Nr. 70. Abonnements- Bedingungen: . bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 W., monatl. 1,10 m., twöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Big. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Reue Welt" 10 Bfg. Bost. Ebonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Bolland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Gridciat täglich außer Montage. für Vorwärts Berliner Volksblaff. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Naum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Pfg., jebes weitere Bort 10 Pig. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 11hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernibrecher: Amt IV. Str. 1983. Unternehmerfchwindel. Sonnabend, den 23. März 1907. für unterirdisch beschäftigte eigentliche Bergarbeiter( 50 Proz. der Belegschaft) für sonstige unterirdisch Beschäftigte ( 27,8 Proz. der Belegschaft) für über Tage Beschäftigte( 18,8 Proz. der Belegschaft) für jugendliche Arbeiter( 3,4 Proz. der BeTegschaft. . 1905 1906 Steigerung in 1906 M. m. Prozent 4,60 4,96 9,30 3,63 3,99 7,06 3,44 3,67 5,55 1,21 1,27 4,96 Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernivredier: Amt IV. Nr. 1984. unterbrochen, um den Parteien Gelegenheit zu geben, ihre Anträge in bezug auf die Bildung der Kommission zu formulieren. Berschiedene Abänderungsanträge zu dem Antrage Roditschews werden mit 287 gegen 168 Stimmen abgelehnt, dann wird der Antrag Roditschew mit derselben Majorität angenommen. Hierauf wird die Sigung geschlossen; die nächste Sigung findet Montag im Taurischen Palais statt. * * As die Bergarbeiter im vorigen Sommer die Forderung einer Lohnerhöhung um 15 Proz. erhoben, wurde in der Unternehmerpresse behauptet, die Löhne seien im Laufe des Der von 87 Abgeordneten in der Reichsduma eingebrachte AnJahres 1906 bereits um zirka 10 Proz. gestiegen und würden trag betreffend die Bildung einer Kommission zur Beratung einer boraussichtlich bis zum Jahresschluß über den Sah von Amnestievorlage rief einen Beschluß der vereinigten Gruppen der 15 Proz. hinausgelangen. Auch jetzt stößt man trok der Für die am schlechtesten bezahlten Arbeiter ist die Lohn Gemäßigten und der Rechten hervor, durch den die Gewährung einer glänzenden Jahresabschlüsse der Bergwerksunternehmungen in steigerung am geringsten. Bei diesen Leuten bleibt der 3u- allgemeinen und auch einer teilweisen Amnestie in diesem Augenblic ihren Geschäftsberichten immer wieder auf die Behauptung, chlag sogar noch hinter der Mehrleistung nicht für zeitgemäß( 1) erklärt wird, weil sie als Schwäche der Redie Lohnsteigerungen feien so beträchtlich, daß sie die bisher zurück, der Lohn hat sich relativ vermindert. Die Zahlen gierung gedeutet werden könne. vorgenommenen Preisaufschläge vollständig ausgleichen. Alle meisen auf die für den Sozialpolitiker wichtige Tatsache der Gegen die akademische Freiheit. diese der Wahrheit zuwiderlaufenden Behauptungen, die der Sucht schaft hin. Ein Teil der Arbeiter steigt in sozialer Beziehung mitglieder, darunter Durnowo, Stürmer, Stischinski und der frühere sich erweiternden sozialen Scheidung innerhalb der Arbeiter- Petersburg, 22. März.( W. T. B.) Dreißig Reichsrates nach noch höheren Breifen und Profiten entspringen, werden etwas höher, der andere Teil wird weiter heruntergedrückt. Minister Birilew, haben im Reichsrat die Anfrage an den Minister durch die- amtlichen Lohnausweise vollständig widerlegt. Da Die Spannung zwischen den Löhnen ist schon recht bedeutend. für Boltsaufklärung eingebracht, ob wegen der ungesetzlichen Vers diese Ausweise auf die Angaben der Unternehmer beruhen, Scheidet man die Jugendlichen aus, dann ergibt sich, daß der fammlungen, die am 5. März in der Petersburger und der Moskauer darf man versichert sein, daß die Lohnerhöhungen nicht zu Lohn für rund 75 000 Mann um 20 Proz. gleich 97 Pf. und Universität stattgefunden haben, eine Untersuchung eingeleitet sei, niedrig sind. für rund 51 000 Mann um 26 Broz. gleidh 129 Pf. hinter wer Schuld daran trage, daß sie zugelassen seien, und ob die Nach dem zahlenmäßigen amtlichen Nachweise ergeben sich dem Höchstsaz steht. Schuldigen zur Verantwortung gezogen seien. Die Interpellation nun folgende Lohnsteigerungen: ist die erste, die im Reichsrat nach seiner Umgestaltung eingebracht Art und Bezirk des Bergbaues Steinfohlen. bergbau in Oberschlesien in Niederschlesien. Gesamtbelegschaft 1905 1906 Berdiente reine Löhne auf einen Arbeiter und eine Schicht 1905 1906 i. Oberbergamtsb. Halle 33478 34548 3,15 3,35 Jedenfalls geht aus den amtlichen Zahlen deutlich hervor, daß die gute Konjunktur den Bergarbeitern im ganzen in 1906 gegen nur wenig Vorteil gebracht hat. Den Hauptvorteil hatten Steigerung das Vorjahr die Aktionäre. in Prozent 85940 88930 3,08 3,23 25562 25098 2,94 3,05 4,87 3,74 im Oberbergamtsbezirk Dortmund 259608 270288 4,08 4,37 Saarbrüder Staatswert. bei Aachener 45737 47891 15861 17337 3,80 3,88 4,08 4,41 8,43 2,10 8,09 Braunkohlenbergbau linksrheinischer 5348 6705 3,38 3,70 6,35 9,47 Salzbergbau i. Oberbergamtsb. Halle 6515 7293 3,69 3,78 2,44 " 4631 6137 3,69 3,86 4,60 • ' 15469 15675 3,23 3,42 2983 2890 2,50* 2,63* 5,88 17962 18666 3,18 3,69 5,20 16,03 • 7394 7508 3,00 3,38 3852 3760 2,59 2,76 12,66 6,56 * Einschließlich Brotkornzulage. Clausthal Erzbergbau in Mansfeld im Oberharz in Siegen und Nassau. sonst. rechtsrheinischer Linksrheinischer Die russische Revolution. Reichsduma. Petersburg, 22. März.( W. T. B.) Die Sigung wird um worden ist. Wie die„ Russische Korresp." erfährt, ist die Interpellation auf Veranlassung Stolypins entstanden, der sich des verhätnismäßig liberalen Ministers Kaufmann zu entledigen wünscht." Riga, 22. März.( B. H.) Wegen Abhaltung einer berbotenen Studentenversammlung hat der Generalgouverneur das hiesige Polytechnikum auf unbestimmte Zeit geschlossen. Hungerstreik. Petersburg, 22. März.( B. 5.) In den Gefängnissen von 11 Uhr vormittags eröffnet. Präsident Golowin verliest die Ein- Kostroma, Minast, Kasan, Twer und Jekaterinoslaw haben die gänge, so den Bericht über den Antrag auf ungültigkeitserklärung politischen Gefangenen mit dem Hungerstreit begonnen, um ihre der Wahlen in den Provinzen Penja, Tobolts und Kaluga, ferner Freilassung zu erzwingen. eine von 32 Deputierten unterzeichnete, in der nächsten Sigung zur Beratung tommende Mitteilung über polizeiliche Uebergriffe gegen den Deputierten Sigom aus der Provinz Perm und einen von 87 Deputierten gestellten Amnestieantrag. Die Duma geht dann zur Wahl verschiedener Kommiffionen über. Politische Ueberlicht. Berlin, den 22. März 1907. die Die Debatte über die Bildung einer Hülfskommission zur AbDas Ergebnis der Altenburger Landtagswahlen. Der Ausfall der Altenburger Landtagswahlen, über die der wehr der Hungersnot wird wieder aufgenommen. Der Deputierte Roditschew legt in einer ausführlichen Rede dar, daß die Ausübung Borwärts" schon kurz berichtete, hat bewiesen, daß es mit dem der exekutiven Funktionen für die Duma unmöglich fei und betont Niederreiten der Sozialdemokratie einstweilen noch gute Wege hat. die Notwendigkeit einer Beschränkung der Tätigkeit und leber Schmerzerfüllt muß die gelbe Presse in Altenburg feststellen, daß wachung und Nachprüfung der Handlungen des Ministeriums des Innern vom Juli 1906 an. Die Rede wird von der Rechten mit alles beim alten geblieben" ist, daß es leider nicht gelungen, die Beifallsbezeugungen aufgenommen, erregt aber das Miß Genossen hinauszuwählen." fallen der Linken. Roditschew schließt schließt seine Nede mit Der Reichsverband hatte wie bei der Reichstagswahl auch dieses der Verlesung des Antrages seiner Partei, der dem Gesetze über die Mal wieder in den von der Sozialdemokratie bedrohten WahlDie Zusammenstellung zeigt, daß im Kohlenbergbau- Funktionen der Duma gemäß formuliert ist, und fügt noch hinzu: bezirken die Agitationsarbeit übernommen. Er kämpfte in der alt= und berleumderischen Art betrieb eine Lohnsteigerung von 10 Proz. in keinem einzigen" Der Minister des Innern Stolypin hat im Jahre 1906 in einer gewohnten berlogenen Weise. Seine Tätigkeit beschränkte fich auf Bezirk eingetreten ist. Nur die winzige Schar von 6705 Mann Rebe an die Duma versprochen, die Uebel der Hungersnot zu be- und brachten es auf eine Steigerung von 9,47 Proz., der über seitigen, hat aber sein Versprechen nicht gehalten; jetzt ist es dritte Abteilung, in der die Sozialdemokratie drei Size an der Duma, alle Anstrengungen zu machen, um die Rewiegende Teil der deutschen Bergarbeiter, drei Fünftel der gierung zur Verwirklichung ihrer guten Absichten zu zwingen, zu behaupten hatte und vier im bürgerlichen Besitz befindliche Gesamtbelegschaft, wurde mit einer Lohnsteigerung von zu denen sie sich hier im Hause bekannt hat."( Beifall ländliche Bezirke bedrohte. Wie bei der Reichstagswahl richtete er 8,43 Proz. abgefunden. Der andere Teil erhielt noch weniger! im Zentrum und auf einigen Bänken der Linken.) Roditschew einen umfangreichen Schleppdienst ein und holte, namentlich auf dem Am wenigsten haben die Saarbergleute der Staatsbetriebe von schlägt sodann vor, die zwei Fragen der Unterstützung der von der Lande, die letzten„ Ordnungs" wähler hervor. In den Städten stieß der guten Konjunktur gespürt. Ihre Lohnsteigerung beträgt ungersnot Betroffenen und der sonstigen Unterstützung Arbeits- er dieses Mal mit seiner Schlepperei vielfach auf direkten Widerganze 2,10 Broz.; dabei stehen die Löhne der Saarbergleute Lofer zu trennen. Die Sozialdemokraten bekämpfen diesen Vor- stand. In Altenburg fam es in verschiedenen Fällen vor, daß seine weit zurück hinter dem Satz, der im Oberbergamtsbezirk Dort- schlag. Der Präsident stellt den Antrag zur Abstimmung. Zuerst Schlepper grob abgewiesen wurden. Trotz aller Liebe Mühe, die er wird festgestellt, daß 132 Abgeordnete dagegen sind; als dann fich gab, brachte er in Altenburg einige hundert bürgerliche Wähler mund und im Aachener Revier bezahlt wird. zur Zählung der Abgeordneten, die für den Antrag find, geschritten werden soll, ruft der Führer der Sozialdemokraten gereteli: gar nicht an die Urne. Diese Erscheinung wird von der gelben Presse darauf zurüdgeführt, daß man in vielen Kreifen der Ansicht „ Wir geben nach, es braucht nicht gezählt zu werden!" Ein paar Sozialdemokraten schaden im Landtage nichts." Für den weit überwiegenden Teil der Braunkohlenarbeiter stellt sich die Lohnsteigerung auf 6,35 Proz.; nur für etwa ein Achtel der Gesamtbelegschaft ergibt sich eine Steigerung von 9,47 Proz. Noch geringer ist die Lohnerhöhung im Salzbergbau. Lohnsteigerungen von 2-5 Broz. bedenten bei den gestiegenen Lebensmittelpreisen eine direkte Verschlechterung der Lebenshaltung. Wie die Aufstellung ausweist, haben nicht einmal 5 Proz. der gesamten deutschen Bergarbeiterschaft eine Lohnerhöhung von über 10 Proz. erlangt, über 95 Proz. der Gesamt belegschaft mußte mit einer Lohnsteigerung von unter 10 Proz, bis beinahe zu 2,10 Proz., oder 8 Pf. pro Schicht, sich begnügen. 1117 " Es liegt aber nicht bloß daran, sondern auch am Klaffenwahlrecht mit seiner Vierteilung. " Die Abstimmung über den Hauptantrag Roditschews ist noch sei: nicht vorgenommen worden. Man nimmt an, daß derselbe mit den Stimmen der Rechten und eines Teiles der Linken durchgehen wird. Die von Roditschen gehaltene Rede machte den Eindruck eines bestimmten Programms, wonach die Duma die ihr durch das Gesetz Neben der Niederlage des Reichsverbandes, die in den Städten vorbehaltenen Rechte ausüben soll. Da diese Frage der Regierung eine vollständige ist, gibt die Niederlage des verräterischen hochwichtig erscheint, wohnen der Ministerpräsident, der Justizminister, Liberalismus, der sich anschickte, den Lohn für seinen Verrat am der Handelsminiſter, der Finanzminiſter, der Reichskontrolleur und Liberalismus, für die Auslieferung des Reichstagsmandats an die der Direktor des Notstandsdepartements der Sigung bei. Sigung aus. Die Redner der verschiedenen Gruppen formulieren entschiedene" Die Debatten über den Antrag Roditschews füllen die ganze Reaktion einzuheimfen, der Wahl das Gepräge. Der Altenburger Liberalismus ist ein klassischer Beuge für ihre Anträge, aber es rebet ein Sozialdemokrat nach dem anderen. Die politische Berkommenheit des einst so stolzen deutschen Alle greifen die Regierung an und verlangen, daß eine Kommission Liberalismus. Vor dem 25. Januar schlug er die tollsten Die im amtlichen Lohnnachweis angegebenen Jahres- der Duma nach den Hungergebieten geschickt werde, Purzelbäume und gebärdete sich ganz pudelnärrisch über einkommen für 1905 und 1906 haben wegen des großen Streits dem Volke die Augen zu öffnen über die unheilvolle Politik das mit größtem Raffinement zusammengestellte Programm Alexinsty wirft den Kadetten und der im Jahre 1905 feinen Vergleichswert. Auch muß die von den der Regierung. Unternehmern stets in Abrede gestellte Ueberzeitarbeit in Rechten ihr Busammengehen in dieser Frage vor und behauptet, feines Kandidaten Höfer. Er bekämpfte den konservativen Gegendaß in bezug auf die leibliche Wohlfahrt nach historischem fandidaten mit einer Schärfe, die das Entzücken aller Bierphilister Berücksichtigung gezogen werden. Im Oberbergamtsbezirk Gejez ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen der Bourgeoisie und bildete. Als es aber galt, am 26. Januar Farbe zu bekennen und Dortmund stieg 3. B. im letzten Jahre gegenüber 1905 die dem Wolle beſtehe. Joseph Hessen von der Kadettenpartei sich für den Fortschritt und gegen die Reaktion zu erklären, da verZahl der pro Kopf geleisteten Arbeitsschichten um 26! Der erklärt, die wahre Absicht der Sozialdemokraten bei ihrem Vorschlag leugneten die liberalen Helden ihre so stolz zur Schau getragenen Ausfall an Schichten durch Streit im Januar Januar und der Entfendung einer Kommission sei nur, das Volt aufzuwiegeln, liberalen Grundsäße und schwenkten ins Lager der Reaktion ab. Februar ist also im Laufe des Jahres fast boll- und er fragt, wer denn die Verantwortung übernehmen wolle für Um das Linsengericht einiger Landtagsfiße, die man ihren Führern ständig ansgeglichen worden. Das Ruhrrevier steht die als Folge neuer Erhebungen zu verwerfenden neuen Repressalien. in verlockender Weise in Aussicht stellte, fuchten und fanden sie den Anschluß mit seiner Schichtzahl weitaus an erster Stelle. In( Beifall beim Zentrum und bei der Rechten.) Oberschlesien wurden im Jahre 1906 nur 286, in Saarbrücken zinten. Zum Schluß der Debatte besteigt der Ministerpräsident die schämte sich sogar nicht einmal, für den von ihm persönlich aufs Roditschew verteidigt sich gegen die Vorwürfe der äußersten an die äußerste rechte Seite. Der entschieden" freifinnige Kandidat Höfer 296 Schichten verfahren, nithin im Ruhrrevier 25 resp. Rednertribüne. Er gibt Erklärungen ab über die der Duma ge- heftigste bekämpften tonservativen Kandidaten in Wort und Schrift 35 Schichten mehr. In Niederschlesien brachte man es auf feßlich zustehenden Rechte, gibt zu, daß die Gesetzgebung über die einzutreten. Ja er verstieg sich sogar dazu, mit ihm von Versamm303 Schichten. Da im Ruhrrevier 3/5 der Gesamtbelegschaft Organisation des Hülfsdienstes zur Bekämpfung der Hungers- lung zu Versammlung zu reifen. der Kohlenarbeiter tätig ist, muß die enorme Ueberschichtenzahl not mangelhaft sei, und erklärt sich bereit, in bezug auf Es kam aber noch schöner. Der entschiedene" Liberalismus naturgemäß die absolute Höhe des Jahresdurchschnitts- diese Hülfeleistung jede gewünschte Auskunft zu erteilen. Als verband sich zu gemeinsamem löblichen Tun für die Landtagswahl einkommens start beeinflussen. Antwort auf die in der Duma heute eingebrachten Interpellationen mit dem Reichsverbande. In der dritten Klasse der städtischen über diesen Gegenstand werde die Regierung einen Bericht über die Die Lohnsteigerung" bekommt ein noch früberes Gesicht, bis jetzt ergriffenen Maßnahmen veröffentlichen. Mit dem Antrag Wahlkreise stützte sich der lahme Freifinn auf den robuſten wenn man das Einkommenmehr gliedert nach den verschiedenen Roditschews sei die Regierung voll und ganz einverstanden.( Große Reichsverband auf dem Lande rief ihm aber der Bund Landwirte Lohngruppen. Es betrugen nämlich die Schichtdurchschnitts- Bewegung im Saale und lebhafter Beifall, hauptsächlich auf den der Und der Libe" Hände weg" zu. berdienste im Oberbergamtsbezirk Dortmund: Bänken der Kadetten.) Die Sigung wird auf eine Viertelstunde Iralismua tufchte wie ein geschlagener Hund. ein " Bwar wollte et flBer die ihm von den Agrariern zuteil gewordene Behandlung kimrren, der Bund brachte ihn jedoch rasch zur Ruhe mit dem Be- merken, �dasz er den Freisinn als Eindringling betrachte, der durch seine Kandidaturen— die Gcschisste der Sozialdemokratie besorge, die als lachende Dritte vor der Türe ständen, das zog. Ker Freisinn wollte die Berautwortung nicht auf sich nehmen, durch seine Kandidaturen den Sozialdemokraten möglicherweise zu einem Mandat verholfen zu haben und er überliest dem Bunde der Landwirte das Feld. Die klägliche Haltung des Freisinns fand ihren klassischen Ausdruck in der Haltung seines„Führers" Dr. Höfer. Dieser Man», der eine entschieden liberale Vergangenheit hat. der bei unseren Genossen den Ruf eines halben Sozialisten hatte, spielte in dem Wahlkampf eine klägliche Figur. Zuerst stellte er seine Kandidatur in der dritten Abteilung in Alteuburg auf, dann zog er sie zurück, weil ihm offenbar der Durchfall sicher schien und stellte sich in der dritten Abteilung der Städte im Wahlkreise auf, welcher Kreis auch der gefährdctste sozial- demokratische Besitz ist. Wenige Tage bor der Wahl stellte ihm die Mittelstandsvcreinigung dort einen Kandidaten entgegen und vor ihrem Stirnrunzeln zog er schleuuigst seine Bewerbung zurück. Borsichtshalber hatte er seine Kandidatur auch in der zweiten Abteilung der Stadt Altenburg, also bei seinen Klassen- genossen aufgestellt. Die sozialdemokratische Partei stellte aber ebenfalls einen Kandidaten in dieser Klasse auf und das Ergebnis war, datz der Mann, der durch seine Auslieferung des ReichstagSmandats an die Reaktion vollbcgründeten An- spruch auf Dankbarkeit zu haben glaubte. mit einer Minderheit von drei Stimmen durchsiel. Auch der zweite Vorsitzende des liberalen Landcsvereins ist vom Bürgertum im Wahlkreis kalt lächelnd abgelehnt worden. Niedergeritten wurden nicht die Sozialdemokraten, sondern die„entschieden" Liberalen. Sie haben es nicht besser verdient. Die agrarische„Altenb. Landesztg." hat so wenig Mitgefühl mit ihrem Paarungsgenosscn, dast sie ihn obendrein verhöhnt. Hat der vereinigte gegnerische Ansturm nicht ausgereicht, der Sozialdemokratie die bisher besessenen Mandate zu entreisten, so ist es freilich auf der anderen Seite auch uns nicht gelungen, auf dem flachen Lande den Gegnern einen Sitz zu entleihen. Die Stimmenzahlen sind bei den Gegnern auf dem Lande stärker ge- stiegen als bei uns, ja es sind sogar in einzelnen Orten Rückgänge der sozialdemokratischen Stimmen vorhanden. Das rührt aber daher, dast die Arbeiterbevölkerung eine bewegliche ist, während die bäuerliche Bevölkerung setzhaft ist. Es kommt im weiteren dazu, dast viele Ausländer beschäftigt werden, die nicht zum Landtag wählen dürfen. In Anbetracht der schwierigen Umstände, mit denen wir auf dem flachen Lande zu kämpfen haben, können wir trotz alledem mit Befriedigung auf das Wahlergebnis zurückblicken. Die Gesamtstimmenzahl auf dem Lande hat sich ebenso gehoben wie in den Städten, und wenn wir bedenken, welch ein Druck gerade auf dem Lande in Altenburg von den Bauern auf die abhängigen Wähler ausgeübt wird, dann haben wir Ursache, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Austerordentlich zufrieden muh man mit dem Wahlergebnis sein, das uns einen ungefähren Stimmenzu- wachs von VA)— 1000 Stimmen bringt, wenn man die Wahlmüdig- keit, die allenthalben herrschte, sich vergegenwärtigt. Es wollte und wollte sich keine Wahlstimmung einstellen; es schien, als ob der Wahlausfall vom 25. Januar und 5. Februar eine lähmende Wir- kung ausgeübt hätte. Dast es gelungen ist, die Arbeiterwähler trotz alledem an die Wahlurne zu bringen und die arg bedrohten Man- date glänzend zu behaupten, ist ein Beweis mehr, dast das Ber- trauen der Arbeiterklasse zur Sozialdemokratie, trotz der massen- haften Verleumdungen und Lügen über sie, unerschüttert ist, und daß nichts vermag, dieses Vertrauen zu erschüttern. Die Land- tagswahl im Herzogtum Altenburg hat den Beweis geliefert, dast die Sozialdemokratie nicht niederzureiten, nicht niederzulügen ist. In ungebrochener Stärke steht sie vor ihren Feinden, jederzeit be- reit« den Kampf aufs neue aufzunehmen.— Herr Naumann über die amtliche Wahlmache. Herr Naumann, der neugebackene Parlamentarier, versucht in der„Hilfe" das schmachvolle Schweigen des Freisinns bei der Abrechnung mit der amtlichen Wahlkorruption in eigenartiger Weise zu rechtfertigen. Er behauptet, gerade die Sozial- demokratie habe keine Veranlassung gehabt, die Regierung wegen ihres beispiellos skrupellosen Eingreifens in den Wablkampf an- zuklagen, habe sie doch stets geleugnet, dast die Regierung über den Parteien stehen könne. Warum ihr also etwas Unmögliches zu- muten! Nein, die Sozialdemokratie Hatto deshalb alle Ver- anlassung, die mit allen Mitteln, auch solchen anrüchigster Art, arbeitende Wahlmachx der Regierung für den Hottentottenblock zu brandmarken, weil die Regierung s e I b st bisher immer behauptet hatte, über den Parteien zu stehen. Diese Heuchelei zu entlarven. die Regierung als den A u s s ch u st gewisser politischer Interessengruppen zu charakterisieren, war also nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht der Sozial- demokratie I Weiter stellt es Herr Naumann mit erstaunlicher Naivität so hin, als ob durch das offene, rücksichtslose Eingreifen der Regierung zugunsten des nationalen Schweins und der Kolonialinteressenten nun mit einem Male Deutschland eine parlamentarische Regierungsform erhalten habe. Habe doch Posadowsky erklärt, dast Bülow mit der Reichstagsauflösung um„Kopf und Kragen gespielt" habe. Hätte er keine Mehrheit für den Hottentottenblock zusammen bekommen, so hätte er gehen müssen. Das fei doch eine An- Näherung an die parlamentarische Regierungsform in England, Amerika und Frankreich. Das ist denn doch ein logischer Salto- mortale! Selbst, wenn Posadowkys Darstellung der Wahrheit ent- spräche— wofür nicht der geringste Beweis vor- liegt!— und Bülow beim Zustandekommen einer Autt- Blockmehrheit lukanisiert worden wäre— wagt Naumann wirklich zu behaupten, dast dann die neue Regierung aus den Reihen der Blockgegner gebildet worden wäre? I Darin allein aber, in dem Shstemwcchsel, in dem Uebergang der RegierungSgewalt an die jeweilige Parlamentsmehrheit besteht das Wesen des parlamentarischen Systems, nicht in dem Fallenlassen einer Person, die dann durch eine andere Person ersetzt wird, die das gleiche System vertritt I So ist es bei P o d b i e l s k i gewesen, so würde es auch bei Bülow der Fall gewesen sein I Sollte Herr Nauman diesen Kern der Frage wirklich nicht zu erfassen vermögen? Oder ist es nicht nur das böse Gewissen, das ihn jetzt nach rabulistischen Beschönigungsgründen der freisinnigen Korruptions- Hehlerei suchen lästt?! Auster diesem Moment gibt eS noch zahllose andere Umstände, die has deutsche zu Dreiviertel absolutistische System in den denkbar schroff st en Gegensatz zu dem parlamentarischen System z. B. Englands rücken. Wenn in England die Minister sich in den Wahlkampf stürzen, so sind sie Politiker wie jeder andere, die sich auch die gleiche Behandlung wie jeder andere gefallen lassen müssen. ohne wegen ihrer gekränkten ministeriellen Würde den Staatsanwalt für sich reklamieren zu können. Ferner steht der englischen Re- gierung nicht jener amtliche Wahlapparat zur Verfügung. der— vom Oberpräsidenten über den Landrat herab bis zum Schulmeister und Polizisten— in Preußen bei Gefabr de" Maß- regelung der Regierungswahlmache Handlangerdienste zu leisten hat. In England sind die Provinzialbehörden(Grafschaftsräte) upd Komnrunalbehörden von oben bis unten unabhängig— in Preusten-Deutschland sind selbst die Bürgermeister und Richter von der Regierungsgunst abhängig. DaS weist auch Herr Naumann ganz genau! Wenn er trotzdem durch gekünstelte Naivität die napoleonischen Allüren Bülows in eine Konzession an demokratische RegierungSforinen umdeutet, so beweist das nur, dast er. von dem man hie und da eine politische Blutauffrischung des senilen Freisinns erwartete, an grundsatzloser diplomatischer Eierjänzerei und Schönfärberei mit einem Bassermann zu kon- kurrieren vermag I— *•* Deiitfcbes Reich. „Zum Kapitel der Wahllügen" oder„Eine sozialdemokratische Wahllii.qe" betitelt sich eine wohl vom Reickslügenverband aus- gehende Notiz, die augenblicklich in Nord- und Süddemschland gleich- zeitig und in gleichem Wortlaur durch die ganze Propiuzpresse läuft. Darm hcistt es. dast unser Genosse Richard Fischer- Berlin II „in einer grasten Wählerversammlung" seinerzeit erklärt habe, auch die Sozialdemolraten hätten für Südwestasrika mit dem Zentrum 20 Millionen(statt der von der Regierung geforderten 29 Millionen) bewilligt, während doch tatsächlich die Fraktion auch gegen die 20 Millionen gestimmt habe. Es heitzt dann: „Fischer iuiipfte ausdrücklich daran die Bemerkung, die sozial- demokratische Partei habe gezeigt, dast auch sie ein Herz für nnsere brausten im Felde befindlichen Soldaten habe und sie nicht im Stich lassen wolle.... Er hat also vor seinen Wühlern mit Bewusttsein die Unwahrheit gesagt, und zwar betreffs des Hauptpuitktes des ganzen Streits! Er hat vor seinen Wählern die Stellung- nähme der Partei in der ausschlaggebenden Frage gefälscht, das wirkliche Verhalten der Partei schmählich verleugnet. Es mochte ihm vor der Wahl nützlich scheinen, die sozialdemokratischen Väter, Brüder usw. unserer in Südafrika kämpfenden und leidenden Soldaten zu versichern, dast die Sozialdemokratie trotz ihrer Oppositionssiellling für sie sorge." Und als besonders beweiskräftiger Grund für die Richtigkeit dieser Reichsverbandsliige wird angeführt, dast seinerzeit diese „Fischerich« Fälschung" lofort„an dieler Stelle" festgenagelt wurde. Das letztere ist jedenfalls das einzige Wahre an der Sache. Wir können erklären, dast Genosse Fischer erst heute durch direkte Zusendungen aus Mannheim und Forst von der ganzen Geschichte Kenntnis erhielt, sonst würde er schon damals wie heute geantwortet haben, dast die ganze Geschichte ein Wahlschwindel des Reichslügenverbandes ist. Und wenn„mehrere bürgerliche Zeugen" diese Lüge„zu bekräftigen bereit sind", so haben diese Zeugen zwar gewist recht groste Ohren, jedenfalls aber ein sehr kleines Gehirn gehabt. Die Parteigenossen in„jener grasten Wähler- Versammlung" würden Fischer wohl nicht schlecht heimgeleuchtet haben, wenn er sich und die Fraktion hereit erklärt hätte, tür Süd- westafrika 20 Mißtönen zu bewilligen I Aber für unsere Gegner ist keine Wahllüge zu— dumm l— Freisinnige Verwesungssymptome. Der deutsche Freisinn führt den Kanrpf gegen Junkertum und Autokratie zum Teil mit der zerschmetternden Waffe der — Selbstverulku n g. Wir gaben gestern in Gestalt der Rede des Abgeordneten Träger ein nettes Prödchen dieser witzelnden Selbstgeißelung. Herr Naumann, der un- getreue Waffengefährte des Herrn Barth, steuert nun auch einerseits einen Beitrag zu dieser sonderbaren Bekämpfung zer Reaktion bes. In einem Artikel„Fürst Bülaws Grab- ichnft" schreibt er: „Es gibt in Bülow mehr Geheimnisse, als es im ersten Augenblick scheint. Ein Witz wirkt leicht als elektrische Bestrahlung. Sage inir, was du aus deinem Grabe lesen willst, und ich will versuchen, dir zu sagen, wer du bist. Es wird folgende Grabschriften geben: Der glottenlaiser, Der agrarische Reichskanzler, Der Staatssekretär für Sozi a lreform, Der Minister gegen den Geist. Diese vier Inschriften werden die Zeitgeschichte darstellen. Wir wünschen ihren vier Inhabern langes Leben, aber dem System— warte, ich darf nichts sagen, denn wir gehören ja zur Majorität!" Das Phosphorescieren des verwesenden Freisinns I Junker und Volksbildung. Die mecklenburgischen Junker gehören zu den feudalsten ihrer Standesgenossen im ganzen Reich. Der junkerliche Charakter hat sich in der mecklenburgischen Ritterschaft am reinsten und stil- echtesten erhalten. Es ist deshalb sehr interessant, was die „Korrespondenz des Deutschen Lehrervereins" in ihrer Nummer vom Li. März über die Stellung der mecklen- burgischen Ritterschaft zur Volksschule und den VolkSschullehrern mitteilt. Es heistt in der„Korrespondenz": „Die Ritter sind nichts weniger als Volksfreunde. DaS beweist aufs deutlichste ihre unerschütterliche Stellung zur Volksbildung. Wenn ein Führer der mecklenburgischen Ritterschaft— der neben den Einkünften seiner Güter als Klosterhauptmann 16 000 M. und mehr bezieht— unter dem Beifall seiner Standesgonossen sagen darf:„Gegen eine weitere Erhöhung der Lehrergehalte spricht, dast es nicht wünschenswert ist, die Lehrer besser zu stellen, als die in ähnlicher sozialer Stellung befindlichen Personen auf dem Lands, mit denen zu verkehren der Lehrer angewiesen ist." so muh dies allein schon genügen, den Rittern daS Recht der Schulgesetzgebung rundweg abzusprechen. Und wie haben sie dies Recht gehandhabt l Die Rcgicrungsforderung von 1900 auf genügende Größe und Höhe der Schulz immer wurde auf Anraten des genannten Rittersührers einfach abgelehnt. 1905 gab es von 199 Wohnungen rltterschaftlichcr Lehoer noch 7 mit einem und 95 mit zwei heizbaren Zimmern. Die Wasser- Verhältnisse waren teilweise unter aller Beschreibung. Die Unterrichtszeit in den ritterfchaftlichen Schulen be- trug im Winter meistens L6» im Sommer sehr häufig 12 Stunden. — Es gab noch 31 Schulen, wo weder Geographie, noch Welt-, noch Naturgeschichte gelehrt wurde und nur in zwei Fünfteln aller ritterschaftlichen Schulen wurde in allen drei Lehrfächern unterrichtet. Dast es sehr häufig an den allernotwendig- stcn Lehrmiteln fehlt, erscheint dabei gewiß nicht ver- wunderlich. Das leiden die Ritter alles, ohne zu klagen.— Die Ritter haben für„i h r e" Lehrer natürlich auch ihr eigenes Seminar und sorgen kür die Ausbildung„ihrer" Lehrer aus ihre Weise. Die Vor- und Ausbildungsschule für ritterschaftliche Lehrer umfaßt 4 Klassen. Als die Regierung vor einigen Jahren eine 3. Präparandenklassc forderte, weil der jetzige Zustand „besorgniserregend" sei und an die„patriotische Gc- sinnung der getreuen Stände" appellierte, als der Direktor des rittersckastlichen Seminars klagte,„dast das Seminar sich außer- stände sehe, vollwertiges Material zu entlassen, weil selbst die besseren Zöglinge eine zu wenig gediegene Vorbildung mit- bringen", wurde die Forderung kurzerhand als„nicht not- wendig" abgelehnt. Ritter glauben, daß„der zweijährige Kursus die Zöglinge genügend vorbereiten und in ihnen eine Gesinnung pflanzen kann, die sie später als znfricdcnc Menschen in ihren Beruf treten läßt, so daß die in ihren Kreisen trotz aller Besserung noch immer genährte Unzufriedenheit verstummen möchte". DaS genügt. Auf diese Weise haben die Ritter er- reicht daß ihre Lehrerbildungsanstalt die einzige im ganzen Deutschen Reiche ist, welcher die Berechtigung zum Einjährig- Freiwilligen- Dien st abge- sprachen i st." Auch in Preußen, das ja in der West voran marschiert, existieren vielfach noch ähnliche Schulzustände I— Der„amtliche" Flottcnverein. Wie eng die schon durch die Keim-Briefe treffend charakten- siertcn Beziehungen des Deutschen Flottenvercins zur Regierung sind, zeigt folgende, im„nichtamlichen Teil" des„Lauenburger Kreisblattes" erlassene Bekanntmachung des Lauenburger Land- rats von Somnjtz: „Den Mitgliedern des Deutschen Fl.ottenvereinL teile ich hierdurch mit, datz die Zeitschrift«Die Flotte" für den Monat März d. Js. eingegangen ist und in meinem Bureau abgeholt werden kann. Gleichzeitig mache ich bekannt, daß Beitritts» erklärungen unter Angabe des Jahresbeitrages, der mindestens eine Mark betragen mutz, an die Herren Vor- sitzenden der Ortsgruppen Lauenburg und Leba oder an mich einzureichen sind. Lauenburg, den 12. März 1907. Der Kreisausschust des Deutschen FlottenvereinS. von Somnitz, Landrat." Das feine Blatt. Daß den auf der Stufe der„Post", des Reichslügenberbandes s tutti quanti stehenden Gegnern der Sozialdemokratie der gute Wille fehlt, die Sozialdemokratie objekiiv zu beurteilen, ist eine längst ausgemachte Sache. Die Tätigkeit des vom Reichskanzler protegierten Lügeuverbandes scheint nun aber auch die Fähigkeit, der Sozialdemokratie gegenüber die Wahrheit zu bekennen, voll- ständig erstickt zu haben. Gestern schrieben wir im Anschluß an den Bericht der Versammlung des sechsten Wahlkreises im Moabiter Ge- sellschaftshause folgendes: „Inzwischen hat sich die bürgerliche Presse schon eilfertig der Rehdemschen Ausführungen bemächtigt. Die„Deutsche TageS- zeitung" knüpft an den Bericht die Bemerkung:„Armer Rehbcin, ivie wird es Dir ergehen I" Die Frage ist so albern wie möglich. Um aber in Zukunft ans diesem Anlast keine Geschichtsfälschungen auskommen zu lassen, die bei der bekannlen Art unserer Gegner In erwarten find, wollen wir bei dieser Gelegenheit vorbeugend eststellen, dast der Genosse R e h b e i n Ende voriger Woche— also vor seiner Rede im sechsten Kreise— aus seiner Tätigkeit als Berichterstatter des„Borwärts" ausgeschieden ist." Die vom Reichskanzler als eines der vornehmsten Blätter be- lobigte„Deutsche Tageszeitung" brachte es nun fertig, in ihrer gestrigen Abendausgabe folgendes zu schreiben: „Genosse Rehbein ist geflogen.... Dem Berichte über die Versammlung fügten wir vorgestern die Worte an:„Armer Reh- dein! wie wird es Dir ergehen?" Inzwischen ist es dem armen Rehbein schon schlecht ergangen. Wie der„Vorwärts" mitteilt, ist Rehbein Ende voriger Woche aus seiner Tätigkeit als „Vorwärts"-Berichterstatter ausgeschieden. Ob das ganz freiwillig gewesen ist?" Das Blatt erlaubt sich da eine doppelte Niederträchtigkeit. Ein- mal unterstellt es, Genosse Rehbein habe gewissermasten auS Rache, nachdem er geflogen fei. opponiert. Zweitens lügt das Blatt frech auS dem Handgelenk heraus:„Genosse Rehbein ist ge- flogen!" Gegenüber dieser neuen Probe„anständiger" Kampfes- weise Bülowscher Lieblinge konstatieren wir einfach, dast die Re- daktion des„Vorwärts" am 15. März ganz urplötzlich durch ein Schreiben des Genossen Rehbein überrascht wurde, in dem er mit» teilte, dast er seine Tätigkeit als Berichterstatter einstelle und eine Stelle als Gewerkschaftsbeamter angetreten habe. Die Ausführungen, die nach dem Schwindel der„Deutschen TageSztg." sein Fliegen veranlaßt haben sollen, fanden am 19. März statt. Ob das feine Blatt berichtigen wird S— Verfrühte Ordnungsfreude. Die Ordnungspresse freut sich, nach all den Annagelungen von OrdnnngSlügen und Verleumdungen, die in den Reichstagsreden der Genossen Fischer und Bebel zur Wahlbeeinflussungsinterpellation angenagelt worden find, dem Genossen Bebel wenigstens eine Un- richtigkeit in seiner Rede nachweisen zu können. Die Freude hat ihr die„ M.- G l a d b a ch e r Zeitung" bereitet. Dieses Blatt brachte nämlich eine lange Erklärung, worin sie in Abrede stellt, daß sie die Geschichte von dem Bebel- Singerschen Sektgelage gebracht und nachher für eine Berichtignng 20 M. verlangt habe. Wie das Blatt unter Berufung aus den Parlamentsbericht der„Rheinisch-Westsälischen Zeitung" be- hauptet, soll das nämlich Bebel in seiner Reichstagsrede am Dienstag gesagt haben. Die„M.-Gladbacher Zeitung" glaubt vom Genossen Bebel erwarten zu dürfen, dast er seine unrichtige Behauptung an derselben Stelle, wo er sie ausgesprochen hat, auch zurücknimmt. Dazu wird Genosse Bebel wohl nicht in der Lage sein, au� dem einfachen Grunde, weil er von der„M.-Bladbacher Zeitung" nichts behauptet hat. Bebel hat, wie aus dem„Vorwärts"-Berichte zu er- sehen ist, von dem„General-Anzeigcr" in M.- Glatzbach gesprochen, der sich dann in der Tat auch so verhalten hat, wie Bebel sagte. Die„M.-Gladbacher Zeitung" ist auf den ungenauen Bericht der „Rheinisch-Westsälischen Zeitung" hineingefallen. Das schönste an der Sache ist, dast die„Rhein.-Wests. Ztg." selbst die Erklärung der„M.-Gladbacher Zeitung" wiedorgiebt mit der frechen Hinzufügung, Bebel rede und behaupte soviel, dast es ihm aut ein bißchen mehr oder weniger Falsches nicht ankomme. Die„Rhein.- Wests. Ztg." sollte, ehe sie anderen Leuten Unrichtigkeiten vorwirft, bei sich selber mal nach dem Rechten sehen und ihre Berichte von falschen Behauptungen säubern. Achnliche freche Bemerkungen haben die„Post" und die„National- Zeitung" an ihre Meldungen über den Fall gelnüpft. Das letztere Blatt glaubt sehr witzig zu sein, indem es schreibt: „Zur Entschuldigung Bebels muß man anerkennen, daß er dies- mal anfangs seiner Rede nicht erklärt hat, er werde nur behaupten, was er auch beweisen könne. Wenn er selbst damals, als er dies besonders ankündigte, nicht in der Lage war, sein Versprechen zu halten, wieviel weniger dann sonst!" Die„Nalional-Zeitung", das fein unterscheidende und gewissen- haste Blatt weist, dast Parlamentöberichte der Tagespresse oftmals ungenau sind(Im.VorwärtS"-Reichstagsbericht stehl übrigens richtig: „Gencral-Anzeiger" I) Die„National-Zeitung" hätte also, ehe sie sich über die angebliche mangelnde Sorgfalt anderer Leute pharisäisch entrüstet, allen Anlast gehabt, erst einmal das amtliche Stenogramm über die Rede Bebels, das ihr zur Hand war, nachzuschlagen. Aber das fiel dem gewissenhaften Blatt natürlich nicht ein. Wenns gegen einen Sozialdemokraten und besonders gegen Bebel geht, nimm: es gierig wie eine alte Klatschbase auf die Skandalosa jede Beschuldigung ohne weiteres als wahr an. Der Hereinfall ist den Selbstgerechten daher durchaus zu gönnen. Genosse Bebel hat der„Gladbacher Zeitung" eine Antwort zu- gesandt. Unsere Parteipresse wird gebeten, so weit eS nötig sein wird, von dieser Antwort Notiz zu nehmen. � Herr Dernburg wird demnächst, wie das Mosseblatt meldet, seine afrikanische Informationsreise antreten. Er will zu- nächst Südwestasrika im Fluge bereisen, um dann über Britisch-Südafrrka und Portugiestsch-Lstafrika einen Abstecher in Dcutsch-Ostafrika zu machen. Dann ist er ein ebenso großer Kolonialsachverständiger wie Herr Starz und Herr S e m l e r.— Man munkelt übrigen?, daß Herr Dernburg auf seiner Inspektionsreise möglicherweise„zufällig" dem Hängc-Petcrs begegnen werde, der sich ihm dann eventuell an» chliesten werde!_ SchiffahrtSabgaben auf der Elbe. In der heutigen Sitzung des böhmischen Landl�es führte der Statthalter in Beantwortung einer Interpellation aus.»er je, vom Handelsminister zu der Erklärung ermächtigt, dah die deutsche Regierung in der Angelegenheit der Wiedereinführung von Schiff- fahrtsabgaben auf der Elbe bisher an die Regierung nicht heran- getreten sei und dah daher der österreichischen Regierung zu irgend welchen Verhandlungen über diese Angelegenheit kein Anlast ge- boten war. Um aber schon jetzt jeder Unsicherheit der am Elbever- kehr interessierten Kreise über die Auffassung der Regierung be- züglich des im Deutschen Reiche vielfach erörterten Projekts einer Abgabenerhebung auf der Elbe vorzubeugen, betone er, dah die Re- gierung sich der Bedeutung der vertragsmästigen Abgabenfreiheit der Schiffahrt auf der Elbe für die heimische Volkswirtschaft wohl bewußt und eben deshalb an den Garantien unept- wegt fe st zuhalten bemüht sei, die das internationale Elberecht Oesterreich in dieser Beziehung gewähre."— Staatstagelöhner. Der Postbote D. war als Ltjähriger Mann in den Staatsdienst getreten; nach fünfjähriger Dienstzeit bezog er bis zuletzt einen Tagelohn von 2,50 M., macht 75 M. d e n Mona t. Hiervon mutzte er für M i e t e 19 M. und an ein Abzahlungsgeschäft, das bei seiner Verheiratung die Möbel geliefert hatte, 1 5 M. den Monat bezahlen, so dah ihm für seine und seiner Ehefrau sonstigen Bedürfnisse die gewaltige Summe von 4 1 M. d e n Monat blieb, wovon überdies noch sonstige kleine Schulden bezahlt werden mutzten. In seiner Rot schaffte D. Briefe, Muster und kleine Pakete, in denen er Wertsachen der- mutete, beiseite, den Inhalt verlauste er an Kollegen. Vor Gericht war der Angeklagte in vollem Umfange geständig, er gab seine bedrängte Lage als Entschuldigung an. Der Vorsitzende meinte, D. habe doch eine gesunde starke Frau, warum biestc denn nicht hätte mit verdienen können? Der staat treibts also ganz in Unternehmermanier und verlangt von seinen Beamten, daß sie, um leben zu können, die Hülfe von Frau und Kindern in Anspruch nehmen. Der Angeklagte wurde dem staatsanwaltschaftlichen Antrage gemäß zu einem Jahr Ge- fijngnis verurteilt. Ein Opfer fiskalischen Sparsystemsi— Braunschweig in Rcgentennöten. Zu der Meldung der..Braunschweigischen Landeszeitung", wo- nach der Regentfchaftsrat den Herzog Johann Wibrecht zu Mecklenburg dem Landtage als Regenten des Herzogtums vorschlagen werde, sind die amtlichen„Braunschweigischen Anzeigen" vom her- zoglichen Staatsministerium ermächtigt, eine Erklärung zu ver- öffentlichen, in der es heißt: Es hat bis jetzt weder im Regentschaftsrate, noch in der Fandesversammlung, noch im herzoglichen Staatsministerium, noch in der letzten geheimen gemeinschaftlichen Sitzung des Re- gentschaftsrates und der staatsrechtlichen Kommission des Land- tages irgend eine entscheidende Stellungnahme bezüglich des Borschlages und der Wahl eines Regenten stattgefunden. Auf welche Persönlichkeit sich Vorschlag und Wahl richten werden, ist noch völlig ungewiß.—_ Die Eisenbahner und die Reichstagswahlen. In Nr. 5 des„Vorwärts" vom 5. Januar 1907 hatten wir eine Zuschrift über die Verteilung von Weihnachtsgratifikationen im Bereiche des Dortmunder Eisenbahnbczirks gebracht. In der Nummer 9 nahmen wir eine Berichtigung der Essener Eisenbahn- dircktion auf, in der unsere erste Notiz richtiggestellt wurde. Hier- an hatten wir die Bemerkung geknüpft, daß wir es unserem Gewahrsmann überlassen müßten, sich zu dieser Bemerkung zu äußern. Die angestellten Recherchen haben ergeben, daß unser Gewährsmann das Opfer einer Irreführung geworden ist. Wir können daher unsere Angaben nicht aufrecht erhalten.— Der klagende Herr Liebert. Dem Genossen S ch ö p f l i n. so meldet die„Leipziger Volkszeitung", ist gestern die Anklageschrift in dein Veleidiguggsprozeß zugegangen, den der Reichsperbgnds- koinmandeur, öteichslagsabgeordneter und Generalleutnant v. Liebept gegen Schöpfiin angestrengr hat. Schöpflin soll sich gegen nicht weniger als drei Paragraphen des Strafgesotzbuchs vergangen haben, nämlich gegen 135, 189 und 187. Der Prozeß wird recht interessant werden. Husland. Oesterreich- Ungarn. Der Ansgleich ist nicht(oder noch nicht?) zustande gekommen. Die österreichischen Minister sind von Budapest nach Wien zurück- gereist. Die Ausgleichsverhandlungen werden nach Ostern fort- gesetzt werden. Budapest, 22. März.(W. T. B.) Wie verlautet, wird Minister- Präsident Wekerle sich in den nächsten Tagen nach Wien begeben, um dem Kaiser über den Stand der Ausgleichsverhandlungen zu berichten. Die Btätter konstatieren, daß bisher wohl Annähcrungs- versuche gemacht worden seien, jedoch kein befriedigendes Ergebnis zustande gekommen sei. Die Erörterung wirtschaftlicher Fragen sei mit politischen und staatsrechtlichen Fragen verquickt worden; Oesterreich stehe aus der Basis starrer Gemeinsamkeit, Ungarn aus der Grundlage wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Auf so grundver- schicdener Basis habe somit eine Vereinbarung nicht erreicht werden können.— Schweiz. Staatliche Altersversicherung im Kanton Waadt. Lausanne, 19. März.(Eig. Ber.) Das Parlament unseres in sozialen Dingen sonst sehr rück- ständigen Kantons hat nun den Entwurf der Regierung betreffend Einführung der staatlichen Altersversicherung angenommen. Das Gesetz bestimmt im wesentlichen folgendes: Es wird eine Alters- Versicherungsanstalt für den Kanton Waadt geschaffen. Der Staat übt die Kontrolle, bietet Garantie, gewährt Steuerfreiheit und be- streitet die Betriebskosten. Lille Personen, die im Kanwn wohnen — auch die außer dem Kanton wohnenden Waadtländer— können der Versicherung beitreten. Kinder können vom ersten Tqg der Geburt an eingekauft werden. Eine Einzahlung von 190 Frank gewährt dem Versicherten vom 99. Jahr an eine jährliche Rente von 129 Frank, vom 85. an von 298 Frank. Die Zahlungen können jederzeit und in jedem beliebigen Betrag geschehen. Sie können unterbrochen und nach Belieben wieder ausgenommen werden. Je nach dem einbezahlten Betrage richtet sich die Rente. Doch darf diese 1299 Frank pro Jahr nicht übersteigen, ebenso darf eine Person pro Jahr nicht mehr als 1009 Frank einzahlen. D'c staat- liche Altersrente kann nicht abgetretett werden; die Einzahlungen können allerdings zu zwei Dritteln von Gläubigern mit Be- schlag gelegt werden.— Den Einzahlenden gewährt der Staat „Ausmuntcrungsprämien": Auf eine jährliche Einzahlung von 8 Frank ebenfalls 8 Frank, auf eine Einzahlung von 12 Frank 8 Frank, auf eine solche von 24— 60 Frank 10 Frank. Einzahlungen können schon von 2 Frank an gemacht werden. Vermögende Leute sowie solche, die jährlich über 39 Frank einlegen, haben keip Recht auf den Staatsbeitrag. Im Falle, daß der Versicherte vor dem 89. Jahre invalid wird, erhält er eine den Umständen nach redu- zierte Rente. Ueberschüsse werden zur Hälfte in einen Reserve- fonds gelegt, zur anderen Hälfte kommen sie frühzeitig Invaliden zugute. Defizit deckt der Staat. Wer von seiner Geburt an jähr- lich 8 Frank einlegt, hat vom 69. Jahre an eine Rente von 323 Frank zugute, wer 12 Frank zahlt, eine solche von 538 Frank, wer 24 Frank zahlt, eine solche von 915 Frank. Danach scheinen die Verficherungsbcdingungen nicht ungünstige zu sein._ Kein BremSerlaß! Die Erziehungsbehörde des Kantons St. Gallen fordert mit- tcls Rundschreiben die Schulgemeinden des Kantons auf, alle Lehrcrgehältcr, welche nur das gesetzliche Minimum von 1409 Frank betragen, zu erhöhen. Zur selben Zeit verbietet der preußische„Kultusminister" Studt den Gemeinden die Erhöhung der Lehrcrgehältcr l Die Nnentgeltlichkeit der Lehrmittel einzuführen, ferner die Erhöhung der Lchrergchältcr beschloß die Schulgemeinde Neukirch- Egmach(Kanton Thurgau). Frankreich. Montagninis Papiere werden nunmehr von einer parlamen- tarischen Kommission untersucht werden, in der sich 7 Sozialisten, 11 radikale Sozialisten und Radikale, 3 Mitglieder der Union und der demokratischen Linken, 1 Mitglied der republikanischen Ver- einigung, 1 Unabhängiger befinden. Zu den Kommissionsmit- gliedern zählen der Abb� Lemire, der ehemalige MarineminUter Pelletan und die Sozialisten Jaures und Rouanet. Alle Pit- glieder der Kommission sind für schleunige Veröffentlichung der Papiere, einige wünschen, daß man diejenigen Papiere von der Veröffentlichung ausnehme, die keinen politischen, sondern einen privaten Charakter tragen. Dem„Figaro" zufolge geht aus den bei Monsignore Montagnini gefundenen Papieren hervor, daß der Papst vor Veröffentlichung der Encyklika„Gravissimi" die Meinung des konservativen Deputierten und Professors der Rechte Grousseau einholte. Grousseau habe ein sehr ausführlich begründetes Gutachten ab- gegeben, in welchem er sich mit aller Entschiedenheit für das Verbot der Kultusvereinigungen aussprach, und der Papst, der früher nicht abgeneigt gewesen sei, die Kultusvereinigungen zu gestatten, habe sich der Ansicht Grousseaus angeschlossen. Ferner befinde sich unter dem Material eine Depesche des Kardinals Merry del Val betreffend die Kircheninventaraufnahme. In dieser Depesche werde den Geistlichen nicht aufgetragen, Widerstand zu leisten, sondern lediglich empfohlen, Katholiken, die sich dem Eindringen der Finanz- beamten widersetzen sollten, freie Hand zu lassen, weil von dieser Haltung ein gutes Resultat zu erwarten sei. Dieses Schriftstück sei das einzige, welches mit dem gegen den Pfarrer der Kirche St. Augustin, Abbe Jouin, angestrengten Prozesse in Zusammen- hang gebracht werden könne; doch müsse betont werden, daß gerade Abbe Jouin von Montagnini, den er schon seit mehreren Jahren nicht gesehen hatte, keinerlei Weisungen erhalten habe. Dann liege ein Bericht des Monsignore Gaspari vor, des Sekretärs der außer- ordentlichen kirchlichen Angelegenheiten im Vatikan, welcher einen Deputierten des radikalen Blocks betreffe. Das Schriftstück trage den Vermerk„sofort verbrennen", Montagnini habo es unterlassen, diese Weisung zu befolgen. Ferner befänden sich unter den Papieren Noten, aus denen der Schluß gezogen werden könne, daß der frühere Ministerpräsident Roubier nicht vollständig ab- geneigt gewesen sei, zu einer Verständigung mit der Kurie zp gelangen. Außerdem ein Taschenbuch von Monsignore Moiitagnini, das den Inhalt seiner Unterredungen mit politischen Persönlich- leiten, darunter namentlich mit den konservativen Deputierte» Piou und DenyS Cochin, verzeichnet, lieber einen angeblichen Briefwechsel botreffend die von einer Dame für Rechyung Clemen- ceaus in Rom unternommenen Schritte sei in den Papieren Montagninis nichts enthalten.— Zum Borsitzenben des Pariser Gemeinderats wurde der unab- hängige Sozialist Lefebvre niit 42 gegen 33 Stimmen gewählt.— England. Der neue Grasschaftsrat von London. In der letzten Sitzung des Londoner Grafschaftsratcs kam es zu einem Konflikt zwischen den beiden Parteien ivegen der Finanz- läge der Stadt. Die„Moderierten"(Gemäßigten) warfen dest Progresiisten vor, diese hätten den Kredit der Stadt London her- untergebracht. Deren Führer antwortete, daß dies nur geschehen sei durch die verleumderischen Hetzreden der Moderierten während des Wahlkampfes. Nachdem der Führer der Vrogrcssistcn 15 Minuten gesprochen hatte, wurde ihm— entgegen oer stbltchen Gewohnheit— das Wort nicht weiter gestattet, sondern es wurde S ch l u ß der Diskussion gemacht, worauf die Progressisten dop Saal verließen. Dieses Vorkommnis gibt einen Vorgeschmack davon, wie die „Moderierten" ihre Herrschast auszuüben gedenken. Die Londoner Bevölkerung, die dieier reaktionären Gesellschaft zum Siege ver- Holsen hat, wird noch ihr blaues Wunder erleben. Rumänien. Der Bauerilaufstand dehnt sich, wie es scheint, immer weitep ans. Zuverlässige Nachrichten sind einstweilen noch schwer zu er- halten; denn die rumänischen Telegrammzensurverhältnisse muß man sich etwa so vorstellen wie die russischen oder noch ärger. Demnach verdienen die ganz- oder halbossiziellen bezw- offiziösen Meldungen aus Rumänien wenig Glauben. Wie über Wien berichtet wird, soll die Stadt Dorohoj von den Bauern vollständig ausgeplündert und niedergebrannt und die Be- völserung geflüchtet sein. In Cucuteni, wo viele Ungarn wohnen, fand ein gusannneiistoß zwischen Rumänen und Ungarn statt, bei dem vier Ungarn getötet und dreißig verwundet wurden. In Belgesiie kam es zu einem Kampf zwischen Bauern und Truppen; hierbei wurden 14 Bauern getötet. Auch der Bezirk Folkschanu ist in Aufruhr; die Ortschaft Sulice ist vollständig zerstört. Weitere Meldungen besagen i Bukarest, 22. März. er das Urteil aufhob und auf nur eine Woche Gefängnis erkannte. In der Begründung hieß es, der Vorwurf der Parteilichkeit sei für einen Richter schwer beleidigend, aber vier Wochen Gefängnis seien doch eine zu hohe Strafe. Ueber dir Behandlung des Genossen v. LojcwSki von der Erfurter„Tribüne" im Gefängnis zu Magdeburg erfährt die„Tribüne", daß der Genosse b. LojcwSki jetzt gute Buchbinderarbeiten habe, ferner gute Bücher in der Zelle, und ihm erlaubt wurde, die„Frankfurter Zeitung" zu lesen; endlich ist ihm gestattet, bis 19 Uhr abends Licht zu brennen, so daß, da. bei diesem Zustande seine Gesundheit bisher nicht wesentlich beeinträchtigt ivorden ist, LojcwSki erst die letzten Monate seiner Inhaftierung Selbstbeschäftigung nehmen wird. Soziales. j�uiiyt.icuch.uciti.uyv w»»-v wu( uv iujic.—■o»«» ganzen Wahlkreise, in dem wir bei der letzten ReichstagSwahl 7234 Stimmen erhielten, find rund 2300 Genossen politisch organi- Der Beirat für Arbeiterstatistik hielt am Freitag eine Sitzung ab, in der nach Entgegennahme einiger geschäftlicher Mitteilungen und Neubesetzung der AuS» schüsse Bericht über den Stand der Enqueten gegeben wurde. Die Ergebnisse über die Erhebungen im Fleischergewerbe sind im Jahre 1995 in der Bearbeitung fertiggestellt und veröffentlicht. Eine sich hieran anschließende Umfrage über die Er- krankungen und Sterbcfälle der bei den Krankenkassen versicherten Arbeiter im Flcischereigewerbe ist vom Statistischen Amt bearbeitet und arff Beschluß des Beirats dem Reichsgesundhcitsamt zur Be- gutachtung überwiesen. Dieses Gutachten ist im Februar d. I. eingegangen und wird nunmehr der Ausschuß für das Fleischerei- gewerbe Stellung zu dem Ergebnis der Enquete nehmen. Die Erhebungen im Fuhrwerksbetriebe umfaßten un- gefähr 19 Proz. der Betriebe. Ferner wurden 55 Personen ver- nommen, die mündliche Auskunft über die Verhältnisse im Gewerbe erteilten. Auf Beschlutz des Beirats wurde sodann eine Anzahl Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer um Be- antwortung eines Fragebogens ersucht, der ermitteln will, in- wiefern eventuell eine Regelung der Arbeitszeit im Gewerbe mög. NH tff. Such hier find Ermittelungen über Me Utf fct Et. krankungen der im Gewerbe Beschäftigten angestellt; diese Er- gebnisse liegen noch dem Reichsgesundheitsamt zur Begut» achtung vor. Im Binnenschiffahrts-Gewerbe sind die Frage- Logen im Jahre ISOS versandt; die Ergebnisse sind zum Teil bc- kanntgegeben, der Rest befindet sich im Druck. Der AuSschutz wird zunächst zu prüfen haben, ob die Umfrage durch Vernehmung von NuSkunftspersoncn zu ergänzen ist. Die Enquete über die Arbeitszeit in Wasch- und P l ä t t an st alten wurde auf Wunsch des Beirats dahin erweitert, dah auch über den Umfang der Sonntagsarbeit Ermittelungen angestellt wurden. Die Erhebungen erstreckten sich auf ungefähr W) Proz. der Betriebe. Das Material ist bearbeitet und erfolgt nunmehr die Veröffentlichung. Der Ausschuß wird sich auch hier mit der Frage zu beschäftigen haben, ob Auskunftspersonen zu vernehmen sind. Die Arbeiten des Beirats sind durch die lange Pause, die die Auflösung des Reichstages eintreten ließ, etwas ins Stocken ge> raten. Der Präsident will sich bemühen, die Erledigung der rückständigen Enqueten möglichst zu fördern. Ablehnung einer Teuerungszulage. Die Stadtvcrordneten-Versammlung in Münster lehnte mit allen gegen 3 Stimmen einen Antrag auf Gewährung einer Teuerungszulage an die städtischen Arbeiter ab. Dieselben Zentrumsleute und Liberalen hatten vor wenigen Jahren das Ge- halt des Oberbürgermeisters um die Kleinigkeit von 6000 M. erhöht. Der Bezirksausschutz lehnte damals die Zustimmung zu diesem Beschlutz ab, der dann angerufene Vrovinzialrat erteilte die Genehmigung._ 16. Internationaler Medizinischer Kongreß. Der 16. Internationale Medizinische Kongreh findet lgl>g in Budapest statt. Der Staat Ungarn und die Stadt Budapest haben zur Deckung der Auslagen je 100 006 Kronen bewilligt. Der Tag der Eröffnung ist auf den 20. August 1909 festgesetzt; die Sitzungen »Verden bis 4. September dauern. Das erste Zirkular, das alles Wissenswerte sowie die Statuten des Kongresses enthält, soll im Laufe des Jahres 1007 versendet werden. Bis dahin gibt der Generalsekretär des Kongresses(Adresse: 16. Internationaler Medizinischer Kongreh. Budapest(Ungarn), VIII, Estcrhäzygasse 7) den Interessenten bereitwilligst Auskunft. (Wiederholte weil nur in einem Teil der Auflage.) Huö Induftrie und Kandel. Die Großindustrie befiehlt! Das Unternehmerorgan»Stahl und Eisen" beschäftigt fich in seiner Nr. 12 27. Jahrgang in einem Artikel.Industrie und neuer Reichstag' mit den von den verschiedenen Parteien eingebrachten sozialpolitischen Anträgen. Besonders die auf Regelung der Arbeits- zeit gerichteten Anträge haben eS den Herrschaften angetan und sie geben der Regierung Anweisung, wie weit sie gehen darf. Kategorisch wird bestimmt: .Aussicht auf Verwirklichung haben gegenwärtig nur die auf Verkürzung des MaximalarbeitstageS für Frauen gerichteten Be- strebungen." Da der Reichskanzler noch vor einigen Wochen erst den Scharf- macherverband um weitere Mitarbeit auf sozialem Gebiet nach dein bisherigen bewährten Muster ersuchte, wird man in der Regierung wissen, was zu tun ist, um den Unwillen der Grotzmächtigen im Jndustriereich zu vermeiden. Wer den Artikel in der Unternehmer- fchrift liest, weitz schon im vorau», was die Regierung zur Be- gründung ihre» ablehnenden Standpunktes gegenüber den in Betracht kommenden Anträgen sagen wird. Der geschästsführende AuSschutz des Unternehmertums kennt seine Pflicht. Wahrheit und Dichtung. In der Generalversammlung der Bergbau- Miengesellschaft Matzen erklärte die Verwaltung nach einem Bericht des ,B. B.-C.": .Die Arbeitsverhältnisse im Ruhrkohlenbcrgbau würden von , Tag zu Tag kritischer. Es sei eine Tatsache, datz bei stets wachsenden Löhnen der Effekt zurückgeht. So lägen die Verhältnisse auch bei Matzen. Datz in diesen Behauptungen der Borwurf zunehmender Faulheit liegt, wird niemand bestreiten wollen. Es wird auch ausdrücklich exemplifiziert auf das Ruhrrevier. Sehnliche Behauptungen kann man übrigens auch in anderen Geschäftsberichten finden. Was aber besagen die ziffernmäßigen Feststellungen? Da» Gegenteil! Eine vom Berlag der Berg- und Hüttenmännischen Zeitschrift.Glück auf!" herausgegebene Zusammenstellung über die Ergebnisse der Ruhrgruben gibt die aus den von den Werken gelieferten Unterlagen gewonnenen Zahlen wie folgt an: Gesamtsörderung für die Gesamt- Jahr IS Verqrevlere belegschast im Ruhrbezirt in Tonnen Personen 1SOS.... 64689504 255992 1904.... 67633681 270259 1905.... 65 873631 267798 1906... 76 811 054 278 719 DaS Jahr 1905 kann zu Vergleichen nicht gut weil der Streik in diesem Jahre einen erheblichen Fördcrausfall brachte. Zur Borsicht lassen wir aber auch das Jahr 1904 außer Berechnung. Ein Vergleich mit dem Jahre 1908 zeigt, datz im letzten Jahre ein pro Kopf um über 23 Tonnen erhöhtes Förder- quantum erzielt wurde... Wir haben übrigens bereits aus einer Reihe Geschäftsberichten festgestellt, datz nicht nur in der Jahres- menge, sondern auch pro Schicht die Leistung im Jahre 1906 ge« stiegen ist. Die Unternehmer stecken Reingewinn ein. die Arbeiter werden mit Beschimpfungen regaliert. Harmonie der Interessen! Im deutschen Schiffbau werden zurzeit schon weit über 60000 Arbeiter beschäftigt. Auf den 28 größten Privatwersten betrug 1905 die Arbeiterzahl 41 051, auf den kaiserlichen Werften 16 400, auf den kleineren Werften' sind aber auch noch einige Tausend Mann tätig. Da 1906 die Zahl der Beschäftigten kräftig zunahm, so ist die Zahl 60 000 sicherlich schon erheblich überschritten. Der durchschnittliche Wert der Erzeugung der deutschen Werften stellt sich auf 80 bis 100 Millionen Mark jährlich, wobei die Erzeugung der kaiserlichen Werften nicht mit einbezogen ist. Di« Werften in Form emer Aktiengesellschaft arbeiten mit einein Nomiual-Aktienkapitale in Höhe von rund 85 Millionen Mark. In den beiden Jahren 1906 und 1906 wurden an Handelsschiffen und KiiegSschiffen sn Registertonnen brutto vom Stapel gelassen: 1905 1906 Seeschiffe: Dampfer...... 210 996 300 031 Segler....... 8 894 8 263 Flutzschtffe.......... 10170 12 267 Fahrzeuge zu besonderen Zwecken. 46 871 46 769 Kriegsschiff«......... 30 630 23 671 Eine Riesrnzeche. Die zur Thyffenschen gleichnamigen Bewerk- schast gehörende Zeche.Deuttcher Kaiser" hatte im Jahre 1903 eine Belegschast von 6439 Mann und erzielte eine Fördsrnng von » ftfto oa?.»— 1900 waren auf 5 Schächten belief sich auf Förderung pro Kops der Belegschast in Tonnen 252,7 249,9 244,1 275,6 benutzt werden, 1689 077 Tonnen: im Jahre____ 9845 Mann beschäftigt, die Förderung belief sich auf 2421694 Tonnen. Nun ist bei Hamborn der 6. Schacht fertiggestellt worden, mit dessen Lbteufung l903 begonnen wurde. Der Förderkorb dieses Schachtes faßt 50 Personen, eine Zahl, wie man sie bisher auf keiner Zeche in Deutschland kennt. Die Maschinen erhalten elektrischen Antrieb. Mft der JnbetrieLnahme de? neuen Schachtes, der mit Schacht I m Verbindung steht, wird die Beleg- schast abermals tmrchsen._ Hue der Frauenbewegung. KindcrerziehungS-Rcnten. In der dieSmonatlichen Versammlung der Berliner Ortsgruppe des Bundes für Mutterschutz, die Anfang der Woche im Architekten- Hause tagte, befürwortete Dr. W. Borgius die Einrichtung einer KindererziehungS- Rentenversicherung. Zur Be- gründung führte er folgendes aus: Die Geburtenziffer des Deutschen Reiche? weist im letzten Menschenalter einen verhängnisvollen Niedergang auf; von 42 bis 43 pro Mille Mitte der 70er Jahre auf 34 im letzten Jahre. Selbst der Ueberschuh der Geburten über die Sterbefälle war 1905 schon um 70 000 geringer als 1004 und steht mit 0,8 pro Mille stark zurück gegen Dänemark mit 11,2, Norwegen mit 12, England mit 13,6 und Ruhland mit 15,2. Gegen solche zunehmende Ausbreitung neu- malthusianischer Praktiken läßt sich grundsätzlich wenig tun, zumal teilweise berechtigte Motive zu Grunde liegen. DaS Hauptmotiv ist aber die Rücksicht auf die Kosten der Aufziehung von Kindern. Hier läht sich der Hebel ansetzen. Das Prinzip, dah die Kosten der Aufziehung von Kindern ausschließlich ihren physischen Erzeugern zur Last fallen, bildet einen»ökonomischen Hemmschuh der Bevöl- kerungsvermehrung". Da nun aber die Höhe des Einkommens durchaus nicht der Höhe der rassenbiologischen Tüchtigkeit parallel läuft, vielfach eher umgekehrt, so wirkt jenes Prinzip überdies anti- selektorifch. Daraus folgt die Notwendigkeit einer gleichmäßigeren Verteilung der Erziehungslasten aus die Gesamtheit der Staats- angehörigen, der Erwerbsfähigen oder mindestens der Fort- pflanzungsfähigen. Im weiteren befürwortete der Redner die Einführung einer freiwilligen KindererzichungS-Rentenversicherung, zu welcher Sud» ventionen auS öffentlichen Mitteln beansprucht werden könnten. Jeder, der vom Beginne der Fortpflanzungs- bezw. Erwerbsfähig- keit ab seinen Versicherungsbeitrag zahlt, würde auS dem sich bil- denden Fonds später, wenn er Kinder hat, regelmäßige ErziehungS- reuten für diese erhalten. Von der Versicherung auszuschließen wären biologisch minderwertige Personen(Syphilitiker, Tuberku- löse, Alkoholiker, Geisteskranke usw.). Nach längerer Diskussion wurde fast einstimmig nachfolgende Resolution angenommen: „Das herrschende Prinzip, nach dem die mit der Auf. zucht der jüngeren Generation verbundenen Kosten ausschließlich deren physischen Erzeugern zur Last fallen, ist ungerecht; denn es belastet die, welche sich der hohen persönlichen Opfer dieser Auf. gäbe unterziehen, überdies mit einer ständigen hohen Sonder- steuer, während die, welche sich jener sozialen Leistung entziehen, auch finanziell zu deren Erfüllung nichts beitragen. Die Ver- sammlung sieht hierin aber auch eine Hauptwurzel der eine ernste Gefahr für die Zukunft unseres Volkes bedeutenden Abnahme der Fruchtbarkeit und erklärt daher die Anbahnung einer gleichmäßigeren Verteilung der ErziehungS- 'asten für erforderlich. Die Versammlung ersucht den Bund für Mutterschutz, eine besondere Kommission von ärztlichen, juristischen, volkS- wirtschaftlichen und versicherungStechnischcn Sachverstän- d i g e n einzusetzen mit der Matzgabe, die Einzelheiten des Pro- jektcs unter Heranziehung geeigneter Hausfrauen und Mütter zu prüfen und näher auszuarbeiten. Gleichzeitig bittet sie den Bund, dahin zu wirken, daß baldtunlichst statistisch festgestellt wird, wie sich in Deutschland die vorhandenen Kinder in nichterwerbsfähigem Alter auf die vorhandenen Ehen verteilen und zwar unter Aus- einanderhaltung der Hauptaltersstufen bei Eltern und Kindern, sowie solcher Bevölkerungsgruppen, deren verschiedenes Verhalten in dieser Hinsicht zu vermuten ist." Die englischen Wahlrechtlerinne». Man muß es den englischen Frauen, welche den Kampf für das Frauenwahlrecht aufgenommen haben, lassen, daß sie ihre Sache mit einem Eifer und einer Zähigkeit verfolgen, die ihres gleichen sucht- Die von Dickenfon eingebrachte Frauenwahlrechts-Bill ist im Parla- ment bekanntlich totgeredet worden, ein Grund für die Frauen, den Kampf sofort von neuem aufzunehmen. Sie versammelten sich in Caxton Hall und beschlossen eine Resolution, in welcher der Premierminister Canipbell Bannerman aufgefordert wird. nunmehr, entsprechend seiner eigenen Ueberzeugung, dem Parlament einen Gesetzentwurf zu unterbreiten. Die Re- solution. so wurde ferner beschlossen, sollte sofort dem Premierminister zugestellt werden; die Lady Haberton wurde dazu autersehen, die Refolution zu überbringen. Aber die ganze Ver- sammlung. an der Frauen auS fast allen größeren Städten Eng- lands teilnahmen, schloß sich an und zog nach Westrninster vor das Parlamentsgebäude. Wenigstens versuchten sie eS; die Polizei, diesmal vorbereitet, versperrte den Demonftranien den Weg. Die Frauen ließen sich aber nicht einschüchtern, schlössen sich zu fünf und sechs aneinander und drangen, wenn auch auf Um- wegen, bis zum Parlamentsgebäude vor. Auch hier kam eS wieder zu regelrechten Kämpfen mit der Polizei. Auf beiden Seiten wurde gestoßen, gepufft, gezerrt usw. Scchsundsiebztg Frauen wurden verhaftet und zu Geldstrafen bis zu 40 M. und zu Gefängnisstrafen bis zu zwei Wochen verurteilt. Die Frauen haben sich entschlossen, die Geldstrafen nicht zu zahlen, sondern lieber ins Gefängnis zu gehen. Unter den verhafteten befindet fich auch eine schwedische Künstlerin, Frau Naist-PeterS, eine Freundin von Ibsen. Am Abend war eine weitere Versammlung anberaumt. Lady Haberton wurde vom Premierminister nicht empfangen: er sei zu sehr beschäftigt.— Die Frauenwahlrechtsfrage wird ln England von der Tagesordnung nicht mehr verschwinden. Gerichts-Deining. Der HauSeinfturz in Nageld beschäftigte am Mittwoch das Reichsgericht. ES wird noch in all- gemeiner Erinnerung sein, daß am 5. April vorigen Jahres das am Markt in Nagold liegende Haus deS Gastwirts Neudeck, welches um 1�6 Meter gehoben werden sollte, gerade in dem Augenblicke zu- sammenstürzte, als eine lebensfrohe Menge sich in demselben dem Tanze und dem Schmause hingab. Dabei wurden 61 Personen getötet, 67 verletzt. Der Bauunternehmer Erasmus Rück- g a u e r aus Stuttgart, der die Hebung des Hauses ausführen wollte, wurde am 20. Oktober vorigen Jahres nach sechstägiger Verhandlung vom Landgericht Tübingen wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung sowie Zuwiderhandlung gegen die anerkannten Regeln der Baukunst zu 6 Monaten Gefängnis ver- urteilt. Bei der ersten Hebung hatten sich die Winden der einen Seite in den weichen Boden gedrückt und das Haus hatte sich schief gestellt. Später iegte es fich auf die andere Seite. Es traten mehrfach Verschiebungen und Risse ein. aber der Angeklagte, darauf aufmerksam gemacht, erklärte, es sei alles in Ordnung. Als ein Balken der Unterlage sich gefährlich umkantete, machte der Stadt- baumeister Lang den Angeklagten daraus aufmerksam, dieser aber blieb bei seiner Ansicht. Um 12 Uhr mittags war das Hau? bei- nahe um 1,6 Meter gehoben; da legte es sich um und brach zu- sammen. Das Verschulden des Angeklagten, der vorher schon viele Häuser gehoben hatte, ist vom Gericht darin erblickt worden, datz er die Hebung nicht fortwährend beobachtet hat. Eine ständige Be- obachtung der Hebung gehört zu den anerkannten Regeln der Bau- kunst.— Die R e v i s i o n des Angeklagten wurde vom Reichs. gerichl verworfen._ Zum Vereins-Unrecht in Preußen. DaS Kammergericht ist unentwegt an der Arbeit, zu demon« strieren, daß das preußische VereinSrechi eine Auslegung zu er- fahren hat, deren Ergebnis für die Kulturzustände Preußens be- schämend ist und selbst die reaktionärsten Kreise zur endlichen Bs« seitigung des Vereinsgesetzes durch ein freies Reichs-Vereinsgesetz aufpeitschen müßte— wenn das Vereinsgesetz gegen jedermann ohne Rücksicht auf seine soziale Stellung und politische Gesinnung die gleiche Anwendung fände. Dieser Tage wurde folgende hochnotpeinliche Staatsaktion vom Kammergcricht entschieden: In Leitzkau hatte der Verein der Bauhandwerker eine Sitzung abhalten wollen. Sie wurde ohne irgend welche Verhandlung wieder geschlossen. Die anwesenden 20 Mitglieder blieben noch bei einem Fätzchen Bier zusammen, das ein Geburtstags- k i n d spendiert hatte. Dann kamen 17 Maurer aus Gommern hinzu, die der dortigen Zahlstelle des Maurerverbandcs angehören. Ihr Vorsitzender. Enderling, erhob sich nach einiger Zeit, sprach etwas von den statutarischen Einrichtungen stincS Verbandes und forderte zum Anschluß an diesen auf. Die Folge war, daß Schulz vom Bauhandwcrkerberein als Unternehmer und Enderling als Redner einer nicht polizeilich gemeldeten, aber an- mcldcpflichtigen Versammlung auf Grund der Ztz 1 und 12 des Vereinsgesetzes in zweiter Instanz vom Landgericht Magdeburg zu Geld st rasen verurteilt wurden. DaS Landgericht sah die Zusammenkunft als Versammlung zur Erörterung öffent- licher Angelegenheiten an und erachtete für festgestellt, daß der Vorgang beabsichtigt gewesen sei.— Das Kammergerickt verwarf die gegen das Urteil eingelegte Revi» s i o n, weil eine Erörterung der Statuten des Zentralverbandes der Maurer in Verbindung mit der Aufforderung zum Anschluß sehr wohl als Erörterung öffentlicher Angelegenheiten gelten könne. Ein schwörender Polizist. In Nürnberg wurde vor einiger Zeit der streikende Maurer Rödel vom Schöffengericht zu sechs Tagen Gefängnis verurteilt, weil er an einem Neubau einen Stein ruiniert haben sollte. Die Verurteilung erfolgte auf Grund der Aussagen des Schutz- manneS Braunreuther, der beschwor, daß Rödel ganz bestimmt der Täter sei. Auf iviederholten Vorhalt erklärte es jedes- mal, jede Täuschung sei ausgeschlossen, er sei seiner Sache absolut sicher. Er hatte den Täter in einer Eni- sernung von 100 Metern nur von hinten gesehen und wollte ihn trotzdem sicher als den Rödel erkannt haben. I n der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht wurde nachgewiesen, daß Rödel gänzlich unschuldig ist. daß der Schutzmann mindestens objekriv falsch geschworen hat. Aber die Anzeige gegen den Schutzmann wurde abge- wiesen, ebenso lehnte es das Oberlandesgericht ab, die Einleitung eines Verfahrens anzuordnen. Der Schutzmann sei einer Sinnes- täuschnng unterlegen und nicht imstande gewesen, sich von der Richligkeit seiner Anschauung zu überzeugen. Diese Rechtsanschauung erachten wir für zutreffend— aber ist nie ein nicht uniformierter Mensch, der etwas als ganz ficher beschwört, ohne daß er sich von der Richtigkeit seiner Anschauung überzeugt hat, wegen Meineids unter ähnlichen Umständen angeklagt und verurteilt? Der unschuldige„Lokal-Anzeigrr". In recht drastischer Weise bewahrheitete sich das Wort.Wenn zwei dasselbe ttm, ist es nicht dasselbe" in einer Gerichtsverhandlung, die am 20. d. M. vor der Posener Strafkammer sich abspielte. Angeklagt ist der frühere Redakteur des„Kurjer poznanSki" und eines Abklatsches dieses Blattes, des.Oredownik" Stanislaus Nowicki von Posen, der beschuldigt ist. durch Veröffentlichung eines Aufrufs zur Teilnahme an dem Schnlkinderstreik aufgefordert zu haben. Die strafbare Handlung erblickte die Anklagebehörde in der Veröffentlichung de? bekannten AustufS, der bei der Fabrikbesttzerin Wczezinski im September vorigen Jahres durch die Posener Kriminalpolizei wegen seine? aufreizenden Inhalts beschlagnahmt worden war und der folgende Ueber- schrift trägt:„Rette, wer an Gott noch glaubt." Der AngeUagte erklärt, datz er sich nicht strafbar gemacht habe, denn er habe den inkriminierten Ausruf aus deutschen Blättern und zwar auS dem„Berliner Lokal- Anzeiger" übernommen und geglaubt, wenn die deutschen Blätter ihn veröffentlichten, so sei die» auch den polnischen erlaubt. ES sei ausdrücklich auf die Quelle, aus der der Bericht stamme, hin- gewiesen und dieser lediglich in reservierender Form wiedergegeben worden. Eine strafbare Absicht habe ihm ferngelegen. Er habe ge- glaubt, datz daS was deutschen Blättern zu veröffentlichen erlaubt sei, auch polnischen gestattet sei. Dieser Ansicht widerspricht daS Ge« richt durch die Begründung, datz in dem deutschen Wortlaut von denrschen Lesern eine nach K 110 de« Strafgesetzbuch» strafbare Aufforderung nicht erblickt zu werden pflege. Dagegen können pol- nische Leser durch daS Lesen der Aufforderung in polnischen Blättern zum Ungehorsam gegen die in Betracht kommenden Anordnungen der Schulbehörde aufgereizt werden. Die Strafe wurde aus insgesamt 300 M. bemesien. Der Staatsanwalt hatte eine Gesamt-Gesängnis- strafe von einem Monat in Antrag gebracht. In einem zweiten Falle wurde Nowicki wegen desselben Vergehen» zu 60 M., der Redakteur Kasimir Ziolkowski ebenfall» wegen desselben Vergehens in zwei Fällen zu je 60 M. verurteilt. Versammlungen. Genosse Bernstein sendet uns folgende Zuschnst: In der am Dienstag abgehottenen Versammlung deS sozial- demokratischen Wahlvereins Moabit sagte nach dem Bericht in der heutigen Nummer des.Vorwärts" der Genosse Ledebour: „Was Calwer und Bernstein anbetrifft, so machten Bernsteins Angriffe auf die Taktik der Partei unmittelbar nach den Wahlen insofern einen noch peinlicheren Eindruck als die Calwers, als Bernstein in der letzten Legislaturperiode dem Sieichs- tage bis zum Schultz angehört habe, ohne gegen die von der Fraktion eingenommene Haltung in der Kolonialpolitik Einspruch zu erheben, während er nach den Wahlen sofort durch An- griffe auf die s o zi a l d e m o kr a tisch e B e kä m p fu n g der kapitalistischen Kolonialpolitik der Dernburg- scheu Kolonialpropaganda zu Hülfe gekommen sei." Demgegenüber konstatiere ich, datz eS in meinem bezüg» lichen Artikel in den»Sozialistischen Monatsheften" aus- drücklich heißt: »Ich habe hierbei(nämlich mit der Bemerkung, daß in den Reihen der Partei die Kolonialfrage vielfach falsch behandelt worden sei) nicht die offiziellen Akte und Er- lläru ngen der Partei im Auge. Soweit ich mich an diesen zu beteiligen hatte"— d. h. eben als Mitglied der sozial» demokratischen RcichSlagsfraktton—»ist es in rückhalt- loser freier Uebereinstimmung mit meinen Kollegen geschehen, und die Aufrufe deS Partei- Vorstandes im Wahlkampfe find von mir als Muster politischen Taktes begrübt worden. DaS schlimme ist nur, daß diese offiziellen Akte und Erklärungen in der Wahlagitation vollständig zurücktreten hinter gewisse Preß- «rzeugnisse und Redeblüten, mit denen unsere Gegner hausieren gingen." Das mag zur Kennzeichnung deS obigen Ausspruches genügen. Im übrigen beschränke ich mich auf die Mitteilung, daß Aeußcrungen, die in der am Dienstag abgehaltenen Generat- Versammlung des Sozialdemokratischen WahlvereinS des vierten Berliner ReichstagswahlkreiseS gefallen sind, mich veranlaßt haben, an den Vorstand dieses Vereins das Ersuchen zu richten, er möge mir in nächster Zeit Gelegenheit geben, in einer Versammlung des BereiuS auf jene Seußerungen zu antworten. Schöneberg-verlin, den 22. März 1007. __ Ed. vernftein. BSafierftand am 22. Mär, tlbt bei Niisstg— Met«, bei Dresden 4- 2,33 dp.- Elbe bei Magdeburg 2,0« Meter, steigt.— Elbe bei Strautzsur,— Meier.- Oder bei R-ilib-r 8,86 Meier. Oder det Breslau Oberpegel 4- 1.66 Meter.— Neitzemündung 4,64 Meter. Oder bei Brieg S.1S Reler. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Urania. Wissenschaftliches Theater. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater). Sonnabend, abends 8Uhr: Die rote Robe. 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Dalgs Restaurant, Skalitzerstr. 51/52. Wiemers Restaurant, Bülowstr. 58. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/49. Volkshaus in Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Thiel in Rixdorf, Bergstr. 152. Fritsch in Steglitz, Florastr. 2a. Böhle in Spandau, Neumeisterstr. 5. Kaufhold in Ober- Schöneweide, Wilhelminenhofstr. 18. Tempel in Rummelsburg, Alt- Boxhagen 56. Schüler in Köpenick, Hohenzollernplatz 6. Schmutz in Weißensee, König- Chaussee 38. Gehlhaar in Tegel, Berlinerstr. 92. Mokulys in Tempelhof, Berlinerstr. 9. Wetthorn in Königs- Wusterhausen. Ohne Mitgliedsbuch kann niemand wählen. Die Stimmliften werden am Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Wahlleiter ist Otto Handke, Charitéstr. 3. Achtung, Kupferschmiede! Montag, den 25. März, abends 8 Uhr: Allgem. Versammlung der Kupferschmiede in Graumanns Festsälen, Naunynstraße 27. Tagesordnung: 1. Industriekonzentration und Gewert: schaftszersplitterung. Referent: Kollege A. Cohen. 2. Diskussion. Kollegen! Informiert Euch über die hochwichtige Frage der einheit lichen Gewerkschaftsorganisation und erscheint alle. Die Delegierten zu der demnächst stattfindenden Generalversammlung in Breslau sind besonders schriftlich eingeladen. der Montag, den 25. März 1907, abends 8 Uhr: Versammlung Mechaniker, Uhrmacher, Optiker berein- Anteil- Konto Berliner Spar- u. BauDebitoren- Konto Passiva. · Per Geschäfts Guthaben der M Darlehen- Konto Genossen " " " Kreditoren- Konto Reservefonds- Konto 7993,64 M. 1322, · 6350, 316, 5,64 7993,64 Im Laufe des Geschäftsjahres ist ein Mitglied eingetreten. Es sind ausgeschieden infolge Ablebens zum Schlusse des Geschäftsjahres 1903 ein Genosse, infolge Kündigung zum Schlusse des letzten Geschäftsjahres 14 Genossen. Am Jahresschlusse ge= hörten der Genossenschaft 185 Mitglieder an, deren Hajtsumme 2015, Mart betrug. Das Geschäftsguthaben hat sich im Geschäftsjahre um 40,- M. vermindert, die Haftjumme um 100, Mart. Berlin, 19. März 1907. Bäckereigenossenschaft Volksbrot eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Der Vorstand. 2. Barz, Dunder, A. Fieliz, Paul Hallensleben, Wohllehn. Der Oster hase bringt Jed m umsonst& portofrei ein solche nose Stratmann@Meyer. Knusperchen- fabrik Bielefeld mit ff Bielefelder Kays perchen BerEinsendung von 50 Gutscheinen von Dr.Crato Backpulver Duddingpulver ets: Generalvertreter für Berlin: W. 30, BPG Alfred Hirsch, Augsburgerstr. 1. Telephon Amt VI, No. 5737. Ich zahle meinen Schneidern tarifmäßige Löhne. Ein fröhliches Osterfest bereitet sich jeder selbst, wenn er seinen Bedarf an gutsitzenden Bekleidungsstücken deckt im neu eröffneten Geschäft von S. Hoffmann Ecke Charlottenburg, 12 Wilmersdorferstr. 12 Schulstraße. Spezialhaus guter Herren- und Knabenbekleidung fertig und nach Maß sowie Bekleidung für jeden Beruf. Unerreichte Auswahl an Frühjahrs- Anzügen, Sommer- Anzügen, Sommer- Paletots, Knaben- Anzügen, Einsegnungs- Anzüge. Knaben- Paletots. Einsegnungs- Anzüge. 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Gewerkschaftliches und Verschiedenes. 129/5 Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Regelung des Arbeitsnachweises. Der Vorstand. NB. Der Arbeitsnachweis für Buzzer befindet sich bei Patt, Dragoner straße 15. Arbeitsvermittelung jeden Sonntagvormittag. 9. D. Branche der Musikinstrumentenarbeiter. Zentralverband der Böttcher Montag, den 25. März, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal I): Branchen- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Vortrag des Genossen Emil Kloth über:" Was haben die Gewerkschaftsorganisationen vom neuen Reichstag zu erwarten?" rechnung vom Weihnachtsvergnügen. 3. Branchen- und Verbands. 83/10 angelegenheiten. und Hülfsarbeiter Deutschlands. Filiale Berlin. Sonntag, den 24. März, nachmittags 2 Uhr, bet Wilke, Brunnenstr. 188: Außerordentliche Vereinsversammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht über die Verhandlungen der Brauereien betreffend Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Es wird ersucht, auf den Versammlungskontrollstempel in den Tarifvertrag, und welche Stellung nehmen die Kollegen hierzu? Mitgliedsbüchern zu achten. Die Branchenkommission. Zur Beachtung! Nord- Osten. Die Bahlstelle 19 ist von Friedrichsbergerstr. 19 nach Fürstenwalder: traße 17 bei Neumann verlegt worden. Die Ortsverwaltung. Blitz- Schnell tommt man mit der Hochbahn zu Weingarten, Gitschinerstr. 72, Station im Hause. Haltestelle Brinzenstraße. Empfiehlt: 1 Posten Monats- Anzüge, 1 Posten Monats- Paletots, 2. Der Ausstand bei Landhoff u. Mayer, Grünau. Das Erscheinen aller Kollegen ist dringend notwendig. Der Vorstand. 39/3 Verband der baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Sektion der Brunnenbauer u. Hülfsarbeiter. Sonntag, 24. März, vorm. 10 Uhr, bei Augustin, Oranienftr. 103: Außerordentliche 1 Posten Monats- Beinkleider zu staunend billigen Preisen, Mitglieder- Versammlung. auch für forpulente Herren passend. Dieselben sind von seinen Kavalieren und Reisenden, die nur einen Monat ihre Garderobe tragen. 41342* Fahrgeld wird vergütet. Bitte auf Hausnummer zu achten. Zages Ordnung: 1. Bericht von der letzten Bertretersizung. 2. Verbandsangelegenheiten. Wir ersuchen sämtliche Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen Die Sektionsleitung. J. A.: Karl Better. Sonntag, den 24. den ganzen Tag geöffnet. MARKE SALAMANDER Das hervor ragendste Erzeugnis der deutsches SchuhIndustrie Einheitspreis Für Damen und Herren Mk. 12.50 Luxag Ausführung Mk. 16.50 SALAMANDER Behuh- Gesellschaft m. b. H. BERLIN W., FRIEDRICHSTR. 182 C, KÖNIGSTR. 47 SW., FRIEDRICHSTR. 221 FORDERN SIE NEUES MUSTERBUCH Zeugen gesucht um Beweis unserer Leistungsfähigkeit zu bringen, sind überflüssig Ich empfehle Serie IV: Getragene Herren- Paletots. Getragene Herren- Anzüge Getragene Hosen. 5, 6 bis 10 Mark . 6, 7 bis 9 Mark 1.50 bis 3.50 Mark Von teinsten Herrschaften, Reisenden nur kurze Zelt gebraucht, für jede Figur. J. Wand. 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Verlagsanstalt Baul Sinaer& Co., Berlin SW Gegründet 1894. »»»>«« 2. Ifilnje Ks JotMtls" Krrlim lolbhlott.«-■>*--**>« Sonntag, den Ä4. März, 8 Uhr früh im 4.» Teilen des 3., im 6. Mahlkreise«nd in Uirdorf. Parteigenossen, tut Euere Schuldigkeit! Die Wertznwachsstener in Berlin. Der Kampf in der Berliner Stadtverordnetenversamni- lung um die Wertzuwachssteuer hat am Donnerstag damit geendet, daß eine knappe Mehrheit der Einführung dieser Steuer ihre prinzipielle Zustimmung erteilt hat. Geschlossen für dieses Prinzip hat nur die sozialdemokratische Fraktion gestimmt, wie diese es überhaupt war, die die Wicderher- stellung der im Ausschusse abgelehnten so überaus mäßigen Magistratsvorlage beantragt hatte. Die übrigen Fraktionen oder da es sich ausschließlich um Freisinnige handelte, Rich- tungen, haben, bis auf eine kleine Gruppe Sozialsortschrittlcr. nur Dissentierende zu der Majorität geliefert. Und unter diesen letzteren haben verschiedene nur unter gewissen Bor- aussetzungen ihre prinzipielle Zustimmung gegeben. Werden die von den letzteren gemachten Voraussetzungen im weiteren Verlaufe der jetzt wiederum einem Ausschuß überwiesenen Vorlage nicht erfüllt, so dürfte es noch sehr fraglich sein, ob wir eine Wertzuwachssteuer bekommen, die auch wirklich diesen Namen verdient. Soweit sich die Presse zu diesem Beschluß geäußert hat, ist es interessant festzustellen, daß das„Berliner Tageblatt" einen Leitartikel bringt, der diesen Beschluß der Stadtver- ordnetenversammlung folgendermaßen begrüßt: „Das ist ein kommunalpolitischer Fortschritt, der hoffentlich nicht wieder rückgängig gemacht wird. Denn das Prinzip der Wertzuwachssteucr ist gesund. Es bringt zum klaren Ausdruck, daß die Steigerung der Grund- und Bodcnpreise in engstem Verhältnis zum Bevölkerungszuwachs steht. Die Gesamt- hcit schafft in vielen Fällen erst den höheren Wert. Ebenso ist es klar, daß die kommunalen Aufwendungen und Verbesserungen in erster Reihe dem Grundbesitz zugute kommen. Auch ist nicht zu verkennen, daß eine den Verhältnissen geschickt angepaßte Wertzuwachssteuer dem Grundstückswucher und der Verteuerung der Mieten bis zu einem gewissen Grade entgegenwirken kann." Es ist dasselbe„Berliner Tageblatt", das im vorigen Jahre gegen dieselbe Magistratsvorlage Leitartikel veröffent- lichte, die das strikte Gegenteil sagten und Ablehnung der Vorlage forderten. Außer dem„Berliner Tage- blatt" begrüßen auch„Tägliche Rundschau" und„Germania" den Beschluß, von dem sie wünschen, daß er auch praktisch Geltung erlange, alle verschweigen aber, daß diese Beschluß- fassung nur möglich wurde, indem die s o z i a l d e m o- kratische Fraktion den Antrag auf Herstellung der Magistratsvorlage stellte. Ist aber auch das Prinzip der Wertzuwachssteuer beschlossen, so täuschen wir uns keineswegs darüber, daß in der Stadtverordneten- Versammlung eine Ma- jorität die erste Geige spielt, der alles andere, nur nicht die Förderung des Gemeinwohls am Herzen liegt. Macht geht da vor Recht! Aeußerte sich doch an. Tage nach der vorletzten Debatte über die Wertzuwachssteuer ein weit verbreitetes Berliner Blatt:„Wenn es allein nach der Wucht der Gründe ginge, dann wäre gestern die Wert- zuwachssteuer in der Berliner Stadtverordneten-Versammlung mit großer Mehrheit angenommen worden; die Haus- agrarier erlitten in der hochinteressanten Debatte eine ver- nichtende Niederlage," und selbst das Scherlblatt schrieb, die vielseitigen Gründe der Befürworter der neuen Steuerart seien so durchschlagende gewesen,„daß nur persönlich interessierte Gegner ihren Standpunkt nicht teilen konnten". Das Streitobjekt selbst, die vom Magistrat vorgeschlagene Steuerordnung, bewegt sich dabei in so äußerst mäßigen Grenzen, daß Außenstehende, denen die Berliner Haus- agrarier in ihrer ganzen Begehrlichkeit nicht bekannt sind, die Erregung und Erbitterung nicht werden verstehen können, mit der seit fast einem Jahre über die Vorlage ge- stritten wird. Um festzustellen, wie hoch sich die Steuer in den einzelnen Fällen unter Berücksichtigung aller vorge- schlagenen Bestimmungen beziffern würde, hat der Magistrat aus der Zahl der letzthin vorgekomnienen Verkäufe aufs Geratewohl eine größerb Zahl von Beispielen herausgreifen und die nötigen Berechnungen machen lassen. Das Ergebnis erregte selbst in der Stadtverordneten-Versammlung Ver- blüffung. So beträgt in einem Fall bei einem Wertzuwachs von 367 700 M. die Wertzuwachssteuer 9805 M.; in einem anderen Beispiel wird ein Wertzuwachs von 28 272 M. mit einer Steuer von 471 M. getroffen usw. Als Wertzuwachs gilt die Differenz zwischen dem Verkaufspreis und dem Anschaffungswert, dem alle Aufwendungen, Ver- kaufsgebühren usw. hinzugerechnet werden dürfen. Würde man aber, wie das richtig und notwendig wäre, den Wertzuwachs prozentualiter verrechnen auf das eigne Kapital, das die einzelnen Eigentümer in ihrem Grundbesitz stecken haben, so würde, da die Grundstücksiverte im Durchschnitt mindestens zu drei Vierteln mit Hypotheken belegt sind und die Hypothekengläubiger keinen Anteil an den Gewinnen haben, sich wohl in allen Fällen als Wertzuivachs eine Summe ergeben, die viele Hunderte von Prozent des eigenen Kapitals des betreffenden Besitzers ausmacht! Diese ungeheuren Gewinne entstehen nicht durch die Tätigkeit, die Intelligenz und Tüchtigkeit des einzelnen Grundstücksbesitzers, sondern lediglich durch das Wachstum, die Arbeit und die Aufwendungen der Gemeinde. Eine Wert- zuwachssteuer wird daher um so besser und gerechter sein, je mehr sie von dem Wertzuwachs, den die Gemeinde schafft, auch ivirklich zugunsten der Gemeinde cinbchält. Von solchem Streben ist die Magistratsvorlage aber ganz fern. DK ftävionantcUe, die der Magistrat für die Wert schaffende gemeindliche Tätigkeit durch die Steuer beansprucht, sind derartig minimale, daß sie, wie die angeführten Bei- spiele zeigen, dem Niesengewinn gegenüber überhaupt nicht in Frage kommen und eigentlich weniger eine Steuer als eine Anerkcnnungsgebühr für das der Vorlage zugrunde liegende Prinzip darstellen. Es wird jetzt Sache unserer Genossen im Ausschuß sein, die Magistratsvorlage erst zu einer wirklichen WertzMvachssteuervorlage umzugestalten. Allein nach dem Grundsatze: principiis obsta(hüte dich vor dem ersten Schritt) wollen die Berliner Grundbesitzer auch die Zahlung von so außerordentlich geringen Abgaben ver weigern. Sie tun das zu einer Zeit, wo durch die be schlossenen Aenderungen des Einkommensteuergesetzes das Ein kommen der unbemittelten Klassen bis zum letzten Heller steuerlich erfaßt wird, und beweisen dadurch aufs neue, daß sie alle anderen Erwägungen der rücksichtslosen Wahrnehmung der eigenen materiellen Interessen unter ordnen. In letzter Zeit brachte das Organ des honetten Bürger- tums. die„Bossische Zeitung", tagtäglich Aufsätze oder Notizen gegen die Wertzuwachssteuer. Als Haupttrumpf wurde in einem Leitartikel:„Der Zug in die Vororte" unter Anführung eines großen, bereits in der Versammlung zur Verlesung gebrachten Zahlenmaterials die Behauptung aufgestellt, die Unternehmer würden durch die Aussicht auf die Wegsteucrung eines Teils des erhofften Gewinns vor Kauf oder Bau zurückgehalten: da die Be- völkerung wächst, würde also der Preis der Wohnungen ge- steigert und dadurch der Zug in die Vororte durch eine Ber- liner Wertzuwachssteuer gefördert werden! Dies Argument vermag Einsichtige nicht zu schrecken. Nirgends, weder in den Vororten noch sonst, können die Grundstücksbesitzer und Spekulanten so leichte und hohe Gewinne erzielen, wie gerade in Berlin. Will nun die„Vossische Zeitung" im Ernst glauben machen, daß diese Herren, ehe sie 2, 3 oder wenns hoch kommt 5 Prozent abgeben, lieber auf 95 Prozent verzichten? Nein, emsthafte Gründe gegen die Wertzuwachssteuer waren und sind nicht vorhanden. Den Gmndbesitzem scheint es aber ein unerhörtes Unter- fangen, ihr angestammtes Recht auf uneingeschränkte An- eignung der Riesengewinne, die ihnen die Gemeinde bereitet, auch nur um winzige Bruchteile zu verkürzen. Dreiklassenwahlrecht und Hausbesitzer- Privileg, sie sind der N ä h r b o d e n, auf dem solche Ansprüche der Grundbesitzer erwachsen sind! Sie sind die letzte Ursache, die Wurzel all der Schäden und Rück- ständigkciten, an denen die preußischen Kommunen mehr noch als andere kranken. Die sozialdemokratische Fraktion hat von Beginn an keinen Zlueifel darüber gelassen. daß die Magistratsvorlage zur Förderung sozialer Zwecke wegen ihrer Unzulänglichkeit ungeeignet ist; sie ist unter vollster Wahrung des prinzipiellen Standpunktes für die Vorlage eingetreten, um den der neuen Steuer zugrunde liegenden Gedanken, daß es die Gemeinde ist, welche die Wertsteigcrung des Grund und Bodens herbei- führt, und daß die Gemeinde daher Ansprüche auf diese Wert- stcigerung hat, zur gesetzgeberischen Anerkennung zu verhelfen. Mehr als andere kommunale Vorgänge hat die Be- ratung der neuen Steuerordnung die öffentliche Aufmerksam- keit erregt. Wie das Endergebnis sein wird, steht noch dahin. Der Sozialdemokratie wird jeder Ausgang zum Vorteil ge- reichen._ Partei- Hnöfckgenheiten. Fricdrichsfelde. Dienstag, den 26. März, abends 814 Uhr. findet eine Mitgliederversammlung im Lokal von Hoberland, Wilhelmstr. 36, statt. Vortrag des Genossen Link über„Arbeiter- Versicherung". Es ist Pflicht eines jeden Genossen, pünktlich zu er- scheinen. Sonntag früh Handzcttelverbreitung. Der Vorstand. Achtung, fiinftcr n Sonntag, den aus statt: 2. Abteilung von 3. »» 5. 6.„„ Die /» Wir erwarten, bezeichneten Stellen die zugesagte Hülfe Wahlkreis. Die Flugblattverbreitung 24. früh 8 Uhr, findet von folgenden Stellen Tuscher, Georgenkirchstratze. Ecke Gollnowstraße. Wallburg, Kaiser Wilhelmstr. 18u. Wohlfahrt, Rosenthalerstr. 57, Hof. Wirth, Auguststr. 51. Wittchow, Elsasserstr.68, Ecke Kl. Hamburgerstraße. 1. Abteilung hilft bei Wittchow. 7.„..„ Wirth. daß alle Genossen des Kreises pünktlich an den antreten und der Gewerkschaft der Schneider leisten._ Der Vorstand. Sozialdemokratischer Zentralwahlverein für Teltow-BecSkow. Morgen, Sonntagnachmittag 1 Uhr, l-ndet in Zehl-ndorf, im M i e ck schen Lokale, Karlstr. 12, die G e n e r a l v e r s a m m- lung des Kreises statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Neuwahl des Vorstandes und der Funktio- näre. 3.„Die Lehren der letzten Reichstagswahl". Referent: Reichstagsabgeordnetcr F r i tz Z u b e i l. 4. Antrüge zur General- Versammlung Groß-Berlins. 5. Sonstige Anträge. 6. Ver- schiedcnes. Jeder örtliche Wahlvcrei» des Kreises ist berechtigt, drei Delegierte zu entsenden. Die Delegierten müssen mit Man- daten versehen sein. Parteigenossen haben als Gäste Zutritt. _ Der Zentralvorstand. Teltow. Am Sonntag, den 24. dieses Monats, nachmittags 4 Uhr, findet im Lokal von E. Pieckenhagen die Mitgliedcrversamm- lung des Wahlvercins statt. Auf der Tagesordnung steht: Vortrag des Genossen Kurt Heinig. Wegen der Wichtigkeit der Tagesord- nung ist das Erscheinen aller Genossen notwendig. Der Vorstand. Mahlsdorf an der Ostbahn. Da wegen nicht genügender Beteiligung die Flugblattvcrbreitung am vergangenen Sonntag aus- gefallen ist, so werden alle Genossen ersucht, Sonntag, den 24. dieses Monats, früh 8 Uhr bei Schliefe. Honowerstr. 5. pünktlich zu erscheinen. D» Vorftand. Berliner)Ntacbricbten. Eine Kostprobe. Für Insassen von Anstalten zu kochen ist eine undankbare Aufgabe. Wo aus einem Kessel viele gespeist werden wollen, da hat selbst die beste Köchin wenig Lob zu erwarten. Die Kunst, es allen recht zu machen, soll ja erst noch erfunden werden. Ge- wissenhafte Anstaltsleiter nehmen nun Kostproben von den Speisen, um wirkliche Mängel der Beköstigung feststellen und beseitigen zu können. Dabei kann aber manchem dieser Vorkoster das Glück blühen, just die appetitlichsten Happen zu erwischen. Er erklärt dann, das Essen sei doch„sehr gut", während die Anstaltsinsassen es vielleicht als„Fraß" bezeichnen. Auch in den Anstalten der Stadtgcmeinde Berlin besteht der Brauch, solche Kostproben zu nehmen. Das ist leider nötig— nicht so sehr deshalb, weil das Küchenpersonal zu wenig leistungsfähig wäre, als vielmehr deshalb, weil mitunter schon die Rohmaterialien, die für die Zubereitung der Speisen in die Küchen hincingeliefert werden, manches zu wünschen übrig lassen. Man weiß ja. wie genau da gerechnet wird, wie mit Pfennigen gespart wird, wie in der kleinlichsten Weise geknausert wird, damit alles sich möglichst billig stelle. In einer dieser Anstalten hat kürzlich ein kostlustiger Herr, der die Qualität der Speisen zu prüfen ge- dachte, die Erfahrung machen müssen, daß es sogar mit der Quan- tität recht bedenklich haperte. Im Siechenhaus an der Fröbel st ratze bekam, so erzählt man, der Anstaltsarzt Sanitätsrat Gräffner den Besuch dreier Aerzte, die mal die Anstalt besichtigen wollten. Er führte sie umher, und schließlich wollte er sie auch vom Essen kosten lassen. Gegen Mittag ging er mit ihnen in die Küche und erkundigte sich:„Was gibts denn heute Schönes für unser Personal?" Die Oberköchin antwortete:„Karbonaden, Herr Sanitätsrat. Aber eS ist noch nichts fertig."„Na. machen Sie uns doch vier Stück vorher zurccht", meinte der Sanitätsrat in seiner Harmlosigkeit. Die Oberköchin erschrak:„Vier Stück gleich!? Ja, was denkt sich denn der? Wie wenn wir hier bloß so hineinzufassen brauchten!"„Nein, Herr Sanitätsrat", sagte sie,„das ist unmöglich, die Karbonaden sind genau abgezählt, da ist keine drüber." Der Herr Sanitätsrat soll in diesem Augenblick nicht sehr geistvoll ausgesehen haben. Er mutzte aber samt seinen Gästen sich tatsächlich den Appetit auf Karbonaden verkneifen: denn die getreue Oberköchin gab nicht eine heraus. Auch der Oberinspektor soll hinterher dem verwunderten Herrn Sanitätsrat achselzuckend bestätigt haben, daß von allem anderen gekostet werden dürfe, nur nicht von den abgezählten Karbonaden. Die Gäste des Sanitätsrats werden gerade durch daL Miß- lingen dieses Kostversuches einen sehr lehrreichen Einblick in die Bcköstigungsverhältnisse der Anstalten unserer Stadt erhalten haben. Sie können daraus schließen, wie knapp in diesen Anstalten alles zugemessen wird. Am Ende ist es ja richtig, daß man nicht gleich ganze Karbonaden zu„kosten" braucht. Aber das Siechenhaus an der Fröbelstraße hat ein Personal von 188 Köpfen! Wenn für eine so große Zahl von Personen die Fleischportionen von vornherein so genau abgezählt werden, daß es gerade stimmt, dann kann man sich ein Bild davon machen, wie„gewissenhaft" in den Anstalten der Stadt Berlin manchmal gerechnet wird. Linienumlenkung bei der Straßenbahn. Die Straßenbahn ist genötigt wegen Asphaltierung des Molkenmarktes dort Auswechse- lungsarbeiten an den Gleiskrenzungen vorzunehmen. Es wird deshalb notwendig, die Linien 74 Königstor— Schönebcrg und 78 Frankfurter Allee— Wilmersdorf in den Nächten vom 22. bis zum 30. März von 2 Uhr nachts bis 5 Uhr morgens abzulenken. Es geschieht dies in folgender Weise: Linie 74 fährt vom Rathaus nicht durch die Spandauerstraßc, den Mühlendamm, die Ger- traudtenstraße, den Spittelmarkt bis zum Dönhoffplatz und um- gekehrt, sondern vom Rathaus durch die Königstraße, den Schloß- platz. Werderschen Markt, die Obcrwallstraße, Jerusalemcrstratze bis zum Dönhoffplatz und umgekehrt. Linie 78 fährt vom Andreas- platz nicht über den Grünen Weg, die Blumenstratze, Stralauer. stratze, den Molkenmarkt, Mühlendamm, die Gertraudtcnstraße bis zum Spittelmarkt, sondern vom Andreasplatz über Andreasstraße. Breslauerstraße, Holzmarltstraße, Brückenstrahe, Köpenickerstratze. Neue und Alte Jakobstraße. Seydelstraße bis zum Spittelmarkt und umgekehrt. Osterziige nach dem Osten gehen von der Berliner Stadtbahn insbesondere folgende: ab Charlottenburg 7,53 vormittags 26. März bis 4. April, S. bis 11. April bis Kandrzin und Kattowitz, 4,13 nachmittags vom 26. März bis 3. April, am v. und 10. April bis Breslau und Kattowitz; ab Schlesischer Bahnhof 7,08 vormittags am 31. März. 2., 3. und 4. April bis Breslau, 10,35 vormittags 29. und 30. März bis Liegnitz und Breslau, 3,01 nachmittags am 30. März bis Sagan und Breslau, 9,06 abends 27., 28. und 30. März, 1. und 2. April bis Breslau und 28., 29. und 31. März, 2. und 3. April bis Myslowitz. Nach Reppcn geht ein Zug ab Eharlottenburg 2,13 nachmittags am 28. und 30. März, nach Posen ab Charlottenburg 9,20 vormittags 28. bis 30. März, 2. und 3. April. ab Schlesischer Bahnhof 5,45 nachmittags 28. bis 3. März, 2. und 3. April. Osterpakete. Postpakete werden in diesem Jahre, im Bezirk der Oberpostdirektion Berlin, abweichend von der Sonntagsruhe, am Karfreitag und am Ostersonntag je einmal bestellt. Die Stiftung ber Berliner Gewcrbe-Auöstcllnng im Jahre 1879. Der bei der genannten Ausstellung erzielte Ucbcrschuß von 500 000 M. ist statutenmäßig zu folgenden gemeinnützigen Zwecken bestimM;* 1. die Zinken von 100 000 M. für periodisch zu veranstaltende Ausstellungen der hiesigen Gewerbe; 2. die Zinsen von 300 000 M. zu geeigneten Beihülfen für die Ausbildung der der Industrie und dem Handwerk sich widmenden Jugend sGewerbegehülfen und Handwerksgesellen); 3. die Zinsen von 50 000 M., um durch Veranstaltung von populären Vorträgen, Mitteilung von Erfindungen und Cr» fahrungen, durch Anregung zur Ausführung gewerblicher und kunstgewerblicher Arbeiten mittels auszusetzender Preise die Leistungsfähigkeit der hiesigen Handwerker und Industriellen zu fördern; 4. die Zinsen von 50 000 M. zur Unterstützung von Fachschulen für jugendliche Handwerker und Industrielle. Die Stiftung wird von einem Kuratorium verwaltet, welches in seiner letzten Sitzung über die Verwendung der vorhandenen Mittel im Verwaltungsjahre 1007 sl. April 1007 bis Ende März 1003) Beschluß faßte: Dem Vorstände der Polytechnischen Gefell- schaft wurden 2000 M. zur Veranstaltung populärer Vorträge be- willigt. Ferner wurden 93 Handwerksgesellen und Gcwerbcgehülfen, welche die Tagesklassen gewerblicher und kunstgewerblicher Lehr- anstalten besuchen, Beihülfen von je 100 bis 300 M.(zusammen 12 750 M.) gewährt. Den beiden hiesigen Handwerkerschulen(Lindcnstraße und Andreasstraße) wurden je 750 M. und dem Ecwerbesaal, dessen Zweck die Ausbildung junger Maschinenbauer und verwandter Be- rufSarten ist, 500 M. zur Beschaffung von Lehrmitteln usw. für unbemittelte Schüler dieser Anstalten überwiesen. Mit der Erledigung des Etats ist die Stadtverordneten-Ver- sammlung noch sehr im Rückstände und obgleich für nächste Woche zwei Tage— Montag und Mittwoch— zur Beratung in Aussicht genommen sind, muß schon ein Eiltempo eingeschlagen werden, sollen die vielen noch ausstehenden Spczialetats rechtzeitig, das heißt vor dem 1. April, ihre Erledigung finden. Bei dieser Gelegenheit möchten wir noch einige wichtige Ver- Handlungen nachtragen, die im E t a t s a u s s ch u tz gepflogen wurden und die ein erhebliches öffentliches Interesses beanspruchen können. Beim Etat der Kanalisationswcrkc hatten unsere Genossen eine Resolution eingebracht, die Kanalisationsgebühr, die 1% Proz. beträgt, auf 2 Proz. kestzusetzen. Unsere Genossen be- gründeten diese Resolution mit dem Hinweis, daß der Magistrat schon vor 10 Jahren die Erhöhung auf 2 Proz. beantragt habe. Inzwischen sei die Verwaltung und der Betrieb der Kanalisation?» werke durch Steigerung der Gehälter und Löhne, Verteuerung sämtlicher Materialien, Grunderwerbskosten erheblich teurer ge- worden. Gerechterweise müßte das durch Erhöbung der Gebühren wieder abgegolten werden. Bestände die Kanaltsatron nicht, so sei ohne weiteres klar, daß die Hausbesitzer mit Rücksicht auf die allge- mein veränderten Verhältnisse auch nach dem alten System erheb- lich höhere Aufwendungen zu machen hätten, obwohl das alte System der Fäkalienbeseitigung gar nicht zu halten gewesen wäre. Demgegenüber versuchte ein cnragierter Vertreter der HauS- besitzer nachzuweisen, daß die Hausbesitzer an Kanalisation?» gbühren mehr zahlten, als sie verpflichtet seien. Wie wohltätig doch unsere Hausbesitzer sind! Der Magistratßvertreter erklärte, daß in ß 7 der Kanalisationsgebührenordnung vom Lg./SL. März 1002 der Satz von Hb Proz. festgelegt sei. Die fünfjährige Gcneh- migung dieser Ordnung laufe am 22. März d. I. ab. Der Magi- strat habe die Verlängerung derselben auf ein Jahr nachgesucht und die Genehmigung dieser Verlängerung vom Oberpräsidenten er- halten. � Der Antrag unserer Genossen wurde abgelehnt. Auf möglichst allen Rieselfeldern soll der Versuch gemacht werden, Wcideschafe anzukaufen zwecks Ausnutzung der auf den Wegen vor der Ernte und auf den Feldern vielfach vorhandenen und sonst schwer nutzbaren Futtermengen und zur Minderung von tierischen und pflanzlichen Schädlingen. Diese Tiere sollen im Frühjahr angekauft und vor dem Winter verkauft werden. Dieser Versuch soll zunächst mit 250— 800 Stück ausgeführt werben und sind zu diesem Zweck 0000 M. in den Etat eingesetzt. Außerdem wurde angeregt, auch mit der Schweinezucht größere Versuche anzustellen. Bisher wurden nur in Schmetzdorf 000 Mastschweine gehalten. Die städtischen Anstalten(Kranken- Häuser usw.) lieferten doch große Mengen von Abfällen, die eine . große Schweinezucht sehr lohnend machen würden. Diesem sehr ver- ständigen Vorschlage gegenüber war man magistratlicherseits etwa? sehr zugeknöpft. Alle Abfälle seien zur Schweinezucht nicht geeignet, der Transport der Abfälle sei sehr schwierig und verteuere dieselben und schließlich werde sich eine Schweinezucht im großen wegen der hohen Seuchengefahr kaum allgemein einführen lassen. ES zeigt sich eben auf fast allen Gebieten, daß unsere städtische Verwaltung allen Reformen und seien es die bescheidensten abgeneigt ist. Bei diesem Etat nahmen sich unsere Genossen besonders warm der Rieselwärter an. Die Dtenstinstruktion sei schikanös und man solle bedenken, daß man e? hier nicht mit landwirtschaftlichen Ar- beitern zu tun habe, die man unter eine Gesindeordnung zwingen könne. Die Arbeitszeit betrage 12 Stunden und wechsele mit Tag. und Nachtschicht. Auch Sonntags mühten die Leute arbeiten, bei strenger Kälte bestehe eine sechsstündige Schicht, wobei zu bedenken sei, daß die Arbeit im Freien verrichtet werden müsse. Dabei fehle es an Unterkunftsräumen, außerdem sei der Dienst ein sehr ver- antwortungsvoller, da bei einem Versehen großer Schaden entstehen könne. Mit einem solchen aufreibenden und verantwortungsvollen Dienst stände die Entlohnung mit 2,75 M. pro Tag in keinem Ver- hältnis. Vom Magistrat wurde erwidert, daß man zu den bis- hcrigen Lohnsätzen noch immer reichlich Leute gefunden habe; der Landarbeiter brauche eben weniger als der in der Stadt beschäftigte. Recht landläufige Redensarten. Uebrtgens habe man doch 25 Pfennige pro Tag zugelegt. Diese Erhöhungen wurden von unseren Genossen als viel zu gering er- achtet; es war aber keine Aussicht auf Annahme von Anträgen auf Erhöhung dieser Sätze. Mit solchen Wünschen und Anträgen muß man unsere freisinnigen„Arbeiterfreunde" verschonen. Schöne Redensarten haben sie genug, wenns aber zur Tat kommt, da finden sie die schönsten Ausreden. Es fuhr ein— Automobil in den Landwehrkanal. Am Lützowufer ereignete sich gestern nachmittag ein aufregender Vorgang. Ein mit drei Damen besetztes Automobil sauste über die Bordschwelle hinweg in den Landwehrkanal. Er gelang aber, alle drei, sowie den Chauffeiur noch vom Tode des Ertrinkens zu er- rette». Wir erfahren hierzu folgende Einzelheiten: Drei Damen, emc ältere und zwei jüngere, unternahmen gestern nachmittag eine Spazierfahrt mit einer Automobildroschke der B e d a g° Gesellschaft. Als der Chauffeur mit seinem Wagen das Lützohmfer rechts an der Wasserseite entlang fuhr und in der Nähe der Landgraf cnstraße war, hörte er hinter'sich ein anderes Automobil. Er kehrte sich um, riß dabei aber die Steuerung nach rechts. Das Gefährt sauste nun mit voller Gewalt über die Bord- schwelle und über die Rasenfläche hinweg direkt in daS Wasser hinab. Beim Sturz überschlug cS sich und legte sich auf die Seite. Der Chauffeur erlitt eine sehr schwere Betnverletzung, hatte aber noch soviel Geistesgegenwart, das nach oben liegend« Fenster cinzu- schlagen und die drei Insassen aus dem Wagen herauszuholen. In- zwischen hatte sich am Üfer eine große Menschenmenge angesammelt. Ten im Wasser liegenden Personen wurden sofort Rettungsleinen zugeworfen und ei gelang auch glücklicherweise, iwch all« vier Aer- unglückten rechtzeitig herauszuholen. Die ältere Dame verlor zwar auf kurze Zeit das Bewußtsein, erholte sich aber bald wieder. Sie sowohl, wie die beiden anderen Damen wurden nach ihren Wohnungen in der AnSbacherstrasve geschafft. Die näheren Perso. nalien sind noch nicht festgestellt. Der Chauffeur liegt im Elisabeth- krankenhause. Das Auw konnte noch nicht an Land gebracht werden. TodeSsturz. Der 55 Jahre alte Klempnermeister Josef Schwartz aus der Pritzwalkerstraße 0 fiel Donnerstag nachmittag vom Dache des Hauses Turmstraße 7, auf dem er mit der Ausbesserung der Dachrinne beschäftigt war, aus den Hof hinab. Man schaffte den Verunglückten nach dem Krankenhause Moabit, wo aber nur noch der inzwischen eingetretene Tod festgestellt werden konnte. Neun halbe Schweine gestohlen. Ein dreistes Diebeöstückchen haben in der vorgestrigen Nacht Langfinger in der Münzstraße 18 ausgeführt. Die Bande drang in den Laden des Schlächters Reinstein ein und hängte neun halbe Schweine ab. Sie luden die, schwere Beute auf einen mitgebrachten Handwagen und fuhren unbehelligt davon. Mit den neun Schweinehälften hatten sich die Einbrecher aber nicht zufrieden gegeben. Sie entwendeten auch noch vier Hammelkeulen, 30 Pfund Rinderbrust, 20 Pfund Wurst und Schinken. Aus der Selbstmordchronik. Am Rande des Grabes hat sich der achtzigjährige Resterhändler Hermann Goldstein aus der Barnimstraße lg das Leben genommen. Der alt« Mann hatte sich viele Jahre hindurch durch den Ein- und Verkauf von Stoffresten ernährt. Er hauste vollständig allein in seinen Geschäfts- und Wohnräumen. AIS Tonnerstagnachmtttag der Bruder des G. dessen Küche betrat, fand er diesen am Fensterkreuz erhängt auf. Wahr- scheinlich aus Lebensüberdruß hatte der Greis Selbstmord verübt. — Aus unglücklicher Liebe unternahm gestern abend die Kellnerin Frida K. aus der Elsasserstraße 46/47 einen Selbstmord- versuch. Das junge Mädchen hatte in ihrem Berufe einen Studenten kennen gelernt und sich in ihn verliebt. Sie fand aber keine Gegenliebe. Aus Gram hierüber vergiftete sie sich gestern mit Eyankali. In fast hoffnungslosem Zustande wurde die Un- glückliche in die Charitö eingeliefert.— Ein trauriges Ende hat vorgestern abend die 27jährige Lehrerin Lconore Hcllhacke, die bei ihrer Mutter in der Christianiastraße 14 wohnte, gefunden. Fräulein H. hatte schon seit längerer Zeit an einer Krankheit zu leiden, und kürzlich scheint ihr die Gewißheit geworden zu sein, daß sie keine Heilung mehr finden werde. Die Unglückliche zog cS vor, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Sie erhängte sich vor- gestern in der mütterlichen Wohnung. Beim Fensterpuyc» abgestürzt ist vorgestern nachmittag das 18jährige Dienstmädchen Frida Gokz, das bei dem Kaufmann D. in der Reinickendorferstraße 13 in Stellung war. Beim Reinigen der in der zweiten Etage belegenen Fenster verlor daS junge Mädchen plötzlich das Gleichgewicht und stüztc in die Tiefe. ES erlitt einen komplizierten Schädelbruch und wurde nach der Charitö übergeführt. Ihr Zustand ist äußerst hedenklich.— Ebenfall» aus dem Fenster gestürzt ist vorgestern der fünfjährige Sohn des Schlossers Kaaisch aus der Gustav Müllerstrahe 40. Während Vater und Mutter abwesend waren, kletterte der Kleine auf die Fensterbrüstung und stürzte kopfüber in die Tiefe. DaS bedauernswerte Kind erlitt einen schweren Schädelbruch und fand im Schöneberger Kranken- Hause Aufnahme. Die Tat eine» Geisteskranken hat vorgestern abend in der zehnten Stunde in der Jüterbogerstraße große? Aufsehen hervor- gerufen. In einem TobsuchtSanfall ging der 42jährige Tischler Karl Geyer, Jüterbogerstraße 0, auf seine Frau loS und brachte ihr mit einem Brecheisen so schwere Verletzungen in den Hals und in die Brust bei, daß sie in bedenklichem Zustande in daS Krankenhaus am Urban eingeliefert werden mußte. Ob die Schwer- verletzte mit dem Leben davonkommen wird, ist sehr fraglich. In seinem Wahnsinn richtete der Tobende das Werkzeug gegen sich selbst. Er stach sich damit fortgesetzt in den Hals und brach schließ- lich blutüberströmt zusammen. Kurz darauf war er den furchtbaren Verletzungen erlegen. Die Leiche wurde dem Schauhause zu- geführt. TodeSsturz vom Bau. Auf dem Neubau Eharlottenstraße 0 hat sich Donnerstag nachmittag ein bedauerlicher Unglückefall zu- getragen. Der 54jährtge Zimmerer Rudolf Behm aus der Friedrich Jungestraße in Stralau war in der Höhe der dritten Etage mit dem Legen von Balken beschäftigt. Durch ein Versehen trat er dabei fehl und stürzte ab. Er erlitt einen schweren Schädelbruch und starb wenige Minuten später an den Folgen der schweren Ver- letzung. Brruiißt wird seit dem 12. d. M. der Oberpostasststent Ferdinand Däbel, am 5. Juni 1802 zu Wensickendorf geboren. Derselbe ist 1,00 bis 1.65 Meter groß, untersetzt, hat blonde Haare und Augen- brauen, blonden Schnurr- und Spitzbart, vielleicht auch Vollbart, runde GesichtSbildung, blasse Farbe, gebückte Haltung und trug schwarzen steifen Hut, dunklen Anzug, schwarzen Winterüberzieher mit schwarzem Samtkragen, schwarze Zugstiefel, grauwollene Strümpfe, leinene Wäsche gez.?. D., Däbel hat Merkmale der Schwermut gezeigt. Nachricht nimmt die Kriminalpolizei und jede? Polizeirevier zu 1981 IV. 4. 07 entgegen. Im Sportpark Treptow finden am Sonntag, sofern die Witte- rung es irgendwie zuläßt, die Fliegerrennen de? vergangenen Eröffnungstages statt. Feucrwehrbericht. Gestern früh um 0 Uhr kam in der Brunnen- straße 191 in einem Lagerraum Feuer aus, da? schnell um sich griff. Der 13. Zug mußte kräftig Wasser geben, um die Flammen zu löschen. Der Feuerwehrmann Schlüssel erlitt dabei durch GlaS- splitter Verletzungen an der Ober- und Unterlippe. Er wurde auf der nächsten Unfallstation verbunden und dann nach seiner Wohnung, Brunnenstrahe 93, entlassen. Kurz darauf hatte die Feuerwehr in der Ritterstraste 57 zu tun, wo in einem Keller Gc- treibe brannte. Die 1. Kompagnie hatte in der Greifswalder- straße 35 zu tun, wo in der Hutfabrik von C. Bock ein Feuer auS- gekommen war, das bei Ankunft der Wehr schon eine große AuS- dehnung erlangt hatte, so daß tüchtig Wasser gegeben werden mußte, um des Feuers Herr zu werden. Im Ausstellungsraum, im so- genannten Rittersaal dcS Neuen königlichen Opernhauses, ent- stand vorgestern nachmittag„Feuerlärm". ES handelte sich aber nur um versetzten Rauch von einem eisernen Ofen im darüber liegenden Stockwerk. Das Publikum blieb ruhig; die Gefahr konnte schnell beseitigt werden. Ein Kellerbrand beschäftigte den 5. Zug in der Rungestraße 10. Dort war Verpackungsmaterial von Blechgeschirren in Brand geraten. Gleichzeitig hatte die Feuerwehr in der Luisenstratze 37 zu tun, wo i mLager der A. E.-G. Regale, Packpapier und anderes brannten. Papier, Lumpen und anderes brannten in der Anklamerstraße 17, Gardinen usw. in der Jnvalidenstraße 40/41, Betten, Möbel und anderes in der Großen Frankfurterstraße 86, Müllerstraße 1 und an anderen Stellen. In der Razarethkirchstraße 39 mußte ein kleiner Wohnungsbrand gelöscht werden. Außerdem hatte die Wehr noch in der LandSbergerstraße 118, Hussitenstraße 11 und an anderen Orten zu tun._ Vorort- JVacbncbtcn« Sharlottenburg. Unter einen Straßenbahnwagen geriet gestem die sechsjährige Tochter Ida des in der Berlinerstr. 124 wohnenden Arzte? Erdmann. Die Kleine wollte an der Ecke der Berliner- und Wallstraße vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie V der Char- lottenburger Straßenbahn den Fahrdamm überschreiten, wobei sie jedoch niedergerissen wurde und mit beiden Füßen unter den Schutz- rahmen des Wagens geriet. Dieser mußte angehoben werden, damit da» Kind befreit werden konnte. Das Mädchen hatte einen Bruch des rechten Oberschenkels und eine Ouetschuna des linken Beines erlitten und wurde nach dem Krankenhause Westend gebracht. Rtxdorf. Der sozialdemokratische Wahlveretn hielt am Dienstag zwei Mitgliederversammlungen ab, in denen die Reichstagsabgeordneten Brey und Eichhorn über da» Thema:„Der neue Reichstag" referierten. Beide Versammlungen waren, angemessen der Stärke de» Wahlvrrein«, nur mäßig besucht. Im Hoppeschen Lokal, Hermannstraße, sprach Genosse Brey. Bezugnehmend auf den AuS- fall der Wahl meinte Redner, daß die Partei gefestigter dasteht wie je zuvor. In großen Zügen legte er alsdann die Ursachen dar, die zu dem unerwarteten Wahlausfall beigetragen haben, dabei die demagogische und verlogene Hetze des Reichslügenverbaudes sowie die Bülowsche Wahlpropaganda tnS rechte Licht riickenK Im neuen Reichstage, meinte der Referent, glauben die Freisinnigen und Nationalliberalen die berufenen Vertreter des werktätigen Mannes zu sein, indem sie bei jeder Gelegenheit das Lied von der Sozial- poliltk singen; die große Masse weiß jedoch, daß diese Politik eitel Trug ist. Das Zentrum, welches entgegen der Kampfparole der Regierung unbesiegr im Reichstag wieder einzog, wird nicht dauernd Oppositionspartei sein. So wird die Sozialdemokratie gestützt auf eigene Kraft den Kampf zur Befreiung der Arbeiterllasse jzu führen wissen. Der Referent gab alsdann ein Bild der Tätigkeit der Sozialdemokratie der letzten 30 Jahre und führte unter Beifall der Versammlung aus, daß es schlechr bestellt wäre um die Arbeiter- schaft, wenn nicht die Sozialdemokratie durch ibre Kritik und durch forinvolleudete Vorschläge und Anträge die Wege zu einer ver- „iinftigen Sozialpolitik vorgezeichnet hätte. Redner schloß seinen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag mit einem flammenden Appell zu unermüdlicher Kleinarbeit für die sozialistische Bewegung. Im T h i e l s ch e u S a a l referierte Genosse E i ch h o r n, der die bürgerlichen Parteien kritisch beleuchtete. Die Ansicht einiger Partei- genossen, daß wir eine liberale Aera bekommen könnten, sei eine Utopie. Schon die Bravorufe, die die Liberalen bei der Wahl des Grafen Stolberg zum Präsidenten des Reichstags ertönen ließen, bewiesen, daß bei ihnen keine Spur demokratischen Geistes vorhanden ist. Zwischen Eickhoff und Oldenburg-Januschau bestehe kein Unter- schied mehr. Weil die Freisinnigen mir Hülfe des Lugenverbandes und der Regierung in den Reichstag gelangt seien, fühlen sie sich zu besonderem Danke verpflichtet. Wir werden dahm kommen müssen, unsere Stichwahltaktik zu ändern. In den Liberalen könne man ein kleineres Uebel nicht mehr erblicken. �Das Zentrum, das in bewußter Opposition zur Regierung gegründet wurde, sei immer mehr zur Regierungspartei avanciert. Sein jetziges Austreten gegen die Regierung sei nur ein Kampf um die Futterkrippe. Wenn sich da? Zentrum jetzt auch bockbeinig stellt, so kann es doch kaum die Zeit erwarten, daß die Regierung es wieder ruft. DaS Zentrum weiß, daß die Regierung ohne es keine Steuer- Vorlage durchbringen kann. Diejenigen, die da glauben, das Zentrum so leicht unterzukriegen, kennen die Macht der ZentrumSsührer nicht. Die meisten Zentruinswähler seien meist denlunfähige Menschen, die sich durch die Kaplanspresse völlig gängeln lassen. Gerade die Wahlparole BülowS hat es zustande gebracht, daß die katholische Masse noch mehr aufgerüttelt wurde; wurde derselben doch von ihren demagogischen Führern vor Augen gehalten, daß die katholische Kirche in Gefahr sei. Jahrzehnte werden noch vergehen. ehe die Macht des Dogmas gebrochen sei. Redner warnt die Ge- Nossen, den Bestrebungen, den Satz„Erklärung der Religion zur Privatsache" aus unserem Programm zu streichen, Folge zu leisten. Unsere Agitation in ZentrumSkretsen darf nicht mit dem Austritt aus der Landeskirche vcrauickt werden. Di« Partei darf sich nicht zur Trägerin der freireligiösen Propaganda, wie dies verschiedentlich gewünscht wird, machen. Das Zentrum wird ja wohl bald Frieden mit der Regierung schließen und der Preis wird BülowS und DernburgS Rücktritt fein. Wir haben vom jetzigen Reichstag nichts zu erwarten. Wenn wir auch nur die Hälfte unserer Mandate innehaben, so werden wir doch ebenso wie vor- dem unsere Schuldigkeit tun und um so kräftiger unsere Stimme erheben, damit die Zahl der Indifferenten immer kleiner wird. Der starke Betfall zeigte, baß die Versammelten mit den, Genossen Eichhorn einer Meinung waren. Eine Diskussion fand nicht statt. In beiden Versammlungen wurde noch bekannt gegeben, daß im Bericht über die letzte Generalversammlung des Wahlvcreins ein Irrtum enthalten war. Die Genossen, die seinerzeit im Lokal des Gastwirtes Götze, jetzt Hermannstr. 211 wohnhaft, auf Listen ge- sammelt haben und deshalb mit diesem in Streit geraten waren, ind nicht wegen SamrnelnS, sondern wegen gemeinschaftlichen Haus- riedenSbrnches bestraft wurden. Ferner wurde noch auf die am Sonntag früh stattfindende Flugblattverbreitung hingewiesen. Unter dem Verdacht de» Gattenmordes ist der S2jShrige Jnstru- mentenmacher Karl Meyer au» der Bergstr. 03 in Haft genommen worden. Am Mittwoch wurde in der Wohnung dcS M. dessen Ehe- stau tot aufgefunden. Anfang» glaubte man, baß sie daS Opfer einer Leuchtgasvergiftung geworden sei. Durch verschiedene Um- stände wurde jedoch bald der Verdacht rege, daß der Ehemann der Verstorbenen den Tod seiner Frau verursacht hat. Die Leiche der Frau Meyer ist polizeilich beschlagnahmt und nach dem Schauhause zur Obduktion geschafft worden. M. hat mit einer jüngeren verheirateten Frau ein Liebesverhältnis unterhalten. Bereit? vor sieben Jahren, nachdem seine Frau hiervon Kenntnis hatte, trennten sich die Eheleute und M. strengte hierauf die Ehescheidung an. Seine Frau wollte jedoch hier- von nicht? wissen. 1905 kehrte Frau M. zu ihrem Mann wieder zurück, da? Verhältnis de? M. mit der jungen Frau blieb jedoch be« stehen. E? besteht deshalb die Vermutung, daß Meier, um sich seiner Frau zu entledigen, diese durch Aufdrehen des GaShahneS während de? Schlafe? vergiftet hat. Ein Schauturnen veranstaltet am morgigen Sonntag nachmittags 5 Uhr die Frauenabteiluna der Freien Turncrfchaft Rixdorf-Britz im Thielfchen Saale, Bergstraße 169. Turnfreunde werden hierzu fteundltchst eingeladen. Die Eintrittskarten werden von den Ab- teilungömitgltedern und im genannten Lokal gratis ausgegeben. Weiffensee. Zwei Auto-OmnivuSlinien führen vom 25. refp. 20. März ab durch Weißensee, und zwar gebt eine Linie vom Georgenkirchplatz durch die GreifZwalderstraße nach Weißensee. Malchow, Lindenberg bis Schwanebeck, und die zweite Linie vom Prenzlauer Tor durch die Prenzlauer Allee über Weitzensce nach Schönwalde. Diese Reise wird vorläufig täglich je dreimal unternommen. Unternehmerin ist die Berliner Automobil-Omnibus-Gesellschast. Der hiesige Krankcnkassenftreit hat insofern eine Wendung ge- nommen, als der Vorstand am 22. März wieder in sein Amt ein- gesetzt und die kommissarische Verwaltung aufgehoben ist. Es schwebt allerdings noch ein Verfahren, jedoch ist man allseits der Meinung, daß eS zu einem Termin nicht kommen wird. Spandau. AuS der Stadtverordnetenversammlung. Eine vom Kuratorium der Fortbildungsschule eingegangene Einladung zum Besuch einer veranstalteten Ausstellung der'Schülerarbeiten gibt dem Stadt- verordneten Genossen Pieck Gelegenheit, die Versammlung zu ersuchen, diese Besichtigung am kommenden Sonntag in oorporg vorzunehmen, da seine Fraktionsgenossen am Sonntag am meisten Zeit haben. Die Versammlung setzt die Besichtigung jedoch a»f Montag an, da der Sonntag für Kirche, Einsegnung usw. reserviert bleiben müsse. In einem weiteren eingegangenen Schreiben teilen zwei Klempner- meister mit, daß einer ihrer Kollegen, der Klempnermeister Hintze, Kurstraße, zu den Arbeiten bei einem SchulhauSbau, die er durch eine sehr billige Offerte bei der Submission erhalten, minderwertigeres Material als vorgeschrieben verwendet habe. Genoffe Pieck geißelt bei dieser Gelegenheit das gan�e Submisstonöwesen und wünscht strengste Untersuchung dieses Falles, die denn auch vom Baurat zugesagt wird. Eine Vorlage betreffend die Erhöhung der Unterstützungen für die Kinderbewahranstalten wird, weil dieselbe nicht genügend geklärt, einer gemischten Kommission überwiesen.— Ueber die Ausnahme einer Anleihe von 1 187 000 M. zur Erweiterung der WasserleitungS« und Kanalifationsanlagen sollte die Versammlung Beschluß fassen. Es stellte sich aber heraus, daß ein hierzu ausgearbeiteter Erläuteruiigsbencht den Stadtverordneten nicht zugegangen ist, infolgedessen wird die Vorlage einfach vertagt.— Für den Erweitcrnngsbau der 5. und 10. Gemeindeschule werden die Mittel in Höhe von 146 000 refp. 122000 M. gefordert. DaS Geld soll durch eine Anleihe, die mit 3l/3 bis 4 Prozent verzinst v rd mit Neue Schneefälle in Tirol. Vorgestern sind in Nordtirol neue Schneefälle niedergegangen. Der Haller Salzberg und der Gnaden wald sind mit Schnee bis zu einem Meter bedeat. Die Lawinen gefahr wird dadurch gesteigert. Das Wächterhaus des Wasserstau werks für die elektrische Kraftanlage in Wiesberg ist nach einer Meldung aus Pians durch eine Lawine verschüttet worden. Jm Paznauntal find zahlreiche Lawinen niedergegangen. Die Wieder aufnahme des Arlbergbahnverkehrs ist unbestimmt; der Postverkehr ist größtenteils unmöglich. 5 Prozent amortistert werden soll, aufgebracht werden. Der Genosse Entgleist sind, wie aus Breslau amtlich gemeldet wird, bor. Bied regt bei dieser Angelegenheit die Errichtung eines Schul gestern bei der Einfahrt in Station Neuwelt im Riefengebirge Brausebades an, aber gleich der erste, der ihm in die Parade fährt, der Schneefreifel und der Tender. Hierdurch ist das Haupt- und ist der Stadtverordnete und praktische Arzt Dr. Engelhardt. Kreuzungsgleis gesperrt. Die Störung dauert voraussichtlich zwei Dieser Herr meint, in die Schule gehöre tein Brausebad, sonst müßten die Tage; die Züge verkehren nur bis Karlsthal. Lehrer schließlich noch Badewärter spielen und dazu seien sie ihm zu schade. Der Antrag des Genossen Pieck wird, wie vorauszusehen war, abgelehnt und die Gelder für die Griveiterungsbauten bewilligt. Für die Straßen an und auf dem, dem Architekten Heinel anzustellenden Forstgelände sollen die Fluchtlinien festgesetzt werden. Diese Vorlage bildet wieder wie der Genosse Pied durch Anfrage erfuhr, die Einleitung zu einem beabsichtigten Verkauf von 700 Morgen Waldterrain. Unser Redner legt entschieden Verwahrung dagegen ein, daß schließlich der ganze Stadtwald zu Spekulationssivedent geopfert wird. Jedenfalls hat die Versammlung eine diesbezügliche Vorlage ficher noch zu er warten. Die Fluchtlinien werben feftgefegt. Mit der Herab segung der Breite der Straßburgerstraße von 26 auf 21 Meter und Ausweisung einer Uferstraße vom Lindenufer bis zur Straße 26 ist die Versammlung trop des großen Protestes des Dr. Engelhardt einverstanden. Nowawes. ant Ein Spion verhaftet. In Marseille wurde ein gewisser Tain aus Havre, der früher im Striegsministerium angestellt war, wegen Epionage verhaftet. Berthelot im Pantheon. Wie verlautet, wollte der Ministerrat gestern einen Gefeßentwurf annehmen, wonach Berthelot und dessen Gattin im Pantheon beigesetzt werden. " Ein Postdiebstahl an Bord. Der wegen Mitschuld an dem auf dem Dampfer Savoye" begangenen Postdiebstahl verhaftete Rousseau verweigerte nach einer Meldung aus Paris bisher fedes Geständnis. Es wurde festgestellt, daß in amerikanischen Noten ungefähr 240 000 Frant entwendet worden sind. Die übrigen gestohlenen Briefe enthalten meistens Schecks, die von den Dieben nicht verwendet werden können. Briefkalten der Redaktion. Sp. eine Treppe wandelsstätte Bellealliance, Durchgang auch Lindenftr. 101). Die juristische Sprechstunde findet Friedrich ft r. 16, Aufgang 4. wochentäglich von 7 bis 9 Uhr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 hr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Bahl als Wierfzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Gilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. 15. März aufgeführt unter„ Unbekannt in 6" Der Sezer batte versehent 5. 2. in Osnabrück. In der Monatsquittung in Nummer 63 bom lich das D für 6 angesehen. Antwort über Manuskript später. Sie haben recht. 2. R. 20. Ob das Schriftstück gültig ist, von dem Sie sprechen, ist ohne Einsicht in die Gerichtsaften nicht zu ersehen. Hatte es Gültigkeit, so kann die Schwester nur den ihr zustehenden Teil, also verlangen. Eine Verjährung der Geldforderung liegt nicht vor. 2. B. 50. Die Betreffende müßte volle Aussage machen. 23. 6. Nein. Ein Formular zum Austritt aus der Landeskirche erhalten Sie bei Hoffmann, Blumenstr. 14. Die gesamten Kosten des Austrittsverfahrens betragen etwa 3,70 2.-G. W., iebenan. 1. Nein. 2. Ja, für die Dauer des Vertrages. 3. Ja. 4. Nein. M. N. Wiederholen Sie die Frage, Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen la 62-67, IIIa 56-61, IVa 48-54, dan. Bullen 60-65, holl. 0,00. Markthallen Direktion.( Großhandel.) Rindfleisch Ia 68-73 pr. 100 Bid., stalbfleisch, Doppelländer 110-125, Ia 82-90, IIa 72-80, IIIa 52-68, In der letzten Sihung der netten Gemeindevertretung wurde holländ. 55-62, dän. 55-65. Sammelfleisch Ia 62-72, IIa 46-60. nach Einführung der neugewählten Vertreter die Wahl eines Schöffen Schweinefleisch 48-56. Nothirsch IIa per Bfund 0,00. Rot vorgenommen, da der in der vorigen Sigung gewählte Neuendorfer wild plombiert 0,00. Damhirsch 0,55. Wildschweine 0,00. Frisch Schöffe Ebel wegen eines Formfehlers bei der Wahl nicht bestätigt linge 0,00. Staninchen per Stild 0,60-1,00. Wildenten per Stüd 0,00. Hübner, alte p. Stück 1,60-3,65, do. II a 1,20-1,50, do. junge 1,00 worden ist. Gewählt wurde mit 17 Stimmen Gemeindevertreter bis 1,40. Wolga- 1,20-1,75. Tauben 0,50-0,72, ital. 0,00. Enten p. Pfund Steiner, während auf Gemeindevertreter Meier 9 Stimmen ent- Zwei kleine Kinder verbrannt. In Brüssel brach vorgestern 0,80-0,85, dito Cis: per Stüd 2,20-2,60, Samburger per Stüd 3,00 fielen. Es hat demnach wieder die Neuwahl eines Vertreters zur Feuer in einer Wohnung aus, in der sich zwei kleine Kinder allein bis 5,00,( sanje, Hamburger per Pfund 0,90-1,20, Gis 0,40-0,60. echte zweiten Abteilung der Gemeindevertretung stattzufinden. Die befanden. Als es den Feuerwehrleuten gelungen war, in die Woh- per 100 Pfund 89-102, groß 71-85, matt 64. Bander mittel 201, Bildung einer Wahl- und Finanzkommission hatte das Resultat, nung einzubringen, fand man nur noch die verkohlten Leichen. unf. 0,00, do. matt 0,00, Schleie 107-124, bo. groß 0,00, do, daß die Sozialdemokraten in der ersteren durch Genossen flein und mittel 0,00. Banik auf der„ Jena". An Bord der" Jena" gab gestern die löken, flein 32, do. groß 48-50, flein 0,00. Aale, groß 0,00, inittel 121, Gruhl, in der letzteren durch die Genossen Gruhl und Explosion einer elektrischen Lampe Anlaß zu einer Banik; die 55-62, do. 50-70er 0,00, do. 25er 65-68. bo. 32-89. Karpfen 5-10er Bleie 41-51. Aland 0,00. Frenzel vertreten sind. Ein Antrag auf Bewilligung Matrofen verließen in größter Gile das Schiff; ein Kanonier fiel Bunte Fische 0,00. Barje, matt 0,00, do. 81. Starauschen 0,00. Blei der Kosten für die Verdoppelung der Religionsstunden, die in das Bassin und zog sich dabei Verletzungen zu. fische 0,00. Wels 0,00. Quappen 56. Amerikanischer Lachs Ia die katholischen Kinder der Volksschule erteilt werden, neuer per 100 ẞfd. 110-130, do. IIa neuer 90-100, do. IIIa neuer 75, und zwar an die jüngeren durch einen Lehrer, an die älteren durch Oeffentliche Bibliothek und Resehalle zu unentgeltlicher Be Seelachs 25-30. Sprotten, Wieler, Wall 1,00, Danziger, Kiste einen Pfarrer, wurde nach furzer Debatte, in welcher Genosse Gruhl nukung für jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 0,75-1,00. Flundern, Nieler, Sitege Ta 3-4, do. mittel ber Stifte 2-3, Hamb. den prinzipiell ablehnenden Standpunkt der Sozialdemokraten dar- n den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art Stralsunder 3,00-3,50. Hale, groß ber Bid. 1,10-1,40, mittelgroß 0,80-1,00, 5%-10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9-1 und 3-6 Uhr. Stiege 4-6, halbe Stifte 2,00. Bucklinge, per Wall Kieler 3,00-3,50, legte, gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. Ferner und Richtung aus. flein 0,60-0,80. Heringe per Schod 5-9. Schellfische selfte 4-5, do. wurde beschlossen, den im Nowaweser Ortsteil gelegenen Kirchplay Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 24. März, vormittags, Stifte 2-3. Stabliau, p. 100 Bfb. 25-30. Heilbutt 0,00. Sardellen, 1902er mit dem Namen Friedrichs- Kirchhof und den im Neuendorfer Orts- 10 libr, in Stellers Festsaal, Koppenstr. 29. Feier der Jugendaufnahme. per Anter 95, 1904er 93, 1905er 90, 1906 er 75-80. Schottische Bollheringe teil gelegenen mit dem Namen Bethlehems- Kirchhof amtlich zu be- Festrede des Herrn Dr. Bruno Wille. Damen und Herren als Gäfte sehr 1905 0,00, large 44-48, full. 38-40, med. 36-42, deutsche 37-44, zeichnen. Heringe, neue Matjes, per/ To. 60-120. Sardinen, ruff., Faß Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. 1,50-1,60. Bratheringe, Büchse( 4 Liter) 1,50-1,75. Reunaugen, E. 5. 29 Samburg. Filiale Berlin 9. Sonnabend, den 23. März, Schodfaß 11, fleine 5-6, tiefen- 14. Gier, Land-, per Schod 8,50-4,20. Butter abends 7-12 Uhr, bei Gundlach, Waldenserstr. 24: Wahl der Delegierten zur per 100 Bfd. Ia 114--116, IIa 110-114, IIIa 107, abfallende 95-100. Generalversammlung. Saure Gurfen Schod 4,10-4,50, Pfeffergurfen 4,00-4,50. Startoffeln beiterinnen Berlins und Umgegend. Abteilung 15. Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter und Arper 100 Bib. 0,00, magnum bonum 2,50-2,75, Dabersche 2,25-2,50, Mitglieder Rosen 0,00, versammlung, Sonntag um 3 Uhr pinktlich bei Augustin, Oranienstr. 103: per weiße 2,00-2,25, Salatkartoffeln 6,00-8,00. Spinat 100 fund 25-30. Karotten per 100 Pfund 15-18. Bortrag. Sellerie, hiesige, per Schod 6,00-10,00, bo. pommerfche 9,00-12,00. 8wiebeln große, per 100 fb. 3,50-4,00, bo. fleine 2,80-3,00. bo. hiesige( Berl) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, griln, Schockbund 2,50-4,00. Stohlrabi per Schod 0,00. Rettig, bayr., per Schod 2,40-4,80. Mohrrüben per 100 Bjund 3,00-4,00. Teltower Rüben per 100 Bfd. 8-10. Weiße Rüben, große 0,00. Note Rüben 3,00-5,00. Blumenkohl ital. Wirsingfohl Stohlrüben per Schod 2,00-2,50. Vermischtes. Eisenbahnzusammenstoß. Aus Münster wird vom gestrigen Tage amtlich gemeldet: Heute um 5 Uhr 12 Minuten fuhr Güterzug 6469 auf den im Bahnhof Hiltrup stehenden Güterzug 9752 auf. Es entgleisten die Maschine und 7 Wagen des ersteren Zuges. Materialschaden erheblich. Personenverkehr ist durch Umsteigen bis 12 Uhr 30 Minuten aufrecht erhalten. Vom Bugpersonal zivei Personen unerheblich verletzt. Hochwasser. Die Elbe zeigte gestern früh einen Begelstand von 2,40 Meter über Null und ist im weiteren Steigen begriffen. meldet. willkommen. Witterungsübersicht vom 22. März 1907, morgens 8 1hr. Stationen Barometer stand mm qui richtung Windstarle Belter Bom Oberlauf der Oder wird Rüdgang des Hochwaffers ge- Hamburg 768 5 5 Regen Swinembe. 759 28 5Regen WSW Berlin 764W Auch die Ems ist, wie aus Osnabrück gemeldet wird, infolge Frantj.a.M. 771 SW der starken Niederschläge in dem nördlichen Teil des Bezirks an- München geschwollen. Das Hochwasser überflutet weite Streden. Der Rhein ist noch weiter gestiegen. Der Wasserstand zeigte gestern vormittag 6,10 Meter gegen 5,50 Meter am vorgeftrigen Lage. Wien 775 23 770 Temp. n. 6. 5º E.= 4° Я. Stationen Barometer stand mm Bind richtung Windstärke 5 Haparanda 749 Sti 4 Petersburg 758 WNW 773 3 bedeckt 5 Scilly 0elberdeen 1 Baris 766 WSW 775 Still Better Bebedt 1Schnee 1 heiter 2beiter ivolten! Zemp. n. G. -8 0,00, fleine per Korb 2,00-3,00. ber 100 Bfb. 3,00-4,50. Rotkohl per 100 fb. 3,00-4,00 Welzkohl 100 ẞfb. 1,75-2,75. Rosenkohl per 100 ẞfb. 20-25. Grünkohl per 100 fb. 10,00-12,00. Rhabarber 100 25. 6,00-8,00. Birnen, per 100 Bfd. hiesige 0,00, böhm. 15-22, ital. 28-35. Alepfel, per -4100 Bib., biefige 5-25, Gravensteiner 0,00. Tiroler in Fässern 0,00, Stifte 730-60, merit. 18-35. Bitronen, Messina, 300 Stüd 8,00-10,00, 360 Stud 48,00-10,00, 200 Stüd 7,60-12. Apfelsinen, Jaffa, per Stifte 0,00, Murcia -1200 er stifte 7-10, bo. 800 er 8-11, Valencia 420 er stifte 14-22,00, do. 714 er 15-23,50, effina, 100er 4,50-6, 150er 4,75-6, 160 er 8-13,00, 200er 8-12, 300er 8-13, Blut 100er 7-8, bo. 150 er 7,00-9,00, 80 er 6,50-10,00. Ital. in Rörben per 100 Bfb. 0,00. Mandarinen, Stifte 0,75 bis 2,00 do., in störben per 100 1b. 0,00. 3 beiter 5 better 4 bedeckt Wetter Prognose für Sonnabend, den 23. März 1907. Mild und zeitweise aufflarend, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und lebhaften westlichen Winden. Verhand der Schneider und Schneiderinnen Deutschlands Filiale Berlin. Die Firmen Schulmeister, Dresdenerstraße, Zobel, Ripeniderftraße, Seide, Dresdenerstraße, Peek& Cloppenburg, B. Leinweber, Kölnischer Fischmarkt und Oranienstraße, Esders& Dyckhoff unb Riethmüller, Moltenmarkt, S. Adam, Leipzigerstraße und Betriebswerkstätte derselben, Köpenickerftr. 152, Prince of Wales, Friedrichstr. 170, haben sich an der Aussperrung der Herren- Maßschneider beteiligt. Da diese Firmen versuchen, ihre Arbeiten in der Konfektion anfertigen zu lassen, verhängen wir über den Gesamtbetrieb dieser Firmen die Sperre. Wegen Anfertigung von Streitarbeit verhängen wir über die Firmen Ertler, Lindenstr. 29, Hauffa, Moabit, Kirchstr. 5 und David, Charlottenburg, Kantstr. 134a bie Sperre. Bei Arbeitsannahme von Firmen, welche nicht am Streik bezw. der Mussperrung beteiligt sind, ist äußerste Vorsicht geboten, da unter Angabe falscher Namen Streikarbeit unters zubringen versucht wird. Die Ortsverwaltung. 163/7 W b Praktisch! Reinlich! 3866L Sparsam! Spiritus- Kocher für Haus und Reise. Centrale für Spiritus- Verwerthung Berlin NW. 7, Friedrichstr. 96, gegenüber dem Central- Hotel. 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März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Heilig Kreuz- Kirchhofes( Mariendorf) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 238/18 Der Vorstand. Sozialdemokrat. Wahlverein 1.d.4. Berl. Reichstagswahlkreis ( Görlitzer Viertel). Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Maurer Otto Erl wohnhaft Lübbenerstr. 4, Stadtbezirk 109, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. März, nach mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 243/9 Der Vorstand. Zentral- Verband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Todes: Anzeige. Am Donnerstag, den 21. März, starb im Alter von 61 Jahren der Kollege August Lehmann ( Bezirk Bedding). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. März, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Müllerstr. 32 a, aus nach dem neuen Nazareth. Kirchhofe Reinidendorf- West, Berlinerstraße, statt. 195/18 Der Vorstand. in Englischen Unterricht, einzeln und im Birkel, erteilt 36372* Gertrud Swienty, Schöneberg, Sedanstraße 57, III. Am Dienstag, den 19. d. Mts., entschlief sanft, nach kurzem schweren Leiden, mein guter Mann, unser lieber Bater, Sohn, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Dntel, der Schriftfeher Adolf Grünberg. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes, Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Dies zeigt tiefbetrübt im Namen der Hinterbliebenen an Berta Grünberg geb. Ramer nebst Kindern. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Köpenicker Viertel. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Schriftseger Adolf Grünberg wohnhaft Staliberstr. 78, Stadtbezirk 105, gestorben ist. Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 24. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 243/8 Der Voritand. Todes- Anzeige. Nach kurzer Tätigkeit in unserer Offizin verschied heute nach achttägigem Strantenlager unser lieber Kollege, der Schriftseher Adolf Grünberg im 37. Lebensjahre. Ein ehrendes Andenken be wahren ihm Die Kollegen der ,, Vossischen Ztg." Berlin, den 19. März 1907. Die Beerdigung findet Sonntag, den 24. März, nachm. Uhr, von der Reichenhalle des EmmausKirchhofes, Rigdorf, Hermann straße, aus statt. 22905 Dr. Schünemann 35112 Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ede Schützenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. Hiermit die traurige Mitteilung, daß unser Kollege und Mitarbeiter, der Buchbinder Richard Müller am Mittwoch, den 20. d. M., berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. d. M., nachmittags 3 Uhr, auf dem neuen Luisen- Kirchhof in Nigdorf, Hermannstraße, statt. Personal 22956 der Buchdruckerei H. S. Hermann. Deutscher Buchbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Am 20. d. Mts. verstarb unser Mitglied George Richard Müller, Buchbinder, im 51. Lebensjahre. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung findet Sonntag, den 24. d. Mts, nachmittags 3 Uhr, auf dem neuen QuisenKirchhof, Nixdorf, Hermannstraße, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 23/7 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Hermann Maiwald am Sonntag, den 17. März berstorben ist und Mittwoch, den 20. März zur legten Ruhe gebettet wurde. 83/8 Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die liebevollen Beweise der Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben unvergeßlichen Mannes, unseres guten Baters, des Tischlers Albert Grüttner, sagen wir allen Bekannten sowie den Mitgliedern des Wahlvereins und seinen Stollegen unseren herzlichsten Dant. Ober- Schöneweide. Die trauernde Witwe nebst Kindern. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Paul Faustmann am Dienstag, den 19. März verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 23. März, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Michael- Kirchhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 83/9 Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Topfer Deutschlands. Filiale Berlin. Todes Anzeige. Am Mittwoch, den 20. März, starb unser Stolicge Franz Guse ( Bezirk Osten) im Alter von 52 Jahren. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 24. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Andreas Kirchhofes in Hohen- Schönhausen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 195/17 Der Vorstand. Zentralverband der Handels-, Transport-, Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin II. Hierdurch geben wir unseren Mitgliedern bekannt, daß unser Kollege, der Rollkutscher August Günther am 20. d. Mts. an der Proletarierfrankheit gestorben ist. 68/18 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonn abend, den 23. d. Mts., nach mittags 3 Uhr, von der Leichens halle des Georgen Kirchhofes, Landsberger Allee, aus statt. $ Die Ortsverwaltung Berlin II. Anton Boekers Ball- Salon Habe noch Sonnabends und Sonntags Sale zu vergeben, auch find Vereinszimmer in der Woche frei. Anton Boeker, Beberstr. 17, ...: VII. Nr. 13414. 35702* Soeben erschienen: Der Weg zum Licht. 233/ 11* Ein Weckruf an die deutsche arbeitende Jugend von May Peters. Mit einem Vorwort von Paul Göhre.- Preis 25 Pf. Ferner empfehlen wir: Die jugendlichen Arbeiter und ibre Organisation von Dr. Ludwig Frank. Preis 20 Pf., in besserer Ausstattung 50 Pf. Militarismus und Antimilitarismus unter befonderer Berücksichtigung der internationalen Jugendbewegung. Von Dr. Karl Liebknecht. Preis 1 Mark. 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Auf den ersten dieser an einen Mann verkauft worden seien, doch sei der Erwerber auch Artikel erließ die Firma v. d. Heydt u. Co. eine Berichtigung, in in Konkurs gegangen. welcher die tatsächlichen Behauptungen als falsch bezeichnet wurden. Ueber das Ergebnis der Verhandlung, deren minutiöse EinzelUm die Frage, ob geschäftliche Aktionen der sangirma Darauf erschien der zweite Artikel, der im einzelnen diese Berich heiten weniger interessieren, werden wir berichten. b. d. Heydt u. Co. als Perfidie und Infamie zu kennzeichnen sind, tigung als unzutreffend bezeichnete und abermals an der Hand dreht sich ein Beleidigungsprozeß, der gestern früh vor dem hiesigen von Ziffern den Nachweis zu liefern unternahm, daß Herr Köhne Schöffengericht begann und wegen der umfangreichen Beweisauf- bei der Transaktion große Verluste erlitten habe, da er infolge Ein Herr Johannes Röhn, der ehemals Bürgermeister einer nahme bor heute abend schwerlich beendet sein wird. Als Kläger seiner Notlage sich zur Uebernahme minderwertiger Objekte habe Stadt im Regierungsbezirk Kaffel und dann Amtsvorsteher in traten die Inhaber der Bankfirma v. d. Heydt u. Co., Herr Karl entschließen müssen. Der Angeklagte Norden bemerkt hierzu: Herzfelde war, lebt jetzt in Strausberg und ist am dortigen Amtsb. d. Heydt und Ernst Boeddinghaus unter Beistand des Der Konkurs Köhne habe seinerzeit ein außerordentlich großes gericht als Prozeßagent tätig. Er fungiert auch als Armenanwalt, Rechtsanwaltes v. Glasenapp auf. Sie haben zwei gesonderte Aufsehen erregt sowohl wegen des Umfanges, als auch wegen der das heißt, ihm wird die gerichtliche Vertretung von Klägern überPrivattlagen angestrengt: gegen den Holzhändler und Terrain- Person. In der Gläubigerversammlung habe der Konkursverwalter wiesen, denen das Armenrecht zugebilligt ist. In der Eigenschaft spekulanten Karl Köhne und den leitenden Redakteur des Handels- Klein sich dahin geäußert, daß Herr K. zum Teil in die Hände als Armenanwalt hatte Herr Röhn die Alimententlage einer unteiles des„ Berl. Tagebl." Artur Norden. Beide Sachen werden von Banken und Bankiers gefallen sei, die seine Geldverlegenheit ehelichen Mutter zu führen. Er erftritt ein obfiegendes Urteil trotz des Widerspruchs der Beklagten miteinander verbunden. ausgenutzt, ihn benachteiligt und dadurch mit zu den Gründen des gegen den Vater des unehelichen Kindes und hat von diesem im Die Privattlage ist aus den Erörterungen, die seinerzeit der Zusammenbruchs beigetragen haben. Er( der Angeklagte) habe Wege der Zwangsvollstreckung in mehreren Raten 44 M. erhalten. große, Aufsehen erregende Konkurs des Herrn Karl es als Handelsredakteur für seine Pflicht gehalten, diesen An- Röhn gab dies Geld aber nicht seiner Klientin, der Mutter des Söhne gezeitigt hat, hervorgegangen. am deutungen des Kontursverwalters nachzugehen. Die in den Artikeln unehelichen Kindes, sondern behielt es als Ersatz für Auslagen und 10. März 1904 eröffnet worden. Der Kontursverwalter Klein getroffenen Feststellungen entsprächen im großen und ganzen den von ihm beanspruchte Prozeßgebühren, die er insgesamt mit 54 m. hatte zur Aufklärung über eine Reihe von Punkten Herrn Köhne Tatsachen. Die Wiederholung der Worte" Infamie ansette und demnach noch weitere 10 M. von dem Beklagten vereinen Fragebogen unterbreitet und dieser hatte darin an der Hand und Perfidie" habe nicht als eine Beleidigung, langte. Das Landgericht Berlin II hat den Röhn nicht dieser Fragen einige der Gründe erörtert, die zu seinem Zu- sondern nur als ein Kennzeichen gelten follen, für berechtigt gehalten, das als Alimente für das Kind gezahlte sammenbruch geführt haben. Er hatte darin auch den Ausdruck wie Herr Köhne sich durch die Transaktion geschädigt fühlte. Alles Geld zurück zu behalten. Er ist deshalb wegen Untreue zu gebraucht, daß er bei einer mit dem Bankhaus v. d. Heydt u. Co. dies aufzudecken habe er für durchaus notwendig erachtet, denn es zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden. Die von Röhn vorgenommenen Transaktion durch Perfidie und Infamie, wie man sei denn doch nicht Sitte in der Bankivelt, daß große Bant- eingelegte Revision hatte den Erfolg, daß das Reichsgericht sie bei einem solchen Bankhause nicht voraussehen kann, arg be- institute mit ihren Kunden Geschäfte dieser Art abschließen.-So- die Sache zur nochmaligen Verhandlung dem Landgericht I übernachteiligt worden sei, da er seinen Besiz hingegeben und ihm weit die Angeklagten. wies. Dort wurde die Angelegenheit am Freitag verhandelt. minderwertige Objekte aufgehängt worden seien. Der Angeklagte Die Beweisaufnahme ergab folgendes Bild: Die Firma Dem Gericht schien es zwar zweifelhaft, ob Röhn überhaupt be Köhne bemerkt hierzu, daß er diese Bemerkung in dem Zustand b. d. Heydt u. To. stand mit der Firma Herney u. Rödler, G. m. rechtigt sei, Gebühren in Höhe von 54 M. zu berechnen, da ihm feiner damaligen begreiflichen Erregung getan und nicht geglaubt b. S. in Neustadt i. Medl., schon lange in regem Geschäftsverkehr laut Feststellung in dem betreffenden Alimentenprozeß nur 22 m. habe, daß sie in die Oeffentlichkeit gelangen würde. Er habe nicht und hatte dieser Firma namhafte Vorschüsse geleistet. Die Firma zufämen. Es würde am besten und auch bom moralischen Standdie Absicht gehabt, zu beleidigen, sondern nur dem Kontursver- wurde dann in eine Aktiengesellschaft verwandelt, bei welcher, wie punkt ratsam sein, wenn Röhn das übrige Geld herausgebe, meinte walter eine Information erteilen wollen. Er behaupte auch heute behauptet wird, die Firma v. d. Hehdt u. Co. maßgebenden und der Straffammerborsißende; jedoch das gehe die Straftammer noch, daß ein ehrloses Verhalten des Bankhauses leitenden Einfluß ausgeübt haben soll. Diese" Johann- Albrecht- nichts an. Röhn wandte ein, er halte sich zur Erhebung von 54 M. b. d. Heydt u. Co. gegen ihn vorliege. Der Angeklagte Werke A.-G." ist später in Konkurs gegangen. Herr Söhne berechtigt und habe seinen Anspruch in einem erneuten gerichtNorden hat sich wegen zweier Artikel aus dem April 1904 zu war Besizer des Rittergutes Rahnsdorf, welches lichen Verfahren feststellen lassen wollen, bis dahin liege das Geld berantworten, die unter der Ueberschrift Gewaltherrschaft" er 1891 erworben und bis zum Jahre 1901 besessen hat. Um die Verhältnisse besprachen, die zum Konkurse des Herrn Köhne flüssige Gelder in Höhe von 500 000 M. zu seinen anderen Unter- zur eventuellen Rückgabe bereit. Nach diesen Darlegungen des Angeklagten verzichteten Staatsanwalt und Gericht auf jede Beweis geführt haben und an der Hand der Mitteilungen des Konkurs- nehmungen zu erhalten, lag ihm daran, Rahnsdorf abzustoßen. aufnahme. Röhn wurde mit der Begründung freigesprochen, berwalters in der Gläubigerversammlung darlegten, zu welchen Rahnsdorf hatte nach seiner Meinung einen großen Zukunftswert, er habe in gutem Glauben an die Rechtmäßigkeit seines Gebührenwahnwißigen Spekulationen sich Köhne hatte verleiten lassen. es würden darüber aber noch Jahre vergangen sein und deshalb anspruchs das Geld zurückbehalten, es auch nicht für sich verwandt, Köhne, so wurde ausgeführt, sei zum Teil in die Hände von hatte Herr Köhne, wie er ausführt, feinen Sinn auf den Erwerb so Banken und Bankgeschäften gefallen, die seine Geldverlegenheiten eines schneller rentablen Industriewerfes gerichtet. Er habe des o baß er sich einer strafbaren Handlung nicht schuldig gemacht in unzulässiger Weise ausgenutzt hätten. Es wurde insbesondere halb die Transaktion mit der Firma v. d. Heydt u. Co. unterWelch ein Glück für einen Angeklagten, wenn er die Richter auf Geschäfte hingewiesen, die Herr Köhne mit der Banffirma nommen, fühle sich aber bedeutend übervorteilt, da die ihm bei von seinem guten Glauben überzeugen kann. Wenn sozialdemo b. b. Heydt u. Co. und 3. A. Gumpel in Hannover gemacht habe der Bahlung für den Erwerb von Rahnsdorf seitens der Firma kratische Redakteure oder gewerkschaftlich tätige Arbeiter sich trob und gesagt, es handle sich um Geschäfte, die Aehnlichkeit mit dem b. d. Heydt u. Co. überwiesenen Aktien der Albrecht- Werke start aller guten Absicht in eine der zahlreichen Schlingen des Gesetzes System der Hereinnahme- Geschäfte" der Sanden- und der minderwertig gewesen seien. Als Wertmesser der Albrecht- Werke Pommernbank zu haben scheinen. Es wurde an der Hand der in sei ihm seinerzeit die Bilanz vom 13. Juni 1900 übergeben worden, berwickeln, gelingt es ihnen nicht so leicht, ihren guten Glauben vor Gericht anerkannt zu sehen. der Gläubigerbersammlung vorgetragenen Daten und der von wonach die Werte balancieren sollten. Aber 3 Monate später habe Herrn Norden angestellten Ermittelungen ziffernmäßig die Trans- sich herausgestellt, daß, abgesehen von früher entstandenen und aktion besprochen, die Herr Köhne bei der Hingabe seines Terrains gedeckten Verlusten abermals ein Verlust von 500 000 m. entstanden in Neu- Rahnsdorf und Hereinnahme" von Aktien der Johann- war. Er habe leider einsehen müssen, daß er hineingelegt worden Albrecht- Werke in Neustadt i. Medl. mit der Firma v. d. Heydt sei. An barem Gelde habe er bei der ganzen Transaktion nur u. Co. unternommen hatte. Er habe dabei einen Verlust von 120 000 m. erhalten. Nach seiner festen Ueberzeugung mußten 1 500 000 M. gehabt, die Johann- Albrecht- Werke seien eine der die Inhaber der Firma v. d. Heydt u. Co. infolge ihres innigen zweifelhaftesten Gründungen der neueren Zeit gewesen, und diese Busammenhanges mit den Johann- Albrecht- Werken wissen, wie Transaktion sei eine der Gründe des Zusammenbruchs des Herrn| minderwertig die Werke waren. Angeklagter Köhne erwähnt noch, Monat neu eingesandt werden. habe. Briefkaften der Expedition. die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, Patienten in Beelik, Buch usw. Diejenigen unserer Abonnenten, wollen uns wegen der Ueberweisung von Freiexemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Wegen Umbau und Umgestaltung Grosser Ausverkauf. Deutsche und Perser Teppiche, Portieren, Gardinen, Stores, Diwandecken, Läuferstoffe, Tischdecken, Felle und Kissen zu wesentlich herabgefetzten, spottbilligen, aber feiten Preisen welche neben den früheren deutlich vermerkt sind. 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