Kr. 61. RNBwnenti'Bcdlttsiiiwii; •lonnein ents> Preis vrünumeranlo Bietleliälcl. 3,30 m., monotl. l.lO m, wScheuINch 28 Pfg, frei in 5 Haus. Einzelne Nummer k Plg, EanniagS. emnuner mil illufirierier EonniagS. Beilage.Die Neue Seit" 10 Pfp. Pofl. ■Sonnerncnt: 1,10 Marl pro Monat. «mgetragen in die Poil-ZeitunaS. BreiSIisle. Unter Jhroiijbanb lür Deulfchland und Oeslerreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland « Marl pro Monal, PastabonnemeniS nehmen an: Belgien, Dänemarl, " olland, Iialien. Luxemburg, Poriugal, —'"lien, Schweden und die Schweis. S4. Iahrg« «ch««»glich Dgl!» MsolZg«. Vevlinev Volksblcrtt. die lnlerNons-eedM lelrigi für die sechSgespaliene«alonei- geile Oder deren Raum 50 Big., für polilische und gewerkschasliiche Derein'- und BerlammlungS-ilnzeigen ZO Plg. „Uleine Anreisen", das erste stell- gedruckte) War! 20 Pfg„ jedes weitere Wort 10 Psg, Slellengelnche und Schlafstellen Anzeigen da- erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Plg, Worte über 15 Büchilaben zählen für zwei Worte, Jnjeraie für die nächste stummer muffen diS S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden, Die Ezpeditim if biS 7 Uhr abends geriiinet, Zlelegramin-Adreffe: „SKisldtnfkrjt BirtU". Zcntralorgan der rozialdcrnokratfrchcn Partei Deutfchlands. Redaktion: 8Al. 68, Lindenstrasoc 69. Sfeniilircelif*;«ml IV. Mr. I98S. Expedition: SOI. 68, Lindenstrasse 69. SJcntitiredier; Siml IV. 92t. 1984. Zum Parteitag der ungarische« Sozialdemokratie. AuS Budapest wird uns geschrieben: Der Parteitag der ungarischen Sozialdemokratie ist zum 31. März nach Budapest berufen. Er wird in einer Zeit hoch gradiger ökonomischer und politischer Spannung tagen und dementsprechend Aufgaben zu lösen haben, die für die Zukunft der Partei von entscheidender Bedeutung sind. Auf der vor läufigen Tagesordnung stehen aufier den Berichten der Partei leitung die Stellungnahme der Partei zur„Sozialpolitik" der Regierung(worunter der Versuch zur Erdrosselung der Krankenkassen und zur Vernichtung der Strcikfreiheit zu ver- stehen ist), die Fragen der Partciagitation, der Parteipresse, die Aufgaben der Kommunalpolitik und der internationale Kongreß. Als dritter Punkt der Tagesordnung ist der in ein entscheidendes Stadium getretene Kampf um das in Oester- reich bereits verwirklichte allgemeine Wahlrecht in das Programm des Parteitages aufgenommen. Die allgemeine Stimmung läßt erwarten, daß sich die Tätigkeit des Kongresses diesem Punkte in hervorragender Weise zu- wenden wird. Es wird seine Aufgabe sein, dem Wahlrechtskampfe des ungarischen Proletariates neue Wege zu bahnen, denn die alten Wege sind angesichts der äußersten Verschärfung der ökonomischen Gegensätze und der rapiden Wandlung der politischen Lage untauglich geworden. Die Existenz der ver- slossencn Regierung Fejervary beruhte auf dem Vertrauen der Massen, die von dieser Regierung die zugesagte Ver wirklichung des allgemeinen Wahlrechts erwarteten, ohne die cL kaum möglich schien, den zwischen Krone und Parlament ausgekrochenen Konflikt zu beseitigen. Jedoch— es kam nicht dazu. Die Magnatenrevolte beugte sich vor der bloßen Gefahr der Wahlrechtsreform und trat, mit den früher an gefeindeten Intentionen der Krone beladen, wohl auch mit der Verpflichtung. eine weitgehende Wahlrcfonn durch zuführen, das Erbe Fejervarys an. Seitdem ist es die einzige Sorge der zur Regierung gelangten Koalition, in der der Großgrundbesitz unbedingt dominiert, sich um die Verwirklichung des allgemeinen Wahlrechts herum zudrücken. Das nach oben unbedingt demonstrativ servile Kabinett Wckerle ist gern bereit, jeden Preis für eine solche Möglichkeit zu bezahlen, und es wird unbedenklich eine Ver- längerung der Zollgemeinschaft mit Oesterreich gewähren, wird doch damit die Gunst der dem Gcsamtreiche zustrebenden Krone erworben und dem ungarischen Großgrundbesitz ein Absatzgebiet erhalten. In dieser Umarmung aber von Krone und Koalition mutz das allgemeine Wahlrecht er- sticken. Das ungarische Proletariat kann demzufolge heute weder auf die„Wünsche" der Krone, noch auf die Ver- pflichtung der Regierung bauen, es steht wieder am Anfang seiner Kämpfe und zwar auf sich selbst angewiesen da. Die Möglichkeit einer günstigen Spaltung der bürgerlichen Parteien ist allmählich geschwunden, die an einer Zolltrcnnungspolitik interessierte industrielle Opposition zählt nur wenige Kämpfer und ist durch die Regierung total korrumpiert, die bürgerliche Nationalitätcnbcwegung aber, deren parlamentarische Existenz vom Siege des Wahlrechtskampfcs abhängig ist, unterliegt der brutalen Gewalt des brotneidischen panmagyanschen Beamten adels. Allein die klassenbewußte Arbeiterschaft kann und muß den begonnenen Kampf ums Recht zu Ende führen. Der Parteitag wird also die Taktik der Partei, die auf Unterstützung der ivahlrechtsfteundlichen bürgerlichen Parteien beruhte, einer Revision unterziehen müssen, denn es existiert heute in Ungarn keine einzige bürgerliche Partei, kein einziger Faktor der bürgerlichen Politik, der die Forderung des all- genieincn Wahlrechts mit entscheidender Kraft vertreten könnte. Der Kongreß wird voraussichtlich auf den Beschluß vom Jahre 1905 zurückgreifen müssen, der in ähnlicher Situation den Parteivorstand anwies,„den politischen Massenstreik vor- zubereiten und im entscheidenden Moment des Kampfes wirksam zu machen". Die vorgeschrittene Verelendung des ungarischen Proletariats, speziell der Landarbeiterschaft, wird diesem politischen Beschluß die weiteste ökonomische Unterlage bieten. Die Verelendung eines großen Teiles der Landes- bewohncrschaft, der Landarbeiter, ist an der äußersten Grenze angelangt. Bei einem Jahreseinkommen von 150—200 Kronen schmachten fünf Millionen Landarbeiter in verfallenen Hütten in des Wortes wahrster Bedeutung bei schlechtem Wasser und schlechtem Brot. Trotz des infamen Ausnahmegesetzes, das die Ausübung des Koalitionsrechtes und die Arbeitseinstellung mit schweren Gefängnisstrafen belegt, drängte bereits im ver- gangenen Jahre die ungeheure Not Zehntausende von u n- organisierten Landarbeitern in den Streik und heute hallt der Ruf der Empörung durch das ganze Land— lauter denn je. Die rapide Ausbreitung des Großgrundbesitzes treibt jährlich tausende ihres Besitzes Beraubte von der Scholle und die industrieloscn Städte bieten ihnen keine Herberge; der einzige Ausweg aber, die Auswanderung nach Amerika bedingt den Besitz der für ungarische Verhältnisse horrenden Reise- kosten, die für die große Masse der total Verarmten un- erschwinglich sind. Dazu kommt die ticke Verschuldung des ungarischen Grundbesitzes in Bewacht, die jedes dritte Joch Bodens bis zu seinem vollen Werte belastet. Man wird daher begreiflich finden, daß die nationale Presse und das Junker- Parlament in heulender Wut die nackte Geivalt reklainieren, um der elementaren Lohnbewegung der Landarbeiter überhaupt entgegentreten zu können. Die Umwandlung der koalierten Parteien in eine einheitliche, absolut konservative Gewaltspartei erklärt sich zum großen Teile aus der Furcht, die die hereinbrechende Hungcrrcvvlte des Landarbeiter- Proletariats der regierenden Klasse einflößt. Die brutale Gewalt wird die Lohnbewegung der Land- arbeiter nicht unterdrücken, denn diese Bewegung ist der elementare Kampf hungernder Millionen, die an der menschlichen Grenze des Leidens angekommen sind. Der Land- arbeiterverband zählt rund 50000 Mitglieder, also kaum 10 Prozent der gesamten Landarbeiterschaft, doch jahrelang wogte der Kampf der Massen total unorganisiert, aber dennoch durch die Natur der Landarbeit zeitlich zu- sammengefaßt und deshalb überwältigend. Für Ungarn bedeutet ein Landarbeiterstreik überdies die Lahmlegung der industriellen Produktion, denn das gemeinsame Zollgebiet be- schränkt den Absatz der immerhin spärlich vorhandenen Industrie auf den heimischen Markt, dessen Kaufkraft wieder das landtvirtschaftliche Einkommen bestimmt. Die entscheidende Bewegung der ungarischen Landarbeitcrschaft wird angesichts der bornierten wildwütigen Raublust der regierenden Feudalen die schärfsten Formen annehmen müssen. Diese Bewegung zu disziplinieren, die Kräfte der Partei der schleunigen Organisation der Masse der Unorganisierten zuzuführen, ist die schwere und verantwortungsvolle Aufgabe der ungarischen Sozialdemokratie. Es wird die Aufgabe der Partei sein, die hereinbrechende Bewegung den politischen Zielen der Partei, dem Emanzipationskampse des ungarischen Prole- tariats dienstbar zu machen. In diesem Sinne kann man sagen, daß der zusammentretende Kongreß nicht vor die Frage der Inszenierung eines politischen Massenstreiks gestellt ist, sondern vor die Frage der Führung eines unvermeidlichen ökonomischen Massenstreiks, der in den Augen der Herrschenden längst zur„nationalen Kalamität" geworden und von ihr mit politischen Mitteln bekämpft tvird. Die ungarische sozialdemokratische Partei ist eine aus schließlich gewerkschaftliche Organisation, die nur in ihren Spitzen die Formen einer politischen, zusammenfassenden Organisation annimmt. Umso entschlossener muß sie den nahenden Kanipf zum Siege führen, in dem sie das parlamentarische Wahlrecht zur Sicherung des Koalitious rechtes erkämpfen muß. das eben jetzt den heftigsten Angriffen ausgesetzt ist. Der Parteikongreß wird unter den: Eindrucke der gewaltigen Aufgabe stehen, vor die die geschichtliche Eni Wickelung die Partei gestellt hat und es steht zu hoffen, daß persönlicher Streit der gebieterischen Notwendigkeit der ent scheidenden Stunde weichen wird. Die russische Revolution. Die Lage. Die Petersburger Telegraphen-Agentur erklärt die auswärts verbreiteten Gerüchte über eine bevorstehende Auflösung der Reichs- irnma für„völlig aus der Luft ge griff eu". Das Dementi ist von sehr geringem Wert. Die Regievung bereitet sich jedenfalls auf allerlei Eventualitäten vor,-wie folgende Meldung zeigt: � Petersburg, 12. März. Der KricgSminister, der dem gestrigen Ministerrate beiwohnte, verfaßte eine g e h e i ut e Zirkularnote, welche vom Gouverneur von Petersburg an die Behörden versandt wurde. Diese sollen sich danach im Falle von Unruhen mit den Militärbehörden einigen und eine sofortige teilweise Mobilmachung veranlaflen. Die nächste Dumasitzung findet morgen statt. S t 0 l h p i n wird darin zunächst dte Regierungserklärung verlesen und dann die sofortige Beratung des Budgets bc- antragen. Der Führer der schwarzen Bande an der Arbeit. Die„Russische Correspondenz"� erhält das nach- stehende Telegramm: Odessa, 12. März. Di- Befürchtungen wegen Pogrottte wachsen im ganzen Süden. Anlaß bietet die Agitation der-echt russischen Leute uttb Ausführung des A-ischinewcr Blattes„Drug". Genannte Zeitung veröffentlicht ein langes Telegramm Keusche w ans aus Petersburg an- läßlich der bogonnenen MandatSprüfungcn und der bevorstehenden Kassierung seiner Wahl. Kruschewan schließt sein Telegramm, in dem die Duma, ihre Mitglieder und ihr Präsidium in heftigster Weise beschimpft werden, folgendermaßen:„Man hat-beabsichtigt, uns. namentlich mich, aus der Reihe der Dumamitglicdcr zu streichen. Die jüdische Presse verhöhnt uns; angesichts der recht- mäßigen Wahlen erachte ich solche Vergewaltigung eines VolkSver- trctcrs seitens parlamentarischen Lumpengesindels als Frechheit und Verhöhnung-des Volkes. Es darf nicht mehr geduldet werden, was jetzt geschieht. Ich ersuche die cchtrussischen Leute bereit zu sein, das von schmutzigen Parasiten niedergetretene VolkSrccht zu ver- teidigcn." In K i s ch i n e w hegt mem in steigendem Grade die Besorgnis, daß Pogrome die Folge solcher Aufreizung sein werden. Die Sozialdemokratie und die linken Parteien in der Duma. Die Frage des„linken Blocks"(d. h. des Blocks aller Parteien, die„linker" sind als die K.-D.) hat bereits während der Wahl- kampagne eine hervorragende Stelle in den Preß- und Partei- debattcn eingenommen. Von mancher Seite wird jetzt das Per- langen laut, diese Verbindung der linken Parteien, die vielerorts während der Wahlen stattgefunden hat, auch in der Duma aufrecht zu erhalten und dadurch ihrem linken Flügel größeren Einfluß auf den Gang der Dumaarbeit zu sichern. Diesem gewiß von den besten Absichten hervorgerufenen Wunsch nach einer dauernden, durch gemeinschaftliche Disziplin geeinten Verbindung aller revolutionären und sozialistischen Parteien fehlt aber jede reale Grundlage. Er ist geradezu unerfüllbar, weil er auf der Voraus- setzung beruht, daß die dem Block beitretenden Parteien, besonders die sozialistischen, im Namen der Einigkeit und Disziplin bis zu einem gewissen Grade auf ihr Programm, auf ihre Taktik, kurz auf ihre eigene politische Physiognomie verzichten müßten! Es ist überdies schlechthin unmöglich, für die so verschiedenartigen Elemente, wie z. B. Sozialdemokraten und Sozialrevolutionäre oder Trudowiki und» einfache„Linke", einen gemeinsamen Boden zu finden, auf dem sie alle in Eintracht nebeneinander arbeiten könnten. Es genügt, als Beispiel die tiefgehenden Gegensätze zu erwähnen, die zwischen diesen Parteien im Kardinalpunkt der russischen Revolution— der Agrarfrage— bestehen? Selbst wenn uian annimmt, daß trotz aller angedeuteten Schwierigkeiten der linke Block schließlich doch zustande käme, er würde in der kürzesten Zeit an feinen inneren Widersprüchen zu- gründe gehen. Der Zusammenbruch des linken Blocks würde aber von allen Feinden der Revolution— von den Reptilien der „Rossija" und Rowojc Wrcmja" bis tief in die Reihen der Kadetten hinein— weidlich zur Diskreditierung der revolutionären Par- teien ausgeschlachtet werden und so tatsächlich der revolutionären Sache zum Schaden gereichen. Von allen diesen Erwägungen ausgehend, hat sich die sozial- demokratische Dumafrattion entschieden geweigert, in irgend welche dauernde Verbindungen mit den übrigen linken Parteien zu treten. Gestützt ans ihre Grundsätze, will die russische Sozial- demokrgtie von Fall zu Fall frei darüber zu entscheiden haben, ob die Interessen des Proletariats und der Volksfreiheit, zu deren Eroberung sie in die Dmna eingezogen ist, ein Zusammen- gehen mit den übrigen linken Parteien(eventuell selbst mit den Kadetten) erfordern.> Bespitzelung der Tuma-Abgeordueten. Ter„Russ. Kurier" meldet: Aus besondere Anordnung S t 0 lhp i n s wird momentan eine größere Abteilung tüchtiger Kriminalbeamten formiert, deren Ausgabe ist, die Reichs d-uma- Mitglieder zu beobachten und über ihre Tätigkeit, Verkehr usw. genau Buch zu führen. Die Rigacr Folterkammer. Petersburg, 9. März(Eig. Wer.) Im„Vorwärts" ist wiederholt die Rede gewesen von den Miß- Handlungen der politischen Verhasteten in Riga, woraufhin bürget- liche Blätter(„Vossische Zeitung" usw.) toicdcr einmal Gclegcnhci! nahmen, ihre Katzenbuckclei vor dem russischen Polizeidcpartcmeiit zu manifestieren, das sie eifrig in Schutz nahmen. Nun ist aber heute morgen in der russischen Presse eine osfiziSsc Bekannt- machung erschienen, die das Bestehen einer Folterkammer in der politischen Polizei Rigas unumwunden zugibt! Wohl ist das Polizeidcpartement bestrebt, die Brutalitäten der Rigaer politischen Abteilung zu„erklären", es leugnet aber nicht, daß schwere Miß» Handlungen der Eingekerkerten zur Erzwingung von Aussagen vorgekommen sind.. Dabei wird wohlweislich ein Eingehen auf die einzelnen Fälle vermieden, die gezeigt hätten, daß die Tortur in der politischen Abteilung der Rigaer Polizei ununterbrochen über ein Jahr und länger angedauert hat. Weiter erweist es sich, daß in der Verhörskmnmcr tatsächlich auch zwei Schränke mit Foltcrwerk- zeugen gestanden haben mit der lieblichen Aufschrift„M u s e u m". Die Agenten versicherten dem Direktor des Polizeidepartements, die in den Schränken vorgefundenen Gumtnischläuche, Stöcke, Nägel, Hämmer, Stricke usw. seien— den Verhafteten abgenommen worden und würden in den Schränken nur als„Museumsobjckte" aufbewahrt! Der Direktor des Polizeidepartements wußte aber sehr gut, tvas er von diesen Erzählungen zu halten hat und er verfügte die Entfernung der beiden Schränke. Woher nun plötzlich diese Besorgnis dcL Polizeidirektor- Trusewitsch, der selber als ProkuratorSgehülfe für politische Angelegenheiten in Riga nicht wenig zur Organisation der Folter- kammer beigetragen und sehr gut gewußt hat, was dort die ganze Zeit über vor sich ging? Daraus gibt die Mitteilung ebenfalls Antwort: Es ist die Presse, die russische sowohl als auch die auswärtige, besonders die englische, die das Polizeidepartemeut gezwungen hat, jetzt so zu tun. als ob es die Henkerpraktik seiner Rigaer Agenten verurteile. Zum Schluß macht die Mitteilung bekannt, daß zur allseitigen und abschließenden Klärung der bc- gangenen Verbrechen auf Grund des Rapports des PolizeidircktorS durch Verfügung des Ministers des Innern eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet werde. Hat sich die hohe Polizciburcau- kratie zu diesem Schritt entschließen müssen, so ist das eben ein Beweis, daß in Riga Missetaten vorgekommen sind„ über die selbst das russische Polizeidepartemeut nicht hinwegsehen kann— wohl aber die deutsche bürgerliche Presse.— politische debersicbt. Berlin, den 12. März 1907. Abschluß der Kolonialdebatte. Es kam dem Hottentottenblock heute überraschend, dos; Genosse Bebel zur dritten Lesung des kiolonialimchtragS- etats das Wort ergriff und noch einmal Kritik übte an dem Tanitam, der vor der Auflösung des Reichstages gc- schlagen worden ist. Die Ausschlachtung eines Zitats aus seinem Buche: Die Frau und der Sozialismus— durch den Kolonialdircktor Dcrnburg wies Bebel als eine unberechtigte. nur durch eine Verdrehung mögliche nach. Daun aber kon- statierte Bebel aus der Denkschrift der Ansiedlungsgesell- schaft für Südwestafrika, daß die Darstellungen Dernburgs über die Fruchtbarkeit und Erkragsfähigkeit der Kolonie höchst übertriebene, nur Wahlztvecken dienende waren. Scharf verurteilte Bebel die Machenschaften, die auf kriegerische Wer- Wickelungen mit den Eingeborenen abzielten. Für seine Behauptungen führte Bebel unwiderlegliches Material vor, so daß der Kolonialdircktor Dernburg nur mit ein paar seichten Bemerkungen darauf zu antworten vermochte. Ten freisinnigen Kolonialschwärmern hielt Bebel ihre eigens Opposition gegen die Kolonialmißwirtschaft entgegen: so die Haltung Eugen N i ch t e r s, die Beschlüsse gegen die jtolonialpolitik auf dem freisinnigen Parteitage zu Wiesbaden, ferner auf dein Parteitag zu M ü n ch e n 19l16, Reden von K o p s ch usw. usw. Schließ- lich hält Bebel die Tatsache, daß die Finanzen des Reiches sich in der traurigsten Verfassung befinden, für ein Hemmnis des Kolonialeifers: die Bewilligungslust finde hier ihre Schranke. Zwischen dem Zentrumsabgeordncten de Witt und dem Nationalliberalen Paasche entstand ein Geplänkel über Wahlkniffe im Wahlkreise Kaiserslautern, bei dem Paasche nicht gut abschnitt, de Witt verlangte loyale Widerrufung der gegen das Zentrum behaupteten Dinge oder Beweis: beides gab Paasche nicht. Nach längerer Debatte, in die Genosse Ledebour noch scharf eingriff, wobei er einen unberechtigten Ordnungs- ruf von dem sich wichtig machenden Blockpräsidenten frei- sinniger Couleur Kämpf erhielt, wurde der NachtragsetaV in dritter Lesung von der Blockmehrheit bewilligt und dann' das Streitobjekt vom 13. Dezember 1906 aus der Welt ge- schafft. Uff!- Nunmehr wurden die Interpellationen wegen der Straf- Prozeßordnung zur Beratung gestellt. Für das Zentrum be- gründete der Abgeordnete Gröber, für die National- liberalen der Abgeordnete Heinze die Interpellationen, die dann vom Staatssekretär für das Reichsjustizamt N i c b e r- ding, in flacher, höchst unbefriedigender Weise beantwortet wurden. Ter Abschluß der Reform der Strafprozeßordnung sei wünschenswert, der Reichskanzler wolle diesen Abschluß: finanzielle Bedenken beständen nicht: die zwei Jahre Kom- missionsarbeit möchten nicht verloren sein-z- mit diesen und ähnlichen Redewendungen vertröstete der Staatssekretär das Haus. Nebenher machte er eiinge Andeutungen über den Charakter der Reformistelei, die unserem Genossen Stadt Hägen Veranlassung gab, die Frage einer gründ- lichen Reform unseres Justizwesens aufzurollen und eine Reihe von Forderungen zu stellen, deren Erfüllung allein imstande wären, das gesunkene Ansehen der Justiz zu heben. Stadthagen kritisierte vor allem die Art und Weise, wie der Staatssekretär Nieberding die reformerischen Ar- beiten hemmt und verschleppt. Er tadelte, daß der Reichs- tag sich immer mit den Vertröstungen abspeisen ließ und meinte, die Arbßiten der Kommission seien nicht tauglich. Scharfe Hiebe versetzte er den mittelalterlichen Privilegien der Staatsanwaltschaft. Weiter zeigte er, wie eine gute Justiz in Wirklichkeit aussehen müsse. Die Reform miisse beginnen bei der Voruntersuchung, die oft zur Marter und Peinigung ausarte, aber auch- bereits den Untcrsuchungs- richter vorbestimme, befangen mache und psychologisch be- cinflusse. Es sei eine Gefahr, die Beweisaufnahme in das Belieben des Richters zu stellen. Die Schäden der heutigen Justiz schilderte Stadthagen an den unglücklichen Opfern eines inquisitorischen Verfahrens, an den Klassenurteilen. Der Staatssekretär habe noch keine Zeit gefunden, eine Statistik über Verhaftungen Unschuldiger zu veranlassen, auch scheine ihm die Berufung gegen Schwurgerichte ein noli me tanxere zu sein. Zum Schluß appellierte er an das Haus, ganze Arbeit zu machen, nicht gefährliche Vor- schlüge einzutauschen gegen kleine Konzcssionen. Im bürger- lichen Staat werde freilich nie eine auf der Gerechtigkeit basierende Justiz zu erwarten sein.— Danach wurde die Beratung auf morgen vertagt.— Preußischer Landtag. Das Abgeordnetenhaus hat am Dienstag die zweite Beratung dcS Eiscnbahnetats bendet. Prinzipielle Fragen wuvden nicht mehr erörtert, im wesentlichen beschränkte sich die Debatte auf lokale Fragen. Unter anderem wurde, wie schon seit Jahren, von ver- schiedenen Berliner Abgeordneten lebhaft über die Mängel im Berliner Vorortverkehr, insbesondere über die Ucber- füllung an Sonn- und Feiertagen geklagt. Abhülfe versprach Herr Bveitenbach ebensowenig wie sein Vorsänger. Am Mittwoch findet keine Sitzung statt. Am Donnerstag beginnt die zweite Lesung Ides Kultusetats. Das Herrenhaus tritt am Mittwoch zusammen, um neben kleineren Vorlagen einen Antrag des ReichstagSpräsidenten Dr. Graf zu S t o l b e r g zu beraten, worin die Regierung um Bereitstellung von Mitteln zur Entschädigung derjenigen Haus- besitzcr in den Grenzlreisen ersucht wird, welche durch die im Interesse der heimischen Viehzucht getroffenen Sperrmaßrcgeln geschädigt werden. Man sieht, die„Herren" verstehen ihr Geschäft, von der Regierung Sondcrvorteile für sich zu erbitten, vorzüglich. Das Erbe Ternburgs. Unter diesem Titel bringt der»Bayerische Kurier" folgende amüsante Schilderung: Die Darmstädter Bank, deren Leiter bis zum vorigen Sommer unsere jetzige Kolonialexzellcnz war, hat eben ihren Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr verschickt. Wir haben mit Interesse den Bericht durchgesehen— und keine Zeile über das Aus- scheiden DernburgS gefunden. Keinerlei Betrübnis kommt über diesen.Verlust zum Ausdruck", wohl aber über andere Verluste, weljche Dernburg der Bank ein- gebrockt hat. AuS dem Schweigen des Geschäftsberichts über die Personalveränderung im Direltorium darf man also nicht schließen, daß diejenigen Banldirektoren die besten sind, von lvelchen man am wenigsten spricht. Das Münchener Scherl- Blatt, die regicrungsfromme liberale»Allgemeine Zeitung", läßt sich in ihrer Nummer 116 unter anderem also über den Kasus aus: „Pessimisten glaubten, es werde keine höhere Quote als 6Vz Proz. verteilt werden, und die höchsten Schätzungen auf der anderen Seite gingen nicht über T'/a Proz. hinaus. Nun hat die Bank allen eine angenehm« Täuschung gebracht, indem sie die gleiche Dividende wie im Verjähre, nämlich 6 Proz., in Vorschlag bringt. Allerdings steht aber der Abschluß deutlich uuter dem Eindruck, den die Spuren Ternburgs hinterlassen haben. Schon ein flüchtiger Blick ans die Ziffern zeigt, daß eS der jetzigen Ver- waltung vor allem darauf angekommen ist, die inneren Verhält- mffe der Bant»icdrr zn konsolidieren, nachdem der Draufgänger Dernburg da? unterste zu obcrst gekehrt hatte. Die beiden be- denklichsten Hinterlassenschaften DernburgS, Held bürg und Deutsch- �uxemburg. haben offenbar sehr bedeutende Abschreibungen er- fordert, um mit aller erdenklichen Vorsicht bilanziert werden zu Wien. Sehr bezeichnend ist. daß der Geschäftsbericht nicht mit einem Worte des Rücktrittes Ternburgs gedenkt und den üblichen„Nachruf" mit der obligaten Anerkennung der großen Verdienste usw. vollständig unterläßt. Da das kaum ohne Absicht geschehen sein dürfte, so darf man in dem Still- schweigen vielleicht etwas wie einen erstickten Seufzer der Er- leichtcning erblicken." Warum soll ein Vankdirektor, der sein Unternehmen dem Bankrott zuzuführen auf dem besten Wege war, nicht unsere Kolonien regieren und heben können? Hier lassen sich ja Dattelpalmen- Haine von ungeahnter Ausdehnung mit ein ein Schlage aus dem Wästcnlande zaubern. Bei der Bank aber dürfen derlei Phantasien keine Rolle spielen. Denn hier tragen die Aktionäre die Ver- luste, bei den Kolonien aber zahlt bloß das Volk.— Tie Agrarier und das Fleischveschangesetz. Tie Agrarier sind zwar sehr besorgt um die Gesundheit dcS deutschen Volkes, wenn es sich um die Einfuhr ausländischen Viehs handelt. Die Gefahr, die angeblich der deutschen Volksgesundheit durch die ausländische Trichine und Finne droht, wird von ihnen in besorgten Worten geschildert; und als im vorigen Jahre Sinclair die Schweinereien in den Chicagoer Schlachthäusern ent- hüllte, kannte ihre Entrüstung über die Gewissenslosigkeit der-— amerikanischen Schlachthauskompagnien keine Grenzen. Anders verhält sich ihr Heimatsgefühl und ihr vaterländischer' Sinn gegenüber der' nationalen deutschen Trichine und den„ein- heimischen" Viehseuchen. Diese sind nach ihrer Ansicht der Volks- gesundheit durchaus nicht gefährlich, sintemalen ja die deutschen Verdauungsorgane„wenig empfindlich" sind. Die Herren Agrarier sind deshalb auch Feinde des bestehenden Fleischbeschau- gesetzeS, denn das für völlig ungenießbar befundene Fleisch wird vernichtet: und so weit geht denn doch die Besorgtheit der patrio- tischen Herren um die Mägen der„Volksgenossen" nicht, daß sie dcretwegen Verluste tragen sollten. Zum mindesten muß also der Staat die Viehhalter, wenn das Fleisch des von ihnen aufgezogenen ViehcS sich als gesundheitsschädlich erweist, reichlich entschädigen, oder aber die strenge Ueberwachung muß aufhören. Besser ist es immerhin, daß der„gemeine" Mann sich mal den Magen gründ- lich ruiniert, als daß dem Viehzüchter der Profit beschnitten wird. Einen interessanten Beleg zu dieser Anschauungsweise liesern die Verhandlungen des Königlich Preußischen Landes- ökonomiekollegiums. Es sagte dort nach dem Bericht der „Deutschen Tagcsztg." Regierungspräsident Graf Brühl: „Die Fleischbeschau habe bewirkt, daß man schädliches Fleisch aus dem Verkehr gebracht habe, obwohl die Leute auf dem Lande recht wenig empfindlich feien. Er habe es erlebt, daß man mit Petroleum begossene Kadaver ausgegriaben und verzehrt habe. (Heiterkeit.) Was auf dem Lande von Hunden verzehrt werde, lasse sich gar nicht sagen. Dje Leute scheuen sich sogar nicht. mit Stryck»nin vergiftete Hundckndnver zu verzehren. Frhr. v. Wangenheim meint, er würde es gerne sehen, wenn man, zunächst vielleicht erst vorsichtsweise in einem Bezirk, das bedingt tauglich befundene Fleisch zu Fleischkonserven ver- arbeitete. Selbstverständlich müsse das unter strengster Aufsicht und Kontrolle geschehen, damit jeder Unfug vermieden werde und ähnlich wie bei der Margarine müsse die Herkunft auf der Verpackung deutlich kenntlich gemacht werden." Treffender kann das agrarische Geschwätz von der Aufgabe des Staates, das deutsche Volk vor ausländischem Fleisch von krankem Vieh zu bewahren, nicht illustriert werden. Ein Hoch der natio- nalen Trichine!»— . Oeutlckes Reich. Welkende Hoffnungen. Nach der ReichZtagSstichwahl rechneten nicht wenige der bürger- lichen Blätter darauf, die Sozialdemokratie werde sich den Wahl- ausfall als„heilsame Lehre" dienen lassen, die Klasfenkanrpftheorie abstreifen und als Sozialreform-Partei ihren Weg in das bürger- liche Lager zurückfinden. Die seit dem 6. Februar verflossenen Wochen haben diese Mauserungsspelulanten mehr und mehr ent- täuscht, und traurigen Gemüts sieht ein Blatt nach dem anderen sich zu dem Eingeständnis genötigt, daß feine Hoffnungsträume nicht reifen wollen, daß die Sozialdemokratie unbeirrt ihren Weg fortsetzt und, soweit überhaupt der Wahlausfall einen Einfluß auf die Haltung der Sozialdemokratie gehabt hat, nicht der sogenannten revisionistische, sondern eher der radikale Flügel eine Stärkung er- fahren hat. So schreibt beispielsweise die amtliche„Leipziger Zei- tung" im Anschluß an die Eratsdebatte im Reichstage: „Die Auslasinngen Davids sind für die Politiker lehrreich, die da meinen, die Sozialdemokratie fei nun halb überwunden, und um sie vollends zu zerschmettern, genüge eS, immer mehr radikale Sozialpolitik zu treiben. DaS wäre ein recht verkehrtes Mittel, um der Revolutionspartei beizukommen, und das ist auch keineswegs der Standpunkt der verbündeten Regierungen, wie das klar und deutlich aus der zweiten EiatSrede des Reichslanzlers hervorgeht. Es wäre doch von einer Partei wie die Sozial- Demokratie ganz unbegreiflich, wenn sie mit Leidenschaft die Forde- rungen aufstellen würde, deren Erfüllung die Wirkung hätte, die Arbeiter für die bürgerliche Gesellschaft zurückzugewinnen." Das Blatt meint dann, die bürgerlichen Sozialpolitiker hätten unrecht, wenn sie von der deutschen Sozialrefornr und gar „der Gewährung von organisatorischen Freiheiten an die Arbeiter" eine versöhnende Wirkung erhofften und fährt dann fort: Wenn man die Zeichen aus dem sozialdemokratischen Lager beachtet, so kann man nur zu der Ueberzeugung gelangen, daß die von der Sozialdemokratie beherrschte Jndustnearbeiterschaft immer radikaler geworden und immer mehr den bürgerlichen Anschauungen entfremdet worden ist. Es �ist sehr auffallend, daß die, wie wir kürzlich dargelegt haben, überaus scharfen An- griffe der Revisionisten in der„Neuen Gesellschaft" und den „Sozialistischen Monatsheften" von der gesamten sozialdemokrati- scheu Presse gemißbilligt werden. Anfangs, in der ersten Ver- btüffung über die Wahlniederlage, trat die sozialdemokratische Presse zwar recht kleinlaut auf, und man begegnete Andeutungen, als solle die radikale Entwickelung der Sozialdemokratie geheinint werden. Aber das dauerte nicht lange. Bald brach wieder die alte revolutionäre Stimmung durch. Bezeichnend ist es, daß jetzt schon wieder die„Leipziger Volkszeiiuiig' auf ihre alten An- schauungen zurückkommt, wonach die Sozialdemokratie ihr revo- lutionärcs Banner offener als je entfalten müsse... Die Sozialdemokratie kehrt sich! also nicht an die Lehren der letzten Wahl, ihr ist es jetzt gleich, ob noch mehr Mitläufer durch die revolutionäre Phrase verscheucht werden, sie glaubt oaftir tat- kräftige Mitstreiter für die„BefteiungSrevolutiou" zu gewinnen. DaS ist die volle Herrschaft des Radikalismus in seiner höchsten Entfaltung._ Die Erschießung der Geiseln während der Pariser Kommune ist, wie unser gestriger Leitartikel:„Ein historischer Irrtum Bülows" nachwies, durch das Verhalten der reaktionären Ber- 'ailler Regierung veranlaßt worden. Das geht aus ber von der Regierung der Vereinigten Staaten im Jahre 1878 herausgegebenen diplomatischen Korrespondenz ihres Gesandten in Paris E. B. Wash« burne aus den Jahren 1370 und 1871 unwiderleglich hervor. Eine ausführliche Besprechung und Wiedergabe der wichtigsten Akten- stücke veröffentlichte unser in St. Louis(Mo.) weilender alter Genosse Adolf Hcpner in der„Neuen Zeit" bereits 1892, X.Jahr- gang, I. Band, Seite 710—717, 778— 785 und 811— 820. Genosse Hepner hat vor kurzem auch die wichtigst en Briefs. des Gesandten Washburne vom 13. Juli 1870 bis zum 20. Juni 1871 aus den diplomatischen Akten der Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika übersetzt; sie erschienen im Verlage von I. H. W. Dietz Nachf., Stnltgart, unter dem Titel:„Der Schutz der Deutschen in Frankreich 1870—1871", ein interessantes Bändchen von 173 Seiten, das wertvolle Aufschlüsse darüber gibt, in welch tatkräftiger Weise einzig und allein der amerikanische Gc- sandte sich der Deutschen annahm. Außerhalb der offiziellen Kreise Deutschlands blieb diese Schutziätigleit des amerikanischen Gesandten nahezu unbekannt, und wie Bülows Angriffe gegen die Kommune beweisen, scheinen auch die offiziellen Kreise nicht den Briefwechsel Washburnes zu kennen. Die Sozial- demokratie bietet ihnen beste Gelegenheit, diese Lücke auszufüllen. Trotzdem zweifeln wir nicht, daß nach wie vor der Reichs- lügenverband wie seine Gönner und Günstlinge die alten Lügen über die Kommune wiederholen werden— das bringt das patriotische Geschäft so mit sich!_ Ein aufgehobenes Urteil. Hamburg, 12. März. (Privattelegramm.) Im Wiederaufnahmeverfahren wurde das Urteil gegen den Genosien Wabersky vom„Hamburger Echo". das ihn wegen verleumderischer Beleidigung der Hamburger Polizei anläßlich der Kritik ihres Verhaltens in der Nacht nach der großen NachmittagS-WahlrechtS- demonstration mit fünf Monaten Gefängnis be- legte, aufgehoben. Genosse Wabersky wurde aus§ 21 des Preßgesetzes zu 200 M. Geldstrafe verurteilt, die als ver- büßt gilt durch die erlittene zweiundvierzigtägige Strafhast. Vergebliche Hoffnung. Die„Voss. Ztg." gibt sich wieder einmal unbegründeten Illusionen hin. Nicht über das zu erwartende Wunderprodukt der konservativ-liberalen Paarung, sondern über einen inneren Zu- sammenbruch der Sozialdemokratie. Einen Leitartikel, den sie einigen polemischen Auslassungen der„Neuen Gesellschaft" widmet, beginnt sie melodramatisch: „Der Aussall der Reichstagswahlen hat die A u t o r i t ä t deS Abgeordneten Bebel innerhalb seiner Partei schwer erschüttert. Jene Gruppe, die auf dem Dresdener Parteitag in der Minderheit war, erhebt zuver- sichtlich ihr Haupt und führt eine freimütige Sprache, die bei den Freunden der„sieggekrönteu" revolutionären Taktik helle Entrüstung hervorruft. Es werden den Führern bittere Wahrheiten gesagt, an dem„Zenttalorgan" wird herbe Krittk geübt. Die„Revisionisten" fügen sich nich: mehr in löblichem Gehorsam den Machtgeboten der Parteileitung, und fast will eS scheinen, als ob sich alle Bande frommer Scheu löste ir. Mit bemerkenswerter RückHaltlosigkeit �rütteln einige Schriftsteller der Sozialdemokratie an den Grundsäulen dcr Parteidoginatik. Sie wollen nicht mehr gelten lasten, daß die Republrk eine Notwendigkeit sei; sie ivagen, die Verwerfung des g anzen Reichshaushalts für Unsinn zu erklären: sie halten eS nicht für den Gipfel von Weisheit und Charakterfestigkeit, bei jedem Hoch auf den Kaiser oder den Landesherrn den Saat zu verlassen: sie brechen den Stab über den größten Teil der sozialdcmo- kratischen Literatur, die Schriften von Marx und Friedrich Engels nicht ausgenommen. ES ist begreiflich, daß die um Bebel und KautSky darob ergrimmen. Denn was will das werden?" Die„Voss. Ztg." gefällt sich in maßloser Uebertreibung. Richtig ist, daß einige Parteischriftsteller an den sozial- demokratischen Grundsätzen und der Taktik der Partei zu einer Zeit und in elner Form Kritik geübt haben, die Zurück- Weisung verdiente. Aber diese Krittk entspringt nur den Privat- anschauungcn winziger Kreise in der Partei, sie vermag an der prinzipiellen und taktischen Haltung der Partei nicht daS mjndcste zn ändern. Wenn sich die Parteipresie genötigt sah, diese Tatsache festzustellen, so zwang sie dazu nicht die Resonanz, die solche An- sichten ettva unter der Masse der Parteigenossen finden könnten. sondern die reichaverbändlerische, auch von dem Frei- sinn geübte Praxis, solche Privatmcinungen einzelner Sozial- demokraten in der Presse, in Flugblättern und Versammlungen aus- zuschlachten. Mag die bürgerliche Presse immerhin fortfahren, diese bissen« tterenden Genossen den ruppigen und bornierten Dogmattkern gegen« über als mißhandelte Gcntlemen und verkannte Genres auszuspielen. Solche Tricks sind zu durchsichtig, um irgend welche Verwirrung stiften zu können!— Nochmals die abgehackte Hand vor Gericht. Nach wiederholter Vertagung gelangte am Dienstag vor der Zivil» kammer des Oberlandcsgcrichts Breslau, wie uns von dort telegraphisch gemeldet wird, unter dem Vorsitz dcS Senats- Präsidenten Zimmermann die EntschädigungStlage des Bier- fpülerö Franz Biewald gegen die Stadtgcmcinde Breslau in der Berufungsinstanz zur Verhandlung, da die verurteilte Stadtgemrinde Revision gegen das Urteil der Zivilkammer des Landgerichts eingelegt hatte. Biewald war bekanntlich bei den Brcslauer Arbeitcrtrawallen im vorigen Jahre von einem bis- her immer noch nicht ermittelten Schutzmann beim Zurücktreiben de« Publikums von der Straße in die.Häuser, als er die Treppe zu seiner Wohnung hinaufflüchtctc. die linke Hand glatt vom Arm abgeschlagen worden. Namens der Stadtgemeinde machte in der Verhandlung Rechts- anwalt Milch geltend: Voraussetzung des§ 1 des Tumultgesetzes fei der zeitliche und örtliche Zusammenhang der Beschädigung mit dem Tumult. DaS sei hier nicht der Fkill. Bis auf die Hildebrandtstraße(in welcher Biewald wolmtc) habe sich der Tumult nicht erstreckt, auch sei er zur Zeit der Tat unterdrückt gewesen. Ferner verlange§ 1 deS Gescheß, daß die zu ent- schädigende Abwehrhandlung sich gegen die offene Gewalt gerichtet habe, nicht bloß gegen den Auflauf und Aufruhr im allgemeinen. Biewald sei aber an den Vorgängen gänzlich unbeteiligt gewesen. habe also keine auffällige Gewalt angewendet. Schließlich müssen die Handlungen, welche die Schädi» gungen herbeigeführt haben, eine gesetzliche Maßregel gewesen sein; die Tat deS Schutz. manns könne man aber keinesfalls als eine solche bezeichnen. DaS OberlandeSgericht wies die Berufung der Stadtgemeinde Breslau zurück und erkannte an, daß die Gründe und der Stand. Punkt der von Justizrat Bielfchowsky vertretenen Klage B iew alds richtig seien. In den U r t e i l S g r ü n d e n wird ausgeführt: Allerdings müsse der zeitliche und örtliche Zusammen» hang der Beschuldigungen mit dem Tumult vorbanden sein. Man dürfe aber nicht die Beschränkung in das Gesetz hineininter- pretieren, daß diese Zusammenhänge unmittelbare sein müssen. Die örtliche Einwirkung des Tumults muh soweit verstanden werden, als die Friedensstörung reiche. Eine Zusammenrottung sei das Zusammenhalten von Menschenmassen zu einem alsbald in seiner Böswilligkeit und Gesetzwidrigtelt erkennbaren Zwecke. Auf die Zahl der Teilnehmer komme es dabei aber nicht an. Deshalb seien die Menschenansammlungen auf der Hildebrand» strahe als im Rahmen des Tumultes zu betrachten. Ferner gehe auS der Entstehungsgeschichte und dem Zweck des Gesetzes hervor. daß die Beschädignnaen nicht nur eine sich gegen die offene Gewalt richtende Maßregel fein müssen. ES genügt, daß sie gegen die Zu. sammenrottung überhaupt gerichtet sind. Ferner sei die Tat de» Schutzmanns nicht als eine gesetzlich« Du betrachten. Wer die Tat des Schutzmanns sei die Folge und der Ausfluß einer solchen gesetzlichen Handlung, nämlich des Befehls, die Straßen zu säubern und zu verhindern, daß sie von den Bewohnern wieder betreten werden. Auch Schmerzcns- gelder müssen dem Kläger zugebilligt werden. Das Tumultgcsetz sei nach Artikel 108 des Einführungsgesetzcs zum Bürgerlichen üicsetzbuch bestehen geblieben. In ihm seien aber Inhalt und Umfang des Schadenersatzes nicht festgestellt worden. Daher müßten die Bestimmungen des§ 847 des B. G. B. Anwendung finden, und dieser Paragraph bezieht sich auf alle Handlungen, auch wenn sie nicht auf Verschulden des Schaden- ersatzpflichtigen beruhen. Biewald behält demnach die ihm seinerzeit vom Brcslauer Landgericht zugebilligten Schadenersatzansprüche, bestehend in einer dauernden Rente und in einem einmaligen Schmerzensgeld.— Des Zeugniszwangcs erster Abschnitt. Aus Halle wird uns berichtet: Zu dem bekannten Zeugniszwangs-Prozeß des Rechts. anwalts Suchsland gegen den Genossen Redakteur Thiele bom„B o l k s b l a t t" wurde heute vor dem Schöffengericht Ge- nosse Redakteur Däumig, der bekanntlich in der Sitzung vor 14 Tagen wegen Eidesverweigerung mit einer Geldstrafe belegt worden war, vernommen. Die damals angeordnete Zwangshaft ist gegen Däumig nicht vollstreckt worden, weil er nach dem Prozeß die Erklärung abgegeben hatte, er müsse bekunden, daß er einen von den unter Anklage gestellten Artikeln selbst verfaßt habe; den Ver- fasser des zweiten Artikels könne er nicht nennen. Der Kläger, Rechtsanwalt Suchsland, beantragte wiederum die Vereidigung des verantwortlichen Redakteurs Molkenbuhr und auch D ä u m i g s. Das Gericht lehnte aber die Ver. eidigung mit deni Hinweise ab, jene beiden Zeugen könnten als Teilnehmer oder Begünstiger nach Z 56 Abs. 3 der Str.-Proz.-Ord. in Frage kommen. Rechtsanwalt Suchs- land blieb dabei, Thiele sei der Verfasser. Er verlangte eine Buhe von 5lX) M. sowie die Bestrafung ThieleS. Genosse Thiele be- schränkte sich aus die Feststellung, er sei pretzgesetzlich nicht ver- antwortlich. Das Gericht brachte zum Ausdruck, daß nicht bloß der Verantwortliche, sondern jeder, der in der Presse etwas ver- breche, zur Rechenschaft gezogen werden könne. Redakteur Thiele habe aber im vorliegenden Falle mangels ausreichenden Beweises freigesprochen werden müssen. Rechtsanwalt Suchsland will gegen das Urteil Berufung einlegen. /Zuslanä. Die Ermordung des bulgarische« Ministerpräsidenten. Die politische Mordchronik Bulgariens ist durch einen neuen Mord bereichert worden. Als am Montagnachmittag S Uhr der Ministerpräsident Pctkow in Begleitung des Finanzministers P a y a k o w und dcS ÄriegSministers Sarow von einem Spazier» gange zurückkehrte, wurde von einem Manne namens Alexander P e t r o w ein Attentat auf ihn verübt. P e t l o w wurde durch mehrere Revolverschüsse tödlich verwnndct und starb auf dem TranS- Port nach wenigen Minuten. Der Attentäter wurde ergriffen, ebenso wurden mehrere junge Leute, in denen man seine Komplizen vermutet, verhaftet. Ob cS sich um einen privaten Racheakt oder ein politisches Attentat handelt, ist bis jetzt noch nicht fest- gestellt. Der Täter soll erklärt haben, daß er Mitschuldige nicht gehabt habe; er habe das Attentat verübt, um das bulgarische Volk zu befreien. Dem„Verl. Tagebl." wird ans Sofia noch gemeldet: Der politische Charakter des Ministermordes ist ziem» l i ch zweifellos, da der Täter selbst angibt, den Rkord i m Namen des bulgarischen Volkes zur Befreiung Bulgariens vollbracht und seit zwei Monaten geplant zu haben. Schon in meinem letzten Artikel über Bulgarien, der vor beiläufig vier Wochen erschien, verwies ich auf Anzeichen einer bedenkliche» Gärung in Bulgarien, die Uebcrraschungcn nicht unmöglich erscheinen lasse. Minister- Präsident Pc'.kow hatte damals die Universität wegen studentischer Demonstrationen schließen lassen, die Professoren entlassen und zahlreiche Studenten in die Armee einreihen oder in die Provinz abschieben lassen. Diese energische Politik rief die größte Erregung in ganz Bulgarien herbor und führte nicht bloß zu fortgesetzten Hefligen Angriffen gegen Petkow in der gesaniten Presse, sondern auch zur Einigung der gesamten oppositionellen Fraktionen, die gegen die Regierung Stunn liefen. Namentlich wurde immer wieder der Vorwurf laut, Petkow geberde sich wie der Diktator Bulgarrens und habe bei' seinen scharfen Maßnahinen gegen die Universität die Sobranje nicht gefragt.—_ Frankreich. Casimir Pcricr gestorben. In der Nacht zum Dienstag verstarb der ehemalige Präsident der französischen Rcpublil Casimir Perier. Perier übernahm nach der Ermordung C a r n o t S im Sommer 1834 da» Präsidium der Republik. Seine Wahl war ein Angst» Produkt: er wurde gewählt unter dem Eindruck des Entsetzens, das der Dolchstoß CaserioS unter der franzöfischen Bourgeoisie verbreitet hatte. Seine Wahl bedeutete das Angst- und Schreckens- regiment des Kapitalismus. Gleichwohl war PerierS Präsidenten- Herrlichkeit nur von kurzer Dauer. Zwar hätte Perier seine Eisenbahn- und Bergwerksaktien durch eine jener TranS- altionen, wie sie auch bei PodbielSki eine berüchtigte Rolle spielten, formell an andere Familienmitglieder übertragen; allein sein Freund und Geschäftsgenosse R a y n a l, der unter PerierS Präsidentcnschaft Minister wurde, schloß mit den Eisenbahngesell- schaffen ä la Tippclskirch die schmachvollsten Verträge ab, durch die dem Eisenbahnsyndikat viele Hunderte von Millionen geopfert wurden I DieS neue Panama, dessen namentlich von den Sozialisten erfolgte Entlarvimg Raynal stürzte, riß auch deren Hintermann und Protektor in den Strudel hinein. Am 15. Januar 1895 mußte auch Casimir Perier demissionieren! Seitdem war der nunmehr Verstorbene ein politisch toter Mann. Die Drputicrtenkammer zum ElektrizitätSarbeiterstreik. Ueber die Abstimmung der Kammer in der Debatte über die Interpellation der Soziali st en. betreffend das Ver- halten der Regierung im Elektrizitätsarbeiter. streik,(siehe gestrige Nummer unter„Letzte Depeschen") wird beute aus Paris gemeldet: Nach den amtlich richtig gestellten Ziffern wurde die VertraueuSkundgebung für die Regierung mit 865 gegen 66 Stimmen angenommen. Die Minderheit besteht aus de» gecin igten Sozialisten, mehreren Sozia- listisch-Radikalen und zehn Mitgliedern der Rechten. Zahlreiche unabhängige Sozialisten und Sozialistisch- Radikale enthielten sich der Ab- stunuiung.— Spanien. Die Korteswahlcn. Madrid, 12. März. Nach dem bis jetzt vorliegenden Wahl- ergebnis find gewählr 302 Konservative. 131 Liberale. 89 Republikaner. 13 Kariisten, 18 Demokraten. 8 Regionalisten. 9 Unabhängige und 7 keiner Partei Angehörige. Madrid, 12. März. Das endgültige Ergebnis der Wahlen weist für die Konservativen eine bedeutende Mehrheit auf. -Ob es den spanischen Genossen diesmal gelungen ist, einen der Ihrigen trotz des gewohnten amilichen WahilchwindelS durch- zubringen, läßt sich nach den bisherigen Meldungen noch nicht be- urteilen.— parlamentarilcbes. AuS der Budzetkommissien. (Sitzung vom 12. März.) Das Notgesetz für den Militäretat enthält eine sehr große Menge Forderungen, die vor dem Hauptetat bewilligt werden sollen. Es sind das insbesondere fast alle Forderungen im Militär- etat, welche Erhöhung erfahren haben oder neue Ausgaben dar- stellen. Bei der Militärjustizverwaltung ist eine Organisationsänderung in Aussicht genommen, die sich auf Militär- gerichtsschreibcrstellen bezieht. Die Aenderung verursacht eine Mehrausgabe von 65 000 Mark. Die Ausgaben werden bewilligt. Bei sehr hohen Anforderungen für Artillerie- ausnistung und FestungSbauten entspinnt sich eine Debatte über die Frage, ob Festungsbaukosten auf den ordentlichen oder autzerordent- ttchen Etat zu nehmen sind. Die Kommission stimmt der Regierung bei, welche erhebliche Summen auf den außerordentlichen Etat ge- schoben hat, der aus Anlehensmitteln zu decken ist. Von sozialdemokratischer Seile wird verlangt, daß die Einrichtungen der Fcstungswerle, die einen dauernd gleichbleibenden Wert nicht dar- stellen, unter allen Uniständen in den ordentlichen Etat genommen werden. Das Zentrum schließt sich dem an. EslieglnatiirlichimJnteresse einer gesunden Finnnzwirtschaft, daß die Schuldenwirtschaft möglichst ein- geschränkt und möglichst viele Ausgaben auf den ordentlichen Etat genommen werden; reichen hier die Einnahmen nicht, so haben die Mawikularbeiträge herzuhalten und die Bundesstaaten bekommen auch etwas vom Segen des„teueren" Reiches zu spüren. Im übrigen werden die Summen im Betrage von einigen 40 Millionen bewilligt. Ohne erhebliche Debatte werden genehmigt 160 000 M. für den Neubau des Bekleidungsamtes in Koblenz, 150 000 M. für Kasernenbau in Allenstein, 210 000 M. für Kasernenbau in SenSburg, 247 000 M. für neue Schießstände in Gleiwitz, 250 000 M. für eigen Kasernenbau in Mainz, 84 000 M. für diverse Schießstände. 150 000 M. für ein Garnisonslazaret in Koblenz und 150 000 M. für ein solches in Altona. Sodann wurden zirka 19 Millionen für militärische Ausrüstungen, insbesondere für Verbesserung in der Bewaffnung bewilligt. Dabei werden eine Reihe kriegstcchnischer Fragen beiprochen, über welche große Meinungsverschiedenheiten nicht bestehen. Bedenken, daß hier neue große Ausgaben erwachsen � werden und diese Aussicht schlecht in Einklang zu bringen ist mit dem Versprechen des Reichskanzlers, auch'beim Militärctat durch Vereinfachung möglichst zu sparen, begegnet der Kriegsininister mit der Bemerkung, daß die Ausgaben nach Beendi- gung einiger jetzt im Gange befindlicher Umwandlungen wohl ge- ringer� werden dürften, große Hoffnungen hat er aber selbst nicht, da auf dem Gebiete alles dauernd im Fluß«sei. Nach Genehmigung einiger weiterer Kaserneubauten in Dieben- hosen, Neubreisach und Köln werden 31 Millionen für den Ausbau der Landbefestigungen bewilligt. Es folgen eine Reihe Aus- gaben für die Heeresverwaltung in Sachsen: Ausbau und elektrische Anlage im Bekleidungsamte Leipzig, Erwerbung eines Truppenübungsplatzes in Königsbrück, Erweiterung des Lazaretts in Freiberg. Zu dem Truppenübungsplatz in Königsbrück hat die Standesherrschaft daselbst zirka 1000 Hektar Land abgetreten; wie aber auf Anfrage van sozialdemokratischer Seite festgestellt wird, ist dadurch das Weiterbestehen dieser StandeShcrrschaft und ihre» erb- lichen Sitzes in der Ersten sächsischen Kammer nicht in Frage ge- stellt. Mit der Bewilligung von 10 396 000 M. für Vervollständigung des Eisenbahnnetzes im Interesse der Landesverteidigung schließt die Sitzung. Morgen: Marineetat im Notgesetz und Rest desselben. Gewerkschaftliche�. Berlin und Umgegend. Keine Einigung in der Holzindustrie. Auf Veranlassung des Gcwerbegerichtsbeisitzers Lucht traten am Dienstagvormittag die Vertreter beider Parteien im Sitzungssaale des Gewerbegerichts zu Verhandlungen zusammen. Ein Einigungsamt war zu diesem Zweck nicht berufen, die Verhand- lungen fanden unter dem Vorsitz deS Magistratsrats v. Schulz statt, neben ihm saß als Beisitzer nur Herr Lucht. Der Zuhörer- räum tvar von Arbeitgebern dicht besetzt. Magistratsrat v. Schulz eröffnete die Sitzung mit der Be- inerkung, er wünsche von Herzen, daß diese Verhandlungen der An- sang von Friedensverhandlungen sein mögen.— Beisitzer Lucht sagte, er habe gesehen, daß die Differenzen in der Holzindustrie er- hebliche Störungen im Gewerbe hervorgerufen haben, er habe des- halb, lediglich um dem allgemeinen Interesse zu dienen, Veran- laffung genommen, die Parteien zu Verhandlungen zu bewegen. Glocke, der nun das Wort erhielt, sagte: Wir sind der Auf- fordcrung de? Herrn Lucht gern gefolgt, da wir ja immer zu Ver- Handlungen bereit sind; aber wir stehen auf dem Standpunkt, daß die Arbeitgeber jetzt sagen, was. sie uns zu bewilligen denken. Unsere Forderungen sind ja aus den Verhandlungen, die wir vor Weihnachten hatten, bekannt. Zunächst fragen wir die Arbeitgeber, ob sie auf dem früher eingenommenen Standpunkt stehen, daß vor Eintritt in die Verhandlungen der otstus czuo hergestellt werden muß. In diesem Falle müßten wir fordern, daß die Aus- sperrung aufgehoben wird, ehe wir in Verhandlungen eintreten. — Obermeister Rahardt antwortete: Das könne wohl nicht ernst gemeint sein, daß die Aussperrung vor Eintritt in die Ver- Händlungen aufgehoben werde, es werde doch bei einem Streik auch nicht verlangt, daß derselbe vor der Verhandlung ausgehoben wird. — Gewiß, sagte Glocke, cS sei den Arbeitern ernst mit'dieser For- derung.— Darauf bemerkte Tischlermeister Brunzlow, man könne doch hinsichtlich der Aussperrung keine Zugeständnisse machen, ehe man sich nicht einig geworden ist über die Grundbedingungen einer Vereinbarung. Die Vorfrage der Aufhebung der Aussperrung wurde hier- nach nicht weiter erörtert. Man trat nun in die Verhandlungen selbst ein. Kloß. Stuttgart, Vorsitzender des Holzarbeiterver- bandes, stellte an die Vertreter der Arbeitgeber die Frage, unter welchen Bedingungen sie zum Abschluß eines neuen Vertrages bereit wären. Ehe das nicht gesagt werde, konnten die Arbeit- nchmer keinerlei Erklärung abgeben.— Obermeister Rahardt erklärte nunmehr: Die obligatorische Benutzung des Arbeitsnach- weises, ebenso die Verkürzung der Arbeitszeit feien für die Arbeit- gcber nicht diskutabel. In dtcsen beiden Punkten konnten den Arbeitern keine Zugeständnisse gemacht werden. Di- Fordcrung einer Lohnerhöhung von 10 Proz. sei durch die Verhältnisse nicht gerechtfertigt, jedoch würden die Arbeitgeber an der Lohnfrage die Verhandlung nicht scheitern lassen, sie seien auch bereit, für ein schnelleres Arbeiten der Schlichtungskammission zu sorgen, auch über die Regelung der Montagegclder ließe sich rciden. Glocke bemerkte dazu: Das sei derselbe Standpunkt, den die Arbeitgeber vor Weihnachten eingenommen haben. Wenn sie diesen Standpunkt auch heute noch einnehmen, dann wetde es nicht zu einer Verständigung kommen. Arbeitgeber Ball sagte hierauf: Wenn«dafür gesorgt werde. daß die Arbeitszeit in der Provinz verkürzt und annähernd der Berliner Arbeitszeit gleichgcbracht wird, dann ließe sich nach einigen Jahren über eine Verkürzung der Arbeitszeit in Berlin reden. Jetzt dagegen nicht.— Darauf entgegnete Kloß: Wenn die Arbeitgeber die Dislussion über die Verkürzung der Arbeitszeit ausscheiden wollen, dann habe die weitere Diskussion keinen Zweck, er müsse dann zu seinem Bedauern nach Stuttgart zurückkehren, denn die Arbeiterbertreter seien nicht legitimiert, die Frage der Arbeitszeit aus der Erörterung auszuscheiden. 'Beisitzer Lucht mächte nunmehr im Anschluß an die Aeuße- rung des Herrn Ball den Vorschlag, die Parteien möchten sich in der Frage der Arbeitszeit dahin einigen, daß erst eine Verkürzung in der Provinz durchgesetzt werde und dann die Verkürzung in Berlin in Erwägung gezogen werde.— Obermeister Rahardt erklärte sich gegen diesen Borschlag. Ten Arbeitgebern könne nicht zu- gemutet werden, daß sie hier eine Vereinbarung aus Kosten ihrer Kollegen in der Provinz eingehen.— Glocke sagte darauf: Es sei doch eigentümlich, daß die Arbeitgeber jede Verkürzung der Arbeitszeit in Berlin mit dem Hinweis auf die Provinz ablehnen, während doch der Arbeitgeberschutzverband seine ganze Kraft auf- -wendet, um eine Verkürzung der Arbeitszeit in der Provinz zu verhindern. Tic Arbeitszeit, welche durch die von den Arbeitgebern ins Werk gesetzte Aussperrung ver- loren gegangen ist, würde ausreichen, um die geforderte Ver- kürzung für mehrere Jahre zu decken. Im weiteren Verlaus der Debatte bemerkte Obermeister Rahardt, er halte es nicht für ausgeschlossen, daß man in der Holzindustrie zu einem Vertrage nach Art des Buchdruckertarifs kommen könne, der sich über ganz Deutschland erstrecke und die Löhne je nach den örtlichen Verhältnissen abstufe. Verschlechterungen der bestehenden Verhältnisse, namentlich eine Verlängerung der be» stehenden Arbeitszeit, verlangen die Arbeitgeber nicht.— Dem gegenüber wandte B e ck e r- Stuttgart ein, in Guben hätten doch die Arbeitgeber eine Verlängerung der Arbeitszeit um wöchentlich drei Stunden verlangt. Ganz Entschieden bchonie Becker, es werde den Arbeitgebern unter keinen Umständen gelingen, den Ar- beitern einen Vertrag aufzuzwingen. Das werde sich der Holz- arbeiterverband nicht gefallen lassen.— Diese Bemerkung rief bei den Arbeitgebern lebhaften Unwillen hervor. Einer ihrer Vertreter, Herr M i t s ch. meinte, daß Becker solchen Ton anschlage, sei hier nicht angebracht. Als Antwort auf Beckers letzte Aeußerung sagte Tischlermeister Borsdorf. Vorsitzender des Reformvereins der Tischlermeister: Die Arbeitgeber seien jetzt so gut organisiert, daß es ihnen wohl gelingen werde, dem Holzarbeiterverbaikd einen Ver- trag aufzuzwingsn. Wenn aber kein Vertrag zustande käme, dann würden die Arbeitgeber die bisher geltenden Lohne kürzen.— Zur Frage eines allgemeinen deutschen Vertrages sagte Glocke. der Holzarbeiterverband sei gern bereit, einen solchen Vertrag abzu- schließen, aber nicht einen Vertrag, wie ihn die Arbeitgeber wollen. Was die Arbeitgeber jetzt bieten, sei so gering, daß man den Arbeitern nicht zumuten könne, darauf einzugehen und die Arbeit wieder aufzunehmen, ohne etwas erreicht zu haben.— Als die zuhörenden Arbeitgeber diese Bemerkung mit Lachen aufnahmen. sagte Glocke: Ihr Lachen beweist, daß Sie kein Verständnis für die Situation haben. Wenn der Kämpf noch einige Wochen dauern sollte, dürfte Ihnen das Lachen vergangen sein. Kloß führte aus: In der Provinz sei in den letzten Jahren die Arbeitszeit erheblich verkürzt worden, jetzt sei es Zeit, daß auch Berlin wieder nachkomme. Ein Vertrag über ganz Deutsch. land nach dem Muster des Buchdruckertarifs werde sich wegen der ganz anders gearteten und in sich sehr verschiedenen Verhältnisse in der Holzindustrie für diese nicht durchführen lassen. Wünschens- wert sei ein solches Vertragsverhältnis allerdings. Der Verbands- vorstand wünsche lebhaft den Abschluß von Verträgen, jädoch dürfe das nicht ein Ding sein, was wie ein Vertrag aussieht, in Wirk- lichkeit aber nur die Bedingungen der Arbeitgeber festsetzt. Das sei kein Vertrag. Eine Verkürzung der Arbeitszeit in Berlin sei sebr wohl möglich. Die Arbeitgeber sagen zwar, die Industrie müsse zugrunde gehen, wenn die Arbeitszeit verkürzt werde. Auch vor zwei Jahren hätten die Arbeitgeber, ebenso wie jetzt, behauptet, die Industrie müsse zugrunde gehen, wenn die damals gestellten Forderungen bewilligt würden. Besonders die Firma Pfaff habe damals erklärt, sie werde es sich nach Bewilligung der Forderungen überlegen müssen, ob sie nicht die Produktion ganz aufgeben und sich nur noch mit dem Sandel befassen solle. Aber die Firma Pfaff habe die Produktion bis heute noch nicht eingestellt, obwohl die Forderungen, welche als Ruin der Industrie bezeichnet wurden. seit zwei Jahren erfüllt sind. Herr Plathen, der vor zwei Jahren auch von dem Ruin der Industrie sprach, ebenso wie heute, habe seitdem seinen Betrieb bedeutend erweitert. Ein Teil der Industrie leide allerdings, nämlich die Kleinmeister, die durch die Kon- kurrenz der Großunternehmer ihre Kundschaft verlieren.— Tischlermeister Peege vom Resormverein bemerkte hierzu: Die großen Geschäftsinhaber könnten wohl die Verkürzung der Arbeits- zeit bewilligen, die Klcinmeister aber nicht, diese hätten sich deshalb den großen Arbeitgebern angeschlossen und diese lehnen Haupt- sächlich aus Rücksicht für die Kleinmeister die Verkürzung der Arbeitszeit ab. Seitens der Arbeitgeber wurde in der Debatte auch die Be- hauptung aufgestellt, der Holzarbeiterverband habe diesen Kamps vorbereitet und die Arbeitgeber hätten, gewissermaßen in Notwehr. zur Aussperrung gegriffen.— Dieser Behauptung gegenüber sagte Glocke: ES sei nicht wahr, daß der Holzarbeitervcrband diesen Kampf vorbereitet habe. Wenn kein Vertrag zustande kam, dann wäre ohne Vertrag gearbeitet worden. Selbstverständlich würden die Arbeiter Hann die Konjunktur ausgenutzt haben. Daß aber jetzt, in diesem Frühjahr. Forderungen gestellt werden sollten, davon sei gar keine Rede ge» lv c s e n. Vielleicht wären noch Jahre vergangen, che die Kon, junktur durch Forderungen der Arbeiter ausgenutzt worden wäre. Wenn die Arbeiter aber durch Abschluß cineS Vertrages auf die Ausnutzung der Konjunktur verzichten, dann müsse ihnen der Ver- trag Verbesserungen bringen.— Obermeister Rahardt führte aus: Bei gutem Willen könne wohl ein Modus gefunden werden, der den verschiedenartigen Verhältnissen in der Holzindustrie so weit Rechnung trage, daß der Abschluß eineS Vertrages über ganz Deutschland möglich sei. Er denke sich einen solchen Vertrag auf der Grundlage, daß die Arbeitszeit in kleinen Städten nicht über 10, in großen Städten nicht über 9 Stunden hinausgehe. Hin» sichtlich eines für Berlin abzuschließenden Vertrages präzisierte Herr Rahardt nochmals den Standpunkt der Arbeitgeber:»e* Abschluß eines dreijährigen Vertrages solle«ine Abschlagszahlung gewährt werden von 24 M.(wie bisher) im ersten, 25,50 M. im zweiten. 27 M. im dritten Jahre. Die Forderung einer Lohn. erhöhung von 10 Proz. müsse ausscheiden, ebenso dm Verkürzung der Arbeitszeit und das Obligatorium des Arbeitsnachweises. Kloß erklärt hierauf: Unter diesen Bedingungen können wir keinen Vertrag abschließen. Wir können nicht vor unsere Mitglieder hintrcten und ihnen die Annahme eines Vertrages oftnc Verkürzung der Arbeitszeit empfehlen. Das würden unsere Mitglieder unter keinen Umständen annehmen. Ich bedauere sehr, daß wir unseren Mitgliedern nicht zu einer Vereinbarung raten können, aber daß wir cä nicht können, das ist nicht unsere Schuld. Die Arbeitgeber haben uns diese Möglichkeit genommen. Ich halte es nach dem heutigen Ergebnis der Verhandlungen nicht für notwendig, daß wir. wie Herr v. Schulz anregte, nvchmal zusammenkommen. Nach meiner Meinung sind die Verhandlungen gescheiter». Herr v. S ch u l z bemerkte, er fasse die Aeußerungen nicht als Abbruch, sondern al» Vertagung der Verhandlungen auf. die jeder- zeit wieder aufgenommen werden können. Kloß: Wir wüss-en es anders auffassen. Wir Vynen auf ble Verkürzung der Arbeitszeit nicht verzichte». Wen» wir ZeKt auseinandergehen, so sind die Verhandlungen gescheitert. Ich bc- daure es lebhaft, daß wir nicht zum Friedensschluß gekommen sind, aber über die Frage der Arbeitszeitverkürzung kommen wir nicht hinweg. Mit den hier gebotenen Bedingungen können wir nicht vor unsere Mitglieder hintrcten. Herr b. Schulz machte nun den Vorschlag, ob es nicht möglich sei, einen Vertrag abzuschließen, wonach zunächst ohne Verkürzung der Arbeitszeit gearbeitet werde, der aber eine Bestimmung ent- halte, daß nach einer gewissen Zeit eine Verkürzung der Arbeits- zeit eintrete, oder doch darüber beraten werden müsse. Auf diesen Vorschlag ging man auf keiner Seite ein.— Arbeitgeber Ball sagte zu den Vertretern der Arbeiter, sie sollten sich darüber klar werden, daß die Arbeitgeber nicht die Besiegten sind. Tarauf erwiderte M a a ß: Von Siegern und Besiegten ist hier nicht die Rede. Wir sind bereit, schon morgen die Arbeit wieder aufzunehmen unter den alten Verhältnissen. Aber einen Vertrag, der die alten Verhältnisse auf Jahre hinaus fe st legt, wollen wir nicht.(Lachen bei den Arbeitgebern.) Obermeister R a h a r d t(zu den Arbeitervertretern): Wir haben trotz unserer Gegnerschaft bisher in geschäftlichen Formen niiteinandcr verkehrt. Jetzt muß Ihnen klar sein, daß sich unser Verhalten nicht mehr an die Grenzen freundlicher oder auch nur geschäftlicher Verhältnisse bindet. Wundern Sie sich nicht, wenn wir jetzt andere Kampfmittel anwenden. Kloß: Wenn das ein Schreckschuß sein soll, so geht er fehl. Einige Vorkommnisse der letzten Zeit haben das Vertrauen zum Vorstand des Arbeitgeber-Schutzverbandes sehr stark erschüttert, namentlich sein Vorgehen in Kiel und Burg. Hierüber werden wir demnächst Material der- öffentlichen, auch Briefe von Herrn Rahard t. Daraus wird man sehen, daß es uns sehr schwer gemacht wird, in ein Vertragsverhältnis zu den Arbeitgebern zu treten, weil wir zu der anderen Seite nicht das Vertrauen haben können, welches man zu einem Gegcnkontrahcnten haben muß. Wenn Herr Nahardt von jetzt an nicht mehr in den Grenzen geschäftlichen Anstandes mit uns verkehren will, so wird er wohl aller Welt zeigen, was man in dieser Hinsicht von ihm lernen kann. Wir aber werden solche Lehren nicht an- nehmen, sondern nach wie vor Anstand und ge- schäftsmäßiges Verhalten wahren. Hierauf schloß Herr v. Schulz die Sitzung, welche länger als drei Stunden gedauert hatte, mit dem Bedauern, daß es zu keiner Einigung gekommen ist. Achtung, Mitglieder des Metallarbriterverbandes! Bei der am Sonntag, den 10. d. M. vorgenommenen Stichwahl sind zu Ange- stellten für das Bureau gewählt die Kollegen Karl Joseph, Emil Geisler und Heinrich Hillekampes. Die Ortsverwaltung. Die Automobilführcr waren am Dienstag früh bereit, die Arbeit zu den vom Gewerbe- gericht festgesetzten Bedingungen wieder aufzunehmen; aber sie stießen bei vielen Firmen aus Schwierigkeiten. Die?! c u e A u t o m o b i l g e s e l l s ch a f t, Kandel hart, Stern, Zimmermann und Sohn, wollen sich dem Bc- schluß der Unternehmer-Vereinigung nicht fügen. Der Ge- schäftsführer Kiep er von der?t. A. G. erklärte:„Dieser Beschluß ist nur für die kleinen Besitzer(!) maßgebend; wir Großen machen, was w i r wollen."— B e d a g verlangt, daß die Fahrer b» Pf. Wagenwaschgeld(statt der festgesetzten 45 Pf.) zahlen. Die Firma will ferner ihre Wahl treffen, wer wieder einzustellen sei. Die Bedagfahrcr kamen zu einer Beratung zusammen und nahmen die Llrbeit noch nicht auf.— Man hatte die Losung ausgegeben, daß die Ausgesperrten geschlossen zurückkehren sollten und daß darauf zu sehen sei, daß die Vertrauensmänner zuerst Anstellung finden, weil diese einer Maßregelung in erster Linie ausgesetzt sind. Die Kommission der Fahrer hat bereits das Gewerbericht davon in Kenntnis gesetzt, daß in den genannten Betrieben der Beschluß des Einigungsamtes nicht zur Anerkennung gekommen ist. Die sah- renden Kollegen beschlossen in einer Versammlung, daß diejenigen, die gegenwärtig als Droschkenkutscher tätig sind, sich nicht eher um eine Stellung bewerben sollten, bis die Ausgesperrten untergebracht sind. Die Wiedereinstellung wird nicht so schnell vor sich gehen, wie erwartet, da sehr viele Wagen„im Bruch" liegen, also reparatur- bedürftig sind. Zur besseren Kontrolle ist eingeführt worden, daß jeder, der an der Aussperrung beteiligt war oder sich solidarisch mit den Ausgesperrten erklärt hatte» einen besonderen Stempel auf seiner Legitimationskarte erhält. «»» Infolge der Weigerung der.,Bedag"-Gesellschaft, die Eini- gungsverhandlungen anzuerkennen, hat eine gestern stattgefundene Versammlung der Fahrer dieser Gesellschaft den Streit bei der ,.Bedag"-Gesellschaft mit 402 gegen 4 Stimmen beschlossen. Achtung, Kürschner! In der Pelzwarenfabrik von Maier u. Co.. Kommandantenstr. 76—78, haben sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen wegen Maßregelung des Vertrauensmannes die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Verband deutscher Kürschner, Zahlstelle Berlin. Die Ortsverwaltung. Achtung! Barbiergehiilfc»! Differenzen sind entstanden bei K r ö p s ch, Warschauerstr. 27a, Godenzweig, Koloniestr. 152, und besonders zu beachten ist die Firma Katschinski, Emdenerstraße 10, die sich das Durchbrechen der Forderungen wiederholt geleistet hat. Verband deutscher Barbier-, Friseur- u. Perückenmachergehülfen Berlins. OcutCcheo Reich. Berliner Posamentierräte. Die hannoverschen Arbeitgeber im Posamentterge- werbe scheinen von den Berliner Scharfmachern gründlich eingc- seift zu sein.??ach wochenlangcn Verhandlungen war zwischen den Vertretern der Meister, der Gehülsen und der Leitung des Textil- arbeiterverbandcs ein Tarifentwurf zustande gekommen, welcher am Sonntag, den 3. März, unterschrieben werden sollte. Zu diesem Akt hatten sich die hannoverschen Meister Kollegen aus Berlin, unter fhnen den sattsam bekannten Meister Engel, verschrieben. Diese gaben den„guten" Rat, überhaupt in kein tarifliches Verhältnis mit den Gchülfen ein- zugehen, sintemalen man„Herr im Hause" bleiben müsse. Die hannoverschen Pvsamcntenfabrikanten krochen auf den Leim und lehnten die Unterschrift ab. Die Gehülfen k ü n- d i g t e n, da sie unter den Verhältnissen, unter denen am Orte bislang gearbeitet wurde, nicht weiter arbeiten wollen. Die Posamenticrgchülfcn im Reiche werden gebeten, Hannover streng zu meiden. Zur Bewegung der Schneider. Ein Privattelegramm meldet uns aus Kö n i g s be r g: Der Streik der Schneider und Schneiderinnen nimmt einen für die Arbeiter günstigen Verlauf. 20 Firmen, darunter vier größere, haben die gestellten Forderungen bewilligt. Der Vorstand des Ar- beilgeberverbandes für das Schneidergewecbe hat von München aus den Königsbergcr Unternehmern freie Hand in ihren Entschließungen gelassen. Diese haben darauf ihren Tarif zurückgezogen und sich nunmehr bereit erklärt, in Verhandlungen einzutreten. Die Ar- beitgeberkmumission hat die Forderung, daß in allen Geschäften nach zwei Lohnklassen bezahlt werden solle, zurückgezogen. Damit ist das größte Hindernis für«ine Beilegung des Streiks des eitigt. VeiantW, jSeialteui: Haus fütbtt, 2kr JinT SnjeratcnteispsrakU»» Die Schneider in Zittau bechlossen, nach einem uns züge- gangenen Privattelegramm, ebenfalls den Streik. Sie wurden zu diesem Vorgehen durch den Arbeitgebcrverband gezwungen, der ihnen Tarifverschlcchterungen zumutete. Auch die Schneider Nürnbergs sind jetzt in den Ausstand getreten. Ter Verband der Arbeitgeber hat den Arbeitern einen eigenen Tarifentwurf vorgelegt, der verschiedene Zugeständnisse cuthielt, zu gleicher Zeit wurde aber bemerkt, daß diese Zugestand- nisse nur dann aufrecht erhalten werden, wenn bis Donnerstag in allen 40 Filialen, wo die Schnieider in der Bewegung stehen, der Uilternehlnertarif angenommen und dies bei dem Arbeitgelxwvcrband angezeigt ist. Anderenfalls seien die Zugeständnisse zurückgezogen und würde eine allgemeine Aussperrung erfolgen. Außerdem ent- hält der Tarifentwurf der Unternehmer eine Reihe von Fußangeln für die Arbeiter. Alts diesen Gründen beschloß eine Schneider- Versammlung, mit allen gegen 5 Stimmen, in den Streik einzutreten. Am Montag wurde die Arbeit nicht aufgenommen. Die Zahl der Streikenden beträgt gegen 500. Die Granithaner und Schleifer der Firma Conradus in Eisenach reichten am 5. März sämtlich ihre Kündigung ein. da die Firma sich weigert, die unterbreiteten Forderungen ihrer Arbeiter anzuerkennen. Zwei weitere am Orte befindliche Granitwerke haben anstandslos die Forderungen anerkannt. Alle Granitarbeiter sind ersucht, etwaigen Arbeitsgesuchen obiger Firma nicht stattzugeben.— In Erfurt legten am 18. Januar sämtliche bei der Firma C. A. Merkel be« schäftigten Steinarbeiter die Arbeit nieder. Da bis dato die Differenzen noch nicht beigelegt, die Firma aber allerorts tüchtige Steinmetzen zu hohen Akkordlohnen sucht, so sind die Steinarbeiter hiermit aufmerksam gemacht, damit das Verhalten der betr. Firma gebührend eingeschätzt wird. Dir Westfälischen Stahlwerke in Bochum haben durch Ver- Mittelung von Agenten am Freitag 150■ Steiermärker erhalten. Ten Leuten ist ein Lohn von 6 M. pro Schicht versprochen worden. Zlls sie hier waren und die Arbeit aufnahmen, wurde ihnen gesagt, daß sie„vorläufig" nur 3,50 bis 4 M. erhielten. Der ganze Trans- Port hat daraus die Arbeit verweigert.— Ebenso erging es auf demselben Werke einer Kolonne Schmelzer, die aus Danzig herbeigeholt waren. Diesen waren zuerst 8 M. versprochen, jetzt sollen sie 5 bis 5,50 M. haben.— Vor Zuzug sei gewarnt. Achtung, Metallarbeiter! Ein Konflikt von größerer Beden- tung ist in der Solinger Stahlwarcnindustrie ausgebrochen. Die Firma Gottlieb Hammesfahr, Solingen-Jochc, versucht mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der bei ihr beschäftigten Arbeiter zu verschlechtern. Um genannten Zweck zu erreichen, sollen von auswärts Arbeits- kräfte herangezogen werden. Gang besonders ist es Thüringen, darunter das Gebiet von Rudolstadt, wo bereits Werbeagenten tätig waren und wahrscheinlich noch sind, um für Hammcssahr will- fährige Arbeiter heranzuschasfen. Ausgeschlossen ist selbstredend nicht, daß man auch in anderen Gegenden versuchen wird, Zlrbeits- willige zu engagieren. Die Differenzen haben sich bis zum be- vorstehenden Streik zugespitzt, der vielleicht 600— 700 Arbeiter umfassen kann. Jeder Zuzug von Metallarbeitern aller Art ist daher nach dem Industriegebiet von Solingen fernzuhalten. Die arbciterfrcund- liehen Blätter werden um Abdruck ersucht. Die Ortsverwaltung Solingen des Deutschen Metallarbeiter» Verbandes. Die englischen Streikbrecher. ES ist traurige Tatsache geworden, daß England, das klassische Land der Gewerkschaftsbewegung, den Hamburger Unternehmern Streikbrecher liefert. Allzuviel Freude dürften die Unternehmer an ihren ausländischen„Staatsstützen" freilich nicht erleben. Diese Arbeitswilligen wurden, wie„Daily?tewS" mitteilt, in Withechapel angeworben. Der Agent der Hamburger Reeder hatte sich in einer Wirtschaft niedergelassen. 300 wurden am ersten Tage angeworben, wie es heißt, werden weitere 800 gesucht. Tauscnde umlagerten das Haus, zumeist durch lange Arbeitslosigkeit und Entbehrungen heruntergekommene Gestalten, wie sie im Ostend von London zu Hunderten und Tausenden zu finden sind— die Ausgestoßenen der Gesellschaft. Der Werbeagent hatte sich zwei Aerzte an- genommen und viele wurde» ohne weiteres als unbrauchbar zurück- gewiesen. Organisierte Arbeiter dürften sich unter den Angeworbenen wohl kaum befinden; ein Teil wird der schweren Arbeit nicht ge- wachsen sein, die sie gar nicht verstehen, der andere Teil wird sich kaum sehr bemühen, die Zufriedenheit seiner Ausbeuter zu gewinnen. — Aber was macht's dem Unternehmertum, es opfert lieber bereit- willigst große Summen Geldes, ehe es berechtigten Forderungen der Arbeiter nachgibt. Und wie herrlich offenbart sich hier wiederum der Patriotismus der Unternehmer, die Ausländer zu Hülfe zu rufen, um den heimischen Arbeiter, den eigenen Landsmann, den„Bruder Arbeiter", wie er in der Wahlzeit so schön genannt wird, zu unter- drücken. Hamburg, 12. März.(Privatdepcsche des„Vorwärts".) Aus- gesperrt sind 3598 Schauerleute, zu den alten Bedingungen arbeiten 500. Englische Streitbrecher mit heute angekommenen 1500 Mann. Einige Schiffe kamen mit doppelter Besatzung, die Löscharbcit selber verrichten. Tluvlanck. Die Pariser ElckrizitätSarbeiter halten die Augen auf. Der Syndikatsausichuß derselben hielt in der Arbeitsbörse eine Versammlung ab. in welcher er die Forderung auf- stellte, zu den Verhandlungen zwischen der Gemeinderatskommission und den Vertretern der künstigen Elektrizitätsgesellschaft zugezogen zu werden, um die Wünsche der Arbeiter darzulegen. Der General- sekretäb des Syndikats erklärte einen, Berichterstatter, daß die Elektrizitätsarbeiter im Falle einer Ablehnung ihrer Forderungen neuerdings in den Ausstand treten würden. Eine Versammlung am Freitag soll über weitere Schritte entscheiden. Eine entsetzliche Pulverexplosion hat sich gestern nachmittag im Hafen von Toulon an Bord des französischen Linienschiffes„Jena" ereignet. Durch die Katastrophe ist eine große Anzahl blühender Menschenleben vernichtet. Die Zahl der Toten und Verwundeten konnte bis zur Stunde noch nicht festgestellt werden. Die Rettungs- aktion wird erschwert durch in kurzen Abständen erfolgende neue Explosionen, die durch die großen Pulvervorräte des Schlachtschiffes hervorgerufen werden. Nur einem Teil der Mannschaft gelang es, durch Ueberbordspringen das Leben zu retten. Das Schiff wurde durch Feuer völlig zerstört. Der Telegraph übermittelt uns über die Katastrophe folgende Einzelheiten: Toulon, 12. März. Lln Bord des Panzerschiffes„Jena", das behufs Prüfung seiner Maschinen sich in einem Bassin des Arsenals befindet, ereignete sich heute nachmittag eine Pulverexplosion, der zahlreiche Menschenleben zum Opfer fielen. Ein Torpedo war explodiert und brachte die Pulvrrvorräte zur Explosion. Das Hinterteil des Schiffes flog in die Luft. Tie ganze Bemannung war au Bord. Ein Teil derselben konnte sich retten, man spricht aber von zweihundert bis dreihundert Toten. Die Explosionen dauern fort; weithin sind alle Fensterscheiben zertrümmert. Das Schiff führte die Flagge des Konteradmirals Manceron und wurde von dem Kapitän Adigare befehligt. Toulon. 12. März. Die Explosionen an Bord der„Jena" folgen sich i» Abständen von etwa einer Biertelstunde. In allen um die Bassins herum gelegenen Werkstätten sind die Fensterscheiben Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Pulazsavgag zertrümmert. Die elektrischen Leitungsdrähte glühen auf uud schmelzen. Bei jeder Explosion werden Trümmer über 500 Meter weit geschleudert. Ein Eranatcnstück im Gewicht von etwa 10 Kilo flog in einer Entfernung von etwa 400 Metern von der„Jena" nieder. Im Marincarsenol herrscht grenzenlose Verwirrung. Die Arbeiter, die sich zur Arbeit begaben, stürzten nach dem Bassin von Missiessh, wo eine Rauchsäule aufsteigt. Einzelne Gruppen wissen noch nicht, worum es sich handelt; plötzlich erfahren sie, daß die „Jena" in die Luft geflogen ist und sofort bringt sich alles, so schnell wie möglich, auf Befehl der Offiziere in Sicherheit. Man weiß, daß die Pulverkammern des Schisses gefüllt waren und die fortwährenden Explosionen lassen darauf schließen, daß alle vom Feuer ergriffen sind. Uebcr die Zahl der Opfer ist nichts bekannt, doch vermutet man, baß sie sehr beträchtlich ist. Die Explosionen folgen sich immer häufiger. Beherzte Matrosen nähern sich mit Gefahr ibres Lebens; sie sahen, wie jeden Augenblick menschliche Körperteile in die Luft geschleudert werden. Die Erregung ist fürchterlich. Man sieht Leute mit rauchgeschwärztem Antlitz und allen Zeichen des Schrecken? in den Zügen ziellos landeinwärts eilen. Toulon, 12. März. Die ganze Bevölkerung ist auf das äußerste erregt, die Straßen sind schwarz von Menschen, der Zugang zum Arsenal ist gesperrt; nur Offizieren. Unteroffizieren. Matrosen und Arbeitern ist der Eingang gestattet. Die Organisation der Hülfs. aktion gestaltet sich schwierig, weil jeden Augenblick neue Explosionen erwartet werden. Man befürchtet, daß das Feuer auch die„Suffreu", das Flaggschiff deS aktiven Geschwaders ergreift; mehrere Werkstötten deS Arsenals find bereits in Brand geraten, weil brennende Trümmer auf die Dächer fallen. Der Transport der Verwundeten, deren Zahl auf 300 geschätzt wird, nach den Krankenhäusern beginnt jetzt; die Zahl der Getöteten wird ebenfalls auf 300 geschätzt. Viele Offiziere sind schrecklich verbrannt. Die von der Explosion verschonten Teile des Schiffes sind durch Feuer erheblich beschädigt. Alle diejenigen, die sich~retten konnten, liefen eiligst nach der Stadt, um ihre Familien zu benachrichtigen. Der gerettete Obersteuermann Gindicelli erzählt, daß eine große Anzahl Matrosen in dem für die Aspiranten be- stimmten Räume versammelt waren, wo der Aspirant Carlini einen geschichtlichen Vortrag hielt. Plötzlich habe eine Explosion, deren Knall von hinten gekommen sei, das Schiff erschüttert. Dank dem Umstände, daß der Vortrag gehalten wurde, hätten die meisten Leute, die dem Vortrage beiwohnten, sich retten können; sie seien nach vorn gestürzt und hätten mit Hülfe der Leitem den Kai er« reichen können. Toulon, 12. März. 5'/z Uhr. Bis zur Stunde ist e» noch nicht möglich, die genaue Zahl der Toten und Verwundeten anzugeben; man spricht von 50 Toten und 100 Verwundeten, doch ist es mög- lich, daß die Zahlen größer find. Um 4>/, Uhr wurde bekannt, daß das ganze Hinterteil des Schiffes brennt, daß aber Explofionr» nicht wehr zu befurchten find. Man glaubt, daß auch der Kommandant und der erste Offizier der„Jena" sich unter den Opfern befinden, weil von ihnen keine Nachrichten vorliegen. Toulon, 12. März, nachmittags 6 Uhr. ES bestätigt sich, daß Admiral Manceron bei dem Unglück auf der„Jena" verwundet worden ist. Das Linienschiff„Jena". Die„Jena" war das schönste Schlachtschiff der französischen Flotte; sie diente als Typ und sollte mit der, Suffren" zusammen die Grundlage der künstigen Flotte bilden. Die anderen Schlacht- schiffe, die nicht vom Typ der„Jena" find, sollten allmählich außer Dienst gestellt werden.— Marincminister Thomson begibt sich heute abend nach Toulon. Die„Jena" wurde im Jahre 1898 vollendet. DaS 122 Meter lange und über 20 Meter breite Fahrzeug hat einen Tiefgang von 8,40 Meter bei einer Wasserverdrängung von mehr als 12 000 Tonnen. Das Schiff ist sehr stark armiert und hat einen Gürtel- Panzer von 320 Millimeter Stärke. Drei Schrauben verleihen ihm eine Geschwindigkeit von 18 Seemeilen in der Stunde, zu deren Er- zeugung 15 500 Pferdekräfte erforderlich sind. Die Besatzung bestand aus 698 Köpfen. Angekündigte Interpellation wegen der Katastrophe. Paris, 12. März. Marineminister Thomson hat von dem Senator Monis eine Depesche erhalten, in welcher Monis mit- teilt, daß er den Minister über das Unglück auf der„Jena" zu interpellieren gedenke. Monis erklärt in der Depesche weiter, er werde in seiner Interpellation darauf hinweisen, daß dieses Unglück um so schwerer ins Gewicht falle, als es eine lange Reihe von Unglückssällen kröne, die die Regierung dazu hätte be- stimmen müssen, alle zur Berhiuderung solcher Unglücksfälle notwendige» Maßnahmen zu treffen._ Letzte JNfacbncbten und DcpcFcbcn« Berfammlungs-Auflösung trotz des„Fraucn-Tcgmcnts". Gegen die bekannte ministerielle Verfügung über die Teilnahme von Frauen an politischen Vercinsverfammlungen handelte offenbar der Poli�eileutnaitt, der gestern abend die Versammlung des Wahlvereins für den vierten Wahlkreis auflöste, obwohl die anwesenden Genossinnen sich, einer Aufforderung des Vorsitzende» Genossen Schulz entsprechend, in das„Segment" begeben hatten, das hier, in den„Margrafensälen", durch eine in Etagenhöhe liegende Galerie gebildet wird. Dieser Raum ist durchaus so ge- legen, daß er allen Anforderungen, die man mit dem Begriff „Segment" verbinden kann, genügt. Gleichwohl erklärte sich der überwachende Beamte nicht zufrieden damit und verfügte gleich nachdem die Versammlung eröffnet war und Genosse Grunwald seinen Vortrag beginnen wollte, die Auflösung. Selbstverständlich wird Beschwerde gegen die unverständliche Maßregel erhoben werden. Helgoland als Seefestuug. Essen(Ruhr), 12. März.> d».nkfeier, die die Wiener Genossen am Sonntag an den Gräbern ihrer Märzgefallenen abhielten. Kalt und un- freundlich war der Tag,„aber die Feier war," so sagt die Wiener „Arbeiterzeitung",„eine jubelnde Frühlingsfeier".„Was vermochte die Unbill des Wetters," so fährt unser Wiener Parteiorgan fort, „gegen die Hochgefühle, die jeder der ungezählten Tausende dies- mal im Busen trug; gegen den stürmischen Drang, den Helden des ersten Befreiungskampfes die jubelnde Kunde zu bringen von der Erfüllung heißen Sehnens und leidenschaftlichen Wollens. Hunderte Kränze wurden wieder auf den Sockel gelegt, aber auch ein unsichtbares Weihegeschenk: die in allen Herzen glühende Sicgesfrende, die Genugtuung über die Eroberung des gleichen Wahlrechtes...." Gewaltig war die Beteiligung. Mehrfach waren auch Ab« ordnungen aus Nieder- Oesterreich delegiert. Um%4 Uhr er- schienen die ersten Kranzträger am Grabdenkmal. Die Zahl der Kränze war so groß, daß sie nicht nur den Sockel des Denkmals und die Blumenbeets deckten, sondern daß viele noch außerhalb des Raumes auf den Nasen niedergelegt werden mutzten. Mit dem von den Arbeitersängern vorgetragenen mächtigen Chor„Achtzehn- hnndervierzig und acht" begann die Feier. Dann ergriff Genosse Dr. Ellenbogen das Wort. Er sagte: Als wir im vorigen Jahre an dieser Stelle standen, da er« klärten wir, daß wir nicht wiederkommen würden ohne das all« gemeine, gleiche Wahlrecht.(Bravo!) Wir haben dieses Versprechen gehalten. Den Siegespreis eines vierzigjährigen Kampfes in der Hand, versammelt sich das Proletariat Oesterreichs heute wieder um das Grab derjenigen, die als erste in Oesterreich die Forderung nach dem gleichen Wahlrecht erhoben haben.(Beifall.) Nie kann das furchtbare Verbrechen der Gesinnungsverfolgung so klar be- griffen werden wie in der Vorstellung, daß hier in diesem Grabe Leute ruhen, die für eine Forderung erschossen wurden, welche heute— allerdings sechzig Jahre später— nicht nur Gesetz geworden ist, sondern die sogar von Ministcrn, ja von Trägern der Krone als unausweichliche Staatsnotwendigkeit erklärt worden ist. (Beifall.) Wir haben im vorigen Jahre das Versprechen und die Prophezeiung ruhig abgeben können; nicht etwa, weil wir auf die Gesinnungstreue, Geschicklichkeit oder Staatskunst unserer Herren Minister vertraut hatten— damals war schon der erste Wahl- reformminister Gautsch in seiner Stellung schwer bedroht—; wir haben auch nicht auf die Wahlreformfreundschaft der bürgerlichen Parteien gebaut; wir haben uns lediglich auf die revolutionäre Kraft unserer Bewegung verlassen(Beifall.) Treibt die Re- voluiion des Proletariats mit Polizisten, mit Staatsanwälten, mit Ausnahmezuständen und Justizverbrechen, treibt sie mit Intrigen und Kabalen, mit frommen Traktätletn und Bibelsprüchen ans, sie kehrt doch wieder.(Lebhafter Beifall.) Wir sind zum Krieg- führen auf die Welt gekommen, wir haben nicht die Zeit, uns der Früchte des Sieges behaglich zu freuen. Aus dem Kampfe als Sieger sind wir heute hierher gekommen und in den Kampf zu neuen Taten ziehen wir von hier wieder hinweg.(Neuerlicher Beifall.) Es gilt, die neu ge- schmiedete Waffe des gleichen Wahlrechts in den nächsten Monaten zu gebrauchen gegen politische Knechtschaft, geistige Verdummung und wirtschaftliche Sklaverei. Und möge jeder, der am 14. Mai zur Urne schreitet, von einem Hauche jenes Freiheitsgeistes um- weht sein, von dem sich die leiten ließen, die jetzt hier im Grabe ruhen. Möge jeder, der den Namen eines Sozialdemokraten ans den Stimmzettel setzt, sich dabei sagen, daß er damit die Worte hinschreibt: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Wir aber werden uns mit aller Begeisterung, mit aller gewohnten Macht in diesen Kampf stürzen mit dem siegverkündenden Rufe: Hoch die inker- nationale Sozialdemokratie!(Stürmische Hochrufe.) Nach ihm sprachen die Genossen D w o r a k(tschechisch) und Terakowski(polnisch). Die Defilierung vor dem Monument dauerte, nachdem die Redner gesprochen hatten, noch eine Stunde, dann Wen sich die Massen auf._ Gegen Bernhard und Brau» haben am Sonntag die Dortmunder Genossen in schärfster Weise Stellung genommen. Die Filiale Dortmund des sozialdemo- kratischen WahlkreisvereinS hielt eine Generalversammlung ab. die sich vornehmlich mit der verflossenen Reichstagswahl beschäftigte. Ganz erklärlicherweise hat das neuliche Auftreten Bernhards und Brauns die Genossen aufs äußerste empört. Folgende Resolution fand denn auch e i n st i m m i g e Annahme: „Die Generalversammlung der Filiale Dormund des sozial- demokratischen Vereins begrüßt mit Freuden das Vorgehen der Berliner Genossen gegen den Parteischädiger Georg Bernhard, der sich sogar die Freiheit herausnahm, in gegnerischen Blättern über unsere Partei herzufallen. Ferner hofft die Generalversammlung, daß die Berliner Organisationen auch gegen Braun das Verfahren auf Ausschluß einleiten. Die große Masse der Parteigenossen hat es gründlich satt, daß fortwährend von einzelnen Personen bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die ganze Partei schädigenden Stänkereien angerührt werden; dadurch werden den Gegnern Waffen in die Hand geliefert, womit diese bei allen Wahlen uns entgegentreten und die Werbetätigkeit für unsere Ideen ungemein erschweren. Ueberhaupt ist die Versammlung der Ansicht, daß dem Ge- zänke endlich einmal ein Ende bereitet wird und hofft, daß der Parteivorstand dazu energische Schritte unternimmt." Den Genossen Bernstein, Calwer und Schippe! wurde in der Versammlung scharfer Tadel ausgesprochen, daß sie, wo wir noch in der Stichwahl standen, in den„Monatsheften" in der ungehörigsten Weise dabei waren, an der Partei herumzukritisieren. Die wissen« schaftliche Forschung solle in der Partei nicht unterbunden werden, man könne aber von den Genossen verlangen, daß sie der Partei leine Schwierigkeiten bereiteten und den Gegnern Waffen lieferten. » Die Generalversammlung beschloß, zum I. Juli eine Zwei- teilung der Filiale Dortmund vorzunehmen, die jetzt über 1600 Mit- glieder besitzt. Man hofft dadurch, den agitatorisch tätigen Genossen die Arbeit zu erleichtern und fix intensiver zu gestalten. Aus dem Wahlkreise ArnSwalde-Friedeverg wird berichtet: Am Sonntag, den 10. März, fand nach den Wahlen die erste Kreis- konferenz in Driesen statt. Sie war von Delegierten aus zehn Ort- schaften deS Kreises besucht, außerdem waren der Zentral» Wahl- Vereinsvorstand und von der AgitationSkommisston die Genossen L. Zucht und Hanisch sowie der Genosse Eugen Brückner« Berlin anwesend. Der Bericht des Zenttalvorstandes zeugte von einer regen Tätigkeit, die sich insbesondere auf den Ausbau- der Organisation erstreckte. Während Anfang August 1006 nur 72 Mitglieder des Wahlvereins zu verzeichnen waren, sind es jetzt deren 357. Nach einem Referat des Genossen Eugen Brückner-Berkin über die Wahl und unsere fernere Agitatton, wurde er wieder ein- stimmig als Kandidat für den Kreis aufgestellt. Nach einem Hinweise des Genosseii L. Zucht auf den reaktiv- nären Standpunkt des Herrn Bruhn(des Abgeordneten de? Kreises) in seiner Rede im Reichstag betreffend die Aufhelunig der Gesindeordnung, wurde die vom besten Geist beseelte Konferenz mit einem dreifachen Hoch auf die völkerbefreiende Sozialdemokratie ge- schloffen. Es geht auch hier vorwärts trotz alledem und alledem l Wahlerfolg in der Schweiz. In C h i a s s o(Kanton T e s s i n) wurden bei den Gemeindewahlen, die nach freiwilligem Proporz vorgenommen wurden, drei sozialdemokratische Ber» trete» in den Gemeinderat(Stadwerordnetenversmnmlung) g» wählt. 2&S/Z 2MC _öa_ iSSC A.WERTHEIM BESONDERS PREISWERTES PORZELLAN Kaffeeservice 9 teilig 2.90, 4 Mk., 4.50 Mk. 16 teilig 6.50, 7 Mk, Dekoriert Butterdosen Leuchter Fruchtschalen Kuchenteller Kuchenkörbchen Tassen Satztöpfe 6 smck Tafelgeschirre tueiss mit 55 pc 28 pc 95 pc 75 pc 28, 70 pc 22, 28 pc 1.35, 2.20 Mk. 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Garnitur-Schüsseln dekoriert 2.50, 2.76 Mk. Fussbadewannen dekoriert 4,50 Mk. Marktkörbe 4� mit Emaille-Einsatz l-CyV-/ Mk. WIRTSCHAFTS- ARTIKEL Butterdosen v.eraS Kaffee- Service"Wke» 8.50, 1 1.so Mk. Kaffee- u.Tee-Servicevlrn. 1 4 Mk., 1 5 Mk. Brotkörbe vernickelt 45, 75, 95 Pf. 50, 95 pc 1.90, 2,50 Mk. 1.50, 1.75 Mk. 1.50 Mk. 2.50, 3.25 Mk, 2.85, 3.50, 3.75 Mk. 4.75 Mk. Kakesdosen v.'mS Saftkannen Blumenvasen?Äne« Krümmelschaufel Tortenplatten Weinkannen Kabarets 3.25, 3.60 Mk. Tischtuchklammern 5 und 1 0 pc Tischbestecke GriffennkpSar 48 pc Tischbestecke Srla«"'"»« 45, 65, 80 pc ESS lÖffel Britanniametall Teelöffel Britanniametall Gemüsemesser Blitzschneider Büchsenöffner Sparschäler Wi rtschaftswagen 15 pc 8 pc 15 pc 1 Mk. 25 pf. 5, 50 pc 1.40 Mk. Fleischhackmaschinen 2.25, 2.75 Mk. zm zm ztssz DMC ZJiwr ZKyz- Rand gcsetzl. geschützt, Volksbadewannen 1 5 Mk. Zink-Waschfässer 9 Mk. bi, 1 3.50 Zink-Waschfässer"ärö�n 1 1.50 bi. 1 6 Mk. Zink-Zober 1 0.50, 1 2.50 Mk. Teppichkehrmaschinen 9, 1 2»»., 1 3.50 Messerputzbretter LchmÜgei, 35 pc Gaskocher 9.50, 1 1 Mk. Gaskocher mit Bratofen 30 Mk. Wringmaschinen 1 1 Mk., 1 2 Mk. Schirmständer 2.25 Mk »...«rtet. Berlin, gut fc» gafetatenteü öetOTtoT: TH. Blsckt. Berlin. Arncku. Verlag: Vorwätt» I�chdruckerei u. Verlagsanstalt Raul Singer& Ca.. Berl« SW. ».ei. umm. 2. Keilllge iles LgMlilts" Kerlim Wllisblatt. ll! N»-! m- Heute Mitwoch findet für Berlin und Vororte der Zai)Iabend statt. parte!- Angelegenheiten. Zum heutige» Zahlabend! In der letzten Nummer des„Mitteilungsblattes" ist ein Irrtum mrterlaufen, der hiermit berichtigt wird. Die Vorstände des e r st e n und zweiten Kreises haben sich gegen Erhöhung des Mitglieds- beitrages, die des dritten, vierten, fünften Kreises sowie der Zentralvorstand von Teltow- Beeskow und die KrerS-Generalversammlung von Niederbarnim für eine Erhöhung um fünf Pfennig pro Monat ausgesprochen, der Vorstand des sechsten Kreises dagegen empfiehlt eine Erhöhung von zehn Pfennig pro Monat. Wir bitten, dies bei den Diskussionen des heutigen Abends in Betracht zu ziehen._ Das Bcrbands-Burcau. Nieder- Schöneweide. Die Parteigenossen werden darauf auf- merksam gemacht, datz der heutige Zahlabend noch gemeinsam von allen drei Bezirken abgehalten wrrd, und zwar im Lokale des Ge- Nossen Julius Fischer. Bcrlinerstr. 92. Um regen Besuch ersucht Der Vorstand. Steglitz. Heute abend in allen Bezirken Zahlabend. Der 8. Bezirk milst besonders vollzählig erscheinen, da hier Neuwahl des l. Bezirksführers notwendig ist. Zur Gewerbegerichtswahl am Freitagabend von 6—8 Uhr fordern wir alle Parteigenossen auf, die wahlberechtigt sind, ihre Pflicht zu tun._ Berliner JVacbricbten. Schulfeiern. In den letzten Jahren haben es sich eine Anzahl Schub Iciter angelegen sein lassen, alljährlich Schulfeiern zu Der anstalten und zu denselben die Angehörigen der die betreffende Schule besuchenden Kinder einzuladen. Diese Jahresfeiern oder Elternabende, wie sie noch bezeichnet werden, sollen be- Zwecken die Herstellung innigerer Beziehungen zwischen Schule und Haus und in zweiter Linie sollen den Angehörigen durch die Kinder einige frohe Stunden bereitet werden. Der Zweck dieser Veranstaltungen ist sicher ein sehr löblicher und man kann nur wünschen, daß sich Schule und Haus näher kommen, allein angesichts der heutigen Organisation dieser Elternabende oder Jahresfeiern glauben wir, daß dieser Zweck nicht erreicht wird. Dazu gehört mehr denn das Anhören einer Anzahl durch die Kinder vorgetragenen Gedichte und Märchen und hier und da eine vom Rektor gehaltene An- spräche, und sei sie noch so warm. Unserer Ansicht gehört dazu ein inaigerer Kdnnex zwischen Lehrer bezw. Lehrerin und Eltern. Die Lehrer oder Lehrerinnen müßten durch die Eltern sich über die Individualität des Kindes näher unter- richten lassen können, müßten sich mit ihnen aussprechen können. Das ist es, was fehlt, aber nötig wäre, sollen die Beziehungen zwischen Schule und Haus ernstliche Förderung erfahren. Haben wir somit mit einigen Worten auf die Mängel dieser Jahresfeiern oder Elternabende hingewiesen, so wollen wir gern anerkennen, daß die Stunden einer Jahresfeier nicht zu den verlorenen zu zählen sind. Die Schulleiter mit ihren Lehrkräften geben sich alle Mühe, um den Angehörigen einen angenehmen Abend zu bereiten und es ist eine wahre Freude, die hübschen Vorträge der Kinder anzuhören. In erster Reihe steht wohl der Gesang, und man muß es unseren Gesanglehrern lassen: auf diesem Gebiete sind sie anderen voran. Und wem könnten die Vorträge der Kinder nicht alle Aufmerksamkeit abnötigen? Ist ihre Wahl doch eine sehr sorgfältige und vor allem dem kindlichen Verständnis gut angepaßte. Greifen wir nur wahllos in das Programm einer solchen Jahresfeier hinein, wie wir es dieser Tage hörten. Da treten einige Kinder auf das Podium, um den Frühling zu grüßen. In gekauerter Stellung hockt am Boden ein weißgekleidetes Mädchen, sich schlafend stellend und Schnee- glöckchen darstellend. Da kommt der Wind und fächelt es munter:„Schneeglöckchen erwache! Schneeglöckchen erwache!" ruft er. Es kommt Leben in das Schneeglöckchen und auf- stehend dehnt und reckt es sich, hörend, daß der Frühling da ist. Und der Frühling— ein größeres Mädchen— erscheint und kündigt Allen— Menschen und Tieren— neues Leben und neue Freude an. Schließlich erscheint auch das Oster- Häschen, auch es will Frühling beglücken. Das hat aber Furcht vor Menschen, weil diese mit Schrot und Korn ge- fährlich seien. Frühling beruhigt es mit dem Hinweis, daß nicht alle Menschen seine Feinde seien; die Kinder liebten es. Es solle nur in die Gärten kommen und dort in den Ecken und Hecken die Ostereier verstecken. Dann könnte es von unsichtbarer Stelle aus sich an den Freuden der Kinder weiden. t Die Angehörigen konnten es gar nicht über sich ge- Winnen, bis zu Ende des Vortrages ihre Lachmuskeln zu bezähmen, so große Freude hatten sie an demselben. Und welcher Humor wurde nicht geweckt, als ein kleines Mädchen in dem Tone des Bedauerns:«Nach Weihnachten!" vortrug. Als es des Schicksals gedachte, das den zu Weihnachten ge- schenkt erhaltenen Püppchen, Pferdchen, Wägelchen und änderen Sächelchen nach einigen Wochen bereitet wurde: wie da ein Aermchen, dort ein Bcinchen fehlte, kurz, wie die meisten Spielsachen nur noch zum Teil zu erkennen waren, da mußten nicht nur die erwachsenen Zuhörer und Zu- Hörerinnen lachen, da lachten und kicherten auch die vielen Kinder, die zum Zwecke des Gesanges anwesend waren. Und wie waren die Eltern stolz, deren Kinder aus- erwählt waren, auf das Podium zu treten. Wie ihre Augen leuchteten, wenn ihre Kleinen ihre Sache gut gemacht hatten! Nicht mindere Befriedigung fanden die Lehrer und Lehre- rinnen, weil sie nun durch die Kinder zeigen konnten, welchen Erfolg ihre Mühe und Arbeit getragen, und wir sahen manche Lehrerin ihre kleine Schülerin nach Beendigung ihrer Auf- gäbe streicheln und hörten sie dem Kinde ein anerkennendes Wort sagen. Wer so die Gesangs- und deklamatorischen Vorträge aus Kindermund hörte, wem stiegen da nicht Erinnerungen aus seiner eigenen Kinderzeit auf, der Zeit, in welcher deni kleinen Menschlem so wenig von den großen Sorgen und noch weniger von dem großen Kampf ums Dasein bekannt ist. Aber noch jtXDdä anderes war es. was uns an dem Abend wieder einmal stark zum Bewußtsein gebracht wurde: der Unterschied zwischen Gcmeindeschule und höherer Schule. Wir hörten vom Rektor, daß er die Absicht habe, den nach Abzug der kleinen Unkosten überschüssigen Betrag aus dem 10 Pf. be- tragenden Entree als Grundstock zu einem Klavier für die Aula anzulegen, und optimistisch meinte er:„Vielleicht er- leben wir's noch, daß, wenn günstige Umstände mitwirken, wir dieses Ziel erreichen." Da zeigt sich wieder einmal, wie die Gemeindcschule vernachlässigt wird. In den Aulen unserer höheren Schulen gehört ein Klavier zu den notwendigen Requisiten, die Genieindeschulen entbehren dieses Jnstru- mentes. Und dabei wäre ein solches hier genau so notwendig wie dort. Die gewiß gut gemeinte Absicht des Rektors ist nur eine Blamage für unsere Schulverwaltung. Um dieses Bedürfnis zu erfüllen, dazu gehörte nur die e i n in a l i g e Einsetzung eines Betrages von 100 000 M. in den 19 Millionen betragenden Schuletat. Dann könnte auch für unsere Ge- meindeschulkinder bei einer verständigen Organisation ein neues Gebiet eröffnet werden und die Schulfeiern hätten nicht nur Angehörigen der Kinder einige frohe Stunden bereitet, sondern dazu beigetragen, ein Bedürfnis aufzu- zeigen, dessen Befriedigung für die Geineindeschulkinder auch einen pädagogischen Wert hat. Auch die Gemeindeschulkinder würden sich sicher sehr gern alle Woche oder von Zeit zu Zeit in der Aula einen hübschen Musikvortrag mit Aufmerk- samkeit anzuhören. Ob die Stadtverordnetenversammlung einmal in den Beutel greifen wird? Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnetenversamm- lung am Donnerstag, den 14. März, nachmittags 5 Uhr.' Bericht- erstattung über die Vorlage, betreffend den Erlaß einer Grund- steuerordnung nach dem Maßstabe des gemeinen Wertes und einer revidierten Umsatzsteuerordnung unter Einführung einer Wertzuwachs st euer.— Berichterstattung des Etatsausschusses über die nachstehend bezeichneten Etats für das Etatsjahr 1997 und zwar: Grundstücke in der Stadt,— Ländliche Grundstücke in- und außerhalb, sowie Mietsgrundstücke außerhalb der Stadt und Kalksteinbruch zu Rüdersdorf,— Berechtigungen,— Krankenhaus im Friedrichshain,— Krankenhaus Moabit,— Krankenhaus am Urban,— Krankenhaus Gitschiner Straße,— Kaiser und Kaiserin Friedrich-Kinderkrankenhaus,— Rudolf Virchow-Krünkenhaus,— Irren- und Jdiotenanstalt Dall- dorf,— Irrenanstalt Herzberge in Lichtenberg,— Irrenanstalt Buch,— Anstalt für Epileptische„Wuhlgarten" bei Biesdorf,— Badeanstalten,— Desinfektionsanstalt in der Reichenberger Straße, — Heimstätten für Genesende und verschiedener Einrichtungen für die öffentliche Gesundheitspflege,— Zentrale Buch,— Gym nasien, Nealgyinnasien und Oberrealschulen,— Realschulen,— höhere Mädchenschulen,— Turnhallen der städtischen höheren Lehr anstalten, Spielplätze und Turnwesen im allgemeinen,— Verschiedene Einrichtungen für die städtischen höheren Lehranstalten und die höheren Mädchenschulen,— Gemeindeschulen(Volksschulen), — Taubstummenschule,— Blindenanstalt nebst Betrieb der Be- schäftigungsanstalt,— Wahlfortbildungsunterrichtswesen,— Pflichtfortbildungsunterrichtswesen— und Gewerbliches Unter richtswcsen.— Vorlagen betreffend: den festlichen Empfang des XIV. Internationalen Kongresses für Hygiene und Demographie und die Herausgabe einer Festschrift zu seinen Ehren,— die Fest setzung einer neuen Fluchtlinie für das Grundstück Linkstr. 26, Königin Augustastr. S im Zusammenhange mit einer Verschiebung der Augustabrücke,— die Enteignung einer zur Freilegung der Greifswalder Straße erforderlichen Fläche des Grundstücks Greifs walder Straße 154,— den Verkauf einer Teilfläche des Gas- behältergrundstücks an der Augsburger Straße, die provisorische Pflasterung der Senefelderstraße,— den Abschluß von Verträgen mit der Dorfgemeinde Rosenthal über die Unterhaltung der Dorf- straße in Rosenthal und den Anschluß von Rosenthal an die Berliner Kanalisation— den Erwerb forstfiskalischer zur Frei legung der Afrikanischen Straße erforderlichen Flächen— und die Enteignung von Gelände zum Comeniusplatz. Aus dem Etatsausschuß. Am Montag wurde zunächst der Etat der Waisenverwaltung beraten. Moniert wurde, daß in Privat- anstalten mehr Kinder verpflegt werden, als in der eigenen Anstalt untergebracht sind. Die Verwaltung erklärte daraufhin, Rummels- bürg sei eine evangelische Anstalt, da nun für die katholischen Waisen nicht genügend Pflegeeltern vorhanden seien, so müßten dieselben in Privatanstalten untergebracht werden, oder man müsse ei» eigenes katholisches Waisenhaus bauen. Als außerordentlich bedenklich wurde die hohe Todesziffer der im ersten Lebensjahre stehenden Waisen bezeichnet. Die Ber- waltung begründete diese Erscheinung damit, daß ihr die Kinder meist in sehr h-rabgekommenen Zustand übergeben werden. Im weiteren wurde unter Hinweis auf den Verwaltungsbericht dargelegt, daß eine ganze Airzahl Kinder in Orten untergebracht sind, die keine eigentlichen Gemeinden, sondern Gutsbezirke bilden und es sei anzunehmen, daß in solchen Orten keine Gewähr für eine entsprechende Schulbildung gegeben sei. Um einen Ueberblick zu gewinnen, wurde die Verwaltung ersucht, in der Nachweisung eine Rubrik anzufügen, aus welcher das Schulsystem des einzelnen Ortes ersichtlich ist. Der Armen-Etat schließt, wie schon berichtet, mit erheblich niederen Ausgaben ab als im verflossenen Jahre. Seiten? der Armendirektion wurde bemerkt, daß damit keine Verschlechterung in der Unterstützung der Armen eintrete, denn diese sei pro Kopf immer gestiegen. Dem wurde von unseren Genossen entgegen gehalten. daß trotz der Befugnis der Armenkommissionen, für Kinder ein Pflegegeld von 6 bis zu 9 Mark und mehr zu bewilligen, nach dem Verwaltungöbericht noch ein solches von 3 Mark an gezahlt werde und in nicht weniger als 45>X> Fällen nur ein Satz von 6—6.50 Mark gezahlt werde, hier käme ein unangebrachter Sparsamkeitseifer der Armenkommissionen zum Ausdruck, der sich durch die schlechte Er- nährung der Kinder nach der andern Seite einmal bitter rächen werde. Die Verwaltung wies darauf hin, daß sie erst kürzlich im Gemeindeblatt die Armenkommissionen angewiesen habe, möglichst weitherzig zu verfahren. Beim Etat 46: Statistisches Amt wurde von unseren Genossen eine Resolution eingebracht und vom Ausschuß angenommen, Ivo- nach festgestellt werden soll, wieviel Berliner Hausbesitzer das passive Wahlrecht zur Stadtverordnetenversammlung besitzen. Es wird sich dabei zeigen, wie klein die Zahl dieser Privilegierten eigentlich ist. Beim Etat: Märkisches Provinzialmuseum wurde bestimmt ver- sichert, daß dasselbe im Laufe des Etatsjahres fertig wird. Beim Etat 49 B: Geschäftsbedürfnisse und Prozeßkosten wurde von unseren Genossen der Antrag gestellt, den Etatsentwurf auch an die Presse abzugeben. Der Kämmerer konnte sich zu einer glatten Zusage nicht aufschwingen, versprach aber die Angelegenheit in Erwägung zu ziehen, vielleicht könne man eS so machen, daß derselbe auf Ansuchen verabfolgt werde. Eine Reihe kleinere Etats wurden ohne Debatte verab- schiedet. störenden Eisversetzungen in der Gegend des Odcrbruchcs beseitigt lvordcn sind. Gestern konnten bereits die ersten Dampfer den Oder-Sprec-Kanal passieren. Da auch die Wasserstraße zwischen Hamburg und Berlin wieder eisfrei ist, konnte die Frühjahrs- schiffahrt im gesamten Elb-Sprce-Havel- und Odergebiet auf- genommen werden. Allerdings wird der Verkehr durch das Hoch- waffer sehr beeinträchtigt, da die starke Strömung dem Staken der Fahrzeuge bedeutenden Widerstand entgegensetzt, auch größere Schlcppzüge nicht verkehren können. An der Mühlendamm-Schleuse ist der Wasserdruck infolge des Hochwassers so stark, daß ein be» sondcrcr Schlepper erforderlich ist, um die aus der Schleuse bcra- wärts fahrenden Zillen herauszuschlcppcn. Bertrauensärzte bei den Schiedsgerichten. Für das Jayr 19V, sind zu Vertrauensärzten bei den Schiedsgerichten für Arbeiter« Versicherung des Stadtkreises Berlin und des Regierungsbezirks Potsdam: 1. der Geheime Medizinalrat Dr. Becker in Berlin LW. 29, Gneisenaustr. 99; 2. der Sanitätsrat Dr. Köhler in Berlin W. 50, Augsburgerstr. 57/58; 3. der Sanitätsrat Dr. Wagner in Berlin W. 80, Münchenerstr. 48; 4. der praktische Arzt Dr. Engel in Wilmersdorf bei Berlin, Uhlandstr. 58/59; 5. der praktische Arzt Dr. Hehl in Berlin W. 50, Geisbergstr. 27, außerdem bei demjenigen des Regierungsbezirks Potsdam der praktische Arzt Dr. Linnicke kr Berlin W. 57, Bülowstr. 44, gewählt worden. Ter Schiffahrtsverkehr von der unteren Ober nach Berlin ist nunmehr ebenfalls freigegeben worden, nachdem die die Schiffahrt Dienstmäbchen-Schicksal. Das Wohl oder Wehe eines Dienstmädchens wird wesentlich durch sein Dienstbuch mitbestimmt. Ein schlechtes Zeugnis im Buch— und das Schicksal des Mädchens kann für immer besiegelt sein! Es gibt zwar Herrschaften, die weniger auf die Zeugnisse als auf die Person sehen. Sic mieten ein Diestmädchen auch mit schlechtem Zeugnis, wenn das Mädchen selber auf sie einen gün- stigen Eindruck macht. Andere Herrschaften aber>— und das dürfte die Mehrzahl sein— schrecken doch davor zurück, eine durch ein schlechtes Zeugnis gebrandmarkte Person in ihr Haus zu nehmen. Wir sind öfter in die Lage gekommen, in die Dienstbücher von Mädchen hineinzuschauen, die sich hülsesuchend an den„Vorwärts" gewandt hatten. Mit Verwunderung haben wir da manches schlechte Zeugnis gesehen, das schon in sich selber den Widerspruch trug. Was soll man sagen, wenn z. B. einem Mädchen bescheinigt wird, daß es Monate oder gar Jahre hindurch an derselben Stelle gedient hat. aber—„gänzlich unbrauchbar ist", „nichts von der Wirtschaft versteht" usw.? Ein Zeugnis ähnlicher Art ist uns dieser Tage vorgelegt worden. Einem Mädchen Frieda I. hat ein Herr Philipp Schmulewicz. der in Berlin in seinem Hause Oudenarderstraße 34 wohnt, im Dienstbuch bescheinigt, daß sie als Amme angenommen worden war und vom 19. April 1907 bis zum 16. Februar 1907 bei ihin gedient hat. Das Dienstzeugnis aber lautet:„Plötzlich ent- lassen, frech bis zum Exzeß, faul, gemein, roh, lügenhaft, hat sich meiner Frau tödlich wider- setzt."(„Tödlich" soll wohl heißen:„tätlich".) Nicht wahr, mau staunt, wie das alles erst nach fast zehn Monaten so hervortreten konnte, daß eine plötzliche Entlassung nötig wurde. Und man er- schrickt über die Kaltblütigkeit, mit der hier ein Urteil gefällt worden ist, das geradezu vernichtend wirken mußte. Als uns dieses Zeugnis vorgelegt wurde, machte man unS zugleich allerlei Angaben über die Behandlung, die dem Fräulein Frieda I. in der Familie Schmulewicz zuteil geworden sei, sowie über das weitere Schicksal, das dem bedauernswerten Mädchen beschieden gewesen ist. Daraufhin haben wir es für unsere Pilu gehalten, der Angelegenheit näher zu treten. Von der BeHand- lung wollen wir nicht sprechen, weil unsere Ermittelungen hierüber bisher nichts Sicheres ergeben haben. Das weitere Schicksal derEntlassenen gestaltete sich sehr traurig. Als Fräulein I. am Abend des 16. Februar hinausgeworfen wurde, sah sie sich plötzlich unterkunftslos. Wie sie ging und stand, flüchtete sie sich zu einer in demselben Hause wohnenden Familie. Hier brachte sie die ersten drei Nächte zu. In zwei darauffolgenden Nächten schlief sie auf dem Trcppenflur vor der Bodentür, und dann wurde sie wieder mal von einer anderen Familie desselben Hauses be- herbergt. Ihre Sachen waren in der Wohnung der Familie Schm. zurückgeblieben. Es ist nicht ganz klar, warum Frieda nicht sofort die Sachen gefordert und nicht eine andere Stelle gesucht hat. Viel- leicht war sie überzeugt, daß sie mit dem von Schm. ausgestellten Zeugnis doch nie wieder einen Dien st kriegen würde. Sie soll in all diesen Tagen sich sehr verwirrt gezeigt und über heftiges Kopfweh geklagt haben. Schließlich nahm die durch einen Hausbewohner benachrichtigte Polizei sich des Mädchens an. Nach- dem unter dem Beistand eines Schutzmannes die Sachen aus der Wohnung der Familie Schm. abgeholt worden waren, zog Frieda zu einem in der Maxstraße wohnenden Milchhändler R.. der gerade ein Dienstmädchen brauchte. Doch schon nach drei Tagen mutzte sie aus dieser Stellung wieder entlassen werden, weil sie beständig über Kopfweh klagte, unfähig zur Arbeit schien und stundenlang unbeschäftigt im Winkel saß. Frieda wurde dann von der Polizei nach dem M ä d ch e n h e i m am Bahnhof „Bors e" gebracht. Dort war man zunächst entsetzt über das ganz ungewöhnlich schlechte Zeugnis. Bestimmungsgemäß hätte Frieda hiernach abgewiesen werden müssen, aber sie machte einen so er« barmungswürdigen Eindruck, daß die Leiterin dieses Asyls sich entschloß, dem als„frech",„roh",„gemein" usw. gebrand- markten Mädchen die Aufnahme zu gewähren. Das ivar am 25. Februar. Frieda schien bedrückt, verwirrt, scheu, abgehetzt und klagte auch hier immer wieder über Kopfweh. Aber von Frech. heit, Roheit, Gemeinheit usw. konnte niemand etwas an ihr bemerken. Sie blieb still und in sich gekehrt, war aber stets willig und nahm mit dankbarem Blick alle Liebe hin, die von dem leitenden Personal wie von den anderen im Hause weilenden Mädchen ihr erwiesen wurde. Da vermutet wurde, daß sie nervenkrank sei, so wurde sie nach zwei Tagen in die Eharite gebracht. Dort ist sie dann am 5. März gestorben. Uebey die Todesursache ist unS nichts bekannt. Frieda ist am 10. März im Beisein ihrer schmerzlich überraschten Mutter, die aus ihrem Wohnort Königsberg i. Pr. hierher gekommen war, zu Grabe ge. tragen worden. Wir haben von der ganzen Angelegenheit erst nach dem Tode des Mädchens Kenntnis erhalten. Als wir dann daran gingen. die Einzelheiten zu ermitteln, stürmten mancherlei Gedanken auf unS ein. Wir wollen sie zurückdrängen. Nur einem von ihnen wollen wir hier Ausdruck geben— der verwunderten Frage, wie Herr Schm. dazu gelangt ist. dem Fräulein Frieda I. zu be- scheinigen, daß sie frech bis zum Exzeß, faul, gemein, roh, lügenhaft usw. gewesen sei. Im Mädchenheim, wie gesagt, hat man nichts davpn UmcxUt und dys Ehcpagr U. ill der Maxstraße hat»ms WM/Ä ülcse Klage nicht bestätlgt. Wenn Frieda tatsächlich ncrvenlranl gewesen sein sollte, dann liesje sich manches verstehen. Man könnte dann begreifen, daß die vermeintliche„Frechheit",„Roheit" usw. erst nach zehn Monaten unerträglich wurde und zur Entlassung nötigte. Es müßte aber auch die Frage aufgeworfen werden, ob nicht das Ehepaar Schm. durch eine zum mindesten unzweckmäßige Behandlung des frech, roh usw. scheinenden Mädchens die Ent- Wickelung des Leidens beschleunigt hat. Vor allem aber würde dann durch das Zeugnis mit erschreckender Deutlichkeit dargetan, wie oberflächlich und gedankenlos manchmal diejenigen urteilen, denen leider das Recht zusteht, solche Zeugnisse hinzu- schreiben. Manche Herrschaften sprechen so gern von ihrer„P f l i ch t", jedem Dienstmädchen ein wahrheitsgemäßes Zeugnis auszustellen. Wie sollten denn sonst, so fragen sie, die Herr- schaften gegen schlechte Dienstmädchen geschützt werden? Und sie tadeln die Herrschaften als leichtfertig, tue einem untüchtig be- fundenen Dienstmädchen nicht kaltherzig ins Dienstbuch schreiben wollen, daß es untüchtig sei. Wie schwer es einer gewissenhaft prüfenden Herrschaft werden muß, einem Dienstmädchen ein zu- treffendes Zeugnis auszustellen, davon haben wohl die meisten der„wahrheitsgemäß" verurteilenden Herrschaften keine Ahnung. Gedankenlos entscheiden sie mit einem Federstrich über«in Menschenschicksall Wir sprechen hier nicht von den Fällen, in denen gemeine Rachsucht einer Herrschaft über ein wehrloses Mädchen das vernichtende Urteil fällt. Wir denken nur an diejenigen Herrschaften, die in durchaus gutem Glauben zu einer völlig unzutreffenden Meinung über ein Dienstmädchen gelangen, weil sie unfähig sind, richtig zu urteilen. Oberflächlichkeit, Leichtfertigkeit, Gewissenlosigkeit haben im Dienstbuch ungezählte Male— bewußt oder unbewußt— schwersten Frevel an wehrkosen Mädchen begangen. Aber wie wenige Herrschaften möchten das Dienstbuch abgeschafft sehen I Das Dienstbuch mit seinen Zeugnissen gehört zu der entwürdigenden und entrechtenden Sonderstellung der Dienstmädchen, die durch das „Gesinderecht" zum Schutz der Herrschaften und zum Schaden der Dienstmädchen geschaffen worden ist und noch immer aufrecht er- halten wird. Kein Interesse an einem Arbeiter! Auf einem Rollwagen der Firma Bartz u. Co. arbeitete als Helfer ein junger Mensch von 19 Jahren, der Sohn einer Witwe Leu. Als er am Montag in der Rittersiraße eine Kiste über den Straßendamm trug, wurde er von einem vorüberfahrenden Omnibus umgerissen. Die Räder gingen über ihn hinweg, und er erlitt schwere Verletzungen am Kopf und an den Armen. Auf der Uusallftation in der Alexandrinenstraße wurde er verbunden, und von hieraus schaffte man ihn dann in ein Krankenhaus. Ein Zeuge des Unfalles, der den Verunglückten in die Unfallstation hineintragen geholfen hatte, hörte hier ein Ge- spräch mit an. daß der diensthabende Arzt per Telephon mit der Firma Bartz u. Co. führte. Der Arzt teilte den Unfall mit und fragte an, w e l ch e K a s s e denn für den jungen Mann ein- zutreten habe. Zunächst kam dem Anschein nach eine bedauernde Antwort, hinterher aber wurde dem Arzt erklärt, das gehe die Firma gar nichts an, der junge Mann sei ja gar n i ch t bei ihr angestellt. Als der Arzt noch einmal fragte:„Also Sie haben kein Interesse an der S a ch e?" kam die unzwei- deutige'Antwort:»Nein!"— Das ist ja sehr merkwürdig, daß ein Mensch von 19 Jahren ständig und seit langem auf einem Roll- wagen der Firma Bartz u. Co. als Helfer tätig ist und daß die Firma trotzdem„kein Interesse" an ihm hat. Nnter erstklasssgcn Menschen kann eine Beleidigung bekanntlich nur durch Säbelhiebe und mit Blut gesühnt werden, auf das Gesetz pseift man. Das geht jetzt wieder einmal aus folgender Notiz hervor: Ein Duell mit tödlichem Ausgang hat am Montag in Tegel stattgefunden. Der Hauptmann Walter v. Berken vom Infanterieregiment Nr. 93 in Zerbst, geboren am 9. Oktober 1867 zu Schönfließ in Ostpreußen, der sich in Berlin in einem Hotel in der Dorotheenstraße aufhielt, ist Montag früh bei einem Duell auf den Schießplätzen der Gardefüsiliere in Tegel durch einen Schutz in die Leber schwer verletzt worden und gestern früh im Rudolf Mrchow-Krankenhause gestorben. Hauptmann v. Berken war erst vorgestern abend in Berlin ein- getroffen. In seiner Begleitung befand sich Hauptmann v. L., der auch als Sekundant dem blutigen Zweikampf beiwohnte. Nach einer weiteren Meldung war der Gegner, der den Hauptmann v. Berken niederstreckte, ein Berliner Apotheker. Beide waren, während eines Aufenthalts Berkens in Berlin, in Differenzen geraten, über deren Ursachen tiefstes Stillschweigen bewahrt wurde. Eine Frau soll angeblich nicht im Spiele sein. v. Berken hielt die ihm zugefügte Beleidigung für so erheblich, daß er seinem Gegner nach Anrufung des EhrenrateS eine Forderung auf Pistolen übermitteln ließ, die dieser annahm. Die Bedingungen lauteten: Dreimaliger Kugelwechsel auf eine Entfernung von 15 Schritten. Schon beim ersten Gange erhielt v. Berken einen Schuß in die Leber und brach schwer verletzt zusammen. Der an- wesende Arzt legte dem Offizier, der bewußtlos geworden war. einen Verband an und sorgte dann für seine Ueberführung in das nächstgelegene Virchow-Krankenhaus. Hier verstarb v. Berken gestern vormittag, ohne die Besinnung wiedererlangt zu haben. Ein Erfinder hat aus Wien dem Berliner Magistrat das Modell eines lenkbaren Luftschiffes übersandt mit der Bitte, sich für seine Erfindung zu interessieren. Vom Magisttat ist aber eine„Abteilung für Luftschiffahrt" noch nicht gebildet worden und mit dem Interesse allein wird dem Wiener wohl wenig gedient sein. Bor den Augen der Mutter. Aus der vierten Etage ist gestern das zweijährige Söhnchen des Rohrlegers Gieseler. Bergstr. 52/53 abgestürzt. Öbne daß die Mutter etwas davon bemerkt hatte, war das Kind auf die Brüstung des offenstehenden Fensters geklettert. Als sich Frau G. nach dem Knaben umsah, mußte sie zu ihrem Ent- setzen mit zuschauen, wie der Kleine kopfüber in die Tiefe stürzte. Auf dem Hofe schlug er mit dem Kops auf dem Asphalt auf. Die Verletzungen, die sich das bedauernswerte Kind bei dem Unglücksfall zugezogen hat, sind so schwere, daß es mit dem Leben wohl kaum davonwmmen dürfte. Bier Personen bei einem Brande zu Schaden gekommen. Der- hängnisvolle Folgen hat ein Tachstuhlbrand gehabt, der gestern in der Mittagsstunde in der Grünthalerstraße 43 wütete. Drei Feuerwehrleute und ein Arbeiter zogen sich so schwere Brandwunden zu, daß sie in das Krankenhaus eingeliefert werden mußten. Die Verunglückten sind der Oberfcuerwehrmann Adolf Ritzel, Trift- straße 31, der Feuerwehrmann Viktor Ernst, Pankstraße 1. der Feuerwehrmann Karl Rcnning, Gerichtstratze 24 und der Arbeiter Mar Blöll, Prinzen Allee 16 wohnhaft. Alle vier Personen sind bei Ausübung ihrer Pflicht zu Schaden gekommen. Während des Brandes stürzte plötzlich eine Mauer ein und eine mächtige Stich- flamme schlug nun aus dem Brandherd heraus. Die vier er- wähnten Männer hatten unglücklicherweise an der verhängnisvollen Stelle gestanden und sie wurden sämtlich von der Flamme getroffen. Mit schweren Wunden mußten sie nach der Unfallstation in der Badstraße gebracht werden, wo sie die ersten Notverbände erhielten. Am schlimmsten war der Oberfeuerwehrmann zugerichtet. Am Gesicht war dem Bedauernswerten die Haut vollständig herunter- gebrannt. Den Verletzten waren die Kleider fast gänzlich vom Leibe heruntergebrannt. Am Körper hatten die Unglücklichen Brandwunde» zweiten Grades davongetragen, Der Sturm der Zigeuner aus die fahrende Wohnung. Im Norden der Stadt hat sich gestern in der zweiten Morgenstunde ein Aufsehen erregender Vorfall abgespielt. Auf dem Grundstück Sol- dinerstr. 97 steht gegenwärtig ein Reise-Wohnungswagen des Artisten Hugo Franz aus der Elbingerstraße. F. gedachte in den nächsten Tagen eine Tournee zu unternehmen. Bei F. war ein gewisser Rosenbach beschäftigt, der vor einiger Zeit ein junges Zigeunermädchen, das seinem Vater£500 M. entwendete, entführt hatte. In der vergangenen Nacht erschienen plötzlich etwa 15 Zigeuner auf dem erwähnten Grundstück und forderten F. auf, den Rosenvach herauszugeben, um verniutlich an R. Lynchjustiz auszuüben. Die Männer stürmten gegen die fahrende Wohnung los und drohten F., sie würden nicht vor dem schlimmsten zurück- schrecken, wenn er nicht ihrem Wunsche nachkomme. F. erklärte, R. sei bereits vorausgefahren. Hiermit waren die Zigeuner aber nicht zufriedengestellt. Sie unternahmen noch einen zweiten An- stürm auf den Wagen des Artisten und bedienten sich nun auch der Schußwaffen. Vier Schüsse wurden abgegeben, ohne daß jedoch einer traf. Erst als die Polizei auf der Bildfläche erschien, zogen sich die Angreifer zurück. Zwei der Zigeuner konnten verhaftet werden und zwar der Musiker Karl Weiß, Gerichtstr. 31 und der Artist Bernhard Richter, Grünthalerstr. 39. Allgemeine Entrüstung rief Montagabend ein Automobilunfall unter den Passanten des Wittenbergplatzcs hervor. Der Kutscher Karl Fahrgaß, Dorkstraße 63 wohnhaft, hatte für ein Warenhaus Materialien abgeladen. Während er nun mit schwerer Last über den Fahrdamm schritt, wurde er von einem vorübersausenden Automobil angefahren und auf die Straße geschleudert. Unbeirrt setzte das Automobil seine Fahrt fort. Es wurde zwar verfolgt, entkam aber leider. F. hatte am Kopf, im Gesicht, am Oberarm und an der linken Seite schwere Verletzungen erlitten und fand, nachdem er auf der Unfallstation am Zoologischen Garten die ersten Notverbände erhalten, im Krankenhause Aufnahme. Bei der Ankunft des Hamburger Schnellzuges auf dem hiesigen Bahnhof entdeckten gestern Eisenbahnbeamte in einem Abteil dritter Klasse den Leichnam eines Selbstmörders. Der Lebensmüde hatte sich erschossen. Allem Anschein nach handelt es sich um einen Berliner. Der Tote war etwa 25 Jahre alt, ist 1,79 Meter groß, dunkelblond, hat hochstehendes Haar und kleinen Schnurrbart. Am Kinn befinden sich als Erkennungszeichen drei Warzen. Der Paletot des Selbstmörders trägt die Firma Blum u. Co., Berlin. Ein Sittlichkeitsverbrechen ist, wie uns erst jetzt mitgeteilt wird, am Sonnabend gegen abend in der Torellstr. 2 an einem 13jährigen Mädchen begangen worden. In diesem Hause wohnen die Eheleute R. Fischer, die ihre Tochter in der Zeit von 7—8 Uhr nach dem zwei Häuser weiter gelegenen Milchgeschäft schickten, um Milch zu holen. Da das Mädchen zu lange ausblieb, wollte die Mutter das Mädchen suchen gehen. Da vernahm sie beim Passieren des Flures des Vorderhauses aus dem Klosett die Stimme ihrer Tochter und entdeckte beim näheren Nachsehen einen Mann, der sich aus dem Staube zu machen suchte. Er wurde aber mit Hülfe von hinzukommenden Hausbewohnern festgehalten und der Polizei übergeben. Wie sich herausstellte, hatte der Unhold das Mädchen beim Betreten des Hausflures gewürgt, in das Klosett hinein- gezogen, das er mit einem Dietrich öffnete und ihm hier in der scheußlichsten Weise Gewalt angetan. Der Attentäter ist der Schlosser May, Grünbergerstraße wohnhaft und verheiratet. Er wurde sofort in Untersuchungshaft genommen. Unter einen Stadtbahnzug geraten und getötet. Die Unsitte, während der Fahrt vom Zuge zu springen, hat in der vergangenen Nacht ein unbekannter etwa 49 Jahre alter Mann mit dem Tode büßen müssen. Kurz vor der Einfahrt in die Station Stralau verließ er das Coupe, kam dabei zu Fall und geriet unter den Zug. Mehrere Wagen gingen über den Unvorsichtigen hinweg und als der Zug zum Halten gebracht worden war, konnte man nur noch den verstümmelten Leichnam des Verunglückten von den Gleisen wegtragen. Steidl-Tljeater und Konzerthaus ist ein neues Unternehmen. welches in der Brückenstratze 2, in unmittelbarer Nähe der Jannowitzbrücke und der Köpenickerstraße, vollständig neu erbaut ist und noch im Laufe dieses Monats eröffnet wird. Als Leiter dieses Unternehmens fungiert Direktor Fritz Steidl. Im Sportpark Treptow wird am nächsten Sonntag die deutsche Radrennsaison eröffnet. Feuerwehrbericht. Wegen eines Tischlereibrandes wurde der 5. Zug nach der Pücklerstr. 49 gerufen, wo in einer Tischlerei Feuer ausgekommen war. Die Flammen hatten dort reiche Nahrung ge- funden. so daß tüchtig Wasser gegeben werden mußte, um den Brand an weiterer Ausdehnung zu verhüten.— Der 16. Zug hatte in der KöSlinerstr. 29 zu tun, wo Stroh u. a. in einem Keller in Brand geraten war.— In der Sttomstr. 45 wurden gestern früh Matratzen, Betten usw. ein Raub der Flammen.— Ferner hatte die Wehr noch in der Greifswalderstraße u. a. Stellen zu tun. Vorort- PfacbmKten. Aus dem Kreise Teltow- Beeskow- Storkow- Charlottenburg wird uns mitgeteilt: Nachdem der Teltowkanal, welcher die Havel mit der Spree südlich Berlins verbindet und somit fast sämtliche südliche Bororte durchschneidet, fertiggestellt ist, beabsichtigt der Kreis ein neues großes Unternehmen inS Werk zu fetzen und auch in eigener Regie zu betreiben. Wie den in Frage kommenden Ort- schaften vom Landrat des Kreises mitgeteilt ist, geht die Ver- waltung desselben mit dem Plane um. elektrische Bahnen zu bauen. die speziell die südlichen Vororte Berlins durchqueren sollen. Die betreffenden Gemeinden werden nun zu der angeregten Sache Stellung zu nehmen haben, hauptsächlich handelt es sich um die Finanzierung sowie Garanticzeichnung. Sollte der aufgestellte Plan perfekt werden, so würden die Anwohner der Vororte auf ihrer Ouerbahn den Wannsce sowie die Mügelberge bequem er- reichen können. Rixdorf. Mit den Beratungen des Etats und des Steuerplanes für 1997 beginnt am Mittiooch, Donnerstag und Freitag, nachinitiagö 4 Uhr. in der Aula des Gymnasiums in der Kaiser Friedrichstraße, die Stadtverordnetenversammlung. In geheimer Sitzung soll über einen Vertrag mit dem Kreise Teltow, die städtische Schwemm- kanalisation betreffend, Beschluß gesaßt werden. Der Etat der Stadt Rixdorf pro 1907. I. Die Stadtverordnetenversammlung wird am Mittwochabend mit der Feststellung des städtischen HaushaltS-VcranfchlageS für das Jahr 1997 beginnen. Der von: Magistrat vorgelegte Entwurf balanziert im Hauptordinarium mit 6 914 999 Pt im Haupt- Extraordinarium mit 4 897 926,97 Mk. Gegen das Vorjahr stellen diese Ziffern eine Steigerung um 1 633 399 bezw. 625 246,87 M. dar. Die besonderen Voronichläge, welche die KanalisationS-Ver- waltung, die Rieselgüter, die Gasanstalt, die Fortbildungsschule, den GrundstückSerwerbssonds und den Wcgefcmds der Köllnischen und Rixdorfer Wiesen umfassen hinzugerechnet, schließt der Gesamt- etat in Einnahme und Ausgabe mit 22 653 723,94 M. ab, welche Summe gegen 1996 um 6 476 449,74 M. höher ist. Aus den Vorjahren 1995 und 1996 verzeichnet da? Ovdinarwm einen llebertrag von 961 490 M. Davon sollen dem Extravrdi- narinm 199 999 M. und dem Ausgleichsfonds für spätere Rech, nungsjahre 61499 M. zugeführt werden, so daß als Vortrag für das nächstfolgende Rechnungsjahr 499 999 M. verbleiben. Das Kapitel IV:„Gewerbliche Unternehmungen", schließt mit einem Uoberjchnß von 575 699 M. Unter den Einnahmen steht an Sjter Steve der BetriekS-Ueberschich der Gasanstalt in Höhe von 594 599 M. Im Jahre 1905 betrug derselbe 193 900 M. weniger. Die vertragsmäßig von den Berliner Eleltrizitätswcrken für die Benutzung der Kraßeu zur Kabelverlcgung zu zahlenden Abgaben sind um 17 999 M. gestiegen und belaufen sich auf 49 999 M. für 1907. Anders die Abgabe der Großen Berliner Straßenbabn. Eine Steigerung ist hier deshalb unmöglich, weil diese Gesellschaft cS mit den bekannten Mitteln verstanden hat. die Kommunen insofern' über den Löffel zu barbieren, als sie die Verträge nicht auf Grund der Betricbs-Erträgmsse abschloß. Die Große Berliner zahlt nur Abgaben an die Stadt auf jedes laufende Meter Schienengleis. Da nun den städtischen Verwaltungen über die Praktiken der „Großen" die Augen aufgegangen sind und man endlich den Ausbau der Vcrkehrsverhaltnisse selbst in die Hand nimmt, erfährt die Schienen-Meterzahl und damit naturgemäß auch die städtische Ab- gäbe keine Vermehrung. Andererfeits streicht die Straßenbahn die infolge Ivachscnder"Rentabilität der Linien steigenden Mehr- einnahmen schmunzelnd ein, während die Stadt das Nachsehen hat. Die Abgabe, welche Rixdorf erhält, ist in den letzten Jahren gleich- geblieben und beziffert" sich auf ganze 45 999 M. Bezeichnend für die Misere des Groß-Berliner Straßenbahnwesens ist die Tatsache, daß Rixdorf einen besonderen Berte hrskontrollcur mit 2399 M. in den Etat einstellen muß, um nur emigermaßen im Interesse deS Publikums den tlebcrgriffen der„Großen" Einhalt zu tun.— Unter den Ausgaben dieses Kapitels findet sich auch ein Betrag von 15 999 M., der einem zur Errichttiny bezw. Uebernahme eines Elektrizitätswerks bestimmten Sammelfonds zugeführt werden soll. Die im Kapitel V aufgeführten„Veraustaltunacn und Einrichtungen" rechnen mit einem lieber scbuß von 45 999 M. Eine gute Einnabmcquelle stellen hier die Märkte dar; 18 999 M. sind mehr eingestellt, so daß ein Ertrag von 94 199 M. zu erwarten steht. Der Protest der MittelstandSretter gegen die Einrichtung des Abend- Marktes ist zwar immer noch nickt erledigt, doch wird hoffentlich Magistrat und Stadtverordneten-Mehrheit bei der erneuten Be- ratung der Sache sestblcibcn.— Tie Einnahmen des Schiffahrts- kanals �26 599 M.) weisen gegen die Ausgaben(19 499 M.) ein Mehr von 5199 M. auf. Die Verlängerung des Kanals hinter der Ringbahn bis zur Britzer Grenze dürfte baldigst in Angriff ge- nommen werden. Auch steht zu hoffen, daß die Verhandlungen mit der Gemeinde Britz zwecks Ausbau der Trace bis zum Teltowkanal zu einem günstigen Resultat in nicht zu ferner Zeit führen.— Die Uebernahme des Beerdigungswcfens auf den städtischen �-ried- Höfen in eigener Regie, die im vorigen Jahre in einer Resolution gefordert wurde, ist leider vom Magistrat nicht irntchgcfichrt worden. Es wird also in diesem Jahre von neuem ein Vorstoß nach dcescr Richtung zu machen sein.— Die von der Stadtverordnctenversamm- lung beschlossene städtische Omnibuslinie Rixdorf— Treptow fordert an Einrichtungs- und Betriebskosten 59 999 M. Die Einnahmen sind auf 39 099 M. veranschlagt, so daß 29 990 M. Zusckuß not- wendig find.— Für die städtische Volksbivli.. d 799 M. mehr, insgesamt 2799 M. an Ausgaben eingestellt. Dieser lächerlich geringe Betrag beweist, wie außerordentlich viel auf diesem eminent wichtigen Gebiete nock zu tun ist.— Einen erfreulichen Schritt vorwärts aus dem Gebiete des Feuerlöschwesens bedeutet die Einrichtung einer zweiten Feuerwache in der Emserstrotze vom 1. Oktober d. I. ab. Im Extraordinarium sind hierfür 7199 M. ausgeworfen. Die Wache wird ausgestattet mit einer Gasdruck- spritze und den nötigen RcttungSgeräten. Die Zahl der besoldeten Feuerwehrleute wird von 9 auf 12 erhöht; außerdem soll der Ober. führer ebenfalls gegen Privatdicnstvcrtrag von der Stadt angestellt werden. Die Entwickelung von der für die gegenwärtigen V>w- Hältnisse nicht mehr zureichenden freiwilligen zur Berufsfeuerwehr vollzieht sich demnach allmählich. Die Pflicht, die im Dienste der Stadt Leben und Gesundheit aufs Spiel setzenden.wuermanner in die Relikten, und Hinterbliebenenverforgung einzubeziehen. hat der Magistrat immer noch nicht erkannt. Unsere Genosten werden also im Rathause ihren diesbezüglichen Antrag vom vorigen Jahre wiederholen müssen.—. Zu diesen im vorstehenden genannten Ueberschüssen treten als Haupt-Einnahmequelle die Gemeindesteuern. Sie sind im neuen Etat mit einem Soll von 3 332 999 M. eingesetzt. Davon entsallen auf die Gemeinde-Einkommensteuer 919 399 M. oder 166 999 M. mehr als im Vorjahre. Von den Einkommen unter 999 M. sind II 999 M.. von denen über 999 M. 751 999 M. Ertrag veranschlagt. Die Einkommensteuer der Aktienflesells<üosten irnb juristischen Per- fönen soll 84 000 M.. die Forensen sollen 52 999 M. bringen—- Die Grundsteuer ist mit 194 Pro;, der staatlichen Grund- und Gebäudesteuer veranschlagt und ergibt mit 1 299 899 M. ein PluS amen 1996 von 134 899 M. Die Erhebung erfolgt nach dem ge- meinen Werte, der sich insgesamt auf rund 448 999 999 M. beziffert. Auf das Tausend des Wertes entfällt, wie im borigen Jahr, ein Satz von 2,99 M.— Als Ergebnis der Gewerbesteuer sind 224 999 M. borgesehen, welchem Betrage-niö der neuen Filialsteuer 14 999 M. noch hinzuzurechnen sind; das. sind zusammen 238 999 M. — gegen 1996 eine Zunahme von 38 999 M. Der Zuschlag zu der vom Staate veranlagten Gewerbesteuer stellt sich aus 185 Prag.— Die Betriebssteuer ist mit 14 599 M.. die Warcnhaussteuer m,t 4999 M. die Luitbarkeitssteuer mit 14 099 M., die Hundesteuer m,t 52 999 M. veranschlagt. Der für die letztere bisher erhobene Satz soll von 29 auf 25 M. erhöht werden.— Die mit 1 Proz. be, l>c- bauten und 2 Proz. bei unbebauten Grundstücken zur Veranlagung kommende Umsatzsteuer figuriert im Voranschlage mit 799 099 M., das sind 59999 M. mehr gegen das Vorjahr. Diese Steuer konnte .noch viel ergiebiger gestaltet werden durch Umwandlung in eine Wer-tzuwachssteuer. wenn nicht der JntercssenklünAel der Lmus- agrarier im Ratkiause mit seinem Einfluß diese vernünftige Reform verhinderte. Gelingt es den Anhängern der Wertzuwachssteuer an Berliner Rathause in die Phalanx der rückständigen Gogner Bresche zu legen so wird auch in den anderen Gemeinden Groff-BerlinS hierin Wandel geschaffen.— Die die Konsumenten belastende und zu verurteilende Biersteuer erscheint auch in diesem Etat wieder und zwar mit 109 999 M., um 15 990 M. höher alS im Vorjahre. Von dem im Stadtbezirke gebrauten Biere werden 59 Proz. Zuschlag zur staatlichen Brausteuer erhoben, für jedes eingeführte Hckto- liier Bier sind 65 Pf. an die Swerkasse abzuführen. Es ist-in hohem Grade bedauerlich und zeugt von sthr geringer! Einsicht, wenn der Magistrat der Arbeiterstadt Rixdorf sich noch nicht dazu hat aus- schwingen können, die Besteuerung-des Bieres zu beseitigen, xic Stadtverordnetenversammlung wäre ja nun berufen, hier nachzn- helfen, doch ist dies bei der derzeitigen Zusammensetzung des Stadt- Parlaments nicht zu erwarten._ Tchöneberg. Stadtverordneten-Versammlung. Zu Beginn der Sitzung erfolgte in der üblichen Weise die Ein- führung der neugewählten Stadlräte Claus und Kaustnann. Die weiteren Berattmgen des städttschen HauShaltungSplaneL fanden sodann ihre Fortsetzung bei der Kanalverwaltung. Eine längere Debatte brachte der Etat der Gemeinde- schulen. Eine von liberaler Seite gestellte Anfrage, wie es mit den äugen- und zahnärztlichen Untersuchungen der Schul- linder stehe, beantwortete der Magisttat dahin, daß die GesundhettS- dcputatton auf Anregung des Stadtverordneten Hoffmann(Soz.) dieser Frage bereits näher getreten sei.— Ein Antrag der sozial- demokratischen Fraktion auf Gewährung s r e i e r L e h r« u n d Lernmittel ist vom Ausschuß abgelehnt, derselbe wird von neuem gestellt. Stadtv. Magnan(Soz.) begründete m anssuhr- licher Weise den Antrag, dabei aus eine Reihe von Städten eingehend, in denen die Lernmittelfreiheit bereits eingeführt oder m Erwägung gezogen sei. Bei Beratung desselben Antrages im vorigen Jahre habe man dagegen hauptsächlich eingewendet, daß der Ordliilligssiim der Kinder durch die Unentgelllichkeit der Lernmittel beeinträchtigt werde. Die Srädte, in denen die Unent- geltlichkeit eingeführt sei. haben aber den gegenteiligen Beweis er- bracht, der Ordnungssinn hat sich bedeutend gehoben. Wie schwer wird es heute einer ganzen Anzahl von Familienvätern, die nötigen Mittel zum Kauf der Bücher herbeizuschaffen. Wenn gejagt wurde, daß doch heute schon eine Summe für Lernmittel an ärmere Familien in den Erat eingestellt sei. so müsse man bedenken, dag sich viele abschrecken lassen, di�'e Hülfe in Anspruch zu nehmen, de, in es werde dadurch einem jeden das Siegel aufgedrückt, daß er der städtischen Hülfe bedürmo ist. Di« Summe von 30 090 M.. die für Me Ausführung des sozialdemokratischen Antrages in diesem Jahre erforderlich wäre, verlohnte sich wirklich eine kulturelle Aufgabe von solcher Bedeutung zu lösen. Bürgermeister Blankenstein erklärt eS für sehr bedenklich, wenn Schöneberg, als einzige Genteinde von Grosi-Berlin, einem derartigen Antrage die Zustimmung gibt. Es wäre dadurch ein großer� Anreiz geschaffen für den Anzug der ärmeren Bevölkerung nach Schöneberg. Nur wenn die anderen Gemeinden von Groß- Berlin in derselben Weise vorgingen, sei es möglich, dem sozial- demokratischen Antrage zuzustimmen. Stadw. Kü te r(Soz.) ist der Meinung, da sj doch eine Gemeinde einnial den Anfang machen muß. Bei den höhere» Schulen scheue man doch keine Ausgaben, da werde alles bewilligt. Lehnt die Versammlung den Antrag ab, so werde er immer wieder gestellt werden, bis er endlich Zustimmung bei der Mehrheit finden werde. Stadtv. Dr.'Vostberg(lib.) weist darauf hin. daß in pädagogischen Kreisen immer mehr die Ueberzeugung von der Not- wendigkeit des sozialdemokratischen Antrages Platz gegriffen hat. Durch die Annahme des Antrages tue man einen weiteren Schritt zur Beseitigung der sozialen Gegensätze. Im Falle der Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages empfehle er, den Magistrat zu ersuchen, mit anderen Gemeinden in Verbindung zu treten, um die Uncntgeltlichkeit der Lernmittel ernstlich in Erwägung zu ziehen. Stadtv. Kunze(Hausbcsitzerfrakiion� erklart, daß er früher auch auf dem Boden des sozialdemokratischen Antrages gestanden habe, heute aber anderer Meinung sei. Auf die unentgeltlich ge- gebenen Bücher wird lange nicht die Sorgfalt gelegt, als wenn man den Betrag dafür aus dem eigenen Geldbeutel nehmen muß. Die Eltern der Kinder haben ja für ganz andere Dinge die nötigen Mittel, man brauche nur einen Blick in die Restaurants zu werfen. Stadtv. Schüler(Hausbesitzerfraktions ist derselben Ansicht wie sein Vorredner. Man darf den Eltern der Kinder die Sache auch nicht zu leicht machen. Die Erziehung der Kinder wird durch die Unentgeltlichkeit der Lernmittel nicht gefördert, sondern ge- schädigt. Stadt. L u l e l)(Freie Fraktion) ist für den Antrag, wenn die Mehrheit der Eltern, die ihre Kinder nach der Volksschule schicken, wirklich arm sind. ES gibt aber nur einen kleinen Prozentsatz, der wirtschaftlich schwach zu nennen ist. An den nun einmal von Natur eingesetzten Rechten lasse sich nichts ändern. Es ist doch keine Schande arm zu sein. Man überlaste nicht den Etat, wo keine Notwendigkeit vorliegt. Die meisten Eltern wollen die Lernmittel gar nicht unentgeltlich haben, sie würden ihnen also nur aufgedrängt werden. Stadtv. Dr. M a r r w i tz hält die Angelegenheit für zu wichtig und hat den Wunsch, daß dieselbe außerhalb der Etatsberatnngen erledigt werde. Er beantragt deshalb, einen Ausschuß von 11 Mit- gliedern mit der Prüfung des Antrages zu beauftragen. Nach einer nochmaligen Befürwortung des Antrages durch unsere Genossen Hoffniann und Magnan sowohl wie durch den Stadtv. Dr. Voßberg, wobei die dagegen angeführten Bedenken zerstreut wurden, kam es zur Abstimmung. Der Antrag Marrwitz auf Einsetzung eines Ausschusses wurde mit 28 gegen 20 Stimmen abgelehnt. Mit Stnnmcngleichhcit, wobei dann die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag gab. wurde ebenfalls abgelehnt der An- trag Dr. Voßberg, worin der Magistrat ersucht wird, mit anderen Gemeinden in Verbindung zu treten. Für den sozialdemokratischen Antrag stimmten außer unseren Genossen nur noch sechs bürgerliche Stadtverordnete, er war somit auch abgelehnt. Dem Etat der Fortbildungsschule wurde ohne Debatte zugestimmt. Beim Verkchrsetat stand folgende Resolution mit zur Beratung: .Der Magistrat wird ersucht, die Vorarbeiten zur Heber« nähme der Straßenreinigung in eigene Regie unverzüglich in An- griff zu nehmen und der Versammlung über den Fortgang dieser Vorbereitungen Mitteilung zu machen." Dieselbe kam einstimmig zur Annahme. Der Etat der All- gemeinen Verwaltung brachte noch längere Auseinander- schlingen zwischen den Vertretern der bürgerlichen Parteien über den Antrag des Ausschusses, auch die neugegründete „Bürger- Zeitung" nebciv dem„Schöncberger Tageblatt" zu amtlichen Publikationen zu benutzen und dafür einen Betrag aus- zusetzen. Der Antrag wurde mit einer Stiinme Majorität an- genommen. Einverstanden erklärte sich die Versammlung ferner mit dem Vorschlage des Ausschusses, jeder Fraktion ein Exemplar des stenographischen Berichts der Verhandlungen der Stadtverordneten- Versammlung zu liefern. Schluß gegen 12 Uhr. Treptow-Baumschnlenweg. In dem gestrigen Bericht über die Gemeindevertretung ist das gesamte Einnahmesoll an direkten und indirekten Steuern der kommunalen Steuerverwaltung auf 450000 M. angeben; cS beträgt nicht 450-, sondern 540 000 M. Lichtenberg. Bei der am Dienstag stattgehabten Wahl der Gemeindevertreter in der zweiten Abteilung wurden für die bürgerlichen Kandidaten 220 Stimmen abgegeben, auf die beiden Kandidaten der Sozial- demolratie entfielen 37 Stimmen. Pankow. Festgenommen sind die drei Diebe, ivelche seit geraumer Zeit den nördlichen Stadtteil und die Vororte unsicher machten und zuletzt versuchten, den Geldschrank der Pankowcr Ortskrankenkasse zu sprengen. Es sind die Gelegenheitsarbeiter Vorthand, Lange und Lubkowsli. V. hat bereits drei Einbrüche eingestanden, während- die beiden anderen noch leugnen. Ihre Beteiligung an vcr- schiedcncn Diebstählen gilt aber als erwiesen. Reinickendorf. Zu erhängen versuchte sich der Straßcnbahnschaffncr Karl Stockfisch, der seit 27 Jahrcw im Dienste der Großen Berliner Straßenbahn stand und ans dem Bahnhos I in Reinickendorf an- gestellt war. Als Stockfisch gestern mittag nach Hause kam, begab er sich sofort nach seinem Schlafzimmer und erhängte sich dort an einem Spicgelhakcn. Wenige Augenblicke später betrat die Wirtin des St., der unverheiratet war. das Zimmer, erblickte den Schaffner in seiner entsetzlichen Lage und befreite ihn noch rechtzeitig, ehe er ernsten Schaden erlitten hatte. Sie veranlaßte den Selbst- nwrdkandidaten, mit in das Wohnzimmer zu kommen; kaum hatte St. die Stube betreten, als er leblos zusammenbrach. Wie der sofort hinzugerufene Arzt. Dr. Berliner, feststellte, war St. infolge eines Herzschlags gestorben. Nieder- Schönhausen. In der letzten Gemeindevertrcterfitzung standen nicht weniger wie 18 Punkte zur Beratung. Bei der Festsetzung des Etats für 1007 wurde beschlossen, den Zuschlag zur Staatseinkommensteuer von 125 Proz. auf 120 herabzusetzen. An die Herabsetzung des Wasser- zinses ist porläufig nicht zu denken, da in nicht allzu langer Zeit eine Vergrößerung des Wasserwerkes wird stattfinden müssen. Als Mitglieder in die Armenkommission wurden vorgeschlagen die Herren Lehrer Frantzen, Thormann und Hamann. Auf Antrag wurde die Wahl in gebeimer Sitzung vorgenommen. Dem Verein„Frauen- hülfe" für Nieder-Schönhausen wird ein jährlicher Zuschuß von 500 M. aus drei Jahre bewilligt. Daß Gesuch des hiesigen Gastwirtsvereins um Aufhebung der Biersteuer wurde abgelehnt mit der Motivierung, daß die schwierigen Finanzverhällnisse der Gemeinde cS zurzeit nicht erlauben. Als anitlicheS Publilationsorgan der Gemeinde wurde die Zeitung„Nördlicher Vorortbote' ernannt. Der Punkt Beschluß- fassung wegen Verleihung des Bürgermeistertitels an den Gemeinde« Vorsteher wurde in geheimer Sitzung beraten. Tegel. Bon einem Automobil überfahren wurde gestern der Üjährige �ohn des Redakteurs Hellwig in Tegel. Der Kleine wollte vor zzn elterlichen Haxise, Berlinerstraße 17, den Fahrdamm über« schreiten, geriet dabei unter ein Gcschäftsautomobik der Finita' Jandorf, dessen rechtes Vorderrad ihm über den Leib hinwegging. Der Knabe wurde auf ärztliche Anordnung nach dem Augusta- Hospital in der Scharnhorststratzc übergeführt. Borsigwalde-Witteuau. Aus der Gemeindevertretung. Die Aufnahme einer Anleihe von der LandcSvcrsicherungSanstalt in Höhe von 1 000 000 M. zu 33ji Proz. in deutschen Reichs-Anleihescheinen zu 3 Proz. wurde ein- stimmig beschlossen, da für die Gemeinde im kommenden EtatSjahr größere Unternehmungen in Aussicht stehen. Die Wahl eines Gemeindebaumeisters fiel auf Herrn Georg Klinner-Posen. Derselbe soll nnt einem Anfangsgehalte von K00V M. nebst 500 M. Wohmmgs- zuschntz und einer AlterSzulage von 500 M. von 3 Jahren zu 3 Jahren bis zum Höchstgehalte von 8000 M. zum 1. April d. I. mit einer sechömonatlichen Probezeit angestellt werden. Die Bezahlung von 153,50 M. für Kombinationsstundcn an die Lehrer in Borsigwalde war in der Sitzung am 13. Dezember v. I. gegen die Stimme unseres Genossen Adam abgelehnt. Die Ablehnung begründete Herr Er- ziehungsinspektor Pieper damit, daß eine Mehrarbeit der Lehrer nicht geleistet worden sei und eS ganz gleich wäre, ob ein Lehrer 50 oder SO Kindern kombinierten Unterricht erteilt. Nach einer interesianten Debatte zwischen unserem Genossen Adam und dem Herrn Pieper wurde die Bezahlung der Kombinationsstunden in der letzten Sitzung einstimmig bewilligt. Drei Monate hatten die Herren Gemeindevertreter dazu gebraucht, um sich zu diesem Erkenntnis durchzuringen. Die Festsetzung der Wahlzeit für die dritte Klasse zur Ersatzwahl ist wieder hinausgeschoben ivordcn, da die Wahl des Hernr Pieper zum Schöffen auf drei Jahre von der Regierung nicht genehmigt worden ist. Derselbe muß auf sechs Jahre gewählt werden. Die Wahl findet nochmals am 14. März statt. Alt«Glienicke. Achtung, Gemeindewahl! Morgen, Donnerstag nachmittag, von 4— 7 Uhr, findet im Bohnschen Lokal, Grünau�rstraße 55, die Wahl von zwei Gcmcindevertrctern für die dritte Klaffe statt. Die frciwcrdendcn Mandate waren bisher in bürgerlichem Besitz; Die Sozialdemokratie ist zurzeit durch zwei Genossen in der dritten Klasse vertreten. Es muß also das Bestreben der Arbeiterschaft sein, die neu zu besetzenden Mandate der Sozialdemokratie zu er- ober«. Wie in allen Gemeindeparlamenten, so ist auch in unserem Orte nur die Sozialdemokratie, die die Interessen der All- gemeinheit vertritt. Daß die Bürgerlichen auch diesmal die Man- date mit allen Kräften gegen die Sozialdemokratie zu verteidigen bestrebt sind, beweist der feste Zusammenschluß aller bürgerlichen Elemente. Die Arbeiterschaft kann diese beiden Mandate erobern — sie muß sie erobern! Allerdings fällt die Wahl in eine für die Arbcitcrfthaft ungünstige Zeit. Indes daS Opfer für den Wahl- kämpf muß gebracht werden, jeder übe sein Wahlrecht aus. Die Kandidaten der Sozialdemokratie sind die Genossen Maurer Eduard Kaiser und Arbeiter Adolf G e r la ch. Arbeiter, Parteigenossen, tretet für diese beiden Kandidaten mit allen Kräften ein! )Zus Incluftrie und Kandel. Mehrwert. Wie groß schon bei kleinen Gesellschaften der in Gestalt von Reingewinnen erzielte Mehrwert sein kann, zeigt der Geschäftsbericht der Zeche„Karoline". Bei nur 556 Arbeitern wurde im vorigen Jahre ein BetriebSgewinn von 386 6l3 M. erzielt oder pro Kopf der Beschäftigten V05 M. Der Reingewinn stellt sich pro Kopf auf 363 M. oder insgesamt auf 304 613 M. Eine Gründung Derndurgs. Aus Hildesheim wird berichtet: Ein Konsortium, an dessen Spitze die Darmstädtcr Bank steht, hat die hier seit vielen Jahren bestehende Tapetenfabril Gcbr. Peine an- gekauft. Daö Konsortium, welches über ein Kapital von 40 Mill. Mark verfügt, geht darauf aus. sämtliche Tapeteufabriken Deutsch- lands in seinen Händen zu vereinigen. Der Gedanke zur Bildung dieses Tapetentrusts soll noch den jetzigen Kolonialdirektor Dernburg zum Urheber haben. Der Aufsichtsrat der Grundstücks-Mtiengesellschaft in Berlin, die der Kommerz- und Diskontobank nahesteht, beschloß, der auf den 8. Mai d. I. einzuberufenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 20 Prozent für das verflossene Geschäftsjahr vorzuschlagen.. Preissteigerung im Februar. Nach den Zusammenstellungen der „Stat. Korr." sind im Februar die Preise für Weizen und Kartoffeln erheblich gestiegen. Der Weizen kostet im Durchschnitt aller Marktorte 177 M. für 1000 Kilogramm gegen 172 im Januar d. I. Der Roggen hat seinen Durchschnittspreis von 159 auf 166 M. erhöht. Der Preis der Gersie ist von 15g auf 160 M. gestiegen. Der Hafer kostet im Durchschnitt aller Marktorte 171 M. gegen 164 im Januar d. I. Der Durchschnittspreis der Eßkartoffeln ist von 53,0 auf 56,3 M. gegangen. Der Durchschnittspreis des Strohs betrug 49,0 M. gegen 49,1 M. im Vormonat. Der Durchschnittspreis für Heu ist von 53,4 Mark auf 55,0 Mark hinaufgegangc». DaS Rindfleisch ist im Großhandel von 1292 auf 1287 M. zurück- gegangen. Im Kleinhandel hat das Rindfleisch. ebenso auch daS Kalbfleisch, seinen Durchschnittspreis nicht verändert, wogegen das Hammelfleisch um 1 Pf. für das Kilo teurer geworden ist. Das Schweinefleisch ist um 4 Pf., das Schmalz um 1 Pf., der Speck um 3 Pf. billiger geworden. Die Eßbuttcr hatte ihren Preis um 2 Pf. ermäßigt, die Eier sind nur um 13 Pf. für das Schock billiger ge- worden. Weizen- und Roggenmehl sind um ie 1 Pf. gestiegen. Ein Vergleich der Preise mit denen des Februar 1906 ergibt, daß im Laufe oeS letzten Jahreö teurer geivorden sind: Eßbuttcr um 1,7, Erbsen um 2,9, Hammelfleisch um 3,2, Weizenmehl um 3,3. Roggen- mehl um 3.7, Weizen um 4,1. Kalbfleisch um 4,3, Rindfleisch im Kleinhandel vom Bauche um 4,5 und von der Keule um 5,1, Gerste um 4,6, Weizen um 5,1, Rindfleisch im Großhandel um 6,8, Hafer um 8,8, Linsen um 16,0, Eßkartoffeln um 16,6 und Eier um 16,6 Prozent. Gewinnstcigerungcn. Die Aktiengesellschaft GlaShüttenwerke „Adlerhütten" in Penzig erzielten im letzten Jahre einen Rein- gewinn von 216 4lt M. gegen 124 970 M. im Vorjahre.— Von 804 721 M. auf 1 124 693 M. stieg der Reingewinn der BuderuSschen Eisenwerke in Wetzlar.— Die Waggonfabrik Aktiengesellschaft in Uerdingen bringt eine Dividende von 12 Proz. heraus gegen 6 Proz. im Vorjahre.— Um fast'/s Million Mark, von 1 209 014 M. aus 1 700 679 M. hob sich der Reingewinn der Bergbau-Aktiengcsellschaft Neuesten. Die Aktionäre erhalten 40 Proz. Dividende.— 30 Proz. verteilt die Bergwerks- Aktiengesellschaft Consolidation. Der Roh- gewinn stellt sich auf 6 426 975 M., im Vorjahre 4 775 567 M. Als Reingeiviim bleiben 5 157 273 M. oder gegen das Vorjahr 1 33l 537 M. gleich 28 Proz. mehr.— Die Arenbergiche Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb in Essen, die für das Vorjahr aus 2 857 358 M. Reingewinn 35 Proz. Dividende verteilte. schloß für daS letzte Jahr mit 8 520 177 M. ab und schüttet 40 Proz. Dividende aus. Folgen der hohen Fleischpreise. Auf der Zollkammer an der Modrzoewer-Brücke in Myslowitz wurden, wie die„Deutsche Fleischer- Zeitung" berichtet, sieben Frauen abgefaßt, die Kalb- und Rindfleisch aus Rußland herüberschmuggeln wollten. Die Frauen gehören fast durchweg den besseren Ständen an und werde» sich wegen Schmuggels vor Gericht zu verantworten haben. Bekanntlich wird der Schmuggel von Fleisch ans Rußland gemäß§ 328 des Strafgesetzbuchs als gemeingesährltcheS Vergehen nur mir Gefängnis bestraft. Diese sich m einemfort wiederholenden Bergehen in oeo Grenzorten sind die Folgen der hohen Fleischpreile. Soziales. Die Milchzcntrale schaut nach neuen Opfern a»S l Die Milchzentrale hat bekanntlich durch daS gesetzwidrige Treiben ihrer Leute Klein- und Mittelbauern enorm geschädigt und ist bankrott. Die Bankrotteure sind leider, wiewohl die Geichästsbiicher unübersichtlich sind und die Verstöße der Leiter gegen das Gesetz den Bankrott herbeigeführt haben, nicht unter Anklage gestellt. Nunmehr werden, wie wir der„Volks-Zeitung" entnehmen, eigen- artige Versuche zur Neubildung der vcrlrachten lonscrbatibcn Grün« dung gemacht. Am Montag tagten zwei Bersainmlungen, die diescin Zwecke dienen sollten. Eine auf 12 Uhr nach den Räumen des Klubs der Landwirte einberusene Versammlung des in der Gründung begriffenen Vcr- eins märkischer M i l ch p r o d u z e n t c n war nur von 24 Interessenten besucht. Der freikonscrvative Abgeordnete Justizrat Rewold berichtete. daß der Verein, der wie die Milchzentrale seine Mitglieder zur Einhaltung eines einheitlichen RingpreiseS verpflichten und die nicht abgesetzten Milchvorräte der Mitglieder uuterbringeu will, beim Amtsgericht Berlin Mitte zwar angemeldet, aber noch nicht eingetragen sei. Es sei vorher noch eine Abänderung der entworfenen Vereinsstatuten notwendig. Die Statutenänderung wurde genehmigt und die Vcr- sammlung wurde um 1 Uhr geschloffen, um den Anwesende» Ge- legenheit zu geben, der zweiten, nach der Viktoria» brauerei einberufenen Versammlung beizuwohnen. Zu dieser Versammlung waren gegen 300 P e r s o n e n er« schienen, um über den Vorschlag des Einberufers, Herrn v. Arnim« Blankensee, zuberaten. Dieser will die dringendsten Schulden der iviilchzentralc durch eine freiwillige Allflage von 10 Pfennig aufjeden Morgen bebauten Acker» l a n d e s tilgen. Eine Vorversammlung in Kyritz war im Prinzip für die Berechnung der Hülfsleistung nach dem Grundsteuer- reinertrag eingetreten. Herr v. Arnim berichtete, daß ihm auf 7000 Aufforderungsschreiben bisher 400 Erklärungen zugegangen seien, davon 150 ablehnende und 250 ztlstimmende. Die 250 Zustimnmngserklärungen repräsentieren eine VeihülfSsmmne von 50 000 M.. also nur Vi« bis Vao der in Aussicht genonimenen HülfSsumme von mindestens 800 000 M. Der konservative Abgeordnete Stubbendorf beantragte, aus der Bcrsainmlung fünf Mitglieder zu wählen, die Fühlung mit den Vorständen der Milch Händler nehmen sollten, um Hand in Hand mit den Vertretern des Handels den Milchpreis für Berlin festzusetzen. Dieser Antrag wurde jedoch gegen eine starke Minderheit ab- gelehnt. Es wurde beschlosten, statt dessen die Groschen- lamnilungen zugunsten der Milchzcntrale fortzusetzen. Gutsbesitzer F i e b i g- H o r st beantragte, Subskribenten für_ diese Unterstützung bis zum 25. März zu sammeln. Bis zu diesem Termin müsse wenigstens eine Beihülfssumme von 500 000 M. gesichert sein, widrigenfalls die Zeichnungen keine Gültigkeit hätten. Weitere Bedingung sei, daß alle Genossenschafter, die 1906 aus der Milchzentrale ausgetreten sind, in diese zurückkehren, während alle, die zum 1. Oktober 1907 gekündigt haben, ihre Kündigung zurückziehen, so daß der Aus- fall von 17 000 Geschäftsanteilen ausgeglichen wird. Ferner müßte die Milchzentrale erllüren, daß sie nicht in Liquidation trete, sondern mindestens noch ein Jahr in der jetzigen oder einer anderen Form bestehen wolle. In demselben Sinne äußerten sich noch 22 Redner. Gutsbesitzer G e n t s ch o w- Schwante erklärte, daß an den traurigen Verhältnissen lediglich der Rechtsanwalt Flatau Schuld trage, der unbedingt zur Strecke gebracht>v erden müsse.(Beifall.) Der Vorsitzende rügte diesen persönlichen Aus- fall, der nur unnütze Angriffspunkte für die Opposition schaffe. Nach dreistündiger Dauer ging die Versammlung anöeinander, nachdem man dem Antrage F i e b i g- H o r st auf Fortsetzung der Groscheiisanmilungen bis zum 25. März und der dreifach bedingten Unterstützimg der Milchzentrale zugestimmt hatte. Das Verbrechen des Rechtsanivalis Flatau besteht, ivie unsere Leser sich entsinnen, darin, daß dieter Anwalt das gesetzwidrige Bor- gehen von Leitern und Generalversammlungen der Milchzentrale als gesetzwidrig durch die Gerichte hatte kennzeichnen lassen. Der Milch- zentraleschivindcl ist eine der stärksten agrarischen Leistmtgen. �ericbts- Deining. Schriftsteller gegen Schriftsteller. Die Verhältnisse des Allgememen SchriftstellervercinS bildeten am Montag wiederum den Gegenstand sehr lebhafter Erörterungen vor dein hiesigen Schöffengericht. Es handelte sich um eine Privat- klage des Schriftstellers und Vorsitzenden Dr. Max H i r s ch f e l d gegen den Professor Dr. Bruno Meyer, den Redakteur Dr. Heinrich Wiesenthal» Schöneberg und die Schriftstellerin Martha Meyer zu Wilmersdorf wegen einfacher und verleumderischer öffentlicher Beleidigung. Die drei Angeklagten toaren Mit- Unterzeichner eines im Januar 1906 veröffentlichten Flugblattes, be- titelt:„Die Wahrheit über Dr. Max Hirschfeld und den Allgemeinen Schriftstellerverein." Das Flugblatt wurde unter den Mitgliedern des Allgemeinen Schriftstellervereins verbreitet und forderte zum Austritt aus dem Verein auf. Außer einer Reihe formell be- leidigcnder Ausdrücke wurden folgende Punkte des Flugblattes unter Anklage gestellt: Es wurde behauptet, daß Dr. Hirschfeld im Schrift- tellerverein eine Paschawirtschaft sühre und in dem Verein durch eine Schuld skandalöse, die Schriftstellerwclt ans das schwerste kom« promittierende Verhältnisse herrschen. Der Verein sei für den Privatkläger nichts anderes als ein lukratives Geschäftsuuternehmen. Dr. Hirschfeld verquicke seinen Vorsitzeildenposten mit seinen geschäftlichen Interessen und lasse sich alle möglichen Leistungen für die Vereinsmitgticder besonders honorieren. Die Nachdruckskontrolle sei nur ein Milte! zum Zwecke des Abonnentenfanges und werde ganz ungenügend ausgeführt. Sobald Leute, denen zunächst Aus- schnitte' aus Blätter», die Beiträge von ihnen enthielten, borgelegt Ivorden, Mitglieder geworden seien, gebe Dr. H. sich ihretwegen gar keine Mühe mehr. In Journalistenkreisen werde der Verein„das Kaffeekränzchen der Frau Hirschfcld" genannt. Räch langer Beweisaufnahme wurde das Urteil dahin verkündet: DaS Gericht hielt es für das gute Recht der Angeklagten, auf dem Wege der Flugschrift zu versuchen, die Rcmedur anzustreben, die sie auf anderem Wege nicht erreichen konnten. Die Statuten des Vereins seien nicht zeitgemäß und wenn zwei Herren, die Anträge auf Statutenänderung stellten, einfach ohne Grnnd hinausgeworfen werden, so sei dies eine Paschawirtschast und man könne von skandalösen Zu- stünden sprechen. Erwiesen sei auch, daß Frau Hirschfeld Gelder in Einpfang genommen, ohne eine Quittung dafür auszustellen. Nicht erwiesen sei, daß Dr. H. den Verein nur als sein geschäftliches Unternehmen betrachtet habe und daß eS bei der Nachdrnckskontrollc nur auf Abonncntcnfang abgesehen sei. Der Gerichtshof habe aber den Angeklagten den Schutz des§ 193 in vollem Umfange zu- gebilligt, in' keiner Weise für nachgewiesen erachtet, daß sie wioei besseres Wissen gehandelt haben und sie deshalb auf Kosten de! Privatllägcrs freigesprochen. Unbefugtes Trage» der Umform? Der Hauptmann von Köpenick spukt noch immer limher und' beschäftigt sogar noch hier und da die Gerichte. Die internationale Kiuematogrnphcn- Gesellschaft hatte Borkehrungen getroffen, um Wilhelm Voigts Heldentat kinemntoaraphisch dem großen Publikum vorführen zu können. Zu der betreffenden Aufnahine, die vor einem Restaurant bei Rixdorf vor sich ging, hatten die mitivirkenden Schau- spieler natürlich Uniform anlegen müssen; die künstlerische Prozedur fand aber schließlich durch die Intervention eines pflichteifrigen Gendarmen einen unkünstlerischen Abschluß. Gegen die bei der Aufnahme mitwirkenden Schauspieler erging ein Sttai- Mandat wegeit— u>l befugten Tragens von Uniformen. Die internationale Kinematographen- Gesellschaft veranlaßte aus v�-nzipiellen Gründen zwei ihrer Leute, auf richter- liche Entscheidung anzutragen. Rechtsanwalt Tasse wies bor dem Rixdorfer Schöffengericht mit launigen Worten darauf hin, daß von einem strafbaren Vergehen hier nicht die Rede sein könne, da aus MaSkengarderobengeschästen entliehenen Militäruniformen un- beanstandet bei zahllosen Theateraufführungen benutzt werden und benutzt werden dürfen. Das energische Auftreten des Gendarms, der den Lenten sogar mit dem Revolver in der Hand entgegen- getreten sei, sei wohl nur durch eine falsche Alarmnachricht zu er- klären. Das Gericht erkannte auf Freisprechung. Zahlstelle ein selbständiger Berein? Der Bevollmächtigte Mcnsching und der Kassierer Brinkmann von der Zahlstelle Gerresheim(Rheinland) des Zentralverbandes der Glasarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands(Sitz Berlin) waren in zweiter Instanz vom Landgericht Düsseldorf wegen Ucbcr- tretung der ZS 2 und 13 des preußischen Vcreinsgcsctzes zu Geld- strafen verurteilt worden, weil sie trotz mehrmaliger Aufforderung der Polizeiverwaltung von Gerresheim Statuten und Mitglieder- Verzeichnis der Zahlstelle nicht eingereicht hatten. Voraussetzung der Anwendbarkeit der§K 2 und 13 wäre, daß die Zahlstelle ein Berein für sich sei, der auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken bezwecke Das nahm das Landgericht mit der Polizei und Staats- anwaltschaft an und führte unter anderin aus: Die Angeklagten hätten sich darauf berufen, daß sie allein Bevollmächtigte des Z e n- tralverbandes bczw. dessen Vorstands, und von diesem als solche ernannt wären, nicht aber von den Verbandsmitgliedern in Gerresheim und Umgegend gewählt seien; und hieraus hätten sie zu folgern gesucht, daß die Zahlstelle kein Verein für sich, sondern lediglich eine örtliche Abzweigung des Berliner Zentralverbandes sei. Diese Beweisführung erscheine aber verfehlt. Ob ein V e r e i n im Sinne des Vcreinsgesetzcs bestehe, sei eine Frage rein tatsächlicher Natur. Wesentlich sei nur, daß sich eine Mehrheit von Personen für eine gewisse Dauer vcreingt habe, um unter einer Leitung an einem Orte oder in einem gewissen Umkreis einen gemeinsamen Zweck zu verfolgen, der bch einem Verein im Sinne des§ 2 dahin gehen müsse, in bestimmter Richtung auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken. Wenn diese Voraussetzungen vorlägen, komme es darauf an, wie die Organisation des als„Verein" anzusprechenden Gebildes entstanden sei. Ihr Vorhandensein an sich genüge. Völlig bedeutungslos sei daher die Behauptung der Angeklagten, daß sie nicht gewählte, sondern vom Zcntralvorstand bestellte Vorsteher seien. Hier handele es sich nun nach Annahme des Gerichts um einen Verein im Sinne der obigen Ausführungen. Nach ihrer Orga- nisation und Betätigung trage die Zahlstelle alle Merkmale des Vereins an sich: sie umfasse einen grötzern örtlich verbundenen Mit- glicderkreis, welcher unter bestimmter Organisation und Leitung ge- meinsame Interessen betätige und verfolge, und zwar, wenn auch in gewissem Zusammenhang mit dem Zentralvcrband, so doch selbst- ständig und unabhängig von diesem. Denn die Zahlstelle befasse sich nicht etwa nur mit der Vermittelung der Beziehungen zwischen den Verbandsangehörigen von Gerresheim und Umgegend und dem Berliner Zentralverband, sondern entwickele eine eigene unab- hängige Tätigkeit. Sie habe eine besondere, den örtlichen Verkält- nisseu angepaßte Organisation, beschaffe und verwalte die zur Ber- wirklichung ihrer Interessen erforderlichen Geldmittel wenigstens teilweise selbständig, betätige ihre Bestrebungen in mehr oder weniger regelmäßigen, unter ständiger Leitung der Angeklagten stehenden Mitgliederversammlungen und lasse durch dieses tatsächliche Ver- halten das Vorhandensein eines Vereinswillens bei ihren Mit- gliedern nach außen in die Erscheinung treten. Demgegenüber er- scheinen die Bestimmungen des Statuts des Zentralvcrbands, welche den Zahlstellen die Eigenschaft eines besonderen Vereins entziehen wollten, lediglich zur Verschleierung und Umgehung des Gesetzes be- stimmt.(!?) Zweifellos verfolge die Zahlstelle, wie der ganze Verband, eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten. Auf die Revision d e r. A n g e k l a g t e n, die vom Rechtsanwalt Dr. Goldberg vertreten wurden, hob das Kammergericht am 7. d. Mts. das Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung an das Land- gericht zurück, in dem es zwar die allgemeinen Ausführungen des Landgerichts über den Begriff des Vereins für zutreffend erachtete, dann aber bemängelnd ausführte: Es fehle hier an der notwendigen Darlegung, weshalb die Zahlstelle ein eigenes Vereinsleben geführt habe, in welchen historischen Vorgängen das Landgericht dieses er- blicke. Daß die Zahlstelle in Versammlungen..Verbandsangelegen- heiten" behandelt habe, genüge nicht zur Annahme eines selbst- ständigen Bcreinslebens. Solche Angelegenheiten seien ja auch das Annehmen von Beiträgen, Auszahlung von Unterstützungen usw. Dagegen könnte man von einem besondern Vereins- leben sprechen, wenn die Zahlstelle agitiert und in den Versamm- lungen die Interessen des ganzen Standes irgendwie vertreten hätte. Das sei bisher nicht festgestellt— Liberaler Sauheerdento» vor Gericht. Um für die liberale Sache Propaganda zu machen, bezeichneten im Dezember der Schuhmachermeister Gottfried Fleischmann und der Bäckermeister Friedrich Fleischmann in Pappenheim, zwei libe- rale Stadtgrößen, sämtliche Sozialdemokraten als„Lumpe n" und den öffentlich tätigen Genossen Hoffmann als„O b c r l u m pe n". Als der anwesende Genosse Leiritz sich dies verbat, wurde er in der rohesten Weise mißhandelt, so daß sein Gesicht völlig unkenntlich war und er längere Zeit ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen mutzte. Das Schöffengericht Pappenheim hielt diese liberalen Roheiten mit 3 Tagen Gefängnis für Friedrich Flcischmann und 5 M. G e l d st r a f e für Gottfried Fleischmann für ausreichend ge- fühnt._ Ein netter Hüter der Ordnung ist der Nachtwächter und Gelegenheitsarbeiter Georg Seidel in Wunsiedel. Am Sonnabend, den 2. März, abends a/49 Uhp, wurde der Posthalter Fritz Bauer unweit seiner Wohnung von einem Un- bekannten hinterrücks niedergeschlagen. Der Täter kniete auf ihm und bearbeitete ihn mit Fäusten und zuletzt noch mit den Stiefelabsätzen. Recherchen der Gendarmerie ergaben, daß der Täter— der Nachtwächter war. Wunstedeler Zeitungen schwiegen den Fall tot, weil Seidel ein „nationaler" Arbeiter ist und bei der letzten Wahl Zutreiberdienste für die Liberalen leistete. Seidel war, wie uns aus Wunsiedel ge- schrieben wird, bei der dortigen Polizei sehr beliebt. Wie würde die„nationale" Presse über die Roheit der Arbeiter und die Lüge, daß die Sozialdemokratie die Verrohung fördere. breittreten, wenn der Nachtwächter und Gelegenheitsarbeiter, der einen so hinterlistigen und rohen Uebersall ausführte,— nicht national gewählt hätte._ Vermifcbtes. .hatte gemeinsam mit dem Ehausscearbeiter Schuhmacher per Rad eine Geschäftstour unternommen. Auf der Rückfahrt stellten sich ihnen abends auf der Lieben ivailder Chaussee eine ganze Anzahl von Ackcrsknechtcn entgegen, versperrten ihnen die Passage, sie fielen alsdann über die Wehrlosen her und richteten sie fürchterlich zu. Sch. gelang es schließlich, zu entschlüpfen. Er holte einen dritten Radfahrer zur Hülfe herbei. Kaum hatten die beiden den Tatort erreicht, so stürzten die rohen Gesellen wieder über sie her. Sch. wurde mit einem tiefen Messerstich zwischen den Schulte rir empfangen. Der dritte Begleiter wurde durch Messerstiche derartig zugerichtet, daß er in bedenklichem Zustande in das nächste Kranken- haus transportiert werden mußte. Voß wurde später in einem Graben aufgefunden, der mit Wasser und Eisstückcn hoch angefüllt war. Der Bedauernswerte hatte eine Anzahl Wunden am Kopf erhalten. Auch sein Zustand ist besorgniserregend. Wahrscheinlich hatten es die Knechte auf eine Beraubung ihrer Opfer abgesehen. Bei einem der verhafteten Haupttätcr wurden 100 Mark aufgesunden, die allem Anscheine nach von Voß, der nicht vernehmungs- sähig, herstammen. Hochwasser auf dem Rhein und Neckar. Wie aus Mannheim gemeldet wrrd, steigt der Rhein und der Neckar rapid. In der vergangenen Nacht stieg der Rhein von 296 auf 430 Zentimeter, der Neckar von 323 auf 527 Zentimeter. Vom Oberlaus des Rheins wird weiteres Steigen gemeldet. Christentum in der Praxis. Der katholische Pfarrer in Ober- dorf b. Jimnenstadt l Allgäu) brachte in einer Grabrede zum Ausdruck, daß alle Menschen arbeiten müßten. Diejenigen Arbeiter aber, die kürzere Arbeitszeit und höheren Lohn verlangen, feien faule Arbeiter. Wieder flottgemacht. Ter Dampfer„Lucie Woermann", welcher am 13. Januar in dichtem Nebel an der Küste von Lome gestrandet war und für dessen Rettung nur geringe Hoffnung be- stand, ist jetzt durch den dem nordischen Bergungsverein gehörenden Dampfer„Berthilde" wieder flottgemacht worden und liegt gegen- Wäriig auf der Reede von Lome. Das Schiff wird voraussichtlich zunächst nach der französischen Kolonie Dakar geschleppt, um dort die notwendigsten Reparaturen am Ruder vornehmen zu lassen und dann die Reise von dort nach Hamburg möglichst ohne weitere Hülfe fortsetzen zu können. Neun Arbeiter verschüttet. In Marseille wurde durch einen Sturmwind ein iur Bau begriffenes Fabrikgebäude niedergerissen. Neun Arbeiter wurden verschüttet, davon sind drei als Leichen, sechs mit schweren Verletzungen aus den Trümmern befreit worden. Nach einer anderen Meldung sollen vier Leichen geborgen sein. Drei Erdstöße wurden in der vergangenen Nacht zwischen 11 und 11% Uhr in Konstanz verspürt. Tot aufgefunden wurden gestern früh an der Brcslauer Um- gehungsbahn in der Nähe der Kürassierkaserne drei Leichen, eine weibliche und zwei männliche, mit Schußwunden. Es handelt sich um ein Dienstmädchen, einen Schlossergesellen und einen Bäcker- gesellen, die, nach den vorgefundenen Papieren, gemeinschaftlich Selbstmord verübten. Das Motiv zu der Tat ist unbekannt. Die drei Personen sind aus Strehlen gebürtig und in Breslau in Stellung. Nach den hinterlassenen Aufzeichnungen und dem örtlichen Befund hat der Bäckergeselle in gegenseitigem Einver- ständniS den Schlosser und das Dienstmädchen, die ein Brautpaar waren, erschossen und dann sich selbst. Neberfallen und schwer mißhandelt wurde« in der Nähe von Eberswalde drei Rädfahrer. Der Bäcker Otto Voß aus Freienhagen ßriefbaften der Rcdahtlon. Den Einsendern des„Fabrikbotcn" der Meierei E. Bolle zur Kenntnis, daß die in demselben abgedruckten Artikel, die sich mit der Sozialdemokratie beschäftigen, nicht eigenes Produkt des verantwort- lichen Schriftleiters, des Pastor Arnold, sind, sondern auS der Lügen- fabrik des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie bezogen wurden und in unserem Blatte längst als elender Schwindel festgenagelt worden find. Rummelsburg. Den Einsender dcZ Schreibens über.Auszahlung der Unsall-:c. Unterstützung" bitten wir um Angabe seiner Adresse. Waflerftand am 12. März. Elbe bei Aussig— Meter, bei Dresden— 50 dp.— Elbe bei Magdeburg 2,20 Meter,— Elbe bei StrauMrt Meter.— Oder bei Ratibor 1,S4 Meter. Oder bei Breslau Oberpegel— 0,08 Meter.— Neitzemündung 2,24 Meter. Oder bei Brieg 2,8t Meter. Warenhaus Hermann Tietz LEIPZIGER STRASSE Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Sonnabend, oow«»» Vorrats ALEXANDERPLATZ i 4 Tage für Lebensmittel Extra-Verkauf für Conserven Blut-Apfelsinen wz. 50, 60, 70 Pf. IZ Orig.-Kistc 80 Stck. Inh. Kiste 100 Stck. Inh. 5" Apfelsinen c»-. 50,40,50«. J verantwortlicher Redakteuri Hau» Weber, Berlin. Für fcg Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwär« Muchdruckerei u. LerlagSanstalt Paul Smaer Sc Ho., lverl« äHL Nr. 61. 24. Jahrgang. 3. WM des Jornifirts" Itrlinn WliMM Mittlvoch. 13. Mar; 1907. Nerbaudstag der Käcker. Kas sel, 11. März. Zweiter Verhandlungstag. ES wird in die Diskussion über den Bericht des Haupt- Vorstandes eingetreten. Dietrich- Köln empfiehlt die Herausgabe einer Broschüre gegen die gelbe Backergewcrkschast. Die Veröffentlichung vieler überflüssiger Versammlungsberichte und eventuell auch der Jnse- rate könne unterbleiben. Redner billigt das Verhalten des Vor- standcs in den Fällen Graf und Kasting. Kopp- Fürth wünscht, daß die Bezirksleiter nur auf Antrag der Mitgliedschaften angestellt werden. Mit dem gelben Bund solle man nicht viel Federlesens machen. Fischer- Dortmund gefällt das Fachblatt nicht. Das Feuilleton mutz unbedingt eingeschränkt werden. Redner bearützt die Verschmelzung mit den Konditoren In seinem Gebiet, Biele- selb, bemühen sich um die Arbeiter in den Kakesfabriken drei Vcr- bände. Das habe oftmals zu Unzuträglichkeiten geführt. Um in Rheinland-Westfalen den Kampf gegen die Christlichen mit Aussicht auf Erfolg führen zu können, sei nötig, bei der Agitation den Kampf gegen die Sonntagsarbeit zu betonen. Schneider- Berlin: Gegen die weitere Herausgabe von Broschüren sei nichts einzuwenden. Verfehlt sei, diese Arbeit den Bezirkslcitern zu überlasten. Die Klagen des Hauptka stiere rs seien bedenklich; gute Kassenverhältnisse seien das erste Erfordernis an eine schlagfertige Organisation. Die Anträge auf Erleichterung der Bezüge sollte man ablehnen. Redner beschwert sich über die Ablehnung richtigstellender Einsendungen von Beölin durch den Redakteur und findet die Haltung des VerbandSorgairs gegen das Kommissionärwcfen für nicht befriedigend/ Den Kampf gegen die Gelben dürfe man nicht autzer acht lasten, weil die gemeine Art der Agitation dieser Jnnungs'chtitzlinge den Verband schädigen könne. Die Erhöhung der Beiträge hat sich bewährt; immerhin empfiehlt sich Ablehnung der Anträge auf Erweiterung der Unter- stützungen. K r o h n- Hamburg führt auS, das Reglement fiir die Wahl der Delegierten sei unpraktisch. Redner hält den Ausschluh Kastings für zu hart, den Ausschlmtz von Graf aber für gerechtfertigt; dieser habe sein Schicksal selbst verschuldet. G ö t t e- Elberfeld gefallen die Konsumbäcker im allgemeinen nicht. Die Wiederaufnahme Kastings könne er nicht empfehlen, obgleich dieser ihn gebeten habe, fiir ihn zu sprechen. L a n k e s- Frankfurt a. M.: Die Grcnzstreitigkeiten mit dem Transport, und Fabrikarbeiterverbande macheu manchen Vcrdrutz; er empfehle Kartcllverirege. Mit der Anstellung von BczirkSleitcrn solle man00 Psd. 3,50— 4,50, do. kleine 2,80—3,50. do. hiesige iPcil.) 0,00. Charlotte» 0,00. Petersilie, grillt, Schockbund 2,50—4,00. Kohlrabi per Schock 0,00. Retlig, banr., per Schock 2,40—4,80. Mohrrüben per 100 Psund 3,00—4,00. Teltower Rüben per 100 Psd. 3—10. Meiste Rüben, groste 0,00, Keine 0,00. Rote Rüben 3,00—4,00. Blumenkohl ital. per Korb 2,75—3,00. Kohlrüben per Schock 2,00—2,50. Wirsingkohl vcr 100 Psd. 3,00-4,50. Rotkohl per 100 Psd. 3,00—5,00. Wcistlohl 100 Pfd. 2.00-2,75. Rosenkohl per 100 Psd. 18-20. Grünkohl per 100 Pfd. 5,00-7,00. Rhabarber 100 Bd. 7,00-10,00. Birnen, per 100 Psd. hiesige 0,00, böhm. 15—20, ital. 30—32. Aepfcl, per 100 Psd.. diesige 5—25, Kravensteiner 0,00. Tiroler in Fässern 0,00, Kiste 30—60, Amcril. 25-35. Zitronen, Mcsfina, 300 Stück 9,00-10.00, 360 Stück 9,00—12,00, 200 Stück 9—13. Apfelsinen, Jaffa, per Kiste 0,00, Murcia 200 er Kiste 6—10, do. 300er 7—11, Valencia 420er Kiste 10-16,00, do, 714 er 16-23,50, Messtna, ISi er, 8-13,00, do. 200er 8,50-12,00, do. 300er 8—14, Blut- 100er 7—8, do. 150 er 7,50-9,00, do. 80 er 6,50-10. Ital. in Körben per 100 Pfd. 0,00. Mandarinen, Kiste 0,75—2,00, do. in Körben per 100 Psd. 32—35. WitternngSuderffcht vom 12. März 1007, morgens 8»Hr. Stationen Swinemd«. 765 NNW Hamburg 769 NNW Berlin 767 NW Franks.a M i7703B München 771 W Kien!7«6WNW s S S 2 £= »■= s (BcUtt 5 heiter 3wolkelil 2Hcitcr 3wolkig 4woMg 4 Schnee » e- B V II i» H 5s 1 _ 2 _ o 2 •5 3 Stationen is a 5 gjd II J£ S Haparanda 76391 Petersburg!—)— Scilly(775®®® ® erbten 1769 SSW Paris>775 NNO Seil« wolkenl Äwolkig 2 halb bd. 3, bedeckt »s: c% » a Müs -17 7 0 —1 Wetter-Prognose fiir Mittwoch, den 13. März l»«7. Etwas wärmer, zunächst meist heiter und trocken bei mästigcn südwest- lichen Winden; später zunehmende Bewölkung. Berliner Wetterbureau. klWM-W. Reichhaltigste Auswahl in den neuesten Moden und Webarten. Kammgarnen, Satins, Cheviots, Draptzs, Meltons, Tuchen usw. 33.- 30.- 27.- 24- 22.- 20.- 18.- 18.- 14.- 12.- 10 M. gtr feüer Kiuter efaet EJo- teguaof» Aaxaf* erbUt reizende Betgeben amtoarL Me. m, imm m. zur Einsegnung | zu wbr niodrifenPrcIsen.| Prufungs-Anzüge ten in Cheviots, £10». moderne, gemusterte Wabarten in Cheviot� Buckskine, Kammgarnen usw. ah er. neuester Geschmactwrtchtun 30« 27.t 24« 21.. fft-<6�. Baer Sohn GpeztelhM« ffessUe Massstabes Chausseestrasfie 24*125• 11 BrQckVftttattte tl Gr. Frtnkftirtarth SO Der Haupt-Katalog No. 31(neneste Moden 1907) auf Wunsch kostenlos und portofrei. „Freier Knn!»", Einknuss-«. Zlrodnktjvgknofftiischllst Freier Gnfl- u. Schankwirte Kerlms n. Umgegend. Donnerstag, den ZI. März, nachmittags 5 Uhr, in Fritz Wilkes Festsäle, Brnnncnstr. 188: IF General% TageS-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Aussichtsrates. 2. Ergäuzungs- wählen dcS Aussichtsrates. 4. Ausnahme neuer Mitglieder. 100/6 Der Vorstand. Matthes. Kerfin. Achtnng, Kollegen! Die Mitglieder des Verbandes der Mrrie» Gast-»nd Schanttvirte werde» dringend auf diese Bersamm- l»»n aufmcrksam gemacht. Wir glaube», das? nachdem in allen Bezirke-Versammlungen über Zweck und Nutze« der Genostenschaft gesprochen, um die noch Autzenstchenden zum Eintritt in die Genossen- ichaft zu bewegen. Der Vorstand. Neu erschienene Broschüren: Sie materialisliseke Geschiehtsauffassung. Leichtfaßlich dargestellt von Hermann Greulich. Zweite, durchgesehene Auslage.— Preis SS Pf. Sie ZaÄsIUemokrslie nnd die Wahlen zum deutschen Reichstage. Von Paul Hirsch und Bruno Borchardt. 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Schiller-Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Tliniia von Rarnhelm. Lustspiel in 5 Auszügen v. Gotthold Ephraim Lesfing. Donnerstag abends 8Uhrr In» bunten Rock. Freitag, abends 8 Uhr: Ii» bnnten Rock. Schiller.Thealer 0. lWallner-Tbealeri. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Riinber. Schauspiel in 5 Auszügen von Friedrich Schiller. Donner»tag. abendS8Uhr: ?ssnrrengtlanz. Freitag, abends 8 Uhr: _ Narrenglanz._ Neues Schauspielhaus Mittwoch, den 13. März, 7 Uhr: ftaatsplel Jose! Kalnz: Fanst. I. Teil. Donnerstag: Das Fest des Sankt Matern. Oer arme Narr. Der goldene Schlüssel. Ansang 7'f� Uhr. Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Jlfeipner Porzellan. Donnerstag: Meissner Porzellan. t rettag: Meissner Porzellan. onnabcnd: Meissner Porzellan. Kleines Thealer. Ansang 8 Uhr. Allerseelen. Donnerstag: Die Kralle. , Freitag: Allerseelen. Sonnabend: Ein idealer Gatte. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Wends 8 Uhr: Allerseelen._ LortzingTheater Bellealliancestr. 7/8. Mittwoch, den 13. März, 7'/, Uhr: Fra Diavolo. Abonnements gültig I Morgen: VI« Flederniann. Lustspielhaus. Täglich abends 8 Uhr: Hnsarenfteber. Zentral-Theater. (Operette.) Täglich 8 Uhr: Dur�chlagender Qg, �„g � Deylseh-iineriitaBisehES Theater. Gefaintgastspiel Theater des Westens. Abends 8 Ubr: Der Droubadonr. Donnerst.: Postillion von Lonjumeau. Freitag: Cousin Bobby. Sonntag nachm.: Die Fledermaus. Sonntag abend 8 Ubr: iter wMilt m SüMiiip. RNMItO ROSE THEA! Gr. Fraiitturlerstr. 132. Heute und morgen: SherlolK Holmes. Detektivkomödie in 4 Allen nach der Romanserie des Conan Doyle von _ Schwarz-Reiflingen. Metropol-Theater AbcndH H Uhr: Luisen-Theater Retchenbergerstr. 84. Ansang 8 Uhr. Oer Hund von Baskerville. An Sherlock Holmes-ErlebniS in vier Alien von Fred Gibson. Trompeter von Säkktng-n.— Sonn. abend« Uhr: May und Mpritz. $ Uhr: Der Hüttenbesiher. Große JahresrevTie in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaonder. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Riobara Schultz. nassary. IVolfT. Bender. (ülampletro. Joscphi. Rauchen überaU gestattet. Sonntag, 17. März, nachm. 3 Uhr: Auf in's Aletropol. »'/. Uhr: io uht: Bernhard Mörbitz mit neuen Typen. Vorher 8 Uhr: �411 bei» Jfocca, Burleske. Muiik von W. Kollo. Sonntag nachm. 3'/, Uhr fll. Preise I): AM ben Mocca und Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld- Ansg. Tltnofap Borverk. 8 Uhr. lUBaier 11-2 Uhr 57 Koinmanpanteuftr. 57. Die stürmisch bejubelte Novität Komödie in 3 Akten mit den Autoren A. und D. Herrnfeld in den Hauptrollen. Sonntag nachm. 3'/z Uhr bei halben Kasfenpreiscn: Hausierer Jockele und Die letzte Ehre mit A. und D. Herrnfeld. SebHIer-Tlieater N. Frledrich-Wilhelmsiädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Die Erziehung zum Don Juan. Zirkus Busch.| Ansang 7'/, Uhr. Um S'/s Uhr: JoriseNung der j International. Oiingkampf- Sonder-Koukurrenz um die Prämien v. Iii vtttt M. I und den grasten Gald-Pokal der I Zeitung„DaS Deutsche Blatt", i Ferner: Neu I Pcreztruppe,\ Lcitcrakrobaten. Herr Foottit, Schulrciter. Herrn E. Schu- manns neueste Dressuren und I das graste Galaprogramm. Um 9'/- Uhr- ff, O jfl. I Zirkus Sciiumann Heute, Mittwoch, den 13. März: ,etzung�der grekee inleMlWZleli liiughsliipl-KuuIiUlseui IlGllleiieu Kranz m Berlin u. um den 10000 Mark IN bar. Origin. Ausstattungspantomime in 7 Bildern. Intimes Ehester Dresdenerstraste 97. KM-" GaKtMpicI des Bmiapesler Byrieskeii-Enseinliles lilnfee-Wolf. Eine vom«allett.- „Zapfenstreich.- Bunter Deil. r Passage-Theater, S. Ronat. Täglich ausverkauft! Ter gröhte Lacherfolg der Saison: „Atal was Anderes". Die Theiras-Troupe und die 10 glänzenden Marz-Spezialitäten. Heute ringen: Albert Hei», Berlin, gegen� Pietro le Bnsque, Spanien. Clement le Boncher, Frankreich, gegen Bernhard Borrath, Berlin. Ehemjakin, Rustland, gegen Element le Derrasfiee, Frankreich. Paul PonS, Paris, gegen Ed. Rihler, Württemberg. 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Die Märchen vom »Teilen*, von der»Zerstörung der Familie und Religion*, die auch heute noch von unseren Gegnern folporttert werden, find in überzeugenden Worten zurückgewiesen.* Neil! I �w'8C'len GrUnan und Garolinenhof I '* hbrrlich inmitten Hochwald am Langen See I gr. Saal— trockene Unterkunft für 1000 Pera.— Veranda Mohf Strand-Restaurant Tel.: Amt Grünau 70(Richtershorn) Inh.: E. Mohr. Als Ausflugsort für Vereine u. Fabriken bestens geeignet. gett8 Dampfer-Aalegroetelle Ruderboote Biere 2 saubere Kegelbahnen— Gute Bedienung Gute Küche Jedermann verlange gratis und franste: Scbriftenoerzeicbnls der Suclihaudiung Vorwärts Berlin 6 Cd. 68, LindenftraQ« 69. Donnerstag, den 14. März, abends 8'/, Uhr: Vertrauensmänner- Versammlung für sämtliche Branchen und Bezirke bei Lipps(Brauerei Z�riedrichshain), am KönigStor. TageS-Ordnung: verteilt über«len Stand der Aussperrung und die Verhandlungen mit den Unternehmern« Vertraucnsmännertarte und Mitgliedsbuch legitimiert. Freitag vormittag 10 Uhr in der„Neuen Welt", Hasenheide: Verzammiung-nKsgesperrien Die Ortsverwaltung. Perlmutter-«. Knopfarbeiter Douuerstag, den 14. März, im Lokale Marianneustr. 41 i verlltiliciisiNiiiicrjihiikg»« Kommission. Tagesordnung:' 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Vertrauensleute. S. Stellung- »ahme zur Kiiopsarbeiter-Konscrenz. 4. Verschiedenes. gM- Jede Wertstatt muss vertrete» sei». 82/15 Hei- Ubiuuan. tan- und Mädchen- Bildungsverein für Zehlendorf und Umgegend, Mittwoch, 13. März, abends 8 Uhr, bei Mied, Karlstr. 12: General-Versammlung. TageS-Ordnung: L Vortrag der Genossin Ttörmcr:»Mutter und Säuglings- Pflege". 2. Dislusfiom 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Verschiedenes. 1/11 Her Vorstsud. Donnerstag, den 14. März, abends S'/a Uhr, bei Fritz Witte, «runnenftr. 1««- 287/17 Oeffentllehe Versammlung d-s Lese- und Diskutierklubs„Basencieier". Diskussion über:„Ist das Recht aus Arbeit' eine sozialdemokratisch« Forderung/— Einleitendes Referat! Genosse Puttlitz. I. A.: Der Borstand. k t W liisl- Deutschlands,(-»bi»«-»« Benin.] Sezirksversammtungen: Viaiifh- 1 Donnerstag, den 14. Mär», nachmittags 5 Uhr. Dc�ltK l. beim Kollegen lTortmilvi', Tegelcrstr. 56, 2 Freitag, den 15. Mär», beim Kollegen IWacI», Badstr. 12. Freitag, den 15. März. beim Kollegen Josef Schtttz, Schönhauser Allee 28. Donnerstag, den 14. März, beim Kollegen Hei». kotVHkl, AndreaSstr. 26. Donnerstag, den 14. März, beim Kollegen Dometh, Siemeiisstrasie 6. 6 Freitag, den 15. März, nachmittags 5 Uhr. beim • Kollegen I'hlllpp llnumiol, Sophicnstr. 6. Die Ortave rwallnn j. n », »» 3. 4. 5. 69/11 S. Filiale Berlin. Freitag, den 15. Bttrx, abends O Uhr, Im Ctowerh« achaftahaas, Engel-Ufer 15, grosser Saal: Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung:- 1. Slellungnabme zu den vom Vorstand und den Bezirken gestellten Anträgen zur 8. Generaloer ammlung. 2. Ausstellung der Kandidaten. Z. Verschiedenes. 198/12 K Da e» sich bei der 8. Generalversammlung hauptsächlich um die z der Arbcitsloscnunierstützung handelt, welche für uniere Organi» sation von ties einschneidender Bedeutung ist, ist«S Pflicht, dasi jeder Kollege die Mitgliedergfrsainmlung besuch«, damit jeder genau weiß, wie die Ansicht der einzelnen Delegierten zur Arbeitslosenunterstützung ist und welchen Delegierten er seine Stimme zu geben hat. j, r vorstand Konsumverein Triedenau und Umgegend Eingetragene GenoegBinchatt mit beechranklBr Haftpflicht. OeffentUche Uerfammlung Donnerstag, den 14. März, abends 8 Uhr. im RhelnschloS, Friedenau, Rheinstrafte 60. Herr Justizrat Steinschneider wird sprechen über: = Lcbcnsmittelteuerung nnd Konsumvereine. Ardeiter, Handwerker, Beamte, die Ihr ein Interesse an der Be. schassung guier und billiger Lebensmiitel habt, erscheint zahlreich und bringt Eure Frauen mit. die es besonders angeht. 106/' dektim Bilanz am 30. beptcmhcr 1906. Passiva Mark Warenkonto...... 2743,46 Debitoren....... 1650,76 Kassakonto....... 342,72 Jnoentarkonlo..... 1120,— EinrichiungSkonto.... 195,— lüten» und Papierkonto 1 l 5,80 Summa 6107,74 Geschäftsguthabenkonto.. RescrvesondZtonto.... Sparcinlagenkonto.... Kreditoren(unbezahlte Warenrechnungen).. Delcrederekonto..... Netto-Gewinn Summa Mlta'ieder: Bis zum Schluß bes GelchästsjahreS beigetreten... 14 Ausgeschieden(verstorben).........•:_ Mark 1402,10 21,90 1269,40 3272,61 625,- 576,78 6167,74 Giguen...................... In da» weschöstzjahr 1906/07 übernommm..... GeschäftSgiithaben.., 1402,10 Mark. Haftsumme.. 145X30-- 4350,—, Friedenau, dm 12. Mär, 1 907. Breiter.»»ring. 145 1 144 Stnt». Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Zimmer 34, Amt 4, 3353. EngBl-lllBr 16. Zimmer 1—5, Amt 4, 9879. Donnerstag, den 14. März, abends 8 Uhr: Uersammlung aller in den Galvanißerungen besdiaftigteu Arbeiter und Arbeitenunen in den Rittersälen, Ritterstraße 75. Tages-Ordnung: 1. Bortrag de» Kollegen'TSuschlet über:»Ans der Geschichte der Arbeiterbewegung". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kolleginnen und Kollegen! In Anbetracht der Wichtigkeit der Tage»- ordnnng erwarten wir zahlreiches und pünktliches Erscheinen. Folgende WcrkstSIten sind besonders eingeladen: A. E.-G., Acker- und Hultenslraße, Barr u. Stein, Bergfeld, Grich u. Gräh. Lachmann, Mix u. Genest, Hcidrich u. Pyrt«, Paetsch u. Zwietusch,«Äinkler und Rackenius. Donnerstag, den 14. März, abends 8 Vs Uhr: Allgemeine Versammlung aller ill der Chirurgischktt örlNldjk btschästlgttll Hart- uud Wetalldreher im Rosenthaler Hof, Rosenthalerstraße 11/12. Tages-Ordnung: 1. Bortrag über:»Die Bcrschiedcnnrtigkett der Produktions- Methode in der Branche und ihre Wirkung auf Lohn- und Arbeitsbedingungen.- 2. Diskussion. Kollegen! Im Anschluß an den Aufruf der Zentralkommission der Hartgnmmidreher fordern wir sämtliche in der Branche tätigen Hart- gummi- und Metalldreher aus, ohne Ausnahme in dieser Versammlung zu erscheinen l_ Donnerstag, den 14. März, abends 8Vs Uhr: Kranche«-Uersammlung der ÜUtetaUcU'uvkSr KerlillS uud ilrngtgeud bei Graumann, Naunynstraße 27. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Link. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegen- heilen und Verschiedenes. Reger Besuch wird erwartet. Donnerstag, den 14. März, abends 8�/2 Uhr: KezirltsUerlammlung für die wkstiilljeu Vororte im Volkshause, Charlottenburg, Rosinenstraße 3. TageS-Ordnung: 1. Ter Berbandstag in Miincheu. Reserent: Kollege A. Cohen. 2. Diskussion. S. Verbandsangcicgenhciten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird ersucht. Sonntag, den 17. März, vormittags 10 Uhr: Eeiiml-Pwsmalms in der Neuen Welt, Hasenheide 108/114. TageS-Ordnung: 1. Antrag der OrtSverwaltuiig und Vertrauensleute betresseud zeitweise Erhöhung des Lokalbeitrages. 2. Jahresbericht der Ortsverwaltuna. Jahres- beucht des Rendanten und Bericht der Revisoren. 3. Neuwahl des ersten Bevollmächtigten, eines Revisors und zweier Beisitzer. PF* Chue Mitgliedsbuch kein Zutritt.'MW 144/18 Achtung! Achtung! i Dienstag, den 19. März, früh an befinden sich unsere g t Cliaritestraße 3, Hof. Die Ortaverivaltang. ..Zum SnOftshaUS o-mptar. und Bahnstation. rgMHIII VJIUI l«dl>MMsd Tel.: Kgl-Wusterhausen l75. Empfehle mein herrlich am Krossinsee und Hochwald gelegenes Lotal den werten Vereinen. Gewerlschastcn, Fabriken und Geselllchasten zu Dampserausflügen. 4i22L- Zwei graste Säle, Kegelbahnen,«affeeküche und Volks- beluitignngrn aller«lrt. �.. Um baldige Anmeldung bittet Wa» Mörschel. Verelmgung der Maler, Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege �uxust pelckov am 9. März 1907 im Alter von 33 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Mittwoch, den 13. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle dcS Schöneberger Kirchhoses, Maxstraße, aus statt, 124/14 Die Orlsverwaltung. Zentralverband der Masehinisten ii. Heizer sowie Berulsgenossen Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin u. Umg. Todes- Anzeige. Am 10. März verstarb das M.lglied 138/10 ädoik Lohedar. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung sindet am Donnerstag, den 14, d. M., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des St. Gcorgcn-Kirchhoses III in Weißensee aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Crtsvcrwaltung. iDvalide�nterslzuDgskasse ..... m Die Beerdigung des am Sonn- tag verstorbenen Lithographen Bcinhoid Müncheherg findet heute M i t tw o ch, den 13. März, nachmittags 3% Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes, Rixdors, Hermann- straße aus statt. 206vb Das Komitee. Orts-Kraukeukaffe der Gelb- u. Zinngießer. Die Kencrai-Vcrsaniniiung der Vertreter für die Mitglieder dieser Kasse findet am Donnerstag. den LI. März er., abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Wollschläger, Adalbertftr. LI, statt, wozu sämi- iiche Vertreter der Arbeitnehmer hier- mit eingeladen sind. Tages-Ordnungi 1. Beriesung der Protokoll« 2. Vor, läge und Abnahme der Jahresrech- nung pro 1906. 3. Bericht des Rech- nungsausschusses und Decharge- Er- teilung. 4. Antrag des Vorstandes aus Abänderung des§ 21. 5. Gehaltserhöhung des Rendantm. 6. Kassen- anaelegenheiten. Berlin, den 12, März 1901. 20656 Der Borstand. Dp« Simmei Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr.iUtmpimz 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4. Kraujblndttti W. Thiedtke, Ripdorf, Hermannstr.«5. 8gsg�ggazm Werl Tarehmin NW., Stephanstr. 56, NW. Fernsprecher H, 930. OroQes Lager slmtlicber Sorten Sirge zu den billigsten Preisen. \ Engroshaus Westmann a7a- Filiale:©., GrOßC frsnksurlcrslr. 115, /lndreasura-e. 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Fuchs Dalldorserstr. 2. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung sindet morgen, Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, aus dem städtischen Kirchhos in der Mullerstraße(srüher Eharitö- Kirchhos) statt. Um rege Beteiligung ersucht Bcr Vorstand. Stukkateure. Nach längerem schweren Leiden verstarb unser Kollege Max Oeser am Montag, den 11. März, im 37. Lebensiahre. 173/10 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 14. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des St. Siineon-Kirchhoss zu Britz, Tempelhoser Weg, aus statt. Zahlreiche Teilnahme erwartet Die Ortsverwaltung des Verbandes der Stukkateure. Am Montag früh 6'/, Uhr eist- schlief nach kurzem schweren Krankenlager unser lieber Freund und Sangesbruder, 2069b Paul Conrad. Ehre seinem Andenken! Bcrl. Bänner-ttzuartett „Harmonie". Sännemreiiiigung„Süd-Ost" M. d. A.-S.-B. Den Mitgliedern zur. Nachricht, daß unser treuer Sangesbruder, der Former Faul Coni-ad am Montag, den 11. März, der- starben ist. 2063b Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 14. März, nach- mittags, 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Krankenhauses Am Urban aus statt. Bcr Vorstand. 8par- und Kredit-Verein Solidarla. Am 11. d. Mts. starb unser Mitglied Paul Conrad. Beerdigung Donnerstag nachmittag 4 Uhr vom Krankenhause am Urban. 205 ob Bcr Vorstand. veutsclw Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes» Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, baß unser Mitglied, der Metallsormer Paul Conrad gestorben ist, 114/20 Ehre seinem Andenken i .Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 14. März, nach- miitaaS 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS Krankenhause« am Urban auS nach dem Jakobi« Kirchhofe in Rixdors statt. Rege Beieiligilng erwartet Die Drlsverwaliung. Zentralverband der Handels-, Transport-, Verkebrsariieiter und Arbeiterinnen Denisctilands. Verwaltungsstelle Berlin II. Hierdurch diene zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kollege Penünnnd Holzmann verstorben ist. 68/18 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. März, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen- halle deS Dankes-KirchhofeS, Ret- nickendors-West, auS statt. Die Drlsverwaliung Berlin II. Doutscber Metallarbeiter-Verband BerwnltnngSfteUe Berlin. Todes» Ansclge. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kollege Wilhelm Wurzel am 11. d. M. gestorben ist. Ehre feinci» Andenke»! Die Beerdigung sindet am Donnerstag, den 14. Mörz, nach. mittags 5 Uhr, vom Trauerhause, Demminerstr. 4, auS statt. Rege Beteiligung erwartet j Weu eröffnet i j1 Kaufhaus Sehr. Preuss Beussel-Siraße, Ecke Hutten-Straße. Vorteilhaftes Angebot zum Umzug: B Gardinen, Bettdecken. Engl. Tüll-Gardinen, Ä. Ä 30, 45, 65 pf. Engl. Tüll-Gardinen, w|Sri, 75, 2,65, 3,50, 5,75 Engl. Tüll-Slores, weiß u»s«sme 1,95, 2,35, 3,25 Engl. Tüll-Beltdecken für i Bett 2,40, 3,50, 5,25 Engl. 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Luisenstraffe 27/23. 2051b* Flotten Rahmenmacher verlangt Hans Gast, Kursürstensttaffe 45. Geldschrankschloffer verlangt Brandes, Älexandrinensttaffe llS.» verlangt 2064b* Steinmetz- Lehrlinge Ackerstraffe 38. Lehrling für Schlosserei und Dreherei sucht Maschinenfabrik Fischer u. Krecke, G. m. b. H., Friedrich- straffe 16,_ 20506* Gürtlerlehrltng auf Militär- arbeit verlangt Paris Nachs., Nieder- wallstraffe 14. 206«b* Möbeltischler erhalten dauernde Beschäftigung. W. Schuhard. Tischler- meister, Skalsund, Frankendamm 6. Belegeriunen, Vorlegerin für Belegemaschtne, junge Burschen, sucht Max Leonhard, Weiffensee, Lehder« straffe 86/88.+52 Znarbeiterin, Lehrmädchen(uw entgeltlich) Göbensttaffe 18, IV linlS. �Plätterin, nur gute Kraft, höchster Lohn, verlangt Ilixb- like, Kur- sürstenftrahe 37, Fabrikgebäude III. Mamsells aus einjache, bessere StaubpaletotS. Wöller, RüderSdorfer- straffe 49 I._+47* Gardinenlpannerin gesucht. 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