Nr. 55. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bjig. Bost. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel. zeile oder deren Raum 50 Big., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tst bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. An unsere Abonnenten. Die Auflage unserer Zeitung ist dank der Tätigkeit unserer Genossen in erfreulicher Zunahme begriffen. Während wir am 1. Januar eine Auflage von 123 000 Exemplaren zu verzeichnen hatten, beträgt dieselbe heute 138 000. Seit dem 1. Januar 1906 gibt das Wachstum des Vorwärts" folgendes Bild: 1. Januar 1906 " 99 800 Exempl. 1. April " 1. Juli 108 000 112 000 " " " 1. Oftober 116 000 " " 1. Dezember 121 000 " " 1. Januar 1907 123 000. " 1. Februar 130 000 " 5. März 138 000 " " " 8 Mittwoch, den 6. März 1907. wollte. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. unterdrückt worden. * Duma zu schaffen, die sich als neues Werkzeug zur Knechtung und der Konvent der großen französischen Revolution, was des Volkes handhaben ließe. Es wurden alle Mittel, alle ihre legale" Kommune in derselben Sache getan haben." Schliche angewandt, auf die nur irgend raffinierte asiatische Die zweite Duma wird gleich der ersten trotz dem Schlauheit und mittelalterliche Barbarei verfallen konnten. hysterischen Gezeter der liberalen Bürgerschaft, die nicht müde Durch die Senats- ,, Erläuterungen" und ministeriellen In- wird, nach einer schmerzlosen" Wiedergeburt des Landes zu struktionen" war ein unerhörtes Wahlsystem geschaffen worden, jammern, zu einem Werkzeuge der Revolution werden. Da das den konstitutionellen Charakter der Duma völlig illusorisch zu für bürgt die ganze Logik der Weltgeschichte. Diese Aufgabe machen drohte. Die Wahlverhältnisse waren derart, daß sie der Duma die Organisierung und politische Heranbildung einem Plewe Ehre gemacht hätten die freie Presse erdrosselt, der Massen ist durch eine ganze Reihe in das Ministerium Verbände und Parteien auch die gemäßigten aufgelöst, Stolypin fallender Ereignisse wesentlich erleichtert worden: Wahlversammlungen auf ein lächerliches Minimum reduziert. eine in 44 Gouvernements wütende furchtbare Hungersnot, Im ganzen Reiche wüteten die schändlichen Feldgerichte, und haarsträubende Mißbräuche bei der Verproviantierung des die Satrapen, unter deren Willfür die Provinzen stöhnten, Hungernden Voltes, denen der Standal Gurko- Lidval die Krone wirtschafteten in den ihrer Fürsorge anvertrauten" Distrikten aufsetzte, eine schonungslose Erhebung der Abgaben in den wie in erobertem Feindeslande und suchten die Bevölkerung Dörfern, mit den brutalsten Maßregeln durchgeführt, und durch systematischen Terror einzuschüchtern. Der Weg zu den schließlich die Stolypinsche feldkriegsgerichtliche Politik alles Urnen führte die Staatsbürger durch Spaliere bewaffneter das erzeugte in den weitesten Streisen Unzufriedenheit, klärte Soldaten und Banden gemieteter Raubmörder, die nur auf das proletarische Bewußtsein der Massen und häufte neues einen Wint harrten, um auf den regierungsfeindlichen politisches Brennmaterial zusammen. Wähler mit Waffen und Fäusten loszugehen. Es versteht sich Möge die zweite Reichsduma sich ihrer ruhmvollen historivon selbst, daß Stolypin und sein Kabinett dem Wahlkampfe schen Aufgabe gewachsen zeigen und die Befreiung Rußlands Mit dieser erfreulichen und in diesem Grade kaum er- der reaktionären Parteien nicht nur teine Hindernisse in den vom Zarenjoche für immer erkämpfen. warteten Steigerung der Abonnenten steigt natürlich die Weg legten, sondern sogar unverhüllt Vorschub leisteten: Schwierigkeit der frühzeitigen Fertigstellung des Es ist erwiesen, daß Stolypin die Reaktionäre mit sehr bePetersburg, 5. März. Das Straßenleben bietet heute das Blattes. Die Vorwärts Druckerei hat bereits im Mai trächtlichen Geldsummen unterstützt hat, durch die es ihnen gewöhnliche Bild: Die Häuser sind nicht beflaggt; starke Truppenvorigen Jahres in Erwartung des weiteren Wachstums der möglich wurde, ganz Rußland mit den Agitatoren und den aufgebote aller drei Waffen durchziehen die Stadt. Die oppofitioAbonnentenziffer eine neue große Maschine bestellt; diese literarischen" Machwerken der schwarzen Hunderte zu über- nellen Morgenblätter bringen äußerst scharfe Artikel. Der Versollte Ende Februar geliefert werden, tann aber von der schwemmen. Dazu kamen schließlich noch all die gesetzwidrigen band des russischen Volkes beschloß, mit seinen Abgeordneten vor Gewaltmaßregeln, durch die man den monarchistischen Wahl- der Duma einen demonstrativen Aufzug zu veranstalten. Die Maschinenfabrik erst Ende März zur Versendung gebracht männern ersten und zweiten Grades zum Siege verhelfen Beitung" Telegraf" ist auf Anordnung des Stadthauptmanns werden. Damit ist die Hoffnung, daß wir unseren Abonnenten den Vorwärts" vom März ab frühzeitiger liefern Und nun hat sich all das als verlorene Liebesmüh' herausPetersburg, 5. März. Um die Mittagsstunde ist schönes können, abermals vertagt, wir müssen im Gegenteil unsere gestellt! Ungeachtet der Vernichtung der oppositionellen Presse wetter, in den Straßen herrscht reges Leben. Der Zugang zum Genossen und Leser um Nachsicht bitten, wenn infolge der und der oppositionellen Organisationen, ungeachtet der Wassen- Taurischen Palais ist durch Polizei und Gendarmen abgesperrt; gesteigerten Auflage am einen oder anderen Tage einmal hinrichtungen durch die Feldgerichte und der bestellten konter- alle Straßen in der Nähe des Dumapalastes sind voll Menschen, eine Verspätung in der Zustellung erfolgen sollte. revolutionären Pogrome, ungeachtet der weitest gehenden welche die Abgeordneten, die sich zur Eröffnung der Duma dorthin Wir geben uns der Hoffnung hin, daß unsere Leser im Protegierung der reaktionären Parteten hat die Regierung begeben, mit Hurras und dem Rufe„ Amnestie!" begrüßen. Die Verständnis dieser technischen Schwierigkeiten etwaige Ber- ihren Zweck nicht zu erreichen vermocht: teine gefügige Abgeordneten ihrerseits danken mit Sutabnehmen. Duma steht zu ihren Diensten. Statt mit der aufspätungen entschuldigen werden. Der Eröffnung der Duma geht ein feierliches Tédeum voran, gelösten rein oppofitionellen hat sie es jetzt mit einer das vom Metropolitan Antonius mit den beiden Bischöfen Platon Verlag und Expedition des Vorwärts". oppositionell revolutionären Duma zu tun! und Eulogius, die Mitglieder der Duma find, zelebriert wird. Als Das ist denn auch keineswegs ein Mirakel. Nur eine kurz dann hält der Metropolitan eine Ansprache, in der er die Abgeord sichtige Reaktion konnte die im letzten halben Jahre herrschende neten beschwört, ihre Meinungsverschiedenheiten zu vergessen, für relative Stille als Zeichen dafür auffassen, daß es mit der das Seil des leidenden Vaterlandes zu arbeiten, und sie zu Frieden Revolution zu Ende sei, nur eine einsichtslose Höflingsschar und Eintracht ermahnt. Eine Gruppe von Deputierten verlangt konnte aus jenem Symptom die Diagnose auf gänzliche Er die Nationalhymne, die darauf vom Chor angestimmt und unter Im Verlaufe des beispiellofen Kampfes auf Tod und schöpfung der Volksenergie" stellen. Es bedarf gar keines Surrarufen zweimal abgefungen wird. Dem Gottesdienst wohnen Leben zwischen Revolution und Absolutismus hat die zarische großen Einblicks in die Lehren der Geschichte, um zu er- der Ministerpräsident und sämtliche Minister bei. Regierung nun die zweite Reichsduma zusammenberufen fennen, daß von einem Abschluß der Revolution so lange Petersburg, 5. März.( Reichsduma.) Die Sizung wird müssen. Alle Umstände hatten sich vereinigt, um den Anschein nicht die Rede sein kann, als die Ursachen, die sie erzeugt zu erwecken, als könnte die Regierung nach der Auflösung der haben, weiter wirken. Daß diese Ursachen in Rußland aber um 1 Uhr durch den Vizepräsidenten des Reichsrats ersten Duma die niedertröchtige Stonstitution" völlig noch keineswegs beseitigt sind, das wird aus dem weiteren Golubeff eröffnet. Als der Staatssekretär den faiserliquidieren: Die Periode der Arbeiterstreits war zu Ende, Verlauf der Dinge bald noch flarer werden, wenn auch schon lichen Erlaß über die Einberufung der Duma berliest, erdie Bauernrevolten hatten aufgehört, das schäumende Meer die Resultate der diesjährigen Dumawahlen an sich beredt heben sich die Mitglieder der Rechten, die in Stärke von der Unzufriedenheit in Armee und Flotte schien sich beruhigt genug dafür sprechen. Nicht mehr bloß Fürsprecher, nahezu 100 Mitgliedern anwesend sind, von ihren Sißen und zu haben mit einem Worte: der Aufruhr" war nieder- sondern Vorkämpfer hat das Volk in die zweite Duma geschickt, rufen mehrere Male:„ Es lebe der Kaifer!" Die übrigen gedrückt", eine Restauration der alten autokratischen Staats- um die endgültige Liquidierung der ständemonarchischen Mitglieder bleiben sitzen und hören in tiefem Schweigen zu. Nach Beendigung der Verlesung bringen die Mitglieder der ordnung mit gänzlicher Aufhebung" der Reichsduma schien Staatsordnung zu vollziehen. mühelos ausführbar. Doch- ,, le mort saisit le vif": die Man vergesse nicht, daß die russische Reichsduma keinem Rechten nochmals Hurras aus, wobei alle Minister sich erToten flammern sich an die Lebenden, die Vergangen- westeuropäischen Parlamente gleichgestellt werden darf. Diese heben. Sodann leisten sämtliche Abgeordnete den Eid. heit sperrt den Weg und hemmt die Schritte der Reaktion. verfügte über bestimmte, wie auch immer geartete Rechte Die Sozialdemokraten beteiligten sich an den EröffnungsDie Bureaukratie hat es noch frisch im Gedächtnis, wie und entfalten ihre gesetzgebende Tätigkeit in Perioden ge- feierlichkeiten nicht, sondern betraten den Sigungssaal erst aus dem Boden der alten Staatswirtschaft, aus diesem nach festigter Rechtsordnung". Die Duma ist aber nichts anderes zur Vereidigung. Petersburg, 5. März. Zum Präsidenten der Reichsduma dem Bekenntnisse des Stolypinschen Leiborgans Rossia" als ein Parlament ohne Rechte und ohne Macht. Ein ,, unterwühlten, schwankenden und vielfachen Umbau und weiterer Umstand darf nicht außer acht gelassen werden: Das ist mit 331 Stimmen Golowin( Kadett) gewählt worden. Verbesserung dringend erheischenden Boden", eine mächtige russische Oberhaus, der Staatsrat, und der Träger der Komjakow erhielt 91, Rusmin- Sarawajem 3, Stachowitz 2 revolutionäre Bewegung erwachsen ist; sie hat es nicht ver- höchsten Staatsgewalt, deren Gutheißen erst den Schritten der und Teslenko 1 Stimme. " Die zweite Reichsduma. " " -Petersburg, 5. März. In dem Entwurf des Staatsbudgets gessen, wie sie inmitten des wogenden Volksgetriebes plöglich Duma die rechtliche Sanktion verleiht, können und werden für 1907, welches der Finanzminister heute nebst einem Exposé ganz isoliert dastand und wie alle ihre krampfhaften Be- gewiß wieder jede gegen den alten Staat gerichtete Maßnahme in der Duma eingebracht hat, find die ordentlichen Einnahmen mühungen, eine Stüße und Anhängerschar- wenn auch nur der Duma paralysieren. Ein Kind der Revolution, in einer in 9 Abteilungen und in 35 Paragraphen geteilt. Die Ausgaben unter den gemäßigten" Bevölkerungsgruppen zu wirren Uebergangsperiode empfangen und gezeugt, kann die sind in folgende 8 Gruppen zusammengefaßt: Hof, höchste Reaber nur die Sache der Revolution gierungsinstitutionen, Kirche und Geistlichkeit, Zivilverwaltung, gewinnen, kläglich gescheitert sind. Denn daß Mörder- und Duma Räuberbanden, Popen und ein Häuflein bornierter Junker, daß verfechten. Das Arbeitsprogramm wird ihr der ge- Landesverteidigung, Kronoperationen, Staatsschulden, Pensionen Die all diese nach unbeschränkter Selbstherrschaft verlangenden schichtliche Moment diftieren. dem Zusamentritt und Belohnungen für Staatsbeamte. Das Ausgabebudget ent necht russischen Männer" nicht imftande sind, dem der zweiten Duma vorausgegangenen Wahlkämpfe haben die hält 431 Paragraphen. In dem Exposé werden die bis zum 1. Jas nuar 1907 gedeckten Kriegsausgaben auf 2 Milliarden 598 Millihalbzersetzten Kadaver des Absolutismus neues Leben einzu- jeßige politische Lage grell beleuchtet. Sie haben unzwei- onen Rubel beziffert, und es wird der Nachweis geführt, daß im flößen, darüber macht sich sogar die russische Kamarilla keine deutig dargetan, daß die Macht nach wie vor in den Händen Jahre 1906 die Einnahmen die Ausgaben um mehr als 30 MilliIllusionen. Zu seinem politischen Bankrott hat der der selbstherrlichen Bureaukratie ruht. Es ist alles beim onen überstiegen haben. Demzufolge find die außerordentlichen russische Staat nun zugleich den Kredit bei den ausländischen alten geblieben: Weder die Agrarfrage, noch die nationale, Ausgaben und das Defizit von 1905 gedect; außerdem konnten noch Sapitalisten eingebüßt, mit deren Zuschüssen er einen großen noch die politische, teine einzige von den Streitfragen, die die 1905 emittierten furzfristigen Schabwechsel getilgt werden. ( Reichsduma.) Petersburg, 5. März. Die Wahl Teil seiner Ausgaben zu bestreiten genötigt ist. Frankreich, zum Kriege zwischen dem alten und dem neuen Rußland gemit dessen Milliarden der russische Absolutismus bisher sein führt haben, ist bisher irgendwie befriedigend gelöst. Unter Golowins zum Präsidenten der Duma wurde von der Linken Dasein fristete, borgt keinen Centime mehr. Der vor einem solchen Umständen kann der neuen oppofitionell- revolutionären und dem Zentrum mit Beifall, von der Rechten mit StillMonat dort eingefädelte Anleiheversuch ist mißlungen. Der Duma nur eine Aufgabe zufallen: Der Duma nur eine Aufgabe zufallen: die Organisation des schweigen aufgenommen. Er erhielt 356 Stimmen und nicht Reaktion fehlt es nun an Geld für ihre dringendsten Bedürf- Volkes für den Kampf zur Lösung jener Lebensfragen 331 Stimmen, wie zuerst gemeldet, während 102 Stimmen nisse. Als deutlicher Beleg dafür kann der Umstand dienen, Rußlands, für die Wiederaufnahme und den Abschluß gegen ihn abgegeben wurden. Golowin hielt eine kurze daß der russische Finanzminister seine Zuflucht zu den in der Revolution. Die Duma soll eine Tribüne der Ansprache, in der er sich an alle Parteien der Duma wandte. ländischen privaten Kreditanstalten genommen hat, bei denen kleine demokratischen Agitation werden: nicht nur bei Er sagte darin folgendes: Wie groß auch die VerschiedenAnleihen im Betrage von 25-30 Mill. Rubel gemacht werdenden Deputiertenreden und Interpellationen, sondern auch heiten der Meinungen sein mögen, die die Dumaabgeordneten eine in Rußland bisher unerhörte Erscheinung. Also hochgradiger bei den Gesetzvorlagen; sie soll eine Leuchte werden, die dem trennen, die Duma ist durch den einen Beweggrund geeint, Geldmangel und völlige Vereinzelung, das sind die Faktoren, Volte die Stützpunkte zur Organisation und die Wege für das Wohl der Nation zu arbeiten, die ungeduldig den die selbst den schwachen Köpfen der Bureaukraten den Ge- zum organisierten Stampfe zeigt; sie soll mit einem Worte Zusammentritt der zweiten Duma erwartet hat. Die neue danken der Unvermeidlichkeit einer nochmaligen Einberufung nach der Rolle eines politischen Zentrums der im Duma wird arbeiten, und sie hofft, daß es ihr gelingen wird, der Volksvertreter aufzwangen. Organisationsprozesse befindlichen Revo im Verein mit dem Monarchen die Wohltaten der Verfassung Ohne Mittel und ohne den Mut, das Gespenst der Ron- lution streben"( Otliti" Nr. 1, S. 28). Sie( die Duma) und der sozialen Gesetzgebung auf den durch die erste Duma stitution aus dem Felde zu jagen, wandte die Regierung alle soll das Gleiche tun", so heißt es im Zentralorgan der sozial- vorgezeichneten Wegen zu verwirklichen. Die Einrichtung ihre Kräfte der Aufgabe zu wenigstens eine gefügige" demokratischen Arbeiterpartei Rußlands, was die Legislative der Volksvertretung wird niemals verschwinden; nachdem sie einmal ins Leben gerufen ist, wird sie nicht aufhören, zu be- stehen."— Diese Rede Golowins machte einen günstigen Eindruck und rief einige Beifallsäußerungen auch auf den Bänken der Rechten hervor. Nachdem Golowin dann noch die Mitteilung gemacht hatte, daß er morgen vom Kaiser in Audienz empfangen werde, wurde die Sitzung geschlossen. Die russische Revolution. Regieruugs-Manöver. Die„Russische Korrespondenz" erhätt das nachstehende Tele- gramm: Petersburg, 4. März. Um eine Organisation der oppositionellen Duniamitglieder unmittelbar nach Eröffnung der Duma zu der- hindern, zahlte die Regierung die Reisegelder für die Abgeordneten erst in diesen Tagen aus. Die meisten treffen daher in Petersburg heute ein. Kadetten und Arbeiterpartei beschlossen deshalb, sofort nach Präsidentenwahl Prüfung der Wahlmandate zu beantragen, so daß die verschiedenen Gruppen inzwischen taktische Vereinbarungen treffen können. »-* Vom 5. März erhält die„Russische Korresp." aus Petersburg folgendes Telegramm: Wie ich feststellen konnte, herrscht in allen oppositionellen Parteien die Absicht, die Duma so lange wie möglich am Leben zu erhalten. Dennoch wird man mit einer Auflösung schon in allerkürzester Zeit zu rechnen haben. Es herrscht be- gründeter Anlaß zu der Befürchtung, daß ein Staatsstreich, insbesondere seitens hoher militärischer Kreise betrieben wird. Abwarten!— »,» Noch einmal die Folterungen in Riga. Die Nachrichten über die grauenhaften Folterungen und Miß- Handlungen in der Rigaer Geheimpolizei haben sogar die ab- gestumpfte, blasierte bürgerliche Gesellschaft Westeuropas auf- gerüttelt. Die baltische Junkerpresse muß traurig und nieder- geschlagen konstatieren, daß selbst ihre Freunde und Gönner in Deutschland kein Verständnis für die haarsträubenden Scheußlich- leiten haben, die von den baltischen„Kulturträgern" begangen werden! Es bleibt ihr nichts übrig, als die T a t s a ch e n weg. zuleugnen und zu versuchen, die öffentliche Meinung West- curopas irrezuführen. Natürlich hat sich auch ein deutsches bürgerliche? Blatt(die„Vossische Zeitung") gefunden, welches der baltischen Junkerpresse in ihrer Bedrängnis zu Hülfe gekommen ist und, ohne den geringsten positiven Gegenbeweis zu führen, die Nachrichten über die Rigaer Greuel einfach als erlogen hinstellt? „Folterungen sind nicht vorgekommen!" so ruft die junkerliche Presse, weil sie weiß, daß über 1 Revolutionäre, die die Schrecken der Folterkammern in Riga erlitten haben, im Laufe des Jahres für ewig verstummt sind und in den Sandbergen der- scharrt liegen. Sie vergißt aber, daß auch noch lebende Zeugen da sind! So z. B. die Genoffen Karlsohn, Dseguse, F r i e d m a n n u. a., die Ende Januar von der Kampfes- organisation der lettischen sozialdemokratischen Partei aus der Geheimpolizei befreit wurden und so dem sicheren Tode entgangen sind. Karlsohn zeigte seinen blutigen, zerfleischten Rücken und erzählte, daß die jovialen Henker das von ihm unterschriebene Protokoll, in welchem er erklärte, jede Aussage zu verweigern, ihm auf den Rücken gelegt und darauf solange mit bleigefüllten Gummistöcken geschlagen hätten, bis die Papierfetzen ins Fleisch rindrangenl Dseguse wies seine zerstochenen Muskeln und seine vielen Wunden, die von den Marterwerkzeugen her- rührten. Die beiden halten sich jetzt in Amerika auf und können jederzeit die schaurigen Vorgänge in der Rigaer Folterkammer bestätigen. In Rußland selber ist die Nichtigkeit der Darstellung von den bestialischen Halterungen zu Riga öfter bezeugt worden. Die Folterungen wAden öffentlich konstatiert bei der Verhandlung des Prozesses der„3g Kampfgenossen"(Juli 1906), worauf der russische Publizist Wladimirow in der„Russj" eine Beschreibung dieser Folterungen lieferte, die bis jetzt von niemand entkräftet worden ist, so daß an der furchtbaren Wahr- heit nicht zu zweifeln ist. Besonders grausam waren die Folte- rungen GrüningS und Genossen(Anfang Dezember), von denen ja auch Nachrichten in die Oeffentlichkeit gedrungen sind. (GrüningS Brief z. B., der in der Presse veröffentlicht wurde.) Zehn von GrüningS Genossen wurden nach überstandenen Folte- rungen sogleich standrechtlich erschossen, Grüning selbst und Sniker vorläufig zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt. Man brachte Grüning für ein paar Tage nach dem ZcntralgefängniS, wo ihn feine Freunde sahen: mit gebrochenem Rückgrat, versengten Körperteilen und ausgerissenen Kopf- und Barthaaren? Grüning war damals schon dem Tode geweiht, und er konnte seinen Freunden nur noch erzählen, daß bei den Folterungen wirklich zwei baltische Barone sowie auch Mitglieder deS baltischen Selbstschutzes zugegen gewesen seien. Und ein sterbender rufst- scher Revolutionär wird wohl nicht Lügen erzählen! Als jenes nun in die Oeffentlichkeit drang, beschloß lstan, sich der unbequemen Zeugen zu entledigen: Grüning und Sniker wurden ohne jegliches gerichtliche Urteil aufs Land hinausgeführt Und dort erschossen! Von da an wurden überhaupt alle um- gebracht, die von den erlittenen Qualen etwas erzählen könnten. So wurde z. B. in diesen Tagen ein gewisser Bclajew(Sohn eines Staatsrates) erschossen, der auf der Folterbank seine Kameraden angegeben hatte und deshalb nicht zum Tode verurteilt worden war. Außer den oben erwähnten sind aber auch noch andere lebende Zeugen auS der letzten Folterungsperiode vorhanden. Z. B. die Genossin L., die mit Grüning zusammen in der Geheim- Polizei war und ihn gesehen und gesprochen hat. Sie saß in der Nähe der Folterkammer und hörte jede Nacht, wie die politischen Gefangenen gemartert wurden. Die niedersausenden wuchtigen Schläge, die heiseren Stimmen der GreguS, Davus und der anderen Henker, daS gedämpfte Seufzen der Gepeinigten raubten ihr Nacht für Nacht den Schlaf. In der letzten Zeit wurden die Rigacr Greuel üb�gens in Petersburger Wahldersammlungen öfters zur Sprache gebracht und in einigen Zeitungen, z. B. im„Telegraph", veröffentlicht. Die Behörden fühlten sich gezwungen, Einhalt zu tun, und einige von den Henkern(Roßmann, GreguS u. a.) wurden nach Petersburg beordert. Auch wird berichtet� daß der Chef deS Polizeideparte- ments, Trussewitsch, sich nach Riga begeben hat, um die dortige Detektivabteilung zu revidieren. Die Revision hatte zur Folge, daß einige Schränke, in denen verschiedene Waffen und Marter- Werkzeuge aufbewahrt wurden, auS der Geheimpolizeit entfernt und an einen anderen Ort übergeführt wurden. Die„B. Z. a. M." beschämt die brave Vossin. Jene bringt in Ihrer Ausgabe vom 6. März unter dem Titel„Torturen im Ge- fängnis von Riga" folgende Mitteilung: „Ueber Torturen in den Gefängnissen von Riga berichtet ein russischer Revolutionär in Bestätigung der seinerzeitigen Berichte der »B, Z. ort Mittag". Man wollte von ihm ein Geständnis erlangen und brachte ihn in das zu diesem Zwecke hergerichtete Marter- z i m m e r deS Gefängnisses. Er wurde entkleidet und auf einen Tisch gebunden, dann warf man ihm ein nasses Tuch auf den Rücken, damit die Haut empfindlicher werde. Er wurde dann so lange geschlagen, bis ihm daS Blut auS Mund und Nase strömte. AlS er die Besinnung verloren hatte, wurde er mit kaltem Wasser wieder ins Leben gerufen und dann neuerdings mit einer Kautschukpeitsche auf Kopf und Rücken geschlagen. In der folgenden Nacht wurde er von neuem gemartert. Er versuchte dann in seiner Zelle ein Fenster zu zerschlagen und sich die Pulsadern auf- zuschneiden, war aber zu schwach dazu. Mt zwei anderen Ge- fangenen wurde er später in ein abgelegenes Dorf gebracht. Seine Kameraden wurden erschossen, er selber aber entkam. In einem Zeitraum von zwei' Monaten wurde er siebenmal geschlagen. Er erzählt, daß man vielfach Peitschen verwendet, in welche Draht geflochten ist, daß die Wunden mit Salzwasser gewaschen werden, und daß man den armen Opfern oftmals Haare und Zähne ausreiße." Die„Vossische Zeitung" hätte es sich wirklich ersparen können, gedankenlos zu apportieren, was ihr von irgendwelchen lettischen Reaktionären zugeworfen worden ist. Wie die erste Duma sich mit der Pogrom-Schande beschäftigt hat, so wird die zweite sich hoffentlich unter anderem auch mit der Rigaer Folterschmach be- fassen. Wir werden dann ja hören, wie infam die Freunde der „Vossischen Zeitung" gelogen haben.— Tie Konferenz der Sozialrevolutionäre in Petersburg, deren Verhaftung das offiziöse„Jnformationsbureau" meldet, hat überhaupt nicht stattgefunden! Die am 17. Februar im XI. Audi- torium der Petersburger Universität versammelten Personen, deren Verhaftung die Polizei für nötig hielt, hatten sich eingefunden, um ein Referat über die Tätigkeit der neuen Duma anzuhören. Die Versamnilung war durch öffentlichen Aushang am Eingang zur Universität bekannt gemacht! Die Polizei vereitelte die Abhaltung des Referats und nahm die Anwesenden fest.— politische dcbcrficht Berlin, den 5. März 1907. Des Kampfes Ende. Es war kein würdiges, geistig befriedigendes Ende, das der achttägige Kampf zwischen dem„nationalen Block" und der Opposition heute fand. Zunächst versuchte der Abgeordnete Paaschs, noch eine Mohrenwäsche an der nationalliberalen Partei vorzunehmen. Der erste Reichstagsvize reagierte gegen die Beschuldigung v. Hertlings, die Nationalliberalcn hätten zu Bisniarcks Zeiten Nebenregierungsansprüche gehabt. Er verstieg sich dabei sogar zu der Behauptung, der Nationalheros habe in seinen Memoiren nicht die Wahrheit gesagt, wenigstens meinte er, Bismarck würde„keine Beweise für seine diesbezüglichen Behauptungen" erbringen können l Den Gipfel der— Harm- losigkeit erklomm Paasche aber, als er, einer der Führer der Fraktion„Drehscheibe", die Scheinopposition des Zentrums kritisierte, das immer erst in der dritten Lesung Regterungs- fordcrungen bewilligt habe. Ueberhaupt bildeten die gegen- seitigen Vorwürfe über die Wahlkniffe der bürgerlichen Parteien für diese den blamabelsten Teil der Etatsdebatten. Der Abgeordnete Erzberger kreuzte noch einmal die Klinge mit dem Chef der Reichskanzlei, Herrn v. Loebcll, und beide trugen unschöne Schmisse davon. Für jeden Verständigen ist es klar, daß Registraturnotizen vom Schlage derjenigen, auf die sich v. Loebell berief, nie klaren Aufschluß geben werden, wenn zwei Unterhändler Mogeleien beabsichtigten oder auch wirklich ausführten. Herr v. Loebell mußte übrigens selber zugeben, daß die von Erzberger angezogene Registratur- notiz zur Aufklärung nicht genüge. Frei von Mogeleien ist keine der bürgerlichen Parteien— wozu also der Lärm? Der Abgeordnete v. K r ö ch e r, feines Zeichens Präsident des preußischen Abgeordnteenhauscs, legte ein höchst undiplo- matisches Zeugnis seiner Feindschaft gegen das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht ab. In einem Atem- zuge leugnete er diese Feindschaft und gab doch zu, das allgemeine Wahlrecht in Wahlreden scharf kritisiert zu haben! Das letztere tat er auch heute; er bezeichnete das geheime Wahlrecht als verderblich, weil es„be- rechtigte Einflüsse"— so die des Vaters gegenüber dem Sohne usw.— verhindere I Mit vollendeter Schläue sagte der„starke" Mann:„Abschaffen will ich das Wahlrecht nicht, aber was ich denke, sage ich nicht." Natürlich erdröhnte darob schallendes Gelächter durchs Haus. Seinen gesinnungs- verwandten Genossen gegenüber, die sich ganz offen gegen das Wahlrecht ausgesprochen haben, äußerte er seine Mißbilligung darüber, daß sie„einen Wunsch aussprechen, der augenblicklich nicht zu erfüllen ist". Wäre eine Mehrheit wie die des Kartells von 1887 diesmal in den Reichstag gewählt worden, dann wäre der rechte Augenblick für die Kröcher und Kon- sorten gekommen. Der freisinnige Abg. Neumann-Hofer polemisierte in seiner Jungfernrede wider die Uebermacht Preußens, der gegenüber die kleinen und mittleren deuffchen Staaten ein Märtyrerdasein führten. Als Grund hierfür führte er die wachsenden Schwierigkeiten an, die Etats der Kleinstaaten im Gleichgewicht zu halten.' Uns düntt, Herr Neumann-Hofer hat die Sache von der falschen Seite angefaßt. Das Uebel wird bestehen bleiben, so lange die Kleinstaaterei besteht. Gegenüber dem Abgeordneten Gamp, der heute wohl sehr breit, aber eindruckslos auf die gestrigen Ausführungen des Grafen Posadowsky antwortete, betonte dieser noch ein- mal mit aller Schärfe: trotz aller gehässigen, giftigen und verleumderischen Angriffe werde er ein Staatssekretär für Sozialpolitik bleiben, während jene Angreifer einen Staatssekretär gegen Sozialpolitik haben wollten! So endete die Etatsberatung. In der darauf folgenden Diskussion des Gesetzentwurfs, die Berufs- und Betriebszählung betreffend, wünschte der Abg. D r ö s ch e r als erster Redner regel- mäßige Zählungsperioden in schnellerer Reihenfolge. Diesen Wunsch teilten alle nachfolgenden Redner. Der freisinnige Abgeordnete Doormann beklagte, daß die für die Zählung an die statistischen Aemter ausgegebenen Fragebogen nicht auch den Abgeordneten zugestellt worden seien. Genosse Hoch faßte die Angelegenheit weiter; er be- tonte, daß schon 1905 von unserer Seite ein Antrag gestellt wurde auf Verkürzung der Fristen,— eigentlich sei bei der schnellen wirtschaftlichen Entwickelung schon eine zehn- jährige Frist zu lang— und er moniert, daß das ein- schlägige Material für die Invalidenversicherung noch nicht beschafft ist. Die Arbeitslosenstatistikk so führte Hoch aus, müsse ebenfalls von der Zählung profitieren und darüber werde in der Kommissionsberatung noch manches andere an- zuregen sein. Dem Antisemiten Schuck, der den freien Gewerkschaften �die Lehre geben wollte, sie hätten sich über die Berufszählung auch ohne die Befragung informiekett können, ließ Hoch eine knappe, aber sachlich scharfe Ab- fertigung zuteil werden. Der Regierungskommissar van der Borght der- sicherte, es sei sein ernstes Bestreben, die Arbeitsloscnstattstik auszubauen; es würden 1908 durch Behörden Erhebungen in Berufen angestellt werden, die besondere Bedeutung für die Arbeitslosenstatistik haben. Daß Arbeiterorganisationen, wie Hoch gerügt hatte, nicht befragt worden seien, gab der Kommissar zu, aber auch Unternchmerorganisationen usw. seien nicht befragt worden, weil diese Befragung nicht gelinge. Der Gesetzentwurf wurde an eine vierzehngliedrige Kam- Mission verwiesen. Mittwoch: Nachtragsetats. Im Dreiklassenhaus. Das Abgeordnetenhaus hat am Dienstag die Etats- beratung auf kurze Zeit unterbrochen, um die konservative Interpellation betreffend Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der evangelischen Geistlichen durch weiteren Ausbau der Pfarrbesoldungsgesetze und durch Neuregelung des Ruhe- gehaltswesens zu besprechen. Die Interpellanten verlangen, daß von dem Gelde der Steuerzahler der verschiedensten Kon- fessionen noch mehr als heute für kirchliche Zwecke aus- gegeben werde, und die Regierung versprach die Erfüllung dieses Wunsches! Selbstverständlich ist es, daß das Zentrum die Gelegenheit benutzte, auch für die k a t h o l i s ch e n Geist- lichen etwas einzuheimsen— ein Wunsch, dessen Erfüllung Herr v. S t u d t gleichfalls in Aussicht stellte. Für die Zu- sammensetzung des Hauses ist es charakteristisch, daß auch nicht ein einziger Redner einen prinzipiell ablehnenden Stand- Punkt gegenüber den Forderungen der Geistlichkeit einnahm. In Preußen ist eben die Religion nicht zur Privatsache er- klärt, im Gegenteil: sie dient in der Hand der herrschenden Klassen als Mittel zur Unterdrückung des Volkes. Ohne wesentliche Debatte erledigte das Haus sodann den Etat der Verwaltung der direkten Steuern und trat darauf in die Beratung des Etats des Finanz- Ministeriums ein. Gegenüber einer Anregung des Abg. Dr. v. Böttinger(natl.): bei der Offenlegung der Listen zu den Gemeindewahlen das Steuergeheimnis der einzelnen Wähler zu wahren, bemerkte der Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben, daß das unter der Herrschaft des Drei- klassenwahlsystems sehr schwer sei. Er sieht vorläufig noch keinen Ausweg, um hier Wandel zu schaffen, es sei denn. daß man das Dreiklassenwahlsystcm abschaffen wolle, und das wolle die Regierung nicht! Es ist nicht das erste Mal, daß sich Herr v. Rheinbaben als warmer Befürworter des plutokratischen Dreiklassenwahlsystcms erwiesen hat. Ein zu diesem Etat gestellter Antrag Herold(Z.1- v. Pappenheim(k.). der die Regierung ersucht, dafür zu wirken, daß bei Einführung einer Wert st euer des Grund und Bodens in den Gemeinden für Grund- stücke, welche dauernd land- oder forstwirtschaftlichen Zwecken zu dienen bestimmt sind, in der Regel der Ertragswcrt zu- gründe gelegt werde, gelangte nach unerheblicher Debatte zur Annahme. Am Mittwoch beginnt die Beratung des Etats der Eisenbahnverwaltung.—_ Die Hintertreppenpolitik des Zentrums. Die Regierung hat die Taktik, die Herr Dern bürg bereits vor der Reichstagsauflösung dem Zentrum resp. seinen Kolonial- Politikern R o e r e n und Erzberger gegenüber eingeschlagen hatte, in den letzten Tagen durch Herrn v. Loebell gegenüber Erzberger fortsetzen lassen. Wie Herr Dernburg dem Zentrum Hintertreppen- und PressionSpolitik vorwarf, so diesmal auch Herr V. Loebell. Der Erfolg der Regierung ist dies- mal der gleiche gewesen, wie damals. Die ganze konservative, nationalliberale und freisinnige Presse bestätigt Herrn v. Loebell, daß er den Hintertreppenpolitiker Erzberger gründlich habe ablaufen lassen. Nun ist eS ja richtig, daß die Herren Roeren und Erzberger bei diesen Debatten recht schlecht abgeschnitten haben. Nur liegt der Grund ihrer Blamage in ganz anderen Umstände», als von dem neuen Hottentottenblock behauptet wird. Es ist nichts als eine namenlose Heuchelei, wenn gerade von bürgerlicher Seite den Roeren und Erzberger vorgeworfen wird, fie hätten eine PressionS- und Hintertreppenpolitik betrieben und dadurch auf die Regierung einen illegitim en Einfluß ausüben wollen. Daß gerade dieHerren von der Rechten, namentlich aber von der Reichspartei, eine ungleich unverfrorenere PressionSpolitik in kolonialen Angelegenheiten nicht nur auszuüben versucht, sondern tatsächlich ausgeübt haben, beweisen hin- länglichst die Erörterungen über die Fälle PeterS und Stübel. Auch die Herren Roeren und Erzberger haben nichts weiter getan, als den Praktiken der Reichsparteiler zu folgen. Nicht also darin, daß sie sich gewisser unbequemer Kolonialbeamter, die angewidert durch den Kolonialsumps ein Ausmisten des kolonialen Augiasstalles vorzunehmen suchten, annahmen, liegt die Schuld der Herren Roeren und Erzberger, sondern vielmehr darin, daß sie sich dieser Beamten zu wenig energisch angenommen haben, daß sie zu vertuschen und individuelles Unrecht gutzumachen versuchten, statt dem ganzen kolonialen Kor- ruptionssystcm in der parlamentarischen Oeffentlichkeit mit aller Rück- sichtSlosigkeit zu Leibe zu gehen! Auch wir haben ja die Herren Roeren und Erzberger keines- wegS mit Rosen überschüttet. Auch wir haben ihre Hintertteppen- Politik gegeißelt, aber nicht deshalb, weil sie der Regierung ein „kaudinischeS Joch" zu errichten versuchten, sondern weil sie viel zu schonend mit der Regierung verfuhren! Nicht ihrer angeblich illegi- timen PresstonSversuche wegen griffen wir die Herren Roeren und Erzberger an, sondern wegen ihrer Versuche, bei der Vertuschung der Kolonialskandale der Regierung Hrhlrrdienste zu leisten! Wobei aller« dings erklärt werden muß, daß Herr Roeren von Herrn Erzberger durch sein ehrliches Temperament außerordentlich vorteilhaft absticht. Uebte doch Herr Roeren in seiner früheren Kritik die denk- bar größte Zurückhaltung, während Herr Erzberger in zahlreichen Broschüren, Flugblättern und unzähligen Zeitungsartikeln und Versainmlungsreden geradezu als der Herkules sich gebürdete, der die Kolonialkorruptton gründlich ausschlvemmen zu wollen erklärte. Und gerade Herr Erzberger ist bei den entscheidenden Reichs- tagsverhandlungen vor der Auflösung des Reichstages noch unendlich würdeloser zu Kreuze gekrochen, alS Herr Rocrenl Trotz alledem geschähe dem Herrn Erzberger bei all seinem Verhalten doch ein Unrecht, wenu man ausschließlich ihn. nicht aber vornehmlich die Zeutrumspartei selbst für die schmählichen Zentrumszurückzieher verantwortlich machen wollte. Hat doch das Zentrum vom ersten Augenblick an, wo sich durch DernburgS Em- greifen die Situation zwischen ihm und der Regierung zuzu- spitzen drohte, seine Kolonialspezialisten preisgegeben. In beispiel- loser Weise hat das Zentrum seine Bertraueusprrsone» aus dem Gebiete der Kolonialpolitik verleugnet. ES hat einfach er- klärt, die Herren Roeren und Erzverger handelten und sprachen als Privatpersonen auf eigene Verantwortung. Dabei hat eS aber jahrelang ruhig geduldet, daß gerade diese Abgeordneten namens des Zentrums die kolonialpolitischen Fragen behandelten. Und diese jesuitische Taktik hat auch Herr v. He rtlin g, der Zentrumsdiplomat, in seiner letzten Rede beobachtet, als er erklärte:»Was gehen mich die Herren Poeplau und Wistuba anl" Natürlich, Herr Hertling, der sich niemals um kolonialpolitische Interna gekümmert hat, der die Nachprüfung der Kolonialskandale den Herren Roeren und Erz» berger überließ, kennt die Herren Poeplau und W i st u b a n i ch t. Er hat keine Ahnung davon, welche Bewandtnis es mit deren Material hat l Aber gerade deshalb hätte er zugleich mit der von der Fraktion den beiden Abgeordneten aufgebürdeten Arbeit auch die Verantwortung über die Ergebnisse dieser Arbeit auf die Zentrumsfraktion übernehmen müssen. DaS Zentrum schüttelte jedoch abermals die Herren Roeren und Erzberger von seinen Rockschößen ab, au? keinem anderen Grunde, als um die Rücksichtnahme der Regierung, die sich in dem Fern- bleiben Bülows von den Etatverhandlungcn und in der Nichtbeantworhing der Zrntrumsrcdeu deutlich genug äußerte, durch gleiche Konzilianz zu erwidern. Das Zentrum bramar- basiert zwar gegen die Regierung, hütet sich aber vor- sichtig, durch irgend welche Taten der Regierung unangenehm zu werden! Herr Erzberger hat heute wieder erklärt, daß er künftig alles Material über kolonialpolitische Skandale, das zu seiner Kenntnis gelange, im Plenum des Reichstages vorbringen wolle. Wir fürchten nur, daß künftig Herr Erzberger das ihm unterbreitete Material nicht mehr mit der Sorgfalt prüfen wird, wie das früher geschah. Dieser wortgewaltige„Enthüller* wird sich künftig der diplomatischen Taktik des Herrn Hertling fügsam unterwerfen Z— *,»* Deutfches Reich. Das triumphierende Zentrum und der kneifende Reichskanzler. Fürst Bülow hat in den letzten Tagen den Reichstag geflissentlich gemieden, um dort unliebsamen Auseinandersetzungen mit dem ihm früher so eng verbundenen Zentrum zu entgehen. Offenbar wollte er weitere Familienzwistigkeiten vermeiden, da er an eine wirk- liche Scheidung nicht denkt. Das Zentrum freilich nützt einstweilen Bülows Flucht vor der Oeffentlichkeit weidlich aus. So schreibt die„Germania*: „Der Reichskanzler Fürst Bülow ist auch am Montag im Reichstage nicht erschienen; der Platz des Angeklagten am BundesratStisch blieb leer. Man hatte am Montag erst recht darauf gerechnet, daß der Reichskanzler erscheinen werde, zumal eS ihm nicht unbekannt geblieben sein konnte, daß der Abg. Freiherr v. Hertling spreche» würde. Aber vielleicht hat Fürst Bülow sich gerade deshalb ferngehalten. Fürst Bismarck entfernte sich bekanntlich rn den achtziger Jahren aus den, Reichstage, wenn der freisinnige Abgeordnete Eugen Richter zu sprechen begann, heute aber sind die Freisinnigen so rcgierungSfromm geworden, daß ein Reichs- karikier deshalb den Reichstag nicht zu meiden versucht sein könnte. OMnbar sind es jetzt die Redner der Zentrumsfraktion, die den jetzigen Reichskanzler den Reichstag meiden lassen. § irrst Bülow kann sich freilich dabei nicht beklagen, wenn feine bwesenheit und fein« Weigerung, gegenüber den Anklägern Rede und Antwort zu stehen, als eine Furcht vor dem Reichstage ausgelegt wird. Mrt zwei wohlvorberciteten Reden gegen das Zentrum und gegen die Sozialdemokratie kann doch der einzige verantwortliche Beamte der Reichsregierung seine amtliche und seine persönliche Rechtfertigung unmöglich als erledigt betrachten. Man wird und muß trotz alledem auch fernerhin von ihm die öffent- liche Rechtfertigung erwarten, die er den gegen ihn erhobenen An- klagen dem Jnlaiide wie dem Auslande gegenüber schuldigest." Schließlich erklärt die„Germania* noch, daß man auf der Journalistentribüne nach der Rede des Freiherrn v. Hertling den Eindruck gehabt habe, daß damit die„letzten Fäden zer- schnitten worden seien, die das bereits zur Genüge zerschnittene Tischtuch zwischen dem Fürsten Bülow und dem Zentrum noch irgendwo habe erkennen lassen". Das sieht beinahe auö. als ob das Zentrum den Fürsten Bülow trotz seines Wahlsieges nur für eine sehr vorüber- gehende Erscheinung hielte. Vielleicht freilich handelt das Zentrum auch nur nach dem Sprichwort: Was sich liebt, das neckt sich I-_ Freisinniger Schwindel. Die„Freisinnige Zeitung" verwahrt sich aufgeregt dagegen, daß sie erst jetzt nach der Wahl wieder ihren anti» agrarischen Standpunkt entdeckt habe. Es sei unrichtig, daß sie„im Interesse der Wahl den prinzipiellen freisinnigen Standpunkt betreffs der Fleischnot mehrere Monate lang verheim- licht" habe. Das sei eine grobe Unwahrheit, habe sie doch„in den Wochen nach der Rcichstagsauflösung beispielsweise in Nr. 448, 4SI, 452 und 453 deS Jahrgangs 1906 unter der Rubrik„Volkswirt- s ch a f t" Fragen behandelt, die sich auf die Fleischbcrsorgung be- ziehen, und zwar in derselben Weise behandelt, wie bis dahin." Ebenso sei es im Januar gewesen. Durch diese klägliche Ausrede wird die«Freisinnige Zeitung" niemals die Tatsache auS der Welt schaffen, daß sie es geradezu ängstlich vermieden hat, während der Wahlkampagne den prin- zipiellen freisinnigen anti agrarischen Standpunkt agitato- risch auch nur im»lindesten hervortreten zu lassen! Trotz der von uns während des Wahlkampfes wiederholt geschehenen Festnagelung dieser freisinnigen Jämmerlichkeit hat die«Freisinnige Zeitung" sich stets darauf beschränkt, statt den Kampf gegen das Agrariertum zu führen, ihre prinzipiellen Gewissensbeocnken an möglichst unbe- mcrtter Stelle in Gestalt möglichst unbemerkter Notizen niederzu- legen. Ja sogar nach der Wahl hat es die„Freisinnige Volkspar tri* den Rednern der Freisinnigen Ver- e i n i g u n g bei der Etatsdebatte überlassen, den antiagrarischen Standpunkt des Freisinns zu vertreten, wofür der freisinnig-volks- parteiliche Fraktionsredner Wiemer, zugleich Redakteur der„Frei- sinnigen Zeitung", denn auch das Lob der„Kreuzzeitung" geerntet hat, daß er„beson nen und maßvoll" geredet hatl Wenn die„Freisinnige Zeitung" weiterhin die Unverfroren- heit besitzt, zu bestreiten, daß sie in der„Freisinnigen Zeitung" in kolonialpolitischer Beziehung seit dem Auftauchen Devnburgs einen g r u n d.sä tzl i ch e.n Wechsel vollzogen habe, so verdient diese dreiste Leugnung angesichts der von uns wieder- holt beigebrachten Beweise in Gestalt von Zitaten aus der«Frei- sinnigen Zeitung" keinerlei neue Widerlegung. Mag die„Frei- finnige Zeitung" munter darauflos schwindeln, die Beweise für ihren jammervollen Gesinnungswechfel werden wir ihr ja noch mehr als einmal zu Gemüte führen! 8 193. Gotha, den 4. März. Der seltene Fall, daß einem Redakteur in Ausübung seines Berufs der Schutz des 8 193 des Strafgesetzbuches(Wahr- nehmung berechtigter Interessen) vom Reichs- g e r i ch t zugebilligt wird, ist in einem PreßbeleidigungSprozeß deS hiesigen Stadtrats gegen den früheren Redakteur des„Gotha- ischen Tageblatts" Walter zu verzeichnen. Walter war wegen seiner allzufreisinnigen Anschauungen Gegenstand fortgesetzter Angriffe der vereinigten liberalen(einschließlich der nationallibe- rqlen und agrarliberalen) Parteien in Gotha, die das„Gothaische Tageblatt" für den gemäßigten Liberalismus zu gewinnen suchten. Sie gelangten kurz vor den Reichstagswahlen zum Ziel. Walter wurde trotz langfristigen Vertrages entlassen, und das„Gothaische Tageblatt" trat für die Mischmaschkandidatur Hohenlohes ein. In den vorausgegangenen Kämpfen hatte Walter heftige Angriffe gegen den Gotha er„Klüngel" gerichtet. Er kämpfte dabei, wie das Urteil der Strafkammer anerkannte, nicht nur für seine politische Ueberzeugung, sondern auch um seine Existenz. Er fpielte in einem seiner Artikel auf die Beziehungen an, die hier in Gotha zwischen der Beamtenschaft der großen Bank- institute und den matzgebenden politischen Persönlichkeiten bestehen. Diese Beziehungen, die dem politischen Leben in Gotha ein besonderes Gepräge geben, äußern sich u. a. darin, daß der Oberbürgermeister als Aufsichtsrat der Lebensbank und als Schlüsselbewahrer der Lebensbank, der Feuerbani und der Privatbank beträchtliche Nebeneinnahmen hat. Auch der Bürgermeister, mehrere Stadträte, eine Anzahl Stadtverordnete und eine Reihe anderer einflußreicher Persönlichkeiten beziehen Gelder aus Bankinstituten, während andererseits die Bank- direktoren eine bedeutsame Rolle im kommunal-, landes- und rcichspolitischen Leben der Stadt Gotha spielen. Daß diese Wechselbeziehungen eigenartige Zustände herbeiführen, liegt auf der Hand. Walter kritisierte in einem gegen den freisinnigen Reichsverein gerichteten Artikel diese Verhältnisse sehr scharf. Darauf stellte Oberbürgermeister Liebetrau im Namen der städ- tischen Körperschaften, die sich getroffen fühlten, Strafantrag und erzielte die Verurteilung Walters zu einem Monat Ge- fängnis durch die hiesige Strafkammer. DaS Reichsgericht hob jedoch das Urteil auf, weil Walters sämtliche Beweisanträge von der Strafkammer abgelehnt waren, und weil ihm der Schutz des Z 193 versagt blieb. In letzterer Beziehung sagt die Be- gründung des Reichsgerichts: „Hat der Angeklagte nach der Anschauung der Strafkammer, wenn er auch nicht von der Bcgründetheit der von ihm er- hobcnen Vorwürfe überzeugt war, doch mit der Möglichkeit, sie könnten begründet und erweislich sein, gerechnet, oder hat er sie lcichtsinnigerweise erhoben, ohne daran zu denken, wie weit sie begründet sein könnten, so dürfte ihm der Schutz des 8 193 nicht lediglich um deswillen versagt werden, weil er nicht von ihrer Bcgründetheit überzeugt war. Es ist nicht richtig, daß Voraussetzung für die Anwendung des§ 193 des Strafgesetz- buches die Ueberzeugung des Beleidigers von der Begründetheit und Erweislichkeit seiner Vortoürfe ist; der Schutz des§ 193 kann vielmehr auch demjenigen zugute kommen, der beleidigende Behauptungen aufstellt, deren Bcgründetheit und Erweislichkeit er nur für möglich hält oder hinsichtlich deren Begründet- heit oder Erweislichkeit er sich überhaupt keine weiteren Ge- danken gemacht hat." Die Angelegenheit wird demnächst vor der hiesigen Straf- kammcr zur erneuten Verhandlung kommen. Nachwahl in Mecklenburg? Gegen die Wahl der Abgeordneten Dr. Dröscher(Schwerin- Wismar) und Linck(Rostock) ist zwar kein Protest eingelaufen, aber bei Prüfung der Wahlakten in der Abteilung stellten sich s o viele Unregelmäßigkeiten heraus, daß die Abteilung be- schloß, die Wahlakten der Wahlprüfungskommission zur Entscheidung über die Gültigkeit der Wahlen abzugeben.— Interessant zu machen sucht sich die„Information", die durch die Lüge vom Sektgelage Bebels und Singers bekannt gewordene, durch die Mitteilung, daß sie gegen Bebel die BeleidigungS- klage angestrengt habe wegen der Behauptung, die„Information* sei die Korrespondenz des ReichsverbaudeS zur Verleumdung der Sozialdemokratie und wegen der Bezeichnung„Kloake*. So teilt diese ehrenlverte Korrespondenz für 5 Pf. die Zeile ihren Ab- nehmern mit. Hinzu setzt sie die erschröckliche Drohung: „Wie eS sich aber mit den noblen Passionen einzelner Obergenossen verhält, darüber wird die Verhandlung die erforderliche Klarheit bringen." Das kann ja fürchterlich werden. Im übrigen ist die Unverfrorenheit zu bewundern, mit der der oder die Macher deS ehrenwerten Unternehmens sich als die grund- loserweise Gekränkten hinzustellen wagen, während sie selbst noch nicht einmal die elementarste Anstandspflicht, die unzweideutige Zurücknahme der Sektlüge erfüllt haben, geschweige daß sie sich ent- schuldigt hätten. � Gegen nationale Arbcitcrkandidaturcn zum Reichstage, die der „Evangelische Arbeiterbote" gefordert hat, zieht die„Post* vom Leder. Sie resümiert: «... So lange die christlichen Arbeiterorganisationen gleich der Sozialdemokratie auf dem engen Klassenstandpunkte verharren, so lange können sie nicht erwarten, daß die Parteien, welche die Ansicht verfechten, daß reine Klassenvertreter im Parlamente vom Uebel sind, solchen Vertretern in den Reichstag zu helfen." Die Industriellen sind natürlich nach der„Post* nicht„reine Klassenvertreter", sondern eignen sich ganz besonders auch zur Ver- tretung der Arbeiterinteressen.— Eine Begnadigung. Wie auS Karlsruhe gemeldet wird, hat der Großherzog von Baden den wegen versuchter Verleitung zum Mein« cid zu einem Jahre Zuchthaus verurteilten katholischen Pfarrer Gaisert aus Gündclwangen, dessen Prozeß vor einigen Monaten allgemeines Aufsehen erregte, zu sechs Monaten Gefängnis begnadigt.— Hueland. Frankreich. Scheingefechte. Paris, 5. März.(W. T. B.) Die radikalen Kreise fordern die Regierung immer dringender auf, die bei Monsignore Montag. nini beschlagnahmten Papiere zu veröffentlichen. Senator Ranc erklärt in der„Aurore", man wundere sich bereits darüber, daß die Veröffentlichung dieser Schriftstücke noch nicht erfolgt sei und man frage sich nach dem Grunde dieses ZaudernS, da doch all- gemein der Wunsch ausgesprochen worden sei, daß über die Um- triebe deS Vatikans und die Mithülfe, die er dabei in Frankreich gefunden habe, volles Licht verbreitet werde. Ranc setzt hinzu: „ES laufen Gerüchte um, daß dieses Zaudern, ja, besser gesagt, dieser Widerstand vom Ministerium deS Auswärtigen ausgehe, wo noch starke klerikale Einflüsse maßgebend seien und wo man ge- wisse gefährdete Beamte retten wolle. Nach der Veröffentlichung der Papiere MontagniniS wäre dies nicht mehr möglich. Wenn dieses Gerücht wahr ist, dann rechnen wir darauf, daß der Minister des Auswärtigen, Pichon, diesen Machenschaften mit Entschieden- heit ein rasches Ende bereiten wird." Wir glauben, der Grund für die„Nachsicht" gegen Rom liegt tiefer. Man hat ganz einfach an der Seine ebensowenig ein gutes Gewissen wie der heilige Vater am Tiber. Ist doch bereits dem „Echo de Paris" aus Rom gemeldet worden, der Vatikan besitze Schriftstücke, deren Veröffentlichung der französischen Regierung sehr unangenehm werden könnte, unter anderem Papiere, aus denen hervorgehe, daß die französische Negierung nach dem Ab- bruch der Beziehungen zum Vatikan bei Monsignore Montagnini unter vagen Friedensversprechungen vertrauliche Schritte unter- nommen habe, um hen Vatikan zur Annahme der französischen Forderungen zu veranlassen. Was für Karten sonst noch der„heilige Vater' in der Hinter- Hand haben mag, das läßt sich natürlich nur ahnen. Die„hohe Politik" ist doch ein zu schönes Metier!-» England. Die Wahlbeteiligung bei den Londoner Grafschaft�- wählen war entsprechend dem ganzen Charakter dieses eigenartigen Kampfes größer als in früheren Jahren. Sie betrug 52,66 Prozent gegen 45 Prozent im Jahre 1904. Die Progressisten erhielten zwar 960301 Stimmen gegen 337 304 im Jahre 1904, aber die Stimmenzahl der Gemäßigten stieg von 275 257 auf 509 000! Seit dem Be- stände des Grafschaftsrates ist es— nebenbei bemerkt— das erstemal, daß die Gemäßigten die Mehrheit erhalten haben. (Um das Wahlergebnis übrigens ganz würdigen zu können, ist es notwendig, hinzufügen, daß jeder Wahlberechtigte zwei Stimmen hat.) Gestern(Dienstag) hat bereits die erste Sitzung des neuen Grafschaftsrates stattgefunden. Man darf auf die Wirksamkeit der Gemäßigten-Majorität gespannt sein; denn die siegreichen Gegner des Munizipalsozialismus wollen ihre antisozialen und anttliberalen Ideen sehr schnell in Taten umzusetzen suchen. Die ganze städtische Verwaltung soll umgekrempelt,„reformiert" werden. Der Londoner Bürger wird— ganz wie der deutsche Michel— nicht eher einsehen, welche Dummheit er beging. das er den konservativen Gemäßigten zum Siege vcrhalf, als ihm von den Männern des neuen Kurses die Rechnung präsentiert werden wird.— Schweden. Die Untersuchung über den Tod Tscherniaks und der anderen drei Passagiere des„Olaf Wijk" sind von dem schwedischen General- konsul in Brüssel und dem Vizekonsul in Antwerpen so nachlässig betrieben worden, daß sich sowohl unser Parteigenosse V r a n t i n g wie auch der liberale Professor Warberg veranlaßt fühlten, am Freitag in der Zweiten Kammer die Angelegenheit zur Sprache zu bringen. Obwohl der Dampfer schon am 12. Februar in Ant- werpcn eintraf, meldete der Vizekonsul die Sache erst am 14. bei der Antwerpcner Polizei an, und der Generalkonsul bequemte sich erst am folgenden Tage dazu, die kurze, knapp eine Stunde dauernde Fahrt von Brüssel nach Antwerpen zu unternehmen. Und doch handelte es sich, abgesehen von Tscherniak und dem Franzosen, noch um den Tod zweier schwedischer Staatsbürger und um die schwedische Handelsintcressen gefährdende Behauptung:' durch einen wichtigen Exportartikel, die Zündhölzer, sei der Tod der Passagiere verursacht. Dazu kamen die verdächtigen Umstände. die auf ein Verbrechen hindeuteten und auch jetzt noch nicht auf- geklärt sind, was zu einem guten Teil darauf zurückzuführen ist, daß die Vertreter Schwedens die Untersuchungen lediglich unter der Voraussetzung führten, daß ein Unglücksfall vorliege. Der Minister des Aeutzern antwortete auf die Angriffe War- bergs und Brantings, daß er Anweisung gegeben habe, die Unter- suchung nach allen Richtungen hin zu führen. Er erging sich dann in der Beschuldigung, Branting und die belgische Sozialistcnprcsse habe nicht dazu beigetragen, das Ansehen des schwedischen Konsuls zu stärken. Daß auch die bürgerliche liberale Presse das Verhalten des Konsuls scharf kritisiert hatte, erwähnt er nicht besonders. Schließlich versprach er, daß alles getan werden solle, um Klarheit in der Angelegenheit zu schaffen. Seien Fehler begangen worden. so sollten die verantwortlichen Personen zur Rechenschaft gezogen werden. Stockholm» 5. März.(B. H.) Durch die polizeiliche und chemische Untersuchung in Gothenburg wegen der Tscherniak-Affäre ist untrüglich festgestellt, daß die Katastrophe nicht durch Gase der Ladung oder Heizung herbeigeführt wurde. Die vorgefundenen Arsenikreste deuten auf Vergiftung durch Arscnikgase, die wahrscheinlich„auf dem Lampeuglase und Heizrohr in Tscherniaks Kabine entwickelt" wurden.— Holland. Für die Verkürzung der Arbeitszeit. Amsterdam, 2. März.(Eig. Ver.) Der„Landes-Propaganda-Kongreß zur Beförderung eines stärkeren Kinderschutzes, Beschränkung der Arbeitszeit Erwachsener und Abschaffung bezw. Beschränkung der Nachtarbeit" tagte am heutigen Sonnabend zu Amsterdani. Der Kongreß war von der Sozialdemokratischen Partei Hollands und dem Niederländischen Verband der Gewerkschaftsvereine gemeinschaftlich veranstaltet und kann als Zeichen des Einflusses und der erstarkenden Einigkeit des klassenbewußten Proletariats Hollands angemerkt werden. Ver- treten waren 390 Organisationen, während 80 weitere ihre Sym- pathie und Zustimmung zu dem Ziele deS Kongresses mitgeteilt und nur wegen Verhinderung keine Abgeordneten gesandt hatten. Ver» treten wären insgesamt 60 000 organisierte Arbeiter, worunter der Verband der Gewerkschaften mit 26 000, die S. D. A. P. mit 7500, der Typographenvcrband mit 2500, der Schiffs- und Bootsarbeiter- verband mit 2500, der Verband der Niederländischen Volksschul- lehrer mit 7000, der Amsterdamer Verband der Gcmeindearbeiter mit 1400, der Verband des Elektrischen Eisenbahn- und Tramway- Personals mit 1200 und der unter bürgerlichem Einflüsse, dem der Freisinnig-Demokraten, stehende Allgemeine Arbeiterverband mit 3200 Mitgliedern.— Auch die Regierung war, bei Verhinderung deS Ministers für Handel, Landbau und Gewerbe, durch einen Referendar vertreten, wie der Vorsitzende Henri Polak bemerkte, in Holland wohl zum ersten Male auf einem von Arbeitern veranstal- teten Kongresse. Ferner waren anwesend zwei ArbeitSinspettoren mit mehreren Beamten der Arbeitsinspcltion, während der Arbeits- inspektor des 0. Bezirks u. a. m. wenigstens ihre Sympathie schrift- licht bezeugt hatten. Die sozialdemokratische Kammerfraktion war durch Genossen van Kol vertreten. Der Vorsitzende wie? darauf hin, daß dieser Kongreß als AuS- gangSpunkt einer kräftigen Aktion sür die Erzielung der Verkürzung der Arbeitszeit gelten müsse, ohne daß hierdurch irgendwie die Agp tation für den Achtstundentag abgeschwächt werde oder der inter- nationale Standpunkt in bezug auf den letzteren verlassen sei, wie seitens der Anarchisten behauptet worden war. Die Anarchisten und die unter ihrem Einflüsse stehenden Gewerkschaften, einschlicß- lich deS Nationalen ArbeitssekrctariatS, sowie alle christlichen Ar- beitervercine waren dem Kongresse ferngeblieben. Nach den Referaten der Genossen Troelstra, Wibaut. Henri Polak, Dr. Heyermans, Oudegeest, Schick» man und nach der Diskussion wurden die dem Kongresse vor- liegenden Resolutionen betr. den Zehnstundentag, die Nachtarbeit und die Kinderarbeit angenommen, nachdem in der Resolution für den Zehnstundentag noch ein Amendement Aufnahme gefunden hatte mit der Forderung eines wöchentlichen Ruhetages von 36 auf- einanderfolgenoen Stunden. Amerika. Bolttwehr. Eine Empfehlung Roofevelts an die Schulen geht dahin, daß Exerzitien mit dem Schießgewehr zum Unterricht für die Knaben gehören sollten. Eine Spezialkommission war eingesetzt worden, um diesen Vorschlag genau zu prüfen. Der nunmehr veröffent- lichte Kommissionsbericht spricht sich zugunsten einer solchen Neuerung aus. Durch Experimente mit 10000 Schülern höherer Klassen in New Dork wurde festgestellt, daß sie nur ein Viertel der Zeit brauchten, die Männer notwendig hatten, um in der Hand- habung des Gewehrs gut geübt zu sein. Im Falle eines Krieges sind die Vereinigten Staaten auf F r e i w i l l i g e angewiesen, und da ist es doppelt vorteilhaft, wenn die Freiwilligen gleich mit der wichtigsten Waffe umzugehen verstehen. In Philadelphia fanden kürzlich die Wahlen für die Stadt- endlich vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts ihre Erledi- uns gemeldeten Fall am Wittenbergplatz ist am Sonntag am Zoolobeamten statt. Der sozialistische Kandidat für das Bürgermeister- gung, jedoch nicht in der Weise, wie es das Kuratorium vor acht gischen Garten ein Brautpaar von einem Bedagfahrer überfahren amt erhielt 1649 Stimmen, genau eine Stimme weniger als vor Tagen vorgeschlagen hatte. Wohl hatten die Arbeitnehmer die Vor- worden, und in der Nacht zum Montag fiel eine Frau der Uneinem Jahre. Es bedeutet das einen ziemlich starken Rückgang schläge des Kuratoriums, wonach der§ 9 der Geschäftsordnung für geschicklichkeit eines Arbeitswilligen von der Firma Bur gegen die Stimmen bei den Staatswahlen im November 1906, wo die Innungen nicht mehr gelten sollte, die Mitglieder des Arbeit2555 sozialistische Stimmen abgegeben wurden. Der Prozentsak geberverbandes jedoch den unverkürzten Tarifvertrag einzeln unter- meister zum Opfer. Die Ausgesperrten haben wiederholt darauf für unsere Partei ist in Philadelphia noch sehr gering.( Bei der schreiben sollten, anerkannt, aber die Generalversammlung des Ver- aufmerksam gemacht, daß die Charlottenburger Polizei die Fahrlebten Wahl fielen für die Bürgermeisterkandidaten zusammen bandes der Glasereien und verwandter Gewerbe hatte diese Vor- schule, die dort zu ihrem Gebiet gehört, in einer Weise begünstigt, 230 220 Stimmen!) schläge abgelehnt, und zwar einstimmig, wie der Vorsitzende des welche geeignet ist, die Sicherheit des Publikums zu ge Verbandes Herr Röhlich vor dem Einigungsamt erklärte. fährden. In jener Fahrschule werden mit großem Eifer ArbeitsAuffallend war es, in welcher Weise die Kuratoriumsvorschläge willige ausgebildet und ihre Ausbildung ist gewöhnlich eine sehr mangelden Mitgliedern des Arbeitgeberverbandes von ihren Vertretern hafte. Die Polizei, die in Berlin in solchen Dingen sehr streng ist, übt in bekanntgegeben worden waren, nämlich so: Charlottenburg den mangelhaft ausgebildeten Fahrern gegenüber große Nachsicht und läßt sich um einen Fahrschein nicht lange bitten. Daß im Interesse der Verkehrssicherheit hier eine strenge und genaue Prüfung eines neuen Autodroschtenführers vorgenommen werden sollte, ist das Publikum berechtigt zu verlangen. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Achtung, Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes! Die am 3. d. M. borgenommene Wahl von Bureauangestellten ergab folgendes Resultat: Gültige Stimmen find abgegeben 7894. Es erhielten: Horn Jakobsen Mahle Wolfram Mans • 0 4982 Stimmen 4507 4387 9 4320 4183 " " Die übrigen Kollegen haben die notwendige absolute Majorität nicht erreicht. Es muß deshalb für weitere drei Kollegen am 10. März Stichwahl stattfinden. Hierzu werden gemäß unseren Beschlüssen die vier Kollegen, welche die nächsthöchste Stimmenzahl bekommen haben, zugelassen. Es sind die Kollegen Geisler, Heinemann, Joseph und Hillekamp 3. Das Nähere über die Stichwahlen wird im Inseratenteil des" Bortvärts" befannt gegeben. Die Ortsverwaltung. Achtung, Metallarbeiter! In Brüssel( Belgien) streifen seit vier Wochen die Arbeiter der Gasmefferfabriken. Wir ersuchen, den Zuzug nach dort fernzuhalten. Außerdem bitten wir um Mitteilung, wenn sich in irgend einem hiesigen Betriebe Streitarbeit für Brüssel zeigen sollte. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Drtsverwaltung Berlin. Rohrleger und Helfer! Die Differenzen bei der Firma Volk u. Wittmer auf dem Bau Unter den Linden, Ecke Pariser Plaz, find beigelegt und ist dort die Sperre aufgehoben. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Ein Erfolg der Lohnbewegung der Herrenmaßschneider. Die Ortsverivaltung des Schneiderverbandes hatte gestern die Arbeitgeber, namentlich die nicht dem Arbeitgeberverbande an gehörenden, zu einer Besprechung über die vorgelegten Lohntarife eingeladen, die in den Arminhallen" stattfand. Gegen 80 Arbeitgeber waren der Einladung gefolgt. Die Besprechung führte zu einem guten Ergebnis. Irgendwelche nennenswerte Opposition gegen die Tarifvorschläge der Arbeitnehmer trat nicht hervor. Das Bestreben nach Lohnerhöhung wurde als durchaus berechtigt anerkannt, und mehrere Arbeitgeber sprachen ihre Verwunderung darüber aus, daß der Arbeitgeberverband auf Grund der Forderungen nicht verhandeln will und sie als unverschämt und unerfüllbar bezeichnet. Die anwesenden Arbeitgeber erklärten sich bereit, die folgende Erklärung zu unterzeichnen: „ Der Unterzeichnete erkennt hiermit den Lohntarif... Klasse in der vorliegenden Form für sich als rechtsverbindlich an. Sollten an demselben etwaige Aenderungen bei den gemeinschaftlichen Verhandlungen mit der hiesigen Ortsgruppe des Arbeitgeberverbandes vorgenommen werden, so erhält der Unterzeichnete den mit dem Arbeitgeberverband abgeschlossenen Tarif. Für den Fall, daß wesentliche Veränderungen vorkommen sollten, haben in bezug auf die Zuteilung in die Tarifflaffe erneute Verhandlungen stattzufinden. Es wurde schließlich eine Kommission von Arbeitgebern der ver. schiedenen Tariftlassen gewählt, die über die Angelegenheit weiter beraten soll und in einer neuen Zusammenkunft der Arbeitgeber am Donnerstag Bericht erstatten wird. Von einem Teil der Anwesenden wurde die obige Erklärung sofort unterzeichnet. Das Aussperrungsfieber in Berlin. Jezt drohen auch die Unternehmer im Reitergerüstbau mit Aussperrung. Eine Generalversammlung des Vereins der Leitergerüst- Interessenten Berlins und Vororte tagte gestern abend im Prälaten, Alexanderplatz, in welcher die Forderungen der Arbeitnehmer den einzigen Punkt der Tagesordnung bildeten. Die langen Verhandlungen zeitigten den einstimmigen Beschluß, jede Lohnzulage abzulehnen. Sollten Streits in einzelnen Betrieben ausbrechen, sind sämtliche Arbeiter in allen Betrieben auszusperren. Terror. Die Vorverhandlungen im Kuratorium des Arbeitsnach weises bezüglich des§ 9 des Regulativs haben folgendes in Vorschlag gebracht: Der Arbeitgeberverband soll während der Dauer des geschlossenen Lohntarifs unter Anerkennung des§ 9 seine Arbeitskräfte von dem Arbeitsnachweis, welcher nach der Gormannstraße berlegt wird, ausschließlich beziehen. Es sollen ferner die Mitglieder des Verbandes sich durch Unterschrift verpflichten, keine andere Arbeitsnachweisstelle zum Bezuge von Arbeitskräften zu benutzen. Die Innung dagegen soll berechtigt sein, sich einen neuen Arbeitsnachweis zu gründen, in welchem die unorganisierten Gesellen vermittelt werden." Am Dienstagmorgen ist ein Mann am Schöneberger Ufer von dem Wagen 609 der Firma Burmeister überfahren worden. Der schwer verletzte Mann wurde nach der Charité gebracht, wo er bald darauf verstarb. Auch hier handelte es sich um einen Arbeitswilligen, der sich damit zu entschuldigen suchte, daß die Bremse nicht funktioniert habe. Es zeigte sich jedoch, daß die Bremse in Ordnung war und die Schuld den Arbeitswilligen trifft. Die geübten Fahrer sperrt man aus und ungeübte, die für das Publikum geradezu eine Gefahr bedeuten, werden angestellt. Achtung, Schuhmacher! Diese Säße entsprechen, wie auch der Vorsitzende des Einigungsamtes Dr. Prerauer hervorhob, keineswegs den vom Kuratorium gemachten Vorschlägen. Wohl steht im Tarifvertrag, den die Mitglieder des Arbeitgeberverbandes einzeln unterzeichnen sollten, daß die Arbeitgeber sich verpflichten, Arbeitskräfte nur Die Arbeiterschaft der Firma Haase u. Kuß in Nowawes durch Vermittelung des Nachweises zu beziehen, jedoch mit Aus- bei Potsdam hat den abgeschlossenen Tarif zum 1. April 1907 ge= nahme der Werfführer", und ferner wird im§ 12, bei Zustimmung fündigt. Forderung: Neunstundentag. Lohnerhöhung. des Kuratoriums, auch das Annoncieren zugelassen, wenn im Nach- Wir bitten, dies zu beachten! Die Ortsverwaltung. sonderbaren Bericht, den sie von ihren Vertretern erhalten hatten, weis nicht mehr genügend Arbeitskräfte verzeichnet sind. Nach dem mußten die Arbeitgeber aber annehmen, daß sie nun ganz aus= schließlich und unter allen Umständen an den Nachweis gebunden sein sollten. Das fonnte natürlich die, offenbar gewünschte, Wirkung nicht verfehlen. Indem die Arbeitgeber in ihrer Generalversammlung die Kuratoriumsvorschläge ablehnten, folgten sie einem Beschluß ihres Vorstandes, und dieser Vorstandsbeschluß wurde dem Gehilfenvertreter Jahn von Herrn Röhlich wie folgt mitgeteilt: Wenn bei den Verhandlungen des Lohntarifs seinerzeit bersäumt worden ist, die einzelnen Paragraphen des Regulativs im Plenum durchzuberaten, und die Aufsichtsbehörde jetzt mit dem Bescheide des Oberpräsidenten die Ausführung des§ 9 untersagt, vielmehr vorschreibt, um ein gedeihliches Verhältnis herzustellen, also d. h. ohne Unterschied.ob organisiert oder unorganisiert" zu vermitteln, so will der Arbeitgeberverband sich nicht als einzeln stehende Gruppe der vertragschließenden drei Körperschaften hinstellen lassen und die Hand dazu bieten, alle die unliebsamen Folgen heraufzubeschwören, welche zwei Arbeitsnachweise mit sich führen, wie es vor dem Vertragsabschluß die Erfahrung gelehrt hat. Der Vorstand hält fest daran, und wird das Einverständnis feiner Mitglieder in einer demnächstigen Generalversammlung einholen, nicht Einzelbestimmungen des mit den Innungen zu sammen abgeschlossenen Vertrages einzugehen oder zu übernehmen, vielmehr geschlossen mit denselben den Vertrag zu halten und sich gleichfalls die Vorschriften der Aufsichtsbehörde zu eigen machen. Sollte die Gesellenorganisation sich dieser Ansicht nicht anschließen können und beharrt sie auf Erfüllung des§ 9, so geben wir anheim, den Lohntarif jetzt schon wieder zu fündigen." Diesen etwas verworrenen Säßen entsprach die Haltung der Arbeitgebervertreter vor dem Einigungsamt. Einmal über das andere erklärten sie, daß sie den Tarifvertrag, boll und ganz" so erfüllen wollten, wie er am 23. August 1906 abgeschlossen worden sei, aber ebenso hartnädig kehrte der Nachsaz wieder, daß sie die befannte Bestimmung des§ 9 gestrichen wissen wollten und sich an die Entscheidung des Oberpräsidenten gebunden fühlten, obwohl es doch oft genug gesagt worden war, daß diese Entscheidung für den Arbeitgeberverband feine Geltung hat. Bei dieser unversöhnlichen Haltung der Arbeitgeber fonnten die Verhandlungen selbst natür lich zu feinem Ergebnis führen. Sie fühlten sich bei der großen Arbeitslosigkeit, unter der jetzt die Gehülfenschaft zu leiden hat, viel zu stark, um den Tarifvertrag wirklich voll und ganz" aufrechtzuerhalten. Nach längeren Beratungen der Parteien mit ihren Bertretern im Einigungsamt tam jedoch folgender Vergleich zu stande, der von den Parteien unterzeichnet wurde: Die Parteien sind miteinander einverstanden, daß im§9 der Geschäftsordnung des paritätischen Arbeitsnachweises der Saz: In erster Linie werden die Arbeitgeber und Arbeitnehmer der vorbenannten Organisationen berücksichtigt" gestrichen wird. Die Parteien find ferner darin einig, daß am 18. März 1907 der paritätische Arbeitsnachweis nach den Räumen des Zentralarbeitsnachweises in der Gormann- und Rückertstraße verlegt wird und folgende Bezeichnung erhält:" Paritätischer Facharbeitsnachweis für das Glasergewerbe und diesem verwandte Berufe zu Groß- Berlin, des Verbandes der Glasereien und verwandter Gewerbe von Berlin und den Vororten, der Jnnungen zu Berlin und Charlottenburg und des Zentralverbandes der Glaser." Die Arbeitgeber des Glasergewerbes haben also mit Hülfe des Eingriffes der Gewerbedeputation in den Tarifvertrag und der Entscheidung des Oberpräsidenten, sowie begünstigt durch die schlechte Konjunktur ihr Ziel gewissermaßen erreicht. Aber schwerlich wird das berühmte gedeihliche Verhältnis zwischen Meistern und Gesellen" auf die Dauer gefördert werden dadurch, daß sie die ihnen günstige Zeit ausnutten, den Tarifvertrag zu brechen und Die Frage der Verschmelzung des Stuffateurverbandes mit dem Maurerverband • Achtung, Kleber! gesperrt find: Wagner, Lintstraße, Bau Pariserstr. 19( Raiser). Bölligke, Oranienstr. 187; Bauten: Schievelbeiners straße 16/17; Wilmersdorferstr. 73; Leipzigerstr. 109; Karlshorst, Köpenicker- und Treskow- Allee Ecke; Bau Schön, Arminiusplatz. Braband, Südende, Bau Yorkstraße Bonifazius- Gemeinde. Dehmel, Göbenstr. 2; Bau Lichterfelde, Fortunastraße. Müller, Rochowstraße; Bauten: Tempelhof, BorussiaSteinplak 4, Wilmersdorf, Mainzerstr. 23. straße 7-9, Westend, Häselerstr. 1-4 und 10, Charlottenburg, Leibnizstraße. Schmarbed, Landgrafenstraße; Bau Pariserstraße Ecke straße; Berlin, Urbanstr. 63. Steinborn, Dresdenerstr. 84; Bauten: Zehlendorf, GoetheMüller, Winterfeldtstr. 17; Bau Bismardstr. 115. Schmidt, Friedenau; Bau Cranachstr. 15 und Menzelstraße 24/25. Klatt, Simeonstraße; Bauten: Bornholmerstraße Ede Schönhauser Allee; Westend, Häfelerstraße, Genossenschaftshaus. Die Sperre über die Bauten der Firma Schulz, Oberschöneweide, ist aufgehoben. Die Verbandsleitung. Die Berliner Wirker und Strider wollen in eine Lohnbewegung eintreten. Die überaus und andauernd günstige Konjunktur, das verständige Verhalten einzelner Unternehmer und vorwiegend aber der vorzügliche Stand der Organisation zeitigten unter Rücksichtnahme auf die bestehende Lebensmittelteuerung und den stabil gebliebenen niedrigen Lohn diesen Beschluß. Die Vorbereitungen dazu nahen sich ihrem Abschluß und wird die Arbeiterschaft ber Betriebe resp. die Organisationsleitung dann mit den Fabrikanten in Verbindung treten. Die Erfolge der Berufskollegen in der Provinz, denen die großstädtische Arbeiterschaft bedauerlicherweise in mancher Beziehung nahsteht, machen dies Vorgehen zu einer absoluten Notwendigkeit. Die Löhne sind im allgemeinen zu niedrig, in der Strumpfstriderbranche aber geradezu jämmerlich. Deutfches Reich. Die Damenschneider aus Elberfeld und Barmen sind in eine Lohnbewegung eingetreten; sie haben ihren Firmen bereits einen Tarifvertrag vorgelegt. Die Holzarbeiter von Barmen find in eine Lohnbewegung eingetreten. In einer start besuchten Versammlung der drei Verbände, des Holzarbeiter- Verbandes, des Hirsch- Dunderschen Gewerkvereins und des christlichen Holzarbeiter- Verbandes wurden folgende Forderungen aufgestellt: Neunstündige Arbeitszeit bei gleichem Lohn; die Mittagspause foll 1½ Stunden betragen; die ersten zwei leberstunden( abends von 6 bis 8 Uhr) sollen mit 25 Broz., weitere Ueberstunden, Sonn- und Feiertagsarbeit mit 50 Broz. Zuschlag vergütet werden; auswärtige Montage soll mit mindestens 2,50 M. pro Tag vergütet werden, Fahrgeld soll für Billetts dritter Klasse bewilligt und die Fahrzeit als Ueberstunden berechnet werden; Montage innerhalb der Stadt unterliegt der freien Vereinbarung. Die Forderungen wurden den Arbeitgebern mit dem Ersuchen überreicht, bis spätestens zum 9. März zu antworten. Wenn die Forderungen abgelehnt werden, soll der Ausstand erklärt werden. Husland. Die Hafenarbeiter von Triest beschlossen mit Rücksicht darauf, daß sie den Streik als Protest gegen die widerrechtlich auftretenden Privatunternehmer proflamiert haben, jedoch deshalb nicht das ganze Handelsleben schädigen wollen, und weiter mit Bezug auf die ben Kohlenverladern seitens der Handelskammer gemachten Zusicherung, daß die Kohlenhändler nach Lösung der bestehenden Verträge nur die Genossenschaft der Kohlenverlader berücksichtigen werden, die Arbeit wieder aufzunehmen. Gestern früh begaben sich auch die Hafenarbeiter zur Arbeit; als sie aber bemerkten, daß die Kohlenberlader, die nach wie vor die Entfernung des Unternehmers Bobar berlangen, die Arbeit nicht aufgenommen hatten, verließen auch alle Hafenarbeiter wieder die Arbeit und begaben sich ins Voltshaus. Es verlautet, daß die Hafenarbeiter die Arbeit wieder aufnehmen werden. Ein Ausstand der Schriftfeßer ist in Mosta u ausgebrochen. in den größten Druckereien sind die Streitenden sofort abgelohnt worden. Auf einem bom Holzarbeiter- Verbande gesperrten Bau in der Malmöerstraße sind vier Einfeßer als Arbeitswillige beschäftigt. Ein ausgesperrter Tischler ging auf diesen Bau, gab sich den Anschein eines Arbeitsuchenden und hatte so die Möglichkeit, mit einem der Leute ins Gespräch zu kommen. Mit ruhigen Worten suchte der Ausgesperrte dem Arbeitswilligen flar zu machen, daß es eine Schädigung der gemeinsamen Interessen sei, wenn die Einsetzer auf dem gesperrten Bau arbeiten. Diese durchaus ruhige Mahnung an die Pflicht der Solidarität beantwortete der Arbeitswillige der Gehülfenschaft ihren Willen gleichsam aufzuzwingen. mit den Worten:„ Geh weg oder ich schmeiße dich weg!" Der Ausgesperrte sah ein, daß hier kein Reden half. Jn begreificher Bitterfeit rief er dem Arbeitswilligen zu:„ Du bist ja nicht wert, daß Du erschossen wirst!" Nun geriet der Arbeitswillige in maßlose wurde am Montag in einer Mitgliederversammlung des StuffateurWut. Er schlug Lärm und schrie:„ Kollegen, Kollegen! Hier ist verbandes diskutiert. Wie der Filialvorsitzende Krebs ausführte, einer, der uns erschießen will!" Der Ausgesperrte hatte sich bereits hat der in Leipzig abgehaltene Verbandstag der Stuffateure einen zum Gehen gewandt. Vor der Tür holten ihn die vier Arbeits- Beschluß gefaßt, der sich für die Einleitung von Verschmelzungswilligen ein, stürzten mit erhobenen Armen- einer schwang einen verhandlungen mit dem Verbandsvorstand der Maurer ausspricht Hanımer auf den Ausgesperrten und riefen aus Leibes- und die Verschmelzung unter gewissen Voraussetzungen befür fräften nach dem dem Bauherrn, immer versichernd, hier sei wortet. Im Hinblick auf diesen Verbandstagsbeschluß solle nun die einer, der sie erschießen wolle. Der Bauherr tam, wies Berschmelzungsfrage erörtert werden. Im einzelnen führte der Redner die vier an, den Ausgesperrten so lange festzuhalten, bis ein aus, daß einerseits die nahe Verwandtschaft der beiden Berufe, das Schutzmann zur Stelle. Mit rohen Fäusten wurde der Aus- Ineinandergreifen der Arbeiten, sowie andererseits der Zusammengesperrte gepackt und ins Gesicht geschlagen. Der Bauherr tam in schluß der Unternehmer im Baugewerbe zu großen Organisationen Begleitung eines Schutzmanns angestürmt und wieder hieß es für die Verschmelzung der beiden Berufsgruppen im Maurerberband " Hier ist einer, der uns erschießen will". Zum Glück für den be- spreche. Namens der Ortsverwaltung empfahl der Redner folgendrohten Ausgesperrten war der Schußmann ein besonnener Mann. den Antrag: Die Filiale Berlin des Verbandes der Stuffateure Er fragte zunächst: Hat denn der Mann einen Revolver? Als stimmt einer Verschmelzung mit dem Verband der Maurer zu, sofern eine Durchſuchung ergab, daß der Ausgesperrte nicht im Befits folgende Grundbedingungen beim llebertritt zugefichtert werden: 1. Gelb Letzte Nachrichten und Depeschen. einer Schußwaffe war, sagte der Schutzmann: Na, was ständige Sektionsleitung mit Zahlstelleneinrichtung. 2. Anerkennung des Sie denn von dem Manne? Der Ausgesperrte zurzeit einer Verschmelzung bestehenden Filialfonds als selbständigen konnte seiner Wege gegen und die Sache war damit erledigt, Kassenbestand der Sektion. 3. Selbständige Entscheidung zwischen wenigstens vorläufig, denn der mißhandelte Ausgesperrte wird nun Atford- oder Lohnarbeitsmethode nach eigenem Entschluß, sowie mehr eine Anzeige gegen seine Beiniger erstatten, die ihn der Frei- überhaupt freie Bestimmung über alle sonstigen Arbeitsbedingungen. heit beraubt, beleidigt und geschlagen haben. Es wird sich zeigen, Nach eingehender Diskussion wurde der Antrag angenommen. welche Stellung die Staatsanwaltschaft, die gegen streifende Arbeiter Ferner beschloß die Versammlung, daß mit Rücksicht auf die gegen stets schnell und forsch vorgeht, in diesem Falle den Arbeitswilligen wärtigen Arbeitsverhältniffe im Stuffateurberuf vom 5. März an gegenüber einnimmt. bei unverglasten Fenstern gearbeitet werden darf. wollen Das gedeihliche Verhältnis" im Arbeitsnachweis der Glaser. Die bekannte Streitsache über die Geschäftsordnung des paritätischen Arbeitsnachweises für das Glasergewerbe fand gestern Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inferatenteil verantw; -O Die Polizei als Friedensstifterin". Dreihundert ausständige Maurer in Madrid versuchten Ars beitswillige zur Einstellung der Arbeit zu bewegen. Als Gendarmen dazu tamen; erfolgte ein Busammenstoß, in dessen Verlauf ein Ausständiger durch Schüsse getötet und mehrere andere verwundet wurden. Neue Fälle von Genidftarre. Köln, 5. März.( W. T. B.) Bei vier Soldaten des 7. Fußartillerie- Regiments, die ins Garnisonlazarett gebracht worden find, ist amtlich Genidstarre festgestellt worden. Einer der Kranken ist bereits gestorben. Ein neuer Erkrankungsunfall wurde heute bei einem Soldaten des 65. Infanterie- Regiments festgestellt. Köln, 5. März.( W. T. B.) In Elberfeld wurde, wie die„ Köl nische Volkszeitung" meldet, im Kinderheim ein Fall von Genics starre festgestellt. Die Gefährlichkeit der arbeitswilligen Chauffeure für das Publikum ist durch eine Reihe von Unglücksfällen in den legten Tagen in ein scharfes Licht gestellt worden. Außer dem von .Glode, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanftall Paul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 55. 24. Jahrgang. 1. Cfilagc ks.Amilrts" Knlim WlksbM Mittinach, 6. Marz 1907. l gehen von neuem offenbart, datz bei ihnen das Gefühl für Gesetze lichkeit und für eine wahre Selbstverwaltung außerordentlich mangels hast entwickelt ist._ Mängel einer polizeilichen Ardeiterschutz-Anordnung. Nach K 129 ck der Gewerbeordnung sind die zuständigen Polizei� behörden befugt, im Wege der Verfügung für einzelne Anlagen die Ausführung derjenigen Maßnahmen anzuordnen, welche zur Durchführung der in Z§ 129a bis 129c enthaltenen Grundsätze erforderlich und nach der Beschaffenheit der Anlage ausführbar erscheinen.§147 Ziffer 4 der Gewerbeordnung bedroht mit Strafe, wer solchen endgültig erlassenen Verfügungen zuwider handelt. Eine solche Verfügung erließ die Polizei cm den Berliner Schlächtermeister Earnikow, dessen Arbeits- räume im Keller lagen und so beschaffen waren daß nach dem Gutachten eines Sachverständigen, die Geiund heit der in den Räumen beschäftigten Arbeiter gefährdet war. Die Polizei forderte ihn allgemein auf, den Zustand zu ändern und für Luft und Licht zu sorgen. Hinzugefügt war: Bei der königlichen Gewerbeinspektion wollen Sie erforschen, welche Maßnahmen notwendig sind. Beschwerde erhob E. nicht, die Ver fügung wurde also rechtskräftig.— Wegen Nichtbeachtung der Verfügung durch bauliche Aendernngen wurde Earnikow angeklagt. In der bereits einmal vor dem Kammergericht verhandelten Sache sprach das Landgericht auf Grund der nochmaligen Verhandlung den Angeklagten frei und zwar mit folgender Begründung: Angeklagter sei gemäß dem Verlangen der Verfügung zum Gewerbeinspettor gegangen, um zu hören, was zu machen sei. Der habe darauf erklärt, eS sei nicht? mit dem Keller zu machen, er sei gesundheitsschädlich und müsse geräumt werden! Da somit der Gewerbeinspettor den Rat für die Aenderungen in den Arbeits� räumen, welche die Polizei erforderte, nicht erteilte, so sei An geklagter zu weiterem nicht verpflichtet gewesen. Insbesondere habe nicht erwartet werden können, datz er den Betrieb einstelle. Denn davon sei in der polizeilichen Verfügung nicht die Rede gewesen. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein, welcher auch der OberstaatSanwalts-Vertreter am Kammergericht beitrat.— Der erste Strafsenat des Kammergerichts verwarf aber die Revision und führte aus: Die Polizei habe zwar vom Angeklagten verlangt, er solle in den fraglichen Räumen„andere Einrichtungen" treffen, habe ihm aber nicht gesagt, was er machen solle, sondern ihn in der Beziehung on die Gewerbe- inspektion verwiesen. Nun habe der Senat damals angenommen daß bei der engen Verbindung zwischen Gewerbeinspektion und Polizei dagegen nichts zu sagen sei. Wenn aber der Gewerbe inspektor antwortet, er wisse selber nicht, was mit den Räumen zu machen sei, mit dem Keller sei nichts zu machen, so werde die An- ordnung de» Polizeipräsidenten ganz hinfällig, denn sie verlange, E. solle etwas machen, sage aber nicht, was. Wird nunmehr die Polizei, was sie von Anfang an hätte tun sollen, den dauernden Aufenthalt von Menschen in dem gesund- heitSgefährdenden Keller auf Grund der B a u p o l i z e i- verordung verbieten? Deshalb, weil fie einen unverwend- baren Paragraphen zitierte, wird keineswegs die gesundheits- gefährdende Kellerarbeit zu einer gestatteten. Wie sich Agrarier ihrer Unterstützungspflicht entziehen. Einen Beweis, wie Agrarier die Unterstützungspflicht um- gehen, welch trauriges Los arme Handwerksburschen haben und welch besonders tiefe GemütSroheit Agrarier auszeichnet, gaben im Dezember 1995 der Bürgermeister Gunstenberger von Teutleben und sechs weitere Einwohner dieses thüringischen in der Nähe von Büttstedt gelegenen Dörfchens. Ein Handwerksbursche W. aus Apolda, ein sRensch, der durch Krankheit völlig heruntergekommen war, hatte sechs Wochen im Krankenhause in Büttstedt gelegen und war dann entlassen worden. Gesund war er nicht und Mittel hatte er auch nicht. Er kam gerade bis Teutleben und wurde hier im Straßengraben liegend und vor Kälte zitternd— es war November — aufgefunden. Den Dorfleuten blieb nicht» anderes übrig, als ihn ins Armenhaus zu bringen und dort zu verpflegen. W. konnte weder sprechen, noch stehen oder gehen; er machte den Eindruck eineö Geisteskranken. Am 1. Dezember berieten nun die Dorfgewaltigen, was mit dem lästigen Fremden zu machen sei. Der Bürgermeister sagte, da? beste fei, wenn der Mann ebenso, wi? er hier gefunden ei, anderswo gefunden werde. Büttstedt sei ihn ja auch los- geworden. Man könne ihn vielleicht hinauSräuchern. Ein anderer meinte, daS sei doch vielleicht gefährlich, namentlich für die Nach- barschaft. Man einigte sich schließlich dahin, den Kranken in ein anderes Dorf zu schaffen und dort heimlich auf die Straße zu etzen. Zur Nachtzeit wurde nun ein Wagen beschafft, auf dem >er Transport erfolgen sollte. Der Bürgermeister, der in der Dorfkneipe saß, wollte den Schlüssel zum Armenhause nicht heraus- eben und meinte, der Kollege Ehrhardt kenne ja die Tür. Die !eute verstanden den Wink,„mausten" einfach den Handwerks- burfchen und fuhren ihn eine halbe Stunde weit nach dem Dorfe H. In einer vor dem Dorfe stehenden Feldscheune legten die Ver- 'chworenen den hülflosen Menschen nieder. Sie bedeckten ihn etwas mit Stroh und fuhren dann, verschmitzt lächelnd über den gelunge- nen, gemeinen Streich, wieder nach Teutleben. Sie klopften an das Fenster der Kneipe, in welcher der Bürgermeister als einziger ! noch anwesend war, und sagten der Wirtin, sie solle dem �"rgerweister mit den Augen zublinzeln, dann wisse er schon Be» scheid. DaS geschah denn auch und der Bürgermeister meinte, dck hätten sie nun wohl nachts den Handwerksburschen aus dem Armen- hause gemaust. Einige Tage später wurde W. tot in der Feldscheune aufgefunden. Datz die Menschenfreunde von Teutleben nicht wegen Aussetzung mit Todeserfolg bor das Schwurgericht kamen, war nur dem Umstände zu danken, daß die Tochter einer Schnaps- budikeninhaberin in H. in dem Toten einen Mann wiedererkannt haben will, der ein oder zwei Tage nach der Aussetzung bei ihr durch Zeichen Schnaps verlangt haben soll. Das Landgericht Weimar hat nun am 19. September v. I. die Einwohner Ehrhardt, Asthelm, Tränkler» Ludwig und Mäder sowie den Bürgermeister Gunstenberger— letzteren wegen Beihülfe— auf Grund des § 221,1 Str.-G.-B.(Aussetzung einer Hülflosen Person) zu je 5 Monaten Gefängnis verurteilt.— Die Revision der Angeklagten kam am Montag vor dem Reichsgerichte zur Verhandlung. Das Urteil sollte widerspruchsvoll und ungenügend begründet sein. Wenn der Handwerksbursche von der Feldscheune aus noch nach dem Schnapsladen habe gehen können, so könne er doch nicht hülflos gewesen sein usw.— DaS Reichsgericht verwarf die Revision, da alle Tatbestandsmerkmale einwandfrei festgestellt seien. Huö Induftnc und FtandcL Fünfhundertsiebzehn Mark Reingewinn! Einen Betriebsgewinn von 5 519 589 M. erzielten im Jahre 1996 die Essener Eteinkohlenwerke A.-G. in Essen. Nach Absetzung von 2 191 353 M. für allgemeine Unkosten, Bergschäden, Steuern, sozial- politische Beiträge und Zinsen verbleibt zuzüglich eines Gewinn- vortrage? von 41 331 M, ein Bruttogewinn von 3 379 967 M. Hiervon sind noch abgesetzt für Abschreibungen 1985 491 M., sodaß sich ein Nettoreingewinn von 2 284 666 M, ergibt. Die Zahl der beschäftigten Arbeiter betrug 4413. Es stellt sich demnach pro Kopf der beschäftigten Arbeiter der Betriebsgewinn auf... 1250 M. der Bruttoreingewinn auf.. 763„ der Nettogewinn auf.... 517„ Da muß man doch einsehen, datz die Kohlenbarone unter der Last der höhen Löhne zusammenbrechen. Protest gegen die Bergnovelle, Der„Verein zur Wahrung_ der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen" und die nordwestdeutsche Gruppe des„Vereins deutscher Eisen- und �tahlindustrieller" Hai gegen die Mutungsnovelle resolviert. Das ließ sich erwarten. Das Pnvatkapital betrachtet jede Einschränkung der privatlvirischaftlichm Plusmachergelegenheit als einen Eingriff in sein heiligstes Recht. Bewunderung erregt aber folgender Passus in der angenommenen Resolution: Sie(die Vereine) halten diesen Gesetzentwurf aber insbesondere vom Standpunkte der Verbraucher aus für gefährlich, da er, zum Gesetz geworden, die bestehenden Bergwerke im Werte steigern und dadurch eine Erhöhung der Kohlen- und Kalipreise mit Not- wendigkeit nach sich ziehen würde. Daß die Großindustriellen Befürchtungen wegen Preistreiberei hegen, ist immerhin erwähnenswert. Daß jetzt die Preise getrieben iverden, daran sind die Herren natürlich ganz unschuldig. Getreidepreis und Brotpreis. Die Argumente unserer Agrarier, denen die Wahrheit ebenso verhaßt ist wie niedrige Lebensmittelpreise, haben sich von jeher durch eine eigenartige Abwechselung ausgezeichnet. Behauptete man hier, daß Zölle und Zollerhöhungen den Preis überhaupt nicht be- einflußten, da das Ausland den Zoll trage, so hieß es dort, wenn die Unwahrheit dieses Grundes durch die Tabellen der Preise diesseits und jenseits der Grenze unwiderleglich dargetan war, an erhöhten Preisen sei der gesamte Bauernstand, ja der landwirtschaft- liche Arbeiter als Berkäufer inieresstert. Und wo diese„Beweis« führung" durch die Zahlen der Anbau- und Verbrauchsstatistik tot- geschlagen war, da behauptete die agrarische Wissenschaft schlankwch, daß erhöhte Getreidepreise überhaupt nicht in erhöhten Brotpreisen zum Ausdruck kämen. Bielmehr seien es Müller und Bäcker, die zurch übermäßigen Gewinn die Preise verteuerten. Diese seien daher sehr wohl in der Lage, eine Steigerung der Preise des Rohmaterial« zu tragen und zu decken. Tatsächlich trifft aber auch diese agrarische Beweisführung in dieser Allgemeinheit keineswegs zu. Bielmehr erweisen die stattstischen Feststellungen inimer auf« nene den engen Zusammen« hang zwischen den drei Erscheinungen: Brotpreis— Mehlprei«— Getreidepreis. So finden wir im letzten Vierteliahrsheft zur Statistik des Deutschen Reiches eine neue amtliche Bestätigung dieser Tatsache. Danach stellte sich in Berlin im Jahresdurchschnitt der Preis des Doppelzentners in Mark: Aus diesen Zahlenreihen ist ersichtlich, daß die Preise deS Halb« und Fertigfabrikats im selben oder folgenden Jahre mit ziemliche» Genauigkett den Preisen deS Rohmaterials folgen. Die beiden letzten Kolonnen der Tabelle zeigen un« die Ber« chiebungen der drei Preise zu einander, den Roggenprei« immer gleichmäßig al« 199 gesetzt. Im ganzen ist das Verhältni», wie man sieht, ziemlich konstant. Da« Jahr 1906 hat die hohen Getreidepreise von 1006 noch hinter sich gelassen, und die kommenden Jahre werden weitere Belege dafür bringen, wie man die Renten ber Großgrundbesitzer auf Kosten der brotessenden Masse in die Höhe getrieben hat. Die deutschen Wähler aber geben dazu ihren Segen. Wngenmangel. Aus Unternehmerkreisen wird berichtet, die Ruhr» zechen hätten infolge des außergewöhnlich großen WagenmanaelS un Monat Februar einen Ausfall in der Förderung von 268 519 Tonnen erlitten, da die königliche Eisenbahndirektton 26 851 angeforderte Wagen nicht stellen konnte. Der Gesamtabsatz der Ruhrkohlenzechen betrug in diesem Monat, der„Köln. Volks-Zeitung' zufolge, 4 898 339 Tonnen. Kohlcntrust und Eisentrust. Die„Köln. Volks zig." läßt sich von einem Fachmanne schreiben, daß die Auslassungen der»Rhein.» Wests. Ztg." über die Verhältnisse in der Großindustrie von falschen Voraussetzungen ausgehen. und auch nicht den Wünschen der leitenden Personen entsprechen. Das Blatt hatte ausgeführt, die Entwickelung dränge auf eine vollständige Verschmelzung der Kohlen- und Eisenindustrie zu einem Trust hin. Demgegenüber versucht der Mitarbeiter der„Rhein.-Westf. Ztg." darzutun, daß sich zwei selb» tändige Trusts, ein Kohlen- und ein Eisentrust entwickeln würden. Da bereits ein erheblicher Teil der Kohlenproduttion von Elsen« werken kontrolliert wird, erscheint uns die letztere Kombination doch nicht gerade überzeugend. Es ist höchstens möglich, diejenigen Zechen, die nicht an Hüttenwerke angegliedert werden können, zu einem Trust zusammen zu werfen. Geschäftsrrgebniffr. Der AufsichtSrat der Dürener Metallwerki A.-G. schlägt die Verteilung einer Dwidende von 10 Proz. wü— Der Gewinn der Ludwig Löwe it. Co. N.-G- Befragt 2 046 703,37 M. Derselbe soll mit 672 506,37 M. zu Abschreibungen und mit l 200 000 M. zur Verteilung einer Dividende von tO Proz.(im Vor- jähre 12 Proz.) verwandt werden.— Die„Hibcrnia" bringt bei um 1,4 Mill. Mark erhöhten Abschreibungen 14 Proz. Dividende heraus(gegen 11 Proz. im Vorjahre).— Die Deutsche Jutespinnerei und Weberei in Meißen erzielte in Meißen 859 000 M.(im Vor» jähre 829 000 M.) und in ihrer Neuendorfer Abteilung 191 000 M. (161 000) Fabrikationsgewinn. Bei 112 000 M.(114000) Ab- schreibungen beträgt der Reingewinn 575 000 M.(522 000); die Dividende von 15 Proz.(12) erfordert einen Betrag von zirka 345 000 Vi.— Der Reingewinn der Wollwarenfabrik „Merkur" beträgt 280 000 M.(gegen 257 000 M. im Vorjahre). Die Dividende ist auf 15 Proz. festgesetzt.— Der Aussichtsrat der Maschinen- und Armatnrenfabrik vorm. L. Strube beschloß, eine Dividende von 8 Proz. auszuschütten, gegen 4>/z Proz. im Vorjahre. — Die Generalversammlung der Delmenhorster Linoleumwerke setzte die Dividende auf 19 Proz. fest.— Eine Dividende von 20 Proz. genehmigte» sich die Aktionäre der Varziner Papierfabrik. — Einen Brnttogewinn von 5 046 703 M. erzielten die Vereinigten Glanzstoff-Fabrik'en A.-G. in Elberfeld. Von dem mit 2031 100 M. (1 578 333 M.) verbleibenden Reingewinn sollen 875 000 M. (750 000 M.)= 35 Proz.(30 Proz.) Dividende auf 2 500 000 M. Aktienkapital verteilt werden. Preiserhöhungen. Der Knpferblechverband erhöhte den Grund- preis um 2 M. auf 270 M., der Kupferrohrverband um 3 M. auf 294 M. pro 100 Kilogramm. Bus der f rauenbewegung* Fraueitwahlrecht. Im„Zentralblatt des Bundes deutscher Frauenvereine" gibt eine Anhängerin der bürgerlichen Frauenbewegung ihren Bedenken gegen das Frauen Wahlrecht Ausdruck. Die Dame ist der Meinung, daß„die Befürworter des Frauenstimmrechts das Vater- l a n d schädigen." Die Elemente, die das Frauenstimmrecht fordern, ständen zum großen Teil im Gegensatz zu dem neuen nationalen Aufschwung Deutschlands. Das Frauen st imm- recht für Deutschland, unter den heutigen Wahlrechts- bestimmungen, bedeute soviel wie Auslieferung des Parlaments an Zentrum und Sozialdemokratie. Die Dame hegt weiter die Befürchtung, daß bei Verleihung des FranenstimmrechtS die Menge der zur Wahl Unreifen vergrößert würde. Das unbeschränkte Wahlrecht der Männer berge schon genugsam Gefahren für das Vaterland, aus diesem Grunde müßte die bürgerliche Frauenbewegung ein Opfer ihrer Gleichheits- bestrebungen bringen und nach der Devise arbeiten:„Erst das Vaterland und dann die Partei." Diese Auslassung ist ein neuer Beweis dafür, daß große Teile der bürgerlichen Frauenbewegung dem Kampf um Erlangung der politischen Rechte für die Frauen feindlich gegenüber stehen. Wenn es gilt, K l a s s e n r e ch t e zu erobern oder zu verteidigen, dann kämpfen die Damen mit den bürgerlichen Männern vereint gegen die Proletarier. Die Sozialdemokratie fordert dagegen grundsätzlich: Aus- dehnung des Wahlrechts auch für die Frauen! Das Frauenstimmrecht vor der italienischen Kammer. Die italienische Kammer hat eine Petition für daS Frauenstimmrecht dem Ministerium des Innern überwiesen, gegen die Absicht der Gegner der Petition, die sie einfach dem Archiv über- weisen wollten, was nichts bedeutet, als ein ehrliches Begräbnis. Zugunsten des Frauenstimmrcchts sprachen M i r a b e l l i (Republikaner) und L u z z a t t i(äußerste Rechte). Der erstere behandelte die Frage vom juristischen, der zweite vom sozialen Standpunkte. Wenn die Frauen bei der Gesetzgebung eine Stimme ljsitten— sagte Luzzatti— so würden wir nicht die heutigen unsinnigen Schulprogramme, die Indolenz in der Frage der Trbeiterwohnungen und auch nicht den heutigen großen Abstand zwischen den Löhnen der weiblichen und der männlichen Arbeiter zu, beklagen haben. Lacava(Rechte) befürwortete die Verleihung de-' ko' nunalen Wahlrechts als ersten Schritt. Auch der Minister- präsid G i o l i t t i betonte die Notwendigkeit eines schrittweisen Vorgeheiis, um etwaige Ueberraschungen zu verhüten, die bei der Ausdehnung des politischen Wahlrechts auf eine große, bisher dem politischen Leben fernstehende Wählermasse zu befürchten wären. Genosse Costa erklärte, daß seine Fraktion natürlich zugunsten des Frauenwahlrechts stimmen würde, er und seine Freunde seien aber überzeugt, daß die organisierten Proletarierinnen, die Reis- arbeiterinnen und das weibliche Fabrikproletariat das Wahlrecht erobern würden, nicht die Petitionen und das Wohlwollen einzelner. Hoffentlich wird Giolitti Wort halten und die Frage wenigstens einer Kommission zum Studium überweisen. Fabrikinspektorinnen in Amerika. Im Staate Louisiana ist kürzlich ein Gesetz in Kraft getreten, welches bestimmt, daß Frauen als Fabrikinspektorinnen ernannt werden dürfen. Dieses Gesetz gilt hauptsächlich der Bekämpfung der Kinderarbeit und man kommt damit einer Forderung der ver- fchiedenen Frauenorganisationen nach. Im Staate Louisiana be- stehen zwar seit Jahren Kinderschutzgesetze, sie bleiben aber von den Unternehmern wie auch von den Behörden fast vollständig un- beachtet. Da die Agitation gegen Kinderarbeit in dem genannten Staate fast ausschließlich von Frauen geführt wird, so hofft man mit der Ernennung von Fabrikinspektorinnen der Kinderausbeutung liberall mehr wie bisher begegnen zu können. Gerichts-Leitung. Schadenersatzpflicht bei Hauseinsturz. Die Stadtgemcinde Ulm verpachtete im Sommer 1904 eines ihrer Güter an einen Landwirt. Dieser ließ im nächsten Jahre auf dem Heuboden durch verschiedene Arbeiterinnen Arbeiten vor- nehmen. Dabei brach der Boden durch und die Arbeierin Frau Lamher stürzte in das untere Stockwerk, wobei sie ihren Tod fand. Ihr Mann und ihre beiden Kinder erhoben Anspruch auf Schaden- ersatz gegen die Stadtgemeinde Ulm als Besitzerin aus 8 836 B.-G.-B. Das Landgericht Ulm erkannte den Anspruch dem Grunde nach als berechtigt an und verurteilte die Stadt zur Zahlung einer Rente von 500 M. an den Witwer. Gegen das Urteil fegten beide Parteien Berufung ein. Das Oberlandesgericht Stuttgart änderte das Urteil dahin ab» daß es dem Witwer eine R»ite von 400 M. und den beiden Kindern je eine solche von 100 M. bis zur Vollendung ihres 16. Lebensjahres zusprach.— In ihrer Revision bestritt die Stadtaemeinde Ulm ihre Verant- wortlichfeit; sie habe den Stadtpfleger beauftragt gehabt, den Pacht- vertrag mit dem Pächter abzuschließen und jener, der-Stadtpfleger, habe auch die Pflicht gehabt, sich davon zu überzeugen, daß die Gebäude sich in gutem Zustande befinden. Das Reichsgericht wies am Montag die Revision als unbegründet zurück, indem es mit dem Oberlandesgericht davon ausging, daß der Stadtpfleger der geschmäßige Vertreter der Stadt ist. daß diese also für alles ver- antwortlich ist, was jener tut oder unterläßt. Schutz den Frauen! Die Belästigung einer anständigen Frau auf der Straße zeitigte für den Schriftsetzer Max Ratzow eine Anklage wegen der verschiedensten Vergehen. Der Angeklagte hatte eines Tages im Januar d. I. an einer Geburtstagsfeier teilgenommen und etwas stark über den Durst getrunken. Als er in etwas angeheitertem Zustande den Heimweg durch die Holzmarktstraße einschlug, be- merkte er eine vor einem dortigen Hause stehende Dame. Es war dies eine Frau G., die auf ihren Gatten wartete. Der Angeklagte näherte sich ihr in zudringlicher Weise und es gelang der Er- Lllgotivortlichex Acdaktcur: Hans Hätbtt, Berlin. Für de» schrockenen nur mit vieler Mühe, sich der Ungezogenheiken des an- getrunkenen Mannes zu erwehren. Als schließlich der Schutzmann Tönnis in die Nähe kam, wollte sich Frau G. hülfesuchend an den Beamten wenden. Der Angeklagte, der nnu erkannte, baß es ihm an den Kragen gehen würde, nahm zu einem frivolen Mittel Zu- flucht. Ehe Frau G. zu dem Schutzmann gelangen konnte, war der Angeklagte dazwischengetreten und beschuldigte nun seinerseits die Frau G., diese wäre ein„Frauenzimmer" und hätte ihn„ange- quasselt". Außerdem glaube er, sei dies dieselbe Person, die erst einige Tage vorher einen Diebstahl verübt habe. Auf diese infamen Beschuldigungen des„Kavaliers" blieb dem Beamten nichts weiter übrig, als Frau G., die vor Scham kein Wort hervorbringen konnte, nach der Polizeiwache zu sistieren. Hier klärte sich natürlich der Sachverhalt bald auf und der Spieß wurde umgedreht. Rassow wurde von der Strafkammer wegen Beleidigung, wisientlich falscher Anschuldigung und Freiheitsberaubung gestern zu der milden Strafe von 6 Wochen Gefängnis verurteilt. „Intellektuelle" unter sich. Der Schriftsteller Leuß hat ein Memoirenwerk über den Frei- Herrn von Hammerstein geschrieben. Das kritisierte der Schrift- steller Haiden in seiner„Zukunft" vom 13. Mai 1905 abfällig, bezeichnete es aber immerhin als„lesenswert". Der Tadel der Kritik verschnupfte Herrn Leuß. Das tat er in einem Artikel der Michelskischen inzwischen eingegangenen Sammelzeitschrift, für un- zufriedene„Intellektuelle"„Europa" kund. Diese Kritik der Kritik wurde wieder von Harden in seiner„Zukunft" behandelt. Dabei meinte Harden von Leuß, er habe ihm für erwiesene Freundlichkeit mit„Lümmeleien" geantwortet, er brauchte Ausdrücke wie„Rüpel- reden",„Klippschülergeschwätz",„Gentleman" und sagte,„vielleicht weiß Herr Leuß im Geschäftsbetriebe der Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik, für die er mit so schönem Eifer eintritt, besser Bescheid". Leuß erblickte in dem letzten Passus den Vorwurf der Korruption und schloß aus dem angewendeten Sauherdenton auf eine Absicht des Harden, ihn zu beleidigen. In der„Europa" sprach er dann von einem„Puppentanz der Kritik', einem„Mario- nettenspiel" u. dgl. und lief zum Kadi. Vor dem Schöffengericht bestritt Harden den dem angeführten Passus unterstellten Sinn und eine Absicht der Beleidigung. Das Schöffengericht nahm Wahrnehmung berechtigter Interessen an und sprach Harden frei. Die BerufungSkammer kam zu dem gleichen Ergebnis und wahrte damit die Freiheit der Kritik für den Streit zweier„Intellektueller" über ihre gegenseitigen Leistungen. Ein weiser und gerechter Richter._ Um die richterliche Schließung eines für politisch erklärten Frauenvereins handelte es sich bei einer RcvisionSverhandlung vor dem Kammergericht. Das Landgericht zu Elberfeld hatte sämtliche Vorstands- Mitglieder des Frauen- und Mädchcn-Bildungsvereins zu Velbert (die Frauen Becker, Lorenz und fünf weitere Genossinnen) auf Grund der ZK 8 und 16 des preußischen Vercinsgesetzcs zu je 15 M. Geldstrafe verurteilt, weil sie Frauen als Mitglieder in einen Verein ausgenommen hätten, welcher bezwecke, in Ver- sammlungen politische Gegenstände zu erörtern. Das Landgericht sah den Frauen- und Mädchen-Bildungsverein als einen solchen Verein im Sinne des§ 8 des Vereinsgesetzes an, wenn er auch nicht ausschließlich einen derartigen Zweck verfolge. Die Auf- nähme von Frauen in den Verein widerspreche dem§ 8 des Ge- setzes. Alle Vorstandsmitglieder seien deshalb zu bestrafen.— Das Landgericht lehnte es jedoch ab, auf Schließung des Vereins zu erkennen, und führte für diese Stellungnahme an, daß der Verein nur gelegentlich für politische Zwecke gemäß Z 8 mißbraucht worden sei und nur gelegentlich dafür habe mißbraucht werden sollen, sowie daß die Angeklagten bisher noch unbescholten gewesen seien.—§ 16 des Vereinsgesetzes bestimmt, daß bei Uebertretungen des§ 8 auch „nach der Schwere der Umstände auf Schließung des Vereins er- kannt werden tan n", und sieht weiter vor, daß darauf erkannt werden muß, wenn Vorsteher, Ordner oder Leiter sich wieder- holt strafbar gemacht haben.— Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein und verlangte die richterliche Schließung des Vereins. Das Kammergericht verwarf das Rechtsmittel der Staatsanwaltschaft mit der Begründung: Da§ 16 es dem richterlichen Ermessen anheim gebe, ob der Verein ge- schlössen werden solle oder nicht, so sei dies lediglich Sache der Strafzumessung und könne in der Revisionsinstanz überhaupt nicht nachgeprüft werden. Gegen Kurpfuscherei. Wegen fahrlässiger Körperverletzung ist am 24. August b. I. vom Landgericht Dresden der„Heilkundige" Adalbert Kosak zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er hat einer Kauf- mannsfrau, die an Krebs litt, versichert, sie brauche sich nicht ope- rieren zu lassen und sie dann in Behandlung genommen. Die Frau wurde später in Berlin operiert. Darin, daß der Angeklagte die Operation um ein halbes Jahr verzögert hat, wurde die Körper- Verletzung erblickt.— Die Revision des Angeklagten wurde am Freitag vom Reichsgerichte verworfen. Die Gewissenlosigkeit von Leuten, die als Befähigung ledig- lich völlige Unkenntnis der von der medizinischen Wissenschaft er- arbeiteten Forschungsergebnisse aufzuweisen haben, sich als„Heil- kundige" anzupreisen, würde wenig Boden haben, wenn nicht völlige Unkenntnis von der Heilkunde unsere Schulen beherrschte und wenn nicht das Gebaren einer Reihe Kassen- und Berufsgenossenschafts- Aerzte leider das Zutrauen zur Hülfsbereitschaft und Hülfs- Möglichkeit durch studierte Aerzte immer mehr untergrübe. Diese sind es, die vom moralischen Standpunkt aus in Fällen wie dem vor dem Reichsgericht verhandelten auf die Anklagebank gehören. Verletzung durch ein Rußkörnchen der Lokomotive. Am 26. September 1903 passierte dem in der Frank- furter Transport- Unfall- Versicherungs- Ak- tiengesellschaft versicherten Geschäftsreisenden G. auf einer Eiscnbahnfahrt in Mecklenburg insofern ein Unfall, als ihm ein Rußkörnchen der Lokomotive des Zuges ins Auge kam und ihm schließlich dadurch die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt wurde. G. hatte sich am 6. Oktober 1903 zum erstenmal in ärztliche Be- Handlung begeben, sowie später am 9., 12. und 24. Oktober, ohne daß eine Besserung erzielt worden war; während dieser Zeit machte er auch teilweise seine Reisen weiter. Als er sich dann am 6. November in die Behandlung eines andern Arztes begab, er- fuhr er von diesem, daß eine Operation vorgenommen werden müsse und die Verletzung demnach gefährlich sei. Kläger hat dann am 10. November bei der genannten Versicherungsgesellschaft Unfallanzeige erstattet. Die Gesellschaft verweigert jedoch jetzt jede nach Maßgabe der Versichcrungsbcdingungen verlangte Eni- schädigung. Sic macht hierzu geltend, daß Kläger nach den Ver- sicherungsbedingungcn verpflichtet war, von dem Unfall sobald als möglich, spätestens aber 8 Tage nach dem Unfallercignis. Anzeige zu erstatten. Sodann sei er aber auch vcrpflichiet gewesen, dauernd einen praktischen Arzt zu Rate zu ziehen und für geeignete Krankenpflege zu sorgen; so hätte er auch das Reisen nach dem 19. Oktober unterlassen müssen, da es ihm vom Arzt verboten worden sei. Wegen Außerachtlassung der Bedingungen habe er so- mit laut den Vorschriften den Versicherungsanspruch verwirkt. In- folgedessen hat der Versicherungsnehmer Klage eingelegt. Das Landgericht wie auch das Oberlandesgericht Frankfurt a. M. erkannten auf Verurteilung der Versicherungsgesellschaft. Es führt das Oberlandesgericht in seinen Entscheidungsgründen zu diesem Fall aus, daß unter dem Begriff Unfall im Sinne der VerficherungSbedin-. gungen nicht jede körperliche Verletzung falle, welche das Wohl-' befinden des Menschen störe, sondern nur eine körperliche Be- schädigung. welche den Tod �der eine teilweise Erwerbsunfähigkeit Snferatenteil verantw.: Td. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärtt öerürsache. Die Unfallsänmeldepflicht habe deshalb erst mit Lein Zeitpunkt begonnen, als Kläger damit rechnen mutzte, daß er einen dauernden Schaden davontragen werde. Da nun der Sachverstän- dige hervorhebe daß das Eindringen eines Kohlenstäubchen ins Auge etwas alltägliches sei. so sei dem Kläger kein Vorwurf daraus zu machen, daß er nicht gleich einen Arzt zu Rate gezagen und er erst vom 6. Novembev ab, als ihm die Gefährlichkeit der Ver- letzung mitgeteilt wurde, mit einem anmeldepflichtigen Unfall rechnete und sich von da ab seines Leidens erst bewußt wurde. Was allerdings das an den Kläger ergangene Reiseverbat seitens des ersten Arztes wegen der Hornhautentzündung betreffe, so komme hier die VerWirkung der Versicherungssumme in Betracht, wenn Kläger dieses Verbot übertreten habe. Da Kläger jedoch bestreitet, daß ein solches Verbot an ihn ergangen sei, erkannte das Ober- landesgericht in diesem Punkte auf einen Eid des Klägers dahin, daß es nicht wahr sei. daß Dr. L. ihm das Reisen verboten habe. Bei Leistung dieses Eides solle dann der Klage stattgegeben werden, während für den Fall der Verweigerung Kläger mit seinen An- sprächen abgewiesen werden soll. Die gegen dieses Urteil seitens der beklagten Versicherungs- gesellschaft eingelegte Revision wurde vom VII. Zivilsenat des Reichsgerichts zurückgewiesen Die Begriffsbestimmung, die hier das Reichsgericht für Unfälle gibt, befindet sich in erfreulichem Gegensatz zu der Judikatur des Reichsversicherungsamts der letzten Jahre. Sie ist natürlich auch für Betriebsunfälle anwendbar. Zum Begriff der Notwehr. Pom Landgericht B e u t h e n ist am 1. September v. I. der Fleischer Alois Gaidzik in Mikultschütz wogen Körperverletzung zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Bei einem Wirtshaus- streit wurde er von seinen beiden Gegnern in eine Ecke gedrängt. Er zog sein Messer und drohte jenen. Als der Angeklagte mit seinem Rade wegfahren wollte, holte der Gegner M. eine Wagen- runge und schlug damit auf den Angeklagten los. Dieser stieg vom Rade und stach auf M. los, zugleich aber auch auf G., der dem M. in diesem Augenblick zu Hülfe kam. Als Gaidzik aus beide los- stach, so heißt es in dem Urteil, war er nicht mehr angegriffen. denn er hatte den M. bereits zu Boden geworfen; er hätte auf dem Rade wegfahren können. M. ist übrigens wegen hinterlistigen Ueberfalls verurteilt worden.— Auf die Revision des An- geklagten h o b am Freitag das Reichsgericht das Urteil auf und wies die Sache an das Landgericht zurück, ba die Annahme, daß Notwehr nicht vorliege oder überschritten sei, unzureichend de- gründet sei._ Vermischtes. Das Automobilunglück im Thüringer Walde. Köstiz. den 4. März. Ein außergewöhnliches Sitzungslokal hat sich die Fürstlich- Rcußische Strafkammer in Gera für eine Gerichtsverhandlung er- wählt, die heute hier stattfindet und bei der es sich um jenes folgenschwere Automobilunglück handelt, das in den Osterfeier- tggen des Jahres 1905 weit über die thüringischen Grenzen hinaus Aufsehen und Entrüstung erregte. Das Gericht ist nämlich im hiesigen Chaussechause versammelt, das in unmittelbarer Nahe der damaligen Unfallstelle liegt, um von hier aus eventuell im Laufe der Verhandlungen eine Lokalbcsichtigung der Unfallstrecke vornehmen zu können. Die Angeklagten in diesem aufsehenerregenden Prozesse sind: der Berliner Rechtsanwalt Dr. Willi Abrahamsohn und der 26jährige Chauffeur Karl Nowaczhk, welch letzterer damals in Diensten des Rechtsanwalts stand.— Rechtsanwalt Abrahamsohn war am Ostersonntag, den 23. April 1905, von Berlin aus in Be- gleitung seiner Frau, seiner Schwägerin und noch eines anderen Herren, zu einer Ostertour nach dem Thüringer Walde abgefahren. Am zweiten Ostcrseiertag nachmittags passierte das Automobil die Chaussee zwischen Pößneck und Neustadt a. d. Orla bei sehr regnerischem, trüben Wetter. Kurz vor dem Weberdors Köstiz im Altenburgischen und hinter dem Chausseehause dieses Oertckcns be- gegnete das Gefährt zwei kleinen Mädchen, der neunjährigen Klara Schröter und der dreijährigen Anna Schröter, Kindern des Tuchmachers Schröter aus Köstiz, die in Begleitung mehrerer anderer Kinder einen Besuch in einem benachbarten Dorfe aus- führen wollten. Die Chaussee soll auch sonst ans Anlaß des Feier- tages stark belebt gewesen sein, und die Passagiere des Automobils hatten daher nach Ansicht der Anklagcbehörde die Pflicht gehabt, die Chaussee und den Ort mit der niedrigsten Geschwindigkeit zu durchfahren. Dies soll jedoch nicht der Fall gewesen sein. Tat- fache ist jedenfalls, daß das dreijährige Mädchen von dem Schmutz- blech des dahinrasenden Automobils erfaßt und zu Boden gc- schleudert wurde, sodaß es einen Schädelbruch erlitt, der seinen sofortigen Tod herbeiführte. Auch sein neunjähriges Schwesterchen wurde zu Boden gerissen, doch kam es mit einigen leichteren Ver» letzungcn davon. Der angeklagte Chauffeur Nowaczvk soll darauf den Versuch gemacht haben, das Fahrzeug zum Stillstand zu bringen, in diesem Augenblick hätte jedoch eine der im Automobil befindlichen Damen nach der Kurbel gegriffen und ausgerufen:„Wir fahren durch?" Der Wagen ist dann auch, ohne zu halten, weitergefahren, und zwar zum Glück seiner Insassen, denn die Erregung unter der Webcrbcvölkerung war so groß, daß sie sicher gelyncht worden wären. Der sofort benachrichtigten Gcudarmcric gelang es nicht, den Wagen zu ermitteln, doch meldete sich am nächsten Tage Rechts- anwalt Dr. Willi Abrahamsohn von Gera aus als seinen Besitzer. nachdem er in der Zeitung eine Schilderung des angerichteten Unheils gefunden hatte. Tie seiner Frau bczw. seiner Schwägerin von den Zeugen des Vorfalls in den Mund gelegte rohe Aeutzerung bestritt er ganz entschieden. Er sowohl wie der Chauffeur und die übrigen Insassen des Wagens wollen durch den niedcrströmenden Regen derart geblendet gewesen sein, daß sie überhaupt von dem ganzen Vorfall nichts bemerkt hätten. In der Folge fanden dann zahlreiche Lokalbcsichtigungen der in Betracht kommenden Strecke statt und auf Antrag der Verteidi- gung sogar eine amtliche Bcfahrung der Unglücksstätte per Auto- mobil. Auf diese Weise sollte die Schnelligkeit festgestellt werden, mit der Rechtsanwalt Abrahamsohn bczw. sein Chauffeur ge- fahren war. Der gerichtliche Sachverständige für das Automobil- Wesen, Ingenieur Zechlin(Berlin), bekundete damals, daß das Fahrtcmpo de» Wagens sich in den richtigen Grenzen gehalten habe, während der von der Staatsanwaltschaft geladene Sachver- ständige, Chauffeur Bader(Gera), begutachtete, daß der Wagen zu schnell gefahren sei. Im Verlaufe der letzten zwei Jahre ist dann mehrfach eint gerichtliche Erörterung des Falles versucht worden, die aber daran scheiterte, daß der Hauptangcllagte. der Chauffeur Nowaczhk, bald nach der Tat ins Ausland entflohen war. Er hat sich erst jetzt wieder aus Talmatien hier eingefunden und steht nunmehr im Verein mit Rechtsanwalt Dr. Abrahamsohn heute wegen Ver- gehcns gegen§Z 222 und 230 Absatz 1 des Strafgesetzbuches hier vor Gericht. Seine Verteidigung hat Rechtsanwalt Mcinhardt(Berlin) übernommen, während dem Dr. Abrahamsohn Justizrat Dr. Sello (Berlin) und Rechtsanwalt Dr. Wcdckind(Gera) als Verteidiger zur Seite stehen. ES sind wieder mehrere Sachverständige geladen, und unter den 23 Zeugen des Vorfalls befinden sich neben den damaligen Insassen des Wagens, die kleine Schwester des getöteten Kindes, sowie die sonstigen Zeugen des Unfalls. Nach zweitägiger Verhandlung verurteilte die Strafkammer den Rechtsanwalt Dr. Abrahamsohn zu 14 Tagen Gefängnis. Sein früherer Chauffeur Nowaczyk wurde zu 6 Monaten Gefängnis ver- urteilt. Beide haben außerdem die Kosten des Verfahrens zu tragen.__ öuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Hr. 55. 24. 2. KeilM des Jomnttf Knlim JolUIntt. Ww-ch. 6. Wi! 1907. Qüago in einer snMidewokrntischen Knnsnmbnterei. Unter dieser appetitanregenden Ueberschrift setzt die„Deutsche Tageszeitung" ihren Lesern in der Nr. 103 einen Artikel vor, in dem allerlei liebliche Unsauberkeiten aus der Bäckerei des Konsum-< Vereins Magdeburg-Neustadt geschildert werden. Der gleiche Ar- tikel findet sich in einer Reihe anderer Tagesblätter. Die Unter- läge zu dem Artikel hat dem bündlerischen Blatte die Broschüre l eines ehedem in der Bäckerei des Konsumvereins beschäftigten Bäckers namens Kaiser gegeben. Die Broschüre gelangte kurz vor der Reichstagswahl in Magdeburg zur Verbreitung und hat nach der Ansicht der„vereinigten Nationalen" nicht unwesentlich dazu beigetragen, den Sozialdemokraten das Magdeburger Mandat zu entreißen. Selbstverständlich ist es niemand anders als der Reichsverlcumdungsverband, drm das„Verdienst" an der Heraus- gäbe der Broschüre zukommt. Der Bäcker Kaiser hat sich aus Rache für seine Entlassung den Liebertmännern zur Verfügung gestellt. Was er in seiner Broschüre behauptet, das sind entweder blanke Erfindungen oder grotesk aufgebauschte Harmlosigkeiten, die schon Jahre zurückliegen und sich jetzt nicht mehr nachprüfen lassen. Es ist hier nicht der Platz, die in der Broschüre aufgestellten und von der„Deutschen Tagesztg." zum Teil wiedergegebenen Behauptungen zu widerlegen. Es sei nur bemerkt, daß die wenigen Unsauber- leiten, die wirklich vorgekommen sind, auf Böswilligkeit zurückzu- führen sind. Die Bäckerei des Konsumvereins Neustadt beschäftigt etwa lOO Bäcker, größtenteils ehemalige Kleinmeister. Unter ihnen befanden sich welche, die mit vollem Bewußtsein Unsauberkeiten ver- übt haben, um die Konsumvcreinsbäckerci, die ihnen ihrer Meinung nach ihre Existenz geraubt hatte, in Mißkredit zu bringen. Ein wegen solcher Unsauberkeiten Entlassener war der Bäcker Kaiser, der Verfasser der Broschüre. Niemand anders als dieser selbst war nämlich der Held, von dem in der Broschüre erzählt wird, daß er „sich eines Tages die Fingernägel unmittelbar am Backtisch be- schnitt, so daß die abgeschnittenen Teile auf den Backtisch fielen." Man mag daran ermessen, wieviel Wert den übrigen Behauptungen beizulegen ist. Die Verwaltung des Vereins hat stets Gewicht auf peinlichste Sauberkeit gelegt und die Einrichtungen des Betriebes lassen eine solche zu. Tie Arbeitsordnung verlangt sogar, daß jeder, dem Unsauberkeiten bekannt werden, davon Mitteilung zu machen verpflichtet ist, widrigenfalls er entlassen wird! Es ist denn auch gleich nach dem Erscheinen der Sudelbroschüre angekündigt worden, daß dem Kaiser Gelegenheit gegeben werden soll, mit ihm vor Gericht über seine Behauptungen zu reden.. Was über den Terrorismus gesagt wird, der in dem Bäckerei- betrieb des Konsumvereins von den sozialdemokratischen Bäckern verübt werden soll, das ist dasselbe, was man jetzt in allen Ton- arten in der bürgerlichen Presse tagtäglich liest. Es ist Unsinn, daß die„Angestellten regelmäßig die Quittung des Magdeburger sozial- demokratischen Organs vorlegen mutzten." Nichts weiter ist gc- schehen, als daß Sozialdemokraten unter ihren Arbeitskollegen für ihre Zeitung agitiert haben. Der Bäcker Kaiser hat für seine Broschüre, die übrigens nicht mehr Text enthält, als ein Leitartikel mittleren Umfangs, vom Reichslügenverband durch die Vermittlung des Obermeisters Meyer von der Magdeburger Bäckerinnung KOO M. erhalten. Zudem wird er jetzt als Wandcrredner beschäftigt. Ueberall trägt er den Inhalt seiner Broschüre vor, mit dem Erfolge, daß beispielsweise in Dessau die Kleinbäckermeister, denen er mit seiner Agitation doch nutzen will, von ihm sagten, er verderbe mehr als er gut mache. Auch in Berlin hat er bereits„geredet". Die„Deutsche Tagesztg.", die die Verhältnisse in der Magde- burger Konsumbäckerei in Gegensatz stellt zu den ihrer Meinung nach vortrefflichen Verhältnissen in den Kleinbäckereien, wird damit nicht viel Glück haben. Was in diesen in bezug auf Sauberkeit auf sanitäre Einrichtungen zu wünschen übrig bleibt, das ist, und zwar nicht nur in sozialdemokratischen Kreisen, bekannt genug. Die Bäckerei des Konsumvereins Magdeburg-Neustadt ist eine der größten Deutschlands: sie ist so vorzüglich eingerichtet und bietet so große Gewähr für Sauberkeit in jeder Beziehung, daß man ohne Uebertreibung sagen kann, es gibt keine Kleinbäckerei in Deutsch- land, die mit ihr den Vergleich aushalten kann. Wäre aber auch alles, was die Gegner über Mißstände und Unregelmäßigkeiten in Konsumvereinen verbreiten so wahr, wie es unwahr ist, so würde das nicht das geringste gegen die sozialdcmo- kratische Partei oder Parteibestrebungen beweisen. Das wäre nur dann der Fall, wenn etwa die sozialdemokratische Presse der- artige Mißstände verteidigte oder wenn Mißstände deshalb in Kön- sumvcreinen existierten, weil die Leitung sich in sozialdemokratischen Händen befindet. Das Gegenteil trifft zu. Insbesondere der „Vorwärts" hat an vorhandenen Mißständen in Konsumvereinen mit derselben Offenheit Kritik geübt wie an solchen anderer Be- triebe. Soweit die Konsumvereine wesentlich aus sozialdemokratisch gesinnten Mitgliedern bestehen und ihre Leitung sich in sozial- demokratischen Händen befindet, sind die in diesen Vereinen Herr- schenden Zustände nach jeder Richtung erheblich bessere als die in anderen Betrieben bestehenden.� Am schlechtesten schneiden nach dieser Richtung die unter konservativer Leitung stehenden Wirt- schaftsgenossenschaften ab, wie z. B. das Lieblingskind der„Deut- schen Tagesztg.", die durch schlechte, strafbar schlechte Geschäfts- leitung, durch auffallende Gcsetzesunkenntnis ihrer Leiter sowie durch schwerste Schädigung des Mittelstandes, insbesondere des Kleinbauernstandes, ausgezeichnete„Milchzentrale". Der den ob- jektiven Tatbestand strafbaren Bankerotts dieser Wirtschafts- genosscnschaft darstellende Zusammenbruch dieses konservativen Erzeugnisses ist bekanntlich lediglich deshalb nicht strafrechtlich ver- folgt, weil die Staatsanwaltschaft annahm, bei der horrenden Ge- setzesunkcnntnis der Leiter dieser Zentrale lasse sich das Bewußt- sein der Tragweite der Handlungen dieser verkrachten konservativen Gründung nicht nachweisen. Vielleicht verwendet die„Deutsche Tageszeitung" ihren Einfluß zur Anstellung des Herrn Kaiser als Sanierungsrat der„Milchzentrale". Partei-?Zngelegenkeiten. Ein Maßstab für die Intensität der verflossene» Wahlkampagne dürfte bis zu einem gewissen Grade ein Ueberblick über die zur Verbreitung gelangten Druckerzeugnisse bieten. Wohl keine Wahl hat eine solche Fülle von Flugblättern und Wahldrucksachen gezeitigt, als die letzte Februarwahl. Der Reichsverband, der Flottenverein, das„nationale Kartell" haben eine Sündflut von bedrucktem Papier über das ganze Land ergpssen— wieviel davon aus den geheimen Fonds der Regierungen gezahlt worden ist, darüber werden die Regierungen wohl nichts verraten: die Spenden der Dernburg» Börse und die Kopfsteuer der Scharfmacher bieten einen sicheren Kugclfang. Die Reichsregierung der 12 000 Mark-Spende aber hat nach den Versicherungen Biilows keinen Groschen aus den„amt- lichen" Fonds dazu gegeben, sie hat nur die Rolle dijs ehrlichen und reinlichen Maklers gespielt. Wir glauben's natürlich I Unsere Partei braucht sich indes auch nicht zu schämen, sie hat ihr redlich Teil von Flugblättern zur Aufklärung der Wähler ver- breitet, wenn auch noch lange nicht genug. Die Magdeburger „Volksstimme" hat zum Beispiel kürzlich mitgeteilt, daß ihre Druckerei allein 1071 000 Flugblätter und insgesamt an Wahl- drucksachen 2 034 225 Stück hergestellt hat. In ähnlichem Maße haben die anderen Parteidruckereien Wahldrucksachen anfertigen müssen. Die„Vorwärts"-Druckerei in Berlin hat für die i�auptwahl 120 Flugblätter in einer Auflage von 7 467 700 Exemplaren und für die Stichwahl 19 Flug- blätter in 2 615 000 Exemplaren hergestellt. Davon entfielen auf Berlin l.. 4 Flugblätter in 127 500 Exemplaren Berlin II.. S.„ 457 000 Berlin m.. 6„„ 280 000„ Berlin IV., 4,„ 880 000, Berlin V.. 8,„ 856 000„ Berlin VI., 3„„ 865 000„ Für Teltow-Beeskow kamen zur Verbreitung: Eine Wahl- broschüre in einer Auflage von 76 006 Exemplaren und acht ein- heitli che Flugblätter in I 130 000 Exemplaren; für Nieder- Barnim zwei solche Flugblätter in 321 000 Exemplaren; daneben natürlich noch eine ganze Anzahl von Spezialflugblätteru an einzelnen Orten. Das gleiche gilt für die ganze Provinz Branden- bürg, für welche außer 7Z6 000 Einzelkreisflugblättern die Agitations- kommission für die Provinz Brandenburg ein einheitliches Flugblatt in ZS6 000 Exemplaren zur Verbreitung brachte. Der Partei- vorstand ließ für die Hauptwcrhl 968 000, für die Stich- wähl die illustrierten Flugblätter in 2 199 000 Exemplaren versenden; daneben wurden noch 800 000 Frauen- Flugblätter hergestellt und versandt. An Stimmzetteln druckte die„Vorwärts"-Druckerei 4 367 500, an Plakaten 23 700, an Hand- zetteln, Wahlaufforderungen, Schleppzetteln u. dgl. 3 695 400, ins- gesamt an Wahldrucksachen überhaupt 18 532 600 Stück. Dazu kommt noch das Sozialdemokrattsche Wahlhandbuch, 12 Bogen stark, in 6000 Auflage, und weiter lieferte die„Vorwärts"-Druckerei an die verschiedenen Wahlkreise 1336 600 Briefkuverts für die ver- schiedenen Wahlarbeiten. Wenn man bedenkt, daß die„Vorwärts"-Druckerei während der Wahlkampagne auch ihre laufenden Druckaufttäge erledigen mußte, so liefert dieser Ueberblick auch einen kleinen Beitrag für die Leistungs- fähigkeit der Druckerei, der Schöpfung der Berliner Genossen. Dritter Wahlkreis. Sonntag, den 10. März, abends 6 Uhr, findet in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20, eine Versammlung mit Frauen statt. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammen- sein. Enttee inkl. Garderobe 20 Pf. Tanz frei. Lichtenberg. Die Parteigenossen werden dringend ersucht, den wegen der Wahlarbeit notwendigen Extrazahlabend am heutigen Mittwoch in den Abteilungslokalen zu besuchen. Aus gleicher Ursache muß am Donnerstag, den 7. März, eine Generalversammlung stattfinden. Hier sollen die Kandidaten aufgestellt und die örtlichen Kommissionen gewählt werden. Versammlungslokal Gürsch, Frank- furter Chaussee 123. Ehrenpflicht eines jeden Genossen muß es sein, sich in diesen Tagen an der Parteiarbeit und an den Veranstaltungen zu beteiligen. Der Vorstand. Weißensee. Heute Mittwoch, den 6. März, findet in allen Abteilungen abends 8Vz Uhr ein Extrazahlabend statt. Rege Be- teiligung erwartet_ Der Vorstand. Berliner JVacbricbten. Das Unterrichtswesen im Stadthaushaltsetat. Den Stadtverordneten wurde in der ersten Lesung des neuen Stadthaushalts vom Herrn Stadtkämmerer aus- einandergesetzt, daß die Belastung auch der stärksten Schultern schließlich ihre Grenzen habe, und daß daher„weise Spar- s a m k e i t" geübt werden müsse. Die Freisinnigen nickten ihm Beifall. Was sie da aus den Worten des Kämmerers heraushörten, das ist ja von jeher das„Kommunale Pro- gramm" des Berliner Freisinns gewesen: in der Ausgestal- tung und Vervollkommnung all der Einrichtungen, die den minderbemittelten Einwohnern Berlins zugute kommen, soll die Gemeinde nicht„zu weit" gehen, auf daß nicht dem Häuflein der Bessersituicrtcn eine„zu hohe" Steuerleistung zugemutet zu werden braucht. Jni Unterrichtswesen hat die aus Freisinnigen bestehende Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung diesen Grundsatz Jahrzehnte hindurch so unentwegt befolgt, daß unsere Gemeindeschulen, die ja den Kindern der Minderbemittelten als einzige Quelle der Bildung zugänglich sind, schließlich in nur zu vielen Punkten hinter den Schulen sehr viel kleinerer Orte sehr weit zurückstanden. In neuerer Zeit ist hierin manches bei uns anders geworden, dank der Mitarbeit der Sozialdemokraten in der Gemeinde- Verwaltung— der Sozialdemokraten, über die der Berliner Stadtsreisinn, so oft wir Kommunalwahlen haben, die Schwindetmär zu verbreiten liebt, daß sie nur kritisieren können, nur nörgeln wollen und keine positive Leistung auf- zuweisen haben. Aber der Fortschritt, der auf diesem Gebiete durch unsere im Stadtparlament sitzenden Genossen an- gebahnt wurde, ist den Freisinnigen schon wieder zuviel, und schon schreien seine Wortführer wieder über die K o st e n, die dem Stadtsäckel daraus erwachsen. Von den 147� Millionen Mark Ausgabe, mit denen der Stadthaushaltsetat für das Jahr 1907 abschließt, werden allein 27� Millionen durch die Unterrichtsver- w a l t u n g beansprucht. Die Einnahmen der Unterrichts- Verwaltung stellen sich auf 3� Millionen, mithin sind hier 24*4 Millionen aus dem Stadtsäckel zuzuschießen. Das Unterrichtswesen ist die„kostspieligste" aller Verwaltungen, die Zuschuß erfordern. Den Stadtfreisinn erfüllt das mit ge- mischten Gefiihlen: er prahlt mit den Summen, die die Stadt Berlin für ihre Schulen ausgibt, und— ärgert sich, daß sie so hoch sein müssen. Für die höheren Schulen wäre den Geldsacksvertretern in unserem Stadtparlament keine Ausgabe zu groß. Aber es verdrießt sie, daß etwa zwei Drittel der Gesanitausgabe der Unterrichtsverwaltung auf die G e m e i n d e s ch u l e n ver- wendet werden niüssen— auf die Schulen für den Nach- wuchs derjenigen Einwohner, die nach der allgemeinen Be- Häuptling des Freisinns größtenteils„ überhau pt keine Steuern zahlen". Die Gemeindeschulen stehen im neuen Etat mit 18 818 377 M. Ausgabe, mit 499 596 M. mehr als im vorjährigen Etat. Da hier nur 198 767 M. Einnahme, fast genau soviel wie im Vorjahr, erwartet werden, so sind 18 799 619 M. aus dem'Stadtsäckel zu- zuschießen. Die Ausgaben, die noch durch die allgemeine Aufbesserung der Lehrergehälter verursacht werden und auch für das Vorjahr nachgezahlt werden müssen, sind hier nicht miteinbegriffen. Für sie stehen im Stadthaushaltsetat an besonderer Stelle noch 249 999 M., im vorigen Jahr waren zu demselben Zweck 449 999 M. bereit gehalten worden, die noch nicht verbraucht sind. Die Gehälter fallen übrigens bei den Schulen mehr als in irgend einem anderen Zweige der Gemeindeverwaltung ins Gewicht. Im Gemeindeschuletat bilden die Gehaltsaufwendungen(für Lehrpersonen ein- schließlich Schuldiener und Schulärzte) etwa sechs Siebentel der Gesamtausgabe. Die Vermehrung der Schulen und Klassen, die der Etat anzukündigen pflegt, ist leider zum Teil nur eine Maßregel„auf dem Papier". Diesmal werden 7 neue Schulen und 149 neue Klassen versprochen. Im Etat- jähr 1996 sollten gleichfalls 149 neue Klassen hinzukommen, tatsächlich stieg aber die Zahl der Klassen nur um 129. Für 1995 waren 159 Klassen versprochen worden, es kamen aber nur 195 hinzu. Wieviel wird man in 1997„weise ersparen"? Ob übrigens im Jahre 1997 die Zahl der Schulen, wie ver- sprochen, um 7 steigen wird, das steht auch noch nicht fest. Der Etat verrät nähmlich nicht, wieviel Schulen man dafür an anderen Stellen der Stadt als„überfliissig" ansehe und auflösen wird. Neue Schulhäuser gibts diesmal über- Haupt nicht. Dafür werden wieder noch mehr Schulen in Mietskasernen hineingesteckt. Das mittlere und höhere Schulwesen steht im neuen Etat mit folgenden Beträgen, die von denen des Vorjahres nicht erheblich abweichen: Realschulen mit 1 599 222 M. Ausgabe. 595 996 M. Einnahme, 1 993 316 M. Zuschuß: Oberrealschulen, Realgymnasien, Gymnasien mit 3 682 112 M. Ausgabe, 1 615 327 M. Einnahme. 2 966 785 M. Zuschuß: höhere Mädchenschulen mit 842 992 M. Ausgabe, 631 625 M. Einnahme, 211 277 M. Zuschuß. Für die geringe Zahl von Schülern und Schülerinnen, die in diesen Schulen sitzen— sie ist etwa ein Zehntel der Zahl der Gemeinde- schulkinder— sind das ganz anständige Zuschüsse. Bei den höheren Schulen für Knaben ist trotz Schulgeldzahlung der Zuschuß pro Schüler so bedeutend, daß er sich auf das Doppelte des Zuschusses pro Gemeinde- s ch ü l e r stellt. Aus den übrigen Abteilungen der Unterrichtsverwaltung sei hier nur noch das Fortbildungs- und Fach- schulwesen erwähnt, das diesmal mit 2 263 869 M. Ausgabe. 397 149 M. Einnahme. 1 866 729 M. Zuschuß im Etat steht. Die Pflicht-Fortbildungsschule allein ist hieran beteiligt mit 898 199 M. Ausgabe, nur 1 146 M. Einnahme, 897 944 M. Zuschuß. Der Zuschuß ist gegenüber dem Vorjahr wieder um 289 444 M. höher eingesetzt, weil jetzt der dritte Jahrgang der Schüler aufgenommen wird, womit dann der Ausbau der Pflicht-Fortbildungsschule fertig ist._• Im städtischen EtatSauSschnß wurde bei der Beratung deS Kämmereietats beschlossen, dem Plenum der Versammlung vor- zuschlagen, den Magistrat zu ersuchen, s ä m t l i che auf öffentlichen Straßen und Plätzen zu errichtenden Baulichkeiten sKioske usw.) in Zukunft vor der Genehmigung bezw. vor Abschluß eines Ver« träges der Stadtverordneten-Versammlung zu r Beschluß- f a s s u n g zu unterbreiten. Dieser Beschluß ist ergangen, nach- dem die Aufstellung von Zeituugs-Kiosken auf verschiedenen Plätzen erfolgt ist. wovon die Versammlung erst nach- ttäglich Kenntnis erlangt hat. Die Tiefbaudeputation hatte bisher das Recht, die Erlaubnis für derartige Bauten mit Zustimmung des Magistrats auf eine b e st i m m t e Zeit zu erteilen. Der Ausschuß wünscht, daß nunmehr in allen Fällen auch die Stadtverordneten mit beschließen. Ferner wurde beschlossen, den Magistrat zu er- suchen, die Genehmigung zum Bau des Schwibbogens zur Ver- bindung der Grundstücke der Deutschen Bank in der Französischen- straße erst nach der Beschlußfassung der Stadtverordnetenversammlung zu erteilen bezw. von dieser abhängig zu machen. Die Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, den 7. März, ist eine äußerst umfangreiche und es ist gar nicht abzusehen, wann die vielen Vorlagen ihre Erledigung finden sollen, wenn man bedenkt, daß auch die Beratungen der Einzcletats, die im Augenblick den Etatsausschuß beschäftigen, bis Ende März ihre Erledigung finden müssen. Die diesmalige Tages- ocdnung umfaßt u. a. folgende Punkte: Antrag von Mitgliedern der Versammlung, betreffend schnellere Beseitigung der Schnee- massen bei größeren Schneefällen.— Vorlagen, betreffend: die Enteignung eines Teils des Jnsclspeichergrundstücks,— den freihändigen Erwerb des Grundstücks Gartenstr. 02,— Löschung von Kalksteinberechtigungen,— die Errichtung von Baulichkeiten auf den städtischen Rieselgütern,— die in den Etat für 1007 aufzu- nehmenden neuen oder abgeänderten Gehaltsskalen,— die Auswahl der Neu- und Umpflasterungcn für das Rechnungsjahr 1007, — die Verlegung eines Rohrstranges durch das Gelände im Nord- osten des Weichbildes zur Verbesserung der Wasserversorgung der nördlichen Hochstadt— und die Vermehrung der etatmäßigen Stellen im Etatsjahre 1007.— Berichterstattung über die Vor- lagen, betreffend: die Verwendung eines Teiles des städtischen Geländes an der Pank- und Wiesenstraße für Gemeindeschulzwccke — und die bei dem Untersuchungsamte der Stadt Berlin für Nahrungsmittel, Genußmittel und Gebrauchsgegenstände zunächst einzurichtenden Stellen.— Vorlagen, betreffend: Die Bewilligung von 10 000 M. Unterstützung für die auf der Grube Reden-Saar- brücken verunglückten Bergarbeiter und deren Witwen und Waisen, — die Errichtung eines Vierfamilienwohnhauses bei der Anstalt für Epileptische, Wuhlgartcn,— die Neuwahl eines Stadtsyndikus, — die Ueberweisung zweier Grundstücke an die Verwaltung der städtischen Straßenreinigung, zur Errichtung von Fahrzeugdepots. — den Umbau von 278 Sprengwagen der Stratzenreinigung— und den Abschluß eines Vertrages zwischen der Stadtgcmeinde Berlin und der Gemeinde Blankenburg über die Gasversorgung dieser Gemeinde durch die städtischen Gaswerke und die Einbezie- hung der Blankenburgcr Gemarkung in das städtische Gasrohrnetz. — Berichterstattung über die Vorlage, betreffend den Erlaß einer Grundsteuerordnung nach dem Maßstabe des gemeinen Werts und einer revidierten Umsatzsteuerordnung unter Einführung einer Wertzuwachssteuer.— Vorlagen, betreffend: den speziellen Ent- wurf zum Neubau der Gemeindedoppelschule in der Bromberger- straße,— die Festsetzung von Fluchtlinien für die Jnvalidenstraße von der Chausseestratze bis 24,8 Meter über die westliche Grund- stücksgrenze der Bergakademie und bis zur Hcssischcnstratze,— die Gewährung eines Kostenzuschusscs anläßlich der Bürgerstcigregu- lierung des Schlcswiger Ufers an die Eigentümer der Grund- stücke 18 bis 25 für die Neuverlegung von Bordschwellen,— den Erwerb von Straßenland in der Neuen Wilhelmstraße,— die An- läge einer gesonderten Durchfahrt nach der Pumpstation IV deu Kanalisationswerke durch das Schulgrundstück Scharnhorststr. 0/10, — die Genehmigung der speziellen Projekte und Kostenanschläge für die aus dem neuen Vorwerk bei Buch zu errichtenden Bauten, — die Petition der Stadt Berlin auf Aenderung des Kommunal» abgabengesetzes und Aufhebung des Steuerprivilegs der Beamten. Geistlichen und Lehrer. Was die so außerordentlich wichtige Vorlage betreffend Ein- führung einer Wcrtzuwachssteuer betrifft, welche bald dreiviertel Jahr in einem Ausschuß gewesen ist. so dürfte ihre Erledigung noch etwas auf sich warten lassen. Eine Armenleiche gehört zu den Dingen, mit denen nicht viele Ilmstände gemacht werden. Wieder einmal wird uns ein Fall bekannt, der aufs neue zeigt, mit welchem Gleichmut man auf dem Berliner Gemeindefriedhof Armenleichen ein- scharrt, ohne lange zu fragen, ob die etwa vorhandenen Angehörigen Kenntnis davon erhalten haben, wann die Beerdigung stattfindet, Ein A r v e i t e r L., der in der C u v r h st r a ß e wohnke, war «m Januar von seiner Familie bei der Polizei als vermißt ge- meldet worden. Der seit langem lungenleidende und nicht mehr erwerbsfähige Mann hatte seine Wohnung verlassen, um sich in ein Krankenhaus zu begeben,"war aber dort nicht eingetroffen. Die Vermutung seiner Angehörigen, daß er es vorgezogen habe, selber seinem Leben ein Ziel zu setzen, war leider richtig. Nachdem er längere Zeit vergeblich gesucht worden war, wurde in der letzten Woche des Februar seine Leiche im Landwehrkanal aufgefunden. Die von der Polizei benachrichtigte Witwe ging nach dem Leichen- schauhaus und stellte dort fest, daß der Tote in der Tat ihr Mann war. Äie wurde nun im Bureau des Schauhauses gefragt. ob sie die Beeroigung auf eigene Kosten ausführen lassen wolle. Da Frau L. in dürftigen Verhältnissen lebt, so erwiderte sie, es sei ihr nicht möglich, die erforderliche Summe sofort aufzubringen. Als man ihr sagte, daß dann die Leiche auf Kosten der Stadt beerdigt werden müsse, gab sie sich hiermit zufrieden. Sie fragte nur, ob sie da an der Berdigung teilnehmen dürfe, worauf man ihr sagte, selbstverständlich dürfe sie das. Als sie weiter fragte, wann denn die Beerdigung sein werde, scheinen die etwas kurz angebundenen Beamten ungeduldig geworden zu sein und in bekannter Manier ihr keine ganz klare Antwort gegeben zu haben. Frau L. verstand, darüber werde sie Nachricht erhalten, und sie beruhigte sich bei diesem Bescheid. Am anderen Tage ging sie noch einmal nach dem Schauhause, aber sie wagte nicht, die Frage nach dem Zeitpunkt der Beerdigung zu wiederholen. Sie fürchtete, unfreundlich behandelt zu werden, und im übrigen meintv sie ja, man werde sie benachrichtigen. Daß die Schauhaüs- Verwaltung nicht selber- die Beerdigung von Armenleichen ausführt, das war der schlichten Frau begreiflicher Weise nicht bekannt— und im Bureau des Schauhauses hat man sich nicht viele Mühe gegeben, ihr das klarzumachen. Auskunft hätte sie erhalten können bei der Leichensammelstelle iDiestelmeyerstraße) odsv auf dem Gemeindefriedhof(Friedrichsfelde), aber Frau L. wußte das nicht. Sie wartete nur immer auf Nachricht. Inzwischen wurde die Witwe von anderer Seite darüber belehrt, daß sie von der Kasse noch Sterbegeld zu kriegen habe. Daher entschloß sie sich, den Verstorbenen auf eigene Kosten beerdigen zu lassen, und bestellte einen Sarg. Der Sargtischler aber begab sich zunächst mal nach dem Schauhause, um dort anzufragen, ob denn die Leiche jetzt, vier Tage nach der Auffindung, noch über der Erde sei. Man sagte ihm, sie sei natürlich längst nach der Leichensammelstelle gebracht worden. In der Leichensammelstelle aber bekam er die Auskunft, der Verstorbene sei nach dem Gemeindefriedhof über- geführt und dort bereits bestattet worden. Die Witwe war nicht wenig betroffen, als sie nunmehr erfuhr, daß man die Beerdi- gung vorgenommen hatte, ohne sie zu benachrichtigen. Solche Vorkommnisse wären nicht möglich, wenn bei der Ver- waltung des Beerdigungswesens unserer Stadt etwas mehr Ver- ständnis für die Pflichten vorhanden wäre, die sie gegen- über den Hinterbliebenen auch eines Armen hat. ES ist wirklich kein allzugroßes Stück Arbeit, von der Leichen- sammelstelle oder vom Gemeindefriedhof aus die Hinterbliebenen zu benachrichtigen: Die Beerdigung findet dann und dann statt. „Ach, was denn noch!" wird wahrscheinlich der Herr Friedhofs- inspektor sagen. Ja, wir sind allerdings der Meinung, daß das sehr wohl angängig wäre. Das Bestattungskuratorium sollte An- Weisung geben, daß bei jeder aus einer öffentlichen An st alt oder gar aus dem Schau hause eingelieferten Leiche durch Rückfrage festgestellt wird, ob die etwa vorhandenen nächsten Angehörigen Kenntnis erhalten haben. Es kostet dann nicht mehr als eine Sechserkarte, der Familie den Zeitpunkt der Beerdigung mitzuteilen. Die Sonnenflecken, welche am 9. Februar das große Nordlicht verursacht haben, sind wieder am Ostrande der Sonne erschienen und gestern bereits auf der Treptow-Sternwarte den Beobachtern gezeigt worden. Es ist zu erwarten, daß in den nächsten Abenden vielleicht wieder Nordlichter sichtbar werden. Die Treptow-Stern- warte wird am Mittwoch und Donnerstag statt nachmittags um 2 Uhr bereits vormittags um 19 Uhr zwecks Beobachtung dieser Flecke geöffnet werden. Die Aushebung des Steuerpribilegs der Beamte», Geistlichen und Lehrer befürwortet der Magistrat der Stadt Berlin in einer Petition an den Landtag. In der Begründung weist der Magistrat aus die Notwendigkeit der Erschließung von Einnahmequellen für die Kommune angesichts der immer steigenden Anforderungen hin. Er verlangt eine Aenderung der§§ 33 und 35 des Kommunal- abgabengesetzes. Die Parteispeditiou des„Vorwärts" in der Rügenerstr. 2i wird am 10. März nach der Stettmerstr. 10 verlegt. Wer bezahlt die Banderolenstcuer? Dieses Schmerzenskind, welches der verflossene Reichstag im letzten Jahre seiner Existenz zur Welt brachte, wurde sofort von fach- verständiger Seite als eine erneute Last auf die Schultern der schon so sehr geplagten Tabakarbeiter bezeichnet. Wie' sehr diese Sach- verständigen das richtige getroffen, zeigen die Verhältnisse in den Zigarettenfabriken Berlins und anderer großen Städte. Eine am Donnerstag, den 7. März, abends S'/a Uhr, in Boekers Festsälen, Weberstr. 17, statt- findende große öffentliche Versammlung der Tabak» arbeiter Berlins und Umgegend wird sich mit den Zu- ständen in den Zigarettenfabriken zu beschäftigen haben. Punkt I der Tagesordnung lautet:„Die Lage der Berliner Z ig ar ett en ar b e i t er nach Einführung der Ban- derolensteuer, mit besonderer Berücksichtigung der Vorkommnisse in der Zigarettenfabrik Garbaty". (Siehe auch Inserat in heutiger Nummer.) Rege Beteiligung ist dringend notwendig. Die Vertrauensleute. Die Schädlichkeit des Kost- und LogiSzwanges wird durch fol- genden Vorfall wieder grell beleuchtet, der am 12. Februar dieses Jahres vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I Berlin seine Sühne gefunden hqt. Der Bäcker Gustav Sokoll war seit dem 2. Juli vorigen Jahres bei dem Bäckermeister Hentschcl in Berlin, Strelitzcrstr. 4, gegen einen Wochenlohn von 6 M. und Kost und Logis beschäftigt. Von diesem äußerst geringen Lohn ersparte sich der Geselle doch die verhältnismäßig hohe Summe von 17 M., die er in der Bäckerei, in der Gesellenschlafstube, in einem Koffer aufbewahrte. Der Sohn des Bäckermeisters, der in dem Geschäft seines Vaters als Hausbursche beschäftigt war, erhielt von dem gesparten Gelde des Gesellen Kenntnis. Er benutzte eine passende Gelegenheit, aus dem unverschlossenen Koffer des Gesellen das ganze mühsam ersparte Geld zu stehlen. Dieser hoffnungsvolle Bäckermeistersprößling hatte schon früher einmal demselben Ge» selben Gesellen eine Summe von 31 M. aus dem Koffer entwendet, und aus Rücksicht auf diesen wiederholten Fall verurteilte ihn die 4. Strafkammer des Landgerichts I zu 4 Monaten Gefängnis. Der hoffnungsvolle Sprößling(er ist erst 18 Jahre alt) ist zwar be- straj�-rber dem Gesellen gibt niemand das gestohlene Geld zurück. Der Bäckermeister, als Vater des Diebes, denkt gar nicht daran, dem Gesellen das durch seinen Sohn gestohlene Geld zurückzuer- statten. Vielmehr muß der Geselle nach wie vor im Hause schlafen und essen, und wenn er sich dann wieder einen Notgroschen zurück- gelegt hat, kann er noch recht dankbar sein, wenn es ihm nicht wieder durch einen Bäckcrmeisterssohn gestohlen wird. Das sind die Früchte des schönen, alten patriarchalischen Verhältnisses. Erst braucht man dem Gesellen nur alle Woche anstatt des Lohnes ein Trinkgeld zu geben, und dann wird dieses noch von dem eigenen Sohn gestohlen. Die Gelegenheit ist ja bei dem Kost- und Logis- system auch zu günstig. Hoffentlich verstehen es die Berliner Bäcker in diesem Jahre, diesem ganzen vorsintflutlichen System mit allen seinen gemeingefährlichen Begleiterscheinungen ein- und für allemal ein Ende zu machen. Der Bau der Untergrundbahn am Spittclmarkt hat für die VMhfmer der Miederwallstraße eine Reihe vpn Mißständen nn Gefolge, über die in einer Versamttiluttg des Friedrich Werderschen Bezirksvereins lebhafte Klage geführt wurde. Besonders mißlich sei es, daß die Hausbesitzer erst im letzten Moment erfahren, wann auf dem Bürgersteig Sperrungen und dergleichen vorgenommen werden, sodaß sie keine Vorkehrungen treffen könnten, um die bei der Enge der Straße entstehenden Belästigungen der Mieter und Ladcninhaber rechtzeitig zu verhindern. Die Versammlung be- schloß nach längerer Debatte, den Magistrat in einer Eingabe zu er- suchen, dafür Sorge zu tragen, daß der Bezirksverein über die weiteren Fortschritte der Bauarbeiten der Untergrundbahn in der Niederwallstraße immer auf dem Laufenden erhalten werde. Zwei schwere Automobilunfälle wurden uns gestern wieder gemeldet. In der vocvergangenen Nacht wurde vor dem Hause Linkstr. 13 ein unbekannter etwa 35jähriger, anscheinend dem Arbeiterstande angehörender Mann von einem Privatautomobil überfahren und in besinnungslosem Zustande in die Charite ein- geliefert. Die Verletzungen, die der Verunglückte bei dem Unfall erlitten, sind so schwerer Natur, daß er wohl kaum mit dem Leben davonkommen wird. Der Unbekannte ist etwa 1,79 Meter groß, trug dunklen Jakettanzug und hat eine verkrüppelte Hand.— An der Ecke der Kaiserallee und Fröaufstraße stieß ein Automobil, dessen Steuerung versagt hatte, mit solcher Gewalt gegen einen Mauersteinstapel, daß der Chauffeur und einer der Insassen köpf- über auf den Fahrdamm geschleudert und nicht unerheblich ver- letzt wurden. Die Kindesleiche auf dem Grabe. Ein seltsamer Leichenfund wurde gestern auf dem Begräbnisplatz der Neuen Zwölf Apostel- gemeinde gemacht. Auf einem Grcchhügcl entdeckte ein Friedhofs- bcamter einen weißen Karton mit der Firmcnzeichnuug eines hiesigen Warenhauses(A. Weriheimfi Er enthielt den Leichnam eines neugeborenen Knaben, der in einen rotgeblümtcn Kopfkissen- bezug eingehüllt war. Zur Feststellung der Todesursache wurde die Leiche in das Schauhaus gebracht. Verschleppt? Das Verschwinden eines jungen Mädchens be- schäftigt die hiesige Polizeibehörde. Seit dem 28. Februar wird die 18jährige Elfriede Hartwig vermißt. Das junge Mädchen ent- fernte sich an dem erwähnten Tage aus der elterlichen Wohnung in der Gneisenaustr. 83 und ist bis zum heutigen Tage noch nicht wieder zurückgekehrt. Vermutlich ist die H. verschleppt worden. Bei ihrem Fortgehen trug sie einen schwarzen Hut mit weißer Feder, blauen lliock, blaue Bluse und ein Pelzjakett mit weißem Kragen. Unter einen Straßenbahnwagen geriet gestern mittag in der Leipzigerstraße der Kaufmann Czakah, als er in der Nähe der Mauerstraße den Fahrdnmm überschreiten wollte. Um einem Omnibus auszuweichen, betrat Czakah unmittelbar vor einem heran- nahenden Motorwagen das Straßenbahngleis, wurde niedergerissen und geriet unter den Schutzrahmen des Wagens. Czakah erlitt eine schwere innere Schädelverletzung. Der Kausinann wurde zunächst nach der Unfallstation gebracht und von dort nach dem Krankenhause Moabit übergeführt. Einem entsetzlichen Unglücksfall ist gestern nachmittag ein Herr Wendel, Wormserstr. 9 wohnhast, zum Opfer gefallen. Er wollte an der Ecke der Lützowstraße und des Lützowplatzes einen dort haltenden Straßenbahnwagen besteigen und befand sich bereits an der Hinter- Plattform, als plötzlich ein Kohlenwagen der Firma Mix, Char- lottenburg, so dicht an dem Straßenbahnwagen vorbeifuhr, daß W. von dem Lastwagen mitgerissen und zwischen diesen und den Motor- wagen gequetscht wurde. Wendel, der schwere innere Verletzungen erlitten hatte, wurde in besinnungslosem Zustande nach seiner Woh- nung gebracht. Feucrwehrbcricht. Wegen eines gefährlichen Brandes wurde in der letzten Nacht der 7. Zug nach dem Ostbahnhof gerufen, wo Preßstroh brannte. Durch kräftiges Wassergeben gelang es, den Brand auf einen Waggon zu beschränken. Der 16. Zug hatte einen größeren Tischlereibrand in der Wiesenstr. 17 zu löschen, und der 17. Zug einen Brand in der Ritterstr. 82, wo im Ouergebäude eine Zelluloidfabrik um 7 Uhr brannte. Hier gelang es mit zwei Rohren die Flammen auf ihren Herd zu beschränken. Von einem . G r o ß f e u e r", wie eine Zeitung schreibt, kann keine Rede jein; nicht einmal.Mittelfeuer' wurde den Wachen gemeldet. Ferner hatte die Feuerwehr in der Pankstr. 6 und Neue Roßstr. 17 zu tun, wo Gardinen. Wäsche, Möbel usw. brannten. Vor dem Hause Leipzigerstr. 123 wurde ein Mann von der elektrischen Straßenbahn überfahren. Der Verletzte wurde nach der nächsten Unfallstatton gebracht und dort verbunden. Arbeiter-Samariterkolonne. Donnerstagabend 9 Uhr, 3. Ab- teilung für Schöneberg und Umgegend bei Obst, Meiningerstr. 8. Vortrag über„Transport Erkrankter und Verunglückter". Vor- tragender: Herr Dr. Schwab. Daran anschließend Transport- Übungen. Neue Mitglieder können jederzeit eintreten. Gäste haben einmaligen freien Zutritt. Im Zoologischen Garten ist dieser Tage ein W i sen t geboren worden, und zwar erblickte das zottige Kall» mitten im Schnee daS Licht der Welt, wie daS bei dem noch vor wenigen Jahrhunderten in deutschen Wäldern hausendem Wildrinde häusig vorkommt. Unangefochten durch die Unbilden des Wetters folgte dos Neu» f borene bald darauf der Mutter, die für die Sicherheit des prüßlings äußerst besorgt, gesenkten Hauptes jede menschliche An- Näherung an letzteren auf daS energischste zurückweist. Bekanntlich lebt der Wisent nur noch in dem russischen WaD/bezirk Bjclotvjesch in gehegtem Zustande und wild nur noch in wenigen Stücken im Kaukasus. Er ist nicht identisch mit dem gegenwärtig gänzlich aus- gestorbenen Auerochsen, der neben dem Wisent früher auch in Deutschland lebte, und dessen Knochenrestze häufig in unseren Museen anzutreffen sind. Im Berliner Aquarium kann der Besucher unter den Meeres. fischen, mit denen eines der oberen kleinen und eines der unteren großen Becken besetzt wurden, zwei Arten finden, die ob gewisser biologischen Eigenheiten und ob ihres absonderlichen Verhältnisses zum Menschen ganz besonderes Interesse erregen. Die eine, die zur Familie der Drachen, oder Viperfifche zählende Drachengueise (Trachinus), hat die Eigentümlichkeit, sich im Sandgrunde fo zu vergraben, daß nur die ncche beieinander stehenden Augen Hertor- gucken, und die Fähigkeit, mittels der in eine Furche niederzu- legenden und aufrichtbaven Stacheln der ersten Rückenflosse dem Menschen heftig schmerzende Verwundungen beizubringen, welche um so gefährlicher sind, als, wie man neuerdings erst festgestellt hat, in die durch die Stacheln gerissenen Wunden die Absonderung aus dem Fisch eigenen Giftdrüsen eintvitt, so daß Schwellungen der Glieder und andere schlimme Erscheinungen und Zustände herbeigeführt werden. Die zweite der hier zu vermerkenden Fisch- arten, der sogenannte Stechrochen(Trxgon), bringt hingegen mittels des peitschenartig langen, mit widerhakigem Stachel aus- fristeten Schwanzes dem nahenden Menschen(beim Baden usw.) :chterlichs Wunden bei, welche schreckliche Schmerzen, heftige ämpfe, selbst Starrkrampf und Tod zur Folge haben. Vorort- ZVaämdrtm. Schömberg. Stadtverordnetenversammlung. Nach der zu Beginn der Sitzung erfolgten Einführung des Stadtverordneten Dr. Wete- k a m P erfolgte die Fortsetzung der weiteren Beratung des Etats. Beim Etat der städtischen Krankenhäuser richtet der Stadtverordnete Hoffmann(Soz.) die Anfrage an den Magistrat, wann denn nun eigentlich mit dem weiteren Ausbau des Krankenhauses der Anfang gemacht werde. Bald 6 Monate sind seit der Eröffnung des Krankenhauses ins Land gegangen, und noch immer sind nicht die nötigen Anstalten zum Beginn der zweiten Bauperiode getroffen. Die in der letzten Zeit erfolgten zahlreichen Abweisungen machen den weiteren Ausbau zu einer dringenden Notwendigkeit. Stadtrat Leonhard erklärt, daß eö mit t>m Sbwilllngeo LiM b> Willlin steht. Ks? den gltr Per- fügung stehenden 323 Betten sind im Dezember durchschnittlich 195— 197 und jetzt 226 belegt gewesen. Die Klagen des Stadt- verordneten Hoffmann sind seiner Meinung nach unbegründet. Stadtverordneter K u tz n i tz k y, Mitglied der Krankenhausvec- waltungs-Deputation, tritt den Ausführungen des Stadtverord« neten Hoffmann bei. Einzelne Stationen sind eben überfüllt. Im Januar wurden 63 und im Februar 29 Kranke abgewiesen. Der weitere Ausbau muß sofort vorgenommen werden. Stadtrat Nordhausen, Vorsitzender der Krankenhausbau-Deputation, erklärt, daß auch diese Deputation sich mit der Frage beschäftigt und zu dem Zw'dck vor vier Monaten an die Verwaltungsdeputätion geschrieben habe, aber bis heute ist noch nicht geantwortet worden. Stadtrat Leonhard erklärt, daß er auf die Ausführungen des Vorredners hier nicht eingehen werde. Die vom Stadtverordneten Kutznitzky gemachten Angaben erklärte er für die richtigen. Stadt- verordneter Obst(Soz.) hält die Ausführungen des Stadtrats Nordhausen für falsch. An einer anderen Stelle werde darauf zurückgekommen werden. Da die Beratungen für die Regelung des weiteren Ausbaues längere Zeit in Anspru-j� nehmen wird ohnehin schon die Inangriffnahme des Baues ein Jahr hinaus» geschoben. Es ist deshalb erforderlich, daß beide Deputationen so- fort gemeinsam ans Werk gehen. Baurat E g e l i n g meint, daß erst eine Revision des Baupcogramms vorgenommen werden mutz. Auch wenn das Krankenhaus voll ausgebaut ist, habe man mit Ab- Weisungen zu rechnen. Der Oberbürgermeister hält eS für einen Fehler, gleich mit der zweiten Bauperiode zu beginnen, man müsse erst Erfahrungen sammeln. Stadtverordneter Schneider erklärt, daß die„Unabhängige Vereinigung" in dieser Angelegimheit sich ganz auf den Standpunkt der Redner der Linken stelle. Stadtverordneter Dr. Freund glaubt sich auch bei dieser Gelegenheit als Beschützer des Magistrats aufspielen zu müssen. Nach seiner Meinung ist die stärkere Besetzung des Krankenhauses auf die große Zahl von Erkältungskrankheiten zurückzuführen. Die vielen Abweisungen sind dadurch erklärlich, daß man bei der zurzeit herrschenden Arbeitslosigkeit mit einer ganzen Anzahl von Simu- lanten und Faulenzern zu rechnen habe. Stadtverordneter Küter(Soz.) hält den Ausspruch des Vorredners, der selbst Arzt ist, für unerhört. Mit diesem Ausspruch stelle er seinen Kollegen ein schlechtes Zeugnis aus. Denn ins Krankenhaus kommen doch nur diejenigen, die von einem Arzt dazu empfohlen werden.— Nach einer weiteren persönlichen Auseinandersetzung zwischen den beiden letzten Rednern wird die Debatte geschlossen und dem Etat des Krankenhauses zugestimmt. Beim Wohlfahrtsetat wird von den Sozialdemokraten beantragt, die geforderten 399 M. für dm Bodelschwinghsche Kolonie „Hoffnungstal" zu streichen. Die Mehrheit stimmte jedoch der Ein- setzung dieser Summe zu. Der Etatsausschutz beantragt neu ein- zusetzen: der freiwilligen Sanitätskolonne in Schöneberg und dem Arbeiter-Samariterverein je 199 Mark zu bewilligett. Der ersten Forderung stimmte die Versamm- lung debattelos zu, während die Bewilligung der gleichen Summe für den Arbeiter-Samariterverein den„geistigen Führer" des Hausbesitzervereins und der Unabhängigen Vereinigung, Stadt- verordneten Schneider, in Harnisch versetzte. Er beantragt, die Summe zu streichen. Der Arbeiter-Samariterverein ist ein sozialistischer Verein, der auch agitatorisch für die Sozialdemokratie wirke. Es liege kein Grund vor, diese Bestrebungen auch noch durch Mittel der Stadt zu unterstützen. Er sei für pure Ab- lehnung. Stadtverordneter Küter(Soz.) empfiehlt, dem Wunsche des Stadtverordneten Schneider nicht Rechnung zu tragen. Aus den Ausführungen desselben spreche nur die Angst vor der Sozial- demokratie. Redner gibt ein ausführliches Bild von der Tätigkeit des Arbeiter-Samaritervereins, der es sich zur Aufgabe gemacht habe, Arbeitern und Arbeiterinnen Unterricht in der ersten Hülfe- leistung bei Unglücksfällen und Erkrankungen zu erteilen. Im Jahre 1995 sind von diesem Verein 157 und 1996 137 Personen ausgebildet worden. Aus dem Statut gehe hervor, daß sich dieser Verein in keiner Weise politisch betätigt. Stadtverordneter Dr. Voßberg(Lib.) tritt den Ausführun- gen des Stadtverordneten Schneider ebenfalls entgegen, der auch nicht den Schatten eines Beweises dafür erbracht habe, daß sich der Arbeiter-Samariterverein politisch betätige. Viel eher könne man das von der freiwilligen Sanitätskolonne sagen, die sich für eine konservative Politik ins Zeug lege. Man habe immer Wert darauf gelegt, die Wohlfahrtspflege ohne Rücksicht auf die politische Ge- sinnung auszubauen, deshalb sei es zu verurteilen, wenn hier vom Stadtverordneten Schneider politische Gegensätze hineingetragen werden. Stadtverordneter M a g n a n(Soz.) ersucht, den Arbeitern hier nicht etwas vorzuenthalten, was man anderen gebe, das sei ein Messen mit zweierlei Maß. Man solle hier nicht Motive unter- schieben, die nicht vorhanden sind. Die Bestrebungen des Arbeiter- Samaritervereins müßten allseitig anerkannt werden. Auch in den Arbeitsstätten betätigen sich die Mitglieder in dankenswerter Weise Stadtverordneter Schneider erklärt, daß man ihm eine andere Ueberzeugung nicht beibringen könne. Es sei nicht be- wiesen, daß der Arbeiter-Samariterverein sich nicht agitatorisch be- tätigt. Er halte sich für verpflichtet, den Forderungen der Sozial- demokraten entgegenzutreten. Mit ähnlichen Worten können sie jede Forderung ihres Programms begründen. Redner bedauert, daß der Etatsausschuß diesem Antrage der Sozialdemokraten fast einstimmig zugestimmt habe. Wenn von den Sozialdemokraten ein Antrag gestellt werde, solle man vorsichtig sein und der Sache auf den Grund gehen. Die Sozialdemokratie gehe überall tcrro- ristisch vor, wenn sie stärker vertreten wäre, würde man noch ganz andere Dinge lerleben. Von den Freisinnigen sei Redner gewöhnt, daß sie stets mit den Sozialdemokraten Hand in Hand gehen. Stadtv. Obst(Soz.) erinnert den Stadtv. Schneider daran, daß gerade er es ist, der in terroristischer Weise vorgehe. Bei den Wahlen sind oft genug Beweise in dieser Hinsicht, besonders den Postbeamten gegenüber, erbracht. Dem Stadtv. Schneider eine andere Ueberzeugung beizubringen, sei aussichtslos. Stadtv. Küter(Soz.) empfiehlt dem Stadt». Schneider, im öffentlichen Leben erst mehr Umschau zu halten. Die Sozial- demokratie hat im Stadtparlamcnte niemals Sonderinteressen ver- folgt, sondern ist stets für das Allgemeinwohl eingetreten. Wer das nicht eingesehen hat, dem ist eben nicht mehr zu helfen. Jnter- essenpolitik werde von ganz anderen Leuten getrieben, die bestrebt sind von hinten herum im Trüben zu fischen. Die Sozialdemo- traten sind für Bewilligung der Summe an die freiwillige Sanität?- kolonne eingetreten, deshalb fei es gerechtfertigt, diese Summe auch dem Arbeiter-Samariterverein zuzubilligen. Stadtv. Dr. Voßberg hält die Vorwürfe gegen die Sozial- demokratie nicht für gerechtfertigt. Die Sozialdemokratie sei nie- mals bestrebt gewesen, terroristische oder utopistische Zwecke in der Kommune zu verfolgen. Will man die Sozialdemokratie bekämpfen, so ziehe man sie zu positiver Mitarbeit heran. Die weitere Debatte wird darauf abgebrochen, da der Stadtv. Schneider seinen Antrag auf Streichung der Summe zurückgezogen hat, angeblich, wie der Herr erklärt, weil sein Zweck erreicht ist. Angenommen werden sodann noch ohne wesentliche Debatte, zum Teil en bloc, die Etats der Desinfektionsanstalt,'des Feuer- löschwesens, der Vcrschönerungsetat, Armenetat, die Bauetats und die Etats der höheren Schulen. Um Mitternacht erreichte die Sitzung ihr Ende. Rixdorf. Vergiftet hak sich in Abwesenheit ihres Mannes die g7jährige Ehefrau Helene Hanke aus der Cannerstr. 19. Als H. gestern von der Arbeit heimkehrte, fand er seine Frau tot in der Wohnung auf. Die Ursache zu dem Selbstmord können sich die Angehörigen nicht erkläre». skriedenau. Für 10 000 Marl Gold- und Wertsachen gestohlen. Reiche Beute machten Einbrecher bei einem Diebstahl in der Wohnung des Kauf« mannS Funk in der Handjerhstr. 2S. Die Täter hatten aus- baldowert, daß der Wohnungsinhaber zur Nachmittagszeit nicht an- wesend war. Nachbarn beobachteten morgens auf der Straße vier verdächtige Gestalten, die fortwährend das Haus fixierten und ganz besonderes Interesse für die in der dritten Etage belegene Wohnung des Kaufmanns F. zeigten. Nachmittags, als die.Luft rein" war, machte sich die Bande an die Arbeit. Sie erbrach die Korridortüre und suchte dann die ganze Wohnung nach Wertsachen ab. Für 10 000 M. raubten die Einbrecher Juwelen und Schmuckgegenstände. Steglitz. Einen beachtenswerten Beschluß nannten wir es, als im vorigen aahre eine Wahlvereinsversammlung der Anregung zustimmte, in emeinschaft mit den Wahlvereinen der Nachbarorte eine ähnliche Einrichtung wie.die Berliner Arbeiter-Bildungsschule ins Leben zu rufen. Der Vorstand, der mit der Ausführung des Be- schlusses betraut wurde, nahm sich der Sache mit Eifer an und fand sowohl bei den Nachbarvereinen als auch bei dem Vorstand der Berliner Arbeiter-Bildungsschule freudiges Eni- gegenkommen. Die Verhandlungen führten schließlich zu dem Antrage des Vorstandes, kein selbständiges Unternehmen ins Leben �u rufen, sondern sich der Berliner Arbeiter-Bildungsschule anzuschließen. Diesem Antrage wurde zugestimmt. Hierdurch wird nicht nur erreicht, daß die Leitung des gesamten Unterrichlswesens eine einheitliche bleibt und die Lehrerfrage leichter gelöst werden kann, sondern auch in manch anderer Hinsicht dürften sich wesentliche Vorteile für das Bildungswesen der Arbeiterschaft ergeben. Der Zweck der Anregung, den Bewohnern der westlichen Vororte den Besuch der Unterrichtskurse zu erleichtern und billiger zu gestalten, wird troydem erreicht, da die Kurse in Steglitz abgehallen werden. Daß mit der Ausführung des Beschlusses geradezu einem Bedürfnis abgeholfen wurde, das beweist die über Erwarten starke Beteiligung an dem ersten Kursus. Der Einladung zu dem ersten Vortragsäbend am Freitag, den IL. Februar, nach dem.Gambrinus" waren die Interessenten so zahlreich gefolgt, daß das Lokal überfüllt war. Das Resultat ist denn auch insofern ein sehr erfreuliches, als bis jetzt bereits 151 Mitglieder aufgenommen und zu dem ersten Kursus von zehn Abenden, in welchem Genosie Maurenbrecher über die französische Revolution spricht, 143 Hörerkarten a 1 M. aus- gegeben wurden. Die Mitglieder verteilen sich auf folgende Orte: Steglitz 77, Schöneberg 30, Wilmersdorf 14, Friedenau 13, Zehlen- dorf 10, Lichterfelde 5, Charlottenburg 1, Berlin 1.— Hoffen wir, daß sich das Unternehmen weiter so kräftig entwickelt und die später einzurichtenden weiteren Kurse das gleiche Interesse finden. Stralau. Aus der Gemeindevertretung. Die von der Gemeindevertretung vor einiger Zeit abgelehnte Errichtung einer Fortbildungsschule hat die Aufsichtsbehörde erneut zur Annahme empfohlen, eventuell verlangt sie eine nähere Begründung über die Ablehnung derselben. Der Gemeindevorftand hat an die Industriellen des Ortes ein Rundschreiben ergehen lassen, um deren Ansichten über die Errichtung einer Schule zu hören und in welchem angefragt wird, ob sie geneigt sind, einen jährlichen Beitrag zu den der Gemeinde entstehenden Kosten zahlen zu wollen. Einige dieser Antworten sind interessant und charakteristisch für den.Gemeinsinn" dieser Leute. So ist die Firma Hauschild(G. m. b. H.) bereit, einen Beitrag zu aahlen, wenn die Gemeinde ihr einen Teil ihres Grundstücks ab« kaufen will. Die Firma Protzen u. Sohn will mit Rücksicht auf die schikanöse Behandlung, welche ihr von der Steuerbehörde zuteil ge- worden, keinen Pfennig für die Schule hergeben. Außerdem hält der Vertreter der Firma es für großen Unsinn, eine derartige Schule einzurichten, da der kleine Ort mit den Schulen Berlins doch nicht konkurrieren könne und die jungen Leute nichts lernen würden. Der Träger dieser Firma ist Kommerzienrat. Man sieht, wenn es an den Geldbeutel geht, werden auch diese Leute ungemütlich. Die vom Gemeindevorstand eingebrachte neue Steuervorlage wurde angenommen. Danach werden an Zuschlägen zur Staats- einkommensteuer 100 Proz.(statt 140 Proz. im Vorjahre), zur Gewerbesteuer 150 Prozent und zur Grund- und Gebäudesteuer 1S3 Prozent oder 275 vom Tausend des geschätzten Wertes erhoben. Es wird der unbebaute Grundbesitz noch dieser neuen Vorlage etwas mehr wie bisher belastet. Die Belastung ist aber nur gering und wird durch die Preissteigerung der Grundstücke, die diese durch Kanalisierung und sonstigen Ausbau des Ortes erfahren, reichlich wettgemacht. In Anbetracht der gesteigerten Arbeiten des Gemeinde- bureaus soll noch ein dritter Polizeidiener angestellt werden. Das Gesuch einer Lehrerin um Erhöhung der Mietsentschädigung wird bewilligt und dieselbe auk 300 M. festgesetzt. Als Armenarzt wurde Herr Dr. Sonntag angestellt. Zur Neuwahl eines Landtagsabgeordneten ist die Neuwahl eines Wahlmannes vorzunehmen. Die zu diesem Zweck aufgestellten UrWählerlisten liegen am 5., 0. und 7. März im Gemeindebureau während der Dienststunden von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nach- mittags aus. Etwaige Reklamationen müssen während dieser drei Tage angebracht werden. Versäume niemand, die Listen einzusenden. Wem dazu Zeit und Gelegenheit mangelt, beauftrage einen anderen mit der Einsichtnahme. Ober- Schöneweide. Rathaus oder höhere Schule? Mit diesen sowie anderen wichtigen Gemeindeangelegenheiten wird sich eine, heute Mittwoch, abends'/,S Uhr, stattfindende öffentliche Versammlung im Restaurant Wilhelminenhof beschästigeit. Die inS Ungemessene gestiegenen Ausgaben der Gemeinde bedingen, daß diesen Fragen reges Interesse entgegengebracht wird. Potsdam. Die letzte Stadtverordnetenversammlung genehmigte einen Ber- trag mit dem Eisenbahnfiskus, wonach die Stadt gegen eine Ent- schädigung von 3000 M. die Reinigung der Babelsbergerstraße über- nimmt. Das Magistratsprojekt für den Neubau des Realgymnasiums wurde nach heftiger Debatte in der ersten Form genehmigt. Für den Kauf von 10 Stratzenbahnpserden wurden 3500 M. bewilligt. Eine Magistratsvorlage betreffend die Anlage eines Heberbrunnens am Knie in der Neuen Königstraße und die Herstellung einer Heber- Icitung nach der Pumpstation in der Holzmarktstraße, die einen Kostenaufwand von 70 000 M. erfordert, wurde gleichfalls an- genommen. Durch sie wird der Kanalisationsanschluß der Gebäude in der Weißenburger- und Wörtherstraße und die Bebauung der Gegend erschlossen. VcrmxkhtCQ. Ein schwerer Betriebsunfall ereignete sich, wie uns telegraphisch gemeldet wird, gestern abend VzO Uhr in der G e r a e r Eisen- gießerei von Harwig. Dort sprang eine Form, wodurch 3 Arbefter lebensgefährliche und 2 leichtere Brandwunden davontrugen. Feuer an Bord. Im Vorderraum des vom„Norddeutschen Lloyd" gecharterten, mit Stückgütern und Baumwolle von Australien gestern in Bremen angekommenen norwegischen Dampfers„Rygia" kam in der letzten Nacht ein Feuer zum Ausbruch. Trotz energischen Ein- greifens der Feuerwehr konnte dasselbe bisher noch nicht gelöscht werden. Grauenhafter Tod. In Elberfeld fiel ein viereinhalb Jahre altes Kind in eine Wanne mit heißem Wasser und verbrühte sich derart, daß es nach wenigen Stunden starb. Automobilunfälle. Zwei schwere Automobilnnfälle ereigneten sich nach einer Münchener Meldung gestern in Pasing. Mittags fuhr ein Automobil der Pastnger Zuckerwarenfabrik eine Buchhalterin an, die schwere innere und äußere Verletzungen davontrug. Eine Stunde später fuhr ein Würzburger Privatautomobil ein besetztes Bauern- kuhrwerk und einen Radfahrer an. Der letztere wurde leicht, die JNkgss«, des AutoS, ein Herr und eine Dame, dagegen so schwer verletzt, daß ein Samariterwagen zu ihrem Transport nach München requiriert werden mußte. Der Paris-Berlincr D-Zug entgleist! Zwischen Verbiers und HerbeSthal entgleiste vorgestern nacht auf belgischem Gebiet in einem Tunnel der Paris-Berliner D-Zug. Die Maschine und mehrere Wagen wurden zum Teil zertrümmert. Menschen sind nicht ver- letzt. Bis 10 Uhr gestern vormittag waren beide Gleise gesperrt. Köln, 5. März. Infolge Entgleisung des D-Zuges heute früh gegen 1 Uhr in dem Tunnel Verviers-Ost und VervierS-West ist diese Strecke gesperrt. Personen- und Schnellzüge von und nach Belgien werden von Verviers und HerbeSthal über Aubel und Blcyberg geleitet. Die Züge von Belgien treffen heute mit großer Verspätung ein._ Sozialdemokratischer Lese- und Dtskutierklub„Heinrich Heine". Mittwoch 8'/, Uhr bei H. Bolze, Rodenbcrgstr. 3. Gäste willkommen. Lese- und Tiskuticrilnb„Südost". Heute bei Tolksdors, Görlitzer- straße 58, Vortrag. Berei» der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter und Ar- beiterinnen Berlins»nd Umgegend. Abteilung Weißensee. Mittwoch, den 6. März, abends 8 Uhr, bei Wall, LanghanSstr. 146, Mitgliederversammlung. Freireligiöse Gemeinde. Heute Mittwoch, abends 8 Uhr, in Habe- rechts Fesisälei,: AgitationsverjamuUung. Referent Genosse A. Stern über Kirche und Gewissensfreiheit. Eingegangene DrucKfdmsitei». Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart. Paul Singer) ist soeben da» 22. Hest des 25. Jahrganges erschienen. Das Heft hat folgenden Inhalt: Die Etatsdebatte.—'Ausländische und deutsche Parteitaktik. Von K. Kautsky.— Rassehygiene und Sozialismus. Von W. Schallmayer.— Aus dem schwarzen Revier. Von einem rheinischen Arbeiter.— An die Arbeit! Von Heinrich Schulz.— Was ist zu tun? Von Otto Rühle < Leipzig).— Presse und Agitation.— Literarische Rundschau: Privatdozent Dr. Robert Wilbrandt, Arbeiterinnenschutz und Heimarbeit. Von O. Yenyen. — Georgi Toschefs, Friedrich List und Henry Ch. Careh als Borläuscr der modernen Schutzzollbewegung. Von r. Ir.— Käte Duncker, Die Kinder- arbeit und ihre Bekämpfung. Von ew.— Marc Hölys, Ä travers le Feminisme Suedois. Von Therese Schlesinger.— Professor Otto Pfleiderer, Die Entstehung des Christentums. Von K. K.— Arbeiterschutz und Ge- werbeinspektion. Von ov. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen i jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Von der„Gleichheit", Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 5 des 17. Jahr« ganges zugegangen. Die Nummer hat folgenden Inhalt: DaS deutsche Courrisres. Von Luise Zieh.— Aus der sozialdemokratischen Frauenbewegung Schwedens. Von Wilhelm Jansson(Schluß).— Das Leben einer Jdealistin. Von Anna BloS.— Ein Fortschritt der schweizerischen Arbeiterinncnschutzgesetzgebung. Von D. Z.— Ibsen über das Frauen- sttmmrecht.— Aus der Bewegung: Genossin Marie Colditz.— Mitarbeit der Genossinnen im Wahlkampf.— Von der Agitatton.— AuS der Ham burgcr Frauenbewegung.— Politische Rundschau. Von 2. B.— Gewerkschaftliche Rundschau.— Notizenteil: Dieustbotenftage.— Fürsorge sür Mutter und Kind.— Feuilleton: Vifion. Von Leopold Jacoby(Gedicht). — Die Volksoerbesserer. Von Ludwig Thoma.— Die Spinnen und die Fliegen. Eine Fabel von Ludwig Anzengruber(Gedicht). Für unsere Mütter und Hausfrauen: Gedenk'. Von Josef Freiherr v. Eichendorfs(Gedicht).— Züncher Frauen. Von Gisela Michels-Lindner. — Die englische Krankheit. Von Dr. ChajeS.— Lied vom Winde. Von Eduard Morike(Gedicht).— Erziehung und geschlechtliche Moral. Von Johannes Kretzen.— Die Mutter als Erzieherin.— Für die HauSftau.— Am Wasserfall. Von Friedrich Adler(Gedicht). Die„Gletlbheit" erscheint aller 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne �Bestellgeld SS Pf., unter Kreuzband 85 Pf. Jahresabonnement Vom„Wahren Jacob" ist uns soeben die S. Nummer de» 24. Jahr ganges zugegangen. AuS ihrem Inhalt erwähnen wir die beiden farbigen BUder„Drrnburg der Afrikaner" und„Die Morgemöte des Liberalismus" sowie die Jllustrattonen„AuS der Zeit der Wunder",„DaS neueste Tier- gartendenkmal",„Herr Müller-Meiningen, der neue Sozialistentöter",„Wir sitzen fest im Sattel..„Die Wurst ftinlt",„SicgcStanz",„Ein Enterbter",„Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an l",„Die Bilanz deS WahlgeschästS". Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte„Der deutschen Junker Siegeslied",„Freisinns Glück und Ende",„Die Maul- würfe",„Mutterschaft",„Die Liberalen",„Rote Sonette" von Paul Ender- linjj,„Der nationale Heringsbändiger" und außer zahlreichen kleineren Beiträgen noch die größeren satirischen Feuilletons„Sozialdemokratische Gaunertricks", ,v. Below- Pleitenburg an v. Arnim- Schnodderheim", „Unbegrenzte Möglichkeiten" und„AuS der polittschen Manege". Der Preis der 12 Seiten starken Nummer ist 10 Pf. „Nene Gesellschaft". Sozialiftische Wochenschrist. Hest 23. Heraus geber: Dr. Heimich Braun und Lily Braun. Verlag: Berlin-Schöncberg. Preis für das Einzelheit 10 Pf, pro Monat 40 Ps., pro Vierteljahr 1,20 M. Bnefkaften der Redaktion. Di» juristische Sprechstunde findet Friedrichstr. lfl, Aufgang 4, eine Treppe(Haiidcleslättc Bellealliance, Durchgang auch Lindenstr. 101), Niochcntäglich von?>/, bis«-,» Uhr abends statt. Geöffnet? Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde NN,« Uhr. Jeder Anfrage ist ei» Buchstabe nnd eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. G. D. 7. Die Bedingungen der einzelnen Sparkassen kennen wir nicht, wenden Sie sich direkt an die betreffende Sparkasse.— F. kr. 31. 1. DaS Buch müßte Ihnen herausgegeben werden. 2. Nur ihre eigene Geiurls Urkunde, nicht die Ihrer Eltern haben Sie beizubringen. 3. Wenden Sie sich an eine Schokoladenfabrik.— K. 128. Wenn nicht ein Grund zur so fortigen Entlassung vorlag, so kann Ihre Tochter mtt Aussicht aus Erfolg aus Herausgabe der Geschenke und event. Schadenersatz Hägen.— O. F- Wenoen Sie sich an die Versicherungsanstalt mit dem Antrage aus Alis nähme.— 3. G. 39. Das Pflichtteil muß gelassen werden. Ob eine Abmachung, wie Sie sie meinen, bei Berücksichtigung des Pflichtteils gültig ist, läßt sich ohne Kenntnis des Inhaltes der Abmachung nicht sagen.— E. B. 100. Nein.— F. 11. 1. Nein. 2. Ja.— W. 13, Zehdenick. Ja.— A. Z. 18. 6 bis 18 Mark werden für angemessen erachtet.— Keilhack. 1. Klagen Sie beim Gewerbegericht aus Zahlung. 2. Sie tönnlcn Honorar verlangen und Antrag aus Bestraftmg wegen Nachdrucks stellen. 3. u. 4. Sie müssen sich das Eigenwm vorbehalten.— N. 21. Nein.— D. F. 45. Der Antrag ist an den Magistrat zu richten. In Betracht kommt, wie viel minderjährige Kinder vorhanden sind. Der Höchstsatz betrügt 60 Prozent deS ortsüblichen TagelohneS.— O. R. Ja. — Für Biete. 1. Die RcichSbank steht unter ReichSaussicht, gehört aber nicht dem Reiche. Das Nähere finden Sie in dem in jeder Bibliothek aus. liegenden Reichsbankgesetz. 2. Die Charitä ist staatlich und wird vom Staat verwaltet.— P. B. 43. Leider keinen.— W. C. 100. Nein.— E. H. 200. Ohne Einsicht in den Vertrag ist die über Rechte auS dem Vertrage gestellte Frage nicht zu beantworten.— A. M. 100. 1. Nein. 2. und 3. Ihre Frau soll bei dem Amtsgericht auf Zahlung gegen Heraus- gab? der Taille klagen.— A. 3. Wenn da« Honorar vereinbart war, nein, sonst ja.— B. M. 3. 14. 1. Ja. 2. Ja. 3. Wahrscheinlich.— f. 39. 1. Der Dritte kann die Herausgabe veilangen. 2. Wenn die achen Ihr Eigentum nicht sind, nein. 3. Soweit ersichtlich ist, nein. 4. Der unterliegende Test hat die Kosten zu tragen. — 3. 100. Gegen Schöffengerichtsurteile ist innerhalb einer Woche nach Verkündung des Urteil« Berufung einzulegen. Daraus wird etwa 14 Tage später daS Urteil zugestellt.— R. St.«. Ja.— M. T. 2 a. Leider wäre eine Klage aus Ersatz de» Schadens aussichtslos.— A. 3ch. 99. Aach Ansicht des ObervcrwalwngsgerichtS ja.— A. B. 90. Klagen Sie auf Zahlung gegen die Kasse zunächst bei der Gewerbedeputatton, Stralauer- straße 1—3.— W. R. 28. Da die Frage unterlaffen ist, find Sie leider an den Vertrag gebunden.— ffi. K. 2. Eine Pflicht der VerficherungS- anstatt liegt nicht vor, sie kann aber da« Heilverfahren übernehmen. Wenden Sie sich an dieselbe.— F. W. 93. Ncm.— W. O. 99. I. Sie können Pflichtteil verlangen. 2. Die rückständigen Zinsen können Sie einklagen, die über vier Jahre zurückliegenden find verjährt.— I. B. 12. Der An» fpruch ist nicht verjährt; durch Verkauf würden Sie sich strafbar machen. — M. W. 24. 1. Nein. 2. Bi« etwa zum vollendeten 27. Jahr. 3. Polizeipräsidium. 4. Sechs Monate. S. 300 M.— 1000«. K. DaS Testament ist gültig.—<£. E.». Die Antwort war zutreffend.— A. H. 1. Sie können eine Petttion an den Reichstag richten, die Form ist gleichgülttg.— A. K. G. 3. 1. Ja. 2. So wie jeder Inländer. 3. vcstraslmg ist möglich, die Ausweisung ist in den einzelnen Ländern verschieden geordnet.— F. M. 57. 1. Nein. 2. Ja.— Kreutztger- straffe 3. Klagen Sie auf Aushebung, verbinden mit der Klage einen Antrag aus Erlaß einer einstweiligen Verfügung und fügen das ärztliche Attest bei.— H. G. 79. 1. Die Wetterzahlung Ist ratsam. 2. Ja.— I. T. 31. DaS vom Gericht jestgefetzle Objekt ist entscheidend.— W. N. 1901. I. Ja. S. und 3. Suchen Sie die öffentliche Biilloihek, Alexandrinenstr. 26, auf.— M. W. 100. Letzter Termin 81. März 1907. — H. 500. Die Bcrufsgcnossenschast könnte einen aus Herabsetzung ge- richteten Versuch unternehmen, würde aber, selbst wenn Sie mehr ver- dienen, in Ihrem Falle schwerlich Erfolg haben.— Hiibner. Gegen den Bescheid müssen Sie Berufung an das Schiedsgericht für Arbeiterversicherung einlegen.— Pankow M. 31. Die RcichSbank, Deutsche BaM oder Dresdner Bank sind sicher. Wegen der nähere» Bedingungen müssen Sie sich an die Banken selbst wenden. Sie könnten sich auch z. B. an die Berliner oder Schöneberger Sparkasse wenden.— F. P. 38. Die betreffende» Werke vermögen wir nicht zu empfehlen, durch die Vorwärts buch Handlung erhalten Sie sämtliche Arten Bücher.- W. 3t. 19. Kündigung fit in Ihrem Falle nicht erforderlich. Die Fälligkeit tritt mit der erreichten Voll- jährigkeu ein.— Spandan 100. Ihr Freund müßte gegen das voll« ständig unberechtigte Strasmandat Einspruch erheben. Sprechen Sit eventuell mit dem Strafmandat in der juristischen Sprechstunde vor.--- R. P. 117. Oktobristen werden die Mitglieder deS Verbandes de« 17. Oktober genannt, d. h. des Verbandes, der sich aus den Boden des zaristischen VersassungSmanisesteS vom 17./30. Oktober 1905 stellt und vor» gibt, die Verwirklichung der dort verheißenen Freiheiten zu erstreben.—■ O. G.. Grimmstraffe. Der Präsident des Reichstages wird zunächst aus vier Wochen, dann sür die Session gewählt.— E. 123. 1. Nein. 2. Da? können Sie halten, wie Sie wollen, event, müßten Sie klagen. 3. Nein.— A.«. 1907. Der Umstand ist leider kein Grand zur sofortigen Aus. Hebung des Vertrages. Nach der Fassung des Vertrages kann auch zu einer Klage aus Beseitigung des Mißstandes nicht geraten werden. Sic müßten sich aus Ihre Kosten an einen Kammerjäger wenden, vielleicht trügt der Wirt dazu bei.— Heuer 100. Mich.— W. P. 4041. Sprechen Sie gclegenliich gegen 7 Uhr abends vor.— O> R. 99. Nein. — B. 905. Sind Sie im Jahre 1905 aus der Landeskirche ausgetreten, so haben Sie nur bis zum 31. Dezember 1906 Kirchensteuer zu zahlen.— O. 3. 162. Wenn Sie mit dem Vorsitzenden sprechen, wird sich em Weg für Nichtanmeidung finden lassen.— Ä. B. 25. Keine der beiden ge- nannten Kassen haben wir Anlaß zu empfehlen.— 100. Leider ja.— Gebclsberg. jSoiche Zeitung ist uns nicht bekannt.— G. H. L. 24. 1. Ucber Reiseangelegenheiten erhalten Sie die zuverlässigste Auskunst i« den amtlichen Auskunstsstellen, Alexanderplatz, Potsdamer-Bahnhof, Schle- fischcr Bahnhos. Anhalter Bahnhos. 2. 500 M.— O. 3t. 125, Nein.— R. D. 88. 1. Klage muy erfolgen. 2. Ja. 3. Nein.— Bött 24. Ihnen muß Antwort erteilt werden, event. wenden Sie sich beschwerde- führend an das Reichsverstcherungsamt.— F. B. 17. Ihre Schwester müßte zahlen und kann lediglich gegen das Fräulein aus Rückzahlung klagen. — 3. 100. Durch die Buchhandlung Vorwärts können Sie jede? Buch beziehen.— Elfendeinblricher. Die Kostenrechnung entspricht dun Gesetz.— E. 3t. 100. Wenden Sie sich an eine Fortbildungsschule.— 99c. Ja.- Münchenerstr. 25. 1.-3. Nein.— K. K. 79. New. aber zur Leistung des Unterhalts.— P. B. 100. Im Klagcsalle würden Sie zur Zahlung verurteilt werden.— M. X. 24. Eine Klage aus Aus- Hebung des Vertrages und aus Schadenersatz wäre nicht ohne jede Aussicht aus Erfolg.— A. G. 100. Es könnte sich vielleicht um Verstoß gegen eine dortige Polizeiverordnung handeln.— E. I. Ein Recht aus Aus- nähme in die Heilanstalt besteht nicht.— R« H. 104. Strafbarkeit liegt vor.— O. R. 50. Wenden Sie sich an einen Arzt.— R. F. 38. Nein. — F. 34. Nach zutreffender Ansicht stände Ihnen ein Anspruch zu; da» Gewerbegericht hat aber in gleichlicgenden Fällen anders entschieden.— — E. G. 108. 1. Es müßte gerichtliche Todeserklärung erwirkt werden. 2. Nein.— C. B. 25. 1., 2., 4.: Ja. 8. Nein. 5. Die Klage ist beim Amtsgericht einzureichen. Den Beweis sür den Hergang müßte aber Ihr« Schwagerin führen.— A. D. 47. Ohne Einsicht in den Vertrag ist eine auf den Vertrag bezügliche Frage nicht zu beantworten. Die juristische Sprechstunde steht jedem Abonnenten offen.— JuliuS 28. Eine Be- schwerde iväre zulässig, hätte aber leider keine Aussicht aus Erfolg.— Kanonenfutter. Dienstuntauglich, nur sür den Landsturm brauchbar.— F. Z. 23. Zum passiven ReichstagSwahlrecht gehört ein Alter von 2S Jahren. K. ist am 4. April 1873 geboren.— H. 3. Etwa 6000, die näheren Daten sind uns nicht bekannt.— M. M. 1000. Nein. — 3chulze. Wird ein Grundstück im Wege der Subhastatton(z. B. im ersten Quartal) verlaust, so kann der neue Eigentümer bis am dritten Tage des aus das Kaussquartal solgenden Monats(also z. B. bis am 3. April) zum Schluß des Quartals(also z. B. zum 30. Juni) länger dauernde Mietsverträge kündigen.— Hollarff 1907. 1. Ja. 2. Ist eine schamlose Erfindung.— I. K. 99. 1. und 2. Stein. 3. und 4. Ja. S. Zeugnis der auswärttgen Behörde, daß der Heirat Hindernisse nicht entgegenstehen. I. K. 12. Mietsstemvelsleuer ist sür das Kalenderjahr 1. Januar bis 31. Dezember, in der Regel im Januar zu zahlen. Berliner svtarktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtlscheu Marklhallen-Direttion.(Großhandel.) Rindfletsch la 68—73 pr. 100 Pfd., Da 62-67, lila 56-61, IVa 48—54, dän. Bullen 60-65, Holl. 0,00. Kalbfleisch. DovpellSndcr 110-125, la 82-90, IIa 72-80, Nla 52-68, Holland. 00,00, dän. 55—65. Hammelfleisch la 66—75, IIa 43— 64. Schweine- sieiich 48-56. Rehwild, m. Abschuß««., P. Pfd. 0,00, Rothirsch la 00,00. Rotwild plombiert 00.00. Damhirsch 0,45—0,60. Wildschweine 00,00, Frischlinge 0,30—0,55. Kaninchen per Stück 0,65—0,85. Wildenten per Stück 1,50—1,75. Hühner, alte p. Stück 1,50—2,00, do. Da 0,80—1,30 do. junge p Stück 0,00. Tauben per Stück 0,50—0,55, junge kleme 0,00, italienische 1,10. Enten per Stück 2,30—2,60, dito Hmnburger junge per Stück 3,75. Gänse, Hamburger per Pfund 1,20, Eis- 0,55—0,58. Hechte per 100 Psund 74—82, groß 67, mittel 0,00. Zander 0,00, dito mittel 0,00, do. matt 80—87. Schleie, unsorttert 9,00, do. groß 0,00, do. mittel 94. Aales, groß 137. mittel 0,00, klein und mittel 0,00. Plötzen, klein 0,00, do. groß 0,00, do. 41—49. Karpfen, 62, do. Galiz. 50— 80er 60-62,. do. sravz.. 70-100« 0,00. Bleie 41—45. Aland 56. Bunte Fische 0,00. Börse, matt 0,00, do. groß 68—70. Karauschen 0,00. Bleifische 0,00. Wels 0,00. Quappen 61. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Pfd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. nia neuer 75. Seelachs 30—35. Sprotten, Kieler, Wall 0,80—1,50, Danziger, Kiste 0,00. Flundern, Kiclpr,. Stiege la 3—4, do. mittel per Kiste 2—3, Hamb. Sttege 4—6, ba(be, Kiste 1,50—2. Bücklinge, per Wall Kieler 3,50—6,00, Stralsunder 6,00,. Aple, groß per Psd. 1,10—1,40, mittelgroß 0,80—1,00, tiein 0,60—0,80.-Heringe, per Schock 5—9. Schellfische Kiste 6—7, do. »/, Kiste 3—4. Kabliau, p. 100 Psd. 30—35. Heilbutt 0,00. Sardellen, 1902er per Anker 95, 1904er 93, 1905e> 90, 1906er 75—80. Schottische Vollheringe 1905 0,00, largo 44— 45, füll. 88— 40, med. 35— 42, deutsche 37— 44. Heringe, neue Matjes,. per.'/, To. 60-120. Sardinen, ruff.. Faß >,50—1,60. Bratheringe, Büchse 14 Liter) 1,50—1.75. Neunaugen, Schocksaß 1t, kleine 5—6, Riesen, 14, Eier, Land-, perSchock 4,50— ,480. Butler per 100 Psd. la 114-116. Da 110-114, lila 107, abfallende 95-100. Saure Gurken Schock 4,10—4,50, Pfeffergurken 4,00—4,50. Kartoffeln per 100 Psd. 0,00, inagmim bonum 2,50—3,75, Dabersche 2,25—2,50, Rosen 0,00, weiße 2,25—2,50, Salatkartoffcln 6,00—7,00. Spinat per 100 Psund 25—30. Karotten per 100 Pfund 15—18. Sellerie, hiesige, per Schock 4,00—3,00, do. pommersche 9,00—12,00. Zwiebeln große, per 100 Psd. 4,00-4,50. do. kleine 3,00—3,50. do. hiesige(Perl.) 0,00. Charlotten 0.00. Petersilie, grün, Schockbund 1,50—2,00. Kohlrabi' per Schock 0,00. Reltig, bayr., per Schock 2,40— 4,80. Mohrrüben per 100 Psund 3,50— 4,50. Teltower Rüben per 100 Psd. 8—10. Weiße Rüben, große 0,00, kleine 0,00.. Rote, Rüben 3,00—4,00. Blumenkohl ital. per Korb 2,25—2,75.. Kahlrüben per. Schock 2,00—2,50. Wirsingkohl ver 100 Psd.. 3,00-4,25. Rotkohl. per 100 Psd. 3,00-5,00. Weißkohl 100 Pfd. 2,00-3,50. Rosenkohl per 100 Psd. 14—16. Grünkohl per 100 Psd. 5,00-7,00. Rhabarber 100 Bd. 7.00—12.00. Birnen, per 100 Psd. hiesige 0,00, böhm. 10—20, ital. 30—35, Aepsel, per 100 Psd., hiesige 5— 25, Gravensteiner 0,00. Tiroler in Fässern OJÜO, Kiste 30—60, Amerik. 26—38. Zitronen. Messina, 300 Stück 8,50—9,00, 360 Stück 8,50—9,00, 200 Stück 9—13. Apselsinen, Jaffa, per Kiste 0,00, Murcia 200 er Kiste 7-9, do.-300« 8—10, Valencia 420 er Kiste 13—24,00, do. 714 er 17—23,50, Mcssina, 16t er. 9—13,00, do. 200er 8,50-12,00, do. 300er 8-12, Blut- 100er 7—9, do. 150 er 7,50—9,50, do. 80er 7—10. Ital. in Körben per 100 Psd. 0.09. Mandarmm, Kiste 0,75—2,00, do. i» Körben per 100 Psd. 32-35. Witteruugvüderstcht vom k». März 1907, morgens S Uhr. Stattonen Swinemde. Hamburg Berlin ranks.a.M. üncheu Wien Ä 775SSO 772 SSO 775 SO 770 O 772 SO 778Sttll Otttn 2 wölken! 2 Dunst L wölken I 1 wotkenl 4wolkenls j wölken! » s n» e li S* *& -1 o -2 0 —4 -3 Slattonen i«. a 5 »= B« S aparandal7S2SW etersburg 767NW Scilly Aberdeen Paris 766 S 756 S 767 OSO am« 2 wolkig 2balb bd. 2bedeckt 4 bedeckt Iwolkenl aai n e> s II gw WS. 8 —4 8 4 -1 Wetter-Prognose für Mittwoch, den K. März 1907, Etwas wärmer, zunächst meist heiter und trocken bei lebhaften südlichen Winden; später zunehmende Bewölkung. Berliner Wetterburgau. Wafferftand am 5. März. Elbe bei Aulsig— Meter. Sei Dresden— 50 dp.— Elbe bei Magdeburg 2,50 Meter,— Elbe bei Straußfurt— Meter.— Oder bei Raiibor 1,26 Meter. Oder bei Breslau Oberpegel— 0,44 Meter.— Neißcmündung 1,78 Meter. Oder bei Bricg 2,68 Meter.— B uggenhagen Volks- Versammlung! Immer noch die beliebten ockbierFeste. Freitag, den 8. März: Benefiz für den Zirkusdirektor Barnum Otto Pritzkow, Münzstr. 16. Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien. Der Untergang des Dampfers ,, Berlin". 168 Tote, 12 Gerettete. Den ganzen Tag Vorstellung. Bentral- Kranken- u. Sterbekasse der Zimmerer ( E. H. 2 Hamburg.) Dertliche Verwaltung Berlin. Freitag, den 8. März, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 8: 1/ 7+ Am Mittwoch, den 6. März, abends 8 Uhr, im Hofjäger- Palast, Zages Drdnung: Hasenheide 52/53. Die Lehren des jüngsten Wahlkampfes. Referentin: Genoffin Frau Rosa Luxemburg. Genoffinnen und Genossen! Sorgt für zahlreichen Besuch dieser Versammlung. Die Vertrauensperson. Verband der Tapezierer. Filiale Berlin. Freitag, den 8. März, abends 8 Uhr, in den Sophiensälen, Sophienstr. 17/18: Mitglieder- Versammlung. Zages Drdnung: Situationsbericht und unsere weiteren Maßnahmen. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt. Lichtenberg. 177/ 12* Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein Donnerstag, den 7. März, abends 8 Uhr: Mitglieder- Versammlung General- Versammlung 1. Abrechnung vom 4. Quartal. 2. Wahl der Revisoren. Der Vorstand. D Zages Drdnung: 1. Bericht des Gemeinde Wahlfomitees. 2. Aufstellung der Gemeindevertreter Kandidaten. 259/3 3. Fortsegung der Tagesordnung vom 19. Februar. J. A.: Richard Schröder, Tilfiterstraße 82. Frauen- Begräbniskasse der SchriftgieBergehilfen Berlins. Bekanntmachung. Bom 7. März 1907 ab, bea Das Erscheinen aller Mitglieder erwartet Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. Achtung! NB. Am Mittivochabend: Extra- Zahlabend in den Abteilungslokalen. Kasino- Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Der Vorstand. D. D. 14/6 Achtung! Heute Mittwoch, den 6. März, abends 8 Uhr, in ,, Haberechts Festsälen", Große Frankfurterstraße 30: Das neue März Programm. Volks- Versammlung. Nur noch bis Mittwoch: findet sich das Kaffenlotal beim Ledige Leute. Stolleg. Max Gatschke, Berlin N., 3. Sonntag 4 Uhr: Ledige Leute. Chauffeeftr. 76, Energeb. IV. 60/3 Der Vorstand. Zages Ordnung: Referent: Donnerstag& erftenmal: Nick Carter. 1. Kirche und Gewissensfreiheit. Gen. Ad. Stern. Große 1851b 2. Diskussion. Agitations ausschuß der Freireligiösen Gemeinde. Berliner Straßenbahn. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Bilanz am 31. Dezember 1906. Aktiva. Konto Batt des Gesamt- Bahnkörpers 4 P " " 57 004 565,17. Bau sämtl. Bahnhöfe u. Werkstätten 21 061 400,30 Bagen- Konto. 33 569 243,76 111 635 209,23 M. Abschreibung 1 300 000, ( Außerdem find noch abgeschrieben für 1906 auf Bahnkörper, Bahnhöfe, Werkstätten und Wagen 200 000,-., welche dem Bahnkörper- Amortisationsfonds überwiesen find.) Maschinen- Konto nach Abschreibung von 21 985,52 m. 9 671,34 10 380,90 m. Mobilien- Konto Utensilien- Konto Pferde- Konto nach Abschreibung von Geschirr Konto Belleidungen- Konto nach Abschreibung von 276 780,37 M. Inventuren Konto, Bestände von Materialien und Futter Rontoforser Konto, verschiedene Guthaben Raffa- Konto, Bar am 31. Dezember 1906 Konto Kautionen bei Behörden, bei diesen hinterlegt Effekten- u. Dokumente- Konto, Effekten u. Hypothekenbestände als Anlage des Reservesonds und des Bahnkörper- Amortisationsfonds Effekten des Beamten- Rautionsfonds. Nicht begebene 3% Dbligationen 4% Attienkapital- Konto Passiva. 3% Dbligationen- Sapital- Stonto 4% Hypotheken- Konto • " Dividenden- Konto, noch unbehobene Dividenden . 3% Obligationen Auslosungs- Konto, unbehobene Obliga 32% tionen und Zinsen. Binsen- Konto, Binjen per 1. Obtober bis Bahntörper- Amortisationsfonds- Stonto Mart 110 335 209,23 197 869,70 1, 1, Heute Mittwoch, abends 8% Uhr: Soeben erschien: Charles Fourier Sein Leben und seine Theorien bon August Bebel. Mit einem Borträt Fouriers und einer Abbildung des Phalanstères. Preis brosch. 2 M., geb. 2,50 M. Ferner empfehlen wir folgende Schriften von Auguft Bebel: Die wahre Gestalt Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Am Sonntag, den 3. d. Mts., verstarb unser Mitglied Johann Streeck an der Zuderkrankheit. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Heilands- Kirchhofes in Plößensee, Dohnastraße, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. des Christentums 137/3 bon Yves Guyot und Sig. Lacroix. Uebersett von einem deutschen Sozialisten. 5. Aufl. Preis 50 Pf. Glossen zu Yves Guyots ut. Sig. Lacroix': Die wahre Gestalt des Christentums. Nebst einem Anbang: Ueber die gegenwärtige und künftige Stellung der Frau. 3. durchgesehene Auflage. Preis 30 Pf. Unsere Ziele. Eine Streitschrift gegen die " Demokratische Korrespondenz". 11. Aufl. Preis 30 Pf. Attentate und Sozialdemokratie. Nach einer Rede, gehalten am 2. November 1898. 2. Auflage mit einem Nachwort. Preis 20 Pf. Der politische Maffenftreik und die Sozialdemokratie. Preis 20 Pf. Die Handhabung des Vereinsund Versammlungsrechts im Königreich Sachsen. Preis 1. Christentum und Sozialismus. Eine religiöse Polemik zwischen Herrn Kaplan Hohoff in Hüffe und Bebel. 9. Auflage mit einem neuen Vorwort. Preis 10 Pf. Die Frau und der Sozialismus. Preis geb. 2,50 M. Vertrauensmänner Versammlungen zur Lage der Arbeiter Süd- Westen: bei Habel, Bergmannstr. 5-7. Bericht der Kontrollkommission. Bericht der Vertrauensteute. Berbands angelegenheiten und Verschiedenes. Wedding, Gesundbrunnen u. Moabit: bei Bergemann, Zages Drdnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Vertrauensleute. 3. Verschiedenes. 1,- Jede Werkstatt muß vertreten sein, auch die Ausgesperrten. 1,-Adresse des Obmannes ist E. Weiland, Bremerstr. 46. 1, 2 104 078,93 13 441 492,27 19 954,83 602 019,12 6 079,006, 17 587 749,97 227,663,67 13000 380 800, Die in den Bäckereien. Preis 1 M. Expedition des„, Vorwärts", Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, Laden. Nordstift feinster 40492* Branche der Vergolder Nordhauser Kautabak in Dietrichs Festfälen, Dresdenerstr. 116. Gleichzeitig ist das Erscheinen der Branchenkommissionsmitglieder erwünscht. Achtung! Bautischler. Achtung! liefern an Groffisten, Händler zu den billigsten Preisen Athenstadt& Bachrodt, Tabakfabrik, Nordhausen Filiale: Berlin NO., Georgenkirchplatz 26. 151 288 048,72 Donnerstag, den 7. März, abends 8 1hr, im Gewerkschafts- ein Piano- Orchestriou gesucht. 100 082 400, 5 710 200, 1 103 000, 1726 000, 16 215, hause, Engel- Ufer 15( Saal IV): Versammlung der Bautischler Berlins und Umgegend. Tages- Ordnung: 1. Die weitere Stellungnahme der Bautischler zur Aussperrung. 37 539,50 2. Diskussion. 3. Bericht der Kommission. Die in Arbeit stehenden, wie die ausgesperrten Kollegen find 47 225,50 verpflichtet, an dieser Versammlung teilzunehmen. Da die für Sonntag anberaumte Versammlung von der Polizei Angebote mit Breis an Karl Schmidt, Stettin, Gr. Wollweberstr. 13. 19376 Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Stodarbeiter August Salzmann am 3. März verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. März, nachmittags 22 Uhr, von der Halle des Emmaus- Kirchhofes in Rirdorf aus statt. 82/7 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Beteiligten, besonders den Herren Prinzipalen und dem Personal der Firma 5. S. Hermann, sowie dem Verein Berliner Buchdruckmaschinenmeister und dem sozialdemokratischen Wahlverein des vierten Kreises meinen 41202 innigften Dant. Witwe Emma Schulz. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes spreche ich allen Kollegen, Freunden und Verwandten meinen herzlichsten Dant aus. 19255 Die trauernde Witwe Rosa Grasch nebst Kindern. Danksagung. Für die überaus große und allseitige Teilnahme bei der Be erdigung meiner lieben Frau, unjerer herzensguten Mutter Minna Heider geb. Grothe fagen wir allen denen, deren Anteilnahme an unserem Leib uns tröstete, sowie auch für die zahl reichen Kranzspenden unseren tiefgefühlten Dant. Insbesondere Danten wir allen unseren Stammgästen, dem Statklub Hoffnung", den Angestellten der 10. Revier Inspektion der städtischen Gasmerte, sowie dem Gesangverein " Lorbeerkranz" für den schönen Gesang am Grabe der für uns so früh Verstorbenen. 19246 Berlin, den 5. März 1907. Julius Heider nebst Kindern. Manteuffelstr. 29. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, 3/5 Spezialarzt für Hant- and Harnleiden. 10-2, 5-7 Sonntags 10-12, 2-4, Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Charlottenburg. Donnerstag, den 7. März 1907, abends 8 Uhr, im Volkshause, Rosinenstraße Nr. 3: 328 834,50 verboten und daher nicht stattfinden fonnte, werben Sie stellegen Mitglieder- Verfammlung. 31. Dezember 1906 Referbefonds- Konto 8 594 374,52 • . 18 163 141,70 Beamtenfautionen- Stonto Kontotorrent- Konto, verschiedene Gläubiger u. Bar- Kautionen 1599 433, Erneuerungsfonds- Stonto I 3 063 130,37 II 1 014 430,57 9 902 124,06 Gewinn- und Berlust- Stonto. 151 288 048,72 Gewinn- und Verlust- Konto am 31. Dezember 1906. Hypotheken- Rinsen- Stonto 32%% Obligationen- Zinsen- Konto 4% Gesamtabschreibungen Soll. Abgaben an die Gemeinden Erneuerungsfonds- Konto I, Zuweisung aus den BetriebsEinnahmen n.§ 39 des Statuts II, Zuweisung aus 1906 Saldo Neingewinn Haben. Gewinn- und Verlust- Konto, Gewinnvortrag aus 1905 Interessen- Konto, eingenommene ginsen Betriebs- Konto sämtlicher Linten 9 Mart 68 941,75 215 908, 36 760, 1 818 818,13 2 478 060,19 1 900 000, 360 000, ersucht, zu Versammlung zahlreich zu erscheinen. J. A.: Karl Reiche. Achtung! Ausgesperrte! Die Versammlung findet am Donnerstag bei Keller, Roppenstraße 29, statt. Bodenleger und Bohner. Freitag, den 8. März, abends 8 Uhr, bei Walter, Adalbertstraße 62: Kommiffionsfibung mit Vertrauenslenten. Tages- Ordnung: 1. Bericht von der Aussperrung. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. 82/6 Zentralverband der Handels-, Transport- und VerkehrsArbeiter Deutschlands, Verwaltungsstelle Berlin II. Achtung! Achtung! Sämtliche Bertrauensleute müssen anwesend sein. Das Komitee ist Fräserei-, Hobelwerks-, Schneidemühl- und 9 902 124,06 behufs Abrechnung der Billetts auch zugegen. 16 780 612,13 12 855,53 562 265,90 Schwarzer Die Einnahmen betragen ⚫ Ausgaben 35 174 338,57 9. B 18 968 847,87 " Friedrichsberg. Bleibt Ueberschuß 16 205 490,70 Fernsprecher Nr. 8. 16 780 612,13 Berlin, den 9. Februar 1907. Die Direktion. gez. Dr. Micke, gea. von Kühlewein, gez. Koehler, gez. Meyer. Nach vorgenommener Prüfung der Beläge und Bücher der Gesellschaft bescheinige ich hiermit die ordnungsmäßige Führung der Bücher und die Uebereinstimmung der vorstehenden Bilanz, sowie des Gewinn- und VerlustContos mit denselben. Berlin, den 9. Februar 1907. gez. C. F. W. Adolphi, gerichtlich bereidigter Bücherrevisor. Der Obmann. Adler Frankfurter Chaussee 5. Jeden Sonntag im Königssaale: Großer Ball unter Leitung des Herrn O. Bürger. Jeden Mittwoch: 38202* Willy Walde- Sänger. DO Gebr. Arnhold. Tischlerei- Kutscher sowie Hülfsarbeiter Berlins und Umgegend! Donnerstag, 7. März, abends 8%, Uhr, im Englischen Garten" Alexanderstraße 27e: Versammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag des Kollegen Herm. Schulz über:" Die Mikstände im Kutscherberufe und auf welchem Wege können wir dieselben beseitigen?" 2. Die Aussperrung in der Holzindustrie. Referent: Roll. Utheß. 3. Bericht der Sektionsleitung und Neuwahl derselben. 4. Geschäftliches. Kollegen! In Anbetracht der sehr wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht, daß Ihr alle Mann für Mann in dieser Versammlung erscheint. Stein Kollege darf fehlen! Kollegen, die dem Verbande noch nicht angehören, find als Gäste willTommen und können sich in der Versammlung als Mitglieder in den Verband einschreiben laffen. Die Sektionsleitung: Aug. Fehlow. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Anferatenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Oruc u. Verlag: Vorwärt Buchbruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Br. 55. 24. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Verfammlungen. " Mittwoch, 6. März 1907. geschehen. Eine längere Debatte entspann sich über die vom Kritiken des Vorwärts" sich in für die Arbeiterschaft wenig nüzVorstand veröffentlichte Kritik unseres am 8. Dezember v. J. ab- lichen Bahnen halten Es wäre besser, statt die Leistungen bürgergehaltenen Stiftungsfestes. Von fast allen Rednern wurde die An- licher Vereine und Künstler und Künstlerinnen, welche für die Arsicht vertreten, daß es nur zu begrüßen sei, wenn durch diese Kritik beiterschaft niemals in Frage kämen, im Vorwärts" so ausführlich Arbeiter- Sängerbund. In der letzten Ausschußsibung es dahin gebracht würde, daß die einzelnen Vereine und Dirigenten zu besprechen, den Arbeitergesangvereinen mit Rat zur Seite zu wurden folgende Vereine in den Sängerbund aufgenommen: mit mehr Ernst und Eifer sich ihrer Aufgabe hingeben und erkennen stehen und ihnen Fingerzeige und Lehren darüber zu geben, in " Jugend"( Berlin)," Gleiche Brüder"( Treptow)," Lebenslust" würden, daß auch die Arbeitergesangvereine bei richtiger und sach- welcher Weise die Vereine in gefanglicher Beziehung vorwärts ge( Berlin), Lyrania"( Berlin)," Waldesrauschen"( Wilhelmsruh), verständiger Leitung wohl in der Lage wären, dem Arbeiter- bracht werden könnten Die Kritik ohne Belehrung ist wertlos, und Männerchor 1905"( Berlin),„ Gutenberg"( Potsdam- Neubabels: publikum auf dem Gebiete des Gesanges Vollendetes und Muster- wäre es erwünscht gewesen, die einzelnen Redner hätten dies mehr berg), Vorwärts"( Rauen). Bei Besprechung der Sängerfeste giltiges zu bieten. Hierbei wurde auch von einem Vertreter hin zum Ausdruck gebracht. Infolge des angehäuften noch zu er wurde beschlossen, das Provinzial- Sängerfest am 9. Juni in gewiesen auf die Kritik des Vorwärts" über unser Stiftungsfest ledigenden geschäftlichen Materials wird vom Ausschuß beschlossen, Brandenburg a. H. abzuhalten. Die Besprechung und Festsetzung und selbige in Gegensatz gebracht zu der vom Vorstand veröffent- am 10. März eine außerordentliche Ausschußsizung abzuhalten. des Sängerfestes für Groß- Berlin soll in nächster Ausschußsizung| lichten. Dem wurde von Vorstandsseite entgegengehalten, daß die 27 1 Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Urania. Publikum gegenüber feinerlei Wissenschaftliches Theater. Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 6. März. Anfang 742 Uhr. 4 Uhr: Sizilien. 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Im Hörsaal 8 Uhr: Metalllegierungen. Kgl. Opernhaus. Die Verlobung Lustspielhaus. bei der Laterne. Coppelia. Rgl. Schauspielhaus. Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Deutsches. Das Wintermärchen. Lorking. Der Mikado. Anfang 8 Uhr. Schiller 0.( Wallner Theater.) Narrenglanz. Schiller Theater Charlottenburg. Im bunten Rod. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Der Familentag. Leffing. Mieze und Maria. Weften. Die lustige Witwe. Berliner. Der Hund von Basker ville. Komische Oper. Hoffmanns Erzählungen. Zentral. Der Milliardär. Neues Schauspielhaus. 1. Teil. Kleines. Die Kralle. Neues. Meißner Porzellan. Fauft. Täglich abends 8 Uhr: Husarenfieber. Zentral- Theater. ( Operette.) Abends 8 Uhr: Der Milliardär. Donnerstag: Der Zigeunerbaron. Schiller- Theater N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Der Familientag. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Anfang 8 Uhr. Der Erbe Residenz. Haben Sie nichts zu von Baskerville. berzollen? Lustspielhaus. Husarenfieber. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Narrenglanz. Ein Spielmannsdrama in 4 Alten bon Rudolf Rittner. Donnerstag abends 8Uhr: Die rote Robe. Freitag, abends 8 Uhr: Narrenglanz. Schiller- Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Im bunten Rock. Lustspiel in 3 Aufzügen von Franz b. Schönthan u. Freiherrn v. Schlicht. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Kaiserjäger. Freitag, abends 8 Uhr: Jugend. 7 Uhr. Zirkus Busch. 7 Uhr. Heute Mittwoch, den 6. März, um 8, Uhr: Fortsetzung der Gr. Internationalen Ringkampf- Sonder- Konkurrenz Prämien 10 000 M. W Ferner dem Sieger als Ehrenpreis eine Ringer- BronzeStatue, modelliert und gestiftet von Professor Reinhold Begas und der große Gold- Pokal, geftiftet von der Sportredaktion der Tageszeitung Das Deutsche Blatt". Ehrenprotektorat: Professor Reinhold Begas. Heute Mittwoch, den 6. März ringen: Paul Albano( Schweiz) geg. Fritz Müller( Süddeutschland). Eigemann jun.( Rheinland) gegen Pengal( Türkei). Siegfried( Deutschland) gegen Jaroslaw( Polen). Padoubny( Rußland) gegen Kara Safi( Adrianopel). Ferner: Die Perez- Truppe und das große Galaprogramm. Frl. Martha Mohnte, Schulreiterin. Herrn Ernst Schumanns Neudrejsuren sowie 9, Uhr Rom, großes Original- Manege- Schauftüc Peutich. Amerikaniſches, Martha. DERNHARD ROSE THEATED Zirkus Schumann Thalia. lustige Luisen. Der Erbe von Baskerville. Trianon. Frl. Josette- meine Frau. Bernhard Rose. Sherlock Holmes. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Herrnfeld. Ein verrücktes Hotel. Wintergarten. Charlotte Wiché. Avollo. Die 3 goldenen Jungfrauen. Bernhard Mörbig. Spezialitäten. Kasino. Ledige Leute. Spezialität. Folies Caprice. 100 000 Gulden Mitgift. Im Inspektionszimmer. Palast. Dante, Herr Frante. Spe zialität. Prater- Theater. Kabale und Liebe. Figaro. Seelenretter. Geisterauto. Paris.( Anfang 82 Uhr.) Walhalla. Die goldene Eva. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Intimes. Eine bom Ballett. Zapfenstreich. Bunter Teil. Urania. Taubenstraße 48/49. 4 Uhr: Sizilien. ( Sr. Frankfurterstr. 132. Sherlock Holmes. Heute Mittwoch, den 6. März: der Fortierung großen internationalen Ringkampf- Konkurrenz Morgen: Sherlock Holmes. Sonnabend nachm.: Das tapfere Schneiderlein. um Sonntag nachm.: Die Verschwörung der Frauen den Goldenen Kranz von Berlin Deutsch- Amerikanisches Theater. Gesamtgastspiel Theater des Westens. Heute abend 8 Uhr: Martha. Donnerstag: Der Troubadour. Freitag: Die Fledermaus. Sonnabend: Rigoletto. Sophie Heymann- Engels a. G. Sonntag nachm. 3 Uhr, halbe Preise: Rigoletto. a pollo Theater 8 Uhr: Die Feuergewalten der 8 Uhr: Ali ben Mocca, Burleste. Erde. 910 Cole de Losse- Dro, fomischer Hörsaal 8 Uhr: Metalllegierungen. Drahtseil- Art. 930: Die drei gol. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. denen Jungfrauen. 10 Uhr: Bern: Ferdinand Bonns hard Mörbit mit neuen Typen. 10% Jm 300, große Pantomime von Gebr. Donaldsen und Ardel. Außerdem das übrige große Programm. Berliner Theater. Anfang 8 Uhr. Der Hund von Baskerville. Metropol- Theater Donnerstag: Freitag: Der Hund von Basterville. Abends 8 Uhr: Neues Schauspielhaus Der Teufel lacht dazu. Mittwoch, den 6. März 1907: Gastspiel Josef Kainz: Faust. I. Teil. Anfang 7 Uhr. Donnerstag: Herthas Hochzeit. Anfang 8 Uhr. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Meißner Porzellan. Donnerstag: Meißner Porzellan. Freitag: Meißner Porzellan. Sonnabend: Meißner Porzellan. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender. Giampietro. Josephi. Rauchen überall gestattet.. Sonntag, 10. März, nachm. 3 Uhr: Auf in's Metropol. W. Noacks Theater. Direttion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Die mit großem Beifall aufgenommene Carmen. Kleines Theater. Anfang Sub. Entree 30 Bj. Uhr. Abends 8 Uhr: Die Kralle. Donnerstag: Die Kralle. Freitag zum 174. Male: idealer Gatte. Sonnabend: Die Kralle. Ein Lortzing Theater. Bellealliancestr. 7/8. Mittwoch, den 6. März, 7, Uhr: Der Mikado. 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