Nr. 67. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 I., monatl, 1,10 m., wöchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntagse Beilage Die Neue Welt" 10 Big. Poste Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Boft BeitungsBreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Cricheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 50 ẞfg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf. stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes meitere Bort 56 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müffen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernivrecher: Amt IV. r. 1983. Studts neuester Streich. Mittwoch, den 20. März 1907, Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. der warmen Befürwortung der Eingabe durch die lokalen Be- die Ergebnisse normaler Notwendigkeit sind und daß die Regierung hörden war man ja gewiß. Als sich aber die Antwort auf in folchen Staaten teine große Mühe hat, die Annahme der Geseze Iden Antrag vom Dezember bis zum März hinauszögerte, zu erreichen. In einem Lande aber, das sich im Zustande der wurden diejenigen, die die in Betracht kommende Instana Die Regierung hat alle der Duma vorgelegten Gefeße auf berWiedergeburt und Neubildung befinde, liege die Sache anders. Dem Vorwärts" ist kürzlich aus Stiel von einer Ver- fannten, mißtrauisch. Den Bescheid freilich, der nun tatsäch felben allgemeinen Jdee aufgebaut, nämlich materielle Grundsäße fügung des schleswig- Holsteinischen Provinzialschulkollegiums lich erfolgte, hatte auch der pessimistischste Beobachter des zu schaffen, in denen die neuen, aus den jüngsten Reformen fich berichtet worden, durch die einem Lehrer der Kieler Oberreal- Studtschen Schulregiments nicht für möglich gehalten die ergebenden Rechtsverhältnisse verkörpert sein sollen. Unser Baterschule verboten wurde, an den von der dortigen Arbeiterschaft Lehrer vollends und auch die Kieler Schulbehörden waren land muß in einen tonftitutionellen Staat umgewandelt werden. eingerichteten deutschen Sprachkursen Unterricht zu erteilen. wie vor den Kopf geschlagen: Auf das Gesuch wegen der Es müssen wirkliche Grundlagen geschaffen werden, um die Inzwischen ist auch an die übrigen Lehrer ein gleichlautendes Schulräume ging nämlich das Provinzialschulkollegium über- Rechte des Staates und der Einzelpersonen zu bestimmen und festVerbot ergangen, so daß die Eristenz der Kurse fürs erste haupt nicht ein, wie denn die Arbeiterbildungskommission zusehen und die Widersprüche der alten gegen die neuen Geseze bernichtet ist, der ganze Vorgang ist derartig symptomatisch noch bis heute feiner Antwort auf ihre Eingabe gewürdigt Brivatpersonen und Beamte zu verhindern. Die Regierung habe au beseitigen sowie völlig willkürliche Auslegungen derselben durch für den Geist der Studtschen Schulpolitik, daß er es verdient, wurde, den Lehrern aber wurde kurzerhand befohlen, bie moralische Pflicht, den Bauern gefeßmäßige Wege zu weisen, etwas ausführlicher geschildert zu werden. sofort ihren Unterricht an den Kursen einum aus dieser Not herauszutommen. Deshalb feien Gefeße erDie deutschen Unterrichtskurse für die Arbeiterklasse sind austellen. laffen, nach denen den Bauern kaiserliche und Staatsdomänen übervom Gewerkschaftskartell und vom Sozialdemokratischen Ver- Der Oberrealschullehrer, den der Schlag zuerst erreichte, lassen und andere Maßregeln ergriffen werden, um eine Reorganiein in Riel im vergangenen Herbst ins Leben gerufen worden. erhielt dazu noch den Befehl, mit seinen Schülern überhaupt fation des Loses der Bauern sicher zu stellen. Auch für die Eman Ihr Zweck wird durch ihren Namen mit genügender Deut- nicht mehr persönlich in Verkehr zu treten, ihnen seine Ab- sipation der Bauern und Gemeinden, fährt die Erklärung fort, lichkeit gekennzeichnet. Die Tatsache, daß im Land der Dichter sage schriftlich zukommen zu lassen und fünftig in die Ge- bat die Regierung Maßregeln getroffen. Außer der bäuerlichen und Denker breite Bevölkerungsschichten nicht in der Lage werkschaftsherberge, wo bisher die Kurse stattfanden, keinen bereitet, die die Verwirklichung der in dem Manifest vom 30. Otfind, ihre Muttersprache, besonders im schriftlichen Ausdruck, Fuß mehr zu setzen. tober niedergelegten, aber noch nicht durch Gesez sanktionierten auch nur einigermaßen sicher und korrekt zu handhaben, ist ja Daß es Herrn Studts eigene Faust gewesen, die auf Grundfäße bezweden. Die Gewissensfreiheit, die Freiheit des allgemein bekannt und wird von niemand schmerzlicher emp- diefes Unternehmen, im wörtlichten Sinne ein Kultur Briefwechsels, die Unverleglichkeit der Person find noch nicht durch funden, als von den Opfern dieses traurigen Zustandes felber, mert, niederfauste, geht auf das evidenteste aus folgendem die ruffische Gefeßgebung geregelt. Um die religiöse Toleranz zu und zumal von den Arbeitern. In den Kieler Unterrichts hervor. In dem Regierungszirkular vom 31. Oktober 1884, fichern, hat die Regierung eine Revision der Gesetzgebung für nothursen sollte also strebfamen Angehörigen des Proletariats das den Privatunterricht der Lehrer behandelt, wird bestimmt, diese Gefeßgebung im Hinblid auf das Manifest vom 30. Oktober wendig gehalten, damit festgestellt wird, welchen Abänderungen Gelegenheit geboten werden, das ihnen im Kindesalter Vor- daß die Erlaubnis zur Erteilung von Unterricht von der vor 1905 zu unterziehen ist. Die Regierung hält es für ihre Pflicht, enthaltene als Männer nachzuholen und die Sünden, die der gesetzten Dienstbehörde der Lehrer einzuholen ist. Als vor die Freiheit der orthodoxen Stirche in besonderem zu schüßen, denn Klassenstaat an ihrer wehrlosen Jugend begangen, aus eigener gefeßte Dienstbehörde wurden in einem späteren Erlaß an die ruffische Nation ist stets von der orthodoxen Religion burchKraft nach Möglichkeit wieder gut zu machen. eine städtische Schulbehörde( Regierungsrestript vom 28. No brungen, die den Ruhm und die Macht Rußlands bildet. Die Die Kosten des Unternehmens wurden von den Teil- vember 1884) der städtische Schulinspektor und die städtische Rechte der orthodoren Religion follen aber die Rechte der übrigen nehmern der Kurse und den genannten Organisationen ge- Schulfommission bezeichnet. Dem Schulinspektor, heißt es Religionen nicht beeinträchtigen. Die Regierung wird eine Reihe tragen. Als Zehrkräfte waren Volksschullehrer sowie der er- weiter, steht in seiner Stellung als staatlicher Schulaufsichts von Gefeßen einbringen, betreffend den Uebertritt zu einer anderen wähnte Lehrer der Oberrealschule gewonnen worden. Die beamter die Befugnis zu, falls er einem hierüber gefaßten Seligion, betreffend die Abhaltung von Gottesdiensten usw. Lokalen Schulbehörden, die nach den über den Privatunter- Beschluß der Schulfommission seine Zustimmung verweigern allgemeinen Grundfäßen aufgebaut, die in den tonftitutionellen Das Gefeß über die Unberleßlichkeit der Person ist auf den richt der öffentlichen Lehrer geltenden Bestimmungen um zu müffen glaubt, die Entscheidung der Regierung herbei. Staaten gelten. Alle Gingriffe in dies persönliche Recht sind ber ihre Genehmigung befragt werden mußten, der Stadtschulrat zuführen. Nun, in Kiel hatten die lokalen Behörden längst richterlichen Gewalt vorbehalten. Die Ausnahmegesebe, von denen jowohl wie das Magistratsmitglied, dem das städtische Schul- den Lehrern die Erlaubnis erteilt, der Schulinspektor an der es jetzt brei verschiedene Arten gibt, werben wesentlich abgeändert wesen unterſtellt ist, hatten den Lehrern diese Erlaubnis mit Spize. Die Regierung war von feiner dieser Instanzen an- werden; so hat bie Regierung z. B. befchloffen, die abministrative größter Bereitwilligkeit und mit den Ausdrücken der wärmsten gerufen worden, sie hatte also ihre eigenen Behörden des Verbannung abzuschaffen. Die Regierung schenkt besondere AufSympathie für das Unternehmen der Arbeiterschaft erteilt. abouiert. Entscheidend aber ist folgender Bassus des merksamkeit den Gefeßen über die Selbstverwaltung der Semstwos, Und es liegt ja auch ohne weiteres auf der Hand, daß eine Birkulars: der Städte und der Körperschaften der Lokalverwaltung, welche solche Erscheinung, die Vorstellung dieser Männer des arbeiböllig umgestaltet werden sollen. Der Entwurf sieht in dieser Abtenden Boltes, die nach schwerem, am Schraubstock oder an der ficht den Woloft als kleinste administrative und soziale Einheit Hobelbank vollbrachtem Tageswert sich des Abends mit heißem vor, welche sich selbst verwaltet, ohne daß irgend welche Klagen Bemühen über ihre Hefte und Bücher beugen, um sich Kenntunterschieden werden. Sodann folgen die Reform der Verwaltung der Stadtgemeinden, der Semstwos, der Polizei und der admininisse und Fertigkeiten anzueignen, die im natürlichen Entwickelungsgang dem zartesten Kindesalter angemessen find strativen Bezirke des Reiches. Der Plan der Organisation einer nationalen Vertretung der Semstwos soll sich gründen auf das es liegt auf der Hand, sagen wir, daß ein solches Bild jeden Prinzip der Besteuerung unter Beteiligung der Grundbefizer als sittlich normal empfindenden, jeden anständigen Men einer für die Kulturentwidelung wichtigen Klasse. Die Reformen schen nur mit einer Art Rührung und bewundernder Anerder Verwaltungsbezirke zielen auf eine Bereinheitlichung aller fennung für all die Züchtigkeit, die in unserer Arbeiterschaft Zivilgewalt in den Kreisen, Gouvernements, Provinzen usw. ab. Weiter folgt die Justizreform, bei welcher die Wahl von Friedenssteckt, erfüllen muß. richtern durch die Ortsbevölkerung die Grundlage bildet. bem Justizminister wird eine Reihe von Reformen auf dem Ge biete des Zivil- und Strafprozeßverfahrens eingebracht werden, die auf den Grundfäßen aufgebaut find, welche in anderen Staaten bereits Geltung haben, so zum Beispiel die Zulassung von Abbo laten und Berteibigern bei der von einem Untersuchungsrichter au führenden Voruntersuchung. Der Minister wird eine neue Robifizierung des gesamten Strafrechts, des Hypothekenrechts und des jenigen Grundeigentumsrechts vorgeschlagen. Die Aderbauverwaltung wird höchst wichtige Geseze borlegen, welche die bäuerliche Bevölkerung betreffen. Um die örtlichen Agrarfommiffionen, von denen die Wohlfahrt der Bauern abhängt, enger mit der Bebölferung zu berbinden, soll die Zahl ihrer von den Bauern zu wählenden Mitglieder erhöht werden. " Für die Erteilung oder Versagung der Erlaubnis im ein. zelnen Falle bleibt für die Dienstbehörde lediglich der Gefichts. punkt maßgebend, ob und inwieweit durch solche Privattätigkeit der Lehrer oder Lehrerinnen eine Beeinträchtigung der öffent. lichen Lehrstunden zu befürchten ist." Wäre also wirklich, was aber nicht der Fall war, die oberste Entscheidung der Provinzialregierung gegen die lokalen Instanzen angerufen worden, so hätte sie, nach dem Wortlaut dieses Zirkulars, den Unterricht genehmigen müssen, denn es kann natürlich keine Rede davon sein, daß von den zwei Unterrichtsstunden, die jeder der Lehrer an einem Abend Jede außerhalb des Unterrichtszwedes liegende Tendenz, der Woche erteilte, eine Beeinträchtigung der öffentlichen Lehr. vor allem jede politische Betätigung war bei den Kurjen stunden zu befürchten war. Nur der Minister selber fonnte selbstverständlich gänzlich ausgeschlossen; es handelte sich ia also das Regierungszirkular außer Kraft setzen und bestimmen, ausschließlich um for male Kenntniffe, die den Teilnehmern daß es für den vorliegenden Hall nicht maßgebend und daß durch den Unterricht vermittelt wurden. Noch heute, nach so die Genehmigung zum Unterricht, außerhalb des In viel Abenden des Zusammenseins, wissen die Teilnehmer nicht, it a naen wegs, auch aus anderen Gründen zu versagen welcher politischen Barteirichtung ihre Lehrer angehören, und fei. Welches Herrn Studts andere Gründe diesmal daß die Arbeiter es nicht nötig haben, um Politit zu gewesen, liegt auf der Hand. Herr Studt ergänzte das treiben, deutsche Sprachkurse einzurichten, dürfte am Ende Birkular offenbar durch den Sat: auch einem preußischen Regierungsmanne einleuchten. Das geht zum Ueberfluß noch aus folgender Tatsache hervor. Im Die Genehmigung ist allemal dann zu versagen, wenn ber Unterricht an organisierte Arbeiter erteilt werden soll. Für den gemeinen Landmann und den Handwerker in den Städten ist es hinlänglich, wenn sie richtige Begriffe von ihrer Religion und von ihren Pflichten als Untertanen und als Men schen erhalten. Höhere Kenntnisse tönnen ihnen eher schädlich werden.... Laufe der Kurse stellte es sich heraus, daß es aus technischen Dem Proletariat soll, soweit der preußische Staat mit. Rücksichten zweckmäßig wäre, wenn der Unterricht in Schul- zureden hat, auch n a ch Absolvierung der Volksschule jeder Weg räumen abgehalten werden könnte. Auf Rat der Lehrer zur Bildung und zum Licht verrammelt bleiben. Die Ar. reichte die Arbeiterbildungskommission bei der lokalen Schul. beiterschaft soll um jeden Preis im Dunkel der Unwiffenheit behörde ein dahingehendes Gesuch ein. Vom Vorsitzenden erhalten werden, auf daß sie ja nicht zum Bewußtsein ihrer der städtischen Schulfommission wurde die Genehmigung des Seloteneristenz gelangt, daß sie den Weg, der aus ihrer Antrags zugefichert, unter der Bedingung, daß die Kurse dann Klaffenhölle herausführt, nicht erkennt und an dem erkannten der Kontrolle der Schulbehörde unterstellt würden. Obwohl Biel nicht ihren Willen zur Freiheit und Kultur entzündet. die Zumutung, daß das ganz aus eigener Initiative der Ar. Schon in einem Schulreglement Friedrich Wilhelms III. beiterschaft hervorgegangene und ausschließlich von ihren hieß es: Mitteln unterhaltene Werk fich fünftig eine Art behördlicher Aufsicht gefallen laffen folle, in den Kreisen der Teilnehmer anfangs auf starten Widerstand stieß, erklärte man fich schließlich mit der Bedingung einverstanden, da zugesichert wurde, daß die innere und die organisatorische Selbständigkeit der Man sieht, es ist ein direkter Weg, der von Wöllner über Surse nicht angetastet werden sollte und der Stadtrat über die Raumer und Mühler zu Studt führt, und heute wie vor dies in Aussicht stellte, daß dann den Kursen auch jederzeit 100 Jahren ist die Schulpolitik des Ministeriums für geift die pädagogische Erfahrung und die tatkräftige Unterstüßung liche Angelegenheiten, das in Breußen im Nebenamt das der städtischen Schulverwaltung, besonders was die Be Unterrichtswesen verwaltet. Klaffenherrschaftspolitik per fchaffung geeigneter Lehrkräfte anlange, zur Seite stehen fidesten Stils. würde. Jedenfalls lieferte mit ihrem Entgegenkommen die Was aber werden die geehrten Herren des Abgeord. Leitung der Kurse den Beweis, daß das Unternehmen fein, netenhauses, die sich eben gerade über den Etat des Kultus. wie auch immer geartetes Sicht zu scheuen hatte, und auch ministeriums unterhalten, au dieſem neuesten Streich des das ging aus den Unterhandlungen hervor, daß sich fämt Herrn v. Studt fagen? liche, bis dahin direkt oder indirett an den Kursen be teiligten Instanzen, Schüler wie Lehrer, Arbeiterbildungstommiffion wie städtische Schulbehörde, in allen wesentlichen Punkten in vollständiger Uebereinstimmung befanden. Die russische Revolution. Von Inbetreff der Arbeiterfrage ist die Regierung von der absoluten Notwendigkeit der Beteiligung des Staates an der Gestaltung der Bage der Arbeiter überzeugt. Da die Regierung der Ansicht ist, daß die Arbeiterbewegung eine Befferung der Lage der Arbeiter bezweckt, wird die Regierung von allen Maßregeln absehen, die eine fünstliche Nährung dieser Bewegung in sich schließen, aber auch von allen Maßregeln, die geeignet find, bie Bewegung einzu bämmen! Die Regierung wird auch die Interessen der Gesellschaft wahren müffen, um sie gegen Ausschreitungen zu schüßen. Sie wird den beteiligten Parteien, sowohl Unternehmern als Arbeitern, vollrommene Aktionsfreiheit sichern, einschließlich des Rechts zu wirtschaftlichen Streits. Als positive Maßnahmen plant die Regierung Invaliden- und Krankenversicherung der Arbeiter, das Berbot der Arbeit bei Nacht und unter Tage für Frauen und Kinder sowie Herabsetzung der Zahl der Arbeitsstunden für alle Arbeiter. Das Verkehrsministerium ist mit der Weiterentwickelung der Gisenbahnen beschäftigt, die gegenwärtig eine Schienenlänge von 61 725 Werst befizen. Geplant ist auch der Bau einer Amur- Eisenbahn. Weitere Maßnahmen bezwecken die Verbesserung der russischen Gisenbahnen in Europa, der Wasserstraßen usw., eine Abänderung der Gefeße über die Enteignung von Privatbesig in besonderen Fällen usw. Die Regierung ist der Ueberzeugung, daß alle aufgezählten Maßnahmen sich nicht verwirklichen lassen ohne eine radikale Reform bes öffentlichen Unterrichts. Die Regierung wird die Teilnahme am Unterricht zunächst eine freiwillige fein lassen, sie dann aber, was bie Glementarschulen anbetrifft, obli= gatorisch machen. Ferner ist die Verwirklichung aller Reformen nur möglich, wenn die Finanzen es gestatten. Der unglücklich verlaufene Krieg macht, so groß auch der Wunsch auf Erhaltung des Friedens und so notwendig die Beruhigung des Landes sein mag, Da traten Serr Studt und seine Leute des Minifteriums ist heute in der Dumasihung durch Stolypin neue Ausgaben notwendig. Wenn wir aber unsere militärische auf den Plan. Das Gesuch um Ueberlassung der Schul- verlesen worden. In der Erklärung heißt es zunächst, der Minister. Machtstellung und die Würde unseres Baterlandes wahren, wenn räume mußte nämlich in legter Instanz der Regierung, in präsident halte es für erforderlich, ein allgemeines Bild der von wir nicht unsere Zustimmung dazu geben wollen, daß wir unseren Diesem Falle dem Provinzialschulkollegium, ber Regierung ausgearbeiteten Gefeßesvorlagen zu geben. Dann Blah unter den Großmächten verlieren, dann dürfen wir nicht vor unterbreitet werden. Die endgültige Genehmigung schien an wird darauf hingewiefen, daß in den Staaten, welche fett langem der Notwendigkeit der Ausgaben zurückschreden, die uns die große fangs allen Beteiligten eine bloße Formsache zu sein, denn ein repräsentatives Regierungssystem besitzen, neue Gesebe ur Bergangenheit Rußlands auferlegt. Der außerordentliche Charakter Die Regierungs- Erklärung dieser Anforderungen zwingt zu der Oeffnung außerordentlicher streik. Für die Soizaldemokratie sprach in der Diskussion| Die Vertreter aller Parteien ersuchten den Bräsidenten, be Einnahmequellen. Der Finanzminister wird infolgedessen neue Genosse Ledebour, der in einer scharf pointierten Rede, dem Reichskanzler dahin zu wirken, daß dieser durch Anweisung Steuern beantragen, darunter eine Einkommensteuer und Ab- deren Wirkung sich auch die„ nationalen" Parteien nicht ent- an die ihm nachgeordneten Verwaltungsstellen dafür Gorge trage änderungen der Erbschaftssteuern. Die Regierung will auch den Organen der Selbstverwaltung einen Teil der Staatseinkünfte ziehen konnten, die Politik der preußischen Regierung einer daß der jetzt im Reichstage geltende Gebrauch rückhalt überlassen; denn wenn die Befugnisse der Semstwos und der Städte wuchtigen Kritik unterzog. Eine groteste Szene war es, als los respektiert wird. ausgedehnt werden, muß die Regierung ihnen auch die Möglichkeit Graf Posadowsky auf eine Minute im Saale erschien, um die gewähren, ihre neuen Verpflichtungen zu erfüllen. lafonische Erklärung abzugeben, daß die Regierung die Beantwortung der Interpellation ablehne, weil sie eine rein preußische Angelegenheit behandele! Am Schluß der Erklärung heißt es: Die Beruhigung und die Wiedergeburt des großen Rußland ist nur möglich auf dem Wege der Verwirklichung der neuen Prinzipien. das Wenn's mit schönen Versprechungen getan wäre, wäre yaz russische Volk schon lange das freieste, das glücklichste Bolk der Welt. Petersburg, 19. März.( W. T. B.) Nach lebhafter Debatte über die Erklärung Stolypins wird mit großer Mehrheit beschloffen, über dieselbe einfach zur Tagesordnung überzugehen und die nächste Sigung auf morgen angesetzt. Demonstrationsstreik. Moskau, 19. März.( B. H.) Das Zentralorgan der Studenten. schaft fordert Studenten und Arbeiter auf, das Andenken der fürzlich hingerichteten Studenten durch einen eintägigen Streit zu ehren. Politische Uebersicht. Bezüglich der Geschäftslage vereinbarte der Senioren konvent, daß nach Erledigung des Notgesezes und der noch vor liegenden Interpellation die Osterferien beginnen. Allem Ver muten nach tritt die Osterpause am Donnerstag oder Frei tag ein. " " Die Mitglieder der Generalfommission der Gewerkschaften rüden an, um hier im Reichstage über eine gegen die ganze bürgerliche Gesellschaft und den modernen Staat gerichtete Agitation ( Maifeier) zu beraten. Wenn das so weiter geht, wer garantiert dafür, daß nicht eines Tages die weitgehendsten Konspirationen gegen Staat und Gesellschaft seitens der Sozialdemokratie im Reichstag gepflogen werden. Das, wäre wirklich der Clon ihrer Agitation, wenn angesichts der ungeheueren Streitbewegung die Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion mit der Generaltommission der Gewerkschaften und den Leitern der zentralisierten gewerkschaftlichen Verbände hier im Reichstag den Generalstreik, der unser Vaterland in seinem Innersten erschüttern würde, proklamieren würden." Die Volksschule im Kampfe gegen die Sozialdemokratie. Dieser Bericht aus dem Seniorentonvent des Reichstages zeig Beratung des Stultusetats fort und bewilligte zunächst Herrn mit wünschenswertester Deutlichkeit, wie sehr fich die Denunziantes Das preußische Abgeordnetenhaus sette am Dienstag die zweite v. Studt sein Gehalt, um das er oder vielmehr seine Räte fast bie Anrempelung als Denunziantin denn auch höchst unangenehn in diefer Affäre blamiert haben. Der„ National- Zeitung" if bier Tage lang gekämpft hatten. Der Abstimmung ging eine und sie sucht sich mit der faden Ausrede herauszureden scharfe Auseinandersehung zwischen den Herren Dr. Borsch( 8.) daß sie ihre Meldung erst gebracht habe, nach dem bereits von de und Cassel( frs. Vp.) über die wichtige Frage voraus, ob das Staatsanwaltschaft eingeschritten war. Das ist, wie der obige Be Zentrum oder die freisinnige Voltspartei nationaler" gesinnt sei. richt aus der Sigung des Seniorenkonvents beweist, unwahr Mit wohlverdienter Jronie geißelte Dr. Porsch das Gebaren des Offenbar ist auch erst auf die denunziatorische Notiz der National Freisinns, der sich so aufspielt, als habe er die nationale Ge- Beitung" hin die Polizei zu ihren Ermittelungen" geschritten, dent sinnung in Erbpacht genommen, der in seiner Entzückung über den sonst ließe sich nicht erklären, daß die Angelegenheit heute noch nich Bülowschen Silvesterult sogar soweit gegangen ist, dem Zentrum bei der Staatsanwaltschaft angelangt war. in seinen Flugblättern Mangel an nationalem Gefühl vorzuwerfen, als fie in ihrer heutigen Nummer das Denunziantenhandwerk munter Die Verwahrung der„ National- Beitung" ist umso unangebrachter obwohl er in einer ganzen Reihe von Wahlkreisen mit Hülfe des fortsetzt, wobei sie sich allerdings feige den Rücken zu decken such Zentrums in den Reichstag gelangt ist! Das sind Tatsachen, die durch die Formel: Man schreibt uns..." Man schreibt uns..." und den Nachsag fich nun einmal nicht aus der Welt schaffen lassen, auch nicht durch Wir geben diese Zuſchrift wieder, ohne uns mit allen Einzelheiter Berlin, den 19. März 1907. die rabulistischen Interpretationskünfte des Herrn Cassel. Die zu identifizieren. In der Zuschrift wird behauptet, daß da Die Politik des Kneifens. Vertreter der bürgerlichen Parteien sollten doch endlich eingesehen Reichstagsgebäude systematisch zur geheimen Agitationsstätte der Unsere Hurrapatrioten sind von ihrem deliranten haben, daß mit keinem Wort ein so schlimmer Mißbrauch getrieben Sozialdemokratie geworden ist" und dann wird die folgende schauer Siegestaumel noch immer nicht zum Bewußtsein der politi- wird wie mit der Phrase von der„ nationalen Gesinnung". liche Perspettive entrollt: politi- national wird wie mit der Phraſe von der„ nationalen Gesinnung". liche Perſpettive entrollt: ist und dann wird die folgende schauer fchen Wirklichkeit zurückgekehrt. Noch immer hängt ihnen der National sind immer diejenigen Parteien, deren Hülfe die Himmel voller Geigen. Sie halten noch immer dieselben jeweilige Regierung gebraucht. Im Reich sind zurzeit die FreiSiegesreden, die sie auf den zur Feier des Wahlsieges ver- innigen national, weil sie dem Block Heeresfolge leisten, in anstalteten Festbanketts zum besten gegeben haben. In ihrem reußen sind es die Herren vom Zentrum, die der ReSiegesrausch kommt ihnen auch gar nicht die beispiel- gierung hülfreiche Hand leisten bei ihren Bestrebungen, die Schule lose Feigheit der Regierung zum Bewußtsein, und womöglich auch die Universitäten der Kirche auszuliefern. die den sozialdemokratischen Anklagen geflisfentlich der General debatte auch nicht ein einziges Mal im Hause blicken Auffallend war es übrigens, daß sich Fürst Bülow während ausweicht, trotzdem die Anschuldigungen diesmal unend- der Generaldebatte auch nicht ein einziges Mal im Hause blicken lich schwereres Belastungsmaterial enthalten, als die Anklagen, ließ. Und doch wäre seine Anwesenheit dringend erforderlich gegegen die sich Bülow im Falle der 12 000 Mart- Affäre seiner wesen, einmal aus Gründen fürstlicher Ritterlichkeit, damit er zeit so eifrig verteidigte. Die Regierung hat sich seitdem eine dem hülflosen Kultusminister beispringen, und zweitens im politimoralische Rhinozeroshaut zugelegt aber das aber das schen Interesse, damit er den krassen Gegensatz zwischen seinen Als Beweis für diese furchtbare Möglichkeit, die den guten ist doch kein Beweis ihrer Stärke, sondern nur ihrer eden im Reichstag und den Taten seiner Regierung in Bürgern einen heilsamen Schreden einjagen und die Deffentlichkeit beispiellosen Strupellosigkeit. Oder sollten Breußen aufklären konnte. Aus seinem Fernbleiben wird man für eine Beschränkung der Rechte des Reichstages günstig stimmen anscheinend ist die ganze Phantafie aus interessierter sich die Parteien des Blocks wirklich einbilden, sie hätten wohl mit Recht den Schluß ziehen dürfen, daß er an eine Aende- folldiesmal einen Wahlerfolg erstritten, daß sie für alle Seiten rung der preußischen Politit nicht denkt, mit anderen Worten, daß polizeilicher Feder geflossen werden zwei Zirkulare der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion und des sozialdemokratischen des Sieges sicher wären? Das wäre denn doch eine geradezu die preußische Reaktion nach wie vor tonangebend für ganz Deutsch Parteivorstandes abgedruckt, die älteren Datums sind. Das erstere land sein soll. abenteuerliche Selbsttäuschung, denn trotz ladet zu einer Fraktionssitung ein, zu der auch die Mitglieder der Flotten- Keim und Reichslügenverband hat die Opposition Die weitere Debatte, die sich um die Frage des Elementar- Generalfommission der Gewerkschaften geladen waren, das zweite diesmal noch immer die Mehrheit der Stimmen auf sich ver- Unterrichtswesens drehte, brachte von neuem den Beweis zu einer Zusammenkunft der Geschäftsleiter der Parteidruckereien. Wir haben nicht nötig, uns weiter darüber auszulassen noch die einigt, wie Bebel in der heutigen Reichstagssigung treffend dafür, wie wenig Breußen ein Recht auf den Namen eines Kulturhervorhob. Den Blockparteien ist es diesmal gelungen, eine staates hat. Die erste Aufgabe zur Hebung der Kultur, die Pflege schaurigen Phantasien der besorgten Ordnungsretter ernsthaft zu Million Stimmen von der Partei der Nichtwähler" den des Volksschulwesens, wird aufs schmählichste vernach- behandeln. Nur eine Frage möchten wir uns erlauben. Die Napolitisch Indifferenten und unaufgeflär läffigt; der Lehrermangel, über den schon seit Jahren be- tionalzeitung" war ja auch unter den nationalen" Blätteru, die ten, durch eine beispiellos intensive und skruppellose Wahl. rechtigte Klage erhoben wird, ist nicht in der Abnahme, sondern licher Entrüstung produzierten, die nach der Veröffentlichung geWahlrechtigte über den" Diebstahl" der Keim- Briefe ein gehöriges Quantum fittagitation herauszuholen. Daher ihr Erfolg! Aber dies in der Zunahme begriffen, die Schulbauten lassen vielfach alles heimer amtlicher Aftenstücke durch die sozialdemokratische Bresse mit Reservoir ist schon diesmal nahezu erschöpft. Möglich, daß zu wünschen übrig, so daß die bekannten„ Brühlschen Schulpaläste" solcher Entrüstung nicht gespart haben. Wie vereinbart das edle diese Elemente das nächste Mal ihre Schuldigkeit noch tun. feineswegs eine vereinzelte Erscheinung sind. Hand in Hand mit Blatt damit die Benußung der vertraulichen Zirkulare sozialdemo Dann aber fizen Regierung und Regierungsparteien wieder der Vernachlässigung des Boltsschulwesens geht das Streben, die fratischer Batteiinstanzen, vertraulicher Zirkulare, die offenbar auf dem Trockenen! Voltsschule den herrschenden Klassen dienstbar zu machen, und Abg. nicht auf lauterem Wege in die Hände der Veröffentlicher Wenn man einen Ueberblick über die politische Situation b. Sardorff( frt.) sprach sicher im Sinne der Landtagsmehrheit, gelangt find? erlangen will, darf man nicht einfach zwei aufein- als er seinem Bedauern darüber Ausdruck gab, daß es immer noch ander folgende Wahlen miteinander vergleichen, nicht gelungen sei, den Unterricht so zu gestalten, daß er die jungen fondern längere Zeiträume. Vergleicht man aber Leute von den Verlodungen der Sozialdemokratie" die Wahlen von 1887 mit den Wahlen von 1907, so zeigt sich, fernhält. Die Schüler sollen, wenn es nach dem Willen der daß trotz der Hottentottenwahl! die konserherrschenden Kreise Breußens geht, nicht in den Fächern untervativen, Freitonservativen( samt ihren Ab- richtet werden, die es ihnen ermöglichen, den schweren Kampf ums legern, den Antisemiten und Bauernbündlern), National. Dasein zu bestehen, sondern sie sollen religiös liberalen und Freisinnigen zusammen seit 1887 patriotisch erzogen werden! Als ob auf der Volksschule noch faum eine Viertel Million Stimmen gewonnen haben, nicht genug Religion, noch nicht genug tendenziös zugeftuzte Welt während die Sozialdemokratie um zweieinhalb, das Zentrum geschichte gelehrt würde! " um dreiviertel Millionen Stimmen zugenommen haben! all p Wenn die Regierungsparteien in solchem Tempo weiter fiegen", sind sie nach abermals zwei Jahrzehnten rettungslos verloren! Wie tindisch nimmt sich da der gegenwärtige Siegesjubel der Konservativen, Antisemiten und Liberalen aus! Deutfches Reich. und Sozialdemokratische Landtagswahlfiege in Sachsen- Altenburg. Altenburg, 19. März. ( Privatdepesche.) Anarchistenfurcht. Zu dem bereits gestern gemeldeten Verbot der geplanten Offen bacher Anarchistenkonferenz wird uns aus Offenbach geschrieben: Die hiesige Bürgermeisterei bezw. der zuständige Polizeirat hat fowohl dem als Führer der hiesigen Anarchisten bekannten Graveur Imhof wie dem Wirt des Gewerkschaftshauses eröffnet, daß der für die beiden Osterfeiertage anberaumte Anarchistenkongreß verboten sei auf Grund des§ 56 Abs. 3 der hessischen Städteordnung. Eventuell werde die Durchführung dieses Verbots durch Zwangsmaßregeln herbeigeführt. Der angezogene Paragraph, der unter denjenigen rangiert, die von den Obliegenheiten des Bürgermeisters handeln und im speziellen sich mit den Pflichten des Lokalpolizeibeamten befaßt, fagt in seinem Absatz 3, giffer 3: „ Der Bürgermeister ist auch befugt, neben der strafgerichtlichen Verfolgung, gefahrbringende oder rechts- oder ordnungswidrige Zustände innerhalb feiner Zuständigkeit zu beseitigen und deren Entstehung oder Fortsetzung zu hindern und die Erfüllung folcher Verbindlichkeiten des öffentlichen Rechts, für deren zwangsweisen Vollzug ein besonderes Verfahren nicht vorgeschrieben ist, zu erzwingen. Anordmungen dieser Art find nur insoweit zu treffen, als fie im öffentlichen Interesse geboten erscheinen." Das sind die Grundlagen, auf denen das Verbot des Anarchisten tongresses ruht. Es gehört starte Kombinationsgabe dazu, darin eine Handhabe zu solchem Vorgehen zu finden, noch dazu in einem Staate, in dem völlige Versammlungsfreiheit herrscht und feine Anmeldepflicht besteht. Um dem ganzen einen einigermaßen plausibel scheinenden Halt zu geben, wird auf die Gefahr verwiesen, die durch die antimilitaristische Agitation der Anarchisten hervorgerufen werde und sich auch in der Herausgabe des verbotenen Soldatenbrebiers" wie des Tagesordnungspunktes über den Antimilitarismus zeige. hätten die Veranstalter des Kongresses die Sache nicht an die große Glocke gehängt, wer weiß, ob jemand in Offenbach an den Ostertagen von der großen, Gefahr" etwas gemerkt hätte. Politit im Schwurgerichtssaal. Bebel geißelte heute noch einmal, weit ausholend, die Bei den heutigen Landtagswahlen hat die Sozialstandalöse Wahlmache der Regierung. Daß an den Re- demokratie die bisher innegehabten drei Sitze in der dritten Abgierungstischen nicht ein einziges Männlein saß wie der teilung glänzend behauptet. In der Stadt AltenMeister spuckt, so räuspern sich die kleinen Götter ließ sich burg fiegte Genosse Buchwald mit 2354 gegen 1550 Stimmen. Bebel nicht im geringsten anfechten. Er führte der Regierung In den Städten des Ostkreises siegte Genoffe äppler mit Außerdem ist unter Ziffer 1 dieses Paragraphen von der Beund ihren Helfern von der Keim- und Liebertgarde noch ein 1628 gegen 749 Stimmen und in den Städten des Westkreises Gemal das vollgerüttelte Maß ihrer Agitationsfünden vor noffe Horn mit 992 Stimmen gegen 636. Die unterlegenen fugnis die Rede, Gebote und Verbote für örtliche Interessen nach Augen. Die eindrucksvollen Anklagen Bebels nahmen die Gegner waren sämtlich vom Reichsverein aufgestellt. Der sozial- Anhörung der Stadtverordnetenversammlung mit ministerieller GeStipendiaten der Regierung und der der Regierung zur Ver- demokratische Stimmenzuwachs beträgt 620; die Reichsvereinler nehmigung zu erlaffen, ohne jedoch an die Zustimmung der Stadtfügung gestellten Korruptionsfonds anfangs mit schamhaftem gewannen 340 Stimmen im Ostkreis und verloren 107 im Westkreis. berordneten gebunden zu sein. Ferner fieht Ziffer 2 vor, daß für Schweigen entgegen. Allmählich; erwachten jedoch die Lebens- Die Wahlen in den Landbezirken sind noch im Gange. den Fall außerordentlicher Borkommnisse, die die Sicherheit der geister der Rechten soweit, daß sie die infamierendsten Brand- In den Städten ist die Niederlage des Reichslügenverbandes, der Personen oder des Eigentums bedrohen, sobald Gefahr auf jedem martungen Bebels mit dreiſtem Gejohle quittierten. Die beißende eine große Tätigkeit für die Bürgerlichen entfaltet hat, eine Verzuge steht, der Bürgermeister vorübergehende Anordnungen auf Ironie Bebels, der die Rechte als die Herren des guten komplette. die Dauer von vier Wochen unter Androhung von Polizeistrafen Tons und der Bildung blutig verhöhnte, beantworteten die treffen kann. ostelbischen Schlachtzigen mit frohlockender Zustimmung! Die Flunkereien des„ Lokal- Anzeigers" vor dem Seniorenkonvent. Die auf Bebels Rede folgende Debatte stand auf dem Der Präsident des Reichstages teilte gestern dem SeniorenSenkbar tiefsten Niveau. Herr Liebert, der Generallisfi- fonbent mit, die Nachricht des Lokal- Anzeigers", daß die Staatsmus des Reichslügenverbandes, begnügte sich mit einer per- anwaltschaft gegen die sozialdemokratische Fraktion Klage ein sönlichen Bemerkung. Dafür nahmen zwei Novizen der geleitet habe wegen Abhaltung einer Versammlung im Reichstage, Rechten, der Reserveleutnant und Landrichter Dr. Wagner, in der über öffentliche Angelegenheiten verhandelt worden sein soll, Vertreter des 9. sächsischen Wahlkreises und der Amtsrichter habe ihm Veranlassung gegeben, beim Reichskanzler über das beVahrenhorst, Bertreter des 17. hannoverschen Wahl- absichtigte Eingreifen in das Hausrecht des Reichstages Beschwerde freises, das Wort, um ihren anmutigen Wahlreden nach zu führen. dusendfacher Wiederholung auch durch Aufnahme in das amt- Der Reichskanzler habe zugesagt, sich über den Vorgang zu liche Reichstagsprotokoll ihre Unsterblichkeit zu sichern. Diese informieren und sich im allgemeinen mit den Auffassungen des mit selbstgefälliger Naivität vorgetragenen Wahlpaufen er- Präfidenten über die eventuelle Unzulässigkeit solchen Vorgehens regten im ganzen Hause die gebührende Heiterkeit. Besonders einverstanden erklärt. fomisch nahmen sich die Schilderungen des sozialdemokratischen Inzwischen ist nun festgestellt worden, daß die Nachricht des Vor dem medlenburgischen Schwurgericht in Güstrow Terrorismus durch Herrn Vahrenhorst aus, der des langen Lokal- Anzeigers" unrichtig ist, daß es sich um polizeiliche Maßund breiten in gruseliger Weise erzählte, wie die Sozial- regeln handelt und die Angelegenheit nicht bei der Staatsanwalt hatten sich dieser Tage sieben Personen aus Rostod, darunter ein demokraten in Harburg, eine neue Fehme, bei einem Bier- schaft liegt; diese Mitteilung ist dem Präsidenten des Reichstages junges Mädchen, wegen Aufruhrs und Widerstandes boykott jogar beim unheimlichen Glanze von Talgkerzen in von dem preußischen Minister des Innern zugegangen. An diese gegen einen Polizisten zu verantworten. Der Anlaß war die Bierkeller gestiegen seien, um zu kontrollieren. ob auch Feststellung des Präsidenten knüpfte sich eine längere Diskussion, eine reine Lappalie, so daß es jedem, der die Nerbosität unserer Hüter tein boykottiertes Bier verzapft werde. Zum Mundstück der in der von den Rednern aller Parteien energisch der Ordnung, sobald es sich um Arbeiter handelt, nicht fennt, un alten schnöden Verleumdungen gegen Genossen Singer machte die Aufrechterhaltung des jeßigen Zustandes verständlich erscheint, wie man eine hochnotpeinliche Klage auf Aufsich der Antisemit 3immermann, der aus der Staats- die freie Benutzung der Fraktionszimmer ruhr erheben konnte. Aber nicht das allein ist es, was diesen Prozeß; bürger- Zeitung" Bruchstücke eines Gerichtserkenntnisses ver- 3u Besprechungen aller Art- gefordert wurde. beachtenswert macht. Weit mehr noch wird das öffentliche Interesse Man war allgemein wir glauben mit gutem Recht der berührt durch die Tatsache, daß die Berteidigung als Schußzeugen las, durch das Singer wegen seiner Teilhaberschaft an der Konfektionsfirma, an der er früher beteiligt war, in Gegen- Ansicht, daß der Zwischenfall durch das Eingreifen des Präsidenten für einen der Hauptangeklagten den Verband reichstreuer satz zu seinen politischen Forderungen gestellt werden sollte. erledigt sei. Die Erörterung darüber, ob aus Anlaß des Vorfalles Arbeiter aufmarschieren lick. Genosse Singer antwortete mit der gebührenden Schärfe auf seitens des Reichstages irgendwelche Maßregeln ergriffen werden Am Spätabend eines Sonntags, den 21. Oftober vorigen diese Neuaufwärmung einer seit 20 Jahren trots aller Wider- sollen, endete mit der allgemeinen Uebereinstimmung, daß Jahres- man beachte dies Datum zechten givei junge Arbeiter legungen immer wieder von neuem aufgetischten Verleumdung. unter der Voraussetzung der Erledigung des von 19 und 20 Jahren in einem Rostoder Tanzlokal. Beim BeDen Schluß der Verhandlungen bildete die Besprechung 3 wischenfalls der Reichstag feine Veranlassung zahlen gab der eine, wie er behauptet, aus Versehen, dem Wirt ein Ser Boleninterpellation über den Schul habe, der Angelegenheit näher zu treten, 12 Pfennig- Stüd statt 10 Pf. Es tam zu einem Wortwechsel, der Das polizeiliche Einschreiten hatte jedoch allgemeines Aufsehen erregt. Die Erregung wuchs, als im Tanzlofal verlautbarte, daß der fiftierte junge Mann an epileptischen Anfällen leide. Etwa 40 bis 50 Bersonen folgten dem Schußmann und dem Verhafteten. Als das nahe dieser dem Tanzlokal geLegene Haus seines Vaters, bei dem er wohnte, passierte, wollte er entwischen und setzte sich, als der Schußmann ihn anpadte, zur Wehre, worauf ihn der Schußmann mit blankgezogenem Säbel einen Hieb versetzte. Durch den Lärm wurden der Vater und die Schwester des Sistierten herausgelockt. Sie stürzten sich wütend auf den Schutzmann, riffen beide Streitende auseinander und nahmen dem Schutzmann den Säbel ab, worauf alle drei verschwanden. Bei dem Ringen zwischen Vater, Sohn und Schwester einerseits und dem Schutzmann andererseits hatte letterer eine Wunde an der Nafe davongetragen, auch seinen Helm verloren, mit dem die johlende Menge Fußball spielte. Auch sollen einige Personen aus dem Publikum auf ihn losgeschlagen haben. Aus der Partei. damit endete, daß der andere Arbeiter die Zeche feines Kameraden Einen Antrag auf Herabfehung der Zuderfeuer von 14 M. auf Werden diese Maßnahmen durchgeführt, dann haben wir ben bezahlte. Inzwischen hatte aber schon der Wirt einen in der Nähe 8 M. pro Doppelzentner haben die Nationalliberalen im Stampf auf der ganzen Linie", von dem die Fachzeitung" der seines Lokals postierten Schußmann rufen lassen. Während der Wirt Reichstage eingebracht. Der in der Brüsseler Konvention festgesetzte Tischlermeister bor länger als einer Woche sprach. Die Arbeitgeber dem Polizisten den Verlauf des Zwischenfalles erläuterte, warf ein Ueberzoll von 4,80 M. soll danach eventuell um den Betrag ermäßigt wollen also noch in sieben Großstädten den Krieg gegen den Holzwerden, mit welchem ein Raffineriefartell den deutschen Zuder- arbeiterverband beginnen, damit in diesen und in drei anderen ganz unbeteiligter Arbeiter, der an einem anderen Tisch saß, in konsum belasten sollte. Großstädten, wo die Arbeitgeber ebenfalls den Kampf herauferregter Weise dem Schußmann grobe Bemerkungen an den Kopf. Die Konservativen wollen in nächster Zeit eifrige Parteiarbeit beschworen haben, Friede geschlossen wird. Das ist allerdings eine Offenbar um seine Amtswürde zu wahren, verlangte der Schutz- entwickeln. Der Gesamtvorstand der tonservativen Partei mann von dem zwischenrufer, er solle ihm auf die Wache folgen hat in seiner Sigung am 15. März beschlossen, einen Organi- eigentümliche Methode, um" Frieden im Gewerbe“ herzustellen. zur Feststellung seiner Personalien, was dieser auch scheinbar ganz fationsausschuß einzusehen, der sich demnächst konstituieren Jedenfalls sind diese besonderen Maßnahmen" weder etwas Gegutwillig tat. und seine Tätigteit beginnen wird. Ferner ist beschlossen worden, heimnisvolles, noch kommen sie den Arbeitern überraschend. Es noch in diesem Jahre einen Delegiertentag einzuberufen ist, wie gesagt, der Schlachtplan der Unternehmer, den die Fachund für Anfang des Jahres 1908 die Einberufung eines allge- zeitung" fürzlich enthüllt hat und der alles bestätigt, was man auch in den Reihen der Arbeiter längst wußte. Hier war man meinen Parteitages zu veranlaffen.fich von Anfang an flar darüber, daß die Berliner Aussperrung erst der Anfang war von einem Machtkampf bis aufs Messer", den die Unternehmer gegen den Holzarbeiterverband auf der Der erste Sozialdemokrat zieht jetzt in das Gemeinde ganzen Linie" zu führen dachten. Man wußte auch von Anfang parlament von Jena ein. Für das durch den Fortzug des an, daß die Unternehmer diesen Stampf nicht eigentlich wegen zum Reichsgerichtsrat ernannten Oberlandesgerichtsrats Dr. Borzig Differenzen in Lohnfragen und dergleichen führten, sondern daß erledigte Mandat hatte eine Nachwahl stattzufinden. Während die Vorstände der tonangebenden bürgerlichen Vereine wieder einen ein Machtkampf sein sollte für das Ziel: Unumschränkte HerrOberlandesgerichtsrat in Vorschlag brachten, tauchten zwei weitere schaft des Arbeitgebers und Ausschluß des Mitbestimmungsrechtes bürgerliche Vorschläge auf, die Zersplitterung in die Reihen der der Arbeiterorganisation in bezug auf die Festsetzung der LohnGegner trugen. Infolgedeffen erhielt der sozialdemokratische Kandidat und Arbeitsverhältnisse. Daß es so ist, das hat die Fachzeitung", und das haben die letzten Arbeitgeberversammlungen durch ihre Genosse H. Leber die Mehrheit. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Beschlüsse bestätigt. Bisher behaupteten die Arbeitgeber allerdings, die Berliner Aussperrung diene nur der Abwehr von Forderungen, Redakteurfreuden. Genoffe Gustav Wa bersih, der in feiner deren Bewilligung gleichbedeutend wäre mit dem Ruin des GeEigenschaft als langjähriger verantwortlicher Redakteur des„ HamIn diesem Vorgang erblickte die sogenannte Beschlußkammer burger Echo" schon unterschiedliche Male Gelegenheit gehabt hat, in werbes. Diese Behauptung ist nunmehr durch die Arbeitgeber und Die Arbeitgeber he des Rostocker Landgerichts die Merkmale des Aufruhrs und über- stiller Klause über seine von der strafenden Gerechtigkeit zum Teil ihre berufenen Organe selbst widerlegt. wies die Sache dem Schwurgericht. Allerdings die Hauptperson der sehr hart geahndeten Sünden" nachzudenken, hat am Montag absichtigen nichts anderes, als dem Holzarbeiterverband nicht nur ganzen Handlung, jener sistierte junge Arbeiter, mußte außer Ver- bormittag eine zweimonatige Gefängnisstrafe wegen angeblicher in Berlin, sondern in ganz Deutschland ihren Willen aufzuzwingen. folgung gesetzt werden, weil die Gerichtsärzte ihn wegen seiner majestätsbeleidigung, die in einer Kleinen Lofalnotia Sie wollen die gegenwärtigen Löhne und Arbeitsbedingungen auf folgung gesetzt werden, weil die Gerichtsärzte ihn wegen seiner über Wilhelm II. enthalten sein soll, im Hamburger Zentral Jahre hinaus festlegen, den Arbeiter die Möglichkeit nehmen, epileptischen Erkrankung für unzurechnungsfähig erklärten. Nach gefängnis angetreten. Wie wir vor kurzem mitteilten, ift günstige Konjunkturen auszunuzen, und damit die Knebelung der dem Staatsanwalt hat es sich nicht um einen einfachen Krawall, Genosse W. im Wiederaufnahmeverfahren von der Anklage sondern um einen wirklichen Aufruhr gehandelt, um ein Maffen der verleumderischen Beleidigung der Hamburger Polizei frei Arbeiterorganisation eine vollständige werde, sollen die Verträge verbrechen, entstanden aus Neugierde und Lust am Lärm. Die gesprochen, nachdem er schon 42 Tage von der ihm zubittierten Ge- in allen Städten Deutschlands zu demselben Termin ablaufen, und furchtbare Gefahr, die solche Zusammenrottungen im Gefolge haben fängnisstrafe von 5 Monaten verbüßt hatte. Hoffentlich wird unser awar mitten im Winter, in der Zeit des schlechtesten Geschäftskönnten, habe den Gesetzgeber mit Recht harte Strafen für alle Teil- Genosse auch diesen kleinen Nachtrag" gut überstehen, wie er ja auch ganges, so daß also den Arbeitern jede Gelegenheit genommen ist, bei der Erneuerung der Verträge ihre Forderungen mit Nachdruck nehmer vorsehen lassen. Vater und Schwester des Sistierten tönnten alle übrigen fleinen Betriebsunfälle" gut überstanden hat. allerdings nur wegen Widerstandes in Frage kommen, aber gegen au vertreten. die fünf anderen beteiligten Personen halte er die Anklage wegen Aufruhrs aufrecht. Der Verteidiger, ein Rechtsanwalt Dr. Schlichting, hate schon während der Beweisaufnahme ganz unvermittelt den Bater des Siftierten gefragt, ob er als reich streuer Arbeiter viel zu leiden gehabt hätte von anders gesinnten Kollegen, auf der Rostoder Neptun- Werft, worauf jener jawohl, sehr biel!" geantwortet hatte. Jetzt, in seiner Verteidigungsrede, führte der " P Bon den Kosten der Wahlrechtsbewegung. Genoffin 8ies bat die ihr vom Hamburger Landgericht zuerkannte Strafe bon 3 Monaten Gefängnis wegen Aufreizung zum Klaffenhaß", welches Delift sie anläßlich der Wahlrechtsbewegung in Samburg begangen haben soll, angetreten. Hoffentlich wird ihr diefe Luft beränderung nicht zum Schaden gereichen. Soziales. Arbeiterkammern oder Arbeitskammern? " Anwalt aus, der angeklagte Vater sei ein ordentlicher Mann, der Mehrere Blätter bringen folgende der Sozialpolitischen Rundwährend der großen vorjährigen Aussperrung schau" entlehnte irrige Notiz über die Stellung ber Reichstagsauf der Rostoder Neptun Werft mutig zum frattion zur Frage, ob Arbeiter-" oder„ Arbeits" tammern einzu Streitbrecher geworden sei und der es wage, richten sind: auf der Neptun Werft Mitglied des Verbandes der reichstreuen Arbeiter zu sein. Ein solcher Arbeiter verdiene das Wohlwollen aller wahren Waterlandsfreunde und er erwarte von den Ge flch worfenen, daß sie einen solchen Angeklagten milde beurteilten. Auch möchten die Geschworenen bedenken, daß der sistierte Sohn zweifellos durch den Besuch von Wahlversammlungen" aufgeregt worden sei. Jest gibt plöblich Sue die überraschende Erklärung ab, daß die Fraktion dem Wunsche der Gewerkschaften nachgeben und für einseitige Arbeiterkammern eintreten würde. Bedeutet das wirklich, wie einige Zeitungen sofort schrieben, daß die Sozialdemokratie in dem Momente, wo eine Forderung in das Maß des bald Erreichbaren tommt, wiederum ihre Forderung überspannt, sich positiver Arbeit in der Sozialpolitit versagt? Oder bedeutet es, daß trop Dresden, Jena und Mannheim die Gewerkschaften jest mächtiger als früher in der Partei find? Das letzte ist das richtige. Troß allen äußerlichen Anscheines ist dieser Wandel ein Sieg und ein Machtbemeis der Gewerkschaften. Als solcher ist er lebhaft zu begrüßen. Aber er wird vielleicht nicht ohne Einfluß auf die Stellung auch der anderen Parteien und vor allem der Interessententreise bleiben." Man sieht, es handelt sich hier um einen Kampf, bei dem nicht der Ruin des Gewerbes" abgewehrt wird, sondern durch den vielmehr den Arbeitern jede Möglichkeit, ihre Existenz als Arbeiter zu verbessern, genommen werden soll. So leichtes Spiel, als sie bachten, haben die Unternehmer mit dem Holzarbeiterverbande nicht. Nach ihren Berechnungen" müßte der Holzarbeiterverband längst besiegt sein. Er steht aber nicht nur unbesiegt da, sondern er führt den Kampf ebenso energisch wie von Anfang an weiter, und während der Holzarbeiterverband den Kampf immer noch aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln führen tann, müssen die Unternehmer bereits Hülfe und Unterstüßung bei ihren Klaffengenossen anderer Berufe in ganz Deutschland suchen und ihre Hoffnung auf die Gründung gelber Gewerfschaften sehen. Solche können es doch nur sein, auf die man beim Abschluß von Verträgen unter Ausschluß des Holzarbeiterverbandes rechnet. Nun, in dieser Hoffnung werden sich die Unternehmer täuschen. Wenn auch die braven Hirsche den Grundstock für gelbe Gewerkschaften geben, woher sollten aber wohl die anderen Schafe tommen, welche die Unternehmer in ihre Ställe locken möchten. Die Führer der Unternehmer werden gewiß alles versuchen, um den Machtkampf bis aufs Messer", den sie freventlich heraufbeschtvoren haben, in ihrem Sinne durchzufechten. Wenn sie dabei auch vielleicht auf die Unterstüßung ihrer Kollegen in ganz Deutschland sollten rechnen können, so steht ihnen auf Seite der Arbeiter ein Gegner gegenüber, der mit Sicherheit auf die Unterstüßung und die werktätige Hülfe der ganzen Arbeiterschaft rechnen kann, falls diese Hülfe erforderlich werden sollte. Es ist auch in diesem Falle dafür gesorgt, daß den Unternehmern nicht alle Blütenträume reifen. Obgleich dem patriotischen Rechtsanwalt, in dessen Nerven die eifrige Tätigkeit des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie im legten Wahlkampf, augenscheinlich noch nachzitterte, das kleine Versehen passierte, daß er die Wählerversammlungen in die Zeit um den 21. Oftober vorigen Jahres verlegte, so scheint doch Der von den Bürgerlichen gemachte Versuch, einen Gegensaß fein eigenartiger Appell bei den Geschworenen keine tauben Ohren zwischen Partei und Gewerkschaften, bald mit einer Erzählung von gefunden zu haben. Wenigstens sprachen sie den Vater und Unterwerfung der Gewerkschaften unter die Partei, bald mit einer dessen Tochter frei. Dagegen wurden vier andere Angeklagte Unterwerfung der Partei unter die Gewerkschaften ihre Leser zu des Aufruhrs für schuldig befunden und zu neun und acht Monaten unterhalten, ist so alt wie das Streben der bürgerlichen Parteien nach Spaltung der Arbeiterklasse. Ob Arbeiter- oder ob Gefängnis verurteilt. Arbeits- oder ob Arbeiter- und Arbeitskammern zwvedmäßiger Am 17, März fand bei Boeker in der Weberstraße eine Konfe Gegen die Schiffahrtsabgaben auf natürlichen Wasserstraßen hat find, hängt von den Aufgaben ab, die man diesen Organi renz für den 4. Gaur des Holzarbeiterverbandes statt. Vertreten fich am Sonntag in Mainz der heifische Handels- fationen zuweisen will, ist eine Frage der Zweckmäßigkeit, waren 44 Zahlstellen durch 67 Delegierte. Die sozialdemokratische Fraktion hat tammertag mit großer Deutlichkeit ausgesprochen. In einer nicht des Prinzips. Nach einem eindrucksvollen Referat Stufches über die gegenauf dem sozialdemokratischen Parteitag zu Jena den Aufwärtige einstimmig angenommenen Resolution heißt es: Der hessische Handelstammertag richtet an die vertrag erhalten, im Reichstag für Arbeiterkammern einzutreten. wärtige Lage" folgte eine rege Diskussion. Einstimmig wurde folbündeten Regierungen die dringende Bitte, möglichst bald eine Die bürgerlichen Blätter hätten das aus S. 130 und 232 des Pro- gende Resolution angenommen: tokolls ersehen können. Danach wurde am 20. September 1905 In Anbetracht der gegenwärtigen ernsten Situation werden Erklärung dahin abzugeben, daß die Einführung von Schiffahrts der Antrag der Kreisversammlung des 18. sächsischen Streises an die Delegierten verpflichtet, sofort in ihren Zahlstellen dahin zu abgaben auf natürlichen Wasserstraßen, deren Fahrrinnen künstlich genommen, die Fraktion zu ersuchen, im Reichstage für Arbeiterwirken, daß vertieft sind, eine Frage ist, die nur auf dem Wege der Abgenommen, fammern einzutreten. Die Erinnerung an diese Tatsachen würde änderung der Reichsverfassung und der Rheinschiffahrts- freilich zu den Salbadereien wenig paffen, mit denen totale Un atte einer etwaigen Neuregelung unterzogen werden könnte. tenntnis der tatsächlichen Verhältnisse und tölpelhafte Eitelkeit sich Der hessische Handelskammertag gibt wiederholt der von den über die positive Arbeit der Sozialdemokratie und über die Parteieinzelnen Kammern bereits ausgesprochenen Ueberzeugung Aus- tage Dresden, Jena und Mannheim in bürgerlichen Blättern druck, daß die Einführung von Schiffahrtsabgaben auf den natüräußern. lichen Wasserstraßen nach der Verfassung und nach bestehenden internationalen Verträgen unzulässig und auch vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus zu verwerfen ist." Die liberal- tonfervative Paarung dürfte freilich in diesem Punkte einen bedenklichen Sprung erhalten. Bülow müßte im Reichstage cinen recht ergöglichen Eiertanz aufführen, wollte er bei Beratung dieses Punktes den verschiedenen Richtungen des Blockes Rechnung tragen. " Bürgerliche Boykottmanie. 0 Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Der Kampf in der Holzindustrie. 1. alle vorhandenen, verfügbaren Gelder der Haupt- und und Lotalfaffe sofort dem Vorstand zur Verfügung gestellt werden, 2. Versammlungen einberufen werden, um zur Einführung resp. Erhöhung des Ertrabeitrages Stellung zu nehmen. Ueber alle diesbezüglichen Entscheidungen der Lokalverwalfungen oder Mitgliederversammlungen ist dem Gauvorstand sofort Mitteilung zu machen." Die Bewegung der Schneider. Die für 36 Städte angekündigte Aussperrung ist nun, soweit es den Arbeitgebern möglich war, durchgeführt worden. Sie hat jedoch Am Montagabend hielten die Berliner Tischlermeister eine bis jetzt nur etwa ein Drittel des geplanten UmVersammlung ab, zu der nur solche Arbeitgeber Zutritt hatten, die fanges erreicht, erstreckt sich auf 12 bis 15 Städte, und statt der Während die bürgerlichen Parteien sich über die sozialdemos fich an der Aussperrung beteiligt haben. Nach den Berichten, die 15-16 000 find nur 5-6000 Ausgesperrte zu zählen. Abgesehen ratischen Boykotts entrüsten, greifen sie selbst bei jeder ihnen wir in bürgerlichen Blättern finden, hat Obermeister Rahardt den von Berlin sind die Schneider in folgenden Städten ausgesperrt passenden Gelegenheit zum Boykott nur mit dem Unterschied, daß Kampf auf der ganzen Linie" gepredigt und, was er schon beim oder haben selbst die Arbeit niedergelegt: Frankfurt a. M., Augsdie Arbeiterschaft nur dann zu diesem Mittel ihre Zuflucht nimmt, Abbruch der Verhandlungen auf dem Gewerbegericht in Aussicht burg, Flensburg, Kempten, Plauen, Leipzig( die Damenschneider), wenn man ihr die Ausübung ihrer staatsbürgerlichen Rechte verstellte, schärfere Mittel" zur Fortsetzung des Kampfes empfohlen. Witten, Bittau, Schwerin, Güstrow, Mainz, Bonn, Chemnitz, Mannweigert; die bürgerlichen Parteien hingegen um der geringfügigsten Serr Rahardt sagte, den Arbeitgebern ständen jeßt neue Stampf- heim, Düsseldorf und Nürnberg, wo die Militärschneider trotz des Ursachen willen diese Waffe benußen. So erlassen z. B. biele" Mitglieder der deutsch Hannoverschen Partei im hannoverschen mittel zur Verfügung; es hätten nicht nur Mitglieder der Arbeit noch geltenden Tarifvertrages ausgesperrt find. In Hamburg geberberbände der Holzindustrie, sondern auch der großen Ber- haben die Arbeitgeber ebenfalls den geltenden Tarifvertrag geWelfenblatt folgende Aufforderung an ihre Gesinnungsgenossen: Wir sind uns der großen wirtschaftlichen Macht bewußt, welche bände der Metallindustrie finanzielle Unterstützung für den Kampf brochen, weshalb hier die Gehülfen die Arbeit niederlegen wollen. eine Partei auszuüben imstande ist. Deshalb haben wir uns in der Berliner Holzindustrie zugesagt. Man tönnte noch fagte Nun hat sich jedoch Ende voriger Woche der Hauptvorstand der fest entschlossen, unsere beträchtlichen Einkäufe in denjenigen Ge- Herr Rahardt zu besonderen Maßnahmen greifen, über die aber Arbeitgeber in einem Schreiben an den Vorstand des Schneiderverschäften vorzunehmen, die uns aus unserer Parteipresse bekannt ge- aus taktischen Gründen vorläufig nichts mitgeteilt werden könne, bandes zu Verhandlungen zwischen den beiden Hauptvorständen beworden sind. Wir fordern also alle Geschäftsleute, denen an einem jedenfalls werde man aber dadurch zu einem Vertragsabschluß reit erklärt. Nur ist es nicht klar, wie diese Verhandlungen geführt nennenswerten Umsatz ihrer Waren unter dem kauffräftigen Stamm unter Ausschluß des Holzarbeiterverbandes kommen. Die Verwerden sollen. Scheint es doch von vornherein unmöglich, die Tarife des Landes Hannover gelegen ist, desgleichen alle Hotelwirte, Restaurateure und Unternehmer irgend welcher Art hiermit auf, ſammlung nahm eine Resolution an, welche die Maßnahmen der für 36 Städte in München zu beraten. Der Hauptvorstand der Ardurch regelmäßige Anzeigen in unseren Barteiblättern unseren Vorstände der Arbeitgeberverbände billigt und erklärt, daß alle beitgeber ist denn auch um weitere Vorschläge über die Art der geKonsum sich zu sichern." weiteren Verhandlungen mit dem Holzarbeiterverband ab- planten Verhandlungen ersucht worden. Es kann sich wohl hauptLediglich um den Stand ihrer Parteipreffe zu heben, sollen also zubrechen sind. sächlich nur darum handeln, daß der Arbeitgebervorstand es den die nicht in dieser inserierenden Geschäfte boykottiert werden. Die geheimnisvolle Andeutung des Herrn Rahardt, man könne Ortsgruppen feines Verbandes möglich macht, selbst mit der Genoch zu besonderen Maßnahmen greifen, die aber aus taktischen hülfenschaft Tarifverhandlungen anzuknüpfen. Die genasführten christlichen Arbeiter. Bei den Reichstags- Gründen noch verschwiegen bleiben müßten, erhält ihre Aufklärung wahlen tröstete man die christlichen Arbeiter in Bayern damit, daß durch einen ebenfalls in der bürgerlichen Preffe verbreiteten Bebei den kommenden Landtagswahlen Arbeiterkandidaten in weitestem Eine öffentliche Versammlung der Herrenmaßschneider fand Maße Berücksichtigung finden sollen. Nun verlangten die christ- richt über eine Delegiertenversammlung des Arbeitgeber- Schub- gestern nachmittag im großen Saal der Brauerei Friedrichshain lichen Arbeiter ein Mandat im Wahlkreise Ingolstadt. Da verbandes für das Holzgewerbe, die auch am Montag abgehalten statt. Der Saal war voll befeßt. Kunze gab den Situationslachte man sie aus und sagte ihnen, daß sie doch nicht verlangen worden ist. Diese Versammlung beschloß, daß jetzt ein Macht- bericht. Er teilte mit, daß zwischen ihm und Herrn Krause, dem fönnten, in einem für das Zentrum bombensicheren Wahlkreis auf- tampf bis aufs Meffer" gegen den Holzarbeiterverband geführt Borsigenden der Berliner Ortsgruppe der Arbeitgeber am Freitag gestellt zu werden, sie müßten schon mit einer Durchfallskandidatur werden soll. Zu diesem Zwed soll zunächst am 1. April die Aus- voriger Woche auf Wunsch von Arbeitgeberseite eine Zuſammenzufrieden sein. Der Arbeiterkandidat, der von den christlichen Ar- sperrung aller organisierten Holzarbeiter folgen in Dresden, funft stattgefunden hat, die, wie im Einladungsschreiben betont beitern vorgeschlagen war, erhielt ganze 7 Stimmen. Daß Kunze diesem Wunsche nachkam, geschah im Einverständnis Der Flottenvereinsgeneral Keim hat gegen den Redakteur eipzig, Görlib, Guben, Oldenburg, Barmen war, persönlicher und privater Aufklärung dienen sollte. Schichler von der„ Germania" die Privatflage wegen Beleidigung und alle a. S. Die Aussperrung soll nicht eher aufgehoben mit der Lohnkommission und dem Organisationsvorstand. Bei der angestrengt. Es handelt sich um die Artikel der" Germania" bei werden, als bis der Friede in allen diesen Orten und zugleich in Aussprache zeigte es sich, daß Herrn Krause sehr daran gelegen war, der Veröffentlichung der Keimschen Briefe Berlin, Kiel und Burg geschlossen wird, Berhandlungen zustande zu bringen. Es wurde dann durch Ver flTeidj der Tarifliorlage der Arbeitgeber mit der der Arbeitnehmer festgestellt, daß wesentliche Differenzen zwischen den beiden Vor» lagen nur in den Tarifen l. und 2. Klasse bestehen, während die übrigen Tarifklassen, die für die kleinen Arbeitgeber hauptsächlich in Betracht kommen, in beiden Vorlagen fast ganz übereinstimmen. Daraus geht hervor, dast die kleinen Arbeitgeber eigentlich gar kein Interesse daran haben, diesen, ihnen gewig schwer fallenden Kamp gegen die Gehülfcnschaft zu führen. Ferner erklärte Herr Krause. dag die Vorlage der Arbeitgeber nicht mehr als Grundlage für Ver» Handlungen gelten könne. Es war nämlich auch ihm klar geworden. dag diese Vorlage sehr mangelhaft ausgearbeitet ist. Er äußerte schließlich den Wunsch, die Leitung der Gehülfcnorganisation möge dem HaHuptvorstand der Arbeitgeber mitteilen, daß hier in Berlin eine Grundlage für Verhandlungen geschaffen sei. Darauf konnte Kunze selbstverständlich nicht eingehen; er erklärte jedoch, dag er dem Verbandsvorsitzenden Stühmer diesen Wunsch Krauses mit teilen werde. Wie zu erwarten war, lehnte die Leitung der Gc hülfenorganisation es ab. auf diese Weise den Berliner Arbeit. gebern den Weg zu Verhandlungen frei zu machen. Es wurde ihrem Ortsvorsitzenden mitgeteilt, daß sich die Arbeitgeber selbst an ihren Hauptvorstand wenden müßten, wenn sie dessen Zustimmung zu Verhandlungen haben wollten. Bereit zu verhandeln, fei die Gehülfenschaft nach wie vor. Der Redner bemerkte ferner, daß die Kämpfe in den Verschiß denen Städten nun auch von der Gehülfenschaft nicht mehr als rein lokale betrachtet werden könnten, sondern zu einem Kampf zwischen den beiden Zentralorganisationen geworden seien und als ein solcher zum Abschluß gebracht werden müßten. Schliehlich zeigte der Redner an verschiedenen Beispielen, wie die Matzgeschäfte durch allerlei Kniffe ihre Arbeit unterzubringen suchen, was ihnen aber in den meisten Fällen nicht gelingt. Dre Gehülfen tragen nämlich diese Arbeit, um nicht in den Verdacht zu kommen, Streikarbeit zu machen, nach ihrem Verbandsbureau. Hier lagern bereits eine An zahl Pakete. Den betreffenden Arbeitgebern ist durch eingefchrie bene Briefe mitgeteilt worden, daß sie ihre Arbeit dort gegen die nötige Legitimation in Empfang nehmen können. Im übrigen zeigte der ganze Verlauf der Versammlung, daß die Herrenmagschneider fest im Kampfe ausharren, bis das Ziel erreicht ist. * Die Maßgeschäfte der Schneiderei sehen in der Konfektion einen schlimmen Konkurrenten, der um so gefährlicher wird, je mehr er bestrebt ist, nicht nur Massenware für das„gemeine Voir, son» dcrn auch Kleidungsstücke zu liefern, die den„besseren" Leuten brauchbar erscheinen. Da dies der Konfektion tatsächlich mehr und mehr gelingt, haben die Maßgeschäfte das größte Interesse daran, ihrer Kundschaft die Ueberzeugung zu erhalten, dag sie bei ihnen besser bedient wird, als durch die KonfektionSware. Nichts kann die Maßbranche so schwer schädigen, als wenn der Kundschaft, statt wirklich nach Maß gearbeiteter Kleidungsstücke, KonfektionSware und noch dazu schlecht gearbeitete Ware geliefert wird. Und doch haben sich infolge des Lohntampfes der Herrenmaßschneider ver- schicdcne Maßgeichäfte dazu verleiten lassen, ihre Kundschaft in dieser Weise zu betrügen. Diese Tatsache wurde auch in einer öffentlichen Ber» sammlung der Gesellen der Herrenkonfektion er- wähnt, die am Montag bei Mendt in der Münzstraße stattfand. Hier sprach Mähr über„die Aussperrung in der Maß» schneideret und die der Herrenkonfektion zuge» dachte Noll e." Aus dem Vortrage wie aus der Diskussion war zu entnehmen, daß man jetzt sowohl in eigenen Werkstätten der Konfektionsgeschäfte wie bei den Zwischenmeistern der Branche ver- sucht, Streikarbeit für die Maßgeschäfte unterzubringen, und durch allerlei Manipulationen bestrebt ist, die Gehülfen über die Her- kunft der Arbeit zu täuschen. Um so mehr ist es notwendig, dag die Gehülfen in der Konfcktionsbranche sich die ihnen zugewiesene Arbeit genau ansehen und in Zwcifelsfällen ihre Organisatiöns- Vertreter um Rat fragen. In der Versammlung wurde ferner über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der in der Herren- konfektton tätigen Gehülfen und ihre Neu- r e g e l u n g gesprochen. Elf Jahre sind seit der letzten Lohn- bewcgung in dieser Branche verflossen. Die Vorteile, die im Jahre 18136 errungen wurden, sind größtenteils wieder verloren ge- gangen, weil es den Arbeitern dieser Branche an dem nötigen Verständnis für den Wert der Organisation fehlte. Ihre Lebens- läge hat sich infolge der immer mehr steigenden Teuerung aller Lebensbedürfnisse stark verschlechtert. Der mächtige Aufschwung der Schnciderorganisation hat sich aber auch m der Herrenkonfektion geltend gemacht, so daß die nun geplante Lohnbewegung gute Aussicht auf dauernden Erfolg bietet. Für eine weitere Stärkung der Organisation in der Branche sowie dafür zu wirken. daß die Gchülfen nicht ihren kämpfenden Kollegen der Matz- schneiderei in den Rücken fallen, war der Zweck der Versammlung. Eine Zusammenkunft der Militärschneider nahm den Bericht der vorstellig gewordenen Kollegen entgegen. Das Er- gebnis ist folgendes: Den Tarif voll und ganz anerkannt haben die Firmen Alt, Galopp. Holters. Kcjjler, Richter. Sendtka. Schernick, Schön, Stein, Schwarz und Winter. Das Warenhaus nimmt vorläufig abwartende Stellung ein; eine Lohnerhöhung soll aber auch hier bestimmt eintreten. Die Prozente, welche bisher von dem Geschäft cinbchaltcn wurden, werden seit einiger Zeit jede Woche ausbezahlt, was darauf zurückzuführen ist. dag diese Firma aus dem Ring ausgetreten ist. Die 11 Ringgeschäste haben ein gleichlautendes Schreiben an die Arbeiter gerichtet, in welchem ausgesprochen wird, daß sie bereit sind, die Löhne zu erhöhen, aber auch in Zukunft Prozente einbehalten wollen. Demgegenüber wurde von den Arbeitern betont, daß die ganze Bewcgung nur auf Abschaffung der Prozente gerichtet sei. Von einer Lohnerhöhung könne man doch nicht reden, die sei doch zu minimal, um als Er- höhung angesehen werden zu können. Eine Resolution, welche besagt, daß die Arbeiter in den Ringcschäftcn nochmals vorstellig werden sollen, um das eines freien Arbeiters unwürdige Prozente- shftcm auch in diesen Geschäften zu beseitigen, wurde einstimmig angenommen._ Lohnbewegung der Bäcker. Bor drei Wochen hat sich eine öffentliche Bäckerversammlung im Prinzip für den Eintritt in eine Lohnbewegung erklärt, bei der in der Hauptsache drei Forderungen durchgesetzt werden sollen, nämlich: Beseitigung des Kost- und LogiswcscnS. Einrichtung eine» paritätischen Arbeitsnachweises, Gewährung eines freien Tages in jeder LLoche. Am Dienstagnachmittag tagte in Kellers Saal eine Mitgliederversammlung, welche die Aufgabe hatte, die Forderungen im einzelnen zu beraten und festzustellen.— H e tz s ch o l d besprach die bekannte» Vorgänge, welche dazu geführt haben, daß ein Zu- sammcnarbciten mit den Jnnungsvcrtretetn zur Unmöglichleit geworden ist und den Arbeitnehmern daher nicht» anderes übrig bleibt, als durch eine allgemeine Lohnbewegung eine sichere Grund- läge für ihr Arbeitsverhältnis zu schaffen. Der Referent legte der Versammlung einen Tarif vor, welcher den Meistern eingereicht werden soll. Der Tarif lautet: Kost und Logis darf den Gesellen vom Meister in keiner Form als Lohnersatz gewährt werden. Lohnabzüge für Naturalien sind unzulässig.— Wo bisher die Gesellen noch Kost und LogiS vom Meister �erhalten haben, wird als Ersatz dafür ein Lohnzuschlag von 12 M. pro Mann zum Wochcnlohn gezahlt. Der Mindestlohn beträgt pro Woche 23 M. Gesellen in ver- antwortlicher Stellung, ebenso Arbeitern in größeren leistungS- fähigen oder Betrieben mit intensiver Arbeitsleistung ist ent- sprechend mehr zu zahlen. Der Lohn ist am Sonnabend oder Sonntag früh spätestens bei Beendigung der Arbeitszeit zu zahlen. Nach diesem Tarif geltende und gesetzlich zulässige Ueber, stunden werden mit je 60 Pf. vergütet. Jede angefangene Stunde muß voll bezahlt werden. Aushülfen erhalten pro Tag mindesten» 4,60 M. Verant- wortlichen Arbeitern ist entsprechend mehr zu zahlen.— Arbeits- leistungen. die außerhalb der regelmäßigen Arbeitszeit verrichtet werden(Sauermachen. Ofenheizen usw.), müssen besonders, mindestens nach dem Ueberstundensatz, bezahlt werden. Die Arbeitszeit darf im Höchstfalle bis zu 12 Stunden aus gedehnt werden, wenn in die 12 Stunden eine Ruhepause von mindestens einer Stunde fällt. Wo diese Pause nicht gewährt wird, darf die Arbeitszeit nicht über 11 Stunden betragen, jedoch sind auch dann die notwendigen EffenSpausen zu gewähren. In größeren Betrieben, namentlich solchen mit elementarer Kraft, darf die regelmäßige Höchstarbeitszeit nicht mehr als 10 Stunden betragen. Jedem Gesellen mutz in jeder Woche ein völlig arbeitsfreier Tag von mindestens 36 Stunden gewährt werden. Lohnabzüge für denselben sind unzulässig. Mehr als 6 Schichten wöchentlich darf kein Geselle zur Arbeit verwendet werden. Betriebe ohne Gesellen dürfen nicht mehr als einen Lehrling halten. Bevor ein zweiter Lehrling eingestellt wird, mutz min- destens ein Geselle dauernd beschäftigt werden. Mehr als zwei Lehrlinge darf kein Meister beschäftigen. Die gesamte Arbeitsvermittelung wird durch den bestehenden paritätischen Arbeitsnachweis geleitet- Die Wahl des Kuratoriums sowie die näheren Bestimmungen über den Arbeitsnachweis find von der Schlichtungskommission zu regeln. Alle Arbeitgeber find verpflichtet, die sämtlichen Arbeitskräfte von diesem Arbeitsnach weis zu beziehen. Es ist eine aus 10 Meistern und 10 Gesellen sowie einem un- parteiischen Vorsitzenden bestehende Schlichtungskommisfion einzu setzen. Die Mitglieder der Kommission sind von beiden Parteien selbständig wählen, den Vorsitzenden ernennt das Einigungs» amt de? Berliner Gewcrbcgcrichts.— Die Beauftragten der Schlichtungskommission haben zum Zweck der Kontrolle und Ueber wachung des Tarifes freien Zutritt zu den Bäckereien. Der Tarif währt bis zum 1. Mai 1909.— In bezug auf die Lohnbewegung selbst sagte Hctzschold unter anderem, man werde sich diesmal nicht wieder mit den Jnnungs Vertretern allein in Verhandlungen einlassen. Nur vor dem Gewerbegericht werde man verhandeln. Die Vorgänge seit der letzten Tarifberatung im Jnnungshause hätten gezeigt, daß man den Jnnungsvertretern nicht vertrauen könne, wenn die Ver> Handlungen nicht unter unparteiischer Kontrolle und Leitung statt finden. Man sehe schon jetzt, daß die Innungen keine Verhanb lungen wollen. Ihre bekannten Führer betrieben bereits eine lebhafte Agitation unter den Meistern, um sie zum Widerstand gegen die Forderungen der Gesellen scharf zu machen. Dabei werde mit Drohungen gearbeitet, die durch ß 163 der Gewerbe ordnung verboten sind. Konventionalstrafen von 300 M. würden von den Meistern verlangt für den Fall, daß sie in der Lohn bewegung den Anordnungen der JnnungSführer nicht Folge leisten. Es seien Fälle vorgekommen, wo die Scharfmacher denen, die auf ihr Verlangen nicht eingehen wollen, drohen, sie würden in der Nachbarschaft des Betreffenden einen neuen Laden einrichten. in dem 8 Stück Backware für 10 Pf. verkauft werden. Auf solche Weise bereiten die Innungen schon den Kampf vor. Angesicht» dieser Umstände habe auch der Bäckerverband die erforderlichen Schritte für die Lohnbewegung getan. Die Berliner Gewerk» schaftskommission sei bereits von dem Bevorstehenden unterrichtet, ihre Unterstützung stehe in Aussicht. Der Referent bemerkte noch, daß sich schon jetzt eine große Zahl von Bäckermeistern bereit er» klärt haben, die gestellten Forderungen ohne weiteres zu be- willigen. Nach einer längeren Diskussion, die dem Referenten durchaus zustimmte, wurde der von ihm vorgelegte Tarifentwurf einstimmig angenommen. Derselbe wird nunmehr den Moistern zugestellt werden._ Der Kampf im MSbeltranSportgewerbe wird von beiden Seiten mit großer Hartnäckigkeit geführt. Die Vereinigung der Unter- nehmer mit Knauer an der Spitze hat die Parole ausgegeben, nicht mit dem Verbände zu verhandeln. Dagegen mehrt sich die Zahl der Streitenden aus allen Betrieben, die entweder ganz lahmgelegt 'ind oder nur mit großer Mühe teilweise aufrecht erhalten werden. Die Zuversicht der Arbeiter zeigte sich wiederum in einer stark bc- uchtcn Versammlung, die am Dienstag, nittag im Gcwerkschafts- jause abgehalten wurde. Der Berichterstatter Dehn erklärte, daß nur wenige Arbeitswillige von den Unternehmern aufzutreiben �eien. Bei K n a u e r arbeiten lmit 43 Packern, die überhaupt nicht am Streik teilgenommen haben) etwa 60 Mann und 200 streiken. Vergebens suchte die Firma gestern wieder„160 gute Arbeiter" an den Anschlagsäulen. Schäfer hat nur 10 Arbeitswillige. Im ganzen hat man gegenwärtig mit etwa 100 der letzteren zu rechnen. Die Firma Birke hat Frieden gemacht und die Forderungen der Arbeiter bewilligt. Außerdem ist bei folgenden Firmen die Arbeit wieder aufgenommen worden: Bartz, Brode. der Internationalen Transportgesellschaft. Berge- m a n n- Friedenau, Werner-Wilmersdorf und einigen kleinen Unternehmern. Mit mehreren Firmen wurden Unterhandlungen gepflogen, die sich wieder zerschlagen haben. Es kommen noch etwa 20 Betriebe in Betracht, die größten davon sind Knau er mit 200. Schur mit 160. Uebel mit 60. Lissel mit 40. Leh- m a n n mit 35. Schulz mit 34. Schumacher mit 32 Streiken- den usw. Die Unternehmer sind nicht mützig und suchen Hülfs- kräfte von allen Seiten heranzuziehen. Man hilft sich gegenseitig mit Arbeitern aus. die einfältig genug sind, diesen Mißbrauch mit ihrer Arbeitskraft treiben zu lassen. Herr Bolle, der Vorsitzende des Arbeitgebervereins für das Transportgewerbe, ist ersucht war- den, Kutscher und andere Arbeiter auszuleihen. Von einer Firma ür Müllabfuhr. Schiller, sind vom Inspektor 5 Mann zu Knauer geschickt worden unter der Drohung, sie würden entlassen, wenn sie nicht für Knauer anspannen würden. Wie man uns mit- teilt, ist die Berliner Feuerwehr, die sich seinerzeit schon bei der Aussperrung in der Elektrizitätsindustrie arbeitswillig hervortat, -auch in diesem Lohnkampf streikbrechend in Aktion getreten. Bei dem Umzug des Bankiers Löwenberg waren 80 Feuerwehrleute tätig, die Geldschränke fortzuschaffen. Die Ortsverwaltung de» Verbände? hat bekannt gemacht, daß bei' Montag. Erfolg mit ihren Bestrebungen. �.. Daß eS cm Humor im Kampfe nicht fehlt, dafür sorgen gelegent» liche kleine Zwischenfälle. Ein Streikposten bemerkte, daß am Sonntagmittag ein großer Umzug stattfand, der von Ar. beitswilligen besorgt wurde, die dem Posten kein Gehör schenken wollten. Flug» ging dieser zur Polizei und brachte die Bitte vor: Herr Wachtmeister, ich möchte gern jetzt, zwischen 18 und 2 Uhr, ausziehen."„Ja. das dürfen Sie nicht!" donnerte der gestrenge Wachtmeister.„Aha. ja, hier um die Ecke findet doch jetzt ein großer Umzug statt, von Arbeitswilligen ausgeführt, und Schutz- ! eute sehen zu", bemerkte der Posten. Hm, das war unangenehm, und es wurde dem Manne bedeutet, die Sache werde sich schon aufklären. Es kommt sehr viel darauf an. w i e die Streikposten ihre wichtige Aufgabe erfüllen und wie sie sich jeder Situation gl» wachsen zeigen, um der Bewegung zu nützen. Letzte Naebriebten und Depefeben, Vom Streik der Schauerleute. Hamburg» 20. März.(Privatdepesche de»„Vorwärts".) 200 Engländer sind mit dem Dampfer„Olivia" neu angekommen, 120 heute abgereist. 61 Engländer verweigerten heute die Arbeit. Di« Zahl der nicht abgefertigten Schiffe vermehrt sich stark? seit gestern sind 19 Schisse mehr angekommen al» abgegangen. Schneiderst«!! in Hamburg.,„ Hamburg, 19. März.(Privatdcpcschc des„Vorwärt»".) Nach- dem dieEinigungsverhandlungen vor dcmGcwerbegericht gescheitert sind, legten die Schneidergehülfcn heute bei den Mitgliedern de» Arbcitgeberverbande» die Arbeit nieder. Im Sturm ertrunke». Königsberg, 19. März.(W. T. B.) Wie die Abendblätter aus Cranz melden, ist heute früh ein Fischerboot im heftigen Süd- Weststurm bei Sarkan gekentert. Drei der Insassen sind ertrunken, der vierte konnte sich durch Schwimmen retten. Kiel, 19. März.(W. T. B.) Heute abend ist der Ewer „Achilles" aus Dornbusch auf dem Stoller Grund infolge Sturmes gesunken. Zwei Mann der Besatzung sind ertrunken. Schlagende Wetter. Bochum, 19. März.(B. H.) Auf der Zeche Bruchstraße ent- stand gestern während der NachmittogSschicht eine Explosion schlagender Wetter. Zwei Bergleute wurden schwer, zwei leicht verletzt, ein fünfter kam glücklich davon. Bergmannslos. Siegen(Westfalen), 19. März.(W. T. B.) Auf Grube „Große Burg" bei Ncunkirchen wurden heute ein Obersteiger und drei Bergleute beim Einsturz eines Stollens unter die Trümmer begraben. Ihre Leichen wurden geborgen. Ausdehnung des böhmischen Textilarbeiterstreiks. Reichenberg(Böhmen), 19. März.(W. T. B.) Heute ist die Arbeiterschaft von weiteren sechs großen Textilfabrikcn in Reichen» berg und Umgebung wegen Lohnstreitigkeiten in den Ausstand ge- treten. Die Zahl der Ausständigen beläuft sich jetzt auf 2090 Mann._ Lawinenstürze. Innsbruck, 19. März.(W. T. B.) Vergangene Nacht ist von den Gernuthbergen im Zillertale eine große Lawine bis zu dem Dorfe Laimbach niedergegangen. Dabei wurde eine Almhütte, ein Heustadel und eine große Waldfläche fortgerissen. Die Lawinen- gefahr besteht im Zillertale weiter. Auch bei Stafflach a» der Brennerbahn ist heute nacht eine Lawine niedergegangen, durch die beide Gleise verschüttet wurden. Ein Gleis konnte sofort wieder freigemacht werden, so daß der Verkehr aufrecht erhalten werden konnte. Auf der Arlbergbabn ist dagegen der Berkehr noch immer unterbrochen. Auf dem hiesigen Südbahnhofe warten 1700 mazc- donische und italienische Arbeiter aus ihre Weiterbeförderung über Arlberg._ Beisetzung Berthelots auf Staatskosten. Paris, 19. März.(W. T. B.) Deputiertenkammer. KultuL- minister Briand bringt eine Vorlage ein, durch die 20 000 Frank «r die Beisetzung Berthelots auf Staatskosten gefordert werden. as Haus nimmt dieselbe mit 485 gegen 7 Stimmen an. Präsident Brisson feiert dann Berthelot als großen Gelehrten und Bürger und schlägt vor, zum Zeichen der Trauer die Sitzung aufzuheben. Ein Antrag, nach drei Stunden die Sitzung wieder aufzunehmen, wird mit 382 gegen 137 Stimmen abgelehnt und es wird mit 539 gegen 15 Stimmen beschlossen, morgen eine außerordentliche Sitzung abzuhalten. Die Sitzung wird dann geschlossen. Paris, 19. März.(W.T.B.) Senat. Präsident Dubost gibt der Trauer Ausdruck, in die der Senat, Frankreich und die Menschheit durch den Tod Berthelots versetzt seien. Minister Briand bittet, den von der Kammer genehmigten Kredit von 20 000 Frank zur Beisetzung Berthelots auf Staatskosten ebenfalls zu bewilligen. Ter Senat stimmt dem zu und beschließt einstimmig, die Sitzung zum Zeichen der Trauer zu schließen. »Die Regierung vor der Duma. Petersburg, 19. März.(W. T. B.) Die vom Ministerpräsidenten Stolypin abgegebene Erklärung wird von der großen Mehrheit der Duma mit Schweigen und nur von der Rechten mit Beifall aufgc- nommen. Sodann hält der sozialdcmokratifche Abgeordnete Zcrc- tcli eine flammende Rede gegen die Regierung, in der er in heftigen Ausdrücken die Politik des Kabinetts Stolvpin nach Auflösung der Duma kritisiert- Redner wirft dem Ministerpräsidenten die Ein- führung der Feldgerichte vor, Knebelung der Presse und die sogc- nannte Verbesserung des Loses der Bauern, deren wahrer Zweck nur sei, den Appetit der Grundbesitzer zu befriedigen.(Lärm. Rufe: Genug! Hinaus! auf der Rechten.) Der Präsident hat große Mühe, den Lärm zu unterdrücken, der sich noch verschiedentlich wiederholt und besonders stark wird, als Zeretcli die Worte des Ab- geordneten Nabokow wiederholt, die dieser im Jahre 1906 nach der Erklärung des damaligen Ministerpräsidenten Goremhkin äußerte, daß die Exekutivgewalt sich der gesetzgebenden Gewalt unterzu- ordnen habe. Zereteli meint, er zweifle, daß diese Hoffnung sich erfüllen werde, aber dessen sei er gewiß, daß die ganze Nation sich gegen die Unterdrücker und die Veranstalter der Pogrome erheben werde. Die Duma wisse bereits, daß die Regierung sich dem Willen des Volkes nur unterwerfen werde, wenn sie dazu gezwungen werde, folglich müsse da» Boll organisiert werden, um sich die Exe- kutivgewalt gewaltsam zu unterwerfen.(Lärm auf der rechten Seite. Rufe: Wir können nicht mit anhören, daß die Duma zur Erhebung mit den Waffen aufgefordert wird.) Zereteli fährt fort und sagt, nicht er bereite eine bewaffnete Erhebung vor. fondern die Regierung, die das Volt zum äußersten treibe. Er verliest so- dann namens der sozialdemokratischen Partei eine Erklärung. welche besagt, daß die Partei als einziges Ziel anstrebe, dem Volk- die Augen über die wahren Absichten der Negierung zu öffnen, um es für den EntscheidungSkampf� gegen das Willlürsystem zu orga» Uren. Petersburg, 10. März.(W. T. B.) Zahlreiche Redner der Rechten befürworten die Ausführungen der Regierungserklärung und greifen gleichzeitig die Redner ver Linken aufs heftigste an. Die Verhandlung nimmt den Charakter eines Duells zwischen den Sozialdemokraten einerseits und der Rechten andererseits an, während das Zentrum und die übrigen Parteien der Linken im Schweigen verharren. Bischof Eulogius versuckst, die Mcinungs- Verschiedenheiten auszugleichen. Er erklärt, die Mitglieder der Rechten seien keine Feü'de des Volkes, sie hätten aber die lieber- zeugung, daß eine Wiedergeburt Rußlands nur auf friedlichem Wege möglich fei. Hierauf, ergreift Ministerpräsident Stolypin nochmals das Wort und wendet sich an das Zentrum und die Linke, indem er ausführt, daß die Regierung niemals solche Töne an- chlagen werde, wie die äußerste Linke. Die Regierung halte es für notwendig, zu erklären, daß»ach dem Gesetze die Duma nicht ans Richtern, und die Ministerbank nicht aus Angeklagten bestehe. Letztere fei vielmehr im Besitze der Macht. Die gegenwärtige Re. gierung habe ihr Amt übernommen, als die Flammen der Revolu. non im ganzen Lande wüteten. Sie wußte, welche große Verant. wortlichkeit sie übernahm, welchen Angriffen sie ausgesetzt sein werde, aber sie sei bereit, für die Beruhigung des Landes zu arbeiten. Die Regierung wisse auch, daß Behörden bisweilen geneigt sind, ihre Macht zu miftbrauchcn, und sie werde sich freuen, wenn die Duma solche Uebergriffe aufdecke. Die Regierung fliehe die Verantwortlichkeit nicht; wenn man aber ihre Absichten und ihre Wünsche lähmen wolle und ihr zurufe— Hände hoch, so sage ie. Sie können un» keine Furcht einjagen.(Lebhafter Beifall recht».) Hierauf wird die einfache Tagesordnung mit großer Mehrheit angenommen und die Sitzung um 6V4 Uhr auf morgen 11 Uhr vertagt. Bauernrevolte. Bukarest, 19. März.(Meldung der„Agence roumaine".) In- ölge der seit einiger Zeit in den Bessarabien benachbarten Ge- 'neten der Obermoldau betriebenen Agitation verwüsteten gestern mehrere hundert Bauern auö der Umgegend von Botusani eine Anzahl Häuser und Geschäfte der Stadt, darunter mehrere großer jüdischer Firmen..Die gegen'die Aufrührer entsandte Militär- abteilnng wurde mit Revolvern und Steinen angegriffen. Nach wiederholten Aufforderungen machte das Militär schliehlich von der Waffe Gebrauch. Die Aufrührcr räumten dann den Platz und ließen vier Tote und neun Lcrwundet« zurück. Berant? Redakteur: �an» Weber, Berlin/ JnjeralminI veraAtou Mt.Gl«cke,Ber1in. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr-U-VerlazianstaU xaulSingerLcCo-, Berlin ZW. Hierzu 4Beilagen u.UnterhaltongSblatt Nr. 67. 24. Jahrgang. 1. jtcilnp des Jotmärtü" Knlim ilolMIntt. Mittwoch. 20. Marz 1907. Reichstag. 22. Sitzung vom Dienstag, den lg. März 1807, nachmittags 1 Uhr. Der Tisch des Bundesrats bleibt leer. Zunächst wird in der Gesamtabstimmung der Gesetzentwurf über die Berufs- und Betriebszählung angenommen. Debattelos wird dann der Vertrag zwischen Deutschland und Luxemburg über den Beitritt Luxemburgs zur Norddeutschen Brau steuergemeinschast in erster und ziveiter Lesung genehmigt. Hierauf wird die Besprechung der Interpellation Albrecht und Genossen sSoz.) über die Eingriffe von Behörden bei der Reichstagswahl fortgesetzt. Abg. Liedermann v. Sonncnberg stvirtsch. Bg.) bestreitet, jemals die Schaffung eines Korruptionsfonds vorgeschlagen zu haben. Er hätte nur für die Regierung einen Fonds schaffen wollen, damit sie im Falle einer ReichslagSauflösung unabhängig von Gunst und Hn gunst der Presse ihr Programm vertrete. Redner prorestiert gegen den Vorschlag des Abg. Fischer(Soz.). der Reichstag solle alle Mandate der Blockparteien kassieren. Seine Freunde seien nicht mit amtlicher Hülse gewählt. Hoffentlich werde die Sozialdemokratie bei der nächsten Wahl nur noch in kleinen Trümmern im Reichstage erscheinen.(Bravo I rechts.) Abg. Bebel(Soz.): Ob die Hoffnung de? Vorredners in Erfüllung geht, das wollen wir ruhig abwarten. Wenn die Dinge sich so weiter entwickeln wie bisher, werden wir allerdings bei den nächsten Wahlen die gesamten bürgerlichen Parteien unzweifelhaft in einer einzigen Front gegen uns stehen sehen. Wir hatten, da« will ich Ihnen offen gestehen, schon diesmal die Ueberzeugung, daß dieses Bündnis bereits bei den letzten Wahlen zustande gekommen wäre, wenn sie zum legalen Termin stattgefunden hätten. Zunächst ist es ja durch die Art und Weise, wie der Reichstag nach Hause geschickt ist, gestört worden. Wir rechnen al'o mit dieser Tatsache und richten uns auf sie ein. Wir werden dafür arbeiten, dah wir das nächste Mal auf keine der bürgerlichen Parteien angewiesen sind, sondern auS eigener Kraft die Siege erfechten, die wir erfechten können. Der Herr Vorredner hat sich etwas darauf zugute getan, daff er im Gegensatz zu meinem Parteigenossen Fischer nur ganz kurz zu reden brauche. Nun, Herr Lieberinann gehört zu der großen Majorität, die entschlossen ist, was auch für Anklagen gegen die Regierung vorgebracht werden, deren Wahltaktik gutzuheißen. Nach unserer Ansicht haben diese Verhandlungen aber eine sehr große Bedeutung. So lange wir einen Reichstag haben, haben wir einen solchen Wahlkampf noch nicht erlebt. Gewiß sind auch früher und namentlich bei Auflösungen Wahlbeeinflussungen durch die Regierung vorgekommen, aber sie haben noch niemals den Umfang angenommen wie bei den letzten Wahlen. Der Herr Vorredner will der Regierung das Recht geben, vor dem gesamten Volke die Gründe darzulegen, die fie zur Auflösung des Reichstages veranlaßt haben, und unrichtige Darstellungen zu berichtigen. Dagegen hätten wir gar nichts einzuwenden. Wir haben nur allzuoft zu wünschen Anlaß gehabt, daß die Regierung weit rascher Tatsachen berichtigt hätte, die sie in der Oeffentlich- leit Herabietzen mußte. Auch gegen eine ruhige sachliche Dar- legung über die Gründe einer Reichstagsauflösung kann gar nichts eingewandt werden, wenn sie ohne Provokation und ohne Verletzung bestimniter Parteien erfolgt. Wir klagen den Herrn Reichskanzler nicht an, daß er in seinem Briefe die Gründe auseinandergesetzt hat, welche die Regierung veranlassen, den Reichstag aufzulösen, wir klagen ihn aber an wegen der Art und Weise, wie er das Schriftstück abgefaßt hat.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wir klagen ihn an wegen der Be- schuldigungen, die er in diesem Schriftstück gegen die damalige Mehr- heit erhoben hat. D»S Reichskanzlers Brief an den Präsidenten des Verbandes zur Verleumdung der Sozialdemokratie spricht am Schluß von.dem Kampf für Ehre und Gut der Nation gegen Sozialdemokratie, Polen, Welsen und Zentrum". Das ist eine der schwersten Beleidigungen gegen die vier Parteien, die ein Staatsmann überhaupt arssprechen kann.(Sehr richtig I b. d. Soz.) Wenn der erste Staatsmann des Reiches offiziell m den Wahl- kämpf eingreifen will, dann hat er eS in einer objektiveren, fach- kicheren, seiner Stellung würdigeren Weise zu tun(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten) und nicht von vornherein als Wahlagitator auszutreten.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Daß die Kreth und v. Lieber dies Vorgehen des Fürsten Bülow billigen und nur wünschen, daß sich diese Szene wiederhole, ist ja selbstverständ- lich. Sie(nach rechts), die Sie ja in erster Linie die Schützlinge der Regierung sind. Sie. die Sie in erster Linie auf die Unter- stützung der Regierung rechnen(Lärm und Widerspruch rechts)— inachen Sie sich doch nicht lächerlich, das Gegenteil zu be- haupten!— Ihnen ist ja natürlich alles willkommen, was Ihre Position in einem Wahlkampfe, wie es der letzte war, stützen kann. Wenn aber sogar ein liberales Blatt wie die„Bossische Zeitung" behauptet, daß das Vorgehen des Reichskanzlers durchaus berechttgt war, da möchte ich denn doch fragen, wie reimt sich damit das Verhalten des Reichstags zusammen, das er seit 40 Jahren bei Wahlprüfungen eingeschlagen hat: daß er jede mit geringer Mehr- heit zustande gekommene Wahl für ungültig erklärt hat. sobald ein Gemeindevorstand, ein Polizeidiener oder ein Landrat in ungehöriger Weise in die Wahlhandlung eingegriffen hat l Wie können wir es da gutheißen, wenn der erste Staatsmann deS Reiches nicht für eine einzelne Wahl, sondern für die gesamten Wahlen parteiisch auf- tritt und Propaganda macht?(Sehr richtig l bei den Sozialdem.) Das ist das Entscheidende. WaS heute einer Partei passiert, kann morgen der anderen passieren, und schon wegen der Konsequenzen sollte man mit aller Energie gegen ein solches Vorgehen protestieren. Nicht als Privatperson hat der Reichskanzler gesprochen, nein, er hat ausdrücklich erklärt, daß er im Namen der Regierung spräche. Er hat sich seines Eingriffs in die Wahlagitation geradezu ge- rühmt!(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Er hat aber weiter auch Gelder gesammelt und sie verteilen lassen. Ein besonderes Maß von Objektivität will er damit be- wiesen haben, daß er nicht selber die Gelder verteilt hat l Darauf kommt es aber gar nicht an, sondern darauf allein, daß der Reichskanzler für Wahlzwecke Gelder gesammelt und daß er in einer offiziösen Berichtigung der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" vom 10. Februar dieses Jahres erklärt hat, er interessiere sich für die Sammlung dieser Mittel. Mit dieser Erklärung des Reichskanzlers ist auch jeder Zweifel an der offiziellen Wahltätigkeit des Flottenvereins, wenn der Zweifel überhaupt bestand, vollständig beseitigt. Wäre der Flottenverein ein politischer Verein, dann wurden wir kein Wort sagen; denn dann versteht es sich ja ganz von selbst, daß er polittsche Agitatton und Wahlagitation treibt. Der Flottenverein will aber kein politischer Verein sein, er bestreitet das auf das allerentschiedenste. Aber der Reichskanzler hält den Flottenverein für einen politischen Verein; denn er hat sich ja bereit erklärt, seinem Präsidenten, dem Fürsten Salm, Mittel für Wahlzwecke zur Verfügung zu stellen. Nun haben Sie alle gestern abend gelesen, daß die sozialdemokratische Fraktion oder ihr Vorstand von der Staatsanwaltschaft verfolgt werden soll, weil er am Sonntag vor acht Tagen hier im Hause, dem Beispiel aller Parteien folgend, eine Konserenz veranstaltet hat, in der mit einer Anzahl von Vertreter» der sozialdemokratischen Presse über innere Angelegenheiten der sozialdemokratischen Presse verhandelt worden ist. Kaum ist diese Tatsache durch die Blätter gegangen, so beeilt sich die Staatsanwaltschaft sofort— wenn die Nachricht richtig ist— eine Anklage gegen die Häupter der sozial- demokratischen Fraktion wegen Verletzung des preußischen Vereins- und Versammlungsrechts zu erheben. Was immer aus der Sache werden mag. so konstatiere ich, daß eine solche Konferenz fich auf die besonders geladenen Personen beschränkte und im kleinen Kreise stattfand, daß es fich um eine Zusammenkunft handelte, wie sie jede Partei ohne Ausnahme veranstalten muß, die nicht alle ihre Angelegenheiten der Oeffentlichkeit preisgeben kann. Daß dieser Brauck, von der Sozialdemokratie geübt, sofort die Staatsanwaltschaft mobil macht, während der Flotten- verein und die gesamten Kriegervereine als„ n i ch t p o l i t i s ch e" Vereine in den Wahlkampf eintreten dürfen und im ganzen Deutschen Reiche kein Staatsanwalt daran denkt, diese Bereine zur Verantwortung zu ziehen, beweist eben, daß mit zweierlei Maß gemessen wird und daß wir uns in einem Klassenstaat befinden. Es gibt eben kein Recht und keine Gerechtigkeit für die Arbeiterklasse und die Sozialdemokratie. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten, Widerspruch rechts.) Je nach der politischen Stellung wird bei dem einen zum Unrecht, was bei dem anderen Recht ist.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten und bei den Polen.) Der Herr Reichskanzler hat auch nicht immer in der Frage von G e l d s a m in l u n g e n den gleichen Standpunkt vertreten. Än die 12 000 M.-Affäre des Grafen PosadowSky ist ja bereits erinnert worden, und es kann gar nichr genug darauf hingewiesen werden. Damals hat der Reichskanzler in der offensten und rücksichtslosesten Weise seine Mißbilligung darüber ausgesprochen, daß iein Kollege, Graf PosadowSky, oder dessen Untergebener, Geheimrat v. Woedtke, die 12 000 Mark für AgitationS- zwecke genommen habe. Am 24. November 1900 erklärte der Reichskanzler Graf Bülow: „Ich bin der Ansicht, daß die Regierung sogar den An- schein vermeiden muß, als ob sie in irgend einer Abhängig- keit von irgendwelchen Gruppen stehe, daß sie sogar den Ver- dacht vermeiden muß, als befinde sie sich in Abhängigkeit von Sonderinteress en." (Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Und weiter sagte der Kanzler:„Wenn ich von der Absicht, einen solchen Weg einzuschlagen, Kenntnis erhielte, würde ich die Aus- kührung mißbilligen." Dadurch hat der Reichskanzler vom 24. No- vember 1900 den Reichskanzler vom 31. Dezember 1903 moralisch totgeschlagen.(Lachen rechts. Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) Jetzt aber handelt es sich nicht bloß um eine Regierungsvorlage, sondern um die Verteidigung des ganzen S y st e m s und da findet er es ganz in der Ordnung, daß Geld gesammelt und in entsprechender Weise verwendet wird I Wenn der Reickskanzler einen solchen Brief verfaßt, der in der gesamten Presse veröffentlicht wird und also zur Kenntnis aller Reichs- und Staatsbeamten kommt, so ist es ganz erklärlich, daß auch der dümmste unter ihnen sich sagt:„Das ist ja eine direkte Stellungnahme gegen ganz bestimmte Parteien: die darsst du also auch nicht unterstützen." Die notwendige Folge ist eine politische Korrumpierung des gesamten BcainteiistandeS. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Infolge dieses Schreibens haben denn auch die höchsten Behörden, die Staats- gewaltvn, die Gemeindegewalten, die Schulen, die Kirchen allüberall gegen die in die Acht erklärten Parteien Stellung genommen. Man hat sogar an 124 000 Schullehrer die Aufforderung gerichtet, aktiv zugunsten der Blockparteien in den Wahlkampf einzutreten, und ein großer Teil der Schullehrer ist dieser Aufforderung gefolgt. Sie haben Schlepperdienste geleistet und die nötigen Bureauarbeiten ver- richtet. Auch hat man in einigen 10 000 Schulen den Unterricht am Wahltage ausfallen lassen, damit die Lehrer den ganzen Tag zur Verfügung der sogenannten nationalen Parteien standen.(Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) Von den höheren Schule» hat man junge Leute von siebzehn, achtzehn Jahren zu Schlepper- diensten für die Blockparteien' abkommandiert; auf den Universitäten sind die Vorlesungen ausgefallen, damit die Studenten ausgiebig in die Wahlagitation eingreifen konnten. Wenn jüngere Sozialdemokraten das tun, so haben wir von einem Vertreter der rechten Seite schon gehört: die „grünen Jungen" mischten sich in Angelegenheiten, die sie nichts an- gingen. Aber die Dienste der„grünen Jungen" in Ihrem Jnter- esse sind Ihnen sehr angenehm I(Sehr gut I bei den Sozial- demokraten.) Wir Sozialdemokraten verurteilen eine solche Mit- Wirkung an sich nickt, denn wir verlangen, daß das politische Recht zum mindesten mit 21 Jahren beginnt. Dadurch, daß der Silvesterbrief an den Präsidenten deS Verbandes zur Verleunidung der Sozialdemokratie gerichtet war, wurde dieser Verband gewissermaßen zum offiziösen Wahlrepräsentanten der Regierung.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es wurde ihm gleichsam, wie unter Napoleon III. den sogenannten weißen Blusen, das offiziöse Amt der Wahlleitung übertragen. Wir be- greifen, daß Herr v. Liebert neulich in so lebhafter Weise die Objettivität der sächsischen Behörden anerkannte:(von der wir freilich noch nichts zu spüren bekommen haben) denn als der Reichskanzler sich für den Verband zur Ver- leumdung der Sozialdemokratie ins Zeug warf, wurde dieser Verband offiziell für alle Behörden geheiligt, so daß vor den Agenten dieses Verbandes alle Türen aufflogen, die Behörden ihm alles gewährten, was er im Wahlkampf für notwendig hielt.— Herr v. Liebert hat weiter neulich bestritten, daß er offizieller Kandidat der Regierung gewesen ist. In seinem Wahlkreise war außer einem meiner Partei- genossen, dem früheren Abg. Schöpflin, auch ein antisemitischer Kandidat aufgestellt. AIS nun durch die Briefe deS Generals Keim bekannt wurde, daß die Reichskanzlei oder Herr v. Loebell sich für die Kandidatur des Herrn v. Liebert interessiere, wurde von der deuffchen Reformpartei offiziell die Anfrage hierher gerichtet, ob das wahr wäre. In der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" wurde das bestritten, aber hinzugesetzt:„Die Bemühungen der Reichskanzlei sind wie in anderen Kreisen so auch hier auf die möglichste Einigkeit der nationalen Parteien ge- richtet ohne eine Spitze gegen eine dieser Parteien." Das ist also geschehen; es wird zugegeben, daß man sich bemüht hat. die Kandidatur Liebert als die einzige Kandidatur der Ordnungs- Parteien aufreckt zu erhalten.(Zuruf rechts.) Herr v. Liebert, ich behaupte ja nicht, daß Sie davon Kenntnis hatten, das ist auch ganz gleichgültig: es handelt sich darum, daß die Reichsregierung und die ihr unterstellten Organe in ungehöriger und ungesetzlicher Weise in den Wahlkampf eingegriffen haben.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Das wird aber durch die Aeußerung der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" bewiesen, und wenn Herr v. Liebert sich durch gewisse Abwehrbewegungen dagegen verwahrt, daß er Regierungskandidat gewesen sei(Heiterkeit!), so haben wir ja in der freisinnigen Partei einen Herrn, der dies freiwillig erklärte, den Herrn Abgeordneten Dr. Hermes. (Dr. Hermes wird puterrot. Große Heiterkeit.) Seinem konser« vativen Gegenkandidaten war das natürlich sehr unangenehm. (Heiterkeit.) Dieser Kandidat, Frhr. v. Richthofen, erkundigte sich in Berlin und hat dann nach dem betreffenden Wahlkreise ein Telegramm gesandt:„Fürst Bülow hat mit Dr. Hermes über dessen Kandidatur- gar nicht gesprochen. Sie können von dieser Mitteilung öffentlich Gebrauch machen". Der Gebrauch, den die konservative Partei machte, verursachte den Herren Freifinnigen einen Todesschreck(Große Heiterkeit) und sofort gab der freisinnige Wahlausschuß die öffentliche Erklärung ab: Herr Hermes habe Ende Dezember in Berlin einen Vortrag über die Situatton gehalten, auf welchen hin der Reichs- kanzler ihn zu einer Besprechung am 2. Januar eingeladen habe. In dieser Besprechung, so heißt es in jener Erklärung, sprach der Reichskanzler seine volle Befriedigung über die von Dr. Hermes kundgegebenen politischen Erklärungen aus und äußerte, daß der bis- herige Besitzstand der national gesinnten Parteien überall zu wahren sei und eine konservative Kandidatur gegen Dr. Hermes der poli- tischen Gesamtlage nicht entspreche.(Heiterkeit.) Daraufhin sagte da? Komitee: Nun ist doch schwarz auf weiß bewiesen, daß der Reichskanzler den Dr. Hermes als offiziellen Kandi- baten angesehen hat. Früher freilich betrachteten die Freifinnigen es als größten Schimpf, daß jemand als offizieller Kandidat der Regierung bezeichnet werde.(Sehr richtig! be» den Sozialdemo- kraten.) Doch wundern wir uns bei den Freisinnigen über nichts mehr.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Weiter habe ich hier noch ein Aktenstück, das in eklatantester Weise die Tätigkeit der Behörden im letzten Wahlkampf« beweist. Bekanntlich wurde im Rheinland und in Westfalen bei den Stichwahlen darüber verhandelt, ob das Zentnim und die anderen bürgerlichen Parteien nicht gemeinsame Sache gegen die Sozial- demokraten machen sollten. Die Verhandlungen scheiterten daran, daß ein Teil der Kölner Liberalen unter keinen Umständen für Herrn Dr. Trimborn eintreten wollte. Das hat zu großen Erklärungen in der rheinischen Presse geführt. Hierbei teilte die Leitung der Zentrums- parte! mit, daß von dem Verhandlunasortc aus im Aiiftrage der RcgierungSvertreter(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten) nach drei Stellen telephoniert und ein bestimmter Vertreter der Zentrums- Partei gewünscht wurde, weil inzwischen plötzlich Dr. Semler aus Berlin angekommen sei. Herrn Semler haben wir als freiwilligen Regiermngskommissar ja schon oft gesehen.(Heiterkeit.) Die Rolle des freiwilligen Wahlvermittlers, in der er hie» auftrat, war neu.(Zuruf links:„Er war es ja gar nicht I") Dann mag er es berichtigen. Ich kann mich nur an diese Erklärung halten, die unwidersprochen durch die Presse gegangen ist. In der ZenttumS- erklärung wird weiter mitgeteilt, daß die Verhandlungen mit den Vertretern der Regierung drei Tage lang gedauert haben. Drei Tage lang haben die Vertreter der Regierung— unter ihnen der Oberpräsident der Rheinprovinz— in Köln verhandelt, bis fie schließlich resultatlos auseinander gegangen sind. Hier ist also ein neuer Beweis, daß Vertreter der Regierung— unter ihnen, wie gesagt, der Oberpräsident der Rheinprovinz � an Verhandlungen teilgenommen haben, um die Sozialdemokratie nach Möglichkeit bei den Stichwahlen auszuschalten. Nach alledem kann doch wohl niemand be- streiten, daß indiesem Wahlkampf offiziellineinerWeisezugunstengewisser Parteien eingegriffen worden ist, wie wir es bisher noch niemals im Deutschen Reiche erlebt haben.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten) Wir wünschen zur Ehre des Reiches, daß e» auch nie- mals wieder in ähnlicher Weise geschehen möge.(Lebhaste Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Den Wahlkampf hat das Volk zu führen. Der Wahlkampf soll entscheiden, ob das Volk für oder gegen die Regierung ist. Da soll sich die Regierung nicht einmischen, da soll das Volk frei und ungehindert seine Meinung äußern können. Da mag jede Partei ihr Programm vertreten und Propaganda treiben, das ist ihr gutes Recht. Aber gleiches Recht, gleichen Wind und gleiche Tonne für alle ohne Ausnahme! (Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) So gehört es sich im Wahlkanipf zu stehen und zu fechten. Nicht in dieser napoleonischen Manier darf er betrieben werden, daß die Behörden vom Reichs- kanzler bis zum Oberpräsidenten v. Schorlemer-Alst zugunsten be- stinimter Parteien eingreifen. Die ganze Reichs« und Staats- organifation ist in Bewegung gesetzt worden, und der deutsche Kaiser hat dem Fürsten v. Salm noch ausdrücklich gratuliert, daß der tlottenverein feine Sache so prächtig gemacht hat! Der deutsche aiser wird wohl ganz gut über die Vorgänge in diesem Wahl- kämpf unterrichtet gewesen sein. Wie hat er selbst den ganzen Kamp? aufgefaßt? Bekanntlich zogen um Mitternacht große Mafien vor das Berliner Schloß und brachten ihm eine Ovation. Der Kaiser erschien darauf am Fenster und zitierte einen BerS auS Kleists Drama„Der Prinz von Homburg", einen Vers, den er im Sinne dieses WahlkampseS auslegte. Der Prinz von Homburg hatte die Schlacht von Fehrbellin entschieden. indem er entgegen ausdrücklichem Befehl und wider die Ordnung einen An- griff auf den Feind ausführte. Der Kursürst wollte trotz des entscheidenden Erfolges den Prinzen von Honiburg zur Verantwortung ziehen. Dagegen wandte sich der Oberst Kottwitz mit den Worten: „Was kümmert Dich, ich bitte Dich, die Regel, Nach der der Feind sich schlägt, wenn er nur nieder Vor Dir mit allen seinen Fahnen sinkt? Die Regel, die ihn schlägt, die ist die höchste.' Auf die Art kommt eS also nicht an, nicht darauf, ob der Wahlkampf anständig oder unanständig geführt wird! Die Haupt- fache ist, daß wir„niedergeritten" sind, wenn auch mit den allergemeinsten Mitteln, die denkbar sind.(Große Unruhe und Ge- lächter rechts.) Nun, das ist durch dieses Zitat selbst zugestanden worden.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Eine große Rolle haben in diesem Wahlkampfe die Verleumdungen de« ReichsverbandeS gespielt. ES würde mich stundenlang beschäftigen müssen, wollte ich alle die dreisten Unwahrheiten, Fälschungen und Weg- lassungen ausführen. deren sich der Reichsverband in seinen Zitaten schuldig gemacht hat. ES ist charakteristisch. daß Herr V. Liebert in seiner letzten Rede ein Zitat auS dem Zitatenschatz deS Reichsverbandes brachte, das mit der Wahrheit auf dem allergespanntesten Fuße steht.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das Zitat betraf mich. Da eS sich hier um ein Zitat handelt, das zehnmal, hundertmal berichtigt worden ist, so ist eS schwer, zu glauben, daß Herr v. Liebert hier u n- wissentlich falsch zittert haben soll.(Rufe rechts: Wie heißt es denn?) Es betrifft meine Aeußerung auf dem Münchener Parteitage über die Agrarier. Ich soll gesagt haben:„Es gibt keinen egoistischeren, keinen rücksichtSlosereii, keinen brutaleren und keinen bontterteren Menschenschlag als die bäuerliche Klasse, gleichviel in welcher Gegend—"(Zuruf recht«:„Das ist in München gesagt!") Das ist eben nicht gesagt worden. Hier ist das offizielle Protokoll der Partei und da heißt es:„Es bewahrheitet sich hier wieder ein- mal. daß eS keine egoistischere, keine rücksichtslosere, brutalere, aber auch keine borniertere Klasse gibt als unsere Agrarier." (Zuruf rechts:„Das ist doch dasselbe!) Da hört doch alles auf l AuS den Worten„unsere Agrarier" hat man gemacht„bäuerliche Klasse". Man hat dann noch hinzugesetzt„gleichvielinwelcher Gegend".— Der Verband behauptet.— um nur noch einige weitere Belege seiner AgitationS- weise anzuftihren— daß die„VorwärtS"-Redakteure bis zu 10 000 M. Gehalt bekämen und daß in ähnlicher Weise die Redakteure der„Reuen Zeit" bezahlt würden. Das wird behauptet. obwohl aus den offiziellen Protokollen und aus den Abrechnungen des Parteivorstandes mit Leichtigkeit herauszurechnen war. daß das gar nicht möglich ist, was da behauptet wird. Der„Vorwärts" hat §egenwärttg 138 000 Abonnenten, mehr als die meisten Berliner eitungen, und der bestbezahlte der zehn„Vorwärts"-Redakteure erhält 4ö00 M. und nicht 10000 bis IS 000 M.. wie manche bürgerlichen Chefredakteure.(Zuruf rechts:„Das sind Hungerlöhne!') Jawohl! Wenn unsere Redakteure die Gepflogenheiten des Herm v. Hammerstein hätten, so würden fie damit nickt aus- kommen. sTehr gut! Kci den Sozialdenwtraten.) Bei uns aber »st für Leute mit Hammersteingelüsten kein Platz. Wir haben ja erst neulich gehört, daß ein Offizier für eine» Vortrag ist einer ostdeutschen Stadt den Fahrpreis zweiter Klasse und 150 Mark Entschädigung verlangte. Wir armen Schlucker von Sozialdemokraten zahlen Fahrkarten m. Klasse, allenfalls in sehr eiligen Fällen Fahrkarten II. Klasse, aber Diäten nur in der Höhe von 8 bis 12 M. pro Tag und wenn es sich um Vorträge in der Nachbarschaft des Wohnortes des Referenten handelt, von 3 bis 6 Dt. Sie sind also auf den: Holzwege, wenn Sie meinen, daß bei uns mit dem Gelde ge- schleudert wird. Dem Arbeiter lvird jeder Groschen schwer, und darum verlangt er allergenaueste Abrechnung.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Als wir noch keine Diäten hatten, wurde unseren Abgeordneten 3 bis 7 M. Entschädigung pro Tag gezahlt z im Höchstfalle, wenn der Betreffende ein selbständiges Geschäft zu Hause batte und einen Vertreter brauchte, 10 M. Das sind die Arbeiter- groichen, die in der Sozialdemokratie„verwüstet" werden. Bei uns wird Arbeit verlangt, inehr als in irgend einer anderen Partei. Der Redakteur ist nicht bloß Redakteur, er ist auch Agitator. Die Verleumdung, deren sich der Verband gegen unseren ver- storbenen Freund Liebknecht schuldig gemacht hat. haben wir schon neulich richtig gestellt. Nicht Liebknecht Hai die Soldaten als„zwei- beinige Tiere" bezeichnet, sondern er hat vielmehr der Militär- Verwaltung den Vorwurf gemacht, daß sie die Soldaten als zweibeinige Tiere ansehe. So ist gelogen worden in unerhörtester Weise.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten, stürmische Zurufe rechts.) Ferner hat man uns unsere Stellung zu den Wucher- f e s e tz e n vorgeworfen. Wir haben auf Grund amtlicher Berichte estgestellt, daß unsere Fraktion Verbesserungsanträge zu diesen Gesetzen gestellt hat und schließlich für diese Gesetze gestimmt hat. Aber cS wird eben weiter verleumdet. Ebenso verlogen ist die Verleumdung über das Champagner- gelage, das Kollege Singer und ich an Kaisers Geburtstag hier im „Roland zu Berlin" abgehalten haben sollen. Die Nachricht, die selbstverständlich darauf berechnet war. uns zu diskreditieren, geht durch die ganze deutsche Presse. 8- bis 10 000 deutsche und aus- ländische Zeitungen drucken die Lüge ab. Berichtigungen h»be ich von 10 verschiedenen Zeitungen erzwungen, alle anderen rühren sich nicht. Dem„Generalanzeiger" in Münchcu-Gladbach sandte ein Parteigenosse von mir eine Berichtigung, da hatte die Redaktion die Schamlosigkeit, zu sagen:„Gegen die Berichtigung haben wir nichts, aber erlegen Sie erst 20 M."(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Kann es etwas Schamloseres geben? Es ist ja Zweck und Aufgabe des Reichsverbandes zur Verlcunidung der Sozialdemokratie, die Ehre der Partei und namentlich der Führer der Partei durch solche Mitteilungen zu diskreditieren. Wie weit die Dinge gehen, dafür ein Beispiel: Mir ist es passiert, daß, wahrend ich in einer fremden Stadt in einem Hotel gewohnt habe, Agenten des Verbandes hingegangen sind und sich erkundigt haben, was ich v e r z e h r t habe,(Große Heiterkeit) was ich b c- zahlt habe.(Erneute Heiterkeit) was ich für Trinkgelder gegeben habe.(Wiederholte große Heiterkeit.) Agenten des Verbandes sind in die Häuser gegangen und haben sich bei den Hausleuten erkundigt: Was hat die Familie für ein Renommee, sind es anständige Leute. und wie behandeln sie ihre Dienstboten?(Große Heiterkeit.) Das ist die Methode, wie heute politische Kämpfe ansgefocbten werden! Kein anderer als Lorenz, der Redakteur der„Antisozialdeino- kratischen Korrespondenz"(Zuruf des Abg. v. Liebert)—. ja, Herr v. Liebert, wenn Sie nur ein bißchen ruhiger sein(Große Heiterkeit) und abwarten wollten, was ich noch sage—, also Herr Lorenz, ein sehr geschickter Schriftsteller, der sich lange vor dem Reichsverband bemüht hat, die Sozialdemokratie tot zu inachen, sollte auch für den ReichSvcrband arbeiten. Darüber teilt Herr Lorenz init:„Bald darauf wurde ich zunächst mündlich und dann auch schriftlich er- sucht, nicht mehr Artikel in der bisherigen Art zu bringen"— das heißt rein sachliche Artikel—„ich müßte vielmehr meine Aufgabe darin erblicken, mir Material gegen die in der Sozial- demokratie führenden Persönlichkeiten zu verschaffen und diese anzugreifen."(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Alio die sirekte Aufforderung, persönliche Verdächtigungen, p e r s ö n- l i ch e Verleumdungen gegen die Führer der Sozialdemokratie zu schleudern, weil das ja die eigentliche Aufgabe des Verbandes ist! Herr von Liebert hat auch sonst eine besondere Tätigkeit entfaltet, um uns zu töten. Er hat diese Broschüre(Redner zeigt die Bro- schüre) im vorigen Jahre verbrochen(Heiterkeit), in deren Vorwort eS heißt:„Von verschiedenen Seiten bin ich aufgefordert, ein Hand- buch zu verfassen, das den Offizier über die staatsgefährliche Rich- tung der Sozialdemokratie aufklärt und ihm einen Anhalt zur Be- lehrnng der Mannschaften in königstreuem Sinne gewährt." lieber dieses' Schriftchen urteilt Herr Lorenz folgendennaßen: „Aus dem Gefühl einer gewissen theoretischen Bewunde- rung heraus für den preußischen General sind wir nur um so entsetzter, wahrnehmen zu müssen, in welcher gar nicht zu charakterisierenden Weise dieser General im grellen Lichte der Oeffent- lichkeit entgleist ist, als er sich auf das Gebiet der antisozialdemo- kratischen Politik und Publizistik begeben zu müssen glaubte.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich kann da? Urteil nur bestätigen: Eine lodderigere, oberflächlichere Schrift ist mir niemals vorgekommen als diese hier. Wenn Sie in dieser Weise Ihre Agitation weiter betreiben, haben wir Sie wahrhaftig nicht zu fürchten. Auch im Wahlkampf hat Herr v. Liebert in gleicher Weise ge- kämpft. Unter anderem hat er in einer Versammlung in Pegau Vollmar, Südekum, Stadthagen. Singer und mich in geradezu un- gualifizierbarer Weise angegriffen.(Hört! hört! bei den sozial- demokraten.) Keiner von uns war dort, aber Herr v. Liebert greift uns hinter verschlossenen Türen an. Unter all den bösen Behauptungen und Angriffen will ich nur eine hervorheben, die meinen Freund Singer betrifft. Ich freue nnch, an dieser Stelle darauf zu sprechen kommen zu können, weil diese niederträchtige, infame Lüge jetzt volle zwei Jahrzehnte durch die bürgerliche Presse geschleppt wird und neuerdings wieder vom Verband zur Lerleuindung der Sozialdemokratie aufgewärmt worden ist, ohne daß auch nur im geringsten etwas dagegen zu machen war, Singer hätte denn bei so und so vielen Amtsgerichten Strafantrag stellen wollen: ES sind 20 Jahre her, da wurde die Firma Singer sehr heftig angegriffen und unter anderem wurde behauptet, mein Freund Singer habe einer Arbeiterin, die uni höheren Lohn eingekommen sei, die Ant- wort gegeben: sie solle auf den Strich gehen! Dessen beschuldigt man Singer noch heute.(Zuruf rechts:„Seinen Kollege n".) Meine Herren, es ist S i n g e r gesagt worden. (Zuruf rechts: R o s e n t h a l.)' Das war sein Kompagnon.(Rufe rechts:„Na also I") Wie können Sie das dem Abg. Singer— (Lebhafter Widerspruch und Zurufe rechts.) Sie lelber, Herr v. Liebert, sollen Singer genannt haben.(Zwischenrufe rechts.) Herr v. Liebert, wenn Ihr Bruder ein Schuft wäre und jemand Sie dafür verantwortlich machen wollte, was würden Sie dem Kerl wohl sagen? Sie würden ihn init den stärksten Worten zurechtweisen. Gewiß mit Recht. Hier handelt eS sich nicht einmal um einen Bruder, hier handelt es sich um einen ftemden Menschen. Wie kann man Singer dafür verantlv ortlich machen, was dieser sein Kyinpagnon, dieser rohe, gemeine Mensch einem Mädchen gegen- über gesagt hat? Und doch wird gegen Singer die Anklage er- hoben und nicht gegen R o s e n t h a l. Wer ist Rosenthal?(Heiter- keit.) Wenn gesagt würde, das hat Herr Rosenthal getan, dann würden die Leute antworten:„Was geht uns Rosenthal an?"— Der Mann hat natürlich niemals mit der Sozialdemokratie etwas zu tun gehabt und ist meines Wissens ein ausgesprochener Gegner der Sozialdemokratie. . Als Wahlagent des Herrn v. Liebert war em Herr Komoll tätig. Diesen Komoll hat mein Genosse Schöpflin in zwei öffentlichen Bersammlnnge» unter dem Vorsitze des Amtsrichters Colditz einen gemeinen Lügner genannt und ihn aufgefordert, ihn zu verklagen. Bis jetzt ist das nicht geschehen, er hat aber auch die inlamen Beschuldigungen, die er gegen uns und die Partei richtete. nicht zurückgenommen. So ist gegen uns gekämpft worden, und das zum Teil von Männern, die stolz auf ihre soziale Stellung oder auf ihren Adel sind und die da wähnen, ein besonders feines Ehr- gefühl zu besitzen.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Dafür haben wir an Herrn v. Dirksen hier im Hause erst jünst ein Bei- spiel gehabt: Herr v. Dirksen hat uns zunächst direkt beschuldigt, daß wir unsere Beamten nicht einmal von unserem eigenen Gelde, sondern von dem Gelde be- zahlen, das wir von den Arbeitern erpressen. Bei diesen Worten bricht in unseren Reihen der Sturm los, aber der Präsident erklärt, daß nach seiner Meinung der Redner nicht die Sozialdemokratie im Hause gemeint habe. Und nun erklärt Herr v. Dirksen:„Selbstverständlich habe ich mich an kein Mitglied der sozialdemokratischen Partei im Hause ge- wandt, sondern ich habe gesagt: Bekanntlich werden die Gelder, die die Sozialdemokratie für ihre Zwecke braucht, zum Teil von den Arbeitern erpreßt." Also etwas ganz anderes, als er n a ch dem amtlichen Stenogramm 15 Zeilen vorher gesagt hatte. Jetzt leugnet er die schwere Beschuldigung ab, und als Kaden auf dieses Leugnen ruft:„Schon wieder gelögen!" da wird e r und nicht Herr v. D i r k s e n zur Ordnung gerufen.(Sehr richtig! rechts.) Herr v. Dirksen hat zweifellos meine Fraktion beschimpft, und ich denke, daß ihn der Präsident nachträglich zur Ordnung rufen wird. Herr Dirksen ist ein Mann vom Adel. Aber unter der äußeren Glätte der Haut ist eben sehr oft Roheit, Ge- ineinheit und Brutalität zu finden. Der Oberbürgermeister Beutlcr von Dresden hat nach der Wahl dem jetzigen Vertreter Dresdens telegraphiert und ihm,„dem tapferen und treuen Streiter für des Vaterlandes Ehre, dem Sieger gegen Unverstand und Bosheit, dem verehrren Vertreter unserer Hauptstadt im Reichstag" die herzlichsten Grüße und Glückwünsche gesendet.(Bravo! rechts.) Mit diesem „Bravo!" stellen Sie(nach rechts) sich auf die Stufe dieses Ober- bllrgermeistcrs. Daß dieser Oberbürgermeister, der ans den Steuer- groschen aller Bürger bezahlt wird, nahezu die Hälfte der Wähler Dresdens als Männer von Unverstand und Bosheit be- zeichnet, das ist eine Infamie und Ehrlosigkeit.(Lebhafte Zu- ftimmnng bei den Sozialdemokraten.) Das Blatt des Herrn Stöckcr, „Das Reich", brachte vor einiger Zeit folgende Verse: „Die Rosa fuhr nach Osten aus, Die Lilly nach dem Weste», Die Rosa in den KerkergrauS, Lilly zu frohen Festen. / Die Rosa machte Hungerstreik, So daß sie fast verreckte, Die Lilly tafelnd nnterdcß Beschlvipst sich leicht im Sekte."(Pfui! b. d. Soz.) Das ist ein„frommes" Blatt, das diese Gemeinheit aller- niedrigster Art bringt.(Lachen rechts.) Es charakterisiert gewisse Parteien im Rcickislagc, daß sie bei einer bodenlosen Gemeinheit und einer solchen Lümmelhaftigkeit auch noch lachen.(Gr. Lärm rechts, lebhafte Zustimmung bei den Soz.) In der„Post" erschien der Brief einer deutschen Frau:„Bebel, wenn Sie schon gar kein Schamgefühl und Gewissen mehr haben, trotzdem Sie schon mit einem Fuße im Grabe stehen, so lassen Sie sich gesagt sein:„Es gibt auch unter u n S manche Charlotte Corday, seien Sie auf Ihrer Hut.(Große Heiterkeit.) Die„Post" gibt auch noch einen K o m m e n t a r dazu und meint, solche Stimme» aus der Frauenwelt seien bei meinem Auftreten begreiflich! Hätte ein sozialdemokratisches Blatt etwas ähnliches in bezng auf den Reichskanzler ge- schrieben, sofort wäre der Redakteur im Gefängnis. Ich habe da- mals an die„Post" geschrieben— sie ha: es leider nicht auf- genommen—:„Bekanntlich wurde ja Marat in: Bade erdolcht. Machen Sie doch der Dame bekannt, ich sei bereit mitzuteilen, wann sie mich im Bade treffen könnte."(Langanhalteude stürmische Heiterkeit.) Herr Kreth hat sich darüber entrüstet, daß in einem sozial- demokratischen Blatte gestanden habe,„die Bande sei jetzt aus- einander gejagt". Herr Kreth muß gar nicht bemerkt haben, daß es sich um die Wiedergabe eines Zitats handelte. Als der Reichstag nach Hause geschickt wurde, soll ja kurz vorher ans Bückeburg ein Telegramm eingelaufen sein, in dem es hieß:„Ich werde die Bande auseinander- jagen!" Das war ein ganz anderer Mann, als ein Sozialdemokrat.— Ja. wenn es auf den Ton ankommt, kennen Sie das Wort nicht:„Den Kerls auch noch Diäten?" Oder das andere, geschlendert gegen meine Partei, von den„vaterlandslosen Gesellen" und ähnliche Be- schimpfungen.(Lärm rechts.) Es ist wohl guter Ton, wenn der Reichskanzler von seiner Rhinozerushaut redet, oder wenn er bei einer anderen Gelegenheit sagy er müsse ein großer-Ochse lein? lGrotze Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Und dann daö Schimpflexikon der Edelsten und Besten der Nation auf dem Kasernenhof und Exerzierplatz!(Sehr gut! bei den Sozialdemo- kraten.) Oder auch die Tonart auf den ostclbischen Gutshöfen. Davon kann vielleicht Herr v. Oldenburg etwas erzählen.(Heiterkeit b. d. Soz.) Sie(nach rechts) müßten, was den Ton betrifft, wirklich doch vor Ihrer eigenen Thür kehren.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Sie gelten freilich für die Stützen von Thron und Altar.(Sehr richtig! rechts.) Sie sind die Edelsten und Besten der Nation,(Sehr richtig! rechts, stürmische Heiterkeit bei den Sozial- demokraten.) Sie sind die Feinsten der Feinen, die Gebildetsten der Gebildeten.(Sehr richtig! rechts, stürmische Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Und wenn man in Ihren Kreisen Roheit, Gemeinheit und Niederträchtigkeit antrifft.(Großer Lärm rechts, der die folgenden Worte des Redners verschlingt.) Vizepräsident Kaempf: Ich hatte den Eindruck, �als ob Sie Mit- gliedern in diesem Hause Vorwürfe machen wollten.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Abg. Bebel(fortfahrend): Das Stenogramm wird Sie vom Gegenteil überzeugen.(Große Unruhe, Zwischenrufe des Abg. v. Oldenburg, Rufe bei den Sozialdemokraten: Ruhe! Ruhe!) Wenn Sie nicht ruhig zuhören können, Herr v. Oldenburg, dann gehen Sie doch zur Tür hinaus, ich verzichte gern ausiJhre Anwesenheit.(Lärm rechts.) Was liegt mir daran, wenn ich einen preußischen Junker vom Schlage Oldenburgs als Zuhörer hier habe. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr Liebert hat auf einen Lapsus in meiner Rede vom 12. März gegen Herrn Dernburg hingewiesen. Ich habe mich in der Tat geirrt. Der Irrtum ist dadurch entstanden, daß der Kolonialdirektor die Einfuhr von Baumwolle im Jahre 1893 auf 300 000 Ballen angegeben hat, während ich aus dem statistischen Jahrbuch ersah. daß sie 300 000 Tonnen betrug. Der Hauptfehler liegt also nicht bei mir, sondern bei Herrn Dernburg. Herr Liebert hat in sehr übertriebener Weise unsere Kolonien geschildert, während andere Kolonialfteunde gefragt haben, ob Ostafrika überhaupt die Opfer wert ist, die wir dafür gebracht haben. Herr v. Liebert hat die Wahle»„das Urteil des deutschen Volkes" genannt. Nun, die geächteten Parteien hatten 6 200 000 Wähler, die Blockparteien aber nur 3 250 000 Wähler hinter sich. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Mehrheit des deutschen Volkes stand also aus unserer Sestc.(Sehr richsig I b. d. Soz. Ruf rechts:„Auf die Qualität kommt es an!") Sind Ihre oft- preußischen Tagelöhner und Arbeiter, die ganz und gar zu Heloten in Ihrer Hand werden(Lärm rechts), mehr wert als die deutschen Industriearbeiter?(Rufe rechts: Ja! ja!) Ach. Herr v. Oldenburg, Sie streiten ja das Blaue vom Himmel herunter.(Heiterkeit und Zischen rechts. Glocke des Präfidenten.) Sie kann man bald nicht nrehr ernst nehmen. UnS wird Boykott und Zwang vorgeworfen. Hier schreibt mir ein Zigarrenhändler, daß im letzten September der Flottenverein eine große Lotterie veranstaltet, aber die Bedingung gestellt haben, daß die Zigarrenhändler, die den Ver- kauf übernehmen, Mitglieder des Flottenvereins würden und einen Mindestbeittag von 3 M. bezahlen müßten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten� In Greiz haben unsere Gegner die Geschäftsleute öffentlich aufgefordert, nicht mehr in unserem Blatte zu inserieren, sonst würden sie boykottiert werden. In einen, Ort bei Greiz wird einem zum Gcmeindeältesten gewählten Manne gesagt: Du wirst nicht eher bestätigt, bis Du aus dem sozialdemokratischen Konsum- verein austrittst.(Hört! hört!) Sogar der Verband vom Stotel, Kreuz duldet in seiner Mitte keinen Sozialdemokraten. All' das geht ins ungeheure. Der Boykott wird von allen Seiten betrieben. In der einen Stadt ist der Boykott zwischen Protestanten und Katholiken ausgebrochen, in einer anderen gegen die jüdischen Ge- schäftSlcute. Herr Kreth will uns sogar die Benutzung biblischer Zitate im Wahlkampf verwehren! Ja, die haben wir ja doch in Ihren Schulen gelernt. Wir können aus dem Christentum den ganzen Sozialiomns ableiten. Wenn Christus heute wieder käme, auf Ihrer Seite stände er ganz gewiß nicht.(Lachen rechts.) Herr Kreth hat auch recht naiv von der„Unschuld der Landräte" gesprochen. Welchen Einfluß der Landrat besitzt, das hat Bismarck selber hervorgehoben. Er hat die Natur des preußischen Landrats sehr genau geschildert. Einen Wahlkampf wie den letzten hat Deutschland noch nicht erlebt. Wir geben gerne zu: Auf allen Seiten kommen im Wahl- kämpf Ausschreitungen vor, auch auf unserer. Aber keine Partei hat getan, was wir getan haben: Der Parieivorstand de: sozialdemokra- tischen Partei hat in unserem offiziellen Wahlaufruf die energische Auf- forderung an die Parteigenossen ergehen lassen, unter allen Umständen in diesem Wahlkampfe sachlich zu kämpfen.(Lärm und Lachen rechts.) Ich bleibe dabei, mehr als irgend eine andere Partei hat die Sozial- demokratie in diesem Kampfe sachlich gekämpft. Aber nie ist die systematische Hetze, der Kampf gegen uns durch Lüge, Verleumdungen und persönliche Herabsetzungen schlimmer gettieben worden als jetzt. Dieser Wahlkampf gereicht dem deutschen Volke nicht zur Ehre. Wenn es nach Recht und Gesetz ginge, dann gehörte in erster Linie als Hanptagitator der Wahlmache der Reichskanzler auf die Anklage- bank.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Zimmermann(Ant.) besteigt die Rednertribüne, von den, Abg. Bindewald gefolgt, der ihm einen dicken Folianten auf den Tisch legt.(Große Heiterkeit.): Der Abg. Bebel hat sich gewiß mit Recht darüber beschwert, daß der Staatsanwalt wegen der im RcichStagsgcbäude statt- gefundenen Versammlungen sozialdemokratischer Redakteure die Ver- folgnng eingeleiret hat? wenn das die Einleitung zu der vom Reichs- kanzler versprochenen größeren Versammlungsfreiheit sein soll, müssen wir uns dafür bedanken. Aber im weiteren verwechselt der Abgeordnete Bebel immer wieder die„Freiheit der Arbeiter" mit der Freiheit der Sozialdemokratie. Was den Fall Rosenthal-Singer betrifft, �o ist das Urteil allerdings gegen den K o m p a g n o n des Abg. Singer ergangen: in der Be- gründung des Urteils heißt es aber, daß die Angestellten für die Finna bloß als„Arbeirsmaschinen", aber niemals als Menschen gelten, daß sie soviel als möglich„ausgebeutet" werden und daß daS Verhalten der Firma„mit dein öffentlichen Verhalten ihres Kom- pagnons Singer, der sich zur Sozialdemokratie bekennt, in Widerspruch'stehe".(Hört! hört! rechts.) Es werde in dem Urteil auch darauf hingewiesen. daß Herr Singer das Verhältnis zu seinem Kompagnon auch dann nicht gelöst hat, als er durch die öffenllich erfolgren Angriffe gegen diesen„über seinen Charakter nicht mehr im Zweifel sein konnte". Ich hoffe, dem Abg. Bebel bald eine authentische Abschrift des Urteils auf den Tisch des Hauses niederlegen zu können. Die Wahlbeeinflussung durch die Sozialdemokratie ist viel gefährlicher als die gegen die Sozialdemokratie geübte. Gegen diesen Terror hat sich aber der gesunde Sinn des Volkes in den letzten Wahlen empört.(Bei- fall rechts.) Abg. Warenhorst(Rp,): Es ist ja klar, daß die Sozialdemokratie für ihre Niederlage einen Sündeubock braucht, und daher soll die Regierung nun das Karnickel sein. iHeiterkeit.) Die einzige Wahl- beeinflussung, die nachgewiesen ist, ist die Auflösung des Reichstags. (Große Heiterkeit.) Um diese Auflösung zu mottvieren, mußte die Regierung ihre Wahlparole ausgeben, sonst hätte sie sich vor den, ganzen Volke degradiert.(Bravo! rechts.) Die Sozialdemokratie benutzt jede Gelegenheit, um zu hetzen. Selbst die Besprechung der Interpellation über die Privatangestellten hat Herr Heine dazu benutzt, den Agrariern vorzuwerfen, daß sie sich in Berlin amüsierten. Dabei wohnt ein Viertel aller sozialdemokra« tischen Abgeordneten in Berlin.(Heiterkeit.) Wie können Sie uns da übel nehmen, daß wir auch einmal die Großstadtluft genießen? (Große Heiterkeit.) Für den Terrorismus der Sozialdemokratie will ich Ihnen eine Geschichte erzählen: In Harburg brach ein Streit zwischen den Brauereiarbeilern und den Brauereien aus. Natürlich stellte sich die Sozialdemokratie auf die Seite der Arbeiter,(Sehr richsig! bei den Sozialdemokraten) aber nicht um ihnen zu helfen, sondern weil sie die Arbeiter braucht. (Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten. Sehr richsig! rechts.) Nun wurde der Boykott verhängt, und die Arbeiter mußten im heißen Sommer dursten.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemo- kraten.) Ja, man verbot sogar den Wirten, das Vier zu verzapfen, und schließlich stiegen die Sozialdemokraten mit Kerzenlicht in die Keller, um die Vorräte festzustellen. DaS find die Freiheitspredigcr. (Erneute große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten. Bravo! rechts.) Da empörte sich das Bürgertum, es bildete sich ein Schutzverband gegen die Sozialdemokratie, und wir rechnen es uns dort zur Ehre, daß wir den Reichsverband ans den Windeln gehoben haben.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten. Bravo! rechts.) Der Reichsverband ist aus Notwehr gc- gründet, und er hat viel erreicht, das beweist die Zustimmung. die er gefunden hat von der„Kreuz-Zeiwng" bis zum„Berliner Tageblatt" und zur„Germania".(Widerspruch in, Zentrum.) Warten Sie nur ab, in einen» halben Jahre lobt auch die„Gennania" den Reichsverband.(Heiterkeit.) Daß der Reichsverband auf dem besten Wege ist. beweist die Erregung der Herren Bebel und Fischer. (Lachen bei den Sozialdemokralen.) Bei dieser Wahl hat er es erreicht, daß die Sozialdemokratte halbiert wiedergekommen ist. „Zur Rechten und zur Linken sah man einen Sozialdemokraten heruntersinken."(Heiterkeit. Abg. Wagner(k.): Herr Bebel klagte darüber, daß deutsche Studenten Wahlhülfe geleistet hätten, aber daß ausländische Studenten der Sozialdemokratie Wahlhülfe geleistet haben, erwähnte er nicht. Herr Bebel machte Herrn v. Liebert verantwortlich für alles, was der Reichsverband tut, aber er selb st lehnt die Verantwortung für Aenßerungen seiner FraktionSmitglicder ab, und er hält offenbar Herrn Singer nicht für verantworilich für das, was sein Kompagnon tat, obgleich er sich doch darum hätte kümmern müssen. Herr Bebel hat bestritten, daß seine Acußerung über die„bonnerte, egoistische" Klasse sich auf die Bauern be- zogen habe; er habe die Agrarier gemeint. Demgegenüber stelle ich fest, daß Herr Bebel unmittelbar vor dem zitierten Satze lediglich von„unseren deutschen Bauern" gesprochen hat. Er führte aus, daß in der Frage des ZolltariseS alle deutschen Bauern einig seien und fuhr dann direkt fort:„Es bewahrheitet sich hier wieder einnial, daß es keine borniertere, egoistischere Klasse gibt als unsere Agrarier". Ich muß also hiermit vor dem Reichstag und vor den, Lande feststellen, daß Herr Bebel, inden, er vorhin erklärt hat. daß er mit„Agrariern" nicht die Bauern gemeint hat, in voller Kenntnis' des Sachverhalts eine Unwahrheit gesprochen hat.(Große Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Paasche: Sie haben nicht das Recht, einem Ab- geordneten vorzuwerfen, daß er bewußt die Unwahrheit sagt; ich rufe Sie zur Ordnung.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Wagner(sorsiahrend): Heute hat Herr Bebel wieder ein- mal erklärt, auch die Sozialdemokratie wolle das Wohl des Vaterlandes. Der französische Ministerpräsident Clemeneeau� hat mit Recht gesagt: ehe man daS Recht habe, über die Staatsordnung zu philosophieren, müsse man erst eine gesicherte Existenz haben. Die Sozialdemokratie aber hat stets alle Machtmittel fl!„ das Reich ab- gelehnt. Bei den Sozialdeinokratcn gilt die Umkehr des Wortes: „Recht oder Unrecht, es ist doch mein Vaterland". Bei ihnen hat das Vaterland immer umecht I(Lebhafter Widerspruch bei den rechts.) Abg. Dr. Hermes( frs. Vp.) stellt gegenüber den Angriffen des Abg. Bebel auf sein Verhalten im Wahlkampf fest, daß er sich nur scherzhaft als sogenannter Regierungskandidat" bezeichnet, im übrigen aber erklärt habe, daß er, wenn er auch so genannt werde, doch von seinen Grundsägen nicht abgehen werde. Hierauf wird ein Schlußantrag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Es folgen Sozialdemokraten. Sehr richtig! rechts.) Die Behauptung, daß Abg. v. Crzanowsky: Es war doch selbstverständlich, daß wir„ Die Sünden der Eltern sollen heimgesucht werden bis ins britte Wilhelm I. die Arbeiterversicherung mur aus Angst vor der Sozial- die Besprechung beantragen würden.( Lebhafte Zustimmung bei den und vierte Glied", doch glaube ich nicht, daß in der Bibel an solche demokratie inauguriert habe, ist eine schwere Beleidigung dieses großen Polen und Zentrum.) Schifanierungen von Kindern gedacht ist, die deshalb an ihnen Kaisers, der zwei Kriege siegreich durchgeführt hat.( Bravo! rechts.) Jetzt Vizepräsident Paasche: Wenn das Haus der Meinung ist, daß vorgenommen werden, weil die Eltern verdächtig sind, daß sie, sucht die Sozialdemokratie auch die Jugend für sich zu gewinnen, in eine Besprechung der Interpellation eingetreten werden soll, so falls sie Kinder hätten, welche in die Volksschule gingen, diese um in das Heer einzubringen. Gegen eine solche Partei die Wähler muß das Haus darüber entscheiden.( Große Heiterfeit.) zum Schulstreit aufgereizt hätten!( Große Heiterfeit.) In der Tat zusammenzuschließen, war Pflicht der Regierung.( Lebhafter Beifall Die Besprechung wird gegen die Stimmen der Rechten be- ist die Maßregel der preußischen Regierung zweifellos ein schweres schlossen. Vergehen an den Kindern, die von ihr getroffen werden; was aber Abg. Sayda( Pole): 120 Schüler find aus höheren Lehranstalten die Herren sich für eine Wirkung von ihr versprechen, ist mir ausgewiesen worden. Als„ Grund" der Ausweisung wurde angegeben, ganz unbegreiflich; denn daß nunmehr die Eltern dieser Kinder ihre daß die Geschwister der Schüler sich an dem Schulstreit be anderen Kinder zum Nachgeben beim Schulstreit veranlassen werden, teiligt hätten. Bis in die 70er Jahre stand die preußische Schul- wird ja keinesfalls eintreten.( Zustimmung bei den Sozialverwaltung auf dem selbstverständlichen Standpunkt, daß der. Unter demokraten und bei den Polen.) Bielmehr wird die Verbitterung richt in der Volksschule in der Muttersprache erteilt werden der polnischen Bevölkerung außerordentlich gestärkt werden. Und müsse. Dann wurde dieser einzig richtige pädagogische Standpunkt in angesichts all dieser wiederholten polizeilichen Schifanierungen und den polnischen Landesteilen verlassen, doch wurde wenigstens der Drangsalierungen, diefer widerrechtlichen Eingriffe in das FamilienReligionsunterricht polnisch erteilt. Systematisch wurde leben, in die Heranbildung der Jugend ist nichts begreiflicher, als Abg. Singer( Soz.): Der Schluß der Diskussion macht es mir aber von der Regierung, die den Schulunterricht als Mittel der daß die davon betroffenen Bevölkerungsteile nach allen Agitations unmöglich, Herrn Zimmermann so ausführlich, wie ich wünschte, zu Germanisierungspolitik anjah, darauf hingearbeitet, auch diesen Unter- mitteln greifen, um ihre Volksgenossen aufzureizen zum Widerstand antworten. Herr Zimmermann wäre übrigens der letzte, der sich richt deutsch erteilen zu lassen. Die Eltern mußten sehen, wie die Kinder gegen diese Barbarei.( Sehr richtig 1 bei den Sozialdemokraten und auf gerichtliche Urteile berufen könnte. Wenn ich es nicht ver- den Unterricht nicht verstehen konnten, wie sie die Heilslehren der Religion den Polen.) Da ist es mir vollkommen unverständlich, wie der schmähte, diesen Weg zu gehen, könnte ich Ihnen von einem Urteil nicht aufnehmen konnten und an ihrem Seelenheil Schaden litten. Abg. Gygling es für geschmackvoll und angebracht halten kann, eine aus seinem Prozeß gegen die„ Dresdener Wacht" erzählen, an dem Natürlich mußte sich ihrer eine große Erbitterung bemächtigen. Es Bevölkerung, die so drangfaliert wird, die geradezu zwangsweife er recht sehr beteiligt war. Wenn Herr Zimmermann schon handelt sich für sie nicht um eine politische, sondern um eine in eine Agitation gegen diese Boruffifizierungspolitik hineingetrieben ein Urteil gegen mich glaubte zitieren zu müssen, so hätte religiöse Frage. Der Religionsunterricht wird unter diesen wird, hier zu einer sanften Agitation, zum Maßhalten in der er auch aus einem anderen Gerichtsurteil zitieren müssen, wo Umständen geradezu zur Blasphemie.( Sehr richtig! bei den Sozial- Agitation zu ermahnen.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) es heißt: Es ist nicht erwiesen, daß die Löhne in dem betreffenden demokraten.) Die Eltern haben geradezu die Pflicht, sich da Das ist die richtige deutsche Philifteranschauung. persönliche Bemerkungen: Geschäfte schlechter feien als anderswo, es ist nicht erwiesen, daß gegen zu wehren.( Lebhaftes Sehr richtig! im Zentrum und bei die Arbeiter dort irgendwie ausgebeutet wären, es ist nicht erwiesen, den Polen.) Ungemeine Strafen sind gegen die Eltern( Bustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn ein Teil des Bolles daß ich mich in irgend einer Weise im Widerspruch zu meinen verhängt worden; fie fruchten aber nichts, weil es sich in unerhörter Weise widerrechtlich durch die Regierung drangsaliert fonstigen Ueberzeugungen verhalten hätte. Weiter stelle ich fest, daß um eine im tiefsten ethische Bewegung handelt. und schitaniert wird, dieser Bevölkerung, die sich mit den gering der betreffende Redakteur damals wegen Beleidigung in allen Jn( Sehr wahr! bei den Polen und im Zentrum.) Jetzt ist die fügigen Mitteln wehrt, die ihr bei uns überhaupt zu Gebote stehen, stanzen zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt worden ist.( Hört! hört! preußische Regierung auf ein ganz neues Mittel verfallen: sie die zu bekämpfen mit Ermahnungen: fie folle nur mäßiger bei den Sozialdemokraten.) Die von Herrn Zimmermann verweist Schüler von höheren Schulen, deren Geschwister in fein, wenn fie fich das Wohlwollen der Liberalen erhalten zitierte Stelle des Urteils, daß ich nicht aus dem Ge- Gemeindeschulen im Religionsunterricht nicht deutsch ants wolle, das ist kennzeichnend für unsere Liberalen.( Lebhafte schäft ausgetreten sei, troydem das Verhalten meines Kompagnons worten! Bisher ist derartiges wohl noch nie in einem Kulturstaat Bustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn diese Ermahnungen öffentlich kritisiert wurde, erklärt sich aus den Umstande, daß das vorgekommen.( Sehr richtig! b. d. Soz., im Zentr. u. b. d. Polen.) auch noch zu der Drohung verschärft werden sollten. Sie würden Urteil damals in einem mir parteipolitisch durchaus ungünstigen Wir haben Fälle, wo Kinder von Zuchthäuslern die höheren Schulen den Polen Ihr Wohlwollen entziehen, falls sie nicht maßvoller Sinne zusammengestellt wurde.( Lachen rechts.) Tatsache ist, daß besuchen. Man hätte dann wohl auch das Recht, alle Kinder von Sozial- werden, so wird das, glaube ich, bei den Polen wenig Eindruck ich am Ende des Jahres- früher war es eben unmöglich demokraten von höheren Schulen zu verweisen?( Abgeordneter machen, denn von diesem Wohlwollen haben sie bisher noch aus der Ferma ausgetreten bin; das beweist am besten den Wert Bebel[ Soz]: Das Erziehungsrecht hat man ihnen ge- nichts gespürt.( Zustimmung bei den Polen.) Wir stehen dieser Stelle des Urteils. Ich behalte mir vor, später eingehender nommen!) Den Polen hat man es in vielen Fällen genommen. Der Maßregel nicht deshalb prinzipiell feindlich gegenüber, weil auf diese Angelegenheit zurückzukommen. Wenn Herr Zimmermann Nach diesen Grundsätzen hätte man zur Zeit des Kulturkampfes fie die religiöse Erziehung beeinträchtigt, sondern aus all. auf diese 20 Jahre zurückliegende Sache wieder zurückommen die von Mitgliedern des Zentrums bon den gemein fulturellen Gründen. Wir halten es für ein mußte, so beweist das am besten, daß es den Antisemiten trotz höheren Schulen verweisen fönnen! Die Freijinnigen find fulturelles pädagogisches Gebot, daß Kindern die Bildung, die ihnen all' ihrer Bemühungen nicht gelungen ist, irgend etwas heute eine Stütze der Regierung; aber sehr leicht kann die Zeit übermittelt wird, überall in der Muttersprache übermittelt herauszufinden, um meine Parteigenoffen gegen mich einzunehmen. fommen, wo sie wieder Reichsfeinde genannt werden.( Sehr wird. Wer das nicht tut, versündigt sich an der Kultur.( Bu Zu dem Verhalten der Antisemiten außerhalb dieses Hauses mir richtig! im Zentrum, bei den Bolen und Sozialdemokraten.) Dann ftimmung bei den Sozialdemokraten und Polen.) Daß es in gegenüber. fann ich nur sagen:" Von der Dummheit gehaßt zu fann auch ihren Kindern das gleiche passieren. Die Maßregel diesem Hause überhaupt Barteien gibt, noch dazu solche, die sich werden, ist ehrenvoll, von der Gemeinheit gehaßt zu werden, ist be- steht im Widerspruch mit den Grundsäßen des Staatsrechts und der staatserhaltende" und" patriotische" nennen, welche mit einem Vorneidenswert."( Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Gerechtigkeit, sie spricht aller Kultur Hohn.( Lebhafter Beifall bei wurf auf die Polen blicken, weil sie sich gegen ihre EntnationaliAbg. v. Liebert( Rp.): Ich sehe mich außer stande, in einer den Sozialdemokraten, Polen und im Zentrum.) Sie muß als eine fierung wehren, wundert mich im höchsten Maße. Eine solche Verpersönlichen Bemerkung die von Herrn Bebel gegen mich als Vor- barbarische Maßregel bezeichnet werden. höhnung einer Bevölkerung, die sich gegen die Vernichtung ihrer jizenden des Reichsverbandes erhobenen zahllosen Beleidigungen zu Präsident Graf Stolberg: Herr Abgeordneter, Sie dürfen eine Muttersprache wehrt, beweist, daß bei Ihnen( nach rechts) ein Verwiderlegen.( Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Maßregel der preußischen Regierung nicht als„ barbarisch" bezeichnen. ftändnis für nationalen Sinn nicht vorhanden ist.( Lebhaftes Sehr ( Unruhe und Heiterkeit.) Der Ausdruck barbarisch ist parlamentarisch richtig! bei den Sozialdemokraten und den Bolen, Unruhe rechts.) Sie unzulässig.( Erneute Heiterkeit.) betrachten die Sache nur vom polizeilichen Standpunkt. Sie meinen, weil die Mehrheit der Bevölkerung Deutsche sind, daß deshalb die Regierung das Recht hat, alle anderssprachigen Bebölferungsteile zu entnationalisieren; denn darauf geht ja Ihre Polenpolitik hinaus, dazu wird die Schule benugt, dazu sollte auch die Ostmarkenzulage dienen, um im Dienste diefer Politit die Postbeamten zu forrumpieren. Der Reichstag hat dies noch verhindert; die Korrumpierung erstreckt sich bisher nur auf die preußischen Be amten. Vizepräsident Paasche: Beleidigungen fönnen nicht ausgesprochen worden sein, sonst würden fie vom Präsidium gerügt worden sein.( Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Liebert( fortfahrend): Also die Beschuldigungen ich behalte mir ein Eingehen darauf vor. Möge Herr Bebel nur mit seinen Angriffen auf den Reichsverband fortfahren, wir werden ihm zu antworten wissen. Abg. Bebel( Soz.): Ich werde allerdings die Angriffe gegen den Reichsverband zur Berleumdung der Sozialdemokratie so oft wiederholen,( Glocke des Präsidenten.) Abg. Sayda( Pole): Die Angelegenheit ist feine preußische, wenn Reichsangehörigen verwehrt wird, sich die Bildung zu erwerben, die auf höheren Schulen erworben werden kann. Die Maßregel ist rechtswidrig, kulturwidrig, dem Ansehen des Reiches schädlich, und deshalb sollte der Reichskanzler den durch fie herbeigeführten Zuständen ein Ende bereiten.( Bravo! bei den Polen.) Abg. v. Normann( f.): Wir lehnen es ab, uns an der Besprechung der Interpellation zu beteiligen; ihre Einbringung halten wir für eine Schmälerung des Ansehens der preußischen Regierung, die wir mit Entschiedenheit zurüdweisen.( Bravo! rechts.) " Ueberall in andern Ländern, in welchen deutschsprachige Minderheiten sind, führen diese gleichfalls eiuen Kampf um die Erhaltung ihrer Muttersprache. In Ungarn z. B. ist das der Fall, und gerade in der nationalliberalen Preffe werden die Schifanierungen der ungarischen Regierung gegenüber den Deutschen auf das entschiedenste verurteilt. Und hier jubeln Sie denselben Maßnahmen der preußischen Regierung zu!( Zustimmung bei den Sozialdemokraten und Polen.) Wir Sozialdemokraten, die man nach einem hochstehenden Vorbilde Bizepräsident Paasche: Ich möchte bemerken, daß, wenn Herr Liebert sich gegen Beleidigungen verwahrt, dieser immer wiederholte Ausdrud„ Reichsverband zur Verleumdung" der Sozial- Abg. Fritzen( 3.): Wir verlangen die Erteilung des Religionsdemokratie" auf die Dauer als Beleidigung aufgefaßt werden muß. unterrichts in der Muttersprache. Den Schulstreik haben wir beklagt, ( Große Unruhe bei den Sozialdemokraten.) weil er die Kinder in einen Zwiespalt zwischen der Autorität der Abg. Bebel( fortfahrend): Der Herr Abg. Wagner ist noch ein- Eltern und Lehrer bringt. Aus ihm ist die jetzt in Rede stehende mal auf die Verhandlungen des Münchener Parteitages eingegangen Maßregel entstanden, die ungerecht und inhuman ist. Sie ist auch und hat aus den von ihm zitierten Sägen gefolgert, ich hätte den politisch durchaus unklug: denn ein Teil der betroffenen Kinder wird Ausdrud Agrarier" sozusagen nachträglich hineinkorrigiert. Diese die höhere Bildung auf den Schulen des Auslandes erwerben, als„ baterlandslose Gesellen" verhöhnt, zeigen, daß wir ein viel Interstellung weise ich mit aller Entschiedenheit zurück. Hätte Herr und diese Leute werden mit einem glühenden Haß gegen ihr befferes Verständnis für die wirkliche nationale Ehre haben( Sehr Wagner den auf jene Stelle unmittelbar folgenden Satz auch Vaterland nach Deutschland zurückkehren( Lebhaftes Sehr richtig! richtig! bei den Sozialdemokraten. Lachen rechts.) als Sie, die Sie verlesen, in dem wiederholt von dem Gegensaß der„ Agrarier" zur im Zentrum und bei den Polen) und hier als Führer der den polizeilichen Schifanierungen in Deutschland Tür und Tor städtischen Bevölkerung die Rede ist, so würde sich flar ergeben großpolnischen Bewegung wirken. Wir wünschen deshalb, daß der öffnen und dadurch gleichzeitig unsere Vollsgennssen in anderen haben, daß der Ausbrud Agrarier" an jener Stelle vollkommen Reichskanzler, der ja auch preußischer Ministerpräsident ist, diese Ländern der polizeilichen Schikane preisgeben.( Beifall bei den Sozialin dem Zusammenhang paßt.( Widerspruch rechts.) Sie will ich Maßregel beseitigt.( Beifall im Zentrum.) demokraten.) Mit welchem Recht wollen Sie da Jhre Stimme erheben ja nicht belehren; ich rede für draußen, wie Sie ja auch.- Abg. Dertel( natl.): Wären die Deutschen nicht so gutmütig, gegen den zwangsweise Entnationalisierung unserer Volksgenossen Den Ausführungen des Herrn Hermes gegenüber bemerke ich, daß so würden sie den Bestrebungen der Polen noch mit viel stärkerem in Rußland, Ungarn? Wagt noch irgend jemand dagegen zu ich mich auf eine offizielle Erklärung des freifinnigen Wahl- Nachdruck entgegentreten( Unruhe bei den Polen), die Regierung müßte sprechen?( Rufe rechts: Jawohl!) Dann zeigen Sie uns, daß es ausschusses berufen habe; ich kann nicht annehmen, daß diese offizielle ja mit dem Dämelsac geschlagen sein( Unruhe und Heiterkeit), wenn sie Ihnen nicht nur an Gerechtigkeit, sondern auch an Logik fehlt. Erklärung ohne das Einverständnis des Herrn Hermes veröffentlicht angesichts der Ausschreitungen der polnischen Presse nicht einschreiten Wenn Sie für die preußische Regierung das Recht in Anworden ist. würde. Sitte, Moral, Religion wird durch das Treiben dieser Presse spruch nehmen, mit Polizeizwangsmaßnahmen die Fremden Abg. Zimmermann( Ant.): Herr Singer hat an den von mir untergraben durch die Verhezung und das unverschämte Treiben in Deutschland zu entnationalisieren, dann geben Sic festgestellten Tatsachen nicht das geringste erschüttern können.( Lachen der polnischen Bevölkerung.( Lebhafte Unruhe und Unterbrechungen den fremden Völkern das gleiche Recht unseren Volksgenossen gegenbei den Sozialdemokraten.) Wenn Herr Singer von einem Urteil bei den Balen.) über.( Sehr richtig bei den Sozialdemokraten.) Sie( nach rechts) Präsident Graf Stolberg: Ich feße voraus, daß Sie nicht bilden sich ein, daß Sie die Polen zu deutschsprechenden Staatsgegen mich sprach, so mag er damit nur ruhig kommen; denn ich bin in jenem Prozesse freigesprochen worden. Mit dieser Mitglieder dieses Hauses meinen. bürgern machen? Die bisherige Polenpolitik hat das Gegenteil Andeutung hat Herr Singer den Weg persönlicher Verunglimpfung ergeben, und die Polen haben sich in eine prinzipielle Opposition beschritten, den Herr Bebel als nicht richtig bezeichnete.( Bravo! Staatswesen und das Deutsche Reich hineingelebt. Vor 10 Jahren nicht bloß gegen eir; elne Maßnahmen, sondern gegen das ganze preußische Abg. Dr. Hermes( frs. Bp.) erklärt, daß ihm die von dem Abg. Bebel verlesene Erklärung des freisinnigen Wahlausschusses nicht vorgelegen habe. rechis.) Abg. Wagner( f.): Die Erklärung des Herrn Bebel richtete sich inhaltlich nicht gegen meine Person, sondern gegen die Logik und den gefunden Menschenverstand.( Buruf bei den Sozialdemokraten: Das ist allerdings ein Unterschied! Große Heiterkeit.) Damit ist die Besprechung der Interpellation erledigt. Es folgt die Interpellation der Abg. Sayda u. Gen.( Polen) betr. Ausweisung polnischer Schüler von höheren und mittleren Lehranstalten. Die Interpellation lautet: Abg. Dertel( natl.): Die Polen fönnen nicht erwarten, daß man deutschen Handwerker gebracht, und im Grunde befinden sich die ihnen Vertrauen entgegenbringt. Kultur haben den Polen die Polen bei uns sehr wohl.( Widerspruch bei den Polen.) konnte die preußische Regierung noch hoffen, daß, wenn sie die Polen zu Unter lebhafter Unruhe polemisiert der Redner weiter gegen die Staats- und Reichsfeinden fünstlich machte, dies kein Schaden für Polen: Es ist nicht schön, wenn Sie draußen schimpfen und fich Preußen und Deutschland sein würde, weil die Polen in anderen dessen hier noch rühmen. Ländern keinen Rückhalt hatten. Seitdem aber der russische AbPräsident Graf Stolberg: Das Wort schimpfen" ift folutismus auf den Aussterbeetat gesezt ist, und, wenn er auch noch parlamentarisch unzulässig.( Große Heiterkeit.) in den letzten Krämpfen zudt, in absehbarer Zeit zugrunde gehen Abg. v. Derken( Rp.): Wir haben gegen die Besprechung der wird, gewinnt die Sache ein ganz anderes Aussehen, denn Interpellation gestimmt, weil sie eine preußische Angelegenheit das tonftitutionell regierte ruffische russische Reich wird sich be betrifft, und werden uns an der Besprechung auch nicht be- mühen, die russischen Polen auszusöhnen mit ihrem Schicksal, indem teiligen.( Bravo! rechts.) man ihnen die Entfaltung ihrer Nationalität gewährt. Heute steht Abg. Ledebour( Soz.): täme ich nicht eingehen; die Besprechung der Interpellation ist vom und es ist ganz ausgeschlossen, daß in Rußland eine solche BolenAbg. Gyßling( fri. Vp.): Auf die Frage der Zuständigkeit will die große Mehrheit der russischen Duma auf diesem Standpunkt, Reichstag beschlossen. Den Schulstreit verurteilen wir, politit getrieben werden könnte, wie sie in Preußen heute noch geer im wesentlichen auf politischen Motiven beruht. trieben wird, ohne zu einer vollständigen Zerrüttung des russischen Jst dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß im Bundesstaate meil Preußen aus höheren und mittleren Lehranstalten vielfach Schüler Die hier in Frage stehende Maßregel ist ungerecht und fann Staatswesens zu führen. Selbst wenn es noch nicht ohne weiteres lediglich wegen der Stellungnahme ihrer Eltern in der Frage der die Wirkung nicht erzielen, die man sich von ihr verspricht. Sie wird สิน einer polnischen Autonomie in Rußland fominen sollte, Erteilung des Religionsunterrichts ausgewiesen werden, so daß im Gegenteil nur Agitatoren züchten. Ueberhaupt wandelt die fo wird doch unter allen Umständen den russischen Polen ihnen dadurch der Bollgenuß der durch Reichsgefeße gewährleisteten preußische Polenpolitik auf falschen Bahnen, wie ihr Mißerfolg zeigt. eine viel freiere Entfaltung ihrer Rationalität gewährleistet werden staatsbürgerlichen Rechte unmöglich gemacht wird? Was ge- Zustimmung links.) Einen Appell muß ich aber doch an die Polen als den Polen in Preußen. Was wird dann eintreten? Entweder richten: Wir Freifinnigen sind immer für die Wahrung der ver- wird die preußische Regierung wie bisher als gehorsamer Nachäffer denkt der Herr Reichskanzler demgegenüber zu tun?" ( Inzwischen ist Graf Posadowsky mit seinem Geheimrat er- faffungsmäßigen Rechte der Polen eingetreten; erschweren Sie uns hinter der russischen Bolenpolitik hergehen und auch in dieser Bedies nicht durch ein Uebermaß in der Agitation, halten Sie Maß in ziehung dem Beispiel der russischen Regierung folgen, oder sie sieht schienen.) Graf Posadowsky: Der Herr Reichstanzler lehnt die Be- der Agitation.( Bravo! bei den Freifinnigen.) die Gefahr schon vor Augen, wie Herr Dertel, daß sich unter den antwortung der Interpellation ab, da sie sich auf eine rein Polen in Preußen eine Frredenta bildet, die sich bisher nicht hat bilden preußische Angelegenheit bezieht.( Bravo! rechts. Staatsjekretär Graf Poſadowsky verläßt mit dem einen Geheimrat wieder des Interpellanten geantwortet, sondern hat Aufzeichnungen vorDer Vertreter der Nationalliberalen hat hier nicht auf die Rede tönnen. Die preußische Polenpolitik wird es dahin bringen- es würde allen geschichtlichen Erfahrungen Hohn sprechen, wenn es anders den Saal. Große andauernde Heiterkeit.) daß, wenn die russischen Polen zu einer wirklichen Selbgelesen, die er sich gemacht hat, weil er offenbar alle möglichen AusAbg. Korfanty( Bole) meldet sich zur Geschäftsordnung. Bizepräsident Paasche: Ich kann Ihnen das Wort nicht mehr ich ihm daraus feinen Vorwurf; denn in der Geschäftsordnung ist die große Gefahr für die zukünftige Stellung Deutschlands im führungen erwartet hatte.( Lebhaftes Sehr richtig!) Freilich mache ständigkeit kommen, unter den Polen in Preußen eine viel lebhaftere, direkt staatsfeindliche Agitation eintreten wird. Darin liegt geben. Der Gegenstand ist erledigt.( Große Unruhe vom Zentrum ausdrücklich vorgesehen, daß Abgeordnete, welche die deutsche Sprache bis zur Sozialdemokratie, Bravo! rechts.) Ich habe laut und vereuropäischen Staatsganzen. Die Polenpolitik der preußischen nehmlich erklärt: Es meldet sich niemand zum Wort.( Stürmische nicht genügend beherrschen( Schallende Henterkeit), vorlesen dürfen. Wir bekämpfen fie aus Unterbrechungen.) Ich habe absichtlich gewartet, ob eine Aeußerung uns heute beschäftigen, ist ja mur ein weiterer Fortschritt in den feit. Wir verlangen, daß Die Phase des Germanisationsprozesses in Polen, mit der wir Regierung ist unglaublich töricht. fulturellen Gründen und aus Gründen der Gerechtig zur Geschäftsordnung kommen würde.( Erneute stürmische zurufe polizeilichen Schikanen, mit welchen die preußische Regierung die Wir verlangen, daß in jedem Staate jede Bevölke bei den Bolen, dem Zentrum und auf der Linken.) Die Schrift Bolen zur deutschen Sprache zu befehren sucht.( Sehr richtig! beitung das Recht hat, ihre Muttersprache zu pflegen in Schule führer sind Zeuge, daß ich weiter gesagt habe: damit ist die Tages: den Sozialdemokraten.) Dieser neueste ungeheuerliche Eingriff in und Haus nach Belieben, wie es in freien Staaten schon heute mit ordnung erledigt. Wenn Sie das nicht gehört haben, kann ich nicht die Freiheit des Selbstbestimmungsrecht der Polen stellt sich dar als größtem Erfolge für diese Staaten gestattet ist. In der Schweiz dafür.( Andauernde große Unruhe.) haben alle Nationalitäten vollkommene Freiheit, in der Schule ihre Abg. Korfanty( Bole): Sie werden mir alle zugeben, daß bei Muttersprache zu pflegen, und die Folge ist, daß in feinent dem im Hauſe herrschenden Lärm der Herr Präsident nicht zu hören weil sie mit ihren früheren Versuchen der Zwangsgermani- Staate die Anhänglichkeit an das Staatswesen so groß ist wie war.( Lebhafte Zustimmung.) Es ist mir unbegreiflich, wie mir der sierung auf Wege der Schule absolut keinen Er in der Schweiz. Was aber in der Schweiz möglich ist. ist folg hatte. Es Herr Präsident eine solche Antwort geben fonnte. scheint mir, daß fie aus fich der in Deutschland noch viel leichter möglich. Alle Gründe Bizepräsident Paasche: Wegen diefer Aeußerung rufe ich Sie Bibel Rat aber die Bibel dabei geholt, falsch ber- der Gerechtigkeit, der fulturellen Entwickelung und der Staatsraison aur Ordnung.( Andauernde Unruhe.) standen hat.( Heiterteit.) Zwar heißt es im Alten Testament: sprechen dafür, daß endlich mit dieser unglaublich törichten und ver ein Racheakt seitens der preußischen Regierung, dem Nervlichen Polenpolitik der preußischen Regierung gebrochen wird. «sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dr. Paaschc: Ich kann nicht zulassen, daß Sie die preußische Polenpolitik als„unglaublich töricht und verderblich' bezeichnen. sLachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Ledebour(fortfahrend): Es ist heute allerdings schon ein stärkerer Ausdruck gefallen. Wir halten es für notwendig, daß mit diesem System gebrochen wird im Interesse der deutschen Bevölkerung, die in anderen Ländern lebt und die da auch das riecht hat, ihre eigene Sprache zu sprechen. Wir haben etwa 4 Millionen Polen in Deutschland, etwa ISO(WO Dänen und etwa -.SO OOO Franzosen, während in Ungarn und Rußland je 2 Millionen und in den Bereinigten Staaten von Amerika 10 Millionen Deutsche leben, lieberall-finden sich deutsche Ansiedelungen, und überall bemühen sich die Deutschen, ihre Muttersprache zu behalten, und sie werden darin vom Deutschen Schulverein gefördert und unterstützt. Wenn sie diese preußische Polenpolitik— man braucht da keinen wetteren Ausdruck zu gebrauchen,„preußische Polen- volitik' sagt genug(Heiterkeit)— weiter fördern, so schädigen Sie das Deutschtum in der ganzen Welt(Sehr richtig! bei den Sozial- Demokraten) und Sie zeigen dadurch, daß Ihnen der wahre Sinn iür Volksfreiheit vollkommen abgeht.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. CzarlinSki(Pole): Der Abg. Oertel hat seine Ant- warten vorrätig;, denn ein Zusammenhang zwischen dem, was !-r sagte, und unserer Interpellation ist nicht vorhanden. Wenn der Reichskanzler die Rede des Herrn Oertel lesen wird, wird er 'edauern, daß er nicht hier war, er hätte davon etwas lernen önnen. Die Lehrer sprechen nicht polnisch in der Schule, wie soll denn da aber eine Verständigung mit den kleinen Kindern möglich ;cin, die nur polnisch verstehen? Das ist kein Zustand, der einer wahren Kultur entspricht. Wenn man jemand fortwährend sticht, uuß er sich doch wehren. Das ist ein nichtswürdiges Volk, das sich uicht wehrt!(Bravo! bei den Polen.) Abg. Stychel(Pole): Der Zwiespalt zwischen Schule und Haus ist da; er wurde nicht durch uns geschaffen, sondern durch die Maßnahmen der preußischen Regierung. Religionsunterricht st Sache der Kirche, nicht des Staates, der ihn bei uns zu politischen Zwecken mißbraucht.(Sehr richtig! bei den Polen.) Her Schulstreik ist von unserem Standpunkt aus nicht zu bedauern, andern zu bewundern. Trotz aller Leiden hält das polnische liolk an ihm fest. Wenn der Staat seine Kompetenz überschreitet, st man moralisch verpflichtet, ihm Wider st and zu leisten. (Bravo! bei den Polen.) Damit schließt die Besprechung. Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr. Wahl des Präsidenten und der Vizepräsidenten für die Dauer der Session; zweite Beratung des kolonialen Notetats; dritte Beratung des Reichsetatsnotgesetzes; zweite Beratung des Gesetzes über die Bemessung des Kontingentes 'ür landwirtschaftliche Brennereien; Interpellationen der Sozial- Demokraten und des Zentrums über das Grubenunglück bei Klein- Rösseln. Schluß 7 Uhr._ Hbgcordnctcnbauöo Ü7. Sitzung. D i e n s t a g, d e n 19. M ärz 1907, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Dr. v. Studt. Tie zweite Beratung des KultuSetats wird fortgesetzt. Abg. Dr. Porsch(Z.): Die Reden der Freisinnigen Funck und Cassel beweisen, daß die Ausführungen des Reichskanzlers bei der Freisinnigen Volkspartei auf fruchtbaren Boden gefallen sind.(Sehr richtig! im Zentrum.) Nun hat Herr Cassel es jetzt so dargestellt, als ob die Freisinnigen einen Angriff auf unser nationales Smpfinden nicht gemacht hätten. Ich habe hier ein Flugblatt aus dem zweiten Berliner Reichstagswahlkreis, in dem das Zentrum antinational genannt wird.(Hört! hört! im Zentrum.) Unterschrieben ist dieses Flugblatt von den Landtagsabgeordneten Breitling, Berschel, Kopsch und Träger.(Hört! hört! im Zentrum.) Das ist doch eine Aeußerung, für die die Freifinnige Volkspartei die Verantwortung trägt.(Sehr richtig! im Zentrum.) Und da tritt Herr Funck hierher und sagt:„Hier ist eine nationale Frage!" Da kann sich doch Herr Funck über meine Kritik nicht be- klagen.(Sehr richtig! im Zentrum.) Ich stehe demgegenüber auf dem Standpunkt: Was du nicht willst, daß man dir tu', das füg' auch keinem andern zu!(Stürmisches Bravo! im Zentrum.) Ich antworte deshalb nicht im gleichen Tone. Wenn sich aber jemand rfrechen sollte, mir nationale Gesinnung abzusprechen(stürmische» Bravo! im Zentrum), so werde ich ihm die richtige Antwort er- teilen.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Cassel(frs. Vp.): Ich habe die nationale Gesinnung des Abg. Dr. Porsch niemals bezweifelt. Ich wäre der letzte, der einen solchen Vorwurf erheben würde. Zch weise deshalb den Ton des Abg. Dr. Porsch zurück.(Bravo! links.) Mein Freund Funck hat nur darauf hingewiesen, daß Schulfragen wichtige Atigelegenheiten und deshalb Kulturfragen seien. Darin sollte das Zentrum eigent- lich mit uns einer Ansicht sein.(Sehr richtig! bei den Freis.) Wir nehmen aber auch für uns nationale Gesinnung in Anspruch; denn wir sind aus einer Partei hervorgegangen, die als erste eine Einigung Deutschlands unter Preußens Führung auf ihr Panier geschrieben hat.(Lebhafter Beifall links, Gelächter rechts.) Ein Antrag auf Schluß der Besprechung wird angenommen. Das Gehalt des Ministers wird bewilligt. Beim Kapitel „Elementarunterrichtswesea" tadelt Abg. Kreth(k.), daß leistungsschwache Gemeinden, inSbeson- dere Gutsbezirke im Osten, durch Gehaltserhöhungen für Lehrer sehr belastet seien! Ministerialdirektor Schwartzkopff: Wenn Gemeinden proviso- rische Gehaltserhöhungen gewährt haben, müsien sie die Kosten auch allein tragen. Wir haben im vergangenen Jahre vor solchen Prodi- sorischen Gehaltserhöhungen ausdrücklich gewarnt. Abg. Dr. Dahlem(Z.) fordert, daß im nächsten Jahre für Nassau ein katholisches Lehrerinnenseminar in Montabaur errichtet werde. Ein Regierungskommissar erwidert, Verhandlungen darüber schwebten noch. Auf eine Anregung des Abg. v. Bülow-Homburg(natl.) erklärt Ministerialdirektor Schwartzkopff, eine Entscheidung des Ober- Verwaltungsgerichts darüber, ob ,n Nassau die Konfessionsschulen neben den Simultanschulen zulässig seien, sei in den nächsten Tagen zu erwarten. Abg. v. Kardorff(frk.): Bei den letzten ReichstagSwahlen sind mehr als 3 Millionen Stimmen für die Sozialdemokratie abgegeben. Da sollen wir uns doch der Tatsache nicht verschließen, daß sowohl der kirchliche wie der Schulunterricht nicht dazu geführt haben, die jungen Leute mit so festen christlichen und patriotischen Grund- sähen auszurüsten, daß sie gegen Verführungen der Sozialdemo- kratie gefeit gewesen wären. In der evangelischen Kirche ist schon ein lebhaftes Gefühl dafür vorhanden, daß die Kirche hier den An- forderungen nicht genügt hat. Infolgedessen entstand die großartige Gemeinschaftsbewegung, die den Gläubigen das Evangelium näher- dringen will. Wenn es so in der Kirche geht, muß sich auch die Schule bewußt werden, daß sie auch ihre Aufgabe nicht voll erfüllt hat. Das wird anders werden, wenn man die Schule bessert. Dazu wird die Fachschulaufficht beitragen! Ich möchte deshalb das Schul- Wesen so geregelt wissen, wie Frhr. v. Zedlitz es neulich gefordert hat. Ich gestehe ganz offen, daß ich vor 2S Jahren noch ganz ent- gegengesetzter Ansicht war. Ich sah die Forderung aus Einführung der Fachschulaussicht zunächst als eine Ueberhebung des Lehrer- Personals an. Mit der Zeit lernte ich aber erkennen, daß die christ- liche Schulaufsicht zu Mißverständnissen und Trübungen des Ver- hältnisses zwischen Geistlichkeit und Lehrerstand fuhrt. Ich sprach darüber mit einem jetzt verstorbenen Gymnasialdirektor. Der sagte mir:„Was würden Sie sagen, wenn Marineoffiziere einen sechs- Nerantwortlicher Redakteur:«an» Weber, Berlin. Für den wöchentlichen Reiwnterricht nähmen, am dann Kavallerieschwa dronen zu inspizieren?"(Heiterkeit.) Ich lernte dann verstehen, daß die jungen Lehrer sich herabgesetzt fühlten, wenn sie sahen, daß die Geistlichen ihnen nicht über-, sondern unterlegen seien. Wenn irgend eine Frage sich nicht dazu eignet, zum Parteigezänk gemacht zu werden, so ist es diese. Alle Parteien haben ein Interesse daran, daß unsere Jugend patriotisch und christlich erzogen wird, und hoffe, daß wir dazu gelangen werden, hier alle politischen Streitig leiten auszuscheiden.(Beifall.) Vizepräsident Dr. Porsch: Die Frage der Fachschulaufsicht ge> hört nicht zu diesem Punkte der Tagesordnung. Ich habe aber ge> glaubt, im Sinne des Hauses zu handeln, wenn ich den Redner nicht unterbrach.(Beifall.) Ich bitte dr Redner aber, jetzt nicht mehr darauf zurückzukommen. Abg. Faltin(Z.) spricht für Erteilung des Religionsunterrichts in der Muttersprache in den gcmischtsprachlichen Landesteilen. Abg. Kopsch(frs. Vp.): Zunächst ist festzustellen, daß der Lehrer- Mangel nicht ab-, sondern erheblich zugenommen hat.(Sehr richtig! links.) Redner fordert eine genaue Statistik über den Lehrermangel und eine Aenderung der Ausbildung der Lehrer. Man solle die Vorbildung für den Lchrerberuf ähnlich gestalten, wie für den Post-, Bankberuf usw. Redner bespricht sodann noch die Beschaffen- heit der Schulhäuser. Abg. Werner(Antis.) bezeichnet als Kern- und Kardinalpunkt für alle Lehrerfragen die Gleichstellung der Lehrer mit den Sub- alternbeamten erster Klasse. Abg. Wolff-Biebrich(natl.) führt Beschwerde über den katho- lischen geistlichen Schulinspektor in Camberg, der in bezug auf das Gebet in einer naffauischcn Simultanschule Anordnungen im Gegensatz zu den Lehrern getroffen habe. Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff erwidert, daß ein Kom- missar zur Untersuchung der Angelegenheit nach Camberg gc- sandt sei. Abg. Mcttger(natl.) fragt, ob eS richtig sei, daß der Kultus- minister entschieden habe, daß Ibsen, Sudermann und Hauptmann für die Bibliotheken der Lehrerseminare nicht angeschafft werden sollten. Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff: Ueber diesen Gegenstand sind in der Press? ganz falsche Behauptungen gebracht. Für den Unterricht an den Seminaren kommen die drei vom Vorredner genannten Schriftsteller überhaupt nicht in Betracht. Für die Bibliotheken können dagegen Ibsen, Sudermann und Haupt- mann sehr wohl angeschafft werden, wenn Mittel dazu vorhanden sind.(Aha! links.) Die Unterrichtsverwaltung ist aber der Ansicht, daß Schiller, Goethe usw. den Vorrang haben, dann kommen auch Ibsen, Sudermann und Hauptmann noch lange nicht, sondern erst viele andere. Ein Antrag auf Schluß der Besprechung wird angenommen. Eine Reihe Titel werden bewilligt. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Mittwoch 11 Uhr.(EtatSnotgesetz, kleine Bor- lagen. Fortsetzung der heutigen Beratung.) Bergwerkskatastrophen. Ein Gedenktag. Am vorletzten Sonntag war der Jahrestag der Katastrophe von Courrieres. Und die Opfer waren nicht vergessen. Die An- gehörigen zogen hinaus nach den Friedhöfen von Billy-Montigny, Sallaumines und NohelleS und aus dem ganzen Kohlenrevier des Pas de Calais waren die Bergarbeiter herbeigeeilt, um auf den Massengräbern ihrer Kameraden einen Kranz niederzulegen. Und es war nicht bloß eine Erinnerungsfeier, sondern auch und vor allem ein Protest und ein WarnungSruf an die Gesellschaft und eine Mahnung an das Unternehmertum und den Staat, endlich ihrer Pflicht nachzukommen. BaSly, Lamendin und Cadot hielten auf den drei Friedhöfen die Gedächtnisreden und sie machten sich zum Interpret der Forderungen der Bergarbeiter und sie forderten diese auf, im gewerkschaftlichen und politischen Kampfe ihre Rechte zu erkämpfen. In Mericourt strömten nicht weniger denn 40 000 Menschen zusammen, die an der Demonstration teilgenommen hatten. Wird das Warnungszeichen verstanden, wird der Arbeit endlich ihr Recht werden? m Mittlerweile hat Deutschland schon zwei große Schlagwetter- katastrophen gehabt. Vor einem Jahre erklärten unsere Berg. fachmänner und die Regierungsvertreter mit souveräner Sicher- heit: In Deutschland ist ein Courriöres unmöglich! Und heute? In der Werkspresse lobt man die Mustereinrichtungen und macht den Himmel und den Zufall verantwortlich für die Massenver- nichtungen. Gegen diese Praxi» protestieren die Arbeiter. So- lange man deren berechtigte, das größte Maß von Sicherheit garantierende Forderungen nicht bewilligt, müssen alle Versuche. die Schuld auf unverantwortliche Faktoren abzuschieben, als voll- ständig unberechtigt zurückgewiesen werden. »»' Ein Wohlfahrtstrunk. Bei der gestrigen Tafel im königlichen Schloß aus Anlaß der Johanniterfeier brachte der Kaiser einen Trinkspruch auS, aus dem wir folgenden Passus wiedergehen: ..Die letzten Monde haben gezeigt, welche schweren Prüfungen der Menschheit auf allen Gebieten auferlegt worden sino, und welche Hekatomben von Menschenleben verschiedenen Katastrophen zum Opfer gefallen find. Das weist alle Ordensmitglieder darauf hin, daß das erste Gebot für uns alle ist die LiebeS- tätigkeit gegenüber unseren Mitbrüdern; und so werden wir daS Wohl des Herrenmeisters in der Gesinnung trinken, die in dem Schriftwort Ausdruck findet:„So bleibet Glaube, Hoff- nung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größeste unter ihnen". Wir weihen unser Glas dem neuen Herrenmeister mit dem Wunsche, daß es ihm vergönnt sei, eine segensreiche Tätigkeit in der Mitte des Ordens auszuüben." DaS mag ganz gut gemeint sein, die Bergarbeiter sind aber überzeugt, daß ihnen mit einem wirksamen Schutz mehr gedient ist als mit dem kräftigsten Wohlfahrts- und Liebestrunk. War alles in Ordnung? Unser Saarbrücker Korrespondent schreibt: Einer uns zugehenden Schilderung eines auf dem Rossclnxr Unglücksschacht beschäftigten Knappen entnehmen wir folgende haarsträubenden Details, die von amtlicher Seite unbedingt auf. geklärt werden müssen. Die Behauptung, daß auf der Nachtschicht nicht geschossen wird und daß demnach das Schießen die End- Ursache der Explosion nicht gewesen sein könne, ist falsch. Von der Sohle 417, auf der die Katastrophe erfolgte, wird nach der darüber liegenden Sohle 382 ein Ueberhau(Verbindungsschacht) durch. gearbeitet, wobei sowohl auf Tag- wie auf Nacht- ficht geschossen wird. Falsch ist auch die Behauptung. daß an die Belegschaft der Nachtschicht kein Pulver verausgabt wird. Der Steiger, der diese Angabe vor dem Bergmeister gemacht haben soll, hat seihst noch vor kurzer Zeit ln Abwesenheit des Schießmeisters abgeschossen. In sämtlichen Bremsbergen sollen Brüche liegen, die-voll Wetter stehen. Ferner sollen die Galerien in den Brems- Hergen nicht vollständig versackt, sondern nur vorn in der Front mit einem Damm versehen worden sein, so daß sich in dem durch Dämme versteckten„alten Mann"(Hohl- räume) die Wetter ungehindert ansammeln können. Wenn daS richtig ist, so wäre das die schwerste Anklage gegen die Gruben- Verwaltung, da diese Art der Versackung geradezu eine Vor- täuschung rationeller Versackung wäre. Sammelt sich hinter den trügerischen Dämmen Wetter an, so können diese durch, nieder- Anstratenteil verantw.: Ttz. Glocke» Berlin gehende Gesteinsmassen, durch die nicht luftdicht schließenden Dämme in die Strecken getrieben werden und hier beim Schießen explodieren. Ebenso kann im„alten Mann" Feuer entstehen durch den Druck des Gesteins, wobei selbstverständlich die Wetter auch in Explosion geraten und die Dämme mit elementarer Gewalt durch- brechen, Tod und Verderben in den umliegenden Strecken ver- breitend. Mit der so herausgestrichenen Berieselung des Kohlenstaubes, dessen Explosion die verheerendsten Wirkungen im Gefolge hat, soll es sehr prohlematischer Natur gewesen fein. Die BerieselungS- anlage ist wohl intakt, angeblich ist aber nur alle 14 Tage einmal gerieselt worden, und das nur in den Ouerschlägen (Grundstrecken). Unser Gewährsmann versichert, und das wird uns auch von anderer Seite bestätigt, daß in der Zeit, während er auf dem Unglücksschacht arbeitet, schon dreimal Feuer ausgebrochen sei.(Jedenfalls durch Druckwärme. D. B.) Da ist es gar nicht ausgeschlossen, daß auch dieses Mal in irgend einem verborgenen Winkel, hinter den trügerischen Dämmen, ein Brand entstand, der die Wetter zur Explosion brachte, ohne daß an den Arheitsorten etwas davon zu merken war. Die Vcrsackung(Ausfüllung der Hohlräume durch„Berge") soll überhaupt eine sehr mangel- hafte sein, weil der Akkord sehr niedrig be» messen sei und die Arbeiter, um annähernd zu ihrem Lohn zu kommen, eben nur Pfuscharbeit leisten können. Ueber eine Reihe Klagen untergeordneter Natur, die die Katastrophe begreiflich erscheinen lassen, wollen wir hinweggehen, da sie Mängel betreffen, die der kapitalistischen AuS- heutung überall eigentümlich sind. Die Aufsichtsorgane iverden nicht umhin können, über diese Anklagen Aufklärung zu schaffen. Bewahrheitet sich nur der fünfte Teil derselben, so i st die stereotype Phrase„Alles in Ordnung" gerichtet. Denselben Wert scheint die Aufklärung über den verhängnisvollen Scilbruch auf dem fiska- lischen Mathildenschacht zu haben, wenn sich die Mit- teilungen bestätigen, die uns von dort beschäftigten Bergleuten zugehen. Danach hat das gerissene Förderseil schon seit Monaten nicht nur einen, sondern zwei Brüche gehabt, die nach der einen Information schon im Dezember beim Seil- schmieren entdeckt und den Steigern gemeldet worden seien. Vor 14 Tagen sei der Bruch oberhalb des Förderkorbes wiederholt gemeldet worden, trotzdem sei das brüchige Seil immer noch zur Menschenförderung benützt worden. Unter den Berg- leuten behauptet sich auch mit aller Hartnäckigkeit das Gerücht, nach der Katastrophe sei 4 bis 6 Meter oberhalb der Bruchstelle daS Seilende abgehauen worden. Ueber die BeHandlungsweise der Bergleute durch untere Beamte wird sehr geklagt, ebenso über die Reduzierung der Gedinge, was man auf das Konto der Reichstagswahl setzt, die Anlaß zu einem förmlichen Spionagesystcm gegeben habe. Schroffheiten, Drohungen und Beschimpfungen seien an der Tagesordnung, alles Er- scheinungen, die zum saarabischen System passen. Bewahrheitet sich die von vielen Seiten erhobene Behauptung, daß den unteren Beamten die Mangelhaftigkeit des Förderseiles bekannt war dann wird die Forderung der Bergleute nach Aw- beiterkontrolleuren, die mit Exekutivgewalt auszurüsten sind, unbedingt erfüllt werden müssen, wenn man nicht ein Verbrechen an den Bergleuten auf sich laden will. Den Bergleuten nützen alle die Beileidstelegramme hoher und höchster Personen nichts; und die bei solchen Anlässen entfesselte Wohltätigkeit kann in ihnen nur das Gefühl auslösen, daß man ihre An- ehörigen mit Bettelsuppen traktiert, wo sie as Recht haben, eine Sicherung ihres Lebens zu verlangen. Lasse man die Bcrgsklaven mitraten und mit- taten, und das Wort„AlleS in Ordnung" wird zur Wahrheit werden. Letzte Nachrichten. Forbach, 19. März. Nach Mitteilung der Grubendirektion Klein-Nosseln ist nunmehr festgestellt, daß 73 Mann tot und 0 verletzt sind. Drei Mann werden noch vermißt. Klein-Nosseln, 19. März. Gestern nachmittag 3 Uhr wurde die Leiche des verunglückten Steigers Waldschmidt, de» jüngsten von 8 Geschwistern, die sämtlich auf der Grube Klein-Rosseln be- schäftigt waren, beerdigt. Er war der einzige Protestant von allen Verunglückten._ Versammlungen. Ter verein Berliner Hausdiener hielt am Montag in Kellers Saal eine Mitgliederversammlung ab. auf deren Tagesordnung als erster Punkt ein Vortrag des Genossen Ledebour über die Rc- volution von 1348 stand. Nach Eröffnung der Versammlung er- suchte der Vorsitzende Wappler die wenigen anwesenden Frauen. sich an einem besonderen Tisch im Hintergrunde des SaaleS zu begeben. ES sei daS eine Anordnung des übertvachenden Polizei- beamten, der verlangte, daß sich die Frauen in ein„Segment" be- geben, weil der Vortrag, welcher hier gehalten werden soll, ein p o- li tisch er sei. Nachdem sich die Frauen in das„Segment" be- geben hatten, bezeichnete Genosse Ledebour diese polizeiliche Anordnung als ein Zeichen dafür, wie rückständig bei uns in Preußen die politischen Zustände noch sind. Solche polizeiliche Be- vormundung der Staatsbürger herrscht heute. 5>9 Jahre nach der Revolution von 1848, während vor derselben die Bürger im Freien Versammlungen abhielten, ohne daß die Polizei sich darum zu kümmern hatte. Der Redner besprach dann die Ursachen der Hammersteinschen Segmentverfügung, die ja für politische Vereine gelten soll. Nun sei der Verein Berliner Hausdiener kein politischer Verein, nach Auffassung des Polizeibeamten solle er aber für diesen Abend ein politischer geworden sein, weil ein politischer Vortrag gc- halten werden solle. Ledebour sagte, er habe die Absicht gehabt, einen historischen Vortrag zu halten, da aber die Polizei die Auffassung habe, der Vortrag solle ein politischer sein, so werde er nun die Gelegenheit benutzen, um einen politischenVortragzuhaltcn und die Frage behandeln: Welche politischen Lehren hat das Proletariat auS der Märzrevolution zu ziehen.— Pon diesem Gesichtspunkt auS behandelte der Referent denn auch sein Thema unter lebhaftem Beifall der Versammlung.— Hierauf beschäftigte sich die Versammlung mit den Anträgen zum Verbandstag, der zu Pfingsten in Berlin statt- findet. Angenommen wurde ein Antrag, der die Einführung einer besonderen Rubrik im Verbandsorgan befürwortet, die an bevor- zugter Stelle Mitteilungen über Streiks und Aussperrungen bringt. Ferner will der Antrag, daß das Verbandsorgan alle acht Tage er- scheint. Ein anderer Antrag, der gleichfalls angenommen wurde, besagt, sämtliche Mitgliedschaften wählen ihre Ortsbeamte selbst, die Neuwahl erfolgt alljährlich, die Gewählten unterliegen der Be- stätigung des Hauptvorstondes.— Hierauf stimmte die Versamm- lung einer von der erweiterten Ortsvcrwaltung aufgestellten Vor- schlagsliste zur Delegiertenwahl zu. Die Wahl selbst erfolgt am Karfreitag in verschiedenen Lokalen. I« der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins von Franzüsisch-Buchholz(Bezirk Pankow) erstattete Genosse W i eSb erg den Bericht von der Kreis- Gencralver- sammlung. Allseitig wurde die Notwendigkeit einer geplanten intensiveren Agitation gutgeheißen. Ueber die Erhöhung der Bei- träge entspann sich eine lebhafte Debatte. Zweidrittel erklärten sich bei der Abstimmung gegen eine Erhöhung des MonatSbeitrageS. Von einer Maifeier am Orte soll Abstand genommen werden, da man eine lohnende Beteiligung an derselben nicht erwartet. Hingegen wurde heschlossen, am 5. Mai ein Volksfest zu veranstalten. Zum Schluß übte Genosse Pohl noch herbe Kritik an der Tätigkeit der bürgerlichen Gemeindevertreter und ermahnte die Genossen, durch unermüdliche Werbearbeit dafür Sorge tragen zu helfen, daß bei der im nächsten Jahre stattfindenden Gemeindevertrcterwahl unsere Genossen in» Gemeindeparlament gcwählt�werden. Druck u. Verlag: VorwärS Buchdruckerei u. PerlagSanstalt Jgaul Singer 8- Eo.. Berlin SM£ Br. 67. 24. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. itd, 20. Märų 1907. Partei- Angelegenheiten. Dritter Wahlkreis. Am Sonntag, den 31. März( 1. Oftec feiertag), veranstaltet der Wahlverein des 3. Kreises im großen Saale von Buggenhagen eine Matinee. Dieselbe beginnt um 12 Uhr. Der Preis des Billetts ist auf 30 f. festgesetzt. pläße und Turniesen im allgemeinen, verschiedene Einrichtungen für die städtischen höheren Lehranstalten und die höheren Mädchenschulen, Gemeindeschulen( Boltsschulen),- Taubstummenschule, fortbildungsunterrichtswesen, Blindenanstalt nebst Betrieb der Beschäftigungsanstalt,- WahlArmenwesen, Friedrich Wilhelms- Hospital für Männer und gewerbliches Unterrichtswesen, Siechenanstalten in der Fröbelstraße, Friedrich WilhelmsHospital für Frauen Palisadenstraße, Waisenpflege für schulSozialdemokratischer Zentral- Wahlverein für Teltow- Beeskow- pflichtige sowie Fürsorge für eingesegnete Waisen, FürsorgeStorkow- Charlottenburg. Am Sonntag, den 24. März, nachmittags erziehung,- Arbeitshaus in Rummelsburg, Städtisches Obdach, 1 Uhr, findet im Mietschen Lokale zu Zehlendorf, Karl Desinfektionsanstalt II, Hilfsstation für Geschlechtsfranke und ftraße 12, die Generalversammlung des Zentral- Wahl- Nachlaßverwaltung pp., Bart- und Gartenverwaltung, Polizeivereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des Borstandes foften im allgemeinen( Ortspolizei) und Feuerlöschwesen, und der Funktionäre. 2. Neuwahl des Vorstandes und der Funk- Märkisches Provinzialmuseum, Statistisches Amt, Gewerbetionäre. 3. Die Lehren der letzten Reichstagswahl. Referent: gericht und Kaufmannsgericht, Stadtbibliothet, Volksbibliotheken Friz 8ubeil 4. Anträge zur Generalversammlung von Groß- und Lesehallen, Gehälter der Magistratsmitglieder, PersonalBerlin. 5. Sonstige Anträge. 6. Verschiedenes. besoldung, Verwaltung der Bureaudienstgebäude und der außer= halb derfelben belegenen Bureaus, Geschäftsbedürfnisse und Brozeßtoften, Benfionen, Witwenpensionen und Unterstüßungen, -Straßenreinigung und Besprengung, Gemeindefriedhöfe, Standesämter,-Wasserwerke, Markthallenverwaltung, Rassenverwaltung der städtischen Werke, Kanalisationswerte und Rieselfelder,- Viehmarkt, Schlachthof, Fleischbeschau auf dem Schlachthofe, Straßen- und Brückenbau. Jeder örtliche Wahlverein ist berechtigt, drei Delegierte zu entfenden. Die Delegierten müssen mit Mandaten versehen sein. Der Zentralvorstand. Wannfee. Donnerstag, den 21. März, abends 8 Uhr, im " Fürstenhof" Diskutierabend. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Schenkendorf bei Königs- Wusterhausen. Die Mitgliederverfammlung des Wahlvereins findet am Sonnabend, den 23. März, abends 8 Uhr, im Lokale des Gastwirts Paetsch statt. Zahlreiches Erscheinen ist notwendig. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Folgen der Märzenstürme. Mittwoch, ,, Eure Königliche Hoheit und der Orden wollen meines Königlichen Schuhes und meiner Gnade versichert sein," erwiderte der Kaiser. Darauf überreichte er dem Prinzen das Schwert mit den Worten:„ Gebrauchen Sie dieses Schwert zur Beschirmung der wahren christlichen Religion und Handhabung des ritterlichen Ordens, zur Beförderung des Guten und Unterdrückung des Bösen." Nun übergab der Herrenmeister das Schwert dem bisherigen Statthalter, Ordenshauptmann Grafen von Wartensleben, der es erhob und rief: Jch hebe das entblößte Schwert des Ordens empor zum Zeichen, daß der Orden wieder einen Meister hat." Der Kaiser nahm auf dem Throne, der Prinz auf dem Herrenmeisterstuhl Blak, und der Chor sang: Segne, segne, Herr, den Orden. Anschließend an die feierliche Investitur erteilte der neue Herrenmeister einigen vorgeladenen Ehrenrittern den Ritterschlag unter dem Wahlspruch:" Besser Ritter als Knecht." Nach dem die Ritter investiert waren, begrüßte sie der Prinz:" Ich wünsche Euch Glück, Heil und Gottessegen." Soweit der Bericht. Und um der Zeremonie das richtige Relief zu geben, fand abends im Schlosse eine Tafel statt, bei welcher der Kaiser wieder eine Rede hielt, diesmal auf den Orden. Wir fühlen bekanntlich keinen Beruf in uns, über an sich gleichs gültige Vorgänge zu berichten, auch wenn sie sich am Hofe ereignen. halb, um zu zeigen, welche mittelalterlichen Sitten und Gebräuche Wenn wir heute eine Ausnahme von der Regel machen, so nur des noch heute bei uns konserviert werden. Dieser Geist des Mittelalters beschränkt sich leider nicht auf Ordenszeremonien, sondern überträgt sich auch auf andere Gebiete des öffentlichen Lebens und erklärt uns manches. Ueber die Zenfurtätigkeit der Polizei anläßlich der Kranzniederlegung auf den Gräbern der Märzgefallenen im Friedrichshain am 18. März wird noch berichtet, daß 24 Schleifen ganz oder teilweise der Inschriften wegen konfisziert wurden. Wie in den Vorjahren, so waren es auch in diesem Jahre Zitate aus Schiller, Freiligrath, Goethe, die vor der Polizei keine Gnade fanden. Die Am Grabe der Mutter. Allgemeine Aufregung rief ein VorPolizei kann bei uns eben alles: Sie regelt den Berkehr, ins- tommnis während einer Beerdigung auf dem Georgenkirchhof herAus der städtischen Verkehrsdeputation. besondere wenn Streikposten ihn hindern, achtet genau auf die vor. Dort wurde die Frau des Kaufmanns Sch. unter zahlreicher In der gestrigen Sigung der städtischen Verkehrsdeputation Durchführung der Arbeiterschuh- Vorrichtungen, besonders auf Beteiligung beerdigt. Plöblich stürzte sich die 19 jährige Tochter teilte der Oberbürgermeister zunächst mit, daß der durch Beschluß Bauten, wenn ein Unglück geschehen ist, paßt auf, daß keinem Clara der Dahingeschiedenen mit einem lauten Aufschrei über das vom 24. Oftober 1906 einer Stommiffion überwiesene Antrag von Staatsbürger ein Haar gekrümmt wird und neben der Erfüllung Grab hinweg. Schluchzend gestand das junge Mädchen ein, Gift ge= 18 Stadtverordneten auf Schaffung einer Automobil vieler anderer Aufgaben wacht sie hochnotpeinlich, daß keine Zeile nommen zu haben. Ein Arzt vermochte jedoch keine Vergiftungsomnibuslinie durch die Bellevue Allee nach dem in die Offentlichkeit kommt, die irgendwo Anstoß erregen könnte. erscheinungen bei der Sch. festzustellen. Es stellte sich dann heraus, banjaviertel daß das Mädchen tatsächlich bei einem Drogisten in der Franjedidie Staatsbehörden nunmehr einer Durchquerung des Tiergartens Es fehlt nur noch, daß der Polizeiminister auf den kürzlich im straße Arsenit verlangt hatte. Der Drogist hatte jedoch Verdacht mit einer Motoromnibus- Linie nicht mehr so ablehnend gegenüber Abgeordnetenhause von Herrn Schuckmann vorgetragenen Wunsch geschöpft und der Sch. anstatt des Giftes ein Beruhigungspulver ständen wie früher, und daß die Omnibus- Gesellschaft bereit eingeht, daß die Polizei zu bestimmter Zeit die Berliner Bürger gegeben. Natürlich war die Lebensmüde in dem Glauben, sie habe sei, sofort nach erteilter Genehmigung die jetzt betriebene Pferdelinie und Steuerzahler ins Bett bringt. Polizei über alles! Arsenik genommen. in eine Motorlinie umzuwandeln. Uebrigens wird noch berichtet, daß drei Arbeiter sistiert worden Große Aufregung rief Montag abend ein Unglüdsfall am Der Antrag mehrerer Vereine des Nordwestens, seien, die für Arbeiter der Spandauer Militärwertstätten Kränze Savignyplak hervor. In der Nähe des Zoologischen Gartens war zur Sebung der Verkehrsverhältnisse ihres niederlegten. Stadtteils den Straßenbahn- und Omnibusgesellschaften bei dem Droschkentutscher Hermann R., Birkenstraße 52 wohnhaft, das Konzeffionierung neuer Linien freizugeben, ihre Fahrpreise nach der Pferd infolge Scheuens durchgegangen und in wilder Carriere raste Länge der zu durchfahrenden Streden festzuseßen, wurde nach das Tier die Kantstraße entlang. Die auf dem Fahrdamm gehenden Bassanten mußten eiligst auf den schüßenden Bürgersteig flüchten. längerer Debatte dahin entschieden, daß, soweit Motor Omnibus- Ausgerechnet am 18. März ist Berlin und die Umgebung von Am Savignyplaz stieß die Droschte mit einem Steinwagen au linien in Frage tommen, der Wunsch der Betenten durch die erfolgte einem gewaltigen Frühjahrssturm heimgesucht worden. In der sammen und wurde vollständig umgeworfen. Der Kutscher flog Genehmigung des 15 Pfennig- Tarifs bereits erfüllt sei und daß achten Abendstunde setzte das Unwetter mit einem heftigen Ge- in weitem Bogen auf den Straßendamm und zog sich schwere KopfAnträge auf Ronzeffionierung neuer Straßenbahnlinien zurzeit über- witter ein und gegen Mitternacht hatte der Orkan seinen Höhe verlegungen und eine Gehirnerschütterung zu. Auf der Unfallhaupt nicht vorliegen. Durch die zuständigen Dezernenten wurde der Deputation fo- punkt erreicht. Das Sturmwetter hat besonders für die Nachbar station am Zoologischen Garten erhielt N. die ersten Notverbände. dann Mitteilung von der erteilten Zustimmung zum Zarif für orte mannigfache Schäden im Gefolge gehabt. Der Baumbestand Dem Fahrgast war es noch im letzten Augenblid gelungen, aus der die von der Großen Berliner Straßenbahn be hat erheblichen Windbruch erlitten und vorgestern morgen bildeten Droschke herauszuspringen. antragten sechs Automobilomnibuslinien und zum zahlreiche Lauben elende Trümmerhaufen. Das Eis auf den Seen Aus dem Birchow- Krankenhaus entflohen ist ein gemeingefährs Tarif für die Kraftomnibuslinie 10 Kreuzberg ist durch die Gewalt der Stürme jekt geborsten. Auf dem licher Geistestranter. Der 37 jährige Arbeiter Ernst K. war in der Stettiner Bahnhof der Omnibusgesellschaft gemacht. Diese Müggelsee herrschte ein mächtiger Wellengang und meterhoch Anstalt in Buch interniert und wegen einer Blinddarmentzündung Zustimmungen haben zur Grundlage die Bedingung, daß bis zu wurden die losgerissenen Eisschollen emporgeschleudert. Auf dem nach dem Virchow- Krankenhaus übergeführt worden. Von dort ist er brei stilometer für 10 Pf. gefahren werden muß, darüber hinaus Langen See gerieten Montag am späten Nachmittag vier Mit- gestern in einem unbewachten Augenblick entflohen. darf 15 Pf. genommen werden. Eine Schwindlerin machte sich dieser Tage in Moabit gu Am 5. Februar d. J. hatte die Deputation der Großen glieder des Märkischen Rudervereins in die größte Lebensgefahr. Straßenbahn die seit längerem erbetene 3 ustimmung für Durch den Sturm wurde das Boot zwischen das Treibeis geworfen schaffen. Am Sonnabend erschien in dem Hause Perleberger frage 39 2 Treppen bei Frau 2. eine etwa vierzigjährige Frau die Borhagenerstraße unter der Bedingung gegeben, daß sie und tam zum Kentern. Glücklicherweise war der Unfall von einem enannte sich Reinfeld und will in Wilmersdorf wohnen und der Stadtgemeinde Berlin die Mitbenuzung auf der ganzen Strecke benachbarten Restaurant beobachtet worden und es gelang denn langte 50 M., weil der Mann der Frau 2. ihre Tochter ins über 400 Meter hinaus gegen die technischen Abnutzungsgebühren zu auch, die gefährdeten Nuderer in Sicherheit zu bringen. Im unglüd gestürzt habe. Als sie abgewiesen wurde, reduzierte sie ihre gesteht und der Gemeinde Rummelsburg sowie der Gesamtheit der Wege- Innern der Stadt hat der Sturm gleichfalls arg gewütet. Von Forderung auf 10 M. Natürlich wurde der Schwindlerin gesagt, unterhaltungspflichtigen, sowie, falls Rummelsburg das Erwerbsrecht den Dächern wurden die Ziegeln losgerissen und auf die Straße fie folle fommen, wenn der Mann da sei; wer aber nicht kam war nicht ausübt, der Stadtgemeinde Berlin ein Recht auf Erwerb der An- geschleudert. So mancher Schirm wurde durch die plöblichen die Mutter von der angeblich ins Unglüd gestürzten Tochter. Dielagen in Rummelsburg für das Ende des Jahres 1919 zu einem Windstöße vernichtet. In der Göbenstraße wollte ein älterer Herr selbe Person erkundigte sich auch nach der Zahl der Zimmer und angemessenen Breſſe einräumt. Die Geſellſchaft teilt nun mit, feinem davongewehten Hut nacheilen. Er lief dabei blindlings wollte dieselben auch sehen, jedenfalls um bei gelegener Zeit ihr daß fie diese Bedingungen im Prinzip annimmt. Allein Seil auf andere Art zu versuchen. Daß man es hier mit einer für die Berechnung des Uebernahmepreises in 1919 wurden Be- gegen einen Steinwagen und wurde niedergerissen. Erheblich ver- Schwindlerin zu tun hat, die bei unerfahrenen Frauen auf Erstimmungen vorgeschlagen, die der Deputation als Basis für eine letzt mußte der Verunglückte die Unfallstation aufsuchen. pressung ausgeht, ist klar. Es dürfte deshalb eine Warnung am Verständigung ganz ungeeignet erschienen. Die Dezernenten er- Auch gestern wiederholte sich zeitweise das Unwetter, um bald Blaze sein. hielten daher den Auftrag, wegen einer anderweitigen Berechnungs- darauf dem schönsten blauen Himmel und Sonnenschein Platz zu weise mit der Gesellschaft in Verhandlungen zu treten. machen. Wie lange aber? In der gestrigen Situng der Deputation für die Straßenreinigung wurde der Antrag des Arbeiterausschusses um Gewährung von Freibädern vertagt. Zunächst kommt in sämtlichen Depots der Abteilungen eine Wasch- und Heizvorrichtung zur Einführung. Lettere soll so eingerichtet werden, daß sie zum Warmhalten von Speisen und Getränken dienen kann. Des weiteren soll bei der Erbauung der beiden Hauptdepots Badegelegenheit vorgesehen werden, womit man dem dringensten Bedürfnis glaubt genügen zu können. Bis zur Feststellung des nächstjährigen Etats soll dann erwogen werden, ob es zweckmäßiger ist, allgemein unter bestimmten Kontrollmaßregeln Freibäder zu gewähren, oder Mittel für an die Arbeiter zu verabreichende Bäder im Etat zu fordern. Beschlossen wurde die Anschaffung eines Autos zu Transportziveden, das auch gleichzeitig den Fahrten für den Aufsichtsdienst dienen soll. Einen Antrag der Allg. Omnibus- Aktien- Gesellschaft um leihweise Ueberlassung von Schneepflügen konnte schon um deswillen nicht zugestimmt werden, da zurzeit nur 8 derartiger Pflüge vorhanden sind. Zum probeweisen Versuch des Einsammelns und Fortschaffens der Papierreste, die mit dem Straßenmüll nicht vermengt werden dürfen, follen 2 cigens dafür konstruierte Karren beschafft werden. Die Beschaffung der Bekleidungsstücke für das Personal wurde der Firma Czempin als billigstem Submittenten übertragen. Die Kosten der Gesamtlieferung betragen 36 255 M. An der Lieferung der Piassavawalzen für die Kehrmaschinen usw. werden die drei Firmen Engler u. Sohn, Gustav Löffler und Kühn, Inhaber Littmann beteiligt. Für die außergewöhnliche außerhalb ihrer laufenden Dienstgeschäfte liegen.de Arbeit während der Schneeperioden, wurde den Aufsehern eine Entschädigung von je 50 m. bewilligt. -WO Zwei Sigzagen hält in dieser Woche die Stadtverordnetenberfammlung ab, ine am Mittwoch und die zweite am Donnerstag. Während die Donnerstagssigung in erster Linie die Fortsetzung der Debatte über die Wertzuwachssteuer und die Entscheidung über das Schicksal derselben bringen wird, hat sich die Mittwochsfizung mit der Beratung der Spezialetats zu befassen. Es steht auf der Tagesordnung die Berichterstattung des Etatsausschusses über die nach stehend bezeichneten Etats für das Etatsjahr 1907 und zwar: Grundstüde in der Stadt, ländliche Grundstüde außerhalb der Stadt und Kaltsteinbruch zu Rüdersdorf. Berechtigungen, Krantenhaus im Friedrichshain, im Friedrichshain, Krankenhaus Moabit, Krankenhaus am Urban, Krankenhaus Gitschinerstraße, Kaiser und Kaiserin Friedrich- Kinderkrankenhaus, Rudolf Virchow- Krankenhaus, Jrren- und Jdiotenanstalt Dalldorf, Jrrenanstalt Herzberge in Lichtenberg, Jrrenanstalt Buch, Anstalt für Epileptische Wuhlgarten bei Biesdorf, Badeanstalten, Desinfektionsanstalten in der Reichenbergerstraße, Heimstätten für Genesende und verschiedene Einrichtungen für die öffentliche Gesundheitspflege, Gymnasien, RealZentrale Buch, gymnafien und Oberrealschulen,-Realschulen,-höhere MädchenSchulen, Turnhallen der städtischen höheren Zehranstalten, SpielErschlagen. Ein bedauerlicher Unglücksfall hat sich in einer hiefigen Fabrit zugetragen. Der Tischler Heinrich Wide, Swinemünderstraße 19 wohnhaft, wurde gestern vormittag in der Riftenfabrit von Zoch. Anflamerstr. 82, durch einen umfallenden Stapel hundert noch im Schwange find, beweist ein Bericht der bürgerlichen Furnierhölzer erschlagen. Welche mittelalterlichen Sitten und Gebräuche im 20. JahrBresse über eine stattgefundene Ordenszeremonie am Hofe. Prinz Gitel Friedrich ist nämlich in der Schloßkapelle zum Ritter des Ruhig, oder ich schieße!" Einen gefährlichen Zusammenstoß Johanniter- Ordens geschlagen und darauf zum Herrenmeister er- hatte in der vergangenen Nacht der 55 Jahre alte Schankwirt flärt worden und da geziemt es sich, daß die jest mehr denn je Julius Hanke, der in der Bahnhofstraße am Anhalter Bahnhof zuvor in Byzantinismus machende bürgerliche Bresse in der ein- wohnt, mit einem Einbrecher. Sante wachte um 3 1hr nachts auf gehendsten Weise berichtet. In einem solchen Berichte heißt es: und sah einen Mann vor sich stehen. Der Fremde schrie: Nuhig, Prinz Eitel Friedrich, geleitet von dem Ordensstatthalter oder ich schieße!" Jm selben Augenblic trachte schon ein Schuß. und dem Ordenstanzler, trat vor den Thron, worauf der Kaiser und eine Kugel traf Hanke in die Brust. Der Schüße trug eine die Frage an ihn richtete:" Was ist Euerer Königlichen Hoheit graue Joppe mit grünen Aufschlägen. Der Knall rief die Gäste. des Begehr?" Fremdenlogis herbei, die Hante nach dem Krankenhause am Urban Der Prinz erwiderte:" Ich begehre, in den ritterlichen brachten. Der Täter war unterdessen entflohen. Geraubt hatte der Orden St. Johannis vom Spital zu Jerufalem als Rechtsritter Fremde eine filberne Remontoiruhr mit Doppellapfel und Gold, auf- und angenommen zu werden. rändern. Sie trägt auf dem Zifferblatt das Wort L'Orgé. " „ Die Auf- und Annahme sei Euerer Königlichen Hoheit ge= währt, wenn Sie den Ordnungen unserer Gemeinschaft nach kommen und sich verhalten wollen, wie es einem chrliebenden Ritterbruder geziemt." Ein Frühlingsbote wurde uns gestern in Gestalt eines Schmetterlings burch Kinder eines Parteigenoffen auf unsere Re. dattion geschickt. Der Genosse, der uns mit diesem RedaktionsNach Verlesung des Ordensgelübdes durch den Kanzler reichte schmetterling beehrte, hatte sich seiner erbarmt und ihm vom Hofe, der Prinz zunächst dem Kaiser, dann den Kommendatoren die er sich niedergelassen, in seine warme Stube genommen, wo Hand. Wieder ertönten Fanfaren. Der Kaiser trat auf die er sich bis jetzt gut amüsiert hat. Wir haben den Boreiligen den Kindern wieder mitgegeben, weil er bei ihnen jedenfalls beffer aufs rechte Seite des Altars, der Ordensstatthalter, dem der stellver- gehoben ist als bei uns; im Papierforbe würde er bald wieder fein tretende Ordenshauptmann das Ordensschwert übergeben hatte, eben lassen müssen. Ein großes Naturwunder ist dieser- fogar überreichte es dem Kaiser." Sei Ritter und gerecht." Mit drei Frühlingsbote aber nicht, denn wir haben in letter Schlägen ist die Aufnahme vollendet, und die Pagen, die die Zeit verschiedene warme Tage gehabt, von denen die beiden letzten ritterlichen Infignien getragen haben, traten vor, und der Kaiser Sonntage sehr einladend in Freie hinauszogen. nahm aus den Händen des Ordensstatthalters das Ritterkreuz. Der Statthalter und zwei Kommendatoren bekleideten den Brinzen mit dem Mantel, dann empfing er das Kreuz von seinem Vater. rötliche Feuerwehrbericht. Gestern früh um 9 Uhr kam ein gefährlicher Brand in den Elettrizitätswerten von Bergmann( Attiengesellschaft) in der Oudenarderstr. 23/32 zum Ausbruch. Bei der Wach auf, du Geist der ersten Zeugen," sang die Gemeinde. Ankunft des 16. Zuges brannten dort im Kühlraum des FabrikDie Einführung und Investitur als Herrenmeister begann gebäudes Strohverpadungen von Rohrleitungen. Es gelang den nunmehr mit der Verlesung des Wahlprotokolls durch den Ordens- Brand mit drei Schlauchleitungen auf den Kühlraum zu be sekretär. Darauf wendete sich dieser an den Prinzen mit den schränken. Ferner hatte die Wehr in der Bülowstraße 24 zu tun, Worten: Sie werden sich gefallen lassen, das Gelöbnis zu wo der Boden und Arbeitsraum eines Schirmgeschäftes brannte. leisten, daß Sie als fünftiges Haupt des Ordens die Pflichten Unter der Stadtbahnüberführung an der Ecke der Dircksen- und Ihres Amtes, wie sie bereits festgestellt sind oder noch festgestellt Schidlerstraße brannte infolge eines Bruchs das elektrische Straßen. werden möchten, wahrnehmen und sich danach verhalten wollen bahnkabel. In einem Schuppen in der Bernburgerstraße 12 gingen überall." Der Bring antwortete mit lautem Ja. Nun trat der Polstermaterialien u. a. in Flammen auf. Wegen einer GasKaiser von neuem an den Altar, der Prinz licß sich auf das vergiftung wurde die Wehr nach der Kaiser Wilhelmstraße 28 gerechte Knie nieder und hörte das Gelöbnis, das der Ordens- rufen. Mit Erfolg wurde dort ein Sauerstoffapparat von Dr. fangler berlas. Darauf fragte der Kaiser: Wollen Sie dies Bratsch benußt. In der Chausseestraße 41 brannten Kisten, Holz, geloben?"" Ich gelobe es," antwortete Bring Eitel Friedrich. Fenster u. a. und in der Behrenstraße 49 Stroh, Türen usw. Außer dem hatte die Wehr noch in der Brandenburgstraße 18, GroßGörschenstraße 9 und anderen Stellen zu tun. Bauten und Trompeten erschallen. Der Kaiser hängt dem jungen Herrenmeister das Kreuz um, und der Statthalter und zwei Kommendatoren legen ihm den Mantel an und überreichen. ihm den Hut. Die Mustt schweigt, indes das neue Ordensoberhaupt dem Kaiser meldet:" Ich empfehle die Balley Brandenburg des ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerufalem und mich selbst als Herrenmeister Guerer Kaiserlichen und Königlichen Majeftät Schuß und Gnade." Wegen einer Benzinerplosion im Sandfang der städtischen Pump station wurde am Dienstag die Wehr nach der Bellermannstr. 7 gerufen. Die Gefahr konnte bald befeitigt werden. Der Materialschaden ist unbedeutend. In große Gefahr geriet gestern cin dreijähriger Knabe bei einem Brande, der im Erdgeschoß des Quer aebäudes Lothringerstr. 112 angeblich durch Unvorsichtigkeit austam Schöneberg. Vorort- Nachrichten. -O Stadtv. B und Betten, Möbel, Gardinen ufw. ergriff. Die Hausbewohner| warten fönne, enflärte Stabb. Contab( Sog.), seine Freunde| wohnheitsrecht auf diesen Ramen erlangt an haben und Benuste zu bemerkten den Brand und brangen in die Bohmung ein, wo sie den würden folange an ihrer Finanspolitik festhalten, bis biele noch un ihn auch bei Eingaben an Behörden. Er ist deshalb seinerzeit einfleinen Anaben fanden und in Sicherheit brachten. Der Feuerwehr berüdfichtigte Sulturaufgaben erfüllt feien. Der Vorschlag des mal wegen Führung eines ihm nicht zukommenden Namens ange gelang es, die Flammen auf das Erdgeschoß zu beschränken. Ein Rechnungsausschusses wurde angenommen, die übrigen Anträge ab flagt gewesen, das Schöffengericht hatte ihn damals aber freigeStellerbrand beschäftigte die 3. Kompagnie in der Kazbachstr. 34, gelehnt. Beim Etat der Fortbildungsschule beantragen die Sozial sprochen, weil nach seiner Meinung sich die Strafbestimmung im während der 7. Bug einen Kellerbrand in der Friedrichsfelderstr. 34 bemokraten, an den Magistrat das Ersuchen um schleunige Gin-$ 360 Abf. 8 nur auf Familiennamen bezieht. Herr S. betrieb nun zu löschen hatte. Außerdem erfolgte ein Alarm nach der Alfenbrücke führung des Schulawanges au richten. Stadtb. Conrad( Soz.) neuerdings die offizielle Erlangung des Namens Eugen" und burch ein Versehen eines Telegraphisten. sagt, daß die Antragsteller trotz der Erklärungen des Magistrats im richtete eine Eingabe an das Polizeipräsidium, ihm zu gestatten, den Rechnungsausschuß Wert darauf legen, die Meinung der Versamm Namen Ifidor abzulegen und den Namen Eugen zu gebrauchen. Er lung festzulegen. Wir müssen endlich aus den Erwägungen heraus- erhielt den Bescheid, daß ein Grund zu dieser Metamorphose nicht fommen. Durch eine gute Schule geistig vorgeschrittene Arbeiter erkennbar sei. Gleichzeitig wurde er darauf aufmerksam gemacht, sind auch für die Arbeitgeber wertvoll. Der Unterricht muß auf daß nach neuerer Rechtsprechung des Reichsgerichts auch die Begewerbliche Arbeiter und kaufmännische Angestellte beiderlei nukung eines falschen Vornamens einem zuständigen Beamten Geschlechts ausgedehnt werden. Stadtrat Dr. Glüdsmann gegenüber zum Tatbestandsmerkmal des§ 360 Abs. 8 gehöre. Herr In der Schöneberger Stadtverordnetenversammlung wurde der berweist auf die Auslassungen des Magistrats, welcher prinzipiell S. fügte sich dieser Weisung aber nicht, sondern blieb auch in einer städtische Haushaltsplan für das Jahr 1907 am letzten Montag glück auf dem Boden des Fortbildungsschulzwanges stehe und an dessen weiteren Eingabe an die Behörde bei dem Namen Eugen. Er wurde lich unter Dach und Fach gebracht. Kurze Auseinandersetzungen gab Berwirklichung arbeite. Den sozialdemokratischen Antrag bitte er deshalb vom Schöffengericht zu 10 M. Geldstrafe ber meil überflüssig abzulehnen. Stadtb. Seltmann bea es nur noch bei Festlegung des Mietswertes der Dienstwohnungen. streitet der Antragstellern die Priorität in ihrer Anregung, wird fammer verworfen. urteilt. Die hiergegen eingelegte Berufung ist von der StrafAngenommen wurde ein Antrag, in dem verlangt wird, alle woh- aber vom Stadtv. uzky( Soz.) eines besseren belehrt. Der Angeklagte wird nun die Entnungen in Kellergeschossen spätestens bis zum 1. Oftober d. I. 34 Rosenow hält sonderbarenweise den Antrag für verspätet. scheidung des Kammergerichts anrufen. taffteren and bei aufzuführenden Neubauten von Errichtung von Die Mehrheit stimmte die Resolution unserer Genossen nieder. Roheit eines Hauseigentümers. Kellerwohnungen Abstand zu nehmen. Ein Teil der Dienstwohnungen Nach Erledigung einiger weiterer Spezialetats kommt die Vertourde als ganz miserabel bezeichnet, die kein Privatbesizer versammlung zur Beratung der Beamten- und Lehrergehälter und der Eine exemplarische Strafe erhielt der aus. mieten würde. Stadtv. Obst( Soz.) erhob Beschwerde, daß die größeren Arbeiterlöhne. Stadtv. Rahmig rubriziert diese unter die per- eigentümer Willi Werner, welcher sich gestern wegen eines Dienstwohnungen verhältnismäßig niedrig den einzelnen Beamten jönlichen Angelegenheiten im Sinne der Geschäftsordnung und be. Roheitserzesses vor der 5. Straffammer des Landgerichts I zu berin Anrechnung gestellt worden sind, während die kleineren Wohnungen antragt Ausschluß der Oeffentlichkeit.( Burufe links.) Beruhigen antworten hatte. Der Angeklagte ist Eigentümer des Hauses bas Gegenteil aufzuweisen haben. Auf der einen Seite gehe man Sie sich, m. S., ich fürchte die Oeffentlichkeit nicht.( Lachen links.) Köthenerstraße 31. Am 1. Auguſt b. I. zog in dieses Haus ein äußerst verschwenderisch vor, während die Dienstwohnungen der Stadtv.- Vorsteher Sander unterbricht den Rebner und be- Fräulein Wendt ein, die ihre Möbel bei dem Möbelhändler unteren Beamten zu Klagen Veranlaffung gäben. Stadtv. and merkt, daß geschäftsordnungsmäßig die Debatte über den Antrag Hermann Gurit gekauft hatte. Dieser hatte auch den Transport mann trat den Ausführungen des Stadtv. Obst bei. Er gibt zu, Rahmig gleichfalls in die geheime Sihung gehöre. Die Oeffentlich in die neue Wohnung übernommen und führte ihn an jenem Lage daß die Wohnungen der höheren Beamten luguriös eingerichtet und feit ist daher ausgeschlossen. Eine bessere Storreftur fonnte der mit seinen Angestellten aus. Der Angeschuldigte, welcher als sehr äußerst billig berechnet sind. Seiner Meinung nach scheint das aber Mut" des Antragstellers nicht erfahren, als die Hast, mit der man jähzorniger Charakter geschildert wird, glaubte die Wahrnehmung an der falschen Bauart zu liegen. Die Ausführungen des Magistrats- sich hinter die verschloffenen Türen zurüdzog. Die Mehrheit scheint gemacht zu haben, daß die Biehleute beim Transportieren der bertreters trugen dazu bei, die angeführten Klagen als berechtigte dazu aber alle Ursache gehabt zu haben; benn, wie uns mitgeteilt Möbel die Treppenwände beschädigt hatten. Er wendete sich an erscheinen zu lassen. wird, ist es sowohl über den Antrag auf Ausschluß der Oeffentlich Guriß als den Leiter des Transportes und verlangte Schadenersaz. Der Steueretat wurde ohne wesentliche Debatte genehmigt feit als auch in der Debatte über die Gehälter selbst zu überaus Gurih stellte, wie er vor Gericht angab, sofort fest, daß weder abund einstimmig beschlossen, die Hundesteuer von 20 auf stürmischen Auseinandersehungen gekommen. Weder lin der gestoßener Kalt auf den Treppen lag, noch sich solcher an den 30 M. zu erhöhen. Bei dieser Gelegenheit unterbreitete der Freitagsibung noch in ihrer Fortsetzung am Montag tourden trotz Möbeln befand. Da W. sich sehr aufgeregt benahm und wiederholt Etatsausschuß der Versammlung drei Resolutionen folgenden Tagung bis in die späten Abendstunden bie Gehalts- und Lohnfragen auf ihn einzudringen versuchte, willigte G. um des Friedens willen Inhalts: erledigt. Eine noch festzusehende weitere Sibung soll diese zu Ende schließlich ein, den Schaden zu ersehen. Nachdem G. die Trans 1. Den Magiftrat zu ersuchen, für das Etatsjahr 1908 die führen, woran fich in öffentlicher Beratung die Festsetzung des porteure auf die Straße geschickt hatte, ging er die Treppe hinauf. Plötzlich kam der Angeklagte hinter ihm her und versette dem Einführung eines erhöhten Steuerfages für den unbebauten und Steuerplans schließen wird. hoch in den Fünfzigern stehenden Manne mit entsprechende Ermäßigung für den bebauten Boden in Erwägung Ober- Schöneweide. einem stumpfen Gegenstand mehrere wuchtige zu ziehen, Schläge gegen den Kopf. Gurih stürzte blutüberströmt zu Boden. Einer der Schläge mußte wohl eine Verlegung einer Ader zur Folge gehabt haben, denn der ganze Treppenflur war bis hoch an die Wand hinauf mit Blut besprigt. Dieser gewalttätige Ueber Schlag auf den Kopf trat eine Lähmung des rechten Armes ein, durch welche G. fast erwerbsunfähig geworden ist. Das Schöffengericht hielt mit Rücksicht hierauf eine empfindliche Märzgedenken- Märzgedanken, fo lautete das Thema der Strafe für angebracht und erkannte auf 3 Monate Gefänggeftrigen Bersammlung, welche der Arbeiterbildungsausschuß zum nis. Gegen dieses Erkenntnis legte Werner Berufung ein Andenken der Toten des Jahres 48" nach dem Lolal von Röpnid, und erhob vor der Straffammer den Hinweis, er fei von Guriz Bichelsdorferstraße, einberufen hatte. Genosse Stripp- Berlin gab zuerst angegriffen worden. Die erneute Beweisaufnahme erbrachte zunächst ein Bild der 48 er Revolution, alsdann schilderte er in indeffen eine Widerlegung dieser Angabe. Die Berufungs. großen Umrissen die revolutionären Dichter. Rezitationen von straftammer hielt mit Rücksicht auf die von dem Angeklagten Freiligrath, Herweg, Heine, Hoffmann von Fallersleben, Lenau und an den Tag gelegte erhebliche Roheit die vom Schöffengericht ber Glasbrenner bildeten den Schluß seines Vortrags. Genoffe Trompler hängte Strafe von 3 Monaten Gefängnis als durchaus gerechtfertigt machte noch auf den vom Arbeiterbildungsausschuß arrangierten und verwarf die Berufung des B, unter Bestätigung des Kunstabend, welcher am ersten Osterfeiertag im Lolal von Borchardt, ersten Urteils. Seeburgerstr. 26, stattfindet, aufmerksam. 2. eine Vorlage für Einführung der Wertzuwachssteuer für 1908 zu machen, Die Beerdigung des fo plötzlich verstorbenen Genoffen Grüttner findet heute Mittwoch, den 20. März, nachmittags 4 Uhr, von der Reichenhalle des Gemeindefriedhofes statt. Die Genoffen, welche straße 18. Spandau. 8. die Einführung des Buschlags zur Reichsbrausteuer als Gemeindeſteuer in Erwägung zu ziehen. Die Versammlung beschloß, die Debatte über diese brei baran teilnehmen, versammeln sich bei Kaufhold, Wilhelminenhof fall hatte jedoch noch eine andere schwerere Folge. Durch einen Resolutionen bis zur ersten Sigung im April zu vertagen. In dritter Lesung wurde darauf der gesamte Etat ohne Wider fpruch angenommen, abschließend in seiner ordentlichen Verwaltung mit 9 403 000 m. und in seiner außerordentlichen Verwaltung mit 7 229 000 M., insgesamt also mit 16 229 000 m. Um 7 Uhr nahm die öffentliche Sigung ihr Ende, an die fich noch Beratungen in geheimer Sizung schlossen, die bis gegen 10 Uhr dauerten. Rixdorf. Lese- und Diskutierklub Südost". Mittwoch, ben 20. März, abends 8, Uhr, bei Zollsdorf, Görligerftr. 58: Sthung.- Gäfte will Eingegangene Druckfchriften. Die Kränze für die Märzgefallenen, die die Arbeiter der Spandauer Staatswerkstätten und die der Firmen Binnow und tommen. Drenstein u. Koppel gestiftet hatten, wurden diesmal besonders bon der Bensurfchere bedacht. Von den sechs Kränzen fielen drei Schleifen vollständig in die Hände des Bensors, während drei nur zur Hälfte abgeschnitten wurden. Die Ueberbringer des Kranzes von den Lily Braun. Berlag: Berlin- Schöneberg. Preis 10 Pl. Arbeitern der Firma Pinnow wurden, nachdem ihr Kranz der Schleife durch den Zenfor entledigt war, zur Feststellung ihrer Ber fonalien nach der Bolizeiwache geführt. Ferner hatten die Arbeiter Nene Gesellschaft." Heft 25. Herausgeber: Dr. Q. Braun und Briefkaften der Redaktion. Stablverordnetenversammlung( Fortseßung). Zum Etat der städtischen Gasanstalt liegen verschiedene Anträge vor. Stadtv. Geltmann will ben Gaspreis um ½ Pf. herabseßen und die Gasmessermiete aufheben. Eine Resolution der sozialdemokratischen Fraktion ersucht den Magistrat, die allmähliche Beseitigung der Gasmeffermiete vorzubereiten und baldmöglichst eine entsprechende Vorlage zu unterbreiten. Der Rechnungsausschuß wünscht, daß die Gasdeputation erwägt, ob überhaupt die Verbilligung der Meffer miete oder des Gases möglich sei. Der erstere Antrag wird vom Antragsteller mit dem guten Ueberschuß( über 2 Million) der Gasanstalt begründet. Stadtb. Conrad( Soz.): Der Antrag meiner Freunde trifft das Richtige. Gewiß ist es wünschenswert, daß unser Gaspreis dem Berliner entsprechend geregelt wird, doch ist dies vor der Hand deshalb nicht möglich, weil die in Frage kommende Summe der tgl. Waffenfabrit, die Arbeiterinnen und Arbeiter der tgl. Die furiftifche Sprechstunde findet griebrier. 16, Mulgang 4, noch nicht entbehrlich ist. Im Interesse der Gewerbetreibenden Munitionsfabrit, die Arbeiter der fgl. technischen Institute, die eine Treppe( Sandelöftätte Bellealliance, Durchgang auch Lindenste. 101), befürwortet Stadtv. Rahmig den Antrag Seltmann. Er knüpft Arbeiter des tgl. Feuerwerkslaboratoriums und die der Pulverfabrit daran einen Ausfall gegen unsere Gossen, weil sie nur immer neue Ausgaben beantragen, sich aber in die Dedung nicht fümmern. Kränze gespendet. Daß auch diese Arbeiterkategorien der Männer Stadtv. Wuth( S03.): Gegenüber dem letzteren Vorwurf des gedenken, die ihr Leben für die Freiheit geopfert, mag nicht gerade freudige Gefühle bei unseren Behörden auslösen, die Polizeischere Vorredners bemerke ich, daß es doch meine Freunde waren, die tann indes sehr wenig Wandel schaffen. Immer tiefer wird der gegen das Eilzugstempo in der Einkommensteuerermäßigung an fämpften; ferner haben wir schon bei der Generalbebatte Ihnen die Geist der Freiheit in den Laufenden der Staatsarbeiter Wurzel Wertzutachssteuer empfohlen. Doch darüber mehr beim Steuer- fassen. plan; jedenfalls empfehle ich dringend die ausgezeichneten Aus führungen des Berliner Oberbürgermeisters zu eifrigem Studium. Auch die Hausbefizer müssen sich an den Gedanken der WertgutvachsSteuer gewöhnen, denn diese muß und wird kommen. Die Berbilli gung des Gases ist gerade bom weitsichtigen Finanzstandpunkt aus Ginen hartnädigen Rampf um seinen Vornamen in diesem Jahre leider noch nicht möglich. hingegen ist unser Antrag wohl annehmbar. Stadtv.- Borsteher Sander wendet sich führt der Bureauvorsteher Sangberg, der gestern wegen Ueber. Swinembe. 74723 erregt gegen die Sozialdemokraten wegen ihrer Befürwortung der tretung des§ 360 Abs. 8 vor der 1. Straffammer des Landge- Hamburg 753 6 bededt Wertzuwachssteuer. Unsere Genossen sollten nicht glauben, ihre richts II stand. Der in Wilmersdorf wohnende Angeklagte ist von Vorschläge allein feien aller Weisheit Schluß.( heiterteit lints.) ieher in seiner ganzen Familie mit dem Namen„ Eugen" gerufen Die Hausbesiker, Stadtv. Nah mig und Niemet stießen worden und war höchst erstaunt, als er bor mehreren Jahren bei natürlich in dasselbe Horn. Nachdem Stadto. Adam darauf hin- Gelegenheit seiner Verheiratung aus der Geburtsurkunde entnahm, gewiesen hatte, daß der Gaspreis doch in ziemlich turzer Zeit daß ihm der Name Isidor" berliehen worden war. Er glaubte herabgesetzt worden sei, man also mit weiterer Ermäßigung etwas aber durch den jahrelangen Gebrauch des Namens Eugen ein GeFür den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Berantwortung. Theater. Mittwoch, den 19. März. Anfang 7 Uhr. Kgl. Opernhaus. Pique Dame. Kgl. Schauspielhaus. Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Deutsches. Der Revisor. Neues Schauspielhaus. Tarquato Taffo. Lortzing. Zar und Zimmermann. Anfang 8 Uhr. Leffing. Mieze und Maria. Schiller O.( Wallner- Theater.) Jm bunten Rod. Schiller Theater Charlottenburg. Narrenglanz. Schiller N.( Friedrich Wilhelm Metropol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Serrnfeld. Ein verrüdtes Hotel. Wintergarten. Charlotte Biebé. Spezialitäten. Apollo. Die 3 goldenen Jungfrauen. Bernhard Mörbiz. Spezialitäten. Kasino. Nick Carter. Spezialitäten. Walhalla. Die goldene Eva. Spezialitäten. Folies Caprice. 100 000 Gulden. Brater Theater. Der Pfarrer bon Kirchfeld. Palaft. Bom Witwenball. Spezialitäten. Figaro. Seelenretter. Geifterauto. Paris. Passage. Mal was Anderes. Spe. zialitäten. Gerichts- Zeitung. Der Borname vor Gericht. Urania. Schiller- Theater N. Wissenschaftliches Theater. 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Der Familientag. Residenz- Theater. Direktion Richard Alexander. Neues Schauspielhaus eute und folgende Lage 8 Uhr: Mittwoch, den 20. März: Gastspiel Josef Kainz: Bum legtenmal: Haben Sie nichts zu verzollen? Schwant in 3 Aften v. M. Hennequin und Pierre Beber. Robert de Tribelin: Rich. Merander. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Eine Torquato Tasso sochzeitsnacht. Anfang 7, Uhr. Donnerstag: Faust. I. Teil. An Karl Haverland. Spezialitäten. Intimes. Eine bom Ballett. fang 7 Uhr. Zapfenstreich. Bunter Teil. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 18/49. Die Feuergewalten der Erde. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns fabilijches Ib) Der Familientag. Berliner Theater. Zentral. Der Nastelbinder. Westen. Die iuftige Bitwe. Berliner. Der Hund von Baskerville. Komische Oper. Hoffmanns Er zählungen. Kleines. Ein idealer Gatte. Neues. Meigner Borzellan. Residenz. Haben Sie nichts zu verzollen? Lustspielhaus. Husarenfieber. Deutsch Amerikanisches. : Zigeunerbaron. Thalia. Olympische Spiele. Luifen. Der Hüttenbesizer. Trianon. Frl. Josette Frau. Bernhard Rose. Die Jüdin Toledo. Der meine Anfang 8 Uhr. Der Hund von Baskerville. Donnerstag, Freitag: Sherlock Holmes. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Meißner Porzellan. Donnerstag: Meißner Porzellan. von Freitag: Meißner Porzellan. Sonnabend: Meigner Porzellau. Lortzing- Theater. Bellealliancestr. 7/8. Abends 7, 1hr: Zar und Zimmermann. Abonnements gültig! Donnerstag: Die Regimen tstochter. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Anfang 8 Uhr. Der Hüttenbesitzer. Schauspiel in 4 Aufzügen von George Ohnet Morgen: Der Hüttenbesizer. Freitag Benefiz für Herrn Bach u. Käthe Bille Bach:' wissenswurm. Sonnabend 4 Uhr: Mag u. Morig. Kleines Theater. 8 Uhr: Der lange Sterl wochentäglich von 7 bis 9½ Uhr abends flatt. Geöffnet 7 Uhr. Buchftabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein wird nicht erteilt. Gilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. W., Emdenerstraße. Klinger wohnt in Leipzig. Berlin W., Bayreutherstr. 30. Witterungsübersicht vom 19. März 1907, morgens 8 Uds. Stationen Barometer stand mm ind. richtung Windstarte Better 69tegen 753 N 5 bededt Berlin Frantj.a. M. 759 ten München Zenip. n. 6. 5° E.= 4° R. 5 Staffonen Barometer stand mm ci@ tung Bind Bindstärke 23. 3. 25. Bettes Temp. n. 6. Haparanda 7466 4bebedt 2 4 Petersburg 751 GD 3Schnee-3 5 Scilly 767 28 28 5mollig 7 berbeen 748 28528 3 heiter 5 Baris 8 8 2 766 N 2 twollen! 7 4 halb bd. 76029 7 Regen 757 2328 5 Regen Wetter Prognose für Mittwoch, den 20. März 1907. Teilweise heiteres Better bet mäßigen nordwestlichen Binden und ohne erhebliche Niederschläge; nachts fühl, am Tage wieder Erwärmung. Deutsch- Amerikanisches Theater. Etablissement Neue Welt Gesamtgaftspiel Theater des Westens. Heute abend 8 Uhr: Der Zigeunerbaron. Morgen: Das Schützenliesel. Freitag: Die Zauberflöte. Hasenheide 108/114. B Gastspiel Bernhard Rose- Theater. Sonnabend: Der Zigeunerbaron. Die beiden Galeerenfklaven. Sonntag nachm.: Martha. Abends: Der Bettelstudent. DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurterstr. 132. Abends 8 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Boltsstüd mit Gefang m 3 Alten. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Billettvorverkauf im Etablissement. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brummenſtr. 16. Mit großem Erfolg aufgeführt: Novität! Novität! Historisches Trauerspiel in 5 aufzügen Vor dem Staatsanwalt. bon Grillparzer. Morgen: Sherlod Holmes. Billettvorverkauf schon für 8 Tage vorher ohne Vorverkaufsgebühr von 10-1 Uhr an der Theaterkaffe. Palast- Theater. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Heute 8 Uhr: Entree 50 Pf. Sonntag 3 Uhr: Dorf und Stadt. Der sensationelle März- Spielplan. Prater- Theater Abends 8 Uhr zum 178. Male: 8 Uhr: G'wiffenswurm. Ein idealer Gatte. Freitag: Gine triviale Stombbie für Donnerstag: Ein idealer Gatte. feriöse Leute.( Bunbury.) Hierauf: Hille Bobbe. Lustspielhaus. Husarenfieber. Täglich abends 8 Uhr: Kaftanien Alee 7-9. 13 Abends 8 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld. Bollsstück mit Gesang in 5 Utten von Anzengruber. Morgen: Die fechfte Bitte. Baronesse Vallénoire in ihrem Lichtatt. Willi Meybrych Humorist. Modernes Sittenbild in 4 Atten. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Donnerstag zure lektenmal: Ver schwender. Intimes Theater Dresdenerstraße 97. Gastspiel des Budapester Burlesken- Ensembles Linée Wolf. " Eine vom Ballett, " Zapfenstreich." Bunter Teil.. Fröbels Allerlei- Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. roße Spezialitäten- Vorstellung. Tänzlich neuer Spielplan. Vom Witwen- Ball, Lanz Berlin staunt über Schwant. die Stets wechselnden Künstler!!! Familienkarten, wochentags zum Neu! ,, Die wilde Toni". Neu! Eintritt 50 Pf. Frileurs u. Bigarrengejaäften gratis. Nach d. Borst., up 101hr: Gr. Tanzo balben Staffenpreis gültig, in Barbier, Anfang 6 Uhr. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Ballner- Theater). Rittwoch, abends 8 Uhr: Im bunten Rock. Luftspiel in 3 Aufzügen von Franz b. Schönthan u. Freiherrn v. Schlicht. Donnerstag, abends8Uhr: Im bunten Rock. Freitag, abends 8 Uhr: Die Räuber. Schiller- Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Narrenglanz. Ein Spielmannsdrama in 4 atten bon Rudolf Rittner. Donnerstag abends 8 Uhr: Narrenglanz. Freitag, abends 8 Uhr: Der Kaiserjäger. Zu Gunsten der öffentlichen Krankenpflege Groß Berlins ALLGEMEINE GARTENBAU AUSSTELLUNG Ausstellungshalle Zoologischer Garten 14-20.März 1907: MILITÄR- KONZERT 4 bis 8 Uhr Zirkus Schumann Zirkus Busch. Heute Mittwoch, den 20. März: Fortsetzung der großen internationalen Heute Mittwoch, den 20. März: Um 7, Uhr, pünktlich zu Beginn der Bor ROM. stellung: Ringkampf- Konkurrenz Große Drig- Ausst. Bantomime um Goldenen Kranz von Berlin ausgestellt bei Eugen Marcus, Hofjuwelier, Unter den Linden 31 und 110 000 Mark in bar. 36 erstklassige Ringer, wovon 22 wegen erlittener dritter Niederlage ausgeschieden. Heute Entscheidungskampf zwischen Albert Hein, Berlin, und Laffarteffe, Bordeaux. Ferner ringen: E. Rizler, Württemberg, gegen Paul Bahn, Bremen. Apollon, Frankreich, gegen Dmer de Bouillon, Belgien. Borher: Gala- Programm und um 9 Uhr: St. Hubertus Größtes und sehenswertestes Pracht Manegenschauftüd. in 7 Bildern und bas große Gala- Programm. Um 9%, Uhr: Fortsehung der International. Ringkampf: Sonder- Konkurrenz um die Prämien v. 10 000 m. und den großen Goldpokal d. 8tg. Das Deutsche Blatt. Ehrenprotettorat: Professor Reinhold Begas. WING FARTEN 8 Metropol- Theater Charlotte Wiehe Abends 8 Uhr: und das Der Teufel lacht dazu neue Programm. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender. Giampietro. Josephl. Rauchen überall gestattet.. Sonntag, 24. März, nachm. 3 Uhr: Auf in's Metropol. Coollo Theater 97, 5: Die 3 goldenen Jungfrauen 10 Uhr: Bernhard Mörbitz Borher 8 Uhr: All ben Mocca, Freitag, den 22. März cr.: Novität! Der Triumph des Weibes. Operetten- Burleste Mufit b. Jos. Helmesberger u. P.Lincke. Passage- Theater. 2. Monat. Täglich ausverkauft! Der größte Lacherfolg der Saison: Mal was Anderes". Die Theims- Troupe und die 10 glänzenden März- Spezialitäten. Kasino- Theater Lothringerstr. 87. Zäglich 8 Us. Nick Carter. Ariminalroman in 8 Uften v. Oswald. Nid Carter, Detektiv: Hans Berg. Borher neue März Programm. bas Sonntag 4 Uhr: Ledige Leute. Kottbuser Sanssouci, Straße 4a. Direktion Wilhelm Relmer. Sonntag, Montag, Donnerstag: Hoffmanns Norddeutsche Sänger. Sonntag und Montag: Große Elite- Soiree ( Durchiveg neues Progr.) Sonnt. Bg. 5, Wochent. 8 U. Neng heater.95b.: Großer Erfolg! Gebr. Herrnfeldnig. Theater 11-2 Uhr 8 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57. Die stürmisch bejubelte Novität! Ein verrücktes Hotel. Romödie in 3 Atten mit den Autoren A. und D. Herrnfeld in den Hauptrollen. Sonntag nachm. 3½ Uhr bei halben Raffenpreisen: Hausierer Jockele und Ehre Bekanntmachung. Walhalla Bentral- Theater. Trianon- Theater. Trianon- Theater. Gewerbegericht au Berlin. Varieté- Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Heute abend 8 Uhr: 15 hervorrag.Spezialitäten Die goldene Eva. 8 Der Rastelbinder. Donnerstag: Der blaue Klub. Der Oster5 Geschwister Pérez hase, Gymnastiker auf 3 freisteh. Leitern. 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Die Arbeitnehmer nehmen die Arbeit wieder auf am Dienstag, den 12. März 1907. 2. Der Grundlohn beträgt 1,50. pro Schicht, außerdem erhalten die Fahrer von der Bruttoeinnahme einen Anteil von 20 Broz. 3. Ausgeschloffen von diesem Anteil ist die eingetretene Erhöhung der Grundtage von 20 refp. 30 Bf., welche dem Unternehmer verbleibt, so daß von der Grundtage nur 50 Pf. provisionspflichtig sind. 4. Hiergegen ermäßigen die Unter nehmer die von den Fahrern bisher gezahlte Waschgebühr auf 45 Pf. pro Wagen und Schicht. 5. Die sonstigen bisherigen Arbeitsbedingungen bleiben bestehen. 6. Maßregelungen infolge des Streits und der Aussperrungen dürfen nicht stattfinden. b. g. U. gea. v. Schulz. gez. Max Fiedler. Julius Fedkenhauer. Ad. Ritter. A. Werner. Otto Mohns. teppdeden R. Schmidt. Paul Nagel. Aug. Becker. # billigst direkt in der Fabrit 72. Wallstr. 72, Franz Rettig. Paul Kant. Die Genehmigung ist von den erteilt worden. beiderseitigen Generalversammlungen Berlin, den 16. März 1907. 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März 1907, abends 8% Uhr: Allgemeine Klempner- Versammlung im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 4. Tages Drdnung: 1. Unsere Tarif: Bertragsbestimmung am 1. April 1907. Referent: Kollege Cohen. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. NB. Zu dieser Versammlung sind die Kollegen der Firma Schingnitz, Warm& Schüler und Odberger besonders eingeladen. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Donnerstag, den 21. März 1907, abends 6% Uhr: Oeffentliche Metallarbeiter- Verfammlung im Rotal ,, Kaiserhof", Köpenick, Grünstraße 10. Zages Drdnung: 1. Unternehmer: Verbände und Arbeiter: Organisationen. Referent: Robert Ahrens. 2. Distuffion. Kollegen! In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden, für einen guten Besuch der Versammlung zu sorgen. Sonntag, den 24. März 1907, von vormittags 10-2 Uhr findet die Wahl von 39 Delegierten die General- Versammlung für sämtliche Bezirke und Zahlstellen der Maurer, der Sektion der Puter, der Gips- und Zementbranche, fowie der Fliesenleger. Tages- Ordnung: 1. Geschäfts- und Kaffenbericht für das Jahr 1906. 2. Diskussion. 3. Das Ergebnis der im Februar d. J. aufgenommenen Statistik über die Vorwärts"-Abonnenten und Wahlvereinsmitglieder unseres Zweigvereins. 137/10 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! Ohne dasselbe kein Zutritt. Regen Besuch erwartet Der Zweigvereinsvorstand. J. A.: Emil Thons. Verband der Tapezierer. Filiale Berlin. Mittwoch, den 20. März 1907, abends 8 Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29: Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: Bericht über die Verhandlungen mit den Unternehmern 177/14 und unsere weiteren Maßnahmen. Mitgliedsbuch oder Streitkarte legitimiert. Dhne dasselbe kein Zutritt. Die Orts verwaltung. Zentral- Verband der Töpfer Deutschl Filiale Berlin. Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former August Irmler gestorben ist. 115/11 Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. Am Sonntag verschied nach furzer Strankheit unser Wertmeister Bruno Faerch. Wir verlieren in demselben einen treuen Mitarbeiter, deffen Andenken wir stets in Ehren halten werden. 22355 Rosenheim& Kaufmann. Am Sonntag verschied nach furzer Strankheit der Wertmeister Bruno Faerch. Er war uns stets ein lieber Kollege und Borgesezter. 2236b Ehre seinem Andenken! Das kaufmännische und Fabrik- Personal der Firma Rosenheim& Kaufmann. Allgemeine Kranken- und SterbeDonnerstag, den 21. März, abends 6 Uhr, in den Musiker- Festsälen, Raiser Wilhelmstr. 18m: kasse der deutschen Drechsler Mitglieder- Versammlung. Zages Ordnung: 195/15 1. Stellungnahme zu den vom Vorstand und den Bezirken gestellten Anträgen zur 8. Generalversammlung. 2. Verschiedenes. Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert, daß unbedingt jeder Kollege anwesend sein muß. Der Versammlung wegen wird am Donnerstag, den 21. ds. Mts. das Bureau um 6 Uhr gefchloffen. Der Vorstand. 8. General- Verfammlung in München Vereinigung der Maler, Milbrodts Gesellschaftshaus, Müllerstr. 7. Bernhard Rose- Theater, Badstr. 58. Wernaus Festsäle, Schwedterstr. 23. Kranz' Restaurant, Dunckerstr. 8. Litfins Festsäle, Memelerstr. 67. Boekers Festsäle, Weberstr. 17. Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15( Saal 1). Dalgs Restaurant, Skalitzerstr. 51/52. Wiemers Restaurant, Bülowstr. 58. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/49. Volkshaus in Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Thiel in Rixdorf, Bergstr. 152. Fritsch in Steglitz, Florastr. 2a. Böhle in Spandau, Neumeisterstr. 5. Kaufhold in Ober- Schöneweide, Wilhelminenhofstr. 18, Tempel in Rummelsburg, Alt- Boxhagen 56. Schüler in Köpenick, Hohenzollernplatz 6. Schmutz in Weißensee, König- Chaussee 38. Gehlhaar in Tegel, Berlinerstr. 92. Mokulys in Tempelhof, Berlinerstr. 9. Wetthorn in Königs- Wusterhausen. Ohne Mitgliedsbuch kann niemand wählen. Die Stimmliften werden am Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Wahlleiter ist Otto Handke, Charitéftr. 3. 115/10 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Charlottenburg. Donnerstag, den 21. März 1907, abends 8 Uhr, im großen Saale des Volkshauses, Rosinenstr. 3: Außerordentliche Mitgliederversammlung. Zages Drdnung: 1. Die gegenwärtige Situation, die Berhandlungen mit den Unter: nehmern und die Beschlüsse der letten Mitgliederversammlung. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Gewerkschaftliches und Berschiedenes. 83/2 Bu dieser Bersammlung ist es Pflicht, daß fämtl. Mitglieber erscheinen. Die Ortsverwaltung. Lackierer, Anstreicher etc. Melchiorstraße 28. Filiale Berlin. Fernspr. Amt 4. Nr. 4787. Donnerstag, den 21. März 1907, abends 8 Uhr, bei Buggenhagen, Moritplay: Mitglieder- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Neuwahl desselben. 2. Neuwahl eines Haustassierers. 3. Vereinsangelegenheiten. 124/15 Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortsverwaltung. Verein Berliner Buchdrucker Schriftgießer Nordstift Heute Mittwoch, den 20. März, abends 8 Uhr: Vereinsversammlung Tages- Ordnung: Fortsehung der Beratung der Anträge zum Vereinsstatut. Der Vorstand. feinster 40492* Nordhäuser Kautabak liefern an Groffisten, Händler zu den billigsten Preisen Athenstadt& Bachrodt, Tabakfabrik, Nordhausen Filiale: Berlin NO., Georgenkirchplatz 26. Sehr schicke, einfach und elegante Damenkonfektion in größter Auswahl, herrliche Piecen stelle, durch sehr günstige Gelegenheitskäufe im Stande, mit mehr als der Hälfte unter regulärem Preis des kolossalen Andranges wegen 3 weitere Tage zum Serienverkauf direkt an Private und lade alle verehrl. Interessenten, insbesondere aber meine zahlreiche sehr geschäftsständige Kundschaft, höfl. ein, sich von diesem ausnahmsweise preiswerten Angebot die kaum wieder gebotenen Vorteile zu sichern. Orig.- Modelle u. 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Am 17. März ist mein lieber Mann, unser guter Bater, Schwieger- undGroßvater, Bruder, Schwager und Dntel, der Zimmerer Hugo Ebert nach langem, schweren Lelden sanft entschlafent. am Die Beerdigung findet 21. März, nadm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane- Kirchhofes( Nordend) aus statt. 22486 Die trauernde Witwe nebst Kindern. Heute früh 7 Uhr entschlief fanft nach kurzem, schweren Leiden an den Folgen einer Operation meine liebe Frau und gute Mutter Hedwig Christens 22515 geb. Graeber im 43. Lebensjahre. Berlin, 18. März 1907. Fritz Christens. Luise Christens. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. März, nach mittags 3, Uhr, von der Zeichenhalle des Georgen- Kirchhofes, Landsberger Allee, aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau 22376 Berta Schulz geb. Mechler fage ich allen Beteiligten meinen herzlichsten Dant. Fritz Schulz, Steindruder. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, dicht am Moritzplatz 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. I Zahnärztliche Klinik Belleallianceftr. 106 Zahnziehen unentgeltl. Bei tünstlich. Zähnen, spez. Stronen 11. Brüden- Plomben zc. werden nur die Auslagen berechnet. 39262* Geöffnet 9-6, Sonntags 9-12 Uhr. Das Erscheinen aller Kollegen ist unbedingt notwendig. Dbne Mitgliedsbuch kein Eintritt. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Anferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Dr. 67 24. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Aus der Frauenbewegung. Vermischtes. Eine anrüchige" Gerichtsverhandlung. " 500 02. Mittwoch, 20. März 1907. Im Gegensatz dazu führte der Verteidiger des Angeklagten aus, daß hier eine satirische Behandlung eines Stoffes vorliege, der bon einer zwingenden Komik sei. Stopfsteuern seien immer ungerecht, obwohl man im vorliegenden Falle gerade vom Die Gründung einer Dienstbotenorganisation in Leipzig. Am Ein eigenartiger Beleidigungsprozeß beschäftigte die Salztvedeler Gegenteil sprechen fönnte. Wie sehr der Plan einer Sonntagnachmittag hat eine überaus start besuchte Versammlung Straftammer des Landgerichts, vor der sich der Chefredakteur der Selojettsteuer den Humor habe reizen tönnen, gehe aus den von Dienstmädchen nach dem Referat des Arbeitersekretärs Genossen dortigen Tageszeitung Der Altmärker" Paul Gloge in Verfolg Gedichten hervor, die aus Anlaß dieses Planes von den größten Rüttich, der für die plöglich inhaftierte Genoffin Bieg ein eines vom Magiftrat der Stadt Salzwedel gestellten Strafantrages izblättern wie der Jugend", dem„ ulk" und dem Kladderadatsch" gesprungen war, die Gründung einer Dienstbotenorganisation, zu verantworten hatte. Der Salzwedeler Magistrat hat im Oktober veröffentlicht worden seien. Auch die Redakteure dieser Blätter hätten Verein für Hausangestellte benannt, beschlossen. Eine vorigen Jahres den Bau einer Kanalisation beschlossen und in der nicht im entferntesten die Absicht gehabt, den Salzwedeler Magistrat Anzahl chriftlicher Dienstbotenvereinler hatten sich eingefunden, um Debatte sollte der Bürgermeister u. a. ausgeführt haben, man könne zu beleidigen, vielmehr sei auch ihnen dieser bürgermeisterliche Gedie Versammlung zu sprengen. Der Versuch wurde jedoch im Keime eventuell zur Deckung der Kosten eine Klosettsteuer" einführen. Dante willkommene Gelegenheit zu einer Beruffung gewesen. erstickt. Auch die Stellenvermittler und Vermittlerinnen waren er Dieser Gedanke wurde von Gloge in seinem Blatte als eine Schnapsschienen und quittierten die von Lüttich empfangenen Siebe mit idee bezeichnet und dies durch nachstehendes Gedicht verherrlicht: Zwischenrufen. Ein provisorischer Vorstand wurde beauftragt, die weiteren Schritte zu tun. Die Stimmung in der Versammlung nab Det Vaterland, so ist's nu mal, und die Zahl der sofort Beigetretenen gibt zu den besten Hoffnungen Anlaß. Schöneberg. In der letzten hier stattgefundenen öffentlichen Versammlung sprach Genosse Dr. Karl Liebknecht zunächst über: Die Reichstagswahlen und die Frauen". Sodann gab die Vertrauensperson Fr. Bäumler den Jahresbericht. Es haben zwei öffentliche Versammlungen und 22 Diskutierabende stattgefunden. Die„ Gleichheit" hat zurzeit 110 Leser. Verbreitet wurden 20 Eremplare Kinderarbeit" von Käthe Dunder, 40 Exemplare Frauenleiden" von Dr. Zadet, 10 Eremplare Für unsere Kinder" aus der„ Gleichheit" von Klara Zetkin. Ferner wurden 3000 Flugblätter verbreitet. Auf Listen wurden gesammelt: 234,95, Beitrag der Schöneberger Frauen 260 M., Summa der Einnahme 494,95 M. In der Ausgabe stehen für Drucksachen und Inserate 51 M., für Referenten 12 M., an die Kreisvertrauensperson 410 M. ab geführt, Porto und Fahrgeld 21,11 M., Summa der Ausgabe 494,11 M. Mithin bleibt ein Bestand von 84 Pf. Ferner sind auf Wahllisten zur Reichstagswahl von den Schöneberger Frauen gesammelt und an die Kreisvertrauensperson abgeliefert worden 146,45 M. Auf Antrag der Revisorin wurde Genossin Bäumler entlastet. Bei der Neuwahl der Vertrauensperson ergab sich die einstimmige Wiederwahl der Genoffin Bäumter. Js uns von jeher teuer, Det macht nicht bloß der Liebe Kraft, Det macht die beese Steuer. Man zahlt' ne Steuer uff Tobad, Uff Hunde, Bier und Stempel, Uff Karten für die Eisenbahn, Na turz uff jeden Krempel. Und wenn nach dieser Schröpferei Noch eener Knöppe hatte, Kam die Kommune schnell herbei, ,, Raus mit de legte Matte!" Den schönsten Steuerkranz indes Weiß Salzwedel zu binden, Da tät der Bürgermeister jetzt Ne duft'ge Blüte finden. Er will' ne Steuer für's Klosett, Jewiß mit Sigkontrolle, Ach nee, die Sache is zu nett, Jefreischt hat meene Dule! Wer's ehrlich mit dem Stadtwohl meint, Jeht oft zur Tante Meier, Bezahlt im wahrsten Sinn des Volts Dann fleißig seine Steuer". Ofit' so lang du fizen kannst! Warum ich es dir rate!. Dent: größer noch als dein Geschäft Ist das vom Magistrate!" Der Gerichtshof tam nach längerer Beratung zu einer Verurteilung des Angeklagten zu einer Geldstrafe von 30 W., indem er lediglich das Wort„ Schnapsidee" als beleidigend auffaßte. Ueberfall auf einen Eisenbahnzug. In dem Personenzuge von Simrisham nach Malmö wurde gestern abend der Postbeamte im Postwagen von einer vermummten Person überfallen und durch zwei Revolverschüsse schwer verletzt. Der Räuber bemächtigte sich der Wertsendungen und sprang aus dem in voller Fahrt befind lichen Zuge. Ein Schaffner, welcher die Schüsse gehört hatte, eilte nach dem Postwagen und fand den Postbeamten schwer verwundet am Boden liegen; der Verwundete ist bei der Ankunft in Malmö ins Hospital gebracht worden. Der Räuber hat einen Geldbrief mit 3000 Kronen sowie einige eingeschriebene Briefe entwendet. Dem Meere entriffen. Die Rettungsstation Helgoland der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: Am 18. März wurden von der hier gestrandeten deutschen Tjalk ,, Emanuel", Schiffer Freese, zwei Personen durch das Rettungsboot " Claus Dreyer" der Station gerettet. Zur Jena"-Katastrophe. Dem Journal des Débats", welches fürzlich gerüchtweise als Ursache der Jena"-Katastrophe einen verbrecherischen Anschlag bezeichnete, wird aus Toulon berichtet, daß auf der Jena" in der Munitionskammer der 42 Millimeter- Geschüße ein Leichnam gefunden worden sei. Da der Zugang zu diesem Teile des Schiffes stets streng untersagt war, schließt man aus diesem Umstande, daß die Munitionskammer schlecht überwacht war. Durch eine Grundlawine ist nach einer Meldung aus Innsbruc die Arlbergbahn zwischen den Stationen, Dalaas und Danöfen berschüttet worden. Die 150 Meter lange, 10 Meter hohe mit Erdreich vermischte Laivine mußte ausgeschaufelt werden. Auch der telea graphische Verkehr auf der Arlberglinie wurde unterbrochen. Genoffin Bäumler gab noch bekannt, daß auch in diesem Jahre die organisierten Frauen mit den Kindern während der Ferien täglich nach dem Grunewald ausfliegen. Die Mittel sollen durch Sammellisten aufgebracht werden. Man hoffe eine noch größere Anzahl Kinder wie bisher teilnehmen lassen zu fönnen und auch für bequeme Hin und Rüdbeförderung zu sorgen. Auch für Bewirtung soll diesmal mehr getan werden. Die Genossen werden ersucht, sich Ferner wurden an dem Umstande, daß die Salztvedeler Stadt, an den Sammlungen rege zu beteiligen. Anmeldungen von Kindern bäter diesen Teil der Angelegenheit hinter verschlossenen Türen gewerden von Frau Bäumler sowie vom Vorstande des Vereins für führt hatten, allerlei wißige Bemerkungen geknüpft und schließlich an Frauen und Mädchen Schönebergs entgegengenommen. Das Gelingen den Bürgermeister die Anfrage gerichtet, ob an Durchfalt des Planes wird hoffentlich anregend auf die Kommune wirken und die leidende Leute Rabatt erhielten. Stadtväter veranlassen, der Frage der Erholung der Kinder während Naturgemäß gestaltete sich die Verhandlung über diesen Beder Ferienzeit etwas mehr Aufmerksamkeit und offene Hand zu leidigungsprozeß fehr amüsant. Der Angeklagte verblieb bei seiner Marseille wurden im Kielraum des in England gebauten sampfers widmen. des täglichen Lebens eine ganz absonderliche Idee darstelle und Bonneveine" vom Kapitän zwei Bomben gefunden. Auf Befehl berief sich auf Rundgebungen der Jugend" in München, des der Polizei wurden die Bomben ins Meer geworfen. Das Schiff Kladderabatfch" und des„ Ült", die ebenfalls mit ihren abfälligen hat früher den Dienst zwischen England und Rußland versehen. Urteilen über den bürgermeisterlichen Vorschlag nicht zurückgehalten hatten. Beranstaltungen. Versammlungen Berein für die Interessen ber Hausangestellten. Deffentliche Bersammlung Mittwoch, den 20. März, 8 Uhr bei Bühlte, Dennewigstraße 13. Bortrag Genoffe Rehbein: Rechte und Pflichten der Hausangestellten". Achtung! Siebzehn Personen bei einem Eisenbahnzusammenstoß getötet. Aus Charbin wird berichtet: Auf der Station Taruschiche fand ein zusammenstoß zwischen einem Personenzuge und einem Güterzuge statt. 17 Personen wurden getötet, 35 schwer verletzt. Ein mysteriöser Bombenfund. Nach einem Telegramm aus Bafferstand am 19. März. Elbe bei alg 45 dp. Elbe bei Magdeburg, 2,62 Meter. Meter, bei Glbe Dresden Der Staatsantvalt führte aus, daß eine Klosettsteuer", wie sie der Angeklagte gloffiert habe, feineswegs so humoristisch fei, daß fie bei Straußfurt--Meter. Dber bei Ratibor 3,56 Meter. Dder Anlaß zu einer derartigen satirischen Blauderei bieten fönne. Er bei Breslau Oberpegel-0,36 Meter. Neißemü adung 3,22 Meter. Dder beantragte deshalb wegen dieser Beleidigung eine Geldstrafe von bei Brieg 3,48 Meter. Achtung! Arbeiter, Parteigenoffen Berlins n. Umg.! Die Bestrebungen unserer Organisation, auch in den Detailgeschäften der Herrenkonfektion Betriebswerkstätten und feste tarifmäßige Löhne zu erringen, haben bei den Firmeninhabern, welche um Bewilligung dieser Forderungen angegangen wurden, unter Ausflüchten, die wir als stichhaltig nicht anerkennen können, Widerstand gefunden. Wir sehen uns deshalb genötigt, gegen diese Geschäfte das Mittel des Boykotts in Anwendung zu bringen. Die Delegierten zur Berliner Gewerkschaftskommission haben einem dementsprechenden Antrage ihre Zustimmung erteilt und die Parteigenossen von Groß- Berlin sind diesem Beschluß beigetreten. Wir appellieren deshalb mit Gegenwärtigem an die Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder Berlins und Umgegend, bei ihren Einkäufen und Bestellungen von Herren- und Knabengarderobe in Zukunft nachstehende Geschäfte meiden zu wollen: Osten: Julius Lindenbaum, Fransedistr. 15. Julius Lindenbaum, Gr. Frankfurterfir. 141. Haacke, Landsbergerstr. 93. Sachs, Große Frankfurterstr. 132. Blitz, Große Frankfurterstr. 137. Norden: Philipp Fabisch, Rosenthalerstr. 1. Fabisch u. Co., Rosenthalerstr. 3. Bernhard Baer, Rosenthalerstr. 5. Blitz, Chauffeestr. 80. Blik, Rosenthalerstr. 9. Süden: Esders u. Dyckhoff, Dranienftr. 48. Schulmeister, Dresdenerstr. 4. Karl Stier, Dranienstr. 166. Blik, Kommandantenstr. 43. Westen: Kaplan, Friedrichstr. 1. S. Adam, Leipzigerstr. 27/28. Karl Stier, Potsdamerstr. 8. Landsberger, Friedrichstr. 108. Thiéry u. Sigrand, Friedrichstr. 179. Bandsburger, Friedrichstr. 7. Vandsburger, Turmstr. 30. Esders u. Dyckhoff, am Dönhoffsplatz. Zentrum: Weltmann Nachf. Stephan Esders, Kaiser Wilhelmstr. 41. Riethmüller, Moltenmarkt. diA Warenhäuser: May Mannheim, Frankfurter Allee 112. Alle übrigen Geschäfte sind als frei zu betrachten. Verband der Schneider, Schneiderinnen u. verw. Berufsgenossen Deutschlands Filiale Berlin, Engel- Ufer 21, parterre. Lichtenrade 20 PL.- Tour! FrackR20 M. verkauft Eigentümer Paris, Berlin, Graunstr. 27, Ede Gleimstr. Auch bei monatl. Raten von 40-50 m. Verleih- Institut: Friedrichst. 115 I, a.Drabg. " Zor. Eleg. Frad, Gehrod 1,50, ose 1,00, este 50 Pf. Haben Sie Stoff? 162/ 20* Ich fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh, Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Laband, Oranienburger Strasse 4,1. Hochmoderne, tadellose Mass- Arbeit aus erstklassigen deutschen u. englischen Erzeugnissen mässigen Preisen Sauberste Ausführung Kleidsamste Fassone Unsere grossen Betriebe setzen uns in den Stand, alle Bestellungen in kürzester Zeit and peinlichster Ausführung zu liefern. 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