Nr. 73. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Post Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost- Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen ant: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Cribeint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für bie fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Big., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett gedruckte) Bort 20 Bfg. jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Angeigen bas erste Bort 10 Bfg. jebes weitere Bort 6 Bfg. Borte über 16 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müffen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- breffe: Sozialdemokrat Berila" Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Der Bauernkrieg in Rumänien. Wieder einmal hat das grauenvolle Elend der rumänischen Bauern einen wilden Verzweiflungsausbruch geboren. In blinder, aber nur zu begreiflicher Wut fällt der rumänische Bauer seine Peiniger und Ausbeuter an. Da ihm die Ausbeutung am ersten und hinfälligsten im jüdischen Pächter, Händler, Schenkwirt und Wucherer entgegentritt, so wendet sich seine Wut vornehmlich gegen ihn und, nach der Art des primitiven Menschen verallgemeinernd, gegen den Juden überhaupt, auch gegen das jüdische Proletariat der Städte, das in ebenso elenden Verhältnissen wie der Bauer dahinvegetiert, wie er selber ein Dpfer der schamlosen Mißwirtschaft der Herrschenden des unglücklichen Landes, der Großgrundbesitzer und der jungen Bourgeoisie. Stets haben es diese Klassen verstanden, den Judenhaß der Bauern für ihre Zwecke in gewiffenlosester Weise zu schüren und auszunüken. Judenhezen sind in diesem Lande, wo die berLogene Scheinkultur der befizenden Klaffe lediglich einen dünnen Firnis über urwüchsige Barbarei barstellt, eine ständig wiederkehrende Erscheinung und finden bis zu einem gewissen Maße unter stillschweigender Billigung der jeweiligen Regierung und der Be hörden statt. Erst wenn die Aufrührer den Unterschied zwischen jüdischen und christlichen Bedrängern vergessen, wenn sie nicht bloß das jüdische Werkzeug- das sich freilich bald mehr oder minder verselbständigt hat, sondern auch den bojarischen Aussauger felbst angreifen, ist der Zeitpunkt gekommen, wo ben Revoltierenden blaue Beruhigungsbohnen berabfolgt werden. " Mittwoch, den 27. März 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. herrn für außerordentliche außerordentliche Produktionsbedürfnisse gebühren. Bevölkerung völlig ohne Grundbesitz, Proletarier im eigentIm Verhältnis zur Größe seiner Bevölkerung hat jedes lichen Sinne des Wortes. Aber auch die überwiegende AnDorf jährlich ein bestimmtes Kontingent zur Jobagie zu stellen. zahl der vorhandenen 570 000 Steingrundbefizer ist nichts als Diese zufägliche Fronarbeit wird für jeden walachischen Bauer proletarische Grundbesitzer. Der Ertrag des ihnen verliehenen auf 14 Tage geschätzt. So beträgt die vorgeschriebene Fronarbeit 56 Arbeitstage jährlich. Das Arbeitenjahr zählt aber in Bodens reichte nicht einmal zur Befriedigung der notder Walachei wegen des schlechten Klimas nur 210 Tage, wovon wendigsten Lebensbedürfnisse aus und nun mußte gar der 40 für Sonn- und Feiertage, 30 durchschnittlich für Unwetter, zu Bauer noch die von dem Agrargesez festgesetten Jahresraten fammen 70 Tage ausfallen. Bleiben 140 Arbeitstage. Das Ber- der Lostaufsumme an den Staat zahlen zur Entschädigung hältnis der Fronarbeit zur notwendigen Arbeit, 56/84, für die„ enteigneten" Bojaren, die in Wirklichkeit gar nicht oder 66% Broz., drückt eine biel fleinere Rate Mehriverts aus als die, welche die Arbeit des englischen Der Enteignete war der Bauer selber. des enteignet, sondern auf seine Kosten bereichert worden waren. Agrifulture oder Fabrikarbeiters reguliert. Dies ift jedoch und So haben die Bojaren bei der Bauernbefreiung gestohlen nur die gefeßlich vorgeschriebene Fronarbeit. Und in noch„ liberalerem" Geist als die englische Fabritgesetzgebung und so haben sie es bornehmlich zu wege gebracht, daß der hat das Reglement organique" feine eigene umgehung zu er heutige rumänische Bauer nach dem Urteil hervorragender leichtern gewußt. Nachdem es aus 12 Tagen 54 gemacht, wird das Sachverständiger sich in einer dauernden chronischen Hungersnominelle Tagwerk jedes der 54 Frontage wieder so bestimmt, notlage befindet. Daß er als Landarmer völlig der Willkür daß eine Zubuße auf die folgenden Tage fallen muß. In einem der Bodenmonopolisten, der Bojaren und ihrer Bächter ausTag zum Beispiel soll eine Landstrecke ausgejätet werden, die zu geliefert ist. Er muß pachten, um sein Leben fristen dieser Operation, namentlich auf den Maispflanzungen, doppelt tönnen zu so viel Zeit erheischt. Das gesetzliche Tagwert für einzelne er muß Wucherpacht mit ArbeitsAgrarfulturarbeiten ist so auslegbar, daß der Tag im Monat leistungen zahlen. Und da sich die Not der Bauern im Winter Mai anfängt und im Monat Oktober aufhört. Für die Moldau am höchsten steigert, bildete sich das System aus, ihm schon find die Bestimmungen noch härter. Die zwölf Frontage des in dieser Zeit die Arbeitskraft für den Sommer abzutaufen. Reglement organique" rief ein fiegtruntener Bojar, belaufen Auf die Weise zwang man ihn, beispielsweise 25 Bani fich auf 365 Tage im Jahr!"" ( Centimes) für das Abernten einer Prasima( 1,8 Ar) anzuSo ließ es fich" für die Bauern mit den Bojaren nehmen, während der Lohn im Sommer sich auf 40-50 Bani leben" zur Zeit der Leibeigenschaft. ſtellte. In dem Werte eines rumänischen Schriftstellers . b. Leonescu- ein Staatsanwalt!- heißt es: Der russische Regent der Lande die damals unter russischem Protektorat standen der schon genannte General Riffeleff urteilte in einem Briefe über die Bojaren: M Die Landesversammlung ist aus Bojaren gebildet, die immer nur die Rechte der unteren Klassen beschnitten haben. Da fie Richter in eigener Sache waren, haben sie natürlicherweise gesucht, nur die bojarischen Vorrechte auf Kosten der von niemanden vertretenen oder verteidigten Klaffen zu wahren. Dies geht fo weit, baß sie durch hinterlistige Artikel über die Fronarbeit ( die sogenannte Claca) die Bauern zu Leibeignen gemacht haben, obgleich die Bauern von Rechtswegen frei find; sie aber trachten sters, dieselben in Sllaven zu verwandeln, um sie noch mehr zu unterbrüden...." . Hat diefer( der Bauer) einmal feine Arbeitskraft berfauft, so hat er sich selbst für immer verkauft. Er ist in eine Art Sklaverei verfallen, welche in gefeßliche Formen eingehüllt ist, er verliert seine Menschenwürde und wird zu einem Gegenstande der Uebergabe und Ueberlassung vom Befiger an den Bächter, von einem Pächter an den anderen, er tommt in eine Lage, aus der es nur zwei Rettungswege gibt, den Tod oder die Auswanderung. Man fann fich nichts Traurigeres vorstellen als die Art und Weise, in der ein Bächter feinem Nachfolger die Arbeitskräfte der von ihm gemieteten Bauern verfauft. Dieser Ueberreft der Stlaberei vergangener Jahrhunderte lebt nicht nur als Gewohn heit fort, sondern ist als Recht anerkannt worden durch das " Gesetz betreffend die Verträge über ländliche Arbeiten." Die bürgerliche Presse tocht am Feuer des Aufstandes ihre speziellen Parteisuppen. Die philosemitische Presse sieht nur die Leiden der Juden und die Verbrechen der Regierung und der herrschenden Klasse; die Sünden der jüdischen Bächter sucht sie möglichst zu vertuschen und die Leiden der Bauern zu verkleinern oder ganz zu leugnen eine Zuschrift an die Czernowiger Allgem. Zeitung", die das Berliner Tageblatt" Und seitdem ist's für die Bauern nicht besser, sondern schleunigst wiedergab, behauptet, daß der Aufstand lediglich eher schlimmer geworden, ist die Ausbeutung der Unglücklichen ein Erzeugnis gewissenloser antisemitischer Hetze sei, daß die durch die Bojaren nicht gefallen, sondern eher gestiegen. Die besondere wirtschaftliche Entwickelung Rumäniens, Bauern gar keinen Grund zur Unzufriedenheit hätten, da eine Eines Staatsstreichs hat es bedurft, um die Aufhebung in das der Kapitalismus von außen eingebrochen ist, anstatt gute Ernte einen gewissen Wohlstand" bei den Bauern der Fronarbeit und der Zehnten gegen die wütenden Wider sich bodenständig zu entwickeln, ein Zustand, der stets eine hervorgerufen habe. Das Gegenstück zu dieser philosemitischen stand leistenden Bojaren zu erzwingen. Der Fürst Cuza, der besondere Steigerung der mit dem Uebergang zum Einseitigkeit stellt die antisemitische dar, die die Sünden im Jahre 1864 das betreffende Defret erließ, tat es, wie es Sapitalismus und dem tapitalistischen System berder Bojaren samt und fonders den Juden aufzuhalfen ausdrücklich heißt, gegen den Willen der gefeßgebenden bundenen Leiden bedeutet, hat die Proletarisierung des sucht und sich in der Deutschen Tageszeitung" zu der frechen Körperschaften". Und doch wurde die Fronarbeit nicht rumänischen Bauern vollendet. Diese Entwickelung hieß für Lüge verstieg: Mit den rumänischen Bojaren ließ sich's leben, einfach aufgehoben, sondern abgelöst, d. 5. die die Bauern steigende Staatssteuern und kein Ausweiten des nicht aber mit den jüdischen Herren. Bojaren erhielten vom Staate eine Entschädigung in Staats- inneren Marktes entschädigte sie. Die durch Staats. Die verschärfende Rolle des jüdischen Zwischenpächtertums papieren, die die Bauern in vierteljährlichen Raten innerhalb fubventionen aufgepäppelte Industrie bleibt ein schwächliches unter den Gründen des Bauernelends in Rumänien ist selbst fünfzehn Jahren dem Staate mit Zinsen zurückzahlen mußten. Gewächs, das Handwerk krankt unter der Stonkurrenz der aus. verständlich nicht gering anzuschlagen. Aber die unerhörte Aber weit schlimmer noch als diese Belastung mit der ländischen Industrie, die ihren Schund in Rumänien abladet, Behauptung, daß ohne den Juden die Bauern in erträg Lostaufsumme war der Landraub, der ähnlich wie im und an der mangelnden Kauftraft der Bauern. Die Erlichen Verhältnissen Leben fönnten, verliert deshalb übrigen östlichen Europa- auch hier mit der Bauernbefreiung" schließung des europäischen Marktes für das Getreide Rumäniens nichts von ihrer Schamlosigkeit. Die Bojaren der Moldau verbunden war. Die Nachkommen der Diebe des Gemeindelandes durch die Eisenbahnen hat dem Bauer nicht viel geholfen, die und Walachet genießen feit alter Zeit mit Recht den Ruf, stahlen den Bauern von ihrem unzweifelhaften Privat- Grundrente, der Bachtschilling stiegen, der Eisenbahnunter der Junkerschaft Europas die strupellosesten und un- befit große Teile unter der Behauptung, daß der Acker der betrieb nahm ihm ihm den Verdienst als Fuhrmann, erfättlichsten Ausbeuter und Unterdrücker der Bauern zu fein, Bauern, ihr, der Bojaren Land sei! Ursprünglich wollten sie die kapitalistische Wirtschaftsweise brachte die Ackerbauund das will etwas heißen. Im ersten Bande des„ Kapitals" den Bauer völlig frei machen, sowohl von den Fronden und maschinen, die die Arbeitsgelegenheit für den Bauern weiter hat schon Marg die Großgrundbesitzer der damaligen Donau- Behnten als auch vom Boden selbst, den sie ganz für sich be- einengten. Dazu eine verschwenderische Politik, die nach Fürstentümer als die rücksichtslosesten und erfolgreichsten gehrten. Die realpolitischeren unter ihnen gingen nicht wie vor das Privilegium der" Herren" blieb, da Räuber des Bauernlandes und Auspresser der bäuerlichen ganz so weit, fie wollten den Bauern bie hoher Zensus elende ein das arbeitende Bolt entrechtet. Arbeitskraft unter ihren europäischen Klaffengenossen angeführt. Hütte und den Garten als Eigentum lassen! Die Ver- Kein Wunder, daß alle Regierungen tein Geld für Er sagt da im 8. Kapitel„ Der Arbeitstag", im Unterabschnitt fügung über den übrigen Grund und Boden aber sollte der wirksame Maßnahmen für die Bauern hatten, daß " Der Heißhunger nach Mehrarbeit. Fabrikant und Bojar":" freien Vereinbarung" zwischen den beiden Zeilen unterliegen. gut wie feine Dorfschulen existieren, daß die " " Ihre( der rumänischen Provinzen D. Red.) ursprüngliche Der freien Vereinbarung", die heute der Industriefeudale so Landbevölkerung 70 Proz. Analphabeten aufweist. Während Produktionsweise war auf Gemeineigentum gegründet.... Ein sehr beim Arbeitsvertrag liebt, der freien Bereinbarung, wo die Bojaren zu Bukarest oder Paris es an Schwelgereien den Teil der Ländereien wurde als freies Privateigentum von den bei dem Besiger der Produktionsmittel der Habenichts gleich Müßiggängern aller Nationen zuvorzutun sich bemühen, Mitgliedern selbständig bewirtschaftet, ein anderer Teil berechtigt" gegenübersteht. Der Bauer hätte den Grundbesig, sterben die rumänischen Bauern den Tod des langsamen gemeinfam bon ihnen bestellt. Die Produkte diefer gc die Sterblichkeitsrate erreicht unheimliche meinfamen Arbeit dienten teits als Refervefonds für Mit den seine Vorfahren jahrhundertelang bebaut und besessen, vom Verhungerns ganz Europa. • ernten, teils als Staatsfchat zur Dedung für die Kosten von angeblichen Besitzer, dem Bojaren, kaufen oder pachten müssen! Biffern. Und zu all dem trift der Wucher des ZwischenKrieg, Religion und andere Gemeindeausgaben. Im Laufe der Ganz ist es ja nicht dazu gekommen. Die Regierung wußte, daß pächters, der häufig Jube übrigens ebenso oft Grieche Beit ufurpierten friegerische und firchliche Würdenträger mit dem der rumänische Bauer niemals die Diebeslogit der Bojaren ist und der in Pächtertrufts von riesiger Ausdehnung Gemeineigentum die Leistungen für basfelbe. Die Arbeit der begriffen und anerkannt hätte, daß die völlige Beraubung der feine wirtschaftliche Macht über den unglücklichen Band freien Bauern auf ihrem Gemeindeland verwandelte sich in Fron Bauern das Signal zum blutigen Aufstand gewesen wäre. proletarier bis ins ungemeffene steigert. arbeit für die Diebe des Gemeindelands. Damit entwickelten fich so setzte sie es durch, zugleich Leibeigenschaftsverhältnisse, jedoch nur tatsächlich, nicht der europäischen Großmächte, gestützt auf den Rückhalt Palliativmittel und blaue Bohnen sind die Antwort der benen Rußland aus- Regierung. Und auf sich allein gestüt vermag fich die rumä gesetzlich, bis das weltbefreiende Rußland unter dem Vorwand, bie Leibeigenschaft abzuschaffen, fie zum Gesetz erhob. Der Koder genommen an der Schaffung einigermaßen stabiler nische Bauernschaft nicht zu befreien, so wenig wie die russische, der Fronarbeit, den der ruffische General Riffeleff 1881 Verhältnisse in diefem Wetterwinkel Europas liegen die dazu die fräftige Mithilfe des Proletariats der Städte proflamierte, war natürlich von den Bojaren felbft diftiert. mußte, daß die Bauern im Besitz des Bodens blieben, braucht. In Rumänien aber ist bei schwacher Industrie das Rußland eroberte so mit einem Schlage bie Magnaten ber Donau- der ihnen nach den früheren Bestimmungen über die Boden- Proletariat noch schwach. In den elenden Landstädten aber fürstentümer und den Beifallsflatich der liberalen Kretins von verteilung anläßlich der Aufhebung der Leibeigenschaft zu figen Scharen allerärmster Broletarier, die Juden, die geteilt worden war, ohne daß ihnen direkt der Besigtitel Fremden". Um die Unabhängigkeit auerkannt zu erhalten Nach bem Réglement organique", fo heißt jener Kober ber erteilt wurde. Diese Zuteilung war aber schon eine Be- von den Großmächten, hat Rumänien nach dem letzten Fronarbeit, schuldet jeder walachische Bauer, außer einer Masse betaillierter Naturalabgaben dem fog. Grundeigentümer 1. 12 Arbeits- raubung der Bauern, denn von ihrem von ihren Vätern russisch- türkischen Krieg die Gesetze, die den Nichtchriften die tage überhaupt, 2. einen Tag Feldarbeit und 8. einen Tag Holz- ererbten Besitz mußten sie den Bojaren, die im Laufe der Staatsbürgerrechte vorenthielten, aufheben müffen. Summa Summarum 14 Tage im Jahre. Mit tiefer Jahrhunderte zu Besizern des Bauernaders heraufgeschwindelt es hat einen Ausweg gefunden, um die traditionelle UnterEinsicht in die politische Defonomie wird jedoch der Arbeits- waren, große Stüde abgeben. Die Freiheit wurde teuer drückung der Juden fortjeßen zu können; es erklärte fie für tag nicht in seinem ordinären Simm genommen, sondern der zur bezahlt. " Fremde" und verweigerte ihnen die Aufnahme ins rumäHerstellung eines täglichen Durchschnittsprodukts notwendige r Und trotz alledem blieb ein großer Teil der Bauern niche Bürgerrecht. Als Fremde, unter Ausnahmegesehen beitstag, aber das tägliche Durchschnittprodukt in pfiffiger Weise besiglos. Von 650 000 fronde- und zehntenpflichtigen Familien, fitzen die Juben im Lande, in ihrem Erwerb durch eine Reihe so bestimmt, daß kein Byllope in 24 Stunden damit fertig würde. Die man im Jahre 1864 zählte, erhielten nur 402 000 Grund- wiederkehrenden Wutausbrüchen unwissender Massen preisder schitanöfesten Bestimmungen behindert, den periodisch In den dürren Worten echt russischer Ironie erklärt daher das besik, ungefähr 150 000 wurden völlig beraubt, zu Landlosen wiederkehrenden Wutausbrüchen unwissender Massen preis" Reglement" felbft, unter 12 Arbeitstagen sei das Produkt einer Handarbeit von 36 Zagen zu verstehen, unter einem Tag gemacht. Durch Verteilung von Staatsgütern und Verkauf gegeben! Die Sünden ihrer bessergestellten Glaubens und Stammesgenossen werden an ihnen gerächt! Feldarbeit drei Tage und unte: einem Tag Holzfuhr ebenfalls ist die Zahl seitdem zurückgegangen, aber dreißig Jahre nach bas Dreifache. Summa: 42 Frontage. Es tommt aber hinzu dem Inkrafttreten des Gefeßes waren 80000 Bauernsie sogenannte Jobagie, Dienstleistungen, die dem Grund- familien oder 12,8 Prozent der gesamten ländlichen! Aber Bauern und Juden wird ein Lan befreien, eine Macht die Sozialdemokratie! Die russische Revoluttou. Die Feldgerichte vor der Duma. PettUdUrg, 26. März. Die Beratung über die Abschaffung der Kriegs» und Feldgerichte wird fortgesetzt. Die Rechte und die Linke erheben abwechselnd Vorwürfe gegeneinander, bis der Präsident schließlich unter Lärm des Hauses bittet, sich auf den Gegenstand der Tagesordnung zu beschränken.(Beifall und Unruhe.) Ein An- trag auf Schluß der Debatte wird abgelehnt, so daß diese noch die ganze heutige Sitzung ausfüllen wird. Stolypin und die Kadetten. Nach der Abstimmung vom letzten Freitag— jener Ab- stimmung, bei der es sich um Maßnahmen gegen die Hungers- not handelte und bei der Regierung, Reaktionäre und Kadetten Hand in Hand gingen— steht es ziemlich fest, daß die Kadetten auch bei anderen Fragen Bundesgenossen bei der Rechten und nicht bei der Linken suchen werden. Wie nun verlautet, ist die Bundesgenossenschaft Stolypins mit den Kadetten nicht etwa ein Spiel des Zufalls. In der russischen Presse wird mitgeteilt, daß zwischen der Regierung und den Kadetten Verhandlungen geführt Werdens Die Regierung verlange von den Kadetten, daß diese alle Beziehungen zu den Linken aufgeben, ihr Agrar- Programm beschneiden, auf die Forderung nach Gleich- Berechtigung der Nationalitäten zeitweilig verzichten und die auswärtige Anleihe unterstützen. Als Gegenleistung sollen den Kadetten außer der Legalisierung ihrer Partei versprochen worden sein: die Portefeuilles des Ministers der Landwirtschaft. des Handels, der Volksaufklärung und der Justiz, teilweise Amnestie und die Aufhebung der Kriegsfeldgerichte. An den Unterhandlungen beteiligte sich, so heißt es. eifrig auch Graf Witte, dem das Portefeuille des Finanzministers zugedacht sein soll. Die Kadetten erklären, von diesen Unterhandlungen nichts zu wissen, was ihnen aber bis auf weiteres nicht geglaubt wird. poUtifcbc öcberlicbt Berlin, den 26. März 1907. Liberales Liebeswerben. Die„Kölnische Zeitung" gibt an leitender Stelle ausführlich einen Vortrag wieder, den der Landtagsabgeordnete Kammer- gerichtsrat Schiffer aus Berlin am letzten Sonnabend in dem Kölner Verein der nationalliberalen Jugend gehalten hat. Herr Schiffer begrüßte die„Niederlage" der Sozial- dcmokratie. Doch meinte er. g ü n st i g e r für den Libcra- lismus wäre entschieden die Situation gewesen, wenn statt der Sozialdemokratie das Zentrum einen ähnlichen Mandatsverlust erlitten hätte. In diesem Falle hätte die Re- gierung keine zwei Majoritäten gehabt, sondern sei ge- zwangen gewesen, mit den Liberalen zu regieren. Dem Fürsten Bülow sagte Herr Schiffer allerhand Liebenswürdigkeiten. Ter Reichskanzler habe sich mit Recht einen erstaunlich Vorurteils- losen Menschen genannt. Er fei ein durch und durch„moderner Mensch", der als Person den Nationallibcralen zweifellos nahestehe. Zudem sei er durch das Zentrum, da? mit ihm niemals wieder Geschäfte machen werde, gezwungen, mit den Konservativen und Liberalen die Geschäfte zu führen. Erfreulicherweise hätten auch die Freikonservativen einen großen Schritt nach links gemacht und sich dem Rationallibcralismus genähert. Namentlich in der Schul- frage habe sich das gezeigt, wo im preußischen Abgeordnetenhause die ganze freikonservativc Fraktion mit Nationalliberalen und Frei- sinnigen zusammengegangen sei. Der Liberalismus habe umgekehrt alle U r s o.ch e. eine Politik zu treiben, die dem Kanzler und den Konservativen ermögliche, mit dem Liberalismus zusammenzugehen: „Solange wir eine Politik treiben, die es dem Kanzler und den Freikonscrvativen möglich macht, mit uns zu gehen, solange ist ein Zusammengehen von Kon- servativcn und Zentrum so gut wie ausgeschlossem, ist es ausgeschlossen. daß eine konservative und ultramontane Mehrheit zur Grundlage der Regicrungsgeschäfte im Reiche gemacht werden. Es tut einerseits not, daß Konservative und Kanzler den Liberalen soweit� als möglich entgegenkommen; auf der anderen Seite tut es not, daß wir unsere Forderungen in dem Rahmen halten, der es dem Kanzler und den Konservativen möglich macht, ohne Preisgabe ihrer Grundanschauungen mit uns zu gehen. Wir haben Rücksicht zu nehmen auf das, waS wir erreichen wollen, wenn wir nicht in nutzlosen Demonstrationen unsere Kraft verpuffen wollen.(Leb- hafte Zustimmung.) Wir müssen uns die Mäßigung auferlegen, die notwendig ist, um das praktische Ziel Schritt für Schritt zu erreichen.(Wiederholte lebhafte Zustimmung.) Fürst Bülow habe auch die Erfüllung einer Reihe liberaler Forderungen in Aussicht gestellt, so cm Vereins- und Versamm- lungsrecht, die Strafprozeßreform, die Revision des Börsen- gcsetzes. Wenn das auch„vorläufig Wechsel auf die Zukunft" seien, so hätten die Liberalen doch keinen Grund, an der Zahlungsfähigkeit und der ZahlungSlust des Reichskanzlers zu zweifeln. Man sieht, einen gemäßigteren Standpunkt kann der Reichs- kanzler nicht gut von den Nationalliberalen verlangen. Sie wollen auf„nutzlose Demonstrationen" verzichten und ihre Forderungen so temperieren, daß ihnen auch die Konservativen und der Reichs- kanzler„ohne Preisgabe ihres Standpunktes" zustimmen können. Auch sind sie bereit, den Einlösungstermin der Bülowschen, Wechsel auf die Zukunft in der entgegen- kommendsten Weise zu prolongieren! Höchst ungehalten ist aber Herr Schiffer über die Ablehnung der freikonservativ-libcralen Forderungen der Ersetzung der geistlichen Schulaufsicht durch eine fachmännische Schulinspektion. Die Regierung müsse sich doch selbst sagen, daß die Blockpolitik im Reiche gesprengt werde, wenn der Liberalismus so völlig als guantite negügeable behandelt werde. Der Libcra- lismus verliere doch jede Zugkraft unter dcn Massen, wenn ihm nicht einmal so kleine Konzessionen gemacht werden: „Im vorigen Jahre haben wir dem Schulunterhaltungs- Gesetz nur zugestimmt unter der ausdrücklichen Erklärung, daß wir dieses Gesetz nur als eine Einleitung zu weiteren Reformen auf dem Gebiete der Schule betrachten. Es wäre um uns ge- scheheu, wenn wir aus bloßer zärtlicher Rücksichtnahme auf den Reichskanzler und die Rcichspolitik still und passiv im Landtage auf dem Gebiete der Schule geblieben wären. Wir hätten damit uiifer Schicksal besiegelt und verdient, und das mußte die R e- gierung einsehen. Wir hätten das Werkzeug zerbrochen. das der Reichskanzler brauchte. Er hat ein Interesse daran, uns stark und mächtig zu erhalten. DaS Jntcresie der preußi- schen Regierung und des Reichskanzlers müßte es sein, um unS das zu gewähren, was wir zu unserer politischen Existenz brauchen." Das find höchst eigenartige Argumente! Statt die Grund- sähe einer liberalen Politik zu proklamieren, beschwört man dia Regierung, doch ja in ihrem eigensten Interesse dem Liberalismus, dessen sie doch selbst als Werkzeug bedürfe, wenigstens soviel Kon- Zessionen zu machen, um ihn stark zu erhalten, d. h. um die Fahnenflucht seiner Wähler zu verhüten! Zeigt die Regierung dies minimale Entgegenkommen, das im Grunde ja� nicht einmal ein Entgegenkommen ist, so gelobt der Libera- lismus, auf alle liberalen Forderungen zu verzichte», die den Konservativen und dem Reichskanzler unangenehm sein könnten! Nach solch würdelosem Liebeswerben, nach solchen Gelöbnissen politischer Bravheit macht es sich ein wenig lächerlich, wenn Herr Schiffer zum Schlüsse seines Vortrages erklärt, daß der Nationalliberalismus, wenn er kein Entgegenkommen finde, cnt- schlössen sei, den Kampf aufzunehmen. Zumal, wenn man das Objekt dieses Kampfes in Betracht zieht. Die National- liberalen sind es doch gerade gewesen, die bei dem Schulgesetz die Konfessionsschule mit geschaffen haben. Auch die Beseitigung der geistlichen Schulaufsicht würde an der Verpfaffung der Volksschule nicht das gering sie ändern. Zudem ist es noch sehr die Frage, was schlimmer ist: die Belastung der Schüler mit unnützem religiösem Memorier st off oder aber mit byzantinischen und kolonialpolitischen Legenden, für deren Ver- breitung durch die Schule sich ja gerade die Nationalliberalen ins Zeug legen! Der kommende Mann. Das Mosseblatt ist von dem Falle Studts fest über- zeugt. Es gibt ihm noch einen Monat Frist. sein Testament zu machen; vielleicht, meint es, währe die ihm noch bewilligte Gnadenfrist auch nicht einmal vier Wochen. Aber das Mosseblatt, das seit Dernburgs Erhöhung das Gras auf erst noch auszuwerfenden Grabeshügcln noch besser wachsen hört, als selbst das Organ des Herrn Scherl, kennt auch bereits den kommenden Mann. Es soll kein anderer sein als Herr A d i ck e s, der Frankfurter Nachfolger Miguels. Aus Frankfurt„komme wiederum das Heil". Möglich, daß der Frankfurter Oberbürgermeister, der wiederholt liberale Ansichten vertreten, der Nachfolger Studts werde, möglich auch, daß er Preußischer Polizeiminister an Stelle B e t h- mann-Hollwegs werde, der eventuell Studts Ressort beerben wolle. Irgendwo werde für ihn ein Platz frei werden.„Wo er auch hingestellt werden mag, er wird die Fenster weit aufmachen, um die Stickluft der preußischen Bureaukratie zu reinigen." Warten wir es ab. ob das„Berliner Tageblatt" nicht a la Falb prophezeit. Wer selbst wenn Studt ginge und Adickes preußischer Minister würde— es wäre doch ein wenig optimistisch, zu jubeln:„Aus Frankfurt kommt das Heil!" Aus Frankfurt kam schon einmal das„Heil" in Gestalt des Herrn Miguel. Herr Miguel galt nicht nur als Sozialpolitiker fortgeschrittensten Stiles, sondern auch als waschechter Liberaler, war er doch sogar einmal blutroter Kommunist gewesen. Wer dieser„liberale" Minister mauserte sich gar wundersam! Er fand es mit seinem Liberalismus durchaus vereinbar, die berüchtigte Zcdlitzsche Schul- gcsetzvorlage mitzuvertteten, ebenso deckte er das reaktionäre Vereinsgesetz. Mählich freundete er sich mit dem preußischen Junkertum immer intimer an, sodaß er während der Vorbereitungszeit für die neuen Handelsverträge gewissermaßen den agrarischen Vertrauensmann spielte I Höchst zweideutig war, gelinde ausgedrückt, auch seine Haltung bei der K a n a l v o r l a g e. deren Ablehnung auch ihn als Mitschuldigen in den Orkus schleuderte. So sah damals das aus Frankfurt stammende „Heil" des Liberalismus aus. Ob Herr Adickcs nicht ebenso enttäuschen würde?! DeutfcKes Reich. Bor leichtherzigem Optimismus warnt die„P o st". Sic, die sich anfangs nicht genug tun konnte in Ucbertrcibung der sozialdemokratischen„Niederlage", warnt heute: „Der Hinweis, daß die Sozialdemokratie im Wachstum im Verhältnisse zu den bürgerlichcri Parteien doch noch zurück- g cga ngen sei, da 1663 den drei Millionen sozialdemokratischer Wähler rund 6� Millionen bürgerlicher Wähler gegenüber- gestanden hallen, 1967 aber den Millionen sozialdemotra- tischcr volle 8 Millionen bürgerlicher, ist wenig durch- schlagend, denn auf eine derartige Wahlparole wie diesmal, die Wahlsäumige in Massen an die Urne ge- trieben hat, ist nicht sicher bei iü listigen Wahlen zurechnen. Es gibt nur wenige Wahlkämpfe, in denen ein gleich rühriger Eifer seitens der bürgerlichen Parteien entfaltet wäre und sich eine gleiche Zahl opferwilliger Patrioten in den Dienst der guten Sache des Vaterlandes gestellt hätte. Man darf nicht außergewöhnliche Fälle als die Regel behandeln, deshalb soll man besonder- vorsichtig sein, wenn man Schlüsse aus den Ergebnissen des letzten WaHlkanipses ziehen will. Kurzsichtige Politiker und solche, die nach Art der unerfahrenen Jugend schnell fertig mit dem Worte sind, haben schon häufig genug durch ihre unbesonnenen oplimistischen Urteile den Jnter- essen des Bürgertums schioeren Schaden zugefügt und die Po- fition der Sozialdemokratie gestärkt." Die„Post" ukzeptiert also die Kritik, die wir an dem Triumph- gehcul der Scharfmacher geübt haben! Freilich wäre es das törichteste, was es geben könnte, wenn sich nun die Sozialdemokratie ihrerseits durch diese verspätete Ein- ficht ihrer Gegner in allzugroße Zuversicht einwiegen lassen wollte. So sicher es ist, daß die nationale und weltpolitische Phrase selbst auf die„Partei der NichtWähler" nicht des öfteren die gleiche Zugkraft wie diesmal ausüben wird, so sicher ist es auch, daß die Sozialdemokratie niemals auf Zufallskon st ellationcn rechnen darf. Wir müssen vielmehr in dieser Beziehung p r i n- zipiell„Schwarzseher" sein! Wir müssen mit den ungünstigsten Verhältnissen rechnen und alle Tatkraft anspannen, um selbst den schwierigsten Umständen getvachsen zu sein! Wir müssen unsere organisatorische und agitatorische Tätigkeit verviel- fälligen, um dem zweifellos ebenfalls künftig noch ungestümeren Ansturm der Gegner die Spitze bieten zu können! Entspringt doch offensichtlich die objektive Würdigung des Wahlausfallcs durch die „Post keineswegs ehrlicher Einsicht, sondern nur die Absicht, alle Kräfte gegen die Sozialdemokratie zu sammeln!—»_ Dynamit. Die Börsengesetznovelle droht für die konservativ- liberale Blockbrüdcrschaft zum Sprengstoff zu werden. Zwar wird sie, wie die„ D e u t s ch e T a g c s- Z c i t u n g" be- stimmt versichert, trotz aller gegenteiligen Behauptungen liberaler Blätter den Reichstag in seiner jetzigen Tagung nicht mehr beschäftigen, sondern ihm erst im Herbst vorgelegt werden, allein das agrarische Organ beginnt gleichwohl bereits den Sturmlauf gegen dies Kompensattonsobjekt für die liberalen VlockliebeSdienste. Das Oertcl-Blatt schreibt: „Die Verzögerung ist darauf zurückzuführen, daß man nun vollkommen entschlossen zu sein scheint, der Börse noch in e h r Zugeständnisse zu machen, als in der Vorlage ent- halte» waren, bieder letzte Reichstag in der KommissionS» berat ung erledigt hatte. Eine Erledigung der Angelegen- heit vor dem Reich-tagSschlusse würde sonach gänzlich ausgeschlossen sein. Lediglich diese Erwägungen waren es. wie man uns versichert, die die Verzögerung veranlassten. Wir möchten diesen Mitteilungen gegenüber nochmals hervorheben, daß eine Vorlage, die der Börse noch mehr Zugeständnisse macht, ans Annahme im Reichstage kaiiiu zu rechne» haben wird. Es würde schon fraglich gewesen sein, ob der alte Entwurf vorn Reichstage angenommen worden wäre, insbesondere da das Zentrum nicht die mindeste Neigung zu haben scheint, bei der sogenannten und angeblichen Börsenreform mitzumachen. Je weiter man der Börse entgegenkommt, um so fraglicher wird das Schicksal des Entwurfs. Der Reichskanzler ist viel zu klug und viel zu gut über die Stimmungeu unterrichtet, als daß er das nicht wissen oder voraussehen sollte. Deshalb geben wir immer noch die Hoffnung nicht auf. daß et_ sich nicht zu einem Versuche drängen lassen inöge, der für die gesamte innere Politik von höchst bedenkliche» Folgen sein könnte." Die Herren Agrarier drohen also dem Reichskanzler bc- reits mit einer Sprengung des Blocks und einem Zusammen- gehen mit dem Zentrum, wenn er nicht rechtzeitig den Stein des Anstoßes, eben das liberale Kompensationsobjekt, aus dem Wege räume! Die„Germania", das ultramontane Hauptorgan, erklärt sich just an demselben Abend mit aller Schärfe gegen die Börsengesetzreform. Sie fühlt sich in ihrem Ver» trauen auf ihre konservaftv-agrarischen Gesinnungsgenossen so sicher, daß sie über die vorläufig bis zum Herbst vertagte Vorlage also spottet: „Die nun schon so oft verheißene und immer wieder in die Länge gezogene Einbringung der Reformvorlage scheint noch für absehbare Zeit als Kompensations objekt dienen zu sollen. um je nach den Bedürfnissen der inneren Politik bald in nahe Aussicht gestellt, bald in weitere Ferne gerückt werden zu können, ähnlich wie in früheren Zeiten die Bc- seitignng anderer manchen Parteien lästigen Gesetze jahrelang als Köder benutzt worden ist. Der Freisinn würde auf diese Weise noch manches Jahr„um die Rachel" dienen können, ehe er einen praktischen Erfolg für seine Selbstverleugnung erntet." Konservattv-liberale Paarung!— Der Oberpräfident der Rhcinprovinz und das Zentrum. Das Zentrum erlebt an dem katholischen Oberpräfidenten der Rheinprovinz, dem Sohne des früheren klerikalen„Bauernkönigs" Freiherrn v. Schorlemer-Alst, wenig Freude. Nachdem er jüngst schon in einer langen Rede die Wahlagitation des Zentrums recht abfällig kritisiert hat, hielt er am letzten Sonntag in Aachen auf dem Abschiedsessen zu Ehren des am 1. April d. I. in den Ruhe- stand tretenden Regierungspräsidenten v. Hartmann wieder eine seiner antiklerikalen Ansprachen, in der er sich folgendermaßen äußerte: „WaS Sie dem hiesigen Bezirk und Ihren untergebenen Be- amten in der langen pflichttreuen Arbelt gewesen sind, wird zweifellos von berufener Seite auch heute abend noch gewürdigt werden. Ich kann aber meinerseits nicht unterlassen, es besonder- noch hervorzuheben, wie Sie in allen verantwortlichen Stellungen, in welche das Verllauen Ihres Königs Sie berufen hat. stets Ihren Mann gestanden und besllebt gewesen sind, in Diensteifer und Pflichttreue die reichen Gaben Ihres Geistes und Ihr vielseitiges Wissen zum besten des Vaterlandes und im Dienste Ihres Königs zu verwenden. Allüberall sind Sie sich dessen bewußt geblieben, daß der Beamte der allgemeinen Staatsverwaltung unparteiisch seines Amtes walten und über den Parteien stehen muß, daß er aber auch anderseits nicht darauf verzichten kann und darf, die politischen Ziele der Staatsregierung in dem ihm zugewiesenen Bezirk zu verlleten und zu fördern. Diesem Grundsatz sind Sie in den langen Jahren Ihres Dienstes treu geblieben. Die Befolgung desselben hat Ihnen allgemeine An- erkennimg und vor allen Dingen auch die Anerkennung Ihres königlichen Herrn verschafft, der heute durch mich Ihnen wiederum eine allerhöchste Auszeichnung hat überreichen lassen." Das Hauptblatt des rheinischen Zentrums, die„Köln. BolkSztg." leistet sich dazu folgende Abfertigung: «Man ftagt sich, was diese gehäuften politischen Exkurse bedeuten. Es drängt sich manchem vielleicht der Verdacht auss daß Frhr. v. Schorlemer, der von seinem„nationalkatholischen" Kriegspfadc keinen einzigen Zenttumsskalp mitgebracht hat, jetzt durch Reden zu ersetzen sucht, waS er an Taten nicht hat tun können. Wir möchten aber doch annehmen, daß etwas mehr hinter der politischen Belliebsamkeit des ersten Beamten der Rhein- Provinz steckt. Verschiedene Anzeichen liegen dafür vor, daß die „nattoualkatholische Aktion", welche am 25. Januar und 6. Februar so wenig Früchte gezeitigt hat— alle Bemühungen liberaler Blätter, sie aufzubauschen, können daran nichts ändern—. llotz de- bisherigen Mißerfolges fortgesetzt werden soll. Man scheint das in Berlin zu wünschen und Ber- liner Wünsche sind für einzelne der an der„nationalkatholischen" Betvegung be- teiligten Kreise Befehl. ES wird also von„national- katholischer" Seite gemacht werden, was gemacht werden kann, um der Zentrumspartei Steine in den Weg zu legen. An dem gänzlichen Fiasko auch der neuen Aktion zweifeln wir in keiner Weise. Voraussichtlich werden sogar Persönlichkeiten, welche im Januar und Februar dieses Jahres dabei waren, nicht mehr dabei sein. Aber man muß doch wissen, tvas vorgeht, uin keinerlei Ueberraschungen zu erleben. Unter diesem Gesichts- punkte glaubten wir die politischen kaits et gestes(das Handeln und Gehaben) des Oberpräsidenten der Rheinprovinz etwas auf- merksamer verfolgen zu sollen, als es unter anderen Verhältnissen nötig erschienen wäre."—_ Internationale Verbrüderung. In Nürnberg tagte im Juni eine internationale Versammlung von Vertretern einer Reihe Emaillierwerke mit derZlveckbestiinmung. einen europäischen Verband zu gründen, wodurch dem be- rcitS bestehenden Zustande eine feste Form gegeben werden sollte. Wie das„B. T." berichten kann, traten bisher„iir bestimmten Zwischenräumen aus Einladung einzelne Werke zusammen und machten sich über die Preisfragen schlüssig. Das Reiultat ihrer Verhaud- lungen wurde dann von den übrigen beteiligten Werken akzeptiert. Rimmehr soll ein geschlossener Verband der großen deutschen, ö st erreichisch-ungari schen, schiveizerischen, bel- zischen und eventuell fr a n z L s i sch e n W e r ke geschaffen iverden, über dessen RcchtSform indessen heute noch nichts zu sagen ist." Es handelt sich also um erne regelrechte internationale Verbrüderung. Deutsche Unternehmer verbinden sich mit ausländischen gegen die Interessen der deutschen Konsumenten. DaS ist natürlich national; wenn aber deutsche Arbeiter sich mit ausländischen zu ver- ständigen suchen, um sich gegen die durch keine nationale Bedenken gehinderte internationale AuSveutung zu schützen, dann ist das selbst- verständlich vaterlandsloscS Beginnen— denn das internationale Kapital sieht sich in seinen Plünderungsgelüsten eingeengt. Aus Studts Reich. Während Fürst Bülow sich selbst öffentlich an die Spitze amtlicher Wahlbeeinflussung stellte, verrichtete der politische Beamten» apparat eine stille, aber wirksame Tätigkeit. Im 19. Hannover- schen Wahlkreise waren im Landkreise Neuhaus a. d. Oste die Gendarmen, wahrscheinlich in höhcrem Auftrage angewiesen, über die Anwesenheit von Lehrem und Pastoren in welftschen Wahl- Versammlungen zu berichten. Ein junger Lehrer, der in einem Nach- varorte an einer welfischen Versammlung teilnahm, erhielt einen Verweis. Schließlich hat der KreiSschulinspeltor Bünte in Belum an sämtliche Lehrer dcS Kreises folgendes sehr bezeichnende Rund- ichreiben gerichtet: »Die ungehörige Tatsache, sl) daß zwei junge Lehrer an einer welfischen Wahlversammlung teilgenommen haben, veranlaßt mich, auf Grund einer Verfügung(!!) die Herren Lehrer strengstens zu verwarnen, in Zukunft an einer welfischen oder sozialdemokratischen Versammlung teilzunehmen oder in irgend einer Weise für eine der genannten Parteien agitatorisch einzutreten!" Vielleicht wird der Minister für„Volksaufklärung". nachdem er die fachmännische Schulaufsicht verworfen, die Gendarmen zu KreiSschulinsPeltoren ernennen.— Eine Borftandssitzung ist keine Versammlung. Am 20. Dezember v. I. hielt der Vorstand des national- liberalen Vereins zu Lüneburg eine Sitzung ab, in der die Auf- stellung eines Reichstagskandidaten beraten wurde. Ter Vor- sitzende, Schuldirektor Dr. Z e ch l i n, als Einberufer und Hotel- besitzer V ö l k e r s, in dessen Lokal die Sitzung stattfand, erhielten wegen Uebertretung des Vereinsgesetzcs eine auf 15 M. lautende Strafvcrfügung. Das Schöffengericht verwarf die Einsprüche und bestätigte die Strafmandate. Auf die eingelegte Berufung hob die Strafkammer das Urteil auf und sprach die Angeklagten frei mit der Begründung, daß nicht jede Zusammenkunft zur Er- örterung öffentlicher Angelegenheiten eine Versammlung im Sinne des Gesetzes sei. Es gäbe einen Unterschied zwischen Bersamm- lung und Sitzung. Tie in Rede stehende Zusammenkunft müsse als Sitzung angeschen werden. Das Gericht legte der Staatskasse nicht nur die Kosten des Verfahrens zur Last, sondern auch die den An- geklagten erwachsenen notwendigen Auslagen, einschließlich der Verteidigungskostcn.— Freisinnige Politik. Die Ausführungen Dr. Th. Barths im„Verl. Tagebl." über die von den Freisinnigen zu befolgende Politik stoßen selbstverständlich nicht nur bei den Freisinnigen um Mugdan, Träger und Kopsch. sondern auch innerhalb des Kreises der Freisinnigen Vereinigung auf höhnischen Widerspruch. Die„Weser-Ztg." schreibt z. B.: „Dr. Th. Barth fährt fort, die politische Lage pessimistisch zu beurteilen und die Freisinnigen gegen ihre Teilnahme an der neuen Mehrheit aufzuhetzen. Er macht den Versuch, eine Mehrheit aus� Zentrum, Sozialdemokraten und Freisinnigen zu konstruieren und_ stellt den letzteren dabei große Vorteile in Aussicht. Also nun doch wieder daS verschmähte Zusammenarbeite» mit einem Bestandteil der Reaktion. Dabei sieht der Verfasser nicht, daß das Zentrum in genau demselben Augenblick, Ivo die Freisinnigen sich zu den Sozialdemokraten und zu ihm selber, dem Zentrum, schlagen wollten, diese oppositionelle Mehrheit verlassen und sich zu der Regierungsmehrheit schlagen würde. Die reaktionäre Mehrheit wäre damit wieder hergestellt. Das ganze Ergebnis des chuLsee, croisez wäre also, daß die RegicrungS- Mehrheit statt der Freisinnigen das Zentrum enthielte. Und das soll ein Gewinn für uns sein? Wenn eS unsere Aufgabe wäre, den Kanzler aufS neue dem Zentrum in die Arme zu treiben, so niüßten wir nach diesem Rezept, mit dem Dr. Barth übrigens allein steht, handeln." Der Grundfehler der Barthschen politischen Kalkulationen besteht darin, daß jene freisinnigen Politiker, wie er sie sich denkt, nur etwa in einem Dutzend Exemplaren vorhanden sind. Busland. Frankreich. Reden und Taten. Paris. 24. März.(Gig. Set.) Die gestrige Schlußverhandlung über die Reform des Wochen- ruhegesetzeS hat den moralischen Bankrott des herrschenden Klein- bürgerradikaliSmus besiegelt. Die Regierung ist, ihrer besseren Ein- ficht zum Trotz vor den Krämerdemagogen zurückgewichen und hat demütig den Auftrag entgegengenommen, das Recht der Arbeiter auf den Ruhetag nach den Wünschen der Ausbeuter zu verkürzen. Elsmenceau, der sich noch unlängst auf die sozialpolitische Energie deS Ministeriums soviel zugute tat, hat den fozialreaktionären Forderungen des radikalen Blocks keinen Widerstand entgegengesetzt und die Tagesordnung der Delegation der Linken angenommen, die eine„weitherzig liberale" Ausführung des Gesetzes und baldige RegierungSvori'chlägc zu seiner Abänderung verlangte. ES ist sicherlich eine bezeichnende Tatsache, daß dieser Politiker, der sein Ministerium so selbstherrlich ohne Zuziehung der Blockpolitiker gebildet hat und ein kühnes Reformprogramm auf eigene Faust durchzuführen unternahm, vor dem Block in dem Augenblicke kapitulierte, da sich dieser zur Verteidigung der Unter- nehmerinteressen erhob. Auch verdient daS ironische Moment Be- achtung, daß die Tagesordnung der bürgerlichen Koalition an der Spitze ihrer Unterschriften den Namen Sarrien trug, den Namen desjenigen radikalen Couloirpolitikers, den Elsmenceau seinerzeit rücksichtslos über Bord geworfen hat und der nun feine stille Revanche an dem Diktator der doktrinären Demokratie nehmen durfte. Nicht vergessen sei noch, daß auch Herr Görault-Richard unter den Antragstellern der kapitalistischen Reaktion war— zum höheren Ruhme des„unabhängige» Sozialismus". Die moralische Niederlage der Regierung war um so blamabler, als sie nach einer wirklich ausgezeichnete« Rede Biviani s erfolgte, der in dreistündigen Ausführungen alle Argumente vor« brachte, die das Ministeriuni hätten veranlassen müssen, das Ver- langen der Radikalen zurückzuweisen. Aber die Regierung hat ihre eigentümliche Synthese von Sozialpolitik und bürgerlicher Sozial- realtion gefunden: Für jene die R e d e n— für diese die Tat. Die Sozialisten S e m b a t und Vaillant hatten beantragt, das Gesetz vollständig aufrecht zu erhalten und in seiner ganzen Strenge durchzuführen. Den Antrag begründete Genosse Sembat in einer überaus wirksamen Rede, in der er die Forderungen der an dem Gesetz interessierten Arbeiterschaft energisch verfocht. Gegenüber dem zweideutigen Gerede der Kleinbürgerdemokraten, die das „Prinzip" deS Arbeiterrechts mit der Praxis der ungehinderten Ausbeulung versöhnen wollen, erklärte er rund heraus:„Wenn die Reform niemand genierte, so wäre sie unnütz!" JauröS stellte den Antrag auf Rückverweisung vor die Kam- Mission und bot so der Regierung einen ehrenvollen Rückzug an. Aber diese hatte ihren PreiSgebungsantrag mit der Mehrheit schon geschlossen und JauröS Antrag wurde mit 386 gegen 182 Stimmen abgelehnt, der Autrag der Linken mit einer ungeheueren Mehrheit an- genommen. Nur 62 Deputierte stimmten dagegen: außer den ge- einigten Sozialisten nur einige„unabhängige", die Herrn Görault- Richard doch rächt ganz auf seinen Wegen folgen wollten. Das Recht der Arbeiter auf den Ruhetag ist nun wieder fast allein auf die Macht der Arbeiterorganisation gestellt. Die„Demokratie" schenkt ihnen nichts, was sie sich nicht täglich er» obern müssen._ Rehabilitiert. Kriegsminister Picquart hat den Leutnant Tisscrand, der im vorigen Jahre auf der Arbeitsbörse in einer Versammlung von Aus- ständigen in Uniform seine Sympathie für die Sozialisten aus- gesprochen hatte und deshalb gemaßregclt worden war. rehabilftiert. England. London, 26. Dkärz. Der Gesetzentwurf betreffend de» Tunnel unter dem Aermelkanal ist infolge der ablehnenden Regierungs- erklärung im Parlament zurückgestellt worden: die Anhänger des Planes erklären aber, daß sie ihre Agitation im Lande un- geschwächt fortsetzen werden. Finnland. HelsingforS, 26. März. Bei den Mitte März in Finnland statt- gehabten Wahlen der Laiidtagsabgeordueten sind insgesamt im ganzen Lande abgegeben worden: 293 021 Stimmen für dir Sozialisten, 212 235 für die Suomeritaner lAltfinnen), 26t 732 für die Jung- sinnen, 97 712 fiir die schwedische Volkspartei und 46937 für die Agrarier. Rumänien. Das �neue Kabinett ist! aus folgenden Personen gebildet: Demeter Sturdza Präsidium und Acußeres, Jean Bratiano Inneres, Emil Costinesco Finanzen, Spiu H a r e t Unterricht, Anton C a r p Handel und Ackerbau, Thomas S t c l i a n Justiz. V. G. M o r tz u n Oeffentliche Arbeiten und General Avcrcsco Krieg.— Bukarest, 26. März.(33. H.) Wie der Leibarzt des Königs, Dr. Theodori, erklärt, hat der Gesundheitszustand des Monarchen infolge der Unruhen der letzten Tage stark gelitten.— Tie neue Regierung ist entschlossen, die Unruhen rasch und energisch zu unter- drücken. Der Bauten- sowie der UnterrichtSininister sind gestern abend in das Aufstandsgebict abgereist, um persönlich bei den Bauern zu intervenieren.— Bukarest, 26. März.(B. H.) Die Regierung wurde%6 Uhr abends beeidigt. In dem heute früh erschienenen Manifest wird die Bevölkerung im Namen des Königs aufgefordert, sich zu bc- ruhigen und den Bauern folgende Versprechungen gemacht: Ab- schafsung der Weinsteuer, Abschaffung der jährlichen Steuer von 5 Fr. zur Anlegung von Gctreidevorräten zur Zeit einer Hungers- not. Weiter wird sofort eine Revidierung der Arbeitsverträge zwischen Bauern und Gutsbesitzer» rcsp. Gutspächtcrn erfolgen. Das die Arbeitsverträge regelnde Gesetz wird in nächster Zeit dahin abgeändert werden, daß die Bauern vor Ausbeutung und Schwindel geschützt werden!— Ferner wird angekündigt, daß aus den Staatsüberschüssen jährlich 3 Millionen für Schukbauten in den Dörfern verwendet werden sollen. Schließlich wird die Gründung einer Agrarbank angekündigt, die den Zweck haben trnrd, Staatsgüter und Güter, welche öffentlichen Anstalten gehören, anzukaufen und diese an die Bauern zu verpachten. Diese Güter haben eine bedeutende Ausdehnung. Man hofft, daß j>icsc Zusagen vereint mit der Tatsache des Regierungswechsels Beruhigung hervorrufen werden. Hervorragende liberale Politiker haben sich in das Auf- ruhrgebiet begeben, um die Gemüter zu beruhigen. In der nörd- lichen Moldau scheint Beruhigung eingetreten zu sein; das Militär schreitet nur ein, um Rädelsführer zu verhaften. Dagegen dauern in der südlichen Moldau die Unruhen fort.— Marokko. Tanger, 26. März.(Meldung der„Ageuce Havas".) Aus dem Innern find hier Nachrichten über den Eindruck eingetroffen, den die Ermordung des Dr. Mauchamp dort gemacht hat. Bc> sonders aus Easablanca wird eine gewisse Erregung der Bevöl- kerung gemeldet, unter der die Meinung verbreitet sei, der Beginn der Amtstätigkeit der französisch-spanischen Polizei werde das Signal für ein Massaker der Europäer sein. Diesen Meldungen kommt indessen keine andere Bedeutung zu als die. die sie als ein Spiegelbild des in der Bevölkerung herrschenden Geistes haben. Di« scherifische Mahalla ist in der Gegend von Tanger absolut un- tätig; wegen Mangels an Mitteln befindet sie sich übrigens in einem Zustande vollständiger Desorganisation. Die für die Opera- tionen der Mahalla bestimmten Kredite sind völlig erschöpft, die Soldaten desertieren in großer Zahl.— Huö der Partei. Ein bedauerlicher Parteikonflikt, dem zugleich ein Sich in? Lächerliche anhastet, ist in Nordhauscn zwischen der Organisation und der Redaktion deS Parteiorgans, der„Nordhäuser Volkszeitung" ausgebrochen. Die Preßkommission hat, zweifellos in Ueberschreitung ihrer Befugnisse und unter Mißachtung der Rechte der Redaktion beschlossen. daS BerfügungSrecht über den Roman, der täglich in sechs halbseitigen Spalten abgedruckt werden sollte, der Preß- kommission zu übertragen mit der Maßgabe, daß ein Mitglied der- selben für den Roman verantivortlich zeichnen solle(!). DaS geschah, weil die Redaktion sich weigerte, den Roman— „Die Verlobten" von Manzoni, ein hervorragendes Kunstwerk— durch umfangreiche Streichungen zu verstümmeln. Ihr literarisches Geivisscn verbot ihr solchen VandaliSmiiS, den die Preßkommission forderte, weil ihrer Anficht nach der Roman„zu allgemeinen Klagen" Veranlassung gegeben und„durch ihn die Existenz des Blattes aufs schwerste gefährdet wurde". Die Kommission wollte also die von der Redaktion verweigerten Streichungen selbst aus- führen. Dieser Beschluß, der— wir wiederholen— das Recht der Redaktion in unerhörter Weise verletzt, war gewiß eine schwere Kränkung und eine Provokalion der Redaktion. Trotzdem hätte die Redaktion es unterlassen müssen, deswegen sofort an der Spitze des Blattes eine geharnischte Erklärung gegen die Preßkon, Mission zu geben. Sie bätte sich an die Orgamsatioii, der die Preßkominission untersteht, beschwerdeführend wenden müssen. Jetzt haben die Dele- gierten der OrtSvereine und die Preßkominission auf Grund der Ver- öffentlichling der Redaktion beschlossen, dem leitendeii Redakteur, dem Genossen Schildbach zum 1. Juli zu kündigeil unter so- fortiger Enthebung von feiner Stellung. ES ist traurig, daß es durch beiderseitige Fehler dahin kominen mußte I Unsere Toten. Zu Teuchern(Provinz Sachsen) starb ein Veteran der Arbeiterbewegung, der Genosse Wilh. Otto. Schon iii den 60er Jahren trat er der jungen Sozialdemokratie bei und bis zum Tode hat er fiir sie treu gelvirlt. Seine charaktervolle Geradheit, sein Eintreten für die Rechte und Jmeressen der Bergarbeiter kostete ihm die Stellung als Grubenaufseher. Aber lieber gab er diese angenehme und lohnende Stellung auf, als daß er seiner Ueberzeugung und seinen Kameraden untreu wurde. Als Gemaßregelter schuf er sich durch einen kleinen Handel und namentlich durch Vertrieb der Partei- presse und der sonstigen Parteiliteratur eine anfangs recht karg- liche Existenz. Doch Otto murrte nicht. Unverdrossen arbeitete er weiter. Die Genossen von Teuchern haben ihn durch eine iiiiposatite Beteiligung am Begräbnisse geehrt. Aus Zeitz, WeißenfelS und Halle waren Deputationen erschieiien. Zum Fall Srohn wird der Di a n u h e i m e r„V o l k S st i m m e" unterm 24. aus Konstanz gemeldet: DaS am heutigen Sonntag hier stattgehabte Partelschiedsgericht, dem Genosse Wilhelm B l o s vorsaß. lehnte nach längeren eingehendeil Verhandlungen und nach Einvernahme einer Reihe von Zeugen den Ausschluß- a n t r a g gegen den Parteigenosseu Malermeister und Stadt- verordneten August.Erohn einstimmig ab..Krohn wurde jedoch verpflichtet, die Leitung der Parleigeschäfte in Konstanz nieder- zulege», damu die Wiederherstellung des Parteifriedens in Konstanz ermöglicht werde.— Die Konstanzer Genosse» hatten den Genosse» Krohn bekanntlich widerrechtlich für ausgeschlossen erklärt. „Der gute Same"(E-s. banne graine) wird der Name einer Monatsschrift sein, die die belgische Sozialdemokratie vom I. April a» herausgeben wird. Die Nummer soll nur 1 Centime(4/j Pfg) kosten. Durch diese Schrift will man in populärer Weise iür die eleineiitaren Gruiidsätze des Sozialismus in den Krelsen der Be- völkerung agitieren, an die unsere gewöhnliche Propaganda und unsere Presse noch nicht herankommt, wo infolgedessen noch den tollsten Märchen über den Sozialismus Glauben geschenkt wird. Der „gute Samen" wird nur tn Mengen bon mindestens oov plaren expediert. Die städtischen Wahlen in Genua. Für sdie binnen kurzem be« vorstehenden städtischen Wahlen in Genua hat die dortige Partei- sektion mit 166 gegen 63 Stimmen beschlossen, ein Wahlbündnis mit Republikanern, Radikale» und Liberalen einzugehen. Von 43 Sitzen haben die Sozialisten 36 ihrer Partei reserviert tn der von den vier Parteien gemeinsam aufzustellenden Liste. Syndikalisten und die Redaktion des„Avant!". Die seit Ende vorigen Jahres in Rom erscheinende syndikalistische Tageszeitung „Azione" ist vom„Avant!" durch halbversteckte Andeutungen be- schuldigt worden, ein Organ GiolittiS zu sein und Geldunter- stützlnigen auS unlauterer Quelle zu erhalten. Die„Azione" hat darauf vergebens den„Avant!" aufgefordert, seine Anschuldigungen in klare Form zu kleiden, damit sie auf dem Klagewege vorgehen könne. Da der„Avant!" diesen Wunsch unberücksichtigt ließ, hat das Syndikalistenblatt den Preßverein um ein berusliches Schieds» gericht über die journalistische Korrektheit deS„Avant," gebeten und gleichzeitig eine Beschwerde gegen den Parteivorstand eingereicht. polireiUches, Gmchtlichea ufw. Strafkonto der Presse. In dem neu eroberten industriellen Riesenwahlkreise D»iS� bürg- Mülheim, wo die Millionenmänner Stinne», Thyssen. H a n i e l usw. die Herrschergewalt ausüben, stehen linsere Genossen auf sehr exponiertem Posten. Selbstverständlich sind dort, wo dem Arbeiter der Klassenkampf täglich in unverhülltester Gestalt vorgeführt wird, die Opfer dieses Kampfes besonders zahl- reich. Da unsere Genossen im Duisburger Wahlkreise sich im ver- gangeiien Herbst auch ein eigenes Parteiorgan(d. h. zunächst als Kopsblatt) geschaffen haben, so kommen nunmehr zu den Maß» regelungen, Äussperrungen, Strafmandaten usw. auch die üblichen Preßprozesse. Am Donnerstag hatte fich Genosse Heise, der Verantwortliche der„Ntederrheinischen Arbeiter-- Zeitung". wegen Beleidigung eines Polizei» b e a m t e n vor der Strafkammer in Duisburg zu ver- antworten. Das erste Debüt kostete 56 M. Am Sonnabend stand Heise abermals wegen Polizeibeleidigung vor Ge» richt. Auch die zweite Sache wurde mit 56 M. Geldstrafe und den üblichen Nebenstrafen abgetan. Eine dritte Sache, bei der eS sich um Beleidigung zweier Volksschullehrer handelte, stand gleichfalls am Sonnabend an. Da die Zeugen in diesem Falle voll- ständig versagten, d. h. sie bekundeten das Gegenteil von dem, was dem Angeklagten mitgeteilt war, so kam Heise hierbei nicht so glimpflich ab, er erhielt vierzehn Tage Gefängnis zu- diktiert. Ein vielversprechender Anfang fiir das junge Blatt, wenn man in Betracht zieht, daß gegen den Genossen Heise noch drei An- klagen schweben. Genosse Wendel von der„Leipziger BolkSzeitung" hatte sich»och einmal wegen seiner Tätigkeit an der„Volks» stimme' in Chemnitz vor dem dortigen Schöffengericht zu verantworten. Ein Techniker Weigelt hatte sich beleidigt gefühlt. weil er in einem Artikel der.Volksstimme" als Lohndrücker charakterisiert worden war. Die Beweisaufnahme ergab im gaiizen die Wahrheit der behaupteten Tatsachen. Wegen formeller Be- leidigung aber wurde auf 56 M. Geldstrafe erkannt. Eine verpuffte Staatsaktion. Der in Putlitz, einem Acker- städtchen des Kreises West-Prignitz, stationierte Gendarm Krause hatte im Januar kurz vor der ReichStagswahl den patriotischen Drang in sich gefühlt, den Staat zu retten. Als ain 26. Januar zwei unserer Parteigenossen in Ausübung einer freiwilligen Pflicht Wahlflugblätter in P. verbreiteten, nahin Herr Krause das vor- schriflömäßige AergerniS, konstatierte bei sich selbst, daß dies eine SonntagSeiithelligiiiig sei und konfiszierte kurzerhand die Fliigblätter samt deren Verteilern. Letztere wurden ja nach Feststellung ibrer Personalien wieder gnädigst entlassen, mußten aber, uin allen Ein- lvohneril von P. ein Flugblatt auszuhändigen, erst solche von Witten- berge wieder nachholen, Außerdem wurden sie noch auf erfolgte Anzeige nach dem Bc- schlliß deS königlichen Amtsgerichts zu Pritzwalk in Anklagezustaud versetzt. In der am Freitag in Pritzwalk stattgefundene Verhandlung mußte Herr Krause erleben, daß die beiden Sozi, obwohl er sich eiftigft bemühte, dem Gericht klar zu macheu. daß die zwei doch Sozialdemokraten seien, nach den tatsächlichen Feststellungen und dem Wortlaut des Gesetzes kostenlos freigesprochen wurden. Der Amtsanwalt hatte es selbst beantragt! Wundern soll eS uns nicht, wenn Herrn Gendarm Krause nun» mehr die Lust vergeht, den Staat nochals vor der sozialdemokratischen Aufklärung zu retten. In dir sächsisch-deutsche„Freiheit" zurückgekehrt ist Genosse K r e s s i n von der„ L e i p z i g e r V o l k s z e i t u n g". Er hat zu Hoheneck, wegen MajestätS-, Militär- und Limonbeleidigung. 70, Monate verbüßt, hoffentlich ohne dauernden Schaden an seiner Gesundheit genommen zu haben. GewerfcrcbaftUche#). Berlin und Umgegend. Ter Stadthaushaltetat und die GaSarbeiter. Am Montag tagte in Kellers Saal eine sehr stark besuchts öffentliche Versammlung der GaSarbeiter, welche das vor« stehende Thema behandelte. May, Agitationsleiter des Ver« bandes der städtischen Arbeiter führte aus: Als die städtischen Arbeiter im Herbst vorigen Jahres ihre Forderungen auf stellten: Erhöhung des Lohnes um 10 Proz. und Gewährung einer Teuerungszulage, glaubten die Arbeiter nicht, daß die Erfüllung dieser berechtigten Wünsche auf Schwicrigkeiter stoßen würde. In der Stadtverordnetenversammlung wurde zivar von liberaler Seite die Berechtigung einer Teuerung� zulage anerkannt, aber den Antrag der sozialdemokrattschet Fraktion, den Arbeitern eine Teuerungszulage zu gewähren lehnte die bürgerliche Mehrheit der Stadtverordneten ab. Did Verwaltungsdeputation bewilligte nur für einzelne Kategorie? der städtischen Arbeiter Lohnzulagen von 4—6 Proz., die nu» den am schlechtesten entlohnten Arbeitern zugute kamen. Nu» die Schulhcizcr erhielten mehr, nünilich eine Lohnerhöhung von 16 Proz. Die Gasarbeiter gingen ganz leer aus. Ihne? wurde nichts bewilligt. Die Gasarbeiter beziehen setz, meistens Löhne von 4—4,20 M., waS sowohl wegen de besonders schivercn Arbeit als auch wegen der herrschenden Teuerungsverhältnisse als unzureichend angesehen werden muß Die Verivaltiingsdeputation hat jedoch die Lohnerhöhung de» Gasarbeiter abgelehnt. Auch die Wünsche der Arbeiter au, Verkürzung der Arbeitszeit sind bis jetzt nicht erfüllt worden Die allgemeine Durchführung des Achtstundentages im innere». Betrieb und des Neunstundentages fiir Außenarbeiter ist be zweckmäßiger Organisation des Betriebes sehr wohl möglich. Selbst die technischen Beamten der Gasiverke haben sich sü» die Verkürzung der Arbeitszeit erklärt, aber die Vertreter de» Großindustrie in der Stadtverwaltung wollen mit Rücksichi aitf die Privatindustrie von einer Verkürzung der Arbeitszei» nichts wissen. Nach dem, ivas man in der Verwaltung� deputation gehört hat, wird nicht daran zu denken sein, daß vor dem 1. Oktober ein endgültiger Beschluß darüber gefajp ivird, ob die verkürzte Arbeitszeit, welche zurzeit für einer kleinen Teil der Gasarbeiter probeweise eingeführt ist,„sich bewährt hat" und vielleicht allgemein eingeführt werden soll Anaenblicllich ist die Beratung des Etats der Gaswerke dmu die Stadtverordnetenversammlung noch nicht erledigt. Sollten den er mit dem Namen des Charlottenburger Geschäftes ge- und Schlesien furfierenden Binnenfahrzeuge ftauten fich sonst um auch hier, wie zu erwarten, die Forderungen der Arbeiter ab- trieben hat. diese Jahreszeit gerade an dieser Stelle unglaublich start an, unt gelehnt werden, so werden diefelben zu geeigneter Zeit wieder Die Versammlung nahm dann einstimmig folgende Re- lagen oft in langer Reihe tagelang auf das Durchschleusen erhoben und mit den Mitteln, die den Arbeitern zu Gebote solution an: wartend. Jetzt kommt es vor, daß manchmal zu Berge kein Fahrstehen, durchgeführt werden. " Die Mitgliederversammlung des Schneiderverbandes er geug in die Schleuse einlaufen kann, weil von der Elbe und Havel ebenheiten" enthält, sondern daß sie einer ganzen Umarbeitung wieder auffüllen, um abermals zu Tal laufende Fahrzeuge durch. flärt, daß die Tarifvorlage der Arbeitgeber nicht nur einige Un- her zu wenig herantommen. Man muß dann die Schleusenkammer bedarf, die nur in gemeinsamen Verhandlungen am Orte statt- zulaffen. Der" Stern" Dampfer Prinz Oskar", der des starken finden kann. Die Versammlung fann deshalb ihrem Zentral- Stromes wegen die Schiffe aus der Schleuse nach oben heraus: borstand die Annahme des durch die Presse veröffentlichten schleppen soll, liegt dann stundenlang unterhalb der Schleuse oder Ultimatums nicht empfehlen." schleppt erst Fahrzeuge an dieselbe heran. An der regen Diskussion beteiligten sich eine Anzahl von Arbeitern der städtischen Gaswerke. Sie schilderten ihre Arbeitsverhältnisse, betonten, daß die Erfüllung ihrer Forderungen eine Notwendigkeit fet und führten aus, daß man von der bürgerlichen Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung nichts für die Arbeiter erwarten könne, diese sich vielmehr nur auf ihre Drganisation stüßen können und mit deren Hülfe ihre Forde rungen durchsehen werden. Eine vom Referenten empfohlene Resolution wurde einstimmig angenommen. Sie lautet: Die streifenden Möbeltransportarbeiter nahmen in ihrer Ber fammlung am Dienstag im Gewerkschaftshause Dehns Bericht über die bestehende Situation entgegen. Dehn trat dem Gerücht entgegen, daß eine größere Anzahl der Streifenden zu Knauer Die Nachwahl im 39. Kommunalwahlbezirk. Die heute in Kellers großem Saale zahlreich versammelten zurüdgefehrt sei; nur drei oder vier wären abtrünnig geworden. Gasarbeiter der Stadt Berlin nehmen mit Entrüftung davon Die Firma Schlossin( Inhaber Meserit) hat den Vertrag mit Kenntnis, daß die Berwaltungsdeputation der Gaswerte sowohl dem Zentralverband unterschrieben und die Arbeit ist dort wieder Chauffeestraße, stattgehabten Versammlung wurde einstimmig Ge In einer gestern abend im Saale der Norddeutschen Braueret, als auch Etatausschuß und Magistrat den berechtigten Wünschen aufgenommen worden. Bei Schäfer waren für Dienstag 60 Um der Gasarbeiter auf Erhöhung ihrer Löhne nicht stattgegeben haben, züge gemeldet, aber nur zwei Möbelwagen fuhren am Morgen vom nosse Schneider Adolf Ritter als Stadtverordnetenkandidat aufDie Gasarbeiter erwarten nunmehr in letter Stunde, daß die Hofe. Knauer soll nach eigenem Eingeständnis bereits einen gestellt. Die Neuwahl ist, wie schon mitgeteilt, bedingt durch Stadtverordneten Versammlung in ihrer demnächstigen Sigung Schaden von 25 000 m. erlitten haben, was Sachfenner als viel Berzug des bisherigen Vertreters, Genossen Gründel, nach außer die Wünsche der Arbeiter berücksichtigen und die Position für zu niedrig gefchäßt bezeichnen. Bei Schur heißt es von einem halb. Der Wahltermin für die Nachwahl ist auf den 10. April Arbeiterlöhne im Gasetat erhöhen wird. Die Gasarbeiter rechneten Tage zum andern: Morgen findet die Einigung statt! Dies be- festgesetzt. um so eher auf eine Verbesserung ihrer materiellen Lage, als die deutet nur, daß man täglich den Zusammenbruch des Streifs städtischen Gaswerte bekanntlich ganz bedeutende Reinerträge ab. erwartet. Uebrigens sollen zahlreiche Lohnfuhrwerke für Schur werfen, aus denen den Erzeugern dieses Ueberschusses wohl eine tätig sein. Es wurde auch berichtet, daß die Bader bort arbeiten. Letzte Nachrichten und Depefchen. Lohnerhöhung bewilligt werden konnte. Die Versammlung bedauert des weiteren, daß die Stadt berivaltung keine Veranlassung genommen hat, die auf der Anstalt IV zur Einführung gelangte Berkürzung der Arbeitszeit In der Erwägung, daß die Verkürzung der Arbeitszeit für die schwer arbeitenden Gasarbeiter eine aus gesundheitlichen Gründen gebotene Notwendigkeit ist in der ferneren Erwägung, daß die Einführung der Achtstundenschicht für Betriebsarbeiter als das Mindestmaß beffen zu betrachten ist, was von einer fort schrittlichen Gemeindeverivaltung verlangt werden muß, beauftragt die heutige Bersammlung die Ortsverwaltung des Gemeindearbeiterverbandes, im Falle einer ablehnenden Haltung der Stadtverordnetenversammlung unverzüglich im Bunde mit der Berbandsleitung diejenigen Schritte zu unternehmen, die zu einer energischen Durchführung unserer Forderungen bezüglich der Vertirzung der Arbeitszeit hinführen. auch in den übrigen Anstalten durchzuführen. Die Bersammelten verpflichten sich, alle in den Berliner Gaswerken arbeitenden, insbesondere die dem Verbande noch fern stehenden Kollegen von dem Ernst der Situation zu überzeugen, so daß die etiva in Anwendung tommmenden geierlichaftlichen Hülfsmittel zur Durchführung unserer berechtigten Blinsche von einer willenseinigen und lampfbereiten Kollegenschaft benutzt werden. Sympathiestreif. Lausanne, 26. März.( Privatdepesche des Vorwärts".) In Ju -Nach genaueren Recherchen hat sich herausgestellt, daß die Zahl der beladenen Wagen auf den Bahnhöfen viel größer ist, als man zuerst abgeschäßt hatte; es sind nämlich nahezu 900. Man hat Briefe mit der Drohung, ben Arbeiter für allerlei Schaden erfas- Lausanne und Montreur ist heute der Generalstreit zugunsten der versucht, manchen Streifenden zu erschrecken, durch abgesandte pflichtig zu machen, weil er ohne Kündigung und ohne gefeßlichen Streifenden von Beveh erklärt worden. Grund die Arbeit niedergelegt habe. Von der Streifleitung wird Mittwoch früh beginnen. darauf aufmerksam gemacht, daß man folchen Schredschüssen feinen Wert beizulegen brauche. Man solle fich auch auf keine Sonderberträge einlassen, sondern in jedem Falle fich auf die Organisation berufen. Achtung, Bauflempner! wegen Nichtinnehaltung des Tarifs die Arbeit niedergelegt. Bei der Firma Schmidt, Charlottenburg, haben die Kollegen Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Deutfches Reich. bamit das alte Die Arbeitsruhe soll Die Marokkoaffäre vor der französischen Kammer. Baris, 26. März.( W. T. B.) Deputiertenkammer. Der De. putierte hauffier eröffnet die Debatte über die Angelegenheit auchamps mit einer Rede, in der er die Mordtat, die von der gefamten zibilisierten Welt mit Entrüftung empfunden werde, be. spricht. Sodann spricht sich Trouin, der Deputierte für Oran, für eine Truppenlandung aus. Es folgt Dubief, der sich den Ausführungen Chaussiers anschließt, und auf die Verdienste Mauchamps hinweist, mit dem Bemerken, daß Mauchamps nie ( Entrüstungsrufe.) Redner spricht die Hoffnung aus, daß Frankvon der französischen Gesandtschaft in Schutz genommen worden sei. reich eine völlige Genugtuung zu erreichen wissen und in Zu kunft in der Auswahl seiner Vertreter sorgfältiger sein werde. Zur Aussperrung der Hamburger Schauerleute. Wie in der vorigen Fummer berichtet, hat der Hafenbetriebsverein eine andere Haltung eingenommen, die von der des Vereins Hamburger Reeder wesentlich abweicht. Zvar gehören auch die Seeber ersterem Verein an, aber in diesem dominieren die KaufTeute, Schiffsmaller und Stauer, welche Gruppen ein großes mals von seiten der Beamten des Ministeriums des Aeußern eine Minister des Aeußern Bichon erwidert, daß Mauchamp nies Interesse an einer schnellen Expedition und Entlöschung der Schiffe unfreundliche Aufnahme oder eine schlechte Behandlung erfahren Der Lohnkampf der Herrenmaßschneider, haben. Während der Hafencäsar Ballin in seiner Kundgebung habe. Er habe in Marokko nicht ganz die erforderliche Voraussicht Es war von vornherein vorauszusehen, daß der Generalaus von einer intensiven Ausnutzung der Hafenverhältnisse sprach bewiesen, aber er habe sich verdient gemacht und sei wohltätig ge. sperrungsbeschluß des Hauptvorstandes des Arbeitgeberverbandes( gemeint ist die intensive Ausnußung der Arbeitskraft) und wesen. Bichon widmet Mauchamp Worte wärmster Anerkennung nicht die gewünschte Wirkung auf die ausgesperrten und streiten an den Beschluß des Reedervereins erinnerte, daß zunächst und spricht dessen Familie sein Beileid aus. Es sei richtig, daß der ben Herrenmaßschneider ausüben würde. Diese Tatsache trat denn bie Unterschrift" Bur Nachtarbeit bereit" geleistet und Gouverneur bon Marrakesch nicht die erforderlichen Maßnahmen auch deutlich in der Mitgliederversammlung der HerrenmaßVerhältnis hergestellt werden müsse, schneider zutage, die gestern vormittag den großen Saal der bebor berhandelt werden könne, hat der Hafenbetriebsverein ergriffen habe. Das Verbrechen sei die Folge einer Reihe von Vorgängen, die Frankreich in eine demütigende Lage versehen Brauerei Friedrichshain füllte. Mirus, der zweite Vorsißende am Sonnasenbnachmittag beschloffen, für diejenigen Arbeiter, die würden, wenn dieses Verbrechen nicht Bestrafung fände. nunfere des Schneiderverbandes, sprach über die gegenwärtige Situation in bereit sind, in ein kontraktliches Verhältnis einzutreten, einen Stellung in Algier", sagt der Minister, unsere besonderen Abder Branche. Klar und unzweideutig hob er die Tatsache hervor, regelrechten Wechsel von Tag und Nachtschichten einzuführen. machungen find misachtet worden." Pichon verlieft die Reihe der daß die Gehülfenschaft fich von Anfang an und fortdauernd zum Ber. Dieser schließe die Möglichkeit einer 36 stündigen Arbeitszeit über- Beschwerden Frankreichs. Ribot( Republikaner) berteidigt die handeln bereit gezeigt hat, und teineswegs, wie es von Arbeit. haupt aus. In den nächsten Tagen wird jich ja herausstellen, Bertreter Frankreichs in Marotto, die Frankreich zum frieblichen geberseite immer von neuem wider besseres wiffen be- was es mit dem„ kontraftlichen Verhältnis" auf sich hat. Die Eindringen in das Land veranlassen, die es aber auch unterſtüßen hauptet wird, unbedingte Anerkennung ihrer Zarifvorlage ver. Organisationsleitung der Schauerleute hat ja auch schon vor dieser müsse. Man müsse mit dem Fanatismus der Mohammedaner Langte. Nichts anderes wurde seitens der Gehülfen von den Arbeit- Arbeiter stets bereit seien, auf annehmbarer Basis in Verhand- wesen seien. Das Ultiatum Frankreichs sei so maßboll, daß seine langte. Nichts anderes wurde seitens der Gehülfen von den Arbeit. Entschließung dem Hafenbetriebsverein wissen laffen, daß die rechnen, die seit einem Jahre Beugen der Spaltungen Europas gegebern berlangt, als daß sie auf Grund der eingereichten Forderungen verhandeln follten, wie es der Gehülfenschaft überhaupt als lungen einzutreten. selbstverständlich erscheint, daß Tarife, zumal fo fomplizierte, wie brauche, Frankreich wolle in Marotto teine Eroberungspolitik be die Besetzung von Udschda nicht lange aufrecht erhalten zu werden Absichten nicht beargwöhnt werden könnten. Ribot wünscht, daß bie für die Herrenmaßbranche, mit der notwendigen Klaffen Fönnen. Anders die Arbeitgeber. Sie suchen selbst in höchstem Maße den Terrorismus auszuüben, den sie zu unrecht der Gehülfen. unbedingte Anerkennung die Berliner Arbeitgeber verlangen, wie ihr Vorsitzender, Herr Krause, selbst zugegeben hat, so leicht fertig und schlecht ausgearbeitet, daß sie nicht einmal als Grund. lage für Berhandlungen geeignet ist. Aber der Hauptborstand befiehlt, daß sie so töricht zu Werte gehen, und die Mitglieder des Arbeitgeberberbandes sollen gehorchen. bes Hierauf erfolgt die Abstimmung. Der Wortlaut der an genommenen Tagesordnung ist folgender: Die Kammer billigt die Sicherheit unserer Mitbürger in Maroffo zu gewährleisten, und geht zur Tagesordnung über. Als Präsident Brisson mitteilt, bas die Kammer diese Tagesordnung einstimmig angenommen hat, ers hebt sich auf allen Bänken lebhafter Beifall. Nach der Rheinproving und Mecklenburg in Hamburg angekommen, um Seit Sonnabend find auch einige hundert Streifbrecher aus Importierten hat Hamburg sofort den Rüden gefehrt, nachdem sie in Erfahrung gebracht hatten, zu welch trauriger Rolle sie aus den Leuten alles mögliche über den Konflikt am Hafen vorgelogen, wobei ihnen in einigen Orten Sulfurs von seiten der Polizei beamten geleistet wurde. Sinige Streifbrechertransporte standen fogar unter polizeilichem Schuh, indem abkömmliche Boliaisten bon den betreffenden Behörden als Reisebegleitung abtommanbiert wurden. Wer diese Kosten bezahlt hat, wiffen wir Stolypin über die Feldkriegsgerichte. Ju mehreren Orten haben die Arbeitgeber ihren Vorlagen die nicht. Während in der vorigen Woche eine Befanntmachung er Betersburg, 26. März.( M. Z. B.) ( M. T. B.) Reichsduma. Reichsduma. Worte Erhöhter Zarij" aufbruden laffen. Die Gehülfenschaft laffen wurde, Arbeitswillige sollten sich ein Jahr verpflichten, haben wäre sonst, wie der Nebner bemerkte, gar nicht gewahr geworden, diese Rausreizer" sich auf einen Monat festgelegt bei 60 M. Schluß der Debatte über die Feldkriegsgerichte erklärt Minister. daß es sich um„ Erhöhungen" handelte. An mehreren Beispielen Stonventionalstrafe im Falle Kontraltbruches. Daß die Streit. präsident Stolypin, das Gefeß über diese Gerichte sein ein geit. zeigt der Nebner, daß, wo wirklich in einem der Tarife statt Erbrecheragenten sich herausgenommen haben, auf Bosten der weiliges und tonne nicht eher als einen Monat nach der Ein., niedrigung Erhöhung von Stüdpreifen aufgeführt ist, diese durch ausgesperrten zu schießen, glüdlicherweise ohne au bringung des Antrages bei dem Dumapräsidenten abgeschafft Wegfall früher üblicher Bezahlung für Nebenarbeit wettgemacht treffen, bie zu den Arbeitswilligen sagten: Die Schauerleute find werden. Aber abgesehen von diesen formellen Erwägungen, sei es Die Unternehmer rechneten in Berlin mit 6000 bis 7000 ausgesperrt," sei nur nebenbei bemerkt. Deutschland mithin flar, daß die Duma von der Regierung eine gerade Antwort ers Ausgesperrten und meinten, daß die Geldmittel der Gehülfenschaft auch Hamburg ist ein Land mit den vollendetsten Rechts. warte. Er tönne fich nicht mit Juristen von Fach, wie Matlatoff, innerhalb acht Tagen erschöpft sein würden. Nun dauert der Kampf garantien, davon fann man jest täglich im Samburger Hafen in eine Polemit einlassen. Es gebe teine Gefezgebung, die der bereits vier Wochen und fann von der Gehülfenschaft noch auf lange Beispiele fehen. Die Arbeitswilligen aus Deutschland erfreuen Regierung verbiete, die normale Ordnung der Dinge au nuter. Beit fortgesetzt werden. Die Zahl der Ausgesperrten und Streiten fidh derselben Freiheit" wie die Englishmens; sie wurden sofort den in Berlin übersteigt und das ist, wie der Redner bemerkt, an Bord des für sie in Bereitschaft gestellten Dampfers Schaum festgestellt nicht 2500. Es ist also nicht, wie die Arbeitgeber be- burg" gebracht und ein Entweichen ist so gut wie ausgeschlossen. haupten, bas Organ des Schneiderverbandes, sondern ihre eigene Da fie nicht imstande find, die 60 M. zu zahlen, werben ihnen Leitung, die die Arbeitgeber und die Oeffentlichkeit hierüber zu die Papiere vorenthalten und sie fönnen fehen, wie sie an Land täuschen sucht. fommen. wird. Schließlich wies ber Redner nochmals darauf hin, daß Friede im Gewerbe nicht durch Aufzwingen eines Tarifs, sondern nur durch einen, auf Grund von Verhandlungen zustande gelommenen Vertrag gesichert werden kann. Man müffe sich nun flar darüber sein, daß der Kampf nicht binnen furzem beendet werden fönne. Niemals aber werde fich die Gehülfenschaft be. dingungslos den Wünschen des Arbeitgeberverbandes unterwerfen! Brausender Beifall der ganzen Becsammlung bewies, daß der Redner hiermit der allgemeinen Ueberzeugung Ausdruck verliehen hatte. Zur Diskussion verlangte niemand das Wort. Allen schien es tlar genug, welcher Weg gegenüber bent Terrorismus der Arbeitgeber einzuschlagen ist. Der Filialdorfigende Kunze wies auch noch darauf hin, wie sich die Arbeitgeberschaft über die Finanzlage des Gehülfenverbandes fchmählich getäuscht hat, und gab unter lebhaftem Beifall der Versammlung bekannt, daß die Ortsverwaltung mit Rücksicht auf das Osterfest beschlossen hat, die Streit. unterstübung für diese Woche um 8 Mart zu er. höhen, wohl Beweis genug dafür, daß es mit den Geldmitteln der Gehülfenschaft keineswegs zu Ende geht. Weiter bemerkte der Redner, daß die Firma Bothmer, Unter den Linden, deren Inhaber, wie biefer selbst erklärte, gegen den angeblich gefaßten Befchluß der Arbeitgeber gestimmt hat, versuchte, eine Aussprache mit ihren Arbeitern über die Tarife herbeizuführen. Das ist grundfäßlich abgelehnt worden. Als Mitglied des Arbeitgeberverbandes müsse Herr Bothmer sich an seine Ortsgruppe oder nach München wenden, an seinen Sauptvorstand. Die Gehülfenschaft habe ja den Arbeitgebern bon Anfang an die Hand zum Frieden geboten und fei noch jetzt bereit, auf vernünftiger Grundlage Frieden zu schließen. Täglich ist das Reedertum bemüht, durch die Telegraphenbureaus die Lage im Aussperrungsgebiet als für die Unternehmer äußerst günstig darzustellen. Wie es in Wirklichkeit damit steht, beweist wohl der nachfolgende Verkehrsbericht des Hamburger Spediteurvereins Hermann u. Theilnehmer, der ber Medaltion der" Düsseldorfer Boltszeitung" zugestellt wurde. Er lautet: Hamburg 14, den 20. März 1907. Neuer Wandrahm 1( Freihafen). Berkehrsbericht. brechen, wenn der Organismus des Staates bis in feine Grund feſten erschüttert werde. Es gebe im Leben des Staates verhängnisvolle Augenblicke, wo die Notwendigkeit gebieterischer sei, als das Recht, wo man zu wählen habe zwischen der Richtigkeit der Theorien und der Sicherheit des Vaterlandes. Provisorische Maß nahmen, wie das Gesetz über die Kriegs- und Feldgerichte, tönnten nicht den Charakter dauernder Einrichtungen annehmen, fie seien dazu bestimmt, die Flut des Verbrechens zu brechen, und dann zu verschwinden Der Ministerpräsident Stolypin verliest darauf die auf einem Songreß der Sozialrevolutionäre gefaßten Be fchlüffe. Petersburg, 26. März.( W. T. B.) Ministerpräsident Stolypin weist darauf hin, daß die auf dem Kongreß der Sozialrevolutionäre gefaßten Refolutionen die Massen des Volts aufrufen zu einer bewaffneten Erhebung, und daß deren endliches Ziel die demokratische Republik sei. Stolypin fährt fort: Ich frage Sie, darf die ReDa es dem Verein Hamburger Reeder bisher nicht gelungen gierung unter derartigen Umständen der revolutionären Bewegung ift, für die entlaffenen ca. 5000 Schauerleute ausreichenden und nachgeben. Die Regierung hat die Ueberzeugung, daß das Land gleichwertigen Ersatz zu finden bisher fonnten ca. 1800 eng Bertrauens erwartet. Wir wollen glauben, daß Sie dem blutigen von ihr nicht einen Beweis der Schwäche, sondern einen Beweis des lische, zum Teil ungeübte Arbeiter, herangezogen werden, gestaltet sich die Lage im hiesigen Hafen immer ungünstiger; Wahn Einhalt tun werden, daß Sie das Wort aussprechen werden, die Löschung und Beladung der Seeschiffe zieht sich ganz unge: welches uns alle zwingen wird, an der Wiederherstellung und der bührlich in die Länge und daraus refultiert natürlich eine Herrlichkeit Rußlands mitzuarbeiten. Inzwischen wird die Reerhebliche Verzögerung in der Expedition der gierung die Zuständigkeit der Kriegs- und Feldgerichte auf aufer. zu befördernden Güter, von den damit verknüpften gewöhnliche Fälle und auf die verwegensten Verbrechen beschränken, Gytratoften gar nicht zu reden. Augenblicklich und wenn die Reichsduma Rußland auf der Bahn ruhiger Arbeit liegen im hiesigen Hafen nicht weniger als 202 Dampfer und vorwärts gebracht haben wird, wird das Gefeß über jene Gerichte 54 Segelschiffe, und es besteht leider wenig Aussicht, daß sich schon durch die Tatsache, daß es nicht den gefetgebenden Körpers die Verhältnisse in absehbarer Zeit beffern, denn der Verein sanften vorgelegt wird, außer Kraft treten. Die Beruhigung Hamburger Reeder steht auf dem Standpunkt, daß der ihm auf. Rußlands ist in Ihren Händen. Rußland wird das von Henkers. gezwungene Stampf erfolgreich zu Ende geführt werden müsse, hand vergossene Blut von dem Blut zu unterscheiden wissen, das fofte es, was es wolle, damit die immer wiederkehrende Beuns durch die Hand der gewissenhaften( 11) Aerzte vergossen wird, ruhigung des Verkehrs endlich einmal aufhöre. Die Reeber find welche außerordentliche Maßnahmen anwenden, die die einzige der Ansicht, daß nicht fie allein, fondern der gesamte Handels. Hoffnung zur Heilung des Kranten bieten. Die Rede des Mistand an der Lösung diefer Frage interessiert sei. Jedenfalls nisters wird von der Rechten mit Beifall, von dem Zentrum und empfehlen wir an, bei Ihren Lieferungsverpflichtungen und der Linken mit Schweigen aufgenommen. Ferner führte der Redner aus, daß die Firma Nomann in Dispositionen auf die hier herrschenden Schwierigkeiten geBerlin versucht hat, Streitarbeit unter der Angabe unterzubringen, bührend Rücksicht zu nehmen; leider dürften diefelben noch da. daß sie von der Firma David. Charlottenburg, herrühre. Die durch vermehrt werden, daß feit gestern von der Oberelbe fo fünf Gehülfen der Charlottenburger Firma legten darauf die toloffaler Wassermuche gemeldet wird, daß nicht nur mit einer Arbeit nieder. Herr David aber erklärte, daß mit seinem Namen New York, 26. März.( B. H.) Die Blätter bringen lange Behinderung, sondern vielleicht sogar mit einer Einstellung Berichte über das Verhältnis Roosevelts zum deutschen Botschafter Unfug getrieben worden sei. Die angeblich ihm gehörende Arbeit des Flußschiffahrtsbetriebes gerechnet werden muß. ist Herrn David zugestellt worden. Der Vertreter der Firma Sped v. Sternburg. Letterer lehrt die Söhne Roosevelts das Reiten Romann wird sich nun noch, abgesehen von einer Klage auf Auch an der Berliner Mühlendammschleuse macht sich deutlich und Hindernisnehmen. Sternburg fei als früherer Husar borzüglich Schadenersah, wegen des Mißbrauches zu verantworten haben, eine Abnahme des Verkehrs bemerkbar. Die zwischen Hamburg bierzu qualifiziert. Kurfus im Niederreiten. Berantio. Nebatteur: Hans Weber, Berlin. Inferatenteil verantw.: Th. Glade, Berlin, Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanftall Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Ar. 73. 24. Jahrgang. t KtilU des Joraürts" Knlim DslkMM Nttwoch.27.Mrzt9y7. Schweizerischer sozialdemokratischer Parteitag. � S t. G a l l e n, 24. März.(Eig. Ber.) In der sehr geräumigen und festlich geschmückten Uhlerschen Konzerthalle hat sich eine sehr stattliche Zahl von Delegierten ein- gefunden. Nach 5 Uhr nachmittags eröffnete gestern Genosse R e i m a n n mit einer kurzen Ansprache den Parteitag, worauf das Bureau aus R e i m a n n als Präsident, Buschen st ein- St. Gallen als Vizepräsident, Dr. K e l l e r- St. Gallen als deut- scher und S i g g- Genf als französischer Sekretär und 6 Stimm- zählern bestellt wurde. MeisteräBern beantragte Absehung des Punktes„Einigungs- ämter" von der Tagesordnung, worüber zuerst die Gewerkschaften beraten sollten. Greulich und andere Genossen sind für Bei- beHaltung; sie wurde mit großer Mehrheit beschlossen. Sodann machte Präsident R e i in a n n einige Mitteilungen über das Internationale sozialistische Bureau. Die schweizerische sozialdemokratische Partei soll einen Jahresbeitrag von 800 Fr. leisten, den sie aber nicht leisten kann. Sie will 100 Frank beitragen, womit das Bureau jedoch nicht einverstanden ist. Ueber diese Finanzangelegenheiten herrscht überhaupt nach Unklar- heit. In Zukunft soll nicht mehr die Gesamtpartei, sondern es sollen die kantonalen Parteien Delegierte entsende» und auch bc- zahlen. Eine Vertretung der Schweiz ist angesichts der Tages- ordnung des nächsten internationalen Sozialistenkongrcsses durchaus notwendig. Es wird zum Schlüsse der GeschästSlcitung der Auftrag erteilt, mit dem'internationalen Bureau einen Vergleich herbeizuführen. Für oie Besprechung der Militärvorlage konnte wegen Mangel an Zeit kein Referat gefunden werden. Es könnte jedoch heute sowieso noch keine definitive Beschlußfassung erfolgen. Dies kann erst geschehen, wenn sie von der Bundesversammlung erledigt ist. Dann soll dagegen sofort das Referendum ergriffen werden unter Borbehalt'der endgültigen Stellungnahme der Partei dazu. In diesem Sinne wurde beschlossen. Der Antrag der glarnerischen Grütlivereine auf Ergreifung der Initiative für Einführung der eidgenössischen obliga- torischen Mobiliarversicherung wurde auf Antrag Wullschleger der Parteileitung zur weiteren Prüfung und Bericht- crstattung an einen späteren Parteitag überwiesen. Vor Eintritt in die heutigen Vovmittagsverhandlungen wurde mitgeteilt, daß die Kommission des Parteitages ihre Arbeit be- treffend die Revision des O?ligationenrechts beendigt habe und sie nächstens veröffentlichen werde. Unerfreulich steht nach dem Redisorenbericht die Partei- k a s s e, da sie das Rechnungsjahr mit nur SSO Fr. Vermögens- bestand abgeschlossen hat. Den Grund bilden die kleinen Beiträge der kantonalen Parteiorganisationen. Außerdem werden für be- deutend weniger Parteigenossen die Beiträge entrichtet, als den Organisationen angehören. ES folgte nun das Referat des Genossen Regierungsrat S ch e r r e r- St. Gallen über die E i n i g u ngs ä in t e r. Er er- innert« daran, daß die Arbeiterausstände so alt sind wie die ge- werbliche Arbeit sÄbst. Sie waren zwar in manchen Beziehungen verschieden von den heutigen Streiks, aber sie zeitigten dieselben Haupt- und Nebenerscheinungen wie heute. Schon im 18. Jahr- hundert haben städtische Behörden, so z. B. in Konstanz, Erlasse gegen die Ausstände gerichtet, die Rädelsführer verhaftet und die Teilnehmer ausgewiesen. Im Jahr« 1725 hat das heilige Deutsche Reich das Streiken mit Todesstrafe bedroht. Im 19. Jahrhundert haben die Arbeiter das Koalitionsrccht erhalten. Das Strcikrecht war eine absolute Notwendigkeit. Kein Kultur- staat kann durch Militärgowalt oder Ausnahmegesetze den Streik unterdrücken. Zweifellos können durch Einigungsämter manche Streikursachen beseitigt werden, aber nicht viele, da die meisten Ausstände der letzten und der nächsten Zeit sich um die Verkürzung der Arbeitszeit drehen. Von den Unternehmern wird in den Ar- beiterkommissionen ein Mittel zur Verminderung der Streiks er- blickt, aber sie besitzen diese Bedeutung nicht. Ein besseres Mittel sind die Gewerkschaften, was statistisch bewiesen ist. Mit der besseren Organisierung, die eine bessere Disziplinierung der Ar- beiter zur Folge hat, werden auch die Militäraufgebote abnehmen. Dazu kommt die Stärkung der finanziellen Mittel der Gewerk- schaften, mit denen dann die Unternehmer um so weniger an- binden werden. Auch die Ausgestaltung des TarifvertragSrechts wird die Ausstände vermindern. Endlich sollen dies die Einigungsämter bewirken. Ihre Zusammensetzung soll nicht allein auf die nächsten Berufsgcnossen beschränkt werden. Es wäre ihnen der Erscheinungszwang einzuräumen, die Initiative, in Kollektivstreitigkciten einzugreifen. daS Recht zur Untersuchung der Arbeiterverhältnisse, öffentliche Verhandlung und Zeugeneinvcr- nähme. Es würden dann mehr Vergleiche zustande kommen. Neben den örtlichen und kantonalen sollen auch eidgenössische Einigungsämter errichtet werden für Fälle, in denen Streiks die kantonalen Grenzen überschreiten, wie z. B. bei Eisenbahner. kämpfen. Der Referent erklärte zum Schluß, daß man an seinen Vorschlägen Kritik üben möge, er wolle nur einen Weg zeigen, den die Arbeiter ohne Schaden, aber mit Nutzen gehen könnten. Er beantragte sodann folgende Resolution: .Der Parteitag betrachtet als wirksame Mittel zur besseren Ordnung und teilweisen Einschränkung der Arbeitseinstellungen die Ausdehnung des Arbeitcrschutzcs, die EntWickelung des Ge- werkschaftswesenS, die Schaffung eines guten-Dienst- und Tarif- vertragsrechtes und die Förderung des Abschlusses von Tarif- Verträgen. Er stimmt auch der Bildung von paritätischen Einigung». ämtern in Bund und Kantonen auf Grund der rechtlich an- erkannten beruflichen Organisationen zu. Diese Einigungs- amter sollen von den gewerblichen Schiedsgerichten getrennt sein und sowohl Kollektivtlagen entgegennehmen, als selbständig sich in Kollcktivanstände zwischen Arbeitern und Unternehmern ein- mischen dürfen. Sie find mit dem Rechte der Zwangsvorladung der Parteien und der Erhebung von Beweismitteln auszustatten. Den Parteien ist die Einlassungspflicht aufzuerlegen. In öffent- lichem, unentgeltlichem Verfahren sind Begehren und Einreden festzustellen, ist der Tatbestand zu untersuchen und das Ergebnis zu Protokoll zu nehmen., Ein bindender Entscheid ist zulässig, wenn die Parteien ihre Zustimmung geben; in jedem Falle ist ein solcher auszuarbeiten und zu veröffentlichen. Die Eiingungsämter funktionieren als entscheidende In- stanz bei allen Differenzen aus Tarifverträgen.� An der anschließenden Diskussion beteiligten sich zirka ein Dutzend Redner, von denen die meisten Gewerkschaftler die Scherrerschen Thesen ablehnten, leider mit nicht gerade glücklichen Gründen, während die meisten Parteipolitiker dafür eintraten. Mit 108 gegen 27 Stimmen wurde sodann Scherrcrs Resolution grund- sätzlich angenommen, nachdem vorerst das Wort„wirksamste" in „wirksame" abgeändert worden war. Einstimmig wurde hieraus beschlossen, die Organe des Gewerkschaftsbundes einzuladen, sich mit den in der Resolution aufgeworfenen Fragen ebenfalls zu bc- schäftigen. In der fortgesetzten Erledigung der Tagesordnung erfolgte fast einstimmig die Ablehnung des Antrages der Genfer Ge- nossen, für die Einführung der Proportionalwahl des Ratio nalrateL Propaganda zu machen. In der kurzen Diskussion wurde den Genfer Genossen der sehr berechtigte Rat gegeben, cinnial an ihrem Orte selbst erhöhte Tätigkeit zu cnt- falten und sich Vertretung in den Behörden, speziell im Großen Städtrat, zu erkämpfen. Dem anderen Genfer Antrag, die Parteileitung möge auf eine eventuelle Revision des «Artikels 4S der Bundesverfassung hinwirken, um tdem schweizer Büxger das freie Riederlassungs- l r e ch t auf dem ganzen Gebiete der Eidgenossenschaft zu garan- 'tieren, wurde allseitig zugestimmt. Auf Antrag der Berner Genossen wurde beschlossen, das Partei- Programm in einer Massenauflage herzustellen und je 100 Exem- plare zu 1 Fr. an die Parteiorganisationen zum Zwecke der Gratis- Verteilung abzugeben. Aus Antrag des Genfer Genossen Nicolai beschloß der Parteitag die Unter st ützung der Initiative betreffend das Absinthverbot. Zum Zwecke des fried- lichen Nebeneinanderarbeitcns von Grütlivcreinen und sozialdemo- kratischen Vereinen, die heute an verschiedenen Orten sich etwas reiben, sollen die Statuten der Partei revidiert werden. Eine sehr lange und lebhafte Debatte veranlaßte der Antrag der G e n o s s e n i m Z ü r i ch e r Jndustriequartier, den beiden sozialdemokratischen Vertretern im National- rat, Dr. B r ü st l e i n und Scherrer, wegen ihrer Hal- tung bei der Beratung der Militärvorlage Miß- b i l l i g u n g auszusprechen. Ersterer hatte beantragt, Militär bei Streiks nur im Falle der Störung der öffentlichen Ordnung auf- zubieten, es weder zugunsten der Unternehmer, noch zuungunsten der Arbeiter zu verwenden und nur Wchrmänner aus einem anderen Kanton dazu einzuberufen. Der Autrag stand im Widerspruch mit den bezüglichen Beschlüssen des vorjährigen Parteitages in Ölten. Schließlich stimmten beide für die Militärvorlagc. Gegenüber dem erwähnten Mißbilligungsantrag beantragte Genosse Pfarrer Pflüger, der Parteitag solle wdiglich konstatieren, daß die Haltung den Genossen Brüstlein und Scherrer mit den Oltener Parteitags- beschlüssen im Widerspruch steht und mit dieser Konstatierung zur Tagesordnung übergehen. Der Antrag wurde mit 118 gegen 47 Stimmen angenommen. Ein Zusatzantrag, den Antrag Brüstleins nicht als eine die Arbeiter befriedigende Lösung zu erklären, wurde mit 82 gegen 81 Stimmen abgelehnt. Um 5 Uhr waren die� Verhandlungen beendet. Mit einem dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie wurde der Parteitag geschlossen._ Uttfallverhiitnngsttmßnahmen in den letzten Jahren. In der soeben erschienenen Märznummer des„Reichs-Arbeits- Blatt»" wirft der Senatsvorsitzende im Reichsversicherungsamte, Konrad Hartmann, einen Rückblick auf die Entwickelung der Unfallverhütungsmaßnahmen in de» letzten Jahren. Der durch seine auf Verbesserung der Unfallverhütungsmaßnahmen gerichteten Reden und literarischen Arbeite» rühmlichst bekannte Verfasser führt von den für die Unfallverhütung bedeutsamen Bestrebungen der letzten Jahre zunächst folgende an: das seit dem 1. Januar 1904 mit bundesratlichen Durch- löcherungen in Kraft getretene Gesetz vorn 30. März 1903 betreffend die Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben, die Seestraßenordnung vom 10. Februar 1900, die vom Bundesrat erlassenen Vorschriften zur Untersuchung von Schisfsleuten vom 1. Juli 1905, das Verbot der Verwendung von weißem oder gelbem Phosphor zur Herstellung von Zündhölzern und Zündwaren (Gesetz vom 10. Mai 1903), die BundesraiSverordnunaen über Sicherheitsmaßnahmen zur Verhütung von Bleivergiftungen. Damit ist der Kreis der r e i ch S gesetzlichen oder auf Grund von Reichsgesetzen durch den Bundesrat erlassenen Schutzvorschriften er- schöpft. Hartmann hätte noch die wenigen ans Grund des tz 120s der Gewerbeordnung ferner erlassenen Verordnungen des Bundes- rats anziehen können, die ein Verbot der Arbeit für Arbeiterinnen und jugendliche Personen sowie Vorschriften über die Einrichtungen im Betrieb, insbesondere über die Länge der Arbeitszeit entbalten. Die l a n d e s behördlichen ftir gewisse Betriebsarten erlassenen Verordnungen sind sehr mannigfaltiger Art, entbehren aber einheit- licher Grundsätze. Eine Ausnahme machen die zur Vorbeugung gegen reichsgesetzliche Regelung zwischen den Landesregierungen ge- troffenen Vereinbarungen über die Beobachtung gemeinsamer Grund- züge beim Erlaß bestimmter Schutzvorschristen, z. B. auf dem Ge- biete des AutomobilverkehrS. Die gewerblichenBerufigenosfenschaften haben mit Ausnahme der KiiappschaftS-Berufsgenossenschaften durchweg UnfallverhütilngSvorschristen erlassen. Die Frage, ob diese Vor- schriften durchweg zweckmäßig und ausreichend sind, läßt sich nur an der Hand der einzelnen Vorschriften prüfe». Unseren Lesern ist be- kannt, daß die Frage in reichlichen Fällen von den an wirksamen Unfallverhütungsvorschriften am meisten inter- essierten Arbeitern entschieden verneint wird. Doch mag hier, wo lediglich eine Uebersicht über die Unfallver- hütungSmaßnahmen an der Hand des Hartmannschen Aufsatzes gegeben werden soll, nur betont werden: die berufsgenoffenschaft- lichen Vorschriften können den Zweck einer Unfallverhütung solange nur in sehr geringem Maße erfüllen, als denArbeitern nicht eine maßgebende Einwirkung auf den Erlaß, die Gestaltung und Ueberwachung der zur Verhütung von Schädigungen des Lebens und der Gesundheit dienenden Vorschriften eingeräumt wird. Ueber- dies vermögen auch die besten technischen Einrichtungen ohne Herabsetzung der Länge der Arbeits- zetten, oft auch ohne Aenderung des LohmsystemS (Akkordarbeit ist in vielen Fällen eine Unfallursache) und ohne Stärkung und Festigung der Arbeiterorgan i- s a t i o n e n wenig Erfolg herbeizuführen. Die Knappschafts- Berufsgenoslenschast ist nach Hartmanns Darlegungen zurzeit aus wiederholte Vorstellungen des Rcichsversicherungsamtes mit der Ausarbeilung von Vorschriften sür die verschiedenartigen mit dem Grubenbetrieb oft verbundenen Nebenbetriebe beschäftigt. Die große Wichtigkeit ausreichender Unfallvcrhülungsvorschriften für die Land- und F o r st w i r t s ch a f t hebt Hartmann unter Hinweis auf das enorme Anwachsen der Unfallzahl in der Land- und Forstwirtschaft hervor. Auch hier hat das ReichsversichernngSamt auf den Erlaß von Unfallverhülungs- maßnahmen gedrängt. Der Stand auf diesem Gebiete liegt heute so:„Ans der im Jahre 1902 stattgehabten Jahreskonferenz der landwirtschaftlichen Berussgenossenschafteu wurde die ständige Kom- Mission mit der Ausarbeitung von Vorschriften beauftragt. Diese Kommission hat unter Zuzieynng eines Vertreters des Reichs- versicherungsamteS eingehende Studien über die Gefahrenverhältnisse der Land- und Forstivirtschaft gemacht und in den Jahren 1902 bis 1900 Entwürfe von Vorschriften für landwirt- schaftliche Maschinen, landivirtschaftliche Geräte und Spreng- mittel, landwirtschaftliche Bauhaltung, Viehhaltung, Fuhrwesen und Forstwirtschaft, ferner für land- und forstwirtschaftliche Nebenbetriebe gewerblicher Art und zwar Brennereien. Mollereien. Stärke- bereitungsbetricbe, Ziegeleien, Gräbereien über Tage, Torsgräbereien, Kalkbreimereien, Kalköfen, Steinbrüche, Mehl- und Oelmühlen. Brauereien, Mälzereien und Sägemühlen bearbeitet. Diese Entwürfe wurden nacheinander auf den Konferenzen der landwirtschaftlichen Berussgenossenschaften in Detmold 1903, Sttaßburg 1904, Ham- bürg 1905 und Speyer 1900 eingehend beraten und mit einigen Aenderungen als Grundlage für die von den einzelnen Berufs- genossenschaften zu erlassenden Vorschriften aufgestellt. ES sind dann in dcnletztcnJahrennaheznsämtliche landwirtschaftlichen Berufsgenossen- schasten in die Beratung von Unfallverhütungsvorschriften eingetreten und zahlreiche solcher sind auch bereits erlassen worden. Ansang deS Jahres 1907 hatten von den dem Reichs- verficherungsamt unter st ellten landwirtschaft- l i'ch e n Berufsgenossenschaften noch gar keine Borschriften nur die Ostpreußtsche. dieBranden- burgische und die SchleSwia-Holsteinische w i r t s ch a f t l i ch e B e r u f s g e n o s s c Forderungen auch mög die Regierungen und t Tausende, die Leben land- enschaft, jedoch hatte die erstgenannte Berufsgenossenschaft schon Vorschriften in Beratmig genommen, und die Schleswig-Holsteinische hat bereits Vorschriften zur Genehmigung vorgelegt. Von den landwirtschaftlichen Beruft- genossenschaften, welche Landesversicherungsämtern unterstehen, hatten noch keine Vorschriften erlassen die vier Württem- bergischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften»nd die Berufs- genossenschaften sür Mecklenburg-Schwerin und Mecklcnburg-Strelitz." Bei der Uebersicht über die heutige so mangelhafte Ueber- wachung der Betriebe zwecks Unfallverhütung hebt Hartman» die Heranziehung von Arbeitern zu diesem Zweck hervor. Er schreibt nach dieser Richtung: In den letzten Jahren ist auch die Heranziehung von Personen ans dem Stande der Arheitnchmer zum UeberwachungSdienste erfolgt, namentlich in Bayern zur Beaufsichtigung von Bau- auSführnngen. Die Tätigkeit dieser von den Ge- meiriden oder Bezirksämtern ange st eilten Bau- kon troll eure hat sich fast auSnahmssloS als zweck- entsprechend erwiesen. Großen Wert mißt Hartmann der Verbreitung der Kenntnis zweckmäßiger Sicherheitsei nrichtungen bei, der literarische Veröffentlichungen und Ausstellungen und Museen dienen. Aus die Entwickelung der Unsallverhütungs- t e ch n i k ist in den' letzten Jahren erhebliches Gewicht ge- legt. Die Bestrebungen, die Fabrikanten gefährlicher Maschinen zu veranlassen, diese gleich mit den Sicher» heitS-Vorkehrnngen ausgerüstet zu liefern. haben in wachsendem Maße Erfolg gehabt. Ueber da» nach dieser Richtung auf dem Gebiete der Landwirt- s ch a f t Unternommene berichtet Hartmann:„Zu den gefährlichsten Maschinen gehören erfahrungsgemäß die Dresch- und Futterschncide- Maschinen. Nachdem fast alle landwirtschaftlichen Berufsgenossen- schaften wenig st ens zunächst Unsallverhütungs- Vorschriften für landwirtschaftliche Maschinen erlassen haben, sind die Fabrikanten der letzteren veranlaßt. der technischen Durchbildung der Maschinen auch vom Standpunkt der Unfallverhütung erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Es hat dies den Erfolg gehabt, daß fast ausnahmslos die Maschinen mit Schutzvorrichtungen geliefert werden und letztere manche Verbesserungen erfahren haben, die sich oft nur als eine Vereinfachung kenn- zeichnet, aber deswegen gerade für die Landwirtschaft wichtig ist, da die allgemeine Einführung der Sicherheitsvorkehrungen nur erwartet werden kann, wenn diese möglichst einfach und hier- durch möglichst billig ist. In dieser Richtung hat sich besonders die Maschinenfabrik von Heinrich Lanz in Mannheim großes Verdienst erworben, indem sie in zwei kleinen Schriften für Dreschmaschine», Futterschneidemaschinen, Schrotmühlen und Rübenschneider einfache, mit lvenig Kosten herstellbare Schutzeinrichtungen angab." Tie von Jahr zu Jahr ungeheuer zunehmende Zahl von Un- fälle» zeigt, daß die von Hartman» in viel zu optimistischer Ans- fassung hervorgehobenen Unfallverhütungsmaßnahmen beschämend geringfügig sind. Die von Jahr zu Jahr wachsende Armee von Menschenopfern auf dem Gebiete der Industrie und Landwirtschaft vermindern, wäre eine schöne, wahrhaft „nationale" Aufgabe. Sie zu lösen ist durch Verwirklichung der jahraus jahrein von sozialdemokratisch ,darzutnn, daß Leo die hier in Rede stehende Ausgabe für eine solche hielt, deren Lösung den Privaten zufalle, womit allerdings die Gemeinde entlastet werde. ES scheine allerdings, daß bei der Besetzung des Saales seine Auffassung nicht siegen lverd«, denn die Herren, die den An- trag Heimann unterstützten, hielten aus, während viele von den anderen nicht mehr anwesend seien. Auf ihn werde das einen besonderen moralischen Eindruck nicht machen.(Unruhe.) Wiederum wird«in Schlußantrag abgelehnt.(%11 Uhr.) Stadtv. Birgmann: Als wir bei der Wertzuwachssteuer für den Magistrat stimmten, waren wir sehr angenehm und nicht minderweirtig.(Sehr gut!) Ich protestiere gegen diese Ausführung.(Beifall.) Stadtv. Dr. Friedemann: Selbst der Oberbürgermeister hat anerkaimt, daß solche Mittel„freigebiger und reichlicher" die Bibliotheken unterstützen sollen. Verwahren muß auch ich mich dagegen, bei der Abstimmung als minderwertiger angesehen zu werden alö Herren, die nicht einmal soviel Interesse besitzen, um der Verhandlung bis zu Ende beizuwohnen Kämmerer Steiniger verliest den Text deS Testamentes von Cohn und folgert aus dem Worte, daß„möglichst" die Mittel für Bibliotheken verwendet werden sollen der Magistrat zu seinem Vor» gehen berechtigt golvesen sei. In der namentlichen Abstimmung über den Antrag H e i m a n n wird dieser mit 22 gegen 23 Stimmen abgelehnt; auch der zweite Antrag Heimann fällt. Gegen 11 Uhr vertagt sich die Versammlung. Nächste Sitzung Mittwoch. Frühjahrswanderung. Vom Bahnhof in Spandau bringt uns die Straßenbahn rasch zum Stadtparl an den Rand deS Waldes. Neben der schönen Waldchaussee wandern wir in den Stadtforst hinein. Niedrige Schonungen wechseln mit Hochwald, trockene, hoch- gelegene Waldpartien mit feuchten Erlenbeständen. Das Gebiet gehört zur Havelniedcrung; die Nähe des Flusses macht sich bemerkbar durch die Moore im Walde und die vielen, jetzt bis zum Rande gefüllten Wassergräben. Nach einer Stunde ist der Stein erreicht, der die Grenze zwischen den Kreisen Ost- und Wcsthavelland anzeigt; bald darauf stehen wir in weiter Wicsenlichtung auf einer Steinbrücke über dem so- genannten Großen Graben. Weiterhin schließt der Wald sich ivieder. Eine Viertelstunde später wintt am Wege der Schwanen- krug, von Feldern und Wiesen umgeben. Nicht lange darauf teilt sich im Walde die Chaussee; rechts führt die Landstraße nach Schönwalde. Wir bleiben links und verlassen schließlich die Chaussee, um mit Hülfe von Karte und Kompaß Waldgestelle einzuschlagen, die uns nach Forsthaus Damsbrück bringen sollen. Es wandert sich frisch in dem weiten Revier und kaum kreuzt ein Bauersmann unseren Weg. Das Konzert des Waldes ist noch rauh und voller Dissonanzen. Ueber uns der schrille Schrei der Weihen, die ihre Opfer aufzuscheuchen suchen Kreischend fliegt der Eichelhäher vor uns von Baum zu Baum. In Pausen erschallt der auffallend sehr laute Ruf des Spechtes, dessen Spuren wir bald an gründlich zerhackten, morschen Baumstümpfen erkennen. Zu alledem gibt der Frühlsngswind den Grundton in den Baumwipfeln. Wir erreichen die Straße nach Damsbrück. die uns aus dem Walde heraus wieder auf weite, vom Großen Graben durchflossene Wiesen führt. Zum zweiten Male überschreiten wir auf hoher Brücke diesen Graben. Arn Forsthause vorüber gewinnen wir von neuem den Rand des Forstes. Ein Weg- weiser gibt uns die Richtung nach Rohrbeck an. Haselbüsche säumen hier und da den Weg; ihre Kätzchen blühen und die ersten Blättchen der Erlen haben ihre Hüllen gesprengt. In der Umgebung des Alten Finkenkruges haben die Leber- blümchen endlich ihre blauen Sterne aus den braunen Blatt- Massen unter den Buchen herauSgestreckt. Mit einem kleinen Frühlingsstrauß treten wir vom Bahnhof Finkenkrug die Heim- fahrt an. Hebung der Gememdeschnlen. Eine Borlage von weittragender Bedeuwng unterliegt der Beschlußfassung der heutigen Stadtverordneten-Versammlung in Charlottenburg. Es handelt sich um Maßnahmen zur Hebung der Volksschuhen, die geeignet sind. weit über die Grenzen Charlottenburgs hinaus Aufsehen zu erregen. Seit dem Jahre 18S7 ist in den Charlotten burger Gemeindeschulen ein siebenklassiges Schulsystem eingeführt. Demselben liegt der Gedanke zugrunde, daß normale Schüler Wöhrend ihrer achtjährigen Schulpflicht jede der Klassen VII bis II je 1 Jahr, die oberste Klasse I dagegen 2 Jahre Besiuficn sollen. Die Statistik aber zeigte, daß nicht viel über die Hälfte der Schüler in die erste Klasse gelangten und das volle Lehrziel der Schule erreichten und daß trotz der Hülfsschule eine größere Anzahl derselben nicht einmal über die dritte Klasse hinauskamen. Wie in den meisten anderen preußischen Städten war also die Zahl der Kinder, welchen von dem für die letzten beiden Schuljahre als passend befundenen, für das Leben besonders wichtigen Lehrstoff nichts geboten wurde, recht bedeutend, und eine nicht unerhebliche Zahl ging mit einer nicht für 14jährige, fondern für 11jährige Kinder berechneten Bildung ins Leben hinaus. Diesem Uebelstande nach Möglichkeit abzuhelfen, war eine der Hauptaufgaben der im Jahre 1303 eingesetzten gemischten Deputation zur Hebung der Volksschulen. Auch war zu erwägen, welche organisatorischen Maßnahmen dagegen getroffen werden können, daß Schüler, welche aus irgend einem vorübergehend wirkenden Grunde (Krankheit, Zuzug aus unvollkommenen Schulsystemen) mit der Klaffe nicht mit fortkommen, wochenlang beiseite gelaffen werden in der Erwartung, daß sie ja doch das Klassenpensum noch einmal werden durchnehmen müssen, demi jedes Schulkind hat ein Recht darauf, daß ihm jederzeit eine dem Stande seines Wissens und seiner Leistungs- fähigkeit angemessene Förderung zu teil wird. Im Zusammen- hang damit war zu prüfen, ob das sogenannte„Sitzenlassen' versetzunasunreifer Schüler in den bisherigen Klassen aus pädagogischen, loirtschaftlichen und allgemein menschlichen Gründen sich rechtfertigen lasse. Ferner war zu untersuchen, ob sich nichteine der Nattir des Kindes mehr angepaßte, das Individualisieren im Unterricht möglichst fördernde Gruppierung der Schüler erzielen läßt, ob die bisherige Einteilung der Schulkinder in solche mit offen- barem geistigen Defekt, die in die Hülfsschule gehören, und solche ohne nachweisbarem Defekt, die alle ohne Unterschied in den- selben Gemeindeschulklassen untergebracht werden, dem Be- dürfnisse genügt, oder ob nach dem Muster des Mannheimer Systems noch eine Zwischenstufe eingefügt werden soll. Schließlich galt es zu prüfen, wie die Erfahrungen in der Hülfsschule, in der Waldschule und in den französischen Kursen für die Gesamtheit der Volksschüler verwertet werden können, ob die bisher von der Schule in Anspruch genommene Zeit in den einzelnen Stadien der Ent- Wickelung des Kindes richtig bemessen ist, ob nicht durch soziale Für- sorge für schulunreife� oder sonst in der Erfüllung ihrer Pflichten gegen die Schule behinderte Kinder schwerem Nachteil»vorgebeugt werden kann. Die Deputation hat fich schließlich auf folgende Thesen ge- einigt: 1. Betr. Grundklasse: Zur Vorbereitung einschulungS- reifer Kinder ist im Osten, ini Zentrum und im Westen der Stadt je ein Kindergarten unter Leitung einer geeigneten Lehrerin zu eröffnen.— Die Frequenz der Grundklasse darf 45, die Unterrichts- zeit darf 18 Wochenstunden nicht übersteigen. Nach jeder halben Stunde ist eine Pause von 3—5 Minuten notwendig. Die schul- ärztliche Ueberwachung der Schüler ist zu verstärken. Zur Förderung solcher Kinder, welche in der Klasse nicht mit fortkommen, erteilt der Klassenlehrer spätestens im zweiten Halbjahr wöchentlich 3 Stunden Nachhülfeunterricht. Der Rektor ist befugt, die daran teilnehmenden Kinder von einigen lektionsplanmäßigen Stunden zu dispensieren. II. Betr. Normalklassen: Nach Verlauf der ersten vier Wochen des Schuljahres bis zum Beginn der letzten Schulwoche erteilt der Klassenlehrer den schwächsten Kindern der Klasse und solchen, welche infolge von Krankheit usw. einige, aber nicht sehr erhebliche Lücken aufweisen, wöchentlich drei Stunden Nachhülfeunterricht. HI. Betreffend B-Klassen: Zwischen die Normalschule und die Hülfsschule wird ein System von Klassen eingeschoben, da? in bezug auf Lehrmethode und Bemessung des Lehrstoffes den Bedürfnisten solcher Kinder Rechnung trägt, die in den Klassen der Normalschule gar nicht mit fortkonimen, deren geistige Kräfte aber eine Ueberweisung in die Hülfsschule nicht notwendig erscheinen lassen. Die Frequenz der B.-Klassen darf 30 nicht übersteigen, die Zahl der Wochenstunden ist etwas niedriger zu bemessen als für die Normalklassen. Für die schwächeren Schüler der B-Klassen erteilt der Klassenlehrer wöchentlich 3— 4 Nachhülfestunden. IV. Betr. �.-Klassen: Die tüchtigsten Schüler der Normalflasse IV, welche bei ihrer Versetzung nicht nach der Sexta einer höheren Lehranstalt übergehen, werden in besonderen Klassen zusammengefaßt und nach einen: besonderen Lehrplan mit einer Fremdsprache unterrichtet. Die Aufnahme in dies System erfolgt durch die Schuldeputatton auf Vorschlag der Versetzungskonserenz mit Zustimmung des Rektors und des Schularztes. Schüler, welche für dre Fremdsprache keine Begabung zeigen oder sich vernachlässigen, können am Schluß eines Schuljahres wieder nach der Normalschule zurückversetzt werden. Die gemischte Deputation hat vorgeschlagen, mit den Reformen der Grundklasse bereits Ostern 1306 zu beginnen. Mit den Maß nahmen zur Hebung der Normalklassen und zur Errichtung von B-Klaffe soll begonnen werden, wenn in den Grundklassen ein Jahr lang nach den neuen Vorschlägen unterrichtet worden ist, also Ostern 1307, und zwar sollen mit diesen Vorschlägen zunächst nur in einigen West lichen Gemeindeschulen Versuche angestellt werden. Wann mit dem •A-Shstsm der erste Versuch gemacht werden soll, ob erst nach 4 Jahren, wenn die 4 untersten Normalklassen der Vorteile der neuen Maßnohmen schon teilhaftig geworden sind, oder bereits früher, darüber hat die De- putatton, die auch während der prattischen Versuche bestehen bleibt, noch keine Vorschläge gemacht. Der Magistrat hält es für zweckmäßig, die Beschlußfaffung über die Vorschläge bezüglich der nur die letzten 4 Schuljahre umfastenden .A-Klaffen noch auszusetzen, um erst die Wirkungen der neuen Vorschläge während der ersten 4 Schuljahre abzuwarten. Den übrigen Vorschlägen ist er mit der Maßgabe beigetreten, daß die Einrichtung der.Kinder gärten— zunächst unter Beschränkung auf einen— und die Herabsetzung der Frequenz in den Grundklassen einschließlich der sonstigen Re formen dieser Klasse grundsätzlich angenommen und allgemein durchs geführt werden sollen, daß ferner die Einrichtung der B-Klassen zunächst auf die westlich der Wilmersdorferstraße gelegenen Schulen beschränkt wird. Die Genehmigung der Regierung ist bereits er- folgt. Die jährlichen Mehrausgaben nach Einführung der ae- samten Reform an allen Gemeindeschulen berechnet der Magistrat unter Zugrundelegung der Zahl der Klaffen vom Sommerhalbjahr 1803 auf rund 120 000 M., die einmaligen Ausgaben auf rund WO 000 SB. Diese Kosten verteilen sich auf acht Jahre. Partei- Hngelcgenbeiten* Dritter Wahlkreis! Am Karfreitag findet eine Herrenpartte statt. Treffpun» ist Tegel, Restaurant Kittke, Berlinerstratze. Der Abmarsch erfolgt pünftlich 10 Uhr. Es geht durch die Ruthen-Berge nach Heiligensee, dann über Neubring bis Hermsdorf, von dort Rückfahrt. Direkte Verbindungen nach Tegel find die Straßenbahnlinien Nr. 25 Ehar- lottenstraße— Tegel und Nr. 26 Oranienburger Tor— Tegel. Am Sonntag, den 31. März(1. Osterfeiertag), mittags 12 Uhr. veranstaltet der Wahlverein im großen Saal von Buggenhagen iMoritzplatz) eine Matinee. Dieselbe wird ausgeführt von den Willy Walde-Sängern. Billetts a 30 Pf. find außer bei den Bezirks- führern noch an der Kasse zu haben. Um recht zahlreiche Beteiligung beider Veranstaltungen ersucht Der Vorstand. Sechster Wahlkreis. Mm Karfreitag findet eine Herrenpartte statt. Treffpunkt früh N/, Uhr bei Willi Götz, GesellschastShauS Tegel, Schloßstr. 7/8, neben dem Straßenbahnhof in Tegel.. Ab marsch 3'/z Uhr nach Jörsfelde, Lokal Döring. Von dort per Dampfer nach Papenberge. Dann Fußtour nach Hakenfelde. Zu zahlreicher Beteiligung, haupffächlich auch der Sangesbrüder, ladet ein _ Der Vorstand Berliner JVacbricbten* „Polizeilicher Krankentransport." Unter dieser Ueberschrift erzählten wir in Nr. 60, in der Nähe des Alexanderplatzes habe an einem Sonntag ein Schutzmann versucht, auf einem Straßenbahn. wagen einen Mann zu verladen, der auf der Straße umgefallen war, eine Verletzung erlitten hatte, auf der Unfallstation verbunden worden war und nun nach seiner auf dem Wedding gelegenen Wohnung gebracht werden sollte. Der Schaffner habe die Mit. nähme verweigert, drei Steinmetzen hätten dann sich des ManneL angenommen, um ihn per Droschke heimzubefördern, der Schutz mann aber sei mit der Straßenbahn davongefahren. Hierzu der. öffentlicht jetzt die„Freisinnige Zeitung" folgendes: Ein tendenziöser sozialdemokratischer Schwindel über poli zeilichen Krankentransport in Berlin wird von der„Post" auf gedeckt. Neulich stand im„Vorwärts" folgendes zu lesen:„Ein Schutzmann, der einen verwundeten und kranken alten Mann nach Hause bringen sollte, habe sich natürlich seiner Aufgabe nicht gewachsen gezeigt und vergebens versucht, den Kranken au; einen Straßenbahnwagen zu verladen. Die Mitfahrt ist dem alten Mann vom Schaffner untersagt worden; im Publikum herrscht Verwunderung, daß man nicht eine Droschke nimmt drei Steinmetzen, die natürlich auS einer Versammlung kommen, sehen die Szene vom Straßenbahnwagen, sie springen ab, da sie in dem verwundeten alten Mann einen Bekannten erkannt haben, einen Augenblick später haben sie auch schon eine Droschke herangeholt. Der Schutzmann ist natürlich verduftet in dem Augenblick, als die Steinmetzen gekommen, die froh ob ihres Samariterwerkes mit erhobenen Gefühlen davonfahren." Dem gegenüber stellt die„Post" aus untrüglichen Quellen folgendes fest: Der 53 Jahre alte Kassierer S. wird mittags 12 Uhr von Krämpfen befallen. In demselben Augenblick fährt ein Omnibus vorüber. S. fällt gegen denselben und verletzt sich leicht am Auge. Ein Schutzmann ist sofort zur Stelle und bringt S. mit. tcls Droschke nach der Unfallstation in der Keibelstraße 23. S. erhält einen Verband und der Arzt gibt ihm den Rat, mit der Straßenbahn nach seiner Wohnung zu fahren. Der Schutzmann begleitet ihn nach der Straßenbahn. Da die Kleidung des S. beschmutzt ist, wird ihm die Mitfahrt verweigert. Der Schutz. mann erklärt sofort, daß er ihn mit einer Droschke nach Hause fahren wolle. Ter Verletzte lehnt ab mit dem Bemerken, daß er nicht fahren, sondern gehen wolle, da er sich kräftig genug fühle. S. geht auch ohne ftemde Hülfe weiter, der Schutzmann verab schiedete sich von ihm. Der Beamte hat also vollkommen seine Pflicht getan. Wer jene Notiz in Nr. 60 des„Vorwärts" gelesen hat, der wird sofort erkennen, daß die„Freis. Ztg." nicht etwa den„Vor. wärts" zitiert, sondern nur eine Inhaltsangabe bringt, die von ihr durch Zutaten aus Eigenem erst auf den richtigen Ton ge. stimmt und dann mit Gänsefüßchen umrahmt worden ist, wie wenn es sich tatsächlich um ein Zitat aus dein„Vorwärts" handelt. Doch das bemerken wir nur nebenbei; an sich ist es unerheblich, da ja die Sachdarstellung inhaltlich so wiedergegeben ist, wie sie im„Vor wärts" stand. Daß hinterher jener Schutzmann sich von der„P o st" verteidigen lassen mußte, das war uns entgangen. Wir lesen dieses Blatt nicht so gründlich, daß uns alles darin auffallen müßte. Man kann unmöglich von uns fordern, daß wir solche Kloaken immer bis auf den letzten Winkel durchstöbern. Uebrigens bitten wir, uns auch gegenüber der„Freis. Ztg." diese Pflicht nicht auferlegen zu wollen. Beide,„Post" und„Freisinnige Zeitung" stehen längst in dem Rufe, die schäbigsten Blätter im deutschen Blätterwalde zu sein. Zur Sache haben wir zu bemerken, daß unsere Schilderung allerdings durch die Angaben, die das freisinnige Blatt uns aus der„Post" vorhält, ergänzt wird. Aber gerade dann erscheint das Vorkommnis in noch schlimmerem Lichte. Wir sagen ausdrücklich:„erscheint"; denn wir können ja nicht wissen, ob die Hintermänner der„Post" Glauben verdienen. Bestätigt wird von dort aus, daß der Schutzmann den Verunglückten auf einem Straßenbahnwagen verladen wollte. Es wird nur hinzugefügt, daß er auf Anordnung des Arztes der Unfallstation diese Art der Heimbeförderung wählen wollte. Sodann wird behauptet, hinter her habe der Schutzmann den Verunglückten doch in einer Droschke nach Hause bringen wollen. Erst als Herr S. erklärte, er suhle sich kräftig genug, zu gehen, habe der Beamte ihn gehen lassen. Wir wiederholen: die Szene spielte nahe dem Alexanderplatz. Dem Schutzmann war doch wohl bekannt, daß sein Schützling hinter dem Ringbahnhof.Wedding" wohnte. Vom Alexanderplatz bis dorthin sind es mehr als 4 Kilometer! Aus unserer Darstellung mußte der Schluß gezogen werden, daß der Schutzmann seinen Schützling erst in dem Augenblick ver. ließ, als die drei Steinmetzen sich anschickten, für die Heimbeförde. rung zu sorgen. Die„Post" aber stellt den Hergang so dar, daß angenommen werden muß, der Beamte habe den Mann sich selber überlassen, noch ehe die Steinmetzen ihre Hülfe an- boten. Wir wollen heute erklären, daß auch unsere Gewährs- männer uns den Hergang in diesem Punkte ungefähr so geschildert haben. Wir hielten das aber für einen Irrtum; denn das er- schien denn doch nicht recht möglich, daß ein Schutzmann so weit in der Sorglosigkeit gegangen sein könnte. Deshalb gaben wir dann die mildere Darstellung, die wir für die richtigere hielten. Möge der Schutzmann es jetzt mit der„Post" und der„Freis. Ztg." ab- machen, daß er nun in noch ungünstigerem Lichte erscheint als vorher. Wir wollen sodann noch etwas anderes„eingestehen". Als wir Herrn S. einige Tage nach seinem Unfall aufsuchten, um auch ihn zu beftagen, antwortete er uns, er erinnere sich zwar, daß ein Schutzmann ihn von der Straße nach der Unfallstation geschafft habe, aber daß ein Schutzmann ihn auch von der Unfallstation nach der Straßenbahn gebracht haben solle, davon wisse er nichts. Jeder Versuch, sein Erinnerungsvermögen in diesem Punkte zu stärken, mißlang. Er blieb bei seiner Erklärung und hielt sie ausrecht, ob- wohl er nacheinander zweien der drei Steinmetzen gegenübergestellt wurde. Nach dieser Aussage des Verunglückten selber hätten wir die ganze Schutzmannsaffäre für Schwindel halten müssen, wenn wir zu unseren Gewährspersonen wenig Vertrauen gehabt hätten. Wir wußten aber, daß wir ihnen glauben durften, und wir trugen daher kein Bedenken, ihre Mitteilungen hierüber zu veröffent- lichen. Uns blieb nur die Annahme, der Verunglückte habe noch an dem Straßenbahnwagen sich in einem Zu stände so großer Verwirrung befunden, daß er noch gar nicht auf. faßte, was mit ihm vorging. Auch diesen Nebenumfiand, der die Sacbe wieder noch schlimmer erscheinen läßt, erwähnten wir nicht. Mancher Leser würde da das Verhalten des Schutzmanns noch wunderlicher gefunden haben. Aber wir waren der Ansicht, man könne am Ende von einem Schutzmann nicht auch das noch verlangen, daß er mehr als ein Unfallstationsarzt versteht. Das Resultat der Ehrenrettung, die von der„Post" nebst der �Freis. Ztg." hier versucht wird, ist derartig, daß der Schutzmann und seine vorgesetzte Behörde ausrufen können:„Gott, schütze uns vor unseren Freunden!" Für uns selber ergibt sich aus dem Ganzen die Bestätigung der alten Erfahrung, daß man Miß. stände und Mißgriffe nie scharf genug rügen kann. Je milder die Darstellung ist, die man gibt, und je zahmer der Ton, in dem man kritisiert, desto dreister und un- verschämter wird von anderer Seite versucht, den Mohren wo- möglich völlig weißzuwaschen. Rein, im Kampf mit dieser Mcnschensorte sollte man wirklich nicht zimperlich sein. Was werden„Post" und„Freis. Ztg." uns jetzt antworten? Wir haben ob» gezeigt, dab WS Svei tau Schujwflfla belastende Ritt» lungen, die uns gemacht worden waren, noch gar nicht mal wieder- gegeben hatten. Vielleicht wird nun die„Post" schwindeln: Da haben wirs, der„Vorwärts" gibt selber zu, daß ihm die Sache an- ders mitgeteilt worden war! Wird die«Freis. Ztg." ihr das nach- schwindeln wollen? Die böse Unterleitung! Eine Betriebsstörung fand am Montag» abend gegen Vz8 Uhr an der Dorotheenstraße, Ecke der Sommer- straße, statt. Vom Stromabnehmer des Sttaßenbahnwagens 2332 der Linie 1(Richtung B) war die Gleiffchiene gebrochen. Der Strom- abnehmer hatte sich unter der Aufzugswelle festgeklemmt und ließ sich nicht hochziehen. Infolgedessen mutzten die Wagen der Linien dl, 0 und B über den Königsplatz, Rooiistraße, Karl- und Luisenstraße abgelentt werden. Als„Hauptmann von Köpenick" hatte der Arbeiter Karl Dietrichkeit am 3. Februar einen Maskenball in der Kolonie Grüne- wald besucht. Die charakteristische Maske erregte bei den Gästen soviel Heiterkeit und Beifall, daß dem Träger derselben Spirituosen in ungeheueren Quantitäten gespendet wurden. So fand D. am nächsten Morgen nicht den Weg nach Hause, sondern trieb fich an« geheitert auf dem Kurfürstendamin umher. Dem Charakter seiner Maske gemäß belästigte er Passanten und bedrohte einen Arbeiter, der ihm gut zureden wollte, mit dem Säbel. Der Pseudohauptmann von Köpenick wurde schließlich verhaftet und hatte sich gestern vor dem Schöffengericht zu Charlottenburg zu verantworten. Er wurde wegen groben Unfugs und unberechtigten Tragens der Offiziers- uniform zu 20 M. Geldstrafe event. vier Tagen Hast verurteilt. Ein Familiendrama. Wir berichteten gestern über eine LeuchtgaSvergistung in der Eckerfftr. 4, durch die zwei Menschen zu Tode gekommen sind, wäh- rend die Frau schwer krank daniederliegt. Zu diesem Borgange wird noch folgendes gemeldet: Es handelt fich um den Kassen- Beamten Blaurock, dessen Frau und Kind. Während die Mutter des Blaurock, die besuchsweise hier weilt, ausgegangen war, faßten die Eheleute den Plan, fteiwillig mit dem Kinde aus dem Leben zu scheiden. Als die Mutter deS Mannes um 8'/, Uhr abends von dem Ausgange zurückkehrte, fand sie ihren Sohn, dessen 23 Jahre alte Frau und deren sieben Monate altes Kind in der Küche bewußtlos auf dem Erd- boden liegend vor. Der Gasschlauch war von dem Kochherde ent- fernt und der Gashahn geöffnet. Ein herbeigerufener Arzt, ein Schutzmann und zwei Feuerwehrleute stellten WiederbelebungL- versuche an, die bei Frau Blaurock von Erfolg begleitet waren, während der Mann und das Kind bereits tot waren. Die junge Frau wurde dem Krankenhause Am Friedrichshain zugeführt. Es handelt sich um einen vorbereiteten Selbstmord. Es scheint sogar, als ob neben der Gasvergiftung auch noch eine andere Ver- giftung vorliegt, was allerdings erst durch die Obduktion der Leichen aufgeklärt werden kann. Die Ursache zu dieser schrecklichen Tat soll darauf zurückzuführen sein, daß der Ehemann Blaurock seit längerer Zeit sehr leidend ge« wesen ist. Eine Anzahl Blätter wissen zu melden, daß auch Nahrungssorgen mitgespielt hätten, da Blaurock bei einer Lichten- berger Krankenkasse mit einem Monatsgehalt von 85 M. angestellt gewesen sei. Wie wir erfahren, trifft das letztere nicht zu. Blaurock hat in geordneten Verhältnissen gelebt und war bei der Lichten- berger Ortskrankenkasse angestellt. Dort ttat er im Juni 1301 mit einem Monatsgehalt von 150 M., also 1800 M. jährlich, ein und bezog zuletzt ein Jahresgehalt von 1370 M. Die Nachricht von den 86 M. pro Monat ist Schwindel. Der allzu„freundliche" Sammler, über den wir kürzlich be- richteten, daß er in einem Hause der Müllerstraße nacheinander zwei Frauen in ihren Wvhnungen zu attackieren versucht habe, scheint inzwischen ermittelt worden zu sein. Daß er kein Sammler des Vereins„HoffnungStal" war, das haben wir bereits richtiggestellt. Zu der irrigen Annahme, er fechte für die Kolonien des Pastors v. Bodelschwingh, war die eine der attackierten Frauen gelangt auf Grund der Nicht ganz klaren Angaben, die er ihr über Arbeiterkobonien usw. gemacht hatte. Nun hatte er aber dabei auch das„B r o ck e n h a u s", A ck e r st r. 52, erwähnt und ihr empfohlen. Die Mutter dieser Frau ging nach denr genannten„Brockenhaus", das dem„Verein D i e n st a n Ar- b e i t s l o s e n" geHort, und teilte dort das Vorkommnis mit. Wie wir jetzt erfahren, wurde ihr b e st ä t i g t, daß der„Verein Dienst an Arbeitslosen" in der Tat in dem betreffenden Hause hatte sammeln lassen. Der Beschwerdeführerin wurde auch der Name des Sammlers gesagt, der dieses Haus abzuklopfen gehabt hatte. Im Bureau wurde von einem Herrn, der anscheinend der„Direktor" war, die Erklärung abgegebeii, dem Sammler werde sofort sein Sammelbrief abgenommen werden, und er dürfe nicht mehr sammeln gehen. Ein Angestellter des Bureaus soll hinzugefügt haben, der betreffende Sammler sei allerdings„etwas verliebt". Das klingt ja fast so, wie wenn über diesen Menschen nicht zum ersten Male Beschwerde geführt worden wäre. Um�so merk- würdiger wäre eS dann, daß man ihn noch weiter bei der Sammelet beschäftigt hätte. Aber auch wenn diese Beschwerde, wie wir annehmen wollen, doch die erste gewesen ist, bleibt die Sache immer noch schlimm genug für den„Verein Dien st an Ar- b i tS losen". Hat er nicht die Pflicht, sich seine Bettelboten ehr genau anzusehen, ehe er sie den Leuten in die Wohnung schickt? Auch die Polizei, die solche Bettelei konzessioniert, sollte gegen- über den Vereinen, die um Konzession bitten, etwas vorsichtiger sein. Uns fällt hier ein, wie scharf die Polizei aufpaßt, wenn Arbeiter ür ausgesperrte Kollegen in der Arbeiterbevölkerung sammeln. Wir sind übrigens neugierig, was mit diesem wahrscheinlich doch •rommgläubigen Sammler des strengreligiösen„Vereins Dienst an Arbeitslosen" geschehen wird. Ter Berein will den Fechtbruder, dessen übergroße„Freundlichkeit" den beiden Frauen lästig geworden ist, nicht mehr fechten gehen lassen. Wird er ihn auch dem Gericht anzeigen? Im Bureau wurde die Beschwerdeführerin gefragt, ob sie das wünsche. Sie verneinte eS. Wenn hiernach der Leiter des„Vereins Dienst an Arbeitslosen" bereit sein sollten, über ihren ündigen Schützling den Mantel christlicher Liebe zu decken, so ürchtcn wir nur, daß andere diesen Versuch zunichte machen werden. Der„Verein Hoffnungstal", der unschuldigerweise in den Verdacht gekommen war, unter seinen Sammlern einen„etwas verliebten" iu haben, hat uns durch seinen Vorstand ersucht, ihm den Namen >es Sammlers zu nennen, damit Anzeige erstattet werden könne. Wir werden dem Vorstand mitteilen müssen, daß er nähere? beim„Verein Dienst an Arbeitslosen" erfahren kann. Auf der Straße erschossen. Gestern morgen um 9 Uhr gab der 35 Jahre alte Handelsmann Georg Jacoby aus der Greifenhagener- straße 15 vor einem Schanklokal in der Stargarderstratze 6 auf den 38 Jahre alten Hausverwalter Franz Klose einen Revolverschuß ab. der Klose in das Gebirn drang und ihn lebensgefährlich verletzte. Klose wurde nach Anlegung eines Notverbandes der Charitö zu- geführt. Der Täter wurde verhaftet und der Kriminalpolizei über- geben. Der Beweggrund soll darin zu suchen sein, daß dem Handelsiiiann seitens des Hausverwalters Klose infolge rückständiger Miete die Wohnung gekündigt worden war. Zur KiitdeSmörderin geworden ist wieder ein alleinstehendes Mädchen. Die 23 Jabre alte, aus Walmar in Livland gebürtige Landlvirtstochtcr Christine Sihle, die sich in Berliil als Plätterin er- nährte und in der Templiiierstr. 16 für sich eine Stube bewohnte, unterhielt mit einem Russen ein Verhältnis, dessen Folgen sie bisher j u verheimlichen wußte. Gestern morgen um?'/„ Ubr siel der Milch- rau ein starker Lysolgeruch auf. Sie machte die Flurnachbarinnen darauf aufmerksam und betrat dann mit diesen die' Stube der Plätterin. Die Tür war nur ciiigekliiilt. nicht verschlossen. Das Mädchen lag schwer röchelnd im Bett.. Es hatte sich mit Lysol ver- giftet, von dem ein Rest in einer Flasche auf dem Tische stand, war aber noch bei Besinmmg. Reben der Lebensmüden im Bett lag, ta «ki Clane« Tuch fest eingewickelt, die Leiche ihre« neugeborenen Kindes. Der Hauswirt Krause holte einen Arzt von der Rettung«- Wache III und die Polizei des SV. Reviers. Die Plätterin gab an. fie habe das Kind vor zwei Tagen zur Welt gebracht. Es sei eine Frühgeburt und tot gewesen. Vor Scham habe sie sich nicht sehen lassen und die Leiche zunächst in den Kleiderschrank gelegt. Dann habe fie beschlossen, aus dem Leben zu scheiden, zu diesem Zwecke habe fie Lysol genommen. imd fich mit der Kindesleiche in das Bett gelegt, um den Tod zu erwarten. Entgegen dieser Darstellung ergaben die Ermittelungen den dringenden Verdacht, datz die Plätterin ihr Kind durch Ersticken getöte! habe. Sie wurde deshalb festgenommen und zunächst als Polizeigefangene der Charitö zugeführt. Die Leiche deS Kindes wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Der Polizribericht meldet: Vor dem Grundstück Engel-Ufer Sa sprang Montagabend ein etwa 12 Jahre alter Knabe in den Luisen- städtischen Schiffahrtskanal und ertrank. Die Leiche wurde nach einer halben Stunde gelandet und zunächst nach der Unfallstation am Mariannen-Ufer gebracht, von wo gestern früh die Ueberführung nach dem Schauhause erfolgte. Die Eltern des Knaben konnten bisher nicht ermittelt werden. Vermißt wird seit dem 23. Februar der Arbeiter Otto Schuster. Er ist von seiner Arbeitsstelle nicht zurückgekehrt. Sch. ist 23 Jahre alt, Mittelftatur, dunkelblond, dunklen Bart, am Halse eine große Narbe; bekleidet war er mit dunkelblauem Sommerüberzieher, griumelierter Hose, graukariertem Jakett und Weste, blauen Barchentbeinkleidern, Trikothemd, braunen Strümpfen, schwarzen Schnürstiefel und Gummigurt. Diejenigen Personen, welche über Sch. Auskunft geben können, werden gebeten, sich zu melden bei Witwe Schuster, Biesenthalerstr. 6, oder beim nächsten Polizei- bureau. Der Berband der Stukkateure bittet uns mitzuteilen: Der Verlust eines goldenen Panzerarmbandes ist nachlräglich vom Kostümfest des Zentralverbandes derStukkateure gemeldet worden. Der ehrliche Finder wird gebeten, es im Verbandsbureau Sttatzburgerstr. 17 Hl(Telephon: Amt III, 1147) niederzulegen. Der Sportpark Steglitz eröffnet an den beiden Osterfeiertagen die diesjährige Saison. Urania. Um auch den Schulkindern Gelegenheit zu geben, die Vorträge in der Urania zu besuchen, finden in den Ferien Nach- mittagsvorstellungen zu kleinen Preisen statt und zwar wird am Mittwoch und Sonnabend der Bottrag„Am Golf von Neapel, eine Frühlingsfahtt zum Gestade der Sirenen und Zyklopen" und am Donnerstag der Vortrag„Frühlingstage an der Riviera" gehalten werden. Abends wird der dekorativ und szenisch ausgestattete Bottrag„Die Feuergewalten der Erde" zur Tarstellung gelangen. Am Freitag bleibt das Institut geschlossen. Feuerwehrbericht. Gestern früh um 8 Uhr stand in der Gollnow- straffe 21 der Dachstuhl des Hauses in großer Ausdehmmg in Flammen. Die von mehreren Seiten alarmierte Feuerwehr fand bei ihrem Eintreffen schon einen ausgedehnten Brandherd vor. Brandinspektor Leupoldt ließ sofott mit mehreren Schlauchleitungen Waffer geben und eS gelang, das Feuer auf den Dackistuhl des Hauses zu beschränken. Ein zweiter Dachstuhlbrand beschäftigte die Feuerwehr in der Turmstr. 67. Dort war der Brand in einer Wohnung ausgekommen und hatte dann das Dach ergriffen. Der 15. Zug mutzte kräftig Wasser geben, um die Gefahr zu beseitigen. Derselbe Zug hatte dann noch in der Rostockerstr. 52 zu tun, wo Hausrat, Mattatzen usw. in Bodenverschlägen brannten. Durch Ueberkochen von Fett kam in der Petersburgerstt. 73 Feuer auS, das Gardinen und Möbel erfaßte. In der Löwestt. 21 gingen Vor- hänge u. a. in Flammen auf. Unfug, verübt von Kindern ver- anlaßte daS Ausrücken der Feuerwehr nach der Görlitzerstt. 54. Ferner hatte die Wehr in der Anhaltstt. 6, Birkenstt. 50, Alt- Moabit 66, Birkenstt. 66, Birkenstt. 22a und Naunynstt. 46/47 zu um, wo Fußböden, Balken u. a. Brände gelöscht werden mußttn. Vorort- JVadmebten. Charlottenburg. Ei» schwerer Unglücksfall ereignete flch Montagnachmittag gegen '/z2 Uhr auf dem Güterbahnhof in der Sophie Charlottenstraße. Dott war zur genannten Zeit der bei einer Speditionsfirma an- gestellte Kutscher Otto Tiele mit dem Abladen eines Transpottes Möbel beschäftigt, wobei er sich schwerer Hebebäume bedienen mußte. Plötzlich glitt eines dieser mehrere Zentner wiegenden Hebewerlzeuoe ab und ttaf den Kutscher so unglücklich, daß ihm beide Unterschenkel gebrochen wurden. Der Verunglückte mußte niittels Krankenwagens nach dem Krankenhause Westend übergeführt werden. Schönederg. In der SchSneberger Stadwerordnettnversammlung gab eS am letzten Montag wieder einmal sehr erregte Debatten. Die Veran- lassung hierzu bot ein Antrag der liberalen Fraktion: die Besol- dungsordnung der Klasse II der städtischen Beamte»— Sekretäre usw.— anderweitig zu regeln. Der Stadw. Schneider(Haus- besitzerfiattion) sprach sich energisch gegen diese fortwährende Stellung von Anträgen aus, die seiner Ntcinung nur agitatorischen Zwecken dienen sollten. Redner ging auf die Verhaltnisse der Staatsbeamten— Amtsrichter usw.— ein, die schlechter gestellt seien als die städtischen Beamten Schönebergs. Den Finanzen der Stadt müsse endlich einmal Ruhe gegönnt werden. Auch der Stadtv. Hepner schloß sich diesen Ausführungen an. Ihm scheint ein System darin zu liegen, fortgesetzt derartige Anträge gegen die .Hausbesitzer zu schleudern. Im weiteren suchte der Redner die große Opferwilligkeit der Hausbesitzer vor Augen zu führen. Stadtv. Küter(Soz.), der diesen Ausführungen entgegenzutreten versuchte und dabei auf die bedeutend schlechttren Verhältnisse der städttschen Arbeiter überging, wurde vom Vorsteher zur Sache ge- rufen, da die städtischen Arbeiter, mit dem vorliegeirden Antrage nichts zu tun haben. Auch den liberalen Stadwv. Zobel und Dr. Voßberg ging eS ebenso. Es war ihnen vom Vorsteher unmöglich gemacht, aus die Ausführungen der Stadtvv. Schneider und Hepner einzugehen. Fortgesetzt wurden sie zur Sache gerufen unter stürmischem Widevspruch der linken Seite der Versammlung. Selbswerständlich ließen sich die Redner der Linken eine derattige Handhabung der Geschäfte nicht so ohne weiteres gefallen, sie gingen mit dem Vorsteher gang gehörig mS Gericht und erklärten ihm, daß er hier nicht als Vorsitzender des Haus- und Grund- bcsitzervereinS seines AmttS zu walten habe. Unser Genosse Wollermann machte den Vorsteher dann noch wetier darauf aufmerksam, daß er bei Erledigung deS Antrages gar nicht einmal geschäftsoodnungsmäßig verfahren sei. Der Vorsteher entschuldigte seine Unfähigkeit in der Gesstäfissührung damit, daß ihm ein der- artiger Fall noch nicht vorgekommen sei. Die weittre Debatte drehte sich hauptsächlich um die allen Grundsätzen der Objektivität Hohn sprechende Geschäftsführung des Vorstehers. Ein Antrag Schneider, über den liberalen Anttag zur Tagesordnung überzu- gehen, wurde abgelehnt, dagegen beschloß die Mehrheit, denselben dem Etatsausschutz zu überweifen. Die Versammlung erledigte sodann noch die neue Hundesteuer- ardnung, wobei der Wunsch ausgesprochen wurde, statt der schon beschlossenen 30 M. noch höher hinauszugehen. 'Eine Petition, in der verlangt wird, die obligatorische Fort. bildungSschule auch auf die weiblichen HandlungSgehülfen anszu» dehnen, wurde dem Magistrat zur wohlwollenden Berücksichtigung überwiesen. Ohne Debatte genehmigt wurde die Aenderung deS OrtSstatutS für das Gowcrbegettcht, wonach den Beisitzern für zede Sitzung eine Entschädigung in der Höhe von 6 M. gewährt wird. Dem Antrags des' Magistrats betreffend Einfiihrung des obli- natorischen Haushalt ungsnnterrichtts in den Gemeindeschulev ffirmrtte. die LttHuumltvzg ebenMH vi» Da» Opfer etat« schwere««utsairßilmlfalle« wurde Montag- abend der Gärtner Franz Beber. An der Ecke der Eisenacher- und Motzstratze wollte v. den Fahrdamm überschreiten, als in eiligem Tempo ein Privat-Automobil herangefahren kam, er wurde um- gettssen und überfahren. Passanten trugen den Verunglückten nach der nahen Rettungswache in der Eisenachersttaße, wo er die ersten Notverbände erhielt. Weistensee. Die zweite Sitzung der Etatsberatvng hatte verhältnismäßig schnell die borliegenden Etats erledigt Die Einnahmen und Aus- gaben des Kanalisationsetats belaufen sich auf 123 050 M. Die Wasserversorgung schließt ab in Einnahme mit 142 310 M., Ausgabe 128 243 M., Ueberschuß 14 067 M. Ein bürgerlicher Hausbesitzer erklärte, daß er in diesem Jahre nochmals dieser Positton seine Zustimmung geben will, im nächsten Jahre muß aber unbedingt die Wasserabgabe herabgesetzt werden, sonst müßten die Hausbesitzer unbedingt davonlaufen, sie gingen bei der hohen Wasserabgabe zu Grunde. Der Etat des Fleischschauamtes schließt in Einnahme und Ausgabe mit 48 445 M., dem Reseovesonds müssen 15 005 M. entnommen werden, um die Ausgaben zu decken. Die persönlichen Ausgaben weisen die stattliche Höhe von 35 573,40 M. auf und kommen in Betracht 7 Tierärzte, 1 Fleischbeschauer, 1 Aufseher und 5 Trichinenbeschauer. Ganz neu in Erscheinung tritt der Etat des Riesclgutes Birkholz mit einer Einnähme von 115 500 M. und einer Ausgabe von 105 500 M. Aus den Gemeindcgrmrdstücken wird eine Einnahme von 43 955 M. erzielt, denen eine Ausgabe von 8581,42 M. gegenübersteht. Die außerordentlichen Einnähmen und Ausgaben belaufen sich auf 4 Millionen Mark. Die Einnahmen sind aus Anleihen gedeckt und die Ausgaben werden verwandt zur Deckung schwebender Anleihen, zur Deckung von Hypothekenschulden, zum Ankauf der Riefelgrundstücke in Birkholz, zur Deckung ver- schiedener Grundstückerwerbungen. zu Sttaßenvettbesserungen, Auf- Wendungen für die Kreisbahn Tegel— Friedttchsfelde, zum Umbau der Kanalisation, zur Erbauung einer Gemeindeturnhalle, einer Realschule usw._ Berichts-Zeitung Haftung deS Eisenbahnfiskns wegen Unfälle» bei« Zuschlagen einer Conpectüre. Der Reserveleutncmt D. diente seinerzeit als aMver Offizier bei dem Feldattillette- Regiment in Burg bei Magdeburg. Ms er am 10. Januar 1904 von einer Theatervorstellung in Magdeburg nach seiner Garnison fuhr, war er im Zuge eingeschlafen und mußte, als ihn der Schaffner in Burg weckte, rasch das Coupee verlassen. Hierbei ließ er seine Handschuhe im Netz liegen. Als er dies merkte, ging er noch einmal ins Coupee zurück, um sich dieselben zu holen und wurde ihm dann beim Aussteigen der vordere Teil des rechten Taumfingers durch das Zuschlagen der Coupeetüre abgequetscht. Er klagt wegen des ihm hierdurch entstandenen Schadens. Er behauptet, daß der diensttuende Schaffner die Türe Plötzlich zugeschlagen habe, während der betreffende Beamte dies bestreitet. Der Klagsanspruch fordert die Feststellung der Haftpflicht des Eisenbahnfiskus für den Schaden, der dem Kläger in seinem späteren Erwerbszweige durch die Benachteiligung seiner Erwerbsfähigkeit infolge Ver- stümmelung des Daumens entstehen tvird. Der beklagte Eisenbahnfiskus berief sich dabei auf das Vorliegen höherer Gewalt und bestteitet, daß nach den Aussagen des Schaffners ein Betttebsunfall vorliege. Das Landgericht Magdeburg erkannte auf einen Eid des Klägers dahin, daß ihm der obere Teil des rechten Daum- fingers dadurch abgequetscht worden sei, daß ihm beim Aus- steigen, als er die Tür schließen wollte, diese von einer anderen Person unbemertt zugeworfen wurde. Bei Leistung dieses Eides erkannte das Landgettcht Magdeburg seinen Schadenersatzanspruch dem Grunde nach für gerechtfertigt an. Gegen das landgerichtliche Urteil hatte der beklagte Fiskus Berufung eingelegt. Das Oberlandes- aericht Naumburg sah durch die Feststellungen des Landgerichts das Vorliegen eines Betriebsunfalles als zweifellos an, und kam bei der Untersuchung nach dem Vorliegen höherer Gewalt zu dem Ergebnis, daß diese hier ausgeschlossen sei. Auch ein Mittvirken von eigenem Verschulden venleinte das Oberlandesgencht und gab somit dem F e st st e l l u n g s- anspruch des Klägers in Uebereinstimmung mit dem Landgericht statt für den Fall, daß der Kläger den Eid leiste, den ihm das Landgericht aufgettagen hat. Die gegen dieses Urteil eingelegte Revision wurde vom VI. Zivilsenat des Reichsgerichts zurück» gewiesen._ Folgen von Darlehnsinseraten in bürgerlichen Zeitungen. In die Geschäftspraktiken eines Geldverleihers gestattete eine Verhandlung, die am Montag vor der 133. Abteilung deS Amts- gerichts Berlin Mitte stattfand, sehr interessante und lehrreiche Ein« blicke. Wegen wiederholten BettugeS mutzte sich der Kaufmann Simon Jaffö vor dem Strafrichter verantworten. Der erst 25jähttge Angeklagte hat fich seit einiger Zeit in Berlin als Agent niedergelassen und machte außer kleinen Vermitte- lungen in der Hauptsache nur Geldverleihgeschäfte. Wie die Anklage behauptet, soll er jedoch gar nicht den ernstlichen Willen gehabt haben Darlehen zu vergeben, sondern eS wird be- hauptet, er habe es lediglich auf die nicht unbettächtlichen Gebühren für Auskünfte usw., die vorher zu zahlen sind, abgesehen. Die Aus- tünste selbst lauteten dann in gleicher Weise ziemlich ungünstig. Dies wird durch die Geschädigten damit erklärt, daß Jaffö mit einem kleineren Auskunftsbureau in Rixdors. von dem er die AuS- tünste bezogen hatte, unter einer Decke steckte und absichtlich un- günstige Auskünste einholen ließ. Der Angeklagte inserierte in mehreren bürgerlichen Zeitungen und gab fich als Selbstgeber aus. obgleich er selbst ein nennens- wetteS Kapital nicht besaß. Bei den Verhandlungen ver- sicherte er stets,„er sei nicht wie andere Schwindler, die den Leuten nur daö Geld abnehmen". Für die angeblichen Auskünfte und sonstige Spesen ließ fich Jaff« 5 bi« 10 M. zahlen, wodurch er sich ein ganz behagliches Leben verschaffte. Schließlich erstatteten mehrere Hereingefallene Anzeige bei der Kriminalpolizei und nun meldeten sich ganze Scharen von Geldsuchenden, die ebenfalls durch den An- geklagten geschädigt worden waren. Zu der Verhandlung am Montag ivaren etwa 35 Zeugen geladen. Die Verhandlung währte bis in die zehnte Abendstunde. Das Utteil lautete dem Antrage des Staats- anwalts gemäß auf ein Jahr Gefängnis und zwei Jahre Ehrverlust._ Durch ein Auto zo Tode gefahre». Am Nachmittag des 80. Ottober v. F. begab sich die 84jShnge verwitwete AmlSaerichlsrätin von GropiuS nach der aus der Südseite deS KurfihstendammS belegenen Haltestelle, um von dort aus die Straßenbahn zu benutzen. Als ein Wagen der Linie 54 herannahte, gab Frau v. G. dem Fahrer ein Haltczeichen. In dem Augenblick aber, als sie den Bürgersteig verlassen wollte, kam ein mit Brettern beladener Lastwagen in gleicher Richtung gefahren, so daß fie auf dem Bürgersteig ver- bleiben mußte. Inzwischen hatte fich der Straßenbahn- wagen wieder in Beloegung gesetzt und an seiner Stelle hielt ein Wogen der G-Lirne. Die Greisin hatte dies nicht bemerkt, da ihr die Aussicht durch das Lastfuhrwerk versperrt worden war. Frau v. GropiuS ging nun auf den G-Wagen zu in der Meinung, den Wagen der Limo öS noch vor sich zn tzabeu. Erst als sie von dem Schaffner aufmerksam gemacht warben war, bemerkte st» iheen Irrtum und trat einen Schritt zurück, um fich wieder nach dem Bürgersteig zu begeben. In diesem Augenblick kam in schneller Gang« att ein von dem Krastwagcnführer Rudolf Stenzel geführtes Probeautomobil der Berliner Motorwagenfabrik heran. Der Lenker des Kraftivagens hatte nicht mit der Möglichkeit gerechnet, daß die Frau Gropius, die scbon auf dem Straßenbahnwagen auf- gestiegen war, wieder heruntersteigen würde und war deshalb, ohne lein Tempo zu verlangsamen, weitergefahren. Die Folge war, datz die Greisin von dem Auto gefaßt und zu Boden geworfen wurde. Die Schwerverletzte wurde nach Anlegung eines Notverbandes in der Unfallstation am Zoologischen Garten nach ihrer Wohnung geschafft, wo sie am nächsten Tage an den Folgen der erlittenen inneren Verletzungen verstarb. Gegen den Führer des Autos Stenzel wurde Anttage wegen fahrlässiger Tötung erhoben, die gestern vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts III zur Verhandlung kam. Vor Gettcht beantragte Rechtsanwalt Dr. Schwind! die Freisprechung des Angeklagten. Seine Ausführungen hatten keinen Erfolg. Das Gericht war der Anficht, daß schon darin die Fahrlässigkeit eines Kraftwagenführers liege, wenn er in derartig gefährlichen Situationen nicht so langsam fahre, daß er sofort sein Fahrzeug zum Stehen bringen kann, wenn sich ihm ein Hindernis in seiner Fahrtrichtung biete. Mit Rücksicht auf die schweren Folgen verurteilte die Straflammer den bisher unbescholtenen Angeklagten zu vier Monaten Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte neun Monate Gefängnis beantragt. Wegen Serjähnrag vom Reichsgericht freigesprochen. Das Landgericht Hamburg hat am 9. April v. I. den Redakteur Karl Görlitz wegen Aufreizung verschiedener Be» Völkerimgsklassen zu Gewalttätigkeiten gegen einander, serner wegen Beleidigung und Vergehens gegen§ 153 der Gewerbeordnung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die Straftaten wurden in zwei verschiedenen Artikeln derselben Nununer deö be- treffenden Blattes gesunden.— Ans die eingelegte Revision hob daS Reichsgericht am Montag das Urteil auf und sprach den Angeklagten frei. Die durch die Presse begangenen Straf- taten sind verjährt, da die erste richterliche Handlung erst nach Ablauf von sechs Monaten nach der Tat erfolgt ist, die Vcrjährungs- fiist für Sttasraten, die durch die Presse begangen sein sollen, aber sechs Monate beträgt._ Vermischtes. Schiffsbrand auf der Havel. Auf der Havel bei Gruetz ver- brannte gestern Nacht ein großer Frachtkahn, der mit 6000 Zentner Graupen. Kaffee und Salpeter nach Breslau unterwegs war. Die Ladung ist vernichtet. Der Kahn liegt quer über der Havel und sperrt die Schiffahrt. Hochwasser im Warthegebiet. Die Matthe steigt, wie aus Posen gemeldet wird, weiter und ist qestern auf 2,00 Meter angewachsen. Beide Vorflutgräben sind überschwemmt. Aus Neudorf wird weiteres starke» Steigen der Matthe gemeldet. Der dortige Wasserstand be» trägt bereits 2,92 Meter. Ein zerstückelter Leichnam, der auf der Bahnstrecke Rittershausen- Nonsdorf gefunden wurde, ist als der der 22 jährigen Tochter des BandwirkerS Thiemann auS Lütttinghausen ermittelt worden. Wie festgestellt wurde, liegt Selbstmord vor. Beweggrund zur Tat war Liebeskummer. Dir Genickstarre. Räch Hamburger Meldung sind im Eppen-' dorfer Krankenhause mehrere Fälle von Genickstarre vorgekommen. Aufgelaufen. Der Dampfer„Saino" ist nach einer Meldung au? Riva bei Tremorine am vergangenen Sonntag auf einen Felsen aufgelaufen und wurde leck. In: Gedränge sind viele Personen ins Wasser gefallen. Davon find 7 Personen ertrunken, die übrigen von Fischern gerettet worden. Zur„Jena"- Katastrophe. Der Seepräfektur ist die Meldung zugegangen, daß im Schiffsrumpf der„Jena" noch zwei Leichen gefunden wurden, die schrecklich verstümmelt sind. Die BergungS- arbeiten werden an Bord fortgesetzt, da man noch mehr Leichen im Schiffsrunlpf vermutet. Anschlag auf einen Eisenbahnzug. Zwischen den Stationen Krzywe und Powtorh ist infolge eine? verbrecherischen Anschlages durch Legung eines Meilensteines auf die Schienen ein Personenzug engleist. Zwei Passagiere, acht Post- und Bahnbcamre wurden mehr oder minder schwer verletzt. Eine Entgleisung. Zwischen den Stattonen Ghala und Vedre«» haza entgleiste ein aus drei Wagen bestehender Motorzug. Ein Bahnbeamter ist tot, zwei find verletzt, von den Passagieren erlitt niemand Verletzungen._ Lese, nud Diskutterklud„Motteler". Heute abend Sitzung bei Unbehaun, Stolpischcstr. LI. Berband der Friseurgehülfe« Deutschlands. Zwelgverttn Rixdors. Heute abend 10 Uhr bei Schmidt, Berltnerstt. 14: Mitgliederversammlung. Berliner Marktpreise. Au« dem amtlichen Bericht der städtischen Marlthallen-Direktion.(Großhandel.) Rindfletsch I» 66—71 pr. 100 Md.. IIa 60—65, Dia 64—59, IVa 46—52, dän. Lullen 60— 65, Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 110—125, la 82—90, IIa 72—80, Qla 52—68, Holland. 55—62, dän. 55—65. Hammelfleisch la 62—72, IIa 46—60. Schweinefleisch 47—55. Rothirsch IIa per Psund 0,00. Rotwild plombiert 0.55—0,57. Dnuihnlui 0,00. Wildschweine 0,50—0,53. Frisch. linge 0,00. Kaninchen per Stück 0,70—1,00. Hühner, alte, per stück 1,55—2,60, 00. IIa 1,15—1,50, do. junge 1,15. Wolga- Hühner 1,00—2,00. Tauben 0,40—0,86, italienische 0,90—0,95. Elite» per Psund 0,00, dito Eis- per Stück 1,50—2,75, Hamburger per Stück 3,00 bis 5,25, Gänse, Hamburger per Psund 0,90—1,20, dito Eis- 0,53—0,60. Hechte per 100 Psund 92—100, groß 76, matt 0,00. Zander mittel 0.00. unsortiert 170, do. matt 0,00. Schleie 0,00, do. groß 0,00, do. klein 0,00. ülale, groß 0,00, mittel 115—124, klein und mittel 0,00. Plötzen. New 39, do. groß 0,00, do. 0.00. Karpfen 5— lOee 0,00, do. 50— 70er 0,00, do. 25er 0,00. Bleie 0,00. Aland 0,00. Bunte Fische 67—81. Barse, matt 0,00. Karauschen 0,00. Blei- Ische 0,00. Wels 0,00. Quappen 64. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Pfd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. Ma neuer 75. Seelachs 25—30. Sprotten, Kieler, Wall 1,00—1,50, Danziger, Kiste 1,00. Flundern, Kieler, Stiege la 3—4, do. mittel ver Kiste 2—3, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2,00. Bücklinge, per Wall Kieler 3,00—3,50. stralsuiider 4,00—5,00. Aale, groß per Psd. 1,10—1.40, mittelgroß 0.80—1.00, klein 0,60—0,80. Heringe p. Schock 5—9. Schellfische Kiste 5—6, do. ff, Kiste 2—3. Kabliau, geräuch. p. 100 Psd. 25—30. Heilbutt 0,00. Sardellen. 1902er per Anker 95, 1904er 93, 1905er 90, 1906er 75—80. Schottische Vollheringe 1905 0,00, large 44—48, füll. 38— 40, med. 86—42, deutsche 87—44. Heringe, neue Matjes, per ff. To. 60—120. Sardinen, russ., Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—>,75. Neunaugen, schocksaß 11, klewe 5—6, Ricseii- 14. Eier, Land-, per«chock 3,40—4,20. Butter per 100 Psd. la 114-116. Oa 110-114, Ula 107. abfallende 95-100. Same(Surfen Schock 4,10—4,50, Pfeffergurken 4,00—4,50. Kartoffel» per 100 Psd. 0,00, magnum bonmn 2,50— 2,75, Dabcrsche 2,25—2,50, Rosen 0,00, weiße 2.00—2,25, Salattattoffelu 6,00—8,00. Spinat per 100 Psund 25—30. Karotten per 100 Psund 18—20. Sellerie, hiesige, per Schock 6,00—10,00, do. pommerschc 9,00—12,00. Zwiebeln große, per 100 Psd. 3,50—4,00, do. kleine 2,80—3,00. do. hiesige(Perl-) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 2,50—4,00. Kohlrabi per Schock 0,00. Rettig, bahr, fin Schock 2,40— 1,80. Mohrrüben per 100 Pfund 3,00—4,00. Teltower Rüben per 100 Psd. 8—10. Weiße Rüben, a roste 0,00, tlcwe 0,00. Rot- Rüben 4,00-5.00. Blumenkohl ital. per Korb 2,00-2,50. Kohlrüben per Schock 2,00—2,50. Wirsingkohl per 100 Psd. 3.00-4,50. Notkohi per 100 Psd. 3.00—4,00. Weißkohl 100 Psd, 1,75-2,75. Rosenkohl per 100 Psd. 20-27. Grünkohl per 100 Psd, 10,00-13,00. Rhabarber 100 Bd. 6.00-8,06. Birnen, per 100 Psd. hiesige 0,00, böhm. 15—22, ital. 28—35. Aepscl, per 100 Pfd., hiesige 5—25, Tiroler. Kiste 30—60, Calville, Kiste 60—110, Amerikanische 18,00-35,00, Ital, Kiste la 12,00-20,00, extra 18,00 biS 84,00. Zitronen. Messina, 300 Stück 9,00—10,00, 360 Stück 9,00-10,00, 200 Stück 7,00-10,00. Apscisinen. Jaffa, per Kiste 0.00. Murcia 200er Kiste 6-10, do. 300cr 8-11, Valencia 420er Kiste 14—22,00, do. 714 er 15-23,50, Messina. 100« 4,50-6, 150er 4,75—6, 16l er 8-13,00, 200er 8— 12, 300er 8-13, Blut- 100er 6-3. do. 150 er 0.00-9,00. 80 er s 6,50-10,00. Ital. in Körben per 100 Psd. 0.00. Mandattuen. Kiste 0.75 m m bo. 100er. Säte!,C.-5jja dsde Achtung! guistic od mud Achtung! Verband der Tapezierer. Arbeiter, Parteigenoffen Berlins u. Umg.! Filiale Berlin. Donnerstag, den 28. März, abends 8 Uhr, bei Wendt, Beuthstr. 20( großer Saal): Mitglieder- Versammlung. Zages Drbnung: Unsere Lohnbewegung. Mitgliedsbuch legitimiert. Dhne dasselbe kein Zutritt. Die Bestrebungen unserer Organisation, auch in den Detailgeschäften der Herrenkonfektion Betriebswerkstätten und feste tarifmäßige Löhne zu erringen, haben bei den Firmeninhabern, welche um Bewilligung dieser Forderungen angegangen wurden, unter Ausflüchten, die wir als stichhaltig nicht anerkennen können, Widerstand gefunden. Wir sehen uns deshalb genötigt, gegen diese Geschäfte das Mittel des Boykotts in AnNB. Die Kleber besuchen die Versammlung erst nach Schluß ihrer Spezial: Verfammlung wendung zu bringen. bei Augustin. 176/ 16* Deutscher Metallarbeiter- Verband Gartner Vereine bementenben Sintrage ihre Zuftigt tung erteilt und die Varteigenoffen Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hof I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. of III. Amt 3, 1987. Donnerstag, 28. März, abends 8 Uhr: Bezirks- Versammlung für Rixdorf und Umgegend im Saale von Thiel, Rirdorf, Bergstr. 152. Tagesordnung: 1. Das deutsche Proletariat in der gegenwärtigen politischen Situation. Referent: Schriftsteller Fritz Kunert. 2. Diskussion. 115/17 8. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Der Dfterfeiertage wegen bleibt das Bureau an folgenden Tagen gefchloffen: Allgemeiner Deutscher Die Delegierten zur Berliner Gewerkschaftskommission haben einem dementsprechenden Zustimmung Gärtnerverein von Groß- Berlin sind diesem Beschluß beigetreten. Branche Landwirtschaftsgärtnerei. abends 9 Uhr, Wir appellieren deshalb mit Gegenwärtigem an die Parteigenossen Donnerstag, b. 28. März 1907, und Gewerkschaftsmitglieder Berlins und Umgegend, bei ihren Einfäufen in Miethes Festsälen, Schöneberg, stehende Geschäfte meiden zu wollen: und Bestellungen von Herren- und Knabengarderobe in Zukunft nachOeffentliche Versammlung Hauptstr. 5/6: Osten: aller in diefer Branche beschäft. Haacke, Landsbergerstr. 93. Blitz, Große Frankfurterstr. 137. Gärtnergehülfen u. Gartenarbeiter. Sachs, Große Frankfurterſtr. 132. Tages- Ordnung: 1. Unsere letzte Antwort an die 190 Arbeitgeber. 2. Freie Aussprache hierzu. 288/ 16* lich zu erscheinen. Die Lohnkommission. Norden: Die Stollegen haben pünkt- Philipp Fabisch, Rosenthalerstr. 1. Fabisch u. Co., Rosenthalerstr. 3. Berliner Arbeiter- Bernhard Baer, Rosenthalerstr. 5. Bliz, Chauffeestr. 80. Radfahrer- Verein. Blik, Rosenthalerstr. 9. " Mitglied des Arbeiter- Radf.- Bundes Solidarität". eute Mittwoch, abends Punkt 9 Uhr: Süden: Freitag, den 29. März, den ganzen Tag, Sonnabend, den 30. März, von 1 Uhr ab, Montag, den 1. April, den ganzen Tag, Dienstag, den 2. April, von 1 Uhr ab. Fahrwart- Sihung. Schulmeister, Dresdenerstr. 4. Der Arbeitsnachweis ist an all diesen Tagen vollständig geschlossen, ebenso bleibt die Strantenabteilung am Dienstag, ben 2. April, den ganzen Zag gefchloffen. Die Ortsverwaltung. Zentralverein der Bildhauer. Donnerstag, den 28. März, abends 8%, Uhr, im Luisenstädtischen Klubhaus, Annenstraße 16: Versammlung. Zages Drdnung: 1. Geschäftliches. 2. Beschluß über den Mietszuschuß für die ausgesperrten Holzbildhauer. 20/6 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Rixdorf. Mittwoch, den 3. April, abends 8%, Uhr, bei Prell, Rosenstr. 24: Vertrauensmänner- Versammlung der Möbeltischler. Donnerstag, den 4. April, bei Prell: Pertranensmänner- Versammlung der Bautischler. Donnerstag, den 4. April, abends 8%, Uhr, bei Wilke, Hermannstraße 213: Branchenversammlung der Möbelpolierer. 83/13 Die Ortsverwaltung. Billigste Bezugsquelle für sämtliche Gastwirtsartikel in Glas, Porzellan, Nickel etc. L. Katz& Co. Berlin C., Spandauer- Straße 45 am Molkenmarkt. Filiale: Ecke Kaiser- und Schillingstraße. Esders u. Dyckhoff, Dranienstr. 48. Das Erscheinen sämtlicher Fahr- Karl Stier, Dranienstr. 166. to arte ist erwünscht bei Bosse, Blitz, Kommandantenstr. 43. Klosterftr. 101 11/87 Zeugen gesucht. Am 8. 12. 06, abends 10%, Uhr, wurde in der Badstr., nahe Bahnhof Gesundbrunnen bei einem Vorfall jemand der Hut demoliert. Beugen dieses Borfalles oder Eigentümer dieses Hutes, werden gebeten, Adresse abzugeben an W. Götz, Sene felberstr. 2. 28675 Westen: Kaplan, Friedrichstr. 1. dets S. Adam, Leipzigerstr. 27/28. Karl Stier, Potsdamerstr. 8. Landsberger, Friedrichstr. 108.hdisty Thiéry u. Sigrand, Friedrichstr. 179. Bandsburger, Friedrichstr. 7. Bandsburger, Turmstr. 30. Esders u. Dyckhoff, am Dönhoffsplak. Zentrum: Weltmann Nachf. Stephan Esders, Kaiser Wilhelmstr. 41. Riethmüller, Moltenmarkt. Warenhäuser: May Mannheim, Frankfurter Allee 112. Alle übrigen Geschäfte sind als frei zu betrachten. Verband der Schneider, Schneiderinnen n. verw. Berufsgenossen Deutschlands Filiale Berlin, Engel- Ufer 21, parterre. Um vorgekommene Irrtümer aufzuflären und neue Berwechselungen zu verhindern, mache ich hierdurch besonders aufmerksam, daß meine seit 34 Jahren bestehende Firma H. Haake, Lands. bergerstraße 94, in teinerlei Beziehung zu der wegen Lohnbifferenzen gesperrten Firma Haale, Landsbergerstr. 93 steht. 24145 ■ H. Haake, Inhaber Hermann Haake, dead Landsbergerstr. 91. A Reederei Nobiling. A 24445 and im Beginn der Extrafahrten na ber Berliner Schweiz Gosener Bergen Zwiebusch, am Karfreitag und den Osterfeiertagen. Abfahrt fib Restaurant Schultheiß Sannowin 2 " mittags brücke. Karfreitag nur 10 Uhr früh. Preis hin u. zurück 75 Bf., Kinder 50 Bf. Kein Laden. Vorige Nacht hat man's nicht gedacht. 10 Ich empfehle Serie IV: Getragene Herren- Paletots.... 5, 6 bis 10 Mark Getragene Herren- Anzüge Getragene Hosen. Kein Laden. • 6, 7 bis 9 Mark 1.50 bis 3.50 Mark Von teinsten Herrschaften, Reisenden nur kurze Zeit gebraucht, für jede Figur. J. Wand. Hauptgeschäft: Chausseestr. 80a. Bitte genau auf die Nr. 80a zu achten! 2. Geschäft: Prinzen- Strasse 17. 3. Geschaft: Gr. Frankfurterstr. 116. 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Der Tarifvertrag der Kunstsandstein- Verseker mit der Firma Gebr. Friesede läuft am 31. März ab. Verhandlungen haben noch nicht stattgefunden. Die Firma erklärte, daß sie erst dann ber handeln werde, wenn eine Verständigung zwischen dem Verband der Baugeschäfte und dem Maurerverband erzielt ist. Wenn auch die Berliner Maurer im verflossenen Jahre, wie überhaupt seit dem Bestehen des Vertragsverhältnisses, teine allgemeinen Kämpfe zu führen hatten, so herrschte doch feineswegs ein allgemeiner Friede im Gewerbe. Das zeigt sich schon darin, daß die Verbandsleitung in 893 Fällen zur Schlichtung von Diffes renzen angerufen wurde, und davon in 405 Fällen wegen Maß regelung von Kollegen, sowie darin, daß in der Abrechnung der Der Rechtsschutz des Zweigvereins wurde in 41 Fällen für 3weigvereinskaffe 36 847,25 m. aufgeführt sind, die für Unter- 94 Mitglieder in Anspruch genommen. Die Bibliothek des Zweigstützung der an Bausperren beteiligten Maurer ausgegeben wurden. vereins wurde von 883 Mitgliedern benutzt. Es wurden 3697 Die Achtzehner- Kommission hielt im Laufe des Jahres 9 Sigungen Bücher ausgeliehen. Die Abrechnung des Zweigvereins schließt ab, die sich auch größtenteils mit Berstößen gegen den Tarifvertrag mit 781 556,47 M. Einnahmen und 485 753,04 M. Ausgaben, so befassen mußten. Die Maifeier wurde offenbar durch den be- daß ein Bestand von 295 803,43 M. übrig blieb. Unter den Austannten Aussperrungsbeschluß der Unternehmer nur gefördert.. gaben sind 229 411,15 M., die in bar an die Hauptkasse eingesandt 15 516 Mitglieder des Zweigvereins feierten den Tag durch Ar- wurden. beitsruhe. Zu unterstüßen wegen der Mai- Aussperrung waren jedoch nur 114 Kollegen am 3. Mai, und am 23. Mai waren es nur noch 9. Die Summe der hierfür gezahlten Unterstützung beber Hierfür gezahlte trug 3084,75 M. Der Zweigverein Berlin des Maurerverbandes hielt am Freitag in Kellers Festsälen eine Generalversammlung für sämtliche Bezirke und Bahlstellen sowie für die Sektionen der Buzzer, der Gips- und Zementbranche und der Fliesenleger ab. Der große Saal war samt den Galerien gedrängt voll. Daß die Mitglieder so außerordentlich zahlreich erschienen waren, war wohl zum Teil darauf zurückzuführen, daß der Tarifvertrag der Maurer am 1. April abläuft, ein neuer Vertrag noch nicht zustande gekommen und auch über die mit dem Verband der Baugeschäfte gepflogenen Verhandlungen wenig bekannt geworden ist. Der den Mitgliedern in einer 71 Seiten starten Broschüre borliegende Jahresbericht des Zweigvereins fonnte über diese Angelegenheit auch noch keine weitere Auskunft geben, als über die Sigung am 23. November, die bekanntlich zu feinem positiven Ergebnis führte. Nach der Reichstagsauflösung erschien es beiden Parteien ratsam, die Verhandlungen vorläufig auszusehen. Wie nun der Vorsitzende Thöns in seinen mündlichen Ergänzungen. zum Jahresbericht mitteilte, hat am 24. Februar wiederum eine Sigung mit dem Verband der Baugeschäfte stattgefunden. Hier Tehnten die Arbeitgeber jede Verhandlung über die Berkürzung der Arbeitszeit ab und erklärten, daß die Tarifverhandlungen erst dann fortgesetzt werden könnten, wenn die Forderung der Arbeitszeitverkürzung zurückgezogen werde. Sie gaben den Vertretern der Arbeitnehmer anheim, die Mitglieder ihrer Organisationen darüber zu befragen. Wie Thöns ausführte, haben die Arbeitnehmerbertreter aber darauf verzichtet, diesem Wunsche der Arbeitgeber: nachzukommen, weil es bon vornherein feststand, daß die Mit glieber es ablehnen würden, so ohne weiteres auf die Arbeitsgeit, verkürzung zu verzichten. Das Verhalten des Verbandes der Baua) Maurer einschl. der Fliesenleger. geschäfte ist jedoch als ein Verstoß gegen den§ 9 des Tarifvertrages b) Seftion der Buzer Der Nassierer Wartenberg gab zu der gebrudten Ab rechnung noch einige mündliche Erläuterungen. Die Diskussion, die sich daran schloß, endete damit, daß dem Kassierer auf Antrag der Revisoren einstimmig Decharge erteilt wurde. Die Mit Um festzustellen, wie die Vertragsbedingungen innegehalten gliederzahl des Zweigvereins betrug im Jahresdurchschnitt 16 154 werden, fanden im Laufe des Geschäftsjahres zwei Bautenkontrollen gegenüber 15 709 im Jahre 1905. statt, eine am 24. April, die andere am 30. Oftober. Ueber die Der zweite Punkt der Tagesordnung war das Ergebnis der im Ergebnisse dieser Kontrollen hat der Vorwärts" feinerzeit be- Februar 1907 aufgenommenen Statistit über die Vorrichtet. wärts"-Abonnenten und Wahlvereinsmitglieder Krankenunterstüßung wurde im verflossenen Jahre an 1323 des Zweigvereins. Darüber gibt die folgende Tabelle Mitglieder für 38 356 Tage ausgezahlt. Die Unterstüßungssumme Auskunft: Bahl der bogen Vortv.Leser in % Sonstige Blätter % Steine Unuaqvb Auskunft verweigert Abonnent einer Zeitung in in in % in Ja Nein Ja Bahlvereinsmitglieder Nein in % % 0/ 10 0 8879 1929 6749 76,01 2064 23,25 5818 65,53 931 10,48 3620 40,77 5193 58,49 29 37 0,74 1737 90,05 192 9,95 1623 84,14 114 5,91 1247 64,64 682 35,36 betrug 29 522,95 M., das find 5306,45 M. mehr als im vorigen Jahre. anzusehen, welcher die Parteien ausdrücklich verpflichtet, über die c) Sektion der Gips- u. Zementbranche 1939 1522 78,49 417 21,51 1141 58,84 381 19,65 682 35,17 1257 64,83 eingereichten Tarifvorschläge zunächst einmal zu verhandeln. Aus 12747 10008 78,51|| 2673| 20,97| 8582| 67,33| 1426| 11,18| 5549| 43,53|| 7182| 55,95| 29| 37| 0,52 diesem Grunde haben die Arbeitnehmer das Einigungsamt des Ge werbegerichts angerufen und dasselbe ist dann auch seitens der 23 Kollegen lefen den Vorwärts" zusammen( gemeinschaftlich). Arbeitgeber geschehen. Die Verhandlung vor dem Einigungsamt andere Zeitungen. 29 Kollegen lesen außer dem„ Vorwärts" noch eine andere Zeitung und 11 Kollegen lesen außer dem Vorwärts" noch zwei wird voraussichtlich am Donnerstag stattfinden. Machen die Ar beitgeber im weiteren Verlauf der Tarifverhandlungen feine an nehmbaren Zugeständnisse, so wird es wohl zu einem Kampfe ins Baugewerbe tommen. Bekanntlich handelt es sich bei den Vers, handlungen nicht nur um die Maurer, sondern auch um die Zimmerer und die Bauhülfsarbeiter. Der Redner bemerkte noch daß, wenn, wie vorauszusehen, der Tarif nun am 1. April abläuft, ohne daß ein neuer endgültig abgeschloffen ist, von den Mit gliedern ohne Zustimmung der Organisationsleitung keinerles Schritte unternommen werden sollen. Der Jahresbericht zeugt im übrigen von einer außer ordentlich umfangreichen Tätigkeit, was sich schon darin hundgibt, daß innerhalb des Zweigvereins über 500 Versammlungen und mehr als 650 Sibungen abgehalten wurden. Die Agitation wan dementsprechend eine sehr lebhafte. Unter anderem ist zu er wähnen, daß vier Flugblätter unter den Mitgliederen verbreitet wurden, sowie zwei Broschüren, die eine über Die kulturelle Bedeutung der Verkürzung der Arbeitszeit", die andere mit dem Titel Berbot oder Reform der Affordarbeit?" Die Bautätigkeit feßte im verflossenen Jahre später als sonst ein. Erst in der zweiten Hälfte des Monats Mai war eine einigermaßen gute Baufonjunktur vorhanden, die sich dann in den Sommermonaten steigerte, aber im Oktober und November wieder Partei- Speditionen: Zentrum I: Fri 8inte, Mauerstr. 89. Zentrum II: Albert Hahnisch, Auguftstr. 50, Eingang Joachimstry the. 2. Wahlkreis, Süden und Südwesten: Hermann Berner, Mittenwalderstr. 30. 2. Wahlkreis, est en: Gustav Schmidt, Bülowstr. 52, Hof. Süden und Südwesten, Hermann Wermen, Gneisenauftr. 72, Laden. 3. Wahlkreis: St. Frib, Brinzenstr. 31, Hof rechts part. 4. Wahlkreis, Diten: Robert Bengels, Rüdersdorferstr. 3, am Küstrinerplay. Wilhelm Mann, Petersburgerplatz 4( Laden). 4. Wahlkreis, Südosten; Paul Böhm, Lausitzerplag 14/15. ( Laden). 5. Wahlkreis: Leo 8ucht, Seibelftr. 42( Baden). C. Wahlkreis( Moabit und Hansaviertel): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding: Karl Beige, Nazarethkirchstraße 49. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Hermann Raschte, Aderstr. 36, Eingang Anflamerstraße. Gesundbrunnen: F. Trapp, Stettinerstr. 10. Schönhauser Vorstadt: Sarl Mars, Shchenerstr. 123. Alt- Glienicke: Wilhelm Dürre, Rudowerstr. 83 II. Charlottenburg: Gustav Scharnberg, Sesenheimerstraße 1, Ede Goethestraße, born I. Wilmersdorf- Halensee: Georg Feefe, Berlinerstr. 46, Laden. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg: Otto Rummelsburg, Boxhagen: A. Rosenkranz, Alt- Borhagen 56. Grünau: Otto Schröber, Stopeniderstr. 1. Rixdorf: M. Heinrich, Nedarstraße 2, im Laden. Schmargendorf: Gustav Raminsky, Cunostraße 2. Seitel, Kronprinzenstraße 50, I. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Tempelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. Ober- Schöneweide: Julius Gruno w, Edisonstr. 10, I. Nieder- Schöneweide: Bonatowsky, Hasselwerderstr. 8. Johannisthal: Franz Hünold, Bismardstr. 7. Adlershof: Erich Steuer, Roonste. 8, I. Königs- Wusterhausen: Friedrich Baumann, Ludenwalderftraße 4b. Köpenick: Friedrich Woid, Grünftr. 4. Friedenau- Steglitz- Südende: H. Bernfee, Schloßftr. 115, Gartenhaus I, in Steglik. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. Schellhase, Ahornstr. 15a. Mariendorf: Baul Müller, Bergstr. 35, Hof I. Baumschulenweg: Stod, Ernststr. 2, II. Treptow: Rob. Gramen3, Riefholzstraße 412, Laden. Neu- Weißensee: Kurt Fuhrmann, Sedanstr. 105, parterne. Reinickendorf- Ost, Wilhelmsruh und P. Gurich, Provinzstraße 108, II. Tegel, Borsigwalde Wittenau Schönholz: Waldmannslyst, Hermsdorf und Reinickendorf- West: Paul Kiezast, Borsigwalde, Räuschstraße 10. Pankow- Niederschönhausen: G. Freiwaldt, Mühlenftr. 73. Bernau: Heinrich Brofe, Hohefteinstr. 74, part. Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankels Ablage: Alfons Graz, Eichwalde, Kronprinzenftr. 82, I. Teltow: Wilhelm Stegler, Hobersteinweg 7. Nowawes: Wilhelm I appe, Friedrichstraße 1. Spandau: öppen, Jagowftr. 9. Außerdem ist sämtliche Barteiliteratur sowie alle wiffenschaften Berle bort zu haben. Auch werden Inserate für den Vorwärts" entgegengenommen. " Bitte ausschneiden. Lehr- und Versuchsanstalt for Brauer in München. Befragt bezw. angetroffen wurden 12 747 Mitglieder. Wie man aus der Tabelle erfieht, ist das Verhältnis ziemlich günstig, wenngleich noch ein gut Teil Arbeit zu leisten ist, um alle Mitglieder des Zweigvereins zu überzeugten Klassentämpfern auch auf politischem Gebiete heranzubilden. Der Jahresbericht enthält besondere Berichte über die Tätigfeit der Settionen der Buzer, der Gips- und Zementbranche, wie der Fliesenleger. Die Buzerfettion zählte am Jahresschluß 2607 Mitglieder. Bausperren wurden von dieser Sektion zwei verhängt. Schließlich gab der Vorsitzende noch das Ergebnis der Wahlen Ihre Jahresabrechnung schließt mit 182 647,18 M. Ginnahmen der Verbandsfunktionäre bekannt. Gewählt find als: 1. Vorund 90 359,86 M. Ausgaben, so daß der Bestand 92 287,32 m. be- figender Thöns; 2. Vorsitzender Otto anre; 1. Staffierer trug. Die Sektion der Gips- und Zementbranche hatte am Jahres- Wartenberg; 2. Kassierer Lehmann; Schriftführer schluß 2708 Mitglieder. Ihre Schlichtungskommission hat ase; Beisiber Eichberg. In die Achtzehner- Kommission find 8 Sibungen abgehalten, die sich hauptsächlich mit Berstößen gegen Silberschmidt, Wulf und Stegemann gewählt; als den für diese Branche abgeschloffenen Tarifvertrag befaßten. Die Revisoren Graul, Breiste und Lehmann. Einnahmen der Seftion betrugen 79 466,95., die Ausgaben 62 743,49 M., der Bestand am Jahresschluß 16 723,46 M. Die Sektion der Fliesenleger hat in der ersten Hälfte des Februar einen Streit geführt, an dem 105 Mitglieder beteiligt waren. Am 1. Februar wurden den Unternehmern die Forderungen vorgelegt, In dem Bericht werden ausführlich die bekannten Streitigkeiten und es gelang, fie bei 11 Firmen zur Anerkennung zu bringen. mit der Freien Vereinigung der Fliesenleger" behandelt. Die Backofenmaurer haben im verflossenen Jahre eine Lohnbewegung durchgemacht, die, nachdem sie bom 2. bis zum 23. Juli egnuts 10mm Eingegangene Druckfchriften. Beiträge zur Kinderforschung und Heilerziehung. Ueber Arbeits. gang 4 str. 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