Nr. 77. Abonnements- Bedingungen: # bonnements Preis pranumerando: Bierteljährl. 3,30 t, monatl. 1,10 R., möchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crident täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 60 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedructe) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellen Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müffen bis 511hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Die Papiere Montagninis. Paris, 31. März.( Eig. Ber.) Die Klerifalen haben der Regierung ein mächtiges Osterei dargebracht: Der" Figaro" veröffentlicht in den Nummern von gestern und heute einen„ kompletten Auszug" aus den Papieren Montagninis! Es war fein übler Einfall, der Stammerkommission, die Montagninis Papiere zu sichten und zu würdigen hat, zuvorzukommen. Die Klerikalen nehmen ihr so die Sensation vorweg, und sie können obendrein die Tatsachen nach ihrem eigenen Geschmack zurechtfrisieren. Mittwoch, den 3. April 1907. Im dunklen Land. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Ferniprecher: Amt IV. Nr. 1984. Baris, 30. März. Ueber die Besetzung von Udschda werden folgende Einzelheiten gemeldet: Das erste Schriftstück ist ein vom 9. April 1905 datierter Be-| wirklich notwendigen Maßregeln keinen Widerspruch erregen können, richt an Merry del Val, in welchem Montagnini u. a. erzählt, der andernteils die gegenseitige kritische Kontrolle dem Publikum Ilar Obmann der katholischen Liga„ Action libérale", der gegenwärtige macht, wieviel Uebertreibung und welcher Hintergedanke in den DarDeputierte Jaques Biou, habe ihm mitgeteilt, daß er durch Ver- stellungen der Lärmpresse steckt. O mittelung einer amerikanischen Dame zivei- oder dreimal mit Daß ein so verwickelter Gegenstand von der Diplomatie forts Clémenceau eine lange Unterredung über die Kultusvereinigungen gesetzt Geschid und Taft verlangt, ist offenbar. Wenn die gehabt und denselben von der Schädlichkeit des diesbezüglichen Ge- deutsch- französischen Beziehungen die längst fällige Besserung berfezes überzeugt habe, sodaß er hoffe, Clémenceau werde bei der missen lassen, so trägt daran das Mißtrauen nicht wenig Schuld, Erörterung des Gesetzes im Senat etwas milder für die Katholiken das die deutsche Diplomatie in Frankreich gegen sich erregt hat. sein. Piou habe überdies hinzugefügt, man fönne mit einem aller- Auch nach dem Ausgleich von Algeciras, als die Bedingungen gedings sehr beträchtlichen Geldbetrag erreichen, daß Clémenceau geben schienen, die von neuem angesammelte Mißstimmung zu übergegen die vom Gesetz vorgesehenen Kultusvereinigungen arbeite winden, haben in Frankreich Staatsmänner, denen jeder Chauvinismus und dafür eintrete, daß den Katholiken alle Kirchen belassen werden. fern liegt, befremdet über die abweisende Kälte und Unfreundlichkeit Ganz offenbar stammt dieses pikante Gericht nicht aus( Biou hat dieser Behauptung Montagninis bereits ein entschiedenes der Verkehrsformen gesprochen, welche die deutsche Diplomatie bet der vatikanischen Küche, wo Merry del Vals täppische Dementi entgegengestellt). jeder noch so harmlosen Auseinandersetzung offenbare. Der deutsche Hand waltet, sondern aus dem Kreise des katholischen Patriziats Das zweite Schriftstüd ist nicht datiert, aber offenbar ein im Bolitik ist da vielleicht das Unrecht geschehen, mit der persönlichen von Frankreich, in dessen Geist noch immer ein schwacher Ab- Frühjahr 1906 vom Kardinal- Staatssekretär Merry del Val an Gedanken- und Gefühlswelt ihrer Vertreter identifiziert zu werde glanz der de Maistre und Montalembert fortlebt. den Kardinalerzbischof von Lyon, Coullié, gerichteter Brief, in der natürliche Gegensatz zwischen französischer Lieben Auf diese Herkunft weisen auch einige Stellen, die mit unwelchem dieser unter Hinweis auf die entschiedene Wichtigkeit der würdigkeit und norddeutscher Herbheit dürfte dabei von leiner b verkennbarer. Bosheit gegen die vatikanische Diplomatie Kammerwahlen beauftragt wird, die royalistisch gesinnte Liga der fonderen Bedeutung sein. Haben die preußischen Junker bo französischen Frauen aufzufordern, das von ihr zu Wahlzweden an den Höfen der französischen Monarchen und besonders on abgefaßt sind. Die Enthüllungen bringen neben manchem belanglosen gesammelte Geld vertrauensvoll ihm zu übergeben, da er es in dem des„ Parvenits" Napoleon geradezu virtuos zu scharwenze Klatsch doch vieles, das trop der Fülle von Berichtigungen, nüßlicherer Weise für die Wahlen verwenden könne. Kardinal verstanden. Aber es mag manchem feudalen Streber peinlich sein, die heute von den Getroffenen aufgefahren werden, seiner Coullié wird ferner angewiesen, sich mit Piou über die Auswahl Leute wie seinesgleichen behandeln zu müssen, die gestern noch Z Wirkung sicher ist. Vor allem gestattet die Veröffentlichung der Kandidaten und über die Verteilung der Gelder zu ver- tungen geschrieben und in Wolksversammlungen gesprochen haben der heimlichen Beziehungen, die sich zwischen den Staats- ständigen. männern der Republik und dem Vatikan fortgesponnen haben, Das dritte Schriftstück ist ein Bericht Montagninis, an Merry Die Ueberzeugung von der Erhabenheit der monarchischen, autor während schon der Kanipf zwischen Kirche und Staat im vollen del Val vom 6. Januar 1905, in welchem u. a. erzählt wird, daß tären Ordnung mag in ihrem Verkehr mit den Repräsentanten der Gange war, der Deffentlichkeit nügliche Blicke hinter die bei Delcaffé und eventuell beim Präsidenten Loubet Schritte unter Plebejerrepublik mehr oder minder bewußt hineinspielen und Kulissen der Bourgeoispolitik. Der Figaro" bringt dort, wo nommen werden sollen, damit der damalige amerikanische Bot- Empfindlichkeiten Anlaß geben, die unter Umständen gefährli die Papiere Montagninis versagen, auch interessante Zutaten schafter in Wien, Storer, der ein guter Statholik sei, als Nachfolger werden können. So zeigt sich das Mißtrauen, das heute gegen des Deutsche Reich und nicht nur in Frankreich besteht, im 3 aus eigene m. So führt er Näheres über die des Generals Porter zum Botschafter in Paris ernannt werde, an= schon neulich bon ihm angedeutete Geschichte. einer statt des in Aussicht genommenen Botschafters beim Quirinal, fammenhang mit der politischen Reaktion, die Deutschland beherrsd Das Junkertum ist auch unter diesem Gesichtspunkte cin national Zusammenkunft Clémenceaus mit einem Missionarbischof an, Meher, welcher jüdischer Abstammung sei. Schaden Deutschlands und eine Gefahr für die Kultur. Die sich im vorigen Jahre in Karlsbad zugetragen hat. Clémenceau erflärt allerdings heute mit Nachdruck, daß dabei mur von den Verfolgungen der Armenier und nur hier ind da möglicherweise von der Situation der Kirche die Nede Paris, 30. März.( Eig. Bér.) Sobald die Truppen bor Udschda in Sicht tamen, forderte de gewesen sei. Der Ministerpräsident verwahrt sich auch gegen Die Behauptung des Figaro", daß eine Madame H." als geschmetter in Udschda einmarschiert. Löblicherweise ging's gar nicht ubichda mit einer imposanten, aber fricdfertigen Truppenmacht Gestern früh sind die franzöfifchen Truppen unter Trompeten- Raid Bu Hamidi den Amel auf, sich bei dem Obersten Reibel a melden. Dieser eröffnete dem Amel, Frankreich komme, u Unterhändlerin der Regierung nach Rom gegangen fei; aber hunenmäßig dabei zu. Eher wie bei einer Parade. General beseßen. Dieser Schritt richte sich nicht gegen die Einwohn es ist nicht schwer, aus dem Protest gegen die Zumutung, yautey hatte es sichtlich darauf angelegt, den Bewohnern durch Udfchdas; er bezwede nur, bom Sultan die schuldige Genugtuur einen offiziösen Mittler" zum Vatikan geschickt zu haben, das militärischen Pomp und militärische Präzision zu imponieren. Aber zu erlangen. Der Amel erwiderte, ihm seien die Vorkommnis Eingeständnis herauszufinden, daß der Regierung die un- das Schauspiel, das in Paris Tausende von Bummlern auf die unbekannt; die Franzosen könnten ohne Furcht einziehen, es j offiziösen Vermittelungsversuche, welche die geheimnisvolle Beine gebracht und manches Ammenherz höher schlagen gemacht unnötig, in so großer Zahl zu erscheinen. Reibel entgegnete, di Dame es ist, wie man weiß, die Frau eines bekannten hätte, ließ die Wüstenstädter gleichgültig. Nach der schnöden Gefühl- geschehe, um zu zeigen, daß Frankreich gut und geduldig, aber au Großindustriellen nicht ganz fremd gewesen seien. Von besonderem Interesse sind die Papiere Montagninis den Tag legten, hätte man sie für gelernte Antimilitariſten diese werde sich ganz danach richten, wie sich die Genugtuung ge Tosigkeit, die sie gegenüber den hehren Wundern des Drills an mächtig sei und dies zu beweisen wissen würde. General Lyautey erklärte, er wisse nicht, wie lange die Besetzung dauern werde durch die Aufdeckung des unmittelbaren Zusammenhanges der Aktion der sogenannten„ liberalen", in Wahrheit reaktio- halten können. Ohne Gemütsbewegung sahen sie die Fahne von stalte. Es scheint aber sicher zu sein, daß nach und nach 3000 Mann Aktion der sogenannten liberalen", in Wahrheit reaktio: Wagram" auf den Zinnen ihrer Waterstadt aufgepflanzt. Hoffentlich zurüdgezogen werden, und daß man nur einige hundert Mana nären Republifaner mit der vatikanischen Politit. Montagnini wird dieser Einblick in ihre dunkle Seele die deutschen Marolto- zurüdlaffen wird, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Ober verzeichnet in feinen Tagesheften den Auffauf der natio- schwärmer vollends abfühlen; denn wie ruchlos würde die Gleich Reibel versichert, daß die Wirkung der Befeßung für ganz Marott nalistischen Blätter Patrie"," Presse" und" Eclair". Man kann da auch die Heze verfolgen, die von Rom aus gegen die gültigkeit der afrikanischen Barbaren gegenüber dem preußisch zum Segen gereichen werde. Er übernahm die Verwaltung de Stadt, ohne jedoch den Amel abzusehen, der nominell in seinen deutschen Militarismus in Erscheinung treten! demokratischen Elemente im französischen Statholizismus beAmte bleibt. Wenn die Leute von Udschda ganz gewiß durch den schlichtesten trieben worden ist. So beklagt sich Montagnini über die Bauchtanz stärker angeregt worden wären als durch die nach allen intimer Bekannter des Rom, 30. März. Der italienische Deputierte Fermini, ein berichte Fürsprache, die der Erzbischof von Paris den katholischen Windrichtungen telegraphierte Weltbegebenheit, die sich in ihren Mauern telegraphisch der„ Stampa" über eine Unterredung, welche er mit deutschen Reichskanzlers, Demokraten Lemire und Marc Sanguier zuteil werden läßt. abgespielt hat, so mag fie einem Betrübten wenigstens ein stilles einer Bersönlichkeit aus der llmgebung Bülows hatte. Die Nicht ohne Pikanterie sind aber auch die Beziehungen Vergnügen gewährt haben, sofern es nämlich ein Trost Persönlichkeit erklärte, daß der deutsche Reichskanzler die Polit zwischen dem Papst und der jüdischen Finanz: Der im Unglück ist, auch einen anderen in eine unsichere Situation ge- Frankreichs in der Maroffofrage vollständig billige und das Red Kardinal Merry del Val bittet Montagnini, dem raten zu sehen: Die franzöfifche Regierung hatte zweifellos das Frankreichs anerkenne, Upschda zu befeßen, um Genugtuung zu Baron Gustav Rothschild anläßlich des Todes des Die französische Regierung überschreite Barons Alphons das Beileid des heiligen Vaters und das Recht, Genugtuung für die Ermordung des Dr. Mauchemp zu ver- erhalten, unter der Voraussetzung jedoch, daß lediglich diefer Zwed verfolgt werde. feinige zu übermitteln. Montagnini berichtet auch über die langen und sie sich erforderlichenfalls selbst zu verschaffen. Aber es feineswegs damit ihre Rechte und setze fich tweder in diretter no ist die Frage, ob die Expedition des Generals Lyautey sie diesem in indirefter Weise in Widerspruch zu den Bestimmungen der Erfüllung dieser Mission: Baron Gustav Rothschild war sehr gerührt und erklärte, die antiklerikalen Gefühle des Biele näher gebracht hat. Der Maghzen, der ohnmächtig in Fez Algecirasatte. Weiter erkenne der Reichsfangler Frankreich da Barons Alphons nicht zu teilen; auch sprach er sich im be- t, wird die Notwendigkeit, die ungetreue Stadt Udschda auszu Recht zu, sein Möglichstes zu tun, um zu bewirken, daß seire sonderen gegen das Stongregationsgesetz und gegen die lösen, nicht sehr start empfinden. Ob die Franzosen dort komman- Saltung keinerlei Mißtrauen unter den übrigen Mächten hervor Trennung aus. Die Ergänzung zu diesem Bericht dieren oder irgend ein Stammeshäuptling, das kann dem Maghzen rufe; Bichon sei seinerseits bemüht, durch sein Verhalten der bildet ein Brief des Kardinal- Staatssekretärs, der Montagnini lebt wirklich gleichgültig sein. Aber er fann aus der Not noch eine übrigen Mächten Vertrauen einzuflößen. Politil machen. Je länger er sich nämlich nicht rührt und je tesch herrscht dauernde Unruhe. Auf eine gemeinsame Eingal Tanger, 2. April.( Meldung der„ Agence Havas".) In Marro beauftragt, in der Bank Rothschilds 100 000 Fr. anzulegen! die Franzosen in Udschda bleiben, der Europäer an den Gouverneur hat dieser geantwortet, ma Unangenehin werden die Enthüllungen für etliche Diplo- länger demzufolge maten sein, deren indiskrete Ausführungen über die fran- desto unbehaglicher wird ihre Position, da eine zeitweilige bürfe nicht aus einem einzelnen Zwischenfall schließen, daß Anarchy maten sein, deren indiskrete Ausführungen über die fran- Offupation, wenn fie lange währt, schließlich einer dauernden ausbreche; es feien aber bewaffnete Wachtposten in den Straßea zösische Politik der tagebuchfrohe päpstliche Diplomat ber- immer ähnlicher wird. Da aber die Atte von Algeciras die Unver- aufgestellt. zeichnet hat. Die Regierung wird sich wohl bemühen, diesen sehrbarkeit des Gebiets von Marrolto feftiegt, so ist eine erneute taktlosen Herren die Bloßstellung durch eine vollständige Wiedergabe ihrer Namen und ihrer Urteile zu ersparen. Es iederholung des internationalen Gezänks zur Erbauung aller ist aber nicht unmöglich, daß dieser Teil der Enthüllungen gläubigen Moslems nicht unmöglich. einige Veränderungen im diplomatischen Korps von Paris nach der französischen und deutschen Chauvinisten Man sieht, die Maroffofrage ist auch fernerhin für die Treibereien der französischen und deutschen Chauvinisten der englischen nicht sich ziehen wird. So ist im ganzen die Veröffentlichung des" Figaro" daß die Regierungen dauernd mit gutem Willen und mit Geschick zu vergessen nicht verschlossen. Es handelt sich vor allem darum, wohl geeignet, der Regierung Verlegenheiten zu bereiten, bandeln und daß die Böller ihnen scharf auf die Finger sehen. Vorauch wenn es dieser gelingen mag, die öffentliche Entrüftung handeln und daß die Böller ihnen scharf auf die Finger sehen. Vorgegen den Klerikalismus zu erwecken, der wider die republikani- läufig hat man keinen Grund, an ihrem guten Willen zu zweifeln. Sicherschen Staatsmänner mit Verdächtigungen operiert, wie es die lich ist eine von der kleinbürgerlichen Denkweise so beherrschte öffentliche Meinung wie die französische leicht zu chauvinistischer gegen Clémenceau erhobene ist: daß auch er zu haben" sei, wenn Brahlerei geneigt, aber sie verlangt von der Regierung nicht mehr Fürst Bülow hat in Rapollo eine Zusammenkunft man die nötige, große Summe aufbringe! Der Eindruck als eine Scheinbefriedigung, eben wie jenen friegsmäßigen mit dem italienischen Minister des Auswärtigen Tittoni gewird wenigstens solange, als die parlamentarische Untersuchung Einmarsch in Udschda, dem doch glücklicherweise jede gefährliche habt. Wie das Berliner Tageblatt" meldet, soll er„ entnicht die vollständige Haltlosigkeit der Anschuldigungen des Figaro" nachgewiesen hat, der sein, daß die Staatsmänner Deutbarkeit genommen worden ist. Bedenklicher allerdings ist die zückt" davon gewesen sein, wie innig sich seine Auffassungen der bürgerlichen Republik zur heimlichen Mogelei mit der bege, die auf beiden Seiten der Vogesen von großkapitalisti über die auswärtige und Dreibundpolitik mit denen Tittonis schen und reattionären, am militaristischen System berührten. Den Hauptgegenstand der Unterhaltung soll die Reaktion bereit sind, mögen sie Doumer, Rouvier oder materiell interessierten Klingeln geschürt wird. Aud, bevorstehende a ager Friedenskonferenz gebildet Clémenceau heißen. diese wollen nicht geradezu der Krieg, aber sie wünschen eine haben. Bekanntlich hat England angeregt, dort auch die Stimmung, Die bürgerliche die für kostspielige Kriegs- Borbereitungen Abrüstungsfrage zu behandeln. günstig ist. So muß es am Ende fast als ein Glüd erscheinen, daß deutsche Presse war von diesem englischen Borschlag wenig die Maroflaner zwischen den verschiedenen Freunden feinen Unter- erbaut; die italienischen Offiziösen dagegen schied mehr machen wollen, da dann die zum Schuße der Europäer haben noch vor wenigen Tagen erklärt, Englands Antrag Paris, 2. April.( W. T. V.) Der Figaro" beröffentlicht den Wortlaut von drei bei Monsignore Montagnini beschlagnahmten Schriftstücken. Auch Aus Marrakesch wird weiter gemeldet, daß ein Eingeborener welcher Gentil bei seinen Vermessungsarbeiten geholfen hatte, er. mordet wurde. Der Pascha von Marzagan habe das Observatorium nieberreißen lassen, welches Gentil auf dem Dache seines Hauses diente. hatte errichten lassen und welches ihm für seine Arbeiten Politische Ueberlicht. Berlin, den 2. April 1907. Deutsch italienische Ministerbegegnung. v n k e t st ü ß e n zu wollen. Es schien also so, als ob Italien wieder einmal wie in Algeciras eine Extratour tanzen und Deutschland isolieren wolle. Die Ministerzusammenkunft in Rapolla hat nun anscheinend diese Besorgnisse zerstreut. Wie es heißt, sind sich Fiirst Bülow und TittoNi auch in der Ab- rüstungssrage einig geworden. Auch Teutschland wird der Erörterung dieser Frage kein Hindernis in den Weg legen. Und auch Tittoni soll erklärt haben, daß, für so nützlich er ie Erörterung der Frage der Abrüstung halte, auch Italien nicht an eine wirkliche Abrüstung denken könne, da ja auch Oesterreich-Ungarn seine Rüstungen fortsetze. Zum Ueberfluß hat dann auch gleichzeitig der deutsche Staats- Sekretär v. T s ch i r s ch k y dem Chefredakteur der Londoner „Tribüne" auf eine Anfrage eine Depesche gesandt, in der er erklärt, daß die Pariser Mitteilungen, wonach Deutschland der Haager Konferenz für den Fall, daß England das Ab- xüstungsthema zur Diskussion stellen wolle, fern- zubleiben beabsichtigte, ohne Begründung sei. Alle Mächte sind also bereit, die Frage der Abrüstung zu dis- kutieren. Nur wollen sie, daß der Charakter der Erörterung ein rein platonischer bleibt und in keinerlei Be- s ch l ü s s e n seinen Ausdruck findet, die zu irgend welchen praktischen Rücksichten nötigten. Wir haben die Frage der Abrüstung unlängst aus- 'führlich behandelt. England wäre es natürlich angenehm, wenn die anderen Mächte ihrerseits ihre Rüstungen ein- stellten. Es ist aber ausgeschlossen, daß aus der Abrüstungs- debatte irgend welcher Beschluß hervorgehen könnte, da ja nicht nur Teutschland, sondern auch Amerika, Rußland und Japan nicht im Traunie an eine Verminderung ihrer Kriegs- rüstungen denken. Eine Isolierung Deutschlands in dieser Frage ist also von vornherein ausgeschlossen. Wenn Deutsch- land nur an Stelle seines plumpen und brüsken Säbel- rasselns ein wenig Diplomatie treten läßt, vermag es sich nnt Leichtigkeit aus der Affäre zu ziehen, Auf der anderen Seite gibt selbst das Mosse-Blatt zu, baß an die Stelle der Begeisterung für die„gute, alte Tripelallianz". heute„höfliche Reserviert heit und geschni eidige Liebenswürdigkeit" getreten sei. Italien, das seinerzeit gegenüber Frankreich auf England angewiesen gewesen sei, und Englands Gunst durch Deutsch- land zu erwerben versucht habe, habe heute mit Frankreich seinen Frieden geschlossen und erblicke in Teutschland zurzeit nichts weniger als einen Vermittler englischer Gunst. Das Mosse-Blatt sollte nur auch die L e h r e n aus der nüchternen Feststellung dieser politischen Tatsachen ziehen. Denn kein anderes Moment als Deutschlands törichte Welt- Politik hat die neue Konstellation der Mächte hervor- �rufenl—_ Adickes und die Sozialpolitik. Die Minister, deren Abschied kurz vor Ostern nur noch eine Frage von Tagen oder gar Stunden schien, haben wieder Schonzeit erhalten. Der Mann, der für jeden von ihnen als Nachfolger genannt wurde, der Frankfurter Oberbürger- m e i st e r A d i ch e s, ist von seiner Berliner Audienz wieder in seine Mainstadt zurückgekehrt. Es erscheint aber nicht aus- geschlossen, daß nach den parlamentarischen Osterferien Herr v. Lucanus doch noch den einen oder anderen Minister ab- halftert und Herr Oberbürgermeister Adickes auf dessen Ministersessel Platz nimmt. Deshalb dürfte es angezeigt sein, das Bild dieses„kommenden" Maines noch um einige Striche deutlicher zu skizzieren. Uns geht dazu aus Frankfurt folgender Beitrag zu: Oberbürgermeister A d i ck e s ist nicht nur als Nachfolger des Kultusministers Studt und anderer preußischer' Minister, sondern auch als Nachfolger des Reichsministers Graf Posadowsky genannt worden und die liberale„Vossische Zeitung" versteigt sich zu der Behauptung,„daß er nach seiner ganzen Vergangen- heit der Deutung vorbeugen würde, daß ein Stillstand oder Rückschritt in der sozialen Gesetz- gebung eintreten solle". Von SdickeS sei im Gegenteil zu glauben, daß er der Sozialpolitik mehr Dampf geben würde und recht eigentlich ein Minister für Sozialpolitik sein könnte. Wie es um die sozialpolitschen Auffassungen des Herrn Adickes nun in Wirklichkeit steht, das hat sich erst ganz kürzlich im Frankfurter Stadtverordneten- kollegium gezeigt, als dort anläßlich der Beratung einer neuen Friedhofsordnung die Frage der unentgeltlichen Beerdigung auf Gemeindekosten zur Debatte stand. Es war am 22. Januar, drei Tage vor der Reichstagswahl, und des- halb hielt es der Oberbürgermeister zu allgemeiner Ueberraschung für am Platze, bei dieser Gelegenheit eine Attacke gegen die sozialdemokratischen Forderungen auf sozial- politischem Gebiet zu reiten, wobei er seine eigenen sozial- politischen Anschauungen zum besten gab. Gegen den von sozial- demokratischer Seite und— zum Aerger des Herrn Oberbürger- meisterS— auch von einem Teil der Demokraten gestellten Antrag, bei allen Einkommen unter 2000 M. unentgeltliche Beerdigung zu ge- währen, erhob Herr Adickes zunächst den buraukratisch-fiskalischen Eil�- wand, daß die Stadt dadurch geschädigt werde, weil sie bei Beerdigung Landarmer und anderer Unterstützungsberechtigter dem Landarmen- verband und anderswo Armenverwgltungen, sowie bei Beerdigung von Krankenkassenmitgliedern den Kassen ungerechtfertigter- weise ein Geschenk mache. Von dieser kleinlichen Argu- mentation ging Herr Adickes dann aber plötzlich über zur Be- kämpfung der sozialdemokratischen Sozialpolitik im allgemeinen: „Die Sozialdemokratie", sagte er,„geht darauf aus. immer weitere Leistungen der Familie und dem einzelnen abzunehmen und der Gesamtheit aufzuerlegen. Diese Tendenz wird bei uns überhaupt viel zu stark ver- treten. In Amerika ist der erste Grundsatz:„Hilf dir selbst! Für die Schulen sorgen wir. Schulen umsonst; sonst aber hat jeder für sich selbst zu sorgen I" Hier aber will man darauf hinaus, sukzessive alles dem einzelnen abzunehmen und der All- gemeinheit aufzubürden.- Dadurch geht das Verant- wortlichkeitSgefühl verloren, wie sich das in den vielen Simulationen bei den Krankenkassen zeigt. Bei den Schulen heißt es erst:„Schafft unentgeltliche Lern- mittel I" Dann fordert man Frühstück und Mittagessen für die Schulkinder, Kleider und Schuhe, und schließlich vielleicht noch Petroleum und Heizung, denn die Kinder sind schlecht genährt, schlecht gekleidet und zu Hcmse fehlt es ihnen an Licht und Wärme. Wo bleibt da die Pflicht des Einzelnen, für sich und die Seinen zu sorgen?! Ich muß davor warnen, aus prinzipiellen Gründen, Wohltatm aus- zustreuen; wir sollten nur so weit helfen, als ein Bedürfnis dazu vorliegt." Als dieses sozialpolitische Bekenntnis des Herrn AdickeS später von unserem Genossen Gräf unter die kritische Lupe genommen und dann vom Genossen Dittmann als vorsintflutliche Auffassung, deren - und humandenkende Mensch schämen müsse, gmnd- sätzlich bekämpft wurde, ergriff der Herr Oberbürgermeister noch- mals das Wort und bekräftigte seine ersten Ausführungen, indem er hinzufügte: „Bei den Sozialdemokraten heißt es, der ist nicht human, der nicht anerkeimt, daß die Gemeinschaft verpflichtet ist, alle mög- lichen Gegenstände dem Unbemittelten unentgeltlich zu geben. Soll unentgeltlich alles mögliche gegeben werden oder sollen auf andere Weise Einrichtungen geschaffen werden, daß die Bevölkerung vor der Armenpflege bewahrt werde? Ich bin für das letztere. Das Prinzip der Sozialdemokratie ist, man muß aus den Taschen der Reichen den Armen geben, was sie nicht haben. Die gesunden Prinzipien liegen aber darin, daß sich jemand gegen die Wechsel- fälle de? Lebens versichert. Dadurch wird er dem Wohl- habenden gleichgestellt, indem er die Mittel bekommt, selbst zu bezahlen, was er sonst nicht bezahlen könnte. Dadurch werden die Leute selbständig gemacht. Mit diesen« Prinzip kominen wir weiter als mit dem kommunistische««, nach dem die Neichen das bezahlen sollen, Ivas die Armen nicht haben." Dieses Gemisch bureaukratisch-patriarchalisch-konservativer Anschauungen versah Herr Adickes«nehrfach mit der Etikette „liberale Weltanschauung" und suchte dadurch die Demokraten zur Preisgabe der unentgeltlichen Beerdigung zu bewegen, «vas ihn« allerdings in jener Sitzung Nicht gelang, allem An- schein nach aber durch nochmalige Kominissionsberatung ge- lingcn dürfte. Wenn die liberale„Vossische Ztg." nach Kenntnis dieser Adickesschen Programmentwickelung bei ihrer Meinung bleiben sollte, Adickes„ivürde in der Sozialpolitik mehr Dampf geben" und„könne recht eigentlich ein Minister für Sozial- reforin sein", so wäre das gleichbedeutend mit dem Be- kenntnis, daß der Liberalismus, seit er regierungsfähig ge- «vorhen ist, sich selbst aufgegeben hat. Die- Arbeiterklasse aber lvürde bei einer Berufung des Herrn Adickes auf den Posten des Grafen Posadowsky von vornherein wissen, daß sie von diesem„Wohltaten"- und Almosenpolitiker keinerlei sozialpolitische Fortschritte zu erwarten hätte, und danach ihre Kampftaktik auf sozialpolitischem Gebiete ein- richten.— »« * Deutfchcs Reich. Was sich liebt, das neckt sich! Zu den Erfolgen, die der Reichskanzler durch seine in dieser Form und solchem Umfange bisher nie geübte amtliche Wahlmache einheimste, gehört auch die heiße Liebe, die er bei den Scharfmachern auslöste. Der Zentralverband deutscher Industrieller legte ihm nach der Wahl ein Geständnis zu Füßen, aus dem wir folgende Stellen herausheben: Durchlaucht! Das starke Anwachsen der Sozialdemokratie, die außetordent- liche Zunahnw der für diese Partei bei den Wahlen des Jahres 190? abgegebenen Stinimen und ihrer Vertreter im Reichstage find von uns mit wachsender Besorgiris wahrgenommen worden. Der von uns vertretene Zentralverband deutscher Industrieller hat überhaupt niemals die Gefahren verkannt, mit denen das Treiben der Sozialdemokratie und ihrer gewerkschaftlichen Organisationen den Staat, die Gesellschaft, die Arbeit des Volkes und damit ganz besonders das wirtschaftliche Gedeihen der Nation bedroht.... Zu diesem großen Erfolge, zu dieser rettenden Tat gestatten wir mrs im Namen des Zentralverbandes, Euer Durchlaucht in wärmster Weise zu beglückwünschen. Dabei geben wir der Hoff- nung Ausdruck, daß Euer Durchlaucht nach diesem hochbedeut- samen Ergebnis der Wahlen den Kampf gegen die Sozialdemokraüe mit gleicher Umsicht und Energie und mit gleichem Erfolge weiterführen werden. An«lnsere ausrichtigen Glückwünsche gestatten wir uns die Versicherung zu knüpfen, daß der Zentralverband es als eine seiner ernstesten Pflichten ansieht. Euer Durchlaucht, wie bis- her, so auch in Zukunft in dem Kampfe gegen die Sozialdemokratie mit aller ihm eigenen Kraft zu uirterstützen. Mit vollkommenster Hochachtung und Ehrerbietung Das Direktorium des Zentralverbandes Deutscher Industrieller. gez. R. V o p e l i u S, gez. H. A. B u e ck, Vorsitzender. Generalsekretär. Der Kanzler der Wahlmache gefiel sich in der Rolle der spröden Schönen, die dem Anbeter nicht sofort in die Arme sinken will. In der Antwort, die er dem Scharfmacherverbande zu- gehen ließ, beliebte er einige Neckereien anzubringen. Sein Schreibebrief schließt also: Die Versicherung, daß der Zentralverband auch in der Zukunft im Kampfe gegen die Sozialdemokratie zur Regierung stehen werde, habe ich gern entgegengenommen. Dabei vertrau ich auch ferner- hin auf die ausgleichenden Wirkungen einer gewissenhaften und besonnenen Sozialpolitik. Die große Bereitwilligkeit, mit der die deutsche Industrie die Lasten dieser Politik getragen hat, erkenne ich rückhaltlos an.. Ich hoffe aber auch. daß mir bei den künftigen Bemühungen der Verbündeten Regierungen zur Ab- stellung sozialer Mißstände und zur Milderung der wirtschaftlichen Gegensätze die wertvolle Unterstützung des Zentralverbandes nicht fehlen wird. Mit vollkommenster Hochachtung bin ich des verehrlichen Direktoriums ergebener Bülow. Die Schäkereien Bülows, der sich so stellt, als ob er für die ausschweifenden Scharfmachergelüste nicht zu haben wäre, haben die Scharfmacher durchaus nicht entmutigt; sie wissen ja. was dahinter steckt! Sie antworten mit einigen kleinen Bosheiten, wobei sie das Recht des Stärkeren kräftig betonen: Am 26. März tagte die Generalversammlung des Vereins der Industriellen des Regierungsbezirks Düsse!- dorf. In dem dort erstatteten Geschäftsbericht wird u. a. ausgeführt: „Die Industrie muß daher ftrnerhin auf ihrer Hut sein gegen die einschlägigen hhpersozialen Bestrebungen. In dieser Be- ziehllng bietet sogar der neue Reichstag noch mehr Anlaß zu Be- sürchtungen als der alte. Denn abgesehen von der unglaublichen Zahl von derartigen Initiativanträgen, die das Zentrum, die Nationalliberalen und andere Parteien schon eingebracht haben. ist auch in der Thronrede eine Fortsetzung der sozialreforma- torischen Tätigkeit angekündigt und der Zentralverband Deutscher Industrieller vom Reichskanzler auf eine Unterstützung dieser sozialpolitischen Tätigkeit der Regierung angesprochen worden. Die Aussichten für die Industrie, auf deren Kosten die sozialen Reforinen fast ausschließlich bewirkt werden, sind in dieser Be- ziehung um so unerfreulicher, als die preußische Regierung in den Staatsbetrieben mit Einrichtungen vorgegangen ist oder vorgeht. die in ihrer Folgewirkung der Privatindustris erhebliche neue Lasten auferlegen müssen. In den Staatswerkstätten ist der neunstündige Arbeitstag eingeführt und die obli« ga torische Urlaubserteilung für die Arbeiter in be- stimmte Aussicht genommen bezw. zugesagt Wörde««. DaS kann der Fiskus tun. weil seine Betriebe nicht zu erwerben brauchen und die sozialen Reformen auf Kosten der Steuerzahler gehen, nicht aber kann das der Unternehiner üm, der ohne an- gemessrnrn Gewin» den Betrieb nicht anstecht zu erhalten ver- mag.... Dadurch werden durch eiirscitige behördliche Maßnahmen Neuerungen so der Industrie erzwungen und in übereilter Weise eingeführt, die zwar bielleicht auch so gekommen wären, aber jedenfalls erst im Laufe weiterer Eni- «vickelung der Dinge, und die namentlich dann erst hätten kommen sollen und dürfen, wenn das Ausland mir seinen sozial- politischen Einrichtungen Deutschland einigermaßen nachgekommen wäre. Der Borstand nahm daher Veranlassung, sich gegen diese Richtung der Staatsbetriebe zu wenden und setzte stch init den, Zeutralverband Deutscher Industrieller iu Verbindung, der schon früher bei der Regierung in diesem Sinne vorstellig geworden war und in einer durch die Presse veröffentlichten Darlegung vor längerer Zeit dt- berechtigte Forderung aufgestellt hatte, daß die Staats- und Gemeinde- behörden vor Ausführung solcher Maßregeln doch mit den davon betroffeneu Industrie- und Handels- Unternehmungen Fühlung nehmen möchten. Weitere Schritte in der Angelegenheit zu tun hält der Zentral- verband, wie auch mis einer anderweitigen Mitteilung desselben uns bekannt gelvorden ist, nicht für angezeigt, Wahrscheinlich ver- spricht er sich davon gegenüber der herrschenden sozialpelitischen Strömung keinen Erfolg." Nachdein die Scharfmacher so unzweideutig ihr Wollen bekundet haben, hört die Neckerei auf und v. Bülow wird sich schiveigcud ergeben, um sich die„wertvolle Mitarbeit der Scharfmacher" nicht zu verscherzen.— Der Abgeordnete Gamp ist geadelt worden.. Diese Nobilittemng hat insofern einen stark satirischen Beigeschmack, als sie ihm schon vor Wochen von dem— Genossen Singer vorausgescgt loorden tvar. Herr Gamp hatte sich bekanntlich in der Generaldebatte des Etats ganz besonders der�Arbeitswilligen angenommen; als daraus am 1. März der Genosse Singer mit ihm energisch abrechnete, redete er ihn schon ahnungsvoll mit„von" an, eine Szene, die der offizielle stenographische Bericht also festhielt: .. Herr w Gamp— (Zurufe von den Sozialdemokraten: Er ist nvch nicht„von") — aber er verdient es, erwird esjaauchwerden...." Man sieht, wie recht unser Genosse Singer in der voraus- sehenden Beurteilung des Gamp und der für das„von" verant- wortlichen Stelle hatte. Oder sollte Genosse Singer durch seiire Rede erst dieser letzteren Stelle den nötigen Wink gegeben haben?— Rheinische Scharfmacher. Der Verein der Industriellen des Regierungsbezirks Köln hielt dieser Tage unter dem Vorsitz des Landtagsabgeorbneten Geheimen Kommerzienrats Vorster seine Hauptversammlung ab. In dem vom Generalsekretär des Vereins erstatteten.Jahresbericht heißt es: „Die Forderungen der Arbeiter richten sich einstweilen viel weniger auf die Arbeitszeit als auf den Arbeitslohn und namentlich auf die Erlangung von festen Tarifen mit einheit- lichen Lohnsätzen. Es zeigt sich immer mehr, daß gegenüber den unberechtigten Forderungen der Arbeiter und namentlich gegen- über den Herrschaftsgelüsten der Gewerkschaften nur ein ent- schiedener Abwehrkampf der Arbeitgeber gegen die Arbeiter die Unternehinerschaft vor völliger Knechtung durch die Gewerk- schaften bewahren kann. Der feste Zusammenschluß der Arbeit- geber ist und bleibt.daher eine Lebensftage für die Industrie." Wenn nun die Kölner Industriellen weiter nichts erstrebten, als sich zu koalieren und sich als Macht gegen Macht mit den Arbeitern auseinanderzusetzen, fö wäre dagegen nichts einzuwenden. Aber die Herren wollen mehr. Wss- der Vorsitzende des Jndustriellenvereins, der Abgeordnete Vörster, zu dem Geschäfts- berichte bemerkte, werde bezüglich der sozialreformatorischen Be, strebungen in letzter Zeit wieder vielfach auf die kaiserliche Bot- schaft vom November 1881 hingewiesen. Demgegenüber müsse an den tatsächlichen Inhalt dieser Botschaft erinnert werden, da ge- wöhnlich nur Auszüge zitiert würden. Neben den bekannten so, zialpolitischen Reformgedanken betone die Botskhaft aber die Ab- wehr der sozialdemokratischen Bewegung, und ferner, was gänzlich unerwähnt bleibe, die Aufbringung der Kosten der Reform durch indirekte Steüern. Die rheinischen Scharfmacher verlangen die«Abwehr der sozialdemokratischen Bewegung", d. h. die Niederhaltung der Arbeiterbewegung durch staatliche Zwangsmaßregeln, damit den Unternehmern die Möglichkeit der unbeschränkten Ausbeutung ge, wahrt bleibe. Dafür bewilligen sie dann„soziale Reformen", deren Kosten aufzubringen sie den Arbeitern allergnädigst über, lassen.—_ Vom Reichslügenverband. Der unter dem Protektorat des ReichSkaitzlers Fürsten Bülow stehende Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie ver- breitete in der letzten Woche in Hessen und Hessen-Nassau eine 32seitige, auf feinem Papier gedruckte und mit zahlreichen Bilden« ausgestattete Broschüre. Die Broschüre, die gratis verbreitet wurde, enthält die Reden des glorreichen Zitatenkanzlers vom 25. und 2S. Februar. Bezeichnend für die Wahrheitsliebe des Reichs- lügenberbandes ist die wörtliche Wiederholung der von Bülow aus der.Frai«kfurter Zeitung" verlesenen gegen die Frankfurter sozialdemokratische Partei leiwng ausgesprochenen Verleumdungen. Genosse Parteisekretär D t t t m a n n hat bekanntlich schon am 27. Februar den Reichskanzler durch ein Telegramm davon in Kenntnis gesetzt, daß er bereits am 5. Februar der „Franks. Ztg." eine Berichtigung zugehen ließ, worin er die Be- hauptungen der„Franks. Ztg." über das Stimmenkaufflugblatt als unwahr bezeichnete. Trotzdem werden diese Unwahrheiten jetzt mit eiserner Stirn in Hunderttausenben von Exemplaren den Massen als bare Münze vorgesetzt. So ist die Kampfesweise des Reichslügenverbai«des, der mit dem vom Reichskanzler gesammelten Gelde Vcrleumdungs- feldzüge gegen die Sozialdemokratie führt! Die Presse des„guten Tones". Mit viel Vergnügen registrieren „Deutsche Tageszeitung",„Post" und„Tägliche Rundschau", daß ein Staatsanwalt es abgelehnt hat. den Pastor und die Bauern von Nöbdenitz, die in einer sozialdemokratischen Versammlung„patrio- tische" Lieder sangen, zu verfolge««, da der Gesang„patriotischer" Lieder einen ruhrstörenden Lärm nicht darstelle. Die edlen Blätter erklären sich also ausdrücklich dafür, daß ungleiches Recht gelte und billigen das störende Bciiehincn der„Patrioten", billigen die Versammlungssprengung. Aür werden sie daran er- innern, wenn sie sich«vieder einmal über den„schlechten Ton" der Sozialdeinokratie entrüsten, diese Bertei-nger des rüpelhaften Be- nehmens— wenn es von.Patrioten' gegen Sozialdemokraten geübt wird._ Der Mißerfolg der Wünschelrute. Um in der wasserarmen Sand- und Steinwüste Südwestafrikas wundertätige Wasseradern zu erschließen und durch ein großartiges Bewässerungssystem Dattelpalmenhaine hervorzuzaubern, war der Landrat von Uslar mit seiner Wünschelrute nach Südwest- afrika geschickt worden. Während der Wahlkampagne waren auch verschiedentlich Notizen in die bürgerliche Presse lanciert worden. wonach der" Wünschelrutenmann wahre Wunderdinge vollbracht und zahlreiche ergiebige Quellen erschlossen habe. Jetzt stellt sich hcrailS. daß das Ergebnis der Wünschelrutenexperimcirte ein vollständiges Fiasko gewesen ist. Die„Frank- furter Zeitung" veröffentlicht aus cmcm südwestafrikanischen Pttoatöriese längere Stellen, aus denen hervorgeht, daß jetzt euch von»kompetenter Seite''zugegeben werde, daß die ganze Anten- gängerei nicht den geringsten Erfolg gehabt habe. An zahlreichen Orten, wo die Wünschelrute durch ihr Schlagen das Borhandensein von Wasser angezeigt habe, habe man die kostspieligsten Bohrungen vorgenommen. In den festesten Granit und Gneis sei man 20. 27, 38, ja 65 Äeter tief eingedrungen. Aber entweder habe man über- Haupt kein Wasser vorgefunden oder nur so wenig, daß es in einet halben Stande bis zmn letzten Tropfen ausgepumpt gewesen sei. Das einzige positive Ergebnis habe man in Karibik erzielt, wo man ober auch ohne die Wünschelrute gewußt habe, ddß man nach dem Durchschlagen der Kalkdecke auf Wasser stoße. Die Kosten für diese Bohrerei seien geradezu riesige ge- Wesen. Der Herr Landrat Uslar erhalte bei voller Verpflegung neben feinem Landratsgehalt 20 M. pro Tag. Hinzu kämen die Kosten für die Begleitmannschaften, die Transport- und Proviant- wagen die Ochsen und Pferde, ferner die horrenden Ausgaben für das vergebliche unnütze Bohren im härtesten Gestein. Dabei kosteten in Deutschland ähnliche Bohrungen höchstens den zehnten Teil der Unkosten, die sie in Südwestafrika verursachten I Es war vorauszusehen, daß dieser abgeschmackte Versuch. Wasser zu finden, völlig ergebnislos sein würde. Nun find, gering gerechnet, ein paar mal hunderttausend Mark ohne den mindesten Erfolg zum Fenster hinausgeworfen worden. Vielleicht läßt man Herrn v. Uslar Munehr nach Gold und Diamanten suchen!— Politische Prozesse in Baden. Man schreibt uns: Vor dem Amtsgericht Fr ei bürg wurde der Redakteur Müller des dortigen Zentrumsblattes„ F r e i b. Bote" wegen Beleidigung eines nationalliberalen Bezirksvereins zu 200 M. Strafe verurteilt. Auch dieser Prozeß steht in einem Zusammenhange mit dem strafgerichtlichen Vorgehen gegen den viel- genannten Meineidsanstifter Pfarrer Gaisert, der nun, zu einer milderen Strafe begnadet, im Freibnrger Landesgefängnis büßt. Das Freibnrger ultramontane Matt behauptete, die Liberalen hätten in dem Protest gegen die Wahl des Landtagsabgeordneten Wide- mann einige Unterschriften gefälscht und zwar unter Billigung der liberalen Parteileitung. Der' vom Beklagten angetragene Vergleich ist zurückgewiesen worden. Dafür revanchierte sich der badische Zentrumsführer, Geistlicher Rat Wacker, in Freiburg, der wegen Beleidigung des nationalliberalxn Partei- chefs, Landgerichtsdirektor Dr. Obkircher, vor dem Schöffen- gericht erscheinen mußte, wobei es sich ebenfalls um einen Nachtrag zu den Wahlkömpfen handelt. Als es zu einem Vergleich kommen sollte, nahm der Zentrumsinann die vom Anwalt des Klägers stipulierte Vergleichserklärnng nicht an und ging zum Angriff über durch Erhebung einer Widerklage, die vom Gerichtshof angenommen ist. Darauf erfolgte die Verlagung des Prozesses. Eine andere Klage, die aus ähnlichem Zusammenhang gegen das ultramontane .Säckinger Volksblatt" geführt wurde, endigte damit, daß der zu einer Geldstrafe verurteilte Redakteur Stratz seine Berufung wieder zurückzog. Mit den aufgesühuten Fällen ist die Zahl der immer noch aus der Wahlfeindschaft der letzten Jahre anhängigen Ehrenhändel der bürgenlichen Parteien nicht erschöpft.— Kuslanci. Frankreich. Vom Militarismus in der Demokratie. Paris, 2g. März.(Eig. Ber.) Niemand wird leugnen, daß einige französische Kriegsminister der letzten Jahre, bor allem Andrö, unterstützt von einer Schar demokratischer Offiziere, manche Uebelstände in der Armee abgeschafft und das demokratische Prinzip dort zu stärkerer Geltung gebracht haben. Trotzdem kommen auch in der radikalen Republik noch genug Dinge vor, die sich mit den Blüten des autoritätswütigen Militarismus in den Monarchien wohl vergleichen lasse». Und die heutigen StaatSlenker der Republik schwanken oft kläglich hin und her zwischen der energischen Reform und der als„Patriotismus" auf- tretenden Traditio». So hat P i c q u a r t vor einigen Tagen, als die Sozialisten die Schrecken von„Biribi" zur Sprache'bracbten und das ganze System der afrikanischen Strafkompagnien angriffen, dieses mit Argumenten zu verteidigen gesucht, die eines ungeschminkt reaktionären Säbelraßlers würdig gewesen wären. Er hat sogar vor der Ver- dächtignng nicht zurückgeschreckt, daß die Sozialisten durch ihre An- griffe die Rekrutierung der afrikanischen Armee hinderten und so dem Auslände dienten. Nicht übel war eS, daß Picqnart als Zeugen— die Militärrichter anrief. Zeigt doch seine eigene Lebens- geschichte die ethischen Qualitäten der Militärjustiz. Oder hat sich die Seele der Soldateska in den paar Jahren seit dem Dreyfus- Handel wunderbar umgewandelt? Aber man muß nicht nach Afrika gehen, um in der Armee die Fortdauer barbarischer Praktiken wahrzunehmen. Unlängst hat die „Hrpmanite" die skandalösen Zustände im Militärgefängnis von Oleron aufgedeckt. Die„große" Presse schwieg diese Enthüllungen tot. Bei dem neuesten Skandal ist das allerdings nicht möglich gewesen. ES handelt sich um die brutalen Quälereien der Mann- schaft, die sich ein vom SchneidigkeitSkoller besessener Dragoner- leutnant hat zuschulden kommen lassen. Leutnant D u h a u m e vom 22. Dragoner-Regimcnt in Reims hat zwei wahre Mustetinstrumente erfunden, um seine Soldaten zu zwingen, stramm auf dem Roß zu sitzen: einen Haiskragen ans Leder, der inneN einen s ch ar fen S ta ch el hat, der sich in die Kehle einbohrt, sobald der in den Kragen Eingeschnürte den Kopf ein wenig schlaffer hält. Noch viel ärger ist ein mit eisernen Stacheln ge- spickt es Lcderband, das auf den Sattelknopf gelegt wurde, um die Rekruten zu verhindern, sich beim Rcitunterricht daran festzu- halten. Der nnabhängig-sozialistische Deputierte von Reims hat eine Interpellation über den Fall angemeldet und der KriegSntinister ivird sie sofort nach den Osterferien beantworten. Gegen den Schuldigen ist die Untersuchung eingeleitet worden und er befindet sich schon in strenger Haft. Der Minister wird aber hoffentlich auch eine Erklärung dafür finden, daß der R e g i m e n t s o b e r st. dem doch der Gebrauch der geschilderten Marterinstrumente nicht ver- borgen bleiben konnte, seinen ritterlichen Untergebenen ruhig hat schalten lassen.— England. Steuerpolitik und Sozialreform. London» 23. März.(Eig. Ber.) Vor zwei Tagen begründete der soziallib-"ale Abgeordnete Chiozza-Money in lehrreicher Weise folgenden A" cag im Parlament: „Angcsich.s des Reichtums Englands und der Natur seiner Verteilung ist es notwendig, die Steuerpolitik umzugestalten, um die Mittel für die dringend nokwendigen Sozialreformen zu er- halten." Der Redner erklärte:„Bei der Durchsicht der Etats des letzten Vierteliahrhundcrts ist mir aufgefallen, daß sie sich hauptsächlich mit kleinen Aenderungen, mit Steuern auf Tee, Zucker, Spirituosen und so weiter beschäftigten und daß ihnen jeder durchgreifende Zug fehlte. Es ist indes höchste Zeit, daß dies anders wird. Die Zahl der Ginkommensteuerzahler beträgt ungefähr eine Million, denen die Hälfte des Nationaleinkommens zufällt I«Das National- einkommen des Vereinigten Königreichs beläuft sich auf siebzehn- bis achtzehnhundert Millionen Pfund Sterling jährlich.) Ein Dreißigstel der Bevölkerung bezieht ein Drittel des National- einkommens. Ein Neuntel der Bevölkerung besitzt fast das ganze Eigentum dcS Königreichs, und ein Zwanzigstel der Bevölkerung besitzt die Hälfte des Grund und Bodens, des beweglichen Kapitals und des aufgehäuften Ncichtnms unseres Landes! Liberale Finanzminister müßten bei der Aufstellung ihrer Etats diese Tat- fachen vor Augen haben. Unsere Steuern sind, wie belgunt, in direkte und indirekte eingeteilt. Diese Einteilung ist Kür for- mal richtig. Im Grunde genommen sind alle Steuern Ein- kommensteuern. Wenn wir nun die verschiedenen Abgaben als Einkommensteuern betrachten, so ergibt sich folgendes Bild: 800 000 Einkommensteuerzahler mit Einnahmen bis 700 Pfund Sterling jährlich zahlen 1 Schilling 6s4 Perne pro Pfund Sterling; 235 000 Einkommensteuerzahler mit Einkommen zwischen 700 und 5000 Pfund Sterling zahlen 1 Schilling 7 Pence pro Pfund Sterling; die großen Massen aber, die etwa 30 Millionen Menschen zählen nüd die scheinbar bon der Einkommensteuer befreit sind, zahlen t Schilling 3 Pence pro Pfund Stetling ihres Einkommens, also Ilm nur 4 Pence weniger als die Reichsten unseres Landes! Diese Zusammenfassung dürfte das Unvernünftige unserer Steuerpolitik jedem klar machen.... Die dringendste sozialpolitische Aufgabe ist gegenwärtig die Gewährung bon Alterspensionen. Wenn wir den Personen im Alter von 65 Jahren eine Pension gewähren, so würde dies eine Ausgabe von 21 Millionen Pfund Sterling fordern. Diese Summe könnten wir durch eine Umgestaltung unserer Einkommensteuer erhalten. Die oberen 6 Millionen Per- sonen unserer Bevölkerung zahlen nur eine Steuer von 3 Proz. Erhöhen wir diese Steuer auf 5 Proz., so erhalten wir 45 Mil- lionen Pfund Sterling. Aber soviel brauchen wir für unseren Zweck nicht. Man könnte deshalb die untere Schicht der Mittel- klaffe schonen. Nach meinem Plane würde auch ein Millionär nicht mehr als 2 Schilling pro Pfund Sterling zahlen slO Proz.). Die liberale Partei hat für den Freihandel gekämpft, aber der Frei- Handel genügt uns nicht. Wir müssen auch Sozialreformen haben, und diese können wir nur durchführen, wenn wir unsere Steuer- Politik umgestalten." Der Finänzminister Mr. Asquith, der jetzt mit ber Aufstellung des Etats 1907/08 beschäftigt ist, machte dem Redner verschiedene Komplimente, aus denen jedoch hervorgeht, daß der kommende Etat, der am 18. April dem Parlamente vorgelegt werden soll, keine Alterspensionen bringen wird. Man erwartet einen Ueberschutz von etwa 100 Millionen Mark, die— wie es heißt— zum größten Teil in den Tilgungsfonds der Staatsschulden fließen werden, um den Staatskredit zu befestigen. Jedoch fügte der Finanz- minister hinzu, daß die liberale Regierung wohl noch einige Jahre am Ruder bleiben und Gelegenheit haben werde, an den Plan der Alterspensionen heranzugehen. Vorläufig sei die Befestigung des Staatskredits und die Hebung der Konsolskurse nötig, da das Fallen der Konsols das Ansehen der Regierung beeinträchtige.— Finnland. LandtagSwahlen. Helsingfors, 28. März.(Eig. Ber.) Bis heute sind Wahlzettel gezählt worden: Sozialdemokraten...... 327 388 Altfenomanen....... 240 899 Jnngfenomanen...... 121 703 Schwedische Volkspartei.... 102 800 Banernbund........ 42 921 Christi. Arbeiterpartei.... 13625 Christi. Wahlvcreinigung... 4 610 Anhänger evangel.-luth. Geistl.. 5 971 Wilde.......... 5 099 Nach den bisher bekannt gewordenen Resultaten rechnet man, daß die Parteien in folgender Stärke in dem im Mai zusammentretenden Landtage vertreten sein werden: Sozialdemokratie.... 81 Sitze Altfenomanen..... 58„ Jnngfenomanen..... 26, Schwedische V. P..... 24 0 Bstuernbund...... 9', Christi. Arbeiterpartei... 2„ 200 Sitze Infolge der Proportionalwahlen erlangt die Sozialdemo- kratie in Finnland aus dem Landtage die ihrer Starke ent- sprechende Anzahl Sitze. Da die Partei erst auf eine wenig über zehn Jahre zurückreichende Geschichte schauen kann, ist der Erfolg ein um so erfreulicher. Die bürgerlichen Parteien überbieten sich in spöttischen Angriffen auf die Sozialdemokratie: Jetzt könne sie als die größte Partei die Regierung an sich nehmen und zeigen, wieviel von ihren Versprechungen durchführbar wäre... Die„betörten" Arbeiter werden bald den Irrtum einsehen nnd von der Sozialdemokratie abfallen usw. Die Sozialdemokratie wird ja aber auf dem Landtage gar keine absolute Mehrheit haben, sondern die bürger- lichen Parteien werden sich trotz ihrer kleinlichen Zänkereien und Eifersüchteleien in allen wichtigen Fragen gegen die Sozialdemokratie vereinigen. Immerhin dürften wir aber er- leben, daß der Senat, wenn er wider Erivarten im Amte verbleiben sollte, in der Reaktion nunmehr etwas mehr Zurückhaltung üben und wenigstens die Polizeigewalt im Lande einschränken wird. Es wird allerdings davon ge- sprochen, daß der Senat ganz bestimmt zurücktreten wolle, da seine Partei— die jungfenomanische— unter- legen ist. Die sozialdemokratische Partei hat auf ihrem Parteitage im August 1906 in Uleaborg beschlossen, nicht in den Senat einzutreten, es sei denn eine Uebergangs-, eine revolutionäre Regierung. Da der jetzige Senat jedoch nicht für eine solche angesehen werden kann, wird die Sozialdemokratie ihm fern zu bleiben haben.— Rumänien. Der Bnurrnanfstanö soll— offiziöse Nachrichten melden eS— abflauen. Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß Nach- richten, die aus rumänischen offiziellen oder offiziöse» Quelle» fließen, fast noch weniger zu trauen ist als russischen Regiernngs- Meldungen. An einem Telegramm aus Bnlarest läßt sich jetzt schon beweisen, wie unverschämt die Nachrichten über die jüngsten Vor- gänge in Rumänien zensuriert worden sind. Wir teilten mit. daß die Soldaten nicht allenthalben Order parierten, sondern sich vielfach den Bauem anschlössen. Die offiziellen Berichte aus Rumänien wollten davon nichts wissen. Jetzt aber wird eS zugegeben in folgendem Wölfischen Telegramm: Bukarest, 31. März. Die Lage in der Moldau bessert sich an- dauernd, auch in der Walachei ist eine merkliche Bessernng eingetreten. Die Hauptbanden sind vernichtet; die Rebellen liefern überall, wo Truppen hinkommen, die Führer auS, bitten um Gnade und geben die gestohlenen Gegenstände zurück. Die einberufenen Reservisten, welche fich den Banden anschlössen, kehren zu ihren Regimentern zurück. In den Bezirken von Braila, Gorj und Jalomita herrscht Ruhe. Weitere Depeschen melden: Bukarest, 31. März.(Meldung der„Agcnce Roumaine") Ans der Moldau werden Unruhen auS Pntna gemeldet. Aus der Walachei werden mehrfach Plünderungen, Zusammenstöße und BrNndstiftungen gemeldet. In Langa Pahilele sind bei Zusammenstößen eine Anzahl Bauern getötet und verwundet worden. In dem Mittel- punkte der Revolte, in Galicea, sind sämtliche Führer des Auf- standes gefangen genommen worden. Die Gemeinden Hnrczani und Pegeni befinden sich im vollen Aufruhr, Militär ist dort eingetroffen. Die Bezirke VlaSca, Cowurlin und Romanati sind vollkommen ruhig. Zahlreiche Führer sind verhastet worden. Bukarest, 1. April. Die„Agence Roumaine" meldet: Ein neuer Ausbruch des Aufruhrs ist nicht zu verzeichnen. Ueberall herrscht RV�e. Die Präfekten nehmen dit Beschwerden der Bauem entg>. und erlangen sowohl von feiten der Grundbesitzer wie auch K Pächter weitgehende Konzessionen. In Bukarest herrschte gestern vollste Ruhe. Bukarest, 2. April.(B. H.) Wie gerüchtweise verlautet, ge» langte die Polizei zur Kenntnis einer Verschwörung gegen die Dynastie. Zahlteiche Verhaftungen wurden vorgenommen; das königliche Palais sowie alle öffentlichen Gebäude und Staatskassen werden militärisch stark bewacht; alle eintreffenden Fremden wer« den streng registriert»_ Die russische Revolution. Reichsdnma. Die Agrarfrage. Petersburg, 1. April.(W. T. B.) Zur Beratung steht die Agrarfrage. Nachdem mehrere Redner der verschiedenen Parteien sich geäußert, schildert K a r a j e f f(Arbeitspartei) die beklageus- werte Lage, in welcher der russische Bauer, insbesondere im Ver- gleich zu den Bauern in Deutschland, Frankreich und Dänemark, lebe.— Der frühere Minister K u t t e r(Kadett) spricht sich zugunsten einer Zwangsenteigmmg des Grundbesitzes mit einer billigen Ent» schädignng aus und widerlegt(1) die Utopien(!) der äußersten Linken, die unter den gegenwärtigen politischen Verhältnisse» unausführbar seien.— T> m o v s k y(Pole) besteht auf einer vollständigen Neu- gestaltung des polnischen Regimes vor der Agrarreform, die ins- besondere in Polen nur durch einen nationalen Landtag eingeführt werden könnte,— In der Rednerliste zu diesem Gegenstände sind noch zahlreiche Redner verzeichnet. Ministerpräsident Stolypin nnd ber Verweser des Landwirtschaftsministeriums, Fürst Wassiltschikow, wohnten der Beratung bei. Im Laufe der Beratung erklärt Fürst Wassiltschikow, die Regierung sei überzeugt, daß das Elend deS Volkes aufhören werde, nachdem die Landwirtschaft an die Spitze aller wirtschaftlichen Fragen im Staate gestellt worden sein werde.. Das Prinzip des unverletzlichen Grundeigentums werde von der Regierung be- wahrt werden, weil das Grundeigentum die einzige Grundlage fruchtbarer Arbeit des Ackerbaues bilde. Bis zum Abend haben bon den 115 Rednern, die zur Beratung über die Agrarfrage gemeldet sind, 18 gesprochen. Die Duma be- schließt, bis auf weiteres die Montage der Beratung über diesen Gegenstand zu widmen. Morgen beginnt die Budgetbcrainng. Der Finanzminister Kokowzeff wird Erläuterungen über das Budget geben. Das Budget. Petersburg, 2. April. Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung steht die Beratung des Budgets. Zunächst ergreift Finanz- minister Kokowzeff das Wort und gibt bei gespannter Auf- merksamkeit des Hauses mit ruhiger, klarer Stimme Erläuterugcn zu den Einzelheiten des Etats. Der Minister weist darauf hin, daß die Duma noch nicht über die nötige Erfahrung in der budgetären Technik verfüge, aber bei gutem Willen und gegenseitigem Ver- trauen würden die unvermeidlichen Schwierigkeiten überwunden werden. Es sei nur notwendig, daß man das Budget ausschließlich vom rein technischen Standpunkt behandle. Man brauche den Meinungsverschiedenheiten, die sich dabei ergäben, nicht aus dem Wege zu gehen; denn diese bildeten die Grundlage einer fruchtbaren Arbeit, wenn der Zweck dieser Arbeit die von der Regierung wie der Duma einzuhaltende Tendenz sei, die Mittel zu bestimmen, welche man der Exekutivgewalt liefern müsse, damit sie die ihr vom Gesetz auferlegte Aufgabe lösen könne. Eine Prüfung des Budgets werde von den gebieterischen Interessen des Staates dringend ge» fordert. Nicht etwa, so erklärt der Minister, weil es schwierig wäre, ohne die Genehmigung des Budgets Ausgaben zu machen. Die Regierung besitzt alle gesetzlichen Mittel, um dieses Ziel zu' er- reichen, und sie empfindet gegenwärtig keine Schwierigkeiten. Aber die Genehmigung des Budgets ist nötig, weil ein großer Staat. wie unser Vaterland, nicht normal leben kann ohne regelrechtes Budget, das die Lebensbedingung eines jeden Staates ist. Der Minister geht dann zur Prüfung des Budgets für 1907 über und legt dar, daß Mäßigung die Grnndlagi* für die Aufstellung des Regierungsbudgets gebildet habe. Man werde viel» leicht einwenden, er, der.Minister, habe nicht genügend die be- drängte Lage des Landes berücksichtigt; aber kritisieren sei leicht. Er hoffe, daß die Budgetkommission der Duma der Sache auf den Grund gehen werde; sollte sie dabei Fehler der Regierung fest- stellen, so sei diese bereit, dieselben anzuerkennen. Der Minister stellt einen Vergleich auf zwischen der Sparsamkeit im Privat- leben und der Sparsamkeit des Staates; was bei der privaten Sparsamkeit schwierig sei, das sei auch schwierig bei der st a a t- li ch e n Sparsamkeit. Ruhland könne gewisse Ausgaben nicht herabsetzen, so z. B. die Rückzahlung der Anleihen und andere Aus- gaben wirtschaftlicher Natur, weil sonst auch ein Rückgang der Ein- nahmen eintreten würde. Eine Herabsetzung der Hauptausgaben sei auch nur möglich bei entsprechender Aenderung der Gesetze. Andere Länder haben die Periode durchgemacht, an der Rußland krankt, man hörte dort dieselben Klagen, man beantragte die Ab- schaffung von Steuern und deren Ersetzung durch andere, welche nur die besitzenden Klassen treffen sollten; aber Versprechen und Erfüllen sei zweierlei; man verspreche, man kritisiere, und der Steuerzahler müsse warten und inzwischen dem Fiskus seine Börse immer weiter öffnen. Der Minister bespricht dann das Extraordinarium und die Staatseinnahmen und bemerkt dabei, die Berechnungen seien mit großer Mäßigung aufgestellt. Der schlimmste Fehler würde der sein, die Einnahmen zu groß in das Budget einzustellen; man könne einmal gewinnen, man könne mehrere Male gewinnen, man dürfe sich aber nicht darauf als auf einen andauernden sicheren Gewinn stützen. Nach großen Bemühungen sei es ihm gelllngen, für 1907 mit den bestehenden Einnahmen auszukommen und die gewöhnlichen Ausgaben aus den bestehenden Steuern zu decken. Das ordentliche Budget balanziere ohne Defizit, und nur das außerordentliche Budget weise ein Defizit auf; das sei aber kein Grund zum Erschrecken. Die ordentlichen Einnahmen dürften nicht regelmäßig zur Deckung der außerordentlichen Ausgaben ver- wendet werden; man solle nicht mit Besorgnis in die Zukunft blicken; jeder Staat habe in gleicher Lage zu Anleihen seine Zu- flucht genommen. Der Minister erinnert an den Ausspruch Thier's, daß kein Defizit vorhanden sei, wenn der Staat zu außer. ordentlichen Ausgaben gezwungen sei. borausgesetzt, daß er eine Anleihe aufnehmen und die Zinsen bezahlen könne. Der Minister führt weiter aus, der Staat kehre zu normalem Leben zurück, wenn das Budget sich den Staatserfordernissen Nnpasse und die Regierung nicht in die Notwendigkeit versetze, ungeheure Ausgaben außer- budgetmäßig zu decken. Die Hoffnung auf schleunige Wiederrehr normalen Lebens werde dann zur Gewißheit. Der Minister fährt fort: Die Unruhen müssen aufhören, die uns« Vaterland zu Boden drücken, nnd es mutz wieder Ruhe ein- treten, damit jeder.weiß, daß er wird ruhig arbeiten und die Früchte seiner Arbeit genießen können. Sie werden dann eine schnelle Wiederherstellung unseres Kredites und unserer Finanzlage sehen. wie sie den Finanzen von rechtswegen gebührt als denen eines großen Landes, das unerschöpfliche Reichtümer und eine Be« völkerung von 150 Millionen besitzt. Der Minister schließt seine AuS- sührungen mit der an die Duma gerichteten Aufforderung, mit der Regierung an der verwickelten Aufgabe der Verbesserung der Finanzen zu arbeiten, nnd richtet an die Dunia die Bitte, die Budgetvorlage unverzüglich an die Budgetkommission zu ver- weisen. Am Schluß seiner Ausführungen erinnert der Minister an die Worte, die der belgische Finanzminister im Jahre 1906 ge- sprochen hat, nämlich, daß die Leitung der Finanzen eines Landes nicht die.Sache dieser oder jener politischen. Partei sein dürfe. (Beifall rechts.) Der frühere Minister Kuttlcr(Kadett) bespricht darauf das Budget in allen seinen Eiizclheitei»; er greift alle RegierungS- departements an und wirft dem Budget Mangel an Klarheit vor. Das Budget weise große Lücken auf.: so sei das DeLartemeut d« Euch, darauf zu achten. Streit der Leitergerüstbauer. beglüden" gedenken. Am zweiten Oftecfeiertage kam es zwischen Engländern und Polen zu einer förmlichen Schlacht, wobei als Waffen Dolche, Messer, Revolver usw. Anwendung fanden. Auf dem Kampfplate blieben acht schwerverletzte Streitbrecher, die nach folch Gesindel ist dazu ausersehen, ehrliche deutsche Arbeiter, die Anlegung von Notverbänden dem Krankenhause zugeführt wurden, während gegen 40 Personen leichtere Verlegungen erlitten. Und sich nicht zu Heloten erniedrigen wollen, niederzuringen! Ausland. an Marie in dem Budget nicht einmal erwähnt! Die Aus en Gärtner nach ihrer grünen Arbeitskarte vom Gärtnerverein fragt., verlangen nach wie vor bedingungslose Wiederaufnahme der auf 518 verschiedenen Gesetzen basiert, von denen einige och Nur der Besitz einer solchen grünen Karte beweist die Berechtigung Arbeit, bevor sie die Schauerleute mit ihrer Sklavenordnung zu dem Jahre 1843 stammten. Die Staatseinnahmen fämen aus zum Arbeiten als organisierter Gärtner. Die Streilleitung bittet ndirekten Steuern, die eine unerträgliche Laft für die armen Klassen bildeten, während die befizenden Klassen nicht genügend getroffen würden. Die Staatseinnahmen hingen in erster Linie von dem Alkohol monopol ab, weil der Fiskus viel mehr Alkohol hergestellt habe, als es früher der Fall gewesen sei. Der Reduer Leitergerüstbauer den Bericht über die Situation der Lohnbewegung Am Dienstagabend nahm eine start besuchte Versammlung der greift dann die Eisenbahnen und andere staatliche Unternehmungen an und geht darauf zu den Zivildepartements über, entgegen. Es wurde ausgeführt, daß die Unternehmer, an der über, wo er einige Beispiele von gänzlich überflüffigen Einrichtungen an Spize Wilh. Arndt und Altmann, den Standpunkt vertreten, daß führt, wie z. B. das Pressedepartement, da nach dem Manifest des die Organisation der Leitergerüstbauer, der Zentralverband der Die Aussperrung der Leipziger Holzarbeiter hat am Sonnabend, Kaisers die Zensur abgeschafft sei. Diese Einrichtungen erschienen Handels- und Transportarbeiter, bei den Verhandlungen zum den 30. März, begonnen. Bis jetzt sind etwa 600 Arbeiter aber im Budget und vermehrten die Ausgaben. Rußland leide Zweck eines Vertragsabschlusses nicht anerkannt werden soll. davon betroffen worden, die Aussperrung geht aber weiter. Trog unter dem Anwachsen der Zinsen seiner Anleihen. Der Redner Gestern ist noch bei allen Firmen gearbeitet worden. Nur die der gefaßten Beschlüsse sind die Verhältnisse bei den Unternehmern führt dann aus, daß das Heer von Beamten zahlreich fei Firma Georg Weißenhagen hat bereits am Sonnabend sämtliche sehr verfahren, da ein Teil nicht mitmachen will. und daß es viele überflüssige gebe. Der Redner schließt organisierte Arbeiter ausgesperrt mit dem Bemerken, der Streit Besonders in der Innung schwingen deshalb die Scharfmaher die feine Ausführungen, indem er fagt, die Duma müsse ihre werde doch wohl in den nächsten Tagen ausbrechen. Durch diese Snute, mit welchem Erfolge, muß abgewartet werden. Rechte als gefeßgebende Versammlung in die Tat um Aussperrung ist seitens der Unternehmer der Kampf ins Werk gefeßen und ihr möglichstes tun, um eine Finanzreform durchsetzt worden, den die Arbeiter nicht herbeigeführt haben. Hätten zuführen. Das Zentrum und die Linke nahmen die Rede Kuttlers mit sich nicht die Unternehmer den Verhandlungen mit der OrganiBeifall auf, die Rechte bewahrt Stillschweigen und läßt einige Protest- sation der Arbeiter entzogen, dann würde es jedenfalls ohne Kampf rufe laut werden. Die Sizing wird darauf auf eine Stunde unter- zum Abschluß eines neuen Vertrages gekommen sein. Das Verbrochen, dann erwidert der Finanzminister auf die Rede Kuttlers. halten der Unternehmer hat nun einen friedlichen Verlauf der Stokowzeff wendet sich gegen die Ausführungen Kuttlers bezüglich Lohnbewegung unmöglich gemacht. Nach kurzer Diskussion bebes Fehlens des Departements der Kaiserin Marie im schloß die Versammlung einstimmig, daß heut in allen Ge Budget: dieses Departement habe seine eigenen Einnahme- fchäften, wo der neue Tarif nicht anerkannt ist, quellen und gehöre nicht in das allgemeine Budget. Die die Arbeit niedergelegt wird. Ausführungen Stuttlers über beraltete Geseze beraltete Gefeße dienten зи nichts; denn so lange diese Gesetze beständen, müßten fie auch beobachtet werden. Die Angabe Kuttlers, daß 1300 Millionen der Staatseinnahmen von den armen Klassen aufgebracht wurden, sei richtig! Rußland habe aber eben wenig befigende und viel arme Selassen, dagegen könne man nichts machen. Auch diese Rede des Finanzministers machte großen Eindruck, besonders die Stelle, wo er auf die Ausführungen Kuttlers über die großen Zinsen, die Rußland seinen ausländischen Gläubigern zahle, antwortete. Der Minister führte noch aus, die inneren Unruhen seien die alleinigen Ursachen der enormen Zinsen, aber auch Frankreich und England häften teuer zahlen müssen nach den durch Kriege hervorgerufenen Krisen, und wenn Rußland eine Schuld habe, für die es 381 Millionen Zinsen zahle, so sei das weniger, als Frankreich zahle, das nur eine Bevölkerung von 40 Millionen habe. Nach den Ausführungen des Finanzministers über die Rede Ruttlers ergreift der Ministerpräsident das Wort und widerlegt die Angaben Kuttlers über die Vermehrung der Ausgaben im Presse= departement. Hierauf gibt das Mitglied der Kadettenpartei Struwe Aufklärungen über die Budgetrechte der Duma. Redner der äußersten Linten greifen das Budget in heftigen Ausdrücken an. Gegen 6 Uhr wird die Situng geschlossen. Gewerkschaftliches. Die Deutfches Reich. Die Differenzen in der Solinger Stahlwarenindustrie, von der Firma Gottl. Hammesfahr ausgehend, zeigen bereits ihre Wirkung. Dadurch, daß nur diese Firma in Konflikt mit den Arbeitern liegt, bleiben die übrigen Unternehmer lieferungsfähig und jagen Herrn Hammesfahr die Kundschaft ab. Mit dieser Tatsache rechnet auch bereits Herr Hammesfahr. Wir wurden durch folgendes Birkular, das uns zugeflogen ist, von dem Stande der Dinge unterrichtet: Solingen, Foche, den 30. März 1907. P. P. # Der Belagerungszustand im Kanton Waadt. Lausanne, 29. März.( Eig. Ber.) Ein kleiner Streik der Arbeiter und Arbeiterinnen der Schofoladenfabrik von Peter u. Kohler, Att.- Ges., in Veveh, die bei larger Arbeitszeit und elenden Löhnen ihren Aktionären 20 Proz. Dividende zahlt und der nun durch verlumpte Streifbrecher ber= eitelt werden sollte, hat eine ungeahnte und heftige Bewegung im Kanton Waadt herbeigeführt. Ein Zusammenstoß von ehrlichen Arbeitern mit den Streitbrechern und einige geringe Ausschreitungen vor der genannten Fabrik brachten zuerst ein polizei. liches Massenaufgebot und dann das Militäraufgebot von 2 Jn fanteriebataillonen und 2 Kavallerieschwadronen, die auf Vevey, Montreux, Lausanne und andere von der Bewegung ergriffene Orte verteilt sind. Die Antwort der Arbeiterschaft auf das Vorgehen der Behörden war der Generalstreik in den angeführten Orten, dem sich auch ein Teil der Arbeiterschaft im benachbarten Kanton Genf anschloß. Durch die Zeitungen wird es Ihnen vielleicht schon bekannt sein, daß ein kleiner Teil meiner Arbeiter streift. Meine Leistungsfähigkeit wird kaum dadurch beeinträchtigt, weil ich infolge eines reichhaltigen Lagers die Bestellungen prompt erledigen und etwa fehlende Sorten durch ähnliche ersehen kann. Falls wider Erwarten ein Artikel nicht sofort lieferbar sein sollte, werde ich Ihnen postwendend Nachricht geben. Durch Einstellung neuer Arbeiter, Einführung der Doppelschicht, sowie durch neue technische Einrichtungen werde ich in Kürze meine Produk- nofsen für die anarchistischen Taten nicht verantwortlich gemacht tion verdoppeln, um alle Bestellungen prompt erledigen zu werden können. Gegenüber dem Militäraufgebot, den bereits erlaffenen Bersammlungsverboten, der militärischen Belagerung des Ich bitte Sie, mir nach wie vor Ihre Aufträge zu über- Versammlungslokals und der Arbeiterdruckerei, den Massenhausschreiben und empfehle mich hochachtend durchsuchungen und Massenberhaftungen stehen auch unsere Ge Gottl. Hammesfahr. nessen in selbstverständlicher Opposition, wie denn auch die Behörden sie nicht besser als die Anarchisten behandeln. Orientierend sei bemerkt, daß in dieser Bewegung die Anarchisten die führende Rolle spielen, bei denen gerade ihr franzöficher Gesinnungsgenosse Sebastian Faure aus Paris weilte, um anarchistische Propaganda zu betreiben, und der denn auch sofort ausgewiesen wurde. Im übrigen ist der bekannte Bertau in Genf ihr Hauptagitator. Die anarchistische Bewegung haben sich leider unsere Genossen über den Kopf wachsen lassen. Beide Richtungen marschieren schon seit längerer Zeit getrennt, so daß unsere Gefönnen. Inzwischen eingetroffene Mitteilungen aus Solingen zeigen Der Achtstundentag in den Gas- und den Elektrizitätswerken. uns, daß dieses Zirkular das Produkt der Verlegenheit ist, welche Es ist der Belagerungszustand in aller Form, der hier besteht Während die Gemeindevertretung Berlins sich nicht einmal durch die Arbeitsniederlegung der Schlägereiarbeiter hervorgerufen und durch den die diesjährigen wirtschaftlichen Kämpfe gleich in wurde. Hammesfahr ist nämlich gezwungen, weil die Schlägerei der bedenklichsten Weise eingeleitet wurden. Der Kampf wird eine dazu aufschwingen konnte, die Achtstundenschicht für die still liegt, die Rohproduktion stockt, auch die übrigen Arbeiter zu Retortenarbeiter und die Neunstundenschicht für die entlassen. Tagtäglich wird weiteren Arbeitern gekündigt. Von maßlose Erbitterung in der Arbeiterschaft zurücklassen, eine weitere übrigen Arbeiter der Gaswerke zu beschließen, hat die Gemeinde Einführung einer Doppelschicht und Neueinstellung von Arbeitern starke Verschärfung der Klassengegensäße und des Klassenkampfes bertretung der dänischen Hauptstadt bereits in der vorigen Woche fann also feine Rede sein. Bezeichnend für die Handlungsweise und die Ablehnung der neuen Militärvorlage durch die Arbeiter= beschlossen, den Achtstundentag auf den städtischen Gas- und des Herrn Hammesfahr ist auch der Umstand, daß auch das Kontor- schaft muß faum mehr diskutiert werden. Das Ausbeutertum und Elektrizitätswerken allgemein zu machen. Die Retorten- sonal unter der Erregung des Firmeninhabers zu leiden hat. seine Handlanger schänden die Demokratie und machen sie zu arbeiter der Kopenhagener Gaswerte erfreuen sich schon die Arbeiter, soweit sie als Streifende in Frage kommen, stehen einem Berrbilde dessen, was sie sein sollte. lange des Achtstundentages, der jetzt für alle übrigen geschlossen aus und ist nicht daran zu denken, daß dieser Kampf schnell seine Erledigung findet, es sei denn, daß eine Verständigung Arbeiter und Handwerker eingeführt wird. Der Beschluß wurde mit der Firma möglich ist. Für die Arbeitsuchenden, die eventuell Inzwischen ist der Kampf im Kanton Waadt beendet worden. mit 23 Stimmen der Sozialdemokraten und der Liberalen das Inserat jener Firma zur Gesicht bekommen, dürfte es von Am Donnerstagabend kam durch die Vermittelung der Regierung von etwas besserer Qualität find als unsere Berliner Freisinnigen größten Interesse sein, zu erfahren, daß Hammesfahr vor hat, die zwischen den Vertretern der Streifenden und der Schokoladengefaßt, gegen 12 Stimmen der Antisozialisten. Mit derselben Arbeitswilligen" nur Nacht arbeit leisten zu lassen. Durch fabrit in Beveh eine Verständigung zustande. Soweit bis jetzt Mehrheit wurde beschlossen, den Dienstturnus der Feuerwehrleute die Arbeitsniederlegung der Schlägereiarbeiter und Schlosser ist bon 48 auf 24 Stunden herabzusetzen, und ferner eine Erhöhung dieses schöne Vorhaben durchkreuzt. Daß Herr Hammesfahr jetzt des Stundenlohnes der kommunalen Arbeitsleute vom 30 auf schon seiner Kundschaft mitteilt, fehlende Sorten durch ähnliche 40 Dere erfeben zu wollen", dürfte jedenfalls dafür bürgen, daß der starre Sinn des Industriekönigs an der Foche" sehr bald einer Aenderung fich wird unterwerfen müssen. Ehe das nicht geschieht, wird nach wie vor ersucht, Zuzug nach Solingen, vor allen Dingen nach der Firma Gottlieb Hammesfahr fern zu halten. Berlin und Umgegend. Achtung, Bauklempner! die Etwaige Differenzen, die infolge der Feiertage oder der zum 1. April in Kraft getretenen Erhöhung des Mindestlohnes um 2½ Pf. entstehen, wie überhaupt jede andere Tarifdifferenz ist nach wie vor sofort unserem Bureau, Charitéftr. 3, zu melden. Es ist Vorsorge getroffen, daß von hier aus die Regelung jeder Differenz in die Wege geleitet wird. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Streit der Drahtarbeiter. Am Dienstagvormittag versammelten sich die Drahtarbeiter in M Graumanns Saal, um über weitere Schritte in ihrer Tarifbewegung Beschluß zu fassen. Der Referent Handtte führte unter anderem aus: Nachdem der bis zum 1. April laufende Tarifvertrag gekündigt war, find den Arbeitgebern die für die Erneuerung des Tarifs auf gestellten Forderungen zugestellt worden. Sieben Firmen mit 95 bis 100 Arbeitern haben die Forderungen ohne weiteres anerkannt, womit bewiesen ist, daß die Forderungen nicht als undurchführbar" bezeichnet werden können. Die Nadler- und Siebmacher Inmung sowie der Verband der Berliner Drahtindustriellen haben dagegen den eingesandten Tarifentwurf abgelehnt. Sie sind, wie sie schreiben, über denselben einfach zur Tagesordnung übergegangen. Die Möglichkeit, mit den Arbeitgebern über die ein gereichten Forderungen zu verhandeln, ist den Arbeitern dadurch genommen. Es scheint hiernach, daß die Organisationen der Arbeit geber in Zukunft fein Tarifverhältnis mehr eingehen wollen. Die bedingungslose Ablehnung der Forderungen ist eine offene Kriegserklärung an die Arbeiter. Diese stehen nun vor der Frage, ob sie den Kampf, in den sie von den Unternehmern hineingetrieben werden, aufnehmen wollen. Die Versammlung beantwortete diese Frage, indem sie ohne jede Debatte in geheimer Abstimmung mit 237 gegen 13 Stimmen den Streit beschloß. Der Streit der Landschaftsgärtner. Bericht darüber vorliegt, wurden die Organisation der Arbeiter anerkannt und eine Reihe von Forderungen bewilligt. Die Regierung hob sodann die Schließung des Volkshauses auf und die Arbeiterschaft beschloß in mehreren Versammlungen, am Abend eine solche von 1000 Personen in Lausanne, die Wiederaufnahme der Arbeit. Gleichzeitig wurde beschlossen, von der Regierung eine Generalamnestie für alle infolge des Streits vorgetommenen Ausschreitungen und Verhaftungen zu verlangen. Zur Aussperrung der Hamburger Schauerleute. Um die ausgesperrten Schauerleute zu diskreditieren, schwindeln Den gleichen Beschluß faßte eine Arbeiterversammlung in Genf, die von den Ballinlenten ausgehaltenen Blätter wahre Schauder wo der Generalstreit" nur einige 100 Arbeiter umfaßte, von denen mären zusammen, indem sie jede Roheit und jedes Verbrechen, jedoch eine Anzahl verhaftet worden war. Wir freuen uns bor an denen die Großstadt auch zu normaler" Zeit so reich ist, den allem über die erfolgreiche Beendigung des Streits der so maẞlos " streitenden Hafenarbeitern" in die Schuhe schieben. So etwas zieht ausgebeuteten Arbeiter und Arbeiterinnen der Schokoladenfabrik. bei denen, die bekanntlich nicht aussterben. Der 8wed dieser Würden von der Firma die Zugeständnisse gleich von Anfang an Schwindelnotizen ist sehr durchsichtig. Seit Donnerstag hat sich die Situation im Hafen wenig geändert. Trotz der annäherno 4000 Streit gemacht worden sein, wäre die ganze aufregende Bewegung vermieden worden. Farbige Klaffenkämpfer. brecher, darunter etwa 3500 Englishmens, haben die Schiffe sich vermehrt ein Beweis für die Tüchtigkeit des Streifbrechergesindels. In provokatorischer Absicht läßt man jest im Boren firme Rowdies an Land, Die Kohlenträger von Port Said, die eine Lohnerhöhung for. die jeden anschreien, fie seien Streitbrecher! Die sogenannten dern, sind in den Ausstand getreten. Einige Schiffe können des Vizen( Kolonnenführer) find mit Revolvern ausgerüstet worden. halb den Hafen nicht verlassen. Man nimmt an, daß der Ausstand Das erste Opfer ist ein Bize geworden, der von einem Kollegen nicht lange dauern wird, da es den Ausständigen leider an einer infolge unvorsichtigkeit mit der Schußwaffe in den Leib geschossen Organisation fehlt. wurde, so daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. " Im Hamburger Hafen herrscht an Sonn- und Festtagen eine wahre Friedhofsruhe", behauptete einmal im Reichstage der nationalEingegangene Druckfchriften. liberale Abgeordnete Dr. Semler, der Schwiegersohn der Republik ,, l'Alsace- Lorraine et le pacifisme...!"( Elsaß- Lothringen Mammonia", wie er wegen seines Verwandtschaftsverhältnisses zum und die Friedensbewegung.) 3 Vorträge. Verlag: Ammel, Straßburg im Bürgermeister von Hamburg genannt wird. Diese Behauptung steht auf Gljak( 48 S.) der gleichen Höhe, wie die:" In Hamburg gebe es feine Bordelle". Lebeweltnächte der Friedrichstadt. Von Satyr. Band 30 der Große Am Starfreitag, als am höchsten Festtage der Christenheit, wurden im Stadtdokumente. 1 M. Berlag: H. Seemann Nachflg., Berlin NW. 87. Kanute Moses das Pulver? Bon Silvio Gefell. 30 Pf. Verlag: Machtbereiche der auf christliche Feiertage imb gefeßliche Be- Th. Fride, Altona( Elbe). stimmungen pfeifenden Ballin und Konsorten auf einer ganzen Reihe Die abnormen Charaktere bei Ibsen. Von Dr. W. Weygandt. von Dampfern Ladungs- und Entlöschungsarbeiten berrichtet. Die 0,80 m. Verlag: J. F. Bergemann, Wiesbaden. Herren werden dies fühn als„ Notarbeiten im Sinne der Seemanns- Das deutsch- französische Kulturproblem im Elsaß. Von Dr. Renè ordnung" erklären, wie ja auch vor Gericht öfter mit diesem Gesetz Prèvót. 0,50 M. Berlag: B. Süsserott, Berlin W. 30. Schindluder gespielt worden ist. Im Hafen herrscht jetzt der Zustand Studien. 2. Hest. Herausgeber: Dr. S. Grünberg. Das landwirts der bölligen Geseglosigkeit; die kapitalistischen Anarchisten brauchen schaftliche Betriebsproblem von Else Cronbach. 338 Seiten. Verlag: Starl sich um gefeßliche Bestimmungen nicht zu fümmern. Man läßt Stone gen, Bien, Opern- Ring 3. Leute im Freihafen wohnen und beköstigen; hält Leute wider Am Dienstagmorgen sahen die Unternehmer in der Berliner ihren Willen auf den schwimmenden neun Gefängnissen gefangen Landschaftsgärtnerei, daß die Streiforder der Gehülfen in weitem und vollstreckt an„ Renitenten die Sungerſtrafe. Das ist der ideale Letzte Nachrichten und Depeschen. Umfange befolgt wurde. Die Streifleitung hatte die Zukunftsstaat der Stapitalisten, auf den mancher inländische Stumm Gärtner schon am Montagvormittag nach Miethes Festsälen zu mit Neid blicken dürfte. Wie wir schon vor einigen Tagen mitfammengerufen, um noch einmal Heerschau vor dem beginnenden teilten, verlangt Ballin vom Hamburger Senat die Errichtung von Kampfe zu halten. Nach den Einzeichnungen in die Streifliste Safenarbeiterwohnungen auf der Elbinsel Waltershof, in denen die haben 80 Prozent der Beschäftigten sofort die Arbeitswilligen dauernd untergebracht werden follen. Sollte der Arbeit niedergelegt, und der Rest wird folgen. Der Senat diesem Verlangen nachkommen, dann läßt der in religiösen Streifpostendienst ist gut organisiert. Streifbrecher bon Dingen sehr tolerante Jude Ballin vielleicht auf Waltershof auch christliche auswärts sind nicht sehr zu fürchten; man bittet aber, Stirchen bauen, Wutttistationen, Gefängnisse usw. errichten, und fein den 3uzug fernzuhalten! Von allen allen Streifenden, Butunftsstaat ist dann komplett. Sollten auch die Arbeitswilligen die am Dienstag nicht wieder zur Arbeit gingen, gehören dann einmal vom Streiffieber befallen werden, so braucht er seinen nur fünf der Organisation nicht an. Die Forderungen Inselstaat nur mit Polizeibooten nmkreisen zu lassen, bis die Streifer, find an 165 Unternehmer eingereicht worden. Die meisten durch Hunger mürbe gemacht, zu weiterer Ausbeutung ad libitum der letzteren sind kleine Geschäftsleute mit einem oder zwei Gehülfen bereit sind. und Blumengeschäftsinhaber, die leicht zu bewegen sind, die Forde rungen anzuerkennen, sobald nur die großen Unternehmer etwa zivölf an der Zahl fich damit einverstanden erklären. Bewilligt haben bereits neun Geschäfte. Achtung, Bauarbeiter! Die streifenden Gärtner appellieren an Euch, Eure Solidarität als organisierte Arbeiter zu zeigen, indem Ihr die arbeitenden Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil berant.; Wie wir noch erfahren, ist den deutschen Streitbrechern erklärt worden, fie müßten sich von Ostern ab selbst verpflegen. In den Maschen des Vereinsgefehes. Mannheim, 2. April.( B. H.) Aus Anlaß des hier stattgehabten 5. Kongresses der anarchistischen Föderation wurden die Anarchisten Dr. Friedeberg und Narfunkelstein heute wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz festgenommen. Anssperrung. Prag, 2. April.( W. T. B.) Wie die Abendblätter aus Reichenberg melden, ist dort die Aussperrung der Webereiarbeiter in insgesamt 29 Betrieben erfolgt. Die Zahl der Ausgesperrten und der Streifenden beträgt etwa 2500. Wie gute Wahlen" gemacht werden. New York, 2. April.( B. H.) Harriman behauptet, Präsident Die Streitbrecheragenten der Herren Ballin und Genossen Roosevelt habe ihn furz vor der letzten Präsidentenwahl ersucht, haben so viel ausländisches Streitbrechergesindel und deutsche 200 000 Dollar aufzubringen, da sonst der Staat New York den Arbeitswillige herangeschleppt, daß zu ihrer Aufnahme zehn große Republikanern verloren sei. Roosevelt versprach dafür angeblich, Dampfer in Bereitschaft gestellt worden sind. Außer etwa 3600 Engländern mögen sich auf diesen Schiffen 700-800 Deutsche, den Senator Depew zum Botschafter in Paris zu ernennen, was Polen, Desterreicher und andere Ausländer befinden. Die Reeder aber nicht geschehen sei. Ch. Glede, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanftell Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Kr. 77. 24. Iahrgavg. L Ktilxze des Jutmätts" Serlim MlkslilM. Mittwoch. 3. April 1907. KT. Parteitag der sozialdemokratische» Arbeiterpartei Hollands. Harlem, 31. März. Im �chön dekorierten Saale der Gesellschaft„Vereeniging" wurde am Sonntagvormittag der Parteitag vom Parteivorsitzenden W. H. Vlie gen eröffnet. In seiner Ansprache führte Vliegen aus, der ParUitag müsse die Angelegenheiten, die die Partei im letzten Jahre l-bhaft beschäftigt hätten, zu einer befriedigenden Lösung führen. Es sei unumgänglich notwendig, dah die inneren Streitig- leiten geschlichtet und das gegenseitige Vertrauen der Genossen wieder hergestellt würde. Das Beispiel der ausländischen Parteien zeige, daß auch die holländische Partei bei allseitigem guten Willen über ihre inneren Schwierigkeiten hinwegkommen könne and sich so neu gekräftigt dem gemeinschaftlichen Feinde zuwenden könne, was dringend notwendig sei bei der augenblicklich ersichtlichen Regierungs- unfäsigkeit der bürgerlichen Partei. Die Tagesordnung wird nach den Vorschlägen des Partei- vors.andes genehmigt entgegen dem Wunsche der marxistischen Ge- nosien, die eine Trennung der Beratung in sachliche und persönliche Angelegenheiten wünschen. In der Nachmittagssitzung teilt Parteisekretär van Kuhkhof mit. dcß 123 Abteilungen vurch 177 Abgeordnete vertreten sind. Darauf eihält Genosse Dr. H. G o r t e r das Wort zu seinem Referat über die Taktik. Troelstra habe den Kampf der beiden Parieirichtungen zu einem persönlichen gemacht und gewisse Vorfälle der Partei der marxistischen Richtung in die Schuhe geschoben. Eine von ihm(Gorter) und dem Genosien Pannekoek geschriebene Broschüre sei kein Angriff auf die Kammerfraktion, sondern eine Verteidigung gegen Troelstras Broschüre«in Sachen Parteileitung", die kurz vor dem vorjährigen Parteitag zu Utrecht erschien. Gorter protestiert dagegen, daß man den Kampf zu einem persönlichen machen wolle und zeichnet in einem historischen Rückblick das Fortschreiten der revisionistischen Richtung in der Parteileitung, dem Parteiorgan„Het Volk" usw. Der Revisionismus habe sich bekundet in der Behandlung der Agrar ftage, wobei die marxistische Richtung allerdings mit ihrem Standpunkt durchdrang. Ebenso zeigte sich der Revisionismus in der Behandlung der Schulfrage. in der Behandlung des Generalstreiks im Jahre 1903 durch durch die Kammerfraktion, die dabei Hoffnungen auf die liberalen Parteien fetzte. In der Haltung der Fraktion gegen das Agitations- komitee betreffend den Arbeitskontrakt trat derselbe Geist zutage und in letzter Zeit ist das der Fall gewesen in der Stellungnahme zu den Gesetzentwürfen für Kranken- und Invalidenversicherung. Ueberall macht man den bürgerlichen Parteien mehr oder minder große Zu- geständnisse. In der Zentralisation der Partei, die der Parteivorftand an- strebt, im Fallenlassen der Forderung des Fraiicnwahlrechts in dem seinerzeit von der Kammerftaktion eingereichten Gesetzentwurf betr. das allgemeine Wahlrecht, bei der Behandlung des Zehnstundentages auf dem Kongreß, wobei die Forderung des Achtstundentages nicht in der Resolution erwähnt wurde, in der eventuellen Bereitschaft der Kammer- fraktion fiir das Kriegsbudget zu stimmen, in allen diesen Fällen glauben die Marxisten Anzeichen von Entgegenkommen an die bürgerlichen Demokraten zu erkennen. Auch im Parteiorgan„Het Volk" herrscht der Revisionismus. Besonders zeigt er sich in der Weise, wie in der Rubrik Ausland die Taktik der deutschen Partei jetzt im Gegensatz zu früher als verkehrt dar- gestellt wird, während dem ftanzösischen Radikalismus und den unabhängigen Sozialisten Frankreichs zugejubelt wird. Gerade im letzten Jahre häuften sich die Anzeichen des Revisionismus. Dazu kam die große Eile in der Programmrevision. Gorter warnt vor der Abfchwenkung nach rechts. Die Marxisten werden aus dem Standpunkt des Programms stehen bleiben. Er fordert die Zurückziehung der Utrechter Resolution und endet unter kräftigem Beifall eines Teiles des Parteitages. In der Abendsitzung spricht Genosse Troelstra als Korreferent. Falls alles sich so verhalte, wie Genosse Gorter be« hauptet habe, müßten er(Troelstra) und seine Freunde des sozialistischen Prinzips halber aus der Partei entfernt werden. Alle angeführten Dinge seien aber altbekannt. Verschiedene Punkte, worin gefehlt wurde, seien bereits zugegeben, vieles sei aber übertrieben. Ks sei eine Unwahrheit, daß die Marxisten nicht als Mitarbeiter ain Parteiblatte„Het Volk" zugelassen würden, man müsse sich aber gegen das Ueberwuchern von Debatten im Blatte schützen. Er und seine näheren Freunde könnten der Zurückziehung der Utrechter Resolution nicht zustimmen. Von einem Entgegenkommen an die bürgerlichen Parteien sei keine Rede, ebensowenig solle die fteie Meinungsäußerung in der Partei be- schränkt werden. Wenden müsse man sich aber gegen unzeitige Kritik an Parteigenossen, die verantwortliche Posten innc hätten. Das sei in allen Punkten, die Gorter angeführt habe, geschehen. Das sucht der Redner des näheren darzulegen. Es sei Ueberhebung, wenn Genosse Gorter und seine Freunde das Monopol des Marxismus be- anspruchten. Luch die andere Richtung glaube auf dem Boden des Marxisnius zu stehen. Sie wolle aber auch praktische Reformen er- zielen. Doch müsse er dagegen protestieren, daß seine Richtung diese als das Endziel der Sozialdemokratie ansehe. Troelstra ver- teidigt seine und der Kammerftaktion Haltung in den verschiedenen vom' Genossen Gorter angeführten Punkten. Es sei letzterem nicht gelungen, den Beweis für seine Anschuldigungen zu erbringen. Die Programmrevision sei notwendig, um die Stellung der Partei gegen die bürgerlichen Demokraten zu stärken. Sie müsse in einer Kommission durchzuführen versucht werden. Man müsse dort suchen, was die beiden Richtungen ver- eine und aus dem Programm entfernen, was sie trennt. Ausgangs- sunkt und Schlußfolgerung des Parteiprogramms seien aber un- anfechtbar. Der Redner würde bedauern, wenn die Marxisten aus >er Partei auStteten würden. Er habe aber die Hoffnung, daß uirch die Beratung in der Kommission die Schwierigkeiten behoben Verden könnten. Troelstra endet unter anhaltendem Beifall eines iroßeii Teiles des Parteitages. Haarlem, 1. April 1907. Bei der Eröffnung der Vormittagssitznng werden drei Er- llärungen abgegeben. Die Kammerfraktion läßt durch den Genossen S ch a p e r erklären, daß die Mitglieder der Fraktion nicht länger als Vertreter der sozialdemokratischen Partei im Parlament auftreten können, falls die gegen sie erhobenen Anschuldigungen für richtig befunden würden. Die Fraktion verlangt eine Erklärung des Parteitages, die ihr Verhalten in der zweiten Kammer billigt und ihr das volle Vertrauen ausspricht. Namens des Parteivorstandes gibt Genoffe Spiekman die Erklärung ab, daß durch die zusammen mit dem niederländischen Verband der Gewerkschaften begonnene Aktion für den gesetzlichen Zehnstundentag der internationalen Forderung deS Achtstundentages kein Abbruch getan werde, da die Agitation eine augenblicklich er- reichbare Forderung betreffe. Namens der Redaktion des Parteiorgans„Het Volk" erklärt Genosse Vliegen, die Partei gehe zugrunde, wenn die An- sichten der Gruppe Gorter im Blatte die Oberhand erhielten. ES sei eine grobe Lüge, daß die Redaktion die Diskussion im Blatte abgeschnitten hätte. Die Redaktion habe im Gegenteil die Genossen der.Nieuwe Tid"-Gruppe zur Mitarbeiterschaft häufig aufgefordert. Genosse van der Goes erklärt durch Zwischenruf, daß die Redaktion ihm und seinen Freunden die Mitarbeilcrschaft unmöglich gemacht habe. An der nun folgenden Debatte über die Taktik, die den Rest der Vormittags- und einen Teil der Nachmittagssitzung füllt, be- teiligen sich die Delegierten von 26 Abteilungen. Die übergroße Mehrheit der zu Wort Kommenden spricht sich für die Haltung der jetzigen Parteileitung, der Kammerfraktion und der Redaktton vom„Het Volk" aus und wendet sich gegen die Kritik der Marxisten. Ein Teil der Redner spricht für, der andere gegen die Zurückziehung der Uftechter Resolutton. Zu Beginn der Nachmittagsfitzung wurde Stellung genommen zu den im Juni stattfindenden Wahlen für die Provinzialstaaten. Die Parteiabteilungen sollen aufgefordert werden, selbständige Kandidawren aufzustellen: in Distrikten, wo die Abteilungen noch nicht mit vollständiger Kandidatenliste selbständig auftreten können, soll die Haltung der Parteigenossen in Uebereinstimmung mit dem Parteivorstande festgesetzt werden. Bei der Stichwahl soll der Partei- vorstand die Haltung der Partei bestimmen. Außerdem wurde beschlossen, fünf Delegierte zum intemattonalen Kongreß in Stuttgart zu entsenden und auf ihm zu beantragen, den Punkt„Frauenlvahlrecht" zu beraten. Hu9 der Partei. Die Spaltung der sozialistischtn Iugeudorganisatian Italiens. Rom, 23. März.(Eig. Ber.) Auf ihrem dritten Kongreß, der vom 24. bis 27. März in Bologna getagt hat, hat der„Verband der jungen Sozialisten" sich in einen syndikalistischen und in einen reformistisch- integralisttschen Flügel gespalten. Was die Gesamt- Partei durch Disziplin und Selbstbeherrschung verhindert hat, das hat die Jugendorganisatton schlankweg vollzogen. Obwohl administrativ unabhängig von der Partei, hat die Organisation der jungen Sozialisten, die die jungen Leute aufnehmen soll, denen die Pforten der Partei noch verschlossen sind(von 16 bis 18 Jahren), sich immer als in einem moralischen Abhängigkeitsverhältnis zur Partei stehend Betrachtet. Sie hat auf dem allgememen Parteitage in Rom zur Frage des Anttmilitarismus das Wort genommen, hat wiederholt vom Partei- vorstand eine Direkttve gefordert und auch in Bologna Berfteter des Parteivorstandes auf ihrem Kongreß gesehen. Alle bisher be- stehenden Beziehungen bezeugten also ein moralisches Abhängigkeits- Verhältnis, da wohl nicht gut von einer Gleichstellung die Rede sein kann. In Bologna hat man nun das alles über den Haufen ge- warfen und die Jugendorganisation, die doch eine Vorschule der geeinigten Partei sein sollte, wegen prinzipieller Unvereinbarkeit gespalten. Man könnte die ganze Sache als einen heißköpfigen Jugend- streich abtun, wenn wirklich nur die jungen Leute aus eigener Machtvollkommenheit entschieden hätten. Wäre dem so, so bewiese der jüngste Kongreß zu Bologna nur, daß T u r a t i im Recht war, wenn er über die politische Un< reife der Jugendorganisatton die Lange seines Spottes ausgoß Aber die jungen Leute waren nicht unter sich, als sie die Trennung vorbereiteten und vollzogen. Ja, es war sogar ein Mitglied des Vorstandes der soziali(tischen Partei, die Genossin A l t o b e l l i, unter denen, die die Spaltung vorschlugen, und zwei Vorstands� Mitglieder haben nach der Spaltung den Vorsitz in dem reformistisch integralistischen Koitgreß geführt. Vertreter den Gesamt- Siartei haben so bei der Spaltung zu Gevatter ge- t a n d e n. sie haben nicht die Verpflichtung gefühlt, im Namen der Beschlüsse des Parteitages von Rom zur Einigkeit und Duldsamkeit zu ermahmen, sie haben nicht protestierend die Versammlung verlassen, die spielend und halb unbewußt Kostbares zerstörte. Diese Tatsache ist viel ernster und wird weit folgenreicher sein, als der knabenhafte Leichtsinn, mit dem die jungen Leute die Einheit ihrer Organisation zerbrachen. Es ist unverkennbar, daß dem jetzigen Kongreß eine längere Vorarbeit vorangegangen ist, die von Reformisten und Jntegralisten ins Werk gesetzt worden war, um die Jugendorganisation dem Ein fluß der Syndikalisten zu entziehen. Die Syndikalisten, die selbst fast ausschließlich-junge Leute sind, haben sich von Anfang an viel der Jugendorganisation gewidmet; ihre Richtung, die der revolutio nären Geste und dem individuellen Tun viel Bedeuttmg zuspricht, hat für die Jugend eine besondere Werbckraft, die noch vergrößert wird durch den romantischen Beigeschinack, der der Agitation in den Kasernen anhastet, von deren Gefahren die jungen Leute, die noch nicht beim Militär waren, keine genaue Vorstellung haben. Daß der Parteivorstand nicht ohne Sorge dies Umsichgreifen des Syndi kalismils in der Organisation der jungen Sozialisten mit ansah, ist begreiflich. Weniger begreiflich ist, daß er nicht offiziell einschritt, ennahnend und an die Pflichten der Einordnung in die Gesamt Bewegung erinnernd, sondern durch Unterhandlungen das Zentral komitee auf seine Seite brachte, ein starkes Delegiertenaufgebot der Reformisten und Jntegralisten begünstigte und durch seine Mitglieder die Spaltung offen befürwortete. Die syndikalistische Propaganda durch Propaganda seiner Ansichten einzudämmen, konnte Pflicht des Parteivorftandes sein. Der Versuch, die Syndikalisten zu über- stimmen und die Befürwortung der Spaltung stand dem Vorstand nicht an. Daß die Spaltung schon außerhalb des KongresieS ausgereist worden lvar, geht aus einem kurzen Ueberblick über die Berhand lungen hervor. Zugegen waren einige 150 Delegierte. Sofort kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen über die Gültigkeit der Mandate von 42 Delegierten von Reggio Emilia(Reformisten),, deren Organl sationen erst vor kurzer Zeit dem Landesverband beigetreten sind. Gleiche zeitig diskuttert man über den AbsttmmungSmodus, nach Vertretern oder nach vertretenen Mitgliedern. Die Reformisten und Jntegralisten sind für den ersten, die Syndikalisten für den zweiten Modus, l entsteht ein wahrer Tumult, bis Bartolozzi(Syndikalist) vor- schlägt, zur Spaltung zu schreiten. Die Reformisten sind ein- verstanden und nach einer Pause kommt man ohne Abstimmung überein, die Organisation zu spalten, wobei für die noch gemeinsam zu erledigenden Angelegenheiten die Mandate der Delegierten von Reggio anerkannt und die Abstimmungen nach Delegierten festgesetzt werden. Nun versuchen beide Teile, den anderen als den vom ge meinsamen Programm abiveichenden hinzustellen. Die Jntegralisten und Reformisten bringen folgende Tagesordnung ein: „In Anbettacht der Verichiedeuheit der Auffassung, der Methode und der Lehren über den Antimilttarismus, über das Verhalten gegen den Staat und über die Beziehung zu der Partei und den Gewerkschaften, die zwischen den auf dem Kongreß entstandenen Frakttonen zutage getteten ist, billigen die Sozialisten der Jugend- organisatton die Trennung von den Syndikalisten, die von diesen selbst vorgeschlagen wurdet Diese Tagesordnung unterliegt mit 76 gegen 51 Sttmmen, worauf die Reformisten und Jntegralisten den Kongreß verlassen. Die Spaltung ist also ohne Diskussion, ohne irgend- welche prinzipielle Auseinandersetzung erfolgt. Am nächsten Tage haben beide Kongresse gesondert getagt und in beiden wurde die Autonomie der Jugendorganisation be- schloffen. Die Syndikalisten sandten die unvermeidlichen Sympathietelegramme an die„Azione", die Jntegralisten und Reformisten an den„Avanti". Die einen beschlossen, sich in Florenz, die anderen in S m o l a in zwei Jahren wieder zu versammeln und der ttaurige Kongreß fand sein Ende, nachdem über alle möglichen schönen Dinge diskutiert worden war, über die im Namen der Jugendorganisatton Italiens zu beschließen offenbar keine der beiden Versammlungen mehr das Recht hatte. Gespannt muß man nun auf die Stellungnahme des Partei- Vorstandes sein, der durch zwei seiner Mitglieder, die Genossin A l t o b e l l i und den früheren Abgeordneten B e n t i n i. offen auf die Seite des reformistisch-integralistischen Flügels getreten ist. Billigt der Gesamtvorsiand diese Haltung seiner Mitglieder, so heißt er indirekt die Spaltung gut, die der Parteitag von Rom mit großer Mehrheit abgelehnt hat.__ Kreiskonferenzen. Der Wahlkreis Duisburg- Mülheim hielt am Kar« freitag in Heißen eine W a h l k r e i s k o n f e r e n z ab, die sich neben der Erledigung der regelmäßig«uf den Kreiskonfccenzcn wiederkehrenden Parteigeschäfte des engeren Kreises vorwiegend mit der Beschaffung eines selbständigen Partei- o r g a n s zu befassen hatte. Auch der Parteivorstand aus Berlin hatte hierzu einen Delegierten, den Genossen Molken- buhc, entsandt. Die Genossen haben sich im vorigen Herbst ein eigenes Organ, die„Niederrheinische Arbeiter» zeitung" geschaffen, die jedoch bisher als Kopfblatt lediglich für den lokalen Teil des Wahlkreises selbständig arbeitete und im übrigen der„Dortmunder Arbeiterzeitung" angegliedert ist. Nun hat aber die EntWickelung dieses Kopfblattes erfreulicherweise in den sechs Monaten einen solchen Aufschwung genommen, daß die Genosien des neu eroberten industriellen Riesenlvahlkreises der Ansicht sind, die Parteientwickelung im Kreise erfordere unbedingt die vollständige Selbständigkeit eines eigenen Organs. Der Vor- sitzende der Kreispreßkommission, der über die An- gelegenheit berichtete, konnte an der Hand des Geschäftsabschlusies nachweisen, daß der Umsatz in den ersten sechs Monaten des Bestehens des Kopfblattes den Betrag von 41 488,18 M. er- reicht, also bereits den Umfang einer mittleren Partei- d r u ck e r e i angenommen hat. Unter solchen Umständen war es begreiflich, daß die aus 54 Delegierten und den Parteifunktionären zusammengesetzte Konferenz fast einmütig dem Vorschlage der Kreispretzkommission zustimmte. Als eine unliebsame Zugabe zu dem Projekt wird nun von den Genossen das Bestreben des Haupt- Vorstandes betrachtet, die Duisburger mit dem schon seit zirka 2 Jahren in der Schwebe befindlichen Projekt einer eigenen Druckerei in Essen zu verschmelzen. Das im Vorjahre in Essen festgelegte Unternehmen ist bekanntlich, als schon der Bau in An- griff genommen war, durch die mehr als unfaire Handlungsweise zweier Personen aus bürgerlichen Kreisen dem Jnduftriekönig Stinnes in die Hände gespielt worden. Daß nun die Esiener Ge- nosien inzwischen entgegen den Anordnungen des Hauptvorstandes, der nach dem Verkrachen des Esiener Unternehmens die Druckerei in Duisburg einrichten wollte, stillschweigend ein zweites Grundstück angekauft haben, hat die Genosien des Duisburger Wahlkreises stark empört, und sie weigerten sich deshalb, mit den Esiener Ge- nosien zusammenzugehen. Da der Genosse Molkenbuhr als Vertreter des Parteivorstandes und der Vertreter des Wahlkreises, Reichstagsabgeordneter Hengsbach, mit größter Beredsamkeit versuchten, die Dissonanzen zu beseitigen und die Genossen für den Anschluß an Essen trotz des Verhaltens der Essener im finanziellen Interesse der Partei umzustimmen, so war die Erörterung der Angelegenheit teilweise eine etwas gereizte und erregte. Die Wogen der Erregung glätteten sich jedoch, als Genosse Molken- b u h r der Konferenz den Vorschlag machte, wenigstens den Druck der„Riederrheinischcn Arbeiterzeitung" so lange in Essen zu belassen, bis der Duisburger Kreis aus eigenen Mitteln in der Lage sei, die Druckeret selbständig zu etablieren. Nachdem der Preßkommissionsvorsitzende empfohlen hatte, diesen Vorschlag des Parteivorstandes zu akzeptieren, zumal es mit der Etablicrung deS Druckereiunternehmens aus eigenen Mitteln doch wohl noch eine Weile dauern werde, erfolgte fast allgemeine Zustimmung. Es wurde e i n st i m m i g dann der Beschluß gefaßt, eine G e» nossenschaft zu begründen, die die Beschaffung von Geldmitteln und die Gründung eines eigenen Druckereiunter» nehmens in die Wege zu leiten hat. Die„Niederrheinische Arbeiterzeitung" wird von dem Zeitpunkte an, da das Essener Projekt verwirklicht ist, ebenfalls als selbständiges Parteiorgan unter eigener Redaktion und eigener Geschäfts. führung erscheinen, der Druck des Blattes aber dem Essener Parteigeschäft übertragen werden. Die Kreispreßkommission wurde mit den Vorarbeiten betraut. Ebenso erfreulich wie die EntWickelung der Presse hat sich die Stärkung der Organisation gestaltet. Wie der Kreis, Vertrauensmann an der Hand seiner Abrechnung nachwies, ist die Zahl der organisierten Genossen des Wahlkreises auf 3291 gewachsen, was gegen das Vorjahr eine Zunahme um 1418 be- deutet. Da die Fluktuation in diesem Kreise ganz außergewöhn- lich, vielleicht am stärksten überhaupt ist, so bedeutet die Zunahme von �1418 Organisierte in einem Jahr und unter so sehr primitiven Verhältnissen einen mächtigen Fortschritt. Der Wahlkampf, der die Eroberung des Mandats brachte, hat eine Ausgabe von 13 893,06 M. verursacht, dem nur eine Einnahme von 12 077,86 M. gegenüberstand, so daß hier ein Defizit von 1815,80 Mark entstanden ist. 11 Flugblätter wurden wahrend des Wahl- kampfes in einer Gesamtauflage von 830 000 Exemplaren ver- breitet, außerdem noch 72 600 Handzettel. 96 Versammlungen wurden in 12 Orten abgehalten, in mehr Ortschaften standen im Wahlkreise infolge des gegnerischen Terrorismus keine Lokale zur Verfügung. Das Gesamtbild zeigte ein reges Parteileben im Wahlkreise und eine gesund'e Entwickelung. Vom Fortschritt der Presse. Das„ V o l k s b l a t t" zu Bochum hat am 30. März dis Zahl von 12 000 Abonnenten erreicht. Eine schwere Anklage gegen ein syndikalistisches Blatt. Rom, 28. März.(Eig. Ber.) Der Parteisekretär Genosse O. Morgari, Abgeordneter eines Turiner Wahlkreises, erhebt im„Sempre Avanti" Anklage gegen die syndikalistische Tageszeitung„Azione" in Rom, der er vorwirft, Gelder aus trüber Quelle zu erhalten. Zum Beweis dieser Behauptung führt Morgari folgendes an: Die von Enrico Leon« geleitete Zeitung hat als zweiten Direktor einen gewissen Herrn S e a r a n o. Dieser ist Verwalter einer Postagentur und hat als solcher eine ganz besonders glänzende Karriere gemacht und nam- hafte Vergünsttgungen erfahren. Dieser Searano ist nicht Syndikalist, denn er trat vor der Gründung der„Azione" an den Genossen T a S c a mit dem Vorschlage heran, eine reformistisch- demokratische Zeitung zu gründen. Nach Erklärungen LeoneS sollen die Schwager SearanoS monatlich 7000 Lire für die„Azione" geben; Morgari beweist nun, daß beide Schwager mittellos find. Searano ist nicht Journalist, hat aber kurze Zeit lang eine Zeitung zur Bekämpfung des Verbandes der Postangestellten herausgegeben. Morgari fordert nun öffentlich Leone auf, Rechenschaft über die Geldquellen seiner Zeitung zu geben. Die mit Dokumenten. Namen und Daten genau belegte Anklage ruft um so größeres Erstaunen hervor, als Enrico Leone zwei Jahre hin- durch erster politischer Redakteur des„Avanti" war und den Ruf tadelloser persönlicher Rechtschaffenheit in der Partei genießt. Der Derbaudstag der Dortefemlier. Der zweite VerbandStag des Verbandes der Portefeuiller und Ledergalanteriearbeiter Deutschlands wurde am ersten Ostertage vormittags 9 Uhr eröffnet. Er findet im Saal 1 des Berliner Gewerkschaftshauses statt. Erschienen sind 28 Delegierte, deren Mandate sämtlich als gültig anerkannt werden. Die organisierten Zwischenmeister haben zwei Vertreter entsandt, die als Gäste an den Beratungen teil- nehmen. Vom Verbandsvorstand, der in Offenbach seinen Sitz hat, ist der Vorsitzende W e i n s ch i l d und der Kassierer Eisig anwesend» vom Berbandsausschuß der Vorsitzende Hei n d k e- Ber.iftt. Der Verein Set Ledergalanteriearbeiter Niederosterretchs i<',c durch seinen Obmann S t r n a d t vertreten, der Deutsche Buch- binderverband durch Eugen Brückner, der Sattlerverband durch M i nt er und Hackelbusch. Als Vertreter der General. kommission nimmt RobertSchmidtan den Verhandlungen teil. Kie Geschäftsberichte Uder die seit dem vorigen Verbandstage verflossenen 3 Jahre liegen gedruckt vor. Der Bericht des Vorstandes wie der des Kassierers lassen erkennen, daß der Verband sich über Erwarten günstig ent- wickelt hat. Die Zahl der Mitglieder ist von 2374 männlichen und 77 weiblichen auf 3ö20 männliche und 457 weibliche gestiegen. Die Zahl der im Berufe tätigen Personen beträgt ungefähr 5500. Von ihnen sind also nun fast 4000 im Portefeuillerverband organisiert. Außerdem gehören 150 Berufsgenossen dem Buchbinderverband, 100 dem Sattlerverband und 150 der christlichen Gewerkschaft an. Der Portefeuillerverband hatte zu Ostern 1901 nur 9 Zahlstellen, am Schlüsse des Jahres 1903 waren es 25 und am Jahresschluß 1906 30. In den Städten, wo die Portefeuillesindustrie ihren Hauptsitz hat, wie Berlin, Leipzig. Freiberg, Siürnberg, Stuttgart, Offenbach und Umgegend, sind mehr als 90 Prozent der männlichen und 36 Prozent der weiblichen Berufsgenossen organisiert. Als zweckmäßigste Form der Agitation hat sich die Hausagitation be» währt, wie sie namentlich im Offenbacher Jndustriebezirk regel- mäßig zweimal im Jahre betrieben wurde. Der Verbands- Vorsitzende hat im Laufe der Berichtszeit alle Zahlstellen besucht, während der Tarifbcwegung sogar mehrmals. Außerdem wurden tausende von Flugblättern, Agitationsnummern der..Portefeuiller- Zeitung" verbreitet, und u. a. auch eine Flugschrift über die Heim- arbeit. Die Abrechnungen der Zahlstellen ergaben die Bilanzsumme von 158531,86 M. Die auf Grund eines Beschlusies des Ber- bandstages von 1904 und der darauf vorgenommenen Urabstimmung eingeführte Erwerbsloscnunterstützung setzte eine Erhöhung der Verbandsbeiträge für männliche Mitglieder von 20 auf 30 Pf. und für weibliche von 10 auf 15 Pf. voraus. Diese trat am 1. Januar 1905 in Kraft und hat die EntWickelung des Verbandes in keiner Weise gehemmt, vielleicht sogar fördernd gewirkt. Die Unter- ftützungsauszahlung begann im Juli 1905. Seitdem wurde bis zum Jahresschluß 1906 Krankenunterstützung in 625 Fällen für 11674 Tage gezahlt, und zwar 5582,70 M.; Arbeitslosenunter- stützung an 118 Mitglieder für 996 Tage, und zwar 744 M. Reise- Unterstützung wurde an 13 Mitglieder für 121 Tage 90,75 M. gezahlt. Mit dem Verbände der Sattler wurde ein GegenseitigkeitS- vertrag abgeschlossen, der sich auf die Organisationstätigkeit in Betrieben bezieht, wo Mitglieder beider Verbände beschäftigt sind. Ein anderer Gegenseitigkeitsvertrag wurde mit dem Verein der Ledergalanteriearbeiter Niederösterreichs abgeschlossen, der Haupt- sächlich Bestimmungen für zurcisende Mitglieder erhält. Mit dem Deutschen Buchbinderverband wurde ein Kartellvertrag abge- schlössen, der zur Vermeidung von Grenzstreitigkeiten dient. Für die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen hat der Verband sehr erfolgreich gewirkt. Im Jahre 1904 fanden in 5 Orten Lohnbewegungen statt, die 268 Beteiligten Lohnerhöhungen brachten, die pro Woche 457 M. ausmacht. Das Jahr 1905 war für den Verband«in Kampfjahr, daS in allen matzgebenden Orten der Portefeuillesindustrie zum Abschluß von Tarifverträgen führte, die bis zum 30. Juni 1908 gelten. Dieses Ziel wurde mit Verhältnis- > mäßig geringen Opfern erreicht. Die Ausgaben für die Lohn- bewegungen dieses Jahres beliefen sich auf nur 1088,31 M. Die größte Bewegung war die im Offenbacher Industriegebiet. Sie erstreckte sich auf 192 Betriebe mit rund 2500 Arbeitern, 500 Ar» beiterinnen und 200 Lehrlingen. Die Arbeitszeit wurde hier auf wöchentlich 54 Stunden festgesetzt. Die Lohnerhöhungen, die er- zielt wurden, belaufen sich auf ungefähr 6000 M. pro Woche. Außerdem ist im Offenbacher Industriegebiet eine Vereinbarung zur Regelung des Lehrlingswesens getroffen worden. Im übrigen enthalten die verschiedenen Tarifverträge neben anderen wichtigen Bestimmungen auch solche zum Schutze der Heimarbeiter wie teils auch zur Einschränkung der Heimarbeit. Im Jahre 1906 wurden in 5 Orten Forderungen gestellt, die sich auf 112 Betriebe mit 761 Arbeitern und Arbeiterinnen er- streckten. Diese Lohnbewegungen führten ebenfalls alle zu gutem Erfolg, größtenteils durch friedliche Verhandlungen.— Der gedruckte Bericht wurde von dem Verbandsvorsihenden Weinschild mündlich ergänzt. Der Redner wies zum Schluß darauf hin, daß das Unternehmertum der Portefeuillesindustrie sich nun auch zu einer Kampfesorganisation zusammenschließt und daß die Lohnbewegungen in Zukunft vielleicht weit größere Opfer erfordern werden als bisher. Die Abrechnungen der Verbandskasse über dix Zeit vom 1. Januar 1904 bis zum 31. Dezember 1906 schließen mit der Einnahmensumme von 164 002,38 M. und der AuSgabensumme von 66 091,48 M. Der Bestand ist in der Be» richtSzeit von 33 787.43 M. auf 97 910,90 M. angewachsen.' Für Streikunterstützung im eigenen Beruf wurden 8343,16 M. auS- gegeben, für Unterstützung anderer Gewerkschaften 1420,11 M. Der Kassierer Eisig gab zu dem Kassenbericht verschiedene Erläute- rungen. DaS VerbandSorgan, Sie„Portefeuillcr-Zeitung", erschien am Anfang deS JahreS 1904 iir 2800. am Schlüsse des Jahres 1906 in 4400 Exemplaren. Der Bericht deS Ausschusses läßt erkennen, daß diese Körperschaft nach besten Kräften ihre Aufgaben erfüllt hat. Der Ausschuß gab auch seine Zustimmung zu provisorischer Anstellung eines zloeiten Beamten, die durch Ueberlastung des VerbandSvorsitzenden notwendig wurde und vor- läufig' bis zum gegenwärtigen VerbandStag gelten sollte. Im Januar 1905 nahm der Ausschuß eine Extrarevision der Verbands- lasse vor und fand dabei alles in musterhafter Ordnung. Der Ausschußvorsitzende Heindke berichtete mündlich über einige Differenzen zwischen Ausschuß und Verbandsvorstand.— ' Die Diskussion über die Geschäftsberichte bezog fickj hauptfächlich auf innere Angelegenheiten deS Verbandes. Sie wurde am Montagvormittag beendet. Der Verbandsleitung wurde ein» stimmig Decharge erteilt. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung: LcltragS« und UnterstlltzungSfragen» referierte der Verbandskassierer Eisig. GS liegen zu diesem Punkt verschiedene Anträge vor. Die Diskusston zeigte, daß man allgemein mit einer Erhöhung der Verbandsbeiträge«inverstanden ist, was bei den durch die Organisation erzielten Lohnerhöhungen auch selbstverständlich erscheint. Angenommen wurde ein Antrag Leipzig, wonach der Beitrag der männlichen Mitglieder von 30 auf 45 Pf., der der weiblichen von 15 auf 20 Pf. erhöht werden soll. Zu weiterer Prüfung der zu diesem Punkt gestellten Anträge wurde eine Kommission von 5 Mitgliedern gewählt. Im übrigen wurde die Sitzung am Montag durch die Beratung über den Punkt: Tarifgemeinschaft ausgefüllt. Der Referent W c i n f ch t l d wies daraus hin, daß der vorige Verbandstag dem Verbandsvorstand den Auftrag erteilt hatte, die Ärundzilge zu einer Tarisgcmcinschaft auszuarbeiten. Der Auftrag wurde dadurch überholt, daß bereit« im Jahre 1905 in allen maßgebenden Orten tatsächlich Tarisverträae mit den Unternehmern abgeschlossen wurden. Der Redner äußerte sich dann ausführlich über den Wert und die Bedeutung der Tarif- gemeinschaften und erwähnte auch, daß sich die Zwtschenmeister im Offenbacher Industriegebiet ebenfall» organifiert und dem Portefeuillerverband angeschlossen haben, wodurch die Regelung der Lohn, und Arbtitsverhültntsse besser durchgssllhrt Werden konnte, als«S sonst möglich gewesen wäre. Die Festsetzung eines allgemeinen Auordlohntarifs hält der Redner nicht für möglich, so lange He außerordentlich mannigfaltigen Produktionsverhältnisse in der Portefeuillesindustrie bestehen. Der Redner warnte davor, die Zeit der Bertragsdaucr als eine Zeit der Ruhe und deS unge- trübten Friedens anzusehen. Weil die Arbeitgeber nur zu leicht geneigt sind, Tarifbruche zu begehen, müsse nicht nur die Organ,. sationsleitung, sondern auch jedes Mitglied stets und ständig über die Durchführung der Tarifverträge wachen. Auf dem Verbands- tag schon über Verlängerung oder Kündigung der bis Mitte nächsten Jahres geltenden Tarifverträge zu beraten, erklärte der Redner für unzweckmäßig. Besser sei es. den Verbandsvorstand zu beauf- tragen, zu gee,gneter Zeit mit den Vertretern der Tariforte über die Angelegenheit zu beraten. In der Diskussion sprach u. a.. als Vertreter der organisierten Zwischenmeister, Herr Dehn auS Fechenheim. Er bemerkte, daß er, obwohl er anderer politischer Ansicht als die Arbeiterschaft sei. doch nach und nach ein warmer Freund der gewerkschaftlichen Or- ganisation geworden sei. Die Zwischcnmeister müßten sich in ihrer Organisation auf die Arbeiterschaft stützen. Der Redner beklagte es, daß ein großer Teil der Zwischenmeister der Organisation noch fern steht.— Die Dedakke schloß mit der Annahme folgender Re- sclution: „Der Verbandstag beauftragt den Verbandsborstand, die Vorarbeiten für die kommende Tarifbewcgung einzuleiten, zu diesem Zweck zu geeigneter Zeit Sitzungen abzuhalten und aus den in Betracht komnienden Industriezentren Vertreter hinzuzu- ziehen, um möglichst einheitliche Tarifverträge zustm,»'? zu bringen." m In der Sitzung am Dienstag wurde zunächst über die Agitation beraten. Den einleitenden Vortrag hielt Weinschild. Obwohl es mit der Organisation der Berufsgenossen in den Zentren der Portefeuillesindustrie verhältnismäßig sehr gut bestellt»st, hält der Redner eine eifrige unermüdliche Agitationsarbeit für notwendig, die vor allem daraus gerichtet sein muß, die neugewonnenen Mit- glieder dahin zu bringen, daß sie selbständig urteilen können und in den Grundsätzen der Arbeiterbewegung gefestigt dastehen. Dies ist namentlich auch mit Rücksicht auf die christliche Gcgenagiiation notwendig, die in dem Offenbacher Industriegebiet von Kaplänen, Geistlichen, ja von einem extra für die 150 christlich organisierten Portefeuiller angestellten Beamten mit allen Mitteln betrieben wird. Man besucht die frei organisierten Portefeuiller während der Arbeitszeit, sucht sie zu der christlichen Organisation herüber- zuziehen, mißbraucht auch die Kanzel, fordert zum Besuch von Josefs- und Cäcilienvereinen auf. um die Arbeiter und Arbeite- rinnen dort zu bearbeiten. Lüge und Verleumdung, zu einem guten Teil auch Einschüchterung, sollen dazu dienen, dem Porte- seuillerverband Mitglieder abspenstig zu machen. Wenn diese Gegenagitation auch bis jetzt nur sehr wenig Erfolg gehabt hat, so darf sie doch nicht unbeachtet bleiben. ES liegen zu diesem Punkt verschiedene Anträge vor. Der Redner sprach namentlich dafür, daß die„Portefeuiller-Zeitung", soweit es die verfügbaren Mittel zulassen, verbessert und vergrößert werde, daß den weiblichen Mitgliedern die„Gleichheit" unentgelt- lich geliefert, und den Mitgliedern im allgemeine», vor allem aber den Funktionären der Zahlstellen aufklärende Broschüren und Schriften auf Verbandskosten zur Verfügung gestellt werden. Weiter bemerkte der Redner, daß die arbeiterfeindliche Presse durch die Arbeitervresse ersetzt werden muß, was um so mehr notwendig erscheint, als die christlichen Agitatoren mit dem berüchtigten Reichslügenverband in holder Eintracht zusammenwirken und dessen Schwindeleien ebenso gewissenlos wie die politischen Agitatoren überall auftischen. Eine andere Erscheinung, auf die der Redner aufmerksam machte, ist. daß die Unternehmer nun, nach der Lohn- bewegung, versuchen, ihre Arbeit in anderen Gegenden des Reichs, im TaunuS, im Spessart, im Odenwald, im Württembergschen, ja in der Umgegend von Magdeburg herstellen zu lassen. Darum er- scheint es notwendig, daß der Verband dafür sorgt, daß auch hier auskömmliche Löhne gezahlt werden. Außerdem erwähnte der Redner, daß der Portefeuillerverband in einzelnen Städten, wo es wohl möglich wäre, Mitglieder zu gc- Winnen, die Agitation mit Rücksicht darauf unterlassen habe, daß ein, allerdings nur geringer, Teil der ansässigen Berufsgenossen dem Buchbinderverband angehörten. Es liege dem Portefeuiller- verband nichts daran, die 150 im Buchbinderverband organisierten Berufsgenossen etwa zu sich herüberzuziehen, sondern die 300 bis 400 in diesen Städten vorhandenen Unorganisierten zu gewinnen. Daß in dieser Hinsicht die Hindernisse beseitigt werden, dazu müsse auch der demnächst stattfindende BerbandStag der Buchbinder bei- tragen. In der Diskussion wurde diese Frage von mehreren Rednern erörtert. Haupt mann- Berlin hob hervor, daß hier die beiden Verbände in bester Weise zusammenarbeiten. Dagegen be- richtete Schramm- Nürnberg über einige Unzuträglichkeiten, besonder? aus Erlangen. E8 wurde der Wunsch geäußert, daß der Buchbinderverband auS seinem Statut die Zulassung der Porte. feuiller und Ledergalanteriearbeiter streichen und diese dem Porte- seuillerverband überweisen möge. Brückner, der Bertrcter des Buchbinderverbandes, erklärte, daß wenn in Erlangen von Funktionären feines Verbandes der Kartellvertrag nicht innegehalten worden sei, dies dem Verbands- vorstand mitgeteilt werden mußte, dann wäre sicher für Abhülfe gesorgt worden. Wolle ein Mitglied übertreten, so werde ihm sicherlich vom Vorstand deS Buchbinderverbandes kein Widerstand geleistet werden. Die betreffenden Mitglieder aber einfach dem Portefeuillerverband zu überweisen, daS werde wohl auch dann nicht möglich fein, wenn die Streichung des Wortes Portefeuiller vom Buchbtnderverband beschlossen werden sollte. Hier müsse, schon mit Rücksicht auf die von den Mitgliedern erworbenen Unter- stützungsrechte, ihnen die freie Entschließung gewahrt werden. Die Zahl 150 als die der im Buchbinderverband organisierten Porte. feuiller und Ledergalanteriearbeiter sei übrigens viel zu niedrig gegriffen. Seine Organisation stehe unbedingt auf den Stand- punkt der Verständiguna mit dem Portefeuillerverband. Gemein- ameS Handeln fei wohl möglich, wenn auch ein Teil der Porte- eutller dem Buchbtnderverband treu blieben. W e i n f ch i l d erwiderte, daß den Portefeuiller» im Buch- binderverband selbstverständlich da» Recht gelassen werden müsse, bei ihrem Verband zu bleiben. Es handle sich nur darum, daß der Portefeuillerverband nicht gehindert werden solle, die unorgani- sierten Berufsgenossen in jenen Städten zu organisieren. Die Debatte über die Agitation schloß mitfder Annahme folgender Anträge: „Zwecks Aufklärung und um die Agitation bester betreiben zu können, beauftragt der VerbandStag den Berbondsvorstand, den ' Ortsverwaltungen geeignete Broschüren zur Verfügung zu stellen." „Den weiblichen Mitgliedern ist die.Gleichheit" unentgeltlich zu liefern." „Bei Uebertriit auS anderen Gewerkschaften find die dort geleisteten Beiträge anzurechnen." Die beiden letzten Beschlüsse find Ergänzungen de« Statuts. Unsere Stellung zu« Jndnstrievertand war der nächste Punkt der Tagesordnung. Es handelt sich hier hauptsächlich um die Frage einer Verschmelzung mit dem Sattler- verband Wie der Referent W e i n s ch i l d ausführte, hat eS die Entwickelung der ProdukilonSverhältnifle mit sich gebracht, daß die Portefeuiller immer mehr von den Buchbindern entfernt werden, während sie vielfach mit Gattlern in einer und derselben Werkstatt zusammenarbeiten, mit demselben Material und oft auch auf den- lelben Artikel. Die Nntemymer, die Arbeiter beider Berufe be- schöfttgen, sind einheitlich organisiert, die Arbeiter in zweierlei Organisationen getrennt. Der Redner hält eine Verschmelzung der beiden verbände für sehr wünschenswert und auch für praktisch bttrchsührbar. HackelVusch, Vertreter deS Gattlerverfiande». erklärt, daß Vorstand und Ausschuß seine« verbände« sich grundsätzlich mit der Verschmelzung einverstanden erklärt haben. Er äußert den Wunsch, daß der nächste Verbandstag der Portefeuiller zugleich mit dem der Sattler im Jahre ISO« in Köln stattfinden möge, damit dort diese Frage erledigt werden kann, und daß inzwischen die«or- stände beider Verbände beständig mit einander in Verbindung bleibe» und sich über Tarifbewegungen verständigen sollen.— Im weiteren Verlauf der Diskussion äußerten sich die meisten Redner zustimmend zur Verschmelzung, wenngleich noch einige Bedenken dagegen laut wurden. Einstimmig wurde folgende Resolutton angenommen: „Der Verbandstag ist im Prinzip mit der Verschmelzung deS Sattler- und des Portefeuillerverbandes einverstanden und beauf- tragt den Verbandsvorstand und Ausschuß, vor Ableuf der jetzt gülligen Tarifverträge sich mit der Leitung des Sattlerverbandes »n Verbindung zu setzen und Beratungen darüber zu pflegen, wie die Verschmelzung beider Organisationen vor sich gehen soll. Sind die Vorarbeiten so weit gediehen, so hat der Vorstand daS Recht, mit der Leitung des Sattlerverbandes einen gemeinsamen VerbandStag einzuberufen." Sodann wurde über Beitritt zur internationalen Bereinigung der Sattler und vemaudte» Berufsgenossen beraten. Weinschild führte hierzu u. a. aus, daß infolge der deutschen Zollpolitik jetzt mehr Arbeiter statt Waren der Porteftuilles- industrie nach dem Auslande exportiert werden, die dort die einheinischcn Arbeiter anlernen. So hat sich namentlich in Amerike eine große Portefeuillesindustrie entwickelt und den Markt in England erobert; serner werden Portefeuillewaren aus Italien, der Schweiz und anderen Ländern geliefert, ja elbst auS Japan n'ach Deutschland. Aus diesen Gründen hält der Redner eine internationale Verbindung für sehr notwendig. ES war ge- plant, im Anschluß an den Verbandstag eine internattonale Konfcienz der Portefeuiller zu veranstalten, AuS verschiedenen Gründen komte eine solche Konferenz jedoch nicht zustande kommen. Der Redier sprach sich dafür aus. daß der Berbandsvorstand sein möglichstes tun solle, um ständig mit den Organisationen der ausländischm Kollegen in Fühlung zu bleiben. Ferner empfahl der Redtter den Beitritt zur internationalen Vereinigung de, Sattler und verwandten Berufsgenossen. Die! wurde dann vom Verbandstage ein st immig beschlossen. lieber / Stellungnahme zum internationalen Kongreß 1907 hielt Robert Schmidt ein kurzes Referat, in dem er auf die große Bedeutung der internattonalen Kongresse für die Sozialgesetzgebung wie für die internationalen Beziehungen der Völker hinwies und die Beschickung des Kongresses durch einen Delegierten des Verbandes empfahl.— Der VerbandStag beschloß, den jeweiligen Verbandsvorsitzenden als Vertreter der Portefeuiller zum interiiationalen Arbeitcrkongreß zu delegieren. Sollte der Verbandsvorsitzende verhindert sein, so sind der Verbandsvoftiand und Ausschuß verpflichtet, einen geeigneten Kollegen statt seiner zu wählen. Achte ordentliche Geueralversammlnng des Zentralverbaudes der Glasarbeiter und-Arbtiteriunev. 1. Verhandlungstag. Pen zig. 31. März. Bei der Eröffnung wies Gauleiter Britze auf die Machina- tionen der Gegner hin, welche sich nicht gescheut hätten, den zuerst zur Verhandlung bestimmten Saal abzutreiben. Hierauf begrüßt der Hauptvorstand G i r b i g die Anwesenden und zieht ein Resümee zwischen der letzten und der heutigen Gencralversamm- lung, dabei den Wunsch aussprechend, daß die Verhandlung zum Wohle des Verbandes ausschlagen möge. Die Präsenzliste ergibt die Anwesenheit von 104 Delegierten. welche 118 Mandate vertreten. Anwesend ist ferner ein Vertreter deS Fachorgans, U m b r e i t als Vertreter der Generalkommission, ein Vertreter des Ausschusses, sechs Vertreter dcS Vorstandes und ein Vertreter der Preßkommission. Der eingeladene Vertreter des österreichischen Verbandes konnte nicht erscheinen, da derselbe in letzter Minute durch eine drohende große Aussperrung ab« gehalten war. Der Delegierte von Dresden, Reimert, stellt hierauf den Antrag, den Punkt„Verlegung des Sitzes des Verbandes" mit auf die Tagesordnung zu stellen. Der Antrag wird abgelehnt. Hieraus gibt G i r b i g den Bericht des Hauptvorstande». Gestützt auf ein sehr sorgfältig zusammengestelltes Material. weist er zunächst auf das ungerechte, einseitige des bisherigen Wahl- systemS zu den Generalversammlungen hin, bei welchen durchweg oie größeren, leistungsfähigen Zahlstellen benachteiligt wurden. Er erwartet von der Generalversammlung eine Acnderung des bis- herigen Wahlmodus. Auch von Streitigkeiten innerhalb der Ver- waltung sei der Verband nicht verschont geblieben. Es sei von der Berliner Zahlstelle verlangt worden, daß sie im Hauptvorstand einen Vertreter mehr als d,e Zahlstelle Stralau zu entsenden habe. Dieser Streitfall habe auch die Gcneralkommisjion beschäftigt und habe sich lange zum Schaden dcS Verbandes hingezogen. Die Agi- tation fei wesentlich durch die Anstellung von zwei Gauleitern ge- fördert worden, allerdings habe auch die gute Konjunktur das Wachstum des Verbandes gefördert. Die Mitgliederzahl betrug am Anfang des 1. Quartals 1906 7519, am Schluß 19 156, am An- fang des Jahres 1907 11165 und jetzt betrage die Zahl der Mit- glieder ca. 15 000. Aber immer noch sei die Fluktuation eine ziemlich große, dieselbe betrüg allein im letzten Jahre 6215. Es müsse bei der Agitation mehr Wert auf die Erhaltung der gewon- nenen Mitglieder gelegt werden. Ein trübes Bild über die Lage der Glasarbeiter entwirst der Vorstand beim Punkt Agitation. Taufende von Glasarbeitern, die unter den miserabelsten Verhält- ntsscn leben, stehen dem Verband noch kern. Ganze Gebiete mit taufenden Glasarbeitern sind der Organisation noch zu erschließen. Nach der Statistik der Berufsgenosscnschaft gibt es 78 000 Glas- arbcitcr, von denen 15 000 organisiert sind. Auch die christliche Or- ganisation macht verzweifelte Anstrengungen, um unter den GlaS- arbeitern Mitglieder zu gewinnen. Eine ganze Reihe Agitatoren seien tätig, um Anhänger zu werben. Mit der Behörde hat der Verband ebenfalls Schwierigkeiten gehabt. So sind von der Polizei die Mitglieoerlisten der Einzel- Mitglieder verlangt worden und sind Bestrafungen wegen Nicht- einreichung erfolgt. Größere Streiks sind geführt in Fürth mit 103012 M. Unkosten und einer in Grüneplan, der 52 581 M. kostete. Das Ergebnis des ersteren waren wesentliche Lohnerhöhungen und Ver- kürzung der Arbeitszeit. Der Streik in Grüneplan verlief ergeb- nislo«. Beteiligt war der Verband bei 8 größeren Lohnkämpfen. Der Redner geht dann eingehend auf die bei den Streiks gemachten Fehler ein. Vorbedingung für eine erfolgreiche Lohnbewegung fei eine gute Organisation. Der Grundsatz:„Erst organisieren, dann streiken" müsse mehr berücksichtigt werden. Das Verhältnis zur Generalkommission ist das alte. Vertreten war der Verband auf dem Kölner Gewerkschaftskongreß, dem Verbandstag in Wien. Ein Gegenseiiigkeitsvcrtrag ist mit dem österreichischen Glasarbeiter- verband abgeschlossen worden. Der Kassierer Haman gibt den Kassenbericht und entwirft ein günstiges Bild über die Entwickelung de»«er- bandeö, dessen Sinnahmen 447 573,83 M. und Ausgaben 411 817,84 Mark betrugen. Am 31. Dezember betrug der Vermögensbestand 25 256.04 M. Nach dem Kassenbericht erfolgte Schluß der Sitzung. 2. Verhandlungstag. Müller gibt den Bericht des Ausschüsse». Er streift das ein« ganz« Zeit bestehende, unerquicklich« Verhältnis zwischen Berlin und Stralau. Der Aueschuh habe viel zu wenig Machtbefugnis, sonst hätte der schädigende Streit diel früher be- scitigt werden können. Darauf Bcgtftftl die DiSkusfioU zum Bericht des Vorstandes Und Ausschusses. W i l b e l m- Heinholz kritisiert die Haltung des Vorstandes bei den verschiedenen Streiks. Der Hauptvorstand habe sich wenig der Bewegung widmen können, was wohl durch Ueber- Häufung von Bureauarbeiten hervorgerufen sei. Der Vorstand müsse sich entschieden mehr der Bewegung selbst widmen. Sauer» b r e y- Gro�breitenbach fordert mehr Agitation und Entlastung des Hauptvorstandes durch eine Hülsskraft. Die Anstellung eine» Beamten im Verbandsbureau sei notwendig. Kiesel und Proetsch-Fürth behandeln eingehend den Fürther Streik und verteidige!« die Streikleitung gegen die vom Vorstand erhobenen Vorwürfe Der Streik habe sich aus den vor dem Streik bestehenden Verhältnissen heraus zur Notwendigkeit ausgewachsen. Ein Zurück habe es nicht mehr geben können, die dortigen Glasarbeiter haben zu stürnisch ihr Recht verlangt. Dah sich der Streik aus der tiefen Empörung über die bestehenden Arbeitsverhältnisse heraus- gebilde: habe, zeige der Umstand, daß sich nach zirka acht Wochen kein einziger Streikbrecher gefunden habe. S ch u ch a r d- Jena rügt die Verleihung von Darlehen, sowie die saumselige Hand- haburg des Statuts bezüglich der Abrechnungen. M e r g e s- Grürenplan verteidigt die Streikleitung des letzten Streiks und entwirft ein anschauliche? Bild über die Arbeitsverhältnisse der dort gen Glasarbeiter. Unerhörte Zustände, unwürdige Behandlung der Arbeiter durch die Direktion habe die Arbeiter in den Unglück- lich verlaufenen Streik getrieben. Gauleiter D i s ch e r l geht auf die Lohnbewegung im Saargebiet und den Fürther Streik ein. Die Zustände in der Glasindustrie im Saargebiet seien geradezu hinmelschreiend. Sie feien so schlimm, dah sich selbst die Christ- lichen der Lohnbewegung angeschlossen haben. Die Bewegung habe dann auch zu einem günstigen Abschluß geführt. Mit dem Ausgang des Fürther Streiks könne man nur zufrieden sein. Die Arbeitszeit sei verkürzt, der Lohn erhöht worden. Scharf kritisierte Redner das Verhalten der Berliner Kollegen in Sachen der Streitigkeiten zwischen Berlin und Stralau wegen der Vorstands- Wahl. Gerade während des großen Streiks sei der Verband durch die Haltung der Kollegen ohne Gesamtvorstand gewesen. R a u l o- Bergedorf plädiert für eine Konferenz der Flaschenmacher und tritt für Feststellung einheitlicher Tarife ein. S t ö h r- Wester- hüscn übt Kritik an der noch im Verband herrschenden Vorliebe für niedrige Beitragszahlung und bemängelt die statistische Aus- stattung des Rechenschaftsberichts. Oed- Fürth spricht im Sinne der beiden Fürther Delegierte;«. Fahnenkamp- Osterwald tritt für Anstellung eines Bureaubeamtcn ein. F ö r st e r- Bruns- Hausen bespricht den Brunshausener Streik, schildert die Sn B. herrscheirden Arbeitsverhältnisse und fordert bessere Agitation. K r e b s- Ilmenau tritt für Tarifabschlüsse ein und unterzieht das Verhalten der Berliner Kollegen einer scharfen Kritik. Gauleiter B r i tz e entwirft ein Bild seiner Tätigkeit und den Schwierig- keiten der Agitation. Er kritisiert scharf die auf eine Beschncidung der Agitation gerichteten Anträge. Auch K l e s s e- Düren fordert mehr Agitation und polemisiert gegen den christlichen Keram- arbeitcrverband, dessen Mitglieder Streikbruch verübt hätten. W e l k i s ch- Berlin verteidigt die Berliner Kollegen gegen die Angriffe der Delegierten wegen des Streitfalles Bcrlin-Stralau. Die Hauptschuld trage der Zcntralvorstand, der hier nicht kon- fequent gehandelt habe. Vor der Mittagspause macht G i r b i g noch Mitteilung, daß ein Delegierter wegen seiner Teil- nähme ain Verbandstage bereits von seine«n Unternehmer gekündigt worden sei. In der Nach- mittagsverhandlung wird die Debatte fortgesetzt. W u ß m a n n- Görlitz geht nochmals eingehend auf die Streitigkeiten zwischen Berlin und Stralau ein und fordert vom Hauptvorstand in der Zukunft in ähnlichen Anlässen etlgaS energischer zu Verfahren. Im übrigen fordert auch dieser Redner mehr Agitation. Ausbau der Agitationskommissioncn eventuell Anstellung noch weiterer Gau. leiter. G r ü n g e l- Berlin verbreitet sich über die Verhältnisse in der Glasindustrie von Berlin. Die Agitation sei dort eine schwierige, zudem kommen stets nur billig arbeitende Kolle-en von den Thüringer Gegenden nach Berlin, die für die Organi- sationen gewonnen werden müßten. G ö b e l- Stralau rechtfertigt die Haltung der Stralauer Kollegen bei dem bekannten Streitfall. G i r b i g kann in seinem Schlußwort feststellen, dah mit A»iS- nähme des Berlin-Stralauer Streitfalles die Kritik an der Tätig- keit deS Vorstandes eine milde gewesen sei. woraus hervorgehe, daß die Generalversammlung im großen und ganzen mit der Tätigkeit de» Vorstandes einverstanden sei. Darauf folgt der Bericht der Prchkom Mission, »elcher von O est-Fürth gegeben wird. Die Preßkommission sei seit zwei Jahren nur einmal in Anspruch genommen worden und zwar im Berlin-Stralauer Streitfall. Sie habe sich nach reiflicher Prüfung der Sacklage auf seite der Stralauer stellen müssen. Im übrigen habe die Preßkommission fast gar keine Befugnis und Be- deutung. Kritik an der Preßkommission wird von W e l k i s ch. Berlin geübt. Sie habe zugunsten des Vorstandes gewirkt. Nach. dem noch Redakteur Horn sich gegen Vorwürfe wegen Nicht- aufnähme von Artikeln rechtfertigt, folgt Punkt 7 Uebernahme des»Fachgenoffen-ineigeneRegie. Hierzu liegt ein AntrHh vor, eine fünfgliedrige Kommisston zu wählen, welche unter Heranziehung deS Genossen U m b r e i t, Horn und der Preßkommission die Vorschläge auszuarbeiten hat, welche eine gute Lösung der..Fachgenossenangelegenheit" herbei- zuführen geeignet sind. Der Antrag wird angenommen und die Verhandlungen werden abgebrochen. Soziales. „Der Dissident" wird seit Beginn dieses Monats als Beilage der in Frankfurt er- scheinenden Halbmonatsschrift.Das freie Wort" herausgegeben. ES soll ein gentralorgan für die Interessen aller Dissidenten bilden. Der Herausgeber Dr. Arthur Pfungst führt in seinem Geleitworte aus:„Jiibezug aus Millionen von Deutschen, die sich als.pro- testantisch" oder„römisch-katholisch" bezeichnen, kann man getrost an- nehmen, daß sie mit dein Christentum nur noch statistisch verknüpft und in Wirklichkeit Dissidenten sind. Es wäre wahrlich an der Zeit, daß die Kirchcngemeinschaften gleich den liberalen Parteien ihr„Mndest- Programm" aufstellten. dainit jeder weiß, ob er sich noch zu der betreffenden Kirche rechnen darf oder nicht. Berufs- und Familien- rücksichten, oft auch Pietät geben den Ausschlag dafür, daß man in einer Kirche bleibt, mit welcher kein religiöses Band mehr verbindet." Dringend erforderlich sei, die Nachteile von dem Dissi- denten abzuwenden, die ihm im Berufsleben, während der Militärzeit,«m gesellschaftlichen Leben usw. drohen. Die neue Zeitschrift will alles Material über die Fälle sammeln, in denen es sich um Benachteiligungen von Dissidenten in deren staatsbürgerlichein, beruflichem und gesellschaft- lichem Leben handelt. Hus Induftnc und Handel Wo? In einem Bericht vom rheinisch-westfälischen Kohlenmarkt in der .Franks. Ztg." wird auch lebhafte Klage geführt über Arbeitermangel und die hohen Löhne. ES heißt da u. a. 7 „Dabei darf nicht außer acht gelassen werden, daß manche Zeche noch genug Arbeiter bekommen könnte, wenm sie nicht vor den durch die auaenblickliche Konjunktur allerdings sehr in die Höhe geschraubten! Löhnen zurückschreckte. Von einer Zeche, die bei der Einstellung von Arbeitern sehr entgegenkommend ist, werden uns Schichtlöhne vi« zu 9.48 M. genannt." Es ist nur schade, daß das Blatt die Zeche nicht nennt; bei solchen Löhnen würde bei ihr sicher von Arbeitermangel nicht die Rede sein könnsn. Berbandsfragen. Die Tapetenfabriken haben sich, wie der„K. Ztg." geschrieben wird, zu einem einheitlichen Verbände zusammengeschlossen, der den Zweck hat, die Gründung einer Aktien- gesellschaft, der alle deutschen Tapetenfabriken augescklossen werden sollen, vorzubereiten. Die nötigen Mittel zur Durchführung dieses Planes feien bereits sichergestellt. Der neue Verband hat bereits Bestimmungen über die Einschränkung der Produktion und den Ab- schluß von Lieferungsverträgen erlassen.— In der am 30. März stattgefundenen Hauptversammlung des Vereins für den Ver- kauf von Siegerländer Roheisen wurde von den an- wesenden Mitgliedern die seinerzeit erfolgte Kündigung zurückgezogen und darauf der Berein bis Ende 1908 verlängert. Gleichzeitig wurde das Abkommen mit den Geisweider Eisenwerken, durch welches die- selben dem Verein beitreten, gutgeheißen.— Ueber die Aussichten deS Stahlverbandes schreibt die„K. V.-Ztg.": Ein Zu- sammenbruch des Stahlwerlsverbandes, mit dem jetzt ernstlich zu rechnen ist, wird gewiß dem Markte einen Stoß geben; aber die Zeit wird auch selbst eine starke Erschütterung überwinden helfen und schon einen Ausgleich herbeiführen. Das ist wesentlich eine Frage des Bedarfs und Verbrarichs. Die Auflösung des Feinblech- Verbandes hat ja in dieser Hinsicht ein lehrreiches Beispiel gegeben. Wer aber dem Stahlwerksverbande nicht nachtrauern wird, das ist die ganze große Anzahl der„reinen" Walzwerke, die von einem Druck befreit erleichtert aufatinen werden; denn dann wird Halb- zeug endlich ftei. Aber wahrscheinlich wäre diese Freude nur von kurzer Dauer. Man glaubt in weiten Kreisen der Verbraucher, daß aus den Trümmern des großen Stahlwerksverbandes doch der frühere Halbzeug- wie auch der Trägerverband bald wieder erstehen werden. Die Zukunft wird's ja lehren. Jedenfalls gehen wir einer für das ganze Eisenoewerbe entscheidenden und bedeutungs- vollen Zeit entgegen. Dir Tabakarbeiter- Genossenschast hielt am 26. März ihre regel- mäßige Generalversaminlung ab. Zum Geschäftsbericht erklärt der Geschäftsführer v. Elm, daß der Absatz von 13 ö93 Mille im Jahre 1995 auf 16 964 Mille im Jahre 1906, also mn 25 Proz., gestiegen sei. An der Absatzsteigung waren die billigen Sorten bis zum Verkaufspreise von 30—39 M. nur mit 15 Proz. beteiligt, dagegen die Sorten in mittleren Preislagen bis 45 M. mit 2t Proz., die in höheren Preislagen mit 64 Proz. Der Geschäftsführer betont, daß die minimale Absatzsteigung bei den billigen Sorten darauf schließen lasse, daß leider viele Konsumvereine diese noch immer des billigeren Preises wegen von Finnen beziehen, welche die gewerkschaftlichen Forderungen nicht erfüllt haben. An Qualität liefere die Genossenschaft ein besseres Fabrikat als die Privatkonkurrenz, die Preise könnten wegen der Arbeitslöhne und der hohen Tabakpreise nicht herabgesetzt werden. Das Geschäftseraebnis sei leider im letzten Jahre ein recht un- günstiges. Die Geuossenschafl kann nur 2 Proz. Warenrückvergiitliiig und Lohnzuschlag zahlen, während für 1904 und 1905 schon 4 Proz. gezahlt worden sei. Der Kapitalznwachs betrage für die Genossen- schaft nach den erforderlichen Abschreibungen und der Verzinsung des Anteilkontos nur 4582.58 M. oder per Mille verkaufter Zigarren berechnet, ganze 27 Pf. Die Tabakarbeiter-Genosseuschast sei glücklicherweise bei ihren großen Reserven von rruid 140 000 M. so sicher fundiert, daß sie in ihrer Entivickeliing auch durch einige magere Jahre nicht gehemmt werde.— Nach Verlesung des Nevisions- berichtcs des Verbaudsrevisors wird dann ohne Debatte dem Bor- stände einstiinmig Decharge erteilt und der Geschäftsbericht ge- nehmigt. Bei den statutengemäß vorzunehmenden Wahlen werden der Kassierer F. Kerkhof und die AnfsichlsratSmitglieder L. Huppertz und R. Postelt wiedergewählt. Zu dem Antrage der Verwaltung auf Aushebung des Lohnzuschlages bemerkt v. Elm: Vorstand und Auf- sichtsrat seien deshalb zur Stellung des Antrages gekommen, weil die Kollegen in der Frankenberger Filiale die Umwandlung des Lohnzuschlages in Lohn wünschten. Es seien jetzt unter Voraus- setzung der Annahme des Anttages durch die Generalversammlung Tarife mit den Kollegen in Franlenberg, Hockenheim und Hainburg unter deren einstimmiger Zustimmung vereinbart worden, nach welchen auf Grundlage eines vierprozentigen Lohnzuschlages nach oben abgerundet die Löhne geregelt worden fern. Der Antrag der Verwaltung wird angenommen. Sodann gibt v. Elm einen ausführlichen Bericht über die Differenzen mit den Hanauer Kollegen. Er tadelt, daß schon vor Veröffentlichung deS Schiedspruchs des SchiedsgerichetS. welches am 14. März in Hanau getagt habe, entgegen den Beschlüssen des Gewerlschafls- kongresses im..Tabakarbeiter" in VersannnlungSberichten die An- gelegenheit öffentlich erörtert worden sei. Ueber den Bericht ent- spinnt sich eine längere Debatte, in welcher von sämtliche» Rednern mit einer einzigen Ausnahme das Borgehen der Geschäftsleitung durchaus gebilligt wird.— Nach Erledigung.dieses Punktes' wird sodann die Generalversammlung geschlossen. 0encht9- Zeitung. Der Phonograph als Zeuge. In der vergangenen Woche gelangte nach der„Frank- furter Zeitung" vor dem Pariser Ztvilgericht die Klage des Mieters eines großen Hauses zur Entscheidung, der die Ex- Mission eines Kupferschlägers verlangte, weil dessen Gewerbe die ganze Nachbarschaft mit betäubendem Lärm erfülle. In allen ähnlichen Fällen hatte das Gericht bisher eine Expertise angeordnet, von deren Resultat die Ent- scheidung abhing. Der Kläger hatte aber zur größeren Vor- ficht und zur Vermeidung der Verschleppung der Angelegen- heit einen Phonographen mitgebracht, der die lauten Hammerschläge gewissenhaft verzeichnet hatte. Mit Erlaubnis des Gerichtshofes wurde der Apparat in Bewegung gesetzt. Wenige Sekunden genügten den Richtern, um sie davon zu überzeugen, daß die Klage vollauf berechtigt war. Der Phonograph ist unseres Wissens in Deutschland über- Haupt noch nicht als Zeuge vor Gericht aufgetreten. Und doch ruft die außerordentliche Mangelhaftigkeit der Auffassungs- und Wiedergabefähigkeit recht vieler Zeugen danach, daß von ihm Gebrauch gemacht werde. Wer die den Tatsachen nicht entsprechende Wiedergabe vieler polizeilicher Zeugen- aussagen kennen gelernt hat, wird die leicht er- füllbare Forderung unterschreiben, daß Versaminlungs- redner lediglich auf Grund phonographischer Auf- nahmen zur Verantwortung gezogen werden dürften. Nicht minder lebhaft ist das Verlangen, daß in Polizei- und Gerichtsstuben zum Schlitze der Wahrheit des Augeklagten ein Phonograph ständig seines Amtes walte. Es würden dann seltener wie heute die Behauptungen nicht beamteter Personen, die mit dem Gericht oder der Polizei zu tun haben, anders als die von Beamten lauten, die bestreiten, schroff vorgegangen, ihre Befugnisse überschritten zu haben, in einer Weise zu- geredet zu haben, die fast als GestäudniSerpressnng oder als Drohung von Angeklagten geschildert wurden. Es würden bann auch endlich die Fälle seltener, in denen ein zur Polizei Sistierter heil die Polizeiwache betritt, sie aber in einem Aufzuge verläßt, als dessen Ursache der polizeilich Behandelte gröblichste Mißhandlungen angibt, während Polizeibeamte über eine Mißhandlung nichts zu be- künden verniögen. Eine weitere Verwendung des Phonographen als Zuhörers auf Kaserncnhöfen und anderen mililärischen Unterrichtsräumen würde schätzbare Dienste für einephotographisch getreue Wiedergabe der Sonnenstrahlen militärischer Kultur und Dressur ermöglichen. Kurz dem Phonograph dürfte auch auf dem Gebiete der Wahrheitsermittelung und des Rech. schutzes in zivilrechtlichcn, strafrechtlichen und militärische». Dingen eine große Rolle beschieden sein— wenn Preußen- Deutschland nicht darin„in der Welt voran" wäre, daß Mittel für Kulturzwecke nicht locker zu machen sind. Zu dem Thema „Der Kolporteur als Zensor" hat sich das Reichsgericht in einer im 39. Bande mitgeteilten Entscheidung wie folgt ausgesprochen: Der Staatsanwaltschaft kann zugegeben werden, daß den Kolporteuren im allgemeinen eine Prüfungspflicht bezüglich der von ihnen feilgehaltenen Druckschriften obliegt, wobei dahingestellt bleiben mag, wiefern eine Berufung aus individuelle Unfähigkeit zur Beurteilung der feilgehaltenen Druck« schriften geeignet sein kann, die Verantwortung zu be« seitigen. Ein fahrlässige? Verschulden ist jedoch bei unterlassener Prüfung keineswegs ohne weiteres in allen Fällen anzunehmen; vielmehr muß in jedem einzelnen Falle nach den in Be< tracht kommenden besonderen Verhältnissen geprüft werden, ob der Kolporteur sich durch die unterlassene Prüfung strafbar ge»nacht hat. Dies wird insbesondere dann nicht der Fall sein, wenn der Kol- porteur, sei es mit Rücksicht auf die Persönlichkeit und geschäftliche Qualität seines Lieferanten, sei es, was insbesondere beim Vertrieb periodischer Druckschriften zutrifft, mit Rücksicht auf deren allgemeine Haltung und Tendenz keinerlei Grund zu der Annahme hat, daß die fragliche Druckschrift unter ß 184 Nr. 1 St.-G.-B. oder§ 56 Ziffer 12 der Gewerbeordnung falle. Es ginge zu weit und wäre geradezu undurchführbar, wollte man hon ihm verlangen, daß er jedes Buch, jede Zeitung, die er feilhält, ihrem ganzen Inhalte nach durchlese, um zu prüfen, ob nicht irgend- wo eine anstößige Stelle sich finde. Dagegen wird in der unter- lastenen Prüfung eine Fahrlässigkeit in der Regel dann zu erblicken sei», wenn der Kolporteur nach den Umständen Grund zu der An- nahine hatte, daß die Schrift anstößigen Inhalts sei. Diese reichsgerichtliche Entscheidung unterscheidet sich zugunsten des allgemeinen Rechtsbcwußtseins zwar von der Praxis des Kammergerichts, räumt aber dem Ermessen des Richters einen so weiten Spielraum ein, daß dadurch die Rechtssicherheit der Zeitungs- Verkäufer auf sehr schwachen Füßen steht. Unglaubliche Sclbstbczichtigungen eines Zuchthaussträftinas haben ein Strafverfahren wegen einer Tat zur Folge gehabt, die bereits zehn Jahre zurückliegt. Vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I mußten sich der Arbeiter Otto W e i n h o l d und der Schlosser Paul Schmidt wegen schweren Diebstahls verantworten. Der Angeklagte Weinhold verbüßt zurzeit eine Zuchthausstrafe von sieben Jahren in der Strafanstalt zu Görlitz. Vor einiger Zeit ließ sich W. bei dem Direktor der Straf- anstatt melden und erklärte, er wolle ein Geständnis ablegen. Mit allen Eiirzelheiten schilderte er, wie er einen Mord an einer Frauensperson in der Nähe von Harburg begangen habe. Da tatsächlich in jener Gegend vor längerer Zeit ein Mord verübt worden war, wurde ein umfangreiches Ermittelimasvcrfahren ein- geleitet, welches jedoch nur ergab, daß sich W. fälschlich selbst be- zichtigt hatte. Bald darauf beschuldigte sich der Angeklagte, er habe die Sachbeschädigungen an den Standbildern in der Sicgesallee verübt. Schließlich behauptete Weinhold, er habe mit dem jetzigen Mitapgeklagtei« Schmidt im Jahre 1897 bei einem Vogelhändler am Nollendorfplatz eine chinesische Nachtigall gestohlen und bei dem Zigarrenhändler Vollert in Charlottenburg einen Einbruchs- diebstahl verübt. ES wurde von der Behörde festgestellt, daß tatsächlich vor zehn Jahren zwei derartige Diebstähle verübt worden waren. Es wurde das jetzige Strafverfahren in die Wege geleitet, trotzdem Schmidt von Ansaiig an eine Beteiligung bestritt. Auf Antrag seines Verteidigers war Medizinalrat Dr. Leppmann geladen ivorden, der vor Gericht begutachtete, daß Weinhold, der sich zur- zeit in der Jrrenabteilung des Strafgefängnisses befindet, g e i st e S» krank ist und die Selbstbezichtigungen keinen Glauben verdienen. Die Strafkammer erkannte des- halb dem Antrage deS Staatsanwalts gemäß auf Freisprechung beider Angeklagten._ Rücknahme der Verdächtigung der Letter de« Bergarbeiterverbandes. Vor der Essener Strafkammer gelangte am 27. v. MtS. der Privatbeleidigungsprozeß der Vorstandsmitglieder und Leiter des Deutschen BcrgarbeitervcrbandeS gegen den verantwortlichen Redakteur der„Essener VolkSjjeitung" Hanlamer zur endgültigen Erledigung. Hankamer hatte m einem Artikel vom 23. Juni 1905 den Privat» klägern u. a. den Borwurf gemacht, sie verttäten nicht die Interesse» der Bergarbeiter, sondern sie benutzten deren Unzufriedenheit dazu, die sozialdemokratische Suppe zu kochen. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht wurde. wie sich unsere Leser entsinnen werden, die völlige Haltlosigkeit vieser Verdächtigung erwiesen, Hankanier aber auf Grund deS§ 193(Wahr» nehmung berechtigter Interessen) freigesprochen. Hiergegen legten die Kläger Berufung ein. Vor der Strafkainmer kan, ein Vergleich dadurch zustande, daß Hankamer erklärte, die Be« hauptung, daß es den Leitern des BFrgarbeiterverbande« nicht darauf ankomme, Mißstände zu beseitigen, daß sie sogar darauf abzielten, die zur Beseitigung solcher Mißstände vorgesehenen Gesetze in frivoler Weise abzuschaffen, halte er nicht aufrecht, und die Kläger, denen sa lediglich an einer unzweideutigen Feststellung der Tatsachen, nicht aber an einer Bestrafung des Beklagten gelegen war. die Klag« zurücknahmen.________ ßritfhafttn der Redafetfon. Tie juristische Sprechstunde stude» Friedrichftr. 10, Aufgaaa 4, eine Treppe(Handclsftätte Bellenllianc«, Durchgang auch Linden ftr. 101), wochentäglich von l'/i bis O'/i Uhr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabend« beginnt die Sprechftiiudc um 6 Uhr. Jeder Älnfrag» ist«tu «nchstabe und eine Zahl als wlerkzeichen detzufllge». Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trag« man in der Sprechstunde bor. M. B. G. War beim Antritt nicht« ausgemacht, so galt als KüN» digungsfrist sechs Wochen zum Ersten deS Quartals. Von dem Gebalt ab» zuziehen, ist der Chef nicht berechtigt. Zuständig ist das dortige KausmannS« gericht. Die Klage können Sie mündlich oder schristlich erbeben. Eine Widerklage des Ehcss, in der er zu beweisen hätte, welcher Schaden ihm entstanden ist, wäre nicht ohne Aussicht auf Erfolg.— W. 77. 1. Ja, wenn Sie mit der Pflege bei ihn« einverstanden waren. 2. Sie müßten zum Termin laden. 3. Den Lohn können Sie wegen Ihrer Forderung nicht mit Beschlag belegen.— BorwärtS-Post. 1. bis 4. Zum Termin vor der Stralkammer werden Sie geladen. Sie können vorher beantrage«, Ihnen Ablchrlst und Urteil zu erteilen und mündlich und schristlich das» jenige vortragen, wa« Ihnen»weckdienlich» erscheint. 5. Zwecks Erkundigung deS Ausenthalls müßten Sie sich an die Polizei von Ort zu Ort wende». Betrug liegt nicht vor.— V. B. f). 999. 1. bis 3. Wenn die Post« nicht das Gegenteil sagt— Sie müßten sich bei der Gesellschast danach erkundigen— so ist Ihre Siiesnmtter berechtigt, frei über das Geld zu vertüge». Ein Rechtsanspruch steht Ihnen nicht zu. 4. und 5. Wir raten entschieden vom Bettritt ab. Bor der Kasse haben«vir wiederHoll als Schivindclunternehmen gewarnt. — H. K.«4. Leider sind wir Nicht in der Lage mitzuteilen, wo man Geld geborgt erhält.— G. H. 300. Sic müßten klagen, aber schneller würde die Ausstellung eines Erbschcins gehen.— Rehne. Ein Widerspruch wäre leider erjolglos. Erkenntnisse in dem von Ihnen gedachten Sinne sind nicht ergangen,— M. ft. Wenden Sie sich an einen Arzt.— H. I. 9. 1878. — R. Ja, mit Kapital.— O. D. 9. Stellen Sie einen Antrag an dt» Versicherungsanstalt.— H. 100. Rur, wenn nachgewiesen wird, daß der Vater salsrliiistgerwelse die ihm obltegend« Anfimst vernachlässigt hat.— L. St. 0. In allen AuswandcrnngSangclcgcnhciten können wir lediglich empschlen, vorsichtig zu setn und vor der Auswanderimg bei der amtlichen AuskuustSstelle«chelliiiastr. 4 AuStuntt einholen. Die Auskunft wird im- entgeltlich erteilt.— W. Z. Ein Zeitraum ist nicht vorgeschrieben.•— R. 91-100. UnS nicht bekannt.— R. S. 79. Ja.— LK. Nein, Grosse Posten Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Sonnabend, soweit Vorrat. iener- Blusen W nur erstklassige Fabrikate bestehend aus: mercerisiertem Batist, Leinen, Zephir, India- Mull, Cloth, Percal, etc. bringen wir zu ganz hervorragend billigen Preisen, zum Teil unter der Hälfte des regulären Preises zum Verkauf. Serie VI Serie I Serie II Serie III Serie IV Serie V 2.50 3.95 5.35 7.25 9.25 10.85 Gelegenheitskauf! Grosse Posten Kleiderstoffe für Blusen-, Promenaden- u. Gesellschafts- Kleider, darunter die schönst., apartest. FrühjahrsNeuheiten in reiner Wolle, welche einen weitaus höheren Wert repräsentieren, durchweg Meter 1.15 A. JANDORF& Co 13 AH. 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Gløde, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts. Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 77. 24. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Partei- Angelegenheiten. Wannsee Donnerstag, den 4. April, abends 8 Uhr im" Fürstenbof": Distufierabend. Pflicht sämtlicher Mitglieder ist es, zu erfcheinen. Der Vorstand. Tegel. Heute, Mittwochabend, 8% Uhr, in Göz' Gesellschaftshaus, Schloßstr. 7/8: Fortsetzung des Kursus in Nationalökonomie. Morgen, Donnerstagabend, 8%, Uhr daselbst: Außerordentliche Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Um zahlreiches und pünkt liches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Mittwoch, 3. April 1907. keinen Wohnsiz und keine gewerbliche Niederlassung, so genügt die kürzlich von Hamburg nach Berlin gekommen und in der verBescheinigung der letztgenannten Ortspolizeibehörde. 4. Die Aus- gangenen Woche verheiratete er sich mit einer Sängerin. Verstellung der Bescheinigung ist von der Ortspolizeibehörde zu vergeblich bemühte er sich, an einer hiesigen Bühne ein Engagement jagen, a) wenn die Sachen zum Zwecke der Verpfändung angeschafft zu erhalten. Anscheinend ist dies auch das Motiv zu dem Selbstoder hergestellt sind, b) wenn es an einem hinreichend begründeten mord. Gestern erhängte er sich am Bettpfosten. Bei ihrer HeimAnlaß für die Verpfändung fehlt, insbesondere, wenn die Verpfändung fehr fand ihn die junge Frau bereits tot auf. zum Zwecke des Vertriebs der Sachen erfolgen soll, c) wenn ein nach Ein eigenartiges Geschick hat gestern früh den Restaurateur Fälligkeit des Darlehns erfolgender Verkauf der Pfandstücke durch Solbrig, Wassertor- und Fürstenstraßen- Ecke, in den Tod getrieben. den Pfandleiher eine empfindliche Schädigung der angesessenen Ge- S. hatte am 1. April die Restauration käuflich übernommen, ohne werbetreibenden herbeiführen würde. 5. Bei der Verpfändung einer zu wissen, daß sein Vorgänger der Brauerei noch tausend Mark der in Biffer 1 bezeichneten Sachen ist in das Pfandbuch bei der zu wissen, daß sein Vorgänger der Brauerei noch tausend Mark schuldete. Lehtere stellte ihn vor die Alternative, entweder die Bezeichnung des Pfandes(§ 5 Nr. 6 des Gesetzes vom 17. März 1881) tausend Mark zu bezahlen, oder aber das Lokal zu räumen. S. folgende Eintragung zu machen:„ Neue Sache. Bescheinigung der wurde hierauf fopflos und stürzte sich gestern früh aus dem Fenster Ortspolizeibehörde zu...( Ortsname) bom...( Datum)." 6. Die feiner im zweiten Stock gelegenen Wohnung; der Tod trat auf der Bescheinigungen sind vom Pfandleiher zusammen mit den Pfand- Stelle ein. büchern aufzubewahren. 7. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Bestimmungen werden, soweit nicht nach den allgemeinen gesetzlichen Vorschriften eine höhere Strafe eintritt, gemäß§ 360 Mr. 12 des Reichsstrafgesetzbuches mit Geldstrafe bis zu 150 W. oder mit Haft Nach der Portierfran geschossen hat gestern nachmittag der Vers Bur Stadtverordneten- Ersakwahl im 39. Wahlbezirk. walter Schulz, Hussitenſtr. 40. Wie uns mitgeteilt wird, war der Auch die Freisinnigen haben jetzt einen KandiPortierfrau M. gekündigt worden und wollte dieselbe am Abend die daten für die Ersagwahl aufgestellt, die im 39. Kommunal- bestraft. Schlüssel abgeben sowie noch für geleistete Arbeit zu erhaltendes Wahlbezirk( Stettiner Bahnhofs- Viertel) notwendig geGeld und Invalidenkarte in Empfang nehmen. Sch. weigerte sich, Umlenkung von Straßenbahnlinien. Die Straßenbahn ist ge- ihr das Geld auszuzahlen und gab ihr nur die Invalidenkarte worden ist, weil der bisherige Vertreter, Stadtverordneter nötigt, infolge der Asphaltierung des Molkenmarktes zur Vor: zurück. Schon bei dieser Gelegenheit soll sich Sch. aufbrausend gegen Genosse Gründel, wegen Verzuges nach außerhalb fein nahme von Auswechselungsarbeiten an den Gleiskreuzungen die Frau M. gezeigt haben. Die Erregtheit des Sch. steigerte sich aber, Mandat niedergelegt hat. Der Mann, mit dem der Kom- Linien 74 und 78 in den auf den 3., 4., 9. und 10. April folgenden als die M. ihre Schwester als Zeugen herbeiholte. Auf erneutes munalfreifinn vor die Wähler dieses Bezirkes hintritt, heißt Mächten von 2 bis 5 Uhr wie folgt abzulenken: Linie 74 fährt vom Verlangen der Frau, ihr das Geld auszuzahlen, schoß Sch. auf sie, Rathaus nicht durch die Spandauer Straße, Moltenmarkt, GerLibner und ist Kaufmann. Die Verdienste, die ihm in der traubtenstraße, Spittelmarkt bis zum Dönhoffplak und umgekehrt, zum Glück ohne zu treffen; nur die Kleider waren von dem Geschoß Freisinnspresse nachgerühmt werden, sind nur spärlich. Es sondern bom Rathaus durch die Königstraße, Schloßplay, gestreift. Sch. wurde verhaftet. fehlt diesmal die für einen Freisinnskandidaten herkömmliche Werderscher Markt, Oberwall-, Jerusalemer Straße bis zum Dön- Wer ist der Tote? Am 29. März, vormittags gegen 11 Uhr, Aufzählung der kommunalen Ehrenämter, in denen er sich hoffplak und umgekehrt; Linie 78 geht vom Andreasplab nicht über ist im Jagen 76 der Tegeler Forst die Leiche eines unbekannten bereits um das Gemeinwohl verdient gemacht habe. Herr den Grünen Weg, die Blumen, Stralauer Straße, Moltenmarkt, Selbstmörders aufgefunden worden. Der Verstorbene war zirka Liebner hat es bisher nur zum Vorsitzenden des freifinnigen Gertraudtenstraße bis zum Spittelmarkt und umgekehrt, sondern 50 bis 55 Jahre alt, 1,60 Meter groß, hat dunkelblondes Haar, hohe Bezirksvereins der Oranienburger Vorstadt gebracht, mehr vom Andreasplaz über die Andreas-, Breslauer, Holzmarkt, Stirn, blonde Augenbrauen, graublaue Augen, vollständige Zähne, wird nicht über ihn berichtet. Brücken-, Köpenider, Neue und Alte Jakob-, Seydelstraße bis zum rundes Gesicht, ist bartlos und hat eine fräftige Gestalt. Bekleidet Spittelmarkt und umgekehrt. Die schon angekündigte Umlentung ist er mit schwarzem Winterüberzieher mit schwarzem Krimmertragen Ob die Hoffnungen groß sind, die der Freisinn für diese der Linien 28, 29 und 30 wird ebenfalls erst vom 4. April d. J. an und ebensolchen Aufschlägen, braunem Jackett und Weste, schwarzen Wahl sich macht? Es darf angenommen werden, daß der so- erforderlich. Hosen, schwarzen Zugstiefeln, weißem Hemd, grauer Trikotunterhose, genannte Aufschwung des Liberalismus, den die Reichstagswahlen gebracht haben, den Führern des Berliner Kommunal- der Rathenowerstraße ist nach beendetem Umbau nunmehr wieder Strümpfen, weißen Manschetten und schwarzem steffen Hut. Bei der Das gänzlich neu renovierte" alte Kriminalgerichtsgebäude in blau und weiß punktierter Krawatte, weißem Umlegekragen, braunen freisinns nun auch für die Stadtverordneten- Wahlen die feiner Bestimmung zugeführt worden: gestern tagte baselbst bereits zeiche wurde ein Pincenez, ein Bund Schlüſſel und ein schwarzer Brust mit stolzer Zuversicht erfüllen und sie zu eifrigster eine Schöffengerichtsabteilung. Das alte Gebäude hat außer den Regenschirm gefunden. Der Selbstmord ist durch Vergiftung mit Agitation anspornen wird. Unseren Genossen im 39. Wahl- fämtlichen Schöffengerichtsabteilungen des Amtsgerichts„ Berlin- hol begangen worden. Rekognoszenten wollen sich beim Gutsbezirk erwächst daraus die Aufgabe, alle Kraft einzusehen, Mitte" mit den dazu gehörigen Gerichtsschreibereien auch die sämt- vorstande in Blögensee melden. Auskunft nimmt auch die Kriminalum hier der Sozialdemokratie mit ihrem Wahl- lichen Bureaus der Amtsanwaltschaft aufgenommen. Der letzteren polizei, Bimmer 331, im Polizeipräsidium mündlich oder schriftlich kandidaten, Schneider Adolf Ritter, aufs ist der ganze nördliche Flügel des zweiten Stodiverts eingeräumt au 2387 IV. 48. 07 entgegen. neue den Sieg au sichern. Die Mehrheit, mit der worden. wir den 39. Wahlbezirk vor vier Jahren gewannen, war nicht so bedeutend, daß man ihn etwa schon zu den festen Burgen Man schreibt uns: In hiesigen Blättern erscheint gegenwärtig zählen dürfte. Vor Ueberraschungen sind wir hier noch eine Annonce, worin angezeigt wird, daß die inserierende Firma feineswegs sicher. Da im übrigen noch auf Grund der alten 5000 Taschenuhren unentgeltlich verschickt. Jeder Leser, der 40 Pf. Wählerlisten vom Sommer 1906 gewählt werden muß, für Porto und Verpadung" einschickt, tönne eine Uhr umsonst er so wird mancher Wähler aus der Arbeiterbevölkerung, die halten. Wer auf diese Anzeige hereinfällt und die verlangten 40 Bf. ja viel weniger seßbhaft als das liberale Bürgertum" ist, einsendet, erhält eine Preisliste, die einen Wert von etwa 2-3 f. Radrennen in Steglit. An beiden Dsterfeiertagen herrschte im inzwischen bereits aus dem Bezirk weggezogen sein. repräsentiert. In einem Beiwort wird gesagt, daß jedermann, der Zwar darf jeder Wähler, der zur Zeit der Aufstellung dieser für 25 Mart Ware tauft, eine Uhr als Zugabe erhält. Der Sportpark Steglig ein reges Leben und Treiben. Als gute alte Wählerliste im Wahlbezirk wohnte, noch nach seinem Weg- Leser sendet die 40 Pf. in dem Glauben ein, hierfür die in Aussicht Bekannte wurden Robl, Günther, Ryser begrüßt, während man auf gestellte Gratisuhr" zu bekommen, erhält aber nichts weiter als Salzmann, der etwa zwei Jahre der Rennbahn fern war, gespannt zuge an der Wahl teilnehmen. Aber solche weggezogenen eine völlig wertlose Breisliste. Unser Leipziger Parteiblatt hat schon blickte. Der kleine Heidelberger indes hatte die Zeit nicht unbenut Wähler können doch von der Agitation in der Regel nur vor 14 Tagen diesen Schwindel aufgedeckt und vor der betreffenden Firma: Leop. Feith, Wien 7/1, dringend gewarnt. Wir tun hiermit das gleiche und empfehlen jedermann, fein Geld zu behalten und der Firma Leop. Feith die„ Gratisuhren" zu belassen. schwer erreicht werden. Ein dreister Schwindel. Die gewerbliche Fortbildungsanstalt für die weibliche Jugend ( Alte Jakobstraße 127) beginnt am 8. April das neue Semester. In den Klassen für künstlerisches und kunstgewerbliches Zeichnen, Malen und Modellieren sind durch das Ausscheiden mehrerer Schülerinnen, die nach Beendigung ihrer Ausbildung Stellungen erhalten haben, einige wenige Plate freigeworden. Damen, die Aufnahme in die Klassen anstreben, ist bringend zu empfehlen, sich bald zu melden. Der zweite Tag, Ostermontag, hatte zwei Dauerrennen 50 Kilometer. gelaffen und legte ein so gutes Können an den Tag, daß er aus beiden Hauptrennen vor Robl als Sieger durch das Ziel ging. Die Es ist Pflicht aller unserer Genossen und Freunde, die anderen Teilnehmer der Klasse A haben noch viel nachzuholen, wenn fie in späteren Kämpfen mit Ehren bestehen wollen. Am Sonn im 39. Wahlbezirk( Stettiner Bahnhofstag gingen zum 50 Kilometerfahren Günther, Robi, Ryser Biertel wahlberechtigt find, am 10. April ihr Wahlrecht auszuüben und dafür zu sorgen, daß der Kandidat der So Ofterfeiertage: Ein tödlicher Unfall trug fich am ersten Feiertag auf dem Brogramm: ein 30 setiometerfahren für Eine Anzahl Straßenbahnunfälle ereigneten sich während der und Salzmann an den Start. zialdemokratie, Schneider Adolf Ritter, ge- mittags am Kurfürstendamm zu. Der Polizeiwachtmeister Ernst auf dem Programm: ein 30 kilometerfahren für aufstellung, d. h. zwischen 1.- 15. Juli 1906, im 39. Wahl- den Straßendamm des Kurfürstendamm vor dem Hause 122, nahe ersteren Rennen standen sich Schipke, Mauß, Przyrembel und Schiefer bezirk gewohnt haben, aber inzwischen aus ihm weg der Henriettenstraße, überschreiten; in diesem Augenblid nahte gegentiber. Dasselbe verlief interessant und war leider nur zu kurz, gezogen sind, sind dort noch wahlberechtigt, wie ein Motorwagen der Linie A( Richtung Hundefehle) heran. um ein noch besseres Endergebnis zu zeitigen. Erster Tag: Vorgabefahren. Erster Lauf: 1. Theile schon gesagt. Auch sie müssen es als eine Ehrenpflicht an- N. schien das Warnungssignal des Führers überhört zu haben, er sehen, der Wahl nicht fernzubleiben, sondern mit ein- turde umgestoßen und fam unter den Schußrahmen des Straßen-( 20 Meter Vorgabe), 2. Kudela( 0), 3. Conrad( 30), 4. Bogt( 60), zutreten für den Kandidaten der Sozialdemo- bahnwagens zu liegen. Mit Hülfe von Straßenpassanten wurde 5. Stol( 40). Zweiter Lauf: 1. Ste chun( 180), 2. Holzbächer( 160), fratie und ihre Stimme in die Wagschale zu werfen für der Wagen angehoben und der Unfallhabende hervorgezogen. 3. Ganzevoort( 180), 4. Meißner( 150), 5. Techmer( 70). Er hatte schwere innere Verlegungen erlitten, der Brustkasten war Hauptfahren. 1. Wegener, 2. Stol, 3. Peter, unseren Genossen Adolf Ritter. Der Berliner Kom- eingebrüdt. Der tödlich Verletzte wurde nach der Polizeiwache ant 4. Tetzlaff. munalfreisinn muß durch das Ergebnis dieser Wahl belehrt Surfürstendamm gebracht, woselbst der herbeigerufene Arzt, Wannschaftsfahren. 1. Theile Stol, 2. Scheuerwerden, daß bei den Kommunalwählern dritter Ab- Dr. Rösler, nur noch den Tod des Polizeiwachtmeisters feststellen mann- Wegener, 3. Kudela- Ruß, 4. Techmer- Stechun. Stegliger teilung sein Kredit nicht gestiegen ist. Erst in den letzten fonnte. Die Leiche wurde nach dem Wilmersdorfer Schauhause Eröffnungsrennen. Wochen wieder hat in der Stadtverordneten- Versammlung gebracht. Ein ähnlicher Unfall trug sich am ersten Feiertag gegen 1. Salzmann 38 Min. 532/ Set., 2. Robl 3700 Weter, 3. Ryser in der die freisinnige Mehrheit mehrfach gezeigt, wie wenig 45 Uhr nachmittags 5220 Meter, 4. Günther. 9470 Meter zurück. Landsberger Straße zu. 8 weiter Tag: Vorgabefahren. Erster Lauf: der Kommunalfreisinn das Vertrauen der Dort rannte in der Nähe der Katharinenstraße ein etwa 45jähriger Mann gegen den Vorderperron eines Motorwagens der Linie 70. 1. Scheuermann( 0), 2. Conrad( 30), 3. Vogt( 60), 4. Rudel( 80), minderbemittelten Bevölkerung verdient. Er wurde umgestoßen und kam gegen den Zug zu liegen. Der 5. Theile( 20). Zweiter Lauf: 1. Kudela( 0), 2. Stol( 40), In der dritten Abteilung, der Abteilung der Minder- Bewußtlose, der eine klaffende Wunde am Kopf erlitten und start 3. Techmer( 70), 4. Ruß( 60), 5. Bülow( 110). bemittelten, hat kein Freisinniger etwas zu suchen die aus Mund und Nase blutete, wurde nach dem Krankenhause Hauptfahren. 1. Wegener, 2. Theile, 8. Nuß, Mandate der dritten Abteilung gebühren der Sozial- Friedrichshain geschafft. Name und Wohnung des Verunglückten 4. Peter. demokratie. fonnten nicht festgestellt werden. Um 43 Uhr nachmittags des- Mannschaftsfahren. 1. Rudela Ruß, 2. ScheuerDer 39. Kommunal. Wahlbezirk gehört zum selben Tages verließ der 12jährige Friz Papendid, Stralauer mann- Wegener, 3. Teile- Stol, 4. Conrad- Niederau, 5. Techmer sechsten Reichstags- Wahlkreis und umfaßt die Straße 5 wohnhaft, während der Fahrt unweit der Haltestelle in Stechun. der Ludwigskirchstraße den Borderperron eines Straßenbahn- Eröffnungsrennen für Klasse B. 30 Kilometer. Stadtbezirke 268, 269, 270, 271, 272, 274A, 274B. Gewählt magens der Linie 78. Dabei fiel der Knabe zu Boden und geriet 1. Shipke 23 Minuten 13% Sekunden, 2. Przyrembel 660 Meter, wird in folgenden Wahllo falen: mit der linken Hand unter den Schußrahmen. Der Kleine erlitt 3. Mauß 2850 Meter, 4. Schiefer 7800 Meter. Von den Wählern der Stadtbezirke 268, 269, 270, d. h. eine schwere Quetschung des Gliedes und mußte nach dem Osterpreis für Klasse A. Stundenrennen. 1. Salz der Grundstücke Bergstr. 65, Borsigstr. 1-27, Elsasser- Strankenhause Moabit überführt werden. Ebenfalls beim Ver- mann 77,900 Kilometer, 2. Robl 76,850 Kilometer, 3. Huber Ver- mann straße 16-30, Gartenstr. 1-32 und 85-115, Invaliden- lassen eines in, der Fahrt befindlichen Straßenbahnwagens der 74,500 Kilometer, 4. Goor 72,960 Kilometer. straße 6-23 und 129-147, Schlegelstr. 16-17, Schröder Linie 11 verunglüdte Sonntagnachmittag gegen 3 Uhr ein Radrennen zu Berlin- Treptow. Die Osterrennen erfreuten fich Fräulein Gering aus der Rostocker Straße 38, welche kurz vor der bei dem günstigen Wetter eines guten Besuches. Die Hauptnummer straße ganz, Tiedftr. 14-27, Huttenstraße abspringen wollte. Sie fiel und erlitt einen Bruch des Programıms, der„ Große Osterpreis über 50 Kilometer des linken Oberarmes. Bei einem Zusammenstoß eines Straßen-( 800, 500, 300 m.)" wurde von dem Dresdener Rosenlöder bahnwagens mit einem Milchwagen der Firma C. Bolle, welch überlegen in 41 Minuten 264% Sekunden vor Stellbrint( 3510 Meter letteres Gefährt unmittelbar vor dem Motorwagen Nr. 1963 der Linie 23 am Pappelplab das Gleis zu freuzen versuchte, wurden zurüc) und Schulze( 6980 Meter) gewonnen. Letztere beiden, die die Fahrer des Milchgefährtes Eichler und Träber vom Bock auf in den Vorläufen ausgezeichnet gefahren waren( Schulze hatte das Straßenpflaster geschleudert. Während E. eine leichtere Ver- sogar die besten Treptower Zeiten bei 10 und 50 Stilometer hatten in dem legung am Kopfe erlitt, mußte Träber nach dem Lazarus- Kranken- verbessert), Endlauf unter mannigfachem leiden. Schulze stürzte beim 12. Kilos hause gebracht werden, wo eine Gehirnerschütterung festgestellt Wißgeschick zu meter, er fette zwar bald darauf das Rennen fort, wurde. Auf dem Gesundbrunnen wurde der Weißgerber Heine, war aber doch wesentlich in seiner Leistungsfähigkeit behindert; Brinzen- Allee 28 wohnhaft, von einem Straßenbahnwagen erfaßi und so schwer verletzt, daß er in bedenklichem Zustande in das Lazarus- Strantenhaus eingeliefert werden mußte. im Wahllofal Gartenstr. 6, Schmidts Festfäle; von den Wählern der Stadtbezirke 271 und 272, d. h. der Grundstücke Borsigstr. 28-34, Chauffeestr. 1-27 und 94-123, Eichendorffstraße ganz, Elsasserstr. 31-40, GartenStraße 84, Hannoverschestr. 1-8, Invalidenstr. 24-37 und 111-128, Nobalisstraße ganz, Schlegelstr. 1-15 und 18 bis 33, Tiedstr. 1-13 und 28-41, im Wahllokal Chausse e str. 103 a, Germania- Prachtsäle; von den Wählern der Stadtbezirke 274A und 274B, d. h. der Grundstücke Chausseestr. 28-56 und 82-93, Kesselstraße ganz, Pflugstraße ganz, Schwarzkopffstraße ganz, Wöhlertstraße ganz, im Wahllokal Pflugstr. 9, Wöhlert- Garten. Gegen die Auswüchse des Pfandleihgewerbes hat der Minister des Innern folgende Vorschriften erlassen: worden. er fiel mehrmals von seiner Führung ab und geriet dadurch immer mehr in den Hintergrund; Stellbrink ging es nicht viel besser; sein Schrittmacher Stäjer tam gleichfalls zu Fall, er mußte das Rennen Ein dreistes Diebesstück leisteten sich in der gestrigen Nacht aufgeben und Stellbrink war gezwungen, hinter anderer Führung zu Einbrecher auf dem Grundstück Odenwaldstraße 22. Dort war eine fahren. mächtige Bronzefigur," Die Erwartung" darstellend, angebracht. Der Kleine Oster Preis" über 25 Kilometer Das Kunstwert, das dem Bildhauer Meißner gehörte, ist in der( 400, 300, 200 m.) war für die in den Vorläufen des großen Nacht von Dieben von dem Postament entfernt und gestohlen Rennens ausgeschiedenen Fahrer bestimmt. Wie werall legte die Distanz in 21 Min. 52, Set. vor dem Franzosen Parent( 3275 Meter) 1. Neue Sachen, die nicht zu den Gebrauchsgegenständen des Opfer feines Berufs. Auf dem Stettiner Bahnhof wurde vor- und Gliedermann( 3800 Meter) zurück. Gliedermann war durch den Verpfänders gehören, dürfen nur auf Grund einer Bescheinigung der Drtspolizeibehörde als Pfandstüde angenommen werden. 2. Bum gestern der Rangierer Karl Jadtke, Usedomstraße 11, überfahren und Sturz seines Führers Ahrens, der einen Schlüffelbeinbruch erlitt, Zwecke der Ausstellung der Bescheinigung ist der Ortspolizeibehörde auf der Stelle getötet. 3. hatte auf einem Rangierzuge als Bremser auf den letzten Blatz zurückgefallen. Die für die Flieger" bestimmten Nennen gestalteten sich durch bom Berpfänder oder vom Pfandleiher ein Verzeichnis der zu ver- gestanden. Als der Bug später, anhielt, bermißte man J. Er wurde ihren Verlauf sehr spannend. pfändenden neuen Sachen einzureichen. Die Ausstellung erfolgt durch schließlich als zerstücelter Leichnam auf den Gleisen gefunden. Der Hauptfahren. 1200 Meter. 50, 30, 20 m. Endlauf: Aufdrücken des Amtssiegels auf das dem Antragsteller zurüdzugebende Stopf war dem Unglücklichen vollständig vom Rumpfe getrennt. 1. M. Hansen in 2:09; 2. Rabe, weit zurüd; 3. Kelbel. Nicht Verzeichnis. 3. Die Bescheinigung ist auszustellen von der Orts- Wahrscheinlich ist der Bedauernswerte während der Fahrt vom Tritt- placiert: Stabe, Hellemann. In den sechs Vor- beziehungsweise polizeibehörde des Wohnortes ober des Ortes der gewerblichen Nieder- brett abgestürzt und unter den Zug gekommen. J. stand im 36. Lebens- zwei Zwischenläufen dreißig Fahrer ausgeschieden. lassung des Verpfänders und, wenn der Pfandleiher sein Gewerbe an einem anderen als den genannten beiden Orten betreibt, außerdem auch von der Ortspolizeibehörde des Drtes der gewerblichen Drei Tage nach der Hochzeit Selbstmord verübt hat der Artist Niederlassung des Pfandleihers. Hat der Verpfänder in Preußen Johannes Großkreuz aus der Marienburgerstraße 30. G. war jahre. 4 Tandem Hauptfahren. 1800 Meter. 75, 50, 30, 10 M. Endlauf: 1. tabe Seibel in 2:49; 2. Stellbrink- Stabe, 3. Hoffmann- Hansen. Hellemann- W. Müller durch, Reifenschaden au Fall gekommen. Dfter Handicap. 1500 Meter. 100, 80, 20, 10 M. End Lauf; 1. Hoffmann( 40 Meter Vorgabe) in 2:00; 2. Rabe( 10); 3. Pawke( 110); Stelbel( 80). Acht weitere Fahrer unplaciert. In vier Vorläufen 30 ausgeschieden. Am zweiten Feiertag ist bei der Matinee im Bernhard Nose- Theater, Babstr. 58, ein Portemonnaie mit Inhalt gefunden worden. Dasfelbe ist abzuholen in der Spedition von Naschte, Aderstr. 36, Ein gang Anklamerstraße. Das Komitee. Im Theatersaal der Urania- Sternwarte in der Invalidenstraße wird am Freitag, wie bereits angekündigt, abends 8 Uhr der befannte Astronom Dr. Tetens über Das Leben auf Samoa" sprechen. Dr. Tetens wird dabei eine Reihe von seinen im Verlaufe des breijährigen Aufenthalts auf Samoa aufgenommenen Lichtbildern vorführen und dadurch eine deutliche Anschauung von jener idyllischen Tropenwelt mit ihrem wohlgebildeten, gesunden und harmonisch organisierten Bölkchen bieten. Im wissenschaft. lichen Theater der Urania- Taubenstraße gelangt der Vortrag " Die Feuergewalten der Grde" zur Darstellung. Da im sperrung in der Holzindustrie und Genosse Braun über die Bewegung| ist, über den Potsdamer Satz von 660 M., der bort für die Dienstin der Konfektionsbranche. wohnung in Anrechnung gebracht wird, hinauszugehen; hingegen Zu der Affäre am Kurfürstendamm, wo, wie wir berichteten, der gymnasiums von 300 auf 450 9. und bem Reftor der höheren wurde beschlossen, die Funktionszulage des Leiters des RealBürstenmacher Richard Groß von dem taubstummen Drechsler Hänschte Mädchenschule das Grundgehalt von 2400 auf 2700 2. zu erhöhen. erschossen wurde, wird gemeldet, daß das blutige Drama boraus Die Vorschullehrer beziehen an Mietsentschädigung gegenwärtig M. fichtlich auch noch ein zweites Opfer fordern wird. In dem Befinden der 400 m., während die Volksschullehrer eine solche von 450 M. erebenfalls angeschossenen Ehefrau des Groß ist während der Feiertage halten. Die wissenschaftlichen Lehrerinnen an der höheren Mädcheneine derartige Verschlechterung eingetreten, daß wohl faum irgend fchule und die Volksschullehrerinnen beziehen gegenwärtig eine welche Hoffnung vorhanden ist, sie am Leben zu erhalten. Die Nichte des Ehepaares, die bekanntlich während der Katastrophe aus diese Säge dahin abzuändern, daß die Mietsentschädigung für die gleiche Mietsentschädigung von 300 M. Die Vertretung beschließt, der Wohnung floh und seitdem verschwunden blieb, hat sich am Bolksschullehrer auf 500 m., für die wissenschaftlichen Lehrerinnen ersten Feiertag wieder bei der Polizei gemeldet. Hänschte, der mit der höheren Mädchenschule auf 320 M. festgesetzt wird, Hülfe eines Taubstummen Dolmetschers vernommen wird, dürfte sich bergangenen Jahre die gesamte Lehrerschaft der Voltsschulen eine voraussichtlich wegen Totschlages und versuchten Totschlages zu ber Aufbefferung der Mietsentschädigung erfahren, hielt es die antworten haben. Nixdorf. Vertretung für notwendig, auch den Volksschulrektoren eine höhere Mietsentschädigung zuzubilligen und setzte dieselbe auf 500 m. feit. Der letzte Punkt der Tagesordnung betraf Kommissions. renzel; Baufommission: Gomoll und Siemte; Wegekommission: wahlen; unsere Genossen sind in den Kommissionen wie folgt ver treten: Wahlfommission: Gruhl; Finanzfommission: Gruft und Bruhl und Neumann; Feuerlöschkommission: Fesser; Friedhofsfommission: Neumann; Kassenrevisionstommiffion: Jeffer; Kanalis fationsfommission: Gruhl und Gomoll; Martikommission: Frenzel; Vorstand der Fortbildungsschule: Zöllner. Die Wahlen einiger weiterer Kommissionen wurden vertagt. - Ein aufregender Vorgang hat sich am Nachmittag des zweiten Ein aufregender Vorgang hat sich am Nachmittag des ateiten Zwischen zwei Straßenbahnen geriet gestern abend in der Metallschleifer Johann Elfenbein, Hasenbeide 50 wohnhaft, fiel dort Diterfeiertages vor dem Nirdorfer Bahnhof abgespielt. Der 42jährige Schlesischenstraße ein mit vier Personen besetztes Privatautomobil. über seine ehemalige Geliebte, die 25jährige Arbeiterin Anna R. Der Chauffeur desselben versuchte an einem in gleicher Richtung aus der Reichenbergerstraße her und biß ihr das rechte Ohr ab. fahrenden Straßenbahnwagen vorbeizufahren und überfah einen Bereits vor sieben Jahren knüpfte E. mit der St. ein Liebesverhältnis an, entgegenkommenden Straßenbahnwagen. Das Automobil geriet nun wobei er ihr aber verschwieg, daß er verheiratet sei. Erst vor kurzem er zwischen die beiden Wagen und wurde vollständig zertrümmert. Die fuhr sie, daß sie von dem Liebhaber hintergangen worden ist, weshalb sie Insassen tamen erfreulicherweise mit dem bloßen Schreck davon. das Verhältnis mit demselben abbrach. Als E. ihr am zweiten Der aufregende Borgang hatte eine große Menschenmenge angelodt. Feiertag an genanntem Drte begegnete und sie aufforderte, mit Die letzte Sigung der alten Nowaweser Gemeindevertretung Feuerwehrbericht. Während der Feiertage wurde die Berliner zugehen, weigerte fich dieselbe. Blöglich fiel er über sie her und fand am Donnerstag statt. Der Gemeindevorsteher gab in längeten Wehr mehr als 24 mal alarmiert, darunter zweimal infolge groben biß ihr die linke Ohrmuschel vollständig ab. Auf die Schreckensrufe Ausführungen ein Bild der Entwickelung der Gemeinde, betonte, Unfugs nach dem Görlizer Ufer und der Chorinerstraße. Am Nach der Ueberfallenen eilten Passanten hinzu und lynchten E. Die Ver- wie man im Anfange seiner Tätigkeit gegen sein Bestreben, die mittag des ersten Feiertages hatte die erste Stompagnie einen legte wurde sofort nach dem Strankenhause gebracht, doch konnte das Gemeinde den neuzeitlichen Anforderungen entsprechend auszu größeren Brand in der Greifswalderstr. 96/98 zu löschen, wo die Dhr nicht mehr angenäht werden. G. wurde in Untersuchungshaft bauen, von verschiedener Seite opponiert habe; es habe sich aber Feuerwehr schon mehrere Male zu tun gehabt hat. Dort standen genommen. gezeigt, daß er mit seinen Ideen doch imRechte war, da sich die vier fleine Fachwerksschuppen mit alten Zumpen und Papier der Wilmersdorf. Gemeinde heute in bedeutend besseren Verhältnissen befinde wie vor Produktenhandlungen von M. Aron und eine Kontorbarade in zehn Jahren, ohne daß dem Einzelnen größere Opfer auferlegt worden seien; er schloß mit einem Danke an die Vertretung für treue Mitarbeit, wobei er hervorhob, daß er insbesondere denjenigen zu Dank verpflichtet sei, die ihn von Beginn seiner Tätigkeit an in seinen Arbeiten unterstützt hätten. Nach hierauf erfolgter Erledigung einiger Kleinerer Vorlagen wurde die letzte Sizung geschlossen. Flammen. Brandinspektor Leupoldt ließ von Dampfspritzen Das Gesetz vom 27. März 1907, nach dem der Bezirk der Stadtfünf Schlauchleitungen vornehmen, womit es gelang, die gemeinde Deutsch- Wilmersdorf dem Landespolizeibezirk Berlin zu Flammen innerhalb einer Stunde zu löschen. Langwieriger fritt, ist soeben veröffentlicht. Dem Landespolizeibezirk Berlin gehört war dann die Ablöschung. Die Entstehung des Brandes war nunmehr Berlin, Charlottenburg, Schöneberg, Rigdorf und Deutschnicht zu ermitteln. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Wilmersdorf an. Um eine Razze herunterzuholen wurde eine große mechanische Friedrichsfelde. Leiter nach der Leipzigerstr. 59 entsandt. Das miauende Tier hatte sich hinter ein Firmenschild verkrochen; Mannschaften holten es herIn der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins referierte unter. Der siebente Bug hatte in der letzten Nacht in der Brom- an Stelle des Genossen Link Genosse Rehbein über„ Die Grundbergerstr. 11/12 zu tun, wo Stroh u. a. brannte. Wegen eines fäße des Sozialismus". Diskussion fand nicht statt. Zur Maifeier Wohnungsbrandes wurde der 16. Bug nach der Liebenwalderstr. 35/36 wurde beschlossen, vormittags bei Bube eine Versammlung stattfinden gerufen. Breßtohlen u. a. brannten in einer Wohnung in der Rigaer zu lassen und nachmittags in demselben Lotale Festlichkeiten abstraße 83, der Fußboden u. a. in der Kaiser Wilhelmstr. 19a und zuhalten. Billetts dazu werden am nächsten Zahlabend ausgegeben. Möbel usw. in der Rodenbergstr. 28. Stroh brannte auf dem alten Außerdem wurde das Vergnügungskomitee beauftragt, bei ParteiErerzierplatz an der Schwedterstraße und trodenes Gras am Eisen- festlichkeiten dahin zu wirken, daß die Gastwirte die organisierten bahndamm an der Wiesenstraße. Ferner hatte die Wehr in der Gastwirtsgehülfen berücksichtigen. Leipzigerstr. 80, am Tempelhofer Ufer 22, Noßstr. 32, Hufelandstraße 35, Stralauer Allee 20b, Fürstenbergstr. 7, Landsbergerstr. 45, Nieder- Schönhausen. Spandau. Die Delegierten der Drtskrankenkasse der Handwerker werden hiermit auf die heute, Mittwoch, den 3. April, abends 8, Uhr, im Roten Abler" stattfindende Generalversammlung aufmerksam ge macht. Aus der Frauenbewegung. Konferenz der sozialdemokratischen Frauenklubs Hollands. Haarlem, 30. März 1907. Am Vorabend des sozialdemokratischen Parteitages tagte am tischen Frauentlubs Hollands. Von den 11 in Holland bestehenden Klubs, die zusammen ungefähr 500 Mitglieder zählen, waren 9 durch Abgeordnete vertreten. Dänenftr. 7 u. a. Stellen zu tun. Einer Feuermeldung nach der Genosse Hesse einen Vortrag über das Erfurter Parteiprogramm. heutigen Sonnabendnachmittag die Konferenz der sozialdemokra Zogostraße lag grober Unfug zu Grunde. Schöneberg. Vorort- Nachrichten. Die lehte Wahlvereinsversammlung beschäftigte sich mit der Wahl eines anzustellenden zweiten Beitungsspediteurs. Der Vorſizende gab einleitend einen Bericht von den innerhalb des Vorstandes gepflogenen Beratungen, deren Ergebnis der heute vorliegende Borstandsantrag auf Anstellung eines zweiten Spediteurs Dieser Entschluß mache sich unabweisbar notwendig in Anist. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins hielt Hierauf erörterte der Borsigende die Verlegung des Versammlungs. Totals. Bum Bunkt Maifeier wurde beschlossen, außer der Nach mittagsfeier am 1. Mai auch am Vormittag eine öffentliche Versammlung stattfinden zu lassen. Genosse Risch gab den Bericht von der Generalversammlung des Kreiswahlvereins. Zum Schluß ersuchte der Vorsitzende um recht zahlreiche Beteiligung, besonders der Frauen, für bie am 16. April stattfindende öffentliche Ver. sammlung: Die Tagesordnung derselben lautet:" Die Bedeutung der Konsumgenossenschaftsbewegung für die Arbeiterklasse." Bernau. Auf der Tagesordnung standen drei Punkte: 1. Zwed und Einrichtung der sozialdemokratischen Frauenklubs; 2. Die prole= tarische Frau" als Organ aller Slubs; 3. Die Propaganda für das proletarische Frauenwahlrecht. Die Vorsitzende, Genoffin Wibaut, wies in ihrer Eröffnungsansprache auf das geringe Interesse hin, das der proletarischen Frauenbewegung bisher nicht allein seitens ber männlichen Genossen, sondern auch seitens der Frauen im allgemeinen und der Genossinnen im besonderen entgegengebracht wurde. Ein erfreuliches Reichen sei, daß die Klubs bereits, trob erkennung verschafft hätten, da dieselben den ersten Schritt auf bem Wege der Bewußtmachung der proletarischen Frauen getan hätten, was bisher gänzlich verwahrlost worden war. Aus ber darauf folgenden Diskussion erhellte, daß alle Klubs als Zweck die Sozialdemokratische Propaganda haben und allgemein wurde der unsch geäußert, daß die Mitglieder der Klubs auch der Partei beizutreten hätten. Das Organ des Amsterdamer Frauenklubs," Die proletarische Frau", soll zum Organ ber gesamten Klubs erweitert werden und ein halbmonatliches Erscheinen, statt des jetzigen monatlichen, wurde vorgesehen. Kräftig foll unter den Arbeiterfrauen die Propaganda für das allgemeine Wahlrecht, mit Ginbegriff des Frauenwahlrechts, in die Hand genommen werden. betracht der im letzten Jahr bedeutend gestiegenen Zahl der Vorden am Karfreitag Spaziergänger in der Gräflich Redernschen Forst thres noch so kurzen Bestehens, sich als eine notwendige Ergänzung Auf einen Mord läßt der Fund einer männlichen Leiche fchließen, inen Umfang annehmen, der die Anstellung einer zweiten Kraft bei Lanke, zirka 15 Schritt vom Wege entfernt, in einer dichten unbedingt erfordere. Hinzu komme, daß die Vereinsbibliothek in Schonung machten. Die Leiche war vollständig verweft und der den Speditionsräumen untergebracht werden solle, um den Mit Kopf lag bom Rumpfe getrennt ein Stück ſeitwärts. Die Bernauer gliedern mehr als bisher Gelegenheit( d. h. während des ganzen Polizeibehörde ließ den Fundort absperren. Am SonnabendLages) zur Benutzung der Bibliothek zu geben. Ferner fei geplant, nachmittag nahm eine Gerichtskommission nebst einem Arzte bie den Handel mit Schreibmaterialien, Schulbüchern und-Heften usw. Besichtigung des Fundortes und der Leiche vor. Der Kopf zeigte in dem Speditionsladen umfangreicher zu betreiben. Aus allen oberhalb des Nasenbeins eine Spaltung, jedenfalls von einem diesen Gründen ersuchte der Vorsißende dem Vorstandsantrage die Schlage herrührend, und das Stelett war in fünf Teile zerlegt. Eine Zustimmung zu geben. In der Diskussion wurde irgend welcher Frau, welche zufällig in der Nähe des Fundortes beim Holzsammeln Widerspruch nicht laut. Genosse Giehler fragte an, ob geplant angetroffen wurde und deren Ehemann vor ungefähr sechs Jahren sei, einen zweiten Laden als Speditionsraum zu eröffnen. Er plöglich verschwand, erklärte auf Befragen der Beamten, daß die gehalte das für angebracht; namentlich auf der Insel", dem arbeiter- fundene Leiche die ihres Ehemannes, des Schnellläufees Nichter aus reichsten Viertel Schönebergs, würde sich diese Verkaufsstelle sehr Bernau sei. Die Angaben der Frau über Anzug und Stiefel gut rentieren. Dem Redner wurde vom Vorsißenden erwidert, stimmten mit der bei der Leiche vorgefundenen überein. Die ein daß davon jetzt noch Abstand genommen werden müsse, da Gründe geleitete Untersuchung wird erst das Nähere ergeben. finanzieller Art dieses Unternehmen zurzeit noch unratsam erNowawes. fcheinen ließen. Hierauf wurde die Wahl per Stimmzettel vorgenommen. Es erhielten: Hermann Fischer 92, Georg Rethfeld 57, Lebrecht Herter 55 Stimmen. Fischer ist somit gewählt. Sodann referierte noch Genosse Dr. Borchardt über Liberalismus und Sozialdemokratie". In der Diskussion sprach Genosse Eduard Bernstein. Der vorgerückten Zeit wegen wurde beschlossen, ein Referat über unser Liberalismus" dem Genossen Bernstein für eine besondere Versammlung zu übertragen. Der Rest der Tagesordnung, Bericht der Kreis- Generalversammlung, wurde vertagt. Vor Eintritt in die Tagesordnung hatte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Genossen Wieland durch Erheben von den Plägen geehrt. Charlottenburg. Von der Bildung eines Landesverbandes der Frauenklubs fah man borläufig ab, bis dieselben felber innerlich mehr erstarkt feien. Trotzdem foll eine gleiche Aussprache, wie auf der heutigen Kon ferenz, jährlich zugleich mit dem Parteitage stattfinden. Diskussionsabende. der Anregung der Genossin Kähler, Unterrichtsturse zu erteilen, Die Genoffinnen in Köln, Kalt, Ehrenfeld und Düsseldorf haben, folgend, Bersuche nach der Richtung unternommen und ermunternde Erfolge erzielt. Die Wahl eines Gemeindevorstehers für die erweiterte Gemeinde Nowawes fand in einer am Mittwoch stattgefundenen nichts öffentlichen Sigung der dortigen neuen Gemeindevertretung statt. Die Stelle war nicht ausgeschrieben worden, sondern von der Vertretung die beiden bisherigen Gemeindevorsteher WinkelmannNowawes und Obst- Neuendorf als Kandidaten nominiert worden. Für Winkelmann wurden 21 Stimmen und für Obst 8 Stimmen abgegeben; Winkelmann- Nowames ist somit gewählt. Unsere Genoffen stimmten geschlossen für Winkelmann, da er sich im all tommunistischen Gedanken bis zu feiner Entwickelung zum SozialisIn sechs Abenden hat Genossin Kähler in flarer Darstellung den gemeinen bisher als unparteiischer Beamter gezeigt hat. Das mus erläutert und gleichzeitig die Programmforderungen einzeln Gehalt für den neuen Gemeindevorsteher beträgt 4400 M., außer mit den Genossinnen burchgesprochen und durch praktische Beispiele dem freie Wohnung in Höhe von 660 M. und 200 M. Entschädigung demonstriert. Die Diskussion unterschied sich insofern von den für Dienstreifen. Nach der Wahl erklärte Gemeindevertreter Die letzte Sigung der Charlottenburger Gewerkschaftskommission Röhren, daß die 8 Stimmen, die auf Obst- Neuendorf gefallen find, üblichen Debatten, daß nach dem Vortrage nicht das Wort auf genau wie nahm Stellung zu der kommenden Maifeier. Wie der Obmann, fein Mißtrauensvotum gegen den neuen Gemeindevorsteher dare unsch erteilt wurde, sondern die Vortragende stellte auf den Inhalt ihres Vortrages Genosse Flemming, mitteilte, stehen der Charlottenburger Arbeiter stellen sollen, sondern nur eine Vertrauenskundgebung von Neuen- die Lehrerin in der Schule schaft, da das Lokal der Ww. Bauer in der Berlinerstraße gesperrt Weiter genehmigte die Vertretung die Anstellung des bisherigen Distuffion erwies fich für den gwed der Veranstaltung außer dorfer Seite für den bisherigen dortigen Gemeindevorsteher. bezügliche Fragen, die von den Frauen und Mädchen in kurzen zusammenhängenden Säßen beantwortet wurden. Diese Art der ist, diesmal zum 1. Mai nur drei nennenswerte Versammlungsräume zur Verfügung. Die einzelnen Gewerkschaften sollen fich in Neuendorfer Gemeindebaumeisters Kuhnert, welcher die Gemeinde. Diskussion erwies fich für den Zweck der Veranstaltung außerden Vormittagsversammlungen wie folgt versammeln: Im großen sachen bearbeiten soll, während der bisherige Nowawejer Gemeinde- ordentlich förderlich. Es werden durch diese Methode die Hauptbaumeister Kluge die Amtssachen zu erledigen hat. Eine gedanken des Vortrages furz wiederholt und so dem Gedächtnis Saale des Volkshauses: Maurer, Buzer, Zimmerer und Bauhülfsarbeiter; im unteren Saale bes Boltshauses: Holz- schwierige Aufgabe war die hierauf vorgenommene Feftfeßung eines beffer eingeprägt und die Buhörer an die größte Aufmerksamkeit und arbeiter, Töpfer und Steinfeger. Bei Schulz, Normal- Besoldungsplanes für die Gemeindebeamten, da die Ge- an zusammenhängendes Denten gewöhnt. Folgende Tabelle gibt einen Ueberblick über die Beteiligung Kaiser Friedrichstraße 24, sollen fich sollen sich die Handelsdie Handels- und haltsverhältnisse bisher in beiden Gemeinden außerordentlich ver Transportarbeiter, Metallarbeiter, Fabritarbeiter und die übrigen schiedene waren; um hierin einigermaßen einen Ausgleich zu der Genosfinnen in den einzelnen Orten: 1. Abb. 2. Abb. 3. Abd. 4. Abd. 5. Abd. 6. Abd. Gewerkschaften einfinden. Zum Ausweis der Arbeitsruhe wird schaffen, mußten die Gehälter einiger Beamten etwas erhöht, bei Teilnehmerinnen wieder wie alljährlich eine Kontrollmarte vom Ausschuß der Gewert- anderen der Beitpunkt für die nächste Bulage etwas hinausgeschoben schaftstommiffion herausgegeben. Hierauf begründet Genoffe erben. Im übrigen wurde der Besoldungsplan wie folgt feft. gesetzt: Scheible einen vom Ausschuß eingebrachten Antrag, wonach beim Magistrat der Stadt Charlottenburg von den Gewerbegerichtsbeisigern Klasse der Arbeitnehmer beantragt werden soll, daß bei den tünftigen Maler, Anfangs- End Gehalt Wahlen zum hiesigen Gewerbe- und Kaufmannsgericht ein I. Baumeister.... 3000 4500 Sonntag als Wahltag genommen wird. Nachdem fich Köln . 2700 4200 • Buchhalter.. • 1500 2400 • • • Bulagen X 3001 in je 16X 2001 8 Jahren J1X 300 in je 16X 2001 3 Jahren 2000 8800 2X300 in je 16X 2001 8 Jahren ( 2X 150 in je 2 Jahr. 14X 150 in je 3 Jahr. Endgehalt wird erreicht in Jahr. 21 Ehrenfeld Düsseldorf Kalt. 21 24 16 8592 54 30 28 22 20 14 37 18 14 11 1-10 10 43 33 22 18 15 15 24 18 16 18 10 die Genossen Gebert, Wilde, Bagel und Flemming Wilde, Bagel und Flemming zu II. Rendanten. stimmend geäußert, wurde ber Antrag einstimmig angenommen. Genosse Gebert beschwerte sich alsdann über den im Jahresbericht II. Sefretäre und der Gewerkschaftskommission veröffentlichten Bericht des Fabrikarbeiterverbandes, in dem u. a. gesagt wird, daß der Handels- und IV. Assistenten Transportarbeiterverband Zeitungsfrauen vom„ Lokal- Anzeiger" den v. Gemeindebiener u. 1200 2000 SX 100 in je 3 Jahr. Bollziehungsbeamte] Eintritt in den Handels- und Transportarbeiterverband verweigert habe. 8X } 24 Dieses sei, soweit die Ortsverwaltung Charlottenburg besagten Verbandes in Betracht kommte, eine Un- Außerdem wurde beschlossen, die Steuern von jetzt ab durch Vollwahrheit. Der Verfasser des Berichts, Genosse Pohl bom ziehungsbeamte ohne jeden Aufschlag von den Steuerzahlern abFabritarbeiterverband, will nicht die Ortsverwaltung Charlottenburg, holen zu lassen; die hierzu erforderliche Anstellung von zwei fondern die Ortsverwaltung Berlin damit getroffen wissen, denn weiteren Vollziehungsbeamten einer ist bereits vorhanden was ber Bericht befage, habe sich zugetragen. Nach längerer Debatte wurde genehmigt. Der Leiter des Realgymnasiums und der wurde einstimmig beschlossen, daß die Ortsverwaltung des Fabrit- Rektor der höheren Mädchenschule hatten beantragt, ihre Mietsarbeiterverbandes eine Erklärung respektive Richtigstellung im Vor- entschädigung von 600 auf 800 M. zu erhöhen, da sie angeblich wärts gegenüber der Ortsverwaltung des Handels- und Transport- für 600 M. feine ihrer Stellung entsprechende Wohnung erlangen arbeiter Verbandes Charlottenburg fobald wie möglich einrüden fönnen; die Vertretung lehnte diesen Antrag ab, da im Laufe der laffen soll. Es berichtete nunmehr der Genosse Gebert über den nächsten Jahre Dienstwohnungen für die Leiter der höheren Schulen Streit der Möbeltransportarbeiter, Genosse Storch über die Aus- eingerichtet werden sollen, andererseits es auch nicht angebracht " Der letzte Abend mußte in Kalt ausfallen wegen Krankheit der Vortragenden. Wenn die Genossinnen nun weiter lernen, dann erst wird die Veranstaltung, die biel Mühe und Arbeit machte, diejenigen Früchte tragen, die im Interesse der profetarischen Frauenbewegung notwendig find. Versammlungen Veranstaltungen. Rigdorf. Mittwoch, den 8. April, bei Thiel, Bergstr. 151/152: Bortrag. Genoffe Eichler: Bildende Kunst". Am 13. April bei Thiel, Bergftr. 151/152: Stiftungsfest. Lichtenberg. Sonntag, den 14. April, bei Bickenhagen, Scharnweberstraße: Vortrag. Geselliges Beisammensein. Vermischtes. Ein deutscher Dampfer gestrandet. Am 80. März ist bei dem Leuchtfeuer von Gjebjer der Bremer Dampfer Caftor" geftrandet. Als darauf vier Mann der Besagung ein Boot bestiegen, um einen Ertrunken. Auf der Donau schlug vorgestern nach einer Meldung aus Regensburg ein mit sechs Personen besetzter Kahn um, bon denen drei ertränken. Ein Schoner gesunken. Der Dampfer Koenig" der Deutschen Ostafrikalinie stieß, wie aus Hamburg gemeldet wird, auf der Ausreise in der Nordsee bei dichtem Nebel mit dem Schoner" Aurora" aus Oldersum zusammen. Der Schoner sant, drei Mann er trantin, zwei Mann konnten gerettet werden. Automobil und Schnellzug. Beim Bahnhofe von Miramas wurde vorgestern, wie aus Avignon berichtet wird, ein Automobil, als es über den Bahndamm fuhr, vom Pariser Schnellzug, erfaßt. Zwei der fünf Insassen des Automobils wurden getötet, die drei anderen wurden schwer verletzt. Schwarze Pocken. Jn Glasgow herrscht die Epidemie der 1,50-1,60. schwarzen Bocken, gestern wurden 106 Neuerkrankte ins Spital gebracht. Sozialdemokratischer Agitationsverein für den Reichstags: Wahlkreis Calau- Luckau. Mittwoch, den 3. April, abends 8, Uhr, bei Weihnacht, Grünstr. 21: Monatsversammlung. per per Wels 0,52. Duappen 0,00. Amerikanischer Lachs Ta Aufer auszulegen, fenterte das Boot. Drei der Insassen ertranten, Waldbrände haben, wie der Frf. 8tg." aus Mailand berichtet| fifche 0,00. während der vierte gerettet werden konnte. Die Ertrunkenen sind wird, an den Ufern des Lago Maggiore und im Scalbetal bei neuer per 100 fb. 110-130, do. Ila neuer 90-100, bo. IIIa neuer 75. Seelachs 25-30. Sprotten, Kieler, Wall 1,00-1,50, Danziger, Kiste die Matrosen Kräst und Dert aus Rewa und Gosteit aus Karlsruhe. Bergamo ungeheuren Schaden angerichtet. Ein Bauer verbrannte, 1,00. Flundern, Kieler, Stiege la 3-4, do. mittel ver siste 2-3, Hamb. Wie vom 1. April gemeldet wird, ist der„ Castor" durch einen eine Anzahl Personen erlitten Brandwunden. Stiege 4-6, halbe Stifte 2,00. Bücklinge, per Ball Sieler 3,00-3,50, Bergungsdampfer flottgemacht und nach Gjedser geschleppt worden. Stralsunder 3,50-4,00. ale, groß per Bib. 1,10-1,40, mittelgroß 0,80-1,00, Die Leichen der drei verunglückten Matrosen sind noch nicht gelein 0,60-0,80. Heringe p. Schock 5-9. Schellfische Stifte 4-5, bo. 1, Stifte 2-3. Stabliau, geräuch. p. 100 fd. 25-30. Heilbutt 0,00. Sardellen, 1902er per Anter 95, 1904er 93, 1905er 90, 1906 er 75-80. Schottische Bollheringe funden. 1905 0,00, large 44-48, full. 38-40, med. 36-42, deutsche 37-44. Heringe, neue Matjes, per To. 60-120. Sardinen, russ., Faß Neunaugen, Bratheringe, Büchse( 4 Liter) 1,50-1,75. Schodfaß 11, fleine 5-6, tiefen- 14. Gier, Lands, per Schod 3,30-4,20. Butter per 100 Bfb. Ia 114--116, Ha 110-114, IIIa 107, abjallende 95-100. Saure Gurten Schod 4,10-4,50, Pfeffergurfen 4,00-4,50. Kartoffeln per 100 Bib. 0,00, magnum bonum 2,50-2,75, Daberfche 2,25-2,50, Rosen 0,00, weiße 2,00-2,25, Salattartoffeln 6,00-8,00. Spinat 25-35. Starotten 100 Pfund 18-20. 100 fund Sellerie, hiesige, per Schod 4,00-10,00, bo. pommerfche 6,00-12,00. Bwiebeln große, per 100 fb. 8,50-4,00, bo. fleine 2,80-3,00. do. Giesige( Perl-) Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen 0,00. Charlotten 0,00. Beterfilie, grün, Schodbund 2,50-3,50. Stohlrabi Marttballen- Direttion.( Großhandel.) Rindfleisch Ia 68-72 pr. 100 Bfd., per Schod 0,00. Rettig, bayr. per Schod 2,40-4,80. Mobrrüben per 100 jund IIa 62-67, IIIa 58-61, IVa 00-00, dan. Bullen 60-65, bell. 0,00. 3,00-4,00. Teltower Rüben per 100 fb. 8-10. 2eiße Rüben, große 0,00. Note Rüben 4,00-5,00. Blumenkohl ital. Wirsingkobl Stalbfleisch, Doppelländer 100-125, Ta 85-95, IIa 68-82, Ila 00-00, 0,00, fleine Sammelfleisch Ia 62-72, IIa 46-60. per Storb 0,00-, 000. Stohlrüben per Schod 2,00-2,50, holländ. 45-60, dän. 55-65. Schweinefleisch 46-54. Rehwild, plomb. per Bfund 0,70-0,75. Rothirsch, do. ber 100 Pfd. 3,00-4,50. Rotkohl per 100 fb. 3,00-4,00. 0,45-0,54. Rothirsch Abschl. 55-59. Dambirich 0,00. Wildschweine 0,00. Frisch Weißkoht 100 Pfd. 1,75-2,75. Nosenkohl per 100 fb. 00-00. linge 0,00-0,00. Staninchen per Stüd 0,70-0,80. Sübner, alte, per Grünkohl per 100 B3fb. 10,00-15,00. Nthabarber 100 b. 10,00-16,00. do. II a 1,30, bo. junge 0,10-0,00. Wolga- Birnen, per 100 Bfd. hiesige 0,00, böhm. 15-22, ital. 28-35. Aepfel, per Stüd 1,50-3,50, bühner 1,40-1,65. Tauben 0,40-0,79, italienische 0,00. Enten per Stück 100 Bid., biefige 5-25, Tiroler, Stifte 30-60, Calville, Stifte 50-110, Stüd 2,50-3,00, dito Eis, per Stück 2,00-2,70, Hamburger per Stüd 0,00 Amerikanische in Fäff. 18,00-35,00, Stal., Stifte Ia 12,00-20,00, extra 18,00 bis 0,00,( Banse, Hamburger per Pfund 1,20, dito Gis- 0,56-0,60. bis 25,00. Zitronen, Messina, 300 Std 9,00-10,00, 360 Hechte per 100 Pfund 70-85, groß 61-62, matt 0,00 Bander mittel 0,00, 9,00-10,00, 200 Stüd 7,00-10,00. Apfelsinen, Jaffa, per ifte 0,00, Murcia Schleie. Holl. 0,90, bo. groß 0,00, do. 200 er Stifte 6-9, bo. 300 er 8-10 Valencia 420 er stifte 14-22,00, Straßenbahnunfall. In Croydom in der Nähe von London ist unjortiert 0,00, bo. matt 0,00. Male, groß 0,00, mittel 0,00, flein und mittel 0,00. do. 714 er 15-23,50, Messina, 100er 4,50-6, 150er 4,75-6, 16 er 8-13,00, am Montag ein mit Fahrgästen überfüllter elektrischer Straßenbahn- lein 0,00. Blögen, flein 0,00, 50. groß 0,00, do. 00-00. Starpfen 40-50er 200er 8-12, 300er 8-13, Blut 100er 6-7,50, bo. 150 er 6-8,00, 80 er wagen umgestürzt. 30 Personen wurden verletzt, darunter mehrere 0,00-0,00, bo. 50-70er 0,00, bo. 40er 66-68. Bleie 0,00. 2land 0,00. 6,50-8,00. Ital. in Körben per 100 Pfd. 0,00. Mandarinen, Stifte 0,75 tödlich. Bunte Fische 00-00. Barse, matt 0,00. Karauschen 0,00. Blau- bis 2,00, do. 100er, Stifte 4,00-5,00. Eix Eisenbahnunglück ereignete sich am Montagvormittag in un mittelbarer Nähe der Stadt Reims, bei dem 15 Personen schwer verlegt wurden, darunter fünf schwer, Lawinenstürze in Nordtirol. Während der Osterfeiertage sind in Nordtirol zahlreiche Lawinen niedergegangen. Bei Schönwies hat eine Lawine die Reichsstraße auf 100 Meter berschüttet, die Ufermauern am Inn beschädigt und eine Stauung des Flusses herbeigeführt. Bei Nassereith hat eine Lawine die Reichsstraße auf siebzig Meer sowie ein Haus verschüttet. Im Paznauner Tal find ebenfals mehrere Lawinen niedergegangen. Der Verkehr nach Galtür ist auf eine Woche unterbrochen. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Bublitum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater Mittwoch, den 3. April Anfang 7%, Uhr. Kgl. Opernhaus. Salome. Anfang 8 Uhr. Neues fgl. Operntheater. fchloffen. GeKgl. Schauspielhaus. Wilhelm Tell. Deutsches. Der Gott der Rache. Sammerspiele. Erwachen. Frühlings Leffing. Die Stüken der Geſellſchaft Neues Schauspielhaus. Hertas Hodzeit. Anfang 8 Uhr. Berliner. Der Hund von Baster. bille. Schiller 0.( Ballner- Theater.) Jugend. Schiller Theater Charlottenburg. Traumulus. Schiller N. Urania. Wissenschaftliches Theater. 4 Uhr: Am Golf von Neapel. ( Kleine Preise.) 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Vorbestraft. Donnerstag: Meißner Porzellan. Freitag: Vorbestraft. Sonnabend z. erstemmal: Der Dieb. Kleines Theater. Ein idealer Gatte. Abends 8 Uhr: Donnerstag: Nachtasyl. Freitag: Ein idealer Gatte. Sonnabend: Eine triviale Stomödie für seriöse Leute. Friedrich Wilhelm Lortzing- Theater. städtisches Theater) Das letzte Mittel. Komische Oper. Fauft's Ber bammung. Lorking. Der Wildschük. Zentral. Biener Blut.( Anfang 7 Uhr.) Weften. Die lustige Witwe. Kleines. Ein idealer Gatte. Neues. Borbestraft. Bellealliancestr. 7/8. Abends 7, Uhr: Der Wildschütz. Abonnements gültig! Donnerstag zum erstenmal: Einafter Abend: Die schöne Galathé." ,, Fritzchen und Lieschen." ,, 66." Residens. Saben Sie nichts zu Zentral- Theater. bergollen? Luftspielhaus. Husarenfieber. Deutsch- Amerikanisches. Nitouche. Thalia. Olympische Spiele. Nachtafyl. Luisen, Lenore. Trianon. Fil. Josette Frau. ( Operette.) Täglich abends 8 Uhr: Gastspiel des Gerrn Ed. Steinberger: Wiener Blut. Schiller- Theater N. meine Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater Abends 8 Uhr: Das letzte Mittel. Bernhard Rofe. Sherlock Holmes. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Herenfeld. Ein verrüdies Hotel. Wintergarten. Charlotte Wiehe. Spezialitäten. Apollo. Der Triumph des Weibes. Spezialitäten. Rafino. Nid Carter. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Eine Nacht in der Apotheke. Im Inspektionsgimmer. Figaro. Geschlossen. Intimes. Eine vom Ballett. Zapfenstreich. Prater- Theater. Geschlossen. Palast. Spezialitäten. Paijage. Mal was anderes. SpeBialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Residenz- Theater. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater), Mittwoch, abends 8 Uhr: Jugend. Liebesdrama in 3 Aufzügen von Mag Halbe. Donnerstag abends 8Uhr: Traumulus. Freitag, abends 8 Uhr: Im bunten Rock. Schwarzer Friedrichsberg. Fernsprecher Nr. 8. Schiller- Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Ubr: Traumulus. Schauspiel in 5 Atten von Arno Holz und Dstar Jerschke. Donnerstag, abends8u5r: Im bunten Rock. Freitag, abends 8 Uhr: Narrenglanz. Adler Frankfurter Chaussee 5. Jeden Sonntag im Königssaale: Großer Ball unter Leitung des Herrn O. Bürger. Jeden Mittwoch: 44162* Willy Walde- Sänger. Gebr. Arnhold. Zirkus Schumann Zirkus Busch. Heute Mittwoch, den 3. April 1907: Fortsetzung des Finale der großen internationalen Ringkampf- Konkurrenz um den Goldenen Kranz von Berlin". 10 000 Mark in Seute: Entscheidungskampf zwischen Albert Hein, Berlin und Rikler, Bürttemberg und bar. Mittwoch, 3. April, 7½ Uhr: Das vollständige große Ds Gala- Programm Neu: Geschwister Foureaux. Herr Ernst Schumann: Neudreffuren. Um 9 Uhr: ROM. Große Drig.- Ausst.- Pantomime in 7 Bildern. Besonders hervorzuheben: Die Todesfahrt über die zersprengte Brücke. X Radium- Ballett. X Feenhafte Licht- und Wasserspiele. ( Sr. Frankfurterstr. 132. Bum 43. Male: Entscheidungskampf swisen DERNHARD ROSE THEATER Laffartesse, Bordeaux und Jankowsky, Bolen. Gala- Programm und um 9%, Uhr: Robert de Trivelin: Rich. Allerander. St. Hubertus Direktion Richard Alexander. Anjang 8 Uhr. Haben Sie nichts zu verzollen? Schwant in 3 Aften v. M. Hennequin und B. Beber. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Vorher: Luisen- Theater WINGSARTEN Anfang 8 Uhr. Reichshallen. Stettiner Gänger. Leonore oder: Die Grabeshraut. Urania, Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Nachmittags 4 Uhr: Am Golf von Neapel. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Schauspiel mit Ges. in 3 Abteilungen von Karl v. Holteh. Morgen z. erstenmal: Lumpazi vagabundus oder: Das liederliche Seleeblatt. Freitag: Dorf und Stadt. Sonnabend 4 Uhr zu II. Breisen: Lumpazivagabundus. Berliner Theater. Metropol- Theater Anfang 8 Uhr. Der Hund von Baskerville. Donnerstag: Kean. Donnerstag, 11. April: Geschlossen. Vereinsaufführung der dramatischen Bereinigung: Ferdinand Bonn": Der junge Fri. Neues Schauspielhaus Abends 8 Uhr: Anfang 8 Uhr. Der Teufel lacht dazu 65 Cleo de Mérode Neues Programm. Kottbuser Große Jahresrevue in 7 Bildern Sanssouci, Straße 4a, von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender. Sonntag, 7. April, nachm. 8 Uhr: Herthas Hochzeit. Giampietro. Josephi. Donnerstag: Herthas Hochzeit. Auf in's Metropol. Lustspielhaus. pollo Täglich abends 8 Uhr: Husarenfieber. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Diil. Brummenftr. 16. Die Ahufrau. a Theater 9% Uhr Gastspiel des Original Bauern Hunde- Theaters Don E. Merians. Ein treulofes Weib. Abends 9: Schauspiel in 5 Atten v. Grillparzer. Der Triumph des Weibes. Anfang& Uhr. Entree 30 f. Ehren- und Borzugskarten gültig. Borber: Die Otto Sherlock Holmes. Detektivkomödie in 4 Aufzügen nach der Romanserie des Canon Doyle. Billettvorverkauf schon für 8 Tage vorher ohne Vorverkaufsgebühr bon 10-1 Uhr und von 6-9 Uhr an der Theaterkasse. Morgen: Sherlock Holmes. Gebr." Herrnfeldnjang Theater 11-2 ugr 8 Uhr. Uhr 57 Stommandantenstraße 57. Die stürmisch bejubelte Herrenfeldiade Ein verrücktes Hotel.it Komödie in 3 Aften mit Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Morgen: Dieselbe Borstellung. Direktion Wilhelm Reimer Kasino- Theater Sonnt., Mont., Donnerst.: Hoffmanns Norddeutsche Sänger u. Tanzkränzchen. Stets aktuelles Soiree Programm. Sonnt. Bg. 5, Wochent. 8 U. Jd. Dienst.: Theaterabend. Pritzkow. Münzstr. 16, Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien. Der Untergang des Dampfers Berlin". 168 Tote, 12 Gerettete. Donnerstag: Sängerin und Näherin. Spezialitäten Attraktionen. Den ganzen Tag Vorstellung. Freitag: Dia Ahnfrau. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Neu! ,, Nesemann" der beliebte aktuelle Humorist. Das vollständig neue April- Programm Nick Carter. Nid Carter, Detektiv: Dir. Hand Berg. Sonntag 4 Uhr: Ledige Leute. Folies Caprice Folies Caprice Linienstr. 132, an der Friedrichstr. Heute abend 8 Uhr: Eine Nacht in der Apotheke ferner Glänzender neuer Solotell und: Im Inspektionszimmer. Borverkauf an der Theaterkaffe und bei Wertheim. Deutsch- Amerikanisches Theater. Gesamtgastspiel Theater des Westens. Heute und jeden folgenden Abend: Mamselle Nitouche. Alma Succur und Edm. Löwe a. G. Walhalla Varieté- Theater Weinbergsweg 19/20, Stofenth. Tor. Heute abend 8 Uhr: Das neue April Programm. 10 10 Geni Family Pers. Pers. Circenische Spiele zu Pferde. Grete Gallus Charakter- Soubrette. 12 erstklassige Nummern 12. Passage- Theater. Jeden Abend 8 Uhr: Das großartige April- Programm! = Kita tafuku die beste Japaner Truppe der 2Belt. Paul Corradini Berlins beliebtester Komiker und die erstklassigen 14 Attraktionen 14. Intimes Theater Dresdenerstraße 97. Gastspiel des Palast Theater. Budapester Burlesken- Ensembles. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Heute 8 Uhr. Entree 50 Bf. Der brillante April- Spielplan. u. a.: Hassow u. Jenny Kugelläufer. Alcide und Alberti Luftakt. Die vier Cunas Damen- Quartett und 10 erstklassige Nummern. Familienfarten, wochentags zum halben Kassenpreis gültig, in Barbiers, Friseur u. Bigarrengeschäften gratis. Trianon- Theater. Anfang 8 Uhr. Fräulein Josette meine Frau. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die 臨 Liebesschaukel. Gustav Behrens- Theater. SchönebergBerlin W., Goltzstraße 9. Linée Wolf. Eine vom Ballett," " Zapfenstreich." Bunter Teil. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Neu: Ballettschule Klappermatz. Burleste F. Mensei. Anfang Wochentags 8 11hr. Sonntags 7 Uhr. Steidl Theater und Konzerthaus Brückenstr. 2( a. d. Jannow.Brücke.) Jubel! Jubel! Jubel! Bomben- Erfolg Büro Piepenbrink und des neuen April. SpezialitätenProgramms. Dröhnenden Beifall findet das Terzett: Wiener Fiaker, Berliner Droschkenkutscher und Straßenbahner. Nur noch wenige Aufführungen„ Der Der 16. August. 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Wahlvereins, dem Herrn Chef, Kollegen und Orts- Krankenkaffe des Korbmacher- Gewerbes zu Berlin. Montag, den 8. April d. J. abends 8 Uhr, Engel- Ufer 15, Saal 8: Kolleginnen der Mechaniffabrit Ordentl. General- Versammlung. Beet unseren innigsten Dant. Die trauernden Hinterbliebenen. A. Hoenicke. Kran- und Blumenbinderei von Robert Meyer, nur Mariannen- Straße 2. In u. Kolonien Zages Drdnung: 1. Kaffenbericht. 2. Bericht der Kommission zur Prü fung der Jahresrechnung. 3. Bericht des Borstandes. 4. Ersagwahl eines Vorstandsmit gliedes( Arbeitnehmer). 289/1 Achtung! I Achtung! Damen- Konfektion Wähler des 39. Kommunal- Wahlbezirks! direkt aus der Fabrik. Mittwoch, den 3. April, abends 8%, Uhr: Wähler- Versammlung in den ,, Germania- Sälen", Chausseestr. 103( weißer Saal). Tages- Ordnung: Kein Laden! Nach beendeter Engros- Saison auch Einzelverkauf enorm billig Bahleiches und pünktliches Gr1. Die Bedeutung der bevorstehenden Stadtverordnetenwahl. Uebergangs5. 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Branche der Vergolder. Heute Mittwoch, den 3. April cr., abends präzise 8 Uhr, im Lofal von Manschke, Blumenstr. 38: 11. Vertrauensmänner- a. Kommiffionsfibung der in naturpolierten Holzleiften beschäft. Kollegen. Erscheinen der Branchenkommissionsmitglieder erwünscht. Der Branchenleiter. Die Vertrauensmänner- Versammlung der Stellmacher findet nicht am Mittwoch, den 3. April, sondern am Dienstag, 9. April, bei Wohlfahrt, Rosenthalerstr. 57, statt. Die Kommission. Stock- u. Zelluloid- Arbeiter. Mittwoch, den 3. April, abends 6 Uhr, bei Bareinz, Brandenburger Ufer 6: Vertrauensmänner- Sitzung. Wegen der wichtigen Tagesordnung ersuchen wir die Kollegen aus den größeren Werkstätten, sämtliche Vertrauensleute zu schicken. J. A.: Der Obmann. Jalousie- Arbeiter. Heute Mittwoch, den 3. April, abends 8, Uhr, bei Türinger, Brinzenstraße 9: Vertrauensmänner- Versammlung. Der Obmann. Branche der Korbmacher. Mittwoch, 3. 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April 1907, abends 8%, Uhr: Versammlung im„ Englischen Garten", Alexanderstraße Nr. 27c. Tagesordnung: Stellungnahme zur Lohnbewegung. Mitgliedsbuch legitimiert! Ohne dasselbe kein Eintritt! 54/ 8* Der Vorstand. Achtung! Herren- Maßschneider. 163/14 Mittwoch, den 3. April, vormittags 10 Uhr, in der Brauerei Friedrichshain: Mitglieder- Versammlung. Schneider! Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortsverwaltung. Donnerstag, den 4. April, abends 8%, Uhr: Versammlung der Zwischenmeister- Gesellen:: im Klubhaus", Kommandantenstr. 72. Tages Ordnung: 163/18 Die Bewegung in der Maßbranche und unsere Stellung dazu. Bflicht eines jeden Kollegen ist es zu erscheinen und für guten Besuch Der Einberufer. zu forgen. Marken). pr. 8tr. 92 Pf. , la Diamant 120 Std.) la Jlje u. Afiv. ( 110 bis . 97% f. 1,00 M. la Anthrazit Cadé p.3tr. 2,25m. Koks, Steinkohlen usw. zu den billigsten Tagespreisen. Anlieferung frei Steller je nach Duantum pr. 8tr. 10-15 Bf. mehr. 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Dumawahlen und die Taktik der russischen Sozialdentofrafie. Bon A. Linitsch( Petersburg). Unsere Taktik und die christlichen Gewerkschaften. Bon Hermam Sachse( Bochum). Rassenhygiene und Sozialismus. Von Jda Olberg Rom). Literarische Rundschau: Otto Bittner, Desterreichische Porträts und Charaktere. Von c. 1. f. Die Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buchhandlunger, Bostanstalten und Stolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Duartal abonniert werden. Das einzelne Heft tostet 25 Pf. Brobanummern stehen jederzeit zur Verfügung. " Mittwoch, 3. April 1907. jahresbericht der Bertrauensperson der Genossinnen Alstadens( Rheinland). Gedichte„ Hymne an das Schwein"," An der Waterkant" von Baul EnderEine gründliche Abrechnung mit den bürgerlichen Damen in Hamburg. ling, Der Unsichtbare"," Die Binde der Justitia"," Deutscher Frühling", Nachtlänge vom Wahlkampf. Die Behörden im Stampfe gegen die Die neuen Dessauer"," Ungarische Politik" und außer zahlreichen fleineren proletarischen Frauen. Politische Rundschau. Von H. B. Gewerkschaft- Beiträgen noch die Novelle" Der Deserteur" und das satirische Feuilleton Genossenschaftliche Rundschau. Von H. Fl. Die orientalische Phantasie". Der Preis der 12 Seiten starten Nummer Notizenteil: Dienstbotenfrage. Frauenstimmrecht. Gewerkschaftliche ft 10 Pf. Arbeiterinnenorganisation. Duittung. Feuilleton: Das Konfirmationsleid. Von Otto Erich Hartleben.( Gedicht.) Ein Stelldichein. Bon Swan Zurgenjeff. Für unsere Mütter und Hausfrauen: Ausblid. Bon Heinrich Heine.( Gedicht.)- Wunden und Spaltpilze. Von Hanna Dorsch.- Der Das Totendenkmal von Bartholomé. Stationen Bettler. Bon Leon Holly.( Gedicht.) Bon M. G. Witterungsübersicht vom 2. April 1907, morgens 8 1hr. Barometer. stand mm Wind. richtung Windstarle Die Gleichheit erscheint alle 14 Tage einmal. 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Säuglings- dowsty Hebe"," Das Ende vom Lied", Bülow und die Arbeiter", Aus Fürsorgestellen. Bon P. H. Aus der Bewegung: Von der Agitation. dem Birtus Stolypin", Der Herr Möbelfabrikant"," Ein neues WandBm den Organisationen. Jahresberichte der weiblichen Vertrauens- gemälde für das Kolonialamt in Berlin", Studt und Volksschullehrer", berfoten von Bernburg, von Burg und von Hohndorf- Rödlik. Halb- Nächtlicher Sport in Berlin". Der tertliche Teil der Nummer enthält die T Better Zemp. n. T. 56.4° R. Stationen Barometer. stand mm Wind. richtung Windstärke Better Temp. 11. C. foto 01956 wolfenl-1 2 bedeckt 749 753 SSD 755 Still 5 wolfig 2 Nebel heiter 3 wolfig 5 Haparanda 762D 3 woltig 5 Betersburg 764 Still 2 wolten! 4 Scilly 2 wolkenl 7 Aberdeen 2 wollen! 2 Paris 762D 1 molten! 3 Wetter- Prognose für Mittwoch, den 3. April 1907. Etwas wärmer bei ziemlich lebhaften südöstlichen Winden und langsam zunehmender Bewölkung; teine oder unerhebliche Niederschläge. 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Mitgliedschaft I des Zentralverbandes der Handels-, Transport-, Verkehrsarbeiter u. Arbeiterinnen Deutschlands. Nachruf. Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß Kollege Karl Pohl verstorben ist. 71/5 Die Beerdigung fand bereits am Ostersonntag statt. Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung I. A.& H. Erbitte weitere Nachricht. Tobes Anzeige. Seinen vielen Freunden zur Nachricht, daß mein lieber Mann, der Billardtischler Bruno Maiwald nach langer Krankheit in seiner Helmat am 26. März im Alter bon 38 Jahren gestorben ist. Mit der herzlichen Bitte um ftilles Beileid Die tieftrauernde Witwe Anna Maiwald geb. Gohlke 25876 nebst Kindern. Db.- Langenau, Kr.Löwenberg, Schl. Deutscher Holzarbeiter- Verband Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Stod. arbeiter am Emil Nikolaus Nachruf. Am Sonnabend, den 30. März, berstarb nach langen Leiden unser Kollege, der Rohrleger 25865 Wilhelm Lehmann. Ehre seinem Andenken. J. A.: Zedler. Moritz. Ashölter. Danksagung. Für die ehrende Beteiligung an der Bestattung unseres teueren Ber schiedenen, des Webschullehrers Hermann Wolff sagen wir hiermit allen Teilnehmern herzlich Dant 25945 Familien Wolff und Henning. Dantjagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes fage ich allen Freunden, Berwandten und Bekannten, insbesondere dem Deutschen Holzarbeiter- Berbande und den Kollegen der Werkstatt Wegeleben meinen herzlichsten Dank. Frau Elise Hannig und Sohn. 25846 britten Feiertag beerdigt Dr. Simmel worden ist. 84/1 Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Hedwig Zeitel geb. Reimann sage ich allen Teilnehmern, ins besondere den Kollegen vom Deutschen Holzarbeiterverbande der Bahlstelle Spandau meinen herzlichsten Dant. Karl Zeitel. 25526* 25905 Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. 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