeiten nur gute, reelle, ausgeprobte Stoffe. ir haben in sämtlichen Abteilungen enorme Auswahl. ir achten auf tadellose Verarbeitung und guten Sitz. ir werden stets das Neueste zum Verkauf bringen. ir verkaufen zu billigen, aber streng festen Preisen. Originalentwurf! Nachdruck verboten. ir haben auf jedem Gegenstand den festen Verkaufspreis mit Zahlen vermerkt. Spezial- Haus eleganter Herren- und Knaben- Bekleidung fertig und nach Maß Bekleidung für fämtliche Berufe. Leske& Lehrer, Kottbuser Damm 78. Bitte beachten Sie genau unsere Firma und Hausnummer. Eigene große Betriebswerkstätten. Wie manche Hausfrau würde häufiger ein Stück Seefisch tochen, wenn ihr das Schuppen erspart bliebe. Ich habe die Einrichtung getroffen, den bei mir ges fauften Seefisch zu schuppen und zu zerlegen. Wie leicht also fällt es Ihnen, von Stabeljau, Seelachs oder Schellfisch nach unten angegebenen Kochrezepten ein schmackhaftes Mittagessen herzurichten. Legen Sie diese Zeilen nicht fort, bevor Sie gekauft haben, denn: Aus " den Augen, aus dem Sinn" sagt das Sprichwort. 1. Schellfisch, Kabeljau, Seelachs. focht man in Salzwasser zirka 15 Minuten, gibt dazu braue Butter oder Sensbutter. 2. Schellfisch, Kabeljau, Seelachs in Scheiben geschnitten, gesalzen, garniert, in Fett gebraten, dazu Brat oder Salzfartoffeln, Kartoffelsalat mit Remouladensauce.. 3. Kabeljau, Seelachs in Bier ges tocht wie Starpfen, ein vorzügliches Gericht. pro Pfund Gr. Schellfisch im Anson. 35 Bf Kabeljau im schnitt 30 f. Hans Zillich,& ischhandlung, Badftr. 67,. Bahnhof Gesundbr. Ede Hochstr., 1 Minute Haltest. d. Siemensbahn u. d. Linien 35, 36, 38, 39, 41, 42. Achtung! 276/17 Zur Errichtung einer Konsuma genossenschafts: Schlächterei und Wurstfabrit in viehreicher Gegend Westfalens werden Konsumvereine als Gesellschafter gesucht. Zwei tüchtige erfahrene Leute würden sich als Leiter mit 10 Mille, event. auch mehr be teiligen. Die Fabrikation soll sich be hauptsächlich auf Dauerware schränken. Bequeme Bahnverbindung fowie vorteilhaft zu kaufendes Grundstüd sind vorhanden. Offerten unter ,, R. 2" an die Erped. d. Blattes. Restauration und Stehbierhalle Karl Schuhmacher früher Kochstr. 5 jetzt Hollmannstraße 17. Bau- u. Gartenland- Parz. äußerst günstig nahe Berlin offeriert Paul Vahlteich, Berlin NW., Bielefstraße 22. Lichtenrade 20 Pf.- Tour! Quadratmeter 20 M. verkauft Eigentümer Paris, Berlin, Graunstr. 27, Ede Gleimstraße. Auch bei monatl. Raten von 40-50. 17865* Rerantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Snferatenteil berantw.: Th. Gløde, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 32. 24. Jahrgang. 3. Irilojc des JintM" Kcrlim WsblM ZollnabeO. 2. Mär; IM. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste. Am 4. d. M. veranstaltet der Berliner Kellner« klub„Concordia" im Lokale.Aürstenberg-Säle", Rosenthalerstraste, ein Damenkränzchen. Wir weilen darauf hin, daß das genannte Lokal der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht. . Das Lokal von Apitsch, Rosenthalerstr. 39, ist auS der Liste zu streichen, da dasselbe geschlossen ist. In Grotz-Lichterfelde ist Drägers Restaurant„Zum goldenen Löwen' gesperrt, da der Inhaber trotz gegebener Unterschrift die Hergabe seines Saales zu Versammlungen der« weigert. In Neue Mühle(Teltow- Beeskow) steht uns das Lokal .Gasthof zur Schleuse'(Jnh. W. Thormann, Neue Mühle Nr. 6) zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. Heute, am 2. d. M., veranstaltet der Verein.Berliner Turnerschaft'(Korporation) in den Gesamträumen der.Philharmonie' ein Kostümfest. Wir weisen auch bei dieser Gelegenheit auf den von den Parteigenossen Grost- Berlins gefaßten Beschluß hin, nach welchem die.Philharmonie' für Parteigenossen gesperrt ist. Die Lokalkommission. Achtung, vierter Wahlkreis! Am 17. d. MtS., abends 5 Uhr, findet in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29, ein Sinfoniekonzert ver- bunden mit Rezitationen revolutionärer Dichtungen statt. Das reichhaltige Programm verspricht einen genußreichen Abend. Billetts a SV Pf. einschließlich Garderobe sind bei den Bezirksführern zu haben. Offene Kasse findet nicht statt. Der Vorstand. Friedenau. Sonntag früh HandzettelverteNung. Die Sitzung für den 4. Bezirk fällt am Dienstag aus. Der 2. und 3. Bezirk lagen am Montag gemeinsam bei Grube, Kaiserallee. Der 1. Bezirk wie stets bei Triebsch. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Eichwalde. Sonntag, den 3. März, nachmittags 3 Uhr. findet bei Witte(„Waldschlößchen') eine ösfentliche Volksver- sammlung für Männer und Frauen statt. Tages- ordnung:„Die bevorstehende Gemeinderatswahl.' Referent: Stadtverordneter O b st- Schönebcrg. Um zahlreichen Be- such ersucht Der Vorstand. Wilhelmsruh. Sonntag, den 3. März, vormittag? 10 Uhr, findet die Generalversammlung des Wahlvereins im Lokal des Herrn Liebermann statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes: Ab- rechnungen. 2. Diskussion. 3. Neuwahlen. 4. Vereinsaugelegen- heilen. Zahlreiches Erscheinen der Neuwahlen wegen ist Pflicht. Berliner IVacbricbten. Wie sich die Geldaristokratie amüsiert, dürfte aus einem Bericht ersichtlich sein, den eine hiesige Mittagszeitung aus Monte Carlo veröffentlicht. In diesem Bericht heißt es: „Von automobilistischen Veranstaltungen seien nur die wichtigsten hervorgehoben. Da ist in erster Reihe die Dezcmber-Konkurrenz Paris-Monte-Carlo-Paris, die Fahrt über das Esterclgebirge zu erwähnen, die mehr als eine Prüfung des regelmäßigen Laufes und der Dauerhaftigkeit der Pneu- matiks und Antidcrapants gedacht Ipar. Die Beteiligung war eine ziemlich rege, es waren ausschließlich Tourenwagen der neuesten„Salon'-Thpen. Darauf folgt gewöhnlich im Januar eine„Automobil-Shaw' in Nizza, eine solche in Monte Carlo und Menwne. Der Monat März weist einige hübsche Programm. nummcrn auf wie: Das Automobilmeeting, verbunden mit einer Automobil-Blumcnschlacht in Cannes, und die große Nizzaer Automobil-Woche(27. März). Im Vordergrund alles sportlichen Interesses steht äugen- blicklich die große Sensation Monacos, der Schwestcrsport dcS Auto- mobil ismus: das Motorbootmceting im Monat April, zu dem bereits große Vorbereitungen getroffen werden. An das Motorbootmceting schließt sich eine Ausstellung aller genannten Fahrzeuge, die ebenfalls in Monaco in einer neuer- bauten Ausstellungshalle stattfindet. Dem Wassersport wird übrigens in jeder Weise Rechnung getragen. So weist das Saisonprogramm der Riviera nicht weniger als zwanzig Regatten an verschiedenen Küstenstädten auf, worunter der Pokal des„Club Nautique de Rice" und die Internationale Regatta in Cannes besondere Beachtung verdienen. Wie alljährlich, so bildet auch in dieser Saison das Taubenschießen in Monte Carlo einen Lieblingssport aller Jagdfreunde und ein seltsam originelles Schauspiel für das Publikum, das die Terrasse vor dem Kasino bevölkert. So manch erprobter Schütze hat hier vergeblich sein Glück versucht, denn die Sache scheint im ersten Augenblick viel leichter zu sein, als sie in Wirklichkeit ist. Ueber 160 Teilnehmer kämpfen um die Preise, die noch zu gewinnen sind— der Grand Prix wurde bereits von dem Engländer Hall davongetragen—, und sämt- liehe Nationalitäten sind da vertreten. Auf einem hübschen halbrunden Rasen sieht man fünf kleine Käfige in der Größe eines Taubenschlags, die mit dem Schießplatz automatisch verbunden sind. Ein Druck, der Deckel fällt, und die Taube fliegt in die Luft. Der Schütze, dem vorher nicht gesagt wird, aus welchem Käfig der Vogel entschlüpfen wird, hat nun das Ziel- objekt im Fluge zu treffen. Leider werden hier noch immer lebende Tiere statt der sonst üblichen Tontauben verwendet. Es würde zu weit führen, wollten wir alle Zweige des Sports. die hier ein solch fruchtbares Feld finden und mit so großer Liebe und Sorgfalt ausgeübt werden, einzeln aufzählen. Es genügt, wenn nur»och hervorgehoben wird, daß vom 1. Januar bis Ende April in Mentone, Cannes, Nizza, Monte Carlo und� San Nemo 10 internatinale Lawn Tennis-, Golf- und Crocket-Kämpfe ausgefochten werden. Zum Schluß seien noch die Fahrradronnen in Mentone. das Football-Match in Cannes rznd das internatinale Fechtturnier in Monte Carlo erwähnt." Bekanntlich bilden Monte Carlo, Mentone, Nizza einen Tummelplatz der internationalen Geldaristokratie, zu der die deutsche und nicht zuletzt die Berliner Aristokratie den größten Prozentsatz stellt. DieselbeKlasse ist es aber, die sich nicht laut genug über die„Begehrlichkeit" der Arbeiter entrüsten kann, derselben Arbeiter, die Tag für Tag, Woche für Woche schwer fronden müssen, um nur das Notdürftigste für sich und ihre Familien zu erschwingen. Fahrpläne der Automobil- Omnibusse. Für die Automobil- Omnibuslinien der Omnibus-Gesellschaft, bei denen gestern der neue Tarif eingeführt worden ist. gilt folgender Fahrplan: Auf Linie 4 geht der erst-e Wagen vom Halleschen Tor werktags 6,68, der letzte 1.02; von der Chausseestraße der erste 6,30, dor letzte 12,34. Sonntags geht der erste Wagen vom Halleschen Tor 7,26, der letzte 2,06; von der Chausseestraße 7.00 bis 1,31. Die Wagen verkehren in Abständen von 2—3 Minuten. Auf Linie 8 gehen werktags die Wagen von der Bülowstraße von 6,06 bis 1,31, vom Strausbergcr Platz von 6.30 bis 11,67. Sonntags datiert der Bc- trieb ab Strausbergcr Platz von 7,00 bis 1,24, ab Bülowstraße von 7,34 bis 1,58. Die Wagen verkehren in Abständen von 6 bis fi' Minuten. Auf Linie 19 geht der erste Wagen von Moabit werk- tags 6M Sonntags 7,15, der letzte werktags IM Sonntags IM. Vom Alexanderplatz gehen die Wagen werktags 6,00 bis IM Sonntags von 7,15 bis IM. Die Wagen verkehren werktags in Abständen von 6—7, Sonntags in solchen von 6 Minuten. Schülerselbstmorbe lautete das Thema eines Bortrages, den dieser Tage Geh. Medizinalrat Professor Dr. Eulenburg in einer von Damen und Herren besuchten Versammlung des Berliner Vereins für Schulgesundheitspflege im Bürgersaale des Rathauses hielt: Die Gesamtzahl der Schülerselbstmorde im Deutschen Reiche von 1880 bis 1903 betrage 1IS2. Davon entfallen auf Schüler unter 16 Jahren von niederen Schulen 653 männliche, 159 weibliche, von höheren Schulen 61 männliche, 5 weibliche. Unter 20 Jahren haben 242 männliche. 5 weibliche Schüler höherer Lehranstalten in der an- gegebenen Zeit Selbstmord verübt. In 46 Fällen war die Ursache Furcht vor dem Examen, in 29 Fällen unglückliche Liebe, bei den männlichen Schülern niederer Schulen in 240 Fällen, bei den wcib- lichen in 76 Fällen, bei den männlichen Schülern höherer Schulen in 19, bei weiblichen in einem Falle Furcht vor Strafe. Obwohl trotz der großen Zunahme der Bevölkerung die Schülerselbstmorde in den letzten 24 Jahren sich nicht vermehrt haben, so sei die Zahl noch immer eine so große, daß sie als sehr bedenklich bezeichnet werden müsse. Die weitaus große Mehrheit der Schülerselbstmorde geschehe durch Erschießen. Es empfehle sich daher, den jungen Leuten soweit als möglich den Umgang mit Waffen, insbesondere Schießwaffen zu erschweren. Vielfach begehen Schüler Selbstmorde, in deren Familien Geisteskrankheit, Hang zum Selbstmord, Ver- brechen, Trunksucht usw. vorhanden sei. Oftmals seien auch miß- liche Familienverhältnisse Schuld. So habe ein lOjähriger Volksschüler als Ursache seines Selbstmordes schriftlich hinterlassen:„Weil ich es nicht mehr mit ansechen konnte, daß Vater täglich betrunken nach Hause komm t." In den meisten Fällen trage das Haus die Schuld an den Selbstmorden. wenn auch die Schule nicht von aller Schuld freizusprechen sei. Die Schuleinrichtungen seien weniger Schuld als die Behandlung der Schüler seitens der Lehrer. Die Schule müsse mehr Erziehungs- anstalt werden, ganz besonders müsse die Jnvidualität der Schüler anstatt werden, ganz besonders müsse die Individualität der Schüler selbstmorde waren das frühzeitige Lesen von Schopenhauer und Nietzsche, der Unglaube, Großstadtvcrgnügungcn, Schülerkneipereicn, Studentennachäffereien usw. Betonen wolle er hierbei, daß Juden einen sehr kleinen Prozentsatz zu den Schülerselbstmordcn stellen. Als vor einiger Zeit ein fünfzehnjähriger Untertertianer Selstmord beging, sagte sein Vater:„Es ist gut, daß es so gekommen ist, im Leben wäre der Junge doch niemals etwas nütze gewesen."(Hört! hört!) Welch' mißliche Verhältnisse müssen in solcher Familie herrschen. Die Kinder sollen Vater und Mutter ehren, Voraus- setzung sei doch aber, daß Vater und Mutter die Ehrung verdienen. Eltern müssen sich bemühen, ihre Kinder zu verstehen, sich in ihre Seele hineinzudenken, Schule und Haus müssen bemüht sein, auf den Charakter des Kindes einzuwirken, es liebevoll, seinem Wesen und seiner geistigen Veranlagung entsprechend behandeln, alle schädlichen Einflüsse fernzuhalten, die jungen Leute vor geistiger Ueber- anstrengung zu bewahren, insbesondere vom Alkoholgenuß und allen anderen Ausschweifungen zu bewahren, dann werde es ge- lingen, den Schülersclbstmorden in wirksamer Weise Einhalt zu tun. (Lebhafter, lang anhaltender Beifall.)— Dr. med. Muskat fragte den Vortragenden, ob auch körperliche Gebrechen Selbstmorde von Schülern verursacht haben.— Professor Dr. Eulenburg: Er glaube, das bejahen zu können; die Statistik habe allerdings diese Frage bisher noch offen gelassen.— Der neue Reisegepäcktarif, der, wie gemeldet, für die Gewichts- grenzen 1 bis 25 Kilogramm beziehungsweise 26 bis 35 Kilogramm erheblich ermäßigt werden soll, hat bereits eine Preisfrage gezeitigt, die von allgemeinem Interesse ist, die Frage nämlich, ivie die Gepäckfracht dem Inhaber mehrerer Fahrkarten berechnet wird. Nehmen wir an, eS hat jemand— für sich und seine Angehörigen— drei Fahrkarten gelöst, etwa für die Zone VI <251 bis 300 Kilometer). So lange noch„Freigepäck" gewährt wird, würden ihm 3 X 25=-- 75 Kilogramm Gepäck umsonst be- fördert werden, gleichviel, ob er nur ein oder mehrere Gepäckstücke mit sich fiihrt, kurz, von dem Gesamtgewicht werden 75 Kilogramm nicht mit Fracht belastet. Anders nach dem neuen Tarif. Hiernach zahlt der Reisende, wenn jedes der drei Gepäckstücke nur bis 25 Kilo- gramm wiegt, auf Grund der drei Fahrkarten 3 X 60 Pf.— 1,50 M.; hat er aber nur ein Gepäckstück im Gewicht von 51 bis 75 Kilo- gramm, so beträgt— trotz der drei Fahrkarten— die Gepäckfracht 4,50 M. Bei längeren Reisestrecken gestaltet sich dies Verhältnis noch ungünstiger; denn eS würden z. B. für Reisewege von mehr als 800 Kilometer kosten: d r e i Gepäckstücke a 25 Kilogramm— 3 mal 1----- 3 M., ein Gepäckstück bis zum Gewicht von 75 Kilogramm — 15 M. Man kann danach künftig mit derselben Gepäckfracht billig und teuer reisen und so wird wohl in der diesjährigen Reise-Saison die Parole des sparsamen Mannes lauten:„Divido et ünpera!" (Teile und herrsche!) Der Wilhelmsplatz ist eingezäunt und dient jetzt zum Teil als Werkplatz für den Bau der Unterpflasterbahn Potsdamer Platz— Spittelmarkt. Nach der Fertigstellung dieser Bahn wird der schöne Platz eine gründliche Umgestaltung erfahren. Die städtische Park- Deputation hat seinerzeit die Pläne des verstorbenen Gartenbau- direktorö Geitner angenommen, die dann von der Tiefbau- Deputation und dem Magistrat genehmigt wurden. Nach diesen Plänen wird die Mohrenstratze in gerader Linie unter Belassung eines Rondells in der Mitte des Platzes bis zur Voßstraße weiter- geführt. Das zuständige Ministerium hat seine Zustimmung zu dieser Durchquerung des Wilhelmsplatzes davon abhängig gemacht. daß die Voßstraße nach Westen zum Kemperplatz durchgelegt und auf diese Weise eine Entlastung der Lcipzigerstraße herbeigeführt wird. Bekanntlich haben die Gemeindebehörden das Projekt der Fortführung der Voßstraße nach, dem Kemperplatz bczw. der Lenne- straße schon angenommen, so daß nunmehr der Ausführung der Geitnerschen Pläne keine Hindernisse mehr entgegenstehen. Es werden dann die Umwege, die man früher bei der Passierung des Wilhelmsplatzes machen mußte, wegfallen und eine, wenn auch nicht wesentliche Entlastung des Verkehrs auf dem Potsdamer Platze zu erwarten sein. Wechsel, Rennpferd nnd Bürgschaft, diesen charakteristischen Worten begegnet man nicht selten in den Aushängen der Gerichts- tafel. Ein Wechsel über nahezu 87000 Frank spielt in einem Prozesse die Hauptrolle, den eine hiesige Sttatzenbangesellschaft gegen den bekannten Prinzen Helie von Sagau, früher zu Paris, Rue Camton 45, angestrengt hat, und für ein Rennpferd, das den vielversprechenden Namen. Zahlmeister' fiihrt, verlangt ein Hamburger Kaufinann von dem Pferdekäufer Beißbarth noch ein Restkaufgeld von 7000 M. In einer dritten Klage handelt eS sich um eine Bürgschaft, welche der Hauptmann von Hell- f e l d t in Charlottenburg in Höhe von 15 000 M. für den früheren Direktor des verflossenen Belle-Alliance-Theater, Bernhard Kraus. geleistet hat. Geldgeber waren in diesem Falle ein Fräulein von H a m m e r st e i n und der Opernsänger S t o ck m a n n, die übrigens die 15 000 M. wiedererhalten haben. Daß die öffentlich Geladenen zu den Gerichtsterminen erscheinen werden, ist natürlich nicht anzunehmen. Die Spree, deren hoher Wasserstand sich tagelang unverändert hielt, ist seit vorgestern wieder in starkem Steigen begriffen und in den letzten vierundzwanzig Stunden um fünfzehn Zentimeter gewachsen. Der Sprecwald ist in weiter Ausdehnung überschwemmt und bildet einen einzigen mcilenwcitcn See, über welchen die Kom- munikation lediglich mittels Kähnen bewirkt werden kann. Ein weiteres Steigen des Wassers ist um so sicherer, als auch die Neben- flösse HoKlvassex hatzeg vod der Spree gewaltige Wasscrmengen zuführen. Die wiederaufgenommene Schiffahrt kann infolgedessen nur unter Schwierigkeiten aufrecht erhalten werden, weil bei der heftigen Strömung ein Staken stromaufwärts nicht möglich ist und die Schiffe nur durch Schleppdampfer gezogen werden können. Die am 31. Januar niedergegangenen Schneemassen konnten bis zum heutigen Tage— in einer Frist von vier Wochen— noch nicht aus den Straßen Berlins entfernt werden. In einigen, aller- dings verkehrslosen Straßen liegen noch immer Schneehaufen, die jedoch durch das Tauwetter sehr zusammengeschmolzen sind. Die Abfuhr konnte von Mitte Februar ab nicht mehr in dem Umfange erfolgen, wie es in der ersten Hälfte des vergangenen Monats ge- schah. Die Aufsichtsbehörde hatte die provisorische Erlaubnis, den Schnee in die Spree und Kanäle zu entladen, zurückgezogen, nach» dem die Verkehrsstraßen frei gemacht worden waren, und dazu ge- sellte sich noch der Mangel an Abfuhrwagen. Mit Eintritt der milderen Witterung wurde die Bautätigkeit, die so lange ruhte, wieder aufgenommen, und hierdurch wurden zirka 1500 Fuhrwerke, die bisher der Stadt Berlin zur Verfügung standen, von den Unternehmern aus dem Betriebe zurückgezogen, weil die Gefährte zum Transport von Steinen und anderen Materialien gebraucht werden. Dazu kam, daß erneute Schneefälle eintraten und der vorhandene Wagenpark wieder zur Freimachung der Hauptverkehrs- strahen herangezogen werden mutzte. In den ersten Tagen der nächsten Woche dürfte jedoch auch der letzte Schnee aus den Straßen Berlins abgefahren sein. Gestohlener Kohlenwagen. Von der Straße weggestohlen wurde ein Kohlenwagen der Firma Paul Dorf. Das Gefährt, das mit zwei Füchsen bespannt war, hatte am Mahbach-Ufer gehalten und wurde in dem Augenblick, als der Kutscher sich in dem Hause aufhielt, entführt. Die fingierte Erbschaft. Durch einen geriebenen Schwindler sind in der letzten Zeit zahlreiche Geschäftsleute, hauptsächlich Gast- Wirte, empfindlich geschädigt worden. Der bereits zwanzigmal vor- bestrafte Hermann Whsotzky spiegelte seinen Opfern vor, er habe 20 000 M. geerbt und am 1. April würde ihm das Geld ausgezahlt, Auf Grund dieser„Erbschaft" gelang es dem Gauner, sich überall Gelder zu verschaffen. Auch eine ganze Reihe von Abzahlungs- geschäften hat W. geschädigt. Er entnahm Waren auf Abzahlung und verkaufte sie sofort wieder. Trotzdem er unter Polizciaufsidjt steht, gelang es dem Schwindler immer wieder, sich seiner Ver- Haftung zu entziehen. Erst als er die Dummheit beging, einen Schlafburschen zu bestehlen, wurde er festgenommen. Zu einem großen Menschenauflauf kam es Donnerstag nach- mittag in der Grünthalerftraße auf dem Gesundbrunnen aus Anlaß einer Verhaftung eines Bettlers durch einen Kriminalbeamten. Es kam zu einem Kampf zwischen beiden, und weil ein Passant für den Bettler Partei ergriff, wurden schließlich beide zur Wache gebracht. Ob die Polizei nichts Besseres zu tun hat, als aufzupassen, wenn sich ein armer Teufel etwas zu essen oder einige Pfennige erbettelt? Wir dächten, es gäbe nützlichere Aufgaben für die Polizei. Vom Borstand des vierten Wahlkreises werden wir gebeten, mitzuteilen, daß der Transportarbeiter Wilh. Bachmann, Blanken- felderstraße 3, nicht identisch ist mit dem Metallarbeiter Bachmann, gegen den nach dem letzten Versammlungsbericht vom vierten Kreise das Ausschlußverfahren beantragt ist. Ueber die neuesten Sonnenflecken und ihren Einfluß auf irdische Erscheinungen spricht Direktor Archenhold am Sonntag, den 3. März, nachmittags 5 Uhr, in einem mit zahlreichen Lichtbildern aus- gestatteten Vortrage auf der Treptow-Sternwnrte; um 7 Uhr über: „Moderne Riesenfernrohre und ihre Leistungen". Am Montagabend 9 Uhr behandelt Direktor Archenhold das Thema:„Uranus und Neptun". Auch in diesen beiden Vorträgen werden zahlreiche Licht- bilder den Hörern vorgeführt.— Mit dem großen Fernrohr wird während der ganzen Woche nachmittags die Sonne, auf der jetzt wieder große Flecken erschienen sind, abends der Jupiter bezw. der Orionnebel beobachtet. Feuerwehrbericht. In der letzten Nacht kam auf einem Neubau in der Wisbyerstraße 69 Feuer aus. Als die Feuerwehr dort an- kam, brannte eine Baubude mit Inhalt. Durch kräftiges Wasser- geben gelang es, den Brand auf die Bude zu beschränken. Der 17. Löschzug hatte vorgestern einen größeren Wohnungsbrand in der Rittcrstraße 62 zu löschen und der 1. Zug längere Zeit in der Dircksenstratze 47 zu tun. Dort brannten im ersten Stock des linken Seitenflügels auf dem zweiten Hofe bei Badt Schuhwaren, Kisten, Möbel, Regale, Verpackungsmaterialien und Decken usw. Es mußte tüchtig Wasser gegeben werden, um die Gefahr für die übrigen Ge- schäfte zu beseitigen. Ferner hatte die 4. Kompagnie in der Türken- straße 16 zu tun, wo Preßkohlen und anderes im Keller in Brand geraten waren, und in der Eisenbahnstratze 29. wo Gardinen sich über einer Lampe entzündet hatten. Weitere Meldungen liefen aus der Oldcnburgerstrahe 11-, Brunncnstraße 158, Müllerstraße 34 und von anderen Stellen ein. Vorort- JVadmebtem Der Charlottenburger Stadthaushaltsetat für 1907, dessen Hauptzahlen wir bereits mitgeteilt haben, weist im Ordinarium eine Steigerung um 1 673 200 M. auf. An den fortdauernden Mehrausgaben sind sämtliche Etahskapitel be- teiligt. Die einmaligen Ausgaben dagegen sind nur in einigen Etats erhöht, z. B. in dem der Gemeindeschulcn infolge der Erhöhung des Ansatzes für den Bau von Gemeindeschulen. Das Mehreinkommen aus den Gemeindesteuern ist auf 1 267 390 M. veranschlagt; dabei sind die bisherigen Steuer» sätze im allgemeinen nicht erhöht worden. Nur bei der Hundesteuer wird eine Erhöhung des Steuersatzes ein- treten müssen, um die Aufbringung des veranschlagten Solls zu ermöglichen. Außer aus den Gemeindesteuern sind Mehr- einnahmen u. a. zu erwarten aus den höheren Lehranstalten, den höheren Mädchenschulen, der allgemeinen Verwaltung und einigen anderen Kapiteln, insgesamt in Höhe von 1 735 475 M., denen Mindereinnahmen in Höhe von 82 275 M. gegenüberstehen. Von dem Mehr an fortdauernden Ausgaben bei der allgemeinen Verwaltung entfallen 90000 M. auf Besoldungen. und zwar teils für neue Stellen, teils für Alterszulagen entsprechend dem Normaletat. In den Etat der Gemeinde- schulen sind u. a. eingestellt 22 000 M. zur Durchführung von Maßregeln zur Hebung der Gemoindeschulcn, 3000 M. für Arbeitsstunden während der Wintermonate, 300 M. für Jugendkonzerte, 610 000 M. einmalige Ausgaben für den Bau von Gemeindeschulcn. Beim Armenwesen sind die Aus- gaben in fast allen Abschnitten erheblich gestiegen. Insgesamt betragen die Mehrforderungen 138353 M., und zwar für Unterstützungen 65050 M., Erstattungen 12000 M., Armen- krankenpfleae 36 850 M., Begräbniskosten 1300 M., Ver- schiedenes il 065 M., für die Familienhäuser in der Sophie Charlottenstraße 450 M., für das Bürgerhaus 13 410 M. Für Entseudung in Walderholungsstätten sind 12000 M., für Unterbringung von Geisteskranken 10 0» M. und von un- heilbaren Lungenkranken 5000 M« mehr angesetzt. Das Krankenhaus Westend erfordert 46 843 M., das Kranken- Haus in der Kirchstraße 17 994 M. mehr an fortdauernden Ausgaben. Ein Teil der Mehrausgaben ist darauf zurüch zuführen, daß das fortgesetzte Steigen der Preise für die wichtigsten Lebensmittel die Erhöhung des Verpflegungssatzes für das Unterpersonal nötig gemacht hat. Bei der Straßem reinigung sind die laufenden Ausgaben außerordentlich er höht worden, einmal weil 119 009 Quadratmeter zu reinigende Fahrdammfläche neu hinzugekommen sind und sodann weil eine häufigere Reinigung der Straßen beabsichtigt ist. Der Etat sieht daher die Einstellung von drei Kolonnen- führern und 29 ständigen Arbeitern vor. Dem entsprechend erhöhen sich auch die Ansätze für Bespannung und Bedienung von Spülwagen, für Besprengung usw. Von den Mehrkosten für die Straßenbeleuchtung entfallen auf die Beleuchtung neuer Straßenzüge mit Gas 21 199 M. und mit Elektrizität 139 999 M. Von Sonderetats sind neu aufgestellt ein Etat für die vom 1. April 1997 zur Einführung gelangende städtische Einrichtung der Müllbeseitigung und ein Etat für die durch Ankauf in den Besitz der Stadtgememde übergegangenen Charlottenburger Wasserwerke. Charlottenburg. Der Wahlverein hielt am Dienstag im Volkshause seine General- Versammlung ab. Nach dem Vorstandsbericht, den Genosse Schmidt gab, haben im verflossenen Jahre öl Vorstandssitzungen, 11 Mit- glieder- und 22 öffentliche Versammlungen stattgefunden. Außerdem sind neunmal Flugblätter verbreitet worden. In dem zu Char- lottenburg gehörenden AgitationSbezirle sind sechs Aaitationstouren unternommen worden. Des weiteren sind die Genossen zwecks Ge- winnung von Abonnenten für den„Vorwärts' und Mitgliedern für den Wahlverein zweimal in eine Hausagitation eingetreten, wodurch gute Erfolge erzielt wurden. An dem Vortragszyklus beteiligten sich leider im Durchschnitt nur 39 Genossen. Räch dein vom Ge- nossen Müller erstatteten Kassenbericht betrug die Einnahme 4621,03 Mark und die Ausgaben 3759,31 M.; davon wurden am Orte ver- braucht 677,24 M. und an den Kreis abgeliefert 3082,07 M. Es verbleibt somit ein Kassenbestand von 864,12 M. Die Mitglieder- zahl des Wahlvereins ist von 2200 auf 3200 gestiegen. Die Zahl der „Vorwärts'-Abonnenten beträgt gegenwärtig 4400 gegen 3222 im leichen Zeitraum des Vorjahres. Zur Neuaufirabme in den Wahlverein atten sich etwa 200 Genossen gemeldet; ein Gesuch wurde dem Vorstande zur näheren Prüfung überwiesen, die übrigen Genossen für aufgenommen erklärt. Genosse Will meinte, es müsse bei der großen Zahl der sich zur Ausnahme Meldenden einmal untersucht werden, wer bereits früher Mitglied gewesen sei; es sollten alsdann dieselben event. nicht aufgenommen werden. Genosse Schmidt ver« wies den Genossen auf die Statuten, wonach niemand zurückgewiesen werden könne; es müsse sich jeder zur Aufgabe machen, die Neuauf- genommenen zu zielbewußten Kämpfern zu erziehen.— In den Vorstand wurden folgende Genossen gewählt: Zitsch erster, Rosen- thal, zweiter Vorsitzender, Emil Müller, Kassierer. Felsmann. Schrift- führer, Schmidt, Beisitzer, Tatusch, Gehrke und Habicht, Revisoren. In die Lokalkommission wurden Prill, Dermitzel und Bade gewählt. Als Gruppenführer fungieren für die I. Gruppe Eicke, II. Schütze, HI. Schmock, IV. Bredschneider, V. Henschke, VI. Lehmann. VH. Merl und VlU. Weißheit. Zur Wahl eines Bibliothekars beantragte Genosse Gebert, denselben in einer gemeinschaftlichen Sitzung von Partei und Gewerkschaft zu wählen, was die Versammlung auch annahm. Genoffe Gehrke richtete die Frage an den Vorfitzenden, wie man dazu gekommen sei, den Genossen Bernhard am Stichwahltage über das Thema: »Was lehren uns die Reichstagswahlen?' referieren zu lassen. Ge» noffe Schmidt erwiderte, daß er vom Zentralvorstand keinen anderen Referenten bekommen und sich deshalb an Bernhard gewandt habe. Er bedauere jedoch, daß Bernhard sein Schlußwort mißbraucht habe. Genoffe Bernhard betonte hierauf, daß, als er bestellt wurde, gleich darauf aufmerksam gemacht habe, daß er das Referat wohl nicht im Sinne aller Parteigenossen halten wird. Genoffe Gebert meinte, unter diesen Umständen durste Bernhard überhaupt nicht referieren. Ein vom Genoffen Habicht gestellter Antrag auf Aus- schluß des Genossen Bernhard aus der Partei wurde dem Vorstand überwiesen, der die Angelegenheit zu untersuchen hat. Genosse Gebert ermahnte die Genossen mehr als bisher ihr Verkehrslokal, das Volks- Haus, zu unterstützen. Mit der Anstellung eines zweiten Spediteurs soll sich der neugewählte Vorstand beschäftigen. Rixdorf. In letzter Zeit wurden, wie uns mitgeteilt wird, mehrere Ver- Haftungen vorgenommen. Es handelt sich hierbei um aufgefundene siinderskelette. So wurde am Sonntag ftüh im Hause Mainzer- straße 58 in einer Stärkekiste ein Kinderskelett aufgefunden. Es stellte sich heraus, daß die Kiste einer dort früher wohnenden Frau H. gehörte. Nach polizeilicher Anzeige gab dieselbe an, daß das Kind von ihrem Onkel umgebracht worden sei und sie habe sich seit 4 Jahren mit demselben in einer Kiste herumgeschleppt. Auch ihr Onkel M. wurde hierauf verhaftet. Die Frau ist, nachdem sie auf freien Fuß gesetzt worden war, am Donnerstag wieder verhaftet worden. Die weitere Untersuchung dieser geheimnisvollen An- gelegeüheit dürfte erst Klarheit schaffen. Schöneberg. Am 26. Februar hielt der Wahlverein feine Generalversamm- lung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vor- sitzende mit warmen Worten des nach kurzem Krankenlager ver» storbenen Genossen Otto Schilling; die Versammlung ehrte das An- denken des braven, so früh aus unseren Reihen gerissenen Kämpfers durch Erheben don den Plätzen.— Zum ersten Punkt der Tagesordnung erstattete sodann Genosse Kütcr den VorstanidS- bericht für das abgelaufene arbeitsreiche Geschäftsjahr. Nach dem Bericht fanden vom 1. Januar 1906 bis zum 31. Dezember 1906 statt: 12 Sitzungen des engeren. 31 Sitzungen des erweiterten Vor- standes und 13 Vereinsversammlungen. Die Mitgliodcrzahl hat sich in erfreulicher Weise erchüht; sie stieg von 1543 am 1. Oktober 1905 auf 2228 am 31. Dezember 1906. Erfreulich ist ferner das Resultat der Statistik, welche ergab, daß bis auf einen winzigen Rest die Wahlvereiusmitglieder(2209) gewerkschaftlich organisiert sind. Umgekehrt ist das Verhältnis leider ein höchst ungünstiges: die Zahl der Wahlvereiusmitglieder langt bei weitem nicht an die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter heran, deren Zahl bis 6000 betragen dürste. Es ist also noch ein gewaltiges Stück Organisationsarbeit zu leisten. Die Zahl der Vorwärtsabonnenten ist im Geschäftsjahr von 2521 auf 3139 angewachsen; am 15. Februar 1907 betrug dieselbe wiederum 286 mehr, nämlich 3325. Der Besuch der Zahlabende hat sich in befriedigender Weise entwickelt; an denselben beteiligten sich im letzten Jahre insgesamt 8831 Mitglieder. Hierbei steht an erster Stelle der 3. Kommunal- bezirk mit 1616, an letzter Stelle der 1. Bezirk mit 268 Besuchern. Am Oktober-Extrazahlabend waren insgesamt 1263 Genossen an- wescnd. Zur Bewältigung der Agitationsarbeiten(abgesehen von der Wahlbewegung, es fanden 6 Volksversammlungen statt, 240 000 Flugblätter gäangtcn am Ort zur Verbreitung) war die Beteili- gung der Genossen im allgemeinen zufriedenstellend, immerhin muß unsere Aktionsbereitschaft noch um ein bedeutendes gesteigert werden. Lobend zu erwähnen ist, daß sich die organisierten Frauen in aufopferndster Weise an den Arbeiten beteiligten. Küter er. wähnte im weiteren Verlauf seines Berichts die wichtigeren Vor- kommnisse im Geschäftsjahre. Er besprach unter anderem die mit dem 1. November in Wirtsamkeit getretene Neuemteilung der Bezirke, die sicher zur weiteren Ausbreitung unserer Organisation beitragen werde; er stellte tvciter eine im Verhältnis zu der Aus- de'hnung unserer Zeitungsspe�ition stehende Erweiterung der- selben in Aussicht. Zum Schluß machte er Mitteilung von dem seitens der Konservativen und Nationalliberalen gegen die Gültig- keit der Wahl ZubeilS in unserem Kreise eingelegten Wahl- Protest. Hieran knüpfte er denn noch eine kurze Besprechung des Wahlausfalles im allgemeinen. An der Diskussion über den Geschäftsbericht beteiligten sich die Genoffen Schenk, Steuermann, Fritsch, Peterson und Dornbusch. Ausstellungen