Nr. 56. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. numiner mit ilustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost. Abonnement: 1.10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Bumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. für Vorwärts Berliner Dolksblatt. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel. geile oder beren Raum 50 Big., für politische und gewerffchaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Pfg. jedes weitere Bort 10 Pig. Stellengesuche und Schlaf. ftellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg.. jebes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 1hr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1983. Die Debatte über den Etat. Donnerstag, den 7. März 1907. licher Polemik gegen das Zentrum, die bei alledem auch von gewissen Komplimenten für das Zentrum durchsetzt war, kam er zum Schluß auch mit einigen flüchtigen Worten auf sein eigentliches Regierungsprogramm zu " = Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. Die russische Revolution. Nach der Duma- Eröffnung. Die nächste Sigung der Duma ist auf den 8. März festDie Gruppierung der Parteien in der Duma. sprechen. Was aber versprach er? Nirgends ließ er sich Nach Schluß der ersten Dumasißung am Dienstag wurde eine Die erste Lesung des Etats hat eine Reihe auf flar umriffene programmatische Forderungen ein. In größere Straßenfundgebung veranstaltet, bei der Arbeiterdeputierte großer Reden, lebhafte Auseinandersetzungen zwischen der gleichem Atemzuge versprach er den Schutz der Land: Ansprachen an das Volk hielten. Die Gendarmerie machte von der Regierung und den Parteien und den Parteien unter- aufeinanderfolgenden Sägen gelobte er den Mittelstand zu wurden, sang die Marseillaise und den revolutionären Trauermarsch. Regierung und den Parteien und den Parteien unter- wirtschaft und den Schutz der Börse. In zwei blanken Waffe Gebrauch. Die Menge, in der rote Fahnen getragen einander gebracht. Trop all dieser Reden ist aber schützen und eine gesunde kräftige Sozialpolitik fördern zu Der Polizeidienst wurde für die Nacht verstärkt. ist aber irgend eine bestimmte Richtlinie für wollen. Nirgends aber bekannte er sich zu bestimmten Petersburg, 6. März.( B. H.) Infolge des nach Schluß die künftige Politik nicht zu erkennen Forderungen, nirgends gab er eine Erklärung, wie denn der gestrigen Dumafizung stattgefundenen blutigen Zuſammengewesen. Das ist von allen Seiten, nur bom Freisinn nicht, zugestanden worden. Der FreiDiese gefeggeberische Tätigkeit eigentlich stoßes zwischen der Polizei und der Volksmenge herrscht in der finn muß ja auch weiterhin seine Anhänger in den törichsten aussehen solle. Er begnügte sich mit allgemeinen, zu Stadt große Erregung. Die ganze Nacht durchzogen große nichts verpflichtenden Redensarten. Heute werden die Straßen und Illusionen von der Möglichkeit einer konservativ- liberalen nichts verpflichtenden Reden sarten. Dann verschwand Arbeitermassen die Stadt. er, nachdem er noch eine reichsverbändlerische Philippifa gegen Hauptpläge durch Militär abgesperrt. Der Stadtkommandant fionen nicht sofort hervortreten zu lassen, ist der Freifinn im wiedersehen von der Bildfläche. Baarung wiegen. Um nur ja die Unsinnigkeit dieser Illu- die Sozialdemokratie vom Stapel gelassen, auf Nimmer- erteilte den strengsten Befehl, bei den geringsten Ausschreitungen von der Waffe Gebrauch zu machen. Reichstag überaus bescheiden aufgetreten. Namentlich die Graf Posadowsky mußte sich mit allen Angriffen Petersburg, 6. März.( B. H.) In ministeriellen Kreisen ist stärkste freisinnige' Partei, die Freisinnige Volks- und Anfragen an Stelle seines Meisters und Herrn aus- man über die erste Sigung der Duma äußerst befriedigt. Die partei, hat an politischem Altruismus das menschen- einandersetzen. Natürlich konnte und durfte er irgend etwas allgemeine Ansicht geht dahin, daß die royalistische Kundgebung ein mögliche geleistet. Herr Wiemer, der Vertreter der frei- Bestimmtes nicht in Aussicht stellen. Das einzige, was er Hemmschuh für die Auflösung der Duma sein werde. Die Opposition finnigen Volkspartei, hat so matt und politisch charakterlos gesprochen, daß ihm selbst fonservative Blätter ihren Beilagen fonnte, war das, daß die Durchführung des Bülow ist von dem Wunsche beseelt, den Fortbestand der Duma zu sichern, schen Programms Geduld und viel Sessionen erfordern werde. und die sozialistische Presse predigt Mäßigkeit. Trotz aller dieser fall ſpenden. Ebenso hat im großen und ganzen die frei Dabei entschlüpfte ihm das föstliche Geständnis, daß es Umstände ist die Hoffnung auf einen langen Bestand der Duma sehr sinnige Presse alles vermieden, was den schönen hurrapatriotischen Freisinnsrausch in einen politischen fraglich fei, ob nun gerade mit dieser Reichstags- gering. Es soll bereits ein Gesetz vorbereitet werden, das die Behurrapatriotischen Freisinnsrausch in einen politischen mehrheit Bülows Programm zur Verwirklichung gelangen fugnisse der Duma einschränkt. Razenjammer verwandeln könnte. Die Konservativen fönne. Bosadowskys Einspringen für Bülow scheint übrigens Petersburg, 6. März. Der Kaiser empfing heute den Präsidenten dagegen sind ganz und gar nicht bescheiden ge- noch mit Undank belohnt werden zu sollen. Dem Anschein der Reichsduma Golo win in Audienz. wesen. Sie haben ihre agrarischen Forderungen energisch betont, ja Herr Gamp als Redner der Reichspartei nach hat Graf Pojadowsky dem Fürsten Bülow nicht einmal hat sogar dem Zentrum die Zuficherung gegeben, daß fich 6u Dant gesprochen. Etiva deshalb, weil Posadowsky gesetzt. die Wege der Konservativen und des Zentrums bald genug schlug? Oder etwa deshalb, weil Posadowsky andeutete, zu ehrlich war und nicht gleich Bilow eitel Schaum wieder einigen würden. Rücksichtsloser noch hat die kon: daß der Reichskanzler der eigentlich Verant mit ben mit ihnen sympathisierenden Parteilofen die überwältigende Im Gegensatz zur ersten Duma, in der die Kadetten gemeinsam fervative Presse die freifinnigen Verbündeten mit servative Preise die freisinnigen Verbündeten mit beißendſtem Spott überschüttet. So hat das führende fon- ortliche für die Reichstagsauflösung sei, daß er im Mehrheit des Hauses, die Rechte und die Linke aber nur verhältnisfervative Organ, die Kreuzzeitung", den Freifinn Falle eines Mißerfolges habe zurücktreten müssen? mäßig fleine Häuflein bildeten, sind in der gegenwärtigen Duma Kreuzzeitung", den Freifinn väterlich ermahnt, im Reichstag doch keine Anträge zu stellen, wie dem immer fei: Tatsache ist, daß bereits gegen Bofa- brei große Gruppen zu unterscheiden, von denen allerdings keine die vom Zentrum und der Sozialdemokratie dowsky Sturm gelaufen wird. So bringen die am start genug ist, um selbständig eine Mehrheit zu bilden und unterstützt werden könnten-- jonst fönnte die Blod- burger Nachrichten" von einer Seite, die sich wieder so die ganze Politik der Duma zu bestimmen. Der schöne brüderschaft leicht in die Brüche gehen. Wenn aber der Frei- bolt als wohl unterrichtet gezeigt hat, folgende Mitteilungen Vorwahltraum der Regierung, eine reaktionäre Mehrheit zu er halten, ist in nichts zerronnen; denn die Rechte,( ,, echtfinn gleichwohl solche Anträge einbringen zu müssen glaube, über Unstimmigkeiten in der Reichsregierung": So dürfe er wenigstens nicht auf ihrer Erledigung bestehen! „ Es ist richtig, daß Graf Posadowsky über die Auf- russische Leute", Oftobermänner, Gemäßigte, Monarchisten usw.) zählt Lösung des Reichstages anderer Meinung war als der insgesamt etwa 140 Mann. Anträge aber, denen die Sozialdemokratie ihre ZuDas gleiche Schicksal hat aber auch Kanzler. Graf Posadowsky versprach sich von einer Auflösung stimmung geben könnte, würden eben so I che Anträge sein, feinen Erfolg. In dieser Beziehung hat der Ausgang der Wahlen den kadettischen Plan einer kompakten tadettischen Mehrheit die sich im Sinne der liberalen Prinzipien bewegen, demo- dem Stanzler recht gegeben, und es ist anzunehmen, daß auch Graf ereilt; denn sie verfügen nebst den„ friedlichen Erneuerern", demo-. kratischen Geist atmen würden! Die Konservativen muten Posadowsky seine Ansicht über die Auflösung geändert hat. Im fratischen Reformern und anderen kadettenähnlichen Linken über also dem Freisinn zu, daß er auf jede Betätigung seiner übrigen ist ber Kanzler wiederholt mit dem ungefähr 130 Anhänger, die Linke dagegen über 180. Davon liberalen Prinzipien fünftig ein für allemal verzichten solle! Auftreten des Grafen Posadowsth nicht entfallen auf die Sozialdemokraten 60, die Sozialrevolutionäre und einverstanden gewesen. Abgesehen bon früheren Voltssozialisten 40. fommt Vorfällen, dafür namentlich die Beantwortung Auf den ersten Blick erscheint diese Situation für die Kadetten in Betracht, die Staatssekretär Graf Bofadowsty auf die außerordentlich günstig zu sein, da sie in der angenehmen Lage find, Rede des Zentrumsmitgliedes Gröber folgen ließ. abwechselnd zwei Mehrheiten zu bilden eine mit der Linken gegen Man würde jedoch fehlgehen, wenn man danach annähme, daß Schrader, Gothein und Payer wegen ihrer harmund so der Kanzler den Abgang des Grafen Posadowsky die Rechte, die andere mit der Rechten gegen die Linke losen Etatreden aufs gröblichste angerempelt und abgerüffelt wünsche. Der Kanzler schätzt den Staatssekretär zu hoch, als daß Reaktion und Revolution gegen einander auszuspielen. Durch eine wurden. Eine solche rücksichtslose Zensur mußten sich diese Borgänge wie der geschilderte, ihn zu dem Wunsche, der Staats- solche Schaufelpolitik aber würden die Kadetten natürlich politischen Freisinnigen gefallen lassen, trotzdem sie doch nur äußerst sekretär möge feinen Abschied nehmen, veranlassen sollten. Es ist Selbstmord begehen: sie würden nicht nur die Unterstützung der zaghaft und zahm die antiagrarischen und daher anzunehmen, daß, solange Graf Posadowsky sich nicht Linten in der Duma verlieren, sondern was für eine oppositionelle freiheitlichen Forderungen des Liberalismus amts müde fühlt, das heißt, solange er nicht selber politische Partei tveit schlimmer ist ihr Zusammengehen mit der den Wunsch zum zurüdtreten zu erkennen gibt, Rechten würde notgedrungen bald zu einem dauernden Bündnis auszu berühren wagten. Selbst der rabiateste von ihnen, ein Wechsel auf dem Bosten nicht eintritt." Herr Payer, bewies ja ein geradezu rührendes Entarten, sie würden unrettbar den letzten Rest von Ansehen bei den Der Minister des 12 000 Mart- Bettels ist wahrhaftig fein Maffen einbüßen und sich selber zu Volksverrätern stempeln. Jeder gegenkommen gegenüber der Regierung und den Verbündeten von der Rechten. Nachdem er die standalöse Kurs- linksstehender Staatsmann, aber er besitzt eine Seltenheit Anhänger, der noch einen Funken politischen Ehrgefühls und änderung des Freisinns in Sachen der Kolonial- und Welt- in dem gegenwärtigen Ministerium- Kenntnisse und Freiheitsliebe im Leibe hat, würde ihnen den Rücken fehren, politik als notwendige Rücksicht auf die junge Garde des auch eine gewisse gerade Ehrlichkeit. Wir glauben und die Kadettischen Wähler würden vermutlich in hellen Haufen Freisinns zurückgeführt, wagte er es, ganz leise gerne, daß er kein Freund solcher Experimente und Bluffs ist, davonlaufen. Aber auch wenn die Kadetten auf den Gedanken ünsche zu äußern und einen späteren Dank der wie sie der Reichskanzler bei der Reichstagsauflösung beliebt tämen, unter Ausschaltung der„ Echt- russischen Leute" und unter Regierung für das freifinnige Entgegenkommen in aller hat. Geht Posadowsky, so weicht er sicherlich nur einem Seranziehung der mäßigeren Glemente der Linken und der Oktobristen Bescheidenheit zu erbitten. Aber selbst diese Be- Schlechteren. Der Rücktritt des einzigen Ministers, der trob ein„ fonftitutionelles Zentrum" zu bilden, würden sie nicht viel besser scheidenheit schütte ihn nicht vor der galligen Verhöhnung der seines reaktionären Grundcharakters wenigstens noch ein abschneiden; denn in den Augen des Volkes find die Oktobriften Herren Konservativen. Je rücksichtsvoller der Freifinn auf- gewiffes sozialpolitisches Verständnis besessen, wäre dann die nur eine Abart der„ Echt- russischen Leute" und ein dauerndes trat, desto rücksichtsloser gebärdeten sich die Herren von der Einleitung der nenen sozialen Aera, das Ergebnis der kon- Bündnis mit ihnen würde die Kadetten gleichfalls schwer Rechten als die Herren der Situation, als diejenigen, von fervativ- liberalen Paarung! schädigen. Ueberdies ist eine solche Kombination wenig lebensEinen Vorgeschmack der Rücksichtslosigkeit, mit der die Konservativen ihre freisinnigen Wahlzutreiber zu behandeln gedenken, bot schon die Art, wie von der treuzzeitung" und Deutschen Tageszeitung" die Herren werde. " -deren Gnaden es abhängt, ob der Freisinn auch fernerhin Die Reichstagswahl hat keinerlei Lösung und Klärung fähig nicht nur aus allgemein politischen, sondern auch aus als Zutreiber und Helfershelfer der konservativ- reaktionären der politischen Wirrnis gebracht, gebracht, vielmehr nur ein parlamentarischen Gründen, da sie selbst bei den günstigsten Politik geduldet, oder aber wiederum in das Nichts seiner schlimmeres Wirrsal erzeugt. Aber diese Birrnis Berechnungen kaum 52 bis 53 Prozent aller Dumamitglieder umSobald erst die wirkliche gesetz fassen würde. früheren oppofitionellen Bedeutungslosigkeit zurückgeschleudert wird nicht ewig dauern. geberische Arbeit beginnt, wird auch der Freisinn nicht Es bleibt somit den Kadetten in Wirklichkeit nur ein Weg Ein sehr vermerktes Novum dieser Etatdebatten war es, mehr mit allgemeinen Phrafen auskommen, sondern übrig, den sie, ohne als oppositionelle Partei Selbstmord zu üben, daß der Reichskanzler nach flüchtigem Debut die Verhand- Farbe bekennen müssen. Dann wird sich zeigen, ob nicht betreten könnten: Das Zusammengehen mit der Linken. Die lungen konsequent schwänzte. Graf Posadowsky entschuldigte von neuem das alte Schauspiel eintritt, daß der Freifinn Kadetten werden troß der maßlosen Beschimpfungen, mit denen fie ihn auf zwei Tage wegen dringlicher anderweitiger Ar- öfter mit der Sozialdemokratie und dem Zentrum, als mit die sozialistischen Parteien während des Wahlkampfes überschüttet beit, aber der Reichskanzler geruhte auch in den späteren den Konservativen und Nationalliberalen zusammengeht. haben, wohl oder übel in den ſauren Apfel beißen und unter dem Sigungen nicht, das Haus mit seiner Anwesenheit zu be- Dann werden sich auch bei den agrarischen und den Druck der realen Verhältnisse der wachsenden Revolutionierung des ehren. Mit qutem Recht konnte die Zentrumspresse Fragen der allgemeinen Kultur Konservative und Boltes- der Not gehorchend eine Schwenkung nach links den Fürsten Bülow verhöhnen, daß er gekniffen sei, nicht den Bentrum wieder zusammenfinden. Es wird dann eben politisch vollziehen müssen. Aufgabe der linken Parteien, vor allem der Mut besessen habe, sich den Angriffen ihrer Redner persönlich fortgewurstelt werden wie bisher. Höchstens mit dem Unter- stärksten und einflußreichsten unter ihnen, der sozialdemokratischen zu stellen. Als Grund dieses eigenartigen Verhaltens des schiede, daß der Freifinn noch mehr als bisher seine Prinzipien Fraktion, wird es sein, die für sie günstige Situation richtig ausReichskanzlers bezeichneten wir bereits die Absicht des Fürsten verleugnet und immer mehr ins nationalliberale Fahrwasser zunuzen, um die Kadetten nach links zu reißen und dadurch trotz, Bülow, die Kluft zwischen Regierung und Zentrum, ohne hineinsteuert. der Dumafeindlichkeit der Regierung, trotz des provokatorischen Aufdas die Regierungspolitik schlechthin unrealisierbar ist, nicht Als Endergebnis wird sich nur das eine zeigen: tretens der Rechten, trotz der duckmäuserischen Vorsichtigkeit der noch zu vertiefen. Sicherlich war diese Rücksichtsnahme, dieser Die Konzentration der ganzen befizenden Klasse gegen die Kadetten die Duma zu einer möglichst scharfen Waffe im Kampfe beffere Teil der Tapferkeit, nicht die einzige Ursache Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie ihrerseits aber wird für Rußlands Befreiung zu machen. von Bülows Fernbleiben. Der Reichskanzler wollte über- es nicht daran fehlen lassen, dem geeinten reaktionären haupt eingehenden Debatten ausweichen, um sich nicht in der Bürgertum das geeinte Proletariat gegenüberzustellen! Hize des Gefechts aufs Glatteis locken, sich nach keiner Nichtung hin festlegen zu lassen. Schon seine erste Rede war überaus schwammig und nichtssagend. Nach endloser klein. Staatsstreich- Pläne? Petersburg, 6. März.( B. H.) Für den gegebenen Moment psychologisch interessant ist folgendes Gerücht, welches mehrere Tage Tursiert hat und jetzt überall als Tatsache ausgegeben wird: Die " " Monarchisten sollen nämlich beabsichtigen, bald nach Eröffnung der kritisieren. Zwei Ordnungsrufe holte sich allerdings Ledebour Brief den deutschen Botschafter in Paris, den Fürsten Radolin, Duma einen Staatsstreich auszuführen, die höchsten Staatspersonen, später noch, als er den Bluff" Dernburgs in dessen an, den Genossen Jaurès darauf aufmerksam zu machen, daß er so weit sie nicht ihren reaktionären Plänen gefügig sind, zu ver- kolonialpolitischen Darlegungen bloßlegte und dann es als in Berlin nicht als Redner zugelassen werde. Allerdings besteht, haften und die Diktatur zu proklamieren! Gewissenlosigkeit" bezeichnete, daß Dernburg den wie wir im voraus der Nordd. Allgem. 3tg." zugeben, zwischen Farmer Schlettwein als Musterbeispiel für Farmer hin- der damaligen und heutigen Situation ein gewisser Unterschied. gestellt habe. Der Ausdruck bluffen" schnellte den ehe- Damals hatte sich der Leiter der deutschen auswärtigen Politik maligen Börsianer Dernburg von seinem Size empor und in der Marokko- Angelegenheit aufs äußerste blamiert, und es jagte ihn spornstreichs zum Präsidenten, den er zu einem stand zu erwarten, daß trok des vom Reichskanzler selbst dem GeOrdnungsruf aufputschte. noffen Jaurès nachgerühmten Taktes diese Blamage nicht gang Aufträge der Petersburger Arbeiter an ihren Deputierten. In den Arbeiterkreisen Petersburgs werden zurzeit die Forderungen beraten, welche dem Deputierten von der Arbeiter furie auf den Weg gegeben werden sollen. In einer Reihe von Versammlungen wurde beschlossen, den Arbeiteraufträgen die folgenden Punkte zu Grunde zu legen: 1. Staatliche Versicherung der Arbeiter auf Kosten der Unternehmer. 2. Gerichtliche Verantwortung der Unternehmer für jede Uebertretung des Arbeitsschutzgesetzes. 3. Achtstündige Arbeitszeit. 4. Vollständiges Verbot der Ueberstunden. 5. Errichtung von Ausgleichskammern. 6. Schutz der Kinder- und Frauenarbeit. 7. Reform der Fabrikinspektion. 8. Abschaffung der Strafgelder. 9. Unentgeltliche ärztliche Hülfe. " Köstlich war es, als Ledebour die Freisinnigen als die unerörtert bleiben würde. Herr Lucien Hubert wird dagegen vorleicht zu befriedigenden Streber hinstellte, deren Opposition" aussichtlich in der überschwänglichsten Weise die Tätigkeit Franksich schon beruhigt, wenn ein Konzessionsschulze" wie Dernreichs auf kolonialem Gebiet rühmen und dadurch den ganz- und burg, den sie als einen der Jhrigen betrachten, zum Minister halboffiziösen Blättern Gelegenheit zu allerlei Vergleichen und zur designiert wird. Empfehlung einer ähnlichen kolonialpolitischen Opferwilligkeit für eine vernünftigere Kolonialpolitik geſtellt werden. A 10. Verwirklichung der im Manifest vom 30. Dktober 1905 verheißenen Freiheiten. 11. Verwirklichung des Gesetzes über das allgemeine, Direkte, geheime und gleiche Wahlrecht. 12. Aufhebung des Kriegszustandes, des verstärkten Schutzes usw. 13. Einführung der Verantwortlichkeit der Minister vor der Volksvertretung. 14. Amnestie für politische und religiöse Vergehen. 15. Abschaffung der Todesstrafe. 16. Unabhängige Gerichte und für alle gleiche Gerichtsbarkeit. Prinzipiell erklärte dann unser Redner die Stellung der bieten. Fraktion zur amtlichen Kolonialpolitik, die er eine brutalisierende Uebrigens erfordert es unserer Ansicht nach die sogenannte nannte, weil sie mit den brutalsten Mitteln kapitalistischer Aus internationale Anstandspflicht, daß die Deutsche Kolonialgesellschaft beutung arbeite und deshalb prinzipiell von der und die hinter ihr stehende Regierung nicht die Dienste französi Sozialdemokratte bekämpft werde. Dagegen scher Kolonialpolitiker in Anspruch nehmen, ohne sich erkenntlich wies er nach, daß auch im bürgerlichen Lager Forderungen zu zeigen. Es ist durchaus notwendig, daß Herr Dernburg Gleiches mit Gleichem vergilt und in Paris redet. Als Themata Der Kolonialdirektor Dernburg ergriff zum Schluß das seiner Vorträge würden sich vorzüglich eignen:" Die Dattelpalmen Wort zu einer Entgegnung auf die Angriffe Ledebours, die Bewaldung der Omaheke- Wüste" oder:" Die Kunst der Aufstellung den Kolonialheros nervös gemacht hatten, aber er fiel damit schöner Kolonialbilanzen". I völlig ab. Damit schloß die erste Lesung der Nachtragsetats, die ohne Kommissionsberatung am Freitag sofort im Plenum zur zweiten Lesung gelangen. Eisenbahnfragen. Das preußische Abgeordnetenhaus begann am Mittwoch die Beratung des Etats der Eisenbahnverwaltung. Die Debatte wurde durch eine Nede des neuen Ministers Breiten 5 a ch eingeleitet, der das gleiche günstige Bild entrollte, das wir seit Jahren zu sehen gewöhnt sind. Die Eisenbahnen werfen immer höhere Ueberschüsse Der neue Reichsdumapräsident. ab, aber es ist keine Rede davon, daß die Ueberschüsse zu Tarif Fedor Alexandrowitsch Golowin ist am 3. Januar 1868 reformen, zu Besoldungs- und Lohnaufbefferungen oder für sonstige geboren und entstammt einer älteren russischen Adelsfamilie. Nach Swede der Eisenbahnverwaltung verwendet werden. Der Finanz Absolvierung der juristischen Abteilung des Lyceums Beffarewitsch minister hat immer schon im voraus Beschlag darauf gelegt! Es kann Nikolaj im Jahre 1891 wurde Golowin in der ordentlichen deshalb nicht nachdrücklich genug gefordert werden, daß endlich zwischen Gouvernements Adelsversammlung im Jahre 1893 zum Ver- der Eisenbahnverwaltung und der eigentlichen Finanzverwaltung eine trauensmann des Adels im Dmitromster Bezirk auf drei reinliche Scheidungeintrete. Nur so wird es möglich sein, dem über Jahre gewählt. Gleichzeitig bekleidete er das Ammt eines triebenen Fistalismus entgegenzuwirken. Friedensrichters. Seit dem Jahre 1896 fungierte Golowin Politische Ueberficht. Berlin, den 6. März 1907. Dernburgiaden. Mit den Vereinigten Staaten von Amerika haben wir bereits einen höchst wertvollen Professorenaustausch; vielleicht gelangen wir auf diesem Wege zu einem Rolonialpolitikeraustausch mit Frank reich und schließlich sogar zu einem Staatsmänneraustausch. Große Hoffnungen darf sich allerdings das deutsche Volf in dieser Hinsicht nicht machen, denn den Leiter unserer auswärtigen Politik dürfte keine der europäischen Großmächte für ein vollwertiges Austauschobjekt halten. 6 Deutfches Reich. Die Regierung als Wahlagentin. An die in Nr. 52 des Vorwärts" besprochenen Ausführungen des Vorsitzenden der Kölner Nationalliberalen, Professors Moldenhauer, hat sich eine Polemik zwischen der Kölner Zentrums. und der liberalen Bresse geknüpft, durch die man jetzt näheres über den von der Regierung eingeleiteten Stichwahlkuhhandel erfährt, der sich um die neun rheinisch- westfälischen Wahl. als Abgeordneter der Dmitrowster Semstwoversammlung. Ein Wie arg die Eisenbahnverwaltung ihre Aufgaben vernachläffigt, treise Altena- Iserlohn, Bielefeld, Bochum, Köln- Stadt, DuisJahr später wurde er in die die Moskauer Gouvernements- wie fehr sie sich in Abhängigkeit vom Finanzminister begeben hat, burg- Ruhrort, Düsseldorf, Elberfeld- Barmen, Effen und Lennep Semstvoverwaltung berufen; am 8. Juni 1904 wurde er zum das beweist die Tatsache, daß sie im letzten Jahre nicht mehr im- Remscheid, drehte, wo die bürgerlichen Parteien sich gegenseitig Präsidenten der Moskauer Gouvernements- Semstwoverwaltung stande war, den infolge der Hochtonjunktur außerordentlich ge- gegen die Sozialdemokratie unterstüßen sollten. Gegen die gewählt; dieses Amt bekleidete er bis zu feiner jetzt erfolgten Wahl stiegenen Bedarf an Betriebsmitteln auch nur einigermaßen zu Moldenhauerschen Angaben erläßt im Kölner Lokal- Anzeiger" zum Reichsdumapräsidenten. Golowin gilt als eine ungemein decken. Der Finanzminister ließ sich deshalb wohl oder übel die Leitung der örtlichen Zentrumspartei eine Erklärung, aus der energische, zielbewußte Person; er ist bekannt als hervorragender bewegen, der Eisenbahnverwaltung über den Etat hinaus noch man erst erfährt, in welchem außerordentlichen Umfange die ReFührer der Semstivo und als Initiator der Semstwo- und Städte 50 Millionen zur Beschaffung von Betriebsmitteln zur Verfügung nierung bei dem Kuhhandel tätig gewesen ist. So heißt es zum fongreffe, bei denen er durch sein glänzendes Rednertalent wiederholt zu stellen. Es war ihm nicht einmal möglich, die Genehmigung des Beispiel in der Erklärung der Leitung der Zentrumspartei, daß Aufsehen erregte. Landtags vorher einzuholen, er mußte nachträglich um am Freitag vor der Stichwahl von dem Verhandlungsorte aus Indemnität bitten. Und doch hätte er sich, wenn er sich nicht von im Auftrage der Regierungsvertreter nach drei Stellen hin teles finanziellen, sondern von wirtschaftlichen Erwägungen leiten ließe, phoniert und ein bestimmter Vertreter der Zentrumspartei ge mit leichter Mühe sagen können, daß angesichts der steigenden Kon- wünscht wurde, weil inzwischen plötzlich Herr Dr. Semler junktur große Summen nötig sind, um die Unterlassungsfünden ver- aus Berlin angekommen sei". Gegenüber einer für gangener Jahre wieder gut zu machen. Bei einiger Voraussicht uns weiter nicht interessanten Angabe des Professors Molden Mit gedämpften Tönen setzten heute die Kolonialschwärmer hätte das Budgetrecht des Landtags nicht verlegt zu werden hauer sagt die Zentrumsleitung, daß die schriftliche Figierung die am 18. Dezember bis zur Siebehiye getriebene Stolonial- brauchen. unferer Forderungen dem die Verhandlungen leitenden(!!) Ré politik fort, und selbst das gentrum erleichterte Die Debatte selbst war ziemlich belanglos. Von allen gierungsvertreter Freitagabend 6 Uhr und bei der hieran sich anes dem Kolonialdirettor Dernburg, seine Seiten wurde über das Scheitern der Betriebsmittelgemeinschaft knüpfenden Unterredung mit Dr. Semler borgelegen hat". Weiter tolonialpolitischen Phantasien in redu geklagt. Zwischendurch wurde auch die Frage der Tarifreform ge- ist dann in der Zentrumserklärung noch die Rede von einer„ Beredu.getlagt. zierten Formen und mit erträglichem Pathos ftreift. Die große Mehrheit des Hauses wünscht wohl eine Ver- sprechung, welche die Bertreter der Regierung anberaumt hatten vorzutragen. Was heute beinahe interesselos von willigung der Gütertarife, nicht aber eine Ver- auf Donnerstagnachmittag 3 Uhr und die sich bis gegen den bürgerlichen Parteien geredet und angehört wurde, er billigung der Personentarife! Hier begnügt man sich mit 6 Uhr hinzog" und woran nicht nur zwei Zentrumsvertreter regte unter der Regie des Reichsfanzlers am Lage der einer bloßen Vereinfachung- einmal des finanziellen Ausfalls aus Köln, sondern sogar auch noch fünf weitere Zentrums. Auflösung des Reichstages Stürme des Widerspruches wegen und zweitens aus den fattsam bekannten verkehrsfeindlichen vertreter aus aus anderen Wahlkreisen anwesend oder ausdrucksvoller Zustimmung. waren". Am Sonnabend morgen sind die Verhandlungen fortgesetzt worden, bekanntlich ohne zu dem von der Regierung so heiß erstrebten Kompromiß zu führen. Drei Tage lang haben die Bertreter der Regierung, unter denen sich der Oberpräsident der Rheinprovinz, Freiher von Schorlemer, befand, wegen der Verhandlungen in Köln geweilt. Es kann feinem Zweifel unterliegen, daß diese Herren nicht aus ihrer eigenen Initiative her. aus sich zum Stichwahlmaller und Briefboten der beiden Parteien herabgewürdigt haben, sondern daß sie auf Anweisung des Bülowschen Zentralwahlbureaus in Berlin ge handelt haben. Der Konservative Abgeordnete Rogalla v. Bieber. stein erstattete Dernburg Dant für das erfreuliche Bild, das dieser über die Lage der Kolonien gezeichnet habe. Eine starte Schuttruppe sei nötig, damit den Eingeborenen die Lust am Aufstand vergehe. Außerdem trat der Redner für eine Beihülfe an die Farmer ein. Gründen. Daß Herr Breitenbach genau so wie seine Vorgänger Thielen und Budde den Kampf gegen Sozialdemokraten und Polen auf seine Fahne geschrieben hat, sei nur nebenher erwähnt. Eine teine Sozialistenrede und eine große Bolenrede gehört nun einmal zum ständigen Repertoire aller preußischen Minister, die sich beim Landtage gut einführen wollen. Kolonialpolitiker- Austausch. Das Zentrum schickte heute keinen der in der kolonialpolitischen Debatte hervorgetretenen Redner vor, sondern ließ eine farb- und klanglose Erklärung durch den Abgeordneten Die Deutsche Kolonialgesellschaft hat sich, da sie der Ansicht Fehrenbach abgeben, der versicherte, das Zentrum werde ist, daß ausländische Kolonialagitatoren besser ziehen als ein in dem Sinne seines Antrages, die Schuttruppe auf 2500 Mann heimische, einen französischen Deputierten als Redner für ihre herabzusetzen, die Prüfung der Nachtragsetats für die Kolonien Kolonialpropaganda berschrieben, nämlich den Herrn Lucien hod and Die Stimmzettelfälschungs- Lüge. vornehmen. Hubert, Vizepräsidenten der Kommission für auswärtige An- Unser Barteiblatt zu Nordhausen, die Nordhäuser gelegenheiten in der französischen Deputiertentammer. Am Volkszeitung", schreibt: 15, b. mts. wird er, wie die Dtsch. Kolonialatg." berichtet, im Wer war der Urheber der Berleumdung? Oberlichtsaal der. Philharmonie in Berlin seinen ersten Vortrag Oberbürgermeister von Schrabisch in Bad Sachsa verbreitet wurde. Das Extrablatt, das am Tage vor der Stichwahl von dem halten, und zwar über bie französischen westafritani. Oberbürgermeister von Schrabisch in Bad Sachsa verbreitet wurde. westafritani- begann mit folgendem Satz: fchen Kolonien und ihre Finanzwirtschaft. Die Deflamationen der Kolonialfere Semler und Battmann hatten infolge dieser auffälligen Zurückhaltung feinen Resonanzboden und verpufften vollständig. Und auch die unbedeutenden Ausführungen des Er- Kolonialdirektors Prinzen Hohenlohe- Langenburg ließen das Haus uninteressiert, obgleich er fonstatierte, daß Meinungsverschiedenheiten über die umstrittenen kolonialen Gebiete immer bestehen würden, bis e weise vorlägen, daß diese Gebiete wirklich wirtschaft liche Vorteile gewähren. aus Selbstverständlich ist daraufhin Herr Hubert sofort von sensationslüsternen französischen Journalisten interviewt worden und hat sich einem Mitarbeiter des" Petit Journal" gegenüber folgendermaßen geäußert: Soeben erhalte ich durch Telephonruf aus Nordhausen die Nachricht, daß die sozialdemokratische Parteileitung für die Wahl unseres nationalen Kandidaten Syndikus Dr. Otto Wiemer Berlin gefälschte Stimmzettel in der Stadt verteilen fäßt." Sofort erklärten wir diese Nachricht als elende Verleumdung und forderten Herrn von Schrabisch auf, seinen Gewährsmann, den Urheber der Verleumdung, zu nennen; er tat es nicht. Eine Krähe hadt ber anderen kein Auge aus! Sofort änderte sich das Bild, als Genosse Ledebour die Situation, wie sie vor der Auflösung des Reichstages sich gestaltet hatte, aufrollte und besonders die Tatsache feſtnagelte, daß die Regierung dem Reichstage nichts von den Friedensnachrichten dem Aufstandsgebiet mitgeteilt hatte, die an anderen amtlichen Stellen bereits bekannt waren. Troß des Friedensschlusses mit den Hereros und Bondelgwarts würde noch eine Schuhtruppe bon 7400 Mann gefordert, obgleich militärische Autoritäten, wie Major v. François, eine Zahl von noch nicht 1000 Mann für die betreffenden Gebietsteile für ausreichend halten, Ledebour opponierte scharf gegen die übertriebenen Forderungen der Regierung und widerlegte die Behauptung des Reichskanzlers, speziell der Vorwärts" habe geschrieben, Deutschland halte an dem Solonialgebiet fest, um von dort aus den englischen Kolonialbesitz zu bedrohen. Ledebour wies den Ursprung dieser aus englischen Streisen stammenden Behauptung aus den Säbelrasselnden Phantastereien der Alldeutschen nach und frug, warum der Reichskanzler nicht auf eine ähnliche provozierende Aeußerung des Abgeordneten Lattmann reagiert habe! AIS den unser Redner in Reichskanzler scharf, aber Herr Hubert wird also über die größen Geldausgaben und parlamentarischer Form ob dieser unberechtigten Vor- die angeblichen großen Erfolge Frankreichs in Afrika berichten mürfe gegen den Vorwärts" kritisierte, griff der Vize- und die deutsche kolonialfreundliche Breffe wird mit Bewunderung präsident Paasche ein und verbot Ledebour diese Kritik. diesen Bericht veröffentlichen und daran die Mahnung knüpfen, Damit rief der Präsident einen Sturm des Wider Deutschland müsse, wenn es ebensolche Erfolge sehen wolle, auch Gegenfäge im Antisemitenlager. spruches hervor, der auch in den Reihen des Zentrums ebensolche Mittel aufbringen. Kennzeichnend für die unter den antisemitischen Reformatoren ausbrach, denn der Eingriff bedeutete eine unqualifizier. Wir haben nichts gegen derartige Agitationsreben eines Ausbare Einschränkung der Redefreiheit. Be- länders einzuwenden, nur beanspruchen wir das Recht, das wir der des deutschen Boltstörpers" bestehenden Gegenfäße und Rivalitätszeichnenderweise sind es immer uationalliberale Präsidenten Deutschen Kolonialgesellschaft zugestehen, auch für uns. Aber als ftrömungen ist es, daß die Deutsche Reformpartei sich im Reichs. tage nicht der Wirtschaftlichen Vereinigung angeschlossen, sondern gewesen, die die parlamentarische Redefreiheit solchergestalt am 9. Juli 1905 Genoffe Jaurès in Berlin für den Weltfrieden sich unter die Fittiche der Gamp und Arendt geflüchtet hat meucheln wollten. Ledebour verteidigte selbst kräftigst sein sprechen wollte, da verbot der Reichskanzler die Versammlung, wie es in der offiziellen Begründung heißt, in den Kommissionen gutes Recht, die Regierung in parlamentarischen Formen zu oder vielmehr er wies durch einen vom 5. Juli 1905 datierten die ihr zukommende Vertretung zu finden. Die Deutsche Re " Ich werde mit großem Vergnügen in Berlin vor dem deutschen Kolonialpublikum über das Werk Frankreichs in ben Kolonien fprechen. Die Erinnerungen, welche die beiden Länder trennen, dürfen sie nicht hindern, sich gegenseitig über ihre Be mühungen auf dem Gebiete des Geistes und der Tat zu unter richten. Für uns Franzosen ist es wichtig, die Augen von dem in so vielen Beziehungen interessanten Schauspiele nicht ab zuwenden, welches unser großer Nachbar bietet, und es ist für das deutsche Volk gut, sich nicht in dem allzu ausschließlichen Bewußtsein, seiner Kraft zu isolieren und nicht außer acht zu die Nachricht entgegengenemmen und sie im Auftrage Nebelungs lassen, daß auch außerhalb des deutschen Landes Neues und Kühnes in der Welt vollbracht wird. Betrachten wir Afrika, diese dräuende Welt des Jslam, diese so gelehrigen und doch so schwer zu meisternden schwarzen Stämme! Sollte dies alles nicht in uns den Gedanken befestigen, daß zwischen den weißen Bölfern trotz aller Nebenbuhlerschaften eine Interessengemein schaft über Probleme besteht, welche alle Staaten unferes Kon tinents von demselben Gesichtspunkte aus betrachten sollen? Diese Fragen sind es, welche ich in Berlin erörtern will, und ich werde die Gelegenheit benutzen, um zu zeigen, welches unbergleichliche Wert Frankreich in taum einem Bierteljahrhundert in Afrika vollbracht hat. Ich empfinde einigen Stolz barüber, das in Berlin zu sagen." Jeht kommt Licht in das Dunkel der Angelegenheit! Wir wir aus bester Quelle erfahren, hat Herr Wilhelm Nebelung, Chefredakteur der Nordhäuser Zeitung" und frei finniger Stadtverordneter in Nordhausen, die von Herrn von Schrabisch verbreitete Nachricht telephonisch übermittelt. Er hat nach Hotel Rathaus telephoniert, der Oberfellner Bringmann hat den Herrn von Schrabisch mitgeteilt. Die ganze Größe der gemeinen Verleumdung tritt erst recht gutage, wenn man sich ver gegenwärtigt, daß am 6. Februar Herr Nebelung in feiner Zeitung schrieb: " Der Trick der Stimmzettelverwirrung durch Ausgabe uns richtiger zuidrungen der Rettel für Dr. Wiemer, vor dem vir in gestriger Nummer warnten, ist, wie wir mit Genugtuung fonstatieren, in unserem Wahlkreise nicht angewendet worden." Was soll man zu solchem schamlofen Treiben fagen? Wir überlassen es unseren Lesern, den passenden Ausdruck zu finden. In der Deffentlichkeit dürfte der Herr feine Rolle ausgespielt haben oder sollte die ganze freifinnige Partei schon so forrupt fein, um noch solchen Mann als Führer anzuerkennen? Um Antwort wird gebeten, jezt gibts tein Versteden mehr!" Auf ähnliche Weise wird die schmutzige Verleumdung wider die Sozialdemokratie, fie habe gefälschte Stimmzettel berbreitet, auch in den anderen Wablevessen ausgebedt worden sein. Here Men lung hat eine ganze Anzahl ehrenwerter Kollegen! um, Tom*. daZ Leiborgan dieser antisemitischen Richtung, schreibt zu diesem seltsamen Entschluß: „Ein Anschluß an die sogenannte Wirtschaftliche Vereinigung war von vornherein ausgeschlossen, weil die Mitglieder dieser ..Wirtschaftlichen Vereinigung" in allen nationalen und Wirtschaft- lichcn Fragen bisher st eis unter ei«ander uncins waren und gegeneinander gestimmt haben. Die Resormpartei, die immer geschlossen aufgetreten ist. verspürt keine Lust, einer solchen «V e r u n e i n i g u n g" der verschiedensten Richtungen auch nur emen Teil ihrer Eclbständigleit zu opfern."— „Nationale" Wahlmache. Die„Deutsche Tageszeitung" teilt mit: Die Konservativen des Wahlkreises M e m e l» Heydekrug haben gegen die Wahl des nationalliberalen Abgeordneten Geheimen Kommerzienrats S ch w a b a ch Pro- test erhoben.� Die„Ostpreußische Zeitung" druckt diesen Protest wörtlich ab. Nach diesem Proteste sollen in 23 einzeln aufgeführten Fällen den Wählern teils vor. teils nach der Wahl Geldzuwendungen in der Höhe von 20 bis 3(KMZ M. Zuteil geworden sein, und zwar teils durch den Abgeordneten selbst, teils durch Beauftragte. Die einzelnen Fälle wieder- zugeben, würde zu weit führen. Außerdem soll auf allen Versammlungen, die der Abgeordnete abhielt, in ungewöhn- lich großer Menge Bier. Schnaps, Zigarren, oft auch Wurst verteilt worden sein, so daß kaum eine Versammlung anders als in aniinierter Stimmung geschlossen habe. Ob diese Be» hauptungen sämtlich bewiesen werden können, vermögen wir natürlich nicht zu entscheiden. Es wird aber für alle der Zeugenbeweis im Proteste angeboten. Dem Proteste sind schließlich die beglaubigten Abschriften folgender beiden Briefe angefügt: Saugen. 12. Februar 1907. Sehr geehrter Herr Scheu I Folgende Fälle teile ich zur beliebigen Benutzung mit: Im Hotel Lippke ersuchte mich bei einem gelegentlichen Aufenthalt meinerseits Schwabach selbst, für ihn einzutreten und sagte, Geld ist genug da und zog dabei das Portemonnaie. Ich erwiderte ihm, ich� bin konservativer Vertrauensmann, da sehen Sie wohl ein, daß ich für Sie nicht eintreten kann und werde. Nichtsdestolveniger bestürmte mich Schwabach und Dr. Kipper und ersuchten mich wenigstens gegen Schwabach nicht zu agitieren. Obwohl es noch nicht Zeit zum Zuge war, verließ ich schleunigst das Lokal, um dem unangenehmen Trängen zu entgehen. Zeugen des Gesprächs waren Justizrat Michalowsky, Kaufmann Gaidies-Szibben, Dr. Kipper und Schwabach. Am gestrigen Tage erklärte mir der Besitzer Wilks-Mischko- gallen. daß er als Lohn für seine Agitation 50 Mark duilch Justiz. rat Michalowsky ausgezahlt erhalten habe. Außerdem erzählte mir derselbe Besitzer Wilks, daß sich ihm gegenüber bei einer Besuchs- reise nach Kaukehmcn der GuiZbesttzcr Neimer-Staldtzen gerühmt habe, 2000 Mark für die Agitation erhalten zu haben. Bei der ersten Versammlung des Schwabach im Brehmschen Gasthause sind zwei Achtel Tonnen bayrisch Bier, bei der zweiten Versammlung im Kurschatschen Gasthäuse sind 10 Liter Äornus und zwei Achtel Tonnen Bier gegeben worden, wenngleich es sich Nicht feststellen läßt, wer sie bezahlt hat. Sobald ich mehr Material habe, werde ich es zustellen. Hochachtungsvoll Ifgez.) Ed. H o e l k e. P o k a l l n a bei Ruß, 23. 1. 1907. Geehrter Herr Dr. Auf Ihre Aufforderung vom 25. 1. antworte ich Ihnen wie folgt: Die erwähnte Gegenerklärung, welche das„Memeler Dampf boot" brachte, hätte auch fein müssen in der«Tilsiter Allgemeinen" der.Rauja" und der„Memeler LituwiSzka", und zwar mit unseren Namen. Ich war aufgefordert, dieses zu tun, nämlich von der uationalliberalen Partei durch Herrn Dr. Kipper, wofür uns 700 Mark gegeben wurden, welche ich aber, da ich nicht für Judas erklärt werden wollte, zurückwies. Schmerzlich litt das Litauer» tum. zugefügt dadurch, daß die Memeler zu wenig agitiert— ge. arbeitet haben. � Mit herzlichster Begrüßung (gez.) Miks GailuS. Der Protest läßt einen lohnenden Blick hinter die Kulissen Her„nationalen" Wahlmache tun. Das Amüsante ist dabei, daß die Konservativen sich über Praktiken bcschtvercn, die sie selbst unbedenklich üben, wo ihnen die Mittel dazu zur Verfügung stehen, von der schamlosen Vergewaltigung ab- hängiger Landarbeiter durch die brutale Aufhebung des Wahlgeheimnisses gar nicht zu reden. Zur Anlündigung einrr«crsassungsrcform in Mecklenburg schreibt man uns aus R o st o ck: Der Schweriner Grohherzog machte in seiner Erklärung einige Andeutungen über Ziel und Richtung seiner Vcrfassungspläne. Er will die Vcrfassungsreform, die sein Großvater Friedrich Franz iL 1874 und 1877 anstrebte, und die damals vom Landtag abgelehnt wurde, wieder aufnehmen. Beharren die Größherzöge auf diesem Standpunkt, so ist von der jetzt angekündigten Verfassnngs- reform für das mecklenburgische Volk und speziell für die Arbeiter- tlasse absolut nichts zu erwarten. Denn nach jenen mehr als 90 Jahre alten Plänen, an die man jetzt wieder anknüpfen will, sollte d�r Landtag zwar aus Wahlen hervorgehen, aber die M a s s e der Bevölkerung sollte von jedem Wahlrecht auS- geschlossen bleiben. Von den 102 Landtagsmitgliedern sollten nämlich gewählt werden: 40 von den Rittergutsbesitzern, 91 von den Magistraten und den Stadtverordneten der Städte, und 25 von den Ortsvorstehern der Dominaldörfer, während � 6 vom Großherzog persönlich ernannt werden sollten. Dabei ist zu beachten, daß die OrtSvorstcher im Dominium jederzeit absetzbare, vdm Großherzog ernannte Beamte sind, und daß auch in den Städten für die Wahl der Magistrate und Stadtverordneten kein gleiches und allgemeines Wahlrecht der Einwohner besteht, ja daß in vielen Städten sogar auch die Bürgermeister direkt vom Großhcrzog ernannt werden. Man sieht also auf den ersten Blick: ein so zusammengesetzter Land- tag wäre nichts als ein Hohn auf eine wirkliche Volksvertretung. Daß die Regierung augenblicklich verfassungsfreundliche Regungen empsindet, ist übrigens absolut»nicht auf vollSfreundliche Neigungen zurückzuführen, sondern lediglich auf der Erfahrung, daß mit dem derzeitigen Landtag nicht mehr auszukommen ist. Die jetzige Ver- fassung beruht bekanntlich auf dem Grundsatz, daß der Großherzog aus den Einkünften des Dominiums tzie Kosten der allgemeinen Landcsverwaltung zu decken hat. und daß der Landtag ihm hierzu nur im Notfalle Beihülfc gewährt. Das Dominum umfaßt an Umfang die Hälfte des gesamten Landes und ist in wirtschaftlicher. politischer und verwaltungstechnischer Hinsicht dem Belieben des GroßberzogS unterstellt. Ter Umstand, daß die Geldklemme, in der sich die Dominalverwaltung befindet, und zu deren Ver- schärfung die wegen Verschuldung eingetretene Entmündigung deS Herzogs Paul Friedrich nicht unwesentlich beigetragen hat, zwang die Regierung, von dem Landtag neue Zuschüsse zu fordern. Diese Verhandlungen waren erfolglos. Deshalb will es dje Regierung mit einer Verfassungsreform versuchen. ES ist selbstverständlich, daß die Sozialdemokratie alles daran setzen wird, um die össientlich« Meinung gegen diese Karikatur einer Verfassungsreform aufzupeitschen und einen Druck auf die politischen Machtfaktoren des Landes auszuüben. Aber bei der genügsam bekannten Rück- gratlostgkcit des mecklenburgischen Liberalismus sind die Aussichten nur recht schwache, daß bei der Perfassungsreform dem Willen und begründeten Forderungen des Volkes gebührende Rechnung ge- t ragen wird.»» - Ein EtaatSministrr nach dem Herze» der„Pöst".' Im anhaltischcn Landtage erörterte am Mittwoch Genosse Pens in einstündiger Rede daS Ergebnis der Dessaucr Gerichtsverhandlung über den Mord zu K l e i n- M ö h l a u. Er bemerkte u. a.: Die im Landtage erhobene unerhörte Bc- schuldigung,. der Mord sei eine Folge der sozialdemokratische» Ver- hetzung. sei in sich selbst zusammengefallen, und die Sozialdemo- kratie stehe von dem gegen sie erhobenen Verdacht gereinigt da. Der Mörder sei kein Sozialdemokrat, sondern das Prototyp eines auf der niedersten Kulturstufe stehenden polnischen Arbeiters; der vom Staatsminister als biai\. deutscher Arbeiter geschilderte er- mordete Danisch sei ein Säufer und händelsüchtiger Mensch gewesen. Staatsminister v. Dallwitz erklärte darauf, er habe in seiner Rede nicht gesagt, daß die sozialdemokratische Partei und ihre Führer als Anstifter zu dein Morde zu betrachte!, seien, sondern nur, daß die maßlose Verhetzung durch die sozialdemokratische Presse zu solchen Taten führen könne, wie sie hier geschehen sei. Er halte nach der Verhandlung vor dem Schwurgericht daran fest, daß der Mord aus dem Grunde begangen worden ist, weil der ermordete Danisch„falsch gewählt" hat. Der Mörder habe die von drei einwandfreien Zeugen bekundete Acutzerung unter dem frischen Eindrucke der Tat getan, wenn er sie auch später bestritten habe. Also der Herr v. Dallwitz hält fest an der unerhörten Be- schuldiguna, die Mordtat von Klein-Möhlau sei ein sozialdemo- kratischer Mord. Er wird den begeisterten Beifall der„Post" und des Reichsverbandes zur Verleumdung der Sozialdemokratie ernten. Wir haben uns nicht mehr mit ihm auseinanderzusetzen. Das Verhalten des Ministers zeigt lediglich, welche Verwirrung die Hetze gegen die Sozialdemokratie auch in den Köpfen hoher Beamter anrichtet.—_ Wahlrechtsbewegung in Elsaß-Lothringen. Der LandcSvorstand der sozialdemokratischen Partei Elsaß- Lothringens erließ in der Parteipresse der Reichslande folgenden Aufruf an die Parteigenossen: Gelegentlich der Eröffnung der diesjährigen Session des elsaß- lothringischen Landesausschusses sollte ebenso wie im Vorjahre eine Demonstration zugunsten des allgemeinen Wahlrechts zum Landesparlament stattfinden. Infolge der Reichstagswahlen, die wenige Tage vor der Eröffnung des Landesausschusses erst ihren Abschluß fanden, muhte jedoch von diesem Vorhaben Abstand ge- nommen werden. Doch soll auch die diesjährige Parlamentssession nicht zu Ende gehen, ohne daß Regierung und Parlament erfahren, daß das clsaß-lothringische Voll nach wie vor fest und un- erschütterlich die ihm zustehenden Rechte verlangt. Es muß also auch in diesem Jahre eine Demonstration für das allgemeine Wahlrecht im ganzen Lande abgehalten werden. Und welcher Tag wäre hierfür besser geeignet als der Tag der Erinnerung an die Revolutionen des Jahres 1348, die von unseren Vätern unter- nommen, um dem Volke das allgemeine Wahlrecht zu verschaffen. Wir fordern daher die Parteigenossen im Lande auf. allenthalben zum 17. oder 18. März Versammlungen einzuberufen, in denen nicht nur der wackeren Toten des JahreS 1848 gedacht werden soll, sondern in denen auch den Herrschenden des Tages die Forderungen de» Volkes entgegengeschleudert werden. Auf, Parteigenossen, an die Arbeitk Das allgemeine Wahl- recht muß erobert werden!—_ Ein Parteitag der baverischen Zentrumspartei fand am Diens- tag in München statt. Die Beratungen wurden unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt. In der Presse wird über den Inhalt der Verhandlungen gemeldet: Einen breiten Raum nahm der scharfe Gegensatz der Parteileitung zu den E r z bi s ch ö f e n ein und die Motivierung der Stichwahlparole bei den letzten Reichs- tagswahien. Der Vorstand der Landtagsfraktion Prälat Daller erklärte, unter den gegenwärtigen Verhälwissen sei die Sozial. demokratie das kleinere Uebel gegenüber dem Liberalis mus: sie sei gegen Ausnahmegesetze, für die Erhaltung des unge- schmälerten RcichstogSwahlrechtes. und sie habe stets den bayerischen Standpunkt gegenüber dem Preußentum vertreten. Auf die Bitte des Prälaten Daller wurde von einer Diskussion abgesehen und ein stimmig folgende Resolution angenommen: I. Die Delegiertenversammlung erblickt in der nach den Haupt- Wahlen zum Deutschen Reichstage für die Stichwahlen im rechts- rheinischen Bayer» ausgegebenen Parole ein politisch- taktisch e s Vorgehen zu dem Zweck, um die Stärkung der libe» ralen Partei, welche nach ihrer Ansicht gegenüber der sozialdemo- krattschen Partei als der zurzeit gefährlichere Gegner zu erachten ist, möglichst hintan zu halten. II. Die Delegiertenversammlung beharrt in der Auffassung, daß die Zentrumspartei als eine politische, nicht konfessio- nelle Partei in rein politischen Angelegenheiten unab- hängig sei von der Beurteilung der kirchlichen Oberen, und sieht in dieser Unabhängigkeit die Voraussetzung ersprießlichen Wirkens im politischen Leben wie insbesondere in den Parlamenten. Für die Landtagswahlen wurde folgende Wahlparole angenommen: „Die Parteileitung empfiehlt den Parteifreunden selbstän« diges Vorgehen bei den nächsten Landtagswahlen." Hudland. Belgien. Der Achtstundentag und die bürgerlichen Parteien. Brüssel. 28. Februar.(Eig. Bcr.) Die Debatte über ocn Achtstundentag der Bergarbeiter brachte bisher eine Reihe interessanter Momente, wenugletch die Argumen- tationstaltik der Widersacher der Reform mit ihrer altväterifchen Manchcsterci und heuchlerischen Arbeiterfreundlichkeit nicht eben kurzweilig und erhebend war. ES hat sich in dieser Debatte wieder erwiesen, daß nur eine gute Sache gut verteidigt werden kam, und daß eine schlechte auch durch den kniffigsten DemosthcneS nicht zu retten ist. Die Reden für den Achtstundentag waren alle von tiefer Sachlichkeit und schwungvoller Beredsamkeit, und sogar der reform- feindliche Arbeitsminister fand ein Lob selbst für die radikalsten Verteidiger. In der Tat war die große Rede deS Genossen Hector Denis mit ihrem wissenschaftlichen und kritischen Material für jeden Vorurteilslosen das überzeugendste Plaidoyer für den Acht- stundenta�; ebenso die Rede des ehemaligen Bergarbeiters Man- sart, d«e mit ihrer Anschaulichkeit und Klarheit des Erlebten die lügenhaften Darstellungen der Reformgegner vernichtete. Wollen doch der Arbeitsminister und die übrigen Reformfeinide glauben machen, die Bergarbeiter selbst seien gegen den Achtstundentag! AuS Mansarts Munde vernahmen sie aher das Gegenteil. Und nicht besser konnte die heuchlerisch posierte Arbeitcrfreundlichkeit der Streiter für die kapitalistischen Interessen gezeichnet werden, als«s Mansart mit seinen Worten tat:„Als einzelne be- wundert und achtet Ihr die Arbeiterklasse, aber als Gesamt- heit seid Ihr unbarmherzig l" Von de» Gegnern der Reform wurde keines der abgestandensten Argumente gespart, mit denen seit Beginn der modernen In- dustrieära die Kapitalistenklasse die Verkürzung der Arbeitszeit bekämpft. Und nachdem das ganze Register mit den ältesten ClicheS aufgezogen war.„empörten sich Klerikale und Liberale im Namen der„Freiheit" darüber, daß man den Arbeitern ver- wehren wolle, so lange es ihnen passe,„für die Ihren" zu arbeiten I... Nach dem liberalen Herrn Mas so n gibt es keine größere Tyrannei, als dem Koblenarbeiter zu„befehlen", daß er nach 8 Stunden die Grube verläßt I Und dieselben ordinär- demagogischen Argumente brachten in katholischer Färbung die Klcnkalent Ter ArbeltSministcr meinte, man könne doch die Familienväter nicht hiiidcrn, Ueoerstundeir zu machen, ohne die „Freiheit" zu verletzen! Man glaubt sich um 50 Jahre zurück. wom mar Sdmo IM solch« Faseleien zu hören bekommt. Der Klerikale Helleputke, der Vertreter der sogenannter« „Jungen Rechten", widerlegte in seiner vorzüglichen Rede bc- sonders den Einwand der Regierung vom„Ruin der Industrie". ..Hat nuan nicht im Jahre 1889 beim Gesetz über die Frauen- und Kinderarbeit daS gleiche gesagt? Und die Industrie pro- spcriert! und der Export ist auf 2 Milliarden gestiegen I"... Nun aber ist zu alledem das Amendement des Abgeordneten Helleputte ein so gemäßigtes, daß sein Hauptwert eigentlich rveit mehr ein moralischer(Anerkennung des Prinzips des Achtstundentages für die Bergarbeiter) ist als von allgemein praktischer Bedeutung. Ter im Amendement Helleputte ge- forderte Achtstundentag zielt bloß auf die Bergarbeiter der neuen Kohlengruben der C a m p i n e und bezieht sich nur auf die Häuer I Und das Gesetz soll erst in zehn Jahren Geltung er- langen II Unter den verschiedenen zur Regelung der Arbeitszeit der Bergarbeiter eingebrachten Amendements— von den Sozialisten liegen einige vor— ist das der Genossen Denis- Mansart das radikalste; denn es will schlankweg den Achtstundentag für sämtliche Bassins. Die Diskussion drehte sich indes vor allem um das Projekt Helle putte, das als sanfter Vorstoß noch die eheste Aussicht auf Erfolg hätte:«Ihr verlangt heute den Acht- stundentag für die C a m p i n e. um ihn morgen für alle anderen zu sordernl" Diese Angstvision ließ es nur zur DebaUe um das Prinzip kommen und gegen dieses warf sich denn der ganze kapitalistische Heerbann von der Rechten und Linken. Und wie hat diese Diskussion über den Achtstundentag die bürgcr- lichen Parteien durcheinandergeworfen! Rechter Hand— linker Hand, alles vertauscht: die Ministerstürzer, die Todfeinde der klerikal«, Regierung von der liberalen Linken Arm in Arm mit dem klerikalen Minister Francotte und mit dem königlichen kolonialen Geschäftsträger und Erzklerikalen Woeste! Anderer- seits warf der Klerikale Helleputte„seiner" Regierung vor. daß sie jenen bösen Reichen gleiche, die trotz ihrer Kassen voll Gold nichts weiter tun, als über �das Schicksal der Armen Tränen zu vergießenl Zwischen den fortschrittlichen! Liberalen und dem doktrinär-kapitalistischcn Flügel kam es zu den heftigsten Zu- sammenstößen. Der Liberale I a n s o n, ein wirklich demokratischer Politiker, erklärte offen, der Liberale Hymans. einer der listigsten Gegner sozialer Reformen, dürfe nicht im Namen der Partei sprechen! Und der Liberale Lorand rief seinem Jra� tionsgenossen W a r o c q u e. der aus Geschäftsrücksichten gewöhnlich mit dem reaktionären Flügel der Klerikalen marschiert, daS gleiche zul Die Forderung nach dem Achtstuntentag, nach ein wenig Licht und Ruhe für die geplagten Lohnsklaven wirkte auf die bürgerlichen Parteien wie Scheidewasser auf Metall. D,e Losung war. ohne Rücksicht auf politische Gegensätze: für oder gegen Möglicherweise wird das vorläufige Resultat der Debatte eine — parlamentarische Enquete sein, für die sich Mass on und seine Anhänger einsetzen. Denn selbstverständlich ist nach Ansicht der Arbeiterfeinde zu allen Mängeln des Achtstundentages auch noch der Hauptmangel vorhanden, daß das Problem noch nicht genügend„durchstüdiert" istl Bei aller„Modernität" auf der Linien und allem„Christentum" auf der Rechten findet eine so brennende Arbeiterreform kein« Majorität in der belgischen Kammer.--- parlamcntanfches. Aus der Bndgetkommission. Die Budgetkommission hielt heute ihre erste Sitzung ab und begann die Beratungen mit dem Reichsamt des Innern. Es muß vorausgeschickt werden, daß diesmal eine größere Anzahl Etatstitel ohne Kommissionsberatuna gleich an das Plenum ver. wiesen sind, so daß sich die Kommissionsverhandlungen vermutlich sehr abkürzen. So sind vom Reichsamt des Innern nur 5 Kapitel mit 17 Titeln der Kommission überwiesen. Zunächst werden ver- langt 50 000 M. Zuschuß für die Herausgabe der„Nachrichten für H a n d el und Industrie"— 10 000 M. mehr als im letzten Jahre. Ohne Debatte stimmt die Kommission zu. Be, der neuen Forderung von 8000 M. für Herausgabe von Be». richten über die Landwirtschaft erklärt Singer. daß die Sozialdemokraten für die Forderung eintreten»Verden. da sie alle Forderungen unterstützen, welche im Interesse der Land- Wirtschaft erhoben werden, soweit sie der wissenschaftlichen Forschung oder dem Gemeinwohl dienen. Die Forderung tvird genehmigt. Ebenso 100000 M. für Einrichtungen und Ver- anstaltungen, welche allgemeinen I n t er e s s e n d e s d e u t s ch e n Handels und Gewerbes dienen. Die Summe ist dies Jahr verdoppelt worden und in der Hauptsache wegen Unterstützung von Versuchen zur Veredelung und Verwertung von Baumwolle. Auf Anfrage Singers wird mitgeteilt, daß mit den Baumwoll. intereflcnten Verbindung angeknüpft fei. In der Aussprache spielte das Baumwollmonopol und die willkürlichen Preis. chwankungen eine große Rolle, daß aber jemals die Baumwoll- erzeugung in den Kolonien hier nennenswerten Einfluß erlangen wird, daran glaubt im Ernst niemand. Bewilligt werden dann 60 000 M. für Zwecke des internationalen landwirtschaftlichen Institut» in Rom. Der deutsche Landwirtschaftsrat kann die Mittel zur Beteiligung Deutschlands an diesem Institut nicht aufbringen. Ebenso wird ein weiterer Mitarbeiter für daS Schiffsvermessungsamt, Betrag 7600 M. statt 5200 M.. verlangt. An außerordentlichen Zuschüssen für nichtständige Mitglieder des Patentamtes werden 10 000 Marl gefordert und nach einer kurzen Bemerkung Singers ge- nchmigt. Die richterlichen Beamten beim Reichsversicherungsamt erfordern 30 900 M. mehr, da die Vergütung um 300 M. jährlich erhöht wurde. An einmaligen Ausgaben wurden bewilligt für Beteiligung des Reichs an der internationalen Bibliographie der Naturwissenschaften 40 000 M., als Beitrag an den Deutschen Buchgcwcrbeverein in Leipzig 6000 M. Singer stimmte den Forderungen' zu, machte aber hinsichtlich des letzteren Postens auf die Konsequenzen aufmerksam. Posadowsky erklärte, die Summe sei nur für daS buchgcwerbliche M U se u in und, folgend der Anregung Singers, beantragte dann Gröber Aenderunz des Dispositivs in der Richtung der Erklärung Posa- dowskys. Alles war einverstanden, nur Herrn Pachnike störte eS, daß nunmehr die„Erläuterungen" nicht mehr stimmen.— Ohne Debatte werden 70 000 M. Kvstenbcitrag für den i n t e r n a t i o- nalen Kongreß für Hygiene und Demographie und 30 000 M. für Einrichtungen im r ö m i s ch- g e r m a n i s ch e n Museum zu Mainz bewilligt. Eine lebhaftere Debatte ent- tand bei Forderungen für eine RekrutierungS- und eine Infallstatistik. Singer verlangte Vorlegung der Frage- bogen und Erzberger schloß sich dem an. Der Regierungsvcrtrcter kum meinte, das Geld für die RckrutierungSstatistik sei hinaus- und Aenderungen unmöglich seien. Die Relrutierungsstatistik sei aber schon am 1. Dezember 190« vorgenommen worden. Sude- kum meinte, das Geld für die Rekrutierungsstatistik sei hinaus. leworfen, da sie durchaus unzuverlässige Resultate liefere. Posa» wwsky gab das zu und hofft, daß spater einmal eine einwandfreie Statistik zustande kommen könne. Bei Forderungen für Kanalbagger und Hebe» ? rahmen für den Kaiser Wilhelm-Kanal bekam Semler einen !leinen Aufall von Flottenkollcr, er wurde aber rasch von den Ver- tretern anderer Parteien gedämpft. Für den Aufbau der HohkönigSburg werden 450000 Mark gefordert; 900 000 M. sind schon bewilligt worden. Die leb- hafte AuSsvrache endet damit, daß die Forderung mit knapper Mehrheit gegen Zentrum und Sozialdemokratie an- genommen wurde. Die Freistnntgen, welche bisher tets gegen diese Posten stimmten, hielten sich diesmal zu ihren onscrvativ-nationalliberalen Verbündeten und retteten die Forderung. Im nächsten Jahre sind noch 75 000 M. für die Hohkänigsburg zu bewilligen. Mit der Bewilligung von Summen für einige Wissenschaft, liche Institut«, für eine Grundstückserwerbuna in Charlottenbu? für Unterstützung der Versuche mit lentbaren 2uft- gegen 3 854 457 M. im Vorjahre. Es gelangen wiederum 29%, Broz. werkschaften solidarisch erklärt. Seit dem 1. März fanden Auss ichiffen und für Unternehmungen zur Bekämpfung der Dividende zur Verteilung. Die Zahl der beschäftigten Arbeiter stieg sperrungen statt, weil die Arbeiter nicht zu den Bedingungen der Säuglingssterblichkeit war das Reichsamt des Innern von 6644 auf 7045 Mann. Demnach ergibt sich pro Kopf der Be- Arbeitgeber arbeiten wollten. Alle gütlichen Unterhandlungserledigt. Morgen folgt die Beratung über das Auswärtige Amt. fchäftigten ein Reingewinn von 571 M. gegen 580 m. im Vorjahre. versuche sind gescheitert. Dabei ist zu berücksichtigen, daß im letzten Jahre das Ergebnis durch den großen Streit im Walzwerksbetriebe stark beeinträchtigt worden ist. Soziales. Gewerkschaftliches. Die Lage im Hamburger Hafen spitzt sich immer mehr zu. Der Hafenbetriebsverein hat an allen Arbeitsvermittlungsstellen Plakate folgenden Inhalts anbringen laffen:„ Vom 11. März ab werden nur solche Arbeiter beschäftigt, welche sich bereit erklären, auf Anfordern Nacht- und Sonntagsarbeit laut Lohniarif zu verrichten. Die Arbeiter haben ihre Bereitwilligkeit hierzu durch Unterschrift in einer der Listen an Eine Gewerbegerichtswahl nach nie dagewesener Methode wird zuerkennen, welche in den Vermittlungsstellen ausliegen. Nach demnächst in Breslau vor sich gehen. Dort sollte zum ersten Unterzeichnung erhält die Arbeitskarte den Aufdruck:„ zur NachtMale nach dem neu eingeführten Proporz gewählt werden. Listen arbeit bereit"." der freien, Hirsch- Dunckerschen und christlichen Gewerkschaften weise Der Schreibfehler. Ueber die Verschmelzung Ungültige Bolizeivorschriften betreffend Rost- und Quartiergängerwesen. Der Regierungspräsident zu Münster erlegte in einer Polizeiverordnung verschiedene Verpflichtungen allen Berfonen auf, welche Kost- und Quartiergänger bei sich aufnehmen. Zum Beispiel wird für je zwei Quartiergänger das Vorhandensein von mindestens einer Waschschüssel und eines Handtuchs vorgeschrieben. Die Innenseite der Tür muß auf einem sogenannten Quartierzettel( Aushang) die Zahl der im fraglichen Raum untergebrachten Quartiergänger bekannt geben usw. Herr W., der zwei Quartiergänger hielt und wegen Uebertretung der Vor- waren bereits eingereicht, Da plötzlich stellte sich heraus, ſchriften angeklagt war, wurde vom Landgericht Bochum wegen daß sich in der Liste der freien Gewerkschaften ein fast un des Verbandes deutscher Hoteldiener mit dem Ver. Ungültigkeit der Verordnung freigesprochen. Das Kammergericht wesentlicher Schreibfehler( eine Nummer war fortgelassen bande deutscher Gastwirtsgehülfen wird die vom wies die Revision der Staatsanwaltschaft mit folgender Begründung ab: Die Verordnung sei im wesentlichen dazu bestimmt, die worden) befand. Ein ähnlicher Fehler befand sich seltsamer 2. bis 5. April in Leipzig tagende 3. Generalversammlung des Wohlfahrt der Arbeiter zu fördern. Das sei indessen, abgesehen ein blinder Zufall in der Liste der Christlichen. Verbandes der Hoteldiener beraten. Sollte die Verschmelzung nicht bon einigen Bestimmungen der Gewerbeordnung, welche hier nicht Sofort wurden vom Magistrate beide Listen für un perfekt werden, wird der Verbandstag über den Anschluß an die in Betracht fämen, nicht der Zweck von Polizeiverordnungen. Um gültig erflärt, so daß also nunmehr die" Hirsche" Generalkommission befinden. rechtsgültig zu sein müßte die Verordnung drohenden Gefahren das ganze Feld für sich allein hatten. Zweifellos wäre somit ihre Tarifbewegung der Tapezierer in Leipzig. für Leben und Gesundheit(§ 6f des Polizeiverwaltungsgefeßes Lifte als allein übriggebliebene als gewählt zu betrachten gewesen. in Verbindung mit§ 10 II 17 Allgemeinen Landrechts) entgegen Nun aber merkten die Hirsche erst, daß sie gar nicht fähig waren, war, reichten im Februar d. J. die Tapezierer der Innung einen Nachdem im Vorjahre die Tarifbewegung erfolglos verlaufen wirken wollen, wie das seitens des Kammergerichts schon von Ver- die Verantwortung für die drei Jahre zu übernehmen. Sie mochten neuen Tarifentwurf ein, dessen wesentliche Punkte folgende waren: crdnungen über Massenquartiere anerkannt worden sei, aber nicht ohne Kündigung, Arbeitszeit wöchentlich der Fall wäre bei der vorliegenden Verordnung, deren Vorschriften wohl auch einsehen, daß nur der kleinste Teil ihrer Kandidaten be- Arbeitsverhältnis alle Bersonen beträfen, die Koft- und Quartiergänger aufnähmen, fähigt ist, das Amt eines Beisitzers zum Gewerbegericht auszuüben 52 Stunden( täglich 9, Sonnabends 7), Minimallohn von 45 Pf. ganz gleich ob wenig oder viel.( Beim Angeklagten feien es nur genug, sie knüpften durch eine Mittelsperson mit den freien Gewerk- für Ausgelernte steigend bis 55 Pf., allgemeine Lohnerhöhung um zwei.) Die Vorschriften wären mit Recht vom Landgericht für schaften Verhandlungen an. Die Hirsche erklärten dort, 5 Proz., Verbot der Akkordarbeit, leberstundenzuschlag von ungültig erklärt worden. Die Vorschrift über den Aushang des mit 20 von den 51 Beisigern zufrieden zu sein, so daß den 33% Proz, für Sonntagsarbeit 50 Proz., für Nachtarbeit 100 Proz. Quartierzettels würde schon deshalb ungültig sein, weil sie ledig- freien Gewerkschaften 25, den Christlichen sechs Beisitzer und trag sollte Geltung haben bis 15. März 1909. Die Innung hat Zuschlag, Auslösung bei auswärtigen Arbeiten 3,50 M. Der Verlich der Polizei die Kontrolle erleichtern wolle, was nicht zu den beiden die entsprechende Anzahl Stellvertreter blieben. Die Ver- sich zu diesem Entwurf geäußert und lehnt die allgemeine fünfAufgaben polizeilicher Vorschriften im Sinne des Gesetzes über die treter der freien Gewerkschaften waren anfangs geneigt, die Folgen prozentige Lohnerhöhung, die Auslösung von 3,50 M. und die Polizeiverwaltung gehöre. Allerdings habe die Gewerbeordnung für bestimmte Fälle solche Vorschriften eingeführt. Ihre Aus- des peinlichen Schreibfehlers auf sich zu nehmen und den Hirschen Minimallöhne in der angegebenen Höhe ab und will nur einen dehnung durch die Polizei auf ähnliche Verhältnisse sei aber un- das Feld zu überlassen schon damit sie einmal während dreier Höchstlohn von 52 Pf. und eine Auslösung von 2,50 M. bewilligen. ulässig. Jahre aller Welt ihre Unfähigkeit selber dolumentierten. Allein man Die Tapezierer beschlossen jedoch in ihrer Versammlung am Die Entscheidung zeigt die Dringlichkeit des Erlasses eines ging schließlich, einzig im Interesse des Gewerbegerichts und derer, Montag, an der fünfprozentigen Lohnerhöhung, dem Mindestlohn von 55 Pf. für Gehülfen im dritten Jahre nach der Lehre sowie on 55 Bf. für Gehülfen im dritten Jahre nach der Lehre sowie für die es geschaffen, auf den Vorschlag der Gewerkvereinler ein. an der geforderten Auslösung festzuhalten, selbst auf die Gefahr, Bei der amtlichen Arbeitslosenzählung, die am 17. Februar in Blöglich aber sprangen die Christlichen aus irgend einem nichts zur daß es zum Kampfe kommt. Köln vorgenommen wurde, sind nach den jetzt gewonnenen Fest- Sache tuenden Grunde ab, so daß die Situation jetzt- bisher einzig stellungen 2009 Arbeitslose( gegen 1177 Arbeitslose am 4. März in ihrer Art! folgende geworden ist: Die Hirsche ziehen ihre Liste Achtung, Metallarbeiter! Bei der Firma Paul Heuer, Werk vorigen Jahres) ermittelt worden. Von den 2009 Arbeitslosen zurück, reichen eine andere ein, setzen darauf die Namen der besten zeugmaschinenfabrik zu Werdau in Sachsen, sind Lohndifferenzen waren 1898 männlichen, 111 weiblichen Geschlechts( gegen 1059 und Beisitzer der freien Gewerkschaften 118 im vorigen Jahre). Die enorme Steigerung der Zahl der männ Wahl, ohne öffentliche oder geheime Agitation, ohne daß ein Arbeiter Kraftwagenwerke in Zwidau i. S., stehen die Kollegen in einer und die Wahl ist fertig. Ohne ausgebrochen. Der Kampf wird infolge des protzigen Verhaltens des Unternehmers unvermeidlich. Bei der Firma Horch, A.-G., lichen Arbeitslosen ist teilweise auf den früheren Zähltermin, teilweise dabei eine Hand zu rühren hätte. Da die Christlichen ihre Lohnbewegung. Wir ersuchen, den Zuzug von Schloffern und auf die diesmal viel ungünstigere Witterung zurückzuführen, infolge deren besonders die Bautätigkeit lahmgelegt war. Es wurden u. a. böllige Bedeutungslosigkeit einsehend schmollend beiseite stehen, Drehern nach diesen beiden Orten streng fernzuhalten, als arbeitslos ermittelt: 529 Bauhülfsarbeiter, Tagelöhner u. dergl., so entfallen auch deren vorgesehene Size noch an die freien Gewerk 138 Maler und Anstreicher, 104 Maurer, 100 Tischler, 93 Buyer, schaften, sodaß diese 31, die Hirsch- Dnnderschen 20 erhalten. Bei der 75 Schlosser und Klempner, 75 Grund- und Kanalarbeiter, 68 Kut- nächsten Wahl( in drei Jahren) wird dann eine Liste ohne Schreibscher und Fuhrleute, 62 Bader und Hausdiener, 61 Stuffateure, fehler eingereicht und die Hirsche werden sich dann, ihrer Stopfzahl 50 Handlungsgehülfen, 45 Fabritarbeiter, 43 Sellner, 35 Bolsterer entsprechend, mit 8-12 Sigen begnügen müssen. und Tapezierer, 33 Zimmerer, 32 Pflasterer, 23 Gärtner, 21 Schneider, 19 Maschinisten und Heizer, 19 Bäcker, 16 Dachdecker, 15 Schuhmacher, 13 Schmiede, 12 Monteure usw. Reichswohnungsgesetzes. Französischer Aerztekongreß. Ein Kongreß der französischen Aerzte wird im April in Paris zusammentreten, um über zwei Fragen zu beraten: 1. über Reformen des medizinischen Unterrichts; 2. über die freie Arztwahl. Der erste Hauptgegenstand umschließt nach dem vorläufigen Programm viele Gebiete, die ein allgemeines Interesse beanspruchen Sürften. Es soll unter anderem berhandelt werden über: das Krankenhaus als Mittelpunkt des flinischen Unterrichts, über Ferien furse und den Fortbildungsunterricht, über die Organisation der Eramina, über den Unterricht in den Sonderfächern für den praktischen Arzt und den Spezialisten usw. Die Erörte= rungen über die freie Arztwahl erstrecken sich auf die verlegte, Armenpragis. großen industriellen Unternehmungen, auf Staatsbetriebe, UnfallAus Induftrie und Handel. Berlin und Umgegend. Zur Schneiderbewegung. Verfammlungen. Die Angestellten der Berufsgenossenschaften waren am Freitag in einer vom Zentralverein der Bureauangestellten nach den Arminhallen einberufenen öffentlichen Versammlung zahlreich er schienen. Vor Eintritt in die Tagesordnung versuchten einige AnAm Dienstag und Mittwoch haben Verhandlungen zwischen hänger des Vereins der Berufgenossenschaftsbeamten das Bureau den Arbeitnehmern und Arbeitgebern stattgefunden, die zu dem an sich zu reißen und als ihnen das nicht gelang, verließen sie mit Ergebnis führten, daß zur friedlichen Beilegung der Tarifftreitig Indianergeheul den Saal. Das Verschwinden dieser 25 bis 30 feiten am Freitag, den 8. März, Abends 8 Uhr, für sämtliche Ge- mutigen Kämpen konnte natürlich, da der Saal voll besetzt war, werbetreibenden der Herrenschneider- Maßbranche in den„ Armin- feinen Effekt erzielen. Berufsgenossenschaftssekretär Schulz hallen", Kommandantenstraße 20, eine Versammlung stattfindet. referierte sodann über die wirtschaftlichen Verhältnisse der BeIm Interesse der Ausgesperrten und Streitenden und nicht zuletzt Bureauangestellten, von der Gefeßgebung bisher ohne Schutz gerufsgenossenschaftsangestellten. Diese Kategorie ist, auch im Interesse der Schneidermeister und Firmeninhaber dürfte lassen. Die Gehälter sind sehr niedrig, 100-150 M. monatlich. es liegen, wenn alle in Betracht kommenden Arbeitgeber zu der Dabei sind in einzelnen Dienstordnungen Disziplinarstrafen bis erwähnten Versammlung erscheinen würden. zu 25 Proz. des Gehaltes vorgesehen. Die Gewährung von Zulagen hängt von dem Ermessen der Verivaltungen ab. Neuerdings fangen einzelne Genossenschaften, so die Fuhrwerks- und die Lagerei- BeDie Kommission der Arbeitgeber. alle Die Holzbildhauer verweigern aus Anlaß der Aussperrung rufsgenossenschaft an, Lehrlingszüchterei zu treiben, indem sie junge der Holzarbeiter die Anfertigung von Streifarbeit, das heißt, Reute in größerer Anzahl einstellen, ihnen 50-60 M. zahlen und solcher Arbeiten, die von aussperrenden Tischlereien an felb- damit die Arbeitskraft der verheirateten Angestellten überflüssig ständige Bildhauer übergeben werden. Wegen derartiger Arbeits- machen wollen. Auch die Genossenschaftsangestellten müssen deshalb berweigerungen tam es zu Besprechungen zwischen den Ver- dem Beispiel der anderen Berufe folgen, ihren Dünkel und auch Die Folgen des Haferzolles. Aus Geschäftskreisen schreibt man tretern des Zentralvereins der Bildhauer und Vertretern des ihre Angst abwerfen und sich organisieren. Die Oeffentlichkeit muß dem„ Hamb. Korrespondent" über die Folgen des Haferzolles: Durch Vereins selbständiger Bildhauer. Bei dieser Gelegenheit sprachen auf die vielen Mißstände in den Berufsgenossenschaften aufmerkſam die Rollverhältnisse ist dem städtischen Pferdebefizer der Unterhalt die lekteren den Wunsch nach Abschluß eines Tarifvertrages gemacht werden. Redner kennzeichnet dann den Verein der Berufsder Pferde wesentlich verteuert. Die Bollerhöhung beträgt 22 M. zwischen beiden Organisationen aus. Zu dieser Anregung nahm genossenschaftsbeamten, der heute bewiesen hat, daß er, den besseren pro 1000 Kilogramm. Dazu kommt aber, daß Rußland in diesem am Dienstag eine Versammlung der Holzbildhauer Stellung. Sie Teil der Tapferkeit wählend, einer Diskussion ausweicht, weil er Jahre anstatt zu exportieren, importiert, und Deutschland einen nahm nach eingehender Debatte einen Antrag der Agitations- dabei sehr schlecht abschneiden würde. Zur Charakterisierung jenes großen Teil des Bedarfes in Dänemark, Großbritannien und Nieder- fommission an, welcher dieselbe ermächtigt, auf der Grundlage Vereins genügt es, wenn gesagt wird, daß er die Selbstverwaltung lande decken muß. Vom März bis Dezember 1906 wurden ein- der Forderung des Achtstundentages in Tarifverhandlungen mit in der Arbeiterversicherung zugunsten der Militäranwärter aufgegeführt 2501 288 Doppelzentner Hafer, ausgeführt 2 327 065 Doppel- den Prinzipalen einzutreten. hoben wissen will Er versucht die Lage der Kollegen dadurch zu zentner Hafer. Im Januar führten wir ein 179 463 Doppelzentner bessern, daß er ihnen von den Beiträgen monatlich 25 Pf. als SparHafer, während wir ausführten 349 178 Doppelzentner Hafer. Durch einlage gutbringt; Mißstände wagt er jedoch nicht zu rügen, aus diese Verhältnisse ist Hafer trotz unserer großen Ernte gestiegen. zwischen den Autodroschkenbesitzern und den ausgesperrten Fahrern Furcht, es mit den Genossenschaftsvorständen zu verderben. Der Man hilft fich teilweise durch Beifütterung von Mais, aber Pferde- werden in einigen Tagen vor dem Gewerbegericht beginnen. Die Referent beantragte deshalb nachstehende Resolution, die auch einbohnen scheinen in Vergessenheit geraten zu sein, da dieselben jahre Bereinigung der Unternehmer hat in ihrer letzten Versammlung eine stimmig Annahme fand. lang sehr teuer waren. Durch eine reichliche Ernte und durch die Kommission von drei Mitgliedern erwählt und dem Gewerbegericht Berufsgenossenschaften erklärt, daß sie die Vertretung ihrer wirt" Die heutige öffentliche Versammlung der Angestellten det Bollverhältnisse sind sie aber momentan billig und dürften als Beifutter sehr in Erwägung zu ziehen sein. Der Zoll beträgt für Safer davon Mitteilung gemacht. Die Ausgesperrten, die bereits eine schaftlichen Interessen lediglich im Zentralverein der Bureauangejezt 50 wt., früher 28 M., für Mais jeyt 30 W., früher 16 M., für Kommiſſion von fünf Mitgliedern erwählt hatten, machten in stellten Deutschlands erblidt, den Verein der Beamten der deutschen Pferdebohnen jetzt 15 M., früher 15 M. ihrer Versammlung am Mittwochmorgen in den Arminhallen Berufsgenossenschaften jedoch als Berufsorganisation für gänzlich eine entsprechende Aenderung in der Zusammensetzung ihrer Kom- ungeeignet hält. Die Versammelten verpflichten sich daher, in mission und wählten Rettig, Beder und Chmilewsti als Konsequenz der obigen Erklärung dem Zentralverein als Mitglieder Mitglieder und Sant als Ersatzmann. In der Versammlung wurden beizutreten, um dadurch an einer durchgreifenden Verbesserung der bie zahlreichen letzten Unglüdsfälle durch Automobildroschen lebhaft Berufsverhältnisse mit tätig zu sein." besprochen. Es stehe außer Zweifel, daß daran die ungeübten, schlecht eingefahrenen Arbeitswilligen die Schuld trügen; Es enthalten • Pferdebohnen Hafer Mais % 25 % 12 % 1,77 48 4,50 57 4,96 68 Roh- Protein Fett Stickstofffreie Stoffe Die Futterwert- Einheiten der 3 Bestandteile stehen zu einander im Verhältnis bon 2: 2: 1, es ergeben fich also insgesamt Futterwert- Einheiten. Breis . 101,50 160,- M. 90 96 185,-M. 135,-. 1000 kg toftet also 157,85 M. • Die Futterwert- Einheit per 205,55 m. 140,43 M, Es dürfte sich also empfehlen, gequetschte Pferdebohnen als Beifutter zu verwenden, da man dadurch beträchtliche Ersparnisse erzielt, folange Pferdebohnen so billig sind. Einigungsverhandlungen trozdem scheut sich die bürgerliche Preſſe, auf diese Ursache mit dem Letzte Nachrichten und Depefchen. Minister v. Boetticher* Naumburg, 6. März. Staatsminister Dr. von Boetticher ist nötigen Nachdruck hinzuweisen. Man hätte auch ein Recht, zu erwarten, daß die Polizei gegen diese gefährlichen Arbeitswilligen vorgeht, allein schon im Interesse der Verkehrssicherheit. Die Unternehmer sind rücksichtslos genug, immer mehr ungenügend heute mittag hier gestorben. Die Beisehung erfolgt am Sonnabend ausgebildete Fahrer auf die Straße zu senden, und sie nachmittag in Berlin. erivarten noch den Schutz der Polizei für diese Arbeitswilligen. Bei der Firma Kandelhart erhalten dieselben beDurch Erdsturz erstidt. fondere Instruktionen auf den Weg, wie sie sich den Ausgesperrten Köln, 6. März. W. T. B. Wie die„ Kölnische Zeitung" gegenüber verhalten sollen, und da spielt die Anrufung des meldet, wurden heute abend in der Nähe des Südbahnhofes Exportvergütung. Wie der Franks, 3tg." geschrieben wird, Schumanns bei jeder verdächtigen Annäherung" eine Haupt- 3 Knaben im Alter von 10 bis 14 Jahren, als sie im Bahndamm wollen die Halbzeugverbraucher erneut beim Kohlensyndikat die Ge- rolle. Die Unternehmer haben es sich nicht träumen lassen, daß der eine tiefe Grube machten, von den nachstürzenden Erdmassen verwährung erhöhter Exportvergütung beantragen. Man rechnet nun Kampf mit den Fahrern so lange dauern könnte, und die meisten schüttet. Zwei erſtiäten, der dritte starb auf dem Transport nach auch damit, daß dem Antrage stattgegeben werde, weil die ein sehen den kommenden Einigungsverhandlungen mit hoffnungsvollem dem Hospital. tretenden Zeichen von einer Abflauung des Inlandsgeschäftes die weitere Notwendigkeit gebieten, dem Grport wieder verstärkte Auf- Interesse entgegen. merksamkeit zuzuivenden, und wenn das Kohlensyndifat erst einmal feine Zusage gebe, dürfte auch das Roheisensyndikat sich nicht auf einen ablehnenden Standpunkt stellen. Achtung, Kleber! Attentat. Sebastopol, 6. März.( W. T. B.) Heuteabend wurde unter Die Sperre über Schmarbock, Bau Pariserstraße, sowie über Bombe geworfen. Der General wurde an den Beinen verwundet, den Wagen des Festungskommandanten General Nepluew eine Handelsstätte Bellealliance A.-G. In der heutigen Aufsichtsrats- latt, Bornholmerstraße, Ede Schönhauser Allee, sowie Westend, auch der Rutscher und die Pferde wurden verlegt. Der Bagen Sigung gelangte der Abschluß für das Geschäftsjahr 1906 zur Vor- Häfelerstraße, Beamtenhäuser, ist aufgehoben. Die Firma Jahn, Lüßowstraße, Bau Hildebrandstraße( Kauf- wurde zertrümmert. Dem Attentäter gelang as, zu entkommen. Die Verbandsleitung. lage. Nach Bornahme von Abschreibungen und Rüdstellungen im Haus des Westens) ist gesperrt." Betrage von 37 068,74 2.( 36 049,21) verbleibt ein Reingewinn von 153 840,66 9.( 143 302 im Vorjahre). Es wird die Verteilung einer Dividende von 7 Proz.( 7 Proz.) in Vorschlag gebracht werden. Aachener Hüttenverein Rote Erde. Der Bruttogewinn des letzten Jahres stellt sich auf 7 526 530 M., das ist 11, Millionen Mark mehr als im Vorjahre. Nach den üblichen Absetzungen, darunter 3 Millionen Mark für Abschreibungen, berbleibt ein Reingewinn von 4026 146 M. Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw; Deutfches Reich. Streit der Königsberger Schneider. Schiffsbrand auf hoher See. New York, 6. März. Auf deutsch- atlantischem Kabel. An Bord des hier aus Ostasien eingetroffenen Dampfers Vandalia Wie uns telegraphisch aus Königsberg i. Pr. gemeldet wird, der Hamburg- Amerika- Linie hat am 25. Februar dieses Jahres hat eine Mitgliederversammlung der Schneider und Schneiderinnen auf See eni Brand stattgefunden, der Schiff und Ladung bein geheimer Abstimmung mit allen gegen 13 Stimmen den Streik schädigte. beschlossen. Die Hirsch- Dunderschen haben sich mit den freien Ge.Glade, Berlin. Drud u. Berlag: Bormaris Buchdr. u. Berlagsanftel Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 56. 24. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donerstag, 7. März 1907. 11. Sigung bom Mittwoch, den 6. März 1907, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: Freiherr v. Stengel, Dernburg. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung der Kolonialnachtragsetats für 1906. Prägung einer Denkmünze zum Ausdruck bringen. Ebenso danke ich den Missionaren, welche zur Herbeiführung friedlicher Zustände beigetragen haben.( Bravo! im Zentrum.) Auf die wirtschaftliche Lage übergehend, bemerke ich, daß Ihnen ein Ergänzungsetat zugehen wird, welcher die Beihülfe für die geschädigten Farmer enthalten soll, denen wir eine Existenz er möglichen müssen. Erfreulich ist die Stimmung, die fich in Deutsch Land jetzt gegenüber der Besiedelung von Südwestafrika geltend macht. Es melden sich zahlreiche Personen, welche dort ihr Kapital allerwenigsten für„ uferlose" Bahnpläne, sondern gerade für ihre bernunftgemäße Begrenzung. Deshalb werden wir auch in der Budgetkommission die Notwendigkeit aller Kosten des Bahnbaues im einzelnen prüfen. In der Kolonie Südwestafrika spielt das Burenelement eine große Rolle, das durch den General v. Trotha aus militärischen Rücksichten noch verstärkt wurde; doch darf es nicht dahin fommen, daß die Buren unsere Kolonie als Burenkolonie ansehen. Aus dem Grunde begrüße ich auch die Anregung eines deutschen Obergerichtes für die Kolonie. in der Ferne etwas erreichen nach ihren Fähigkeiten in Berlin noch nicht den Bosten eines Schutzmannes oder Nachtwächters bekleiden könnten, in den Kolonien zum Gouverneur zu machen.( Beifall bei den Freisinnigen.) Dem Bahnbau stimmen wir zu und halten auch die Bedingungen für ihn für fachgemäß; freilich darf die Firma Lenz feine Monopolstellung gewinnen. Doch haben wir zu dem stellvertretenden Kolonialdirektor das Vertrauen, er werde ein für die Kolonien und ihre Entwidelung günstiges Verwaltungssystem führen.( Beifall bei den Freifinnigen.) die dort hingeschickt, und die Gelder, die bergeudet werden, hat. ( Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Nachdem es sich nun herausgestellt hat, daß der Krieg tats sächlich zu Ende ist, fragt es sich: wie kommt die Regierung dazu, jetzt noch zu verlangen, daß selbst nach dem 1. April noch 7400 Mann auf eine nicht bestimmte Zeit in Südwestafrika bleiben sollen? Wie kommt sie dazu, angesichts der Tatsache, daß, ab gesehen von wenigen zersprengten Resten von Hottentotten und Hereros, der Aufstand bereits völlig beseitigt ist? Wenn die ReStellvertretender Kolonialdirektor Dernburg: Abg. Lattmann( Wirtsch. Vg.): Wir stimmen den gestellten For- gierung behauptet, daß darüber nur die militärischen SachDie zur Beratung stehenden Etats sind im wesentlichen die Truppen sobald es angeht vermindern wird. Die Ueberzeugung werden und deren Auffassungen in einem diametralen Gegensab derungen zu; wir haben zu der Verwaltung das Vertrauen, daß sie verständigen zu entscheiden haben, so kann ich auf eine Persön lichkeit hinweisen, die Sie zweifellos als Autorität anerkennen Reproduktionen der bereits in der letzten Seffion vorgelegten Etats. von dem wirtschaftlichen Wert der Kolonien wächst glücklicherweise werden und deren Auffassungen in einem diametralen Gegensab Nachdem diese zuletzt Gegenstand der Beratung gewesen sind, können in allen Kreisen, nur die Sozialdemokratie bleibt in ihren zu der Auffassung der Regierung steht. Major a. D. bon die Verbündeten Regierungen dem deutschen Wolke die erfreuliche rückständigen Auffassungen befangen. Aber auch dort bereitet François, früher Landeshauptmann von Deutsch- Südwest. Mitteilung von der Beendigung der Feindseligkeiten machen. Die sich ein Umschwung vor, wie die Ausführungen Calwers beweisen. Verhältnisse noch viel ungünstiger als heute lagen, im„ Tag" einen afrika, veröffentlichte am 9. November, also zu einer Zeit, da die Ereignisse, welche zu dem Vertrage geführt haben, find den Herren durch Auch Bernsteins Ausführungen beweisen, daß die reattionäre Artikel, in welchem er auseinandersetzte, wie bei einer vernünftigen die Denkschriften des großen Generalstabes bekannt geworden. Ebenso Auffassung der Sozialdemokratie in tolonialen find die Bedingungen, welche den Aufständischen zuerkannt wurden, Dingen innerhalb ihrer Konzentration der Truppen wie sie notabene vorher bereits bom eigenen Reihen ins veröffentlicht worden. Diese Bedingungen entsprechen nicht ganz 28 anten gerät. Das Darlehnsgesetz für den Bahnbau begrüßen könnten, daß unter erfahrener Leitung 8 Kompagnien friegsReichstag gefordert war die Truppen so vermindert werden dem, was hier und vielleicht auch im Schutzgebiet erwartet und ge- wir mit großer Freude; die Bahn dient vor allem der wirtschaft- erfahrener Soldaten zu 110 Mann und einem Geschütz zum Schutz wünscht worden ist, indem die Stammeszugehörigkeit der Bondelzwarts lichen Erschließung, welche in immer steigendem Maße erfolgen wird. Der Bahnlinien mit anschließenden Farmen und Ländereien, zur gewahrt worden und damit ( Beifall rechts.) die Möglichkeit für neue Aufstände erhalten geblieben Abg. Erbprinz v. Hohenlohe- Langenburg( Rp.): Namens der Verhältnisse in der Kolonie vollkommen ausreichten.( Hört! hört! Ueberwachung der Eingeborenen und zur Herstellung gesicherter ist; den aufständischen Hottentotten sind ihre alten Stammes- Reichspartei habe ich zu erklären, daß wir beabsichtigen, die vor- bei den Sozialdemokraten.) Also von François erklärte damals refervationen gelassen, was wegen der Nähe der englischen Grenze gelegten Etats zu bewilligen. ausdrücklich, daß mit 880 Mann und 8 Geschützen die Ruhe in der und der unzugänglichen Berge nicht geeignet ist, sie an eine friedliche Abg. Kopsch( frf. Vp.): Auch wir begrüßen die Beendigung des Kolonie aufrecht erhalten werden könnte. Das steht denn doch in Arbeit zu gewöhnen. Um ihnen eine Möglichkeit zu sicherem Aufstandes in Südwestafrika mit Befriedigung und billigen das einem geradezu kraffen Widerspruch zu den Behauptungen der ReLebensunterhalt zu geben, sind ihnen Zusicherungen über die Friedensabkommen. Entsprechend unserer Haltung vom 13. Dezember gierung, die übrigens niemals mit genauen Beweisen, sondern Lieferung von Vieh gemacht worden. Ich hege keinen Zweifel, werden wir dem Nachtragsetat zustimmen. Die Regierung will die nur mit allgemeinen Redewendungen begründet worden sind, daß daß die Seßhaftmachung der Hottentotten und ihre Gewöhnung Truppen im Sommer weiter vermindern, doch hat der Kolonial- sie jetzt noch 7400 Mann brauche. Ueber ein paar Hundert oder an Arbeit und friedliche Zustände gelingen wird und normale Zu- direktor auf das Halten einer größeren Schußtruppe hin- über tausend Mann mehr oder weniger können ja die Meinungen stände in der Kolonie wiederkehren werden. Trotzdem wird die gewiesen. Das soll hoffentlich nicht auf die Schaffung einer ständigen der Autoritäten auseinandergehen, aber ein solcher Widerspruch Haltung einer größeren Truppenmacht notwendig sein. Nichtsdesto- Kolonialarmee hindeuten; dem würden wir Widerstand ist doch zu auffallend.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) weniger ist die Forderung von 8268 Mann um 600 Mann ermäßigt. Ie i sten.( Sehr richtig! bei den Freisinnigen). Herr Da müssen wir uns doch fragen, wie denn die Regierung dazu -Die geforderte Summe wird freilich dadurch nicht geringer, weil v. Lindequist het eine Schußtruppe ebenfalls als unwirtschaftlich be- fommt, folche übertriebene Forderungen zu erheben, was für Gründe auch die zurückkehrenden 600 Mann auf dem Wege hierher erhalten zeichnet, und gibt wie wir einer danernd im Lande bleibenden dahinter stecken fönnen. Unter diesen Umständen ist es ganz er werden müssen. Hierbei bemerke ich gleich, daß nicht die Absicht Polizeitruppe den Vorzug. klärlich, daß nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland die besteht, zufolge der veränderten Verhältnisse den Etat für 1907 so, Jm Wahlkampf wurde behauptet, die Regierung habe schon vor Ansicht Boden gewonnen hat, daß die Regierung andere Pläne wie er vorgelegt ist, aufrecht zu erhalten, vielmehr besteht die Absicht, der Auflösung von den Friedensverhandlungen Kenntnis gehabt. damit verfolgt.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Zum einen Ergänzungsetat, der den geänderten Verhältnissen Rechnung Ich konstatiere, daß Herr v. Lindequist in der Budget- ersten Mal ist hier die Frage seitens der Reichsregierung ange= trägt, so zeitig einzubringen, daß er statt des vorliegenden in Be- tommission uns Mitteilungen von dem Stand der schnitten worden mit einem Angriff des Herrn Reichskanzlers auf ratung genommen werden kann. Verhandlungen gemacht hat. die Sozialdemokratie. Weil nämlich in einer Londoner KorreWie groß der Rücktransport der Truppen in den ersten sechs Dem Dank für unsere Truppen schließen wir uns an, doch hoffen spondenz des" Vorwärts", die in England gang und gäbe AnMonaten des Jahres 1907 sein wird, kann ich noch nicht sagen, wir, daß er nicht nur in einer Denkmünze zum Ausdruck komunen schauung wiedergegeben war, daß die deutsche Regierung diese allerdings wird mit 2500 Mann nicht auszukommen sein. Die Ver- wird. Bei der Gelegenheit möchte ich auch an die Sorge für die Truppen in Südwestafrika aufrecht erhalte, weil sie damit weltminderung der Schußtruppe muß Hand in hand gehen mit einer Veteranen von 1870 und 71 erinnern.( Sehr richtig! bei den Frei- schärfsten Ausdrücken gegen die Sozialdemokratie polemisiert. Gr politische Zwecke berfolge, hat der Herr Reichskanzler in ben Vermehrung der Polizeitruppe, doch muß ich der Ansicht entgegen- sinnigen.) Im Wahlkampfe hat man uns vorgeworfen, wir ver- hat von einer Insinuation des Vortvärts" gesprochen, die nicht treten, daß für eine Gendarmerie die Kosten geringer sein werden. leugneten das Verhalten Eugen Richters. Wir waren mit Richter nur eine niederträchtige Verleumdung, sondern auch heller Unsinn Den Dant, welchen die Thronrede unseren Truppen in Südwest- nie prinzipielle Gegner der Kolonialpolitit, sondern sei.( Sehr richtig! rechts. Buruf bei den Sozialdemokraten: Ab afrika gezollt hat, wollen wir auch durch Einsetzung von Mitteln zur haben das System bekämpft, mit untauglichen Kräften warten!) Ich wiederhole also, daß in dieser Korrespondenz nur die zu wollen, зи Kräfte, die Ansicht wiedergegeben war, die in England gang und gäbe ist. Wie ist diese Ansicht nun entstanden? Seit ungefähr 2 Jahren arbeiten die alldeutschen Phantasiepolitiker in Deutschland mit diesen Gedanken,( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) feit ungefähr zwei Jahren wird von diesen alldeutschen Phantasiepolitikern verlangt, daß wir in Deutschfüdwestafrika eine große Truppenmacht aufrecht erhalten müßten, als weltpolitischen Druck gegen England, um eventuell in das Kapland einzubrechen.( Widerspruch und Ge= lächter rechts.) Es freut mich, Ihren Ausdrücken des Erstaunens und Verwunderung gegenüber Ihnen jetzt den Beweis dafür liefern zu können, wie solche Behauptungen seit 2 Jahren in Deutschland und überall auch in Südwestafrika kolportiert worden find, und wie die Regierung ihnen niemals entgegengetreten ist. Der erste Versuch dieser Art findet sich in einem Buch des den AllSamassa. Er schreibt, indem er die Verhältnisse in Südafrika deutschen in diesem Hause sehr nahestehenden Herrn Paul erörtert hat und die Gegensätze zwischen den deutschen und engli schen Interessen: Mit Deutschsüdwestafrika ist heute ein starker weltpolitischer Trumpf in unseren Händen".( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten). England läuft dadurch Gefahr, Südafrika zu Es hat mich sehr befremdet, daß die meisten der Vorredner, berlieren.( Hört hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben alle, mit Ausnahme des von der freisinnigen Partei, gar nicht auf heute etwa 12 000 Truppen in Südwestafrika, wovon die Hälfte wohl die Vorkommnisse eingegangen sind, die damals zur Ab. noch geraume Zeit dort verbleibt." Er führt dann des näheren aus, Abwie nach seinen strategischen Ideen die Leute in 3 Kapland einhierher gelangte Nachricht, daß tatsächlich der Friedenszustand in( ört! hört! bei den Sozialdemokraten.), dann den Eng lehnung des Stats geführt haben und auf die kurz nachher bringen und mit Sülfe aufständischer Buren Südwestafrika schon gesichert war zu einer Zeit, als hier der Herr andern Südafrika nehmen.( Lachen rechts.) Sie sagen, Reich 3kanzler und der Kolonialdirektor mit Worten was geht uns Samassa an?( Sehr richtig! rechts.) Da werde ich tönender Entrüstung und mit der Behauptung, daß, wenn Ihnen jetzt einen Herrn vorführen, der den Reichstagsabgeordneten Abg. Rogalla v. Biberstein( t.): In dem erfreulichen Bilde, das nicht alles bewilligt werde, die Ehre Deutschlands auf der Rechten noch etwas näher steht. Am 2. Dezember 1905 hielt ein der Kolonialdirektor uns von dem Schutzgebiet entworfen hat, ist dem Spiele stehe, die Bewilligung durchzudrücken versuchten. Herr Reichstagsabgeordneter hier im Hause eine Rede das erfreulichste die Mitteilung von der Wassererschließung und von Kopsch hat darauf hingewiesen, daß ja die Nachricht, daß die handelte sich gleichfalls um die Bewilligung der Bahn in der der Beendigung des Kriegszustandes. Der Vorlage über den Bau Bondelzwarts sich unterworfen hätten, erst nach dem 13. Dezember, er ebenfalls die kommissionsloje Annahme empfahl und ausführte: der Bahn werden wir gern zustimmen. Nun ein Wort über die ich glaube es war am 24. Dezember, publiziert worden ist, während„ Diese tommissionslose Annahme wäre aber deshalb von so beLösung des Vertrages mit der Firma Tippelskirch. Es iſt dankenswert doch bereits am 25. Oktober die Mitteilung hierher gelangte, daß fonderer Bedeutung für unser ganzes Volk gewesen, weil sie dann anzuerkennen, daß der stellvertretende Kolonialdirektor hierbei in der Führer der Bondelzwarts sich mit 50 Mann gestellt und zur nicht nur vom Standpunkt der Verpflegung unserer geschickter Weise den Wünschen des Reichstages entgegengekommen ist. Unterwerfung bereit erklärt hätte, und daß die Verhand- Truppen und der Rentabilität der Kolonie beurteilt werden Dasselbe hat das Oberkommando bei der Rücksendung der Truppen lungen sich nur deshalb verzögert hätten, weil eine Anzahl von muß, sondern weil dahinter noch eine viel ernstere Frage steht, getan; doch wollen wir auf das Oberkommando hierbei nicht zu anderen Stammesgenossen erst herangezogen werden mußten, um nämlich: welche Bedeutung hat diese Bahn im Falle von Berwickesehr drücken! Es handelt sich bei der Haltung der Kolonie jetzt ihre Zustimmung zur Unterwerfung zu geben. Herr Kopsch hat lungen Deutschlands mit anderen Völkern!( Buruf bei den Sozialweniger darum, ob sie wirtschaftlich prosperieren wird, sondern um diese auffällige Tatsache im Intereffe der Regierung damit zu ent- demokraten: Wieso?) Jawohl, diese Bahn kann nicht nur zur Bedie Ehre des Deutschen Reiches.( Sehr richtig! rechts und bei den schuldigen gesucht, daß er sagte, Herr v. Lindequist hat bereits förderung von der Küste ins Land dienen, sondern unsere Truppen Nationalliberalen.) Die Schußtruppe muß so start gehalten werden, in der Kommission gewisse Andeutungen gemacht, aus denen tönnen auch aus dem Innern leicht an die Küste und von dort daß den Eingeborenen jede Lust zu einem Aufstande verloren geht. man jezt entnehmen kann, daß die Regierung damals in Ver- anderswohin kommen.( Buruf links: Wohin denn?) zum Beispiel, ( Sehr richtig! rechts und bei den Nationalliberalen.) Bezüglich handlungen mit den Bondelzwarts stand. Die Andeutungen aber wenn ein Krieg mit England ausgebrochen wäre, nach dem Kapdes zweiten Nachtragsetats, den für den Bahnbau, bemerte ich, waren so unbestimmt, daß auch Herr Kopsch nicht glauben konnte, land hinein. Ich sollte meinen, gegenüber den ernsten Mahnungen daß seine Notwendigkeit wohl von niemand im Deutschen Reiche der kaiserlichen Thronrede, welche unserem Volke doch deutlich genug bestritten wird. Für die invalide aus Südwestafrika zurückkehrenden die Gefahr unserer Stellung unter den Völkern vor Auge gehalten Offiziere und Soldaten ist es Ehrenpflicht des Deutschen Reiches, haben, wäre es doppelt schön und bedeutsam gewesen, wenn die nicht nur genügend, sondern glänzend zu sorgen.( Beifall rechts und fommissionslose Annahme dieser Vorlage zugleich die Antwort des bei den Nationalliberalen.) Volkes gewesen wäre, daß wir die Mahnung unseres Kaisers wohl verstanden haben."( Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemofraten.) Ja, meine Herren, das war der Herr Abgeordnete Lattmann, und damals hat ein Regierungskommissar geantwortet, aber er hat sich in bezug auf diese Lattmannsche weltpolitische Strategie, in Schweigen gehüllt.( Lebhaftes hört! hört! bei den Sozialdemoich weiß nicht welcher, die Namen wechseln ja so häufig( Heiterfeit) ist dagegen aufgetreten, und feit jener Zeit gehen fortwährend durch die von alldeutschen Ideen erfüllte Presse ähnliche Andeutungen. Soll ich Ihnen noch mehr vorlesen?( Große Un ruhe und Widerspruch rechts.) Die„ Deutsche Tageszeitung" und andere? Ich hoffe, Sie glauben es mir jetzt, daß planmäßig seit 2 Jahren dieser Gedanken in Deutschland ventiliert worden ist und dann endlich bei den Engländern Glauben gefunden hat. Nur der Herr Reichskanzler hat nichts davon gewußt. Ahnungslos ist er durch die Weltgeschichte gegangen.( Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Nicht aus den Zeitungen, nicht aus den Reden hier im Hause, nicht aus den Büchern der Alldeutschen hat er irgend etwas davon gemerkt. Aber glauben Sie, daß die Vertreter der englischen Regierung, die eigens damit beauftragt sind, die Stimmung in Deutschland kennen zu lernen, auch so ahnungslos wie der Herr Reichskanzler an diesen Sachen vorbeigegangen sind? Niemals hat die Regierung Widerspruch erhoben gegen diefen direkten Hinweis des Herrn Lattmann, daß der Kaiser diese Idee vertrete.( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten. Große Unruhe rechts.) Ich verlese den Satz nochmals:„ Wenn die fommissionslose Annahme dieser Vorlage zugleich die Antwort des Volkes gewesen wäre. Stellvertretender Kolonialdirektor Dernburg geht auf einige anlegen und Boden erwerben wollen. Dieser Bewegung werden wir Bemertnugen der Vorredner ein. Der Landspekulation werden Halt gebieten müssen, weil die Verhältnisse dort noch nicht soweit wir beim Bahnbau entgegentreten, indem wir das Gelände um vorgeschritten sind, um all diesen Leuten Gelegenheit zum Bodenerwerb die Bahnhöfe für uns in Anspruch nehmen. Bemerken will ich. dort zu geben. Allerdings macht die wirtschaftliche Erschließung Fortschritte. Es sind Expeditionen zur Erschließung schlägen baut, das sind hier nur Voranschläge; natürlich hat daß die Firma Lenz u. Co. nicht nach den hier vorgelegten Ander mineralischen Reichtümer im Gange, auch Waffer ist gefunden sie mit 21 Millionen das Maximum garantiert, das die Bahn worden, vor allem bei Lüderitzbucht. Der wichtigste Gegenstand, der fosten kann. Von einem Monopol kann keine Rede sein. uns beschäftigen muß, ist die Fortführung der Bahn von Kubub nach Keetmanshoop. Nach den Wünschen der Budgetkommission soll ste auf Grund eines Darlehns gebaut werden. In der Festsetzung der Termine zur Rückzahlung von 1911 an ist jedoch keine Gewähr dafür ausgesprochen, daß das Schutzgebiet schon zu dieser Zeit in der Lage sein wird, die Bahn zu decken! Ich hoffe, daß durch die Entwickelung des Schutzgebietes das Deutsche Reich noch für seine Auslagen auf seine Rechnung kommen wird und daß wir alle an dem Schutzgebiete noch Freude haben werden. ( Beifall rechts, bei den Nationalliberalen und den Liberalen.) Abg. Ledebour( Soz.): N " es daß der Frieden damals schon gesichert war.( Zuruf des Abgeordneten Kopsch.) Sie geben das zu, Herr Kopsch. Dadurch verlieren die Andeutungen des Herrn v. Lindequist aber allen Wert. Wenn aber Herr Kopsch von der Ansicht ausgeht, daß nicht bloß Herr v. Lindequist, sondern auch der Kolonialdirektor und der Reichskanzler von diesen Verhandlungen unterrichtet gewesen sind, Abg. Fehrenbach( 3.): Wir waren am 13. Dezember bereit, von so leistet er ihnen einen schlechten Dienst, denn er seßt sie dann in den Nachtragsetats 20 Millionen zu bewilligen, was wir angesichts Widerspruch mit ihren eigenen Erklärungen vom 13. Dezember der bereits begonnenen Truppenrüdsendungen für ausreichend hielten. und den späteren Versuchen, in Zeitungsnotizen zu erklären, die Juzwischen hat sich der Zustand noch mehr gebessert, und es hätten Regierung hätte damals absolut keine Ahnung davon gehabt.( Sehr noch mehr Truppen zurüdgezogen werden müssen. Wir werden richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich erinnere aber weiter fraten.) Weder der Herr Reichskanzler noch der Kolonialdirektor deshalb die 29 Millionen auch jetzt ablehnen, doch wiederhole ich, daß daran, daß hier am 13. Dezember von einem Vertreter der Rewir zur Bewilligung von 29 Millionen bereit gewesen wären und gierungen eine Erklärung gemacht worden ist, die mit einer solchen ebenso bereit gewesen wären, eventuelle weitere Unzulänglichkeiten Auffassung im absoluten Widerspruch steht. Als damals hier die durch ein besonderes nachträgliches Kreditgesetz zu decken! Wenn wir Notwendigkeit der dauernden Aufrechterhaltung einer größeren heute bereit sind, für den Bahnbau zu stimmen, so tun wir es, weil Truppenmacht mit dem Hinweis bestritten wurde, daß doch nur wir den Aufbau der neuen Vorlage auf den von uns selbst angeregten faum 300 Hottentotten im Felde ständen, trat hier der OberitGrundlagen freudig begrüßen. leutnant Quade vor und erklärte: nach den neuesten Nachrichten Abg. Semler( natl.): In der vorjährigen Budgetkommission find es bereits wieder 500-600 Mann."( Sehr richtig! bei den hatten wir mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, ich Sozialdemokraten.) Da muß ich denn doch die Frage an die Reglaube daher, daß das Vorgehen des Obersten Deimling, den Auf- gierung richten, auf welche Mitteilungen stützte sich die Behauptung stand auch anders als durch Waffengewalt zu beenden, keiner be- des Oberstleutnant Quade am 13. Dezember, daß die Zahl der fonderen Rechtfertigung bedarf. Oberst Deimling hat sich damit ein Hottentotten bereits wieder auf 500-600 ann angeschwollen Anrecht auf unseren wärmsten Dank erworben.( Beifall rechts.) Die sei. Das steht doch im absoluten Widerspruch mit den Tatsachen, Ansiedler müssen jetzt auch entschädigt werden; angesichts des die uns allen am 24. Dezember bekannt wurden.( Sehr wahr! bei ungeheuren Aufwandes, den wir für die Kolonien schon geleistet den Sozialdemokraten.) Es steht auch im absoluten Widerspruch haben, tönnen die Entschädigungssummen kaum in Betracht kommen. mit den Vermutungen, die Herr Kopsch aus den Andeutungen des Bei der Begebung der Kronländereien muß man sehr vorsichtig und Herrn v. Lindequist hat entnehmen tönnen. Darüber müssen wir wirtschaftlich vorgehen. Das Stronland bietet bis jest bie einzige unter allen Umständen Aufklärung haben. Ich fürchte allerdings, Deckung für die Aufwände des Reiches, die sich voraussichtlich in der daß wir diese Aufklärung nicht bekommen werden,( Sehr richtig! Zukunft in gewisser Hinsicht noch steigern werden. Ich glaube aller bei den Sozialdemokraten) weil diese Aufklärung noch viel fom. dings an den Mineralreichtum des Landes, halte aber bei der noch promittierlicher sein würde, als alles, was bis allgemein zurückgebliebenen wirtschaftlichen Entwickelung der Kolonie her bekannt geworden ist.( Zustimmung bei den Sozialauch einen ausgedehnten Minenbetrieb für derzeit noch unmöglich. demokraten. Widerspruch rechts.) Sie( nach rechts) wünschen Bu begrüßen ist die Stellung, die die Thronrede zum planmäßigen freilich keine Aufklärung, Sie wollen, daß alles im Dunkeln bleibt Ausbau von Berkehrswegen eingenommen hat. Auch wir sind am und daß der Generalstab vollkommene Freiheit über die Truppen, Vizepräsident Dr. Paasche: Sie unterschäßen doch die Auffassungsgabe des Hauses, wenn Sie eine solche Stelle zweimal verlefen.( beiterkeit und Beifall rechts.) Mg. SeFeFdttt(fortfahrend); Sie ZlllffassungSgabe des HauftS zu beurteilen, ist immer Sache d:S Redners, danach hat er seine Rede einzurichten, ze nachdem sich die Herren benehmen(Sehr gut! bei den Soz>) Ich werde wenigstens noch den Satz zu Ende lesen:„daß wir die Mahnung unseres Kaisers wohl verstanden haben." Damals wäre Gelegen- heit für den Herrn Reichskanzler gewesen, zu erklären, daß nie» malö solche Absichten bei der Regierung bestanden haben und daß nichts verwerflicher sei, als wenn so das Mißtrauen Englands er» weckt werde und man uns England auf den HalS zu hetzen suche. DaS hätte er damals sagen sollen(Sehr gut! bei den Soz.), dann wäre dies Mißtrauen nicht geweckt worden und hätte sich nicht festgesetzt. Aber es mußte erst der..Vorwärts" durch eine Korrespondenz aus London den Herrn Reichskanzler auf diese plan- mäßige Verhetzung Deutschlands und Englands durch die Alldeut- schen aufmerksam machen. Daraus können Sie entnehmen, wie außerordentlich notwendig für unsere Reichsregierung der..Vor- wärts" ist.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten. Lachen rechts.) Ohne den„Vorwärts" würde der Reichskanzler heute noch gewissermaßen in somnambulem Zustande einhergehen. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Er möge uns also künftig mit solchen Angriffen verschonen. Nachher entzieht er sich dann immer der Verantwortung für seine ungeheuerlichen Behaup- tungen und Angriffe, die er hier im Hause vorbringt.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Das ist eine sehr billige und bequeme Art, die Regierung zu führe».(Erneute lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dr. Paasche: Sie haben nicht das Recht, an der Tätigkeit des Reichskanzlers in diesem Sinne Kritik zu üben. (Große andauernde Unruhe und stürmischer Widerspruch links und im Zentrum.) Sie haben gesagt: Der Reichskanzler entzog sich zcdeSmal der Verpflichtung....(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten) und ich sage, darüber, was der Reichskanzler für sein Recht hält, ob er hierher kommen muß oder nicht, darüber hat ein Abgeordneter nicht zu ent- scheiden.(Erneuter stürmischer Widerspruch links und im Zentrum. Andauernde Unruhe.) Abg. Ledebour(fortfahrend): Darüber haben wir allerdings zu entscheiden, wie wir dies Verhalten des Herrn Reichskanzlers kritisieren wollen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) So lange wir in parla- mentarifchen Ausdrücken Kritik an dem Verhalten von Regierungs- Vertretern üben, lassen wir uns durch nichts darin einengen.(Leb- hafter Beifall links und im Zentrum.) Ich wiederhole(Bravo! bei den Sozialdemokraten), daß der Reichskanzler wiederholt in der letzten Zeit nach heftigen An- griffen, die, wenn sie bewußt gemacht werden, verleumderisch sein würden, sich der Verantwortung entzogen hat(Sehr wahr! bei, den Sozialdemokraten), daß er sogar, nachdem wiederholt im Hause und außerhalb desselben darauf hingewiesen worden ist, daß diese Angriffe unberechtigt und unwahr gewesen sind, trotzdem weder selbst noch durch einen seiner Vertreter, nicht einmal durch den sonst immer hier erscheinenden Herrn v. Löbell, diese Angriffe zurückgenommen hat.(Sehr richtigl bei den Sozialdemo- kraten.) Angesichts der völlig unaufgeklärten Frage, zu welchem Zweck eigentlich die 7400 Mann noch notwendig sind, lehnen w.ir natürlich jede Unterstützung einer solchen Forderung ab. Nun werden nicht nur militärische, sondern auch Wirtschaft- liche Gründe für die Vorlage angeführt. Herr L a t t m a n n hat zwei meiner politischen Freunde zur Unterstützung der Dern- burgischcn Politik zitiert. Sie müssen nicht glauben, daß diese Unterstützung der Dcrnburgischen Kolonialpolitik dadurch bei irgend einem Sozialdemokraten als wahr be- wiesen oder bestärkt wird, daß sie hier von Ihnen vor- getragen wird. Herr Lattman meinte, diese Aeutzerungen könnten nicht oft genug vorgetragen werden. Uns ist das recht. Bernstein würde sich dann um so eher davon überzeugen, daß er eine Duwm- heit gemacht hat. Die Darstellungen des Herrn Dernburg über die Ent- Wickelungsmöglichkeiten in Südwestafrika sind verschiedentlich als harmloser Optimismus bezeichnet worden. Nach meiner Meinung aber sind sie etwas ganz anderes. Ich will nur zwei Beispiele an- führen. Nachdem Herr Dernburg den Wert der deutschen Aus- fuhr nach den Schutzgebieten auf SO Millionen Mark angegeben hat— diese große Ueberschätzung kann man ja allen- falls als harmlos passieren lassen—. fährt er nachher fort, daß darin 40 Millionen an Arbeitslöhnen für deutsche Arbeiter stecken.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Wenn eine solche Behauptung von einem Herrn auf- gestellt wird, der seine Qualifikation zum Minister als Husaren- oder Marineleutnant erworben hat(Heiterkeit bei den Sozial- demokraten), so könnte man an Harmlosigkeit denken. Aber wenn sie von einem Manne aufgestellt wird, der jahrelang im wirtschaftlichen Leben gestanden hat, der sein Vermögen erworben hat durch die großen Profite, welche Wirt- schaftliche Unternehmungen eingeheimst haben, dann ist das nicht harmloser Optimismus.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Ich verweise darauf, daß die„Nordd. Allgem. Zeitung" mitteilt, die Firma Tippelskirch u. Co. habe bei deni Export nach den Schutzgebieten in den letzten zwei Jahren ein Kapital von 900 000 Mark oder 13S Proz. Dividende verdient. Will man 10 Proz. Dividende jährlich als legitimen Verdienst ab- rechnen, so bleiben noch IIS Proz. Also selbst diese Zeitung gibt zu, daß der letzte Unternehmer, nicht etwa alle, die am Pro- duktiousprozeß beteiligt sind, sondern nur der letzte, der die Ware verkauft, 07zh Proz. daran jährlich verdient. Aber der Herr Kolonialdirektor sagt, außerdem stecken noch 80 Proz. Arbeitslöhne darin. Es ist eine geradezu ungeheuere Uebertreibung, zu behaupten, daß die deutschen Arbeiter am Export 80 Proz. Arbeitslöhne verdienen.(Zustimmung bei dep Sozialdemokraten.) Ich komme nun zu einem anderen Fall, der deshalb interessant ist, weil darauf hingewiesen wurde und das Loblied von der Ent- Wickelungsfähigkeit von Südwestafrika so laut gesungen wurde, daß schon in ländlichen Kreisen Stimmung für die Uebersiedelung nach Südwestafrika vorhanden sei. Als Haupttrumpf hierfür führte der Herr Kolonialdirektor die Erfahrungen des Farmers Schlettwein an, der uns in der Budgetkommission als Musterfarmer vorgeführt'.wurde und als lebendes Beispiel dafür, wie gut eS dem Farmer in Südwestafrika gehe, im Lande herumreiste. Der Kolonialdirektor und der Farmer Schlettwein haben uns eine Rechnung aufgemacht, woraus hervor- gehen soll, wie vielversprechend Südwestafrika ist. E r s e l b st i st dort in wenigen Jahren zu einem reichen Manne geworden. Das hat der Kolonialdirektor zuerst in einer Ver- sammlung von Künstlern und Gelehrten erzählt, Männern, die selbst glauben, daß sie an der Spitze der Kultur und des deutschen Geisteslebens stehen, und diese— es befanden sich unter ihnen u. a. die Herren Schmoller und Jastrow— haben ihm zugejubelt. Wenn von einer solchen Fülle von Autorität, vom Herrn Kolonialdirektor und von ersten Professoren. dem Bauern so etwas vorgeredet wird, und sie niemals etwas anderes hören, so ist es erklärlich, daß eine Reihe von Leuten darauf hereinfallen, wie auch immer eine Reihe hereinfallen auf eine blutige Gründung, wenn auf ihren Prospekten die Namen von Professoren, Fürsten, höheren Be- amten a. D. prangen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wie war eS denn in Wirklichkeit mit Herrn Schlettwein! Nach den Darstellungen des Herrn Kolonialdirektors mußte jeder Unbefangene glauben, Schlettwein sei der Typus eines arbeitenden Farmers, der dort draußen zu Geld kommen kann. Aber Herr Schlettwein ist mit einem Kapital von 35 000 M. vor 5 Jahren dort hingegangen und hat dieses Kapital in 5 Jahren vervierfacht. Es ist begreiflich, daß jeder Landwirt im Deutschen Reiche jauchzen würde, wenn er es ebenso gut hätte(Sehr richtigl rechts), und daß eS viele Leu'e gibt, welche sich sagen, wenn das möglich ist, so gibt eS ja nicht besseres, als daß ich hier schleunigst mein Gut losschlage, die Ansiedelungskommission be- �ahltesjasehrgut(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), ich fahre dann nach Südwestafrika und komme nach 5 Jahren als reicher Mann heim. Wie erklären sich aber die kolossalen Profite, die Herr Schlettwein in 5 Jahren gemacht hat. Daraus, daß in dieser Zeit infolge des Krieges die Viehpreise ganz kolossal, auf das Dreifache der normalen Preise gestiegen sind. Herr Schlott- wein hat sich in einem Gebiet niedergelassen, das von dem Kriege nicht berührt ist. wo er seine Produkte in aller Ruhe herstellen konnte, nebenbei durch eine maßlose Ausbeutung der Eingeborenen, und dann hat er sie an die Proviantämter verkauft. Daraus erklären sich die abnormen Prosite als Ergebnis abnormer Zeiten, und es ist geradezu unverantwortlich vom Kolo- nialdirektor. diesen Mann als den TypuS, als den normalen, arbeitenden Farmer hinzustellen. Das ist kein harmloser Optimismus, sondern es ist das, was man im Börsenjargon „bluffen" nennt.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdcmo- kraten.) Diese Bezeichnung ist dem Pokerspiel entnommen, das ja im deutschen Reich der Gottesfurcht und guten Sitte durch den Justizminister Ruhstrat als legitim eingeführt ist. An der Börse wird eben dieses Bluffsystem systematisch geübt.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.(Unruhe rechts und bei den Natlib.) Präsident Graf Stolberg: Herr Abgeordneter, der Ausdruck ..bluffen" ist die Bezeichnung von unehrlichem Handeln im Spiel. Sie sollten sie in Beziehung auf den Herrn Kolonial- direktor nicht gebrauchen. Abg. Ledebour: Ich will doch darauf aufmerksam machen-- Präsident Graf Stolberg: Ich rufe Sie zur Ordnung. (Heiterkeit und Rufe: Wieder zu spät gekommen!) Abg. Ledebour: Ich mache darauf aufmerksam, daß der Justiz- minister Ruhstrat sich ausdrücklich zu dieser Praxis als einer er- laubten bekannt hat.(Große Heiterkeit.) Wir haben in der Budgetkommission durch Befragen des Herrn Schlettwein aus ihm herausgebracht, wie er sein Geschäft betreibt. Wie alle großen Viehzüchter betreibt er es mit Ausbeutung der Eingeborenenarbeit.. Er sagte uns, er beschäftige 17 Familien und bezahle den Männern 15 M. pro Monat. Die Frauen erhielten nichts, höchstens wenn sie längere Zeit arbeiten. Die Männer be- kommen auch zu essen, die Frauen dagegen sind auf sogenannte Feldkost angewiesen. Ich glaubte, darunter sei eine Ernährung mit Feldfrüchten zu verstehen, die sie fänden. Ich habe jedoch im „B e r l. Tageblatt" gefunden, daß unter Feldkost verstanden wird, die Betreffenden leben von Raupen, Fröschen, Mäusen, Heu- schrecken. Gras.(Heiterkeit rechts. Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Wenn ein deutscher Unternehmer und Arbeitgeber die Neger und Eingeborenen so ausbeutet, ihnen so wenig gibt, daß ihre Frauen und Kinder auf diese Feldkost angewiesen sind, s o m a g nach Ihren(nach rechts) oft elbischen Begriffen das zum Lachen und amüsant sein. Nach unseren Begriffen ist es eine ganz unerhört brutale Ausbeutung.(Lebhafte Zustim- mung bei den Sozialdemokraten.) Daß die Bezahlung der Einge- borenen durch Herrn Schlettwein sehr niedrig ist und geradezu auf eine Ausbeutung der Notlage der Eingeborenen herauskommt, geht auch aus Ausführungen von Ihnen(nach rechts) nahestehender Seite hervor. Es wird dort gesagt, dem Kriege hätten es die Ge- schäftsleute zu danken, daß es an Arbeitern nicht fehlt. Während in Kapstadt ein Schwarzer 80 bis 100 M. pro Monat erhalte, im Innern des Landes 60 bis 80 M. n e b st freier Station, zahle man in Südwestafrika nur 10 bis IS M., ganz wie Herr Schlettwein, und auf ihem Lande selbst nur 0 M. monatlich. Diese Konkurrenz durch kriegsgefangene Arbeiter drückt auch außer- ordentlich auf die freien Arbeiter. Genau so wie bei uns die Kon- kurrenz der Strafgefangenen. Daraus also erklärt sich, daß der Musterfarmer Schlettwein so glänzende Profite machen konnte. Er ist eben nicht ein Beispiel für deutsche Bauernarbeit, und es ist eine Gewissenlosigkeit sondergleichen, wenn man die beut- schen Bauern mit derartigen Beispielen verlocken will.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Präsident Graf Stolberg: Herr Abgeordneter, ich ruf« Si« zur Ordnung! Abg. Ledebour(fortfahrend): Ich finde eS ja vollkommen begreiflich, daß Herr Schlettwein und andere Farmer in ähnlicher Lage nach diesen günstigen Erfahrungen, die sie mit Hülfe der Millionen des Reiches für ihren Geldbeutel gemacht haben, alles aufbieten, daß ihnen diese Ausbeutungs- Möglichkeit der Arbeiter erhalten bleibe. Die Denkweise des Herrn Schlettwein zeigt sich deutlich in einer Broschüre, die er im Jahre 1904 veröffentlicht hat. ES heißt da:„wir stehen mit der Kolonialpolitik am Scheidewege. Nach der einen Seite daS Ziel: gesunder Egoismus und praktisches Kolonisteren, nach der andern Seite übertriebene Menschlichkeit, vager Idealismus, unvernünftige Gefühlsduselei. Die Hereros müssen besitzlos gemacht werden. (Hört! hört! b. d. Soz.) Das Volk muß nicht nur als solches unmöglich gemacht werden, es müssen auch alle das Nationalgefühl erweckenden Faktoren beseitigt werden.(Hört! hört! b. d. Soz.) Man niusi die HereroS zur Arbeit zwingen und zwar zur Arbeit ohne Entschädigung, nur gegen Beköstigung. Eine jahrelange Zwangsarbeit ist nur eine gerechte Strafe für sie und dabei die einzig richtige Erziehungsmethode. Die Gefühle deS Christentums und der Nächstenliebe, mit welchen die Missionen arbeiten, müssen zunächst mit aller Energie zurückgewiesen werden."(Hört! hört! b. d. Soz.) Diese Broschüre ist bereits 1904 geschrieben. Das war dem Kolonialamt bekannt. Trotzdem wird gerade dieser Mann als Vertrauensmann des Kolonialamts in die Budget- kommission gerufen und gerade ihn läßt man im Lande herum- reisen und Propaganda machen für Ihre harmlose Kolonialpolitik. (Zurufe rechts.) Daß Sie(nach rechts) dem zustimmen, glaube ich gern, ein Junker hat ja auch dafür gearbeitet, daß eine ganze Landwirtschaftskammer für die Einführung von Kulis eingetreten ist. Auch eine amüsante Geschichte, denn die Kulis würden sich von Ihnen auch mehr ausbeuten lassen, als eS heute die polnischen Arbeiter tun. Daß Sie also die Meinungen des Herrn Schlett- wein billigen, begreife ich. Daß aber irgend eine andere Partei diefes Hauses, vor allem die Zentrumspartei, für eine Kolonial- Politik eintreten will, die nachgewiesenermaßen mit solchen Mitteln arbeitet, ist mir unbegreiflich, das zeigt nur, daß die Parteien. welche sich diese Unterstützung und Propaganda gefallen lassen, jeden Anspruch darauf verloren haben, daß man ihre Behauptung: Sie wollen Christentum und Kultur verbreiten, irgendwie ernst nimmt.(Sehr wahr! b. d. Soz.)/ Herr L a t t m a n n hat einen großen Trumpf gegen unsere Partei auszuspielen gedacht, indem er sagte, wir treiben eine reaktionäre Kolonialpolitik, wir seien prinzipiell dagegen. Das ist aber für uns nur ein außerordentliches Lob. Die Handels- und Weltpolitik, die wir empfehlen, ist alles andere, wie reaktionär. Sie steht auf einem weit höheren Standpunkt(Lachen rechts u. b. d. Natl.), sie arbeitet nicht mit reaktionären, kapitali- stischen Ausbeutungsmitteln, wie sie von anderen kolonisierenden Nationen vor der deutschen angewendet sind, noch heute angewendet werden, und von der Mehrheit des deutschen Volkes kaum gebilligt werden. Diese Kolonialpolitik bekämpfen wir prinzipiell genau so wie unsere Genossen die englische Kolonialpolitik in England, die französische in Frankreich, die holländische in Holland bekämpfen, weil diese Kolonialpolitik reaktionär bis auf die Knochen ist. Sie arbeitet mit den brutalsten Mitteln der kapitalistischen Ausbeutung. Die Akkumulation des Kapitals durch die kapitalistische Kolonialpolitik wird in fremden Ländern unter den dortigen Eingeborenen noch unendlich viel brutaler betrieben, als sich die Akkumulation des Kapitals bei uns im Wirtschaftsprozeß der kapitalistischen Entwicklung voll- zieht. Denn dabei werden sämtliche staatlichen Machtmittel zu Hülfe genommen, um zugunsten der Retchen und Wohlhabenden den Einzelnen zu expropriieren. Diese brutalisiercnde Kolonialpolitik särbt auch ab auf unsere innere Politik. Die jetzt geplante Enteignungsvorlage gegen die Polen sst auch nichts weiter als die Zuhülfenahme staatlicher Mittel zugunsten einzelner beborzugker Kreise.'(Sehe wahr! bei den Sozialdemokraten und bei den Polen.) Und ich be- greife, daß die Herren, die die kapitalistische Kolonialpolitik unter- stützen, auch der gegen die Polen gerichteten Enteignungsvorlage zustimmen. Viele von ihren Standes- und Gesinnungsgenossen machen ja außerdem noch ein ganz gutes Geschäft dabei.(Heiter- keit. Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wir befürworten an Stelle der Kolonialpolitik eine verständige Wirtschafts- und Welt- Politik. Man sollte darauf hinarbeiten, daß eine kulturelle Handels- und Wirtschaftspolitik Platz greift, die alle Kulturvölker einander näher bringt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Daß mir der Abg. Lattmann darin nicht zustimmt, wundert mich nicht. Ich habe aber bei einem Manne Zustimmung gefunden, bei dem ich es nicht erwartet hatte, nämlich beim Legationsrat a. D. Zimmermann, der die Kolonien aus eigener Anschau» u n g kennt. Er spricht sich gegen das heutige vollkommen veraltete System der Kolonialpolitik aus und fordert eine großzügige, von kapitalistischer Ausbeutung freie Kolonialpolitik.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) So spricht kein Sozialdemokrat, sondern ein verständiger Beurteiler kolonialer Dinge, und das entspricht vollkommen der Auffassung, die wir von der heutigen Kolonial- Politik haben. Diese kann nie zu etwas führen, und vor allem ist in Südafrika die Zeit vorüber, wo dort noch was zu erreichen war. Dort herrscht jetzt überwiegend englischer Einfluß, und Südwest- afrika kann nie etwas anderes werden, als ein Wirtschaft- licher Annex der dortigen englischen Gebiete. Das deutsche Kapital kann sich dort nicht behaupten. Gerade von deutsch-patriotischer Seite ist das Wort geprägt worden:„Die Deutschen sind im Auslande nur der Dünger anderer Nationen!" Woran liegt das? Weil das deutsche Bürgertum durch den Polizei- lich-bureaukratifch-junkerlichen Druck im Jnlande zedeS Selbst» bcwußtsem verloren hat.(Widerspruch bei den Liberalen, Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und wenn der deutsche Kauf» mann ins Ausland kommt, dann tut er so, al» ob er über- Haupt nicht mehr deutsch sprechen könnte! Die Deutschen sollen ja in ganz Südafrika die besten Kolonisatoren sein; für die Verwaltung und Selbstverwaltung haben sie weder Sinn noch Verständnis. Das erklärt sich daraus, daß dieses Vcr- ständnis im deutschen Bürgertum planmäßih unterdrückt wird.(Widerspruch bei den Liberalen.) DaS können Sie nicht bestreiten, wo wir noch nicht einmal eine demokratische Selbst- Verwaltung bei den Kommunen haben. In allen Zweigen der Ver- waltung herrscht ein bureaukratisches Regiment, und selbst unsere Kommunalbcamten fühlen sich nicht als freie Bürger eines freien Staates, sondern als Bureaukraten zweiten Grades. (Lebhaftes Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Deshalb kann auch unsere ganze Kolonialpolitik es nie zu etwas bringen, ehe wir das protzenhafte Renommieren und Säbelklirrcn nicht aufgegeben haben(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten), ehe wir nicht freie, selbstbewußte Männer hinausschicken,— und das können wir erst» wenn wir daS ganze fluchwürdige bureaukratifche Regierungs- stlstem bei uns mit Stumpf und Stiel ausgerottet haben.(Leb- Haftes Bravo! bei den SozialdemokratenD ES ist wunderlich, daß die Herren von den freisinnigen Parteien, anstatt ihr Hauptziel auf die vollkommene Demokratisierung unseres Staats- Wesens zu richten, neben den Konservativen die Schutztruppe bilden zur Unterstützung de? heutigen bureankratifchen Regiments.(Lachen bei den Liberalen, Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es ist Ihnen eine sonderbare Hoffnung in die Glieder gefahren, so eine Art Kronprinzenliberalisinus. Sie glauben, weil«in Mann, der früher einmal eine freisinnig-vereinigte Bcrgangenheit gehabt haben soll(Heiterkeit), designierter Minister ist. wäre'hre Zeit angebrochen. Die Tatsache, daß hin und wieder ein Moller oder Dernburg in hohe Aemter befördert wird, ändert an dem bureaukratischen Vcrwaltungsfystem unserer Regierung gar nichts. Da« ändert daran ebenscovemg, wie es an dem Privilegium des Adel» aus Gardeoffizierstellen etwas ändert, wenn hin und wieder einmal ein K o n z e s s t o n» s ch u lz e zum Gardeleutnant gemacht wird. Genau ebensowenig wird daher Konzesstonsschulze an dem jetzigen Regierungssystem etwas ändern.(Heiterkeit.) Wir werden es noch erleben, daß alle Ihre Hoffnungen von den vereinigten Reaktionären untergepflügt wer- den, und Sie ernten damit nur den Lohn dafür, daß Sie sich zu Helfershelfern dieser kapitalistischen AuSbeutungSpolitik in den Kolonien und dieses ganzen RegierungSfhstem» hergegeben haben. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten, Lärm rechts.) Abg. Schräder(frs. Vg.): ES scheint nicht nur in Afrika Friede gefchlossen worden zu sein, sondern auch im Hause. Wenigstens klang der Widerspruch de» Zentrums gegen die kolonialen Forderungen recht matt und die Rede de« Abgeordneten Ledebour ist wohl nicht recht ernst zu nehmen, ebensowenig natürlich die Großsprechereien gewisser all- deutscher Kreise. Nach allem was wir heute bereit» wissen, ist e» möglich, die Kolonie Südwcstafrika vorwärt» zu bringen, wenn dazu auch noch viel Arbeit gehören wird. Darin find sich jetzt alle Parteien einig, ebenso einig wie darin, daß wir keine vhantastische Kolonialpolitik treiben wollen.(Lebhafter Beifall bei den Libe- ralen. Kolonialdirektor Dernburg beglückwünscht den Redner.) Abg. Bindewald(Reformpartei): Meine Freunde werden für die beiden Nachtragsetats stimmen; wir müssen uns bei der Au»- gestaltung unseres kolonialen Verkehrsnetze» an den anderen Nationen ein Beispiel nehmen. Kolonialdirektor Dernburg: Der Abgeordnete Ledebour hat dem Oberstleutnant Quade den Vorwurf gemacht, daß eine un- genügende oder unrichtige oder wissentlich unwahre Information dieses hohen Hauses durch ihn stattgefunden habe. Ich weise diesen Vorwurf mit aller Eiitschiedenheit als durchaus unberechtigt zurück. (Bravo! rechts, Lachen bei den Sozialdemokraten.) Es ist be- zweifelt worden, daß das Schutzgebiet ein wertvolles Aktivum fei. Dies geht aber für jedermann klar aus der Tatsache hervor, daß 20 Millionen Mark Entschädigung für entstandenen Schaden ge» währt werden müssen. Also 20 Millionen Mark Aktiva sind schon angemeldet, ehe der Aufstand ausgebrochen ist.(Sehr gut! recht».) Der„Vorwärts" hat am 20. Dezember 1906 geschrieben:„So sei also rund heraus erklärt, daß die Sozialdemokratie für die Kolonien keinen Pfennig bewilligt, und daß sie es als Gewinn für Deutschland ansähe, wenn wir sie los wären." Diese Stellung- nähme der Sozialdemokratie ist meines Erachten» der Grund, wcs- halb die Herren heute mit der Hälfte der früheren Sitze hier sind, (Lachen bei den Sozialdemokraten) weil das deutsche Volk sich so etwas nicht gefallen läßt.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Da die Herren gegen die Sache nichts zu sagen wissen, diskreditieren sie meine Person. Um die Geschichte mit der Dattelkiste zu be- seitigen, will ich folgende Stelle aus einem Buche vorlesen:„Die Dattelbäume gedeihen in Asien und Afrika in kaum glaub- licher Fülle; auf einem Morgen wachsen bis zu 200 Dattelpalmen." So Herr August Bebel in„Die Frau und der Sozialismus". (Stürmische Heiterkeit rechts.) Die Versuche, mich zu diskredi- tieren, sind so tief, nicht unter meiner Person, sondern unter der Sache, die ich vertrete, daß ich diese Angriffe in der papiernen Welt lasse, wo sie leben.(Lebhafter Beifall rechts.) Damit schließt die erste Lesung. Die Tagesordnung ist er» schöpft. Nächste Sitzung: Donnerstag, 1 Uhr.(Etatnotgesetz. Interpellationen der Abgeordneten Dr. R ö s i ck e(Bund der Landwirte), Rügenberg(Z.) und Dr. Schellhora (natl.) betreffend die Reform des WcingesctzcS. Schluß 6 Uhr. Mgeorclnetenbaus. 2 7. Sitzung, vom Mittwoch, den 6. Mär». vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Breitenbach. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Eis«» bahnet«?, Zunächst findet bei den Einnahmetiteln eine allgemeine Bc> sprechung statt, bei der jedoch ausgeschlossen sind die Personentarif» reform, Zugvcrbindungen, Beamtenwünsche und Bautensachcn. Minister Breitcnbach: In der Kommission ist der diesjährige Cisenbahnetat alS ein Spiegelbild einer glänzenden wirtschaftlichen Lage bezeichnet. Ich hoffe, daß das Haus sich überzeugt, dak der Etat allen Anforderungen Rechnung trägt.— Minister v. Thielen hatte die Hoffnung ausgesprochen, datz die Verwaltung IlllS einen lleberschuß von 700 Millionen haben werde. Nun haben wir aber schon für 1907 den Ueberschuß auf 739 Millionen Mark geschätzt. Die Lokomotivkilometerzahl hat über 100 Proz. zugenommen, die Zahl der Angestellten ist von 287 000 auf 441 000 gestiegen. Hat sich die Organisation nun bewährt? Ich bejahe die Frage. Und doch haben sich einzelne Mihständc gezeigt. Die Dircktionshräsi- denten sind so überlastet, daß sie nicht mehr in der Lage sind, den vollen Ueberblick über die Geschäfte zu behalten. Wir schlagen deshalb vor. ihnen durch Schaffung von Oberratsstellen Entlastung zu schaffen. Den mechanischen Apparat werden wir voll auf der Höhe erhalten. Große Anforderungen stellen wir für die Ver- mehrung der Betriebsmittel. Trotzdem kann ich keine Garantie dafür übernehmen, daß nicht im Herbst irgendwo einmal Wage.i- Mangel entsteht. Das genau« Bauprorgamm kann ich noch nicht näher darlegen; ich kann aber versichern, daß von einer Entlastung des Ordinariums oder des Extraordinariums nicht die Rede sein kann. Eine erhöhte Summe wird gefordert zum weiteren Ausbau zweigleisiger Strecken. Die Zahl der Unfälle ist nach der Statistik in stetiger Abnahme begriffen.— Was den Ausbau des Fahrplans betrifft, so haben wir besonderen Wert auf den Nah- verkehr und auf die Anschlüsse an Nebenbahnen gelegt.(Bravo!) Der Gepäcktarif ist durch daS Entgegenkommen der Einzelstaaten wesentlich gemildert worden. Der neue Tarif trägt alle Eigen- schaften eines Kompromisses, er genügt aber allen maßvollen An- sprächen. Was die Wirkung der Fahrkartenstcucr anlangt, so lassen sie sich noch nicht übersehen, die Abwanderung in tiefere Klassen hat naturgemäß vor allem die 1. Klasse betroffen. Unsere Angestellten und Beamten haben den Ansprüchen voll und ganz genügt und sich als treu und zuverlässig erwiesen. (Bravol) Urlaub ist den Wekstattarbeitern in erhöhtem Maße ge- währt. Anerkennen will ich, daß die Eisenbahncrvereine viel Gutes geschaffen haben. Wenn die Fachvereine gemeinnützige Bestrebungen verfolgen oder Geselligkeit pflegen, unterstützen wir sie gern. Wenn solche Vereine aber einen»rbnungsseindlichen Charakter zeigen, müssen wir ihnen entgegentreten! So hat Minister von Thielen den Beitritt zum Hamburger Verband und ich im ver- gangencn Jahre den Beitritt zum Nürnberger süddeutschen Eisenbahnerverband verbieten müssen!! Ich stehe in diesen Dingen auf demselben Standpunkt wie mein Amtsvorgänger.(Beifall.)— Abg. v. Quast(k.): Beim Wagenmangel rächen sich jetzt die Sünden früherer Jahre. ES zeigt sich, wie falsch es war, in den Jahren des wirtschaftlichen Niederganges mit der Schaffung von Betriebsmitteln vorzugchen. Den Minister warne ich, mit der Einführung des elektrischen Betriebes zu schnell vorzugehen. Abg. Macco(natl.): Mir scheint, als ob der Minister, wenn er seinen Etat vorlegt, mit einem Auge lacht und mit dem anderen weint. Ich glaube, daß Befürchtungen für die Eisenbahn mit Rück» ficht auf die wirtschaftliche Lage des Landes nicht berechtigt sind. Eine weitere günstige Entwickclun� garantiert namentlich unser Mineralienreichtum. Im rcheinisch-wcstsälischen Kohlenrevier müßten ganz andere Abzugskanäle geschaffen werden. Die Bahn allein kann den Verkehr nicht bewältigen. Ich halte es für ganz unbedenklich, die Erweiterungsbauten durch Anleihen zu decken. Die Eisenbahnverwaltung muß vom Finanzminister unabhängig ge- macht werden. Wir haben in Preußen den kompliziertesten Per» sonenverkehr, den eS überhaupt gibt. Da sollten wir danach streben, den Verkehr zu vereinfachen und zu verbilligen. Die Wagen- not in dem Güterverkehr wird in den nächsten Jahren noch nicht verschwinden, da die Ursachen in dem verfehlten System liegen. Die Gütertarife sind auch in den Nachbarländern billiger als bei uns. Wir bedauern, daß die Betriebsgemeinschaft mit den süd» deutschen Staaten gescheitert ist.(Beifall link».) Unterstaatssekretär im Finanzministerium DomboiS bestreitet, daß der Finanzminister au» Pessimismus über die wirtschaftliche Lage nicht genug für Neuanschaffungen bewilligt habe. Abg. Oeser(Hosp. d. fr. Vp.): Es dürfte zweckmäßig sein, die Rente der Eisenbahn einmal festzustellen. Leider sind die Sach» verständigen über ihre Höhe nicht einig. Der Berichterstatter in der Kommission schätzt sie auf 11,13 Proz., mit Verzinsung auf 8,3S Proz., auf Grund des noch investierten Kapitals auf 10 Proz., die Eisenbahnverwaltung schätzt die Rente auf 7% Proz., die Finanzverwaltung auf 7 Proz. DaS ist doch immerhin ein gesundes wirtschaftliches Unternehmen. Die viel getadelte Schnellzugsgebühr hat doch wenigstens das Gute gehabt, eine Reihe von Komfortannchmlichkeiten zu schaffen. Ich will bei dieser Ge- legenheit nur nebenbei erwähnen, daß eS jetzt kaum schlechtere Wagen gibt als die Speisewagen; man kann in diesen sehr leicht seekrank werden. Für die Nichteinführung von Tarifermaßigungen hat man immer eine Entschuldigung. In guten Jahren sagt man, es müßten zunächst Neuanschaffungen gemacht werden, in schlechten, es müsse gespart werden. DaS kommt mir so vor wie der Ehe- mann, der nicht weiß, waS er seiner Ehefrau schenken soll und dann sagt: „So im Zweifel ganz versunken. Werd' ich lieber gar nichts fchunken." (Heiterkeit.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(frk.): In Zeiten, wo außerordentliche Aufwendungen für die Eisenbahn gemacht werden müssen, muß man auch zu Anleihen greifon. Anders lassen sich die Versäumnisse vieler Jahre nicht nachholen. Den Standpunkt des Abg. Oeser, daß man die Reform der Beamtenbesoldung nicht durch Erhöhung der Einkommensteuer unpopulär machen dürfe, teile ich nicht. Abg. v. Grabski(Pole) beschwert sich über das Verbot deS Verkaufs polnischer Zeitungen auf den Bahnhöfen und das Verbot an die polnischen Eisenbahner, dem Verein„Straz" beizutreten. Sin Breslau seien Anschläge in französischer Sprache ange- rächt, nicht aber in polnischer Sprache. Minister Brritenbach: Ueber die polnischen Zeitungen bestehen bestimmte Vorschriften überhaupt nicht. ES werden alle Zeitungen zugelassen, die nicht einen sinnlichen oder aufreizenden Charakter tragen. Abg. Graf Moltke(frk., schwer verständlich) meint, man hatte die BetricbSmittelgemeinschaft von vornherein alS zu weitgehend ablehnen sollen. Abg. Hirsch-Essen(natl.) hält einen schnelleren Ausbau deS Eisenbahnnetzes und der Kanäle für unbedingt notwendig. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Donnerstag 11 Uhr. i(Eisenbahnetat.) Schluß VA Uhr._ Hus der Partei. Der Mörder Galbiersch und die Sozialdemokratie, so lautet der Titel einer Broschüre, die noch in dieser Woche im Verlag des .Voltsblatts" für Anhalt in Dessau erscheinen wird. Sie wird 1>/, Bogen stark und für 10 Pf. käuflich sein. Unsere Toten. Aus Paris berichtet unser Korrespondent vom 4. März i Am Sonntag ist hier der Senior der kleinen deutschen Sozialistengemeinde von Paris, Genosse Vaul Trapp gestorben. Drei Jahrzehnte lang war er der Organifc.">t, der Berater und der hülfsbereite Freund der deutschen Sozialisten, die Schicksal oder Neigung nach Paris verschlagen hatten. Unermüdlich, nie entmutigt, hat Paul Trapv dem kategorischen Imperativ gehorcht, der für ihn die Arbeit für die Partei hieß. In seiner BerusSorgani» fation, bei den Buchdruckern, hat er den franzöfifchen Kameraden. bei ihren Bemühungen, sie an Leistungsfähigkeit und Widerstands- l von parteigenösfifcher Seite unterstützt worden und ersuchten, ihnen krast den ausländischen Verbänden ebenbürtig zu machen, den wert- vollsten Beistand geleistet. AlS Deutscher— er war ein Pommer— mußte er als Bereich seiner politischen Organisationsarbcit vor allem die Schar der deutschen Arbeiter wählen, die durch starles Ab- und Zuströmen in ihrem Bestand ewig wechselnd, sich im„Sozialdemokra- tischen Leseklub" vereinigt. Trapp war etlichemal Vor- sitzender und immer die Seele des Klubs, In der Zeit des Sozialistengesetzes, als die deutschen Arbeiter mehr oder minder freiwillig den Slanb der Heimat von den Schuhen schüttelten und den Klub in einen wichtigen Stapelplatz verbotener Literatur verwandelten, wurde Trapp zu Arbeiten von außerordentlicher Wichtigkeit berufen. Darüber hinaus aber ent- faltete er eine Hülfsbereitschaft, die nicht zögerte, mit bedrängten Genossen das letzte Siück Brot zu teilen. Im Klub sah sich Trapp indes bald zum Kampf gegen eine von Spitzeln mißbrauchte, von anarchistischen Phrasen benebelte unerfahrene Jugend gezwungen. Es gelang ihm, den schon in Trümmer geschlagenen Verein zu neuem Leben zu erwecken und der Aufschwung der Organisation in der letzten Zeit schien seinem jahrzehntelangen Bemühen die verdiente Genugtuung zu bieten. Paul Trapp ist Spiegel und Chronik der deutschen Arbeiter- bewegung in Paris gewesen, ihre lebendige Geschichte— die geschriebene, für die er mit seiner auf das kleinste achtenden Gewissenhaftigkeit seit Jahren das Material gesammelt hat, wird nun ein anderer liefern müssen. Er war das Band zwischen der französischen Arbeiterbewegung und den deutschen Sozialdemokraten in Paris, deren wichtigste Aufgabe er darin sah, in solidarischer Arbeit in den Gewerkschaften den französischen Käme- raden den Wert der deutschen OrganisaiionSmethoden zu beweisen. Um ihn trauern nicht nur die deutschen Arbeiter von Paris und die unzähligen Fortgewanderten. denen er im Laufe der Jahre mit unbegrenzter Gefälligkeit und mit der Anspruchslosigkeit des Selbstverständlichen Dienste erwiesen hat, sondern auch die französischen Buchdrucker, denen er noch vor kurzem ein Beispiel selbstloser Solidarität gegeben hat, als er, zur Zeit des Kampfes um den Ncunstundentag trotz de? Hinweises der leitenden Gewerkschaftsgeiiossen, daß sein Posten den Anschluß an den Streik nicht zur Pflicht mache, den GewerkschnftSgenossen in den Ausstand folgte. Mit vollem Bewußtsein vertauschte er die aus- kömmliche Existenz, die er vor mehr als 20 Jahren in einer Buch- druckerei gefunden hatte, gegen die Sorgen und die Not des Gemäß- regelten, der sein Brot in einer zu seinem Wesen so gar nicht passenden Agententätigkeit und m der Uebersetzerarbeit suchen mußte, die für einen Mann von seiner Gewissenhaftig- keit noch weniger lohnend als für andere sein konnte. Und um Trapp trauert, mit den vielen französischen Freunden, die er sich als tätiges Mitglied der alten Larti Ouvrier Socialiste revolutionaire, der Pariser Possibilistenpartei erworben hatte, die internationale Sozialdemokratte, mit deren Vertretern er in feiner ausgebreiteten Korrespondenz und als Delegierter des Leseklubs auf den internationalen Kongressen in Verbindung getreten ist. Der internationalen Verständigung des Proletariats hat er auch als Pariser Berichterstatter des Korrespondenzblattes der deutschen Gewerkschaften redliche Dienste geleistet. Sein Andenken werde in Ehren gehalten._ Ein Jubiläum konnte gestern derGenosie Erdmann Dubber in Hamburg begehen. Ani 6. tvlärz 1832 trat er, nachdem er seit 1. November 1881 die Geschäfte provisorisch wahrgenommen hatte, durch Wahl der Genossen an die Spitze der Exekutive d e r sozia ld em o kr a ti sch en Org ani s a ti on im nörd- lichen Belagerungsgebiet(Hamburg- Altona- Ottensew Wandsbeck); heute noch erfüllt er als Parfeifekretär der Hamburger Landesorganisation ähnliche Funktionen. Das.Hamburger Echo" beglückwünscht den Jubilar in einer Notiz, der wir entnehmen: .Es war eine schivere Zeit, als Dubber fein Amt antrat. Sozialistengesetz und Belagerungszustand hatten die frühere Parten organisatton gründlich zerstört.... Ein kleine» Häuflein entschlossener Männer fand sich nach und nach zusammen, um die Partei tätigkeit zu regeln, vor allem aber Geldmittel aufzubringen zur Unterstützung der zahllosen Opfer des Schandgesetze«. Zu den ersten, die sich dieser Aufgabe widmeten, gehörte unser Dubber.... Dann und wann griff die Polizei zu und die ihr Verdächtigen wanderten ins Gefängnis oder ins Exil; wer mit einem Vertrauensposten be dacht wurde, konnte mit ziemlicher Sicherheit darauf rechnen, in kurzer Zeit in den Schlingen des Gesetzes fest- zusitzen. Erst unserem Genossen Duober war eS beschieden, zu halten. Er bewies ein eigenartiges Häscher irrezuführen und immer wieder den dabei ging er aber Tag für Tag seine ge fährlichen Gänge, besorgte nicht nur die Kassenführung und die OrganisationSarbeit, sondern spielte auch beim Vertrieb deS„Sozial demokrat" eine hervorragende Rolle. Und nicht nur beim Vertrieb, sondern auch bei der Herstellung des verpönten Blattes I Darum war es ganz selbstverständlich, daß, als Sozialistengesetz und Belagerungszustand gefallen waren, unser Genosse Dubber das Amt eines.Mannes für alles" in der neuen Parteiorganisation weiter versah und daß er als Parteisekretär bestimmt wurde, als die Landesorganisation in Kraft trat. E» ziemt sich, daß wir ihm an seinem Ehrentage unseren Dan! abstatten und den herzlichen, aufrichtigen Wunsch auszusprechen, er möge noch viele Jahre mit derselben geistigen und körperlichen Frische, die uns an ihm so erfreut, wirlen und schaffen zum Nutzen der Sozialdemolratie I" Die Bestattung des Genossen August Winter ist unter Beteiligung zahlreicher Vertteter oberschlesischer und der Breslauer Partei- und gewerkschaftlicher Organisationen auf dem Friedhofe der Irrenanstalt zu Nybnik vor sich gegangen. Die roten Schleifen der Kränze mußten auf Befehl des Direktors der Anstalt vor Betreten deS Friedhofes entfernt werden. Die Genossen übergaben sie als Er- innerungS- und Liebeszeichen der jungen Witwe deS Verstorbenen, die mit seinen greisen Eltern dem Sarge folgte. Dem ersten sozialdemokratischen Gemeindewahlsteg reihen sich in rascher Folge weitere an. In R o n n e b e r g(S.-Altenburg) war Anfang Januar das Stadtverordnetcnmandat des Genossen Karl Schmidt kassiert worden, weil er in der Steuerliste als „Färbcreiarbciter" eingetragen war, die Stimmzettel aber auf ..Fabrikarbeiter" lauteten. Natürlich glaubte der Ordnungs- kuddelmuddel, dem das Ergebnis der Kolonialwahlen zu Kopf ge- stiegen war, einen Sieg zu erringen, zumal am Sonntag vor der Stichwahl sogar ein„Nationaler Arbeiterverein'(Mitglieder: Beamte und Streikbrecher) gegründet worden war. Zwei Auto- mobile standen den Gegnern zur Verfügung, mit denen sie schleppten, was zu schleppen war. Trotzdem siegte unser Genosse Schmidt mit 197 Stimmen. Der Gegner brachte eS aus 131 Stimmen.— Hoffentlich fallen die am 19. dieses Monats stattfindenden Landtagswahlen, in denen unsere Genossen drei Mandate zu behaupten, zwei zurückzuerobern und drei zu gewinnen haben, ebenfalls günstig für unsere Partei auS. In Woltershausen(Sachsen- Koburg- Gotha) wurde der Genosse Stapf bei der Stadtverordnetenersatzwahl wiedergewählt. Die Stiinmenzahl unserer Partei nahm um 87 Stimmen zu. während die Gegner eine Stimme verloren. Zu de» Fällen Bernhard und Brau» bringt die.Märkische V o l k S st i m m e" zu Forst den von uns auszugsweise wieder- gegebenen Artikel der.Bremer Bürgerzeitung", den sie sehr beachtenswert nennt. Warnung! Die„Mecklenburgische Volkszeitung" meldet: Am Sonn- abend stellten sich bei unserem Genossen W. E. in R o st o ck drei Mann ein, erzählten, sie seien aus Rußland, kämen von dort über Dänemarl und wollten nach Oesterreich. In Dänemark seien sie sich auf seinem Posten und seltenes Talent, die Fallen zu entgehen auch hier Hülfe zuteil werden zu lassen.— Nachdem Genosse SB. E. mit anderen Rostocker Genossen Rücksprache gehalten, löste er für die drei je eine Fahrkarte nach Berlin und händigte ihnen außer- dem eine Summe ein, daß sie von Berlin gleich nach Breslau weiterfahren konnten und einiges Zehrgeld besaßen.— Jetzt erfahren wir nun, daß die drei dasselbe Manöver schon am Donnerstag in Schwerin aufgeführt haben. Auch dort erhielten sie von den Genossen Fahrkarten nach Berlin und Geld zur Weiterfahrt nach Breslau.— Wir haben es also hier un- zweifelhaft mit Schwindlern zu tun! Darum allerorts Vorsicht!_ Bom Fortschritt der Presse. Die„Rheinische Zeitung" in Köln erscheint von jetzt an täglich mindestens acht Seiten stark und wird ihre bisher einmal wöchentlich erscheinende Unterhaltungsbeilage wöchentlich zweimal beigeben. Der AbonnementSpreiS bleibt derselbe. Die„Volks stimme" zu Frankfurt a. M. muß wegen deS raschen Steigens der Abonnentenzahl eine Erweiterung ihres Betriebes vorbereiten. Die Preßkommission hat sich bereits ein- gehend damit besaßt. Zunächst wird die Uniondruckeret ihre Gesellschafteranteile verdoppeln. Eine Hausagitation für den Stettin er„Volks» b o t e n" in U n t e r b r e d o w ergab den Gewinn von 100 Abon- nenten. *,ie.Nordhäuser Volkszeitung" hat während des Wahlkampfes 6 auch die großen Pflichten, welche sie erfüllen muß, ferner gab er Fingerzeige, wie sich die Frauen am öffentlichen Leben beteiligen können, um einen Einfluß auf wirtschaftlichem wie politischem Gebiet zu erhalten. Sodann gab die KrciSvertrauensperson Genossin Thiel ihren Jahresbericht. LluS demselben ist hervor zu. heben, daß in 15 Orten des Kreises Ortsvertrauenspersonen amtteren. 13 öffentliche Versammlungen und zahlreiche Sitzung en fanden statt. An Agitationsschriften sind 30 000 Frauenslugblätter verbreitet worden. Broschüren sind verteilt:„Kinderarbeit" von Käthe Duncker,„Die Volksschule und Arbeiter" von Göhr«,„Frauen» leiden" von Dr. Zadel, und zur Wahlagitation 20 000 Flugblätter über„Frauen und Mädchen, was habt Ihr bei der diesmaligen Reichstagswahl zu tun?". Am Wahltage leisteten zirka 100 Frauen Hülfe beim Sttmmzettelvertcilen usw. Im Kreise bestehen ein« ganze Reihe Frauen- und Mädchenbildungsvereinen mit zusammen 2310 Mitgliedern. Die„Gleichheit" wird von 2000 Frauen abonniert. Die Genossin Thiel mmrde durch einen Strafbefehl über 30 M. brückt, weil sie durch Niederlegung eines Kranzes am Grabe des verstorbenen Genossen Weniger den Staat in Gefahr gebracht haben soll. Die Einnahme betrug 1615,77 M., die Aus- gäbe 1533,27 M.. sodaß ein Kasscnbestand von 82,50 M. vorhanden ist. Für den WahlfoiidZ haben die Frauen noch extra 320 M. auf- gebracht. Auf Antrag der Revisorin wurde die Genossin Thiel ent- lastet und einstimmig zur KreiSvertrauenSperson wiedergewählt. Darauf erstattete die Genossin Voigt den Jahresbericht für Britz. Sie wurde gleichfalls entlastet und einstimmig wiedergewählt. Oeffentltche«ersammlung der Tabakarbelter heute Donnerstag, abend« 8'/, Uhr. in Boeker« Festsälen, Webersttaße 17. Tagesordnung: Di« Lage der Zignreitenarbelter nach Slnlührung der Bandcrolenktcucr. mit besonderer Berücksichtigung der Vorkomn,iiijie in der Zigaretteiisabrik Garbatg. Verband der FriseurgchUlfen Deutschlands. Zivclaverein Berlin und Vororte. Heute abend S'/, Uhr Bersammlung, Rosenthalerltr. 11/12. Bortra» Deutscher Holzarbeiter- Verband Achtung! Bautischler. Achtung! Donnerstag, den 7. März, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal IV): Versammlung = der Bautischler Berlins und Umgegend. 1. Tages Drdnung: Die weitere Stellungnahme der Bautischler zur Aussperrung. 2. Distuffion. 3. Bericht der Sommission. Die in Arbeit stehenden, wie die ausgesperrten Kollegen sind berpflichtet, an dieser Versammlung teilzunehmen. Da die für Sonntag anberaumte Versammlung von der Polizei berboten und daher nicht stattfinden konnte, werden die Kollegen ersucht, zu dieser Versammlung zahlreich zu erscheinen. J. A. Karl Reiche. Achtung! Ausgesperrte! Die Versammlung findet am Donnerstag bei Keller, Roppen: Graße 29, statt. Achtung! Ladentischler. Achtung! Die angesagte Bersammlung für Freitag findet nicht statt. Die Ortsverwaltung. Zentralverband deutscher Textilarbeiter. Sektion der Sticker und Stickerinnen Berlins. Heute abend 8 Uhr in den„ Arminhallen", Kommandantenstr. 20: Oeffentliche Versammlung. Tages Orduung: 1. Unsere Lohnbewegung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Referent: Kollege F. Kotzke. 197/3 Sämtliche in Stidereibetrieben beschäftigten Kurbelstepper, Stepperinnen, Zeichner, Ausschneiderinnen, Verputerinnen, Hand: arbeiterinnen, Hefterinuen, Panserinnen, Singer- Stepperinnen, Zuschneiderinnen, Bügler, Hausdiener und Heimarbeiterinnen sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen. Der Einberufer. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Gruppe: Rabitspanner und Träger. Freitag, den 8. März 1907, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 1: Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Redakteurs Genossen Karl Wermuth über: " Was haben wir vom Reichstag zu erwarten?" 2. Neuwahl des Zweigvereinsvorstandes. 3. Berschiedenes. Pflicht aller Kollegen ist es, die Gruppenversammlungen besser wie im vergangenen Jahre zu besuchen und rege für einen guten Besuch derselben zu agitieren. 137/5 Der Gruppenvorstand. Einsegnungs- Anzüge Reichhaltigste Auswahl in den neuesten Moden und Webarten, Kammgarnen, Satins, Cheviots, Drapés, Meltons, Tuchen usw. 33.- 30.- 27.24-2220,- 18.10.- 14.-12.-M. B Jeder Käuter eines Ein segnungs Anzuges erhält reizende Beigaben umsonst. Wäsche, Hüte, Handschuhe KSW. zur Einsegnung zu sehr niedrigen Preisen. Prüfungs- Anzüge moderne, gemusterte Webarten in Cheviots, Buckskins, Kammgarnen usw. allerneuester Geschmacksrichtungen, 30- 27.- 24. 21.- 18. 15.- 12.10M. Baer Sohn Spezialhaus grössten Massstabes Chausseestrasse 24a/ 25 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20 Der Haupt- Katalog Nr. 30( Jünglings- Kleidung) wird kostenlos und portofrei zugesandt. Zentral- Kranken- u. Sterbekasse a Zimmerer ( E. H. 2 Hamburg.) Oertliche Verwaltung Berlin. Freitag, den 8. März, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Deutscher Metallarbeiter- Verband Mitglieder- Verfammlung. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Bimmer 34, Amt 4, 3353. Engel- Ufer 15. Bimmer 1-5, Amt 4, 9679. 1. Abrechnung vom 4. Duartal. 2. Wahl der Revisoren. 259/3 Der Vorstand. Achtung! J. A.: Richard Schröder, Tilsiterstraße 82. Achtung! Sonntag, den 10. März, Produkten- Händler und Händlerinnen 14 von 9 bis 1 Uhr: Stichwahl Berlins und Umgegend. Donnerstag, 7. März, abends 9 1hr, bei Merkowski, Andreasſtr. 26: Oeffentliche Versammlung 3754L* InventurExtrapreis! Eine Partie große Divan decken ( für drei Bureauangestellte. aller Produkten- Händler und Händlerinnen. auf beiden Seiten benutzbar Die Wahlhandlung findet in folgenden Lokalen statt: Milbrodts Gesellschaftshaus, Müllerstr. 7. Bernhard Rose- Theater, Badstr. 58. Wernaus Festsäle, Schwedterstr. 23. Boekers Festsäle, Weberstr. 17. Graumanns Festsäle, Naunynstr. 27. Wiemers Restaurant, Bülowstr. 58. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/49. Metzdorf in Charlottenburg, Potsdamerstr. 44. Thiel in Rixdorf, Bergstr. 152. Fritsch in Steglitz, Florastr. 2a. Böhle in Spandau, Neumeisterstr. 5. Kaufhold in Ober- Schöneweide, Wilhelminenhofstr. 18. Tempel in Rummelsburg, Alt- Boxhagen 56. Gelling in Köpenick, Schönerlinderstr. 5. Schmutz in Weißensee, König- Chaussee 38. Gehlhaar in Tegel, Berlinerstr. 92. Ohne Mitgliedsbuch kann niemand wählen. Die Stimmzettel werden am Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Wahlleiter ist der Kollege Josef Hartmann, Engel- llfer 15 I. 114/10 Die Ortsverwaltung. Lehr- und Versuchsanstalt für Brauer in München. Privatinstitut: Direktor Dr. Doemens. 200/ 18* Beginn des nächsten viermonatlichen Hauptkursus: 25. April 1907. Prospekte gratis. Bezugnahme auf diese Zeitung erbeten. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Redakteurs Wermuth:" Was haben wir vom nenen Reichstag zu erwarten?" 2. Diskussion. Bur Deckung der Unkosten Tellersammlung. 287/ 12* Wert Mk. 4,35 6,75 Buntpersische doppelseitige Jedes Jenensia- Rad Divandecken ein Meisterwerk deutscher Technik. Teilzahlung! Zwei Jahre Garantie! Sozial- Räder. 60.-, Sozial- Luxusmit Freilauf .95.-. Gebrauchte Räder billig! Fahrradzubehör billig! Bitte genau auf Hausnummer 23" zu achten! 23, R. Groskurth, Berlin C., Münzstr. 23. ORIGINAL SINGER NAHMASCHIN Singer Nähmaschinen. 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Für die überaus zahlreiche Be teiligung und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines Schwagers Franz Reimann jage ich allen Kollegen und Bekannten sowie dem Gesangverein der Schuh macher meinen herzlichen Dant. 41272 G. Gallasch, Schwager nebst Familie Daladas. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, 3/5 Spezialarzt für Hant- and Harnleiden. 10-2,5-7 Sonntags 10-12, 2-4. Lichtenrade 20 Pf.- Tour! Quadratmeter 20 m. verkauft Eigentümer Paris, Berlin, Graun str. 27, Ede Gleimstraße. Auch bei monatl. Raten von 40-50 M. 17865* Zahn- Klinik G. Anders Frankfurter Allee 153 Sprechz. 2-8, Sonnt. 9-1. Plomben, künstl.Zähne, schmerzlos. Zahnziehen. Preise Zahn- Klinik. beliebige Teil. Olga Jacobson, straße 145. zahlung. InvalidenKronleuchter 6 für Gas u. Petroleum tauft man am besten und billigsten in der Fabrik von Siegel& Co., Prinzenstraße 33. 500 Kronen 10-300 bon Auf Wunsch Teilzahlungen ohne Preiserhöhung. 35532* Soeben erschien: Charles Fourier Sein Leben und seine Theorien bon August Bebel. 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Berlag: Borwärk Buchdruderei u. Berlogsanstalt Baul Street& Co., Berlin SW. Nr. 56. 24. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ein Anarchistenprozeß in zweiter Auflage. Donnerstag, 7. März 1907. bis 3 M. einschließlich, über 3-6 männliche 2 weibliche 242 720 " 6-9 9-12 12-15 405 1541 " 1907 5550 " 1666 4702 " " 15-18 1104 4232 e " " " " 18-21 21-24 24-27 27-30 über 30 1541 5278 " 564 1931 621 1112 " 335 147 " " 187 26 # daß dann die Revolution mit Sense und Heugabel kommt. Diese Auffassung des Staatsanwalts sei irrig. In dem Revisionsurteil des Reichsgerichts werde ausgeführt, der Vorderrichter habe in dem Artikel eine Aufforderung zu Gewalt schlechthin, dann zum Kampf Jm März vorigen Jahres verurteilte das Berliner Lande gegen die besitzenden Klassen, zum Blutvergießen und zum Mord gericht I drei Anarchisten, und zwar den Tuchmacher Frauböse gefunden. Im Anschluß hieran sage das Reichsgericht: Db hierzu 9 Monaten, den Hutmacher Frih Müller zu 3 Monaten mit der Sinn des Artikels richtig wiedergegeben ist, ist Sache der und den Maurer Möller zu 4 Monaten Gefängnis wegen Auf- Auslegung und somit unserer Revision entzogen." In feiner Weise reizung verschiedener Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten sage hiermit das Reichsgericht: Wir dürfen zwar über die Ausund Aufforderung zum Ungehorsam gegen Geseze oder Verord- legung nichts sagen, halten sie aber nicht für zutreffend. Was den nungen sowie zu strafbaren Handlungen. Die Straftaten follen zweiten Artikel betrifft, so sei derselbe ein Jubiläumsartikel, der begangen sein durch zwei Artikel in der anarchistischen Wochenschrift naturgemäß Gebrauch von schwunghaften Phrasen mache, die nur Von diesen 33 813 Almosenempfängern erhielten also noch Revolutionär". Das Reichsgericht hat der Revision des An- bildlich gemeint sein können. Würde man in der Weise, wie der 10 367 oder mehr denn 30 Proz. 12 M. und weniger. Hiervon geklagten stattgegeben und das Urteil aufgehoben. Die Staatsanwalt diesen Artikel auslegt, die Artikel betrachten, welche zweite Verhandlung fand nun am Mittwoch vor der ersten Straf- in früheren Jahren am Sedanfest in den Zeitungen erschienen, sollen Miete, Kleidung und Essen bestritten werden. B. Pflegegeldempfänger sind vorhanden mit männlich weiblich 3-4 Mart 14 16 4,50 5-5,50 13 10 " 84 80 " 6-6,50 7-10 über 10 1908 2129 " 3227 409 3566 347 " fammer am Landgericht I statt. Der erste unter Anklage stehende Artikel ist am 13. Januar 1906 erschienen. Der Ver- dann würde man in jedem derartigen Artikel eine Aufforderung faffer geht von der Annahme aus, daß die sozialdemokratische Partei um Kriege gegen Frankreich erblickt haben. Das Proletariat folle einem Pflegegeld von monatlich: am 21. Januar 1906 Straßendemonstrationen zu Gunsten einer an einem Tage in ganz Europa mit geballter Faust durch die Wenderung des preußischen Landtagswahlrechts geplant, nach Be- Straßen ziehen. Das solle eine Aufforderung zur Revolution sein? kanntwerden der polizeilichen Gegenmaßregeln aber abgesagt Der Staatsanwalt verstehe die revolutionäre Phrase nicht oder er worden sei. Der Verfasser fritisiert dies angebliche Verhalten der überschäße ihre Wirkung. Eine Aufforderung zum Generalstreik Sozialdemokratie und führt dann aus, wenn es zu Straßendemon sei keine Aufforderung zu einer strafbaren Handlung, denn der ftrationen gekommen wäre, dann hätten sich auch die Anarchisten Generalstreik, selbst wenn er unter Kontraktbruch begangen werde, daran beteiligen müssen, aber nicht, um nur Scheinrechte zu fordern, sei nicht strafbar. Im einzelnen führte der Verteidiger aus, daß wie das Wahlrecht, sondern um zu demonstrieren für kürzere Ar- durch die Artikel weder§ 130, noch§ 110 oder§ 111 verletzt sei, beitszeit und für wirkliche Rechte und Freiheiten Der Artikel ist daß aber, falls das Gericht eine Straftat annehme, nur Möller feinem ganzen Inhalt nach nichts anderes als eine Polemit gegen als Täter in Frage komme, und daß für den Fall seiner Verurdie politische Taktik der Sozialdemokratie Er schließt, indem er teilung eine Geldstrafe ausreichend wäre. in bezug auf die Sozialdemokraten sagt:„ Unverbesserliche Rindviecher sind doch diese Arbeiterpolitiker. Der zweite Artikel ist am 21. Januar erschienen. Er ist eine Jubiläumsbetrachtung zum Jahrestage der russischen Revolution Eine Stelle dieses Artikels, auf die sich die Anklage besonders beruft, sagt: Zwischen den Arbeitern auf der einen und den Faullenzern und Schmarokern auf der anderen Seite gebe es keinen Frieden und keine Versöhnung, an einem bestimmten Tage müsse eine Demonstration durch ganz Europa veranstaltet werden, mit geballten Fäusten müßten die Proletarier an diesem Tage über die Straße ziehen. Für die 11 853 Pflegefinder wird also in 4254 Fällen noch ein Betrag von monatlich 6,50 M. gezahlt. Wie man mit einer solchen Summe ein Kind erhalten kann, wird uns Herr Cassel wohl gelegentlich der Beratung des Armenetate beweisen. Es mag noch darauf hingewiesen werden, daß die Waisenverwaltung folgende Beiträge, gleichgültig, ob das Kind in Anstalts- oder Familienpflege ist, für notwendig erachtet: für Kinder im 1. Lebensjahr monatlich 21,- M. e " " 2. 2.- 6. " " " " " " 18, 15, 16,50 15, 1 " " schulpflichtige Knaben Mädchen Die Kosten für ein Kind, welches in Kostpflege gegeben war, betrugen ausschließlich der Verwaltungskosten 212 M. weisen: wurden Daß der Betrag der gewährten Ertra- Unterst ühungen an nicht laufend unterstützte Personen ebenfalls nur ein sehr bescheidener war, mögen folgende Zahlen nach62 451 Für nur ein sehr bescheidener war, mögen folgende Zahlen nacheinzelne Zuwendungen 707 978,76 M. im Etatsjahr 1905/06 verausgabt oder pro Unterstüßung 11,40 M.; daß auch mit einem solchen Betrage nur wenig geholfen ist, versteht sich angesichts der herrschenden Teuerung ohne weiteres. Landgerichtsdirektor Brandmeister sagte bei Verkündung und Begründung des Urteils unter anderem: Das Gericht halte für festgestellt, daß Möller wirklich Redakteur und keine vorgeschobene Person ist. Müller sei wahrscheinlich Verfasser des mit" Seemüller" unterzeichneten Artikels, erwiesen sei es aber nicht, deshalb ist Müller freigesprochen. Frauböse sei zwar nur geschäftlicher Leiter der Beitung gewesen, als Leiter der anarchistischen Föderation habe er aber ein großes Interesse am Zustandekommen und auch am Inhalt der Zeitung gehabt, er habe doch kontrollieren müssen, ob Von den Angeklagten hat Möller die betreffenden Nummern der Inhalt den Zielen der Föderation entspricht. Es sei zwar nicht des Revolutionär" verantwortlich gezeichnet. Der erste Artikel erwiesen, daß er die Artikel vor der Drucklegung gekannt hat, er ist Seemüller" unterschrieben. Der Angeklagte Müller, der mehrere werde sie aber in der Zeitung selbst vor deren Versendung gelesen Artikel unter dem Pseudonym„ Seemüller" geschrieben hat, soll haben. Das nehme das Gericht an und halte demnach die Beauch diesen Artikel verfaßt haben, was er jedoch bestreitet. Der teiligung Frauböses für festgestellt. Beide Artitel verstoßen Angeklagte Frauböse wird von der Anklage als der eigentliche nach Ansicht des Gerichts gegen§ 130 des Strafgeset Redakteur und als der leitende Kopf des„ Revolutionär" angesehen. Er behauptet, daß er nicht den geringsten Anteil an der buches. Die Besitzenden und die Besiklofen würden gegeneinander aufgereizt, es werde das Beispiel der russischen Revolution zur Redaktion, also auch nicht an den inkriminierten Artikeln habe, er nacheiferung empfohlen. Daß an eine Aenderung der bestehenden besorge nur die Expeditionsgeschäfte des Blattes. Der verantwort Staatsordnung auf gewaltsamem Wege gedacht sei, gehe aus der liche Redakteur Möller wird von der Anklage als ein Strohmann Tendenz der Zeitung hervor und daraus, daß sie sich an den angesehen. Als die Angeklagten vernommen werden, machte der Vor- revolutionären Teil des Proletariats wendet. Im zweiten Es steht eben fest, daß ein Teil der Armenkommissionsfikende, Landgerichtsdirektor Blanfmeister, Bedenken gegen die Artikel würden Arbeiter und Schmaroßer, Herrschende und Knechte, Fähigkeit Möllers, ein Blatt zu redigieren, geltend, weil Möller Bourgeoisie und Proletariat einander gegenübergestellt und zu vorsteher und Mitglieder nicht der Aufforderung des Stadtdoch nur Maurer sei. Demgegenüber konnten die Angeklagten Gewalttätigkeiten aufgereizt. Der Tatbestand des§ 130 sei damit Frauböse und Müller darauf hinweisen, daß sie ja auch nur Arbeiter erfüllt. Ein Verstoß gegen§ 110 und 111 liege nicht vor, denn rats Münsterberg: in humaner Weise ihres Amtes zu feien, daß bezüglich Möllers aber feststeht, daß er Artikel ge- es fei nicht zum Ungehorsam gegen bestimmte Ge- walten" nachkommt, sondern dessen zweiten Spruch: andererschrieben hat und daß Frauböse ja als der eigentliche Leiter des seße und nicht zur Begehung bestimmter strafbarer Sand- seits nicht zu vergessen, daß sie öffentliche Mittel verwalten" Blattes und der anarchistischen Föderation von der Anklage ange- Gericht erwogen, daß die Anarchisten durch die Vorgänge in Ruß- gleichheit der Unterstützungen in den einzelnen Kommissionen lungen aufgefordert. Hinsichtlich des Strafmaßes habe das mehr berücksichtigen. Diese Tatsache wird durch die Unfehen wird. Um festzustellen, daß Müller den mit„ Scemüller" unter- land aufgeregt waren und daß man bei so phrasenreichen Artikeln nachgewiesen. zeichneten Artikel verfaßt hat, wurde unter anderen Zeugen auch nicht jedes Wort ernst nehmen dürfe. Andererseits sei der Ton Für die Entsendung von Kindern und Erwachsenen in der Kriminalkommissar Kunze vernommen. Er sagte, der Polizei der Artikel gehässig und gefährlich. Frauböse sei als die treibende fei bekannt, daß der Angeklagte Müller unter seinen Genossen als Straft anzusehen. Das Urteil ergeht dahin: Frauböse und Möller eim stätten, Erholungsstätten und ähnlichen der Seemüller" bekannt sei. Zur Bekräftigung dieser Angabe be- find jeder zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, Müller ist frei- Strantenpflege und der Genesenden- Fürsorge dienenden Anstalten und Einrichtungen waren von der Armendirektion fundete der Kriminalfommissar eine Tatsache, welche drastisch zeigt, gesprochen. 150 000 Mart in den Etat eingestellt. Wie im vorigen Jahre was alles der politischen Polizei als wichtig erscheint. Er sagte, in Magdeburg habe im Jahre 1905 oder 1906 eine anarchistische Verhat auch in diesem Jahre der Magistrat diesen Bosten fammlung stattgefunden, der Kommissar, welcher bei jener Gegestrichen; derfelbe erkennt trotz der Entscheidungen legenheit die Anarchisten zu überwachen hatte, habe nach Berlin des Bundesamtes für das Heimatwesens keine solche Pflicht gemeldet, Frik Müller aus Weißensee( der jeßige Angeklagte), sei der Stadt an; andererseits will er aber auch kein von seinen Magdeburger Genossen als„ Seemüller" begrüßt worden. direttes Verbot erlassen, wie in der Armendirektion wiederStaatsanwaltschaftsrat Lindow vertrat hinsichtlich des ersten holt mitgeteilt wurde. Bisher wurden die Kosten, soweit dies Artikels die Ansicht: Wenn derselbe sich auch polemisch gegen die holt mitgeteilt wurde. Bisher wurden die Kosten, soweit dies Sozialdemokratie wende, so verberge sich doch unter dieser Polemik Der Vorstand. möglich war, aus Wohltätigkeitsfonds gedeckt. Da diese aber noch manches andere. Der Artikel reize die Proletarier zu Gewaltin den letzten Jahren nicht ausreichten, so tamen erhebliche Nieder Barnim. Am Sonntag, den 10. März, nachmittags Etatsüberschreitungen im Titel 9 des Armenetats vor, und tätigteiten gegen die befizende Klasse auf. Es werde zu Straßendemonstrationen aufgefordert und gesagt, bei dieser Gelegenheit 2 Uhr, findet im Lokale von Weigelt in Rummelsburg, Türr um diese zu vermeiden, wurde obiger Betrag von der folle man mit Bülow die Klinge treuzen. Bülow sei in dieſem ſchmidtstraße, eine Generalversammlung des sozialdemoSinne als Repräsentant der befißenden Klasse anzusehen, mit der fratischen Streiswahlvereins Nieber Barnim statt. Direktion eingestellt. Von der Notwendigkeit der Einstellung das Proletariat die Klinge treuzen" solle. Aus den weiteren Aus- Tagesordnung: 1. Kaffen- und Jahresberichterstattung. 2. Neuwahl eines solchen Betrages legen folgende Zahlen ein beredtes laffungen des Artifels: es werde sich bei solchen Versuchen zeigen, des Vorstandes und der Funktionäre. 3. Anträge. 4. Rückblid auf Beugnis ab: ob unsere Soldaten nicht auch, wie die russischen, schöne Löcher in die Reichstagswahl. Referent: A. Stadthngen. 5. Streisangelegen die Luft schießen, und weiter: es sei eine Naivetät, wenn ein heiten. J. A.: G. Freiwaldt. Politiker Entgegenkommen von den Besißenden erwarte, ebenso wie 1908 aus Erfagmitteln 71 338 M., aus Wohltätigkeitsfond 632 M. Wannsee. Heute Donnerstag, abends 8 Uhr: Diskutierabend. 1904 aus dem Hinweis auf die russische Revolution gehe hervor, daß die Sonnabend, den 9. März, abends 8 Uhr: Mitgliederversammlung 1905 Proletarier gegen die Besitzenden Gewalt anvenden sollen Die Aufforderung zu Straßendemonstrationen, die in diesem Sinne des Wahlvereins im Parteilokal„ Fürstenhof". Bollzähliges Erscheinen und im Jahre 1906 dürfte die letzte Summe noch überDer Vorstand. J. A.: Wilh. Boeseneder. Partei- Angelegenheiten. Erster Wahlkreis. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, den 19. März, abends 8 Uhr, im Lokale von Dräsel, Neue Friedrichstr. 35, statt. Anträge der Mitglieder müssen spätestens acht Tage vor derselben dem 1. Vorsitzenden eingereicht werden. Zahlreichen Besuch erwartet erwartet 5 Berliner Nachrichten. doch nur als bewaffnete Demonstrationen gedacht werden fönnten(!), sei eine Aufforderung zu strafbaren Handlungen nach 111 des Strafgesetzbuches Wenn auch die Aufforderung nicht in erpressen Worten erfolgt sei, so lasse doch der Artikel den Willen zu solcher Aufforderung erkennen In dem zweiten Artikel, dessen Verfasser nicht bekannt ist, werde die Einheit der Arbeiter der Ginheit der Faullenger und Schmaroßer gegenübergestellt und gesagt, zwischen diesen gebe es feine Versöhnung, so lange vir" nechte find. Mit wir seien die deutschen Proletavier gemeint, diese schließt ab mit eine Einnahme von würden also aufgereizt, gegen die Faullenzer und Schymarozzer, und einer Ausgabe von womit die Besibenden gemeint seien, Gewalt anzuwenden. An Der Armenetat für 1907 Es wurden verausgabt im Jahre: " " 52 650 " " 135 334 " " 49 165 60 013 " schritten sein. Dabei wurden die Entsendungen nur vorgenommen, wenn die Notwendigkeit durch den Armenarzt festgestellt war. Hielt derselbe die Entsendung nur für wünschenswert, so erfolgte die Ablehnung des Gesuchs, trotzdem die Fürsorgestelle für Lungenkranke die Aufnahme in eine Erholungsstätte dringend befürwortet hatte. Es fonnten somit nur rund 2000 Kinder berücksichtigt und vor Siechtum 803 200 Mart und frühem Tod bewahrt werden. . • 6 • 11 489 500 " Die Entscheidungen des Bundesamts für das Heimats. 10 686 300 Mart wesen haben wiederholt gezeigt, daß unter Umständen auch einem bestimmten Tage soll alles stillstehen, das sei eine Aufforde- so daß die Stadt einen Zuschuß von.. rung zum Generalstreit, der doch nur unter Kontraktbruch begangen zu zahlen hat, für das Etatsjahr 1906 211 900 Mark weniger. Die Gewährung eines Landaufenthaltes an einen hülfswerden könne(!), also eine Aufforderung zu strafbaren Hand- Die Etatsvorlage der Armendirektion, welche mit einer bedürftigen Stranten eine notwendige Form der Armenunterlungen. Nachdent der Staatsanwalt auch die Frage der Täterschaft Mehrausgabe von 47 500 Mart abschloß, ist demnach durch stügung sein kann; so die Entscheidungen in Prozessen, auf Ererörtert hatte, beantragte er gegen alle drei Angeklagten dieselben den Magistrat und wohl in erster Linie durch den Kämmerer stattung der verauslagten Kosten: Stettin gegen Hamburg im Juni Strafen, welche im ersten Urteil ausgesprochen worden sind. 1898, Hamburg gegen Königsberg im September 1899 und zuDer Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Halpert, beantragte die erheblich zurechtgeftugt worden. Freisprechung aller Angeklagten. Zur Begründung des Antrages Während in früheren Jahren durchschnittlich drei Prozent legt im November 1906 im Prozeß Charlottenburg gegen den führte er unter anderem aus: Wenn man von der falschen Voraus mehr für Almosenempfänger, Pflegegelder und Ertraunter- Drtsarmenverband zu Deutsch- Lissa. febung ausgehe, daß der Anarchismus seine Ziele mit Gewalt stügungen eingestellt wurden, da man ja mit einer Be- Aus den Gründen ist hervorzuheben, daß das Bundesamt durchsetzen wolle, wenn man so voreingenommen sei, alle Anarchisten völkerungszunahme von 30-40 000 Köpfen zu rechnen hat, in seiner Rechtsprechung wiederholt anerkannt hat, daß nicht für Bombenwerfer und Gewaltmenschen zu halten, dann gebe es ist in diesem Jahre davon abgesehen worden, wahrscheinlich, bloß die Unterbringung in einer Krantenanstalt, sondern unter wohl keinen Artikel, der vor dem kritischen Auge eines solchen Ver- um den gesamten Etat nicht noch durch erhöhte Armenunter Umständen auch die Gewährung eines Landaufenthalts und dachtes bestehen könne. Nur dadurch, daß der Staatsanwalt die ftügungen zu belasten und dadurch die 100 Broz. noch mehr insbesondere bei Lungenkranken die Behandlung in einem Anarchisten für eine Partei der Gewalt hält, könne er zu seinen ins Schwanken zu bringen. Dieser Umstand veranlaßte schon Luftkurorte zu den Aufgaben der öffentlichen Schlußfolgerungen kommen. Auslegungen, wie sie der Staatsanwalt machte, erinnern an das bekannte Wort Tallayrands: Gebt unseren Genossen Borgmann, in seiner Etatsrede darauf Armenpflege gehört. Will sich die Hauptstadt des mir von einem politischen Gegner nur drei Zeilen und ich bringe hinzuweisen, daß die Unterstützungssätze sowohl für Almosen- Deutschen Reiches diesen Gründen verschließen? Jst für solche ihn in die Bastille." Wenn man so die Artikel interpretiert, dann empfänger als auch für die Pflegefinder zu niedrige seien, sozialen Aufgaben kein Geld vorhanden? Die Prüfung dieser finde ich allerdings etwas Strafbares, nämlich diese Interpretations- daß die Armenkommissionsmitglieder zu sehr an den bescheidenen Frage werden unsere Genossen vornehmen, indem sie bei Bemethode, aber nicht der Inhalt der Artikel. Bei unbefangener Sägen früherer Jahre festhielten und den Teuerungsverhältnissen ratung des Armenetats die Einstellung der verlanaten Prüfung des Inhalts zeige fich, daß der erste Artikel eine Bolemit nicht Rechnung trugen. Dieser Hinweis ging Herrn Cassel 150 000 M. fordern. gegen die Sozialdemokratie sei und daß er rein theoretisch und wider den Strich; er stellte die Behauptung auf, daß von den Der gesamte Armenetat der Stadt Berlin zeigt aufs abstrakt die Frage erörtere, unter welchen Voraussetzungen fich Armentommissionen genügend geschehe und daß es eine Be- deutlichste, daß Berlin auf diesem Gebiete noch weit im Rück politische Verblendung und falsche Vorstellung vom Anarchismus leidigung für die treuen Mitarbeiter der Stadt sei, wenn man stande ist und daß hier noch sehr, sehr viel getan werden tönne zu der Auffassung kommen, daß hier zu Gewalttätigkeiten auf- derartige Vorwürfe gegen die Stadt erhebe. Berlin fönne muß. Unsere freisinnige Mehrheit im Noten Hause hat gar gereizt und zum Ungehorsam, zu strafbaren Handlungen aufgefordert stolz sein auf sein Armenwesen. Herr Cassel scheint die Nach- teine Ursache, mit diesem Etat noch zu prunten, wie dies noch werden solle Straßendemonstrationen feien auch bei uns nicht weisungen über die Beträge nicht zu kennen, auf welche sich öfter geschieht, sondern hat alle Veranlassung, ihn nur mit verboten, sie seien keine strafbaren Handlungen. Nun fage der die Behauptungen unserer Genossen stüßen. einem Gefühl der Beschämung zu erwähnen. Gerade den Staatsanwalt, eine Demonstration nach anderer Richtung wie die Wir wollen sie ihm etwas näher bringen. Am Aermsten der Armen gegenüber wird mit einer Knauferigkeit der Sozialdemokraten werde gefordert. Diese andere Richtung, 31. März 1906 waren nach dem amtlichen Bericht der verfahren, die recht unvorteilhaft absticht von dem weitherzigen das sei der gewaltsame Umsturz. Die Artikel bieten keinen Anhalt Armendirektion vorhanden: Bemühen, wenn es gilt, denen Vorteile zuzuschanzen, die sich A) Almosenempfänger mit einem Unter- ohnehin in privilegierten Positionen befinden. zu solcher Folgerung. Der Staatsanwalt glaube wohl, weil erst bom Klingekreuzen und dann von der Demonstration in anderer Richtung die Rede ist, daß erst die Klinge gekreuzt" perde und fügungsfak Der Ausfall an Steuern, den Berlin durch das Steuerprivileg der Beamten, Geistlichen und Lehrer, sowie dadurch erleidet, dafj zahlreiche in Berlin beschäftigte Personen in den Vororten wohnen, »st ganz enorm und weit größer, als man allgemein annimmt. Der Steuerausfall kann allerdings weder ziffernmäßig berechnet noch annähernd geschätzt werden. Wie bedeutend der Ausfall aber ist, ergibt sich aus folgendem: tll in Berlin wohnhafte, 7 hiesigen Groß- danken borstehende Mitglieder versteuern ein Einkommen von 3% Millionen Mark. Danach mühten 14 in den Vororten woh- «ende Bankdirektoren 100 800 M. Staatseinkommcnstcuer entrichten. Nach einer Aufstellung des Magistrats beträgt der Ausfall für Berlin, den dieses infolge des te-teuerprivilegs der Beamten erleidet, bei einem Zuschlag von 100 Proz. zur Staatseinkommen- steuer rund 1523 000 M. und unter Hinzurechnung des Ein- tommcns der aktiven und verabschiedeten Militärpcrsonen, soweit es bisher der Gcmcinde-Einkoinmenstcuer nicht unterliegt, rund 1 874 000 M. jährlich. Natürlich ist der Stcuerausfall bei den übrigen Personen ganz erheblich größer. Allen kommen die kommunalen Einrichtungen, insbesondere aber den Kindern in gleichem Maße zugute, wobei zu berücksichtigen ist, daß die Beamten mit ihren Beitragen zu den Kommunalbcdürfnisien gegenüber ihren mit dem ganzen Einkommen steuerpflichtigen Mitbürgern zurückstehen. Berliner Asyl-Berein für Obdachlose. Im Monat Februar nächtigten iin Männer-Asyl 16 723 Personen, wovon 7101 badeten, im Frauen-Asyl 4187 Personen, wovon 1114 badeten. Ein schätzender Schutzmann. Der Berliner Schutzmann steht in dem Ruf, alles zu wissen und alles zu können. Wer wird es riskieren» von einem unserer Schutzleute anzunehmen, daß er nicht fähig sei, die Größe eines Wagcnfcnsters annähernd richtig zu schätzen? Ein Schöffengericht hat von einem als Zeuge auf- tretenden Schutzmann das angenommen. Vor den Schöffen der Abteilung 141 des Amtsgerichts Berlin- Mitte stand ein Bäckermeister B. aus Reinickendorf, dem von der Berliner Polizei ein Strafmandat aufgepackt worden war, weil sein mit einem festen Planendach versehener Brotwagen so ein- gerichtet sei, daß dem K u t s ck e r nicht die polizeilich geforderte ..freie Au ssicht nach alten Seiten"(Z 2 der Straßen- , ordnung für Berlin) ermöglicht werde. Der Bäckermeister wehrte sich gegen das Strafmandat, indem er behauptete, die in den Seitcnwänden des Wagens rechts und links vom Kutschersitz an- gebrachten Ausschnitte seien groß genug, um freien Ausblick zu gestatten. Das Schöffengericht, das auf seinen Antrag hierüber entscheiden sollte, hörte als Belastungszeugen den Schutzmann, der auf der Straße den Wagen gesehen und den Besitzer angezeigt hatte. Der Schutzmann bekundete ohne Zögern, die Weite der Oesfnungcn in den Seiten wänden habe nur zirka 30 Zentimeter im Quadrat betragen, und das genüge eben nicht.„Na, also!" sagte der Vorfitzende. Doch da entfaltete der Angeklagte einen mitgebrachten Bogen Papier und präsentierte ihn dcrn� Gericht mit dem Bemerken, das sei die tatsächliche Weite der Oeffnungen. Er habe sie in Gegenwart eines Polizeibcamten a u S g c m e s s c n, sie betrage 45 Zentimeter z u 46 Zenti- meter, und das genügt. Erst jetzt wurde der schätzende Schutz- mann unsicher und sagte kleinlaut:„Ja, gemessen habe ich nicht." Dem Amtsanwalt blieb hiernach nur übrig, selber die Freisprechung zu beantragen. Es müsse, so sagte er, angenommen werden, daß der Schutzniann falsch geschätzt habe? bei einem vorbei- fahrenden Wagen sei daS ja leicht möglich. Das Gericht erkannte dann auch auf Freisprechung. Hätte der Angeklagte nicht diese auf das Auge berechnete Demonstration als Beweismittel benutzt, so wäre er wahrscheinlich verurteilt worden. Weder der Vorsitzende noch die beiden Schöffen kamen auf die Idee, daß der Belastungszeuge vielleicht gar nicht fähig fei, richtig zu schätzen. Unseres Erachten» sollte freilich bei jedem Zeugen, der sich vor Gericht im Abschätzen von Länge, Flächengrötze, Zeitdauer usw. produziert, sofort durch eine Probe festgestellt werden, wie groß oder gering sein Schätzungs- talent ist. Diejenigen unserer Leser, die etwa selber nicht richtig schätzen können,»nögen sich zwei Bogen Papier zurechtschneiden, von denen der eine 46 Zentimeter lang und 45 Zentimeter breit, der andere nur 30 Zentimeter lang und 30 Zentimeter breit ist. Wenn sie die Bogen gegen einander halten, dann werden sie staunen, wie jemand si-h so sehr verschätzen kann. Dem Polizei- Präsidium empfehlen wir, diesen Bcaniten von der Straße wcgzu- nehmen und nur noch im Bureaudienst zu beschäftigen oder aber ihn erst mal eine Zeitlang in einer Polizeischule Uebungen im Schätzen vornehmen zu lassen. Es ist gewiß keine Schande, sich von 30 Zentimeter bis zu 45 Zentimeter zu verschätzen: die meisten Menschen(die Richter eingeschlossen) ahnen gar nicht, wie schwer es überhaupt ist, annähernd richtig zu schätzen. Aber ein Beamter, der das fertig bringt, darf mindestens nicht Gelegenheit erhalten, durch falsches Schätzen anderen Leuten verdrieß- liche Schererei zu bereiten. Uebrigens kann dieser falsch schätzende Beamte sich freuen, daß er Schutzmann ist und als Belastungszeuge aufzutr»ten hatte. Jedes Gericht wird ohne weiteres voraussetzen, daß er nach bestem Wissen ausgesagt hat und daß er an einer falschen Aussage keinerlei Interesse hätte. Würde das aber mit gleicher Stärke der Ucberzeugung vorausgesetzt werden, wenn etwa ein Privatmann als Entlastungszeuge sich zugunsten deS Angeklagten ebenso sehr verschätzt hätte, wie hier der Schutzmann als Bc- lastungszcuge sich zuungunsten des Angeklagten verschätzt hat? Eine Jagd nach Menschenwild wurde gestern auf dem Gesund« brunnen veranstaltet. Ein Arbeitsbursche loar von Stettin als blinder Passagier in einem Personenzuge nach Berlin mitgefahren und als er auf dem Bahnhof Gesundbrunnen ausstieg, wurde er festgestellt und einem Schutzniann übergeben. Auf dem Transport zur Wache entwich er dem Schutzmann und eilte nach dem Lauben- terrain an der Bcllermannstraße, von dem Beamten und zahlreichen Passanten verfolgt. Nach einer langen Jagd wurde der arme Teufel, der an einem Stacheldraht hängen geblieben war. wieder gefaßt. Es ist geradezu widerlich, daß sich obendrein»loch zahl- re»che Passanten an dieser Mcnschenjagd beteiligten und höchstens dadurch erklärlich, daß die Leute nicht wußten, welches.Verbrechen" der Aermste begangen. Beim Jadianerspiel angeschossen wurde der 10jährige Schüler Karl Hecke, der gestern aus Oranienburg der Königlichen Klinik zugeführt wurde. In dem genannten Vorort belustigte sich eine Schar von Kindern mit Jndianersptelen. Einer der Knaben führte ein Taschentesching bei sich und wollte mit diesem die Gegenpartei schrecken. Er gab blindlings einen Schuß ab und die Kugel drang dem nahe stehenden kleinen H. in den Kopf. Da zu der Entfernung de» Geschosses eine schwierige Operation erforderlich wurde, mußte der verletzte Knabe auf ärztliche Anordnung nach einem Kranken- häufe gebracht werden. Zwei grauen au» dem Fenster gestürzt. Auf schreckliche Weise versuchten sich zwei unglückliche Frauen das Leben zu nehmen. Gestern morgen stürzte sich die 25jährige Schneiderin Ottilie K., Pccnzlaurrstr. 6, in»hrer Wohnung aus dem Fenster hinaus. Sie hatte sich nach der dritten Etage hinausbegeben, war aber von ihrem Bruder, der Verdacht geschöpft hatte, verfolgt worden. Noch im letzten Augenblick riß er die Lebensmüde vom Fenster zurück und brachte sie wieder nach der Wohnung. Wenige Minuten später stürzte sie sich von dort auf die Straße hinab. Mit gebrochenem Kreuz und schweren inneren Verletzungen wurde sie in da» Krankenhaus am Frtedrichshain gebracht. Ihr Zustand ist hoff« nungsloS. grau K. war feit einiger Zeit von ihrem Manne ge« schieden und beabsichtigte, in nächster Zeit wieder zu heiraten. Kürzlich wandte sich jedoch der neue Bräutigam von ihr ab und jedenfalls auS Gram hierüber ließ sich die Bedauernswerte zu der Tat hinreißen. AuS dem dritten Stockiverk stürzte sich die junge grau de» Malermeisters K., �regcstr. 34, herab. Frau K. hatte im Wochenbett gelegen und alS die Hebamme auf wenige Minuten das Krankenzimmer verlieh, eilte die Patientin plötzlich an das Fenster und sprang mit cintpi Aufschrei in die Tiefe. In bedenklichem Zustande wurde die Aermste in das Krankenhaus Westend gebracht. Auf dem Transport wurde sie von einem toten Kinde entbunden. Der Storch auf dem Bahnsteig. Den Fahrgästen, die Dienstag abend auf dem Bahnsteig des Bahnhofs Gesundbrunnen auf das Eintreffen der Züge warteten, wurde eine seltsame Ueberraschung zuteil. Sie hatten ganz plötzlich unbemerkt Zuwachs erhalten. Mitten auf dem Bahnsteig hatte ein junger Weltbürger das Licht der Welt erblickt. Die Wirtschafterin R. hatte einem Knaben das Leben geschenkt. Mutter und Kind wurden in das Lazarus- Krankenhaus gebracht. Ter Kaiser und Herr Bonn sollen sich, wenn die Hofjournale recht berichten, am Dienstag, den 5. März, über den„Hund von Baskerville", welches Opus der Kaiser sich an eben diesem Tage im Berliner Theater vorspielen ließ, und besonders über die Vorzüge dieses Detektivstückes gegenüber dem„Sherlock Holmes" glorreichen Andenkens unterhalten haben. Der Kaiser, der kürzlich die Pflege der Klassiker den Franzosen empfahl, ist offenbar wieder einmal zu seiner Vorliebe für das' Genre:„Eharleys Tante" und „Sherlock Holmes" zurückgekehrt. Der Geschmack ist eine höchst per- sönliche und rein private Sache. Deshalb sollte man aber auch die Oeffentlichkeit mit den Kundgebungen dieses privaten Geschmackes durchaus verschonen. Genau so wie mit den Reklamekünsten des Herrn Bonn, der bei dieser Gelegenheit dem Kaiser eine Anzahl seiner frisch gebundenen unsterblichen Werke überreichen ließ. Zwei schwere Automobilnnfälle haben sich gestern kurz hinter- einander in der Rcinickcndorferstratze zugetragen. An der Ecke der Wiesenstrahe wurde der neunjährige Schüler Alexander Malti- wicz, Reinickendorferstr. 00, beim lleberschreitcn des Fahrdammcs von einem entgegenkommenden Kraftwagen ersaßt und zu Boden geschleudert Er erlitt einen schweren Schädelbruch und fand im nahen Kinderkrankenhause Aufnahme.— Vor der elterlichen Woh- nung in der Reinickendorferstr. 104 geriet der 5 Jahre alte Georg Sometzki unter ein Automobil. Am Kopf und am Rücken zog sich der Kleine schwere Verletzungen zu. Die erste ärztliche Hülfe er- hielt er auf der Unfallstation in der Lindowerstraße. Leider wird nicht mitgeteilt, welchem Besitzer diese Autos gc- hören. Es wäre gar nicht zu verwundern, wenn es sich auch bei diesen Auwmobilunfällen um ungeübte Fahrer handelt, die von Unternehmern an Stelle der ausständigen Automobilführer cinge- stellt wurden und die Straßen unsicher machen. Der Bräutigam unterm Automobil. Zu dieser in unserer Dienstagsnummer enthaltenen Notiz wird uns mitgeteilt, daß der Vorfall sich etwas anders als gemeldet zugetragen habe. Als Sonntag früh l45 Uhr ein Automobil den Kurfürstendamii» cnt- lang fuhr, ging ein Herr und eine Dame, die von dem Führer des Autos durch lautes Huppen gewarnt wurden, über die Straße. Da überholte ein anderes Auto den Führer, der gestoppt hatte, und in dieser Situation fing die Dame an zu schreien und riß den Herrn mit zurück, so daß sie vor dem Kraftwagen niederfielen, und da der Asphalt sehr schlüpfrig war, zwei bis drei Schritt vorwärts ge- schoben wurden. Der Dame ist nichts geschehen und der Herr hat nur einige Hautabschürfungen im Gesicht davongetragen. Da es direkt an der Unfallstation war, wurde der Herr verbunden, worauf die mit dem Schreck davongekommenen in einer offenen Droschke nach Hause fuhren. Warnt Euere Kinder. In letzter Zeit ist es verschiedentlich vorgekommen, daß Kinder von Erwachsenen angelockt und verschleppt wurden. So hatte am Montagnachmittag in der Zeit von 4—6 ein etwa 20jährigcr blonder Mann das 8jährige Mädchen der Sch.schen Eheleute auS Rummelsburg, Kantstr. 49/50 wohnhaft, an sich gelockt und dasselbe mißbraucht. Nach Angabe des den Eltern später wieder zugeführten Kindes ist der Fremde mit dein Mädchen von» Bahnhof Kietz-Rummelsburg bis Schlesischen Bahnhof gefahren, bort aus- gestiegen und hat eS durch mehrere Straßen in eine Wohnung ge- führt, wo er es vergewaltigte. Am Schlesischen Bahnhof soll er noch mit einem Briefträger gesprochen haben, woraus zu entnehmen ist, daß der Täter mit demselben bekannt ist. Es wäre erwünscht, wenn der Briefträger über die Person des Unholdes nähere Angaben machen würde. Der Wintergarten hat für das Märzprogramm wiederum eine Anzahl tüchtiger Kräfte verpflichtet, von denen in erster Reihe Charlotte Wiehe zu nennen sein dürste. In der Pantomime „La Main"(„Die Hand"), in der sie als Tänzerin Vivctte die Hauptrolle spielt, ist sie ganz in ihrem Temperament, nachdem sie sich vorher durch einige hübsche Lieder als leistungsfähige Lieder. sängerin eingeführt hatte. Außer einem Ncgerlied trug sie in vollendeter Form ein Volkslied in Kölnischer Mundart vor. Einige nette Sachen brachten auch die Oberste ircr zu Gehör, während 4 Damen sich als A t h l e t i n n e n produzierten und an Kraft und Gewandtheit viele Athleten übertreffen dürften. Auch Paul Conchas, d�: Armceherkules, ist wieder gewonnen worden; er spielt mit Kanonenkugeln und Granaten, als ob es Kindcrspiclzcug wäre. Große Heiterkeit rief M i ß Orford mit ihren dressierten Elefanten hervor. Man sollte es kaum glauben, daß es gelingen konnte, diesen plumpen Tieren eine solche Anstelligkeit beizubringen. wie sie dieselbe in den Vorführungen betätigten. Beispielsweise ist der eine als Kinderwärterin so wohlerzogen, daß er ein Baby— im Rüssel haltend— verwartet, um es dann in die Wiege zu legen und einzuwiegen. Ein regelrechter Cake-Walk beschließt die Humor- volle Vorführung. Wertvoll ergänzt wird das Programm noch durch die Beiträge der Opernsängerin Louise A n g e r e r und durch die Leistungen der komischen Radfahrer des Barber Ritschic-Trio und dem gewandten Jongleur Salerno. Aus dem Märzprogramm des Walhalla-Bariöte'-TheatcrS am WeinbergSweg ragt vor allem«Die stoldene Eva" als „Glanz'nummer im wahren Sinne des Wortes hervor. Warum bisher die Zensur an dieser Aufführung Anstoß nabm, ist nicht recht erfindlich. Glaubte man am Alexandcrplatz etwa, daß sich Personen finden, die sich beim Anblick deS mit Goldbronze überzogenen Ober- körpers der darstellenden Dame entsetzen könnten? Die Darstellung selbst war eine formvollendete. In rascher Reihenfolge zogen die einzelnen Bilder vorüber, die Salome, die Äugelspielerin, die Schiffahrt, die Jägerin ans der Lauer und schließlich„Ausgeträumt". Beim letzten BUde erwacht die Statue zum Leben und singt ein kleines Liedchen. AuS dem übrigen Teile des Programm» sei er- wähnt, daß Soubretten, Gymnastiker. Exzentriker, Kugelläufer. Humoristen sich in bunter Reihenfolge abwechseln. Die Geschwister Perez zeigen sich dabei als geschickte Gymnastiker an drei frei- stehenden Leitern. Im Gebrüder Herrnfeld- Theater werden am nächsten Sonntag« nachmittag„Die letzte Ehre" und„Hausierer Jockels" wiederholt, während allabendlich die Komödie.Ein verrücktes Hotel" ge- geben wird. Feuerwehrbericht. Gestern früh hatte der 1. Löschzug einen Kellerbrand in der Straße An der Spandauer Brücke 15 zu löschen, wo besonders Holz brannte. Vorher hatte derselbe Zug in der Winsstr. 60 zu tun, wo ein Korb mit Wäsche und anderes brannte. Der 7. Zug wurde nach der Blumenstr. 35» gerufen. Dort brannte unter großer Onalmentwickelung Stroh und anderes in einein Keller. Der 20. Zug löschte«inen Brand in der Nenen Grünstr. 26. Dort waren Kisten mit Stroh und Verpackungsmaterial in Brand geraten. Der 17. Zug wurde wegen eines Unfall» alarmiert. Vor dem Hause Zimmerstr. 64 war ein Mann unter einen elektrischen Straßcnvabnwaaen geraten. Der Verletzte wurde befreit und nach der Charitö gefahren. Ferner mußte ein Kellerbrand in der Brandenburgstr. 53 gelöscht werden. In der Elisabethstr. 40 hatte der 1. Zug einen Brand im linken Seitenflügel zu löschen, der auf einen, Klosett entstanden ivür. Weitere Meldungen liefen noch aus der Friedrichstr. 6V, Manteuffelstr. 6, Barnimstr. 44 und anderen Stellen ein. Vorort- JVacbnchtern Charlotteubnrg. Zu dem Gencralvcrsammlungsbericht des WahlvercinS Charlotten« bürg ersucht unS Genosse G e h r l e mitzuleilen, daß seine Aus« fllhrungen in dem Bericht nicht richtig wiedergegeben sind. Wir kommen diesem Ersuchen nach, bemerken jedoch, daß die falsche oder unzulängliche Wiedergabe seiner Ausführungen nicht unsere Schuld ist. Nach der Zuschrift hat Genosse Gehrke folgendes ausgeführt: I. Was für Gründe leiteten den Vorstand, die Betrachtungen über den Aus- fall der NeichstagSwahlen in einer öffentlichen, statt in einer Wahl- Vereinsversammlung vorzunehmen? Da nach meiner Ansicht dieses eine Parteiangelegenheit ist und somit vor das Forum der Parte» gehörte. II. Weshalb hat man gerade den Genossen Bernbard und nicht jemand anders als Referenten für diese Versammlung bestellt. Begründend sagte ich: Man hätte sich doch sagen muffen, daß nach dem unerwarteten Ausfall der Wahlen die Gegner durch dieses Thema stark angezogen würden und da war die Wahl de» Referenten verkehrt. Denn aus der Vergangenheit Bernhards konnte man schließen, daß B. eber den Beifall der Gegner als den der Parteigenossen hervorrufen würde, denn nach meiner Ansicht geize B. nach dem Beifall der Gegner. Rixdorf. In der vergangenen Nacht wurden von Spitzbuben in dem Hause Elsterstr. 7 aus allen Wohnungen die Messingtüren von den Lesen gestohlen. Die meisten Wohnungen sind noch unbewohnt. Z» dem Betriebsunfall, der sich am Dienstag voriger Woche in der Fabrik für Eisenkonstruktione» von Steffen u. N ö l l e er- eignete, teilen wir mit, daß der verletzte Arbeiter Schulz in wenigen Tagen wiederhergestellt fem dürfte, da er sich nur leichtere Ber- letzungen zuzog. Lichtenberg. Der„Jnteressenklüngel" in Wahlnöten! Unsere Wahlnotiz in der SonntagSnummer des„Vorwärts" scheint bei den» OrtSblättchen von Lichtenberg ein geringe? Verständnis der Situation ausgelöst zu haben. Wir hatten dem bürgerlichen Wahllomitee für die ersten Stadtverordnetenwahlen ein herzliches„Glückauf!" zugerufen. Soll doch dieses Komitee die Wahlen vorbereiten, nachdem das geistige Haupt der„Lichtenberger Bürger" in der Bürgervereinsversammlung der Wertzuwachssteuer und deren Freunden Todfeindschaft geschworen hat. Nun hat der Verbandstag der Grundbefitzervercine in, Bürgersaale de? Berliner Rathauses die Steuer in Wohl- verstandenem Eigeninteresse prinzipiell abgelehnt. Das OrtS- blättchen gibt folgendem Stoßgebet Raum:„Mit dieser starren prinzipiellen Ablehnung der Steuer glaubt man Wunder was zu erreichen. Wem damit gedient ist, geht zur Genüge hervor, wenn wir die Sonntagsnummer des„Vorwärts" durchlesen. Der Lichtenberger Mitarbeiter stellt die These aus Herrn Plonz' letztem Vortrag im Bürgerverein, kein Stadtverordneten-Kandidat könne seine und seiner Freunde Unterstützung finden, der ein An- Hänger dieser Steuer sei, in ihrer unwiderrufliche» Deutlichkeit heraus und fügt den von innerer Freude diktierten Ruf hinzu:„Glück auf!" dem Sladlverordneten-Wahlkomitee mit dieser Wahlparole I Daß daS alles andere als ein herzinniger Glückwunsch ist. braucht wohl nicht gesagt werden. Aber wenn, wie eS unausbleiblich ist, unsere Gegner mit diesem Ausspruch deS Herrn Plonz wuchern gehen, dann kann unter Umständen die neue Stadtverordneten- Versammlung ein Aussehen erhalten, das sich so leicht keiner hat träumen laßen. Das heißt durchaus nicht, den Teufel an die Wand malen, sondern ganz kühl und nüchtern feststellen, was ist und was werden kann. Mai, möge niemals vergessen, daß die Stadt- verordnetenversammlung nur zur Hälfte aus Eingesessenen bestehen braucht. Es ist kaum anzunehmen, daß die Sozial- demolratie diese ganze Hälfte ins Stadlparlament senden wird. Aber, wenn Wirklichkeit wird, was jetzt nur als Schatten auf- getaucht ist, wenn sich hier ein Mieterverein bildet, dem die große Menge des besitzlosen Mittelstandes zuströmen kann, dann ist es möglich, daß auch der Rest der Hälfte an Männer fällt, die eo ipso für die Wertzuwachssteuer stimmen."— Das nun die Gegner der Werkzuwachssteuer, deren Bedeutimg von uns durchaus nicht überschätzt wird— sintemalen die vorhandene Majorität der Jnter- effenten dieser„VermögenSkonfiskation" durch möglichst ungefährliche Gestaltung der Steuerordnung begegnen wird— alles daran setzen werden, bei der am Montag beginneirden letzten Gemeindevertreterwahl Männer ihres Herzens zu Mandaten zu verhelfen, ist verständlich. Es drängen sich auch im besonderen die Vertreter der Terraingesell- schaften an die„Maßgebenden" heran. Sache der Lichtenberger Bürger wird es sein, ili allen Abteilungen diesen Feinden der ge- sunden Fortentwickelung der Gemeinde zu zeigen, wo der Zimmer-. mann da» Loch gelassen hat. Die Arbeiter, die Gewerbctrerbenden. die Beamten, alle haben eine Verpflichtung, den Kandidaten der Sozialdemokratie zum Siege zu verhelfen, nur die sind gewillt»md in der Lage, den Jntereffcn der Gesamtheit zu dienen. Treptow-Baumschulenweg. Eine große Beunruhigung bemächtigt sich gegenwärtig eine» Teiles der hiesigen Bevölkerung. In einem Hause. Baumschulen- straße 15, ist bei dem Schlächtermeister R. Typhus ausgebrochen; ein Kind ist bereits daran gestorben, während die beiden anderen Kinder nach dem Krankenhause übergeführt worden sind. Kurz darauf sollen nicht nur die Eltern der Kinder, sondern auch bereits einige Kunden des Schlächtermeisters an TyphuS erlrankt sein. Demnach scheint sich eine gefahrdrohende Epidemie entwickeln*u wollen. Durchgreifeudc Vorsichtsmaßregeln seitens der Behörde dürsten hier am Platze fein. Ober- Schöneweide. Zwei schwere Unglücksfällr ereigneten sich gestern auf der Treskolvbrücke und Wilhelminenhofftraße i», Fliegerwerk. Auf der Treslowbrücke stürzte der Kutscher der Speditionsfirma Wanzlick von der Edisonstraße kommend vom Wagen, wobei ihm das Hinterrad über den rechten Oberschenkel hinwegging und denselben fast vom Körper abtrennte. Dem Veruiiglückten wurde i», Verbandsraum der Firma Hegewald ein Notverband angelegt und er alsdann inS Krankenhaus gebracht. Im Fliegerwerk, der bekannten Akkninulatorenfabrik, erlitt ein Führer erhebliche Brnstguetschungen dadurch, daß der Chauffeur eines Automobil» beim Umdrehen irrtümlich anstatt vorwärts rück- wärts fuhr. Dem Führer, der sich unmittelbar hinter dein Auto- mobil und an der Wand befand, wurde dadurch der Brustkasten ein- gequetscht. Auch er mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Weihensee. Von kommunalpolitischcr Bedeutung ist die Amtsentsetzung des Dr. Pape, so schreibt die„Weißenseer Zeitung" und stellt hierbei Betrachtungen an über die Stellungnahme der einzelnen Grilppen in der Gcnieiiidevertretung. Sie mahnt zur Einigung der beiden sich gegenüberstehenden Bereine der HauS- und Grundbesitzer, denn sonst könne die Vertretung der Sozialdemokratie sich stets in einer ZentrumSrolle sehen lassen. Da sind zum Beispiel die Be- ichlüsse über die Gemeindeturnhalle immer mit Restriktionen der Vertreter der dritten Wählerklaffe gefaßt worden. Diese Restriktionen erscheinen vielen einsichtigen Kommunalpolitikern bedenklich, weil sie unabsehbare Folgen haben können. Andererseits hat die erfolgte Wahl des Genoffen Schmutz zum Kreistagsabgeordneten auch über die Grenzen WeißenseeS hinaus eine gewisse Sensation erregt. An sich sei eS min recht erfreulich, daß die Vertretung der dritten Wählerklnffe ebenfalls die Möglichkeit hat, positive Arbeit zu leisten. Also hier haben wir es: die Vertreter der dritten Wühlerklasse haben nur während de« Pape-KonflikteS positive Arbeit geleistet. Biilow macht Schule. Aus seinen eigenen Notizen sollte der Redaltionsmann ersehen, wie die Vertreter der dritten Wäblerklasse Anträge stellen und Anregungen geben, die allerdings d'r Gesamt- hett der Einwohnerschaft zugute kommen, während diese gewöhnlich v-m der bürgerlichen Mehrheit unterl>-<ßkt und verworfen werden. ilnb nun gar das Schreckliche: ein Sozialbeinokrat als Kreistag?- abgeordneter, der allerdings als einzelner positive Arbeit am Friedrich Karl-Ufer vergeblich suchen wird. Den Vertretern der dritten Wählerllajje, welche LAX) Wähler hinter sich haben, ge- schieht es ganz recht, datz sie positiv unfruchtbar sind, wozu sind denn die bürgerlichen Vertreter da, welche zirka 250 Wähler hinter sich habe»! so toill es die göttliche Welt- ordnung. ES ist notwendig, das; keine Fraktionspolitik, sondern Kommunalpolitik getrieben werde; nicht der Vorteil einer Partei, sondern daS Wohl des Ganzen sei masigebend. heißt es weiter. Nun, die Vertreter der dritten Wählerklasse sind in der glück- lichen Lage, mit einem Kommunalprogramm aufzuwarten, dessen Forderungen der Gesamtheit zugute kommen, was bei den bürger- lichen Vertretern nicht der Fall ist, denn diese werden in der Haupt- 1 fache erst ihre Interessen wahren. Die Vertreter der dritten Wähler- klasse werden auch in Zukunft auf dem Posten sein, und sollte ein zweiter Pape erstehen, so werden wir auch den niederreiten, mit oder ohne die bürgerlichen Parteien. Tegel. _ Die letzte Gemeindevertretersitznng am Dienstag hat die von unseren Genossen verschiedentlich gewünschte und beantragte Wert- zuwachssteuer zur Beratung gestellt und nach langer 3>/zstündiger eingehender Debatte zur Annahme gelangen lassen. Dle Wert- zuwachssteuerordnung wird in Tegel schon zum 1. April in Kraft treten. Die Debatte an sich war hochinteressant, namentlich durch den llmffan&,_ daß es im Laufe derselben gelang, die beiden Groß- (Grundbesitzer in der Gemeindevertretung derartig umzustimmen, daß sie tatt gegen für die Steuer waren, obwohl sie dieselbe noch bei Beginn der Verhandlung im Prinzip abgelehnt hatten. Erwähnenswert ist auch das Bemühen� des Gemeindevertreters Borsig, die vor- eschlagenen Steuersätze hcrabzumildern, während Genosse Lichten- erg mehr als einmal den Versuch machte, die Bestinimungen zu verschärfen. Allseitig wurde anerkannt, daß diese Art der Be- steuerung durchaus gerecht und viel weniger die EntWickelung eines Ortes hemmend sei, als etwa die Erhöhung der Einkommensteuer um 20—30 Prozent, die sonst notwendig geworden wäre. Dem Versuch� der Hausbesitzervertreter, die Bestimmung ab- zuwälzen, hielt Genosse Lichtenberg entgegen, daß die Grundeigentümer, wenn sie Vorrechte wie die Zweidrittelmajorität in der Gemeindevertretung in Anspruch nähmen, auch die Lasten tragen müßten. Er betonte besonders, daß nur große Gewinne be- steuert würden und bis zu zehn Prozent als naturgeinäß zu er- wartender Gewinn an sich steuerfrei bleibe. Hervorgehoben werden soll auch die Antwort, die Gemeindcvertreter Borsig auf die Fest- stellung des Gemeindevertreters Gutstein gab. Dieser meinte, die Steuer werde bald vergessen sein, wie die Fahrkartensteuer und der Zoll auf Fleisch, und erhielt als Antwort vom Gemeindevertreter Borsig, die Fahrkartensteuer bewähre sich sehr schlecht, denn sie halte vor ollem die Ausländer vom Deutschen Reiche ab. Der Zoll auf Fleisch aber sei von der arbeitenden Klasse nur ertragen worden, weil zurzeit eine Hochkonjunktur in der Industrie vorliege. Bei der Einzel- bcratung der Steuerordnung wurde der Antrag unserer Genossen Lichtenberg und Rodcike, von der zehnprozentigen Grenze abzusehen und jeden Gewinn zu besteuern, abgelehnt. Ebenso wurde ein Antrag der Genannten, einen Unterschied der unbebauten Grund- stücke dahin zu machen, daß solche, die landwirtschaftlichen und ge- werblichen Zwecken dienen, von denen, die die Spekulation brach- liegen läßt, für die Besteuerung zu trennen leien, abgelehnt, und auch der Antrag Lichtenberg, bei Schenkungen trägt die Steuer der Beschenkte, fand leine Freunde. Die Steuerordnung wurde end- lich mit geringen Aenderungen nach dem Entwurf angenommen. Die Steuerordnung enthält jetzt zunächst die bisherigen Be- stimmungen der Umsatzsteuerordnung. Dann bestimmt§ 5, daß Wertzuwachssteuer von allen Grundstücken mit mehr als 10 Proz. Gewinn beim Verkauf erhoben werden soll. Dieser Wertzuwachs wird besteuert mit 5 Proz. bei einer Wertstcigerung von mehr als 10 bis einschließlich 20 Proz., mit ü Proz. bei einer Wert- stcigerung von mehr als 20 bis einschließlich 30� Proz. und dann steigend um je ein bezw. je zehn Prozent bis zu 20 Prozent bei einer Wertstcigerung von mehr als 160 Prozent. Diese Sätze kommen bei bebauten Grundstücken jedoch nur zur Erhebung, wenn seit dem früheren Eigentumswcchsel höchstens drei(im Entwurf fünf Jähre) verflossen sind. Beträgt der Zeitraum aber mehr als drei Jahre, so ivird die Hälfte der vorgenannten Sätze erhoben. Die loeiteren Bestinunungen decken sich mit den sonst überall üblichen Bestimmungen und Ausnahmen in den Orten um Berlin. Schuldner der Wertzuwachssteuer ist der Veräußerer. Die Gemeindevertretung erwartet eine Einnahme von etwa 30 000 Mark aus der Steuer. Öericbts- Deining. Unzüchtigkcitsschuüfflcr vor dem Reichsgericht. .Die Schönheit" und»Geschlecht und Gesellschaft", heraus- gegeben von Karl Banselolo. hatten es jenen Sittlichkcitsfexen an- getan, deren Scham- und Sittlichkeitsgefühl in Aufwallung gerät, wenn sie unbekleidete schöne Körperformen erblicken oder Artikel über sexuelle Verhältnisse zu Gesicht bekommen. Sie setzten auch die Erhebung von Anklagen gegen die genannten Zeitschriften durch. DaS Landgericht Berlin I sprach die vermeintlichen Sünder frei und betonte, daß die angeblich unzüchtigen Artikel in»Geschlecht und Gesellschaft" gerade für daS weibliche Schamgefühl ein- treten. Trotzdem wurde Revision eingelegt. Der Reichsanwalt trat für Verwerfung der Revision ein. Das Reichsgericht gab am Dienstag diesem Antrage durch Urteil statt. An demselben Tage hob es das am 23. August gegen den Buch- Händler Schildberger gefällte verurteilende Erkenntnis des Berliner Landgerichts auf, das in einigen Novellen den Tatbestand deS§ 184 Ziffer 1 des Strafgesetzbuchs erblickte. Die Aufhebung und Zurückweisung zur Verhandlung an dasselbe Gericht erfolgte aus einem prozessualen Grunde: die Vernehmung des als Sachverständigen geladenen SchriflstellerS caiid. med. Bab war unterblieben. Haftung der Besitzer von Hunden. Der§ 833 B. G.-B., der den Tierhalter für alle Schäden der ihm gehörigen Tiere verantwortlich macht, mahnt auch Hundcbesitzer, ganz unabhängig von irgend welchen polizeilichen Verordnungen. zur größten Wachsamkeit über ihre Köter. Denn es kommt bei einer Verletzung des§ 833 B. G.-B. nicht darauf an. ob dem Hundceigentümcr bei der Bewachung irgend ein Verschulden trifft, oder ob er gegen eine polizeiliche Borschrist verstoßen hat. Er hastet stets für den Schaden, den fein Hund anrichtet, wenn er nicht beweist, daß der Schaden ausschließlich durch das Verschulden des Geschädigten entstanden ist. Dieses eigene Verschulden findet bei Kindern erst vom 7. Jahre an bis zum 18. Jahre Anwendung. Hat ein Kind unter 7 Jahren mit einem Hunde gespielt oder diesen geneckt, und ist es infolgedesien gebissen worden, so ist auch hier der Tierhalter für allen Schaden— der bei Verlust von einigen Fingern einige tausend Mark betragen kann— unbedingt ver- antwortlich. In einem solchen Rechtsstreit fordert die Guisbesitzerstochter W. nebst ihrem Vater von dem Gutsbesitzer H. in Mangelwitz bei Glogan Schadenersatz in Höhe von 8872,50 Mark nebst einer jähr- lichen Rente von 600 Mark für die durch eine Dogge des Beklagten erlittenen Schädigungen. Und zwar ist der betreffende Hund, ein sogenannter Fleischcrhund, eines Tage» plötzlich auf die Klägerin losgesprungen und hat ihr verstbiedene Bißwunden beigebracht. Bei der Klägerin hatte sich infolgedessen ein schweres Nervenleiden entwickelt, das sie zum Aussuchen von mehreren Heilanstalten nötigte. Das Landgericht Glogan verurteilte den Beklagten zur Zahlung von 2436,50 Mark nebst einer Rente von jährlich 300 Mark..Den Betrag der Kurkosten für eine Reise und den Aufenthalt in Bad Landeck in Schlesien, welche keinen Erfolg hatten, lehnte daS Ge- richt ab. In der Berufung gegen dieses Urteil verlangt« die ? iL?«» feete« Löö Msik und eine Arnte von 600 Mark, Auch der Beklagte hatte Berufung gegen das laudgcrichtliche Urteil ein- gelegt und um völlige Abweisung der Klage gebeten. Das Ober- landcSgericht Breslau gab der Berufung der Klägerin statt. ES sprach ihr die Kosten für die Reise nach Bad Landeck als gerecht- fertigt zu und erklärte auch die höhere Rente dem Grunde nach für gerechtfertigt. Die gegen das oberlandesgerichtliche Urteil vom Bellagicn ein. gelegte Revision wurde vom vierten Zivilsenat des Reichsgerichts zurückgewiesen._ Versammlungen. 1 Der sozialdemokratische Wahlvercin für den zweiten Berliner ReichStagSwahlkreis hielt am Dienstag im Hofjägerpalast, Hasen» Heide eine gutbesuchte Generalversammlung ab. Nachdem man in üblicher Weise die im letzten Halbjahr verstorbenen Mitglieder geehrt hatte, gab der Vorsitzende Genosse Werner den Vorstandsbericht, wobei er außer der Tätigleit des Vereins unter anderem auch die Organi- sationsverhältnisse des Kreises berücksichtigte. Den Versammelten lag außerdem ein zusammenfassender gedruckter Jahresbericht pro 1306 vor. Aus diesem und aus dem mündlichen Bericht ist folgendes zu entnehmen: Die Agitation im Kreise wird nicht nur durch die Ausdehnung, sondern ferner besonders durch die soziale Verschicdenartigkeit der Bevölkerung in den einzelnen Stadt- vierteln erschwert. Bon einer einheitlichen, über den ganzen Wahl- kreis gleichartig gestalteten Agitation mußte deshalb bielfach ab- geslchen werden. Wenn im Jahre vorher auf die Agitations- Versammlungen mehr Wert gelegt wurde, so hielt man 1906 die Klein- agitation für angebracht, deren Erfolg verhältnismäßig gut war. Der Mitgliederbestandstieg im Jahr 1906 von 3478 auf 4327, also um 1349 Mit- glieder. Die Zunahme würde eine erheblich größere sein, wenn nicht von den Mitgliedern(wohl hauptsächlich von den im Laufe des Jahres neu- eingetretenen) zuviel wegen ÄestierenS von Beiträgen hätten ge- strichen werden müssen. Genosie Werner betrachtet cS als seine Pflicht, namenS des Vorstandes den Bezirksführern nahezulegen, von jetzt ab unter Heranziehung der ihnen zur Verfügung stehenden Hülsskräfte tüchtig hinter den Säumigen her zu sein und sie durch Mahnung zum Zahlen zu bewegen, damit sie dauernd dem Verein erhalten bleiben. Infolge fleißiger Agitation haben sich die„Vorwärts"- Abonnenten der Kreis-Parteispeditio» von 5440 auf 7000 vermehrt. Die Teilnahme der Mitglieder an den Zahlabenden ließ viel zu wünschen übrig. Vor allem müßten, meinte Werner, persönliche Streitigkeiten und unliebsaine AuSeinandersetziingen den Zahlabenden ferngehalten werden. Zur sachlichen Unterhaltung und zur Belehrung sei genug Stoff vorhanden. Flugblätter wurden im Laufe des Jahres, außer denen zur Stadtverordneten- und znr Reichstagswahl, verbreitet gegen das Dreiklassenwahlimrecht 90 000 Excniplare, zur Demonstration am 13. März 90 000 Exemplare, geflen Fleisch- und Zollwucher 85 000 Exemplare, gegen Heimarbeit 90 000 Exemplare, zur Ge- winnung von Mitgliedern und„Vorwärts"- Abonnenten 30 000 Exemplare. Zur Reichstagswahl wurden fünf Flugblätter in 457 000 Exemplaren sowie 280 000 Stimmzettel und 184 000 Schleppzettel und Wahlaufforderungen verbreitet.— Eine Unsitte ist es geworden, daß Genossen bei allen möglichen Kleinigkeiten beim Vorstand die Einleitung des Ausschlußverfahrens gegen Partei- und Vereinsmitglieder beantragen.— Der Kassen- bcricht, zu dem der Kassierer Genosse Schmidt noch einige Er- gänzungen niitteilte, weist für das erste Halbjahr 1906 einschließlich eines alten Bestandes von 1415,50 M. eine Einnahme von 17 440.91 M. und eine Ausgabe von 17 322.94 M. auf, so daß in das zweite Halbjahr ein Bestand von 117,97 M. mit hinüber ge- nommen wurde. In den AuSgabeposten waren enthalten 9226,39 M.. die der Parteikasse zuflössen, und 1650 M. für den Groß-Berliner Ver- band. Die Gesamteinnahme im zweite» Halbjahr betrug 14 573,37 Mark, die Ausgabe 12 898,43 M., darunter 6200 M., die an den Verbandskassierer abgeliefert wurden. Es blieb ain Jahresschluß ein Bestand von 1679,94 M.— Die Matinee 1906 erzielte einen Ueberschuß von 5,60 M. Der Uebersitmß von der Maiseier betrug 1267,75 M.. der vom Sonnnerfest 1055,55 M.— Im Januar und Februar 1907 ist die Zahl der Mitglieder noch um 300—400 gestiegen, so daß der Verein jetzt über 5000 Mitglieder hat.— Dem Kassierer wurde Decharge erteilt.— Nach kurzer Debatte über die allgemeinen Gesichtspunkte des Vorstandsberichts wurde auch der Fall Lankow nochmals zur Sprache gebracht. Man ging schließlich darüber zur Tagesordnung über, nachdem von seiten des Vorstandes erklärt worden war, Bankow könne ja durch Erfüllung seiner Pflichten gegenüber der Partei, durch Mitgliedschaft im Verein usw., am allerbesten Schritte zu seiner Rehabilitierung tun.— Ohne Debatte erklärte sich die Ver- sammlnng einverstanden mit dein Vorstandsvorschlag, die Anträge von Genossen auf Eröffnung des Partei-Ausschlußverfahrens gegen H e n n i g, Gastwirt Adolf und Rohrleger L e w i n abzulehnen. Zu langen Auseinandersetzungen führte dagegen ein der Ver- sammlung ebenfalls zur Genehmigung unterbreiteter Beschluß de« Vorstandes vom 17. Oktober 1906, den Antrag des Genossen Salffuerauf Einleitung des Ausschlußverfahrens gegen de» Genossen B e h r e n d, dem VerbandSbcaiiitcn vom Deutschen Metallarbeiter- verband(Verwaltungsstelle Berlin), abzulehnen. Der jenem Antrage zugrunde liegende Sachverhalt war kurz folgender: Anfang August vorigen Jahres war bei der Firma Moses ein Rohrleger ge- maßregelt worden, der versucht hatte, einen während des Glaserstreiks dort tätigen arbeitswilligen Glaser zur Niederleguna der Arbeit zu bestimnien. Nach vergeblichen Versuchen, die Wiedereinstellung des Gemaßregelten zu erlangen, traten die bei Moses beschäftigte» Rohrleger in den Streik ein, obwohl die Schlichtungs- kommission nicht Stellung genommen hatte. Von den Streikenden gehörte» 25 dem„Allgemeinen deutschen Metallarbeiterverband (Richtung W i e s e n t h a l) und 6 dem Deutschen Metallarbeiter- verband an. Genosse Wehrend als Beamter des Deutschen Metallarbeiterverbandes versuchte nun, die ebenfalls streikenden Mitglieder seines Verbandes zum Weiterarbeiten zu veranlassen und drohte, als sie erklärten, gleich den übrigen weiter zu streiken, er werde sonst Arbeitskräfte vom Nachweis des Deutschen Metallarbeiterverbandes schicken. Hierbei leitete ihn die Ausfassung. daß nach dem Tarif nicht nur bei Lohndifferenzen usw., sondern auch bei Maßregelungen stets erst die SchlichtungS- kommission anzurufen�sei und ein Streik unter Um- gehnng derselben unberechtigt wäre.(Der Streik selbst wurde bald durch Einigung beigelegt.)— Salffner begründete seinen auf Ausschluß Behrenos abzielenden Antrag, den er auf die§§ 2 und 27 de? Parteistatuts stützte, damit, daß Genosse Behrend zum Streikbruch aufgefordert und dadurch eine ehrlose Handlung begangen habe. In der Ausfertigung des ablehnenden vorläufigen Entscheides des WahlvcreinsvorstandeS wird nun nach Feststellung deS Tatbestandes gesagt:„Wenn Arbeiter ihren im Kampf mit dem Unternehmertum stehenden Kollegen als Streikbrecher in den Rücken fallen, wird diese Handlung von klassenbewußten Ar- beitem als ehrlos gebrandmarkt, gleichviel ob der Streikbruch gegen Mitglieder derselben oder einer anderen Organisation, oder gegen Un- organisierte verübt wird. Schlimmer aber noch als Strcikbruch ist die Anstiftung dazu, oder das Stellen von Streikbrechern.— Wenn der Vorstand des Wahlvereiiis gleichwohl davon Abstand ge- nommen hat, dem Antrage auf Einleitung des AuSschlußverfahrenS gegen Genossen Behrend zuzustimmen, so geschah dies in der An- nähme, daß er nicht aus ehrloser Gesinnung gehandelt, sondern weil er glaubte, daß im Rohrlegergewerbe jeder ohne ver- suchte Vermittelimg der SchlichtlingSkommission auSgebrocheue Streik unberechtigt sei." Genosse B e h r e n d, der dazu daS Wort erhielt, ist u. a. wegen der Gründe nicht zufrieden mit dem Entscheide des Vorstands. Nach dem in Betracht kommenden Tarifvertrag hätte Redner als Beauftragter des Verbandes, einer der vertragschließenden Par- teicn, gar nicht anders handeln können, als wie es geschah. Ja, er sei als Vcrbandsbeamter dazu verpflichtet gewesen. DeS- halb sei es falsch, wenn die Gründe des Vorstandscntscheids trotz Ablehnung der ehrlosen Gesinnung doch einen Vorwurf durchblicken ließen. Tarifverträge müßten gehalten werden; der Wahlvereins. vorstand scheine nicht ihr Wesen zu kennen. In zukünftigen gleichen Fällen müßte er genau ebenso handeln.— Der zweite Vorsitzende, Genosse Schneider, stellte zunächst gleich fest, d.aß der ganze Vorstand aus Zcntralisten bestehe und jeder Grund wegfalle, hier etwa eine Gefolgschaft Wiescnthals zu konstruieren. Ter Ent- scheid sei nach reiflicher Ueberlegung und aus bester Ueberzeugung gefällt worden. Genosse R Osenberg steht auf dem Standpunkt, daß die Angelegenheit rein auf dem Gebiet gewerkschaftlicher Praxis liege, und daß der Wahlvereinsvorstand es hätte überhaupt ablehnen können, sich damit zu befassen. Vor allem hätte die GewcrlschaftS- organisation angegangen werden müssen.— Achnlich ließen sich die Genossen G u t s ch in i d t und Böttcher aus. Die Vorstandsmitglieder Rautmaun, Werner und Schneider wiesen die Angriffe auf den Vorstand zurück. Alle betonten sie» daß nur rein sachliche Erwägungen maßgebend ge- Wesen seien. Die Zuständigkeit der politischen Organisation und ihres Vorstandes als ihres Sachwalters wäre zweifellos gegeben. Es brauche dafür ja nur auf die§8 2 und 27 des Parteistatuts und auf den in der Partei geltenden Grundsatz, daß Streikbruch eine ehrlose Handlung sei, verwiesen werden. Solange dieser Grundsatz in der Partei gelte, solange müsse auch der Vorstand auf Anträge eingehen, die ein AuSschlietzungsverfahren wegen ver» meintlichcn Streikbruchs und Anleitung zum Strcikbruch ver- langen. Einer Inanspruchnahme der Gewerkschaft habe es hier nicht bedurft, eben weil, entgegen der Behauptung des Genossen Behrend, der Vorstand von Tarifverträgen und von dem, was damit zusammenhänge, selber etwas verstehe und der Tatbestand an sich nicht strittig ist. Im übrigen könnten sich doch Genosse Behrend und seine Freunde(die ihm lebhaft applaudiert hatten) damit zufriedtft geben, daß der Vorstand die Ablehnung des Salffncrschen Antrages besürwortctc. Wenn die Sache von Wiesenthal und auch von der„Einigkeit" gegen Behrend ausgenutzt sei, so könne doch daraus dem Vorstand lein Vorwurf gemacht tverden. Nachts gegen 12M- Uhr wurde durch Beschluß der Versammlung die Debatte geschlossen. Da jetzt noch neue Anträge aus der Ver- sammlung eingingen, die nicht mehr zur Verhandlung kommen konnten, so kam der Vorstand den Antragstellern insofern entgegen, als er als Grundlage der Abstimmung nicht den schriftlichen Entscheid mit den Gründen(siehe oben), sondern lediglich den Vor- schlag auf Ablehnung des Antrags Salffner wählte. Gegen ver- cinzelte Stimme beschloß donn auch die Versammlung: Das Aus- schließungsvcrfahrcu ist nicht gegen den Genossen Behrend ein- zuleiten, da ihn; eine unehrenhafte Handlung nicht zur Last fällt, — Alle weiteren Punkte der Tagesordnung wurden bis zu einer nächstens stattfindenden Versammlung vertagt, wo dann auch der Bcricht von den Rcichstagswahlcn gegeben werden soll, Fünfter Wahlkreis. Ueber den Ausfall der Reichstags Ivahlen wurde am Dienstag in einer Mitgliederversammlung des Wahlvereins, die in den„Musikersälen" stattfand, sehr eingehend debattiert. DaS ein- leitende Referat hielt der Parteisekretär Hermaim Müller. Ledig- lich vom parlamentarischen Gesichtspunkte aus betrachtet, so führte er u. a. aus, erscheine das Wahlergebnis als eine schwere Niederlage »mserer Partei. Unter Berücksichtigung der gestiegenen Stimmenzahl aber sei das Kampfseld von uns behauptet worden. Wohl jedem sei das Wahlergebnis überraschend gekommen, tvenn sich auch, je näher der Wahltermin heranrückte, die Zeichen mehrten, daß unsere Gegner in einer Weise mobil machten, wie nie zuvor. Der Ver- lust von Mandaten könne uns zwar nicht gleichgültig sein, doch stehe fest, daß die Fraktion in ihrer jetzigen reduzierten Stärke a l S Antreiber der Regierung genau dasselbe leisten wird wie in der vorigen Legislaturperiode. Daß wir als Partei an Stoß- kraft und Geschlossenheit nichts eingebüßt, sondern eher noch ge- Wonnen haben, sehen auch die Gegner ein, indem sie eingestehen, daß erst jetzt von einem wirklichen Qualilätswert der sozial- demokratischen Stimmen gesprochen werden könne. Neben der un- gerechten WahlkreiSeinteilung, der patriotischen Mobilisierung der Nichtivähler, deS unerhörten junkerlichen und behördlichen Wahl- drucks sowie der verleumderischen Tätigkeit deS„Reichsverbandes" sei aber auch die eigene Vertrauensseligkeit in vieleir Parteiorten Schuld an dem Wahlausfall. Haben es die Genossen in mehreren Großstädten sogar unterlassen, sich in den Besitz der Wählerlisten zu setzen. Bezüglich der niehrfach bemängelten Stichwahl- parole lag es an der ganzen politischen Konstellation, daß wir mit dem reaktionären Zentrum in eine Kampflinie kamen. Auch die Freisinnigen mußten wir unterstützen, foiveit bei den Stichwahlen ausgesprochene Wahlrcchtsfeinde als deren Gegenkandidaten in Betracht kamen. Trotz aller Abneigung gegen derartige widernatürliche Kompromisse fei es einer Partei wie der unsrigen nicht möglich, mit Gewehr bei Fuß zu stehen, wenn lvir die Wahl von erklärten Wahlrechtsfeinden verhindern können. Höchst bedauerlich seien die Artikel von C a l w e r und Bernstein. Sie liefern für die kapitalistische Kolonialpolitit die Begründung, nur daß sie die Mittel dazu verweigern wollen. Für die Gegner existieren derartige Schlußfolgerungen allerdings nicht, und mit Recht" können sie sagen, sie brauchen jetzt nur noch mit Calwrr- Artikeln anstatt mit Kolonialbaumwolle hausieren zu gehen. Ein Ausschluß jener beiden Genossen ihrer auch allgemein divergierenden Meinung wegen loärc trotzdem unangebracht, denn die Meinungsfreiheit in der Partei solle nicht beeinträchtigt werden. Allerdings haben wir mit Nachdruck zu erklären, daß die Meinungen dou Calwer und Bernstein eben nur deren Privatineinungen sind, mit denen sie in der Partei so ziemlich isoliert stehen. Der Ein- wand, als handele es sich bei dem Gros der Parteigenossen doch ebenfalls nur um Privatmeimmgen. sei durchaus unstichhaltig, weil hier mit überivältigender Majorität gefaßte Parteitagsbeschlüsse in Frage kommen. Weniger ernst zu nehmen seien die Ergüsse von Bernhard. Derselbe gehöre eigentlich zur liberalen Vereinigung, nicht aber zur Sozialdemokratie. Bernhard hat es'offenbar darauf angelegr, mit möglichst großem Krach aus der Partei hinausgeworfen zu werden. Den Gefallen könne man ihm ja tun; denn jemand. der die Parteiinstanzen derartig mißachtet und seine eigenen Wege geht, gehöre nicht mehr zu uns.— Die wirkliche Ursache unserer Verluste bei der letzten Wahl liege eigentlich in de in großen Siege von 1903. Bei den Gegnern hatte sich die Furcht eingefresscn, daß. wenn es mit den Erfolgen der Sozialdeniokratie so weiter gehe, dann die Diktatnr des Proletariats bald über Deutschland hereinbreche; deshalb der große Zusanimenschluß gegen unö. Nicht Ivegen deS angeblichen Mangels an positiver Arbeit hat man uns bekämpft, sondern weil wir gerade im Parlament so außer- ordentlich viel positive Arbeit leisten wollten. Redner erörterte dann die Ursachen des Abfalls der Kleinkrämcr, Kleinhandwcrker, Kleinbauern. Er wies ferner auf die Spannung zwischen den freien Gewerkschaften und den Hirsch-Dunckerschen resp. christlichen Organisationen hin. die unö ebenfalls einen erklecklichen Abfall von Arveiterstimmen gebracht hat. Seien doch von Vertretern der letztgenannten Organisationen an die sozialdemokratischen Kandidaten Anfragen gerichtet worden. ob sie jene als gleichberechtigt anerkennen wollen. Inwieweit anf einen Ausgleich der Spannung zwischen den einzelnen GewerkschaftS» zruppen hingewirkt werden könne, das zu ermöglichen sei und bleibe m erster Linie Aufgabe der Gewerkschaften selbst. Gelinge der Ausgleich nickt, so könne die Partei den christlichen oder Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften auch in Zukunft keine andere Antwort geben» ebensowenig wie sie den Gegnern der Konsumvereine einen anderen Bescheid geben wird, auch auf die Gefahr hin, daß diese auch fernerhin gegen uns stimmen.— Viel Aufhebens fei dann noch von dem Alffall der„Intellektuellen" gemacht worden, obwohl hier die Uebertreibimg klar anf der Hand liegt. Die Zahl der Jniellektuellen. die Anhänger unserer Partei sind, ist nur eine ver- schwindend kleine. DaS habe auch ein gewiß guter Kenner jener Kreise, der Genosse Kurt Eiönev, bereits vor der Wahl hinlänglich dar- getan. Die wenigen Idealisten dieser Kategorie, die zu uns Halte r, würden jetzt wohl ebenso für uns gestmimt baden wie<803.?' 5«?on in bcr Parte!, auK nicht die unangenehmen NuSsmander« fetzungen der letzten Jahre haben unseren Rückgang an Mandaten veieschllldet, sondern die mechanischen Wahlmittel der Gegner. Diese haben ihre Organisationen in letzter Zeit vorzüglich ausgebaut. So kann der.Reichsverband'' als die protestantische Uebersetzung des katholischen BolksvereinS und der M.-Gladbacher Jesuitenschule angesehen werden. Aus alledem ergebe sich für uns die Lehre, unsere Organisationen in größtmöglichster Weise zn festigen und auszngestalten und die Aus- breitung' unserer Presse zu fördern. Hierbei wolle er nicht un- erwähnt lassen, daß der„Vorwärts" besonders während der Wahlzeit zweifellos in jeder Hinsicht seine volle Pflicht und Schnldigkeitgetan habe. Die neuesten Angriffe einiger Genosten gegen die Redaltionsführung des„Vorwärts"'lassen sich daher auch nicht rechtfertigen. ES möge an sich ja bedauerlich sei», daß eine journalistische Kraft wie Kurt E i s n e r dem„Vorwärts" nicht erhalten werden konnte, doch nach den Vorkommnissen anläßlich des Ausscheidens der bekannten sechs Redakteure aus dem„Vorwärts" sei eine Wicdereiureihung Eisners in den Redaktionsverband schlechterdings aus- geschlossen. UebrigenS seien die Berliner Genossen mit der jetzigen Redaktionsführung durchaus zufrieden. Zwar mögen sich in den verschiedenen Artikeln Wohl weniger journalistische Rosinen finden wie srüher, dafür sei die Schreibweise jetzt aber auch um so viel verständlicher. Er könne nur erklären, daß sowohl der Parteivorstand wie auch die Preßkommission im allgemeinen mit der Haltung des„Vorwärts" einverstanden sind. Um so weniger berechtigt seien die Angriffe des Genossen Heinr. Braun gegen den „Vorwärts", der inseiner„Reuen Gesellschaft" in geradezu perfider Weise über die Redaktion hergefallen ist. Es sei geradezu un verfror e n, wenn Genosse Braun behaupte: der Parteivorstand habe sich überzeugt, daß die Redaktion des„Vorwärts" versage. Niemand hat Heinrich Braun Anlaß ge- geben, derartige wahrheitswidrige Behaust tungen aufzustellen. Heinrich Braun ist biö heute über Haupt noch nicht mit einer Beschwerde an den Parteivorstand herangetreten. Braun scheine au politischer Perversität zu leiden. Er möge wohl so etwas wie Wollust empfinden, wenn er eine Abfuhr bekommt, sonst müßte er an seinen bisherigen Abfuhren auf den Parteitagen doch wohl genug haben.— Neben derAus- breitung unserer Parteipresse habe auch jeder Genosse dafür zu sorgen, daß vermehrte Mittel für die Partei flüssig gemacht werden. Be- dauerlich sei, daß im vierten Kreise sogar ein Referent befür- wortete, nicht so viel Ileberschüsse aus den Parteigeschäftcn zu ziehen. Solche demagogelnde Mittel zur Belehrung der Partei- genossen anzuwenden, solle man besser unterlassen. Große Aufgaben harren der Partei, er erinnere unter anderen« nur an die künftig intensiver zu betreibende Landagitation, da bedarf es auch der nötigen Gelder. Unser ganzer Etat sei vorderhand aber auf die Ueberschüsse aus den Parteiunternehmungen zugeschnitten, daher könne man auch nicht auf dieselben verzichten. Alles in allem bc« trachtet könne es für uns nur heißen: Weiterarbeiten mit Anspannung aller Kräfte, dann werde sich der Mißerfolg bei sden jetzigen Wahlen bald wieder ausgleichen lassen. lLebhafter Beifall.) Liepmann stimmte als erster Diskussionsredner dem Referenten in allen seinen Ausführungen vollinhaltlich zu. Tatsächlich sei der Wahlausfall in der Provinz zum guten Teil auf den Mangel an Organisation zurückzuführen. In Berlin habe es auf diesem Gebiete ungleich besser geklappt. Die Berliner Genossen seien auch bereit, noch größere materielle Opfer für die Partei zu bringen, so daß sie mit noch größerem Rechte wie bisher schon als die Bankhalter der Partei bezeichnet werden können. Wenn sich Bernstein und Calwer wieder einmal als Wunderdoktoren betätigt haben, so wisse man ja, waS davon zu halten ist. Bernhard scheine eS in der Tat darauf angelegt zu haben, aus der Partei hinaus- geworfen zu werden. Möge er getrost seinen Laufpaß bekommen; jeder„gewöhnliche" Genosse wäre schon längst hinausgeflogen, wenn er sich in ähnlicher Weise benommen hätte. Unsere Aufgabe sei Förderung der Agitation und Organisation und Vermeidung aller unnötigen Schärfen in den Parteidiskussionen. Robinson bedauert, daß man aus der Kritik, die einzelne Genossen, wie jetzt Braun, Eisner oder Südekum üben, nur immer das Schlechte, nicht aber auch das Gute herausfindet. Dadurch werde stets der Anschein erweckt, als sollten diese Genossen von vornherein in ein schlechtes Licht gesetzt werden. ES gehe immer gegen eine gewisse Richtung. So solle auch der Genosse WengelS als Mitglied des Parteivorstandes gesagt haben, es sei besser, wir verlören den Wahlkreis Sorau-Forst, als daß Manrenbrecher dort gewählt wurde. Hinsichtlich der„Neuen Gesellschaft" solle jedoch im Parteivorstand die Aeußerung gefallen sein, diese Braunsche Wochenschrift würde besser redigiert wie die„Neue Zeit". Also möge man Toleranz üben und nicht gleich voir vornherein jede Kritik verdammen, die von vielleicht mißliebigen Genossen komint. Huhn vermag dem Referenten in seinen Ausführungen betreffs der Stichwahltaktik nicht beizupflichten. Vielmehr stehe er. soweit das Zentrum in Frage kommt, auf dem Standpunkt des Genoffen Erd mann-Köln. Doch auch die generelle Stichwahlunterstützung der Freisinnigen sei falsch, nur in vereinzelten Ausnahmefällen könne sich eine Stimmabgabe für einen Freisinnigen rechtfertigen. Redner meint sodann, daß es mit der Schlepparbeit der Genossen des 5. Kreises selbst auch gerade nicht vom besten bestellt gewesen ist; sonst hätte man wohl nicht so viel Unterstützung aus anderen Kreisen nötig ge- habt. Er bemängelte ferner den Inhalt des jüngst verbreiteten Flugblattes zur Gewinnung neuer„Vorwärts"-Abonnentei7. Solche Flugblätter müßten in der Form von KopfauSgaben des„Vorwärts" herausgegeben werden und auch ebensowohl populärer wie zug- kräftiger geschrieben sein. Die Abonnentcngewinnung erschwere sich schon ohnehin sehr, Iveil die Schreibweise des„Vorwärts" besonders im lokalen Teil dein LesebediirfniS der großen Maffe zu wenig angepaßt sei. Tatsache sei. daß die„Morgenpost" diesem Bedürfnis, besonders soweit es die Frauen betrifft, ungleich inehr Rechnung trägt. Daher auch die Vorliebe der Arbeiterfrauen für die„Morgen- Post" und die Abneigung gegen den„Vorwärts". Daß ein Teil des Blattes gut ist, der andere aber minder gut, lasse sicü nicht ab- leugnen, doch:„Wir haben ja nicht lauter la- Schriftsteller im .Vorwärts"." Robert Schmidt unterscheidet bei den Erörterungen über den Wahlausfall zwei große Gruppen von Genossen, eine, welche die politische Situation für das Resultat verantwortlich macht, und die andere, die auch unserer Partei einen Teil der Schuld beimißt. Der Referent lehne die Auffassung der zweiten Gruppe zwar ab, doch sei ein teilweise eigenes Verschulden nicht in Abrede zu stellen. Es sei Tatsache, daß wir von den sogenannten NichtWählern so gut wie gar keine bekommen hätten, obwohl die Wahlparole nach allgemeiner Annahme doch recht günstig für uns war. Jeder erkläre sich den Wablausfall eben auf seine Art, dazu seien wir ja auch da. Gezeigt hat sich, daß die patriotische Phrase auch heute noch nicht zu unterschätzen ist, ein Beweis für die politische Unreife weiter Volkskreise, und hier haben wir künftig viel Versäumtes nachzuholen. Ein Fehler sei es, mit der eigenen Kritik gleich immer in die Oeffentlichkeit zu gehen, und es könne nur dringend der Wunsch geäußert werden, daß sich der Parteivorstand nicht nur als Verwaltungskörperschaft fühle, sondern auch persönlich einwirkt, um einen sachlichen Austausch der Meinungen herbeizuführen. Nichts wäre bedauerlicher, als wenn sich aus der Angelegenheit Braun— Bernhard oder Calwer— Bernstein, deren Standpunkt er nicht teile, wieder ein innerer Zwist entwickeln würde. An unserer Taktik im Parlanient brauchen wir nichts zu ändern, denn wenn irgend ein Gesetz den Arbeitern auch mal einige geringfügige Vor- teile bietet, so emhälteSauch andrerseits wieder Schaden und Mängel genug, die sehr wohlseineAblehnungrechtfertigen können. Hinsichtlich des „Vorwärts" wisse er, daß schon immer über dessen Redaktionsführung geschimpft worden ist, so lange er besteht. Ein Wunder wär's, wenn's jetzt mit einem Male anders würde. Im Wahlkampfe war am„Vorwärts" tatsächlich nichts zu monieren. Doch diese unleidlichen Parteidiskussionen könnten sachlicher geführt werden; anr besten wäre es, sie würden ganz aus dem Blatte verschlvinden. Bedauerlich sei eS allerdings, daß EiSner dem„Vorwärts" nicht erhallen worden ist. Diese Meinung ist jetzt wohl mehr in Parteikreisen verbreitet, wie ytvor. Notwendig sei auch eine verbesserte Land i gebracht. agiiation; leider würden dazu nach immer solche-ntbunde.p verwandt, die zu wenig mit ländlichen Verhälfinffen �errraut sind. Vom Referenten sei es wohl falsch verstanden worden, daß semand die Zahl der Intellektuellen überschätzt habe. Das sei nirgends geschehen; immerhin haben wir ein Interesse daran, sie für uns zu gewinnen, ohne ibnen jedoch Prinzipien- widrige Konzessionen zu machen. In dem Mißerfolg bei den Wahlen sehe er nur einen kleinen Ruhepunkt in der Entwickclung der Partei. Es unterliege aber keinem Zweifel, daß wir bei emsiger Weiterarbcit die Scharte bald wieder auswetzen werden.(Beifall.) Z i p p e l mißt dem„Vorwärts" die größere Schuld an der Iln- sachlichkeit der journalistischen Auseinandersetzungen bei. Die Redaktion habe auch keinen Anlaß, es immer so darzustellen, als würde ihre Haltimg stets einhellig von den Parteigenossen Berlins gebilligt. Dem Parteivorstand mache er den Vorwurf einer gewissen geistigen Unselbständigkeit. So sehe der letzte Aufruf tatsächlich aus, als sei -r größtenteils aus Kautslys WahlbetrachiungSartikel abgeschrieben. ES werde bei jeder Gelcgenbeit von Parteidisziplin gesprochen. In der Tat werde aber eine. Parteidisziplin großgezogen, die schon stark an militärischen Kadavergehorsam erinnert.' Nur die Freiheit der Kritik verbürge Fortschritt. Müller weist in seinem Schlußwort den Vorwurf der Un- sachlichkeit gegen die ,.VorwärtS"-Redaktl0ll zurück. Freilich bei einem iolchcn Artikel wie dem Braum'chen habe sie einHauen müssen. Was Maurenbrecher anbetrifft, so wolle er ausdrücklich konstatieren, daß der Parteivorstand Manrenbrecher nichts in den Weg gelegt hat in Sachen der Kandidatur für Sorau-Forst, konnte man dadurch doch am ersten eine Beilegung der dortigen Streitigkeiten erwarten. Dies zur Steuer der Wahrheit, um wieder einer Legendenbildung vorzubeugen, denn eine Aeußerung wie die von Robinson erwähnte, sei im Parteivorstand niemals ge- fallen.— Der Parteivorstand habe auch schon seit Jabreü zur Sachlichkeit ermahnt, also die von Robert Schmidt gewünschte per- sönliche Initiative auf diesem Gebiet längst ergriffen. Was würde eS aber nützen, Ivenn man z. B. Braun aufs Parteibureau zitierte? Diesem sei doch offenbar an allen Mahnungen der Partciinstanzen gar nichts ge legen. Daß der Partcivorstand von Kautsky abgeschrieben hätte, sei eine Naivität Zippeis. Im übrigen babe er seinen ersten Ausführungen nichts hinzuzufügen. Noch einmal ermabne er, die Wahllehren zu beherzigen, dann werde es mit der Parteibewegung vorwärts gehen— trotz alledem. Beifall.) Damit war die Debatte beendet. Die bereits stark gelichtete Versammlung wurde hierauf um IL'/z Uhr geschlossen. „Positive Leistungen der Sozialdemokratie", so lautete das Thema, über welches Genosse Molkenbuhr am Dienstagabend im Wahlverein des sechsten Kreises einen Vortrag hielt. Er erimrerte an die Vorwürfe, die den Sozialdemokraten im letzten Wahlkampse gemacht wurden. Immer wieder.hörten die Sozialdemokraten den Satz, daß sie nichts Positives ge- leistet hätten.„Lügen haben kurze Beine", so sagt man gewöhnlich mit Recht, aber es gibt Lügen, die so oft wiederholt werden, daß sie doch schließlich hier und da haften bleiben. Sogar einige Parteigenossen sind darüber nervös geworden und haben vor geschlagen, daß unsere Taktik ein wenig geändert werden sollte, damit nicht immer derselbe Vorwurf zurückgewiesen werden müsse. In den Reden der Minister, in der Thronrede, überall das gleiche Lied: Keine positiven Leistungen! Schon lSOS sagte B ü l o w im Reichstage:„Was haben Sie denn geleistet? Agitation la, positive Leistung bb." Damals schon habe der Redner dem Reichs- kanzler ein ganzes Register von Leistungen der Partei in der Ge> setzgebungsarbeit aufgezogen. Wenn die Partei gar nichts Positives erreicht hätte, braucht man sich nicht zu wundern, denn alle anderen Parteien verhindern sie ja stets daran. Wollte man nur daran denken, was durch die Sozialdemokraten in unserer Gesetzgebung Schlechtes verhindert oder gemildert wurde, so hätte man allein in der scheinbaren Negation genügend positive Leistung. Der Referent zeigte in längeren Ausführungen, welche Kulturtat die Sozialdemokratie verrichtet habe durch die Erziehung der Arbetter zur Anteilnahme und zum Verständnis der Politik. Man sollte hundert Mann aus jeder Partei herausgreifen und sie einer Prüfung über Aufgaben in der Politik unterziehen, und man würde finden, daß die Sozialdemo- kraten den Preis davontragen. Eine andere große Leistung der Sozialdemokratie liege in der Förderung des internationale i« Prinzips, der Verbrüderung der Völker. Dieser Gedanke ist nur dann zu verwirklichen, wenn alle Völker den gleichen Zielen zustreben, wie sie die Sozialdemo- kratie lehrt. Wer sich die Mühe machen wollte, die gesetzgeberischen positiven Leistungen der Partei zusammenzustellen, der würde bald über- wältigt werden von der Fülle des Materials, denn überall zeigt die Sozialdemokratie deutlich ihre Spüren. Redner blicke selbst ans eine 16jährige parlamentarische Tätigkeit zurück und wisse darüber zu urteilen. Er geht zum Beweise die Arbeiterversichcrungs- Gesetze durch und zeigt die Leistungen der Sozialdemokraten. Zum Beispiel sind in den ersten 26 Paragraphen des Unfallversicherungs- Gesetzes 11 verschiedene Aenderungen den Sozialdemokraten zu verdanken. Er erinnert noch an die Leistungen in den Kommunen und fragt zum Schluß nach den positiven Leistungen B ü l o w s in der Sozialpolitik. In den sieben Jahren seiner Amtsführung als Reichskanzler hätte er— zwei Novellen vorgelegt, die eine zur Seemannsordnung, die andere zur Krankenversicherung. Die erste habe er bereits fertig vorgefunden und zur zweiten lag eine bestimmte Resolution bor. Das sei sehr wenig an positiven Leistungen, aber dafür habe er dann den Wucher- t a r i f geschaffen.- Großer Beifall lohnte den Redner. In der Diskussion sprachen noch zwei Genossen im Sinne des Referenten, und mit einem Hoch auf die Arbeiterbewegung wurde die Versammlung geschlossen. Genosse Eduard Bernstein hat seine angekündigte„Abrechnung" mit uns und mit den« Wahlvercin des vierten Kreises überraschender- weise in einer Versammlung des— Berliner Konsumvereins vorgenommen! In der Einleitung seines Referates be- klagte er sich darüber, daß wir seine an uns gesandte Erklärung voii der AbstSt einer„Antwort und Gegenrcchnung" verstümmelt hätten. Wir können dazu nur sagen, daß wir die uns zugegangene Erklärung— allerdings unter AnSmerzung der bekannten Bernstein- schen Weitschweifigkeit— durchaus sinngemäß wiedergegeben haben. Daß Bernstein seine Abrechnung in einer Konsumvereins- Bcrsammlung vornehmen würde. stand in der Erklärung nicht! Nachträglich überrascht uns dies allerdings nicht mehr: sucht doch Bernstein für die Diskussion anscheinend grundsätzlich Orte auf, wo er der Parteikontrolle nicht untersteht. Wie er in den „Soz. Monatsheften" und in der„Neuen Gesellschaft" über die Partei schreibt, dürfen wir uns nicht wundern, ihn nächstens im Rauchklub„Blaue Wolke" als Redner Partcidiskussion pflegen zu sehen. Daß wir ihm gegenüber das„System des Totschweigens" üben, ist eine Empfindung Bernsteins, keine Erfahrung: denn in den Tat- fachen findet diese Behauptung keine Stütze. Wir haben ihn in VersammlungSberichten genau so wie jeden anderen Redner be- handelt— allerdings auch nicht besser. Wir haben seinen Ein- sendungen unsere Spalten geöffnet— allerdings nicht, ohne u n s e r e Meinung dazu zu sagen.(Hoffentlich gesteht uns aber Bernstein dasselbe Recht auf Meinungsfteihcit zu. das er für sich in Anspruch nimmt.) Wir haben schließlich sogar freiwillig Aeußerungen Bernsteins übernommen und zustimmend kommentiert; nämlich als wir einmal die Freude hatten, etwas Vernünftiges von ihm zu lesen— allerdings(wie könnte e» anders sein!) in der bürgerlichen„Berliner Volkszcitnng". s Vorort- NachHcbtetts Em Epigone beS Hauptmanns von Köpenick. In Hannover erschien gestern morgen auf der Hauptpost ein Mann, stellte sich als Postinspektor aus Stettin vor und verlangte die Oeffnung der Packkammer, bei der sich auch das Gelaß für Wert« und Geldsendungen befindet, zur Vornahme einer„Revision". Die Beamten gingen aber hierauf nicht ein, sondern verlangten von ihm eine Legitimation, die er verweigerte. Es entstand nun ein Wort» Wechsel, in dessen Verlaufe der falsche Inspektor gewaltsam aus dem Packsaale entfernt werden mußte. Dabei zog er einen Revolber und feuerte zwei Schüsse ab, ohne jemand zu treffen. Nun Ivurde er von mehreren Beamten überwältigt und der Bahnhofswache zu« geführt, die ihn der Kriminalpolizei überlieferte. Der Verhaftete gibt, wie das„Hannoversche Tageblatt" meldet, an, Offizier a. D. zu sein und Kreß zu heißen. Man glaubt eS mit einem GeisteS« kranken zu tun zu haben._ Wieder ein Eiscndahnunglsick. Der um 3 Uhr 58 Minuten nachmittags von Hamm kommend« Schnellzug 63 stieß gestern im Personenbahnhof Münster i. W. bei der Einfahrt aus eine im selben Gleise stehende Lokomotive. Ein Reisender ist schwer, aber nicht lebensgefährlich, 11 Reisende und 3 Fahrbeamie sind leicht verletzt. Ein Binmnfall ereignete sich gestern in A I t e n b u r g. Dort gab bei den Anbauarbeiten an einer Schule in der Theresienstraße das Gerüst bei dem Transport von Baumaterial nach und traf vier Arbeiter. Von diesen erlitten zwei dem Anschein nach schwere innere Bsrletznngen und mußten nach dem Krankenhause gebracht werden, während die beiden anderen mit leichten Verletzungen davon« kamen. Ucbcr den Brand des vom Norddeutschen Lloyd gecharterten norwegischen Dampfers„ R h g i a" wird noch ans Bremen gemeldet, daß der Brand durch einen Arbeiter verursacht wurde, der mit einer brennenden Lampe im Laderaum zu Boden stürzte. Die aus Kopra, Gummi und Nattan bestehende Ladung geriet sofort in Brand, und obwohl zwei Dampsspritzen der Bremerhavener Feuerwehr, die Automobilspritze des Norddeutschen Lloyd und drei Spritzendampfer in ununterbrochener Tätigkeit waren, gelang es doch erst Mittwoch nachmittag gegen 3 Uhr, das Feuer zu ersticken, indem man das Schiff unter �Wasser setzte. Die ganze Ladung, die für Bremer Firmen bestimmt war, ist vernichtet. Der entstandene Schaden ist ehr erheblich. v Im Unterseeboot. Wie aus Toulvn berichtet wird, stieß da? Unterseeboot„Gymnote" bei einer Uebungssahrt unter Wasser auf einen Felsen auf. Das Boot erlitt erhebliche Beschädigungen. Sämtliche elektrische Lampen erloschen. Gleichwohl entstand keinerlei Panik. Der Befehlshaber ließ den Bleiballast auswerfen, worauf daS Boot wohlbehalten an die Oberfläche gelangte und von einem Tor« pedoboot an Land geschleppt wurde. Lawinenstürze. Große Lawinenstürze sind nach einer Meldung aus Bern im Kanton Wallis niedergegangen. Die Verbindungen sind unterbroSen und werden wahrscheinlich vor Ablauf Von acht Tagen nicht wieder hergestellt werden lönnen. Im Automobil abgestürzt. Aus Lugano wird gemeldet: Ein Automobil, welches von den Direktoren Gasvard und Landry. dem Arzt Varelli, zwei Damen und dem Chauffeur besetzt war, stürzte infolge eines AxenbruchS von einem Abhang des Mont Cenere ab. We sechs Personen wurden schwer verletzt. Bei der Explosion unter dem Houtsonflusse unweit New Dork sind nach den letzten amtlichen Feststellungen insgesamt 25 Arbeiter schwer verletzt worden._ Nerliner Marktpreise. Aus dem amMchen Bericht der städtllche» SPiartthallen-Direktioii.(Großhandel.) Rindfleisch la 68—73 pr. 100 Pfd., Aa 62-67, Ma 56-61, IVa 48-54, dän. Bullen 60-65, Holl. 0,00. Kalbfleisch. Doppclländcr 110-125, la 82-90, IIa 72-80, Illa 52-68, Holland. 00,00, dän. 55—65. Hammelfleisch la 66—75, Ila 48—64. Schweiiiefieilch 48— 56. Rothirsch la der Pfund 0.50—0.55. Rotwild plombiert 00,00. Damhirsch 0.45— 0,65. Wildschweine 00,00, Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,60—0.90. Wildenten per Stück 1,50—1,75. Hübner. alte p. Stück 1,50—3.05. do. IIa 0,80—1,30 do. junge p. Stück 0,80—1,25. Tauben per Stück 0,50— 0,75, junge kleine 0,00, italienische 1,00. Enten per Stück 2,00—2,60. dito Hamburger junge per Stuck 3,75. Gänse, Hamburger per Pfund 1—1,20. Eis» 0,48—0,58. Hechte per 100 Pfund 76—83. groß 69, mittel 0,00. Zander 0,00, dito mittel 0,00, do. matt 0,00. Schleie, unsortiert 0,00, do. groß 0,00, da. mittel 0,00. Aale, groß 138, mittel 103—111, klein und mittel 0.00. Plötzen, klein 0,00, do. groß 0,00, do. 40—46. Karpfen 54—82, do. Galiz. 50— 80er 60-61, do. stanz. 70-100-r 59— 62. Bleie 41—47. Aland 0.00. Bunte Fische 68. Barle, matt 51— 54, do. groß 0,00. Karmüche» 0,00. Blei« fische 0,00. WelS 53—60. Quappen 0.00. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Pfd. 110— 130, do. IIa neuer 90— 100, do, Ihla neuer 75. Seelachs 30—35. Sprotten, Kieler, Wall 0,80—1,50, Danziger, Kiste 0,00. Flundern, Kieler, Stiege la 3—4, du. mittel vcr Kiste 2—8. Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 1,50—2. Bücklings, per Wall Kiele c 3,50—6,00, Stralsunder 5—5,50. Aale, groß per Pfd. 1,10—1.40, mittelgroß 0.80—1,00, klein 0,60— 0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kiste 6—7, do. 'I, Kiste 3-4. Kabllan, p. 100 Pfd. 30-35. Heilbutt 0,00. Sardellen. 1902« per Anker 95, 1904er 93, 1905er 90. 1906er 75—80. Schottische Vollberinoe 1905 0,00, largo 44—15, füll. 38— 40, med. 35—42, deutsche 37— 44. Heringe, neue MatjeS, per*1, To. 60—120. Sardinen, russ.. Faß 1,50—1,60. Bratheringe. Büchse(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schocksag 11, kleine 5— 6. Riesen« 14. Eier, Land-, v«Schock4,50. Butter per 100 Pjd. la 114—116. IIa 110—114. Ula 107. abfallende 95—100. Saure Gurken«schock 4,10— 4,50, Pseffergurken 4,00—4,50. Kartoffel» per 100 Psd. 0,00, magnum bomun 2,50—2,75, Dabersche 2,25— 2,50, Rose» 0,00. weiße 2,25— 2,50, Salalkartoffcln 6,00—7,00. Spinat per 100 Pfunb 25—30. Karotten per 100 Psmid 15—18. Sellerie, hiesige, per Schock 4,00—8,00, do. pommersche 9,00—12,00. Zwiebeln große, per 100 Psd. 4,00—4,50, do. kleine 8,00—3,50. do. hiesige(Perl-) 0,00. Charlotten 0.00. Petersilie, grün, Schockbund 1,50—2,00. Kohlrabi per Schock 0,00. Rettig, bavr., per Schock 2.40— 4,80. Mohrrüben per 100 Pfund 3,50— 4,50. Teltower Rüben per 100 Psd. 8—10. Weiße Rüben, große 0,00, kleine 0,00, Rote Rüben 3,00—4,00. Blumenkohl itah per Korb 2,25—2,75. Kohlrüben per Schock 2,00—2,50. Wirsingkohl per 100 Pfd. 3,00-4.25. Rotkohl per 100 Psd. 3,00-5,00. Weißkohl 100 Pfd. 2,00—3,50, Rosenkohl per 100 Psd. 14-16. Grünkohl per 100 Pjd. 5,00—7,00. Rhabarber 100 Bd. 7,00—10,00. Birnen, per 100 Psd. hiesige 0,00, Böhm. 10—20, ital. 30—35. Aepsel, per 100 Psd., hiesige 5—25, Gravensteiner 0,00. Tiroler in Fässern 0,00. Kiste 30— 60, älmcrif. 26—38. Zitronen. Mcssina, 300 Stück 8,50— 9,00, 360 Stück 8,50—9,00, 200 Stück 9—13. Apfelsinen, Jaffa, per Kiste 0,00, Murcia 200« 51iste 7—10, do. 300« 8—11, Valencia 420« Kiste 13— 24,00, do. 714 er 17—23,50, Messina. 160«. 9—13.00, do. 200« 8,50—12,00, do.300« 9-14, Blut» 100« 7—9. do. 150 er 7,50-9,50. do. 80« 7—10. Ital. in Körben per 100 Psd. 0,00. Mandarinen, Kiste 0,75—2,00, do. in Körben per 100 Psd. 32-35. Wittcrniigvabcr ficht vom 6. März lt>t»7, morgens« Uh». Slotionen sS Z-a c 5«i §=■ £ 3 E 5 Ii Vetter Swinemde. 764SSO Hamburg!76?SSW Berlin 765 SSO Frankf.luM. 7S5SW München!769SW Wie»! 771 Still gwolkenl 2 wolkig 2 wölken! 2 bedeckt 2 heiter wolkenl—3 a»£ Ü« Z? H S» — 0 1 1 3 1 Stationen st s= rt o N— = 5 SS Haparanda 1 746 SS PeierSbnrgl765W Scilly 766 NNO Werdern 762 SW Paris 763SSW Vetter | C 3 Leiter 1, wolkenl 4wolkig 2 wolkenl 1 bedeckt ei » P fivi -2 —4 7 2 4 SBetter-Prognofe für Donnerstag, de» 7. März 1S07. Zunächst etwas wärmer, ziemlich trübe mit geringen Niederschlägen und mäßigen westlichen Winden; später wieder ausllarend und etwas kühl«. Berliner Aelterdureau. Wasierstaud am 6. März. Elbe Bei Aussig— Met«, be! Dresden— 59 dp.— Elbe Bei Magdeburg 2,49 Meter,— Elb» Bei Straußsurt— Meter.— Oder bei Rattbor 1,25 Met«. Oder bei Breslau Oberpegel— 0,56 Met«.— Neißemündung 1,46 Met«. O b e x bei vrieg 2.4o Mier.-.. J Verantwortlicher Nedatteur: HanS Weber. Berlin, Ur»M Inseratenteil vermitw.: Th. Glocke, Berlin. Druck«. Verlag: Dorivärt» Luchdruckerer a. VerlagScwftalt Paul Singer'& Co., Berlin SW, Nr. 56. 24. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Gerichts- Zeitung. Rücksichtslosigkeit gegen Leben und Gesundheit. Am Dienstag hatte das Reichsgericht über nicht weniger als 4 Revisionen zu verhandeln, die von Leuten eingelegt waren, deren Verhalten den Tod von Menschen herbeigeführt hatte. vornehmen lassen, Hummitsch war früher bereits einmal in ähn licher Weise verunglückt. Donnerstag, 7. März 1907. Jahre Gefängnis verurteilt worden ist. Der Schüler Frit Freund wurde wegen verschiedener Straftaten steckbrieflich verfolgt. Er Die beiden weiteren Fälle betrafen Fahrlässigkeit beim Fahren. hielt sich in der Wohnung der Mutter des Angeklagten Dröške verEinen Knaben totgefahren hat der Sandhändler Otto Hahmel, steckt. Hier unternehm Freund gegen den Angeklagten Dröske der seine Pferde durch Peitschenhiebe züchtigte und dadurch das einen Totschlagsversuch, indem er einen Revolver auf ihn abschoß. Ueberfahren eines Knaben verschuldete. Das Landgericht Dresden Freund wurde am 18. September v. J. von der Straffammer wegen Der erste Fall betraf den Steinbruchsbefizer Max Richard hat ihn am 2. Oktober v. J. wegen fahrlässiger Tötung zu zwei versuchten Totschlags zu einem Jahre sechs Monaten Gefängnis verLungwis in Waldheim, den das Landgericht Chemnitz wegen fahr- Monaten Gefängnis verurteilt. urteilt. Dröste hatte in dieser Verhandlung unter dem Gide ausläffiger Tötung am 15. Oftober 1906 zu Gefängnisstrafe verurteilt Der Auszügler Martin Nolte in Ochshausen wurde am 17. Sep- gesagt, der Totschlagsversuch habe auf dem Boden des Hauses, in hatte. Am 13. Juni v. J. wurde in seinem Steinbruche ein Spreng- tember v. J. vom Landgericht Kassel wegen fahrlässiger Tötung dem er wohne, stattgefunden. Freund hatte nicht widersprochen loch gebohrt. Während und infolge des Schlagens mit dem Meißel seines Enkels zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Am 12. Mai 1906 und sich sofort mit dem Urteile einverstanden erklärt. Am nächsten in das Bohrloch fielen fortwährend überhängende Steine und fuhr er mit einem ruhigen Pferde auf der Leipzigerstraße auf den Tage ging Dröste zur Gerichtsschreiberei und widerrief seine Ausanderer Abraum von oben herab. Zwei Arbeiter zogen sich recht- dort befindlichen Bahnübergang zu. Eine einzelne Rokomotive fage, wobei er hervorhob, daß er nur deshalb über den Ort der zeitig zurück, aber ein dritter wurde von dem herabstürzenden Ab- läutete und pfiff. Der Angeklagte fuhr ruhig weiter und blickte vor Tat unrichtige Angaben gemacht habe, um seiner Mutter keine raum verschüttet und von den Steinen erschlagen. Hätte der An- sich hin in Gedanken versunken. Eine Frau rief dem Angeklagten Ungelegenheiten zu verursachen.( Diese fonnte wegen Begünstigung geklagte den Abraum 1½ Meter zurückwerfen und die Böschung aus einem Hause zu:" Mann, Mann, eine Maschine tommi!" Der angeklagt werden.) Nun schreibt§ 157,2 Str.-G.-B. vor, daß die schräger machen lassen, so würde der Unfall wahrscheinlich ver- Angeklagte hörte aber erst, als das Pferd schon auf den Schienen Strafe wegen Menicides bis auf ein Viertel ermäßigt werden mieden worden sein. Auch darin hat er fahrlässig gehandelt, daß er stand. Der Zugführer bremste sofort, aber Pferd samt Wagen kann, wenn der Aussagende die falsche Angabe zugunsten einer seine geeignete Person zur Leitung des Steinbruches angestellt hatte. wurden durch den Zusammenstoß die Böschung hinabgeschleudert. Berson, rücksichtlich welcher er die Aussage ablehnen durfte, erWegen gleichen Vergehens sind am 27. August v. J. vom Land- Dabei wurde dem kleinen Enkel des Angeklagten, der sich mit im stattet hat, ohne über sein Recht, die Aussage ablehnen zu dürfen, gericht Dresden der Baugeschäftsinhaber Adolf Spröffing in Lommatsch Wagen befunden hatte, der Kopf zerschmettert, so daß der Tod belehrt worden zu sein. Diese Bestimmung hielt die Straffammer und der Steinbruchsarbeiter Anton Karl Hummitsch zu je vier eintrat. im vorliegenden Falle nicht für anwendbar, weil die Mutter des Monaten Gefängnis verurteilt worden. H. leitet seit Jahren den Sämtliche Revisionen wurden vom Reichsgericht verworfen. Angeklagten hier nicht als Angeklagte in Frage käme. Auf die bon Sp. gepachteten Steinbruch. Am 26. Januar 1906 hatte der Revision des Angeklagten hob das Reichsgericht das Urteil wegen zu Steinbrecher B. ein von ihm gebohrtes Sprengloch mit Wasser ausEin Knabe wegen Meineides angeklagt. enger Auslegung des§ 157,2 Str.-G.-B. auf und verwies die Sache gespült. Dabei stand er auf einem Brette 1½ Meter über der zu beachtenswerten Erörterungen gab in der Verhandlung, die an die Straftammer zurück. Es sei durchaus nicht erforderlich, daß Steinbruchsohle. Unterdessen stürzten von oben 10 Meter Steine am Donnerstag vor dem Reichsgericht sich abspielte, der Prozeß die Person, zu deren gunsten die falsche Aussage erfolge, angeklagt herab, zertrümmerten das Gerüst und erschlugen B. Spröffig gegen den Schlofferlehrling Franz Dröske Anlaß, der am 8. Januar fei; es genüge für die Anwendung des§ 157,2, daß die Mutter hatte entgegen den Vorschriften den Abbau von unten nach oben ben der Straffammer in Brandenburg wegen Meineides zu einem des Angeklagten durch die Angabe der Wahrheit benachteiligt wurde. T Warenhaus Hermann Tietz LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ E Artikel zur Schneiderei Naturfischbein Taillenband Stück à 10 Meter Armblätter Tricot mit brauner Naturgummiplatte Tricot in hellem Gummi Blusenschutz waschbar 3 4 6 Grösse 2 Dtz. 2.20 2.60 3.10 5.40 Paar 19 22 27 48 Pf. Dtz. 2.25 2.70 3.45 Paar 20 23 30 Pf. Dtz. 2.75 3.30 3.90 Paar 25 30 35 Pf. Dtz. 1.00 1.30 Doppelt Tricot Paar 9 secunda 12 Pf. 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Hörsaal 8 Uhr: Dr. B. Donath: Fernschreiber und Fernsprecher. Residenz- Theater. Direktion Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Haben Sie nichts zu verzollen? Lorning. Die luftigen Beiber von Sonnabend, 9. März, Anf. 11 Uhr: Windsor. Wohltätigkeits- Nachtvorstellung Anjang 8 Uhr. Schiller 0. Baner- beater.) Haben Sie nichts zu verzollen? Die rote Nobe. Schiller Theater Charlottenburg. Der Staiserjäger. Schiller N.( Friedrich Bibelm. ftabtisches Theater). Die Erziehung zum Don Juan. Leffing. Mieze und Maria. Deften. Die lustige Bitwe. Berliner. Sherlod Holmes. Komische Oper. Zosca. Bentral. Der 8igeunerbaron. Neues Schauspielhaus. Herthas Hochzeit Kleines. Die Stralle. Neues. Meißner Borzellan. Residenz. Haben Sie nichts zu berzollen Luftspielhaus. Husarenfieber. Deutsch Amerikanisches. Troubadour. Thalia. Eine luftige Doppelehe. Luifen. Der Hüttenbefizer. Trianon. Fri. Josette Der meine Frau. Bernhard Rose. Sherlock Holmes. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Herrnfeld. 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März ringen: Eigemann( Rheinland) gegen Cazeaux( Frankreich). Anglio( Martinique) gegen Michand( Luxemburg). Zipps( Nordamerita) gegen Padoubny( Rußland). Der Hüttenbesitzer. Müller( Sübbeutschland) gegen Petersen( Dänemark). Anfang 8 Uhr. Morgen 8. 1. Male: Dorf und Stadt. Sonnabend 4 Uhr: Kindervorstellung ( fl. Preise). Bum 1. Male: May und Moriz. Abends 8 Uhr: Der lange Sterl Sonntag 3 Uhr: Der Hüttenbefizer. 8 Uhr: Dorf und Stadt. Montag: Der Erbe von Baskerville. DERMIARD ROSE THEATED ( Sr. Frankfurterstr. 132. Sherlock Holmes. Billettvorverkauf schon für 8 Tage von Wintergarten. Charlotte Biché. vorher ohne Vorverkaufsgebühr Apollo. Die 3 goldenen Jungfrauen. Bernhard Mörbit. Spezialitäten. Rafino. Nick Carter. Spezialitäten. Folies Caprice. 100 000 Gulden Mitgift. Im Inspektionszimmer. Palaft. Dante, Herr Frante. Spe zialitäten. Prater- Theater. Flotte Weiber. Figaro. Seelenretter. Geisterauto. Baris.( Anfang 8%, Uhr.) Walhalla. Die goldene Eva. Spezialitäten. Baffage. 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Metropol- Theater Abends 8 Uhr: Herthas Sochzeit. Der Teufel lacht dazu. Anfang 8 Uhr. Freitag: Gastspiel Josef Ratus: Das Fest des Sankt Matern. Der arme Narr. Der goldene Schlüssel. Anfang 8 Uhr. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender. Giampietro. Josephi. Rauchen überall gestattet.. Sonntag, 10. März, naohm. 3 Uhr: Meißner Porzellan. Auf in's Metropol Freitag: Meißner Porzellan. Sonnabend: Meißner Porzellan. Sonntag: Meißner Porzellan. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Die Kralle. Freitag zum 174. Male: idealer Gatte. Sonnabend: Die Stralle. Passage- Theater. 2. Monat. Täglich ausverkauft! Der größte Lacherfolg der Saison: sin{ ,, Mal was Anderes". Sonntag nachm. 3 Uhr: Nataft. Die Theims- Troupe Abends 8 Uhr: Die Kralle. Lortzing- Theater. Bellealliancestr. 7/8. Donnerstag, den 7. März, 7 Uhr: Die lustigen Weiber v. Windsor. 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Holland, Wilmersdorf, Holsteinische straße. Rohrlad, Schöneberg, Grunewaldstraße 58. Bauten der Firma Kussin: Charlottenburg, Kaiser- Allee 203. Grünfeld, Sächsischestraße 4. Bandmann, Landshuterstraße. Hochschule, Barbarossaplaz. Bauten der Firma Walter, Reinickendorf: Gemeindeschule, Reinidendorf. Sprengel und Samoaſtraße- Ede. Hausotter und Residenzstraße- Ede. Bauten der Firma Karl Hammer, Gitschiner Straße 63: Tropfte, Wannsee, Alsenstr. 33. Hammer, Eichwalde. Hammer, Lankwik. Bauten der Firma Maaß: Tegelerstr. 6, Bau Körling. Groffe, Marienfelde, Kirchstraße. Bauten der Firma Henke, Mariendorf: Mette, Mariendorf, Dorfstraße. Erdmann, Mariendorf, Chausseestr. Tempelhof, Fensterbauten, Schönburgstraße. Bauten der Firma Wolf: Fürstenhof, Potsdamer Platz. Halensee, Hertaftr. 18. Buch, Heilstätte. Bauten der Firma Kuhnert& Kühnet Raft, Schöneberg, Barbarossa- Ede Landshuterstraße. Paulsen, Charlottenburg, Schlüterftraße. Damenheim, Aschaffenburgerstraße. Lehmann, Tiefbaugesellschaft, Dahlmann- und Gerbifiusftr.- Ede. Buchholz, Steglik, Albrecht- und Brüderstr. Ede. Dahlmann, Friedenau, Barziner. ftraße 7. Bau der Firma Jost, Glogauerstraße: Lindenstraße, Erweiterungsbau der Viktoria. Banten der Firma Dittmar, Pankow: Wollantstr. 117. Schönholzerstr. 1. Kaiser Friedrichstr. 63, Schule. Banten der Firma Altstädt, Lippehnerstr. 23: See- u. Malplaquetstraßen- Ede. Hufelandstr. 8. Weichselstraße 37. Bauten der Firma Schulenburg, Charlottenburg: Frantsen, Wangenheimftr.- Ede. Ueberholz, Kurfürstendamm. Banten der Firma Hegelmann: Bommel, Rigdorf, Kaiser Friedrichstraße 219-220. Schaum, Wilmersdorf, Kaiser Allee, Ede Wilhelmsaue. Schulz, Jungfernheide, Mindener straße. Böttcher, Borhagenerstr. 17. Bauten der Firma Braun: Müller, Rigdorf, WalterJuliusstraßen- Ede. bau. und Bau der Firma Schwarze, Nixdorf, Nogatstr. 25: Rigdorf, Emserstr. 32-34. Bau der Firma Holstein: Schule, Lichtenberg, Scharnweberftraße 22. Bau der Firma Schneider, Griebenowstraße: Bellermannstr. 84. Adalbertstr. 9. Uferftr. 13. Tegelerstr. 6/7. Dietrich, Genterstr. 65-67. Bauten der Firma F. Peschel & Söhne: Bertram, Schöneberg, Martin Luther ftraße 27. Seiler, Schöneberg, Ehlauerstr. 3 Baugesellschaft Warthe", Rirdorf Hermannstr. 32. Bau der Firma Muder, Schön- Bauten der Firma G. Bruns, hausen: Pankow, Schmidstr. 6. Bau der Firma Reuter, Steinmetstr. 24: Haumann, Müncheners, Ede Rosenheimerstraße. Müller, Rigdorf, Cranoldplak, Fenster- Bau der Firma Rachfall, Ra stanien- Allee 10: Schönhauser Allee, Ede Bornholmer ftraße. Bauten der Firma Grünberg, Markgrafendamm: Springer, Schöneberg, Luther- u. Freifingerstraßen- Ede. Rigdorf, Herrfurihplatz 8. Bauten der Firma Stellmacik Wilmersdorf, Düsseldorferstraße, an der Bayrischen Straße. Charlottenburg, Neue Kantstraße, Ede Dernburgstraße. Pankow, Spandauerstraße, Ede Kreuzstraße. Bauten der Firma Oehlschlägel: Laue, Charlottenburg, Uhlandstraße, Ede Steinplay. Leibnizstr. 46. Bau der Firma Scharwis: Stödel, Friedenau, Cranachstraße. Bau der Firma Weise, Moabit: Charlottenburg, Kaiser Friedrichstr.1. Rigdorf, Schudowerstraße 5. Werkstatt und Bauten der Firma Altendorf, Charlottenburg. Bau der Firma Seeger, Nieder Schönhausen, Bis: mardstr. 38: Tresdomstr. 67. Boppstraße: Misbherstr. 71/72, Geite. Schonenschestr. 3-4, Geile, Weißensee, Frisidestr. 3. Grünau, Jägerstr. 16, Baek. Lankwik, Kurfürsten- und Froben ftraßen- Ede, Köhler. Christet, Charlottenburg, Franklinftraße 18. Roscher, Schöneberg, am Bahnhofe Papestraße. Friedrichshagen, Friedrichstr. 114. Bauten der Firma Völker, Tempelhof. Graz, Bornholmerstraße, Ede Schön. hauser Allee. Hübner, Charlottenburg, Bismard, Ede Weimarerstraße. Villa Werner, Klein Glienide bei Potsdam. Paulsen, Schlüterstr. 33/34. Lehmann, Dahlmannstraße, Ede Garvinusstraße. Bau der Firma Mitsch, Bar Bauten der Firma Lindgren, nimftr. 22: Christburgerstr. 41. Höpfer u. Schwarzkopf, Schmargen- Bau der Firma Schrammer dorf, Ruhlaftr. 20/21. Bauten der Firma Röder& Comp.: Ede Schmalz, Malmöerstraße, Straße 2b. Tauroggenerstr. 2. Bauten der Firma C. Prächtel, gausiterfir. 10: Dahlem, Botanischer Garten. Charité- Krankenhaus. Birchow- Krankenhaus, Seestraße. Packhof, Alt- Moabit. Bauten der Firma Thal, Lehrterstr. 44: Fichtenberg, Stegliz, Friedrichstr. 6. Müllerstr. 52. Bauten derFirma Heinemann: Sophie Charlottenstraße, Ecke Knobelsdorffstraße. Krüger, Dernburgstraße. Lange, Rixdorf, Boddinstraße. Lange, Steglit, Forststraße. Rigdorf, Lahnstraße. Bauten der Firma Metz, Urban: straße: Tempelhof, Eylauerstraße. Steglit, Stubenrauchstraße. Bankow, Mendelstr. 18. Tegel, Spandauer-, Ece Bergstraße. Ban der Firma Herrgesell& Hübner, Wilhelmshavener. straße: Charlottenburg, Werner Siemensstr. Mommsenstr. 27. Dalldorferstr. 24. Bauten der Weißenseer Holzbearbeitungsfabrik G. m. b. H.: 9 Lohse, Wilmersdorf Friedenau, Ringbahnstr. 245. Busse u. Jensow, Schöneberg, Münchenerstr. 16. Knoblauch, Brig. Jahnstr. 82. Löwe, Sidingenstr. 54. Kronenstr. 33. Bandmann, Heilbronnerstr. 22. Weißensee, Frifideftr. 3. Bauten der Firma Pätz, Reichenbergerstr. 114: Fischer u. Colberg, Rigdorf, Bergu. Walterstraßen- Ede. Förster, Rigdorf, Treptower- und Harzerstraßen- Ede. Weise, NW., Elberfelderstr. 4/5. Bauten der Firma Osten, Rigdorf: Magnus, Schönhauser Allee 134a, Bau der Firma Bauschke: Charlottenburg, Schillerstr. 11. Bauten der Firma Herrmann, Staligerstraße: Ausbau in Tegel, Beitstr. 16. Gasanstalt, Prenzlauer Allee, Direktionsgebäude und Gußröhrenlager. Bauten der Firma Strotthoff: Herold, Charlottenburg, Giesebrecht. straße 17. Reinidendorferstr. 95. Gutzeit, Ufer und Martin OpikStraßen- Ede. Bauten der Firma Noack, Hennigsdorferstraße: Giller, Nord- Ufer, zwischen Lynar ftraße und Ringbahn. Reinidendorferstr. 49. Bau der Firma Pohl& Sohn: Schoffow, Charlottenburg, Sybell straße 7-8. Bau der Firma Näthe, Stettinerstraße 27: Eide u. Schwarz, Schwedenstr. 5. Bill u. Jakob, Rigdorf, Donaustr. 114. Bauten der Firma Roloff: Mohrenhof, Friedrich-, Ede Mohrenftraße. Schivelbeinerstr. 7. Winsstr. 17. Banten der Firma L. Lassen: Demme, Urbanstr. 94. Schmadide, Elberfelder- und Dort munderstraßen- Ede. Blankenfeld, Müllerstr. 152. Lassen u. Brefinsky, Borhagen. Ban der Firma Hoffmann, Wollinerstr. 27a: Gleimftr. 46/47. Redakteurgesuch. Zur Ertpeiterung der Redaktion der Münchener Post" suchen wir 40672* 1 Redakteur für den politischen und sozialpolitischen Teil, 1 Redakteur für den lokalen Teil. Stenner bayerischer und Münchener Berhältnisse werden bevorzugt. Der Eintritt soll sofort erfolgen. Anerbieten an den Vorsitzenden der Preßkommission S. Breitenbach, Tal 12, München. in Rigdorf. Hedemann, Inn- u. DonaustraßenEde. Bau der Firma Krause in Rixdorf: Rudolf u. Lempke, Mariendorf, Feldstr. 65. Bauten der Firma Gustrau, Rigdorf: Stier, Dber- Schöneweide, Edisonftraße 40. Bauten der Firma Gebr. Ruge, Cadinerstraße: Ruwald, Romintenerstr., a. d. Kirche. Mühlhaase, Treptow, Kiefholzstr.Ecke Bouchéstraße. Coteniusstr. 5. Bech, Huttenstraße. Bau der Firma Harms: Pettenkoferstr. 28. Ban der Firma Klempau Nachfl. Waisenhaus in Berneuchen. Bauten der Vereinigten Bautischler aus Riet bei Treuen briezen. Albrecht, Schöneberg, Barbarossastr. Bölker, Jablonskiftr. 12/13. Sentinger, Hochstraße. Prehn, Lisztstraße. Bornholmerstraße. Prenzlauer Allee, Ede Chodowidistr. Treppengeländerbrandhe. Bauten der Firma Schmidt& Co., Schönhauser Allee: Wilmersdorf, Kaiser- Allee u. Sieglindestr.- Ecke. Schöneberg, Pragerftr. 15. Brüll u. Schmidt, Charlottenburg, Dernburgstraße. Quak, Charlottenburg, Duaß, straße 56/57. Sybel Brode, Charlottenburg, Dahlmann straße. Frib, Charlottenburg, Niebuhrstr. 77. Herbst, Schöneberg, Bambergerstr. Beiser, Schöneberg, Münchenerstr. 14. Bosse, Pariserstr. 38. Bau der Firma Hundt, Grimmstraße: Keller, Jägerstr. 63. Maaß, Lizenburgerstraße, Ede Pfalzburgerstraße. Beitscher, Kurfürstendamm 144. Hausherr, Stegliz, Hubertusstraße, Ede Schloßstraße. Steglitz, Ahornstr. 12, Ausbau. Rutter, Zehlendorf, Scharfeste. 4. Scheuren, Zehlendorf, Milinowski straße. Haase, Zehlendorf, Riemeisterstraße. Bastian u. Kabelik, Zehlendorf, Riemeisterstraße. Postbau, Niederschönhausen, Tres. tomstraße 67. Bauten der Firma Pasch, Pfarrstraße 35: Buggenhagen, Lichtenberg, Pfarr straße 5. Burr, Simon Dachstraße. Karlshorst, Prinz Oskarstraße. Urbanstr. 3. Rummelsburg, Wilhelmstr. 3/4. Höselt u. Seifert, Karlshorst. Wolf, Nieder- Schöneweide. Schwindt, Charlottenburg, Ger binusstr. 3. Grothe, Mariendorf, Dorfstr.- Ede. Bau der Firma Stahl, Kur fürstenstraße 37: Ueberholz, Kurfürstendamm 170. Westendorf, Steglig, Miquelstr. 31. Bröter, Schöneberg, Hauptstr. 88/89. Bauten der Firma Geißler, Dieffenbachstraße: Groterjahn, Schönhauser- Allee 129. Supte, Schlüterstraße, Ede Liegenburgerstraße. Burgall u. Martin, Faldensteinftraße 49. Rottbuserdamm 87. Friedenau, Stubenrauchstr. 12. Edert u. Denneberg, Bödiderstr. 8. Peiser, Schöneberg, Münchenerstr.14. Mattner, Friedenau, Isoldeftr. 6. Menge, Pariserstr., Ede Sächsischestr. Bornholmerstr. 4. Nölte, Heilbronnerstr. 17. Heilbronnerstr. 22. Bödikerstr. 8. Rigdorf: Razmann, Brüdenstr. 2. Wüzler, Rigdorf, Bergstr. 112. Müller, liusstraßen- Ede. Wipperstr. 25. Walter und Ju Löwe, Gewehrfabrik, Wittenau. Altes Kriminalgericht, Moabit. Wilde, Böhmischestraße, Ede Schu domastraße. Bauten der Firma Jensen & Wodrich: Samoaſtr. 2, 3, 20, Bau Müller. Prinz Regentenstr. 116, Bau Last. Bauten der Firma Marzahn, Bergmannstraße: " Lorenz Repfe, Sybelstr. 47. Karl Schmidt, Helmstädterstr. 2. Brinzessinnenstr. 18. Wilhelmstr. 45/46. Gewerkschaftshaus d. Metallarbeiter, Charitéstraße 3. Fröhlich u. Ludwig, Grolmanstr., Ede Bismardstraße. Bauten der Firma Grieser, Steglitz, Heesestraße: Lamprecht, Stegliz, Schöneberger firage 10-11. Sinnig, Pankow, Schulzestraße. Swoboda, Steglitz, Grunewaldstr. 28. Willardt, Steglit, Zimmermannstr.12 Krüger, Lichterfelde, Chauffeestraße Ede Stegligerstraße. Bauten der Firma Heinrich, Steglitz, Plantagenstr. 19: Sinnig, Stegliz, Martinstr. 5. Sinnig, Stegliz, Albrechtstr. 107. Suchland, Stegliz, Südendeftraße. Willardt, Stegliz, Zimmermann ftraße 12/13. Klitscher u. Altring, Friedenau, Wilhelmstr. 2/3. " Bauten der Firma Meinhardt, Dennewitzstraße: Schönebergerstr. 27. Wilmersdorf, Hildegardstr. 25. Livländischeftr. 11. Bauten der Firma Vogt, Köpenickerstr. 54: Charlottenburg, Kaiser Friedrich Ede Scharnstraße. Mette, Mariendorf, Dorfstraße. Hirschfelder, Rigdorf, Juliusstr. 38/39, Bauten der Firma Engel, Uferstr. 5. Saalmann, Schwedenstraße. Maaß, Dortmunderstraße. Lehmann, Boigtstraße. Bauten der Firma Finkendei, Groß- Lichterfelde. Bernide, Stegliz, Berlinideftr. 5. Hausherr, Groß- Lichterfelde, Ringstraße, Ede Dührerstraße. Bau der Firma Brandenburg, Wilhelmftr. 124: Bonifaciusgemeinde, Yortstr. 87/88. Schilling, Köpeniderstr. 27. Löffler, Krefelderstr. 8a u. 9. Hemrizi, Charlottenburg, Suarez ftraße 13. Köpenickerstr. 27. Bauten der Firma Vogt& Söhne, Stendalerstr. 6: Echtermayer, Driesenerstraße, Ede Stolpischestraße. Bau- und Sparverein Westend. Bommel Rixdorf, Kaiser Friedrich. straße 219/220. Hartmann, Cornely, Stubenrauchstraße. Friedenau, Thiele, Wilmersdorf, Nassauische ftraße. Herms, Pankow, Schmidtstraße. Bauten der Firma Lütjen& Bruns, Greifswalderstraße: Hubracht, Dahlmann Ede Sybel straße. Roppen, Pankow, Bollantstr. 97. Balentus, Charlottenburg, Clause wigstr. 7. Banten der Firma Fröbe, Hollmannstraße. Chodowidistraße. Lichtenberg, Doffeftr. 4. Ueberholz, Kurfürstendamm 168/169, Bauten der Firma Sichter. mann, Schmargendorf: John, Wilmersdorf. Berlinerstr. 33. Bumplum, Steglit, Schloßftr. 32. Bumplun, Charlottenburg, Suarezftraße 3. Wegen Streit und Differenzen find gesperrt: Bauten der Firma Törmer gar Vergolder: Scharlau: Gr. Frankfurterstr. 126. Schmidt, Pasteurstr. 35. & Für Ni dorf, Weichselstr. 48/49. Wilmersdorf, Staiser- Allee 202. Ropeniderstr. 71. Martin Opitstr. 1. Gottschaltstr., Ede Martin Opitstr. Scharnite, Reinickendorf, Dranienburger hauffee. 3. C. Pfaff, 8eughofftraße. Für Bodenleger: Lug, Neue Kant- und Dernburg. ftraßen- Ede. Bau Kottbuserdamm 81. Buzug ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Enseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW.